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THIERSEUOHEN
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PAllA^rJ^NKUAiNKMEITEN
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LANDWIRTE UNI) STUDIERENDK
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IIU(H) KASTKNHAr.M.
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MIT 39 ABBILDUNGEN IM TEXTE.
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K. U. K. HOF- IJNMraquo; IFNIVERSITÄTS-BUCHHÄMILEU.
1899.
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GRUNDRISS
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THIERSEUCHEN
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PAEASITEMRANKHEITEN
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LANDWIRTE UND STUDIERENDE
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HUGO KÄSTENBAÜM.
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MIT 39 ABBILDUNGEN IM TEXTE.
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1 WERGENEESKUNDE J k. Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; UTRECHT
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WIEN UND LEIPZIG W I I. II E I. M li R A IT INI Ü 1.1.1-: R
K. ü. K. HOF- UND tnilVEBSITÄTS-BUCHHANDLEK. 1899.
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A T. L E K EC II T K VO B B E II A I. Iquot; B X.
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DRUCK VnN KUtKiminH .lASl'Kli IN WfEN.
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Vorwort.
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Motto: Üic Natur Ueilt durch stillen, imabiassigerj Gebranch ihrer Kräfte. IIitl' Ucdicinen sind Lnft, Wärme, Futter, Wasser and Schlaf, (leren Anwendung \raquo;gt;iu Instincte vorgeschrieben werden. Der beste Ar/.t ist daher der Mann, welcher den Sesctaen der Natur die graute Boachtungschenkt.
Das Gebiet der Laiulwiitsclialt ist heute scliuii so aus-gedehnt, dass es selbst den strebsamsten Landwirt zu besonderem Pleiße herausfordert, soll er dasselbe vollkommen beherrschen. Nun aber umfasst dieses große Gebiet am-h Zweige, die. obwohl sehr wichtig, für den Landwirt dennoch erst an /weiter Stelle kommen; diesen kann der praktische Ökonom nicht viel Zeit widmen, sondern er muss sich begnügen, dieselben sich nur soweit anzueignen, als es für ihn unumgänglich nothwendig ist. Einer der wichtigsten dieser Zweige ist unstreitig die Thierheii-kunde, lehrt sie doch die Gesunderhaltung unserer Hausthiere und deren Wiederherstellung bei Erkrankungen, was gleichbedeutend ist mit der Erhaltung eines ansehnlichen Theiles unseres Betriebs-capitals; denn jedes erkrankte Nutzthier verursacht ein Stocken in der Production, jedes vorzeitig mngestandene Thier einen Verlust des umlautenden Betriebscapitals.
Beim Studium der Thierheilkunde muss sieh der Landwirt vor Augen halten, dass es vollkommen genügt, wenn er es soweit bringt, dass er überhaupt erkennt, ob ein Thier krank ist, und dass er die Vorschriften des Thierarztes mit Verständnis nichl wie der erste beste Kutscher mechanisch ausführen kann. Das trägt viel zur Erleichterung der Arbeit, des Thierarztes bei und zur Ausführung einer gelungenen Cur.
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VI
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Vorwort.
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Von diesen! Standpunkte ausgehend, habe ich es unternommen, dieses Werk zu sehreiben, wobei ich aber nur den für den Landwirt wichtigsten Thell der Thierheilkunde berausgehoben habe. nämlich: DieThierseuchenlehre. Die Kenntnis der intercurrierenden Krankheiten, der Chirurme u. s. w. ertui-dert soviel Stiidimn und
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fast Doch mehr Übung, dass es für (
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len Landwirt ein fruchtloses
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Beginnen ist. sich in seinen Mußestunden der gesaramten Thierheilkunde zu widmen; er bringt es höchstens zum Curpfuseher. Anders steht es mit den Invasions- und Infectionskrankheiten. Durch diese ist gewöhnlich oder häufig der gesammte Viehstand oder ein großer Theil desselben gefährdet, so dass es um enormen Verlusten vorzubeugen absolut nothwendig ist, dass der Landwirt diese zum Grltick verhältnismäßig wenigen Seuchen
genau kennt, und zwar sowohl die Sympto.....Jeder einzelnen, als
auch die Ursachen, und hauptsächlich die prophylaktischen Maßregeln, die bei drohender Verseuchung zu ergreifen sind. Rechtzeitig angewandte Prophylaxis iial schon so manchen Viehstand vor greulichem Untergang gerettet.
Dieses Werk erhebt absolut keinen Anspruch auf Vollständigkeit, im Gegentheil, es ist nur ein Auszug des wichtigsten und für die Praxis notwendigsten aus dem ganzen Gebiete der Thierseuehen.
Möge ihm eine freundliche Aufnahme besehieden sein!
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Essegg, im Jahre 1898.
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Inhalt.
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Vorwort.........
Inhalt..........
Einleitung........
Gesundheitsbodingungen .
Entzündung......
Fieber ........
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Ailgemeinc Grundxwecke ili Allgemcinci' Theil .....................
Impfung...........#9632; . . . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.......
Specicller Theil.......................
1.nbsp; nbsp;Milzbrand, Anthrax...................
2.nbsp; nbsp;Pocken, Blattern, Variolac................
Poeken der Pferde, Variola equina (Sehutzmanke, echte Mauke) Euhpocken, \Tariola vaceina...............
Kuhpockenimpfung...............
Poeken der Schafe....................
Pocken der Schweine, Variola snilla...........
3.nbsp; nbsp;Bläschenaussehlag an den Gesehlechtstheilen ........
4.nbsp; nbsp;VVuthkrankheit, Lyssa, Rabies...............
Das Pasteur'sehe Sehutzimpfirngsverfaliren..........
I)as Buisson'sehe Verfahren...............
ö. Pyämische Gelenkentzündung der Säuglinge, Lähme ...
6.nbsp; nbsp;Ruhr, Dyscntcrir....................
7.nbsp; nbsp;Tnbereuloso . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.................
Tubercnlosc der Rinder, Pcrlsucht.............
Tubereulosc der Sehweine.................
Tubereulose boi anderen Thieren .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;...........
8.nbsp; nbsp;Maul- und Elanenseuchc, Aphthae il|ii/.igt;oti('iic.......
9.nbsp; nbsp;[nfeetiöses Verwerfen..................
10.nbsp; nbsp;Rotzkrankheit, Malleus.................
11.nbsp; nbsp;Brnstseuche der Pferde, Pleuropnonmonia eontagiosa.....
12.nbsp; nbsp;Pferdestaupe, Pebris catarrhalis epldemica Equoruni .....
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Vlll
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Inhalt.
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13.nbsp; Pferdctyphus, Blutfloekenkranklieit, Movbus maoulosu
14.nbsp; Beschälscuuhe, Zuchtlähme, Lues vcneri Equi
15.nbsp; Druse der Pferde, Morbus glandulosu
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147 1Ö3 159 166 177 181 189 200 202 211 218 224
22:.
232 234
23S 241 243 248 253 204 262 265 266 268 273 977
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IP.nbsp; Lungenseuiihe, Pleuropneumonia bonin coin
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ilosa
talfieb
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17.nbsp; Kopfkrankheit der Rinder, bösartiges Katar
18.nbsp; Rauschbrand, Emphysema infeetiosum
19.nbsp; Rinderpest, Pestis bovina.....
Pest der Schafe iinlaquo;! Ziegen ....
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20.nbsp; Stiibehenrothlauf (Rothlauf) dor Sehwe
21.nbsp; Schweineseuchc........
22.nbsp; Schweinepest........
Invasions- oder Parasitenkrankheiten
1.nbsp; lindikranklicit. Taiimolsiu-Iit . . .
2.nbsp; Bnndvvurmseuehe der Lännner . . . '1. Kc-hinoi-oeci'tikraiikhoit ......
4.nbsp; Finnenkrankheit der Sehweine . . .
5.nbsp; Finnenkrankheit der Rinder ....
6.nbsp; Lcbcregelkrankheit, Leberfönle . . .
7.nbsp; Lungenwitrmkrankheit ......
8.nbsp; Magenwnrinseuehc der Schafe . . .
9.nbsp; Trichinenkrankheii der Sehweine . .
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UlQO, Krat/.i'.........
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Sarcoptesrändc.........
Dermatocoptesrände.......
Dermatopha.gusräude......
11. Breinsenschwindel, Schleuderkrankheit der Schaflaquo; Sachroirister.....
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Einleitung'.
Die Frage nach dem Ursprünge des Lebens kann nian nur (lurch eine mehr oder weniger wahrscheinliche Hypothese beantworten. Die eine, am aligemeinsten bekannte, ist die Sehöpfungs-hypothese. Dieselbe stützt sieh auf die altehrwürdige Urkunde der Juden, in welcher es heißt: raquo;Und Gott sprach: es errege sieh das Wasser mit webenden und lebendigen Thieren und mit Gevögel, das anf Erden unter der Teste des Himmels fliege u. s. w. laquo; Darnach sind durch das Machtwort eines über der Katar stehenden Wesens hochorganisierte Thiere ins Dasein gerufen.
Nach einer anderen Annahme sind die ersten Organismen aus dem Welträume auf die Erde gelangt. Es ist doch bekannt. dass im Welträume eine Menge im Entstehen begriffener Himmelskörper herumschweifen, die manchmal der Erde so nahe kommen. dass sie auf dieselbe herabfalisn. Diese Sternschnuppen oder Meteorsteine sollen die Träger des organischen Lebens sein und unsern Planeten von anderen Gestirnen gleichsam damit inficieren.
Nach einer dritten Annahme haben die ersten Lebewesen aus anorganischer Materie ihren Ursprung genommen. Diese Hypothese erklärt nach unseren heutigen Kenntnissen die Entstehung der ersten Lebewesen am besten und einfachsten. Man nennt eine solche Entstehungsweise: Erzeugung (Generatio aequivoca. Antogonie). Die Annahme einer Erzeugung hat die ifieiste Berechtigung und ist heute auch die verbreitetste. Diese Umwandlung anorganischer Substanz in organische fand unter Bedingungen statt, welche wir nicht zu beurtheilen vermögen und die nach unseren Erfahrungen in der Jetztzeit nicht zu verwirklichen sind.
Kft ston bau in, Grundriss tlor Tliierseuchen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;]
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Einleitung.
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Und dennoch ist es der Unterschied in derverschiedenen Zusammensetzung organischer und anorganischer Substanz, dm man hervorhebt, wenn man die lebenden Naturkörper den todten gegenüberstellt. Dieser selieinbare Widerspruch muss deshalb kein wirklicher sein, weil es bisnun noch nicht gelang, lebende Substanz durch ehemische Zusammensetzung herzustellen, denn diese Ohnmacht behauptet man auch noch manchen anorganischen Stoßen gegenüber. Kurz, wir müssen das Leben als etwas Gegebenes hinnehmen und uns damit begnügen, den Lebensbedingungen und Lebenserscheinungen nachzuforschen, ein Bestreben, bei welchem wir gleichfalls noch vielfach auf unsicheren Füßen stehen.
Wenn wir uns von den uothwenuigsten Lebensbedingungen der Thiere ein Bild entwerfen wollen, so liegt wohl die Frage zunächst: -Was ist Leben?laquo; Würde mau diese Frage in ihrem ganzen Umfange beantworten können, so stünde nichts mehr im Wege, auf künstliche Weise lebende Wesen zu erzeugen. In dieser Unfähigkeit aber liegt ja gerade das große Räthsel der Physiologie. !So müssen wir denn obige Frage dahin beantworten, dass mau unter Leben eine Summe von physikalischen und chemischen Vorgängen verstellt, welche sich an gewissen materiellen Einheiten vollziehen. Damit leugnen wir zunächst jene mystische Lebenskraft, welche in früherer Zeit im Mittelalter heran-o-ezoo-eu wurde, um den Bewegungserscheinuneen im Organismus Ausdruck zu geben. Es muss also wohl die Materie sein, welche die Berechtigung gibt, organische und anorganische Naturkörper einander gegenüberzustellen. Und dennoch merken wir. dass es in Wirklichkeit keinen chemischen Grundstoff gibt, welcher dem Organismus eigenthümlich ist: alle Elemente, welche in den Aufbau eines Thieres (und auch der Pflanze) eingehen, finden sich auch in der todten anorganischen Natur. Es sind nicht die Grundstoffe selbst, welche organische und anorganische Materie zu unterscheiden erlauben, sondern lediglich die Art und Weise ihrer Vereinigung in den beiderlei Naturkörpern. Dadurch folgt wieder ein verschiedenes Verhalten der letzteren gegenüber der Außenwelt. Die anorganischen Körper befinden sich in einem Zustande beharrlicher Ruhe: die einzelnen Theile ihrer gleichmäßigen
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Einleituüg.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
Masse l)lei)jeii solange im ruhigen Gleichgewichte ihrer Kräfte, als nicht äußere Einflüsse die Einheit des Ganzen stören. Die Organismen dagegen befinden sieh in einer Form von Bewegung, welche im beständigen Wechsel der inneren Theile mit Stoffen der Außenwelt hervortritt: sie entwickeln sich, ernähren sich. pflanzen sich fort und sind meist aus ungleichartigen Theilen zusammengesetzt. Diese Unterschiede beruhen eben auf nichts anderem als auf der Vereinigung der chemischen Grundstoffe, welche in den Organismen eine andere ist als in den anorganischen Körpern. Demnach sind die ersten Lebensbedingungen der Organismen in ihrem Aufbau selbst zu suchen: man bezeichnet diese zum Gegensatze zu den äußeren, als innere Lebens-liedingii ngen.
Von den Grundstoffen des Organismus nimmt der Kohlenstoff eine ganz besonders wichtige Stellung ein: er bildet die organischen Verbindungen, die in Jedem Organismus vorhanden sind. Unter diesen organischen Verbindungen behaupten die erste Stelle die Eiweißkörper, deren molleculäre Zusammensetzung noch in Dunkelheit gehüllt ist. Das Eiweiß als Protoplasma ist die Grundlage einer jeden Zelle, es kann deshalb mit Recht als das Substrat des Lebens bezeichnet werden. Außer diesem sind für die Organismen von größter Bedeutung die stickstoffreien Fette und Kohlehydrate.
In der chemischen Zusammensetzung erkennen wir also die erste Bedingung der lebenden .Materie. Dadurch, dass die organische Substanz festflüssig ist. wird eine eigene Art des Wachs-ihums bei Lebewesen bedingt: sie wachsen nicht nur durch Anlagerung, sondern auch durch Einlagerung (Intusussception). Hieraus ist es erklärlich, dass die organischen Formen nicht von geraden Flächen begrenzt werden, sondern eine sehr wechselnde (iestalt aufweisen.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen Organismen und anorganischen Körpern tritt uns darin entgegen, class die ersteren sich aus verschiedenen einander untergeordneten Einheiten aufbauen, während die letzteren aus einer gleichmäßigen Masse bestehen. Die einfachste dieser Einheiten ist die Zelle. Diese
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4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Einleitung.
Elementarorganismen sind es, die jene Leistungen vollziehen, welche in ihrer Gesammtheit die Lebenserseheinungen der Organismen ausmachen; diese nehmen Nahrung auf, wachsen, pflanzen sich fort, empfinden und bewegen sich, und von diesen nehmen auch die Thätigkeiten des Geistes ihren Ausgang. Die Zellen lagern sich zunächst zu Geweben aneinander, welche wiederum die Organe und Organsysteme bilden. Ein organisches Wesen wird nur dann functionieren können, wenn die einzelnen Organe in arehöriffer Weise zusammenwirken, und deshalb haben wir eine innen1 Lebensbedingung in der für jede Thierform charakteristischen Organisation zu erkennen.
Ein Naturkörper, welcher die im vorhergehenden hervorgehobenen Eigenthümlichkeiten besitzt, welcher aus höheren Kohlenstoffverbindungen besteht, mit der Außenwelt einen Wechselverkehr unterhält, aus verschiedenen einander untergeordneten Einheiten zusammengesetzt ist. ein solcher Naturkörper wird Organismus genannt, d. h. er besitzt infolge der Anordnung seiner Stofftheilchen und der in denselben waltenden Kräfte die Fähigkeit zu leben.
Besser bekannt als die inneren sind die äußeren Lebensbedingungen der Thiere. Die wesentlichsten äußeren Lebensbedingungen bestehen in der Herstellung des Gleichgewichtes zwischen Einnahme und Ausgabe bei der Haushaltung im Organismus, in der Zufuhr von Nahrungsstoffen im weitesten Sinne des Wortes. Darunter fassen wir zusammen: 1. feste Nahrung: 2. flüssige Nahrung oder Wasser: 3. gasförmige Nahrung oder Sauerstoff: dazu kommen noch andere wichtige Lebensbedingungen, wie: 4. Wärme, und für die von uns in Betracht kommenden Thiere: 5. Licht. Betrachten wir nunmehr diese Lebensbedingungen etwas näher.
Das Thier bedarf vor allen Dingen organischer Substanz zu seiner Ernährung, weil es nicht imstande ist, solche im eigenen Körper aus anorganischen Stoffen zu bilden. Dies ist die Fähigkeit der Pflanzen, daher stammt alle thierische Nahrung aus dem Pflanzenreiche und wird entweder direct aus demselben aufgenommen oder durch Vermittlung anderer Thiere. welche ihren
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Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
Körper in dieser Weise aufgebaut haben. Für die einzelnen Thiere sind jedoch die Nahrungsmittel sehr verschieden: das eine lebt von lebenden, das andere von abgestorbenen Stoffen, das eine frisst bloß Pflanzen, das andere bloß Thiere u. s. w. Dadurch wird eine große Verschiedenheit in der Organisation der Thiere bedingt. So seben wir bei Wiederkäuern wozu doch der größere Theil unserer landwirtschaftlichen Hausthiere zählt breite, stumpfe Zahnkronen zum Zennablen von Pflanzennahrung; ein seitlich verschiebbares Kiefergelenk, einen zusammengesetzten -Magen und sehr langen, dünnwandigen Dann, währenddem z. B. beim Hunde die Schneidezähne scharf sind, die Eckzähne spitzig und die Backenzähne ebenfalls spitz und höckerig. Dabei ist das Kiefergelenk sehr fest, die Kaumuskeln kräftig entwickelt, der Darm dickwandig und verhältnismäßig kurz.
In jedem Nahrungsmittel müssen aber bestimmte Stoffe sein, die das eigentlich Ernährende sind: dies sind in erster Linie jene Substanzen, aus denen der thierische Körper zusammengesetzt ist, also Eiweißstoffe, Kohlehydrate und Fette. Außer diesen drei Gruppen sind jedoch auch eine Eeihe anorganischer Körper für die Ernährung von größter Wichtigkeit: diese sind theils in den übrigen Nahrungsmitteln enthalten, theils weiden sie gesondert aufgenommen. Im allgemeinen hängt mit der Nahrung die gesammte Organisation enge zusammen, so dass die Veränderungen der gewohnten Nahrung nur beschränkte sein können. Nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität der Nahrung inuss als wichtige Lebensbedingung berücksichtigt werden. Im allgemeinen kann man sagen, dass die Nahrungsmenge bedingt wird: 1. durch die Körpermasse eines Thieres und 2. durch die Energie der Lebensthätigkeit. Ein großes Thier braucht absolut mehr Nahrung als ein kleines; besitzt jedoch letzteres eine größere Lebensintensität als ersteres. so wird es einen relativ größeren Ersatz für den Verbrauch herschaffen müssen als dieses. Ein Pferd, welches unthätig im Stalle steht, braucht weniger als ein solches, welches den ganzen Tag im PHuge arbeitet. Es ist eine gewisse Menge Nahrung noting, damit sich das Thier wohl fühlt: man kann dies als das Nah-
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(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung.
rungsoptimuni bezeichnen. Wird dieses nicht erreicht, so muss das Thier noch lange nicht zugrunde gehen, sondern der Nahrungsmangel wird sich auf verschiedene Welse äußern: manche Thiere bleiben dadurch klein, auch verkümmert, während bei
anderen durch zu geringe Nahrung eine eigene Rasse gebildet wird. So berichtet v. Mathusius. dass eine reichliehe Fütterung in der Jugend bei Schweinen einen kurzen, dicken Kopf veranlasse während kärgliche Fütterung das entgegengesetzte Resultat erzeugt. Nicht selten wird durch Nahrungsmangel die Fähigkeit der Fortpflanzung vermindert oder gänzlich aufgehoben.
Die nächste wichtige Lebensbedingung ist das Wasser. Ohne dieses ist sowohl der Stoffwechsel als auch die Function aller einzelnen Organe unmöglich. Mit dem Wasser werden auch anorganische Stoffe aufgenommen, die für den Körper von großer Wichtigkeit sind. Auch des Wassers bedarf das Thier einer gewissen Menge; wird sie dem Thiere nicht geboten, so stellt sich das Gefühl ein, welches wir Durst nennen. Derselbe ist ebensowenig auf die Mundhöhle allein beschränkt, wie der Hunger auf den .Magen, sondern ist eine Reaction des gesammten Organismus.
Die dritte nothwendige Lebensbedingung ist die Luft. Die atmosphärische Luft ist bekanntlich kein einfaches Gas, sondern ein Gemenge mehrerer in bestimmtem Verhältnisse. Sie besteht aus 21% Sauerstoff (Oxygenium) und 79% Stickstoff (Nitro-genium), wozu noch kleine Mengen von Kohlensäure und Wasserdampf kommen. Diese Theile sind keineswegs in gleichem Grade bedeutungsvoll für das thierische Leben, die Kohlensäure würde sogar in großen Mengen von todtlieber Wirkung sein. Das eigentliche Lebensgas ist der Sauerstoff. Der Wechselverkehr der Thiere mit dem Sauerstoff wird ganz allgemein als Athmung bezeichnet. Dieselbe besteht darin, dass das Blut Sauerstoff in sich aufnimmt und dafür die Kohlensäure, welche sich durch die Lebensprocesse gebildet hat, nach außen abgibt. Diese Aufgabe fällt bei den von uns in Betracht kommenden Thieren bestimmten Organen zu, welche man Lungen nennt. An dem Wechselverkehr mit der Luft hat außer den Lungen auch die Haut Antheil, und zwar sind es besonders die mit einem weichen Oapillarnetze um-
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Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
sponnenen Schweißdrüsen, die diesen Process vermitteln. Der Bedarf an Sauerstoff, welchen ein Thier hat, ist in ähnlicher Weise wie die zum Lehen erforderliche Nahrungsmenge von der Energie der gesammten Lebeasthiltigkeit abhängig-. In dieser Beziehung macht sich ein Unterschied geltend zwischen Wachen und Schlafen. Arbeiten und Ausruhen, höhere oder niedere Temperatur der Umgebung und Nahrungsaufnahme oder Hunger.
In der festen Nahrung, dem Wasser und dem Sauerstoffe haben wir drei Bedingungen kennen gelernt, ohne welche kein thierisches Leben denkbar ist: nur durch den fortdauernden Wechsel verkehr mit diesen Dingen der Außenwelt vermag der Organismus zu funetionieren. Aber auch noch in anderer Weise sind die Thiere von ihrer Umgebung abhängig. Dieselbe muss eine gewisse Wärme besitzen. Die Grenzen in der Temperatur, zwischen welchen thierisches Leben möglich ist. gehen sehr weit auseinander: es ist kaum möglich, ein absolutes Maximum oder Minimum anzugeben, wo der Tod unfehlbar eintritt, und das Optimum liegt für die verschiedenen Thiere in sehr ungleicher Weise zwischen jenen Extremen. Nach den heutigen Erfahrungen werden dahei jene Thiere unter den günstigsten Verhältnissen leben, welche unter sonst günstigen Bedingungen einer möglichst geringen Temperaturschwanknng unterworfen sind.
Mit der Wärme, die wir doch größtentheils von der Sonne erhalten, sendet uns diese zugleich Licht herab. Obzwar das Licht für viele Thiere völlig entbehrlich ist, müssen wir dennoch anerkennen, dass dasselbe für die von uns berücksichtigten landwirtschaftlichen Haustbiere eine nothwendige Lebensbedingung bildet.
In den näher besprochenen Verhältnissen und ihren Wechselverkehr mit den Thieren haben wir die Bedingungen kennen gelernt, ohne deren Zusammenwirken das Leben auf längere Zeit. unmöglich bestehen kann. Aber selbst wenn alle günstigen Bedingungen zusammenwirken, muss dennoch ein jedes Thier früher oder später wieder in die Elemente zerfallen, aus denen sein Organismus aufffebaut war. So ausgedehnt auch die Grenzen der Lebensdauer sind, endlich werden sie doch erreicht: der Tod alles Lebendigen ist eine Naturnothwendigkeit.
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8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung.
Die Lebensbedingungen sind wie wir raquo;ihm #9632; sehr variabel und sind auch demgemäß die Lebensvorgänge, welche durch erstere hervorgerufen wurden, nk-lit immer die gleichen. Das thierische Leben macht sich durch gewisse Erscheinungen bemerkbar, welche Lebeuserseheinungen heilJen: diese äußern sich in der Fiitterauthahme. Verdauung, Athmung, Blutkreislauf, Empfindung, Bewegung und Vermehrung. Gehen die Lebenserscheinungen ruhig und gleichmäßig vonstatten, und kann das Thier die Lebensbedingungen ändern, d. h. sich denselben anpassen, so besteht der Zustand, den wir raquo;Gesundheitlaquo; nennen. Also ist Gesundheit das Gleichgewicht der alisremeinen Func-tionen und das Vermögen der Elementartheile. ihre Beziehungen zur Außenwelt zu regeln.
Die Gesundheit gibt sich bei den Thieren durch verschiedene Zeichen zu erkennen: so zeigt das gesunde Thier rege Fresslust, das Futter wird gut gekaut, der Bissen leicht verschlungen: das Athmen ist ruhig, Puls- und Herzschlag gleichmäßig. Die Ausscheidungen sind regelmäßig und normal, die Haut zeigt gleichmäßige Temperatur an ihrer Oberfläche, die nur an den Extremitäten etwas niederer ist, außerdem ist das gesunde Thier empfindlich und aufmerksam gegen Vorgänge in der Außenwelt.
Bei Beurtheilung der Gesundheit eines Thieres wird man folgende Punkte wahrnehmen müssen :
1.nbsp; nbsp; Der Ernährungszustand. Bei gutem Ernährungszustände zeigt das Thier abgerundete Formen, Fettpolster und eine starke, derbe, gut entwickelte Museulatur. In einem wendet man sein Augenmerk der Haut und dem Haare zu. Das Haar sei glatt, anliegend und glänzend: beim Schafe die quot;Wolle weich, geschmeidig und enthalte reichlich Wollfett. Die Haut sei elastisch, lasse sich leicht vom Bindegewebe abheben und zeige überall außer an den Extremitäten und Ohren gleiche Temperatur: die nichtpigmentierte Haut zeige einen geringen Anting von Eöthung.
2.nbsp; nbsp;Die Körpertemperatur. Dieselbe wird im Mastdarme oder in der Scheide gemessen und betraut im Mittel bei:
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Einleitung
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Ziege .... 39-0 iOO0 C Hund. . . . 37-539-50 . Katze. . . . 38-039-0deg; . Geflügel . . 41-542-5deg; raquo;
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Jüngere Thiere haben etwas höhere Tempera-tur als ältere; abends ist dieselbe um circa 0'50 C höher als morgens. Eine Steigerung der Temperatur über die Norm zeigt Fieber.
Zum Messen der Körpertemperatur bedient man sich eigens hiezn construierter Thermometer, sogenannter Masimalthermometer (siehe Fig. 1); dieselben besitzen eine Vorrichtung, wodurch die Quecksilbersäule beim Erkalten nicht von selbst zurückfallt, sondern erst (lurch kräftiges Schütteln abwärts getrieben wird. Das Instrument bleibt zur Feststellung der richtigen Temperatur zehn Minuten in o.bgenannten Theilen liegen.
3. Athmungsorgane. Das Flotzmaul beim Rinde sei feucht und kühl, ebenso die Nase beim Hunde. Die Schleimhaut der Nase zeige eine lebhaft rosarothe Färbung, sei glatt und ein wenig feucht. Der Bau des Brustkorbes sei symmetrisch, das Athmen ruhig, tief und regelmäßig. Das Exspi-riiun währt normalerweise länger als das Inspirium, dazwischen ist eine kleine Dause. Man zählt die Athmimg an der Flanke und ist die durchschnittliche Zald der Athemzüge in der Minute bei:
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Pferd.......nbsp; nbsp; 812
Rind........nbsp; nbsp;12 15
Schaf.......nbsp; 1220
Schwein......nbsp; 1020
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Ziege.....
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12
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20
-30 -30
-70
größer rt bei
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Hund.......nbsp; nbsp;10
Katze.......nbsp; 20
Geflügel......nbsp; 40
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Bei jüngeren Thieren ist die Zahl der Athemzüge als bei älteren, ebenso ist die Athemfrequenz gesteige starker Bewegung und Hitze.
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10
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EinlOtun''.
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Eine genaue, gründliche Untersuchung der Athmungsorgane ist nur mittelst der pliysikalisehen Untersuehungsmetliodeu im engeren Sinne möglich; dieselben bestehen in der Percussion, (1. h. Abklopfung, und Auscultation, Abhorchung derselben. Zur Ausführung der Percussion dient der Percussionshammer (Fig. 2) und der Plessimeter (Fig. 3), oder man klopft mii dem gebogenen Mittelfinger der rechten Hand und unterlegt einen Pinger der linken. Die Auscultation kann unmittelbar sein, wenn man das Ohr direct auf die Brustwand legt, oder mittelbar,
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Percussionsliaramer.
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Stethoskop oder Hörrohr.
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wenn man mittelst des Stethoskops oder Hörrohres (Fig. 4) horcht, welches man luftdicht an den Thorax ansetzt und die Ohrplatte genau ans Ohr legt.
Die Percussion gesunder Lungen ergibt vollen, hellen Schall, der bei sehr starker Musculatur aber etwas gedämpft ist. An der linken Seite unten, der Lage des Herzens entsprechend, ist der Schall ganz dumpf (Herzdämpfung). Lungen, die zu viel Luft enthalten, wie z. H. bei Dampf, geben einen zu hellen Schall.
Die Auscultation ergibt am Kehlkopfe und an der Luftröhre hauchendes und bronchiales Atlimen. an der Brust während der Inspiration ein weiches, schleichendes Bläschen- oder Yesi-
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Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; U
calärathraen, welches einen t- oder v-Charakter liat und im Kehlkopfe durch Verengung der Stimmritze entsteht; während der Exspiration nimmt mau ein unbestimmtes Athmungsgeräusch wahr. d. i. ein solches, welches keinen bestimmten Charakter hat.
Durch Ansainuilung- von Schleim, Blut, Eiter etc. in den Luftwegen, welche Substanzen durch die Athmungsluft hin- und herbewegt werden, entstellen Rasselgeräusehe (ßhonchi)'; es sind das respiratorlsche Nebengeräusche, welche je nach der Quantität oder Qualität der Ansammlung trocken oder feucht sein können.
4. Kreislauforgane. Dieselben werden durch Untersuchung des Pulses geprüft. Puls ist eine vorübergehende Erweiterung der Pulsadern oder Arterien, die durch die Action des Herzens und damit verbundener Pressung einer Blutwelle in dieselben bedingt ist. Normalerweise erfolgt der Pulsschlag gleichzeitig mit dem Herzstoß.
Zum Fühlen des Pulses bedient mau sich der Fingerspitzen, die mau an die Arterie legt, und denen man durch Gegenhalten des Daumens einen Stützpunkt verleiht. Gefühlt wird der Puls bei Pferden und Rindern gewöhnlich an der äußeren Kinnbackenarterie, auch an der Speichelarterie, bei Rindern speeiell häufig an der mittleren Sehweifarterie, bei Schaf. Ziege. Schwein und Hund an der Schenkelarterie. Bei kleinen Thieren und Geflügel fühlt man direct den Herzstoß.
Die Pulszahl ist im Mittel in der .Minute bei:
Pferd........3040nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hund...... 70120
Hind........4050nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Katze......100 130
Schaf........7080nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ziege...... 70- 80
Schwein......ÜO80nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Geflügel.....120-160
Der Puls ist bei weiblichen Thieren schneller als bei männlichen, ebenso steigt die Pulsfrequenz bei Bewegung und Aufregung, während sie mit zunehmendem Alter sinkt. Normaler Pulssehlag ist ruhiar, gleichniäbig und kräftig-.
Zur Erniittlung der Herzthätigkeit bedient man sich der Percussion und Auscultation. Die Percussion der Herzgegend er-
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12nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung.
gibt cinoii dumpfen Schall, wobei hier infolge der .starken Muskelschichten stärker percutiert werden muss. Die Auscultation ergibt zwei rasch aufeinanderfolgende Herztöne, zwischen deren Wiederholung ein Intervall wahrgenommen wird. Der erste Ton ist tiefer, lauter und länger (systoliseher Ton), der zweite heller, höher und kürzer (diastolischer Ton): der erste Ton fällt mit der Zusammenziehung (Systole), der zweite mit der Ausdehnung der Kammern (Diastole) zusammen. Der systolische Ton ist isochron mit dem Pulse, der diastolische folgt nach: der erstere Ton entsteht an der Herzspitze, der letztere an der Herzbasis.
5.nbsp; nbsp;Verdauungsorgane. Die Maulschleimhaut ist normalerweise lebhaft rosaroth und feucht: trockene Maulschleimhaut lässt fast immer auf entzündliche Vorgänge im Bereiche der oberen Digestionsorgane sehließen. Die Fresslust sei rege, das Thier fresse ohne Unterbrechung seine Ration auf, dabei muss das Flitter gut gekaut und leicht verschlungen werden. Die Rumination bei Wiederkäuern gehe regelmäßig vor sich.
ifei der Auscultation des Hinterleibes sollen Darmgeräusche hörbar sein, bei Wiederkäuern Pansengeräusche und entsprechende Bewegungen der Hungergrube. Der Absatz der Excremente sei regelmäßig, deren Consistenz uormal, und sollen dieselben keine unverdauten Futterstoffe enthalten.
Während der Trächtigkeit nimmt der Hinterleib bedeutend an Umfang zu und wird dann bei Kühen im fünften .Monat rechts, bei Stuten im sechsten Monat links die Bewegung des Fötus wahrgenommen.
Was den Harnabsatz anbelangt, so sei derselbe auch regelmäßig; der Harn selbst klar, nicht zu dunkel, ohne Bodensatz und nicht stark schäumend, bei Fleischfressern sauer, bei Pflanzenfressern alkalisch reagierend.
6.nbsp; Nervensystem. Das Thier sei aufmerksam, ohne jedoch aufgeregt zu sein: es zeige Empfindlichkeit gegen Berührung. Hitze. Kälte und reagiere auf Rufe. Die Körperhaltung sei aufrecht und munter, der Gang sicher, die Stellung und Lagerung der Extremitäten regelrecht. Abnormale Stellungen lassen immer auf Störunaen im Nervensystem sehließen, so z. B. bei Dummkoller.
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Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 13
7.nbsp; Sinnesorgane. Die Thiere sollen munteren, nicht matten Blick haben, die Pupille reagiere auf wechselnde Beleuchtung, indem .sie sieh im Hellen verengt, im Dunklen erweitert. Bei Anrufen gebe das Thier seine Aufmerksamkeit durch Bewegung des Kopfes und der Ohren kund.
8.nbsp; nbsp;Geschlechtstrieb. Derselbe ist ein äußerst wichtiges Zeichen bei Beurtheilung der Gesundheit eines Thieres. Er besteht bei den männlichen Thieren ununterbrochen von der Geschlechtsreife an, während er sich bei den weiblichen Thieren nur periodisch zeigt, indem es sich durch verschiedene charakteristische Zeichen bemerkbar macht (Brunst). Bei der Stute zeigt sich die Brunst gewöhnlich im Frühjahr, hie und da auch im Herbste: das Schaf wird im Frühjahr und Herbst brünstig, die Ziege nur im Herbste, alle anderen Hausthiere während des ganzen Jahres.
Die Brunst gibt sieh zu erkennen durch Anschwellung und Böthung der Scheide, aus der gewöhnlich schleimiger, häufig blutiger Ausfluss zum Vorschein kommt. Die Thiere stellen sich häufig zum Harnen, sind unruhig und aufgeregt, drängen an männliche Thiere heran und stoßen häutig eigenthümliche Laute aus.
Die Dauer der Brunst ist sehr verschieden, sie wiederholt sich bei erfolgloser Begattung in regelmäßigen Zeitabschnitten, so
raquo;rosstlaquo; die Stute während 23 Tage, und zwar 59 Tage nach der Geburt, oder 9 Tage nach erfolgloser Begattung.
Die Kuh raquo;rindert-: während 12 Tage, und zwar34 Wochen nach der Geburt oder 3 Wochen nach erfolgloser Begattung.
Das Schaf raquo;bocktlaquo; während 23 Tage, und zwar 3 bis 4 Wochen nach der Geburt oder 3 Wochen nach erfolgloser Begattung. Ebenso die Ziege,
Das Schwein raquo;rauschtlaquo; während 13Tage, und zwar 3 Tage nach der Geburt oder 912 Tage nach erfolgloser Begattung.
Die Hündin ist während circa 14 Tage raquo;läutiglaquo;.
Die Tragezeit beträgt bei der Stute im Mittel 11 Monate. bei der Kuh 9. beim Schaf 5. beim Schwein 4 Monate und bei der Hündin 60 Tasre.
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24nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung.
Die Säugezeit soll erfulirungsgemaß beim Fohlen 1216. beim Kalb 10V2. beim Lamm 1218. beim Ferkel 6 bis 8 Wochen betragen.
Gesundheitsbedingungen.
Diese Bedingungen liegen 1. im Thiere selbst (innere). 2. in der Außenwelt (äußere Gesundheitsbedingungen).
Die inneren Gesundheitsbedingungen sind von folgenden Factoren abhängig:
1.nbsp; nbsp;Die Abstammung. Sind die Elternthiere gesund und kräftig, so werden es voraussichtlich auch deren Nachkommen sein.
2.nbsp; Die zweckmäßige Aufzucht ist eine äußerst wichtige Gesundheitsbedingung, denn ebenso wie schwache Thiere durch zweckmäßige Aufzucht kräftig werden können, verkrüppeln gesunde Thiere bei unzweckmäßiger Aufzucht.
3.nbsp; nbsp;Constitution. Dieselbe spielt auch eine bedeutende Rolle. Man versteht darunter die Energie der Kraftentfaltung; sie äußert sich in der Kraft der Lebensvorgänge. Früher bezeichnete man die Gesammtconstitution als Temperament und unterschied: sanguinisches, cholerisches, phlegmatisches und melancholisches Temperament. Das Temperament ist das physische Verhalten gegen Eindrücke durch die Sinnesorgane zum Bcwu-istsein gebracht, es ist die Constitution des Gehirns und des Nervensystems selbst.
4.nbsp; Ernährungszustand. Er ist bei Thieren wohl zu beachten, da gutgenährte Thiere in der Regel widerstandsfähiger sind, als solche, die sich in schlechtem Nährzustande befinden.
Die äußeren Gesundheitsbedingungen sind: Licht. Luft, Futter und Temperatur; diese müssen immer in einer gewissen Relation stehen, damit die Gesundheit erhalten bleibe. Wichtig ist deshalb ein guter, den hygienischen Anforderungen entsprechender Aufenthalt, reines, nahrhaftes Futter, zweckmäßiges Putzen u. s. w.. kurz das was man rationelle Pflege und Wartung nennt.
Erfüllt man die inneren und äußeren Gesundheitsbedingungen, so hat. man für die Gesundheit des Thieres in vollem Maße gesonrt.
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Eintzundangnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15
Entzündung.
Als raquo;Entzündunglaquo; bezeichnet man jenen krankhaften organischen Process, der sich in einem Gebilde des Thierkörpers durch Störung der Functionen, andauernden Schmerz, erhöhtes Wärmegefühl, Geschwulst, dunklere : Röthnng und stärkeres Pulsieren der nächsten Arterie zu erkennen gibt. Die Ursache der Entzündung ist eine Irritation der Zellen mit dadurch bedingter Aufnahme von mehr Eiweiß mit früher Schwellung im Gefolge. Diese Irritation kann länger oder kürzer dauern: ihr folgt eine stärkere Füllung der Arterien (Hyperämie), Stopfung des Blutes (Stase). weiters eine Ausschwitzung von Blutkörperchen und Lymphe (Exsudation|. Da nun tue Zellen die Ernährung (Nutrition). Bildung (Formation) und Absonderung (Secretion) besorgen, so werden diese Verrichtungen bei einer Entzündung sistiert sein; also kann man sagen: Entzündung ist eine elementare Störung im Ernährungsprocesse.
Die entzündlichen Vorgänge beziehen sich auf: 1. Veränderungen im Kreisläufe. 2. vermehrten Austritt von Blutkörperchen zwischen den Geweben (Exsudation), y. Neubildung von Zellen und Geweben und 4. Untergang derselben.
Die Veränderungen im Kreislaufe verursachen Hyperämie infolge Störung in tier Fortbewegung des Blutes. Das anfangs rasch durch die Gefäße fließende Blut verlangsamt bald seinen Lauf, aus dem Innern der Venen und Capillaren der entzündeten Stellen ^treten Blutkörperchen und auch Flüssigkeit mit Zellen aus. welcher Vorgang Exsudation genannt wird: es ist also eine größere Ausscheidung von Ernährungsflüssigkeit, Blut und Zellen. Die Ausscheidung selbst heißt Exsudat: dieses kann frei sein, wenn es auf freien Oberflächen oder in den natürlichen Höhlen des Körpers ist. oder es lagert sich in die Geweite ein und heißt dann In fil trat.
Mau unterscheidet nach der Verschiedenheit des Exsudates:
1. Seröse Exsudate. Sie sind ihrer Zusammensetzung nach dem Blutserum sehr ähnlich und kommen in serösen Höhlen. auf Schleimhäuten, im Bindegewebe und Gewebsparenchym vor.
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](;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Einleitung.
2.nbsp; nbsp;Schleimige Exsudate kommen auf schleimigen Flächen vor und entstehen durch schnellere Umwandlung von Schleimzellen.
3.nbsp; nbsp;Fibrinöse Exsudate bestehen aus einer klaren, zähen, weißen Flüssigkeit, die Fibrin ausscheidet. !Sie kommen vorzüglich auf serösen Flüchen vor.
4.nbsp; Eitrige Exsudate. Deren Hauptbestandtheil ist Eiter. d. i. eine weißgelbliche, dicke, geruchlose Flüssigkeit, die aus Eiterkörperehen und Eiterserura besteht. Der Eiter tritt entweder oben auf, in welchem Falle er mit den Seereten der Haut vermischt ist. oder er ist im Inneren von Geweben. Wird dieses zerstört und bildet sich eine mit Eiter gefüllte Höhle, so nennt man dies Abscess.
5.nbsp; nbsp;Oroupöse Exsudate sind äußerlich den librinösen ähnlich: es bilden sich der Form des Organes entsprechende Croupmembranen, die sich bald von der Schleimhaut lösen.
6.nbsp; nbsp;Diphtheritische Exsudate sind in den Zellen selbst eingelagert und führen meist zum Zerfall derselben.
7.nbsp; nbsp;Hämorrhagische Exsudate bestehen theils ganz, theils in überwiegender Menge aus Blut.
Was die Neubildungen betrifft, so werden solche häutig im Verlaufe von Entzündungen beobachtet: von wo diese ausgehen, respective entstehen ist heute noch nicht präeisiert. Nach den Einen entstehen sie ans schon vorhandenen Geweben und Gefäßen. nach den Anderen entstehen sie durch Umwandlung farbloser Blutkörperchen. Neubildungen bilden sich gewöhnlich bei chronischen Entzündungen und können ebenso häufig nützen (z. B. bei Wundheilung), als auch schaden (z. B. durch Knochenneubildungen, Anheftungen etc.).
Der Untergang von Geweben besteht zumeist aus einer Pettmetamorphose und Zerfall. Diese Frocesse treten besonders nach Aufhören der Säftecireulation in den entzündeten Theilen ein.
Fieber.
Die thierische Wärme ist das Resultat von Verbrennungs-processen abzüglich der abgegebenen Wärme. Die Quellen der
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Fieber.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;17
thierisclien Wärme liegen Im Stoffwechsel, denn derselbe besteht in einem Verbrennungsprocesse, der hauptsächlich von dem in die Lungen aufgenommeneu Sauerstoff unterhalten wird. Die Wärme wird durch das Blut gleichmäßig im Körper verrheilt, jedoch haben die einzelnen Organe, z. B. das Gehirn, die Drüsen etc. nicht die gleiche Temperatur. Die Körpertemperatur soll nie über die aufgestellten Grenzen steigen, eine Erhöhung von einigen Graden zeigt Fieber an.
Fieber bezeichnet eine allgemeine Functionsanomalie, bei welcher eine erhöhte Temperatur, Veränderungen im Nervensystem, in ilen Verdauungs-, Kreislauf- und Secretionsorganen vorkommen; das wichtigste Moment ist jedoch die erhöhte Temperatur. Man unterschied früher; essentielle (reine) Fieber, die als selbständige Krankheit auftreten und symptomatische Fieber, die sich als Begleiterscheinung bei anderen Krankheiten einstellen. Heute ist diese Unterscheidung hinfällig geworden, da man zur Einsicht kam, dass es essentielle Fieber nicht gibt.
Dem Eintritte des Fiebers gehen Mattigkeit und Unruhe voraus: infolge gesteigerter Emplindlichkeit entstehen Krämpfe, wodurch ein Sträuben der Haare und häufig Zittern veranlasst wird. Es tritt Contraction der kleineren Blutgefäße und in der Folge ungleiche Vertheilung der Körpertemperatur ein: das ist das erste Stadium des Fiebers: das Froststadium. Es dauert nur kurze Zeit, wird häufig auch ganz übersehen. Die Krämpfe lassen nun nach, ebenso die Contraction der Gefäße, wodurch die Blut-cifculation rascher wird; die Sehleimhäute röthen sich intensiver und das Thier beginnt in Schweiß zu gerathen: das ist das zweite: das Hitzestadium. Der Puls wird frequenter, das Athmen beschleunigt, die Fresslust unterdrückt bei gesteigertem Durst. Im Fieber besteht nämlich immer ein Katarrh der Mundschleimhaut: dies ist die Ursache des Appetitmangels und des gehobenen Durstes. Der Kothabsatz ist verzögert, der Harn nur spärlich und ganz dunkel. Hohes Fieber bedingt große Abmagerung und Sinken der Kräfte infolge gesteigerter Verbrennung von Eiweißstoffen und Fett.
Rästenbauin, Qnmdriss dor Tbiersencben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2
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lynbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 inloitnng.
Nach dein Charakter des Fiebers unterscheidet man: st h e nische. as thenisch e und sy noc iia 1 e Fieber. Beisthenischem Fieber sind die Symptome nicht besonders hervortretend: sowohl die nicht bedeutende Temperatursteigerung, als auch die anderen Symptome gehen bald zurück. Fm vieles schwerer ist die Form des asthenischen Fiebers. Es koimnt am häufigsten bei Infeetions-krankheiten vor. dann bei schlecht genährten Thieren. Der Verlauf dieser Fieberi'orm ist sehr langwierig. Das synochale Fieber beobachtet man gewohnlich in Begleitung acuter Krankheiten bei kräftigen Thieren. Trotz des stürmischen Verlaufes ist dennoch die Prognose im allgemeinen günstig.
Erfolgt der Abfall des Fiebers rasch, so spricht man von Krisis, welche zumeist von Sinken der Pulsfrequenz und Ausbruch eines reichlichen Sehweißes begleitet ist. Der durch Tage sich hinziehende, langsam vor sich gehende Temperaturabfall heißt Lysis.
Da es wie oben erwähnt wenigstens bei Thieren kein essentielles Fieber gibt, so wird sich die Behandlung nach dem jeweiligen Localleiden richten müssen.
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Allgemeine Grundzwecke der Heilung.
Der Endzweck der ärztlichen Behandlung ist Heilung der Krankheit (Therapie) und Verhinderung derselben (Prophylaxe). Um diesen zu erreichen, wird es nothwendig sein, besondere Maßregeln anzuwenden oder mit anderen Worten, eine Our einzuleiten. Filter Cur versteht man nämlich die Anstellung von Maßnahmen zur Heilung oder Verhinderung von Krankheiten. Bezweckt -man mit derselben eine vollständige Entfernung der Ursachen, so nennt man sie Badicalcur; bei symptomatischen Ouren werden nur die gefährlichsten Ursachen^ die eventuell momentan das Leiten bedrohen können, beseitigt (z. B. der Luftröhrensehnitt bei Diphtheritis). Die Prophylaxe hat die Aufgabe einerseits die Erkrankung zu erschweren oder seltener zu machen, das geschieht durch ein diätetisch-hygienisches
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Allgemeine Grundzweeke der Hoilung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 19
Verhalten und durch Abhärtung der Thiere, anderseits die. Tliiere vor drohender Gefahr zu schützen, und zwar durch Befolgung der diätetisch-hygienischen und veterinärpolizeilichen Vorschriften.
Die therapeutische Prophylaxe will den Krankheitsstoff zerstören, bevor er zur Wirksamkeit gelangt: die veterinärpolizeiliche Prophylaxe aber besteht in der Durchführung von Gesetzen, welche die Verbreitung der Krankheit verhindern.
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Allgemeiner Theil.
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Gewisse Krankheiten befallen zugleich oder während einer kurzen Zwischenzeit mehrere Thiere. es ist eine Massenerkraukung von gleicher Beschaffenheit, die man Seuche nennt. Da diese Krankheiten ansteckend sind, nennt man sie auch Infections-oder ansteckende Krankheiten; die von außen eindringenden Krankheitserreger heißen Infections- oder Ansteckungsstoffe. Die organisierten einer selbständigen Vermehrung fähigen In-fectionsstoffe, welche die hauptsächlichsten Erreger der Infections-krankheiten darstellen, stehen auf der untersten Stufe des Pflanzenreiches. Man bezeichnet sie mit dem Namen Bakterien oder Spaltpilze. Letztere Bezeichnung ist nicht treffend, da man doch in der Botanik unter raquo;Pilzenlaquo; diejenigen niederen Pflanzen versteht, die der Farbstoffe, der Chromophylle entbehren. Nun gibt es aber unter den Bakterien nicht wenige, welche solche Farbstoffe aufweisen und damit die Fähigkeit besitzen, die Kohlensäure und deren Verbindungen zu zerlegen. Damit fällt auch die Berechtigung weg. von Spaltpilzen zu sprechen und wir wollen auch die in Rede stellenden Mikroorganismen weiterhin als Bakterien bezeichnen.
Man theilt die Bakterien in drei Hauptgruppen: 1. die Kugelbakterien (Coccen, Mikrococeen), es sind dies kugelrunde Zellen (V\g. 5 a.b.c.d): 2. die Stäbchenbakterien (Ba-eillen). sie stellen stäbchenartige, cylinderformigeIndividuen dar (Fig. 6 f(,h,c,d): 3. die Sehraubenbakterien (Spirillen. Vibrionen), dieselben erscheinen schraubenähnlich (Fig. 6 e.f.g).
Feder Infectiouskrankheit entspricht ein specifisehes Bacterium, das ist derlnfectionserreger. Der Beweis hiezu wurde durch Züchtuni;'
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Allgemeiner Theil.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;21
und Impfung- des betreffenden Bacteriums erbracht. Obzwar für eine Reihe von Infectionskrankheiten der Erreger noch unbekannt ist. liisst die Ähnlichkeit derselben mit jenen, bei welchen die Xiitur der Infectionserreger sichergestellt ist, auch bei diesen auf das Vorhandensein solcher Mikroorganismen schließen, v. Nägel! war es, der zu dem Schlüsse kam, dass die Bakterien die fähigsten
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ICagcibakterien (Coccon). (Nach Flügge.) TOOfnche Tergrößening. a Einzelne Coccen, b Diplocoecea, c Streptococcon (Tornla), d Zooglooa,
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Stäbclien1)akterien (BacUlen) und Scbxaabenbakterien (SpiriUen). (Nach Flügge.)
TOOfaclie Vquot;ergrößening. laquo; Gerade BacUlen, h Clostridien, c Fäden, Scheinfäden,
d scheinbare Verzweigung, e Vibrio, f Spirillani, ;/ Spirochaete.
Infectionserreger sind, deren Lebensfähigkeit und Lebenszähigkeit ganz außerordentlich ist. Diese Bakterien sind so klein, dass sie nur mittelst schärfster Mikroskope und im gefärbten Zustand sichtbar sind; ihre Länge wechselt zwischen einem bis mehreren MikromiUimeter, ihre Dicke beträgt gewöhnlich weniger als 1 [raquo;. ([iwpöv = OOOOl mm).
Die Vermehrung der Bakterien erfolgt gewöhnlich auf dem Wege der Zweitheilung. Außer auf diesem Wege pflanzen sich gewisse Bakterien, und zwar vornehmlich die Bacillen noch durch
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22nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeiner Theil.
Bildung besonderer Dauerformen, der Sporen, fort. Im Inneren des Zelleibes bildet sieh ein eiturmiges. glänzendes und stark lichtbrechendes Körperchen aus, die Spore, welche entweder mittelständig oder endständig ist. Später zerfällt der Bacillenleib, wodurch die Spore frei wird, die in einem geeigneten Nährboden gekommen, nun keimt und zum Stäbchen auswächst. Die Sporen steilen also Dauerformen dar, welche ganz besonders widerstandsfähig sind und darin die Bakterien übertreffen. Sie trotzen allen atiuosplürischcn Einflüssen und die Natur verfügt nur über ein Mittel, sie unschädlich zu machen, d. i. die Insolation, die Einwirkung directen Sonnenlichtes. Dm Sporen durch Erwärmen zu vernichten, muss man sie einer trockenen Hitze von mindestens 140deg; C oder Wasserdämpfen von .100deg; 0 bis zu mehreren Stunden aussetzen.
Die Verbreitung der Bakterien ist eine sehr große, da sich fast überall günstige Verhältnisse für deren Entwicklung und Fortkommen vorfinden. Man kann sagen, sie sind ubiquitär, sie befinden sich überall. Nur die inneren Organe des thierischen Körpers, tue mit der Atmosphäre nicht in Communication stehen, sind frei von ihnen.
Für das Waehsthura, die Ernährung und Vermehrung, kurz für die Lebenserscheinnngen der Bakterien sind besondere Bedingungen noting, und zwar in erster Eeihe die Gegenwart gewisser Nährstoffe, außerdem eine entsprechende Temperatur.
Zu ihrer Ernährung bedürfen die Bakterien vorgebildeter organischer Kohlenstoffverbindungen, da doch die meisten unter ihnen wegen Ciilorophvllmangels die Kohlensäure der Luft nicht verarbeiten können; ferner Stickstoffverbindungen, die sie sowohl aus organischen, als auch aus anorganischen Verbindungen zu beziehen vermögen. Selbstverständlich ist, dass die Bakterien auch Wasser zu ihrer Entwicklung bedürfen, doch können sie und vorzüglich deren Sporen eine ziemliche Zeit hindurch Wassermangel erleiden, ohne ihre Lebensfähigkeit einzubüßen. Licht brauchen nur diejenigen Species, welche im Besitz von Cliromo-phyll sind; für die weitaus größte Anzahl ist die Einwirkung des Lichtes direct schädlich.
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Allgemeiner Tlieil.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 23
Von großer Wichtigkeit ist der Einfluss des Sauerstoffes. Was das Sauerstoffbedürfhis anbelangt, unterscheidet man nach Pasteur; Aeroben, das sind Bakterien, die nur bei Gegenwart von Sauerstoff gedeihen können, Anaeroben, die nur bei Abschluss von Sauerstoff gedeihen. Eine dritte Ciasse steht in der Mitte; sie wächst sowohl bei Sauerstoffanwesenheit, als auch bei Sauerstoffmangel; man nennt diese facultative Anaeroben.
Von bedeutendem Einfluss auf die Entwicklung der Bakterien ist auch die Temperatur. Für jedes Bacterium existiert eine Temperatur, bei welcher es am besten gedeiht, das Temperatur-opti mum, ferner eine Temperaturgrenze nach ölten und eine nach unten, bei weicheres gerade noch fortkommt; das Temperaturmaximum und Temperaturminimum. Die zusagendste Temperatur ist ihnen die Körperwärme der Thiere; steigt die Temperatur, so hört die Gährungsfähigkeit auf. bei weiterer Erhöhung wird das Wachsthum sistiert. .und zuletzt werden sie getödtet. Bei fallender Temperatur werden die Lebensäußerungen der Bakterien schwächer und hören ganz auf; bei allmählicher Steigerung der Temperatur können dieselben ihre Lebensfähigkeit wieder zurückerlangen.
Bei ihrem Wachsthum und ihrer Vermehrung erzeugen die Bakterien auf und aus ihren Nährböden Stoffwechselproduete. So sind die gesammten Gährungsprocesse der Ausdruck bakteriellen Lebens und die Substanzen, welche hiebe) gebildet werden, sind als Stoffwechselproduete der gährungserregenden Mikroorganismen zu betrachten. Dasselbe gilt von der Fäulnis und der Verwesung. Zur Erhaltung der Lebensfähigkeit ist es nothwendig. dass diese Stoffwechselproduete entfernt werden, sonst gehen die Bakterien trotz Ernährung und geeigneter Temperatur zugrunde. Von umfassendster Bedeutung sind diejenigen Stoffwechselproduete. die von den Krankheitserregern in den Geweben des Körpers erzeugt werden, die speeifisehen Gifte (Toxine). welche die toxischen AUgemeinsymptome der Infectionskrankheiten verursachen.
In einen lebenden Organismus gelangt, vermehren sicji die Bakterien auf Kosten ihres Wirtes und entfalten mit Hilfe ihrer Stoffwechselproduete ihre deletäre Wirkung: das betreffende Thier
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24nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeiner Tüeil.
wird krank. Man bezeichnet diese Bakterien, die also im gesunden Organismus die gewünschten Lebensbedingungen finden, als pathogene. Es werden aber auch Bakterien in Organen angetroffen, ohne dass sie nachtheilige Folgen veranlassen; diese unschädlichen, harmlosen nennt man nicht pathogene Bakterien.
Die durch die Einwirkung pflanzlicher oder thierischer Mikroorganismen hervorgerufenen Erkrankungen nennen wir In-feetionskrankheiten: die Erkrankung durch diese veranlagst, Infection oder Ansteckung. Die Erreger der Mehrzahl der Jiieher gehörigen Krankheiten gehören der Gruppe der Bakterien an. Die Infectionskrankheiten trennt man in: Contagiöse Krankheiten, das sind solche, bei welchen die Ansteckung von Thier auf Thier erfolgt, und zwar durch Oontagioti. welche fix an feste oder tropfbar-flüssige Bestandtheile haftend oder flüchtig an der ausgeathmeten Luft. ITautausdünstungen oder gasige Ausscheidungen haftend sein kann. Die Verbreiter des fixen Contagions heißen Träger oder Vehikel. Miasmatische Krankheiten, bei welchen der Krankheitskeim, das Miasma, nur aus der Luft oder überhaupt der umgebenden Natur aufgenommen wird. Die miasmatischen Krankheiten werden nie von Thier auf Thier übertragen. Die Mehrzahl der Infectionserreger entsprechen sowohl den Bedingungen des (Jontagions, als auch des Miasmas: die durch diese veranlassten Krankheiten nennt man contagiös-miasmatische Infectionskrankheiten.
Nach der Bildungsstätte unterscheidet man nach Petten-kofer: entogene und ectogene infectionserreger; erstere bilden sich innerhalb, letztere außerhalb des Thierkörpers; erstere kommen bei contagiösen, letztere bei miasmatischen und contagiös-mias-matisclien Krankheiten vor.
Der Ausdruck raquo;Infectionlaquo; bezeichnet, wörtlich genommen, das Hineingelangen der Mikroorganismen in den thierischen Körper. Mit dem bloßen Eindringen der Krankheitskeime in den Körper ist aber die Infection, das heißt die Erzeugung der Krankheit noch keineswegs vollendet. Die aufgenommenen Bakterien können den Körper wieder verlassen, können beispielsweise den ganzen Ernährungstraetus passieren, ohne im geringsten zu schaden.
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Allgemeiner Theil.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;25
Erst eine Läsion der Haut oder Schleimhaut ermöglicht das Eindringen der Bakterien in das Kürperinnere, das normalerweise keimfrei ist und damit die Infection. Trotzdem ist das Eindringen der Bakterien mit Infection noch lange nicht gleichbedeutend. Audi wenn eine Läsion vorhanden ist. und wenn Bakterien in das Körperinnere gedrungen sind, kann die Krankheit ausbleiben. Es müssen vielmehr, damit eine Infection zustande kommt, eine ganze Eeihe von Umständen zusammentreffen. Von diesen Umständen sind uns bisnun folgende bekannt:
1.nbsp; nbsp;Die Virulenz des Infectionserregers. Die Virulenz der Bakterien ist eine wechselnde. Je virulenter das Bacterium ist, desto leichter führt es zur Infection und desto schwerer verläuft diese.
2.nbsp; nbsp;Menge und Eeiuheit des infectiösen Materials. Um eine Infection zu erzielen, ist stets eine bestimmte Menge des infectiösen Materials not big: geht man unter diese Bakterienmenge, so bleibt die Infection aus.
3.nbsp; nbsp;Die Infeetionspforte. Die hauptsächlichsten Infections-stoffe werden mit der Athemluft, mit der Nahrung oder durch die Haut aufgenommen. Für das Zustandekommen einer Infection ist es von Bedeutung, wo die Bakterien in den Organismus gelangen. Z. B. Kinder ertragen anstandslos Eauschbrandbaeillen. die ihnen intravenös zugeführt werden, während dasselbe Material siibcutan, absolut tödtlich wirkt.
4.nbsp; nbsp;Die Disposition des inficierten Organismus. Die Empfänglichkeit verschiedener Tliierarten für eine Infections-krankheit ist eine verschieden große. Aber auch bei ein und derselben Thierart finden sieh Einpfängliehkeitsunterschiede gegenüber derselben Bakterienart Altere Thiere sind im allgemeinen weniger leicht zu inficieren, d. h. weniger empfänglich, als junge Thiere, Man bezeichnet die angeborene Empfänglichkeit als natürliche Disposition. Diese Disposition ist selbst bei ein und demselben Thiere keine, constante Größe, sie kann verstärkt und vermindert werden. So können durch längeres Hungern, starke Anstrengungen und ähnliche Einwirkungen unempfängliche Thiere für manche Krankheit vorübergehend empfänglich gemacht
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2(Jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; AUg'ciiioinor Theil.
werden: man nennt dies temporäre Disposition. Was den Grad dor Disposition eines Körpers für eine Bakterienart eigentlich ausmacht, weiß man nur wenig. Das Wort raquo;Dispositionlaquo; gilt uns nur als Ausdruck für das 31alJ der Widerstände, die der Körper einer Infection entgegensetzt.
Die Infeetionskrankheiten können sich in nur vereinzelten Fällen sporadisch zeigen, oder es werden von einer solchen innerhalb einer kurzen Zeit eine gewisse Anzahl von Thieren befallen: man spricht alsdann von einer Epizootie. und wenn diese sieh über ausgedehnte Liinderstriche erstreckt, von Pan-zootie. Ist die Ursache der Entstehung der Krankheit in den Bodenverhältnissen zu suchen, so ist dies eine Enzootie.
Zoonose Infeetionskrankheiten sind solche, die auf .Menschen übertragbar sind und dort fast die gleichen Erscheinungen und Ausgang zeigen, wie bei den Thieren.
Manche Thiere zeigen eine t'neinpianglichkeit für eine Infectionskrankheit. eine geringere Neigung oder vollständige Unmöglichkeit, von dieser Krankheit befallen zu werden. Man nennt diese Erscheinung natürliche oder angeborene Immunität. Es kann sich entweder nur ein Thier. ein Individuum der Ansteckung gegenüber raquo;iminunlaquo; erweisen (individuelle Immunität), oder auch eine ganze Gattung (Gattungsimmunität). Manche Infeetionskrankheiten zeigen die Eigentinimlichkeit. dass Thiere, die sie überstanden haben, für längere oder kürzere Zeit, oft für das ganze weitere Leben von ihr verschont bleiben; sie erfreuen sich einer erworbenen Immunität oder Durchseuchungsimmunität. An diesen natürlichen Vorgang lehnen sich alle Bestrebungen an. eine künstliche Immunität durch activen Eingriff zu erzeugen. Den Eingriff, durch welchen wir dieses Ziel zu erreichen suchen, nennt man Immunisierung oder Impfung: die erzielte Immunität bezeichnet man als Impfschutz.
Impfung.
Von den Schutz- und Heilverfahren der neueren medicini-schen Wissenschaft ist mit Bezug auf die Landwirtschaft kaum
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[mpfang.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;27
eines von größerer Wichtigkeit als die Impfung. Denn mit Hilfe derselben kann man den Viehstand gegen mehrere Krankheiten schützen, die in manchen Gegenden den Landwirten große Verluste verursachen, die das Erträgnis der Viehzucht und des landwirtschaftlichen Betriebes überhaupt bedeutend herabsetzen. In Würdigung dessen sind auch in den meisten Ländern staatliehe Institute, die sicdi mit der Herstellung der speeifischen Impfstoffe befassen und dieselben zu besonders mäßigen Preisen den Landwirten überlassen.
unter Impfung versteht man die absichtliche Übertragung eines Ansteckungsstofifes auf gesunde Thiere zur Erzeugung einer speeiflsehen Krankheit. Der Zweck der Impfung ist sehr verschieden; mau impft entweder ans rein wissenschaftlichem Interesse, also stiuliutnshalber, oder zu diagnostischen Zwecken (z. B. Malleinimpfung bei Rotz, Tuberculinimpfung bei Tuber-culose). Der Hauptzweck der Impfung ist jedoch, die Thiere zu immunisieren. Es wurde nämlich die Wahrnehmung gemacht, dass der Verlauf der durch Impfung hervorgerufenen Infections-krankheiten ein bedeutend milderer und günstigerer ist, als jener. die durch natürliche Infection verursacht werden, und die geimpften Thiere eine länger oder kürzer dauernde Immunität der betreffenden Krankheit gegenüber erlangen. Außerdem kann durch Impfung eine Abkürzung der Seuchendauer erzielt werden, da die Erkrankung der Thiere ziemlich gleichzeitig erfolgt.
Nach dem Orte der Einführung des Infectionsstoffes unterscheidet man: cutane, subeutane und intravenöse Impfung. Bei der entanen Impfung erfolgt die Übertragung des Ansteckungsstoffes in die Oberhaut: bei der subeutanen in das ünterhaat-bindegewebe und bei der intravenösen direct in die Hlutbahn. und zwar durch die Drosselvene. Die Impfung kann aber auch zu gewissen Zwecken au anderen Körpertheilen erfolgen, so z. B. in die Brusthöhle, Luftröhre, Augenkammer etc.
Man unterscheidet: Vorbauungsimpfung (Präventiv-. Präcautionsimpfnng), dieselbe wird bei Tbieren vorgenommen, die obzwar noch gesund, aber von der Seuche bedroht sind.
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Die Nothimpfang wird in einem Bestände vorgenommen, i n welchem eine Infeetionskrankheit schon ausgebrochen ist. zum Zwecke der Abkürzung der Seuchendauer und Erzielung eines möglichst milden Verlaufes.
Unter Schutzimpfung versteht man die Impfung gesunder, von keiner Ansteckungsgefahr bedrohter Thiere, zum Zwecke wie schon der Name sagt der Herbeiführung eines absoluten Schutzes gegen die betreffende Krankheit.
Bevor ich nun zum speciellen Theil übergehe, halte ich es für nothwendig. erst eine Übersicht der gebräuchlichsten Mittel zu geben, die man zur Desinfection der von seuchenkranken Thieren benutzten Ställe, Standorte, der mit ihnen in Berührung gekommenen Geräthe und Gegenstände, wie auch der Kleider ihrer Wärter und der Wärter selbst, benutzt. Zum Schlüsse will ich dann eine allgemeine Anleitung zur Desinfection eines Stalles geben: ich sage jedoch ausdrücklich raquo;allgemeinlaquo;, denn es existieren in jedem Staate mit geregelter Veterinärpolizei Gesetze, die das in jedem Seuchenfalle nöthige Desinfections-verfahren vorschreiben. Die Erfahrung hat mir jedoch bewiesen, dass der Landwirt sich häufig veranlasst sieht, die Desinfection eines Raumes, zumeist Stalles, vorzunehmen, ohne direct von einer Seuche heimgesucht zu sein, und dazu soll diese Anleitung dienen.
Die gebräuchlichsten Desinfectionsmittel sind:
1.nbsp; nbsp;Alkalisehe. Laugen für Holzgegenstände. .Mauerwerk und Pflasterungen aus Stein. Man bereitet Kalilauge durch Kochen von 1 Theil Pottasche in 15 Theilen Wasser und Zusatz von 1 Theil gelöschtem Kalk. Natronlauge wird in gleicher quot;Weise aus Soda und gelöschtem Kalk hergestellt. Die Mischung lässt man vor Anwendung klären. Für Gegenstände, die Pottasche nicht vertragen, nehme man die vierfache Menge Holzasche.
2.nbsp; nbsp;Atzkalk benützt man als Pulver oder dünneren oder dickeren Brei. Man gebraucht ihn zum LTbertünchen der Wände. Begießen des Düngers und Bestreuen der Cadaver. Häute. Hörner und Gedärme gibt man in einen Kalkbrei von 1 Theil Atz kalk und (gt;0 Theilen Wasser.
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Dcsinfcetion.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;29
3.nbsp; nbsp;Chlorkalk zur Entwicklung von Clilordämpfen durch Zusatz von Säuren. Eine Losung von 1 Theil Chlorkalk und 10 Theilen Wasser benützt man zum Waschen des Fußbodens: reine Lösung 1 : 20 dient zum Bestreichen von Lederzeug. Man verwende nur frischen Chlorkalk.
4.nbsp; nbsp;Salpeter und Küchensalz wendet man zur Conser-vierung frischer thierischer Bohproducte an; in wässeriger Lösung dienen beide Mittel zur Desinfeetion von Häuten. Gedärmen etc.
5.nbsp; nbsp;Eisenvitriol in 2 5%iger Lösung zum Begießendes Düngers.
6.nbsp; nbsp; Hyperraangansaures Kali in 450/'oiger Losung dient zum Waschen der Hände und Instrumente.
7.nbsp; nbsp; Carbolsäure. und zwar rohe und krytallisierte. Erstere in 510%iger Lösung zur Desinfeetion von Dünger. Holzwerk etc.; letztere in 2 50.0iger Lösung für Wunden und Instrumente. Wegen ihres stark anhaftenden Geruches vermeidet man sie dort, wo die desinficierten Gegenstände mit Schlachtvieh oder Milch in Berührung kommen. Zur Desinfeetion von Holz und Eisen eignet sich vorzüglich ein Anstrich von 1 Theil roher Carbolsäure und 5ü Theilen Öl.
8.nbsp; nbsp;Sublimat ist das kräftigste Desinficiens. Es wird in l0/ooiger Lösung angewandt, in welcher es stärker wirkt als eine 50/oige Carbolsäurelösung. Es dient hauptsächlich zum Waschen der Hände und Bespülen von Wunden. Da es giftig ist, wird besondere Vorsicht empfohlen! Zur Neutralisierung des Giftes wendet man eine l%ige Sodalösung an. mit der man sich die Hände nach der Waschung mit Sublimat abspült.
Von Gasen, die zur Desinfeetion dienen, sind zu nennen:
1.nbsp; nbsp;Chlorgas. Man erhält es durch Begießen von Chlorkalk mit Salzsäure, oder indem man 3 Theile Küchensalz. 1 Theil Braunstein und 2 Theile Schwefelsäure vermischt und die Mischung gelinde erwärmt. Man verwendet Chlorgas zur Desinfeetion von Stallungen und anderen Bäumen, Kleider, Wolle etc.
2.nbsp; nbsp; nbsp;Schwefelige Säure (Schwefeldämpfe). Dieselbe bildet sich beim Verbrennen des Schwefels und wird ebenso wie Ohloreas angewendet.
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Desinficierend wirken außerdem: Trockene Hitze: der Baum, wo sie einwirkt, muss mindestens eine Temperatur von 120deg; 0 haben. Dann siedendes Wasser, doch müssen die inficierten Gegenstände mindestens y.^ Stunde darin kochen: Wasserdämpfe mit einer Temperatur von mindestens 100deg; C und die Glühliitze. Am schnellsten und vollständigsten aber desinticiert bewegte Luft; man breite deshalb die inficierten Gegenstände an der freien Luft aus und sorge in infieierteu Ställen für ordentlichen Luftzug.
Findet man es für nothwendig, einen Stall einer gründliehen Desinfection zu unterziehen, so beobachte man Folgendes: Der eigentlichen Desinfection muss eine gründliche Reinigung vorausgehen: diese bestellt hauptsächlich darin, dass der Dünger und das Streustroh aus dem Stalle entfernt wird, der Hoden rein ausgekehrt, die Wände abgefegt werden. Undurchlässiges Pflaster wird nur mit heißer Lauge gewaschen, darauf mit Kalk- oder Chlorkalkmilch bespült. Schlechtes Pflaster und hölzerne Fußboden werden ausgehoben, die darunterliegende feuchte Erde abgegraben. Die noch brauchbaren Steine können nach gründlicher Reinigung und Abschwemmung in Kalkmilch, brauchbare Bohlen, nachdem sie abgehobelt sind und mitOhlortalkmilch oder Carbolsäure bestrichen wurden, wieder benützt werden. Nicht gepflasterter Fußboden muss, soweit die Feuchtigkeit im Erdreiche herrscht, abgegraben werden.
Mauerwände werden vorerst abgekratzt, alsdann mit Kalkmilch übertüncht; hölzerne Wände mit heißer Lauge gewaschen, nach dem Trocknen mit Chlorkalkmilch, Carbolöl oder auch mit Theer, welcher vermöge seines Gehaltes an Carbolsäure und anderen ähnlieh wirkenden Stoffen (Creosot) ebenfalls desinficierend wirkt, gestrichen. Bei Lehmwäaden werden die defecten Theile abgestoßen, darauf die ganze Wand mit Kalkmilch bestrichen.
Unbrauchbare Krippen und Raufen werden verbrannt, wie überhaupt alle alten Holzbestandtheile: die brauchbaren werden mit heißer Lauge gewaschen, an die Luft zum Trocknen gegeben und mit Carbolöl oder Ohlorkalkmilcb angestrichen. Balken. Säulen, Thüren, Fenster etc. werden wie die aus gleichem .Material bestehenden Wände behandelt.
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Dcsinfection.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;31
Stallgeräthe, die ans Eisen oder anderem ^Metall bestehen, werden ausgeglüht : Gegenstände, bei denen dies unausrnlirbar ist, z. B. bei festsitzenden eisernen Krippen und Rauten, werden mit heißem Wasser gereinigt und mit Oarbolöl angestrichen. Stricke, Decken. Gurten u. dgl. werden, um am sichersten zu gehen, verbrannt: lederne Halfter, Geschirre und anderes Lederzeug wird mit einer heißen Sodalösung oder mit Seifenwasser abgewaschen und vor dem Trocknen eingefettet. Reitsättel werden in geschlossenem Räume gründlich geschwefelt. Schadhafte Polsterung der Geschirre und Sättel ist zu entfernen und zu verbrennen.
Sehr empfehlenswert ist es, den Stall nach der Reinigung mit Schwefel oder Chlorgas auszuräuchern. Nach der Ausräucherung bleibt der Stall zwölf Stunden lang fest geschlossen, darnach wird nachhaltig gelüftet.
Der aus dem Stalle entfernte Dünger, ebenso die ausgegrabene Erde wird auf abgelegene Felder geführt und dort tief untergeackert; natürlich bedient man sich hiezu solcher Thiere, die gegen die betreffende Krankheit immun sind. Der von pestkranken Rindern herrührende Dünger wird am besten verbraunt. Die zum Ausführen benützten Wägen werden vorschriftsmäßig des-inliciert.
Personen, die mit senehekranken Thieren in Berührung kamen, werden einer gründlichen Kürperreinigung unterzogen: deren Kleidung wird ausgelüftet, ausgeräuchert oder trockener Hitze (mindestens 120quot; 0) ausgesetzt.
Von Wichtigkeit für den praktischen Landwirt ist auch die Behandlung der Cadaver der an einer Jiifectionskrankheit gefallenen oder wegen derselben getödteten Thiere. Gewöhnlich werden die Cadaver in 2 m tiefe Gruben verscharrt, nachdem man sie mit Kalkmilch begossen oder mit Atzkalk bestreut hat. Diese .Methode hat bedeutende Gefahren an sich, denn abgesehen davon, dass z. B. von Cadaveru milzbrandgefallener Thiere der Ansteekungsstoff mit. den Bodengasen wieder an die Luft gelangen kann, können die Bodenverhältnisse durch das Vergraben infieierter Cadaver bedeutend versehlechtert werden.
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natürlich nur in sanitärer Beziehung. Anderseits kann das Vergraben natürlichen Hindernissen begegnen, indem der Stand des Grundwassers ein besonders hoher, der Boden ein felsiger
ist u. dgl.
Es ist deshalb ein besonderer Vorzug, die Cadaver auf ther-nüseheni Wege zu beseitigen, und zwar durch Verbrennen, respective Verkohlen derselben. Zu diesem Behufe übergießt man die Cadaver mit Petroleum oder Theer. legt Reisig darauf und zündet sie an.
Eine weitere Art der Beseitigung des Thiercadavers besteht in der Verarbeitung derselben auf chemischem Wege. Dies ist jedoch nur in besonderen Fabriken erlaubt, die unter ständiger behördlicher Aufsicht stehen. Mit diesem Verfahren verbindet man zugleich die gewerbliche Ausnützung der Cadaver, wobei aber in erster Reihe absolute Sicherheit vorhanden sein muss, dass die Stoffe steril den Apparat verlassen und nicht etwa noch als Verbreiter von Seuchen dienen können. Weiters wird man an einem solchen Apparat die Anforderung stellen, dass demselben keine üblen Gerüche entströmen die die Umgebung belästigen. Diese Vorzüge finden wir im R. A. Hartmann'schen Extrac-tions-Apparat vereinigt. Durch sinnreiche Einrichtungen ermöglicht dieser außerdem eine leichte Klärung und Abscheidung des Fettes, die Eindiekung des Leimwassers, welches nur so eingedickt haltbar ist. und die Herstellung eines sauberen, für die Landwirtschaft recht branchbaren Dungpulvers. Es würde sich empfehlen, solche Apparate in allen Schlachthäusern aufzustellen. da mit Hilfe derselben die Schlachthausabfälle unschädlich beseitigt und gewerblich bestmöglichst ausgenützt werden.
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Specieller Theil.
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1. Milzbrand, Anthrax.
Milzbrand ist eine acute, zumeist letal verlaufende Infections-krankhiMt. welche vorzüglich Rinder und Schale, weniger Pferde und Ziegen, und nur ganz selten Schweine befällt, sowohl epi-zootisch. als auch enzootisch, seltener sporadisch vorkommt. Der Milzbrand ist unstreitig eine der am längsten gekannten Seuchen und wurde schon von den ältesten Schriftstellern beschrieben. Es erscheint sehr wahrscheinlich, dass die in den ältesten Zeiten vorgekommenen auch auf den Menschen übertragbaren Seuchen Milzbrand waren, welche zu jener Zeit fast immer als Gottesstrafen betrachtet wurden (heiliges Feuer). Im Jahre 996 und 1000 herrschte in ganz Europa eine auf Mensch undThier übertragbare Seuche unter dem Namen raquo;Antoniusfeuerlaquo;: (Mal des Ardents), die, wie der berühmte französische Historiker Francois Mezerav (10101683) berichtet, eine Milzbrandseuche war. Ähnlieh berichtete Athanas Kirchner (1601 1680) von einer verheerenden Milzbrandinvasion in der Gegend von Neapel, die am Anfange des XVII. Jahrhunderts Tausende von Menschen tödtete, die vom Fleische umgestandener Thiere genossen hatten.
Alle die in der Geschichte vorkommenden Milzbrandseuchen aufzuzählen, würde obzwar recht lehrreich denn doch zu weit führen; es sei nur darauf hingewiesen, dass diese Seuche, wie Haubner feststellte, heute weit weniger verheerend und verbreitet auftritt, als im letzten Jahrhundert, ja einige Krankheitsformen scheinen sogar ganz untergegangen zu sein. Darauf mögen
Kiisteiibaum, Grmndriss der Thiersoucben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
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34nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Speeieller Tlieil.
wohl mancherlei Umstände von Einfluss gewesen sein, nicht zum mindesten die veränderte Haltung' und Ernährung des quot;Viehes.
Atiologie: Milzbrand kommt am häufigsten bei Pflanzenfressern vor. während die Disposition der Fleischfresser eine äußerst geringe ist. Früher wurde der Rothlauf der Schweine auch für eine Form des Milzbrandes angesehen, diese Ansieht wurde jedoch durch neuere Untersuchungen endgiltig widerlegt. Alter und Geschlecht bedingen keinen Unterschied in der Disposition, doch seheint es. dass es Rasseeigenthümliclikeiten bei sonst empfänglichen Thiergattnngen gibt, wodurch eine Übertragung der Krankheit erschwert oder ganz unmöglich wird. So fand Chauveau. dass Berberschafe gegen Impfmilzbrand immun sind, während einheimische Schafe nach der ersten Impfung der Krankheit erlagen.
Vom .Milzbrand können fast alle Hausthierarten ergriffen werden: in erster Linie, wie schon erwähnt. Kinder und Schafe, weniger Pferde und Ziegen, die zumeist durch Infection, seltener spontan erkranken, dann Schweine, bei denen der Milzbrand sehr selten vorkommt Eine große Empfänglichkeit zeigen ferner Kaninchen und -Meerschweinchen, eine geringere Hunde und Katzen. Unter den wild lebenden 'filieren wurde Milzbrand beobachtet: bei Büffel. Renthier, Bär. Wolf, Fuchs. Auch Vögel werden vom Milzbrand ergriffen, wobei die kleineren empfänglicher als die größeren sind
Der Milzbrand kommt unter allen Breitegraden vor. weder die Polarländer, noch die Tropen bleiben von ihm verschont.
Was die Ursache des Milzbrandes anbelangt, so unterlieart es keinem Zweifel mehr, dass dieselbe ein Mikroorganismus, ein Bakterium ist. welches sich im Blute milzbrandkranker Thiere in kolossaler Menge befindet (nach Davaine 8 10 Millionen in einem Tropfen). Diesen von Pollender und zu gleicher Zeit von Davaine und Hrauell entdeckten Infectionserreger nennt man Bacillus anthracis (Fig. 7). Dieser stellt feine, platte, gerade oder geknickte Stäbchen dar. die stark das Licht brechen und eine Länge von 5 12 ;j. haben. Im Blute wachsen sie rasch zu hingen Fäden aus. die sicli durch Quertheilung vermehren. Bei geeigneter
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Milzbrand. Anthrax.
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Temperatur (3537'' C) und passendem Nährmedium erhalten sieh die Bacillen aueh außerhall) des Thierkurpers. wobei die Vermehrung durch Sporen erfolgt. Es bilden sieh in gleichen Abständen lichtbreehende Punkte, die sich zu eiförmigen Sporen entwickeln, welche frei werden und als Dauersporen eine bedeutende Widerstandsfähigkeit besitzen. Damit die Sporenbildung vor sich gehen kann, ist nothwendig: 1. der Zutritt von Sauerstoff. 2. ein geeigneter Nährboden, und 3. eine Temperatur von nicht unter 18quot; 0.
Wie dargethan wurde, entwickeln sich die Milzbrand-bacillen sowohl im kranken Thiere selbst, als auch außerhalb desselben, sie sind also entogener und ectogenor Natur.
Die Tenacität des Anthraxgiftes ist
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verschieden: Sporen sind widerstandsfähiger als Bacillen. beide aber bedürfen zu ihrer Entwicklung da sie aerober Natur sind des Sauerstoffes, da sie
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sonst zugrunde gehen. Eine Temperatur
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von 42deg;G schwächt die Wirkung der Ba-
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illns antliracis (Hilzbrand-bacillas), 1:1600.
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cillen bedeutend ab, während eine solche von 6070deg; C dieselben in feuchtem Zustande tödtet. Gegen Kälte sind die Anthrasbacillen unempfindlich. Während die Bacillen durch Eintrocknung in dünnen Schichten in 1224 Stunden. durch Fäulnis in 48 Tagen zerstört werden, zeigen sich die Sporen bedeutend resistenter; sie werden weder durch Eintrocknung, noch durch Fäulnis, uoch durch Erwärmung auf 100deg; C zerstört. Brom. Jod. Chlor. Oarbolsäure, Sublimat und liypermangansaures Kali hebt sehr rasch die Wirksamkeit der Sporen auf und damit deren Lebensfähigkeit.
Die Bacillen gelangen in den thierischen Organismus durch die Luft, in der sie vom Boden aufsteigen, ebenso durch das Futter oder Wasser. Im Boden linden die Bacillen ihnen zusagende Lebensbedingungen, vorzüglich wenn dieser locker, feucht und humusreich ist. Hier bilden sich leicht Sporen, die dann entweder durch Luftströmungen, die unter verschiedenen Einflüssen im Erdreiche zustande kommen, oder durch andere Ur-
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36nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Specieller Thell.
sacben. wie ümwühlungen des Hodens etc., an die freie T.nt't gelangen und so vom Thiere aufgenommen werden. Je trockener der Buden, desto leichter gelangen die Sporen an die Atmosphäre: deshalb tritt auch der Milzbrand häufiger in den heißen, trockenen Monaten auf.
Die Infection des Thieres erfolgt durch die Luftwege, doch ist es noch unentschieden, ob der Infectionsstoff unverletztes Schleimhaatepithel passieren kann oder nicht. Audi vom Ver-dauungstractus aus ist eine Ansteckung möglich, und zwar umso leichter, wenn das Epithel desselben verletzt ist. Die Ansieht. Oemlers. dass eine Infection bei unverletztem Epithel unmöglich ist, widerlegt Koch durch das Ergebnis seiner Untersuchungen. Darnach bleiben die Thiere bei der Fütterung von sporenfreiem aber bacillenhältigem Material gesund, weil die Bacillen durch den sauren Magensaft zerstört werden, während die Fütterung von Sporen mate rial tödtlichen Milzbrand zur Folge hat. weil die Sporen ohne Schaden den Magen passieren können, um sich im alkalischen Darmsafte zu Bacillen zu entwickeln. Durch die unverletzte Haut kann das Anthraxgift nicht eindringen, doch genügen unbedeutende Läsionen, um eine Infection zu ermöglichen.
Der Milzbrand kann aber auch durch Ansteckung von einem erkrankten Thiere, von dessen Seereten und Excreten, von Milz-brandcadavern und -Abfallen ausgehen, ebenso kann er durch Zwischenträger verschiedenster Art Bremsen, Fliegen, Stall-sreräthe, Streu etc. vermittelt werden. In erster Linie haftet jedoch das Anthraxgift am Blute, und es genügen ganz kleine Mengen desselben um sowohl beim Menschen, wie auch bei Thieren die Krankheit hervorzurufen. Wie Deiafond raittheilt, erwies sich sogar ein Vierzigste! Tropfen Milzbrandblutes wirksam, ja selbst ein .Millionstel Tropfen soll bei Meerschweinchen letalen Verlauf verursachen (Davaine). An der Infectionsstelle bildet sich ein localer Herd, in dem die Vermehrung der Bacillen stattfindet, von wo aus die Infection des ganzen Körpers erfolgt. Der Zeitraum zwischen stattgehabter Ansteckung und Ausbruch der ersten Symptome das lucubationsstadium ist verschieden lang: er variiert zwischen 1224 Stunden, selten 46 Tage:
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Milzbrand, Anthrax.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 37
naeli Impfung erfolgt der Ausbruch schon nach wenigen Stunden. Von nicht geringem Einfluss auf' die längere oder kürzere Dauer des Incubationsstadiums ist die kleinere oder größere Menge der Krankheitskeime, die in den Organismus eindringen (Koch).
Ob Thiere, die einmal die Krankheit überstanden haben. für längere oder kürzere Zeit immun sind, isc bis heute noch unentschieden. Während Pasteur der Ansicht ist. dass die Thiere nach llberstandener Krankheit immun sind, widersprechen dem die Resultate Oemlers, die er bei Impfungen von Pferden und Ratten erhielt.
Symptome: Je nach der Raschheit des Verlaufes sind die Symptome sehr verschieden, denn während es bei der einen Form des Milzbrandes zur Bildung von Loealisationsherden kommt, ist die andere Form so acut verlaufend, dass solche Herde nicht hervorstehen.
Man unterscheidet deshalb verschiedene Formen des Milzbrandes.
1.nbsp; Höchstaeuter oder apoplektischer Milzbrand, dessen Dauer häufig nur einige Minuten beträgt:
2.nbsp; nbsp;Acuter Milzbrand oder Milzbrandfieber, dessen Dauer sich auch über einige Tage erstreckt;
3.nbsp; nbsp;Snbacuter .Milzbrand auch MilzbrandcarbunkeL bei welchem Krankheitslocalisationen schon während des Lebens nachweisbar sind.
Der höchstacute Milzbrand, auch Mihbrandblut-schlag genannt, charakterisiert sich, wie schon erwähnt, durch den äußerst raschen, zumeist tödtlichen Verlauf. Er befällt die Thiere auch bei der Arbeit, während des Gehens; die Thiere fallen dann wie vom Blitze getroffen zusammen und verenden in der kürzesten Zeit. In anderen Fällen beginnen die Thiere zu zittern, schäumen aus dem Munde, der Puls wird klein und frequent, die sichtbaren Schleimhäute werden bläulieh (Cyanose), aus Maul. Nase und After kommt blutiger Ausfluss, es stellt sich Athemnoth ein, die Thiere verfallen in Zuckungen und gehen häutig nach einigen Minuten zugrunde. Oft findet man ein Thior,
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das man abends gesund und munter verlassen hat, am andern Morgen todt und kalt liegen.
Hie und da kommt es vor. dass der Verlaut' nicht so höchst acut ist; die Thiere erholen sich scheinbar, doch binnen kurzem erfolgt ein neuerlicher Anfall, dem sie unterliegen. Während Bellinger einige Falle beobachtete, wo die Thiere während der Remissionen die Symptome vollständiger Gesundheit zeigten, will Küll noch keinen solchen Fall intermittierenden Milzbrandes gesehen haben.
Vom Milzbrandblutschlag werden zumeist Kinder und Schafe ergriffen, seltener Pferde, bei denen alsdann heftige Koliker-scheinungen auftreten.
Der acute Milzbrand oder .Milzbrandfieber macht sich im Anfange, gewohnlieh durch Frost bemerkbar, der jedoch häutig auch übersehen wird, und dem bald darauf eine bedeutende Tem-peratursteigerung folgt, und zwar nicht selten bis auf 42deg; C. Diese Form konimt besonders bei Hindern. Pferden und Schafen vor, und zeigen sich die einen der daran erkrankten Thiere ganz theilnahmslos und abgestumpft, während die anderen brüllend herumstampfen, wild um sich blicken und sich mit den Füßen gegen den Bauch schlagen. Die Fresslust ist vermindert oder ganz aufgehoben, dagegen der Durst gesteigert; bei Wiederkäuern bort das Wiederkauen auf. Die Thiere zittern am ganzen Leibe, zumeist aber an den Extremitäten, verfallen nicht .selten in Convulsionen. sind auffallend geschwächt und wie betäubt. Das Athmen wird beschleunigt und erschwert, der Puls frequent und klein. Der Kothabsatz ist verzögert, die Excretnente selbst dunkel und mit mehr oder weniger Blut vermischt. Bei Pferden werden häufig heftige Kolikerscheinungen beobachtet. Der Harn ist dunkel, selten enthält er Blut. Bei Kühen ist die Milchseeretion theil weise oder gänzlich sistiert. die abgesonderte Milch aber ist zähe, hat einen eigenthümlichen Geruch und zersetzt sich rasch.
Bei dieser Form des Milzbrandes kommen Genesungen, obwohl selten, vor: diese vollzieht sich dann rasch, ohne Folgeleiden zu hinterlassen. Wie erwähnt, kommen solche Fälle selten vor. sondern die Kräfte des Thieres verfallen rapid. Puls und
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Herzschlag sind matt, die Athnning beschleunigt, aus Nase und .Maul dringt Blut vor, die Temperatur sinkt unter das physiologische Minimum. Ohren und Extremitäten werden kalt und schließlich gehen die Thiere am 3.5. Krankheitstage unter Oonvulsionen zugrunde.
Beim Milzbrandlieber sind Fälle von intermittierenden Milzbrand möglich; die Krankheitssymptome schwinden gänzlich und die Thiere erscheinen während dieser Intermissionen ganz gesund.
Der subacute Milzbrand kommt bei allen Haustliieren vor: am häufigsten hei Pferden, am seltensten bei Schafen. Die Erscheinungen sind ähnlich denen des Milzbrandfiebers; zu diesen gesollt sieh noch ein in der Mehrzahl der Fälle vorkommendes, recht charakteristisches Symptom, nämlich das Auftreten von Geschwülsten, der sogenannten Milzbrandbeulen oder Car-bunkeln. Diese Geschwülste, die namentlich aid'Hals. Schultern, Brust. Bauch und an den Extremitäten vorkommen, treten entweder in Form ausgebreiteter rothlaufartiger Infiltrate auf oder in Form umschriebener Beulen, als sogenannte Garbunkeln; letztere sind im Anfange heii.j und schmerzhaft, später kalt und unempfindlich, während erstere schon beim Entstehen kohl und nicht schmerzend sind. Die Milzbrandbeulen stellen sich entweder im Verlaufe des Leidens ein und verursachen dann während des Erscheinens einen Nachlass der Allgemeinsymptome, oder sie treten zuerst au der Stelle, an welcher die Infection stattfand. auf und verursachen von da eine allgemeine Erkrankung. Diese Gesehwülste, die brandig absterben und eine besondere Neigung zu jauchigem Zerfall haben, treten sowohl auf der Haut, als auch auf Schleimhäuten auf und können im letzteren Falle durch ihren oft bedeutenden Umfang zu verschiedenen Funetionsstönmgen Anlass geben. Es kommt auch vor. dass sich auf den Geschwülsten ein trockener Brandschorf bildet, der durch Eiterung abgestoßen wird: in der Mehrzahl der Fälle jedoch zerfallen sie, wie schon erwähnt, jauchig und führen dadurch zur Entstehung von tief-sitzenden, langsam heilenden Geschwüren. Ein schnelles Zurücktreten der Beulen ist sehr ungünstig und stellt den Tod in Aussicht.
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Erwähnenswert .sind die Untersuchungen von Oornevin und Arloing, die zu der Annahme berechtigen, dass beim Beulen-anthnix ilic Bacilleu aus dein Blute verschwinden.
Je nach dem Orte des Auftretens der Beulen unterscheidet man: A ut hraxin'ihinc. die am häutigsten bei Schweinen vorkommt, wobei die Allgeraeinsymptome des Milzbrandes zugegen sind und die Garbunkeln sich auf den Gaumen, am hinteren Theil der Zunge und der oberen Halsgegend festgesetzt haben: Zungen-carbunkeln, wobei die Geschwülste auf der Zunge localisiert sind n. s. w.
SectionsbiId: Es ist bei Anthrax recht charakteristisch. Der Hinterleib des gefallenen Thieres ist stark aufgetrieben, der Cadaver übergeht rasch in Fäulnis. Das zähe, theerartige Blut. mit welchem die meisten Organe überfüllt sind, tritt aus Nase, .Maul und After vor und gerinnt nicht. Die Unterhaut, die Lymphdrüsen, die inneren Organe und der Darm sind sulzig infiltriert, die Milz oft bis auf das sechsfache vergrößert, weich, häufig zertrümmert. Leber und Nieren ebenfalls stark vergrößert, blutreich, deren Parenchym matt und getrübt.
Prognose: Der Verlauf des Milzbrandes ist immer ein sehr rascher, und zwar umso rascher, wenn sich das davon befallene Thier in gutem Nährzustand befindet und kräftig war. Die Prognose ist im allgemeinen sehr ungünstig, denn in den günstigsten Fällen beträgt die Mortalität noch circa 75%- Das ungünstige an der Sache ist auch, dass sich der Milzbrand noch nach Jahresfrist wieder entwickeln kann, denn ein Stall oder eine Weide, wo ein krankes Thier gestanden, oder wo dessen Cadaver verscharrt wurde, behält für lange Zeit die Fähigkeit, die Krankheit wieder zu erzeugen, da die Bacilien in günstigem Boden lebend und wirksam erhalten bleiben.
Während bei Beginn der Seuche fast alle Fälle letal verlaufen, kommen am Schlüsse derselben verhältnismäßig häufiger Genesungen vor. Wie schon erwähnt, ist der Verlauf am ungünstigsten bei der höchstacuten und der acuten Form des Anthrax. während die meisten Heilungen bei jener Form vorkommen, die mit Localaffeetionen verbunden ist. vorausgesetzt natürlich, dass
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die Gesehwülste und Beulen sich nicht auf lebenswichtigen Organen befinden oder solche in ihrer Function .stören.
Therapie: An eine Behandlung des .Milzbrandes ist häufig gar nicht zu denken, da die Krankheit sehr rasch abläuft. Gelegenheit hiezu bietet höchstens der acute und subaente Milzbrand, doch wird auch hier nur selten ein Erfolg erzielt. Es wurde gar vieles versucht, um dieser verheerenden Seuche Einhall zu thuu : so ließ man zur Ader, was doch nur die Thiere schwächen konnte; innerlich reichte mau Purganzen, harntreibende, bittere und ad-stringierende Mittel, auch Antiseptica, wie Salieylsäure, Carbol-sänre oder Terpentinöl, ohne jedoch irgend einen sicheren Erfolg zu merken. Bei langsam verlautenden Erkrankungen räth Richter Schwefelsäure innerlich zu versuchen, von welchem Mittel er gute Erfolge, sowohl in therapeutischer als in prophylaktischer Hinsicht sah. Zürn will mittelst der Fowler'schen Arseniklüsung Erfolg erzielt haben. I.ouvrier durch Anwendung schweijjtreibender Mittel. Haubner empfiehlt bei Milzbrandfieber fleissiges, anhaltendes Begießen mit kaltem Wasser odor Schwömmen in ein-bis dreistündiger Wiederholung. Andere Thierärzte legen besonderen Wert auf äußere Mittel, wie auf Eiterbänderziehen, Nießwurzstecken, Einreibungen der Haut mit Terpentinöl etc.
Carbunkeln werden mehrfach tief gespalten, so gut als möglich ausgedrückt und mit spanischem Fliegen- oder Terpentinöl behandelt oder ausgebrannt. Die rothlaufartigen luliltrate werdenüfter mit Essigwasser gewaschen oder mit einem Brei von Lehm und Essig bestrichen. Aufgebrochene Geschwülste werden fleißig mit 20% Oarbolsäurelösung gewaschen.
Prophylaxe: Während, wie wir sahen, die Therapie bei dieser Seuche nur wenig vermag, ist es bei sorgfältig durchgeführter Prophylaxe möglich, dass der Milzbrand in Gegenden verschwindet, wo er früher enzootisch herrschte. Worin besteht die Prophylaxe? Die wahre Prophylaxe besteht in der Verhütung der Ursachen der Infection. Schlechte Bodenverhältnisse müssen durch Drainage verbessert werden, verdächtige Weiden und Brunnen müssen aufgelassen werden. Die Cadaver und andere Abfälle werden verbrannt oder am besten auf thermo-chemische Art
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vernichtet; bei der Verscharruag sei man besonders vorsichtig und verbrauche lieber raoiir von den Desinfeetionsmitteln als weniger, dadurch wird einer Durchsetzung des Bodens mit Milzbrandgift vorgebeugt. Eine wiederholte gründliche Desinfection der Stallungen mit kräftigen Desinficientien erseheint sehr räthlich. Überhaupt sorge man in den Ställen für gute Ventilation, reiche den Thieren saftiges, von allen stechenden und kratzenden Körpern befreites Futter, etwas angesäuertes Wasser und lasse die Thiere speeiell an heißen Tagen, wenn nur irgend möglich, öfters Schwemmen und Baden.
Schutzimpfung: In neuerer Zeit wurde gefunden, dassman das Milzbrandvirus soweit abschwächen kann, dass es auf Thiere impfbar ist. die dadurch sowohl gegen cine Infection mit un-gesclnväclitem Virus, als auch gegen eine natürliche Infection immun werden.
Den ersten Impuls zur Schutzimpfung gegen Milzbrand gab der berühmte französische Forscher Tons saint. Er wollte die Drüsen in einen Bntzündungszustand versetzen, so dass das Milzbrandgift nicht durchdringen kann. Zu diesem Behüte erhitzte er frisches, delibriniertes Blut kranker Thiere während zehn Minuten auf 55deg; C und verimpfte es nach dem Erkalten. Nach zwölf Tagen wurde diese Impfung wiederholt und siehe, die Thiere zeigten sieh gegen eine mit ungeschwächtem Virus vorgenommene Impfung immun. Mit der Drüsenverstopfung hatte dies aber nichts zu thun. Bei den im kaiserlich deutsehen Gesundheitsamte vorgenommenen Versuchen an Kaninchen. Meerschweinchen und Mäusen nach der Toussaint'schen Methode wurden keine günstigen Resultate erzielt.
Ein anderes Verfahren zur Herstellung eines Impfstoffes gegen Milzbrand stammt von Chauveau. Er will durch Anwendung höherer Temperaturen eine rapide Absehwächung erzielen. Zu diesem Zwecke inticiert er Hühnerbouillon mit einem Tropfen Milzbrandblnt, erwärmt diese durch 24 Stunden auf 43quot; C. hierauf durch drei Stunden auf 4749,' C und erhält hiedurch eine Padencultur. 31 it dieser Cultur inficiert er frische Hühnerbouillon, die er während fünf Tage einer Temperatur von 3537deg; 0
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aussetzt, wobei sich Sporen entwickeln. Mit dieser Flüssigkeit werden die Thiere zum zweitenmale geimpft, während man zur ersten Impfung eine schwilchere Flüssigkeit benützt, die man durch Erhitzen auf 80deg; C erhält. Die zweite Impfung wird 20 bis 30 Tage nach der ersten vorgenommen. Die Impfung wird mittelst Pravazspritze (Fig. 8) subcutan vorgenommen, und zwar bei Rindern am Ohr mit vier Tropfen, bei Schafen an der äußeren Ohrseite oder Innenseite des Schenkels mit zwei Tropfen des Impfstoffes.
Von epochemachender Wichtigkeit war die Nachricht, mit der der geniale Pasteur am 28. Juni 1881 die wissenschaftliche Welt überraschte, indem er mittheilte, dass es ihm gelungen ist, auch die Virulenz der Anthraxbacillen durch Züchtung derselben bei einer Temperatur von 424oquot; C in beliebigem Grade abzu
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schwächen. Thiere mit einer auf dieser Weise miti-
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gierten Oultur geimpft, wurden nur vorübergehend krank, ihr Organismus wurde aber dadurch derart umgestaltet,
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daslaquo; sie Impfungen mit dem virulentesten .Material ohne Sehaden ertrugen.
Pasteur fand, dass Milzbrandbacillen in neutraler
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Hühnerbouillon bei einer Temperatur von 4243deg; C und Luftzutritt zu homogenen Fäden auswachsen, ohne Sporen zu bilden, und deren Virulenz umso geringer
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wird, je länger sie unter diesen Verhältnissen bleiben. Sie verlieren jedoch in dieser Form nach 46 Wochen schon ihre Wirksamkeit. Deshalb übertrug Pasteur die auf verschiedene Grade abgeschwächten Fäden in
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Fleischbrühe von 35quot; C und erhielt sie bei dieser Pravaz'sche Temperatur, worauf sie nach 48 Stunden Dauersporen bildeten, die denselben Grad Virulenz besaßen, wie die Baeillen derjenigen Culturen. aus welchen sie sich entwickelten. Dieses -Material lässt sich- in zugeschmolzenen Röhrchen beliebig lang aufbewahren.
Die Versuche, die Pasteur machte, waren von Erfolg begleitet. Er impfte in Mehm am 5. und am 17. Mai 1881 24 Schafe.
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1 Ziege und 6 Kühe ohne Verlust. Am 31. Mai wurden dieselben Thiere und ebensoviel ungeiinpfte Thiere mit virulentem .Material geimpft. Alle geimpften Thiere blieben gesund, während bei den ungeimpften Fieber und ödematöse Anschwellungen auftraten und die ungeimpften 24 Schafe und 1 Ziege innerhalb dreier Tage sämmtlich an Milzbrand zugrunde giengen. Ahnlich günstig waren die Versuche, die Thuillier im October desselben Jahres in Budapest ausführte.
Die zu immunisierenden Thiere werden einer zweifachen Impfung unterzogen. Als erste Vaccine wird eine Cnltur benutzt, die während der 24 Tage bei einer Temperatur von 4:243quot; 0 gezüchtet wurde, während die zweite Vaccine nur zwölf Tage lang gezüchtet wird. Zwischen beiden Impfungen liegt eine Zeit von 12 14 Tagen.
Untenstehende Tabelle lässt die Portsehritte der Verallgemeinerung der Milzbrandschutzimpfung deutlich hervortreten und zeigt die Zahl der Thiere, die vom Jahre 1881) bis inclusive 1895 in Ungarn geimpft wurden. Der Impfstoff wurde vom raquo;Laboratorium Pasteur-Ohamberlandlaquo; in Budapest geliefert.
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Die Abnahme der Impfung bei den Schafen im Jahre 1894 gegen das Vorjahr erklärt sich in der beträchtlichen Abnahme der Schafe, deren Zucht wenig lohnend ist.
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Die rapide Verbreitung der Schutzimpfung zeigt zur Genüge ihren Wert; wenn man nun iiüc-Ii die Vomrtheile und Schwierigkeiten nimmt, die sich in den ersten Jahren dem Institute entgegenstellten, so muss man die erzielten Erfolge geradezu brillante nennen.
Was die Verluste, die naeli der zweiten Impfung bis zum Schlüsse des Jahres verkamen, anbelangt,quot; theilt darüber Prof. Dr. Hutyra in seinem raquo;Jahresberichtelaquo; folgende Zahlen mit;
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Die Impfung ist wohl leicht auszufahren, erfordert jedoch die peinlichste Sauberkeit. Kommen in einigen Heerden nach der Impfung Verluste vor. so hat dies seinen Grund darin, dass gewisse antiseptische Cautelen außeracht gelassen wurden; z. B. die unreine Spritze war vor dem Gebrauche nicht sterilisiert worden, die ImpfstotTphiolen waren dem Sonnenlichte ausgesetzt. oder an der Luft offen geblieben etc.
Aus den angestellten Versuchen und den gesammten Daten resultiert Folgendes:
1.nbsp; nbsp;Im allgemeinen sprechen die Versuche und die Erfolge für den Nutzen der Impfung.
2.nbsp; nbsp;Die Impfung wird von Rindern ohne Rücksicht, auf Alter und Hasse gleich gut vertragen: die Impfung trächtiger Kühe ist nicht räthlich. da leicht Abortus und Frühgeburt eintreten kann.
3.nbsp; Ebenso können Schafe ohne Rücksicht auf Alter. Geschlecht und Rasse ohne Besorgnis geimpft werden. Durch die Schutzimpfung wird die Seuche in bereits inticierton Heerden unterdrückt, coupiert.
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46nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Speeieller Theil.
4.nbsp; Pferde ertragen in jedem Alter ganz gut die Impfung.
5.nbsp; nbsp;Die Impfung muss alljährlich wiederholt werden, da die Immunität der geimpften Thiere nur ein Jahr dauert.
Die Impfung wird mittelst einer Pravazspritze ausgeführt, und zwar impft man Schafe auf der Innenseite des Schenkels. Rinder hinter der Schulter und Pferde am Halse, damit die Impfstelle nicht vom Gesehirr gedrückt wird.
Veterinärpolizei: Österreich: sect; 27. Ungarn:
sect; 60(54. Deutsch land: sect; 3133 des Gesetzes vom 23. Juni 1880.
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2. Pocken, Blattern, Variolae,
nennt man eine fieberhafte Infectionskrankheit. bei der auf der Haut und auf den Schleimhäuten kleine Pusteln entstehen, welche den Ansteckungsstolf enthalten. Sie befällt Pferde, Rinder. Schafe. Ziegen. Schweine und Hunde.
Die Krankheit ist unbedingt so hohen Alters, dass es vergebliche .Mühe ist. ihrem ersten Auftreten nachzuforschen. Als die Heimat der Pocken wird Indien und China betrachtet. Die ersten sicheren Nachrichten über diese Seuche stammen von den Arabern; so berichtet Masudi, dass die im Jahre 570 n. Chr. Mekka belagernden Abessynier davon befallen wurden, und der um 622 lebende syrische Arzt Aren beschreibt sie als bekannte Krankheit. Rhazes, der die Kenntnis der Pocken schon Ga-lenus zuschreibt, liefert um 992 die erste Monographie derselben. Nach Europa wurden die Menschenpocken erst im XI. Jahrhundert von den Arabern und Mauren über Spanien eingeschleppt, von wo sie. wie es scheint, nach Amerika gebracht wurden und dort unter den Eingeborenen schreckliche Verheerungen anrichteten. .Das erste Auftreten der Schafpocken beobachtete Joubert im XVI. .Jahrhundert in der Umgebung von Montpellier, während die Kuhpocken schon hinge Zeit in England bekannt waren. Hinsichtlich der Pferdepocken wurde durch H. Rouley erst 1863 der Beweis geliefert, dass der .Mauken-
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Poeken, Blattern, Variolae.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;47
ausschlag mit den Poeken identisch ist, und dass die Equine von gleicher Wirkung wie die Vaccine ist.
Die Ursache der Pocken ist lediglich eine Ansteckung durch ein endogenes Oontagium. Dieses ist in dem Inhalte der Pocken enthalten und mit diesem auf andere Thiere und den Menschen übertragbar. Der charakteristische Ausschlag zeigt einen typischen Verlauf, der bei allen Thiergattnngen derselbe ist: er liisst sich am deutlichsten auf nicht pigmentierter Haut beobachten. Es bilden sich an gewissen Stellen ruthliehe Knötehen in der obersten Schichte der Lederhaut, in welche ein Exsudat ergossen wird, wodurch eine Hebung der Epidermis stattfindet, und zwar so, dass in der Mitte der zumeist scheibenrunden Bläschen eine Vertiefung entsteht, die Nabel (Delle) genannt wird. Der Dan dieser Bläschen ist ein fächerartiger, so dass durch einen Einstich nur ein Fach entleert wird. Nach einigen
, Tagen wird der Inhalt der klaren Bläächen trübe und eiterig, es entstehen Pusteln, wobei die Delle verschwindet, endlich vertrocknet der Inhalt zu einer braunen Kruste, die sich abhebt
und je nach derquot; Tiefe des stattgehabten Processes eine mehr oder minder tiefe Narbe hinterlässt. Die Fiebererscheinungen sind vor dem Ausbruche der Blattern sehr heftig, lassen
#9632; nach der Eruption nach, um nach der Dauer der Eiterung wieder zu steigen: beim Abtrocknen der-Pusteln schwinden sie vollkommen.
Die Ansicht, dass jede Pockenform eine vollständige Krankheit darstellt, ist sehr getheilt. So hält Bellinger nur die .Menschen- und Schafpocken für selbständige Hauptarten, für primäre Pocken, während er die anderen Formen als verirrte oder seeundäre Pocken betrachtet. Sowohl bei Menschen- als auch bei Schäfpocken lässt sich der rrspnmg von pockenkranken Menschen, respective Schafen nachweisen, während die Pocken der übrigen Hausthiere in letzter Linie immer von den primären Pocken abstammen; natürlich können sie auch wechselseitig voneinander abstammen. Das Virus aller Pockenformen ist jedoch identisch: das beweist die wechselseitige Üb er tragbarkeit, sowie die Gleichwertigkeit in der Wirkung,
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Pocken dei' Pferde, Variola eqiiina (Schutzmauke, echte
Mauke).
Bei den Pferden wird schon lange ein pustulöser Ausschlag beobachtet, welcher, auf Kühe übertragen, die Kuhporken veranlagst. Trasbot hält denselben für identisch mit der Druse, ja für die gewöhnlichste normale Form derselben. Jenner berichtet, dass es die Überzeugung der englischen Landleute war. dass die Kuhpoeken von der Mauke herrühren, indem sie sich nur in Ställen linden, wo Pferde und Kühe von denselben Knechten gewartet werden; bald nach Ausbruch der Mauke bei den Pferden erfolgt bei den Kühen der Poekenausbrueh. Nun ist dies aber nicht gar so strenge zu nehmen, denn Thatsachen beweisen, dass Kuhpoeken auch an Orten aultreten, wo keine Pferde sind, oder wo jede Infection durch solche ausgeschlossen ist. Dies bestätigt eben die Ansicht Oolemans, Saccos, Woodwilles u.a.. dass die Kuhpocken wohl durch das Maukecontagion entstehen können, aber nicht unbedingt dessen Folgen sein müssen. Diese Krankheit kommt in Österreich, Deutschland, Ungarn sehr selten vor und fast niemals seuchenartig, sondern sporadisch, während sie in Frankreich sogar iit seuchenartiger Verbreitung beobachtet wird.
Ätiologie. Eine originäre Entwicklung kommt nicht vor. sondern die Pferdepocken entstehen nur wie schon oben erwähnt infolge infection durch Menschen- oder Kuhpocken. Versuche haben dargelegt, dass Pferdepocken sowohl durch Menschenpoeken als auch durch humanisierte oder ovucisierte Vaccine hervorgerufen werden können: nach Chauveau auch durch subcutane und intravenöse Impfung. Der Ansteckungsstoff ist ein Contagium fixer Natur, bis jetzt jedoch noch völlig unbekannt: er gehört vielleicht gar nicht zur Classe der Bakterien. Chauveau fand in der Lymphe der Bläschen minimale bewegliehe Zellen, die er für den Krankheitserreger hält. Neuerdings hat Buttersack im serösen Pustelinhalt nach der Eintrocknung eigenartige fädige Gebilde wahrgenommen, aus denen sieh in einer gesetzmäßigen Weise .sporenartige Körper entwickelten.
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Poeken, Blüttcm. Variolae.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 49
Durch Impfung der Pferdepocken auf Menschen und Kühe wird ein der Kuhpoc-ke sehr ähnlicher Aussehlag veranlasst. so dass man zur Annahme berechtigt ist, dass die Equine gleichwertig mit der Vaccine ist. Die Krankheit kann durch Nebeneinanderstellen der Thiere übertragen werden. Die Zwischenträger des Infectionsstoffes sind gewühnlich die Pferdewärter, dann die Schmiede beim Beschlagen der Pferde.
Das Incubationsstadium beträgt circa eine Woche.
Symptome: Der Sitz der Erscheinungen ist gewöhnlich der hintere Theil der Fesseln, oft auch das Schienbein, dann die Nase, Lippen, Lefzen, Hals. Bindehaut der Augen, Maulschleim-haut und hie und da auch die ganze Haut. Von den Extremitäten werden gewöhnlich am leichtesten die weißgezeichneten Hinterbeine ergriffen. Die Haut in der Fesselbeuge wird hoch gerüthet, schwillt an. wobei zumeist Fieber vorhanden ist. welches aber häufig so geringfügig ist. dass es übersehen wird. Je nach dem Grade des Fiebers sind die Thiere matt, ohne Appetit, gehen infolge der schmerzhaften Anschwellung lahm und schonen gerne den erkrankten Fuß. Nun erheben sich auf den gesell wollenen Theilen Bläschen, die mit einer klaren, gelblichen Flüssigkeit (Equine) gefüllt sind. Die Bläschen verwandeln sich in Pusteln, deren zäher Inhalt an der Luft bald zu braunen Krusten vertrocknet. Infolge der Anschwellung legt sieh die Haut in den Fesseln in Falten und wird leicht schrundig und rissig; nach Abstoßung der Epidermis erscheint sie mit einer schmierigen, übelriechenden Flüssigkeit bedeckt. Das Fieber lässt nun nach, ebenso die Anschwellung, innerhalb kurzer Zeit stoßen sich die Krusten ab, unter denen sich eine frische Epidermis gebildet hat.
Prognose: Sie ist recht günstig: zumeist pflegt Selbstheilung einzutreten. Die Dauer der Krankheit beträgt gewöhnlich vierzehn Tage bis drei Wochen: wenn jedoch starke Schrundenbildung vorkommt, so kann auch eine Verzögerung eintreten.
Therapie: Eine Behandlung wird in den seltensten Fällen nöthig sein, es wird genügen, sich auf ein hygienisch-diätetisches Verhalten zu beschränken. Da wird das erste sein: reiner, zugfreier Stall, hohe, reine Streu, leicht verdauliches Futter und
Kü st*Mi hau m, Qrundriss dor TMersenclien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4
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50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Specieller Theil.
schwach angesäuertes Wasser. Ist die Entzündung sehr heftig. so applieiere man eine verdünnte graue Quecksilbersalbe, und zwar 1 Theil Salbe auf 3 Theile Olivenöl. Gegen zu starke Aussehwitzung wird das täglich mehrmalige Bepinseln der Stellen mit einer Kupfemtriollösung 1 : 100150 nützen. Etwaige Schrunden oder Risse empliehlt sich mit einer 3%'S'en Hüllen-steinlösung zu bepinseln, oder noeli besser mit einer Jodofonn-salbe (l Theil Jodoform, 5 Theile Vaseline) zu behandeln. Besonders rationell ist die Anwendung von Jodoform und Eichenrindenpulver zu gleichen Theilen als Streupulver. Bei dieser Methode wird man gut thun. zur Fixierung des Pulvers, wenn nur irgend möglich, einen Verband anzulegen.
Kuhpocken, Variola vaccina.
Als Kuhpocken bezeichnet man einen auf den Strichen und Euter vorkommenden Ausschlag, der zumeist bei jungen, frischmelkenden Kühen auftritt, ganz ohne, oder mit sehr geringem Fieber verläuft und sich durch Impfung auf alle Hausthiere und den Menschen übertragen lässt. Die Kuhpocken treten heutzutage sehr selten auf. oft werden sie auch übersehen oder verkannt, während sie zu Ende des vorigen und am Anfang dieses Jahrhunderts in England, Irland, den Nord- und Ostseeprovinzen häutig vorkamen. Numann und Bitter, die die Krankheil in seuchenartiger Verbreitung zu beobachten Gelegenheit hatten, berichten, dass dann selbst Stiere. Ochsen und Kälber, nicht nur Kühe davon befallen wurden, dass sich das Exanthem, wenn auch selten, so doch immerhin selbst bis auf den inneren Theil der Schenkel verbreitete. Noch seltener ist der Ausschlag über den ganzen Körper ausgedehnt. Die Kuhpockenlymphe (Vaccine) wird zur Impfung der Mensehen benützt, um diese gegen die .Menschenpocken zu schützen.
Atiologie: An eine selbständige Entwicklung der Kuhpocken ist nicht zu denken: ebenso sicher ist es, dass die generellen Ursachen, wie: Veränderung in der Fütterung und Lebensweise. Congestionen bei der Brunst etc.. die Kuhpocken nicht
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veranlassen können, sondern die einzige und alleinige Ursache derselben die Infection ist. Diese kann stattfinden: durch Cber-tragung der Lymphe der Schutzmauke durch gemeinschaftliche Wärter, auf Weiden, durch Übertragung der Menschenpocken etc. Bollinger und Dammann .sind der Ansicht, dass die letzte Ursache die häufigste ist. nämlich, dass die Kuhpocken zumeist infolge Infection mit der humanisierten Vaccine ausbrechen und weist ersterer auf die Thatsache hin. dass die Kuhpocken insbesonders an Orten und zu Zeiten entstehen, wenn die Impfung der Kinder vorgenommen wird, oder wenn die Pocken in raquo;Blütelaquo; sind.
Die Zwischenträger des Poekeuvirus sind die Wärter, die die Kühe melken und dadurch den Ansteckungsstoff von Thier zu Thier tragen, häufig aber auch selber Hände. Ann und Gesicht mit Pusteln bedeckt bekommen, dann die Streu, wodurch selbst Stiere. Ochsen und Kälber inficiert werden können.
Der eigentliche Infectionserreger ist noch nicht sichergestellt. F. Colin fand in der Lymphe den Mikrococeus variolae, ein farbloses, sehr kleines Bacterium, welches er für den Krankheitserreger hält, während Hallier in der Lymphe einen Mikrococeus entdeckte, der. zusammengehäuft, roth gefärbt erscheint, und welcher cultiviert. zu einem von Torula rufescens sich nicht zu unterscheidendem Gidium entwickelt. Da sich nun Torula rufescens und dessen Mikrococeus fast immer in der Milch und im Colostrum belinden, glaubt Hallier. dass sich die Kühe mit der eigenen Milch infieiereii.
Das Contagium wird nur dann zur Wirksamkeit gelangen, wenn es in die verletzte Haut dringt: bei subeutaner und intravenöser Impfung erfolgt gar kein Pockenausbruch, doch werden die Thiere gegen spätere Impfungen immun. Durch Impfung echter Vaccine auf anderes Rindvieh erhält man nur locale Pusteln ohne alle Nebenerscheinungen. Das Ineubationsstadium dauert 79 Tage, bei directer Impfung 57 Tage.
Symptome: Dem Ausbruche der Poeken geht gewöhnlich Fieber voraus, das jedoch öfters so gering ist. dass es übersehen wird, ebenso sind die sich etwa einstellenden Verdauungsstörungen nur unbedeutender Natur. Deutliche Veränderungen zeigt
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52nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Speeiellei' Tlioii.
die Milch, und zwar sowohl hinsichtlich der Qualität als auch der Quantität; sie wird wässerig, dünn, gerinnt sehr leicht und wird für den Genuss unbrauchbar. Bedeutend auffallender sind die localen Erscheinungen, die auf dem Euter und den Strichen eon-centriert sind. Diese .schwellen an. werden schmerzhaft, so dass die Thiere sich nur widerwillig melken lassen; nach 34 Tagen erscheinen gerüthete Knötchen in ziemlich beschränkter Zahl, die linsen- bis bohnengroß sind. Nach 2448 Stunden vertiefen sich diese Knötchen in der Mitte nabelartig (Delle) und es bilden sich Bläschen mit serösem Inhalt, die am Euter rund, an den Strichen elliptisch sind und einen rothen Hof mit derbem, wulstigen Rand besitzen. Die Bläschen sind je nach der Haut verschieden; bei weißer, sehr feiner Haut bläulichweiß mit perlmutterartigem Glänze, bei hellfarbiger, dünner Haut metallisch rothglänzend, bei dunkler, dünner Haut bleifarbig glänzend, bei ungefärbter, dicker Haut, ralnnähnlich und glänzend. In diesem Zustande sind die Bocken reif und geeignet zur Ausführung der Schutzimpfung. Diese Reife erlangen die Bocken zwischen dem siebenten und neunten Tage der Krankheit. Nun wird der Bläscheninhalt bald trübe, eiterig, trocknet ein und es entsteht eine braune oder schwarze, glänzende Kruste, die nach 10 bis 14 Tagen von selbst abfällt und eine mehr oder minder tiefe Narbe hinterlässt, die am Anfange bläuliehroth ist. mit der Zeit aber abblasst. Die Entwicklung der Poeken ist keine gleichmäßige, sondern sie erfolgt schubweise, so dass man auf demselben Thiere Borken und Knötchen zu gleicher Zeit beobachten kann.
Prognose: Die Kuhpocken sind im allgemeinen ein ungefährliches Leiden und ist die Vorhersagung, abgesehen von dem Ausfall an Milch, ganz günstig. Obwohl der Verlauf der einzelnen Pocken ein aeuter ist und bis zum Abfallen der Borken 21 Tage dauert, erstreckt sich dennoch die Dauer des ganzen Processes, mit Rücksicht auf oben erwähnte Nachschübe, oft auf 4 6 Wochen. Durch mechanische Insulten, wie rohes Melken, durch harte Streu, dann durch Beschmutzung der Pocken mit Koth und Harn, können auf dem Euter und den Strichen (ie-
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schwüre entstehen, die die Dauer der Krankheit verlängern und eine aufmerksame Behandlungquot; erfordern.
Therapie: Eine besondere Behandlung wird nie noting sein: es wird vollkommen genügen, für reinen Stall und reine Streu zu sorgen. Das Euter ist auch besonders rein zu halten und schonend, aber unbedingt auszumelken. da bei Unterlassung des Austnelkens sich die entzündlichen Vorgänge im Euter steigern können, und auch der Milchertrag für das weitere Leben bedeutend verringert bleiben kann. Um auch die Reizung des Euters beim Melken zu umgehen, wird sich die Anwendung von Melkröhrehen besonders empfehlen. Bei sehr heftiger Enzündung wird man gut thun. folgendes Liniment zu benützen, welches aus 1 Theil Bleiessig und 78 Theilen Olivenöl besteht, womit man die betreffenden Stellen des Euters und der Striche mehrmals im Tage bestreicht.
Zur Verhütung der Weiterverbreitung der Kuhpocken wird es genügen, die kranken Kühe zuletzt, oder von einer besonderen Person melken zu lassen.
Auf dem Euter und den Strichen treten noch Ausschläge auf. die sehr leicht mit den Pocken verwechselt werden können, deren Form und Verlauf jedoch ganz verschieden von denselben ist, und die bei Impfung keine Vaccine entwickeln. Man nennt diese Exantheme falsche Pocken, und unterscheidet Hering folgende Artem Spitzpocken auch Naehpoeken. da sie häufig nach den echten Pocken entstehen. Kleine, spitze Knütehen ohne Lymphe, mit einer Dauer von 4 6 Tagen. Stein- oder Warzenpocken, linsen- bis haselnußgroße Knoten, die wochen-, selbst monatelang hart bleiben und sich nur allmählich zurückbilden. Wasserpocken, in welchen sich rasch eine wässerige Lymphe bildet, wodurch selbst kirschengroße Blasen entstehen, die leicht platzen. Wird der Inhalt rasch resorbiert, so dass eine leere Epidermishülle bleibt, so nennt man sie Windpoeken.
Kuhpockenimpfung.
Bevor ich zum Abschlüsse dieses Capitels schreite, möge hier noch eine kurze Beschreibung einer der segensreichsten
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54nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Speeioller Theil.
Entdeckungen auf dem Gebiete der Menschenheilkunde Raum finden, sowie die Biographie des unsterblichen Entdeckers: ich meine Dr. Jenner und die Kuhpookenimpfiing.
Edward Jenner wurde am 17. Mai 1749 als Sohn eines Geistlichen zu Berkeley, in der englischen Grafschaft Gloucester geboren, lernte bis 1770 bei einem Wundarzte in Sudbury bei Bristol und setzte alsdann seine chirurgischen Studien in London fort. In seinem Geburtsorte, wo er sieh niederließ, befasste er sieh außer mit medicinischen, auch mit naturhistorischen Studien. Auf die Schutzkrafl der in seiner Gegend öfter herrschenden Kuhpocken gegen die Mensehenpoken schon früher durch die Äußerung einer Bäuerin aufmerksam gemacht, verfolgte er diesen Gegenstand seit 1775 und kam auch durch unermüdliche Ausdauer so weit, dass er 1788 mit sich selbst über das Verhältnis der Kuhpocken zur Menschenpocke einig wurde. Eine abermals ausbrechende Kuhpockenepidemie gab ihm Gelegenheit, seine Entdeckung praktisch anzuwenden. Am 14. Mai 1796 impfte er einem achtjährigen Knaben die Kuhpocken von der Hand einer Melkerin und siehe, die demselben später eingeimpften 'Menschenpocken blieben ohne alle Wirkung. Er machte diese seine Entdeckung in einer Schrift bekannt, die bald Anerkennung in reichem Maße erhielt und sich rasch über Europa und Amerika verbreitete. Seine letzten Lebensjahre verlebte Jenner theils in Cheltenham, theils in Berkeley, wo er auch am 26. Jänner 1823 starb. Das englische Volk ehrte Jenners Verdienste im Jahre 1802 durch ein Xationalgeschenk von 10.000 Pfund Sterling, im Jahre 1807 durch ein zweites von 20.000 Pfund Sterling und im Jahre 1857 durch Errichtung einer Statue im Trafalgar Square zu London.
Schon sehr früh machte man die Beobachtung, dass die Pocken zur Zeit epidemischen Auftretens besonders gefährlich sind, in spontan auftretenden Fällen, sowie bei der Übertragung des Pockenvirus durch kleine Hautverletzungen dagegen ungleich milder und gutartiger verliefen, weshalb die künstliche Einimpfung der Menschenblattern, oder die Variolation, schon im frühen Alterthume geübt wurde. Bei den Lidern wird ihrer schon
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erwähnt, dann bei den Chinesen. Arabern. Oircassiern und anderen asiatischen Völkerschaften. In die Culturstaaten Europas wurde die natürliche Impfung im Jahre 1718 durch Lady Montague eingeführt und Tand liier rasch durch Heilster, llufe-land, Portal. Sutton. Tissat u. a. Verbreitung. Hald stellte es sich aber heraus, dass einerseits die Variolation keine un-gefälirliehe Operation ist, und anderseits die Zahl der Blattern-kranken nicht vermindert wurde, da jeder Geimpfte leicht eine neue Quelle der Infection für die Nichtgeimpften wurde. Deshalb wurde am Ende des XV111. Jahrhunderts die Impfung nach und nach ganz aufgelassen. Da wurde Ed. Jenner durch die Beobachtung, dass durch Kuhpocken Angesteckte von Blattern nicht befallen wurden, zu der richtigen Entdeckung geführt, dass die Cberimpfung der Kuhpocken auf Menschen als sicheres Schutzmittel gegen die Menschenpocken wirkt. Nach dem gelungenen Versuche an dem achtjährigen Knaben James Phipps am 14. Mai 1796 verbreitete sich die Kuhpockenimpfung sehr rasch in ganz England, und schon im Jahre 1799 wurde das erste öffentliche Impfinstitut errichtet. Bis Ende 1800 wurden bereits 12.000 .Menschen nach der neuen Methode geimpft. In Deutschland wurde die Vaccination 1799 1800 durch die Arzte Ballhorn, Heim. Hufeland. Stromeyer, Sömme-ring u. a.. in Frankreich durch Aubert. in Italien durch Sacco eingeführt. Durch de Carro in Wien wurde die Impfung auch nach dem Orient gebracht.
Seit der Ausübung der Kuhpockenimpfung I Vaccination i sind die Pocken fast gänzlich verschwunden: die hie und da sporadisch auftretenden Fälle sind sehr leichter Natur. VS as das heißt, wird man verstehen, wenn ich anführe, dass z. B. im Jahre 179(5 im Königreiche Preußen allein über 30.000 Menschen an Kuhpocken starben, anderseits ein großer Theil der dem Tode entgangenen, in schrecklicher Weise verstümmelt, blind, taub und des Gebrauches' ihrer Glieder beraubt wurden. Es bleibt immerhin möglich, dass ein Geimpfter ausnahmsweise von den echten Pocken hefallen wird, ebensowenig ist aber auch jemand nach dem Überstehen der echten Pocken vor einer neuen Infection
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56nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Speeieller Theü.
gesichert. T^ei solchen Personen treten aber die Pocken in sehr milder Form als Varioloiden auf.
Die Impfung gewährt nur auf gewisse Zeit Schutz, und zwar im allgemeinen auf 12 15 Jahre: nach dieser Zeit ist eine Wiederholung der Impfung, Eevaccination. nothweudig. um die Person auch weiter immun zu erhalten.
Wie jede Entdeckung, hat auch diese ihre Gegner, die außer den Zweifel an der Wirksamkeit der Pockenimpfung, noch geltend machen, dass durch dieselbe auch eonstitutionelie Krankheiten verbreitet werden können, hauptsächlich Tubereulose, Scrophulose und Syphilis. Die Möglichkeit einer solchen Übertragung ist wohl vorhanden, sie lässt sich jedoch sehr leicht durch sorgfältige Auswahl der Stammimpflinge, noch sicherer aber durch Anwendung reiner Thierlymphe verhüten. In der That zeigte es sich, dass unter einigen hundert Millionen Impflingen kaum 3040 Fälle von Übertragung solcher Krankheiten vorkommen und die lassen sich evident auf schlechte, nachlässige Impfung zurückführen.
Bei der Ausführung der Impfung ist die Wahl des Impfstoffes von großer Wichtigkeit: man impft entweder mit frischer Kuhpockenlymphe, die von spontan erkrankten Kühen entlehnt, oder in eigenen Impfinstituten durch die Eüekimpfung (Eetroraceination) vom Menschen auf das Kalb regeneriert wird (animale Impfung) oder man impft nur mit humanisierter Lymphe von gesunden, zum erstenmal geimpften Kindern. Welche dieser Methoden besser und wirksamer ist, ist noch unentschieden, bei jeder gibt es für und wieder: am empfehlenswertesten scheint mir wohl, mit reiner animaler Lymphe zu impfen, die aus gut überwachten Impfanstaiten stammt. Solche Institute bestehen in Österreich. Deutschland, Italien, der Schweiz. Belgien und anderen Staaten und verwenden diese zumeist animale Lymphe, einige auch originäre Vaccine.
Für die Oultur der animalen Vaccine verwendet man gesunde. im besten Ernährungzustande befindliche Kälber von 512 Wochen. Diese Kälber werden auf der vorher gereinigten Bauchdecke mit 60100 Stichen mit frischer oder conservierter Lymphe geimpft. Nach 45 Tagen haben sich auf den Impfstellen bläulichweiße.
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durchscheinende, mit einem rothen Stoffe umgebene Knoten entwickelt, worauf auch die beste Zeit zur Abnahme der Lymphe eingetreten ist. Am 6. Tage soll keine Lymphe mehr abgenommen werden, da dieselbe in ihrer Wirkung schon im verlasslich ist. Von einem Kalbe lassen sich auf diese Weise 10003000 Portionen Lymphe gewinnen. Die Lymphe wird sofort verwendet oder man conserviertsie zum spateren Gebranch. Die Aufbewahrung derselben geschieht in Haarröhrehen, deren Enden verschmolzen werden, doch lässt sich derart conservierte Lymphe nicht lange aufbewahren. um länger wirksam bleibende Lymphe zu erhalten, taucht man lanzettförmige Eisenplättchen in solche und lässt sie antrocknen. Der aus geklemmten Pocken abgestreifte Brei wird am besten zwischen Grlasplättchen gebracht, deren Pander mit Paraffin verschlossen werden. Vor Benützung muss man die auf den beiden letzten Orten conservierte Lymphe mit lauem Wasser erweichen. Gut bewährt hat sich auch das Pissin- und das Eeissner'sche Conservierungsverfahren. Nach. Pissin setzt man der Lymphe eine Glyeerinmischung, bestehend aus gleichen Theilen dreifach sterilisiertem Glycerin und 72% Salicylwasser zu. erzielt dadurch auch eine größere Impfstoffmenge. Reissner bringt die mit einen scharfen Löffel abgeschabte Poekensubstanz auf Glasplatten in den Troekensehrank und bewahrt die Lymphe darin bis zum Gebrauche als Pulver auf.
Von vielen Seiten befürchtet man. dass bei Anwendung der animalen Impfung leicht eine Infection der Impflinge mit Tuberkelgift stattfinden kann, durch die beim Binde vorkommende Perlsucht. Xun kommt diese Krankheit bei jungen Kälbern rocht selten vor, so dass die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung sehr gering ist und selbst diese kann man beseitigen, wenn man den Bath Pol lingers befolgt und die zur Impfung benutzten Kälber vor Gebrauch der Vaccine schlachtet und untersucht. Übrigens bestreitet Bollinger die Möglichkeit der l'bertragung der Tuberculose durch die Impfung, indem er nachweist, dass das tuberculose Virus durch die cutane Impfung-, die doch bei der Vaccination angewandt wird, überhaupt nicht in den Körper dringt.
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Specieller Theil.
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lriu'. 9,
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Die Impfung wird mittelst der Impfnadel oder der Impflanzette (Fig. 9 und 10) ausgeführt und wählt mau als Ort der Impfung Jen Oberarm, oder wie bei den besseren Ständen Frankreichs und Amerikas üblich den Oberschenkel. Man macht 48 Einstiche, und zwar soweit entfernt voneinander, dass die Pusteln nicht ineinander Hießen. Nun entwickelt sich ein Knötchen, das am fünften bis sechsten Tage zum Bläsehen wird, nach circa drei Wochen abfällt und eine strahlige Narbe hinterliisst.
Es ist einleuchtend, dass man eine solch wichtige Maßregel zur Hintaahaltung einer Epidemie, nicht dem Willen des Einzelnen überlässt und überlassen darf: in Würdigung dessen gibt es auch fast in jedem Cultur-staate Uesetze. die die Impfung regeln und in verhältnismäßig kurzer Zeit haben diese Impfgesetze den größtmöglichen Erfolg /.n verzeichnen: Die Pocken sind in den betreffenden Staaten so gut wie ganz verschwunden.
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Impfnadel,
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Fig. 10.
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Pocken der Schafe. Variola ovina.
Die Schafpoe ken sind eine durch Infection entstehende schwere Allgemeinerkrankung, die immer mir, Fieber einhergeht und gewöhnlich seuchenartig auftritt. Sie gehen spontan, als auch durch Impfung auf Menschen, Hinder, Ziegen und auch Schafe über, während Menschen-und Kuhpoeken nicht übertragbar sind. Nach .Mitteleuropa sind die Schafpocken, wahrscheinlich gleich den Menschenpoeken aus dem Orient eingeschleppt worden und wird ihr erstes Auftreten sicheren Daten zufolge im £71. Jahrhundert erwähnt. Während früher Schafpockenseuchen in großem Maßstäbe nichts seltenes waren, kommt , lm|lfquot; heute die Schafpoeke weniger vor: die erste Ursache
lanzette,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^
dieser Eindämmung der Seuche ist unstreitig die Nicht-ausübung der Schutzimpfung, die zweite, jedoch nicht weniger wichtige Ursache ist, dass der Verkehr sich heute zumeist pei
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Poekon, Blattern. Variolae.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 59
Kaiin abwickelt, wodurch es nicht uöthig ist. die Heerden auf Wege zu treiben, die vorher vielleicht von erkrankten Thieren betreten wurden. Die Verluste, die die Pockenseuche verursachte, sind geradezu enorm: Salmuth berichtet 1804. dass der achte Theil aller Schafe an Pocken eingeht, während nach Liebbold 1817 der jährliche durch die Pocken veranlasste Verlust in Ungarn 159.000 Schafe betrug. Laubender veranschlagt den jährlichen Verlust in Österreich und Preußen auf eine Million Schafe.
Ätiologie: Die Schafpocke entsteht nur durch Ansteckung, welche auf mannigfache Art erfolgen kann: entweder durch Einbringung pockenkranker oder eben durchseuchter Schafe in eine Heerde, dann durch Betreten von Wegen. Weiden und Ställen, die kurz vorher von erkrankten Thieren benützt wurden, endlich durch verschiedene Zwischenträger, wie: Dünger, ßauhfutter, Pelle. Wolle, menschliche Kleider, dann Hunde. Katzen. Geflügel etc. Die Hauptursache der Schafpocken ist zweifellos die Schutzimpfung. da die Impfpocken sich oben so gut und so leicht verbreiten, können wie die natürlichen Pocken. Wir sehen auch, je mehr man davon abkommt, umso seltener wird die Pocke. Der Ansteckungsstoffist fix und flüchtig; er haftet andern lymphatischen Bläseheninhalt. den Pockenschorfen, au den Secreten und Excreten und am Blute; dann an der Athmungsluft und der liautausdünstung. Das Virus kann auch durch die Luft verbreitet werden, und zwar beträgt der infectiöse Luftkreis der ruhigen Luft 202öm. bei bewegter Luft 200;laquo; und mehr. Die Tenacität des Virus ist eine sehr bedeutende; in geschlossenen nicht-gereinigten Ställen erhält es sich bis zu einem Jahr lang wirksam, während es durch freien Luftzutritt, durch eine Temperatur von 62deg; 0, Chlor und Alkohol zerstört wird. Durchseuchte Schafe, ebenso geimpfte wirken noch monatelang nach Ablauf der Krankheit ansteckend. Die Infection erfolgt entweder durch Einaihmen des in der Atmosphäre dispensierten Infectionsstoffes oder Berührung eines Trägers desselben mit der Haut oder Schleimhaut, endlich durch absichtliche Impfung.
Alter. Geschlecht. Rasse und Ernährungszustand bedingen keine besondere Prädisposition; alle Schafe erkranken gleich leicht
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ßQnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Speeieller Theil.
an den Poeken. Dennoch aber bleiben bei Ausbruch der Seuche 230 0 der Thiere davon verschont; die Ursache dieser Immunität ist unbekannt. Durchseuchte Thiere bleiben während ihres an und für sich kurzen Lebens vor Wiedererkrankung verschont, das heißt sie werden immun. Wie Ackermann n. a. feststellte, sind neugeborene Lämmer nach Impfung der Mutterschafe kurz vor dem Ablammen immun, während anderseits bei Ausbruch der Seuche in einer trächtigen Mutterheerde die Infection der Lämmer selbst im Mutterleibe statthaben kann.
Symptome: Hei den Sehafpoeken lassen sich genau fünf Symptomgruppen unterscheiden:
1.nbsp; nbsp;Das Incubationsstadium. Es beträgt bei natürlicher Infection 610 Tage, bei Impfung nur 34 Tage. Die Thiere äußern noch gar kein Zeichen der Erkrankung, höchstens zu Ende des Stadiums geringe Niedergeschlagenheit und Mattigkeit.
2.nbsp; Das Prodromalstadium, mit welchem die ersten charakteristischen Symptome der Krankheit erscheinen. Es tritt Fieber ein. welches nicht selten auf 41 42deg; C steigt, dabei herrseht Appetitmangel, unterdrücktes Wiederkauen, vermehrter Durst, beschleunigtes Athmen, Katarrh der Bindehaut (Conjunctivitis), infolge dessen vermehrte Thränenabsonderung. Aus der Nase Hießt ein anfangs dünner, später zäher werdender Schleim. Währenddem stehen die Schafe steif, mit aneinander gestellten Beinen und gesenktem Kopfe, matt und traurig. Nach 12tägiger Dauer tritt
3.nbsp; nbsp;das Eruptionsstadium ein. Auf unbewollten oder mit wenig Wolle besetzten Stellen, besonders am Kopfe, an der Innenseite der Schenkel, an der Brust, dem Bauche, der unteren Schwanzfläche erscheinen kleine, liohstichähnliche, rotlie Flecken, die sich oft schon am nächsten Tage zu derben, mit einem rothen Hofe umgebenen Knötchen umbilden, die selbst die Große einer Linse oder Bohne erreichen. Die Knötchen blassen an der Spitze ab. die Epidermis bebt sich und es entstehen bläulichweiße Bläschen, die den charakteristischen fächerartigen Bau aufweisen, einen Xabel (Delle) besitzen und von einer klaren serösen Flüssigkeit erfüllt sind. Nun haben die Pocken ihre raquo;Reifelaquo; erhalten und zugleich die Verwendbarkeit zur Impfung. Nach der
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Pockeu, Blattern. Variolae.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;61
Eruption geht das Fieber bedeutend zurück, liisst bisweilen auch ganz nach. Die Eruption erfolgt nicht überall gleichzeitig, sondern schubweise und kommt es häutig vor, dass selbst auf der ^laul-und Rachenschleimhaut vereinzelte Poeken erscheinen. Die Dauer dieses Stadiums beträgt 68 Tage und folgt diesem
4.nbsp; nbsp;das Suppurations- oder Eiterungsstadium. Der bisnun klare Bläscheninhalt wird eiterig, trübe, die Delle verschwindet es entstehen Pusteln. Die Pustelbildung ist mit einer allgemeinen Steigerung der Symptome verbunden: das ganz oder theilweise geschwundene Fieber steigt wieder zu bedeutender Höhe, der Katarrh der Bindehäute und besonders der .Respirationsorgane wird heftiger, so dass nicht selten bedeutende Schlingbeschwerden und gefährliche Athemnotb eintreten. Der Ausfluss aus Augen und Xase ist reichlich, dabei schleimig-eiterig, die Thiere husten, häufig stellen sieh Durchfälle ein. Die Ausdünstungen und die ausgeathmete Luft der Kranken haben einen eigentbümlich süßlichen, dabei widerlichen Geruch, den man, einmal gerochen, nicht wieder vergisst. Dieses Stadium dauert für die einzelne Poeke 23 Tage, im ganzen, da der Ausbruch nicht gleichzeitig erfolgt ist. 56 Tage: diesem folgt das letzte, nämlich
5.nbsp; nbsp; das Exsiccationsstadium oder das Stadium der Abtroeknung. Die Pusteln troknen ab und es entstehen auf deren Oberfläche anfangs gelbliche, später schwarzbraun werdende festsitzende Schorfe, die nach einigen Tagen abfallen und röthlich-blaue Narben hinterlassen.
Nicht immer jedoch ist der Verlauf der Pocken ein so regelmäßiger, es kommen mehrfache Abweichungen vor. welche theils durch zu reichliches, theils durch zu spärliches Auftreten der Pocken, theils durch unvollkommene Ausbildung derselben ver-anlasst werden.
In erster Linie wären da die hämorrhagischen oder Brandpocken. Variola haemorrhagica und diphth erica, zu erwähnen. Bei dieser äußerst gefährlichen Form füllen sich die dicht beieinander stehenden Pocken mit blutigem Eiter, wodurch sie schwarz oder braunroth aussehen. Alle Symptome der Pocken treten hier besonders heftig auf. die Thiere verbreiten einen ab-
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schealichen Gestank, der durch die jauchigen Zerstörungen bedingt ist und gehen im Verlaufe von 78 Tagen elend zugrunde. Der Tod erfolgt entweder infolge von Eitervergiftung des Blutes (l'yäraie) oder infolge der sieh einstellenden bösartigen Durchfälle.
In manchen Füllen ist die Pockenbildung eine sehr reichliche, so dass die entstehenden Bläschen und Pusteln ineinander fließen. Man nennt diese Form der Pocken: zusammenfließende Bocken. Variola confluens. Auch hier sind die Allgemein-erscheinungen der Krankheit außerordentlich prägnant: das Fieber ist sehr heftig und nimmt während des Suppurationsstadiums noch zu. die Lymphdrüsen schwellen an und abscedieren, wodurch langwierige Eiterproeesse entstehen: und selbst auf der Schleimhaut des Rachens, der Luftröhre und der Bronchien erfolgen Pockeneruptionen. Im Dhterhautbindegewebe entstehen Abscesse, die sich häutig senken, wodurch ganze Hautstücke oder Gelenke zerstört werden. Auch bei dieser Form erfolgt selten Heilung, es gehen vielmehr in den allermeisten Fällen die Thiere infolge der gleichen Ursachen, wie bei den Brandpocken zugrunde. Die wenigen durchseuchten Schafe verkrüppeln, bleiben wollelos und siechen an chronischen Krankheiten dahin.
Die Stein-oder Warzenpocken bilden mehr oder weniger gerothete, harte Knötchen, die keinen Hof besitzen und sich nicht in Bläschen verwandeln. Sie verschwinden bald, indem sich die Epidermis nach und nach abschuppt. Sie sind gleich ansteckungsfähig, wie die übrigen Formen.
Bei schwächlichen Thieren oder bei ungünstiger Witterung beobachtet man eine langsam verlaufende Pockenform, die plattgedrückten Pocken. Diese wenig Lymphe enthaltenden Pocken erscheinen bisweilen auch auf Thieren mit normal ausgebildeten Pocken.
Nun wären noch zu erwähnen die emphysematischen Pocken und die vereinzelten Pocken. Bei ersteren lindet in den Pocken Luftentwicklung statt und sie bedingen fast immer letalen Ausgang: die letzteren treten wie schon der Name sagt sehr spärlich auf: es erscheinen 310 Poeken am Ge-
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sieht, Biiuclie and an der Innenseite der Schenkel, deren Verlauf meist fieberlos ist.
Prognose: Findet die Infection in einer Heerde bei einer großen Anzahl von Thieren gleichzeitig statt, so verbreitet sich die Seuche sehr bald über den ganzen Bestand. In den meisten Fällen jedoch erkranken zunächst einige Schafe, nach mehreren Tagen wieder einige und so fort, indem die Erkrankungen immer häuliger, die Zwischenpausen kürzer werden. In diesem Falle dauert es selbst mehrere Monate, bis es zur Durchseuchung einer Heerde kom mt.
Auf den besseren oder schlechteren Verlauf ist von bedeutenden Einfluss: die Constitution, die frühere Gesundheit der Thiere. die Form und Ausbreitung der localen Störungen, die Allgemeinerscheinungen und die Auljenverhältnisse. Bei alten, schwächlichen und von früher her kranken Schafen, bei kalter, nebliger, feuchtwarmer oder heißer Witterung, dann in Heerden, die enge in dunstigen, niedrigen Ställen stehen, die schlechte Nahrung und Pflege genießen, ist der Verlauf ein schwerer, während bei kräftigen, gesunden, aeclimatisierten Thieren, die in luftigen, geräumigen Ställen gehalten werden, gut genährt und gepflegt werden, bei heiterer, trockener, mäßig warmer Witterung, ein leichterer Verlauf zu erwarten ist. Sauglämmer unterliegen meistentheils der Seuche, männliche Thiere werden stärker befallen als weibliche, trächtige Mutterschafe verwerfen gewöhnlich.
Die unmittelbare Todesursache ist aber verschieden: der Tod erfolgt entweder infoltre Prämie, septischer Blutzersetznng oiler infolge der eingetretenen Complicationen, wie brandige Zerstörung auf .Maul-, Nasen- und Rachenschleimhaut. Lungenentzündung, Vereiterung der Gelenke und deren Folge u. s. w. Demgemäß wird auch das Sectionsbild sehr verschieden sein.
Wie wir sehen, ist die Prognose von vielen Factoren abhängig: je günstiger diese, umso günstiger ist die Vorhersagung. In jedem Falle ist sie jedoch ernst, denn selbst bei günstigstem Verlauf beträgt der directe Verlust 1015%^ 01' steigt jedoch bei schweren Formen bis auf 30. ja 50% und darüber. Dazu kommt noch ein beträchtlicher indireeter Verlust, veranlasst durch
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ß^j.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Specieller Thoil.
die häufigen Nachkrankheiten, durch das Verlammen der Mutter-
ihiere und durch den Ausfall an Wolle.
Therapie: Dieselbe ist ganz symptomatisch. In den meisten
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Fällen wird es genügen, sieh auf die Herbeiführung günstige Verhältnisse, respective Vermeidung aller verschlimmernden Einflüsse zu beschränken. Zu diesem Behufe separiere man die kranken Thiere von den gesunden, sorge für einen reinen, luftigen, aber zugfreien Stall und gute, reine Streu. Kräftigen Thieren reiche man nur mageres, kärgliches, mehr wasserhaltiges Futter, wie Grünfutter, Rüben, geschnittene Kartoffeln, während schwächliche Thiere eine reiche, kräftige Kost vorgesetzt bekommen, die aber leicht verdaulich sein muss; also am besten geschrotete Körner. wie Gersten- und Haferschrot, welches man abbrüht. Zum Getränk eignet sich zweckmäßig mit etwas Schwefelsäure angesäuertes Wasser. Patienten, die Schlingbeschwerden haben, bekommen lauwarme Mehl-. Kleie- oder Schrottränke. Bei gutartigem Verlaufe empfehlen sieh Leeken von Kochsalz, Salpeter oder Glaubersalz mit Hafermehl (1: 56). die zwei letzten Salze können auch mit Trinkwasser gereicht werden. Bei den bösartigen Poeken lluu man am besten, die Thiere zu tödten und sammt der Haut an einem entlegenen Orte zu vergraben. Will man jedoch vielleicht besonders wertvolle Thiere nicht ohne jeden Versuch aufgeben, so versuche man die Darreichung erregender Mittel, etwa Kampfer in Verbindung mit Enzian. Die etwa vorhandenen Abscesse werden gespalten und häufig mit desiniieierenden Lösungen gereinigt: Nase und Maul werden mit leicht mit Essig angesäuertem Wasser fleißig gewaschen: bei Durchfällen appliciere man adstringierende Klystiere. bei hartnäckiger Verstopfung Seifenklysmen. Mit vielen Geschwüren bedeckte Thiere und solche bei denen sich schon die erschöpfenden, schmelzenden Durchfälle eingestellt haben, behandelt man nicht, sondern tödtet sie_ da ein Erfolg keinesfalls zu erwarten ist.
Prophylaxe: Eine viel größere Wichtigkeit und Bedeutung als die Behandlung haben die prophylaktischen und veterinärpolizeilichen Maßregeln, die Einschleppung und Verbreitung der Seuche betreffend. Werden die veterinärpolizeilichen Verfügungen
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Pocken, Blattern, Variolae.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;05
zu spät ins Werk gesetzt, so bleibt nichts mehr übrig, als durch [mpfung eine Milderung der Seuche herbeizuführen. Durch dieselbe wird nämlich in der Mehrzahl der Fälle eine gelinde, locale Krankheit hervorgerufen, die indessen den betreffenden Tlüeren Immunität verleiht. Die Resultate der Impfung werden außerordentlich durch die günstigen oder ungünstigen Verhältnisse beeintlusst.
Die seit Ende des vorigen Jahrhnndertes gebräuchliche Impfung wurde zumeist als Schutzimpfung angewendet, das ist eine Impfung behufs Herbeiführung eines Schutzes vor einer möglicherweise später erfolgenden natürlichen Ansteckung zu einer Zeit, wo weder in der Heerde. noch in der Umgebung die Sehafpocken herrschen. Speciell in Deutschland, dann in Frankreich, Italien und Österreich wurde die Schutzimpfung fleißig geübt, und überall wurden Impfinstitute errichtet, die immer gute Pockenlymphe lieferten. Die Erfolge, die man erzielte, waren jedoch genug zweifelhaft, um von der Schutzimpfung abzulassen; man machte nämlich die Seuche durch dieselbe in den betreffenden Ländern einfach einheimisch. Man machte die Wahrnehmung, dass sogenannte eultivierte Ovine (Schafpockenlymphe), welche durch eine Reihe von Generationen nur eine locale Docke erzeugt hatte, plötzlich bei den Impflingen den Ausbruch allgemeiner Poeken hervorrief, und dass die Berührung geimpfter mit nicht geimpften oder nicht bereits durchseuchten Schafen einen generellen Pockenausbruch selbst noch einige Zeit nach der Abheilung der Impfpocke veranlassen kann, wodurch die gegenseitigen Behauptungen von Pessina, Bourgelat, Chalette u. a. hinfällig wurden. Durch die Schutzimpfung wurden dauernde Seuchenherde geschaffen, die für die Umgebung eine stete Ansteckungsgefahr bildeten. Böll theilt mit. dass durch die jährliche Lämmerimpfung die Seuche im Marchfelde in Niederösterreich nahezu wie eine enzootische Krankheit herrschte. Ger lach behauptet, dass die Schutzimpfung in ganz Deutschland mehr Opfer in Anspruch nahm, als selbst verbreitete Pockeninvasionen. Er verwirft sie daher ganz entschieden. Gegenwärtig zählt die Schutzimpfung nur mehr wenige Anhänger, da die Gefahr-
Kiist on bau m, Omndriss iKt Thterseacben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
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5(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Speeieller Theil.
lichkeit derselben iuuuw mehr eingesehen winl; in raan.eh.ea Staaten wurde sie sogar gesetzlich verboten.
Sind in einer Heerde die Pocken ausgebrochen, so wird mau vor allem die Separation der kranken von anscheinend gesunden Thieren vornehmen. 1st diese Absonderung midurehfiihrbar oder verspricht sie keinen Erfolg mehr, so wird man zweckmäßig die Nothimpfung vornehmen. Diese ist bei Ausbruch der rocken sehr empfehlenswert, denn sie sichert in den meisten Fällen eine mildere Form, rascheren Verlauf und schnelleres Durchseuehen. Üb die Impfung sofort vorgenommen werden soll oder nicht, hängt von den Witterungs- und den wirtschaftlichen Verhältnissen ab; werden diese nicht beachtet, so verursacht die Impfunggroße Verluste, die selbst ärger als bei natürlichen Pocken sein können. Immerhin verursacht die Nothimpfung Verluste, die aber sehr selten mehr als 2% betragen. Herrscht die Seuche in mehreren Heerden der umliegenden Gehöfte, so dass wenig Wahrscheinlichkeit besteht, sie abhalten zu können, so wird man möglichst bald die Impfung der noch nicht inficierten, aber bedrohten Heerde vornehmen. .Man nennt diese Art der Impfimg: Vorbauungs- oder Präcautionsimpfung. Da. wie oben erwähnt, die Impfpocken die Krankheit ebenso-ffut und so leicht verbreiten, wie die natürlichen Pocken, so
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sind die geimpften Schafe veterinärpolizeilich natürlich genau so zu behandeln, wie solche, die an den natürlichen Pocken leiden.
Die Impfung wird also, wenn möglich, auf eine günstige Zeit verschoben: bei kalter, feuchter Witterung, dann zur Lammzeit der Mutterschafe unterlässt man sie besser. Als Impfstelle benützt man die innere Ohrliäche oder die untere Fläche des Schwanzes. Die Impfung wird cutan durchgeführt, sub-cutan ist sie gefährlich, da sie eine allgemeine Pockeneruptiou veranlassen kann. Die Lymphe muss klar und wasserhell sein: man entnimmt sie wenn man von natürlichen Pocken impft von kräftigen und leicht ergriffenen, mit wenig Pocken besetzten Thieren, und zwar 68 Tage nach der Eruption. Entnimmt man die Ovine von Impfpocken, so sucht man Thiere, bei welchen
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Pocken, Blattern, Variolae.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;67
keine allgemeine Pockeneruption stattfand; die Abnahme iler Lymphe erfolgt 1012 Tage nach der Impfung.
Die Ausführung der [mpfung ist folgendermaßen: Man spaltet mit einem oberflächlichen Kreuzschnitt die passende Poeke, entnimmt mit der Impfnadel, die eine schmale mit einer Furche versehene Spitze hat. die Lymphe und sticht die Nadel Furche nach oben soweit unter die Oberhaut, dass die Furche bedeckt ist. Mit einer halben Wendung um die Längsachse dreht man die Xadel um und zieht sie. leise andrückend, wieder heraus. Man macht nur einen Impfstich; zerreißt die Epidermis unter der Nadel, so wiederholt man ihn. Ergibt sich nach 810 Tagen, dass die Lymphe nicht haftete, so unterwirft man diese Schafe einer neuerlichen Ovination. Die geimpften Schafe werden natürlich abgesondert gehalten von den nicht geimpften und erhalten gute Nahrung und Saizlecken.
Der Verlauf der Impfpocken dauert im ganzen 2025 Tage und ist ähnlich dem der natürlichen Docke. In den meisten Fällen einstellt nur eine l'ocke. die aber eine bedeutende Größe besitzt: 3craquo;! und mehr im Durehmesser. Bisweilen erfolgt die Eruption nicht an. sondern neben der Impfsteile, wobei dann die Docken kleiner sind. In manchen Fällen entwickelt sich keine Impfpocke, sondern es erfolgt ein allgemeiner Pockenausbruch.
Veterinärpolizei: Osterreich: sect; 30. Ungarn: sect; 8790. Deutschland: sect; 46- 49 des Beichsgesfetzes vom 23. Juni 1880.
Forensisches: Die Schafpoeken sind Gewährsmangel und beträgt die Gewährsfrist in:
Österreich. Preußen und Hessen ... 8 Tage
Frankreich...........9
Sachsen............10 .
Belgien............14
Pocken der Schweine, Variola suilla.
Die Sehweinepocken sind eine verhältnismäßig seltene Krankheit, die sich sowohl in Bezug auf den gewöhnlichen gut-
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artigen Verlauf, als auch die Ausartungen ganz so wie die Schafpocken verhalten. Sie kommen auf verschiedenen Hautstellen vor. zumeist am Kopfe, Halse, an der Brust, dem Bauche, dein Rücken und der inneren Schenkelfläche.
Atiologie: Eine originäre Entwicklung der Pocken findet nicht statt; sie entstehen gewöhnlich aus den Menschen- oder Schafpocken, vielleicht auch aus den Kuhpocken. Die Schweinepocken sind sowohl auf andere Schweine, als auch auf Ziegen übertragbar: sie können auch spontan auf den Mensehen übergehen. Die Krankheit bleibt gewöhnlich auf die Thiere einzelner Heerden beschränkt, es werden zuerst meistens Ferkeln ergriffen, von denen sie dann auf erwachsene Schweine übergeht. Die durchseuchten Schweine sind gegen spätere Infection immun.
Symptome: Nach einem Incubationsstadium von circa einer Woche nimmt man die ersten Erscheinungen wahr. Die infieierten Thiere erscheinen matt, trüge, haben mangelhafte Fresslust und Kleber. Der Schweif ist nicht mehr geringelt, sondern hängt schlaff herab: nicht selten sind die Borsten am Kücken gesträubt. Die Schleimhäute der Augen und des Rachens sind hoehgeröthet. das Athmen i.-t beschleunigt, der Gang steif. Nach einigen Tagen erscheinen auf verschiedenen Körperstellen rothe Flecke, die bald zu Knötchen werden und sich am sechsten Tage mit einer serösen Flüssigkeit lullen. Die nun entstandenen Bläschen sind erbsengroß und besitzen regelmäßigen Nabel und Hot. Die Lymphe wird am neunten Tage eiterig, vertrocknet langsam zu Krusten, die nach mehreren Tagen abfallen und die charakteristischen Narben hinterlassen.
Prognose: Die Abheilung der Pockeneruption erfolgt in 34 Wochen. Der Verlauf kann bei den Schweinepocken gerade so verschieden sein, wie bei den Schafpocken; demnach wird sich auch die Vorhersagung stellen. Im aligemeinen ist sie günstig, ein letaler Ausgang ist nur bei den bösartigen Formen zu befürchten, wobei selbst 2025% zugrunde gehen, dann in Fällen, wo sich die Pocken auf die Schleimhaut der Luftwege und des Verdauungstractus auserebreitet haben und schließlich
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Bläschenaassehlag an den Geäehlcclit^thcilen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(59
beim Eintritt von Oomplieationen, die nicht selten sind, wie Bräune und Lungenentzündung.
Therapie: Vur allem befolge man genau die hygienisch-diätetischen Maximen: man sorge für einen reinen, kühlen Auf-' enthaltsort. für gute Lüftung und leicht verdauliches Futter. Als Getränk reiche man saure .Milch. Sauerteig in Wasser, oder auch durch Salpeter-, Bitter- oder Glaubersalz salzig gemachtes Wasser. Im Anfange pflegt die Darreichung eines Brechmittels von gutem Erfolge zu sein.
Prophylaxe: Die von manchen Seiten empfohlene Noth-impfung bringt, fast nie den gewünschten Erfolg und Vortheil. Wirksamer ist es. möglichst bald eine Separation der kranken Thiere von den gesunden vorzunehmen und durch mindestens (i 8 Wochen die Berührung mit anderen Schweinbeständen strenge zu verhüten. Dadurch wird der Verschleppung des An-steckungsstoffes am besten vorgebeugt.
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3. Bläschenausschlag an den Geschlechtsthellen.
Man versteht darunter einen gewöhnlich bei Pferden und Kindern, seltener bei Schafen und Schweinen vorkommenden Ausschlag auf der Kmlie. respective Scham und Scheide der betreifenden Thiere mit gutartigem Verlaufe.
Die Krankheit scheint erst seit Anfang dieses Jahrhunderts bekannt zu sein; aus dieser Zeit stammen die ersten Beschreibungen derselben. Erwähnenswert ist die von Haubuer. der auch die Geschichte dieser Seuche erläutert.
Ätiologie: Obzwar der Enfectionsstoff noch nicht näher bekannt ist. dürfte er dennoch nur ein speeifischer infections-erreger sein, der wahrscheinlich in die Gruppe der Bakterien gehört. Während von einer Seite angenommen wird, dass sich die Krankheit infolge des beim Bossen oder Rindern vorhandenen Reizzustandes der Genitalien entwickelt, wird von anderer Seite behauptet, dass die Krankheit beim männlichen Thiere entstellt, wenn dieses ein weibliches Thier begattet, welches an weißen
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70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Specieller Theil.
Fluss oder an übelbeschaöenen Scheidensecreten, infolge zurückgebliebener Nachgeburt, leidet. Während letztere Behauptung sehr unwahrscheinlich ist, wird erstere durch die Thatsache widerlegt, dass sich der Bläschenausschlag auch bei Thieren einstellt, die nicht zur Zucht verwendet und nicht belegt werden.
Der [nfectionsstoff haftet an dein Inhalte tier Bliischeii und Geschwüre, ist fixer Natur und überaus leicht übertragbar; nur eine sehr geringe Zahl der Thiere. die der Ansteckungsgefahr ausgesetzt werden, widerstehen derselben, der weitaus größte Theil erkrankt. Die Infection erfolgt zumeist durch den Belegact, sie kann aber auch unabhängig von diesem zustande kommen.
Bei den Wärtern der Thiere entstehen bisweilen auf den Händen, oder auch auf anderen Körpertheilen, oberiläehliche Geschwüre oder Bläschen, die ganz ungefährlich sind und bald abheilen. Während diese ron Roll, Richter u. a. für eine speci-lische Infection der Art des Ausschlages gehalten werden, hält sie Zündel für eine septische Infection, wie sie lud Geburten an den Armen des intervenierenden Thierarztes häufig vorkommt.
Das Incubationsstadiumbeträgt 36. mitunter auch 10Tage.
Symptome; Neben den Erscheinungen eines acuten Scheidenkatarrhes treten auf der Innenfläche der Schamlippen und der Schleimhaut der Scheide linsen- bis erbsengroße Bläschen auf, die mit einer serösen oder lymphatischen Flüssigkeit gefüllt sind. Diese bersten bald, worauf eine braungelbe Kruste entsteht, unter welcher die Haut hyperämisch ist: diese Kruste fällt nach 68 Tagen von selbst ab und hinterlässt eine kleine Narbe. Bisweilen kommt es zur Bildung von Pusteln, ans welchen sich Geschwüre entwickeln, nach deren Heilung pigmentlose Narben zurückbleiben. Bei Kühen werden die Bläschen häufig auf dem Kitzler- angetroffen, wodurch dann besonders heftiger Juckreiz veranlasst wird, der sonst geringer ist. In den meisten Fällen ist eine ödematöse Anschwellung des Wurfes, des Mittelfleisches, seltener des Euters zugegen, während im übrigen Symptome eines Allgemeinleidens fehlen. Nur in ganz schweren, selten vorkommenden Fällen ist Fieber vorhanden, das Haar ist matt und struppig, der Appetil vermindert.
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Bläscüenaussehlag an den Gesehleehtstlieilen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;71
Bei Stuten breitet sich das Ödem zuweilen von der Scham bis zur Brust und zu den Sprunggelenken aus. es entstehen am Euter Abscesse, wobei hohes Fieber vorhanden ist.
Bei männlichen Thieren stellen sich die obenerwähnten Bläschen an der Oberfläche der Ruthe, bei Pferden auch auf der Eichel ein, wobei diese Theile gerötiiet und geschwollen sind: seltener erfolgt die Eruption am Sehlauehe und am Hodensacke. Dagegen werden die Bläsehen bei männlichen Thieren häufiger geschwürig; es komral nicht selten zur Bildung größerer krater-förmiger Geschwüre, die eine missfarbige Flüssigkeit absondern und mir schwer verheilen.
Prognose: Sie ist im allgemeinen sehr günstig, und zwar bei Bindvieh immer günstiger als bei Pferden. Der Verlauf ist zumeist ein acuter, die Dauer desselben betrügt gewöhnlich 814 Tage, selten 34 Wochen. In besonders schweren Füllen, wenn es zur Bildung chaneröser (ieschwüre gekommen ist, kann die Krankheit auch 6- 8 Wochen dauern. Hei Stuten bleibt nicht selten ein Scheidenkatarrh zurück, der chronisch wird und dessen Beseitigung eine ausdauernde Cur erfordert. Das einmalige Cberstehen dieser Krankheit bedingt keine Immunität.
Therapie: In der Regel ist eine medicamentöse Behandlung unnöthig. die Befolgung der hygienisch-diätetischen Vorschriften wird genügen, wobei man es nicht unterlässt, die Genitalien häufig mit lauein Wasser zu waschen. Befördert wird die Heilung durch Ausspritzungen der Scheide mit anfangs schleimigen (Leinsamenschleim), später schwach zusammenziehenden .Mitteln, wie schwache Alaun- und Eisenchloridlösungen. Richter empfiehlt die Anwendung von Bleiwasser oder 1deg; ige Zink- oder Kupfervitriollösungen auf die Ausschlagstellen. Größere Geschwüre werden mit Höllenstein oder Kupfervitriol betupft. Eine innerliche Behandlung ist nicht nüthig.
Prophylaxe: Sie wird darin bestehen, die Thiere erst einige Wochen nach der definitiven Abheilung des Ausschlages wieder zur Begattung zuzulassen und eventuell die kranken von den gesunden abzusondern, wenn das Exanthem auch auf anderen Körperstellen aufgetreten ist. Mit der Beconvalescenz erlischt
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die Reproductionsfähigkeit des Infectionsstoffes, sowie dessen An-steckungsfähigkeit.
Veterinärpolizei: Österreich: sect;32. Ungarn: sect; 95. Deutschland: sect; 50 51 des Reichs-Vieiiseuc-liengesetzes vom 23. Juni 1880.
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4. Wuthkrankheit, Lyssa, Rabies.
Die Wuthkrankheit. Tollwuth, oder Hydrophobie, ist eine acute, hauptsächlich dem Hundegeschlechte eigene, durch Infection auf alle Warmblüter übergehende ansteckende Krankheit, die schon bei den ältesten Völkern bekannt war und für die schrecklichste Krankheit gehalten wird, die Menschen oder Thiere treffen kann. Besonders wertvoll und interessant sind die meisterhaften Beschreibungen dieser Krankheit von Aristoteles und Celsus,
Atiologie: Obwohl der Infectionserreger bis heute noch nicht rein dargestellt werden konnte, unterliegt es keinem Zweifel. dass derselbe organischer Natur und die einzige Ursache der Wuthkrankheit ist. Dies beweist schon die Verbreitung der Krankheit während einer Seuche von gewissen Infectionscentren aus: der (iang derselben lässt sich ebenso wie bei anderen Infections-krankheiten ganz genau verfolgen, so dass es sicher ist. dass es sich auch hier um eine solche handelt, die von Thier auf Thier übergeht.
Früher wurde ganz allgemein eine spontane Entwicklung der Tollwuth angenommen und hielt man schlechte Behandlung und mangelhafte Ernährung. .Mangel an Getränk, sehr heißes oder sehr kaltes Klima. Verweichlichung, unbefriedigten Geschlechtstrieb, schwere Arbeit u. s. w. für die Ursachen, welche die Wuth hervorrufen können. Ebenso wollte man gefunden haben, dass manche Hunderassen, wie Pudel. Spitze, Wolfshunde etc.. dann Hunde mit reizbarem Temperament, die bissig und böse sind. Bastarde und wenig Bewegung machende Hunde eine besondere Disposition zur spontanen Entwicklung dieser
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Wnthkrankheit, Lyssa, Rabies.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;73
Krankheit zeigen. Genaue Beobachtungen haben aber die ün-haltbarkeit dieser Annahmen als verursachende Momente klargelegt und bemerkt deshalb Roll sehr treffend, dass diese ätiologischen Momente nur mehr historisches Interesse haben.
Die Anhänger der spontanen Entwicklung der Tulhvuth führten als Wirksamstes ins Treffen das Auftreten der Wath-seuchen, für deren Entstehung sie die Einwirkung eines un-bekanmen .Miasmas in Anspruch nahmen, welches die Math hervorrufen soll. Zur Unterstützung dieser Ansicht führten sie die Thatsache an. dass man bei der Mehrzahl der wuthkranken Hunde keine Bissverletzungen vorfindet. Zieht man jedoch in Betracht, dass bei dem (lichten Saare der Hunde Verletzungen sehr schwer wahrgenommen werden können, und dass bei dem langen Incubationsstadimn diese Verletzungen bei Ausbruch der Wiith schon längst vernarbt und unkenntlich sind, so wird man auch diese Einwendung für nichtig erklären können. Die bei den wuthkranken Hunden charakteristische Sucht zum Herumstreifen, sowie die stets vorhandene Beißsucht, verursachen es. dass durch ein einziges Thier Verletzungen und [nfectionen einer großen Anzahl anderer Hunde stattlinden und dadurch Wuthausbrüche unter Hunden verschiedener Bezirke auftreten (Roll).
Wie schon erwähnt, ist die Natur des [nfectionsstoffes noch nicht sichergestellt: soviel weiß man jedoch, dass derselbe ein fixes Contagium ist. welches sich während der ganzen Krankheitsdauer entwickelt und selbst nach dem Tode, bis zur vollständigen Erkaltung des Cadavers wirksam bleibt. Die Infection erfolgt last immer direct, d. h. durch Biss wuthkranker Thiere. Der Speichel muss also das Lyssagift enthalten, und in der That ist dies auch experimentell durch Impfung vom Menschen auf Hunde bereits anfangs dieses Jahrhunderts erwiesen worden. Hauptsächlich die Ohrspeicheldrüse (Parotis) kommt hier in Betracht: die anderen Speicheldrüsen sind zwar auch virulent, aber nicht so constant wie jene. Der Speichel des Hundes birgt schon drei Tage vor dem Ausbruch der ersten Krankheitserscheinungen das quot;Wuthgift. Infectiös sind ferner die Thränendrüsen. die Nebennieren, das Pankreas (Bauchspeicheldrüse! und das Euter der wüthenden
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3).....iellcr Theil.
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Thiere; die Milch bisweilen, das Blut niemals. Virulent zeigt sich ferner das Ceatralnervensystem, das (üehirn, das Rtlckenmark und in ganz hervorragender und constanter Weise der Bulbus der .Medulla oblongata. das verlängerte -Mark.
Infectionen durch pflanzenfressende Thiere erfolgen äußerst selten, da diese mittelsl ihrer breiten, stumpfen Zähne nur schwer Verletzungen beibringen können. Wird ein Mensch oder ein Thier von einem anderen Thiere gebissen, so wird die Verletzung gefährlicher sein, welche gar nicht oder nur wenig blutet, während bei stark blutenden Verletzungen das Gift leicht ausgewaschen wird.
Die Infection kommt auf dem Wege des Nervensystems zustande. Schneidet mau bei einem Hunde das Rückenmark quer durch und impft das Lyssagift in einen Nerven der Hinterpfote, so zeigt sich nach dem Tode des Thieres das Mark nur unterhalb der Durchschnittsfläche virulent. Umgekehrt verhält es sieh bei Impfung in eine Vorderpfote. Das Gift steigt nämlich von der Impf- oder Bisstelle durch Vermittlung der Nerven in das Centralnervensystem hinauf und von da wieder in die peripheren Nerven der entgegengesetzten Seite herab. Deswegen findet man. wenn die Krankheil sieh langsam entwickelt hat, auch die Nerven der nicht verletzten Seite giftig. Aus alldem folgt, dass die tiefen Wunden mehr als oberflächliche, Verletzungen in nervenreichen (iegenden mehr als an anderen Körperstellen gefährden. Die größte Gefahr bringen die Wunden des Kopfes, da das Lyssagift von bier aus rasch die Medulla oblongata. den Hauptsitz der Erkrankung erreicht.
Die Tenacität des Lyssavirtis ist eine geringe: es wird vernichtet durch einstündige Einwirkung einer Temperatur von öOquot; C; ferner durch 5%ige Carbolsäure in 50-Minuten: durch 1%0 Sublimat. Essigsäure und ühermangansaures Kali. Das Rückenmark von an Lyssa eingegangenen Kaninchen verliert in trockener Luft und vor Fäulnis geschützt, erst nach 14 15 Tagen seine Giftigkeit. Im übrigen hängt die längere oder kürzere Dauer der Virulenz von der Stärke des Rückenmarkes und dann von den Verhältnissen, mder welchen sich das Virus befindet, ab.
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Wuthkrankhcit, Lyssa, Rabies,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 75
Nidn alle der Infection ausgesetzten Thiere erkranken, sondern nur ein gewisser Procentsatz, während der übrige Theil, theils dureb eine individuelle Immunität, theils durch besondere l'nistäiule. von der Krankheit verschont bleibt. Einen recht interessanten Fall von individueller Immunität theilt Hertwig mit, der seinen Mops während dreier Jahre neunmal impfte, ohne einen Ausbruch zu veranlassen, während andere, gleichzeitig geimpfte Hunde, erkrankten. Die besonderen umstände, die auf das Gelingen der Infection von Einfluss sind, wären /,. B. Bedecktsein der gebissenen Körperstellen mit Wolle, dichtem Haare, beim Menschen mit Kleidern etc.. an welchen das Virus hängen bleibt, dann die nach dem Bisse erfolgende stärkere oder schwächere Blutung etc. Im allgemeinen ist die Disposition für die Wuthkrankheit keine große; von 100 Thieren. die durch Hiss inficiert wurden, erkranken nur 1050%. während von absichtlieh geimpften Thieren 2470% erkranken. Die Erkrankungsziffer und die Mortalität der Lyssa bei Mensehen (die ausgehrochene Krankheit isl unheilbar) beträgt zuverlässigen Statistiken zufolge 16% der Gebissenen.
Das Fncubationsstadium, das heisst die Zeit zwischen erfolgter Infection und Ausbruch der Krankheit ist sehr verschieden, kann aber durch gewisse, Verhältnisse, wie erregter Geschlechtstrieb, Zorn, höhere Empfindlichkeit der Bissnarbe etc. verkürzt werden. In der Hegel dauert es bei Himdeii 3ü Wochen, selten 7 bis 10 Wochen und sind auch Fälle bekannt, wo die Krankheit nach 3 bis IGTagen, aber auch erst nach 58 Monaten zum Ausbruche kam. Bei Pferden beträgt dielncubationsdauer 15Tage bis 3 Monate. selten mehr; bei Hindern 316 Wochen, äußerst sehen sogar ein Jahr: bei Schafen und Ziegen 24 Wochen: bei Schweinen 9 Tage bis 3 Monate. Interessant sind die Mittheilungen Spinolas, der berichtet, dass die Trächtigkeit bei Kühen die Incnbatious-daner verlängert und dass die Krankheit sich bei solchen Thieren nach dem Abkalben einstellt.
Symptome: Beim Hunde; Man unterscheidet zwei Formen der Wuthkrankheit: 1. die rasende oder Tollwuth, 2. die stille oder paralytische Wuth. Die Ursachen beider Formen sind
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dieselben, doch kommt die Tolhvuth bedeutead häufiger vor. als die stille Wutli. Pasteur fand. dass. wenn man das Virus ins Gehirn impft, Tollwuth ausbricht, während subeutane Impfung stille Wutli verursachl : es soll auch bei jener vorwiegend das Gehirn, bei
dieser mehr das Rückeiunark ergriffen sein. Als Infectionskrankheit besitzt die Wuth einen typischen Verlauf, an dem man mehrere Stadion wahrnehmen kann.
a) Rasendr Wuth. Die Hunde zeigen verändertes Benehmen, gehorchen nur unwillig ihrem Herrn, sind theils sehr lustig, theils traurig und niedergeschlagen kurz, .sie sind launisch. Dabei sind sie unruhig, bleiben nicht, lauge an einem Orte liegen. schrecken leicht und äußern Juckreiz an der Bisstelie. Der Appetit ist vermindert, die Hunde fressen nur ihre Lieblingsspeisen, während das gewöhnliche Futter-nur beschnuppert wird ; manchmal nehmen sie einige Bissen ins Maul, kauen jedoch nicht daran, sondern lassen sie wieder fallen. Dagegen äußern sie die charakteristische Neigung, unverdauliche Gegenstände, als Stroh. Gras, Leder. Erde. Haare. Holz, den eigenen Kotb etc. zu verschlingen und kalte Bachen, wie Eisen. Steine. Wände und auch den eigenen Harn zu lecken. Bei manchen Hunden ist der Geschlechtstrieb erhöht, auch bestehen leichte Schlingbeschwerden, Würgen und Neigung zum Erbrechen, wobei sie eine schwärzliche, häufig blutige Flüssigkeit von sich geben. Andere Erscheinungen fehlen noch. Dies ist das Initialstadium; es schließt sieh der Lncubationsperiode an, heißt auch melancholisches oder l'rodroinalstadium und dauert 1 3 Tage.
Da die Krankheit noch nicht deutlich erkennbar ist. bieten solche Hunde die größte Gefahr für die Verbreitung derselben. Bald jedoch ändert der Hund sein ganzes Naturell. Selbst bei jenem Hunde, der früher immer zu Hause blieb, tritt ein Drang zum Entweichen und zum Herumschweifen ein: so irren sie dann planlos große Strecken durch, bis der Anfall nachlässt und sie dann gewöhnlich ganz erschöpft, beschmutzt und häufig zerbissen nach Hause zurückkehren, ruhig und freundlich sind, häutig sogar zu erkennen geben, dass sie sich ihres ungehörigen Benehmens bewnsst sind. Außerdem zeigen die Hunde eine auffallende
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Reizbarkeit und Beißsucht; diese richtet sich gegen alles, was ihnen in den Weg kommt, gegen Gegenstände, die ihnen vorgehalten werden, sogar gegen Theile des eigenen Körpers. Die Beißsucht ist hantig so bedeutend, dass sich das Tliier in einem vorgehaltenen Stocke dermaßen verbeißt, dass die Zähne ausbrechen. Besonders erregt wird die Beißsucht durch den Anblick anderer Hunde. Katzen. Geflügel, weniger durch große Thiere. am wenigsten durch den .Menschen, der nur in den seltensten Fällen sehr schwer verwundet wird. Diese Erscheinungen sind nicht immer gleich heftig zugegen, sondern sie treten anfallsweise auf, worauf wieder eine Remission erfolgt. Die ersten Anfälle sind gewöhnlieh die andauerndsten und auch heftigsten. Während dieser Paroxysmen belinden sich die Thiere in einem unzurechnungsfähigen Zustande. in einem wahren Delirium; aber auch nach dem Anfalle blicken die Thiere starr nach einem Punkte, schnappen in die Luft oder machen plötzlich, nachdem sie eine Zeit lang theilnahmslos dagestanden, einen kühnen Luftsprung. Diese Symptomengruppe dauert gewöhnlich 34 Tage an und bildet das zweite Stadium, nämlich das Irritations- oder maniakalische Stadium: es ist der eigentliche Ausbruch der Krankheit. Bemerkenswert ist während dieses Stadiums die Veränderung der Stimme. Diese ist rauh und heiser, kein richtiges Hellen, sondern ein Mittelding zwischen Bellen und Heulen, welches man als Bellgeheul bezeichnet.
Bei wuthkranken Thieren besteht nicht, wie früher in Fachkreisen und heule noch in Laienkreisen fälschlich angenommen wird, Wassersellen, im Gegentheil wurde häutig wahrgenommen, dass tolle Hunde durch Wasser schwammen und alle trinken und lecken Wasser, Milch und selbst den eigenen Urin. .Manchmal ist aber ein Schlingkrampf vorhanden, wodurch die Thiere behindert werden, Nahrung oder Getränke zu sich zu nehmen. Ebenso unrichtig ist es, dass tolle Hunde nur gerade laufen, immer den Schwanz zwischen den Hinterbeinen geklemmt haben und immer aus dem Maule geifern.
Diesem Stadium schließt sich das Endstadium an: das paralytische oder Lähmungsstadium. Die Anfälle werden immer
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schwächer und seltener, die Abmagerung schreitet rapid vorwärts, die Augen fallen ein, dor Blick wird glotzend, das Haar struppig das Maul ist stets ollen, die Zunge hängt schlaff und bleifarben heraus, so dass die Thiere ein schreckliches Aussehen erhalten. Bald stellt sieh Schwäche der Nachhand ein. die sieh zur Lähmung steigert, so dass die Thiere mit hängendem Sehweife und nachgezogenen Hinterfüßen nur mehr hemmtaumeln können. Sie liegen viel, ganz apathisch und erheben sich nur. wenn sie gereizt werden, wobei sie zu beißen versuchen. Nun kommen noch häufig Schlinglähmungen und Lähmungen des Unterkiefers dazu, das Athmen gesehielit nur angestrengt und sehr beschleunigt, der Puls wird unregelmäßig und klein, die Pupillen erweitert. Nachdem zuweilen noch Krämpfe verschiedener Muskelpartien des Körpers auftreten, gehen die Thiere nach 56, selten nach 10 Tagen an Gehirnlähmung zugrunde.
h) Stille Wuth, Diese Form der Wuthkrankheit bildet ungefähr 1520% sämmtlicher Wuthfälle und unterscheidet sich von der Tollwnth durch das Fehlen des Irritationsstadiums. Die Thiere sind ruhiger, entlaufen nicht ihrer Behausung, sondern suchen mit Vorliebe verborgene, dunkle Orte auf, die Beißsucht ist gering. Frühzeitig stellen sich Lähmungen ein. die zuerst den Unterkiefer betreffen, wodurch dieser schlaff herabhängt und die Thiere am Beißen und der Nahrungsaufnahme hindert. Die Zunge hängt gewöhnlich aus dem Maule, aus welchem Geifer fließt. Werden die Thiere stark gereizt, so vermögen sie selbst den Kiefer zu schließen, weshalb auch die mit der stillen Wuth behafteten Hunde durch Biss gefährlich werden können. Die übrigen Symptome sind dieselben wie bei der Tollwuth: die Thiere magern ab. es stellt sich Lähmung des Hintertheiles ein und langsam erfolgt endlich der Tod.
Beim Pferde: Anfangs sind die Pferde unruhig, aufgeregt und widerspenstig, äußern an der Bisstelle großen Juckreiz, erschrecken infolge der geringsten Ursachen und sind sehr lichtempfindlich. Die Futteraufnahme ist unterdrückt, der Geschlechtstrieb bedeutend erhöht: Hengsteschachten häutig aus und wiehern mit veränderter Stimme: Stuten geberden sielt wie rossig. Später
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stellen sich Ocmvulsionen ein, das Schlingen ist ersehwert, nicht selten beobachtet mau Kolikerscheinungen. Beim Anblicke eines Hundes werden die Pferde rasend; sie schlagen um sieh, beißen in alles was in ihrer Nähe ist, so dass nicht selten die Zähne ausbrechen. Roll beobachtete in mehreren Fällen ein fortwährendes Beißen und Nagen der wüthenden Pferde an verschiedenen Körperstellen, so dass sie sich dadurch blutig verletzen. Nach den verschieden lang andauernden Paroxysmen zeigen sich die Thiere matt und hinfällig: die nächsten Anfälle .sind nicht mehr so heftig, dagegen die Zeit zwischen denselben länger. Die Pferde magern rapid ab. die Kräfte schwinden, so dass sie zumeist liegen, die Nachhand wird gelähmt und die Thiere gehen unter Con-vulsionen nach einer Krankheitsdauer von 34 Tagen, selten länger, ein.
Heim Rinde: Die Symptome sind hier ähnlich wie beim Pferde, nur äußert sich sehr selten Beißsucht, sondern die Rinder stampfen mit den Füßen und stoßen häufig und heftig, dass die Hörner abbrechen. Die Presslust ist unterdrückt, das Wiederkauen sistiert, das Benehmen unruhig und unstet, der Geschlechtstrieb erhöht, dabei besteht große Reizbarkeit. Röthung der Augen, stierer, glotzender Blick, anfangs Verstopfung, später Durchfall, der Absatz der Excremente erfolgt häufig unwillkürlich. Infolge der fast stets bestehenden Schlingbeschwerden fließt der Speichel ans dem Maule, an der Bisstelle empfinden die Thiere heftigen Juckreiz und sie brüllen häufig mit heiserer, veränderter Stimme. Während der Anfälle geberden sich die Thiere wie tobsüchtig: sie schlagen um sich, reißen an den Anbindeketten, werfen sich zu Boden, wälzen sieh daselbst, springen wieder auf. kurz, sind unbändig. Die Thiere magern dabei in kurzem sehr ab, es stellt sieh Lähmung des Unterkiefers und des Hinterleibes ein und nach 57 Tagen erfolgt unfehlbar der Tod.
Beim Schaf: Aufregung. Unruhe. Verminderung der Fressinst. Sistierung des Wiederkauens, juckende Empfindung an der Bisstelle, Geifern aus dem Maule, erhöhter Geschlechtstrieb, erweiterte Pupillen, starrer Blick, geröthete Augen, veränderte Stimme. Charakteristisch ist. es. dass die Schafe ihr scheues Be-
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lt;#9632;()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; SpecieUer Tlieil.
nehmen verlieren. Während der Paroxysmen springen die Thiere toll herum, stoßen um sieh, knirschen mit den Zähnen, grellen Menschen. Thiere. besonders Hunde und auch leblose Gegenstände an. die sie beißen. Bald beginnt die Abmagerung, die Thiere werden hinfällig, die Schwäche steigert sich zur Lähmung des Hinter-theiles, so dass sie fast immer liegen und unter Convulsiouen nach 58 Tagen eingehen. Ganz gleiche Erscheinungen zeigen wuth-kranke Ziegen, nur ist bei ihnen die Beißsticht immer zugegen und stark entwickelt.
Heim Schweine; Die wuthkranken Schweine sind schreckhaft, verkriechen sich gerne, beim geringsten Geräusch werden sie gleich aulgeregt, lauten dann im Stalle umher oder wühlen in der Streu herum. Der Blick ist glotzend, die Pupillen erweitert, das Athmen beschleunigt, die Stimme heiser, die Thiere geifern stark. Bei Schweinen wird vor dem Ausbruche der Wuth die höhen' Empfindlichkeit der Bisstelle besonders deutlich gemerkt: sie kratzen und scheuern dieselbe so lauge und so heftig, dass die Wunde häufig aufbricht. Während des Anfalles ist das Geifern besonders heftig: sie schreien, toben und gehen beißend sowohl auf ..Menschen, als auch auf Thiere los: nicht selten ist die Beißsucht gegen die eigenen Jungen gerichtet. Nach einiger Zeit erfolgt die Remission, die Thiere magern rasch ab, der Mintertheil wird gelähmt und schon am 2.-4. Tage nach dem Krankheitsausbruche tritt der Tod ein.
Sectionsbild: Die Ergebnisse der Section sind so geringfügiger und nicht constanter Natur, dass man bloß aus dem Sectionsbefunde ohne vorherige Beobachtung des kranken Hundes eine sichere Diagnose der Lyssa nicht stellen kann. Im allgemeinen findet man den Cadaver stark abgemagert, das Blut dickflüssig, schlecht geronnen und von schwarzrother Farbe. Die Schleimhaut des Maules, Rachens. Kehlkopfes und des Magens ist stark ge-röthet, die Mandeln sind entzündlich infiltriert, der Darm ist leer oder mit Galle und Schleim gefüllt. Die Gefäße des Gehirnes und des Rückenmarkes sind sehr blutreich, letzteres ist häufig ödematös. Ebenso sind die Lungen stark mit Blut gefüllt, die Schleimhäute der Bronchien sind evanotiseh (bläulich), Leber
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und .Milz gesell wellt. In der Harnblase ist nur wenig oder gar kein Harn enthalten, der Magen beim Hunde mit allerlei fremdartigen Substanzen gefüllt, bei den anderen Thieren leer.
Diagnose: Zur Feststellung der Diagnose wird es nöthiir sein, nachzuweisen, dass ein Diss durch einen wüthenden Hund oder ein wüthendes Thier überhaupt vorausgegangen ist. Hei der Unterscheidung der Wuth von am leren Krankheiten werden in erster Reihe die charakteristischen Symptome am Leben berücksichtigt: bei Sectionen kann in zweifelhaften Fallen der Verdacht auf Wuth ausgeschlossen werden, wenn im Magen der Hunde gewöhnliche Futterreste und im Dünndärme Chymns angetroifen wird (Bruckmüller). In manchen Fällen, besonders wenn über die Symptome am Leben keine genauen Beobachtungen gemacht wurden, kann die Diagnose nur in der Weise sichergestellt werden, dass man Hunden das Lyssavirus in Venen injiciert oder diesen oder Kaninchen dasselbe nach vorhergegangener Trepanation in die weiche Hirnhaut einimpft.
Verwechselt kann die Wuth mit folgenden Krankheiten werden: 1. Fallsucht, Epilepsie, bei welcher kurzdauernde Krämpfe mit Hewnsstlosigkeit, Geifern aus dem Maule mil ängstlichem Schreien vorhanden sind. 2. Halsentzündung mit allen Erscheinungen der Wuth. mit Ausnahme der Schlingheschwerden. 3. Staupe Junger Hunde, wobei zeitweise Aufregung. Sinnestäuschungen, Convulsionen etc. zugegen sind. 4. Magen- und Darmentzündung; von der Wuth durch Fieber. Durchfall oder Verstopfung, Schmerzhaftigkell des Hintertheiies. Fehlen der nervösen Erscheinungen unterschieden. 5. Taenia Bchinocoecus; (3. Pentastomum taenioides. Diese zwei Parasiten veranlassen Erscheinungen der größten Aufregung und Raserei. Die Section gibt jedoch Aufschluss über die Natur des Leidens.
Prognose: Die Vorhersagung ist absolut ungünstig, denn die Wuth ist unheilbar: alle daran erkrankten Thiere gehen zugrunde.
Therapie: Da. wie schon erwähnt, die ausgebrochene Krankheit unbedingt letal endet, ist jede Behandlung erfolglos. Wie überall, wurden auch hier unzählige Mittel und Mittelchen
Kästen bannt, Grnndriss dlt;'r Thiersencben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ('#9632;,
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empfohlen, die raquo;mit sicherem Erfolg die Wuthkrankheit zu heilen vermögenlaquo;, doch nicht eines bat sich bewährt. Fachleute versuchten zumeist spanische Fliegen und Maikäfer äußerlieh, iunerlieh Brechweinstein, Zink- und Knpferritriol, Chlorat, Arsenik, Cartaolsäure und Curare, ohne auch nur einmal sicheren Erfolg 7.11 haben.
Während also die Allgemeinbehandlung nicht zu empfehlen, ja in vielen Staaten sogar verboten ist. kann die örtliche Behandlung der Bisstelle häufig von Erfolg gekrönt sein. Der Erfolg wird umso sicherer sein, je früher man die Behandlung einleitet und wenn dabei alle Bisstellen gefunden werden, da es häufig vorkommt, class auf der dichtbehaarten Haut einige kleine Wunden übersehen werden, ist das vollständige Ausschneiden der Winnie nicht zulässig, so reinige man dieselbe vorerst mit warmem Wasser und beitze sie dann mit einem kräftigen Atzmittel, wie Ätzkali, Höllenstein, Salpetersäure oder anderen eoncentrierten Mineralsäuren. Empfehlenswert ist jedenfalls eine ausgiebige Cauterisation mit dem Glüheisen. Schliesslich wird die so behandelte Wunde mit einer scharfen Salbe (Cantharidensalbe) bestrichen, damit Eiterung eintritt, welche 46 Wochen hindurch unterhalten wird. Diese Methode ist häufig noch dann von Erfolg, wenn die Wunde schon vernarbt ist, also während des latenten Stadiums.
Prophylaxe: Da die Wuthkrankheit nicht nur für die Thiere, sondern auch für die Menschen äußerst gefährlich ist. so ist es von großer quot;Wichtigkeit sowohl vom veterinärpolizeilichen, als auch vom sanitätspolizeilichen Standpunkte gewisse prophylaktische Maßregeln zur Verhinderung der Verbreitung dieser schrecklichen Krankheit ständig zu üben. Diese Maßregeln, die von Jedem Staate vorgeschrieben sind, laufen in der Hauptsache in folgendem aus: Einführung des Manlkorbzwanges, Anlegen von Hundecatastern, Einführung eine]- hohen Hundesteuer und Verminderung der Hunde.
Veterinärpolizei: Österreich: gt;; 35. ..... Ungarn:
sect; 65_72. Deutschland: sect;3439 des Eeichsgesetzes vom 23. Jnni 1880.
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Dera allgemeinen [nteresse entsprechend, welches man der To 11 wuth beim Menschen entgegenbringt oder eigentlich entgegenbringen muss, soll hier zum Schiasse eine kurze lic-schreibung dieser furchtbaren Krankheit folgen.
Die Infection erfolgt beim Menschen fast immer durch Biss toller#9632; Hunde oder anderer Thiere, seltener durch Verletzungen bei der Section, während eine Ansteckung von Mensch auf Mensch gar nie vorkommt. Von den gebissenen Menschen erkrankten circa 16%. Die größte Gefahr bringen die Bisswunden im Gesichte, da von hier das Lyssavirus am raschesten den Hauptsitz der Erkrankung, die Medulla oblongata erreicht: darnach kommen die Wunden aul unbedeckten Körperstellen, während solche auf durch Kleider bedeckte Stellen minder gefährlich sind.
Die Verbreitung der Lyssa längs den Nervenbahnen erklärt ohneweiters. warum in der menschlichen Pathologie die Prognose der Wuth sich so verschieden gestaltet, je nach Zahl, sitz und Tiefe dor Bisswundon. Es hängt eben alles davon ab, ob das Virus in einen Nerv gelangt oder nicht. Tiefe Wunden gefährden deshalb mehr wie obertiäehliehe Verletzungen, in nerven-reiehen Theilen mehr als anderswo.
I)as Incubationsstadium ist sehr schwankend und hängt von denselben Momenten ab, die für die Prognose von Bedeutung sind. Je näher dem Kopfe die [nfectionspforte ist. desto kürzer verläuft die Incubation. lgt;io gewöhnliche Daner beträgt 2060 Tage, während genauen Beobachtungen zufolge das Minimum 14 Tage. das Maximum 18 Monate ist.
Die Erscheinungen sind folgende: Widerwille gegen Flüssigkeiten nnd trotzdem Durst: Lichtempfindlichkeit. Mattigkeit, großes Angstgefühl. Erweiterung der Pupillen, Schmerzen an der Bisswunde. Nach 24 Stunden treten gewöhnlich die Inspirations-krämpfe und die Schlingkrämpfe ein und es erfolgen die Wuthanfälle. Nach 36 Stunden stellen sieh Ohnmachtserscheinungen ein, der Patient wird schwach und innerhalb vier Tagen erfolgt der Tod.
Manchmal verursacht der Hiss gesunder Hunde ähnliche Anfülle wie die der Wuth sind: dies ist jedoch nur eine aus
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Angst erfolgte Erkrankung, die man Lyssophobie nennt und welche auch fast ausnahmslos in Genesung ubenreht.
Die Behandlung wird wohl immer einem Arzte zu überlassen sein; da jedoch speciell bei dieser Krankheit die erste Hilfe oft von entscheidender Bedeutung ist. wird es sich empfehlen, die Mittel zu deren Ausführung anzuführen. Zunächst sorge man für starkes Bluten der Wunde, was man sowohl durch Anlegen einer Binde oberhalb der Wunde, als auch durch nachhaltiges Drücken und Kneten bewirken kann. Eines der zweckmäßigsten .Mitteln, das fast immer angewendet werden kann, ist das Aussaugen der Wunden, natürlich muss die Mundhöhle und die Lippen frei von jeder Verletzung sein; in diesem Falle isl das Aussaugen absolut ungefährlich. Außerdem wasche man die Wunde baldigst mit heißem Salzwasser und einer 20quot; igen CarbolSäurelösung. 1st eine längere Zeit verstrichen, bevor die erste Behandlung in Angriff genommen wird, so ist das Allerbeste die nachhaltige Cauterisation der Bisswunde mit dem Glttheisen.
Beute steht wohl an der Spitze aller Behandlungsmethoden der Wiithkrankheit das Verfahren des unsterblichen, genialen Forsehers Pasteur, welches auch hier die verdiente Berücksichtigung finden soll. Vor allem jedoch ein kurzes Lebensbild Pasteurs selbst.
Louis Pasteur wurde im Jahre 1822 zu Dole im Jura-Departement als der Sohn eines Lohgärbers geboren, in Arbois. Besannen und Paris erzogen: er erhielt bereits im Jahre 1848 ein Jahr nach Erlangung des Doctorgrades den Lehrstuhl der Physik am Lyceum zu Dijon. gieng 18-19 als Professor der Chemie an die Universität Strassburg und von dort Ende 1854 nach Lille, um daselbst die neugebildete Pacultät der Wissenschaft zu organisieren, deren Decan er wurde. Drei Jahre später siedelte er nach Baris über, um die wissenschaftliche Leitung der Normalschule zu übernehmen. Im Jahre 1863 wurde er als Professor der Geologie, Physik und Chemie an die raquo;Ecole des beaux artslaquo; berufen und vom Jahre 1867 an wirkte er als Professor der Chemie an der Sorbonne. 1862 wurde er .Mitglied der Akademie
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Wmhkiiinklipit. Lyssa, Habies.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 05
der Wissenschaften und 1882 erfolgte seine Aufnahme in die Academie fran^aise in die Reihe der Unsterblichen.
Die Wissenschaft verdankt Pasteur wichtige Arbeiten über die Moleeularchemie, welche ihm schon 18(51 den Preis Jecker und später andere Auszeichnungen brachten. An diese Studien schlössen sich die Arbeiten überGährung und Fäulnis, die nachgerade epochale Bedeutung erlangten und eine gründliche Umwälzung aller bisher bestehenden Anschauungen verursachten. Der Einfluss. den diese Erfolge Pasteurs auf die industrielle Technik einerseits und auf den Fortschritt der medicinischen Erkenntnisse anderseits ausübten, war ein ungeahnter. Denn wie durch die Kenntnis der Bier-, der Wein-, der Essiggährung, der Milchsäure- und Buttersäuregährung die Industrie in vorher nie gekannter Weise gefordert wurde, so bildeten die Lehren Pasteurs über den Fäulnisprocess den Anfang und die Grundlage der Bacteriologie, der modernen Wundbehandlung und der Heilbestrebungen der jüngsten Tage. Ihm verdankt ferner die Önologie das raquo;Pasteurisierenlaquo; der Weine, ebenso hat er die Ursache der raquo;Oorpusculeslaquo;-Krankheit der Seidenraupen entdeckt und gelehrt, ihr durch die Zellengrainierung vorzubeugen, ein Verfahren, für welches Pasteur im Jahre 1872 von der österreichischen Regierung einen Ehrenpreis von 10.000 Gulden erhielt. Schon gelegentlich seiner Untersuchung Ober Gährungs- und Fäulniserreger hatte Pasteur die Entdeckung der Modifications-fähigkeif der Mikroorganismen durch Temperaturunterschiede gemacht. Die Consequenz dieser Beobachtungen waren die Studien Pasteurs über mitigierte Krankheitsgifte, womit er zugleich direct in die Pathologie der Infectionskrankheiten einzugreifen begann. Nach den überaus mühsamen Untersuchungen über die Heilung des Milzbrandes folgten die Arbeiten über Hühnercholera und endlich jene Entdeckung, welche den Namen Pasteur jedermann geläufig machte, die Lyssaschutzimpfung. Sie gab Anlass zur Gründung des raquo;Institutes Pasteurlaquo;, welches im Wege einer allgemeinen Subscription ermöglicht, im Jahre 1888 eröffnet wurde. Mit Pasteur ist ein großer, vielleicht der grüßte Naturforscher des Jahrhunderts, zu Grabe gegangen (5. October 18951.
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Das Pasteur'scbe Schntzimpfuiigsverfahren.
Pasteur /.eiste, dass das btundswuthvirus, wenn man es vom Hunde auf Affen in fortschreitender Reihenfolge iiberimpft, langsam an Intensität abnimmt. Dieser allmählich eintretende Virulenzverlus) ist an der Zunahme der Ineubationsdauer zu erkennen. Bringt man aber lt;liis [mpfmaterial vom Affen auf Kaninchen, so tritt eine Virulenzsteigeruug ein, die bei weiteren [mpfungen auf Kaninchen immer mehr zunimmt. Das Ineubations-stadium war immer kürzer und schließlich bei der hundertsten Passaae dnreli den ICaninchenorganismus betrug es nur meiir 7 Tage. Ein kralligeres Virus als dieses zu erzeugen, war umnüglich, es blieb immer gleich stark, deshalb nannte es Pasteur Virus fixe. Pasteur stellte auf diese Weise eine Bleibe von Wuthgiften her. die vom Rückenmark der Affen angefangen bis zum Rückenmark des dem Virus fixe erlegenen Kaninchens, eine stetig zunehmende Virulenz besaßen. Injieierte mm Pasteur dieses Rückenmark Hunden, und zwar vom schwächsten bis zum stärksien Virus hintereinander subeutan, so bekamen die so behandelten Thiere keine Wuth: sie wurden immun. Das war im Jahre 1884. Ein Jahr später waren Pasteur und seine Mitarbeiter Ohamberland und Roux im Besitze einer noch praktischeren [mmnnisierungsmethode. Ausgehend von der Thatsache, dass das Rückenmark lyssakranker Thiere in 1415 Tagen ihre Virulenz durch Austrocknen vollständig verliert, trockneten sie Rückenmark von Kaninchen, die an Virus fixe zuoTiinde gegangen waren. 114 Tage lang unter streng aseptischen Oautelen. Das 14 Tage alte Rückenmark war gar nicht mehr giftig, das IStägige, 12tägige etwas, die nächstfolgenden immer mehr und mehr virulent. Durch successive [mpfungen mit dieser Scala von Rückenmarken erzielte Pasteur bei Hunden wieder vollständige Immunität. Auf diese Thatsachen gestützt, gieng Pasteur dazu über, beim Menschen therapeutisch gegen die Lyssa zu impfen. Der Versuch war in Anbetracht der laugen Ineubationsdauer der Wuth beim Menschen berechtigt und aussichtsvoll, denn gelaug es durch sofort nach dem Hisse eingeleitete Impfung Immunität zu erzielen.
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bevor die üicabationsperiocle verstrichen, danD stand zu erwarten, class die Krankheit aichl mehr zum Ausbruche kommen würde. Der Erfolg bat Pasteurs Voraussetzungen vollauf bestätigt. Zu-
niielist wurden seine [njeetionen so ausgeführt, dass man am ersten Tage das Ruckenmark der Kaninchen vom 14. Tage, am zweiten ein solches vom 13. Tage und so Weiler zehn Tage lang. Ins man beim fünftägigen .Marke anlangte, dem zu Impfenden sub-eutan einspritzte. Da Pasteur sehr bald einsah, dass dieses von ihm raquo;Methode simplelaquo; genannte Verfahren für schwere Fälle nicht ausreichte, modificierte er es und schuf damit das raquo;Methode intensivelaquo; benannte Verfahren, welches heute im Pasteurquot;sehen Institute folgendermaßen ausgeführt wird: Ein Stückchen Kücken-mark, circa '6mm groü, wird in steriler Bouillon verrieben und unter die Haut des Hypochondriums (Rippeuweiche) gespritzt, und zwar am ersten 'Lage morgens Rückenmark vom 14. und IS. Tage, abends vom 12. und 11. Tage. Am zweiten Tage morgens 10- und 9tägiges .Mark, abends 8- und Ttägiges; am dritten Tage zwei Einspritzungen von ßtägigem .Mark und von nun an alle 24 Stunden eine Injection mit den giftigen Rückenraarken bis zum dritten Tage. Beim Stägigen Mark beginnt eine nein; Serie mit dem ötägigen .Mark aufangend, daran sehließt sich dann später eine dritte, eventuell eine vierte Serie gleich den früheren an.
Die Immunität gegen Rabies scheint ziemlich lange anzuhalten, beim Hunde durch zwei Jahre. Sie soll sogar vom Vater auf das Kind übertragbar sein (Tizzoni).
Der kolossale Nutzen der Schutzimpfung gegen die Wuth wird heute wohl ernstlich von niemandem in Zweifel gezogen: übrigens mögen da Zahlen sprechen. Im Raste ur'scheu Institute sind seit dem Bestände (1888) bis 1. Jänner 1894 im ganzen 14.430 Personen behandelt worden: davon sind 72 gestorben. In den Jahren 18911893 wurden (554 Personen behandelt, für welche die Wuth des beißenden Thieres mit der möglichsten Sicherheit festgestellt wurde und es kam nur ein Todesfall vor. Es ist wohl überflüssig, diesen Zahlen einen Comraentar zuzufügen, denn sie sprechen beredter als alle Worte.
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Das Boisson'sche Verfahren.
Während am ganzen Coutinenl das Pasteur'sche Verfahren sich immer größerer Verbreitung erfreut, hat der Vorschlag, in England Institute nach Pasteurs Muster zu errichten, keine Nachahmung gefunden. -Man hat sich dort tur die Methode des verstorbenen französischen Heilers der Wuthkrankheit, Professors Buisson entschieden, angeblich als wirksanier und weil ohne Marterung von Thieren zur Erzielung des Impfstoffes, also ohne Impfung vollzogen. Die Our erfolgt im Laufe von fünf Tagen durch eine besondere Handhabung des Dampfbadsystems und soll seihst in recht vorgeschrittenen Fällen der Krankheit Erfolg halten. Die Dampfbadtemperatur, welche zur Anwendung kommt. belauft sich auf 120140deg; F, das sind 4960deg; 0. EinBuisson-Institut ist im Spring-Grove-House im Londoner Vororte Upper Norwood eröffnet, während in mehreren anderen Städten solche in Vorbereitung sind: in Indien sollen schon deren 30 bestehen. Officielle Statistiken bestehen nicht: nach den nicht ganz, maßgebenden Berichten der Presse sollen im Londoner M. Georges Hospital bereits 4000 Falle nach jener Methode behandelt worden sein, ohne dass nur ein Fall tödtlich geendet hätte.
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5. Pyämische Gelenkentzündung der Säuglinge,
Lähme.
Es ist eine in die Reihe der pyämischen Processe gehörige Krankheit, welche bei Fohlen. Kälbern, Lämmern und Ferkeln vorkommt und theils in'größerer Ausbreitung (enzootisch) auftritt. Den Ausgangspunkt bildet eine Entzündung der Nabelgefaße, namentlich der Nabelvene, mit daran sieh anschließender Erweichung uml Zerfall des dort befindlichen Pfropfens, infolge dessen Eintritt putrider Stoffe ins Blut.
Atiologie: Die Ursache der Lähme besteht in der Infection der Nabelwunde vom Stallboden aus. Begünstigt wird die Ansteckung durch mechanische und chemische Insulte, zu kurzes
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Pyäiniselie Gelenkentzündung iior Säuglinge, Lähme.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;89
Abreißen der Nabelschnur, sulzige Beschaffenheit des Nabels, welters durch Verunreinigung der Nabelwunde mil Koth. Harn etc. In Bezug der Kasse lässt sicli eine besondere Disposition wahrnehmen, und /.war erkranken Säuglinge edler Abstammung bedeutend leichter, als solche gemeiner Zuchten. Die Krankheil entsteht gewöhnlich in den ersten drei Wochen nach der Geburt.
Symptome: Die jungen Thiere verlieren die Sauglust, sind matt, liegen fast ununterbrochen oder stehen theilnahmslos neben der Mutter. Eine Messung der Körpertemperatur ergibt sehen eine nennenswerte Erhöhung. Zu gleicher Zeit entwickelt sieh in der Umgebung des Nabels eine schmerzhafte, heiße Anschwellung, der'Nabel ist entzündet und bei schwachem Drucke oder bei der Untersuchung mit der Sonde tropft eine eiterige, bisweilen jauchige Flüssigkeit aus dessen Öffnung. Sehr bald entstehen schmerzhafte, deshalb Lahmheit verursachende, hoher temperierte Anschwellungen der Gelenke, besonders an den Extremitäten, wobei vorzüglich das Vorderknie- und das Sprunggelenk, das Ellbogen- und Kniegelenk befallen werden. Nicht selten kommt es zur Abscessbildung an den Gelenken, die aufbrechen, worauf ein Fistelgang entsteht, durch welchen der Eiter heraussickert. -JSeben diesen Symptomen beobachtet man in der Mehrheit der Fidle Erkrankungen der Respirationsorgane und des Danntractus. manchmal selbst nervöse Zufälle. Im erstell Falle kann es zur Entstehung einer Lungenentzündung kommen: im zweiten Falle bestellt übelriechender Durchfall, hartnäckige Verstopfung. Kolik-erseheinungen etc.. wahrem! sich die nervösen Erkrankungen durch theilweise oder vollständige Lähmung, durch Krämpfe etc. bemerkbar machen. Speciell bei Fohlen kommt es im Verlaufe der Krankheit häutig zu Augenentzündungen, die mitunter recht schwerer Natur sind.
Seetionsbild: Eiterige Pfropfe (Thromben) in der Nabelvene, manchmal auch in der Nabelarterie: bisweilen reichen diese bis in die Pfortader. An den Gelenken findet man Nekrose. die Gelenksknorpeln sind gewöhnlich zerstört. Die gewöhnlich klare Gelenksflüssigkeit (Synovia) ist trübe und eiterig, die die Gelenke überziehende Synovialhaut ist areschwellt und rauh.
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Zumeist bei Fohlen findet man bisweilen eine fettige Entartung des Herzens, der .Muskeln, der Leber und Nieren.
Prognose: Sehr ungünstig. Der Verlauf der Lähme ist einacuter, deren Dauer beträgtini Maximum 2 -3 Wochen, manchmal alier mir einige Tage. Der Ausgang dieser Krankheit ist in der Kegel ein letaler; 7590% der erkrankten Thiere gehen zugrunde; die mit dem Lehen davongekommenen aber sind gewöhnlieh zu Krüppeln geworden und dadurch zu weiterer Dienstleistung untauglich. Therapie: Ist bereits Eitervergiftung des Blutes (Pyamie) eingetreten, so vermag die ärztliche Kunst nur mehr wenig zu leisten. Aber auch in den früheren Stadien wird die Hauptsache der Therapie darin bestehen, die hygienischen Verhältnisse zu regeln, die loealen Ivrankheitsherde vorschriftsmäßig zu behandeln und die Kräfte soviel als möglich zu erhalten. Vor allem weise man den erkrankten Thieren einen nielit zu kalten, reinen Stall zu und sorge für gute Streu und gesundes, kräftiges Futter. Befinden sich im selben Stalle Thiere mit Wunden, so evacuiere matt diese schleunigst, da man sonst Gefahr läuft, eine Verbreitung der Krankheit zu erleichtern.
Die örtliche Behandlung wird darin bestehen, die Nabelwunde tleißig mit antiseptischen Flüssigkeiten zu irrigieren, nachdem man bei schlechtem EiterabHuss die Nabelvene genügend erweitert hat. Als passendes Desinticiens verwendet man hier eine l%0igeSubli-matlosmig oder 8quot;/,lige Carbolsäurelösung, eventuell 2%'?e Borsäure oder Creolinlösung. Vor Anlegung des passenden Verbandes bestreut man die Wunde mit Jodoformpulver. Die Entzündungen der Gelenke trachtet man in Eiterung zu bringen, indem man diese mit grauer Quecksilbersalbe einreibt, welche mit der gleichen Menge Rüböl verdünnt wurde und sie dann wann einhüllt. Hei schleichendem Verlauf appliciert man eine Scharfsalbe, und zwar benutzt man für Fohlen folgende Salbe:
Gepulverte Canthariden öd).
Schweinefett 35quot;0, dagegen für Kälber, hämmer und Ferkeln:
Breehweinstein 40.
Sehweinefett 4;V0.
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Ruhr, Dysenteria.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 91
Ist Eiterung eingetreten, so entleert man den Eiter durch Spaltung und lasst eine passende antiseptische Behandlung platzgreifen.
Innerlich wendet mau salicylsaures Natron in einer Lösung von 1 ; 50 an, wovon man Fohlen und Kälbern zweistündlich zwei. Lämmern und Ferkeln einen Esslöffel voll gibt. Zur Bebung der Kräfte reicht man Alkohol. Wein oder Spiritus, letzteren verdünnt, auch Karapfergeist leistet gute Dienste: man gibt subcutan ein bis zweimal täglich ein bis fünf Gramm davon.
Prophylaxe; Vml wichtiger und erfolgreicher als die Behandlung ist die Vorbauung. Sie bestellt in der Hauptsache darin, den Nabel vor dem Eindringen von Schädlichkeiten zn schützen. Zu diesem Behüte wird mau den Stand immer sehr rein hallen und den Nabel sorgfältig pflegen, Ids er verschlossen ist. indem man den Nabelstrang baldigst gut unterbindet und die Öffnung häufig mit desinficierenden Lösungen wäscht.
Zum Schlüsse sei daraufhingewiesen, dass das Fleisch von an Lähme nothgeschlachteten Thieren zum menschlichen Genüsse nicht verwendet werden darf, da dies Anlass zu schweren Erkrankungen geben würde.
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6. Ruhr, Dysenteria.
Mau versteht darunter eine schwere Entzündung der Diekdanuschleimhaut, welche zu Geschwürbildung führt. Die Krankheit kommt zumeist bei Kindern und Schafen vor. wo sie seuehenartige Verbreitung erlangt, seltener bei Schweinen und noch seltener bei Pferden. Die Ruhr der Kinder hat im ersten Momente viel A.hnlkdikeit mit der Rinderpest, mit welcher Seuche sie auch häutig verwechselt wurde.
Atiologie: Wie bei so vielen anderen Krankheiten, wurden als veranlassende Ursachen Erkältungen durch schroffen Temperaturwechsel, nasskalte Witterung und kaltes Getränk, der Genuss verdorbener Futterstoffe oder fauligen Wassers, der Aufenthalt in dunstigen, den sanitären Vorschriften nicht entsprechenden
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Stallungen, große Strapazen ohne die gehörige Wartung und Pflege u. dgl. beschuldigt. Dem ist jedoch nicht so: prädisponierende Momente können diese Verhältnisse wohl sein und sie .sind es auch, die Ursache der Ruhr ist jedoch einzig und allein ein infeetionsstoff, der wahrscheinlich in die Kategorie der niedersten Organismen, der Mikroorganismen gehört. Der Infectionserreger ist bis heute noch nicht siehergestellt: von mancher Seite wird auf eine Identität der Ruhr der Thiere mit der der Menschen hingewiesen; in diesem Falle hätte man es hier mit einer Infection mit niedersten thierisehen Organismen. Protozoen, zu iliun. Wie dem auch sei. das steht fest, dass der Ansteckuagsstoff in den Dejectionen ruhrkranker Thiere enthalten ist. Die Ansteckung erfolgt auch in der Mehrzahl der Fälle durch diese, während eine [nfection gesunder Thiere bloß durch Berührung mit Kranken zweifelhaft ist. Oft befällt die Krankheit Säuglinge in den ersten Lebenswochen, während von den erwachsenen Thieren vorwiegend gut genährte, kraftstrotzende Individuen ergriffen werden.
Symptotne: Die Ruhr beginnt entweder plötzlich oder es gehen dem Beginne Erscheinungen eines acuten Darrakatarrhes voraus. Gleich im Anfange besteht mehr oder weniger hohes Fieber, die Körpertemperatur ist ungleich vertheilt und wechselnd, der Puls beschleunigt. Die Thiere stehen mit aufgekrümmtem Rücken in rückständiger Stellung matt, hinfällig und traurig da. bewegen sieh nur ungern und schwer: der Bauch ist anfangs etwas aufgeschürzt, später aber aufgetrieben und äußerst druckempfindlich. Das charakteristische Symptom sind jedenfalls die häutigen Darmentleerungen: diese sind vom Anfange an höchst übelriechend und missfarbig, erst breiig, nach und nach immer dünner und wässeriger und bestehen dann nur aus Schleim, Schleimhantfetzen und unverdauten Futterresten mit Blut durchsetzt. Der Absatz der Fäces verursacht große Schmerzen und erfolgt unter starkem Drängen (Tenesinns), so dass nicht selten Mastdarmvorfall eintritt. Später stellt sieh das Drängen häufig ein. ohne eine Entleerimar zur Folge zu haben; im weiteren Verlaufe hört es siinzlieh auf und der Kothabsatz geschieht unwillkürlich.
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Währenddem ist auch die Fresslust entschwunden, die Rumination sistiert, der Durst dagegen gesteigert; die Schleimhaut des Maules ist stark geröthet, heiß und mit Sehleim bedeckt. Zeitweise werden Leibschmerzen wahrgenommen, weiche sich beim Pferde und Rinde durch Kolikerscheinungen, beim Schafe durch ängstliches Blocken, beim Schwein durch Schreien zu erkennen geben Neigt die Krankheit nicht zu Genesung, so steigt die Temperatur, es erfolgt rascher Verfall der Kräfte. Schwäche, rapide Abmagerung und die Thiere gehen zugrunde. Die Heilmiir zeigt sich durch wiederkehrende Munterkeit und Fresslust an, der Kothabsatz wird seltener und erfolgt nicht mehr unter heftigem Drängen und der Koth selbst erhält seine natürliche Beschaffenheit.
Sectionsbild; Der Sitz des Processes ist vornehmlich die Dickdarmschleimhaut. Diese ist mehr oder weniger stark geschwellt, serös infiltriert und so weich, dass sie sich leicht mit dem Messer abstreifen lässt. Auf der Schleimhaut belinden sich Blutergüsse, kleine gelbe Schorfe oder in schweren Fällen umfangreiche Schorfe, diese selbst ist blauroth und leicht zerreißbar. Durch Abstoßen der Schorfe entstehen Geschwüre. Die Lymphdrüsen iles Grimmdarmes sind stets blutreich und geschwellt; der Darminhah ist höchst missfarbig, übelriechend und tiüssig. Hei Rindern is! auch die Sehleimhaut des Labmagens entzündet und geschwellt, häufig mit Blutaustritten besäet; derPeyer'sche Drüsenhaufen im Dünndarme ist infiltriert und mit einem Hofe umgeben.
Prognose: Der Verlauf der Ruhr ist in der Regel acut. seine Dauer beträgt zwei bis drei, höchstens zehn Tage. Bisweilen beobachtet man einen chronischen Verlauf, der sich auf Wochen erstrecken kann. Bei dieser, hauptsächlich beim Rinde vorkommenden Form, kommt es schließlich zu Zehrfleber, welches bestimmt den Tod bedingt. Also ist die Prognose bei Ruhr ungünstig, bei Säuglingen sogar sehr ungünstig. Hat die Krankheit einen höheren Grad erreicht, so ist an Heilung nicht zu denken. Sehr leicht, und nicht selten kommen bei der Ruhr Recidiven vor.
Therapie: In diätetischer Beziehung vermeide man viel wasserhaltige und reizende Futtermittel und beschränke sich
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darauf, iIiju Patienten Kleie, Sehrot, gesundes Heu. gekochte Knollen oder Wurzeln u. dgi. in mäßigen Portionen vorzusetzen. Zinn Getränke elgnel sich am besten Kleien- oder Mehltrank. Bei der acul verlaufenden Ruhr empfiehlt sich häufiges Frottieren des Körpers, besonders des Bauches, nachdem derselbe gut mit Kampfergeist eingerieben wurde: welters schleimige Klystiere mit Zusatz von Oarbolsäure oder hyperraangansaurera Kali (1:200). Bei Beginn der Krankheit gibt mau innerlich ein Abführmittel, etwa ßicinusöl, und zwar Pferden und Rindern 400quot;0, Schafen HIOO. Schweinen 901) innerhalh sechs Stunden auf drei- bis viermal. oder Calomel in Verbindung' mit Ei bisch pul ver, und zwar Pferden und Rindern 20, Schafen 0'5. Schweinen PO in mehrmaligen Dosen. Merkt man bei den Thieren nach Oalomelgebrauch Geiferu oder bei Hindern häufiges Kollern im Hinterleibe, so ist es sofort auszusetzen. Bei Kriifteverfali versucht man erregende Mittel, z. B. Brantwein mul reicht davon Pferden und Rindern 75-0, Schafen und Schweinen 300, Gute Erfolge soll Oarbolsäure, innerlieh gegeben, veranlassen: Züudel erapfiehll davon ö'O in einein Liter Camillenthee für große Thiere und Richter lösf sie in der vierlachen Menge Spiritus und gibt fünfmal täglich davon den großen Thieren 15quot;0 in einem halben Liter, den kleinen PO in einem Viertelliter schleimiger Abkochung:. Für Fohlen und Kälber Nt folgende Zusammensetzung recht empfehlenswert; Opiumpulver 0'3P25, Kohlensaure Magnesia 09P25, Rhabarberpulver 4'0 laglich dreimal mit Camillenthee zu geben. Bei chronischer Ruhr empfiehlt wich eine kräftige Nahrung, die am besten aus Erbsen- oder Bohnenschrot, auch mil Mehl bereiteten Suppen: Einbrennsuppe ü. dgl. besteht. Weilers wird man für ein warmes Verhalten des Körpers sorgen, denselben nach Bespritzung mit Kampferspiritus häufig abreiben und nach Bedarf schleimige oder zusammenziehende Klystiere applicieren. Innerlich verwendet man Abkochungen von Tormentillwurzel, Eichen- oder Weidenrinde, denen man Eisenvitriol, für grobe Thiere 8'0, für kleine Üii pro Dose, oder Alaun. S'O, respective
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Tulieroulose,
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Iraquo;.')
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2 0 zusetzt.raquo; Das Decoct bereitet man in der Weise, class man für eine Dosis für Großvieh lö'O. für Kleinvieh 4'0 des betreffenden Mittels mil der 1520fachen Menge Wassers abkocht. Diesraquo;; Abkochungen werden dreimal täglich eingegeben.
Im Stadium der Beconvaleseenz halte mau die Thiere nodi sehr diät, schütze sie besonders vor Erkältungen und ziehe sie zu keiner Dienstleistung heran.
Dreiih vlaxo: Sie besteht in erster Linie in der Abhaltung aller Schädlichkeiten, die eine Infection ermöglichen oder erleichtern. Ist die Ruhr bereits ausgebrochen, so ist das rationellste, die noch gesunden Thiere von den kranken abzusondern und sie in einem anderen Stalle unterzubringen. Auf die unschädliche und baldige Beseitigung der Bxcremente, als die vorzüglichsten Träger des Ansteckungsstoffes, lege man besonderes Gewicht. Der Stall wird einer gründlichen Desinfeetion unterzogen und nachher fleißig gelüftet.
Sanitätspolizei:' Die Milch und das Fleisch ruhrkranker Thiere darf im Principe als menschliche Nahrung nicht verwendet werden; ist jedoch das betreffende Thier in gutem Xähr-zustande, die Krankheit noch im Anfangsstadium, und wird durch sorgfältige fachmännische Untersuchung constatiert, dass man es hier nicht etwa mit Rinderpest zu tlnm hat, so kann das Fleisch für den Hausgebrauch verwendet werden.
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7. Tuberculose.
Tuberculose ist eine [nfeetionskrankheit, impfbar und con-tagiös. Den ersteren Beweis für die infectiöse Natur derselben erbrachte Villemin 1B65. indem er durch Verimpfung tuber-eulösen Materials gesunde Versuchsthiere tuberculös machte: tind Robert Koch war es, der zuerst die Tuberculosenmikroben entdeckte und züchtete. Es war am 24. März 1882. als Koch in der physiologischen Gesellschaft in Berlin die Mittheüuug machte, dass es ihm gelungen sei. den Erreger der Tuberculose. den Till) er kelbacillus, Bacillus tuberculosis (Fig. 11 und 12)
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oder wie ihn der Consensus omnium nennt: Koeh'seller Bacillus, abzusondern und ihn allein zu züchten. Durch diese opoehe-
machende Entdeckung wurde
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#9632;#9632; #9632;
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eines der .schwierigsten Probleme der medieinisehen
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Wissenschaft gelöst.
Es gibt keine Krankheit, welche eine ähnlich große Anzahl vun Thierarten befällt, wie die Tuherculose; nicht eines unserer Haus-thiere verhält sich ihr gegen-
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über vollkommen refractär,
es bestehr unter ihnen nur
eine größere oder geringere
Empfänglichkeit. Die Tuber-
eulose ist schon seit alters-
ber bekannt, zumindest kann
man das von der Perlsucht
der Rinder sagen. Da man
in allen tubereulösen Lü-
sioneu das gleiche causale
Agens, den Tuberkelbacil-
lus lindet, so müssen wohl
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Fig, 12.
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M^ ' m 1^^^ alle diese uiitei'sich ähnquot;
*M^rüeamp;i-f''tamp; S%^*V'S*quot;^*-/^ lieh und nur ihr Aussehen
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ein verschiedenes sein. Bald zeicren sie die Form
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arrondierter Granulationen.
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von der Große eines Hirsekornes, bald sind es große fluctuierende Massen, er
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Querschnitt dorcb don ßentraleo Theil eines Tuboikvi-kn6tchens. .N':il'1i Professor Dr. .r. Csokor.
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füllt von einem gelben,
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dicken Eiter, in weichem sich Kalkkörner befinden. In anderen Fallen ist das Brust-. Bippenoder Bauchfell mit deutlich begrenzten Neubildungen bedeckt.
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Tuberculose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 91
welche hart, glänzend, von rothgrauer Farbe, mehr oder weniger gestielt, gewöhnlich aber in größerer Anzahl angehäuft sind, so dass sie häufig einen recht ansehnlichen Umfang erlangen: ein andermal sfhlielJlieh handelt es sieh um eine undurchsichtige ilas.se. welche gelblich oder graulich, eine käsige Beschaffenheit besitzt und die Gewebe infiltriert.
Lange dachte man. dass es sich hier um Affectionen ganz verschiedener Natur handelt: erst Laennee erkannte die nahe Verwandtschaft all dieser Erkrankungen. Die Einheit, der Tuberculose ist heute allerseits anerkannt, aber lange wurde die Laennec'sche Doctrin verworfen, trotz der bedeutenden ver-theidigenden Arbeiten von Charcot, Thaon u. a. Ehr größter Gegner war die V i rc h 0 w'sche Schule. Vergebens suchte Vi 11 eini n in genauen Versuchen die Identität aller tuberculösen Processe zu zeigen: die Opposition verstummte erst, als Robert Koch bewies, dass all diesen Processen, möge ihr makroskopischer Aufbau noch so verschieden sein, nur ein immer identischer Bacillus zugrunde liegt: Der Tuberkelbacillus.
Nun fragt es sich, welche Thierspecies werden am häutigsten von der Tuberculose betroffen? Da sind in erster Linie die Rinder: unter ihnen fordert diese Krankheit die größten Opfer. Die größere oder geringere Anzahl der erkrankten Thiere i.-t natürlich von vielerlei umständen abhängig und deshalb auch sehr verschieden: es gibt Gebiete, wo 10%. 15%, 25% und mehr der Rinder tuberculös sind, während in anderen die Krankheit ganz unbekannt ist. Trotzdem kann man kühn behaupten, dass die Landwirtschaft den größten Tribut der Tuberculose der Rinder zahlt. Die Tubereulose kann wohl auch bei Einhufern vorkommen, obzwar diese Fälle ziemlich selten sind; es scheint, dass der Verlauf der Krankheit bei Pferden ein viel rascherer ist als bei Rindern, und dass eine Generalisation derselben leichter zustande kommt. Bei den kleinen Wiederkäuern, beim Schaf und bei der Ziege, ist die Krankheit noch seltener, ja diese Thiere bieten selbst einer Impfung bedeutenden Widerstand. Beim Schweine ist die Tuberculose wohl seltener als beim Rinde, jedoch um vieles häufiger als beim Pferde, beim Schafe
Kamp;stenbnQia, Grandriss dpv Tbiersöuclien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
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98nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Speoieller Theil.
und bei der Ziege: sie kommt auch oft generalisiert vor. Hunde und Katzen haben keine besonders große Empfänglichkeit für die Tubereulose, sie widerstehen auch so ziemlich den Infectionen durch Impfung mit Ausnahme der intravenösen Impfung. Die Ansicht, dass Hunde absolut immun sind, ist jedoch falsch, denn in der letzten Zeit wurden genug Fälle bekannt, wo Hunde, speeiell solche tuberculöser Herren, tuberculös wurden. Unter den Bewohnern des Geflügelhofes, Hühner. Gänse, Enten, Truthühner, dann Tauben. Fasane etc. ist die Tubereulose sehr häutig und nicht selten nimmt sie einen epizootisehen Charakter an. Aber nicht nur unsere Hausthiere werden von der Tubereulose befallen, sondern man beobachtet sie auch bei Kameelen in Ägypten und in den kirgisischen Steppen: die Affen in den zoologischen Gärten verenden fast durchwegs an Tubereulose. ebenso die Giraffen, Antilopen. Gazellen. Lama etc. und schließlich sind wir auch im Besitze sicherer Beobachtungen der Tubereulose bei Löwen. Tiger. Jaguar. Panther, Fuchs. Zebra etc.
Tubereulose der Rinder. Perlsiieht.
Atiologie: Wie alle Infectionskrankheiten, kennt auch die Tubereulose nur eine Ursache, das ist das Eindringen eines specilischen Agens in den Organismus und dessen Wucherung daselbst; dieses Agens ist der Tuberkelbacillus, Bacillus tuberculosis. Es ist noch nicht sehr lange her. dass über diesen Punkt allgemeine Einigkeit herrseht. Es brauchte lange Zeit dazu: und als man dahin kam. dass die Tubereulose ansteckend ist. da isolierte man die Tuberculosen ebenso wie im Mittelalter die an Lepra erkrankten Menschen. Nach deren Tod wurde alles, manchmal selbst das von ihnen bewohnte Haus verbrannt, zumindest unterwarf man es einer gründlichen Des-infection. Im XVTIII, Jahrhundert wurden selbst Edicte erlassen, in welchen unter Androhung großer Strafen die Aufsicht überPhthisiker, die Desinfection ihrer Räume. Möbeln etc. vorgeschrieben wurde.
Lange Zeit hindurch wurde das spontane Entstehen der Tubereulose anerkannt: für deren Entwicklung beschuldigte man
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Tnberculose.
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alle aur mögliehen Einflüsse: Feuchtigkeit, Erkältungen, ungesunde, schlecht ventilierte Stallungen, erschöpfende Arbeit, verlängerte Lactationsperiode. ungeniigende Ernährung etc. Alle diese Einflüsse können wolil das Entstehen der Tnberculose begünstigen, aber sie zu verursachen sind sie unfähig.
Im Jahn' 1805 berichtete Dr. Villemin, dass es ihm gelungen ist, bei Kaninchen, Schweinen und selbst bei Hunden Tuberculose hervorzurufen, indem er sie mit tuberculöser Materie oder mit dem Sputum von Phthisikern impfte, doch dieser Bericht wurde eifrigst bekämpft, man wollte von einer Übertragung der Tnberculose nichts wissen. Vergebens suchte Villemin seine Ansieht durchzusetzen, vergebens bestätigte Chauveau die Richtigkeit seiner Versuche, seine Gegner hörten nicht auf, bis Kueh zeigte, dass die Impfung mit Reinculturen von Tuberkel-bacillen eine identische Tuberculose veranlasst, wje die mit dem Auswurfe oder anderen Tnberculoseprodueten.
Als Infectionspforte dient in den meisten Fällen der Respirations- oder der Dlgestionstractus, Der Träger des Oontagiums ist gewöhnlich der Auswurf, das sind die Schleimmassen, die zumeist unter Husten ausgeworfen werden. Er gelangt in den Organismus mit dem Futter, welches von tuberculösen Thieren beschmutzt wurde, oder in der Form von Staub, nach dessen Eintrocknen. Speciell die letzte Art der Infection, nämlich die durch die Einathmung von in Staub dispensierten Auswurfmassen ist von besonderer Bedeutung. Weniger in Betracht kommen die Excremente bei Darmtuberculose, der l'rin bei ürogenitaltuber-culose und der Eiter bei Knoehentubercnlose.
Dort wo die Bacillen nach der Einwanderung bleiben, entwickeln sieh die Tuberkeln, das sind vereinzelt oder in Gruppen stehende, hirsekorngrobe, hellgraue, durchscheinende, ziemlich weiche, von einem rothen Hofe umgebene, knötchenförmige, zellige und gefäßlose Herde, welche durch Wucherung der fixen Gewebszellen entstehen. Die Tuberkeln sind das charakteristische Product der Tuberkelbaeillen; sie zeigen große Tendenz zum Zerfall, worauf sie verkäsen oder verkalken. Die Tuberkeln der Rinder sind derber und fester, da sie mit einer netzartigen Grund-
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Substanz versehen .sind. Oas Wachsthum der Tuberkeln erfolgt zumeist durch Neubildung gleichartiger Herde oder Knötchen, wodurch oft recht umfangreiche Producte entstehen können. namentlich kommt dies leichl auf den serösen Häuten vor. Wie erwähnt, neigen die Tuberkeln sehr zum Zerfall; dieser besinnt ffewöhnlich in der Mitte und breitet sich nach und nach bis an die Peripherie aus. indem ans der Neubildung eine gelbe krümelige Masse entsteht. Ju der Lunge unterliegt der Tuberkel zumeist einer eiterigen Erweichung und es entsteht ein Eiterherd. dessen Inhalt sich entweder verdickt, wodurch ein bröckliger Brei entsteht, oder der Eiter wirkt auf das nebenliegende Gewebe, schmelzend, wodurch dann Höhlen (Cavernen) von verschiedener Größe entstehen.
Der entstehende tuberculöse Process ist zunächst immer ein localer, auf die Infectionsstelle beschränkter: derselbe schreitet stetig, wenn auch langsam auf dem Wege der Lymphbahnen fort. Der Process bleibt aber nur solange ein Idealer, bis die Bacillen nicht die Blutbahu erreicht haben: ist dies der Fall, so wird die Krankheit generalisiert, man spricht dann von miliarer Tuberculöse. Aber nicht nur auf diese Weise kann sich die Tuberculöse verbreiten, sondern es können von den Ganglien ans die angrenzenden serösen Häute ergriffen werden: vom Bauchfell kann sich die Tuberculöse ohne Vermittlung des Blutstromes auf das Brust- oder Rippenfell ausbreiten, aber nur mit Hilfe der Lymphgefäße, welche das Zwerchfell durchziehen. Anderseits kann bei Tuberculöse des Uterus (Gebärmutter) eine Infection des Bauchfelles durch die Pallopi'sche Trompete statthaben und umgekehrt: der Darm wird durch Abschlucken des Secretes inticiert. ebenso die Mesenterialdrüsen etc. In keinem all dieser Fälle kann abei* von einer allgemeinen Tuberculöse gesprochen werden, da sie nicht in den Organen verbreitet ist. was nur möglich, wenn ein tuberculöser Herd eine größere Vene durchbricht. Ist dieser Fall eingetreten, so nimmt die Tuberculöse den Charakter einer generalisierten Krankheit an; das Blut, alle Gewebe werden virulent und in der Leber. Milz und im Knochenmark, das sind Gewebe, welche für die Wucherung
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der Baeillen am günstigsten sind, entstehen eine ansehnliche Anzahl von miliaren Herden.
J)ie Lungen und der Darmeanal, vorzflglieh die ersteren, sind die hauptsächlichsten Wege, auf welchen die Baeillen eindringen, aber sie siml nicht die einzigen. Es wurden schon Fälle mitgetlieilt. wo die Infection durch den Stier beim Bespringen zustande kam; ob eine immittelbare Ansteckung von Thier auf Thier durch die Haut möglich ist. bleibt noch unentschieden. ist jedoch unwahrscheinlich.
Nun tragt es sich, welches die prädisponierenden .Momente bei der Entstehung der Tubereulose sind. Zuerst die an dem Thiere gebundenen Ursachen, wie die Constitution, das Alter. die Arbeit, das Futter, die verlängerte Lactation; sie alle können eine Schwächung des Organismus bedingen, die das Eindringen und die Vermehrung des Infectionserregers erleichtert. Die Haltung der Thiere spielt wohl die größte Eolle bei der EortpHanzung dieser Krankheit; der ununterbrochene Aufenthalt der Thiere in schlecht ventilierten, überfüllten Stallungen erleichtert zweifellos das Entstehen der Tubereulose.
Man betrachtet es schon als Axiom, class alle Milchkühe in großen Städten tubereulös sind und thatsächlich ist es fast so. Dem kann jedoch abgeholfen werden. In Paris war bis vor kurzer Zeit der größte Theil der Kühe, die zur Schlachtbrücke gebracht worden, tubereulös: heute fällt es sehr schwer, in den Milchwirtschaften von Paris eine tubereulose Kuh zu linden. Dies kommt daher, weil die Administration in den Milchwirtschaften eine ganz verschiedene von der früheren ist. Heute lassen die dortigen Landwirte ihre Kühe nicht mehr belegen: sie kaufen sie frischmelkend, erhallen sie in vorzüglichem Nährzustande und kaum nimmt#die Milchsecretion ab. werden sie zum Metzger gegeben. Dadurch bleibt ein Thier nur so kurze Zeit circaein Jahr im Stalle, dass es ein anderes kaum anzustecken vermag, und selbst wenn eine Infection erfolgt, bleibt der Process so beschränkt, dass dieses Thier für die anderen keine Gefahr bildet. Früher blieb eine Kuh vier bis sechs Jahre im Stalle, so dass. wenn diese tubereulös war. sie den ganzen übrigen Stall inlicieren konnte.
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In dieser Weise werden auch noch die meisten Ställo geleitet, so dass nicht .sehen manche Stallungen durch und durch tuberculös inficiert sind. .Man weiß noch zu wenig, welche Ausbreitungsfähigkeit die Tuberculose besitzt; in manchen Staaten mit ganz guten veterinärpolizeilichen Gesetzen sind 20% alier Rinder tuberculös. In Sachsen z. B. waren nach amtlicher Statistik von den in Schlachthäusern geschlagenen Kindern im Jahre 1891 17-40%. im .Jahre 1892 17-79%, im Jahre 1893 18'26quot; tuberculös. In Bayern waren im Jahre 1895 von 5401 Stück Rindvieh 34% tuberculös. Nach dem Jahresberichte des Schlachthauses in Kiel von 1896 wurden während der Zeit vom I.April bis 1. October 4718 Rinder geschlagen, davon waren 1891, das sind 407%. mit Tuberculose behaftet. Im Wiener Schlachthause wurden im Jahre 1891 25.240 Stück Rindvieh geschlagen,' davon hatten 12-28quot; Tuiierculo.se. In London fand man .Meiereien in welchen 50. 6070quot;/,, des Bestandes tuberculös waren.
Der Eintluss des Klimas, der Arbeit, selbst der Rasse auf die Entstehung der Tuberculose ist nur ein geringer; das einzige wirklich gefahrliche Moment ist der dauernde Aufenthalt gesunder Thiere in der unmittelbaren Nähe eines kranken Thieres. besonders wenn dieses hustet und so den virulenten Auswurf verwirft.
Die Heredität der Tuberculose steht heute wohl fest, ja die Laien und sogar viele Fachleute betrachten diese als das Prototyp der erblichen Krankheilen. Damit scheint man jedoch etwas übers Ziel geschossen zu haben, das beweisen am besten die Zahlen der Statistik. In Preußen wurden vom 1. April 1892 bis 1. April 1893 914.216 Stück Kälber geschlagen, davon waren nur 446 Stück, das ist etwas mehr als 0-04% tuberculös: in Sachsen, wo die Tuberculose am ausgebreitetsten ist, waren im Jahre 1891 17-40%. im Jahre mi2 17-79%, im Jahre 1893 18-26%, aller geschlagenen Rinder tuberculös. dagegen betrug die Zahl der tuberculösen Kälber nur 0-06%. respective0*11 undO-12%-im Kieler Sehlaehthause waren von 5076 Kälbern 99. das ist 1'95% mit Tuberculose behaftet. Berücksichtigt muss noch werden, dass man sich in der Mehrzahl der Fälle darauf beschränkt hat. die Diagnose nur makroskopisch zu stellen, wodurch manchmal
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Tubereulose.
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wolil Fehldiagnosen voi'gekommen sein mögen. Dabei ist noch in Betracht zu ziehen, dass die Kälber nie unter drei Wochen alt an den Metzger abgegeben werden: die meisten sind sogar schon sechs bis acht Monate alt. Es ist doch sehr wahrscheinlich, dass diese Thiere erst durch den Aufenthalt in der unmittelbaren Nähe der kranken Mutter oder durch die Benützung der virulenten Milch inliciert wurden. Es sind auch Fidle bekannt, wo die in-feetion des Fötus nicht geleugnet werden kann (Höhne, Csokor), und es ist auch klar, dass in Füllen von miliarer Tubereulose bei trächtigen Kühen der Uterus, die Placenta und ebenso der Fötus gerade st) intleiert werden kann, wie alle anderen Gewebe. Es ist also möglich, dass der Tuberkelbacillns von der Mutter auf den Fötus übergeht, obwohl dies nicht zu häufig der Fall ist; zumeist ist es aber nicht der infectiöse Keim selbst, der aul den Fötus übergeht, sondern es sind nur besondere Eigenheiten, die die Entwicklung ties Keimes, welcher später mit dem Körper in Berührung kommt, erleichtern; es ist das. was man Prädisposition nennt. Mit anderen Worten; Die Thiere bringen eine Empfänglichkeit für die Tubereulose auf die Welt, aber sie werden nicht tubereulös geboren (Koch).
Wie schon erwähnt, isi der einzige Erreger der Tubereulose der Tuberkelbaeillus. Er stellt feine, schlanke Stäbchen dar. deren Länge im Mittel 34;x beträgt. Er ist leicht gekrümmt, unbeweglich, liegt gewöhnlich einzeln und zeichnet sieh von anderen Bakterien dadurch ans. dass er sich sehr schwer färbt, aber die einmal aufgenommene Farbe mit großer Zähigkeit fest-häll. Die Widerstandsfähigkeit des Tuberkelbaeillus ist eine sehr große: er wird erst durch zehn-Minuten andauerndes Erhitzen auf 70quot; C vernichtet: er hält also höhere Temperatur aus. als die meisten anderen Bakterien. Der Einwirkung des direeten Sonnenlichtes widerstehen die Tuberkelbaeillen nur kurze Zeit: einige Minuten bis einige Stunden; gegen Austrocknung sind sie sehr resistent; im ausgetrockneten Sputum erhalten sie sich bis zu sechs Monaten infectionstüchtig. Die Dauer der Incubationsperiode lässt sich mit Rücksicht auf die schwere Erkennbarkeit dieser Krankheit im Beginne nicht feststellen.
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Symptome; Die Tuberculose entwickelt sieh nur sehr langsam, die klinische Prognose derselben ist äußerst schwer, umsomehr, als die Krankheit monate- ja jahrelang bestehen kann, (dme dass irgend welche Symptome darauf hinweisen. Die Erscheinungen sind sehr variabel, je nach den Organen, die vor-lierrscliend ergriffen sind.
Lungentuberculose ist die häutigste und zugleich die gefährlichste Form der Tuberculose. Zur leichteren Übersicht pflegt man drei Stadien der Krankheit zu unterscheiden:
1.nbsp; nbsp;Stadium. Im Anfange bestehen gar keine besonderen Symptome; werden die Tliiere sehr sorgi'illtig und aufmerksam beobachtet, so kann man eventuell merken, dass solch ein Thier zeitweise hustet, speciellam Morgen, wenn man es zum Aufstehen zwingt, wenn man ihm etwas frischeres Wasser vorsetzt, oder wenn mau die Thüren des Stalles öffnet, so dass die kalte Luft eindringen kann. Ein zur Arbeit herangezogenes Thier verliert früher als die übrigen den Athem; bei Kühen ist bisweilen der Geschlechtstrieb erhöht, sie rindern häufig, concipieren Jedoch nicht. Außerdem nimmt man nichts Anormales am Thiere wahr; es ist munter, hat guten Appetit; das Haar ist glänzend und anliegend. die Haut weich und elastisch, die Lactationsperiode nicht verkürzt, das Thier bleibt in gutem Nährzustande und kann selbst zunehmen. Würde man bei solch einem Thiere täglich morgens und abends dessen Temperatur messen, so würde man von Zeit zu Zeit vorübergehende Temperaturerhöhungen wahrnehmen, die ohne merkliche Ursache 11-50 0 betragen.
2.nbsp; nbsp;Stadium. Das Vorhandensein der Tubereulose wird bestätigt. Das Haar verliert seinen Glanz, wird matt und gesträubt; die Haut ist trocken und lässt sich schwer von der Unterlage ablieben; die Lendengegend wird druckempfindlich. Etwa angebrachter Druck auf den Brustkorb oder die Lenden bedingt Schmerzäußerung und Husten. Dieser ist anfangs kurz, rauh und zischend, wird später dumpf, kraftlos und häutiger; man kann dabei leicht erkennen, dass sich in den Bronchien Schleimmassen befinden, die bei heftigen Hustenanfällen selbst ausgeworfen werden, eiterig, zähe, dick und von gelblicher Farbe sind. Leider
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wird der Auswurf selten ausgeworfen, sondern er wird zumeist von den Tliieren verschluckt, wodurch das leichte Entstehen von Tuberculose des Darmes und der Mesenterialdrüsen oder der Leber erklärlich wird.
Das Athmeu ist beschleunigt und erschwert, besonders bei Bewegung: häufig sieht man bei der Exspiration sich eine Furche längs der Flanke bis zum Brustbein bilden. Die physikalische Untersuchung des Brustkorbes ergibt zu dieser Zeit bronchiales Athnien und mehr oder weniger starke Easselgeräusche, außerdem an umschriebenen Stellen gedämpften Percussionsschali. Diesen Symptomen schließen sich dann noch Störungen im Digestionstractus an. Die Fresslust nimmt ab und wird veränderlich, die Elimination ist verzögert und unregelmäßig, häutig beobachtet mau Trommelsucht, welche durch Druck auf den Schlund durch die vergrößerten Mittelfelldrüsen veranlasst wird. Die Milchsecretion nimmt stetig ab. die Qualität derselben wird minder, sie scheint wässerig und hat einen bläuliehen Schimmer. Ihr Aussehen ist im ganzen kein auffallendes; sie kann auch, wenn das Euter nicht der Sitz tubereulöser Processe ist, ohne Sehaden verwendet werden.
3. Stadium. In diesem Stadium wird der Gang der Krankheit beschleunigt: die Patienten werden thatsächlich schwindsüchtig. Die Abmagerung macht von Tag zu Tag größere Fortschritte, die Haut sitzt fest an den Knochen, das Haar ist matt und gesträubt. Die Thiere sind matt und niedergeschlagen, die Augen thränend und in den Höhlen eingefallen, der fütide Auswurf ist krümelig, hat eine gelbe Farbe und Hießt aus den Nasenlöchern hervor, das Flotzmaul beschmutzend. Das Thier steht immer mit ausgespreitzten Beinen, das Athmen ist beschleunigt, kurz und stoßweise, der Husten ist schwach, häufig und schmerzhaft. Durch Druck auf den Rücken werden lauquot;-anhaltende, heftige Hustenanfälle ausgelöst. Eine zu dieser Zeit vorgenommene physikalische Untersuchung des Brustraumes lässt keine Zweifel mehr über die Natur des Leidens aufkommen. Der Tod erfolgt gewöhnlich infolge gänzlicher Erschöpfung.
In der letzten Periode lassen sich zumeist außer diesen Symptomen noch andere beobachten, da sich der Krankheits-
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106nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Speeieller Tüeil.
process gewöhnlich auch auf andere Organe ausbreitet. So besteht in einem Falle Kolik, wobei Verstopfung und Diarrhöe abwechselt (Tuberculose des Darmes und der Mesenterialdrüsen); in anderen eiteriger Austluss aus der Scheide (Tuberculose des Uterus). Blutharnen (Tuberculose der Blase); schmerzlose, feste Schwellung meist eines Euterviertels, das allmählich steinhart wird (Tuberculose des Euters): paralytische oder epileptiforme Zufälle mit Sehwindelanfällen, Lähmungen (Tuberculose des Gehirnes und der anderen Nervencentren) u. s. w. In Fällen, wo die tuberculösen Wucherungen den Herzbeutel betreffen, bleibt die Krankheit lange unbemerkt, und der Tod erfolgt unter Erscheinungen einer Herzbeutelentzündung. Ist der Herzmuskel ergriffen, so tritt der Tod früher und häufig ganz plötzlich ein.
Tuberculose des Unterleibes. Der tuberculose Process kann ausschließlich auf die Organe der Bauchhöhle beschränkt sein, wobei die Organe des Brustraumes vollkommen gesund sind: in diesem Falle ist die Diagnose sehr schwer, häufig unmöglich. Auf die Vermuthung einer Tuberculose des Bauchfelles kommt man gewöhnlich dadurch, dass auch die Genitalien mit inficlert sind. Die Fähe sind dann sehr aufgeregt, brüllen fast ununterbrochen, besteigen auf der Weide die anderen Kühe, rindern sehr häufig, ohne in der Kegel aufzunehmen, oder wenn dies auch der Fall ist, verwerfen sie gewöhnlich.
Damtuberculose verursacht häutige Koliken, profuse Durchfalle, die mit hartnäckiger Verstopfung abwechseln. Bei Tuberculose der Leber besteht schwache Trommelsucht, welche man besonders nach der Futteraufnahme beobachtet; das Wiederkauen wird jedoch nicht verhindert. Tuberetdose der Gebärmutter macht sich gewöhnlich durch eiterigen Austluss bemerkbar, welcher die Schamlippen besudelt. Mit Hilfe dieses Secretes lässt sieh die genaue Diagnose, sei es durch mikroskopische Untersuchung, sei es durch Impfung, leicht feststellen.
Tuberculose des Euters. Im allgemeinen ist das Euter selten der Sitz tuberculöser Processe; unter 100 Kühen findet man kaum 34 Stück, die mit Eutertuberculose behaftet sind. Die Krankheit macht sich durch eine diffuse Anschwellung des
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Euters bemerkbar, welche etwas hart, doch uiiempliiKlIicli und nicht heiß ist. und zumeist nur ein Viertel ties Euters betrifft, und zwar vorzüglich ein hinteres Viertel. Bisweilen hypertrophiert die kranke Drüse und erlangt dadurch eine ansehnliche Größe. Die -Milch bleibt lange Zeit hindurch normal, nach und nach wird sie seröser und gelblich, dann findet man in ihr kleine Gerinsel, welche die Bacillen enthalten und ganz zidetzt wird die Milch eiterig, um endlieh ganz zu versiegen, im selben Maße, wie die Milch diese Veränderungen durchmacht, wird der Process deutlicher: das Gewebe des Euters wird immer weniger geschmeidig, mehr resistent und schließlich fasf steinhart.
Prognose: Die Tubereulose ist der Typus der chronischen Krankheiten: ihre Entwicklung ist sehr langsam und kann selbst jahrelang dauern. Im latenten Verlaufe der Tuberculose treten manchmal Exacerbationen ein, wodurch die Krankheit dann mit einemmale um vieles fortschreitet. Bei der allgemeinen miliaren Tuberculose ist der Verlauf ein sehr rascher.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Der Ausgang
der Krankheit ist fast immer ein tödtlieher, deshalb ist es am zweckmäßigsten, die Thiere rasch so gut als möglich aufzufüttern und sie frühzeitig der Schlachtbank zuzuführen.
Sectionsbild: Im Beginne findet man auf den serösen Hauten kleine, perlartige Knötchen. die später in Gruppen vereinigt erseheinen, welche entweder fest auf der Oberfläche haften, oder in netzförmig verästelte Bindegewebszüge eingebettet sind oder schließlich frei in die betreffende Körperhöhle hängen. Schneidet man ein frisches Knötchen durch, so findet man es weich, schwammig und drüsenähnlich: bei geringem Druck quillt eine graue, trübe Flüssigkeit hervor. In späteren Stadien trifft man diese Knötchen bedeutend vergrößert, so dass sie nicht selten selbst über kartoffelgroß sind; gleichzeitig sind sie auch derber, fester und haben ein faseriges Aussehen erlangt, während sie an anderen Stellen verfettet, verkäst oder verkalkt sind.
Ebenso ist der Befund in der Lunge: auch hier findet man Knoten, die entweder noch frisch oder schon verkäst und stellenweise verkalkt sind. In vorgerückteren Stadien der Krankheit kann man daselbst umfangreiche, käsige oder Erweichungsherde
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108nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Speeieller Theil.
oft in bedeutender Menge antreffen, die manchmal einen Bronchus durchbrochen haben, worauf man auch Zeichen einer Qberstan-denen Brustfellentzündung wahrnimmt. In der Umgebung dieser Tuberkelherde findet man das Lungengewebe geschrumpft, com-primiert oder degeneriert. Die Bronchien enthalten einen eiterigen Sehleim; auf deren stets katarrhalischer Schleimhaut, sowie auf jener des Kehlkopfes und der Luftröhre werden bisweilen tuber-culöse Geschwüre oder Granulationen vorgefunden. .Bei vorgeschrittener Krankheit vermisst man nie Veränderungen in den Lymphdrüsen; sie erscheinen geschwellt, vergrößert, verkäst oder verkalkt.
In der Bauchhöhle finden sich die angeführten Verände-derungen besonders an dem Überzuge der Bauchwand, am Netz und Gekröse, wo sie einen bedeutenden Umfang erreichen können. Die Beber. .Milz, und Nieren sind häutig mit großen tuberculösen Knoten und käsigen Massen durchsetzt: die betreffenden Organe sind dann zuweilen bedeutend vergrößert. Auf dem Darme beobachtet man manchmal Geschwüre mit erhabenem Bande und schmutzigem Grunde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Dieselben Veränderungen findet man
an jedem Organe, welches inficiert wurde, in einer mehr oder minder vorgeschrittenen Entwicklung.
Therapie: Die Tubereulose wird bis heute für eine unheilbare Krankheit gehalten; unheilbar nur insoweit, als wir noch kein Mittel besitzen, welches die Heilung ermöglicht, denn Selbstheilungen kommen wohl vor. Die Zahl der therapeutischen Versuche ist eine große, doch all die Anstrengungen wurden bisher nicht von Erfolg gekrönt. Man versuchte durch Injeetionen mit Kreosot eine Heilung der Tuberculose zu erzielen, und Moeard berichtet über von ihm ausgeführte Impfungen an 15 Thieren, die durch die Tubereulinimpfung als krank erkannt wurden. Während einer Zeit von 6 18 Monaten erhielten diese Thiere zweimal wöchentlich eine subeutane Injection mit Kreosotöl. Die Dosis betrug je nach Alter und Constitution des Thieres 1025// reines Kreosot mit der gleichen Menge sterilisierten Öles. Alle 3........4 Monate unterwarf er die Impflinge einer Probeimpfung mit Tuberculin; nach 21 Monaten konnte er neun dieser
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Thiere nls vollkommen geheilt bezeichnen, da sie auf Tuberculin nicht mehr reagierten. Eines der geheilten Thiere wurde bald darauf gekeilt, wobei er seine Überzeugung- von der vollkommenen Heilung bestätigt fand. Trotzdem .sind wir noch weit entfernt. die Krecsotimpfung für die Praxis empfehlen zu können.
Man versuchte es auch mit der Einverleibung des Blutserums von Thieren, die sich gegen die Krankheit relativ re-fraetär verhalten, von Hunden und Ziegen, jedoch auch ohne Erfolg. Riebet und Herieourt scheint es neuerdings gelungen zu sein. Hunde gegen die Tuberculose zu vaccinieren, indem er ihnen Geflügeltuberculose intravenös injicierte; das Verfahren ist alicr mit großen Gefahren verbunden.
Eine directe und speeifisehe Einwirkung auf die tubercu-lösen Herde suchte Robert Koch mittelst des Tuberculins zu erzielen: er stellte dasselbe durch Eindampfen von Tuberkel-bacillen-Reinculturen bis auf ein Zehntel ihres Volumens und nachherige Filtration her. War aber schon die Koch'sche Entdeckung des Tuberkelbacillus geeignet, sowohl in Fach- als auch in Laienkreisen großes Interesse hervorzurufen, um wieviel mehr musste dies die Entdeckung des Mittels thun. wodurch man endlieh den größten und heimtückischesten Feind der Menschheit wirksam zu bekämpfen hoffte. Und das Interesse war auch ein riesiges; docli bald wurde man abgekühlt: das Tuberculin hielt nicht, was es versprach, es war kein absolutes Heilmittel.
Obzwar die Menschenheilkunde vorläufig keine Vortheile vom Tuberculin ziehen kann, ist es wenigstens für die Thierheil-kunde und für die Landwirtschaft von großem Nutzen; auch nicht als Heilmittel, sondern als diagnostisches Mittel, und als solches ist dessen Wert wahrlich nicht zu unterschätzen. Unzählige Versuche haben dargelegt, dass geringe Mengen des Tuberculins, subeutan injieiert, bei tuberculösen Rindern eine deutliche Fieberreaetion verursacht. Die Reaction ist selbst in solchen Fällen eine sichere, wo sich die Krankheit durch klinische oder baeteriologische Untersuchung oder durch Impfung nicht einmal vermuthen lässt. Die zahlreichen Versuche ergaben folgendes: Die Injeclion einer starken Dosis Tuberculin (80 bis
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1 IQnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Speeieller Theil.
-10 c^r) verursacht bei tuberculösen Thieren eine Temperaturerhöhung vod l'ö 3deg; 0, während dieselbe Dosis, nicht tuberculösen Thieren injiciert, keinerlei Reaction veraalasst. Die Reaction merkt man erst li' 15 Stunden nach der Injection, manchmal nach der nennten Stunde, sehr selten nach 18 Standen; sie dauert immer einige Standen, Hie Intensität und die Dauer der Reaction steht in keinem Verhältnisse zu der Schwere der Krankheit. Es wird sich empfehlen, Thiere, bei denen die Temperaturerhöhung nur 08- l-4quot; 0 betrug, nach einem Monat einer neuerlichen [nfection zu unterwerfen. Contraindiciert ist die Impfung bei schweren, fieberhaften Patienten, und im Falle bei den betreffenden Thieren ein vorübergehendes Unwohlsein constatiert wird.
Aus vielen statistischen Daten ist zu ersehen, dass nur circa 870,, aller Thiere, die auf Tuberculin reagierten, wirklich tuberculös waren. Ich glaube jedoch, dass die Impfung beiweitem nicht so falsche Resultate ergeben würde, wenn man als tuberculös nur jene Thiere bezeichnen würde, die auf eine Injection mit einer Temperaturerhöhung von mindestens 1-4quot; C reagierten. Aus manchen Berichten 1st .jedoch zu ersehen, dass man sich mit. einer Temperaturerhöhung von 0 5quot; C begnügt hat. um die Diagnose auf Tuberculose stellen zu können: in solchen Fällen sind dann Fehldiagnosen nicht zu umgehen.
Sanitätspolizei: Die Identität der Tuberculose der Thiere mit der der Menschen steht heute außer jedem Zweifel, ebenso wie die Übertragbarkeit dieser Krankheit von Thier auf Mensch und umgekehrt. Es 1st deshalb für den Menschen von größter Wichtigkeit, zu wissen, welches in erster Reihe die l'roducte sind, die ihn zu inlicieren vermögen, mul wie er sich vor einer Infection schützen kann.
Was das Fleisch anbelangt, so ist es nur von solchen Thieren zum Genüsse zulässig, welche gut genährt sind, und bei welchen man Tuberkeln nur in einem Organe vorfindet. Das Fleisch kann auch im Falle des Auffindens von Tuberkeln in zwei oder mehreren Organen genossen werden, wenn diese solche derselben Körperhöhle sind und miteinander direct oder durch die Lymphbahn oder Blutgefäße des kleinen Kreislaufes verbunden
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sind. Bei allgemeiner Tuberculose, oder wenn das Fleisch mit Tuberkeln durchsetzt ist, oder schließlich, wenn das betreffeude Thier abgemagert ist. emplielilt es sieh, das Fleisch zu vernichten, da dessen Genuss gesundheitsschädlich ist.
Die Milch tuberculöser Kühe ist wie wir oben sahen manchmal virulent: da sie dabei dennoch ganz normal aussieht, so ist e.s leicht verständlich, welche Gefahr der Genuss der rohen Milch in sich birgt. Leider wird dies viel zu wenig gewürdigt, und indem man sich auf das alte Vorurtheil beruft, dass gekochte Milch unverdaulich ist. genießt man sie in rohem Zustande. Die zahlreichen Versuche von Gerlach, Klebs, Bol-linger, Johne u.a. ergaben Resultate, welche uns die Gefahren des Genusses roher Milch ins rechte Licht setzen und uns zur Warnung dienen mögen. .Milch soll vor dem Gebrauche gekocht werden: das Kochen ist bis auf 85deg; C fortzusetzen.
Man wird wohl einwenden, dass uns durch den Genuss von Producten der Milchnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Butter und Käsenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ebenfalls
eine Gefahr erwächst. Die Gefahr, die in der Theorie de facto besteht, ist jedoch in der Praxis gleich Null. Die .Mehrzahl der Bacillen werden mit der Molke mitgerissen, wo man sie auch vorfindet, indessen findet man auch in der Butter und im Käse eine gewisse Anzahl derselben. Wird nun die Milch vor der Verarbeitung einer Temperatur von 85deg;0 während fünf Minuten ausgesetzt, so sind alle Bacillen getödtet. die Milch hat aber gar nichts von ihrer Brauchbarkeit verloren. Aber selbst roh verarbeitete Milch birgt nur eine kaum nennenswerte Gefahr in sich, denn 1. enthält das betreffende Product - - Butter oder
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Käse
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nur wenia; Bacillen.
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jilden diese Producte nur
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einen ganz geringen Theil unserer Nahrung.
Prophylaxe: Vor allem müssen alle tuberculösen Thiere unbedingt von der Nachzucht ausgeschlossen werden: entdeckt man beim Schlachten von zur Zucht verwendeten Thieren Tuberculose. so dürfen die Nachkommen auf keinen Fall zur Zucht, zugelassen werden. Weiters wird man Stände, wo tuberculose Thiere standen, gründlich reinigen und desinficieren, und von den gesunden Thieren alle schädlichen Einflüsse, die eine Dis-
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position zur Erkrankung herbeiführen können, thonlichst abhalten. Zu dem Zwecke sorge man für gesunde, kräftige Nahrung, ausgiebigen Luttwechsel im Stalle und für genügende Bewegung im Freien.
Tuberculose laquo;lei1 Schweine.
Die Tuberculose der Schweine zeigt viel Ähnlichkeit mit der des Kindes, sowohl was die Localisation des Processes betrifft, als auch seine Generalisation. Die Krankheit kommt bei Schweinen viel seltener vor als bei Rindern, fast so selten wie bei Kälbern.
Atiologie: Die Krankheitsursache ist auch hier einzig und allein der Tiiberkelbacillus. Die Infection erfolgt zumeist durch die Milch tuberculöser Mutterthiere, dann durch Veifütterung von Milch, .Molkereiabfällen und Fleisch tuberculöser Kinder. Wir sehen deshalb, dass von zehn Fällen unbedingt in neun die fn-fection vom Verdauungstractus aus erfolgt. Die Ansteckung kann auch durch die Respirationsorgane erfolgen, doch sind diese Fälle selten. Eine bemerkenswerte Rolle bei der Tuberculose der Schweine spielt die Vererbung. Die Fälle sind nicht zu selten, wo die Ferkeln schon tuberculös geboren werden, oder doch kurze Zeit nach der Geburt die deutlichen Symptome des Leidens zeigen. Auch eine Prädisposition macht sich bemerkbar, und zwar insofeme, als von der Tuberculose besonders junge Schweine bis zum ersten Lebensjahre, dann veredelte und frühreife Kassen befallen werden.
Symptome: Die Lungentuberculose ist sehr selten ursprünglich primär vorhanden, zumeist tritt sie erst früher oder später als Complication secundärnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;zur bestehenden
Affection des Darmes hinzu. Als erstes Symptom stellt sich Husten ein. der anfangs kurz und trocken ist, später häufiger, .schmerzhaft und quälend wird. Dabei besteht merkliche Athem-noth. das Athmen ist beschleunigt und erschwert, die Thiere magern trotz des nicht besonders mangelhaften Appetites ab und gehen nach mehreren Wochen zugrunde. Bisweilen merkt mau am lebenden Thiere kein Symptom der Krankheit: der Husten
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fehlt gänzlich, der Nährzustand bleibt ein sehr guter und nach der Schlachtung fimlet man trotzdem Tuberkeln in der
Lunge.
Ist die Tuberenlose auf die Organe der Bauchhöhle locali-siert, so bedingt sie die fortschreitende Abmagerung des befallenen Thieres, die sichtbaren Schleimhäute sind blass, die Haut wird unrein, man beobachtet abwechselnd Verstopfung, Aufblähen, Kolik und Durchfall, das Thier ist malt und traurig, verkriecht sich in die Streu, die Augen sind eingefallen, der Bauch schlaff herabhängend, die Palpation desselben schmerzhaft. Bei einer Untersuchung des Bauches lassen sich die verwachsenen Dickdarmschlingen als derbes, höckeriges, häufig ziemlich umfangreiches Oonvolut durchfühlen. Derartig kann die Krankheit mehrere .Monate bestehen; der Process wird nur dann ein aculer. wenn sie sich generalisiert. Die tuberculösen Erkrankungen des Gehirns oder anderer Nervencentren bedingen unverkennbare, charakteristische Symptome.
Sectionsbi Id; Das Ubduetionsergebnis ist im großen und ganzen ebenso wie beim Rinde: besonders hervortretend sind beim Schweine die Darmaffectionen und hauptsächlich die Veränderungen im Dickdarm. Dieser stellt sich derb und dick dar. die einzelnen Darmwindungen treten als dicke Wülste hervor, auf welchen sich verschieden große, Hache, rundliche Erhabenheiten belinden, deren Centrum fluetuiert oder verkäst ist. Im Blind-u'nd (irimindarme. dann am Anfange des Mastdarmes findet man mehr oder weniger große Partien der Schleimhaut, grausehwarz oder ganz schwarz aussehend, dabei trocken und brüchig. Daneben nimmt man auch kleinere, weniger hervorragende, sehiefer-graue Stellen wahr, welche ebenso wie die vorhergenannten Veränderungen von einem hatten, breiten, grau oder roth gefärbten Bande umgeben sind. Die Mesenterialdrüsen sind geschwollen und von käsigen Herden durchsetzt. Der Befund in der Lunge. Brust- oder Bauchfell ist ähnlich dem beim Binde.
Prognose: Sie ist immer ungünstig: nach einer verschieden langen Dauer von einigen Wochen bis zu Monaten führt die Krankheit fast immer zum Tode.
Kästenbanm, Grundriss dtT Thierseachen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,S
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Prophylaxe: Sie ist gleich der beim Rinde. RolotT riitli außerdem, die zur Zucht bestimmten Thiere nicht wie Mastschweine zu halten, sondern ihnen Gelegenheit zu reichlicher Bewegung- im Freien zu geben, um eine kräftige Entwicklung aller Organe zu erniögliehen und eine etwaige Disposition nicht. aufkommen zu lassen. Außerdem sind Thiere kranker Eltern und deren Nachkommen, wenn sie niHit ganz kräftig sind, absolut von der Zucht auszuschließen.
Sanitätspolizei: Mit Rücksicht darauf, dass beim Sehweine generalisierte Tuberculose nicht zu selten ist. und anderseits der Genuss des Schweinefleisches ein ausgebreiteter, so ist die Gefahr, die dein Menschen, bei nicht sorgfältiger Fleischbeschau, droht, eine ziemlich bedeutende. Bei Vorhandensein einer allgemeinen Infection wäre das Fleisch und alle übrigen Theile vom menschlichen Genüsse unbedingt auszuschließen; ist das Thier gut genährt und sind nur ein oder zwei Organe tuberculös. so sind diese, sowie die geschwollenen Lymphdrüsen zu entfernen, das übrige Fleisch kann genossen werden.
Tuberculose bei anderen Thieren.
Da die Tuberculose bei Pferden. Schafen und Ziegen äußerst selten ist. wird es wohl genügen, die Krankheit kurz und in einem zu behandeln.
Die Tuberculose der Pferde kommt sehr selten vor. manche Autoren haben dieselbe überhaupt geleugnet und hielten die wenigen in der Literatur verzeichneten Fälle von angeblicher Tuberculose bei Pferden für andere Krankheiten. Erst mit der Entdeckung des Tuberkelbacillus wurden die Zweifel an das that-sächliche Vorkommen der Tuberculose bei dieser Thiereattuna-zerstreut, nachdem Koch zeigte, dass sieh in den als Tuberkeln bezeichneten Knoten die charakteristischen Bacillen finden. Die Disposition für die Tuberculose ist bei Pferden eine äußerst geringe: hat eine Infection stattgehabt, so bleibt der Process sehr lange locali-siert. Als Infectionspforte dient vornehmlich der Verdauungstractus. während eine primäre Lungentuberculose bei Pferden sehr selten ist.
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.Maul- und Elanenseuche, Aphthae epizooticae.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 115
Noch seltener ist das Vorkommen der Tubereulose bei Schafen und Ziegen; bei den ersteren speciell ist ein spontanes Vorkonimen der T11berc11lo.se überhaupt zweifelhaft. Schafe setzen selbst der Impfung bedeutenden Widerstand entgegen: sie widerstehen der subciitanen und intraocularen Impfung, und nur die intravenöse Implung verursacht eine rasch tödtlieh verlaufende Miliartuberculose; ebenso gelingt es. durch Verliitlerung tuberculöser Substanzen sie zu infieieren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ähnlieh verhalten
sich Ziegen.
Fast in allen Fallen erfolgte die Ansteckung durch Übertragung von tubereulösen Kindern, mit denen sie wahrend längerer Zeit den Stall theilten.
Die Symptome, der Verlauf, sowie der Sectionsbefund sind bei allen diesen Thieren ähnlich denen des Rindes, so dass eine eingehende Beschreibung auch mit Eücksicht auf das seltene Vorkommen wegbleiben kann.
Da die Producte der Ziegen, namentlich die -Milch, häufig zur menschlichen Ernährung dienen, wird es sieh empfehlen. die betreffenden Thiere vorsichtshalber der Tuberculinimpfung zu unterwerfen.
Forensisches: In einigen Ländern zählt man die Tnber-culose zu den Gewährsmängeln, und bestimmt eine Gewährszeit, welche beträgt in:
Österreich.............HO Tage
Sachsen.............50 raquo;
Baden. Württemberg, Hessen. Bayern . . .28
Schweiz.............20 raquo;
Preußen.............8 raquo;
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8. Maul- und Klauenseuche, Aphthae epizooticae.
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Es ist eine fieberhafte, seuchenartige Infectionskrankheit, welche Rinder. Schafe. Ziegen und Schweine, seltener Pferde beffllt, auch Hunde, Geflügel und Wild nicht verschont und in einem blasenartigen Ausschlage im Maule und an den Füßen besteht.
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116nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Specieller Theil.
Die Maul- und Klauenseuche ist eine schon längst gekannte Seuclie. die zu verscliiedenen Zeiten in Mitteleuropa auftrat und sich von da bisweilen über den ganzen Continent ausbreitete. Diese Seuchenzüge dauerten zwei bis drei Jahre, worauf die Krankheit erlosch, um nach einer mehr oder weniger langen Enhe-pause wieder ihr schädigendes Wirken zu beginnen. Bei diesen Invasionen überraschte vor allem die Schnelligkeit, mit der sich die Seuche ausbreitete: binnen wenigen Monaten war die Seuche in ganz Deutschland. Belgien, Holland, der Schweiz, Frankreich und England zum Ausbruche gelangt. Infolge des stetig steigenden Verkehres werden heute keine Seuchenzüge wie dazumal beobachtet, di^ aussetzten, um nach einiger Zeit wieder aufzutreten, vielmehr erscheint jetzt die Maul- und Klauenseuche bei uns alljährlich, doch fast immer auf rerhältnismäßig kleine Gebiete beschränkt. Sie ist bei uns einheimisch geworden. Bisweilen geht sie selbst über ihre gewöhnlichen Grenzen hinaus wir sehen dies in den letzten Jahren in Deutschland, wo die Seuche enorm an Ausbreitung gewinnt und richtet dann immensen Schaden an. Obzwar die Mortalität bei der Maul- und Klauenseuche nur gering ist, hat sie dennoch große volkswirtschaftliche Bedeutung, da abgesehen von dem bedeutenden Ausfall an thierischen l'roducten. die durch den Ausbruch der Seuche bedingten veterinärpolizeilichen Maßregeln überaus hemmend und dadurch schädigend auf Viehhandel und -Verkehr wirken.
Atiologie; Die Maul- und Klauenseuche entsteht nur durch Infection. Früher nahm man eine originäre Entwicklung der Krankheit an und schrieb das Entstehen derselben plötzlichem Witterungswechsel, dem Genüsse verdorbener Futterstoffe, sumpfigen Wassers etc. zu. Das waren jedoch nur Hypothesen, die durch die Häufigkeit der schnellen Ausbreitung der Seuche in bestimmter Richtung widerlegt wurden. Man nahm deshalb ein Miasma als Infectionserreger an. Heute wird jedoch die Maul-und Klauenseuche als rein contagiös angesehen, was umso berechtigter ist. als im Falle einer Erkrankung die Einschleppung des Infectionsstoffes zumeist nachweisbar ist.
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ülanenseiicue
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izooticae.
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Dur Ansteckungsstoff ist bis heute noch nicht eadgiltig sichergestellt; Siegel und Bussenius fanden im Speichel, im Blute und einmal im Bläscheninhalte Bacillen, die sie in -Eein-culturen züchten konnten und welelie verimpft, gelegentlich raquo;Kranidieitserscheinungen, die an die bei Muni- und Klauenseuche der Thiere bekannten Localsjmptome erinnerten', verursachten. C. Pränkel fand bei dor Untersuchung von 30 zum Theil frisch erkrankten Rindern nur zweimal einen dem Siegel'sehen gleichenden Bacillus, und zwar nicht in den von Siegel angegebenen Fundstätten, sondern in der Milch und im Dickdarm-sciileiiii. Fast zur selben Zeit will der rumänische Veterinär-Inspector Stareovici den Mikroben der Aphthensenche entdeckt haben, der mit obigen Bacillen nicht identisch sein soll. Dieser Bacillus Stareovici hat eine Länge von ()'07 ;j. und verkleinert sich nach mehrmaligem Passieren des thierischen Organismus auf 0'03 \j.: der Einwirkung einer Temperatur von 48quot; C widersteht er nur eine Viertelstunde. Er erzeugt bei Kalbern die Maul-und Klauenseuche in elassiseher Form und veranlasst übrigens die Krankheit bei den Arten der Gattung raquo;Hoslaquo; in jedem Falle, aufweiche Art immer der Bacillus in den ()rganismus eingeführt wird. Hemerkenswort ist. dass man den Bacillus nicht immer im Speichel und im Bläscheninhalte der erkrankten Thiere findet. So wünschenswert es wäre, dass endlich der große, bedeutungsvolle Schritt der Entdeckung des Erregers der Aphthenseuche von Erfolggekrönt #9632;^ei. wird man sich dennoch bei der Divergenz der Angaben einige Skepsis auferlegen müssen.
Soviel steht aber den heutigen Erfahrungen entsprechend fest, dass der Infeetionsstoff ein Oontagium ist, fixer Natur und gebunden an den Aphtheninhalt, den Maulsehleim, den Secreten und Excreten, besonders an die Milch und außerdem an das Blut kranker Thiere. Die Lebenszähigkeit Tenacität des Ansteckungsstoffes ist eine sehr bedeutende, er kann sich mehrere Monate hindurch wirksam erhalten.
Die infection erfolgt direct, das heißt von Thior auf Thier, oiler indirect durch Zwischenträger, wie solche sind: Menschen, deren Kleider. Dflnffer, Futter und Streumittel etc. Die Incubations-
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118nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Speoiellcr Tüeil.
periode beträgt gewöhnlich o6 Tage, .selten 212 Tage, bisweilen erfolgt der Krankheitsausbruch .sehun früher, bei Impfungen nach zwei Tagen. Das Überstehen der .Maul- und Klauenseuche sichert mir für kurze Zeit Immunität.
Die Aphthenseuche ist zoonos, das heißt sie kann auch auf Menschen übertragen werden, namentlich durch die Milch und deren Producte. Der Genuss angekochter .Milch aphthenkranker Thiere veranlasst hauptsächlich bei Kindern Aphthen an den I-ilipen und im .Munde. Darmkatarrh mit zuweilen letalem Ausgange.
Symptome: 1. Bei Rindern. Die Krankheit setzt mit mäßigem Fieber ein. welches häufig übersehen wird und beim Ausbruch der loealen Erscheinungen ganz verschwindet. Die Maulsehleimhaul erscheint hoch geröthet und sondert reichlieh Schleim ab, der in zähen Massen aus dem .Maule fließt. Die Presslust ist vermindert, bisweilen ganz sistiert, die Rumination unterdrückt, der Kothabsatz verzögert, die Milchsecretion bedeutend verringert, die Milch selbst von bläulicher Pai'be, herbem Geschmack und gerinnt leicht. Dagegen ist der Durst erhöht und die Thiere stecken mit Vorliebe das Maul ins Wasser, ohne dieses aber häufig wegen der bestehenden Schlingbeschwerden schlucken zu können. Nach 12^4 Stunden, auch wohl nach zwei Tagen erseheinen auf der Maulschleimhaut, besonders an der Oberlippe, am zahnlosen Rande, an den Zungenrändern, hie und da auch auf der Nasenschleimhaut prall geflillte Blasen, die haselnussgi'oß, manchmal noch größer sind und eine anfangs klare, später trübe. eiterähnliehe Flüssigkeit enthalten, nach weiteren 1224 Stunden bersten und empfindliche hochgeröthete Stellen oder Geschwürchen hinterlassen.
Häufig tritt ein ganz ähnlicher Ausschlag auch auf dem Euter auf; dieses ist dann immer stark entzündet und geschwollen. Die Milch zeigt dann oben erwähntes Aussehen und scheidet häufig zähe, schleimige Massen in Form von Fäden oder Klumpen ans.
Mitunter wird auch die Schleimhaut des Verdauungstractus von der Krankheit befallen: die betreffenden Thiere zeigen alsdann
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Maul- und Klauenseuche, A.pbtliae epizootieae.
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Erscheinungen eines mehr oder minder heftigen Magen- und Darmkatarrhes.
Mit dem Maulweh tritt zugleich oder ohne dieses das Klauenweh auf. Im Beginne zeigt sieh am Sitze des Leidens Krone. Ballen und Klauenspalte höhere Temperatur. Höthung und schmerzhafte Anschwellung; die Thiere schonen auffallend den ergriffenen Fuß und zeigen viel Neigung zum Liegen. Nach 12 Tagen nimmt man auf den erkrankten Theilen anfangs kleine, später bis kirschengroße Blasen wahr, die bald platzen, worauf sieh deren trüber Inhalt auf die wunde Haut ergießt, zur Kruste vertrocknet, unter welcher sieh bald neue Epidermis bildet. Das Klauenweh tritt zumeist auf allen vier KulJemlen aid', selten ergreift es nur eine Extremität.
2.nbsp; nbsp;Bei Schafen und Ziegen tritt zumeist nur das Klanenweh auf. das Maulweh ist bei diesen Thieren im allgemeinen recht selten. Treten auch im .Maule Blasen auf, so sind sie kleiner und in geringerer Zahl vorhanden, als beim Binde: deren Sitz ist vornehmlich der zahnlose Band des Oberkiefers. Die Krone und Klauenspalte ist geschwollen und höher geröthet und die Oberfläche schwitzt eine seröse Flüssigkeit aus. Eine ebenso deutliche Bläschenbildung wie beim Rinde kommt selten vor.
3.nbsp; nbsp;Bei Schweinen kommt auch zumeist nur das Klauenweh vor und führen besonders schwere Fälle das Ausschuhen herbei. Liegt Maulweh vor. so findet man die Blasen mehr auf dem Rüssel, weniger auf der Maulschleimhaut.
4.nbsp; nbsp;Bei Pferden kommt die Krankheit nur hie und da vor und dann in Form des Maulwehs; eine größere Ausbreitung des Übels aber ist sehr selten.
Prognose: Der Verlauf tier Krankheit ist gewöhnlieh günstig. Nach einer Dauer von 23 Wochen ist die Krankheit beendet, ohne dass bei nur halbwegs guter Fliege und Wartung auch ein letal verlaufender Fall vorkommt. Diese beschränken sieh fast immer auf schon vorher erkrankte oder geschwächte Thiere und auf ganz junge Kälber. Bisweilen kommen auch recht bösartige Seuchengänge vor, die jedoch zumeist durch unzweckmäßige Behandlung und ungünstige Außenverhältnisse bedingt
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Speciellei Theil.
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sind (unreine Stallungen, Trieb auf Stoppelweiden, auf steinigen Hoden etc.). Unter solchen Verhältnissen übergreift die Entzündung auf die Pleisehwand, es tritt Eiterung, hie und da auch brandige Zerstörung ein, was nicht selten Aussehnhnng zur Folge hat. Der Tod tritt in der Regel infolge von Abzehrung. Kräfteverfail. bei brandiger Zerstörung infolge Eitervergiftung (Pyämie) ein.
Obwohl der directe Schaden dieser Seuche kein großer ist. verursachen deren böse Nachwehen bedeutende Verluste nicht nur durch den Ausfall der verschiedenen Nutzungen, sondern auch dadurch, dass trächtige Kühe zum allergrößten Theile verwerfen und die wenig normal geborenen Kälber trotz der aufmerksamsten Fliege nicht fiber eine Woche am Leben erhalten werden kiln neu.
Therapie: Von besonderer Wichtigkeit bei der Behandlung dieser Krankheit ist das diätetische Verhalten, nicht minder jedoch die Reinlichkeit. Man hält die Thiere in gründlich gereinigten. gut ventilierten Stallungen und reicht ihnen leicht verdauliches, weiches Futter, wie gekochte Kartoffeln. Rüben. Kleie. Mehltrank, auch zartes Grünfutter; Schweinen Buttermilch, saure Milch oder Molke. Bei leichtem Maulweh genügen Maulwaschungen mit kaltem, mit Essig angesäuertem Wasser: bei größerem Umfang der Blasenbildung spritze man das Maul mehrmals täglich mit einer 120/oigen Alaunlösung oder einer solchen von hypermangansaurem Kali aus. Sind die Klauen auch vom Leiden ergriffen, so sorge man für reichliche reine Streu und vermeide etwaige Triebe, besonders auf steinigen Straßen. Ein therapeutisches Einschreiten wird gewöhnlich nicht nöthig sein; man beschränke sich nur auf das Reinigen der Klanen mit lauem Wasser. Hei heftigeren Entzündungen ist es räthlich, die wunden Stellen täglich behutsam mit l0/oiger Oarbol- oder 3%iger Borsäurelösung zu waschen. Bewährt hat sich auch das Einschmieren der erkrankten Fußenden mit einer 5%igen Lysolsalbe.
Ist die Krankheit bei einem Thiere ausgebrochen, so erweist es sich als praktisch, eine Xothimpfung der übrigen noch gesunden Thiere vorzunehmen. Man bringt den Maulschleim des erkrankten Thieres, bevor der Bläscheninhalt trübe wird, auf einen reinen
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Infeetiösea Fenverfen.
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Lappen und betreicht damit die noch gesunden Thiere im Maule. Wie erwähnt, achte man dabei, dass sich nur frische Blasen im .Manie des Thieres befinden, von welchem der Geifer genommen wird, eiterige Blasen oder Pusteln würden schaden. Man nimmt diese Nothimpfung vor. um die Daner der Krankheit abzukürzen und um den Verlauf besser controlieren zu können: häufig wird auch ein milderer Verlauf des ganzen Leidens beobachtet.
Veterinärpolizei: Österreich: sect;26. Ungarn: sect;79 bis 80. - Deutschland: sect; 5769 der Instruction zum Reichs-viehseuchengesetze vom 23. Juni 1880.
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9. Infectiöses Verwerfen.
Diese Krankheit kommt bei allen Thieren vor. vorzugsweise jedoch bei Kühen, denen sich auch nachstehende Beschreibung anpassen wird.
Atiologie: Es wurde schon seit langer Zeit beobachtet, daslaquo; in größeren Viehbeständen bisweilen zahlreiche Thiere zugleich oder in kurzen Zeiträumen nacheinander verwarfen. In manchen Fällen ließ sich diese Erscheinung durch naheliegende Ursachen erklären, so durch Verfütterung verdorbenen Futters, durch Darreichung mit fauligen Substanzen verunreinigten Trinkwassers, bei mehr spontanem Auftreten der Fehlgeburten durch mechanische Einwirkungen etc. In anderen Fällen wieder Hess sich absolut kein Umstand finden, der sonst Abortus veranlassen könnte, es mnsste unbedingt ein von äußeren Einflüssen unabhängiees Affens sein, welches diesen veranlasste. L'nd thatsächlich ist es so. In sehr vielen Fällen von seuchenartigem Verwerfen wurde zweifellos erwiesen, dass dem Übel ein Infectionsstoff zugrunde liegt. Das Vehikel dieses Virus ist der nach dem infectiösen Verwerfen aus der Seheide fließende Schleim und das Fruchtwasser, durch dessen Übertragung auf die Seheidenschleimhaut gesunder trächtiger Thiere Abortus hervorgerufen werden kann. In diesen Secreten fanden auch Frank und Bräuer zahlreiche Mikrococcen. die sie für den Infection serreger hielten: bestimmt nachgewiesen ist
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122nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Speeieller Theil.
dies jedoch noch nicht. Der Austeekungsstoff ist ti.xer Natur, kann sich aber auch nach Art eines Stallmiasmas iu den infieia'ten StallungeD weiter erhalten. Die Infection erfolgt direct, von Thier auf Thier oder durch Zwischenträger; solche sind: die Streu, der Stallboden, die Stalljauche u. dgl., auch die die Nachgeburt ah-lösenden Wärter können den Ansteckungsstoff verschleppen. Eeindl theill einige von iliin beobachtete Fälle mit, wo die Infection durch einen Sprungstier vermittelt wurde; dieser belegte erst Kühe, die verwerfen hatten, hernach zweifellos gesunde Kühe aus seuehenfreien Stallungen, die darauf ebenfalls abortierten. Besonders leicht erfolgt eine Ansteckung, wenn die Stände zu kurz sind und das Gefälle der Jaucherinnen zu gering ist, so dass die Tlüere in den Auswurfsstoffen liegen, die doch passende Zwischenträger des Infectionsstoffes abgeben.
Beim infectiösen Verwerfen macht sich auch eine Disposition geltend, und zwar sind es ausschließliche Stallfütteriing, mangelhafte Ernährung und auch zu weit getriebene Unzucht, welche die Empfänglichkeil für die Ansteckung erhöht.
Die Incubationsperiude beträgt 1015 Tage.
Symptome: [rgend welche Erscheinungen einer Allgemein-erkrankung werden last nie wahrgenommen; die meisten Fune-tionen des Thieres sind nicht verändert, dasselbe befindet sich frisch und munter. Nur die Milch lässl das Ereignis vorahnen. Beiläufig acht Tage vor dein Abortus nimmt die Milclisecretioii ab. diese erlangt eine dem Colostrum ähnliche Beschaffenheit und gerinn! beim Kochen. Nach 45 'ragen stellt sich eine höhere ßöthung der Scheidenschleimhaut ein, wobei dieselbe zumeist von steeknadelkopfgroßen Knötchen besetzt erscheint und aus der Scheide fließt eine schmutzig-röthliche, geruchlose Flüssigkeit, welche die um die Genitalien liegenden Tlieile und den Schweif beschmutzt. Drei Tage nach Beginn des Ausflusses erfolgt der Abortus; der last immer todte Fötus wird ganz leicht und ohne Jede Anstrengung ausgestoßen. Nach der Fehlgeburt bleibt eine Zeitlang Ausfluss aus der Seheide zumck. welcher noch ansteckende Eigenschaften besitzt. Am häufigsten erfolgt das Verwerfen im dritten und siebenten Monate der Trächtigkeit.
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Infectiöscs Verwerfen.
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Prognose: Sie ist insofeme günstig, als ein letaler Ausgang beim infectiösen Verwerfen nie vorkommt, die Milchsecretion bei Kühen nicht verringert bleibt und die Thiere bei Vorsicht wieder lebensfähige Nachzucht liefern können.
Therapie: Die Behandlung ist fast ausschließlich eine prophylaktische. Zu dem Zwecke empfiehlt sieh folgendes Verfahren, welches selbst jahrelang herrschendem Verwerfen ein Ziel setzen kann.
Vor allem wird eine strenge Separation aller tragenden Thiere vorgenommen; diese hat sich aber nicht nur auf die Thiere selbst, sondern auch auf die ganze Wartung und Pflege derselben zu erstrecken: eine gemeinsame Verwendung der Wärter, der Stallgeräthe etc. muss strengstens untersagt werden. Die separierten trächtigen Thiere unterbringt man entweder in einem anderen Stalle oder, wenn die Witterung günstig ist. auf einer guten Weide.
Der geräumte Stall wird einer gründlichen Reinigung und Desinfection unterzogen: als Desinfeetionsmittel benutzt man 1%;) Sublimat. 5% Oreolinwasser und Kalkmilch mil Chlorkalk - 20:1, jedes an entsprechender Stelle. Vorzügliche Dienste leistet auch eine Lösung von je 3 hg Kupfer- und Eisenvitriol auf 100/ Wasser, worauf man für die Folge die Stallwaschungen mit einer 78quot;/,,igen Sodalösung vornimmt. Diese werden anfangs alle 8, später alle 14 Tage bis monatlich vorgenommen, wodurch der Boden in ein für das Gedeihen der Bakterien ungünstiges Feld umgewandelt wird. Die Reinigung hat sich auf die Wände, die Decke, den Fußboden, die Krippen. Raufen. Jaucherinnen und alle Stallgeräthe zu erstrecken: der etwa verjauchte Fußboden wird ausgehoben und frisch aufgefüllt, das schlechte Holzwerk wird verbrannt. Nicht vergessen darf man die Desinfection der Düngergrube, wenn sie. wie manchenorts üblich, den Thieren zugänglich ist. Nach dieser mit der peinlichsten Sorgfalt auszuführenden Reinigung und Desinfection erfolgt eine kräftige Durchlüftung des Stalles. Lässt sich kein ausgiebiger Luftzug herstellen, so wird man wohl zu Ohlorgasräucheningen greifen müssen.
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Unter manchen Verhältnissen ist g'wip Separation, wie oben gedacht, undurchführbar, alsdann wird man sich auf andere Weise helfen müssen. Sobald man die Vorboten des Abortus wahrnimmt I Abnahme der Milehseeretion, Köthung der Scheiden-sehleimhaut etc.). sondert man das betreffende Thier unverzüglich ab and nimmt eine energische Reiniguno- und Desinfection des verlassenen Standes vor. Im übrigen empfiehlt sich eine zweimal wöchentlich, vorzunehmende Reinigung der Stände.
Was die Thiere anbelangt, so werden mindestens jeden anderen Tag deren Genitalien einer Waschung mit 5%iger Oarbol-säure- oder 2%'ger Creolinlösung unterzogen; dies betrifft, sowohl die kranken, als auch die noch gesunden trächtigen Thiere. Die Gebärmutter und die Scheide der kranken Thiere wird überdies mit obigen lauwannen Losungen tüchtig ausgespült. Man benützt dazu einen circa l'bm langen, an dem einen Ende mit einem Blechtrichter ausgestatteten Kautschuksehlauch. Auch hier wird mit viel Vortlmil folgende Losung angewendet: 1 ll/2% Carbol-säure und 2- -21/._,quot;/n Sodalosung, so dass also auf je 10 Z Wasser 100löO^ Oarbolsäure und 20U250// Soda kommen.
Es wird sich vorsichtshalber empfehlen, mit einer der obigen Losungen auch die Vorhaut der Stiere und Ochsen, die sich im Seuchenstalle befinden, auszuspritzen.
Fötus und Nachgeburt müssen unschädlich beseitigt werden. am besten, indem man sie verbrennt.
Prophylaxe: Als wirksame Vorbauung empfiehlt Bräuer
allen trächtigen Thieren. bei welchen Verwerfen zu befürchten ist, im fünften bis siebenten Monat der Trächtigkeit alle 14 Tage zwei bis drei Pravazspritzen voll 2 '/ige Oarbolsäurelösung subcutan am Halse oder den Flauken einzuspritzen.
Thiere. welche an infectiösem Verwerten gelitten haben, vermögen, wenn sie unter andere Thiere gestellt werden, solange sie noch Sclieidenauslluss haben, bei diesen Abortus zu veranlassen. Anderseits ist es festgestellt, dass Thiere, bei welchen noch Ausriuss besteht, wenn sie belegt werden, wohl concipieren, jedoch während der ersten Monate der Tragezeit abermals ver-
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Botzkrankheit, Malleus.
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werfen. Mau lasse deshalb die Thiere erst dann zur Begattung, wenn der Ausfluss dauernd und volliquot;- ffescliwunden ist.
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10. Rotzkrankheit, Malleus.
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Dies ist eine dem Pferdegescblechte eigenthümliche, in der Kegel elironi.seli. selten aenr verlaufende Infer-tionskranklieit.
Die Rotzkraukheit ist eine .schon im Altertimme von den griechischen und römischen Sehriftsteliern gekannte Seuche, die sich bis heute ununterbrochen erhalten hat. wie sich dies in den hyppologischen Werken nachweisen lässt. die dieser Seuche immer Erwähnung thun.
Man beobachtet zwei Formen dieser Seuche: 1. den Nasenrotz oder gemeinhin Rotz genannt und 2. den Ilautrotz oder Wurm. Die verschiedene Benennung dient nur zum Auseinanderhalten des Sitzes des Processes, der im ersten Falle vorzüglich die Nasenschleirahaut, im zweiten die Haut ist. Die unmittelbare Ursache ist wie dies Versuche bewiesen immer dieselbe: impft man ßotzvirus auf die Haut, so entsteht Wurm, impft man Wurmgift auf die Nasenschleimhaut, so entsteht Kotz, wahrend bei der intravenösen Impfung des Virus bald Kotz, bald Wurm entstellt.
Ätiologie: Früher war man geneigt, an eine Selbstentwicklung der Rotzkrankheit zu glauben und erhielt schlechte hygienisch-diätetische Verhältnisse, wie: enge, dunstige, unreine Stallungen, schlechtes, ungenügendes Futter, nachtheilige Witterungsverhältnisse, Strapazen etc. für die ätiologischen Momente dieser Seuche. Ganz besonders wurden schlechte Säftemischung (Dyskrasie) und Eiterresorption für Entstehungsursaehen gehalten. Heute ist an die Möglichkeit einer originären Entwicklung der Botzkrankheit nicht zu denken, denn wir sehen z. K.. dass selbst die kräftigsten Thiere, die unter den besten hygienisch-diätetischen Verhältnissen gehalten werden, auch von der Krankheit befallen werden, und zwar im selben Maße, wie die schwachen, sobald sie einer Infectionsgefahr ausgesetzt werden. Anderseits
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äpecieller Theil.
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theilt uas Bouley mit, dass während der Belagerung von Paris
(18701871) unter 29.000 elenden, herabgekommenen Pferden.
die lange Zeit ohne Futter. Obdach und Pflege waren.
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waren. Diese Angaben sind
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absolut richtig, denn da man dieser Tliiere zur menschlichen Nahrung bedurfte, wurden sie unter der Aufsicht dreier berühmter Veterinärärzte gekeilt.
Ganz besonders war es die Alforter Schule in Frankreich, die die Xicht-eontagiositätderEotzkrank-
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heit behauptete, was eine
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Vernachlässigung der veterinärpolizeilichen Maß
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regeln zur Folge hatte, wodurch die Seuche namentlich beim Militär
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Mä:nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;/ ' ; - nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;kolossale Verluste verur-
sachte.
Obwohl Gerlach
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schon vor mehreren Jahren
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die Ansicht aussprach,
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dass die Ursache der Kotzkrankheit einzig und allein
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:-'t
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anerkannt: erst die vor
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Kouknoten #9632;#9632; N'ii.-h Pi
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is i,-i- Lun-ic ifessor Dr. C
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des Pferdes.
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kurzer Zeit (1882) erfolgte
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Entdeckung des specifl-chen Infeetionserregers, des Eotzbacillus, Bacillus mallei Fig. 13 und 14). durch Schütz und Löfflet war bahnbrechend.
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Rotzkrankheit, Malleus.
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Der Rotzbaeillus erscheint als kleines, schlankes Stäbchen mit abgerundeten Enden, 2öu. lang, 0-5 1'4|j. breit; er ist dem Tuberkelbacillus ähnlich, aber kürzer und dicker als dieser und findet sieh vornehmlieh im Centrum der Botzgranulationen.
Die Frage, ob der Rotzbaeillus Sporen bildet oder nicht, isl noch eine offene: er gehört zu den faeultativen Anaeroben, das heißt. er gedeiht sowohl bei Sauerstoffanwesenheit, als auch bei Sauerstoffmangel. Sein Temperaturminimum liegt bei 25quot;. sein Optimum bei H738quot; und das Maximum bei 42quot; C. Empfänglieh sind von unseren Hausthieren, in absteigender Reihe geordnet. Esel. Maulesel. Pferd, Ziege. Katze. Schaf, Hund. Seh wein. Das Rindvieh ist immun. Von den Laboratoriumsthieren zeigen die weitgehendste Disposition die Feldmaus. Waldmaus, das Meerschweinchen und das Kaninchen. Vollständig unempfindlich für Rotz erweisen sich weiße Mäuse und Hausmäuse. Nach der Infection findet man den Bacillus in den Rotzknötchen, im Urin. Sperma. Sehweiße, Speichel und in der zwischen Linse und Hornhaut sich befindlichen -wässerigen Feuchtigkeitlaquo; (Humor aqueus); das Blut enthält, von den ganz aeut verlaufenden Fällen abgesehen, fast niemals die Bakterien.
Die Resistenz des Virus ist bei .Anwesenheit von Feuchtigkeit eine bedeutende: so hält es sieh in feuchten Ställen selbst, über ein Jahr lang wirksam. Im trockenen Zustande halten sieh die Rotzbacillen drei Monate lang lebensfähig. Bei einer Temperatur von 100quot; 0 gehen sie in zwei Minuten, bei 800C in fünf Minuten zugrunde. Sublimat todtet sie in 15 Minuten, 5% Oarbolsäure in einer Stunde, während, wie Gerlach behauptet, das Virus durch Fäulnis des Trägers nicht zerstört wird.
Der Infectionsstoff ist fix und flüchtig; die Träger des ersteren sind die Secrete und Excrete, alle blut- und säfteführenden Theile. sowie die Krankheitsproduete; die des flüchtigenContagiums sind die Exspirationsluft und die Hautausdünstung. Ebenso haftet das Virus an den Stallutensilien, an den Geschirren. Decken, Raufen etc. und werden diese Gegenstände dann die Zwischenträger des Infectionsstoffes. Demgemäß kann die Ansteckung erfolgen: unmittelbar, das heißt von Thier auf Thier. oder mittelbar.
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durch einen der Zwischenträger. Gewöhnlich geschieht die Infection durch den Nasenausfluss, seltener durch bloßes Nebeneinanderstehen, da die Verbreitung des flüchtigen Malleusgiftes nicht über den Dunstkreis dos kranken Thieres reicht. Bei trächtigen Thieren erfolgt die Infection des Jungen im Mutterleibe (intrauterine Infection).
Nicht alle der Ansteckung ausgesetzten Thiere erkranken, denn das Contagium haftet ziemlich schwer: ja es kann sogar vorkommen, dass Thiere monatelang mit kranken zusammenleben, ohne inüciert zu werden: sie erweisen sich als immun. Die Ansteckungsgefahr ist größer beim inneren und acuten Kotz, als beim äußeren und chronischen: bei schlecht genährten, schlecht gehaltenen Pferden, sowie bei solchen, die mit Wunden behaftet sind, großer als bei kräftigen gutgepflegten Thieren. Der Grad der Ansteckungsfähigkeit lässt sich zwar genau nicht feststellen, den angestellten Beobachtungen zufolge scheint er 47% zu betragen, und es bedarf ganz besonderer, seltener Umstände, um diesen Procentsatz auf 2030% zu heben. quot;Und dennoch ist die Seuche mit Recht gefürchtet, denn sie nistet sich leicht ein und ist dann durch Jahre nicht loszubekommen: sie wird leicht verschleppt und was die Hauptsache ist. die Thiere erscheinen äußerlich noch völlig gesund, können aber dennoch schon andere Thiere anstecken, was eine große Gefahr bedeutet.
Die Rotzkrankheit ist auf alle Hausthiere übertragbar und auch auf den Menschen. Obwohl dieser wenig Empfänglichkeit für das Rotzgift zeigt, ist beim Umgang, bei der Pflege und Behandlung der erkrankten Thiere dennoch größte Vorsicht geboten, da einer erfolgten Infection selbst der Tod folgen kann.
Das Incubationsstadimn ist verschieden lang; bei Impfung zeigen sich die ersten Symptome an der Impfstelle schon nach einer Woche, während bei der natürlichen Infection selbst Monate verfließen können, ehe die Krankheit bemerkbar wird, je nach dem Orte wo die Infection erfolgte, so z. B. kann bei Lungenrotz ein Jahr vergehen während welcher Zeit das Thier gesund erscheint und dennoch schon andere Thiere infieieren kann bis man die charakteristischen Symptome wahrnimmt.
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ßotzkrankheit, Malleus.
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Symptome : Man unterscheidet: chroni sehen und acuten Rotz, chronischen und acuten Wurm. Bei Eotz sind die Hiiuptsymptome: Einseitiger Xasenaustiiiss, Schwellung der Kehlkopfdrüsen, Auftreten von Knötchen auf der Nasenscheidewand. Die Hauptsymptome bei Wurm sind: Keulen in oder unter der Haut und Anschwellung der Gliedmassen. Dies sind - ich möchte sagen pathognomische Zeichen, die zwar nicht immer alle auftreten müssen, wo jedoch schon das Auftreten des einen oder anderen den Fingerzeig für einzuschlagende Maßregeln bietet.
1. Chronischer Rotz. Die ersten Symptome desselben sind gewöhnlich die eines chronischen Nasenkatarrhs: es tritt erst dünner Nasenausfluss ein. der im Anfange farblos, wässerig, später trüb, eiweißartig, auch grau wird, häufig die charakteristische grüngelbe Färbung zeigt und gewöhnlich nur auf einer Seite besteht. Dieser Ausfluss ist so klebrig, dass er bald die Nasenränder mit einer braunen Kruste bedeckt. Nachdem er nach einiger Zeit missfarbig mit Kiter und Blut vermischt erscheint, hie und da auch übelriechend ist. bewirkt er. dass die Nasenränder ganz wund geätzt werden. Infolge der Veränderung in der Nase treten auf derselben Seite, wo der Ausfluss ist, Anschwellungen der Kehlgangslymphdrüsen auf. Diese Anschwellungen sind zuerst weich und empfindlich, werden aber hart, unempfindlich und knollig: während sie sich am Anfange leicht von der Haut abheben lassen, sind sie später wie mit dieser verwachsen, oft scheinen sie wie auf dem Hinterkieferaste angelöthet. Die Größe der Geschwülste variiert zwischen kastanien- und eigroß, sie ist jedoch von gar keiner Bedeutung für die Diagnose.
Mit diesen Symptomen treten auch Knötchen auf der Nasenscheidewand auf, die große Neigung zum Zerfall haben, so dass schon nach circa 24 Stunden daraus ehancröse Geschwüre entstanden sind. Diese gelblichen hirsekorn- selten .linsengroßen Knötchen treten auf der ganzen Scheidewand auf. häutig jedoch sind sie nur auf den oberen Theil beschränkt, wodurch ihre Feststellung erschwert wird. Die Geschwüre sind charakteristisch und unverkennbar. Die anfangs kleinen flachen Geschwüre dehnen
Kii st cn I):i u in. Grnudriss dec Thiersenclieii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;lt;gt;
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sich und worden tief, der scharfe Band verschmilzt und es entwickeln sieh von einem wallartig aufgeworfenen Schleimhautrande umgebene Geschwüre mit speckigem, vertieftem, unreinem Ciruude. Dor vordickte Eand erscheint zackig und ausgenagt, zerfressen. Diese Geschwüre zeigen wenig Tendenz zur Heilung, hoilen sie dennoch, so hinterlassen sie stern- oder strahlenförmige Narben, in deren Nähe sieh bald neue Granulationen bilden.
I'm solche Geschwüre, die das sicherste Zeichen zur Erkennung des Rotzes sind, ermitteln zu können, wird in den meisten Fällen die gewöhnliche Inspection der Nasenhöhle ungenügend sein, sondern man wird zur Untersuchung sich eines Helenchtungsspiegels bedienen müssen. Keinesfalls unterlasse man es bei verdächtigen Fällen, die Palpation anzuwenden: mit den Fingern werden sich die Geschwüre, auch wenn sie hoch oben sind, leicht fühlen lassen (Achtung auf imverwimdete Finger!). Die Geschwüre können sich in manchen Fällen dermaßen vertiefen, dass sie die Nasenscheidewand perforieren: immer aber neigen sie sehr zum Bluten und lässt deshalb eine Nasenbhitnng bei Pferden immer darauf schließen, dass unsichtbare Geschwüre vorhanden sind.
Das Allgemeinbefinden der Thiere ist am Anfange ganz normal und kann so wochen-. ja monatelang bleiben: die Pferde sind munter, alle Function regelrecht. Hat aber einmal der Process auf andere Organe, wie Kehlkopf. Lunge übergegriffen, dann geht es mit den Filieren rapid abwärts. Es tritt Husten mit oft bedeutenden Atherabeschwerden auf. die Thiere magern ab, das Haar wird struppig, rauh und glanzlos, die Extremitäten, der Bauch. Schlauch, selbst die Haut schwillt ödematös an und in diesen Anschwellungen ((.raquo;dein) entstehen nicht selten Geschwüre (Wurmgeschwüre). Ebenso wird häufig eine Auftreibung der Stirn- und Oberkieferbeine wahrgenommen. Nun kommt noch hohes Fieber dazu und die Thiere gehen elend, infolge Abzehrung oder infolge der auftretenden aenten Nachschübe zugruade.
2. Aeuter Rotz. Er kann von vorneherein bestehen oder sich erst im Verlaufe des chronischen Rotzes entwickeln. Der
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Nasenausfluss ist schleimig-eiterig, von gelbgrüner Farbe, zumeist stinkend, mit Blut imd häufig mit abgestoßenen Gewebsfetzen gemischt. Die Drüsenanschwellung im Kehlgange ist ausgebreitet nml recht schmerzhaft. Oftmals merkt man von den Nasenlöchern über die Backen zu den Kehlgangslymphdrüsen die entzündeten Lymphgefäße in Form von Strängen. Auf der Nasenscheidewand erscheinen rapid gelbliche, dicht beieinander stehende Rotz-knötchen, die die Neigung zum Verschmelzen haben; nicht selten erscheinen ganze Partien der Schleimhaut diffus infiltrirt. Die Nasenschleimhaut ist in ihrer gesammten Ausdehnung stark gesehwellt und diese Schwellung breitet sich auch oft auf die Kehlkopfschleimhaut aus. wodurch dann das Athmen erschwert wird und man dabei pfeifende und schnarchende Geräusche hört. Die Knötchen, die beim acuten Hotz an und für sich größer als beim chronischen sind, zerfallen sehr rasch, ebenso die diffus in liltrierten Partien, worauf unregelmäßige, gerne sich ausbreitende und ineinander fließende Geschwüre entstehen. Diese bluten sehr leicht, dringen bis zum Knorpel der Scheidewand, den sie häufig durchbrechen und breiten sich in vielen Fällen über den Kehlkopf und die Luftröhre aus.
Als weitere Symptome beobachtet man: Hohes Fieber, nicht selten bis zu 42deg; C. heiseren Husten, struppiges Haar. Hinfälligkeit, Appetitmangel und andere Funetionsanomalien. Auf vielen Stellen der Haut Bauch. Füße. Schlauch, Euter etc. treten Ödeme auf. in welchen sich Geschwüre bilden (Wurmbeulen), wobei die benachbarten Lymphgefäße merklich entzündet und geschwollen sind. Nun wird der Nasenausfluss missfarbig und reichlicher, die Nasenränder erscheinen verklebt und zerfressen: nachdem sich noch gewöhnlich bedeutende Durchfälle eingestellt haben, gehen die Thiere, zum Gerippe abgemagert, elend ein.
3. Chronischer Wurm. Er entsteht als primäre Krankheit und secundär nach Kotz und ist eine Localisation des ßotz-processes auf der Haut, im CJnterhautbindegewebe oder hie und da auch in oberflächlichen Muskeln. An verschiedenen Körper-steilen, so am Halse, an der Brust, am Bauche, an der Innenseite der Extremitäten etc. entwickeln sich gruppenweise Knötchen
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und Knoten, die ohne scharfen Rand .sind. Während sie in der Haut selten größer als eine Linse oder Erbse sind, erreichen sie im ünterhautbindegewebe die Grüße einer Haselnuss oder einer Kastanie. Die anfangs festen, nicht schmerzenden Knoten erweichen bald, bersten mit einer kleinen Öffnung, aus der dann eine gelbliche, schleimige, lymph-, seltener eiterähnliche Flüssigkeit austritt. Die mm entstehenden Geschwüre haben einen erhabenen, umgestülpten Rand, schmutzigen, speckigen Grund und sondern eine zähe missfarbige Flüssigkeit ab. die die Haare verklebt und verschmiert. Diese Geschwüre haben die Tendenz, sich sowohl in die Breite, als auch in die Tiefe auszubreiten. Später entwickeln sich auch Lymphgefaßentzlindungen, wodurch dann die Lymphgefäße zwischen den Knoten und Geschwüren strangartig verdickt erscheinen. Sie bilden oft wahre Rosenkränze, die im Anfange dicker aussehen, da Odem des Bindegewebes vorhanden ist. welches verschwindet, sobald die Knoten in Geschwüre zerfallen sind. Die Wurmgeschwüre heilen selten, worauf sich eine verdickte, schwielige Narbe bildet, in der aber wieder Warmknoten entstehen können.
Manchmal beobachtet mau die Bildung von Knoten, die aber nicht zerfallen, sondern nach einiger Zeit verschwinden, während sich neue wieder bilden. Man nennt diese Erscheinung fliegender Wurm.
Häufig stellen sich Anschwellungen der Gliedmassen ein: gewöhnlich werden davon die Hinterfüße betroffen, und zwar bald der eine, bald der andere, bald beide; in den seltensten Fällen aber erkranken alle vier Extremitäten während ein Vorder-und ein Hinterfuß bisweilen gleichzeitig ergriffen werden. In diesen Anschwellungen entwickeln sich nun Knoten oder Beulen. die durchbrechen, worauf Geschwüre obengeschilderter Art entstehen. In manchen Fällen ist der Sitz der Knoten ein so tiefer, dass es nicht zur Bildung oberflächlicher Beulen kommt und der Durchbruch an einer beliebigen Stelle der verhärteten Haut erfolgt.
Im Verlaufe der Krankheit entwickeln sieh nun die Symptome des Nasenrotzes, wie sie oben beschrieben sind.
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Rotzkrankheit, Mallens.
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4. Acuter Wurm. Bei dieser seltenen Form der Botz-krankheit entstehen unter hohem Fieber an verschiedeneD Steilen des Körpers Beulen, die innerhalb weniger Tage erweichen, durchbrechen, worauf sich Geschwüre bilden. Die Lymphdrüsen und Lymphgefäße werden entzündet, verdickt, wodurch dann die ersteren als große, weiche Geschwülste erscheinen. Bald stellen sich auch die übrigen Erscheinungen des Rotzes ein, worauf die Thiere bald verenden.
Die gefährlichste Form der Rotzkrankheit ist der Lungenrotz, der entweder primär entsteht oder sich zum Schlüsse den anderen Formen anschließt. Die Gefährlichkeit ist deshalb so bedeutend, weil die Thiere lange Zeit mit der Krankheit behaftet sein können, ohne dass ein sichtbares Zeichen darauf hinweisen würde; deshalb bieten die damit behafteten Thiere eine kolossale Gefahr für den übrigen Bestand, den sie durch das an der Exspirationsluft haftende Virus infieieren können.
Der Lungenrotz ist gar nicht so selten, als früher gedacht wurde; unter 173 rotzigen Pferden, die in Wien während zehn iahren seciert wurden, waren in 145 Fällen Lungenrotz nachweisbar, das sind 84deg;/,,; unter 216 mit Rotz behafteten Pferden, die an der Berliner Thierarzneiakademie innerhalb vier Jahren seciert wurden, fehlte Lungenrotz nur zehnmal, während er in vier Fällen allein war; Nasenrotz war in 32 Fällen nicht zugegen.
Es ist ein besonderes Verdienst Gerlachs, auf die Wichtigkeit des Lungenrotzes hingewiesen zu haben und zugleich die Symptome festgestellt zu haben, deren Vorhandensein den Rotzverdacht begründet erseheinen lassen. Nach Gerlach begründet eine vorhandene Dämpfigkeit dringenden Lungenrotzverdacbt: wenn ein trockener, keuchender Husten bei oft nur geringer Athembeschwerde zugegen ist und das Aussehen des Thieres immer elender, das Haar immer schlechter wird: wenn derlei Pferde früher mit rotzkranken oder rotzverdächtigen Thieren in Berührung gekommen und darauf allmählich dämpfig geworden sind: wenn neben einem solchen dämpfigen Pferde ein Pferd rotzkrank geworden ist: wenn vor der Dämpfigkeit ein ver-
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Specieller Theil.
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dächtiger Katarrh bestanden hat. endlich wenn im weiteren Verlaufe der Dämpfigkeit sieh schließlieh anderweitige Rotzerscheinungen einstellen. Jede einzelne dieser Bedingungen macht die Dämpfigkeit .schon des Lungenrotzes verdächtig: treffen zwei oder mehrere derselben zusammen, so erscheint die Keilnng und Section des betreffenden Thieres schon empfehlenswert.
Diagnose: Sie kann unter umständen schwierig werden, während sie erleichtert wird, wenn eine Berührung der erkrankten Pferde mit offenbar rotzkranken erwiesen ist. .Jedenfalls ist bei Stellung der Diagnose mit Röcksicht auf den enormen Sehaden, den die veterinärpolizeilichen Maßregeln im negativen Falle am Vermögen verursachen, größte Vorsicht geboten: jedoch mindestens ebensolchen Schaden bedingt das Verkennen dieser Krankheit. Es wurden schon mehrere charakteristische Symptome erwähnt. auf deren Grund eine sichere Diagnose möglich ist: weiters empfiehlt es sich bei verdächtigen Fällen, die Impfung mit Nasen-secret oder mit dem Secrete verdächtiger Geschwüre zu Hilfe zu nehmen. Zur Vornahme der Impfung wird sich am besten irgend ein minderwertiges Pferd oder ein Esel eignen, obzwar auch andere Thiere dazu verwendbar sind. So räth Bellinger die Anwendung von Kaninchen. Richter männliche Meerschweinehen, Degive Hunde etc. Auch die Impfimg der Pferde mit dem eigenen Nasenausfluss wird empfohlen (Autoinoeulation). Doch will Roll damit noch keine positiven Resultate erhalten haben. Haubner empfiehlt die Trepanation der Hirnhöhle, wodurch dann die knotigen Einlageningen in der verdeckten Schleimhaut sichtbar werden. Ebenso will Bellinger durch die anatomische Untersuchung der ausgeschnittenen Eehlgangsdrflsen eine sichere Diagnose stellen können. Für die Differentialdiagnose zwischen Drüse und Rotz eignen sich weiße Mäuse ganz vorzüglich: Impft man weiße Mäuse mit dem Xasensecrete. so gehen sie bei Druse zugrunde, während sie für Rotz immun sind.
Einen großen Wert für diagnostische Zwecke besitzt die Malleinimpfung. Das Mallein stellt eine klare, gelbliche, geruchlose Flüssigkeit von schwach saurer oder neutraler Reaction. oder ein grauweißes Pulver dar. welches aus Rotzbacillenreinculturen
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Rotzkrankbeit, Malleus.
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dargestellt wird. Der ursprüngliche Entdecker des Malleins 1st Professor Kalmig in Dorpat, der sieh bei Versuchen mit diesem eine tödtliche Infection zuzog. Heute sind mehrere Mallem-präparate in Gebrauch, die in ihrer Wirkung nicht sonderlich differieren: 1. Das Bouillonmallein von Kalmig (russisches .Mullein). 2. Das Kartoffelmallein von Preusse in Deutschland und von Preisz (nach Preusses Angaben) in Ungarn. 3. Das Houillonmaliein von Konx in Frankreich (französisches Maliein) und 4. das Trockenmallem von Foth.
Die Anwendung des Malleins erfolgt durch subcutane Injection, worauf sich die Reaction bei rotzkranken Thieren durch eine Temperatursteigerimg in längstens 15 Stunden zeigen muss. Ein wichtiger Punkt ist bei der Beurtheilung der Temperaturerhöhungen nachMallemeinspritzungen zu berücksichtigen, nämlich, dass ein umgekehrtes Verhältnis zwischen dem Umfange der Eeaction und der Temperaturhöhe zur Zeit der Einspritzung besteht, oder mit anderen Worten, dass die Temperatur umso höher anzusteigen pflegt, je niedriger sie bei der Injection steht.
Vor allem sei daraui hingewiesen, dass fieberhaft erkrankte Thiere unbedingt von den Versuchen auszuschließen sind. Von den der Malleinimpfung unterworfenen Thieren kann man diejenigen, welche mit einer typischen Temperatursteigerung von 2deg; und mehr reagieren, mit fast voller Sicherheit als rotzkrank bezeichnen, während Steigerungen von 2 2-2quot; oder 2'3quot; bei hochnormalen Anfangstemperaturen sicherer in positivem Sinne zu deuten sind, als bei niedrigen, lerner dass Steigerungen bis 1-20 mit Sicherheit dafür sprechen, dass das Thier frei von Kotz ist. Die Beactionen von r21-90 gestatten dagegen in keiner Weise einen giltigen Schluss. I'm eine Entscheidung herbeizuführen, wird man in solchen Fällen die Einspritzungen nach 1012 Stunden wiederholen.
Bei den Ergebnissen der Malleinimpfung ist aber nicht nur die Fieberreaction ausschlaggebend, sondern auch andere Symptome, wie locale Geschwulst an der Injectionsstelle. Traurigkeit, Mattigkeit, verminderte oder ganz sistierte Fresslust. Schüttelfröste. Muskelzittern, Trägheit in den Bewegungen, welche von
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Specieller Thoil.
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Moeard unter dem Sammelbegrifi'e der organischen Reaction zu-samraengefasst werden.
Prognose: Außer beim acuten Rotz verlauft die Eotz-krankiieit immer langsam, oft schleichend; Impfrotz verläuft ge-wöhnlieh aeut. Die Vorhersagung ist absolut ungünstig. Von manchen Fachleuten wird eine Selbstheilung des Rotzes für möglich gehalten, manche wollen selbst eine günstige Beein-tlussung der Heilung durch Malleiin erzielt haben (Preusse). Beides ist jedoch sehr zweifelhaft. Eine Heilung des Wurmes wäre denkbar, wenn die Behandlung zu einer Zeit in Angriff genommen wird, wo der Process noch unbedingt ein loealer ist. Die Dauer der Rotzkrankheit ist sehr verschieden: während der acute Rotz 414 Tage dauert, kann der chronische Rotz selbst üb^r Jahre währen.
Therapie: Nach dem heutigen Stande der Wissenschaft ist die Rotzkrankheit als unheilbar anzusehen und deshalb eine Behandlung unbedingt verwerflich. In Anbetracht dessen ist auch jeder therapeutische Eingriff in den meisten Staaten gesetzlich verboten.
Natürlich wurde auch bei der Rotzkrankheit vieles versucht, zumeist war die Behandlung local, seltener eine allgemeine, doch alles ohne den geringsten Erfolg. Bisweilen glaubte mau einen Erfolg erzielt zu haben, es war jedoch nur eine Seheinheilung, und nach einiger Zeit brach die Krankheit wieder aus. Als Heilmittel wurden versucht: Chlor-. Brom-, Jod-, Kupfer-, Silber- und Quecksilberpräparate. Arsen, Strychnin etc., sowohl innerlich als äußerlich, dann Carbolsäure. die sogar von Gerlach in wässeriger Lösung zu Einspritzungen in die Nase verwendet wird. Der Hautrotz. Wurm, wurde zumeist #9632; äußerlich behandelt, und zwar bestand die Behandlung in der Anwendung von Ätzmitteln auf die Geschwüre, wie Atzkalk. Jodtinctur, rother Prä-cipitat etc., auch das Cauterisieren der Beulen wurde versucht. Schließlieh sei erwähnt, dass zuerst von Levi in Mailand, später auch von anderen Thierärzten versucht worden ist, den chronischen Rotz mittelst trachealer Injection von Jod und Jodkalium zu' heilen. Obzwar die Berichte über die Versuche sehr günstig lauten, ist dennoch einige Skepsis ihnen gegenüber räthlich.
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#9632;
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Brnstsenche der Pferde, Pleuiopneumonia contagiosa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 137
Wie gfsagt: Keines der genannten und ungenannten .Mittel bürgt nur für den geringsten Erfolg, so dass man füglich be-lianpten kann, dass das alleinige Mittel zur wirksamen Bekämpfung der Rotzkrankheit eine wohlorganisierte Veterinärpolizei ist, deren Hauptaugenmerk darauf gerichtet ist: 1. jeden entdeckten Kotz-lierd sofort vom öffentlichen Verkehr abzusperren und ihn in der kürzesten Zeit unschädlich zu machen; 2. sobald die Rotzkrankheit festgestellt ist. die unverzügliche Keilung der Thiere vorzunehmen.
Veterinärpolizei: Osterreich: sect;29. Ungarn: sect;73 bis 78. Deutschland: sect;4044 desReichsviehseacliengesetzes vom 23. Juni 1880.
Forensisches: Die Rotzkrankheit ist in einigen Staaten unter die Gewährsmängel aufgenommen, und zwar beträgt die Gewährsfrist in:
Österreich für Rotz........15 Tage
raquo; Wurm......30 #9632;
Frankreich........... 9
Sachsen.............15
Schweiz............20
Belgien............25
Preußen............ 14
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11. Brustseuche der Pferde, Pleuropneumonia contagiosa.
Es ist eine dem Pferdegeschlechte eigene Infectionskrank-heit. die sich durch Auftreten von Entzündungsprocessen in der Lunge und am Brustfell charakterisiert. Diese Krankheit tritt fast immer als Seuche in großen Pferdebeständen auf, während sie in kleinen Beständen selten entsteht, sondern zumeist eingeschleppt wird.
Früher wurde die Brustseuche und die Pferdestaupe für eine und dieselbe Krankheit mit zwei Formen angesehen, die man Intluenza nannte. Im Jahre 1882 wies jedoch Dieckerhoff
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Speeieller Thcil.
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und spater auch andere nach, dass diese Anschauung falsch ist,
und dass man es liier mit zwei Krankheiten zu iliun hat, die in ihrem Wesen vollständig- verschieden sind.
Ätiologie: Die Brustseuche entsteht nur durch Ansteckung mit einem speeifischen Infectionsstoff, der sieh als kleine, ovale Bakterien darstellt, die zumeist in Verbänden zu zweien erscheinen (Diplococcen) und deren ßeinculturen außer auf Pferde, auch auf Mäuse. Kaninchen und Tauben übertragbar sind. Der Infectionsstoff scheint vorwiegend miasmatischer Natur zu sein. er gelangt auch zumeist mit der Athemluft in die Respirationsorgane und von cki in den Blutstrom, während eine Übertragung des Infectionserregers durch kranke Pferde oder durch deren Secrete und Excrete immerhin möglich, doch seltener ist. Die früher als Ursachen angenommenen atmosphärischen oder anderen äußeren Einflüsse können zwar die Krankheit nicht erregen, doch tragen sie jedenfalls theils direct, theils indirect dazu bei, die Empfänglichkeit der Thiere für die Seuche zu erhöhen. In manchen Stallungen tritt die Brustseuche fast alljährlich auf, und zwar in solchen, wo die Bodenverhältnisse schlechte sind, wo der Boden mil faulenden Stoffen imprägniert ist. also in schlecht canalisierten und schlecht ventilierten Ställen. An solchen Orten herrscht dann diese Krankheit häutig enzootisch; sie erseheint gewöhnlich im Herbst oder im Frühjahr, wo die Ställe noch viel geschlossen gehalten werden, und zu welcher Zeit die Pferde den etwas schwächenden Haarwechsel durchmachen. Es sind also die schlechten hygienischen Verhältnisse. die das Hauptmoment -bei der Entwicklung der Seuche bilden: werden diese durch Maßregeln ersetzt, die der Hygiene entsprechen, so kann man die Krankheit selbst aus Ställen verbannen, wo sie alljährlich wiederkehrte. Die Brnstseuche verschont weder Stuten noch Hengste, weder junge und starke. noch alte und schwache Thiere. wenngleich geschwächte, abgehetzte, schlecht gehaltene Pferde, dann solche, die an Erkältung eben laborieren, leichter von dieser befallen werden.
Über die Lebeuszähigkeit des Infectionsstofies fehlen noch bestimmte Angaben: Di eckerhoff glaubt, dass dieser außerhall'
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Brustseuehe der Pferde. Pleuropneumonin eontasiosa.
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des Organismus nicht lange lebensfähig bleibt, während er sich im Boden verjauehter Ställe längere Zeit wirksam erhalten kann. Die Seuche befällt ein Thier nur einmal im Leben, nach dem Überstehen erlangen die Thiere Immunität. Das Incubations-stadium beträgt gewöhnlich 314 Tage, nach Siedamgrotzky nur 4ö Tage.
Symptome: In den meisten Fällen geben dem Ausbruche der Krankheit einige Erscheinungen, wie: Niedergeschlagenheit, Appetitlosigkeit, vermehrter Durst, schwankender Gang voraus, weiche als Vorboten den baldigen Ausbruch der Seuche ankündigen. Schon während dieses Prodromalstadiums lässt sieb eine Erhöhung der Mastdartntemperatur bis auf 40deg; 0 constatieren. Bald darauf zeigen sich die charakteristischen Symptome der eigentlichen Krankheil. Die Temperatur steigt nicht selten über 4ü,, 0. der Puls ist klein und beschleunigt (5080 Schläge in der Minute), der Herzschlag ist stark pochend, die Thiere befinden sicli in einem schlaftrunkenen Zustande (Somnolenz). Sie stehen häutig mit auf die Krippe gestütztem Kopfe theilnahmslos in breitspuriger Stellung der Vorderbeine da, wechseln häufig in der Belastung der Füße, wobei ein deutliches Knacken der Gelenke hörbar wird. Dabei ist die Fresslust ganz sistiert. der Durst gesteigert, der Absatz der Excremente verzögert, diese selbst sind sehr übelriechend, trocken, dunkel und geballt oder mit Schleim überzogen, blass und ganz locker: der verschieden gefärbte Urin ist fadenziehend, trübe, häutig eiweißhaltig, anfangs alkalisch, später sauer reagierend. Die Bindehaut der Augen und die Nasenschleimhaut ist gelblich gefärbt, die Zunge belegt, das Maul trocken und warm, die Augen lichtempfindlich.
Zu diesen Symptomen gesellen sich nach 2 ;5 Tagen die einer schweren Lungen- und Brustfellentzündung hinzu. Es tritt ein schmerzhafter Husten ein. der anfangs kurz und trocken, später jedoch locker wird: das Athmen ist beschleunigt, angestrengt, und ein abdominales, das heißt ein Athmen mit dem Bauche, im Gegensatze zum normalen costalen Athmen mil der Brust. Die physikalische Untersuchung des Brustkorbes ergibt deutlich die Erscheinungen einer Pleuropneumonie. in deren Ver-
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lauf es zur Bildung außerordentlich großer, serös-fibrinöser Exsudate kommt. Bisweilen kommt es in der Lunge zur Entstehung von Brandhöhlen, wobei ein stinkender. Jauchiger Auswurf expectoriert wird und die Exspirationsluft pestilenzartig stinkt.
Sectionsbild: Dieses ist sehr verschieden und richtet sich nach den besonderen Affectionen. die während des Lebens zugegen waren. Immer findet man aber in der Lunge verschiedene, mehr oder weniger zahlreiche Entzündungsherde, nicht selten auch brandige Cavernen. Der Brustraum ist mit einem serösen oder fibrinösen Exsudate erfüllt, in schweren Fällen ist der Herzbeutel und das Herzfleisch entzündet.
Prognose: Nach 7 9 Tagen kommt die Krankheit zur Entscheidung, es erfolgt entweder Genesung oder Tod. Die Genesung zeigt sich gewöhnlich durch das Auftreten kritischer Ausscheidungen an: es erfolgen Schweißausbrüehe und reichliche Absetzung eines lichten, wässerigen Harns. In vielen Fällen ist aber die Genesung keine vollständige, sondern es bleiben Nach-knmkheiten oder Leiden zurück, die den Gebrauchswert des betreffenden Thieres beeinträchtigen, ja häufig ganz in Frage stellen. Solche sind die sich manchmal einstellenden Sehnenscheidenentzündungen, welche oft zu unheilbaren Lahmheiten Anlass geben, außerdem Atherabeschwerden, verursacht durch die bei der Aufsaugung der Exsudate erfolgten Verwachsungen des Lungenfelles mit dem Brustfelle, dann Kehlkopfpfeifen und Dampf, welche manchmal dauernd, manchmal nur vorübergehend sind. - Der Tod tritt entweder auf der Höhe der Krankheit infolge des hohen Fiebers ein. oder infolge der durch die Lungen-und Brustfellentzündung verursachten Störungen der Respiration und Circulation.
Demgemäss stellt sich die Prognose, dem Verlaufe entsprechend, sehr variabel: in jedem Falle jedoch ist sie ernst, und bezüglich vollständiger Genesung, vorsichtig zu stellen. Sie wird umso günstiger sein, unter je besseren hygienischen Verhältnissen sich die Pferde befunden haben, und umgekehrt wird in engen, unreinen, dumpfen Stallungen der Verlauf immer ein bösartiger
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Brustseuolic dor Pferde, Pleuropneumonia eontagiosa.
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sein. Werden die Thiere. obgleich schon erkrankt, noch zur Arbeitsleistung herangezogen, so steht der möglichst ungünstigste Ausgang zu erwarten (Eiehter). Im allgemeinen beträgt die Mortalität durchschnittlich 510ü/o-
Therapie: Vor allem wird eine geregelte Diät nothwendig sein; man reiche den Thieren leicht verdauliche Nahrung, wie: Grüntütter. Rüben, Kleienmasch, Haferschrot und ähnliches, sowie reines Wasser, dem man Natronsalpeter (25 Hü lt;/ pro Tug) zusetzen kann. Empfehlenswert sind Umschläge, die in drei- his vierfacher Einwickhmg der, Brust und des Iiunipfes mittelst grober, in 20quot; 1' Wasser getauchter Leinwand bestehen, und welche je nach der Beschaffenheit der Außentemperatur einfach oder doppelt mit Wolle bedeckt wird. Außerdem sind Kaltwasser-klystiere von l/2 / 20deg; 0 Wasser zu empfehlen. Bei diesen Einpackungen hat man die Pferde sorgfältig vor Erkältung zu schützen. Ganz gut sind auch ableitende Reizmittel, wie Senfteige. die besonders bei Affection des Brustfelles appliciert werden. Noch schneller wird die ableitende Wirkung durch 48%igen Senfspiritus hervorgebracht, der auch leichter anzuwenden ist. Man umgrenzt erst die Applicationsstelle mit Mehlkleister, worauf der Senfspiritus aufgerieben wird, was man wegen des scharfen Geruches am besten im Freien macht. Bei Herzschwäche reicht man Digitalis, bei allgemeiner Schwäche Kampfer: an Stelle dieser Mittel wendet Dieckerhoff Brantwein als Zusatz zum Trinkwasser an. was von den Thieren gerne genommen wird und vorzügliche Dienste leistet. Bei Nachlass des Fiebers werden zur Aufsaugung der Exsudate harntreibende und resorbierende Mittel gegeben:
Digitalisblätter 2-0.
Borax 30quot;0,
Wachholderbeeren 10O0.
Zur Latwerge zu machen und auf vier Gaben in einem Tage zu
geben. Jeden dritten Tag wird die Arznei ausgesetzt.
Sind die Exsudate besonders massenhaft, so dass sie die Function des Herzens und der Lunire beeinträchtigen, so wird
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die Function der Brust vorgenommen, das heißt, es wird die
Flüssigkeit abgezapft.
Während der Beconvalescenz werden die Thiere noch sehr vorsichtig gehalten; das Futter muss kräftig, dabei leicht verdaulich sein und wird am besten in kleinen Portionen, aber öfters gereicht. Zu irgend einer Arbeit dürfen die Thiere noch nicht benützt werden, dagegen sind tägliche Spaziergänge im Freien sehr räthlich. Sind die Pferde vollständig hergestellt, so führe man sie mir nach und nach in die Arbeit ein.
Prophylaxe: Diese beschränkt sich darauf, ein Finsich-greifen der Seuche zu verhindern. Zn diesem Behufe wird man bei erfolgtem Ausbruch der Hrustseuche alle Pferde aus dem infieierten Stalle entfernen und die bereits erkrankten von den übrigen trennen. Während für die kranken Pferde im Xothfalle selbst ganz primitive Schuppen genügen, können die gesunden Pferde bei günstiger Witterung sogar im Freien bleiben. Der inficierte Stall wird vorschriftsmäßig desinflciert. Durch diese Maßregel lässt sich in den meisten Füllen die Krankheit coupieren und ein günstigerer Verlauf herbeiführen. Sind diese Evacuierungen nicht durchführbar, so trenne man wenigstens die kranken Pferde von den gesunden, sorge für ausgiebige Ventilation des Stalles und für eine tägliche Reinigung und Desinf'ection der Stände und Abzugcanille. Diese Arbeit verrichtet man am besten während der Zeit, wo man die noch gesunden Thiere im Freien bewegt.
Einen günstigeren Krankheitsverlauf wird man erzielen, wenn man trachtet, die Krankheit so früh als möglich zu erkennen und die Pferde alsdann sofort außer Dienst stellt. Deshalb wird man während des llerrschens der Prustseuche alle Thiere. die verminderte Fresslust und Mattigkeit zeigen, bei der Arbeit leicht ermüden, oder sonst welche Abweichungen vom normalen Be-tinden zeigen, von der Arbeit dispensieren, sie diät halten und häutig deren Körpertemperatur messen. Ergibt sich bei solchen verdächtigen Pferden eine Mastdaxmtemperatur von 38-840deg;C, so kann man sicher mit beginnender Hrustseuche rechnen.
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Pferdestaupe, Pebris catarrhalls epidemica Equonun.
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12. Pferdestaupe, Febris catarrhalis epidemica Equorum.
Mit diesem Namen bezeichnet man eine acute, fieberhafte Infeetionskrankheit, deren Ansteekungsfähigkeit so bedeutend und intensiv ist. wie bei keiner anderen Pt'erdekrankbeit. Bei Auftreten dieser Seuche in einer Gegend pflegen gewöhnlich 6090% der bedrohten Thiere zu erkranken, eine Zahl, die bei anderen Infectionskrankheiten fast nie erreicht wird. Herrscht jedoch die Seuche eine Zeit lang, so wird der Procentsatz ein geringerer: es erkranken nur 15- 250/o aquot;e1, Thiere. Dies erklärt sich dadurch, dass das Virus eine geringe Tenacität besitzt und sich selten länger als 15 Tage wirksam erhält, und dass es im Laufe der Zeit an Virulenz verliert (Mitigation). Eben dadurch erklärt es sich auch, weshalb bei längerem Herrschen der Krankheit die Seuchenaushriiehe seltener werden.
Ätiologie: Die Infection erfolgt nur durch ein Virus, welches äußerst virulent, flüchtiger Natur und noch nicht sicher nachgewiesen ist. Schütz fand bei Pferdestaupe in der unterbaut und in den serösen Häuten stäbchenförmige Bakterien, die er für den Infectionserreger hält. Diese Annahme ist jedoch noch nicht sichergestellt. Die Infection geschieht entweder durch die Aufnahme des Ansteckungsstoffes mit der Luft oder durch Zwischenträger. Nach Fried berger sollen es besonders die Exeremente sein, welche den Infeetionsstoff enthalten und die auch sehr häufig die Ansteckung vermitteln. Die Pferdestaupe ist impfbar: durch subcutane und intravenöse Impfung mit dem Blute staupekranker Pferde erhält mau positive Resultate. Das einmalige Dberstehen der Krankheit verleiht den Thieren Immunität. Früher wurde angenommen, das Überstehen der Brustseuche schütze die Pferde vor der Staupe und umgekehrt; diese Annahme hat sieh jedoch als falsch erwiesen, ja. es wurde sogar wahrgenommen, dass während des Herrsebens einer dieser Krankheiten eine Complication mit der anderen eintreten kann. Das Incubationstadium beträgt gewöhnlich 47 Tage, bei Impfung fällt es nicht selten
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ganz weg'. Während der lucubationsperiode findet eine Infection gesunder Tliiere nicht statt; selbst am ersten Krankheitstage ist die Ansteckungsfälligkeit so gering, dass man durch sofortige Absonderung der erkrankten Tliiere häufig eine Inl'ection der noch gesunden verhüten kann.
Symptome: Dem Ausbruche der Krankheit gehen nur selten irgendwelche Erscheinungen voraus; die Thiere werden matt, schwach und hinfällig, der Gang wird schwankend und die Temperatur steigt auf H9 42quot; 0. Dazu gesellt sich eine nervöse Niedergeschlagenheit, so dass die Pferde ganz theilnahmslos und unempfänglich gegen Vorgänge und Eindrücke der Außenwelt in ihrem Stande stehen oder liegen. Der Puls ist sehr beschleunigt. so dass nicht selten selbst 90- 100 Schläge in der Minute gezählt werden; dabei ist er klein, unregelmäßig und aussetzend. Während die Körpertemperatur nach 36 Tagen gewöhnlich zur Norm zurückkehrt, dauert es 610 Tage nach der Temperatur-Verminderung, ehe der normale Puls wieder fühlbar ist. Die Respirationsorgane sind immer mehr oder-weniger katarrhalisch afticiert. es wird ein dünner Schleim abgesondert, wobei jedoch das Athinen nur in den schweren Fällen beschleunigt ist. Ist der Katarrh auf die Schleimhaut der Nase und des Rachens ausgebreitet, so sind die Kehlgangslymphdrüsen geschwollen und die Tliiere husten. Die Maulschleimhaut ist dunkel geröthet, häutig eyanotiseh und immer heiß und trocken. Die Fresslust ist bedeutend verringert oder fehlt vollständig, dagegen ist der Durst gesteigert: die Excremente sind anfangs klein, geballt, und trocken, später breiig; nicht selten tritt auch Durchfall ein. wobei dünner. flüssiger Koth abgesetzt wird; zumeist dauert dieser Durchfall nicht länger als 48 Stunden, bleibt jedoch manchmal auch als Nachkrankheit zurück. Der spärlich abgesetzte Harn ist dunkel, mit hohem specifischen Gewicht, fadenziehend, und setzt, stehen gelassen, bedeutendes Sediment ab. Als stetes Symptom der Pferdestaupe sind die dabei vorkommenden Affectionen der Augen zu betrachten. Gewöhnlich ist nur die Bindehaut höher geröthet und etwas geschwollen (Conjunctivitis), manchmal erreicht aber die Schwellung einen solch bedeutenden Grad, dass die Augenlider
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Pferdestaupe, Febris catarrhalis epidemiea Equorum.
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ganz geschlossen sind und aus der Lidspalte ein eiteriger Sehleim herausdringt. Bisweilen ist die Hornhaut (Cornea) entzündlich getrübt und nur in seltenen Fällen leidet die Regenbogenhaut (Iris). Bei einer Anzahl von Kranken treten ödematöse Anschwellungen an den Extremitäten, am Schlauche, Unterbauch und an der Unterbrust auf. - Manchmal stellen sich Complicationen mit katarrhalischer Lungenentzündung ein, wobei dann die Athem-frequenz bedeutend gesteigert ist; der Nasenausfiuss erscheint niissllirbig. der Husten wird schwer und schmerzhaft. Macht sich in der Lunge brandiger Zerfall geltend, so besitzt die ausge-athmete Luft einen üblen Geruch.
Die Dauer der Krankheit beträgt zumeist 1 -2 Wochen: wendet sie sich zum Guten, so geschieht dies schon nach 3 bis ö Tagen. Als erstes Zeichen der Heilung kann die Wiederkehr der Fresslust, die Abnahme der bedeutenden Abstumpfung und Mattigkeit betrachtet werden. Im weiteren Verlaufe sinkt die Temperatur, Puls und Athmung werden normal, die Secretion der Schleimhäute lässl nach, die Excremente erhalten ihre normale Beschaffenheit und der Harnabsatz wird reichlich. Am schwersten verschwinden die ödematösen Anschwellungen, die nur allmählich zurückgehen.
Sectionsbild: Dieses hängt immer von der Schwere des Falles und von dem ergriffenen Organe ab und ist demgemäß sehr verschieden: immer jedoch ist ein Katarrh der Respirationsorgane vorhanden, der sich selbst bis in die feinsten Bronchien und Alveolen erstrecken kann. Die Schleimhaut des Pförtner-theiles des Magens, dann die des Darmes ist wulstig geschwellt und weist punktförmige Blutaustritte auf. Diese, sowie die Sub-mueosa ist mit einer gelbsulzigen Flüssigkeit infiltriert, die soli-tiiren Follikel. sowie die Peyer'schen Platten im Dünndärme sind erweicht und vergrößert. Herz. Nieren und Muskeln, besonders die der Lenden, sind trübe geschwellt oder fettig degeneriert; die Leber ist braungelb und theilweise ebenfalls fettig entartet: die Milz ist weich und leicht geschwellt. Zahlreiche Lymphdrüsen des Respirations- und Digestionstractus sind weich und vergrößert.
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Kästenbaum, Grunäriss dor Tbiei
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Prognose: Sie ist in der liege! günstig: die Mortalität beträgt selten mehr als 4%, obwohl es auch Seuchenausbrüche gibt, wo sie kaum 1% übersteigt. Eine ungünstige Prognose wird zu stellen sein: bei alten kraftlosen Pferden, dann bei solchen. welche, obwohl sehen ericrankt, dennoch zu schwerer Arbeit benützt werden, und schließlieh bei dem Eintritte von Compli-cationen, wie: Eerzschwäehe, schmelzender Durchfall, Lungenentzündung etc.
Therapie: Bei gutartigem Verlaufe ist eine medieamentöse Behandlung überflüssig, es genügt, ein richtiges hygienisch-diätetisches Verfahren einzuhalten. Zu dem Zwecke wird man für gute, ausgiebige Ventilation im Stalle sorgen und bei günstigem Wetter sogar die Thiere ganz im Freien stehen lassen. Als Nahrung diene kräftiges, doch leicht verdauliches Futter und überschlagenes Wasser. In schwereren Fidlen wird man genöthigt sein, eine symptomatische Behandlung platzgreifen zu lassen. Bei Herzschwäche reicht man Alkohol im Trinkwasser oder auf Brot, oder folgende Latwerge:
Kampfer ö'^. Kalmuswurzel,
Doppelkohlensaures Natron ua. 75'0. Früh, mittags und abends je den dritten Theil davon eingeben.
Gegen intensive Entzündung der Bindehaut und entzündliche Trübung der Hornhaut können Fmsehläge von kaltem Wasser. Bleiwasser und folgendem Augenwasser gemacht werden:
Subhraat 005. Wasser 40-00, Opiumtinctur, Tropfen X.
Besteht starke Lichtscheu, so leistet die Eintränfehmg einer '/oO/nigen schwefelsauren Atropinlösung ins Auge gute Dienste. Die Anschwellungen an den Extremitäten etc. behandelt man durch Waschungen mit Burow'scher Lösung, das ist essigsaure Thonerde mil der 4Stachen Menge weichen Wassers: auch Kampfereinreibungen bewähren sich. Bei Durchfall können Prießnitz'sche Umschläge am Hinterleibe in Anwendung
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raquo;ferdetyplms. Blutfleckenkrankheit, Morbus maoulosus
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gebracht werden: iimerlieli gibt man 1530 lt;/ Opiumtinctar in schleimiger Abkochung. Gegen den sich bisweilen einstellenden Mastdarmzwang (Tenesmus) sind Klysmen von Stärkemehl-abkochnng oder Leinsamenschleim zu empfehlen: man appliciert während der ersten halben Stunde zwei Klystiero.
Prophylaxe: Wie schon erwähnt, ist es außerordentlich rathsam. beim geringsten Zeichen der Erkrankung das betreffende Thier sofort von den übrigen abzusondern. Auf diese Weise lässt sich in der Mohrzahl der Fülle die Seuche unterdrücken. Wie bei der Brustseuche, so ist es auch bei der Pferdestaupe von großem, um nicht zu sagen entscheidendem Einflüsse auf den günstigen Verlauf, wenn man die von der Seuche bedrohten Thiere sorgfältig überwacht, damit einem nicht die geringsten Anzeichen der etwa beginnenden Krankheit entgehen und man sofort die nöthigen Maßregeln ergreifen kann. die übrigens ähnlich jenen bei der Brustseuche sind.
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13. Pferdetyphus, Blutfleckenkrankheit, Morbus maculosus.
Diese dem Pferde eigene acute, fieberhafte Krankheit wurde von vielen Autoren für eine subacute Form des Milzbrandes ge-liallen und auch unter den Milzbranderkrankungen beschrieben. Die Krankheit hat zwar im ganzen keine Ähnlichkeit mit dein Typhus des Menschen und kann auch die Bezeichnung raquo;Typhuslaquo; nur als eine symptomatische gelten, doch soviel steht fest, dass der Pferdetyphus keine Milzbrandform, sondern eine Krankheit ganz eigener Art ist.
Ätiologie: Diecker hoff und ßichter haltenden Pferdetyphus für eine Intoxicationskrankheit, die in jedem Falle als ein Folgeleiden angesehen werden muss, wobei es bei dem primären Leiden zur Entwicklung eines chemischen Giftes kommt, dessen Eintritt in die Blutbahn diese Krankheit veranlasst. Diese primären Erkrankungen wären hauptsächlich Abscesse in den inneren Organen, Druse, Brustseuche, Pferdestaupe, Lungen- und Darm-
10raquo;
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katarrhe, Rotz etc. Obzwar weder die Natur, noch die Wirkung, noch der Sitz des Infectionserregers bekannt ist. hat es dennoch viel Wahrscheinlichkeit, dass wir es auch liier mit nichts anderem als mit einer Infeetlohskrankheit zu tlnm haben, die ihren speeiflsehen Vernrsacher besitzt. Dafür spricht wohl in erster Linie die Analogie mir den anderen Infectionskrankheiten: Das charakteristische Infectionsfieber und die die allgemeine Infection charakterisierenden bestimmten Veränderungen mancher Organe. Die Disposition zur Erkrankung an Pferdetyphus wird erhöht durch den Aufenthalt in Stallungen, die den sanitären Vorschriften nicht entsprechen und dann durch Darreichung eines schlechten, verdorbenen Futters und Getränkes.
Symptome: Der Beginn der Krankheit macht sich in den meisten Fällen durch Mattigkeit. Niedergeschlagenheit, Appetitmangel, mäßige Puls- und Athembeschleunigung und geringe Temperaturerhöhung bemerkbar. Außerdem bestehen Erscheinungen eines Darmkatarrhes, so dass aus diesen keineswegs charakteristischen Symptomen häufig auf das Vorhandensein eines solchen als selbstständiges Leiden geschlossen wird und das umso eher, wenn in der Umgebung kein Pferdetyphus herrscht, wodurch man sonst auch im gegebenen Falle auf die Gegenwart desselben schließen könnte. In 12 Tagen, häufig schon nach einigen Stunden treten Erscheinungen ein, die Jeden Zweifel an das Bestehen des Pferdetyphus zerstören. Unter bedeutender Steigerung der Temperatur fahren auf verschiedenen Körperstellen, so am Kopfe, dein Bauche, der Brust, entlang der Wirbelsäule, an den Gliedmassen und am Schlauche nuss- bis faustgroße Anschwellungen auf, die scharf begrenzi und teigig, anfangs heiss und schmerzhaft sind, später kühl und unempfindlich werden. Diese die Thiere außerordentlich veranstaltenden Anschwellungen verschwinden häufig-auf einer Stelle, um an einer anderen zu erscheinen: in seltenen Fällen verschwinden alle Anschwellungen, so class das Thier sein normales Aussehen wieder erlangt, worauf sieh dann sehr heftige Kolik einstellt, die'selbst tödtlich verlaufen kann. Die Kolikerscheinungen lassen bisweilen nach und es kehren die Haiitanschwelluna'en wieder zurück und dieser Wechsel kann sich
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Pferdetyphus, Blutfleckenkrankheit, Morbus maeulosus.
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mehrereraale wiederholen. Mitunter stellen sich an den Extremitäten
sehr ausgebreitete Anschwellungen ein. welche- von der Krone ausgehend sich bis zum Ellbogen, respective Kniegelenke erstrecken: so dass es den Pferden unmöglieh wird, die Füße zu bewegen. Aber auch die auf den anderen Körperstellen vorhandenen Gesehwülste können häufig Punctionsstörungen verursachen: wird der Kopf und vorzüglich die Nase, die Lippen, dann der Hals von diesen betroffen, so wird das Athnien. das Kauen, die Futter-aufnahme und das Schlingen erschwert oder ganz unmöglich; durch Anschwellungen am Schlauche wird der Harnabsatz schwierig. An den Beugeflächen der Gelenke entstehen leicht Kisse. ans denen eine blutig-seröse Flüssigkeit sickert: an diesen Stellen zeigt die gesehwollene Haut auch besondere Neigung zum brandigen Zerfall, während an den anderen Geschwülsten Gangrän seltener eintritt.
Gleichzeitig mit diesen Erscheinungen oder etwas später nimmt mau Veränderungen an den Schleimhäuten wahr. Auf der Schleimhaut der Nase, der .Maul- und Eachenhöhle bemerkt man Blutaustritte, die bis bohnengroß sind und pun kl- oder streifenartige Form haben: ebensolche Yerändernug zeigt die Augenbindehaut, welche dabei hoch geröthet und geschwollen ist. Das Athmen bleibt, wenn nicht bedeutende Schwellungen der Nasenöffnungen zugegen sind, fast unverändert, der Puls ist voll und weich, die Zahl der Pulsschläge steigt selten über 70 in der Minute. Die Fresslust liegt so ziemlich darnieder, der Durst ist gesteigert; die Excremente sind feucht, weich, manchmal selbst flüssig und übelriechend, öfters blutig: der Harnabsatz ist verzögert, der Harn selbst dunkel, manchmal blutig und wird unter starkem Drängen abgesetzt. Ist die Darmschleimhaut in der Weise aflieiert. dass sich Oarbunkeln auf derselben befinden, so stellt sich Kolik ein.
Infolee der durch mangelhafte Blutcirculation veranlassten Blutstauungen in der Lunge kommt es nicht selten zu Lungenentzündungen mit besonderer Neigung zum brandigen Zerfall (Lungengangrän). Häutig kommt es auch zur Bildung eines Lungenödems, das ist eine Ansammlung seröser, gewöhnlich mit
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Speeieller Thcil
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Luft gemengter Flüssigkeit in der Höhle der Lungenbläschen und in den feinsten Bronchien.
Prognose: Der Verlauf des Fferdetyphus ist verschieden: ist er sehr acut. so tritt fast immer nach einer Dauer von 35 Tagen der Tod ein. ist. er weniger acut, so ist Aussicht auf Wiederherstellung- vorhanden, die aber, mit Rücksicht auf die lange Dauer der Reconvalescenz, nie früher als nach 810 Wochen erfolgt. Die Prognose ist im allgemeinen ungünstig; die Mortalität beträgt 5070%- Ungünstiger stellt sie sich bei herabgekommenen oder kränklichen Thieren, dann dort, wo heftige Kolikerscheinungen auf Oarbunkelbildung im Darme schließen lassen, bei starken Athmungsbehindenuigen durch umfangreiche Geschwülste auf den Nasenötlhungen und der Schleimhaut der Xase und schließlich dann, wenn die Hautschwellungen rasch verschwinden. .Manchmal gehen Thiere, die sich schon in der Reconvalescenz befinden, plötzlich an Herz- oder Lungenlähmung ein. Durch die infolge Gangrän in der Nähe der Gelenke entstehenden Wunden kann die Bewegungsfreiheit des betreffenden Theiles behindert und dadurch die Üiensttanglichkeit des Pferdes beeinträchtigt werden.
Sectionsbild: Die Schleimhaut der Xase und des Darmes ist stark geschwellt, gelockert, dunkel geröthet und mit punkt-förmigen Blutaustritten besäet, die einzeln oder in Verbänden erscheinen. Das unter der Sehleimhaut liegende Bindegewebe ist mit einer serös-sulzigen Masse infiltriert und von vielen blutstrotzenden GefälJen durchzogen. In jenen Fällen, wo der Ver-dauungstractus schwerer ergriffen ist. findet man in der Seh leimhaut des Pförtners, des Zwölffinger-, Blind- und Grimmdarmes zahlreiche carbunkulöse Infiltrate. Diese werden in den meisten Fällen brandig, worauf gelbe Schorfe zurückbleiben, die abtrocknen und sich langsam von der Unterlage loslösen. Der Magen und die Gedärme sind stark aufgetrieben, die noch gesunde Schleimhaut blass und die Bauchhöhle von einer röt hl ich grauen Flüssigkeit erfüllt. Die gesehwollenen Partien der Haut erscheinen im Durchschnitte außerordentlich verdickt, das Unterhautbindegewebe und das Bindegewebe der Muskeln ist mit einer gelben, sulzigen
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Pferdetyphus, Blntfleokenkrankheit, Morbua maeulosus.
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Masse infiltriert. Die Mnsculatur ist von bläulieh rother Farbe, immer so mürbe, wie gekocht und stellenweise mit Blutflecken besetzt. Ähnliehe Blutaustritte gewahrt man auf der Oberfläche der Lunge, Milz und Nieren. Die übrigen Befunde entsprechen den etwa eingetretenen Complicationen.
Therapie; Wie Oberall, so ist auch hier eine hygienisch-diätetische Behandlung von großem Einfluss auf das Gelingen der Onr. Sie bestehr darin, dass die Patienten in einem kühlen, luftigen, zugfreien Stalle, bei günstigem Wetter in einem gedeckten Schuppen untergebracht werden und dass ihnen als Futter nahrhafte, leicht zu schluckende Stoffe gegeben werden, wie Grünfutter, Mehl-und Kleientränke. Als Getränke gebe man abgestandenes Wasser mit einem Zusätze von 1520^ Salzsäure pro Eimer; anstatt dieser kann man auch Schwefelsäure in entsprechender Menge anwenden, jedenfalls aber ist das Getränke fleißig zu erneuern.
Die eigentliche Behandlung besteht in der subeutanen Injection von Carbolsäure, und zwar benutzt man eine 23%ige wässerige Lösung derselben, wovon man läglieh 2;5 Pravaz-spritzen injiciert. Diese Ourmethode zeitigt in vielen Fällen recht gute Erfolge und ist bestens zu empfehlen. Auch die von Di eckerhoff angewandte tracheale Injection von Jod hat sich in vielen Fällen gut bewährt. -Mau benützt folgende Lösung:
Jod 10. Jodkalium irO. Wasser destill. 100-0. Täglich ein- bis zweimal 1020 7 der Lösung in die Luftröhre zu spritzen.
Man verwendet dazu eine von I) leck er hoff eigens zu diesem Zwecke eonstruierte Injectionsspritze.
Die übrige Behandlung ist symptomatisch. Gegen Fieber wendet man Eingießungen in den Darm an, wozu man circa Wasser von 15deg; verwendet, wovon man mittelst einer Klystierspritze in Zwischenräumen von einer halben Stunde 1l1/., ^ luden .Mastdarm appliciert. Auch kalte Einhüllungen des Rumpfes und kalte Berieselungen mehrmals des Tages sind empfehlenswert;
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nach solchen Proeeduren wird dann der Körper mit Strohwischen trocken gerieben. Die Anschwellungen der Gliedraassen wird zweckmäßig sein, mit Kampfergeist oder Terpentinöl zu besprengen und hernach ttichtig mit Strohwischen zu frottieren. Bei starker Betäubung Wendel man kalte Umschläge auf den Schädel an; dem Wasser kann auch et was Es.sig zugesetzt werden. Sind nur wenige Geschwülste rorhanden, so wird mau Umschläge mit Burow'seher Lösung auf diese versuchen. Platzt die Haut der Geschwülste, so wasche man diese Theile häufig mit (ioulardselieu Wasser oder bestreiche sie mit Bleiessigsalbe. Bei Verstopfung gibt man Glaubersalz, und zwar 200250^ im Getränke oder als Latwerge mit Eibischwiu-zel; gegen Durchfall reicht man folgende Latwerge:
Alaun 300,
Eichenrinde 500.
Opiumpulver 180. Jede tlivi Stunden den sechsten Theil dieser Latwerge einzugeben.
Bei Kolik gibt man schleimige Mittel, wie Leinsamen-nnd Eibischwurzelschleim stündlich ' ./. Bei gefahrdrohender Äthemnoth muss der Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) ausgeführt werden. Etwa vorhandene Wunden werden den Grundsätzen der Chirurgie entsprechend behandelt.
Wird die Krankheit frühzeitig bemerkt, so gelingt es häufig, sie durch eine Schweißern- zu unterdrücken. Zu diesem Zwecke besprengt man den Körper des Thieres mit Kampferspiritus oder Terpentiaöl und frottiert denselben tüchtig mit Strohwischen ab. Darnach hüllt man den Rumpf in eine in kaltes Wasser getauchte und gut ausgerungene Decke und legt trockene Decken darüber. Wird die nasse Decke trocken, so wiederholt man das Verfahren. Nach Beendigung der Procedur ist viel Vorsicht geboten, damit das Thiersich nicht erkältet: deshalb bedeckt man es mit trockenen Decken und lässt es nur langsam abkühlen.
Während der Reconvalescenz sei man sehr vorsichtig und vernachlässige weder die nöthige Diät, noch die entsprechende Pflege. Der Stall werde häufig einer Reinigung unterzogen, kühl und luftig erhalten, die Streu sei reichlieh, rein und trocken.
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Beschülseuchc, Znchtlähmc, Lues vcneri E.ini.
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14. Beschälseuche, Zuchtlähme, Lues veneri Equl.
Diese bösartige Krankheit wird mir bei Zuchtheugsten und Zuehtstuten beobachtet. Die Ansichten über diese Seuchen sind noch sehr getheilt, speciell was die Entstehung und den Zusammenhang der Erscheinungen anbelangt. So sind bekannte Fachleute, wie Strauss, Thanh offer und andere der Ansicht, dass die im Verlaufe der Beschälseuche sich einstellenden Lähmungs-erseheinungen Folgen eines selbständigen Leidens sind, welches mit dem Narnem Zu eh tl ahme belegt wurde und mit der Chanker-seuche in gar keinen Zusarnmenhange steht, während nicht mindere Autoritäten wie Böll und andere sich dahin aussprechen, dass obgenannte Lähmungscrscheinungen nichts anderes als ein Symptom im Symptoraencomplexe der Heuehe sind, welches sieh in manchen Füllen nicht einstellen muss.
Diese Seuche ist erst, seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts bekannt und obwohl sie schon früher in Russland und dem Oriente herrschte und wahrscheinlich von dort nach den anderen Ländern verschleppt wurde, so ist sie dennoch erst in den Fünfzigerjahren dort genau beobachtet worden. In Deutschland lieferte die erste Beschreibung dieser Seuche A mm on 179(). der sie im Gestüte zu Trakehnen in Ostpreußen beobachtete. Bis zum Jahre 18-0 ist die Seuche in Deutsehland öfters aufgetreten, worauf sie einige Zeit verschwand, um iSoa in Pommern und 1840 in Oberschlesien zu erscheinen. Im diese Zeit wurde ihr mehr Beachtung geschenkt, was zur Folge hatte, dass nur mehr hie und da vereinzelte Falle vorkamen, die jedoch Dank der veterinärpolizeilichen Massregeln bald beseitigt wurden. Weiters wurde die Seuche in Österreich, Böhmen. Mähren und Ungarn beobachtet: die ersten Beschreibungen .stammen da von Strauss und llayne 1821 nach ihren in Österreich und Steiermark gemachten Wahmelnuungen. Im westlichen Europa ist die Seuche äußerst selten vorgekommen: im südlichen Frankreich trat sie 1851 und 18G9 auf, in beiden Fällen wurde sie von gekauften orientalischen Hengsten eingeschleppt. Im nördlichen Frankreich. Belgien. Holland und England ist die Krankheit bis heute ganz unbekannt.
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Atiologie: Die Krankheit kommt wie schon erwähnt nur bei Zuchtthieren vor, ob sie bei Hengsten oder bei Stuten, oder bei beiden originär entstand, ist bis heute noch nicht ent-schieden. Die Verbreitung erfolgt gewöhnlich durch die Deckhengste, die erfolgte Infection lässt sich immer auf einen solchen zurückführen. Ist eine Stute infieiert worden, so kann sie natürlich das Virus aueli auf andere Hengste übertragen. Obzwar der Ansteekungsstoff noch nicht sichergestellt ist, kann eine selbstständige Entwicklung der Krankheit nicht angenommen werden. Nach Gerlach sullen bei gewissen anderen Krankheiten, wie z. B. beim chronischen Seheidenkatarrh der Stuten, Substanzen gebildet oder von außen zugeführt werden, welche die Entstehung der Beschälseuche bedingen: Roll gibt mir eine Entstehung und Verbreitung der Krankheit durch Ansteckung zw. Der Infections-Moß' ist ein Contagium und fixer Natur; es haftet am Secrete der Genitalschleiniliaut und der Geschwüre. Die Verschleppung geschieht auch durch Zwischenträger, und zwar nach Haubner zumeist durch den Schwamm, der zum Waschen der Geschlechts-theile der Thiere benutzt wird. Wenn die Möglichkeit einer Berührung der (-ienitalien vorhanden ist. so kann eine Ansteckung durch beschäl kranke Stuten auf andere Stuten, auf Fohlen und, wie Hayne und Dayol beobachteten, selbst auf Wallachen erfolgen. Nicht alle von einem beschälkranken Hengste gedeckten Stuten erkranken, sondern nur circa 65%, während die übrigen gesund bleiben. Die von mancher Seite ausgesprochene Annahme, dass selbst genesene Thier noch ansteckungsfahig sind, ist sehr unwahrscheinlich und dürfte einem Irrthume zuzuschreiben sein. .Mit der Beseitigung der in die Augen fallenden Erscheinungen ist der Process nämlich noch nicht zum Abschlüsse gelangt, sondern er kann noch fortbestehen, wodurch eine sogenannte Scheinheilung zustande kommt, wobei die betreffenden Thiere noch immer ansteckend wirken. Durch Impfung mit dem Secrete konnte die Beschälseuche auf andere Pferde und auf Esel übertragen werden, während die Impfimg mit dem Blute ein negatives Residtat ergab.
Bei den Pferdewärtern, die mit beschälkranken Pferden zu thun haben, pflegt auf den Händen ein papulöser Ausschlag
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Beschälseuche, Zuohtlähme, Luos veneri Equi,
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aufzutreten, der jedoch, ohne weitere Folgen zu hinterlassen, bald abheilt.
Die Daner der Ineubationsperiode ist sehr verschieden; sie schwankt zwischen acht Tagen und drei Monaten, selten auch langer.
Symptome: Bei Stuten. Im Beginne sind die Symptome eines Seheidenkatarrhes zugegen, wodurch eine Wulstung der Scheide und eine vermehrte Absonderung bedingt wird. Der anfangs dünne, wässerige Ausfluss wird später dicker, grünlich oder missfärbig. Die Stuten benehmen sich wie rossig: trippeln herum, stellen sich häufig zum Harnen und öffnen häufig die Scham. Bald schwillt der Wurf ödematös, teigig an. die Blutgefäße sind strotzend, die Schleimhaut hoch geröthet. Nach einiger Zeit verliert sich die Anschwellung und nun erscheinen die Schamlippen faltig, durch den Pigmentverlust häufig getigert. In der Scheide Treten Bläschen auf, die bald abtrocknen, ohne eine Narbe zu hinterlassen: bisweilen jedoch entstehen keine Bläschen, sondern tiefe Geschwüre, die sich selbst bis in die Gebärmutter erstrecken, schwer abheilen und strahlige Narben hinterlassen. In solchen Fällen ist der Scheidenausfluss immer sehr bedeutend, übelriechend und beschmutzt den Schweif und die Hinterfüße der Thiere. Die von dem Secrete betroffenen Haut-steilen verlieren gewöhnlich das Haar.
Unterdessen ist das Tiiier munter, hat gute Fresslust, kurz alle Functionen sind normal. In diesem Stadium kann das Leiden örtlich bleiben; bei guter Pflege und sorgfältiger Behandlung kann sogar Heilung eintreten. Dies ist jedoch selten der Fall: in der Mehrzahl der Fälle wird der Ausfluss reichlicher, die Scham wird hart, es treten Ödeme auf dem ünterbauche, dem Mittelfleische und an den Extremitäten auf. die Leistendrüsen schwellen an. das Euter wird entzündet und vereitert häutig. Im weiteren Verlaufe erscheinen auf Hals. Brust. Schulter und Kruppe quaddelförmige Anschwellungen, sogenannte Thalerflecke. die nach 12 Wochen von der Mitte aus wieder zurückgehen, so dass nur mehr Ringe wahrzunehmen sind, die auch bald versehwinden.
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150nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; SpeeieUer Theil.
.Diesen Syiiiiitoiiieii schließen sich Lähmungserscheinungen an; diese können unvollständige (pai-etisehe) oder vollständige (paralytische) sein. An diesem Stadium des Leidens partieipieren auch die Nerven. Die Thiere gehen schwer, wechseln häutig- mit den Hinterbeinen, Knicken bei den Sprunggelenken und den Fesseln ein. stürzen häufig zusammen und können sieh dann nur schwer erheben. Bisweilen stellen sich auch Lähmuogen eines oder beider Uhren, der Vorder- oder Hinterlippe oder eines Augenlides ein.
Ist das Leiden soweit vorgeschritten, so gehen die Patienten trotz besten Appetits, guter Pflege und andauernder Kühe im Ernährungszustande zurück, das Haar wird glanzlos und struppig. die Augen sinken ein und die Thiere gehen elend zugrunde. Da sich die Thiere in der letzten Zeit nichl mehr zu erheben vermögen, so entsteht gewöhnlich trockener Brand (Decubitus) infolge von Durchliegen, wodurch dann von diesen Stellen leicht tödtliche Jauchevergiftungen erfolgen können. In anderen Fidlen gehen die Thiere an Erschöpfung oder infolge einer Lungenentzündung ein.
Bei Hengsten. Die Diagnose der Beschälseuche ist bei Hengsten schwieriger als bei Stuten, da das Leiden in seinen ersten Stadien auf die Schleimhaut der Harnröhre beschränkt ist. Häufig wird man erst durch die Resultate der Belegacte auf die Krankheit des Hengstes aufmerksam, da derselbe, obwohl anscheinend gesund, mit einem chanerösen Geschwür der Harnröhre behaftet ist und dadurch die von ihm gedeckten Stuten inliciert. Im Anfange besteht nur Schwellung und Röthung, also Katarrh der Harnröhrenschleimhaut mit mäßigem Ausfluss. Die Schwellung ist nicht selten so erheblich, dass sieh die Scbjeim-haut aus dem Orificium mehr oder weniger stark hervorwulstet. In manchen Fällen tritt (raquo;dem und Verdickung (Sklerose) der Vorhaut ein, wodurch ein Fettschlauch entstellt. Währenddem ist der Geschlechtstrieb erhöht, die Begattung jedoch mühsam und die Ejaculation des Samens mit Schmerzen verbunden. Infolge des Reizungsznstandes in der Harnröhre stellen sich die Thiere wohl häulig zum Harnen, entleeren jedoch nur geringe
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BcscLälseuchc, Zuehtlähme, Lues veneri Equi.
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.Mengen Schleim unter Pressen und Sehmerzensäußerung. Fresslust. Puls. Haarkleid ete. sind dabei ganz normal. Am Ponis. am Schlauche und auch am schlaff herabhängenden Hodensacke entstehen Bläschen und Geschwüre, worauf diese Theile mehr oder weniger anschwellen: die Geschwüre heilen nach einiger Zeit, unter Zurücklassung kleiner, anpigmentierter Narben, sogenannter Krötenflecken (Roll). In diesem Stande kann sicii die Krankheit lange erhalten: nach Ablauf der Deckperiode scheint sogar ein Stillstand einzutreten, während man bei Beginn der nächsten Beschiilzeit eint1 Verschlimmerung der Seuche wahrnimmt.
Der weitere Verlauf ist wie bei Stuten; die Thalerflecken erscheinen und bald stellen sich auch die paretisciien oder paralytischen Liilimungserselieinungeii ein. Bei manchen, speciell bei hochedlen Hengsten ist heftiger Juckreiz vorhanden, was die Thiere zum anhaltenden Scheuern voranlasst. Dadurch wird die Oberhaut abgestoben und es entstehen blutrünstige Geschwüre auf der skierotisierten Haut, die schwer abheilen und ein brandiges Aussehen haben, [st die Zahl dieser Geschwüre eine große, so wird der Juckreiz dermaßen erhöht, dass die Thiere trotz guter Presslusl an Abzehrung zugrunde gehen. Selbst wenn kein .Juckreiz vorhanden ist, magern die Thiere ab. der Bauch wird aufgeschürzt, die Fettpolster verschwinden, die Lendengegend wird sehr druckempfindlich, das Haar wird lang, struppig und glanzlos, und unter fortschreitender Lähmung gehen die Hengste infolge Entkräftung. einer Lungenentzündung oder Decubitus ein.
Sectionsbild: Die hervorragendsten Befunde bei der Ob-duction der an Beschälseuche gefallenen Thiere sind kurz folgende: Außer allgemeiner Anämie und Abmagerung constatiert man an den Scheiden (Xeurilemmi der Hauptnervenstärame der gelähmten Extremitäten eine mehr oder weniger bedeutende In-liltration und Schwellung. In der Harnröhre sind Geschwüre, die sich oft bis tief hinein ziehen: die Vorsteherdrüse (Prostata) ist gewöhnlich miterkrankt, die Samenbläschen enthalten eine eiterige Flüssigkeit. Bei Stuten linden sich in der Scheide, manchmal auch im Uterus, katarrhalische oder diphtheritische Geschwüre oder feigwarzähnliche Escrescenzen. neben Erscheinungen eines
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158nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Speeiellei- Theil.
chronischen Katarrhs. Die in den Samensträngen, Hoden, sowie in der Lunge gefundenen Abscesse entstehen wahrscheinlich infolge von Metastasen.
Prognose: Der Verlauf der Beschälseuche ist ein schleppender, der Ausgang bei Hengsten viel ungünstiger als bei Stuten. Die Dauer ist verschieden: gewöhnlich beträgt sie 6 bis 8 Monate, bei Stuten in seltenen Fällen nur 2 Monate, während bei Hengsten eine Dauer von 12 Jahren, ja selbst 5 Jahren nicht selten ist. Die Mortalität beträgt gewöhnlich 35400/o-zuweilen steigt sie bis auf 70%; s'16 is* größer bei Hengsten, als bei Stuten.
Im allgemeinen ist also die Prognose ungünstig, und je weiter das Leiden, besonders die Lähtnungserscheinungen vorgeschritten sind, desto geringer ist die Aussicht auf Genesung: zuweilen pflegen alier selbst sehr kranke Pferde zu genesen. Kommt eine Heilung zustande, so erfolgt sie gewöhnlich nur im Anfangsstadium, und zwar sehr langsam: dabei sind Eecidiven und Paroxysmen nickt zu selten. Oft erfolgt eine Scheinheilung, die nur vorübergehend ist, und während welcher die Thiere die Krankheit ebenfalls zu übertragen vermögen.
Therapie: Wenn irgendwo, so ist hier ein richtiges hygienisch-diätetisches Verfahren von besonderer Wichtigkeit. Keiner, luftiger Stall, gutes nahrhaftes Futter und besonders sorgfältige Körperpflege sind ebenso wichtig wie Arzneien. Bei gutem Wetter lasse man die Thiere so lange als möglich im Freien.
Zur Behandlung des Scheiden-, respective Harnröhren-katarrhes empfehlen sich im Anlange Einspritzungen von schleimigen Mitteln, wie Eibisch- oder Leinsamenabkochungen, später von adstringierenden Mitteln, etwa Eichen- oder Weidenrinden-abkochtmgen mit Zusatz von Alaun oder Bleiessig, und zwar 1 Theil davon auf 50 -60 Theile der betreffenden Abkochung. Mit dieser Lösung wird dreimal täglich die Scheide, respective die Harnröhre ausgespritzt. In hartnäckigeren Fällen versuche man eine Lösung von 1 Theil Kupfervitriol auf 60 1(10 Theile Wasser, oder besser 1 Theil Sublimat auf 600 Theile Wasser. Von außen erreichbare Geschwüre werden mit Höllenstein oder
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Druse der Pferde, Morbns glandulosus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;159
Kupfervitriol geätzt. Innerlich gibt man Terpentinöl, dreimal täglich 2 --4 g. Theerwa.sser n. a. Bei Euterentzündung ist das Euter mit warmem Heusamenaufguss zu bähen, um Eiterung' zu veranlassen: nöthigenfalls gebraucht man selbst scharfe Einreibungen. Der sieh nun bildende Abscess wird rechtzeitig eröffnet und den chirurgischen Regeln entsprechend behandelt.
Beim Eintritte der Lähmungserseheinungen sind flüchtige ober scharfe Einreibungen am Platze: man benützt entweder ein Liniment von 3 8 Theilen Kampferspiritus und 1 Theil Terpentinöl, oder verwendet anstatt letzterem I Theil Oantharidenöl. Dieses appliciert man bei Lähmung der Hinterhand am Kreuze, bei Lähmung nur einer Extremität an der Austrittsstelle und längs des Verlaufes des Hüftnerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; In den meisten Fällen
empfiehlt sich die Castration der besehälkranken Hengste, da damit häufig Wiederherstellung erzielt werden kann, und das bisweilen in Fällen, wo sich bereits Lähmungserscheinungen eingestellt haben. Der Erfolg der Castration hängt einerseits von dem Grade der Lähmungserseheinungen ab, anderseits von dein Unistande, ob zur Zeit der Vornahme der Operation das locale Leiden der Geschlechtstheile bereits erloschen ist oder noch weiter besteht.
Veterinärpolizei: Österreich: sect; 31. Kenntlich-machung der Stuten durch den Brand B. K. an der linken Halsseite. - Ungarn: sect;91 94. Brand bei den Stuten T. B. -Deutschland: sect; 50 51. Brand N. und die beiden letzten Ziffern der Jahreszahl.
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15. Druse der Pferde, Morbus glandulosus.
Es ist eine dem Pferdegeschlechte eigenartige Krankheit, welche durch die den Pferden in der Jugend eigenthümliche Reizbarkeit des Lymphapparates bedingt wird. Da diese Reizbarkeit mit zunehmendem Alter immer mehr und mehr schwindet, erklärt es sich, weshalb die Druse zumeist in den jugendlichen Jahren, nämlich im Alter von I4 Jahren vorkommt. Es kann
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Spec-iellor Thcil.
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deshalb die Druse mit Recht die Kinderkrankheit des Pferde-geschleehtes genannt werden.
Atiologie: Wie bei mehreren anderen, ist es auch bei dieser Krankheit den letzten Jahren vorbehalten geblieben, die eigentliche Ursache derselben zu erkennen. Bis zu dieser Zeit hielt man für die Ursachen, welche die Druse hervorzurufen vermögen, jene, die auch einen Nasenkatarrh veranlassen können, so: warme, schlecht ventilierte Stallnnffen, kühle, leuchte Witte-
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Fig. 15.
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Strepto
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cus der Druse
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gr. circa 1000. N'iu-Ii Kitt, BaVterieiikande.
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rung und eine Erkältung überhaupt. Außerdem zählte man zu den Ursachen: angeborene oder erworbene Anlage, unpassendes oder verdorbenes Futter, .Mangel an Bewegung im Freien etc,
Wohl wurde manchmal ein .seuchenartiges Auftreten der Druse beobachtet, welches zur Vermuthung Anlass gab. dass man es auch hier mit einem Bacterium zu thun hat, welches der Verursacher der Druse ist, doch die Bestätigung dieser Vermuthung gelang erst dem deutschen Forscher Schütz, Dieser wies vor einigen Jahren nach, dass die eigentliche Ursache dieser Krankheitein Bacteriumist, welches er raquo;Streptococcus der Druselaquo; nannte (siehe Fig. 15). das sind Kugelbakterien, die in Kettenform
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Druse der Pferde, Slorbus glandulosus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;161
angeordnet sind. Der Infectionsstoff kommt nicht nur im Thier-körper und in den Krankheitsproducten vor. sondern auch außerhalb des Organismus: er ist also eontagiöser und miasmatischer Natur. Die Ansteckung erfolgt entweder unmittelbar von Tbier
auf Tiiier oder mittelbar durch Zwisdiemräger. wie es die durch den Massenausfluss und Abseesseiter beschmutzten Stallgeräthe und Stallbestandtheile sind. Eine große Rolle )jei der Druse spielt die Disposition. In erster Linie kommt jungen Thieren eine ausgesprochene Empfänglichkeit für diese Krankheit zu; wesentlich gesteigert wird die Disposition durch Verweichlichung der Thiere. Bei solchen verzärtelten Thieren bedarf es nur eines rapiden Futter- oder Witterungswechsels, inn die Krankheit, hervorznrut'eu. Weiters wird die Anlage gesteigert durch eingreifende Änderungen in der Lebensweise, durch Verabreichung eines kraftlosen Futters u. dgl. Was die angeborene Disposition betrifft, so zeigt sich dieselbe vorzugsweise bei Pferden gemischter Zuchten und bei solchen lymphatischer Natur, welche leichter erkranken als reinrassige, edle Thiere. Das einmalige Überstehen der Druse tilgt zwar nicht für immer die Anlage zur Wiedererkrankung, Jedoch scheint eine längere Zeit anhaltende Immunitat zurück zu bleiben. Das [ncobationsstadium beträgt 410 Tage.
Symptome: Hei gutartigem Verlaufe der Druse werden folgende Erscheinungen wahrgenommen: .Mattigkeit. Appetit-raangel, Puls und Athmuug beschleunigt. Körpertemperatur erhöht. Die Nase weist Symptome eines Katarrhs auf, gewöhnlich ist auch Katarrh der Augenbindehaut zugegen, wodurch die Thränensecretion gesteigert wird. Infolge des Nasenkatarrhs sind die Schleimhäute daselbst stark geröthet und es besteht Anslluss. welcher erst dünn und wässerig, später schleimig und eiterig ist. Gleichzeitig oder wie es in der Mehrzahl der Fälle ist. einige Tage später, schwellen die Lymphdrüsen im Kehlgange und das sie umgebende Bindegewebe an. es entwickelt sich davon eine heisse, schmerzhafte Gesehwulst, welche hart und unbeweglich ist und Neigung zur Abscedierung zeigt. Bald werden eine oder mehrere Stellen dieser Geschwulst weich, sie zeigen deutlich Fluctuation beim Berühren, die Haare fallen von diesen Stellen
KiiM imi bau in. Gnindrisa der Thiersenchen,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;J^
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j(;2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Speciellcr Theil.
aus. uacli 715 Tagen durehbrieht die Haut und es wird ein gutartiger, weißgelber Eiter entleert. Mit der Entleerung des Eiters ans dem spontan oder künstlich eröffneten Abscessen bessert sieh das Allgemeinbefinden des Patienten, das Fieber ü-eht zurück, sie werden munter und zeigen gute Fresslust. Der Sitz der Vereiterung ist das die Lymphdrüsen umgebende Bindegewebe, in den seltensten Füllen betrifft sie die Drüsen selbst, welche dadurch ganz oder theilweise zugrunde gellen.
Nicht immer verläuft die Druse auf diese Weise, sondern häufig treten Erscheinungen auf. welche den Krankheitsverlauf bedenklich gestalten, ja manchmal selbst einen letalen Verlauf bedingen. In solchen Fällen sind die Fieberbewegungen bedeutende, die Nasenschleimhaut ist hoch geröthet und geschwollen. die Lymphfollikeln auf derselben sind vergrößert, so class sie als Knotehen wahrgenommen werden, welche häufig zerfallen, wodurch kleine. Hache, unregelmäßige Geschwüre entstehen, die in 23 Wochen, ohne eine Narbe zu hinterlassen, heilen. Da speciell diese Form bei oberflächlicher Inspection für Rotz gehalten werden könnte, sei man bei der Untersuchung vorsichtig.
In anderen Füllen besteht neben obigen Erscheinungen Katarrh des Kehlkopfes, des Rachens, der Luftröhre und manchmal der Bronchien. Unter solchen Verhältnissen schwellen die um den Rachen liegenden Lymphdrüsen beträchtlich an und auch die Ohrspeicheldrüse wird sehr druckempfindlich. Kommt es zur Abscedierung so umfangreicher Geschwülste, so ist immer ziemlich heftiges Fieber zugegen: nicht selten bedingen diese Entzündungen der Rachenschleimhaut, des Gaumensegels etc. Schlingbeschwerden. Sind auch die Luftsäeke erkrankt und mit Eiter erfüllt, so bestehen auch Athembeschwerden. Bei Jungen Thieren kommt es bisweilen zur Entzündung der Bug- und Leistendrüsen mit nachlieriger Vereiterung, wodurch Lahmgehen veranlasst wird.
Der Ausgang dieser Form der Druse ist sehr verschieden; brechen die Abscesse nach ihnen durch was häufiger der Fall ist so kann Eiter in die Luftröhre und Lunge gelangen, wodurch absolut tödtliche Luneenentzünduns entstellt: wird Eiter resorbiert.
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Druse der Pferde, Morbus glandulosus.
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laquo;11 erfolgt ebenso bestimmt der Tod iniblge Eitervergiftung des Blutes (Pyämie). Nimmt die Geschwulst dermaßen an umfang zu. dass die Athmung behindert ist. so gehen die Thiere nicht selten an Erstickung zugrunde.
.Mitunter besteht bei Druse auch Darmkatarrh, wobei die Gekrösdrüsen, das sind die zwischen den Blättern des Dünn-und Diekdarmgekröses liegenden Lymphdrüsen, immer mii-erkrankt sind.
Manchmal will mau Fälle von Druse beobachtet haben. die einen entschieden lymphösen Charakter hatten, welcher sich durch hohe Temperatur. Hinfälligkeit, Mattigkeit, kleinen, schleichenden Puls, Geschwulstbilclung an den Extremitäten etc. bemerkbar machte.
Prognose: Sie ist bei normalem Verlauf günstig. Nach einer Dauer von 2 3, manchmal 4 Wochen sind die Thiere vollkommen genesen und haben wieder ihre Diensttauglichkeit za-rückerlangl. Weicht jedoch der Verlauf von der Norm ab, oder sind Complicationen eingetreten, so ist die Vorhersagung wenig günstig, im besten Falle zweifelhaft, unter solchen Umständen zieht sich die Dauer der Krankheil sehr in die Länge und häufig ist ein letaler Verlauf zu befürchten. Günstiger stellt sich die Prognose bei schweren Erkrankungen, wenn sich die Patienten in gutem Nährzustande belinden, wenn sie sich einer guten Wartung und Pflege erfreuen und wenn sie einer zielbewussten Behandlung theilhaftig werden.
Therapie: Bei geringem Grad des Leidens wird es genügen, ein passendes diätetisches Verhalten einzuschlagen. Zu diesem Behüte reicht man den Patienten leichtes, kräftiges Futter, etwa Grünfutter. Kleienschlapp. Schrot. Mohrrüben etc.; speeiell die letzteren leisten wegen ihres Zuekerreichthums sehr gute Dienste. Als Getränke dient etwas abgestandenes Wasser, welches häufig zu erneuern ist. Im Stalle wird eine mäßig warme, doch gleichmäßige Temperatur unterhalten. Zugluft verhütet und reichlich mit gesundem Stroh gestreut.
Es empfiehlt sich, mehrere an Druse erkrankte Pferde nicht in einem Stalle zusammen stehen zu lassen, ebenso soll ein Thier.
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]^4.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Speeieller Theil.
welches seiiwer erkrankt ist. von den anderen abgesondert werden. Bei günstiger Witterung können die Patienten mit Vortheil während einiger Stunden im Freien belassen werden.
Trotzdem gewisse Hypologen der Ansicht Ausdruck verleihen, dass nur raquo;die naturgemäße, arzneilose Heilmethodelaquo; bei der Druse helfen kann und wünschen, dass diese Ansieht alle Pferdebesitzer beherrschen möge, raquo;denn so manches vielversprechende Füllen ist durch zurüc-kgetreteue medicinisch vergiftete Druse fürs ganze Leben zum Krüppel gemacht wordenlaquo;, trotzdem werden wir in nur etwas schwereren Fällen der Arzneien nicht gut entrathen können. In Jedem Falle wird man den Kehlgang durch Auflegen eines (lichten Woll- oder Pelzlappens oder eines Polsters warm halten. Zeigt die Geschwulst keine Tendenz zur Eiterung, so reiht man sie mit Schweinefett oder einer der folgenden Salben ein:
Lorbeeröl,
Althrasalbe aa. 500. Zweimal täglich damit die Gesehwulst einreiben ; oiler;
Graue Quecksilbersalbe 2O0, Frisches Rüböl 40-0. oder:
üantharidenpulver 70, Euphorbiumharz 10, Sehweinefett ,152-0. An zwei einander folgenden Tagen damit die Geschwulst einreiben.
Gute Ihenste werden Einathmuiigen von reinen Wasser-därapfen leisten, da diese auf die afficierten Schleimhäute der Respirationsorgane reiz- und spannungsmildernd wirken. Im Falle diese Dämpfe die Schleimhäute noch zu sehr reizen, was speeiell im ersten Stadium der Krankheit möglich ist, so schiebt man deren Anwendung auf 2448 Stunden hinaus. Um die Dampfentwicklung lange zu unterhalten, setzt man dem kochenden Wasser Gerste oder Holzasche, oder auch gewöhnliche Spreu zu.
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Druse der Pferde, Moi'bus glandulosus.
Stellt baldige Eiterung in Ä-USSicht, so genügt die Application hj'dropathiseher Umschläge. Man legt über die Geschwulst einen vielfachen Leinwandlappen, welcher vorher in circa 20grädiges Wasser getaucht und darnach gut ausgerungen wurde. Über diesen Lappen legt man zweckmäßig ein Stück Guttaperehapapier oder Pergament, um Verdunstung hintanzulialten und bedeckt das ganze gut wann. Es genügt, diesen Umschlag zwei- bis dreimal täglich zu erneuern: während des Wechsels bedecke; man die leuchte Stelle mit einer Decke, da sich die Thiere bei dieser Procedur leicht erkälten.
Zeigt sich der Abscess reif, und hat er sich noch nicht selbst eröffnet, so spaltet man ihn mittelst eines spitzen Bistouri (siehe Fig. lü) an der tiefsten Stelle, so dass der Eiter guten Ausfluss hat und behandelt ihn weiter nach den Regeln der Chirurgie, indem man zweimal täglich die Abscesshöhle, sowie das ganze Operationsfeld mit einer lquot;/00igen Subliraatlösung oder ÜVn'geii Carbolsäurelösung irrigiert, darnach in die Öffnung zwecks Offenerhaltung derselben Jodoformgaze stopft und einen Verband darauf legt.
Gegen geringes Fieber wird nichts unternommen, bei heftigem Fieber kann Salpeter, und zwar 10Ibg im Trinkwasser gereicht werden. Bei Verstopfung gibt man Glaubersalz ebenfalls im Tranke oder als Latwerge mit Eibischwurzel, bei Durchfall folgende Mixtur: Leinsamenschleim B0OöOOO. Opiumpulver 24'0. Vor Gebrauch tüchtig schüttein und auf einmal eingeben.
Bei beängstigenden Atembeschwerden infolge des Druckes der Geschwulst auf Kehlkopf und Luftröhre muss der Luftröhrenschnitt ausgeführt werden.
' Bei lang dauernder Eiterung wird man zur Hebung der entschwundenen Kräfte irgend ein Eisenpräparat anwenden, so z. B.:
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Fig. lü.
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In.'irj
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166nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Speeieller Theil.
Eisenvitriol 100. Kalmuswurzel 500. Zur Latwerge zu machen und an einem Tage auf dreimal ein-
zugeben. Die bei der Druse möglichen Oomplicatlonen werden den therapeutischen Vorschiiften entsprechend gewürdigt.
16. Lungenseuche, Pleuropneumonia boum con-
tagiosa.
Die Lungenseuche ist eine dem Binde eigenthümliche In-fectionskrankheit, deren Symptome der Lungenentzündung sehr ähnlieh sind, wodurch sie auch, zum großen Nachtheil der Viehbesitzer, mit dieser oft verwechselt wird.
Die Lungenseuche ist nach der Binderpest die gefürchtetste und verheerendste Infeetionskrankheit. Durch ihren schleichenden Verlauf, der langen Incubationsperiode und das oft gänzliche Fehlen der Symptome bei Beginn wird sie der Schrecken aller Rinderheerden; man kann ihr deshalb nie genug energisch entgegentreten. Für die übrigen Hausthiere, mit Ausnahme der Zielen, dann für den .Menschen ist diese Seuche gänzlich gefahrlos.
Die ersten sicheren Daten über das Vorkommen der Lungenseuche verdanken wir Haller-Hour ge hit in der Mitte des vorigen Jahrhunderts: sie beobachteten dieselbe und beschrieben sie auch als eine schreckliche, ausgebreitete Seuche, die zu jener Zeit in einigen Theilen der Schweiz, Überitaliens, Prankreichs, Süd- und Norddeutsehlands herrschte. Am Anfange dieses Jahrhunderts war die Seuche so ziemlich verschwunden, erst im Jahre 1822 kam sie von Flandern nach Belgien, von wo sie dann nach den Niederlanden. England, Luxemburg, Elsass etc. verschleppt wurde. Von England wurde sie dann in den Fünfzigerjahren nach Amerika, Australien und dem Cap der guten Hoffnung verschleppt, wo sie seither zur ständigen Gefahr für die Viehheerden wurde. In den Donanländern, in Ungarn und in Kussland ist die Lungenseuche ziemlich selten, wohl deshalb, weil in diesen Ländern wenig Vieh ans dem westlichen Europa eingeführt wird.
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Lnngenseachc, Pleuropneumonia boum eontagiosa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 167
Ätiologie: Früher waren die Ansichten über tue Ent-stehungsursachen der Lungenseuche sehr divergierend: die einen hielten eine spontane Entwicklung der Seuche für möglieh und stellten als Ursache alles .Mögliche und unmögliche hin. während die anderen als einzige Ursache die Infection ansahen. Diejenigen. weiche an eine spontane Entwicklung glaubten, beschuldigten schlechtes Futter und Trinkwasser, sumpfige Weiden, gefrorene und gekeimte Kartoffeln, zu kräftige Treberfütterung, feuchte, kalte Witterung, dumpfe Stalle, Xehel. dann auch forcierte Mästung und übermäßige Inanspruchnahme der Milchabsonderung als Ursachen der Entstehung der Seuche. Nun wurde es jedoch durch genaue Versuche erwiesen, dass eine Selbstentwieklung unmöglich ist. und dass die Seuche sich nur einzig und allein durch Ansteckung entwickeln und weiter verbreiten kann, dass also die einzige Ursache die Infection ist.
Lange Zeit war man über den Infectionserreger der Lungenseuche nicht im klaren; Willems land schon 1851 im Exsudate der Lunge mikroskopisch kleine, bewegliche Ivörperchen, die er als den Krankheitserreger ansprach, ebenso wollten Weiss. Zürn und Hai Her das Mikrobion der Lungenseuche in den kranken Lungen entdeckt haben, doch schon nach kurzer Zeit musste mau sich den Irrthum eingestehen. Erst in den letzten Jahren blieb es dem französischen Forscher Arloing vorbehalten, den Ibatsäclilichen Verursacher der Lungenseuche zu entdecken, den er Pneumobacillus liquefaciens bovis benannte. Er stellt kurze, dicke, lebhaft bewegliche Stäbchen dar. die häutig zu kurzen Ketten von 34 Gliedern aneinandergeiagert sind. Der Pneumobacillus hat eine entogene Entwicklung und ist flüchtiger und fixer Natur: er haftet sowohl an der Exspirationsluft und den Hautausdünstungen, als auch an den Exsudaten, den Krankheits-produeten, denSecreten undExcreten und am Blute. Am häufigsten erfolgt die Ansteckung durch die Expirationsluft. obzwar eine Infection durch Vermittlung der pathogenen Secrete nicht selten ist. Die Entwicklung des Infectionsstoffes beginnt mit dem fieberlosen Stadium, in welchem häutig noch gar keine Symptome wabrffenommen werden, und dauert selbst bei den genesenen
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16Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Specieller Theil.
Thieren eiue Zeil lang fort. Es wurde erwiesen, dass selbst durchseuchte Thiere während eines Zeitraumes von 34 Monaten andere Thiere zu inlicieren vermögen. Die Tenacität des Pneumo-bacillus ist eine sehr bedeutende, er erhält sieh durch mehrere Monate lebensfähig und so kommt es dann vor, dass in nicht zweckmäßig gereinigten, inficiert gewesenen Stullen selbst nach 34 Monaten bei Neueinstellungen von Thieren die Seuche wieder ausbricht. Ebenso kann durch Bauhfutter, Streu und Dünger, welche mit den Auswurfsstoffen beschmutzt wurden, sehr leicht noch nach Monaten eine Infection erfolgen. Der Ansteckungsstoff kann auch durch die Luft verbreitet werden, und zwar bis auf eine Entfernung von 80 bis 100 m. bei besonders günstigem Winde bis auf 2C0m und auch mehr.
Die Einsehleppung und Verschleppung der Seuche geschiehI gewöhnlich dadurch, dass kranke Hinder mit gesunden in Ställen, auf Weiden oder sonst wo in Berührung kommen, seltener ist eine Einschleppung der Seuche durch Menschen, während genügend Fälle beobachtet wurden, wo Pferde, die in Seuchenställen gestanden, die Krankheit verschleppt haben. Ist in einem (trtlt;-die Lungenseuche ausgebrochen, so erkranken nicht alle der Infe.ctionsgefahr ausgesetzten Thiere. sondern es gibt einen Theil. der sich als seuchenfest erweist: gewöhnlich beträgt die Zahl der immunen Binder 1520%, doch kommt es auch vor. dass selbst die Hälfte des Bestandes der Ansteckung widersteht. Nach den Versuchen, die von einer Commission in Frankreich in dieser Bichtung angestellt wurden, erkrankten von 100 Thieren 45 an der Lungenseuche. 22 wurden leicht unwohl, während 33 sich als immun erwiesen. Alter. Geschlecht und Kasse sind ohne Jeden Eintluss auf die Infection.
Der Seuchengang ist folgendermaßen: Heim Ausbruch der Seuche erkranken erst einige wenige Thiere. nach einigen Wochen wieder einige, dann immer langsam mehr und mehr, bis alle empfänglichen Thiere erkrankt sind. Köll bemerkt sehr treffend, dass die Infection einer Heerde in steigender Progression erfolgt. Bis aber der ganze Bestand inficiert ist. kann wochen- und monatelang danern. und wird dabei lebhafter Viehwechsel betrieben.
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Lungenseuehe, Pleuropneumonia bourn eontagiosa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Iß'j
wie es in Zucker- und Spiritusfabriken, in Milchwirtschaften etc. der Fall ist, so kann sieh die Seuche leicht einnisten und vollkommen stationär bleiben.
Das Ineubationsstadium ist verschieden lang', es variiert zwischen 8 Tagen und 5 Monaten, gewöhnlich erfolgt der Ausbruch der Krankheit 46 Wochen nach stattgehabter Infection: es wurden aber auch Fälle beobachtet, wo die Incubationsperiode (5, sogar 10 Monate dauerte. Das einmalige Überstehen verleiht den Thieren Immunität für ihr weiteres Leben.
Symptome: Der Beginn der Krankheit lässt sich nur am geschlachteten Thiere erkennen, am lebenden Thiere vergehen oft Wochen, ehe die Erscheinungen dermaßen prägnant sind, dass man die Seuche diagnosticieren kann. Die Thiere fressen wohl weniger als sonst, sind aber ganz munter; bei Kühen nimmt die Milchsecretion nicht ab, dagegen sind die Faces theils ganz dünn, theils ganz trocken, der Harnabsatz ist verzögert und die Thiere ermüden bei der geringsten Anstrengung. In diesem Stadium lässt sieh die Seuche nur selten durch die physikalische Untersuchung der Hmst nachweisen; das einzige. Symptom, welches für die erfolgte Infection zeigt, ist die erhöhte Temperatur, welche auf 4041deg; (.'. in ganz seltenen Fällen auf 42deg; 0 gestiegen ist. Die von Lydtin angestellten Versuche ergaben, dass Rinder, die mit Lungenseuchekranken in demselben Stalle gestanden und eine Bectaltemperatur von 3940'M' zeigten, von der Lungenseuehe schon ergriffen waren, obwohl sich durch die physikalische Untersuchung der Brust noch keine Veränderungen nachweisen ließen, während Thiere mit einer Temperatur unter 39quot; C noch vollkommen gesund waren. Fleming hält jedes Stück Rind für lungensenchekrank. welches in einein inficierten Stalle ist und eine Temperatur von 39-50C zeigt.
Im Verlaufe der Lungenseuche lassen sich ziemlich genau zwei Stadien wahrnehmen: 1. das fieberlose, chronische oder Entwieklungsstad htm und 2. das fieberhafte, acute Stadium oder das Stadium der entwickelten Krankheit.
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1.nbsp; nbsp; Das fieberlose Stadium. Dabei treten die obenerwähnten, vielfach übersehenen Symptome auf, weiters zeigt sieh eigenthümlicher, recht charakteristischer Husten, der kurz und trocken, häutig so schwach ist. dass er nur in unmittelbarer Nähe des Thleres vernommen wird: oft ist es nur ein kurzes. rasches Aushanehen. Dieser Husten ist anfangs selten, gewöhnlich nur des morgens beim Tränken und Austreiben oder beim Erheben des Thieres: später wird er jedoch häutiger gehört und ist nicht mehr kurz, schwach und trocken, sondern dumpf, stark und schmerzhaft, dabei krümmt das Thier den Bücken aufwärts und streckt- Kopf und Hals vor. Nun tritt auch bemerkbares Fieber ein, der Puls wird beschleunigt und gespannt, das Athmen beschleunigt und erschwert, was sieh durch auffallende Bewegung der Nasenflügel und der Flanken bemerkbar macht. Das Haar wird matt und gesträubt, die Hrustwandungen schmerzhaft und sehr empfindlich; die Thiere liegen selten und wenn es der Fall ist. dann mit unterschlagenen Beinen, erheben sich rascher als sonst und husten darnach. Die Fresslust ist vermindert, ebenso die Milchsecreüon, der Harnabsatz und die De-fäcation ist verzögert, die Thiere machen trotz guter Haltung merkliche Rückschritte in der Ernährung.
Wird um diese Zeit eine physikalische Untersuchung des Brustraumes vorgenommen, so Uisst sieh mit ziemlicher Sicherheit die Seuche schon feststellen. Eine Untersuchung ist auch deshalb nothwendig, weil, wenn eine Behandlung vorgenommen wird. nur dies der richtige Zeitpunkt dafür wäre. Die Percussion des Thorax ergibt an den erkrankten Stellen der Lunge die sich aber nicht scharf abgrenzen lassen einen gedämpften, oft leeren Schall, die Auscultation verschärftes bronchiales Athmen und Rasselgeräusche.
Dieses fieberlose Stadium dauert verschieden lang; in der Regel 56 Wochen, mitunter 23 Wochen, nicht selten aber 23 Monate.
2.nbsp; nbsp;Das fieberhafte Stadium. Nun tritt das Fieber erst deutlich hervor. Die Körpertemperatur steigt nicht selten bis auf 42quot; 0. der Puls wird beschleunigt und klein, so dass oft bis zu
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Lungensenehe, Pleuropneumonia bourn contagiosa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;171
80 Schläge in der Minute gefühlt werden. Das Athraen ist sehr erschwert, das Thier atlimet statt 1215mal, 2028mal in der Minute: dabei sind die Athembewegungen deutlicher am Hauche als an den Rippen (abdominales Atlunen). da die Bewegungen derselben dem Thiere bedeutende Sehmerzen verursachen. Das erkrankte Thier liegt nur selten, sondern steht, mit auseinandergespreizten Vorderfüßen ; legt es sieli auf kurze Zeit, so geschieht es mit unterschlagenen Extremitäten, oder so. dass es auf dem Brustbein liegt. Zwingt man die Thiere zum Gehen, so thun sie es mühsam und schleppend. Die Patienten husten häufig, dabei schmerzhaft und schwer; das Flotzmaul wird trocken und heiß, die Hörner, (ihren und Gliedmassen wechseln häulig ihre Temperatur, indem sie bald heiß, bald kühl sind. Die Fresslust ist gänzlich sistiert, ebenso die Rumination und die Milchabsonderung, dagegen ist der Durst sehr lebhaft, auch können die Thiere nur unter Besehwerden und in kleinen, durch Husten unterbrochenen Absätzen trinken. Die Defäeation ist verzögert, die Excremente klein geballt, trocken und häufig mit Schleim umhüllt: der Harn ist dunkel. Die Patienten sind gegen Druck am Rücken und auf der Brust sehr empfindlich, oft dermaßen, dass ein sehwacher Druck am Rücken diese zum Einknicken in den Knien bringt.
Die physikalische Untersuchung ergibt nun dieselben Symptome wie bei Lungen-Brustfellentzündung.
Hat sich die Krankheit schon soweit entwickelt, so ist mit größter Wahrscheinlichkeit ein letaler Ausgang sieher. Der Puls wird noch beschleunigter und schwächer, der Herzschlag pochend, das Atlunen noch mehr erschwert, die ausgeathmete Luft ist häufig übelriechend, der Husten sehr häutig und quälend. Aus der Nase und den Augen stellen sich eiterige Ausflüsse ein. die Haut ist trocken und fest anliegend, das Haar struppig und matt, die Schleimhäute bläulich gefärbt, während sich die Patienten in einem somnolenten Zustande befinden. Es stellen sich nun übelriechende, schmelzende Durchfälle ein, die Thiere magern auffallend ab, werden kraftlos, so dass sie sich nicht mehr auf den Füfien erhalten können. Sie liegen so auf der Seite mit
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J72nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Speeieller Theil.
gestrecktem Halse und offexxem Maule, aus welchem zäher Geifer llielJt. ächzen und stöhnen erbärmüch und gehen schlielilich uuter Erstickungssymptomen elend ein.
Sectionsbild: Der Sitz des Krankheitsproeesses ist die Lunge, das interlobuläre Bindegewebe und seeundär das Rippenfell. Am Anlange der Krankheit werden an der Lunge kleinere oder größere Entzündungsherde wahrgenommen, welche sich derb und fest anfühlen und auf recht charakteristische Weise von Binde-gewebszügen umgeben werden, welche infolge seröser Inültratiou verbreitet sind und reine gelbliche Farbe haben. Im weiteren Stadium zeigt die Lunge ein marmoriertes Aussehen, wird fest und luftleer, was ein Untersinken der erkranktun Theile im Wasser zur Folge hat. Aber nicht nur das specitische, sondern auch das absolute Gewicht der Lunge wird größer, so dass das Organ 1U20% wiegt. Es erfolgt nämlich ein Lympherguss in das interlobuläre Bindegewebe, der sich dann ins Zellgewebe fortsetzt und eine bedeutende Vergrößerung der Lunge veranlasst. In den allermeisten Fällen werden die Symptome einer Brustfellentzündung wahrgenommen, das ßippenfeli ist mit hautartigen. meist leicht abziehbaren Massen bedeckt, die oft eine Dicke von 2 cm besitzen. Alsdann findet man auch in der Brusthöhle gewöhnlich ein lichtgelbes, llüssiges Exsudat, welches eiweißreich und häufig durch käsige Flocken getrübt ist. Dies Exsudat beträgt oft 102U/. In den großen Bronchien findet man eine schaumige Flüssigkeit, während die kleineren Aste theilweise mit flockigen Massen belegt sind, die die feinsten Bronchien und die Luft-röhrenäste der erkrankten Partien ganz verstopfen.
Bei Genesung oder chronischem Ausgange sind folgende Fälle möglich: 1. Resorption der Exsudate, wodurch die Lunge wieder wegsam wird: 2. Fortschreitung des Processes im inter-lobulären Bindegewebe, infolge des Druckes der verdichteten Bindegewebsmassen auf die Gefäße leberartige Verhärtung (Hepa-tisation) der erkrankten Lungenstücke; 3. Sequestration der durch Eiterung abgelösten Lungenstücke. Infolge Einwirkung des Eiters werden solche abgekapselte Lungenstücke häutig zu Brei umgeändert, worauf dann solche Kapseln viel Ähnlichkeit mit ab-
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gesackten Abscessen baben. Bricht soldi ein Herd in einen Bronchus durch, so entsteht faulige Zersetzung und infolge dessen Nekrose der Umgebung. In anderen Fällen kommt es zu reichen Bindegewebswueherungen und schließlich zur Umwandlung ganzer Lungenabschnitte in eine gleichartige, dichte, knorpelähnliche Masse (Obolescenz).
Charakteristisch ist es für die Lungenseuehe, dass gewöhnlich nur ein Lungenflflgel von der Krankheit ergriffen, das Gewebe des anderen gewöhnlich auffallend gut erhalten ist.
Diagnose: Eine sichere Diagnose der Lungenseuche am lebenden Thiere zu stellen, fällt sehr schwer, wenn eine Einschleppung der Seuche nicht eonstatiert werden kann. Speciell im Anfangsstadiura hat diese Infectionskrankheit viel Ähnlichkeit mit der Lnngenentziindnng. mit der sie auch häufig verwechselt wird. Dm eine vorlässliche Diagnose zu erhalten, wird es in zweifelhaften Fällen noting sein, die Section eines gefallenen oder zu diesem Behufe getödteten kranken Thieres vorzunehmen. Eine Handhabe hei der Diagnose bietet auch die Art der Verbreitung dieser Seuche in einem Stalle.
Vor einigen Jahren stellte Arloing einen Stoff aus den Culturen des Bacillus liquefaeiens her. der nach subeutaner Injection bei Rindern. Ziegen und Meerschweinchen entziindungs-erregend wirkte. Die Wirkung ist jedoch schwächer als die der reinen ans der Lunge hergestellten Lymphe und der natürlichen üulturflüssigkeit. Arloing kam zu dem Schlüsse, dass lungen-seuchenkranke hinder gegen den Stoff deutlicher reagieren als gesunde und spricht demselben einen diagnostischen Wert zu: Den Stoff nannte Arloing Pneumobacillin.
Das Verfahren ist namentlich bei frischen Seuchenherden mit Erfolg anzuwenden, ganz besonders werden Thiere mit umschriebenen Läsionen frühzeitig erkannt, welche nach kurzem Unwohlsein wieder gesund aussehen und das Virus lange Zeit in den Sequestern aufbewahren können, wodurch sie eine große Gefahr für die übrigen Bestände bilden. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Anwendung des Pneumobacillins für die Diagnostik der Lungenseuche eine aufmerksamere und um-
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fassendere Beobachtung erfordert, als diejenige des Tuberculins. Außerdem gestattet im allgemeinen die Temperaturreaetion für sich allein ein definitives ürtheil nicht. Man muss vielmehr alle Momente der charakteristischen Gesammtreaction Temperatur. Puls und Athmung und dazu die organischen Reactionen beiziehen. Besteht die Temperatur- und Athmungsreaction, und ist die letztere bedeutend, so ist das Vorhandensein von Lungen-seuehe soviel wie sicher. Erleichtert wird die Diagnose, wenn die charakteristische Gesammtreaction alle drei .Momente aufweist. und noch sicherer wird sie. wenn sie von stark hervortretenden fünctionellen Störungen des Dillsen-, Muskel- und Nervensystems, des Verdauungs- und Athmungsapparates etc. begleitet ist. Vom Momente der Impfung sind während 8 12 Stunden alle zwei stunden vollständige Beobachtungen vorzunehmen. Von der Anwendung des Pneumobacillins ist bei jenen Thieren Abstand zu nehmen, welche irgendwie acut erkrankt sind oder sonst augenscheinlich vorübergehende Störungen aufweisen
Prognose: Ein bösartiger Verlauf wird bewirkt: 1. durch den Aufenthalt der Rinder in schlecht gelüfteten, dunstigen und überfüllten Stallungen: 2. durch mastige Ernährung der Tbiere; ;?. durch sehr heiße oder rauhe Witterung: 4. tritt die Seuche in einer Gegend zum erstenmal auf, so ist der Verlauf fast immer ein schwererer, als an Orten, wo sie enzootisch herrscht; ö. bei jungen, kräftigen, gut ernährten Thieren ist der Verlauf in der Regel stürmischer und ungünstiger als bei alten, schwachen Rindern.
Die Prognose ist immer sehr ungünstig, denn die Mortalität beträgt 3050%, nicht selten steigt sie auf 70%. während sie in den allergünstigsten Fällen 15% betrug. Dazu kommt noch die Thatsache, dass viele Thiere nur unvollständig genesen und dadurch aicht nur deren ökonomischer Wert sehr beeinträchtigt wird, sondern auch fortgesetzt Anlass zu neuer Infection geben können. Es kommt auch vor. dass einige Thiere durcli-seuchen. dann aber infolge der Nachkrankheiten, die bei dieser Seuche besonders häufig sind, langsam dahinsiechen. Aus all niesen Gründen ist die Lungenseuche nach der Rinderpest mit
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Recht dio gefürchtetste Seuche. Zur Illustration des Gesagten
mögen folgende Zahlen dienen: Vom Jahre 18301840 hat Holland nicht weniger als 64.000, Eheinpreußen von 1833 bis 1845 aber nicht weniger als 100.000 Stück' Kinder an der Lungensenche verloren. In Belgien beträgt der jährlich durch die Lungenseuche bedingte Schaden circa 2 Millionen Franken: in Preußen wird der jährliche Schaden auf 612 .Millionen Mark geschätzt. In England sollen im Jahre 1860 allein 187.000 Rinder im Werte von 19 Millionen Gulden der Seuche erlegen sein.
Therapie: Selbst wenn therapeutische Versuche nicht durch das Gesetz verboten sind, kann man ihnen nicht das Wort sprechen, da bisnun von keinem der vielen angepriesenen Mittel nur der geringste Erfolg zu erwarten ist. Versucht wurde vieles, genützt hat leider noch nichts, so dass es nicht nur vom Standpunkte des Veterinärs, sondern auch von dem des Viehbesitzers am rationellsten ist. das noch gesund scheinende Vieh der Schlachtbank zuzuführen, die schon erkrankten Thiere ohueweiters zu keilen. Nur so wird jeder weiteren Infection die Grenze gezogen.
Man versuchte Aderhiss. Eiterbänder an die Brustwandungen und in den Trieb, das Nießwurzsteeken in letzteren, scharfe Einreibungen, selbst das Glüheisen, doch alles ohne Erfolg. Innerlich gab man Brechweinstein. Pottasche. Purganzen. Digitalis. Metallsalze, dann Alkalien. Arsenik. Carbol- und Salicylsäure etc. mit. demselben Nichterfolg, wie die äußeren Mittel. Auch das von Haubner vorgeschlagene Theerwasser kann nicht empfohlen werden.
Prophylaxe: Sie wird sich bei der Lungenseuche darauf beschränken, kein Vieh aus seuchenverdächtigen oder solchen Gegenden zu beziehen, wo diese Krankheit enzootisch herrscht. Das beste Vorbauungsmittel besteht jedoch darin, alles neuangekaufte Vieh durch mindestens zwölf Wochen in Contumaz-stallungen unterzubringen und erst dann mit dem anderen Vieh zu vereinigen, wenn es sich nach dieser Zeit als gesund erweist.
Impfling: Der praktische Wert der vom niederländischen Arzte Willems im Jahre 1852 empfohlenen Impfung kann heute
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nach den umfasseaden Versuchen von Schütz und Steffen als vollkommen erwiesen betrachtet werden. Sie ist nicht nur ein Schutz-, sondern auc-li ein wirksames Tilgungsmitte! und wird angewendet an noch gesund scheinenden Rindern schon verseuchter, und ;iii Rindern vollkommen seuchenfreier Bestände, das ist sowohl als Xutli-. als auch als Schutzimpfung. Durch Ausübung der Impfung wird die Mortalität auf 13%nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nach Haubner auf 2% - gedrückt, während der Verlast an Schwanzquasten der Ort, wo die Impfung gewöhnlich vorgenommen wird 5- 15quot;/'o beträgt. Trotzdem ist die Lungenseuchenimpftmg nicht, in Gegenden rathsam, wo die Seuche selten auftritt, weil, abgesehen von den Verlusten, die durch sie veranlasst werden, die Seuche dadurch heimisch gemacht wird, und auch von den Impflingen verschleppt werden kann. In Gegenden, wo die Seuche häufiger auftritt, oder gar epizootisch herrscht, ist die Impfung ein großer Segen für die Viehbesitzer und Landwirte.
Die impfimg wird folgendermalJen ausgeführt: Als Impfstoff dient die aus der zerschnittenen Lunge eines im fieberlosen Stadium gekeilten Thieres von selbst heraustropfende Flüssigkeit. Diese wird in möglichst frischem Zustande, nachdem sich ein Gerinsel ausgeschieden hat, von welchem die Lymphe abgegossen wird, verwendet. Nachdem die Haare von der Impfstelle geschoren sind, und eine gründliche Desinfection derselben vorgenommen wurde, wird die Impfung, 8- -10 cm von der Spitze entfernt, am Schwänze vorgenommen, indem man einen, selten zwei Einstiche mit der Impfnadel macht: in letzterem Falle beträgt die Entfernung der Einstiche von einander 35 cm. Die Impfung, die immer unter Beobachtung antiseptischer Cautelen ausgeführt werden muss, wird auch hie und da am Triel vorgenommen, wo die Wirkung wohl rascher eintritt, aller mit solcher Gefahr verbunden ist. dass sie nicht räthlich erscheint.
An der Impfstelle bildet sich eine Geschwulst, die gewöhnlich einen langsamen Verlauf zeigt: bisweilen kommt es auch vor. dass der Verlauf ein stürmischer ist. so dass selbst ein Theil des Schwanzes brandig wird, abstirbt und abfällt. Wird die Impfung zu hoch vorgenommen, oder in besonders .schweren
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Fallen, kann es vorkommen, class die Geschwulst auf den After und das ganze Hintertheil des Thieres übergreift und dadurch zum Tode führt. Es empfiehlt sich deshalb, bei größerer Ausdehnung der Geschwulst die Anwendung von kühlenden Lehm-anstrichen. in manchen Fällen baldiges Scarificieren.
Sechs bis acht Wochen nach der ersten Impfung empfiehlt sich die Vornahme einer zweiten, etwas oberhalb der ersten Impfstelle, wodurch die Thiere vollständige Immunität erhalten.
Die von Thiernesse und Degive empfohlene intravenöse Impfung soll ungefährlich sein und die Impflinge ebenfalls immun machen. Ziemlich schwierig ist aber die Ausführung.
Von großem Einfluss auf den Impferfolg ist es. dass die Thiere sofort nach derselben sehr diät gehalten werden, für Eeinlichkeit und frische Luft im Stalle genügend gesorgt, und auf regelmäßige Darmentleerung geachtet wird.
Die aus einer normalen Impfgeschwulst durch Einschnitte heraussickernde Flüssigkeit kann zu seeundären Impfungen benützt werden: sie soll gleiche Schutzkraft verleihen, dabei milder und schneller als die aus der Lunge gewonnene Lymphe wirken. In der letzten Zeit machte Leistikow Versuche um durch Impfung von Kälbern Lungenseucheljmphe zu gewinnen. Er impfte 3 4 Monate alte Kälber mit dem Serum aus den Lungen kranker Linder, tödtete bei befriedigender Reaction das Kalb und sammelte die gelbliche, last klare Flüssigkeit, welche sich in der Unterbaut nach deren Öffnung allmählich ausschied. Die mit dieser Lymphe angestellten Versuche ergaben bisher positive Ergebnisse.
Veterinärpolizei. Österreich: Gesetz vom 17. August 1892. ß. G. Hl. Nr. 142, betreffend die Abwehr und Tilgung der Lungenseuche der Linder. Ungarn: Gesetz vom Jahre 1896 über die Ausrottung der ansteckenden Lungenseuche. Deutsc h-land: S 45 des Reichsgesetzes vom 23. Juni 1880.
17. Kopfkrankheit der Rinder, bösartiges Katarrhalfieber.
Es ist eine dem Rinde eigene Infeetionskrankheit. deren Erscheinungen ähnlich einer Diphtherie der Nase und des Kehl-
Kästcnbauin, Grundriss der Thierseuchen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; j2
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kopfes sind. Die Kopfkrankheit tritt theils sporadisch, theils epiderniseh auf, befällt zumeist Junge wohlgenährte Thiere; dabei zeig'en solche vveibliehen Geschlechtes eine größere Disposition zur Erkrankung als männliche Thiere.
Ätiologie: Früher wurden äußere Momente als die Krank-heitsursache angenommen; so glaubte man. dass die Kopfkrank-heii entstehen konnte durch Einwirkung von raschem Temperatur-weehsel auf verweichlichte Thiere. durch direct den Kopf und die Nase treffende Zugluft, durch Besuch der Weide an nebeligen, kalten Tagen etc. Obwohl der Infectionsstoff bis heute noch nicht näher bekannt ist. so ist aus dem Auftreten und dem ganzen Verlaufe der Krankheit zu schließen, dass wir es auch liier mit einem specifischen Infectionserreger zu thun haben, dessen Entdeckung früher oder später wohl gelingen wird. Obige Einwirkungen sind zwar auf das Entstehen der Kopfkrankheit von Wichtigkeit, aber nur insoferne, als diese Erkältungen herbeizuführen imstande sind, und Erkältungen erwiesenermaßen die Entstehung dieser Krankheit begünstigen. Es sind also keine ätiologischen, sondern prädisponierende Momente. Der Infectionsstoff entwickelt sieh in schlecht ventilierten, unreinen Ställen, in welchen der Untergrund durch die thierischen Auswurfstoffe gänzlich verjaucht ist; außerdem scheint er auch im Trinkwasser von Brunnen vorzukommen, die sich in der Nähe von Dünger- oder Senkgruben belinden. Die Ansteckungsfähigkeit der Kopfkrankheit ist eine geringe. Die Incubationsperiode beträgt B4 Wochen.
Symptome: Im Beginne stellt sich zumeist Schüttelfrost ein. dem bald eine Steigerung der Temperatur auf 4(1. manchmal auch 42:' (' folgt. Dabei ist das Sensorium der Thiere eingenommen: sie stellen ganz betäubt da. der Kopf, die Hörner und Extremitäten sind heiß, das Flotzmaul nicht mehr feucht und perlend, sondern trocken und rissig. Das Haar ist rauh und gesträubt, die Putteraufnahme ganz unterdrückt, dagegen der Durst sein- lebhaft; er kann jedoch häufig infolge Lähmung der beim Schlucken in Function tretenden Theile nicht befriedigt werden. Bei Kühen versiegt die Milchseeretion gänzlich. Am
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Kopfkrankheit der Rinder, bösartiges Katarrhalflebernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;17'j
Anfange stellt sich Verstopfung ein, die Paces sind trocken und
worden verzögert abgesetzt, während später Durchfall eintritt und der Koth äußerst übelriechend wird. Die Nasenschleimhaut ist geschwollen und hoch geröthet, der Ausfluss dünn und wasserhell; nach einiger Zeit merkt man auf der Nasenschleimhaut leicht blutende Geschwüre und diphtheritischen Belag, wobei der Ausfluss missfärbig, blutig, diele und schließlieh stinkend und ätzend wird. Die Nasenränder werden durch diesen verschmiert und nicht selten wund. Das Athmen ist röchelnd und schnarrend, bisweilen so ersehwert, dass Erstiekungsanfälle eintreten. Die Maulschleimhaut ist auch entzündlich geröthet und auf derselben nimmt man Blutergüsse und Geschwüre wahr; dabei Hießt reichlicher Speichel aus dem Maule, welchem ein übler Geruch anhaftet. Infolge Entzündung der hornbildenden Theile werden die Hörner und Klauen schmerzhaft und lösen sich nicht selten los. In keinem Falle fehlen die Erscheinungen einer Bindehautent-ztindung (Conjunctivitis): die Augenlider sind mehr oder weniger stark geschwollen, die Thränensecretion reichlich. In vielen Fällen schließt sich daran noch eine Trübung der Hornhaut, wodurch die sonst durchsichtige Cornea bläulich und undurchsichtig wird: manchmal besteht auch eine Entzündung der Regenbogenhaut (Iritis). Nur in ganz seltenen Fällen pflegen die Leiden der Augen so schwer zu sein, dass das Thier das Augenlicht verliert, und dauernd blind bleibt. Die nicht scheu in Mitleidenschaft gezogenen Nieren und die Blase verursachen dann, dass der übrigens spärlich abgesetzte Harn blutig erscheint. Das hohe Fieber bedingt ein rasches Abnehmen der Kräfte, die Patienten magern ab. können sich kaum stehend erhalten, erscheinen bisweilen ganz bewusstlos und gehen sehießlich unier Convulsionen an vollständiger Entkräftung zugrunde. Manchmal erscheinen die Thiere, besonders wenn große Athemnoth besteht, sehr unruhig und ungeberdig, und kommt es dann auch hie und da zu richtigen Tobsuchtsanfallen.
Sectionsbild: Die Schleimhaut der Nase, des Maules, des .Rachens. Kehlkopfes und die der Stirn-und Hornzapfenhöhlen ist gewulstet, entzündet und mit diphtheritischen und croupösen
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Auflagerungen verseilen. Ebenso zeigt sich auf der Magen- und Dannschleünhaut eine Schwellung und diphtheriseher Belag. Die Nieren .sind fettig entartet, .so auch die Leber und Theile der Musculatur. Außerdem bemerkt man eine Hyperämie der Gehirn-mid Rückenmarkshäute, raanchmal auch Blutaustritte ins Gehirn und ßückenmark.
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Leiter'scher Kühlapparat.
Prognose: Die Kopfkrahkheit verläuft immer acut. Sind die Verhältnisse solche, dass Genesung ausgeschlossen erscheint. so erfolgt der Tod schon nach 47 Tagen: wenn amlerseits aber die Entzündungen nicht zu heftig und ausgebreitet sind, so geht das Fieber langsam zurück und die Thiere sind nach 3_5 Wochen genesen. Häufig geht jedoch die Krankheit während 810 Tagen schon zurück, so dass Heilung in Aussieht ist.
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Ransehbrand, Emphysema infectiosum.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;181
tla tritt plützlieli eine Kecidive ein. Im allgemeinen ist Vorhersagung zweifelhaft, da sie fast immer ungünstig ist; in besonders günstigen Füllen geht nur die Hälfte aller Kranken ein. während fiir gewöhnlich circa 7.quot;)% der Patienten der Seuehe unterliegen.
Therapie: Vor allein bringe man die kranken Tliiere in einen niehl zu kühlen, trockenen und zugfreien Stall, gebe ihnen gutes, leicht verdauliches Futter und mit Salzsäure angesäuertes, allgestandenes Wasser. Auf den liopf Stirne und Genick gebe man kalte Umschläge oder Eisbeutel. Besonders empfehlens-werl ist die Benützung eines Leiter'schen Kühlapparates (siehe Fig. 17laquo; u. A |. womit man die Kühlung am intensivsten und dabei am einfachsten durchführen kann. Auch öfteres Besprengen der Thiere mit Terpentinöl oder Kampferspiritus und nachher! ges kräftiges Frottieren und Bedecken mit wollenen Decken möge nie unversucht gelassen werden; ebenso das Einpacken in nassen Tüchern nach bekannter Methode. Empfohlen werden weiters Carbolsäure-Inhalationen {10 g der reinen Säure auf 8/ kochendes Wasser), dann innerlich dreimal täglich je 5 g reine Carbolsäure, welcher man zuerst etwas Spiritus zusetzt und dann mit 250300^ Wasser verdünnt: weiters Breehweinstein und Salmiak in schleimigen Abkochungen, Chinarinde, beim Sinken der Kräfte Kampfer oder Äther auf entsprechende Weise.
In prophylaktischer Hinsicht empfiehlt sieh gründliche Desinfection der Stallungen, gute Ventilation und. zur Hintanhaltung fernerer Verjauchungen des Bodens, ein zweckmäßiges, undurchlässiges Pflaster.
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18. Rauschbrand, Emphysema infectiosum.
Der Rauschhrand ist eine dem Rinde speeifische, höchst acute Infectionskrankheit. welche sieh durch die Bildimg von Geschwülsten unter der Haut charakterisiert, die beim Darüber-streichen rauschen. Diese seit lauger Zeit bekannte Krankheit wurde bis in die Achtzigerjahre für eine Milzbrandform gehalten, die man raquo;Milzbrandemphysemlaquo; nannte, und als solche auch in den hehrbüchern besehrieb. Den eineehenden Studien von Ar-
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182nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Speeidler Theil.
loing, Oornevin and Thomas in Frankreich einerseits und denen der deutschen Forscher Peser und Bollinger anderseits, verdanken wir die Biehtigstellung dieser falschen Ansicht. Dein-nach ist der Rauschbrand keine Milzbrandform, sondern eine Krankheit ganz eigener Art, welche durch ein specifisches Bacterium verursacht wird, welches vom Bacillus anthracis roll-koinmen verschieden ist.
Der Rauschbrand tritt vorzugsweise im Sommer und Herbst am'iiml ist in manchen Gegenden schon heimisch. In Österreich sind es besonders Salzburg. Vorarlberg, Tirol und Karnten, welche von der Seuche alljährlich heimgesucht werden, während Deutschland, Oberbayern, Franken. Baden. Oldenburg, Holstein. Württemberg und die Rheinprovinz fast ständige Seuchenherde bilden. Vom Auslande sind es die Schweiz. Frankreich, Oberitalien, Belgien und Algier, wo der Rauschbrand nicht zu selten vorkommt.
Ätiologie: Der Rauschbrandbaeillus (siehe Fig. 18) ist
zum erstenmale im Jahre 1870 von Feser und
Bollinger nachgewiesen worden. Am leichtesten
%nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; findet man die charakteristischen Stilbchen bei der
^r^\ inikroskopischen I ntersuchnng des aus dem Ünter-
wPf1-' * hautzellgewebe und den infiltrierten Muskeln er-
^^ halteiien serös-blutigen Saftes. Diese ;-? --7 [J- langen.
quot;'quot;'quot;''',',quot;.....'quot; 0-.quot;) 0-7. manchmal 1 [i. dicken Rauschbrand-
bacillon,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;k
bacillen zeigen eine mäßig lebhafte, rotierende oder schlängelnde Eigenbewegung, die wahrscheinlich von den zahlreich anhaftenden Geiseln abhängig ist. Die Bacillen des Rauschbrandes stellen einfache, gerade, dünne, an beiden Enden abgerundete Stäbchen dar. welche in der Mehrzahl an einem Ende eine stark glänzende, ovale Spore, die dicker als der Bacillus selbst ist. tragen. Innerhalb des infieierten Thierkörpers bilden sich diese. Sporen schon während des Lebens (entogene Sporen-bildung), wenn auch nur spärlich: sehr zahlreich ist die Bildung 24- 48 Stunden nach dem Tode des Thieres. Die Eausch-brandbacillen sind exquisite Anaeroben, welche zu ihrer Ent-wicklune des Sauerstoffes nicht bedürfen; im Gegentheile, die
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Eauselibrand, EmpbysGma infeetiosum.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 183
Anwesenheit derselben wirkt direct schädlich; sie wachsen auf den gewöhnliehen Nährböden, am besten bei einer Temperatur von 36- 38quot; C und entwickeln dabei Gase, welche auch das Knistern der Gesehwülste veranlassen. Die Tenacität des Virus ist eine bedeutende; sie ist größer bei eingetrocknetem als bei frischem Virus. Nach den Versuchen von Ärloing, Cornevin und Thomas bedarf es folgender Einwirkungen, um den frischen Ansteckungsstoff zu vernichten: eine Temperatur von 80quot; C durch zwei Stunden, oder von 100deg; 0. durch 20 Minuten: um trockenen Virus zu vernichten eine Temperatur von 110deg; C während sechs Stunden. Die Virulenz wird während einer 48stündigen Einwirkung von folgenden chemischen Agentien zerstört: Sublimat (1:5000), Salicylsäure (1:1000), Thymol ( 1 : 800). Carbolsäure l 1: 50), Borsäure (l : 5), Salzsäure (1 : 2) etc. Auf frisches Virus wirken außerdem zerstörend: Chlorgas. Schwefelkohlenstoff, verdünnte Schwefelsäure, Jodwasser, salicyl-saures Natron u. a. Vergrabene Cadaver behalten durch mindestens sechs Monate ihre Virulenz. Durch längere Einwirkung höherer Temperaturen oder gewisser chemischer Stoffe lässt sieh eine Abschwäclmng des Virus herbeiführen, wird dieses jedoch auf neugeborene Meerschweinchen übertragen, so wird dessen Virulenz wieder regeneriert. Das Eausehbrandgift ist fixer ^'atur und befindet sich gewöhnlich in den blutig infiltrierten Muskeln und Geschwülsten, außerdem im intrarausculären Bindegewebe. in der Leber. Milz, Lunge, in den Nieren und Lymphdrüsen. Der Eausclibrandbaciilus lässt sich durch Impfung mit tödtlichem Effect auf folgende Thiere übertragen: Kinder, Ziegen, Schafe. Meerschweinchen; Pferde. Esel und weiße Ratten weisen nur örtliche Anschwellungen auf, die bald verschwinden. Schweine. Hunde und die gewöhnlichen Ratten sind immun. Während sich der Rauschbrand durch Impfung auf andere Thiere übertragen lässt, ist eine direete Übertragung von Thier auf Thier noch nicht beobachtet worden. Damit aber die Impfung von Erfolg sei. ist es von Wichtigkeit, eine bestimmte Impfart einzuhalten und eine genügende Menge des Virus einzuführen. Die in dieser Hinsicht von Arloing, Cornevin und Thomas erhaltenen Resultate
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ergaben liei Benützung des ans den .Muskclgosdiwiilsüni enl-nommenen Virus Folgendes: Die subeutane oder intramusculäre luipt'ung großer Mengen des Impfstoffes veranlasst sehr umfangreiche Geschwülste an der Impfstelle und tödtliehen Ausgang: mittlere Dosen des Virus auf dieselbe Weise injiciert, verursachen mehr oder weniger von der Lrapfstelle entfernt, ebensolche Geschwulst und letalen Verlauf, während sich bei der Einspritzung ganz kleiner Mengen nur geringe Temperaturerhöhung, Appetitmangel und Mattigkeit einstellen: ein neuerlicher Infectionsversiieh bleibt darnach gewöhnlich erfolglos. Nach intravenöser hnpfung zeigen die Impflinge während einiger Tage obige Erscheinungen. es bildet sich keine Geschwulst, und nach dieser Zeit sind dieselben immun; ebenso wirkt die tracheale [inpfung. Eine Infection jier os gelingt nicht. Erwähnenswert ist es. dass das Rausch-brandvirus den Placentarkreislauf passieren kann, so dass es vom trächtigen Mutterthiere auf den Fötus Obertragen weiden kann.
Wie bei allen anderen [nfeetionskrankheiten ist es auch hier für das Zustandekommen einer Infection nothwendig. dass das Virus bei der passenden Infectionspforte eindringt. Diese Infeetionspforten sind entweder bis in das Bindegewebe reichende Verletzungen der Haut und Schleimhaut oder die Athmungsorgane, von wo aus der durch Aspiration aufgenommene, eingetrocknete Infectionsstoff ins Blut gelangt. Dadurch wird es nun auch erklärlich, weshalb die Thiere so häufig während des Zahnwechsels erkranken. Auch eine Disposition macht sich bemerkbar; Binder im Alter von ' 2 bis 4 Jahren, dann solche, die jung und wohlgenährt sind, erkranken leichter. Saugende Kälber sind immun; Arloing, Oornevin und Thomas nehmen als Ursache dieser Immunität die animate Nahrung, welche die Kälber bis zu ihrer Absetzung aufnehmen.
Das Incubationsstadium beträgt bei Impfungen 13 Tage, auch 5 Tage, bei natürlicher Infection 25 Tage.
Symptome: In manchen Fällen treten zuerst die Geschwülste auf, während ihnen in anderen Fällen einige Allgemeinerscheinungen vorausgehen. Die Thiere werden matt und traurig. Fresslust und Wiederkauen sind sisliert. das Flotzmaul ist trocken und
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Raaschbrand, Emphysema infectiosum.
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wann, die Fußenden kalt, der Gang wird hinkend; manchmal bestellt Trommelsucht in größerem oder geringerem Grade und Kolik, wobei dann die Patienten stöhnen und unruhig sind. Nach diesen Symptomen treten dann unter deutlichem Fieber Anschwellungen der Haut und Museulatur auf. die zuerst prall gespannt und empfindlich sind, später unempfindlich werden und beim Darüberstreichen knistern, rauschen. Diese anfangs kleinen, nicht scharf begrenzten Geschwülste wachsen rasch zu bedeutendem L'mfange an und geben dann bei Beklopfen einen hellen, tönenden Klang. Am häutigsten kommen diese Geschwülste an Hals. Schultern. Unterbrust. Bücken, Lenden, Oberschenkeln und Geschleclilstheilen vor, während sie am Schweife und vom Vorderknie und Sprunggelenk abwärts nie beobachtet wurden. Beim Einschneiden entleert sich am Anfange eine hellrothe, später eine dunkelrothe, schaumige, mit Gasblasen vermengte Flüssigkeit. Die unter der Haut fühlbaren Lymphdrüsen -sind stark geschwollen. die benachbarte Museulatur ist schwarz und mehr oder weniger ödematös angeschwollen. Während des Wachsens der Geschwülste nimmt die Körpertemperatur bedeutend zu. es herrscht Athemnoth, der Puls ist beschleunigt und klein, die Thiere werden matt und hinfällig, erhalten sich nur schwer aufrecht, schließlich legen sie sich und können überhaupt nicht mehr aufstehen. Die Temperatur sinkt nun unter die Norm, die Haut wird kalt und unempfindlich und nach 36 Stunden bis höchstens 3 Tagen bat die Thiere der Tod ereilt.
Sectionsbild: Die charakteristischen Erscheinungen am todten Thiere sind folgende: Der Cadaver ist von Gasen stark aufgetrieben, die geschwollenen Partien der Muskeln sind braun-roth, schmutzig und knisternd, scharf begrenzt und kohleartig', in der Mitte ganz schwarz. Die schwarzen Theile werden an der Luft röthlich. Das Fleisch zwischen den erkrankten Partien sieht ganz normal ans. Die aus den Muskeln ausdrüekbare schaumige Flüssigkeit besitzt einen stißlichfaden Geruch und brennt angezündet mit schwacher Flamme. Die Lunge erscheint blutreich und stellenweise mit ausgetretenem Blute durchsetzt, auf dem Herzbeutel findet man Bluterffüsse. Die Leber ist manchmal blut-
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reicher, die Milz häufig geschwellt. Das Jilut ist dunkelroth und geronnen, die Ljrmphdrüsen sind vergrößert und hyperämisch,
Prognose: Der Ausgang der Krankheit ist fast immer ein letaler; Genesung ist äußerst selten. Kommt sie zustande, so betrifft sie solche Patienten, die unter nichi besonders hohem Fieber nur ödetnatöse Anschwellungen im ünterhautzellgewebe aufwiesen. Arloing beschreibt eine Form dieser Krankheit, die sieh durch Traurigkeit, Mangel an Fresslust, Trockenheit des Plotzmaules, Zittern, leichte Kolik und Aufblähung charakterisiert, ferner dadurch, dass die Geschwulst wenig entwickelt und tief sitzend ist. so dass sie nicht bemerkt wird. Es ist eine ich möchte sagen verkappte Perm des Rauschbrandes, die fast immer mit Genesung endet. Das einmalige IJberstehen der Krankheit verleiht den betreffenden Thieron Immunität.
Therapie: Die Behandlung der rauschbrandkranken Thiere hat bisnun zu keinem Erfolg geführt: sie ist deshalb nutzlos. Versucht wurde, die Geschwülste tief zu spalten und darnach starke Desinfectionsmittel in dieselben zu bringen. Die damit erhaltenen Resultate erlauben aber keine Empfehlung dieser Methode.
Prophylaxe: Die Erkenntnis, dass der Rauschbrand an gewisse Örtlichkeiten gebunden ist. in deren Boden der Infections-stoff gefunden wird, zwingt uns zur Einhaltung einer gewissen Prophylaxe I Feser). Dieselbe besteht in erster Reihe in der Erhaltung der peinlichsten Sauberkeit in den Stallungen, ferner Vermeidung des Weideganges auf verdächtigen Weiden und Verbesserung dieser durch rationelle Bodendrainage.
Schutzimpfung: Durch cutane Impfung ist der Rauschbrand nicht übertragbar, sondern nur durch subeutane und intra-musculäre Impfung, welche den Tod veranlassen, während die intravenöse injection des Virus nur Allgemeinerscheinungen mit folgender Immunität hervorruft. Darauf stützen sich die Versuche von Arloing, Cornevin und Thomas bei der Feststellung eines Schutzimpfungsverfahrens. Die zu Charmont, dann im Departement de la Hant-Marne-Ain angestellten Versuche fielen sehr günstig ans. Die intravenöse Impfung ist aber schwer durchzuführen und
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Rausehbrand, Emphysema infcetiosiun.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;187
es können leicht üble Zufälle eintreten, indem der Inipfstoff in das perivaseuliire Bindegewebe eindringt. \'on diesem Verfahren kam man zur trachealen linpfimg, wobei der Impfstoff in die Luftröhre injiciert wurde; aber auch diese .Methode ist zu schwierig, um für die Praxis geeignet zu sein. Die franzXisisclien Forscher fanden, dass die charakteristischen Geschwülste niemals an den unteren Gliedmaßen und am Schwänze vorkommen; sie versuchten deshalb am Schwänze subcutan zu impfen und siehe. die Impflinge wurden immun. Hei dieser caudalen Impfung injiciert man den Impfstoff circa drei Handbreiten von der Schwanzspitze. An dieser Stelle kann sich das Virus nicht so leicht weiter verbreiten, außerdem ist die Temperatur daselbst niedriger. An der Impfstelle schert man die Haare, sticht mit einem Troicart circa 8cm lang zwischen Haut und Knochen, um den Weg für die Canüle zu bahnen, welche nach Entfernung des Troicarts sofort eingeführt wird. Ist die Blutung so stark, dass eine Auswaschung des Tmpfstoffes befürchtet wird, so sticht man an einer anderen Stelle ein.
Das von AiToing. Oornevin und Thomas eingeführte Schutzimpfungsveifahren bestellt im zweimaligen Impfen mit schwächerem, darnach mh stärkerem Impfstoff. Die Herstellung desselben geschieht auf die Weise, dass man die aus einer Rauschbrandgeschwulst ausgedrückte Flüssigkeit bei einer Temperatur von 30quot; C trocknet, dann einen Gewichtstheil dieses Virus mit zwei Gewiclitstheilen Wasser vermengt und einen Theil dieses Gemenges bei einer Temperatur von 100quot; C. den anderen bei einer solchen von 85deg; 0 während sieben Stunden im Thermostaten lässt. Das nun erhaltene braune Pulver löst man in Wasser auf. und hat nun den Impfstoff: dabei ist das bei 85n behandelte Gift stärker, das bei 100deg; getrocknete schwächer. Man injiciert dem Kinde nach der oben beschriebenen Art erst 1 cm#9632;' der mit dein bei lOOquot; abgeschwächten Virus bereiteten Lymphe und 58 Tage später wiederum Icm3 des bei 86deg; C abgeschwächten Giftes. An der Injectionsstelle entsteht eine geringe Anschwellung, während Allgemeinerscheinungen fast nie eintreten. Die Impfung wird am besten im Alter von sechs Monaten und im Frühjahr
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vorgenomiiion. Kälber mögen erst einige Wocln-a nach dem Ab-spähnen geimpft werden, da dieselben bei früherer Impfung nicht immun werden (Arloing).
F.s fragt sich mm. wie lange die schützende Wirkung der Impfung anhält. Den angestellten Versuchen zufolge sind die Impfling' während 1217 Monaten absolut immun. Darnach ist die Wiederholung der Impfung empfehlenswert. Werden Thiere in den ersten MonatenderTrächtigkeit geimpft, so erlangt auch der Fötusimmunität.
Kitt fand, dass getrocknetes Bauschbrandfleisch, nach sechsstündiger Erhitzung in strömendem Dampf von 100quot; (' sich in einen zur Immunisierung brauchbaren Impfstoff verwandeln lässt. Eine einmalige Impfung mit dem so zubereiteten Impfstoffe verleiht schon Immunität. Kitt appliciert die Lymphe an der Schulter.
Aus den mit beiden Methoden gemachten Versuchen, sowie aus den statistischen Daten folgt: 1. Die zweimalige, subeutane Einverleibung des durch starke Erhitzung abgeschwächten Rauschbrandvirus vermindert in sehr erheblicher Weise die Empfänglichkeit des Binderorganisraus für den Krankheitserreger. Den statistischen Daten zufolge vermindert die Schutzimpfung die Bausehbrandfälle um wenigstens 80quot; . 2. Die doppelte, in bestimmten Abschnitten stattfindende Impfung mit abgestuften Impfstoffen erwies sieh als besser immunisierend und zugleich gefahrloser, wie die nur einmalige Impfung mit stark virulentem Impfstoff. 3. Die durch die Impfung am Schwänze erzeugte Procentzahl der Bauschbrandfälle ist etwas kleiner als jene bei der Impfung in der Schultergegend. 4. Da bei der Kitt'schen Methode sowohl der Procentsatz der Impfrauschbrandfälle, als der spontanen Krankheitsfälle bei den Impflingen überdies ein höherer ist. als bei der Methode nach Arloing. Oornevin und Thomas. so verdient letztere vorgezogen zu werden, ö. Da auch die Kosten der Impfung ziemlich bedeutende sind, so rentiert das Verfahren niehi bei einer Mortalitätsziffer von 12%, wohl aber bei einer solchen von 510%-
Veterinärpolizei. Österreich: Ministerialverordnung vom 10. April 1885, B. G. Bl. Nr. 54. A. Ungarn, Deutschland: ffleich dem Milzbrande.
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Rinderpest, Pcstis bovina.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 189
19. Rinderpest, Pestis bovina.
Die Rinderpest, in alten Schriften Viehsterben oder Viehseuche genannt, ist eine acute, fieberhafte Infectionskrankheit der
Hinder, lässt sieh jedoch auch auf Schafe und Ziegen, sowie auch auf andere Wiederkäuer (Hirsch. Kameel, Gazellen. Antilopen etc.) übertrügen, deren Empfänglichkeit dafür aber etwas geringer ist. Nach Mitteleuropa wird diese Seuche immer aus den Steppen Russlands eingeschleppt. Wir können diese Thatsache schon seit dem IV. Jahrhundert verfolgen; immer wenn es Krieg gab. in den das östliche Europa verwickelt war. oder bei Völkerwanderungen, die im Osten ihren Ausgangspunkt hatten, dann konnte man auch eine Verbreitimg der Kinderpest nach dem Westen imd südwestlichen Ländern wahrnehmen: so im IX. Jahrhundert während des Krieges Karls des Großen, im XIII. Jahrhundert (lurch den Einfall mongolischer Horden. Im XIV. Jahrhundert war der die Menschheit decimlerende Schwarze Tod von einer schweren Viehseuche begleitet, die wahrscheinlich die Rinderpest war: im XVI. Jahrhundert wurde besonders Italien von dieser Seuche heimgesucht, während am Anfange des XVIII. Jahrhunderts fast ganz Europa verseucht war. Damals (17091 nahm die Seuche ihren Ausgang von Asien und gelangte über Russland. Galizien, Ungarn und die Donauländer, dann 1711 nach Schlesien. Kärnten, Steiermark, Dahnatien und Italien. 1712 nach Prankreich und Deutschland, nach Holland und 17 14 selbst nach England. Der Verlust, den die Seuche damals verursachte, war ein immenser; Faulet schätzt ihn allein in den drei Jahren von 1711 1714 auf LV, .Millionen Rinder. Von dieser Zeit an wurde die Rinderpest in Mitteleuropa fast heimisch: Rinderpestinvasionen waren speciell in Deutschland und Österreich nichts seltenes mehr, und der Schaden, den diese anrichteten, war wahrlich kein geringer. In Niederösterreich allein fielen während der Jahre 17401750 und von 17541780 jährlich 10005000 Stück Rinder der Seuche zum Opfer. Dänemark und Holland verloren in den Vierzigerjahren während 4 Jahren je 200.000 Rinder. Nach einigen Jahren der Ruhe verbreitete sich die Seuche im Gefolge
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190nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Speeieller Theil.
des siebenjährigen Krieges durch das Mitführen der Rinderheerden zur Armeeverproviantiemng von neuem: Holland verlor 1769 drei Viertel seiner Rinder und im letzten Quartale von 1775 wieder an ,'100.000 Stück. Auch in unserem Jahrhundert war die Rinderpest nichl zu selten; während sie in der ersten Hälfte hauptsächlich durch die Kriege (Freiheitskriege) verbreitet wurde, wenn dem Heere zumeist russisches Vieh nuchgetührt wurde, trugen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts die Verkehrs- und Handelsverhältnisse zur Verbreitung der Seuche bei. Wir sehen da die Rinderpest in den verschiedensten Städten und Ländern auftreten und Verheerungen anrichten, bis ihr durch zweckmäßige veterinärpolizeiliche Maßregeln ein Halt geboten wurde. So waren Seuchenausbriiehe in der österreichisch-ungarischen Monarchie seit 1844 fast alljährlich, was bei der geographischen Lage dieses Staates leicht erklärlieh ist: seit 1882 jedoch, seitdem das Gesetz zur Abwehr und Tilgung der Rinderpest und das Einfuhrverbot aus Russland und Rumänien in Kraft getreten ist. sind nur sporadische Fälle, und die in Orten an der Grenze, zu beobachten. In Deutschland folgte den großen Viehtransporten von Osten nach Westen im Jahre 1870 sofort wieder die Rinderpest; nach dem Feldzuge trat das Rinderpestgesetz für ganz Deutschland in Giltigkeit und blieb auch beim Erlassen des Viehseuehen-gesetzes von 1880 als besonderes Gesetz bestehen. Dadurch ist es endlich gelungen, die Einderpest gänzlich zu tilgen.
Heute ist die Rinderpest bei uns lange nicht das Schreckgespenst, welches sie bis vor relativ kurzer Zeit war: tritt irgendwo die Seuche auf, was doch bei der steten Entwicklung des Eisenbahnnetzes nach Osten und der dadurch bedingten Erleichterung und Beschleunigung des Verkehres möglich ist. so gelingt es mit Hilfe der veterinärpolizeilichen Maßregeln, diese wirksam zu bekämpfen, bevor sie großen Sehaden angerichtet hat.
In den letzten Jahren (18961897) war es Afrika, wo diese verheerende Krankheit mit aller Macht unter den Rinderbeständen zum Ausdrucke kam und schrecklich hauste und noch haust; speciell die Oapcolonien in Süd-Afrika werden nun schon während über ein Jahr von derselben heimgesucht. Auch dorthin
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Rinderpest, Pestls boma.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 191
gelangte die Seuche von Asien aus. und zwar über Ägypten und die Besitzungen der Engländer, Deutschen und Portugiesen in Ost-Afrika.
Atiologie: Die Binderpest entsteht im westliehen Europa nur durch Ansteckung: die Frage der originären Entwicklung derselben bei uns muss entschieden verneint werden: dagegen wird von mancher Seite eine selbständige Entwicklung der Seuche in Asien zugegeben. Die Heimat der Rinderpest sollen die Steppen Russlands in Asien und Europa sein: hier soll auch die Krankheit infolge äußerer Einflüsse zur Entstehung gelangen. Nach der Ansicht vorzüglicher russischer Veterinäre ist es nicht mit Sicherheit zu behaupten, dass die Wiege der Rinderpest in Russland gestanden hat, vielmehr wollen sie diese Frage noch als eine offene betrachten, da sieh auch, wenigstens im europäischen ßussland, diese Krankheit als reine Infectionskrankheit erwiesen hat. Mag aber die ursprüngliche Geburtsstätte wo immer sein, das steht fest, dass die Rinderpest in den russischen Steppen fast beständig herrscht und sich von da den Richtungen des Verkehrs entsprechend verbreitet.
Obwohl das Wesen des lufectionserregers noch nicht bekannt ist. unterliegt es wenig Zweifel, dass er der Gruppe der Bakterien angehört. Nach Seramer soll er ein sich in Ketten aneinanderreihender Mikroeoeeus sein, mit dessen Reinculturen es ihm gelang. Rinderpest zu erzeugen; nach SaneIjew ein Mikroorganismus der verschiedene I bergangs-Entwieklungsstufen durchmacht. Klebs hält einen sieh durch bedeutende Größe charakterisierenden Mikroeoeeus für den Erreger der Krankheit. Die jetzt in den Capcolonien herrschende Seuche hat uns der Erforschung der Ursache der Rinderpest wieder näher gebracht. Im November 1896 kam die Nachrieht, dass der von der Cap-colonie angestellte Bacteriolog Dr. Edington den Verursacher der Seuche entdeckt habe. Der sich zwecks Studium der Krankheit dorthin begebene deutsche Gelehrte Robert Koch theilt jedoch in seinem Berichte vom 9. September 1896 an die Regierung der Capcolonien mit, dass die Infectionsversuche. welche er mit den Edington'schen Culturen vornahm, ihm nicht beweisend zu
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sein solieinen. Koeh tat auch mit der Galle der erkrankten Thiere Versuche gemacht, und kam zu dem Resultate, dass auch die von Simpson in Calcutta angeblich entdeckten Bakterien nicht die Ursache der Rinderpest sind.
Trotzdem wissen wir bestimmt, dass der Infectionsstoff ein endogenes Contagium ist und fixer als auch flüchtiger Katar. Die Träger und Zwischenträger des Virus sind verschiedenster Art: es haltet an der Esspirationsluft, an der Hautausdünstung, an allen Körpertheilen kranker und gefallener Rinder, au Blut. Fleisch und Fleischwasser, Milch, Talg, Butter. Hauten. Hörnern. Klauen, an allen Secreten mid Excreten. weiters an Dünger und der Streu der Krankenstätte, an Futterstoffen, welche sich im verseuchten Stalle befinden, an Stallgeräthen etc. Eine Verschleppung des Ansteckungsstoffes erfolgt häutig durch Personen, welche mit pestkranken Rindern in Berührung gekommen sind oder Seuchenställe betreten haben: die eigentlichen Zwischenträger sind vorzüglich die Kleider dieser Personen und die verunreinigte Pussbekleidung. Demgemäß kann die Ansteckung direct, unmittelbar oder indirect. mittelbar erfolgen. Auch durch die Luft kann das Virus verschleppt werden: in freier Luft beträgt der Infectionskreis nicht mehr als lOlöw. doch kann bei bewegter Luft das Virus selbst auf viel größere Entfernungen fortgeführt werden, viel über hundert Schritte durfte diese jedoch kaum betragen. Als Infectionspforte dient dem Contagium in den meisten Fällen der Respirationstractus, Durch cutane, subcutaue und intravenöse Impfung gelingt es. Rinderpest hervorzurufen. Die Tenacität des Infectionsstoffes ist im großen Ganzen keine besonders bedeutende: durch bewegte, trockene Luft wird dessen Virulenz zerstört, ebenso durch die Einwirkung von Temperaturen über 60deg; C und von solchen unter 15deg; C unter Null, weiters durch vollständige Austrocknung, durch vorgeschrittene Fäulnis und Chlor und schwefeligsaure Dämpfe, Garbolsäureetc.; dagegen erhält sich die Virulenz des Rinderpestgiftes durch 45 Monate, wenn es dem Einflüsse der Atmosphäre entzogen ist. Die Empfänglichkeit für die Rinderpest ist bei allen Rinderrassen gleich groß: o), wie von manchen Seiten angegeben wird die Dispo-
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Rinderpest, Pestis bovina.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 193
sition bei den Steppenrassen eine geringere ist, bleibt noch dahingestellt. Einmaliges Überstehender Seuche verleiht den betreffenden Tbieren Immunität. Die Übertragung der Binderpest auf Einhufer und Fleischfresser gelingt nicht, ebensowenig ist einr Übertragung auf den Mensehen möglieh.
Die Incubationsperiode, das heißt die Zeit vom Momente der erfolgten Ansteckung bis zum Ausbruche der Krankheit betrügt bei der natürlichen Infection (37 Tage, bisweilen etwas weniger, bei Impfung 56 Tage.
Symptome: Der Beginn der Krankheit kann mehrere Tage vor dem Auftreten anderer Symptome durch eine Temperaturerhöhung auf 4142quot; (' erkannt werden. Diese von Burdon-Sanderson zuerst beobachtete Thatsache ist von außerordentlicher Wichtigkeit nicht allein für die Förderung, sondern auch für die Praxis, da auf diese Weise die Gefahr der Krankheil schon zu einer Zeit entdeckt werden kann, wenn noch keine ansteckenden Ausscheidungen abgesondert werden, und das Thier noch nicht geeignet ist. die Pesl zu verbreiten. In manchen Fällen sind die Thiere unruhig, schlagen sogar um sich und reiben an den Krippen; in der Mehrzahl der Fälle jedoch stehen sie ruhig und theilnahmslos da. sind matt und hinfällig. Bei .Melkkühen tritt eine auffallende Verminderung der Milchseeretion ein, das specifische Gewicht der .Milch, sowie deren Zucker- und Fettgehalt nimmt bedeutend ab: dieFresslust ist sehr verringert, bisweilen ganz sistiert. die Rumination unterdrückt, der Durst gesteigert, der Kothabsatz verzögert, die Dejeete trocken, dunkel und mil einer Schleim-sehichte bedeckt, der nur spärlich abgesetzte Harn ist dunkel. Die Athmung ist normal oder nur wenig beschleunigt, die Pulsfrequenz bedeutend erhöht, so dass 60100 Schläge in der Minute zu fühlen sind: im übrigen ist der Puls klein und schwach. Der Herzschlag ist schwer fühlbar, die Körpertemperatur ungleich vertheilt und sehr wechselnd: das Plotzmaul ist trocken und rissig, an verschiedenen Körperstellen merkt man ein Zittern der Haut und der .Muskeln. Höchst charakteristisch und wichtig sind die Affectionen der Schleimhäute, und zwar in erster Linie die der Scheidenschleimhaut bei Kühen, weiters die der Augen-,
K astPiibaum, Gnimlri.-s dor ThierscDchen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;]3
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Specieller Theil.
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Maul- iiml Nasenschleimhaut. Era Anfange zeigen sich auf der Scheideaschleirnhaut Flecken und Streifen von ziegelrother, später bordeauxrother Farbe, auf welchen .sich am nächsten Tage gelbliche oder graue, leicht abstreifbare Auflagerungen entwickelt haben, die sich in Erosionen verwandeln, welche leicht abgestoßen werden, worauf sie eine kleine intensiv ruthe Vertiefung hinterlassen. Aus der Seheide Hießt währenddem ein zäher, schleimiger Austiuss. Die Bindehaut der Augen erscheint bald nach Einbruch der Krankheit dunkel gerüthet, die Thränen-absonderung ist bedeutend vermehrt: später sammelt sich ein dickes, schleimig-eiteriges Secret im Augenwinkel und hinter dem unteren Augenlide an. Die schon frühzeitig stark geröthete Maulschleiinhaut secerniert reichlich, so dass sich ans dem .Manie ein zäher Schleim in Fäden spinnt und die Thiere stark geifern, An verschiedenen Stellen der Schleimhaut, vornehmlich auf den Lippen, den Backen, dem Zahnfleische etc. erscheinen etwa linsengroße Flecke, deren Epithel trübe wird und sich lockert, worauf Erosionen, ähnlich denen auf der Scheidensehleimhaut entstehen. welche abgestoßen werden, worauf die darunter liegende Schleimhaut hochroth, rund und leicht blutend erscheint. Auch die Nasenschleimhaut zeigt Veränderungen. Sie ist anfangs stark ge-rothet. gestriemt oder gefleckt, zumeist auch gewulstet; die Secretion ist gesteigert, es bestellt zunächst ein wässeriger, dünner, später gelblicher, schleimig-eiteriger Ansfluss. welcher das Flotz-maul stark verklebt. Auf der Haut werden bisweilen kleine ivnötchen und Pusteln beobachtet, die leicht abschorfen und hauptsächlich an den Schamlippen, am Hodensack, am Enter. an der Innenseite der Hinterschenkel, am Rücken und Halse vorkommen.
Im weiteren Verlaufe der Krankheit nehmen die Symptome zu. sie worden prägnanter. Die Temperatur bleibt constant hoch oder steigt noch auf 4242-40 C; die Mattigkeit. Theilnahms-losigkeit und Abstumpfung der Thiere erreicht die äußerste Grenze. Der Puls wird sehr beschleunigt, die Athmung manchmal selbst stöhnend, die Lendengegend druckempfindlich und die Patienten ffehen aulfallend im Ernährungszustände zurück. Der
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ßinderpes't, Pestis bovina.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 19r)
anfangs selten hörbare, kräftige Husten inaoht einem hohlen Stoßhasten Platz und die Symptome eines Darmleidens treten immer deutlicher hervor. Die Thiere sehen sich häufig nach dem Hinterleibe um, der aufgebläht ist und äußern Kolikerscheiuungen; die Excremente werden breiig, bald dünnflüssig oder schleimig, zuweilen auch mit Blut uatermischt, üulJeist übelriechend und werden unter Zwang und Seh merzen abgesetzt, manchmal jedoch erfolgt der Kothabsatz unwillkürlich, wobei der .Mastdarm vorfällt und dessen stark geröthete, missfarbige Schleimhaut umgestülpt sichtbar wird. 1st das Leiden vorgeschritten, so erscheint der Alter häufig wie gelähmt und bleibt eine Zeitlang nach der Entleerung noch offen. Natürlich wird durch diese Durchfälle der Kräfteverfall bedeutend beschleunigt. Trächtige Kühe abortieren auch gewöhnlich.
Führt die Krankheit zum Tode so werden die Erscheinungen noch heftiger. Die Patienten liegen fast immer, oder stellen bodeneng mit aufgekrümmtem Rücken und ausgestrecktem Halse, der Herzschlag wird ganz unfiihlbar, der Puls klein, häufig aussetzend, das Athmen erschwert und unregelmäßig: die Augen sind eingefallen, haben einen matten, traurigen, manchmal stieren Blick, die Haut wird trocken, pergaraentartig, das Haar struppig und glanzlos. In einigen seltenen Füllen entstehen unter der Haut des Halses oder des Rückens Emphyseme (Luftgesehwülste), welche bei Berührung knistern. Der Auslluss aus der Scheide, dem Maule und der Nase wird missfarbig und übelriechend: speeiell der Maulausfluss wird bisweilen blutig und schaumig, es besteht Zähneknirschen und Mnskelzittern. Die Dejecte sind dünn und jauchig und fließen häutig unwillkürlich aus dem After, die Temperatur sinkt allmählich, nicht selten unter die Norm, und die Thiere verenden ganz ruhig, unter Erscheinungen vollständiger Erschöpfung.
Erfolgt Genesung. so erreichen die Krankheitssymptome nicht das Maximum und die Besserung kommt sehr rasch zustande. Die Wiedergenesung zeigt sieh dadurch, dass die Temperatur und die Pulszahl sich der Norm nähern, die Patienten munterer werden. Fresslust und Wiederkauen wiederkehren, die
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196nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Speeicller Theil.
Erosionsgeschwilre verheilen, der Katarrh der verschiedenen Schleimhäute abnimmt, der Durchfall aufhört und die Paces ihre normale Beschaffenheit erlangen. Die in der Ernährung sehr lierabgekommenen Thiere erholen sich bei guter Pflege ziemlich rasch und werden wieder so frisch und munter wie früher.
Bei einem Thiere müssen nicht alle angeführten Symptome vereinigt sein, vielmehr überwiegen in dem einen Falle einzelne, während andere in den Hintergrund zurücktreten.
Sectionsbild: Die herrorstechendsten Veränderungen linden sich auf den Schleimhäuten, und da sind wieder die wichtigsten die des Labmagens und des Darmes, speciell des Dünndarmes und des Endes vom Mastdarme. I'berall ist die Sehleimhaut geschwellt und vom Epithel entblößt, oder es ist dieses hochgeröthet und leicht abstreifbar. Im Beginne erscheint die Schleimhaut des Labmagens, des Dünn- und Mastdarmes stellenweise mit punkt- oder streifenförmigen Blutaustritten besetzt, und bedeckt mit einer trüben, zähen, klebrigen, oft blutigen Flüssigkeit, welche in wechselnder .Menge den Darminhalt bildet. Nicht so stark findet man die übrigen Theile des Darmes afficiert. speeiell im Dickdarm sind diese Veränderungen nicht so intensiv und hier ist es wieder der Blinddarm, wo sie häutiger sind. Bei vollständig ausgebildeter Krankheit sind die anatomisch-pathologischen Veränderungen bedeutend deutlicher. Die Schleimhaut des vierten .Magens erscheint noch dunkler geröthet, sie ist meist kirschroth oder gar violett und von zahlreichen Bxtravasaten, besonders in der Nähe des Pförtners, durchsetzt. Außerdem findet man auf der Schleimhaut des Labmagens kleine branngelbe oder röthliche, käsige Platten aufgelagert, welche in der Mitte fest, am Rande nur locker an derselben haften: nach deren Ablösung erscheint die Sehleimhaut etwas vertieft und stärker geröthet. Ähnliche Veränderungen zeigt der Dünndarm, und zwar besonders der Zwölffingerdarm. In schweren Fällen constatiert man fibrinöse, blutige Auskleidungen des Darmes, welche wurstähnlich die Formen der Eingeweidewände annehmen und einen engen ('anal mit dünnflüssigen Excremepten umgeben. Die Pever'sehen Platten sind stark gesehwellt, und infiltriert mit
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Rinderpest, l'ePtis boma.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;197
einer erauffelben, rahmähnliehen Masse, welche bei Druck wie Pfröpfehen hervorquillt, worauf die Drüsen siebartig durchlöchert erscheinen. Die solitären Follikel sind mehr oder weniger stark geschwollen, und enthalten eine zähe, eiterähnüehe Flüssigkeit. oder eine gelbe, käsige Masse. Am Dickdarm sind die deutlichsten Veränderungen im Bereiche der Einmündung des Dünndarmes und in dem des Mastdarmes. - Der Inhalt des Dünndarmes besteht meist aus einer braunröthlichen, grauen, oder weißgelbliehen. trüben oder flockigen, der des Dickdarmes aus einer dünnbreiigen, mit Blut duichzogenen. sehr übelriechenden Flüssigkeit. In den ersten Mägen ist nichts bemerkenswertes, der Pansen und Netzmagen enthält gewöhnlieh breiiges Futter, die Schleimhaut ist manchmal stellenweise geröthel und das Epithel gelockert; der dritte Magen, der Blättermagen oder Loser, enthält bald ganz trockene, teste, bald feuchte, weiche Puttermassen. Die Schleimhaut der Maulhöhle ist hochgeröthet, bisweilen lindet man auf ihr Blutaustritte, ihr Epithel ist trübe, weich und leicht abstreifbar. Ähnlich erscheint die Nasenschleimhaut, die außerdem mit graugelbeui. zähen Schleim bedeckt ist. Die Schleimhaut des Kehlkopfes und der Luftröhre ist ebenfalls abnorm ge-röthet, mit Blutherden durchsetzt, und mit weißlichen oder grüngelben, hautartigen Membranen und eiterähnlichem, zähem Schleim bedeckt. Die Scheidenschleimhaut ist gewöhnlich stark geschwellt, theilweise geröthet. und mit einem zähen, graugelben, bisweilen mit Blut durchsetzten Schleim bekleidet. Dieselben Veränderungen zeigt die Schleimhaut des Uterus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Lunge ist zumeist unverändert, manchmal blutreicher, häufig emphyseinatisdi. Die feinen Bronchien findet man oft mit einem blutigen Schaum erfüllt. Das Herz ist welk und schlaff und enthält dunkles, flüssiges, oder nur schwach geronnenes Blut; dessen Fleisch hat eine schmutzig-braune oder graue Farbe und ist bisweilen fettig degeneriert. Die Leber ist fast in allen Fällen erkrankt: sie ist gewöhnlich weich, blutarm, lehmfarbig und nicht selten ebenfalls fettig entartet. Die Gallenblase ist ganz prall mit wässeriger Galle erfüllt die gelbgrün ist. Die Schleimhaut der Gallenblase ist hyperämisch und häufig mit blutigen Herden besetzt, oder
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198nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Specieller Theil.
mit käsigen Auflagerungen bedeckt. Die Milz ist gewöhnlich unverändert, nur in seltenen Fallen an einzelnen Stellen geschwollen, weich und blutreich. Die Nieren sind oft geschwollen. blutreich und fettig- oder körnig entartet. Das Blut ist dunkel. ziemlich dick, doch nicht ganz geronnen.
Differentialdiagnose: Die Rinderpest hat bisweilen mit folgenden Krankheiten manche Ähnlichkeit, wodurch sie zu off folgenschwerenIrrthümern Anlass geben kann: 1. Maulseucln'. Bei oberflächlicher Besichtigung könnten die im Maule vorkommenden Erosionen für Aphthen gehalten werden. .Man berück-siehtige deshalb bei Rinderpest den hohen Grad des Allgemeinleidens, und dass anderseits mit der Maulseiiehe auch die Klauenseuche zugegen zu sein pflegt, dann den Ausschlag auf den Entern der Kühe und die rapide Verbreitung der Maulseuche. 2. Ruhr. Sie hat sehr viel Ähnlichkeit mit der Rinderpest und wird deshalb leicht mit dieser verwechselt. Zur Vermeidung dieser Verwechslung mit ihren unberechenbaren Folgen berücksichtige man die Ursache der Entstehung, den Seuchengang und den Sectionsbefund. 3. Lungenseuche. Ein besonders wichtiges Unterscheidungsmerkmal sind die charakteristischen Erkrankungen der Schleimhäute. Auch die Section eines Thieres wird zur Sicherstellung der Diagnose viel beitragen. 4. Bösartiges Katarrhalfieber. Speciell in den ersten Tagen ist eine Verwechslung dieser Krankheit mit der Rinderpest sehr leicht möglich durch das hohe Fieber, die Athembeschwerden und den Durchfall. Die Kopfkrankheit hat jedoch eine geringere Conta-giosität, dann sind Augenaffectionen immer zugegen, weiters ist die Nasenschleimhaut besonders heftig ergriffen. Charakteristisch für letzteres Leiden ist auch die Eingenommenheit des Kopfes, die sieh selbst bis zur völligen Betäubung steigert. Bei der Section fehlen die der Rinderpest eigenen Veränderungen der .Magen-. Darm- und Scheidenschleimhaut. ö. Milzbrand. Eine Verwechslung ist nur bei oberflächlicher Untersuchung möglich: zur Differenzierung dient der Befund von Anthraxbacillen.
Prognose: Sie ist sehr ungünstig. Nach einer Dauer von 4-~7 Tagen führt die Rinderpest zumeist zum Tode, Der Verlauf
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Rinderpest, Pestia lovina.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 99
ist bei (li'ii westeuropäischen Rassen bedeutend ungünstiger als beim Steppenvieh: während bei den letzteren lt;li'-, Mortalität 3070%, manchmal auch nur 10% betrügt, erliegen von den ersteren Bässen 8t)Oti'u- selten nur 70% der Seuche.
Therapie: Eine Behandlung der Rinderpest ist ahsolul erfolglos, außerdem aber auch last in allen Culturstaaten gesetzlich verboten. Einzelne Staaten gehen darin noch weiter, indem sie selbst die Anempfehlung, den Verkauf und die Anwendung von prophylaktischen und therapeutischen Mitteln gesetzlich verbieten. Versucht wurde natürlich vieles, und so ofü die Seuche zum Ausbruche Icam. ebenso oft wurden Heilmittel und Heilmethoden angepriesen, die untrüglich helfen sollten, doch keines hat sich auch nur im geringsten bewahrt. Eine Tilgung der Seuche gelingt nur durch strenge Durchführung der veterinärpolizeilichen Gesetze, deren wirksamste Maßregel die Keilung aller kranken und verdächtigen Thiere ist.
Impfung': Im XV111. Jahrhundert wurde von Camper analog der Variolation beim Menschen die Impfung bei Rinderpest empfohlen, und zwar theils als Schutz- und theils als Noth-impfung. Einige Zeit hindurch wurde sie damals geübt, doch
inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; c?nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; c
bald verwarf man sie, da man einsah, dass durch die Impfung der Ansteckungsstoff fortwährend erhallen bleibt und anderseits auch die Verluste, durch die Impfung veranlasst, sehr bedeutende waren. Am längsten impfte man in Russlands Steppen, in dei Hoffnung, die Seuche gänzlich ausrotten zu können. Die Erfolge entsprachen jedüeh den Erwartungen nicht, denn obzwar die Mortalität unter den Impflingen zumeist nur 4 6% beträgt, steigt sie zuweilen doeh selbst auf 4tl und 60%. Kurz, die Impfung ist bei der Hinderpest absolut zu verwerten: dieselbe ist übrigens in den meisten Staaten verboten, da sie sich mit dem Heilungsverfahren nicht in Einklang bringen lässt.
Koch theilt in seinem Berichte vom 10. Februar 1897 mit. dass durch Injection von Blutserum von Rindern, welche sich von der Pest erholt haben, ein gewisser immunisierender Eintiuss auf gesunde Thiere hervorgerufen werden kann. Als Schutzimpfung im großen lässt sich solches Serum nicht vor-
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Speeieller Theil,
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wenden, da 100 cm3 von solchem Serum nöthig sind, am ein Thier gegen eine Injection mit eine: kleinen Dosis Rinderpest-Mut zu schützen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wichtiger ist die zweite Mittheilung, dass man mit der Galle von an Rinderpest gefallenen Thieren gesunde Thiere immun machen kann. Koch injicierte subcutan 10 cm3 Galle und erzielte eine mn zehnten Tage einsetzende Immunität von solcher Wirkung, dass selbst nach vier Wochen 40 cm3 virulenten Blutes ohm? Schaden vertragen wurden. An der In-jectionsstelle entsteht eine harte, etwas schmerzhafte, faustgroße Anschwellung, welche im Verlaufe einiger Wochen verschwindet. War die tialle schon zersetzt, so kann sieh ein Abscess bilden, welcher aber dem Immunisationsproeess nicht nachtheilig ist. Ein endgiltiges ürtheil über den Wert dieser Schutzimpfungsmethode wurde noch nicht gefällt, und die Berichte über die Erfolge lauten bisnun sehr verschieden.
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Pest der Schafe und Ziegen.
Schon im XVIII. Jahrhundert nahm man wahr, dass während der Rinderpestinvasionen auch unter den Schalen und Ziegen ähnliche Erkrankungen verkamen. Man schrieb diese Erkrankungen gemeinsamen Schädlichkeiten zu, nicht einer durch Rinder erfolgten Infection. Bei genauer Beobachtung bemerkte man jedoch, dass die Schuf- und Ziegenpest nur in Localitäten auftrat, wo die Rinderpest herrschte, oder wo zumindest Gelegenheil zur l'ber-tragung des Rinderpestvirus vorhanden war. Das Virus wirkt jedoch auf Schafe und Ziegen beiweitem nicht so intensiv, als auf Rinder, eine beträchtliche Anzahl dieser Thiere ist auch unempfänglich für die Infection; nach einer gewöhnlichen Ansteckung sieht man in der Regel nur 2(130% lt;'e1' Thiere erkranken, obzwar auch Invasionen beobachtet wurden, wo selbst 80% der Krankheit verfielen, wahrend bei Impfung 607(1% und auch mehr erkranken. Die bei Schafen und Ziegen ausgebrochene Rest entwickelt einen Infectionsstoff, welcher sowohl Thiere derselben Art, als auch Rinder zu inficieren vermag: die bei letzteren zum Ausbruch gelangende Krankheit ist ebenso intensiv, wie die durch Cbertragune von Rind auf Rind ent-
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Rinderpest, Pestis bovina.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 201
standene. Das [ncubationsstadium dauert bei natürlicher infection 49 Tage, bei Impfung 26 Tage.
Symptome: Sie sind ähnlich denen der Rinderpest, Der Beginn der Krankheit macht sich durch Mattigkeit. Hinfälligkeit, auffallende Abnahme der Presslust und des Wiederkauens, und Beschleunigung der Athmung und der Pulsfrequenz bemerkbar. Später steigen] sich diese Erscheinungen, es stelh sich eine ßöthung der Nasen- und Maulschleimhaut, sowie der AugealMnde-haut ein. wodurch sehr reichlicher Austluss aus der Nase entsteht, und siel: in den Augenwinkeln reichlich secernierter Schleim ansammelt, der über die Backen hembfließt. im ..Manie sammelt sieh viel zäher Geifer, der sich in Fäden aus der Maulspalte spinnt: am Zahnfleische treten nicht selten rothe Flecken auf, die .sieb bald mit käsigen, braungelben Auflagerungen bedecken. Das Athmen wird beschleunigt und merklich erschwert, der Puls noch frequenter, die Kranken knirschen mit den Zähnen, es stellt sich ein dumpfer, kurzer, schmerzhafter Husten ein, der anfangs weiche Koth wird dünner, fast flüssig, manchmal mit Blut untermischt, die Schwäche nimmt rapid zu. so dass sieh die Patienten kaum auf den Füßen zu erhalten vermögen, sondern fortwährend liegen und nach kurzer Zeit, elend und herabgekommen, eingehen. In den Füllen, wo Genesung erfolgt, erreichen dip Symptome zumeist nur einen mäßig hohen Grad; bisweilen jedoch bessert sich das Leiden selbst in ganz: verzweifelten Fällen. Die Patienten erheben sich alsdann, äxißern wieder Interesse für die Vorgänge in der Außenwelt, reagieren auf Zurufe und zeigen auch bald bessere Fresslust.
Sectionsbild: Es ist genau dasselbe, wie jenes bei der Pest der Rinder geschilderte, nur in der Lunge werden mehr oder weniger große, scharf begrenzte Entzündungsherde angetroffen, welche, wenn sie bis an die Oberfläche reichen, zu circnmScripten Brustfellentzündungen Anlass geben.
Prognose: Sie ist bedeutend günstiger als bei der Bind er-pest, auch der ganze Verlauf ist milder. Die Dauer der Pest bei Schafen und Ziegen beträgt bei letalem Ausgange 3.') Tage, selten mehr. Die Zahl der Genesuno-en seil wankt zwischen
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202nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Specieller Theil.
2.') 40quot;/0. es liegen aber auch Beobachtungen über einen bedeutend ungünstigeren Verlauf vor.
Therapie: Ebensowenig wie gegen die Rinderpest, kennt man gegen die Pest der Schafe und Ziegen irgend welche Heilmittel; im übrigen sind auch hier Heilversuehe gesetzlich verboten.
Veterinärpolizei. Österreich: Gesetz zur Abwehr und Tilgung der Rinderpest vom 29. Februar 1880, R. G. Hl. Nr. :-i7. Ungarn: sect;4059. Deutsehland: Reichsgesetz vum 7. April 1809. R. G Hl. pag. 105; hiezu die revidierte Instruction vein 9. Juni 1873, R. G. Hl. paa;. 147.
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20. Stäbchenrothlauf (Rothlauf) der Schweine, Erysipelas malignum.
Es Im eine acute Infectionskrankheit. welche meist edle Thiere im Alter von 3 Monaten bis zu 1 Jahre befällt, und in den heißen Jahreszeiten seuchenartig auftritt. Her Rothlauf der Sehweine wurde bis in die Achtzigerjahre für eine Milzbrandform gehalten: die genauen Untersuchungen haben jedoch dargelegt, dass der Rothlauf in gar keinem Zusammenbange mit Anthrax steht, sondern ein (bei sui generis bildet, welches überall vorkommt, wo Schweinezuchten sind. Er stellt sich gewöhnlich im Frühjahre ein, in dem nur sporadische Erkrankungen wahrgenommen werden, erreicht in dim beißen Sommermonaten eine seuchenartige Verbreitung, um im Spätherbst langsam zu verschwinden. Dies will jedoch nicht sagen, dass der Stäbchenrothlauf im Winter gar nicht vorkommt, im Gegentheile, sicheren Beobachtungen zufolge, soll er bisweilen auch in der kalten .Jahreszeit herrschen.
Ätiologie: Noch viel langer, als über die Art der Krankheit, war man Ober die Ursache derselben im Unklaren. Zuerst hielt man Witterungseinflüsse für die Ursache des Rothlaufs und beschuldigte namentlich große Hitze für das Auftreten der Krankheit; spater sah man die Erkältung nach einer Erhitzung für
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Stäbehenrotlilauf (Rothlauf) der Schweine, Erysipelas maiignum. 203
das ätiologiselie Moment an, darnach verdorbenes Wasser, unreine. dunstige Ställe, verunreinigtes, von Pilzen befallenes Fuller etc. Endlieh wurde ein in der Luft vorkommender, unbekannter Krankheitsstoff, ein Miasma, welches die Krankheit selbst, und während ihres Verlaufes einen Krankheitsstoff, ein Contagiuiu, hervorbringe, für die Ursache gehalten. Doch auch diese Erklärung wurde bald verworfen. Man wollte bestimmte, ursächliche Einwirkungen gefunden haben, bei deren (lauerndem Bestehen der Sehweinerothlauf entsteht. Als diese ursächlichen Einwirkungen bezeichnete man in erster Linie die Cloakengase, welche in den meisten Sehweineställen vorkommen, und die bei den Thieren eine faulige Zersetzung aller Ivörpersäfte hervorbringen sollen. woran!' Rothlauf entstehen muss. Man hielt also die Krankheit für eine Form der Septikämie. Eine andere ursächliche Einwirkung soll der Mangel an Trinkwasser sein: die Thiere müssen dadurch zur Stillung ihres Purstes sumpfiges, fauliges Wasser trinken, wobei sie schädliche Gase in sieh aufnehmen, welche die Säfte entmischen, und endlich eine Zersetzung derselben bedingen.
Endlich dringt wieder die Ansicht durch, dass man den Krankheitserreger unter den Bakterien suchen müsse, und bald darauf theilt Carsten Harms mit. dass er im Blute, in den Sehleimhäuten, in den Drüsen, in der Epidermis und anderen Theilen Mikrococcen und Bacillen gefunden habe, die er für die Verursacher des Rothlaufes hält. Klein stellte in der aus der Lunge ausgedrückten Flüssigkeit, im blutig-schaumigen Inhalte der Luftröhre und in Exsudaten, aber nur ausnahmsweise im Blute einen beweglichen, sehr kleinen Bacillus Bacillus minimus fest, mit welchem er durch Impfung typischen Rothlauf erzeugen konnte. Detmers und Thuillier fanden, unabhängig von einander, einen äußerst kleinen Mikrococcus mit 8-Forni. welchen auch Pasteur für den eigentlichen Infectionserreger hält. Nach den Untersuchungen (1H8quot;2) von Löffler, Schütz. Schottelius u. a. sind die Krankheitserreger des i'othlaufs feine Stäbchenbakterien von 05P8 lt;gt;. Länge, also kleiner als die Tuberkelbacilien. und sind auch nur im ungefärbten Zustande
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Speeieller
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iiinl liiii-i
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Dei
lou
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tiirkor Vergrößerang zu erkennen. Die ßothlauf-siehe Fig. 19 und 20) sind Anaeroben und wachsen unter der Oberfläche auf Nährböden, Kg. is.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(ja si(gt; des Sauerstoffes der Luft nicht
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bedürfen. Eigenbewegungen sind nicht festgestellt. Nach dem Tode tritt starke Vermehrung der Bacillen ein, .so dass alle Gefäße mit ihnen durchsetzt sind. Nach Kitt und Cornevin bilden sie keine Spuren, während
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Kotlilaofbacillen in Taubeublut. Nai-h FlflffBO.
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Schottelius ihnen solche zuspricht.
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[)ie Wirkung des Infectionsstoffes
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beruht darauf, dass infolge des Stoffwechsels ein chemisches Gift gebildet wird, welches das Blut
vorgiftet, daher auch der rasche Verlauf dieser Krankheit. Nach
Kitt widerstehen die Bacillen der Fäulnis. Die
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b'ig. 20.
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Tenacität des Virus ist eine ziemlieh bedeutende.
sir wird noch erhöht bei Anwesenheit von
Feuchtigkeit. Langsames Eintrocknen tödtet den
Bacillus in 5081) Stunden, heißes Wasser von
90deg; C in 2 Minuten, trockene, heiße Luft von
46u C nach 3 V-., Stunden, Kälte von 38quot; unter
Null nach 13 Tagen. Gebrannter Kalk. Chlorkalk
und heiße Lauge macht das Gift bald unwirksam.
Impfhar ist der Rothlauf auf folgende Thiere. die
er auch tödtet: Sehweine, Tauben, weiße Ratten,
Kaninchen. Hausmäuse und weiße Mäuse, während
Meerschweinchen, Feldmäuse, Hühner. Gänse,
Enten. Ratten. Hunde. Katzen. Maulthiere, Esel,
Pferde, Schafe und Rinder immun sind. Tauben
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gehen 3070 Stunden nach der Impfung ein:
man verwendet sie deshalb zur Feststellung der
Diagnose. Die Virulenz des Änsteckungsstoffes
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fällt durch Impfung von Kaninchen auf Kaninchen,
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Rothlaufbaoi
Bclatmesticbcnltu
Nu.-h Flilgge.
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wie Pasteur zuerst bewiesen, und steigt durch
Passierung des Organismus von Tauben. Für .Menschen ist keine
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Stabchonrotblauf (Eothlauf) der Slt;-li\voinc. Erysipol.-i^ iiKiliiniuin. 20:quot;)
Ansteckungsgefahr rorhanden: der Genuss von Fleisch rothlauf-kranker Thiere ruft Darmentzündungen hervor.
Die Eintrittspforte der Bacillen ist der Darmcanal; von Cornevin und Kitt sind solche im Darminhalf nachgewiesen. Eine Aufnahme durch Inhalation in die Lunge ist nach Cornevin ausgeschlossen, da die [nfectionserreger lieim Eintrocknen ihre Virulenz verlieren. Die Infection erfolgt in der Weise, dass die Thiere inticierte Faces oder Theiie von erkrankten oder gefallenen Thieren. oder sonst weiche mit Roth lauf bacillen behaftete Gegenstände verzehren. Da das Contagiura fixer Natur ist. so ist eine Infection durch die Athmungsluft ausgeschlossen. Die Verbreitung des Infectionsstoffes geschieht durch directs Ansteckung. durch Verfütterung der Abfalle geschlachteter Sehweine, durch Verkauf des Fleisches rothlaufkranker Sehweine, durch Schweinetriebe und durch Einführung neu angekaufter, schon inficierter Thiere in gesunde Bestünde, dann durch Händler, Fleischer und Abdecker, ferner durch Mäuse etc. Eine Übertragung der Krankheit vom Mutterschwein auf die Ferkel durch die Milch ist nicht möglich.
Bei der Infection macht sich auch eine Disposition geltend: edle Thiere erkranken bedeutend leichter an Rothlauf, als die gemeinen Kassen. Ein einmaliges ('herstellen der Krankheit gewährt den Thieren linmunität.
Die [ncubationsdauer betrügt n4 Tage, selten mehr: bei Impfungen '27 Tage.
Symptome: Die Krankheit tritt plötzlich ein. Die Thiere versagen das Futter, zeigen gesteigertes Durstgefiihl, sind weniger munter, liegen viel, verkriechen sich in die Streu, dabei große Mattigkeit, Traurigkeit und Hinfälligkeit, schwankender, steifer Gang. Einknicken im Hintertheil. Con.stantes Fieber mit einer Rectalteraperatur von 42quot;543deg; 0, Rüssel. Uhren und Extremitäten wechselnd kalt oder trocken, heiß; erschwertes Athmen. manchmal deutliche Athemnoth, Herzschlag 1B0144 pro Minute. Anfangs Obstipation, die Excremente sind trocken, klein und geballt, häufig mit Schleim umhüllt; der Harn wird in geringen Mengen abgesetzt und ist dunkel und schaumig. Die sichtbaren
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206nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Speeieller Theil.
Schleimhäute sind heftig gerothet, der Hiuterleib wird nun druek-empfindlich, es stellt sieh Durchfall ein, die Schweine äußern Brechreiz oder erbrechen öfters wirklich. Vom zweiten Tage der Erkrankung au bemerkt raananzarten, borstenlosen Stellen der Haut, besonders, wenn sie nicht pigmentiert ist. anfangs .scharf he-grenzte, rothe Flecken, welche nie erhaben sind, einzeln stehen, oder häufiger zusammenfließen und nicht schmerzen. Diese Flecken erscheinen vorzüglich auf der Bauchseite, um den Nabel herum, an der inneren Schenkelfläche, am Halse und den Ohren, verändern bald ihre Farbe, indem sie violett, bläulich oder fast schwarz werden. Zuweilen erheben sich auf den Flecken Blasen, welche platzen und Schorfe oder oberflächliche Geschwüre zurücklassen; in anderen Fällen losen sich, besonders an den Ohren, beim Anfühlen die Oberhaut und die Borsten ab. ja es können selbst kleinere oder größere Hautstücke, nach Zürn sogar einzelne Körpertheile, wie (ihren. Schwanz und Füllenden brandig abgestoßen werden (Mumification). Oft treten bei stürmischem Verlauf die rothen Flecken 12 Stunden vor dem Tode ein, oft erst während der Agonie (Honget blanc der Franzosen).
Im weiteren Verlaufe nimmt die Herzschwäche- allmählich zu. die bläuliche Färbung der Haut ebenfalls: die Athemnoth ist sehr groß, die Schwäche nimmt rasch zu, es treten Lähmungserscheinungen ein. die Körpertemperatur sinkt unter 37deg; C und die Thiere gehen schließlich unter Gonvulsionen zugrunde.
Seetionsbild; Die organischen Veränderungen am Cadaver sind in der Hauptsache folgende: Geröthete äußere Haut, bis in die Unterbaut und das Fettgewebe reichend: acute, durch Blutfiberfüllung bedingte Milzschwellnng. welche für Rothlanf charakteristisch ist: Milzpulpa mäßig weich, mit einem bläuliehrothen Schimmer (Indigomilz). Schwellung der Drüsen der Bronchien: in der Luftröhre und den Bronchien ist, schleimig-eiteriges, blutiges und schaumiges Secret: Gekrösdriisen bluterfüllt, geschwollen, blauroth und mit Blutpunkten in der Einde durchsetzt; die Schleimhaut des Magens und des Darmes ist geschwellt und entzündet: erstere ist theils Hockig. theils diffus, trübe und hügelig. mit fflasieera Schleim belegt, letztere auf der Höhe der Falten
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Stäbehenrothlauf (Bothlauf) der Sehweine, Erysipelas maligniun. 207
grauroth und mit Hämorrhagien durchsetzt. Die soiitären Follikel nml der Peyer'sehe Drüsenhaufen im Dünndai'm sind geschwollen und vergrößert; alle Lymphdrüsen sind geschwellt und blutig infiltriert. Die Nieren sind entzündet, grauroth, trübe Rinde mit Blutpnnkten durchsetzt, häufig nur leichte, trübe Schwellung; die lieber parenchymatös entartet, gesehwellt und von einer fleisch-wasserähnlichen Flüssigkeit erfüllt. Im Herzbeutel trübe, gelb-rötliliehe Flüssigkeit: im Herztioiseh parenchymatöse Entzündungen, linke Kammer leer, rechte mit dunklem Blut erfüllt, welches sich an der Luft lebhaft röthet. Der Speek ist unter den gerötheten Hautstellen nicht weiß, sundern bläulichroth.
Prognose: Der Verlauf des Rothlaufes ist acut, er dauert ^ 4 Tage bei tödtiichem Ausgang, ausnahmsweise bei sehr stürmischem Verlauf nur 24 Stunden. Die Genesung zeigt sich am 6. bis 20. Tage: sie pflegt sieh gewöhnlich am 2. oder ;5. Tage einzuleiten, indem die Flecken begrenzt bleiben, das Fieber nicht zu hoch steigt und die Oberhaut sich abschuppt. Dies ist jedoch selten der Fall, da die Vorhersagung ungünstig ist: unter günstigen Verhältnissen beträgt die Mortalität 50%: während sie sonst gewöhnlich 7080%- bei ungünstigem Verlauf selbst f)0quot;/,1 ausmacht.
Therapie: Von einer Behandlung wird man sich keinen besonderen Erfolg versprechen dürfen: in der Mehrzahl der Fälle ist sie erfolglos. Soll sie indes versucht werden, so wende man zur Herabsetzung des Fiebers kalte Begießungen an; innerlich gebe man Brechmitteln (weiße Nießwurz). Carsten Harms empfiehlt Bleizucker oder das schwefelsauere Kupfer, alle sechs Stunden am ersten Tage 1 g. am zweiten 05 g für die Gabe. Richter will von Calomel den größten Nutzen gesehen haben: er gibt drei- bis viermal täglich eine Latwerge von O^log Calomel und 30 .'/Althaeawurzel. Zürn hält die Darreichung von 1015 Tropfen Fowler'scher Lösung, und zwar sechsmal während des ersten Tages für zweckmüßig.
Prophylaxe: Ist der Rothlauf in einer Gegend noch nicht aufgetreten, so wird man vorsichtigerweise neu angekaufte Schweine nicht gleich zu den alten Beständen geben, sondern sie erst einer
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achttägigen Coutumaz aussetzen, während welcher die Thiere strenge beobachtet worden. Erst wenn es sieh gezeigt hat. dass deren Gesundheitszustand ein zweifellos unverdächtiger ist. liisst man sie zur (ihrigen Heerde. 1st die Seuche bereits zum Ausbruche gelangt, so sondert man die gesunden Sehweine von den kranken ab und bringt die ersteren in einem luftigen Stalle, nöthigenfalls im Freien unter. Der rerseuchte Stall wird auch gut durchlüftet und den Vorschriften entsprechend desinficiert. Dabei ist der Schwerpunkt auf den Fußboden zu legen: nicht nur Jauchiger defecter Hohlenhelag ist zu entfernen, sondern auch die ebenfalls jauchige I ntergrunderde, dabei gehe man so tief, als nur die Spuren der Jauche reichen. Die Herstellung eines trocken zu haltenden, undurchlässigen Fußbodens ist die Hauptsache. Man berücksichtige, dass Trockenheit, Luft und Licht die Feinde des Rothlaufbacillns sind und handle darnach bei der Anlage von Stallungen.
Schutzimpfung: Am 23. December ISS.'} publicierte Pasteur seine Wahrnehmungen über die Möglichkeit einer Schutz-Impfung gegen Schweinerothlauf. Pasteur hatte entdeckt, dass der Krankheitsstoff des Bothlaufs, die ßothlaufbacillen, in gewisse Thierkörper eingeimpft, eine Äbschwächung ihrer pathogenen Kigeiisehaften. in anderen thierischen Organismen wieder eine Verstärkung ihrer Virulenz erfahren. Durch Züchtung von Roth-laufbacillen von Tauben auf Tauben nahm die Virulenz zu. durch Züchtung von Kaninchen auf Kaninchen ab. Werden Schweine mit Rothlaufbacillen. die von Kaninchen gewonnen wurden, geimpft, so erkranken sie wohl, stehen jedoch nicht um und erscheinen nach ihrer Genesung gegen das tödtliche Virus immun. Durch anderweitig vorgenommene Versuche wurden diese Beobachtungen Pasteurs vielfach bestätigt, so dass die Impfungsimmunität gegen Eothlauf als eine feststehende Thatsache angesehen werden kann. Die Krfahrung. dass die Impflinge während der [mpfkrankheit andere Schweine anzustecken vermögen, mahnt zu Vorsicht, stellt jedoch in keiner Weise ein Hemmnis für die Verallgemeinerung der Impfung, wie man es gerne von mancher Seite hinstellt; sie erfordert nur. dass die Impfungen unter thier-
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Stübchenrotlilauf (Kotblauf) der Schweine, Erysipelas maLigaum. 209
ärztliche Aufsicht gestellt werden und bei den Impflingen dieselben .Maßregeln, wie bei den au natürlichem Bothlanf erkrankten Thieren angewendet werden.
Von den [tnpflingen zeigt ein Theil 45 Tage nach der ersten Injection nebst Erhöhung der Körpertemperatur verminderte Presslust, zuweilen Brechreiz, und Diarrhöe, doch sind diese Erscheinungen nicht gefahrdrohend und verschwinden nach 1 bis 2 Tagen. Zwölf Tage nach der ersten wird die zweite Injection vorgenommen, wobei sich außer geringer Temperaturerhöhung gar keine Gesundheitsstörungen zeigen. Der Impfstoff für beide Impfungen stellt eine gelbliche, ziemlich klare Flüssigkeit dar und ist nicht lange haltbar.
Zur Ausführung der Inoculation bedient man sich einer Pravaz-Spritze, die immer peinlichst sauber sein muss, damit auch eine Vernnreinignng der Lymphe unmöglich wird. Ferkel dürfen erst nach deren Entwöhnung geimpft werden, am besten im Alter von 34 Monaten, da sie alsdann die Impfung besser vertragen. Als Impfstelle dient am besten die innere Sdienkel-fläche. welche vorher mit l%n Sublimatlösung desinliciert wird.
Was die Brauchbarkeit der Pasteur'schen Schutzimpfungs-methode anbelangt, so mögen zur- Beurtheilung derselben nnten-folgende Zahlen dienen. Sie zeigen die Zahl der Sehweine, die vom Jahre 1887 bis Ende 1890 in Ungarn geimpft wurden. Den Impfstoff lieferte das Laboratorium Pastenr-Chamberland in Budapest.
Im Jahre 1887.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4.6(3;') Schweine
1888.......nbsp; nbsp; nbsp; 24.468
1889.......nbsp; nbsp; nbsp;132.469
1890.......nbsp; nbsp; 261.803
1891.......nbsp; nbsp; 351.959
1892.......nbsp; nbsp; 462.310
1893 . . . . . .nbsp; nbsp; 513.685
1894.......nbsp; nbsp; 681.118
1895 . .....nbsp; nbsp; 653.600
Totale . . .nbsp; 3.086.077 Schweine.
Kästenbaum, ßrundnss der Tliiersencben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 14
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210nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Specieller Theil.
Die Anzahl der geimpften Sehweine hat 1895 nielit nur nicht zugenommen, sondern sogar abgenommen. Die Schuld an dieser Abnahme liegt an der in diesem Jahre aufgetretenen Schweineseuche, wodurch ein großer Theil des Borstenviehbestandes vernichtet wurde. Die Impfung in Eelation mit der Schweine-seuehe zubringen oder zu behaupten, dass die geimpften 'l'hiere bedeutend empfänglicher für diese Seuche sind, als die ungeimpften, ist durchaus unrichtig.
Die Impfverlaste sind nach den Mittheilungen Prof. Hutyras im raquo;Jahresberichte über das Veterinärwesen in Ungarnlaquo; folgende: Im Jahre 1890...........l-llaquo;0/,,
. 1891...........0-89%
1892...........0240/,,
1893...........0-39%
raquo; gt; 1894...........0-23%.
Auch folgende Daten mögen den Wert der Pasteur'schen Methode darlegen; Comitatsthierarzt Nessl-Essegg hat in den letzten Jahren nicht weniger als 12.000 Schweine persönlich geimpft und hat weder nach der ersten, noch nach der zweiten Impfung auch nur ein Thier durch die Inoculation verloren.
Nach dem vorangeführten schützt die Impfung thatsäehlich gegen die Infection auf natürlichem Wege und vermindert somit die Verluste, welche durch den Schweinerothlauf entstehen und wahrlich nicht gering anzuschlagen sind. Die Schutzimpfung wird sich in erster Linie dort empfehlen, wo ungünstige, hygienische und seuchenpolizeiliche Verhältnisse sind und wo nach den Erfahrungen der früheren Jahre die Kosten der Impfungen den Wert der sonst infolge an Bothlauf zu erwartenden Verluste nicht übersteigen. Hand in Hand mit der Impfung hat eine Verbesserung an hygienischen und veterinärpolizeilichen Verhältnissen einherzugehen.
In letzter Zeit wird, besonders in Deutsehland, ein durch den Medicinalrath Lorenz. Darmstadt, erfundenes Schutzimpfungs-verfahren In Gebrauch gezogen. Gestützt auf das Behring'sche Immunitätsgesetz, das heißt: ist ein Individuum gegen eine be-
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Sehweineseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;211
summte Inleetionsia'aiikheit. natürlich oder künstlich immunisiert worden, so hat sein Blut, respective dessen Serum die Fähigkeit erlangt, den Zustand der Immunität auf ein anderes empfängliches Thier beliebiger Species zu übertragen, unternahm es Lorenz, aus dem Blutserum immunisierter Schweine eine Dauerlymphe herzustellen, welche, Schweinen eingespritzt. Schutzkraft verleiht. Nach Lorenz'Vorschrift wird auf je 10 7^ Lebendgewicht 1 cm* Lymphe injiciert; 57 Tage nach der ersten Injection erhalten die Impflinge eine Einspritzung von O^ö1 craquo;n3 Bothlaufcultur zur Erprobung der Giftfestigkeit. Impfstelle ist die innere Sehenkel-lläche. Die bisherigen Versuche fielen zum größten Theile günstig aus, sind jedoch zu wenig zahlreich, um ein endgütiges Drtheil daraus fallen zu können.
Das seit einiger Zeit in den Handel gebrachte raquo;Porcosanlaquo;, Schutzmittel gegen Schweinerothlauf, kann überhaupt nicht berücksichtigt werden,
Sanitätspolizei: Das Fleisch und Fett von an Rothlauf erkrankten Thieren gibt keine bankfähige Ware ab und ist deshalb verboten, selbes in Verkehr zu bringen. Das Fleisch von Schweinen, die im Beginne der Krankheit geschlachtet werden, darf jedoch im eigenen Haushalte verwendet werden, wenn keine Veränderungen in den inneren Organen vortindbar sind. Solches Fleisch pöckelt man am besten ein. oder setzt es der Siedehitze aus.
Veterinärpolizei; Österreich : Ministerial Verordnung vom 10. April 1885,R.G.Bl.Nr. 54B. - Ungarn: Gesetzartikel ill vom Jahre 1888. sect;sect; 101104. Hiezu Durchführungsverordnung des Ackerbauministers ddto, 16. October 1888. Z. 40.000, sect;sect; 274287.
21. Schweineseuche.
Es ist eine theils acut, theils chronisch verlaufende, fieberhafte Infectionskrankheit. deren Krankheitsbild bisweilen soviel Ähnlichkeit mit der Schweinepest besitzt, dass sie mit dieser verwechselt wird.
Atiologie: Die Schweineseuche ist eine in Deutschland schon seit vielen Jahren bekannte Krankheit, während sie in
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Österreich, Ungarn und einigen Balkanländern, namentlich Serbien bis vor kurzem völlig unbekannt war. Im Jahre 189o machte sich in Ungarn und im angrenzenden Slavonien eine infeetiöse Krankheit der Schweine bemerkbar, die anfangs häufig mit Eothlauf verwechselt, spiiter jedoch als eine Krankheit eigener Art erkannt wurde. Die Seuche breitete sich rasch aus, verschonte weder große noch kleine Bestände und verursachte einen unberechenbaren Schaden. Während der kalten Jahreszeit nahm die Verbreitung ziemlich ab, um im Beginne des Frühjahres 1896 mit erneuerter Vehemenz loszubrechen, wobei sie in vielen Heerden, wo sie im Vorjahre schon empfindlich hauste, auch noch den Rest des Bestandes fortraffte. Im allgemeinen jedoch Mar die Seuche im zweiten .lahre milder aufgetreten, was wohl auf eine Mitigation des Virus sehließen lässt. Auch 1897 blieben obgenannte Länder nicht von der Seuche verschont, ob-zwar sie nicht diese Ausbreitung erlangte, wie im ersten .lahre. Die Ursache der Schweineseuche ist ein zu den Gürtel-bacillen gehörendes Bacterium, welches zuerst von Löffler 1882 als der Verursacher erkannt und später von Schütz näher beschrieben wurde, wie wir denn überhaupt diesen beiden Forschern die Klarlegung des Wesens dieser Seuche sowohl in ätiologischer, als auch in anatomischer Beziehung verdanken. DiesesBaeteriuin(sieheFig.21) hat eine ovoide Form, ist unbeweglich und fluchtiger Natur: es besitzt eine hänge von circa l-5|i, eine Breite von 0-5(i. und färbt sieh mit den gebräuchlichen Farbstoffen nur an den Enden, in der Mitte einen ungefärbten (-iürtel lassend (daher auch Gürtelbacillen). Es hat eine endogene Entwicklung, d. h. es gedeiht nur im thierischen Organismus, währendes außerhalb desselben bald zugrunde geht. Die Lebensfähigkeit des Virus ist eine geringe und beträgt unter besonders günstigen Verhältnissen selten mehr als 21/.2 o Monate. Die Eintrittstelle des Infeetionsstoffes in den Organismus ist der Respirations- und der Digestionstractus: der Ort der Wirksamkeit desselben sind in den meisten Fällen die Brustorgane, seltener die Verdauungsorgane, zuweilen die Brust- und die Bauchorgane. Von Einfluss auf die Localisationsstelle des Processes ist die
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ivhwcincsi-mc-lH'.
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Iiiis.se. Individualität, das Alter etc.; so kann man beobachten, ilass ältere Schweine last ausschließlicii au den igt;nistorganen erkranken, liagegen junge Thiere, Ferkeln, an den Verdauungsorganen oder auch den serösen Häuten des Thorax.
Die Incubationszeit dauert 48. manchmal auch 10 Tage, nur selten darüber.
Symptome: Je nachdem vorzüglich die Brustorgane oder die Organe des Bauches ergriffen sind, unterscheidet man: 1. eine
Fig. 21.
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M--s '-.5 #9632; #9632; cf{' . -iiquot;-.-:-1;'--.' -
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'quot;*
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Bacillus suisepticas, Scliweineseptikämie, im Brustböhlenexadat; der laquo;liinkl.1 Flock i-^t '#9632;in zerfallciior Leukocyt. Nacli Kitt, Baktcrienkundo.
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pneumonische, 2. eine intestinale Form der Schweineseuche. Häufig tritt die Seuche in einer dieser einfachen Formen auf. bisweilen aber beobachtet man Combinationsformen, deren Krankheitsbild sich dann aus den einfachen Formen ergibt. Wir werden deshalb nur die letzteren berücksichtigen.
1. Die pneamonische Form. Der Beginn der Krankheit macht sieh stets durch eine plötzliche Verminderung der Fress-Inst bemerkbar, während der Durst gesteigert ist: daneben besteht in den ersten Tagen Durchfall, der aber bald einer mehr
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oder minder deutlichen Obstipation platzmacht. Die Dejeete sind klein und fest, dunkel und übelriechend. Die Kranken sind matt, liegen viel, gewöhnlieh auf dem Hauche und verkriechen sich in die Streu: die Augen sind trübe und halb gfschlössen, oft sind die Augenlider verklebt, der Schwanz hängt ganz schlaff herab, ist nicht geringelt. Die Haut wird trocken und heiß, die Ohren, der Bussel und die Extremitäten sind abwechselnd heiß und kalt: die Mastdarmtemperatur ist auf 4154#9632;25', C und darüber gestiegen, der Herzschlag ist pochend und sehr frequent: 96 bis 132 Schläge in der .Minute. Das Athinen ist beschleunigt, kurz und stoßweise, dabei stets sehr erschwert: manche Thiere nehmen eine sitzende Stellung wie Hunde ein. sperren das .Maul auf und lassen ein lautes Hecheln oder Schnaufen beim Athmon hören. Außerdem stellt sich ein matter Husten ein. wobei die Patienten Schinerzen äußern und die Stimme wird heiser. Die sichtbaren Schleimhäute sind heftig geröthet, die Secretion der Nasenschleimhaut derart gesteigert, dass sich bedeutende Schleimmassen in zähen Strähnen ans der Nase entleeren, die selbst den ganzen Eüssel verkleben können. Bei Druck auf die Brustwandungen äußern die Thiere lebhafte Schmerzen. Kurz vor dem Tode fällt die Temperatur auf 38quot;39deg; 0, die Ohren und Extremitäten sind andauernd eiskalt um! die Thiere gehen endlich infolge von Erstickung ein.
Wird die Krankheit chronisch, so erreichen gewöhnlich die Symptome nicht die Höhe wie beim acuten Verlauf; weder die Mattigkeit, noch die Schwäche oder der Appetitmangel sind besonders ausgeprägt, trotzdem magern die Patienten langsam ab. husten sehr häufig; die Gelenke schwellen bisweilen an, der Gang wird steif und gespannt. Temperatur auf 39deg; 0 gesteigert. Puls und Athmung beschleunigt, zäher, schleimiger, manchmal mit Blut vermischter Nasenausfluss, die sichtbaren Schleimhäute blutleer und blass. Schließlich tritt auch hier der Tod infolge Erstickung und Erschöpfung ein.
Sectionsbild; Beim acuten Verlauf an der äußeren Haut keine Abweichungen, beim chronischen Verlauf abgemagerter. eingefallener Cadaver. Eine oder beide Lungen sind mehr oder
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Sehweineseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;215
minder vergrößert, luftleer, derb, stellenweise knotig, von grau-rother, in den oberen Tiieileii rosarother Farbe. Auf der Schnittfläche bemerkt man auf graurothem oder dunkelrothem Grunde gelbliche oder grauweiße Knötchen von Hirsekorn- bis Erbsengröße; von der Schnittfläehe lässt sieh eine röthliche, schaumige Flüssigkeit mit dem Messer abstreifen. Stellenweise trifft man Oavernen, die mit nekrotisehen, übelriechenden Massen angefüllt sind. Das interstitielle Bindegewebe ist gelblich infiltriert, bisweilen zu starken, schwieligen Zügen verdickt, das dazwischenliegende Znngengewebe hellroth. weich und schwach knisternd. Herzbeutel und Pleurasack enthalten zuweilen eine trübe, flockige, graurothe Flüssigkeit. Die Schleimhaut der Bronchien und der Luftrühre ist gelockert, leicht abstreifbar, grauroth und mit zähem Schleim bedeckt. Die Musculatur des Herzens ist schlaff und grauroth. die Nieren sind fast immer vergrößert und ebenfalls schlaff. Verwachsungen der Lunge mit dem Rippenfell sind nicht selten. Die Lymphdrüsen sind hiiulig vergrößert, verkäst oder mir markig geschwollen und mit einer derben Hiiulogewebskapsel umgeben.
2. Die intestinale Form. Die Thiere versagen plötzlich das Futter, zeigen großen Durst, sind matt und traurig, verkriechen sieh in die Streu oder stehen mit aufgekrümmtem Rücken und aufgeschürztem Leibe, mit halbgesehlossenen Augen und schlaffem Schwänze theilnahraslos da ; werden sie gejagt, so gehen sie nur widerwillig, steif und schwankend. Der Puls-, respective Herzschlag ist pochend und sehr frequent, so dass bis zu 140 Schlage in der Minute fühlbar sind, die Athmung be-sehleuaigt, die Körpertemperatur steigt bisauf41'542deg; C. Bei Druck in der Bauchgegend äußern die Thiere durch Stöhnen lebhafte Schinerzen. Anfangs besteht Verstopfung, später Durchfall, die Exereinente sind übelriechend, grüngelb, oft blutig: Rüssel. Ohren und Gliedmassen sind abwechselnd warm und kalt. Die sichtbaren Schleimhäute sind schmutzig-orange gefärbt, die Zunge ist trocken und welk und hat einen grauen oder gelblichen Belag.
Beim chronischen Verlaufe dieser Krankheitsform sind anfangs keine Zeichen wahrnehmbar, die auf das Vorhandensein
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dieser Seuche schließen lassen: trotzdem magern die Thiere allmählich ab und erst nach weiteren 1012 Tagen stellen sich die charakteristischen Symptome ein, die im großen ganzen ähnlich wie beim acuten Verlauf sind. Im späteren Stadium (allen die Flanken ein. der Bauch hängt schlaff und schwer herab, ist, sehr druckempfindlich und zeigt ziemlich deutlich die Conturen der Dickdarmschlingen, die als derbes Oonvolul durch die Baueh-deeke auch fühlbar sind.
Sectionsbild: Bei der acuten intestinalen Form findet man die charakteristischen Veränderungen am Darnicanale. spe-ciell am Dickdarme, dessen Sehleimhaut geschwellt, dunkel-hlauroth und mit blutigen oder grauen Punkten besetzt ist. Ahnlich ist die Veränderung der Magen- und Dünndarmschleimhaut. Leber gesehwollen, trübe, graubraun, die Binde der go-schwollenen Nieren ist mit Blutpunkten besetzt.
Gehl ein Thier nach längerem Kranksein ein, so findet man den Cadaver am ersten Blick abgemagert und blutleer. Blind- und Grimmdann erscheinen stark ziisannnengezoaen, deren Oberfläche wulstig und höckerig. Der Darminhalf ist dünnflüssig, übelriechend und missfarbig. Die Schleimhaut dieser Darmabschnitte ist faltig geschwollen, heftig geröthet und weist zahlreiche Erhabenheiten auf, die, wenn sie klein, abgegrenzt und weich sind, wenn sie gröberen Umfang erreichen, hart und derb sind, zerklüftete Oberfläche und graugelbes Centrum haben und mit hochrothen, erhabenen Bändern umgeben sind: deren Substanz ist trecken, brüchig, beim Sehneiden knirschend. Bisweilen ziehen sich diese Veränderungen bis in den .Mastdarm hinein. Die .Magen- und Dünndarmschleimhaut ist geschwollen, mit durchsichtigem Sehleim bedeckt und fleckig geröthet. Gekrösdrüsen vergrößert, manchmal theilweise verkäst. Leber trocken, braun-roth, brüchig, Nieren etwas vergrößert, Rinde getrübt, graurotb oder gelb gefleckt oder gestreift. Herz schlaff, welk. Lunge ödematös.
Prognose: An Orten, wo die Seuche zum erstenmal auftritt, wüthet sie mit ganzer Kraft, während sie dort, wo sie schon lange herrschte, oder wo sie zum zweitenmale zurückkehrte, einen
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Sehweiheseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 217
leichteren Verlauf nimmt. So konnte inan während der grüßen Invasionen in Ungarn beobachten, dass in solchen Füllen die Sehweine häufig nur mäßiges Fieber und Erbrechen zeigten und trächtige Säue verwarfen. Der Ausgang der Schweineseuche ist zum großen Theil ungünstig; die Mortalität beträgt gewöhnlich 3563%! in günstigen Fällen nur 10%. Die durchseuchten Thiere erholen sieh nicht selten sehr rasch und erlangen häutig eine vorzügliche Mastfähigkeit. Die Duner der acuten spectoraleu Form beträgt 321 Tage, die der chronischen sechs Wochen bis sechs Monate und mehr, während die acute iutestinale Schweine-seuehe 18 Tage, die chronische 13 Monate dauert.
Therapie: Bisnun besitzen wir kein Arzneimittel, welches die bei einem Thiere ausgebrochene Sehweineseuche günstig be-einflußen, respective zur Heilung bringen könnte. Man wird deshalb in solchen Fällen trachten müssen, durch aufmerksame Wartung und Pflege (rationelle Diät i. dann durch Reinlichkeil und gute Stallungen einen möglichst milden Verlauf herbeizuführen.
Prophylaxe: Zum Zwecke der Tilgung der Schweineseuche war während der Invasion in Slavonien bestimmt, dass alle kranken Schweine getödtet werden und dem Eigenthümer aus Landesmitteln ein Ersatz von 20% geboten wird. Wo keine Hoffnung war. die Seuche durch Keilung zu tilgen, wurde angeordnet: Trennung der kranken von den gesunden Schweinen, Terhindenmg der Berührung der kranken und seucheverdächtigen Thiere mit gesunden. Verbot des freien Verkehrs mil derartigen Schweinen. Der Erfolg dieser Maßnahmen war ein sehr guter, indem der Seuche bald ein Ziel gesetzt wurde.
Als prophylaktische Mittel wären anzuführen: Gute, hygienische Verhältnisse, gute Fütterung und Pflege, Contuma-zierung der alten Thiere und Ferkeln in der Dauer von sechs, respective drei Wochen, und nicht in letzter Linie möglichste Isolierung.
Schutzimpfung: In letzter Zeit sind unzählige Verfahren aufgetaucht, die ilarauf hinausgehen, einerseits den Schweinen
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ilureli Impfung Schutz gegen die Seuche zu verleihen, anderseits hei den schon erkrankten Thieren die Krankheit zu eoupieren, In der Mehrzahl der Fidle wurde dabei ein Weg betreten (man stützte sich auf die Hehring'sehe Serumtheorie), auf welchem, wie \ro,ires genugsam bewies, ein Erfolg unmöglich ist. That-säehlich konnte sich auch nicht eine all dieser Schutzimpfungsmethoden behaupten. Auch die italienischen Forscher Perron-cito und Bruschettini beschäftigten sieh auf diesem Gebiete mid es gelang ihnen, einen flüssigen Impfstoff herzustellen, durch welchen, Bern3 an der Innenfläche' des Schenkels verimpft, die Thiere nach zehn Tagen Seuchenfestigkeit erlangen. Im allgemeinen genügt eine Injection, nur dort, wo die Seuche sehr bösartig auftritt, empfiehlt sich fünf Tage nach der ersten eine zweite Impfung. Die mit dieser .Methode erhaltenen Resultate sind zu wenig zahlreich, um ein endgiltiges Urtheil Ober den Wert derselben lallen zu können.
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22. Schweinepest.
Die Ansicht über die Existenzberechtigung der Schweinepest ist in der fachmännischen Welt noch getheilt; es gibt eine große Anzahl von Thierärzten. die die Schweinepest und Schweine-Seuche für eine ätiologische Einheit halten und eine Differenzierung für unstatthaft und häufig für unmöglich erklären. Das gerade Gegentheil behauptet die andere Richtung. Wenn auch das Krankheitsbild beider Seuchen häufig so ähnlich ist. dass eine Unterscheidung praktisch unmöglich wird, was in Anbetracht dessen, dass die prophylaktischen und veterinärpolizeilichen Maßnahmen für beide Seuchen die gleichen sind, keine Gefahr in-volviert. so wird man trotzdem schon allein mit Rücksicht auf die baeteriologischen Forschungen eine Trennung aufrecht erhalten müssen. Zwischen den beiden Krankheitserregern besteht entschieden ein Speciesunterschied. aber nicht die geringste Identität: beide gehören nur zu einer großen Familiengruppe (der Gürtelbacillusgruppel. der unter anderen auch die Verursacher der Rinderseuche. Hühnercholera etc., zuzuzählen sind.
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In Mitteleuropa ist die Schweinepest theils noch ganz unbekannt, theils wurde sie erst seit einigen Jahren beobachtet: so trat sie 1893''94 verheerend in der Neumork und in anderen Gegenden Preußens auf. In Amerika soll sie bereits in den Vierzigerjahren geherrscht haben; die ersten Beschreibungen dieser raquo;Hog choleralaquo;, raquo;Swine plaguelaquo; odor raquo;Pig lever-- genannten Seuche stammen von Dettmers und Law (1877). Von da kam sie nach England, wo sie als raquo;Swine feverlaquo; 1862 große Verheerungen anrichtete. Von England scheinl sie nach Schweden und 1887 nach Dänemark verschleppt worden zu sein.
Ätiologie: Die Specifität des bisher für den Krankheitserreger gehaltenen Bacteriums scheint neuerdings durch die Untersuchungen von Fadyeau und Kitt in Frage gestellt. Nach Hang. Deupser, Zschokke nnd anderen soll der Infections-erreger ein kleines, ovales Bacterium sein (siehe Fig. 22). welches zu zweien zusammenhängt, beweglich ist und eine Länge von l-21quot;5 |J.. eine Breite von 0'6[i. besitzt. Es findet sich am zahlreichsten in der Milz, hat eine endogene Entwicklung, kann außerhalb des Thierkörpers gewöhnlieh nicht fortkommen, ist flüchtiger Natur und besitzt eine kurze Lebensfähigkeit (höchstens drei Monate). Es ist überimpf'bar auf Tauben, Meerschweinehen, Kaninchen, graue und weiße Mäuse. Außer diesem speciflschen Bacterium fand Bang in den Entzündungsprodueten der Lunge nnd der serösen Häute einen anderen ovalen Mikroorganismus, welcher, verimpft. Pleuropneumonie erzengte: endlich will Hang als die Ursache der Nekrose bei den Pestproeessen einen dritten sogenannten Nekrosebacillus festgestellt wissen.
Wie schon eingangs erwähnt, anerkennen Padyeau und Kitt nicht die Specificität des bisherigen Infectionserregers. Sie züchteten aus den Lymphdrüsen des Darmes und Gekröses ein morphologisch, den bisherigen Erregern ähnliches Bacterium, welches 12 p. lang. 0quot;6p. breit ist. gewöhnlich in Verbänden zu zweien auftritt, lebhaft beweglich ist nnd keine Sporen bildet.. Aus dem Blute und der Milz misslang die Züchtung. Bei Ver-fütterung der Culturen entsteht die der Schweinepest typische Darmerkrankuns;.
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Bei der Schweinepest macht sich eine Alters- und bis zu gewissem Grade auch eine (ie.schlechtsdisposition geltend: es erkranken am leichtesten Saugferkeln und .schon abgesetzte Ferkeln. während sich alte Eber sehr widerstandsfähig zeigen und auch höchst selten erkranken. Demnach ist auch das Ineubations-stadimn bei jungen Thieren kürzer als bei älteren: es beträgt
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Fig. 22.
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Llacillns suiipestifoi'. ätstfiiidige Agnrcaltnr. An^ Kill, Bnktericnlnuido
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bei ganz jungen Thieren, bei Ferkeln. 24 Tage, bei über eiu Jahr alten Thieren 1221 Tage.
Symptome: Die Thiero liegen viel in der Streu verkrochen, sind matt, apathisch und rühren sich nur. wenn sie dazu gedrängt werden. Sie versagen das Futter, nehmen auch nur wenig Getränke zu sich: der am ersten Tage bestellenden Verstopfung folgt anhaltende Diarrhöe, wobei penetrant stinkende, grüngelbe, erbsensuppenähnliche (Deupser) Massen abgesetzt
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Sehweinepest.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 221
werden, laquo;lie die Umgebung des Afters, sowie den schlaff herabhängenden Schwanz beschmutzen; der Bauch ist sehr druckempfindlich. Dabei isi die Rectaltemperatur auf 40'5^#9632;öquot; C erhöht, bisweilen auch noch mehr, der Puls, respective Herzschlag- ist sehr beschleunigt (bis 144 pro .Minutel. das Atlimen ebenfalls frequent. Rüssel. Uhren und Extremitäten fühlen sich abwechselnd wann und kühl an. die Bindehaut der Augen ist mehr oder weniger geröthet, in den Augenwinkeln sammelt sich ein grauweißes, sehleimiges Secret an, welches häutig die Lider verklebt, in der Mehrzahl der Fälle treten auf der Haut, insbe-sonders an den Augenlidern, um den Rüssel, an den Uhren, am Hauche und an der Hmst rothe. erbsen- bis haselnussgroße Flecken auf, die sich später in Pusteln verwandeln, auf welchen sieh ein Schorf bildet; nur in brichst acuten Fällen kommt es zur Schorfbildung, ohne dass Pusteln entstanden sind. Außerdem beobachtet man gewöhnlich an den Lippenrändern und an der Innenseite der Backen rundliche, tiefe (Teschwüre mit nekrotischen Massen bedeckt, während sich an den Zungenrändern diphtheri-tische Beläge vorfinden.
In jenen Fällen, wo die Seuche einen chronischen Verlauf nimmt, erreichen die Symptome nicht diesen Grad der Heftigkeit. obzwar sonst die Erscheinungen dieselben sind, wie bei der acuten Form : charakteristisch ist nur die Vorliebe der Patienten. Sand. Mauerwerk und ähnliches aufzunehmen. Im weiteren Verlaufe magern die Thiere erheblich ab und gehen endlich ganz elend ein.
Sect iuns bil (1: An der Haut, an den Lippen und an der Zunge findet man die schon oben beschriebenen Veränderungen. Die charakteristischen Erscheinungen zeigen sich in einer hämor-rhagisch-diphtheritischen oder käsigen Magendarmentzündung; in erster Linie ist jedoch der Dickdarm betroffen, der dunkelviolett oder dunkelgrauroth erscheint und dessen Schleimhaut g-e-trübt ist. Die schwarzrothe, geschwellte Sehleimhaut des Blind- und Grimmdarms, sowie des Anfangtheiles vom Mastdarme ist mit gelbgrünen stinkenden Massen belegt, häufig findet sich außerdem noch ein arrauweißer. kleienartiger. fibrinöser Belag. Die
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222nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Speeieller Theil.
Dünndarmschleimhaut ist schwach geröthet, mit glasigem Schleim belegt, die Magenschleimhaut des Pförtnertheiles ist faltig und sehwarzroth geschwellt: die Öekrösdrüsen sind stark markig geschwollen.
Die Leber ist vergrößert, tnibe und graubraunroth. die Nieren reich auf den Rändern mit Blutaustritten besetzt. Die Blasenschleimhaut weist rothe Flecke auf, der Inhalt der Blase ist trübe und sauer reagierend; das Herzfleisch ist grauroth und schlaff, in der Herzkammer befindet sich dunkles, geronnenes Blut.
Bei chronischem Verlauf sind die Cadaver außerdem gewöhnlich abgemagert, nicht selten machen sie einen nunnien-liaften Eindruck. Der Dickdarm erscheint als eine steife, starre Röhre, dessen Schleimhaut in manchen Theilen verdickt, grauroth bis schwarzgrau glänzend ist; auf derselben springen die Follikeln als schmutzig-weiße, gelbe oder grünliche Knöpfe hervor. Mitunter beobachtet man ovale Geschwüre, welche mit rothbraunen Schorfen bedeckt sind: häutig sind deren Ränder wallartig erhöht oder zerfetzt, der Inhalt krümelig und leicht heraushebbar. Magenschleimhaut entweder unverändert, blass oder grauroth, mit gelblichen Schorfen bedeckt. Milz blass. grauroth. An der Zunge, an den Mandeln und am Kehldeckel findet man diph-theritische Herde.
Prognose: Die Dauer der Krankheit bei acutem Verlauf ist 1-8 Tage, bei chronischem Verlauf 13. manchmal 4 Monate. Vollständige Genesung wird wohl öfter beobachtet, zuweilen wieder verfallen die Thiere einem andauernden Siechthum. Die Vörhersagung ist nicht günstig, manchmal sogar recht ungünstig. da die Mortalität 70 und 80. selbst 90% betragen kann.
Therapie: Es gibt keine Behandlungsmethode, von der Erfolg zu erwarten ist; die Vorsichtsmaßnahmen wären dieselben wie bei der Schweineseuehe.
Prophylaxe: 1. Sorgfältige, häufig zu wiederholende Inspection der Schweineheerde; schwerkranke Thiere bleiben zurück, leicht erkrankte gehen steif, bleiben häufig stehen und legen
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Schweinepest.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 22igt;
sich gerne. 2. Gesunde Thiere sind von Kranken sofort zu trennen und in weit entfernten Ställen, eventuell auf Weiden unterzubringen. 3. Die Trennung muss auch auf das Wartepersonal ausgedehnt werden. 4. Bei Einführung neuer Thiere Einhaltung einer mindestens seehswöchentlichen Quarantäne bei alten, einer dreiwöchentlichen bei Jungen Sehweinen. 5. Unschädliche Beseitigung der Cadaver und der thierisehen Abfälle. Natürlich ist von größter Wichtigkeit auch ein gut gebunter, zweckmäßig ein ff ei'i eh teter Stall und ü'ute Wartunir und PHeire.
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Invasions- oder Parasitenkrankheiten.
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Die tlüeriseheu Parasiten wurden schon seit einigen Jahrhunderten als Krankheitsursache betrachtet und zeitweise wurde ihnen selbst die Entstehung von Seuchen zugeschrieben. Als man jedoch zu der Erkenntnis kam. dass auch der gesunde Körper Parasiten beherbergen könne, änderte sich diese Meinung und einige Fachmänner behaupteten sogar, dass manche Parasiten (Eingeweidewürmer i die Gesundheit ihrer Wirte vortheilhaft beeinflußen. Erst den eingehenden Forschungen der neueren Zeit gelang es, diese nach beiden Richtungen hin übertriebenen Theorien richtigzustellen.
Je nach dem näheren Wohnorte unterscheidet man: Ento-zoen und Epizoen: unter ersteren versteht man solche Parasiten, welche im Organismus leben, während die letzteren aufanderen Organismen leben. Ursprünglich bezeichnete man mit dem Ausdrucke Invasionskrankheitenlaquo; nur solche Krankheiten, die durch Entozoen verursacht werden: jetzt bezeichnet man mit diesen Namen alle jene Leiden, welche durch das Eindringen thierischer Parasiten auf oder in den thierischen Organismus hervorgerufen werden. Die Entstehung der Parasitenkrankheiten lässt (äst immer auf folgende Schädlichkeiten zurückführen:
1.nbsp; nbsp;Auf mechanische Wirkungen, indem die Parasiten verschiedene Canäle des Körpers verlegen (Lungenwürmer der Schafel indem sie einen beständigen Druck ausüben, das Gewebe zerstören, örtliche Reizung verursachen oder Retiexwirkungen hervorbringen (massenhafte Bandwurminvasion beim Hunde).
2.nbsp; nbsp;Chemische Schädlichkeiten: diese Wirkung der Parasiten
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Drehkrankheit, Tanmelsncbt.
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ist uocli wenig bekannt. 3. Punctionsstörungen, z. igt;. Filai'ia immitis verursacht schwere Cireulationsstörungen. 4. Entziehung von XahnmgsstülTen (Taenia expansa bei Schafen).
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1. Drehkrankheit, Taumelsucht.
Diese chronische, zumeist tödtlich endende Krankheil befilllt zumei.st Schafe, weniger Rinder und nur äußerst seilen Pferde; sie charakterisiert sich durch Störungen der Gehirnfunction und der willkürlichen Bewegungen.
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Hin! eines Länunchens mit Cocuurusgängen.
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Atiologie: Die Ursache der Drehkrankheit wurde bis vor wenigen Decennien in äußeren Einwirkungen gesucht: mau beschuldigte Obermäßige Hitze, zu schweres und zu nahrhaftes Futter, dunstige Stallungen etc. Erst die Fütterungsversuche Küchenmeisters haben dargelegt, dass sieh die einzige Ursache dieser Krankheit, der Gehirnblasenwurm (Coenurus cere-bralis, siehe Fig. 2o) nur allein infolge der Aufnahme von reifen Endgliedern (Proglottiden) des Quesenbandwurmes (Taenia coenurus. siehe Fig. 24) des Hundes entwickle.
Der in die Familie der Piattwürmer gehörige Gehirn-'blasen- oder Quesenbandwurm (T. Coenurus) hat einen kleinen birnfurmigen Kopf, der Rüssel ist mit einem doppelten Kranze von 2532 Haken umgeben: die eirunden Saugnäpfe stehen an den Winkeln. Die vorderen Glieder sind sehr kurz, gegen die Mitte worden sie quadratisch, während die Endglieder 1012mal länger als breit sind. Die reifen Proglottiden sind
Kilsten luvu m, Gnindrisä der TliicrseuchGii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15
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Invasions- oder Parasitenkrankheiten.
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46/laquo;M laug- und 23 mm breit. Ge.sanimtlänge des Bandwurmes 4:0 cm, höchstens 100 cm.
Dieser Bandwurm kommt besonders bei Schäfer- und Pleischer-bunden vor. dessen Finne Coenurus cerebralis wird ge-wöhnlich mit dem Gehirn drehkranker Schale aufgenommen. welches mau. einer üblen Gewohnheit folgend, den Hunden gibt. Die ('oeniii-a.slila.se wird nun verdaut und es entwickelt sich der
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Taonia coenurus. Xaturlichc Grüße.
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Bandwurm, dessen geschlechtsreife Glieder mit dem Kothe auf Weiden oder Futterstoffen abgesetzt werden. Nach einiger Zeit werden die Proglottiden durch Fäulnis zerstört, worauf die iu ihnen enthaltenen mikroskopisch kleinen, von einer schützenden Hülle umgebenen Eier frei werden. Nun können die Eier schon als solche von den Thieren mit den Futterstoffen aufg-enommen werden oder es gelangen Proglottiden in den klagen. Im letzteren Falle werden die Glieder verdaut, die die Eier schützende Kalkhülle wird gelöst, wodurch nun die in ihnen enthaltenen sechs-
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Drehkrankheit, Taumelsueht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;221
hakigen Embryonen frei werden und den Organismus ihres nunmehrigen Wirtes nach allen Eichtungen durchziehen. Die-jenieen Embryonen, welche, sei es längs der Bindewebszüffe,
sei es auf dem Wege der Blutbahn, in das Gehirn oder in das Rückenmark gelangen, verlieren die Haken und entwickeln sich dort zum Gehirnblasenwurm (Coenurus cerebralis), während jene. die in andere für ihre Fortentwicklung unpassende Kürpertheile gelangen, zugrunde gehen.
Der Grehirnblasenwurm oder die Gehirnquese, Coe-nurus cerebralis, ist kugelig oder länglich rund, durchsichtig, von der Größe eines Hirsekornes bis zu der eines Hühnereies, stdten noch größer. Auf der inneren Wand der gemeinsamen Blase sitzen unregelmäßig sehr zahlreiche Skolices, deren Kopf den des erwachsenen Thieres gleicht.
Die Drehkrankheit befällt zumeist junge Thiere. Dies erklärt sich durch den Umstand, dass die Gewebe älterer Thiere eine bedeutende Resistenz besitzen, was dem Vordringen der Embryonen ein Hindernis entgegensetzt. Nichtsdestoweniger sind auch Fälle bekannt, wo die Coenurusblase zur vollständigen Entwicklung kam: zumeist stirbt sie jedoch während der Wanderung ab und nur die zurückgebliebenen, im Gewebe zerstreuten, weißen Knötchen verrathen ihre frühere Anwesenheit. Vom .Momente der Aufnahme in den Korper bis zur Einwanderung ins Gehirn vergeht ein Zeitraum von 1014 Tagen.
Symptome: Beim Schafe lassen sich ziemlich genau drei Stadien verfolgen, und zwar:
1. Stadium. Es zeigen sich die Erscheinungen einer mehr oder weniger intensiven Hyperämie und Entzündung des Gehirnes und seiner Häute. Die Intensität der Symptome hängt lediglich von der Anzahl der einwandernden Parasiten ab. Findet eine Einwanderung sehr zahlreicher Embryonen statt, wie dies selten spontan, sondern zumeist bei Fütterungsversuchen der Fall ist, so zeigen die Thiere Mattigkeit und Hinfälligkeit, blöden stieren Blick, unsicheren Gang und Neigung zum Liegen. Sie verschmähen das vorgesetzte Futter, ihr Puls ist mehr oder minder beschleunigt, die sichtbaren Schleimhäute sind höher
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^2(Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Invasions- oder Parasitenkrankheiten.
eeröthet, namentlich die Augenbindehaut; der Schädel ist ver-mehrt warm lind druekempfindlich. Der schief getragene Kopf wird extrem entweder sehr hoch oder sehr tief gehalten und häufig geschüttelt. Oft beobachtet man eine bedeutende Schreckhaftigkeit, ebenso Aufregung: die Kranken laufen und springen zwecklos umher; weiterhin stellen sich Schwindelanfälle ein oder sie stürzen zusammen und bleiben betäubt liegen. Nicht selten werden die Thiere von heftigen Krämpfen befallen, sie verdrehen die Augen, knirschen mit den Zähnen, das Maul schäumt, sie winden sich steif herum und gehen nach 46 Tagen in tiefer Betäubung zugrunde.
Ist jedoch nur eine geringe Zahl der Parasiten in das Gehirn gelangt, wie dies bei natürlicher Infection gewöhnlich der Fall ist, so treten die Erscheinungen nicht so markant hervor: speciell die Krämpfe, die Betäubung und die Schwindelanfälle pflegen dann zu fehlen. Unter solchen Umständen tritt die Krankheit nach einer Dauer von 810 Tagen in das
2.nbsp; nbsp;Stadium oder Stadium der Latenz. Die abnormalen Erscheinungen sind verschwunden und das Thier macht einen ganz guten Eindruck: es scheint gesund. In sehr seltenen Fällen wurde eine Genesung der erkrankten Thiere beobachtet, indem die eingewanderten Embryonen abstarben. Nachdem die Krankheit nun während 612. manchmal auch noch mehr Wochen latent geblieben ist. haben sich die Blasenwürmer vollkommen entwickelt und damit stellen sich auch die charakteristischesten Symptome der Drehkrankheit ein.
3.nbsp; nbsp;Stadium. Man beobachtet Erscheinungen einer deutlichen Gehirndepression: Stumpfsinnigkeit. Mattigkeit. Betäubung. Zurückbleiben hinter der Heerde, blöder, schwankender Gang. glotzender Blick, planloses Herumlaufen, possierliches Springen und Zusammenstürzen. Die Futteraufnahme ist ganz oder theilweise sistiert, manchmal unterbrechen die Kranken ohne Ursache (Ins Fressen und starren vor sich hin. beim Saufen stecken sie nicht selten den Kopf so tief ins Wasser, dass es ihnen zur Nase hineinfließt. Im weiteren Verlauf stellen sich charakteristische Bewegungsstörungen ein. welche vom Sitz der Blase abhängig sind. Sitzt
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Drehkrankheit, Taumelsacht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 22!)
die Blase auf oder in einer Großhirnhemisphäre, so bewegen sieh die Thiere mit gesenktem Kopf im Kreise nach der Seite des Sitzes der Blase, während sie sich, im Falle die Blase auf dem Hoden einer Seitonkammer oder auf einem Sehhügel sitzt, nach der entffeffeneesetzten Seite beweeen. Man nennt die Thiere: Dreher. Helhulet sich der Blasenwurm zwischen Groß- und Kleingehirn oder im hinteren Theile des Großhirnes, so laufen die Thiere schwankend und taumelnd mit hochgehaltenem Kopfe liernm, stürzen wühl auch leicht zu Hoden: es sind die Segler. Bei den Trabern und Würflern sitzt die Blase in den vorderen Abschnitten des Großhirnes oder in der N'iihe eines Streifenhügels; die ersteren laufen mit gesenktem Kopfe trabend einher, während die Würfler leicht lallen und sich überstürzen. Andere Kranke gehen äußerst unsicher, taumeln nach einer Seite und lallen bald nach dieser hin. Taumler, Seitlinge: in diesem Falle findet man den Blasenwurm im Hinterlappen des Großhirnes oder im Kleinhirn. Sind mehrere Blasen mit verschiedenen Sitzen vorhanden, so nimmt man gewöhnlich Com-binationen der angeführten Bewegungen wahr.
Heim Beklopfen des Schädels zeigt sich gewöhnlich die Stelle, an welcher die Blase sitzt, weit empfindlicher als die anderen Partien. Nicht selten erfolgt durch den andauernden Druck der Wurmblase auf die Schädeldeeke Schwund derselben, wodurch die betreffende Stelle weich, nachgiebig bei Druck und manchmal schwappend wird. Weiters werden nun die Erscheinungen heftiger, die Betäubung nimmt zu. die Patienten werden schwach, so dass sie häutig zusammenbrechen, oder liegen ununterbrochen, es stellt sich Kaehexie ein, was schließlich den Tod zur Folge hat.
Wie erwähnt, gelangen die Coenurusblasen auf ihrer Wanderung zuweilen auch in das Rückenmark, wo man sie zumeist im Lendentheile lindet: sie veranlassen dann ein Leiden, welches man als Kreuzdrehe bezeichnet. Die Thiere verlieren den sicheren Gang, schwanken mit dem Hintertheile. setzen .die Hinterbeine eigenthümlieh unsicher, strauchein. fallen auch häufig und lassen sich durch geringen Druck auf die Kreuzgegend zum
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280nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Invasions- oder Parasitenkt'mklieiccn.
[#9632;'alle bringen. Die Schwäche der Eintertheile nimmt immer mehr zu und macht zuletzt einer Lähmung platz, wodurch die Hinterfüße nur mehr nachgeschleppt werden. Trotz guten Appetites entwickelt sich schließlich ein kachektisches Allgemein-leiden, dem die Thiere erliegen.
Prognose: Sie ist sehr ungünstig, da selbst bei rechtzeitiger Operation nur höchstens die Hälfte der Kranken wieder hergestellt wird. Der Verlauf der Drehkrankheit ist gewöhnlich ein chronischer und nur sehr selten höchst aeut (beim Eintritt von Gehirnentzündung); die Dauer beträgt G7 Monate.
Therapie: Es wird mit Rücksicht auf den häufig ungünstigen Ausgang der Operationen immer zuerst zu erwägen sein, ob die sofortige Schlachtung des erkrankten Tliieres nicht das Rationellste und Vortheilhafteste ist. da das Fleisch ohne Bedenken genossen werden kann. Will man eine Behandlung einleiten, so wird mau sich im ersten Stadium darauf beschränken, auf den Schädel kalte l'mschläge zu applicieren und innerlich im Trinkwasser Glauber-, Bitter- oder Doppelsalz zu reichen. Diese Anordnungen dienen jedoch nur dazu, einen acuten Verlauf der Krankheit zu verhüten; zum Zwecke der Heilung wird man wohl zur operativen Entfernung der Ooenurusblasen greifen müssen. Diese besteht entweder in der Trepanation oder in der Troikarierung des Schädels. Soll der Wert dieser Operationen kein problematischer werden und will man den bestmöglichsten Erfolg erzielen, der doch ohnedies genug selten ist, so überlasse man deren Ausführung nur einem bewährten Paehmanne. Es soll nicht bestritten werden, dass sieh Landwirte, deren Heerden häufig von der Drehkrankheit befallen werden, durch fleißige Übung am Schädel der Cadaver eine ganz respectable Sicherheit in der Ausführung einer dieser Operationsmethoden aneignen können, immerhin sind diese Fälle selten. Empfehlenswerter ist jedenfalls die Trepanation nach Zürn mittelst des Eueff-schen Trepans, nachherige Spaltung der harten Hirnhaut und Hevausziehen der Wurmblase mit der Pincette. Mit Erfolg operierte Thiere zeigen schon am nächsten Tag auffallende Erleichterung. Bei der Troikarierung wendet man zumeist die Methoden
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Drehkrankheit, Tauinelsueht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 231
von Erdt und Zeden an: beide gehen mit dein Troikar in den Schädel ein, wo sie die Blase vermuthen und suchen, wenn sie diese getroffen, das Wasser aus derselben mit Hilfe einer Spritze auszusaugen und zugleich die Blasenwand ein wenig- hervorzuziehen, wonach ein vollständiges Entfernen derselben nicht schwer fällt.
Was die Kreuzdrehe betrifft, so kann hier selbst durch eine Operation keine Hilfe geschaffen werden; diese Krankheit ist unheilbar, weshalb es am gerathensten ist, die davon befallenen Thiere möglichst bald zu schlachten.
Prophylaxe: Sie erheischt vor allem die Verhinderung der Aufnahme der Wurmblasen seitens der Hunde. Zu diesem Behufe achte man darauf, dass die Köpfe von Drehern durch Feuer vernichtet und nicht den Hunden gegeben werden. Die Hunde sind alljährlich mehrmals einer Handwurmcur zu unterziehen, damit die etwa vorhandenen Bandwürmer abgehen. Zur Our sperre man die Hunde ein und verbrenne die abgegangenen Parasiten. Andere Hunde, halte man mögliehst von den Weideplätzen ab: die Eingeweide von todten Hunden, Wölfen und Füchsen, die auch den Bandwurm beherbergen können. beseitige man durch Verbrennen oder Vergraben.
Die Drehkrankheit der Rinder zeigt sich zumeist bei circa einjährigen Thieren, obwohl ältere auch nicht absolut verschont bleiben. Die Entwicklung der Krankheit erfolgt langsamer als beim Schafe, auch sind die einzelnen Stadien nicht so deutlich getrennt. Die Symptome sind folgende: Stierer, glotzender Blick bei erweiterten Pupillen, .Mattigkeit. Schlaffheit, Schreckhaftigkeit und verminderte Fresslust. Die Umgebung der Hörner ist vermehrt warm, der Kopf w:ird einseitig hoch getragen, dazu gesellen sich noch die charakteristischen Bewegungsstörungen. Der Gang der Thiere wird unsicher, sie heben die Füße unnatürlich hoch, machen auch die Kreisbewegungen, oder drängen nach vorwärts oder nach der Seite, wie die Schafe. Zu Erweichungen oder Verdünnungen der Schädeldecke kommt es bei Rindern nicht, dagegen äußern sie beim Beklopfen der Stellen, unter welchen sich Coenurusblasen befinden, lebhaften
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232nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Itmsions- oder Parasiteakrankheiten.
Schmerz. Wird die Blase nicht bald operativ entfernt dareb
Trepanation so magern die Thiere rapid ab, werden iiinfiillig und gehen schließlich elend zugrunde.
Der Erfolg der Operation ist beim Rinde immer weniger günstig als beim Schafe: es ist jedoch der einzige Weg um eine Wiederherstellung zu ermöglichen.
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2. Bandwurmseuche der Lämmer.
Atiolog-ie: Diese sich zeitweise in großer Verbreitung zeigende Krankheit befallt zumeist Lämmer und Jährlinge, kommt besonders im Sommer nasser Jahre vor. und zwar bei Thieren, welche auf feuchten, sumpfigen Weiden gehalten werden. Es wurden zwar auch Fälle dieser Krankheit bei Stall l'ütterung beobachtet. Joch ist dies äußerst selten. Die Ursache der Bandwurmseuche ist die zahlreiche Anwesenheit des ausgebreiteten Bandwurms. Taenia expansa (siehe Fig. 25) im Dünndarme. Dieser .aehört zu den Bandwürmern mit unbewaffnetem Kopfe, hat einen sehr kleinen Kopf, nach vorne gerichtete Saugnäpfe und sehr kurzen, oder auch am- keinen Hals. Die Proo'lottiden sind 13w lana und ü24raquo;laquo;raquo;n breit. Die Länge von Taenia expansa kann selbst 60//* betragen. Die Jugendform dieses Bandwurmes ist uns noch unbekannt, ebensowenig kennen wir die Aim seiner Einwanderung in den Organismus der Lämmer.
Symptome: Diese haben gar nichts Charakteristisches an sieh, so dass man in den meisten Fallen irgend eine Krankheit des Verdauungstraetus vermuthet. Wohl magern die Kranken im weiteren Verlaufe bedeutend ab und es stellt sich ein kachektiseher Zustand ein. aber erst durch das Auffinden von Proglottiden in den Paces der Patienten oder durch die Section eines krank .aewesenen Thieres verschafft man sieh Gewissheit über die Art der Erkrankung. Hei der Section ist man häufig überrascht von der kolossalen Anzahl von Tänien im Dünndarme; sie ist häufig so bedeutend, dass das Darmlumen vollständig verstopft wird.
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Hiinilwurmsouc-lio der Lämmer.
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Prognose: Der Verlauf der Bandwurmseuche ist chronisch; wird die Krankheit nicht bald erkannt und eine wirksame Behandlung eingeleitet, so führt sie unbedingt zum Tode: im gegentheiligen Falle ist die Vorhersagnng günstig, während hei
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Tocnia aepansa. Halbe GrtOe.
12monatl:chen Lämmern selbst der Erfolg einer rechtzeitig eingeleiteten, zweckmäßigen Behandlung nur sehr zweifelhaft ist. Therapie: Es empfiehlt sich die Einleitung einer Band-wurmeur. Zu diesem Behufe wird man den zur Car herangezogenen Thieren den Abend zuvor jegliches Futter vorenthalten und ihnen
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2oinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; [nvasions- oder Parasitenkrankheiten.
am nächsten .Morgen pikrinsaures Kali 0quot;öO1quot;25 mit Mehl und Wasser zur Pille gemacht, per Stück eingeben. Bewährt hat sich auch das Coussin 0'12 per Stück oder Cousso T'öO per Stück, welches man mit einer Abkochung von Wermutkraut lt;ie!i nüchternen Thieren reicht. Am Tage der dir setzt man den Patienten nur etwas Heu oder Mehltrank vor; am nächsten Tage gibt man ein Abführmittel, etwa Eicinusöl 5080//. Der Erfolg zeigt, ob eine Wiederholung der Cur nothwendig ist; gewöhnlich ist dies der Fall.
Prophylaxe: Von einer rationellen Vorbauung kann heute noch nicht die I'ede sein, da unsere Kenntnisse speciell über die .Jugendform der Taenia expansa wie schon erwähnt noch sehr mangelhafte sind. Die A'ermeidung von Weiden, die man inticiert vermuthet, wird jedenfalls empfehlenswert sein. In Gegenden, wo die Bandwurmseuche häufig vorkommt, rathet Spinola. den Mutterschafen sowohl als auch den Lämmern und Jährlingen, nicht aber den Säuglingen, den nach ihm benannten Wurmkuchen zu geben. Derselbe besteht aus folgenden Stoffen: Kochsalz 500'0. Holz- oder Wagentheer, gepulvertes Wermuth-kraut, Eainfarnkraut je 10000. ]Man gibt dem Ganzen mit Hilfe von Mehl und Wasserdie Consistenz eines steifen Teiges und formt Kuchen, die man an der Luft trocknen lässt. Im Frühjahr und Sommer verabreicht man dann diese Kuchen während 810 Tage in Stücke zerschlagen zum Belecken oder mit Haferschrott vermengt, gut verkleinert, als Lecke.
3. Echinococcenkrankheit.
Diese Krankheit kommt zumeist bei Wiederkäuern, also bei Rindern. Schafen und Ziegen vor, weniger bei Schweinen, selten bei Pferden. Auch bei Menschen wird die Echinococcenkrankheit beobachtet, wo sie schwere Erscheinungen zeigt, welche in einem Zeiträume von durchschnittlich fünf Jahren zum Tode führen. Außerordentlich häutig zeigt sich diese Krankheit sowohl bei Menschen, als auch bei Thieren auf der Insel Island: so soll ihr der achte und zehnte Theil der Bevölkerung unterliegen.
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Kehiaoeoeeenkrankheit.
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Ätiologie: Igt;ie Eehinococcenkrankheit wird durch Einwanderung des vielgestaltigen Thierhülsenwurmes, Echino-cocl'us polymorphus liervorgerufen. Diese ist die Larvenform vom dreigliederigen Bandwurm. Taenia Eehinoeoeeus
(siehe Fig. 26laquo; und b), der im Dünndärme des Hundes bisweilen in enormer -Menge vorkommt und dann Anfülle zu veranlassen vermag, die mit der Wuth verwechselt werden können.
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Taeniii cclittiococcus cysticus. Circn 20miil vergrößert. Nudi Lcuckart.
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Taenia Eehinoeoeeus hat einen kleinen kugelförmigen Kopf, der rundliehe Rüssel ist mit einem doppelten Kranze von 28 bis 50 kleinen Haken verseilen, die Saugnäpfe stehen vorne im Viereck. Der Hals ist länglieh, der Körper in der Eegel nur dreigliedrig. so dass es der kleinste Bandwurm ist; die Gesammtgröße beträgt auch nur höchstens Obcm. Von den drei Gliedern wird nur das letzte, welches auch das größte ist. geschlechtsreit' und ist mit Eiern erfüllt. Die Proglottiden oder die Eier werden mit der Nahrung von den obgenannten Thieren aufgenommen, gelangen
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236nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Invasions- oilei- Parasitenkrankhciten.
in den Magen, wo die Eischalen gelöst werden, worauf die Embryonen frei werden, die Magen- oder Dünndarinwand durchbrechen und nach verschiedenen Organen wandern. Als Hauptentwicklungsstätte dieses Parasiten ist die Leber anzusehen, ob-zwar er auch in allen anderen Theilen des Körpers, selbst in Knochen, zur Entwicklung kommt. In den betreffenden Körper-theilen angelangt, entwickelt sich aus den Embryonen der Thier-hülsenwurm, Echinococcus polymorphus. Die Entwickelungdesselben ist eine sehr langsame, seine Größe außerordentlich verschieden; manchmal hat er die Größe einer Erbse, eines Eies, wahrend er in anderen Fallen so groß wie ein Kindskopf ist. Der Wurm hat die Form einer Blase mit gallertartigen, elastischen Wänden und enthält ein wässeriges Serum oft in bedeutender Menge. In vielen Fällen bleibt die Eehinococcenblase allein, einfach, in anderen wieder erzeugt sie Tochter- oder seeundäre Blasen, welche wieder Enkel- oder tertiäre Blasen haben können; beide findet man entweder auf der Oberfläche, oder auf der Innenfläche der Mutter-blase. An der Innenwand dieser Blasen sprossen die Skolices. die Köpfe der später sich entwickelnden Bandwürmer bis zu 25 Stück. Die Fänge des Scolex beträgt circa O'S mm.
Symptome: Jenach dein Sitze der Parasiten sind die Erscheinungen auch verschieden: sie sind anders wenn sich Echino-eoccen in der Lunge befinden und anders, wenn sie sich in der Leber, im Herz, in den Muskeln etc.vorfinden; immer sind sie aber so wenig charakteristisch, dass es sehr schwer oder sogar unmöglich ist. am lebenden Thiere eine bestimmte Diagnose auf das Vorhandensein von Echinococcen zu stellen.
Bei Echinococcen in der Lunge stellt sich vor allem ein schwacher, keuchender Husten mit Athembeschwerden ein. der im weiteren Verlaufe häufiger wird: Brust und Lenden werden mehr oder minder druekempfindlieh. Ist die Leber der hauptsächlichste Sitz der Parasiten, so werden nur selten besondere Symptome wahrgenommen. Gewöhnlich weiß man das Bestehen der Krankheit erst nach Vornahme der Section. In Fällen, wo die Zahl der Blasen eine sehr bedeutende ist, erreicht die Leber das fünf- und zehnfache ihres normalen Fmfanges. die Leber-
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Kcli iiiucu.ceil kranli hei t.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 237
gegend ist .stark ausgebaucht und empfindlich gegen angebrachten Druck. Platzt eine Blase und ergießt ihren Inhalt in die Brustoder Bauchhöhle, so entsteht eine aeut und letal verlaufende Rippen-, respective Bauchfellentzündung; geschieht dies bei Blasen im Herzen, so erfolgt plötzlicher Tod des Wohnthieres. Das Vorhandensein von Echinococcen in den Muskeln veranlasst Lahmen.
Langsam merkt man nun eine stete Abmagerung der erkrankten Thiere, trotzdem deren Fresslust vorläufig nicht abgenommen hat. nach und nach wird auch diese geringer, es tritt Abzehrung ein. worauf schließlieh der Tod erfolgt.
Sectionsbild: Die befallene Lunge zeigt eine höckerige, geschwulstige Oberfläche; durch die Menge der Blasen wird deren Gewebe zur Schrumpfung gebracht, wodurch es derb und fest erscheint: das Organ selbst wird dadurch beträchtlich vergrößert. Am häufigsten kommt wohl der Echinoeoccus in der Leber vor: diese wird dann vergrößert sein und eine höckerige Oberfläche besitzen: das Leberparenchym wird durch die Blasen verdrängt, verdichtet und schliesslich atrophiert. Nicht selten ist auch die Leber mit den benachbarten Organen verwachsen. Ahnliche Folgen veranlassten Echinococcen in der Milz. Xiere. in den Muskeln etc.
Prognose: ün günsti g.
Therapie: Eine wirksame Behandlung der Echinoeoccen-kraukheit ist bisnun unbekannt, die versuchten therapeutischen Eingriffe resultatlos. Am vortheilhaftesten und am ökonomischesten ist es, die Thiere, die im VerJacht dieser Krankheit stehen, baldigst, bevor Abmagerung eintritt, der Schlachtbank zuzuführen.
Prophylaxe: Diese fordert in erster Linie die Vernichtung aller Organe, in welchen sich Echinococcen belinden, außerdem Verhinderung der Verfutterung solcher Organe an Hunde. Es empfiehlt sich auch, die Schäfer- oder Hofhunde zeitweise einer Bandwurmcur zu unterziehen. Mit Rücksicht darauf, dass die Echinococcenkraukheit auch den Menschen tiefallen kann, wäre eine strikte Durchführung der Prophylaxe dringend erwünscht.
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Inviisiuns- oder Parasllenkranklieiten.
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4. Finnenkrankheit der Schweine.
Atiologie: Die Ursache dieser Krankheit ist die Finne, Oysticercns cellulosae, welches die Jugendform des beim Menschen vorkommenden Einsiedlerbandwurmes, Taenia solium. ist und durch Ansiedelima; im Bindegewebe der Haut.
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t'ijr. 28.
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Fig. M.
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Kopf, vergröBcrt.
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Cysticorcus mit ;ms. gestülptem Kopf.
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VcrgrOC
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Muskeln, serösen Hiiute, in der Zunge. Herz. Leber. Milz. Gehirn, den Lymphdrüsen etc. die Finncnkrankheit veranlassf.
Der Einsiedlerbandwurm, Kettenbandwurm. Taenia solium (siehe Fig. 29 bis 30), besitzt einen runden, am Ende bisweilen schwärzlichen Kopf mit einem kurzen, von einem doppelten Kranze von 26 starken Haken besetzten Rüssel, vorne vorspringende Sauggruben. An dem fadenförmigen Halse setzen sieh die schmalen, dünnen, ersten Glieder an. deren Form bei den weiteren länger und quadratisch wird; schließlich sind die letzten Glieder bedeutend länger als breit und enthalten diese auch die reifen Eier. Taenia solium
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Pinaenkrankheit der Schweine.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;28!)
erreicht manehmal die erstaunliehe Länge von 89//*, sein Wohnort ist der Dünndarm des Mensehen. In seinem ersten Zustand lebt er als sogenannter Blasemvnrm. unter den Namen echte Finne. Zellgewebsblasensehwanz, Cystieercus eellulosae, bekannt. Sie hat das Aussehen einer schrottkorn-bis kirschkerngroßen, schwärzlichen Blase, an welcher bereits der Kopf des späteren Bandwurmes bemerkbar ist. der auch in die Blase eingezogen werden kann.
J)ie Infection erfolgt durch die Aufnahme der Proglottiden, die der .Mensch zumeist mit den Exerementen absetzt. Man beobachtet die Krankheit auch vorzugsweise bei Schweinen, die in der Nähe von Aborten gehalten werden, was in manchen Ländern leider noch unumstößliche Gepflogenheit ist. während bei auf Weiden gehaltenen, mit Eicheln. Bueheln oder ähnlichem gefütterten Sehweinen, ebenso wie bei wilden Schweinen die Pinnenkrankheit sein' selten ist. Gelangen Eier oder reife Glieder des Bandwurmes in den Magen des Schweines, so werden sie verdaut, die Kalkhülle der Eier wird gelöst, worauf die Embryonen frei werden und gleich die Wanderung nach allen Körpertheilen antreten. Schon drei Wochen nach erfolgter Infection erscheinen die Finnen hirsekorngroß, zart und durchsichtig, und nach 2 bis 21/2 Monaten haben sie ihre vollständige Entwicklung erlangt. Schweine von beiläufig :i/4 Jahren seheinen nicht mehr inficiert werden zu können (Gerlach).
Symptome: Manchmal kann die Finnenkrankheit schon während des Lebens der Schweine festgestellt werden, während in anderen Fällen nicht das geringste Symptom die Gegenwart derselben verräth. Das erstere ist der Fall, wenn die Finnen ihren Sitz unter der Zunge oder an der inneren Fläche der Augenlider haben, wo dieselben dann gewöhnlich als kleine, runde, bläuliche oder weißliehe Knötchen zu erkennen sind. Bisweilen ist aber selbst dieser Nachweis unmöglich, obzwar das Schwein vielleicht sogar im hohen Grade finnig ist. Erst wenn eine sehr große Menge dieser Parasiten gegenwärtig sind, stellen sich Erscheinungen eines Siechthumes. einer Kache.vie ein, woran die befallenen Thiere schließlich eingehen. Sind die Finnen im
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240nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Invasions- oder Parasitenkrankheitcn.
(i(^liinie oder Ruckenmark vorhanden, so worden hie und da siK'citisclie Aflectioncn. wie Krämpfe, Lilliiniingen. Tobsuchts-anfälle etc. beobachtet.
Während die Pinnenkrankheit am lebenden Tliiere schwer, häutig gar nicht erkennbar ist, gelingt die Diagnose sicher nach der Schlachtung. Abgesehen davon, dass das mit Finnen durchsetzte Fleisch blass, weich, wasserig und welk ist, wird man eine sichere Diagnose doch nur nach der mikroskopischen Untersuchung des Fleisches stellen dürfen.
Prognose: Sie ist ungünstig; nach einem langdauernden chronischen Verlauf gehen die Thiere abgezehrt an Erschöpfung zugrunde.
Therapie: Dieselbe gewährt mit keinem der vielen angepriesenen Mitteln und Mittelchen irgend einen Erfolg.
Prophylaxe: Der Entwicklung dieser Krankheit wird man nur durch sorgfältige Vorbauung entgegentreten können. Diese wird darin bestehen, die Schweine an der Aufnahme von Proglottiden zu verhindern: zu diesem Behufe hält man die Schweine von Abtritten. Canälen. Senkgruben etc. ferne und errichtet reine Stallungen.
Sanitätspolizei: Der Verkauf des Fleisches finniger Schweine und der daraus hergestellten Producte ist verboten, da es als gesundheitsschädlich betrachtet wird.'Zum Hausgebrauch darf das Fleisch benützt werden, wenn es nur geringgradig finnig ist. und wenn es vor dem Genüsse tüchtig durchgekocht oder gebraten wird. Hochgradig finniges Fleisch ist vom menschlichen Genüsse unbedingt auszuschließen. Durch Pöckelung mit Kochsalz auf gewöhnliche Weise werden alle Finnen in dem betreffenden Fleischstücke nach 18 Tagen unbedingt getödtet, während im frischen Fleische erst nach 28 Tagen alle Finnen abgestorben sind.
Forensisches: Die Finnenkrankheit der Schweine gilt in manchen Ländern als Gewährsmangel mit verschiedener Gewährszeit, und zwar in:
Österreich, Bayern. Preußen. Hessen mit 8 Tagen
Frankreich.........raquo; 9 raquo;
Württemberg. Baden......raquo;28 :raquo;
Sachsen..........raquo;30 raquo;
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Pinnenkranklieit der Kinder.
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2-11
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5. Finnenkrankheit der Rinder.
Ätiologie: Die Ursache dieser Krankheit beim Rinde ist auch eine Finne, welche jedoch nicht mit Oystieercns cellulosae identisch ist. sondern die Jugendfora! von Taenia raedio-canellata s. saginala, inennis. vorstellt, eines ebenfalls beim Menschen vorkommenden Bandwurmes.
Der unbewaffnete Bandwurm. Taenia saginata (siehe Pig. 31 und 82). hat einen großen, fast viereckigen Kopf mit
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vier sehr stark entwickel-
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Fig. 31.
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ten Saugnäpfen, der Hals 'fehlt fast gänzlich. Die Anfangsglieder sind sehr klein, die mittleren bedeutend breiter als lang mill die Endglieder sind gewöhnlich drei- bis viermal so lang als breit: wahrend die ersten Glieder circa 2 mm im Quadrat messen, beträgt die Länge der Endglieder 24 mm,
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Taenia s:ifriiinta s.
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deren Breite 68 mm. Gelangen die Proglottiden
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Taenia saginata s, raodio-candlata. Kopf stink pigmentiert. Nach II o 1 lor.
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tnodiocanellata, Roifes
Glied, Bfocli ver-
grötert.
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in den Ferdauungscanal des Rindes, so entwickelt sich ein Embryo, welches zumeist ins Bindegewebe wandert, wo es sich zur Finne ausbildet, welche einen Blasenwurm darstellt. Die Finne hat einen runden Kopf mit vier stark entwickelten Sauggruben: der Hakenkranz fehlt, dagegen findet sich am Kopfe noch ein Stirnsaugnapf. Die Länge der Blase beträgt 2,58mm, deren Breite l'lmm.
Der Sitz der Rinderfinne sind vorzüglich die inneren Kaumuskeln und das Herz, weniger die Zungen-. Hals- und Bauchmuskeln. Während beim Schweine die Finne in größerer Anzahl vorkommt, sind beim Einde in der Regel nur vereinzelte Exemplare vorhanden, was natürlich ist, wenn man berücksichtigt.
Küston bau m, (irundriss drv Tliierseochen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ] (J
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242nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Invasions- oder Parasitenkrankheiten.
class junge Rinder kaum Gelegenheit finden, eine größere Masse von Eiern des in Frage kommenden Bandwurmes aufzunehmen.
Symptome: Bei einer natürlichen Infection werden fast nie auch nur die geringsten Erscheinungen wahrgenommen, da.
wie oben erwähnt, nur vereinzelte Finnen im Körper einwandern. welche der Gesundheit des Wirtes keine sichtbaren Nachtheile verursachen. Wird aber für Versuchszwecke eine bedeutende Anzahl von Proglottiden verfüttert, so stellen sieh bald unter Fiebererscheinungen die Symptome eines Darmleidens ein, die Thierc magern ab, die Kräfte schwinden und nach einigen Wochen erliegen sie ihrem Leiden.
Prognose: Sie ist quoad sanetioiiem ungünstig, quoad vitam günstig, da die eingewanderten Finnen nur äußerst selten, um nicht zu sagen, nie die Todesursache ihres Wirtes bilden.
Prophylaxe: Sie ist dieselbe wie bei der Finnenkrankheit der Schweine: Reinlichkeit im Stalle und Verhinderung der Aufnahme von Proglottiden durch Fernhaltung von allen Orten, an welchen menschliche Dejecte abgesetzt werden.
Sanitätspolizei: Ihre Maßregeln müssen beiweitem nicht so strenge sein als bei der gleichen Krankheit der Schweine, da vor allem die Rinderfinne nicht imstande ist, die Gesundheit des Mensehen ernstlich zu gefährden, wie dies bei der Sehweinefinne der Fall ist. Die Taenia mediocanellata erzeugt beim Menschen so gut wie gar keine Störungen und sonst vorzüglich subjective Belästigungen, die. sobald hervorgetreten, auch gleich vollständig beseitigt werden können. In der gesanimten ziemlich umfangreichen Parasitenliteratur lindet man nur drei Fälle, wo Rinderfinnen ins Gehirn und ins Auge eingewandert sind, so dass überaus strenge Maßregeln ungerechtfertigt erscheinen. Anderseits ist zu berücksichtigen, dass die Rinderfinne im allgemeinen nur sehr selten in der Hauptmasse des Fleisches angetroffen wird, sondern zumeist an den Lieblingssitzen (Kaumuskeln) und da vereinzelt; in diesem Falle ist die Hauptmasse des Fleisches in der Regel frei von Finnen. Will man trotzdem noch vorsichtiger sein, so gibt es noch einen Weg. um finniges Fleisch - es kommt wohl nur solches köpf- und einfinniger Rinder in
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Leberegelkrankheit, Ijeberfilule,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 24o
Betracht dein meusehlicheu Genüsse ohne Schaden zugänglich zu machen, einfach, Indem man die Finnen durch längeres Hängenlassen des finnigen Rindfleisches im Kühlraume zum Absterben bringt (Perroncito). Aus den Versuchen von Glage. Kabitz und Zschokke folgt in bestimmter Weise, dass die 21tiigigo Aufbewahrung des Fleisches im Kühlraume absolut genügend ist. um die Finnen zum Absterben zu bringen. Zugleich wird aber auch das Fleisch wertvoller, indem es raquo;tafelreiflaquo; wird. Es steht also dem freien Verkaufe des Fleisches ein- und kopf-finniger Rinder, welches die vorgeschriebene Zeit im Kühlraume aufbewahrt wurde, nichts im Wege. Anders steht es mit dem Fleische starkfinniger Rinder, welches unbedingt vom menschlichen Genüsse auszuschließen ist.
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6. Leberegelkrankheit, Leberfäule.
Es ist eine meist seuchenartig auftretende Invasionskrankheit mit chronischem Verlauf, welche besonders häufig Schafe befällt, seltener Rinder und Ziegen und nur ganz selten Schweine. Auch Pferde sind von dieser Krankheit nicht ganz verschont, obzwar solche Fälle äußerst wenig beobachtet werden. Am meisten gefürchtet ist die Leberfäule oder Egelsucht bei Schafen, wo sie. wenn ausgebrochen, die Heerde häutig deeimiert.
Atiologie: Veranlasst wird die Leberegelkrankheit durch die Aufnahme der Brat der Loberegel. Distomum hepati-curn und laneeolatum.
Distomum hepaticum, der große Leberegel (siehe Fig. 33, -/ und 2), hat einen ziemlich dicken, kegelförmigen Vorderkörper, während der Hinterleib abgeflacht ist und sich nach rückwärts verschmälert. Am Kopfende befindet sich der kleine Saugnapf mit dem .Munde, nicht weit entfernt davon ist der zweite, der Bauchsaugnapf; zwischen beiden liegt die Geschlechts-öffnung. Die Oberfläche des Parasiten ist mit schuppigen Stacheln zahlreich besetzt. Die Länge des großen Leberegels beträgt circa SOvini. dessen Breite circa 8 mm.
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[nvasions- odor Parasitenkrankbeiten.
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Distotnum laneeolatum, dor lanzettförmige Leberegel (siehe Pig. 33, 5), hat, wie schon sein Name besagt, einen dünnen, gestreckten, lanzettförmigen Körper mit glatter Oberfläche. Der größere Bauchsaugnapf ist vom kleineren Mundsaugnapfe weiter
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i Geschleclitsorgiino des großen Leberegels (Distoma s. Distomum hepaticum L.); au^ den Gallengängen 'llt;'s Schafes. 2 Verdauungsorgane ilos großen Leberegels (D. bepaticum); iius den Gallengängen des Schafes. -3 Organisation dos lanzettförmigen Leberegels (D. laneeolatum Sfehlis); uns den GallengünifGn dos Schafes. 4 Leberegol uns dorn Schweinefleisch nach Dunker. 5 Organisation dos Distomum echinatam Zeder; ans dem Darme der Snte. 6 l)as konische Endloch, dor Zapfenwurra (Amphystomoro eonicum Rudolph!); aus dorn Pansen des Rindes. 7 Has rielgestaltete Endloch (Holostomum variabile Nitscb); anraquo; dorn Darme dor lüito. Naoli Prof. Dr. J. Csokor.
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entfernt als bei Distomum hepaticum. Länge des Parasiten circa 6 nun. Breite circa 2 mm.
Die Distomeen durchlaufen einen complicierten. mit Metamorphosen verbundenen Generationswechsel, ehe sie in das eigentliche Wohnthier gelangen. Um die Entwicklung zu ermöglichen, müssen die Eier ins Wasser oder auf gut feuchte Plätze o-elana-en.
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Leberegelkrankheit, Leberfäule.
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Unter so günstigen Verhältnissen werden die in demselben enthaltenen Embryonen reif, schlüpfen aus und suchen ein neues Wohn-thier auf, meistens die Wasserschneeke, Muschel oder ähnliches, in welchem sie eindringen und den Larvenzustand durchmachen. Hier wandeln sie sich zu Keimschläuchen, Cercarien. oder zu lebhaft sich bewegenden Ammenschlänchen. Bedien (siehe
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Kntwu-khim
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Leberegels. Such Prof. Dr. J. Csokor.
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/ Kotfes Ki vom Distomum hopaticnm h. 2 Keifcs Ei mit der Anlage dos Embryo vom DistomuDi
hepaticum h. 3 Freier Embryo vom Distomum hepaticum I-. 4 Freier Embryo vom Distomum
lanceolatom Melilis. 5 Sporooyste, Amnienschlaucli von Distomum hepaticum L. 6 Kedic, Kcim-
selilauch von Distomum hepaticum L. 7 Ccrcarie von Distomum echinatum Pa.
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Fig. 34, i 6quot;) um. in deren Innerem unmittelbar oder erst nach seeundärer Keimschlauchbildung geschwänzte oder schwanzlose Cercarien bildend. Während die letzteren ihren Wirt nicht mehr wechseln, verlassen die geschwänzten Cercarien ihr Wohnthier. schwimmen mittelst ihres Euderschwanzes im Wasser herum und werden so von einem höheren Thier direct beim Trinken aufgenommen oder sie dringen nochmals in Zwischenwirte Schnecken, kleine
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246nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; [nvasions- oJcr Parasitenkrankheiten.
Krebse, Würmer etc. ein, oder aber sie heften sich an Wasserpflanzen au. in beiden letzteren Fällen verlieren die Cer-earien ihren Schwanz und kapseln sieh ein, in diesem Zustande des Momentes harrend, wo sie von geeigneten Thieren aufgenommen werden. Die mit dem Futter oder Getränke in den Ver-dauungstractus eingeführten Cerearien gelangen wahrscheinlich vom Dünndärme aus durch den gemeinschaftlichen Galleugang in die Leber. Gewöhnlich bleiben sie in den Gallengängen oder sie dringen ins Parenelmu der lieber ein, selten werden sie durch Eindringen in Blutgefäße mit dem Blute in verschiedene Körpergegenden verschleppt. Sind die Parasiten nun dermaßen an ihrem Endziel angelangt, wozu circa drei Wochen vom Momente der Ablagerung der Eier in Wasser nöthig sind, so erlangen sie auch die Geschlechtsreife. Die Einwanderung der Brut erfolgt gewöhnlich im Sommer und im Herbst; im Herbste wird gewöhnlich die Krankheit wahrgenommen, da speciell in dessen zweiten Hälfte die Erkrankungen häufiger werden und bis zum Frühjahre andauern. In den Monaten Mai bis Juli werden die Parasiten geschlechtsreif und verlassen die Leber; Ende Juli findet man keine Spur mehr von ihnen.
Symptome: Nur wenn eine zahlreiche Menge des Egels in die Leber einwandert, werden irgend welche Erscheinungen beobachtet, die aber auch erst bei vorgeschrittenem Leiden deutlich werden: durch die Gegenwart einzelner Parasiten wird die Gesundheit des betreffenden Thieres in keiner Weise tangiert. Zwei bis drei Monate nach der Aufnahme der Egelbrut stellen sich die Symptome der Krankheit ein, die aber nichts Charakteristisches an sich haben. Die befallenen Schafe werden matt und hinfallig, magern infolge schlechter Presslust ab, die Wolle wird fett- und glanzlos, zugleich macht sich ein gelbsüchtiger Zustand bemerkbar, der auf eine Erkrankung der Leber deutet. Weiterhin stellen sich auch die Merkmale hochgradiger Bleichsucht ein. denen sich später auch die der Bauchwassersucht zugesellen: manche Hautpartien sind bisweilen teigig geschwellt (Hautödem). Im weiteren Verlauf treten übelriechende Durchfälle und Zehrfieber ein. welchem die Kranken erliegen.
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Leberegelkrankheiti Lebeifäule.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 247
Auf Gnind dieser Symptomengrappe wird man jedoch keine .sichere Diagnose stellen können, man wird vielmehr erst die Section eines gefallenen oder getödteten Thieres vornehmen müssen, um bestimmten Aufschluss über die Art der Krankheit zu erhalten. Übrigens genügt auch die mikroskopische Untersuchung der Excreinente der erkrankten Thiere zur Sicherung der Diagnose: in positiven Füllen findet man alsdann die ovalen, mit Deekel versehenen Distomeneier.
Ähnlieh sind die Erscheinungen beim Rinde, nur rauss da das Leiden noch bedeutend mehr vorgeschritten sein, um irgend welche Symptome wahrnehmen zu können.
Sectionsbild: Die Oberfläche der Leber erscheint höckerig, deren Gewebe ist atrophiert. derb und blass. Der Lebersclnvund kann selbst soweit vorgesehritten sein, dass man nur mehr geringe Reste des Organes vorfindet. Die Gallenblase ist erweitert, ebenso die Gallengänge, die eine zähe, fadenziehende Galle enthalten, in welcher man Leberegel und Eier lindet. Durch Ablagerung von Kalksalzen in neugebildetes Gewebe werden die Gallengänge verkalkt, inkrustiert. Außerdem ergibt die Section der umgestandenen Thiere den Befund hochgradiger Bleichsucht und Abzehrung.
Prognose: Bei jungen schwächliehen Thieren sehr ungünstig, günstiger bei kräftigen älteren Thieren. bei denen nur eine mäßige Anzahl der Parasiten eingewandert sind. Diese können bei guter Wartung und PtJege gesunden, da sie die Periode bis zum Frühjahr überstellen können, wo die geschlechts-reifen Distomeen die Leber verlassen. Der Verlauf der Leberfäule ist in der Regel chronisch, nur bei Einwanderung sehr zahlreicher Parasiten erfolgt rasch der letale Ausgang.
Therapie: Da man einerseits mit Arzneimitteln nicht direct auf die in der Leber befindlichen Egeln einwirken kann, anderseits die Schwere der Erkrankung in erster Reihe von der Menge der eingewanderten Parasiten abhängt, wird man von den therapeutischen Maßnahmen nicht viel Erfolg erwarten dürfen. Zweckmäßigerweise wird man als Endziel der Behandlung nur die Erhaltung der Kräfte der befallenen Thiere bis zu dem Zeit-
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2-18nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; [nvasions- oder Parasitenkrankheiten.
punkte ansehen, wo die Auswanderung der Parasiten erfolgt. Zu dem Zwecke schlägt man ein diätetisches Verfahren ein, reicht den Patienten gute, kräftige Nahrung, wie Heu. Schrott, Körner. geröstetes Malz u. dgl.; nicht zu vergessen sind Steinsalzlecken. Daneben gibt man zur Hebung der Verdauung und zur Verhinderung des Eintrittes von Anämie bitter-aromatische Stoffe und Eisenvitriol etwa in folgender Mischung: Eisenvitriol 100-0. Kalmus wurzelpulver. Waehholderbeeren aa. 1000-0. Das ganze wird gepulvert und mit 80? geröstetem Gerstenmalz vermischt als Lecke für 200 Schafe benutzt. Prophylaxe: Man vermeideraquo; sorgfältig alle gefährlichen und verdächtigen Weiden, ebenso den Gebrauch des von solchen Plätzen stammenden Heues. Grases und Trinkwassers. Viel Erfolg gewährt die Ausführung von Meliorationen auf solchen Weiden, wodurch die schon enzootiseh gewordene Krankheit vollständig schwindet. Bevor die Thiere auf die Weide getrieben werden, setze man ihnen etwas Trockenfutter vor und tränke sie. Die Lebern der gefallenen Thiere sind unschädlich durch Verbrennen zu beseitigen.
Forensisches: Die Leberegelkrankheit der Schafe ist Gewährsfehler, und zwar in:
Baden, Bayern. Württemberg mit 14 Tagen Großherzogthum Hessen . raquo;#9632; 28
Sachsen........30
Österreich......raquo;60
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7. Lungenwurmkrankheit
Atiologie: Der Grund dieser Krankheit ist in der zahlreichen Einwanderung von Strongyliden in die Luftröhre und in die Bronchien zu suchen. Sie befällt zumeist Jungvieh und da in erster Linie Lämmer, seltener Kälber und Ferkeln, vorzugsweise wenn diese Thiere auf feuchter, sumpfiger oder mooriger Heide
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Lunsenwnrmkrankheit.
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gehalten werden; aber auch auf sonst trockenen Weiden kann die Krankheit bei Begeben derselben bei anhaltend nasser Witterung erworben werden. Auf erstgenannten Örtlichkeiten kommt die Lungenwiirnikranklieit bisweilen enzootisch vor, während sie bei Stallfütterung Oberhaupt nicht beobachtet wird.
Bei den verschiedenen Thieren ist es nicht ein und derselbe Parasit, der die Krankheit verursacht, vielmehr spielen mehrere Strongylusarten die Bolle des Krankheitserregers und die meisten derselben sind für die betreffende Thiergattung spe-eifisch. Heim Schafe kommen folgende Paliisadenwürmer vor: Strongylus filaria (siehe Fig. 35), der Luftröhrenkratzer oder fadenförmige Palli-
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saden wu rm; Strongyl us paradoxüs, der seltsame Pallisad en wurm ; Stro n-g y I u s r u fe s c e n s, d e r rö t h-11 ch braune P all is ade n-wurm: Pseudalius ovis pulmonalis, der Lungen-h aarw ur m. Beim Rinde:
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Strongy ins m ier ur u s, der
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Strongylus ttlaria.
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k I e i n s c h w ä n z i g e Pall i-
sadeuwurm. Beim Schweine: Strongylus paradoxüs. der seltsame Pal 1 i sad en wurm. Auf die nähere Beschreibung der einzelnen Parasiten einzugehen, wird wohl nicht nöthig sein, es wird genügen, die allgemeine Charakteristik der Strongyliden hervorzuheben.
Die eigentlichen Strongylusarten oder Palli-saden würmer gehören zu den Rundwürmern (Nemathelmintha). Sie haben einen länglichen, walzigen, selten platten oder prismatischen Körper, an dem sieh ohne jeden Uebergang der Kopf ansetzt, welcher nackt oder geflügelt ist. Der endständige Mund ist kreisförmig, nackt, oder es finden sich an dessein Saume Wärzchen vor. Das Schwänzende des Männchens besitzt einen ungetlieilten. eingeschnittenen oder getheilten, lappigen, viel-strahligen Beutel und fadenförmigen Penis mit zweitheiliger
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Invasions- oiler Parasitenkrankbciten.
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Scheide, während das Schwänzende des Weibchens gerade ist. Die Geschlechtsöfihung ist gewöhnlich vorne, selten hinten, der Fniciuhälter ist zweihörnig. Die meisten Strongyliden legen Eier. bei nicht wenigen seht aber auch in den Eileitern die Entwiek-hin^ so weit vor sich, class die Nachkommen lebendig geboren werden.
Die gGschlechtsreiteii Pallisadenwürmer bewohnen Luftröhre und Bronchien, wo sieh auch die Eier und. Embryonen entwickeln. Die gesehleehtsreifen Parasiten kommen durch Aus-liusten ans dem thierischen Körper und machen mm folgenden Entwicklungsgang durch: Aus den trächtigen Weibchen gehen die Embryonen hervor, welche sich, wenn sie in Wasser kommen, weiter entwickeln, geschlechtsreif aber nur dann werden, wenn sie zur rechten Zeit von einem geeigneten Wirte Kalb. Lainin. Forked aufgenommen werden. Nach Leuckart müssen die embryonalen Strongyliden erst in einem Zwischenwirte Schnecke oder Insect einwandern, wo sie eine Zwischenform annehmen, die mit dem Zeitpunkte entwicklungsfähig wird, wo sie das doppelte der ursprünglichen Länge erreicht haben. Mit diesem Zwisehenwirte werden alsdann die Parasiten von dem endgiltigen Wohnthiere aufgenommen und erlangen da ihre völlige Rehe. Wie dem auch sei. dieselben gelangen vor allem in den Magen, wandern dann durch Schlund und Schlundkopf in die Luftröhre und deren Verzweigungen, bohren sich in die Bronchialschleimhaut ein und halten sich da etwa drei Vierteljahre lang auf, bis sie die geschlechtliche Entwicklung erreicht haben, worauf sie auswandern. Die Aufnahme der Wnrmbrut geschieht im Frühjahre, im Spätsommer und Herbst stellen sich die Symptome der Krankheit ein. Eine Übertragung der Parasiten von einem bereits damit behafteten Thiere auf gesunde findet nicht statt.
Symptome: Anfangs seltener, trockener Husten, der bald häufiger, heiser, krächzend und anstrengend wird und mit der Zeit einem dumpfen, schwachen Linsten platz macht, welcher bisweilen nur ein starkes Kenchen ist. Durch das Husten wird manchmal unter Würgen ein schleimiges Sputum ausgeworfen.
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Lnngcnwnrmkranklieit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 251
in welchem sich oft ganze Wurrnknäuel vorfinden. Daneben bestehen mehr oder weniger bedeutende Athembeschwerden und schleimiger Nasenausfluss. Es ist also das Bild eines schweren chronischen Bronchialkatarrhes. Im weiteren Verlaute gehen die Kranken im Ernährungszustände merklich zurück, es macht sich ein kachektischerZustand bemerkbar. Durchfälle stellen sich ein. die Kräfte nehmen rapid ab und die Thiere erliegen schliesslich nach mehrmonatlicher Krankheitsdauer dem Leiden.
Beim Sehweine sind die durch Anwesenheit von Pallisaden-wörraern bedingten Störungen so gering, dass man dieselben fas nie wahrnimmt. Sind bedeutende Mengen des Parasiten zugegen so gehen die Ferkeln meist plötzlich zugrunde.
Sectionsbild: In den Luftröhrenästen findet man knäuel-fürmige Wurmconvolnte. Die Lunge ist bleich, welk, an der Oberfläche höckerig oder beulenartig aufgetrieben. Die Schleimhaut der Bronchien ist entzündet und erscheint gelockert; daneben besteht zumeist seröser Ergnss in die Körperhöhlen und Blutleere in der Musculatur.
Prognose: Bei Schafen ungünstig, günstiger bei Rindern, noch günstiger bei Schweinen. In Fällen, wo die Wnrminvasion keine so kolossale war und die Thiere noch kräftig sind und kräftig ernährt werden, kann Genesung eintreten, indem die Mehrzahl oder alle Parasiten ausgehustet werden.
Therapie: Das Hauptaugenmerk wird man wohl auf die Erhaltung der Kräfte richten müssen. Zu diesem Zwecke verabreicht man den Kranken kräftige, nahrhafte, dabei leicht verdauliche Nahrung, wie .Malz. Hafer-. Gerstenschrott und dergleichen. Weiters gebrauche man stärkende Arzneistoffe etwa in folgender Mischung:
Eisenvitriol lOOO, Wermntpulver. Kalmuspulver aa. lOOO'O. Rainfarnwurzel öOO'O, Gut mit Haferschrott vermischen und jedem Schafe täglich 10 bis 15^ als Lecke zu geben.
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252nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Invasions- oder Parasitenkrankheiten.
Kälbern gibt man pikrinsaures Kali in Verbindung mit einem schleimigen Mittel. Empfohlen wird auch die intratracheale
Injection von Terpentinöl oder Carbolsüure. um die Thiere zum Aushusten der Parasiten zu veranlassen, nimmt man Stallräuche-rungen mit Theer vor, dem man etwas Terpentinöl zusetzt. Jedenfalls ist dabei Vorsieht geboten. Zuerst wird man den verschlossenen Stall ausräuchern und darnach die Thiere anfangs kürzere, später längere Zeit in demselben behissen, um sie dann ins Freie zu treiben. Die Räueherungen sind wochenlang fortzusetzen.
Hat die Krankheit schon den grüßten Theil einer Heerde ergriffen oder stößt die diätetische Behandlung auf unüberwindliche Hindernisse wirtschaftlicher Natur, so erscheint es am zweckmäßigsten, die Thiere so bald als möglich der Schlachtbank zuzuführen.
Prophylaxe: In Gegenden, wo die Seuche häutig vorkommt, wird man wohl oder übel für die Lämmer und Jährlinge die Stallfütterung einführen, oder diese zumindest während des Frühjahrs- und Sommeranfanges aufrecht erhalten müssen. Keinesfalls unterlasse man es. den Thieren vor dem Austriebe etwas ßauhfutter vorzulegen und sie zu tränken, damit sie nicht völlig nüchtern die Weide beziehen. Besonderes Augenmerk richte man darauf, dass die Thiere ihren Durst nicht mit Pfützenwasser löschen: man halte sie deshalb von solchen stagnierenden Wässern ferne. Da in den Monaten Mai bis Juli die Aufnahme von Parasiten erfolgt, so erseheint es rathsam. in diesen Monaten den Weidethieren zeitweise antiparasitäre Mittel zu verabreichen. Zürn empfiehlt das nach ihm benannte Wurmpulver, bestehend aus:
Wermutkraut.
Kalmuswurzel aa. 1000O.
Rainfarn wurzel,
Gebrannte Knochen aa. 5000.
Eisenvitriol 125-0. Gut zu mischen und mit Haferschrott als Lecke zu geben. Per Lamm circa 15laquo;?.
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Magenwurmsenche dor Schafe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;253
Dieselben Dienste leistet der Spi no lasche Wurmkuehea. Forensisches: Die Lungenwurmkrankheit der Schafe ist Gewährsraangel mit einer Gewährszeit von:
in Österreich .... 60 Tagen raquo; Sachsen.....30
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8. Magenwurmseuche der Schafe.
Atiologie: Diese in manchen Gegenden enzootisch vorkommende Invasionskrankheit befällt zumeist Lämmer und Jährlinge. Sie wird durch die Anwesenheit eines Pallisadenwurmes im Labmagen veranlasst, und zwar durch den gedrehten Pallisadenwurm, Strongylus eontortus. Dieser hat einen eiförmigen, abgestutzten, geflügelten Kopf, an dessen Mundsaum sich drei Wärzchen belinden: der Korper ist etwas gedreht. Der Schwanzbeutel des Männchens ist zweilappig und ftinfstrahlig, das Schwänzende des Weibchens ist spitzig, ober der Spitze befindet sich die Geschlechtsöffnung. Länge des Männchens 10 bis 16(quot;w, des Weibchens 1826mm.
Sehr häufig besteht neben dieser Krankheit auch die Lungenwunnseuche. oder sie tritt bei Thieren auf, die letztere Krankheit vor kurzem überstanden haben. Die Aufnahme der Parasiten erfolgt im Frühjahre, selbst bis Ende Juli in feuchten Jahrgängen, auf der Weide, und erst nach einem halben bis dreiviertel Jahr werden die Folgen der Einwanderung bemerkbar. Als Enzootio tritt die Magenwurmseuche hauptsächlich in sandigen, an stehenden Gewässern roichen Gegenden auf.
Symptome: Diese sind so unzuverlässig und so wenig charakteristisch, dass die Diagnose gar nicht leicht wird. Zum Zwecke der Sicherung derselben wird man wohl zur Section eines erkrankten Thieres greifen müssen, wobei man dann in positiven Fällen die Sehleimhaut des Labmagens und besonders dessen Falten mit dicht aneinander gedrängten Strongyliden besät findet. Die Erscheinungen am lebenden Thiere bestehen in Yer-dauungsstörungen, Mattigkeit. Rückgang im Ernährungszustände,
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welche schließlich in Bleichsucht und volle Kachexie übergehen, woran die Thiere in der Eegel zugrunde gehen, namentlich wenn gleichzeitig Lungenwürmer zugegen sind, was nicht selten der Fall ist.
Prognose: Wird im Beginn der Krankheit eine richtige Behandlung eingeleitet, so ist die Yorhersagnng nicht ungünstig. da Genesung eintreten kann.
Therapie: Die Behandlung besteht in der Darreichung von kräftigem, leicht verdaulichem, proteinreichem Futter, wie Körner, geröstetes Malz und dergleichen; außerdem gibt man das Ohabert'sche Öl (bestehend aus einem Theil stinkendem Thieröl und drei Theilen Terpentinöl) pro Tag und Stück einen Kaffeelöffel voll, oder folgende Mischung: Stinkendes Thieröl. Terpentinöl na. 9()'0. Spiritus 2700. Vor Gebrauch zu schütteln. Täglich jedem Lamme nöehtern 12 Theelöffel roll zu geben.
Am empfehlenswertesten ist aber die Anwendung von pikrinsaurem Kali. Man reicht es in Dosen von ü-2 bis 0'3/7 per Lamm und lquot;2ng per Schaf in Verbindung mit dickem Leinsamenschleim täglich zweimal und fahrt mit dieser Behandlung drei Tage lang fort. Sehen nach der zweiten Gabe pflegt sich der Appetit zu lieben, die Thiere zeigen sich munterer und erholen sich dann allmählich.
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9. Trichinenkrankheit der Schweine.
Diese höchst gefährliche Krankheit befallt Schweine. Ratten, Mäuse. Hunde. Katzen, ferner Füchse. Marder. Iltisse. Igeln. Hamster, und kann bei absichtlicher Übertragung bei Pferden. Rindern. Schafen. Kaninchen und Meerschweinchen hervorgerufen werden. Von allergrößter Bedeutung ist die Thatsache, class die Trichinose auch zoonos. das heißt auf den Menschen übertragbar ist. Dies war auch die Ursache, dass das Studium dieser Krank-
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Tricbinenkrankheit der Schweine.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 250
heit sehr fleißig betrieben wurde, und Männer wie Tireliow. Leuckart, Pagensteclier u. a. ihr das vollste Interesse entgegenbrachten. Diesen verdanken wir es auch in nicht geringem Maße, dass uns diese bis vor einige Deeennien vernachlässigte Krankheit heute ins rechte Licht gerückt ist. Von größter Wichtigkeit ist das Vorkommen der Trichinenkrankheit beim Schweine, da es evident ist, dass das gleichnamige Leiden des Menschen nur allein durch den Genuss von Schweinefleisch verursacht wird. Trotzdem Oren schon im Jahre 1835 im Muskelfleische des Menschen Trichinen entdeckt hatte, wurde der Sache nicht die gehörige Beachtung geschenkt und erst als Zenker in Dresden I860 einen Fall beobachtete, welcher infolge massenhafter Einwanderung dieser Parasiten tödtlich verlief, gieng man an die Erforschung dieser Krankheit. Seit dieser Zeit wurden mehrere epidemische Trichinenerkrankungen bei Menschen beobachtet; 186;} erkrankten in Hettstädt 159 Menschen an Trichinen, wovon 28 starben; den größten Schrecken verbreitete die Epidemie zu Hedersleben 1865, in welcher von etwa 2000 Einwohnern oo7 erkrankten und 101 starben. Auch in Österreich wurde die Trichinose schon einigemale bei Menschen constatiert. doch trat sie nur sporadisch auf. so in Wien. Prag, Brunn und Raabs.
A t iologie: Die Ursache der Trichinenkrankheit ist ein kleiner fadenförmiger Rundwurm: der spiralige Haarwurm, Trichina spiralis (siehe Fig. 3638). Er charakterisiert sich durch einen haarförmigen Körper, zugespitzten Kopf und endständigen .Mund. Der After befindet sich auf dem stumpfen Schwänzende, welches bei geschleehtsreifen Mannchen noch mit zwei kegelförmigen Pa-pillen ausgestattet ist. Die weibliche Geschlechtsöffnung befindet sich vorne an der Halsgegend; Eihälter und Eierstock sind einfach. Die Jungen verlassen schon im Eihälter das Ei. kommen also lebendig zur Welt. Man unterscheidet zwei Entwicklungsformen: 1. die Darmtrichine, das ist die geschlechtlich reife Form, deren Männchen l'/jraquo;raquo;laquo;, Weibchen 34 mm lang sind und auf der oberflächlichen Schichte des Dünndarmes des Mensehen und oben erwähnter Thiere lebt. 2. Die Muskeltrichine, welche
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Invasions- dilor Parasitenkrankheiten.
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die Vorstufe, die Larvenforra der Darmtrichine bildet mid 1 mm lang ist. Sie liegt allein oder mit mehreren Exemplaren im Muskel
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Fig. 38.
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Fig. 37.
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spiralig aufgedreht, umgeben von einer runden
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oder ovalen Kapsel. Um geschlechtsreif zu
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Ein isoliertes Drimitiv-bündol mit zwei tVoien Tricbinen im Sarco-louinscblaucbe. Starke Vergrößerung.
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werden, müssen die Muskeltrichinen in den Darin eines anderen Wohnthieres gelangen, also eine passive Wanderung unternehmen, welche
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gewöhnlieh durch Verzehren von mit Muskeltrichinen durchsetztem Fleisch seitens des Menschen oder eines Thieres zustande kommt.
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Triehinenkranklieit der Schweine.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2'il
Gelangen Muskeltrichinen in den Verdauungstractus. so wird die Kapsel von den Säften gelöst, wodurch die Trichine frei wird. Haben die Geschlechtstlieile schon einen gewissen Grad der Entwicklung erreicht, so tritt die Geschlechtsreife nach 23 Tagen ein. andernfalls geht die Brut im Danucanal zugrunde. Nach weiteren 67 Tagen hat das strotzende Weibchen die ersten lebenden Jungen geboren, die eine Länge von circa 0'l2mm erreichen. Die periodische Geburt der Embryonen erfolgt in der ersten Zeit reichlicher als später: im ganzen werden im Verlaufe von 45 Wochen der Production 10002000 Nachkommen von einrin Weibchen abgesetzt, worauf diese ihre Pflicht gethan haben, absterben oder mit dem Kotiie abgehen. Die Jungen bohren sich gleich in die Darmwand ein und wandern wahrscheinlich mit dem Blute bis in die Körpermuskeln, in deren Bündeln mau sie 1214 Tage nach der Aufnahme vorfindet. Diese nun festsitzenden Muskeltrichinen nähren sich eine Zeit lang von den Muskelfasern, bis sie nach 1416 Tagen mit einer Läng.' von Imm ihre volle Entwicklung erreieLt haben. Hat die junge Trichine die Länge von O'ö mm erreicht, was nach 56 Tagen der Fall ist, so rollt sie sich in mehrere Windimgen spiralig zusammen. Innerhalb der Muskelfaser bildet sich nun um jede Trichine eine ovale Bindegewebskapsel. welche nach 2 bis 3 Monaten vollendet ist. Ursprünglich ist diese Kapsel vollkommen durchscheinend und kann nur durch das Mikroskop als spindelförmiger Körper, in dessen Mitte die Trichine aufgerollt ist. erkannt werden. Allmählich sammelt sich eine körnige, kreideähnliche .Masse in der Kapsel an. die dadurch wie ein weißes oder gelbliches Pünktchen erscheint, welches nun auch mit freiem Auge gesehen werden kann. In dieser verkalkten Kapsel bleibt die Trichine ruhig liegen und erhält sich durch 1820 Jahre lebensfähig.
Die Widerstandsfähigkeit der Trichinen ist eine sehr bedeutende: gegen Kalte von selbst 2025quot; C, gegen Hitze von 50deg;C, gegen Fäulnis sowie verschiedene Agentien erhalten sie sich resistent. In vollständig durch Fäulnis zersetztem Fleisch hat man sie noch nach 100 Tagen lebendig angetroffen, ebenso auch in 12 Tage hindurch gepökeltem oder geräuchertem Schinken.
Kästenbaum, Grundriss der Thierseuchea.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;17
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25lSnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Invasions- oder Parasitenkrankheiten.
Xic-lit alle .Muskeln werden gleichstark von den Trichinen aufgesucht; bevorzugt werden das Zwerchfell, die Kau-. Schläfen-. Augen-, Kehlkopf-. Hals- und Bauchmuskeln, namentlich an den Stellen, wo der Muskel in die Sehne übergeht.
Die ursprünglichen Träger der Trichinen sind noch nicht bestimmt erkannt: sehr wahrscheinlich ist es, dass es entweder die vor einigen Deeennien importierten asiatischen Schweine. oder die im vorigen .Jahrhundert nach Europa gekommenen Wanderratten waren. Gegenwärtig sind die gewöhnlichen Zwischenträger zweifellos die Ratten und Mäuse, welche während ihres Befallenseins von der Tnchinenkrankheit mehr oder weniger gelähmt sind und deshalb leicht von den Schweinen gelangen und verzehrt werden können. Nicht selten erfolgt die l'bertragung der Krankheit durch die Verfütterung von Abfällen geschlachteter Schweine. Eine Infection durch mit den Exerementen abgehenden Darmtrichinen ist sehr zweifelhaft; Roll anerkennt sie überhaupt nicht: eine von dieser Seite erfolgte Übertragung lässt sich dadurch erklären, dass sich in den Fäces auch unverdaute Fleisch- #9632; stücke mit wohlerhaltenen Muskeltrichinen , befinden können, welche, vom Schweine aufgenommen, sicherlich Trichinose verursachen. Bei reiner Pflanzennahrung ist eine Entwicklung der Trichinenkrankheit unmöglich.
Die Schweine aller Rassen und Schläge, sowie jeden Alters und Geschlechtes werden ohne Ausnahme von der Trichinenkrankheit ergriffen, eine besondere Disposition zeigen junge Schweine. die leichter erkranken als solche, die schon das zweite Lebensjahr überschritten halten. Wenn diese selbst große Mengen trichinösen Fleisches genossen haben, bekommen sie nur relativ wenig .Muskeltrichinen. Es ist dies eine bei allen Invasionskrankheiten, wo die Parasiten Organgewebe durchsetzen müssen, wahrnehmbare Erscheinung, die darauf beruht, dass die Gewebe älterer Thiere widerstandsfähiger sind.
Symptome: Die Tnchinenkrankheit ist nicht leicht zu erkennen, da die Symptome während des Lebens so geringfügiger und wenig charakteristischer Art sind, dass sie ganz übersehen, oder wenn bemerkt, anderweitig gedeutet werden. Um sich den-
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Triehinenkrankheit dor Schweine.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;25!)
noch ein klares Krankheitsbild zn schaffen, war es nöthig, durch Pütterungsversuehe mit trichinösen) Materiale die Krankheit in einem Grade hervorzurufen, wie es hei natürlicher Infection nur äußerst selten der Fall ist.
Die bei leichter Erkrankung wahrnehmbaren Erscheinungen bestehen in: Verminderung der Fresslust. Mattigkeit, Niedergeschlagenheit. Herabhängenlassen des ungeringelten Schwanzes und häufiges Liegen. Bei der durch Fütterung erzeugten Triehinenkrankheit kann man zwei Stadien unterscheiden: 1. das Stadium der Darmaffection am Ende der ersten und Anfang der zweiten Woche nach der Infection, und 2. das Stadium der Muskelaffection in der zweiten und dritten Woche. Die durch die Gegenwart der Parasiten im Darme verursachte Eeizung bedingt einen mehr oder weniger heftigen, anhaltenden Durchfall. Spannung im Hinterleibe. Kolikschmerzen und Abnahme oder ganzliche Sistierung der Presslust. Dazu gesellen sich Mattigkeit und Abgeschlagenheit: die Thiere stehen steif mit aufgekrümmtem Rücken, oder liegen tief in der Streu verkrochen: die Temperatur ist erhöht, der Puls beschleunigt. Hei Ferkeln, dann bei Schweinen. wo die Invasion eine besonders massenhafte war. tritt in diesem Stadium nicht selten der Tod ein: bei den anderen Thieren verlieren sich alle Erscheinungen bis auf den Durchfall und es stellt sich das zweite Stadium mit den Erscheinungen des Muskelleidens ein. Gegen Ende der zweiten oder zu Anfang der dritten Woche nach der Aufnahme der Parasiten beobachtet man wieder eine Temperatursteigerung, die Thiere liegen mit Vorliebe, werden sie zum Gehen gezwungen, so thun sie es mit aufgekrünyntem Rücken und steifen Beinen, wobei sie deutlichen Schmerz äußern. Das Maul ist mehr oder minder stark geschlossen, das Kauen sehr erschwert, ebenso das Schlingen, welches bisweilen ganz unmöglich ist. Das Athmen geschieht nur angestrengt, manchmal hört man dabei ein Schnaufen oder Röcheln: die Stimme wird schwach und heiser. Die Haut zeigt sich stellenweise ödematös und fast immer nimmt man heftigen .1 uckreiz wahr. Unter solchen Umständen ist es leicht erklärlich, dass die Patienten rapid abmagern. Selten verenden einige der Kranken, gewöhnlich ver-
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Invasions- raquo;quot;lin- Parasitenkrankheiten.
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lieren sich die Symptome, die abgemagerten Thiere erholen sidi langsam und nach .spätestens sechs Wochen erscheinen sie wieder vollständig gesund, wachsen gehörig weiter und mästen sieh gut, in manchen Fällen selbst auffallend leicht.
Zur Sicherung der Diagnose während des Lebens wird man die mikroskopische Untersuchung von Muskelproben vornehmen müssen. Zu diesem Behufe entnimmt man vom verdächtigen Schweine, aber nicht vor fünf Wochen nach vermeintlicher Infection, also nach der Einkapselung der Trichinen, mittelst der Kühn'schen Harpune Muskelproben von Partien, in welchen erfahrungsgemäß die meisten Trichinen getroffen werden und unterwirft diese bei einer 20öOtaelien Vergrößerung der Untersuchung. Im ein gewissenhaftes Urtheil abzugeben, wird man wohl 50 Muskelproben untersuchen müssen: erst wenn in allen keine Trichinen gefunden wurden, wird man das betreffende Thier als von Trichinen frei erklären dürfen.
Therapie: Irgend ein therapeutisches Mittel müsste in erster Linie die im Darmcanal befindlichen, und dann die in die 'Muskeln eingedrungenen Trichinen abtödten. Ein solches Mittel existiert aber bis heule nicht.
L'rophylaxe: Ihre Aufgabe besteht darin, die Schweine vor einer Infection mit Trichinen nach Möglichkeit zu schützen. Zu diesem Zwecke wird man folgende Funkte nie vernachlässigen dürfen: 1. Die Schweineställe seien so gebaut, dass sie sich leicht reinigen lassen und Hatten. Mäusen und ähnlichem Ungeziefer keine günstige und bleibende Unterkunft bieten. 2. .Man füttere ausschließlich vegetabilische Nahrung i Milch schadet natürlich auch nicht i. Sollte dennoch Fleisch verfüttert werden, so geschehe es nur in vollkommen durchgekochtem Zustande. 3. Gegen Ratten, .Mäuse. Hamster und andere Trichinenträger führe mau einen ununterbrochenen, strengen Vernichtungskrieg mit Falle und (üft. Die gefangenen Thiere werden am besten verbrannt. 4. Fernhaltung der Schweine von Aborten. Senkgruben, Düngerstätten, da immerhin eine Infection durch Koth nicht unmöglich ist.
Sanitätspolizei: Bei der ernsten Bedeutung der Trichinose beim Menschen wird es die Hauptaufgabe der Sanitäts-
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Räude. Krätze.
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polizei sein, die L'bertragung dieser Krankheit auf den Menschen zu verhindern, nachdem raquo;lii- Veterinärpolizei das Vorkommen der Trichinenkrankheit einzuschränken sucht. Am empfehlenswertesten wäre die Einfilhrung der obligatorischen Trichinenschau, das heißt der mikroskopischen Fleischbeschau, wie solche in einigen deutschen Provinzen schon seit ziemlicher Zeit vortheilhaft ausgeübt wird. Diese Maßnahme mttsste zumindest in Orten, welche als Herde der Trieiiineukrankheit bekannt sind, strenge durchgeführt werden. Das Fleisch trichinöser Schweine ist als gesundheitsschädlich anzuseilen und deshalb zum Genüsse unzulässig. Vorsichtshalber wird man nur solches Schweinefleisch essen, welches vollkommen darchgekoeht oder gebraten ist. So lange das Fleisch beim Zerschneiden innen auch nur noch ein wenig roth ist. muss das Kochen, respective Braten fortgesetzt werden. Die Temperatur, bei welcher die Trichinen absterben, beträgt 62 bis 75deg; ('. Pleischwaren. Schinken, Pökelfleisch und ähnliches müssen zumindest 14 Tage lang einer scharten Pöke-lung unterworfen werden, wobei mit Kochsalz nicht gespart werden darf. Eine kalte Räucherung der Pleischwaren hat keinen Erfolg, dagegen eine mindestens acht Tage währende heiße Käucherung. Durch Austrocknen bis zum völligen Festwerden. wie bei Salami, werden die Trichinen getödtet und das umso sicherer, wenn die Fleischstücke oder Würste erst eingesalzen waren. Von trichinösen Schweinen kann das ausgeschmolzene Fett gefahrlos verwendet werden, ebenso die Haut und Borsten, wie auch die geeigneten Theile zur Bereitung von Seite oder Leim.
10. Räude, Krätze.
Es ist eine ansteckende Krankheit der Haut, welche als Seuche auftritt und alle Hausthiere, wie auch den .Menschen. heimsucht. Die Räude war als Krankheit schon im Alterthume bekannt, doch erst den verdienstvollen Forschungen von Bayer, Delafond, Dujardin, Fürstenberg. Hering, Gerlach u. a. verdanken wir es. dass die parasitäre Form derselben zweifellos sichergestellt ist. sowie auch die Thatsache. dass es verschiedene
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262nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Invasions- odor Parasitenkrankheiten.
Arten der Milben gibt, die zumeist für jede Hausthierart specifisch ist und von welchen jede eine besondere Art von Baude erzeugt.
Atiologie: Die Ursache der ßäude ist einzig und allein in den Krätzmilben zu suchen: ohne Milhen gibt es keine Krätze. Von einer spontanen Entwicklung dieser Krankheit kann nicht die Rede sein, nur durch Übertragung männlicher oder weiblicher Milben oder befruchteter Weibehen auf passende Thiere kann Räude hervorgerufen werden. Die Infection geschieht unmittelbar von Thier auf Thier. oder mittelbar durch Zwischenträger, wie Stallgeräthe, Streu. Wolle etc. sind.
Die Krätzmilben gehören zur Classe Acarina. Ordnung Milben. Familie Lausmilben. Die Milben sind O'J (V8raquo;*m groß, von schmutzigweißer Farbe und besitzen im ausgewach-senen Zustande vier Paar fünfgliederige Föße. Der Kopf hat Fresswerkzeuge, die am unteren Theil desselben gelagert sind: nach vorne liegt die Mundspalte, aus der die bei den verschiedenen Gattungen verschieden gebildeten Kiefer hervortreten. Kopf und Thorax sind verwachsen. Die Geschlechter sind getrennt: die männlichen Gesehlechtsorgaue liegen in der vereinigten Brust-und Bauchhöhle geschützt und bestehen aus vier rundlichen, beiderseits paarweise gelegenen Hoden, aus welchen die Samenleiter hervorgehen, die sich zum Penis vereinigen. Die weihliehen Geschlechtsorgane bestehen aus einem unregelmäßig gestalteten Eierstock, mit welchem der Eileiter verbunden ist, der nahe der Kloakenöffnung mündet. Mehrere Tage nach der Begattung legen die Weibchen circa 2') Eier, aus welchen sich nach 67 Tagen Milbenlarven entwickeln, die nur drei Puß-paare besitzen. Diese wachsen rasch, während sie sich drei- bis viermal häuten, erhalten nach 45 Tagen das vierte Fußpaar und sind nach 14 Tagen geschlechtsreif, tier lach nimmt die Zahl der Milben von einem Weibchen mit nur 15 an. und zwar zehn männliche und fünf weibliche, und berechnet dann daraus nach 90 Tagen l1/., Millionen Nachkommen.
Bei unseren Hausthieren sind drei Arten von Milben bekannt, welche untereinander mehr oder weniger verschieden
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ßäude, Erätze.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2üH
sind: Pürstenberg unterscheidet sie in Sarcoptes. Dermato-coptes, Dermatophagus, während Gerlac-h Sarcoptes. Der-matodeetes und Symbiotes, Meguin Sareoptes. Psoroptes und Cliorloiites unterscheidet.
Sarcoptes- oder Grabmilben (siehe Fig. 39. ./. iJ. 3) leben in Gängen, die sie sich in die Epidermis bohren und ernähren sich mit jungen Zellen. Die (ränge der Männchen sind so lang, dass sie eben liineinkrioelien können, die der Weibchen sind länger. J'as Weibchen legt soviel Gänge an. als es Häutungen durchmacht; nach der dritten oder vierten Häutung ist es nun fortpflanzungs-fahig geworden, lagert seine Eier in den dritten oder vierten Gang ab. der auch am längsten und breitesten ist. verlässt diesen schließlich, um in einein frisehgebohrten Gange zu sterben, infolge der Gänge entsteht eine Entzündung der Haut, es bilden sich Knötchen. Bläschen oder Pusteln, die zu duckreiz Anlass geben, der umso heftiger wird, wenn die Milben auch die unteren Epideraiszellen verletzt haben. Die Grabmilben sind schwer auffindbar. Sarcoptesräude kommt vor bei Menschen. Pferden. Schafen. Schweinen. Ziegen. Katzen und Kaninchen.
Dermatoeoptes- oder Saugmilben (siehe Fig. 39. 4.5) graben keine Gänge, sondern leben auf der Oberfläche der Haul, geschützt von Haareraquo;. Krusten etc. Sie nähren sieh nur mit flüssiger Nahrung, beißen deshalb mit ihrem langen, kräftigen Kiefer tief in die Haut ein und sangen Blut. Serum und Lymphe aus derselben. Die tief gehenden Stiche veranlassen entzündliehe Stellen und Exsudation. Derrnatoeoptesräude beobachtet man bei Pferd. Rind. Schaf und Kaninchen.
Dermatophagus- oder schuppenfressende Milben (siehe Fig.39, 6'. 7) leben ebenfalls auf der Oberfläche der Haut und nähren sich von den jüngeren Epidermiszellen. nachdem sie die äußere Epidermislage gelockert und losgelöst haben, unter welcher sie sich auch aufhalten. Sie verursachen eine kleienartige Schuppenbildung und treten auf bei Pferden. Rindern. Schafen. Füchsen und Nagethieren.
Sarcoptesmilbe des Pferdes ruft beim .Menschen die Krätze hervor, ebenso ist sie auch auf Kind und Katze übertragbar.
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Sarcoptesmilbe der Ziege kann übergehen auf: Menschen. Rinder. Schafe mit kurzer, schwacher Wolle. Schweine und Hunde. Sar-coptes der Schweine verursacht beim Menschen ein unangenehmes Exanthem, welches wochenlang dauert. Dermacoptes- und Der-
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Rfadcmilbon (nacl Prof. Dr. J. Csokor). / Snrcoptes communis var. '#9632;lt;iui. Bauchseite. Weibclien. 2 Sarcoptes commnuiä var. equi, Kflckenseite Männchen. Die Grabmilben des Pferdes. 3 Himdwerkzenge von Sarcoptes commanis equi. J Dermatocoptes, Dermatodectes, ^. Psoroptes, die Saugmilbe, Bauchseite, Männchen. ö Dermatocoptes, Dermatodectes, s. Psoroptes, die Saugmilbe, Rückenseite, Weibchen, ff Dermato-I'liagus, Symbiotes, s. Chorioptes, die schnpponfressendo Milbe, Weibchen. 7 Derraatophagus Symbiotes, s. Chorioptes, die schuppenfressende Milbe, Männchen.
matophagusinilben der Pferde sind weder auf Menschen noch auf andere Hausthiere übertragbar; dasselbe gilt von den gleichnamigen Milben der Rinder und Dermatocoptes der Schafe.
Die Tenacität der Milbenarten ist eine verschiedene; die Sarcoptesmilbeu sind am wenigsten, die Dermatophagusmilben am meisten widerstandsfähig; sie bleiben bei kühler, feuchter
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Räude, Krätze.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 265
Witterung 50 Tage am Leben und können sich unter solchen Veiiiiiltni.ssen sechs Wochen lang lebend vom Wohnthiere entfernt halten, ebenso die Milbeneier. Sommerhitze vertragen sie nicht. Vom .Moment der erfolgten Übertragung der Milben bis zum Auftreten der ersten sichtbaren Erscheinungen vergehen 14 Tage, wenn zahlreiche Milben übertragen wurden, während sonst das Inculjationsstadiuin selbst 3045 Tage dauern kann.
Sarcoptesräude.
1. Heim Pferde: Die Ursache dieser ansteckendsten Räudeform ist Sarcoptes scabiei s. equi. #9632;
Symptome: Die ersten Erscheinungen bestehen in Unruhe, Drang zum Scheuern, Jucken; kratzt man solche Thiere, so zeigen sie großes Wohlgefallen daran. Würde mau zu dieser Zeit aufmerksam die Haut untersuchen, so fände man. besonders am Kopfe. Halse und an der Schulter tlohstichähnliche Röthungen der Haut, auf welchen sich, der Einwanderungsstelle der Milben entsprechend, Cnötchen entwickeln, die sich bald in Bläsehen umwandeln. Diese platzen bald, wodurch der Inhalt ausfließt, der mit den reichlichen Epidennisschuppen zu einer schmutziggraubraunen Borke eintrocknet, auf welcher die Haare ausfallen. Der schon anfangs wahrgenommene Juckreiz hat eine Steigerung erfahren, die besonders nachts, ferner wenn die Thiere warm gehalten werden am ärgsten ist. Das bedingt unbändiges Scheuern. Reiben und Nagen, wodurch die Haut ganz blutrünstig, geschwürig und infiltriert wird und die Haare noch mehr ausfallen. Zuletzt werden durch das Scheuern auch die Krusten und Borken entfernt, worauf die Haut trocken, verdickt und in Falten gelegt erscheint.
Die Diagnose wird erst durch den Nachweis der Milben vermittelst des Mikroskopes gesichert, oder indem man Schuppen oder Borken auf einen nackten Menschenarm bindet, wo Milben nach 1012 Stunden rothe. juckende Knötchen veranlassen, in deren Mitte diese als weiße Punkte wahrgenommen werden. Durch Perubalsameinreibung wird der geringe Schaden rasch wieder eut raquo;emacht.
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2(5(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;[nvasions- quot;ilcr Parasitenkrankheiten.
2.nbsp; nbsp;lie im Kinde ist die Sarcoptesräude äußerst selten und wird fast in allen Füllen vom Pferde übertragen.
3.nbsp; nbsp;Beim Schale tritt diese Räudeform gewöhnlich nur am Kopfe als Kopfräude auf. Die Veränderungen betreffen besonders die Lippen, Nase. Kinn und Umgebung der Augen.
4.nbsp; nbsp;Beim Schweine ist die Ursache der Sarcoptesräude: Sarcoptes squamiferus; sie wird nur selten beobachtet. Der Lieblingssitz der Sehweineräude sind die Augengruben, die Schultern, der Widerrist und die Innenfläche der Schenkel. Zuweilen erlangt die Räude eine Ausdehnung über den ganzen Körper, besonders wenn ihr nichl Einhalt gethan wird. Igt;as Eianthem hat viel Ähnlichkeit mit dem des Pferdes. Hei der dicken Haut des Schweines kommt es wohl nicht zur Bläschenbildung, sondern es entstehen oft sehr dicke, graue oder weiße, glänzende Borken auf den kranken Hautstellen, auf welchen alsdann die Borsten ausfallen.
Dermatocoptesräude.
1. Beim Pferde: Ursache: Dermatocoptes communis.
Symptome: Da die Dermatocopten bekanntlich keine Gänge bohren, sondern sich auf der Oberfläche der Haut aufhalten, so wählen sie mil Vorliebe solche Stellen zum Aufenthalt, wo sie geschützt sind, wie Schopf, .Mähne. Kehlgang, Schweifwurzel, Innenfläche der Schenkeln, Schlauch, respective Euter. Infolge der Verletzungen der Cutis entstehen Knötchen. die sich mit reichlichen Epidermisschuppen bedecken. Diese Knötchen sitzen zumeist enge beieinander, die Ilaare werden gelockert und lassen sich mit Leichtigkeit in büschelförmigen Verbänden ausziehen. Im weiteren Verlaufe entstehen Verdickungen der Haut, die sich in Falten legt und mit schmutziggelblichen Krusten bedeckt. Durch das infolge der heftigen Juckreize stattfindende Scheuern entstehen blutige oder eiterige Schrunden und Verdickungen der Haut. Unter diesen Krusten und Verdickungen belinden sich die .Milben, die bei dieser Räudeform größer sind als die Sarcopten, so dass sie auf dunkler Unterlage schon mit unbewaffnetem Auge sichtbar sind.
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Bindet man derraatocopteshaltige Borken auf den nackten Ann eines Mensehen, so verursachen sie schon mic-h wenigen .Minuten ein Prickeln.
'2. Heim Kinde veranlasst Dermatocoptes eommunis s. bovis die Haupträudeform. Sie zeigt sich zunächst am Halse, in der Genickgrube und an der Seh weifvvurzel, und breitet sich von da auf die benachbarten Körpertheile ans. bisweilen selbst den ganzen Körper, mit Ausnahme der Füße, umfassend.
3. Heim Schafe tritt die Dermatocoptesräude als Heerde-krankheit auf, wo sie großen Schaden anrichtet; es ist die gewöhnliche Sc hafräüde.
Symptome: Der häufigste Sitz der Mühen ist der Rücken, besonders die Kreuzgegend und die Schultern, während die un-bewollten Körpertheile meist von der Milbeninvasion verschont bleiben. Der Beginn der Räude gibt sich durch Juckreiz zu erkennen, der unwiderstehlich ist. so dass sich die Thiere häufig wie toll geberden. Im Anfange der Invasion in einer Heerde ist Jedoch der Juckreiz nicht so heftig und wird, da nur wenige Thiere erst befallen sind, auch übersehen. .Hei diesen Schafen bemerkt man alsbald kleine Hüsehelchen von Wolle aus dem Vliese deutlich hervorstehen, die. obzwar von der Haut gelöst, dennoch mit der übrigen Wolle zusammenkleben. Entfernt man diese leicht ausziehbaren Wollstoppeln, so findet man die darunter liegende Haut mit Bläschen und Punkten besetzt und mit Schuppen und Borken bedeckt, unter weichen sich die Milben in grotter Anzahl vorfinden. Durch das Scheuern werden die gelbbraunen Borken abgestoßen. worauf die runzliehe Haut blutrünstig, infiltriert, häufig geschwürig sichtbar wird.
Im ganzen sind die Symptome folgende: anfangs vereinzelte Knötchen. die nach und nach zu größeren Flecken zusammenfließen; Entstehung von Bläschen und Pusteln, welche platzen und ihren serösen Inhalt ergießen, der mit den reichlichen Schuppen zu einer gelbbraunen Borke eintrocknet, auf der die Wolle locker wird, wodurch das Vlies verworren, zottig und flockig erscheint. Späterhin Ausfallen der Wolle und Erscheinen der verdickten, faltenreichen, schrundigen oder blutrünstigen Haut.
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Invasions- oder Parasitenkrankheiten.
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Hat die Krankheit ein Thier befallen, so gewinnt sie auch rasch an Ausbreitung, insbesonders wenn die Schafe in warmen Ställen enge zusammengehalten werden, während beim Weidegang im Sommer, nach der Schur und während der Wäsche bisweilen ein Stillstand oder selbst ein Eückgang der Krankheit beobachtet wird. Wird der Schafräude nicht energisch Einhalt gethan. so schreitet sie fort, veranlagst Abmagerung und einen kachektischen Zustand, dem schwächere Schale schon nach einigen Monaten erliegen.
Dermatophagusräude.
1.nbsp; nbsp;Heim ITerde tritt diese durch Dermatophagus equi bedingte Räudeforra als sogenannte Pußräude auf, da diese Krankheit auf die Ciliedmal.ien beschränkt bleibt.
Symptome: Der primäre Sitz der Dermatophagusuiilben sind die Köthen: von hier aus verbreiten sie sich nach aufwärts, ohne jedoch über das Vorderknie, respective Sprunggelenk zu kommen. Auch hier bestellt heftiges Jucken, das besonders des Nachts, oder wenn die Thiere warm geworden, sehr heftig ist, und diese zum Stampfen, Scharren und Benagen veranlasst. Da der Verlauf ein schleichender ist. vergehen oft mehrere Monate, bevor es zur deutlichen Erkrankung der Haut kommt. Alsdann stellt sich an den betreifenden stellen starke Schuppenbildung ein, die Haare fallen aus und bisweilen kommt es zu Haut-verdickung und Borkenbildung. Die Gefahr einer Milbenübertragung ist relativ gering: von einem Beine auf das gleichnamige der anilcre]! Seite verbreitet sich die Dermatophagusräude häutig, dagegen sind Übertragungen von den vorderen auf die hinteren Extremitäten und umgekehrt selten genug.
2.nbsp; nbsp;Beim liinde veranlasst Dermatophagus bovis die Stei (jräude.
Symptome: Vorzüglich an der Schweifwurzel bilden sich reichliche, ziemlichen Juckreiz veranlassende Schuppen, worauf die Haare ausfallen und an den kranken Stellen Sehrunden und graugelbe Borken entstehen. Das Kxantheni breitet sich gewöhnlich nur auf die Aftergrube aus. wo es selbst vernachlässigt, lange
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Räude, Krätze.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;269
Zeit hindurch localisiert bleibt, Nur bei schlechter Hautpflege pflegt sich das Leiden, obzwar sehr selten, über den Rücken zum Halse zu verbreiten.
8. Heim Schafe verursacht Dermatophagus ovis die Pußräude, welche bis zum Hüter oder Hodensack, vorne bis zum Oberarme reicht. Der Ausschlag' beginnt ebenso wie beim Pferde an den Fußenden und veranlasst heftiges Jucken. Häufig bilden sich weißgelbe Borken und Krusten an den erkrankten Stellen.
Prognose: Der Verlauf aller Formen der Räude isl chronisch und kann viele .Monate, ja selbst über ein Jahr dauern. Die Vorhersagung bezüglich des Ausganges ist bei ausgebreiteter Sarcoptes- und Dermatocoptesräude ungünstig, günstiger, wenn das Leiden noch nicht ausgebreitet ist und am günstigsten bei der Derraatophagusräude. Auf Selbstheilung ist bei keiner der drei Eäudefonnen zu rechnen, im Gegentheil, sieh selbst überlassen, breiten sie sich alle über den ganzen Körper aus. mit der Zeit einen kachektischeri Zustand veranlassend, welcher selbst den Tod veranlassen kann. Bei jungen, kräftigen, gut genährten Thieren ist die Prognose recht günstig, wenn ihnen eine sorgfältige, rationelle Wartung' und Pflege zutheil wird, während unter entgegengesetzten Verhältnissen selbst der Wert der zweckmäßigsten Behandlung' illusorisch wird.
Therapie: Jede Behandlung muss darauf hinausgehen. die Milben zu tödten. denn ohne .Milben keine Räude. Zur Ermöglichung einer erfolgreichen Behandlung wird Hand in Hand mit dieser eine gründliche Reinigung und Desinfection der Stallungen und aller mit räudigen Thieren in Berührung gekommenen Gegenstände vorgenommen werden müssen.
Bei Pferden undEindern wird man vor der eigentlichen Behandlung eine vorbereitende Our einleiten. Diese besteht darin, dass niaii die Räudeborken mit frischem Rüböl aufweicht und dann mit lauwarmem Seifenwasser und Bürste abwäscht. Man kann auch die kranken Hautstellen mit Schmierseife einreiben. diese 24 Stunden lang einwirken lassen, um dann die Krusten und Borken mit warmem Wasser zu erweichen, worauf sie eventuell
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Invasions
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it Parasitenkrankheiten.
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mit Hilfe eines Bleehlöffels entfernt werden. Hiernach wendet man die eigentlichen ßäudemittel an. woven bei Sarcoptes- und Dermatocoptesräude am empfehlenswertesten das modificierte Wilkinson'sche Liniment (Hebra) ist.
Holztheer.
Schwefelblumen aa. öOO'O.
Sehmierseife,
Weingeist aa. lOOO'O. Bei empfindlicher Haut außerdem gepulverte Kreide r25'0. Tüchtig mittelst Bürste einreiben, das Thier gut bedecken und am siebenten Tage mit warmem Seifenwasser abwaschen.
Selten nur wird eine Wiederholung der Cur nothwendig sein, da eine Einreibung selbst in veralteten Fallen Erfolg sichert.
Bei Luxuspferden kann man. nachdem sie geschoren wurden, eine Salbe aus gleichen Theilen Perubalsam und flüssigen Styrax bestehend, anwenden. Zündel empfiehlt in veralteten Fällen von Sarcoptesräude Waschungen des ganzen Körpers mit einer .Mischung von 1 Theil Carbolsäure und je 15 Theilen Glycerin und Wasser. Nach der rasch vorzunehmenden Waschung deckt mau das Thier gut ein und wäscht es 24 Stunden später mit Kleiemvasser ab. Weitere ßäudemittel sind: Creolin, Creosot. Carbolsäure. TabakabkocTumgen etc.
Hegen Dermatophagusräude der Pferde und Rinder benützt mau nur leichtere ßäudemittel, doch muss auch hier die Cur durch gründliche Waschungen mit Schmierseife eingeleitet werden. Darnach gebraucht man folgende Salbe: Benzin 20-0, Schmierseife lOO'O. Hie kranken Hautstellen gut einbnrsten und nach drei Tagen
wiederholen.
Ebenso wird eine Kreosotsalbe (1 : 1020) angewendet.
Bei der Bekämpfung der Schafräude kommt die Schmier- und die Badeeur in Betracht. Da aber die ßäude unter Schafen gewöhnlich sehr verbreitet vorkommt, wird man mit der Schmiercur nicht nur nicht zum Ziele gelangen, sondern die
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Bände, Krätze.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;271
Krankheit in der lleerde geradezu stationär inachen und dadurch einen steten Infectionsherd schaffen. Wir konnten das in den sogenannten gt;Schmierschäfereienlaquo; häufig beobachten. .Mit Rücksicht darauf ist auch die Schmiereur in vielen Staaten gesetzlich verboten.
Bedeutend erleichtert und gesichert wird der Erfolg der Badecur, wenn die Schale geschoren sind und es wird sich soffar empfehlen wenn man wegen ungünstiger Witterung nicht gleich scheren kann einige Wochen zuzuwarten, indem man trachtet, eine Weiterverbreitung der Seuche hintanzuhalten. Man sondert die räudigen Schafe von den gesunden ab und schmiert die einzelnen räudigen Stellen mit Kreosotöl (1 : 25) oder Petroleum ein.
Nach der Schur beginnt man die Badecur. Als Bad benützt man die Walz'sche Lauge, bestehend aus:
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Theile
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Alles gut zusammenrühren und bei 40deg; 0 als Bad zu benützen.
Dieses Bad ist nur schwach wirkend und wenig empfehlenswert. Besser ist das Ztindel'sche Bad, bestehend aus: Rohe Car-bolsäure Vöky, ungelöschter Kalk VOly. Soda 30%, Sehmierseife 3'OÄv/. Zu dicken Brei machen und mit 260^ heißem Wasser verdünnen. Für 100 Schale genügend.
Das ZündeFsche Bad hat den Vortheil. die Wolle nicht zu färben.
Ger lach wendet folgende Cur mit Erfolg an: Er benützt ein Vorbereitungsbad aus: 2 Theilen Pottasche. 1 Theil gebrannten Kalk. 50 Theile Wasser, und nach 24 Stunden als eigentliches Räudebad eine 35n/o'oe Tabakabkochung. Da hie-
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272nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Invasions- oder Parasitenkraakkeiten.
durch die Eier nicht getödtet werden, so ist nach 57 Tagen, nachdem die jungen Milben ausgesehlüpft fsind. das Tabakbad zu wiederholen.
Hei Anwendung des Walz'sehen und Gerlach'schen
Hades wird die Wolle braun, die Farbe verliert .sieh jedoch bald, wenn die Schafe auf sonnige Weide gebracht werden.
Zum Baden eines Schafes benöthigt man vier Leute und zwei Bottiche, wovon einer mit der Badeflüssigkeit gefüllt, der andere dagegen leer ist. Jedes Schaf wird nun von zwei Leuten bei den Füßen gefasst und mit dem Rücken in die Badeflüssigkeit getaucht: der dritte Mann hält den Kopf des Schafes, dessen Augen er mit seineu Händen bedeckt, während der vierte Mann das Vlies energisch durcharbeitet, so dass die Flüssigkeit überall zu den kranken Stellen gelangt. Dies dauert zwei Minuten: alsdann hebt man das Schaf auf eine über den leeren Bottich be-(indliche Leiter, drückt die Wolle noch gut durch und setzt die abfließende Flüssigkeit wieder dem Hauptbade zu. Nach dem Baden bringt man die Schafe in einen gut gestreuten, zugfreien, nicht inficierteu Stall, oder noch besser auf sonnige Weide. Nöthigenfalls ist das Had nach 57 Tagen zu wiederholen.
Zur erfolgreichen Durchführung der Räudecur wird es nicht genügen nur zu baden, sondern man wird auch eine genaue Desinfee-tion des Stalles und der diversen Geräthe nicht vergessen dürfen.
Bei der Schweineräude wird man mit Rücksicht auf die derbe Haut die vorgenannten Mittel in stärkerer Concentration anwenden müssen. Nachdem die kranken Hautstellen vorschriftsmäßig gereinigt wurden, benützt man folgendes Laugenbad:
Pottasche 500-0. Atzkali 1000-0. Wasser 12-5/.
Mittelst einer Strohbürste wird nun mit dieser Lösung die ganze Haut energisch gewaschen und diese Procedur nach 5 bis (gt; Tagen wiederholt. In hartnäckigen Fällen wird nach dem ersten Hade eine Kreosotsalbe (1 Theil Kreosot. 3040 Theile Schweinefett) eingerieben und nach 8 Tagen das zweite Laugenbad vorgenommen.
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Bremsensehwindel, Sohleuderkrankheit der Schafe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;273
Nach dem Bade schütze man die Thiere vor Erkältung.
Veterinärpolizei: Österreich; sect; 33 des Gesetzes vom 29. Februar 1880. Ungarn: sect;sect; 96 100 des Gesetzartikels VII vom Jahre 1888. Deutschland: sect; 52 des Reichsgesetzes vom 23. Juni 1880 und sect;sect;120132 der [nstruetion des Bundes-rathes vom 24. Februar 1881.
Forensisches: Die Sehafräude ist Gewährsmangel mit Gewährszeit, und zwar in:
Osterreich .........mii 8 Tagen
Bayern. Baden. Württemberg-, Cur-
hessen. Hessen-Homburg ..... 14
Königreich Sachsen......-. 15 raquo;
Nassau .........., -29
Für die Räude der Pferde besteht eine Gewährsfrist von:
14nbsp; Tagen in Preußen,
15nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; raquo; gt; Sachsen.
Für die ßinder 15 Tage in Sachsen.
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11. Bremsenschwindel, Schleuderkrankheit der Schafe.
Ätiologie: Diese mit Vorliebe junge Schafe. Jährlinge, befallende Krankheit wird durch die Gegenwart von Larven eines Insectes, der Schafbremse, verursacht, welche ursprünglich in der Nasenhöhle sind, von hier in die Stirn- und Kieferhohlen und in die Hornzapfen gelangen, wo sie mehr oder weniger bedeutende Störungen veranlassen.
Die Schaf bremse, Oestrus ovis, gehört in die Familie der Dasselfliegen (Oestridae), Ordnung Zweiflügler (Diptera) und stellt eine gelbgraue, fast nackte. 1 cm lange Fliege dar. welche sich besonders auf Waldweiden, in Büschen, in der Nähe von Schafherden, auch in Löchern und Ritzen des Gemäuers der Schafställe aufhält, welche Orte sie erst mit dem Eintritte der Geschlechtsreife und warmen Witterung verlässt. Dies ist in den .Monaten Juli Ins September der Fall, wo sie in der heißen Mittagszeit umherschwärmt und Schafheerden aufsucht. Alsdann sieht man
Kamp;stenbanm, Gmndriss irr Thiersencben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; j^
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Invasions- oder Parasitenkranklieiten.
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din bedrohten Schafe sich schützen, indem sie Hieben, sich niederlegen und den Kopf geschützt dicht iiiu Hoden halten oder sich mit tiefgehaltenem Kopie in einen dichten Kreis zusammendrängen. Trotz, all dieser Gegenwehr gelingt es den trächtigen Weibchen, in die Nasenlocher der Schafe zu dringen, wo sie wahrscheinlich schon lebendige .hinge Larven absetzen. nachdem die barthäutigen Hier im Hinterleibe des Insectes bis zur Reite der jungen Larven gelaugt, sind. Die Larven kriechen nun höher in die Nasenhöhle, von da in die Stirn-. Kiefer-und Hornzapfenhöhle. wo sie mittelst ihrer hornigen Mundhaken an der Schleimhaut halten, sich vom Schleim und Serum ernähren und nach Y, Jahren die Reife erlangen. In diesem Stadium sind sie 2San lang, verlassen nun ihre Wirte und dringen in die Erde, wo sie sich nach 24 Stunden verpuppen, um nach (57 Wochen als ausgebildete Schafbrerase zu erscheinen.
Das durch diesen Parasiten veranlasste Leiden macht sich gewöhnlich mit dem Zeitpunkte der vollkommenen Entwicklung der Bremsenlarven bemerkbar; die damit verbundenen Erkrankungen bestehen in einer intensiven Entzündung der Schleimhäute der von den Larven besetzten Höhlen und in consensuell-nervösen Zufällen.
Symptome: Je größer die Zahl der eingedrungenen Parasiten ist. desto auffallender sind die hervorgerufenen Störungen. Zuerst machen sich Zeichen eines Nasenkatarrhes geltend: die Schleimsecretion ist erheblich gesteigert, bisweilen nur einseitig'. die Schafe niesen und pusten häufig, wodurch nicht selten Larven ausgeworfen werden, biegen oft den Kopf nach rückwärts und führen schleudernde Bewegungen aus (Schleuderkrankheit), scheuern die Nase an der Erde, an harten Gegenständen oder überstreifen sie viel mit den Vorderfüßen. Die Bindehaut der Augen ist katarrhalisch afficiert, die Thriinenabsonderung sehr reichlich: häulig bestehen auch Athenibeschwerden. welche durch Schwellung der Schleimhaut. Ansammlung von Schleimmassen etc. bedingt sind. Die cerebralen Affeetionen bestehen darin, dass die Thiere herumtaumeln, unsicheren, tappenden Gang haben, den Kopf gesenkt halten und manchmal Schwindelanfälle bekommen.
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lireiuscnseliwindel.
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mderki'ankbeit der Schafe.
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Bisweilen gelangen die Parasiteu allmählich ans dem Körper, worauf die Symptome nachlasseu und bald ganz rez'sehwinden; in anderen Fällen ist dies, gewöhnlieh durch mechanische Verlegung der Wege, auf welchen die Parasiten eingewandert sind, nicht möglich. Unter solchen Umständen steigern sieh dip Erscheinungen, die Thiere meiden das Putter, magern deshalb ah. es stellt .sich Zähuelniirschen. großer Schmerz, Verdrehen der Augen. Schäumen aus dem Maule. Atheranoth ein und die Thiere geilen unter (Konvulsionen zugrunde.
Die Dauer der Krankheit ist, in solchen Kiillen eine kurze. der Tod erfolgt gewöhnlieh 68 Tage nach den ersten deutlich wahrnehmbaren Kranklieitserscheinungen.
Sectionsbild: In den befallenen Höhlen linden sich mehr oder weniger zahlreiche, von Schleim umhüllte Uestruslarven: tue Schleimhaut ist hoch geröthet, stark geschwellt, von Blutaustritten durchzogen, mil Kiter und Blut bedeckt, bisweilen brandig. An der Einbohrungsstelle der Larven bemerkt man rundliche Vertiefungen.
Prognose: Sie ist in leichteren Fällen günstig, in schwereren, wo die Invasion besonders stark war und die Larven nicht bald herausgelangen können, ungünstig.
Therapie: Durch die Einleitung einer Behandlung wird auch nur seilen ein voller Erfolg erzielt, und zwar umso seltener. je vorgeschrittener die Krankheit ist, d. h. je tiefer die Oestrus-larven eingedrungen sind. Vermntliet man. dass solche Parasiten in die Nasenhöhle eingedrungen sind, so erscheint es rathsam, unverzüglich irgend ein Niesmittel (Schnupftabak, weiße Nieswurz. Veilchenwurzel etc.) anzuwenden, um durch Niesen ein Auswerten der Larven zu bewirken. Diese Mittel reibt man unter die Nase oder bläst sie mittelst fines Rohres oder I'ulverbläsers ein. Hat die Invasion schon vor längerei- Zeit stattgefunden, so dass die Larven in die Stirn- oder Kieferhöhle oder in die Ilonizapfen eingewandert sind, dann nützen natürlich diese Mittel nichts. Man wird vielmehr alsdann zur Trepanation der Stirnhöhle, respective zur Amputation der Hörner schreiten müssen. Mit Hilfe eines Trepans sägt man ein Stück des Stirnbeines heraus, entfernt die freiliegenden Larven, reinigt die Höhle mit
IS*
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276nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Invasions- odor Parasitenkrankheiten.
lauem Wasser und spritzt sie mit irgend ciiiciii parasiteü-tödtenden Mittel, wie verdünntes Benzin, Carbolwasser otc. aus. Eierauf wird der gereinigte Hautlappen ülier die Wunde geiojii. die iiötliigen Nähte angelegt und mit einem Pilaster bedeckt Die Hörner werden behufs Entfernung der Parasiten aus den Hornzapfen ganz am Grunde abgesägt.
Alier selbst die Vornahme dieser Operation sichert keinen bestimmten Erfolg, denn es gelingt mir in seltenen Fällen, wie auch Zürn betont, alle Bremsenlarven zu entfernen und unschädlich zu machen, selbst wenn eine gründliche Reinigung der betreffenden Höhlen mit passenden Mitteln vorgenommen wird. Deshalb nimmt man selbst bei scheinbar gelungenen Operationen nach einigen Wochen häutig ßecidiven wahr, die nur darauf zurückzuführen sind, dass noch einige Parasiten in den Höhlen zurückblieben. Trotz dieser nicht ganz sicheren Aussieht wird die Operation bei besonders schönen, wertvollen Thieren immerhin zu versuchen sein.
Prophylaxe: Zum Zwecke der Verhütung der Bremseninvasion wird man die Schafherde zur Zeit des Schwäriuens dlt;'r Bremsen (Juli bis Ende September) von Wald- und Buchenweiden entfernt halten. In kleineren Beständen kann man die Nasenlöcher der Thiere mit Eirschhornöl oderTheer bestreichen, während dies in großen Herden umständlich und schwer durchführbar sein wird. Aus den Stallungen vertreibt man die Bremsen durch Bäucherunsen welcher Art immer.
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Sachregister.
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Abdominales A.tlimen 171. Aeroben 23.
An;ii:niiirn 23.
Anthrax- und Milzbrand :Vd.
Antliraxbräime 40.
Aphthae opizootieae, siehe Maul- und
IClauenseuehe llö. Athinungsorgane it. Auseultation 10, Antogonie 1.
Bacillus anthraeis 34. mallei 126. minimus 2U8.
nbsp; nbsp;Stai'coriei 117.
nbsp; nbsp;saipestifor 220.
nbsp; nbsp;sniseptiens 218.
nbsp; nbsp;tuberculosis 95. Bakterien 20. Bandwuriu 232. 241. Bandwurmsenche der Lämmer 232. Begattung 13. Beschälseuche, Zuchtlähme 153.
. bei Hengsten 156.
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Brandpocken 61. Bremsensehwindel 273. Brunst 13.
Brustsouche der Pferde 137. Bnrow'sehe Liisuncr 146.
Cadaver, Behandlung derselben 31.
Cavemen 100.
Cerearien 245.
Coenurus eerebralis 225. 227.
Conjunctivitis 17'J.
Cysticereus eellulosae 238. 239.
Darmtriehine 255. 25(i.
Delle, Xabel 47.
Dermatoeoptes communis 26(i. 267.
Dermatoeoptesrailben 263.
Dcrmatoeoptesriiude beim Pferde 266.
nbsp; beim Rinde 267.
nbsp; beim Schafe 267. Dermatophagus liovis 269.
nbsp; equi 268.
nbsp; ovis 269. Dermatophagnsmilben 263. 2(i4.
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nbsp; nbsp;hei Stuten 155. Bistouri, spitzes Ui.V Blattern 46. Bliisphonaiissfhla,!;- an gt;\vn (ieso
tlieilon (ii). Blutfleckonkrankheit, siehe typhus 147.
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Dermatophagnsrände beim Pferde 268.
-- beim Rinde 26i).
beim Schafe 26'.'. Iilechts-: Desinfeetion 28.
! Desinfcctionsmittel 29. Pferde- Desinfeetion der Ställe 30. 123.
Distomum hepatieum 243.
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Sachregister.
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Distomnni lanecolivtuui 244.
Dreher 229.
Drehkrankheit, Tauuielsncht 22ä.
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[epatisation 172. lörrohr 10.
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D
D
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mpflanzette öS.
nipfnadel öS.
uipfung 26.
ncnbationsstadium Ijim Bläsehenans-
Eclünoeoecenkrankheil 234.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;seh,aS 70-
Kcluaococous polymorphus 235, 236.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;quot; bei Brustseuehe der Pferde 139.
Kinsiedlerbandwurm 238.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;quot; 1quot;'1 1quot;'quot;s'' Ißl'
Kmphjsema infeetiosum, siehe Uauscli-nbsp; nbsp;- be' infeetiös..... Verwerfen 122.
I . , jgjnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; bei Kopfkrankheit der Kinder IcS. KntOÄOiquot;n 224nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 'quot;'' Lnngenseuehe 16^.
Knt/dindung 16.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;- ^ ^liiu|- nnd Klauenseuehe 118.
1.:ipi/igt;(;ii 224nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;- bei Post der Schafe und Ziegen 201. Krnäbrangszustand 8.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; quot; 'quot;#9632;i Pferdestaupo US.
Krysipelas maligniiHi, siehe Bothlaufnbsp; nbsp;- bci Poeken 49, 51, 60, 68.
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der Sehweine 202. Kxsudate 15.
Fallsucht, Epilepsie 81.
Fiein-r 16,
Pinne 288.
finnenkrankheit der Rinder 241.
nbsp; der Scliweine 238. Korensisehes bei b1innenkrankheit 240.
l.oi Leberegelkrankbeit 248. Itei Lungenwurmkrankheit 253.
nbsp; Lei Räude 273.
nbsp; nbsp; bei Rotz 137.
nbsp; Igt;ei Tuberculose 116. Pussräudo 268. 260.
Gehirnblasenwnrm 22ö. 227.
Gerlach sches Bad 272.
Gcseliieehtstrieb 13.
i Jesu ndheitsbedingungen 14.
Grabmilbcn 26:-!.
laquo;iruiid/.wecko der Heilung 18.
Giirtelbaeillen 212.
Haarwurm, spiraler 2rgt;ö. Hautrotz, Wurni 125.
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bei Rausehbrand 184.
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- bei Rinderpest 193.
-nbsp; nbsp;bei Rothlauf der Schweine 205. bei Rotz 128.
-nbsp; nbsp;bei Sehweineseuche 213.
nbsp; nbsp;bei Wuthkrankheit 7ö. Indigomilz 206. Infection 24. Infectionserrcger, ectogeno 24.
nbsp; entogene 24. Infectiöses Verwerfen 121. [nfiltrat lö.
Invasionskrankheiten 221. Iritis 170.
Jenner, Kdward ö4.
Kopfkrankheit der Rinder 177. Kopfräude 266. Körpertemperatur 8. Krätze, siehe Räude 262. Krätzmilben 262. Kreislanforgane 11. Kreuzdrehe 229. Krötenileokon 157. Kugelbakterien 20, 160. Küülapparat ISO.
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Sachregister.
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Euhpocken 50. Eubpockenimpfung 63.
Liilmic 88.
Lebensbedingungen ii, Lebenserseheimmge'n 8. Lebcregelki-anlfhoit, Leberfunle 24:gt;. Leberegel, dor große 243.
nbsp; nbsp;der lanüettförmige 244. Lcitorsclior l\iilil;i|ipar;it 180. Lnftrölirenkratzer 24i). Luftröhrensehnitt 152. 165. Lungenhaarwurm 24i). Lnngenrotz 138. Lungensenche 166. li)8. Lungentubereulose 104. Lungenwurmkrankheit 248. Lyssa, siehe Wuthkrankheit 72. Lyssophobie 84.
Magenwurmseuehc der Schafe 253. Mallei'nirapfung 134. Malleus, siehe Rotzkrankheit 12ö. Maul- lind Klauenseuche 115, 198.
nbsp; nbsp;bei Pferden 119. bei Kindern 118.
nbsp; nbsp;bei Schafen und Ziegen 119.
nbsp; bei Schweinen 119. Maximalthermometer 9. Mübcnarten 263.
Milben, schnppenfressende 264. Milzbrand 33. 198.
nbsp; aenter 37.
nbsp; apoplektiseher 37.
nbsp; snbaouter 37. Milzbrandbenlen 39. Milzbrandblutsohlag 37. Milzbrandfieber 38.
Morbns glandulosns. siehe Druse der Pferde 159.
Morbns maculosus, siehe Pferdetyphus 147.
Mumification 206.
Muskelh-iohine 255, 256.
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Nasenrotz 12ö.
Nervensystem 12. Nothimpfung 28.
Oboleseonz 173. Oestrus ovis 274.
Pallisadenwünner 249.
Pallisadenwnrm, der gedrehte 253.
Parasiten 2(14. 224.
Parasitenkrankheiten 224.
Pasteur. Louis 84.
Percussion 10.
Percussionshammcr 10.
Perlsneht. siehe Tiiberculosc der Rinder 98.
Pest der Schale und Ziegen 200.
Pestis bovina, siehe Rinderpest 189.
Pferdestaupe 143.
Pferdetyphus 147.
Plessimeter 10.
Pleuropneumonia houiu. siehe Lungensenche 166.
nbsp; nbsp;eontagiosa, siehe Brnstseuchc 137. Pnenmobaeillin 173. Pnenmobacillns liqnefaciins bovis 167. Poeken 46.
nbsp; nbsp;der Kühe 50. der Pferde 48.
nbsp; nbsp;dor Sehat'e 08.
nbsp; nbsp;der Schweine 67. Pravazspritze 43. 209. Precautionsimpfung 27. Proglottiden 225. Protozoen 92.
Puls 11.
Pyämie 90. 120. 163.
Pyämisehe Gelonksentzündung 88.
Quesenbandwurm 225.
Rabies, siehe Wuthkrankheit 72. Rasselgeräusche 11. Ransehbrand 181.
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Sachregister.
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Kansehbrandbacillns 182. Räude, Krätze 262. Redien 245. Rinderpest 189. Rotblanf dor Schweine 202. Rotlilaufbaeillns 204. Rot/,, acuter 130. - clironischer 12it. Rotzbaeilhis 126. Rotzkrankheit 125. Ruhr 91, 198.
Sarcoptesmilben 263. Sarcoptesräude ^oiin Pferde 265.
nbsp; nbsp;beim Rinde 266.
nbsp; nbsp;beim Schafe 26(5.
nbsp; nbsp;Iiciui Seliwoinc 266. 272. Sarcoptes seabiei s. equi 265.
nbsp; squamiferus 266. Sangmilber 263. Säuge/.eit 14. Schafbremsc 273, 274. Seliafrände 267. 271.
nbsp; nbsp;Bekämpfung derselben 271. Sehleuderkrankheit der Schafe 27 SeliranLenhiikteriün 20. Sehutzimpfung 28.
nbsp; gegen Lnngensenche 175.
nbsp; nbsp;gegen Milzbrand 42.
nbsp; isegm Rausehbrand 186.
nbsp; gegen Rinderpest 199.
-nbsp; gegennbsp; Rothlanf dor Schweine
-nbsp; gegennbsp; nbsp;Rotzkrankheit 134.
-nbsp; nbsp;gegennbsp; Schafpocken 65.
nbsp; gegennbsp; Schweinoseuche 217.
-nbsp; gogoii Tollwutb (Verfahren stenrs) 86.
nbsp; gegen Tollwnth (Verfahren sons) 88.
Sehweinepest 218. Schweineseaohe 211.
nbsp; into?tinale Fonn 213.
nbsp; pnenmonische Form 213.
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208
Pa-
laquo;raquo;is-
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Seolex 236.
Sinnesorgane 13.
Spaltpilzlaquo; 20.
Spitzbistouri 165.
Spitzpocken 53.
Sporen 21.
Stäbchenbakterien 20.
Stäbehenrotblauf der Sehweine 202.
Staupe 81.
Steissräude 269.
Stethoskop 10.
Streptococcus der Druse 160.
Strongylnsarten 249.
Strongylns eontortus 253.
Taonlii ooenurus 225, 226.
nbsp; nbsp;echinoeoceus 81. 235.
nbsp; nbsp;espansa 232. 233.
nbsp; nbsp;mediocanellata s. inermis 241.
nbsp; nbsp;solimn 238. Taumler, Seitlinge 229. Tonaoität des Antliraxiiit'tos 35.
nbsp; nbsp;dos Aphthengiftes 117.
nbsp; nbsp;(ligt;s Lyssavirus 74.
nbsp; nbsp;des Lungenseuchenvirus 168.
nbsp; nbsp;dor Milbenarten 265.
nbsp; nbsp;dos Poekenvirus 59.
nbsp; nbsp;dos Rausehbrandvirus 183.
nbsp; nbsp;dos Rinderpestvirus 192.
nbsp; nbsp;dos Rothlaufvirus 204.
nbsp; nbsp;dos Rotzvirus 127.
nbsp; nbsp;dos Tuberkelbacillns 103. Tonesiinis 02. 147. Tollwnth bei Monselion 83. Traber, VVürfler 229. Tracbeotomie, siehe Luftröhrensohnitt
152. Tragezeit 13. Trepanation 230.
Tricdiinonkrankheit der Schweine 254. Trichina spiralis 255. Troicart 231. Tuberkeln 99.
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Sachregister.
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281
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Tuberculin 109. Tubereulose 95.
nbsp; der Pferde 114.
nbsp; der Rinder 98.
nbsp; nbsp;der Schweine 112.
nbsp; nbsp;der Schafe und Ziegen 115.
nbsp; des Euters 106.
nbsp; des Unterleibes 106.
Vaeeine 51.
Variolae, siehe Blattern, Pocken 46.
Variola equina 48.
nbsp; ovina 58.
nbsp; suiila 67.
nbsp; vaecina 50. Verdanungsorgane 12. Vesieularathmen 10. Veterinärpolizei bei Beschälseoohe 159.
nbsp; nbsp;bei ßläschenausächlag 72.
nbsp; nbsp;bei Finnenkrankheit der Rincler242.
nbsp; bei Pinnenkrankheit der Schweine 240.
nbsp; nbsp;bei Lungenseuehe 177.
nbsp; bei Maul- und Klauenseuche 121.
nbsp; bei Milzbrand 46.
nbsp; bei Pocken 67.
nbsp; bei Räude 273.
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Veterinärpolizei bei Rauschbrand 188.
nbsp; nbsp;bei Rinderpest 202.
nbsp; bei Rothlauf der Schweine 211.
nbsp; nbsp;bei Rotz 1H7.
nbsp; nbsp;bei Trichinenkrankheit 261.
nbsp; bei Tubereulose 110, 114.
nbsp; nbsp;bei Wutlikraiikheit 82.
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Walz'sehe Lauge 271.
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'#9632;rl.
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Warzenpocken 53, 62. Wasserpoeken 5gt;i. Windpoeken 53. Wurm, aouter 133.
nbsp; chronischer 131.
nbsp; nbsp;fliegender 132. Wuth, rasende 76.
nbsp; stille 78. Wuthkrankheit 72.
nbsp; nbsp;bei Hunden 75.
nbsp; nbsp;bei Pferden 78.
nbsp; nbsp;bei Rindern 79.
nbsp; nbsp;bei Schafen 79.
nbsp; bei Seh weinen 80.
Zuehtlähme. siehe Beschälseuche 153. Zungencarbunkel 40. Zündel'sehes Bad 272.
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