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letie mi Praxis
der
thierärztliehen Wundbehandlung.
Unter gleicizeitiger Berücksiclitigung
der neuesten Forschungen auf dem Gebiete der Bakteriologie
als
Supplementheft zti Stockfleth's Chirurgie
herausgegeben von
3Z)r. O-eorgr ^y^-Ciller,
Professor an der tUerärztliohen Hocisohule zu Dresden.
Mit 10 Holzschnitten.
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iöS___ |7ir: : .#9632;:#9632;;-
Leipzig, 1892.
C. A. Koch's Verlagsbuchhandlung.
(J. Sengbusch.)
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327^
BIBLIOTHEEK
DIERGENEESKUNDE
UTRECHT
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HANDBUCH
DEK
THIERÄRZTLICHEN CHIRURGIE
VON
Pkof. H. V. STOOKFLETH,
1ECTOB AN BEB KÖN1RL. THIEKAEZNEI- UND LANDWIETHSCHAFTLICHEN HOCHSCHULE ZU KOPENHAGEN.
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MIT GENEHMIGUNG DES VERFASSERS AUS DEM DÄNISCHEN ÜBERSETZT
VON
CHR. STEFFEN,
THIERARZT I. CLASSE IN KIEL.
SUPPLEMENTHEFT.
•#9632;
LEIPZIG, 1892. C. A. KOOH'S VERLAGSBUCHHANDLUNG.
(J. SBNGBUSCH.)
RIJKSUNIVERSITEITTE UTRECHT
2427 278 7
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Tbrie uni Praiis
der
thierärztliehen Wundbehandlung.
Unter gleichzeitiger Beriicksiclitigun,
der neuesten Forschungen auf dem GeMete der Bakteriologie
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Supplementheft zu Stocküeth's Chirurgie
lierausgegeben von
I3r. CS-eorg- tMI^iller,
Professor an der tliierllrztliolien Hocliscliule zu Drsect;st4en'.. .*
Mit 10 Holzschnitten.
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Leipzig, 1892. C. A. Koch's Verlagsbuchb (J. Sengbusch.)
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Register.
!
Abkochen der Instrumente . . 58
Actinomyces bovis.....19
Aerobiontische Bakterien ... 5
Aether.........50
Ajuiörobiontischo Bakterien . . 5
Aristol.........47
Aj-senik.........51
Artlirosporen.......4
Asepsis und Antisepsis ... 55
Asoptin.........38
Aseptinsiiure.......38
Aseptische Wundbehandlung . (il Biicillus der Tuberculoso . . 19 „ des malignen Oedems 17 ,, des Milzbrandes . , 18 „ des Eausohbrandes . 19 „ des Eotzes . ... 19 „ des Starrkrampfes 16.19 „ pyogenes foetidus . 15
Bakterien.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2
., Emähnmg derselbennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;6
Bakterienformen......3
„ Lebensbedingungen ders. 4 ,, Stoftwecbsel derselben 6 „ Vermehrang derselben 3 ,. Waebstlium derselben 5
Bakteritun termo..... 13
Baumwolle.....' • . , 65
Baumwollwattc......68
Benzoesäuro.......51
Berieselung, permanente ... 78
Binden.........y8
Bismuthum subnitricum ... 47
Blutstillung ......ö4.73
Borax .........51
Borsalieylat......35.38
Borsäure .....' . . 38
Botryococcus aseoformans . . 16
C'arbolsäure.......26
Carbolzerstänbung.....55
Oatgnt.........62
Cellulosewollwatto .... 66.67
Oliarpie.........67
Chinin.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.51
Chinolin.........5^
Oladothrix canis......19
Chlorkalk........33
Chloroform .......5]
Chlorpikrin .......5]
Chlorwasser.......33
Chlorzink........35
Contactinfection......56
Creolin....... ,29
Cyanin.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.49
Dampfsterilisator .... 54
Dauerverband.......74
Dermatol......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.47
Desinfection der Wunde . . 56.63
Desinfectionsmittel, chemische 21
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; physikalische 52
nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Prüfung ders. 22
Desinfection, Theorie derselben 21
Diplocoecen.......3
Drainage der Wunde . . . 63.68
Drainlücken ,......#9632;jq
Drainröhren, Drains .... 69
Eiseiichlorid.......50
Eiter..........72
Eiterorregende Bakterien ... 15
Eiterfieber........15
Eitergift ........55
Eucalyptol........51
ocr page 10
— IV —
Europlien......
FilzscUwainin . . .
Flaclis......
Gossyplum
trypsverband . . . • gefeustcrtcr
öypswattesdMenen . . • #9632;
.nbsp; nbsp; 47
.nbsp; nbsp; 07
.nbsp; nbsp; 65
.nbsp; nbsp; 65
laquo;8.79
.nbsp; nbsp; 7il
.nbsp; nbsp; nbsp;Wraquo;
Listerverband.......nbsp; nbsp; 74
Luffa..........nbsp; nbsp; 59
Luftinfection.......nbsp; nbsp; 55
Lymphadenitis......nbsp; nbsp; 16
Lymphangitis.......nbsp; nbsp; 16
Lysol...........nbsp; nbsp; 31
Malachitgrün......nbsp; nbsp;49
Metalldrähto.......nbsp; nbsp; 63
.Methylviolett.......nbsp; nbsp; 49
Haiule,
Hanf.........
Hanfsch
Hanfwe
Heilung
5(gt; . 66 . 63
. W' 71.73 mit Eiterung • • 71-76 unter dem antiseptischen Tampon .... 73.76 unt. dem feuchten Sehorf 72 unter dem trockenen Schorf .... 70.72.75 als Desinficienz . . . 52.03 . 34 66.67 . 66 . 06 . 66 66.67 t) 3 42 . . 45 . . 43 60.73.76 . . 60 . . 66 . 7.14 . #9632; 50 . . 51 . . 51
Mikrococcus aseofornums Ijotrvogeuus
16 16 19
,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; d. Kaninehenpyämie
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; der Kaninchensepti-
caemie .... 19 ,. der progressiven Ab-
scesslnldung . . 19 ,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; der progressiven Gre-
websnecrose . . 19 itnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; pyogenes tenuis . 15
.,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; tetragenus . . 3.15
Milzbrandbacillen.....18
Moospappe........67
Moospräparate ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;. 66.67
Mull..........laquo;5
Nähen der quot;Wunde.....73
Nähmaterial.......61
Nähseide........62
Naphthalin........47
Naphthol........öl
Occlusivrerband, feuchter . . 77 „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;trockaer . 74
Üedembacillen ......17
Oxynaphthoesäure.....51
Penghawar-Djambi-Watte . . 67
Phagocytentheorie.....12
Phenylsäure .......26
Phlebitis ........16
Pleomorphismus der Spaltpilze 9 Praxis der thierärztliohen Wund­behandlung .....71
Proteusarten.......13
Ptomaine........ '
Putride Intoxication .... 14
Pyaemie.........1quot;
Pyogene Bakterien.....15
Pyoktanin........49
Hitzt
Höllen
Holzch
Holzju
Holzw
Holz-w
Holz-w
Immu
Involu
Jod
Jodofo
JodtriIrrigaIrriga
Jute
KadaKaffeeKalila
Kaliseife.....
Kalium permanganicum ... 78
Kampher........41
Kapokwollt;.......quot;'
Kataplasmen, antiseptische . . 78
Kautschukdrains......69
Knochendrains......69
Kupfervitriol.......51
Leichenalkaloide .... 7.14 Leiuenbündchen......63
ocr page 11
#9632;
V
Qnecksilbersublimat Banschbrandbacillen
Reinigung der Hände .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ., Instmment
,. des Lagers „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ., Patientei
., der Wunde
Besorcin ....
Rossliaare ....
Säuren, anorganisclie
Samonstrangfistelii .
Salicylsänre . . .
23 19
öti 57 59 58 5(1 51 (;:3 öl 16 35 6.18
5!) 62 14
14 U 62
;j;3
48 26 3,4
3 15 15 1(gt; isi
8 16 15 65.66 •2S 47
ri'laquo;..nnn :n;;i
. 39
Theorie der Desinfcctiou .
. 21
Thiophendijodid ....
. 48
Thonerde, essigsaure
. 51
Tlivmnl
. 40
Tillmanns'sche Wolle
. ti7
Torfpräparatf! . . .
66.67
Trockenlegung der Wunde
63.70
Tupfer.......
. 60
TJnterbindungsmaterial
. 61
Variabilität der Spaltpilze
9
Verband der AVuude . .
ti3.74
Verbandgaze . . .
65.67
. laquo;6
„ moos . . .
66.67
muH
. 65
.. Stoffe . . .
. ti4
,, watte . .
. 65
„ wolle (Tillmanns)
. 66
Wasserbad) permanentes
. 78
Werg........
)5.66.67
. 60
Wunddrainage . .
63.68
Wundfieber . . .
14.42
,, aseptisches
. 14
., septisches
. 14
Wundnahl ....
. 73
Wundrotlilanf . . .
. 16
Wundspritzen . .
. 60
Wnudverband . . .
63.74
Ziiikoxylt;l ....
. 47
51
Zoogloea ....
3
Zucker.....
. 52
Saprophyten . . . Sarcine.....
Schwämme . . .
Seide......
Septicaemia . . . Septisclie Infection . Sübeimtrat .... Silkworm ....
Solveol.....
Sozo.jodol .... Sozojodolqiieoksilber Sporenbildtmg der Bakter Stapliylococcen . . . Staphylococcus cereus
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;pyogenes
Starrkrampfbacillen . . Strahlenpilz .... Streptocoecen .... Streptococcus erysipelatis
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;pyogenes
vStuppanbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.....
Sublimat .....
Sull'aminol.....
ocr page 12
ocr page 13
Vorwort.
Auf Wunsch des Verlegers der deutschen Ausgabe der Stockfleth'schen Chirurgie habe ich es unternom­men, zu diesem bekannten und beliebten Werke ein Supplementheft zusammenzustellen, in welchem sich die moderne Wundbehandlung und, insoweit die Chi­rurgie dabei interessirt ist, der derzeitige Stand der bakteriologischen Forschung in einer möglichst den Bedürfnissen der praktischen Thierärzte und Studiren-den angepassten Form abgehandelt findet. Trotz­dem somit das Werkchen in erster Linie für die Käufer der Stockfleth'schen Chirurgie bestimmt ist, bildet es seiner Anlage nach ein selbstständiges, in sich abgeschlossenes Ganze, welches auch gesondert bezogen werden kann.
Das Nähere über Gruppirung des Stoffes ist aus der auf der ersten Seite befindlichen Einleitung zu ersehen. Mit der recht ausführlichen Besprechung der Desinfections- und Verbandmittel, behufs welcher sich zahlreiche eigene Versuche nothwendig machten, habe ich geglaubt, dem Leser ebenso einen Dienst zu er­weisen, wie mit der Aufstellung des Litteraturverzeich-nisses am Ende des Werkchens.
ocr page 14
Wenn ich bei Verfolgung- der vorgesteckten Auf­gabe hier und da meinen eigenen Weg gegangen bin, so geschah dies mit vollster Absichtlichkeit deshalb, weil ich glaubte, auf diese Weise am besten dem praktisch thätigen Thiei arzt oder Studirenden die Ziele andeuten und die Regeln klar legen zu können, nach denen er seine chirurgische Thätigkeit einzurichten hat. Ob dies dem Werkchen zum Nutzen gereicht hat, muss dem Urtheil meiner Fachgenossen tiberlassen bleiben; an gutem Willen meinerseits hat es sicherlich nicht gefehlt.
Dresden, im Juni 1892.
Georg Müller.
ocr page 15
Von dem Zeitpunkt an, wo Pasteur den Nachweis geliefert hat, dass Faulniss und Gähning unauflösbar an den Lebens-process kleinster ptianzlicher Organismen gebunden sind, wo v. Rec Uli nlaquo;h au sen, Walde y er, Hüter und Rindfleisch derartige, von vielen Seiten sehr bald als „pathogenquot; erkannte Lebewesen in den von „Wundkrankheitenquot; befallenen Tbier-körpern gefunden haben, wo sohliesslich List er mit der Ab­sicht, die Wirkung dieser ,.Mikrobenquot; zu verhindern, seine be­rühmt gewordene Wuudverband-Methode aufgestellt hat, hat sich die Behandlung von Wunden immer mehr und mehr zu einem Kampf mit den Bakterien zugespitzt und auf diese Weise eine Richtung angenommen, die von der früheren in fast allen Beziehungen erheblich abweicht.
Diesen Kampf zu schildern und die entsprechenden Schlüsse betreffs der Behandlung von Wunden der Hausthiere zu ziehen, hat sich der Verfasser vorliegenden Werkeheus zur Aufgabe gestellt und glaubt, letztere am besten in der Weise lösen zu können, dass er folgende vier Fragen zu beantworten sucht:
I.nbsp; nbsp;In wie weit haben die Bakterien für, den Veterinär-chirurgen Interesse, und welche von ihnen kommen in Frage?
(Einiges über Bakterien; die für den Chirurgen wichtigen Arten derselben.)
II.nbsp; Durch welche Mittel kann man die Bakterien unschäd­lich machen, und wie verhalten sich diese Mittel den Haus-thieren gegenüber?
(Theorie der chirurgischen Desinfection.)
III.nbsp; Welche Nutzanwendung lässt sich aus diesen, haupt­sächlich durch Experimente gewonnenen Ergebnissen für die Wundbehandlung ziehen?
(Praxis der chirurgischen Desinfection; Theorie der thierärztlich en Wundbehandlung.)
IV.nbsp; In welcher Weise wird demnach der praktische Tbier-arzt Wunden zu bebandeln haben?
(Praxis der tb ierärz fliehen Wundbehandlung.)
Müller, die tlneiärztl. Wundbehandlimg.
ocr page 16
^#9632;quot;
I.
Einiges über Baktevien; die für den Chirurgen wichtigen Arten derselben.
Nach den jetzigen Anschauungen gehören die Bakterien — Stabthierchen, Schizomyceten, Spaltpilze, Mikroben Mikroorganismen — in das Iflnnzenreich, und zwar nach F. Cohn, de Bary u. A. in die nächste Verwandtschaft der Nostaceen, mit denen sie zusammen die Spalt pflanzen, Schizophyten, bilden Diese letzteren t-heilt man nach N aegeli u. A. in die chlorophyll führenden Spaltalgen und die — wenigstens fast durchgängig — chlorophyllfreien Spaltpilze. Die letzteren sind ohne Ausnahme einzellige Gebilde.
Die Substanz der Bakterienzelle wird in der Hauptsache aus einer meist farblosen, aber durch Carmin- oder Anilin­farben tingirbareu eiweissartigen Masse (Protoplasma) gebildet und ist von einer zarten Hülle — einer Art von Zellmembran, die chemisch als Kohlehydrat (Cellulose) aufzufassen ist — um­geben. Nur die Membranen gewisser Fäulnisshakterien schei­nen nach Nencki hauptsächlich aus einer eiweissartigen Sub­stanz zu bestehen.
Auf ihrer Aussenseite sind die Bakterienzellen nicht sel­ten von einer durch Quellung der oberflächlichen Membran­schiebten entstandenen schleimigen, klebrigen Masse — Zoogloea
—nbsp; überlagert, durch welche unter Umständen eine Vereinigung der einzelnen Lebewesen zu Gruppirungen von verschiedener Form und Ausdehnung ermöglicht wird
Die Grosse der Bakterien ist sehr gering, so dass selbst die grösseren Formen nur mit Hülfe starker Vergrösserungen gesehen werden können und die kleinsten Formen nur durch die stärksten Systeme des Mikroskopes zu erkennen sind.
Man theilt (betreffs des Genaueren muss auf die speciellen Lehrbücher der Bakteriologie verwiesen werden.) in der Regel die Bakterien nach ihrer Form in Kugelbakterien (Mikro-coccen), Stäbchen bakterien (Bacillen) und Schrauben­bakterien (Spirillen). Die Kugelbakterien präsentiren sich
—nbsp; nbsp; wenigstens in einem gewissen Vegetationsstadium — als kugelrunde Zellen; die Stäbchenbakterien stellen Cylinder yon kreisförmigem Durchschnitt, welche stets länger als breit sind, dar, die Schraubenbakterien sind schraubenartige, korkzieher-
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Theorie und Praxis der thierarztlichen Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
förmig gewundene Gebilde. D e Bary verglich diese drei Haupt-formen mit einer Billardkugel, einem Bleistift und einem Kork­zieher.
Fig. I. Hauptformen der Bakterien.
a.nbsp; Kugelform (Staphylococctis pyogenes aureua, 950fachlaquo; Vergr.; nach Baumgarten)
b.nbsp; Stäbchenform (Bacilus des nmliguen Oedema, TOOlache Vergr.; nach Koch);
c.nbsp; Schraubenform (Spirocbaete Obermeieii imBlat; 3ö0fache Vergr.; nach Baumgarten)
Zwischen den genannten Gestaltungen findet man zahlreiche Uebergänge, z. B. vom Coccus zum kurzen, dicken Stäbchen, vom gekrümmten Stäbchen zur Schraube u. s. w. Manche solcher Zwischenformen, z. B. die Keulenform der Bacillen, sind der Ausdruck der Sporenbildung oder des beginnenden Zerfalles (fnvolutionsformen).
Manche Bakterien pflegen sich zu Gruppirungen — Ver­bänden — zu vereinigen. Ruhende, scharf begrenzte Bakterien­haufen nennt man Z 0 0 g 10 e a (s. o.); unscharf begrenzte, weniger fest verbundene, bewegliche nennt mau Schwärme. Coccen, welche sich zu Reihen aneinander lagern, auf diese Weise Ketten, Scheinfäden bildend, hat man mit dein Namen Kettencoccen — Streptococcen — bezeichnet, während man den Namen Traubencoccen — Staphylococcea — gewählt hat, sobald sich Coccen in Traubenform zusammen geballt haben. Eine paarweise Aneinanderlagerung je zweier Zellen findet man bei den Üiplococcen, eine packetartige Aneinanderlagerung von je acht Coccen bei der Sarcine, eine solche von je vier Coccen beim Mikrococcus tetragenus.
Die Vermehrung der Bakterien kommt theils durch einfache Quertheilung, d. h. Spaltung der einzelnen Zellen, theils durch Sporenbildung zustande. Im ersteren Falle wächst die betreffende IJakterienzelle etwas in die Länge, schnürt sich in der Mitte der Quere nach ein und theilt sich durch Hereinwachsen der Membran in zwei Einzelindividuen, welche schnell die Grosse und Form der Mutterzelle vor der Theilung erlangen. Nicht selten bleiben die neuen Einzelglieder zu Ver­bänden (s. o.) vereinigt.
F. Cohn hat berechnet, dass sich — völlig ungestörte Vermehrung vorausgesetzt — aus einer einzigen Bakterienzelle, welche sich innerhalb
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4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierarztlichen Wundbehandlung.
einer Stunde in 2, diese nach nochmals einer Stunde in 4, nach drei Stun­den in 8 u. s. w. neue Zellen theilt, nach 24 Stunden bereits IG'/c Millionen, nach zwei Tagen 2811/., Billionen, nach drei Tagen 47 Trillionen Einzel­zellen entstehen können.
Der zweite Fall, also die Bildung von Sporen oder Dauer­formen, welche man allenfalls mit dein Samen der höheren Pflanzen vergleichen kann, tritt nur unter bestimmten Beding­ungen ein, z. B. besonders dann, wenn die Bakterien in ihrer Umgebung, d. h. in ihrem Nährboden, keine genügende und geeignete Nahrung mehr finden, oder wenn sich dem Nähr­boden Unisatzprodukte beigemengt haben, welche der weiteren Entwickelung der Pilze nachtheilig sind. Es geht unter sol­chen Umständen die Bildung von Sporen, d. h. kleiner, rundlicher oder länglich runder, stark lichtbrechender, durch basische Anilinfarben nicht tingirbarer Körperchen mit ausserordentlich widerstandsfähiger .Membran, entweder innerhalb des Bakterien­leibes vor sich, endogene Sporenbildung, oder sie findet in der Weise statt, dass einzelne (kugelige) Glieder eines Verbandes oder einer Generationsreihe sich direct zu Sporen (Gliedersporen, Arthrosporen) umwandeln (ektogene Sporenbildung). Der letztere Modus der Sporenbildung kommt nach de ßary allen Bakterienalten zu, welche keine endogenen Sporen zu bilden vermögen.
Die durch endogene Sporenbildung erzeugten Sporen wer­den entweder durch Zerfall des Bacillenleibes frei oder gelangen durch eine in der Wand der Mutterzelle entstandene Oeft'nung nach aussen.
Die Sporen, deren Bildung für den Mutterorganismus meist den Anfang vom Ende bedeutet, sind ungleich widerstandsfähiger, wie die Bakterien selbst (s. später), und bleiben so lange un­verändert, bis sie wieder auf einen günstigen Nährboden ge­langen I)anii keimen sie zu neuen Bakterien aus, welche nun ihrerseits fähig sind, in der früher angegebenen Weise sich durch Theilung zu vermehren.
Die Bakteden sind betreffs ihrer Existenz und ihrer Ver­mehrung an gewisse Bedingungen gebunden, die man mit dem Namen Lebensbedingungen der Bakterien bezeichnet. Zunächst benothigen sie zu ihrem Fortkommen jenen Feuchtig-keits^rid des Nährbodens, ohne welchen üborhuipt kein lebendes Wesen zu existiren vermag. So hat z, B. Koch schon vor längerer Zeit nachgewiesen, dass in dünnen Schichten ange­trocknete, sporenfreie Mil/brandbncillen durch die Anstiocknnng in 12 bis 80 Stunden ihre Keimfähigkeit verlieren, also todt sind. Noch weniger widerstandsfähiii verhält sich der Cholera-b;icillus, welcher schon nach etwa Hstündigein Austrocknen ab-
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Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
stirbt. Die Dauerformen der Bakterien (s. o.) scheinen aller­dings selbst durch noch so langes Austrocknen nicht ungünstig beeinäusst zu werden.
Ferner kommt die Eeaktion des Nährbodens in Be­tracht. Die meisten Bakterien können sich nur in alkalischen oder neutralen Nährböden ungehindert entwickeln, stärkere sauere lleaktion (z. B. der Magensaft) ist ihnen nachtheilig. In gleicher quot;Weise, wie die Säuren, vermag auch eine grosse Menge anderer Stoffe, welche man kurzweg als Desintioientien bezeichnet und von denen später die Rede sein wird, die Spalt­pilze zu tödten, wobei sich auch wieder die Dauerformen wesent­lich widerstandsfähiger verhalten, als die voll entwickelten Bakterien.
Viele Bakterien können nur bei ungehinderter Sauerstoff-zufuhr existiren (Aeroben, aerobiontische Bakterien), andere vermögen auch ohne siezu leben (facultative Aerob en), noch andere sistiien ihre Entwicklung sofort, wenn sie der ge­ringsten Menge freien Sauerstoffes ausgesetzt werden (obligate An aero 1) en). Die Aeroben halten sich in „Nährlösungenquot; an der Obeiliäche, die Anaeroben sinken zu Boden. Die grösste Mein zahl der „pathogenenquot; Bakterien sind facultative Aeroben.
Von grösster Bedeutung für die Entwicklung der Bakterien ist eine gewisse höhere Temperatur. Jede Bakterienart besitzt ein Temperaturoptimum, bei welchem sie am besten gedeiht, ferner ein Temperatur maxi mum und ein Tem-peraturminimum, welche die Grenzen nach oben und nach unten angeben, über welche hinaus ein Wachsthum unmöglich ist. Für die Mehrzahl der ,.pathogenenquot; Bakterien liegt das Opti­mum zwischen 3U0 und 40deg; Celsius, entspricht also der Wärme des Thierkörpeis, wählend für diejenigen Bakterien, welche ausserhalb des Thierkörpers zu existiren vermögen, das Tem­peraturoptimum viel niedriger — etwa um 20deg; herum — liegt. Für erstere sind nur geringe Schwankungen iiHch oben oder unten unbedenklich, letztere erweisen sich selbst grösseren Schwankungen gegenüber in der Regel wenig empfindlich.
So liegt beispielsweise das Maximum der Temperatur für die Milzbrand-bacillen ungefähr bei 45deg; C, für die Tulierkulosebacillen etwas unter 42u C; das Minimum der Temperatur ist für die ersteren hei 15deg;, für die letzteren schon bei 29deg; zu suchen. Das Optimum der Temperatur befindet sich für die Bakterien des Milzbrandes bei 37deg;, für diejenigen der Tuberkulose zwischen 37 und 38deg;, für diejenigen des Rauschbrandes zwischen 36 und 38deg;, für diejenigen des Erysipels zwischen 30 und 37deg; u. s. w.
Der Einliuss der über dem Maximum oder unter dein Mini­mum liegenden Temperaturen ilussert sich in der Weise, dass unter allen umständen das Wachslhum der Bakterien
ocr page 20
6nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Theorie und Praxis der thierarztlichen Wundbehandlung.
aufhört und daneben ihre fernere Entwickelungsfähigkeit entweder verloren geht oder erhalten bleibt.
Ersteres, das heisst der Verlust der Entwickelungs-fähigkeit, tritt bei fast allen Bakterien daun ein, wenn sie Temperaturen von 60deg; C. oder darüber ausgesetzt werden, während es bis jetzt selbst durch sehr niedrige Temperaturen nicht möglich war, die Entwicklungsfähigkeit der meisten Bak­terien völlig zu vernichten. Manche Bakterien sind allerdings höheren Temperaturgraden gegenüber wesentlich widerstands­fähiger, so z. B. die Eitercoccen, welche selbst bei 80deg; C. ihre Entwickelungsfähigkeit zu bewahren vermögen.
Alles dies gilt nur für die ausgewachsenen Bakterien; die Sporen werden erst durch lang anhaltende Temperaturen von 100 bis 120deg; getödtet und verhalten sich den auf künst­lichem Wege darstellbaren niedrigsten Temperaturen gegenüber fast ganz unempfindlich.
laquo;
Von grösster Wichtigkeit für den Chirurgen ist die Er­nährung und der Stoffwechsel der Bakterien. Alle Bak­terienarten sind wegen des N-Gehaltes ihres Protoplasmakörpers auf N-haltigeu Kährboden (in gelöster Form) angewiesen, und zwar scheinen — wenigstens für die pathogeneu Mikroben — Eiweissstoffe das geeignetste Nährmaterial zu sein.
Dabei verhalten sich die einzelnen Bakterienarten insofern von einander verschieden, als ein Theil derselben nur befähigt ist, todte Stoffe zu verarbeiten und von ihnen zu leben, während der andere Theil im Stande ist, auch lebenden Körpern die zu seiner Existenz u. s. w. nöthigen Nährstoffe zu entnehmen. Die erstere Gruppe bezeichnet man mit dem Namen „Sapro-phytenquot;, die letztere hat man pathogene oder para­sitische Bakterien genannt. Unter den letzteren giebt es solche, welche — gewöhnliche Verhältnisse vorausgesetzt — allein nur im lebenden Thierkörper zu existiren vermögen (obligate Parasiten), und solche, welche zwar für gewöhn­lich auf todtem Material vegetiren, aber gelegentlich oder wäh­rend einer gewissen Entwickelungsstufe auch im Thierkörper schmarotzen können (facultative Parasiten).
Zu den obligaten Parasiten gehören z B. die Tuberkel-bacillen und die Rotzbacillen, welche sich nur im Thierkörper zu vermehren vermögen, wenn auch ihre Dauerformen längere Zeit ausserhalb desselben keimfähig bleiben können, zu den facultativen Parasiten die Milzbrandbacilleu, welche in feuchter Erde u. s. w. vegetiren und sich vermehren (siehe später), aber, durch unglücklichen Zufall aut ein Thier gelangt, in diesem parasitisch weiter leben.
ocr page 21
Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
Es ist einleuchtend, dass man nur solche Bakterien als wirkliche Parasiten auffassen darf, welche von der Substanz des Organismus, in oder auf dem sie leben, ihre Nahrung beziehen. So sind z. B. die unzähligen harmlosen Bakterien, welche auf der Haut und den Schleimhäuten, beson­ders des Darmes, wohnen, nicht als Parasiten anzusehen, da sie sich nicht von der lebenden Substanz der Haut oder des Darmes, sondern von dem massenhaften todten Material nähren, welches sich dort aufgespeichert findet. Allerdings können diese Wobnparasiten de Bary's dann von patho­logischer Bedeutung werden, wenn die natürlichen Schutzvorrichtungen der Theile, an denen sie wuchern, beschädigt sind, oder wenn sie, in über-grosser Zahl auftretend, giftige Stoffwechselprodukte bilden. So kann nach Perforation des Darmes eine Bauchfellentzündung dadurch entstehen, dass die im Darm befindlichen Mikroben in die Bauchhöhle dringen, und des­gleichen können Symptome eines „septischenquot; Fiebers dann auftreten, wenn die im Darm auf todtem Material vegetirenden Mikroben „Toxinequot; produ-cireu, die — von der Darmwand aufgesogen — in's Blut gelangen. Aller­dings wird man in diesem Falle nicht von einer Infection, sondern von einer Intoxication zu reden haben, da es sich eben nicht um Bakterien handelt, welche auf Kosten der lebenden Substanz des Körpers vegetiren.
Die Wirkung, welche die Bakterien auf ihren todten oder lebenden Nährboden ausüben, ist für denselben nach mehr als einer Richtung verderblich. Zunächst entziehen sie ihm einen Theil seiner Bestandtheile, dem Thierkörper z. B. den Sauer­stoff, die Eiweisssubstanzen u. s. w., verstopfen wohl auch die CapUIaren wichtiger Organe, besonders der Nieren. Allein die Schädigungen, welclie auf diese Weise dem Nährboden erwachsen, reichen betreffs ihrer Wichtigkeit bei Weitem nicht an diejenigen heran, welche dadurch zustande kommen, dass an Stelle der entzogenen Nährstoffe die Stoffwechselprodukte jler Bakterien treten.
Diese Stoff Wechselprodukte sind höchst mannigfaltiger Natur und zum Theil je nach der Art des Bakterium's ver­schieden: Kohlensäure, Wasserstoff, Methan, Schwefelwasserstoff, Ammoniak, Indol, Skatol, Phenol, Leucin, Tyrosin, Asparagin etc., namentlich aber eine Reihe complicirter N-haltiger Ver­bindungen basischer Natur, welche man mit dem Namen Fäul-nissalkaloide, Ptomaine, oder — wenn sie besonders gif­tig sind — Toxine bezeichnet.
Neben diesen werden von vielen pathogenen Bakterien, wie Brieger, C. Fränkel, Kitasato u. A. nachgewiesen haben, auch giftige Eiwelsskörper, Toxalbumine, gebildet.
Der schädliche Einfluss der pathogenen Bakterien auf den Thierkörper beruht in der grossen Mehrzahl der Fälle auf der Bildung derartiger Toxine und Toxalbumine, ist also als eine wirkliche Vergiftung — Intoxication — anzusehen, so dass demnach fast mit jeder „Infectionquot; auch eine „Intoxicationquot; verbunden sein dürfte. Dabei ist die Wirkungsrichtung der von den einzelnen Bakterienarten producirten „chemischenquot;
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8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung,
Gifte eine verschiedene, so class jede Bakterienart ihr besonderes Krauklieitsbild hervorruft und auch betreffs der Heftigkeit und namentlich der Schuelligkeit der Erkrankung nach der Invasion der Mikroben auffallende Unteischiede herrschen. Während z. 13. — vcrmnthlich in Folge verschiedener Löslich-keitsverhältuisse der producirten Giftstoffe — die einen schnell in's Blut übertreten und heftige Allgeineinstörungen — eine wirkliche Blutvergiftung — bedingen, rufen die anderen Wirk­ungen hervor, Welche sich nur in der unmittelbaren ]S'älie ihrer Eintrittsstelle dokumentiren etc.
Um so lebhafter sich die Bakterien vermehren, um so sicheier gehen sie in der Kegel ihrem Untergange entgegen.
Auch der günstigste Nährboden wird über kurz oder lang an Nährstoffen erschöpft, und zudem wird er allmählich mit Stoffwechselproducte i der Bakterien überladen, die den letzteren zum Tbeil direkt schädlich sind. Ks soll nur an Phenol (Carbolsäure) erinnert weiden, #9632;weh hes als energisches Desinticienz allgemein bekannt ist. Auf diese Weise #9632;wird der Nährboden allmählich so „verschlechtert,quot;' dass die Bakterien ihr Wachs-thum sistiren und schliesslich völlig absterben. Dass unter solchen Verhältnissen eine Anzahl von ihnen, und zwar mehreje Bacillenarten, wenige Spirilleuarteu, vielleicht auch Sarcinen, vor ihrem Tode Dauerfoimen zu bilden vermag, welche im Stande sind, die ungünstigen äusseren Verhältnisse zu überleben, ist bereits früher angedeutet worden.
Es machen sich nunmehr an den dem Untergänge geweihten Spaltpilzen sogenannte Absterbe- oder Involutionser­scheinungen bemerklich. Sie blähen sich auf, durchsetzen sich mit „Vacuolenquot;, ihr Protoplasma ist nur schlecht und lücken­haft mit Anilin färbbar, ihre Contouren werden undeutlicher, ihre Vermehrungsfähigkeit ist erloschen und kehrt selbst dann, nicht wieder, wenn sie auf neuen, günstigeren Nährboden ge­bracht werden.
Bei vielen Bakterienarten hat man die Fähigkeit festgestellt, sich allmählich an wenig günstige Mährböden, beziehentlich Ausseuverhältnisse, zu gewöhnen, d. h. anzupassen. Dabei gehen allerdings auch gewisse, manchmal sehr einschneidende Aenderungen in den Lebensäusserungen der betreffenden Spalt­pilze vor sich. Eines der charakteristischsten Beispiele in dieser Beziehung hat Buchner geliefert, welchem es gelang, die virul­enten Milzbrandbacillen durch allmähliche Angewöhnung an anderes Nährmaterial in nicht virulente Bacillen umzuwandeln. Buchner meinte allerdings, dass diese herangezüchteten, unschäd­lichen Bacillen mit den in Heuaufgüssen u. s. w. auftretenden „Heubacillenquot; identisch seien, indessen ist diese Annahme neuer-
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dings von Prazmowski auf Giund der verscliiedenen Art der Sporeukeinmng definitiv widerlegt worden.
Diese ^Aniiassuupquot; an veränderte iiussere YeiLältnisse darf nicht mit demechten Pleomorphismus und der Variabilität — Yielgestalüg-keit und Veiänderliolikeit der Form — verwechselt werden, wie er von llallier, N aegeli, Zürn u. A , zum Theil auch von Zopf gelehrt wird. Danach soll z U. je nacli den äusseren Bedingungen die Coccenfurm sich in die bacillenform verwandeln können und umgekehrt, und ein und der­selbe Pilz soll baid peptonisiiende, luild diastatische Fermente bilden, luüd die eine, bald die andere Inlectionskrankheit hervorrufen können.
Auch wenn man indessen davon absehen wollte, dass Colin, R. Koch u. A durch exakte Versuche der Lehre vom Pleomorphismus den Todes-stoss versetzt haben, so würde man schon vom Standpunkte des praktischen Arztes aus es tür undenkbar erklären müssen, dass ein Mikroorganismus, der heute Milzbrand hervorruft, morgen Staupe oder Schafpocken erzeugen könne. „Man kann unter den Bakterien nach Wirkung und Forin scharf unterschiedene Gattungen und Arten erkennen, welche nicht in einander übergehenquot;. (F. Fiänkel.)
Von grosser Wichtigkeit ist es, dass es Pasteur und seinen Schülern, namentlich Cbauveau und Toussaint, später auch Koch, Bauingarteu u. A. gelungen ist, die para­sitische Energie gewisser pathogener Spaltpilze willkürlich herabzusetzen, sie also abzuschwächen, und feiner, Thiere durch Einimpfung derartig abge­schwächter Mikroben „starkenquot; Mikroben gegenüber für einige Zeit unempfänglich — immun — zu machen.
Zunächst gelang es Pasteur, die Bakterien der Iliihnercholera dadurch abzuschwächen, dass er sie mehrere Monate der Einwirkung des Luftsauerstoffs aussetzte. Die dann mit ihnen geimpften Hühner erkrankten, aber starben nicht und waren von da ab „immunquot; gelt;;en die nicht abge­schwächten, für Kontrolthiereabsoluttödtlichen Bakterieuder Hühnercholera.
Hierauf nahm Pasteur den Milzb randliacillus in Angriff und lernte, die Virulenz desselben durch Züchtung in nemralisiner Fleischbrühe bei 40 bis 4-iquot; C. in der Weise zu verringern, dass Schafe nach seiner Ein­impfung nur noch unbedeutend erkrankten und, nachdem mau sie mehrere Male geimpft hatte, völlig immun waren. Toussaint erzielte den gleichen Effekt sowohl durch 10 Minuten lange Erwänuuug des Milzbrandblutes auf 55deg; C, als auch durch Meimengung von circa 170 Carbolsäure zum Milzbrandblut; Roux und Chamberland schwächten den Milzbrand-bacillus durch Kultur in Bouillon mit Zusatz von Kaliumbichromat (1 : 500—1000) ab; Chauveau konnte den gleichen 1 akterieu ihre Giftig­keit nehmen, wenn er sie bei elüein Druck von G—8 Atmosphären züchtete; Arloing fand, dass das Sonnenlicht Milzbrandliacillen und Milzbrandspüren abzuschwächen vermag; Lubarschund Petruschky sahen Abschwächung der Bacillen eintreten beim Verweilen im Körper immuner Thiere, z. B. des Frosches, u. s. w.
Weiterhin vermochte Pasteur, die Schädlichkeit des Schweineroth-laufvirus durch wiederholte Verimpfung von Kaninchen auf Kaninchen zu mildern und das Gleiche auch mit dem seiner Wesenheit nach noch un­bekannten Wuth gift dadurch zu erzielen, dass er kleine Stücke der ner­vösen Centralorgane (Gehirn oder Kückenmark) von an Tollwuth verendeten.
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Thieren mehr oder weniger lange Zeit an wasserarmer Luft trocknete-Durch üeberimpfung sowohl des abgeschwächten Rothlaufvirus, als des abgeschwächten Wuthgiftes konnte er Thiere gegen Rothlauf, beziehentlich gegen Wuth unempfänglich machen. Arloing, Corneviu und Thomas, später auch Kitt schwächten den Infectionsstoif des Rauschbrandes (d. h. das getrocknete Fleisch von au Rauschhrand gestorbenen Thieren) durch Erhitzen auf 85 bis 100deg; C. ab und konnten durch Impfung mit derartig behandeltem Virus künstliche Immunität der Impflinge gegen Rauschbrand erzielen.
L off ler fand, dass Kaninchen durch präventive Verimpfung der Mäuse-Septicaemiebacillen an der Ohrspitze gegen eine spätere, irgendwie ausgeführte Infection mit den genannten Bacillen immun gemacht werden können u. s w.
Eine allen Anforderungen entsprechende Erklärung für dieses eigenthümliche Verhalten gewisser pathogener Mikroben hat man bis jetzt noch nicht zu erbringen vermocht Am wahr­scheinlichsten klingt die Annahme, dass der Impfschutz nicht durch die üherimpften, angehlich in ihrer Virulenz abgeschwäch­ten Mikroben selbst, sondern nur durch gewisse chemische Stoffe, herbei geführt wird, welche die betreffenden Bakterien durch ihren Stoffwechsel erzeugt haben.
Man ist zur Aufstellung dieser Hypothese umsomehr be­rechtigt, als es Roux, Chamberland, Salmon, Smith, Beumer u A. gelungen ist, Thiere gegen Milzbrand, Schweine­seuche und einige andere Infectionskraukheiten dadurch immun zu machen, dass sie nicht mit „abgeschwächtenquot; Bakterien, son­dern mit den von Mikroben befreiten Kulturen geimpft wurden, ferner W ooldridge es vermocht hat, Immunität gegen Milz­brand durch einen Stoff, welcher mit Milzbrandbakterien zunächst gar nichts zu schaffen hat, nämlich durch einen wässerigen Auszug von Thymus und Hodengewebe gesunder Thiere zu er­zielen, und schliesslich ßebring und Kitasato es fertig brachten, Kaninchen durch vorherige Behandlung mit Jodtri-chlorid unempfänglich gegen Impfstarrkrampf und durch Wasser­stoffsuperoxyd unempfänglich gegen Diphtherie zu machen.
Leider muss es sich der Verfasser versagen, ausführlicher auf diese hochinteressanten Fragen einzugehen. Auch auf die Thatsache, dass es mitunter gelingt, eine Bakterienart durch eine andere von ihrem Standorte zu verdrängen, sei nur bei­läufig aufmerksam gemacht.
Die Einbruchspforten für die Bakterien sind in den Fällen, welche für den Chirurgen Interesse haben, fast aus-schliesslicb Verletzungen, namentlich frische Wunden der Haut und der Schleimhäute. Manche Bakterien, besonders diejenigen der Eiterung, können wahrscheinlich auch die intakte Haut durchdringen, indem sie zuerst in die Mündungen der Follikel und Hautdrüsen gelangen und von da aus in die Tiefe
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gehen. Charakteristisch sind in dieser Beziehung die Experi-nieiite[von Gar r e und Bockhart. Ersterer erzeugte durch Ein­reibung einer Reinkultur des Staphylocoecus pyogenes aureus auf- die unverletzte Haut seines Armes typische Karbunkel- und Furunkelbildung; letzterer konnte auf seinem Arm Impetigo-pusteln und vereinzelte wirkliche Furunkeln dadurch erzeugen, dass er nicht, wie Garre, die Gesammtsubstanz der Rein­kultur des genannten Bakteriums, sondern nur kleine Partikel­chen derselben, in sterilisirter 0,5% Kochsalzlösung suspendirt, auf die Haut rieb. Allerdings war dieselbe nicht völlig intakt, denn es war vorher im Bereich einer kleineu Stelle der be­strichenen Fläche durch leichtes Kratzen mit dem desinficirten Nagel das Stratum corneum da und dort entfernt worden.
In anderen Fällen von „natürlicherquot; Infection gelangen die Bakterien durch das Maul in den Magen und Darm oder durch die Athmungsluft in die Lungen und dringen von da weiter in den Körper ein.
Von nun an verhalten sich die einzelnen pathogenen Mikro­organismen verschieden:
Die eine Gruppe verbleibt und wuchert am Invasionsorte und in dessen näherer Umgebung und ruft lediglich dort patho­logische Veränderungen hervor. Von einer allgemeinen Wirk­ung ist bei ihr nur dann die Rede, wenn etwaige, durch den Bakterienstoffwechsel erzeugte „Toxinequot; zur Resorption gelangen.
Eine andere Gruppe vermehrt sich am Invasionsorte, an welchem sich eine specifische Lokalerkrankung entwickelt. Ein Theil der proliferirenden Bakterien wird aber fortwährend durch die Lymphbahnen nach den nächsten und diesen central-wärts folgenden Lymphdrüsen bis in den Ductus thoracicus und durch diesen in die Blutbahn geschleppt (gelangt wohl auch z. B. durch Loslösung von zerfallenden Thromben direkt in's Blut), und ruft hierauf eine Allgemeininfection (oder „metastatischequot; Erkrankungen) hervor.
Eine dritte Gruppe schliesslich hat Allgemeininfectionen zur Folge, und zwar meist ohne am Invasionsorte auffällige Lokalsymptome zu erzeugen. Es lässt sich dies nach Baum­garten nur so erklären, dass die betreffenden Mikroben sehr leicht transportabel siijd, in Folge dessen — noch ehe sie aus­keimen — ganz oder fast ganz in geöffnete Lymph- oder Blut­bahnen liineingelangen und somit am Invasionsorte gar nicht oder nur in beschränkter Weise zur Wucherung kommen können. Es wird sich dabei natürlich stets um Bakterien handeln, welche die Fähigkeit besitzen, sich im lebenden Blut zu vermehren und dasselbe gewisse)massen zu „durchwachsen.quot;
In den meisten Fällen bleiben die in das Blut gelangten Bakterien nicht lange in demselben, sondern sie localisiren
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sich. Dabei hat jede Bakterienart ihre besonderen Liehlings-stelleii, doch kann mau wolil annehmen, dass sich die Mikroben mit S oiiiebe an solchen Orten ablagern und unter Umständen vermehren, an denen die Blut circulation eo ipso eine langsame ist, z. B. in der Leber, in der Milz, an Stellen, wo sich ent­zündliche Processe abspielen oder Wunden befinden u. s. w.
Gerade dieser letztere Funkt ist ausserordentlich wichtig, da sich auf diese ^Yeise manche eigenthtimiichen Vorkommnisse, z. B. die Bildung inter-mutkulärer Abscesse, unschwer erklären lassen. So konnten Ribhert , Ürtli und WySSokowitsch gesunden Tlüeren die pathogenen gell)en Traabencoccen in grosser Menge in die Bluthahn spritzen, (.line irgend welche Nachtheile zu erzengen. Sobald aber Orth und W y ssokowitsch zuvor (durch Kaiheterisation von der rechten Carotis aus) eine Valvula seniilunaris des Herzens durchstossen oder auch mir etwas von der Intima abgekratzt Latten, so vermochten sich die Bakterien an dieser Stelle anzu­siedeln uud eine schwere Endocarditis hacteritica hervorzurufen. Aller­dings konnte ilibbert den gleichen Erfolg auch bei völlig intacteu Klappen dadurch erzeugen, dass er die Coccen nicht, -wie die eben genannten Forscher es frethan, in einer ganz feinen Emulsion, sondern in einer gröberen Auf­schwemmung in's Blut brachte. Bringt man ferner - nach 0. Franke 1 — Thieren, welchen man vorher eine s uhcutan e Fractur oder Quetschung eines Röhrenknochens zugeiügt hatte, goldgelbe Staphylococcen in die Blutbahn, so kommt es häufig an diesen „praedisponirtenquot; Stelleu zur Entwicklung von üsteomyelitischen Erscheinungen so schwerer Natur, dass sie in der Regel zum Tode führen etc.
Wenn man von den selir stark pathogenen Bakterien ab­sieht, so ist man zu der Annahme berechtigt, class die ins Blat oder duich ..Lokalisalionquot; in's Gewebe gelangten Mikroben baldigst von dort verschwinden Wahl scheinlich werden sie durch die Säfte des lebenden Körpers, namentlich duich das Blut, beziehentlich das Blutserum (Büchner, Orthenber-ger, Nissen etc.) vernichtet.
Die von Me'tschniko ff aufgestellte P hag o cy tenth eorie, nach welcher die Bakterien von den weissen Blutkörperchen, in deren Bereich sie kommen, gewissei massen „aufgefressenquot; werden sollen, hat eben so wenig allgemeinen Anklang gefunden, wie die Annahme von Wyssoko wit sc h, dass die Bakterien von den Endotbelztlleu der Capillaren, namenüich derjenigen in Organen mit veilangsamter Blutstiömung, festgehalten und unter Umständen vernichtet weiden, und die schon fiüher vielfach vertretene Anschauung, dass die eutzündliclien Gewebsveränder-ungen uud besonders die mit der Eutsüudung verbundenea CirculatiousaUerationen eine Einschränkung der Bakterien-vegetation herbeizuführen vermögen.
Ein Theil der Spaltpilze wird vielleicht auch durch die Nieren, die Haut und den Darm aus dem Körper entfernt. Auf die Schädigungen, welche sich die Mikroben duich ihre eigenen Stotfwechselprodukte zufügen, ist schon früher aulineiksam ge­macht worden.
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Für den Veterinärchirurgen kommen folgende Bakterien in Frage:
a) Aus der Gruppe der Sapropliyten:
Die fänlnisserregenden (saprogenen) Bakterien
(die Bakterien der septisciien Erkrankungen). In faulenden Massen treten zahlreiche Bakterien auf, welche man früher, wo mau noch nicht mit „Reinkulturen'' zu arheiten •wusste, kurzweg mit dem Namen „Bakterium termoquot; be­zeichnete. Namentlich verstand man darunter einen kurzen, meist zu zweien auftretenden, lebhaft beweglichen Bacillus. Jetzt weiss man, class es mehrere Bakterienarten giebt, welche Fäulniss hervorrufen können.
So fand Hauser 1885 in faulenden Substanzen drei Arten von Bak­terien, welche er ihres pleomnrplien Verhaltens halber unter dem Gattungs­namen „Proteusquot; zusammenfasste. Sie sind wirkliche Fiuilnisserreger und erzeugen während ihres Wachsthums StoftVechselprodukte, welche auf Thiere giftig wirken. Der am häufigsten vorkommende ist Proteus vul-garis, welcher lebhaft bewegliche Stäbchen von 0,6 Mikron Breite und ver-schietlener Länge bildet. Die anderen beiden Arten sind als Proteus mirabilis und Proteus Zenkeri bezeichnet n-orden. Ausser Piauser haben namentlich noch Brieger und Rosenbach Bakterien entdeckt, #9632;welche Fäulniss erregen können.
Diese saprogenen Bakterien finden sich überall dort ein, wo abgestorbene Substanzen vorhainlen sind, vorausgesetzt natürlich, dass gleichzeitig die sonstigen Bedingungen der Bakterienentwicklung gegeben sind So siedeln sie sich z. B. in nicht mein- lebensfähigen (zerquetschten, von der Ernährung abgeschnittenen u. s. vv.) Geweben, zu denen sie Zutritt er­langten, an, dieselben in Fäulniss überführend; ^o faulen Exsu­date, deren Abfiuss zeitweilig gehemmt ist; so gehen die im puerperalen Uterus zurückgebliebenen Eibäute in Fäulniss über; so werden durch den Genuss fauligen Fleisches saprogene Bak­terien in den Magendarm gebracht, in welchem sie sich unter Umständen in's Unendliche vermehren.
Die pathologische Bedeutung der Fäulnissbakterien beruht bei den meisten derselben lediglich darauf, dass sich durch die Fäulniss Gifte bilden, welche eine Intoxication hei vorrufen, bei einigen auch darauf, dass sie in den lebenden Körper ein­dringen und sich in demselben vermehren, also eine Infection bewirken.
Pa nnm bat aus faulenden eiweissbaltigenSubstanzen das putride Gift hergestellt; Bergmann und Sc bmiedeherg isolirten aus faulenden Leichen eine krystaljinische Substanz, welche denen des Atropins ähnliche Wirkungen entfaltete; Krieger gewann aus faulem Muskelfleisch das sehr giftige Neurin, aus faulen Fischen einen betreffs der Wirkung mit dem
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Muscarin vergleichbaren Körper, aus stark faulenden menschlichen Leichen-theilen neben einer Anzahl nicht giftiger chemischer Verbindungen das sehr giftige Mydale'in, aus faulendem Pferdefleisch das Methylguanidin und ein saures Toxin von curareähnlicher Wirkung u. s. w.
Es wird also durch die Fäulniss nicht ei n Gift, sondern eine Reihe von giftigen Körpern (Leichenalkaloiden, Kadaveralkaloiden, siehe früher) gebildet, welche auch be­treffs ihrer Wirkung auf den thierischen Organismus wesent­liche Verschiedenheiten zeigen. Manche von ihnen erweisen sich örtlich, z. B. auf den Darmkanal, als indifferent-, andere wirken stark entzündungserregend; die einen rufen, in's Blut aufgenommen, lähmungsaitige Symptome, die anderen Krämpfe hervor u. s. w. Welche Art von giftigen Körpern in den ein­zelnen Fällen gebildet wird, mag hauptsächlich von der Art der faulenden Substanz, vom Stadium der Fäulniss und von den Ernährungsbedingungen abhängen, welche die Fäulniss-biikterien vorfinden. Möglichei weise „fabricirtquot; auch jede sap-rogene Bakterienart ihre besonderen Gifte.
Die lediglich nur durch Resorption von Fäulnissgiften lu-Lvorgerufenen Erkrankungen bezeichnet man jetzt grundsätz-lich mit dem Ausdruck „putride Intoxicationquot;, während man für die durch Aufnahme von Fäulnissbakterien in's Blut entstandenen Erkrankungen die Bezeichnung „septische ] nfecti onquot; (eigentliche Septicämie Koch's) gewählt hat. Aller-dings kommen so häufig „Mischformenquot; vor, dass es für den Praktiker nahezu unmöglich ist, eine scharfe Grenze zwischen beiden Zuständen zu ziehen, und es wird in Folge dessen wohl noch lange Zeit dauern, ehe der für alle septischen Erkrank­ungen gebräuchliche Sammelname „Septicämiequot; von derBild-Üäche verschwunden ist.
Auch das ge-wohnliche Wundfieber der Alten, welches früher nach jeder Verletzung erwartet wurde, ist weiter nichts als eine Form der Septicämie. Nehmen die in Folge fauliger Processe in der Wunde auf­tretenden Fiebersymptome einen milderen Verlauf, so spricht man von septischem Wundfieber, steigern sie sich zu einem hohen, das Leben schwer bedrohenden Grad, so wählt man die Bezeichnung Septicämie.
Die Bezeichnung dieser Sorte von Wundfieber als „septischesquot; ist deshalb geboten, weil es noch ein aseptisches Wundfieber giebt, welches jedoch fast ausnahmslos bald nach der Verletzung sich bemerk­lich macht und durch den Eintritt höchst unschuldiger Substanzen in's Blut (Wasser, Irrigationsflüssigkeit, unzersetzten Wundsekretes, Fibrinfermentes^ u. s. w.) hervorgerufen wird. Während das septische Wundfieber neben Temperatursteigerung und entsprechend erhöhter Puls- und Athemfrequenz noch eine erhebliche Allgemeinstörung — Mattigkeit, Niedergeschlagenheit, Appetitsverstimmung u. s. w. — hervorruft, zeigt das aseptische Wund­fieber gar keine oder eine nur so unbedeutende Beeinträchtigung des All­gemeinbefindens, dass die Temperatursteigerung in der Regel das einzige wahrnehmbare Symptom ist. Namentlich liegt eine Alteration des Appetits nicht vor. Schon nach wenigen Stunden, selten erst nach Tagen, hat die Temperatur ihren normalen Stand wieder erreicht.
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b) Aus der Gruppe der pathogeuen Bakterien:
I. Die eitererregenden (pyogcneu) Bakterien.
#9632;Man hat im Eiter verschiedene Bakterienarten gefunden;
a)nbsp; den Staphylococcus pyogenes aureus, welcher runde Kügelchen von 0,7 Mikron Durchmesser darstellt, die sich zu Diplococcen und kurzen Ketten, namentlich aber zu rund-liclien, traubenartig geordneten Massen zusammenlagern. Er kommt besonders in Abscessen und furunkulösen Entzündungen, doch auch in pyaemischen Herden vor und scheint zu den facultativen Parasiten zu gehören, da ihn Passet auch im HausliMltungsspühvasser, Lübhert im Erdboden, Fränkel in der Luft. Bock hart auf der Haut und unter den Finger­nägeln fand u. s. w.
b)nbsp; den Staphylococcus pyogenes albus und
c)nbsp; den Staphylococcus pyogenes citreus, welche beiden sich, abgesehen von den Farbungsverscbiedenheiten ihrer Culturen, so übereinstimmend mit dem goldgelben Trauben-coccus verhalten, dass man sie wohl als Varietäten desselben ansehen kann (Bau mg arten u. A.). Sie werden neben dem Staphylococcus aiireus namentlich bei acuten Eiterungen ge­funden, und Seh w a rzn eck er konnte den Staphylococcus albus als Ursache gewisser chronischer Entzündungsprocesse in den Kehlgangslymphdrüsen des Pferdes mit Sicherheit nachweisen.
d)nbsp; den Streptococcus pyogenes, welcher Coccen von 0,5—1 Mikron Durchmesser bildet, die meist zu langen, rosen­kranzartigen Ketten angeordnet sind und regelmässig in phleg-monösen Eiterungen und in den Abscessen der Pyaemie gefunden werden. Man hält den Eiter-Streptococcus jetzt ganz allgemein für identisch mit dem Streptococcus des Erysipels, von welchem weiter unten die Rede sein wird.
Ausser den bis jetzt genannten Bakterien haben Rosen-bacb und Passet noch verschiedene andere Mikroben aus dem Eiter gewonnen, nämlich Mikrococcus pyogenes tenuis. Bacillus pyogenes foetidus und Staphylococ­cus cereus albus und flavus, und Karlinsk i ist der An­sicht, dass auch der Mikrococcus tetragenus als ein echter Eitererreger anzusehen sei.
Es ist zweifellos, dass die Eiterung unter gewöhnlichen Verhältnissen lediglich durch pyogene Bakterien hervorge­rufen wird, und dass demnach auch die mit ihr in engstem Zusammenhange stehenden „pyaemischenquot; Erkrankungen, das Eiterfieber und die eigentliche, mit Metastasen einhergeh­ende Pyaemie, ihre Existenz den pyogenen Bakterien ver­danken. Wahrscheinlich beruht die Wirkung derselben auf der Bildung eines „Eitergiftesquot; (siehe früher), und es ist
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die Annahme nicht ganz von der Hand zu weisen, dass es sich beim Eitertieher lediglich um die Aufnahme von Eiter­gift in die Blutbuhn, also um eine Intoxication handelt, während die Pyaemie nach Invasion von Eiterbakterien in's Blut zu #9632;Stande kommt.
Auch die Lymphangitis, Lymphadenitis und Phlebitis sind in der Mehrzahl der Fälle auf pyogene Bakterien .zurückzu führen.
II. Der Streptococcus erjsipelatls.
Derselbe ist die Ursache des Wundrothlaufes und gleicht in seiner Gestalt und seinem Verhalten in Culturen völlig dem Streptococcus pyogenes. Wahrscheinlich sind die Hauptstätten für die Coccenwuchening die Lymphgefasse und angrenzenden Saftkanälchen der Haut, wohin die Coccen nach Hautverlerzungen oft sehr unscheinbarer Natur gelangen (K och Fehleiser u A) In die Blutgefässe scheint das Erysipel-bakterium für gewöhnlich nicht überzutreten. Auf die Ueher-einstimmung des Erysipelcoccus mit dem Streptococcus pyogenes ist bereiis früher aufmerksam gemacht worden.
III. Der Mikrococcus ascoformans Johne
(M. botryogenus Rabe; Botryococcus ascoformans Kitt). Es sind dies 0,5 — 1 Mikron grosse Coccen, welche (im Thierkörper) rand-liche, von einer Zoogloeahülle kapselartig umgebene Haufen bilden, die ihrerseits zu traubigen oder maulbeerförmigen „Conglomeratkolonienquot; von der Grosse feinster Sandkörnchen zusammengestellt sind Der Mikrococcus ascoformans muss als die Ursache gewisser Geschwülste des Pferdes, namentlich l\st aller nach der Kastration auftretenden Samenstrang Ver­härtungen und Samenstrangfisteln angesehen werden. Hell meint übrigens, das die Botryomycesrasen sich aus Mi­kroben zusammensetzen, die weiter nichts als Eitercoccen — und zwar speciell Staphydococcen — seien.
IV. Der BaciUns des Starrkrampfes.
Das Starrkrampfbakterium präsentirt sich in Eorm kleiner, schlanker, borstenförmiger, etwa 1 Mikron langer Stäbchen, welche 1884 von Nicolaier in Mäusen, Meerschweinchen und Kaninchen gefunden wurden, die nach subcutaner Implüng mit Gartenerde unter den Erscheinungen des Starrkrampfes ver­endet waren. Später sind diese Bacillen auch beim Tetanus des Menschen und (von Bonome, Kitt, Friedberger u A.) der Hausthiere gesehen worden, und es herrscht zur Zeit kein Zwei­fel darüber, dass der Wundstarrkrampf des Menschen und der rJ liiere ausschliesslich nur durch diese Bacillen hervorgerufen
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#9632;wird. Brieger hat ermittelt, dass die genannten Bakterien vier „Toxine-1 produciren, von denen namentlich das eine (Tetanin) äusserst giftig und krampferzeugend wirkt, und man liält es für zweifellos, dass die tetanuserzeugende Wirk­ung der Kicolaierschen Bacillen lediglich auf die Production dieser Toxine zurückzuführen ist. Auch anderen, z.B. Weyl und Kitasato, Tizzoni und Cattani ist die Isolirung von tetanisch wirkenden Stofi'wecliselproducten der genannten Bak­terien gelungen, üehrigens fanden die letztgenannten beiden Forscher im Tetnnusmateiial zwei patliogene Bakterienarten, von denen die eine bei Thieren typischen Tetanus liervorrief, #9632;während die andere eine zwar tödtliche, aber mit nur sehr milden, beschränkten, tetanischen Symptomen einhergehende Krankheit veranlasste.
Man findet, die Starrkiamptbacillen (im Thierkörper) be­sonders reichlich eigentlich nur an der Infectionsstelle, so dass man bis auf Weiteres annehmen muss, dass die Toxinbildung an dieser vor sich geht und die tetanischen Anfälle erst dann auftreten, wenn genügende Mengen des Giftes zur Resorption gelangt sind. Dem gegenüber steht allerdings die von Tizzoni, Cattani und Baquis gefundene Thatsache, dass selbst die sehr frühzeitige Abtragung des Infectionsherdes nicht genügt, die (geimpften) Thiere vomTetanus zu retten. Flügge, Rosen­bach und Brieger fanden übrigens Tetanusbacillen auch im Centralnervensystem.
Der gewöhnliche Aufenthaltsort der Mikroben (ausserhalb des Thierkörpers) ist die Oberfläche des Erdreiches, nament­lich der Kehricht und Staub der Strassen und der Pferde-dünger, so dass es nicht zu verwundern ist, wenn Tetanus bei Pferden besonders im Anschluss an „Nageltrittquot; gesehen ' wird. Dass der Starrkrampf, mit Rücksicht auf das so häufige Vorkommen der Bacillen an der Erdoberfläche, nicht viel öfters, als es in der That der Fall ist, zur Beobachtung gelangt, lässt sich in ungezwungener Weise dadurch erklären, dass die ge­deihliche Eutwickelung der Tetanusbacillen durch Luftsauerstoff gehindert wird und dieselben dem­nach in ober flä'c blichen oder tiefen, umfang reichen Wunden kaum festen Fuss zu fassen vermögen. In der That lässt sich auch durch experimentelle Infection nur dann ein Erfolg erzielen, wenn Bacillen in grösserer Menge tief in die Subcutis gebracht werden (Baumgarten u. A).
Y. Der Bacillus des malignen Oedems.
Schlanke, etwa 3—5 Mikra lange, an ihren Enden abge­rundete Bacillen, welche zuerst von Koch als Ursache des malignen Oedems der Mäuse, Kaninchen und Meerschweinchen
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entdeckt worden sind und deren Uebertragbarkeit auf ver­schiedene Hausthiere (Ziegen, Kälber, Schafe, Hunde, Schweine und Pferde), sowie auf einige quot;Vogelarten von Kitt nachge­wiesen worden ist. Rinder sind nach Chauveau und Ar-1 o i n g immun. Zur erfolgreichen Uebertragung der streng an­aeroben Bakterien ist eine reichliche Ueberführung derselben in das subcutane, intramuskuläre oder submucöse Bindegewebe unerlässlich, in welchem sie sich dann stark vermehren, während sie in das Blut des lebenden Thieres (mit Ausnahme der Maus) nicht eindringen.
Man findet die Oedembacillen ausserhalb des Thierkörpers namentlich reichlich in der Gartenerde, doch auch in den ver­schiedensten fauligen Substanzen und in Staubsorten aller Art.
VI. Der Bacillus des Milzbrandes.
Der Milzbrandbacillus stellt circa 1 Mikron breite, 3—10 Mikra lange, an ihren Enden scharf abgeschnittene, unbeweg­liche Stäbchen dar, welche sich unter günstigen Umständen zu längeren, gegliederten Fäden vereinigen, im Blute „milz-brandigerquot; Thiere vorkommen und nach einer gewissen Er­schöpfung des Nährbodens (die Gegenwart von Sauerstoff und einer Temperatur von 24—36deg; C. vorausgesetzt) Sporen bilden.
Wie bereits auf Seite 6 angegeben wurde, ist der Milz­brandbacillus ein facultativer Parasit, der zweifelsohne auch ausserhalb des lebenden Thierkörpers, draussen in der Natur, an feuchten Orten etc., und zwar an den oberflächlichsten Schichten des Bodens, sein Fortkommen zu finden ver­mag, obgleich es allerdings noch nicht gelungen ist, ihn an solchen Stellen aufzufinden. Für die ectogene Vegetation spricht indessen die Thatsache, dass der Milzbrandbacillus den Höhe­punkt seiner Entwickelung — die Sporenbildung — niemals innerhalb des lebenden Thierkörpers erreichen kann und dass dieser Vorgang auch nicht im Thiercadaver zu Stande kommt, wenn derselbe unverletzt bleibt. Die Gründe dafür gehen aus dem oben Mitgetheilten zur Genüge hervor.
Der Milzbrand ist auf alle Thiere übertragbar; nur die Ratten, die meisten Vögel und die Amphibien sind fast immer, die Schweine und die Hunde meist immun. Von grossem Interesse ist übrigens die von C. Fränkel gemachte Beobacht­ung, dass die pathogene Wirkung der Anthraxbacillen höchst wahrscheinlich auf der Bildung von „Tox album inenquot; be­ruht, lieber weitere Eigenschaften der Milzhiandbacillen wolle man auf den Seiten !J und 10 nachlesen.
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TU. Der Bacillus des Banschbrandes.
Derselbe erscheint in Form von 0,3—0,6 Mikron breiten, 3—lOMikra langen, geraden, an den Ecken abgerundeten, be-weglicKen Stäbchen, welche Sporen bilden können und sich viel reichlicher als im Blut in den geschwulstartigen, knisternden Anschwellungen des subcutanen Bindegewebes und der Muskula­tur, sowie in den blutigen Transsudaten der serösen Höhlen der an Rauschbrand erkrankten Thiere finden. Rinder, Schafe, Ziegen und Meerschweinchen sind (durch Impfung in das sub-cutane Bindegewebe) leicht zuinficiren; weisse Ratten, Esel und Pferde zeigen nur vorübergehende örtliche Störungen; gewöhn­liche Ratten, Schweine, Hunde, Katzen, Kaninchen und Haus­vögel sind nahezu immun (Kitt), üebrigens vermag der Rausch-brandbacillus in Folge seines anaeroben Charakters ausserhalb des Thierkörpers kaum zu gedeihen, so dass die Aufgabe, das Gift zu verschleppen und fortzupflanzen, ausschliesslich den Sporen zufällt, die sich bald nach dem Tode der rauschbrandigen Thiere massenhaft in der Leiche bilden.
Nur beschränktes Interesse für den Veterinärchirurgen besitzen:
8.nbsp; nbsp; der Mikrococcus der progressiven Gewebsnecrose bei Mäusen;
9.nbsp; der Mikrococcus der progress iven Abscessbildung bei Kaninchen ;
10.nbsp; Der Mikrococcus der Kan inchenpyaemie;
11.nbsp; Der Bacillus der Mäusesep ti caemie;
12 Der Bacillus der Kaninch ensepticaemie;
13.nbsp; Der Bacillus des Rotzes;
14.nbsp; Der Bacillus der Tuberculose.
c) aus der Gruppe der pathogenen Cladothrixarten:
I. Clartotlmx canis.
Feine, büschelförmig angeordnete, seitliche Knospen und Aeste tragende, 0,5—1 Mikron dicke, aus einzelnen Stäbchen zu­sammengesetzte Fäden, welche farblose, traubig lappige Häut­chen bilden und von Rabe in chronischen recidivirenden Pana-rifien, bei colliquativer Gangraon der Cutis, der Subcutis und der Lymphdrüsen und bei Peritonitis des Hundes gefunden worden sind.
II. Actinoniyces bovis.
Dieser „Strahlenpilzquot; ist die Uisache von eigenthümlicheu „Granulatioiisgeschwülsten.quot; die vorherrschend beim Rind, demnächst beim Schwein, viel seltener anderwärts vor­kommen, namentlich von den Kieferknochen, der Zunge oder den Kopflymphdrüsen ihren Ausgang nehmen und nicht selten
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20nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
die Tendenz zur Abscedirung besitzen. In den knötchenartigen Einlageningen dieser vom Laien als Winddorn, Drüsen­knoten, Drüsentuberkeln etc. bezeichneten Geschwülste findet man sandkorngrosse, scbwefelgelbe Körnchen — Strahlen­pilzhaufen — welche, mikroskopisch betrachtet, gewöhnlich einen strahligen, drüsigen Bau erkennen lassen und sich aus zahl­reichen, langgestreckten, keulenförmigen, stark glänzenden Zellen, doch auch aus langen, feinen Fäden und zahlreichen „Coccen-haufenquot; zusammensetzen.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Pilz ausserhalb des Thierkörpers vegetirt und mit dem Futter, wahrscheinlich an stacheligen Pfianzentheilen haftend, in den thierischen Organis­mus gelangt.
Aus dem soeben Mitgetheilten geht mit Sicherheit hervor, dass alle im Anschluss an Verletzungen auftreten­den Krankheiten allein nur auf die Invasion von Bakterien zurückzuführen sind. Zur quot;Verhütung dieser Invasion und zur Vernichtung der bereits in den Thierkörper eingedrungenen Bakterien dienen die Desinfectionsmittel, von denen im folgenden Kapitel die Rede sein soll.
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11.
Theorie der Desinfection.
Unter Desinfection versteht man die Befreiung irgend welcher Gegenstände von den an oder in ihnen befindlichen krankheitserregenden Mikroorganismen, während man mit Sterilisation die Befreiung der Gegenstände von organischen Keimen überhaupt, nicht gerade speziell von pathogen an Keimen, bezeichnet.
Zu beidenZwecken bedient man sich der De sinfections-mittel, und es ist ohne weiteres verständlich, dass jedes Mittel, welches „desinficirendquot; wirkt, d. h. Bakterienabzutödten vermag, daneben auch die Fähigkeit besitzen muss, bei geringerer Concentration und kürzerer quot;Wirkungsdauer nur die Weiterent­wickelung, das Wachsthum der niederen Organismen zu hindern oder zu verlangsamen, also „antiseptischquot; zu wirken. Während demnach alle Desinficientien auch Antiseptica sind, ist nicht immer das Umgekehrte der Fall, da ein Mittel, welches das Wachsthum etc. organisirter Keime inhibiren oder gar nur verlangsamen kann, keineswegs im Stande zu sein braucht, diese Keime auch wirklich zu tödten.
Von grosser Bedeutung ist es, dass sich die einzelnen Bak­terienarten Desinficientien gegenüber sehr verschieden resistent erweisen und dass die Sporen wesentlich widerstandsfähiger sind, als die vegetativen Formen. Ein Desinfectionsverfahren, welches allseitige Anwendung finden soll, müsste demnach so eingerichtet sein, dass es auch die widerstandsfähigsten Sporen, welche man kennt, abzutödten vermag, während andererseits ein solches, welches nur gegen einen bestimmten Krankheits­erreger gerichtet ist, bloss auf dessen Lebensenergie Rücksicht zu nehmen braucht. Dies letztere ist zum Theil in der Wund­behandlung der Fall, wo man sein Augenmerk lediglich auf die Vernichtung der auf den Seiten 13—20 näher besproche­nen Spaltpilzarten zu richten hat.
Zu diesem Zwecke stehen dem Chirurgen folgende Des-infectionsmittel zur Verfügung:
I. Chemische Besinfectionsmittel.
Bei der Prüfung eines chemischen Desinfectionsmittels auf die Verwendbarkeit in der Wundbehandlung hat man sowohl seine
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desinficirende und antiseptische Energie, als auch sein Verhalten den Hausthieren gegenüber zu berücksichtigen.
Behufs Feststellung der Wirkungsintensität eines chemischen Dea-infectionsmittels bedient man sich in der Regel folgender, zuerst von Koch angegebenen Prüfungsmethoden:
a)nbsp; Handelt es sich darum, lediglich die antiseptische (also entwicke-lungshemmende) Kraft des Mittels zu erforschen, so werden abgemessene Quantitäten von demselben einem zuvor oder nachträglich mit bestimmten Bakterien beschickten, geeigneten Nährboden (Blutserum, Bouillon, ver­flüssigte Nährgelatine) zugesetzt. Als „Culturgefässequot; kommen mit Watte­pfropf verschliessbare Reagenzgläser oder auch verdeckte, flache Glasschalen zur Verwendung. Zur Controls dienen Culturgefässe, deren Nährboden nur mit den betr. Bakterien, nicht mit dem Antisepticum beschickt ist. Kommt es in den Controlgefässen zur typischen Entwickelung der Spaltpilze, tritt aber eine solche in den mit dem Antisepticum versetzten Gläsern nicht ein, so ist anzunehmen, dass die betr. Bakterien ihre Entwickelungs-fähigkeit verloren haben. Auch eine blosse Verlangsamung der Vegetation lässt sich auf diese Weise beobachten.
b)nbsp; Wenn die desinficirende Energie eines Mittels bestimmt wer­den soll, so werden Seiden- (Glas-) fäden mit Reinculturen bestimmter Bak­terien getränkt und hierauf m. o. w. lange Zeit in Reagenzgläser oder Uhr-schälchen gelegt, die mit dem zu prüfenden Desinfectionsmittel (in ver­schiedenen. Verdünnungen mit Wasser oder Bouillon, Blutserum etc.) gefüllt sind. Nachher werden die Fäden sehr gründlich mit sterilisirtem (abgekochtem) Wasser (bei Versuchen mit Metallsalzen wohl auch mit Schwefelwasserstoif oder Schwefelammon [Geppert]) abgespült und auf ent­sprechende feste Nährböden (Nährgelatine oder Kartoffeln) gebracht, unter Umständen auch auf geeignete Thiere überimpft. Auch bei diesem Ver­fahren sind Controlversuche bez. Controlculturen oder Impfungen mit den­selben Bakterien, aber ohne gleichzeitige Benutzung eines Desinficienz
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Auf die Modificationen, welche die eben beschriebenen Methoden von verschiedenen Seiten erfahren haben, kann in diesem Buche nicht einge­gangen werden.
Was die Prüfung eines Uesinfectionsmittels auf sein Verhalten den Hausthieren gegenüber betrifft, so ist es hinlänglich bekannt, dass es abso­lut ungiftige, aber trotzdem energisch „desinficientquot; wirkende Mittel ein­fach nicht giebt. Indessen kommt es gar nicht darauf an, dass ein Mittel unter allen Umständen ungiftig ist, sondern es handelt sich lediglich um die Frage: ist dasselbe in der Form und Menge, in welcher es in der Praxis angewendet wird, im Stande, das Leben des Patienten zu gefährden oder nicht? Bei der Untersuchungeines zur Wundbehand­lung empfohlenen Mittels nach dieser Richtung hin wird man im allge­meinen von dem Grundsatz auszugehen haben, dass eine Wunde unter Umständen ein ähnliches Resorptionsvermögen entfalten kann, wie die Subcutis, so dass also ein Mittel, welches, in einer bestimmten Menge und Form unter die Haut eines Thieres gebracht, bei diesem eine Intoxi­cation erzeugt, diesen Effect auch dann hervorrufen würde, wenn man es in derselben Menge und Form in eine Wunde brächte. Der Unterschied, •welcher in dieser Hinsicht zwischen offenen und mit einem Verband über­deckten, frischen und granulirenden u s. w. Wunden besteht, kann bei der Beurtheilung der praktischen Verwendbarkeit eines Desinfections-mittels ebenso wenig in Betracht kommen, wie das Resorptionsvermögen der intacten thierischen Haut (z. B. unter dem Verband).
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Warum man zugleich zu erforschen hat, wie sich das zu prüfende Mittel bei der Injection in seröse Höhlen (besonders in die Bauchhöhle) und bei der Application per os (Ablecken!) verhält, bedarf keiner weiteren Begründung.
1. Sublimat.
Quecksilbersublimat, Hydrargyrum bichloratum (corro-sivum). Weisse, durchscheinende, strahlig krystallinische Stücke, welche beim Zerreiben ein weisses Pulver geben und sich in 16 Theilen kaltem, 3 Theilen siedendem Wasser, 3 Theilen Weingeist und 4 Theilen Aether lösen.
Die Haltbarkeit der wässerigen Lösungen kann durch Zusatz von Kochsalz, Salmiak oder Säuren, namentlich Weinsä ure, wesentlich ver­stärkt werden, und es kann dann sehr wohl zur Herstellung von Lösungen an Stelle des destillirten Wassers Brunnen- oder Wasserleitungswasser ge­nommen werden.
Sublimat wird verwendet:
a)nbsp; in Losungen von 1 : 1000—200O zum Desinficiren der Hände, Wundumgebung, Tupfer etc., sowie zum Abspülen der (reinen) Wunde vor Anlegen des Verbandes;
b)nbsp; in Lösungen von 1: 750—1000 zur „Irrigationquot; von unreinen Wunden;
c)nbsp; in Spirituosen Lösungen von 1 : 500—1000 zur Aufbewahrung von Seide, Catgut, Drains etc.;
d)nbsp; zur Imprägnirung von Verbandstoffen aller Art (siehe später);
e)nbsp; zur Bereitung der Sublimatseife, derSublimatgelatine (siehe später) und der Sublimatpastillen (Angerer). Letztere sind ihrer leichten Löslichkeit und guten Haltbarkeit halber zur schnellen Herstell­ung von Sublimatlösungen in der Praxis sehr geeignet
I. Wirkung auf Bakterien.
Milzbrandba cilleu verlangsamen durch 1 : 1000000 merklich ihr Wachsthum und werden durch 1 : 300000 nach 10 Minuten getödtet (Koch).
Milzbrandsporen werden nach Koch durch 1:20000 in 10 Minuten zum Absterben gebracht, und bei Verwendung von 1 : 5000 genügt in der Regel eine ein- oder zweimalige „An-feucbtungquot; der Milzbrandsporen (auf Seidenfäden), sie sicher zu vernichten. Dagegen konnten Woronzew, Winogradow und Kolesnikow durch 1 : 1000 erst nach 5 Minuten, durch 1 : 500 in einer Minute Milzbrandsporen abtödten, und Perroncito erzielte denselben Erfolg durch 1: 2000 sogar erst nach 50 Tagen. Gep'pert konnte nach stundenlanger Ein­wirkung von 1 : 1000 auf Milzbrandsporen dann noch lebende Culturen derselben erhalten, wenn er vor Ueberführung der sporenhaltigen Fäden in das Nährsubstrat eine Fällung des Quecksilbers durch Schwefelammon bewirkt hatte. Behring tödtete Milzbrandsporen durch 1 : 100 in 80 Minuten, durch 1 : 200 in 2 Stunden, durch 1 : 400 in 4 Stunden und durch 1 : 1000 in 24 Stunden etc.
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24nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
Eitercoccen*) sind Sublimat gegenüber ziemlich wider­standsfähig. Nach Passet bedarf es, um ihr Wachsthum zu inhibiren, eines Zusatzes von 5 Tropfen einer Sublimatlösung von 1 : 1000 auf 10,0 Nährgelatine. Martens hat gefunden, dass Eitercoccen durch 1 : 1000 erst in 60 Minuten, durch 1 : 100 aber momentan getödtet werden (spülte mau jedoch von den Eitercoccen sämtliches Nährmaterial ab. so gingen sie durch 1: 1000 schon nach 15 Sekunden zu Grunde). Lübbert konnte durch 1:81,400 (Nährgelatine) den goldgelben Trauben-coccus mit Sicherheit tödten.
Rotzbacillen werden nach Cadeac und Malet durch 1 : 10000 schnell und sicher getödtet, und nach Löffler ge­nügt ein wenige Minuten dauernder Aufenthalt in 1 : 5000 völlig, an Seidenfäden angetrocknete Rotzbacillen zu vernichten.
Tetanussporen und Bacillen gingen nach Tizzoni und Cattani in 1 : 100 in 10 Minuten, in 1 : 1000 in 2-3 Stunden, in 1 : 1000 5% Carbolwasser 0,50/o Salzsaure in 10 Minuten, in 1 : 500 l0/,, Salzsäure in 2—3 Stunden zu Grunde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.
Die Fäulniss von eiweisshaltigen Flüssigkeiten, z. B. von Blut, bleibt erst bei einer Concentration von 1:400 sicher aus (Mikulicz).nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;• • i
Diese Beispiele dürften genügen, die hohe antiseptiRche und desinficirende Kraft des Sublimats zu illustriren. Aller­dings sinkt dieselbe iiach Behr in g erheblich, wenn man Subli­mat auf eiweissreiche, flüssige Desinfectionsobiecte einwirken lässt (siehe oben). So werden z. B. Bacillen, welche, im Wasser vertheilt, durch einen Sublimatgehalt desselben von 1 : 500000 getödtet werden, in Blutserum mit 1:2000 Sublimatgehalt innerhalb einiger Minuten nicht immer sicher vernichtet. Indessen scheint es, als wenn man diesem Uebelstande durch Zusatz von Kochsalz, Kaliumchlorid, Ammoniumchlorid, Kalium- oder Natriumjodid oder Cyankalium erheblich abhelfen könne.
Die übrigen Quecksilberverbindungen, inso-
*) Die als Erreger von „Wundinfectionskrankheitenquot; aussor den Eiter­coccen in Frage kommenden Coccenartenbesitzen etwa dieselbeTenacität, wie die Eitercoccen, -während die Bacillenarten in dieser Hinsicht theiU den Milzbrandbacillen, theils den Rotzbacillen ähneln oder zwischen beiden die Mitte halten. Nur die Tetanusbacillen scheinen wesentlich resistenter zu sein. Auf die hohe Widerstandskraft der Dauerformen, als deren Repräsentant Verfasser die Milzbrandsporen angeführt hat, braucht die chirurgische Desinfection unter gewöhnlichen Verhältnissen keine Rücksicht zu nehmen, da es ja nicht so sehr darauf ankommt, Dauerformen zu ver­nichten, als vielmehr ihre Entwickelung zu verhindern und die vegetativen Formen (die sporenfreien Bacillen, Coccen u. s. w.) zu tödten. Noch andere Bakterien als diejenigen des Milzbrandes, des Eiters, des Rotzes und des Starrkrampfes zu berücksichtigen, hielt Verfasser mit Rücksicht auf den ihm zur Verfügung gestellten beschränkten Raum nicht für geboten.
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weit sie löslich sind, schliessen sich betreffs ihrer Wirkungs­intensität eng an den Sublimat an. „Wenn man von der Halt­barkeit der Quecksilberpräparate und ihrer Lösungen absieht, ist es ziemlich gleichgültig, welches Präparat wir für Desinfec-tiohszwecke verwenden, wenn wir nur im Stande sind, es in Lösung zu bringenquot; (Bebring).
So fand Behrinflt;, class eine Eutwickelungsbemmung der Milzbrandculturen (auf Blutserum) eintrat bei einem Gehalt des Nährbodens an Quecksilbercyanid— (yankalinm oder Queck-silherjodid — Jodkalium von 1 : 25000; an Quecksilberchlorid 2 Cyankalium oder Quecki-ilbercyanid von 1 : 18 000; an Quecksilberchlorid 10 Kochsalz oder Quecksilberchlorid 1 Cyankalium von 1:15 000; an Quecksilberchlorid #9632; #9632; '/a Cyan­kalium oder Quecksilberchlorid 3 Salmiak von 1 : 12 000; an Quecksilberchlorid, Quecksilberformamid oder Sozojodol-quecksilber 3 Jodkalium von 1 : 10000; an Quecksilberchlorid 5 Weinsäure von 1 : 800Ü; au Sozojodolquecksilber 5 Kochsalz von 1 : 6000 etc.
Quecksilbersalicylat iVa—2 Kochsalz hemmt nach Ellenberger-Hofmeister die Fäulniss des Fleischwassers schon bei 1:16 000-32000, hebt aber schon bestehende Fäul­niss erst bei 1: 1000 auf etc.
11. Wirkung- auf Hausthiere.
Die toxischen Wirkungen sub cut au er Sublimatgaben auf Thiere sind besonders an Kan ineben geprüft worden. Wäh­rend aus den Versuchen von Lazarevic, Saiko'wsky, Senger u. A. hervorgeht, dass 0,03 Gr. für ein mittelgros'ses Kaninchen (= 1: 50 000) als sicher tödtliche Dosis zu betrachten ist, hat Be bring gefunden, dass (bei einmaliger Injection) die tödt­liche Minimaldosis 0,01—0,013 Gramm pro Kilo Körpergewicht (= 1 : SO 000—100 000) beträgt und dass jüngere Thiere schon durch kleinere Hosen, zuweilen schon, wenn sich die Sublimat­menge zum Körpergewicht wie 1:150 000 verhält, getödtet wer­den. Auch Riedel ist zu dem Schlüsse gekommen, class für Kaninchen die letale Minimaldosis 0,015 Gr. pro Kilo Körper­gewicht (= 1:66 000) beträgt.
Intraperitoneale Gaben wirken (bei Kaninchen) nach Behring viel weniger'gleichmässig, als subeutane, doch findet man die letale Dosis nicht wesentlich höber, wenn auch der Tod früher eintritt.
Bei stomachaler Application starben Pferde nach 8—15, Binder nach 6—8, Schafe nach 2—4. H unde nach 0,25—0,5 Gramm, und man kann, da nach Saikowsky bei quot;Vergiftung vom Magen aus die letale Dosis etwa ebenso gross ist, als bei Vergiftung von. der Subcutis aus, die genannten Mengen sehr wohl auch als die tödtlichen subeutanen Dosen betrachten.
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26nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
III. Wirkung auf Wunden, Hände und Instrumente.
Während Sublimat in stärkerer Concentration ätzend, ent­zündungserregend wirkt, kommt durch Lösungen von 1 : 1000 und darüber eine sichtbare Wirkung auf Wunden nicht zu Stande. Die intacte Haut der H ände wird durch 1700 Subli-matsolutionen nicht iiritirt; metallene Instrumente werden durch Sublimatlösungen araalgamirt und verlieren in Folge dessen ihre Schärfe.
IV. Schlussfolgerungen.
1.nbsp; nbsp;Zu den gewöhnlichen Desinfectiouszwecken sind nicht stärkere, als 0,1% Lösungen des Sublimats erforderlich; dieselben wirken auf Wunden und Hände nicht reizend.
2.nbsp; nbsp;Mit Eücksicht auf diese starken Verdünnungen ist Subli­mat als „relativ unschädlichquot; zu betrachten, denn es würden sich von einer 0,1% Sublimatsolution zur Tödtung eines Pferdes 8—15 Liter, eines Rindes 6 - 8 Liter, eines Schafes 2—4 Liter, eines Hundes und einer Katze 1/4 —Vs Liter nöthig machen (d. h. müssten zur Resorption gelangen), also Mengen, welche (bei der Wundbehandlung) in Wirklichkeit niemals in Frage kommen werden.
3.nbsp; nbsp;Zur Desinfection der Instrumente sind Sublimatlösungen nicht geeignet.
Die anderen löslichen Quecksilberverbindungen entsprechen betreffs ihrer Giftwirknng etc. etwa dem Sublimat. Das Quecksilberkaliumcyanid ist das giftigste Präparat; näcbstdem kommt das Cyanid, dann das Queck-silberjodid-Jodkalium, das Oxycyanid, das Sozojodolqneckailber-Jod-kalium, das Formamid und zuletzt das Sozojodolquecksilber-Clor-natrium (B ehrin g). Nach Riedel's mit gleichen Theilen Sublimat und Kochsalz an Kaninchen angestellten Versuchen wirkt eine Dosis von 0,15 Gr. pro Kilo Körpergewicht (= 1 : 66000) sicher tödtlich; bei Sublimat mit Weinsäure (1:5) genügt eine Sublimatmenge von 1 : 80000 des Körper­gewichtes, Mäuse und Kaninchen zu vernichten.
2. Carbolsäure.
Phenylsäure, Phenol, Acidum carbolicum, Acidum phen-ylicum. Farblose, eigtnthümlich riechende, dünne, lange, zugespitzte Nadeln oder eine weisse, krystallinische Masse. Die Carbolsäure schmilzt bei 40-42deg; zu einer stark lichtbrechenden Flüssigkeit und löst sich in 15 Theilen Wasser, ausserdem auch reichlich in Weingeist, Aether, Chloro­form, fetten Gelen, Glycerin etc.
Acidum carbolicum liquefactum wird so hergestellt, dass 100 Theile Carbolsäure bei gelinder Wärme geschmolzen und mit 10 Theilen Wasser versetzt werden.
Carbolsäure wird angewendet:
a)nbsp; in Lösungen von 5 : 100 zur Desinfection der Hände, Instrumente und Wundumgebung, sowie zur Irrigation unreiner Wunden;
b)nbsp; in Lösungen von 3 : 100 zur Irrigation von reinen Wunden und zur Erzeugung des Carbolspray (auch in 2,50/o Lösung);
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c)nbsp; zur Imprägnirung von Verbandstoffen, namentlich des Mulls, der Watte und der Jute (siehe später), sowie zur Bereitung des Protective.
d)nbsp; als 50/0 Carbolöl zum Einölen der Finger, Sonden, Specula etc. und zur Aufbewahrung des Listercatguts.
e)nbsp; zur Herstellung der Carbolseife.
I. Wirkung auf Bakterien.
Milzbrandbacillen verlieren ihre Eutwickelungsfahig-keit durch 1:100 nach Koch in 2 Minuten, nach Gärtner und Plagge in 10 Sekunden, nach Perroncitoin 7 Minuten. Boer sah dagegen Entwickelungshemmung durch 1:750, Ver­nichtung durch 1 :300—500 (nach 2 Stunden) eintreten, sobald er als Nährsubstrat Bouillon von schwach alkalischer Reaktion benutzt hatte.
Milzbr an dsporen werden nachKoch durch 3: 100 in 7, durch 4 : IdO in 3, durch 5:100 in 2 Tagen vernichtet; Krajewski erzielte das gleiche Resultat durch 6 : 100 in 15 Minuten, Perroncito durch 1:10O noch nicht in 61 Tagen durch 5 : 100 noch nicht in 26 Tagen. Von Esmarch und Eisenberg tödteten Milzbrandsporen durch 5 : 100 in 20 Tagen, während Woronzew, Winogradoff und Kolesni-koff fanden, dass, 2,5—5 :100 selbst dann die genannten Dauer­formen nicht zu tödten vermochte, wenn dieselben 3 Tage in ihr verweilten, und dass krystallinische Carbolsäure während einer Minute keinen Einfluss auf sie (auf Glasfäden ange­trocknet) ausüben konnte. Guttmann und Merke beobach­teten, dass Milzbrandsporen durch 5 : 100 nach 37 Tagen noch nicht vernichtet waren; Riedel und C. Fränkel kamen zu ähnlichen Resultaten; Te us eher stellte fest, dass sich Milz-brandsporen in reiner, nicht wasserhaltiger, verflüssigter Carbolsäure bei Bruttemperatur bis zu 4,/2 Tag entwickelungs-fähig halten; Behring und Nocht fanden, dass der Desin-fectionseffect der Carbollösungen durch Erwärmen erheblich ge­steigert werden kann etc.
Eiter coccen, und zwar Staphyloccus pyogenes aureus, trotzten in G ä r t n e r's und P1 a g g e's Versuchen 1:100 5 Mi­nuten lang und gingen in 2 - 3:100 nach 60 Secunden zu Grunde, dagegen widerstand der Erysipelcoccus und der Streptococcus pyogenes l : 100 nur 60 Secunden lang. Martens erzielte die' Vernichtung von Eitercoccen aller Art durch 5 : 100 sofort, durch 3:100 in 1 Minute, durch 1:100 in 1 — 3 Minuten etc. Riedel konnte an Seidenfäden angetrocknete Traubencoccen durch 3:100 in 30 Minuten zwar in der Regel, aber nicht immer tödten.
Rotzbacillen gingen nach Löffler durch 3: 100 in wenigen Minuten zu Grunde, Cadeac und Malet erzielten dasselbe durch 2 : 100; Gärtner undPlagge erhielten beim
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28nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierärtzlichen Wundbehandlung.
Eotzbacillus ähnliche Resultate, wie beim Milzbrandbacillus (s. oben); Boer tödete Rotzbacillen (in Fleischbrühe) dadurch, dass er sie 2 Stunden mit 1 : 300—400 in Berührung brachte etc.
Tetanussporen und Bacillen wurden nach Tizzoni und Cattani durch 1: 20 50/0 Salzsäure in 5 Stunden, durch 1: 20 0,1 Sublimat 0,5 Salzsäure in 10 Minuten vernichtet.
Fäulniss vom Fleisch, Eiweiss etc wird durch 2:100 aufgehoben (Hoppe-Seyler), durch 1—5 : 1000 verhindert (Lemaire, Plugge), allerdings nur so lange, als die Caibol-säure sich nicht verflüchtet hat.
Von grosser quot;Wichtigkeit ist es, 1) dass die Carbolsäure ihre desinflcireuden und antiseptischen Eigenschaften nur in wässerigen, nicht in öligen und alkoholischen Lösungen ent­faltet (Koch) und 2) dass durch Zusatz von Säuren, nament­lich Salzsäure, die desinficirende Kraft der Carbolsäure erheb­lich gesteigert werden kann.
Die in der neuesten Zeit in den Handel gebrachte syn­thetische Carbolsäure hat gegenüber der „älterenquot; Carbol­säure eine etwas geringere autiseptische und desinficirende Kraft, jedoch ist der Unterschied so gering, dass er nicht in die Wagschale zu fallen vermag (Ohlmüller)
II. Wirkung auf Hausthiere.
Katzen nnd Kaninchen starben auf eine Gabe von 0,45, Hunde von 0,5 Gramm pro Kilo Thier, und bei Hunden rufen schon Dosen von 0,18 Gramm pro Kilo Körpergewicht heftige Vergiftungssymptome hervor, die allerdings schnell vorüber­gehen (Salkowsky und andere.) NachBehring ist bei klei­nen Hausthieren eine subcutane Dosis von 0,33 Gramm pro Kilo Körpergewicht (=1:3000) zur Tödtung erforderlich, nach Riedel eine solche von 0,35—0,4 Gramm.
Intraperitoneal angewendet vermochten bei Kaninchen Dosen von 0,04t) pro Kilo Körpergewicht sehr leichte, von 0.186 Gramm sehr schwere, aber nicht mit dem Tode endigende Symptome hervorzurufen, während Dosen von 0,261 und 0,345 Gramm den Tod zur Folge hatten (Riedel).
Per os vertrugen Pferde 100,0 Gramm Carbolsäure auf einmal und 500,0 Gramm innerhalb einer Woche ohne Nach­theil (Munkel). Die Todesgaben für Wiederkäuer sind noch nicht festgestellt.
III. Wirkung auf Wunden, Hände und Instrumente.
Auf quot;Wunden gebracht verhalten sich nur schwächere Car-bollösungen (1—2:100) völlig indifferent; concentrirtere Solu-tionen (namentlich die zur Desinfection „unreinerquot; Wunden gebräuchlichen von 5:100) wirken reizend, regen namentlich
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die Secretion mächtig an und verlangsamen deshalb die Wund­heilung. Die Hände werden durch längere Berührung mit Carbollösungen „pelzigquot;, die Instrumente behalten indessen ihre Schärfe bei.
IT. Schlusslblgerungen.
1.nbsp; Zur sicheren Desinfection einer Wunde sind wässerige Lösungen der Carbolsäure von 3—5:100 unerlässlich. Der­artige Lösungen regen aber die Wunden zur Secretion an und machen die Hände mit der Zeit „pelzigquot; und somit ungeeignet zur festen Messerhaltung.
2.nbsp; Carbolsäure ist als ein wesentlich gefährlicheres Mittel als der Sublimat zu betrachten, denn von der zur Desinfection von Wunden gebräuchlichen 50/0 Carbollösung genügen schon 10—20,0 Gramm um Katzen und Kaninchen, 50—100,0 Gramm um Hunde zu tödten. Für Pferde dürfte indessen auch die Car­bolsäure „relativ unschädlichquot; sein.
3.nbsp; Zur Desinfection der Instrumente ist die Carbolsäure dem Sublimat vorzuziehen.
3. Creolin.
Dunkelbraune, tbeerartige Flüssigkeit, welche sich mit Wasser zu einer schwach alkalischen, milchigen Emulsion vermischt und in Alkohol, Aether und Chloroform leicht löst. Creolin stellt ein Gemenge aus Naph­thalin, Pyridinbasen, indifferenten aromatischen Kohlenwasserstoffen, Phe­nolen u. s. w. dar.
Die desinficirende Kraft des Mittels dürfte namentlich auf seinem Gehalt an schwer siedbaren Phenolen (Kresolen) beruhen.
Creolin wird angewendet:
a)nbsp; in 0,5—1% Emulsionen zum Bespülen von frischen Operationswun­den (während und nach der Operation).
b)nbsp; in 2 - 30/0 Emulsionen zur Desinfection von Wunden aller Art und jeden Alters, sowie der Wundumgelmng, Hände, Instrumente, Schwämme u. s. w.
c)nbsp; zur Bereitung des Borcreolins (1 Creolin, 40—50 Borsäure), welches zum Bestreuen von unreinen Wunden dient.
d)nbsp; zur Imprägnirung von Verbandstoffen, namentlich Watte und Weichgaze.
e)nbsp; zur Herstellung der Creolinseife.
I. Wirktmg auf Bakterien.
Milzbrandbacillen werden nach Eisenberg durch 5:100 in 10 Secunden, durch 3:100 in einer Minute ver­nichtet; Boer erzielte das gleiche Resultat, als er sporenfreie Milzbrandbacillen 2 Stunden in 1:5000 verweilen Hess. Beh­rin g sah eine Entwickelungshemmung der .,Milzbrandculturenquot; (auf Blutserum) bei einem Creolingehalt des Nährbodens von
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30nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
1:175 eintreten und stellte zugleich fest, dass dasArtmann-sche Creolin viel schwächer wirkt, als das Pearson'sche.
Milzbrandsporeu gehen nach Eisenberg zu Grunde, wenn sie 2 Tage, nach v. Es march, wenn sie 3 Tage in 3:100 liegen, während sie nach Remouchamps und Sugg durch 5:100 in 2 Tagen vernichtet werden.
Eitercoccen werden nach von Esmarch durch 1:100 nach 1 Stunde am Wachsthum gehemmt und nach 4 Tagen getödtet. Eisenberg konnte die fraglichen Coccen durch 3:100 schon in einer Minute, durch 5:100 in 10 Secunden ver­nichten. Traubencoccen gingen in Behring's Experimen­ten durch 2:100 (in Fleischbrühe) innerhalb 10 Minuten nicht zu Grunde, während He nie durch 3:100 den goldgelben Trau-bencoccus in 5 Minuten absterben sah (Artmann's Creolin wirkte wesentlich schwächer).
Rotzbacillen werden nach Beer durch 1:300 innerhalb zwei Stunden abgetödtet.
Tetanusspore n und Bacillen gingen nach Tizzoni und Cattani durch 1:20 in 5 Stunden zu Grunde.
Nach Be bring ist der Umstand von Bedeutung, 1) dass frisch bereitete Creolinemulsionen wirksamer sind, als solche, welche eine Zeit lang gestanden haben, und 2) dass Creolin genau wie Sublimat seinen hohen Desinfectionswerth dann verringert, wenn es auf eiweissreiche Flüssigkeit einwirkt (siehe oben).
II. Wirkung auf Hansthiere.
Die Wirkung subcu tauer Cieolingaben ist nur an klei­neren Säugethieren studirt worden. Nach Washboura (bez. Baum garten) gingen Mäuse und Meerschweinchen zu Grunde, als man ihnen 1.0 resp 5,0 Gr. einer 10% Creolinlösung unter die Haut spritzte; V. Geil ach erzielte dasselbe Resultat bei zwei Kaninchen, als er bei dem einen in 5 Tagen 25 cem einer 100/o Creolinemulsion, bei dem andern in 12 lagen 60 cem einer 20l'/o Creolinemulsion suheutun applicirte. Nach Remou­champs und Sugg liegt die tödtliche Subcutandosis des Creolins bei 1,1 Gr. pro Kilo Körpergewicht, und Behring hat ausgerechnet, dass (bei subeutaner Application) die Carbolsäure 3mal, das Jodtrichlorid ömal, die Quecksilbersalze ungefähr 120mal giftiger wirken, als Creolin.
Bei stomachaler Anwendung vertragen nach Fröh-ner Hunde 2—50, Ziegen 10-25, Schafe 25, Pferde 50-100 Gramm ohne jeden Nachtheil, eine Beobachiung, die (bei Hunden) auch von AI brecht gemacht worden ist. Muyden sah dagegen Hunde nach 5.0 Gramm erkranken, allerdings nicht sterben, und
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fand ausserdem, dass 10,0 Gramm auf einmal oder 5,0 Gramm wiederholt gegeben ein Kaninchen sicher tödten.
Feuerhack beobachtete bei einem Pferde nach anhalten­der Berieselung einer Wunde mit O.ö1'^ Creolinemulsion Ein­genommenheit, Muskelzittern, Temperatursteigerung etc.; Ver­fasser und viele andere haben Creolin in den verschiedensten Concentratioaen zur Wundbehandlung benutzt, ohne jemals Intoxicationserscheinungen wahr zu nehmen Die durch An­wendung des Creolins gegen Räude hervorgerufenen Vergiftungen sind für die Wundbehandlung bedeutungslos.
III. Wirkung auf Wunden, Hände und Instrumeiite.
Weder die Wunden, noch die Hände und Instrumente werden durch die zur Desinfection gebräuchlichen Creolin­emulsion von 1—o: 100 irgendwie irritirt.
IV. Schlussfolgerung.
1.nbsp; Zur ausreichenden Desinfection von Wunden scheinen Creolinemulsionen von 2- 3: 100 im Allgemeinen zu genügen,
nur stark verunreinigte Wunden sollten mit 4—5 :100 behandelt werden. Die Wunden werden durch solche Concentrationen nicht gereizt.
2.nbsp; Creolin ist wesentlich ungiftiger wie Carholsäure.
3.nbsp; Zur Desinfection der Hände und der Wundumgebung ist Creolin in Concentrationen von 3—4: 100 ein ganz geeignetes Mittel, während es zum Einlegen der Instrumente seiner Un-durchsichtigkeit halber nicht empfohlen werden kann.
4. Lysol.
Braune, an Aussehen völlig dem Creolin gleichende, syrupöse Flüssig­keit, welche sich vom Creolin dadurch unterscheidet, dass es mit destillir-tem Wasser eine klare, mit hartem (kalkhaltigem) Wasser eine schwach getrübte Lösung giebt. Das Mittel stellt ebenfalls keinen einheitlichen Körper dar.
Lysol wird empfohlen:
a)nbsp; in Lösungen von 1:200—400 zur Desinfection der Instrumente und zum Irrigiren von reinen Wunden;
b)nbsp; in Lösungen von 1:100 — 200 zur Desinfection der Hände; des Operationsfeldes und unreiner^Wunden;
c)nbsp; in Lösungen von 1:50 *zur Aufbewahrung von Rohcatgut und Seide, sowie zur Sterilisation unreiner Schwämme.
I. Wirkung auf Bakterien.
Milzbrandbacillen (ebenso die Bakterien der Hühner­cholera, des Schweinerothlaufes und des Erysipels, sowie der gold­gelbe Traubencoccus) gehen nach Schottelius durch 1,2:100 i in verhältnissmässig kurzer Zeit zu Grunde, und 3:1000 ist (nach demselben Forscher) im Stande, noch die „Widerstands-
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32nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
fähigstenquot; pathogenen Bacillen zu tödten. Boer erzielte die Abtödtung sporenfreier Milzbrandbacillen schon durch 1:1000 (in 2 Stunden).
Milzbrandsporen erliegen nach Schottelius einer Lösung von 1:100 in 5 Minuten, nach Foth einer solchen von 1:20 in 7 Stunden, während sie Behriug 3—ö Tage lang in 5:100 bis 10:100 liegen lassen konnte, ohne ihren Untergang herbeizuführen.
Eitercoccen (Staphylococcus pyogenes aureus) mindern nach Ger lach ihr Wachsthum, wenn sie 2 Minuten einer Lysollösung von 2,5:1000 ausgesetzt werden, und sistiren es, wenn sie sich 15 Minuten in einer solchen von 3:10ü0 befun­den haben Derselbe Forscher giebt an, class eine 0,30/0 Lysol­lösung genüge, alle bei der Wundbehandlung in Frage kommen­den Mikroben in 20—30 Secunden sicher zu vernichten. Foth konnte Eiterstaphylococcen durch 0,3:100 und Eiterstrepto-coccen durch 0,4:100 schon in 15 Minuten sicher entwickelungs-unfähig machen.
Rotzbacillen verlieren nach Boer ihre Wachsthums-fähigkeit durch 1:800 innerhalb 2 Stunden etc.
Tetanusbacillen wurden von Foth durch 3:100 in der Regel in einer halben Stunde vernichtet.
Eine Abschwächung in der Wirkung auf Bakterien tritt nach Gerlach auch dann nicht ein, wenn Lysol statt in destillirtem Wasser in hartem, kalkhaltigem Wasser gelöst wird.
n. Wirkung auf Hausthiere.
Bis jetzt ist die Wirkung des Lysols auf Säugethiere nur wenig studirt worden. G e r 1 a c h spritzte unter die Haut eines Kaninchens innerhalb 22 Tage zusammen 35,5 ccm. unver­dünnten Lysol's, eines andern innerhalb 17 Tage 80 ccm. einer 10ü/0 Lysollösung, eines dritten innerhalb 19 Tage 80 ccm. einer 200/9 Lysollösung, ohne dadurch Krankheitssymptome hervor­zurufen. Dasselbe Resultat ergab sich, als ein viertes Kaninchen innerhalb 11 Tage zusammen 28 ccm. reines Lysol durch die Schlundsonde in den Magen erhielt. Rodriguez spritzte einem Pferde innerhalb 2 Tage etwa 60 Gramm Lysol in 30/o Lösung theils in die Trachea, theils in den Kehlkopf, theils in die Lunge, ohne bedenkliche Symptome zu erzielen.
Renaouchamps und Sugg geben an, dass die toxische Gabe des Lysols bei 2,3 Gramm pro Kilo Körpergewicht liege. (Diejenige der Carbolsäure liegt bei 0,3!)
HL Wirkung auf Wuudeu, Hände und Instrumente.
Die in der Wundbehandlung in Frage kommenden Concen-trationen verhalten sich Wunden, Händen und Instrumenten
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Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 33
gegenüber völlig indifferent. Gerühmt wird die reinigende und geschmeidig machende Wirkung, welche das Lysol auf die Haut ausübt.
IV. Sclilussfolg-erungen.
Lysol stellt ein nahezu ungiftiges Antisepticum und Des-inficienz dar, welches in Lösungen von 1:100—200 zum Irri­giren von Wunden aller Art, zur Desinfection der Hände, des Operationsfeldes, der Instrumente etc. Anwendung finden kann und in der genannten Verdünnung weder auf Wunden noch auf die Haut eine reizende Wirkung auszuüben vermag.
Anmerkung. Dem Lysol betreffs der Wirkung auf Bakterien sehr nahe verwandt zu sein scheint das in der allerjüngsten Zeit von der Firma Dr. F. vonHeyden Nachf. in den Handel gebrachte Solveol. Dasselbe stellt eine neutrale, nach Angabe der Fabrik durch cresotinsaures Natrium bewirkte, concentrirte Cresollösung dar, welche mit jedem, selbst stark kalkhaltigem Wasser klare Lösungen giebt und nach Hammer energischer und zuverlässiger wirkt als Carbolsäure, da eine 0,5deg;/,, Solveollösung einer 2 -50/o Carbollösung gleichwerthig ist. Es wird empfohlen, für chirurgische Desinfectionszwecke eine Lösung von 37 ccm Solveol in 2000 ccm Wasser (== Va'Vo cresolhaltige Solveollösung) anzuwenden. Eigene Erfahrungen über den Werth des Mittels stehen dem Verfasser bis jetzt nicht zur Verfügung.
5. Chlorwasser, Chlorkalk.
Chlorwasser stellt eine klare, gelbgrüne, in der Wärme flüchtige Flüssigkeit von erstickendem Geruch dar und enthält in 1000 Theilen mindestens 4 Theile Chlor. •
Chlorkalk ist ein weisses oder weissliches Pulver, welches in Wasser nur theilweise löslich ist und in 100 Theilen mindestens 25 Theile wirk­sames Chlor enthält.
Sowohl Chlorwasser als Chlorkalk wurden früher viel mehr als jetzt zur Desinfection der Hände, zum Verbinden von jauchenden, unreinen Wunden und Geschwüren und zur Desinfection und Desodorisation von Krankenställen benutzt.
Wirkung auf Bakterien.
Milzbrandbacillen werden nach Perroncito durch frisch bereitetes Chlorwasser nach 5—15 Minuten und durch Chlorkalkmilch von 1:100 nach einer Minute getödtet.
Milzbrandsporen büssen nach Koch durch frisches Chlorwasser nach 24 Stunden (nach Perroncito nach einer Stunde!) und durch Chlorkalkmilch von 5: 100 nach 5 Tagen ihre Entwickelungsfähigkeit ein. Woronzow, Winogradow und Kolesnikow vernichteten die genannten Dauerfonnen durch Chlorkalkmilch von 5 :100 in einer Minute, von 2,5: 100 in 3 Minuten; Jäger hatte dazu sehr concentrirte Lösungen, (von 1:2—3) nothwendig; Nissen konnte durch 5% Chlor-
M üll er, die thierärztl. Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
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34nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
kalkflüssigkeit massig widerstandsfähige Sporen innerhalb 15 bis 30 Minuten, stark widerstandsfähige in 241/2 Stunden tödten. Geppert fand, dass eine höchstens 15 Secunden dauernde Ein­wirkung eines Chlorwassers von 1 :500 genügt, die Infections-fähigkeit der Milzbrandsporen für Meerschweinchen zu ver­nichten.
Eitercoccen aller Art unterliegen nach Martens einer Chlorkalklösung von 1 :100 schon nach 15 Secunden, und Staphylococcus aureus und Streptococcus Erysipe-latis in Bouillonculturen starben nach Nissen durch Zu­satz von 0,20/o Chlorkalk in einer Minute; in Blutserumculturen beanspruchen sie 4—5mal mehr.
Rotzbacillen gehen nach Löffler durch Chlorwasser in wenigen Minuten zu Grunde, können aber nach Jäger durch 33quot;Z,, Chlorkalkmilch nur unsicher getödtet werden.
Faulende Bouillon wird nach Nissen durch Zusatz von 0,1deg;/,, Chlorkalk innerhalb 5 Minuten sicher sterilisirt.
In stark eiweissreichej] Flüssigkeiten, z. B. im Blutserum, darf man nach Behring auf eine gute Desinfectionswirkung des Chlors nicht rechnen, da dasselbe alsbald zur Oxydation der organischen Substanzen in Anspruch genommen wird!
Seiner leichten Zersetzlichkeit, seines unangenehmen, zum Husten reizenden Geruches und seiner zerstörenden Wirkung auf die verschiedensten Gewebe halber eignet sich das Chlor für die Wundbehandlung nicht. Auch zur Desinfection der Hände ist es völlig ühertiüssig
6. Höllenstein.
Silbernitrat, Argentum nitricum. Weisse, glänzende oder grat-weisse Stäbchen mit krystallinisch-strahligem Bruch, welche in 0,6 Thei-len Wasser und etwa 10 Theilen Weingeist löslich sind.
Wirkung auf Bakterien.
Milzbrandbacillen werden nach Jerosch durch 1:5 bis 100 nach 15 Secunden, durch 1 :100 nach 1 Minute, durch 1 : 500—1000 nach mehreren Minuten abgetödtet; Beer erzielte dasselbe bereits durch 1:20000—30000 nach 24 Stunden. Behring konnte eine Entwickelungshemmung der Milzbrand-cultureu (auf Blutserum) schon durch einen Gehalt des Nähr­bodens an Höllenstein von 1: 30000 herbeiführen.
Eitercoccen aller Art werden nach Martens durch 1 :1000 in 2 Minuten, durch 1: 100 in 30 Secunden vernichtet.
Rotzbacillen können nach Boer durch 1:75000 in ihrer
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Entwickelung gehemmt und durch 1 :4000—15000 (nach 2 Stunden) YÖllig getödtet werden.
Tetanussporen und Bacilleu starben nach Tizzoni und Gatt ani in 1 :100 in 1 Minute, in 1:1000 in 5 Minuten.
Es scheint demnach, als wenn zur ausgiebigen Desinfection schon überaus schwache Silbernitratlösungen genügend seien, doch ist mit Rücksicht auf die geringe Haltbarkeit derselben kaum anzunehmen, dass ihnen eine grosse Zukunft in der Wund­therapie bevorsteht. Man wird auch fernerhin Höllenstein lediglich zu Aetzungeu — die allerdings meist weiter nichts sind, als reine Desinfectionen — anwenden. Die Wirkung des Höllensteins auf die Haut und auf Instrumente ist bekannt.
7. Salicylsäure.
Acidum salicylieum. Leichte, weisse, nadeiförmige Krystalle oder ein lockeres, weisses, krystallinisches Pulver, welches in etwa 500 Theilen kalten und 15 Theilen kochenden Wassers, leicht auch in Weingeist und Aether löslich ist.
Salicylsäure wird empfohlen:
a)nbsp; in concentrirter wässeriger Lösung (also ungefähr 1:500) zum Berieseln von Wunden und zur Versorgung des Spray;
b)nbsp; als Borsalicylat (je 1—3 Salicylsäure und Borax in 100 Wasser) zur Irrigation und zum Wundverband;
c)nbsp; rein oder mit Amylum, Talcum etc. vermengt zum Aufstreuen auf ältere Wunden und Geschwüre, sowie auf die Nahtlinie;
d)nbsp; zur Imprägnirung von Verbandstoffen, besonders vop Watte.
I. Wirkung auf Bakterien.
Milzbrandbacillen werden nach Koch durch 1:3300 am Wachsthum behindert, durch 1:1500 vernichtet. Frisches (also sporenfreies) Milzbrandblut (auf Seidenfäden) konnte von Woronzow, Winogradow und Kolesnikow durch 4:100 m 2 Minuten desinficirt werden.
Milzbrandsporen wurden nach Koch selbst dadurch nicht vernichtet, dass man sie 15 Tage in einer 5quot;/0 weingeisti­gen, oder 80 Tage in einer 2% öligen Salicyllösung liegen Hess, und auch Samter und Woronzow haben gefunden, dass d^e Salicylsäure gegen Milzbrandsporen nahezu ohn­mächtig ist.
Eitercoccen verlieren nach Martens ihre Vermehrungs­fähigkeit, wenn 1:300 1—2 Minuten lang auf sie einwirkt; nach Passet bedarf es, um ihr Wachsthum zu verhindern, eines Zusatzes zur Nährgelatine im Verhältniss wie 1:300. Samter hat festgestellt, dass zwar die keimtödtende Kraft der Salicylsäure in wässeriger Solution (spirituöse und ölige Lösungen sind Bakterien gegenüber völlig unwirksam!) sehr
s*
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36nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der Ihierärztliclien Wundbehandlung.
gering ist, dass aber ein Zusatz von Salicylsäure in Substanz zu einem Nährboden im Verhältniss wie 1: 1000 im Stande ist, denselben für Staphylococcus pyogenes aureus, Streptococcus Erysipelatis und Milzbrandbacilleu „unempfänglich'' zu machen. Die Fäulniss von Fleisch etc. wird verhindert durch 1: 100 eine Woche lang, durch „coucentrirtequot; Lösungen 4—5 Wochen lang (Kolbe u. andere).
IT. Wirkung auf Hausthiere, Wunden, Hände und Instrumente.
Für Pflanzenfresser ist die Salicylsäure nahezu unschädlich, dagegen werden Fleischfresser schon durch verhältnissmässig kleine Gaben geschädigt. So zeigte nach Feser und Fried-berger ein 4,5 kg. schwerer Hund schon nach 0,8 Gramm und ein 27 kg. schwerer nach 4,0 Gramm Salicylsäure (innerlich) ausgesprochene Vergiftungssymptome, ein dritter 4,5 kg. schwe­rer Hund verendete nach der subcutanen Injection von 5,0 Gramm Natriumsalicylat, und ein vierter 8,5 kg. schwerer ging nach Injection von 8,0 Gramm Natriumsalicylat in die Bauchhöhle an Erstickung zu Grunde.
Wunden werden durch Salicylsäure in Substanz hoch­gradig gereizt, nach Befinden sogar oberflächlich verätzt; wässerige Lösimgendes Mittels verhalten sich dagegen indifferent.
Instrumente verlieren in Salicylwasser ihre Schärfe; die Hände werden nicht irritirt.
III. Schlnssfolgerungen.
1)nbsp; Salicylsäure ist ein schwaches bakterienfeindliches Mittel, welches höchstens als „Kolysepticumquot; für Operationswunden (und zwar in der Form der concentrirten, wässerigen Lösung) geeignet ist. In reinem Zustande oder mit Amylum oder Talcum gemengt darf es mit frischen, der Heilung prima intentione zugänglichen Wunden nicht in Berührung gebracht werden, doch kann es in dieser Form in unreinen Höhlenwunden, auf der Nahtlinie und in der Geschwürstherapie — zur „ümstimm-ungquot; des Geschwürscharakters etc —Verwendung finden. Hunde und Katzen sind an dem Ablecken des Mittels zu verhindern.
2)nbsp; Zur Desinfection der Hände, Instrumente und Wund­umgebung ist Salicylsäure ungeeignet.
8. Kalium permanganicum.
Dunkelviolette, fast schwarze Prismen mit stahlblauem Glanz, welche mit 2 0,5 Theilen Wasser eine blaurothe Lösung geben.
Kaliumpermanganat wird empfohlen :
a) in Lösungen von 1:500—1010 als Wasch- und Verbandmittel für reine Wunden;
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b) in Lösungen von 1: 100 zum Aui spritzen und Verbinden von unreinen, namentlich fauligen Wunden, sowie zur Desinfection der Hände und In­strumente.
I. Wirkung auf Bakterien.
Milzbrandbacillen (an Seidenfäden) werden nach Jäger durch einmaliges Eintauchen in o: 100 verniclitet. Bei Koch's Versuchen gaben die Bacilleu durch 1:3000 die ersten Spuren der Wachsthumsbehinderung zu erkennen, aber auch 1:1400 war noch nicht im Stande, ihre Entwickelung völlig aufzuheben.
Milzbrandsporen gehen nach Koch durch 5: 100 in einem Tage zu Grunde, wohl aber vermag 1:100 nach 2 Tagen noch keinen Eiufluss auf ihre Keimfähigkeit auszuüben. Wo-ronzow, Winogradow und Kolesnikow konnten Milz­brandsporen (an Seidenfäden) durch 6:100 innerhalb 1 Stunde nicht vernichten, Krajewski hat sie dagegen schon durch 3,75: 100 innerhalb 15 Minuten ihrer Keimfähigkeit heraubt.
Eitercoccen konnten von Martens durch 10 Minuten lange Berührung mit 1:100 ahgetödtet werden.
Rotzbacillen wurden nach Löffler durch 1:100, nach Cadeac und Malet durch 5: 100 in wenigen Minuten sicher ahgetödtet, und Jäger erzielte den gleichen Erfolg schon da­durch, dass er mit Rotzbacillen inficirte Fäden einige Augen­blicke in 5:100 tauchte.
Tetanussporen undBacillen werden nach Tizzoni und Cattani durch 1: 100 in 10 Stunden vernichtet.
II. Wirkung auf Hausthiere, Wunden, Hände und Instrumente.
Eine Giftwirkung äussert Kalium permanganicum unter ge­wöhnlichen Verhältnissen nicht. Stärkere Lösungen wirken auf Wunden entziindungserregend, ja unter Umständen ätzend, aber auch schwache Lösungen haben insofern eine nachtheilige Wirkung, als sich Kalium permanganicum in der Wunde sofort zersetzt und dort braune, schleimige Niederschläge bildet, welche die Wundheilung aufhalten. Die Hände färben sich durch Kaliumpermanganatlösungen ziemlich dauerhaft braun, die Instrumente verlieren durch sie sehr bald ihre Schärfe.
III. Sclilussfolgerungen
Kalium permanganicum ist ein massig-kräftiges, unschäd­liches, aber seiner Nebenwirkungen auf Wunden etc. halber wenig empfehlenswerthes Desinficienz.
•^ #9632;#9632;*¥' #9632;
#9632;
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38nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
9. Chlorzink.
Weisses, an der Luft leicht zerfliessliches Pulver oder kleine, weisse Stangen, welche in Wasser und Weingeist leicht löslich sind. Man benutzte Chlorzink früher viel mehr wie jetzt:
a)nbsp; in Lösungen von 1:100—5C0 als Artisepticum für frische Wunden;
b)nbsp; in Lösungen von 1: 12—15 zur Desinfection unreiner, namentlich septischer Wunden, jauchender Geschwüre etc.;
c)nbsp; in concentrirter Lösungzum Wegätzen von üppigen Granulationen etc.
d)nbsp; zur Imprägnirung von Verbandstoffen und zur Bereitung des Chlor-zinkjute-Kuchens (ßardeleben);
e)nbsp; mit Salicylsäure, Thymol etc. in Pastillenform zur schnellen Be­reitung aseptischer Lösungen (Rotter).
Wirkung auf Bakterien und Schlussfolgerungeu.
Milzbrandbacillen (auf Glasfädea) wurden bei deu von Worönzöw, Winogradow und Kolesnikow ange­stellten Experimenten durcb 1:2 wabrend einer Minute nicht beeinfiusst, und 12,5:100 blieb -während 5 Minuten ohne Ein-fluss auf Bouillonculturen.
Milzbrandsporen konnten nach Koch durch 5:100 innerhalb eines Monats nicht vernichtet werden.
Eitercoccen gehen nach Martens durch 5:100 in 3ji Minute zu Grunde.
Chlorzink ist ein sehr schwaches bakterienfeindliches Mittel, dessen Anwendung in der Wundbehandlung — ausser zu Aetzzwecken — kaum noch gerechtfertigt ist.
10. Borsäure.
Farblose, glänzende, schuppenförmige, fettig anzufühlende Krystalle, welche in 25 Theilen kalten, 3 Theilen siedenden Wassers, ferner in 15 Thei-len Weingeist, sowie auch in Glycerin löslich sind.
Man soll Borsäure anwenden:
a)nbsp; in Lösungen von 2—4: 100, als Borsalicylat (siehe Seite 35), als Aseptinsäure (3 Borsäure, 0,25 Salicylsäure, 97 Wasser) oder als Aseptin (1 Alaun, 2 Borsäure, 18 Wasser) zum Berieseln (und Verbinden) von Wunden, namentlich bei Operationen in der Bauchhöhle, am Mastdarm, an den Augen etc.;
b)nbsp; als Borsalbe (1:3—10) zum Bestreichen der Nahtlinie, wenn sich ein Verband nicht anbringen lässt, sowie zum üeberstreichen von Excoria-tionen ;
c)nbsp; in Pulverform (rein oder mit Amylum etc.) oder als „Borcreolinquot; (siehe Seite 29) zu Bepudern von unreinen Wunden und zum Aufstreuen auf die Nahtlinie;
d)nbsp; zum Imprägniren von Verbandstoffen, besonders des Lintes*
I. Wirkung aut Bakterien.
Milzbrandbacillenverlangsamen nachKoch ihrWachs-thum bei Zusatz von Borsäure zur Nährlösung im Verhältniss wie 1: 1250 und sistiren es bei 1 r 800.
J,
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Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;39
Milzbrandsporen zeigen nach Koch durch 5:100 erst nach 6—10 Tagen ein wenig verspätetes Wachsthum.
Eitercoccen werden nach Martens durch 2:100 in ihrem Wachsthum gehemmt, aber durch 4:100 erst nach lOtägiger Einwirkung abgetödtet.
11. Wirkung auf Hausthiere, Wunden, Hände und Instrumente.
• Bei st o mac haier Application sind bei allen Hausthieren selbst recht grosse Gaben völlig ungefährlich; aussei- einer meist nicht unbeträchtlichen Temperaturabnahme kommt nichts Besonderes zu Stande.
Anders steht allerdings die Sache, wenn Borsäure in-traperitoneal angewendet wird. Nach Neumann gehen nämlich Kaninchen schon in Folge intraperitonealer Injection von nur 1 Gramm einer 3% Lösung, Hunde von 10 Gramm einer 3—50/„ Lösung zu Grunde, und bei Pferden wirken be­reits 1deg;/,, Lösungen, in die Brust- oder Bauchhöhle gebracht, nachtheilig.
Durch Borsäure in Substanz werden die Gewebe stark gereizt; wässerige Lösungen verbalten sich dagegen anscheinend indifferent. Instrumente und Hände werden durch Borlösungen nicht angegriffen.
HI. Schlnssfolgerungen.
Borsäure ist ein überaus schwaches „Antisepticumquot;, welches höchstens in Form des „Borcreolinquot; zum Verbinden unreiner Wunden und in Form des Borsalicylats oder des concentrirten Borwassers bei Operationen in der Nähe der Augen Anwendung finden sollte. Die zur Zeit recht beliebte Desinfection der Bauchorgane mittels wässeriger Borlösungen ist mit Rücksicht auf die Giftigkeit der Borsäure bei intraperitonealer Application kaum statthaft.
11. Terpentinoel.
Dünnfiflssiges, farbloses .oder schwach gelbes, „balsamischquot; riechendes, ätherisches Oel, welches sich in absolutem Alkohol leicht, weniger in wasser­haltigem löst.
Terpentinöl wurde bisher namentlich als Wunddigestiv- (granulations• beförderndes) Mittel, sowie zur Blutstillung benutzt.
I. Wirkung auf Bakterien.
Milzbrandbacillen begannen nach Koch bei Zusatz
Ton 1:75000 zur Nährlösung ihre Entwickelung zu verlangsamen.
Milzbrandsporen erlagen nach Koch der Einwirkung
J
4
Sraquo;9.
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#9632;quot;#9632;
40nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierärztlicheu Wundbehandlung.
von reinem Terpentinöl nach 5—10 Tagen, und Woronzow, Kolesnikow und Winogradow fanden, dass Milzbrand-bacülen und deren Sporen durch reines Terpentinöl während 30 Minuten nicht beeinfiusst wurden.
E i t e r c o c c e n aller Art gehen nach Martens in reinem Terpentinöl sofort, in 500/o Emulsion (mit Eigelb) in 5 Minuten, in 10% Emulsion in 24 Stunden, in 30/0 (mit Bouillon) in 3 Tagen, in 20/n in 5 Tagen zu Grunde. Dagegen konnte J. v. Christmas-Dircknick-Holmfeld den goldgelben Traubencoccus erst durch östündige Einwirkung reinen Terpen­tinöls abtödten.
Rotzbacillen waren nach Cade a c und Meunier durch reines Oel in 24—48 Stunden vernichtet etc.
Grawitz und de Bary stehen nicht an, auf Grund ihrer Forschungen das Terpentinöl als ein „keimtödtendesquot; Mittel ersten Ranges zu bezeichnen, welches in mancher Hin­sicht dem Sublimat und der Carbolsäure vorzuziehen sei!
II. Wirkung auf Hausthiere, Wunden, Hände und Instrumente.
Nothnagel und Eossbach konnten Kaninchen durch subcutane und stomachale Gaben von 10 Gramm tödten, und Her twig sah Hunde nach 8—30 Gramm (innerlich) an Gastro­enteritis sterben. Pferde vertragen allerdings innerlich sehr grosse Mengen ohne Nachtheil, und Trinchera injicirte den ge­nannten Thieren bis zu 40 Gramm in die Subcutis oder zwischen die Muskeln, ohne danach Allgemeinsymptome zu beobachten.
Auf Wunden äussert reines Terpentinöl stark reizende Wirkungen, und auch die intacte Haut entzündet sich, sobald sie einige Zeit mit Terpentinöl in Berührung bleibt. Instru­mente werden durch das Mittel nicht angegriffen.
III. Schlussfolgerungen.
Aus dem oben Mitgetheilten geht wohl hervor, dass Terpen­tinöl wie bisher so auch in Zukunft nur zur „Anregung der Granulationquot; und zur Blutstillung Anwendung finden sollte.
12. Thymol.
Ansehnliche, farblose, durchsichtige, nach Thymian riechende, aroma­tisch schmeckende Krystalle, welche sich in weniger als einem Theile Wein­geist, Aether, Cloroform, sowie in etwa 1100 Theilen Wasser lösen.
Ranke empfiehlt Thymol:
a)nbsp; in wässeriger Lösung von 1:1000 (1,0 Thymol, in,0 Alcohol, 20,0 Glycerin, 1000,0 Wasser) zum Spray, zur Desinfection der Hände, Schwämme und Instrumente und zur Wundirrigation;
b)nbsp; zur Imprägnirung von Verbandstoffen aller Art.
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I. Wirkung auf Bakterien.
Milzbrandbacillen verlangsamten nach Koch ihr Waöhsthum durch 1: 80000 und sistirten es nach Samter durch 1: 3000.
Milzbrandsporen waren nach Koch in 5:100 (mit Weingeist) nach 15 Tagen nicht vernichtet.
Eitercoccen aller Art starben nach Martens in 1: 5000 und sistiren ihr Wacbsthuin durch 1: 10000. Auch Lübbert fand, class 1:10000 Nährgelatine genügend sei, das Coccenwacbstlium zu inhibiren, während andererseits Samter das gleiche Resultat erst durch 1:3000 erreichen konnte.
Rotzbacillen werden nach Cadeac und Meunier durch Thymol in 15 Minuten vernichtet.
Fäulnis8 von Fleisch, Eiweiss elc. wird durch 1:1000 verhindert (Liebreich, Lewin, Husemann u. A.).
11. Wirkung: auf Hansthlere, Wunden, Hände und Instrumente.
Nach Husemann rufen bei Kaninchen 2 Grammsubcutan oder 4 Gramm innerlich nur vorübergehende Störungen hervor, und erst 3—6 Gramm tödten. Das Thymol wäre demnach ein lümal schwächeres Gift, als die Carbolsäure.
Auf Wunden wirkt Thymol in reinem Zustande oder in stärkeren (Spirituosen) Solutionen entzündungserregend; ln/00 wässerige Lösungen verhalten sich dagegen indifferent. Un­angenehm für den Patienten ist die von v. Esmarch, v. Nuss-baum und Anderen beobachtete Eigenthümlichkeit des Thymols, durch seinen Geruch Fliegen anzulocken, welche sich in Schwärmen auf der Wunde, auf dem Verbände etc. ansammeln.
Die Hände werden durch 10,00 Lösungen angegriffen, die Instrumente abgestumpft.
111. Sthlussfolgerungen.
Thymol ist ein sehr kräftiges, dabei für Hausthiere nahezu unschädliches Desinficienz, welches in l0/0t, Lösung im Stande ist, die in der Chirurgie in Frage kommenden Bakterien sicher zu vernichten. Seiner unangenehmen Nebenwirkungen (auf Hände, Instrumente etc.) halber wird es indessen kaum jemals umfangreiche Anwendung finden.
13. Kampher.
Weisse, krystallinische, zerreibliche Masse, welche sich aus offenen Gefässen bald ohne Rückstand verflüchtigt, sich in Wasser kaum, dagegen leicht in Aether, Chloroform, Weingeist, tetten und ätherischen Oelen löst.
Das Mittel wird in reinem Zustande (als Camphora trita) und in Form des Kampherspiritus oder des Carbolkamphers (i Carbolsäure, 2,5 Kampher, 5—20 Oel) namentlich in der Geschwürstherapie theils als „Anregungsmittelquot; theils als Antisepticum und Desinficienz benutzt.
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1. Wirkung auf Bakterien.
Milzbrandbacillen werden nach Koch durch 1:2500 in ihrem Wachsthum behindert, aber durch 1: ] 250 noch nicht getödtet.
Eitercoccen gegenüber verhielt sich der Kampher nach Martens völlig indifferent.
Rotz- und Typhusbacillen konnte i von Cadeac und Meunier durch „Kampheressenzquot; erst nach 4—10 Tagen ver­nichtet werden etc.
Gährungs- und Fäulnissprocesse werden nach Pringle durch Kampher nur in schwacher Weise ungünstig beeinflusst.
II. Wirkung: auf Hausthiere.
Hunde scheinen unter Umständen nach Dosen von 8 Gramm ab, Schafe von 15 Gramm ab, Pferde von 60 Gramm ab zu sterben (nur V i tet sah bei 4 Pferden den Tod schon nach je 30 Gramm eintreten). Von grosser Wichtigkeit ist es, dass mit Kamp her behandelte Thiere nach Jaucheeinspritzung kein Fieber bekommen (Binz) und dass — wie zahlreiche kli­nische Beobachtungen (auch des Verfassers an Hunden!) gezeigt haben — der Kampher ein fast souveraines Mittel bei septischen Fiebern aller Art repräsentirt. Dabei ist es natürlicher Weise nöthig, 1) dass die Beiiandlung mit Kampher nicht „zu spät'' ein­geleitet wird, und 2) dass es zugleich gelingt, die „Infections-quellequot; zu verstopfen.
JH. Schlussfolgeruiigen.
Kampher ist wegen seiner minimalen Wirkung auf Bakterien und wegen seiner fast gänzlichen ünlöslichkeit in Wasser für die Wundtherapie völlig bedeutungslos, stellt aber ein ausgezeich­netes Mittel gegen alle Arten der Septicaemia (siehe Seite 13), wahrscheinlich auch der Pyämie und des Erysipels des Men­schen (Pirogoff u. A.) dar. Man würde (bei septischen Fiebern) grossen Hausthieren 1—2 grosse, kleinen Hausthieren 1—2 kleine Pravazspritzen voll Kampherspiritus unter die Haut zu spritzen und dies mit kurzen Zwischenräumen zu wiederholen haben.
14. Jod und Jodverbindungen.
1. Beines Jod.
Schwarzgraue, metallisch glänzende, trockene, rhombische Tafeln oder Blättchen von eigenthümlichem Geruch, welche in etwa 5000 Theilen Wasser, sowie in 10 Theilen Weingeist löslich sind. Auch von Aether, -Kaliumjodidlösung und Chloroform wird Jod reichlich gelöst.
Jod wird empfohlen:
a) in Form der Jodtinktur (1:10) oder der Lugol'schen Lösung
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(1 Jod, 2 Jodkalium, 30 - 50 Wasser) zum Bepinseln schlecht beschaffener Wunden und Geschwüre;
b)nbsp; als Jodwasser (1 Jod; 5000 Wasser oder 1 Jodtinktur : 75—100 Wasser) zur Wundirrigation;
c)nbsp; zur Imprägnirung von Verbandstoffen.
I. Wirkung auf Bakterien.
Milzbraudbacillen in Blutserum wurden nach Koch durch 1:7000 nicht beeinflusst; erst bei 1:5000 begann ihr quot;Wachsthum sich zu verlangsamen. Dagegen wurden Milzbrand-bacillen in destillirtetu Wasser schon durch äusserst geringe Mengen Jod sicher vernichtet (Davaine, Koch, Warrikow).
Milzbrandsporen wui'den durch 1:5000 innerhalb 24 Stunden getödtet; Joddämpfe schienen zu demselben Eesultat erst nach mehreren Tagen zu führen (Koch).
Eitercoccen können nach Martens durch 1:10000 sicher vernichtet werden (Jodwasser, mit einer grösseren Menge Coccen gemischt, wird völlig entfärbt, und es bildet sich ein weisser Niederschlag von Jodalbuminat).
Tetanussporen und Bacilleu erlagen nach Tizzoni und Cattani 1:5000 in 6 Stunden etc.
II. Wirkuugaul Hausthiere, Wunden, Hände und Instrumente.
Hunde gingen nach 8—12 Gramm Jod (innerlich) zu Grunde (Hartwig); 14tägige Verabreichung von täglich 1,2—1,8 Gramm rief bei diesen Thieren Abmagerung, Vomitus ^und Durchfall hervor, dasselbe (ausser Vomitus) trat bei Pferden nach 14tägiger Verabreichung von täglich 4—8 Gramm Jod auf etc.
Rein oder in concentrirteren Lösungen auf Wunden und Geschwüre gebracht wirkt Jod bekanntlich ätzend und ent­zündungserregend, dagegen schien sich Jodwasser (1; 5000) völlig indifferent zu verhalten.
Die intacte menschliche Haut wurde durch Jodwasser nicht angegriffen, aber die Instrumente büssten bald ihre Schärfe ein (Verfasser).
IQ. Schlussfolgerungeu.
In der allein möglichen Applicationsweise von 1: 5000 ist Jod ein zweifellos unsicheres Desinficienz (siehe sein Ver­halten gegen Milzbrandbacillen im Blutserum), welches auch sonst keine besonderen Vortheile zu bieten vermag. Sein Werth für die Geschwürstherapie soll übrigens nicht bestritten werden.
'2. Jodtrichlorid.
Gelbrothes, pomeranzenfarbenes Pulver von äusserst stechendem, zu Thränen und Husten reizendem Geruch. Die concentrirte wässerige Lö­sung (das Mittel ist in Wasser leicht löslich!) besitzt eine bernsteingelbe
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Farbe und hält sich wochenlang, während die verdünnte Lösung (lu/oo) bald eine dunklere Färbung annimmt.
Jodtrichlorid wird von Riedel und Langenbuch in einer Lösung von 1 : 1000 zur Irrigation von Wunden aller Art, zur Desinfection der Hände, Instrumente etc, sowie zur Imprägnirung von Verbandstoffen empfohlen.
1. Wirkung auf Bakterien.
Milzbrandbacillen werden nach Kiedel durch 1: 3000 in ihrer Entwickelung gehemmt, durch 1:1000 innerhalb 5 bis 30 Minuten getödtet.
Milzbrandsporen (an Seideufäden) gehen nach dem­selben Forscher in 1:3000 nach 9 Stunden zu Grunde. B eh­rin g erzielte denselben Erfolg in Bouillon durch 1:100 nach 10—12 Minuten, durch 1 :500 nach 20 Stunden, aber in Blut­serum durch 1:100 erst nach 30—40 Minuten, durch 1: 300 nach 24 Stunden, durch 1:500 nach 24 Stunden noch nicht. Durch 2,5:100 waren die Sporen schon nach 5 Minuten ver­nichtet
Eitercoccen (Staphylococcus aureus) werden nach Rie­del in ihrer Entwickelung gehemmt durch Zusatz von 1 :1200 zum Nährsubstrat; durch 1:1600 wurde ihr Wachsthum ver­langsamt. Bei Eiter-Streptococce n und Erysip elcoccen tritt die Wachsthumshemmung schon durch 1: 3000 ein. An Seidenfaden angetrocknete Stnphylococcen gingen in 1 :1000 in der Regel innerhalb 14 Minuten zu Grunde.
Riedel nimmt an, dass eine wässerige Jodtrichloridlösung von 1:1000 an Wirkung einer wässerigen Carbollösung von 3: 100 etwa gleichkomme. Lösungen des Jodtrichlorids in Weingeist oder fettem Gel sind unwirksam,
II. Wirkung auf Hausthiere, Wunden und Instrumente.
Bis jetzt hat man die Wirkung des Jodtrichlorids nur an Kaninchen erforscht. Durch subcutane Application von Jodtrichloridmengen von 0,025—0,5 Gramm war es nicht möglich, merkliche toxische Wirkungen hervorzurufen, und int rape ri-ton e al e Injectionen von Jodtrichloridlösungen führten nur dann zum Tode, wenn die ja 10 Gramm Kaninchen einverleibte Menge 0,49 Milligramm (= 1 Gramm für ein 2 Kilo schweres Thier) betrug (Ri edel).
Behring berechnet die toxische Minimaldosis für Kanin­chen bei subcutaner Injection auf 0,2 Gramm, bei intraperito-nealer auf 0,05 Gramm pro Kilo Körpergewicht.
Lösungen von 1:1000 scheinen eine örtliche Wirkung auf Wunden nicht hervorzurufen, und auch Hände und Instru­mente werden durch Jodtrichlorid ilaquo;n der genannten Concen­tration nicht angegriifen.
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III. Schlussfolgeruiigen.
Die leichte Zersetzlichkeit der Jodtrichloridlösungen, die beschränkte Formenauswahl und daneben auch der hohe Preis des Mittels lassen vermuthen, dass sich dasselbe in der Thier-heilkunde nicht einbürgern wird.
3. Jodoform.
Kleine, glänzende, fettig anzufühlende Blättchen oder Tafeln oder auch ein m. o. w. feines, krystallinisches Pulver von citronengelber Farbe und durchdringendem Geruch, welches fast unlöslich in Wasser, dagegen lös­lich in 50 Theilen Weingeist und in 5,2 Theilen Aether ist.
Jodoform wird benutzt:
a)nbsp; nbsp;als Streupulver für frische, der schnellen Heilung nicht zugängliche Wunden, sowie für ältere Wunden aller Art; ferner auch zum Üestreueu der Nahtlinie;
b)nbsp; als Jodoformäther (1: 7—10) zum Abreiben des Operationsfeldes und zum Einspritzen in Höhlenwunden und durch die Punktion entleerte Haematome etc:
c)nbsp; als Jodoformcollodium (1: 10) zum Ueberpinseln der Nahtlinie oder frischer, flacher Wunden (namentlich Excoriationen), welche unter dem „Jodoformcollodium-Schorf14 heilen sollen;
d)nbsp; zur Imprägninmg von Yerliandstoften, namentlich Gaze und Seide (siehe später!).
I. Wirkung auf Bakterien.
Die Experimente, welche Lübbert, Heyn undThorkild-Rovsing, Tilanus, Baumgarten, de Ruyter, Behring, Karlinski u. A. mit Jodoform angestellt haben, ergaben zur Genüge, dass dieses Mittel „im Reagenzglasquot; eine antiseptische und desinficirende Wirkung nicht zu entfalten vermag. Dem­gegenüber steht die jedem beschäftigten Chirurgen wohl be­kannte Thatsache, dass Jodoform auf Wunden vorzügliche antiseptische — wenn auch nicht desinficirende — Eigenschaften bekundet. Es hat nicht an Bestrebungen gefehlt, diesen offen­baren Widerspruch zu enträthseln.
Binz und andere sind der Ansicht, dass das in einer Wunde befind­liche Jodoform dauernd kleine Mengen freien Jods abspalte, welche die vorhandenen Infectionskeime vernichten. Die Jodoformwirkung würde demnach als eine reine Jodwirkung aufzufassen sein.
Lübbert, König und andere glauben, dass sich auf der Wundoberfläche unter dem Einfluss des Jodoforms gewisse eigenthümliche Gerinnungs-produete bilden, wodurch ein Zustand der Trockenheit herbeigeführt werde, der einer quot;Vermehrung der Mikroben hinderlich sei.
Sattler stellt die Vermuthung auf, dass das Jodoform in der Haupt­sache durch die Mikroben selbst in Action gesetzt werde. Es zersetze sich und das auf diese Weise entstandene freie Jod verhindere das weitere Wachsthum der Spaltpilze und nehme zugleich den etwa gebildeten Pto-mainen ihre schädlichen Eigenschaften. Auch de Ruyter äussert sich in ähnlicher Weise.
Behring schliesslich liefert den directen Beweis, dass das Jodoform erst dann seine Wirkungen entfalten kann, wenn die Möglichkeit zu seiner
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Zerlegung und dadurch bedingten Bildung von Jod und Jodwasserstoff gegeben ist, d. h. in Berührung mit lebenden Zellen oder gewissen Bakterien. Während z. B. das Jodoform durch Bakterien von geringem Eeductionsvermögen, z. B. Milzbrandbacillen und Staphylococcen, kaum beeinflusst wird, zerlegt es sich sehr rasch bei Einwirkung von Faulniss-keimen, um dann bösartigen und stinkenden Eiter in geruchlosen zu verwandeln, das Wachsthum der die Fäulniss hervorrufenden Bakterien zu beeinträchtigen und endlich die Ptomain- (Cadaverin-) bildung zu verhindern.
Wenn man Cadaverin in die Subcutis spritzt, so entsteht dort echter rahmartiger Eiter. Applicirt man aber gleichzeitig mit dem Cadaverin Jodoform im Ueberschuss, so tritt keine Eiterung ein. Nimmt man nun an, 1) dass die krankmachenden Wirkungen des virulenten Eiters nicht bloss von der Anwesenheit der Eiterbakterien abhängen, sondern auch von chemischen Producten derselben (siehe Seite iö), und 2) dass diese che­mischen Producte in ähnlicher Weise beeinflusst werden wie das Cadaverin, so wird es verständlich, dass Jodoform hei bösartiger Eiterung eine Heil­wirkung ausüben kann, ohne dabei die Mikroben selbst wesentlich zu schädigen.
Mikulicz hat nachgewiesen, dass Jodoform, zu Blut gesetzt, die Fäul­nisserscheinungen 3 Tage lang aufhält. Verbleibt das Mittel aber dauernd in fäulnissfähigen Substanzen, so treten Fäulnisserscheinungen überhaupt nicht auf, ohne dass jedoch die Entwickelung von Spaltpilzen völlig ausbleibt.
11. Wirkung auf Hausthiere, Wunden, Hände und Instrumente.
Die tödtliche Dosis des Jodoforms für Warmblüter beträgt nach Poljäkow bei subcutaner Anwendung 1,5—2 Gramm, bei intraperitonealer Injection 0,5 Gramm, bei stomacbaler Appli­cation 1 Gramm pro Kilo Körpergewicht. Fiöhner gab einem 10 Tage alten Kalbe 5 Gramm Jodoform (innerlich), ohne jede Reaction, dagegen starb eine Kuh nach 50 Gramm Jodoform in 36 Stunden. Tödtliche Vergiftungen von Hunden, entstanden durch Ablecken von Jodoform oder durch Injection dieses Mittels in Cysten etc., sind mehrfach beobachtet worden.
Wunden gegenüber verhält sich das Jodoform völlig indiffe­rent; in solche, welche der Heilung per primam zugänglich sind, darf es nicht gestreut werden, da es als fremder Körper die schnelle Vereinigung hindern würde. Seine Wirkung auf Hände und Instrumente kann nicht in Frage kommen.
m. Schlussfolgerungen.
1.nbsp; Jodoform ist ein vorzügliches Mittel, Wunden lange Zeit trocken und fäulnissfrei zu erhalten, und eignet sich namentlich für genähte Wunden (Jodoformpulver, Jodoform-collodium, Jodoformgaze etc. auf die Nahtlinie) und für klaffende quot;Wunden, die „unter dem Schorfquot; heilen sollen (siehe später).
2.nbsp; In inficirten Wunden wirkt Jodoform allein zu schwach. Hier ist zunächst eine wirkliche „Desinfectionquot; vorzunehmen, und erst dann kann man das Mittel in Action treten lassen.
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47nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierarztlichen Wundbehandlung.
3. Mit Rücksicht fiuf die Giftigkeit des Präparates darf man nicht zu grosse Mengen auf einmal verwenden (in der That ist iraquo; allen Fällen ein „dünnerquot;, „schleierartigerquot; Ueberzug völlig hinreichend!) und hat zu gleicher Zeit durrh geeignete Vorrichtungen den Patienten von Belecken der Wunde etc. ab­zuhalten.
Mit Rücksicht auf die Giftigkeit und den für die meisten Menschen unangenehmen Geruch des Jodoforms hat man — ausser dem theueren Jodol, von dem nicht weiter die Rede sein soll — folgende „Jodoform-ersatzmittelquot; empfohlen:
Inbsp; nbsp;Naphthalin (E. Fischer). Glänzende, farblose Krystallblättchen von unangenehmem, leuchtgasartigem Geruch, welche in Wasser unlöslich sind, wohl aber von Weingeist, Aether u. s. w. aufgenommen wer­den Nach den Erfahrungen des Verfassers und anderer (an Thieren) ist Naphthalin ein nahezu ungiftiges, aber sehr schwacheä Antisepticum, wel­ches Wunden nicht nur nicht trocken zu halten vermag, sondern geradezu zur Secretion anregt. Das Jodoform vermag es demnach nicht zu ver­treten.
IInbsp; nbsp;Bismuthnm subnitricnin (Kocher, Cloquet und Velpeau). Weisses feinkrystallinisches, geruchloses Pulver, welches sich in Wasser und Weingeist nicht löst. Bismuthura subnitricum ist ein schwaches, theueres.Antisepticum, welches in Höhlenwunden zu festen, harten Con-crementen zusammenballt (v. Esmarch), in grösseren Mengen auf quot;Wunden gestreut Vergiftungserscheinungen hervorruft und aus diesen Gründen wenig zu empfehlen ist
III.nbsp; Zinkoxyd (Peterson, Socin). Weisses, geruchloses, locke­res, in Wasser unlösliches Pulver. Zinkoxyd ist ein schwach wirkendes, billiges, sehr wenig giftiges Antisepticum, hat aber im Allgemeinen den Nachtheil, dass es — wie Bismuthum subnitricum — auf der Wunde feste, bröckliche, als fremde Körper reizende Massen bildet. In wie weit die neuerdings von Italien aus warm empfohlene Socin'sehe Paste — Zincum oxydat 50; Zinc, chlorat. 5—6, Aq. 50 - zum Wundverband der Hausthiere verwendet werden kann, muss die Zukunft lehren.
IV.nbsp; Snlfaminol, Thiooxydiphenylamin (Schmidt). Hellgelbes, geruch-loses, in Wasser unlösliches Pulver, welches sich in Alkalien, Weingeist und Essigsäure löst. Sulfaminol ist als ungiftig zu betrachten (Ver­fasser und andere) und kann die Stelle des Jodoforms recht gut ver­treten. Droguistenpreis: 100 Gramm etwa 6 Mk.
V.nbsp; Dermatol, basisch gallussaures Wismuth (Heinz und Liebrecht). Sehr feines, gelbes, geruchloses, in Wasser unlösliches Pulver, welches nach Angabe des Fabrikanten an Stelle des Jodoforms auf wenig secernirende Wundflächen, frische Wunden etc. in dünner Schicht, auf lebhafter secer­nirende, unreine Wunden in reichlicherer Menge aufzustreuen ist, aber bei stark jauchenden ProcessQn allein nicht ausreicht. Ein endgültiges Urtheil lässt sich zur Zeit über den Werth des Mittels nicht abgeben; jedenfalls ist es nach des Verfassers Versuchen an Hunden völlig ungiftig. Droguistenpreis: 100 Gramm etwa 4 Mk. 5') Pfg.
VI.nbsp; Aristol, Dithymoldijodid (Eichhoff) Rothbraunes, geruchloses, feines, adhaerirendes Pulver, welches in Wasser unlöslich ist und im Dunklen aufbewahrt werden muss. Vom Aristol gilt (auch betrefft der Unschädlichkeit) das über Dermatol Gesagte. Droguistenpreis: 10 Gramm etwa 2 Mk. 20 Pfg.
VII.nbsp; nbsp;Enrophen, Isobutylorthokresoljodid (Eichhoff, Petersen, Nolda). Ziegelgelbes, nach Safran riechendes Pulver, welches in Wasser unlöslich ist, sich aber leicht in Weingeist, Aether, Chloroform und Oel
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löst und im Dunklen aufbewahrt werden muss. Droguistenpreis: 10 Gramm etwa 2 Mk. 50 Pfg. Ueber das Europlien stehen dem Verfasser bis jetzt ebensowenig eigene Erfahrungen zu Gebote, -wie über das in der alier-jüngsten Zeit von Spiegler und Hock an Stelle des Jodoforms empfohlene Thiophemlijodid.
15. Sozojodol (Dijodparaphenolsulfosäure).
In Frage kommen Sozoj odolnatr iu m und S ozojodolkali um. Ersteres präsentirt sich in langen, farblosen, geruchlosen Nadeln, welche sich leicht in 12,5 Theilen Wasser, unter leichtem Erwärmen auch in Glycerin, aber sehr schwer in Weingeist lösen. Letzteres stellt äusserst feine, farblose Nadeln dar, die in 50 Theilen Wasser, aber nicht in Weingeist löslich sind.
Beide Sozojodolpraeparate sollen in fein gepulvertem Zustande, rein oder mit Talcum venet. gemengt, in eiternde uud jauchende Wunden, in Höhlenwunden nach Operationen, in Schnitt- Hieb- und Brandwunden ge­bracht werden, kurz, überall dort Anwendung finden, wo Jodoform am Platze sein würde. Ferner dienen beide Mittel zur Bereitung der Sozo-jodolwatte, Sozojodolgaze und des Sozojodolcollodiums.
1. Wirkung auf Bakterien.
Milzbrandbacillen-Culturen auf Blutserum hemmten ihre Entwickelung bei einem Gehalt des Nährsubstrats an Sozo-jodolnatrium unter 1:100 (B eh ring).
Eitercoccen (Staphylococcus pyogeuos aureus) wurden nach Langgaard sowohl durch freie Sozojodolsaure, als durch Sozojodolnatrium (in wässeriger Lösung -von 2:100) völlig in ihrer Entwickelung gehindert. Auf Fäulnissbakterien (und Schimmelpilze) war diese Wirkung weniger energisch.
EL Wirkung auf Hausthiere, Wuntleii, Hände und Instrumente,
Auf Kaninchen entfalteten Dosen von 1 Gramm Natrium sozo-jodolicum keinerlei toxische quot;Wirkungen (Tro m msdorff), und mittelgrosse Hunde vertrugen 5 Gramm und mehr Sozojodolkalium ohne jeden Nachtheil (V erfasse r). Intoxicationserscheinungen #9632;wurden bei Hunden auch dann nicht beobachtet, wenn man Höhlenwunden mit sehr erheblichen Mengen Sozojodolkalium anfüllte und durch einen Dauerverband für längere Zeit luft­dicht abschloss (Verfasser).
Auf Wunden wirken die beiden in Trage kommenden Sozo-dolpräparate nicht reizend; die Hände und Instrumente werden durch ihre Lösungen nicht angegriffen.
III. ScMussfolgerungen.
Die Sozoj odolpräparate besitzen (mit Ausnahme des Sozo-jodolquecksilbers, welches in der Wundbehandlung nicht in Frage kommt (siehe Seiten 25 und 26), eine nur geringe anti-
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septische und desinficirende Energie. Ob sie im Stande sind, das auf der Wunde überaus lange Zeit verbleibende Jodoform allentbalben zu ersetzen, ist mit Rücksicht auf ihre leichte Lös­lichkeit in Wasser (und den Wundsecreten) vorläufig noch zu bezweifeln.
16. Pyoktanin (Methylviolett).
Dunkelbraungrünes Pulver, welches sich in Wasser und Weingeist mit tiefvioletter Farbe leicht löst.
Das Mittel soll {nach Merck und Stilling) folgende Verwendung finden:
a)nbsp; in Pulverform bei grösseren eiternden Wund- und Geschwürsflächen (bis zur Schort'bildung aufzustreuen);
b)nbsp; in Stiftform zur , Sterilisationquot; kleinerer frischer und eiternder Wunden;
c)nbsp; als Streupulver und Salbe (1:50) auf durchriebene Hautstellen etc.;
d)nbsp; in Lösungen von 1:1000 — 10 000 zur Irrigation von Wunden aller Art, sowie zur f'terilisation der Hände, Instrumente etc.
e)nbsp; zur Imprägnirung von Verbandstoften und Nähseide.
I. Wirkung uuf Bakterien.
Es ist zweifellos, dass eine Reihe von Anilinfarben sehr beachtens-werthe desinficirende Wirkungen zu enthalten vermag. So hat Behring 1889 nachgewiesen, dass das allerdings am Licht sehr leicht zersetzliche Cyanin und das ungleich haltbarere Malachitgrün bereits in Verdünn­ungen von 1 : 40 000 entwickelungshemmende Wirkungen auf Milzbrand-culturen (in Blutserum) zu entfalten vermögen und dass durch den letzt­genannten Farbstoff Milzbrand- und Cholerabacillen bei 1: 25 000, Diphtherie-bacillen bei 1 : 8000, Rotz- und Typhusbacillen allerdings erst bei 1 : 300 abgetödtet werden. Von praktischer Wichtigkeit wurde die Frage indessen erst dann, als Stilling Methylviolett (und das nur für die Augenheilkunde wichtige Auramin) unter dem Namen Pyoktanin empfahl.
Milzbrandbacillen (in Wasser vertheilt) wurden nach J ä n i c k e durch 1 :1000 in einer halben Minute vernichtet. B o e r erzielte das gleiche Eesultat durch 1:5000—25 OOOnach 2 Stunden.
Eitercoccen aller Art starben nach Stilling durch 1 : 64000 nach 5 Stunden, nachLiebreich durch 1 : 5000 nach einer halben Minute, nach Fessler durch 1:1000 nach 15 Minuten; Troje konnte sie durch 1:1000 zwar in ihrer Ent-wickelung hemmen, aber innerhalb 12 Stunden nicht tödten. Streptococcus pyojjenes wurde nach Jänicke durch 1:1000 in einer halben Minute getödtet, während der gold­gelbe Traube ncoccus in der gleichen Zeit schon durch 1: 5000, in 10 Minuten durch 1: 20000 vernichtet wurde. Wenn man aber die Culturen in Blutserum zur Aufschwemmung brachte, so ergab sich, dass die Staphylococcen durch 1:5000 — 20000 noch nicht in 30 Stunden, durch 1:1000 erst in 1 Stunde zu Grunde gingen.
Malier, die thierAiztl. quot;Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4
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50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
Rotzbacillen in Bouillon starben nach Eoer durch 1:150 — 200 innerhalb 2 Stunden und erlitten durch 1:2500 eine Verlangsamung der Weiterentwickelung.
Fäulnissbakterien konnten nach Stilling durch 1:30000 in ihrem Wachsthum gehemmt werden und kamen in 1:1000—2000 überhaupt nicht zur Entwickeluug.
Im Thierkörpcr werden nach Beb ring sämmtliche Anilin­farbstoffe schnell zersetzt und grösstentheils unwirksam gemacht.
IT. Wirkung aufHaustliiere, Wunden, Hände und Instrumente.
Pyoktanin (Merck) wurde von erwachsenen kleinen Hunden in innerlichen Gaben von 0,5—2,0 ohne Nachtheil vertragen; nur der Absatz des schwach blaurötlilich gefärbten Harns schien mit geringen Schmerzen verknüpft zu sein (Verfass er). Zwei junge, zartgebaute Hündchen speichelten nach Aufnahme von 0,G, bez. 1,0, zeigten Wüi gbewegungen und frassen einige Tage schlecht (Verfasser). Kaninchen und Meerschwein­chen vertrugen subcutane Einspritzungen selbst sehr grosser Mengen einer l0/00 Lösung ohne Nachtheil, gingen aber dann zu Grunde, wenn man ihnen grosse Massen derselben in die Bauch­höhle spritzte. Mengen bis 10 cem (intraperitoneal) riefen da­gegen nichts Auffälliges hervor (Stilling).
W u n d e n scheinen durch Lösungen von 1:100—1000 eben­sowenig gereizt zu werden, wie durch Streupulver von 1:50 oder schwächer.
Hände, Verbandmaterial, Kleidungsstücke, Möbel, kurz alle Dinge, welche mit Pyoktaninlösungen in' Berührung kommen, werden sehr dauerhaft violett gefärbt, und nur eine Mischung von Salzsäure und Spiritus ist mit Sicherheit im Stande, die Färbung schnell zu beseitigen. Instrumente werden durch Pyoktaninlösungen nicht abgestumpft.
III. Schlussfolgerungen.
Pyoktanin ist ein gutes, nahezu unschädliches Antisepticum und Desinticienz, welches indessen seiner intensiv fäi'benden Eigenschaften halber kaum eine weite Verbreitung finden wird. (Vergleiche übrigens später: Heilungunter dem trockenen Schorf.)
Aussei- diesen, genauer besprochenen, keimtödtenden Mitteln sind noch zu nennen: Eisenchlorid, welches in 50/o Lösung Milzbrandsporen in 6 Tagen (Koch) und in l0/o Lösung Eiter-coccen in 74 Minute (Martens) zu tödten vermochte; Kaffee-fnfüsuni, welches in einer Concentration von 1:10 Milzbrand-bacillen in 3 Stunden, Milzbrandsporen in 2—4 Wochen, Eiter-coccen in 4—7 Tagen, Erysipelcoccen in 1 Tag und Proteus vulgaris in 2—4 Tagen vernichtete (Lüderitz); Aether, welcher
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Theorie und Praxis der tierärztlichen WiincITiehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;51
nach 30 Tagen Milzbrarwisporen tödtete; Arsenik, welcher in 1deg; 0O Solution Milzbrandsporen in 10 Tagen vernichtete (arsenig-saüres Kalium hemmte das Wachsthum der Milzbrandbacillen schon bei 1 -.100000 und hob es gänzlich auf hei 1:10000) (Koch); Kupfer-und Zinkvitriol, welche in 5% Lösung nach
5nbsp;— 10 Tagen das Wachsthum der Milzbrandspoien zwar ver­langsamten, aber nicht völlig vernichteten (Koch); Borax, welcher nur „antiseptischquot;, und zwar noch schwächer als Bor­säure, wirkte (Koch); Clilorpikrin, welches in 50/0 Lösung nach
6nbsp; nbsp;Tagen Milzbrandsporen vernichtete und in 0.1u;0 Lösung das Wachsthum der Milzbrandbacillen verhinderte (Koch): Cliiuhi welches in 1% Solution (mit Salzsäure) Milzbrandsporen nach 10 Tagen tödtete (Koch) undMilzbrandculturen dann in ihrer Eutwickelung aufhielt, wenn man es wie 1 : 500 dem Nährboden zugesetzt hatte (Bebring); Chinoliii, welches in 1% Lösung nach 25 Minuten und Resorcin, welches in derselben Stärke nach STagenEitercoccen vernichtete (Martens); Oxynaphthoe-säure, welche zwar eine treffliche „antiseptischequot; Wirkung ent­faltete (Ellenberger-Hofmeister), aber auf Milzbrand­sporen nur verhältnissmässig schwach einwirkte (Lübbert)-Chloroform, welches vollentwickelte Bakterien (2. B. Milzbrand­bacillen undTraubencoccen) sehr schnell, Sporen (z. B. Milz­brand- und Tetanussporen) aber nicht zu vernichten vermochte (Salkowski, Kirchner); anorganische Säuren, welche im Grossen und Ganzen eine nur massige bakterienfeindliche Wirkung entfalten; nur die Salzsäure vermochte in •20o Solution (nach 10 Tagen) Milzbrandsporen und in 0 5(V0 Milzbrandbacillen zu vernichten (Koch), sowie in 10;00 Lösung in 5 Minuten, in 1% in 45 Secunden Eitercoccen zu tödten (Martens); essig-saure Thonerde, deren keimtödtende Energi zwar weit überschätzt worden ist, welche aber trotzdem ie Lösungen von 1-2% sehr gut zu „wuudreinigendenquot; Priessnitz Umschlägen bei übelaussehenden Flächen- und Höhlenwundelaquo; Anwendung finden kann; Naphthol, welches zwar ein guts Antisepticumist, da es in Verdünnung von 1 : 3000 die Entwickel-ung der Bakterien des Milzbrandes, Eiters und Eotzes unter-
wUC~iV uchar(^' aber seiner hohen Giftigkeit halber zur Wundtherapie ungeeignet ist; Benzoesäure und Eucalyptol, welche nur eine massig antiseptische, aber keine desinticirende Wirkung hervorbringen; Kaliseife (Schmierseife), welche in 2% wasserigen Lösungen innerhalb 12 Tagen Milzbrandsporen nicht zu schadigen vermochte, aber schon in viel schwächeren Losungen die Eutwickelung von Milzbrandbacillen verhinderte (Koch); Kalilauge, welche in einer Verdünnung von 10% nach 5 Minuten Eitercoccen zum Absterben gebracht hatte
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52nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierarztlicheu Wundbehandlung.
(Martens), und schliesslicli Zucker, welcher, in Mullsackchen auf Wunden gebracht, theils durch Aufsaugung der Wundsecrete, theils durch Bildung von Milchsäure die Enhvickelung von Mikroben verhindern soll.
Die Tabelle am Ende des Buches giebteine üebersicht über die Wirkungsintensität der auf den Seiten 26 - 50 eingehender be­sprochenen chemischen Desinfectionsmittel, und zwar sowohl auf Bakterien (Milzbrandsporen, Milzbrandbacillen, Eitercoccen und Rotzbacillen) als auf Hausthiere. (Siehe die Tabelle am Ende des Buclies.)
Wenn man von Chlorwasser, Chlorkalk, Jod, Höllenstein, Kaliumpermanganat, Terpentinöl, Thy­mol undPyoktanin theils der leichten Zersetzlichkeit wegen, theils aus anderen, früher angegebenen Gründen absieht, so bleiben als vollwirksame und somit zur allgemeineren chirurgischen Verwendung geeignete Chemikalien bloss Subli­mat, Carbolsäure, Creolin, Lysol, Sali cylsäure, Jodtri chlorid und — nur für gewisse Zwecke passend — Jodoform bez. seine unschädlichen Ersatzmittel, welche jetzt nicht weiter in Betracht gezogen werden sollen, übrig.
Ordnet man diese Mittel nach ihrer Wirkung auf Bakterien und auf Hausthiere, und zwar nach absteigender Kraft, so gelangt man zur Aufstellung folgender beiden Reihen: Giftigkeit für Bakterien:nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Giftigkeit für Hausthiere:
Sublimat,.....(Jodoform),
Jodtrichlorid,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .... Carbolsäure,
Lysol,......Sublimat,
Salicylsäure (?), .... Creolin,
Creolin,......Jodtrichlorid,
Carbolsäure,.....Salicylsäure (?),
(Jodoform).....Lysol.
Man übersehe nicht, wie schwach die antibakterielle Kraft der Carbolsäure anderen Mitteln, z. B. dem Sublimat gegen­über ist, trotzdem sie betreffs ihrer Giftigkeit (in der Wund­behandlung!) alle vollwirksamen Desinficientien überragt!
II. Physikalische Desinfectionsmittel.
Zu den physikalischen Desinfectionsmitteln gehören alle chirurgischen Instrumente, Scheeren, Messer, scharfe Löffel etc., mit denen man inficirte oder auch nur lebens­unfähige Gewebe abschneidet, abkratzt oder abschabt (siehe den 1. Band der Stockfleth'schen Chirurgie), ferner die Aus-trocknimg der Wunde, über welche im nächsten Kapitel das Nöthige mitgetheilt werden soll, und die Hitze.
Die Hitze lässt sich in zwei Formen anwenden: als trockene und als feuchte Hitze.
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Die trockene Hitze kann sowohl zur Desinfection von Wunden, als zur Sterilisation von Instrumenten, Verbandstoffen etc. benutzt werden. Zu dem ersteren Zwecke bedient man sich des gewöhnlichen Glüheisens oder des Paquelin'-schen Thermocauters und stillt z. B. mit demselben Blut­ungen, „touchirtquot; inficirte Wunden, überzieht frische oder ältere Flächenwunden mit einem „trockenenquot; Schorf, um die Heilung unter demselben zu provociren etc.
Behufs Sterilisation von Instrumenten, Verbandstoffen etc. durch trockene Hitze kann man auf mehrfache Weise vorgehen. Das einfachste würde sein, dass man die Gegenstände, welche „keimfreiquot; gemacht werden sollen, unmittelbar in eine Flamme hält. In kürzester Zeit würde jede Spur organischen Lebens sicher vernichtet sein. Allein es ist ohne weiteres verständlich, dass ein derartiges Verfahren nur bei ganz besonders halt­baren Gegenständen — Impfnadeln, Messern, Scheeren etc. — anwendbar ist und dass auch diese ihre „Schärfequot; baldigst ein-büssen werden.
Dies hat dazu geführt, dass man für Gegenstände, deren unmittelbares Glühen unthunlich erscheint, namentlich für Ver­bandmaterialien, besondere Apparate — ähnelnd den „Trocken­schränkenquot; der pathologischen Anatomen — construirt hat, welche eine gleichmässige und sichere Einwirkung trockener Hitze gestatten. Allein die Erfahrung und namentlich die von Cohn, Tyndall, Koch, Wolffhügel, Gaffky, Löffler u. A. angestellten Versuche haben auf das unzweideutigste er­geben, dass zwar sporenfreie Bakterien einer Temperatur von wenig über 100deg; niemals länger als l1/laquo; Stunde widerstehen, dass aber Bacillensporen erst durch Sstündigen Aufenthalt in Luft von 140deg; C. vernichtet werden. Dazu kommt, dass die höhere Temperatur in die Desinfectionsobjekte nur so lang­sam eindringt, dass nach 3—4stündigem Erhitzen auf 140deg; Gegenstände von selbst recht massigen Dimensionen noch nicht desinficirt sind, und ferner, dass durch längeres Erhitzen auf 140deg; die meisten Stoffe mehr oder weniger beschädigt werden. Mit Rücksicht auf diese Thatsachen wird die trockene Hitze nur noch vereinzelt zur Sterilisation und Desinfection von Ver­bandstoffen etc. angewendet.
Die feuchte Hitze ist der trockenen bei weitem vorzu­ziehen. Man gebraucht — abgesehen vom einfachen „Abkochenquot; der Instrumente, von dem im nächsten Kapitel die Rede sein soll — in der Regel strömenden Wasserdampf, da sich herausgestellt hat, dass derselbe in veihältnissmässig sehr kur­zer Zeit alle Arten von Krankheitskeimen unschädlich zu machen vermag. So hat u. A. E. v. Esmarch nachgewiesen, dass die widerstandsfähigsten von allen bis dahin bekannten Bakterien,
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54nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Theorie und Praxis der thierärztlichen quot;Wundbehandhmg.
Milzbrand- und Tuberkelbacillen, strömenden Dampf von 100deg; nicht länger als 15—30 Minuten aushalten und dass alle ande­ren Bakterien, z. B. die verschiedenen Coccen des Eiters, die Coccen des Erysipels, die Bacillen des Rotzes, schon zu Grunde gehen, ehe die Temperatur eine Höhe von 100deg; erreicht hat. Beiläutig sei erwälint, dass nach E. v. Esmarch u. A. strömen­der überhitzter Dampf in seiner keimtödtenden Kraft genau wie erhitzte trockene Luft, also im Allgemeinen zu schwach wirkt und dass gespannter strömender, nicht oder nur schwach überhitzter Dampf an Desinfectionsenergie den ein­fachen strömenden Dampf beträchtlich übertrifft.
Der am meisten gebräuchliche Dampfsterilisationsapparat ist der von Ri etschel-Henneberg, in welcheiu man die zu sterilisirenden Gegenstände eine halbe bis ganze Stunde lang strömendem Wasserdampf von 100quot; C. aussetzt und nachher entweder direct in Benutzung zieht oder vorläufig in einem gleichfalls steriiisirten Metallkasten aufbewahrt.
Man kann kaum annehmen, dass sich jemals die Sterili­sation von Verbandstoffen etc. durch Hitze in der Veterinär­chirurgie einzubürgern vermag. Es muss nämlich dem Thierarzt viel mehr daran liegen, mit antiseptischem, d. h. keimfreiem und zugleich mit chemischen Desinficien-tien imprägnirtem Material zu arbeiten, als mit asept­ischem, d h. nur keimfreiem Material. Die Beding­ungen, welche dem Humanchirurgen in nicht wenigen Fällen gestatten, die Wunden auf asepti­schem Wege, d. h. unter Vermeidung aller che­mischen Desin fielen tie a, der Heilung zuzufü h-ren, sind in der Thierheilkunde nur in höchst seltenen Ausnahmen gegeben. Der Veterinärchirurg wird auch in Zukunft die antiseptische Wundbehandlungs-methode der aseptischen vorziehen müssen (siehe später).
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III.
Praxis der chirurgisclieii Desiiifection; Theorie der tliierärztliclien Wiiiidbeliaudlung.
Der Chirurg kann den Bakterien mit Hülfe der im vorigen Kapitel heschriehenen Desinfectionsmittel in doppelter Weise entgegentreten, entweder
1.nbsp; so, dass er ihr Eindringen in die Wunde verhindert (Asepsis und Antisejisis), oder
2.nbsp; so, dass er sie vernichtet, wenn sie bereits in die Wunde gedrungen sind (Desinfection).
1. Asepsis und Antisepsis.
Zwei Wege sind es, auf denen Bakterien in die Wunde geschleppt werden können; entweder ist es die Luft, welche die in ihr enthaltenen Keime auf die Wunde ausstreut (Luft-infection), oder es ist die directe Berührung der Wunde mit dem „unreinenquot; verletzenden Instrument, mit unreinen Händen, Schwämmen, Verbandstoffen etc. (Contactinfection).
1. Luftinfection.
Die Bedeutung der Luftinfection für Wunden ist früher wesentlich überschätzt worden. So hielt man es z. B. auf An-rathen von List er für nothwendig, während der Operation und beim Verbandwechsel mit Hülfe eines Zerstäubers laquo;inen feinen Sprühregen von Carbolwasser auf die Wunde und die Hände des Operateurs* zu richten, um die Luft keimfrei zu machen. Man ist indessen sehr bald von diesem unter Um­ständen sowohl für den Operateur (Vergiftung durch Carbol-säure), als für die Wunde (Schädigung durch die Verdun­stungskälte und die reizende Wirkung der Carbolsäure) gefähr­lichen Verfahren abgekommen, nachdem es sich herausgestellt hatte, dass man auch ohne „Carbolnebelquot; die günstigsten Operationsresultate erzielen kann, und man beschränkt sich jetzt darauf, für gehörige Ventilation des Operations-
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56nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
räum es zu sorgen, nach Befinden die Luft desselben vor der Operation mittels des „Spray' zu desinficiren.
Uebrigens haben die sehr genauen Versuche Kummel's u. A. gezeigt, dass es absolut unmöglich ist, einen Raum völlig frei von Organismen zu machen, und dass daran auch der kräftigste Sprühregen von Carbolwasser oder ähnlichen desin-ficirenden Flüssigkeiten nichts zu ändern vermag, undMikulicz und Rydygier fanden, class gerade an der Stelle der Wunde, an welcher der Sprühregen niederfällt, in der Luft suspendirte Staubtheilchen und Bakterien am massenhaftesten niederge­schlagen werden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,
Für thierärztliche Zwecke dürfte es demnach völlig genügen, wenn Operationen und quot;Wundvei bände, wenn halbwegs thunlich nicht im Stalle selbst, sondern in einem mit möglichst reiner Luft versehenen Räume, unter Umständen im Freien, vorge­nommen werden. Auch der mächtigste Carbolregen wird nicht im Stande sein, die Luft eines mit Thieren besetzten Raumes zu „sterilisirenquot; ! Die wenigen während der Operation oder des Verbandwechsels aus der Luft auf die Wunde gelangten Bakterien können durch die später beschriebenen desinficirenden Irri­gationen sicher vernichtet werden.
2. Contactinfection.
Die Contactinfection lässt sich nur durch sorgfältigste Reinigung und Desinfection der Wunde und ihrer Umgebung, sowie aller Dinge, die mit der Wunde in Berührung kommen sollen, z. B. der Hände, Instrumente, Schwämme, des Heft­materials, der Verbandmittel, verhüten.
a. Reinigung der Hände und Vorderarme des Chirurgen und seines Gehülfen.
Vor jeder Operation, vor jeder Berührung einer Wunde, vor jedem Verbände, sowie auch dann, wenn im Verlaufe der Operation die Hände des Chirurgen mit unreinen Dingen — Eiter, Urin, Koth etc. — beschmutzt worden sind, ist für Sterilisation der Hände (und Vorderarme) zu sorgen, denn gerade durch diese kommt am leichtesten eine Wund-infection zu Stande.
Es sind von mehreren Seiten Versuche angestellt worden, auf welche Weise sich die Hände sicher keimfrei machen lassen. Man ist dabei, nach dem Vorgange Kümmel's, in der Regel so verfahren, dass man die Hände mit dem oder jenen „Desinficienzquot; wusch und nachher in Nährgelatine drückte, um festzustellen, ob in derselben Pilzvegetationen zur Entwickel-ung kommen oder nicht. Eine sichere Sterilisation der Hände lässt sich erzielen:
nach Kümmel durch 5 Minuten langes Waschen mit Kaliseife und
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nachfolgendes 2 Minuten langes Abreiben mit 50/0 Carbolwasser oder mit Chlorwasser;
. nach Forster durch Reinigen mit Kaliseife und nachfolgende gründ­liche Abspülung mit 0,5—1 quot;loo Sublimatsolution;
nach Fürbringer durch eine Minute lang dauerndes Abbürsten mit Seife und warmem Wasser, nachfolgendes eine Minute lang währendes Waschen mit Spiritus von mindestens 80(7o und eine Minute langes gründ­liches Bearbeiten mit 20;oo Sublimatlösung;
nach h'iedel durch eine Minute langes Waschen mit Seife und nach-heriges reichliches üebergiessen mit l0/0 Jodtrichloridlösung;
nach Landsberg entweder durch 5 Minuten langes Bürsten mit lO0^ Creolinseifenspiritus oder lo/0 Thymolseifenspiritus, oder durch Waschen mit Kaliseife und warmem Wasser und daran schliessende Spülungen mit 10/00 Sublimatlösung, 50/0 Carbolwasser oder 30/0 Creolinemulsion;
nach Boll durch 3 Minuten langes Bürsten mit Kaliseife und warmem Wasser uud je eine halbe Minute langes Waschen in 30|'0 Carbolwasser und 0,50/oo Sublimatsolution;
nach Y. Gerlach durch 2—3 Minuten langes Bearbeiten mit l*/0 Lysollösung.
Für thierärztliche Zwecke wird es im Allgemeinen genügen, wenn die Hände vor der Operation etc. mit Kali- oder Sublimat­seife, Bürste, jS'agelputzer und warmem quot;Wasser gründlichst ge­reinigt und nacliher mit l0/o0 Sublimatlösung, 30/0 Creolin­emulsion oder 1% Lysolwasser energisch abgerieben und ab­gespült werden. Auch 5% Carbolwasser würde genügen, doch werden seine reizenden Eigenschaften d en meisten Händen auf die Dauer unangenehm.
b. Reinigung der Instrume nt'e.
Die zur Operation oder zum Wundverband dienenden Instru­mente müssen, ebenso wie die Drains, über welche später das Nöthige mitgetheilt werden soll, vor ihrer Benutzung auf das Sorgfältigste gereinigt bez. desinficirt werden.
Man legt sie zu diesem Zwecke, nachdem man sie unter Umständen vorher mit Kaliseife und warmem Wasser gereinigt hatte, mindestens ?/* Stunde vor ihrer Benutzung in ein flaches, gut gereinigtes Gefäss aus Steingut, Porzellan, Glas oder Metall, welches mit 3- 5% Carbolwasser, 30/0 Creolinemulsion, l0/o Lysollösung oder 0,10/0 Jodtrichloridsolution an­gefüllt ist. Sublimatlösüng wirkt nicht völlig sicher (Kümmel) und greift zudem die Instrumente an.
Dabei hängt vieles von der Form bez. der glatten Ober­fläche der Instrumente ab, und es ist der zuerst von F. y. Esmarch gegebene Rath, nur möglichst glatte, aus einem Stück angefertigte Instrumente zu verwenden, nach Thunlich-keit zu befolgen. So sind z. B. die aus einem Stück gefertigten Messer (bez. Scalpells) den zusammenklappbaren Bistouris bei weitem vorzuziehen, und man sollte, wenn man von den letzteren nicht lassen will, wenigstens die in der neuesten Zeit construirten
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Tlieorie und Praxis der tliierärztlicheu Wundbehandlung.
zerlegbaren „aaeptisohenquot; Bistouris mit Metallsclialen in Benutzung ziehen. (Fig. 2.)
Figur 2. Zerlegbare Bistouris.
Dass die Instrumente auch nach ihrer Benutzung, und zwar am besten durch Abbürsten mit Seife und heissem Wasser und Abspülen mit einer der oben genannten Flüssigkeiten, zu reinigen und danach mit einem saub e ren Leinentuche abzu­trocknen sind, ist selbstverständlich.
Auch durch Abkochen der Instrumente lässt sich eine sichere, und zwar sehr schnelle, Sterilisation erzielen. Man soll nach David söhn die Messer, Scheeren etc. gleicb nach der Operation in kaltes Wasser bringen, den Eiter etc. oberfläcb-licb abbürsten, die Spritzen und Kanülen einige Male durcb-spritzen und dann mit Wasser füllen. Darauf sind die Instru­mente in einem bedeckten Wasserbad (Blechtopf mit Stürze!) bei 100quot; C. 5 Minuten zu kochen und nachher mit einem „steri-lisirtemquot; Tuche abzureiben. „Vor einem neuen Gebrauche koche man sie 5 Minuten, nehme sie heraus, lasse sie erkalten und benutze sie dann ohne Zuhülfenahme einer desinficirenden Flüssigkeit.quot;
c. Reinigung des Patienten bez. des Lagers.
Vor jeder blutigen Operation, vor jedem Verbände einer frischen Wunde, meist auch vor demjenigen älterer Wunden ist eine gründliche Reinigung und Desinfection des Operations­feldes und der Wundumgebung vorzunehmen.
Zunächst bat man seine Aufmerksamkeit den Haaren zuzu­wenden, die als ganz besonders böse Schlupfwinkel für Pilzkeime mit Recht gefürchtet sind. Man schneidet und rasirt sie, je nach den näheren Umständen ein bis drei Finger breit über die Grenzen der Wunde hinaus, ab und bedient sich dazu entweder eines gewöhnlichen Rasirmessers oder eines der neuerdings in den Handel gebrachten Rasirapparate, von denen nach den Erfahrungen des Verfassers namentlich „Star Safety Razorquot; als recht brauchbar empfohlen werden kann. Hierauf folgt eine quot;Waschung mit Schmier- oder Sublimatseife, warmem Wasser
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und Wurzelbürste und, daran schliessend. eine Abreibung oder Abspülung mit einem kräftigen, flüssigen Desiuficienz, z. B. mit l0/Ofl -Sublimatlösung, 5% Carbolwasser, 2—3quot;0 Creolin-emulsion, l0/o Lysollösung etc. Unter Umständen kann man vorher die Wundgegend durch Abreiben mit Aether oder Benzin zu entfetten suchen.
Ein sehr beachtenswerthes Verfahren, vor Operationen an den Beinen des Pferdes, z. B. vor der Neurectomie, Tenotomie und Javartoperation, das Operationsfeld „asejDtischquot; zu machen, empfehlen Alöller und Fr ick. Nachdem man an der Stelle, wo die Operation ausgeführt werden soll, die Haare sorgfältig entfernt und eine weit darüber hinausgehende gründliche Reinig­ung mit Seife und Sublimatwasser vorgenommen hatte, wird eine Lage Sublimatholzwolle um den Fuss gelegt uud mittels einer Binde befestigt. Der auf diese Weise hergestellte Verband wird 3mal am Tage mit Sublimatwasser angefeuchtet. ..Auf diese Weise erzielt man nach 12—24 Stunden vollständige Asepsis, so dass mit Sicherheit auf einen aseptischen Wundver­lauf gerechnet werden kann, sobald bei der Operation die übrigen Grundsätze der Antisepsis Beobachtung findenquot; (Möller).
Von einer Desinfectiou des Lagers des zu operiren-den Thieres wird man in der Praxis bei grossen Hausthieren leider Abstand nehmen müssen, doch sollte mau wenigstens die Vorsicht gebrauchen, als Unterlage für das „im Liegenquot; zu operirende Pferd etc. nicht, wie es früher vielfach geschehen sein mag, den Misthaufen zu wählen. Kleinere Uausthiere legt man auf einen gründlichst abgescheuerten, unter Umständen mit Desinficientien abgespülten Tisch.
Als Streumaterial für verwundete grössere Thiere dürfte sich gutes, nicht dumpfiges Stroh oder Sägemehl empfehlen.
d. Reinigung der Wunde.
Zur Reinigung der Wunde, zur Entfernung des Blutes wäh-end der Operation etc. kann man sich der Schwämme, der Tupfer oder des Irrigators bedienen.
Die Schwämme sind in Folge ihrer porösen Beschaffenhei ganz besonders geeignet, Mikroben einen Aufenthalt zu ge­währen, und sollten aus diesem Grunde völlig aus der Wund­therapie verbannt werden. Jedenfalls sind Schwämme, welche bei unreinen Wunden verwendet worden sind, niemals wieder mit Wunden in Berührung zu bringen, und auch sonst darf man nur „aseptischequot; Schwämme in Benutzung ziehen. Alles dies gilt auch für die neuerdings als „Schwammsurrogatquot; in den Handel gebrachte Luff a (das Fasernetz der Früchte von Luff a aegyptiaca).
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Es existiren mehrere Vorschriften zur Desinfection der Schwämme.
Keller lässt z. B. in folgender Weise verfahren: Zunächst werden die (neuen) Schwämme durch Ausklopfen von dem darin befindlichen Sand befreit. Sodann werden sie in einer Lösung von Ealiumpermanganat (1: 500—1000) gereinigt, mit heissem Wasser ausgewaschen und endlich etwa eine Viertelstunde lang in einer Lösung, welche zu % aus einer l'/o Solution von Natrium subsulfurosum und zu Vis aus einer S'Vo Lösung von reiner, concentrirter Salzsäure besteht, gebleicht. Die Schwämme sollen dann in reinem Wasser gründlich ausgedrückt und in ö0/o Carbollösung aufbewahrt werden.
Bernbeck lässt die (neuen) Schwämme nach vorherigem gründlichem Ausklopfen 2 Stunden lang in eine o,!0/,, Kaliumpermanganatlösung legen und dann so viel rohe Salzsäure zusetzen, bis die violette Farbe der Flüssig­keit verschwunden ist. Danach werden die Schwämme so lange mit Wasser ausgewaschen, bis Lackmuspapier sich nicht mehr röthet, hierauf getrocknet, 10—12 Stunden in 0,lo/o Sublimatwasser gelegt und von Neuem getrocknet.
F v, Esmarch giebt an, dass Schwämme, welche man bei „aseptischenquot; Operationen benutzt hatte, zunächst durch wiederholtes Auswaschen mit Seifenwasser und Natronlauge von Blutgerinnseln und Fett befreit und dann 8 Tage lang in 5% Carbolwasser gelegt werden sollten, ehe sie wieder bei Operationen Verwendung finden können.
Cramer und Wehmerfanden, dass(mit Eiter durchtränkte) Schwämme durch 2% Lysollösung in einer Stunde „keimfreiquot; werden.
L. Baruchello eruirte (nach Kitt), dass schmutzige Scbwammstücke durch 2 Stunden langes Verweilen in 20/00 Sublimatlösung, welcher Salz­säure im Verhältniss wie 5 : 1000 zugesetzt worden war, völlig keimfrei werden.
Die Tupfer sind den Schwämmen bei Weitem vorzuziehen, dienen besonders zum „Absaugenquot; von Blut, Abwischen von Wundsecreten etc. und weiden nach ihrer (einmaligen) Ver­wendung vernichtet. Man versteht unter „Tupferquot; ungefähr bis apfel-grosse Ballen von entfetteter Watte, Holzwolle, Jute, Torfmoos (Bil Iroth) oder MuH, welche in aseptischen Mull (bez Sublimat-oder Carbolmull) eingebunden sind. (Siehe Fig. 3.) Die Herstellung derartiger Tupfer, | welche auch käuflich zu erlangen sind, ist sehr leicht, doch kann man sie ohne Sorge durch einfache (nicht mit Mull umhüllte) Watte­oder (weniger gut) Holzwattebäusch-chen ersetzen. Fig. 3. Tupfer.
Der Irrigator oder die Wunddouche dient zum Ab­spülen und „Desinficirenquot; der Wunde und ihrer Umgebung und hat die „Wundspritzenquot; nahezu völlig verdrängt. Nur bei gründ­lich „unreinenquot; Wunden mit eiteriger oder fauliger Infiltration des Zellgewebes der Umgebung greift man noch gelegentlich
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zur Spritze, da es sich in der Regel darum handelt, desin-ficirende Flüssigkeiten unter starkem Druck in alle Winkel und Ecken der Wunde und womöglich auch in's inficirte Zellgewebe zu schicken. In allen anderen Fällen ist der Irrigator, nicht die Spritze am Platze. Der Irrigator besteht aus einem Ge-fäss aus Blech oder Glas, an welchem sich nahe dem Boden eine Ausflussöffnung befindet, an der ein mit einer „Kanülequot; versehener Kautschukschlauch befestigt ist. (Siehe Fig. 4.)
Bei frischen (Operations-)
Wunden sjmlt man mit schwä­cheren desinficirenden Lösungen, z. B. mit a0/raquo; Creolinemulsion, 0,50/0Lysollösung,0,50/00Sublimat-lösung; bei eiternden Wunden sind stärkere Solutionen (siehe später) am Platze. Die Carbol-säure ist von allen „Spülmittelnquot; das am wenigsten empfehlens-werthe, da sie, abgesehen von ihrer Giftigkeit, die Wundsecretion nicht nur nicht beschränkt, son­dern geradezu anregt.
Neuerdings hat man sich übri­gens seitens der Humanchirurgen davon überzeugt, dass bei asept­ischen (vom Operateur gemach­ten) Wunden bei strengster Rein­lichkeit jede antiseptische Spül­ung wegbleiben und eine einfache Trockenlegung eintreten kann. Die sich auf diese Beobacht­ung gründende „aseptische Wundbehandlungquot; wird in­dessen aus den auf Seite 54 an­gedeuteten Gründen wohl niemals
Gemeingut der Veterinärchirur­gen werden können.
Figur 4. Wundirrigatoren.
e. Reinigung des Unterbin dungs- und Näh mate rials.
Als Unterbindungsmaterial dienen namentlich Seide, Cat­gut und Silkworm; als Nähmaterial aussei- diesen noch Leinen-bändchen, Hanfschnüre, Rosshaare und Metaildrähte.
Das gebräuchlichste Material ist die Seide, sei es Carbol-, Sublimat- oder Jodoformseide.
Behufs Herstellung der Carbolseide wird ungefärbte oder weisse, chinesisch gezwirnte oder Häkelse id e eine halbe bis eine Stunde lang in
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50'0 Carbollösnng gekocht und nachher in 20/o Carbollösung aufbewahrt. Sehr zweckmässig i st es, die Seide auf Rollen zu wickeln, welche an einem kleinen Gestell drehbar sind und sich in einem Gefäss mit 3—bol0 Carbol-wasser befinden. (Siehe Fig. öa und 51).)
Sublimatseide wird durch viertelstündiges Kochen der Seide in 0,20;o Snblimatlüsung hergestellt und in l0/00 Sublimatlösung oder in abso­lutem Alkohol aufbewahrt.
Jodoformseide fabricirt man in der Weise, dass man gekochte Rohseide in lOquot; 0 Jodoformiitherlösung legt, nachher zwischen Löschpapier trocknet und trocken — aber im Dunklen — aufbewahrt.
Es unterliegt übrigens keinem Zweifel, dass eine sichere Sterilisation der Seide, wie jeden andern Näh m aterials, auch durch einstündiges Kochen und nachberiges Aufbewahren in S0/0 Creolinemulsion oder 20/n Lysollösung (Cramer und Wehmer) erzielt werden kann. Die in Lysol­lösung aufbewahrte Seide soll sich durch ihre hohe Geschmeidigkeit vor anderen Seidensorten, z. li. vor der Sublimatseide, auszeichnen.
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Figur öa. Glaskasten zur Aufhewahmng der Nähseide.
Fg. 5b. Glascylinder f. Näh­seide, in die Verbandtasche passend.
Catgut, welches, aus dem Darm frisch geschlachteter Thieve gewonnen, in lebendes Gewebe gebracht, rasch resorbirt wird, ist viel weniger fest als Seide, lässt sich schwer knoten, reisst leichter und wird deshalb nur in den Fällen angewendet, wo der Faden nicht wieder herausgenommen werden soll, z. B. bei „verlorenenquot; Nähten, bei der Darmnaht, manchmal auch bei Unterbindung von Gefässen etc. Man sterilisirt Catgut fabrik-mässig mittels Carbolsäure, Sublimatsolution oder Oleum Juniperi und bringt es in kleinen Fläschchen, die früher mit Carbolöl, jetzt (da man Carbolöl als ein sehr unzulängliches Desinficienz erkannt hat) in der Kegel mit absolutem Alkohol gefüllt sind, in den Handel.
Die Zeit, in welcher dieCatgutfäden resorbirt werden, schwankt, je nach der Fadenstärke, von l1/, bis zu mehreren Tagen und hat insofern eine praktische Bedeutung, als zu schwache Hefte aufgesogen sein können, ehe sich eine genügend feste Vereinigung der Wundränder vollzogen hat. Mit Kück sieht auf diesen Uebelstand empfiehlt Lister das Chrom-
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säurecatgut, welches sehr fest ist und viel weniger schnell als die übrigen Catgutsorten resorbirt wird.
. -Auch Kängurufäden (Pollok), Wali'ischsehnen (Balz), Renthiersehnen (Putilow) und Aortenmaterial (Barwell) werden an Stelle des Catguts, dessen Vorzüge, aber nicht dessen Nachtheile sie besitzen sollen, empfohlen.
Silkworm (Wormsilk, Fil de Florence) soll in China aus dem Spinnorgan der Seidenraupen gewonnen werden, gleicht etwa einem weissen ßosshaarfaden, ist überaus fest, aber leider so theuer (100 circa 40 cm lange Fäden kosten je nach der Fadenstärke 4—7 Mk.!), dass es eine allgemeine Verwendung wohl niemals finden wird.
Leiiieubamlchen und Hanfschnfire eignen sich (bei grösseren Hausthieren) namentlich dort, wo eine sehr starke Spannung der Hefte zu erwarten ist, und werden durch Carbolsäure, Sublimat, Creolin oder Lysol in derselben Weise wie Seide keimfrei gemacht.
Rosshaäre haben vor der Seide zwar den Vortheil grösserer Haltbarkeit, schneiden aber leichter ein und eignen sich wohl mehr (in Form von „Haarseilenquot;) zur Wund drain age als zum Heften. Man kann sie durch Waschen in warmem Schmier- oder Sublimatseifenwasser und nachheriges Kochen in ö0/o Carbollösung, 1%0 Sublimatwasser etc. sterilisiren.
Metalldl'ähte (Blei- oder Silberdrähte) dienen fast nur zur Herstellung von Entspannungsnähten (namentlich der Blei-platteunahtj und werden in derselben Weise wie Instrumente desinücirt.
2. Desinfection der Wunde, Trockenlegung derselben, Drainage, Verband.
Alle Wunden, welche der Thierarzt nicht absichtlich, und zwar unter den früher erwähnten Vorsichtsmassregeln, hervor­gerufen hat, sind als „inficirtquot; zu betrachten, und man hat in erster Linie daran zu denken, die in ihnen befindlichen Mikroben unschädlich zu machen.
Es kann dies auf doppelte Art geschehen:
1.nbsp; dadurch, dass man die Bakterien direct tödtet (Des­infection der Wunde), oder
2.nbsp; dadurch, dass man den Bakterien die Stoffe entzieht, welche sie zu ihrer Ernährung und Vermehrung bedürfen (Trockenlegung der Wunde).
Daneben hat man Sorge zu tragen, dass die heilende Wunde nicht von Neuem durch Bakterien verunreinigt wird (Verband der Wunde).
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64nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
Dem ersteren Zwecke dienen die auf den Seiten 26 bis 50 besprochenen Desinficientien, den letzteren beiden Zwecken die exakte Blutstillung, die aufsaugenden Verbandstoffe, die Wunddrainage und in gewissen Beziehungen auch das Jodoform und seine Ersatzmittel.
a)nbsp; Von den Desinficientien benutzt man besonders 10/09 Sublimatlösungen, l0/0 Lysol- oder 50/0 Carbolsäurelösungen (siehe auch Seite öl) oder 2—30/0 Creolinemulsionen, welche man mittels des Irrigators über die Wunde „rieselnquot; lässt, aus­nahmsweise auch mit der Wundspritze in die Winkel, Buchten und Kanäle der Wunde spritzt (siehe Seite 60). Seltener ver­wendet man kräftig „autiseptischquot; wirkende Pulver, z. B. Bor-creolin (1 Creolin, 30—50 Borsäure) oder Salicylsäure, mit denen man die eiternde oder jauchende Wunde bestreut oder „austamponirtquot; (siehe später).
b)nbsp; Die genaue IJlutstiiluug ist, abgesehen von der Ver­hütung acuter Anaemie, deshalb am Platze, weil das in die Wunde sich ergiessende Blut sowohl ein Hinderniss für die schnelle Vereinigung der Wundüächen bieten, als auch einen guten Nährboden für Bakterien abgeben würde. Auf die ein­zelnen Formen der Blutstillung (die beste ist zweifellos die Ligatur des blutenden Gefässes!) kann in diesem Buche nicht eingegangen werden.
c)nbsp; Die aufsaugenden Verbandstoffe (der Wundverband) sollen nicht nur dazu dienen, die Wundsecrete energisch aufzu­saugen und so durch „Trockenlegungquot; der Wunde den Mikroben das zu ihrer Vegetation nöthige eiweissreiche Secret zu entziehen, sondern auch dazu, die Wunde vor der Invasion neuer Mikroben von aussen (z. B. durch die Luft) zu schützen. Zugleich ist es wünschenswerth, dass im Verbandmaterial Stoffe enthalten sind, welche selbst sehr grosse Mengen der in den Verband eingesogenen Wundsecrete sofort sicher zu sterilisiren vermögen. Die Verbandstoffe müssen demnach nicht nur„a s eptischquot;, sondern auch durch Imprägnirung mit Desinficientien „antiseptischquot; sein und daneben ein grosses Absorptionsvermögen für Flüssigkeiten besitzen. Zugleich legt man neuerdings einen grossen Werth darauf dass sie für die Luft durchgängig sind, weil, ab­gesehen von den früher mitgetheilten Gründen, gerade die bös­artigsten Bakterien anaerob sind, d. h. bei Anwesenheit von Luftsauerstoff nicht zu existiren vermögen.
Am gebräuchlichsten ist die Imprägnirung der Verbandstoffe mit Sublimat, Carbolsäure, Salicylsäure oder Jodoform.
Behufs Imprägnirung mit Sublimat verfährt man am besten nach der von Löffler gegebenen Anweisung: 50,0 Sublimat, 6500.0 Spiritus
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Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 65
7500,0 Wasser, 1000,0 Glycerin, 0,5 Fuchsin werden gemischt und gelöst. Die Verbandstoffe (z. B. 400 m entfettete Gaze) werden mit der Flüssigkeit getränkt, dann ausgepresst und getrocknet.
Eine Imprägnirnng mit Carbolsäure kann z. B. nach der Vor-schrift^jon Bruns vorgenommen werden: 120,0 Carbolsäure, 480,0 Colo-phonium, 50,0 Ricinusöl, 850 0 Spiritus werden gemischt und gelöst. Die Verbandstoffe (z. ß. 22—25 m entfettete Gaze oder 1000,0 Watte) werden mit der warmen Flüssigkeit getränkt, ausgepresst und bei sehr massiger Wärme soweit getrocknet, dass lediglich der Spiritus grösstentheils sich verflüchtigt. Die Verbandstoffe enthalten ungefähr 100/o Carbolsäure.
Mit Salicylsäure imprägnirte Verbandstoffe stellt man sich z. B. nach Thiersch her: 60,0 Salicylsäure werden in einem Gemisch von 10,0 Glycerin, 430,0 Spiritus und 2500,0 heissem Wasser gelöst. Die Verband­stoffe (z B. 1000,0 Watte oder 22—25 m entfettete Gaze) werden mit der Flüssigkeit getränkt, massig ausgepresst und bei 25 - 30deg; getrocknet. Der Gehalt an Salicylsäure beträgt etwa 4%.
Jodoformhaltige Verbandstoffe werden am besten nach Mosetig bereitet: Man löst 100 Gramm Jodoform in 700 Gramm Aether und 700 Gramm Spiritus; die Verbandstoffe (z. B. 22—25 m entfettete Gaze) wer­den damit bei Lichtabschluss getränkt, in Pergamentpapier gepackt, einige Stunden mit Gewichten beschwert und bei gewöhnlicher Temperatur ge­trocknet.
Die in dieser oder ähnlicher Weise imprägnirten Verbandstoffe sind durch den Handel — durch Apotheken etc. — zu beziehen, allerdings aber auch wesentlich theurer als die nicht imprägnirten Verbandstoffe Wenn der Thierarzt aus Billigkeitsrücksichten mit letzteren arbeiten will, so kann er so verfahren, dass er sie vor ihrer Verwendung in Sublimatlösung, Carbolwasser etc. legt, nach einiger Zeit gut ausdrückt und nass anlegt. Am warmen Thierkörper wird der Verband schnell trocken!
Für thierärztliche Zwecke können folgende Verbandstoffe Anwendung finden:
1.nbsp; Gereinigte Baumwolle (gereinigte Baumwollwatte entfettete Watte, Charpie-Baumwolle, Wundwatte, Verband­watte, hydrophile Verbandwatte, hygroskopische Watte, Gossy-pium depuratum). Die Verbandwatte besteht aus den weissen entfetteten Haaren von Gossypium herbaceum, soll in Wasser sofort untersinken und besitzt ein sehr hohes Aufsaug­ungsvermögen für Flüssigkeiten. Aus ihr werden die zahlreichen antiseptischen Verbandwatten, z. B. Carbol-, Salicyl-, Jodoform-, Thymolwatte etc., bereitet. Preis der Verband-Baumwolle (secunda Qualität) pro Kilo 2 Mark 80 Pfg.; der Carbolbaum-wolle 5 Mark 30 Pfg.; der Sublimatbaumwolle 5 Mark 10 Pfg.; der Salicylsäurebaumwolle 5 Mark 80 Pfg. etc.
2.nbsp; nbsp;Mull (entfetteter Mull, Verbandmull, Verbandgaze, Weichgaze, hydrophiler Verbandstoff). Mull ist aus Baumwolle gewebt, sinkt in Wasser schnell unter, besitzt nahezu dieselben hydrophilen Eigenschaften wie Baumwolle und ist namentlich
Die Preise der Verbandstoffe sind nach der Preislistö der Verband-stofffabrik ran Faul Hartmann in Heidenheim a. B. angegeben worden.
Mttller, die thierärztl. Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
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66nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
zur Bedeckung genähter Wunden geeignet. Preis des nicht imprägnirten Verbandmulls pro Meter je nach der Fadenstärke 21—25 Pfg.; der Carbolgaze 30 Pfg.; der Sublimatgaze 30 Pfg.; der Salicylsauregaze 34 Pfg.; der Jodoformgaze 1 Mark etc. |
3.nbsp; Flachs (Werg, Hede, Stuppa). Man bezeichnet so die Bastfasern mehrerer Varietäten von Linum usitatissimum. Das Aufsaugungsvermögen des Flachses für Flüssigkeiten ist sehr gering; Sterilisation lässt sich nach Mackusch in a und Ganswindt durch 3 Stunden langes Kochen in Lauge, daran schliessend 8—10 Stunden langes Maceriren in derselben und hierauf Waschen uöd Trocknen erzielen. Viel empfehlens-werther, allerdings auch etwas theurer (Preis pro Kilo 3 Mark) ist die von Tillmanns empfohlene, von Flinsch in Leipzig fabricirte aseptische Verband wolle, welche ein tüllähn­liches Aussehen besitzt und sehr grosse Mengen von Flüssigkeit in sich aufzunehmen vermag.
4.nbsp; Hanf (Hanfwerg, Stuppa). Hanf besteht aus den Bast­fasern von Cannabis sativa und besitzt im Grossen und Ganzen dieselben Eigenschaften wie Flachs. Aus alten Schiffs-tauen wird das Oacum hergestellt, welches ein nur geringes Aufsaugungsvermögen besitzt und zudem hart und unschmieg­sam ist.
5.nbsp; Jute (Rohjute, Verbandjute). Jute, d. h. die Bast­fasern von verschiedenen Cor chorus species, hat in der Veteri­närchirurgie die Flachs- und Hanfpräparate fast völlig verdrängt, besitzt etwa das geringe Aufsaugungsvermögen des Wergs, mit dem sie auch die Härte und Unschmiegsamkeit gemeinsam hat. Jute kommt namentlich mit Carbolsäure imprägnirt in den Handel und sollte mehr als Polsterungs- und Ausfüllungsmittel, als zum directen Wundverband benutzt werden. Preis der ge­reinigten, nicht imprägnirten Verbandjute pro Kilo 90 Pfg., der Carboljute 2—3 Mark, der Sublimatjute 3 Mark.
6.nbsp; Holzpräparate (Sägemehl, Holzwolle, Holzwollpappe, Holzfasercharpie, Holzfilz, namentlich aber Cellulosewollwatte [Roennefahrt] und Holzwollwatte, welche letztere zu800/o aus Holzwolle und zu 20% aus entfetteter Watte besteht). Die Holzwollwatte besitzt ein vorzügliches Aufsaugungsvermögen für Flüssigkeiten und ist in fast allen Fällen im Stande, die hydrophile Verbandwatte zu ersetzen. Preis der nicht impräg­nirten Holzwollwatte pro Kilo 2 Mark 15 Pfg., der Sublimat-Holzwollwatte 2 Mark 30 Pfg.
7.nbsp; Moospräparate (Verbandmoos, Moosfilz, Moospappe, Gazemoospappe etc., sämmtlich aus Sphagnum species herge­stellt). Das Absorptionsvermögen der von Saftkanälchen dicht durchzogenen Moospräparate ist überaus gross, doch eignen sich dieselben nur zu bestimmten Zwecken, da sie in der Haupt-
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Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.Sfc^ 67
sache nur in Kissenform, d. h. umhüllt mit Verbandgaze, an­gewendet werden können. Zur directen Bedeckung der Wunde sind- sie kaum passend. Preis des mit '/s'Vo Sublimat prä-parirten Verbandmooses pro Kilo 1 Mark 30 Pfg., der Moos­pappe 2 Mark 30 Pfg. bis 3 Mark.
8. Torfpräparate (Verbandtorf, Torfmull, Torfwolle, Torf). Die Torfpräparate stehen in Bezug auf Aufsaugungs­fähigkeit zum Theil den Holzpräparaten nahe, werden indessen von denselben betreffs der Geschmeidigkeit und Weichheit bei weitem übertroffen. Die Torfwolle hat vor der Jute kaum nennenswerthe Vorzüge.
Ausser den bis jetzt genannten „aufsaugendenquot; Verband­materialien sind hier und da noch in Anwendung gezogen worden: Kapok (Kapokwolle, die Samenhaare von Bombax-arten); Papier (Seidenpapierwolle, Seidenpapiercharpie, Pappe etc.); Penghawar-Djambiwatte (die Haare der Wedel­basen \mA des Stammes verschiedener Cybotiumspecies, mit gewöhnlicher Watte gemengt); Filzschwamm (aus Schafwolle bereitet); Asbestpappe; gesiebte Steinkohlenasche; Brodkrumen; Erde; Kieseiguhr; Glaspulver; Kleie; Lohe; Milchzuckerpulver; Kaffeepulver etc.
Das Aufsaugungsvermögen der gebräuchlicheren Verband-materialen für Blutserum und für defibrinirtes Blut geht aus der auf nächster Seite folgenden Tabelle hervor.*)
Zum Andrücken und Festhalten dieser Verbandstoffe, sowie zur Bedeckung und Feststellung verletzter Köa-pertheile, zur Fixirung von Schienen etc. sind Binden unerlässlich. Man ver­steht darunter Streifen aus Leinwand, Gaze, Wolle oder undurch­lässigen Stoffen, welche je nach der Grosse des zu umwickelnden Körpertheiles und je nach dem Zwecke, den sie erfüllen sollen, eine verschiedene Länge und Breite haben. Unter gewöhnlichen Verhältnissen giebt man den für grössere Hausthiere bestimmten Binden eine Länge von 3—6 m und eine Breite von 6—8 cm.
Die bekannten Binden aus grauer Leinwand sind namentlich im neuen, ungewaschenen Zustande zu hart, legen sich schlecht an und lockern sich leicht, ein Uebelstand, welchem sich auch durch Anfeuchten der Binde vor dem Anlegen nur wenig abhelfen lässt.
*) Zur Feststellung des Aufsaugungsvermögens wurden 10 Gramm des betr. Verbandmittels — so locker, dass dasselbe ungehindert aufquellen konnte, in Gazesäckchen gepackt — 20 Minuten lang in Blutserum oder defibrinirtes Blut getaucht, hierauf 5 Stunden lang in kühlem Kaume zum Abtropfen aufgehangen und nach dieser Zeit gewogen. Die (nach Abzug der von der Gazehülle aufgesogenen Flüssigkeitsmengen) erhaltenen Zahlen finden sich in der Tabelle in runden Summen angegeben.
5*
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68
Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
an Blutserum
an defibrinirtem
Es wurde aufgesogen
in
Blut
von
runder
Summe des
in runder Summe
Gewichts.
des Gewichts.
Moospappe
das
15-fache
das 12-facbe
Verbaudmoos
-
—
- 17 -
Cellulosewollwatte .
-
—
- 15 -
Gereinigter Baumwollwatte
~
10,5 -
- 13 -
Holzfilz ....
10,5 -
- 12,5 -
Holzwolhvatte .
.
10 -
- 14 -
Cellulosewolle (Roennefahrt)
-
—
- 13 -
Holzwolle (Walcher).
_
10 -
- 12 -
Tillmanns'scher Wolle
-
8,5 -
- 11 -
Pen ghawar-Dj ambi-W atte
-
8 -
- 10 -
Holzcharpie
-
8 -
- 6 -
Verbandgaze (Mull) .
-
6,5 -
- 5 -
Gewöhnlicber Watte
-
5 -
—
Torfwolle ....
-
5 -
- 4,5 -
Jute ....
-
5 -
- 4,5 -
Cbarpie
4,5 -
Die Gazebinden, welche tbeils aus appretirter (d. h. gestärkter), theils aus nicht appretirter Gaze bereitet werden, sind den Leinenbinden bei Weitem vorzuziehen. Man pflegt sie vielfach in der Reihenfolge anzulegen, dass man direct auf die Wunde oder auf die dieselbe überdeckende Watte etc. eine trockene Binde aus unappretirter Gaze (Weichgaze, Verband­mull, siehe oben) und über diese eine angefeuchtete appretirte Binde (Hartgaze) legt. Die einzelnen Gänge der letzteren kleben vermöge der an ihnen haftenden Stärke fest aneinander und bilden, getrocknet, eine Art von Kleisterverband.
Den Gazebinden ähnlich, nur aus stärkerem Gewebe her­gestellt und deshalb haltbarer, ist die Cambricbinde, die nur ungestärkt in den Handel kommt, sich mehrmals waschen lässt und sich viel besser an den Körper anschmiegt, als die Leinwandbinde, die sie in allen Fällen vertreten kann.
Die wollene (Flanell-) Binde ist zwar viel dehnbarer und elastischer, als die Leinen- und Cambricbinde, legt sich auch schön an den Körper an, ist aber theuer und kann, da sie zugleich „wärmtquot;, nur in vereinzelten Fällen Anwendung finden.
Binden aus Musselin, Shirting und Calico (Robnessel) finden in der Thierheilkunde keine Verwendung.
Undurchlässige Binden stellt man sich aus Gutta­perchapapier, Macintosh (mit Kautschukmasse bestriche-
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Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;69
nes baumwollenes Gewebe), Oelleinwand, Oeltuch, Scbutz-taffet (erst mit Copallack, dann mit Salicylsäure-Dextrinlösung bestrichenes Seidengewebe), Wachsleinwand oder Wachs-taffet her. In Einzelfällen sind auch Gypsbinden, Wasser­glasbinden, Tripolithbinden, Kleister bin den, Harz­binden oder Theerbinden am Platze (weiteres darüber ist in der Chirurgie von Stockfleth, Band I. nachzulesen).
Anmerkung. Verfasser möchte nicht unterlassen, an dieser Stelle auf die von Dr. Breiger zunächst für humanchirurgische Zwecke empfohle­nen Gypswatteschienen aufmerksam zu machen. Dieselben sind aller­dings bei Verletzungen nicht geeignet, lassen sich aber zum Frac-turenverband und zur Fixation von Gelenken bei Distorsionen, Subluxa-tionen etc. z. B. am Fesselgelenk des Pferdes mit sehr gutem Erfolge be­nutzen und werden von der Verbandstoff-Fabrik Lyding und Reinhard in Osterode a. H. durch Verarbeitung feinsten, festgebrannten Verband-gypses mit chemisch reiner, wasserziehender Verbandwatte hergestellt. Man bedarf in der Regel zweier Schienen, die man zunächst in aufgerolltem Zustande in ein flaches Gefäss mit kaltem Wasser legt und sich vollsaugen lässt, hierauf ausdrückt und nunmehr durch eine Leinen- oder Cambric-binde — z. B. die eine Schiene dorsal-, die andere volarwärts vom Fessel­gelenk — an der Extremität fixirt. Die Schienen schmiegen sich, jeder Gelenkbiegung folgend, so gut wie kein anderes Schienenmaterial an, er­härten schnell und bilden schliesslich eine überaus feste, dabei leichte und nicht drückende Kapsel, die sich durch Abwickeln der Binde sofort entfernen lässt.
d) Die Wiinddraluage dient zur Ableitung der Wundsecrete theils in den die Wunde bedeckenden aufsaugenden Verband­stoff, theils direct nach aussen. Man verwendet dazu nament­lich durchlöcherte Kautschukröhren (Kautschukdrains), welche man mit Hülfe der Hand, einer Oehrsonde oder einer geeigneten Zange an den abhängigsten Stellen der Wunde anbringt und theils durch Knebel, theils durch directes Anheften an den einen Wundrand am Herausfallen hindert. (Fig. 6a). Bis zu ihrem Gebrauche werden die Drains in 5quot;/0 Carbol- oder 10I00 Sublimatlösung aufbewahrt.
Die reizende Wirkung dieser Gummidrains auf die Wunde, die Beobachtung, dass nach ihrer Herausnahme nicht selten schwer heilbare „Fistelkanälequot; resultiren, und schliesslich die Thatsache, dass man sie schon vor der definitiven Heilung entfernen muss, haben dazu geführt, dass manche Humanchirurgen bei frischen (aseptischen) Wunden mit Hohlräumen entweder resorbirbare Drains (Knochendrains, d. h. Röhren aus decalcinirter Knochen­substanz, Zöpfe aus Catgut etc.) einlegen oder die Drainage völlig weglassen und die Wunde in ihrer ganzen Ausdehnung durch „verlorenequot; Catgutnähte von Grund aus vereinigen. Leider ist diese letztere Behandlung nur in Spitälern und auch dann nur an wenigen Stellen des Thierkörpers anwendbar, da man bei der geringsten Unregelmässigkeit des antiseptischen Apparates
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70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
Secretverhaltung in der Tiefe zu emarten hat. Für den praktischen Thierarzt ist demnach das Festhalten an der Drainage wenigstens bei grösseren Wunden (siehe später) unerlässlich!
Fig. 6b.
Zange zum Durchlöchern
der Kautschukdrains.
Fig 6a.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fig. 6c.
Drainrohr aus Kautschuk,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Lister's Drainzange.
Unter Umständen kann man übrigens an Stelle der Gummi-drains Zöpfe aus Seide oder Rosshaaren (siehe Seite 63) anwenden, oder man kann bei kleineren Wunden, die der prima intentio zugänglich sind, dort, wo man Drains zu placiren haben würde, offene Stellen in der jSTahtlinie (sogenannte Drainlücken) lassen, welche in der Eegel ebenso schnell heilen, wie die Naht­linie selbst, und, insofern nur für einen guten „hydrophilenquot; Verband gesorgt wird, die Gefahr der Secretretention sicher ausscliliessen.
Eine besondere Art der Trockenlegung bez. des Verbandes namentlich von frischen Flächenminden besteht darin, dass auf der Wunde durch antiseptische austrocknende Streupulver (Jodoform, Jodoform­tannin, Jodoformzucker, Sulfaminol. Zinkoxyd etc.), oder durch gelinde Aetzmittel (Silbernitrat, Alaun, Eisenchlorid etc.), oder durch „üeber-fahrenquot; mit dem Brenneisen (Thermocauter), oder schliesslich durch Be­streichen mit antiseptischem Collodium, antiseptischer Gelatine oder dem Pyoktaninstift eine Decke gebildet wird, unter welcher die Heilung schnell vor sich gehen kann. (Heilung unter dem trockenen Schorf; siehe später.)
ocr page 85
IV.
Praxis der thierärztlichen AVundbehandlung:.
Der Wundverlauf ist je nach der Form der quot;Wunde, sowie danach, ob letztere von Anfang an einer regelrechten Behand­lung unterzogen oder sich selbst überlassen bez. unzweckmässig behandelt wurde, ein überaus verschiedener. Trotzdem kann man (vom rein praktischen Standpunkte aus) drei Heilungsformen unterscheiden: die Heilung durch die erste Vereinigung, die Heilung mit Eiterung und die Heilung unter dem Schorf.
Form I. Die Hcilnng durch erste Vereinigung ist nur dann zu erwarten, wenn die Wundränder glatt und scharf sind und nicht klaffen, d. h. durch Nähte, Verbände etc. einander genähert werden können. Es wird sich somit bei den Hausthieren fast ausschliesslich um frische Operationswunden handeln, deren Lappen durch die blutige Naht vereinigt wurden, und nur vereinzelt wird man auch ohne derartige Hilfsmittel Primärheilung bei kleinen Hieb- und Schnittwunden, namentlich am Kopfe, zu Stande kommen sehen.
Makroskopisch beobachtet geht der Heilungsvorgang bei solchen Wunden so vor sich, dass die Wundflächen schnell aneinander kleben und schon nach 24 Stunden nur durch Anwendung massiger Gewalt getrennt werden können. Die Wunde ist von einem schmalen, dünnen Blutschorf bedeckt, ihre Ränder erscheinen normal oder nur sehr wenig geschwellt und geröthet. Nach ungefähr fünf Tagen fällt der Schorf ab, und man sieht eine massig vertiefte, blassrothliche Narbe, welche allmählich abblasstund sich schliess-lich kaum noch von ihrer Umgebung unterscheiden lässt.
Form II. Die Heilung mit Eiterung tritt dann ein, wenn eine an sich der Heilung durch erste Vereinigung zugängliche Wunde sich selbst überlassen bleibt oder in unzweckmässiger Weise, z. ß. durch Heften und Verbinden ohne Berücksichtigung der im vorigen Abschnitt angegebenen Regeln, behandelt wird,laquo; ferner bei allen Bisswunden und den meisten Quetsch- und Risswunden (siehe später). Wird eine solche Wunde vom Patienten nicht abgeleckt, oder wird sie nicht häufig mit Wasser gereinigt, so bedeckt sie sich schnell durch Eintrocknung von Blut und Lymphe mit einer m. o. w. dicken, roth- bis schwarzbraunen Kruste, welche die weiteren Veränderungen in der Wunde dem Auge des Beobachters entzieht. Trifft indessen diese Voraussetzung nicht zu, so kann man beobachten, dass sich innerhalb der ersten 24 Stunden lediglich eine wässerig-blutige Flüssig­keit in massiger Menge absondert. Nach dieser Zeit bedeckt sich die Wunde mit einem schleierartigen grauen üeberzug, die Absonderung wird reichlicher und dicker, nicht selten übelriechend, grauroth bis graugelb-roth, schliesslich reingelb (Eiter), die Ränder der Wunde schwellen an, röthen sich, der graue Belag des Wundgrundes stösst sich in Fetzen los
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72nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung.
und wird vom Eiter weggespült (die Wunde reinigt sich). Vom zweiten bis vierten Tage an erheben sich aus dem Boden der Wunde kleine rothe Knöpfchen (Granulationen), welche, an Menge zunehmend, schliess-lich den Defect bis zum Hautniveau oder etwas darüber hinaus anfüllen.
Nunmehr beginnt die bis dahin äusserst lebhafte Absonderung von Eiter, in dem sich ebenso wie in den oberflächlichsten Granulationsschichten Unmassen von Eitercoccen befinden, nachzulassen, und es tritt „Ueber­bau tun gquot; ein, d. h. vom benachbarten Epithelrande schiebt sich ein immer breiter werdender Narbensaum über die Granulationsfläche vor, wobei zugleich eine kräftige Schrumpfung des Granulationsgewebes, d. h. eine Heranziehimg der Hautränder von allen Seiten her, erfolgt (Narben-retraction). Schliesslich resultirt eine weissgraue, etwas vertiefte Narbe, welche wesentlich dicker, breiter, unförmlicher ist, als die Narben der ersten Vereinigung.
Form III. Die Heilung unter dem Schorf kommt in zwei For­men vor, als Heilung unter dem trockenen Schorf und als solche unter dem feuchten Schorf.
Die Heilung unter dem trockenen Schorf wird bei den Haus-thieren (abgesehen von den Vögeln, bei denen sie die Kegel bildet) unter gewöhnlichen Verhältnissen nur bei kleinen, der Verunreinigung und (bei gewissen Thieren) dem Belecktwerden entzogenen Verwundungen, namentlich Excoriationen, Aetzungen und sehr kleinen Schnittwunden be­obachtet, kann aber bei allen flachen Wunden leicht dadurch vom Chirur­gen provocirt werden, dass er dieselben mit „austrocknendenquot; antiseptischen Pulvern, Borcreolin (siehe Seite 29), Jodoform, Jodoformtannin, Dermatol, Sulfaminol etc. bestreut, oder mit dem Pyoktanin-fMethylviolett-)stiftüberstreicht, oder mit an ti septischem C oll odium (besonders Jodoformcollodium) oder der mehrfach genannten Sublimat-glyceringelatine überzieht, oder mittels des Thermocaute rs (zur Noth auch des gewöhnlichen Brenneisens) überfährt. Es bildet sich dann ein Sehorf (auch für die Collodium-Pyoktanin- oder Leimdecke ist der Name „Schorf gebräuchlich), welcher auf seiner Unterlage so fest haftet, dass er nur mit grosser Gewalt und unter erneuter Blutung entfernt werden kann. Lässt man ihn sitzen und schützt ihn zugleich vor jedweden Insulten seitens des Patienten etc., so fällt er, je nach der Grosse der Wunde, nach unge­fähr 8—14 Tagen von selbst ab, und man erblickt eine zunächst geröthete und wenig widerstandsfähige, bald aber abblassende und derb werdende Narbe. Löst sich der Schorf durch Abkratzen oder sonst welche anderen Ursachen zu früh, so findet man gewöhnlich straffe, rothe Granulationen, welche von einem weissen NarbenwalJ umgeben sind.
Die Heilung unter dem feuchten Schorf oder, zutreffender aus­gedrückt, mit aseptischem Blutgerinnsel lässt sich nur durch die antiseptische Wundbehandlungsmethode erzielen. Wenn man nämlich (nach Schede) eine auf operativem Wege entstandene, völlig reine, noch schwach blutende Höhlenwunde durch die Verdunstung hindernden Gummi­stoff und (darüber) einen streng antiseptischen Verband sicher nach aussen abschliesst, so füllt sich die Höhle mit Blut, welches gerinnt. Hierauf wird nach und nach das so entstandene, bis zum Hautniveau heran­reichende Coagulum von innen her, d. h. durch die andrängenden Granula­tionen, verdrängt, gewissermassen „verzehrtquot;, während es in Folge der Ver­änderungen des Blutfarbstoffes einen Farbenwechsel vom Dunkelschwarzr roth bis zum Gelb erleidet.
Leider wird der Thierarzt mit Rücksicht auf die ungeheuere Schwierige keit, buchtige Operationswunden (wenigstens der grösseren Hausthiere!) bis-zur Anlage eines Verbandes „mit völliger Sicherheitquot; keimfrei zu er­halten, auf diese Heilung unter dem feuchten Schorf verzichten müssen. Dagegen kann er sich in vielen Fällen eines andern Heilnngsmodus be-
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Theorie und Praxis der thierärztlichen Wundbehandlung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 73
dienen, der, in der Mitte zwischen trockener und feuchter Schorfheilung stehend, am besten als
Heilung unter dem antiseptischen Tampon bezeichnet werden kann. Die Stelle des trockenen oder feuchten Schorfes übernimmt in der nicht mehr blutenden, von vornherein aseptischen oder sonst gründlichst desinficirten, nur massig vertieften Wunde ein Tampon aus Jodoform­mull (oder auch nur ein mit Jodoform bepuderter Bausch aus antisepti­scher Verbandwatte), der schnell „anbäcktquot; und in derselben Weise, wie sich der Defect r ausfülltquot;, emporgehoben wird. Natürlich ist auch hier ein antiseptischer (Dauer-) Verband unerlässlich, während die Heilung unter dem trockenen Schorf an dazu geeigneten Körperstellen auch ohne Ver­band bewerkstelligt werden kann. Zu den Wunden, die sich auf diese Weise heilen lassen, gehören z. B., wenn auch nicht im strengsten Sinne, die nach der Hufknorpelexstirpation zurückbleibenden. Die Wundhöhle wird mit einem oder mehreren antiseptischen Tampons ausgefüllt und durch einen antiseptischen Verband von aussen abgeschlossen. Allerdings kann man in diesem Falle den Tampon nicht bis zur beendeten Heilung liegen lassen, sondern muss ihn, je nachdem, alle i—7 Tage erneuern, und es bedarf kaum des Hinweises, dass mit dem Fortschreiten der Granulation der Umfang des in die Höhle gelegten Tampons ein geringerer werden muss, um Kaum für die aufschiessenden Granulationsmassen zu schaffen.
Es unterscheidet sich die Heilung unter dem Schorf, gleichgültig, ob derselbe feucht oder trocken ist oder durch einen Tampon vertreten wird, von derjenigen mit Eiterung dadurch, dass der fortwährende Verlust an Zellen, welche durch die Eiterung für den Gewebsbau verloren gehen, fehlt und dass die infolge der Verletzung abgestorbeneh Gewebselemente nicht in sichtbarer Weise (durch Eiterung) losgestossen werden, sondern zunächst dem moleculären Zerfall, dann der Aufsaugung anheimfallen. Allerdings ist jedem praktischen Chirurgen bekannt, dass die Granulationsbildung und dementsprechend auch die Vernarbung namentlich unter dem feuchten Schorf sehr viel langsamer vor sich geht, als wenn man die Wunde mit Eiter­ung heilen lässt.
Man wird mit Rücksicht auf das bisher Mitgetheilte eine Wunde in folgender Weise zu behandeln haben:
I.nbsp; Zunächst ist die Blntnng zu stillen. Betreffs der dazu erforderlichen Massnahmen muss auf den I. Band der Stock-fleth'schen Chirurgie, Seite 69 verwiesen werden, doch sei hier wenigstens hervorgehoben, dass der beste Weg der Blutstillung die Unterbindung ist und dass dieselbe auch bei Wunden, die unter einem „Dauerverbandquot; (siehe später) heilen sollen^ durch aseptische S eide ausgeführt werden kann (siehe Seite 62).
II.nbsp; Wunden, welche die Heilung durch erste Vereinig­ung zulassen, z. B. alle Operationswunden, deren Ränder einander genähert werden können, doch auch viele nicht vom Operateur hervorgerufene Stich-, Hieb- und Schnitt­wunden, deren Desinfection leicht und ausgiebig be­wirkt werden kann, hat man sammt ihrer Umgebung zu­nächst nach der auf den Seiten 59 bis 63 angegebenen Weise zu desinficiren, und dann erst folgt die Naht. Man wählt in der Begel die Knopf- oder fortlaufende (Kürschner-) Naht mit
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aseptischer Seide, unter Umständen mit irgend einer Form der Entspannungsnähte (namentlich der in der Neuzeit sehr helieb-ten Bleiplattennaht).
a)nbsp; Bei kleineren Wunden, namentlich solchen mit fester Unterlage (z. B. am Kopf, am Mittelfuss, an der Rippen­wand), ist, insofern nur die Blutstillung in exacter quot;Weise be­wirkt worden war, das Einlegen von Drains völlig entbehrlich, oder dieselben können durch sogenannte Drainlücken (siehe Seite 70) ersetzt werden. Nach Anlegen der Naht wird die Wunde mittels eines Tupfers einige Minuten fest comprimirt und hierauf weit über ihre Ränder hinaus mit antiseptischem (Jodo­form-) Collodium (von manchen Thierärzten auch mit Sublimat­gelatine [siebe später] oder Sublimatsalbe [1:100]) überstrichen. Hoff mann sucht dem Collodiumüberzug dadurch grössere Festigkeit zu verleihen, dass er Verbandwatte in fein geschnitte­nen Partikelchen zwischen streut. Sollte Blut durch die Collo-diumdecke sickern, so muss man so lange, als dies stattfindet, immer von Neuem Collodium aufpinseln.
b)nbsp; nbsp;Bei grösseren Wunden mit weicherer Unterlage ist es im Allgemeinen nicht rätblich, auf die Drainage zu ver­zichten. Man legt an dem oder den abhängigsten Punkten der Wunde nicht zu enge Abtiussrohre aus Kautschuk (siehe Seite 70). die man durch Annähen an den Wundrand nxirt. Unter Umständen kann es geradezu geboten erscheinen, Gegen­öffnungen zu machen, Lappen zu durchstechen etc., um dem Haupterforderniss: Anlegen der Drains an den abhängig­sten Stellen der Wunde, Genüge leisten zu können.
c)nbsp; Bei sehr tiefen, buchtigen Wunden, die man trotz dieser ungünstigen Eigenschaften der Heilung durch erste Vereinigung zuzuführen hofft, kann es nach Befinden nöthig sein, den Defect zunächst mit Jodoformmull oder antisep­tischer Watte auszutamponiren und erst nach 1—2 Tagen mit oder ohne Drainage zu schliessen (antiseptische Tampo-nade mit Secundärnaht).
An Stelle des Collodiumüberzuges treten bei den unter b und c gedachten Wunden in der Regel antiseptische Pulver (Jodoform, Borcreolin, Sulfaminol, Zinkoxyd, Dermatol etc.), die man ziemlich dick auf die Nahtlinie streut.
Mag man nun nach der einen oder andern Weise ge­handelt haben, jedenfalls sollte, wenn die Lage der Wunde es gestattet, ein Dauerverband (bez. Occlusivverband) über die geheftete Wunde bez. den betreffenden Körpertheil gelegt wer­den. Man geht jetzt, wo der Listerverband in seiner ursprüng­lichen Form längst als unpraktisch, ja unter Umständen geradezu als schädlich erkannt worden ist, in der Regel so vor, dass man
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die Nahtlinie mit mehrfach zusammengelegten aseptischem oder antiseptischem Mull oder statt dessen mit antiseptischer Watte bedeckt, darüber zunächst eine trockene antiseptische Mullbinde und über diese eine mit Wasser (Carbolwasser, Subli­matlösung etc.) angefeuchtete, stark appretirte Gazebinde legt. Unter Umständen kann es auch geboten erscheinen, durch einen sehr dünnen Gypsbreianstrich für grössere Halt­barkeit des Ganzen Sorge zu tragen.
Bei Verwendung von nicht imprägnirten Verbandstoffen kann man auch so verfahren, dass man sowohl das die Wunde direct bedeckende Material als die Binden kurz vor ihrer Ver­wendung mittels antiseptischer Lösungen tränkt, gut ausdrückt und in feuchtem Zustande anlegt. An Stelle der Gazebinden können dann auch Cambric- oder Leinwandbinden benutzt werden.
Bei den unter a erwähnten Wunden pflegt man den Ver­band bis zur Vollendung der Heilung, also etwa eine Woche, liegen zu lassen. Bei drainirten Wunden (b und c) ist es rathsam, den Verband schon nach wenigen Tagen zu wechseln, theils um das durchfeuchtete Verbandmaterial durch neues zu ersetzen, theils um die Drains zu entfernen, da dieselben nur solange in der Wunde verbleiben dürfen, als es unbedingt nothwendig ist. Uebrigens bat der Verbandwechsel — ohne Kücksicht auf das soeben Mitgetheilte — dann stattzufinden, wenn 1) eine nennenswerthe Tempera­turerhöhung eingetreten und nicht als der Ausdruck eines „aseptischenquot; Wundfiebers (siehe Seite 14) zu betrachten ist, 2) der Verband sich verschoben und gelockert hat, 3) der­selbe von Wundsecret durchfeuchtet ist (letzteres also „durchschlägtquot;).
III. Bei Wunden, deren Heilung unter dem trockenen Sehorf möglich ist (siehe Seite 72) pflegt man meist folgende Behandlung einzuleiten; Nach gründlicher Desinfection der Wunde und ihrer Umgebung erzeugt man durch ätzende oder stark schrumpfende Mittel (namentlich Silbernitrat,Eisen-chlorid, Alaun, Jodoformtannin, Jodoformzucker [1: 20], Salicyl-säure etc.; siehe Seite quot;72) oder durch das Glüheisen einen künstlichen Schorf, oder man überzieht die Wunde dick mit Jodoformcollodium (1: 10) oder mit Sublimatglycerin-gelatine. Letztere, welche vor einigen Jahren viel mehr als jetzt im Gebrauch war, kann man sich nach Frick in der Weise herstellen, dass man Gelatine oder besseren Leim bei massiger Wärme in einer möglichst kleinen Menge 1deg;/,, Subli­matwassers löst und dem so entstandenen Leim 50/0 Glycerin zusetzt. Bei der Anwendung wird das Präparat über gelindem
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Feuer oder im Wasserbad geschmolzen und mittels eines Pinsels auf die betreffende Stelle aufgetragen. Fast noch schneller, als unter dem Jodoform- oder Leimüberzug, geht die Heilung unbedeutenderer Flächenwunden unter der Pyoktanindecke (dem „Pyoktaninschorfquot;) vor sich. Die Wunde wird mit dem angefeuchteten Anilinstift so lange überfahren, bis sich eine dicke, dunkelviolette Decke gebildet hat.
Collodium, Sublimatgelatine und besonders der Pyoktanin-stift sind bei jenen Excoriationen, welche im Felde und im Manöver so überaus häufig vorkommen, durchaus zu empfehlen.
Ein quot;Verband wird bei der trockenen Schorfbehandlung in der Regel nicht angelegt; die Losstossung des Schorfes über-lässt man der Natur.
IV.nbsp; Wunden, welche unter dein antiseptischen Tampon heilen sollen (siehe Seite 73) füllt man nach genauer Blut­stillung durch Unterbindung, event, nach Entfernung alles nicht mehr lebensfähigen Gewebes mittels des scharfen Löffels, der Scheere etc., sowie nach gründlichster Desinfection und nach Auspuderung mit Jodoform, mit einem oder mehreren Tampons aus Jodoform muH oder (weniger gut) antisept­ischer Watte aus und legt darüber genau in der auf Seite 74 angegebenen Weise einen antiseptischen Dauerverband. Ge­naueste Ueberwachung der Temperatur etc. (siehe Seite 14) ist unerlässlich. Der Verband kann, „wenn alles gut geht,quot; bis zur beendigten Heilung, also je nach der Grosse der Wunde 1—3 Wochen, liegen bleiben (siehe auch Seite 73 und 75).
V.nbsp; Bei Wunden, welche nur mit Eiterung heilen kön­nen (siehe Seite 71) sind Gegenöffnungen anzubringen, nicht lebensfähige Gewebe wegzuschneiden, wegzukratzen oder weg­zubrennen (Thermocauter!), Fremdkörper zu extrahiren, etwaige-Knochensplitter von ihren Verbindungen zu lösen, Drains ein­zulegen etc. Ferner ist die Wunde auf's Gründlichste antisep­tisch zu waschen, zu berieseln oder auszuspritzen, z. B. mittels le/oo Sublimatlösung, 3% Creolinemulsion, 1—20/o Lysollösung etc., im Anschluss daran unter Umständen mit Jodoform, Borcreolin (siehe Seite 29), Salicylsäure oder ähnlichen Pulvern auszupudern oder auch auszntamponiren und entweder offen zu lassen oder durch einen Verband, welcher in der ersten Zeit alle 12 Stunden, später alle 24 Stunden, noch später, d. h. wenn die Wunde sich völlig gereinigt hat und „schönequot; Granu­lationen allenthalben den Grund bedecken, alle 2—3 Tage zu erneuern ist, in der früher angegebenen Weise zu verbinden.
Um Geld zu sparen, kann man an Stelle des Mulls oder
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der Watte fortan wohlfeilere Materialien, z. B. Moos, Sägemehl, Jute, Torfwolle etc., benutzen, doch ist es (mit Aus­nahme der Jute) nicht räthlich, diese Surrogate direct mit der Wunde in Berührung zu bringen. Ein entsprechend grosser kissenförmiger Gazebeutel wird mit einem der genannten Stoffe gefüllt, mit l0/00 Sublimatlösung getränkt oder, wenn impräg-nirtes Material benutzt wird, nur besprengt und hierauf mittels feuchter Binden auf den verwundeten Theil befestigt.
Bei Gelegenheit des Verbandwechsels ist die Desinfection der Wunde in exacter Weise zu wiederholen, wie denn auch bei der offenen Wundbehandlung täglich mindestens zweimal eine Abspülung etc. der Wunde mit antiseptischen Flüssigkeiten vorzunehmen ist.
Bei der Entscheidung, ob in einem gegebenen Falle die Wunde offen zu lassen ist oder nicht, wird man sich in der Hauptsache von der Erwägung leiten lassen:
1)nbsp;dass kein Verband einem schlecht sitzenden, ungenügen­den unter allen Umständen vorzuziehen ist (an manchen Kör­perstellen lässt sich ja überhaupt kein Verband anlegen!);
2)nbsp; dass in der Praxis die häufige Erneuerung antiseptischer Verbände ein ebenso zeitraubendes als kostspieliges Verfah­ren ist;
3)nbsp; dass normal granulirende Wunden mit hinreichendem Eiterabfiuss eines Verbandes in der Regel nicht mehr bedürfen, ja dass ein solcher unter Umständen eine Verzögerung in der Vernarbung derartiger Wunden herbeiführen kann.
Nur bei Wunden an den Unterextremitäten (von der Fusswurzel an abwärts) sollte jedes Be­denken schwinden und mit Rücksicht auf die ge­fahrdrohende Nähe der Stallstreu unter allen Um­ständen ein antiseptischer Verband (siehe auch später) angelegt werden.
Um bei tiefen, nicht sonderlich klaffenden Wunden, die der Heilung ohne Verband zugeführt werden sollen, einen un­gehinderten Luftzutritt zu ermöglichen, kann es sich manchmal empfehlen, sie durch Hefte, die man zu beiden Seiten durch die Wundränder legt und in entsprechender Weise — z. B. bei Halswunden an der 'Mähne, bei Rumpfwunden am Gurt — befestigt, klaffend zu erhalten (Ue her gang zur trockenen Schorftherapie).
Ein sehr wichtiges Mittel, bei unreinen Wunden die Reinig­ung und Granulationsbildung zu beschleunigen, die Wundnach­barschaft vor der Verjauchung zu schützen und bereits inficirte Gewebe vor dem Untergange zu retten, ist der feuchte Occlusiv-
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verband (antiseptische Priessnitzumschlag), das permanente Wasserbad und die permanente antiseptische Berieselung.
Der feuchte OcclusiTverband besteht darin, dass die Tam­pons und Gazebinden nicht trocken, sondern mit einer anti­septischen Lösung, namentlich 2% essigsaurer Thonerdelösung, concentrirtem Bor- oder Salicylwasser, 0,50/o0 Sublimatlösung oder 2% Creolinemulsion, benetzt über die Wunde gelegt und hierauf mit einemundurchlässigen Stoff, z.B. Wachs-taffet oder Guttaperchapapier, überdeckt werden. Dem Ganzen kann dann durch eine beliebige (Leinen- oder Cam­bric-) Binde grösserer Halt gegeben werden. Allerdings ist die häufige Erneuerung eines solchen Verbandes mit Rücksicht darauf, dass das verwendete Des-infectiousmitt el ziemlich schnell aufgebraucht wird, also immer schwächer wirkt, unerlässlich. Will man diesem Uebelstand aus dem Wege gehen, so empfiehlt sich das von Frick vorgeschlagene Verfahren : den undurch­lässigen Stoff wegzulassen und statt dessen den Verband mehrmals am Tage mit antiseptischen Lösungen — Frick empfiehlt 0,5o/00 Sublimatwasser — zu begiessen.
Das permanente antiseptische Wasserbad ist namentlich bei Eiterungen am Huf, besonders Kronentritten, von bester Wirkung und besteht darin, dass das Bein mit der unver­bundenen Wunde halbe Tage lang in eine warme antisep­tische Flüssigkeit — an der Dresdener Schule wird namentlich 0,5—l0/o Creolinemulsion benutzt — gestellt, in der Zwischen­zeit aber die Wunde in der gewöhnlichen Weise verbunden wird. Man bedarf dazu allerdings schmaler, hoher Eimer und steter Beaufsichtigung des Patienten.
Diese Erfordernisse fallen weg, wenn man (bei Eiterungen am Huf, sowie bei Mauke, besonders Brandmauke) die von Giesecke empfohlenen antiseptischen Kataplasmen an­wendet. Fein zerklopfter Leinkuchen wird mit kochendem 30/0 Creolinwasser zu einem dicken Brei angerührt, nach ent­sprechender Abkühlung mittels eines in Sublimat- oder Carbol-wasser getränkten Leinwandlappens um den Huf geschlagen und mehrere Stunden bis Tage liegen gelassen. Bei längerem Liegen ist wiederholtes Anfeuchten mit Creolinwasser (oder irgend einem andern gleichwerthigen Desinficienz) unerläss­lich. Es dürften sich derartige Kataplasmen, bei denen übrigens an Stelle des Leinkuchens auch Holzwolle, Moos, Torfwolle und dergl. (siehe Seite 66) Verwendung finden können, namentlich dort empfehlen, wo eine Garantie für die genaue Durchführung des permanenten Bades nicht gegeben ist.
Die permanente antiseptische Berieselung ist ein wund­reinigendes und granulationsbeförderndes Mittel ersten Ranges,
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welches an allen Körperstellen, an denen sich ein Irrigations­schlauch befestigen lasst, angewendet werden kann, meist aber nur bei inficirten eindringenden Gele nkwunden grosser Haustbiere, namentlich den gefürchteten Mistgabel-Sprung-gelenkswunden, sowie bei inficirten Sebnenscheidenwunden in Gebrauch ist. Man kann den ersten besten, für gewöhnlich zum „Kühlenquot; dienenden Berieselungsapparat verwenden, jedoch mit dem Unterschiede, dass man ihn nicht mit kaltem Wasser, sondern mit einer lauwarmen antiseptischen Flüssigkeit — aus Billigkeitsrücksichten empfiehlt sich namentlich 0,20/00 Sublimat-solution — beschickt. Durch tagelange Berieselung des vorher mit warmem Wasser und Seife gründlichst gereinigten Gelenkes und, nachdem die Wunde sich geschlossen hat, durch Einreib­ung einer scharfen Salbe auf dasselbe (Lorenz) wird man in manchen Fällen eine Heilung erzielen können.
Das bis jetzt geschilderte Verfahren der Wundbehandlung erleidet nicht unerhebliche Abänderungen, wenn neben der Weichtheilwunde noch ein Knochenbruch vorliegt, wenn man es also mit einer complicirten Fractur zu thun hat. Es bandelt sich in solchen Fällen darum 1) die Bruchstücke während der Heilungsdauer in fester Stellung zu einander zu erhalten, und 2) die Wunde antiseptisch zu behandeln. Im Grossen und Ganzen wird man complicirte Fracturen nur bei Hunden und Katzen, allenfalls auch bei Schafen, Ziegen und Fohlen iji Behandlung nehmen; die anderen Haustbiere wird man als „unheilbarquot; tödten lassen. Verfasser hat mit Rücksicht darauf in Folgendem auch nur diejenigen zwei Behandlungs­methoden beschrieben, die bei kleineren Hausthieren Anwendung finden können.
Bei ganz frischen Brüchen, bei denen lediglich eine unbedeutende Hautwunde vorliegt und der Knochen einfach durchbrochen ist, bedeckt man die Wunde nach vorheriger gründlichster Desinfection, sowie nach „Einrichtungquot; des Bruches, mit dem auf Seite 74 geschilderten antiseptischen Dauerverband (also z. B. mit Jodoformpulver und mehreren Touren Sublimatgaze) und legt darüber einen geschlossenen Gypsverband (siehe Stockfleth's Chirurgie, Bandl, Seite 434), den man bis zur Heilung der Fractur, also einige Wochen, liegen lässt.
Bei allen älteren complicirten Brüchen und ausnahms­los dann, wenn dieWeichtbeilwunde bis zur Knochen-
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wunde reicht, muss man einen sogenannten gefensterten Gyps verband herstellen. Nach energischer Desinfection etc. der Wunde wird der Ort derselben durch einen festgewickelten, etwas promenirenden Wattebausch kenntlich gemacht und nun­mehr in der gewöhnlichen Weise ein Gypsverband angelegt. 1st derselbe nahezu oder völlig erhärtet, so schneidet man mittels eines Einnmessers das Fenster heraus und bestreicht die Ränder desselben mit Gypsbrei, nach Befinden auch noch mit einer Lösung von Dammarharz in Aether, um das Eindringen vonWund-secreten in oder unter den Verband zu verhindern. Es lässt sich nunmehr bequem die Wunde behandeln, z. B. auch mit einem antiseptischen Verband überdecken, ohne dass die Knochen­enden aussei- Berührung miteinander kommen.
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ohiniiques, Armales do Iinstitut Pastom- Tlaquo;laquo;s \r o ti
Jodqfoipfrage, Langonbeck' Archiv Band 11' mlf ^Mt6T\ .dc'TTZur
die antiseptisclie AVirkuuo- des Cldm^fif. 'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;\\ Sa,kowski, Ueber
1891, Seite 100. S,^^ ^quot;J^'^^Jquot; ^^ärkunde ische Wochenschrift 1888 \r 47 s e nT ^f™1?-' ^^laquo;ier medicin-
1 und 2. Stil]üig inüi4-bsttt^l /r khmso]l0 Medicin 1890, Heft in der Praxis, Stras^burg 1890 Der sel^T^f3 T* quot;f0 ^^dnng
Anilinfarben, Berliner klifischo Wo henscL4i890x72f
die Anwendung des Lysols in der tl,t.. . ti- i ' U • !btraubo'^eber
Veterinfekonde 1891. Heft 4 Teree un A f^ F^X^ Zoits^amp; für ärzte, Berlin 1892. TeuTcier Betlaquo;^ ^?P-dV ToxikoloSiü amp;' Thier-Zcitschrift für Hygiene Ämd 9 Hef | ÄknTp' mit.Wass^ampf, ungen in Bezug auf de RuvtVs Tnrlnfn,^ fnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; t, d ßovsing, Bemerk-
Medioin 1888, Seite 569--585 Tnl^Tf^fTlaquo;011' Fortschritte der Münehoner medicinische wfoWhrift ^87^1deg; if^ f*^™^ Lntersuohungen über die •mtisei-.Hsr.lm av; inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; j V f^1 seIlgt;e, Feuere
medicinische Voch^sMl8iS3I^amp;%^?0f0ms^toaenet der allgemeinen Chirnrrie LeinS 1888 T^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;#9632; T11),lma quot;quot;s, Lehr-buch
tonza del virus tetmdeo agH Si chTmioi r ^1U rt 0attani. gullaresis-83 und Contralblatt für BaXquot;L^r un P ' ^lf0i'ma1med- ^quot;d 6, Nr. Tizzoni, Cattani md BäaX ^alÄl^a?tei^U?de 1890' Heft 3-den Tetanus, Ziegler'sBeiü-^e zu,' ^l^SC\ Umbuchungen über neu Pathologie, ßfnd 7 lÄ Tr?' t unf1 r^? M^6 .U,\d a%emei. teriologische Erfahrungen über PvokH, in Mr l™6' O^^öhe undbak-schrift 1890, Nr. 25. ^Ullmann D e Ä, Jo J^T61'S.6^0^80116 Wochen­schrift für Hygiene, Band T Heft 1 WpvI n ^ Staphylococcen, Zeit-Hygiene 1889 Heft 4 Wernfni, r. • ? '.#9632;Ueb1ei1' Creolin' Zeitschrift für 1882 Wolff TTpW -n #9632; f .c • P^eciatmslehre, Wien und Lerözio-Archiv mfÄ1 Wor/SeS ^7e-to-höhung, ViÄf Wirksamkeit von Oarbolöl ™d oibol^L? M-^6'-, ^ der vlaquo;-schiedenen liehen öesnndheitsmt 1881 W^oldH^ ^eiln?ge?.aT:,s dom kaiser-impfung auf ehemisehem Wege Archivg/ür 1 fr'11- ^ ^ Schutz-Physiologische Abtl^ilung isfs. Wcu-o^zow AV1' ^ ^^^e,
HSi?rÄ^;rÄÄH'drfsraquo;KÄlaquo;s
Jrlaquo;^
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}
Milzbrandbacillen.
Milzbrandsporen.
Eitercoq
Mittel.
II Miedngste ermittelte Widerstandskraft.
Höchste ermittelte quot;Wider­standskraft.
ü Niedrigste ermittelte Widerstandskraft.
Höchste ermittelte Wider­standskraft.
Niedrigste ermittelte Widerstandskraft.
H
• •
Daner der Einwirkung.
Concentra­tion.
Dauer der Einwirkung.
Concentra­tion.
Dauer der Einwirkung.
Concentra­tion.
Dauer der Einwirkung.
Concentra­tion.
Dauer der Einwirkung.
Concentra­tion.
I
Ei
Sublimat ....
10 Min.
1:300000
—
—
10 Min.
1:20000
80 Minuten 50 Tage
1:100 1:2000
60 Minuten sofort
1:1000 1:100
Carbolsäure . .
10 See.
1:100
2 Stunden
1:300
7 Tage
3:100
nach 27 Tag noch nicht
' 5:100
5 Minuten
1:100
3(
Creolin.....
2 Stunder
1:5000
10 Secnndei 1 Minute
5:100 3:100
2 Tage
3:100
2nbsp; Tage
3nbsp; Tage
5:100 3:100
1 Minute 10 Secundei
3:100 i 5:100
4
Lysol.....
2 Stunden
1:1000
__
_
5 Minuten
1:100
3—5 Tage
5—10:100
verhältnissm
' resultatlos
kurze Zeit
1,2:1000
li
Chlorwasser . . ,
5 Minuter
rein
—
—
1 Stunde
rein
24 Stund.
rein
_
Chlorkalk ....
1 Minute
1:100
1 Minute
5:100
3 Minuten
2,5:100
1 Minute
1 :2—3
löSecund
1:1(0
Höllenstein . . .
15 Seovmden 24 Stunden
1:100 1:30000
1 Minute
1:100
—
—
—
2 Minuten 30 Socunden
1:1000 1:100
Salicylsäure . . .
?
1:1500
2 Minuten
4:100
| , i 1 |
wahrscheinlich nahezu unwirksam
1-2 Min.
1:300
Eallumpermanganat
?
1:1400
völlig genüg.
einmaliges Eintauchen
5:100
15 Min.
3,75:100
24 Stund.
5:100
10 Min.
1:100
Chlorzink ....
wahrs
cheinlich m
ihezu unwii
rksam
walirscheinlich gänzlich unwirksam
sli Minute
5: 100
Borsäure ...
?
1:800
—
—
nahezu unwirksam.
10 Tage
4:100
Terpentinöl . . .
—
_
—
—
5—10 Tage
rein
^^
momentan 5 Minuten
rein 50:100
5
Thymol ....
?
1:3000
15 Tage
5:100
24 Stunden
10:100
Jod......
ungen
ügend
-^—•
—
?
1:5000
---
—
—
—
24 Stund.
1:5000
—
__
?
1:10000
/Jodtrichlorid . . Jodoform ....
5—30 Min
1:1000
—
—
9 Stunden
1:3000
30—40 Min. 24 Stunden
1:100 1:300
14 Min.
1:1000
—
—
__
#9632; #9632; #9632;„
Sozojodol ....
quot;
—
—
?
2:100
Pyoktanin . . .
2 Stunden
1:25000
i
V9 Minute
1:1000
—
—
—
—
5 Stunden
1:64000
V
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cen.
Rotzbacillen.
Unter
Von den in der Torig. Spultlaquo; raquo;n-gegebenen Ver-
Bchste ermittelte Wider­standskraft.
Niedrigste ermittelte Widerstandskraft.
Höchste ermittelte Wider­standskraft.
Verhältnissen notliwendige Verdünn­ungen.
dünnungen sind
znr Todtung eines Thieres er-
auer der imrknng.
Concentra­tion.
Dauer dor Einwirkung.
Concentra­tion.
Dauer der Concentra-Eürwirkung. tion.
forderlich pro Kilo Körperge­wicht deaselbea ungefähr
—
—
?
1:10000
wenige Min.
1:1000
1:1000
20,0
1 Min.
3:100
10 Seoundon 2 Stunden
1:100 1:400
wenige Min.
3:100
3:100
12—15,0
Tage
1:100
2 Stunden
1:300
—
—
2—3:100
40,0
i Min.
3:1000
2 Stunden
1:800
—
1:300
700,0
—
—
wenige Min.
rein
unbestimmt
—
—
—
1 Minute unsi
1 :3
eher
—
unbestimmt
—
—
—
2 Stunden
1:15000
2 Stunden
1 :4000
1 : 1000
—
—
—
—
—
unbestimmt 1:300 (?)
bei Hunden 60—300,0
—
—
wenige Min.
1:100
wenige Min.
5:100
1:50—100 (?)
—
—
—
—
—
—
sehr starke (ätzcnde)Lös.
—
—
—
—
—
4:100 noch nicht genüg.
intraporito-neal 1,0
Stunden
rein
1-2 Tage
rein
—
—
unbestimmt rein (?)
5—10,0
1
1:3000
35 Min.
rein
—
—
unbestimmt 1:3000 (?)
9000,0
—
__
—
—
unbestimmt 1:5000 (?)
—
—
-
—
__
—
1:1000 (?)
200,0
—
#9632;
—
—
—
—
rein
1,5—2,0
Stund, unsii
1:1000 ;her
2 Stunden
1:150—200
—
—
vermuthlich 1:1000
unbestimmt
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I
-
#9632; •
I
1
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I