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Tierärztliches Arzneibuch
für
Studierende und praktische Tierärzte. Teil III.
Toxikologie,
bearbeitet
J. Tereg und Dr. C. Arnold,
Professoren an der könisl. tierärztlichen Hochschule zu Hannover.
BIBLIOTHEEK
DIERGENEESKUNDE
UTRECHT
Berlin 1893.
Verlag von Tli. Chr. Fr. Enslin. (Richard Schoetz.)
Luisenstrasse No. 36.
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BIBLIOTHEEK
DIERGENEESKUNDE
UTRECHT
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Vorwort.
Der Aufforderung des Herrn Collegen Dr. C. Arnold, mich an der Bearbeitung einer Toxikologie im Rahmen seines tierärztlichen Arzneibuchs zu betei­ligen, habe ich ohne weiteres Folge geleistet. Zur Über­nahme der Arbeit hielt ich mich umsomehr berechtigt, als dieser Gegenstand zu dem von mir vertretenen Lehrgebiet gehört und das Material gröfstenteils bereits gesammelt vorlag.
Um den Bedürfnissen der Praxis möglichst zu genügen, ist der Versuch gemacht worden, die klinischen Symptome in den Vordergrund zu stellen und nach ihnen die einzelnen Gifte zu gruppieren. Der prak­tische Tierarzt soll an der Hand einer derartigen Ein­teilung in Stand gesetzt werden, sich auf Grund eigener Beobachtung oder der Anamnese leichter zu orientieren, als dies bisher bei einer vorliegenden Vergiftung möglich war. Inwieweit dieses Wagnis geglückt ist, mufs die Erfahrung lehren. Jedenfalls werde ich den Herren Kollegen für jede neue Anregung oder sonst begrün­dete Meinungsäufserung dankbar sein und berech­tigten Wünschen Rechnung tragen, eingedenk des Wahlspruchs „Viribus unitisquot;, in dessen Befolgung der
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IV
tierärztliche Stand sich seine Position erkämpft, nicht zum wenigsten auch auf wissenschaftlichem Gebiet. Im Interesse einer zusammenfassenden, in sich abge­schlossenen Behandlung der Ammoniumderivate und der mit ihnen in engstem Zusammenhang stehenden Toxine und Toxalbumine konnte vorläuüg dieser Ab­schnitt nicht in gleicher Weise wie die übrigen be­handelt werden. Mit der vorsehreitenden Erkenntnis in der Ätiologie der Futter- und Nahrungsmittelvergif­tungen dürfte auch diese Unebenheit verschwinden, falls die bisherige Gruppierung sich nicht als zweck-mäfsig erweist.
Auf dem vorliegenden Gebiete selbständig zu arbeiten, war mir nur in sehr beschränktem Mafse ver­gönnt*), da die hierzu nötige Laborotoriumausstattung, trotz spezialisierter Vorschläge, mir nicht gewährt wurde. Nur dem höchst anerkennenswerten Entgegenkommen des Rektors der hiesigen technischen Hochschule, Herrn Geheimen Regierungsrat Dolezalek und speziell des Herrn Geheimen Regierungsrat Dr. Kraut, denen ich für ihre Liebenswürdigkeit immerdar verbunden bleiben werde, habe ich es zu verdanken, dafs ich mich über das Wesen einiger in Futtermitteln auftretenden Giftkörper
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enügend orientieren konnte. Hieraus ergaben sich
als weitere Konsequenzen Anhaltspunkte zur Be­urteilung derjenigen schädigenden Substanzen, welche ähnliche Gifte enthalten oder analoge Vergiftungs­symptome herbeiführen.
Notwendigerweise mufsten im Ansclilufs an die Toxalbumine die Defensiv-Proteine Erwähnung finden
*) Der an hiesiger Hochschule für Physiologie und Pharma­kologie inkl. Toxikologie ausgeworfene Anteil dos Lehrmittel­fonds beträgt 350 Mark pro anno.
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und damit eine Reihe kontagiöser Krankheiten und die Immunitätsfrage berührt werden, beide bisher als ausschliefsliche Domäne der Pathologie und Hy­giene betrachtet. Die derzeitige Sachlage erfordert in­des gebieterisch die Mitwirkung des physiologischen Chemikers, und zwar eines solchen, der in bak­teriologischen Arbeiten Übung besitzt. In letzterer Beziehung ist mir der Weg zwar ebenfalls verlegt worden, aber in der Hoffnung, dafs die Zukunft end­lich doch freie Bahn für wissenschaftliches Streben zum Nutzen der Allgemeinheit schaffen wird, habe ich dieses Gebiet auch für den Toxikologen reklamiert.
Herrn Apotheker S. Fefsler, welcher sein In­teresse an der Bearbeitung des speziellen Teils freiwillig in reger Weise bekundete, sage ich für die Überlassung seiner von weil. Professor Cars tan Jen herrührenden Notizen, insbesondere den Nachweis von Salz-, Salpeter-, Schwefelsäure, Antimon, Arsen, Chloroform und Zink betreffend, meinen besten Dank, ebenso der Verlagsbuch­handlung, durch deren Liberalität es möglich wurde, in ausgiebigster Weise neue Einzelheiten selbst noch während des Druckes einzufügen.
Hannover, im September 1891.
J. Tereg.
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Inhalt.
Seite
Einleitung.......................nbsp; nbsp; nbsp; ^
Allgemeiner Teil ........nbsp; nbsp; nbsp; 2
Definition von Gift...................nbsp; nbsp; nbsp; 2
Einteilung der Gifte..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
Ursachen der Vergiftungen...............nbsp; nbsp; nbsp; 5
Wirkungsweise der Gifte................nbsp; nbsp; nbsp; 6
Bedingungen der Giftwirkimg..............nbsp; nbsp; nbsp; 9
Diagnose der Vergiftungen...............nbsp; nbsp; 13
Prognose der Vergiftungen................nbsp; nbsp; 19
Behandlung der Vergiftungen..............nbsp; nbsp; 19
Systematischer Gang der chemischen Untersuchung ...nbsp; nbsp; 22
Nachweis der Alkaloide, Bitterstoffe, Glykoside etc. ...nbsp; nbsp; 26
1.nbsp; Methode Stas-Otto...............nbsp; nbsp; 27
2.nbsp; nbsp;Methode Dragendorff...........[ \nbsp; nbsp; 27
3.nbsp; Eeaktionen der Alkaloide etc...........nbsp; nbsp; 28
4.nbsp; Die speziellen Reaktionen.............nbsp; nbsp; 29
Spezieller Teil .........nbsp; nbsp; 31
I. Auffällige Haut- und Schleimhautveränderung.......nbsp; nbsp; 31
1. Entzündliche Schwellung und Korrosion des Nasen­rachenraums, Dyspnoe, schmerzhafter Husten,
Pneumonic...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;31
Irrespirable Gase...............nbsp; nbsp; 31
Ammoniakgas................nbsp; 393
Chlor...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;31
2. Verätzung der Maul- und Rachenhöhle, Schlingbe­schwerden, schwere Kolik............nbsp; nbsp; 33
Konzentrierte Säuren, Alkalien.........nbsp; nbsp; 33
Liquor Ammonii caustici, Ätzammoniak, Ammo­niakflüssigkeit ............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 39g
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VIII
Seite
Phenol..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 293
Salpetersäure...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;33
Salzsäure, Chlorwasserstoffsäure......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;34
Schwefelsäure ..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;37
8. Erbrechen, Durchfall, Blutdissolution, lokale
Ätzungen, fettige Degeneration.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 39
Arsen...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;39
Phosphor.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;49
Antimon.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 55
Eicinus..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 60
Croton...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 64
Abrus ..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 66
Kobinia..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 67
Podophyllum................68, 580
Biyonia..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 71
4.nbsp; Erbrechen, Verstopfung, lokale Ätzwirkung, Kreuzschwäche, Kachexie, selten Fieber ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 72
Ätzkalk..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 72
Alaun...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 74
5.nbsp; Salivation, entzündliche Schwellung der Maul-und Eachenschleimhaut, Erbrechen, Durchfall, Hämoglobinurie event. Blasenbildung auf der Haut, frequenter, dann abnehmender Puls, Hirnkrämpfe, Konvulsionen.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 75
Kauthariden................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 75
Anacardium................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 78
Anemonol.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 79
Actaea spicata..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;81
Päonia..................81, 580
Daphne..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;81
Euphorbium................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 83
6.nbsp; Erbrechen, Durchfall, Spasmus, epileptiforme Krämpfe, Gangrän extremer Körperteile, Abortus..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 84
Claviceps (Sphacelia)............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 84
Epichloe..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 100
II. Pulsus frequenz, Polsus rarus, Diurese, Paralyslaquo; . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 101
1. Erbrechen, Durchfall, anfangs voller beschleu­nigter, dann verlangsamter, kleiner Puls,
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IX
- pochender, unregelmäfsiger Herzschlag-, starke
Dinrese, Lähmung, Konvulsionen.......
Digitalis.................
Helleborus...............
Oleander.................
Scilla...................
Adonis..................
Convallaria................
Euonymus................
Narthccium................
Paris...................
Pfeilgifte mit Dig'italiswirkung.......
Echuja-Pfeilgift.............
Acabaio-Pfeilgift.............
Ine-Pfeilgift...............
Antjar-Pfcilgift.............
Wabaio-Pfeilgift.............
Andromedotoxin..............
Galle...................
Baiyum..................
2. Digitalis-ähnliche Wirkung, meist rotgefärhter
Urin....................
Coronilla.................
Galega..................
Astragalus................
Melampyrum...............
Antirrhinum................
Gratiola.................
Pedicularis................
Scrophularia...............
Asklepias.................
III. Hirnlähmung.
1.nbsp; Initiale Erregung, rauschartige Zustände, Sopor
Alkohol..................
Äther...................
Chloroform................
Jodofoi'm.................
Benzin..................
Petroleum.................
2.nbsp; Bewufstlosigkeit, Krämpfe..........
Kohlensäure ...............
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101 107 110 111 112 112 112 113 118 114 114 114 114 115 115 116 119 120
122 122 122 122 123 124 124 125 125 125
128 128 132 133 137 140 141 143 143
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Seite
Kohlenoxyd, Kohlendunst, Leuchtgas ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 145
Cyanverbindungen.............149, 577
3.nbsp; Bewufstlosigkeit (Erbrechen resp. Durchfall) .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 157
Glykoslde der Cyangruppe.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 157
Linum..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 161
4.nbsp; Verstopfung, ascendierende Paralyse, Somnolenznbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 161
Melilotns.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 161
Anthoxanthum..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 163
Asarum..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 163
Aristolochia................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 164
5.nbsp; Erbrechen, Verstopfung, initiale Excitation mit Krampf, Narkose..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 165
Lactuca..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 165
Opium..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 166
Morphin.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 169
IV. Katalepsie, klonische resp. tonische Krämpfe ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 172
1. Initiale narkotisch-kataleptische Starre, teta-
nische Krämpfe, Kolik, Durchfall......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 172
Narkotin.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 172
Hydrokotarnin ..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 174
Opiansäure................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 174
Papaverin.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 174
Codein und Pseudocodein.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 176
Thebain.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 177
Nareein..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 177
Anderweitige Opiumalkaloide.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 178
Mohnpflanzen...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 179
Buxus..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;183
Chelidonium................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 184
Lolium..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 186
Berberis.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 189
Achillea .................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 190
Hypericum................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 191
2. Erbrechen, Durchfall, Lähmung, Tremor,
Krämpfe, Temperaturabfall, Kachexie ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 191
Blei...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 191
Kupfer..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 201
Quecksilber................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 208
Zink...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 216
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XI
Seite 3. Erbrechen, Durchfall, spastisch-ataktische Be­wegung, anfängliche Verlangsamung, dann Beschleunigung des Pulses, Lähmung, Kon­vulsionen ..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 219
Veratrum.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 219
Sabadilla.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 223
Colchicum.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 227
Narcissus.................nbsp; 2a0, 57tgt;
V. Epilepsie, Tetanus................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 232
1.nbsp; Speichelflufs, allgemeine epileptiforme Krämpfe, meist Somnolenz, frequenter Puls, pochender Herzschlag, Konvulsionen..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 232
Cicuta..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 232
Oenanthe.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 235
Pikrotoxin.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 236
Santonin .................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 238
Aspidium.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 240
Pteris aquilina...............nbsp; nbsp; nbsp; ~ 243
Sium...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 243
Sikimiu..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 244
Eserin..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 244
Kampher.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 251
2.nbsp; Erbrechen, Durchfall, Diurese, Schweifs, anfangs frequenter, dann abnehmender Puls, Fieber, Hirnkrämpfe, Lähmung, Sopor, rascher Ver­lauf.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 254
Aconitum.................nbsp; 254, 576
Delphinium................nbsp; 257, 580
Taxus..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 259
3.nbsp; Durchfall, Hirnkrämpfe, Blutdissolution . . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 261
Sapotoxin-haltige Pflanzen.........nbsp; 261, 582
Smilax..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 265
Tamus communis.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 266
Aroideae.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 266
Solanum.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 267
4.nbsp; Mydriasis, trockene, gerötete Schleimhäute,.an­haltend frequenter Puls, pochender Herzschlag, Tobsucht, Lähmung.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 275
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XII
Seite
BcUadoiina-Alkaloide...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 275
5. Tetanische Krämpfe.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 287
Nux vomica................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 287
VI.nbsp; Tremor, Clonus, Paralyse.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;292
1.nbsp; Salivation, Tremor, Somnolonz, klonische Krämpfe, Paralyse, Blutdissolution, brauu-
grüiio Chromogene im Harn.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 292
Benzol..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 292
JRohe Karbolsäure.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 296
Holzessig.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 298
Kreosot..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 299
Kreolin..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 800
Teer...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 304
Eids . . .................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 306
2.nbsp; Erbrechen, Durchfall, fibrilläre Zuckungen, klo­nische Krämpfe, Lähmung..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 307
Pj-ridin und dessen Homologe.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 307
Pfeffer, Piperidin.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 308
Nicotiana.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 309
3.nbsp; Speicheln, Erbrechen, Diarrhöe, Diurese, Tremor, allgemeine Paralyse.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 317
Pilocarpus ................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 317
Cytisus..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 321
Ulex...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 326
4.nbsp; Krämpfe, Curare-artige Lähmung......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 326
Coniutn..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 326
Äthusa..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;330
Chärophyllum............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;832
VII.nbsp; Blutdissolution.
1.nbsp; Verstopfung, später Diarrhöe, Blutdissolution,
kein Fieber .............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;334
Eicheln, Gerbsäuren..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;334
Ligustrum.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;839
Cuscuta..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;341
2.nbsp; Durchfall, Kolik, Blutdissolution, Schwäche .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;341
Aloe ...............341, 460
Linum...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;348
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XIII
Seite
Ehamims..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 351
Disteln..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 353
3.nbsp; Erbrechen, Durchfall, entzündliche Schleimhaut-schwellnng, ohne Ätzschorfe, Blutdissolution, Hämoglobinurie, Hautödem, fehlende fettige Degeneration.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;354
Buchweizen.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;354
Polygonum persicaria, Hydropiper ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;356
Ruta.......quot;........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;357
Pirola...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 357
Ledum...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;358
Conifcrac..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 358
Cupressineae............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;363
Ferula...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;364
Hydrocotylo.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 365
Sclinum..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;365
Daucus...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 365
Senföle..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;366
4.nbsp; Erbrechen, Durchfall, Blutdissolution ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;370
Chlornatrium............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 370
Chlorate..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 374
Xitroglycerin, Dynamit........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 377
Kainit ;..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;378
Kaliumnitrat............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;379
Mauersalpeter.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 381
Natriumjodid............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;381
Natriumnitrat............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 383
Natriumsulfat............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 385
5.nbsp; Erbrechen, Durchfall, Blutdissolution ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 386
Aconitsäure, Equisetum........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;386
Citronensäure, Drosera.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;388
Essigsäure.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;389
Oxalsäure, Eumcx..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;392
Oxalis...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;396
Lonicera..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;396
Viburnum.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 397
Borsäure..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 397
Verdünnte Mineralsäurcn . . . . j . . . 38—37
VIII, Ammoniak und Ammoniak-Derivate........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;398
A. Einfachste Ammoniumverbindungen ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;398
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XIV
Seite
Ammoniak und Ammoniumsalze.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;398
Carbamid............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;401
B. Ammoniumderivate zersetzter Eiweifssub-
stanzen...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 404
a. Imine..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 404
Guamdinverbinduiigen.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;405
XanthinverbindungPii.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 407
Indol . . . . '...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;-409
Mercurialis, Bingelkraut........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 411
b. Aminc...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 412
Monamine.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;412
Trimethylamin............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 413
Chenopodium............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 414
Tetramethylammoniumhydroxyd.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 415
Diamine..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;416
C Ammoniumderivate unbekannter Konstitution
(Ptomaine der Fleisch- und Fischfäulnis) . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 420
Mydalein..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;420
Saprotoxin.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;421
Gadinin..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;422
Mydatoxin.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;423
D. Ammonininbascn zersetzter Lecitliine ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 424
Cliolin..............,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;424
Vinylcholin.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;426
Muscarin..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;430
Betain...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;435
1. Cholinderivate in Pflanzen.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;436
a. In verdorbenen Futtermitteln......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;436
Baumwollensamen..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;436
Bucheln..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;442
Hefegifte.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;446
it. Diamid............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;446
ß. Harkawys Basen........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;447
Sauerkrautlake...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;448
Schlempe, Schnitzel, Traber......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;448
Lnpinenalkaloide..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;453
Lupinosn.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;454
Lathyrismus............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;457
n. Kichererbsen..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;458
ß. Platterbsen...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;458
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XV
Seite
y. Erve.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;461
rf. Wicken............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;461
i. Linsen.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;462
{. Erbsen.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;462
b.nbsp; Areeanufs.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;46:3
c.nbsp; Pilze...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;464
laquo;. Hautpilze............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;464
ß. Sphäria.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;468
y. Polydesmus...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;468
ö. Brandpilze...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;471
Ustilago (Rufsbrand).......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;471
Tilletia (Steinbrand) ......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;474
e.nbsp; Rostpilze............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;476
Uromyces...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;477
Puccinia............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;479
f.nbsp; Schimmelpilze..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;484
Aspergillus...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;485
Penicillium...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;488
Oidium............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;488
Mucor............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;489
Eoggensehimmel........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;490
jj. Spaltpilze............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;496
Bacillus subtilis.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;496
2.nbsp; Autointoxikation durch Cholinderivate....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;498
Vom Uterus aus...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;498
Vom Tractus intestinalis aus......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;500
Peptotoxin.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;500
3.nbsp; Cholinderivate in animalischen Futtersubstanzcn
und Nahrungsmitteln..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;502
Heringslake ..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;502
Raupengift.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;504
Käse- und Milchgifte.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;505
Vergiftung durch verdorbene Fleisch- oder
Fischwaren .............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;507
a.nbsp; Botulismus............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;507
Ptomatropin............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;507
b.nbsp; Ichthyismus............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;513
Ptomatomuscarin..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;513
Fleischmehl und getrocknetes Fleisch . . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;514
Fleisch von kranken Tieren......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;515
a. Mctritis.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;515
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XVI
Seite
b.nbsp; Enteritis............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 517
c.nbsp; Mastitis............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 518
IX. Toxalbumine...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;520
A.nbsp; Präformiprte tierische ToxallDiimine ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;520
Tchthyotoxin.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 520
Tetvodougift............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 522
Schlangengifte............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;523
Bienengift.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 528
Dipterengifte............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 529
Tsetse..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;529
Simulia.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 530
B.nbsp; Präformierte pflanzliche Toxalbumine . . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;531
Ricin...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;60
Abrin...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 66
Eobin...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;67
C.nbsp; Toxinc und Toxalbumine pathogener Schizo-myceten etc..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;531
Cholera..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 531
Cholera infantum...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;533
Diphtherie.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;533
Eitergifte..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 538
Krebsgift..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 540
Lungenseuche............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 594
Malignes Odem...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 540
Milzbrand.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;542
Pneumonic.............548, 600
Rauschbrand............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 549
Rotz................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;552
Schweinepest............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 553
Schweinerotlauf...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;595
Starrkrampf.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 555
Tuberkulose.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 564
Typhus..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 570
Variola vaccina...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;597
Wut...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;572
Anhang..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 576
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Toxikologie.
Die Toxikologie (rö^ov, Gift) ist die Lehre von den Giften und deren Wirkung und zerfällt in die nicht streng voneinander zu scheidende chemische und phy­siologische Toxikologie.
Die chemische Toxikologie oder Chemie der Gifte beschäftigt sich mit der Darstellung, den Eigenschaften und dem Nachweise giftiger Stoffe, der Ermittlung ihrer Konstitution und den Beziehungen der Konstitution zu den physiologischen Eigenschaften. Dieser Teil der Wissenschaft erfordert eine so umfas­sende Vorbildung in der analytischen Chemie, dafs der Arzt nur nach speziellen chemischen Studien befähigt wäre, dieselbe umfassend praktisch auszuüben.
Die physiologische Toxikologie oder die Toxikologie im engeren Sinne ist eine spezifisch medi­zinische Disziplin, welche sich ausschliefslich mit der Wirkung der Gifte auf den lebenden Organismus be-fafst.
Da auch die chemische Toxikologie so weit berück­sichtigt werden soll, als es bei dem jetzigen Studien­gange des Tierarztes notwendig erscheint, so wird die Toxikologie in Nachstehendem in eine allgemeine und spezielle eingeteilt.
Tereg \i. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
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Die allgemeine Toxikologie behandelt den Begriff, die Einteilung und Wirkungsweise der Gifte, die Ursache, Diagnose, Prognose und Therapie der Ver­giftungen, die Bedingungen der Giftwirkung, ferner die Erkennung und den Nachweis von Vergiftungen im allgemeinen vom klinischen, pathologisch-anatomischen, chemischen und physiologischen Standpunkte aus.
Die spezielle Toxikologie beschäftigt sich mit der Aufführung, sowie Beschreibung der chemischen Eigenschaften und der physiologischen Wirkung der einzelnen Gifte, ferner mit den Veranlassungen zur Vergiftung, den Krankheitserscheinungen, dem Sektions­befunde, der Behandlung und dem Nachweise der ein­zelnen Vergiftungen.
Allgemeiner Teil.
Von Professor Dr. C. Arnold.
Definition von Gift.
Der Begriff „Giftquot; ist ein sehr relativer, und „Gift an sichquot; giebt es überhaupt nicht, da die Giftigkeit nicht nur von der Qualität, sondern auch von der Quan­tität des Stoffes abhängt und viele starke Gifte zugleich Heilmittel sind. Weiter kommt hinzu, dafs gleiche Sub­stanzen selbst in gleichen Dosen nicht nur auf Menschen und Tiere, resp. auf verschiedene Tierklassen ganz ver­schieden wirken, sondern auch auf verschiedene Indi­viduen derselben Klasse je nach Alter, Geschlecht, Er­nährungszustand etc.; auch ist es für manche Gifte bezüglich ihrer Wirkung nicht gleichgültig, auf welchem Wege (ob durch den Magen oder durch direkte Ein­führung durch das Blut) sie in den Körper gelangen.
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Auch Stoffe, welche an und für sich ganz unschädlich sind, wirken unter Umständen durch ihre Menge, Kon­zentration oder Einführung auf ungewöhnlichem Wege giftig.
Aufser chemischen Giften giebt es ferner auch mechanische Gifte (wie Glaspulver oder unlösliche Stoffe, welche in die Venen gebracht, eine mechanische Verstopfung der Lungenkapillaren etc. hervorbringen), ferner organisierte (bakterielle) Gifte, von welchen zum grofsen Teil nach neueren Untersuchungen aber anzunehmen ist, dafs sie die betr. Infektionskrankheiten nicht unmittelbar, sondern erst mittelbar durch die von ihnen erzeugten chemischen Gifte (Ptomaine und Toxal-bumine) hervorbringen. Mann kann hiernach Gifte im engeren und weiteren Sinne unterscheiden.
Gifte im engeren Sinne sind solche un­organische oder organische Stoffe, welche, ohn e sich selbst zu reproducieren,aufGrund ihrer chemi seil eil Eigenschaften im Tierkör­per durch Störung der Organfunktionen die Gesundheit beeinträchtigen event, durch Aufhebung der Organfunktionen das Leben vernichten.
Das Strafgesetzbuch des deutschen Reiches handelt in den sect;sect; 229, 324 und 367 von den Giften, ohne eine Definition des Begriffes „Giftquot; zu geben. Im Sinne des Gesetzes giebt es also chemische und mechanische Gifte. Im Kommentar zu diesem Gesetzbuche sagt Olshausen: Gift ist nach dem allgemeinen Sprachgebrauche ein Stoff, welcher in kleiner Dosis durch seine chemische Beschaffenheit die Gesundheit oder das Leben zu zerstören geeignet ist. Im nachstehenden werden nur die Gifte im engeren Sinne abgehandelt.
Einteilung der Gifte. Die neuere wissenschaftliche Einteilung der „Gifte im engeren Sinnequot; geschieht entweder nach rein phy-
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Biologischen oder physiologisch-chemischen Grundsätzen. Eine ideale Einteilung wäre diejenige, aus welcher sich die Beziehung der chemischen Konstitution zur physio­logischen Wirkung in übersichtlicher Weise ergeben würde; eine solche ist jedoch erst dann möglich, wenn diese Beziehung gründlicher erforscht ist, als das bis jetzt der Fall ist.
In dem vorliegenden, zugleich für die Praxis be­stimmten Buche wurde namentlich im Interesse einer raschen Diagnose der Vergiftung die Einteilung nach den klinischen und pathologisch-anatomischen Sympto­men, soweit dies eben möglich war, durchgeführt. Stoffe, deren allgemeine Schädlichkeit nicht mit Sicherheit feststeht, sowie solche, welche nur selten bei Tieren Veranlassung zu Vergiftungen geben, oder welche nur wissenschaftliche toxikologische Bedeutung haben, konn­ten im Interesse der Übersichtlichkeit nur in einzelnen Fällen Berücksichtigung linden.
Früher teilte man die Gifte (nach dem Vorgänge von Dioskorides und GJalenus) nach ihrem Vorkommen in der Natur ein in: Tiergifto, Pflanzengifte und Mineralgifte; ferner unterschied man zwischen Arznei giften, d. h. solchen, welche gleichzeitig als Arzneimittel benutzt werden, und Nahrungs­giften, d. h. solchen, welche mit der Nahrung — namentlich von Pflanzenfressern — aufgenommen werden; oder man grup­pierte sie in Fremdgifte, d. h. von aufserhalb des Tierkörpers herstammende, und Selbstgifte (d. h. im Tierkörper selbst entstehende).
Späterhin unterschied man nach der Wirkung:
1.nbsp; Scharfe Gifte (Acria), d. h. solche, welche am Orte der Applikation eine ätzende oder stark reizende Wirkung äufsern und namentlich nur hierdurch giftig wirken.
2.nbsp; Narkotische Gifte (Narcotica), d. h. solche, welche ohne örtliche Wirkung namentlich durch Beeinflussung des Nervensystems giftig wirken.
3.nbsp; Scharf-narkotische Gifte (Navcotica-Acria), d. h. solche, welche zuerst am Orte der Applikation, namentlich im
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Magen und Darm, eine örtlich reizende quot;Wirkung und späterhin nach ihrer .Resorption aufserdem auf das Nervensystem eine all­gemeine Einwirkung zeigen.
Ursacheu der Vergiftungen.
Vergiftung nennt man jede durch Einführung einer schädlichen Substanz in den Organismus bewirkte, sich oft in charakteristischen Krankheitserscheinungen äufsernde Störung des normalen Zustandes. Man unter­scheidet akute Vergiftungen, meist durch einmalige grofse Giftgabe erzeugt, wenn der Verlauf schnell mit­unter rapid ist, und chronische Vergiftungen, meist durch wiederholte kleine Giftgaben erzeugt, wenn der Verlauf ein allmählicher ist; ferner absichtliche Vergiftungen (wozu bei Tieren meist Arsen, Phos­phor oder Strychnin dient) und zufällige Vergif­tungen. Die zufälligen Vergiftungen lassen sich ein­teilen in
1.nbsp; Medizinale Vergiftungen, als Folge fahr­lässiger oder zweckwidriger Anwendung oder Verwechs' lung von Arzneimitteln.
2.nbsp; Kosmetische Vergiftungen, veranlafst durch den andauernden Gebrauch von zur Pflege und Reinigung der Haut oder Färbung des Haares bestimm­ter Mittel, wenn diese giftig sind.
3.nbsp; Technische Vergiftungen, dadurch ent­stehend, dafs in Fabriken oder Werkstätten bei der Darstellung oder Verwendung giftiger Stoffe diese teil­weise verdampfen resp. verstäuben und so eingeatmet werden, oder dafs diese Anstalten die Flüsse durch ihre Abwässer vergiften.
4.nbsp; Ökonomi sehe Vergiftungen, welche ent­stehen können durch Verwechslung von schädlichen mit efsbaren Substanzen, Genufs verdorbener Speisen,
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Anwendung giftiger Geräte (z. B. aus Kupfer oder mit giftigen Farben angestrichen), Entstehung von Kohlen-oxydgas durch Fahrlässigkeit etc.
Die Vergiftungen durch den Grenufs giftiger Pflanzen sind bei den Tieren, trotzdem dieselben giftige und uugiftige Pflanzen meistens instinktiv unterscheiden, ziemlich häufig, namentlich werden dieselben verursacht durch die in der speziellen Abtei­lung angeführten Giftpflanzen.
Viele zu Pütterungszwecken dienende Stoffe, namentlich Fabrikationsrückstände unterliegen leicht der Zersetzung und werden giftig, z. B. Küchenabfälle, frische Bierträber, Schlempe, Malzkeime, Eübensclmitzel, die Prefsrückstände bei der Gewin­nung der verschiedenen fetten Öle etc. Die Verfüttcrung von verdorbenem Fleisch, Fisch, Häringslake, Käse, von mit ge­wissen Pilzen besetzten Fiittersorten kann Vergiftung erzeugen.
5.nbsp; nbsp;Vergiftungen durch den Bifs oder Stich giftiger Tiere.
6.nbsp; nbsp;Vergiftungen durch zum Zweck der Tötung von Raubzeug, Ratten, Mäusen, Wanzen, Schwaben auf­gestellten Giften, an denen sehr häufig — infolge un­verständiger Aufstellung — Haustiere zu Grunde gehen.
Wirkungsweise der Cfifte.
Man unterscheidet die lokale von der entfernten Wirkung.
Die lokale Wirkung besteht in den Verände­rungen und Erscheinungen (Rötung, Schwellung, Ätzung, Eiterung etc.), welche das Gift an seiner Applikations­stelle hervorruft.
Die Subkutaninjektionen mancher Substanzen, z. B. von Terpentin, Argentum nitricum, bewirken bei Hunden regel-mäfsig Eiterung, ohne dafs Kokken als Ursache für die Eiter­bildung in Frage kämen, da dieser Prozefs auch bei strengstem aseptischen Verfahren eintritt, während andererseits Terpentinöl bei Meerschweinchen und Kaninchen selbst mit reichlichem Zu­satz von Staphylokokkus aureus niemals Eiterung erzeugt (Gra-witz, Christmas).
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Die entfernte Wirkung besteht in der nach der Aufnahme des Giftes ins Blut auftretenden All-gemeinwirkung und Erkrankung anderer Organe, gleich­gültig um welche Eintrittsstelle des Giftes es sich handelt.
Die Wirkungsintensität der Gifte ist un­ter verschiedenen Bedingungen sehr verschieden und hängt z, B. ab von deren physikalischer Beschaffenheit, besonders ihrer Löslichkeit in Wasser, im sauren Magen­safte, im alkalischen Pankreassafte, im eiweifsreichen Blute, so dafs z. B. unter sonst gleichen Umständen der leichteren Löslichkeit des Giftes auch eine inten­sivere Wirkung entspricht.
Hieraus erklärt sich, dafs ein und dasselbe Element giftige und ungiftige Verbindungen bilden kann; so sind z. B. Barium­sulfat und Quecksilbersulfid wegen ihrer Unlöslichkeit so gut wie ungiftig, im Gegensatze zu den löslichen und deshalb gif­tigen Verbindungen dieser Elemente.
Die Selbsthüife des Organismus den Giften gegen­über geschieht auf dreierlei Art:
1.nbsp; Die Eliminierung geschieht am häufigstennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; m durch Erbrechen und mit dem Harn, auch durch die Leber, den Darm, die Speichel- und Schweisdrüsen, sowie durch die Lunge werden die Gifte teilweise be­seitigt. Wegen der starken Mitwirkung der Nieren und der Leber sind diese häufig bei Vergiftungen in erster Reihe gefährdet; durch die bei Vergiftungen mitunter gesteigerte Funktion der Milchdrüse sind Milchkühe gegen einige Vergiftungen widerstandsfähiger als andere Tiere, da das Gift durch die Milch rasch entfernt wird; andererseits können die Milchdrüsen durch manche Gifte (z. B. Jod, Phosphor) so stark bei der Ausscheidung mitgenommen werden, dafs Atrophie derselben eintritt.
2.nbsp; Die Deponierung resp. Fixierung und Auf­speicherung gewisser Gifte findet in verschiedenen
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Organen statt, so namentlich in der Leber, die in Bezug auf Metalle und Alkaloide geradezu als Gift­filter wirkt.
3. Die Verwandlung in relativ unschäd­liche Verbindungen durch Oxydation, Reduktion, Paarung oder eigenartige Umwandlung.
So entsteht z. B. aus dem giftigen Kaliumchlorat durch Reduktion Kaliunichlorid, aus dem giftigen Kaliumsulfid durch Oxydation Kaliumsulfat, aus der giftigen Karbolsäure durch Paarung mit Schwefelsäure ungiftige Phenolsch-wefelsäurc, aus giftigem Ammoniumkarbonat durch Wasseraustritt Harnstoff.
Die Veränderungen, welche Gifte im Organismus erleiden, oder durch welche an sich weniger giftige oder ungiftige Stoffe Giftwirkung erhalten, sind:
I.Veränderungen im Digestionstraktus. Durch das Fett der Nahrung werden im Darmkanal manche Gifte, z. B. Phosphor, Kantharidin, gelöst und daher leichter resorbiert; im Pansen und verschie­denen Darmabschnitten der Pflanzenfresser entstehen­der Wasserstoff führt Schwefel, Phosphor, Arsen in ihre flüchtigen Wasserstoffverbindungen über; die Galle in Verbindung mit dem Bauchspeichel bewirkt durch Verseifung die Löslichkeit und Resorbierbarkeit gif­tiger Harze und Öle; der alkalische Dünndarmsaft bildet aus schwer oder unlöslichen Stoffen oft leicht lösliche Salze, z. B. aus arseniger Säure leicht lösliches Kaliumarsenit; die Albuminate des Mageninhalts führen viele Metalle resp. schwerlösliche Metallsalze in leicht­lösliche Metallalbuminate über; das Kochsalz verwan­delt Sublimat in das leichter resorbierbare Sublimat-Chlornatrium ; manche Glykoside, wie Amygdalin oder myronsaures Kalium, erleiden bereits in der Maulhöhle durch Einwirkung der wässrigen Sekrete Zersetzung unter Bildung giftiger Stoffe. Alle Gifte wirken
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bei vollem Magen weniger stark als bei leerem oder nur teilweise gefülltem.
2. Veränderungen im Blute und in den Geweben. Die oben erwähnten Umwandlungen in relativ unschädliche Verbindungen durch Oxydation, Eeduktion, Paarung etc. finden namentlich im Gewebe statt, desgleichen die Deponierung; so wird z. B. das Calcium der Knochen bei Bleivergiftung durch Blei, die Phosphorsäure der Knochen bei Arsenvergiftung durch arsenige Säure zum Teil ersetzt. Eine grofse Anzahl von Giften erleidet tiefgehende Spaltungen und Zersetzungen, so dafs dieselben unter Umständen nicht mehr nachzuweisen sind.
Bedingungen der Giftwirknng.
Es giebt, wie bereits S. 2 erwähnt, keinen Stoff, der unter allen Bedingungen Gift ist. Die Umstände, welche einen Stoff zu Gift machen können, hängen teils von der Substanz, teils vom Organismus ab. Die wichtigsten Faktoren, welche einen Einflufs auf die Giftigkeit eines Stoffes haben, sind:
1. Die Quantität. Von dieser hängt es ab, ob eine Substanz giftig oder heilkräftig oder, bei sehr kleiner Gabe, gar nicht wirkt. Dieser letzteren folgt zunächst die Dosis pharmacotherapeutica, d. h. die Gabe, in welcher Gifte als Heilmittel verwendbar sind; das deutsche Arzneibuch enthält in einer Tabelle die Maximalgaben der starkwirkenden und giftigen Arzneimittel für Menschen, und darf der Apotheker nur dann gröfsere verordnete Gaben dispensieren, wenn der Arzt hinter die, die sog. Maximaldosis über­schreitende Gabe ein „1* setzt. Dann folgt die Dosis toxica, welche gefährliche Erscheinungen ohne den
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Tod bewirkt, und schliefslich die Dosis letalis, welche in den meisten Fällen den Tod herbeiführt.
2.nbsp; nbsp; Die physikalischen Eigenschaften und die chemische Modifikation. Namentlich der Grad der Löslichkeit eines Giftes (siehe S. 7), der Grad der Verdünnung (verdünnte und konz. Schwefel­säure), der Aggi-egatzustand, die feinere oder gröbere Form (Pulver oder Stücke), die Anordnung der Atome des betr. Giftes im Molekül (die Allotropie und Iso-merie). Der krystallnische gelbe Phosphor ist giftig, der amorphe rote Phosphor ungiftig; die als Ortho-, Meta- und Para-, ferner als a, ß, y etc. Verbindungen unterschiedenen Stoffe gleicher chemischer Zusammen­setzung besitzen häufig verschiedene Wirkung, so ist Resorcin (Metadioxybenzol) giftiger als Hydrochinon (Paradioxybenzol), a-Naphthol giftiger als /3-Naphthol.
3.nbsp; nbsp;Die Wirksamkeit. Manche Pflanzen be­sitzen je nach dem Standorte und der Zeit des Ein-sammelns einen schwankenden Gehalt an wirksamen Stoffen oder sind nur in gewissen Monaten giftig; Mohn ist bei uns arm, im Oriente reich an Alkaloiden; indischer Hanf ist gegenüber einheimischem stark gif­tig ; die meisten Giftpflanzen sind während ihrer Blüte­zeit am wirksamsten. Gewisse Droguen verlieren beim Aufbewahren an Wirksamkeit, z. B. Mutterkorn, Sade-baumkraut, oder ändern ihre Wirkung, z. B. die frisch Brechen erregende Faulbaumrinde wirkt nach einjäh­rigem Liegen abführend. Manche chemische Präparate werden durch Licht, Luft, Staub, oft sogar durch Gegenwart indifferenter Körper, ja sogar des Wassers zersetzt; z. B. geht Blausäure durch Aufnahme von Wasser in ungiftiges ameisensaures Ammonium über. Es können aber auch auf diese Art wenig giftige
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Stoffe giftiger werden; z. B. Kalomel geht teilweise in Sublimat über, Chloroformdämpfe werden durch an­wesende Flammen in giftiges Phosgengas und Salz­säure etc. verwandelt.
4.nbsp; Die Gewöhnung an Gifte. Dieselbe findet bei den Haustieren nur an Arsen Verbindungen statt, während bei Menschen, welche habituell Alkohol, Ta­bak, Chloral, Morphin, Kokain etc. gebrauchen, die Stoffe in sonst toxischen Dosen keine Wirkung zeigen.
5.nbsp; Somatische Verhältnisse, wie Alter, Er­nährungszustand, Konstitution, sowie sog. individuelle Disposition (Idiosynkrasie). Letztere bringt es mit sich, dafs kleine Dosen — oft sogar von an sich un­giftigen Stoffen — bei einzelnen Individuen schwere Vergiftungserscheinungen hervorbringen; z. B. Kalomel oder Kokain bei manchen Menschen, Chloroform, Morphium, Eserin, Pilokarpin bei manchen Pferden und Rindern, Kalomel, Arekanufs, Farrenkrautextrakt bei manchen Hunden.
Mit dem Alter — ausgenommen das höhere Alter — nimmt die Widerstandsfähigkeit gegen Gifte zu, so dafs z. B. ein sechsjähriges Pferd die doppelte Gift­menge wie ein einjähriges verträgt, doch giebt es auch hier Ausnahmen; z. B. ertragen junge Hunde gröfsere Dosen Kalomel wie ausgewachsene; die Giftwirkung wird fernerhin um so schwächer, je gröfser die betr. Tiergattung ist. Verträgt das Pferd oder Rind 1 Teil des Giftes, so vertragen Schafe und Ziegen nur Vz, Schweine Vs, Hunde Vio, Geflügel und Katzen 1ko.
6.nbsp; nbsp;Die Applikationsstelle. Fast alle Gifte wirken von der Subkutis oder von Wunden aus stärker als vom Magen; am stärksten ist die Wirkung bei in-
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travenösen, der intratrachealen und intraperitonealen Injektion.
7.nbsp; Die Ausscheidung des Giftes aus dem Körper (S. 7) ist von Einflufs aufquot; Dauer und Verlauf der Vergiftung, da, je nachdem das Gift den Körper rascher oder langsamer verläfst, auch die Dauer der Krankheit rascher oder langsamer verläuft. Aus diesem Grunde sind chronische Vergiftungen meistens solche durch Metalle, da diese nur sehr langsam ausgeschieden werden. Ferner ist die Giftwirkung von der rascheren oder langsameren Resorption des Giftes abhängig.
8.nbsp; nbsp; Die Stellung des Objektes in der T i e r r e i h e. Menschen und Tiere zeigen häufig gegen ein und dasselbe Gift ein ganz verschiedenes Verhal­ten, so dafs man z. B. nicht von einzelnen, zufällig gewählten Versuchstieren Schlüsse auf die Wirkung bei anderen Tiergattungen und beim Menschen machen kann. Aber auch innerhalb ein und derselben Tier­gattung treten Unterschiede im Verhalten gegen manche Gifte hervor. Wie abweichend die Empfänglichkeit differenter Gattungen sein kann, lehrt die Erfahrung, dafs Hunde und Kaninchen hundertmal soviel Atropin vertragen als der Mensch; das starke Heizgift Mus­karin wirkt auf Insekten nicht ein; der Igel verzehrt ohne Schaden Dosen von Kanthariden, die mehrere Menschen töten können. Für die Pflanzenfresser, na­mentlich die Wiederkäuer, sind Metallsalze viel giftiger als für Fleischfresser und Omnivoren; Ochsen sterben bei der Einreibung von solchen Mengen grauer Salbe, welche Hunde ohne Nachteil ertragen; ein Pferd wird erst durch die zehnfache Menge von Bleiacetat getötet, wie ein gleich schweres Rind etc.
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Diagnose der Vergiftungen.
In Anbetracht der grofsen Anzahl von Giftstoffen und der verschiedenen Wirkungsweise derselben unter sich, sowie der einzelnen Gifte je nach der Form der Darreichung und Gröfse der Gabe kann die Erken­nung einer Vergiftung oft sehr schwer, ja sogar un­möglich sein.
Vor allem befleifsige man sich beim Stellen der Diagnose der gröfsten Objektivität, denn man erweist der zu vertretenden Partei einen schlechten Dienst, wenn man durch subjektiv gefärbte Urteile den Boden der Thatsachen verläfst.
Folgende Gesichtspunkte sind beim Stellen der Diagnose von Wichtigkeit:
1.nbsp; nbsp;Der klinische Befund. Schwere, plötz­liche Erkrankung ohne bestimmt nachweisbare Ursache mit raschem, oft tödlichem Verlaufe, namentlich wenn dieselbe bald nach der Nahrungsaufnahme, sowie bei mehreren Tieren zugleich auftritt, läfst Vergiftung vermuten.
2.nbsp; Die Anamnese. Gesundheitszustand vorder Erkrankung, Alter, Fütterung, Aufenthalt, Umgebung, Beschäftigung.
3.nbsp; nbsp; Der pathologisch - anatomische Be­fund. Viele Gifte hinterlassen ausgeprägte anato­mische Veränderungen, während anderseits viele Gifte, welche während des Lebens ein charakteristisches Krankheitsbild erzeugen, keinerlei — wenigstens bis jetzt — erkennbare anatomische Veränderung hervor­bringen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dafs es auch Krankheiten giebt, welche die Bildung von Giften (z. B. Indol, Kohlendioxyd, Peptotoxin etc.) im Körper ver­anlassen (Autointoxikationen). Die Obduktion ist
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schon deshalb von grofser Bedeutung, weil sehr häufig durch dieselbe die vermeintlichen Vergiftungserschei­nungen auf andere Krankheitsursachen zurückgeführt werden.
4.nbsp; Die physikalische Untersuchung, d.h. die genaue Durchmusterung des üntersuchungsobjektes, wird vorgenommen, indem man einen Teil des Ob­jektes, bei Flüssigkeiten unter Berücksichtigung des Bodensatzes in einer reinen Porzellanschale oder auf einer Glasplatte ausbreitet. Läfst sich mit blofsem Auge nichts Fremdartiges erkennen, so nimmt man die Lupe oder das Mikroskop zu Hülfe.
Auffällige Färbung kann von Chromverbin­dungen, Pikrinsäure, Cyanverbindungen, Schweinfurter-grün, Jod etc. herrühren.
Ungelöste Partikelchen können Metallgifte oder deren Umwandlungsprodukte sein. Man sammelt sie durch Auslesen mit einer Hornpinzette, um sie teils als corpus delicti, teils zur chemischen Untersuchung zu verwenden.
Reste von Pflanzenteilen liefern bei Ver­giftungen durch Pflanzengift mittelst Samen, Blättern, Wurzeln etc. oft wertvolle Anhaltspunkte, ja sogar mitunter den einzigen sicheren Beweis, z. B. bei In­toxikation mit solchen Pflanzenalkaloiden, welche in ihrem Verhalten grofse Übereinstimmung mit Fäulnis-alkaloiden zeigen. Man sammle solche Pflanzenreste und übergebe sie zur Wahrung möglichster Objek­tivität einem Botaniker oder Pharmakognosten zur näheren Bestimmung.
5.nbsp; nbsp; Die chemische Untersuchung. Wie schon S. 7 erwähnt, kann ein und dasselbe Element giftige und ungiftige Verbindungen bilden. Es genügt
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daher mitunter nicht, den iillgemeinen Nachweis eines eine giftige Verbindung bildenden oder selbst giftigen Elementes zu führen, sondern es sind weitere Versuche anzustellen, ob der gift­verdächtige, aufgefundene Stoff wirklich in einer gif­tigen Form gegeben wurde, wobei anderseits zu be­rücksichtigen ist, dafs giftige Verbindungen nach ihrer Wirkung in ungiftige im Organismus übergeführt wei--den können.
Würde z. B. eine Bariumverbmdung nachgewiesen, und zwar in dem einen Falle Bariumohlorid, im andern nur Barium­sulfat, so könnte nur im ersteren, aber nicht im letzteren Falle auf eine Vergiftung geschlossen worden.
Die gewöhnlichen Objekte der chemischen Unter­suchung sind die nachstehend angeführten Kadaver­teile, ferner meistens Erbrochenes, Reste von Futter, Ge­tränken und Geftlfsinhalt oder von vermutlich die Ver­giftung veranlassenden Präparaten, Medikamenten etc.
Ist bei der chemischen Untersuchung auf alle möglichen Gifte ohne Anhaltspunkt zu prüfen, so ist die Untersuchung natürlich bedeutend schwieriger, als wenn auf ein namhaft gemachtes Gift zu prüfen ist. Anorganische Gifte sind im Verhältnis zu den mei­sten organischen Giften leicht nachzuweisen. Bei vielen der letzteren, namentlich den Alkaloiden wird der Nach­weis in eminentem Grade noch dadurch erschwert, dafs bei der Fäulnis von Leichenteilen basische Körper (Ptomaine, Ptomatine, Kadaveralkaloide) entstehen, welche in ihrem chemischen und physiologischen Ver­halten mit einigen Pflanzenbasen so grofse Ähnlichkeit zeigen, dafs sie damit verwechselt werden können.
Die bei der Untersuchung verwendeten Utensilien und Materialien müssen die für den Zweck erforder­liche Reinheit besitzen; es ist z. B. schon Arsen durch
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zur Erzeugung von Arsenwasserstoff dienendes arsen­haltiges Zink in die zu untersuchenden Objekte ge­langt, ebenso z. B. Blei aus schlecht glasierten Ge-fäfsen oder aus Gummischlauch etc.
Bei der Obduktion sind folgende Vorproben an­zustellen :
Der Geruch ist oft charakteristisch, so z. B. bei Anwesenheit von Phosphor, Blausäure, Alkohol, Äther, Chloroform, Kampfer, Nikotin, Chlor, Brom, Jod, Ammoniak, Essigsäure, Salzsäure etc.
Leuchten im Dunkeln zeigen Objekte, welche freien Phosphor enthalten.
Gegen Metalle, namentlich Eisen, reagieren Objekte, welche Metallgifte enthalten, oft derart, dafs sich bei der Zerkleinerung mit Messer oder Schere das Metall des Giftes als weifser, grauer oder roter Niederschlag auf den Instrumenten absetzt. (Siehe Arsen, Quecksilber, Kupfer.)
Ermittlung der Reaktion. Organische Mas­sen zeigen im frischen oder bereits zersetzten Zustande häufig eine mehr oder minder schwache, saure oder alkalische Eeaktion. Vergiftungen durch Säuren oder Alkalien resp. sauer oder alkalisch reagierende Salze hingegen erteilen dem Untersuchungs­objekte, namentlich den geätzten Stellen, eine starke alkalische oder saure Reaktion.
Die eingehende chemische Untersuchung mufs wegen ihres ümfanges, wenigstens so weit als sie für den Arzt zum Verständnis des chemischen Gutachtens notwendig ist, in einem besonderen Kapitel besprochen werden.
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Bei der Sammlung und Aufbewahrung der dem Chemiker zu übergebenden Untersuchungsobjekte sind folgende Vorsichtsmafsregeln zu beobachten:
a. Bei der Entnahme von Leichenteilen für ge­richtlich-chemische Analysen wird man sich mit den durch die Verhältnisse von selbst gebotenen Modifika­tionen im allgemeinen nach dem „Preufsischen Regu­lativ für das Verfahren der Gerichtsärzte bei den ge­richtlichen Untersuchungen menschlicher Leichen vom 13. Februar 1875quot; richten können, welches in sect;sect; 21 und 22 folgendes vorschreibt:
„Nachdem Magen und Zwölffingerdarm herausge­nommen und geöffnet worden sind, wird sofort der In­halt nach Menge, Konsistenz, Farbe, Zusammensetzung, Reaktion und Geruch bestimmt und in ein reines Ge-fäfs von Glas oder Porzellan (also Metallgefässe zu vermeiden) gethan. In Fällen, wo sich im Magenin­halte verdächtige Körper (siehe oben) finden, sind die­selben einer mikroskopischen Untersuchung zu unter­werfen. Nach Beendigung der anatomischen Unter­suchung werden der Magen und der Zwölffingerdarm in dasselbe Gefäfs mit dem Mageninhalte gethan, und ist in dasselbe auch später die Speiseröhre, sowie in dem Falle, dafs wenig Mageninhalt vorhanden ist, der Inhalt des Leerdarms zu bringen. Endlich sind auch andere Substanzen und Organteile, wie Harn, Stücke der Leber, Nieren etc. aus der Leiche zu entnehmen und dem Richter abgesondert zur weiteren Veran­lassung zu übergeben; Blut nur in dem Falle, dafs von einer spektralanalytischen Untersuchung ein besonderer Aufschlufs erwartet werden kann.quot; (Erbrochenes ist selbstverständlich mit zu sammeln.)
Tereg u. Arnold, Toxikologie/nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2
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ß. Soll Spiritus zur Konservierung zugesetzt wer­den, so darf derselbe nicht denaturiert sein, sondern ist so rein wie möglich aus einer Apotheke, unter An­gabe der Verwendung, zu beziehen und event, eine Probe des Konservierungsmittels beizulegen.
y. Es ist anzugeben, ob und welche Arzneistoffe das vergiftete Individuum vor seinem Tode erhalten hat.
d.nbsp; In besonderen Fällen, z. B. bei Untersuchungen auf rasch zersetzbare Gifte, sowie wenn aufserdem zwi­schen dem vermutlichen Vergiftungsfalle und der Ana­lyse ein gröfserer Zeitraum liegt, berücksichtige man, dafs unter diesen Umständen ein negatives Unter­suchungsergebnis erklärlich und selbst bei Annahme einer thatsächlich stattgefundenen Vergiftung vorauszusehen war.
e.nbsp; Der negative Ausfall einer toxikologischen Ana­lyse hat keine unbedingte Beweiskraft in dem Sinne, dafs eine Vergiftung nicht anzunehmen sei. Die oberste Medizinalbehörde hat vielmehr dahin entschieden, „dafs der chemische Nachweis des Giftes im Leicheninhalte nicht unbedingtes Erfordernis zur Feststellung des Thatbestandes einer noch zweifelhaften Vergiftung sei, und dafs diese auch ohne jenen chemischen Nachweis, je nach Umständen mit öewifsheit oder nach Wahr­scheinlichkeitsgraden angenommen werden müsse, wenn die übrigen Kriterien der zweifelhaften Vergiftung für eine solche im konkreten Falle sprechen und der Fall eine andere diagnostische Deutung nicht zuläfst.quot;
6. Der physiologische Nachweis. Werden bei der chemischen Untersuchung Stoffe erhalten, welche die allgemeinen Reaktionen der Alkaloide resp. Gly-koside, hingegen nicht die sicheren Reaktionen eines bestimmten Körpers dieser Abteilung geben, oder sind
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die erhaltenen Mengen zur Anstellung mehrerer che­mischer Versuche zu gering, so werden dieselben, möglichst rein hergestellt und vollkommen neutrali­siert, zu physiologischen Reaktionen, bei Fröschen, Mäusen, Kaninchen und zwar am besten subkutan ver­wendet und so häufig die im speziellen Teile ange­gebenen, für einzelne Gifte charakteristischen Erschei­nungen hervorgerufen.
Eine Vergiftung ist am sichersten nach­gewiesen, wenn der ärztliche und der che­mische Befund übereinstimmend auf ein und dasselbe Gift hinweisen und ein Teil von diesem noch in Substanz — als corpus delicti — vorgelegt werden kann.
Prognose der Vergiftungen.
Die Prognose hängt natürlich in erster Linie vom klinischen Befunde und von der Natur und Stärke des betr. Giftes ab und ist daher Sache der speziellen Toxikologie. Im allgemeinen verschlimmert sich die­selbe mit der Gröfse der Dosis, zuweilen jedoch kann durch auf grofse Dosen erfolgendes Erbrechen das Gift ganz oder teilweise entleert werden; ferner verschlim­mert sich die Prognose mit der Löslichkeit und Kon-zentration des Giftes (S. 7 und 9), sowie bei der Ein­führung in den leeren Magen (S. 9); von Wichtigkeit sind fernerhin die somatischen Verhältnisse (S. 11), so­wie der Zeitpunkt, zu welchem ärztliche Hülfe eintrat.
Behandlung der Verglftnngen.
Fast so lange man Gifte kennt, hat man auch nach Mitteln und Wegen gesucht, ihre Wirkungen auf­zuheben oder wenigstens abzuschwächen. Diese Be­strebungen führten zur Kenntnis der Gegengifte (Anti-
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dota), richtiger wohl Gegenmittel, deren Anwendung natürlich die Kenntnis der chemischen und physiolo­gischen Eigenschaften der Gifte voraussetzt. Die Gegenmittel lassen sich einteilen in:
1. Die physikalischen (mechanischen) Gegen­mittel, Entfernung des Giftes aus Wunden durch Ausquetschen, Auswaschen, Ausbrennen, oder Entfernung des Giftes aus dem Magen durch Magenausspülung, Abführmittel, und bei Schweinen, Hunden, Katzen durch Brechmittel; ferner künstliche Respiration oder Elektrizität bei drohender Atemläh­mung; bei durch Ätzwirkung herbeigeführtem Oedema glottidis zur Herbeiführung von Luftzufuhr Tracheo-tomie; Aderlafs und event. Transfusion bei Blutgiften; Eingeben von Eisstücken oder auch schleimiger und öliger Mittel zur Verhütung von Entzündung bei Ätz­giften (Oliven-, Rüb-, Mohnöl, Abkochung von Lein­samen oder Althäawurzel, Milch, Eiweifs); Erwärmen des Körpers, wenn die Körpertemperatur stark sinkt, kalte Übergiefsungen im gegenteiligen Falle.
Brechmittel sind subkutane Injektionen von Apomorphin (Hunden 0,002 bis 0,010, Katzen 0,02 bis 0,05), oder bei Schweinen Veratrin (0,02 bis 0,03), ferner per os Rhizoma Veratri, Radix Ipecacuanhae, Tartarus stibiatus, Zincum sulfuricura, Cuprum sulfu-ricum, (Spezifikum bei Phosphorvei'giftung) oder als Notbehelf Kochsalz oder Senfmehl (Hunden 1—2 Thee-löfFel voll) oder Schnupftabak (Hunden 1 Messer­spitze voll).
Abführmittel sind 01. Crotonis (Pferden bis 20, Rindern bis 30, Schafen, Schweinen bis 10, Hunden bis 5 Tropfen), am besten mit zugleich ein­hüllend wirkendem Rizinusöl, subkutane Injektionen
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von Physostygmin bei Pferden (0, 1) und Rindern (0, 1—0, 2), Resina Jalapae, Kalomel unter Bei'ücksich-tigung der Kontraindikationen.
2.nbsp; Die chemischen Gegenmittel. Dieselben sollen das Gift entweder neutralisieren (z. B. Säuren durch Alkalien) oder unlöslich machen (z. B. Arsen durch Eisenhydroxyd) oder sonstwie umwandeln. (Kar­bolsäure durch Glaubersalz). Sind Gifte aufgenom­men, welche mit Eiweifs schwerlösliche Verbindung geben, so ist Eiweifs oder Milch zu verabfolgen; Al-kaloide werden meist durch Acid, tannicum unlöslich gemacht, Silbersalze durch Kochsalz, Oxalsäure durch Kalksalze etc.
3.nbsp; nbsp; nbsp;Die physiologischen oder dynami­schen Gegenmittel. In den meisten Fällen sind die Gegenmittel hier starke Gifte, so dafs man in der That von Gegengiften sprechen kann; diese Stoffe wirken jedoch nicht auf das Gift selbst ein, sondern sollen die Giftwirkung dadurch herabsetzen, dafs sie eine entgegengesetzte Wirkung (Antagonismus) wie das Gift erzeugen; so kann man z. B. eine Fliegenpilz-(Muskarin-)Vergiftung durch Atropin verhindern, in­dem der drohende Herzstillstand durch Atropin besei­tigt wird; Chloralhydrat kann als Antidot bei Strych-ninvergiftung gelten, weil es die Krämpfe durch zen­trale Wirkung inhibiert.
Amylnitrit wirkt gefäfserweiternd und ist daher
in gewissem Grade ein Antidot gegen das gefkfsver-
engernde Mutterkorn. -
Man unterscheidet einseitigen Antagonismus, wenn das eine Gift die Wirkung des anderen aufhebt, aber nicht umgekehrt (Muskarin wirkt nicht bei Atropinvergiftung); doppelseitigen oder mutuellen Antagonismus, wenn wechselseitige Aufhebung stattfindet (nach neueren Unter-
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suchungen zweifelhaft); ferner wahren oder direkten An­tagonismus, wenn beide Gifte auf ein und dasselbe Organ einwirken (Amylnitrit und Mutterkorn), und scheinbaren oder indirekten Antagonismus, wenn beide Gifte auf verschiedene Organe einwirken (z. B. Kurare als Gegengift des Strychnins benutzt, würde nicht wie dieses das Rücken­mark, sondern die peripheren Endigungen der Muskelnerven beeinflussen).
4. Die symptomatischen Gegenmittel. Dieselben dienen dazu, einzelne besonders bedrohliche Symptome antidotarisch zu behandeln; z. B. giebt man gegen Kollaps Excitantien, gegen Diarrhöen Entero-styptica, gegen Verstopfung Abführmittel etc.
Näheres über die Gegenmittel bei den einzelnen Giften im speziellen Teil.
Systematischer Gan^ der chemischen Untersuchung.
Bei toxikologischen Untersuchungen können nur vollständig erprobte, absolut sichere Methoden in Be­tracht kommen, da man bei solchen Untersuchungen nicht lernen, sondern nur Gelerntes anwenden soll. Wenn auch dem Arzte im allgemeinen die chemische Ausbildung zu ausführlichen toxikologisch-chemischen Untersuchungen abgeht, so soll er doch vom Gange der Analyse soviel wissen, dafs er imstande ist, die Aussagen des Chemikers zu verstehen.
Es ist ein sehr glücklicher Umstand, dafs bei der chemischen Untersuchung ein Weg eingeschlagen werden kann, der fast zu allen Giften führt; wie sich dieser Weg abkürzt, wenn nur auf ein spezielles Gift zu prüfen ist, ergiebt sich aus dem Nachstehenden von selbst. Wenn möglich, ist nicht die ganze Substanz­menge zur Untersuchung zu verwenden, sondern nur ein Drittel; das zweite Drittel dient zur Reserve, wenn die erste Untersuchung verunglücken sollte oder durch
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diese die Qualität des Giftes nicht genügend festge­stellt werden kann; das letzte Drittel kann zur event. Untersuchung für die Behörde reserviert bleiben, welche das Obergutachten abzugeben hat.
Das Prinzip des systematischen, vielfach verzweig­ten Ganges der Analyse auf alle Gifte ist, aus Ge­menge verschiedener Stoffe durch ein und dieselbe Operation möglichst viele Gifte abzusondern und dabei die sonstigen, vorhandenen Stoffe so weit unversehrt zu lassen, dafs bei Mangel an Untersuchungsmaterial dieselbe Portion nacheinander den Prüfungen von 1. bis 5. unterworfen werden kann. Zugleich werden bei dieser Methode die am leichtesten zersetzbaren Gifte (z. B. Phosphor und Blausäure) zuerst isoliert, hierauf die minder leicht zersetzbaren (Alkaloide etc.), und schliefslich die beständigen Gifte (Metallgifte). In Be­zug auf den Nachweis von Alkaloiden, Bitterstoffen, Glykosiden und verwandten Stoffen nach unten 4. ist zu bemerken, dafs, wenn die Vergiftung mit diesen Stoffen im reinen Zustande geschehen ist, es sich fast immer nur um die Ermittelung eines einzigen dieser Körper handelt; bei Anwendung unreiner Verbindungen hingegen, oder wo ein anderes Alkaloid etc. als Gegen­mittel verabreicht wurde (S. 20), ferner falls Pflanzen­stoffe, welche diese Verbindungen enthalten, in An­wendung kamen, werden sich bei der Analyse meh­rere Alkaloide etc. vorfinden. Häufig ist auch die Auf­findung von charakteristischen Bestandteilen, welche die Alkaloide etc. in den Pflanzen begleiten, von Be­deutung für die Beurteilung der Form, in welcher das Gift zur Verwendung kam. Findet sich z. B. neben Morphium auch Mekonsäure, so fand die Vergiftung mit Opium und nicht mit reinem Morphiumsalz statt.
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Bei der Analyse auf Alkaloide cte. werden zugleich mit diesen die Ptomaine (S. 15) gefunden, und ist deren Trennung in den meisten Fällen noch nicht möglich; ferner gieht es bis jetzt keine speziellen Eeaktionen auf dieselben. Gewisse Ptomaine geben Pflanzenalka-loiden ähnliche Eeaktionen und anderseits kann die Anwesenheit von Ptomainen die Reaktionen der Pflanzen-alkaloide verhindern oder herabsetzen, so dafs in solchen Fällen die physiologische Reaktion die chemische zu ergänzen hat, was jedoch auch nicht immer sicheren Anhalt gewährt.
Die Hauptstationen des systematischen Ganges sind folgende:
1.nbsp; Nachweis giftiger oder schädlicher Gase (z. B. Kohlenoxyd, Kohlendioxyd, Chlor etc.) nach den allgemeinen Regeln der Gasanalyse.
2.nbsp; N ach w e i s v o n f 1 ü c h t ig e n G i f t e n d u r ch Destillation mit oder ohne Benutzung von Wasser­dampf.
laquo;) Sind die zu prüfenden Massen alkalisch, so destilliert man direkt, wobei Ammoniak und dessen organische Derivate übergehen. Auch Nikotin und Koniin können überdestillieren. Eührt die alkalische Beaktion von Cyankalium her, so erhält man etwas Blausäure im Destillat.
ß) Ist die alkalische Destillation beendigt, oder war die­selbe überhaupt nicht nötig, so versetzt man mit Schwefelsäure bis zur stark sauren Beaktion und destilliert nochmal-, wobei Alkohole, Äther, ätherische Öle, Aceton, JJlausäure, Benzin, Chloroform, Chloralhydrat, Essigsäure, Karbolsäure, Kreosot, Kampfer, Nitrobenzol, Nitroglycerin, Petroleumäther, Phosphor, Schwefelkohlenstoff und ähnliche Verbindungen übergehen.
3.nbsp; Nachweis vonGiften, welche nament-ich durch Ausziehen mit Alkohol, Äther, Amylalkohol, Benzol, Chloroform, Petro­leumäther aus der sauren oder alkalischen Lösung isoliert werden können, wie z. B. die
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Alkaloide, Bitterstoffe, Glykoside und verwandte Stoffe. (Näheres darüber S. 26, 27.)
4.nbsp; Nachweis von Giften, welche nament­lich durch Ausziehen mitWasser gewonnen werden können, wie z. B. Säuren, Alkalien und deren lösliche Salze.
5.nbsp; Nachweis von Giften, welche nach voll­ständiger Zerstörung der Untersuchungs­objekte im Rückstande nach den Regeln der anor­ganischen chemischen Analyse durch Schwefel­wasserstoff etc. abgeschieden werden, wie z. B. Verbindungen des Arsens und der Schwermetalle. Diese Gifte geben mit den Eiweifsstoffen unlösliche Me-tallalbuminate, aus welchen die Metalle erst durch Zer­störung der organischen Substanz freigemacht werden müssen, da sonst häutig nicht die für sie charakteristi­schen Reaktionen eintreten.
Die Zerstörung organischer Substanzen (z. B. der Leichen­teile) zum Zwecke des Nachweises anorganischer Stoffe geschieht entweder auf trockenem Wege, (mit oder ohne Anwendung eines Oxydationsmittels) oder auf nassem Wege und dann fast ausnahmslos durch Oxydation; im letzteren Falle wird die organische Substanz niemals vollkommen zerstört, sondern es entstehen nur einfachere Verbindungen. Bei diesen Methoden wird die Form der ursprünglichen Verbindung der Mctallgifte meistens verändert und kann nur aus dem Ver­halten der Substanz gegen verschiedene Lösungsmittel (z. B. bei den vorhergehenden Prüfungen) erschlossen werden, oder es bedarf besonderer Versuche zur Feststellung der Verbindungs­form, in welcher das Gift dem Organismus zugeführt wurde (S. 26). Häufig wird durch die dem Vergiftungsfall begleiten­den Umstände ein Hinweis auf ein bestimmtes Präparat gegeben oder es finden sich unbenutzte Giftreste vor.
a) Das gebräuchlichste Verfahren zur Zerstörung der orga­nischen Stoffe ist gegenwärtig das von Fresenius-Babo, wobei die zerkleinerten Objekte mit reiner Salzsäure unter all­mählichem Zusatz von chlorsaurem Kalium bis zur vollkomme­nen Lösung erwärmt werden; nach Sonnenschein-Jeserich
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wird das Objekt langsam und vorsichtig mit kleinen Mengen von Chlorsäure erwärmt. Die Zerstörung wird in diesen Fällfen durch Chlor in statu nascendi vollbracht, welches oxydiert, spaltet und chloriert.
ß) Die von Chlor befreite salzsaure Flüssigkeit wird nach dem Erkalten filtriert, mit Wasser verdünnt und mit arsen­freiem Schwefelwasserstoff (S. 1-5) gesättigt. Der entstandene Niederschlag wird nach dem Gange der qualitativen Analyse auf Arsen, Antimon, Blei, Kupfer, Quecksilber, Silber, Ziny. geprüft.
y) Das Filtrat vom Schwefelwasserstoff-Niederschläge kann enthalten Chrom- (zu Chromsäure oxydiert), Zink- und Barium­verbindungen und wird ebenfalls nach dem system. Gange der qualitativen Analyse untersucht, wobei jedoch zu berücksich­tigen ist, dafs auch die ungiftigen Metalle (z. B. Eisen, Calcium) in mehr oder minder grofser Menge zugegen sein können, ferner Phosphorsäure und durch Oxydation der organischen Substanzen entstandene Oxalsäure.
6, Nachweis unlöslicher Metallverbin-
rlungen oder der Umwandlungsprodukte,
welche bei der Behandlung nach 5. ungelöst
zurückbleiben, wie z. B. Zinnober, Bleisulfat, Ba-
rliunsulfat etc.
Die Stoffe, welche bei der Behandlung nach .5. ungelöst bleiben, können an sieh wegen ihrer Unlöslichkeit nicht als (Jifte betrachtet werden; die Untersuchung hat nur deshalb zu geschehen, weil lösliche Verbindungen des Silbers, Bleis, Ba­riums sich mit den Bestandteilen des Objektes oder bei der Desorganisierung derselben nach 5. in unlöslichen Verbindungs­formen — Silberchlorid, Bleisulfat, Bariumsulfat — umgesetzt haben können. Es ist also hier nur auf diese drei Körper nach dem Gange der qualitativen Analyse zu prüfen.
Nachweis der Alkaloide, Bitterstoffe, Glykoside etc.
Diese Verbindungen werden bei dem systematischen Gange der Analyse, wie oben sub. 3 erwähnt, durch Ausziehen des Objekts mit Äther etc. erhalten. Da in den, dem Arzte ge­wöhnlich zur Verfügung stehenden chemischen Lehrbüchern die Methoden des Nachweises dieser Verbindungen nicht be­schrieben sind, so folgt nachstehend eine kurze Übersicht der gebräuchlichen zwei Methoden. Hervorzuheben ist, dafs auch
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die meisten Ptomaine an dieser Stelle erhalten werden und dieselben- die Reaktionen der Alkaloide beeinträchtigen oder verhindern, anderseits aber die Anwesenheit, von Alkaloiden vortäuschen können.
1.nbsp; Methode Stas-Otto. o) Der mit Weingeist unter Zusatz von etwas Weinsäure erhaltene Auszug des Objektes wird ver­dunstet, wobei sich Fett und harzartige Stoffe abscheiden; von diesen filtriert man die rückständige erkaltete, nunmehr wässe­rige Flüssigkeit ab und verdampft vorsichtig zur Sirupskonsi­stenz. Dieser Rückstand wird mit wasserfreiem Weingeist ver­rieben, wobei sieb weitere Unreinigkeiten abscheiden. Das Fil-trat von den letzteren wird wiederum verdunstet, der Rückstand mit wenig Wasser aufgenommen und die noch saure Flüs­sigkeit mit Äther ausgeschüttelt. Es lösen sich im Äther und bleiben beim Verdunsten desselben zurück: Digitalin, Kol-chicin, Kantharidin, Pikrotoxin.
/?) Die mit Äther ausgeschüttelte und von demselben ge­trennte saure Flüssigkeit wird nun mit Natronlauge alkalisch gemacht und wieder mit Äther ausgeschüttelt. Es lösen sich jetzt und bleiben beim Verdunsten zurück: Atropin, Ako-nitin, Brucin, Delphinin, Digitalin, Emetin, Hyoscyamin, Kodein, Koniin, Narkotin, Nikotin, Physostigmin, Papaverin, Strychnin, Thebain, Veratrin.
y) Die mit Äther ausgeschüttelte und von demselben ge­trennte alkalische Flüssigkeit kann noch enthalten Apomorphin, Morphin, Narcein, Kurarin. Macht man die Flüssigkeit ammo-niakalisch und schüttelt dann mit Aether, so löst dieser das Apomorphin; zieht man nach der Ätherextraktion die ammo-niakalische Flüssigkeit mit Amylalkohol aus, so löst dieser Mor­phin und Narcein, worauf das Kurarin aus der ammoniaka-lischen Flüssigkeit wie unten sub * isoliert wird.
2.nbsp; Methode Dragendorff. Das Objekt wird mit schwefel­säurehaltigem Wasser ausgezogen, die Auszüge verdunstet, der Rückstand mit Weingeist verrührt, die abgeschiedenen Ver­unreinigungen abfiltriert; die filtrierte alkoholische Lösung wird verdunstet und der bleibende wässerige Rückstand ausgeschüt­telt mit:
laquo;) Petroleumäther. In demselben lösen sich und bleiben beim Verdunsten des Petroleumäthers zurück: Piperin, Pikrin­säure, ätherische Öle, Kampfer, Salycilsäure, Benzoesäure, Kap-sicin, Bestandteile der schwarzen Niefswurz und der Akonit-pflanze, Zersetzungsprodukte des Alkonitins, Kardol, Phenol.
ß) Nach der Erschöpfung mit Petroleumäther wird der wässerige saure Anteil mit Benzol (C6 H9) wiederholt durch-
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schüttelt. Die Benzollösungen hinterlassen ev. Rückstände von Koffein, Kolehicin, Greifsospermin, Kubebin, Kantharidin, Kolo-cynthin, Elaterin, Karyophyllin, Absinthiin, Kaskarillin, Popu-lin, Santonin und Spuren von Veratrin etc.
y) Nach der Erschöpfung mit Benzol wird der saure wässe­rige Anteil mit Chloroform extrahiert. In dieses gehen über und bleiben beim Verdampfen des Chloroforms zurück Theo-bromin, Narcein, Papaverin, Cinchonin, Jervin, Hydrastin, My-oktonin, Lykakonitin, Aspidospermin, Quebrachin, Pereirin, Solanidin, Chelidonin, Pikrotoxin, Syringiu, Digitalein, Helle-borein, Konvallamarin, Saponin, Senegin, Aeskulin, Gelsemin­säure, sowie Spuren von Brucin, Narkotin, Physostigmin, Vera­trin, Delphinoidin, Berberin, Oxyakanthin, Sanguinarin.
J) Dann wird mit Ammoniak alkalisch gemacht und wieder mit Petroleumäthor durchschüttelt. Es gehen in Lösung und bleiben beim Verdunsten des Petroleumäthers zurück Koniin, Nikotin, Anilin, Strychnin, Quebrachin, Aspidospermin, Perei­rin, Grelsemin, Oxyakanthin, Akonitin, Delphinin, Emetin, Veratrin.
e)nbsp; Hierauf wird der ammoniakalische Anteil mit Benzol durchschüttelt; es gehen in Lösung Strychnin, Methyl- und Äthylstrychnin, Brucin, Emetin, Chinin, Conchinin, Cinchonin, Atropin, Hyoscyamin, Physostigmin, Nepalin, Geifsospermin, Lykakonitin, Myoktonin, Veratrin, Sabatrin, Sabadillin, Kodein, Thebain, Delphinoidin, Sanguinarin, Taxin, Delphinin, Akonitin, Narkotin, Pilokarpin.
f)nbsp; Jetzt wird der wässerige ammoniakalische Anteil mit Chloroform durchschüttelt. In Lösung gehen über: Cinchonin, Papaverin, Narcein, Cinchonidin, Berberin und kleine Mengen Morphin.
raquo;;) Schliefslich wird mit Amylalkohol durchschüttelt,wodurcli gelöst werden Morphin, Solanin, Salicin, sowie Beste von Kon­vallamarin, Saponin, Senegin und Narcein.
9) Nach dem Ausschütteln mit Amylalkohol wird die ammoniakalische Flüssigkeit mit Glaspulver zur Trockne ver­dunstet und dann mit Chloroform extrahiert, worauf Kurarin in Lösung geht.
3. Reaktionen der Alkaloide etc. Die durch Verdunstung der betr. Lösungsmittel erhaltenen Alkaloide, Glykoside etc. werden durch eine Spur Salzsäure in lösliche Salze übergeführt und geben häufig charakteristische allgemeine und spezielle Reaktionen.
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laquo;) Die allgemeinen Reaktionen, d. h. die allen Al-kaloiden (auch vielen nahestehenden, oben angeführten Giften und Ptomainen) zukommenden, beruhen darauf, dafs durch die nachstehenden Gruppenreagenzien teils amorphe, teils krystal-linische, weifse oder gefärbte Niederschläge entstehen. Da diese Reaktionen oft mit sehr geringen Mengen auszuführen sind, so bringt man mittelst eines dünnen Glasstabes einen Tropfen der wässerigen Alkaloidsalzlösung mit einem Tropfen des betr. Rea­genzes auf einer schwarzen Glasplatte zusammen und beobach­tet, ob an der Zusammenfliessungsstelle Veränderungen auftreten. Gerbsäurelösung (1 : 10) giebt weifse oder gelbliche
Niederschläge. Goldchloridlösung (1:30) giebt weifse, gelbe oder braune
Niederschläge. Jodjodkalium (Bouchardats Reagenz, 1 T. Jod, 2 T.
Jodkalium, 5 T. Wasser) giebt braune Fällungen. Kaliumkadmiumjodid (M armes Reagenz, 2 T. Jodkad­mium, 4 T. Jodkalium, 12 T. Wasser) giebt mit den meisten Alkaloiden weifse, gelblich werdende Niederschläge. Ivaliumquecksilberjodid (Mayers Reagenz, 13,5 T. Quecksilberchlorid, 49,8 T. Jodkalium, 940 T. Wasser) giebt weifse amorphe oder krystallischc Niederschläge. Kaliumwismutjodid (Dragendorffs Reagenz; man löst Wismutjodid in heifser Jodidkaliumlösung und setzt das gleiche Volum Jodkaliumlösung hinzu). Giebt orange Niederschlag. Phosphormoly bdän säure (Sonne ns ehe ins Reagenz; man schmilzt Ammoniummolybdat mit Soda und löst den Rück­stand in Wasser unter Zusatz von Salpetersäure) giebt gelbliche oder braungelbe Niederschläge. Phosphorwolframsäure (Scheiblers Reagenz, eine gesättigte wässerige Lösung von Natriumwolframat mit etwas Phosphorsäure versetzt) giebt gelbe oder braungelbe Färbung. Pikrinsäurelösung (gesättigte) giebt gelbe Fällung. Platinohloridlösung (1 : 20) giebt mit den meisten Alka­loiden gelbe, krystallinische Fällungen. Quecksilberchloridlösung (1:20) giebt weifse oder gelb­liche Niederschläge.
4. Die speziellen Reaktionen. Manche Alkaloide geben mit verschiedenen der oben angeführten Gruppenreagenzien bereits charakteristische Reaktionen resp. Verbindungen. Mehr jedoch werden besondere Identitätsreagenzien benätzt, durch deren Zusatz unmittelbar oder erst nach dem Zusätze eines zweiten
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Reagenzes eine bostinimte Färbung eintritt. Diese Eeaktionen
beruhen meistens auf Oxydations- oder Reduktionswirkung und
werden hervorgebracht durch
Salpetersäure z. B. bei Brucin.
Schwefelsäure z. B. bei Veratrin.
Schwefelsäure mit sehr wenig Salpetersäure (Erdmanns
Reagenz in 100 Cc. Wasser) z. B. bei Brucin, Kodein,
Morphin. Fröhdes Reagenz (0,01 Natriummolybdat in 1 Cc. Sehwofel-
säure) z. B. bei Morphin. Bucking hams Reagenz (1,0 Ammoniummolybdat in 16,0
Schwefelsäure). Mandelins Reagenz (1 T. Ammoniumvanadinat in 100 T.
Schwefelsäure) z. B. bei Strychnin, Veratrin. Chlor was sei bei Brucin. Kaliumbichromat und Schwefelsäure z.B. beiBrucin,
Strychnin. Ferricyankalium z. B. bei Morphin. Jod säure z. B. bei Morphin, Apomorphin. Fehlingsche Lösung bei Pikrotoxin etc.
Die Reaktionen werden meistens mit den beim Verdunsten der ätherischen etc. Lösungen des Alkaloides erhaltenen Rück­ständen vorgenommen, indem man eine Spur desselben in einer weifsen Porzellanschale mit einigen Tropfen des Reagenz zu­sammenrührt. Die hierbei auftretenden, charakteristischen Reaktionen werden bei den betreffenden Verbindungen einge­hend besprochen.
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Spezieller Teil.
Von Professor J. Tereg.
I.
Auffällige Haut- und Schleimhautveränderung.
1. Entzündliche Schwellung und Korrosion des
Nasenrachenraums, Dyspnoe, schmerzhafter Husten.
Pneumonic.
Irrespirable Gase.
Ammoniakgas (siehe Abschnitt VIII).
Chlor.
Vergiftungen durch Einatmen von Chlorgas, welche in Bleichereien, Papier- und chemischen Fabriken bei Arbeitern nicht selten sind, kommen bei Haustieren nur ausnahmsweise vor.
Rost berichtet über Erkrankung zweier Pferde, die als Folge des Einatmens von Chlordämpfen auftrat. Die Kutschpferde einer chemischen Fabrik standen in der Nähe der Chlorkammer, und ein Arbeiter hatte letztere unvorsichtigerweise geöffnet. Beide Pferde zeigten hoch­gradige Atemnot wie bei einem akuten Lungenemphy­sem bez. Odem. Das Atmen geschah mit stark erwei­terten Nüstern unter forcierter stofsender Bewegung der Brust- und Bauchwand. Die Perkussion ergab keine Abweichungen, die Auskultation laute, pfeifende, gie-mende und zirpende Geräusche. Husten häufig und schmerzhaft. Puls ein wenig frequenter, Temperatur
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nicht erhöht. Appetit fehlte. Der Zustand verlor sich bei Aufenthalt in der freien Luft über Nacht. Aufser etwas Husten zeigten die Pferde am anderen Tage keinerlei Krankheitserscheinungen.
C. Binz führte einem tracheotomierton Kaninchen rasch nach einander abwechselnd .starke Ströme von Chlor und dann von Luft in die Lungen. Tod nach kaum einer Minute. Die Lunge sehr stark angeätzt. Etwas weniger akute Chlorgas­vergiftung erzielte B. dadurch, dafs ein zweites Kaninchen in einen verstopften Luftschacht gesetzt und langsam darunter Chlor entwickelt wurde. Das anfangs äufserst unruhige Tier sitzt später, den Kopf zurückgebeugt, mit angestrengter, vmunter-brochen bis zum Tode anhaltender Atmung da, fällt nach Ah­lauf von etwas mehr als 2 Stunden auf die Seite und verendet ohne Krampf. Nach Abspülen in verdünntem Ammoniak und Abtrocknen wird das Tier obduciert. In Brust und Bauchhöhle intensiver Chlorgeruch, welcher sich an frischen Hirnschnitten ebenfalls deutlich bemerkbar macht. Die Lunge ödematös, hä-morrhagisch gefleckt. Der Fundus des Magens zeigt eine grofse ecehymotische Partie. Das Blut nicht verfärbt, spektroskopisch Methämoglobin nicht nachweisbar. Der Harn giebt keine Chlor­reaktion.
Ein Frosch, welcher auch nur 3 Sekunden in Chlorgas ver­weilt, wird an der Luft nach wenigen Minuten asphyktisch und somnolent, erholt sich dann, ohne dafs die Atembewegungen wiederkehren, verfällt nachträglich aber wieder in Narkose, und bei der fehlenden Atmung nimmt allmählig auch die Herzaktion ab (nach 50 Stunden 30 Schläge, nach 75 Stunden 18 Schläge pro Minute).
Ahnliches beobachtete Falk an Salzfröschen, so dafs hier eine unmittelbare Einwirkung des Chlors auf das Atmungscen­trum und das Grofshim anzunehmen ist und nicht eine sekun­däre Lähmung in Folge der Zersetzung der roten Blutkörper­chen, welche bei länger dauernder Einwirkung nicht ausbleibt, aber doch nicht so rasch eintritt, als man gewöhnlich annimmt. Binz fand auch im Blut* von Fröschen, welche 10 Sekunden in Chlorgas verweilt hatten, keine Spur Methämoglobin. — Der Chlorgeruch der Organe ist auf das Vorhandensein von unter­chloriger Säure HCIO zurückzuführen, welche in alkalischer Eiweifslösung, ohne das Eiweifs zu fällen, frei vorhanden sein kann. Die Umsetzung im Blut vollzieht sich nach der Glei­chung NaHC03 Cl2 = NaCl C02 HCIO.
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Die unterchlorige Säure hat dieselbe Wirkung wie Chlor.
C armer on konstatierte 30 Stunden nach dem Tode eines Matrosen, der in einem Schiffsräume geschlafen hatte, neben welchem sich defekte Chlorkalkkisten befanden, auf Hirnschnitten unverkennbaren Chlorgeruch. Zwei schwer betäubt gewesene Schicksalsgenossen erholten sich in frischer Luft ziemlich schnell.
Therapie: Frische Luft, Inhalationen von Wasserdämpfen, Alkalien per os (Natrium bicarhoni-cum) ev. Injektion in den Nasenrachenraum; zur Lin­derung des Hustenreizes Morphium mit Aq. amyg-dalar. amar.
2. Verätzung der Maul- und Rachenhöhle, Schling­beschwerden, schwere Kolik.
Konzentrierte Säuren, Alkalien.
Liquor Ammonii caustici (Atzammoniak, Ammoniak­flüssigkeit, siehe Abschnitt VIII), Phenol (siehe Abschnitt VI).
Salpetersäure.
Vergiftungen der Haustiere mit Salpetersäure, HN03, sind bisher wohl kaum vorgekommen und ge­hören auch beim Menschen zu den Seltenheiten.
DieVergiftungserscheinungen äufsern sich durch Verätzung der Schleimhäute desMaules, Schlundes, Magens und Darms, durch heftige Entzündung und gangränöse Zerstörung. Es kommt infolge dieser Vor­gänge zum Erbrechen blutiger Massen, zu Koliker­scheinungen, blutigen Durchfällen, grofser Muskel­schwäche, Kollaps und Tod.
Bei der Sektion finden sich mehr oder weniger hochgradige Veränderungen an den Schleimhäuten. Die Mucosa ist stark korrodiert und geschrumpft. Vor-
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
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handene Schorfe zeigen eine charakteristische Orange-
gelbfarbung, auch finden sich sonst vereinzelte gelbe
Flecken. Nicht selten beobachtet man eine rollkommen
trockene Schrumpfung der Schleimhäute.
Die Behandlung würde dieselbe sein wie bei
Schwefelsäurevergiftung (cf. S. 38).
Zwecks Nachweises der freien Salpetersäure werden die Contenta ausgowasohen. Das erhaltene Wasehwasser versetzt man mit gelöschtem Kalk und erhitzt längere Zeit, filtriert sodann das Ganze und verdampft das Piltrat. Der Eückstand wird mit absolutem Alkohol ausgezogen. Dor salpetersaure Kalk findet sich im Alkohol gelöst. Man verdünnt das alkoholische Filtrat mit viel Wasser, verjagt den Alkohol und dampft zur Trockene ein. Der Eückstand wird wiederum mit abso­lutem Alkohol aufgenommen. In dieser Lösung weist man nun den salpetersauren Kalk nach, der sich nur bei Gegenwart freier Salpetersäure gebildet haben kann (cf. Natronsalpeter und Maucrsalpeter).
Salzsäure, Chlorwasserstoffsäure.
Durch Salzsäure, HC1, werden Intoxikationen selten veranlai'st.
Rohe Salzsäure (30 pCt. HC1) bewirkt bei einmali­ger Anwendung auf die Haut des Pferdes nur schwache Entzündung. Die Stelle selbst fühlt sich wochenlang hart und verschrumpft an, die Haare fallen jedoch nicht aus. Die Maul schleim haut zeigte in Versuchen von G e r 1 a c h unter der Zunge noch Ero­sionen nach Anwendung einer Verdünnung mit 18 Teilen Wasser.
Die Symptome nach Vergiftung mit konzen­trierter Salzsäure kennzeichnen sich wie bei Sal­petersäure-Intoxikation durch Verätzung der Lippen-und Maulschleimhaut, Speicheln- und Schlingbeschwer­den ; bei Hunden aufserdem durch Erbrechen blutiger, braunroter (Hämatinfarbe) oder gelbgrünlicher (Galle-
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farbstoff) Massen. Die Anätzung der Magenschleim­haut hat schwere Kolikzufälle, Albuminurie, Häma-turie, Lähmung der Magen- und Darmperistaltik zur Folge. Unter progressiver Muskelschwäche erfolgt bald Tod durch Kollaps.
Bei der Sektion finden sich die Lippen grauweifs, die Schleimhäute des Maules, Schlundes, des Magens und Darms stark entzündet und hochrot gefärbt.
Hin und wieder ereignen sich auch Vergiftungen selbst mit tödlichem Ausgang nach übermäfsigem, fort­gesetztem Gebrauch verdünnter Salzsäure bei Rin­dern, welche mancherorts geradezu bis zur Abfuhr mit diesem „Liquidum gegen allesquot; traktiert werden. Die an derartiger Behandlung verendeten Tiere zeigen dünn­flüssiges, schmutzighellrotes Blut, das Fleisch fast rosa gefärbt.
Versuche von F. Walter mit verdünnter Säure ergaben, dafs bei Kaninchen nach Einführung von 0,9 g HC1 in 0,4 bis 0,8 pCt. Lösung in den Magen der Tod im Verlauf von wenigen Stunden eintrat. Die Anfangserscheinungen bestanden in Steigerung der Puls- und Atemfrequenz und Dispnoe, dann Unfähig­keit sich zu bewegen. Die Respiration änderte sich darauf plötzlich, wurde oberflächlich und schwach, sistierte gänzlich, kurz nachher auch die Herzthätig-keit, ohne dafs Konvulsionen erfolgten. Die Kohlen­säure des Blutes hatte sich von 26 auf 3 Vol. pCt. vermindert, der SauerstofFgehalt war unverändert ge­blieben. Das Blut reagierte noch alkalisch. Saure Reaktion deutet auf kadaveröse Veränderungen.
Sektion fast immer rein negativ. Bisweilen Erosionen der Magenschleimhaut. Blutgerinnung trat erst längere Zeit nach dem Tode ein.
3*
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Da bei gleichzeitiger Subkutaninjektion von 0,6 g Natriumkarbonat in 5 pCt. Lösung *) die dreifach töd­liche Säuremenge (3,4 g HC1 p. KK.), vom Magen aus wirkungslos blieb und schon dem Verenden nahe Tiere, ja sogar solche, bei denen Respiration und Herzschlag aufgehört hatten, durch Injektion von Alkalien wieder­herzustellen waren, so ist die Annahme berechtigt, dafs der Tod nach Zufuhr von Salzsäure in der ange­gebenen Verdünnung einzig und allein auf der Ver­armung des Blutes an disponiblem Alkali beruht. Die Folge der Alkaliverminderung äufsert sich zuerst in Reizung, dann in Lähmung des Respirationscentrums.
Hunde vertragen Quantitäten, welche der doppelten tödlichen Dosis für Kaninchen gleichkommen, ohne dafs aufser Appetitsverlust bemerkenswerte Störungen auftre­ten. Bei weiterer Steigerung des Säurequantums (über 2,0 g HC1 p. KK.)**) stellt sich Erbrechen ein.
Nachweis: Da im normalen Organismus be­stimmte Chloride vorkommen, die imstande sind, die Untersuchung hinfällig zu machen, so ist es durchaus nötig, freie Salzsäure im Darminhalt nachzuweisen, was folgendermafsen geschieht:
Die Contenta werden mit Wasser zu einem dünnen Brei verrührt und bis zur Trockene destilliert. Man läfst nun das Destillat erkalten und fällt mit einer Gerb­säurelösung vollständig aus. Nur Salzsäure bleibt in der Flüssigkeit, die abfiltriert und von neuem bis zur Trockene destilliert wird.
*) Die Injektionsstellenabscedierten. Injektion in die Jugu-laris hatte nach anfänglicher Erholung plötzlich Kollaps und Tod durch rapide Gerinnung des Blutes zur Folge.
**) Kilogramm Körpergewicht.
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Der Nachweis der Salzsäure geschieht im zweiten Destillate in der bekannten Weise durch salpetersaures Silber als Chlorsilber (weifser, käsiger Niederschlag, der sich in Salmiakgeist, Cyankaliumlösung und Na-triumthiosulfat leicht löst).
Schwefelsäure.
Chronische Vergiftungen durch Schwefel­säure Hg SO4 sind beobachtet worden nach Aufnahme von Futterpflanzen, welche in der Umgebung von Erz­werken oder Fabriken mit hohem Konsum schwefel­haltiger Steinkohlen wachsen und vom Hüttenrauch und Flugstaub befallen sind. Gewöhnlich kommen aber hier noch andere Momente in Betracht (S. 41), — Direkte Vergiftungen mit Schwefelsäure gehören zu den aufsergewöhnlichen Fällen. Dieselben sind stets auf grobe Fahrlässigkeit oder verbrecherische Absicht zurückzu­führen. Nach Grer 1 ach sind Pferde, nach Bubendorf Kühe durch Aufnahme von Stroh, in welches ein Schwefel-säureballon verpackt gewesen und von ausgeflossener Säure durchtränkt war, vergiftet worden. Johne sah Vergiftung dadurch entstehen, dafs Schwefelsäure zur Maische hinzugesetzt wurde.
Die Vergiftungserscheinungen bei der akuten Schwefelsäurevergiftung sind zunächst lokaler Natur. Es finden sich Verätzungen der Lippen- und Maul­schleimhaut. Die Tiere speicheln stark, zeigen Beifssucht und grofse Schlingbeschwerden. Infolge Korrosion der Magen- und Darmschleimhaut entsteht heftige Kolik, blutiger Durchfall, Muskelschwäche, Lähmung der Ma­gen- und Darmperistaltik. Der Tod erfolgte sehr rasch durch Kollaps, was sehr erklärlich wird, wenn man die von Goltz und Bobrik konstatierte reflektorische Erregung der herzhemmenden Vagusfasern berück-
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sichtigt, welche allen anorganischen Säuren gemeinsam zukommt.
Bei der Sektion finden sich Entzündung und Verätzung von den Lippen bis in den Magen und Darm, welche Organe an den mit Plattenepithel ver­sehenen Schleimhautabteilungen braun oder gelbgeförbt, von der Pylorusabteilung des Magens ab intensiv rot aussehen. Häufig Verkohlung oder Perforation beson­ders an den Wangen. Leber, Nieren und Milz sind fettig degeneriert.
Die Behandlung hat nur in sehr seltenen Fällen Erfolg. Hauptsache ist möglichst rasche Anwendung von kaustischer und kohlensaurer Magnesia, kohlen­saurem Kalk, doppelt kohlensauren Alkalien. Kaustische Alkalien vermeidet man am besten gänzlich, da Über­schwemmung des Blutes mit Alkali unmittelbar nach Säurewirkung, umfangreiche Gerinnung des Blutes selbst innerhalb des Herzens zu stände bringt (cf. S. 36, Anmerk.).nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; *
Innerlich giebt man ferner Opium in Verbindung mit schleimigen und öligen Mitteln; äufserlich finden Excitantien Anwendung.
Zum Nachweise der Vergiftung durch Schwefel­säure genügt es durchaus nicht, die Contenta mit Wasser auszuziehen und die Schwefelsäure mittelst ihrer cha­rakteristischen Reaktionen (Chlorbaryum oder salpeter­saures Barym geben weifse' Niederschläge, welche in verdünnter Salz- oder Salpetersäure unlöslich sind, ferner Bleizucker einen weifsen Niederschlag von Blei­sulfat, der nur in konzentrierten Säuren unter Kochen oder in basisch-weinsaurem Ammonium löslich ist) nach­zuweisen, da man genau dieselben Reaktionen erhält, wenn die Tiere völlig unschädliche schwefelsaure Salze, wie z. B. Glaubersalz oder unterschwefligsaures Na-
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tron bekommen haben, sondern es ist durchaus erfor­derlich, freie Schwefelsäure nachzuweisen, und zu dem Zwecke verfährt man in folgender Weise:
Man zerkleinert die Contenta, zerkocht sie und läfst das erhaltene Liquidum erkalten. Man filtriert und verdampft das Filtrat zur Trockene respektive zur Sirupskonsistenz. Nach dem Erkalten wird mit abso­lutem Alkohol aufgenommen, die alkoholische Lösung mit viel Wasser verdünnt, erhitzt, bis der Alkohol verflüchtigt ist und dann wieder zur Trockene ver­dampft. Den Rückstand nimmt man zum drittenmal mit Alkohol auf und nun hat man in der alkoholischen Lösung keine ev. vorhanden gewesenen schwefelsauren Salze mehr, da d i e s e in Alkohol unlöslich sind. Treten nun mit Chlorbaryum oder Bleizucker die oben ange­gebenen Reaktionen ein, so müssen sie von freier Schwefel­säure herstammen. Nach Vergiftung mit konzentrier­ter Säure sind die anatomischen Veränderungen so charakteristisch, dafs durch diese allein die Diagnose gesichert ist.
3. Erbrechen, Durchfall, Blntdissolution, lokale Ätzungen, fettige Degeneration.
Arsen, Phosphor, Antimon, Ricinus,Croton,
Abrus, Robinia, Podophyllum.
Arsen.
Arsen, As, metallglänzend, von eisengrauer Farbe,
ist im käuflichen Zink enthalten und kann bei Benutzung
desselben zu t^-Entwickelung als Arsenwasserstoff
As Hg im Laboratorium zu Vergiftungen Veranlassung
geben.
Aus den Versuchen von Stadelmann, Filehne u. a. geht hervor, dafs Arsenwasserstoff ein intensives Blutgift ist. Am
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empfindlichsten dagegen verhalten sich Katzen, Kaninchen ver­tragen am meisten davon. Letztere bieten aufserdem die be­sondere Eigentümlichkeit, dafs Hämoglobinocholie auftritt, aber kein Icterus; bei den Hunden verhält es sich umgekehrt. Nach Eulenberg findet eine heftige Vergiftung schon in kurzer Frist statt, wenn die eingeatmete Luft 'Ai pCt. AsHg enthält. Nach Stadel mann überstehen Hunde eine ^stündliche, Kaninchen eine 20 Minuten dauernde Inhalation, allerdings unter heftiger Erkrankung.
Welche Verhältnisse in Frage kommen, sei an einem herausgegriffenen Beispiel gezeigt.
Stadelmann liefs einen mittelgrofsen Hund 3k Stunden AsHg bei sonst ungehindertem Luftzutritt in einem Kasten einatmen. Einige Stunden später Tenesmen, dünne, sehr gallen­reiche Faces, Erbrechen. Nächsten Tag Appetitverlust bei fortdauerndem Durchfall und Tenesmen. Sklera schmutzig braun, abends geringe Menge sehr blutigen Urins, reich an galligen Bestandteilen, Blutkörperchen und granulierten Ojlin-dern. Spektroskopisch Hämatinstreifen neben deutlichen Hämo­globinstreifen. Am dritten Tage Anurie; am 4. entschiedener Icterus an den Skleren. Gallensäuren im Harn. Hund sehr elend, stöhnt viel, abends tot. Haut, Unterhaut incl. Panni-culus, Leber stark ikterisch. Letztere sehr blutreich. Alle Or­gane, besonders aber die Darmmucosa, haben eine rötlich blu­tige Farbe. Ausgedehnte Gallenblase mit dickbreiiger, dunk-] er, reichlich Bilirubin-Krystalle enthaltenden Galle angefüllt. Nieren grofs, sehr blutreich. Im Blut der mit dem Gas vergifteten Tiere fand Eulenberg arsenige Säure. Es wirkt demnach das Blut in diesem Fall oxydierend, während arsensaure Salze, ebenfalls unter Bildung arseniger Säure, reduziert werden, wie H. Schulz und Binz ermittelten. Das Verhalten des Blut­farbstoffes untersuchten Koschlakoff und Bogomoloff, indem sie das Gas in Blut einleiteten. Das Oxyhämoglobin nimmt braune, dann grünbraune Färbung an. Zuerst tritt Reduktion, dann Zerstörung des Hämoglobin ein.
Vergiftungen mit sog. arseniger Säure As203 kommen nicht selten vor, häufiger als mit sog. Arsen­säure As205, Realgar As2S2 und Auripigment As2S3.
Die Gelegenheit zu Intoxikationen kann eine sehr verschiedene sein. Einmal gieht vielfach arsenikhal-tiges Rattengift, welches in den Viehstallungen aus-
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gelegt ist, Veranlassung zu Vergiftungen; dann spielen Zufall, Verwechselungen mit anderen, ähnlich aussehen­den Körpern, oft auch böswillige Absicht eine grofse Rolle, ferner Arsenikbäder bei Schafen, Weidegang in der Nähe von Erzröstereien mit starker Produktion von Hüttenrauch, Anstrich mit arsenhaltigen Farben. Schliefslich kommen auch Vergiftungen durch fehler­hafte Dosierung zu stände.
DieWirkung der sog. arsenigenSäure, AsaOa, erprobte Pistorius bei Hunden, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und Tauben, hauptsächlich durch sub­kutane und intravenöse Injektion. Längere Zeit bevor sich andere Erscheinungen seitens der Unterleibsorgan e geltend machen, tritt bei Tieren, welche erbrechen können, oft schon wenige Minuten nach der Zufuhr des Giftes, ein­maliges oder wiederholtes, oft recht heftiges Vomieren ein, selbst nach solchen Dosen, die keine Gastroente­ritis im Gefolge haben. Gewöhnlich finden sich pro­fuse Durchfälle als Begleiterscheinungen, dieselben ge­hören jedoch keineswegs zu den konstanten Vergif-tungssyptomen, wenn auch post mortem der Intestinal-traktus ausnahmslos pathologische Veränderungen zeigt. Die letzteren — um hierbei zunächst stehen zu bleiben — haben sich nach subkutaner Vergiftung mit töd­lichen Dosen frühestens nach 2—3 Stunden, nach intra­venöser Injektion frühestens 40 Minuten bis zur vollen Höhe entwickelt.
Bei rascher intravenöser Injektion grofser Dosen sterben die Tiere unter den Symptomen eines schweren Kollaps, bedingt durch direkt lähmende Wirkung auf Centralnervensystem und Herz, ohne dafs kaum eine Veränderung am Digestionstraktus wahrzunehmen ist.
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Die pathologisch anatomischen Prozesse im Darm­kanal sind bei Hunden und Katzen durch exquite Mem­branbildung charakterisiert; bei Kaninchen und Meer­schweinchen läfst sich mikroskopisch wenig Auffallendes erkennen. Der Dünndarm der letzterwähnten Tiere ist in der Regel brüchig und zerreifslich, stark durchfeuchtet und im Innern mit einer schleimig serösen, grauweifsen Flüssigkeit angefüllt. In frühen Vergiftungsstadien ähneln die Veränderungen schon mehr den bei Hunden etc. konstatierten. Diese fallen auf durch die Bildung von Pseudomembranen, welche sich in den Ductus chole-dochus und die Grallenblase hinein erstrecken und zu Gallenstauung und Icterus Veranlassung geben. Bei Lebzeiten gehen sie nicht selten als gelblich weifse, gallertartige Massen mit den Fäces ab. In ganz frischen Fällen bildet der Belag eine beinahe durchsichtige, frosch­laichartige Gallerte von 1—1,5 mm Dicke. Später ge­winnt die Belagmasse an Konsistenz, so dafs die Schleimheit mit einer gelblich weifsen, käsigen Haut überzogen ist, die sich in gröfseren zusammenhängenden Stücken abheben läfst, unter denen die tief pupurrot ge­färbte Schleimhautfläche zu Tage tritt. Die Rötung der letzteren ist auf hochgradige Kapillarhyperämie zurückzu­führen. Die Belagmassen bestehen aus den in zusammen­hängenden, handschuhfingerartig abgehobenen Darm-epithelien. Zwischen diesen und der Zottenoberfläche liegt eine anfangs serofibrinöse, später fibrinös und eitrige Fül­lungsmasse, welche zum Teil auch die abgehobenen, fet­tig degenerierenden Epithelschläuche untereinander ver­klebt. Rötung und Belag finden sich am stärksten ausge­prägt in der Nähe des Ductus choledochus, auch dann, wenn vor der Vergiftung der Ductus unterbunden wurde. Am Magen Serosa injiziert, Schleimhaut, besonders
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an der grofsen Kurvatur und dem Pylorusteil, in ver­schiedenen Nuancen, vom hellen Rot bis zum Bläulichrot durch kapillare Injektion verfärbt, bei Pflanzenfressern am wenigsten. Als nächste Ursache für die Rötung sind die infolge der Blutdissolution sich einstellenden Thrombosen und Infarzierungen mit konsekutiven Stau­ungen anzusehen, wodurch sich auch das befremdliche Phänomen erklärt, dafs faradische Splanchnicus-Reizung die Strömung nicht zu fördern vermag, während die vasomotorischen Nerven überall sich als ungelähmt er­weisen. Auf die tiefgreifende Alteration des Blutes ist ferner auch die hochgradige Anämie zu beziehen die sich in nicht letalen oder chronischen Fällen an die Einführung des Giftes anschliefst.
Während bei Katzen und Hunden eine exquisitere Wir­kung der arsenigen Säure auf das centralo Nervensystem in der Regel nicht zu ermitteln ist #9632;— wenn man von der hoch­gradigen allgemeinen Prostration absieht, die ja auch durch die anderweitigen Erscheinungen der Vergiftung ausreichende Erklärung findet — treten bei Kaninchen, Meerschweinchen und auch bei Tauben die centralnervösen Erscheinungen häufig sehr in den Vordergrund. Tauben, die überhaupt sehr rasch durch das Gift getötet werden, verenden unter den heftigsten klo-nischen Konvulsionen; auch bei Meerschweinchen und Kanin­chen gehen regelmäfsig Krämpfe dem Tode voran.
Bei Hunden zeichnet sich vielfach das Wirkungsbild gegen das Ende des Lebens durch Respirationsstörungen aus, welche von der Entwickelung des Lungenödems und Hydrothorax herrühren. Häufig entstehen se­röse Transudationen in die Pleuresäcke und des Peri­cardium, und die Tiere gehen an akutem Lungen­ödem zu Grunde. Die pleuritischen Exsudate erreich­ten mehrmals einen erheblichen Grad, so dafs mehr als 100 cctm klarer, seröser Flüssigkeit aus dem Thorax erhalten wurden. Auch im Herzbeutel fand P. bei Hunden, Katzen, Kaninchen gröfsere Flüssigkeitsansammluhgen.
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Bei akutem Verlauf der Vergiftung ergiebt die manome­trische Exploration des arteriellen Druckes um so geringere Werte, je längere Zeit seit dem Moment der Vergiftung ver­flossen ist, ein Verhalten, welches auf die allmählich abnehmende Herzthätigkeit und die sich entwickelnden kapillaren Throm­bosen zurückführen lassen. Für die Beteiligung des Herzens, dessen Aktion in der Regel erst längere Zeit nach der Respi­rationslähmung erlischt, sprechen jene Fälle, in denen der Tod durch plötzlich eintretenden Herzstillstand erfolgt und durch künstliche Respiration nicht mehr beseitigt werden kann. Die Pulsfrequenz pflegt im Anfang der Vergiftung erheblich gestei­gert zu sein.
In Bezug auf die Muskelwirkung schliefst sich das Arsen dem Antimon und dorn Platin an. Wahrscheinlich gehen die drei genannten Metalle mit dem Eiweifs der Muskelsubstanz allmählich Verbindungen ein. So lange diese nicht gebildet sind, arbeitet ein untersuchter Muskel, selbst wenn er schon giftiges Fluidum enthält, doch noch normal. Erst nach längerer Zeit wird die Muskelleistung geschwächt.
Mit Eiweifskörpernbei 89deg; digeriert, wandelt sich arsenige Säure resp. deren Salze in Arsensäure um. Da Schulz und B i n z unter denselben Verhältnissen unter Benutzung überlebender Gewebe weniger Arsensäure fanden, so schliefsen sie, dafs ein Arseniat eine Rückvorwandlung in arsenige Säure er­leide. Sie nehmen ein heftiges Hin- und Herschwingen von O-Atomen innerhalb des Eiweifsmoleküls an, wodurch die Struk­tur desselben erschüttert, das Eiweifs angesengt und zerstört werden soll. So plausibel diese Theorie auch sein mag, für den Arsenwasserstoff pafst sie sicher nicht, und in Rücksicht auf die hochgradige deletäre Wirkung desselben läfst sich die Annahme eines direkten nekrotisierenden Einflusses des Metalls nicht von der Hand weisen.
Die Angaben der verschiedenen Beobachter über die Höhe der tödlichen Arsenikdosis differieren sehr bedeutend. Es ist dieses jedoch leicht erklärlich: Ein­mal wirkt Arsenik gelöst oder fein gepulvert stärker, wie Arsenik in Substanz; dann sind die im Handel kommenden Arsenikpräparate, abgesehen von ihrer ver­schiedenen Löslichkeit, häufig mit Schwerspath, Gyps etc. verunreinigt; ferner wirkt Arsenik von der Haut
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resp. von Wunden aus intensiver als nach Einführung in den Magen und schliefslieh spricht auch der Futter­inhalt von Magen, und Darm bedeutend mit.
Im Durchschnitt nimmt man als tödliche Dosis an: innerlich:nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; äufserlioh:
Für Pferdenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10,0 —20,0 gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2,0 g
., Rindernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15,0 —30,0 „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2,0 „
„ Schafe u. Ziegen 5,0 —10,0 „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,2 „
„ Schweinenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,5 — 1,0 „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,2 „
„ Hundenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,1 — 0,2 „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,02 „
„ Geflügelnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,05- 0,10 „0,005—0,01,,
Es kommen akute und chronische Arsenikvergif­tungen vor:
Die Symptome der akuten Arsenikver­giftung sind bei den gröfseren Haustieren nach der Aufnahme des Giftes per os folgende: Speicheln, Würgen, Erbrechen, Kolik und Ver­stopfung. Bald stellt sich ein starker, übelriechender (Knoblauchgeruch von N o d et konstatiert), vielfach blu­tiger Durchfall, öfters auch Blutharnen ein, wobei die Tiere gleichzeitig Aufregung und Angst bekunden. Die Schleimhäute hochrot bis gelbbraun gefärbt. Die gesamte Körpermuskulatur wird lähmungsartig geschwächt, die Erkrankten schwanken und taumeln hin und her. Die Pupillen sind erweitert, der Herzschlag ist matt und schwach, der Puls sehr beschleunigt, klein, kaum fühlbar, die Extremitäten fühlen sich kalt an. Der Tod erfolgt innerhalb weniger Stunden oder bei lang­samerem Verlaufe in wenigen Tagen.
Bei Vergiftungen durch äufserliche Anwen­dung findet man lokal Entzündung, Verschorfung, und in kürzerer oder längerer Frist treten die Läh-
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mungserscheinungen oder auch heftige gastroenteritische Symptome hinzu.
Da Arsen in alle Sekretionsflüssigkeiten, nament­lich auch in die Milch übergeht, so ist diese ebenso wie das Fleisch solcher Tiere, welche grofse Dosen Arsenik erhalten haben oder wegen Arsenikvergiftung vor dem letalen Ausgang geschlachtet wurden, vom Konsum auszuschliefsen.
Mag vielleicht auch die Gefahr der sekundären Arsen-Intoxikation für den Menschen eine geringe sein (Sonnenschein fand im Fleisch eines Rindes, welches 500,0 g As203 erhalten hatte, 0,2 Mg im kg Fleisch), so rechtfertigen jedoch die gewöhnlich sonst noch vorhandenen pathologisch-anatomischen Verände­rungen die Verwerfung des Fleisches, wie Her twig dies vorschlägt. Derselbe lieferte auch den Beweis für die Giftigkeit der Milch, welche von einer Ziege herrührte, die in einem Zeitraum von zwei Tagen 3,0 g Arsenik erhalten hatte. Zwei Hunde erbrachen heftig nach Aufnahme dieser Milch. Eine ähnliche Beobach­tung machte Huxel. Ein Vollhufner hatte seinen 4 Pferden Arsenik — wieviel war nicht zu erweisen — ins Trinkwasser gegeben. Unter den Pferden befand sich eine Mutterstute, welche ein 14 Tage altes Füllen säugte. Letzteres erkrankte 12 Stunden, nachdem die Stute den Arsenik aufgenommen hatte, unter kolik­artigen Erscheinungen und starb nach l1^ stündigen Qualen. Die Stute selbst zeigte erst einige Stunden später Vergiftungssymptome und verendete mit den übrigen im Verlauf von 2 Tagen.
Bei der Sektion findet man die Magenschleimhaut gerötet und geschwollen, oft auch angeätzt. Es machen sich blutunterlaufene Stellen oder weifse und gelbe um-
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grenzte Partieen bemerklich, besonders nach Anwendung des Arsenik in Substanz (in Stückchen oder in Pulver­form). Da derselbe in Wasser von Körperwärme nur zu 1 : 75 ungefähr löslich ist, so lagert sich die nicht gelöste Substanz an den abhängigsten Stellen des Magens ab. Bei den Wiederkäuern beobachtet man nicht selten Verätzungen der Schleimhaut mit Geschwürsbildung, zuweilen Perforation der Haube oder des Labmagens und der Bauchwand. Oft finden sich noch in der­artigen Fällen ungelöste Reste des Arseniks im Ma­gen vor.
Die Magendrüsen sind fettig degeneriert, desgleichen Leber, Nieren, Herz und andere Organe.
Die chronische Arsenvergiftung verläuft unter dem Bilde einer ausgeprägten Kachexie. Die Tiere gehen in der Ernährung zurück, werden sehr mager und zeigen das Bild der Harthäutigkeit mit starker Ab­schuppung. Es stellen sich Husten und anhaltende Durchfälle ein, bei weiblichen Tieren auch Abortus und Sistierung der Milchsekretion. Nach und nach bildet sich grofse Schwäche aus, öfter auch allgemeine Wassersucht, woran die Tiere eingehen. Die Krank­heit kann einige Jahre andauern, ehe Tod eintritt.
Bei der Sektion findet man Geschwüre auf der Tracheaischleimhaut, starke Abmagerung, hochgradige Anämie der Organe und allgemeine Hydrämie, ferner Geschwüre und Narbenbildung im Labmagen und Dünndarm. Als sekundäre Erscheinung gelangt öfter auch käsige Pneumonic zur Beobachtung.
Behandlung: Bei Tieren, welche brechen kön­nen, wendet man Brechmittel an, um den in den Magen gelangten Arsenik zu entfernen. Tartar, stibiat. ist zu vermeiden, am besten Zinc. sulf. in refr. dos. Dann Anti-
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dotum Arsenici, ein rotbrauner, bitterlich schmeckender Brei, enthaltend Eisenoxydhydrat, Magnesiumoxyd und Magnesiumsulfat, hergestellt durch Vermischen von 60 T. Liqu. Ferri sulfurici in 120 T. Wasser und 7 T. Magnesia usta in 120 T. Wasser. Auch frisch ge­fälltes Eisenoxydhydrat empfiehlt sich in dieser Bezie­hung. Man rechnet, dafs das 400 fache an Eisenoxyd­hydrat für das voraussichtlich in den Körper gelangte Arsen zur Paralysierung der Giftwirkung genügt. Als einhüllende Mittel verwendet man Eiweifs und Schleim. Gegen die Lähmuugszustände werden Excitantien an­gewandt.
Nachweis: Fanden sich im Magen noch Über­reste des Giftes, so wird etwas davon auf Kohle vor die Reduktionsflamme des Lötrohres gebracht. Arsenik verflüchtigt unter Entwickelung eines starken Knob­lauchgeruchs, ohne einen Beschlag zu hinterlassen. Zur weiteren Identifizierung genügt eine der gewöhn­lichen Arsenreaktionen.
Handelt es sich um den Nachweis von Arsen in den Organen, so werden dieselben zuerst mit chlorsaurem Kali und absolut reiner Salzsäure zerstört. In das erhaltene Filtrat leitet man nach Erhitzung auf 50—60 0 C. längere Zeit hindurch Schwefelwasserstoff ein. Der erhaltene Niederschlag wird mit schwefelwasserstoffhaltigem Wasser gut ausgewaschen und dann mit Ammoniak und heifsem Schwefelammonium digeriert.
Man filtriert und dampft die erhaltene Lösung zur Trockene ein. Nach dem Erkalten wird der Rück­stand mit wenig Salpetersäure übergössen und wieder eingedampft. As2 S8 ist dadurch oxydiert. Nach dem Erkalten weicht man den Rückstand mit Natronlauge auf, setzt kohlensaures Natrium und Natriumnitrat hinzu.
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verdampft wieder und bringt den Rückstand in einem Porzellantiegel durch vorsichtiges Erwärmen in ruhigen Flufs. In der Schmelze findet sich Arsen dann als arsensaures Natrium. Die erkaltete Masse wird in Wasser gelöst. (Wäre Antimon mitvorhanden gewesen, so würde ein in Wasser unlöslicher Rückstand bleiben, da antimonsaures Natrium in Wasser unlöslich ist. Um sich zu überzeugen, dals kein Zinn vorhanden, leitet man in die konzentrierte wässere Lösung Kohlensäure; Zinn würde sich ausscheiden.)
Man weist nun in der Lösung von arsensaurem Natrium Arsen durch den Marsh sehen Apparat nach. Zum quantitativen Nachweis fällt man aus der Lösung das Arsen als Magnesium-Ammonium-Arsenat, welches dieselbe Krystallform (Sargdeckel) besitzt wie Magnesium -Ammonium-Phosphat.
Phosphor.
Von den verschiedenen Modifikationen des Phos­phors kommt in toxikologischer Hinsicht nur der gelbe Phosphor in Betracht, dessen Wirkung je nach der Form, in welcher er im Organismus gelangt, wiederum etwas verschieden ist.
Ohne jede direkte lokale Läsion können Vergif­tungen erfolgen durch Einatmen von Phosphor­wasserstoff oder von Phosphordämpfen; letztere vermögen reflektorisch heftigen Husten auszulösen.
Für ersteren ist charakteristisch die schwere Schä­digung, welche das Nervensystem und vor allem die Nervencentren des Hirns und Rückenmarks erfahren. H. Schulz liefs das Gas, toit atmosphärischer Luft gemischt, von Hunden, Katzen, Kaninchen und Meer­schweinchen einatmen und erzielte mehr oder weniger
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stark ausgeprägte Sonmolenz. Pulszahl und Blutdruck nehmen ab. Bewegungen werden schwankend ausge­führt. Hinterteil oder sämtliche Extremitäten erschei­nen gelähmt, daneben besteht eine bis zu Krampfanfallen sich steigernde Hyperästhesie, welche sich noch bei weit fortgeschrittener Lähmung äufsert. Wiederholt macht sich Zittern des Körpers, wie im Frost geltend, ein Symptom,welches nach Selbstbeobachtungen von H ü n e -f e 1 d auf ein eigentümliches Kältegefühl zurückzuführen ist, das von bestimmten Stellen des Kückenmarks aus­geht. Die Brechbewegungen und das erfolgte Erbrechen sollen ebenfalls auf centrale Reizungen durch das phos-phorhaltige Blut zu beziehen sein, da von Reflexwir­kungen seitens der Magennerven wie nach Ingestion von Phosphor nicht die Rede sein könne. Einen direk­ten Einflufs auf das Blut vermochte H. nicht wahrzu­nehmen, ebensowenig primäre Gefäfslähmung; die vor­handene Hyperämie der Leber und Nieren müsse viel­mehr als Folge der spezifischen Wirkung des resor­bierten Giftes auf das Parenchym dieser Organe und auf die Gefal'swand selbst betrachtet werden. Blase kontrahiert und leer oder mäfsig gefüllt; Harn meist zuckerhaltig.
Ausnahmslos finden sich post mortem Verände­rungen an den Lungen, von einfacher Hyperämie mit Odem bis zu parenchymatösen Blutungen und beginnender Pneumonic. (Kapillaren stark mit Blut ge­füllt — keine hyaline Thrombose — in den Alveolen eiweifsreiches, flüssiges, teilweise hämorrhagisches Ex­sudat, starkes Ödem des peribronchialen Bindegewebes etc.)
Das Herz braucht trotz der offenbar verminderten Leistung des linken Ventrikels fettige Degeneration
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nicht zu zeigen (Munk und Leyden), man trifft aber eine solche doch meistens an.
Unter anderem lehrt dies eine Beobachtung Czo-kors, welcher bei einem durch Einatmen von Phosphordämpfen vergifteten Pferde neben Laryn­gitis Bronchitis und akuten Lungenödem fettig-körnige Degeneration des Myocardiums konstatierte. Infolge des heftigen Hustens findet sich mitunter intertitielles Lungenemphysem selbst damit im Zusammenhang ste­hendes Hautemphysem am Hals und Thorax.
Hauptsächlich führen zu Vergiftungen die beson­ders zur Vertilgung der Ratten gebräuchlichen Phos­phorpaste oder Latwerge (Mehl und in Wasser ge­schmolzener Phosphor event, mit Butter und Zucker zu steifem Brei verarbeitet). In dieser Form wird das Gift wohl am häufigsten aufgenommen; demnächst kommt Phosphor in öliger Lösung in Betracht. Phosphor in Stückchen gelangt langsamer zur Resorption und gicbt meist durch lokale Nekrose zu Erosionen, Geschwürs- resp. Schorfbildung dann Ver­anlassung, wenn gleichzeitig Sauerstoff mit eingedrungen ist oder die berührten Gewebe drüsiger Natur sind. Entfernte Vergiftungserscheinungen treten nach Ein­bringung von Phosphorstückchen nur vom Darm und vom Peritoneum her auf — nicht selten mit aufser-ordentlich raschem letalen Ausgang (Schubert).
Man unterscheidet folgende klinische Fälle, deren Vorkommen von der Resorptionsfähigkeit der einge­führten Menge des Phosphors und dem Füllungsgrade des Magens etc. abhängt.
1. Rapide Vergiftung. Bereits nach Ablauf­einer halben bis einigen Stunden beginnt eine enorme
Herzschwäche sich bemerklich zu machen, welche
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nach Eintritt von Sopor mit konvulsivischen Attacken binnen wenigen Stunden durch Herzlähmung zum Tode führt. Ein den Menschen betreffender Fall ist von allgemeinem Interesse. Bei der Untersuchung einer Frau, welche sich mit dem von 38 Päckchen Streichhölzern herrührenden Phosphor vergiftet hatte, wonach der Tod in 9 Stunden erfolgt war (ca. 80 Stück auf ein kleineres Päckchen; 100 Streichhölzchen ent­halten 0,03—0,1 Phosphor; 0,05 tödliche Dosis für den erwachsenen Menschen), fand Hammer hauptsächlich in dem nach der Methode March i und A lg er i he-handelten Hirn die Ganglienzellen mit Fetttröpfchen hochgradig vollgefüllt, Veränderungen, welche mit den soporösen Erscheinungen und dem raschen Tode im Kausalnexus stehen dürften (K o b e r t führt die tiefe Somnolenz auf Milchsäureanhäufung im Blut zurück). 2.Protrahiertgastrisch-enterischeForm. Tod in 2—3 Tagen. Koliksymptome, Erbrechen, blu­tige Dejektionen, stöhnendes Atmen, Fieber, frequenter und schwächer werdender Puls, Zucker und Eiweifs im Harn, Kälte, Anästhesie und Exitus im Coma. Schwel­lung und Trübung der Magen- und Darmschleimhaut und Füllung der Magendrüsen mit Fetttröpfchen (Gas­tritis etc. glandularis). Lokale parenchymatöse, fettige Degeneration der Leber mit Schwellung und Resistenz­verminderung des Herzens, der Nieren, der Skelett-rauskulatur mehr oder weniger ausgeprägt, multiple hämorrhagische Heerde. Beginnender Icterus.
3. Typische Form. Nach 1—2 Tagen oder früher erfolgt Nachlafs der gastrischen Symptome, welche . bei Pferden und dem Geflügel wenig auffällig verlaufen, mitunter scheinbar ganz fehlen, am 8.-4. Tage Ein­setzen der schweren Reaktionserscheinungen, unter
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welchen das Symptomenbild der Cholämie (Icterus gravis) im ausgesprochensten Mafse sich entwickelt neben den nicht selten jetzt erst stärker hervortretenden gastrischen Erscheinungen. Der Icterus erweist sich als ein Stauungsicterus (Schwellung der Leberzellen und der Schleimhaut in den Gallengängen oder dem Duodenum mit konsekutiver Stauung im Pfortader­gebiet. Robert führt den Icterus auf den massen­haften Untergang roter Blutkörperchen und eine damit im Zusammenhang stehende Polycholie zurück). Durch die Störung der gesamten üxydationsvorgänge ent­wickelt sich die hochgradige Alteration des Stoffwechsels, welche in der fettigen Degeneration parenchymatöser Organe zum Ausdruck kommt; in immer gröfserem Um­fange und unter den Erscheinungen der Hirndepression erfolgt der Tod nunmehr ebenfalls plötzlich, mitunter erst nach Ablauf von 1—2 Wochen nach Aufnahme des Giftes. Wird die Vergiftung überstanden, dann entwickelt sich das Bild der akuten gelben Leberatro­phie (Leucin, Tyrosin im Harn; Einschmelzen des fettig degenerierten Parenchyms etc.) und es kann neben Girrhose der Leber und Nieren Funktionslosigkeit des Magens, bei Milchkühen dauerndes Versiegen der Milch (Schindelka) eintreten. Beim Menschen ist auch Abortus beobachtet worden (Haggquist).
Die minimale letale Dosis beträgt nach den vor­liegenden Erfahrungen für Rinder und Pferde auf 0,5—1,0, für Schafe und Ziegen auf 0,1—0,2, Schweine und Hunde0,03—0,9, Katzen 0,01 — 0,03, Geflügel 0,008.
Eine eigentliche Ätzwirkung kommt nach Schubert dem Phosphor nicht zu. Unter die Haut oder in das Peritoneum bei Tieren gebrachte Phosphorstücke wirken nur da kaustisch, wo der Sauerstoff der Luft
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gleichzeitig mit eindringt oder die berührten Gewebe drüsiger Natur sind. Selbst in der Cornea erregt Phos­phor keine Atzung. Entfernte Vergiftungserscheinungen treten nach Einbringung von Phosphorstückchen nur vom Darm und Peritoneum, dann aber nicht selten mit perakutem letalem Ausgange auf.
Behandlung. Entleerung des Magens und Darms durch Ausspülung wenn angängig, oder unter Benutzung des Kupfersulphat als Brechmittel (Schweine 0,5— 1,5, grofse Hunde 0,5—0,6, kleine 0,1—0,3, Katzen 0,05—0,2 event, nach 10—15 Minuten zweite Dosis); auch für Pferde ist Kupfer nicht kontraindiziert (5,0—10,0), da das durch Phosphor reduzierte metallische Kupfer das Grift chemisch bindet, vorhandene Stückchen umhüllt und die Resorption hindert. Die Darreichung von so­genannten ozonisiertem Terpentinöl ist nach F i 1 e h n e von zweifelhaftem Wert, kann aber in schleimiger Emulsion in grofsen Dosen mehrere Tage fortgesetzt versucht werden. Kobert ist der Ansicht, dafs die Bildung unschädlicher Oxydationsprodukte durch Ein-flufs des Terpentinöls selbst dann noch eintritt, wenn bereits Resorption des Phosphors erfolgt war. Bei wert­vollen Tieren vielleicht Bluttransfusion. Fette, Öle (auch Milch, Ricinusöl) sind zu vermeiden. Sonst symptomatische Behandlung(ExcitantienbeiDepression).
Nachweis. Bei Tieren gelingt es weniger häufig als in Vergiftungsfallen beim Menschen, durch direkte Sinneswahrnehmungen (Geruch des Atems, des Er­brochenen nach Knoblauch — Phosphorwasserstoif — oder Ozon, Leuchten der Exspirationsluft, der Fäces, des Magendarminhalts im Dunklen etc.), untrügliche Kunde von dem Vorhandensein des Phosphors zu • erhalten, in nicht seltenen Fällen wird man sich, wenn Anam-
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nese und klinischer Befund nicht ausreichen, auf die chemische Ermittelung des Giftes stützen müssen.
a.nbsp; Vorprüfung. Man bringt eine kleine Menge der breiartigen Substanzen in einen reinen Kolben, in dessen Hals sich ein lose eingeklemmter Kork befindet, an dem zwei Filtrierpapierstreifen hängen, von denen der eine mit Silbernitratlösung, der andere mit Blei­nitratlösung getränkt ist und erhitzt mehrere Minuten auf dem Wasserbade. Schwärzt sich nur das Silber­nitratpapier, so ist Phosphor zugegen, schwärzt sich aber gleichzeitig das Bleinitratpapier, so kann die Schwär­zung beider Papiere von H2S herrühren und man mufs folgende Methode anwenden.
b.nbsp; Destillation. Man bringt die zu prüfende Substanz in einen, mit einem Glaskühler verbundenen Kolben und erhitzt auf dem Wasserbade in einem dunklen Räume zum Sieden. Hierbei verflüchtigt sich rasch der Phosphor mit den Wasserdämpfen und man sieht im Dunkeln, an der Stelle, wo die Verdichtung des Dampfes durch die Abkühlung beginnt, deutliches, meist ringförmiges Leuchten. Ist die Phosphormenge nicht zu klein, so findet man nach beendigter Destil­lation in der Vorlage Phosphorkügelchen.
Antimon.
Von den vielfachen Antimonpräparaten früherer Zeit findet wohl nur noch der Brechweinstein, Stibio-Kali-tartaricum oder Tartarus stibiatus, CtH^SbC^KOg, das weinsaure Antimonyl - Kalium, CH(OH) — COOK — CH(OH) —COO(SbO), häufigere Anwendung. Von diesem Präparat ist bekannt, dafs dasselbe zu Vergif­tungen Veranlassung geben kann. Durch Antimontri-
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chlorid SbCl3, welches als Ätzmittel verwendet wird, sind Intoxikationen bisher wohl kaum hervorgerufen worden. Die Wirkung der Antimonpräparate unter­scheidet sich qualitativ von jenen des Arsen nicht, nur sind zu einer Vergiftung ungleich gröfsere Dosen er­forderlich.
Am reinsten tritt der Einflufs des Antimon hervor nach Inhalation von Antimon Wasserstoff, SbHa. Ein Kaninchen, welches Kübe ler dieses Gas 8 Stunden hindurch neben atmo­sphärischer Luft atmen liefs, zeigte nach kurzer Zeit Dyspnöe; 5 Stunden nach Beginn dos Versuchs erfolgten breiige Defä-kationen und 5 Stunden nach Beendigung des Versuchs trat der Tod ein. In beiden Pleurahühlen und dem Herzbeutel fand sich reichlich seröses Transsudat. Die Lunge war mar­moriert, die Trachea injiziert. Beide Ventrikel strotzend mit Blut gefüllt. Nieren leicht getrübt. Ein zweites Versuchstier atmete in einem dreitägigen Zeitraum 27 Stunden mit Unter­brechungen unter der Glocke. Der Tod erfolgte ohne Krampf. Die Harnblase erwies sich gefüllt mit rotbraunem, gallefarb-stoffhaltigem Urin. Die Leber war gelb, teigig, der Dünn­darminhalt blutig, dünnflüssig, die Serosa blaurot, die Mucosa stark injiziert. Der Dickdarm geprefst mit Kot gefüllt. Mark­substanz der Niere blafs gelblich. In der Pleurahöhle kein Transsudat. Täglich 6 stündige Atmung, durch 3 Wochen fortgesetzt, vcranlafste in den ersten Tagen Obstipation, später Diarrhöe und gegen Ende des Versuchs blutigen Urin. Das schmutzig dunkelbraunrote Blut nimmt an der Luft hellrote Farbe an und gerinnt. Herz blafsrot, fast gelblich. Lunge an der Oberfläche teilweise diffus rostbraun. Leber intensiv gelbbräunlich. Im Magen an der grofsen Kurvatur hämorrha-gische Erosionen. Niere ikterisch. Harn enthält Eiweifs und Gallefarbstoff. In sämtlichen Organen war Antimon nachzu­weisen.
Nach innerlicher Anwendung des Brechwein-s tei n entsteht nach 0,12—0,5 g bei Hunden und Katzen Ekel und ziemlich leicht und sicher Erbrechen ohne weitere Folgen, ja selbst 4,0 g werden bei ungehin­dertem Einbrechen für Hunde noch nicht Todesursache. Unterbindung des Schlundes bedingt schon durch
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0,25—0,5 g Exitus nach 2—3 Stunden. Intravenöse Applikation von 0,6—0,12 g führt bei Hunden nur zu leichtem Erbrechen; 0,25 g bewirkten Mattigkeit, wiederholtes Erbrechen, beschwerliches Atmen, un-regelmäfsig aussetzenden schnellen Puls, Zittern, Kon­vulsionen und nach 16—24 Stunden den Tod.
Bei Schweinen tritt Erbrechen nach stomachalen Dosen nicht unter 0,6 g ein, oft bleibt es selbst nach Gaben von 1,25 g aus. 4,0 g haben anhaltendes Er­brechen und Appetitlosigkeit zur Folge. Von 8,0 g, welche in 500 g Wasser einem 9 Monat alten Eber ge­geben wurden, entstanden nach Vk Stunden fünf­maliges Erbrechen, Appetitlosigkeit, vorübergehende Betäubung. Aufnahme von Wasser hatte erneutes Er­brechen zur Folge; am folgenden Tage nach anschei­nender Besserung traten Krämpfe und bald darauf der Tod ein (Viborg).
Schafe reagieren sehr verschieden auf Brechwein­stein. Daubenton beobachtete nach 2,0 g in Wasser gelöst Auftreibung des Leibes, Zähneknirschen und einen 2 Tage anhaltenden Durchfall, während Gilbert nach 12,0 g in Lösung und 16,0 g in Pillenform über­haupt keine Wirkung wahrgenommen haben will; erst 24,0 g als Mehlpille töteten eins dieser Tiere. Intravenös angewendet, ist die Wirkung ungleich in­tensiver. 0,3 — 0,4 g verursachen kleinen, frequenten Puls, dyspnoisches Atmen und anhaltende Diarrhöe.
Ebenso ungleichmäfsig wirkt Brechweinstein auf Rinder. Rüffert sah einen Stier von 30,0 g des Mittels, in Leinsamenschleim gegeben, Leibschmerzen bekom­men und plötzlich sterben, während Her twig inner­halb 4 Tagen 128,0 g einer Kuh beibrachte, ohne auf­fällige Wirkungen zu erzielen.
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Bei Pferden konstatierte Her twig nach einer Ein-zeldose von 4—8,0 g p. os, gleichviel in welcher Form, in den nächsten 12—20 Stunden nur etwas vermehrtes Urinieren. 15,0 g in Pillenform veranlafsten Appetit­verlust, Pulsbeschleunigung, Temperaturerhöhung, Zit­tern, Durst, lebhafte Peristaltik, oft wiederholtes krampfhaftes Aufheben und Strecken der Hinterbeine. Nach 16 — 24 Stunden endet die Wirkung mit reich­licher Entleerung lockerer Fäces und hellen Urins. Dieselbe Quantität in 1,5 Ltr. Wasser eingegeben ver­ursachten ähnliche Symptome, welche auf einige Stun­den nachlassen, aber an den folgenden Tagen in ver­stärktem Grade sich wieder einstellen und meist mit Lungen- und Darmentzündung nach 6—8 Tagen töd­lich enden. Weber sah nach der gleichen Gabe in wässeriger Lösung ein abgetriebenes Pferd eines Holz­fuhrmannes am 4. Tage verenden. Auffällig machten sich bemerklich Zittern, Kälte der Extremitäten, blasse Schleimhäute, unregelmäfsiger, schwacher, frequenter (60—70 p. M.), zuletzt unfühlbarer Puls, Dyspnöe, Husten, schwankende Bewegung und Ödeme am Bauch und Schlauch. In Pillenfonn töten nach Hert-wig selbst noch nicht 30,0 g; dasselbe Quantum ge­löst führt dagegen nach ca. 8 Stunden unter Ausbruch heftiger Krämpfe und von kaltem Schweifs zum Tode. Eine Quantität von 90,0 g einem kräftigen Pferde als Latwerge gegeben, verursachten aufser den sonstigen Erscheinungen Entzündung der Maulschleimhaut, gelbe Blasen und später offene, angeätzte Stellen, zuletzt völlige Lähmung des Hinterteils und am 4. Tage Exi­tus. Intravenös bleiben Dosen unter 0,6 g ohne er­kennbare Wirkung. Nach 4,0 g fast unfühlbarer Puls, 120 Schläge p. M., röchelndes, krampfhaftes Atmen,
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dünnflüssigen Kot. Daneben Schweifssekretion, Thrä-nenflufs, Speicheln, beständiges Lecken mit der Zunge an den Lippen, Kauen, Recken, Unruhe, Zittern, krampf­haftes Zucken in den Muskeln der Schultern, des Halses und der Schenkel. Injektion von 8,0 g führte stets Krämpfe, Schwindel, Lähmung und den Tod nach l1/2—3 Stunden herbei, ohne dafs es zu diarrhöischen Entleerungen gekommen wäre.
Bei der Sektion findet man schweifsige, klebrige Haut, pustulöse Entzündung des Mundes und Schlun­des, dunkles schmieriges Blut, Ekchymosierung und Hyperämie mit hämorrhagischer Exsudation auf der Magen- und Darmschleimhaut, sowie fettige Degene­ration der Organe, besonders der Leber.
Die chronische Brechweinsteinvergif-t u n g, welche nach fortgesetzter Anwendung kleinerer Dosen eintritt, ähnelt in ihren Symptomen der ehr. Arsen Vergiftung; besonders auffallend sind dabei die Störungen im Magen und Darmkanal.
Die Therapie besteht in Darreichung von Tannin oder gerbstoffhaltigen Abkochungen, ev. auch noch unterstützt von schleimigen Mitteln und Opium.
Der Nachweis der Antimon Vergiftung läfst sich leicht erbringen:
Es werden Darm, Nieren und Leber zerkleinert, neutralisiert und zwecks Zerstörung der organischen Substanz mit reiner Salzsäure und chlorsaurem Kali behandelt. In die vom überschüssigen Chlor durch Abdampfen befreite, filtrierte, mit Wasser verdünnte saure Flüssigkeit leitet man Schwefelwasserstoff ein. War in den betreffenden Contenta Antimon vorhanden, so entsteht ein in Schwefelammonium löslicher orange­roter Niederschlag, der, mit Soda versetzt, in der Löt-
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röhr Reduktionsflamme sich unter Hinterlassung eines starken weifsen Belages verflüchtigt.
Zwecks quantitativen Nachweises behandelt man den Niederschlag mit rauchender Salpetersäure und verwandelt die erhaltene Antimonsäure durch anhal­tendes Glühen in Antimontetroxyd, Sl^C^.
Ricinus.
Die von Ricinus communis (L. XXI, 12. Euphor-biaceae) und den verwandten Gattungen abstammen­den Samen enthalten das an sich ungiftige Glycerid der Ricinolsäure, C^H^Oa, neben Palmitin, Stearin Cholesterin etc. und einem von Sidney H. Martin als Phytalbumose, neuerdings als Pflanzenparaglobulin be­zeichneten, fermentartig wirkenden, auch in den Rici-nusblättern enthaltenen Eiweifskörper, für welchen Stillmark die Bezeichnung Ricin gebraucht. Auf das Ricin sind ausschliefslich die giftigen Wirkungen der Samen und der Ricinusprefskuchen zurückzu­führen, welche vielfach zu Verfälschungen der von Italien oder Rufsland aus importierten Leinkuchen benutzt werden.
Die tödliche Dose des rein dargestellten Ricin beträgt pr. Kilo Hund 0,3 g per os. Für einen Men­schen von 60 Kilo würde die tödliche Menge auf 0,18 g Ricin entsprechend 6 g Semen Ricini oder 3,0 g ent­hülsten Samen zu beziffern sein. Intravenös beige­bracht, genügt etwa der hundertste Teil, um innerhalb 12 — 24 Stunden tödlich zu wirken. Karnivoren er­brechen bei stomachaler Anwendung fast regelmäfsig, sterben aber nach den angegebenen Dosen trotzdem. Hindert man durch Unterbindung des Schlundes die Entleerung des Magens, so reichen nach Orfila ge-
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ringere Mengen des Samens aus, um einen Hund zu töten. Pelletier sah mehrere Pferde von 175 g des Samens sterben, welche sie mit ihrem Hafer verzehrt hatten. Dafs der Unterschied der tödlichen Dose bei verschiedener Applikation ein so gewaltiger ist, erklärt sich zum Teil daraus, dafs die Resorption des Giftes vom Magendarmkanal aus für das kolloide Ricin natur-gemäfs eine langsame ist, zum Teil aber auch aus der im Darmkanal unter Einflufs des Pankreasferments vor sich gehenden Entgiftung des Ricins.
Unter den Vergiftungssymptomen ist das auffallendste die Enteritis, deren Sitz an den verschieden­sten Stellen des Darmkanals sein kann. Bei der Ein­führung unter die Haut oder ins Blut treten lediglich die MagenaiFektionen in den Hintergrund. Im übrigen findet man alle jene Veränderungen, wie sie nach Ein­führung per os sich bemerklich machen. Vom Dünn­darm gewöhnlich das vorderste und hinterste Ende, vom Dickdarm namentlich der Blinddarm und der Mastdarm intensiv verändert. Blutrote, oft schwarz­rote Verfärbung der Darmschleimhaut, gröfsere und kleinere Ekchymosen und Ulcera fallen sofort in die Augen.
Die Grenese dieser Veränderungen führt Kobert auf die Blutwirkung des Ricin zurück. Im Blutserum, in defibriniertem Blut, im Blutkörperchenbrei bilden sich flockige Gerinnsel, „Ricinfibrinquot;, an deren Ent­stehung sich in letzterem Falle nicht das Hämoglobin, sondern das Eiweifs des Stroma beteiligt. Die Blut­körperchen ballen sich zu Blutkuchen ähnlichen Massen zusammen, aus denen sich das Hämoglobin wie aus Blutfibringerinnseln auslaugen läfst. Die Wirkung des Ricin tritt noch in 25 tausendfacher Verdünnung ein.
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In nicht defibriniertem Blut übt Ricin zwei verschie­dene Wirkungen aus: Koagulation der roten Blut­körperchen und zweitens Verzögerung der Fibrin­ausscheidung im Plasma. Myosin und Hühnereiweifs bleiben unverändert. Gelangt Ricin zur Resorption, so verstopft das wesentlich durch die Blutkörperchen ge­bildete Koagulum die Lumina der Darmkapillaren und bewirkt auf diese Weise kapillare Thrombose und Ekchymosen. Erosionen und Ulcera der Mucosa sind die natürlichen Folgen dieser Cirkulationsstörungen. Die bei Vergiftungen mit gröfseren Dosen rasch ein­tretende Somnolenz und die Konvulsionen, ebenso nachfolgende Lähmungserscheinungen sind auf kapillare Thrombose der Hirn- und Rückemnarksgefafse zurück­zuführen, da ein direkter Einflufs weder auf Ganglien­zellen und periphere Nerven, noch auf die Muskel­substanz nachweisbar ist. Ebensowenig läfst sich ein direkter Einflufs auf das Herz und seine Ganglien resp. Nerven konstatieren. Auch bei subkutaner oder intra­venöser Einführung finden sich, falls die Injektion vor­sichtig geschah, die Hauptveränderungen nicht an der Applikationsstelle, sondern ganz wie bei stomachaler Einführung im Darmkanal. Zur Erklärung dieser Thatsache zieht K o b e r t die relativ langsame Cirku-lation in der Darmschleimhaut heran und die korro­dierende Einwirkung des Darminhalts auf die Gewebs-elemente der Mucosa, welche an sich schon durch die Cirkulationsstörung schwer geschädigt sind.
Die alte Anschauung, dafs das Eicinusgift lokal wirke, ist, wie Subkutaninjektionen zeigen, nicht mehr haltbar.
Vielfach finden sich auch an den serösen Häuten in den Lymphdrüsen, in parenchymatösen Organen
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Hämorrhagien. Lungen mehr oder weniger ödematös, Trachea und Bronchien mit rötlichem Schaum gefüllt. Hämorrhagische Transsudate in den Körperhöhlen, blutiger Harn. t Gangräne der Extremitäten sind inkon­stante Symptome.
Die häufigsten Ricinvergiftungen bei den Haus­tieren sind wohl auf die Aufnahme der Prefskuchen-bestandteile zurückzuführen, während bei Menschen die mandelartig schmeckenden Samen vorwiegend zu Erkrankungen Veranlassung geben.
Bei langem Liegen der reinen Ricinusprefskuchen in trockener Umgebung werden sämtliche Eiweifs-substanzen der Samen so steinhart, dafs sie auch bei sorgfältigem Verreiben mit Wasser oder Salzlösungen nur unvollkommen sich aus dem hornartigen Zustand wieder in den gelösten Überführen lassen. Die Giftig­keit ist trotzdem, soweit Lösung erfolgt, unverändert dieselbe. Eher wird die Ausbeute an Ricin vermin­dert durch Verschimmeln. Zwölfstündige trockene Hitze von 110deg; zerstört das Gift nicht, wohl aber ge­nügt 1 Minute dauerndes Aufkochen, um das Ricin vollkommen unschädlich zu machen. Erhitzen der wässerigen Lösungen auf 620 bedingt keine Änderung der Giftigkeit; erst durch Erwärmen auf 85 0 tritt eine wahrnehmbare Abschwächung der Giftwirkung ein.
Bei Rindern macht sich nach Verfütterung von Leinkuchen oder Erdnufskuchen (W o 1 f f), welche mit Ricinusprefsrückständen verfälscht sind, Verlust des Appetits und Verringerung oder Versiegen der Milch geltend, Diarrhöe (von Leonhard auch bei Schwei­nen beobachtet, wozu sich intensives Scheuern an Wänden, Pfosten etc. gesellt), Somnolenz und Krämpfe (Viginer, Renner, Regenbogen). Von einer
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Schafherde, welche von reinen Ricinusprefskuchen gefressen hatten, starben 80 Stück (Audihert).
Croton.
Als wirksamer Bestandteil der Samen von Croton Tiglium (L. XXI, 9, Euphorbiaceae) wurde bisher aus-schliefslich die Krotonolsäure, CgHjiOa, angesehen, deren Glycerid*) nicht wie die freie Säure lokal heftig reizend wirkt.
Zur Darstellung der Krotonolsäure, sowie zur Trennung vom übrigen Bestandteile des Krotonöls, ev. auch zur Isolierung bei Vergiftungen benutzt man die Eigenschaften ihrer Baryumverbindung, in Wasser un­löslich, dagegen in Alkohol und Äther löslich zu sein. Die freie Krotonolsäure schmeckt kratzend und ist nach F. v. Hirschheydt Trägerin der physiologi­schen Wirkung des Krotonöls. Die käuflichen Kro-tonölsorten unterscheiden sich vorwiegend durch den Gehalt an freier Krotonolsäure. Darreichung völlig neutralen Glycerids blieb bei Hühnern, Kaninchen, Katzen, Hunden, Schafen, Ziegen ohne Folgen, selbst bei direkter Applikation auf den blofsgelegten Darm, während das käufliche saure Krotonöl (in Emulsion) subkutan oder intravenös in Dosen unter 8 Mg. p. KK. injiziert, Dyspnoe, Kolik, Somnolenz, heftige Durch­falle, motorische Parese, Lähmung des respiratorischen und vasomotorischen Centrums eventuell den Tod herbeiführt. Der saure, in Alkohol lösliche Teil wirkt ähnlich bei 5 Mg. p. KK. Reine Krotonolsäure oder das
*) Nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls präformiert vorhandenen Glycerid der Methylkrotonsäure, CHg — CH = C(CH3) — COOH, auch Tiglinsäure genannt.
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Natriumsalz tötet in Dosen von 0,4 Mg. p. KK. und
wirkt noch erheblich giftig bei 0,07 Mg. p. KK.
Sterile Subkutaninjektion der freien Säure bewirkt
Entzündung und Eiterung, die des Glycerids nicht.
Kaltblüter spalten aus neutralem 01 Säure energisch ab. 0,04 Mg. krotonolsaures Natrium töten nach Kobext Frösche unter motorischer und sensibler Lähmung und multiplen Extra-vasaten. Auf das Herz und das Blut des Frosches ist die Säure ohne Einwirkung.
Von dem 01 sind nach Orfila und Her twig 30—50 Tropfen innerlich für Pferde, 20—30 Tropfen bei Schweinen ausreichend, den Tod unter den ange­führten Symptomen herbeizuführen. Nach Ger lach können Quantitäten, welche beim Rind 2,0 g, bei Schafen 1,25 g, bei Pferden 15 Tropfen, bei Hunden 3 Tropfen übersteigen, tödlich wirken. Auf die Haut eingerieben, erzeugt das Öl oberflächliche Nekrose, Haarverlust ohne Zerstörung der Papillen; nach ausgedehnter Ein­reibung stellt sich mäfsiges Purgieren ein.
Die Vergiftungserscheinungen bestehen bei inner­licher Applikation, abgesehen von dem hochgradigen wässerigen, im höchsten Grade fötiden Durchfall, in heftigen Kolikschmerzen, bei Karnivoren und Omni­voren in Erbrechen, vermehrter Diurese, fieberhafter Temperatursteigerung, Beschleunigung des Pulses und der Respiration, Kollaps. Bei der Sektion finden sich multiple Extravasate im Dickdarm und der Lunge, die Darmschleimhaut ist intensiv gerötet und geschwollen. Nach länger bestandenem Purgieren nur fleckweise Rötung. Schleimhaut im übrigen grau, ödematös.
Die Untersuchungen von Kobert und Still-mark haben ergeben, dafs in dem Krotonsamen, und zwar selbst in entöltem, ein mit dem Ricin in chemi­scher und physiologischer Beziehung übereinstimmen-
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
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der fermentartiger Eiweifskörper enthalten ist, nur seheint die Ausbeute etwas geringer zu sein, die koa-gulierende Einwirkung auf das Blut aber intensiver, da die dem Ricin eigentümliche Reaktion schon bei einer Verdünnung von 1 : 40000 eintrat.
4 g des Samenpulvers rufen bei Pferden 4 — 5 Tage anhaltendes Purgieren hervor, worauf mitunter am 5. — 6. Tage der Tod erfolgt. 8 g töten Pferde nach 20—40 Stunden, schwache Tiere zuweilen schon nach 10 Stunden. Rinder sind weniger empfindlich; 5 g verursachen gewöhnlich noch nicht den Tod. Eine für Pferde 2 g, für Rinder 6, für Schafe 4, für Hunde 0,3 g übersteigende Menge vermögen nach Ger lach zu töten. Bei einem starken Hund, welchem 4 g Krotonpulver mit 30 g Althäschleim beigebracht wurde, entstand nach 3 Stunden ein 16 Stunden anhaltendes Purgieren, ohne dafs das Tier starb. Dieselbe Quan­tität einem anderen Hund unter die Haut eines Schen­kels gebracht, bewirkte nach 28 Stunden Unempfind-lichkeit und Unbeweglichkeit und nach 80 Stunden Exitus letalis.
Dem Ricin ähnliche oder mit ihm identische Kör­per kommen auch in anderen Euphorbiaceen vor. Sicher nachgewiesen ist Ricin in dem Samen von Jatropha Curcas (Pulgueranüsse, Barbados seeds), welche ein dem Krotonöl ähnliches Produkt, das Kur-casöl, liefern.
Abrus.
Der Samen von Abrus precatorius L.(XVII. 4, Papilionacae) Kranzerbse, Giftbolme, Jequirity-Samen hat insofern toxiko­logisches Interesse, als nachweislich der steinhart werdende Fruchtkörper in tropischen Gegenden (Indien) benutzt worden ist, um aus Eachsucht die Rinderherden der englischen Kolo­nisten zu vernichten. Nach den Mitteilungen K o b e rts genügt
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eine geringfügige Verletzung mit der angespitzten Eiweifsmasse, um den Tod herbeizuführen. Das vorhandene Gift, Abrin genannt, gehört wie das Eicin in die Gruppe der fermentartigen Eiweifskörper und wirkt genau wie dieses. 1/ioo Mg pro Körper­kilo in die Blutbahn eingeführt, töten mit Sicherheit. Eine Maceration des Abrussamens auf die Conjunktiva gebracht, erzeugt ebenso hochgradige lokale Entzündung (Jequirity-Ophthalmie) wie Eicin im Darm. Kochen hebt die giftigen Eigenschaften auf.
Bobinia.
Eine Vergiftung durch Bestandteile der Robinie, falsche Akazie (Robinia Pseudacacia XVII 6 L. Papi-liouaceae), bei Pferden teilt Zapel mit. Drei der­selben frafsen von einigen Robinien die Rinde und das erreichbare Laub und erkrankten, nachdem sie im Stalle angelangt waren. Eines der Pferde verendete noch in derselben Nacht. Das auffälligste Symptom bestand in zunehmender Schwäche der Hinterhand, welche in völlige Lähmung überging. Bei der Obduktion fand Z. wässerigen Darminhalt, Rötung der Schleimhaut, starkes Lungenödem. Ein zweites von den Pferden zeigte ebenfalls hochgradige Lähmung des Hinterteils, welche jedoch innerhalb 9 Tagen verschwand. Eine gewisse Schwäche blieb indes noch einige Wochen hindurch bestehen. Das dritte Pferd erkrankte nur leicht und war nach drei Tagen genesen.
Von spezifischen Bestandteilen, welche bei der Vergiftung in Frage kommen könnten, sind zu erwähnen das
Eobinin C5oH6n032, ein von Zwenger und Dronke in den Blüten aufgefundenes Glycosid. Dasselbe bildet stroh­gelbe, sehr feine, schwach seideglänzende Nadeln, welche ihr Kiystallwasser bei 100deg; verlieren und bei 195deg; schmelzen. Geschmack schwach adstringierend. Im kalten Wasser wenig, im Äther nicht, in Alkalien leicht löslich. Alkalischer Kupfer­lösung entzieht es rasch und energisch Sauerstoff. Beim Kochen mit verdünnten Säuren zerfällt es in Quercetin und einen nicht gährungsfähigen Zucker, vermutlich Rhamnose. Berücksichtigt
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man den KiystallWassergehalt 51h Mol. H20 und die von Lieber-mann für Quercetin ermittelte Formel CaiH^O,,, so leuchtet ein, dafs die von dem Entdecker aufgestellte Molckularformcl C25H30O16 zu verdoppeln ist. Es steht das Glycosid anscheinend in engster Beziehung zu dem Rhamnin, mit welchem es in nicht zu verdünnter Lösung die Reaktion teilt, auf Zusatz von Eisenchlorid dunkelrotbraune Färbung zu geben.
Einer Mitteilung von Power und Cambier zufolge(E. Merck, Jahresbericht 1891), enthält die Rinde der Pseudakazie ein indifferentes Globulin und eine sehr giftige Albumose (zu 1, 06 pCt.), welche Gastroenteritis erzeugt. Robert betrach­tet den Eiweifskörper als Ferment (Robiniaferment), welches vom Ricin und Abrin verschieden ist. In der Rinde kommt auch Cholin vor.
Podophyllum.
Podophyllum peltatum, Fufsblatt, Entenfufs, May-apple (L. XIII, 1, Berberideae) enthält in seinem Ehizom kein Berberin, wohl aber reichlich Harze (2,5—3,75 pCt.), welche aus dem alkoholischen Extrakt ausgefüllt werden und als Podophyllin offizinell sind.
Mit Kali geschmolzen giebt letzteres Protokatechusäure C6H3(OH)2COOH (1, 3, 4, COOH in 1), Paroxybenzoesäure C6H4(OH)COüH(l,4)uudl5renzkatechmC6H4(üH)2(l, 2). Im Podo­phyllin sind nachgewiesen eine krystallinische Fettsäure, reichlich grünes 01, eine in gelben Nadeln krystallisierende Substanz mit den Eigenschaften des Quercetins, ferner Podophyllotoxiu (20—30pCt.;, Pikropodophyllin (8—10 pCt.) und Podophyllinsäure Podwyssotzki).
Podophyllotoxiu,, ein woifses amorphes Pulver, im Wasser kaum löslich, leicht in Alkohol, Äther und Chloroform, reagiert sauer, schmilzt hei 115—120deg; R. Bö hm erhielt dasselbe in krystallisierter Form. Es ist aufzufassen als eine Harzsäure, welche bei ihrer Spaltung zerfällt in Pikropodophyllinsäure und Pikropodophyllin.
Uie Wirkungen des krystallisirten Toxins untersuchte Neuberger. Bei Fröschen äufsert sich die Giftwirkung in allgemeiner Muskelsteifigkeit, Auftreibung des Abdomen, Injek­tionsröte der Magendarmmucosa und pralle Füllung der Gallen­blase.
Beim Kaninchen blieben 0,01 g täglich per os in Pillen ohne jede Wirkung.
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Am stärksten wirkt das Gift auf Katzen, für welche die subkutane minimal letale Dosis 0,001 g (0,31 Mg. p. KK.) beträgt, wonach eine 3,2 kg schwere Katze nach 3 Tagen starb. Jüngere Tiere sind etwas resistenter, 0,005 g subkutan töten aber unter allen Umständen; bei innerlicher Darreichung werden gröfsere Dosen ertragen, da Erbrechen eintritt. Die Wirkung ist dieselbe, wie die nach Anwendung des amorphen Präparates von Pod-wissotzki beobachtete. Nach 2—4 Stunden beginnt heftiges, . häufig wiederholtes Erbrechen. In der Eegel erfolgen nach­träglich, seltener vorher, anfangs fäcale, dann dünnflüssige, schleimig gallige, oft mit Blut und toten Entozoen vermischte Darmentleerungen. Gegen Ende des Lebens werden die hin­teren Extremitäten paretisch, die Tiere apathisch, und die Körpertemperatur sinkt bedeutend. Exitus im Coma. Das Herz überlebt (P o d w i s s o t z k i).
Hunde werden schon durch Gaben von 0,006 g deutlich affiziert, pflegen aber je nach derKörpergröfsecrstauf 0,01—0,03 g (subkutan) zu erliegen, unter gleichen Symptomen wie die Katzen. Dem Tode können Muskelzuckungen und Krämpfe vorangehen. In den Vorsuchen von Ellenberger trat bei einem 2,0 kg schweren Hund der Tod nach Injektion von 0,001 g ein. Ein mittelgrofser Hund vertrug 0,005—0,008 g innerlich ohne jegliche Reaktion. Nach 0,01 g erfolgte Erbrechen nach 0,013 g Erbrechen und Diarrhöe. Das Erbrechen wurde 1—2 Stunden und die Diarrhöe 8 Stunden nach dem Eingeben be­obachtet, ohne dafs tödlicher Ausgang eintrat.
Bei Schafen liefsen sich mit 0,008—0,02 g keine Darm­wirkungen erzielen.
Tauben und Hühner werden durch 0,005—0,01 g (sub­kutan) innerhalb 24 Stunden getötet (Neuborg er). Die Ver­giftung verläuft hier unter sehr häufigen, blutigen Durch­fällen. In den letzten Stunden vor dem Tode treten paretische Erscheinungen hinzu und das Leben erlischt gewöhnlich unter allgemeinen Krämpfen.
Pikropodophyllin krystallisiert in farblosen Prismen, unlöslich im Wasser und Benzin, leicht löslich in heifsem Alkohol etc. und besteht prozentisch aus C 67, 71, H5, 88,026,41. Pikropo­dophyllin ist derjenige Bestandteil, auf welchen die toxische Wirkung des Podophyllotoxin zu beziehen ist.
Podophyllinsäure, amorphe Substanz ohne bitteren Geschmack, eine ausgesprochene Wirkung fehlt.
Die Rohdroge, das Po do phy Hin, entspricht in
ihren physiologischen Eigenschaften dem Podophyllo-
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toxin. Hunde starben nach 0,5—^0,6 g (Wirtz, Fröh-ner). Bei Pferden tritt nach subkutaner Injektion von 1,0—2,0 g (in 10 pCt.-Lösung) zunächst Kolik, aber kein Durchfall ein. IVa—3 Tage später macht sich eine bedeu­tende Schwäche des Hinterteils bemerklich, und nach ca. 5 Tagen erfolgt der Tod. Beachtenswert erscheint die Sistierung der Darmgerjiusche und die Notwendig­keit, den Harn mit dem Katheter zu entleeren. Körper­temperatur vermindert. Puls klein, frequent (Eilen-b e r g e r). 25,0 g Podophy Hin innerlich bewirkten nach 18 Stunden Laxieren, sehr heftige Kolik und Tod nach 24 Stunden.
Die örtliche Reaktion ist bei den einzelnen Tiergattungen an den Injektionsstellen verschieden. Bei Karnivoren findet sich nur Rötung, bei Kaninchen asep­tische Eiterung, bei Pferden ödematöse, schmerzhafte Anschwellung.
Die Obduktion der von Neuberger vergif­teten Tiere ergab einen ziemlich gleichmäfsigen Befund. Die Duodenalschleimhaut in ihrer ganzen Ausdehnung stark gerötet; mit typischer Regelmäfsigkeit zeigte sich an der Einmündungssteile des Ductus chole-dochus dunkelrote Färbung, welche auf den ersten Anblick ausgebreitete Hämorrhagien vermuten liefs. Genauere Untersuchung mit der Lupe sicherte jedoch die Überzeugung von dem Vorhandensein stärkster kapil­larer Hyperämie der Schleimhaut und des Epithel­verlustes der Zotten. Bei Glallenfistelhunden waren die Erscheinungen dieselben. Der Befund ähnelt ganz und gar dem bei Arsenvergiftung auftretenden pathologischen Veränderungen im Darm. Aufserdem Glomerulo-phritis, etwas schwächer wie nach Kantharidinintoxi-kation. Johne giebt als Befund der nach subkutaner
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Injektion verendeten Pferde an: Totenstarre, Perikardial-flüssigkeit blutig, leicht getrübt. Linkes Herz kontrahiert, rechtes schlaff, wenig geronnenes Blut enthaltend, die Venen prall gefüllt. Myocard dunkelgraurot, sehr mürbe. Hintere Dünndarmschlingen stark erweitert. Epithel gröfstenteils verloren, hier und da venös resp. kapillar injiziert. Innerliche Anwendung bedingte Schlehnhaut-diphtherie im Colon, Darmblutung, starken Lebericterus, parenchymatöse Nephritis und Splenitis.
Bryonia.
Biyonia, Zaun- oder Gichtrübe (L. XXI. 8, Cucurbitaeeae), in Deutschland zwei Arten vertreten (B. alba, weifsblütige oder schwarzbeerige Zaunrübe, B. dioica, zweihäusige oder rotbeerige Zaunrübe). Der bittere, scharfe, widerlich riechende Milchsaft der frischen Wurzel enthält nach Walz das farblose amorphe, sehr bitter schmeckende Grlykosid Bryonin C4SHS0O1!). Die in Wasser und Alkohol, nicht in Äther lösliche Substanz zerfällt beim Kochen mit verdünnter Mineralsäuro in Glykoso und ein harziges Ge­menge von dem in Äther löslichen Biyoretin und dem darin nicht löslichen Hydrobryoretin: C^HgoO!., 2H20 = CJi^O^-j-02iH8507 CalH8,08. — Neben Bryonin findet sich noch ein zweites Glycosid vor, das B r y o n i d i n, auf welches K o b e r t die toxische Wirkung der Bryonia zurückführt. Das Herz bleibt intakt. Im Darm entsteht unter Einflufs des Bryonidin Gefäfserwei-terung. — Hertwig gab Pferden bis zu 1,0 g der frischen und 180—250 g der trockenen Wurzel in Latwergenform oder das Dekokt der gleichen Menge, und sah danach Leibschmerzen, beschleunigtes Atmen, Verlust des Appetits, Fieber, grofse Mattigkeit und vermehrtes Urinieren eintreten. Bei einer Kuh wirkte 1,0 kg ebenso. Orfi la brachte einem mittelgrofsen Hunde ca. 9 g Bryoniawurzelpulver in die'Subcutis des Oberschenkels, worauf das Tier nach 60 Stunden starb. An Lunge und Darm­kanal keine Veränderung. Die Wunde in starker Eiterung. Das Infus von 15 g des gleichen Präparates töteten nach Schlund­unterbindung vom Magen aus einen Hund ohne auffällige Symp­tome nach ca. 12 Stunden. In den dilatierten Herzen zum Teil geronnenes Blut. Lunge schwach hyperämisch. Magen-, Duo­denal- und Mastdarmschleimhaut kirschrot. Beim Menschen erfolgt nach Anwendung der Zaunrübe heftiges Erbrechen,
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Ohnmacht, starke Schmerzen, reichlicher, wässeriger Durch­fall. Das Dekokt von 30,0 g verursachte in einem Falle Tod.
4, Erbrechen, Terstopfung, lokale Atzwirkung, Kreuzschwäche, Kachexie, selten Fieber.
Kalk, Alaun. Ätzkalk. Drei Kühe hatten grob zerkleinerten Atzkalk, der als Desinfektionsmittel auf dem Fufsboden gestreut war, mit dem Streustroh aufgenommen. Die hierdurch veranlafsten Krankheitserscheinungen glichen denen einer heftigen Unverdaulichkeit. Dabei machte sich aber bedeutende Kreuzschwäche bezw. ein allgemeiner Schwächezustand bemerklich, ohne Krampf und ohne Erhöhung der Mastdarmtemperatur. Eine Kuh starb nach 3 Tagen, die zwei anderen mufsten geschlachtet werden. Maul- und Schlundschleimhaut unverändert. Die Mucosa des Pansens an der Einmündungsstelle des Schlundes scharf begrenzt, in Tellergröfse bedeutend sulzig infiltriert, braun bis schwarzrot gefärbt, zum Teil korrodiert (P r ö g e r).
Nach den Untersuchungen von Kunkel wirken die Kalk­salze auf Frösche intensiv giftig, und zwar als Muskelgifte. Der eingetretene Lähmungszustand konnte durch Auswaschen mit physiologischer Kochsalzlösung beseitigt werden.
Ein Hund, welchem O r f i 1 a 12,0 g Kalk eingegeben hatte, erbrach sich nach zwei Minuten, zeigte grofse Muskelschwäche und starb drei Tage darauf, ohne Schwindelerscheinungen, Konvulsionen oder dergleichen gezeigt zu haben. Im Darm lokale entzündliche Verände­rungen, alle übrigen Organe anscheinend normal. Pferde vertragen nach Viborg bis 120 g, mit dem Futter
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täglich gegeben, durch Wochen hindurch, ohne etwas anderes als mäfsige Diarrhöe zu zeigen. Her twig wiederholte diese Versuche und vermochte die Beobach­tungen von V. im allgemeinen zu bestätigen, fügt aber hinzu, dafs viele Pferde nach dem Genufs des ersten, mit frischem Ätzkalk vermengten Futters (17—50 g Kalk auf 3,41 Hafer und Häcksel) an einzelnen Stellen im Maul Schwellungen, Korrosionen und Speichelflufs bekamen, Erscheinungen, welche H. auch bei Pferden beobachtete, welche frisch getünchte Wände abgeleckt hatten. Manche Pferde nahmen das Kalkfutter begierig auf, andere berührten das Futter nach einmaliger Auf­nahme in Zeit von 2—3 Tagen nicht wieder. Einzelne Tiere verfielen bei dem 3—4 Wochen hindurch fort­gesetzten reichlichem Kalkfüttern plötzlich in einen fieberhaften Zustand, welcher von Dyspnoe, ödematösen Anschwellungen des Kopfes und der Extremitäten, Kolik und grofser Schwäche begleitet war. Der Tod erfolgt nach Beginn des Fieberstadiums im Laufe von 2—4 Tagen.
Ein Truppenpferd war in eine Grube mit frisch gelöschtem Kalk gefallen und hatte sich starke Ätzungen zugezogen, auch waren geringe Mengen Kalk in die Maulhöhle gedrungen. Am nächsten Tage trat heftige Lungen - Brustfellentzündung ein, und das Tier starb nach fünf Tagen. Maul, Rachen, Kehlkopf- und Luft­röhrenschleimhaut, bis in die Bronchien hinein, zeigten ausgebreitete Entzündung ohne Verätzung. Obduk­tion: Lungenparenchym fest, in Wasser untersinkend, mit Hohlräumen von Bohnen- bis Hühnereigröfse, ge­füllt mit Jauche, aber ohne üblen Geruch. Der Pro-zefs war auf das Eippenfell übergegangen. Oesophagus und linke Magenhälfte normal, in der Pylorushälfte
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bis zweimarkstückgrofse Korrosionen; desgleichen im Grimmdarm his zum Mastdarm hin, mit entzündeter Umgebung. Leber geschwollen (Zorn). Dafs es sich hier um Fremdkörperpneumonie infolge Aspiration von Kalkmassen etc. handelt, geht aus dem Obduktions­befund unzweideutig hervor. Bei der Prognose wird man mit solchen Eventualitäten zu rechnen haben.
Aufserliche Anätzungen der Haut, der Cornea durch Hineinfallen in Kalkgruben etc. führen oft, trotz sofortiger Entfernung der Kalkmassen unter Benutzung von Öl und Abwaschen mit verdünnter Salzsäure, zu Abstofsung der Epidermis mit Haaren, Perforation der Cornea. Bleibt der Kalk längere Zeit mit der Haut in Berührung, so erfolgt Heilung meist unter Narben-bildung.
Innerlich dürften sich verdünnte Säuren mit Pflanzenschleim oder 01 als Antidot empfehlen.
Alaun.
AI__q
Der Alaun (Alumen, Kaliumalaun) jjl -gt; q4 12H20 wirkt
bei anhaltender, in kurzen Zwischenzeiten wiederholter An­wendung störend auf den Appetit und die Verdauung, verur­sacht Hartleibigkeit, Abmagerung, Mattigkeit und Kachexie. Bourgelat sagt, Pferde werden infolge des Gebrauchs des Alaun „schwindsüchtigquot;. Zu grofse einmalige Dosen, welche mitunter irrtümlich an Stelle des Glaubersalzes gegeben wurden, erzeugen Leibschmerzen,. Verstopfung oder Durchfall, bei Schweinen und Hunden Erbrechen. Bei Obduktionen findet man das Epithel teilweise in weifse, schmierige Massen um­gewandelt.
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5. Salivation, eutziiudUelie Schwellung der Maul-uiid Racheuschleimhaat, Erbrechen, Durchfall, HämogloMunrie ct. Blasenbildung auf der Haut, frequenter, dann abnehmender Puls, Hirnkrämpfe,
Lähmung, EonTulsionen. Kanthariden, Anacardium, Anemonol,
Daphne, Euphorbium.
Kanthariden.
Der wesentliche Bestandteil der spanischen Fliege (Lytta vesicatoria), das Kantharidin, Ci0H12O4 (Kan-tharidenkampfer, von R o b i q u e t zuerst isoliert), kommt auch in anderen Käfern der Gattung Meloe und My-labris vor und wird insbesondere Mylabris Cichorii (Andol-Andol) wegen des hohen Kantharidingehaltes geschätzt. In Lytta ves. ist letzteres zum Teil frei (0,75 pCt.), zum Teil gebunden vertreten (0,34 pCt.), da­neben ca. 16 pCt. Fett und 6 pCt. Asche.
Das Kantharidin mufs als Anhydrid der Kanthandin-säure aufgefafst werden. Erhitzen mit Phosphorpentasulfid gieht Orthoxylol, CÖH4(CH3)2 (1, 2), durch Jodwasserstoffsäuro erhält man die dem Kantharidin isomere einbasische Kantharsäure (CgHnO)—CO—COOH und durch Destillation der letzteren mit Kalk einen terpenartigen Körper des Kantharen CgH^ oder Orthoxyloldihydrin, H2C0H4(CH3)2 (1, 2). Aus Kantharidin bildet sich die Kantharidinsäure durch anhaltendes Erhitzen mit Alkalien (Homolka), welche mit Kupfer- und Nickelsalzen grüne, mit Kobaltsalzen rote, mit Sublimat weifse Nieder­schläge giebt. Dieselbe hat die Zusammensetzung C10Hi4O6 oder C8H120(COOH)2 und wurde vor kurzem das neutrale, beständige Kaliumsalz als Heilmittel gegen Tuberkulose versucht (Lieb­reich). Die Kantharidinsäure, sowie deren Salze wirken ebenso wie Kantharidin. Letzteres löst sich in 01 leicht, in Wasser 1:8000.
Kantharidin, welches 200mal stärker als die Käfer wirkt, hat in reiner Form bisher zu Vergiftungen
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nur beim Menschen Veranlassung gegeben, bei Tieren die Käfer innerlich mit dem Futter unabsichtlich oder als Pulver absichtlich einverleibt, oder auch nach Ein­reibung von Kantharidensalbe von der Haut aus.
Bei innerlicher Anwendung machen sieh starke Eeizerscheinungen seitens des Digestionsstraktus in allen Abschnitten geltend: partieller Verlust des Epi­thels der Maulschieimhaiit, starke Salivation (auch Thränensekretion), erschwertes Schlingen selbst wässe­riger Flüssigkeiten, Appetitverlust, Erbrechen, Kolik, Entleerung gröfserer zusammenhängender Epithelfetzen, ev. blutigen Kotes unter Mastdarmzwang, frequenter, drahtförmiger Puls und Temperatursteigerung. Bei weniger akuten innerlichen, besonders aber bei äufser-lichen Vergiftungen werden unter den Symptomen schmerzhaften Drängens oft hintereinander kleinere Mengen cylinder-, eiweifs- oder bluthaltigen Urins ab­gesetzt. Zuweilen macht sich gesteigerter Geschlechts­trieb geltend. Die Bewegungen vollführen die Tiere matt und schwankend (beim Menschen Kopfschmerz, Schwin­delgefühl), schliefslich können Konvulsionen, Tetanus, Koma und der Tod eintreten.
Die Obduktion ergiebt mehr oder weniger inten­sive Gastroenteritis; im Inhalt finden sich, falls Kan-theridenpulver innerlich gegeben wurde, die gold- oder grünglänzenden Reste der Flügeldecken. Glomerulo-nephritis, Rötung und Ekehymosen an der Ureteren-und Blasenschleimhaut, an letzterer nicht selten De-scpiamation.
Kanthariden, mit Wasser aufgeschwemmt verabfolgt, werden in verhältnismäfsig geringen Mengen tödlich (beim Hund 0,1 — 0,2 g nach 6—18 Stunden), ohne dafs entzündliche Veränderungen im Darm aufzutreten
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brauchen. Von dem Pulver wirken vielfach erst 2,0 g bei Hunden, 4,0 g bei Schafen, 15,0 g bei Pferden toxisch, mitunter tödlich. Rinder hat man selbst nach 25,0 g unter geeigneter Behandlung sich erholen sehen (Bertsche).
Über eine chronische, durch Jahre währende Kantharidenvergiftung berichtet Römmele. Die Rinder eines Gutes in Baden hatten andauernd mit dem Futter von den in Eschen und Hollundersträuchern eingenisteten Käfern vereinzelte Exemplare aufgenom­men. In Maul und Nase Bläschen, Blutharnen, regel-mäl'siger Abortus, Anämie, hochgradige Abmagerung.
Von Wunden aus verursachtKantharideupulver nicht selten bedeutende Allgemein er scheinungen, wäh­rend Salbe auf intakter Haut nur in ausnahmsweise grofsen Quantitäten giftige Wirkung äufsert. Nach Friedberger sind 50 g bei kutaner Anwendung noch unschädlich. Brandes machte mit gröfseren Mengen unangenehme Erfahrungen. 3 Pferde, denen er jeder-seits 30,0 g und nach 12 Stunden je 15,0 g 20 pCt. Salbe auf die Brustwand eingerieben hatte, fingen an zu taumeln, stürzten nieder, erhoben sich zwar, gingen aber nachträglich an den Folgen einer entzündlichen Affektion der Vorderhufe zu Grunde.
Der Nachweis einer Kantharidenvergiftung ist gesichert, wenn Teile der Flügeldecken im Darminhalt etc. gefunden werden. Vermutet man Vergiftung mit Tinctura Cantharidum etc., so wird die Darstellung des Kantharidin nicht zu umgehen sein, am sichersten nach folgender Methode. Das Kantharidin wird ge­wonnen durch Auskochen des zu untersuchenden Ma­terials mit Kalilauge (Bildung von Kaliumkantharidat), Ansäuern mit Schwefelsäure und Ausschütteln mit
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Chloroform. Aus Ameisensäure umkrystallisiert, liefert es charakteristische, doppelbrechende Krystalle, welche, in Öl gelöst, auf der Haut blasenziehend wirken.
Behandlung. Brechmittel oder Aushebern des Magens; schleimige, eiweifshaltige Mittel mit Opiaten oder Hyoscyamus - Präparaten. Wasserinfusionen in Darm und Blase. Öle vermeiden! Kampfer nur bei stark gesunkenem Blutdruck und drohendem Kollaps.
Anacardium.
Einige der zur Familie der Anacardiaceae gehörigen Pflan­zen enthalten stark hautreizcndo, ölig harzartige Substanzen, welche in ihrer Wirkung an Kanthariden erinnern. So liefert Semecarpns Anacardium das sclnvarzbraune Cardoleum Orien­tale s. pruriens (aus dem Pericarplum der Früchte), Anacardium occidentale das hellbraune Cardoleum oceidentale s. vesicans. Das aus dem Pericarp der Nüsse von Cassuvium pomiferum gewonnene Acajouöl enthält gleichfalls Kardol, ebenso der in Ehus toxicodendron (Giftsumach) vertretene, an der Luft sich schwärzender Milchsaft, neben der bezüglich der Wirkung der Ameisensäure ähnelnden flüchtigen Toxikodendronsäure. Die Eeizwirkung ist nach Buchheim auf Kardol zurückzuführen. In Anacardium occidentale wurde durch St äde ler aufser Kar­dol auch Anakard säure nachgewiesen, welcher nach Euhe-mann und S. Skinner die Formel C22H3o03 zukommt und als Oxykarbonsäuro aufzufassen ist. Die in den Sumacharten vorkommende Gerbsäure erkannte Lönel als identisch mit Gallusgerbsäure.
Das vorzugsweise die starke Eeizwirkung bedingende Kardol stellt ein farbloses und hellgelbes Öl dar. Molekular­formel C21H30O2- Auf der Haut verursacht es erysipelatöse oder pustulöse Dermatitis, innerlich heftige Gastroenteritis und nach der Eesorption motorische Lähmungen und Eespirations-störungen. Nach der Empfehlung von Freriehs wurde das auf die Haut gepinselte Kardol als Vesicans gebraucht, und sind Intoxikationen beim Menschen mit Allgemeinerscheinungen wiederholt beobachtet worden.
Vergiftung von Tieren wurde bisher nur in einem Falle konstatiert und zwar nach Genufs von Beeren und Blättern von Ehus coriaria bei Schafen und Ziegen, welche, wie Sau-
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vages anführt, zur Erde gefallen seien und konvulsivische Bewegungen gezeigt haben.
Anemonol.
Unter der Pflanzengattimg Ranunculus (L. XIII, 2—7, Ranunculaceae), welche gegen 20 deutsche Arten umfafst, sind eine ganze Reihe solcher enthalten, welche samt und sonders flüchtiges Anemonenöl (Anemonol) enthalten, eine Substanz, die auf die Haut starke, lokal reizende und blasenziehende Wirkungen ausübt, innerlich Gastroenteritis, sowie nach der Resorption Konvulsionen und Lähmung erzeugt.
Zu den nachgewiesenermafson toxisch wirkenden Eanun-culusarten gehören E. seelcratus in erster Linie, dann flam-mula, lingua, arvonsis. acris und ficaria, etwas weniger scharf sind auricomus, lanuginosus, polyanthemus repens und bulbosus (Ger lach).
Caltha palustris enthält vermutlich Anemonol*)beson­ders in den Samen. Durch reichliche Aufnahme der Pflanzen mit Heu resp. mit dem Grünfutter sind Vergiftungsfälle bei Eindern und Pferden durch Nefsler und Bon in bekannt geworden. Nach Johanson enthält C. zur Zeit der Blüte ein flüchtiges Alkaloid, das in seinen Eeaktionen teilweise mit Nikotin übereinstimmt.
Von der Gattung Anemone zählen hierzu A. pulsatilla, pratensis, ferner ranuneuloides, nemorosa, silvestris, aestivalis. Das ans verschiedenen Clematisarten (flammula, vitalba etc.) scharfe, blasenziehende, mit Wasserdämpfen überdestillie­rende 01 scheint mit Anemonol identisch zu sein (cf. Clematis).
Die Giftigkeit der Pflanzen geht beim Trocknen derselben gröfstenteils, beim Brühen und Kochen ganz verloren, indem das Anemonol dabei in die unwirk­same Anemonsäure, Ci5H1407, und Anemonin (Ane­monen-, Pulsatillen-, Clematiskampfer), CxgHxsjO,;, zer-
* Das alkoholische Extrakt tötet Kaninchen unter Krämpfen^ Brondgeest bezieht die Giftwirkung auf den hohen Chlor­kaliumgehalt. Kobert bemerkt, dafs in Esthland und Livland Caltha vielfach als Tabakssurrogat Verwendung findet, er ver­mutet in Caltha ein flüchtiges Alkoloid, wahrscheinlich Pyridin.
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fällt (Erdmann, Feh ling), welch letzteres bei Gegenwart von Alkalien, alkalischen Farben oder Säuren durch Kochen unter H2O - Aufnahme in Ane-moninsäure übergeführt wird (Löwig und Weid-m a n n).
Das Anomonin besitzt vorzugsweise oder ansschliefslich einen Einflufs auf das cerobrospinale Nervensystem, verursacht aber keine lokale Reizcrscheinung. Nach Clarns wirken 0,6 bei Kaninchen in 3—7 Stunden letal, wobei als besondere Er­scheinungen Abnahme des Herzschlages an Zahl und Stärke nach vorübergehender Steigerung der Frequenz, Dyspnöe und stertoröses Atmen, Sinken der Körperwärme, lähmungsartige Schwäche (nach Curci Pcrsistenz der Reflexaktion) der Hinter-, später der Vorderbeine, Stupor, Mydriasis und in Agone Myosis eintreten. Der Tod erfolgt ohne Voraufgehen der bei Anwendung der Extrakte stets bemerkten Konvulsionen. Integrität des Di-gestionstraktus, aber Lungenödem, diastolische Herzstellung, Hyperämie der Hirn- und Rückenmarkshäute.
Von frischen Pflanzen (R. arvensis) sollen 70 g ausreichen, ein Schaf zu töten (Löbel). Der bren­nende Geschmack der Pflanzen veranlafst die Tiere, gewöhnlich die Aufnahme während des Weidens zu umgehen, was allerdings bei reichlichem Bestände nicht immer möglich ist, namentlich dann, wenn die Pflanzen sich in den ersten Vegetationsstadien befinden oder den Tieren ansschliefslich vorgelegt werden, so dafs denselben keine Wahl übrig bleibt. Bei Schafen hat man ein freiwilliges Verzehren wiederholt beobachtet.
Die k 1 i n i s c h e n S y m p t o m e der fast ausschliels-lieh durch Ranunculus veranlafsten Vergiftung sind teils durch die reizenden Eigenschaften der ölartigen Sub­stanz, teils durch die Depressionswirkung des Ane­monin bedingt und äufsern sich im allgemeinen in Speicheln, Würgen, Durst, Kolikerscheinungen, Auf­blähen, mitunter ruhrartigem Durchfall, Albuminurie, seltener Hämaturie, Sistieren der Milchsekretion, dabei
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Schreien, Brüllen, lebhaftes Umherspringen, später schwankender Gang-, zuweilen Bewufstlosigkeit, Zittern und Konvulsionen. Der Tod tritt öfters apoplektiform ein, ohne vorherige Erscheinungen, und besteht über­haupt die gröl'ste Lebensgefahr in den ersten Stunden. Die Genesung erfolgt ev. meist rasch in einigen Stun­den, längstens in 3—4 Tagen. Bei der Obduktion findet man aufser den bereits oben angeführten Er­scheinungen die Anzeichen einer Gastroenteritis.
Nachweis durch Anamnese oder botanische Untersuchung.
Behandlung: Schleimige Mittel, salinische Laxantien, Alkalien.
Actaea spicata.
Ranuncnlaceae, Fam. l'äoniacoae (L. XIII 1.), ährentragen-des Christophskraut oder falsche Niefswurz.
Die schwarzen Beeren, Kraut und Wurzel der in Gebirgs-wäldern wachsenden, gelblich weifsblühenden Pflanze erregen Brechen und Laxieren. Die Wurzel kann leicht mit der schwarzen Niefswurz verwechselt werden.
Schafe sollen dieselbe nicht verschmähen und Vorgiftungs-erscheinungen nach dem Genufs gezeigt haben (Magne).
Päonia.
Die Päoniaceen, Pfingst- oder Gichtrosen (L. XII, 2—7, Pä-oniaceao) spez. F. officinalis, peregrina (in Süddeutschland wild wachsend), enthalten in Samen (und Wurzeln) ein von Man­delin und Johafinsen in P. peregrina gefundenes Alkoloid, welches in weinsäurehaltigem Alkohol fast unlöslich ist und beim Trocknen des Rohmaterials seine Giftigkeit verliert. Dasselbe wirkt ematokathartisch und erzeugt Gastroenteritis. Ein Harz von der Zusammensetzung C^Hg^Og UjO verhält sich indifferent, ebenso Päoniabraun Cj2 H^ 04 und ein fluores-cierender Körper Ci2H10O2 HaO.
Daphne. Rinde, Blüten, Früchte und Wurzel der Daphne-arten (D. Mezereum, gnidium und laureola, L. VIII,
Tereg quot;. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (gt;
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1, Thymolaceae) enthalten Mezerein, ein Harz, wel­ches als Anhydrid der Mezereinsäure aufzufassen ist (B u c h h e i m) und ähnlich wie Kantharidin wirkt, nur mit dem Unterschiede, dafs die Reizung des Urogeni­talapparates eine geringere ist.
Das fotto Öl der Früchte (bis zu 30 pCt darin enthalten) ist gelb mit bläulicher Fluoresccnz und von sclnvachcm, an Kan-tbariden erinnernden, an der Luft sich aber verlierendem Ge­ruch und anfänglich siifsein, hinterher aber brennend scharfem und kratzendem Geschmack. Auf der Haut erzeugt es Röte und pustulösen Ausschlag (Casseimann).
Femer findet sich besonders in der Rinde vertreten das bitter, dann adstringierend schmeckende Glykosid Daphnin (C15H1)iOi, 2H20), isomer mit dem Äskulin, giebt durch Hydro­lyse Glykose und Daphnetin, welches als Dioxycuma:rin
O—CO (3) C(iH.gt;(OH)„(l,2)lt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; !
' -v -nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; CH=CH (4)
aufzufassen ist, von dem Äskuletin nur durch die Stellung der
O-haltigen Gruppen (5, 4, 2, 1.) unterschieden. Das in der Rinde
vertretene Umbellifei-on
O-CO CliH3(OH)lt;CH=6H
ist von Böhm nicht giftig befunden worden.
In England werden die Blätter von Daphne lau-reola häufig als Wurmmittel gebraucht (8 —16 g ge­wöhnlieh), und es sind hiernach zuweilen Vergiftungen beobachtet worden (Rose und Wright), welche sich bei Pferden unter den Erscheinungen grofser Schwäche, frequenten kleinen Pulses. Schlingbeschwerden, Kolik-syinptomen, Schweifsausbruch, Laxieren und Häma-turie äufserten. Bei der Sektion finden sich Ulcera in der Maulhöhle und Gastroenteritis. 6 g gepulverter Rinde verursachten bei einem Hunde sofort Speicheln, Winseln, nach 21;2 Stunden Erbrechen und Mattig­keit, worauf das Tier sich erholte. 12 g fülirten nach
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Schlunduiiterbindung innerhalb 13 Stunden den Tod herbei.
Behandlung wie bei Kantharidenvergiftung. Alkalien sind zu vermeiden, da Mezerein sich in den­selben löst.
Euphorbium.
Sowohl die verschiedenen einheimischen Euphor-biaarten (E. helioscopia, peplus, exigua, platyphyllos, palustris, cyparissias, esula L. XXI, 1, Euphorbiaceae), als die exotischen (E. resinifera antiquorum, canarien-sis) enthalten neben Gummi, Pflanzensäuren (Äpfel­säure) und Mineralbestandteilen, auch Harze, unter denen das E u p h o r b i n (Euphorbon) als der wirksame Bestandteil anzusehen ist.
Nach Buchheim ist dasselbe das Anhydrid der unwirk­samen Euphorbinsäure (Euphorbon C]r)H240, links drehend, isomer mit Lactucon, 0. Hesse). Euphorbin läfst sich in die Euphorbinsäure umwandeln und geht letztere bei der Ab-scheiduug aus ihren Salzen nicht wieder in das Anhydrid über.
Innerlich bewirkt der Saft aller Arten Durchfall unter Koliksymptomen, ev. Erbrechen, Appetitverlust, Würgen, Schwindel, Schweifsausbruch, Konvulsionen; Puls klein, Herzschlag pochend. Bei der Sektion findet man Gastroenteritis mit Bildung von Ekchy-mosen und kleinen Geschwüren. Alkoholische Lö­sungen des Saftes von Euphorbia peplus rufen auf der äufseren Haut erysipelatöse Entzündung und Blasen­bildung hervor.
Vergiftungen durch die einheimischen, als Unkraut auf schlecht gepflegten Ackern mitunter in Massen auftretenden Euphorbiumarten kommen ziemlich selten vor, da die Haustiere die Pflanzen meist nur bei grofsem Hunger freiwillig aufnehmen.
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Bei Rindern tritt Laxieren nicht immer ein; es machen sich alsdann unter Kolik Symptomen (Unruhen, Schlagen mit den Füfsen) tympanitische Erscheinungen geltend, Niederfallen, Augenmuskelkrämpfe. Unter entsprechender Behandlung erfolgt meist Genesung.
Der Nachweis liifst sich meist auf botanischem Wege führen. Euphorbon (aus ätherischem Extrakt) löst sich in konzentrierter Schwefelsäure mit gelbbrauner Farbe, welche unter Zusatz von Salpetersäure in vio­lett übergeht.
Behandlung: Salinische Laxantien mit Schleim, schleimige Klystiere, (quot;offein oder Kaffeeinfufs. Später Tannin, Opium.
6. Erbrechen, Durchfall, Spasmus, epileptiforme Krämpfe, Gangrän extremer Körperteile, Abortus.
Claviceps, Epichloe.
Claviceps (Sphaeelia).
Auf den Körnern verschiedener Getreide- und Grasarten entwickeln verschiedene Pyrenomyceten (L. XXIV, 3) Sklerotien, welche eine Reihe giftig Avirken-der Substanzen produzieren, deren Aufnahme seitens der Tiere zu schweren Störungen, mitunter zu Todes­fällen Veranlassung geben können. Das konidien-tragende, schmutzig weifse, käseartige Stroma wurde früher für einen besonderen Pilz, Sphaeelia segetum, gehalten und zu den Gymnomyceten gerechnet.
Es kommen in Betracht Claviceps pnrpurea, vorzugsweise auf Seealearten schmarotzend; es werden aber auch befallen Triticum, Hordeum, Avena, ferner Alopecurns, Anthoxantum, Bro-mvts, Dactylis, Glyceria, Lolium, Phlcum, Poa. Bezüglich der Schäd­lichkeit von Claviceps microeephala (auf Molinia und Phrag-
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mites) mid Cl. nigricans (auf Holeocliaris und Scirpus) stehen Untersuchungen noch aus.
In den Sklerotien, welche Claviceps pnrpurea bildet, sind nachgewiesen Sphacelinsäure (Sphacelotoxin, Schmiede-berg, dunkelgefärbte, in Alkalien leicht lösliche N-freie, harz­artige Masse mit Säurecharakter), Kornutin (Alkaloid, in freiem Zustand sirupartig), Ergotinsäure (Sklerotinsäurodes Handels, ein Saponin-ähnliches, aber N-haltiges saures Glykosid), CholiuCCgHjBNOa), Pikrosklerotin (Bitterstoff), Ergosterin (C26Hlaquo;,0 H2 0), Skleromucin, Mykose (Trehaloso, Schleini-zucker), Sklererythrin und Sklerojodin (Farbstoffe) und fettes 01.
Die Sphacelinsäure löst sich in Wasser und verdünn­ten Säuren nicht, schwer in fetten Ölen, Chloroform und Äther, leicht in Alkohol. Bei der Entfettung des Mutterkorns mit Äther geht zu Anfang keine Sphacelinsäure in Lösung. Erst wenn alles leicht extrahierbare Fett dem Mutterkorn entzogen ist und man mit wasserfreiem Äther die festen Fettmassen des Rohmaterials extrahiert, geht auch die Sphacelinsäure mit in Lösung. Versetzt man die alkoholische Lösung der Säure mit Wasser, so tritt, ähnlich wie bei harzigen Tinkturen, eine milchige Trübung ein. Die Alkalisalze verhalten sich von der freien Säure gänzlich verschieden. Sie lösen sich in Wasser, in Alkoholäther dagegen nicht, und lassen sich auf diesem Wege vom Fett trennen.
Die Sphacelinsäure ist die Ursache desMutter-kornhrandes (Brandseuche, Feuerpest), welcher 1889 erst wieder die Bevölkerung und zum Teil die Vieh­bestände von 70 russischen Dörfern im Kreise Nolinsk, Gouvernement Wjatka, deeimierte. Sie behält ihre inten­sive Wirkung im Mutterkorn nur etwa 4 Monate nach der Ernte und verliert auch durch unvorsichtige cho-mische Manipulationen ihre Giftigkeit, indem sie in eine unwirksame harzige Modifikation übergeht. Auf dem Schwinden der Sphacelinsäure beruht es auch, dafs Gangränepideraien meist nur in den ersten 4 Monaten nach der Ernte auftreten. Ebenso ist es sicher, dafs der Gehalt an Kornutin ebenfalls um diese Zeit sehr abnimmt, wofür auch die historische Erfahrung spricht.
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Warum in manchen Jahren und Gegenden im Mutter­korn fast nur Sphacelinsiiure und in anderen wieder last nur Kornutin sich bildet, ist noch absolut unbekannt. Die cbarakteristischen Symptome, welche die Sphacelin-säure resp. frisches Mutterkorn erzeugt, bestehen in Gan­grän der peripheren Körperteile, nach v. Reckling­hausen und Grünfeld infolge einer durch Stase des Blutstroms erzeugten hyalinen Thrombose der feineren Arterienästchen, Dilatation der Pupille, Stupor, ab­wechselnd mit Aufregung und Hyperästhesie (Hirn­affektion), Ataxie (Eückenmarksaffektion), Verstopfung und Aufblähung, event, profusen Durchfällen und Abor­tus. Zur Vergiftung eines Huhnes genügt die aus 30,0 g Seeale corn, darstellbare Harzmenge innerlich oder in Form der Salze subkutan appliziert.
Die Gangrän läfst sich am besten bei Geflügel verfolgen. An Hähnen nehmen bei starker Vergiftung Kamm- und Bartlappen zuweilen schon nach zwei Stun­den gangränöse Schwarzfärbung und trockene Beschaf­fenheit an. Nach längerer Verfütterung kleiner Gaben oder von Getreideabfällen, welche mit Mutterkorn stark durchsetzt sind, kommt es zum Verlust des Kammes, der Zehen, des Schnabels, bei Enten entsteht Gangrän der Schwimmhäute etc. Der Tod erfolgt bei Tauben von 4 g, bei Hühnern von 15 g, bei Enten von 60 g des Mutterkorns.
Bei der Obduktion fand K o b e r t multiple Hä-morrhagien der Darmschleimhaut und im Mesenterium, mehr oder weniger ausgebreitet ikterische Färbung, besonders im Unterhautgewebe. War die Dosierung so gewählt worden, dafs fortwährend sehr geringe Mengen Sphacelinsäure mit dem Futter zur Einführung gelangten, die weder Verfärbung des Kammes noch typhöse Diu-ch-
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fälle verursachten, so zeigten die Tiere nach Wochen oder Monaten eine oft sehr lange anhaltende Ataxie der Bewegungen, so dafs sie weder zu fliegen noch zu stehen vermochten, sondern wie betrunken umlielen und sehr leicht in Hypnose gerieten. Eine genaue Untersuchung gestattete keinen anderen Schlufs, als dafs es sich hier um Störungen im Centralnervensystem handele. In der That liefs sich auch im ßlickemnark eines in einem solchen Zustande getöteten Tieres hyaline Thrombose der Gefäfse nachweisen. Die Tiere sterben übrigens nicht immer; mitunter besserte sich der Zu­stand nach einigen Wochen.
Beim Schwein bildet sich vollständige Gangrän selten aus, meist entwickeln sich nur Brandblasen an Ohren und Nase. T e s s i e r erzielte tödlichen Ausgang bei einem Schwein erst nach Verfütterung von 11 kg Mutterkorn innerhalb ca. zweier Monate. Kobert gab einem jungen Schwein von 5,4 kg das Harz aus etwa 80 g Mutterkorn, in Öl und Milch emulgiert, mittelst Schlundsonde. Das Tier wurde schon in der­selben Stunde schwer krank. Die Symptome bestan­den in Durchfall, der jedoch nach einigen Tagen nach-liefs, sowie in einer ganz auffälligen Ataxie und Parese der Extremitäten, so dafs das Tier nur auf dem Bauche rutschend sich fortbewegen konnte. Am dritten Tage traten Brandblasen an beiden Ohrmuscheln auf. Sehr auffällig war aufserdem, dal's der Patellarreflex, wel­cher anfangs ganz regelmäfsig bei den Untersuchungen vorhanden war, jetzt (am dritten Tage) verschwand und nie wiederkam. Am fünften Tage wurde das Tier, welches bis dahin meist wie somnolent dagelegen hatte und gefüttert werden mufste, wieder etwas leb­hafter, frafs allein und reagierte auf Reize, welche
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Kopf oder Körper trafen, prompt. Die Parese und Ataxie der Beine hatte aber noch zugenommen, so dafs eine Fortbewegung nicht mehr möglich war. Die Sensibilität der Extremitäten war geschwächt, aber nicht aufgehoben. An den Ohren, auf und in der Nase waren neue Brandblasen aufgetreten. Am sie­benten Tage wurde der Durchfall wieder stärker und es traten Schluckbeschwerden ein, so dafs das Tier mit der Schlundsonde gefüttert werden mufste. Am achten Tage verfärbten sich die Ränder der Ohren dunkelblau, und eine etwa erbsengrofse Partie der Nase wurde schwarz. Am Morgen des neunten Tages er­folgte unter Durchfall und Dyspnöe der Tod.
Die sofort vorgenommene Sektion ergab an Ge­hirn und Rückenmark keine auffälligen makroskopi­schen Veränderungen. Die Organe der Brusthöhle zeigten nichts Abnormes. In der Bauchhöhle fiel eine ganz enorme Hyperämie der Mesenterialgefäfse auf. Magen und Darm enthielten flüssigen Speisebrei. Im Magen etwa sechs, linsen- bis fünfpfennigstückgrofse Blu­tungen, an denen die Schleimhaut teilweise defekt war. Im ganzen Dünn- und Dickdarm zahllose punktförmige Hämorrhagien, die gruppenweise bei einander standen und entweder der Höhe einer Schleimhautfalte ent­sprachen, oder auf einem gröfseren Venenstamme auf-safsen. Nieren und Leber zeigten nichts Besonderes.
Im Gegensatz zum Huhn und zum Schwein ge­lang es an Kaninchen, Katzen und Meerschweinchen niemals, Gangrän zu erzeugen. Das Verhalten der Hunde und Katzen war insofern verschieden, als Hunde jeden Versuch, Sphacelinsäure in ihren Mageildarm-kanal einzuführen, mit Brechen beantworteten, weshalb sehr bald von dieser Applikationsweise Abstand ge-
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nomiuen wurde, da K. sich nicht entschliefsen konnte, den Tieren den Oesophagus zu unterbinden. Bei Katzen trat zwar auch häufig-, aber doch nicht regel-mäfsig Brechen ein. An Kaninchen dagegen gelang die Vergiftung immer, gleichgültig, ob die Sphacelin-säure in Pillenform oder als Natronsalz in Lösung in den Magen gebracht wurde. Meerschweinchen ver­hielten sich im grofsen und ganzen ebenso wie Ka­ninchen.
Bei Vergiftungen mit minimalen Dosen blieben
die Tiere 4—8 Wochen lang gesund; dann wurden
sie allmählich krank, bekamen Durchfall und zeigten
auch wohl Störungen der Motilität und Sensibilität,
aber niemals zweifellose Gangrän; dagegen ergab die
Sektion Blutungen in den verschiedensten Organen;
besonders im Magen und Darm.
Um über die Beeinflussung der Kroislaufverhältuisse durch das Mutterkornharz an Warmblütern ins Klare zu kom­men, wurden Injektionen der in kohlensaurem Natrium ge­lösten Säure ins Blut vorgenommen. Es ergab sich, dafs die­selbe auch für die Tierarten, welche nicht an Gangrän er­kranken und daher weniger beeinflufst zu werden schienen als Hühner und Schweine, ungemein giftig ist. An unkurare-sierten Kaninchen von etwa 1500 g trat nach Injektion von 0,05 g Säure in eine periphere kleine Vene nach etwa 8 bis 10 Minuten ein deutliches Ansteigen des Blutdruckes ein, aus­nahmsweise bis auf das Doppelte des vorherigen, dem nach einigen Minuten intensive, strychninartige Krämpfe des ganzen Körpers und sodann Respirationsstillstand folgten. Hand in Hand damit ging ein Absinken des Blutdruckes, das auch durch eingeleitete künstliche Respiration nicht aufgehalten werden konnte und mit bald darauf folgendem Tode endigte. An kuraresierten Tieren trat nach gleicher Dose und gleicher Art der Applikation ebenfalls ein sehr bedeutendes Ansteigen des Blutdruckes ein, welchem nach geraumer Zeit ein Ab­sinken und endlich der Tod des Tieres folgte. Krämpfe blieben bei dergestalt bohandeltcn Tieren natürlich aus. Discisionder Nervi vagi hatte auf das ganze Vergiftungsbild keinen EinfluCs.
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Die Pulsfrequenz wurde von den Injektionen fast nicht beeinflufst. An Hunden waren die Blutdruckschwankimgen nacli den In­jektionen weniger deutlich ausgesprochen, als an Kaninchen.
Wurde gleich nach dem Eintritt des Todes die Sektion gemacht, so konnten regelmäfsig durch schwache mechanische oder elektrische Eeize am Herzmuskel noch partielle Kon­traktionen ausgelöst werden.
Aus diesen Versuchen geht hervor, dafs die Sphacelin-silure ihren Angriffspunkt im verlängerton Mark hat. Sie reizt das vasomotorische Centrum. Infolgedessen treten Kontrak­tionen aller Arterien, Blutdruckstoigemng und bei gröfseren Dosen allgemeine Krämpfe auf. Lähmt man das vasomoto­rische Centrum durch Chloral, so fallen alle diese Erscheinun­gen weg; ebenso nach Halsmarkdurchschneidung. Der Tod erfolgt dann bei künstlicher Respiration erst nach gröfseren Dosen des Giftes durch Lähmung der motorischen Centra des Herzens.
Eine merkwürdige Erscheinung, auf die K. etwaige Nach­untersucher aufmerksam zu machen nicht unterlassen will, besteht darin, dafs die Hühner nur bei der ersten Vergiftung auf das Gift mit schneller Gefäfskontraktion und Gangrän rea­gieren. Schon bei einer zweiten Intoxikation braucht man eine merklich höhere Dose, und wenn man die Vergiftung, nachdem sich die Tiere ganz erholt haben, immer wieder von neuem herbeiführt, so braucht man nach einigen Monaten ganz erstaunlich hohe Dosen, die das sechsfache, ja zehnfache von dem betragen, was ein noch nie vergiftetes Huhn nötig hat, um der Vergiftung durch Darmerscheinungen und Gangrän zu erliegen.
Bei Kühen sah Decoste nach wochenlanger Fütterung mit Mutterkoni enthaltendem Weizen Gan­grän der linken Extremitäten bis zum Karpal- resp. Tarsalgelenk eintreten. Kowaleski konstatierte bei 20 Rindern ähnliche Symptome nach Verfüttern von Roggen, welcher ca. 20 pCt. Mutterkorn enthielt. Unter starker Abmagerung, zunehmender Lahmheit, Anschwellung der Krone erfolgte nach 4 — 8 Wochen Gangrän der Klauen mit schwacher Eiterung an der Demarkationslinie, ohne dafs bis dahin Fieber oder
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eine Störung des Appetits damit verbunden gewesen wäre.
In grofser Ausdehnung erkrankten 1883 und 1884 in Amerika (Kansas, Missouri, Illinois etc.) Rinder­herden infolge der Aufnahme von Gras resp. Heu (hauptsächlich aus Elymus virginicus, Agrostis vul-garis etc. bestehend), welches Mutterkorn in nicht un­bedeutender Menge enthielt. Trumbower, Law u. a. konstatierten am weichen Gaumen und an der Zunge Blasen, welche nach dem Bersten vertiefte, leicht blu­tende Stellen hinterliefsen, während Salmon nur fleckige Böte und cirkumskripte Gangrän der Maul­schleimhaut fand, welche Befunde seitens der ersteren zur Verwechselung mit Aphthenseuche Veranlassung gaben. Hierher dürften vielleicht die ebenfalls in Deutschland hin und wieder auftauchenden „sporadi­schenquot; Fälle von Maul- und Klauenseuche zu zählen sein. Mitunter war Gangrän der Schwanzspitze und der Ohrenspitzen vorhanden. Meist liefsen sich die Kühe in der Zeit, wo die Nekrose eintrat, nicht zum Aufstehen bewegen; dies gelang erst, nachdem die mumi­fizierten Teile abgestofsen waren. Heilungen konnten ab und zu erzielt werden, besonders da die Ablösung der Phalangen in der Nähe von Gelenken stattfand. Selbstverständlich fehlten auch die übrigen oben ange­führten Symptome nicht, nur in Kansas soll nach S. kein Durchfall bemerkt worden sein.
Pferde werden anscheinend weniger heftig mitge­nommen. Aufser recht häufigem Abortus machten sich in Kansas Erosionen im Maul, an den Lippen, ver­bunden mit Speichelfluis, besonders geltend. Die auf denselben Weiden wie die Rinder und Pferde gehal­tenen Schweine und Ziegen waren gesund geblieben.
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Her twig verfütterte an eine 4jährige Stute inner­halb 26 Tagen 3,3 kg Mutterkorn; es traten Pupillen­erweiterung, Pulsverlangsamung und Muskelzuckungen ein.
Kornut in erzeugt keine Gangrän, wohl aber die heftigsten Krämpfe und mufs als die Ursache des Ergotisinus convulsivus betrachtet werden. Es ruft bei Säugetieren lange anhaltendes Würgen, Erbrechen und Durchfalle, sodann tonische (Steifheit der Glieder) undklonische, epileptiforme Krämpfe hervor, welche viele Stunden andauern können, mit konsekutiven Läh-mungscrscheinungen, Symptome, welche Armbruster bei 6 Mutterschweinen und einem Eber konstatierte, so dafs man eine konvulsivische Form des Ergotisinus auch bei Tieren zu unterscheiden wohl berechtigt ist. Durch gleichzeitige Erregung des centralen Ursprungs der herzhemmenden Vagusfasen und der vasomotori­schen Nerven (Blutdrucksteigerung an kurarisierten Tieren nach Vagusdm-chschneidung) wird Pulsverlang­samung bedingt. Atropin beseitigt diese, aber nicht die Krämpfe. Kornutin bewirkt durch Reizung des Uteruscentrums heftige Wehen, ist aber im Mutterkorn in so geringen Mengen enthalten, dafs es bei arznei­lichen Gaben des Seeale keine grol'se Rolle spielen kann. Bleibende Veränderungen bedingt Kornutin an­scheinend nicht. Eine Intoxikation mit diesem Alka­loid endet entweder durch Respirationslähmung tödlich oder mit völliger Erholung. Etwaige Folgekrankheiten, wie Eingenommenheit des Sensoriums und dauernde Erblindung bei einem der von Armbrust er beob­achteten Schweine, sind auf Gefäfsalterationen des Hirns zu beziehen im Zusammenhang mit der gleich­zeitigen Wirkung der Sphacelinsäure.
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-Die Darstellung ties Kornutin beruht auf der Leiehtlös-liclikeit des Alkaloids in Alkohol und auf seiner Eigenschaft, sich aus alkalischen, wässerigen Lösungen mit Essigäther aus­schütteln zu lassen. Das Detailverfahren ist folgendes:
Pulverisiertes, ölhaltiges Mutterkorn wird in möglichst grofsen Quantitäten im Verdriingungsapparate mit 3 pCt. Salz­säure ausgezogen. Die abgetropfte, mit kohlensaurem Natron fast neutralisierte Flüssigkeit dunstet man ein und extrahiert mit Alkohol. Der Alkohol wird abdestilliert und der mit kohlensaurer Natronlösung alkalisch gemachte Rückstand mit Essigäther extrahiert, gewaschen und dem Essigäther durch Schütteln mit citronensäurehaltigem Wasser das Alkaloid neben anderen unwirksamen Alkaloiden entzogen. Mit Hilfe dieser Methode gelingt es noch, aus 2 g frischem Mutterkorn genügendes Material zu gewinnen, um damit physiologische Reaktionen an Fröschen auszuführen, ja es läfst sich diese Methode geradezu dazu verwenden, um über den Alkaloidgehalt eines fraglichen Mutterkorns sich zu vergewissern.
Durch Sublimat in alkalischer Lösung wird es gefällt, beim Eindampfen in alkalischer Lösung zersetzt es sich teil­weise. Sein salzsaures und citronensaures Salz ist in Wasser leicht löslich. Ferner steht fest, dafs das Alkaloid in das MTitterkornöl teilweise übergeht, mag dasselbe nun durch Ab­pressen oder Extraktion mittelst Äther oder Petroleumäther dargestellt worden sein. Aus dem käuflichen Mutterkornöl kann man es durch Ausschütteln mit citronen-, salz- oder schwefelsaurem Wasser extrahieren. Für die Darstellung muss man berücksichtigen, dafs das Alkaloid in salzsaurer Lösung stundenlang auf dem Wasserbade erhitzt werden kann, ohne seine Wirksamkeit merklich einzubüfsen, beim Erhitzen in al­kalischer Lösung jedoch nimmt die Wirksamkeit desselben nach vergleichenden Versuchen an Fröschen schnell ab und verschwindet schliefslich ganz.
Versuche an Fröschen. Diese müssen, wenn man alle Erscheinungen deutlich zu Gesicht bekommen will, mit sehr kleinen Alkaloidmengen angefangen werden. Dosen von 1/32 Mg. genügen, um kräftige Frösche binnen wenigen Minuten zu vergiften. Die ersten Symptome bestehen in einer eigenartigen Muskelsteifigkeit, infolge deren die Tiere zwar einen kräftigen Sprung ausführen können, die einmal extendierten Glieder bleiben aber 10—100 mal länger in der Extensionslage, als bei normalen Tieren, weil die Streckmuskeln nur ungemein lang­sam aus der einmal eingenommenen Kontraktionsstellung in
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den Zustand der Ruhe zurückkehren. Ein Unbeteiligter, welcher derartig vergiftete Frösche sieht, glaubt stets, dafs es sich um eine Veratrinvergiftung handele, bei der bekanntlich dasselbe Phänomen auftritt. Ganz wie beim Veratrin ist denn auch die Zuckungskurve eines einzelnen Gastrokneinius in gewissen Stadien der Vergiftung gegen die Norm um das 10- bis lOOfache verlängert. Durch Kuraresierung oder Durchschneidung der Ischiadici läfst sich an dieser Mnskelsteifigkeit nichts ändern, wodurch der muskuläre Ursprung dieses Phänomens be­stätigt wird.
Das zweite auffallende Symptom an Fröschen ist eine grofse Disposition zu Krampfanfällen. Diese Anfälle treten teils bei äufseren Reizen reflektorisch, teils ohne dieselben spontan, auf und könnte mau auf den ersten Blick der Meinung sein, es liege eine dem Stiychnin analoge Wirkung vor. Be­rührt man ein solches Tier in der Gegend des Nackens, so krümmt es sofort den Kopf bogenförmig nach unten und ver­harrt in dieser auffälligen Stellung einige Sekunden. Dieses Symptom ist aber den Hirnkrampfgiften eigen und deutet dar­auf hin, dafs es sich auch hier um Reizung der Krampf­centron in der Medulla oblongata handele. Beweisen läfst sich dies durch Wiederholung des Versuchs an Fröschen mit zerstörter Medulla oblongata, die das Symptom nicht mehr zeigen und keine der Strychninvergiftung ähnlichen Anfälle bekommen. Dieses Stadium der Reizung geht bei gröfseren Dosen, z. B. nach Va—1 Mg., entweder sehr schnell vorüber und macht einer kompleten Lähmung des verlängerten Markes und Rückenmarkes Platz, oder es kommt nur periodisch zur Geltung, indem das Tier meist wie paralysiert daliegt und nur von Zeit zu Zeit ohne alle äufsere Veranlassung einem Tetanusanfall ausgesetzt ist; oder drittens, es kommt gar nicht zum Vorschein, indem das Tier sofort komplet ge­lähmt wird und so bleibt. Die Lähmung in diesem Stadium betritft sowohl die willkürlichen, wie die reflektorischen Be­wegungen, während für elektrische Reize das Centralnerven-system seine Erregbarkeit bewahrt. Die willkürliche Be­wegung schwindet bei langsamem Eintritt der Vergiftung vor der Reflexerregbarkeit; ja diese kann gesteigert sein zu einer Zeit, wo die Möglichkeit, willkürliche Bewegungen auszu­führen, bereits geschwunden ist.
Die Atmung hört mit dem Eintritt der Lähmung des ver­längerten Markes auf. Die Herzthätigkeit wird von dem Alka­loid gar nicht beeinflufst, so dafs sie noch 3—4 Tage nach ein-
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getretener kompletter Lähmung ganz normal angetroffen wird. Eine veratrinartige Einwirkung auf den Herzmuskel scheint nicht zu bestehen, wenigstens war bei Versuchen am William-schen Apparate bei kleinen Alkaloiddosen eine Änderung in der Leistungsfähigkeit und Schlagfolge dos Herzens über­haupt nicht wahrnehmbar.
An Hunden und Katzen macht sich nach kleineu, sub­kutan applizierten Dosen (0,5 Mg. p. KK.) eine auffallende Störung des Wohlbefindens geltend, welche sich äufsert in deprimiertem Aussehen, Ausstofsen kläglicher Laute, Würgen, Brechen, Speichelflufs, Kollern im Leibe, sowie Entleerung von Kot (spater Schleim) und Urin. Dem Brechen geht eine lange, sehr heftige Nausea vorher, bei der das Tier sich un­gemein elend fühlt, zittert und grofsc Angst hat. Die auf die Herzgegend aufgelegte Hand fühlt dabei den Herzschlag re­tardiert und unregelmäfsig. Nach dem Brechanfall knickt das Tier meist kraftlos zusammen und liegt nun für einige Zeit mit halbgebrochenen Augen platt auf dem Bauche. Natürlich ist bei den heftigen Brechbewegungen der Magen bald ent­leert, damit hört das Brechen aber nicht auf; es wird jetzt vielmehr Schleim und Galle in sehr grofsen Quantitäten mit grofser Mühe entleert. Solche Brechanfälle, von anfangs kür­zeren, später längeren Pausen unterbrochen, dauern viele Stunden.
War die Dosis etwas höher gegriffen, so kommt als neues Symptom eine hochgradige Steifigkeit der Beine, besonders der hinteren, hinzu, welche sehr an die entsprechende Erscheinung bei Fröschen erinnert. Bei warmblütigen Tieren ist das von Groltz und M ering als Drahtbeinigkeit beschriebene Symptom, welches nach Kleinhirnverletzungen auftritt, mit diesem Zustande fast vergleichbar. Steigert man die Dosis jetzt noch ein wenig, so gesellen sich klonische, später auch tonische Krämpfe hinzu. Diese Krämpfe können epileptischen sehr ähnlich sehen. Auch das Zerbeifsen der Zunge durch die krampfhaft aufeinander fixierten Zähne kommt bei Katzen dabei gelegentlich vor. In den Pausen zwischen den Anfällen atmet das Tier dyspnöisch und liegt mit steifen Extremitäten matt auf der Seite. Seine Empfindlichkeit gegen äufsere Reize ist sehr herabgesetzt, in­dem die Centralorgane des Nervensystems offenbar sehr durch die vorangegangenen Attaquen erschöpft sind.
Wird die Giftmenge jetzt noch gesteigert, so tritt nach einem tetauischen Anfalle Eespirationsstillstand ein, und das Tier erstickt, während der Herzschlag noch einige Zeit kräftig
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zu t'ülileii ist. Dia Soktion ergiebt keine anatomischen Ver­änderungen.
Stellt mau einen derartigen Versuch an einem weiblichen Tiere an, dein mau unter den nötigen Kautelen das Abdomen geöffnet hat, so sieht man in dem Stadium, wo es beim nicht sehwangeren Tiere zu heftigen Bewegungen des Magens und Darmes und Entleerung derselben per os und per annm kommt, ganz entsprechende Bewegungen auch am trächtigen oder nicht trächtigen Uterus auftreten: dieselben haben aber mit dem, was man als Tetanus uteri in der Geburtshilfe als für Mutterkornwivkuug charakteristisch zu beschreiben pflegt, ab­solut nichts gemein; sie verlaufen vielmehr unregelmäfsig, wellenartig und führen zu einer Ausstofsnug der Föten meist nicht. Sie erfolgen ferner überhaupt erst in einem Stadium der Vergiftung, das herbeizuführen man wohl nie willens sein wird. Wenn man die Wirkung auf den Uterus mit der eines anderen Giftes vergleichen soll, so kann man nur l'ilocarpin als dem ähnlich anführen. Um das Zustandekommen dieser Uteruskontraktionen genauer zu studieren, wurden vonKobert nach der von G. Rei n beschriebenen Methode Versuche an dem isolierten überlebenden Uterus von Schafen angestellt, wobei die Uterusganglieu teils erhalten, teils ausgeschaltet waren. Be­nutzt wurden nur diejenigen Versuche, in welchen das Organ bei der Durehströmung mit nnvergiftetem Blute rythmische Kontraktionen ausführte. Es wurde alsdann dem Blute Alkaloid in wechselnden Mengen (bis zu 16 Mg. auf 100 cc Blut) zuge­setzt und genau die Veränderungen in der Bewegung des Or­gans mittelst der graphischen Methode und die Schwankungen der in der Zeiteinheit durchgeströmten Blntmenge registriert, aber niemals irgend eine auffällige Einwirkung wahrgenommen. K. glaubt daher behaupten zu können, dafs die Einwirkungen des Kornntins auf den Uterus, welche oben beschrieben sind, nur bei intaktem Centralnervensystem zu stände kommen.
Die Veränderungen der Cirkulationsorgane unter der Einwirkung dos Alkaloides waren bei Hunden und Katzen denen bei Kaninchen beobachteten conform und sollen daher dort mit besprochen werden.
An Kaninchen und Meerschweinchen fehlen die Erschei­nungen des Brechens und der Nausea. Kaninchen bleiben daher von Dosen, die noch nicht Krämpfe und Mnskelsteifig-keit bedingen, scheinbar unbeeinflufst. Bringt man sie jedoch an das Kymographium, so zeigt sich, dafs diese kleinen Dosen doch bereits eine Einwirkung haben, und zwar beruht dies auf
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einer centralen Erregung des Vagus, welche an der Blutdruck-kurvedurch das Auftreten charakteristischer Vaguspvilse erkannt werden kann. Sie sind allerdings beim Hunde und der Katze noch viel prägnanter. Kuraresierung ändert am Zustande­kommen derselben nichts, nach Vagusdurchschneidung aber kommen sie in Wegfall. Der Puls ist in diesem Stadium un-regelmäfsig und meist verlangsamt. Hat man gleich von vorn­herein das Tier kuraresiert und vagotomiert, so ist das erste Symptom der Alkaloidwirkung ein beträchtliches Ansteigen des Blutdrucks. Schon Dosen von 0,1 Mg. vorsichtig und in der gehörigen Verdünnung in die Metatarsalvene eines grofsen Kaninchens injiziert, lassen dasselbe deutlich erkennen. Dosen von einem Milligramm genügen für den gröfsten Hund, um die Drucksteigerung hervorzurufen. Der Puls bleibt bei Hunden, Katzen und Kaninchen, da der N. vagus ausgeschaltet ist, nnbeeinflufst. Hat man ins Blut injiziert, so folgt auf die Blut­drucksteigerung bald ein Absinken zur Norm; wiederholte Injek­tionen rufen aber neues Steigen hervor. Nach subkutaner Appli­kation tritt die Erhöhung des Blutdruckes langsamer ein, hält aber länger an. Merkwürdig, aber ganz konstant ist die Er­scheinung, dafs sich der Blutdruck, wenn man durch Sphace-linsäure in grofsen Dosen das vasomotorische Centrum schein­bar gelähmt und also den Blutdruck sehr stark erniedrigt hat, durch Kornutin doch noch, wenn auch nur vorübergehend und nicht eben hochgradig, erhöht.
Man könnte dadurch auf die Vermutung gebracht werden, dafs die Blutdrucksteigerung durch das Alkaloid, nicht durch Reizung des vasomotorischen Centrums zu stände komme, son­dern peripheren Ursprungs sei. Um dies zu entscheiden, wur­den Versuche an Tieren (Kaninchen und Hunden) gemacht, bei denen durch grofse Chloraldosen oder durch Halsmark-durchschneidung das vasomotorische Centrum ausgeschaltet war. Bei diesen trat nach den Injektionen sowohl kleiner als grofser Alkaloiddosen niemals ein Ansteigen des Blutdruckes auf, wo­mit (wenn auch nicht ganz exakt) bewiesen ist, dafs das Mittel lediglich aufs vasomotorische Centrum einwirkt, dafs es das­selbe jedoch noch zu einer Zeit reizt, wo die Sphacelinsäuro es nicht mehr vermag. Hat man den Blutdruck eines kurare-sierten Tieres durch aufeinanderfolgende Injektionen gröfserer Dosen von Alkaloid ad maximum erhöht, so tritt bei weiteren Injektionen ein Abfall desselben ein, indem das vasomotorische Centrum jetzt definitiv gelähmt wird. Aber auch nach voll­ständiger Lähmung desselben gelingt es, den Blutdruck eines
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;n
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kui-aresierten Tieres, der fast Null ist, wieder zu der denkbar höchsten Höhe durch Helleboreüi emporzutreiben, womit be­wiesen ist, dafs das Herz und die Getafse noch zu einer Zeit, wo der Organismus schon der schwersten Alkaloidvergiftung unterljegt, noch unbeeinflufst ist.
An unkuraresierten Tieren ist es meist nicht möglich, das Stadium der Lähmung dos vasomotorischen Centrums her­beizuführen, indem schon vorher die heftigen Anfälle von Krämpfen und im Anschlufs daran Lähmung des Eespirations-centrums und Erstickung eintreten. Greift man dabei recht­zeitig zu künstlicher Respiration, so gelingt es oft, das Leben etwas zu verlängern.
Die oben erwähnte Muskelsteifigkoit tritt bei den In­jektionen ins Blut natürlich auch ein; an kuraresierton Warm­blütern ist sie aber viel weniger deutlich, als sie es an un­kuraresierten oder kuraresierton Kaltblütern ist. Die tetani-schen Krampfanfälle fehlen am kuraresierten Tiere völlig.
Am Meerschweinchen ist das Vergiftungsbild dem bei Kaninchen sehr ähnlich. Diese Tiere zeigten nach Subkutan­injektion tödlicher Dosen grofse psychische Unruhe, machten sofort Brechbewegungen, bekamen schnell steife Extremitäten, Dyspnöe, Konvulsionen und Tetanus. In den Pausen zwischen den einzelnen Krampfanfällen lagen sie schlaff, wie gelähmt auf der Seite und reagierten sehr wenig. Während der An­fälle waren die Pupillen, wie auch meist bei den Katzen, er­weitert. Schliefslich trat Respirationsstillstand und dadurch Erstickung ein.
Bei Hähnen beobachtete K ob er t selbst nach zweiwöchent­licher Injektion von täglich 2 Mg. keine weiteren Folgen. Nach 4 Mg. trat dagegen bei einem Hahne von 2l/2 kg gleich das erste Mal tödliche Vergiftung ein, indem das Tier nach vorhergehenden kurzen Krämpfen schnell matt auf den Beinen wurde, umfiel und nach Verlauf einer Stunde in joder beliebigen Position wie narkotisiert liegen blieb. Moist hatte es dabei die Augen geschlossen und schlief. Auf mechanische Reize erfolgten nur schwache Reflexbewegungen. Herzschlag und Pupillen waren dabei normal. Nach 2ili Stunden traten neue Krampfanfälle auf, bei denen das Tier mit allen Gliedmafson heftig zuckte, worauf fast unmittelbar der Tod folgte. Die sofort vor­genommene Sektion ergab keine anatomischen Veränderungen irgend eines Organs.
Am Schlafe seiner Abhandlung weist K. darauf hin, dafs das Alkaloid auf Hähne ganz anders einwirkt, als die Spha-
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celinsäuve. Es sei daher nicht erlaubt, die gangränmachonde Wirkung einzig und allein von der Reizung des vasomotorischen Centrums abhängig machen zu wollen, da sie sonst dem Kor-nutin ebenfalls hätte zukommen müssen.
Ergotinsävire, welche durch die Fermente des Darm­kanals zersetzt sind, bringt bei Säugetieren weder Vergiftungen noch Wehenverstärkung hervor; Grünfeld verfütterte 1955 g Sklerotinsäure an Ferkel und Hühner, zum Teil in Dosen von 100 g p. die, ohne Intoxikationserscheinungen zu erzielen; bei Fröschen ist Lähmung des Rückenmarks nachgewiesen (S c h m i e d e b e r g). Von den übrigen Bestandteilen des Mutter­korns kommt nur noch das Cholin für die toxische Wirkung in Betracht, in betreff welcher auf den diesbezüglichen Gegen­stand verwiesen wird (cf. Abschnitt VIII). Die Mutterkornfarb­stoffe, denen P o d w y s s o t z k i eine gewisse giftige Wirkung noch heute zuschreibt, sind nach Versuchen von Robert völlig wirkungslos, sie haben nur für den gerichtlichen Nachweis Interesse.
Der Nachweis des Mutterkorns in zerkleinertem Futtermaterial basiert auf den Eeaktionen, welche das Cholin und die Farbstoffe geben. Ersteres liefert, mit Alkalien erhitzt, Trimethylamin, weshalb mutterkorn-haltige Gemische beim Erwärmen mit Kalilauge nach Heringslake zu riechen anfangen.
Die Farbstoffe lassen sich mikroskopisch als violette Massen in den langgestreckten Zellen der Bindeschicht erkennen oder aber spektroskropisch nach Extraktion des entfetteten Rohmaterials mit schwefelsäurehaltigem Äther. Es finden sich zwei Absorptionsstreifen vor, im Grün und im Blau (Robert). Schär empfiehlt das von ihm verbesserte E. Hoffmannsche Ver­fahren zum Nachweis des Seeale. Die zu prüfende Substanz, Mehl z. B., bleibt einige Stunden, mit Chloral-hydratlösung angerührt, stehen. Den dicklichen Kleister schüttelt man mit angesäuertem Äther aus und schichtet ihn auf eine Lösung von Na HCOg in einen verschliefs-baren Cylinder. Bei Anwesenheit auch nur von Spuren
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des Mutterkorns zeigt sich nach 20—30 Minuten an der Berührungsstelle eine rötlich violette Zone. Man kann auch event, den Farbstoff durch wässerige oder alkoholische Chloralhydratlösung extrahieren. Das Extrakt zeigt kirschrote Farbe, ähnlich der, welche Seeale mit 20—25 pCt. alkoholischer Schwefelsäure annimmt. Die Farbstofflösung hinterläfst auf Filtrier­papier Flecke mit bräunlichen Rändern. Auf Zusatz von alkoholischem Ammoniak schlägt die Farbe der Lösung in ein schmutziges Violett um. Die Farbe des aus dem Mageninhalt auf gleiche Weise extrahierten Seealepigments giebt mit alkoholischem Ammoniak eine bräunliche Nuance.
Für die Behandlung des Ergotismus ist Futter­wechsel notwendige Vorbedingung, namentlich haben sich stark wasserhaltige Futtermittel, z. B. Rüben, Kar­toffeln etc. bewährt. Evakuierung des Verdauungstraktus durch Purgantien (keine Drastica) mit nachfolgenden Adstringentien; Diuretica. Im übrigen symptomatisch: Gegen die Gefäfskontraktion Amylnitrit, bei Krämpfen, Chloroform oder Chloralhydrat event, mit Morphium, bei Herzschwäche Atropin. Wunden etc. antiseptisch.
EpiobloS.
Epichloe typhyna (L. XXIV, 3, Pyrenomycetes) auf ver­schiedenen Futtergräsern schmarotzend (Dactylis glomerata, Poa pratensis, nemoralis, Holeus mollis, Agrostis vulgaris, l'hleum pratense), verursacht ganz ähnliche Erscheinungen wie Seeale comutum. Die toxische Wirkung des Pilzes ist von L. Franck experimentell durch Verfütterung befallener Halme von Poa pratensis festgestellt worden. Der Schmarotzer befand sich in jenem Wachstumsstadium, in welchem das grauweifse Stroma die Blattscheiden durchbrochen, aber noch nicht die ocker­gelbe, durch die rötlichen Perithecien unterbrochene Färbung er­reicht hatte (Polystigma typhinum). Das Kaninchen verzehrte an­fangs täglich eine gute Hand voll, liefs aber nach 4—5 Tagen
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in der Futteraufnalime nach und vermied jede Bewegung. Sehr hald stellte sich ödematose Schwellung und Gangrän der Vorder- und Hinterfüfse ein, an letzteren bis zum Calcaneus. Der Urin wurde trüb, gallertig, Respiration und Herzschlag nahmen an Frequenz zu, und am zehnten Tage starb das Tier. Die Obduktion ergab an drei Pfoten Gangräna humida, fleckige Rötung der Lungen und Zunahme dos Liquor cerebrospinalis.
II.
Pulsus frequens, Pulsusrarus, Diurese, Paralyse.
1. Erbrechen, Durchfall, anfangs roller beschleu­nigter, dann Terlangsamter kleiner Puls, pochen­der unregelmäfsiger Herzschlag, starke Diurese,
Lähmung, Convulsionon.
Digitalisetc.,Andromedotoxin,Gralle?Baryt.
Digitalis.
Aus der zu der Familie der Scrophularineae (Unter­abteilung Antirrhineae) gehörigen Digitalis purpurea (L. XIV 2) sind durch Schmiedeberg eine Anzahl N-freier, neutraler, bitter schmeckender, meist den Gly-cosiden angehöriger Körper isoliert worden, welche die Hauptbestandteile der verschiedenen im Handel kommenden Digitalin Sorten ausmachen und auch in D. lutea und ochroleuca enthalten sind.
Es kommen von den an der Digitaliswirkung beteiligten SubstanzeninBetracht: 1) Digitalein (Neriin), amorphes, gelb­liches, in Wasser sehr leicht lösliches, dem Saponin ähnliches Glykosid,' hauptsächlicher wirksamer Bestandteil der deutschen wasserlöslichen Handelsdigitaline. 2) Digi talin (C5 Hs 02) n, schwer krystallisierbares, in Wasser sehr wenig lösliches Gly­kosid. Hauptbestandteil des französischen Digitalins von Ho-molle und Quevenne; in deutschem Fabrikat zu 2—3 pCt
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vertreten. Dasselbe ist spaltbar in Digitaliresin und Zucker; wirkt wie Digitalein. 3) Digitoxin {C^H^O-,, Schmiede­berg, CaiHoHjo, Arnaud), gut krystallisierendes, iu Wasser unlöslielies, nicht zu den Grlykosiden gehöriger Körper. Liefert beim Kochen mit verdünnten Säuren Toxircsin. In Digitalis­blättern zu ca. 0,01 pCt enthalten, vorwiegender Bestandteil des krystallisierten Digitalin von Nativelle; kommt in deutschem Fabrikat nur in kleinen Quantitäten vor. Intensiv-toxisch. Die bisher genannten Substanzen lösen sich in kon­zentriertem Alkohol, in Äther so gut wie gar nicht. 4) Ein in den wasserlöslichen Digitalinen in überwiegender Menge (in Bö bring er s Digitalin zu 53 pCt) vorkommender Körper, das Digitonin gehört ebenfalls zu den Saponiuen. Kiliani erhielt Digitonin aus 85 pCt. Alkohol krystallisiert; es kommt demselben die Molokularformel C27Hj4013-i-H20 zu. Unter Aufnahme von H20 spaltet es sich beim Kochen mit HC1 in alkoholischer Lösung in DigitogeninCiBH^jOs, Dextrose und Galaktose. Da Digitogenin bei der Acetylierung nur ein Monacetylderivat liefert, so ist die Annahme gerechtfertigt, dafs das Digitonin ein Glykosid des Milchzuckers ist. Durch Oxydation des Digitonin mit Chromsäure entsteht die ein­basische Digitogensäurn Ci4H2204, die ihrerseits mit Kalium-pormanganat Oxydigitogensäure C]4H2004 und die ebenfalls einbasische Digitsäure CjoH^Oj liefert. Nach Kobert hat Digitonin, ebenso das durch Gährung daraus entstehende Pa-radigitonin aus der Reihe der wirksamen Körper auszuscheiden. Auch Böhm vermifste am Digitonin die Herzwirkung.
Die Vergiftungserscheinungen, welche in gleicher,
nur graduell verschiedener Weise durch Digitalem,
Digitalin, Digitoxin und ähnliche, in anderen Pflanzen
vertretene Körper an Herzen von Kaltblütern, bei
Warmblütern besonders am linken Ventrikel (Open-
c h o w s k i) hervorgerufen werden , lassen sich ihrem
Verlauf nach in folgende Stadien zei'legen:
1) Zunahme des Pulsvolums unter Vergröfserung der diastolischen Phase, ohne Veränderung der absoluten Leistungs­fähigkeit des Herzens (Williams). Ansteigen des Blutdrucks im Aortensystem, Absinken in der Arteria pulmonalis (Open-chowski) mit mäfsiger Zunahme der Frequenz. Darauf Ver­langsamung der Pulsfrequenz wesentlich durch Erregung der intrakardialen Hemmungsvorrichtungen, welche avisbleibt,
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wenn die letzteren vorher durch Atropin gelähmt sind. (Thera­peutische Dosen.)
2)nbsp; Im Verlaufe [einer stärkeren Vergiftung verlieren die herzhemmenden peripheren Centren (auch ohne Atropin) ihre Erregbarkeit, und dann tritt Pulsbeschleunigung über die Norm ein. Auf die Blutdrucksteigerung haben diese Veränderungen der Pulsfrequenz keinen nachweisbaren Einflufs (Beginn der toxischen Wirkung).
3)nbsp; nbsp;Unrogelmäfsige, sog. peristaltisehe Herzbewegungen, deren Ursache darin zu suchen ist, dafs nicht alle Teile des Ventrikels von vornherein gleichmäfsig von der Giftwirkung betroffen werden. Bei Säugetieren unter anhaltend hohem Druck Unregelmäfsigkeit der Herzthätigkeit und wechselnde Pulsfrequenz. Dieses Stadium der Digitaliswirkung ist als Kombination des vorhergehenden und des folgenden zu be­trachten.
4)nbsp; Schliefslich systolischer Stillstand des Ventrikels, ge­folgt von dem der Atrien. Bei Säugern markiert sich die meist plötzlich eintretende Herzruhe durch rasches Absinken des Blutdrucks. Unmittelbar darauf ist das Tier tot. Viel­fach findet sich nur der linke Ventrikel in Kontraktionsstcllung, bei Kaninchen nicht selten das Herz in Diastole.
Am Herzen von Rana temporaria, welches sich als phy­siologisches Eeagens für Gifte der Digitalisgruppe zur Be­nutzung empfiehlt, kommt der systolische Stillstand leicht und in typischer Weise zu stände, weniger vollkommen an der Bana esculenta und noch schwerer oder gar nicht an Kröten (Vulpian). Das Herz braucht trotz des Stillstandes noch nicht abgestorben zu sein. Mechanische Ausdehnung des Ventrikels kann alsdann durch den Druck einer Flüssigkeit wieder regel-mäfsige Herzkontraktionen hervorrufen, die so lange andauern, als die Ausdehnung unterhalten wird. Das folgende definitive Endstadium, der Tod des Froschherzens, ist dadurch charak­terisiert, dafs sich Pulsationen weder durch mechanische, noch chemische Mittel(Atropin) nunmehr hervorrufen lassen. Bei Frei­legen des Herzens an den Versuchsfröschen ist jede Benetzung des Herzens mit Galle zu vermeiden, da diese gleichfalls systo-lischen Herzstillstand bedingt (cf. Galle). Zur Lösung der zu prüfenden Extrakte verwendet man an Stelle des koagulieren-den Alkohols verdünnte Essigsäure (Brand und Drftgen-dorff).
Zu den erwähnton Wirkungen auf das Herz gesellt sich der von den drei erstgenannten Bestandteilen schon durch sehr
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kleine Mengen veranlafste Brechdurchfall, welcher von dem Digi toxin bei Hunden nach Dosen von 0,43 Mg pro Körper­kilo, eine für Katzen bereits tödliche Dosis, hervorgerufen wird (Tod bei Hunden nach 1,7 Mg p. KK.). Letale Dosis für Kaninchen 3—5 Mg p. KK. Auffällig ist bei diesen Tieren die Lähmung der Skelettmuskulatur und die Herabsetzung dor Muskelirritabilität.
Subkutan eingeführt, kommt dem Digitoxin eine dem Di­gitalem etc. abgehende Eigenschaft zu, welche Koppe und P. Kaufmann konstatierten. Auch unter strengsten asepti­schen Kautolen ruft es beim Hunde schon in Quantitäten von 0,1 — 0,3 Mg Eiterung mit Schwellung und Schmerzhaftigkeit hervor, beim Kaninchen hingegen nicht.
Eine weitere Komplikation der Vergiftungssymptome kann durch Toxiresin und Digitaliresin erwachsen. Das Vorhandensein der letzteren ist in zersetzten Digitalisinfusen und Tinkturen, so­wie in schlecht getrockneten Blättern zu erwarten. Diese harz­artigen Körper gehören, wie das Oleandresin, u. a. zur Gruppe der Pikrotoxine, welche von der Medulla oblongata aus hef­tige Konvulsionen, krampfartige Eespirationsbewegungen und durch centrale Vagusreizung diastolischen Herzstillstand ver­anlassen (cf. Pikrotoxin).
Gelegenheit zu Vergiftungen ist gegeben durch unzweckmäfsige Anwendung der Digitalispräparate und Aufnahme der Pflanzen mit dem Futter (Waldheu etc).
Im Bezug auf den ersten Punkt spielen die Lös-lichkeitsverhältnisse der wirksamen Bestandteile und die kumulative Wirkung eine besondere Kolle.
Bei Anwendung der Infuse, welche fast auschliefs-lich Digitalein und wenig Digitalin, aber kein Digi­toxin enthalten, wird eine Vergiftung wohl selten ein­treten. Eher ist eine solche zu gewärtigen bei Anwen­dung der Digitalis blätter in Substanz (als Pulver resp. Pillen, besonders wenn nebenher Spirituosen verabreicht werden) oder der Tinktur, da in diesen Fällen das Digi­toxin mit zur Geltung gelangt. Ferner macht van der Heide darauf aufmerksam, dafs es ratsamer ist, das Mittel in relativ grofsen Zwischenräumen (24 Stun-
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den) und in kleinen Dosen anzuwenden. Bei fortge­setztem Gebrauch mufs man äufserst vorsichtig sein, wenn sich in den ersten Tagen nach der Anwendung keine deutliche Veränderung der Herzaktion einstellt, da wiederholt in solchen Fällen die Erfahrung gemacht wurde, dafs gleichzeitig mit der erzwungenen Heil­wirkung der Tod eintreten kann.
Her twig beobachtete nach 30 g, zuweilen nach 24 g gepulverter Blätter (entsprechend 100—200 g der grünen) bei Pferden Tod nach 12—16 Stunden, stets unter heftigen Konvulsionen. K r i c h e 1 s berichtet über eine Erkrankung von 70 Pferden nach Verfütterung von Kleeheu, welches Digitalis enthalten hatte. 1 Pferd starb am 3., ein anderes am 7. Tage. Auch Derache erwähnt 2 Todesfälle von Pferden unter ganz ähnlichen Umständen.
Hunde, denen 6 g des Pulvers beigebracht war, erbrachen in 3/4—l1/^ Stunden, erholten sich aber nach 2—3 Tagen, ebenso auch Schafe nach 24—30 g (G e r 1 a c h).
Die Intoxikationserscheinungen erstreckten sich in den klinischen Fällen der Reihe nach 1.) auf den Verdauungstraktus, 2.) das Herz, 3.) den Harnapparat (Diurese, Albuminurie), 4.) das Centralnervensystem (schwankender Gang, Unempfindlichkeit, Lähmung der Unterlippe). Es erfolgte Appetitverlust 3 —10 Stunden nach dem Eingeben. Der Puls anfangs voll, etwas frequenter als gewöhnlich, Urinsekretion gesteigert, zuweilen auch dünnere Fäces, bald Trockenheit, bald vermehrte Schleimabsonderung im Maule; späterhin einen kleinen, langsameren, dann ungleichmäfsigen, zu­weilen aussetzenden Puls, dabei starken, unregelmäfsigen Herzschlag, Eingenommenheit des Kopfes, Verminder
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rung der Sinnesthätigkeit, unregelmäfsigen Stand, grofse Mattigkeit, Verminderung der Temperatur, Verenge­rung, zuweilen Erweiterung der Pupillen, Kälte der Ohren.
Auf das Hausgeflügel soll die Digitalis nach B o n -je an keine giftige Wirkung äufsern. Er gab die frischen Blätter bis zu 120 g, ohne dafs eine Wirkung eintrat, auch Bladig ist derselben Ansicht, soweit Hühner in Frage kommen. Hertwig beobachtete dagegen bei 10 jungen Puten nach dem Genufs der blühenden Pflanze Betäubung, Schwindel, Lähmung und Krämpfe. Essig minderte diese Zufälle und stellte die Tiere wieder her.
Obduktion: Gastroenteritis, Ekchymosen am Netz und Gekröse, am Peritoneum und der Lungenpleura. Lunge hyperämisch, ebenso das Herz. Ekchymosen am Epi- und Endocardium, Myocardium mürb, die Ventrikel meist leer oder nur einer gefüllt. Gehirn etc. hyper­ämisch.
Nachweis. Das Krankheitsbild reicht zum Nach­weis der Vergiftung aus, wenn der therapeutische Ge­brauch der Digitalis feststeht oder die Pflanze unter dem Futter gefunden wird. — Der chemische Nachweis des Digitalin läfst sich durch den oben erwähnten phy­siologischen ersetzen oder ergänzen. Hat man auf dem S. 28 angegebenen Wege ein Extrakt hergestellt, so identifiziert man das Gift durch Farbstoffreaktionen. Konzentrierte Salzsäure erzeugt gelbgrüne Färbung (Digitalin und Digitoxin). Schwefelsäure und Brom giebt in einer Lösung, welche vorwiegend Digitalin enthält, blutrote oder braunrote, in einer solchen, in welcher reichlich Digitalem vertreten ist, violettrote Färbung, die auf Wasserzusatz in Grün übergeht (Gran-
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d e a u sehe Probe). Schwefelsäure für sich veranlafst Griinbraunfärbung (Digitalin und Digitoxin). Schwefel­säure mit Gallensäuren giebt Rotfärbung (Furfurol-reaktion, Digitalin, Digitalen), Digitonin). Vermischen mit gleichen Teilen Schwefelsäure und Alkohol, Er­wärmen bis zur Gelbfärbung und Zusatz eines Tropfens verdünnter Eisenchloridlösung erzeugt blaugrüne Färbung.
Behandlung: Spontanes Erbrechen durch lau­warme Flüssigkeit zu unterstützen oder durch Emetica hervorzurufen, event. Tannin. Als speeifisches Gegengift ist von Böhm Delphinin vorgeschlagen worden. Alko-holica sind zu vermeiden; sonst die gebräuchlichen Excitantien.
Helleborus.
In den Helleborusarten (L. XIII, 2—7, Ranuncu-laceae) kommen zwei Glykoside vor, von denen das in Wasser leichtlösliche Helleborein, C26H44018, am reichlichsten vertreten ist und Digitalis-Wirkung zeigt.
Das Helleborein kiystallisiert aus konzentrierter alkoho­lischer Lösung in Warzen, welche aus feinen Nadeln bestehen. Wasserige Lösungen hinterlassen das Glykosid als gelbliches, durchsichtiges Harz, das ein blafsgraugelbes, geruchloses, süfs-lich schmeckendes Pulver giebt. In Wasser leicht, in Al­kohol schwer, in Äther nicht löslich.
Es ist eins der intensivsten Herzgifte, zeigt aber Diffe­renzen je nach der Herkunft. Vom Helleborein der grünen Niefswurz (H. viridis) töten z. B. 0,03 g subkutan ein Kaninchen in 1l4 Stunde, von dem gleichen Alkoloid der schwarzen Niefs­wurz (H. niger) erst 0,2 — 0,4 g in 2—6 Stunden nach Eintritt lähmungsartiger Schwäche und Konvulsionen. Die Respiration überdauert den Herzstillstand. Daneben findet sich eine be­sonders nach Ingestion prägnant hervortretende Lokalwirkung auf die Schleimhäute, welche bei H. viridis am intensivsten zusein scheint. Die auf sere Haut wird nicht irritiert; sub­kutane Applikation bedingt nur mäfsige lokale Hyperämie. Auf die Nasenschleimhaut gebracht, erregt es Niesen. Kleine
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Gaben innerlich rufen vermehrte Se- und Exemtion, grofse, dys­enterische Darmentleerungen resp. ulcerative Enteritis hervor. Dementsprechend zeigen sich bei Vergiftungen Salivation, Leibschmerz, Breclibewegungen, auch Bluterbrechen, flüssige Dejektionen, selbst blutige Fäces mit Tenesmus (bei Hunden). Bei der Sektion ergeben sich die verschiedensten Grade der Irritation in allen Teilen des Traktus. Der Eintritt der All­gemeinwirkung auf das Herz beginnt um so früher, je ver­dünnter die Lösung. Herz bei Säugern meist in diastolischer, beim Frosch in systolisoher Stellung. Das Alkoloid wirkt kumulativ.
Durch Erhitzen mit verdünnten Säuren giebt Helleborein 2 Moleküle Zucker und Helleboretin CuüwOx, welches bei Hunden selbst in Dosen von 1—2 g wirkungslos ist.
Hellebor in C3(iH430,j findet sich in H. niger und fötidus nur spurweise, etwas reichlicher, jedoch quantitativ weit hinter dem Helleborein zurückstehend, in H. viridis. Es bildet glän­zend weifse, konzentrisch gruppierte Nadeln ohne Geruch, von neutraler Reaktion, die im trockenen Zustand geschmacklos sind, in woingeistiger Lösung aber sehr scharf brennend schmecken. Schmilzt über 250deg; unter Verkohlung. Das Helleborin, welches beim Erhitzen mit konz. Chlorzinklösung unter Aufnahme von 4H20 neben Zucker Helleboresin (CsoHsgOJ abspaltet, ist Träger der narkotischen Eigenschaften der Niefswurz und beteiligt sich aufserdem an der Wirkung derselben auf den Darm. Trotz der Unlöslichkeit in kaltem Wasser wirkt es schon in kleinen Dosen energisch giftig. Kaninchen sterben nach 0,15 — 0,4. Die Ecizwirkung auf Schleimhäute ist nicht ganz so intensiv wie vom Helleborein. Die Allge­meinwirkungen bestehen in Parese des Hinterteils, tiefer Be­täubung mit fast absoluter Anästhesie und Verlangsamung der Respiration. Herzstillstand nur nach grofsen Dosen und relativ spät Mydriasis vorhanden, bei Helleborein letztere inkonstant. — Hirn- und Rückemnarkshäute liyperämisch, mitunter lokale Lungenblutungen (Husemann und Marme).
Vergiftungen der Haustiere kommen nach Genufs der Pflanzen oder durch das als Ableitungsmittel vor­genommene sog. Niefswurzstecken vor.
Pferde sterben nach Her twig bei innerlicher An­wendung des Wurzelpulvers von H. niger in Quanti­täten von 4—12,0 g zuweilen. Die Tiere zeigen nach
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2—4 Stunden Unruhe, nach 10—15 Stunden schnellen kleinen Puls, Purgieren etc. Dabei oft Zuckungen an Bauchmuskeln und am Halse, Zittern des Schwanzes, Schleimhäute bleifarbig, Niederwerfen, Schlagen mit den Beinen, Tod in 40 — 50 Stunden. Ein Infusum von 4 g tötet nach intravenöser Anwendung binnen 10 Minuten. Hunde ertragen, wenn sie am Erbrechen nicht gehindert werden, 4—8 g ohne Lebensgefahr. — Ein Ochse starb nach Applikation von 4 frischen Wurzelstücken an der Brust (Bauer). Nach einigen Stunden entsteht entzündliches Odem, bei längerem Liegen (8—14 Tage) Nekrose der verdickten Subcutis und der Cutis.
Landel sah von 5 Rindern, welche zum Ein­streuen benutzte Blätter von H. fötidus gefressen hat­ten, 2 sterben. — 1gt;4 1 klein geschnittener Blätter mit Kleie einem Pferde verfüttert, hatten am nächsten Tage den Tod zur Folge (Leuther).
Schwere Intoxikation bei 6 Hammeln (Aufblähen, blutige Fäces, Krämpfe, Muskelzuckungen) beobachtete Hetzel nach Abweiden von H. viridis.
Nachweis, geschieht nach Seite 27. Die isolierte Verbindung giebt beim Behandeln mit konzentrierter Schwefelsäure braunviolette Färbung (Helleborein). Durch Kochen mit Salzsäure scheidet sich Helleboretin in blauvioletten Flocken ab, die zu einem graugrünen, geruch- und geschmacklosen Pulver austrocknen, welches sich nicht in Wasser und Äther, mit violetter Farbe in Weingeist und mit braunroter in konzen­trierter Schwefelsäure löst. Helleborin färbt sich mit konzentrierter Schwefelsäure rot und wird durch Wasser in weifsen Flocken abgeschieden.
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Behandlung: Gegen die zu heftige Wirkung von grofsen Gaben der Niefswurz gab Her twig bei Pferden essigsaures Blei mit sehr gutem Erfolg. Gerb­säure, welche Helleborein fällt, ist ebenfalls zu ver­suchen. Im übrigen symptomatisch.
Oleander.
Der in den Blättern von Nerium oleander und
odorum, Oleander, Lorbeerrose (L. V, 1, Apocyneae)
enthaltene Milchsaft schliefst eine Reihe Glykoside ein,
welche auch in den Blüten, im Stammholz, in Rinden-
teilen vorkommen und deren Aufnahme für Pferde,
Rinder und Gänse wiederholt verhängnisvoll geworden ist.
Schm i edeb er g isolierte das N-freio Neriia, wahrschein­lich identisch mit Digitalem, ferner das Ne riant in, welches mit konz. Schwefelsäure und Bromkalium prägnante Digitalin-reaktion (lebhafte Eotfärbung) giebt und beim Kochen mit ver­dünnten Säuren in Grlukose und das krystallinische NeriantKoge-nin zerfällt. Mit letzterem ist gleichfalls Digitalinreaktion zu erhalten. Das OleandrinSchmiedebergs, ein farbloses, Digi-talimvirkung zeigendes Grlykosid (0,25 Mg bewirken systolischen Herzstillstand beim Frosch) zerfällt beim Kochen mit ver­dünnter Mineralsäure in Glykose und Oleandresin. Letzteres bewirkt, wie Digitaliresin, an Fröschen Konvulsionen und Muskellähmung. Durch Erhitzen mit konzentrierten Säuren verliert das harzartige Oleandresin seine Wirkung, giebt aber noch die Bromschwefelsäurereaktion.
In einem Falle, von welchem italienische Tierärzte berichten, starben von 17 Rindern, die mit Oleander­blättern vermengtes Gras vorgelegt bekommen hatten, zehn. 36—48 Stunden nach der Aufnahme stellten sich Durchfall, gesteigerte Harnsekretion, Abnahmeder Milch­menge und Appetitverlust ein, der Puls war schwach, aussetzend, der Herzschlag pochend, die Haut eisig kalt, Pupillen dilatiert, Iris unbeweglich. Die Tiere zeigten sich matt, zitterten, schwankten im Stehen und
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starben plötzlich. Bei der Sektion wurden konsta­tiert Injektionsröte der Schleimhaut des Digestionstrak-tus, blutiger, übelriechender Inhalt und Ekchymosen, welche auch am Endocardium bemerkbar waren. Gene-rali schätzt die Anzahl der zur Vergiftung ausreichen­den Blätter auf 30—40. K ol b o w sah ein Pferd 4 Tage nach dem Genufs von Oleanderblättern verenden. Wegen er berichtet, dafs 30 junge Gänse innerhalb 12 Stunden starben. Vor Eintritt des Todes machte sich ein lähmungsartiger Zustand der Körpermuskulatur bei den Gänsen in ausgesprochener Weise geltend.
Die von E. Pieszczek untersuchte Rinde enthält ein flüssi­ges, leicht ranzendes, und einwachsartiges, krystallinisches Fett, aufserdem aber ein bei 171deg; schmelzendes N-freies Glykosid, Eosaginln (Cortex Eosaginis s. Nerii Olandri), welches lokal anästhesiert, aber gleichzeitig Schwellung bewirkt und Kaninchen in Quantitäten von 0,04 g subkutan nach 3/.i Stunden unter tonisch-klonischen Krämpfen tötet, ohne dafs die Eeflexerregbarkeit merklich gesteigert wäre. Ferner sind vertreten N e r i i n, welches nach P. wahrscheinlich eine von Digitalem verschiedene Zu­sammensetzung besitzt, ein krystallisierender, in alkalischer Lösung himmelblau fluorescierender Körper (Umbelliferon ?), unangenehm riechendes ätherisches 01 und eisengrünender Gerbstoff.
Scilla.
Scilla maritima (L. VI, 1, Liliaccae) enthält das nach Art der Digitalisglykoside wirkende Sei Ilain, in der Wirkung identisch mit dem Sei Hi toxin von Merck. Ersteres anschei­nend rein, ist als ein lockeres, farbloses bis gelbliches, N-freies Glykosid durch v. J arm erste dt isoliert worden. Es giebt dasselbe bei hydrolytischer Behandlung Glykose und ein Harz. In konzentrierter Salzsäure löst es sich mit roter Farbe. Das Scillitoxin erscheint amorph pulverförmig, zimmtbraun, löslich in Alkohol, unlöslich in Äther und Wasser, färbt sich mit konzentrierter Schwefelsäure rot, dann braun, mit Salpeter­säure schwach rot, dann orange bis grün. Letale Dosis 2,5 Mg p. KK. für Kaninchen, 2,0 Mg für Katzen, 1,0 Mg für Hunde. Scillipikrin gelblichweifs, amorph, bitter, wasserlöslich, we­niger toxisch, bewirkt nicht, wie das vorige, systolischen, sondern
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diastolischen Herzstillstand (Atropin ohne Einflufs). Scillin hellgelb, krystallinisch, vorzugsweise Fett, auf Herz ohne Wirkung. Indifferent das Kohlenhydrat Sinistrin CeH]0ü5.
Von 60,0 g Bulbus Seillae starben zwei Pferde nach vier Tagen (Hartwig).
Adonis.
Adonis vernalis und aestivalis (L. XIII, 2—7, Eanuncu-laeeae) wirken vermöge ihres Gehaltes an Adonidin toxisch. Dasselbe ist von Cervello isoliert worden und stellt ein amor­phes, in Wasser und Äther schwer und Alkohol leicht lösliches,. äufserst bitteres Glykosid dar, welches an Wirksamkeit das Digitoxin noch zu übertreffen scheint, da von letzteren 1 Mg, von Adonidin 0,15 Mg systolischen Herzstillstand bei Fröschen hervorrufen. Kumulative Wirkung fehlt.
Convallaria.
In Convallaria majalis (L. VI, 1, Untcrabtlg. Smilaceae, Liliaceae) sind zwei von Walz isolierte saponinähnliche Gly-koside vertreten: das Convallamarin C23H44Ü]2 und Gon-vallarin C^R^O^. Ersterem kommt emetische und Digitalin-wirkung zu. Letale Dose für Hunde und Katzen 2,2 Mg, für Kaninchen 3—4 Mg p. KK. Tauben starben von 1—2, Frösche durch 0,3—0,6 Mg unter systolischem Herzstillstand. Con-vallarin wirkt reizend, purgierend (Marme). — Eine Vergif­tung bei Gänsen teilt Rouiliier mit. Von einem verwelkten Straufs von Convallaria majalis hatten 10 junge und 2 alte Gänse gefressen. Neun der jungen Vögel starben in kürzester Frist, die übrigen erholten sich nach Einflöfsen von Milch. — Die getrockneten Ulüten erregen Niesen.
C. polygonatum scheint vorzugsweise Convallarin zu ent­halten.
Nach Dragendorff gelingt der N achweis des Convalla­marin nach Ansäuern durch Ausschütteln mit Chloroform oder Amylalkohol. Verdampfungsrückstand, giebt mit konz. Schwefel­säure Violettfärbung, welche auf Wasserzusatz verschwindet.
Euonymus.
Euonymus atropurpureus (L. V, 1, Cclastrineae, Nord­amerika) enthält besonders in der Rinde Euonymin, ein farb­loses, in Wasser schwer lösliches Glykosid, welches zu 0,07 — 0,1 Mg systolischen Stillstand des Froschherzens hervorruft (Hans Meyer). Daneben finden sich Weichharze mit Purgier­wirkung. Die einheimische Species E. europaeus hat hin und
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wieder zu tödlichen Vergiftungen bei Schafen und Ziegen Ver­anlassung gegeben. Früchte brechenerregend.
Narthecium.
Die Ahrenlilie, Heidegras, Beinheil, Narthecium ossifragum Ck- VI, 1 Unterabtlg. Asphodeleae, Liliaceae), hauptsächlich auf Torfmooren oder Heideboden wachsend, kann zur Vergiftung von Weidevieh Veranlassung geben. In Uffeln gingen 1864 drei und früher-acht Kühe, welche von dem Kraut gefressen hatten und deren Magen sich bei der Obduktion noch damit angefüllt zeigte, zu Grunde. Ein ähnlicher Fall ereignete sich in Kirchwalsede. Nach dem Genufs der bitteren, von der erkrank­ten Kuh herrührenden Milch trat bei einer Katze der Tod ein.
Von Walz sind aus Narthecium dargestellt worden das Narthecin, ein in weifsen, zerreiblichen Warzen krystal-lisierendes Glykosid von stark kratzendem Geschmack und saurer Reaktion. Es schmilzt bei 35deg; zu einem gelben Öl. In Wein­geist und wässerigen Alkalien leicht löslich.
Nartheciumsäure, weifse, glänzende Nadeln von stark saurem Geschmack, in Wasser, Alkohol und Äther löslich.
Wahrscheinlich handelt es sich hier um Substanzen, welche ebenfalls in die Digitalisgruppe gehören.
Paris.
Paris quadrifolia, vierblätterige Einbeere, Wolfsbeere (L. VIII, 4, Unterabtlg. Smilaceae, Liliaceae), enthält in Blättern, besonders in der Wurzel und der Beere emetokathartische Gly-koside, denen wahrscheinlich auch Digitaliswirkung zukommt. Walz fand in der Pflanze
Paristyphniu CssHmO^, ein gelblich weifses Pulver von ekelhaft bitterem, kratzendem Geschmack, dessen Staub zum Niesen reizt. In Äther unlöslich. Beim Kochen mit ver­dünnter Schwefelsäure zerfällt es in Zucker und
Paridin CjßH^G, entsprechend der Gleichung CgsH^Oig 2H20 = 2ClfiH2807-|-C6H]20(.. Paridin bildet weifse, seide­glänzende Nadeln von kratzendem, nicht bitteren Geschmack und neutraler Reaktion. In Äther fast unlöslich. Es ist ebenfalls ein Glykosid, welches bei der Umsetzung Paridol liefert, ent­sprechend der Formel 20,6^0, H20=C6Hi206 C26H4(.09.
Paridol CagH^Gg, eine schmelzbare, fettartig riechende Masse, löst sich in konzentrierter Schwefelsäure mit hochroter Farbe.
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8
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Kraut und Beeren sollen für Hühner gefährlich sein. Hunde zeigten von 15 Beeren gar keine Wirkung; nach 20 Stück traten Brechanstrengungen ein (Schubart).
Pfeilgifte mit Digitaliswirkung. Echuja-Pfeilgift.
Herstammend von Adenium Böhmianum (L. V, 1 Apo-cyneac), einem 1,5 m hohen, rosablütigen Strauch, aus dessen Bestandteilen die Bergdamara (Ovambo), welche die Pflanze Echuja nennen, ein Pfeilgift herstellen. Dasselbe wurde in Form zäher, brauner, blöcklicher Massen von Böhm untersucht. Als Bestandteile fand derselbe einen indifferenten harzartigen Körper Echu jon (C,0HI7O)nund Echujin C30H4SO12, wahrscheinlich ein Doppelglykosid, da in der Kälte durch Schwefelsäure bereits Zucker abgespalten wird, eine weitere Quantität nicht gäh-render Glykoseerst beim Kochen, wobei sich das krystallisierende unwirksame Echujetiu und eine harzige Masse abscheidet.
Ein Hund von 9,7 kg erhielt 0,015 g Echujin subkutan. Kach 22 Minuten erfolgte Salivation und heftiges Erbrechen, welches sich dann fast kontinuierlich bei zunehmender Schwäche wiederholte. Vierzig Minuten später stürzte das Tier zu Boden und unter tetanischen Krämpfen erfolgte der Tod, wesentlich bedingt durchsystolischen Herzstillstand. Erhebliche Blutdruck­steigerung fehlt. Die kleinste Dose, welche systolischen Herz­stillstand herbeiführt, beträgt p. KK. beim Frosch 0,1, beim Hund 0,6, beim Kaninchen 1,3 Mg.
Acabaio-Pfeilgift.
Aus dem Holz einer Carissa-Art (Apocyneae) wird von Ostafrika bewohnenden Eingeborenen ein als Pfeilgift benutztes Extrakt hergestellt. Der von Arnaud dargestellte wirksame Bestandteil ist ein geruch- und geschmackloses, krystallisier-bares Glykosid, welches Arnaud als A cab ai in bezeichnet. Per os appliziert, scheint es nicht wirksam zu sein, wirkt da­gegen subkutan mächtig auf das Herz und tötet zu 0,002 g einen Hund von 13 kg.
Ine-Pfeilgift. Die gefiederten Samen von Strophantus hispidus (Apo­cyneae) zerreiben die Bewohner Süd-, Ost- und Centralafrikas und benutzen das Pulver, mit Wasser angefeuchtet, als Pfeil­gift (Ine oder Kombe, auch Onage genannt). Die Pflanze,_ ein Schlinggewächs mit weifsen, gelben oder roten, trichterförmigen
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Blüten, wächst besonders in der Gegend des Zambesi. Hardy und Gallois isolierten das digitalisähuliche Grlykosid Stro-phantin C3iH480,2 (Arnaudjund ein krystallisierbares, nicht giftiges Alkaloid Inein.
0,025 Mg S tr ophan tin p. KK. beim Trosch, 0,25 Mg beim Kaninchen und 0,3 Mg beim Hund wirken sicher tödlich durch systolischen Herzstillstand (B1 u m e n a u). Auch hier sind Reizsymptome seitens des Digestionstraktus (Aufstofsen, Er­brechen bei Hunden, Kollern im Leib, Diarrhöe bei Pferden, G.Müller), selbst bei Subkutaninjektion zu konstatieren. Son­stige Erscheinungen wie bei Digitalisvergiftung.
Antjar-Pfeilgift.
Dasselbe wird von den Ma'ayen der ostasiatischen Inseln aus dem Milchsafte Antiaris toxicaria (L. XXI, 3), dem Ant-schar, oder Upasbaum hergestellt. Von der toxisch wirkenden Substanz, dem Antiarin (C^HoqO.,, Mulder), bewirkten 0,2—0,8Mg beim Kaninchen in 12 Minuten, 1 Mg beim Hund in 39 Minutennach Art derDigitalisglykoside Herzparalyse, welcher Erbrechen und klonische Krämpfe vorausgehen.
Wabaio-P feil gift.
Ostafrikanisches Pfeilgift der Somali, welche dasselbe aus dem Samen von Strophantus glaber bereiten; auch das Holz eines der Carissa Schimperi nahestehenden Baumes scheint demselben Zweck zu dienen.
Das von Arnaud dargestellte GlykosidW aba in (Ouabain) hat die Zusammensetzung C3(jH460]2 und wirkt von allen Digi­talis ähnlichen Glykosiden am intensivsten, da p. KK. Frosch 0,013 Mg, für gleiches Gewicht Kaninchen 0,15 Mg und für den Hund 0,1 Mg ausreichen, um systolischen Herzstillstand herbei­zuführen.
Andere Glykoside mit Digitaliswirkung sind gefunden worden in den Fruchtkernen von Tanghinia veneuifera (Tan-ghinin), Baum auf Madagaskar, Thevetianeriifolia, Apocyneae, Bauin in Westindien und in Südamerika (Thevetin C.^II^O^ tötet Hunde zu 0,05 g in S'/s Stunden, das Spaltungsprodukt Theveresin C48H70Oi7 in gleicher Quantität in 21k Stunden), in Apocinum Cannabinum, Apocineae Nordamerika sogenanntem indischen Hanf (Apocynin, wasserunlöslich, Apocynein wasserlöslich) in der Rinde von Alstonia scholaris, Apocyneae,
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Baum auf Java, Australien, (D itain M erck GaoHao^O.,, — Echi-tamin Hesse).
Andromedotoxin.
Eine gröfsere Anzahl der zu den Ericaceen (Heide­gewächse, L. X, 1) und zu den Rhodoraceen (Alpen­rosengewächse, L. X, 1) gehöriger Pflanzen enthalten nach de Zaayer ein allen gemeinsames Gift, das Andromedotoxin (C^HäjO^), welches nach Plugge weder zu den Alkaloiden, noch zu den Gly-kosiden zu rechnen ist. Es kiystallisiert in weifsen Nadeln, welche bei 228—229deg; schmelzen und sich in Wasser von 12deg; mit 2,8 pCt, Alkohol 11,7 pCt. und Amylalkohol 1,2 pCt. zu einer linksdrehenden, in Chloroform mit 0,3 pCt. rechtsdrehenden, neutral reagierenden Flüssigkeit lösen. Alkaloidreagentien fällen nicht; konzentrierte Mineralsäuren zersetzen es unter Rotfärbung.
Dasselbe wirkt auf Frösche und Tauben in einer Menge von 0,1 Mg, auf Kaninchen zu 0,25 Mg, auf den Hund zu 0,8 Mg, auf Katzen zu 0,45 Mg p. KK. innerhalb einiger Stunden letal. Nachgewiesen ist das Andromedotoxin unter anderen in Andromeda polifolia (Poleiblättrige Andromeda, Rosmarinheide), A. japonica, calyculata, caheobai, Ehododendron ponticum. Eh. maximum. Azalea indica, Kalmia latifolia und Pieris (Plugge). Den Vergiftungssymptomon nach zu schliefsen, ist in Rhodo­dendron ferrugineum (rostblättrige Alpenrose, Schneerose) Eh. hirsutum (behaarte Alpenrose), Azalea pontica (gelbblühend L. V, 1) — Zirkel: Vergiftung einer Ziege — und verwandten Species dasselbe Gift enthalten.
Frösche eignen sich ihrer Empfindlichkeit dem Andro­medotoxin gegenüber als Versuchstiere zur Ermittelung des Giftes.
Aus dem Blut eines mit 1 Mg vergifteten Kaninchens (subkutan) kann man durch Chloroform soviel des Toxins extra­hieren, dafs der Rückstand des Chloroformauszugs für einen Vergiftungsversuch am Frosch und für die Parbstoffreaktionen (cf. unten) ausreicht. Einige Minuten nach Subkutaninjektion wird die Atmung unregelmäfsig und hört bald ganz auf.
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Der Frosch streicht nun oft mit den Vorderfüfsen über die Nase, macht zuckende Bewegungen mit (fein Kopf, worauf dann heftige und anhaltende Brechbewegungen folgen. Der Mund öffnet sich dabei soweit als möglich und der umge­wandte Magen stülpt sich in das Cavum oris vor. In den Pausen stützt sich das ruhig sitzende Tier auf die Vorder­extremitäten, welche weiterhin ihre Dienste versagen; nach und nach tritt komplete Lähmung ein bei einer Dosis von 0,4 Mg innerhalb 1-—l'/a Stunden. Die lähmende Wirkung ist Folge des Einflusses auf die peripheren Endigungen der moto­rischen Nerven. Das Herz arbeitet noch einige Zeit mit ab­nehmender Kraft fort.
Kaninchen überleben den Rcspirationsstillstand wie die Frösche natürlich nicht. Es stellen sich aber bereits während der sich verlangsamenden, mit geöffnetem Maul ausgeführten Atmung Lähmungserscheinungen ein; der Gang ist schwerfällig und wankend, der Kopf kann nicht mehr aufrecht getragen werden, das Tier stürzt auf die Seite und unter zunehmender Dispnöe treten Konvulsionen und der Tod ein. Wiederholt wurde während der Vergiftung Urinentlccrung und Defä-kation bemerkt. — Vermehrte Speichelsekretion gab sich kund durch die kauenden und schluckenden Bewegungen des Tieres, wobei der Speichel mitunter tropfenweise aus dem Maule flofs.
Mit diesen Symptomen befinden sich die bei gröfseren Tieren gemachten Wahrnehmungen in völliger Übereinstimmung.
Den Beobachtungen G e r 1 a c h s zufolge, bestehen die meist bei Schafen und Ziegen konstatierten Ver­giftungserscheinungen in starker Speichelabson­derung (Schäumen aus dem Maule), Würgen und Er­brechen, Leibschmerzen, Durchfall, Abortus; in höherem Grade Unvermögen, sich auf den Beinen zu erhalten, den Kopf zu erheben oder aufzustehen. Die Erkrankung setzt bereits mehrere Stunden nach der Aufnahme der Blätter etc. ein. Bei frühzeitigem Erbrechen oder geringerer Aufnahme erfolgt Genesung, in anderen Fällen Exitus letalis oft innerhalb einiger wenigen Stunden.
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Obduktionsergebnis: Partielle Rötung der Schleimhaut des Pansens und der übrigen Magen­abteilungen u. s. w., des Dünndarms. Herz mit dunk­lem Blut gefüllt, Lungen sehr blutreich, mit Ekchy-mosen an der Oberfläche. Gehirn hyperämisch, in den Ventrikeln rötliehe Flüssigkeit.
Zur Ermittelung des Giftes empfiehlt Plugge Extraktion mit Weinsäure oder reinem Wasser, Abdunsten, Aufnehmen in starkem Alkohol, Reinigung des alkoholischen Extrakts durch Petroläther, in wel­chem Andromedotoxin völlig unlöslich ist, schliefslich Ausschütteln mit Chloroform. Der nach Verdunsten des Chloroforms verbleibende Rückstand kann direkt zu Froschversuchen benutzt werden. Konzentrierte Schwe­felsäure färbt den Verdunstungsrest dunkelrotbraun und löst ihn mit dieser Farbe, um bei Verdünnung mit Wasser eine licht maulbeerrote Nuance anzu­nehmen. Auf Zusatz von Alkalien verschwindet die Färbung, nach Ansäuren tritt sie wieder auf. Beim Eindunsten mit verdünnter Schwefel- resp. Salz­säure (1 : 5) oder 25 pCt. Phosphorsäure auf dem Wasserbade entsteht rosenrote Farbe und bei nicht ganz reinem Glykosid der intensive, charakteristische Geruch des Ericinol (C^HieO), herrührend von dem als Bestandteil vieler Ericaceen nachgewiesenen bitteren Glykosid Ericolin (C34Hg602i). Letzteres, ein braungelbes, amorphes Pulver, wird durch Hydrolyse in Zucker und Ericinol (C10H10O, ein farbloses 01 mit Spiräa-geruch) zersetzt.
Das von Eykmann als Asebotoxin bezeichnete Gift ist wohl nichts anderes als mit Ericinol verunreinigtes Andromedo­toxin, wenigstens spricht hierfür die Färbung mit konzentrier­ter Salzsäure. Thatsächlich erhielt Broughton aus Andro­meda Leschenaultii, ein ätherisches 01, das mit dem ätherischen
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Öl von Gaultheria procumbeus identisch ist, nur mit dem Unterschiede, dafs es weniger Gaultherilen C10Hm, ein nacli Pfefferöl riechendes Camphen, und mehr Methylsalicylsäure-ester C6H4lt;C00(CH3)enthält
Behandlung. Ein chemisches Antidot ist nicht bekannt. Die Alkaloidreagentien (Tannin, Jodjodkalium u. s. w.) geben keine Niederschläge. Man wird sich daher bei dem gewöhnlieh stürmischen Verlauf auf symptoma­tische, das bedrohte Atmungsvermögen unterstützende Mittel (Atropin in kleinen Dosen) beschränken müssen, wenn nicht von vornherein die Möglichkeit geboten ist, die Entleerung des Magens und Darms durch ge­eignete Mafsnahmen zu unterstützen.
An sonstigen speziellen Bestandteilen sind aufgefunden in Rhododendron ferrugineum: Ericolin,Khodotannsäure C^HeO,, ein bernsteingelbes, säuerlich herbe schmeckendes, Eisenchlorid grünfärbendes Pulver, dessen wässerige Lösung beim Erwärmen mit Mineralsäuren einen rotgelben Niederschlag von Rhodoxan-thin abscheidet.
Galle.
Eine besonders für Hunde recht häutig tödliche Autointoxikation bedingt die Galle, wenn sie auf irgend eine Weise in das Blut gelangt.
Als Gifte wirken in solchen Fällen die Gallensäuren resp. deren Salze: Glykocholsäure C2BH43N06, Taurocholsäure CaßH^NSO-;, beim Schwein laquo;- Hy o g 1 y k o cho 1 s äur e C27H4aNOr„ /J-Hyoglykocholsäurc Co6H43NOr, und die entsprechenden Taurinverbindungen (Jolin), ferner die Cholsäure C24H40On, die Choleinsaure CasH,,^ (beim Rind neben Cholsäure von .Latschinoff gefunden), die n-Hyocholsäure Cy^gNOr, und jä-Hyocholsäure C24H40O des Schweines (Jolin).
Die deletäre Wirkung der Gallensäuren auf das Blut ent­deckte 1840 Hünefeld und wurde dieselbe von den verschie­densten Seiten bestätigt. Dieselbe besteht in einer Auflösung der roten Blutkörperchen, so dafs das Blut selbst noch in einer Verdünnung von 1 : 1500 lackfarben wird (Hämoglobinaemie und event. Hämoglobinurie). Ranke fand, dafs bei entbluteten Fröschen sämtliche Muskeln unerrregbar werden. Lokale Appli-
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kation auf Muskeln und Nerv erhöht anfangs die Erregbarkeit (Kühne). Das Froschherz verlangsamt nach kurzer Beschleu­nigung seine Thätigkeit und verharrt zuletzt in systolischem Stillstand, welcher durch Atropin für einige Zeit, aber nicht dauernd zu beseitigen ist (L u e h s i u g e r). Die Lähmung erfolgt auch nach Vagusdurchschneidung und betrifft ebenfalls die -Lymphherzon (direkte Muskehvirkung).
Ganz ähnliche Erscheinungen treten auch bei Warmblütern auf. Eöhrig konstatierte nach intravenöser Injektion an Hunden und Kaninehen bedeutende Pulsverlangsamung und event. Herzlähmung unter starkem Sinken der Körpertempe­ratur. Vom Magen aus kommt die toxische Wirkung deshalb nicht zu stände, weil einmal durch Erbrechen und vermehrte Defäkation ein Teil der Cholate entleert, ein anderer aber gespalten und in unlösliches, in die Faces übergehendes An­hydrid Dyslysin C^H^On verhandelt wird. Vom Darm aus unverändert resorbierte Cholsäure kommt über die Leber nicht hinaus (intermediärer Gallenkreislauf). Die sogenannte Cho-loidinsäure existiert nach Hoppe-Sey 1 er als chemisches Indi-duum nicht; dieselbe besteht aus einem Gemisch von Cholsäure und Dyslysin. Die anderweitigen Spaltungsprodukte Glvkokoll CsjH.NOj d. h. Amidoessigsäure CH.,(NH21—COOH, quot;Taurin C2H7NS03, d. h. Amidoäthylsulfosäure CH^XH.,)—CH2, ^
haben keine Wirkung auf das Herz.
Chronische Vergiftung und eine solche besteht meist bei Icterus gravis, bedingt körnige und fettige Dege­neration der Muskulatur und der drüsigen Organe, Ekchymosen. Die cerebralen Erscheinungen (Somno-lenz etc.) sind anscheinend Folgen direkter Einwirkung der Gallensäuren auf die Ganglienzellen der Hirnrinde und stehen im Einklang mit dem destruierenden Einflufs auf jegliches Plasma.
Baryum.
Hier und da werden Baryumsalze, speziell Baryumkarbonat BaCOg, mit Gerstenmehl zu Teigkugeln verarbeitet (1 : 4), als Ratten- oder Mäusegift verwendet. Vergiftungen von Haus­tieren (Geflügel) sind nicht beobachtet, wohl aber solche von Wild (Hasen).
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Kohlensaures Biiryum ist an sich ebensowenig giftig als das in HC1 unlösliche Sulphat. Dieser Vorzug geht dem Carbonat jedoch ab, so dafs im Magen unter C03 Entwickelung das leicht lösliche Baiynmchlorid entsteht.
Die Vergiftungserscheinungen bestehen in Erbrechen und heftigemDurchfall, eine Folge der teils auf reflektorischem Wege, teils durch direkte Reizung der Darmganglien angeregten leb­haftesten Peristaltik. Bei subkutaner und intestinaler Appli­kation entsteht zunächst Pulsbeschleunigung und enorme Blut­drucksteigerung, welche durch Halsmarkdurchschneidung nicht verhindert wird (Vasospasmus), später Verlangsamung der Herz-thätigkeit bis zum ausgeprägt systolischen Stillstand, Wir­kungen, welche das Gift mit den Digitalis-GIykosiden teilt. Die Tiere werden matt, soporös, die Reflexerregbarkeit nimmt ab und erlischt schliefslich ganz. Die Erregbarkeit der Nerven und Muskeln zeigt zur Zeit der .Lähmung keine Veränderung (Cyon). Die Lähmung der motorischen Centren breitet sich mehr und mehr über Bauch, Hals und Brustmuskeln und schliefs­lich auf die Sphinkteren aus, so dafs unfreiwillige Harn- und Kotentleerungen, namentlich letztere in reichlichstem Mafse, er­folgen, die Temperatur sinkt (bei Kaninchen um 3—13deg;, Falck) und der Tod erfolgt aspyktisch. — Bei Fröschen rufen kleine Dosen vor beginnender Lähmung einen an Pikrotoxin erinnernden konvulsivischen Zustand hervor, welcher bei Warmblütern meist fehlt oder als Sekundärerscheimmg unmittelbar vor dem Tode auftritt. Für Kaninchen von 1,5—2,0 kg genügen 0,1—0,15 g Chlorbaryum subkutan, um den Tod in einigen Stunden herbei­zuführen.
Die Sektion ergiebt Gastroenteritis und Ekchymosen im Darmkanal und anderen Organen.
Cyon injizierte vor Einführung des Giftes eine Lösung des Natronsulphats in die Gefäfse, wodurch eine sonst tödliche Chlorbaryumdosis fast unwirksam wurde. Glaubersalz ist also ein Gegengift, welches auch dann wirken dürfte, wenn Baryum-salze schon resorbiert sind.
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2. Digltalis-ähnlielie Wirkung, meist rotgefärbter
Urin.
Coronillin, Rinanthin, Asklepiadin.
Goronilla.
In dem Samen von Coronilla scorpioicles (L. XVII, 3, Papiliouaeeae), welcher nicht selten unter der Gerste in gröfse-ren Mengen vorkommt (Biervergiftung im Elsals), findet sich Coronillin C21H,2Orgt; (Schlagdenhaufen und Keeb), eine Substanz, welche nach Robert an Wirksamkeit dem Digitalin nicht nachsteht. Es bewirkt zuerst Beschleunigung, dann Verlangsamung der Herzschliige. Bei Durchströmungsversuchen an isolierten, überlebenden Organen nimmt die Ausflufsmenge des Blutes ab. Das Kraut der C. varia, bunte Kronwicke, Gii't-wicke, soll abführend wirken. Von Gley wurde in dieser Species ebenfalls Coronillin gefunden. Dammann verfütterte blühende Pflanzen in grofsen Mengen an Hammel, ohne irgend welche Störung in deren Gesundheitszustande wahrzunehmen. Beim Menschen wirkt der Prefssaft Erbrechen erregend und harntreibend. In den Blüten der strauchigen Kronwicke C. emerus ist ein blauer Farbstoff nachgewiesen. Die Blätter wurden früher unter dem Namen falsche Senna als Abführmittel benutzt.
Galega.
Eine Intoxikation durch Galega officinalis, gemeine Geis­raute, Ziegenraute, Rue des chevres, Lavancs, Faux indigotier (L. XVII, 6, Papilonaceae), teilt Blanchard mit. 60 Schafen wurde frisch gemähte, blühende und halbreife Schoten tra­gende Galega vorgelegt. Kein Schaf berührte dieselbe während des Tages; in der Nacht frafsen nur einige von den hungrigsten. Im Laufe der nächsten 24 Stunden gingen 10 davon zu Grunde.
Galega tinetoria gehört zu den Farbstoff liefernden Pflanzen.
Astragalus.
Im Südwesten von Nordamerika tritt unter Pferden und Eindern eine Intoxikation auf, „Lokokrankheitquot; genannt, welche sich durch schwere Gehirnstörungen, besonders Hallucinationen, sensuelle Hyperästhesie, Krämpfe, starke Abmagerung, Muskel­schwäche, unsicheren Gang dokumentiert. Nach Sayre wird dieser Symptomenkomplex durch Astragalus mollissimus
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(L. XVII, 6, Papilionaceae), weichhaarigen Traganth und Oxytropis Lamberti, Fahnenwickc, bedingt, nach Klench auch durch Crotallaria sagittalis, Binsenklapperhülse, benga­lischer oder Sonnenhanf. S. gelang es, durch experimentelle Verfütleiuiig von Astragalus etc. die Krankheit hervorzu­rufen. Die Hallucinationen erstrecken sich wesentlich auf Störungen in der Beurteilung der Entfernungen (ein am Boden liegender Strick wird mit einem Kräfteaufwand über­sprungen, als gälte es einem mehrere Pufs hohen Hinder­nis etc.). Die Pferde gehorchen nicht, bäumen sich, verdrehen die Augen, so dafs nur die Sklera sichtbar ist. Die Tiere gehen meist an Erschöpfung zu Grunde.
Melampyrum.
Müller und Gaspar ermittelten in dem Samen von Melampyrum arvense, Ackerwachtelweizen (L. XIV, 2, Scro-phularineae, Sippe der Rhiiiantheae) das Grlykosid R hin an tin, welches von Ludwig 1868 aus Rhinanthus alectorolophus, Ackerhahnenkamm, in Form von seideglänzenden Nadeln dargestellt wurde. Demselben wird die Formel C58H52040 zu­geschrieben. Es schmeckt bitterlich süfs und giebt beim Er­wärmen mit etwas HC1 in alkoholischer Lösung eine tief grünblaue Farbe. Wenn Samen des Ackerhahnenkamms dem Roggen beigemengt sind, so zeigt das daraus gebackeno Brot eine violette Färbung, eine Folge der Veränderung des Rhi-nanthins durch die Erwärmung. Durch Kochen mit verdünn­ten Mineralsäuren in wässeriger Lösung zerfällt es in Glykose und schwarzbraunes, flockiges Rhinantogen.
Czako verfütterte an Kaninchen und Mäuse Samen von Melampyrum silvaticum, sowie auch das M. pratense, nemoro-sum und conimutatum. Bei Kaninchen äufserten sich die Vergiftungssymptome in hochgradiger Abgestumpftheit und Schläfrigkeit. Die Mäuse verendeten innerhalb einiger Stun­den nach Aufnahme der Samen. Die Sektion ergab hoch­gradigen Blutreichtum des Gehirns, der Hirnhäute und der Darmschleimhaut.
Diese Versuche waren durch den plötzlichen Tod eines Schafbocks veranlafst worden, bei dessen Obduktion man die gleichen pathologischen Veränderungen konstatiert hatte. Magen und Darm enthielten grofse Quantitäten der Samen von M. silvaticum.
Ob die Pflanzen im unreifen oder blühenden Zustande nicht toxisch wirken, bedarf noch genauerer Untersuchung.
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Der von Hünefeld in M. aufgefundene Melamparyt ist nach Grilmer identisch mit Dulcit, welcher auch im Rhinan-thus Crista galli und Scrophularia nodosa nachgewiesen ist.
Antirrhinum.
Antirrhinum orontium (L. XIV, 2), Feldlöwenmaul, und Antirrhinum majus, grofses Löwenmaul (verwildert), wachsen in den nördlichen Gebieten des Don in grofsen Massen im Ge­treide und erzeugen, mit dem Stroh verfüttert, eigentümliche Krankheitssymptome, die Popow mit denen des nervösen Asthma vergleicht. Die Pferde geraten im Zuge in Schweifs, atmen schwer und frequent, schwanken und wollen nicht vor­wärts, bleiben mit gesenktem Kopf unaufmerksam stehen; Sensibilität vermindert, Puls frequent. Nach Winogradow soll das ausgepreWc 01 aus A. eine Lähmung sämtlicher Or­gane hervorrufen. Todesfälle sind nicht bekannt geworden.
Von Philipson konnte aus A. majus Ehinantin dar­gestellt werden. Mit Bücksicht auf die Versuche Czakos darf hierdurch die Ursache der Vergiftung als festgestellt gelten (cf. Melampyrum).
Nachweis: Futteruntersuchung.
Behandlung: Körnerfutter; Drastica, Kampfer (mit Öl, Leinsamenschleim oder Eiern als Emulsion innerlich).
Gratiola.
Aus dem zur Familie der Scrophularineae (Antirrhineae) gehörigen Gottesgnadenkraut, Purgierkraut, Gratiola officinalis (L. II, 1), sind von Walz zwei Glykoside, das ungiftige, bitter schmeckende, krystallisierende Gratiolin (020113407) und das amorphe, rotgelbe, ekelhaft bittere, drastisch wirkende G r a t i 0 -solin (C46H8402-)), dargestellt worden.
BeiKaninchen rufen0,12g Gratiosolin beschleunigten, kaum fühlbaren Herzschlag und verlangsamtes Atmen, 0,3 g heftigen Durchfall, Temperatursteigerung und Tod unter Konvulsionen hervor. Bei der Obduktion finden sich hämorrhagisch entzünd­liche Veränderungen am Magen und Darm, welche nach In­gestion des wässerigen Extrakts, besonders im Magen hoch­gradige sind (Walz). Applikation des Extrakts auf Wunden führt bei Hunden Würgen, Kotabsatz, Schwindel und Un-empfindlichkeit, iähmungsartige Erscheinungen der Skelett­muskulatur und Tod in einigen Stunden herbei. Das Herz überlebt. Nach Injektion von 1,5 g Extrakt (in wässeriger Lösung) starb ein mittelgrofser Hund unter denselben Er-
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scheinungen nach zwei Stunden. Im Darmkanal war nicht die geringste Veränderung zu bemerken (Orfila).
Bei Schweinen soll Brechdurchfall, hei Pferden Purgieren nach dem Genufs der Pflanze eintreten. Von Wiederkäuern wird sie anscheinend gemieden.
Pedicularis.
Pedicularis, Moorkönig oder Läusekraut (L. XIV, 2, Scrophularineae, Rhinantheae), von welchem die Arten P. sil-vatica und palustris sich durch ihren unangenehmen Ge­ruch und scharfen Geschmack auszeichnen, gehört zu jenen Pflanzen, nach deren Genufs das Weidevieh, Kinder und Schafe, „Blutharnenquot; bekommen sollen (Gloditsch und Gunner). Eine Abkochung des Krautes steht als Hautparasiten tötendes Mittel im Ruf.
Serophularin.
Das unangenehm riechende Kraut der Scrophulariaarten, Braunwurz (L. XIV, 2, Scrophularineae, Unterabtlg. Verbasceae), von denen S. aquatica und nodosa früher gegen Drüsengeschwülste und Bräune angewendet wurden, fressen höchstens Schafe und Ziegen. Buncimann schreibt die Erkrankung von sechs Mutterschafen, welche ohne Appetit und unfähig zu stehen gefunden wurden, der Aufnahme von S. aquatica zu.
Walz erhielt durch Ausfällen mit Bleiacetat etc. eine in Schuppen krystallisioronde bittere Substanz (Serophularin) und einen stoaroptenartigen Körper, Scrophularosmin, welcher in einen wasserlöslichen und einen harzartigen Bestandteil (Scrophularacrin) zerfällt.
Asklepias.
In allen toxisch wirkenden Asklepiadeae, welche bisher genauer untersucht wurden, Cynanchum (Asclepias) vincetoxi-cum, gemeiner Hundswürger, auch Schwalbemvurzel genannt (L. V, 2), Asklepias curassavica, A. incarnata, A. tuberosa, wurde eine in heifsem Wasser und Alkohol leicht lösliche, schwach gelbliche, amorphe, neutral reagierende Substanz ge­funden, welche Gram nennt
Asklepiadin. Gelbliche, amorphe Masse von bitterem Ge­schmack. Dasselbe ist in Äther schwer löslich und wird aus wässeriger Lösung durch Gerbsäure und Ammoniak ausgefüllt.
Kleine Mengen (0,008 — 0,01 g) in Wasser gelöst, ver­ursachen subkutan injiziert bei Fröschen nach wenigen Mi­nuten Unruhe, Erbrechen, Respirationsstillstand, Lähmung mit
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gut erhaltenen Reflexen. Das Herz steht nach 1—2 Stunden still, ist aber lange Zeit noch durch mechanische Reize erreg­bar. Auf indirekte faradische Reizung kontrahieren sich die Muskeln noch lange, nachdem Herzstillstand eingetreten ist.
0,15 g kleinen Hunden, intravenös injiziert, bedingen Tod nach 2—3 Stunden. Gleich nach der Injektion stellen sich Unruhe, Erbrechen, zunehmende Dispnöe, Tenosmen mit Di­arrhöe ein, von denen die letztere Erscheinung bis zum Tode andauert. Nach totaler vorangehender Lähmung erfolgt der Exitus durch Respirationsstillstand unter Konvulsionen. Bei künstlicher Rospiration arbeitet das Herz ruhig weiter, bis auch hier plötzliche Lähmung eintritt. Sektion: Herz schlaff, blutgefüllte Lungen und Nieren normal, Leber, Milz hy-porämisch. Magen- und Darmschleimhaut geschwollen, mit Elutoxtravasaten durchsetzt. Muskularis des Darms stark kontrahiert.
Wird eine wässerige Lösung des Asklepiadin schnell ein­getrocknet, so spaltet sich Zucker ab, aber die resultierende, in Äther lösliche Substanz ist noch glykosidisch, in Wasser sehr schwer löslich und wirkt weniger intensiv, qualitativ aber gleich. Dieselbe Substanz erhält man auch durch direkte Atherextraktion des gereinigten wässerigen Auszuges. Sie entspricht dem Asklcpin von Feneuille (Asklepiadin von Harnack).
Läfst man Asklepin in wässeriger Lösung 8—10 Tage stehen, so spaltet sich noch ein Molekül Zucker ab. Daneben entsteht eine in Wasser und Alkohol völlig unlösliche Sub­stanz, welche sich in Äther schwer löst und aus diesem in weifsen, bei 1040 schmelzenden, büschelförmigen Krystallen zu erhalten ist. Dieser Körper entspricht dem von List aus A. syriaca dargestellten.
Asklepion C^H^Og, Dieser in Chloroform leicht lösliche Körper ist geschmacklos und physiologisch vollständig un­wirksam. Asklepiadin durch Kochen mit Säuren gespalten, ergiebt eine weifse, in Äther lösliche Substanz, die aber nicht zum Krystallisieren zu bringen war.
Asklepiadin und Asklepin sind von Gram der Gruppe des Emetin angereiht. Verschiedene Umstände sprechen aber dafür, dafs es zu den Farbstoff liefernden Glykosiden, Gruppe des Rhinanthin, gehört. Beim Erhitzen eines älteren Asklepias-präparates mit Wasser nahm Gram Anisölgeruch wahr. Mit konzentrierter Salzsäure entsteht gelbgrüne, später tiefgrüne
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Färbung (Harnack). (Rhinanthin in alkoholischer Lösung giebt mit HC1 ebenfalls tiefgrüne Färbung.)
Von älteren Versuchen sind anzuführen die von Bauhin und Orfila. Ersterer vermochte durch 6,0 g ausgeprefstcn Saft von A. gigantea Krämpfe, Lähmung und tödliche Blutung herbeizuführen. Orfila gab einem Hund 2,0 g der Blätter von Cynanchum erectum, worauf starkes Erbrechen, Zittern, Krämpfe und Tod eintraten.
Aus Veranlassung einer seit Jahren sich -wiederholenden Intoxikation von Schafen, welche dürre, mit C. vincet, be­standene Flächen beweideten, lieflaquo; E. Veith Fütterungsver-suche anstellen. Während des durch drei Wochen fortgesetzten Versuches bekam je eines von vier Versuchsschafen pro die zuerst 30, dann 60, endlich 90 g des frischen Krautes. Am dritten Tage stellte sich bei den jüngsten, später auch bei den übrigen Versuchstieren häufiger Drang zum Harnen ein. Nach acht Tagen bestand bei allen ausgesprochener Harndrang, fast alle 5 bis 10 Minuten setzten die Schafe meist klaren Urin in kauernder Stellung ab, wobei sie mit weit gespreizten Hinter­beinen fast den Boden berührten. Im Verlaufe der dritten Woche wurden alle vier ungewöhnlich matt und träge (beginnende Lähmung). In diesem Stadium fand die Obduktion von zweien statt; die anderen erhielten gutes Futter und genasen im Verlaufe der nächsten drei Wochen. Die auf der Weide hoch­gradig erkrankten, welche sich matt zeigten, taumelten, stürz­ten oft nieder, magerten ab und starben. Bei den geschlach­teten und gestorbenen Tieren waren die Nieren welk, mürbe, Nierenbecken mit rötlicher Flüssigkeit gefüllt, die geraden Harn-kanälchen deutlich voneinander gesondert, wie maceriert. Blasenschleimhaut hier und da mit blafsroten Flecken be­setzt. — Es geht hieraus hervor, dafs Schafe, ähnlich wie gegen Cytisinvergiftung, dem Asclepiasgift gegenüber relativ immun sind.
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III.
Hirnlähmung.
1. Initiale Erregung, rauschartige Zustände,
Sopor.
Alkohol, Äther, Chloroform, Jodoform, Benzin, Petroleum.
Alkohol.
Intoxikationen der Haustiere durch Alkohole ereig­nen sich meist durch Aufnahme solcher Rückstände des Brennerei- und Brauereihetriebes, welche noch relativ grofse Mengen von Alkoholen enthalten. Spiritus, d. h. Äthylalkohol CaH^OH) in wässeriger Lösung fin­det sich nach regelmäfsiger Gärung und nach vollstän­digem Abbrennen in der (Schlempe äufserst wenig, wohl aber nach unvollständiger Gärung oder übereiltem Brennen in reichlicheren Quantitäten.
In solchen Fällen, ebenso nach direkter Aufnahme von Branntwein, Bier, überwiegt natürlich die Wirkung des Äthylalkohol. Die Vergiftung kann eine graduell verschiedene sein, so dafs die übliche Unterscheidung zwischen Rausch, Betrunkenheit und Besoffenheit (soporöses Stadium mit Verlust des Bewufstseins, Kon­vulsionen, Lähmung, Empfindungslosigkeit) auch bei Tieren angebracht ist. Unter dem die Diagnose kurz und bündig enthaltenden Titel „Eine betrunkene Ochsen­herdequot; erzählt Haselbach, dafs er zur Untersuchung der betreffenden Ochsen requiriert wurde mit der Mo­tivierung, dieselben seien vor einiger Zeit von einem Hunde gebissen worden und nunmehr an der Tollwut
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erkrankt. Die Tiere zeigten ein verschiedenes Ver­halten. Einige waren sehr aufgeregt, rissen die Ketten entzwei, zerstörten die Eaufen, attaquierten die Stall-thür, andere bewegten sich taumelnd hin und her oder lagen mit vorgestreckten Köpfen, stieren Augen und schäumendem Maul auf der Seite, bewegten die Extremitäten konvulsivisch etc. Todesfälle traten nicht ein. Wenn solche erfolgen, so ist Respirationslähmung die Ursache. Aus Versehen hatten die Tiere Schlempe erhalten, welche infolge einer Beschädigung des Brenn­apparates stark alkoholhaltig war.
Über einen ähnlichen Fall berichtet Möbius. 50 Rinder hatten Schlempe zum Abendfutter bekommen, in welche durch Aufdrehen eines falschen Hahnes Spi­ritus gelaufen war. Nach der angestellten Berechnung entfiel auf jedes Tier 1,5 1 reiner Alkohol. Möbius fand eine Kuh am Morgen noch liegend vor, nach­mittags stand dieselbe auf. Innerhalb einiger Tage verkalbten 4 Kühe. — Bernd t sah eine Rinderherde nach Genufs von Bierträbern an akuter Alkoholver­giftung erkranken.
Von unverdünntem Spiritus (90 pCt.) töten 250 g per os ein Pferd in 10 Minuten; der Herzschlag ist noch bis 10 Minuten nach dem Respirationsstillstand zu konstatieren; 180 g werden noch überstanden. Bei Hunden bewirken 16 — 25 g vielfach Erbrechen, Krämpfe, Bewufstlosigkeit. Bleibt das Erbrechen aus, so sterben die Tiere. In einzelnen Fällen erfolgt der Tod auch erst nach 24 Stunden. Die Sektion der schnell gestorbenen Tiere ergiebt Anhäufung von schwarzem Blut in Gefäfsen des Gehirns, des Herzens etc.; oft findet man das Blut im Herzen unmittelbar nach dem Tode geronnen. Bei langsamer gestorbenen
Tercg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9
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Tieren treten aufserdem die Symptome akuter Grastro-enteritis hinzu. Von verdünntem Alkohol können sie ungleich gröfsere Dosen ertragen, als von konzentrier­tem. Drei Kühe hatten 601 nicht verkäufliches Lager­bier (3 — 4 pCt. Alkohol) an einem Tage erhalten. Abends erkrankten alle drei. Üblich fand die eine bewufstlos stehend, Haut eisig kalt, Puls unfühlbar, Flotzmaul trocken, Schleimhäute livid, Magen- und Darmbewegung sistiert. Beim Versuche, sie zu be­wegen, drohte sie hinzustürzen. Sie wurde geschlachtet. Die beiden anderen genasen nach Eingüssen von Kaffee und kalten Klystieren. Ein Pferd hatte zufällig 5 1 Branntwein (45 pCt. Alkohol) mit 10 1 Wasser ver­mischt bekommen und freiwillig aufgenommen. Die Erscheinungen waren die eines schweren Rausches. Dem Tiere wurde am ersten Tage stündlich ein Glas Ammoniak in Wasser verdünnt gegeben; nach 60 Stun­den verendete es(Courrioux). Her twig verabfolgte Pferden und Kühen von dem rektifizierten Weingeist (63 pCt. Alkohol) 300—500 g, Schafen 90—120 g, Hunden 30—60 g, und bemerkte starke Erregung mit nachfolgender mäfsiger Betäubung. Schafe und Ziegen gewöhnen sich an den Genufs verdünnten Alkohols, des Branntweins z. B., so dafs sie von demselben 180—300 g aufnehmen und ertragen. Viborg injizierte einem Pferde (jß g Kornbranntwein in die Jugularis; es folgten einige Krampfanfälle, nach 4 Stunden bestand nur noch leichte Erregung; am anderen Tage häufiges Urinieren, Kot hart, trocken.
Unter gewöhnlichen Verhältnissen ist das, was als „Alkoholquot; in der Schlempe verbleibt, zum kleinsten Teil Äthylalkohol, sondern meist Fuselöl. Um welche Substanzen es sich hier handelt, zeigen die verschiedenen Analysen der Nebenprodukte alkoholischer Gärung, unter denen Amyl alkohol in erster
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Linie anzuführen ist, dann in abnehmender Menge normaler Pro'pylalkohol, sogenannte Weinöle (auch in Destillations­produkten reipen vergärten Zuckers), Isobutylalkohol, Isobutylenglykol, Furfurol, Aldehyd. Über die vor­kommenden Basen und deren Einflufs ist auf das bei Schlempe Gesagte fcf. Abschnitt VIII) zu verweisen. Die Giftigkeit des Fuselöls übertrifft nachLaborde undMagnan die des Äthyl­alkohols bedeutend; das aus Mais- und Eübensprit erhaltene Fuselöl ergab das Maximum der schädigenden Wirkung.
Auf diese Substanzen wird man in erster Linie jene Zu­stände beziehen dürfen, welche sich, mit den Folgen des chro­nischen Alkoholismus beim Menschen vergleichbar, auch bei Haustieren nach länger währender Fütterung unverdorbener Schlempe herausbilden, chronischer Magendarmkatarrh und Lebercirrhose. Albertoni und Pisenti konstatierten nach fortgesetzten täglichen Gaben von 1—2 Ccm. Aldehyd per os bei Kaninchen ebenfalls Lebercirrhose und Arteriosklerose der ver­schiedensten Organe. Experimentell sind die angedeuteten Veränderungen durch Verabreichung des an Nebenprodukten besonders reichen Absinth in kleinen Dosen an verschiedene Versuchstiere von Z. Pupier erzeugt worden. Selbstverständ­lich werden andere Noxen — Schimmelpilze, Säuren, N-haltige Basen — das Krankheitsbild beeinflussen.
Der Nachweis des Alkohols läfst sich bei akuter Vergiftung durch Untersuchung der Contenta erbringen. Derselbe stützt sich einfach auf seine Flüchtigkeit, in­dem man die Contenta etc. mit Wasser bei neutraler Reaktion destilliert und das Übergegangene durch wei­teres Destillieren (über Chlorkalcium) reinigt. Das erhaltene Produkt wird als Alkohol erkannt durch seine Brennbarkeit, durch die Bildung von grünem Chromoxyd aus zugesetzter Chromsäure (oder chrom­saurem Kali- und Schwefelsäure). In Berührung mit Platinmohr entsteht Essigsäure, beim Erwärmen mit Kalilauge und Jod bilden sich Jodoformkrystalle. Auf diese quot;Weise gelingt es auch, aus Blut, Gehirn, Leber, Harn, Alkohol nachzuweisen, doch darf nach dem Tode keine zu lange Zeit bis zur Untersuchung vergehen,
da er sonst durch Zersetzung verschwindet.
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Äther.
Toxische ev. tödliche Wirkung kann vorkommen bei Anwendung von ÄtherCjHjoO, d.h. Äthyläther C2H5 — 0 — C2H5, zur Herbeiführung einer allgemeinen Narkose, besonders bei Vögeln oder kleineren Säugern oder bei innerlicher Anwendung in reiner Form.
Kleinere Vögel (Singvögel, Papageien, Tauben) sterben verhältnismäfsig rasch nach Einatmung von Ätherdämpfen durch Suffokation, oft schon bevor über­haupt Anästhesie eingetreten ist. Gröfsere Vögel (Hühner etc.) lassen sich zwar unter Anwendung gröfster Vorsicht narkotisieren, sterben aber auch sehr leicht. Kaninchen erliegen bei fortgesetzter Ätheri­sierung nach 20—30 Minuten. Die Reflexerregbarkeit (Sehnen-, Periost- und Fascienreflexe, zum Teil auch Hautreflexe) ist während der Dauer der Narkose erheblich gesteigert, Kornealreflex abgeschwächt. Respirations­bewegungen werden schwächer und unregelmäfsig, die Herzschläge aussetzend; Rektaltemperatur sinkt, Pu­pillen sind diktiert. Tod erfolgt durch Respirations­lähmung.
Subkutan tritt selbst nach grofsen Dosen Narkose nicht ein. Ein kleiner Hund, welchem Orfila an der Innenfläche des Oberschenkels 15,0 g injiziert hatte, zeigte schwankenden Gang, am folgenden Tage Ab­spannung, welche bis zum 4. Tage anhielt. Er starb an diesem Tage. Die gleiche Quantität innerlich ver­abfolgt, wirkte (nach Schlundunterbindung) innerhalb 3 Stunden tödlich.
Die Obduktion ergab hochgradige Rötung der Schleimhaut des Magens und des Zwölffingerdarms (Eiweifs koagulierende Wirkung); das Herz enthielt dunkles, teils flüssiges, teils geronnenes Blut. Lunge
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und Gehirn hyperämiscli. — Im Blut finden sich ge­wöhnlich freie Fetttröpfchen, weil das Lecithin der Erythrocyten und der Nerven vom Äther gelöst wird. Auch ohne Schlundunterbindung können die Tiere in kurzer Zeit suffokatorisch zu Grunde gehen, da der im Magen verdampfende Äther das Zwerchfell nach dem Brustraum enorm vordrängt.
Der Äthergeruch der Organe, besonders der Lunge, hält sich längere Zeit und tritt besonders beim Kochen hervor.
Gegenmittel: Sofortiges Aussetzen der An­ästhesierung bei drohendem Kollaps, Unterstützung der Kespiration durch zweckentsprechenden Druck auf Thorax und Abdomen, wechselnd mit Faradisation der Phrenici event, andauernde künstliche Respiration.
Chloroform.
Chloroform ist Dreifach - Chlormethan von der Formel CHC13. Wasser löst 0,7 pCt.
Anwendung findet Chloroform selten innerlich, vielfach äufserlich, am meisten als Inhalation zur Er­zeugung von Narkose. Fast nur in letzterem Falle kommen Vergiftungen durch Chloroform vor. Die Ursachen für deren Eintritt sind verschieden. Einmal kann das betreffende Tier sehr empfindlich gegen Chloro­form sein, oder es liegt ein Aufserachtlassen der ge­wöhnlichen Vorsichtsmafsregeln vor, wie sie beim Chloroformieren getroffen werden müssen.
Bei jeder Chloroformierung ist stets für die nötige Luftzufuhr zu sorgen, ferner alles das zu vermeiden, was die freie Respiration in irgend einer Weise hem­men könnte. Auf Beobachtung von Puls und Respi­ration hat man die gröfste Aufmerksamkeit zu verwenden.
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Chloroformierungen bei offenem Licht, speziell Gas­licht, sind möglichst zu vermeiden, da durch Unter­suchungen von Stobwasser, Stark u. a. nachge­wiesen ist, dafs Chloroformdämpfe, welche durch eine offene Flamme streichen, sich zersetzen und neben anderen Produkten Phosgengas, COCI2, Chlorwasser­stoff und freies Chlor bilden, deren schädliche Ein­wirkung auf die Respirationsorgane aufser Zweifel steht.
Der Übergang der Chloroformnarkose in eine akute Chloroformvergiftung kennzeichnet sich durch folgende Erscheinungen: Der Puls wird sehr schwach und aussetzend, der Herzschlag unfühlbar, die Atmung unregelmäfsig, die Pupillen erweitern sich, die Tem­peratur sinkt und schliel'slich tritt Lähmung des Herzens ein.
Dafs der Tod lycht durch Resjiirationsparalyse infolge Lähmung des Atmungscentrums der Medulla oblongata, sondern durch Paralyse unter allgemeiner Dilatation des Herzens (Wil­liam) erfolgt, beweist die Möglichkeit, den Blutdruck bei vor­sichtiger Leitung der Narkose bis auf Null herunterzubringen, ohne dafs die Atmung erlischt. Nach den Untersuchungs­ergebnissen der Hyderabad-Kommission sistiert die Pulsation, bevor das Herz komplet gelähmt wird. Bei Anwendung des Athyläther für sieh oder in Mischung mit Chloroform hört die Atmung früher auf, vielfach sogar nach reinem Chloroform allein (L. Brunt on). Herzkrankheiten (Fettherz, Klappen­fehler) oder vorhandene Nephritis (Fehling) können durch Synkope nach Dosen tödlich werden, welche Gesunde anstands­los ertragen. Aufser der Lähmung der inti-akardialen motorischen Herzcentren, wonach die Herzaktion sistiert, ist eine Lähmung der vasomotorischen Centren an der Blutdruekverminderung beteiligt. In schwerer Chloroformnarkose erlischt selbst die reflektorische Erregbarkeit der Gefäfscentren.
Das Chloroform wirkt 1) auf das Grofshirn (Bewufstlosig-keit), 2) das Rückenmark (Analgesie, Verminderung resp. Auf­hören der Reflexe), 3) das Herz und 4) die Medulla oblongata. Im Beginn der Chloroformierung treten Erscheinungen ein, die man als Erregungsstadium bezeichnet. Die Tiere werden
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unruhig, sträuben sich, die Pulzfrequenz nimmt zu. Es folgen nun die Symptome der beginnenden Narkose, leichte Delirien; bei fortschreitender Narkose verschwindet die Schmerzempfind­lichkeit mehr und mehr, die Reflexe fangen an zu erlöschen, zuletzt der Cornealreflex, die Muskulatur erschlafft. Der Gefäfs-tonus wird bedeutend geschwächt. In diesem Zustande kann man den betreffenden Patienten durch vorsichtige fortgesetzte Chloroformierung stundenlang erhalten.
Die tödlicheDosis bei den einzelnen Haustieren ist sehr verschieden. Nach Ostertag vertragen z.B. mittelgrofse Hunde 8 Tage hindurch fortgesetzt je 200 g Chloroform, ohne dals der Tod erfolgte. Katzen, welche für besonders empfindlich galten, lassen sich sehr gut ohne Nachteil chloroformieren, wenn nur die Luft nicht mehr wie 3,0—4,5 pCt. Chloroform enthält (L. Hoffmann). Rinder zeigen nach50—75g Chloro­form innerlich Appetitlosigkeit, vorübergehende Auf­regung, Schreckhaftigkeit, Schwanken und Zusammen­brechen der Hinterhand, aber keine Narkose. — Sub­kutaninjektionen von 10—30 g bei Hunden, 5—10,0 g bei Katzen wirken tödlich, wobei die Erscheinungen der Hämoglobinämie auftreten (Fröhner).
Bei der Sektion eines an akuter (nach Inhalation eingetretener) Vergiftung verendeten Tieres zeigt sich das Herz diastolisch erschlafft, das Blut dunkel gefärbt, leichtflüssig und häufig mit Luftbläschen durchsetzt. Das Auftreten von Gas ist nicht als kadaveröse Er­scheinungaufzufassen ; die Lunge gewährt nach B i nz bei maximalem Druck der Luft Durchtritt. Die Organe riechen nach Chloroform; das Gehirn enthält mitunter mehr davon als das Blut, letzteres 0,01—0,06 pCt. und zwar in chemischer Bindung mit dem Lecithin der Ery-throcyten (J. Pohl). War die Narkose eine durch Stunden protrahierte, so finden sich Anzeichen von fettiger Degeneration, insbesondere an den Ganglien-
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zellen des Herzens. Die Herzganglien erscheinen kömig getrübt, die Kerne granuliert, undeutlich kon-turiert, dabei besteht albuminöse Trübung der Herzmus-kulatur (Winogradow).
Nach Untersuchungen von Ungar, F. Strafs-mann und Ostertag steht fest, dafs neben der plötz­lichen auch eine oft erst nach Tagen sich zeigende Vergiftung vorkommen kann. Für diese nachträgliche Intoxikation ist die direkte deletäre Einwirkung auf die Organe und ihre Folgen als Ursache anzunehmen. Beider Sektion findet man hochgradige Verfettungen der verschiedensten Organe, hauptsächlich aber eine bedeutende Fettmetamorphose des Myocardium, der Skelettmuskulatur, der Leber und der Nieren.
Was die Behandlung der Chloroformvergif­tung anlangt, so ist bei eintretender Herzschwäche so­fort die Chloroformierung zu sistieren und für kräftige Respiration ev. durch Einleitung der künstlichen At­mung zu sorgen. Böhm gelang es, mit Chloroform vergiftete Tiere wieder zu beleben, wenn Thoi-axkom-pressionen spätestens 9 Minuten nach dem Herzstillstand ausgeführt wurden; die natürliche Atmung stellte sicii 6 bis 48 Minuten nach Beginn der Wiederbelebungsver­suche ein, nachdem schon vorher das Herz zu funk­tionieren begonnen hatte.
Nach B r u n t o n ist die künstliche Respiration ver­geblich, wenn sie später als 50 Sekunden nach Respi­rationsstillstand unternommen wird. Excitantien, kalte Douchen, Ätherbegiefsung und Frottieren der Haut, subkutane Injektionen von Kampher, Atropin, Hyoscin, Coifein und Veratrin werden gleichfalls zweckent­sprechend angewendet.
Der chemische Nachweis der Chloroformver­giftung läfst sich auf verschiedene Weise erbringen:
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Einmal leitet man durch das dem Kadaver entnommene Blut einen kontinuierlichen Luftstrom, welcher das in dem Blute enthaltene Chloroform aufnimmt. Man lälst nun dieses Luftgemisch durch eine stark erhitzte Röhre streichen, wodurch etwa vorhandenes Chloro­form in Kohlenstoff, Chlorwasserstoff und freies Chlor zersetzt wird. Weiterhin leitet man den mit den Zer­setzungsprodukten gesättigten Luftstrom über Jodstärke­papier und führt ihn endlich in ein Gefäfs, welches mit Silbemitrat- oder Magnesialösung gefüllt ist. War Chloroform in dem betreffenden Blute, so bläut sich das Jodstärkepapier und das Silbernitrat wird in Chlor­silber umgesetzt. Das an Mg gebundene Cl und HC1 kann titrimetrisch nach Volhard bestimmt werden (J. Pohl). —Andererseits kann man auch das betreffende Blut ev. auch Lunge oder Herzmuskulatur destillieren und das erhaltene Destillat mit weingeistiger Natron­lauge und Anilin erhitzen. War Chloroform vorhanden, so entwickelt sich ein unangenehmer, charakteristischer Geruch nach Isonitril (Phenylkarbylarain), C6HgNC. Im Destillat entsteht beim Erwärmen auf 50deg; nach Zusatz von etwas /J-Naphthol und konzentrierter Kali­lauge eine vorübergehende Blaufärbung.
Im Harn lassen sich etwaige Chloroformderivate nachweisen durch anhaltendes Kochen mit erheb­lichem Überschufs von Kalilauge und Eesorzinzusatz, wodurch Rotfärbung entsteht (Bildung von rosolsaurem Alkali).
Jodoform.
Das Jodoform CHJg (Trijodmethan), ein geschätztes Antisepticum, kann bei äufserlicher Anwendung durch Resorption von Wundflächen aus oder durch Ablecken in Cirkulation geraten und zu Intoxikationen Veran­lassung geben.
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Bei Hunden und Katzen rufen Gaben von 0,3—1,4 p. KK. sowohl bei innerlicher als subkutaner Anwen­dung deutlich narkotische Erscheinungen hervor (Som-nolenz, bei 1,0 p. KK. Coma, meist Exitus). Bei sub­kutaner Injektion (Emulsion in 01 oder Glycerin event, auch von Wunden aus sind 1,5—2,0 g p. KK. 0,5 g p. KK. intraperitoneal als letale Dosis zu betrachten (Rofsbach, Poljäkow). Fröhner tötete eine Kuh durch 50 g in 36 Stunden. Das Tier zeigte vorher Temperaturabfall, Krämpfe und starke Nar­kose. Ein 10 Tage altes Kalb vertrug 5,0 innerlich ohne jede Reaktion. Den Depressionserscheinungen geht bei Hunden meist ein Erregungsstadium (Tob­sucht) voran.
Das Rückenmark ist gleichfalls beteiligt. Auf die anfangs verminderte Reflexthätigkeit folgen Zittern, Zuckungen, Krämpfe, selbst Tetanus mit vermehrter Reflexerregbarkeit, um schliefslich ausgesprochener Nar­kose Platz zu machen.
Ganz ebenso verhalten sich Frösche, welche durch 0,02 bis 0,03 g in 3—5 Stunden getötet werden.
Die Herzthätigkeit wird bei Warmblütern weniger beeinflufst. Die anfangs eintretende Verlangsamung der Herzschläge hört bei nicht toxischen Gaben bald auf. Im Krampfstadium sind die Herzkontraktionen beschleunigt und bei toxischen Gaben erfolgt Lähmung der Herzganglien und des Herzmuskels. Der Blut­druck sinkt erst nach toxischen Dosen und die Sekun­därerscheinungen, kleiner frequenter Puls, Dyspnoe machen sich geltend. Herzschlag pochend.
Bei toxischen Gaben fällt die Temperatur erst um 1—Vlz0, erhebt sich im Krampfstadium über die Norm und sinkt in der Agonie unter dieselbe.
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. Magen und Darm werden von Jodoform nicht an­gegriffen; es erfolgt weder Erbrechen noch Durchfall, wohl aber Verlust des Appetits und Verstopfung.
Die Harnsekretion erscheint nach toxischen Dosen vorübergehend vermehrt, dann vermindert, zuweilen tritt Albuminurie ein. Im Organismus entstehen nach Binz, Högger u. a. teils jodsaure Salze, teils Jodide, von denen vorwiegend letztere im Harn nachweisbar sind. Doch hat man auch Fälle beobachtet, wo die beste Jodreaktion (Zusatz von Stärkekleister, verdünnter Schwefelsäure, ranchende Salpetersäure und einige Tropfen Schwefelkohlenstoff zum Urin) nichts, die Asche des verbrannten Harns aber einen intensiven Jodgehalt ergab. Vielleicht hängt dies mit dem von Grautrelet beobachteten Übergang unzersetzten Jodoforms in den sauren Harn zusammen, welches durch Äther extra­hiert und durch spezifische Reaktionen nachgewiesen werden kann. Im alkalischen Harn ist Jodoform als solches nicht nachweisbar; Morax konstatierte nach fortgesetzten grofsen, nicht toxischen Dosen von 5,0 g (toxische liegen über 10,0 g bei Menschen) rotbraunen Urin mit vielen Jodverbindungen bei Abnahme der Ätherschwefelsäure.
Fortgesetzter Gebrauch des Jod ruft auf Schleim­häuten katarrhalische Zustände hervor, auf der Haut Exanthema (Jodismus).
Nach Jodoformvergiftung findet man bei der Ob­duktion, ähnlich wie beim Chloroformtod, fettige Dege­neration desHerzens/der Leber, Niere und der Skelett­muskulatur. Die Sektion der durch Jodoform getöteten Kuh ergab aufserdem Gastroenteritis.
Nachweis: Hat die Urinuntersuchung kein Re­sultat ergeben, so kann man den Inhalt des Traktus
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bei alkalischer Reaktion abdestillieren, das Destillat mit Äther ausschütteln und den nach Abdunsten des Äthers verbliebenen Rückstand in Alkohol lösen, mit Phenolalkali erhitzen, wodurch Rotfärbung entsteht (Bildung von Rosolsäure). Zum Nachweis des Jod in dem mit Salpeter veraschten Harn oder Organteilen genügt die Stärkereaktion.
Behandlung: Mehlbrei, dünner Stärkekleister, Natrium bicarbonicum (Röhmann und Mala-chowski). In geeigneten Fällen Brechmittel, Ana-leptica.
Benzin.
Das Benzin (Benzin um Petrolei, der Pharmacopoe) besteht aus den zwischen 55 und 75deg; überdestillieren­den gesättigten Kohlenwasserstoffen des Petroleum, welche durch die Formel CsB^n-^a versinnbildet werden und als deren Hauptbestandteil das Hexan C6H14 (Siedep. 70deg;) anzusehen ist.
Vergiftungen durch Benzin kommen meist zu stände bei Verwendung desselben zu Einreibungen als anti­parasitäres Mittel. Sämtliche niedrig siedende Äthane vom Pentan C5H12 (Siedep. 38deg;) aufwärts wirken nach Richardson, auch bei hinreichendem Luftzutritt eingeatmet, meist nach wenigen Minuten hypnotisch, und tritt der Tod durchschnittlich früher ein, als in der Äthernarkose.
Hunde, namentlich aber Katzen und Vögel, erliegen sehr leicht der Vergiftung.
Unruhe, beschleunigtes Atmen, Verlust des Be-wufstseins, Bewegungs- und Empfindungslosigkeit, Zittern und Krämpfe sind die Erscheinungen, unter denen der Tod erfolgt.
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20,0 g vermögen bei aufserlicher Anwendung einen Hund zu töten, während 20—30,0 g innerlich vertragen werden. Zwei Singvögel starben, ohne mit Benzin in direkte Berührung gekommen zu sein, allein durch die Dämpfe, welche sich bei der Einreibung eines Schafes in der Wohnstube daselbst entwickelt hatten (Gr e r 1 a c h).
Petroleum.
Raffiniertes, gewöhnlich zu Brennzwecken verwen­detes Petroleum besteht aus den zwischen 158—250deg; siedenden Bestandteilen des Rohpetroleums und zwar aus den gesättigten Kohlwasserstoffen Dekan C10H20, Siedep. 158deg; bis incl. Pentadekan CjgHgg, Siedep. 258deg;.
Petroleumdämpfe schaden einem Tiere selbst dann nicht, wenn es sich tagelang in einem mit demselben geschwängerten Raum aufhält (Lassar).
Vom Magen aus können sowohl gastrische als
renale und cerebrale Störungen hervorgerufen werden.
Eine beim Menschen beobachtete Vergiftung ist insofern lehrreich, als sie mit der von L. Lewin ausgesprochenen Be­hauptung, Petroleum gehe nicht in den Harn über, im Wider­spruch steht. Eine Potatrix trank eine halbe Tasse Petroleum. Darauf stellten sich Erbrechen und Leibschmerzen ein, die Temperatur stieg auf 38,6 0; der Urin roch nach Petroleum und setzte beim Stehen auf der Oberfläche eine dicke Schicht Petroleum ab: aus zwei Harnproben wurden 25 kern reines Petroleum herausdestilliert. Weiterhin kam es zu Hämaturie und Albuminurie. In der Atmungsluft war der Petroleum-geruch noch über 40 Stunden nachher zu konstatieren. Es erfolgte Genesung.
Tiere vertragen ebenfalls nicht unbedeutende Mengen, Kaninchen 15—25 Gern. Von den zwischen 250 — 360deg; siedenden Athanen des Rohpetroleums töteten erst 26 Ccm ein Kaninchen (Lewin). Eine Kuh starb nach einem Eingufs von 700 Ccm Petroleum und 300 Ccm Branntwein nach 23 Stunden.
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Im Hinterteil beginnende Lähmung, Tympanitis, häufiges Urinieren waren die wesentlichsten Krankheitserschei­nungen (R ö p k e). Zwei Schweine verfielen nach frei­williger Aufnahme einer gröfseren, aus einem Fafs mit gelockertem Spund abfliefsenden Menge in einen rauschartigen Zustand und zeigten Schreckhaftigkeit. Ein Brechmittel (Rhiz. Verat. albi) stellte sie wieder her (Kaiser).
Anwendung des Petroleums gegen Ektoparasiten kann ebenfalls zu Intoxikationen führen und zwar durch Resorption von der Haut aus (bei Kaninchen tritt danach Albuminosurie und Peptonurie auf), resp. durch Ablecken. Aus Schleswig-Holstein, wo Petro­leum so ziemlich als Universalheihnittel gilt, berichten landwirtschaftlicheZeitungenzwei bemerkenswerte Fälle. Ein Jäger rieb seinen wertvollen Jagdhund, um ihn von Flöhen zu befreien, am Nacken und Rücken stark mit Petroleum ein. Sofort verlor sich die Frefslust bei dem Tier, es zitterte am ganzen Leibe, winselte vor Schmerz und starb innerhalb 8 Tagen. Schlimmer noch erging es einem jungen Landwirt. Derselbe be­handelte 19 Kühe ausgiebig mit Petroleum, um deren Hautparasiten zu vertilgen. Von den Tieren, welche nichts eiligeres zu thun hatten, als sich gegenseitig energisch abzulecken, starben zwei Jungrinder in den ersten Tagen, die übrigen verloren ihr Haar fast gänz­lich; es bildeten sich allenthalben wunde Stellen an der Haut und alle magerten ab. Bei einigen Milch­kühen war in den ersten Tagen das Euter ganz blau, die Striche angeschwollen.
Die hin und wieder beobachteten Hautexantheme, wie solche hin und wieder durch Vaseline-Einreibungen erzeugt werden und bei den in Petroleumraffinerien
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beschäftigten Menschen und Tieren beobachtet worden sind, sollen durchgängig durch höher siedende Bestand­teile des Rohpetroleums erzeugt werden.
Die Behandlung wird im wesentlichen eine symp­tomatische sein müssen, da spezifische Antidote nicht bekannt sind. Zunächst Emetica resp. Laxantien mit reichlichen Olquantitäten, bei drohenden Kollaps Exci-tantien.
3. Bewnfstlosigkeit, Krämpfe.
Kohlensäure, Kohlenoxyd (Kohlendunst,
Leuchtgas), anorganische Cyanverbin-
dungen.
Kohlensäure. Kohlensäure C02 gehört zwar zu den normalen Bestandteilen des Blutes, welche durch ihre Anwesen­heit einen stetigen Reiz auf das Respirationscentrum ausübt (bei Sauerstoff Überschufs Apnoe), es kann die­selbe aber bei Anhäufung im Blut zu intensiver Rei­zung (Dyspnoe) und schliefslich zur Lähmung des Atmungscentrums führen (Asphyxie). Der Sauerstoff­gehalt des Blutes von Tieren, welche an C02-Vergif­tung zu Grunde gegangen sind, weicht von dem nor­malen nicht ab. P f 1 ü g e r fand bei gesunden Hunden 14,4 pCt. 0, 29,8 pCt. C02, 1,2 pCt, N, nach Kohlen-säuredyspnoe 16,8 pCt. 0, 56,8 pCt. C02, 1,4 pCt. K
Die toxische Wirkung der.Kohlensäure auf Tiere ist ver­schiedentlich Gegenstand der Untersuchungen gewesen (P. B ert, Friedländer und Herter, Zuntz, M. Runge etc.). Läfst man Kaninchen eine Mischung von 1 Volum. Sauerstoff und 2 Volum. CO2 atmen, so beobachtet man gleich nach Beginn der Gasatmung, meist unter lebhafter Unruhe des Tieres, Blutdrucksteigerung (Reizung des vasomotorischen Centrums).
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Schon nach wenigen Atemzügen beginnt eine sensible und motorische Lähmung des Tieres, welche an den unteren Ex­tremitäten einsetzt und rasch den ganzen Körper befällt, ein Zustand, welcher der durch Chloroforminhalation erzeugten Narkose durchaus ähnlich ist (Anästhesie, Erlöschen der Eeflex-erregbarkeit). Die Respirationsfrequenz sinkt nach wenigen Minuten von 80 —100 auf 20—24 p. M., die Pulszahl vermindert sich von ca. 40 auf 30 (Vagusreizung), bleibt aber dann kon­stant. Mit ihr nimmt der Blutdruck kontinuierlich ab, von 120—130 auf 20 mm Hg und noch tiefer. Die Inspirationen sind tief und mühsam, die Exspirationen geschehen stofsweise. Bei fortgesetzter C02-Atmung tritt bei tiefem Stande des Blutdrucks ein Umschlag des Eespirationstypüs ein. Die Atemzüge werden oberflächlicher, schliefslich kaum wahrnehm­bar und hören endlich ganz auf. Das Herz schlägt weiter. Hin vind wieder machen sich beim Aufhören der Respiration fibrilläre Zuckungen der Bauchmuskeln bemerklich, eigentliche Konvulsionen nicht. Hat sich die oberflächliche Respiration noch nicht eingestellt, so genügt Zufuhr von atmosphärischer Luft zur Erholung des Tieres in kurzer Frist. — Die Muskeln und motorischen Nerven sind nach dem Tode durch direkte Reize noch erregbar. Am isolierten Froschherz bewirkt CO2 Vermehrung der Schlagzahl und Steigerung der Energie der Kontraktion, selbst ein durch Muscarin zum Stillstand ge­brachtes Herz beginnt durch Erregung der intrakardialen mo­torischen Ganglien von neuem sich zu kontrahieren (Kobert).
Als unschädlich kann nach Varin ein C02-Ge-halt der Atmungsluft bis zu 0,5 pCt. betrachtet werden. Hunde erkranken sichtlich schon bei 5 pCt. und ziem­lich intensiv bei 10 pCt. (Leblanc), ein Maximum, welches auch in geschlossenen Räumen durch die Aus­atmungsluft gedrängter Menschenmassen*) (auch in dicht besetzten niedrigen Ställen annähernd) erreicht werden kann (Allen).
Walter berichtet, dais sich aus einem verschüt­teten Wasserloche nach einem starken Gewitterregen
*l In Fort William in Kalkutta wurden während des ost­indischen Krieges 146 Personen in einen 30 Quadratfufs weiten Raum eingeschlossen. Am andern Morgen fand man 123 tot (Orfila).
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Kohlensäure entwickelte, welche bei 3 Kühen sofortio-en Tod und bei mehreren anderen vorübergehenden Schwin­del erzeugte. — An manchen Orten finden sich sta­tionäre Kohlensäureanhäufungen (Dunsthöhle bei Pyr-mont etc. Die Luft der Hundsgrotte von Puzzuoli ent­hält 61—71 Vol. pCt. C02).
Die Obduktion ergiebt die Erstickungssymptome: dunkles, flüssiges, an der Luft sich rötendes Blut. Blutanhäufung event. Ödem in den Lungen, Ekchy-mosen unter der Pleura, dem Pericard und an der Schleimhaut des Verdauungstraktus.
Kohlenoxyd, Kohlendunst, Leuchtgas. Das Kohlenoxydgas in reiner Form hat für die praktische Toxikologie keine Bedeutung, eine um so gröfsere aber durch seine Anwesenheit in Gas­gemischen, dem Kohlendunst und dem Leuchtgas welche auch bei Tieren zu Vergiftungen Veranlassung gegeben haben.
Als Kohlen dunst bezeichnet man summarisch diejenigen Gase, welche aus dem Heizmaterial bei un­genügender Ventilation der Heizvorrichtung entstehen und in den beheizten Raum (Stall etc.) übertreten.
Die Zusammensetzung dieser Gase wechselt je nach der Qualität des Heizmaterials. Aufser 0 und N findet sich ver­treten 11,0 — 37,0 pCt. C02 und 0,5 — 5,0 pCt. CO. Daneben Spuren von schweren Kohlenwasserstoffen (cf. Leuchtgas), schwefliger Säure und im Braunkohlendampf auch von Am­moniak.
Trotz der qualitativ und quantitativ nicht unwesentlich verschiedenen Bestandteile wirkt das Leuchtgas auf den Or­ganismus genau in derselben Weise wie Kohlenoxyd. Das aus Steinkohlen hergestellte Leuchtgas besteht aus 4—20 pCt. der schweren Kohlenwasserstoffe, welche die Leuchtkraft des Gases bedingen (Acetylen C2H2, Äthylen C2H4, Diäthylen C^Hg, Benzol- und Naphtalindampf etc.), 40—50 pCt. CH4, Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10
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20—40 pCt. H, 5—10 pCt. CO (in Holzgas bis zu 62 put., daher die intensiv giftige quot;Wirkung der Rauchgase bei Bränden), 1—3 pCt. C02, kleinere Mengen N und H20.
Von den vorhandenen Gasen sind für die toxische Wirkung einzig und allein von Belang im Kohlen-dampf COa und CO, im Leuchtgas letzteres allein, da Sumpfgas CH4 vollständig indifferent ist.
E. Herter und Pouritz liefsen Kaninchen ein Gas­gemisch atmen, bestehend aus 21 pCt. 0 und 79 pCt. CH4, wo­bei die Tiere sich vollkommen normal verhielten. Eegnault und Villejean brachten Meerschweinchen, Mäuse, Vögel in Gemische von 10:8,5—5 Vol. CH4, ohne dafs eine erhebliche Änderung im Befinden, namentlich nicht Anästhesie, einge­treten wäre.
Die toxische Wirkung des K 0 h 1 e n 0 x y d weicht insofern von jener der Kohlensäure ab, als es mit dem Hämoglobin eine viel dauerhaftere Verbindung eingeht, als CO2. Erst durch sehr grofse Mengen 0 (anhal­tendes Schütteln mit Luft oder tagelanges Stehenlassen an der Luft) wird eine Dissociation des CO-Hämoglobin bewirkt. Bei gewöhnlichem Partiardruck des O findet eine Dissociation dieser Verbindung im Blut des leben­den Organismus noch statt, wenn der Konzentrations­grad des CO 0,2—0,5 Vol. pr. Mille nicht übersteigt. Enthält die eingeatmete Luft 0,7—0,8 pr. Mille an CO, so machen sich schon Intoxikationserscheinungen gel­tend ohne tödlichen Ausgang, welcher bei Konzentra­tionen über 0,1 pCt. die Regel bildet, bei 0,5 pCt. fast stets und bei 1,0—2,0 pCt. in einigen Minuten erfolgt. Die minimal letale Konzentration beträgt für kleine Vögel 1/46o, für Hunde 1l2to, für Kaninchen 1no Vol. (Grreliant). Auf Kaltblüter wirkt das Gas weniger intensiv. Die Erregbarkeit der Muskulatur bleibt bei diesen sowohl als bei Warmblütern unverändert.
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- Wenige Atemzüge des reinen Gases verursachen Krämpfe, oft auch plötzliche Paralyse, Anästhesie und längere Zeit an­haltende Bewufstlosigkeit, als Folge direkter Schädigung der nervösen Centren im Hirn und Rückenmark. Auch am Ge-fäfscentrum tritt nach kurzdauernder Erregung Lähmung ein. Die G-efäamp;wände verlieren ihren Tonus und bersten leicht, wahrscheinlich infolge von Ernährungsstörungen, welche auch sonst — an Muskeln, Leber, Nieren etc. — als leichte Fett­degeneration sich bemerklich machen, wenn die Tiere nicht infolge der Insufficienz der Erythrocyten an akuter Suffokation zu Grunde gehen.
Die Nachkrankheiten äufsern sich in motorischen Lähmun­gen, Hautaffektionen, vorübergehender Glykosurie (bei Hunden his 4 pCt. Zucker im Harn, Sen ff), seltener Albuminurie. Die sekundären Lähmungen können veranlafst sein durch Poliomyelitis acuta anterior, hämorrhagische Infiltration der Nervenscheiden, die Hautaftektionen durch lokale oder cen-trale Thrombosen (P. v. Rokitansky, Litten, Zieinssen).
Eine Oxydation des CO zu C02 findet im Organismus nicht statt, es wird vielmehr, wie Transfusionsversuche von Gaglio mit CO-haltigem Blut lehrten, unverändert ausge­schieden.
Von klinischen Beobachtungen über Intoxikation durch Kohlendunst möge eine von Ger 1 ach citierte Vergiftung zweier Ochsen Erwähnung finden. Die Wirkung der Dämpfe glühender, zur Erwärmung eines Stalles aufgestellter Kohlen äufserte sich bereits nach einer Stunde, und zwar in Widerwillen gegen Be­wegung, in gesenkter Haltung des Kopfes, mechanischem Kauen, Speicheln, beschwerlichem Atmen, unfühlbarem Puls, Nasenbluten und Bewufstlosigkeit. Ein Ochse er­holte sich in frischer Luft von selbst, der andere nach kalten Begiefsungen und einem Aderlafs. Ähnliche Erscheinungen beobachtete Schilling bei einer Kuh nach Einstreuen von Stroh, welches bei einem Scheunen­brand erhalten geblieben war. Ein Schwein, dem die gleiche Streu zugeteilt worden war, drehte sich am andern Morgen im Kreise. Rietzel fand bei zwei
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Hunden nach zufälligem Einatmen von Kohlendampf schwankenden Gang, Störung des Sehvermögens und Verlust des Gehörs (offenbar centrale Wirkungen), Verlangsamung des Herzschlages, erweiterte reaktions­lose Pupille. Bei beiden Hunden traten Lähmungs­erscheinungen auf, welche bei dem einen nach 14 Tagen verschwunden waren, bei dem andern noch nicht nach 3 Wochen, weshalb Tötung erfolgte.
Einen Fall von Leuchtgasvergiftung in der Berliner Klinik teilt Gerlach mit. Eine mit einem Pferde besetzte Boxe hatte sich nach dem Zerbrechen der Gasröhre in der Nacht derart mit Leuchtgas ge­füllt, dafs der Wärter beim Öffnen der Thür beinahe von dem ausströmenden Gase überwältigt wurde. Das Pferd war mit Schweifs bedeckt, atmete sehr schnell, hatte 80 schwache Pulse, taumelte beim Gehen und zeigte hochrote Nasenschleimhaut. In frischer Luft erholte es sich wieder.
Das Leuchtgas in konzentrierter Form eignet sich seiner schnellen Wirkung wegen zur Tötung eingefangener herren­loser Hunde etc. und wird in Paris zu diesem Zweck ver­wendet. Die Tiere kommen in eiserne, luftdicht abschliels-bare Kästen, welche mit einem weiten Gasrohr in Verbindung gebracht werden können. Durch das einströmende Gas werden Dutzende von Tieren in wenigen Minuten auf die denkbar schmerzloseste und billigste Art getötet.
Der Nachweis einer stattgehabten Leuchtgas­oder Kohlendunstvergiftung läfst sich durch die hellrote Färbung des venösen Blutes ev. durch chemischen oder spektroskopischen Nachweis des CO-Hämoglobins führen.
Der einfachste chemische Nachweis besteht im Er­hitzen des Blutes. Kohlenoxydblut liefert ein ziegel­rotes Coagulum, normales Blut wird graubraun. Ganz analog verhalten sich die verschiedensten Eiweifs fallen-
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den. Reagentien. Wenige Tropfen Kupfersulfat z. B. erzeugen in CO-Blut einen ziegelroten, in gewöhn­lichem einen chokoladebraunen Niederschlag (St. Za-1 e s k i). Zur spektroskopischen Bestimmung behandelt man das verdünnte Blut mit reduzierenden Substanzen (Schwefelammonium, Stokes Flüssigkeit [weinsaurem EisenoxydulammoniakJ). Bleiben die dem Oxyhämo-globin ungefähr entsprechenden beiden Absorptions­streifen nach dem Schütteln mit den reduzierenden Agentien bestehen, so befindet sich CO im Blut. Zum Nachweis von CO in der Luft empfiehlt W. Hempel die Verwendung von Mäusen. 0,05 pCt. CO verur­sachen starke Intoxikationserscheinungen, nachdem das Tier einige Stunden in dem betreffenden Räume ge­atmet hat. (Im Blut CO-Spektrum.) Leitet man CO-haltige Luft durch säurefreies Palladiumchlorür unter Vorlage von Schwefelsäure (zur NII3-Absorption) und Bleizuckerlösung (zur HaS-Absorption), so erhält man einen samtschwarzen Niederschlag (Eulen bürg); 0,022 Vol. pCt. sind auf diese Weise noch nachweisbar. Behandlung: Frische Luft, Aderlafs, wenn der Blutdruck noch nicht zu stark gesunken, ev. Trans­fusion. Im anderen Falle Kampher subkutan, Ana-leptica überhaupt.
Cy anverbindungen.
Die anorganischen Salze des Cyan sind sämtlich giftig, die organischen hingegen treten in zwei isomeren Reihen auf, von denen die einen fast ungiftig sind, während den anderen höchst intensive toxische Eigen­schaften zukommen.
Durch Destillation von äthylschwefelsaurem Kali mit Cyankalium erhält man ein Cyanäthyl, welchelaquo; als wahres Nitril aufzufassen ist (N dreiwertig), von der Form N=C-CH2_CH3.
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Dieser Verbindung geht die Giftwirkung ab; unter H20-Aufnahme liefert sie Propionsänre und Ammoniak. Ihr entspricht ein stechend riechendes, ebenfalls ungiftiges Cyan C2N2, eigentlich Dicyaii \=C-C=N, welches durch Glühen von Ammoniumoxalat erhalten wird.
Anderseits lafst sich aus Jodäthyl und Cyan-silber oder durch Behandlung von Chloroform mit Athylamin und alkoholischer Kalilauge ein Cyanäthyl gewinnen, in welchem der Stickstoff fünfwertig auftritt: C = N - CH2 - CH3. Diese Verbindung, zum Unter­schiede von der erstgenannten Isocyanäthyl genannt, wirkt im höchsten Grade giftig, so dafs man nicht fehlgeht mit der Annahme, dafs im Cyan und seinen Derivaten nur die Isoverbindungen, im Cyangas z. B. das Isodicyan C = N — N ee C, Träger der Giftwir­kung sind.
B. Bunge experimentierte zur Ermittelung der Giftwir­kung mit Cyangas, welches aus Cyanquecksilber, CN-Hg-XC, durch Erhitzen hergestellt war.
Bei Fröschen bewirkt das Gas, durch die Atmung auf­genommen, intensive, lokale Keizung. Resorbierbar ist es auch von der Haut aus. Der Einflufs auf das centrale Nerven­system und den Bewegungsapparat bestellt in einer, in 10 bis 60 Minuten (je nach der Menge) sich ausbildenden allge­meinen, centralen Paralyse, welche anfangs die Erregbarkeit der motorischen Nerven und willkürlichen Muskeln nicht affi-ziert, weiterhin aber die Muskelsubstanz unter Ausbildung eines Starre-ähnlichen Zugtandes unerregbar macht.
Die Atembewegungen sistieren, anscheinend willkürlich unterdrückt, und. beginnen erst dann wieder, wenn die An­ästhesie einen hohen Grad erreicht hat. Das hell kirsch-farbene Blut aus dem Herzen der mit Cyan vergifteten Frösche zeigt die Absorptionsstreifen des Ox3-hämoglobm(cf. S.1S4.) Das Herz selbst schlägt zuerst lebhafter unter Abkürzung der Diastole, dann tritt Verlangsamung und schliefslich diastolischer Still­stand ein, welchen die Atmung mitunter überdauert. Ein durch Muskarin zum Stillstand gebrachtes Plerz beginnt wieder zu arbeiten, hört aber bald wieder auf, da die Muskarinwirkung von neuem überwiegt. Atropin stellt jetzt die Thätigkeit für
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einige Zeit her, sehliefslich wird der Herzmuskel gelähmt und unerregbar.
Warmblüter (Katzen, Kaninchen) zeigen bei Einatmung von Cyangas ebenfalls Keizerscheinungen seitens der Schleim­häute*): Thränen, starke Salivation, Niesen. Im Wasser ab­sorbiertes Gas subkutan injiziert, ruft die heftigsten Scbmerz-symptome hervor: an der Injektionsstelle blutig ödematöse In­filtration, die Muskeln graurot, wie gekocht. Kleinste Mengen bedingen narkotische Wirkung (grofse Schläfrigkeit). Grofsere Quantitäten, gleichviel ob eingeatmet oder subkutan appliziert, veranlassen beschleunigtes Atmen, Unfähigkeit, sich auf den Beinen zu halten, Zuckungen der Gliedmafsen im Liegen, welche bald aufhören und einem sohlafähnlichen Zustand weichen. In der Krampfperiode höchst intensive, exspirato-rische Anstrengungen mit exspiratorischen Stillständen, später kurze, in zunehmenden Intervallen folgende, von leichten Zuckungen begleitete Inspirationen. Sistierung der Atmung mit überdauernder Herzthätigkeit. Anfänglich beträchtliche Puls­beschleunigung, später quot;Verminderung der Frequenz und Ulut-druckabnahme. Brechbewegungen, Entleerung von Faces und Urin kommen vor, gehören aber nicht zur Regel. Die anfäng­lich verengte Pupille erweitert sich bei vorgeschrittener Pa­ralyse. Section: Herz dilatiert, mit Blut gefüllt,Lungen wenig blutreich, ebenso die Gefäfse der Baucheingeweide, Darm stark kontrahiert. Blut von dunkler Farbe. Bei Kaninchen Blut­farbstoff in der Galle. Kein Zucker im Harn. — 9 cem Cyan­gas = 0,02 g, von 4 cem Wasser absorbiert, töteten eine mittelgrofse Katze nach subkutaner Injektion in 6 Minuten.
Cyanwasserstoffgas, Blausäure wird als Formonitril N = C-H aufgefafst, da sich dasselbe beim Erhitzen von ameisensaurem Ammonium bildet. Es wird aber von Victor Meyer in einer durch L. Hermann mitgeteilten Aufserung die Meinung vertreten, dafs ihr möglicherweise die Formel der IsoVerbindungen zu-
*) Von der Haut des Menschen aus kommen Resorptions­wirkungen zu stände. Bunge bemerkte nach dem Schütteln eines mit dem Daumen geschlossenen Reagensgläschens, welches Cyan in wässeriger Lösung enthielt, ein Gefühl von Taubsein und Ameisenkriechen, welches sich bis zum Ellbogen hinauf erstreckte, sowie ein Zucken der einzelnen Finger, sechs Stun­den anhaltend.
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kommt, welche nach der heutigen Auffassung ChN-H zu schreiben wäre. In diesem Falle könnte der Über­gang des Cyankalium in Kaliumisocyanat C^„ „
durch Schmelzen unter O-Aufnahme aus der Luft oder beigemengten Metalloxyden einen Fingerzeig geben für die Erklärung der Griftwirkung der Blausäure und ihrer Metallverbindungen im Organismus. Hiernach würde der toxische Effekt auf eine rapide Sauerstoff­entziehung in lebenswichtigen Zellkomplexen hinaus­laufen, wodurch diese und die Gewebe überhaupt für die innere Atmung unfähig werden. Thatsächlich wirkt nach den Untersuchungen von Coppola der Äthyläther
der Isocyansäure C'C
N-CÄ
weit weniger
giftig,
noch
weniger
die
entsprechende Sulfoverbindung
cCs
~ „- Durch Polymerisation geht die Giftig-
JS - Ü2H5.
keit so gut wie ganz verloren.
Die Erscheinungen, -welche Frösche in einer Blausäure­atmosphäre zeigen, sind nicht unwesentlich verschieden von den in Cyangas enthaltender Luft eintretenden. Die Atmung wird anfänglich nicht unterdrückt, sondern geht mit verstärkter Energie vor sich, so dafs der Frosch üeitweise mit aufgesperr­tem Maul atmet. Später hört die Atmung auf und zwar kon­stant lange bevor das Herz zu dem meist systolisch erfo'gen-den Stillstand gelangt. Muskelstarre fehlt noch sechs Stunden nach Aufhören derCirkulation, ebenso die bei Cyangas vorhan­dene primäre Beschleunigung der Herzthätigkeit. Es beginnt mit dem Beginn der Vergiftung Verlangsamung, welche be­ständig zunimmt. Die Blausäure ist für den Frosch (E. tem-poraria) ein weniger energisches Gift als Cyangas.
Bei Warmblütern verhält es sich umgekehrt; hier genügt der fünfte Teil der letalen Cyangasmenge (0,004 g Blausäure), um eine Katze sicher zu töten. Im Wesen der Wirkung stimmen bei Warmblütern
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beide Gifte miteinander überein. Auch die Blausäure erzeugt Dyspnöe und Respirationslähmung mit exspira-torischem Atmungsstillstand. Wichtig in toxikologi­scher Beziehung sind die Untersuchungen von J. G e p -pert. Derselbe vermied akuteste Vergiftungen, indem er kleine Mengen einer 0,1 pCt. Blausäurelösung bei Kaninchen, Katzen und Hunden subkutan ver­wendete. Sorgfältig hat man sich vor Injektion in den Muskel zu hüten, da alsdann die Symptome in derselben raschen Folge ablaufen, als ob die Injektion intravenös geschehen wäre. Unter Beachtung dieser Verhältnisse gelingt es, den Ablauf der Intoxikation auf Stunden hinaus auszudehnen. Gleichzeitig unter­lagen die Respirationsgase genauer Bestimmung. Er unterscheidet 1) ein dyspnöisches Stadium nach 0,1 bis 0,2 Ccm p. KK. Vermehrung der Atmungsgröfse bis auf das Dreifache, Defäkation, bei Katzen und Hunden Erbrechen. Bewegungen unsicher, Speichel strömt aus dem Maul, Rauschzustand, Temperatur fällt etwas. 2) Krampfstadium, 0,3 Ccm. Zuckungen, Zittern, all­gemeine Krampfanfälle, höchste Atemnot, in den Krampfpausen Lähmung, weiteres mäfsiges Absinken der Temperatur. 3) Lähmungsstadium, 0,4—0,5 Ccm. Kurzer Krampf und Atemstillstand. Körpermuskulatur gelähmt. Reflexerregbarkeit erloschen. Starke Er­niedrigung der Eigentemperatur. Es erfolgt Tod oder bei weniger schweren Vergiftungen 4) das Erholungs­stadium. Atemgröfse ansteigend. Krämpfe, Atemzahl über die Norm. Temperatur sinkt noch, steigt dann, Atem normal, Lähmung etc. geschwunden.
Höchst beachtenswert ist das Steigen des Sauer­stoffverbrauchs im Beginn der Vergiftung. Vom zweiten Stadium ab nimmt der Sauerstoffkonsum resp.
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die Summe der Verbrennungen ab und fällt bedeutend unter die Norm; bei der Erholung überschreitet die O-Aufnahme eine Zeitlang die Norm. Da die Gewebe unter dem Einflufs des Giftes den Sauerstoff, der ihnen geboten wird, nicht mehr aufnehmen, ist es erklärlich, dafs das Venenblut hell erscheint. Eine Bildung von Cyanhämoglobin, welches von Hoppe-Seyler künst­lich dargestellt wurde und durch ähnliche Farbe sich auszeichnet wie CO-Hb, findet nach Hi 11 er und Weber selbstnicht bei den schwersten Vergiftungen statt. Bei innerlicher Anwendung sind die letalen Dosen wenig gröfser, als bei subkutaner Anwendung. Von wasserfreier Blausäure (Siedep. 27 0) genügt 1 Tropfen (0,02 g), auf die Zunge gebracht, um einen Hund, und 12—20 Tropfen (0,25—0,4 g), um ein Pferd fast augen­blicklich zu töten (Magendie). Steigende Dosen per os erzeugen bei den gröfseren Haustieren genau die Reihenfolge der Symptome wie bei kleineren. Von sogen. 111 n e r scher (1,5 pCt.) Blausäure, welche H e rt -w i g verwendete, verursachten 1,6 g (= 0,024 g wasser­freie), mit ca. 100 g Wasser verdünnt einem Pferde eingegeben, stöhnendes, mit Anstrengung der Bauch­muskeln ausgeführtes Atmen, 52 volle, dann kleine Pulsschläge, Zittern der Glieder, Unsicherheit im Stehen. Dauer der Wirkung 15 Minuten. Nach 4,0 g (= 0,06) sofort 25 röchelnde Atemzüge, 60 Pulse, Sträuben der Haare, Rotfärbung der Schleimhäute, Erweiterung der Pupille, Taumeln. Dauer 20 Mi­nuten. Nach 8,0 g (= 0,12) stürzten die Pferde in 1—2 Minuten zusammen. Augenkrämpfe, Zuckungen. Erheben 6 —10 Minuten später, Dauer der Gesamt­wirkung 1 Stunde. Infolge einer Dosis von 15,0 g (= 0,23) stürzte das Pferd taumelnd nach 1 Minute
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nieder, bekam Krämpfe in allen Muskeln (Augen „verdrehtquot;, Maul aufgesperrt, Hals nach rückwärts gekrümmt, Bauchmuskeln stark gegen den Rücken gezogen, Beine konvulsivisch bewegt), nach 15 Minuten Lähmung (Beine und Zunge schlaff, auf Nadelstiche keine Reaktion), Pulse 120, 1 — 2 Atemzüge p. M. Mit 25 Minuten Tod. Herz überlebt 3 — 6 Minuten. Aus den angeschnittenen Arterien spritzte das Blut noch 8—12 Minuten nach dem Aufhören des Atmens. Dasselbe gerann schnell und gleichmäfsig. Nerven und Muskeln blieben 15—20 Minuten elektrisch erreg­bar. Starre in kurzer Zeit.
Noch eine Beobachtung Her twigs ist zu er­wähnen. Er sah bei tödlichen Dosen auf die ursprüng­liche Rötung der Schleimhäute ein starkes Abblassen derselben eintreten. Diese Erscheinung ist auf eine Geßifskontraktion zurückzuführen, welche sich auch auf jene des Magens und Darms erstreckt und zwar in so hohem Grade, dafs injizierter Farbstoff das Lumen nicht passiert. Erst nach vorgängiger Splanch-nikusdurchschneidung gelingt während der Vergiftung eine Färbung des Intestinaltraktus. Nach Fi 1 e h n e bedingt dieser Spasmus die Blutdrucksteigerung auf der Höhe der Vergiftung.
Für Schafe sind 3,5—4,0 g einer 1,5 pCt. Blau­säure (0,05 — 0,06 wasserfrei) die tödliche Dosis. Ein halbjähriges Schwein starb nach 2,0 g (= 0,03).
Renner beobachtete Vergiftung einer Schafherde durch Abwasser einer Fabrik, welche das in Färbereien verbrauchte Seifenwasser behufs Wiedergewinnung des darin enthaltenen Öles verarbeitet. Besonders das mittags abgelassene Wasser enthielt Blausäure (0,012 pCt. wasserfreie). 9 Tiere, welche um die genannte
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Zeit aus dem Graben getrunken hatten, stürzten zu Boden und drohten unter heftigen Konrulsionen zu ersticken. Eins starb in wenigen Minuten, die übrigen wurden durch den Schäfer geschlachtet. Obduktion am andern Tage: Totenstarre. Blut dunkel. Epithel des Pansens grölstenteils dem Mageninhalt anklebend, Muscularis schmutzig gelblich, im übrigen Blutüber­füllung der Lunge, der Leber, des Herzens, letzteres äufserst schlaff. Weiterhin fielen in 2—4 Tagen noch 43 Schafe und 21 Lämmer. Die erkrankenden Tiere zeigten vorwaltend pneumonische Erscheinungen (be­schleunigtes stöhnendes Atmen, matter Husten, Schmerz beim Druck auf die Brustwand), Herzschlag pochend, Extremitäten kalt. Da, wo eine Besserung nicht er­folgte, trat der Tod in 5—7 Tagen ein. Die wieder genesenden erschienen sehr abgemagert. Das Vliefs äufserst defekt, da die Wolle in grofsen Strähnen ausfiel.
Mit Rücksicht auf das 2,4 fach höhere Molekular­gewicht des Cyankalium sind dementsprechend die tödlichen, für Blausäure ermittelten Dosen um den an­gegebenen Betrag zu erhöhen. Demnach Dosis letalis bei Benutzung des Kalisalzes für das Pferd 6,0—10,0 g, die Ziege 14,0 g, das Schaf 7,0 g, das Schwein 4,0 g, den .Hund 0,5 g. Bei beabsichtigter Tötung zur Be­seitigung der Tiere sind ev. diese Gaben zu über­schreiten, da das Cyankalium nicht immer dem maxi­malen Blausäuregehalt entspricht.
Zum Nachweis der Blausäure genügt in vielen Fällen die Prüfung durch Vermittelung des Geruch­sinnes; andernfalls setzt man zu dem nach Ansäuren mit verdünnter Schwefelsäure gewonnenen Destillat Natronlauge, fügt Ferro- und Ferrisalzlösung hinzu.
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erwärmt und säuert an. Die Gegenwart von Blau­säure giebt sich kund durch Blaufärbung oder Bildung eines blauen Niederschlages (Berlinerblau). Zusatz einiger Tropfen stark verdünnter Kupfervitriollösung und Gruajaktinktur giebt gleichfalls Blaufärbung.
Wegen des stürmischen Verlaufs der Vergiftung wird in den wenigsten Fällen eine Behandlung mög­lich sein. Über ev. therapeutische Mafsnahmen cf. Amygdalin und den Nachtrag.
3. Bewnfstlosigkeit (Erbrechen resp. Durelifall).
Glykoside der Cyangruppe.
In einer Reihe von Pflanzen, welche hauptsächlich der Familie der Amygdaleae (L. XII, 1) angehören, findet sich ein Glykosid, welches bei seiner Zersetzung Blausäure in freiem Zustand abspaltet.
Amygdalin, GaoH^NOü, seiner Zusammen­setzung nach das Nitril der Amygdalinsäure. Konsti­tution des Amygdalin:
C6H70(OH)4 • O • C6H70(OH)3 • 0 • CH^5
Dasselbe kristallisiert mit 2 resp. 3 Mol. H20, schmeckt schwach bitter, reagiert neutral, dreht links. Es löst sich leicht in kochendem, zu 12 Teilen in kaltem Wasser; in Alkohol ist es schwer, in Äther unlöslich. Beim Erhitzen über 120 0 schmilzt dasselbe zu einer wasserhellen Flüssigkeit. Konzentrierte Schwefelsäure löst es mit hellviolettroter Farbe. Von den mannig­fachen Umsetzungen interessiert uns diejenige, welche es in Berührung mit Diastase-äbnlichen Fermenten, am leichtesten mit Emulsin *), bei 25—350 erleidet, wobei Blausäure, Ben-
*) Weifse, bröckliche, durch Säuren nicht fällbare, beim Trocknen rötlich und gummiartig werdende Masse, die sich in wässeriger Lösung unter Entwickelung von Gas und Bildung von Milchsäure zersetzt. Ganz ähnliche spaltende Wirkung,
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zaldohyd (Bittermandelöl) und Dextrose entstehen, nach der Gleichung: C^H^,NOu 2H20 = CNH -f- C7H60 2C6H,206.
Bittere Mandeln (von Amygdalus communis, Var. amara) enthalten an Amygdalin 2,2—3,3 i)Ct., Fruchtkerne des Pfirsich (Amygdalns Persica) 3 pCt., Blätter davon weniger; Kerne der Traubenkirsche, Primus padus 1,5 pCt., Blätter, Blüten, Binde derselben, abgesehen von Laurocerasin, 0,7—1 pCt. Die Korne der Süfskirsche (Prunus avium) 0,8 pCt., jene der Pflaumen (P. domestiea) und junge Triebe derselben bis 1 pCt. In allen ist Emulsin vertreten. Aufserdem wurden blausäurohaltige Destillate gewonnen aus Kernen der Aprikosen (Prunus ar-meniaca), Blüten und Kernen der Schlehen (Prunus spinosa), aus Blättern der Sauerkirsche (Prunus cerasus), der Einde der jungen Triebe, Blättern und Knospen von Ebereschen (Sorbus aücuparia, S. hybrida, S. torminalis). Kernen der Apfel (Pyrus mains), jungen Trieben des Weifsdorns (Crataegus oxyacantha), aus Blättern und jungen Trieben der strauchartigen Spiräen (Spiraea aruncus, sorbifolia etc., L. XII, 5). In einer Reihe exotischer Pflanzen ermittelte Greshoff Amygdalin teils mit, teils ohne gleichzeitige Anwesenheit von Emulsin, anderseits aber auch freie Blausäure; den Gehalt eines ein­zigen Exemplars von Pangium edule an Blausäure schätzt der­selbe auf 350 g wasserfreie Säure.
Nach den Versuchen von H. Grisson u. a. üben weder gewöhnliches Pflanzeneiweifs, noch die Ver­dauungssekrete (Kälberlab, Speichel, Bauchspeichel), noch das Blut oder tierische Organe eine spaltende Wir­kung auf das Amygdalin aus. Nach intravenöser In­jektion erscheint es unverändert im Harn. Durch Fäulnisorganismen wird es gespalten, weshalb es ver­ständlich wird, warum Amygdalin als solches bei Pflanzenfressern tödlich wirkt, bei Fleischfressern nicht. Im Pflanzenfresserdarm scheint ein Teil des Amygdalin in ähnlicher Weise zerlegt zu werden, wie unter Ein-flufs verdünnter Mineralsäuren, welche Benzaldehyd,
wie das in den Mandeln zu ca. 1,2 pCt. enthaltene Emulsin, kommt dem Koggen-, Weizen-, Erbsen- und Linsenmehl zu auf Grund der in ihnen sich vorfindenden Fermente.
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Ameisensäure und Zucker bilden. Ersterer setzt sich im Organismus in Hippursäure um, der Zucker wird zu CO2 und H20 oxydiert und die Ameisensäure erscheint, wie Bänke bei Kaninchen nachwies, im Harn.
Laurocerasin, C40H67NO30, amorphes Amyg-dalin, kommt in den Blättern von Prunus laurocerasus, Kirschlorbeer (1,38 pCt.) und der Rinde von P. padus, Traubenkirsche (0,7 pCt.) neben Emulsin vor.
Auf Grund seiner Spaltbarkeit mit Baryt kann man es zusammengesetzt betrachten aus Amygdalin, CaoHavNOn, Amyg-dalinsäure, C2oH2SOi3 und 6H20. In Berührung mit Mandel­milch oder reinem Emulsin giebt Laurocerasin dieselben Pro­dukte wie Amygdalin.
Die Symptome der Amygdalinvergiftung decken sich mit denen der Blausäureintoxikation, nur mit dem Unterschied, dafs der letale Ausgang meist bedeutend später eintritt. Das spaltende Ferment spielt hierbei eine einflufsreiche Rolle. Hunde sterben ge­wöhnlich in kürzester Frist bei gleichzeitiger Einfüh­rung von Grlykosid und Ferment in den nüchternen Magen (M a r t i n o w); der Tod stellt sich rasch ein, wenn zuerst Emulsin, nach ca. 1 Stunde Amygdalin intravenös injiziert werden. Bringt man Emulsin in das Blut und Amygdalin in den Darm, so erfolgt ebenfalls, obwohl langsamer, Vergiftung, dagegen nicht, wenn Amygdalin dem Blut und Emulsin dem Darm einverleibt wird.
Bitte reMandeln habensichbesonders für das Ge­flügel verderblich erwiesen. Von 5 aufgestallten Gänsen, welchen verdorbene bittere Mandeln unter das Futter gegeben wurde, starben 2 über Nacht, eine dritte am andern Morgen; die erkrankten überlebenden wurden geschlachtet (Schwarz). Papageien können durch Mandeltorte vergiftet werden. Kleine Katzen sterben
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nach 4,0 g, kleine Hunde nach 20 Stück (zerschnitten verabreicht) in 6 Stunden (Orfila). Hartwig gab einem starken Hunde 10 Stück bittere Mandeln in Pillen. Nach 2 Minuten wurde das Atmen beschwerlich, schnell, das Tier lief ärgstlich herum, zitterte, taumelte, fiel nach 5 Minuten nieder, bekam Erbrechen, wobei sämtliche Pillen wieder entleert wurden; der Hund erholte sich aber nach 10 Minuten wieder so weit, dafs er aufzustehen vermochte und nach einer halben Stunde ganz wohl war. Schweine zeigen nach 20—25 g Zittern, Unruhe und Lähmungssymptome, Schafe nach 100 g Laxieren, Pferde nach 125 g heftiges Flankenschlagen, Stöhnen und wiederholte Defäkation.
Reichlicher Genufs von P f i r s i c h b 1 ä 11 e r n führte bei 3 Ziegen nach 1/2 Stunde zu Intoxikationserschei­nungen mit tödlichem Ausgang. Im Wanst fanden sich die Blätter und dunkelrote Flecke; Blut schwarz, dick nicht geronnen (Imthurn). Ähnlicher Ausgang und Befund bei zwei italienischen Kühen, welche von einer Fuhre im Park die abgefallenen Blätter des Trau­benkirschbaums gefressen hatten. Die eine starb bald, bei der anderen fand Voll Auftreibung, Bewufst-losigkeit, glotzendes Auge, erweiterte Pupille, kalte Extremitäten. Nach einem Aderlafs Genesung.
Zwei Schweine erkrankten nach Aufnahme grö-fserer Quantitäten frischer Kirschkörner. Nach einem Brechmittel Genesung (Frey).
P e r d a n konstatierte bei 4 plötzlich verendeten Schweinen im Magen Zwetschenkern Überreste. Der Mageninhalt roch nach Blausäure. Blut kirschrot, wenig gerinnungsfähig. Magenschleimhaut stark gerötet und geschwollen.
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#9632; Von 25 Schafen starben 5 nach Genufs von Kirsch-1 o r b e e r blättern (v a n D a m). 120,0 g Kirschlorbeer­wasser töten einen Hund in 24 Minuten, von der Sub-cutis aus 45,0 g in 1 Stunde. Ferkel starben nach 1 Efslöffel, Pferde nach 3 Schoppen in wenigen Minuten'. Behandlung: Nach Aufnahme von Blättern etc. möglichst rasche Entleerung des Magens durch Brechmittel; Aderlafs, Atropin in kleinen Dosen zur Erregung des Atmungscentrums. Bei protrahierten Blau­säurevergiftungen ist ein günstiger Erfolg zu erwarten, in akuten Fällen nicht. Versuchen von Prey er zu­folge töten einfach letale Dosen der Blausäure nach vorheriger Atropininjektion nicht.
Ijimun.
Rasch tödlich verlaufende Fälle nach Aufnahme von Wasser aus Flachsrösten siehe Abschnitt VII 2.
4. Verstopfung, ascendierende Paralyse, Somnolcnz.
Melilotus, Anthoxanthum, Asarum, Aristo-
1 o c h i a.
Melilotus.
Blätter und blühende Zweige von Melilotus offici-
nalis, vulgaris und M. altissimus (L. XVII, 3, Papilo-
naceae) enthält neben Melilotsäure (Hydrocumarsäure)
C9H10O8 oder Claquo;H4^ _ ^ _ ^^ ^ zum Te;1
an diese gebunden Cumarin, C9H602 (Cumarsäure-
O __ QQ
anhydrid) C6H/nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i •
4vCH = CH
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; H
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Letzteres riecht sehr angenehm, erregt auf der Zunge bitteren, stechenden Geschmack und Wärmgefühl. Wässerige Alkalien lösen dasselbe mit rotgelber Farbe, Säuren scheiden dasselbe wieder ab. Durch Kochen mit Ätzalkalien geht es in Orthocumarsäure, CsHjOa (Oxyzimtsäure, Oxyphenylacryl-
^re Claquo;Hlt;c2=CH-COOH S) flber' eine SubstanZ' WelChe auch präformiert in Steinklee, vorkommt. Von melilotsaurem Cumarin enthält trockener Steinklee ca. 0,04 pCt. Von sonstigen Bestandteilen sind anzuführen ein ätherisches 01, genannt
OTT Melilotol CsHaOa, (Oxyzimtaldehyd) C6H4lt;ch=ch_CqHj
das bei Hehandlung mit Alkali durch Oxidation in Melilot-säure übergeht, — endlieh eine harzartige Substanz.
Die bei Haustieren nach Aufnahme gröfserer Mengen Steinklee oder dessen Samen eingetretenen Vergiftungen sind auf das Cumarin zu beziehen, wo­von 0,7 g einen mittelgrofsen Hund töten (Weis­mann). Wässerige Cumarinlösung (1:500) tötet Ka­ninchen von 1,5 kg zu 26 Ccm bei Infusion und zu 39—40 Com bei interner Applikation (Köhler). Die Hauptsymptome bestehen in Lähmung des Grofshirns und der Reflexbewegungen; der Tod erfolgt im sopo-rösen Zustande ohne voraufgehende Konvulsionen durch diastolischen Herzstillstand (Lähmung der intrakar­dialen Centren und des Myocardiums).
Das vasomotorische und Atemcentrum wird eben­falls lähmend beeinflufst, die Peristaltik aufgehoben und die Temperatur sinkt.
Carrey sah 3 Pferde innerhalb 10—12 Tagen zu Grunde gehen, nachdem sie täglich 2 — 31 Samen des Steinklees zum übrigen Futter erhalten hatten. Symptome: Lähmung der Eumpfmuskulatur mit Er­haltung der Motilität am Kopf.
Obduktion: Stauungsödem, hochgradige Lungen­hyperämie. Collas konstatierte 10 Todesfälle bei
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Lämmern, die im Heu viel Schoten von M. officinalis erhalten hatten. Nach Futterwechsel kamen Todesfälle nicht mehr vor. Eine Kuh, welche die Samen gekocht aufnahm, erkrankte an Verdauungsstörung und Auf­blähung.
Der Nachweis ist durch P^utteruntersuchung zu erbringen. Cumaringeruch der Contenta.
Behandlung: Verdünnte Mineralsäuren, Laxan-tien, Kanipher.
Anthoxanthum.
Eine zweite eumarinhaltigo Pflanze, Anthoxanthum odo-ratum, das Ruchgras (L. II, 2, Gramhicae), kann, wenn die­selbe in frischem Heu reichlich vertreten ist, zu Intoxikations-erscheinungeu Veranlassung geben.
Haselbach hat wiederholt nach Verfutterung von frisch geerntetem Heu Koliksymptome, Ikterus, erhöhte Pulsfrequenz und Benommenheit des Sensoriums gefunden. Ähnliche Wahr­nehmungen hatte Mierswa zu machen Gelegenheit. Auf einem Schiefsplatz bestand das Gras fast ausschliefslich aus Anthoxanthum odoratum. Dasselbe wurde in gemähtem, luft­trockenem Zustand an die Pferde verfüttert. Nach einiger Zeit zeigten sich bei einzelnen Individuen leichte Kolik­erscheinungen, bei vielen rauhes Haar und, was besonders auffiel, grofse Eingenommenheit und schwankender Gang. Die Symp­tome verloren sich, als die Fütterung des betr. Heues einge­stellt wurde. — Haselbach ist der Ansicht, dafs derartiges Heu weniger schädlich wirkt, wenn es nach Ablauf von 4 bis 6 Wochen, nachdem dasselbe „durchgeschwitztquot; ist, ver­füttert wird.
Neben 0,5 pCt. Glycerinklystieren verwendet Hasel­bach therapeutisch Salicylsäure innerlich. Das Wesentliche für die Behandlung beruht in dem Wechsel des Futters resp. zweckentsprechender Mischung mit anderem Heu.
Asarum.
Aus der Ordnung der Aristolochieae ist die Familie der Asarineae ausgezeichnet durch einen geringen Gehalt an Ter-penen (Asaren, C10H1(j) und anderen der aromatischen Reihe angehörigen Körpern, von dem der in Asarum europaeum (L. XI, Ij enthaltene sogen. Haselwurzkampher, das Asarin
11*
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oder Asaron, C^HjgOs, in Bezug auf seine Konstitution bekannt ist. Dasselbe stellt eine gemch- und geschmacklose, in perl­glänzenden Blättchen durch Destillation mit Wasser aus dem 01 zu gewinnende, kampherähnliche Substanz dar, welche nach W. Will als der Trimethyläther eines substituierten Oxyhydro-chinons aufzufassen ist:
CH=CH—CH3
A
(CH^O-C C—H
H—C C-0(CHs)
c
0(CH3) Das Asarin wirkt ekel- und brechenerregend und als energisch gefäfsverengendes, mydriatisches Mittel, welches bei Fröschen zu 0,03 g die quergestreiften Muskeln lähmt.
Aristolochia.
Das Öl aus Aristolochia clematitis (L. XX, 3, Aristolochieae, Farn. Asarineae), Osterluzei, ist goldgelb, dickflüssig, von 0,9 sp. Gw. und saurer Reaktion.
Aus den Symptomen eines von Jeanin mitgeteilten Ver­giftungsfalls bei fünf Pferden, hervorgerufen durch Verfütterung von Luzemheu, welches zu ca. 1h aus Osterluzei bestand, läfst sich schliefsen, dafs in der genannten Pflanze ein dem Asarin ähnlicher Körper enthalten ist. Die Intoxikation äufserte sich durch Appetitverlust, allgemeine Abstumpfung, schwankenden, unsicheren Gang, Nachschleppen des Hinterteils, leichte Kon­vulsionen verschiedener Muskelgruppen und Schlafsucht. Pu­pille erweitert, Sehvermögen gestört. Dabei bestand Ver­stopfung, häufige Entleerung klaren Urins, nach acht Tagen Entleerung von blutig gefärbten Kotballen. Besserung trat erst vom zwanzigsten Tage ab ein. Bei einem Patienten gingen die Haare fast gänzlich aus.
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5. Erbrechen, Verstopfung, initiale Excitation mit Krampf, Narkose.
Lactuca, Opium.
Lactuca.
Der eingedickte Milchsaft von Lactuca virosa, Giftlattich (L.XIX, 1, Compositae), in Frankreich von L. altissimagewonnen, wurde früher hauptsächlich in der Menschenheilkunde als Seda-tivum unter der Bezeichnung Lactucarium, als Ersatzmittel für Opium, verwendet. Das frische Kraut und der Samen gerieben, geben einen an Opium erinnernden Geruch von sich. Aus dem heifsen wässerigen Auszuge des Lactucariums sind isoliert worden:
Lactucin, C22Hu08 (Kromeyer), perlglänzende, aus verdicktem Alkohol in rhombischen Tafeln krystallisierende Schuppen. Schmeckt stark bitter und reagiert neutral, ist in Äther unlöslich. Konzentrierte Schwefelsäure färbt kirschrot. In alkalischer Lösung entsteht an der Luft weinrote Färbung. Kupfer- und Silbersalze werden reduziert, durch Hydrolyse aber keine Zackerverbindungen abgespalten. Zu 0,1—0,3 g be­wirkt es beim Menschen mehrstündigen Schlaf.
Lactupikrin, C_.4H3o02i, braune, amorphe, sehr bittere, schwach sauer reagierende, in Wasser und Weingeist lösliche Substanz.
Das mit Wasser erschöpfte Lactucarium liefert mit kochen­dem Alkohol extrahiert folgende Cholesterinabkömmlinge:
Lactucerin (Lattichfett). Dasselbe enthält aufser dem Diace-tylester, CsgHggOg (CgHjtO^g, vorwiegend den Monacetylester, eines als Lactucerol, CggHgoOg, bezeichneten Alkohols(O.Hesse).
Lactucon, C18H2eO (Flüc kiger), ebenfalls im alkoholi­schen Extrakt vertreten, ist wahrscheinlich ein Abkömmling des Lactucerol.
Gallactucon, C14H24O, warzige Krystallo aus dem fran­zösischen Lactucarium, welche mit Phosphorpentasulfid einen Kohlenwasserstoff, C14Horaquo;, liefern (Franchimont und Wig-mann).
Orfila injizierte einem mittelgrofsen Hunde 1,8g
in Wasser gelöstes Lactucarium in den Magen. Das
Tier erbrach nach 2 Minuten. 7 Minuten nach der
Injektion trat Taumeln ein. Die hinteren Extremitäten
versagten den Dienst und der Hund fiel zur Seite. Mäfsige
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Dyspnoe. Auf äufsere Anregung hin raffte er sich auf, fiel aber bald in einer Krampfattaque wieder um (Opisthotonus, kloniseke Krämpfe der Extremitäten). Unter Stöhnen und Würganstrengungen erfolgte der Tod ca. 15 Minuten nach Einführung des Giftes. Ob­duktion negativ.
Opium.
In dem getrockneten Milclisaft der unreifen Kapseln von Papaver soinniferum (L. XIII, 1, Papaveraceae) kommen vor
1)nbsp; indifferente, resp. nicht giftige Substanzen: Eiweifs, kaut-seliukälinliche Körper, Wachs (Cerotin- und Palmitinsäure-ester des Ccrotyl), Fett, Poetin, Zucker, Meconin
((O.CH3)2 C10H10O4 oder C6H2 CO 0
(ein Mcthylvanillinderivat) zu 0,01 pCt., Meconsäure, C7H407, d. h. Oxychelidonsäure
0
II
H.C C-OH COOH-C C-COOH
V
zu 4 pCt., Milch- und andere PHanzensäuren, Mineralbestand-tcile zu 8—5 pCt., vorwiegend Calcium- und Magnesiumsulfat.
2)nbsp; Alkaloide und zwar hauptsächlich Morphin (3—23 pCt., durchschnittlich 10—14 pCt.), Narko tin (2—10 pCt., durch­schnittlich 4—8 pCt), PapaverinO,ö—l,0pCt., Codein0,2bis 0,8 pCt., Thebain 0,2—0,5pCt, Narcein 0,1—0,4pCt., aufscr-dem noch ca. 20 andere, besonders benannte Alkaloide, die vielfach, wie Morphin und Codein, z. B. in einfachen chemi­schen Beziehungen zu einander stehen. Von diesen wären noch hervorzuheben: P s e u d o m o r p h i n (Oxymorphin) 0,02 pCt., L a n -thopin und Laudanin zu je 0,006 pCt., Cryptopin und Codamin zu je 0,003 pCt. (Hesse).
Die Droge selbst, das Opium, bildet im frischen Zustand eine hellbraune, weiche, knetbare, getrocknet eine dunkelrotbraune, spröde, auf dem Bruch glän­zende Masse von eigentümlichem Geruch und intensiv
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bitterem Geschmack. In Wasser und Alkohol löst sich dasselbe teilweise mit saurer Reaktion.
Bei Pferden treten nach Ingestion einer Lösung von 30,0 g in 500 Com heifsem Wasser im Verlauf Vz Stunde Erregungssymptome ein, welche ca. IVa Stunde andauern 5 an diese schliefst sich verminderte Empfind­lichkeit, starke Erweiterung der Pupille, tiefes Herab­hängen des Kopfes, Appetitverlust, schwankendet, stol­pernder Gang, Drängen nach Vorwärts, Verlangsamung des Pulses an. Kotabsatz vermindert. Die Wirkungen dauern ca. 12 Stunden. Intravenöse Injektion von 2—8 g Opium in wässeriger Lösung (1 : 15 a q.) ver­ursacht nach vorübergehender Aufregung (10 Minuten) Verminderung der Puls- und Atemzahl, Mydriasis, schwankenden Gang, Niederstürzen, worauf sich eine 1—2 Stunden anhaltende Emplindungs- und Bewufst-losigkeit einstellt. Bei anderen Individuen macht sich diese Wirkung nicht in so hohem Grade bemerklich; sie zeigen im Gegenteil starke Erregung, verlieren das Sehvermögen, laufen gegen Wände und benehmen sich ähnlich, wie bei Dummkoller. 75,0 g Opium per os töteten ein Pferd nach 20 Stunden unter Konvul­sionen, nachdem ganz dieselben Zufälle vorangegangen waren.
Rinder und Schafe bieten nach 30,0 g so gut wie keine Veränderungen, nur verringerte Konsistenz der Fäces, Verminderung der Milchsekretion und gröfsere Wärme der Haut machen sich bemerklich (H e r t w i g). Gilbert glaubt den bei einem Schafe nach 15,0 g (in Latwerge) 17 Tagen später eingetretenen Ted auf Opium­vergiftung zurückführen zu sollen, obwohl bis dahin nichts weiter als etwas Appetitverlust vorhanden gewesen war. Die Milch von Ziegen übte trotz dreiwöchentlicher Fütte-
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rung mit Opium und Morphium auf Kaninchen keine Wirkung aus.
Schweine werden nach 4 — 8 g zuerst munterer, dann träge, schläfrig; Haut heifs, Kot trockener.
Hunde erbrechen das Opium entweder sofort oder nach 1—5 Stunden. Eine zweite, nach dem Erbrechen verabfolgte Dosis wird gewöhnlich ertragen. 1,25 bis 4,0 g ruft bei manchen Repräsentanten dieser Gattung sehr geringe, bei anderen aber ziemlich starke Folge­erscheinungen hervor, welche denen ähneln, welche Char vet nach 0,3 g Opiumextrakt eintreten sah. Dieselben äufserten sich in Mattigkeit, Zittern, schwan­kendem Gang, langsamer Respiration, Steifheit der Gliedmafsen und Betäubung, aus welcher der Hund durch das mindeste Geräusch erweckt werden kann, ein Zustand, welcher bis zu 10 Stunden anhielt. Mit­unter verlor sich nach Opiumingestion das Gefühl auf 2—4 Stunden gänzlich. Die Pupille wurde erweitert, der Gang taumelnd und die Hinterfüfse fast immer mehr oder weniger gelähmt, so dafs die Tiere auf dem Bauche lagen. 8 — 12,0 g erregten ähnliche Zu­fälle, in hohem Grade Konvulsionen, auch wirkliche Betäubung, Lähmung des Hinterteils und Tod. Die Zeit bis zum Beginn der Vergiftungssymptome war nach Infusion gelösten Opiums sehr kurz (5 Minuten), sonst betrug dieselbe 2—3 Stunden; die Dauer schwankte zwischen 3—15 Stunden. Für intravenöse Applikation beträgt die letale Dosis für Hunde 0,5—0,6 g. Exitus erfolgt mitunter erst nach 24 Stunden. Die Obduktion ergiebt Blutüberfullung der Meningen und der Substanz der nervösen Centralorgane; Lungen blafsrot, knisternd, fleckig gerötet, Herz mit schwarzem Blute erfüllt, In-testinalschleimhaut blafs, Harnblase gefüllt (Hertwig).
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Morphin.
Allen Opiumalkaloiden voran ist zu betrachten das Morphin, C17H19N03, welches in jeder Beziehung die übrigen Alkaloide an Bedeutung übertrifft und der Droge ihren toxikologischen Charakter aufprägt.
Über die Konstitution dieses Alkaloids haben hauptsäch­lich die Untersuchungen von L. Knorr Aufschlufs gebracht. Es kann dasselbe aufgefafst werden als Kombination eines teilweise reduzierten Dioxyphenanthren mit Monomethyloxilthyl-amin. Die Konstitution liifst sich durch nachstehende Formel ausdrücken, in welcher nur die Stellung der eingeklammerten Hydroxyle unsicher ist.
H
C
/ ^ H-C C-H
I! |
(OH)H
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H-C C
C i
ü
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c c
c
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H-C C
c
C=H
#9632;;•. /
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C
C i li H
N
(OH)
H2
GH;,
Das Morphin krystallisiert mit 1 Molekül H,0 und bildet rhombische Prismen, welche sich in 1000 Tin. kaltem, in 500 Tin. kochendem Wasser, in 100 Tin. kaltem, in 13 Tin. kochendem Weingeist, im Äther nur spurweise lösen. Es ist aufser Lan-thopin das einzige Alkaloid, welches mit einem Überschufs von Alkalien und alkalischen Erden leicht in Lösung geht (schwer mit NHg). Die alkalische Lösung schmeckt bitter, dreht links, Schmelzp. 120 0.
Mit Säuren liefert es krystallisierende, in Wasser ziem­lich leicht lösliche Salze. Konzentrierte Schwefelsäure löst farblos und giebt beim Erhitzen rote, dann violette und schliefs-lich grüne Färbung. Eisenchlorid läfst in konz. Schwefelsäure sofort dunkelblaue Farbe entstehen (Morphinblau). Lösungen in konz. Schwefelsäure werden durch einen Tropfen Salpeter­säure blutrot gefärbt. Beim Erhitzen mit Kalilauge entweicht Methylamin.
Die Wirkung des Morphin ist auf die im Molekül ent­haltene Phenmorpholingruppe
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0
N H
ztuückzuführen, welche von Knorr synthetisch dargestellt wurde; ihr physiologischer Effekt gleicht dem des Morphin.
Nach Injektion einer nicht letalen Dose des Mor­phins in die Vene eines Hundes dokumentiert sich be­reits nach 1 Minute die beginnende Wirkung: Das Tier leckt viel, erbricht zuweilen, heult, wirft sich umher, entleert unter lebhaftem Kollern im Unterleib Fäces und verfallt in tiefen Schlaf, welcher durch primäre Hirnaffektion bedingt ist und aus welchem das Tier je nach der Dosis allmählich immer schwerer, endlich gar nicht mehr durch Keize erweckbar ist (aus­
g
6
ebildete Narkose). Geht das Tier nach relativ grofsen
Dosen nicht durch Respirationslähmung zu Grunde, so prägt sich das Erregungsstadium, welches durch Zunahme der bis zu tetanischen Anfällen erhöhten Eeflexerregbarkeit charakterisiert ist, scharf aus. v. S c h r ö d e r sah häufig bei Vergiftungen von Hunden durch tödliche Gaben Morphin im tetanischen Stadium blutige Durchfälle auftreten (cf. wilder Mohn). Hunde und Katzen scheinen gleich empfindlich zu sein und sterben dieselben nach subkutaner Injektion von 0,17 g Morphinchlorhydrat pr. KK. (K.Alt). Bei Kaninchen sind bei gleicher Applikationsart 0,3 g notwendig, bei Tauben wirken erst Dosen von 0,8—1,0 g letal (F a 1 c k). Schweine sterben nach 3—5 g, Pferde nach 10—20 g.
Die toxische Wirkung auf die Einzelorgane läfst sich mit wenigen Worten wie folgt kennzeichnen: In­konstante, vorübergehende, kurz dauernde Erregung des Hirns itnd Rückenmarks (bei reizbaren Pferden
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mitunter ganz ausgesprochen vorhanden nach Dosen über 1,0 g: koordinierte Lauf- oder Manegebewegungen, Tobsuchtanfälle, Schweifsausbruch etc.), sodann Hirn­lähmung, beginnend mit dem Grofshirn und endend an der Medulla oblongata, mit persistierender, oft bis zum Tetanus gesteigerter Eeflexerregbarkeit des Rücken­marks und konsekutiver Lähmung.
Nach Beschleunigung der Herzthätigkeit (Reizung des excitomotorischen Centrums), Verlangsamung (Er­regung des Vaguscentruras), später Lähmung der mus-kulomotorischen Ganglienzellen und des Herzmuskels selbst. Blutdruck anfangs erhöht (Gefälscentrum ge­reizt, Gefäfse verengt), später erniedrigt.
Respirationsfrequenz durch Herabsetzung der Er­regbarkeit des Atmungscentrums vermindert, Cheyne-Stokesches Atmen, schliefslich Lähmung des Ee-spirationscentrmns. Bei kleinen Tieren sinkt die Tem­peratur ziemlich rasch; grofse lassen fast nie eine pri­märe, 1—2deg; betragende Temperatursteigerung ver­kennen. Pferde zeigen nach Gerlachs Angabe in Übereinstimmung mit Harley u. a. 2—3 Stunden nach Dosen von über 1 g Pupillendilatation und Blindheit, sonst werden im allgemeinen Myosis und Accommo-dationskrampf konstatiert. Rinder verfallen nach 1 — 2,0 g ebenfalls in grofse Aufregung (Fröhner). —
Bei Fröschen (0,05 g subkutan) tritt zuerst Narkose, dann ein tetanisches Stadium ein; nach jedem Krampfantall fast voll­ständiger Verlust der Reflexerregbarkeit. Die Einwirkung auf das Herz ist eine minimale (Witkowski).
Von klinischen Beobachtungen wäre noch eine von Friedberg er bei einer eklamptischen Dachs­hündin konstatierte Vergiftung anzuführen. Nach 0,02 g Morphin, hydrochloric, sank die Temperatur von 400 auf 37,5 0 und es trat Kollaps ein.
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Die Ausscheidung des Morphin nach Suhkutaninjektion geschieht in hervorragendem Mafse (etwa zur Hälfte) durch den Magen; es findet sich dasselbe schon in dem vier Minuten nach Einspritzung Erbrochenen vor, und es gelingt, Tiere durch fortgesetzte Magenausspülung vor dem sicheren Tode zu retten, wenn die letale Dosis 0,24 p. KK. nicht übersteigt (K.Alt). Nach Fubini geht Morphin auch in die Milch über. In dem Harn erscheint ein Teil unverändert, ein anderer als Oxydimorphin (Lamal), in welches es sieh verwandelt nach der Gleichung:
2C17H19N03 fO = C34H36N206 H20.
Die Wirkung des Oxydimorphins ist qualitativ verschie­den von der des Morphins. Zu 0,05 p. KK. in die Venen ge­spritzt, erzeugt es bei Hunden rasch Asphyxie und Tod; bei allmählicher Infusion kleiner Dosen tolerieren dieselben bis 0,12 p. KK, zeigen aber laut hörbare Peristaltik mit nach­folgenden, bisweilen blutigen Darmentleerungen, starke Puls­beschleunigung ohne Lähmung der Vagi, starkes Sinken des Blutdruckes unter gleichzeitiger Gofäfserweiterung, Sinken der Körpertemperatur und kollapsartiger Schwäche. Bei tödlicher Vergiftung finden sich Schwellung, Rötung und Extravasate in der Darmschleimhaut, sowie Verfettung des Nierenepithels und des Herzmuskels (Marme und Diedrich).
Oxymorphin, Pseudomorphin C]7H19N04, entsteht wahr­scheinlich durch Oxydation des Oxydimorphin: C^HguNäOu-f-0 H20 = 2 C^-jH^NO^ und hat viel geringere toxische Wirkung als das Oxydimorphin, da nach Magendi 0,3 g bei Hunden wir­kungslos bleiben.
IV. Katalepsie, klonische resp. tonische Krämpfe.
1. Initiale narkotiseli-kataleptisclie Starre, teta-nische Krämpfe, Kolik, Durchfall.
N ebenalkaloide des Opium, Mohnpflanzen,
Buxus, Chelidonium, Lolium, Berberin,
A c li i 11 e a, H y p e r i c u m.
Narkotin.
Narkotin,C2raquo;H23N07(Oxymethylhydrastin),enthält dieEeste
des Hydrokotarnin, C]2Hir)N03, und der Opiansäure, C^H^Gj,
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deren Konstitution durch Eos er u. a. bekannt wurde, so dafs die Konstitutionsformel des Narkotin zu schreiben ist:
OCH3
I C
Opiansäure.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;H—C C-OCH3
H—C C-CO
V
HO; H—C-----O
H ; H-C C-Ü-CH2
CH3—N C C—0
Hydrokotarnin. H„=C C C—OCH3
\ / \ gt;
c C^
H2 H
Das aus Weingeist oder Äther krystallisierende Alkaloid schmilzt bei 176deg;, löst sich in Säuren leicht, in Wasser schwer, in kalter Kalilauge gar nicht. Die neutralen Lösungen schmecken bitter, drehen links, die sauren rechts. Konzentrierte Schwefelsäure giebt mit Narkotin nach einigen Minuten Gelb­färbung, welche beim Erwärmen blutrot, dann dunkelviolett wird. Die Salze krystallisieren schwer.
Die Wirkung des Narkotin bietet schon beim Frosch (0,05 subkutan) gegenüber der des Morphin prägnante Unterschiede, noch mehr bei Warmblütern. Bei der Narkotinvergiftung er­scheint bei Fröschen das narkotische Stadium sehr kurz und wenig ausgeprägt, das tetanische tritt bald ein und geht früher in das der kompleten Lähmung über, als es beim Morphin der Fall ist. Im Gegensatz zu Morphin übt das Narkotin auf das Froschherz einen stark verlangsamenden Einflufs aus.
Bei Kaninchen bewirken 0,3 g Hydrochlorat p. KK. vom Magen aus nach 15—20 Minuten sehwaches Zittern und erhöhte Reflexerregbarkeit, mitunter vorher Zufallen der Augen, eine Erscheinung, welche bei höheren Gaben (0,7 p. KK. per os) nicht beobachtet wird. Nach dieser Dosis nimmt die Eeflex-erregbarkeit derart zu, dafs es zu Krampfanfällen kommt („drahtbeiniges^ Laufen, Eollen , periodische Schwimmbewe­gungen in der Seitenlage, Opisthotonus), denen die Tiere nach 1—2 Tagen erliegen. Die „Drahtbeinigkeitquot; dürfte mit einer Affektion der Kleinhirncentren in Verbindung stehen, wenigstens sahen
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G o 11 z und M e r i n g dieses Philnomen nach Kleinhirn Verletzungen eintreten. Nach Dosen von 1,0 g p. KK. per os und darüber spielt sich der ganze Symptomenkomplex in Vs Stunde ab, oft ohne dafs die krampfhaften Rollbcwegungen durch Tetanus unterbrochen werden. Herzthätigkeit herabgesetzt, Respiration frequent, nicht, wie bei Morphin vermindert.
Hunde bieten dasselbe Vergiftungsbild wie Kaninchen (v. Schröder).
Im Harn vergifteter Tiere wurde Narkotin von Dragen-dorff und Kauzmann unzersotzt gefunden.
Hydrokotarnin.
Hydrokotarnin, C,2H15N03, spaltet sich durch hydrolytischen Einflufs aus Narkotin von dem Opiansäurerest in der aus der Konstitutionsformel des Narkotin ersichtlichen Weise als sub­stituierte Benzisochinolingruppe ab. Die Base wurde von Hesse im Opium insehrgeringcr Menge gefunden. F.A. Falc kermittelte als letale Dosis für Kaninchen 0,2 g p. KK. subkutan. Das Hydro­kotarnin wirkt auf Warmblüter und Kaltblüter in noch stär­kerem Mafse erregend und zwar in demselben Sinne als Narkotin.
Opiansäure.
Die Opiansäure CioHjoOr,, die zweite Komponente des Narkotin, erscheint in Form feiner weifser Prismen, welche sich in heifsem Wasser, Alkohol und Äther lösen. Mekoninderivat.
Auf Frösche sind kleine Dosen ohne Einflufs. Nach 0,2—0,4 g ertragen sie die Eückenlage. Sprünge werden unge­schickt ausgeführt (Lähmung des Grofshirns und Kleinhirns). Dann folgen gesteigerte Eeflexc, Eückenmarkskrämpfe mit teta-nischen Kontraktionen der Adduktoren der Vorderextremitäten, wie unter Einflufs des Pikrotoxins. Bei Kaninchen üben 1,0 sub­kutan und 3,0 g per os keinerlei Wirkung aus (E. Falck).
Papaverin.
Papaverin, CjoHgjNOj (isomer mit Hydroberberin), liefert bei der Einwirkung von Kaliumhydroxyd Dimethoxylisochinolin und Dimethylprotokatechusäure, C9H10O4 (Veratrumsäure), ein Vorgang, welcher sich durch Hydrolyse und gleichzeitige Oxyda­tion des im Papaverin enthaltenen Dimethylester des Homobrenz-katechin erklären läfst. Diesen Thatsachen entspricht die Formel von Roser:
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OCHa
i C
v eratrumsäure.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; H—C C—OCHg
I li H-C C-H
V
2 0-fHO; H2=C H
nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;C C
^ \ / w Dimethoxylisochinolin. N C C—OCHg
I 11 I H—C C C-0CH3
\ / \ //
c c
I I H H
Die Liöslichkeitsvcrlxältnisse sind ähnliche, wie die der übrigen Alkaloide. Das Hydrochlorid, namentlich aber das Oxalat kry-stallisieren leichter, als die entsprechenden Narkotinsalze. Kon­zentrierte Schwefelsäure löst Papaverin farblos, beim Anwärmen mit schwach violetter Farbe, welche durch Zusatz eines Körn­chens Salpeter durch grün rasch in orange übergeht. Nicht ganz reine Präparate färben sieh augenblicklich tief blauviolett unter langsamer Lösung. Durch Kaliumpermanganat wird die Lösung erst grün, dann schiefergrau. Schmelzpunkt 147deg;. Beim Frosch bewirken 0,005 g schwache Narkose. Vergrös-serung der Dose vertieft dieselbe nicht, sondern steigert die Reflexerregharkeit bis zum Reflextetanus. Gicht man von vorn­herein gröfsere Dosen, 0,05 g, so fällt das tetanische Stadium häufig ganz aus. Die Narkose geht dann fast unmittelbar in Lähmung über. Die Schlagfolgo des Herzens wird unregel-mäfsig und die Zahl der Pulse sinkt erheblich, schlicfslich Lähmung der motorischen Herzganglien.
Prägnante Vergiftungserscheinungen treten bei Kaninchen erst nach Dosen von 1,0 g p. KK. per os auf. Es stellt sich zuerst Schlaf ein, dann eine mehrere Stunden anhaltende kataleptische Starre mit gesteigerter Reflexerregbarkeit, ohne bis auf die mehrere Tage andauernden Durchfälle weitere Nachteile im Gefolge zu haben. Nach letalen Dosen von 2,0 g p. KK. per os kommt das narkotisch-kataleptische Stadium nichtzur Ausbildung; unter gesteigerter Reflexerregbarkeit bieten die Tiere das Bild der Narkotinvergiftung (Krämpfe, Roll-, Schwimmbewegungen), Pu­pillen weit. In den Krampfpausen Lähmung. Respiration
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unregelmäfsig, Tod durch Eespirationsstillstand. Herz wenig beeinflufst.
Auf Hunde wirkt Papaverin ganz ähnlich (v. Schröder).
Das Papaverin scheint im Organismus teilweise zerstört zu werden, da es im Harn vergifteter Tiere nur in Spuren nachweisbar ist (D ragen dor ff und Schmemann).
Codein und Fseudocodein.
Codein, CisH^NOg, Methylmorphin. In 80 Tin. Wasser, in Weingeist, Äthev, Chloroform leicht löslich, in Ammoniak leichter als Morphin. Dreht links, Schmelzpunkt 1500. Es krystallisiert gut, ebenso wie die meisten Salze, welche, wie die freie starke Base, stark bitter schmecken. Codeinsalze sind in Äther fast unlöslich. Konzentrierte Schwefelsäure löst es farblos, durch Zusatz von Eisenchlorid entsteht dunkelblaue Färbung. Das isomere, schwächer wirkende Fseudocodein schmilzt bei 179deg;.
Frösche werden durch 0,006 g Codein subkutan nach vor­übergehender Unruhe in 15 Minuten leicht narkotisiert, worauf zunehmende Eeflexerregbarkeit sich geltend macht. Bei 0,03 g ist bereits von einer Narkose nichts mehr wahrzunehmen. Die Sprünge nehmen krampfartigen Charakter an, es folgt Tetanus, langsame, aber stetige Abnahme der Herzschläge, dann totale Lähmung im Verlauf von ca. Vs Stunde.
Kaninchen verfallen nach 0,02 g in leichte Narkose, die Respiration nimmt ab; 2—3 Stunden später ist die Wirkung vorüber. Eine Dosis von 0,04 g läfst die Narkose nicht zur Entwickelung kommen. Nach 15 Minuten macht sich Er­höhung der Reflexerregbarkeit geltend, die Pupillen werden weit. Atmung frequent. Auf Geräusch schreckt das Versuchs­tier zusammen, um in den somnolenten Zustand zurückzufallen. Aufgetrieben, läuft es mit Drahtbeinen. Bald treten Lähmungen in den Extremitäten ein bei fortbestehender, erhöhter Reflex­erregbarkeit. Gewöhnlich erholen sich die Tiere noch. Nach letalen Dosen (0,19 p. KK.) gesellen sich hinzu Schwimmbe­wegungen und tetanische Anfälle mit unterdrückter Respiration, denen die Kaninchen unterliegen.
Bei Hunden spielt die Individualität eine grofse Rolle, der Symptomenkomplex ist mit einigen Abweichungen der­selbe. In der Narkose meist Myosis, im Krampfstadium Dila­tation der Pupillen (v. Schröder). Falck beobachtete fast regelmäfsig mehrmals sich wiederholende Kotentleerung.
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Tbebain.
Thebain, CigH^NO,, ist aufzufassen als Morphinvinyl-äther. In alkoholischer Lösung stark links drehend, Schmelz­punkt 193 *. Konzentrierte Schwefelsäure löst mit blutroter Farbe, die allmählich in gelbrot übergeht. Salpetersäure löst gelb.
Bei Fröschen bewirken geringe Dosen (0,001 g) Unruhe, alsdann Narkose-ähnlichen Zustand von ca. 15 Minuten Dauer, welcher 1—2 Stunden dauernden tetanischen Anfällen weicht. 5 Mg. veranlassen schon nach 5 Minuten Tetanus, in welchem das Tier nach einigen Stunden verendet; das Herz überlebt. Beinicht letalen Dosen folgt auf das tetanische ein Lähmungsstadium. Halsmarkdurchschneidung ändert an dem tetanischen Zustand nichts. Nach Baxt verhält sich die krampferregende Wir­kung des Thebains zu der des Strychnins wie 1 : 10—12.
Bei Kaninchen rufen Dosen unter 0,01 g einen Zustand kompletter Empfindungslosigkeit hervor, so dafs die Tiere selbst auf stärkste Reize nicht mehr reagieren. Gröfsere Dosen ver­anlassen sich steigerndes Zittern und Zusammenfahren des Tieres, Krämpfe, welche teils in Schwimmbewegungen, teils, und zwar vorherrschend, in Tetanus bestehen. Meist Erwei­terung der Pupillen, besonders während der Krampfparoxysmen vorhanden. In einem Tetanusanfall mit unterdrückter Respira­tion verendet das Tier. Letale Dosis des Thebainnitrats für Kaninchen 0,015 g p. KK. subkutan (Falck).
Warcein.
Narcein, C23H.29N03, gehört aller Wahrscheinlichkeit nach auch zu jenen Alkaloiden, welche die Benzisochinolingruppe enthalten wie das Narkotin, es sind aber deren Seitenketten im Narcein noch nicht genauer ermittelt. Oxydation mit Chrom­säure liefert C02, Methylamin und Hemipinsäure ClcH]0O6 (Oxy-opiansäure). Schmelzendes Kaliumhydroxyd erzeugt Protoka-techusäure. Beckett und Wright geben dem Narcein die vor­läufige Strukturformel
,COOH (C13H20NO4)- CO - C6H2 - OCH, vOCH3 Hierdurch erklärt sich auch der Geruch nach Heringslake beim Erhitzen und die schwarzblaue Färbung des Rückstandes nach mäfsigem Erhitzen mit Eisenchlorid. Konzentrierte Schwefelsäure färht Narcein braun und löst dann ebenso wie Salpetersäure mit gelber Farbe. Salzsäure giebt farblose Lösung. Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 12
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Auf Zusatz von Natriumnitrit entsteht brauugrüne Färbung, die beim Erhitzen in Blauviolett übergeht. Schmelzp. 145quot;. Optisch inaktiv. In Alhohol schwer, in Äther gar nicht lös­lich. Aus kochendem Wasser läfst es sich leicht umkrystalli-sieren.
01. Bernard erzielte mit einem von Guillemette be­zogenen, wie sich nachträglich ergeben hat, unreinem Präparate rein narkotische Wirkungen. Orfila sah nach 0,24 g, einem Hunde intravenös injiziert, keinen Erfolg, ebensowenig v. Schröder nach Einführung von 2,0 g in Salzsäure gelösten Narcein per os bei Kaninchen. Auch auf Frösche übte es keinerlei Wirkung aus.
Anderweitige Opiumalkaloide.
Lanthopin, C23H25N04, giebt mit Schwefelsäure und Eisenchlorid keine Farbenreaktion.
Laudanin, C20H25NO4, färbt sich mit Eisenchlorid grün. Eisenoxydhaltige Schwefelsäure löst mit Rosafarbe, die beim Erhitzen in Violett übergeht. Schmelzp. 160deg;.
Das Alkaloid bewirkt nach C. Ph. Falck in kleinen Dosen Steigerung der Atemfroquenz und Rötung der Ohr-gefäfse bei Kaninchen, in gröfseren Tetanus und Erstickungstod nach Art des Thebaiu. Minimal letale Dosis der Salze 0,025 g p. KK. subkutan.
T r i t o p i n, C42H54N207, d. h. c^H^No' gt; 0' starke Base' bei 182deg; schmelzend, aus Alkohol krystallisierbar. Krampfgift, welches unter tetanischen Erscheinungen tötet (E. Merck, Jahresbericht 1891).
Laudanosin, CuiH^NO,,. Eisenoxydhaltige Schwofelsäure färbt braunrot, beim Erhitzen grün, dann dunkclviolett. Wirkung nach Art des Thebain. 0,07 g p. KK. töten Kaninchen in zwei Stunden (Wortmann).
Cryptopin, C21H23N05. Konzentrierte Schwefelsäure färbt rein blau, durch Zusatz einer Spur Salpetersäure entsteht bleibende Grünfärbung (Unterschied von Papaverin). Eisen-chlorid giebt keine Färbung (Unterschied von Morphin).
Die starke Base wirkt vorzugsweise narkotisch durch direkte Lähmung der nervösen Centralorgane. Letale Dosis für Kaninchen 0,05 g p. KK. subkutan. Das Tier fällt auf die Seite, und es erschüttern konvulsivische Stöfse oft von minuten­langer Dauer den Körper. Pupillen weit. Opisthotonus. Tod durch Respirationslähmung. Bei künstlicher Respiration wird die vierfache Menge ertragen (J. Munk).
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C o d a m i n, CaoH^NCV Eisenoxydhaltige Schwefelsäure löst mit grünblauer Farbe, welche beim Erhitzen dunkelviolett wird. Eisenchlorid giebt Grünfärbung. Isomer mit Laudanin und nur durch seinen Schmelzpunkt (121deg;) von diesem unter­schieden.
ßhöadin, C2,H21N06, ungiftiges Alkaloid, welches nicht allein im Opium, sondern auch im Milchsaft anderer Papaver­arten (P.Rhöas zu 2,1 pCt.) nachgewiesen ist.
Pro top in cf. Chelidonium S. 185.
Mohnpflanzen. Vergiftungen durch Teile der Mohnpflanzen selbst gehören nicht gerade zu den Seltenheiten. Veranlassung hierzu giebt nicht nur P. somniferum, sondern — in Deutschland namentlich — auch P. rhöas, P. argemone, hybridum, dubium.
In den frischen Teilen der Pflanzen, den Samen­kapseln, den Samen von P. somnif. etc. überwiegen im frischen Zustande die narkotisch wirkenden Alka-loide, während in den getrockneten Kapseln die krampf­erzeugenden vorherrschen bei einem im ganzen ver­minderten Alkaloidgehalt.
Verfütterung einer Anzahl grüner Molinköpfe hatte Vergiftung von 11 Enten zur Folge, die sich nach 2 Stunden durch folgende Symptome äufserte: Die Tiere standen erst mit gespreizten Füfsen, gesenktem Kopf und herabhängenden Flügeln, taumelten von einer Seite auf die andere. Sie lagen, unter den Erscheinungen einer fast vollständigen Lähmung der Bewegungsorgane, mit ausgebreiteten Füfsen und Flügeln und langge­strecktem Hals und Kopf wie leblos da; nach 6 Stun­den richteten sich die Tiere auf und erlangten im Laufe von 24 Stunden ihre frühere Munterkeit (Hüb­ner). — Ein Vajähriges Schwein frafs eine bedeutende Quantität ausgejäteter Mohnpflanzen und erkrankte
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sehr bald darauf. Es lag andauernd im Schlaf, konnte nur mit Mühe aufgestört werden, taumelte dann einige Schritte mit tief hängendem Kopf und legte sich wieder nieder, Augen fast geschlossen, Temperatur erhöht, Atem beschleunigt (Kersten). — Bekannt ist die Verwendung der Abkochung frischer oder frisch ge­trockneter Mohnköpfe als Ersatz des Opiums (für Hunde 1—2 Stück, Pferde, Kinder 10—20 Stück getrocknet; von frischen ein geringeres Quantum).
Die Wirkung ausgereifter, trockener, mit Häcksel einem Kalbe verabfolgten Mohnköpfe schildert Zip­perlen. Plötzliche Harnverhaltung, auffällige Auf­regung. Das Tier bleibt keine Sekunde ruhig stehen, springt hin und her, zerrt an der Kette, bis es in Schweifs gebadet innehält; erneute Anfälle steigern sich bis zur Tobsucht. 10 Stück Rinder desselben Stalles, welche von demselben Häcksel genossen hatten, zeigten ähnliche Aufregung. Sämtliche Tiere genasen. Döring berichtet über Erkrankung von 28 Rindern nach Verfütterung von 5 Scheffeln ausgedroschener Mohnköpfe, mit Kartoffeln und Spreu gemengt. Die Tiere trieben auf, stampften, stöhnten, setzten Harn und Kot spärlich ab. Angestrengtes Atmen, Schäu­men, Zähneknirschen, Hochhalten des Kopfes wird ge­wöhnlich aufserdem noch beobachtet.
Von P. rhöas sind neben analogen Wirkungen im frischen und gereiften Zustande auch Krampfwirkungen durch halbreife frische, und narkotische durch ge­trocknete Kapseln bekannt. Wahrscheinlich spielt hierbei die aufgenommene Quantität eine gleiche Rolle, wie dies für die einzelnen Alkaloide konstatiert ist. Bis zur Blüte ist die Pflanze fast unschädlich. Ger­lach erwähnt, dafs arme Leute ihr Vieh oft wochen-
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lang mit diesem aus den Feldern zusammengetragenen Unkraut ohne nachteilige Folgen ernähren.
Über narkotische Wirkungen, durch grüne Klatsch­rosen bei 20 Pferden hervorgerufen, sind von Eavard und Guilmont Mitteilungen gemacht. Die Vergif­tung äufserte sich durch leichte Koliksymptome, My-driasis, Somnolenz, Unempfindlichkeit und wankenden, stolpernden Gang. Bei einem gestorbenen Pferde wurde schwarzes Blut und Ekchymosen in den mei­sten Organen gefunden. Chronische Vergiftungen, ein­hergehend mit Gefühlsabstumpfung, Mydriasis und Zuckungen am Kopf und Hals, hat Gerlach gesehen nach monatelanger Verwendung von Roggenhäcksel, der ca. zur Hälfte aus geschnittenem wilden Mohn be­stand.
W o e s t e n d i e k konstatierte in dem Roggenab­fall, welchen 16 regungslos im Hofe liegende Schweine erhalten hatten, trockene Mohnköpfe.
Bei Rindern treten besonders im Juni und Juli, wo Gelegenheit geboten ist, gröfsere Mengen der ver­blühten Pflanze aufzunehmen, tobsuchtartige Anfälle auf, welche nicht selten Verdacht auf Tollwut erwecken.
Geringere Vergiftungsgrade lassen einen narkoti­schen Einflufs nicht verkennen. Es finden sich als­dann: Speichelabsonderung, leichte Auftreibung, oft Durchfall, Stehen mit gekrümmtem Rücken, schwan­kender Gang, Liegen in apathischem Zustande und gelegentliche Halsmuskelkrämpfe.
Bei höheren Graden treten furibunde Delirien und epileptiforme Reflexkrämpfe hinzu, Zustände, welche Ger!ach in klassischer Kürze wie folgt beschreibt: Der Blick ist wild und feurig, die Pupille stark er­weitert, grolse Aufregung im Gefäfssystem, Zittern,
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Zähneknirschen, Geifern aus dem Maul, Mist mit blu­tigem Schleim umhüllt oder dünnflüssig, zuweilen Auf­blähung, Verlust der Milch. Die Unruhe steigt immer mehr, die Tiere werden unbändig, brüllen oft, suchen sich loszureifsen, stürzen auf andere Kühe los, laufen davon oder arbeiten mit den Hörnern im Mist, brechen nicht selten dabei zusammen, bekommen stärkere Zuckungen, verdrehen Augen, Kopf und Hals, liegen oft einige Minuten bis 1U Stunde und länger bewufstlos in heftigen Konvulsionen. Hierauf folgt Ruhe, die Patienten schlummern im Liegen fort und stützen den Kopf auf die Erde oder sie erheben sich taumelnd und stehen mit halbgeschlossenen Augen in mehr oder weniger tiefem Schlummer 1/4 bis 1/2 Stunde lang, worauf sich durch Zittern und Zuckungen ein neuer Tobsuchtsanfall ankündigt. So wechseln die Zufälle einige oder mehrere Stunden, selten einen ganzen Tag, noch seltener dauert die Krankheit mehrere Tage. Bei dieser längeren Dauer lassen die Krämpfe nach. Die Schwäche nimmt zu besonders im Hinterteil, die Tiere bekommen starken, ruhrartigen Durchfall und sterben unter Konvulsionen. Dieser letale Ausgang tritt ver-hältnismäfsig selten ein, gewöhnlich nur dann, wenn wiederholt grofse Quantitäten aufgenommen worden sind.
Gaullet hatte Gelegenheit, 2 von 8 innerhalb 7 Wochen verendeten Kühen zu obduzieren. Er fand Entzündung in der Schleimhaut des Wanstes und der Haube, trockene Futtermassen im Psalter, Entzündung im Dünndarm, Anschwellung und Entzündung der Nieren.
Unter Berücksichtigung der bei Besprechung des Morphin, Oxydimörphin und Codein mitgeteilten That-sachen erscheint die Annahme eines besonderen, scharf
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narkotischen Giftes im P. rhöas überflüssig, insbe­sondere deshalb, weil von Selmi in den Fruchtkap­seln ein Alkaloid von Morphinreaktion nachgewiesen worden ist.
Buxus.
In der Rinde und den Blättern von Buxus semper-virens (L. XXI, 4) findet sich ein stark bitteres, rechts­drehendes Alkaloid, welches mit Bebeerin (in der als Färbemittel benutzten Bibirurinde von Nectandra Ro-diaei, Laurineae, enthalten) und mit Pelosin (in Radix Pareirae von Botryopsis platyphylla, Menispermeae) identisch ist, die Zusammensetzung C18H21N03 besitzt und als Buxin bezeichnet wird.
Das Alkaloid ist isomer mit Codein. Bei Destillation mit Kalihydrat entstehen neben anderen Zersetzungsprodukten Methyl- und Dimethylamin und Pyrrol. Conzen und Binz beobachten bei Hunden nach 0,3 — 0,8 Erbrechen, Winseln, Mattigkeit, Schwindel, Stuhldrang resj). Durchfall, Zittern und nach der gröfseren Dosis Tod ohne vorausgehende Convulsionen. Sektionsbefund negativ, ßioger und Murr eil konstatierten tetanisierende Wirkung von Buxusextrakt auf Frösche.
Über die toxischen Wirkungen des Parabuxin, C24H4SN20, und des Buxinidin stehen Untersuchungen noch aus.
Alteren Angaben von Viborg zufolge werden Pferde durch 750 g Buchsbaumblätter in kurzer Zeit getötet (frequenter Puls; Darmkanal entzündet, soweit derselbe mit den Blättern in Berührung gekommen). Geringere Mengen wirkten nicht.letal. Über eine Ver­giftung von Schweinen, welche als Streu verwendete Buxuszweige gefressen hatten, berichtet Hübscher: 3 halbjährige und 1 trächtiges Mutterschwein ver­endeten nach 24—36 Stunden, letzteres, ohne abortiert zu haben.
Symptome: Starker Durst, wankender Gang, wie im rauschartigen Zustande. Kein Durchfall. Kurz vor dem Tode durchdringendes Geschrei.
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Die Obduktion ergab schwarzes Blut, Magen­schleimhaut ausgebreitet entzündet, nicht aber die des Darms. Aufserdem Lungenhyperämie, Emphyseme, Extravasate und bei den zwei zuletzt verendeten aus­gebreitete Pneumonie.
Für den Nachweis genügt die botanische Unter­suchung der Ingesta.
Bei der Behandlung werden dieselben Gesichts­punkte zu berücksichtigen sein, wie bei Taxusvergif­tung, da Buxin ebenfalls in Säuren löslich, in Alkalien unlöslich ist.
ChBlidonium.
Chelidonium majus, Schöllkraut (L. XIII, 1, Papaveraceae) enthält eine Reihe Alkaloide etc., denen mehr oder weniger giftige, experimentell festgestellte Wirkung zukommt. Die Pflanze seihst scheint zu spontanen Intoxikationen hei Haus­tieren noch keine Veranlassung gegeben zu haben, weil ihnen der Genufs durch den bitteren, kratzenden Geschmack der Pflanzenteile verleidet wird. Von den bekannten Bestandteilen sind anzuführen:
Chelidonin, C20H19NOr, H20 (E. Schmidt), eine ter­tiäre Aminbase, kommt am reichlichsten in der Wurzel, jedoch auch im Kraut und in den unreifen Samenkapseln vor und zwar gebunden an Chelidonsäure und Äpfelsäure. Farblose, glasglän­zende Tafeln. Groschmack sehr bitter, hinterher scharf kratzend. Reaktion alkalisch. In Wasser unlöslich, in Alkohol und Äther schwer, leichter in fetten und flüchtigen Ölen und in Amylalkohol. Die Salze teils leicht (Sulphat, Phosphat), teils schwer löslich (Nitrat, Hydrochlorat, das Acetat gelatiniert), Gerbsäure fällt weifs, Alkali voluminös, käsig. Mit Schwefel­säure und Salpetersäure entsteht Grünfärbung; Zuckerlösung anstatt der Salpetersäure läfst rotviolette Färbung auftreten (Furfurol-Reaktion). Schmelzpunkt 130deg;.
laquo;-Homochelidonin, C21H„]N05, ein Dimethyläther einer Verbindung Ci9H1TN03, von Chelidonin durch einen Mehrgehalt von CH2 unterschieden. Schmelzpunkt 182deg;.
/S-Homochelidonin, C21H21Js05, ebenfalls ein Dimethyläther, isomer mit dem vorigen und dem Papaveriu verwandt, mit letz-
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terem aber sicher nicht identisch, da Paparerin 4 Methoxyl-gruppen enthält. Schmelzpunkt 1590 (E. Seil e).
Sämtliche bewirken mit unwesentlichen Abweichungen voneinander Hirnnarkose, Pulsverlangsamun'g und Lähmung der sensiblen peripheren Endapparate (H. Meyer). In kleinen Dosen tritt keine nennenswerte Wirkung ein.
Kaninchen vertragen anstandslos 0,36 g Chelidonin (Reuling).
P r o t o p i n, C^H^NOs. Aus helfsem Alkohol in kugeligen Aggregaten krystallisierende starke Base, welche auch im Opium enthalten ist. Liefert krystallisierende Salze, welche nicht gelatinieren und in kaltem Wasser zum Teil schwer lös­lich sind. Eisenoxydhaltige Schwefelsäure löst mit dunkel­violetter Farbe, Eisenchlorid färbt nicht. Schmelzp. 207deg; (E. Seile). Protopin aus Opium schmilzt bei 202deg; (Merck).
Kleine Quantitäten (0,004 g) wirken beim Frosch nar­kotisch, in gröfseren auf Muskclsubstanz und periphere Nerven-endigungen lähmend. Die ßeflexerregbarkeit bleibt bei kleineren und mittleren Gaben erhalten und verliert sich erst nach gröfseren. — Beim Warmblüter löst das Protopin in Mengen von 0,04—0,4 g heftige, sich wiederholende Krampfanfälle aus, welche die Tiere durch Erstickung oder Erschöpfung töten. Am curaresierten Organismus läfst sich eine aufserordentliche, durch Lähmung des Herzens und des vasomotorischen Centrums bedingte Blutdrucksenkung nachweisen.
Cheleirythrin, C19H17NO4 (Limpricht [Sanguinarin, Che-lin]). Krystallisiert in farblosen Nadeln, die im Wasser nicht, leicht dagegen in Alkohol, Äther etc. löslich sind. Die Lösungen der kräftigen, brennend scharf schmeckenden Basefluorescieren violett und geben mit Säuren orangerot gefärbte, teilweise krystallisier-bare, meist in Wasser lösliche Salze, welche mit Gerbsäure gelbrote Niederschläge bilden. Alkalien fällen grauweifses, käsiges Chelerythrin.
Nach Buchheim und Weyland töten 0,001g subkutan Frösche nach vorgängiger Adynamie und klonischen und toni­schen Krämpfen unter frühzeitigem Stillstand des Herzens, dessen Reizbarkeit früher als die der Muskeln erlischt.
Bei Säugern treten bei herabgesetzter Reflexerregbarkeit meist nur klonische, spinale Krämpfe auf, neben denen bei Meerschweinchen, Kaninchen, Hunden, Katzen und Tauben auch Speichelflufs, Mydriasis, mitunter Diarrhöe, bei den drei letztgenannten Tierspecies auch Erbrechen vorkommt. Der Tod erfolgt bei Warmblütern durch Respirationslähmung (Re­spiration primär beschleunigt) und ist das Herz unmittelbar
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nach dem Tode noch schwach reizbar. Kleine Dosen steigern Pulsfrequenz und Blutdruck, grofsc setzen beide durch lähmende Einwirkung auf das vasomotorische Centrum und das Herz herab, ohne Beteiligung der Vagi (R. M. Smith).
Chelidonsäure, C7H406, ungiftige Säure, welche, wie die verwandte Meconsäure (Oxychelidonsäure), die Pyrongruppe
CO C2H2 lt; q gt; C2H2 enthält und von L. C1 a i s e n synthetisch dar­gestellt wurde.
Konstitution:
0 |i
H-C' SC-H COOH-C C-COOH
V
Chelidoxanthin, gelber, stark bitterer, krystallinischer Farbstoff. In heifsem Wasser leicht, in Alkohol schwer, in Äther nicht löslich. Durch Gerbsäure aus wässeriger Lösung fällbar.
Das wässerige Extrakt der Pflanze ruft bei Hunden vom Magen aus(12 g, Schlund unterbunden) nach 6 Minuten starkes Würgen und Brechanstrengungen hervor. Vier Stunden später Unvermögen zu stehen, tiefe Inspiration, Sensibilität, Sehen und Hören aufgehoben. Der Tocl erfolgte nach kurzer Zeit. Der Magen enthielt sehr klebrige, bräunliche Flüssigkeit, Schleimhaut hochrot, in den Falten schwärzlichrot.
Bei Pferden und Rindern bemerkt man nach 500 g, bei Schafen und Schweinen nach 250 g frischen Krautes aufser etwas vermehrter Peristaltik undDiurese keine Wirkung. Gegen Warzen bei Pferden hat Her twig den Saft der Pflanze ver­geblich verwendet.
IiOlium.
Von den Loliumarten (L. III, 2, Grramineae) be­dingt der Taumellolch, Schwindel- oder Taumelhafer, L. temulentum, im reifen Zustande Vergiftungen; das Gras ist vor der Samenreife ganz unschädlich.
A n t z e gelang es, aus dem alkoholischen Extrakt reifer Loliumsamen zwei krystallisierbare, physiologisch wirksame Stoffe darzustellen.
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Der eine, Loliin genannt, ist eine flüchtige, eigenartig riechende, N-reiche Base; leicht in Chloroform löslich, kann sie letzterem durch Schütteln mit saurem Wasser wieder entzogen werden. Dieses Antz e sehe Loliin ist nicht identisch mit dem Loliin von L. Bley (schmutzig weifses, bitteres Pulver) und von Ludwig und Stahl (zähe, gelbe Masse von bitter­kratzendem Geschmack, hydrolytisch in Zucker und flüchtige Säuren spaltbar).
Aufserdem isolierte A. aus dem alkoholischen Samen­extrakt eine in heifsem Wasser lösliche Säure, die Temulen-tinsäure, C12H42NO,9. Dieselbe liefert beim Kochen in alka­lischer Lösung einem basischen Körper das Temulentin. Die Temulentinsäure, eine Amidosäure, ist die Trägerin der Taumel und Schwindel erregenden Eigenschaften des Taumellolchs.
In Dosen von 0,03—0,06 bewirkt die Säure beim Frosch Arythmie und vorübergehenden diastolischen Herzstillstand auch nach Vagusdurchschneidung, Verminderung der Eeflex-erregbarkeit, allgemeines fibrilläres Muskelzittern. Nach vor­übergehender Beschleunigung erfolgt dispnoisches verlang­samtes Atmen mit aufgesperrtem Maul.
Bei Kaninchen vermochten erst 15 g des wässerigen Extrakts der Pflanze per os, aber schon 2,0 g subkutan den Tod herbeizuführen. Die Temperatur sank dabei unaufhalt­sam, der anfangs beschleunigte Puls- und Herzschlag verlang­samte sich immer mehr und mehr, wurde schwächer und aus­setzend, der Atem stockte und der Tod trat unter schwachen Zuckungen und allgemeinem Kollaps (Rektaltemperatur 33deg;) ein. Die Kespiration überdauerte die Herzthätigkeit längere Zeit.
Kleine Dosen, 12 Tropfen bis 2 Ccm des wässerigen Ex­traktes veranlafsten erst Steigen der Temperatur (um 2deg;), darauf folgte Absinken (um 3deg;) und wiederholte Temperaturerhöhung, welche längere Zeit anhielt. Bei 10 g trat sofort Absinken um 3,50, ein (Eektaltemperatur 35deg;), worauf sich langsames, aber beträchtliches, die Norm überschreitendes Ansteigen bemerk­lich machte.
Nach kleinen Gaben (20—80 Tropfen) war aufserdem ver­minderte Frcfslust zu konstatieren, so dafs bisweilen 24 Stunden hindurch kein Futter berührt wurde. Häufige kleine Dosen führten hierdurch zu bedeutender Abmagerung der Tiere.
Dazu gesellensich die Symptome der Herzschwäche und Dys­pnoeas zeigen sich Somnolenz und Schstörungen; die Tiere machen andauernde Kaubewegungen, schnappen um sich und verlieren, sobald die Temperatur unter 36deg; gefallen ist, das Gleichgewicht,
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taumeln und fallen zur Seite, richten sich wieder auf, fallen wieder nieder etc. Dieser rauschartige Zustand schwindet mit dem Wiederänsteigen der Temperatur. Die Ausscheidung des Giftes erfolgt vorwiegend durch den Harn der den charak­teristischen Greruch des Taumellolches an sich trägt. Anfangs ist zwar durch Herabsetzung der Herzaktion die Diurese fast unterdrückt, doch erfolgt bei ansteigender Temperatur anhal­tende Vermehrung der Diurese unter gleichzeitigem Durstgefühl.
Die tödliche Dosis der Temulentinsäure beträgt 0,04 g für das Kaninchen, beim Loliin das Doppelte. Beide Basen bieten bezüglich ihrer Wirkung auf die Eigenwärme charakteristische Unterschiede. Während bei der subkutanen Anwendung von Loliin in nicht letaler Dosis nach Abfall um 0,2deg; die Eigen­wärme sich rasch um 3deg; hob, sank bei Temulentin nach kurzem Steigen von 0,3deg; die Temperatur um 2,5deg;, um erst dann nach und nach eine bedeutende Höhe (41,3deg;) zu erreichen. Erst nach 3 Tagen kehrte sie zur Norm zurück. Nach gröfseren Dosen Temperaturerniedrigung und Schwindelanfälle. — Unter Loliin-wirkung war aufser Temperatursteigerung Beschleunigung der Herz- und Pulsfrequenz zu beobachten, die sich bis zu zittern­der Bewegung des Herzens steigerte. Appetitverlust bedingen beide.
Der Sektions befand der gefutterten Tiere bot wenig Bemerkenswertes. Nur an der Magenschleimhaut ausgedehnte Ekchymosienmgen, Magenwand mürbe. Linker Ventrikel und grofse Arterien ziemlich stark, rechter Ventrikel mäfsig gefüllt, Venen, kleine Arterien und Lunge blutleer (diastolischer Still­stand). Bei den mit alkoholischein Extrakt vorgenommenen Selbst­versuchen beobachtete A. Benommenheit des Kopfes, Schwindel­gefühl, ausgesprochene Schlafsucht, Erbrechen, Frostgefühl und Temperaturabfall auf 35,7deg;.
Seeger gab einem Hunde 90 g Brei vom Taumellolch­mehl und Wasser. Nach 5 Stunden bekam der Hund sehr hef­tiges Zittern, welches 3 Stunden dauerte. Er vermochte nicht zu laufen, seine Augen waren starr, die Respiration behindert. Nach 9 Stunden verfiel er in Schlaftsucht und verlor die Em­pfindung: am folgenden Tage war er wieder hergestellt. Bei anderen Tieren traten Erbrechen, Krämpfe, vermehrte Harn-nnd Schweifssekretion ein.
Eine Reihe von Versuclien, welche Halm bei Pferden, Nestler bei Pferden und Rindern, Hert-wig bei Pferden und Schafen, Spinola bei Schwei-
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nen mit Fütterung von Loliumsamen, rein oder im Ge­misch mit Hafer (Nestler) anstellten, ergaben negative Resultate. Anderseits sind Fälle bekannt, welche die Möglichkeit der Vergiftung gröfserer Haustiere zweifel­los darthun. Vier Pferde hatten drei Monate hindurch Hafer verzehrt, welcher Vs Taumellolch enthielt. Kurz hintereinander traten Schwindelanfälleauf, dieausblieben, als den Pferden reiner Hafer vorgelegt wurde (Rosen­kranz). Von 14 ein- bis zweijährigen Rindern, denen man geschrotenes L. temul. gegeben hatte, sah Magnus sieben erkranken unter den Erscheinungen der Bewufst-losigkeit und opisthotonischer Krämpfe. Zwei starben. Ein Kalb erblindete und frafs nur Futter, welches ihm ins Maul gesteckt wurde (Rindererkrankung in der Sch­und Riechsphäre?). Wiegel beobachtet nach ca. 8 Tage andauernder Verfütterung von frischem Klee, welcher mit sehr viel Taumellolch durchsetzt war, plötz­liches Niederstürzen. Die Anfälle wiederholten sich und nach dem dritten blieb das Tier liegen. Füfse in Streck­stellung, Muskelzittern, Mydriasis, Cornealrellex kaum auszulösen. Nach einer Stunde hatte das Zittern aufge­hört, Bewufst- und Empfindungslosigkeit fortdauernd. Respiration erschwert. Puls etwas beschleunigt, klein. Mit rückkehrendem Bewufstsein schwinden auch die übrigen Symptome. Nach 4 Stunden ein nochmaliger schwä­cherer Anfall.
Berberis.
In Wurzel, Rinde, Blüten, unreifen Beeren und Blättern von Berberis vulgaris, Berberitzen oder Sauerdorn (L. VI, 1, Berberideae) und verwandten Arten, ebenso in einer ganzen Reihe exotischer Pflanzen sind Alkaloide enthalten, welche in nächster Beziehung zu dein Hydrastin resp. Narkotin stehen. Dieselben wirken meist nur in grofsen Dosen toxisch und zeichnen sich teilweise durch ihren Einflufs auf das Cirkulations-
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system aus, indem die Erregbarkeit hemmender intrakardialer Vaguscentren vermindert resp. ganz aufgehoben wird. Zunächst kommt in Betracht Berberin, CgoH^NOlaquo;, dessen Konstitution durch W. H. Perkin erschlossen worden ist. Ein Vergleich nachstehenderaptierterFormelmitderdesNarkotin läfst dienahe Verwandtschaft beider auf das deutlichste hervortreten. OCH3 I
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Ferner Hydroberberin, C20H21NO4, Methylhydro-berberin, C^H^CH^NO.,, und die beiden isomeren Oxya-canthin und Borbamin, CtgHuNOg, In den stark sauren Beeren kommen aufserdem vor Apfelsäure (6,62 pCt.), Wein-und Citronensäure, zum Teil in freiem Zustande, Zucker (3,57 pCt.), ätherisches Öl und ein roter Farbstoff.
Achillea.
Achillea millefolium, Schafgarbe (L. XIX, Compositae) enthält:
Achillein, C20H38N2015, braunroter, spröder, an der Luft zerfliefslicher Bitterstoff, reagiert alkalisch; Grerbsäure und Bleisalze geben keine Fällung. Durch Kochen mit verdünnter Schwefelsäure erhält man Zucker und dunkelbraunes, wasser­unlösliches Achilletin, C]1H17N02.
Aufser dem genannten alkaloidähnlichen Körper kommen in der Pflanze verschiedene ätherische Öle vor, von denen das in den Blüten enthaltene, blau oder grün gef ärbte,schwach saurer reagiert und zu 0,114 pCt. vertreten ist (B1 e y). Das Öl des Krautes, welches frisch getrocknet 0,065 pCt. liefert, ist dunkelblau, in der Kälte fast butterartig. Das Öl der Wurzeln (Ausbeute 0,032 pCt.) erscheint schwach gelblich, von baldrianähnlichem Geruch. Das Öl der Samen (0,052 pCt.) sieht grünlich aus.
Ehrle berichtet über einen Vergiftungsfall bei einer Kuh, welche junges Gras gefressen hatte, das fast nur Wurzel-
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blatter der Schafgarbe enthielt. Während der Fütterung fing die Kuh plötzlich zu zittern an, sie schwankte, fiel um und blieb einige Minuten regungslos liegen. Pupillen waren weit, Puls fast unfühlbar, Eespiration verlangsamt. Mit einiger Mühe erhob sich das Tier von selbst, um nach ca. ^t Stunde mit krampfhaft gestrecktem Hals und Kopf wieder zu Boden zu stürzen. Ahnliche Anfalle wiederholten sich noch mehrere Stunden hindurch, verloren sieh aber alsdann dauernd.
Hypericum.
Hypericum, Johanniskraut, Hartheu (L. XVIII, 1, Hyperi-caceae, Compositae), enthält in den Blüten (H. perforatum) ein rotes, Alkohol lösliches Harz. Pangoue beobachtete nach Verfütterung von Luzerne undLuzerneheu, welches H. perforatum reichlichst enthielt, beim Pferd Somnolenz, beginnende Lähmung der Hinterhand, Hin- und Herbewegen des Kopfes, Dilatation der Pupillen und lebhafte Injektion der Kapillaren der Kopf­haut und der Conjunctiva. Aderlafs, salinische Laxantien und Klystiere bewirkten baldige Besserung.
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2) Erbrechen, Durchfall, Lähmung, Tremor, Krämpfe, Temperaturabfall, Eachexle.
Blei, Kupfer, Quecksilber, Zink. Blei. Veranlassung zu Vergiftungen mit Blei kann jede chemische Bleiverbindung, jede bleihaltige organische oder anorganische Substanz geben, und zwar zu einer akuten Intoxikation leicht resorbierbare Präparate in gröfseren Mengen, während schwer resorbierbare, z. B. metallisches Blei, in grofsen Massen im Wanst der Wiederkäuer angehäuft sein kann und doch nur zu einer chronischen Intoxikation führt, ebenso wie fort­gesetzte Aufnahme kleinerer Mengen von leichter lös­lichen Verbindungen.
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Über die Genese der Bleivergiftung sich einen Überblick zu verschaffen, ist insofern wichtig, als hier­durch häufig schon allein der Beobachter in manchem unklaren Fall einen Fingerzeig für die Diagnose resp. für die zu eruierende Grelegenheitsursache erhält. Als solche kommen in Betracht Verwechselungen (Glauber­salz mit Bleiacetat, Schlemmkreide mit Bleiweifs), zu hohe Dosierung (selbst kurierende Landwirte), Ab­lecken frisch mit bleihaltiger Ölfarbe gestrichener Ge­rätschaften oder gegenseitiges Ablecken nach Einreiben mit bleihaltigen Salben, Aufnahme von Futter aus ge­strichenen Kesseln, Auslecken von Farbebehältern (oft ganzer Kübel mit Ölfarbe), Aufnahme von Blei, Blei­erz etc. (auf Schiefsplätzen, Bergwerkshalden, Ab-schlucken von Bierflaschenschrot), Aufnahme von blei­haltigem Grünfutter. Heu oder sonstigen Futtermitteln (Rüben etc.) in. Hüttenrauchrevieren, nach Düngung mit bleihaltiger Asche aus Fabriken, verunreinigt durch die Überschwemmungsrückstände aus Blei führenden Flüssen — Innerste im Kreise Hildesheim, Bleibach in den Kreisen Schieiden und Euskirchen —, Auf­nahme von bleihaltigem Getränk (Fabrikabwässer, Brunnenwasser, verunreinigt durch Hineinwerfen von bleihaltigem Material oder durch bleihaltige Bodenbe­standteile in der Nachbarschaft von Bleigruben etc.), Einatmen von Bleidämpfen oder bleihaltigem Staub (Pferde in Bleifarbenfabriken, in Reitbahnen, deren Bodenbelag aus bleihaltigem Sand besteht).
Die Intensität der Giftwirkung ist nicht bei allen Tieren gleich. Am empfindlichsten sind Vögel und Rinder, dann folgen der Reihe nach Schweine, Ziegen, Schafe, Hunde, Katzen, Kaninchen, Pferde, Kaltblüter.
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Die Wirkung der Bleipräparate erstreckt sich vorherrschend auf zwei Gebiete im Organismus: auf die quergestreiften Muskeln einerseits und auf verschiedene nervöse, vorzugsweise motorische Apparate anderseits. Erstere werden gelähmt, letztere erregt. Cirkulations-apparat und Respiration erleiden bei Warmblütern direkt nur nach intravenös injizierten Bleisalzlösungen erheblichere Schädigungen und zwar tritt dann der Tod durch Respirationsstillstand unter Erstickungs­krämpfen ein. Künstliche Respiration bleibt ohne Ein-flufs, da trotz derselben nachträglich Herzparalyse erfolgt.
Ein exquisit lähmender Einflufs, fast ohne jegliche En-egung, macht sich geltend bei Kaltblütern, Kanin­chen, Sehweinen, Schafen und dem Pferd.
Erregung mehr oder weniger hochgradig, fast ohne Lähmungserscheinungen, tritt hervor bei Hunden und Rindern.
Eine Kombination von Erregung und Lähmung in annähernd gleich starken Graden läfst sich bei Vögeln und Katzen wahrnehmen. Im allgemeinen gilt aber der Satz, dafs auch jene Tiere, bei welchen die Erregungssymptome vorwalten, bei chronischer Intoxi­kation die Lähmungserscheinungen ebenfalls zeigen.
Wie bei allen Metallverbindungen, hat man auch hier die lokale Wirkung (Ätzung der Schleimhäute etc.) von der Allgemeinwirkung, welche sich besonders bei chronischen Vergiftungen schärfer ausprägt, zu trennen, nichtsdestoweniger ist die spezifische Wirkung der be­treffenden Metalle auch bei akuter Intoxikation zu er­kennen. Die chronische unterscheidet sich meist von der akuten durch Symptome, welche augenscheinlich durch eine Störung in der Ernährung bedingt sind,
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;13
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veranlafst durch Appetitverlust, schiidigende Einwir­kung auf das Blut und dadurch bedingte Abmagerung, die zum Teil auch auf Eeclmung der meist profusen Durchfälle zu setzen ist.
Wegen der verschiedenen Wirkungsweise hei den einzelnen Tiergattungen empfiehlt es sich, die vor­liegenden Beobachtungen für jede Tierspezies ge­sondert zu betrachten.
Harnack versuchte die Bleiwirkung mittelst eines organischen, im Tierkörper freies Blei abspaltenden Präparates festzustellen, wozu das Bleitriäthylacetat Pb(C2H5)3C2H302, 68,6 pCt. Blei enthaltend, benutzt wurde. Das sonst bevor­zugte Bleiacetat Pb(C2H302)2 3 H20 (Plumbum aceticum), enthält an Blei 54,7 pCt.
Bei Fröschen wirkt bereits eine Dosis von 2 Mg. des Äthyls (40 Mg. p. KK.) nach mehreren Stunden letal. Die In­jektion ist hier sowohl, wie bei Warmblütern schmerzhaft und ruft anfangs dem Alkohol ähnliche, centrale Lähmung hervor, welche bei Warmblütern durch künstliche Respiration über­wunden wird, so dafs zunächst vollständig normales Befinden Platz greift, bis die Wirkung des frei werdenden Bleies einsetzt. Bei Fröschen stellt sich die Bleiwirkung, unabhängig von der Injektionsstelle, an den Hinterextremitäten ein und zwar durch eine spezifische Veränderung der Muskulatur, welche das Blei als ein Muskelgift besonderer Art erscheinen läfst. Der Muskel ist weder totenstarr, noch auch wie bei Zink- oder Kupfer­vergiftung völlig erschlafft, sondern eigentümlich steif, halb kontrahiert, blafs und verfärbt. Bei Reizung mit gleichstarken, in regelmäfsigen Intervallen folgenden Induktionsschlägen ant­wortet der Muskel mit höchst veränderlichen Kontraktionen, welche in unregelmäfsigen Perioden ganz ausbleiben. An der allgemeinen Muskollähmung beteiligt sich beim Frosch das Herz relativ früh, so dafs dasselbe schon gelähmt stillsteht, bevor die Erregbarkeit der Körpermuskeln vollständig erloschen ist. Die Muskellähmung tritt bei R. temporaria schneller und intensiver ein, als bei R. esculeuta.
Die letale Dosis des essigsauren Bleitriäthyls beträgt bei Kaninchen ca. 0,02 g p. KK. subkutan. Nach Überwindung der auf die Injektion folgenden Unruhe beginnt nach einigen Stunden eine an den Hinterbeinen einsetzende Schwäche, welche sich bald über den ganzen Körper ausdehnt. Die Tiere
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liegen platt auf dem Bauch. Bewufstsein und Wille erhalten. Gleichzeitig, bei chronischer Vergiftung lange vor beginnender Lähmung, treten profuse, flüssige Durchfälle ein. Der Herz­schlag ist höchst unregelmäfsig, bald kräftig, bald äufserst schwach, die Eespiration sehr langsam. Der Tod erfolgt unter ganz geringem Zucken. Die Totenstarre bildet sicli deutlich aus. Erregbarkeit des vasomotorischen Centrums der herz­hemmenden Apparate intakt. Öffnet man auf der Höhe der Wirkung die Bauchhöhle unter erwärmter physiologischer Kochsalzlösung, so findet man den gesamten Dann im Zustande der Kontraktion, ohne dafs kräftige peristaltische Bewegungen fehlen. Splanclmicusdurchschneidung bedingt nur Erweiterung der Mesenterialgefäfse. Injektion einiger Milligramm Atropin-sulphat bringt die Kontraktion des Darms zum Verschwinden und es tritt dann Lähmung ein, ohne dafs die direkte Erreg­barkeit der Muskulatur aufgehoben wäre. Das Blei erregt demnach die Darmganglien. Dem entspricht auch die Wahr­nehmung, dafs bei vorher atropinisierten Kaninchen, bei denen die Darmganglien gelähmt sind, Durchfälle vollständig aus­bleiben (Harnack). Einführung von Bleiacetat in den Magen (0,5 g p. die) bewirkt allgemeine Abmagerung und Tod nach 10—12 Tagen unter Krämpfen und Opisthotonus. Die Krämpfe sind als Erstickungskrämpfe aufzufassen; dieselben stellen sich dann ein, wenn das Herz eher zu schlagen aufhört, als die Lähmung der Körpermuskulatur eine komplete geworden ist. Bei Anwendung von Bleialbuminatlösung in den Magen fehlen die nach Acetat zu konstatierenden Anätzungen der Schleim­haut, es kommt aber alsdann zu Entleerung blutigen Urins (Mitscherlich).
Prevost und Binet erzielten durch Verfütterung von Bleikarbonat mit der täglichen Nahrung bei Kaninchen und Meerschweinchen eine nach mehreren Wochen oderMonaten, oder selbst nach 1 Jahre tödliche Vergiftung, bei welcher progressive hochgradige Abnahme der Zahl der roten Blut­körperchen, des Hämoglobin und des Körpergewichts, Lähmun­gen au den Hinterextremitäten, besonders den Extensoren der Zehen mit Abstumpfung der Empfindung gegen Berührung und Kälte, mitunter Analgesic und Abnahme der Patellarreflexe, vereinzelt Albuminurie die Hauptsymptome bildeten. Nach längerem, monatelangen Bestehen ist anatomisch eine periphere Neuritis nachzuweisen, hauptsächlich am Ischiadicus, Muskel­atrophie hingegen nicht (sporadisch trübe Schwellung und körnige Degeneration). Die vorhandene interstitielle Nephritis geht einher mit Bildung von Depots von Calciumphosphat. Die Nieren
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enthalten bis 2,1 pCt. der verfütterten Menge an Blei, die Knochen bei normalem Ca-Gehalt bis 0,6 pCt, wahrscheinlich als saures Bleiphosphat (Schwefelsäure extrahierte das Blei aus der Knochenasche nicht, wohl aber Salpetersäure). In Niere und Knochen fand sich Blei noch 4 Monate nach Auf­hebung der Zufuhr.
Schweine erliegen mitunter Vergiftungen durch Aufnahme von solchen Futtersuhstanzen, auf denen sich Bleidämpfe niedergeschlagen haben. Vor dem in ziem­lich kurzer Zeit erfolgenden Tode macht sich „Kreuz­lähmungquot; bemerklich (C. J. Fuchs). Hünefeld be­obachtete, dafs Bleiacetat Aderlafsblut vom Schwein ins bräunliche verändere und die Blutkörperchen auf­löse. Die tödliche Dosis per os ist von Bleiacetat auf ca. 0,5 g p. KK. zu veranschlagen.
An Schafen sind experimentelle Untersuchungen über chronische Vergiftung angestellt von Ellen-berger und V. Hofmeister. Einzelne der Tiere erhielten in ca. 3 Monaten 150 g Bleiacetat, ohne dafs auf akute Intoxikation deutende Symptome aufgetreten wären. Aufser den Ernährungsstörungen (abnehmende Frefslust, Abmagerung, trockene Wolle etc.) machten sich geltend grofse Muskelschwäche, etwas Unruhe, durch Leibschmerzen veranlafst, retardierte Kotentlee­rung, zuweilen Durchfall. Harnsekretion meist ver­ringert. Harnstoffausfuhr konstant vermindert. Ver­schwinden der Hippursäure im Harn, in höheren Gra­den Albuminurie. Die Schwäche wurde in der Zeit vor dem Tode so grofs, dafs die Schafe viel lagen. Icterus fehlte. Die Obduktion ergab diffuse Nephritis mit Quellung der Nierenepithelien und eigentümlicher Degeneration der Kerne, Fettdegeneration der Leber, Darmkatarrh, geringe Trübung der Muskulatur, in der Milz reichliche Einlagerung gelblich erscheinender,
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scholliger Pigmentmassen (Hämoglobin). Zur Tötung bei einmaliger Applikation kann man 0,6 g p. KK. als meistens ausreichend erachten.
Reicht man Pferden mehr als 500 g Bleiacetat auf einmal per os, so entsteht nach Her twig Ekel, Ko­lik, kleiner, harter, frequenter Puls, Blässe der Schleim­häute, zuerst Vermehrung der Ab- und Aussonderungen, dann Verminderung, Schwäche, Steifigkeit der Glieder, zuweilen Lähmung, Blindheit, Unempfindlichkeit und oft der Tod, in der Regel nach 1,5 — 2,0 g p. KK. Chronische Intoxikationen kommen durch Grünfutter in der Nähe von Bleiwerken zu stände, auch das in Teichen stagnierende Wasser solcher Gegenden ist an der Vergiftung nicht ganz schuldlos (Schmidt-Aachen). Heu, namentlich verregnetes, kann ohne Gefahr gefüttert werden, da das Blei nicht in die Pflanze übergeht, selbst wenn der Boden bleihaltig ist. Die Wirkung des aufgenommenen Bleis erstreckt sich lediglich auf die Kehlkopfsmuskeln, Bleikoliken fehlen. Solche Pferde verhalten sich im Ruhezustande wie gesunde. Nach kurzer Bewegung wird die Ein­atmung hörbar, pfeifend, die Atembeschwerden stei­gern sich bis zur Erstickungsgefahr, auch wenn die Pferde nicht weiter bewegt werden. Der Inspirations­ton geht in förmliches Brüllen über und ist dann auch bei der Exspiration hörbar. Unter Unruheerschei­nungen, Schweifsausbruch beginnen die Tiere zu schwanken, sie stürzen nieder, erholen sich aber nach einigen Minuten unter Abnahme des Respirations­geräusches. Ganz gesunde, nach Bleidistrikten zur Zeit der Grünfütterung verkaufte Pferde lassen bereits nach 12 Tagen die ersten Symptome der „saturninen Hartschnaufigkeitquot; erkennen. Translokation der Tiere
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bringt die Symptome allmählich zum Schwinden. An­dernfalls erfolgt konstant Zunahme bis zu den höch­sten Graden, so dafs die Tiere nur noch durch Trache-otomie arbeitsfähig zu erhalten sind. Mitunter er­folgt der Tod suffokatorisch unter Dejektion von schaumigem Blut aus den Nasenöffnungen. Interessant ist die Angabe von Schmidt, dafs die Obduktionen niemals Anhaltspunkte für die Bleiintoxikation ge­währen, aufser durch chemischeüntersuchung der Organe. (Bei Schafen enthielt die Niere am meisten Blei — 0,06 pCt. —, etwas weniger die Leber, 0,035 pCt.). An den Nn. recurrentes keine, nicht einmal mikrosko­pische Veränderungen. Auch an den Kehlkopfmuskeln, selbst nach jahrelanger Krankheit, keine Atrophie. — Dietrichs sah Bleikolik bei Pferden entstehen, deren durch Feuer stark beschädigte Haut mit Bleisalbe und Bleiwasser behandelt wurde.
Für Hunde werden 0,008 — 0,01 g des Triäthyl p. KK. intravenös oder subkutan tödlich. Der typische Verlauf der akuten Bleivergiftung beim Hunde weicht erheblich von jenen der bisher erwähnten Tiergattungen ab. Es treten nach Erholung von der Injektion zunächst unruhige, zuckende Bewegungen, dann flüssige Darm-entleerungen mit exquisiten Kolikschmerzen, bald darauf eigentümliche, der Chorea ähnliche Krämpfe ein. Liegt das Tier auf der Seite, so zuckt der Kopf beständig und sämtliche Extremitäten bewegen sich un­ausgesetzt. Respiration krampfhaft, stofsend. Krampf­hafte Streckungen und Beugungen wechseln mit Lauf­bewegungen ab. Bewufstsein, Sensibilität ungestört. Es stellt sich Beifslust ein; die Tiere fahren mit den Zähnen nach jedem Gegenstand, mit welchem sie be­rührt werden. Nach Chloroformierung sistieren samt-
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liehe Bewegungen, die Muskeln erschlaffen; bei Er­holung aus der Narkose beginnen die Krämpfe von neuem. Der Tod erfolgt durch Suffokation.
Obduktion: Darm stark kontrahiert, auf der Höhe der Schleimhautfalten punkt- und strichförmige Ekchymosen. Inhalt bräunlich, furchtbar stinkend. Auch bei chronischer Bleivergiftung fehlen die Krämpfe nicht. Ein kleiner Hund war von Annuschat mit 0,3 g Bleiacetat pro die 3 Wochen hindurch gefüttert worden. Die Folgen des Verbrauchs von 6,3 g äufserten sich in Abmagerung, Unfähigkeit, längere Zeit zu stehen, fast ununterbrochenem Zittern. Bisweilen springt das Tier plötzlich auf, läuft heulend einige Zeit um­her, in jeden erreichbaren Gegenstand beifsend (um sich hauend, „Haukrankheitquot; der Rinder). Frefslust fehlt, aber Durst vorhanden. Häufiges, spontanes Er­brechen. Sensorium frei. Versuchsweise werden nun­mehr 0,2 g Jodkalium p. die verabreicht. Schon nach einigen Tagen stellt sich grofser Hunger ein, am achten ist der Hund anscheinend hergestellt. Untersuchung des Harns ergab das 4 fache der vorher ausgeschie­denen Bleimenge. Ein nach 6 Wochen erneut auf­tretender Anfall (Appetitverlust, Heulen, Umherlaufen) wurde prompt durch Jodkalium dauernd beseitigt.
Die Bleiintoxikation der Rinder (Haukrankheit, Jammer) beginnt mit gewisser Trägheit (häufigem Lie­gen) , Unterdrückung der Frefslust und des Wieder­kauens. Darmentleerungen spärlich, Faces schwarz­gefärbt, konsistent, mitunter breiig. Urin selten ab­gesetzt, fast wasserhell. Kopf gesenkt, Rücken ge­krümmt. Flanken eingesunken, stark gespannt (Kon-traktur der Muskeln), Zähneknirschen. Im Liegen häufiges Ausstrecken und Anziehen der Extremitäten,
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unruhige Bewegung des Kopfes. Körpertemperatur erniedrigt. (Erstes Stadium.) Nach einigen Tagen fällt beschleunigtes Atmen auf mit zitternder Bewegung der Bauchmuskeln. Fast beständige Kaubewegungen, Speichelflufs. Krampfhaftes Heben der Hinterschenkel. Zuckungen an den Maulwinkeln, ruckweises Heben des Halses und Kopfes. Unterdrückung der Milch­sekretion. Bei Bewegungen Schwanken im Hinterteil, Steifheit der Vorhand. Die Iris reagiert nicht auf Lichtreize, die Tiere sehen Hindernisse nicht mehr. Die Blindheit (saturnine Amaurose) befällt meist beide Augen plötzlich und verschwindet in einigen Tagen wieder. Nach Erfahrungen beim Menschen soll eine Sehnervenaffektion zu Grunde liegen. (Zweites Stadium.) Im weiteren Verlaufe- treten periodische AnMle von Tobsucht ein, die Tiere steigen in die Krippe, bohren unter Brüllen mit den Hörnern in die Wand etc. Puls klein, hart oder fast verschwindend. Empfindung noch vorhanden. Endlich wird das Erheben vom Lager unmöglich. Die Zuckungen nehmen zu, die Atemnot steigt auf das höchste, und unter steter Be­wegung der Schenkel erfolgt der Tod. Obduktion: Blutüberfüllung des Herzens, der Venen, des Hirns und der Lunge. Blutarmut in den Organen der Bauch­höhle, Verengung des Dünndarms, nach Vergiftung mit Acetat die Schleimhaut stellenweise weifsgrau ge­färbt, trocken; gerötete Partien im Labmagen, beson­ders in der Nähe des Pylorus (C. J. Fuchs).
Nach Intoxikation mit Bleiacetat ist mehrfach ein mit heftigem Jucken verbundener Hautausschlag konsta­tiert worden (Prinz). Die minimale letale Dosis des Bleizuckers, welche in bisher beobachteten Fällen zum Tode führte, ist einer Mitteilung von Ritter zufolge
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auf ca. 50,0 g p. os zu bemessen. Zwei Kühe erhielten zusammen 105,0 g Bleizucker in zwei Gaben in Zwi­schenräumen von drei Tagen. Beide Tiere starben.
Bleivergiftungen der Vögel äufsern sich in un­sicherem Gang, Zittern und Zucken am Körper (Flügel, Kopf, Beine). K a t z e n, bei denen 0,00 g Triäthylacetat subkutan sicher tödlich wirken, sind die Symptome ganz ähnlich. Durchfall tritt gewöhnlich nicht ein. Gegen das Ende hin prävalieren die Lähmungserscheinungen.
Behandlung: Ist das Gift noch im Magen zu vermuten, Brechmittel, sonst Laxantien, insbesondere Sulfate, Ricinusöl (Drastica wegen der von Gesenius nachgewiesenen körnigen und fettigen Degeneration der Muscularis und Endothelien der Gefafse kontra­indiziert). Zur Beseitigung der quälenden Darm­schmerzen Atropin. Jodkali bei chronischer Intoxi­kation, bei fortgesetzter Anwendung Jodnatrium (hy­groskopisch) vorzuziehen. Bei Kehlkopfsaffektionen der Pferde Veratrin vorsichtig zu versuchen. Als Futter­mittel Kleie.
Zum Nachweis der Bleisalze dienen die gewöhn­lichen Reaktionen: Schwefelwasserstoff fällt schwarz, Jodkalium und Chromsäure gelb, Schwefelsäure und Salzsäure weifs. Quantitative Bestimmung am besten als Schwefelblei.
Kupfer.
Kupfer als Metall ist fur den Tierkörper nicht ganz ungefährlich. Z ü n d e 1 fand hei einem heifssüchtig gewordenen Hunde zwei Kupfermünzen im Magen, da­bei Rötung und Schwellung auch im Darm. In einem von Senf ft beschriebenen, den Menschen betreffenden Falle gaben verschluckte Kupfermünzen zu heftiger, fünf Monate andauernder Erkrankung Veranlassung.
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Dafs die Münzen die Ursache zu der Intoxikation gewor­den waren, ergab die Untersuchung des Harns, in wel­chem Kupfer gefunden wurde. Bei Rindern vermag die Anwesenheit von Kupfererz im Magen Veranlassung zu Darmentzündung zu geben, welche auf gelöstes und re­sorbiertes Metall zu beziehen ist. Ungleich leichter werden lösliche Kupferverbindungen Ursache tödlicher Erkrankung. Dieselben können als Medikament inner­lich gegeben oder von Wunden aus als Albuminat zur Resorption gelangen, oder mit der Nahrung nach Im­prägnierung gegen Wurmfrafs oder nach Zubereitung derselben in kupfernen Gefäfsen in den Tierkörper eingeführt werden, und zwar als schwefelsaures, kohlen­saures, essig-, butter-, milch-, citronen- oder oxalsaures Kupfer, resp. als Kupferseife in Form des öl-, palmi-tin- oder stearinsauren Kupfers. An und für sich bilden die Cu-Salze mit Eiweifslösungen voluminöse Niederschläge, welche im Überschufs der Salzlösung sich wieder auflösen.
Harnacks Untersuchungen mit weinsaurem Kupferoxyd-Natron (fällt Eiweifs nicht) ergaben, dafs beim Frosch 0,5 bis 0,75 Mg., bei Kaninchen 0,05 g, bei Hunden 0,4 g CuO sub­kutan tödlich wirken. Kleine Dosen schwächen die Leistung des Muskels ab, gröfsere führen zum Erlöschen der direkten Erregbarkeit der willkürlichen Muskeln. Injiziert man einem Kaninchen in die Jugularvene eine Auflösung von Kupfer-albuminat in kohlensaurem Natron, entsprechend 0,012 CuO, so treten im Laufe der nächsten Stunden gar keine abnormen Erscheinungen ein. Dann erst beginnt nach kurzer Steigerung der Erregbarkeit und heftigen fibrillären Zuckungen die Muskellähmung, und das Tier geht wenige Stunden darauf zu Grunde, wesentlich durch Einwirkung auf das Herz, wie Frosch­versuche lehrten. Letzteres wird im Anfang erregt, viel stärker als durch Atropin, wodurch der Blutdruck sehr erheb­lich gesteigert wird, worauf auch hier Lähmungserscheinungen einsetzen, beginnend mit unregelmäfsigen Kontraktionen (nicht alle Teile werden gleichmäfsig gelähmt), schliefslich Stillstand
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ohne Beteiligung des Vagus. Injiziert man gröfsere Quanti­täten der Lösungen in den Magen, so tritt bei Hunden (nach einer Menge entsprechend 0,09 g CuO) durch lokale Wirkung auf die Magenwand heftiges, wiederholtes Erbrechen, später auch Durchfall ein. Beim Kaninchen machen sich etwa 15 Minuten nach Ingestion von einigen Kubikcentimetern der Kupferlosung (entsprechend 0,075 CuO) Symptome geltend, welche auf eine Erregung des Grofshirns deuten. Die Körpertemperatur sinkt nach A. Falck um 3,7—9,6deg;. Die Eliminierung vollzieht sich durch Urin und Fäces: ein Teil bleibt ähnlich wie beim Blei in den Parenchymen zurück und wird alsdann sehr langsam ausgeschieden.
Die Eiweifs koagulierenden Salze verursachen auf Schleimhäuten starke Reizung, Entzündung und ober­flächliche Ätzung, so insbesondere das Kupfersulfat, welches verhältnismäfsig am stärksten ätzt, schwächer allerdings als Silbernitrat. Es treten im Darmtraktus jedoch auch entzündliche Veränderungen ein, wenn das Salz von der Subcutis oder Wunden aus aufge­nommen wird. Orfila applizierte 0,6 g Kupfersulfat (10 Gran) einem starken Hunde auf das Unterhaut­gewebe des Halses. Das Tier starb unter zunehmender Schwäche 31/2 Tage später, ohne andere Symptome als Mattigkeit, Appetitlosigkeit und Durchfall gezeigt zu haben. Erbrechen blieb vollständig aus. Bei der Ob­duktion fand sich in der Nähe des Pylorus eine kleine, miliare Hämorrhagie, die Schleimhaut des Mastdarms schwarzrot gefärbt. Lunge mit Blut angeschoppt, mit schwärzlichen Flecken gleichsam marmoriert, im Herz kleine subendokardiale Ekchymosen.
Bezüglich der Symptomatologie der Kupfervergif­tung bei Schweinen sind wir auf klinische Beobach­tungen angewiesen, von welchen zwei gut beschriebene Fälle herausgegriffen sind. Vier Ferkel von 1li Jahr bekamen am Abend gekochte Kartoffeln, Bohnen und Mohrrüben, welche einen Tag in einem kupfernen Kessel
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gestanden hatten. Am nächsten Morgen zeigten sie alle heftige Konvulsionen, wobei die Tiere oft auf­sprangen und forttaumelten, bis sie wieder nieder­stürzten. Solche Anfälle dauerten 3 — 5 Minuten, setzten aus und wiederholten sich in gleicher Weise; später wurden sie seltener und gingen in Torpor über. Bei einem Schweine Aufblähung, Lähmung der Zunge und des Schlundkopfes, bei zwei Schweinen Erbrechen. Drei Schweine starben (Saake). 120 Ferkel, 60 Sauen und 30 Mastschweine bekamen zu ihrem Futter ca. sechs Eimer Molke, in welcher Kupfergeschirr unter An­wärmen in einem Kupferkessel gescheuert worden war und einen Tag darin gelegen hatte. Nach zwei Stun­den erkrankten sämtliche Tiere. In der Nacht starben acht Ferkel, im Verlauf der nächsten fünf Tage noch 77 Stück. Die Tiere erbrachen, bekamen heftige Kon­vulsionen, fielen plötzlich um und verendeten. Die Obduktion ergab hauptsächlich starke Entzündung des Magens und Darmkanals. Die Vergiftungssymptome bei den älteren Sauen und Mutterschweinen, welche nach einigen Tagen sämtlich genasen, hatten sich in starker Auftreibung des Abdomen, taumelndem Gang, Durchfall mit gelb gefärbten Exkrementen, geröteten Augen und beschleunigtem Atmen geäufsert (Egge-ling). Nach He rt w i g genügt vom Kupfersulfat eine 4,0 g überschreitende Quantität, um bei Schweinen und Schafen unter Appetitverminderung Diarrhöe (nicht konstant) und Gastroenteritis den Tod herbei­zuführen.
An der letztgenannten Tiergattung stellten Ellen-berger und Hofmeister Versuche an über die Wirkung anhaltender Zufuhr von Kupfersulfat in kleinen Dosen. Das eine Schaf erhielt in 52 Tagen
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89 g, das zweite in 114 Tagen 182,5 g in Dosen von 0,3 — 3,0 g p. die. Beide Tiere starben. Ein drittes bekam 50 g in 50 Tagen, blieb darauf ca. fünf Wochen anscheinend gesund, erkrankte aber in der sechsten Woche nach dem Aufhören der Verabreichung plötz­lich an einer sog. Nachvergiftung, wie solche auch bei Pferden von Dupuy bereits konstatiert wurde, und ging ebenfalls zu Grunde. Die Tiere zeigten bereits im Anfange Schwäche, magerten ab und waren schliefs-lich unvermögend, sich auf den Beinen zu halten. Re­spiration, besonders in der letzten Zeit vor dem Tode, erschwert. Auffälliges Muskelzittern oder Krämpfe kamen nicht regelmäfsig vor, Brechneigung fehlte gänz­lich. Als konstante Symptome fanden sich bei sämt­lichen Versuchstieren Verminderung der Chloride und Phosphate im Harn (HarnstofFausfuhr unverändert), Albuminurie und Icterus, gegen Ende Hämoglobinurie, unter Umständen Hämaturie. Zeitweise bestand Ver­stopfung, Appetitverminderung und mangelhaftes Ru­minieren, In den höheren Graden der Intoxikation steigt die Innentemperatur, ebenso die Zahl der Pulse und Atemzüge. Kurz vor dem Tode, welcher unter klonischen Krämpfen erfolgt, stellt sich gewöhnlich noch heftige Diarrhöe ein. Obduktion: Hämorrhagisch-parenchymatöse Nephritis (Rinde dunkelrot, Mark schmutzig gelbgrau). In den Nierenkanälchen körnige und krümliche, hellbräunlichrote Niederschläge, ähnlich wie bei Intoxikation mit chlorsaurem Kali, verdorbener Schlampe, Lupinose und mitunter bei Bleivergiftung. Leber ikterisch, stets fettig degeneriert. Muskulatur und Herzfleisch etwas körnig und getrübt. Darmkanal im Zustande des chronischen oder akuten Katarrh.
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Milztumor und Lungenödem. Vorhandene Blutgerinnsel schmutzig braunrot. Perikardialflüssigkeit grünlich.
Die Kupferablagerung in den Muskeln war nicht sehr bedeutend (0,004 pCt. CuO im frischen Muskel), aber immerhin genügend, um zur Vorsicht beim Ge­nüsse des Fleisches von Tieren zu malmen, denen Kupfersalze einverleibt sind.
Die hauptsächlichste Kupferausfuhr erfolgt durch den Kot, wesentlich durch Vermittelung der Galle. Bei dem Schaf, welches noch 41 Tage nach Be­endigung der Kupferdarreichung lebte, konnte stets Kupfer im Kot gefunden werden. Die Ausscheidung durch den Harn sistierte bald und kehrte nur perio­disch wieder. Die Leber und die Galle enthielt stets erheblich mehr Kupfer, als Niere und Harn. Da die drüsigen Annexe des Darms fortwährend die im Körper zurückgehaltenen Metallverbindungen in den Darm abscheiden, so liegt hierin die Gefahr erneuter Ke-sorption und der dadurch bedingten Nachvergiftung.
Eine bei einer Ziege beobachtete Kupfervergiftung ist dadurch von Interesse, dafs die Ausscheidung von Kupfer auch seitens der Milchdrüse durch Erkrankung einer Anzahl Personen nach dem Milchgenufs sicher­gestellt wurde. Die in einem kupfernen Kessel auf­bewahrte und sauer gewordene Bouillon bedingte bei den Ziegen am dritten Tage Intoxikation, am nächsten Tod. Die Milch, welche am Tage vor der offenbaren Erkrankung noch gewonnen worden war, hatte bei 15 Personen Ekel, Erbrechen, Kopf- und Glieder­schmerzen zur Folge gehabt.
Für Rinder und Pferde verursachen erst 45,0 g übersteigende Dosen des Kupfersulfats tödliche Vergif­tung. Längere Zeit fortgesetzte kleine Gaben (8,0 g
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2—3 Wochen hindurch, Gerlach) wirken hei Rin­dern nicht letal.
Nach Landvatter erkrankten zwei Pferde nach Genufs von Kupfervitriol in gebeiztem Weizen an hohem Fieber, Verstopfung und Kolikschmerzen. Aufserdem zeigte sich bei beiden Pferden noch Starr­heit der Muskeln, welche Ähnlichkeit mit Starrkrampf hatte. Das eine Pferd starb, das andere genas, blieb aber einige Wochen hindurch steif. Dupuy gab einem Pferde 30,0 g Kupferacetat. Zwei Stunden darauf Kolikerscheinungen, nach deren Ablauf das Tier 60,0 g unmittelbar hinterher erhielt. Kolik be­reits in der nächsten Viertelstunde. Vorübergehende Pulsfrequenz, dann fünf Tage hindurch normales Be­finden. Am sechsten traten plötzlich grol'se Schwäche und Konvulsionen ein, denen der Tod bald folgte.
Behandlung: Entleerung des Magens und Darms, wobei Ricinusöl, überhaupt fette Öle, zu ver­meiden sind. Als Antidot Milch, Magnesia usta, Ferro-cyankalium (bildet in verdünnten Säuren unlöslichen Niederschlag von Cupriferrocyanat), Glykosen (Sirup, Dextrose etc., wodurch Reduktion zu dem relativ un­schädlichen Oxydul bedingt wird).
Nachweis: Blankes Eisen (Messerklinge) über­zieht sich in angesäuerten Lösungen mit einer Schicht metallischen Kupfers, die nach Husemann selbst in 15 000 fach verdünnter Cu-Lösung noch entsteht. Sonst die bekannten Reaktionen: im überschüssigen Ammo­niak Blaufärbung durch Bildung von Kupferoxyd­ammoniak. Schwefelwasserstoff fallt braunschwai'zes, in verdünnten Säuren unlösliches Sulfid. Ferrocyan-kalium giebt braunrote Niederschläge.
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Quecksilber.
Das Quecksilber schliest sich in Bezug auf seine toxikologische Stellung den übrigen metallischen Giften, besonders dem Blei, eng an, unterscheidet sich aber von diesem in mancher Hinsicht, namentlich durch die Erzeugung ulceröser Stomatitis.
Das metallische Quecksilber wirkt, bei Fleisch­fressern wenigstens, an sich unschädlich*). Ein Hund erhielt in 16 Tagen 122 g Hg mit Fleisch zusammen ohne jeden Nachteil. Wie gewöhnlich, war der schwarze Fleischkot hart und fest, der Appetit normal etc. Die Dämpfe des Quecksilbers können chronische Vergiftung veranlassen. Nach H a c q u e t bekam das Vieh, welches bei Idria in der Nähe der Hochöfen weidete. Zittern, verlor die Zähne und Frefslust und erkrankte tödlich. Beyer erwähnt, dafs ein von der Familie eines Spiegel­belegers gehaltener Hund an Zittern der Glieder und an Speichelflufs litt. Auf dem „Triomphquot;, einem franzö­sischen Kriegsschiff von 74 Kanonen, welches 1810 von einer gestrandeten spanischen Schaluppe Quecksilber­fässer in mangelhafter Verpackung an Bord genommen hatte, starben sämtliche Tiere (Schweine, Schafe, Ziegen, ein Hund, mehrere Katzen, Hühner, ein Zeisig und die Mäuse). Die Mannschaft erkrankte, mehrere starben gleichfalls an Merkurialismus (Orfila).
Die Quecksilberpräparate lassen sich in zwei Gruppen einteilen, in solche, bei denen in konzentrier-terer Form die lokale Ätzwirkung in den Vordergrund tritt, und in nicht ätzende, bei denen die Allgemein-
*) Beim Menschen hat man nach Benutzung des metallischen Quecksilbers bei Darmverschlingung in verschiedenen Fällen infolge Retention hochgradige Quecksilbervergiftung auftreten sehen.
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Wirkungen sich in erster Linie bemerklich machen, während die Lokalerscheinungen weniger ausgebildet sind oder fehlen. Zu ersteren zählen die wasserlöslichen, Eiweifs koagulierenden Merkuriverbindungen, geordnet nach der Intensität der ätzenden Eigenschaften: Queck­silberchlorid (Sublimat), Hg Cl2, Quecksilber) odid (rot) HgJ2, Merkuriammoniumchlorid (weifser, unschmelz­barer Präcipitat) NH2—Hg—Cl und Quecksilberoxyd HgO, zu den milden: Quecksilberchlorttr (Kalomel), HgCl, das Jodür (grüngelb) HgJ, die graue Queck­silbersalbe, die unlöslichen anorganischen und die Eiweifs nicht koagulierenden organischen, wasserlöslichen Quecksilbersalze.
Die meisten Vergiftungen ereignen sich durch An­wendung von Quecksilberpräparaten seitens unkun­diger Laien durch Überschreitung der therapeutisch zulässigen Dosen. Nimmt man die toxische allgemeine Wirkung der grauen Quecksilbersalbe nach äufserer Anwendung als Mafsstab der Empfindlichkeit der ver­schiedenen Tierspecies an, so stehen obenan Vögel (kleine starben nach Einreibung mit 0,6 g, Her twig), Kaninchen und Katzen. Etwas langsamer stellen sich Allgemeinwirkungen ein bei Hunden, Schafen, Ziegen und Kindern, noch langsamer bei Schweinen und am langsamsten bei Pferden.
Zu den Quecksilberverbindungen, welche die geringsten sichtbaren Veränderungen bedingen, gehört das Quecksilber-diäthyl, Hg(C2H5)2, eine helle, wasserunlösliche Flüssigkeit, welcher in l-5pCt. öliger Lösung jegliche lokale Reiz­wirkung an der Einstichstelle abgeht. Bei Anwendung dieser Präparate treten die Abweichungen in dem Verhalten der neu-romuskulären Sphäre am deutlichsten hervor (P. Hepp). Fast ebenso wirken die von .f. v. Mering zu Tierversuchen be­nutzten Verbindungen mit Amidosäuren (Grlykokoll-, Asparagin-, Alanin-HgO),bei welchen jedoch bei akuten Intoxikationen Darm-
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 14
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Symptome, bei chronischen die Stomatis ganz wie bei den an­organischen Verbindungen prodromal voraufgehen.
Auf Frösche wirken die Präparate ohne Unterschied lähmend (0,002 g HgO letal). Zuerst schwinden die willkür­lichen, bald auch die reflektorischen Bewegungen (am Hinter­körper zuerst). Die Respiration sistiert, die Herzschläge ver­langsamen sich, ohne dafs Vagusdurchschneidung eine Änderung bedingt, werden unregelmäfsig, es erfolgt meist diastolischer Stillstand. Die direkte und indirekte Erregbarkeit der Skelett­muskulatur ist vermindert, die Leistungsfähigkeit verringert (Ermüdungskurve zeigt im Gegensatz zu Blei gleichmäfsige Abnahme, Robert). Ein ganz ähnliches Verhalten zeigt der Herzmuskel.
Bei kleineren Säugern (Kaninchen, Katzen, Hunden) treten bei akuter Vergiftung Symptome seitens des Darmtraktus auf: Erbrechen, wässeriger, mitunter blutiger Durchfall, Tenesmus und lebhafter Abdominalschmerz, in einzelnen Fällen Saliva­tion. Die Atmung wird frequent und unregelmäfsig, erfolgt stofsweise und setzt mitunter aus.
Hochgradige Bewegungsstörungen pflegen sich bei Hunden und Katzen fast gleichzeitig mit den Darmsymptomen auszu­bilden. Beim Kaninchen, bei welchem die auch nach Subkutan­injektionen fast nie fehlende Gastroenteritis symptomenlos ver­läuft, beherrschen sie vollständig das Bild der Vergiftung. Sie bestehen in Ataxie verschiedenen Grades, in einer mehr oder weniger ausgesprochenen, die Hinterbeine zuerst ergreifen­den Lähmung spinalen Ursprungs (Sensorium anfangs frei).
Gehen die Tiere nicht sofort oder in den ersten Tagen zu Grunde, so kommen später ausgesprochene Symptome von Erethismus und Tremor zum Vorschein (hochgradig gesteigerte psychische Erregbarkeit der Spiegelbelcger), welche zweifellos auf cerebrale Störungen zurückzuführen sind, da gleichzeitig Ver­lust des Geruchs, des Sehvermögens, Hyperästhesie des Gehörs resp. Taubheit besteht. Hunde werden beifslustig, geraten bei geringfügigen Veranlassungen in Wut, schnappen in die Luft, laufen mit dem Kopf an die Wand. Kaninchen und Katzen sind äufserst schreckhaft. Nach Berührung beginnen Zuckungen und vergebliche Pluchtbewegungen, die Tiere fallen von einer Seite zur anderen, es stellen sich bei Kanin­chen an den Hinterextremitäten klonische, sich bald auf den Rumpf und die Vorderbeine ausdehnende Krämpfe ein mit terminalem Zittern. Im Harn Eiweifs und Zucker (Sai-kowsky, Rosenbach). Bei Katzen setzt der Tremor, wel-
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eher sehr an Paralysis agitans erinnert, an den Oherextremi-täten ein. Dahei zunehmender Stumpfsinn. Eine Abnahme des Blutdrucks, mitunter kontinuierlich, nicht selten aber plötzlich infolge von akuter Herzlähmung bis zur Absci^se sinkend, ist konstant vorhanden. Die Pulsfrequenz bleibt lange Zeit un­verändert und nimmt erst ab, wenn ein beträchtliches Sinken des Blutdruckes eingetreten ist. Weder Atropinisierung noch Durchneidung beider Vagi ändert dieses Verhalten des Pulses.
Chronische, Wochen und Monate anhaltende Erkran­kung nach andauernder Zuführung kleinerer Dosen beginnt mit manifesten pathologischen Veränderungen zuerst gewöhnlich an der Maulhöhle sich zu äufsern. Die Schleimhaut der Zunge und das Zahnfleisch sind geschwollen, die Zunge zeigt flache Zalmeindrücke, aus dem Maul strömt widerlicher Geruch (Fötor ex ore), Speichelsekretion gesteigert, ohne dafs notwendig Speichelflufs zu bestehen braucht. Appetitmangel und Durch­fall. Auf Backenschleimhaut und Zungenrändern etablieren sich graugelbliche, speckige Geschwüre, die Zähne zeigen gelbliche oder grauschwärzliche Verfärbung und neigen zu Caries. Bald folgt hochgradige Anämie, Abmagerung, allge­meine Schwäche. Schliefslich erlahmt die Herzthätigkeit und die Tiere kollabieren. Psychische Reizbarkeit und Tremor können fehlen.
Die Obduktion ergiebt bei akuter Vergiftung intensive Hyperämie und hämorrhagische Erosionen der Mageudarm-schleimhaut, auch dann, wenn die Applikation subkutan.erfolgte oder nach Einreibungen das Ablecken verhindert war. Nicht selten Icterus. Mitunter starke Hämorrhagien im Herzmuskel und im Zwerchfell, zuweilen auch in der Blase. Leber, Niere hyperämisch. Blut dunkel, meist dickflüssig. — Bei chronischer Vergiftung hochgradigerKatarrh desMagendarmkauals, Schleim­häute geschwollen, braunrot bis sehiefergrau (besonders Dick­darm), auf der Faltenhöhe Geschwüre mit diphtherischem Charakter, stellenweise bis in die Muskularis vordringend, ähnlich im Maul. Kaninchen acquirieren bei den über einige Tage ausgedehnten Vergiftungen einen beträchtlichen Kalk­infarkt der Niere (makroskopisch weifsliche Streifung der Corticalis), welcher indessen nicht als etwas für Quecksilberver­giftung Spezifisches aufzufassen ist, da derselbe auch nach Aloin-, Glycerin- etc. Intoxikationen, kurz in allen Fällen wo Epithelne-krose vorliegt, gefunden wird. In den Nieren der Hunde und Katzen läfst sich Kalk nicht nachweisen, dagegen häufig hämor­rhagische Glomerulonephritis. Im menschlichen Urin konstatierte G. Hoppe-Seyler eine bis um das lOfachegesteigerte Ausfuhr
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von phosphorsaurem Kalk und hält derselbe die Diurese ge­radezu bedingt durch die gröfsere Menge der auszuscheidenden Kalksalze.
Das Blut erleidet unter Einflufs der Hg-Verbindungen eingreifende Veränderungen. Ein Teil der roten Blutkörper­chen geht zu Grunde. Frisches Blut vergifteter Tiere, ge­sunden transfundiert, bewirkt umfangreiche Thrombosen in der Lunge, dem rechten Herzen und dem Darm (C. Kauf­mann). Von Popow wurden bei chronischen Intoxikationen besonders an den Gefäfsen des Rückenmarks nekrohiotische Prozesse konstatiert. Lazarevic fand am Boden der Rauten­grube punktförmige Hämorrhagien, ebenso in der Rinde des Grofshirns und innerhalb der trüben, oft sulzig infiltrierten Muskulatur.
Die Resorption der Eiweifs fällenden Quecksilberverbin­dungen erfolgt als Quecksilberoxydalbuminat (aus Sublimat chlorfrei zu erhalten), welches in überschüssigem Eiweifs, sowie in Kochsalz leicht löslich ist. Nicht lösliche Salze werden durch Oxydation oder Überführung in Chloride (Kalomel per os) derart verändert, dafs Albuminatbildung und Resorption er­folgen kann. Ausgeschieden wird Quecksilber durch sämtliche Sekrete (Speichel, Galle, Harn, Schweifs, Milch).
Als minimale tödliche Dosis für ein Kanin­chen von 2,2 kg fand H e p p 0,09 Hg^H^, enthaltend 77 pCt. Hg, welches in täglichen Einzeldosen ä 0,01 g subkutan beigebracht wurde. Tod am 10. Tage. Ein Hund von 5,4 kg verendete nach ca. acht Tagen an den Folgen von refr. dosi injizierten 0,45 g desselben Prä­parates (vom Sublimat töten 0,25—0,35), eine Katze von 3,4 kg nach 0,1 g in Einzeldosen im Verlaufe von ca. 7 Wochen. — Grofse Dosen von löslichen Hg-Prä-paraten sind im stände, innerhalb weniger Minuten nach subkutaner Injektion zu töten. J. v. Mering inji­zierte einer grofsen Katze Glykokollquecksilber mit einem Gehalt von 0,4 HgO. Nach 2—8 Minuten be­gann das Tier plötzlich zu schreien, bekam Dyspnoe und ging unter Krämpfen 5 Minuten nach der Ein­führung des Giftes zu Grunde. Sektionsresultat nega-
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tiv. Innerliche Anwendung erfordert zur Tötung viel höhere Gaben. R i e d e r e r gab einem Hunde im Laufe von 31 Tagen 2,8 g Kalomel (mit 85 pCt. Hg) in 68 Dosen, an denen das Tier starb, 67—77 pCt. hatten den Körper mit dem Kot, 2—3 pCt. mit dem Harn verlassen, in den Parenchymen (Hirn, Herz, Lunge, Milz etc.) fanden sich nur 0,3 pCt, in den Muskeln 0,4, in der Leber 0,5 pCt. des eingeführten Hg.
Bei Schafen ereignen sich Vergiftungen nicht selten bei der Räudewäsche mit Sublimatlösung. Nach münd­licher Mitteilung von Liefs ist ein kurzdauerndes Vollbad mit einer Lösung von 2 p. M. im stände, bei Schwächlingen toxisch, selbst letal zu wirken, eine Eventualität, welcher man sicher entgeht bei An­wendung von 1:1000 aq. Vergiftung einer ganzen, ca, 335 Häupter zählenden Schafherde nach Benutzung einer ca. 1 pCt. Sublimatlösung als Bad sah Kuhl-mann im Verlaufe von 14 Tagen bis 3 Wochen ein­treten. Als Kuhlmann hinzukam, waren von 335 Stück bereits 225 tot. Die noch lebenden zeigten Abmage­rung, eingefallenen Leib, träges Stehen mit gesenktem Kopf, schleppenden, schwankenden Gang, blasse Schleim­häute, unterdrückte Frefslust, kleinen, frequenten Puls (120—130 p. M.). Sektion: Fleisch dunkel, Blut flüs­sig, fast schwarz, sämtliche Organe in der Brust- und Bauchhöhle dunkelrot, an den Lungen schwarzrote gröfsere und kleinere Flecken. In Haut, Leber und Blut wurde Quecksilber bei der Analyse gefunden. Da im ganzen 2,5 kg Sublimat verwendet worden waren, entfielen somit auf je ein Schaf 7,5 g des Giftes. Von Kalomel können bei innerlicher Anwendung 5,0 g, von Sublimat 2—3,0 g tödlich werden.
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Ziegen verfielen nach Verbrauch von ca. 30,0 g grauer Salbe (officinell mit ca. 81 pCt. Hg.) in Krämpfe (Hertwig).
Für Schweine sind 10,0 Kalomel eine toxische, aber nicht notwendig tödliche Dosis. Es erfolgt Er­brechen, Diarrhöe etc.
Rinder zeigen fast konstant nach äufserlicher An­wendung der grauen Salbe mehr oder weniger aus­gebreitete, trockene oder nässende Hautausschläge. Erstere treten auf bei alten, mageren Tieren, meist erst einige Wochen nach den Einreibungen vorzugsweise an der Applikationsstelle und charakterisieren sich durch Jucken, Ausfallen der Haare und Desquamation der Epidermis in mehr oder weniger grofsen Schollen. Jüngere, gut genährte Tiere zeigen fleckige Rötung, Schwellung mit Exsudatbildung ohne oder mit Ab­hebung der Epidermis und nachträglicher Schorf bildung. In leichteren Fällen beschränken sich die Intoxikations-symptome auf Husten und Mattigkeit, wozu sich bei intensiverer Vergiftung Abmagerung und der erwähnte Hautausschlag gesellen, welcher bei schweren Erkran­kungen primär erscheint, begleitet von pneumonischen Erscheinungen etc.
Eine typische Vergiftung bei Rindern schildert Hable. Ein Knecht hatte im Auftrage des Besitzers 10 Stück mit Läusen behaftete Rinder mit Ung. einer, eingerieben und zwar total. Die Tiere, welche sich gegenseitig abgeleckt hatten, erkrankten sämtlich. Die Frefslust fehlte. Schlingen erschwert. Aus Maul und Naseflofs zäher, glasiger, mit Blut untermischter Schleim. Die Augen thränten. Conjunctiva rot. Allenthalben an der Haut Bläschen oder flache, blutige Greschwüre von Linsen- oder Bohnengröfse. Nach Haubold
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findet sich auch strangartige Anschwellung und Ver­eiterung der LymphgefUfse an den inneren Schenkel­flächen unter der Brust vor nebst Schwellung der zuge­hörigen Drüsen. Starker Juckreiz, heftiges Zittern, Vibrieren der Muskeln; aufrechtes Stehen bei ein­zelnen nur mit Mühe möglich. Zahnfleisch violettrot mit oberflächlichen Substanzenverlusten. Mist anfangs trocken, später bei zwei nachträglich verendeten Tieren dünnflüssig, übelriechend, starker Husten, röchelndes, beschleunigtes Atmen, Fötor ex ore. Puls beschleunigt, gespannt. Trächtige Tiere abor­tieren. Nach Her twig genügen 60,0 g der Salbe, auf 3—4 Tage verteilt, um hochgradige Vergiftung herbeizuführen. Andere Hg-Präparate wirken noch intensiver toxisch. Eine 5,0 g Hg J2 enthaltende Salbe eingerieben, ist im stände, den Tod eines Rindes zu veranlassen. K. Günther berichtet, dafs nach An­wendung von 64 g Hydrarg. oxydül. nitric, für 14 Kühe in Va pCt. Lösung gegen Ungeziefer drei Kühe starben and eine vierte notgeschlachtet werden mufste.
Pferde sind ungleich resistenter. Ein Versuchs­pferd erkrankte bei fortgesetzter Einreibung am 16. Tage an Speichelflufs und am 29. Tage erfolgte der Tod, nachdem 3,24 kg Salbe verbraucht waren (S c h u b a r t h).
Von Sublimat töten 15 g innerlich ein Pferd in 12 Stunden, 8,0 g ein Rind innerhalb 14 Tagen. Ka-lomel wirkt bei Pferden zu 18.0, bei Rindern zu 8,0 g noch nicht tödlich (geringe Kolik, nach 24—36 Stunden starke Diarrhöe).
Behandlung: In akuten Fällen nach interner Applikation Eiweifs, schleimige Mittel, Milch. Nach äufserer Anwendung gründliche Reinigung der Haut­oberfläche mit. warmem Seifenwasser. Bezüglich der
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antidotarischen Wirkung des Schwefeleisens hat Or­fila einige Versuche angestellt. Schwefeleisen hebt die giftigen Wirkungen des Sublimats vollständig auf, wenn es in genügender Dosis unmittelbar nach Ein­führung des Giftes gegeben werden kann. 10—15 Minuten nachher ist es nicht im stände, die tödliche Sublimatwirkung zu paralysieren. Sonst symptomatische Behandlung.
Nachweis. Bei der Zerstörung organischen Ma­terials mit Salzsäure und Kaliumchlorat hat man nach bereits eingetretener Verflüssigung des Gemisches das Erhitzen noch einige Stunden fortzusetzen, da sonst metallisches Quecksilber ungelöst bleiben kann (M. T. L e c c o). Fügt man zu einer Quecksilber-haltigen Flüssig­keit ein wenig Jodkalium, alsdann Natronlauge im Über-schufs und zuletzt Chlorammonium, so entsteht selbst in Verdünnungen der Hg-Salze von 1 : 80 000 ein roter Niederschlag von Oxydimerkuriammoniumjodid, welcher sich auf weiteren Zusatz von Jodkalium löst (J. Klei n). Im übrigen verfährt man nach den Regeln der ana­lytischen Chemie, falls weitere Eeaktionen oder quan­titative Bestimmung wünschenswert erscheinen. (Bei minimalen Mengen, Methode Winternitz, Zeitschrift für exper. Pathol. und Pharm., XXV. 1889, S. 225.)
Zink.
Zinkvergiftungen kommen bei unseren Haustieren nicht gerade sehr selten vor. Abgesehen von einer möglichen Verwechselung von Zinksulfat mit Bitter­salz ereignen sich derartige Fälle in Zinkhüttenbezir­ken bei Rindern, Schweinen, Gänsen und Enten, bei letzteren so häufig, dafs das Geflügel in Zinkhütten vielfach überhaupt abgeschafft wurde. Gelegenheit zur
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Intoxikation ist gegeben durch Ablagerung von Hütten­rauch, Zinkoxydflocken auf naheliegende Weide­flächen, ev. durch Aufnahme von Tränkwasser, welches durch aus Zinkhütten ablaufendes sogenanntes Gal-meiwasser verunreinigt war. Letzteres enthält Zink­karbonat (ZnC03) und Zinksilikat (Zn2Si04 H20). Vergiftung durch zinkhaltige Nahrungsmittel ist nur in einem Falle bislang beobachtet worden, in welchem vier Kühe Mehl, das auf mechanischem Wege mit Zinkoxyd verunreinigt war, verzehrt hatten (Hahn).
Die Symptome der Zinkvergiftung bestehen in Er­brechen (bei Hunden, Katzen etc.), Kolik, Durchfall, Atembeschwerden, Schwäche und Lähmung (bei Ge­flügel stark ausgeprägt) und Herzschwäche. Bei mehr chronischem Verlaufe zeigen sich Abmagerung, Anä­mie, Mattigkeit, schwankender Gang, völlige Appetit­losigkeit.
Die löslichen Zinkverbindungen gelangen als Albuminate zur Resorption; sie wirken herabsetzend auf die Eeflexerreg-barkeit undlähmendaufdieMuskeln des Köipers und desHerzens, so dafs der Tod unter vollständiger Ruhe erfolgt. Orfila injizierte 1,0 g in die Jugularis eines kleinen Hundes. Nach einigen Sekunden erbrach er und starb nach drei Minuten so ruhig, dafs man glauben konnte, er sei eingeschlafen. Die an den Muskeln eintretende Veränderung besteht in sogenannter schlaffer Lähmung, d. h. es ist physiologi-che Thätigkeit ebenso wenig möglich, wie Totenstarre (Harnack). Letale Dosis für Frösche 0,001 — 0,002 g Zinkaeetat (Meihuizen), für Kaninchen 0,08—0,09 g Zinkoxyd subkutan. Pro KK. beträgt die letale Dosis, auf ZnO berechnet, für Frösche 40, Kaninchen 43, Hunde 12,5 Milligramm. Die Körpertemperatur sinkt im Laufe der akuten Vergiftung ganz bedeutend, bei Kaninchen nach F. A. Falck um 7 — 13deg;. Die Elimination des Zink erfolgt durch den Urin, die Galle und die Milch (Falck - Harnier). In ersterem ist dasselbe nach Michaelis erst am 4.— 5. Tage nachweisbar.
Eine Anätzung des Magens kann auch nach subkutaner Applikation zu stände kommen. Orfila brachte 4—8 g Zink-
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vitriolpulver Hunden in eine Haüttasche, woraufquot; die Tierenach und nach die Empfindung verloren und im Verlauf von 5—6 Tagen starben. Zuweilen trat jedoch mehrmaliges Erbrechen ein und die Tiere genasen. Erfolgte der Tod, so fanden sich im Magen kleine runde Geschwüre mit schwarzem Grunde und weifs-lichem Hofe. In einem Falle subendokardiale Ekchymosen. Die Lunge knisterte und war schwarz gefleckt.
Die Behandlung bezweckt in erster Linie die Herausbeförderung resp, Umwandlung der giftigen Zinksalze in unlösliche und daher unschädliche Ver­bindungen. Man giebt deshalb, da Erbrechen gewöhn­lich schon erfolgt ist, Laxantien (Ricinusöl), ferner Gerbsäure, gerbstoffhaltige Getränke, gebrannte Mag­nesia, doppeltkohlensaures Natron, Milch, Eiweifs etc. Symptomatisch finden Excitantien Anwendung.
Zum Zwecke des Nachweises werden die Con-tenta im Wasserbade mit chlorsaurem Kali und Salzsäure zerstört. Das vom überschüssigen Chlor durch Er­hitzen befreite Filtrat wird mit Salmiakgeist alkalisch gemacht und mit Schwefelammonium versetzt. Schwefel­zink Mit als weifser Niederschlag. Zur quantitativen Bestimmung wird derselbe gut ausgewaschen, getrocknet und im Wasserstoffstrome geglüht. 100 Tie. ZnS = 67,01 Tin. Zn.
Über chronische Zinkvergiftungen von Rindern und Schweinen in der Nähe von Zinköfen berichtet Weynen. Meist und vorwiegend wird das Jungvieh befallen und leiden die Tiere 3—6 Monate, ehe sie zu Grunde gehen. Symptome: Appetit­mangel. Gang matt und schleppend, Abmagerung, dann Durchfall, bis zum Tode anhaltend. Obduk­tion: Kadaver sozusagen nur noch Haut und Knochen. Fleisch ganz hellrot. Pansen sehr zusam­mengezogen, lederartig verdickt. Schleimhaut des Lab-
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magens sulzig, aufgelockert, ebenso die des Dünndarms, welcher aulserdem nur dünne, schleimige, bräunliche Flüssigkeit enthält. Darmkanal wie tätowiert, mit schwarzen Punkten besetzt. Gefäfse auffallend blut­leer, als wenn die Tiere an Verblutung verendet wären. Die übrigen Organe klein, welk.
Ein seit drei Wochen krankes Schwein hatte fühl­baren frequenten Herzschlag ohne Respirationsbe­schleunigung, matten, hinten schwankenden Gang. Sämtliche sichtbaren Schleimhäute blafs, anämisch. Kot dünn, gelbbräunlich. Unter zunehmender Hin­fälligkeit erfolgte nach ca. fünf Wochen der Tod. Kadaveröse Veränderungen deuteten ebenfalls auf hoch­gradige Anämie. Fleisch welk, blutleer. Seröse Häute und Magen auffallend weifs. Schleimhäute des Traktus aufgelockert. Milz dunkelblau, Nieren blafs, welk.
3. Erbrechen, Durchfall, spastisch-ataktische Be­wegung, anfängliche Terlangsamung, dann Be­schleunigung des Pulses, Lähmung, Konvulsionen.
Veratrum, Sabadilla, C olchicum, Narcissus.
Veratrum.
Das Rhizom der südeuropäischen Alpenpflanze Veratrum album, weifse Niefswurz, weifser Germer (Colchicaceae, L. VI, 3), und der daraus hergestellten Präparate (Pulver, Tinktur), ebenso die Blätter (anti­parasitäre Dekokte) geben nicht selten bei therapeuti­scher Verwendung, namentlich in der Hand von Kur­pfuschern, Anlafs zu Vergiftungen.
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Die Pflanze enthält kein Veratrin, aber ein mit dem Veratrin verwandtes Alkaloid, welches von 6. Salzberger aus 300 kg Rhizom gewonnen und bezeichnet wurde als
Protoveratrin, C^H^NOn; in rechteckigen, vier- oder sechsseitigen Täfelchen krystallisierende Base, ist zu 0,03 pCt. im Ehizom vertreten. Löslich in Chloroform und kochendem Alkohol. Die anfangs geschmacklose Lösung ruft allmählich eine bittere Geschmacksempfindung hervor und starkes Gefühl der Vertaubung auf Mund- und Lippenschleimhaut. In die Nase gebracht, bewirken minimale Stäubchen heftiges Niesen. Das Alkaloid ist aufserordentlicli giftig; 0,5 Mg. subkutan töten ein ausgewachsenes Kaninchen. Identität mit Veratrinwirkung besteht weder in qualitativer noch in quantitativer Beziehung; femer sind auch die Farbenreaktionen von denen des Veratrin ver­schieden. In Schwefelsäure löst sich die Base unter Grünfär­bung; spper bildet sich ein kornblumenblauer und nach einigen Stunden ein violetter Farhenton. Mit Zucker verrieben, tritt nach Zusatz konzentrierter Schwefelsäure erst eine grünliche Farbe auf, die in olivgrün, schliefslich in dunkelbraun übergeht. Mit konzentrierter Mineralsäure erwärmt, entsteht hell-, dann dunkelkirschrote Färbung und Isobuttersäuregeruch. Schmilzt bei 245—250deg;.
Protoveratridin, C26H45N01o, entsteht aus Protoveratrin durch Behandlung mit Baryt. In Chloroform, Alkohol schwer löslich, in verdünnten Säuren leichter. Geschmack intensiv bitter. Wirkt nicht niesenerregend und istnach S. ungiftig. Durch konzentrierte Schwefelsäure entsteht anfangs violette, dann kirschrote Farbe, die genau mit der Endreaktion des Veratrin übereinstimmt. Beim Erwärmen der stark angesäuerten Lösung tritt Isobuttersäuregeruch, beim vorsichtigen Einäschern anfangs deutlicher Skatolgeruch auf. Schmelzpunkt 265deg;.
Pseudojervin, C^^CO,, amorphes, ungiftiges Alkaloid. Schmilzt bei 300—307deg;.
Jervin (Viridin), C26H37NO3. Kommt in reichlichster Menge auch in Veratrum viride vor. Aus Alkohol in atlasgläuzen-den, prismatischen oder wetzsteinförmigen Krystallen zu er­halten. In Schwefelsäure löst es sich gelblich, wird schmutzig­grün, auf Eohrzuckerzusatz blau (wie Pseudojervin). Salzsäure färbt Jervin beim Erwärmen gelb. Schmelzpunkt 238—242deg;. Beim vorsichtigen Einäschern unverkennbarer Koningeruch. Die Giftigkeit ist eine geringe.
Es wirkt nicht örtlich irritierend, ebensowenig ruft es Erbrechen und Durchfall hervor. Subkutan bedingt es (bei Hunden, Katzen und Tauben von H. C. quot;Wood versucht) zu-
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erst Unlust zu Bewegungen, dann unter zunehmender Schwäche Zittern und fibrilläre Zuckungen aller Muskeln, hierauf heftige Konvulsionen. Der Tod erfolgt durch Lähmung der Atemmuskeln bei intaktem Bewufstsein, jedoch bei herabgesetzter Sensibilität und Reflexerregbarkeit. Das Herz pulsiert noch nach einge­tretenem Respirationsstillstand. Die terminale Depression auf Puls und Blutdruck ist auf Affektion des Herzmuskels und des vasomotorischen Centrums zu beziehen.
Rubijervin, CasH^NOä. Färbt sich mit Schwefelsäure rot. Schmelzpunkt 240—246deg;. Ungiftig.
Dem amorphen Veratralbin von Wright und Luff (C2sH43N05) gehen die Kriterien eines chemischen Indivi­duums ab.
Die tödlichen Dosen des gepulverten Ehi-z o m s variieren innerhalb weiter Grenzen, offenbar in Abhängigkeit von dem Alkaloidgehalt.
Heinrich berichtet über einen Todesfall bei einem Ochsen, welcher 60 g in Pillen bekommen hatte. Exitus am zweiten Tage. Bei den Lyoner Versuchen sah man bei Rindern nach 90 g nicht einmal Pur­gieren eintreten, erst nach 180 g erfolgte Erbrechen von Futtermassen, Diarrhöe und Tod nach drei Tagen. Für Pferde sollen 30 g nach Ryst innerhalb acht Stunden tödlich wirken, während Waldinger bis zu 70 g verabfolgte, wonach zwar Speicheln, Würgen, Kolik eintrat, aber keine diarrhöische Entleerung.
Bei Schafen und Ziegen stellt sich Erbrechen etc. in Dosen bis zu 4 g nicht ein; 8 —15 g bewirken Vomieren etc., aber nicht den Tod.
Schweine erholten sich in den Her twig sehen Versuchen noch nach 1,0 g. Bei 14 Schweinen, welche je einen gehäuften Efslöffel des Pulvers mit dem Futter erhielten, trat bald heftiges Erbrechen, Lähmung des Hinterteils und innerhalb acht Stunden der Tod bei drei Stück ein (Baudius).
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Hunde sterben nach 6—12 Stunden an den Folgen von 0,6 g, wenn das Erbrechen künstlich verhindert wird; im anderen Falle töten selbst 8,0 g noch nicht.
Ungleich heftiger wirkt die Tinktur oder das Dekokt bei intravenöser Anwendung. Nach 30 g er­folgt der Tod bei Pferden in einem Zeitraum von wenigen Minuten bis 12 Stunden. Da der fast apo-plektische Tod nach Anwendung gröfserer Quantitäten alkoholischer Tinktur wesentlich mit auf die blutkoa-gulierende Wirkung des Alkohol zurückzuführen sein dürfte, so lassen sich für die Symptomatologie der Ver­giftung mit Veratrum album nur die mit kleineren Dosen (2 —15 g) angestellten Versuche heranziehen. 2—3 Minuten nach der Injektion dispnoisches Atmen, welches bisweilen periodisch stockt. Nach 2 — 7 Mi­nuten Defäkation, Kolik, Zittern. Im weiteren Verlaufe Würgen unter krampfhafter Kontraktion des Schlundes, der Hals- und Bauchmuskeln (bei Kindern wirkliches Erbrechen), Kaubewegungen, Speichelflufs, Schweifs­bildung, oft so heftig, dafs das Sekret in Tropfen herabrinnt, meist auch Thränenflufs und häufiges Uri­nieren.
Alle Tiere standen während der Wirkung traurig und mit gesenktem Kopfe. Dauer der Wirkung Va bis 12 Stunden. Rinder zeigten nach Aufnahme von wässerigem Dekokt aus 125 g aufser Kolikerscheinungen tobsuchtartige Anfälle. Auf eine Abwaschung mit Niefswurzblättern führt 11 h e n den nach drei Wochen erfolgten Tod eines Ochsen zurück, Frische Wurzel, in zu grofsen Stücken als Fontanell benutzt, hat eben­falls schon zu Todesfällen geführt (Leunis).
Spezifische Antidote sind nicht bekannt. Behand­lung demnach symptomatisch. Gegen Hyperemese,
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Älkoholica, Caffeinfus zur Paralysierung der Dann­reizung, gerbsäurehaltige, schleimige, ölige Mittel, Opiate.
SabadlUa.
Wie Veratrum album, gehört auch die in Mexiko wachsende verwandte Gattung Sabadilla officinarum, Brandt (Veratrum sabadilla, Eetzius; Veratrum officinale. Schlechten da hl) zu den Colchicaceen, bildet aber kein Rhizom, sondern Zwiebeln.
Die Samen sind nicht wie die von Colchicum aut. offizinell, wohl aber eins der in ihnen enthaltenen Al-kaloide, von denen bekannt sind:
Veratrinum crystallisatum, Merck (Ceva-din von Wright und Luff), C32H49N09. Weifse, kör­nige Krystalle. Dasselbe wirkt genau wie das amorphe Vertrin der Pharmak. Grerm. ed. III, und hat gerade dieses Alkaloid toxikologische Bedeutung, da durch Überschreitungen der Dosierung Vergiftungen sehr leicht zu stände kommen.
Mit Alkalien spaltet sich das Veratrin glatt in Angeliea-säure und Cevidin, Ca2H49N09 2 H20 = CsHgOa C27H45N09
Veratrinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Angelicasäure Cevidin
(Bosetti). Beim Erhitzen mit Wasser auf 200deg; entsteht nahen Angelicasäure das um ein Mol. Wasser ärmere Cevin, CaiH^NOraquo;. Durch konzentrierte Salzsäure zerfällt Veratrin in Tiglinsäure (Cevadinsäure von Pelletier und Caventou, Methylkroton-säure, CH3—CH = C(CH3)—COOH) und ein glänzend rubin­rotes, nicht krystallisierbares Basongemisch, welches 10 pCt. mehr C enthält als Cevin. Trockene Destillation für sich giebt /S-Picolin, C6H7N (/S-Methylpyridin), mit Kalkzusatz neben dem gleichen Pyridinderivat noch Isobutyl, CH3 — CH=(CH3)2 (F. B. Ahrens).
Veratrjin Couerbe; nach Wright und Luff kommt demselben die Formel zu C^HggNOn. Giebt mit Kali Veratrum­säure, C9H10O4 (Dimethylprotokatechusäure, d. h. Dimethyl-
brenzkatechinkarbonsäure, CghJ|Vq^M, und eine Base Verin,
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C28H45N08, welche eine Methylgruppe mehr enthält als Cevin. Das aus Veratrumsäure erhaltene Veratrol ist Dimethylbrenz-katechin, C6H4(0CH3)2.
Sabadi n, CgsHjjNOg. Für dieses, ebenso für das folgende, von E. Merck*)aus Sabadillsamendargestellte Alkaloid(Saba-dinin)istdie Eigenschaft charakteristisch, dafs die durch Alkalien, kohlensaure Alkalien und Ammoniak in Freiheit gesetzten Basen gelöst bleiben und sich erst beim Erwärmen in Flocken nieder­schlagen. Sabadin krystallisiert in kurzen Nadeln (Schmelzp. 239deg;), welche in Wasser und Äther schwer, in Alkohol leicht löslich sind. Das Sulfat löst sich in Wasser leicht. Mit konzen­trierter Schwefelsäure entsteht zunächst eine gelbliche Färbung mit grünlicher Fluorescenz; die letztere verschwindet allmählich, während die Farbe in blutrot und violett übergeht. Salpeter­säure bewirkt anscheinend keine Veränderung. Die Base wirkt auf die Nasenschleimhaut niesenerregend, wenn auch weit we­niger energisch, als Veratrin.
Sabadin in, C27H45N08. Durch konzentrierte Schwefel­säure entsteht bleibende blutrote Färbung. In Alkohol löst sich das Alkaloid sehr leicht. Es unterscheidet sich von Sabadin durch einen Mindergehalt von C2H6; es wirkt nicht niesenerregend.
Von We igelin wurden aufserdem noch isohert Sabatrin, CsßH^NOe, und Sabadillin, C2iH36N07 (durch Hesse korrigierte Formeln), welche Niesen nicht hervorrufen. An Stelle des Sabadillin fanden Wright und Luff eine andere amorphe Base, das Cevadillin, C^H^NOs.
Die minimale letale Dosis von dem Veratrin be­trägt für Pferde und Rinder bei subkutaner Anwen­dung in essigsaurer Lösung durchschnittlich 0,25 g (bei Pferden eine tödliche Vergiftung nach 0,1 g konstatiert; nach F a i v r e und L e b 1 a n c wirken 1,0 g p. os tödlich). Für Hunde 0,02 g (0,2 g p. os); Katzen sterben nach 0,005 g in zwei Stunden, Kaninchen (1,7 kg) nach derselben Dosis in drei Stunden. Ein jähriger Bulle verendete nach 0,25 g innerhalb acht Stunden, ohne andere auffällige Symptome, als Erbrechen, geäufsert zu haben (Gerlach).
*) Jahresbericht von E. Merck, 1891.
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Frösche werden bereits durch 0,000 05 g in ganz charakte­ristischer Weise affiziert, und lassen sich dieselben daher als physiologisches Reagens benutzen. Die Bewegungen verlang­samen sich auffällig dadurch, dafs der Übergang aus dem Kontraktionsstadium in den Zustand der Erschlaffung stark verzögert ist und zwar durch die persistierende Erregung der langsamen, roten Muskelfasern, ein von tetanischer Kontraktion gänzlich verschiedener Zustand. Das Springen wird dem Frosch dadurch unmöglich, dafs die (bei verminderter Latenz­zeit) prompt innervierten Extensoren bei der überdauernden Kontraktion der Beuger eine rasche Extension nicht bewerk­stelligen können. Nach gröfseren Dosen bilden sich diese Ver­änderungen nicht so deutlich aus. Am Herzen tritt unter Ver­längerung der systolischen Phase bis auf 20—30 Sekunden Dauer (Abnahme der Pulsfrequenz um die Hälfte und mehr), sehr bald totale Unerregbarkeit — Herzlähmung — ein. 0,6—1,0 Mg. töten einen Frosch unter den angegebenen Symptomen. Nach 2 Mg. Brechbewegungen, nach 15 Minuten anscheinend centrale Streckkrämpfe, Tod nach 1 Stunde.
Die Veratrinvergiftung bei Warmblütern äufsert sich zunächst in Erscheinungen seitens des Verdau-ungstraktus. Bei Kaninchen fast nur Salivation, bei anderen Tieren heftiges Erbrechen, Kolik, starker, oft blutiger Durchfall.
Die Pulsfrequenz ist anfänglich sehr verlangsamt, wird allmählich aber unter starker Ärythmie beschleu­nigt. Der Blutdruck sinkt infolge universeller vaso­motorischer Lähmung, wahrscheinlich centraler Natur, unter direkter Beteiligung der Gefäfsmuskulatur. (Keine Depressorwirkung.)
Innerhalb der motorischen Sphäre ausgesprochen spastisch - ataktische Störungen. Eigentliche Krampf­erscheinungen treten erst gegen das Ende hin auf (Beifskrämpfe, Zucken der Extremitäten); durch Ver­lust der Erregbarkeit der Nervenendigungen im Muskel entstehen lähmungsartige Erscheinungen (v. Bezold und Hirt).
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15
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Starke psychische Erregung, die sich nicht selten durch Tobsucht ähnliche Anfallen äufsert, gefolgt von Schweifsausbruch, Zittern. Bewufstsein bis zum Tode erhalten.
Schwere, mitunter anfallsweise auftretende Dyspnoe, schliefslich tödliche Respirationslähmung.
Bei Obduktion eines nach Veratrininjektion zu Grunde gegangenen Pferdes fand Gips an der Appli­kationsstelle mehr oder weniger umfangreiche hämorrha-gische Ödeme, die Körpermuskulatur graurot, getrübt, brüchig. Subseröse hämorrhagische Herde. Lymphe im Herzbeutel, in Brust-und Bauchhöhle rot gefärbt, hämor-rhagisches Lungenödem. Hämorrhagische Gastroenteritis.
Der eingedampfte Urin ruft bei Fröschen die cha­rakteristischen Symptome hervor (Prevost).
Nach Esche und L. v. Prag bietet der Obduk­tionsbefund bisweilen nichts weiter als die Symptome des Erstickungstodes.
Zum Nachweis des Veratrin lassen sich aufser der physiologischen Reaktion der Kaltblüter die Farben­reaktionen benutzen.
Reines Veratrin löst sich in konzentrierter Schwefel­säure mit gelber Farbe, die in ca. 5 Minuten in Orange, dann in Blutrot und Karminrot übergeht. Die letztere Nuance tritt in verdünnten Lösungen sogleich ein. In konzentrierter Salzsäure löst sich Veratrin farblos, beim Erwärmen entsteht die oben erwähnte rubinrote, haltbare Färbung. Mit Zucker verriebene veratrin-haltige Substanzen färben sich auf Zusatz von kon­zentrierter Schwefelsäure gelb, dunkelgrün, dann blau und schmutzig violett.
Für die Behandlung ist die Thatsache mafs-gebend, dafs kohlensaure Alkalien mit Veratrinsalzen
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in verdünnten Flüssigkeiten fast unlösliche Nieder­schläge bilden. Ammoniak zeigt dasselbe Verhalten und empfiehlt sich daher als Antidot in Form des Liquor Ammon. anisat, besonders bei Hyperemese. Gerbsäure, welche in wässerigen Veratrinlösungen erst nach 22-stündigem Stehen einen schwachen, in Salzsäure lös­lichen Niederschlag bildet, verdient als Adstringens quot;Berücksichtigung. Donne benutzt Jodpräparate bei Veratrinvergiftung. Symptomatisch Excitantien, Kaffee etc.
Colcbicum.
Der einzige in Colchicumarten (C. autumnale, montanum, arenarium, alpinum, L. VI, 3) in allen Teilen der Pflanze nachgewiesene Griftkörper ist das Colchicin, C,2H25N06, seiner Konstitution nach [ (OCH3)3 C16H9{ NHCHgCO l COO-CH3 der Methyläther des Colchicein (Zeisel). Dem von Paschkis nachgewiesenen Physosterin geht die Gift­wirkung ab.
Das Colchicin findet sich am reichlichsten vertreten in den Samen und Zwiebeln, in ersteren nach Aschoff zu 0,21 pCt. Die letzteren enthalten 0,085 pCt. im Oktober und den vorangehenden Monaten, während sich im November der Gehalt um lJraquo;, im Mai um ca. 5/6 vermindert. Frische Blüten besitzen ca. 0,01 pCt., frische Blätter 0,002 pCt. Colchicin.
Das Alkaloid erhielt Zeisel in analysenreiner Form als schwach basisches, gelblich weifses Pulver, welches am Licht dunkler wird, in Wasser und Alkohol sich löst (in Äther nur nach Ansäuern) und mit Chloroform (2 Molekülen) gelbliche, rosettenförmige Krystalle liefert. Es riecht schwach aroma­tisch, schmeckt stark und anhaltend bitter und ballt sich beim Eeiben harzartig zusammen. Aktiver O wandelt nach C. Ja­cob! die Base in Oxydicolchicin (C^H^NOe^ O um, einen Körper, welcher auch unter Einflufs des lebenden Gewebes sich bildet.
15*
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An Fröschen erzeugt das Oxydationsprodukt in Gaben von 20 Mg. dem Veratrin ähnliche Erscheinungen.
Für Warmblüter sind die Wirkungen des Colchicin und des O-Derivatcs gleich. Nach den Untersuchungen von Rofs-bach und Wehmer wirkt C. ziemlich langsam. Die kleinste letale Dosis beträgt für Hunde subkutan 0,1 g (Tod nach 10 bis 15 St.), für Katzen (3 kg. schwer) 0,005 g (Tod nach 5 bis 7 St.), für Kaninchen 0,03 g (Tod nach 5—12 St.), für Frösche 0,02 g. Die letale Dosis für den Menschen schwankt zwischen 0,03—0,05 g. Höhere Gaben wirken nicht anders als die mini­mal letalen. Der Beginn der toxischen Wirkung erfolgt meist nach 2—5 Stunden.
Das Centralnervensystem wird nach vorausgegangener Erregung gelähmt. Beim Frosch äufsert sich das Erregungs­stadium durch spinale Streckkrämpfe, hei Warmblütern fehlt meist die Irritation. Die Lähmungserscheinungen sind bei allen Tierarten vollkommen gleiche und bestehen in Verlust des Bewufstseins und der Empfindung, der willkürlichen und reflektorischen Bewegungen (aufsteigende Lähmung der mo­torischen Centren), Verminderung und Sistierung der Atmung. Die peripheren Endigungen der sensiblen Nerven werden ebenfalls gelähmt, dagegen bleiben die motorischen Nerven intakt; die Kontraktilität der quergestreiften Muskeln ver­mindert sich nach grofsen Dosen in den späteren Stadien (Harnack).
Der Kreislauf wird bei keiner Tiergattung erheblich be-einflufst. Erst kurz vor dem Tode sinkt der Blutdruck. Das Herz schlägt fast bis zum Tode in unveränderter Kraft und noch lange nach dem Tode der übrigen Organe fort.
Besonders heftig wirkt das Gift auf den Intestinaltraktus. Intensive Kolik, heftiges, oft blutiges Erbrechen und Diarrhöe gehören zu den hervorstechendsten Symptomen. Die Harn­ausscheidung ist stets verringert. Der Tod erfolgt durch Atmungslähmung.
Bei der Obduktion zeigen sich die Erscheinungen der hämorrhagischen Gastritis oder Enteritis oder beide zugleich: enorme Schwellung, mehr oder weniger umfangreiche Hä-morrhagien der Schleimhäute, blutiger Darminhalt, und die Symptome des Erstickungstodes (dunkles, wenig geronnenes Blut, starke Erweiterung der Venen, subseröse Hämorrhagien etc.), Nephritis ist gewöhnlich auch vorhanden. Ellenberger fand bei einem nach Injektion von 0,5 g verendeten Hunde, der aufser Somnolenz keine Vergiftungssymptome gezeigt hatte,
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als Hauptergebnis der Obduktion hochgradiges akutes Gehirn-ödem mit geringgradigem akuten Hydrocephalus internus.
Im Magen sind die Bedingungen für die Bildung von Colchicein, CaiH^NO,), durch die Abspaltung einer Methyl­gruppe unter den Einflufs von HC1 gegeben. Das Colchicein mufs als eine acetylierte Trimethylcolchicinsäure:
(OCH,),
NH.CH3CO
COOK
aufgefafst werden, deren toxische Wirkung die des Colchicins nach Ob erlin übertrifft, da 0,01 g bereits ein Kaninchen inner­halb 10—12 Stunden töten. Die Meinung Oberlins, dafs Colchicein fertig gebildet in Colchic. autumn, vorkomme, be­streitet Hüb ler.
In Form der Oxydations- und Spaltungsprodukte wird Colcliicin durch Niere und Darm, bei milchenden Tieren — bei Ziegen nachgewiesen — durch die Milch­drüse aus dem Organismus ausgeschieden, ein Teil ver­schwindet im Körper. Fäulnis, Eintrocknen oder Kochen ändert an der Giftigkeit der Colchinderivate und ihrer Reaktionsfähigkeit nichts, so dafs der Nachweis einer Vergiftung auch dann geführt werden kann, wenn die botanische Bestimmung des Magendarminhalts oder der Futtermittel keinen Aufschlufs giebt.
Gewöhnlich gelingt es jedoch, die Pflanzenteile aufzufinden, da bei den Haustieren die durchaus nicht seltenen Colchicum-Vergiftungen durch Aufnahme der frischen Pflanzen auf der Weide oder der getrockneten mit dem Heu erfolgen.
Die Symptome sind dieselben, wie jene, die nach Vergiftung mit reinem Colchicin auftreten. In leichteren Graden Appetitlosigkeit, Aufhören des Wiederkauens, Speichelflufs, Zähneknirschen, Schluckbeschwerden, Kolik; Peristaltik darnieder­liegend, zeitweise stürmisch, Diarrhöe. Bei einem Pferde sah Kirnbauer Erbrechen eintreten. Hau-
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fige Entleerung kleiner Quantitäten Urins. Bei schwereren Vergiftungen machen sich die cerebro-spinalen Symptome in ihrem ganzen Umfange geltend. Dabei blutiger Durchfall, Urin rotgefärbt, unter Drängen entleert. Tympanitis (bei Rindern), Schweifs­ausbruch, Zittern, frequenter, schliefslich unfühlbarer Puls, Mydriasis, zunehmende Atembeschwerden und Tod in 1 — 3 Tagen. In nicht tödlichen Fällen tritt Erholung in 8—14 Tagen ein. Die bekannten Ver­giftungsfalle betreffen Rinder, Pferde und Schweine.
Die besten Reagentien zumN a c h w e i s des Öolchicin sind Salpetersäure, welche Violettfärbung, durch nach­trägliche Übersättigung mit Atzkali himbeerrote Farbe, Salpeter-Schwefelsäuremischung (Erdmanns Reagens), welche Grünfarbung, dann dunkelblauviolett und gelb entstehen läfst; Mandolins Reagens (Ammonium-vadanat in Schwefelsäure) oder Eisenchlorid giebt G rünfärbung.
Obduktionsbefund wie nach Colchicinver-giftung.
Für die Behandlung empfiehlt sich die An­wendung gerbsäurehaltiger Mittel, da gerbsaures Col-chin in Wasser wenig löslich ist, in Verbindung mit salinischen Laxantien, um Retention des Giftes vorzu­beugen; nachträglich Opiate mit schleimhaltigen Sub­stanzen zur Linderung des Darmschmerzes. Kaffeinfus, Äther- oder Kampherinjektionen gegen drohenden Kol­laps. Um einer durch die Adstrir.gentien drohenden Obstipation entgegenzuwirken, die salinischen Laxan­tien in grofsen Dosen, 01. Ricini. Narcissus.
Narcissus pseudo-narcissus und N. poeticus (L. VI, 1, Amaryllideae), gemeine und echte Narcisse, besitzt
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alkaloidähnliche Bestandteile, welche von Ger rar d isoliert, aber nicht rein dargestellt wurden.
Die von Jourdain in der Pseudonarcissenzwiebel zu 37 pCt. aufgefundene weifse, geruch- und geschmacklose Sub­stanz, welche er mit dem Namen Narcitin belegt, ist wohl sicherlich nicht als Alkaloid anzusprechen. Aufserdem sind nachgewiesen ätherisches 01 und Harze.
Bei Hunden bewirkt das Extrakt der Pflanze Erbrechen (auch bei subkutaner Anwendung), Unruhe, Schwindel, tiefe, behinderte Respiration, Lähmung der Körpermuskulatur. Krämpfe fehlten, Tod nach einigen Stunden.
Obduktion: Ziemlich grofse, dunkelkirschrote Flecke in Magen und Darm. Blutungen in den Lungen das Herz mit geronnenem Blut angefüllt (Orfila).
Die klinischen Erfahrungen ergänzen diese Beob­achtungsresultate noch in mancher Beziehung.
Zwei Kühe, welche mit Blättern der gelbblühen­den Narcisse reichlich durchsetztes Gras abends ver­zehrt hatten, verschmähten am nächsten Morgen das Futter, zeigten Unruhe (Drängen auf den Mastdarm, Stöhnen) etc. Beide Tiere starben innerhalb 36 Stun­den (Dint er).
Bei einer von Harms beobachteten Vergiftung einer Ziege trat Zittern, Schäumen aus dem Maule und Erbrechen auf. Bei 40 Schweinen, welche Zwie­beln der weifsen Narcisse gefressen hatten, bestand hauptsächlich grofse Schwäche und starkes Purgieren. 16 Stück gingen zu Grunde (Meile).
Harms machte für die Behandlung von Tannin mit Erfolg Gebrauch.
Die Zwiebeln einiger anderer Amaryllideen (L. VI, 1) und zwar die des Schneeglöckchens(Gralanthus nivalis), der Sommerlevkoje (Leucojum aestivnm) enthalten Schleimhaut reizende. Brechen erregende Substanzen, die auch Schwindel­gefühl und Somnolenz im Gefolge haben können.
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Epilepsie, Tetanus.
1. Spelehelflnfs, allgemeine epileptiforme Krämpfe,
meist Somnolenz, frequenter Puls, pochender
Herzschlag, Konvulsionen.
Pikrotoxine und verwandte Grifte (Cicuta, Oenanthe, Pikrotoxin in Anamirta, San­tonin, Aspidium, Pteris, Sium, Sikimin), Eserin, Kampfer. Cieuta. Die giftig wirkende Substanz der Wurzel von Cieuta virosa, Wasserschierling (L. V, 2, Umbelliferae), das Cicutoxin, wurde von Böhm als zähe, amorphe, hellbraune, sauer reagierende, harzartige Masse darge­stellt, welche in Alkalien leicht, in Wasser und verdünnten Säuren wenig, in Petroleumäther nicht löslich ist und zur Gruppe der Pikrotoxine gehört. Konzentrierte Säuren und Alkalien heben die Giftigkeit rasch auf, verdünnte erst nach längerer Einwirkung. Die frische Wurzel enthält 0,2 pCt., die trockene 1,5 pCt, Cicu-toxin. Dasselbe tötet zu 0,002 — 0,003 g Fische und zu 0,05 g intern oder zu 0,007 g in Infusion p. KK. Katzen, Hunde in etwas gröfserer Dosis. Wie alle Pikrotoxine, gehört es zu den Hirnkrampfgiften, welche durch Erregung der entsprechenden Centren im Hirn­stamm und in der Medulla oblongata heftige epilepti­forme Konvulsionen, Schreien, frequente, krampfartige Respirationsbewegungen mit geöffnetem Maul, gestei­gerte Reflexerregbarkeithervorruf en, Symptome, zu denen sich Nystagmus, während des Krampfes Myosis im Coma, Mydriasis, Speichel- und Schweifssekretion, Erbrechen
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und in den Krampfpausen ein eomatöser Zustand gesellt. Bei Fröschen persistieren die charakteristischen, tagelang anhaltenden Krämpfe auch nach Abtragung des Grofs-hirns. Kleine Dosen retardieren den Puls und ver-gröfsern die Pulswelle, ohne den Blutdruck besonders zu afficieren (centrale Vagusreizung — bei Fröschen im Krampf reflektorischer Glottisverschlufs und trom­meiförmiges Aufblähen des Abdomens durch maximale Ausdehnung der Lungen, diastolischer Herzstillstand, der nach Vagusdurchschneidung aufhört); gröfsere rufen enorme Blutdrucksteigerung und sekundäre Puls­frequenz hervor, welche durch Erregung des vaso­motorischen Centrums bedingt wird, da sie bei durch­schnittenem Halsmark, ähnlich wie nach Stiychnin-vergiftung, ausbleibt (Delphinin, Ammoniak und Baryt­salze treiben den Blutdruck auch nach Durchschneidung der Med. obl. in die Höhe). Der Tod erfolgt durch Respirationsstillstand. Sektionsbefund aufser Blutüber­füllung einzelner Organe negativ.
Von den sonstigen Bestandteilen wirkt das ätherische, Cuminol, Cymen und ein Terpen, C10 HI6 (sog. Cicutin) enthaltende 01 nur in gröfseren Dosen toxisch und sind diese Substanzen wohl zum Teil auch die Ursache der Eeizerschei-nungen im Grastrointestinaltraktus. Das die Fluorescenz der Dekokte bewirkende Umbelliferon ist nach R. Böhm an der Giftwirkung gänzlich unbeteiligt.
Von dem getrockneten Kraut genügen nach Krause 500 g zur Tötung eines Pferdes. Zwei Stunden nach der Ingestion mit Wasser traten Kolik­symptome, nach vier Stunden Somnolenz und pochen­der, frequenter Herzschlag, nach sechs Stunden Un­vermögen, zu stehen, und nach 15 Stunden Tod unter Konvulsionen ein. Magen und Darm waren mit Gas gefüllt, das einen stechenden Geruch verbreitete, im
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Magen, Blind- und Grimmdarm dunkelrote Flecke, Blut in grofsen Gefäfsen geronnen.
Vergiftungsfälle bei Rindern, Schafen und Ziegen zählen, besonders bei ersteren, nicht zu den Selten­heiten, da die Pflanze auf der Weide oder mit dem Heu freiwillig aufgenommen wird. Damitz berichtet, dafs eine Rinderherde angeschwemmte und auf den Düngerhaufen geworfene Wurzeln begierig gefressen hatte, worauf vier Stück innerhalb vier Stunden starben und sieben andere schwer erkrankten. H a c k -barth erwähnt die Vergiftung einer grofsen Rinder­herde, von welcher 18 erkrankten und drei Stück in 15 — 20 Minuten starben. Symptome: Schäumen aus dem Maul, Bewufst- und Gefühllosigkeit, Seh­störungen, Nystagmus, Taumeln, Muskelzittern, Nacken­krämpfe. Einem Besitzer fielen in einer Stunde zwei Stück Rinder unter Erscheinungen grofser Angst, Un­ruhe, Leibschmerzen, Brüllen, Lähmung des Hinter­teils. Die Tiere hatten blolsliegende Cicutawurzeln am Seeufer bei niedrigem Wasserstande aufgenommen. Das Fleisch der rechtzeitig geschlachteten Tiere wurde ohne Nachteil verzehrt.
Schweine verschmähen den Wasserschierling eben­falls nicht; zu den oben geschilderten Symptomen ge­sellt sich ebenso wie bei Hunden noch Brechneigung und Erbrechen, welches auch durch Cicutoxin sowohl bei Ingestion, als nach intravenöser Injektion beobachtet worden ist.
Nachweis: Botanisch, event, durch Froschver­suche mit dem Rückstand ätherischer Extrakte. T r o -janowsky erwähnt, dafs in Esthland die Bauern­jungen Fröschen den Rücken mit Scheiben der frischen Wurzel bestreichen, worauf sich nach einiger Zeit die
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charakteristischen klonischen Cicutakrämpfe einstellen (cf. Pikrotoxin).
Bei der Behandlung hat man in erster Linie auf Entleerung des Magens und Darms Bedacht zu nehmen. Sind Krämpfe bereits eingetreten, so macht man von Chloroform resp. Chloralhydrat Gebrauch. Nach eingeführten grofsen Giftmengen werden die Krämpfe zwar vermindert, aber nicht unterdrückt, und letaler Ausgang bildet auch dann die Kegel.
Oenanthe. Aus den Oenanthe-Arten, O. crocata, Safranreben­dolde (Südeuropa), O. fistulosa, röhrenförmige Reben­dolde (Deutschland) (L. V, 2, Umbelliferae), ist eine bräunliche, harzartige Masse (Oenanthin) isoliert wor­den, welche von Böhm zur Gruppe der Pikrotoxine gerechnet wird. Die bei Haustieren gemachten Beob­achtungen sprechen ebenfalls dafür. So konstatierte Bellancy nach Verfutterung von 400 g der mit weifsem, an der Luft safrangelb werdenden Saft ver­sehenen Wurzel bei Rindern Dyspnoe, Krämpfe, Be-wufst- und Gefühllosigkeit, Blindheit*). Die Tiere er­holten sich langsam, es blieben aber Motilitätsstörungen zurück, welche höchst wahrscheinlich ebenfalls mit cerebralen Veränderungen im Zusammenhange stehen. Der Eintritt der Vergiftungserscheinungen (heftige
*) In allen Fällen, wo es sich um überwundene, lebens­gefährliche Asphyxia handelt, kann cerebrale Blindheit 2 bis 3 Tage oder Wochen zurückbleiben. Die Pupille reagiert da­bei träge, Lidschlufs fehlt bei einfallendem grellen Licht. Ophthalmoskopischer Befund negativ. Dafs Blindheit vor­handen, beweist das Anstofsen an Hindernisse etc. Ähnliches gilt auch von den übrigen Sinneseindrücken (Folgen von Hirn­ödem?).
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Kolik, Krämpfe, Brüllen) beginnt nach Jouquan be­reits Va Stunde nach Aufnahme der Wurzeln. 650 g töteten eine Kuh innerhalb einer Stunde. Nach 850 g starb ein Pferd nach 25 Minuten unter Konvulsionen. Aufser Injektion des Gehirns fand Bellancy keine Veränderungen. In den bei Menschen vorgekommenen Vergiftungsfallen war der Magen ausnahmsweise in­takt, fast regelmäfsig dagegen Enteritis vorhanden. Todesfälle sind trotz reichlichen Erbrechens noch am neunten bis elften Tage nach eingetretener Vergiftung vorgekommen.
Von sonstigen Oenanthe-Species werden als giftig noch gefürchtet O. Lachinali und 0. peucedanifolia (Deutschland), ferner die griechische O. incrassans und die portugiesische 0. apiifolia. — Die in Südeuropa einheimische O. pimpinelloides, deren Wurzel nach Rosenthal pastinakähnlich schmeckt, kann ohne Schaden genossen werden.
Fikrotoxin.
Jene Pflanze, deren Samen die Substanz enthält, welche der ganzen Gruppe den Namen verliehen hat, Anamirta cocculus, fischtötender Mondsamen, Kockels-körnerstrauch (L. XXII, 6, Menispermaceae) auf Cey­lon, Java heimisch, hat zu Vergiftungen bei Tieren nur insoweit Veranlassung gegeben, als sie auf experi­mentellem Wege hervorgerufen wurden; es läfst sich aber deren Besprechung um so weniger übergehen als ein Bestandteil derselben, das Pikrotoxin, geradezu Repräsentant einer toxikologisch höchst wichtigen Gruppe von Substanzen ist, die unter verschiedenen Namen bekannt sind und für den Praktiker hervor­ragendes Interesse beanspruchen.
Das in der Samenschale enthaltene Alkaloid, Menispermin, CjgH^NjOa, ist zu 0,4 g beim Menschen unwirksam. Der Kern liefert das sog. kauf liehe Pikrotoxin, und enthält neben un­wirksamem, nicht reduzierendemCocculin(Anamirtin), C^H^Oxo,
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das reduzierende, bitter schmeckende neutral reagirende, in farblosen Nadeln krystallisierende Hirnkrampfgift Pikro-toxin, CsgH^Oie. Dasselbe wird von Bokai als Antidot bei Morphinvergiftung empfohlen.
Mit Alkalien und alkalischen Erden verbindet es sich zu gummiartigen Salzen. Durch Kochen mitBenzol zerfällt es in das ungiftige, schwer lösliche Pikrotin, C^H^Ojo, und das leicht lösliche, physiologisch noch heftiger als die Muttersubstanz wirkendePikrotoxinin, C15H1606(E. Schmidt undLöwen-hardt). Letale Dose des Pikrotoxin für Kaninchen 0,02 g subkutan, für Meerschweinchen 0,03 g, für Frösche 0,01 g.
Die Vergiftungssymptome stimmen in allen wesentlichen Punkten mit den durch Cicutoxin hervorge­rufenen überein.
Bezüglich der Auffindung des Pikrotoxin in orga­nischen Gemengen ist zu beachten, dafs es schon aus sauren, wässerigen Flüssigkeiten in Äther und Amyl­alkohol übergeht. Mengt man den gifthaltigen Rück­stand mit der dreifachen Menge Salpeter, durchfeuchtet das Gemenge mit konzentrierter Schwefelsäure und setzt überschüssige konzentrierte Natronlauge hinzu, so tritt eine nicht sehr dauerhafte, ziegelrote Färbung auf (Lang ley sehe Reaktion). Kalte konzentrierte Schwefelsäure für sich löst Pikrotoxin mit safrangelber Farbe, die durch eine Spur Kaliumbichromat in Vio­lett, bei weiterem Zusatz in Braun übergeführt wird. Alkaloidreagentien geben keine Fällung. Zum Nach­weis in englischem Bier (Porter, Ale), welchem es be­trügerischerweise als Hopfensurrogat zugesetzt wird, sind besondere Methoden ausgearbeitet.
Frösche eignen sich zum Nachweis des Pikro-toxins wegen der auftretenden charakteristischen Ver­giftungssymptome. Einige (8—10 Minuten nach Injektion kleinerer Dosen (0,5—1 Ccm einer 1./2 pCt.-Lösung, Röber) nach Ablauf der auf die Applikation folgenden
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Unruhe, macht sich eine gewisse Schwerfälligkeit der Bewegungen, Zusammensinken mit eingezogenen Augen, Somnolenz, Aufhebung der spontanen Bewegung und Herabsetzung, bisweilen Vernichtung der Reflexerregbar­keit geltend; nach weiteren 15 Minuten Anfälle von Opis-thotonus mit trommelartiger Auftreibung des Bauches in Intervallen von 30—40 Sekunden, schnelles Fort-schieben auf den kugelförmig aufgetriebenen Abdomen und Halbdrehung im Kreise, dann unter heftigem Aus­strecken der Beine Spreizung der Schwimmhäute, plötzliches Abschwellen des Abdomens bei aufgesperr­tem Maule und laut knarrendem, gedehntem Greräusch, hierauf höchste Erschöpfung; später wieder Emprostho-tonus mit den wunderlichsten Stellungen der Hinter­beine, Überschlagen, Kreisbewegungen, Rückwärts­oder Seitwärtsschieben, schliefslich Orthotonus. Die Anfalle nehmen an Zahl und Stärke bis zum Tode ab, der nach mehreren Stunden, ja erst nach 2—3 Tagen und noch später, erfolgen kann. Die Herzbewegung ist während der KrampfanfUlle stark verlangsamt und steht selbst minutenlang still. Kapillaren überfüllt. — Vom Cicutoxin gentigen 0,001—0,003 g, um in 20 Mi­nuten bis l1/2 Stunden unter denselben Prodromal-erscheinungen den Krampf hervorzurufen. Die An­fälle dauern jedoch länger und erscheinen in ihren einzelnen Momenten schärfer ausgeprägt, als bei der Pikrotoxinwirkung, bei welch letzterer anderseits die allgemeine Paralyse des Tieres relativ rascher zu er­folgen pflegt (R. Böhm).
Santonin.
In den als wurmtreibendes Mittel benutzten, unaufge­schlossenen Blüten von Artemisia maritima u. a. (L. XIX, 2,
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Compositae), welche unter der Bezeichnung Tlores (fälschlieh Semen) Cinae bekannt sind, kommt zu 1,5—2,3 pCt. vor, das Santonin, C^H^Os, farblose, perlglänzende, bei 169deg; schmelzende, rhombische Tafeln von neutraler Reaktion, welche im Licht gelb werden und in Lösung stark bitter schmecken. Es löst sich in 4000 Tin. kalten, 250 Tin. kochenden Wassers, in 43 Tin. Alkohol, in 42 Tin. Äther, in 4,4 Tin. Chloroform. #9632;Seiner Konstitution nach ist Santonin das Lakton der Santonin-säure, welche ihrerseits als ein Derivat des Hexahydronaph-talins angesprochen werden mnfs. Konstitutionsformel des Santonins nach Canizzaro:
H CH3
HH V
C | c
/ \ / \
HC C C=0
H
Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I
c c c=
V/|\ /
c i c
-CH—CH2-
I--------O _
-CO
HJ
A
HCH,
Mit Alkalien in alkoholischer Lösung entsteht karminrote Färbung, welche durch Eeduktionsmittel nicht, ohne diese aber bei längerem Kochen schwindet unter Bildung von santonin-saurem Alkali. Dasselbe wirkt wie Santonin. In Lösungen mit konzentrierter Schwefelsäure entsteht nach Eisenchlorid­zusatz rotviolette Färbung.
Im Organismus der Warmblüter entsteht bei Hunden zu 5—6 pCt. des eingeführten Santonins nach M. Jaffe Santo-genin, CgoHgeO,,, wahrscheinlich das Trioxyderivat eines poly-meren Santonin {CKiI1HOa)203l und zwar die molekulare Ver­bindung von Mono- und Dioxysantonin, CJ5HJ8 04 Cjr.HjgOr, = C30H3e09. Santogenin giebt die charakteristische Eotfärbung #9632;des Santonins mit alkoholischer Kalilauge nicht. Im Kaninchen­körper entsteht Santogenin nur in geringer Menge, dagegen ein zweites Derivat, welches mit alkoholischer Kalilauge orange, mit konzentrierter Schwefelsäure gelbrote Färbung giebt, die durch Eisenchlorid in dunkelgrün übergeht.
Auf Frösche und Kaninchen wirkt Santonin weniger in­tensiv giftig als auf Hunde, v. Hasselt und Rienderhoff fanden bei Hunden 0,4 g als niedrigste toxische Dosis, wonach Zittern der Extremitäten, zuerst der hinteren, eintritt. 4—6 g töten in 36 Stunden nach wiederholten (teilweise reflektorischen)
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Krampfanfällen und starkem Speichelflufs. 0,6—0,8 g bewirken nach 16—30 Minuten Zittern, Trägheit in den Bewegungen, Steifheit des Nackens, der Vorder- und Hinterbeine, Hin­stürzen, Konvulsionen abwechselnd an Extremitäten, Rumpf und Kopf, Trismus, Mydriasis. Nach Ablauf der Krämpfe be­steht noch einige Zeit hindurch Bewufstlosigkeit, dann beginnt das Tier umherzulaufen, stöfst aber mit der Nase .an die Wände etc. — Bei Kaninchen sind die Symptome nach toxi­schen Dosen (2,0 g in Chloroform subkutan) dieselben (Krampf, Trismus, Speichelflufs, schliefslich Lähmung, Tod in30 Stunden; Urin nicht selten purpurrot). Bei den Sektionen der mit San­tonin vergifteten Hunde wurde starke Kapillarinjektion der Lungen und Überfüllung des Herzens mit Blut konstatiert.
Dafs die Krämpfe auf Hirnreizung zu beziehen sind, geht aus Froschversuchen hervor. Durchschneidung des Halsmarks hebt die Krämpfe auf. Beginn der letzteren im Bereich der 3—7 Hirnnerven, später Medulla oblongata und spinalis er-griifen (Binz und Becker). Auf das Herz ist es ohne be­sonderen Einflufs.
Inhalationen von Chloroform oder Äther kürzen die Krämpfe ab oder heben dieselben auf. Chloral kann bei Tieren das Auftreten der Anfälle verhindern. Diuretica zur Förderung der Elimination.
Die weit verbreitete Annahme, dafs Santonin Askariden tötet, trifft nicht zu. In 1,4 pCt. Lösung in Ricinusöl sah v. Schröder Spulwürmer länger als 52 Stunden leben. Nur der Aufenthalt im Dünndarm wird den Parasiten verleidet und aus dem Dickdarm vertreibt sie das beigegebene Laxans.
Das 01 der sog. Wurmsamen ist blafs- oder bräunlich-gelb, ziemlich dünnflüssig, wird aber an der Luft bald dunkler und dicker, riecht widrig und schmeckt brennend. Dasselbe ist nach E. Eose für Kaninchen schon zu 2,0 g ein tödliches Gift, das Unruhe, Sinken der Temperatur, Mattigkeit, Zittern, verminderte Sensibilität, tetanische und klonische Muskel­zuckungen, vermehrte Diurese und Albuminurie verursacht. An der wurmwidrigen Wirkung soll es nur in untergeordnetem Mafse beteiligt sein.
Aspidium. Aus dem Wurzelstock des zur Familie der Aspi-diaceae gehörigen Aspidium filix mas (L. XXIV, 1) wird ein oflizinelles Ätherextrakt hergestellt, dessen
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Anwendung wiederholt zu schweren Intoxikationen ge­führt hat.
Von den Bestandteilen des Extraktes ist zunächst anzu­führen die zu 6—9 pCt. vertretene Filixsäure. Daccomo fafst dieselbe als den Isobuttersäureester des Oxynaphtochinon auf von der Zusammensetzung, C,4Hi60,-„ während von Lück (Entdecker der Filixsäure), Grabowskiund H. Schiff etc. andere Ansichten geltend gemacht werden. Die reine, krystal-lisierte Filixsäure erwies sich in den Versuchen von P o u 1 s o n, sowohl in den Magen als in das Blut eingebracht, als ungiftig. Die rohe, durch Alkalien dem wirksamen Extrakt entzogene und durch Säuren ausgefällte Substanz, welche durch Um-krystallisieren die reine Filixsäure gab, zeigte hingegen toxische Eigenschaften, so dafs noch eine zweite Substanz mit Grift-wirkung vorzuliegen schien. Nichts destoweniger 1st die Filix­säure selbst das giftige Prinzip des Farnwnrzelextrakts. Löst man nämlich die reine, krystallisierte, gereinigte, un­wirksame Säure (Schmelzp. 180deg;) in Alkalien und fällt dann Avieder mit Salzsäure, so besitzt der so gewonnene Niederschlag die ganze Griftwirkung des Extraktes.
Einzelne Thatsachen deuten darauf hin, dafs das krystal-linische Präparat eine anhydridartige Verbindung ist, da sie mit Basen unter Wasseraufnahme Salze bildet. Die amorphe, wirksame Modifikation wäre dann als das entsprechende Hydrat zu betrachten.
Die Filixsäure ist in Wasser unlöslich, sehr leicht da­gegen in fetten und flüchtigen Ölen, eine Eigenschaft, welche für die Leichtigkeit der Intoxikation nicht unwesentlich zu sein scheint, da gerade meist bei gleichzeitiger Verabfolgung von Kicinusöl etc. schwere Störungen eintraten.
Von den sonstigen im Extrakt vorkommenden Substanzen, ätherisches Filixöl (wurmtreibend), harzartigen Substanzen, Pal-mitin und Olein etc. sind Giftwirkungeh nicht bekannt.
Die klinischen Symptome, Appetitverlust, starkes Speicheln, Erbrechen, vermehrte Peristaltik und diarrhoische Entleerungen deuten auf Erkrankung des Digestionstraktus; ihnen gesellen sich sehr bald cerebrale Störungen hinzu, vorwiegend Depressions­erscheinungen: Apathie, Somnolenz, cerebrale Läh­mungen (taumelnder Gang, partielle Lähmungen der
Tereg u. Arnold, Toxikologie.
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Extremitäten etc.), Amaurosis, welchen nicht selten Reizungssymptome vorangehen: Kopfzittern oder Pen­deln, periodischer Opisthotonus, Zähneknirschen, Ny­stagmus, Eeitbahnbewegungen, Myosis nach vorheriger Mydriasis, Temperaturzunahme. Herz- und Atem-thätigkeit sind gewöhnlich anfangs beschleunigt, neh­men aber allmählich ab, bis der Tod durch Atmungs­paralyse eintritt. Der Harn enthält granulierte Cy­linder und Eiweifs, selbst Blutfarbstoff, bei Kaninchen vereinzelt auch Zucker (Quirll).
Bei der Sektion findet man hämorrhagische Gastro­enteritis und Cystitis, parenchymatöse Nephritis, Hydro-cephalus und Hydrorhachis, Gehirn-, Rückenmark- und Lungenödem, Hämorrhagien im Gehirn, der Retina etc. Nach Anwendung sehr grofser Dosen fohlen die Reiz-, erscheinungen.
Der Tod erfolgt bei Kaninchen nach 2,5—5,0 g in 4—5 Stunden. Ein Mops ging nach 6,0 g in 14 Stunden zu Grunde (Röder); ein 18 kg schwerer Hühnerhund zeigte nach 15,0 g Vergiftungserschei­nungen, erholte sich aber bis zum nächsten Tage. Bei einem Schaf von 40 kg stellten sich auf eine Dosis von 25,0 g nach einer Stunde gastrische, nach drei Stunden nervöse Symptome ein, worauf am Abend der Tod erfolgte. Eine 300 kg schwere, 9 Jahre alte Kuh wurde durch 100 g nach Ablauf von drei Stunden ge­tötet (Fröhner).
Spezifische Reaktionen zum Nachweis der Filix-säure sind bisher nicht bekannt. Als Anhaltspunkt zur Sicherung der Diagnose dient der unverkennbare intensive Geruch des Extraktes.
Bei der Behandlung ist die vorhandene Darm­reizung etc. zu berücksichtigen (schleimige, einhüllende
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Mittel); vorhandene Depressionssymptorae werden durch Atropin, Coffein, Kampher oder Ätherinjektion be­kämpft.
Pteris aquilina. Ganz analoge Vergiftungserscheinungen wie nach Filixextrakt wurden gelegentlich einer wochenlangen Verfutterung von Häckselstroh beobachtet, welches reichlich (Vs—1ls) Adlerfarn (Pteris aquilina, XXIV, 1, Polypodieae) enthielt, so dafs täglich etwa 3 — 4 Metzen von dem Farnkraute verzehrt worden waren. 24 Pferde erkrankten; der Gang mühsam, schwankend. Vier Pferde starben unter Konvulsionen. Hydrocephalus, Meningitis etc.
Sium.
Porter ermittelte in Sium latifolium, breitblätteriger Merk, Sumpfmerk, Wasserpastinake (L. V, 2, Umbellif'erae), ein dem Cicutoxin sehr ähnliches, in seinen Lösungsverhält­nissen einigermafsen davon abweichendes Harz, welches bei Tieren Speichelflufs, Sclnveifsausbruch, intermittierende Krämpfe, Nystagmus, Somnolenz etc. erzeugt. Husemanu rechnet das­selbe zur Gruppe der Pikrotoxine. Es gehört, wie Cicuta, zu derselben Gruppe der Ammineac und scheint besonders die Wurzel das Gift zu enthalten, aber nicht zu jeder Jahres­zeit. Wie Beyersten bemerkt, wirkt nur die im August gesammelte Wurzel toxisch, sie scheint dagegen unschädlich zu sein, wenn sie vor Mitte des Sommers genossen wird. Die Blätter sind nach Gmelin nicht schädlich.
Beyersten berichtet über Vergiftungsfälle bei Kindern und Rindern. Letztere hatten durch ihren Besitzer pro Kopf eine Handvoll zerhackter Wurzeln mit Kleie bekommen. Es stellte sich bald darauf Unruhe und intensive Schweifssekretion ein derart, dafs der Schweifs am Körper herunterflofs. Sie brüllten, warfen sich an die Erde und verfielen in Krämpfe (klonische Krämpfe der Extremitäten, der Halsmuskulatur und Nystagmus). Die Anfälle liefsen zwar nach, kehrten aber bald wieder. Eine junge Kuh verendete schon nach einer Viertel­stunde, eine zweite bald darauf. Die Genesenden gingen den Tag über wie betäubt umher. In ähnlicher Weise hatte ein anderer Landmann kurz zuvor zwei Kinder eingebüfst.
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Neben S. latifolium gilt in einzelnen Gegenden nocb S. angustifolium (Berula angustifolia) für giftig.
Sikimin.
Eine nicht reduzierende, N-freie, ähnlich wie Pikrotoxin wirkende Substanz fand Eykmann in den Früchten von Illicium religiosum (Japan. Sikimi), welche nicht selten zur Verfälschung des Sternanis (von Illicium anisatum, L. XIII, 2—7, Magnoliaceae) benutzt wird. Von dem Sikimin, wie Eyk­mann das Gift nennt, werden Hunde durch 0,012 g in 1 bis 2 Stunden getötet. Sikimisäure C7H1005 (Tetrahydrotrioxyben-zoesäure) indifferent.
Eserin.
Das Eserin oder Physostigmin, ein Alkaloid der Calabarbohne, herrührend von Physostigma venenosum (Papilionaceae, XVII, 6), kommt in Form verschie­dener Salze in den Handel, von denen das schwefel­saure seiner Leichtlöslichkeit wegen das beliebteste, aber nicht immer das reinste ist. Mitunter wirkten die gebräuchlichen therapeutischen Dosen zu intensiv oder sie hatten nur eine geringe Wirkung. Im ersteren Falle ist eine Verunreinigung mit dem in der Calabar-bohne präformierten Alkaloid C a 1 a b a r i n, im zweiten mit Es er id in anzunehmen.
Calabarin (Harnack), schwer in Äther lös­lich, giebt mit Kaliumquecksilberjodid einen in Alkohol unlöslichen Niederschlag. Dasselbe ruft bei Kaltblü­tern Tetanus hervor, ganz ähnlich wie Strychnin. Ganz kleine Dosen bewirken bei Fröschen anfänglich eine Lähmung der willkürlichen Bewegungen und nach 12 Stunden ziemlich anhaltenden Tetanus. Gröfsere Dosen verursachen nach einer Stunde andauernden Tetanus. Nach weiterer Steigerung der Injektions­menge tritt der Tetanus fast unmittelbar ein und es folgt dann, wie bei Strychnin, die Lähmung. Es ge­hört zur Gruppe der Hirnkrampfgifte. Die englischen
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Calabarextrakte in Glycerin enthalten Physostigmin überhaupt nicht, sondern fast nur Calabarin.
Eseridin, CjsHasNgOa, unterscheidet sich von dem Eserin durch den höheren Schmelzpunkt (1320), durch seine schwerere Löslichkeit in Äther (Merck) und die Fähigkeit, aus Jodsäure Jod abzuspalten. Nach Zusatz eines Körnchens Jodsäure färbt sich Eseridinlösung, wie Eserin, violett (in Konzentrationen unter 1 pCt. nicht), welche Färbung durch Stärke schon in der Kälte in Blau umschlägt; reine Eserin-lösung ändert die Farbe erst beim Erwärmen (W. Eb er). Eseridin wirkt quantitativ ca. sechsmal schwächer auf die Darmmuskulatur, als Eserin, qualitativ im übrigen gleich diesem; ob das Herz in lähmendem Sinne be-einflufst wird, wie Eber annimmt, bleibt noch näher zu untersuchen. Hunde und Katzen gehen nach grofsen, nicht tödlichen Dosen (unter 0,005 g p. KK.) in den folgenden 24—36 Stunden an Schluckpneumonie zu Grunde. Kleinere Dosen lassen es meist zu Er­brechen kommen, welches nach tödlichen Dosen aus­bleiben kann. Eber beobachtete auch Hallucinationen. Nach Anwendung von 0,1 g Eseridin, welches Schmidt mit 10,0 g aq. dest. als milchige Mischung einem Pferde injiziert hatte, trat lokale, sich über die ganze rechte Brustseite und die entsprechenden Vordergliedmafsen erstreckende Gangrän ein, worauf am vierten Tage nach der Injektion Tod an Septicämie eintrat. Darauf­hin an Schlachtpferden angestellte Kontrollversuche er­gaben in der Mehrzahl der Fälle ähnliche Resultate, während nach Injektion in vollständig gelöstem Zu­stande derartige Zufälle nicht eintraten. Die Zuver­lässigkeit der abführenden Wirkung bei Pferden liefs viel
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zu #9632;wünschen übrig. Mitunter blieben 0,3 g Eseridin ohne jeglichen Erfolg,
Eserin, C^B^iNgC^, bildet in freiem, reinem Zustande einen farblosen, geschmacklosen Firnifs, wel­cher bei ca. 90deg; schmilzt, in Alkohol etc. leicht, in Wasser schwer löslich ist mit alkalischer Reaktion. Lösung dreht links. Mit Salicylsäure neutralisiert, giebt Eserin gut krystallisierende Salze, während die übrigen meist amorph sind. Konzentrierte Schwefel­säure löst mit gelber, bald olivengrün werdender Farbe. Nach Alkalizusatz (Kali, Natron) entsteht in unge­färbten Salzlösungen unter Oxydation und gleichzeitiger Abspaltung einer flüchtigen, im Geruch an methylierte Amine erinnernden Base ein in durchfallendem Licht auffallend rot gefärbter, in Äther schwer, in Chloro­form leicht löslicher Körper, das Ruhr eserin (Du-quesnel), welches in rubinroten Nadeln krystallisiert und bei 138deg; schmilzt.
Das Eubreserin wirkt nicht Pupillen verengend. Dampft man eine ammoniakalische Kubreserinlösung unter Zusatz von etwas Traubenzucker*) ab, so hinterbleibt eine amorphe, indigo­artige Masse mit ganz ähnlichem Kupferglanz, das Physostig-minblau. Letzteres löst sich in Petroläther nicht, in Aceton, Wasser, Chloroform leicht (Eber). Harnack vermochte den blauen Farbstoff mit Äther aus der schmutzig violett ge­färbten, nach fauligen Fäkalmassen riechenden Flüssigkeit zu extrahieren, welche sich beim Erhitzen der Physostigminlösung mit Salzsäure im zugeschmolzenen Rohr auf 140—150 0 gebildet hatte. Der Fäkalgeruch würde für die Abspaltung von Skatol sprechen, einer Substanz, welche auch bei Zersetzung von Strychnin auftritt. Läfst man die Niederschläge, welche Ka-
*) Wird eine ammoniakalische Kubreserinlösung ohne Traubenzucker zur Trockene abgedampft, so entsteht eine hell­braune Masse, welche sich — ganz wie Indigoweifs — unter Sauerstoftabsorption in Physostigminblau umwandelt. Bei Be­handlung mit Barytwasser bildet sich ebenfalls Physostig­minblau.
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liumquceksilberjodid mit Eserin giobt, einige Monate unter Alkohol stehen, so bildet sich Calabarin. Eine Reihe von Thatsachen spricht dafür, dafs Eserin mit Strychnin in nahen chemischen Beziehungen steht.
Die toxische Wirkung des Eserin besteht nach der einen Richtung in einer direkten Lähmung des centralen Nervensystems, nach der andern in einer direkten Erregung einer grofsen Anzahl muskulöser Apparate.
Am empfindlichsten sind kleine Vögel, welche sich
geradezu als physiologisches Reagens zum Eserinnach-
weis eignen. Sperlinge und Rotkehlchen sterben schon
nach 0,1 Mg.des Sulfats asphyktisch (M.Damourette).
Für Katzen sind 2 — 3 Mg,, für Kaninchen 3 Mg., für
kleinere Hunde 4 — 5 Mg., für gröfserö 0,01 g, für
Ziegen 0,1 g, für Pferde 0,5 g die letale Dosis bei
subkutaner Anwendung. Instillation von 2 Mg. in den
Konjunktivalsack wirkt beim Meerschweinchen tödlich.
Beim Rind wirken 0,3 g subkutan, 0,9 g direkt in
den Wanst injiziert, 3,0 g innerlich zwar stark toxisch,
aber nicht tödlich.
Bei Fröschen lähmt Eserin in Dosen von 2—5 Mg. das Gehirn (Erlöschen willkürlicher Bewegungen), später auch das Rückenmark (Erlöschen der Reflexerregbarkeit). Die VergiftungserscheinuBgen entfalten sich sehr langsam und dauern oft viele Tage. Die Muskelsubstanz des Froschherzens wird direkt erregend beeinflufst, Muskarinstillstand dadurch aufgehoben (indirekter Antagonismus).
Bei Säugern gestaltet sich das äufsere Wirkungs­bild je nach der Tierart verschieden. Zunächst machen sich die Folgen der Erregung des Respirationscentrums bemerklich, dann die Konsequenzen centraler, sensibler und motorischer Lähmung. Bei Katzen geht dem Lähmungsstadium hochgradige Aufregung der Tiere voraus, die im ungestümen Hin- und Herrennen etc.
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ihren Ausdruck findet. Ein Symptom, welches bei Fröschen sehr inkonstant und schwach ausgebildet ist, fehlt bei keinem Säugetier, nämlich heftige, fibrilläre Zuckungen in den Körpermuskeln. Auf den Herzmuskel der Warmblüter übt Eserin keinen ungünstigen Einflufs aus. Daher erklärt es sich auch, dafs das Leben der Tiere, selbst bei kolossalen Dosen des Giftes, keines­wegs gefährdet ist, wenn vorher künstliche Respiration eingeleitet wurde. Nach Sistierung der Atmung schlägt das Herz noch längere Zeit fort. Blutdruck gesteigert. Frequenz vermindert, wahrscheinlich durch Lähmung der herzbeschleunigenden Nerven (Atropin ohne Ein­flufs auf Frequenz). Schliefslich erfolgt unvollständiger, systolischer .Ventrikolstillstand. Die Speicheldrüsen werden direkt gereizt, denn die Sekretion stellt sich auch dann ein, wenn die Endigungen der Speicheldrüsen­nerven zuvor durch Atropin gelähmt wurden und das die Endigungen der Speicheldrüsennerven heftig anregende Muskarin ohne Wirkung blieb. Die Iris- *) und Darm­muskulatur erregt E. ebenfalls direkt, weshalb es möglich ist, trotz der durch Atropin gelähmten Nervenendigungen in den betreffenden Muskeln hef­tigste Peristaltik resp. Darmkrampf hervorzurufen, wozu Muskarin trotz seiner erregenden Wirkung auf die Darmganglien etc. nicht befähigt erscheint. Die myo-tische Wirkung kann für den physiologischen Nach­weis benutzt werden, es sind indes nur Säuger brauch­bar, da bei Vögeln Myosis ausbleibt. Die Darm­wirkung tritt beim Pferd und Rind nach verhältnis-mäfsig geringen Dosen, höchstens unter Erscheinungen
*) Bei interner oder subkutaner Applikation ist Myosis ankonstant.
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von Darmschmerzen ein. Dosen über 0,17 g subkutan und 1,0 g innerlich können schon beim Rind zu All­gemeinsymptomen Veranlassung geben, welche sich noch vor den diarrhöischen Entleerungen einstellen. Die­selben bestehen in Zittern, Speicheln, Kauen, dyspno-ischem Atmen, welches sich zu hoher Atemnot steigern kann. Bei tödlichen Dosen setzt die Atmung aus und stockt vollständig. Bisweilen gehen die Tiere unter den heftigsten Erstickungskrämpfen zu Grunde, wenn die Paralyse der motorischen Sphäre nicht so weit vorgeschritten ist, dafs das Zustandekommen von Krämpfen noch erfolgen kann.
Eine kumulative Wirkung geht dem Eserin nach Beobachtungen von Durieux, Klemm u.a. ab, ob­wohl Andere eine solche wahrgenommen haben Avollen. Ersterer wandte 0,5 g in drei Injektionen, auf 48 Stun­den verteilt, ohne Nachteil bei Pferden mittleren Schlages an; Klemm gab die Dosis von 0,2 g in Intervallen von vier Stunden, bei schweren Kolikfällen sogar bis zu fünfmaliger Wiederholung.
Anderseits hat man bei relativ mäfsigen Dosen hochgradige Intoxikation bei Pferden wahrgenommen, welche in dem von Friedberger mitgeteilten Falle einmal auf das vorhandene Lungenemphysem, aufser-dem auf Calabarinwirkung zurückzuführen ist. Fried­berger injizierte 0,1 g. Nach 1/a Stunde Aufregung. Der Kopf wurde starr gebeugt gehalten, Kaubewe­gungen, starkes Muskelzittern am Hinterteil. 20 Mi­nuten später die erste Defäkation, durch welche in SVa Stunden 19,3 kg Fäkalien zu Tage gefördert wur­den. Die stürmischen Erscheinungen verloren sich nach ca. l1/2 Stunden und wichen raschem Kräfte­verfall, zu welchem sich Ataxie und am fünften Tage
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Hirnreizungssymptome (Tobsucht, Beifswut) gesellten. Da es sich um ein Versuchspferd handelte, wurde das Tier getötet. Ähnliche Fälle hat auch A Ihr echt nach 0,1 g bei Pferden und nach 0,15 g bei Rindern konstatiert. Ripke injizierte bei zwei, an hochgra­diger Unverdaulichkeit leidenden Kühen je 0,1 g Eserin sulf. Beide Kühe fingen etwa lk Stunde nach der Injektion an zu schäumen, atmeten sehr rasch und waren unvermögend, sich zu erheben. Die eine Kuh starb nach 5 — 6 Stunden unter den genannten Erscheinungen, die andere wurde geschlachtet. Ein Irrtum bezüglich der Dosierung ist ausgeschlossen.
Im Harn vergifteter Kaninchen findet sich weder Physostigmin, noch eins der gewöhnlichen Zersetzungs­produkte (Rubreserin etc.), sondern ein dem Physo­stigmin nahestehender Körper, welcher jedoch keine Pupillenverengung erzeugt, junge Kaninchen in Dosen von 15 Mg. nicht tötet und auch vom Eseridin ver­schieden ist, da durch Ammoniakzusatz sofort violette, dann kirschrote Färbung zu erhalten ist, eine Reaktion, welche dem Eserin auch abgeht. Die neu gebildete Substanz entsteht aufserhalb des Organismus durch Er­wärmen von Eserinlösimg bei Gegenwart von Trauben­zucker und kohlensaurem Natrium unter Petroleum­äther. Die Base zersetzt sich unter Rubreserinbildung bedeutend schneller, wie Physostigmin. Eber nennt dieselbe inaktives Physostigmin. — In Blut und Leber ist nach Pander Physostigmin bei Vergiftungen nach­weisbar, ebenso in Speichel und Galle.
Behandlung: Die Erfahrungen von Fräser, Köhler u. a., wonach 0,5 g Atropinsulfat und 0,4 g Calabarextrakt für Hunde bei gleichzeitiger Appli­kation ohne tödliche Folgen blieben, sprechen für die
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Verwendbarkeit des Atropins als Gegengift bei Eserin-intoxikation. Symptomatisch bei Krämpfen, nament­lich tetanischen, Chloralhydratlösung mit Schleim in das Rektum infundiert.
Der Nachweis wird geliefert mit Hülfe der oben angeführten Farbenreaktionen und der myotischen Wirkung auf das Auge der Säugetiere.
Kampher.
Der ofiizinelle Kampher von Cinnamomum cam-phora (Camphora officinarum, Laurus camphora, L. IX, 1, Laurineae), Japankampher, C10H16O, ist ein Derivat des Cymol, C10Hi4, d. h. (Paramethylisopropylbenzol
C6H4^quot;3 (1,4)
KC3H7
Das Molekül enthält nach Brühl und Bamberger keine Doppolbildungen im Benzolkern, so dafs die Konstitution des Kamphers durch die Formel ausgedrückt wird: CH,—CH-CH,
H2=C
H2=C
C=H2
I
c=o
V
CH3 Derselbe bildet weifse, durchscheinende, zähe Massen, welche einen eigentümlichen Geruch und anfänglich kühlenden, dann brennend bitterlichen Greschmack besitzen. Schmilzt bei 175deg;, verdampft aber schon bei gewöhnlicher Temperatur. Von kaltem Wasser sind 1000, von Weingeist nur 5/6 Teile zur Lösung erforderlich, leicht löslich in Äther etc. Er ist rechtsdrehend und brennt mit rufsender Flamme.
Die toxische Wirkung bei den verschiedensten Tiergattungen ist bereits im vorigen Jahrhundert durch Menghini, Carminati studiert. Dieselben be­nutzten Frösche, Vögel, Kaninchen, Katzen, Hunde
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und Schafe zu ihren Untersuchungen. Katzen sterben schon nach 1,5 g, Kaninchen nach 8,0 g, Vögel nach einigen Decigramm. Hunde erholen sich bei nicht gehindertem Erbrechen noch nach 4,5 g (W. Hof­mann), einzelne starben nach 8,0 g, andere ertrugen sogar 15 g ohne heftige Wirkung; bei Schafen war das Verhalten nach 12—15 g ein ganz ähnliches. Für Pferde sind weniger als 60,0 g nach Hertwig niemals töd­lich, manche starben erst nach 180 g, während Ta-bourin letalen Ausgang nach 60,0 g, Vitet nach je 30,0 g bei vier Pferden beobachtete. Nach Anwendung einer Gabe von 60 —120 g bei Pferden und Rindern oder 8—15 g bei Schafen und von 4—12 g bei Hun­den bemerkte Hertwig zunächst nur gesteigerte Puls- und Respirationsfrequenz, bald darauf klonische Krämpfe, welche am Kopfe plötzlich, elektrischen Schlägen gleich, einsetzen (Lippen, Kaumuskeln) und sich über Hals und Vorderextremitäten ausbreiten. Der Krampf der Nackenmuskulatur hält zuweilen sekundenlang an. Pferde zeigen mitunter tetanischen Krampf des ganzen Vorderteils. Zum Laufen ani­mierte Tiere führen gelegentlich Zwangsbewegungen aus. Hunde kauen mit gröfster Heftigkeit, wobei der ver­mehrt abgesonderte Speichel zu dickem Schaum um­gewandelt wird. Pferde secernieren verhältnismäfsig wenig Speichel, es kann sogar das Maul trocken er­scheinen. Die Refiexerregbarkeit ist erheblich gestei­gert, so dafs geringe Geräusche schon im stände sind, neue Anfälle auszulösen. In der Zwischenzeit bleibt das Bewufstsein ungetrübt. Nicht selten treten neben­her Koliksymptome und häufige Defäkationen auf; Urin wird trotz bestehenden Harndrangs gewöhnlich nur in kleinen Portionen entleert. Nach vier, hoch-
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stens 12 Stunden hören die Krampfattaquen auf oder die Paroxismen treten derart heftig auf, dafs die Tiere haltlos niederfallen, wobei höchste Atemnot besteht. Das Maul weit geöffnet, Augen in Nystagmus, Pupille weit, reaktionslos, ohne Bewufstsein und Empfindung verenden die Tiere unter Konvulsionen. Hunde und Schafe versuchen bei gelähmtem Hinterteil unter frucht­loser Anstrengung der Vorderextremitäten, sich vom Boden zu erheben. Her twig sah nach einem, zur Zeit des Krampfstadiums gemachten Aderlafs sichtliche Besserung eintreten. Wiederholt man gröfsere Dosen imVerlauf aufeinanderfolgender Tage, so nimmt die aus­geatmete Luft, der Harn, bei Kühen die Milch, Kampher­geruch an. Für gewöhnlich werden kleinere Dosen in wenigen Stunden als Camphoglykuronsäuren (o-Camphoglykuronsäure, Ci6H2408 -f- H20, krystallisiert und /3-Camphoglykuronsäure nicht krystallisiert), resp. als Uramidocamphoglykuronsäure ausgeschieden, zu­weilen findet aber eine kumulative Wirkung statt, wie in dem unten mitgeteilten Falle von Ritzel. — Die Krämpfe beruhen anscheinend auf Erregung der me-dullären Centren, unter denen ganz speziell das vaso­motorische sich hervorragend beteiligt. Die Wirkung auf das Herz ist auf Beeinflussung des Myocards zurückzuführen. Bei Kaltblütern äufsert Kampher kurareartige Wirkungen.
Obduktion: Kamphergeruch, Blut schwarz, flüssig, Gastroenteritis hämorrhagica, subendokardiale Ekchymosen, Herz dunkelrot, Hirn hyperämisch.
Klinisch beobachtete Vergiftungen sind wieder­holt vorgekommen. Eine an Nymphomanie leidende Kuh bekam 38,0 g Kampher mit Althaeaschleim in fünf Tagen. Am sechsten Tage Appetitverlust und
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Kolik; erst nach melireren Tagen erfolgte Futterauf­nahme (Ritzel). Einer Kuh waren bei septischer Metritis pro die 70,0 g Kampherspiritus (10 pCt.-Lösung [?]) dreimal verabreicht worden. Dieselbe zeigte heftige Kaubewegungen, Schäumen, Geifern, Zuckungen, Zittern, Tiefatmen, Schweifs, Taumeln und einseitige Krämpfe der Halsmuskulatur. Das Tier wurde geschlachtet.
Behandlung: In frischen Fällen Purganzen, Chloralhydrat, Aderlafs rationell.
2. Erbrechen, Durchfall, Diurese, Schweifs, an­fangs frequenter, dann abnehmender Puls, Fieber, Hirnkrämpfe, Lähmung, Sopor. Rascher Verlauf.
Akonitin, Delphinin, Taxin. Aconitum.
Die verschiedenen Arten der Gattung Aconitum enthalten an Aconitsäure gebundene Alkaloide, welche zu den intensivsten Giften gerechnet werden müssen, die wir kennen.
A. napellus variegatum und Stoerkeanum (L. XIII, 2—7,Ka-nunculaceae), Aconitin, C33H43NOi2, und Pseudaconitin, CaeH^NOn, wovon letzteres in dem im Himalaya wachsenden A. ferox überwiegt. Durch Hydrolyse zerfallt Aconitin in Benzoe-säure, C6H5.COOH, und Aconin, C2GH35N07(OH)4, das Pseudaco­nitin in Dimethylprotokatechusäure, C(.,H3(OCH3)2COOH, und Pseudaconin, C27H3TN04(OH)4.
A. lycoctonum scheint ebenfalls Aconitin und Pseud­aconitin (Hepalin, Nepalin, Napellin, Acraconitin) zu enthalten. Das von Hübschmann daraus gewonnene Acolyctin und Lycoctonin wird von Wright und Luff für identisch mit Aconin und Pseudaconitin gehalten, von anderen als Spaltungs­produkte der angeblich curareartig wirkenden Körper Lyca-conitin und Myoctonin angesehen. Aus japanischem Aconit
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lafst sich Japaconitin, CuoHssNaC^, gewinnen, welches beim Verseifen Benzoesäure und Japaconin, C2GH4jN202, liefert.
Die als Acouellin bezeichnete Base ist vermutlich mit Narcotin identisch (T. und H. Smith).
Aconitsäure, CsH^COOHjg, ruft in Dosen von 2,0 g bei Kaninchen subkutan nur Vastüudige Unruhe hervor (Fleming).
Aconitin, Pseudaconitin und Japaconitin unter­scheiden sich bezüglich der Qualität ihrer Wirkung wenig, ihrer Intensität nach aber bedeutend von­einander. Kaninchen werden durch Aconitin Merck, in Dosen von 0,01 g (Schroff), durch Pseudaconitin Dragendorff, in Quantitäten von 0,0005 g (Bohm und Ewers) und durch Japaconitin in Gaben von 0,0001 g (Langaard) getötet.
Zu berücksichtigen bleibt auch die Provenienz der Alkaloide. Von dem krystallisierten Aconitum nitricum Merck waren 0,1 g bei einem Schaf noch ohne tödliche Wirkung, während von dem französi­schen Nitrat 0,01 g in 1 pCt.-Lösung subkutan den Tod eines Pferdes in 30 Minuten zur Folge hatte (M.Kauf­mann). Nach Webers Versuchen liegt die vom Magen aus tödlich wirkende Dosis fünfmal höher. Harley fand für Pferde als letale Dose des Aconi-tine pure M or son 0,03 g.
Die Vergiftungserscheinungen bestehen in der Hauptsache in lokalen Reizerscheinungen der Schleim­häute bei Ingestion, heftigen Krämpfen, vielfach bei erhaltenem Bewufstsein und spastischer My-driasis (Reizung des Hirns und Rückenmarks), worauf komplete Lähmung und Tod durch Paralyse des Re­spirationscentrums eintritt. Bei grofsen Dosen findet gleichzeitiger Stillstand des Herzens durch Lähmung der intrakardialen Centren statt. Charakteristisch ist
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am Froschherzen typische Herzperistaltik, darauf Still­stand in Diastole.
Nach Genufs von frischem Kraut, der Wurzel oder Extrakten treten die Eeizerscheinungen seitens des Verdauungstraktus etwas mehr in den Vorder­grund und stellen sich nicht selten soporöse Erschei­nungen ein. Das Symptomenbild setzt sich aus folgenden Einzelheiten zusammen: Reizung im Maul, Speicheln, Durst, Würgen, Erbrechen (bei Ziegen und Hunden Zähneknirschen), Kolik (Tympanitis bei Wiederkäuern), Angst, Schreien, Winseln; Sinken der Respiration mit langgezogener Inspiration, mühsamer Exspiration, Acceleration des Pulses, Muskelschwäche, Diurese, profuse Schweifssekretion (letztere beim Pferd), Tem­peraturabnahme, Entleerung von Kot; Eingenommen­heit des Kopfes, vermindertes Allgemeingefiihl, selbst Schwinden des Bewufstseins, Niederstürzen; Krämpfe meist erst terminal.
Der Verlauf ist sehr akut. Der Tod kann bereits nach einigen Stunden, Genesung bei Anwendung nicht letaler Mengen innerhalb 24 Stunden erfolgen.
Von frischen Wurzeln führten bei Pferden 375 g den Tod innerhalb 14 Stunden herbei (Viborg). Von dem frischen Kraut töten bereits 12 —16 g (Krog-m a n n). Von getrockneter Wurzel sind 5 g die letale Dosis für Hunde, vom Extrakt 0,6 g (van Praag).
Nach niedrigen letalen Dosen der Alkaloide findet man bei der Obduktion fast nichts (Hyperämie des Centralnervensystems, Erstickungsblut), nach gröfseren Mengen resp. nach Genufs von Pflanzenteilen Gastro­enteritis, Ekchymosen unter der Pleura, dem Endo- und Perikard. Mydriasis nicht mehr vorhanden.
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Der Nachweis stützt sich, falls die botanische Exploration des Verdauungstraktus erfolglos geblieben^ im wesentlichen auf den physiologischen Versuch nach Ausschüttelung möglichst frischer Organteile. Das ge­wonnene Extrakt verursacht bei Mäusen Krämpfe. Spuren von Aconitin, mit einigen Tropfen konzen­trierter Phosphorsäurelösung erwärmt, geben violette Färbung, je reiner das Präparat, desto geringere.
Behandlung: Kalkwasser, Natrium carbonicum (keine Säure, auch nicht Tannin, da Tanninaconitin in Wärme löslich, Dragendorff), Emetica, Laxan-tien. Als Excitantien Kampher in ätherischer Lösung, subkutan Ammoniumkarbonat.
Delphinium.
Einige, mit der Akonitgruppe nahe verwandte Al-kaloide sind in einer Delphiniumart (L. XIII, 2—7, Ranunculaceae), D. staphysagria (scharfer Rittersporn, Läusekraut), ziemlich reichlich (in den Samen zu 1,2 pCt.), in anderen (D. consolida, Ajacis, elatum) in relativ geringen Mengen vertreten, wahrscheinlich an Apfelsäure gebunden (L a s s a i g n e).
Dragendorff und Marquis isolierten: 1) Delphinin, C22HgBNO0, 2)Staphysagrin, OsäHaaNOr,, ein trotz der Ähnlich­keit der Molekularformel von dem vorigen in der Wirkung durchaus verschiedenes Alkaloid, welches aher unter Einflufs von Säuren zu Delphinin umgewandelt werden kann, 3) Del-phinoidin, C.(2H68N207, mit Delphininwirkung, aher amorph, am reichlichsten vorhanden, und 4) Delphi sin, C27H4eN204, ver­mutlich die Muttersubstanz des vorigen.
Das Delphinin wirkt ganz ähnlich wie die Akonitalkaloide und unterscheidet sich von ihnen eigentlich nur die energischere Wirkung auf den Cirkulationsapparat (Ansteigen des Blut­druckes und der Pulsfrequenz nach primärem Absinken) auch bei durchschnittener Medulla oblongata; das durch Muscarin oder Digitalin zum Stillstand gebrachte Herz beginnt nach nicht tödlichen Delphindosen wieder zu schlagen, umgekehrt Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 17
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ruft nach vorheriger Delphininwirkung Muscarin keinen Still­stand hervor. In den Pausen zwischen den Krampfanfällen befinden sich Hunde und Katzen im Sopor, es besteht totaler Verlust der Eeflexerregbarkeit; Strychninkrämpfe werden durch geeignete Gaben paralysiert. Die Tiere gehen nach 0,01 — 0,08 g in 2 — 24 Stunden zu Grunde. Künstliche Respiration ver­zögert den Exitus.
Von dem Staphysagrin sind 0,2—0,3 g für Hunde, 0,1—0,2 g für Katzen, 0,3 g für Kaninchen als tödliche Dosis (subkutan) anzusehen. Bei Fröschen ist die Wirkung eine curareartige und, wie bei Warmblütern, ohne jeden Einflufs auf die Herz­bewegung; das Bewufstsein bleibt erhalten. Konvulsionen, ab­gesehen von sekundären, durch Asphysie bedingten, fehlen. Der Tod erfolgt durch Respirationslähmung (Böhm und Serck).
Durch die Samen von D. staphysagriae (iStephans-körner) wurden in einem Falle sechs Pferde innerhalb 24 Stunden getötet, denen man je 66 g in Bier gegen Druse eingegeben hatte. Die Symptome sprechen für prädominierende Delphininwirkung: Heftige, fieber­hafte Kolik, profuse Schweifssekretion, Anästhesie, Sopor (Beier). Zwei Hunde starben nach Applika­tion von 30 g Samenpulver per os und folgender Schlundunterbindung in 14 resp. 54 Stunden; 8 g des Pulvers, in Wunden gestreut, veranlafsten bei zwei anderen tödlichen Ausgang nach drei Tagen (Orfila).
Nachweis: Wenn derselbe auf gewöhnlichem Wege nicht zu führen ist, sind ähnliche Operationen zu ver­suchen wie beim Akonit, dessen Reaktionen Delphinin teilt, nur die Schwefelsäure-Bromwasserreaktion giebt es nicht (oder vorübergehend — Staphysagrin), ebenso wenig wie Digitalin.
Behandlung ähnlich wie bei Akonitvergiftung. Gerbsäure, welche im Überschufs Delphinin schon in der Kälte löst, entschieden zu vermeiden.
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Taxus.
Die roten Früchte, namentlich aber die Blätter
von Taxus baccata (L. XXII, 6, Taxineae) enthalten
ein Alkaloid, Taxin, welches nach Hi Ige r und
Brande die Zusammensetzung C37H52NOi0 besitzt
und zu den Nitrilbasen gehört.
Den Untersuchungen von Borchers zufolgte bedingt Taxin bei Hunden, Katzen, Kaninchen und Fröschen starkes Sinken der Atemfrequenz und Herzaktion, Dyspnoe, terminale Konvulsionen und Erstickungstod, welcher bei Infusion in iU bis 1 Stunde, bei subkutaner Injektion in 1 — P/a Stunde eintritt. Die Reizbarkeit der Nerven und Muskeln bleibt er-erhalten. Herzaktion und Blutdruck werden bei Hunden anfangs gesteigert, später (auch bei durchschnittenen Vagi) herabgesetzt; bei Katzen ist Erbrechen konstant, welches nach Vagusdurchschneidung nicht ausbleibt. Bei Infusion sind für Hunde 0,1 g in 3k Stunde, für Katzen 0,03 und für Kaninchen 0,02 g tödlich.
Nicht gerade grofse Quantitäten der Blätter, für sich im nüchternen Zustande oder bei wenig gefülltem Magen aufgenommen, töten jedes Tier apoplektiform innerhalb 10 Minuten bis einer Stunde unter den eben geschilderten Symptomen, wobei Rinder und Pferde zuweilen laut aufbrüllen. Bei Pferden und Schafen genügen 200 g, bei Schweinen 75,0 g, Hühnern 30,0 g der Blätter, um plötzlichen Tod zu veranlassen. Ziegen scheinen etwas mehr als Schafe vertragen zu können. Bei Rindern wird man ca. 500 g als absolut tödttche Menge annehmen können.
Mit Futter gemischt oder unmittelbar nach dem Futter können die Blätter in solchen Quantitäten ge­nossen werden, die für sich allein und bei nicht ge­fülltem Magen gegeben, unbedingt töten. Trotzdem ist eine akut verlaufende Intoxikation bei Aufnahme gröfserer Mengen auch unter diesen Umständen nicht
17*
•I
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selten. Der Verlauf kann sich auf einige Stunden oder Tage erstrecken. In solchen Fällen machen sich neben den terminalen Hirnsymptomen Keizerschei-nungen seitens des Verdauungstraktus und der Harn­wege durch die in der Pflanze enthaltenen Terpene geltend: Schäumen aus dem Maul, Brechanstrengungen und wirkliches Erbrechen, Tympanitis bei Rindern, häufiges Urinieren bei Pferden. Puls verzögert, immer sehr klein, zeitweise unfühlbar, Temperatur vermindert.
Bei Obduktion der apoplektisch verendeten Tiere läfst sich höchstens an der Berührungsstelle der Blätter mit der Schleimhaut des Digestionstraktus leichte Röte bemerken, welche nach etwas weniger rapidem Verlaufe intensiver auftritt (punktförmige, fleckige, streifige, dunkelkirschfarbige oder violette Rötung im Rachen, Schlund, Magendarm, Gekröse, Epi- und Endokardium der Nierenkapsel etc.). Hirn ödematös, Meningen injiziert.
Der Nachweis ist gewöhnlich leicht, da die charakteristische Blattform im Digestionstraktus leicht in die Augen fällt. Vervollständigt kann für gericht­liche Zwecke der Beweis einer Taxusvergiftung noch werden durch die chemische Reaktion, welche das Taxin giebt. Durch Ausschütteln der ammoniakalisch gemachten ätherischen Auszüge mit Chloroform läfst sich ein Rückstand gewinnen, welcher sich bei Über-giefsen mit konzentrierter Schwefelsäure intensiv pur­purrot färbt.
Für die Behandlung hat man zu berücksich­tigen, dafs Alkoholika und Säuren das Taxin lösen, Alkalien und Ammoniak fällen. Am zweckmäfsigsten wird man daher Emetica event. Natriumkarbonat (keine Kalisalze) in Maximaldosen in Verbindung mit schlei-
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migen Mitteln und Laxantien verabfolgen. Kampher subkutan in ätherischer Lösung. In Fällen dringend­ster Gefahr bei Wiederkäuern Wanstschnitt.
3. Durchfall, Hirnkrämpfe, Blutdissolntion.
Sapotoxine, Solan in. Sapotoxinhaltige Pflanzen.
Das wasserlösliche Glykosid S a p o t o x i n kommt in den Wurzeln resp. Samen einer Reihe von Pflanzen vor, zu denen verschiedene Gattungen ihre Vertreter stellen. Durch Erhitzen oder Behandlung mit Baryt geht das Gift in die unwirksame Modifikation, das Sap on in über, vielleicht ein Hydrat des Toxins (Saponintrihydrat, C52H58C20, 0. Hesse).
Es zählen hierher von den Rosiflorae die der Unterabtei­lung der Spiraeaceae angehörige CJuillaja Saponaria (Kinde, als Panamarinde oder Waschholz bekannt, enthält aufserdem die dem Sapotoxin ähnliche Quillajasäure, insgesamt 8,8 saponin-liefernde Substanzen), von den Caryophyllinae die Sileneae G-ypsophyla Struthium (quot;Wurzel giebt 13 — 15 pCt. Saponin), Saponaria officinalis und rubra (ca. 5 pCt, Saponin), Agrostemma githago (L. X, 5, Samen mit 6,5 pCt. Saponin), die den Paro-nychiaceae zugehörigen Herniaria glabra und hirsuta (aufser­dem Herniarin, CisHgOg, enthaltend, den Methyläther des Umbelliferon), von den Polygalaceae, Polygala senega (L. XVII, 2), in deren Wurzel das Senegin zu 5 — 7 pCt. vor­kommt, die Sapindacee, Sapindus saponaria (Samen), von den Primulinae die Primulaceen: Primula officinalis und Cy­clamen europaeum (Knollen) etc.
Die Q u i 11 aj a s ä u r c, Ci9H30O10, ein Säuregiykosid, ist wie das Sapotoxin ein eminentes Protoplasmagift, welches die ver­schiedensten Gewebe bei direktem Kontakt, selbst in 0,5 pCt. Verdünnung, in ihrer Vitalität schädigt. Sie wird durch Bleiacetat gefällt, Sapotoxin dagegen nicht. Beim Erhitzen der Quillajasäure mit Mineralsäuren entsteht neben rechts­drehender Glykose ein in Wasser gallertig sich abscheidender,
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#9632;weifslicher Körper, welcher anscheinend mit dem unter gleichen Bedingungen, nur in anderem Prozentverhältnis aus Saponin entstehenden dem Chinovin-ähnlichenSpaltungsprodukt(C2oH8207) identisch ist. Bei vollständiger Hydrolyse liefert es das aus Alkohol krystallisierende Sapogenin, CUH2202 (Eochleder). Tierische Fermente, Pepsin etc., bewirken keine Spaltung.
Da nach Rochlederbei der völligen Spaltung des S a p o -n i n s aufser der Verbindung C14 ü^ Oj (Sapogenol nach 0. H e s s e) 3 Mol. Grlucose entstehen, so ergiebt sich unter der Voraus­setzung, dafs diese Verseifung normal verläuft, für das Saponin die Formel Ca2 H5„ 07 = Cu H22 O2 C6 H^ 06 — 3 Hj O. Das Saponin reagirt neutral, reizt heftig zum Niesen und schmeckt anfangs süfslich, hinterher anhaltend scharf und kratzend. Es löst sich leicht in Wasser und giebt eine noch bei Viooo Gehalt beim Schütteln wie Seifenwasser schäumende Lösung. In Alkohol schwer, im Äther nicht löslich. Konz. Schwefelsäure löst mit rotgelber, lebhaft rot werdender Farbe. Aus den wässerigen Lösungen oder den in kaustischen und kohlensauren Alkalien wird es gefällt durch Blciacetat oder Galläpfeltinktur. Eisen-ehlorid, Chlorzinn, Millonsches Reagens erzeugen in der Koch­hitze nicht wieder verschwindende Trübungen. An der Luft stehende Lösungen trüben sich unter CO2—Entwickelung durch Abscheidung weifser Flocken. Alkalische Kupfer- und Silber­lösungen werden allmählich reduziert. Über die bei der Hydro­lyse auftretenden Spaltungsprodukte giebt O. Hesse folgende Übersicht:
I. 2CMHM017 6H20=.6CeH,aOs 20uH2gOi!(Sapogenol).
II. 2Cg„H,,2Ü17-t-5H20=5C6H1206 C^H^O,,(Sapogenin).
III.nbsp; 2C32H52017-|-5H20=4C6H1206 CV^O^Saponetin).
IV.nbsp; 2C32Hri2017 4H20=4CcH1206 2C2oH3207 (Saporetin, Sapogenin).
Das Herniariasapotoxin spaltet durch Hydrolyse Zucker und Oxysapogenin (C15H2203) ab.
Für das Senegin, welches von Christophson, Barth und Herzig mit Saponin identisch, von Funaro davon ver­schieden erklärt wird, stellt letzterer die Formel auf: C^H-^O^; Senegenin: C40H32Ou.
Dem Cyclamin soll die molekulare Zusammensetzung C^H^Ojo zukommen.
Die Wirkung der Sapotoxine verhält sich
durchaus verschieden je nach dem Orte der Einführung
in den Organismus.
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Bei Aufnahme per os sind dieselben selten wirk­sam. Einem Kaninchen von 1,25 kg brachte Kobert an einem Tage 0,5 g rein dargestellte Substanz mittelst Schlundsonde bei, ohne dafs sich irgend welche Krank­heitserscheinungen zeigten #9632;, bei einem anderen trat nach 1,0 g nur eine zwei Tage anhaltende Diarrhöe auf. Erst bei noch gröfseren Dosen erfolgte der Tod. Hunde erbrechen auf gleich hohe Dosen zuweilen. Eine Re­sorption des Giftes findet meist gar nicht statt, da die gesunden Epithelien des Verdauungstraktus für das schwer diffundierbare Gift sehr wenig permeabel sind. Erst wenn durch längeren Kontakt damit Entzün­dungserscheinungen oder Katarrh entstand, findet das Gift seinen Durchgang und tötet dann schnell, ebenso wenn kleine Läsionen im Danntraktus vor­kommen. So erklärt es sich, dafs z. B. durch Korn­rade verunreinigtes Futter oder von Schweinen ver­zehrte Cyclamenknollen (Schweinebrot) häufig schad­los bleiben, mitunter aber schwere Vergiftungen ver­anlassen.
Ins Blut gelangt, reicht 1,0 Mg. p. KK. schon hin, um den Tod herbeizuführen. Die roten Blutkörper­chen verfallen der Auflösung; selbst bei Verdünnungen von 1 : 100000 werden das Blut lackfarben, Cyclamin verursacht nebenbei Blutgerinnung. Das Centrainerven-system und das Herz werden gelähmt, ähnlich wie nach Vergiftung durch Gallensäuren (Icterus gravis). Der Blutdruck sinkt erst nach bereits eingetretener Som-nolenz. Die Muskulatur des vergifteten Froschherzens büfst die Querstreifung ein. In markhaltigen Nerven findet sich Trübung der Scheide und Gerinnungs­erscheinungen am Axencylinder, wenn dieselben iso­liert mit 0,5 g Lösung eines Sapotoxins in längere Be-
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rührung treten. Gelangen grofse Mengen der Gifte in Cirkulation, so kommt es zu einem mehr oder weniger ausgebreiteten Odem mit vorzugsweise sub­serösen Hämorrhagien, besonders dann, wenn intra­venöse Injektion stattgefunden hatte, seltener nach subkutaner Applikation. Letztere bedingt starke lokale, oft hämorrhagische Entzündung mit grofser Tendenz zur Abscedierung und Ödembildung.
Auf der Conjunctiva entstehen ebenfalls bei lokaler Anwendung heftige entzündliche Erscheinungen. Beim Menschen verursachen die sapotoxinhaltigen Substanzen Brennen auf der Zunge, Kratzen im Schlünde, Ekel­gefühl und konvulsivisches Husten, auf die Nasen­schleimhaut gebracht, heftigstes Niesen. Die unange­nehmen Geschmacksempfindungen halten die Tiere meist ab, freiwillig sapotoxinhaltiges Futter in gröfseren Mengen aufzunehmen. Wiederholtes Einpinseln der Haut bewirkt Hautrötung, Jucken und Brennen ev. schmerzhaften Pustelausschlag.
VergiftungenderHaustiere durch Sapotoxin sind besonders zu gewärtigen durch Verfütterung von Ge­treideschrot, Kleie, Futtermehl, Branntweinschlämpe, welche aus stark mit Konrade verunreinigtem Material hergestellt sind, zumeist in gewinnsichtiger Absicht. In geröstetem Zustande können dagegen die Rade­samen selbst in gröfseren Quantitäten verfüttert wer­den, ohne irgend welche Vergiftuugssymptome hervor­zurufen (K. B. Lehmann und Mori).
Bei Pferden macht sich eine Intoxikation bemerk-iich durch Stomatitis, Pharyngitis, gastritische Symptome und Reizerscheinungen seitens des Urogenitaltraktus-, welche sich in hochgradigeren Fällen mit denen der Hirndepression vergesellschaften. Rost erwähnt eine
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Vergiftung von drei, einem Müller gehörigen Schweinen, denen Schrot von Gretreideabfällen verfüttert worden war, die sich mit grofsen Mengen Radesamen, etwas Lolium temulentum und Seeale cornutum vermischt erwiesen. Zwei Schweine starben, eins wurde not­geschlachtet. Da Milzbrandverdacht vorlag, wurde obduziert; das Blut erschien dickflüssig, dunkel, die Muskulatur schmutzigrot. Magen und Dünndann-schleimhaut fleckig, entzündet. — Durch einen stark mit Kornrade durchsetzten Mehlkuchen verfielen 80 Hühner und ein Hahn einem vorzeitigen Tode (W a n d e -v a 11 e).
Die Vergiftungssymptome, welche Carabiu-Oachiu bei Enten nach Genufs von Blättern der Ailanthus glandulosa auftreten sah: Abstumpfung der Nerventhätigkeit und Entzündung der Verdauungs­organe lassen ebenfalls die Anwesenheit von Sapo-toxin in der genannten Pflanze vermuten.
Der Nachweis des Saponin sichert bei vorlie­genden Intoxikationen die Diagnose Sapotoxinver-giftung. Das Futtermaterial (Mehl etc.) wird zu diesem Zwecke mit heifsem Alkohol extrahiert, das Extrakt ver­dampft, mit wenig Wasser aufgenommen und mit Alkohol gefällt. Den abfiltrierten Niederschlag benutzt man in wässeriger Lösung zur Prüfung mit den oben erwähnten
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Reagentien.
Smilax.
Nach Flückigers Untersuchungen gehört zur Saponin-gruppe auch das in Smilax sarsaparilla, Sarsaparillstechwinde (L. XXII, 6, Fam. Smilacea, Liliaoea), enthaltene Smilaoin (Pa rill in, Sarsaparille - Saponin). Der Pflanze werden anti­syphilitische Wirkungen zugeschrieben. Es spaltet sich das Smilacin nach der Gleichung
C28H4204 -I- 2H20 = CÄOu 2 (C6H1206) Parillinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Parigenin Grlykose.
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Pallotta beobachtete bei Selbstversuchen nach 0,12g Smilaciu neben herbem, bitteren Geschmack Zusammenziehen im hinteren Teile der Mundhöhle, nach 0,4 g Magenbeschwerden und Ab­nahme des Pulses um 6 Schläge, nach 0,5 g Nausea und weitere Abnahme der Pulsfrequenz, nach 0,6 g Erbrechen, Konstriktion im Halse, Mattigkeit und Schweifs, nach 0,8 g auch Husten, Schwäche, Ohnmacht. Aus Smilax glycyphylla (Antiscorbuticum) gewannen A. Wright und Eennie einen krystallisierenden Körper, Ci3Hi306, welcher beim Schmelzen mit Kali Äthyl-(oder Dimethyl-)oxybenzoesäure lieferte.
Tamus eommunis.
Über das Gift von Tamus communis, Schmeerwurz, schwarze Zaunrübe (L. XXII, 6, Farn. Dioscoreae, Liliaceae), einer zu Lauben benutzten Schlingpflanze, ist nichts näheres be­kannt. Die aufsen seifenartig schmierige, schwarze, innen weifse, unangenehm kratzend schmeckende Wurzelknolle war früher als Eadix bryoniae nigrae officinell (gegen Gichtschmerz). Die roten Beeren veranlassen Magendarmentzündung und Lähmungs­erscheinungen. Ihrer botanischen Stellung und dem sonstigen Verhalten nach würde ebenfalls auf die Anwesenheit von Sapotoxin-artigen Glykosiden zu schliefsen sein.
Aroideae.
Verschiedene zu dieser Familie gehörige Pflanzen, wie Caladium, Aruin dracunculus, maculatum (L. XXI, 1), Aron-stab, Zehrwurz, Fieberwurz, Zahiiwurz, Frefswurz, Calla palustris (L. VII, 1), Sumpf - Schlangenkraut (früher gegen Sohlangen-bifs angewendet), Schweinekraut enthalten samt und sonders in frischem Zustande Substanzen, welche auf Wunden oder Schleimhäuten heftigste Entzündung hervorrufen, beim Trocknen aber meist ihre Wirksamkeit einbüfsen. Bird will aus Arum maculatum eine leicht flüssige Base von weifser Farbe und geringer Beständigkeit isoliert haben. Das in den Arumarten enthaltene Aronin soll mit Saponin (Sapotoxin) identisch sein.
Mergel sah ein Pferd verenden, 3 Tage nachdem eine 2 ctm lange, durch Hufschlag erhaltene tiefe Wunde mit einem Infus der frischen Aronblätter mehrmals täglich be­feuchtet worden war. Wundränder am dritten Tage trocken, schwarzbraun, geschwollen. Aus After und Vagina flofs seröse Flüssigkeit. Vulva und Euter geschwollen, da das Infus durch Schweifschläge auf diese Teile übertragen war. Conjunctiva und Nasenschleimhaut gerötet, Atem frequent, unregelmäfsig.
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Herzschlag pochend. Beine gespreizt, Hals gestreckt, Zittern am ganzen Körper, Pupillen dilatiert. Saft und Extrakt der Blätter Eatten, Mäusen und Fröschen in offene Wunden oder Subcutis gebracht, tötete die Nager in 1 — 30 Stunden, die Frösche in 3 Tagen unter Depression des Nervensystems. Obduktion ergab Hyperämie desselben.
Solanum.
Unter den beerfrüchtigen Solanaceen (L. V, 1) rinden sich Solanumbasen mit Glykosidcharakter ver­treten in Solanum nigrum, schwarzem Nachtschatten (in den Beeren entdeckte Des fosses 1820 das Sola-nin), in S. dulcamara, Bittersüfs (Solanin und Dulca-marin), S. lycopersicum, Liebesapfel, Tomate, S. verbascifolium, S. mcimmosura, Jungfernbrust (in letzteren beiden Solanin als saures, äpfelsaures Salz nachgewiesen; Peschiers Solansäure = Äpfelsäure). Für Deutschland kommt aufser den beiden erstge­nannten S. ttiberosum die Kartoffel mit ihrem Gehalt an Solanin, Solanein und Solanidin wesentlich in Be­tracht. Verschiedene Scopolia-Arten sind gleichfalls Solanin-haltig,
Solanin, nach H i 1 g e r C42H87N016, nach K r a a t C43H69N016, krystallisiert aus Weingeist im mikrosko­pischen, perlmutterglänzenden, vierseitigen Prismen. Schmilzt bei 2350 und erstarrt amorph. Die Salze entstehen durch Zusatz der entsprechenden Säure zu alkoholischer Lösung und werden durch Äther meist als gelatinöse, gummiartige Massen ausgefällt. Einzelne Salze sind unter besonderen Kautelen zur Krystalli-sation zu bringen. Desgleichen die freie Base durch Zusatz kaustischer Alkalien zu Salzlösungen. Ge­trocknet bildet es eine hornartige Masse, welche in 8000 Tin. heifsen Wassers, in 4000 Tin. Äther, in 500 Tin. kalten und 125 Tin. kochenden Weingeists
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löslich ist; die wässerige Lösung schäumt beim Schüt­teln. Das Solanin ist eine zweisäurige Base, deren neutrale Salze schwach sauer reagieren, bitter und brennend schmecken und sich in Wasser und Alkohol leicht lösen. Heifser Amylalkohol entzieht wässerigen Lösungen die Base vollständig. Nach Kletzinsky spaltet sich Solanin mit Natriumamalgam in Nikotin und Buttersäure.
Eine Reihe von Farbenreaktionen ermöglichen den Nachweis ohne Schwierigkeit. Selensaures Natron (3 g) giebt mit konzentrierter Schwefelsäure (6 ccm) und Wasser (8 ccm), gelinde erwärmt, Himbeer­färbung (Brandts Reaktion). Schwefelsäure für sich löst S. mit hellrötlichgelber Farbe, welche durch chrom­saures Kali in hellblau und grün übergeht.
Spuren von S. mit verdünnter Schwefelsäure (1:100), auf dem Objektträger nicht ganz zur Trockene verdampft, geben einen krystallinischen Rückstand, welcher beim Erwärmen sich hellrot, purpurrot, ferner­hin braunrot färbt und beim Erkalten violette, schwarz­blaue, dann grüne Farbe annimmt (Heiwig).
In den Kartoffeln findet sich das S. in den Kei­men und den dem Keim zunächst liegenden Schalen­teilen. Dafs jedoch auch die geschälte Kartoffel zu schädigen vermag, geht aus einer Beobachtung von L i e b e n e r hervor. Kühe, welche pro Tag und Kopf ca. 38 kg geschälte Kartoffeln erhielten, erkrankten fast sämtlich an Durchfall und lähmungsartigen Er­scheinungen des Hinterteils. Nach Änderung des Futters verschwanden die Intoxikationssymptome. Nach Häuf enthalten je 500 g rohe, von Trieben befreite Kartoffeln im Mai 0,16 g, im Juli 0,21 g Solanin, ge­schält 0,12 resp. 0,16 g, die Schalen 0,18 resp. 0.24 g.
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Wotczal fand in der Blüte Solanin, und zwar im Kelch und in der Blumenkrone; später verschwindet es in den genannten Blütenteilen, nimmt aber in der grünen Frucht zu, um bei der Fruchtreife zu ver­schwinden. In den Keimen schwankt der Solaninge-halt aufserordentlich; 10 kg frische Keime liefern durchschnittlich 5 g, oft nur 1—2 g.
Das Solanin wirkt nach Art der Sapotoxine schä­digend auf alles lebende Protoplasma und bringt das­selbe noch in grofser Verdünnung (0,1—0,5 pCt.) zum Absterben. Ganz analog den Sapotoxinen ist auch die Applikationsmethode von ganz wesentlichem Einflufs auf die Wirkung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i
Einem Frosch lähmt 0,01 g S., in den dorsalen Lymphsack gebracht, die Respirationsthätigkeit binnen 40 — 45 Min., die Herzaktion nach 4—6 Stunden (0,02 g in VI2—2 Stunden). Es dokumentiert sich hierbei eine stark schmerzhafte, lokale Reizwirkung. Ein Froschnerv verliert in 0,25 pCt. Lösung die Erregbarkeit nach 1k Stunde, ein Muskel nach 10 Minuten, wobei die Querstreifung verschwindet und scholliger Zerfall der Primitivbündel eintritt.
Bei Säugern stellt sich der Tod nach intravenöser Applikation in neutraler Lösung unter Dyspnoe und Krampf, bei Anwendung grofsor Dosen noch während der Injektion ein. Das Blut wird in Berührung mit Solaninlösung sofort lackfarben, wobei Gerinnselbil­dung nicht ausgeschlossen ist. In dem mit physio­logischer Kochsalzlösung verdünnten Blut löst sich Solanin ohne Säurezusatz auf. Das Hämoglobin tritt auch hier ins Serum über (M. Perl es).
Es töten, intravenös und intraabdominal injiziert, 25 — 30 Mg. p. KK. ein Kaninchen in 1/2 —2 Tagen, 40—60 Mg. p. KK. einen Hund in 12 Stunden. Hier­bei unterscheidet man deutlich ein anfängliches Reiz­stadium : Tremor, fibrilläre Zuckungen und Nickkrämpfe
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(Accessoriuskeine erregt). Später dominieren die Symptome der centralen, absteigenden Lähmung. Tod erfolgt im Coma; zuweilen besteht Nystagmus in der Agone. Die Reflexerregbarkeit bleibt bis zum Ab­leben erhalten.
Trotz vorhandener Hyperämie der Bauchorgane sinkt die Temperatur im Rektum in wenigen Stunden um 6—7deg; (centrale Wirkung) und kann das Wieder­ansteigen derselben als günstiges Symptom aufgefafst werden.
Das beigebrachte Solanin scheidet zum Teil die Darmschleimhaut, zum Teil die Niere aus; wie Unter­suchungen der Conteuta und des Harns ergeben. Mit­unter entleeren Hunde den solaninhaltigen Magen­inhalt durch Erbrechen. Peristaltik lebhaft, zeitweilig diarrhöische Entleerungen. Bei Obduktionen finden sich hämorrhagische Infiltrationen der Schleimhaut, Schwellung und Prominenz der Follikel. Harn dunkel gefärbt, Hämoglobin, seltener Methäraoglobin enthal­tend. Solanin tritt bereits 1/a Stunde nach Injektion im Harn auf und liefs sich in einem Falle in der Re-konvalescenz noch am vierten Tage nachweisen. Nephritis konstant, auch bei fehlender Hämoglobinurie.
Das vasomotorische Centrum bleibt bis kurz vor dem Tode erregbar. Die Blutdruckverminderung und abnehmende Pulsfrequenz ist auf verminderte Leistungs­fähigkeit des Herzens zurückzuführen, dessen Aktion beim Warmblüter nur einige Minuten den Respirations-stillstand überdauert.
Im Pleura- und Perikardialraum, ebenso in der Bauchhöhle dunkelrote Transsudate. Die Serosa im-bibiert.
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Nach subkutaner Injektion machen sich die Wir­kungen auf Niere und Darm fast nicht, die Verände­rungen des Blutes nur in geringem Grade bemerklich, dafür umsomehr die centralen Symptome (progressive Lähmung etc.). Für Kaninchen beträgt die subkutan tödliche Dose fast das 10 fache der intravenösen, näm­lich 0,2 g p. KK. Die Wirkung verringert sich mit zunehmender Konzentration. Nach Anwendung nicht letaler Dosen entsteht aseptische Eiterung und Nekrose an der Injektionsstelle.
Durch Schlundsonde in den Magen gebracht, be­wirken bereits 15—20 Mg. bei Fleischfressern heftiges Erbrechen. Kaninchen, welche bekanntlich nicht er­brechen, werden erst durch 0,3 g p. KK. innerhalb 12 Stunden getötet. Bei kleineren Dosen bleiben Ver-giftungssymptome völlig aus. In völligem Einklang hiermit steht die Beobachtung Fröhners, welcher nach Verabreichung von ca. 4 g Solanin per os an Rinder jegliches Krankheitssymptom vermifste. Die geringe Empfindlichkeit gegen Solaninwirkung ist aber keine spezifische Eigentümlichkeit der gröfseren Haus­tiere. Das Ausbleiben der Intoxikation findet viel­mehr seinen Grund in der geringen Resorptionsfahig-keit des Giftes. Sicherlich kann aber auch, ähnlich wie bei Kornradevergiftungen, von Schleimhautwunden aus eine heftige Intoxikation durch Solanin-haltige Futtermittel zu stände kommen.
Solanein, CsoHgjNO^ (Firbas), giebt, wie Solanin, durch Hydrolyse Grlykose und Solanidin,
Dulcamarin, Czflsfim ein amorphes, gelbes, in Wasser schwer lösliches, in Äther nicht, in Alkohol leicht lösliches Pulver, ist ein N-freies, bitteres Glykosid, welches mit Mineral­säure in Zucker und Dulcamaretin, C16Hä606, zerfällt.
Solanidin,C26H4iN02(Hilger und Martin), entsteht aus dem Solanin durch verdünnte Mineralsäuren beim Kochen
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neben einer rechtsdrehenden Zuckerart. Reines Solanidin,. dessen beide 0-Atome Hydroxylgruppen angehören (R. Firbas), bildet lange, farblose, seideglänzende Nadeln oder dickere, vierseitige Säulen. Schmilzt bei 208deg;. Es reagiert stärker alkalisch als Solanin. Die Salze, auch die neutralen, reagieren sauer. Verdünnte Schwefel- und Phosphorsäure lösen zu 1 pCt. Solanidin. Alkalien fällen gallertig, ebenso fast alle Neutral­salze (letztere Solanin nicht). Äther und Benzol lösen ziemlich reichlich. Lösungen unter 0,5 pCt. lassen sich beinahe neutra­lisieren, ohne dafs Trübung auftritt. Solanidin kommt in fri­schen Kartoffelkeimen zu 1,5 p. M. präformiert vor (A. Jorisson und L. Grosjean).
Die Wirkungen des Solanidin stimmen mit denen des Solanin überein bis auf die Lokalerscheinungen an der In­jektionsstelle.
Von Solan umnig rum verabfolgte D u n a 1 Meer­schweinchen und Hühnern Beeren in gröfserer Anzahl; die Tiere blieben gesund, ebenso Hunde, denen bis 120 g des wässerigen Extraktes der ganzen Pflanze, dann 180 reife, später 100 unreife Beeren verabfolgt worden waren. Ein Hund, welchem O r f i 1 a 30 g Extrakt beigebracht hatte (Schlund unterbunden), zeigte zuerst nur Mattigkeit; am dritten Tage starb derselbe unter Bewegungs und Empfindungslosig­keit. Extremitäten schlaff. Herz blutleer. Darm un­verändert.
Dietrich sah bei drei Ziegen nach Kleefutter, welches mit ca. 10 pCt. S. nigrum durchsetzt war, die Rumination aufhören. Tympanitis, Verdrehen des Kopfes, Rotfärbung des Urins und verzögerter Mist­absatz waren die weiteren Symptome der Vergiftung, welcher die jüngere in acht Stunden unterlag.
Von Bestandteilen des Solan um tuberosum sind es besonders die gekeimten Knollen und das Kraut, welche zu Intoxikationen Veranlassung geben.
Die beobachteten Symptome stimmen mit denen der reinen Solaninvergiftung meist vollständig überein.
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Drei Kühe, welche im Frühjahr mit gekeimten und angefaulten Kartoffeln gefüttert worden waren, er­krankten plötzlich und starben in 36—48 Stunden. Symptome: Appetitlosigkeit, wässeriger Durchfall, Tem­peraturabfall, beschleunigter, zuletzt unfühlbarer Puls. Obduktion: Kirschröte des Magens und eines Dünn­darmteiles (Körber). Mathivet konstatierte nach einmaliger Verfütterung ähnlichen Materials: Mühsame Atmung, stieren Blick, kleinen, unregelmäfsigen Puls, Ermattung, Unemphndlichkeit der Haut, Schlafsucht, Brechneigung, wässerigen Durchfall. In dem von Jun­gers mitgeteilten Vergiftungsfall bei Rindern nach Fütterung mit gekeimten Kartoffeln genasen sämtliche Tiere im Laufe von sechs Tagen. Symptome: Plötz­liches Sistieren der Futteraufnahme, der Milchsekretion und der Peristaltik, Flotzmaul feucht und kalt, Puls be­schleunigt, Conjunctiva injiziert. Die Tiere stehen mit gesenktem Kopf und gespreizten Füfsen, taumeln von einer Seite auf die andere, brechen zusammen und rutschen auf den Karpalgelenken umher.
Auch gedämpfteKartoffeln können Veranlassung zu Intoxikationen geben, wobei indes die Mitwirkung anderer Gifte nicht ausgeschlossen ist. Auf einem Gute waren seit Monaten Krankheitsfälle unter dem Pferde-bestande eingetreten, die alle tödlich verliefen. Die aut­fälligsten Symptome bestanden in Erweiterung der Pupille, Muskelzittern, Sehnenhüpfen und krampfhaftem Seitwärtsziehen des Halses. Die Pferdewaren mit gedämpf­ten Kartoffeln gefüttert worden, die immer auf mehrere Tage in Form einer zusammengehäuften und zusammen­gedrückten Masse aufbewahrt wurden. Die Kartoffel­maische befand sich im Zustande der Gärung. Über einen ganz ähnlichen Fall berichtet S c h 1 e g. Hier betraf die
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18
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Vergiftung Einder, welche von dem in Fässern ange­häuften und auf fünf Tage berechneten Vorrat von gedämpften Kartoffeln gröfsere Quantitäten verzehrt hatten. Die grauen, schmierigen Massen rochen stark sauer. Fünf Kühe lagen im Sopor auf der Streu, den Kopf flach dem Boden angedrückt; aufgehoben, fiel derselbe schlaff zurück. Puls klein, sehr frequent. Hinter­leib eingefallen, Milchsekretion unterdrückt. Die Tiere entleerten dünnbreiige oder wässerige, zum Teil blut­durchsetzte Fäces. Genesung in 3—6 Tagen.
Die Vergiftungsfälle, welche durch Fütterung von Kartoffelkraut entstehen, verlaufen meist akut. Ein Fuder nasses Kartoffelkraut wurde von acht Rindern in einigen Stunden verzehrt. Bald darauf fielen plötz­lich zwei Kühe um, die eine starb in wenigen Minuten, die andere war gelähmt und erholte sich erst in zwei Tagen, die übrigen nach 20 Stunden (Prahl). Model sah nach Beimischung von welkem Kartoffelkraut zu dem übrigen Futter bei einigen Rindern Verdauungsstö­rungen und Abmagerung eintreten. Haut starr, trocken. Puls wenig vermehrt, Odembildung an einzelnen Stellen. Andere Rinder aus demselben Stall vertrugen die Fütte­rung ohne Beschwerde. Vogel hatte Gelegenheit, unter ähnlichen Verhältnissen Diarrhöe, Koliksymp-tome, Hautanästhesie, Zittern, Taumeln, Pupillendila­tation und Ekzem an den Hinterbeinen zu konstatieren. Heifs sah folgende Reihe von pathologischen Verän­derungen auftreten: Verminderte Frefslust, ulceröse Stomatitis, Schwellung der Lider, Conjunctivitis, Diar­rhöe, Abmagerung, sowie vesikuläres und grindartiges Ekzem an den Füfsen, besonders an der unteren Hälfte des Mittelfufses und an der medialen Fläche der Schen­kel, forner am oberen Halsrande, am Euter und Skro-
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turn, an der Schwanzwurzel und in der Umgebung des Anus. Klauenspalten frei.
Über nachteilige Folgen des Genusses der Kar­toffelbeeren liegt eine Mitteilung von A. C. G e r 1 a c h vor. Eine grofse Anzahl von Hühnern erkrankten an ein und demselben Tage. Sie wurden matt, plusterten die Federn auf, taumelten, fielen um und verendeten unter Krämpfen.
Behandlung. Da Gerbsäure mit Solanin in Verdünnung erst nach 24 Stunden einen Niederschlag giebt, der sich in der Wärme löst, wird man nach ge­nügender Evakuation des solaninhaltigen Darminhalts unter Benutzung von Neutralsalzen Tannin nur als En-terostypticum verwenden. Essigsäure (deren Solaninsalz gummiartige Konsistenz besitzt) und Leinsamenschleim sind erfolgreich benutzte Gegenmittel. Bei drohendem Kollaps Analeptica. — Für die Prophylaxis ist zu be­achten, dafs die Solanumglykoside durch kochendes, schwach angesäuertes Wasser extrahierbar sind, so dafs die Verabfolgung der frisch gebrühten Pflanzenteile nach Abgiefsen der Brühe anstandslos erfolgen kann.
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#9632; i
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4. Mydriasis, trockne gerötete Schleimhäute, an­haltend freqnenter Puls, pochender Herzschlag, Tobsucht, Lähmung. Belladonna, Hyoscyamus, Datura etc. Belladonna-Alkaloide.
Eine Gruppe der zu den Solaneen gehörigen Pflan­zen zeichnet sich aus durch das Vorkommen von Al-kaloiden, denen als gemeinsamer Kern das Tropin, CgHigNO, eigenthümlich ist, weshalb sie auch unter
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gemeinsamen Gesichtspunkten zusammengefafst werden können. In ihrem chemischen und toxikologischen Ver­halten stimmen sie mehr oder weniger überein.
Vorzugsweise handelt es sich um folgende Pflanzen resp. Pflanzengattungen, welche sämtlich zu L. V, 1 gehören: Atropa; A. belladonna, Belladonna, Wolfs- oder Tollkirsche, Sehwindel-, Wut- oder Tenfelsbeere, Waldnachtschatten, Hyoscyamus; H. niger, schwarzes Bilsenkraut, Schlafkraut, Düllkraut, H. albus, weifses B. (Südeuropa), H. datura, ägypti­sches B., Datura; D. stramonium, gemeiner Stechapfel, D. tatula, violetter St., D. fastnosa, suaveolens, arboroa, letztere sämtlich Zierpflanzen. Scopolia; S. atropoides, Tollkirschen­ähnliche Scopolia (Süddeutschland), S. japonica, Japanesische S. Duboisia myoporoides, Australien. Mandragora officinalis, Alraunwurzel, Hexenkraut, Pflanze der Circe, Südeuropa. Die Alkaloide sind:
Scopolin (Bender, nicht zu verwechseln mit dem Gly-kosid-Scopolin von Eykmann cf. Scopoletin), CiTH21N04, von E. Schmidt in Scopolia, Atropa, Datura und Duboisia nachge­wiesen, ebenso im käuflichen Hyoscinbromhydrat. S. erklärt sich daraus die Verschiedenheit in der Wirkung der Hyoscinsalze.
Mandragorin, CnELgXC^, das vierte der bekannten isomeren Tropeine. Sprödes, von Ahrens aus letztgenannter Pflanze isoliertes, harzähnliches Alkaloid. Schmelzp. 77 — 79deg;. Salze krystallisieren. Wirkt mydriatisch, lokal anästhesierend, hypnotisch (W. Richardson).
Hyoscin, CnHjjNOs, identisch mit Duboisin, in Scopolia und Hyoscyamus nachgewiesen und ständiger Begleiter des käuflichen Hyoscyamin. Amorphe, farblose, halbflüssige Masse, schwer löslich in Wasser, leicht in Alkohol und Äther. Schmelz­punkt 196—198deg; (E. Schmidt). Die Salze krystallisieren, sind doppelbrechend, mit wenig rauchender HX03 eingedampft, giebt der gelblich gefärbte Rückstand mit alkoholischer Kali­lauge Violettfärbung. Spaltet sich mit Barytwasser in Tropin und Pseudotropin (isomer mit Tropin).
Beim Menschen wirken gröfsere Dosen als 0,001 g toxisch (tiefe Narkose, Stupor, Konvulsionen). Tiere verhalten sich gänzlich vom Menschen verschieden. Eine Katze von 1,15 kg blieb noch nach 0,6 g am Leben; ein kleines Kaninchen zeigte nach 0,2 g überhaupt keine Vergiftungserscheinungen. Auf den Herzhemmungsapparat wirkt Hyoscin lähmend, wodurch die Herzaktion kräftiger, die Pulse frequenter werden. Respiration
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bei Kaninchen und Katzen nicht beeinflufst; bei Hunden, Katzen und Pferden treten nach sehr grofsen Dosen dyspnöische Erscheinungen und Krämpfe ein. Mydriasis, Unterdrückung der Speichelsekretion.
Hyoseyamin, C17H23X03. In sämtlichen vier zuerst aufgeführten Pflanzengattungen und zwar überwiegend ver­treten. Die Ausbeute ist sehr variabel und nicht sowohl von der Pflanze selbst, sondern wesentlich auch von der Darstellungs­methode abhängig. Die Isomerie des Hyoseyamin und Atropin ist durch Ladenburg aufgeklärt worden. Beide liefern durch Hydrolyse Tropin*) und Tropasäure (Phenylhydrakrylsäure) nach der Formel
CnHjgNOg -f HoO = CrHwNO C9H10O3.
Tropin Tropasäure Die letztere ist beim Atropin optisch inaktiv, beim Hyoseyamin linksdrehend. Das Verhältnis zwischen Atropin und Hyos­eyamin ist also dasselbe, wie zwischen Traubensäure und Linksweinsäure. — Reines Hyoseyamin krystallisiert in mikro­skopischen Nadeln. Leicht in Alkohol, weniger in Äther lös­lich, ist die spezifische Drohung der Lösung laquo; = — 20,97. Schmelzpunkt 108deg;.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;D
Chemisch reines Hyoseyamin wirkt auf das Froschherz etwas weniger stark wie Atropin; auch bei Kaninchen geht die Vagus-lähmende Wirkung rascher als beim Atropin vorüber. Hyoseyamin erweitert die Bauchgefäfse und bedingt wie Chloral und Morphin Steigen der Abdominaltemperatur bei Fallen der Rektaltemperatur (Gnauck).
Atropin, C^H^NOg. Wie das vorige in den
vier erstgenannten Pflanzengattungen vertreten (in den
Scopoliaarten, ebenso wie Hyosein, in sehr geringen
Mengen). Das aus Datura gewonnene, früher als Daturin
bezeichnete Alkaloidgemenge enthält neben Hyoseyamin
auch Atropin, ebenso wie die Belladonna-Extrakte. Aus
Hyoseyamin bildet sich Atropin durch Auflösen bei
gewöhnlicher Temperatur in verdünnter Natronlauge.
Die Konstitution des Atropins wird nach Einhorn
durch die Formel versinnbildet:
') Ohne jede mydriatische Wirkung.
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H2 Tropin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Tropasänre.
/ nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; H;OH
HC CH2
HG Clt;rCH„—CH(OH)—CO—CH—CH2(OH)
\ / ^Hnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i
Nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;O
CH,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;/ \\
HC CH ii i
HC CH
V
H Die Konstitutionsformel entspricht der Zersetzung des Atropin konform der oben erwähnten Gleichung C17 H23 NO3 H2 O = C8 H,., NO C9 H10 08.
Atropin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tropin. Tropasäure.
Das Tropin ist nach Laden bürg aufzufassen als a-Oxäthylentetrahydro-j'-Methylpyridm*) und die Tropa­säure als Phenylhydrakrylsäure. Atropin bildet nadei­förmige, farblose, geruchlose und unangenehm bitter schmeckende Krystalle, welche bei 114ü schmelzen. Von kaltem Wasser erfordert es 200, von kochen­dem 58 Tie. zur Lösung, von Chloroform 3, von Ben­zol 40, von Äther 30 Tie. In Alkohol löst es sich fast in jedem Verhältnis. Die wässerigen Lösungen
*)C. Liebermann gelangt durch das Studium der Oxydations-produkte des Eegonin zu einer Bestätigung der Merlin g-schen Formel für das Tropin
H2C Clt;CH(OH)
H2C C . CH, \ / ^ H N
CH3 wonach dasselbe einPiperidinderivat wäre. Ladenburg hält die von C. L. beigebrachten Gründe nicht für zwingend, um obige Formel abzuändern.
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(nicht die alkoholischen), röten Phenolphtalein (Hyos-cyamin verhält sich ebenso). Von den mehr oder weniger krystallisierbaren Salzen verwendet man fast ausschliefslich das offizinelle schwefelsaure Alkaloid. Die Lösungen desselben schmecken bitter, anhaltend kratzend. Gerbsäure giebt noch bei 3000facher Verdün­nung einen starken, weifsen, in Salzsäure leicht löslichen Niederschlag. Erwärmt man etwas Atropin, setzt dann konzentrierte Schwefelsäure und etwas Wasser hinzu, so tritt Geruch nach Blüten der Spiräa ulmaria auf, welcher in Bittermandelölgeruch tibergeht, wenn etwas Kaliumbichromat zugesetzt wird, eine Reaktion, die von der Tropasäure abhängt und auf sich bildende Cymolderivate zurtickzuführen ist. Atropin liefert beim Befeuchten mit Schwefelsäure und allmählichen An­rühren mit Natriumnitrit oder beim Eindampfen mit etwas rauchender Salpetersäure Orangefärbung, die auf Zusatz von alkoholischer Kalilauge rotviolett wird (Vitalis Atropinreaktion). Beide Reaktionen sind sämtlichen Alkaloiden der Atropingruppe gemeinsam. Toxische und letale Dosen. Bei den Tieren variiert die Empfänglichkeit für das Atropin ganz erheb­lich. Auf Frösche wirkt Atropin als Krampfgift. Bei Kaninchen bedingen 0,25—0,5 Atropinsulfat subkutan nur etwas Herzschlagbeschleunigung, Mydriasis und Hy­perämie der Ohren, sowie konstant mehrtägige Diarrhöe. Sehr junge Tiere tolerieren nur 0,06 subkutan, werden aber nach 0,12 comatös und sterben, ältere erst nach 1,0 g, eine Gabe, welche um das lOfache die für den Menschen tödliche übersteigt. Auch hier spielt die energische Thä-tigkeit der Niere eine grofse Rolle. Das Atropin passiert den Organismus zum Teil unzersetzt, was daraus hervor­geht, dafs der Urin mydriatisch wirkt, der Muscarinstill-
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stand des Froschherzens aufgehoben wird und chemische Reaktionen die Anwesenheit von Atropin im Harn sicher erkennen lassen. Bei einem Kaninchen, welches 10 Tage hindurch mit 0,06 g Atropin gefüttert worden war, hörte die Ausscheidung desselben nach 36 Stunden auf. Im Blut fanden sich Spuren, in den Muskeln reichliche Mengen. Durch Fäulnis wird Atropin ziemlich leicht zerstört.
Schafe und Ziegen verhalten sieh gegen Atropin ähnlich resistent, wie die Karnivoren.
Rinder und Pferde sind ungleich empfindlicher. Nach Gr er lach sollen 0,12 g Atropin subkutan bei Pferden schon das Leben gefährden.
Fleischfresser vertragen relativ gröfsere Dosen als Pferde. Meuriot injizierte bis zu 0,75 g gröfseren Hunden subkutan, ohne letalen Ausgang zu erzielen. Nach Applikation per os tritt nicht selten bei Hunden und Katzen sofort Speichelflufs auf, neben Schlingbe­schwerden und heftigen Kaubewegungen ; auch Würgen, Brechneigung und wirkliches Erbrechen fehlen nicht. Die Respirationsfrequenz nimmt ab, wird tief und mühsam, später Beschleunigung, Atem keuchend. Die Pulsfrequenz steigt beim Hund in höherem Mafse an, als beim Kaninchen. Hin und wieder entstehen Krämpfe, gewöhnlich überwiegt aber die im Hinterteil beginnende Lähmung und Schwäche. Störungen in der Koordi­nation, Reitbahnbewegung etc. nicht selten. Erst vor dem Tode stellen sich meist Konvulsionen ein, häufig mit tetanischem Charakter.
Nach Versuchen A-on v. Anrep treten bei Hunden nach mehrmaliger Wiederholung kleiner toxischer Gaben Atropin (1—3 Mg. p. KK.) die leichten anfänglichen Vergiftungssymptome (Zittern, Veränderung der Haut­empfindlichkeit) nicht mehr auf, auch steigt die Puls-
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frequenz nicht so hochgrädfg, wie nach den ersten Dosen. Dagegen kommt es stets zu Pupillenerwei­terung und kurzdauerndem Versiegen der Speichel­sekretion. Das Allgemeinbefinden bleibt ungeändert. Diese Toleranz hat insofern ihre Grenze, als eine massive Dosis von 1,0 g (0,08 g p. KK.) Vergiftungserscheinun­gen in Form von Apathie, Mattigkeit, Schlafrigkeit, Anorexic, mitunter Erbrechen und damit in Verbindung stehende, rasch zunehmende Emacies erzeugen. Nur nach Kolossalgaben von 2,4 g (0,18 g p. KK.) stellen sich die gesamten Erscheinungen des akuten Atropinismus ein.
Schweine vertragen 0,2 g des Sulfates p. KK. subkutan ohne erhebliche Beschwerde. Symptome mit Ausnahme derBrechneigungähnl. wie bei Hunden. 10,0g bei 25 Kilo Grewicht subkutan töten noch nicht (T e r e g).
Kleinere Vögel (Sperlinge etc.) werden durch 2—4 Mg. getötet. 0,4 g wirken auf Hühner toxisch, aber nicht letal.
Bei Fröschen tritt die Lähmung in den Vorder­grund. Bei diesen wird durch gröfsere Dosen die Herzaktion verlangsamt und sogar Herzstillstand erzielt. Bei toxischen (nicht letalen) Dosen schliefsen sich an das Stadium der Lähmung nicht selten Konvulsionen an.
Bezüglich der toxikologischen Wirkungen im allgemeinen ist als sichergestellt anzusehen, dafs Atropin Erregbarkeit mindernd, in grofsen Dosen lähmend auf die peripheren Enden der motorischen Nerven in den quergestreiften Muskelfasern und auf die peri­pheren Enden der sensiblen Nerven in der Haut wirkt, während es die Muskelerregbarkeit nicht affiziert. Ferner vermindert Atropin die Erregbarkeit, in stärkeren Dosen bedingt es Lähmung der peripheren Endigungen des Herzvagus und der motorischen Herzganglien. In sehr grofsen Gaben setzt es auch die Erregbarkeit
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des Herzmuskels herab, dagegen wird die Erregbarkeit des Atmungscentrums gesteigert. Kleine Dosen lähmen die hemmenden Splanchnicusfasern des Darms und er­höhen die Rektaltemperatur, gröfsere vermindern und heben die Erregbarkeit der motorischen Ganglien des Darms, der Blase, des Uterus und der Ureteren auf, besonders bei bestehendem Krampf. Dasselbe gilt für die Oculomotorius-Endigungen an den glatten Fasern des Sphynkter Iridis und am Ciliarmuskel. Aufserdem sinkt schliefslich die Rektaltemperatur. Die Thätig-keit der Speichel-, Schweifs- und Bronchialdrüsen wird durch Einwirkung auf die Centren, die Nervenenden, zum Teil auch auf die Drüsenzellen selbst, aufgehoben.
Atropamin, CnH^NOa, ein von O.Hesse in der Bella­donnawurzel aufgefundenes Alkaloid, welches sich von den vorhergehenden durch einen Mindergehalt von H20 unter­scheidet. Dasselbe ist bei gewöhnlicher Temperatur ein farb­loser, ziemlich harter Firnis, bei 60deg; leicht flüssig. In Alkohol, Äther und Chloroform leicht löslich. Das Alkaloid bildet gut kry-stallisierende Haloidsalze, aus deren Lösungen Alkalien die Base ölig niederschlagen. Es ist optisch inaktiv und in 2 pCt. Lösung ohne mydriatisohe Wirkung. Durch längeres Kochen mit alkoholischem Baryt wird Atropamin zerlegt in ein Tropin (Pseudotropin) und eine der Zimmtsäure (/f-Phenylakrylsäure, C9H802) oder der Isozimmtsäure isomere Säure. Der Unterschied zwischen Tropa- und Zimmtsäure ergiebt sich aus ihren Formeln
C6H6.CHlt;^Q5(gHjund C(iH5.CH=CH—COOK. 0. Hesse
stellt für die Zersetzung des Atropamin (und des Belladonnin) mit Baryt folgende für beide geltende Gleichungen auf:
1)nbsp; CnH21N02 2H20=C8H15NO C9H1008
Pseudotropin.
2)nbsp; C17H21N02 H20=C8 H15NO C,,H802.
Die Säuren C9Hi0O3undC9H8O2 sind amorph. Durch Erhitzen mit rauchender Salzs äure bildet sich konform der Gleichung 2)nebenPseudotropin die krystallisierendeAtropasäure(cf. S. 283). Mit Kaliumpermanganat entwickelt die Säure Geruch nach Bittermandelöl.
Belladonnin, CnH^KOg, isomer dem vorigen Körper, aus welchem es durch molekulare Umlagerung beim Kochen mit Salzsäure oder Barytwasser entsteht (O. Hesse). Gelbes,
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harziges, brennend schmeckendes Pulver, durch Baryt nicht spaltbar, wohl aber durch alkoholische Kalilange. Spaltungs­produkte analog denen des Atropamin. Die Haloidsalze kry-stallisieren schwer. Das ßelladonnin gehört nach Buchheim ebenfalls zu den mydriatischen Alkaloiden und teilt die Wir­kung des Atropins auf den Herzvagus. Bei der Katze tritt nach Instillation in den Conjunctivalsack neben Mydriasis Speichelflufs ein.
Scopoletin, CjoHs04, identisch mitChrysatropasäure, dem Schillerstoff der Belladonnawurzel (Kunz), welcher in heifsem Wasser, Alkohol etc. gelöst, chininblau fluoresciert, auf Zusatz von Alkalien blaugrüne Färbung giebt. Kaliumpermanganat erzeugt dunkelgrüne Färbung mit blauer Fluorescenz. Schwefel­säurezusatz giebt Indigofärbung. Erwärmen mit Kaliumohiorat und HC1 läfst rote, bald verschwindende Färbung entstehen. Seiner Konstitution nach ist es Methyläsculetin, und zwar /S-Methyl-dioxycumarin , C6H2 (OH) (4) (0 . CH3) (5) lt; CH = CH- CO (1)
Im natürlichen Zustande findet sich der Körper an Zucker gebunden als Grlykosid, Scopolin (Eykmann) vor, welches nach Schmidt vielleicht identisch ist mit Methyläsculin, C]5H15(CH3)09.
An sonstigen Bestandteilen sind nachgewiesen Physosterin, Cholin, Kotoin (Alkaliverbindung höherer Fettsäuren in Scopolia, E. Schmidt und Henschke), Daturinsäure (eine Fettsäure von der Zusammensetzung C^HjjOs, E. Gerard) und in den nach Alkaloidgewinnung restierenden Mutterlaugen Derivate der Tropasäure: Atropasäure, C9H802, d. h. laquo;-Phenylakrylsäure, CH2=C(C6H5)-COOH, laquo;-Isatropasäure, CsH^CGOH). CH2. CH2 und die /?-Isatropasäure, C6H4. CH.COOH.CH2.
Vergiftungen durch Pflanzenteile (Blätter, Kraut, Wurzeln) sind teils experimentell, teils auf anderem Wege zu stände gekommen.
Belladonna-Vergiftungen erzielte Hert-w i g bei Pferden durch Eingeben von trockenem Pulver der Blätter in Höhe von ca. 150 g. Frische Blätter ent­halten ca. 0,4 pCt. Alkaloid, welcher Gehalt sich im Sommer etwas höher, im Frühjahr und Herbst etwas niedriger stellt (Schroff, Lefort; Dragendorff fand in den Blättern bis 0,66 pCt.); rechnet man den
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Wassergehalt des Pulvers zu 15 pCt, den der frischen Blätter zu 80 pCt., so entspricht diese Gabe einem Gehalt von 2,5 g Alkaloid. 120,0 g des Wurzel­pulvers, dessen Alkaloidgehalt durchschnittlich etwas geringer ist (0,33 pCt. der frischen Droge, M e i n) mit ca. 1,8 g Alkaloid, erzeugen bei Kühen lebensgefährliche Vergiftungserscheinungen. Die Wirkungen sind bei bei­den Tiergattungen dieselben, treten aber bei Rindern in gröfserer Intensität auf. Im wesentlichen findet man My-driasis, Trockenheit und Rötung der Schleimhäute, Tym­panitis, pochenden Herzschlag, sehr frequenten Puls, be­schleunigtes, kurzes, dyspnöisches Atmen, mäfsige Anästhesie, Appetitlosigkeit, verminderte Defäkation, später gänzliche Verstopfung. Die Milch der Kühe soll wässerige Beschaffenheit annehmen. Hering er­wähnt eine Intoxikation zweier Kühe durch frisches Waldgras, in welchem sich junge Belladonnapflanzen vorfanden. Niederstürzen, Toben, Aufblähen waren die augenfälligsten Symptome. Der Tod erfolgt nach den angegebenen Dosen erst mitunter nach 1 —2 Tagen. Intravenöse Injektion von 8—16 g einer aus 8 g trockenen Krautes mit 45 g Weingeist bereiteten Tinktur, entsprechend 0,025—0,05 g Alkaloid, verur­sachte bei Pferden sofortige Unruhe etc.. Zittern und Zuckungen am ganzen Körper, Betäubung mit Verlust aller Sinne, dann unregelmäfsige Stellung und Neigung, vorwärts zu fallen. Zuweilen schreckten die Tiere auf, taumeln, sehen sich nach dem Leibe um, schlagen mit Füfsen gegen denselben, entleeren mit Stöhnen und unter starker Anstrengung Urin und Kot. Auf dem Höhegrade der Wirkung fangen manche an zu toben, gehen blindlings gegen die Wände, bekommen stärkere Zuckungen und stürzen nieder. Die Dauer dieser Zu-
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fälle erstreckt sich bei einzelnen Tieren auf 8—10 Stunden. Nach Injektion von 24 g der Tinktur (= 0,07 g Alkaloid) endeten sie gegen Ausgang der zweiten Stunde mit dem Tode.
Die Obduktion ergiebt wenig Charakteristisches. Hirn und Hirnhäute blutreich, öfter Blutextravasate vor­handen. Hirnkammern häufig ganz ohne Serum. Die Lunge derb, an manchen Stellen Blutergüsse. Schleimhaut des Magens (bei Pferden nicht immer) dunkel gerötet oder mit dunkelroten Flecken besetzt. Darm bei Hunden meist ohne Veränderung, bei Pferden im Dickdarm und letzten Dünndarmabschnitten enorme Gasanhäufung und an vielen Stellen dunkelrote Färbung. Blutgefäfse der Baucheingeweide strotzend mit dunklem Blut gefüllt. Gekröse und Peritoneum fleckig gerötet (Her twig).
Einem Ziegenbock brachte Ger lach in zwei Tagen 750 g frisch getrockneter Blätter bei (mit ca. 11,0 g Alkaloid *), wonach aufser starker Mydriasis und vollständiger, andauernder Amaurose keine auf­fälligen Erscheinungen eintraten. Hammerb acher beobachtete bei Ziegen unter Atropinwirkung Ver­minderung des Milchquantums unter Zunahme der Konzentration.
Von spontaner Bilsenkrautvergiftung sind ebenfalls nur wenige Fälle bekannt. C r u z e 1 berichtet über Intoxikation einer Kuh durch Genufs frischen Krautes. Aufser den gewöhnlichen Symptomen waren Lähmung der Vordergliedmafsen, klonische Krämpfe, höchste Dyspnöe und intensive Diarrhöe vorhanden.
*) Vorausgesetzt, dafs der ursprüngliche Alkaloidgehalt beim Trocknen keine Einbufse erlitten hatte.
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Das Tier erholte sich wieder. Hauckold sah bei zwei Kälbern aufser anderweiten Vergiftungssymptomen 6—Stägige Blindheit eintreten.
Die frischen Blätter von H. niger enthalten 0714 bis 0,16 pCt., die frischen Samen 0,5 pCt. Alkaloide (Schoonbroodt).
Die toxikologischen Versuche an Pferden von Go hi er (90 — 120 g Kraut im Dekokt), Viborg (1000 g frischer Wurzel) u. av bei denen Todesfälle nicht eintraten, liefern den Beweis, dafs Hyoscyamus auch bei den gröfseren Pflanzenfressern weniger giftig wirkt, als Belladonna, wie dies für kleine (Kaninchen) schon früher hervorgehoben wurde. Tinktur intravenös appliziert, wirkt ähnlich, wie die der Belladonna (Her twig).
In Blättern von Datura str. fand D r a g e n d o r f f 0,6 pCt.r im Samen 0,39 pCt. Alkaloide. — 1 kg der abgeblühten Pflanze erzeugte nach Viborg bei einem Pferde nur mäfsige Intoxikation, 1,25 kg des reifen Samens Symptome, wie dieselben nach Fütterung von Belladonnablättern von Her twig konstatiert worden sind; auch hier Kolikanfälle, Verstopfung, Prolaps des Rektum. Tod nach zwei Tagen unter plötzlich auf­tretenden heftigen Konvulsionen.
Der Nachweis der einzelnen Alkaloide läfst sich nur durch eingehendste chemisch-physikalische Unter­suchungen ermöglichen. Die Färbungen, ebenso die mydriatische Wirkung der Extrakte oder des einge­dampften Harns der vergifteten Tiere (Prüfung an Katzen) sind Gruppenreaktionen, welche den Beweis liefern, dafs das eine oder andere der „Atropinequot; vor­handen ist, und dies dürfte für die Beurteilung des Einzelfalles meist genügen.
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Behandlung: Brechmittel, Tannin, Jod-Jodkalium. Bei Darmlähmung Eserin, bei maniakalischen AnMlen, Diarrhöe Opium oder Morphin in maximalen resp. übermaximalen Dosen. Bei drohender Herzlähmung Kaffeeinfus oder Coffein, Alkohol.
5. Tetanisehe Krämpfe.
Strychnosalkaloide. Nux vomica. Von den Strychnin liefernden Drogen kommen für uns in toxikologischer Hinsicht nur die Samen von Strychnos nux vomica, Brechnufsbaum, Krähen-augenbaum (L. V, 1, Apocyneae) mit durchschnittlich 2,5 pCt. Alkaloiden (Kremel) in Betracht.
Die vorwiegend Brucin-haltigc Einde (falsche Angustura-rinde) und die von Stiychnos Ignatii stammenden Samen (Pabae Ignatii mit durchschnittlich 1,5 pCt. Alkaloid) finden weder als Medikament, noch als Ratten- oder Mäusegift etc. Verwendung. Die ausschliefslieh Brucin-haltigen Blätter von Strychnos nux vomica geben in Indien mitunter zu tödlichen Vergiftungen von Pferden und Rindern Veranlassung (Hooper).
Die Semina Strychni enthalten
Strychnin, C21H22N2O2, starke, intensiv bitter schmeckende, krystallisierende Base, in 7000 Tl. kalten, 3000 Tin. warmen Wassers löslich. In Spiritus von 0,815 sp. Gew. löst es sich zu ca. 1 pCt., in Äther fast gar nicht, in Amylalkohol und Benzol zu ca. 0,6 pCt. Durch Erhitzen mit Natronkalk auf 290 0 liefert Strych­nin Dibenzolpyrrol, Skatol und /?-Pikolin (/J-Methyl-pyridin). Strychnin ist also ein Pyridinderivat; seine Lösungen drehen links. Die Salze sind meistenskrystal-lisierbar, leichter löslich, als die freien Basen. Das Nitrat
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braucht 60 Tie. kaltes resp. 2 Tie. kochendes Wasser zur Lösung. Chromsäure giebt violettblaue, dann zwiebelrote, in schmutzig Grün übergehende Färbungen. Am ein­fachsten verfährt man in der Weise, dafs man die auf Strychnin zu prüfende Substanz mit konzentrierter Schwefelsäure versetzt (auf dem ührglase) und ein stecknadelkopfgrofses Stückchen von Kalium bichro-micum in die Flüssigkeit legt; um das Kalium herum bilden sich beim Umherschwenken violette oder bei Anwesenheit von viel Strychnin blaue Streifen. Fäulnis­prozessen gegenüber ist Strychnin sehr resistent, indem es sich noch nach Monaten, selbst nach 1 — 3 Jahren in faulenden Substanzen auffinden liefs.
Strychnin und seine Salze sind aufserordentlich heftige Gifte, deren hauptsächlichste Wirkung in toxi­scher Dosis darin besteht, solch heftige, allgemeine Eeflexkrämpfe zu erzeugen, dafs die Tiere wegen der tetanischen Kontraktion der Respirationsmuskeln und der während des Anfalles aussetzenden Herzthätigkeit in wenigen Minuten, bei minimal letaler Giftmenge spätestens nach Stunden an Erstickung zu Grunde gehen. Der Tod erfolgt entweder während eines te­tanischen Anfalles oder in einer Krampfpause durch allgemeine Lähmung. Eine Gewöhnung an das Gift findet nicht statt. Da der Organismus, besonders die Leber, das Strychnin energisch zurückhält, so kann es auch durch fortgesetzte kleine Dosen zu einer Intoxi­kation kommen. Zorn teilt zwei derartige Fälle mit, welche beide letal endeten. Bei dem einen Pferde wurde zunächst 0,0 ?, am nächsten Tage 0,03, am dritten 0,06 g injiziert. Auch bei dem andern Pferde fand alle 24 Stunden eine Injektion statt, und zwar zwei
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Injektionen von 0,03, eine von 0,045 und eine vierte von 0,06 g.
Als letale Dosen sind von Falck undFeser ermittelt pro Kilo Körpergewicht bei subkutaner In­jektion für Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen 0,3—0,4*), Kaninchen 0,5—0,6, Schweine 0,6—0,7, Hund und Katze 0,75, Huhn'2,0, Maus 2,4, Frosch 2,1 Mg. Bei stoma-chaler Applikation stellen sich die letalen Gaben bei Schweinen auf das Sfache, bei Pferden und Hunden auf das Sfache, bei Schafen auf das lOfache, bei Hühnern (Injektion in den Kropf) auf das 25 fache, bei Ziegen auf das 40 fache (15,0 Mg. p. KK). 10 Mg. p. KK. beim Rind per os hatten nur geringe Wirkung. Bei intrachealer Injektion sah E. Plassio nach 0,05 g bei einem Pferde bald nachher Zittern eintreten. Das Tier, ein Kehlkopfspfeifer, fiel zu Boden und erlag nach acht Minuten einem tetanischen Anfall. Frösche und Mäuse eignen sich zur Prüfung auf Strychnin in­sofern, als geringste Mengen des Giftes damit nach­gewiesen werden können. 0,05 Mg. injiziert, töten einen ausgewachsenen Frosch, 0,02 Mg. eineMaus und 0,01 Mg. reicht noch hin, um beim Frosch Tetanus zu erzeugen.
Bei der Obduktion findet sich meist ausgepräg­teste Totenstarre, welche fast unmittelbar nach dem Tode eintritt und lange andauert. Auf die Erstickung sind zu beziehen das dunkle Blut, die Hyperämie der Organe, an den Hirnhäuten und in den Muskeln zu­weilen kleine Extravasate. Herz in der Mehrzahl der
*) Für den Menschen berechnet sich aus einem durch Verwechselung von Morphin mit Strychnin in der Apotheke vorgekommenen Vergiftungsfall (Warner), die letale Dosis zu 0,466 Mg. — Die kleineren, oben angegebenen Zahlen beziehen sich auf schwächliche Tiere.
Tereg u. Arnold, Toxikologie.'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 19
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Fälle leer. Harnblase in der Regel kontrahiert. In-testinalschleimhaut meist normal.
In einem von Noack mitgeteilten Falle fanden sich im Magen eines Hundes, welcher von einem gegen Füchse ausgelegten, mit Strychnin vergifteten Hasen­kopf die Ohren abgefressen hatte, an den Berührungs­stellen der letzteren mit der Schleimhaut lange, his 1 cm breite, 1—2 mm tiefe gerötete Furchen ohne jede Reak­tion der Umgebung. Gegen den Pylorus hin und im Dünndarm Entzündungröte. Als Vehikel für Aufnahme des Strychnins zur Vertilgung von Raubzeug benutzen die Jäger Käse, Fleischstücke, Vögel (Fuchsvögel). Nach Uli lieh kamen in kurzer Zeit in einem Dorf durch Verzehren der Fuchsköder gegen 20 Hunde um. Die Kuh eines Apothekers verendete vier Tage, nachdem sie frisch präparierten Mäuseweizen verzehrt hatte (P r üm m e r s). Die Krämpfe traten anfangs sehr heftig auf. Der spärlich abgesetzte Kot war mit Blut gemischt. In der Haube fanden sich reichliche Mengen Strych-
ninweizen.
Brucin, C23H26N204, enthält zwei Methoxylgruppen mehr als das Strychnin und ist frei und in Salzform leichter löslich wie jenes. Durch konzentrierte Salpetersäure oder Chromsäure, überhaupt durch Oxydationsmittel entsteht himbeerrote Färbung, welche in Orange übergeht. Nach Pander widersteht Brucin sehr lange den Fäulnisprozessen. Die letale Dosis des Brucinnitrats stellt sich durchschnittlich 38 mal höher, als für Strychninnitrat. Tetanus tritt bei Fröschen nicht auf, wohl aber bei Warmblütern.
Igasursäure von Pelletier und Caventou ist nach Untersuchungen von Höhn wahrscheinlich eine eisengrünende Gerbsäure.
Zerkleinerte Krähenaugen gelangen durchgehends später als die Alkaloide zur Wirkung und in ungleich höheren Dosen. Eine Ziege zeigt erst nach dem Ver­brauch von 250 g Vergiftungszufälle. Ein Pferd über-
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stand die Wirkung von 40,0 g, starb aber innerhalb zwei Stunden, als drei Tage später dieselbe Gabe im Dekokt angewendet wurde. Ein Schaf verendete eine halbe Stunde nach dem Eingeben von 30 g. Hühner erliegen erst Quantitäten von 9,0 g, Hunde solchen von 0,6—1,2 g.
In den Kadavern der durch Brechnufs getöteten Tiere findet man Injektionsröte der Magen- und Darm-schleimhaut, im Magen zuweilen einzelne Stellen korro­diert. Grewöhnlich enthält der Magen noch fast die-ganze Gabe der toxischen Substanz.
Der Nachweis des Giftes ist im letzteren Falle durchaus gesichert. Bei Vergiftung mit dem einen oder anderen Strychnos-Alkaloid läfst sich das Gift in allen Organen, auch den Nieren, besonders in dem Magen und der Leber nach den allgemein gültigen Regeln extrahieren und durch seine Farbenreaktionen und den Froschversuch erkennen.
Die Behandlung mufs in erster Linie darauf gerichtet sein, dem Suffokationstod vorzubeugen, was dann gelingen kann, wenn die Krampfparoxysmen auf­gehoben oder abgekürzt werden. In dieser Beziehung haben sich bewährt Klystiere von Chloralhydrat oder Formylphenetidin (0,5—1,0 p. KK. in Form einer mit Gummischleim oder verdünntem Stärkekleister herge­stellten Emulsion), Inhalation von Chloroform oder Paraldehyd mit oder ohne Kombination von Morphium­injektion. Setzt die Ilerzthätigkeit und die Respiration auch in einer Krampfpause aus, so gelingt es vielfach noch durch rhythmische Thoraxkompressionen, Herz­aktion und Atmung wieder in Gang zu bringen.
19*
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VI. Tremor, Clonus, Paralyse.
1. SaliTation, Tremor, Somnolenz, klouischc
Krämpfe, Paralyse, Blutdissolution, branngriine
Chromogene im Harn.
Benzol, Phenole, Teerbestandteile.
Benzol.
Das Benzol, C6H6, erzeugt bei Hunden in Gaben von 10—22,0 g Speicheln, Steigerung der Puls- und Respirationsfrequenz, grofse Schwäche, Taumeln, Krämpfe im Liegen. Nach 10,0 g erholten sich die Tiere in 8 Minuten; auf gröfsere Gaben hin traten pe­riodenweise tonische Krämpfe ein, die Sensibilität schwand vollständig und unter Konvulsionen erfolgte der Tod nach 10 Minuten. Die Anwendung des Benzols auf grofse Hautflächen tötete einen mit Eäude behafteten Hund nach zwei Tagen. Katzen sind durch äufserliche Verwendung des Benzols fast sicher zu töten. Bei Pferden erzeugen 150,0 einige Tage fortgesetzt ge­braucht, Appetitverlust, Verstopfung und Traurigkeit, 500,0 g bewirkten aufserdem Verminderung der Em­pfindlichkeit, stieren Blick, Muskelzittern; infolge Eingehens von 750,0 g starb das Tier am dritten Tage. Von dem eingeführten Benzol werden im Organismus bis zu 8—9 pCt. in Phenol und ca. 4 pCt. in Brenz-katechin übergeführt, welche teils als Schwefelsäure-und teils als Glykuronsäurepaarlinge im Harn erschei­nen (Schmiedeberg).
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Phenol.
Karbolsäure oder Phenol, C6H5-OH, kann sowohl bei innerlicher wie äufserlicher Anwendung, gleichviel ob rein oder als Rohprodukt, zu Vergiftungen Veran­lassung geben.
Das wasserfreie Phenol krystallisiert, schmilzt bei 42, siedet bei 18deg; und wirkt stark ätzend. Es giebt mit Wasser von mittlerer Temperatur eine höchstens Sprozentige, neutral reagierende Lösung, und eigentüm­licherweise auch eine stark ätzende, in dem Verhältnis 9 : 1 aq.; in Alkohol, Äther, Ölen oder Glycerin viel leichter löslich, hat es seine Ätzwirkung in den wasser­freien Lösungsmitteln eingebüfst (P. Carles). Eisen­oxydsalze färben violett. Anilin und unterchlorigsaures Natron giebt Dunkelblaufärbung, welche durch Säuren in Rot übergeht. Kochen mit M i 11 o n s Reagens läfst ge­wöhnlich ebenfalls rote, gefäi-bte Produkte entstehen. Bromwasser erzeugt einen anfangs weifsen (Di- und Tri-bromphenol), bei Überschufs von Br. gelben Nieder­schlag (Tribromphenolbrom).
In der Wirkung bestehen gewisse Differenzen zwischen Warmblütern und Kaltblütern insofern, als bei ersteren Krämpfe eintreten, bei letzteren meistens nicht. — Bei Fröschen bewh-ken 0,2—0,3g, von der Haut aus schon 0,01—0,02 g, in Wasser gelöst, lokale Reizung, Sopor, Erhöhung der Reflexerregbarkeit, hin und wieder klonische Zuckungen, Abnahme der Reflexerregbarkeit und der Leistungsfähigkeit der Muskeln und Respi­rationsstillstand. Herz, Muskeln, periphere Nerven überleben.
Bei Kaninchen sind klonische Konvulsionen, die als leichtes Zittern beginnen, und Pupillenerweiterung die Hauptsymptome, welche bei nicht letaler Dosis ohne
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Lähmungserscheinungen zu hinterlassen vorübergehen. Kumulative Wirkung nicht vorhanden, die Krämpfe sistieren nach Chloralhydrat nicht (Th. Husemann). Dosis letalis 0,45 g p. KK. (E. Salkowski), für Katzen ebenfalls, bei denen von T h. Gries Lähmung des vasomotorischen Centrums nachgewiesen ist. Beim Hund erzeugen 0,18 g p. KK., in 1 pCt. wässeriger Lösung eingegeben, heftige Vergiftungserscheinungen: fibrilläres Muskelzittern, Nystagmus, Unfähigkeit des Tieres, sich auf den Beinen zu halten, Bewufstlosigkeit, Speichelflufs, röchelndes, stofsweises Atmen, weiterhin ausgebildete klonische Krämpfe des ganzen Körpers, welche sich insbesondere in koordinierten Laufbe­wegungen während des Liegens äufsern, die beim Menschen meist fehlen. Dieselben gehen rasch vorüber, und einige Stunden später ist wenig mehr zu bemerken. Dosen von 0,5 g p. KK. führen nach 12 Stunden zum Tode. Bis dahin halten die Krämpfe und die Bewufst­losigkeit, welche sich nach ca. 1/2 Stunde eingestellt hatten, an. Mitunter Erbrechen, keine Diarrhöe.
Obduktionsbefund: Kadaver in Starre. Darm-traktus bläulich. Im Magen und Darm braune, wässe­rige Flüssigkeit, G-lomerulonephritis, Blutüberfüllung der parenchymatösen Organe, Ödem der Lungen und des Hirns (Tereg). Der dunkelgrüne, meist eiweifs-haltige Harn giebt auf Chlorbaryumzusatz keinen Nieder­schlag mit Bariumsulfat wie der normale Harn, da alle disponiblen Sulfate des Organismus verbraucht sind um Phenolätherschwefelsäure zu bilden. Kocht man den Harn mit Mineralsäuren, so zerfallen die gepaarten Schwefelsäuren, und nun erhält man mit Chlorbaryum einen voluminösen weifsen Niederschlag.
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Nach Aufnahme konzentrierter Säure oder in Wasser nicht gelöster Reste findet man als Folge einer inner­lichen Applikation Atzung. Die Schleimhäute sehen milchweifs oder schiefergrau, die Umgehung gerötet aus und fühlen sich wie gegerbt an, Hämorrhagische Grastro-enteritis, hämorrhagische Nephritis (Hämaturie).
Pferde sind viel weniger empfindlich, I, Munck gab 0,3 g reine Karbolsäure p. KK. in Pillenform (im ganzen 100 g p. die, innerhalb sieben Tagen 500 g), ohne etwas anderes zu beobachten, als Verminderung der Puls- und Respirationsfrequenz, Die Ursache für diese Resistenz des Pferdes ist zum Teil in der Fähig­keit begründet, von der resorbierten Quantität 50 pCt. in weniger giftige Oxydationsprodukte (Brenzkatechin. und Hydrochinon etc.) überzuführen, während der Hund nur ca, 42 pCt, oxydiert.
Die Symptome der akuten Intoxikation bleiben dieselben, wenn das Gift auf anderen Wegen, durch Irrigationen des Uterus, von Hautwunden aus etc. in den Organismus gelangt.
Ein Pferdebesitzer liefs innerhalb sechs Tagen seine fünf verräudeten Pferde dreimal mit einer Spiri­tuosen Karbolsäurelösung (1 : 3) einreiben. Am dritten Tage starben zwei Pferde nach eintägiger schwerer Erkrankung. Die übrigen drei waren bis zum 10. Tage ebenfalls verendet. Die Tiere bekamen Kolikerschei­nungen, stöhnten heftig, zeigten hochgradige Schwäche und setzten dunkelbraunen Urin ab (Bormann).
Bei Gelegenheit der manuellen Entfernung der Nachgeburt bei zwei Kühen 36 Stunden nach dem Kalben irrigierte van Leeuwen den Uterus mit 11,6 1 einer 1,2 pCt. Karbolsäurelösung (140 g Karbol­säure), Eine der beiden Kühe zeigte bald nach der
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Operation allgemeines Zittern und Schwanken, weiter periodische Anfälle klonischer Krämpfe, besonders am Vorderteil, speziell an den Ohren-, Augen- und Nacken­muskeln mit schnarchendem, beschwerlichem Atmen. Das Tier hatte Mühe, sich auf den weit auseinander gestellten Beinen zu halten, und schien dem Verenden nahe. Nach Uterusausspülungen mit grofsen Mengen kalten Wassers und subkutaner Morphiuminjektion von 0,5 g Morph. hydrochloric, waren die Symptome vier Stunden später verschwunden.
Die Untersuchungen von H use mann haben er­wiesen, dafs Zuckerkalk einsehr brauchbares Gegen-g i ft ist, um noch nicht resorbierte Karbolsäure un­schädlich zu machen. In konzentrierter Lösung und im Überschufs gleichzeitig mit dem Phenol angewandt, überstanden Kaninchen die 3—4 fache letale Menge. Aufserdem Glaubersalz in grofsen Dosen in allen den Fällen, in welchen bereits eine Resorption stattgefunden hat, gleichviel ob von der Schleimhaut oder der Cutisaus.
Der Nachweis läfst sich in vielen Fällen schon durch den Gcruchsinn führen. Für Destillate eignen sich die oben angeführten Farbenreaktionen, welche allerdings auch die substituierten Oxybenzole geben. —
Die Menge des bei der Fäulnis von Eiweifssub-stanzen gebildeten Phenols reicht zu einer toxischen Wirkung nicht aus. Bei stagnierendem Darminhalt, wo eine Autointoxikation am ehesten zu erwarten wäre, nimmt die bei normalen Verhalten des Pferdes z. B. produzierte Phenolmenge (ca. 3,0 g p. die) unter Einflufs der sauren Gärung ab.
Hohe Karbolsäure. Die rohe Karbolsäure, eine von den Fraktionen, welche durch Destillation des Steinkohlenteers gewonnen
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werden, enthält je nach der Darstellungsweise 30—80 pCi, im Mittel ca. 60pCt. Phenol. Das was bei der neueren Verarbeitungsmethode der Steinkohlenteeröle -als rohe Karbolsäure in den Handel kommt, besteht fast nur aus Kr es ölen und denjenigen Bestandteilen, welche zur Kreolindarstellung benutzt werden (cf. Kreolin, Kreosot).
Entsprechend der Menge der vorhandenen Karbol­säure oder der Kresole werden die Krämpfe oder die Lähmungserscheinungen in den Vordergrund treten; im grofsen und ganzen weichen die sonstigen Vergiftungs­erscheinungen von den nach reiner Karbolsäure beobach­teten wenig ab.
Ger lach sah Pferde täglich bis 100 g rohe Kar­bolsäure vom Magen aus ertragen. Die Berieselung laquo;hier 20 cm grofsen Wundfläche mit einer ver­dünnten Lösung (ein Efslöffel auf einen Eimer Wasser) bedingte nach Ablauf einer kontinuierlichen achtstün­digen Anwendung Zittern, Hin- und Hertrippeln, be­schleunigte, unregelmäfsige, angestrengte Inspirationen. Puls klein, frequent (100 p. M.). Zuletzt fiel das Pferd zur Erde und verendete, anfänglich noch krampfhaft zuckend, unter komatösen Erscheinungen nach Ab­lauf weiterer sechs Stunden (Schäfer). Bei Räude­bädern ereignen sich nicht selten Todesfälle, wobei Hautverletzungen die Intoxikation wesentlich be­günstigen.
Schmitt berichtet über einen Fall, in welchem bereits während des Badens von 120 Stück Schafen einige angestrengtes Atmen zeigten und umfielen. 15 starben.
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Die Obduktion ergab Emphysem der Subcutis, Erosionen an der Maulschleimhaut, Lungenödem und Karbolsäuregeruch des Fleisches.
Holzessig.
Holzessig, Acetum pyrolignosum crudum, neben Teer bei der trockenen Destillation von Holz gewonnen, wechselt in seiner Zusammensetzung je nach der Menge der Einzelbestand­teile. Nachgewiesen sind Ameisen-, Propion-, Butter- und Valeriansäure, Essigsäure (5 —10 pCt.), Dimethylessigsäure,
CiHgOo, d. h. Isobuttersäure, i CH3, ferner Methylaldehyd,
COOH
H—COH,Methylalkohol,CH3(OH),Aceton, C2H60, d.h.Dimethyl-
CH-CH^0 keton, CH3— CO—CH3, Furfurol, C.H^O,, oder I!nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I - C0H
Benzol, Toluol, C6H5(CH3), Xylole, CGHr,(CH3)2, Phenol, Brenz-katechin, CGH4(0H}2(1,2), Ammoniak, Methylamin, NH2(CH3) und die Kreosotbestandteile (cf. unten).
Durch Neutralisieren, Abdampfen, Rösten und Zerlegen des Rückstandes mit Mineralsäuren können die nicht sauren, hochsiedenden Bestandteile abgetrennt werden, und man erhält ein weniger giftiges Präparat, den rektifizierten Holzessig (Acet. pyrol. rectif.). Die meisten Versuche beziehen sich auf das braun gefärbte Rohprodukt.
Der Ausgang der älteren V ergiftungsversuche (B e r r e s u. a.), bei denen der Holzessig per os eingeschüttet wurde, macht es wahrscheinlich, dafs verschiedene der Versuchstiere an Schluck-pneumonie zu Grunde gingen. In dieser Beziehung können nur die Her twig sehen Experimente mafsgebend sein, bei denen die Schlundsonde in Anwendung kam. Hiernach ertragen Hunde 30,0 g des Mittels ohne nachteilige Folgen, Rinder und Pferde bis 360,0 g in einer Gabe. Zuerst machte sich vermehrte Schleimsekretion im Maul und in der Nase gel­tend, dann gröfsere Wärme im Maul, nach 15—30 Minuten Sträuben des Haares unter Frostschauer, etwas frequenter Puls und Dyspnöe, Appetitverminderung, Mattigkeit, nach 4—6 Stunden sehr reichliches, oft wiederholtes Urinieren, mäfsige Koliksymptome. Nach äufserlicher Anwendung des Holzessigs bei einem an Strahlkrebs sämtlicher Hufe und gangränescierendem Abscefs an der Krone eines Hinterhufes
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leidenden Pferde, welches auffällige Atembesclnverden und hohe Pulszahl aufwies (Temperatur normal), trat der Tod unter Konvulsionen ein. Es wurde nicht die erwartete metastatische Pneumonic gefunden, sondern dunkles, dickflüssiges, nicht ge­ronnenes Blut, deutlicher Karbolgeruch, kleine Extravasate an den serösen Häuten, fettige Degeneration aller drüsigen Organe.
Kreosot.
Avis Buchen- und Birkenholz gewonnenes Kreosot besteht nach M. Pfrenger hauptsächlich aus Guajakol, C7.H802, d. i.
Bren2katechinmonomethyläther,C(JH4lt;f;Vi 3Jnj,Kreosol,C8H10O2,
d.i.Homobrenzkatechinmonoincthyläther,C6H3(CH3)(l)lt;y^-H3reg;,
dann folgen, quantitativ absteigend, Kresole und m-Xylenol, letzteres auch wohl als Phlorol bezeichnet (cf. Kreolin). Fichten-holzteer enthält aufserdem etwas Phenol.
Guajakol, eine farblose, bei 200deg; siedende Flüssigkeit, in Wasser schwer, in Alkohol etc. leicht löslich, giebt rein mit konzentrierter Schwefelsäure eine purpurrote Färbung, welche bei Anwesenheit einer Spur von Kreosol etc. in schmutziges Graugrün übergeht. Mit sehr wenig Eisenehlorid entsteht in Guajakollösung blaue, bei An Wesenheit von etwas mehr Eisen smaragdgrüne Färbung.
Kreosol, eine gelbliche, bei 220deg; siedende Flüssigkeit, riecht durchdringend rauchartig und schmeckt brennend scharf.
Als Unterschied der Wirkung des Kreosot (Buchholz) vom Phenol hobt Ummethun hervor, 1) dafs beim Phenol die heftigsten Krämpfe, beim Kreosot Lähmungserscheinungen vor­walten, 2) dafs Phenol die Gerinnbarkeit des Blutes vermindere, Kreosot auffallend erhöhe.
Die Kreosotwirkung äufsert sich bei Hunden nach In­gestion verdünnter oder konzentrierter Löstmg, oder bei Appli­kation letzterer auf gröfsere Wundflächen nach Her twig in grofser Angst, stierem Blick, Schwäche, selbst Lähmung der Extremitäten, Schwindel, Erbrechen (zuweilen blutig), röcheln­dem Atmen und Erstickungszufällen, unter denen der Tod er­folgt. Gastroenteritis resp. Anätzung der Schleimhäute, Ver­dickung des Blutes. Vom Magen aus wirken 2-8,0 g tödlich. — Ein Pferd, mit 130 g Kreosot eingerieben, zeigte Schwanken, Lähmung der Lippen- und Ohrmuskulatur, Salivation, Zittern, Zusammenbrechen, klonische Krämpfe der Hinterextremitäten, Coma.
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Kreolin. Über die Zusammensetzung- des Kreolin-Pear-son haben die Untersuchungen von R. Otto, H. Beckurts und M. P fr eng er genügende Klarheit ver­schafft. Hiernach handelt es sich um ein Produkt, welches durch Emulsion mit Harzseifen aus dem nach Gewin­nung der Karbolsäure verbleibenden Rest der schweren Steinkohlenteeröle hergestellt wird. Neutrale Harz­seife findet sich zu ca. 22 pCt. vor; die Eigenschaft der neutralen Harzseifen, noch beträchtliche Mengen Harz aufzunehmen, ist augenscheinlich von den Fabri­kanten benutzt worden, um einen Überschufs an Harz zuzusetzen, derart, dafs das ganze Gemisch 32,5 pCt. davon enthält. Der Harzgehalt ist von verschiedenen Analytikern überhaupt nicht erwähnt resp. zum Teil auf Grund unzulänglicher Methoden auf höhere Phenole und Kohlenwasserstoffe verteilt, so dafs von einzelnen ein Gehalt von 30 pCt. an Phenolen herausgerechnet wurde, während in Wirklichkeit nur 10—12 pCt. vor­handen sind.
Näheren Aufsehlufs über die Zusammensetzung giebt die Analyse von Pfrenger: Phenolenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 12,67 pCt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Na 1,45
Aromat. Kohlewasserstoffe 44,94 „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; S 0,25
N-haltige aromat. Basennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2,76 „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Cl 0,14
Harz_____________________32,45 „____________H20 5,34
Organische Subst. 92,82 pCt. Anorg. Subst. 7,18 Die erste Gruppe der organischen Substanzen bestand in
CH (2) der Hauptmasse aus Kresoleu und zwar o-Kresol, CeH-^nH 11)
und m-KresoI, C!6H4lt;y)tj3;?^ (unter Ausschlufs von Parakresol),
„CH3(4) ferner aus m-Xylenol, C6H3^-CH3(3) und etwas o-Xylenol.
^OH(l)
Bezüglich der Wirkung der Kresole ist vönW. Gibbs und Hare konstatiert, dafs sie sämtlich sowohl die motorische,
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als sensible Sphäre des Centralnervensystems lähmen. Auf das Herz wirken sie gleichfalls giftig durch Erregung der Hem­mungsapparate und zwar die Orthoverbindung am stärksten, dann folgt das Parakresol und als schwächstes Herzgift, Meta-kresol, welches aber seinerseits eine stärker hervortretende lähmende Wirkung auf das vasomotorische Centrum ausübt. Intravenös töten pro KK. 0,08 g von der Ortho-, 0,1 g von der Para- und 0,15 g von der Metaverbindung.
Metaxylenol ist anscheinend noch nicht auf seine Wirkung untersucht, wohl aber ein verwandter Körper das Metaxylol, welches, zu 12,0 g in zwei Tagen an einen mittelgrofsen Hund verfüttert, eine Voränderung im Befinden des Tieres überhaupt nicht hervorrief (Tereg). Ausgeschieden wird dasselbe aus dem Organismus als Metatolursäure (K. Kraut). Unter der Annahme, dafs die Umsetzung der Xylenole im Organismus in demselben Sinne erfolgt, hätte man Kreosole zu erwarten. Unter den im Kreolin vorhandenen Kohle wasser­st offen bilden die Hauptmenge Naphtalin, C,oHs, n-Methyl-
CH2 ' naphtalin, C10H7.CH3, Acenaphten, C1CH(!lt;C I , Anthracen,
CH2
CeH4lt;l gt;C0H4, und Anthrachinon, C^ lt;^qgt; C6H4. Der
CH kleinere Teil besteht aus höheren Homologen des Benzol, welche zwischen 160 und 190deg; sieden. — Eine toxische Wirkung wird man von dieser Gruppe kaum zu erwarten haben.
Unter den N-haltigen Basen des Kreolins tritt das Pyridin und seine Homologe (Pikoline, Lutidine etc.), den Kör­pern der Chinolinrcihe (Chinolin, Lepidin, Acridin) gegenüber, zurück.
Nach OSchatz vertragen Kaninchen 0,1 g Chinolin als weinsaures Salz pro dosi et die subkutan wochenlang, ohne andere Erscheinungen, als Temperaturverminderung, zu zeigen. Dieselbe Dosis verdoppelt zwei Tage hintereinander gegeben, bewirkt Appetitverlust und Tod durch Respirationsparalyse am 3. oder 4. Tage. Bei der Obduktion findet man aufser Lungen­ödem zahlreiche Extravasate unter dem Endo- und Epikardium, hämorrhagische Nephritis. Nach 0,4 g p. KK. erfolgt der Tod durch Lungenödem in wenigen Stunden; die Extravasate fehlen alsdann.
Die Vergiftungserscheinungen bestehen anfangs in Ver­mehrung der Atemzüge und Herzschläge, später Dyspnöe und Abnahme der Herzfrequenz, aufserdem in Vermehrung der
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Speichel- und Galleuabsonderung; bei Hunden und Katzen tritt auch Erbrechen ein. Dazu gesellt sich allmählich zu­nehmende, an den Vorderextremitäten beginnende Lähmung und Verlust der Reflexerregbarkeit, welchem Zustand bei Kar-nivoren krampfhafte Zuckungen vorausgehen können. Der Herzstillstand ist bei grofsen Gaben systolisch, bei kleinen diastolisch (C. Ber ens).
Die Harzseifen. Die Analyse ergab die Anwesenheit von Koniferenharz, speziell von Abietinsäure, C^H^C^. Das abietinsaure Natrium ist im Kreolin ausschliefslich vertreten. Die Seifen haben sich nach J. Munks Untersuchungen bei direkter Injektion in die Blutbalm als intensive Herzgifte er­wiesen. Von harter, aus Rindstalg hergestellter Natronseife genügen 0,157 g p. KK, um bei Warmblütern irreparablen Herz­stillstand zu erzeugen, der nach Anwendung von Ölseifen bei einer um 1k bis über die Hälfte gröfseren Gabe einzutreten pflegt. Bei'ücksichtigt man den hieraus gezogenen Schlufs: die relativ wasserstofireicheren Fettsäuren wirken als Natronsalze toxischer, als die wasserstoffarmeren, so würde die Giftigkeit der Harzseifen nicht hoch anzuschlagen sein. Bei Aufnahme durch die Pfortaderwurzeln vermindert sich der toxische Ein-flufs der Seifen derart, dafs erst nach 21/2 — 5fach gröfserer Dosis Herzlähmung entsteht. Die Gerinnbarkeit des Blutes wird vermindert.
Über die Giftigkeit des Kreolin Pearson liegen eine Reihe von Beobachtungen vor, welche sich nicht ignorieren lassen. Washbourn hält das Präparat für ein starkes Gift. Mäuse und Meerschweinchen gehen an Schiittelkrämpfen, denen Sopor folgt, nach kurzer Zeit zu Grunde, wenn man ihnen 1,0 resp. 5,0 cem 10 pCt. Kreolinlösung subkutan beibringt. Energischer noch wirkt das in die Bauch- oder Brust­höhle eingebrachte Gift. Bei Kaninchen rufen 0,025 g p. KK., auf die angegebene Weise dem Organismus ein­verleibt, höchst bedrohliche Erscheinungen hervor (Engel und P e n z o 1 d). Hunde erbrechen nach 5,0 g und bekommen Diarrhöe, werden apathisch. 10,0 g töten Kaninchen sicher, ebenso fortgesetzte Gaben von 5,0 g
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(0. Mugdan). Über eine Kreolin Vergiftung bei Pfer­den teilt Samuel folgendes mit: Bei einem Truppen­teil wurden eine Anzahl mit Räude behafteter Pferde geschoren, mit einer schwachen Sodalösung gesäubert und am folgendem Tage eine 7,5 pCt. Kreolinlösung (Pearson) mittelst Bürsten auf die Haut appliziert. Ungefähr 8—4 Stunden nach der Kreolinanwendung zeigten sich bei sieben, meist jungen Pferden Unruhe, Scharren mit den Füfsen, Schlagen nach den Neben­pferden, Aufsteigen in die Krippe etc. Die Haut bren­nend heifs, in Sattellage und am Hals kleine, nässende Hautstellen.
Trotz sofortigen Abspülens sämtlicher gewaschener Pferde mit lauwarmem Wasser entwickelten sich bei einem unter periodischen Unruheerscheinungen und grofser Schwäche allmählich die Symptome einer Dann­entzündung. Von der Brust bis zu den Fesselgelenken reichende Ödeme. Unter zunehmender Schwäche und starkem Kräfteverfall erfolgte der Tod nach 24 stün­diger Krankheitsdauer.
Obduktionsbefund: Die Serosa der Blinddarm-spitze, sowie einige Stellen des Grimmdarms rotbraun gefärbt. Im Dünndarmgekröse zahlreiche erbsengrofse Hämorraghien. In der Dünndarmschleimhaut zerstreut fünf bohnengrofse, rotbraun gefärbte Defekte mit zer­nagten ßändern. Mucosa des Grimmdarms und der Blinddarmspitzen hämorrhagisch, ödematös. Herzmuskel grauweifs, trübe, mürbe, auf dem Durchschnitt trocken. Unter dem Endokardium einzelne punktförmige, schwarz-rote Herde.
Neubarth konstatierte nach äufserer Anwendung einer 5 pCt. - Pearson - Kreolinlösung gegen Ungeziefer bei einer Eemonte sofortige heftige Unruhe, dann Appetit-
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losigkeit, Eingenommenheit, anhaltendes Zittern der Vor­derextremitäten, bierbraunen Urin, vereinzelte Cylinder mit vielen roten Blutkörperchen enthaltend. Puls 96-p. M. Temperatur 400. Dabei Hustenreiz, Nasenaus-flufs. Nach drei Wochen stiefs sich die Epidermis in Fetzen ab. Hirsemann sah unter ganz ähnlichen Verhältnissen nach Benutzung einer 5 pCt.'-Lösung (5 1 pro Pferd) bei 10 pCt. der gewaschenen Pferde die­selben Erscheinungen eintreten. Die Tiere hielten den Kopf gesenkt, zitterten. F e u e r h a c k beobachtete nach anhaltender Irrigation einer bedeutenden Wunde auf dem Nasenrücken eines 14jährigen Pferdes mit 0,5 pCt. Kreolinemulsion gleichfalls Intoxikationssymptome (Ein­genommenheit, Muskelzittern, Temperatursteigerung). — Ein stark mit Acarus behafteter Hund, welchen Guinard 10 Tage hindurch morgens und abends mit einer 5 p(Jt. Lanolinsalbe eingerieben und mittags in 1 pCt. Kreolinemulsion gebadet hatte, starb am 12. Tage. Die Sektion ergab Katarrh der Schleimhäute, Nieren-und Leberhyperämie.
Teer.
Aufser den bereits bei Kreolin vmä Kreosot ange­führten Teerbestandteilen finden sich noch in Pix liquida vor:
Von Kohlewasserstoffen Paraffine (nicht im Stein-
CH=CH kohlenteer), Furfuran, C.H.O, oder Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;quot;gt;gt;0(im Fichtenholz-
CH=CH CH=CH teer), Cumaron, inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^gt;0 (Steinkohlenteer), Mesitylen, C^H^,
C6H,
oder symmetrisches Trimethylbenzol, C6H3(CH3)3 (1,3,5), Pseudo-cumol, dem vorigen isomer (Stellung der Methylgruppen 1,3,4). Tereben, Ci0H]6 (inaktives Terpen), Phenanthren, Gußivt Chrysen, CjgHjjj, Picen, C22H14 (drei Homologe des Naphtalin mit 3, 4
.
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resp. 5 verbundenen ßenzolringen), Fluoren, Ci3Hi0, oder
C6H4 Diphenylenmethan, ^ gt;CH2, Fluoranthen, C15H10, oder
CCH4 gt;raquo;CH2, Pyren, C16H10, oder
CH-CA
ilnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I
CH-C6H
CH—C6H,-CH
CH-CA-
-CH
An Phenolen sind nachgewiesen die Dimethyläther der Pyrogallussäure, €^3(0.CH3)2OH(l,2,3), der Methylpyrogallus-säure und der Propylpyrogallussäure.
Von N-haltigen Substanzen Anilin, C6H5(NH2), To-
luidine, C6H4lt;^) Pyn-o^ C4HgN, oder Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;' gt;NH.
2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; CH=CH
Die Unterschiede in der Zusammensetzung der einzelnen Teersorten sind hauptsächlich quantitative.
Schweine auf der gesamten Körperoberfläche mit Teer überstrichen, zeigen nur unbedeutende, rasch vorübergehende Erscheinungen. Hunde und Schafe sind empfindlicher. Ein verräudeter Jagdhund starb 15 Tage nach zweimaligem Einteeren unter Krämpfen.
Symptome: Appetitverlust, starkes Zittern, Tem­peraturabfall um 2—3deg;, unregelmäfsiges Atmen, un-regelmäfsigen Herzschlag. Schmutzig brauner, Eiweifs und Karbolsäure enthaltender Urin, starke Sekretion der Speichel- und Thränendrüsen, Diarrhöe, Lähmung des Hinterteils, gekrümmte Haltung des Rückens, Muskelzuckungen.
Obduktion: Rötung und Schwellung der ge­samten Magendarmschleimhaut und kleine, hämorrha-gische Herde. Parenchymatöse Degeneration des Myo-kardiums, Lungenödem, Blutüberfüllung der grofsen Venen, intensive Verfettung der Leber und Niere.
Schafe verhielten sich ganz ebenso, nur fand sich bei der Obduktion die Schleimhaut des Intestinaltrak-tus weniger gerötet, aufserdem aber Ödem der Pia in
Tereg u. Arnold, Toxikologie.
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den Plexus des Hirns. Leber sehr feucht und blut­reich, Myokardium aufserordentlich blafs.
Eine Vergiftung von Rindern, welche geteerte Wände beleckt hatten, beschreibt Grofswendt. Die Tiere geiferten stark, zeigten keinen Appetit, waren niedergeschlagen, matt, der Rücken gekrümmt. Atmen angestrengt, Harn dunkel gefärbt, Milchsekretion ver­mindert, schwarzer, breiiger Mist, Schwäche im Hinter­teil. Eine Kuh starb nach 15 Tagen, die anderen ge­nasen. — Ein Rind, welches von dem auf eine Wiese geleiteten Gaswasser getrunken hatte, wurde stöhnend und gelähmt aufgefunden. Respiration erschwert, mit geöffnetem Maul ausgeführt. Der schaumige Speichel durch Teerbestandteile schwarzgrau gefärbt. Schleim­haut sämtlicher Magenabteilungen ebenfalls geschwärzt. — Zwei von der Weide zurückkehrende Kühe hatten aus einem im Hofe befindlichen Kessel dünnflüssigen Teer aufgenommen. Zwei Tage darauf sah G ü c k e 1 die Tiere, welche stark geiferten, die Augen verdrehen und am Boden lagen. Die am stärksten erkrankte wurde aufgerichtet, worauf dieselbe grofse Unruhe zeigte, mit zurückgebogenem Kopf brüllte, angestrengt atmete, mit dem Hinterteil schwankte und nach 20 Minuten ver­endete. Die andere Kuh starb bald nachher.
Bu£s.
Der Rufs enthält dieselben Produkte der trockenen Destillation wie der Teer, nur in viel geringerer Kon­zentration. Auf den mit Rufs gedüngten Feldern hat man nichtsdestoweniger Vergiftung von Weideschafen beobachtet. Symptome: Lähmung, Dyspnöe, Ver­stopfung; Mageninhalt schwarz.
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3. Erbrechen, Durchfall, fihrilläre Zuckungenraquo; klonische Krämpfe, Lähmung.
Pyridin, Pfeffer, Piperidin, Nikotin/
Fyridin und dessen Homologe.
Unter den Zersetzungsprodukten, welche bei Fäul­nis eiweifshaltiger Substanzen auftreten, finden sich Derivate der aromatischen Reihe, welche sich von dem Pyridin ableiten. Die ersten Glieder desselben sind, aufser bei trockener Destillation animalischer Sub­stanzen, aus Fäulnisgemischen allerdings noch nicht isoliert worden, wohl aber einige der höheren Homo­loge des Pyridin. Ihrer toxikologischen Verwandtschaft mit einigen Alkaloiden wegen stellen wir sie den letzteren hierher gehörigen voran. Die Besprechung der gene­tisch mit ihnen gleichwertigen, N-haltigen, einfacheren Fäulnisprodukte erfolgt in Abschnitt VJH.
Pyridin, CsHgN, kann als essigsaures Salz in 5 pCt. wässeriger Lösung Hunden in täglichen Quantitäten von 1 g Wochen hindurch beigebracht werden, ohne andere Erschei­nungen hervorzurufen, als hier und da Erbrechen und Durch­fälle, die nach reichlicher Verabfolgung von Knochen ausbleiben. W. H i s verfütterte auf diese Weise 35 g, von welcher Quantität 8—9 g als Cl-Salz einer Pyridylammoniumbase wiedergewonnen wurden: CgHVN — CH3.CI. — Bei Rana csculenta ruft 0,03 g Pyridin nach wenigen Minuten fibrilläre Zuckungen (direkte Erregung der Muskulatur), unfreiwillige Hüpfbewegungen und totalen Tetanus (medulläre und spinale Erregung) in rascher Folge, dann Lähmung hervor, welche bedingt wird durch eine rasch zunehmende Erregbarkeitsverminderung der leitenden Nerven, bei anfangs erhaltener Muskelirritabilität. Bei Rana temporaria entwickeln sich die Zuckungen erst nach 1—2 Stun­den. Die Endigungen der herzhemmenden Nerven werden nicht gelähmt, erst wenn das Tier dem Tode nahe ist, bewirkt die Vagusreizung keinen Stillstand mehr. Bei Anwendung grofserer Dosen läfst sich übrigens auch Lähmung des Herzens selbst beobachten. Nach 24 Stunden sind an den roton Blut-
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körperohen ähnliche Verändorungen zu konstatieren, wie nach Intoxikation mit Ammoniak. Die Wirkungen der Hexahydro-verbindung (Piperidin) sind denen des Pyridin analog (Herz).
Pikolin, C6H7N.
Lutidin, C7H9N. Beide wirken ähnlich wie Pyridin. Mit Erhöhung des Siedepunktes nimmt auch die toxische Wirkung zu.
Co 1 lid in, CgHuN, von Nencki zuerst isoliert und von
ihm als Isophenylaethylamin, C6H5 — CHlt;gt;tit3, betrachtet.
Es scheint sich nur durch Fäulnis eines Gemisches von Gela­tine mit Einderpankreas zu bilden. Ein Dihydrocollidin, CSH13N, isolierten die nachstehend genannten Autoren aus dem letzten Chloroformextrakte faulender Makrelen und faulen Pferdefleisches. Es tötet zu 7 Mg. einen Vogel unter tetanischen Krämpfen.
Parvolin, CgHjgN, von Gautier und Etard aus faulen­dem Fleisch und faulenden Makrelen dargestellt.
Corindin, CjoH^N, von Guareschi und Mosso aus faulendem Fibrin, von Oechsner de Coninck aus faulen Seepolypen gewonnen. Wirkt ebenfalls lähmend.
Hydrocorindin, GioHj^N, von Griffiths aus Rein­kulturen der Bacterium Allii (Ursache der Zwiebelfäule) auf Agarpepton isoliert.
Pfeffer, Piperidin.
Die Früchte von Piper nigrum (L. II, 1, Piperaceae) ent­halten Chavicin, Pip er in, ein scharfes Harz und wenig äthe­risches 01. Das Piperin, CnH19N03, spaltet sich bei Behand­lung mit alkoholischer Kalilauge in Piperinsäure, C12Hi0O4, oder
C H -— O^* 2
' 3quot;CH=CH—CH=CH-CO0H, und Piperidin, C5HnN, oder
H2C CH2
H2C CH2
\ /
N
H
Über die Wirkung des Piperin liegen Selbstversuche von
J. C. Neumann vor, welcher 2,5 g einnahm. Er bemerkte
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nur ein brennendes und prickelndes Gefühl an Händen und Füfsen. Im Organismus zerfällt Piperin in Piperidinsäure, welche unwirksam ist (Buch heim), und Pip er id in, welches ähnlich wie Pyridin, auf Frösche nach initialer Erregung, Herabsetzung der Erregbarkeit der motorischen Nerven, läh­mend wirkt (Herz). Buchheim sieht in dem Piperin den Hauptgrund der scharfen Wirkung des Pfeffers, an der noch eine zweite Base, das Chavicin, partizipieren soll. Wood vertritt die Ansicht, dafs reines Piperin wirkungslos ist. Der­selbe bezieht die entzündungserregcnden Eigenschaften, wie solche nach Subkutaninjoktionen beobachtet wurden, auf nicht genügende Reinigung von anhaftendem Harz. Reines Piperin besitzt weder Geruch noch Geschmack.
Einige Vergiftungsfälle durch Pfeffer sind bei Schweinen konstatiert worden. Ebersbach berichtet über einen Fall, in welchem 3 Schweine (7—8 Monate alt) je ca. 8 g gepulverten Pfeffer mit Milch erhalten hatten, worauf sie alle in einigen Stunden unter Erscheinungen von Magen- und Darmentzündung erkrankten. Zwei davon starben. Obduktion ergab Gastroen­teritis.
Nachweis: Botanisch. Reaktion des Piperin, mit kon­zentrierter Schwefelsäure Rotfärbung zu geben, vielleicht ge­legentlich zu verwerten.
Behandlung: Rein symptomatisch.
Nicotiana.
Vergiftungen durch Tabakwaschungen mit dem Dokokt oder durch Aufnahme der frischen oder welken Blätter der angebauten Sorten Nicotiana rustica, Veil­chen oder Bauerntabak, N. tabacum, virginischer T., N. macrophylla Maryland - T. (L. V. 1, Solanaceae), gehören nicht zu den Seltenheiten, während Intoxika­tionen durch den hauptsächlich wirkenden Bestandteil, das Nikotin, bei Tieren nur auf experimentellen Wegen bisher erzeugt wurden.
Aufser Nikotin sind als Bestandteile der Blätter bekannt:
Chinasäure, C;^.^^ Hexahydrotetraoxybenzoesäure,
C6H(H6)#9632;!gt;gt;,,-,Ar, Gallussäure, C7H60g, Trioxybenzoesäure,
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C6H2|
COok' Melilotsäure, C9 Hi0 O3, Hy drokumarsäure,
C6H4lt;ch2 —CH2 —COOHU)' AsParagin. C4H8N203, Amido-
succinaminsäure, CH(NH2)-COOH
Bemsteinsaure, CH2 — CO.NH2, C4H604, Äthylendikarbon-CH2—COOH
SäUre' CH.-COOH
Der G-ehalt an Mineralbestandteilen ist sehr bedeutend (14—26 pCt. der Trockensubstanz), besondersKaliumsalze(Nitrate, Phosphate), vertreten Ceride, von Eicciardi nachgewiesen.
Das Nikotin C10H14N2, ein Dipyridylderivat (von F. Blau bestritten), geht durch Oxydation in Nikotin­säure, eine /?-Pyridinmonokarbonsäure über. Die Kon­stitution des Nikotins wird nach Beil stein und Pinner durch die Formel ausgedrückt:
H H C C —C2H5 /\ / \ HC C CH2
1 II 1 HC C CH2
\ /\ / N N H
Das reine Nikotin ist eine farblose, stark basische, hygroskopische Flüssigkeit von starkem Tabakgeruch und scharfem, lange anhaltenden Geschmack, welche unter 100deg; verdampft, bei 146deg; sich langsam vollstän­dig verflüchtigt. Dreht links. Bräunt sich bei Auf­bewahren und verharzt. In Wasser, Alkohol und Äther ist es in jedem Verhältnis mischbar. Von den Salzen des Nikotins krystallisiert am besten das Nico-tinum bitartaricum (mit 32,5 pCt. Nikotin, Merck). Neben leichter Löslichkeit zeichnet sich das Präparat durch Haltbarkeit aus.
Nikotin und seine Salze sind Fäulnisprozessen gegen­über sehr resistent. Erwärmt man nach Palm Nikotin
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mit sehi* wenig Salzsäure gelinde, so entsteht eine vio­lette Färbung, welche auf Zusatz von wenig konzen­trierter Salpetersäure oder Metaphosphorsäure in inten­sives Orange übergeht. Chrotnsäurekrystalle oxydieren Nikotin unter Verglimmen, wobei Tabaksgeruch auftritt.
Letale Dosis. Die Giftwirkung des Nikotins erstreckt sich auf alle Tierklassen, die Empfindlichkeit ist aber nicht bei allen dieselbe. Milben gehen in 1,5 pCt, Tabaksabkochung nach 25—35 Minuten zu Grunde (G. Müller). Frösche sterben nach 10 Mg. in 17 Minuten, bei subkutaner Anwendung derselben Dosis nach ca. fünf Minuten. Kleine Vögel gehen schon durch blofse Annäherung eines in Nikotin ge­tauchten Glasstabes an ihren Schnabel, Tauben nach 35 Mg. in 31/2 Minuten zu Grunde. Katzen erliegen Nikotin schneller als Kaninchen und Hunde (Wachen-feld und a.). Kaninchen sterben nach 1U Tropfen ('Ao Tropfen subkutan p. KK.), Hunde nach 1/2—2 Tropfen, Katzen nach Vtlaquo; Tropfen p. KK. subkutan. Ein Pferd vermochteVandenbroeck mit 8 ccm Nikotin inner­lich in 41/2 Minuten zu töten.
Nach übereinstimmenden Angaben verschiedener Untersucher wirkt das Gift vom Tractus intestinalis schneller als nach Subkutaninjektion. Berutti und Vella konstatierten bei gleichen Dosen Tod der Ver­suchskaninchen bei Applikation in die Halsvene in 80, in die Trachea nach 110, in die Maulhöhle nach 120, in das Rektum nach 220, in die Urethra nach 235 Sekunden, in den Conjunctivalsack (heftige schmerz­hafte Conjunctivitis) nach fünf, in die Subcutis nach 11 Minuten. Von der Haut aus kommen ebenfalls All-gemeinwirkungen zu stände, aber langsamer noch, als von der Subcutis aus.
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Die Symptome erinnern in mancher Beziehung an die des Pyridin und seiner Derivate, speziell des Pilo-carpin, nur mit dem Unterschiede, dafs die muscarin-ähnliche Einwirkung auf die Drüsen beim Nikotin zurücktritt. Bei beiden betrifft die Wirkung sowohl das centrale Nervensystem, als auch eine Anzahl peri-pher gelegener Apparate.
Von den nervösen Centralorganen wird vorzugs­weise die Medulla oblongata, aber auch Gehirn und Eückenmarck ergriffen. Die Affektion besteht in einer anfänglichen Erregung, die sich in Krämpfen äufsert, nach welchen sich dann ziemlich rasch eine Lähmung des Hirn- und Rückenmarks (Verlust der willkürlichen und reflektorischen Bewegung), der Muskulatur (Ver­minderung der direkten Erregbarkeit) einstellt. Bei Säugetieren kommt noch die Reizung des Respirations­und Gefäfsnervencentrums hinzu, welche sehr bald in Lähmung umschlägt. Bei Kaltblütern tritt Respirations­lähmung fast unmittelbar ein.
Die Wirkung auf periphere Nervenapparate im Darm, in den Drüsen und der Iris besteht in einer Erregung. Die Nervenendigungen in den willkürlichen Muskeln findet man durch Nikotin anfänglich gereizt (Muskelflimmern), dann paralysiert, eine Wirkung, die dem Pilokarpin abgeht.
Im Herzen werden die Endigungen der Vagus­fasern — nicht die eigentlichen Hemmungsvorrichtungen — erst erregt (vorübergehender diastolischer Stillstand), kurz darauf gelähmt. Die Herzthätigkeit überdauert bei Fröschen längere, bei Warmblütern nur kurze Zeit die Respirationslähmung.
An der Kana esculenta gestaltet sich die Reihenfolge der Erscheinungen bei Nikotinvergiftung etwa in folgender Weise:
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Heftige Aufregung und Unruhe, starke, fibrilläre Muskel­zuckungen, endlich charakteristische klonische Krämpfe, welche Pa 1 cku.Wachenfeld 1848 zuerst beschrieben haben. Die Vor­derbeine sind nach hinten geschlagen, liegen dem Thorax fest an, während die Hinterbeine spastisch gegen den Eücken gezogen sind, so zwar, dafs die Oberschenkel rechtwinklig vom Körper abstehen, die Unterschenkel in flektierter Stellung auf dem Kücken gekreuzt. Der Kopf ist nach unten geneigt, die Atmung hört auf und das Lähmungsstadium schliefst sich an.
Bei der Kana temporaria beobachtet man gewöhnlich gar keinen Krampf koordinierter Muskelgruppen. Nur fibrilläre Muskelzuckungen sind vorhanden, mit deren Beendigung sich sofort Paralyse einstellt.
Nach wiederholter Einführung toxischer Gaben fehlen nicht allein hei Eskulenten, sondern auch bei Warmblütern die charakteristischen Krämpfe. Ferner wirken bei letzteren kleine Dosen nach kurz vorher überstandener starker Dose sehr intensiv, während durch allmähliche Steigerung eine Gewöhnung bis zu zwei Tropfen beim Kaninchen in 14 Tagen zu erzielen ist (Aurep).
Bei Pferden traten nach 0,05 g subkutan leichte Vergiftungserscheinungen, Zittern, Zuckungen, Tau­meln, Schwäche ein, ohne dafs diarrhöische Entleerungen folgten (Ellenberger). 1—8 kg frische Tabaks­blätter*), in Pillen und Latwerge beigebracht, bewirk­ten nur Arythmie des Herzens und Pulsverlangsamung, Appetitverlust und reichliche Urinentleerung. 1 kg Prefs-saft hatte aufserdem häufigeren Kotabsatz zur Folge. Trockenes, pulverisiertes Kraut innerlich bis zu 750 g als Tagesdosis, führte ebenfalls noch nicht zu bedroh­lichen Vergiftungserscheinungen (Myosis beobachtet),
*) In frischen, im Juli gesammelten Blättern von Nico-tiana tabacum fand Schoonbroodt 0,8 pCt. Nikotin. Der Alkaloidgehalt der getrockneten Handelsware schwankt zwi­schen 2—8 pCt.
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ebensowenig ein Infus von 90 g als Klysma, dessen einziger Erfolg in mehrmaliger Kot- und Urinentlee­rung gipfelte. Erst durch intravenöse Injektion von 6,0 g eines Infus, aus 15 g trockenen Blättern mit 180 g heilsem Wasser hergestellt, entstand sofort heftigste Dyspnöe, das Pferd taumelte, stürzte, erhob sich zwar, iiel aber sogleich wieder zu Boden. Pochender, fre­quenter Herzschlag, krampfhafte Kontraktionen der Bauchmuskeln, Neigung zum Erbrechen. Nach 10 Mi­nuten stand das Pferd auf; zweitägiger Appetitverlust, keine Nachwehen. Pupille, Defäkation unverändert (Hertwig).
An Rinder verabreichte Hertwig bis 130 g trockene Blätter, ohne dafs andere als mäfsige Intoxi­kationserscheinungen (Temperaturerhöhung, Dyspnöe, Kälte der Hörner, Ohren und Füfse, mäfsige Erweite­rung der Pupillen und heftiger Schweifs, Appetitver­lust) auftraten. Ein Ochse verzehrte 2 kg trockene Blätter von Landtabak. Bald darauf zeigte er grofse Unruhe, Zähneknirschen, Stöhnen, Auftreibung des Leibes, legte sich mit ausgestreckten Beinen nieder und bekam Diarrhöe. Der Nasenspiegel und die Haut wur­den kalt. Maul heifs, schleimig und es traten Zuckungen ein. Von Zeit zu Zeit stand das Tier auf, trippelte mit den Beinen und stöhnte. Unter Konvulsionen er­folgte 11 Stunden später der Tod. Im Wanst war die Schleimhaut, da wo die Blätter gelegen hatten, mit kleinen Erosionen versehen; im Leerdarm ebenfalls Rötung, übrige Schleimhaut blafs, Blut sehr dunkel.
Eine Versuchsziege von Hertwig wurde durch 30 g getrockneten Tabak in 10 Stunden getötet.
Schweine erbrechen.
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Ein Hund starb binnen 10 Minuten nach einem per anum applizierten Infus aus 4 g Tabak. Die Hälfte der Dosis bewirkt aufser den Allgemeinerschei­nungen (heftige Konvulsionen mit vorherrschendem Opisthotonus, Krampf des Retractor bulbi, so dafs die Nickhaut das Auge bedeckt etc.), heftiges, wiederholtes Erbrechen und diarrhöische Entleerungen.
Auf der unverletzten Haut wirkt Tabak örtlich reizend, erzeugt Jucken, Rötung und durch Resorp­tion Allgemeinwii-kungen, welche häufig genug zum Tode führen.
Hunde, ebenso Schafe, vertragen 1li—1/2 Stunde dauernde Bäder von starken Dekokten (5—8 pCt.) ohne schwere Intoxikation.
Ein Pferd liefs Ger lach in 48 Stunden zweimal mit einem 8 pCt. Dekokt über den ganzen Körper waschen. Nach der ersten Wäsche, war nichts zu be­merken, nach der zweiten zeigte sich vorübergehend Zittern und Verlangsamung des Pulses von 40 auf 28 p. M. Kaninchen sterben nach Waschung mit einem Dekokt derselben Konzentration in drei Stunden.
Zwei junge Rinder wurden mit 4,6 1 Tabaksbrühe gewaschen, die aus einer Cigarrenfabrik entnommen war und im Liter ca. 50 g Nikotin enthielt. Nach einer Stunde waren beide tot (Fabricius), ein Paradigma für ungezählte Fälle ähnlicher Art. Bei der Obduk­tion einer nach Waschen mit Tabaksbeize vergifteten Kuh fand Eppele auf dem Pansen und Labschleim­haut Erosionen etc. Lydtin erwähnt, dafs nach dem Genufs zweier, aus derselben Veranlassung geschlach­teten Kälbern keinerlei Nachteile sich herausstellten.
Mehrere Truthühner, in deren Stalle Tabaksblätter getrocknet wurden, starben nacheinander unter den
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Symptomen der Trunkenheit. Der Gang war schwan­kend, der Kopf schwer, die Flügel gelähmt.
Behandlung. Bei endermatischer Intoxikation ist sofortiges gründliches Abwaschen mit lauwarmem Wasser unbedingt geboten, innerliche Anwendung von gerbsäurehaltigen Substanzen auch in diesen Fällen (Ab­lecken) angezeigt, namentlich Kaffeeinfus. Die Gerb­säure, welche das Nikotin noch in 3000facher Ver­dünnung als gelblich weifse, in Salzsäure lösliche Fäl­lung ausscheidet, beeinträchtigt die toxische Wirkung des im Tractus intestinalis vorhandenen Giftes in er­heblichstem Mafse. Gerlach gab Kaninchen Nikotin-tannat in 10—12 fach tödlicher Dosis der freien Base, ohne überhaupt ein Symptom der Intoxikation zu er­zielen. Analog wirkt Jodjodkaliumlösung. Als direktes Antidot wäre bei den nahen Beziehungen zwischen Pilo-carpin und Nikotin Atropin mit Aussicht auf Erfolg anzuwenden. Unter Umständen liegt die Indikation für die Ausführung des Pansenschnittes vor (nach Verzehren von frischem oder trockenem Tabak).
Der Nachweis läfst sich in den meisten Fällen ohne Schwierigkeit durch Okularinspektion der Ingesta und durch den Geruch führen. Im Bedarfsfall wird das schwefelsaure Extrakt der zu untersuchenden Or­gane (Blut, Leber, Hirn, Nieren), nach der Ausschütte-lung mit Benzin mit NH3 versetzt und mit Petroläther ausgeschüttelt. Dieser nimmt das Alkaloid auf und hinterläfst es auf einem mit HC1 befeuchteten Uhr-schälchen als salzsaures Salz, welches durch den Frosch­versuch und durch chemische Reaktionen erkannt wird. Auch kleinere Vögel können zum Nachweis benutzt werden, v. Praag vermochte durch das Blut eines mit Nikotin vergifteten Hundes bei einem Finken Wanken
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und keuchende Atmung hervorzurufen. Seine Versuchs­tiere erholten sich stets, wenn vermehrte Diurese ein­trat. Dieser Indikation wird genügt durch Verwen­dung reichlicher Mengen warmen Wassers zur Lösung des Tannin etc.
3. Speicheln, Erbrechen, Diarrhöe, Diurese, Tremor, allgemeine Paralyse.
Pilocarpus, Cytisus, Ulex. Pilocarpus.
Die von Pilocarpus pennatifolius (Rutaceae) her­stammenden offizinellen Folia Jaborandi bergen neben ätherischem Öl (Pilokarpen) eine Anzahl Alkaloide, von denen nur das fast ausschliefslich in der Tierheilkunde gebrauchte Puocarpin toxikologisch in Betracht kommt.
Jaboridin, CjoH^NaOa, (Harnack) entsteht durch Oxy­dation des Pilocarpin, wirkt etwas schwächer, aber sonst ana­log dem
J a b o i- i n, CuHuNjOg (?). Diese Base, welche nach C h a s -taing dem Pilocarpin isomer sein soll, besitzt ausgesprochene Atropinwirkung (Lähmung der Hemmungscentren des Herzens und Aufhebung des Muscarinstillstandes, mäfsige Erweiterung der Pupille). Das Jaborin verdankt wesentlich seine Ent­stehung einer Oxydation des Pilocarpin beim Eindampfen der Jaborandiextrakte in saurer Lösung und bedingt durch seine Anwesenheit im Handels-Pilocarpin die zum Teil widersprechen­den Versuchsresultate. In chemischer Hinsicht unterscheidet sich Jaborin vom Pilocarpin durch die Unfähigkeit, zu krystalli-sieren, sowie durch leichtere Löslichkeit in Äther und geringere Löslichkeit in Wasser. — Ein Pilocarpinsalz, welches den durch Muscarin bedingten diastolischen Herzstillstand aufhebt, ist sicher Jaborin-haltig.
Pilocarpidin, C10Hi4N2O2, ist seiner Konstitution nach jS-Pyridin-K-dimethylamidopropionsäure (Hardy und Cal-mels), d. h.:
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H
Cnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; CH3
/ W
HC C--------C-Nlt;2S3
HC CHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;COOH
x t N
Diese Base steht dem Pilocorpin sehr nahe. Die ein­fachen Salze sind im Wasser ungemein leicht löslich, das Chlorid und Sulfat sogar sehr zerfliefslich, während das Nitrat riesige, dem Salpeter ähnliche Krystalle bildet. Eine leichte Trennung von den Pilocarpinsalzen ermöglicht der Umstand, dafs die Salze des Pilocarpidins in wässeriger Lösung durch Gold­chlorid nicht gefällt werden, die des Pilocarpins dagegen leicht.
Das Pilocarpidin wirkt ebenso wie letzteres, nur im allge­meinen beträchtlich schwächer, bei Katzen wirken beide jedoch gleich. Die Vergiftungserscheinungen junger Tiere waren nach je 0,01 g der beiden Basen völlig identisch, und würde der Tod bei den Versuchstieren gleichzeitig eingetreten sein, wenn nicht durch 0,002 g Atropin (subkutan) nach wenigen Minuten völlige Wiederherstellung stattgefunden hätte. Kanin­chen verhalten sich durchaus anders. Während €,1 g Pilocarpin bei mittelgrofsen Exemplaren eine schwere Vergiftung erzeugt und den Tod durch Lungenödem herbeiführt, konnte E. Har-nack 0,5 g Pilocarpidin subkutan und 0,3 g intravenös in­jizieren, wonach aufser Salivation und häufigeren Kotentleerungen keine Intoxikationserscheinung auftrat. Auch auf Frösche wirkt Pilocarpidin schwächer, letal erst bei 0,6—1,0 g p. KK.
Pilocarpin, CüH^^O^ das wichtigste, der Jabo-randi-Alkaloide, unterscheidet sich von dem vorigen durch ein Plus von CH2. Pilocarpin zersetzt sich län­gere Zeit mit Wasser erhitzt in /?-Pyridin-laquo;-Milchsäure und Trimethylamin. Die Konstitutionsformel ist daher: H
HC C------------C-N^CHs
11 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;11 CH,
HC CHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;COO
\ /
N
Pilocarpin krystallisiert schwer und bildet ge­wöhnlich eine farblose, amorphe, zähe Masse, die in allen
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Lösungsmitteln löslich ist. E. Merck liefert garantiert Jaborin-freie Präparate. Die Salze sind, mit Ausnahme des Phosphats, Acetats und Salicylats leicht löslich. Mit Schwefelsäure und Kaliumbichromat giebt P. in­tensive Grrünfärbung.
Die Wirkung läfst sich erklären als eine Kombi­nation jener des Muscarins und Pyridins, wobei jedoch gewisse Abweichungen auftreten, welche für den prin­zipiellen Unterschied zwischen Muscarin und Pilo-carpin-Intoxikation von Bedeutung sind.
Bei Fröschen bringen 0,5—2,0 Mg. Pilocarpin inji­ziert, in kurzer Zeit einen 1/2—2 Minuten andauernden, diastolischen Herzstillstand zu Wege, welcher durch Atro-pin sofort aufgehoben wird; durch gröfsere Dosen wird, wie durch Pyridin, das Herz selbst gelähmt. Am Säuge­tierherz lassen sich zwei Stadien unterscheiden, initiale Pulsverlangsamung und mäfsiges Absinken des Blut­druckes durch Erregung der Vagusenden, nach gröfseren Dosen ein zweites Stadium, in welchem die Endigungen der herzhemmenden Vagusfasern gelähmt werden. Vagusreizung bleibt dann erfolglos. Trotzdem sieht man keine Beschleunigung der Herzthätigkeit ein­treten; die langsame Herzaktion dauert vielmehr an, erlischt aber sofort unter Muscarinwirkung, ein Be­weis, dafs die eigentlichen Hemmungsapparate des Herzens bis dahin erregbar geblieben und nur die Übertragbarkeit des Keizes vom Vagusstamme auf die letzteren aufgehoben war. Gleichzeitig findet im zwei­ten Stadium auch eine Lähmung des Gefafscentrums statt (Erstickung erzeugt keine Blutdrucksteigerung). Ferner bedingt Pilocarpin eine Myosis durch Oculo-motorius-Erregung (Sympathicusreizung bewirkt vor­übergehende Dilatation). Die Steigerung der Peri-
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staltik beruht, analog der nach Muscarin eintretenden, auf einer Erregung der Darmganglien, da nach Atropin, welches die betreffenden Ganglien lähmt, der Darm­krampf ausbleibt resp. aufgehoben wird. Sämtliche Sekretionen nehmen durch Reizung der centralen und peripheren Sekretionscentren derart zu, dafs die Kräfte des Tieres bei der gleichzeitig eintretenden Respirations­störung immer weniger genügen, um die Flüssigkeits-massen, welche die Atmungswege erfüllen, hinauszu­befördern, so dafs schliefslich Erstickung infolge von akutem Lungenödem eintritt.
Der Einflufs des Pilocarpin auf die motorische Sphäre des Centralnervensystems erinnert ganz und gar an die Pyridinwirkung, welche sich auch in dem differierenden Verhalten von Rana esculenta und tem-poraria äufsert. Die bekannten Erscheinungen (cf. Pyridin) entwickeln sich im ganzen langsam, oft erst im Verlauf einiger Tage, ausgesprochen erst nach gröfsten Dosen (10—15 Mg.).
Die tödliche Gabe stellt sich bei subkutaner In­jektion p. KK. für Hunde auf 0,01 g (bei wiederholter Applikation geringerer Dosen findet auch rasche Ge­wöhnung für letale statt); Katzen sterben nach 0,02 g, Kaninchen erst nacli 0,04 g p. KK. Aufser Saliva­tion etc. zeigt sich bei Hunden oft blutige Diarrhöe, Erbrechen; vor dem Tode Tremor und allgemeine Pa­ralyse, selten Krampf und Verlust des Bewufstseins. Die Temperatur sinkt bis zum Tode. Obduktion: Bei Hunden intensive, hämorrhagische Gastroenteritis, bei Katzen und Meerschweinchen nur unbedeutende Injektion im Traktus, bei allen konstant Lungenödem, an welchem auch Pferde apoplektisch zu Grunde gehen können. Die minimal letale Dosis scheint für Pferde
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tei 0,003 g, für Rinder bei 0,004—5 g p. KK. zu liegen. Sicherlich spielt die Reinheit des Präparats eine grofse Rolle insofern, als Jaborin- und Pilocarpi-din-haltiges Material gröfsere Dosen erfordert. Lies sah ein Pferd nach 1,0 g sterben. Nach 0,7 g beobach­tete Dette innerhalb drei Stunden plötzliches Zu­sammenstürzen, Abfliefsen schaumiger Flüssigkeit aus den Nasenöffnungen, schwere Dyspnöe und tobsucht­artige Anfälle (Pyridinkrämpfe). Das Pferd wurde getötet! Schwarzmai er hatte 0,8 g einem Pferd in ein Blutgefäfs injiziert. Es traten dieselben Erschei­nungen auf, wie im vorigen Falle, sie wurden aber rasch und dauernd durch 0,15 g Atropin beseitigt. Eine Kuh mit subakuter Gehirnentzündung hatte 2,0 g erhalten. Aufser Dyspnöe, frequentem Herzschlag wurden nach­teilige Folgen nicht konstatiert (Bassert).
Ein sicheres Gegenmittel bei Pilocarpinvergif-tung ist im Atropin gegeben, welches ebenso prompt wie bei Muscarin-Intoxikation wirkt. Die maximalen thera­peutischen Dosen des Atropin reichen vollständig aus. Überschreitungen sind statthaft. Genau wie Atropin, eher noch vorteilhafter, wirkt Hyoscin.
Der Nachweis ist nach den allgemein gültigen Regeln durch Reindarstellung und weiterhin durch die physiologische und die oben angegebene Farbenreak­tion sicher zu stellen. Beim Erhitzen mit Alkalien liefert Pilokarpin Trimethylamin (am Geruch zu er­kennen).
Cytisus. Von den Cytisusarten (Papilionaceae, L. XVII, 6) befand Cornevin unschädlich den Cytisus capitatus und sessilifolius (letzterer nach Marme. giftig); als
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 21
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schwach giftig haben sich nach Cornevin C. supinus und nigricans (letzterer nach M a r m d unschädlich) er­wiesen, etwas stärker giftig ist C. elongatus, dagegen gehören C. alpinus, laburnum, purpureus, Weldeni und biflora zu den ausgesprochensten Giftgewächsen.
Die Pflanzen enthalten in allen Teilen Gift, am reichlichsten die Wurzelrinde, viel weniger das Holz, noch weniger Blätter und Hülsen. Als einzige Ursache der Giftwirkung ist anzusehen das Alkaloid.
C y ti s i n, C„H14NaO (P a r th e i 1), welches 1864 von Husemann und Marme entdeckt wurde. Weifse, strahlige Masse von bitterlichem und zugleich schwach kaustischem Geschmack ohne Geruch, schmilzt bei ]54,50. In Wasser und Alkohol in jedem Verhält­nis, in wasserfreiem Äther, Chloroform etc. so gut wie gar nicht löslich. Ähnlich verhalten sich die meisten Salze, von denen das salpetersaure am besten kiystallisiert. Ferri-salze geben Rotfärbung, welche durch Wasserstoffsuper­oxyd verschwindet; beim Erwärmen des Gemisches tritt Blaufärbung, auf Zusatz von Ammoniak Rotviolett auf. Durch diese Probe sind noch 0,05 Mg. nachweisbar. Mit konzentrierter Salpetersäure erwärmt, färbt sich die Lösung orangegelb. Gerbsäure fällt noch bei einer Konzentration von 1 :300, Jodjodkalium ebenfalls bei grofser Verdünnung dunkelrotbraun, Phospborwolfram-säure bei 1: 30 000. Alkalien geben keinen Nieder­schlag. B u c h k a und M a g a 1 h a e s fanden nach trocke­ner Destillation mit Natronkalk unter den Zer­setzungsprodukten Pyrrhol und Chinolin. Nach van de Moers soll dem Cytisin die molekulare Zusammen­setzung CnHnjNgO zukommen, während alle übrigen Untersucher das Molekül in obiger Weise schreiben. Als wahrscheinliche Konstitutionsformel ist vorzuschlagen:
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H,
H2
C
C
y \
/ \
Hj.C-
C C
CH2
H2C
h 6
6 (OH)
\ / \ ^
\ /
N
c
N
H
Ho
Bei subkutaner Einführung von Cytisinum nitri-cum beträgt die letale Dosis p. KK. für Ziegen 120 Mg., für Kaninchen 30—40 Mg., für Katzen 10—13 Mg., für Hunde 6—10 Mg., Tauben und Frösche sterbennach 3Mg. (Marme). — Cornevin, welcher mit Samen resp. Samenextrakten operierte, fand als töd-licbe Dosis der S a m e n p. KK., vom Magen aus, für das Pferd 0,5, (Tod nach 21/2 Stunden), den Esel 0,6, das Meerschweinchen 4,0, das Huhn 6,0, das Kaninchen 10,0 g. Letztere sind nur im Jugendzustand mit Samen zu ver­giften, ältere Tiere dagegen nicht. Der Grund liegt allem Anschein nach darin, dafs die Eesorption des Giftes und die Ausscheidung durch die Niere bei Erwachsenen sehr rasch erfolgen; Ähnliches gilt vom Schaf und von der Ziege. Letztere fressen spontan nicht unerhebliche Mengen von den giftigen Pflanzenteilen, dann halten sie mit einem Mal, wie vom Ekel erfafst, mit der Auf­nahme inne, ohne dafs weitere Vergiftungserscheinungen eintreten. Diese finden sich nur im Gefolge subku­taner Injektionen, und zwar bewirkt das heifs bereitete, wässerige Extrakt folgender Samenmengen p. KK. den Tod: Bei Schafen, Ziegen, Kaninchen 6,0, Meer­schweinchen, Tauben 3,5, Huhn, Ente 3,0, weifse Ratten 2,75, Hunde 2,0, Katzen 1,25, Pferd und Esel 0,6 g.
Wirkung. Bei Hunden erzeugen kleine Dosen (Extrakt von 0,3 g p. KK.) nach 3—4 Minuten Auf­regung, WUrgen(bei Pferden häufiges Gähnen), Zittern
21*
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in der Schulter und Kruppenmuskulatur, vorübergehende Steifheit der Extremitäten. Speichelflufs, Steigerung der Respiration und Körperwärme, später bald vorüberge­hende Schläfrigkeit. Nach l1/^—2 Stunden reichliche Harnentleerung und rasche Besserung.
Nach mittleren Graben (0,8 g Samenextrakt p. KK.) ist das Stadium der Aufregu ng sehr kurz. Sehr bald erfolgt anhaltende Betäubung und starkes Erbrechen (sowohl bei erhaltenen als durchschnitten Vagi).
Noch stärkere Gaben veranlassen sofortige Übel­keit, heftige Atmung, Mydriasis (in der Dyspnöe oft Myosis), Diurese, Krämpfe, auffälliges rythmisches Öffnen und Schliefsen der Kiefer, welches selbst das Aufhören des Herzschlages noch acht Minuten über­dauern kann. (Bei Pferden Schweifsausbruch bei Ein­tritt der Krämpfe.) 30—40 Minuten nach der Injektion schlägt die Dyspnöe in Respirationslähmung um und zwar infolge einer sich allmählich ausbreitenden Paralyse der peripheren Enden der motorischen Nerven. Die Muskulatur selbst bleibt unbeteiligt. Die anfänglich erhöhte Temperatur sinkt konstant bis zum Tode. Künstliche Atmung vermag selbst nach eingetretener kompleter Unerregbarkeit lebensrettend zu wirken, wenn andauernd (stundenlang) respiriert wird. Von den Herznerven werden die im Halsmark und Sympathicus verlaufenden Accelerantes, ebenso die Sinusganglien gelähmt. Nach eingetretenem Stillstand lösen elek­trische Reize meist wieder hythmische Pulsation aus. Die allgemeine, auch am Darm sich durch plötzliches Abblassen geltend machende Anämie und konsekutive, stürmische Peristaltik, welche auch nach vorhergehen­der Opiumwirkung nicht ausbleibt, beruht auf cen-traler Vasomotoren-Reizung. An isolierten Organen rindet keine Gefäfsvevengung statt.
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Brett teilt folgenden, bei einer Kuh beobachteten Vergiftungsfall durch C. laburnum mit. Unfähigkeit, sich zu erheben, Gliedmafsen partiell gelähmt, beson­ders die vorderen. Abdomen aufgetrieben. Milchsekre­tion vermindert. Auffällige Schläfrigkeit, Mydriasis, Flotzmaul heifs, trocken, Körpertemperatur erhöht. Nach 12 Stunden befand sich die Kuh wieder auf den Beinen; es bestanden Speichelflufs, Bi'echanstrengungen, Erschlaffung und bisweilen Zucken der Extremitäten­muskeln. Überköten, taumelnder Gang mit der Neigung, vorwärts zu fallen. Einige Stunden später war die Muskelschwäche überwunden, die ßrechbewegungen dauerten aber fort. Das Kauen vollzog sich ungestört; beim Versuch, den Bissen abzuschlingen, gelangte der­selbe meist jedoch sofort wieder vom Pharynx ins Maul zurück. Nach vier Tagen waren auch diese Symptome verschwunden.
Für die Behandlung ist das Tannin hier recht am Platze, in erster Linie allerdings Brechmittel. Die drohende Respirationsjmralyse zu überwinden, ist die künstliche Respiration in diesem Falle geeignet. Als Diureticum empfiehlt Cornevin 1 pCt. Lösung von Scillitin. In Anbetracht des Umstandes, dafs Cytisin erregend auf das verlängerte Mark wirkt, hat Cor­nevin Chloral als Anditot versucht und bei lange dauerndem Gebrauch dieses Mittels gute Erfolge erzielt.
Zum Nachweis schüttelt man das Cytisin mit Chloroform aus alkalischer Lösung aus und weist es durch die oben angedeuteten Reaktionen nach.
Da das Cytisin durch den Harn eliminiert wird, so kann es in demselben physiologisch durch Frosch­versuche nachgewiesen werden. In die Milch geht Cytisin ebenfalls über, obwohl in geringerer Menge als in den Harn. Radziwillowicz citiert einen Fall,
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wo durch die Milch einer mit Cytisus gefütterten Ziege Vergiftung eines Kindes zu stände kam. Die Musku­latur und die grofsen Drüsen vergifteter Tiere sind fast frei von dem Alkaloid, die nervösen Centralorgane enthalten relativ grofse Quantitäten davon.
Ulex.
In Ulex europaeus, europäischer Heckensame, ebenso in verschiedenen Genista-Arten, G. germanica, beide zu den Papi-lionaceen gehörig, kommt ein dem Cytisin isomeres Alkaloid vor, das
Ulexin, Cjjfl^NgO, welches nach van de Moers und Buchka mit Cytisin identisch ist.
Beide Pflanzengattungen werden hier und da als Schaf-und Ziegenfutter benutzt und von Landwirten (Graf Kospoth) der grofse Futterwert, namentlich des Ulex eur., hervorgehoben. Thatsächlich wird in Frankreich eine spät verholzende Ulexart als spezifisches Winterfutter unter dem Namen Ajonc kultiviert. In der Blütezeit schmeckt die Pflanze bitter. Die wegen der Stacheln gequetschten Blätter werden auch von Pferden gern verzehrt.
Vergiftungen durch Samen der Genista-Arten sind bisher nur bei Menschen vorgekommen. Bei Kühen hat, man nach Ginsterfütterung bitteren Geschmack der Milch konstatiert. Kraut und Blüten des deutschen Ginsters geben, zerkleinert und 24 Stunden in Wasser eingeweicht, eine Flüssigkeit, welche Kohlraupen vertilgt. Die Abkochung stand früher als Mittel gegen Wasserscheu im Ruf und wird auf dem Lande als ab­führendes Hausmittel noch heute mitunter benutzt.
4. Krämpfe, Curare-artige Lähmung.
Coniin, Nigella. Conium. Conium maeulatum (L. V. 2, Umbelliferae), ge­fleckter Schierling, Landschierling, Schwindelkraut, ent­hält in allen Teilen, wahrscheinlich an Apfelsäure ge­bunden , Coniin, C8H17N, ferner Conhydrin,
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C8H17NO, oder Pipericlyläthylalkin, C5H9. (CHOH.CH2CH3)NH, Pseudoconhy drin,
C8Iquot;I17NO, eine mit Conhydrin isomere, von diesem durch den höheren Siedepunkt 230—233deg; unterschie­dene Base, welche nach Ladenburg wahrscheinlich von einem Isopropylpiperidin abstammt und Me-thylconiin, CgH^N.
Die Alkaloide finden sieh am reichlichsten in den nicht ganz reifen Früchten (durchschnittlich 0,8 pCt.), vormindern sich aber bei fortschreitender Reife. Das frische Kraut (mit 0,05 bis 0,09 pCt., lufttrocken mit 0,26 pCt.) büfst längere Zeit nach dem Trocknen seinen Coniingehalt fast vollständig ein (Dra-gendorff, Close).
Das C o n i i n ist eine wasserhelle, ölartige, bei län­gerem Stehen an der Luft sich bräunlich färbende Flüssigkeit, die einen durchdringenden, an Mäuseharn erinnernden Geruch und unangenehmen, tabaksähnlichen Geschmack besitzt. Von kaltemWasser wird es reichlicher gelöst (zu 1 pCt.), als von warmem. Die wässerigen Lö­sungen reagieren stark alkalisch, die Reagenspapiere nehmen aber, da die Base flüchtig ist, nach einiger Zeit ihre ursprüngliche Farbe wieder an. Mit Alkohol, Äther etc. löst es sich leicht. Seine Konstitution ermittelte A. W. v. Hofmann. Derselbe erkannte Coniin als a-Propylpiperidin
H2
C
/ \
H2C CH2
H2C Clt;H
\ / CH2 — CH2 — CH3
N H
Ladenburg stellte dasselbe synthetisch dar, und
zwar sowohl rechtsdrehendes als linksdrehendes. Er-
steres ist mit dem Schierlings-Coniin identisch.
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Die H a u p t w i r k u n g des Coniin beruht auf einer curareartigen Lähmung der motorischen Nervenendi-gungen, gewöhnlich kombiniert mit einer kurzdauernden, sich in Form klonischer Krämpfe äufsernden Reizung und konsekutiven Lähmung der motorischen Centren. Das Bewufstsein bleibt anfangs intakt, erst später kommt es zu soporösen Erscheinungen. Pupille meist dilatiert. Die Herzthätigkeit überdauert den durch Lähmung der Atemmuskeln eintretenden Tod. Reines Coniin wirkt lokal reizend (Eiwcifskoagulation), die Salze dagegen nicht.
Am schnellsten gelangt Coniin, abgesehen von intra­venöser Injektion, von der Subcutis, sodann vom Gastro-intestinaltraktus aus zur Wirkung, bei Vögeln jedoch rascher nach Applikation per os, als nach subkutaner. Bei Karnivoren kommt es zu Vomiturition und Er­brechen. Die Vergiftungserscheinungen treten unge­mein rasch ein, nach einigen Sekunden oder Minuten, der Tod erfolgt in 21/2—50 Minuten.
Dosis to xica und letalis variieren nicht unbe­deutend, da das Coniin des Handels ein häufig zer­setztes, Ammoniakderivate enthaltendes Produkt ist. L. van Praag bezeichnet als die geringste tödliche Gabe beiHunden und Katzen 0,122, bei Kaninchen 0,0163, bei Fröschen 0,004 g. Nach Ih m s en wirken fünf Tropfen, indieJugularis eines Pferdes injiziert, toxisch, aber nicht letal; 30 Tropfen innerlich bleiben ganz ohne Wirkung, verursachten aber nach H e r t w i g von der Subcutis aus (mit 6 g Wasser verdünnt) nicht lebensgefährliche All­gemeinerscheinungen, an der Injektionsstelle Entzündung mit nachträglicher Verjauchung der Subcutis. Tauben sterben durch Vs Tropfen, Frösche nach 0,004 g. Kumu­lative Wirkung kommt dem Coniin nicht zu, vielmehr schwächt sich die Empfänglichkeit ab.
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Die Salze wirken ebenso wie die freie Base; nur in quantitativer Hinsicht bestehen Unterschiede. Mour-rut, welcher 1876 das Coniinum hydrobromicum in Frankreich in die Therapie einführte, vermochte erst durch 0,5-g dieses Salzes einem 7—8 kg schweren Hund zu töten, so dafs p. KK. ca. 0,06 g als tödliche Dose anzusehen sind (nach Fröhner 0,05). Beim erwachsenen Menschen treten erst nach 0,015 g des Salzes Schwindelgefuhl und unsicherer Gang ein.
Conhydrin besitzt schwachen Coniingerach, kiystalli-siert in perlmutterglänzenden Blättchen und geht durch Er­hitzen mit P2O5 im geschlossenen ßohr unter Wasserabspaltung in Coniin über. Wertheim erhielt aus 336 kg frischer Früchte neben 700 g reinem Coniin nur 40 g Conhydrin; 280 kg frischer Blüten lieferten 17 g davon. Dasselbe wirkte in Dosen, in denen daraus dargestelltes Coniin in 2—21/2 Minute tötet, auf Fringilla Chloris und Kaninchen nur vorübergehend giftig; 0,3 g bedingte bei letzteren einstündige Parese der Hinter­beine und Atembeschlcunigung.
Von Methylconii n (als HCl-Verbindung wurden Kanin­chen durch 0,012 g getötet. Grofse, toxische Dosen lähmen zuerst die peripheren Nerven, kleinere setzen die Reflexerregbarkeit des Rückenmarks herab (Brown und Fräser).
Von dem noch nicht abgeblühten Kraut sah Hert-wig in Dosen bis 1,5 kg. bei Rindern nur Aufblähung, Moiraud bei Pferden nach 1,7 kg keine sonderliche Beschwerde eintreten. Nach Schmidt starb ein Kalb nach Aufnahme von 3—4 kg frischen Krautes. 250 g des trockenen Krautes hatte 12 Stunden andauerndes Aufblähen und erschwertes Atmen zur Folge (H e r t -. w i g). Von dem ausgeprefsten Saft töteten 240 g einen mittelgrofsen Hund in ca. vier Stunden (Schlund unter­bunden, Orfila).
Über Vergiftung von zwei Ziegen durch Aufnahme der Conium enthaltenden Streu berichtet Noll. Tod von Schweinen sah H a u b n e r nach Genufs der Wurzel
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eintreten. Im allgemeinen sind spontane Vergiftungen selten, da die Pflanze gewöhnlich nicht im freien Feld und auf Wiesen wächst, sondern an Wegen, unbebauten Stellen etc.
Die Symptome entsprechen ganz dem oben skiz­zierten Bild. Die bei Wiederkäuern eintretende Auf­blähung, das erschwerte Atmen ist auf Wanstparese und beginnende Zwerchfelllähmung zu beziehen.
Bei Obduktionen findet man aufser den An­zeichen der SufFokation Injektionsröte, mehr oder we­niger zahlreiche Eckchymosen.
Behandlung. In erster Linie Zinkum oder Cuprum sulfuricum, welche emetisch wirken und gleich­zeitig, wie alle Salze der Schwermetalle, mit Coniin un­lösliche Verbindungen geben; Tannin, Aluminiumverbin-dungen, Argilla, Bolus, Alaun können ebenfalls benutzt werden. Wenn irgend' ausführbar, künstliche Respira­tion, schwarzer Kaffee.
Nachweis. Am leichtesten dürfte der Frosch­versuch auszuführen sein. Von Curare unterscheidet sich Coniin durch die bei vorsichtiger Dosierung stets zu­erst auftretenden Strychnin-ähnlichen Krämpfe, welche sehr bald der platzgreifenden Lähmung weichen. Die bei Warmblütern mitunter vorkommenden terminalen Erstickungskrämpfe bleiben beim Frosch konstant aus. Das in chemischer Beziehung dem Coniin ähnelnde Cadaverin (Leichenconiin) giebt die physiologische Reaktion nicht. — Mit Nitrobcnzol entsteht Blaufär­bung (Nikotin, Anilin bleiben ungefärbt, van Senns),
Aethusa. Über die Griffigkeit von Aethusa cynapium, Garten-gleifse, Hundspetersilie, Gartenschierling (L. V, 2,
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Umbelliferae) existieren verschiedene Ansichten. H u s e -mann erklärt die Pflanze für völlig ungiftig, während Robert nur bezweifelt, dafs sie ähnliche Erschei­nungen mache, wie Cicuta virosa. Verschiedene nega­tive Beobachtungsresultate sind vielleicht durch den nach dem Standort etc. wechselnden Gehalt an einer flüchtigen, nach Coniin und Nikotin riechenden Base (knoblauchähnlicher Geruch der Blätter beim Reiben) zu erklären, welche Walz aus dem Samen z. B. iso­liert hat*). Die positiv von Wegener bei Rindern, von Möbius bei Schweinen und von Orfila bei Hunden konstatierte Giftwirkung stimmt mit der des Coniin durchaus überein.
Drei Rinder hatten ca. 43 kg ausgejätete Aethusa cynapium erhalten (botanisch sicher bestimmt). Am folgenden Tage Appetitlosigkeit, starkes Geifern; am vierten Tage schwankender Gang, breiige, dunkel ge­färbte Dejektionen. Niedergestürzt, waren die Tiere nicht imstande, von selbst aufzustehen, und zeigten klonische Krämpfe der Bauchmuskeln, am fünften Tage Lähmung des Hinterteils. Nach scheinbarer Besserung fingen die Tiere zu stöhnen und furchtbar zu brüllen an, es traten heftige, tetanische Krämpfe ein, unter denen eine Kvih starb. Die beiden anderen wurden getötet.
*) Analoge Unterschiede in der Giftigkeit ein und der­selben Spezies sind bei verschiedenen anderen Umbelliferen nachgewiesen. So giebt Böhm an, dafs die Wurzeln von Cicuta virosa in einem trockenen Sommer weniger giftig wirken als sonst. Holmes hebt die Ungiftigkeit der schottischen Oenanthe crocata und des Conium maculatum hervor. Nach Husemann fand Christison die schottische Cicutawurzel im August unwirksam. Die Wurzeln von Sium latifolium sollen vor Johanni, das Kraut vor der Blüte von Rindern ohne Nachteil verzehrt werden dürfen.
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Der Verlauf ist mitunter viel weniger protrahiert. Zwei Schweine starben nach zwei Stunden, der Hund Orfilas, welchem 240 g ausgeprefster Saft beige­bracht und der Schlund unterbunden war, starb nach einer Stunde. Auch hier gingen die Lähmungserschei­nungen den Krämpfen voraus. Dafs Orfila Aethusa cynapium mit Conium maculatum verwechselt haben soll, wie von Harley z. B. zur Erklärung der diffe-renten Resultate annimmt, ist wohl sicher auszuschliefsen.
Chärophyllum.
Die Gattung Chärophyllum zählt zwei Repräsentanten, von welchen Giftwirkung sicher konstatiert ist, den Taumel-körbel, Ch. temulum (L. V, 2, Umbelliferae), und den knolligen Kurbel, Ch. bulbosura. Als Träger der giftigen Eigenschaften ist das
Chärophyllin anzusehen, eine flüchtige, N-haltige Base, deren in Wasser lösliche, aus Atherweingeist blättchenformig krystallisierendc Salze durch Gerbsäure flockig gefällt werden.
Von der aus den Früchtchen von Ch. bulb, gewonnenen Base töten 0,2 g des Sulfats eine Taube (Polstorff).
Durch Grenufs von Ch. tem. sind sowohl bei Kühen als bei Schweinen Intoxikationen vorgekommen. An drei Kühe war eine nicht unbedeutende Menge Kraut inkl. Wurzel verfüttert worden, worauf Appetitverlust, Tympanitis (bei einer Kuh Pro-laps der Rektalschleimhaut und Tencsmus), Eötung der Con-junktiva, Mydriasis, frequenter, unregelmäfsiger Puls, wenig fühlbarer Herzschlag, hochgradig dyspnöisches Atmen eintraten. Das am intensivsten erkrankteEind wurde geschlachtet. Oh'-duktionsbefund; fleckige Röte des Psalters, dunkle, diffuse Röte des Labmagens und Blutfülle in Lunge und Herz (Frey). Eine Schweineherde erhielt eine grofse Menge blühender, aus­gejäteter Pflanzen vorgeworfen. Der ganze Bestand zeigte Vergiftungssymptome: Appetitverlust, an den Hinterextremi­täten beginnende Paralyse, welche sich rasch bis zu totaler Bewegungsunfähigkeit steigerte, Reaktionslosigkeit der erwei­terten Pupille. Drei Stück gingen innerhalb 24 Stunden zu Grunde, ein viertes verendete einen halben Tag später, die übrigen genasen. Obduktion: Gastroenteritis hämorrhagica.
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Nigella.
Der Schwarzkümmel, Nigella (L. XIII, 2—7, Eanuncula-ceae, Gruppe der Helleboreae), kommt in verschiedenen Arten vor. N. arvensis, Ackerschwarzkümmel, ist unter der Saat auch in Norddeutschland vertreten, während N. sativa (der römische Schw.) nur um Erfurt angebaut wird, sonst aber nur, ebenso wie N. damascena (Jungfer im Grünen) in Süddeutsch­land auftritt.
Die Samen von N. sativa werden als Volksmittel, hin und wieder auch in der Landwirtschaft zur Beförderung der Milchabsonderung, der Verdauung etc. gebraucht. Vergiftungen sind wohl kaum zu befürchten, da 15—20 g selbst beim Men­schen nur Temperatur und Pulsfrequenz erhöhen, Harn- und Schweifsabsonderung befördern und bei Dysmenorrhöe gute Dienste leisten. Höhere Gaben bis 40,0 g bewirken Erbrechen, Abortus etc.
Aufser der bei 72deg; schmelzenden Myristinsäure und ätherischem 01 sind von different wirkenden Substanzen zu nennen:
Damascenin, C10Hlr,NO2, nach A. Schneider nur in den Samenschalen vorhanden und speziell in N. damascena nachgewiesen, kommt auch in den anderen Nigella-Arten vor. Die Lösungen in Äther oder Benzin fluoreszieren stark. Der aromatisch riechende Körper schmilzt bei 270 und siedet bei 168deg;. Das salpetersaure Salz, auf dem Platinblech erhitzt, färbt sich dunkelblau.
Auf Frösche wirkt die Substanz nach Pellacani narkotisch. Die Tiere werden träge, schliefsen die Augen, verharren in Rückenlage etc. Die Respiration ist unterdrückt. Empfindlichkeit und Reflexerregbarkeit bleibt erhalten. Auf starke Reize führt der Frosch einen Springversuch aus, ver­fällt wieder in Narkose. Bei hohen Dosen nimmt die Frequenz der Herzschläge ab, das Herz erscheint blutleer, die Kon­traktionen hören nach vorangehenden, unregelmäfsigen Be­wegungen auf. — Bei Säugern bleiben 0,4—0,5 g ohne Wirkung.
Nigellin, eine wasserlösliche Substanz, welche Alkaloid-reaktionen giebt. Von den schwer krystallisierenden Salzen ist das HBr-Salz am leichtesten zu erhalten.
Auf Frösche wirkt dasselbe qualitativ genau wie Curare. Nach Injektion von 0,01 g befindet sich der Frosch 15 Minuten später in kompletem Lähmungszustand mit Sistierung der Respiration. Ischiadicusreizung erfolglos, Muskelkontraktilität normal. Verhindert man den Zutritt des Blutes durch eine
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um den Oberschenkel angelegte cirknläre Ligatur, welche den Ischiadicus frei läfst, so bleibt das Bein vollständig von der Lähmung verschont, und ist die betreffende Muskulatur vom Rückenmark aus erregbar. Vier Stunden nach Injektion befindet sich der Frosch wieder in normalem Zustand. Das Herz wird von diesen Dosen nicht beeinflufst. Herzmuskellähmung erfolgt erst nach 0,4 g.
Kaninchen reagieren auf kleine subkutane Dosen (0,1 g p. KK.) nach ca. 8 Minuten mit profusem Speichel- und Thränenflufs, Zunahme der Peristaltik, Defäkation und Harn­entleerungen, Priapismus, frequenter, dyspnöischer Atmung und Erweiterung der Ohrgefäfse. Blutdruck um durchschnittlich 25 mm Hg gesteigert (ursprünglich 110 resp. 120 mm), geringe Verlangsamung der Herzthätigkeit. Die Pupillen bleiben normal. Bei einer Katze von 2,5 kg traten die erwähnten Er­scheinungen nach 0,1 g nach 20 Sekunden ein. In beiden Fällen erfolgte in kurzer Zeit Wiederherstellung.
Grröfserc Mengen intravenös injiziert, lassen einen, wenn­gleich schwach lähmenden Einflufs hervortreten, welcher sich bei künstlich unterhaltener Respiration binnen kurzem verliert. Einführung per os veranlafstc in keinem Falle Parese.
Connigellin, neben Nigellin in sehr geringer Menge vertreten. Wirkt beim Frosch ähnlich wie das vorige in Bezug auf die Muskulatur. Herzfrequenz nimmt anfangs zu, schliefs-lich erfolgt Herzlähmung. Wie das Jaborin und Atropin hebt es den Muscarinstillstand des Herzens auf. Bei Kaninchen fehlt die Pilocarpin-ähnlichc Wirkung; es traten vielmehr Krämpfe und Respirationsstillstand ein. Das Herz wird ebenso beeinflufst, wie das des Frosches.
VII. Blutdissoiution.
1. Verstopfung, später Diarrhöe, Blutdissoiution. Kein Fieber.
Eicheln, Ligastram, Cuscuta. Eicheln, Gerbsäuren. Über eine Intoxikation durch übermäfsigen Ge-nufs von Eicheln berichten Simonds und Brown.
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Die Krankheitssymptome traten im Herbst nach dem Abfallen der Eicheln auf, als gleichzeitig das Grün­futter mifsraten war. Die Rinder zeigten sich nieder­geschlagen, Augen eingesunken. Haut kalt, das Haar gesträubt. Oftmals blutiger Nasenausflufs und Thränen-flufs. Häufiger geringe, zuweilen blutgestreifte Ent­leerungen. Grofse Mengen auffallend hellen Urins. Schleimhäute blafs. Appetitmangel, schnelle Ab­magerung. Respiration beschleunigt, meist stöhnend. Fieber nicht vorhanden.
Obduktionsbefund: Maulschleimhaut, beson­ders der Gaumen vom Epithel entblöfst. Rachen ge­rötet. Zuweilen blutige Massen im Labmagen und Darm. Darminhalt flüssig. Dickdarm dunkel gestreift. In einigen Fällen ein grofses Blutkoagulum in der Lendengegend. Die Vergiftung machte sich nur bei jungen Tieren geltend, unter welchen die Sterblichkeit eine bedeutende war.
Behandlung war erfolglos. Entziehung der Eicheln nützte nur, wenn sie in den ersten Stadien der Krankheit zur Anwendung kam.
Die Atiologie der Erkrankung wird klar, wenn man die Zusammonsetzimg der Eicheln berücksichtigt. Sie enthalten u. a. 34 pCt. Stärke, ferner Quercit (Eichelzucker, C6H]205, resp. da derselbe ein 5-atomiger Alkohol ist: C6H7(OH)!i), Citronensäure, 3—4 pCt. Fett und 7 pCt. Eichengerbsäure. Letztere kann hier nur allein in Betracht kommen.
Die Vergiftuugserscheinungen sind aus den über Gerb­säurewirkimg bekannten Thatsachen unschwer abzuleiten. Zu­nächst ist im Auge zu behalten, dafs bei Einführung von gröfseren Mengen die im Darmtraktus vorhandenen Eiweifs-körper zur Bindung der Gerbsäure nicht ausreichen und die Schleimhäute seihst sozusagen gegerbt werden. Nicht un­wesentlich werden auch die Gefäfso beeinflufst. Entgegen der früher allgemeinen Annahme haben die Versuche von Rosen­stirn - Rofsbach ergeben, dafs die Gerbsäure weder in
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schwacher, noch in starker Lösung (von 10 pCt. an) auf die Gefäfse adstringierend, sondern im Gregenteil erweiternd wirkt. Die Erweiterung erfolgt nicht reflektorisch, sondern infolge direkter Einwirkung auf die Gefäfswände. Silbernitratlösung läfst wiederum Verengung eintreten. Dazu kommt noch die Lokalwirkung der stagnierenden Faces. Bei Warmblütern be­dingen nur sehr grofse Gaben auffalligere Symptome oder den Tod; bei Kaninchen sah Schroff selbst nach 3—4gliöchstens hartnäckige Verstopfung eintreten. Dieselbe beruht einerseits auf Bildung unlöslich harter Kotmassen, anderseits auf einer Beschränkung der Darmsokretion. Wahrscheinlich führt das längere Verweilen der Kotmassen im Dickdarm und die Lokal­wirkung der gebildeten Umsetzungsprodukte zu partiellen Scldeiinhautaffektionen, weshalb die abgehenden Fäces mit Blut resp. Eiter bedeckt erscheinen. Nur sehr grofse Gaben be­dingen den Tod, und zwar wesentlich dadurch, dafs Gelegen­heit zur Resorption von deletären Umsetzungsprodukten in gröfserem Mafsstabo geboten ist.
Tannin, C^HjoOg, Gallusgerbsäure, Digallussäure ge­langt vom Digestionstraktus aus einmal als Albuminat (in über­schüssigem Eiweifs gelöst), als Peptonat oder als Alkalitannat (vom Darm aus, Mialhe, Lewin) in das Blut, anderseits kommen ümwandlungsprodukte in Betracht, und zwar sind im Urin nach Aufnahme von Gerbsäure durch Wohl er und Frerichs nachgewiesen
1) Gallussäure, C7HG05, eine der sechs möglichen Trioxybenzoesäuren, deren Konstitution von W. Will er­mittelt ist:
COOK I
C
// \
H-C C-H
HO-C C-OH
\ / C I OH
Im Ätherauszuge der Eingeweide von den mit Tannin vergifteten Kaninchen fand Schroff ausschliefslich Gallus­säure, daneben kommen nach Clarus in den Fäces nur noch Eiweifsverbindungen des Tannin vor, keine freie Gerbsäure. Lewin fand ebenfalls im sauren Harn einiger mit Hafer ge­fütterter Kaninchen Tannin, so dafs eine vollständige Um-
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Wandlung des Tannin in Gallussäure nicht anzunehmen ist. Nach Hennig erscheinen nach nüchtern eingenommenem Tannin die Umsetzungsprodukte schon in 1 Stunde im Urin und können 6—15 Stunden hindurch nachweisbar bleiben. Der Übergang der Gerbsäure in Gallussäure wird erklärlich, wenn man berücksichtigt, dafs auch durch Hydrolyse aufserhalb des Körpers durch verdünnte Säuren, Alkalien, Fäulnisfermente diese Umwandlung sich mit Leichtigkeit vollzieht.
Die Gallussäure bildet farblose, seideglänzende Nadeln ohne Geruch, von schwach säuerlichem Geschmack, löslich in Alkohol und Äther, schwer in kaltem, leichter in warmem Wasser; die wenig beständigen Alkalisalzo sind leicht löslich. Eisen-und Kupferoxydsalze werden zu Oxydulverbindungen, Gold- und Silberverbindungen, zu Metall reduziert. Schwefelsäure (1:5 aq.) giebt gelbbraune bis weinrote Färbung von Eufigallussäure (Robiquet) nach der Formel 2 0,^0.5 — 2H20 = CuH808, welche ihrerseits bei Destillation mit Zinkstaub Anthracen, sowie bei reduzierender Einwirkung von Natriumamalgam Alizarin liefert. Die sogen. Eufigallussäure ist Hexaoxyanthrachinon: OHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;H
C CO C
/\/ HOC C
\ //
C
COH
!l I HOC C
v/x
H
Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I!
C COH
/ \ / CO c OH
Dieser Körper bildet rotbraune Krystalle, die bei 120deg; Wasser verlieren und in roten Nadeln sublimieren. Er steht in nahen Beziehungen zu dem Chrysazin (cf. Aloe). In heifsem Wasser, Alkohol und Äther ist Eufigallussäure nur schwer löslich. In konzentrierter Kalilauge löst sie sich mit indigoblauer Farbe. In ihrer physiologischen Wirkung entfernt sich die Gallus­säure von der der Gerbsäure ziemlich bedeutend und nähert sich einigermafsen jener der Mineralsäuren, doch steht sie in ihrer kaustischen Aktion selbst dem Tannin nach, obschon sie nach Versuchen von Jüdell bei Tieren mitunter Veränderungen der Mucosa und der Epithelien und flache Geschwürsbildung erzeugt. Kaninchen ertragen 5,0 g unter sehr kurzdauernden Vergiftungssymptomen (Unruhe, Dyspnöe, Verlangsamung und Irregularität des Atmens), welche auch fehlen können. Im Harn erscheint sie unverändert wieder. Der Gallussäure wird demnach bezüglich der Gerbstoffvergiftung eine ausschlag­gebende Stellung nicht einzuräumen sein, ebensowenig Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 22
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2)nbsp; den huminartigen Substanzen, welche nachweislich im Organismus aus der Gerbsäure gebildet werden, da solche im Harn gefunden worden sind. Die Huminsubstanzen gehören zu den normalen Stoffwechselprodukten der Pflanzenfresser und sind von Udransky aus dem frischen Pferdeharn z.B. durch Fällen mit Bleiacetat erhalten worden. Hoppe-Seyler stellte eine derselben durch Einwirkung von schmelzendem Kali auf Gerbstoffrot (Eufigallussäure) dar und ermittelte für einen durch Säuren ausfällbaren, gallertigen, in Alkohol löslichen, sauren Körper, der zu einer schwarzbraunen, amorphen Masse ein­trocknete, die Zusammensetzung C^jH^Oc, und nannte den­selben Hymatomolansäuro. Auch von dieser Substanz ist eine Giftwirkung nicht zu erwarten, wohl aber von einem wei­teren, im Harn auftretenden Stoffwechselprodukt der Gerbsäure und zwar
3)nbsp; von dem Pyrogallol, C0H6O3 oder Trihydroxylbenzol, 0,5113(011)3(1,2,3) (fälschlieh als Säure, Pyrogallnssäure, be­zeichnet). Dieselbe krvstallisiert in glänzenden, bei 115deg; schmel­zenden Blättchen, löst sich in 2,5 Tin. Wasser und färbt sich mit Eisenchlorid braunrot, mit schwefelsaurem Eisenoxydul tief blau. Die alkalische Lösung absorbiert sehr energisch Sauer­stoff und bräunt sich unter Bildung von C02, Essigsäure und Hmninsubstanzon. Das Pyrogallol ist ein ziemlich starkes Gift. Nach Personne bedingt 0,1 g subkutan bei Fröschen klonisohe Krämpfe und in Vraquo; Stunde Herzstillstand. 1s 0 i fs e r untersuchte, angeregt durch eine Vergiftung beim Menschen mit tödlichem Ausgang nach Einreiben einer Pyrogallolsalbe auf die Haut, die Wirkung bei Warmblütern. Derselbe unterscheidet vier Grade. In dem ersten, mit kleinen Dosen unter 1,0 g p. KK. beim Kaninchen hervorgerufenen, äufsert sieh die Wirkung in rasch eintretendem Temperaturabfall, Pulsbeschleunigung, vermehrter Respiration, Schläfrigkeit und Indolenz, die selbst noch anhält, wenn das Pyrogallol nicht mehr im Harn nachweisbar ist. Der Harn erscheint stark gebräunt, manchmal rein schwarz und enthält kein Hämoglobin, wohl aber Umsetzungsprodukte des Pyrogallol. Das Blut der getöteten Tiere ist dunkel, zeigt aber spektroskopische Veränderungen nicht. Im zweiten Grade, etwa 1,0 g p. KK. oder wiederholten kleineren Dosen entsprechend, resultiert unmittelbar Temperaturabfall, Dyspnöe und Apathie, worauf nach 3—10 Stunden heftiger Schüttelfrost, Seitenlage, starke Dyspnöe und Verminderung der Reflexe und Tod eintritt, welcher mitunter erst nach scheinbarer Erholung unter Einsetzen eines zweiten Schüttelfrostes innerhalb 18—24
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Stunden erfolgt. Einzelne Tiere erholen sich dauernd. Im Urin neben Hämoglobin Methämoglobin und Hämatin. Im Blut fanden sich dieselben Hämoglobinderivate und reichliche Mengen zerstörter Blutkörperchen in Form kleiner, bröckliger Frag­mente oder von Schatten. Die Organe bis auf braungelbe Ver­färbung normal, mit schwarzen, teerartigen, homogenen G-e-rinnseln gefüllt. Die braunrot bis schwarz gefärbten Nieren in den Tubuli contorti event, den Tubuli recti (nicht in den Malpig hi sehen Körperchen), mit Hämoglobincylindern gefüllt. Im dritten Grade, nach mehr als 1,0 g p. KK., gehen die Tiere im ersten Anfall konstant zu Grunde, zeigen jedoch bei der Sektion nur Mifsfärbung des Blutes und Zerstörung der roten Blutkörper­chen, dagegen keine Hämoglobinurie und von Hyperämie ab­gesehen, keine Veränderung in den Nieren. Im vierten Grade bei 2,0gp.KK., erfolgt schon nach wenigen Minuten kontinuierlich er Tremor, konvulsivisches Zucken des ganzen Körpers, Sinken der Körpertemperatur und Tod in 3li—2 Stunden. — Intravenös töten nach Gibbs und Hare 0,08—0,1 g p. KK. durch Atmungs-stillstand und Herzlähmung infolge von Vagusreizung. Von dem isomeren Phloroglucin, C6H3(OH)3 (1,3, 5, Goldschmidt und M eifsler), welchem qualitativ dieselbe Wirkung zukommt, bedarf es zur Tötung unter gleicher Anwendungswoise 1,0 bis 1,2 g p. KK.
Als einzig rationelles Mittel bei Pyrogallolvergiftung em­pfiehlt Neifser die Bluttransfusion.
Ligustrum.
Die gemeine Eainweide, Hartriegel, Dintenbeerstrauch, Ligustrum vulgäre (L. II, 2, Ligustrinae), enthält in den ent­zündungserregenden, kathartisch wirkenden Beeren und der Rinde ein Glykosid und zwei BitterstoiFe. Ersteres das
Svringin, Cj^H^Og, oder Oxymethyleoniferin, besitzt nach W. Körner die Konstitution:
o. Cäa
I
c /\
CHgO-C C-OCHg
H-
-C C-H
c
C3H4(ÜH)
22'
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Dasselbe spaltet sich durch Emulsin oder verdünnte Mineral­säure in G-lykose und Syringenin (Oxymethylconiferylalkohol) Cä Ho (OH) . (0. CH3 ), . C3 Hj (OH) konform der Gleichung CnflsA HoO=C8HlaOe G.ÄA-
Oxydation des Syringin mit Chromsäure, bei gewöhnlicher Temperatur liefert Grlucosyringinaldehyd Ci5H20O9, welcher durch Hydrolyse sich zersetzt in Glykose und den dem Vanillin entsprechenden Syringinaklehyd C9 Hi0 O4, ausgezeichnet durch kräftigen Vanillegeruch.
Mit Kaliumpermarganat oxydiert entsteht Glukosyringin-säure C^HooOjo, die sich, hydrolysiert, in Dextrose und Syringin-säure C9H10O5 umsetzt.
Letztere giebt bei Destillation mit überschüssigem Kalk Trimethylpyrogallol C6(CH3)3fOH)3. Erhitzen der freien Syrin-ginsäure liefert Pyrogallussäuredimethyläther C6H3(0 . CHg^OH eine Verbindung, welche auch im ßuchenholzteer vorkommt. Aus dem Dimethyläther kann durch Oxydation mit Chrom­säure Cedriret (Cörulignon), CjEL^OCHg^. O .
1 in roten Krystall-C6H2(OCH3)2.0 nadeln erhalten werden. Cedriret ist ein chinonartiger Körper, welcher sich in konzentriertef Schwefelsäure mit blauer Farbe löst. Dieselbe Färbung entsteht auch bei Zusatz der Säure zu S^'ringin. Die blutrote Färbung der Syringinlösung durch kon­zentrierte Salpetersäure ist wahrscheinlich auf Cedriretbildung zu beziehen.
Das Syringin krystallisiert in langen, farblosen Nadeln mit 1 Mol. H20, ist geruch- und geschmacklos und schmilzt bei 185—190deg; (das aus Syringa viügaris dargestellte bei 212deg;). In kaltem Wasser schwer, in kochendem und in Alkohol leicht, in Äther nicht löslich. Das Glykosid findet sich reichlicher im März als Ende April und verschwindet im Laufe der Vege­tationsperiode, um dann ersetzt zu werden durch
Syr ingopik r in, C26H24017 (K r 0 m a y e r), eine gelbe, durch­sichtige, zu einem weifsen Pulver zerreibliche Masse von inten­siv bitterem Geschmack und schwach saurer Reaktion. Kon­zentrierte Schwefelsäure löst mit grünlicher, in braun über­gehender Farbe. Es reduziert ammoniakalische Silberlösung, nach dem Kochen kaiisches Kupfer, gehört also auch zu den Glykosiden.
Ligustron. Bitteres, in Nadeln krystallisierendes Gly­kosid. Konzentrierte Schwefel- und Salpetersäure färben gelb.
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Guscuta.
Guscuta, Flachsseide, Kleber, Teufelszwirn (L. V, 2, Fam. Cuscuteae, Tubiflorae), ein blattloser, fadenförmiger, echter, pha-nerogamer Schmarotzer, umschlingt mit seinem linkswinden-den, gelben oder rötlichen, mit Saugwurzeln versehenen Stengel die befallenen Pflanzen, welche verkümmern. Es kommen in Betracht C. epilinum, auf Linum usitatissimum, G. europäa oder major auf Wicken, Erbsen etc., C.trifolii, kleine F., auf Wiesen­kräutern, Luzerne, Klee, C. hassiaca, traubige F., auf Luzerne, ebenso die Cuseutina suaveolens, wohlriechende Luzernseide.
Sämtliche Gattungen enthalten sehr viel Gerbsäure, ein Umstand, den man zur Tilgung der Flaclisseide nutzbar gemacht hat, indem man Übergiefsungen mit Eiseuvitriollösung an­wandte. In dem Epiphyten bildet sich gerbsaures Eisen und die Lebensfähigkeit der Flaclisseide geht auf diese Weise ohne Schädigung des Klees verloren.
Bei gröfseren Haustieren hat man nach Aufnahme des mit Seide durchwachsenen Klees Nachteile nicht beobachtet. Frisch verursacht derartiges Futter den Tieren, offenbar wegen des adstringierenden Geschmackes, Unbehagen, die­selben verzehren dasselbe jedoch im Gemisch oder als Heu­häcksel anstandslos und ohne Nachteile. Die Faces ent­halten die kleinen, grubig getüpfelten Samen (Grindsamen) meist unverdaut. Nur bei kleineren Tieren kann eine Gerb-säurevergiftung zu stände kommen, wie ein von Grlocke mit­geteilter Fall beweist. Fünf ca. Vi—Vs Jahr alte Ferkel lagen nach reichlicher Aufnahme von stark mit Seide durchsetztem Klee in klonischen Krämpfen (welche bei Schweinen reflektorisch fast regelmäfsig hei Darmreizung auftreten) auf der Seite, ohne wieder aufzustehen. Die Obduktion ergab starke Schwellung der Schleimhaut des Colon, Überfläche streifig gerötet und mit gallertartigem Schleim bedeckt.
3. Dnrelißill, Kolik, Biutdissolutloii, Schwäche.
Aloe, Linum, Rhamnus, Disteln.
Aloe.
Der aus den Schnittflächen der Blätter der ver­schiedenen Spezies der Gattung Aloe (L. VI, 1, Lilia-
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ceae), und zwar A. spicata (Capaloe), soccotrina, pli-catilis, ferox, vulgaris, hervorquellende und eingedickte Saft liefert die als Aloe bezeichnete Drogue. Als Be­standteile sind sicher nachgewiesen Harz (bis 50 pCt.), Spuren eines ätheinschen Öls und der aromatische, wasserlösliche, krystallisierende neutrale Bitterstoff Aloin, CnHjgO,.
In der Aloe von Barbados und Cura9ao fand Groene-wold ein um CH3 ärmeres Aloin, C16H1607. Methoxylgrnppen sind in demselben nicht enthalten, wohl aber in dem Aloin aus Natalaloe, welchem G. die Formel C24H26010 H2Ü zuerteilt. Das Aloin ist in warmem Wasser und Alkohol ziemlich leicht löslich und krystallisiert in feinen Nadeln. In kaltem Wasser löst es sich im Verhältnis 1: 600. Es schmeckt sehr bitter und wirkt stark purgierend, nicht nur vom Darmkanal aus. Mit Bromwasser bildet es Tribromaloin, CnH15Br307, welches aus Alkohol in gelben Nadeln krystallisiert. Beim Kochen mit
Kalilauge*] entstehtParacumarsäurc, C6H4lt;;pTT_piT finOHHl
beim Erwärmen mit Salpetersäure Aloetinsäure, CuH^NO^Oa
und Chrysamminsäure (Tetranitro chrysazin) C^I^NC^^q2™
Reduktionsmittel führen letztere in das sogen. Hydrochrysam-
inid (Tetraamidochrysazin, C1iH2(SH2)ilt; .f?^ über, einen in in-
digoblaucn Nadeln krystallisierenden Körper. Dieser, mit sal­petriger Säure in alkoholischer Lösung gekocht, liefert Chi-ysazin,
PO
C6H3(OH)lt;qqgt;C6H3(OH), in braunroten Nadeln oder gold­gelben Blättchen. Dasselbe ist synthetisch erhalten worden durch Oxydation von /S-Dioxyanthracen, C-uH^GH).,, oder
CH CsH3(OH)lt; 1 gt;C6H3(OH). Mit Zinkstaub destilliert, liefert
CH Aloin Methylanthracen. Allen diesen Thatsachen würde für Aloin = G17H]80j die in Vorschlag zu bringende Konstitutions­formel (für andere Aloine Derivate derselben) Rechnung tragen:
* E. S ch m i d t. — P. W e s e 1 s k y erhielt beim Schmelzen mit Kali Alorcinsäure, C9HI0O3, welche Orcin (Methylresorcin) und Essigsäure liefert. Resorcin = C0H4(OH)2 (1,3).
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343 OH CHO H
C C(OH)C
/ \ / - / %
H—C CH CH C-OH
HO—b CH CH C-H
\ / \ / \ / C CH C
H CH3 OH
CHO Die Formel berücksichtigt gleichzeitig das von K o n d r a c k i ermittelte Reduktionsvermögen des Aloins für Fehl in g sehe Losung.
Aloin subkutan zu verwenden, versuchte Ellen-berger, welcher bis zu 2,0 g bei Pferden injizierte, wobei ein Todesfall zu verzeichnen war, dessen Zu­sammenhang mit der Aloinwirkung (Kolikschmerzen, öfteres Drängen zum Urinieren und zum Kotabsatz) nach neueren Erfahrungen aufser Z weifel steht. M ü r s e t injizierte Kaninchen von 5 pCt. (erwärmten) Alpin-lösixngen subkutan 4 — 25 cem, wonach die Tiere innerhalb eines Zeitraums von vier Tagen bis 12 Stunden zu Grunde gingen. Diarrhöe trat nicht ein. Der Darminhalt war immer fest. Der Harn zeigte sich in allen Fällen stark eiweifshaltig. An Formelementen enthielt derselbe Blasenepithelien, rote und weifse Blutkörperchen, Kalkkrystalle, feinkörnige und hyaline Cylinder. Die Nierenrinde war entweder diffus oder fleckig gelb gefärbt. Bei ganz hohen Dosen war auch noch die Grenzschicht an der Gelb­färbung beteiligt. Aloin bewirkt demnach Hämaturie resp. Hämoglobinurie und Epithelnekrose, nach Gott­schalk und Neu berger auch Kalkinfarkte. Aloin gehört somit zu den Blutgiften.
Groenewold benutzte als indifferentes, für Aloin sehr brauchbares Lösungsmittel Formamid. Bei ge-
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lindem Erwärmen löst sich sowohl Barbados- wie Natal-Aloe leicht und reichlich. Diese Lösung reagiert neutral und ruft an der Injektionsstelle ein nur wenige Minuten anhaltendes, ziemlich lebhaftes Brennen ohne sonstige Reaktion hervor. Die Versuche mit Barbados-Aloin zeigten, dafs subkutan sowohl wie innerlich Bar­bados-Aloin sicher abführt.
Die wirksame Dosis scheint in beiden Fällen an­nähernd die gleiche zu sein, was auf den Umstand zurückzuführen sein dürfte, dafs das Aloin der Haupt­menge noch unter allen Umständen in den Dann ge­langt und durch ihn den Organismus verläfst. Nach interner Darreichung liefs sich Aloin trotz der Fein­heit der Reaktionen nur ein einziges Mal im Harn in Spuren nachweisen, in allen anderen Fällen, sogar nach Einnahme von 0,4 und 0,5 g war es in der ge­samten, 24stündigen Harnmenge nicht zu entdecken; entweder wird also Aloin nur in Spuren resorbiert oder das in den oberen Teilen des Digestionstraktus resorbierte wird in dem unteren Teil ausgeschieden. Nach subkutanen Injektionen fand sich Aloin stets reichlich im Darminhalt, im Harn dagegen nur in minimaler Menge. Der Nachweis gelang nicht immer sicher; die Reaktion war sehr schwach und fiel mitunter sogar ganz negativ aus. Das gilt indes nur von Menschen, Hunden und Katzen, bei welchen dementsprechend auch nicht Albuminurie nach Aloininjektion beobachtet wurde. Beim Kaninchen, bei denen Aloin bekanntlich nicht abfüh­rend wirkt, fand G r o e n e w o 1 d in Übereinstimmung mit K o h n immer starke Nierenreizung, die zum Tode führte. Um zu sehen, ob etwa die starke alkalische Reaktion des Kaninchenharns an der heftigen Reizwirkung des Alpins beteiligt sei, erhielt ein Kaninchen Milchnahrung,
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welcher einige Tropfen verdünnter Phosphorsäure zu­gesetzt waren. Der Harn wurde am zweiten Tage sauer; eine nun folgende Injektion von 0,1 g Aloin be­wirkte indes, wie bei den anderen Kaninchen, Albumin-urie und Tod.
Die lange Dauer bis zum Eintritt der Wirkung bei beiden Applikationsmethoden macht es nicht un­wahrscheinlich, dafs nicht das Aloin direkt, sondern ein im Dai^m allmählich sich bildendes Zersetzungs­produkt desselben abführend wirkte. Da das Aloin dureli Alkalien, sowie durch Metallsalze leicht ange­griffen wird, so wurde versucht, durch Zusatz von kohlensaurem Kali oder von Eisenvitriol die Wirkung des Aloins zu verstärken oder zu beschleunigen. In einzelnen Fällen, namentlich bei Zusatz von Eisen­vitriol, schien der erwartete Erfolg in der That einzu­treten. Wie Gr. vermutete, beruht auch die begünsti­gende Mitwirkung der Galle im wesentlichen auf ihren Inhalt an Seifen und Alkalien. Das Harz der Barba­dos-Aloe, d. h. der nach Gewinnung des Aloins ver­bleibende Rückstand, erwies sich als ebenso kräftig abführend, wie reines Aloin; obwohl es immer noch beträchtliche Mengen von letzterem einschliefst, so mufs mit Rücksicht auf die annähernd gleiche Wir­kungsintensität doch auch dem Harze selbst eine drastische Wirkung zuerkannt werden.
Das Natal-Aloin ist bei Hunden und Katzen ohne Zusatz erst in verhältnismäfsig grofsen Dosen wirk­sam, dagegen zeigt es auch in kleinen Gaben eine sichere Abführwirkung, sobald man Alkalien hinzugefügt hat. In diesem Falle scheint es fast das Barbados-Aloin an Wirksamkeit noch zu übertreffen. Auch die subkutanen Injektionen waren bei den Versuchstieren
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stets von sicherem Erfolg begleitet, der zuweilen schneller eintrat, als bei Eingabe per os. Das Natal-Harz, welches nur geringe Spuren von Aloin enthält, wirkt eben­falls, wenn auch erst in etwas gröfseren Gaben ab­führend. Beim Menschen dagegen scheint das Natal-Aloin mit oder ohne Zusatz von Alkalien in der Regel unwirksam zu sein. Da dieser auffallende Unterschied zum Teil durch die verschiedene Ernährung bedingt sein könnte, indem stärkere Fäulnisvorgänge im Fleischfresserdarm die erforderliche chemische Ver­änderung des schwer angreifbaren Natal-Aloins viel­leicht begünstigen, so wurden mehrere Versuche an Menschen gemacht, welche sechs Tage lang sich nur mit animalischer Kost genährt hatten. In der That trat nun in allen Fällen abführende Wirkung ein. Den Erfolg subkutaner Injektionen betreffend, ergaben die wenigen, am Menschen angestellten Versuche kein sicheres Eesultat.
Zweifellos sind jene von Gr er lach erwähnten Todesfälle auf Aloevergiftung zu beziehen, zu denen eine Erkältung während der Wirkung der Aloe Veran­lassung gab (Benutzung zur Arbeit in Wind und Wetter nach Eingeben einer Dosis von 30 g — Tod am vierten Tage) oder eine zu frühzeitige Wieder­holung einer therapeutisch zulässigen Menge, um bei diätetisch nicht vorbereiteten Tieren Purgieren zu er­zwingen.
Die Symptome einer toxischen Aloewirkung be­stehen in Appetitlosigkeit, schwachen Koliksymptomen, wässerigem Durchfall, wobei mitunter Entleerungen ohne Heben des Schweifes erfolgen. Puls frequent und klein, schliefslich unfühlbar; unter zunehmender Mattigkeit tritt der Tod nach 2—5 Tagen ein.
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Bei der Obduktion rinden sich wenig charak­teristische Veränderungen. Der Darmtraktus ist fast leer, wie ausgespült, die Mucosa stark ödematös, im Blind- und Grimmdarm mehr oder weniger ausgeprägte diffuse Röte.
Zum Nachweis der Aloine in den Excreten kann man die von Kluge angegebene Cupraloin-reaktion oder eine neue Reaktion mit Piperidin benutzen, die sich in den Versuchen von G r o e n e w o 1 d als ebenso empfindlich und charakteristisch erwiesen hatte, übrigens auch gleichzeitig zur Unterscheidung von Bar­bados- und Natal-Aloin dienen kann. Der erstere Nach­weis beruht darauf, dafs eine sehr verdünnte wässerige Aloinlösung durch eine Spur CuS04 intensiv gelb und dann nach Zusatz von einigen Kochsalzkrystallen und Er­wärmen (ohne Zufügen von Alkohol) rot gefärbt wird. Nach der zweiten Methode versetzt man Aloinlösung mit einem Tropfen Piperidin. Natal-Aloin färbt sich dadurch violettrot; war die Lösung konzentriert, so wird die Farbe nach kurzer Zeit tief blau. Barbados-Aloin­lösung giebt zunächst Gelbfärbung, säuert man nun die Lösung mit Essigsäure an tmd schüttelt mit Essig­äther, so nimmt letzterer den gelben Farbstoff (unver­ändertes Aloin) auf, während die wässerige Lösung schön violettrot erscheint. Beide Reaktionen traten bei Natal-Aloin noch ein in einer Verdünnung von 0,001 pCt., bei Bai'bados - Aloin waren sie noch deutlich bei einem Gehalte von 0,01 pCt. Hunde-und Katzenharn, denen Aloin zugesetzt worden war, zeigten beide Reaktionen noch bei einer Konzentration von 0,02 pCt. Aloin. Ähnliche Resultate ergäben die Versuche mit den Fäces. Zum Nachweis sehr geringer Mengen von Aloin in Harn und Kot nach innerer
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oder subkutaner Applikation des Mittels empfiehlt es sich, dieselben mit Essigäther auszuschütteln und mit diesem direkt oder mit dem Verdunstungsrückstand die Reaktionen anzustellen.
Iiinum.
Über die toxisch wirkenden Substanzen in Linum
catharticum, Purgier- oder Wiesenlein, und L. usita-
tissimum, gemeiner Lein (Flachs), (L. V, 5, Lineae)
ist wenig Sicheres bekannt.
In ersterem entdeckte Pagenstecher einen Bitterstoff, das Linin, welcher von Schröder durch Digestion mit Kalk­milch und Ausschütteln des mit HC1 ühersättigten gelben Fil-trats mit Äther in blendend weifsen, seidenglänzenden Kry-stallen erhalten wurde. Es löst sich in kochendem Wasser wenig, leicht in Alkohol, Äther etc. Von wässerigen Alkalien und Ammo­niak wird es mit gelber Farbe gelöst und daraus durch Sävu-en wieder gefallt. Konzentrierte Schwefelsäure oder Phosphorsäure lösen es mit dunkelvioletter Farbe. Es enthält nach Schröder 62,92 C, 4,72 H und 32,36 0 und wirkt purgierend, das Leinöl in gröfseren Mengen (60 g für den Menschen) ebenfalls. Einer Angabe von Jakobsen zufolge soll L. usitat. und L. perenne zu jenen Pflanzen gehören, welche bei Destillation mit Wasser Blausäure liefern. Bekannt ist, dafs Amygdalin nicht in allen Vegetationsperioden auftritt und bei Pflanzenfressern Amygdalin cathartische Wirkung entfaltet. Bis auf weiteres reihe ich indes den Lein der Aloegruppe an, obgleich die Zugehörigkeit des „Lininquot; nur auf Grrund seiner prozentischen Zusammensetzung vermutet werden kann. Prozentiseh enthält nämlich Barbados-Aloin 60 G, 5 H und 35 O.
Wie Fuchs berichtet, soll ein junges Pferd am Tage nach der Aufnahme von L. cath., ein Pony am fünften Tage verendet sein. Symptome: Starker, pochender Herzschlag und Purgieren. Obduktion: Starke Rötung der Magenschleimhaut. Die Pferde sollen die Pflanze trotz ihrer Bitterkeit gern verzehren, Schafe verschmähen dieselbe.
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Um die Wirkung von L. usitat. zu erproben, fütterte Schmitt-Vacha ein Schaf mit mäfsigen Portionen von frischem, saftreichem Spätflachs, welcher gern ge­fressen wurde. Es trat Durchfall ein; in den Fäces fanden sich längere und kürzere Stücke Flachs unver­daut vor. Von drei zu drei Tagen verbrauchte das Tier weiterhin ca. 2 kg frischen Flachs. Bei der dritten Fütterung vorübergehende Tympanitis. Das Material der sechsten Versuchsration hatte bereits kleine Samenkapseln angesetzt. Ungefähr sechs Stun­den nach der letzten Fütterung fand S. das Schaf mit aufgetriebenem Abdomen am Boden liegend, unver­mögend aufzustehen. Pochender Herzschlag (120 p.M.), Mydriasis, Augen starr, Conjunctiva tief rot, Tempera­tur wechselnd, Schlagen mit den Füfsen, unregel-mäfsige Bewegungen mit dem Hals, Durchfall, Stöhnen und Blöken. Wasser wird gierig abgeschluckt, nach­dem der Kopf in das Gefäfs gesteckt worden war. Nach weiteren sieben Stunden Tod unter Konvulsionen. Obduktion: Labmagen und Dünndärme äufserlich diffus gerötet. Knäuelbildungen im Wanst etc. nicht vorhanden. Im Psalter fand sich eine grofse Menge zerkleinerter Leinkapseln, zwischen den Blättern der Schleimhaut allenthalben scharf begrenzte, scharlach­rote Flecke. Inhalt des Labmagens und Dünndarms rötlich schwarz, sehr flüssig. Schleimhaut mit dickem, rötlichen Schleim belegt, verdickt, blutig infiltriert. Dickdärme boten aufser flüssigem Inhalt nichts Ab­normes. Nieren hyperämisch, mit kleinen hämorrhagi-schen Herden durchsetzt. Lungen stark mit dunklem Blut überfüllt, in den Bronchien viel Schaum. Peri-kardialflüssigkeit hellgelb. Herz welk, im rechten Ventrikel koaguliertes Blut. Gehirn nicht hyperämisch.
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Auf einem Gute erkrankten 13 Mutterschafe, welche aus einem als Flachsröste dienenden Wasser­pfuhl getrunken hatten. 10 Stück starben auf dem Felde. Drei, bei denen der Ökonom einen Aderlafs vorgenommen hatte, genasen. Es sollen die Tiere stark gegeifert, gezittert und bis zu dem vor Ablauf einer Stunde nach dem Erkranken eingetretenen Tode ruhig gestanden haben. Die Venen, besonders die des Hirns und seiner Häute, waren strotzend mit Blut gefüllt, im ersten und zweiten Magen streifige, verschwommene Rötung (S c h w a 1 e n b e r g).
Semmer erwähnt, dafs zu wiederholten Malen bei Bauern Schweine, die mit Leinsamenkapseln ge­füttert wurden, massenhaft zu Grunde gegangen sind. Obduktion: Haut mit dunkelroten Flecken bedeckt. In Bauch- und Brusthöhle rötliches Transsudat. Unter dem Magen- und Darminhalt grofse Mengen Lein­samenkapseln. Schleimhäute des Traktus wenig affi-ziert. Leber und Nieren gelblichbraun. Blut schwarz­braun, teerartig, ohne feste Gerinnsel.
Plötzliche Intoxikation von sieben Kühen einige Stunden nach Verfütterung von mifsratenem Lein be­obachtete Prietsch. Zwei Kühe starben innerhalb 24 Stunden. Auch hier Gastroenteritis, weiche Be­schaffenheit der Contenta.
Es läfst sich nicht leugnen, dafs bei Vergiftung mit ver­kümmertem Lein der Leinrost, Uredo reap. Melampsora Liui, die Befallungspilze, eine wesentliche Rolle spielen und den Verlauf der Intoxikation beschleunigen können. Gesunder Lein wirkt anscheinend nicht derart intensiv; Harms liefs von einem mittelgrofsen Rind 7,5 kg Lein mit Kapseln verzehren, ohne dafs nachteilige Folgen auftraten, vielleicht weil die verfütterte Quantität eine zu geringe war. Die Unschädlichkeit ist durch diesen Versuch dem positiven von Schmitt gegenüber sicher nicht erwiesen. In einigen akut verlaufenden Fällen wurde
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die gleichzeitige Anwesenheit anderweitiger Gifte konstatiert, so von Colchicum (Schmitt), von Hanf. Malz'ew beobach­tete eine Erkrankung sämtlichen Viehes eines Dorfes infolge von Genufs des Flufswassers, in welchem Flachs und Hanf ge­weicht wurden. Appetitverlust, beständiges Drängen zum Harn­absatz, in einigen Fällen Harnverhaltung, Unruhe, Angst, Krämpfe waren die hervorstechendsten Symptome.
Q-erla c h sah Betäubung und Absterben der Fische, wenn das Wasser in kleinen Flüssen durch eingelegten Flachs trübe und braun wurde. (Grefshoff erwähnt, dafs die Amygdalin-haltigen Samen von Pangium edule in Indien zum Fischfang benutzt werden, gekocht aber wirkungslos sind). Spinola führt an, dafs nach dem Trinken aus Flachrösten Gänse zu Grunde gingen und Hunde erkrankten.
Therapeutisch empfehlen sich Brechmittel und der Aderlafs. Im übrigen symptomatisch. Atropin bei Herzschwäche.
Bhamnus.
Unter den Rhamneae bietet Rh. cathartica, Kreuz­dorn, Purgier-, Weg-, Hirschdorn (Spina cervina), (L. V, 1) durch seine Früchte oder deren Saft Ge­legenheit zu toxischer Wirkung. Als Bestandteile kommen in Betracht:
Kbamno cathartin, ein unkiystallisierbarer Bitterstoff, welcher langsam, aber anbaltend Purgieren, in gröfseren Dosen Gastroenteritis bewirkt (Strohl und Wieger).
Ebamnoxanthin (Frangulin, auch in Cortex Frangulae von Eh. frangula, Faulbaum, Chrysorhamnin), C2cH2oOJO (H e s s e), eine citronengelbe, matt glänzende, gerucli- und gesebmacklose Krystallmasse, welche in Wasser nicht, in Äther wenig, in Al­kohol 1 : 160 löslich ist.
Wässerige Alkalien lösen purpurfarben, Schwefelsäure an­fangs smaragdgrün, dann dunkel purpurrot, Schmelzp. 226 0. In alkoholischer Lösung spaltet sich Shamnoxanthin durch Salzsäure oder Alkalien beim Kochen in Zucker und Frangulinsäure, C2cH20O10 H2O=C6H12O6-f A4H0O2 • (OH),,.
Die Frangulinsäure ist ein dem Alizarin isomeres Dioxy-
anthrachinon, C0H4lt;QQgt;C,iH2(OH)2(Faust), oder dessen Me­thylderivat, welches alsdann der Chrysophansäure isomer sein
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würde. Orangefarbene Krystalle, welche in Alkalien mit violett­roter Farbe sich lösen, aus denen Säuren den Farbstoff unverän­dert ausfällen. Es wirkt bei Hunden zu einigen Dezigramm prompt abführend. Liebermann und Waldheim erhielten auf hydroly­tischem WegeEmodin, C^K^O^,einTrioxymethylanthrachinon,
CeH, (CHj) lt; ^9 gt;CtiH(0H)3. Vielleicht treten beide, verschie­denen Eeifestadien entsprechend, nacheinander auf.
Ehamnin, C50H66Og0. (Xanthorhamnin Ehamnegin), bil­det gelbe, mikroskopische Nadeln oder Tafeln. In Wasser, Säuren und Alkalien leicht, in absolutem Alkohol schweren Äther, Chloroform etc. fast gar nicht löslich. Die ursprünglich gelben Lösungen werden beim Stehen braun. Eisenchlorid färbt ver­dünnte Lösungen olivengrün, Chlorkalk tief dunkelgrün, kon-zeutriertere nehmen dunkelbraunroten Farbenton an. Durch Hydrolyse spaltet es sich in Ehamnose (Isodulcit, d. h. Methyl-arabinose) und Ehamnetin, ein Vorgang, welcher durch die Formel versinnbildet wird: C50H6GO30 H2O=4C6HiaO5-j-
Rhamnose
Rhamnetin.
Ehamnetin, C2GHO0H]! wird von J. Herzig als Dime-thylquercetin aufgefafst, welches wie Quercetin, C^H-i^ii (L i e b e r m a n n), nach Stein beim Kochen mit Kalihydrat Quer-
OH ciglucin, C6H, — OH, und Quercetinsäure, C^H^O,, ein Proto-
' ^OH katechuderivat, neben anderen Produkten liefert. Ehamnetin ist in unreifen Beeren neben Ehamnin nachgewiesen. Es krystallisiert in goldgelben, atlasglänzenden Prismen, löst sich in Alkalien mit gelber Farbe und zeichnet sich durch starkes Eeduktionsvermögen aus. Fehlingsche und Silherlösung werden schon in der Kälte reduziert. Die alkoholische Lösung färbt sich mit Eisenchlorid braungrün, mit Alaun kanariengelb und wird durch Bleisalze, Kalk- und Barytwasser gefällt.
Vergiftungen durch den Prefssaft aus reifen Beeren oder, wie er in England angewendet wird, von un­reifen, mit Kaliumkarbonat eingedickten Früchten (Saft­grün), sind bei Hunden in einzelnen Fällen beobachtet. Fröhner sah Hunde, denen die Besitzer Kreuzdorn­saft in grofsen Mengen verabfolgt hatten, erkranken und unter den Erscheinungen einer schweren, hämorrhagi-
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sehen Enteritis sterben. Nach 5—10 Efslöffeln des Saftes (das fünffache der therapeutisch zulässigen Dosis) tritt der Tod in 24 Stunden ein.
Für die Behandlung würden Kalkwasser und Opiate in Frage kommen.
Disteln.
Von Seybolcl wird berichtet, dafs von einer aus 160 Stück Schafen bestehenden Herde, welche auf einem Distol-stoppelfeldo geweidet hatte, sechs starben und sieben, dem Sterben nahe, getötet wurden. Die krankhaften Erscheinungen bestanden in traurigem Blick, angestrengtem Atmen, aufge­triebenem Hinterleib und Durchfall. Bei der Sektion wurde im Wanste eine grofse Menge Disteln aufgefunden. Die Schleim­haut desselben zeigte an einigen Stellen starke Rötung und Schwellung.
Dafs die Disteln, trotzdem sie von Herbivoren mit Vor­liebe gefressen werden, nicht ganz indifferente Pflanzen sind, geht aus verschiedenen Beobachtungen hervor. So waren z. B. früher die Samen vom Silybum (Carduus) Marianum, Silber­distel oder Stechkraut, offizineil und gegen Gelbsucht und Milzleiden in Gebrauch. Von Onopordon acanthum, Eselsdistel, Krebsdistel, benutzte man den Saft gegen Hautgeschwüre. Die Lappa-Arten enthalten besonders in ihren Wurzeln bittere und adstringierende Bestandteile, welche im Dekokt als „blutrei­nigendes'' Hausmittel und offizineil in der Spezies Lignorum therapeutische Verwendung finden. Die meisten Samen von Carthamus fCnicus) tinetorius dienten wegen ihrer gelinde ab­führenden Wirkung als Heilmittel gegen Gelb- und Wasser­sucht und die Blüten derselben Pflanze liefern den Saflor, welcher von Stein als identisch befunden wurde mit Rutin (cf. Buchweizen S. 354).
Die Cynara-Arten (Artischocken, Kardondisteln), liefern einen von Chlorophyll verschiedenen, grünen Farbstoff, welcher mit dem chinesischen Grün übereinstimmt. Dieses letztere stammt vom Rhamnus chlorophora, dem chinesischen, grünfär­benden Wegdorn, so dafs man mit der Annahme nicht fehl­gehen dürfte, dafs es sieh bei obiger Intoxikation um Quer-cetinderivatc handelt (cf. Rhamnus S. 351).
Die Ackergänsedistel (Sonchus arvensis) verursachte nach Lecouturier bei 70 Schafen Betäubung und Lähmung; sechs davon starben.
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 23
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3. Erbrechen, DurcMall, entzündliclie Selileim-
liautsehwellung ohne Ätzschorfe, Blutdissolntion,
Hämoglobinurie, Hautödem, fehlende fettige
Degeneration.
Buchweizen, Ruta, Pirola, Ledum, Coni-feren. Ferula, Hydrocotyle, Daucus,
S e n f ö 1 e.
Buchweizen.
Eigentümliche Erscheinungen werden durch Ge-nufs des Buchweizens, Polygonum fagopyrum (L. VIII, 1, Fagopyrinae, Fam. Polyganeae) hervorgerufen. Im allgemeinen hat man das Hauptgewicht auf die zu partieller Gangrän fuhrende Dermatitis gelegt, welche sich im Anschlufs an juckende und schmer­zende Ödeme ausbilden; es werden aber bei schwereren Fällen spastische Paralyse, Atemnot, vermehrte Spei­chelsekretion und Krämpfe keineswegs vermifst und verdienen diese Symptome einer hämorrhagischen Diathese volle Beachtung.
Rabe sah zwei halbjährige Pferde, denen 3—4 Tage hintereinander je ca. 21 pro die an Buchweizen verabreicht worden war, unter den Erscheinungen von Schwindel und epileptiformen Krämpfen (Opisthotonus, klonische Krämpfe der Extremitäten) erkranken. Kurz nach dem Aufhören der Buchweizen - Fütterung ver­schwanden die angegebenen Symptome.
Junge Schweine, welche Buchweizenkleie erhielten, zeigten meist zwei Stunden nach der Fütterung be­schleunigtes, abgebrochenes Atmen, Unruhe, Schreien, Schäumen aus dem Maul. Drehen im Kreise bis zum Umfallen, Gefühllosigkeit, krankhafte Zuckungen an
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den Extremitäten und den Lippen, die 1il2 — 1 Stunde andauern. Darauf erheben sich die Tiere, sind sehr matt und schwanken im Laufen, erholen sich aber bis zum nächsten Tage. Nach wiederholter Aufnahme von Buchweizen erneuern sich die Anfälle. Seltsamerweise bleiben schwarze, bunte und rote Schweine verschont. Im Winter und bei trübem Wetter treten die Anfälle gewöhnlich weniger häufig auf und fehlen in einigen Jahren gänzlich, in anderen erfolgen solche häufig und dann auch im Winter.
Anschwellungen des Kopfes, entzündliche Ödeme an den Ohrmuscheln etc. kommen bei Schweinen mit­unter ebenfalls vor. Weifsfleckige Kühe sollen an den weifsen Stellen einen Ausschlag bekommen. Das grüne Buchweizenkraut erzeugt bei den letzteren diese Wir­kung nicht, aber auf Schafe wirkt das frisch abge­blühte Kraut ebenso nachteilig, als die Körner. Bei den Schafen ist das Allgemeinbefinden bisweilen weniger beeinträchtigt, und es zeigt sich vorwiegend die Neigung zu Ödembildung am Kopf mit der Ten­denz zur Verschorfung („Kopfrosequot;). Die weifsen und weifsgefleckten Schafe disponieren in viel höherem Grade zur Erkrankung, als die gänzlich pigmentierten. Im Buchweizen ist von Stein ein Glykosid gefunden worden, das
Eutin, C42H50O25 (E. Schunk). Dasselbe krystallisiert aus Wasser in feinen, hellgelben, schwach seideglänzenden Nadeln. Im trockenen Zustand geruch- und geschmacklos, er­zeugen alkoholische Lösungen einen bitteren Geschmack. Abso­luter Alkohol löst wenig davon, Athcr nichts. Alkalien bewirken mit Leichtigkeit Lösung mit gelber Farbe, welche an der Luft durch O-Absorption in Braun übergeht. Bleiacetat giebt gelbe Fällung, Eisenchlorid dunkelgrüne Färbung. Es wirkt stark reduzierend. Aus Gold- und Silberlösungen scheidet Kutin be­reits in der Kälte die Metalle aus. Durch Kochen mit Säuren wird es gespalten in Rhamnose (Methylarahinose) und Quer-
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cetin nach der Formel C^ H50 0^, - #9632; H20 = Inwieweit dieses Glykosid oder dessen Umsetzungsprodukte resp. jene des Quercetins (cf. Ehamnus eatharticus) für die be­sonderen toxischen Eigenschaften des Buchweizens in Frage kommen, ist vorläufig unaufgeklärt. Dafs aber eine stark redu­zierende Substanz, deren Zersetzungsprodukte diese Eigentüm­lichkeit in noch höherem Mafse besitzen, für die Blutbeschaifen-heit nicht gleichgültig sein kann, liegt auf der Hand.
Aus Quercetin entsteht durch Spaltung mit Alkalien ein P h 1 o -r o g 1 u c i n, CüH3(OH)3(Querciglucin, Schmelzp. 174deg;), welches sich von dem aus Phloridzin erhaltenen durch das Fehlen der Eisen­reaktion unterscheidet, und Quorcetinsäure, CiriH10O7, neben Paradiscetin, C^H^Ou, welches sich auf Zusatz von Salzsäure in grünlich gelben Flecken abscheidet. Quercetinsäure spaltet sich bei Behandlung mit Kalilauge in Protokatechusäure und Quercimerinsäure, welcher Vorgang ausgedrückt wird durch die Formeln:
C15H10O, H3O = C7H6O4 C8HBO5. Die Quercimerinsäure ist eine Dikarbonsäure; mit Kali ge­schmolzen, geht sie unter CCVEntwickelung in Protokatechu-
COOH(l) säure, C6H3ZOH (3) über. \ OH (4)
Wird das Quercetin in alkalischer Lösung mit Natrium­amalgam reduziert, so entstehen neben Phloroglucin zwei krystallisierende Substanzen CigH1909 und C^HgO^, von denen die erste, schwach sauer reagierende, durch Oxydation mit Eisen-chlorid eine dunkel violettrote, die anderen im Wasser leichter lösliche, eine grüne Farbe giebt, welche durch kohlensaures Natron in Purpurviolett übergeht (Alizarinderivate cf. Rhamnus).
Ähnliche Farbstoffe scheinen auch in der Milch der Kühe beobachtet worden zu sein, wenigstens ist es verbürgt, dafs nach reichlicher Fütterung mit Polygouum aviculare (Vogel­knöterich), die Milch blaue Farbe annimmt.
In welcher Weise das Phloroglucin, das Isomore des Pyro-gallol auf das Blut einwirkt, ist bereits bei Besprechung der Gerbsäure- und Pyrogollolwirkung mitgeteilt.
Polygonum persicaria, hydropiper.
Nach dem Genüsse von Gerstenschrot, welcher mit Samen von Polygonum persicaria, pfirsichblätteriger Knöterich, Floh­kraut (L. VIII, 1, Polygoneae), stark durchsetzt war, sah Meyer 14 Tage nach Beginn der Fütterung bei Schweinen
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Harnbeschwerdeu, Kolikerscheinungen und Tod eintreten. Bei der Obduktion wurde Gastroenteritis und Cystisis gefunden. Als entzündungserregende Substanz hat man die Polygonin-säure angesprochen. Dieselbe besteht aus Gallussäure und Gerbsäure (Quercetinderivate?). P. hydropiper, Wasserpfeffer, soll Biutharnen das Kraut bei äufserlicher Anwendung Haut-röte erzeugen.
Buta.
Ein Bestandteil der Garten- oder Weiuraute, Ruta gra-veolens (L. X. 1, Terebinthinae, Farn. Rutaceae), das Rut in hat bereits bei Besprechung des Buchweizens Erwähnung ge­funden. Das vonKatzenundangeblichauchvoiiRatten auf grofso Entfernungen gemiedene Kraut, enthält ein schwach gelbliches, angenehm riechendes Ol(Rautenöl), welches aus einem bei 200deg; siedendem Kohlenwasserstoff und einem bläulich violett fluores-cierendem 01 besteht. Dasselbe hat die Zusammensetzung Ci0H10(CH)3O und ist aufzufassen als Methylcaprinol oder Methylpelargonylketon (H a r b o r d t s, 6 i e s e c k e). Nach O r f i 1 a bedingt 1,0 g des Eautenöls, intravenös einem Hunde beige­gebracht, in zwei Minuten Erbrechen, Schwindel und Lähmung der Hinterbeine, aber nicht den Tod.
Pirola.
Pirola, Wintergrün, (Jj. X. 1), eine für sieh stehende Gruppe der Ericacea bildend, steht in dem Verdacht, bei den Rindern Blutharnen zu erzeugen (W e i n m a n n). Am häufigsten sind in schattigen Wäldern vertreten P. rotundifolia, minor, secunda (einseitsblütiges Wintergrün) und uniflora.
Von den Bestandteilen sind ermittelt: Ericolin (cf. Rhodo­dendron), Urs on C20H32O2 (Roc bieder), in seideglänzenden Nadeln krystallisierender, nur in Alkohol und Äther löslicher Bitterstoff, welcher sich in konzentrierter Schwefelsäure orange­gelb löst, Arbutin C^HjeG,, bitteres, in hygroskopischen Nadeln krystallisierendes Glykosid. Es färbt sich mit Eisenchlorid blau und liefert bei der Hydrolyse Hydrochinon: Ci2Hi60T H20=C6H4(OH)2 -f C6HiS06). M e th y 1 a rb u t i n, C,2H1B (CHS) 07, giebt Hydrochinonmethyläther, CG H4 (OH) (O-CHg), Gallussäure, CsH^OH^COOH, und Digallussäure,
Die Hämoglobinurie dürfte wesentlich auf die Umsetzungs­produkte der Digallussäure (cf. Pyrogallol) zu beziehen sein.
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Ledum.
In Ledum palustre, Sumpfporst, Mottenkraut, wilder Ros­marin (L. ,X, 1, Fain. Ehododendreae, Ericaceae), findet sich Ericolin (cf. Rhododendron), Arbutin, Methylarbutin (cf. Pirola) und Leditannsäure, ein rötliches, Eisenchlorid dunkel­grün färbendes Pulver, für welches Willigk die Zusammen­setzung C2SH15Oi5 annimmt. Beim Kochen des letzteren mit Mineralsäuren scheidet sich Ledixanthin (Cj^eOo) ab.
Das ätherische 01 (Porschöl), von welchem die blühende Pflanze ca. 0,2 pCt. enthält, reagiert schwach sauer, riecht durch­dringend und schmeckt brennend. Durch Schwefelsäure ent­steht Eotfärbung, durch Eisenchlorid violette Farbe. Die letzt­erwähnte Reaktion ist höchst wahrscheinlich auf Salicylsäure-derivate zu beziehen. Für die Anwesenheit solcher spricht die Isolierung einer Säure durch Froh de in Form einer Substanz C8H1004, welche sich von der Salicylsäure, C7H603, nur durch ein Plus von CH2 und H20 unterscheidet. Weiter fand derselbe ein bei 160deg; siedendes Camphen (Gaultherilen ?) und ein bei 240—242deg; siedendes, sauerstoffhaltiges 01 von der Zusammensetzung des Ericinol, Ci0H160.
Beim Menschen äufsern sich die Vergiftungssymptome (nach Dekokten) in Muskelzuckungen, Dyspnöe, frequentem Puls, Erbrechen, Coma. Abortus erfolgt nicht (Orfila). Hart­wig gab das Kraut sowohl frisch als getrocknet zu 60—180,0 g täglich zweimal Pferden vier Wochen hindurch ein, ohne dafs erhebliche Vergiftungssymptome eintraten. Für Ziegen soll es ganz unschädlich sein. Das Waschen der Tiere mit einer Abkochung des Krautes (60 g zu 500 g Colatur) ist ein sicheres Mittel zum Töten und Vertreiben der Läuse.
Coniferae. Die Angehörigen der Familie der Abietinien (L. XXI, 2), die Kiefer (Pinus silvestris), Fichte (Pinus abies) und Tanne (Pinus picea) enthalten in ihren nadelfbrmigen Blättern, den Zweigen etc. Harz (wesent­lich bestehend aus dem Anhydrid der zweibasischen Abietinsäure, C44H6405), die Grlykoside Pinipi-k r i n, C^HggOü (bitter schmeckend), und C o n i f e r i n, C16H2a08 2H20, eisengrünende Gerbsäure (iden­tisch mit Kastaniengerbsäure, 02(3240x2) und äthe-
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risches 01, Terpentinöl, wovon letzteres ein Gemenge von Kohlenwasserstoffen darstellt, deren Zusammen­setzung der Formel C10H16 entspricht.
Diese Terpene, von welchen bisher neun Isomere, C10H16 scharf unterschieden werden können (Pinen, Camphen, Fenchen, Limonen, Dipenten, Sylvestren, Terpinolen, Terpinen, Phellan-dren), sind anscheinend samt und sonders Abkömmlinge des Cymol (CI0H14, Paramethylisopropylbenzol O. Widmann)
CH^— C-H—CH^
1 0
/%
H—C C-H
11 1 H—C C-H
V
Sie charakterisieren sich sämtlich durch die Eigenschaft, bei höherer Temperatur gröfstenteils in ungesättigte Kohlen­wasserstoffe der Valerylenreihe, CjHs (Penten) zu zerfallen, deren bekanntester Repräsentant das Isopren ist. Dieses kann durch Polymerisation wieder in die Terpene übergehen.
Den Grundbestandteil der gewöhnlichen Terpentinölsorten bildet das Pinen, welches überhaupt in dem ätherischen Öl der meisten Nadelhölzer überwiegend, in gröfscrer oder kleinerer Menge auch in geradezu zahllosen anderen ätherischen Ölen vorkommt. Das Pinen ist aufzufassen als ein Hydrocymol, als solches aber keine gewöhnliche Hydroverbindung der Benzol­reihe, sondern ein aromatischer Körper, welcher gerade wie der Kampher eine Diagonalbindung enthält. Durch O. W a 11 a c h wurde für Pinen die von G. Wagner rectificierte Formel aufgestellt:
CH3—CH —CH3
CH
HO SCH2
H2C^C \ '' C
CH,
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Als ein nie fehlender Bestandteil der Fichtennadelöle ist ferner nachgewiesen Limoncn, welches im Fichteustamm nicht vorkommt und in russischem und schwedischem Terpentinöl, das mit dem Limonen strukturidentische Dipenten. Letzteres entspricht der inaktiven „Traubonsäure-Modifikationquot; des in einer rechts- und linksdrehenden Form existierenden Limonen. — In Schweden werden meist nur Wurzeln und oberirdische Stammreste, die nach dem Fällen der Fichten übrig bleiben, zur Verarbeitung auf Terpentinöl benutzt. Wahrscheinlich infolge der Veränderungen, welche in dem, nach dem Abholzen nicht gleich absterbenden Stammreste vor sich gehen (Verkie-uung), bildet sich Sylvestren, Fichtelit und Eeten. Das erstere stellt einen Bestandteil des schwedischen (und russischen) Ter­pentinöls dar, fehlt aber im amerikanischen. In seinem physi­kalischen und chemischen Verhalten steht das jedenfalls zwei Äthylenverbindungen enthaltende Sylvostren am nächsten dem Kechtslimoneu, von dem es sich aber namentlich durch die Unfähigkeit, inaktive Form anzunehmen, unterscheidet. Zur Aufstellung von Konstitutionsformeln für diese Gruppen reicht das bisher vorliegende analytische Material noch nicht aus (0. Wallach).
Das Harz der Abietineen enthält feste und flüssige Be­standteile. Nach A. Kenard bestehen die letzteren aus 80 pCt. Diterebenthyl, 10 pCt. Diterebenthj'len, C20H2S (einem dicken, bei 345—850deg; siedendem Öl) und 10 pCt. Didecen, C^oüs^ Durch Destillation des festen, als Kolophonium bezeichneten Anteils erhielten C. A. Bisch off und Nastvogel Colophen, C20H321 (ein Ditcrpcn) und eine Säure, die Isosylvinsäure, C20H32O2 isomer mit der sogen. Sylvinsäure und Pimarsäure.
Auf Tiere wirkt das Terpentinöl in gröfseren Mengen toxisch. Kaninchen sterben auf Gaben von 10 g ab, Hunde von 8 — 30 g nach Erbrechen und Verlust der Reflexerregbarkeit, meist unter Konvul­sionen resp. komatösen Erscheinungen. Der Tod er­folgt durch Lähmung der motorischen Herzganglien. Bei der Obduktion findet sich mehr oder weniger aus­gebreitete Gastroenteritis. Bei Pferden sieht man nach Einführung von 500—1000 g Koliksymptome, Durch­fall, zuweilen Hämaturie. Bei Vergiftungen mit sehr grofsen Dosen kann der Veilchengeruch des Harns
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fehlen. Intravenös töten 30 Tropfen einen Hund, 12,0 g ein Pferd (Hertwig). Bei fortgesetzter Zu­führung kleiner Mengen entsteht eine chronische Ter-pentinölvergiftuug, welche durch abnorme Abmagerung, Parese, Auftreten fettsaurer Salze in dem anfangs vermehr­ten, später spärlichen Harn, ferner durch Diarrhöe charakterisiert ist und ebenfalls zum Tode führen kann, der gewöhnlich auch unter Konvulsionen erfolgt. Die Sektion ergiebt nach protrahierter Intoxikation seröse Exsudate im Bauchraum und Herzbeutel, Hämorrhagien im Magen, Darm und Blase, venöse Hyperämie von Leber, Milz und Nieren und schlaffe Beschaffenheit des Herzmuskels (Köhler und Kobert).
Über die W i r k u n g des Terpentinöls ist nach dem Bericht von G r i n s e r von einem (russischen) Kutscher an seinem mit chronischem Husten behafteten Pferde eine Procedur vorgenommen worden, welche einem toxikologischen Versuch fast gleich kommt. Der Mann hatte die geniale Idee, den Husten durch Terpentinöl­inhalationen vertreiben zu wollen. Zu diesem Zweck fixierte er den Kopf des Pferdes und führte in jedes Nasenloch den Hals je einer mit Terpentinöl gefüllten Flasche. Jedesmal zitterte das Pferd stark und hustete fast unaufhörlich. G. fand die Pupille dilatiert, die Conjunctiva hyperämisch, Nasenschleimhaut stark inji­ziert, die Nüstern erweitert. Aus der Nase flofs reich­licher, erst bernsteingelber, später rötlicher Schleim. Das Atmen sehr beschwerlich, krampfhaft, beschleu­nigt (60 — 70 p. M.) und oberflächlich, durch Husten unterbrochen. Herzschlag pochend. Puls beschleu­nigt, klein. Rektaltemperatur 39,6, Hauttemperatur an Extremitäten und Ohren wechselnd. Krampfhafte Zuckungen im M. tensor fasciae latae und Zittern
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der ganzen Hinterhand. Maul krampfhaft geschlossen, Reflexthätigkeit gesteigert. Patient steht ungern auf. G. wandte sofort Chloroforminhalationen an, nach­träglich Chloroform und Äther (3 :1). Am dritten Tage hörte das Zittern auf, der ominöse Husten war für immer verschwunden.
Über eine Intoxikation durch Aufnahme von Fichtenzweigen macht Jansen folgende Angaben. Von einem an eine Fichte angebundenen Gespann hatte ein Pferd die erreichbaren Sprossen gierig ver­zehrt. Als auffälligstes Symptom stellte sich Dyspnöe und schnaufendes Geränsch beim Atmen ein, welches beim Ziehen verstärkt hervortrat. Maul- und Rachen­schleimhaut stark geschwollen. Puls frequent, Futter­aufnahme wurde verweigert. Nach 4—5 Stunden Ab­nahme der Atembeschwerden, Koliksymptome. Ge­nesung am nächsten Tage.
Bei subkutaner Anwendung des Terpentinöls ent­stehen nicht selten umfangreiche Abscesse. Model injizierte einem Pferde an der Schulter 1 g, worauf sich ein Abscefs bildete, bei dessen Eröffnung 3/4 1 Eiter sich entleerte. Das Pferd war fünf Wochen ge­brauchsunfähig. Trine her a macht darauf aufmerk­sam, dafs entzündliches Ödem und eiterige Phlegmone bei strenger Antiseptis nicht auftreten. Unter antisep­tischen Kautelen injizierte derselbe bis zu 40 g sub­kutan oder intramuskulär, wobei kaum bemerkens­werte lokale und keine allgemeinen Symptome auf­traten.
Behandlung: Symptomatisch. Bei gesteigerter Reflexerregbarkeit Chloroform oder Chloralhydrat, Morphium, Bromkalium. Schleimige, einhüllende Mittel.
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Nachweis: Loison erhitzt den Verdampfungs-rückstand des Harns mit Alkohol zum Sieden und läfst die Dämpfe auf Antimonchlorür einwirken. Bei Gegenwart von Terpentinölderivaten entsteht Rotfär­bung. Seh miedeberg isolierte aus dem Harn eine N-freie, linksdrehende, schwach reduzierende, gepaarte Säure, welche er Terpenoylglykuronsäure nannte. Die­selbe liefert bei der Spaltung Glykuronsäure und einen öligen, im Wasser unlöslichen, aber mit Wasserdämpfen übergehenden, nicht reduzierenden Körper, dessen Formel C10H16O von E. Külz bestätigt wurde. Letz­terer bezeichnet dieses Oxydationsprodukt als Terpinol.
Cupressineae.
Von einer zweiton Familie der Coniferen sind zu nennen der Sadebaum (Juniperus Sabina) und virgiuischer oder roter Wachholder (J. virginiana L. XXII, 6), welche ebenfalls wesent­lich durch ihren Gehalt an ätherischem Öl toxisch wirken können.
Oleum Sabinae, ein Gemisch von Terpenen, C10H10, mit Sesquiterpenen, Cir,H24, von durchdringendem Geruch, tötet schon zu 8,0 g Kaninchen, Katzen und Hunde in Zeit von 7—14 Stunden unter den Erscheinungen der akuten Gastroenteritis, Peritonitis, starker Füllung der Bauchgefäfse, (Erbrechen und hämorrhagische Diarrhöe beim Hund), Puls- und Atembeschleu­nigung, später Insensibilität, Parese und terminalen Konvul­sionen. — Hunde sterben nach Schlundunterbindung auf 15—22 g der gepulverten Sabina. Rinder und Schafe, welche gröfsere Quantitäten der Pflanzen aufnehmen, erkranken bisweilen unter schmerzhafter Aufblähung des Leibes, Appetitverlust, Fieber, unter Verstopfung oder später sich einstellender blutiger Diar­rhöe. Pferde können bis 500 g mit dem Futter vertragen, ohne dafs erhebliche Störungen des Allgemeinbefindens auftreten (Hartwig). Die fortgesetzte Benutzung eines Infusums von Sadebaumzweigen zum Anfeuchten des Futters veranlafste mehrere Todesfälle in einem Pferdebestande von 10 Häuptern. Die jüngsten erlagen zuerst und zwar 10 Tage nach dem erst-#9632;maligen Anfeuchten (Fuller). Bei trächtigen Hunden konnte Hertwig mit 7,5 g Infus pro die Abortivwirkung nicht
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erzielen, ebensowenig bei tragenden Stuten durch gröfsere Dosen, womit nicht gesagt sein soll, dafs dieselbe nicht gelegentlich eintreten könnte. Spezifisch ist diese Wirkung jedoch keineswegs. Nach Fodere s Erfahrungen führten selbst Dosen von 100 Tropfen des reinen Öls, drei Wochen hindurch täglich genommen, beim Menschen keinen Abortus herbei.
Die toxische Wirkung ist somit von der des Terpentinöls nicht verschieden. Dasselbe gilt auch von dem Virginiaerhen Wachhold er Juniperus (Sabina) virginiana L., einer auch in Deutschland unter dem Namen amerikanische Ceder kultivierten Juniperusart. Cagnat beobachtete eine Vergiftung durch J. virg. bei zwei Ziegen, die auf der Weide von den Blättern frafsen, nach 12—16 Stunden erkrankten, indem Appetitlosigkeit, Zälmeknirschen, Vorsiegen der Milch und heftiger Durchfall eintrat, worauf sie bald zu Grunde gingen. Als Bestandteile des gewöhnlichen Wachholderbeeröls (von J. communis) ist ein über 180deg; siedender Terpen-Essigestcr und ein Sesquiterpen, C15H241 nachgewiesen (Schimmel).
W. Hoffmeister verglich die Bestandteile des aus Frondes Thujae occidentalis dargestellten ätherischen Öls, das rechts-und linksdrehonde, O-haltige Thujol und den Kohlen­wasserstoff Thujaterpen mit Oleum Sabinae. Die lokalen Er­scheinungen stimmen mit denen durch Oleum Sabinae hervor­gerufenen überein (Gastroenteritis etc.). Harucylinder sind vor­handen, Nephritis aber nicht nachweisbar. Thujol führt bei Warmblütern beftige Aufregung und Krämpfe herbei, während Thujaterpen und Sabinaöl im Gegenteil stark deprimierend auf die Krampfcentren wirken. Die Thujafarbstoffe Thujin und Thujigenin sind unwirksam.
Perula.
Vergiftungserscheinungen durch Aufnahme des grünen Teils von Ferula communis (L. V, 2), Steckenkraut, einer in Mittel- und Nordafrika wachsenden Pflanze, beobachtete Bre-mont bei verschiedenen, auf der Weide befindlichen Haus­säugern, von denen die Schafe sich am empfindlichsten erwiesen. Eigentümlicherweise sind die giftigen Eigenschaften der Pflanze nur während der Blütezeit (Februar, März) vorhanden und treten auch dann Intoxikationen erst nach sechs- bis achttägigem Beweiden der mit Ferula bestandenen Flächen auf, aber dann verheerend, da ca. 98 pCt. der ergriffenen Tiere fallen.
Die Vergiftungserscheinungen bestehen in einer ausge­sprochen hämorrhagischen Diathese, Nasenbluten, Hämaturie,
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Darmblutungen, Bildung von Hämatomen auf den Psoasmuskeln. Die Dauer der Krankheit wechselt von 12—48 Stunden.
Der Milchsaft von Ferula rubricaulis und galbanifluum, welche zu derselben Spezies gehören,enthält ein mit Terpentinöl isomeres Ol(Möfsmer) und schwefelhaltige Harze, ein saueres und ein indifferentes, von denen das letztere zu 15,0 g beim Menschen Purgieren bedingt (Semmer).
Hydrocotyle.
Hydrocotyle vulgaris, Nabelkraut, Wassernabel (L. V, 2, Umbelliferae) veranlafst Gastroenteritis und Blutharnen. Aus H. asiatica (tamuliseh Vällarai), welche gegen Lepra, Syphilis mit angeblichem Erfolg benutzt wurde, isolierte Lepine eine blafsgelbe, dickölige, starkriechende Masse von anhaltend bitterem Geschmack und neutraler Keaktion. Mit Wasser bildet die als Vellarin bezeichnete Substanz eine Emulsion.
Selinum.
Zu derselben Klasse wie Hydrocotyle zählt Selinum carvifolium, kämmelblättrige Silge, deren Wurzel, ebenso wie die des Wasser- oder Rofsfenchels (Phellandrium aquaticum), als giftverdächtig gilt. Blutharnen und Lähmung des Hinter­teils bewirken soll.
Die Früchte enthalten 0,8 pCt. ätherisches, durchdringend riechendes, auf Tiere nur in gröfseren Gaben giftig wirkendes 01. Es wird nach Pesci zum gröfsten Teil von einem Terpen, dem Phellandren, gebildet, welches nach 0. Wallach ein sehr reaktionsfähiger Körper ist und Neigung zu haben scheint, leicht in Cymol überzugehen. Vielleicht besitzt dasselbe gar keine ringförmige Anordnung der Atome, sondern ist möglicher­weise den Fettkörpern zuzurechnen. 2,0 g intern und sub­kutan, wirken bei Hunden noch nicht giftig (Malagosa).
Phellandren kann man leicht nachweisen, wenn man den mit Ligroin verdünnten Kohlenwasserstoff auf eine wässrige Lösung von Natriumnitrit schichtet und unter allmählichem Zusatz von Essigsäure umschüttelt. Bei Gegenwart von Phel­landren durchsetzt sich sehr schnell die Flüssigkeit mit sehr voluminösen Krystallen des Phellandrennitrit, CioH,6 • N2Oa.
Daucus.
Verfütterung von gelben Rüben (Daucus carota, L. V, 2, Mohrrübe, Carotte) bewirkt bei weifsen Mäusen rasches Hin-
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sterben derselben. Experimentelle Versuche bestätigten den Zusammenhang der Intoxikation mit dem Futter. Frettchen zeigten sich in gleicher Weise empfindlieh gegen gelbe Eüben.
Welchen von den Bestandteilen der Rübe die Giftwirkung zukommt, ist nach Ermittelung der Bestandteile des ätherischen Öles nicht mehr zweifelhaft. Bekannt sind Caroten, C26H3S (Arnaud), ein gelber, konstant auch als krystallinisches Pulver zu gewinnender, in den Chlorophyll-haltigen Pflanzenteilen vorhandener Kohlenwasserstoff. Derselbe nimmt avis der Luft 20 pCt. O auf; er löst sich in Schwefelsäure mit tief indigo­blauer Farbe. 100 kg Rüben geben 3 g Ausbeute. Physo-sterin, ein Cholesterin, identisch mit dem Hydrocarotin von A. Husemann. Daucusöl, zu den ätherischen Ölen gehörig, farblos, riecht und schmeckt durchdringend. Zu 0,012 pCt. in frischer Wurzel. Es dreht rechts und besteht nach Landsberg aus Einen und Cineol C10Hi8O, dem Hauptbestand­teil des Wurmsamenöles.
Der eingedickte, zuckerhaltige Prefssaft (Möhrensyrup) wurde früher als wurmwidriges Mittel benutzt.
Senföle.
Die Gattung Sinapis und verwandte Cruciferen (L. XV, 1, 2), speziell die Samen, enthalten das Alkaloid S i n a p i n (C16H23N05), M y r o n s ä u r e (C10H19NS2O10), resp. das Grlykosid S i n a 1 b i n (CaoH^NaSaOxg), aufser-dem die Glyceride der Eruca- und Behensäure (Eruca-säure, CaaH^Oa, Behensäure, C22H44O2, beide ungiftig).
Die Cardamine (Schaumkraut)-Arten enthalten nach Winckler einen der Myronsäure ähnlichen Körper, der durch Einwirkung des in den Samen enthaltenen Ferments Myrosin (eine eiweifsartige Substanz), bei Gegenwart von Wasser ein dem Meerrettigöl ähnliches Spaltungsprodukt giebt, welch es nach Ku­ba ttkamitdem A llylsenfölidentisch ist. Nach Plefs u.a. lie­fern die Gattungen A r a b i s, Gänsekresse, Er 7 s im am (Schotten­dotter), Cochlearia Armoracia (Meerrettig, Wurzeln),Ibe-r i s (Schleifenblume, Kraut und Samen), die Samen von R h a p h a -nus Raphanistrum (Ackerrettig). Capsellabursa pas-toris (Hirtentäschchen, Dekokt als Hämostaticum bei Uterus­blutungen), Sisymbrium (Rauke), ätherische Öle, welche mit dem ätherischen Senföl mehr oder weniger (bei Capsclla und Brassica Rapa vollständig) übereinstimmen. Das Kraut von Alliaria officinalis (Knoblauch-Hederich), sowie Kraut und
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Samen von Thlaspi arvense (Täsehelkraut)geben Senföl und Allylsulfid (Cj^aS.
Das S i n a p i n ist bisher in S i n a p i s alba, nigra und T u r -ritis glabra (Thurmkraut, Waldkohl) nachge-wiesen, und zwar in Verbindung mit Sclnvefelcyan (CNHS). Durch hydrolytische Spaltung zerfällt es in Cholin und Sinapinsäure (CjeH^NOs-f-2 HilO=Cl!HttN02 C11H1!108).
Cholin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sinapinsäure.
Siualbin, welches im weifsen Senf gleichsam die Stelle der Myronsäure im schwarzen Senf ersetzt, spaltet sich durch Myrosin in saures, schwefelsaures Sinapin (C10H24NO5)HSO.,, Traubenzucker, und Sinalbinsenföl (ParoxybenzylsenfÖl) C7H70-NCS.
Myronsäure als Kaliumsalz in den Pflanzen vertreten, giebt mit Myrosin (nicht mit Emulsin, Bierhefe oder Mund­speichel), saures Kaliumsulphat, Traubenzucker und Senföl (Allylsenföl), C3H5 — NCS. Das von Cochlearia officinalis zu gewinnende ätherische 01 ist nach A. W. v. Hoffmann Isobu-tylsenföl C^Hg—NCS.
Unter allen ätherischen Ölen wirkt Senföl am giftigsten. Nach Infusion, Subkutaninjektion, interner Applikation (in Emulsion) kleiner Mengen, ebenso nach Inhalation von 5—10 Tropfen tritt bei Hunden, Katzen, Kaninchen (von 4 g intern nach zwei Stun­den, 15 g nach V* Stande, Mit seh er lieh) der Tod ein. Anfangs Erregung des vasomotorischen und des Atemcentrums, der Reflexcentren des Rückenmarks, dann Lähmung des Rückenmarks, Abnahme der Herz­frequenz, Respirationsparalyse; das Herz überlebt. Bei akuter Vergiftung findet sich häufig Pneumonia. Das arterielle Blut zeigt kirschrote bis dunkelbraune Fär­bung. Chronische Vergiftung vom Magen aus verur­sacht Gastroenteritis mit lokalen Hämorrhagien, aber gewöhnlich keine Leberverfettung (Köhler und H e n z e).
Die fetten Öle sind unschädlich.
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Von den nicht gepulverten Samen vertragen die grofsen Pflanzenfresser beträchtliche Dosen ohne er­hebliche Störungen des Allgemeinbefindens. Her twig verabfolgte Pferden 480 g, Kühen 700 g auf einmal, wonach keine Entzündung der Darmmucosa eintrat.
Eine Reihe anderweitiger Beobachtungen haben ergeben, dafs eine toxische Wirkung durch Genufs der genannten Pflanzen intoto sehr wohl eintreten kann, wenn sie vorwiegend oder ausschliefslich als Futtermaterial benutzt werden.
Die Symptome lassen sich sämtlich auf eine Ver­giftung durch Senföl zurückführen, wozu auch das Cholin etwas beitragen mag (cf. Abschn. VIII). Zuerst machen sich Kolikerscheinungen bemerklich (Stöhnen, Umsehen nach dem Leibe), Puls- und Atemfrequenz (Heyne, Beweiden eines Ackers, welcher nur mit E r y -simum c h ei r an th oi d e s bewachsen war). Auf­nahme gröfserer Quantitäten von Cochlearia Armo-r a c i a hatte bei 10 Kühen heftige Kolik und bei vier der­selben den Tod zur Folge. Die Obduktion ergab aus­gedehnte Gastritis (Mucosa des Pansens aufserordent-lich stark ödematös, Magenwand 5 —10 cm dick, (J arm er). Mitunter tritt neben Enteritis Pneumonie resp. Lungenödem auf, wie in einem Falle, von wel­chem Poncet berichtet. Ein Pferdebesitzer hatte längere Zeit hindurch Gerste und als Heusurrogat Sinapis arvensis verabreicht. Nach Ablauf von ca. drei Wochen stellten sich gastrische Störungen ein, wobei gleichzeitig unter Husten reichliche Mengen schaumiger Flüssigkeit entleert wurden und ein Pferd beinahe erstickte. Aufnahme gröfserer Mengen von Arabis tartarica gab zu Erkrankung von 25 Pfer­den eines Gutes Veranlassung (Hartwig). Die Sym-
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ptome bestanden in Salivation und leichter Kolik. Einige Stunden später waren sämtliche Pferde vollständig steif, eine Erscheinung, welche auch nach Genufs von Sisymbrium toxophy 11 um (pfeilblättrige E.) auf­tritt. Letztere, eine südrussische Steppenpflanze (Wolga­distrikt), ist bei den russischen Fuhrleuten durch diese Eigenschaft bekannt. Ein Pferd starb in dem von H e r t w i g beobachteten Falle nach 36 Stunden, die • andern erholten sich im Laufe von 14 Tagen. Neben Kolikerscheinungen traten nach Verfütterung von blü­hendem Raps (Brassica Rapa) an zwei Kühe (Klein) die Symptome der Blutdissolution in den Vordergrund: Blutharnen, blutigseröse Ergüsse im Pleura-, Perikardial- und Peritonealraum und in den Hirnhöhlen. Im Labmagen und Duodenum hämor-rhagische Herde, Leber graugelb und brüchig. Der Tod war am Tage nach der Futteraufnahme erfolgt.
Ähnliche Symptome sind auch nach reichlicher Auf­nahme von Raps- oder Rübsenkuchen konstatiert worden. Neben den Erscheinungen der Gastroenteritis, Appetitverlust, Aufhören der Rumination, Stöhnen, Absatz trockener, oft blutiger Fäces, stellt sich Blut­harnen ein, tragende Kühe verkalben und unter zu­nehmender Somnolenz erfolgt der Tod, wenn keine Abhülfe eintritt, durchschnittlich innerhalb 3 — 4 Wochen. Die Milch der Muttertiere erzeugt bei Käl­bern selbst dann, wenn erstere keine Krankheits­erscheinungen zu erkennen geben, eine nicht selten tödliche Diarrhöe.
Zu beachten ist der Umstand, dafs beim Kochen der Prefskuchen das in denselben enthaltene Senföl sich verflüchtigt, resp. das Myrosin bereits bei 60deg; seine fermentativen Eigenschaften verliert. Ebenso
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 24
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wird durch Rösten Myrosin unwirksam. Ulbricht gewann aus Prefskuchen von schwarzem Senf, deren Samen vor dem Pressen geröstet worden waren, 0,01 pCt. Senföl, aus demselben Kuchenmaterial nach Zusatz von etwas frischem Senf dagegen 0,8—1,0 pCt. Senföl.
Zum Nachweis läfst sich event, eine von L. Voltmer angegebene Reaktion verwerten. Beim Zu­sammenbringen und Erwärmen von Hydroxylamin und senfölhaltiger Destillate in alkoholischer Lösung ent­steht eine heftige Umsetzung, wobei sich konstant der Schwefel des Senföls, wahrscheinlich unter Bildung von Allylcyanamid, abscheidet.
4. Erbrechen, Durchfall, Blutdissolution.
Chlornatrium. Chlorate, Nitroglycerin, Dy­namit, Kainit, Kaliuinnitrat,Mauersalpeter, Natriumj odid, Natriumnitrat, Natrium­sulfat.
Chlornatrium.
Das Kochsalz, Na Cl, ein Neutralsalz, dessen Vor­handensein im Tierkörper für den Ablauf der normalen biologischen Funktionen eine Notwendigkeit ist, kann durch Aufnahme von übermäfsig grofsen Quantitäten zu einem tödlichen Gift werden.
Das Verständnis der schädigenden Wirkung ist durch die Versuche von K. Hein;; gefördert worden. Gelangt Koch­salz in einer derartigen Menge in das Blut, dafs der durch­schnittliche physiologische Gehalt daran bis zu gewissem Grade überstiegen wird, dann treten Schrutnpfungserscheinungen an den Blutkörperchen auf, welche sich beim Frosch in einem deutlicheren Hervortreten des Kernes und Faltungen des Ran-
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des bemerklich machen. Die geschädigten roten Blutkörperchen weisen nach 48—72 Stunden stark lichtbrechende Kügelchen auf, welche aus abgestorbenen Eiweifsbestandteilen des Stroma bestehen.
Derartig veränderte Erythrocythen gehen sämtlich zu Grunde. Am vierten oder fünften Tage nach der Injektion finden sich im Blut nur äufserst spärliche rote Blutkörperchen, häufig weniger davon als weifse. Das Blut erscheint nur noch schwach rötlich, die Organe zeigen sämtlich die äufserste Blässe. Die Milz vergröfsert, deren Zellen mit Trümmern von roten Blut­körperchen angefüllt. Die Frösche, die sich von der akuten Wirkung einer Kochsalzinjektion scheinbar völlig erholt haben, gehen dennoch nach mehreren Tagen zu Grunde; über den Grund gaben die Versuche an Warmblütern Aiifklärung. Bei diesen treten nach subkutaner Injektion konzentrierter Koch­salzlösungen dieselben Veränderungen der Blutkörperchen ein, deren nachteilige Folgen aber noch schlechter vertragen werden. Guttmann tötete Kaninchen, durch 5 g Kochsalz, welches er denselben in 20 pCt. Lösung beibrachte. Die Tiere sterben unter immer mehr zunehmender Schwäche; sie liegen zuletzt kraftlos auf der Seite und vermögen sich aus unnatürlichen, ihnen auf­gezwungenen Stellungen nicht zu erheben. Zuweilen stellen sich krampfhafte Zuckungen ein, wohl beruhend auf Reizung des Rückenmarks durch das stark gesalzene Blut. Der Blutdruck sinkt unaufhaltsam bis zum Tode, ohne dafs Zufuhr von Wasser daran etwas ändert. Das vasomotorische Centrum ist dabei nicht beteiligt. Aufschlufs über die Druckverminderung ergiebt die von Filehne verschiedentlich erprobte Selbstfärbung des Tieres durch Indigkarmin, Eosin etc., wodurch zahlreiche Ver­legungen der Gefäfsgebiete in Lungen, Magen, Niere etc. durch zerstörte Ery throcythen resp. durch ungefärbte Stromata manifest werden. Den bei der Autoinfusion ungefärbt bleibenden Stellen, entsprechen gröfsere oder kleinere hämorrhagische, auf thrombo-tischer Basis entstandene Infarkte. Das im Plasma aufgelöste Hämoglobin wird zum Teil durch die Galle entfernt und erst bei einem gewissen Überschufs von Hämoglobin im Plasma kommt es zu Hämoglobinurie. Ein weiterer Befund ist die intensive Ent­zündung des Dünndarms. Schleimhaut geschwollen, gerötet, stellenweise massenhafte Hämorrhagien, welche aber nicht auf Infarcierung beruhen, da die Rötung eine diffuse ist und die Anto'infusion gleichmäfsige Färbung ergiebt. H. bezieht das vorhandene hämorrhagische Ödem auf Abscheidung sehr Koch­salz-reichen Darmsekrets. Dafs Sekretionsvorgänge in Frage kommen, lehrte die Sistierung des wässerigen Sekretes aus
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Maul und Nase bei Atropininjektion. Zuweilen findet sich auch Lungenödem.
A. Kirstein, welcher Transfusionen mit Kochsalz­lösung beim Menschen von antipyretischer Wirkung fand, kommt zu der Ansicht, dafs selbst in physiologischer Ver­dünnung (0,6—0,7 pCt.) die Lösung keine ganz indifferente Verdünnungsflüssigkeit ist.
Das Verhalten der Tiere wechselt einigermafsen, je nach der Applikationsmethode und der Konzentration. Gesättigte (26 pCt.) Lösungen verursachten bei Fröschen heftige gastrische Reizung und Erbrechen. Bei der Injektion von 0,5—1 cbcm konzentrierter Flüssigkeit bleiben die Tiere zunächst mit lor-dotisch gekrümmten Rücken einige Zeit bewegungslos und springen nach Überwindung des Choc auf das lebhafteste um­her. Allmählich tritt Beruhigung ein, es greift zunehmende Mattigkeit Platz, die Respiration wird unregelmäfsig und sistiert zuletzt vollständig. Die anfangs erhöhte Reflexerregbarkeit mindert sich und macht einer vollständigen reflektorischen Uner-regbarkeit Platz. Ähnliches gilt von der Motilität. Kleine Dosen verursachen heftige, an Tetanus streifende Kontraktionen. Die Muskeln verharren auf tetanisierende Reize vom Rückenmark oder von Nerven aus noch längere Zeit im Tetanus nach Auf­hören des Reizes. Die Erregbarkeit des Muskels selbst kann dabei stark vermindert sein. Bei Landfröschen (R. temporaria) entsteht komplete Lähmung durchschnittlich viel früher, als bei Wasserfröschen (R. esculenta). Eine Einwirkung auf das Herz leugnen manche Untersucher (Guttmann, Bunge). Nach den Versuchen von Limbourg tritt zunächst am blofsgelegten Froschherz ein Stadium erhöhter Thätigkeit ein, die Herz­aktion nimmt aber ab, die Cirkulation hört trotz der Herzkon­traktionen auf, die Diastole verlängert sich und schliefslich steht das Herz in Diastole still. Nach grofsen Dosen verharrt das systolische Herz in einem Starre-ähnlichen Zustand, welcher an der Herzspitze beginnt. Der Vagus ist dabei vollkommen unbeteiligt. Bei langsamer Vergiftung mufs man eine Läh­mung der kardialen Centren, direkte Muskelwirkung bei akutem Verlauf annehmen.
Bei Warmblütern bestehen nach Ingestion dieselben Reizerscheinungen wie bei Kaltblütern. Appetitverlust, Würgen, Erbrechen, Koliksymptome, Tympanitis oder wässeriger, zuweilen blutiger Durchfall (bei raschem Tod fehlend, meist erst nach reichlicher Wasserauf-
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nähme), starker Durst, Schäumen, Schweifsausbruch, Harndrang, kleiner, frequenter Puls, Dyspnöe, stierer Blick, mitunter Blindheit, grofse Mattigkeit, Zittern bei etwas protrahiertem Verlauf, klonische Krämpfe und Muskelzuckungen, Lähmung, gewöhnlich zuerst im Hinterteil, zuweilen auch am Schlundkopf, an der Zunge und Tod unter Konvulsionen, das sind die Symptome, unter denen alljährlich Rinder und Schafe unter der wohl­wollenden Fürsorge der Viehbesitzer und Schäfer hin­sterben, ebenso Schweine nach Aufnahme von Salz­lake oder salzhaltigen Küchenabfällen etc. Der Ver­lauf ist gewöhnlich sehr akut. Der Tod erfolgt inner­halb 12 Stunden bis drei Tagen. Mitunter erstreckt sich die Dauer der Erkrankung auf längere Zeit und kommt es alsdann bei Wiederkäuern zu intensivem, de-squamativen Katarrh der Digestionsschleimhaut mit Bildung von zusammenhängenden Pseudomembranen. Ebenso sind chronisch verlaufende Fälle nach andauern­der Aufnahme kleinerer, aber toxischer Dosen bekannt, welche zuweilen ausgesprochen anämische, unter Ab­magerung etc. verlaufende Zustände schaffen.
Dosisletalis für Hühner und Schaf lämmer 15 g, für Hunde 3—4 g p. KK., ftir Schafe und Schweine 200—300 g, ftir Pferde 1—1,5 kg, für Rinder 2—3 kg.
In chronischen Fällen findet man bei der Obduk­tion nur geringe entzündliche Veränderung an der Schleimhaut des Digestionstraktus, bei akuter Intoxika­tion starke Rötung (bei Wiederkäuern vom vierten Magen ab) Glomerulosnephritis, Rötung der Blasenschleimhaut event, croupöse Membranen, Ekchymosen am Herzen, Infarkte an den Lungen und Ödem, Blut dunkel, locker geronnen oder hellrot, Gehirn und Rückenmark hyper-ämisch und ödematös.
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Der Nachweis ist gesichert, wenn aus dem wässe­rigen Extrakt der Contenta oder dem Blut ungewöhn­lich grofse Mengen von Kochsalzkrystallen erhalten werden können, deren Indentifizierung durch die Flammenreaktion (Gelbfärbung) und durch Silbernitrat gelingt.
Für die Behandlung sind Brechmittel und Laxantien (Ricinusöl, keine salinischen Abführmittel) nachträglich vorsichtige, wässerig schleimige Infusionen per es oder Klystiere angezeigt. Bei rascher, reich­licher Wasserzufuhr kann der Tod in kürzester Frist durch allgemeine kapillare Thrombose erfolgen.
Von Excitantien giebt man Coffein in erster Linie. Ammoniumverbindungen, welche die Blutdissolution mir fördern können, sind unter allen Umständen zu vermeiden.
Chlorate.
Das chlorsaure Kali KCIO3 und das entsprechende Natriumsalz haben in Bezug auf Haustiere viel geringere toxikologische Bedeutung als beim Menschen. Die deletäre Wirkungen des chlor sauren Kali ist so häufig Ursache tödlicher Vergiftungen geworden, dafs es 0. K 0 h t s geradezu als einen Kunstfehler des Arztes be­zeichnet, wenn dieser für Kinder, namentlich Säuglinge, chlorsaures Kali zu Gurgelwässern oder Pinselungen verschreibt. Der einzige Knabe einer mir verwandten Familie ist, wie ich nicht verschweigen will, der Un­wissenheit eines Arztes zum Opfer gefallen. Die Chlo­rate wirken hauptsächlich durch die oxydierende Chlor­säure zersetzend auf den Blutfarbstoff; die Salzwirkung kommt erst in zweiter Linie in Betracht, wie aus Ver­suchen von R. v. Limbeck hervorgeht.
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Unter Einflufs isotonischer Chloratlösung nimmt die Zahl der roten Blutkörperchen ab, zu einer Zeit, wo unvermischtes oder mit isotonischer Kochsalzlösung gemengtes Blut durchaus keine Verminderung der roten Blutkörperchen aufweist. Diese Verminderung tritt unter gleichen Bedingungen bei Hundeblut viel früher auf als beim Kaninchenblut. Der Abnahme der Zahl geht Braunfärbung (Dunkelrotbraun- bis zur Schokoladc-oder Sepiafärbung) durch Methämoglobinbildung und bei kon-zentrierteren Lösungen durch Hämatinbildung, voran. Die Giftwirkung des Chlorats auf den Blutfarbstoff ist sonach eher nachweisbar, als seine Wirkung auf die äufsere Form der roten Blutkörperchen. Dem Metliämoglobin und Hämatin geht die Fähigkeit, den O-Transport zu vermitteln, ab.
Das Absorptionsspectrum einer angesäuerten Methämo­globinlösung enthält einen scharf ausgeprägten Streifen bei der Frauenhofersehen Linie C, und fällt im übrigen fast mit demjenigen des Hämatin in saurer Lösung zusammen, unter sich aber von diesem dadurch, dafs es bei Zusatz von etwas Alkali und Stokes scher Flüssigkeit in das Spectrum des reduzierten Hämoglobin übergeht, während Hämatin unter denselben Umständen die spektroskopischen Eigenschaften einer alkalischen Hämochromogenlösung annimmt.
Trotz der Blutveränderung kann Genesung erfolgen. Brenner gab einer Bulldogge mittlerer Gröfse 15,0 g Kali chloric, in Lösung auf einmal innerlich am Morgen. Erbrechen erfolgte, wie sonst gewöhnlich, in diesem Falle nicht. Mittags keine Frefslust. Nachmittags geringere Munterkeit, heller Urin. Abends kauerte der Hund im Winkel, seit mehreren Stunden kein Urin. In der Nacht schwarzer Urin. Am andern Tage fortwährend Harndrang, wenige Tropfen dunklen Harns. Allmäh­lich hellt sich der Urin auf. Nach 6—7 Tagen voll­ständige Heilung.
Tödliche Dosen bedingen nicht immer die gleichen Veränderungen. Es sind folgende Fälle zu unter­scheiden.
AkuteVergiftung. Ein Hund erhielt eine intra-peritoneale Injektion von 1,2 g Natr. chloric, p. KK.
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Beginnende Blutveränderimg an dem aus der Arterie fliefsendem Blut 58 Minuten, Tod 67 Minuten nach der Injektion. Blut dunkel chokoladenbraun, keine Milz­schwellung oder Nierenaffektion.
Subakuter Verlauf. Einem kräftigen Hunde werden 2,8gNatr. chloric, p. KK. innerlich beigebracht. Tod am folgenden Tage. Blut dunkel chokoladenbraun, kolossale Milzschwellung, höchster Grad von Blutfarb­stoffausscheidung in Nieren und Urin, im Knochen­mark wie in der Milz massenhafte Trümmer roter Blut­körperchen. — Dieser Zustand wird zuweilen, wie aus dem ersten Beispiel hervorgeht, überstanden. Indes kann der Tod auch noch sekundär eintreten nach Ab­lauf der Blutfarbstoffausscheidung, und zwar infolge Verstopfung der geraden Harnkanälchen der Nieren durch bräunlichrote Eiweifsmassen. Der Tod erfolgt in solchen Fällen unter cerebralen Erscheinungen bei bestehender Anurie. Fortgesetzte kleinere Dosen be­dingen starke Polyurie (L e b e d e f f, M a r c h a n d) und, wie J. Cahn konstatierte, Glycosurie nicht nur bei Hunden (bis 3,6 pCt. Zucker im Harn), sondern auch bei Kaninchen.
Bei letzteren führte L. Riefs Kaliurachlorat in 5 pCt. Lösung in den Magen ein. Nach 1,2 —5,6 g p. KK. starben die Tiere binnen 34 Stunden bis 30 Minuten unter Erstickungserscheinungen. Während des Lebens zeigte der Blutfarbstoff keine Veränderung, dagegen bildete sich im Blut der Kadaver nach 15—44 Stunden Methämoglobin. Dasselbe verschwand nach 7—13 Tagen wieder unter dem reduzierenden Einflufs der Fäulnis. Bei Kaninchen beruht die toxische Wir­kung des Kaliumchlorates demnach nicht auf einer Zersetzung des Blutfarbstoffes; sie ist aber auch nicht
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als Kaliumwirkung zu deuten, wie vergleichende Ver­suche mit Nati'iumclilorat zeigten. Riefs nimmt einen spezifischen Einflufs auf die nervösen Centralorgane, einschliefslich des Atemcentrums, an.
Ein 35 kg schwerer Hammel reagierte in einigen Versuchen von F r ö h n e r auf 25 kg des Kalisalzes gar nicht; 50,0 g hatten zwar allgemeine Mattigkeit, Unter­drückung der Frefslust und des Wiederkauens zur Folge, nach drei Tagen hatte sich das Tier jedoch wieder vollständig erholt. Eine 200,0 g schwere Ver­suchskuh erhielt 50,0 g, je zwei Tage darauf 100,0 g chlorsaures Kali, ohne Vergiftungssymptome zu zeigen, ebensowenig wie ein Pferd nach 30 und 40,0 g.
Vielleicht findet bei Pflanzenfressern eine teilweise Reduktion der Chlorate im Darmtraktus statt, wie dies durch Hefe, Eiter, Fibrin bei Blutwärme geschieht (Binz, Tacke).
Der Nachweis geschieht nach den Regeln der analytischen Chemie. Der spektroskopische Befund hat wohl klinische, aber keine forensische Bedeutung.
Mitroglycerin, Dynamit.
Das sogenannte Nitroglyeerin, CsH^NO^, wirkt sowohl vom Magen aus als auch subkutan stark giftig, und zwar wesentlich in seiner Eigenschaft als Blutgift und Hirnkrampf­gift. Im Organismus geht ein Teil der Salpetersäure des Nitro-glycerins durch Reduktion in salpetrige Säure über (Hay). Oxy-hämoglobin wird gleichzeitig in Methämoglobin übergeführt, Hierdurch und durch direkte Zerstörung der- roten Blutkörper­chen (Lackfarbe des Blutes) entstehen Dyspnöe und Krämpfe. Die letzteren äufsern sich bei Fröschen als Tetanus, bei Kanin­chen treten neben Krämpfen auch Lähmungserscheinungen auf. Leichtere Vergiftungen, z. B. nach Einatmen von Dynamit­staub durch Grubenpferde verursachen Pulsbeschleunigung, pochenden Herzschlag, Koliksymptome.
Nach einer durch Dynamit (Nitroglyeerin mit Infusorien­erde gemischt) veranlafsten Vergiftung bei Rindern, welche
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bei den vier Stück, die insgesamt ca. 5 kg Dynamitpatronen verzehrt hatten, einen tödlichen Ausgang nahm, obducierte Hable mit folgendem Ergebnis: Schaumige Flüssigkeit vor dem Maul, in demselben zäher, braunrötlicher Schleim. Schleim­haut der Rachenhöhle, des Kehlkopfes, der Luftröhre und des Epicardium mit punktförmigen und streifigen Blutungen durch­setzt. Im Pansen fanden sich braunrote, weiche, daumesdicke, teilweise in graues Papier noch eingehüllte Körper vor, welche sich fettig anfühlten. Da, wo diese Körper an der Pansen­wand anlagen, fehlte das Epithel, und die darunter liegende Schleimhaut war kirschrot. Kleinere Teilchen in Haube, Psalter und Labmagen. Streifcnförmige Rötungen in einem beträcht­lichen Teile des Dünndarms.
Kainit.
Kainit, eines der Stafsfurter Abraumsalze, besteht aus K2SO4 MgS04 MgCl2 6H20. Das hygrosko­pische, durch Spuren von Eisen rötlich gefärbte Salz, welches als Konservierungsmittel für NH3 als Einstreu­material in Ställen Anwendung findet, kann bei direktem Aufstreuen auf die Lagerstätte der Tiere heftige Entzün­dungen des Euters und der Klauen- resp. Huf kronen her­vorrufen. Von Vergiftungen durch Aufnahme gröfserer Mengen seitens der Tiere ist eine solche mit tödlichem Ausgange durch Schilling bekannt geworden. Der­selbe fand zwei Kühe tot, drei erkrankt unter Erschei­nungen von Fieber (40, 8deg; Temperatur, 80 Pulse), Spei­cheln, verminderte Milchsekretion; Haar aufgebürstet, Schleimhäute ziegelrot. Pansenbewegung verlangsamt, Kot breiig. Tiere schwer zum Herumdrehen zu be­wegen, apathisch.
Bei der Sektion der Gefallenen erwiesen sich die Zotten des Pansens gerötet, fleckige Kötung der Haube und des Psalters. Labmagenschleimhaut und die des Dünndarmes dunkelrot mit tief dunklen Flecken. Milz-pulpa derb und kirschrot, Leber blutreich, Schleim-
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haut der Galle und Harnblase fleckig gerötet. Mark­substanz der Niere gerötet, in der Rinde punktförmige Hämorrhagien. Lunge blutreich, Herz diktiert, mit schwach geronnenem Blut überfüllt. Unter Endo- und Epicard Ekchymosen, Herzmuskel trübe. Die fraglichen Tiere hatten begierig den ausgestreuten Kainit auf­geleckt.
Schwaneberger sah bei Ochsen, welche Kainit verzehrt hatten, Geschwürsbildung in der Nase und am Zahnfleisch und kolliquative Durchfälle auftreten. Schleimhäute blafs.
Kaliumnitrat.
Kaliumnitrat, KNO3 (Salpeter, Kalisalpeter), über­trifft in seiner toxischen Wirkung den Natron-(Chili-) Salpeter. Grofse Haustiere sterben unter Kolikerschei­nungen (welche bei Eindern mitunter tobsuchtartig auf­treten), Durchfall, Herz- resp. Respirationslähmung be­reits nach 180—200 g, Schweine nach 40,0 g, Schafe nach 30,0 g, Hunde nach 2—5,0 g (intravenös nach 0,03 g p. KK.).
Die Ursache für die stärkere Giftwirkung der K-Ver­bindung hat man in dem Einflufs der Kalisalze auf das Herz zu suchen. Kleine Dosen Kalisalpeter (0,05 g intra-venösbei Katzen) erzeugen zuerst Verminderung des Blut­druckes und der Pulsfrequenz von kurzer Dauer, worauf der Blutdruck ziemlich rasch sich erhebt und Werte er­reicht, welche einem maximalen Zuwachs von 114 Mm Hg entsprechen (auch nach Halsmarkdurchschneidüng). Nach 2—3 Minuten Rückkehr zur Norm. Nach grofsen Dosen (0,1 g intravenös) bleibt die Blutdrucksteigerung aus. Fünf bis acht Sekunden nach der Injektion er­folgt steiles Abfallen des Blutdruckes, die Herzpul-
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sationen setzen aus, #9632;während gleichzeitig tetanische Krämpfe eintreten. Die Respiration stockt und der Tod erfolgt absolut sicher, wenn innerhalb höchstens acht Minuten nicht künstliche Respiration durch Thorax­kompression eingeleitet wird. In einzelnen Fällen reichen 4—6 Kompressionen des Brustkorbes aus, im anderen verstreichen 4—36 Minuten, ehe das Herz seine regelmäfsige Thätigkeit wieder aufgenommen hat. Mitunter erfolgt von neuem plötzlicher Stillstand, man braucht aber meist nur mit einigen Kompressionen nachzuhelfen, um die Herzthätigkeit anzufachen. Nur in seltenen Ausnahmefällen tritt trotzdem sekundärer Herztod infolge direkter Lähmung des Myocardiums ein. Im Anschlufs an die Neubelebung der Herzthätig­keit hebt auch die spontane Respiration einige Minu­ten später wieder an, und zwar nimmt das Zwerch­fell seine Arbeit zunächst allein auf. Der Blutdruck erreicht verhältnismäfsig spät seine normale Höhe. Bei Wiederholung des Versuchs an demselben Tier verstreicht längere Zeit, bevor Restitution erfolgt (B ö h m und M i c k w i t z). Transfusionsversuche von A u b e r t und Dehn waren nutzlos, es scheint sonach die mecha­nische Reizung des Herzens von aufsen her wesentlich den Anstofs zur Wiederaufnahme seiner Funktionen zu geben.
Die Gelegenheiten zur Vergiftung von Haustieren sind ganz ähnliche, wie die beim Chilisalpeter S. 383 er­wähnten, ebenso die Obduktionsergebnisse, von welchen die mitunter enorme Ausdehnung der Rötung an der (Lab-) Magen- und Darmschleimhaut und die Muskeltrü-bung hervorzuheben sind. In den Fällen, wo der Tod durch Synkope apoplektiform eintritt, findet man nur das
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Herz, die Lunge und die grofsen Gefäfse mit Blut überladen.
Nachweis. Flammenreaktion der Kalisalze vio­lett. Identifizierung der Salpetersäure wie bei Chili­salpeter.
Behandlung. Ausgiebige Thoraxkompressionen an dem auf der rechten Seite liegendem Tiere zu ver­suchen, im übrigen verfährt man wie bei Kochsalzver­giftung.
Mauersalpeter.
Mitunter ereignen sich Todesfälle, über deren Ur­sache eine Untersuchung der Stallwände Anhaltspunkte liefert. In feuchten, mit massiven Wänden versehenen Ställen krystallisiert nicht selten Kalciumnitrat Ca (N03)2, sog. Mauersalpeter aus, welcher von Wiederkäuern begierig abgeleckt wird. Gr i e r e r sah eine Kuh sterben, welche in eine salpeterhaltige Wand ein Loch geleckt hatte. Schafe können ebenfalls an derartiger Salpetervergiftung zu Grunde gehen. Saussei fand eine Anzahl junge Lämmer mit geröteten Augen appe­titlos und matt. Entleerungen diarrhöisch, Tod am 4.—6. Tage. Sektion: Gastroenteritis, Cystitis. In den Contentis Mauersalpeter nachgewiesen.
Nachweis. Die Anwesenheit von Kalciumverbin-dungen läfst sich durch Oxalsäure leicht ermitteln und zwar auch quantitativ. Die Konstatierung der Sah petersäure sichert die Diagnose gegebenen Falls.
Natriumjodid.
Die Jodsalae können bei fortdauerndem Gebrauch,
ebenso wie nach einmaliger Anwendung in übermäfsi-
gen Dosen zu schweren Ernährungsstörungen (allge^
meiner Abmagerung, Drüsenatrophie) oder akuten Eiquot;
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#9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^^
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krankungen (Hydrotorax) und Tod durch Lungenödem führen (Trousseau, Wallace).
Die intravenöse Injektion von 0,76—0,8 NaJ p. KK. tötet Hunde in 12—36 Stunden sicher. Die Tiere verhalten sich in den ersten 6—8 Stunden durchaus normal, abgesehen von ein- oder mehrmaligem Er­brechen schwach jodhaltigen Mageninhalts. Nach dieser Zeit werden die Bewegungen träge, es stellt sich Sali­vation ein, die Hunde legen sich meist flach auf die Seite, und unter zunehmender Dyspnöe, Abnahme der bis dahin meist gesteigerten Herzthätigkeit und Dila­tation der Pupille erfolgt der Tod durch Respirations­lähmung.
Bei der Obduktion findet man reichliche pleuri-tische, gelbe, klare Transsudate, die Lungenpleura punkt-förmig injiziert oder marmoriert, Lungen ödematös, in den Bronchien zweiten und dritten Grades leicht blutiger Schaum. Herz schlaff, Venen überfüllt mit nicht ge­ronnenem Blut. Im Mediastinum und den Intercostal-muskeln hin und wieder Ekchymosen. Nieren hyper-ämisch.
Enthält das Jodsalz freies Jod gelöst (Lu­go 1 sehe Lösung), so gehen die Tiere unter ganz ähn­lichen klinischen Symptomen und in gleicher Zeit zu Grunde, als nach Vergiftung mit reiner Jodidlösung. Nach wiederholter Injektion an sich nicht tödlicher Dosen stellen sich zuweilen diarrhöische, mit Blut ver­mischte Entleerungen ein.
Die Obduktion ergiebt blutige, klare Pleuraflüs-sigkeit, aufserdem Anfüllung der Harnkanälchen mit zer­fallenen Blutkörperchen (bei Lebzeiten blutiger Urin). Starker Milztumor, Magenschleimhaut (im leeren Magen) injiziert. Im übrigen derselbe Befund wie oben.
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Hunde ertragen 0,02 — 0,03 g freies Jod p. KK. mit der 2—3 fachen Menge NaJ in Wasser gelöst. In Dosen von 0,04 g Jod p. KK. wird die Lösung tödlich (Berg).
Natriumnitrat.
Vergiftungen durch Natriumnitrat Na N03 (Natron­oder Chilisalpeter) verlaufen unter denselben Sym­ptomen, wie Kochsalzintoxikationen, nur sind häufiger fast apoplektische Todesfälle beobachtet worden. Die Wirkung ist insofern eine intensivere, als es die Blut­körperchen nicht nur durch Veränderung des Gehaltes des Plasma an Neutralsalz schädigt, sondern auch durch die infolge chemischer Umsetzungen nach grofsen Dosen frei werdende Salpetersäure, weshalb das Blut durch Methämoglobinbildung einen braunroten Farben­ton annimmt. Die Krankheitsdauer bemifst sich meist nur nach Stunden, selbst nach Minuten. Tödlich ver­laufende Vergiftungen kommen vor infolge Verwech­selung von Lecksalz oder Glaubersalz mit Chilisalpeter, durch Aufnahme des Waschwassers von Chilisalpeter­säcken oder von Futterrüben, welche starke Chili­düngung erhalten haben oder von Körnern, welche in Chilisalpeterlösung eingeweicht waren. Verfütterung derartig behandelter Samengerste hat wiederholt Ver­giftungen von Schweinen verursacht. Wild kann auf stark mit Chilisalpeter gedüngten Feldern sich ebenfalls tödliche Vergiftungen zuziehen. Über die tödliche Dosis für Kinder lassen sich einer Angabe von Schwane­berger einige Anhaltspunkte entnehmen. In einen Brunnentrog wurden irrtümlicherweise 3 — 3,5 kg Chilisalpeter gebracht. Nach dem Genüsse des Wassers starben 6 Rinder; 500—600,0 g dürften demnach als
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sicher letale Dosis anzusehen sein. Eine Rinderherde von 48 Stück erhielt zwei Tage hintereinander je 5 kg Salz, welches nach Begemanns Untersuchung zu 50 pCt. aus Natriumnitrat bestand. Am ersten Tage zeigten sich keine Erkrankungen, am zweiten stellten sich etwa drei Stunden nach dem Grenufs die Folgen ein. Eine Kuh starb fast plötzlich, drei andere ver­endeten binnen fünf Minuten und weitere zwei in der nächsten Viertelstunde. Eine von Legrand beim Ochsen konstatierte Intoxikation nach Aufnahme von Waschwasser, herrührend von Säcken, endete mit Ge­nesung. Es machte sich hier bereits nach einer Stunde schwankender Gang, schmerzhaftes Urinieren, Nieder­stürzen, Unempfindlichkeit der Cornea und der Haut, Kälte derselben etc. bemerklich. Bei Schweinen stellt sich sehr bald Durst, Brechneigung, Temperaturabfall, frequenter Puls, Diarrhöe, Verlust der Milch etc. ein. Bei der Obduktion findet man das Blut gewöhnlich nicht geronnen. Symptome der Gastroenteritis und Nephritis meist stärker ausgeprägt als bei Kochsalz­vergiftung. In foudroyent verlaufenden Fällen Befund negativ.
Der Nachweis beruht auf den Eigenschaften des Natriums einerseits (gelbe Flamme) und der Salpeter­säure anderseits. In Schwefelsäure gelöst, bildet sich nach Überschichten mit Ferrosulfatlösung um die Be­rührungsstelle ein brauner Ring. Die durch konzen­trierte Schwefelsäure frei gemachte Salpetersäure färbt Brucinlösungen, sowie schwefelsaures Anilin rot. Das trockene Salz verpufft auf der Kohle vor dem Lötrohr.
Therapie wie bei Kochsalzvergiftung.
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Natriumsulfat.
Neutrales Natriumsulfat, Na2S04 (Glaubersalz), wird gewöhnlich im krystallisierten Zustand (mit 10 Mol. H20) verwendet. Glaubersalzvergiftungen können be­reits dann entstehen, wenn dasselbe im trockenen Zu­stande (Natrium sulfuricum siccum) in denselben maxi­malen Dosen, wie das wasserhaltige therapeutisch be­nutzt wird. Die Vergiftungen tragen ganz den Cha­rakter der Neutralsalz Wirkung an sich. Symptome und Obduktionsbefund waren in einem von Bauwerker mitgeteilten Falle dieselben, wie bei Kochsalzvergiftung. Der Tod erfolgte unter Lähmungs­erscheinungen im Coma nach einigen Tagen. Das gewöhnliche krystallisierte kann bei Pferden und Rin­dern tödliche Wirkung zur Folge haben, wenn mehrere Kilogramm auf einmal gegeben werden. Bei mehr­maliger Verabreichung ertrug ein Rind in vier Tagen 5,5 kg ohne Nachteil (V o g e 1). Ein chronischer Darm­katarrh mit wiederholtem Durchfall wurde durch den Gehalt des Tränkwassers an Alkalisulfaten veranlafst, welche vermutlich mit dem Grundwasser aus einer benachbarten Steinkohlenhalde in den Brunnen gelangt waren (Uhlich).
Bezüglich des Nachweises cf. Schwefelsäure.
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;25
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5. Erbrechen, Durchfall, Blutdissolution.
Aconitsäure, Equisetum, Citronensäure,
Drosera, Essigsäure, Oxalsäure, Rumex,
Oxalis, Lonicera, Viburnum, Borsäure,
verdünnte Mineralsäuren.
Aconitsäure, Equisetum. Die Equisetumarten enthalten sehr wechselnde Mengen von Asche 4—28,6 pCt., unter denen Kiesel­säure relativ reichlich vertreten ist.
Unter den organischen Bestandteilen ist sicher nachge­wiesen durch Regnault Aconitsäure (die Equisetsäure von Braconnotj C6HG06 oder
COOK COOK
CH CH2
y
COOH Der Konstitution entsprechend ist Aconitsäure als eine substituierte Oxalsäure aufzufassen. Nach L. Claisen und E. Hori verbinden sich zwei Moleküle Essigsäure mit zwei Molekülen Oxalsäure zu einer einbasischen Säure, welche man nach ihrer Entstehung als Anhydrodiessigdioxalsäure, oder nach ihrem Verhalten als Aconitoxalsäure bezeichnen kann, da sie durch Alkalien leicht in Oxalsäure und Aconitsäure zerlegt wird. Diese Synthese erfolgt sehr leicht. Sämtliche Phasen derselben vollziehen sich bei gewöhnlicher oder nur wenig erhöhter Temperatur. Claisen vermutet daher, dafs auch in der Natur die Bildung der Aconitsäure sowohl, wie der ein Molekül Wasser mehr enthaltenden Citronensäure auf ähnlichem Wege zu stände kommt. Salzeder Essigsäure und Oxalsäurefinden sich in den meisten Pflanzensäften. Beide Säuren könnten entweder direkt durch Kondensation Citronensäure und diese durch Anhy-drierung Aconitsäure liefern oder, was wahrscheinlicher ist, sie treten zunächst zu Oxalessigsäure COOH-CH2—CO-COOH zu­sammen, welche den Ausgangspunkt einer Reihe von CJm-wandlungsprodukten bildet. Die Oxalessigsäure vermag sich durch Reduktion in Äpfelsäure, COOH.CH3—CH(OH)-COOH zu verwandeln, welche ihrerseits den Generator des As-
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paragins und nach den durch v. Pechmann erforschten Vor­gängen den Baustein zu verschiedenen Alkaloiden abgiebt. Anderseits unterliegt die Oxalessigsäure einer weiteren Kon­densation zu den Säuren
COOH COOH
COOH COOH
CH CH
\ / \ ' C CO
COOH COOH
I
l
CH2 CH \ / \ C(OH) CO
und
i
I
COOH COOH
welche sich durch Abspaltung von Oxalsäure oder Kohlendi­oxyd in Citronensäure resp. Aconitsäure umwandeln. Beide letztgenannten Säuren gehen gemäfs den durch v. Hof fmaun und R u h e m a n n studierten Eeaktionen beim Zusammentreffen mit Ammoniak in Pyridinderivate über und können sich auf diese Weise am Aufbau von Pflanzenalkaloiden beteiligen.
Reichlicher Genufs von Schachtelhalm kann Ver­giftungserscheinungen bei Pflanzenfressern zur Folge haben, welche bei Pferden hauptsächlich in gesteigerter Eeflexerregbarkeit (Erregtsein, Zusammenfahren bei Geräuschen), Parese der Gliedmafsen (Zusammen­knicken in den Beinen bei Wendungen, Schwäche im Hinterteil, taumelnder und unregelmäfsiger Gang — Taumelkrankheit — Unvermögen, sich zu erheben nach dem Niederlegen) und schliefslicher totaler Para­lyse der Skelettmuskulatur bestehen, bei mäfsig ge­steigerter Pulsfrequenz, Fieber ohne anfängliche Stö­rung des Appetits, der Atmung und des Sensoriums. Die Symptome treten gewöhnlich erst innerhalb 12 Stun­den hervor (Thoms), anderseits verschwinden nach Futterwechsel die Funktionsstörungen nur sehr allmählich (A11 e m e i e r) oder führen nachträglich noch zum Tode. Die Obduktion ergiebt Wasseransammlung zwischen den Eückenmarkshäuten, Hyperämie der Medulla spinalis und besonders auch des Cerebellum. Die genannten Wirkungen sind beobachtet nach Aufnahme von Equisetum hiemale (Allemeier), limosum (Rüf-
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fert, Kniebusch, Schmidt), palustre (Renelt, Thorns).
Letztere Spezies wird bei Rindern in der Neu­mark, als Häcksel angefeuchtet, ohne Nachteil in grofsen Quantitäten verfuttert. GHebt man es jedoch unvermischt als Heu, so erkranken die Tiere unter Geifern aus dem Maule, gestörter Frefslust, Aufhören der Rumination, Meteorismus im Pansen, hartnäckiger Verstopfung und Fieber (R a b e). Sonst will man auch nach Abweiden von Equisetum arvense oder palustre oder Verfüttern derselben als Heu Abnahme der Milch­sekretion, Abmagerung, Ausfallen der Zähne, heftige Diarrhöen, Blutharnen und Abortus beobachtet haben.
Bei Schafen soll ebenfalls Abortus und Ausfallen der Wolle eintreten.
Die Wirkung der Aconitsäure kommt der Citronen-säure annähernd gleich. 2,0 g Aconitsäure subkutan töten ein Kaninchen nicht, wirken aber toxisch (F1 e m i n g).
Citronensiiure, Drosera.
Die einheimischen Sonnentauarten (Drosera, L. V, 3) secernieren einen scharf und hitter schmeckenden Saft, welcher neben freien Pflanzensäuren ein ungeformtes Ferment enthält, welches Eiweifs in Peptone umwandelt. Sicher konstatiert ist durch Untersuchungen von Stein Citronensäure C6H807 oder
COOH2 COOK Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I
CH2 CH2
\nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;/
C(OH)
COOK welche dem Hydrat der Aconitsäure entspricht. Daneben kommt möglicherweise noch Äpfelsäure vor (Hager), vielleicht auch Ameisen-, Propion- und Buttersäure (Rees und Will).
Diese Pflanzen werden besonders für Schafe als schädlich angesehen, bei denen nach Beweiden feuchter Wiesen tödliche Lungen- und Blutkrankheiten auftreten sollen (Gmelin und
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Faulet). Ob hier nicht andere Ursachen konkurrieren, bleibt noch klarzustellen.
Die wenig toxische Citronensäure entspricht in ihrer all­gemeinen Wirkung jener der Pflanzensäuren überhaupt, kommt, aber in der Pflanzenkost nicht, wie im Experiment, in konzen­triertem Zustand zur Geltung.
Nach Mit scher lieh töten 14 g innerlich ein Kaninchen in 20, 8,0 g in 65 Minuten; 4,0 g bedingen starke Intoxikation. Die Symptome bestehen in Krämpfen (Trismus und üpisthoto-nus), welche 20—30 Minuten nach der Ingestion beginnen und sich mehrfach wiederholen, Dyspnöe, Schwäche des Herz­schlages und bis zum Tode zunehmende Muskelschwäche. — In der Schleimhaut des Magens und den oberen Dünndarmpartieen kleine Ekchymosen, das Epithel zum Teil gelöst. Das Blut wenig oder nicht geronnen. 4,0 g haben intern auf Katzen keine toxische Wirkung (Christ[ison und Coindet), ebenso­wenig bei Hunden Injektion von 1 g in die Schenkelvene (r. Po mm er). Beim Menschen hat man nach grofsen, fortgesetz­ten Dosen Erbrechen, Hämoptysis und Darmblutung eintreten sehen. Die äufsere Haut bleibt durch konzentrierte Lösung völlig unverändert.
In der Milch gesunder Kühe fand Soxhlet einen durch­schnittlichen Citronensäuregehalt von 1 pCt. Die in konden­sierter Milch häufig vorkommenden Konkretionen bestehen aus fast reinem, citronensauren Kalk.
Essigsäure. Essigsäure, CäELtC^ oder CH3 — COOH, das zweite Glied der Fettsäurereihe, gehört wie die niederen Fett­säuren durchgehends, im konzentrierten Zustand zu den ätzenden Substanzen. Die offizineile 96 pCt. Säure (Acidum aceticum) ist im stände, bei Anwen­dung auf die Haut eines Pferdes in 24 Stunden Epi­dermis und Haare loszulösen. Durch unmittelbares Einspritzen in das Blut des lebenden Tieres wird das­selbe, wenn nicht ausgiebigste Verdünnungen gewählt werden, unter vollständiger Auflösung der Blutkörper­chen lackfarben. Es gesellt sich zu der allgemeinen Säurewirkung jene der Zerstörung der Blutkörperchen,
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deren mechanischer Effekt bei Besprechung der Gift­wirkung des Kochsalzes genügend gewürdigt ist. Auf einen weiteren, in toxikologischer Beziehung wichtigen Umstand hat F. Kraus die Aufmerksamkeit gelenkt. Durch die Auflösung der Blutkörperchen wird näm­lich an und für sich die Acidität*) des Blutes erhöht, indem durch den Zerfall des Lecithin Phosphorsäure und Fettsäuren frei werden, und gleichzeitig Cholin. Dies gilt ganz ausnahmslos nicht nur für die eigent­lichen Blutgifte, sondern auch für alle diejenigen, welche gelegentlich, sei es durch ihre Konzentration oder Applikationsmethode, eine Auflösung des Hämo­globin im Plasma zu Wege bringen. Fast immer sind auch die von der Kochsalzwirkung her bekannten mechanischen Schädigungen, insbesondere hämorrha-gisches Ödem der Darmschleimhaut, Lungeninfarkte etc. nachweisbar. Subkutane Injektion verdünnter Essig­säure bewirkt bei Fröschen successive eine reflekto­rische Erregung der herzhemmenden Nervenfasern, eine Lähmung der automatischen Herzcentren und schliefs-lich Lähmung des Herzmuskels selbst.
Hiernach sind die Symptome erklärlich, unter denen in Brennereien etc. durch Verfüttern ng von sauerer Maische oder Schlempe Erkrankungen und Todesfälle vorkommen. Der ganze Symptomenkom­plex ist ein derartiger, dafs man bei Säurewirkung mit gleichzeitiger Blutdissolution an nebenher gehende Cho-linwirkung (cf. Abschnitt VIII) zu denken gezwungen ist, F r ö h n e r verabfolgte einer 20 kg schweren Ziege
*) Die Aciditat (Basenkapacität) des Blutes wird gemessen durch die Menge Alkali, welche von 100 ccm Blut gebunden werden kann, bis alle theoretisch sauren Karbonate und Phos­phate in neutrale übergeführt sind.
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150 g 5 pCt.-Essigsäure (0,38 C2H40 p. KK.) (ob mit Schlundsonde, ist nicht angegeben), wonach in der näch­sten Stunde Atemnot und die Symptome beginnenden Lungenödems sich einstellten. Harn blutig, starkes Schäumen und Speicheln. Nach 6 Stunden grofse Schwäche, zuletzt lähmungsartiger Zustand. Die Sektion ergab Lungenhyperämie und Odem; Schleimhaut des Labmagens gerötet, die des Darai-traktus gerötet und geschwollen, durchsetzt mit erbsengrofsen Hämorrhagien. Aufserdem parenchyma-töse Nephritis und Hepatitis. — Bei Eindern beob­achtet man nach Genufs stark saurer Schlempe (zvi-weilen mit 6—12 pCt. Essigsäure, Her twig) ganz ähnliche Erscheinungen: schwankenden Gang, vermin­derte Temperatur, angestrengtes, stöhnendes Atmen, kleinen, frequenten Puls (bis 136 p. M.), weiches Misten, Versiegen der Milch. In höheren Graden Appetitlosigkeit, Abstumpfung bis zur Bewufstlosigkeit, Kolikschmerzen, Umfallen, Zuckungen (Stockfleth, Eckardt). Mummenthey sah 80 Kühe auf diese Weise erkranken. Unleugbar sind auch andere saure Gärungsprodukte, Isobuttersäure, Buttersäure (Rüben­schnitzel), Milchsäure etc., an dieser Wirkung betei­ligt, je nach der Qualität der Gärungserreger, es überwiegt die Essigsäure aber in den allermeisten Fällen.
Das Natriumsalz der Essigsäure ist nach Heinr. Meyer nicht giftiger als Kochsalz.
Der Nachweis im Filtrat des wässerigen Ex­trakts der Contenta und Eindampfen nach Neutrali­sieren geschieht durch Schwefelsäure, worauf der stechende Geruch der Essigsäure sich bemerklich macht. Setzt man Alkohol dem Gemisch hinzu, so
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entsteht Athylacetat, ebenfalls am Geruch kenntlich. Trockenes, essigsaures Alkali entwickelt beim Erhitzen mit arseniger Säure widerlich riechendes Alkarsin. Behandlung cf. Schwefelsäure.
Oxalsäure, Rumex. Unter den Rumexarten sind einzelne so reich an saurem Kalium oxalat, dafs sie zur Kleesalz-gewinnung früher technisch verwertet wurden.
Die frischen Blätter von E. acetosa, grofser oder gemeiner Sauerampfer (L. VI, 3, Polygoneae), lieferten bis 4 pCt. Aus­beute, nicht viel weniger R. acetosella, kleiner oder Feld­ampfer, und scutatus, schildblätteriger oder französischer Ampfer.
Die Wurzeln, ebenso die Blätter und Blutensticle von R. obtusifolius, stumpfblätteriger Ampfer oder Grindwurz, pa-tientia, englischer Spinat, Garten- oder Gemüseampfer, palustris, grüngelber Ampfer, acutus, spitzblätteriger oder geknäulter Ampfer, acetosa und acetosella enthalten Eumicin oder Lapathin, welche Substanzennach v. Thann identisch sind mit.-Chry so­ph ansäure. Aufserdem sind Gerbstoffverbindungen vor­handen.
Die Oxalsäure, COOH—COOH, deren saures Kalisalz etwas weniger ätzend wirkt, als die freie Säure, bewirkt in konzentriertem Zustande Lokalerscheinungen, welche an die Säurewirkung überhaupt erinnern (cf. konz. Säuren), und unter Umständen im Anschlufs daran Kollaps oder centrale Allgemeinsymptome. In Ver­dünnungen treten die Allgemeinwirkungcn in den Vordergrund. Nach Giliberti geht die Oxalsäure ins Blut nur als Kalciumoxalat über und wird dort durch den Einflufs des Natriumphosj^hats in Lösung er­halten. Die eigentliche Griftwirkung dokumentiert sich vorwiegend in einer Affektion des Centralnervensystems. Die Symptome bestehen in Erregung des Atmungs­centrums, Zuckungen (direkte Muskelreizung), Trismus, Tetanus, später psychische Depression, Anästhesie und
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Parese. Bei Fröschen tritt nach den ersten fibrillären Zuckungen sofort primäre centrale Paralyse bei er­haltener direkter und indirekter Muskelerregbarkeit ein, mitunter ist dies auch bei Warmblütern der Fall. Mirc konstatierte in einem Falle von Vei'giftung mit Oxalsäure bei einem Hunde wildeste, durch Schmerzen veranlafste Bewegungen, Übelkeit, Erbrechen, Kon­vulsionen, Niederfallen zur Erde, tetanische Steifheit der Glieder, sehr baldigen Eintritt des Todes.
Die Oxalsäure ist, wie die Kalisalze, zu den Herzgiften zu rechnen. Verwendet man, um die Kali­wirkung zu vermeiden, das Natronsalz, so erhält man nach grofsen Dosen sofortigen diastolischen Herzstill­stand mit plötzlichem Absinken des Blutdrucks auf 0 (Cyon und Hermann, R. Koch). Bei nicht töd­lichen Dosen kann völlige Erholung des vergifteten Herzens eintreten, und geht der verminderten Thätig-keit ein kurzes Reizstadium voraus. Im Moment des Absinkens des Blutdrucks schleunigst eingeleitete künst­liche Respiration kann sicher tödliche Dosen des Giftes paralysieren. — Das Blut ist bald dunkel, bald hell, bald lackfarben und zeigt spektroskopisch keine Ver­änderungen.
Die anfänglich beschleunigte Respiration nimmt sehr bald dyspnöischen Charakter an, sekundär beein-flufst durch die Cirkulationsstcrungen. Die Temperatur sinkt erheblich.
Die Respirationsthätigkeit überdauert stets die des Herzens.
Die Ausscheidung erfolgt durch den Harn, die Galle und den Speichel in nicht oxydiertem Zustand (G. Gaglio, Kobert) als Kalkoxalat. Durch Aus-krystallisieren des Kalkoxalats in den Nieren kann
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eine derai'tige Verlegung der Harn kanälchen entstehen, dafs Anurie die Folge ist, in welchem Falle, um Tod durch Urämie vorzuheugen, Diuretica aquosa indiziert sind. Wenn keine Anurie besteht, findet sich, wie bei den meisten Säurevergiftungen, Hämoglobin, Albumin, resp. Glykose im Harn neben den zahlreichen, drüsig gruppierten Kalkoxalatkrystallen. — Zwischen Rinde und Mark beobachtete F r ö h n e r konstant einen weifsen, aus Kalciumoxalat bestehenden Saum. In der Leber fand er auch vereinzelte Krystalle, dabei fettige Degeneration derselben. Aufserdem katarrhalische und hämorrhagische Gastroenteritis, parenchymatöse und hämorrhagische Nephritis.
Die letale Dosis des neutralen, Oxalsäuren Na­trons (in der Wirkung der reinen Säure gleich ohne deren Ätzwirkung, H e y m a n s) subkutan beträgt für den Frosch 0,0125 g, das Kaninchen 0,25 g (R. Koch), die Katze 0,375 g. Vom Magen aus töten 1,8 g ein Ka­ninchen, 3,0 g eine Katze, 10,0 g freie Säure einen Hund von 10 kg bei ungehindertem Erbrechen nach zwei Tagen (Fröhner), 25 g einen Hammel von 35 kg nach vier Stunden.
Chrysophansäure, C^HjdO.,, oder Dioxymethylan-
thrachinon: CGH3(CH3)lt; qqgt;C6H2(OH)2. Früher wurde
die geschabte Wurzel von Rumex obtusifolius und acutus mit Rahm als Salbe oder im Dekokt mit Schöllkraut, Alaun und Essig (Kersting, Hertwig) gegen Flechten und Räude nicht ohne Erfolg benutzt (Grindwurz, Radix Lapathi). Diese Wirkung und die Thatsache, dafs die Wurzeln verschiedener Ampfer­arten einen gelben, Stengel und Blätter roten Farbstoff enthalten (Goapulver ist gelb bis rotbraun), legen die Vermutung nahe, dafs auch Chrysarobin, C30H26O7, ein Reduktionsprodukt der Chrysophansäure von der Zusammensetzung
0[CHlt;C:H2S(bH!.OH)gt;CH-OH]2 zu den Bestandteilen der Rumexgattung gehört.
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Die Chrysophansäure extrahierte von Thann mittelst Äther, löste den Rückstand nach Verjagung des Äthers in 90 pCt. Alkohol und fällte mit Wasser. Die geruch- und fast geschmack­lose, aus Alkohol in goldgelben Nadeln krystallisierende Säure löst sich etwas in heifsem Wasser mit gelber, in wässerigen Alkalien reichlich mit roter Farbe. Durch Reduktionsmittel (Erwärmen mit Zinkstaub) schwindet die Farbe. Konzentrierte Schwefelsäure löst Chr. mit roter Farbe, Wasser scheidet die unveränderte Säure flockig daraus ab (Schlofsberger und Döpping).
Nach 0,5 g reiner Chrysophansäure sah Schroff Ructus, wiederholte breiige Stuhlentleerungen, letztere zuerst nach 24 Stunden eintreten und sich bis zum fünften Tage hin­ziehen, bis zu welcher Zelt auch Appetitmangel, Eingenommen­heit des Kopfes, Schwindel und Mattigkeit bestanden.
Verschiedene andere Untersucher vermifsten eine Purgier­wirkung. — Im grofsen und ganzen tritt sicher die Bedeutung der Chrysophansäure in den Rumexarten gegenüber jener der reichlich vorhandenen Oxalate in den Hintergrund und könnte event, nur die Griftwirkung der Oxalsäure verstärken.
Die Intoxikationen durch Rumex ent­sprechen demnach in ihren Symptomen ganz und gar der Oxalsäurevergiftung, namentlich wird von aufmerksamen Beobachtern die Herzschwäche nicht vermifst. So fand Bier mann bei sieben Schafen, welche l1^ Stunde vorher ein mit Sauerampfer stark bewachsenes Hafer­stoppelfeld beweidet hatten, kaum fühlbaren Puls und Herzschlag und höchst frequentes Atmen. Die Tiere lagen matt dahin oder standen mit angezogenem Bauch. Extremitäten kalt, bei einigen nachträglich Durchfall, Tympanitis nicht vorhanden. Zwei Schafe starben. Magen und Darmschleimhaut hyperämisch und ekchy-mosiert, Lungen sehr blutreich. — Von dem Bestand einer 200 Häupter zählenden Herde fielen 40 nach zweitägigem Beweiden eines mit Rumex üppig be­wachsenen Roggenstoppelfeldes (Matthias). — Fri­scher Klee, zu 2/a mit reifem Ampfer durchsetzt, rief bei einem Wallach drei Stunden nach dessen Aufnahme
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in Pausen von 5 — 6 Minuten heftige klonische und tonische Krampfanfälle hervor, wobei das Tier sich nicht auf den Beinen halten konnte. Dabei häufiges Urinieren, starke Salivation, Lähmung der Unterlippe, kühle Haut, livide Schleimhaut, dyspnoisches Atmen. Für die Behandlung sind diejenigen Mafs-nahmen indiziert, welche bei Oxalsäurevergiftung An­wendung finden: Darreichung von Kalkwasser, Zucker­kalk mit Milch, Kalkacetat, Magnesia oder deren Karbonat. Das Verhalten bei Anurie und drohender Synkope ergiebt sich aus dem Vorhergehenden; ebenso der Nachweis der Oxalsäurevergiftung durch Unter­suchung des Harns und der Nieren. Die Farbstoff­reaktionen der Chiysophansäure im Harn verdienen gleichfalls Berücksichtigung.
Oxalis.
Die Oxalis-Arten (L. X, 5, Oxalideae), von denen ver­schiedene efsbare Knollen besitzen, enthalten in Stengeln und Blättern mehr oder weniger sämtlich saures, oxalsaures Kali. Dentl er berichtet über die Vergiftung einer Schafherde durch Oxalis acetosella (gemeiner Sauerklee, Buchklee oder Hasen­kohl), welchen die Tiere in Ermangelung etwas Besserem ab­geweidet hatten. 25 Stück starben.
Lonicera.
Die Blätter der Specklilie, Heckenkirsche, Lonicera (L. V, 1, Farn. Caprifoliaceae, Eubiaceae), in ihren verschiedenen Abarten werden von Schafen und Ziegen gern gefressen. Die Beeren wirken abführend oder stark brechenerregend.
Aus den Beeren von Lonicera xylostenm (Beinholz, gemeine Heckenkirsche) stellen Hübschmann und Enz das in kochen­dem Wasser, Weingeist und Äther lösliche, in farblosen, langen Nadeln krystallisierende Xylostein dar, einen Körper von schwach bitterem Geschmack und neutraler Reaktion. Kon­zentrierte Schwefelsäure färbt braun. Durch Kochen mit ver­dünnter Säure wird Zucker abgespalten. Anscheinend ist die toxische Wirkung ebenfalls auf Oxalsäure zu beziehen.
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Viburnum.
Zu derselben Ordnung der Rubiaceae gehört Viburnum und Sambucus (L. V, 3, Fam. Viburneae). Van Allen fand in der Rinde von Viburnum prunifolium das Glykosid Vibur­nin neben Valeriansäure, Oxalsäure, Citronen- und Apfelsäure. Nach Aufnahme des Wassers aus einem Troge, in welchem Zweige von Viburnum lantana (türkische Weide, wolliger Schneeball) gelegen hatten, trat bei dem Stallvieh am nächsten Tage Blutharnen auf.
Borsäure.
Die Borsäure, HuBOg, ein wertvolles Antisepticum, kann unter Umständen toxische Wirkung entfalten.
Nach Versuchen von J. Neumann ertragen Hunde von 15 kg 5—6 g Borsäure innerlich ohne jeden Nachteil. Die Körpertemperatur nimmt dabei beträchtlich ab. Gröfsere Gaben verursachen aufserdem Erbrechen und Durchfall. Quantitäten bis zu 4,0 g in 3 pCt. Lösungen, in die Brust- oder Bauch­höhle injiziert, sind ungefährlich, dagegen erregen 5 pCt. Lösungen Peritonis. Gröfsere Gaben (10,0 g und mehr) führen durch Aifektion des Nerven- und Muskelsystems (Lähmung) den Tod herbei.
Ferkel von 2—2,5 kg ertragen 2,0 g innerlich oder 1,0 g in 2 pCt. Lösung in die Brust- oder Bauchhöhle eingeführt ohne Nachteil (im letzteren Fall vorübergehende Temperatursteige­rung), ebenso Hühner 1—1,5 g innerlich resp. 2 pCt. Lösung intraperitoneal.
Bei Pferden wirken schon 1 pCt. Lösungen, in Brust- oder Bauchhöhle gebracht, nachteilig, beiJnjektionen in die Gelenke nicht. 120,0 g innerlich verursachen nur Temperaturabnahme.
Kaninchen reagieren auf 1,0 g innerlich oder 0,6 g in 2 pCt. Lösung intraperitoneal mit Tempei'aturabnahine um einige Grad. Gröfsere stomachale Gaben veranlassen Gastro­enteritis. Ein Quantum von 1,0 g in 3 pCt. Lösung, in die Brust- oder Bauchhöhle gebracht, tötet unter starkem Tempe­raturabfall.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;_________
Verdünnte Mineralsäuren siehe konzentrierte Säuren.
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VIII. Ammoniak und Ammoniak-Derivate.
A. Einfachste Ammoniumverbindungen. Ammoniak und Ammoniumsalze.
Vergiftungen durch Ammoniak können entstehen durch Einatmung von Ammoniakdämpfen, durch Auf­nahme von Ammoniakflüssigkeit oder Ammoniumsalzen.
Den genannten Substanzen kommt eine gleiche, nur in ihrer Intensität verschiedene Allgemeinwirkung zu, welche um so heftiger ist, je mehr freies Ammonium vorhanden, resp. je lockerer die Base an die Säure gebunden ist. Die Stärke der Wirkung nimmt in fol­gender Reihe zu: Sulfat, Karbonat, Chlorid und freies Ammonium.
Wirkung: Bei Fröschen unter beliebiger Ap­plikationsmethode Zunahme der Reflexerregbarkeit, tetanische Krämpfe, auch nach Dekapitation, schliefslich allgemeine Lähmung durch Erschöpfung. Bei Warm­blütern nach subkutaner Injektion Steigerung der Reflexerregbarkeit, Krampfparoxysmen, nach intra­venöser Applikation meist sofort Tetanus (Opisthotonus). Nach Durchschneidung motorischer Nerven entstehen nur noch schwache, iibrilläre Zuckungen. Die Nerven selbst büfsen bald ihre Erregbarkeit ein (bei direktem Kontakt sofort), so dafs auch bei sonst intakter Leitung nicht mehr Reflextetani wie bei Strychninvergiftung, sondern nur Einzelzuckungen ausgelöst werden können.
Unmittelbar nach intravenöser Injektion entsteht kurzdauernder Atmungsstillstand, gefolgt von starker
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Beschleunigung, welche auch nach Vagusdurchschnei-dung persistiert.
Nach vorübergehendem Absinken des Blutdruckes kommt es zu einer starken Steigerung des Blutdrucks (Überkompensation der Vagusreizung durch Erregung der vasomotorischen Centren). Nach sehr grofsen Dosen sinkt der Blutdruck rasch bis auf ein Minimum. Die roten Blutkörperchen #9632;werden schwer geschädigt. Abgesehen von den groben Veränderungen bei direkter NH3-Wirkung (Hämatinbildung im lackfarbenen Blut) entstehen bei Vergiftungen mit Ammoniumsalzen ebenso wie mit Aminen und Amidinen der Fettsäure-und aromatischen Reihe, mit Ausnahme der Anilinderi­vate, Läsionen der Erythrocyten, welche sich in Bil­dung von Stechapfel- und Maulbeerformen kund geben. In 0,6 pCt. Kochsalzlösung gebracht, quellen sie auf und lassen ihre Farbstoffe fahren. Die Folgen solcher Blut­schädigungen geben sich bei der Selbstfärbung eines vergifteten Tieres zu erkennen. Zahlreiche Stellen in Lunge, Magen, Darm und Nieren färben sich bei An­wendung dieses Verfahrens nicht, ein Beweis von Strombahnverlegungen ausgedehnter Kapillargebiete (Heinz).
Die Harnabsonderung steigt an, die Reaktion des Urins bleibt aber bei Fleischfressern sauer (Schmiede­berg). Ein erheblicher Anteil der Ammoniumverbin­dungen geht im Organismus in Harnstoff über.
Lokale Veränderungen findet man bei Vergiftungen durch Dämpfe und wässeriges Ammoniak. Meyer beobachtete eine Massen Vergiftung von Pferden einer Brauerei durch Einatmen von Ammoniak. Von 54 Stück starben ca. die Hälfte nach ganz kurzer Krank­heitsdauer und zeigten bei der Obduktion Entzün-
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dungserscheinungen der Eespirationsschleimhaut und Lungenemphysem. Die Überlebenden laborierten an blutig schaumigem Nasenausflufs, Anätzungen der Nasen-, Eachen- und Augenschleimhaut, schmerzhaftem Husten und Fieber. Im Verlauf von 14 Tagen erholten sich die meisten. Ein Pferd starb an Gangräna pul-monum und bei zweien blieb hochgradiges Lungenem­physem zurück.
Wässeriges Ammoniak wurde wiederholt per os oder selbst durch die Nase von selten Unberufener den Haustieren beigebracht, welche Manipulationen mehr oder weniger ausgebreitete Anätzung der betroffenen Schleimhautpartieen zur Folge haben. Geifern, Schling­beschwerden, Husten, bei der Obduktion die Korro­sionen event. Pseudomembranen im Parynx etc. bilden den gewöhnlichen Befund, abgesehen von den Folgen der Allgemeinwirkung. In den experimentellen Unter­suchungen von Funke und Deahna waren 0,05 bis 0,07 g NH3 in 3—4 ccm wässeriger Lösung bei wieder­holter subkutaner Injektion bei Kaninchen von geringer Wirkung. 0,01—0,015 g töteten unter tetanischen Krämpfen.
Hunde erbrechen bei Einführung per os nicht selten. 2,2 g Ätzammoniak töteten einen Hund in 23 Stunden, 30,0 g ein Pferd nach 16 Stunden (Orfila, Hertwig).
Ammoniumsalze sind ebenfalls im stände, unter Reizerscheinungen des Gastrointestinaetraktus akute Vergiftungen zu veranlassen. Crichton Brownes Beobachtungen haben gezeigt, dafs auch beim Menschen Salmiak neben lokalen Erscheinungen und cerebralen Störungen (Hallucinationen, Schwindel) paroxystisch auftretende Krämpfe zu bedingen im stände ist, Ka­ninchen starben nach 2,0 g Chlorammonium, Hunde
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nach 6—8 g (bei unterbundenem Schlund). Für Pferde und Rinder sind Einzeldosen von 150—180 g noch nicht tödlich; ein Pferd von Delafond starb nach fünfmaliger Wiederholung einer Dosis von 150 g p. die.
Eine chronische Ammoniumintoxikation kann zu stände kommen durch längere Zeit fortgesetzte, mäfsig starke Gaben von Ammoniumsalzen. Wendet man bei Hunden ca. 2,0, bei Pferden ca. 30 g Salmiak täglich 3—4 mal an, so verlieren die Tiere nach und nach die Frefslust, die sichtbaren Schläumhäute werden blafs, der Puls klein, der Herzschlag pochend und es erfolgt bei Hunden der Tod nach 12—16, bei Pferden nach 26—38 Tagen. Aufser Schwellung der Schleim­häute und Anhäufung von Schleim, schlaffen, blassen Muskeln, ungeronnenem Blut fehlen charakteristische Veränderungen (H e r t w i g).
Für die Behandlung sind in jedem Falle ver­dünnte Säuren zunächst am Platze. Bei Atzwirkungen schleimig ölige Mittel mit Opiaten zur Milderung der intensiven Schmerzen. Bei Blutdruckerniedrigung Ex-citantien (Äther, Kampher).
Nachweis. Die Gegenwart von freiem NHg ist am Geruch und der Bildung von Salmiaknebeln bei Entwickelung von Salzsäuredämpfen (Glasstab in HC1 getaucht) zu konstatieren. Sonst Nefslers Reagens oder Jodkalium, welches in konzentrierter Lösung bei Erwärmen unlösliche Ammoniumverbindungen giebt.
Carbamid.
Die durch Aufnahme von zersetztem oder unzer-setztem Harn eintretenden Vergiftungserscheinungen sind im wesentlichen auf den Harnstoff CON2H4, das
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;26
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Carbamid COlt;-raquo;ttt2 und dessen Umsetzungsprodukte (Ammoniumkarbonat etc.) zurückzuführen.
Nach L i m b o u r g s Untersuchungen bietet die Harnstoffwirkung beim Frosch aufserordentlich grofse Ähnlichkeit mit der Vergiftung durch neutrale Salze (Kochsalz etc.). In 3 pCt. Harnstofflösung lebten die Tiere 2—3 Stunden. Das Bad veranlafste sensible Reizung, welche sich weit heftiger gestaltete bei sub­kutaner Injektion (Dosis letalis 2—3 ccm einer kon­zentrierten [48 pCt.] Lösung = 1/3o Körpergewicht = 0,96—1,14 g). Das Gewebe wurde nach der Injektion in mancher Hinsicht verändert. Blutgefäfse injiziert, Ekchymosenbildung. Ganz wie nach Kochsalzinfusion zuerst Chocwirkung, dann Beruhigung, Mattigkeit, Nar­kose-ähnlicher Zustand. An Stelle der ascendierenden Lähmung treten Tetanus und Konvulsionen dann auf, wenn die Vergiftung unter Einflufs kleiner Dosen lang­sam verläuft. Nach Grehant und Quinquand ent­steht Tetanus noch nach Injektion von Vto des Körperge­wichtes. Die Ursache ist auch hier in einer Stei­gerung der Erregbarkeit des Rückenmarks und der peripheren Nervenenden zu suchen, während die Mus­keln eher an Erregbarkeit einbüfsen, durch Harnstoff allerdings in geringerem Grade, als durch Chlorkalium oder Chlornatrium.
Die Harnstoffwirkung auf das Herz gleicht der des Chlornatrium, jedoch erfolgt die Veränderung der roten Blutkörperchen und die schliefsliche Lösung des Hämoglobin durch Harnstoff rascher als durch Kochsalz.
Bei einem Meerschweinchen von 518 g Gewicht stellten sich nach Injektion von 10,0 g Harnstoff ca.
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Vso Körpergewicht, nach 20 Minuten tonische und klo-nische Krämpfe ein, dann erfolgte Beruhigung, später neue Krämpfe und Tod nach IVs Stunde. Im Blut 0,8 pCt. Harnstoff.
Ein Kaninchen erhielt Vioo seines Grewichtes an Harnstoff. Nach sechs Minuten fiel es gelähmt auf die Seite, nach 10 Minuten traten Zuckungen der Hintergliedmafsen, dann klonische Krämpfe mit Opis-thotonus ein. Tod nach 40 Minuten durch Respirations­lähmung. Herz überlebend. Im Blut0,7 pCt. Harnstoff.
Hunde werden ebenfalls durch Harnstoffmengen von 1/ioo des Körpergewichtes getötet. Das Blut ent­hielt durchschnittlich 0,(3 pCt. Harnstoff (Grröhant und Quinquand). Nach Voit besteht auch bei Hunden zwischen den Symptomen der Vergiftung durch Harnstoff und denen durch Neutralsalze kein Unterschied.
Bei Schafen hat man wiederholt Vergiftungen ein­treten sehen durch Aufnahme von Menschenharn. Von vier Schafen, welche ihren Durst aus einem Harn ent­haltenden Stalleimer gestillt hatten, erkrankten zwei tragende Mutterschafe; sie trieben tympanitisch auf, fielen um und mufsten geschlachtet werden. F r ö h n e r sah bei einem Jährlingsschaf nach Aufnahme frischen Harns allgemeine cerebrale und spinale Lähmung und Tod eintreten. G ü c k e 1 beobachtete nach Verwendung von Wasser aus einem Brunnen, in welchen Dünger-jauche übergeflossen war, bei acht Pferden Mattigkeit, Fiebersymptome, taumelnden, schwankenden Gang, ziegelrote Conjunctiva, kleinen, frequenten Puls (65 p. M.), pochenden Herzschlag, geringe Steigerung der Atemfrequenz, verminderte Frefslust.
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Behandlung: Pansenstich bei Wiederkäuern in frischen Fällen. Reichliche Verabreichung von warmen, wässerigen Flüssigkeiten zur Unterstützung .der Diurese. Bei gesunkenem Blutdruck Kampher, bei Krämpfen Chloralhydrat. Beide geben Uramidoglykuronsäurever-bindungen, welche durch die Nieren ausgeschieden werden.
B. Ammoniumderivate zersetzter Eiweifs-substanzen.
a) Imine (Guanidin, Xanthinderivate, Indol), Mercu-
rialis. Unter den normalen Stoffwechselprodukten des Tierkörpers ist eine Anzahl von Substanzen vertreten, welche zum Teil auch von Fäulniserregern resp. von pathogenen Bakterien produziert werden. Mitunter kommen auch gelegentliche Vergiftungen durch Auf­nahme dieser, als wertvolle Düngemittel in der Land­wirtschaft verwendeten Körper vor. Grautier unter­scheidet die, von ihm als „Alkaloidequot; des lebenden, normalen Tierkörpers aufgefafsten N-haltigen Derivate, von den eigentlichen Ptomainen durch die Bezeichnung Leukomaine. Dieser Unterschied ist im Grunde ge­nommen ein hinfalliger, da, wie schon erwähnt, nicht nur der lebende tierische Organismus zu ihrer Produk­tion befähigt ist, sondern auch die Spaltpilze. Trotz­dem mag vorläufig diese Unterscheidung in Ermange­lung eines besseren Einteilungsprinzips beibehalten werden. Zu den Leukomainen sind eine Anzahl Sub­stanzen zu rechnen, welche als N-haltige Körper der regressiven Metamorphose bekannt sind, resp. Deri­vate derselben. Es gehören hierher die Guanidin- und die Xanthinverbindungen.
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Guanidinverbindungen.
Zu den Guanidinbason wären zu rechnen:
Guanidin, CH6N3, oder ImidoharnstoffNH • Clt;^sect;2.
Dasselbe ist bisher nur als Stoffwechselprodukt des Schweines bekannt, bei welchem es neben Guanin in Fällen von Guaningicht vorkommt. Bei der Fäulnis hat man es noch nicht gefunden. Nach G e r g e n s und Baumann geht es, dem Organismus subkutan beigebracht, teilweise in Harnstoff über, ein Teil wird unzersetzt ausgeschieden. 2 g, intravenös injiziert, töten einen Hund nach zwei Stunden. Es bewirkt Erbrechen, Lähmung der Hinterbeine und schliefslich Streckkrämpfe. 1,0 g wirkt nicht tödlich. Bei Fröschen treten heftige fibrilläre Muskelzuckungen auf, welche nach Curare-injektion aufhören (nach Nervendurchschneidung nicht). Der Muscarinstillstand des Froschherzens wird durch Guanidin aufgehoben. Vagusreizung bewirkt bei den mit Guanidin vergifteten Fröschen keinen Herzstill­stand, da die direkte Erregung der motorischen Herz­centren durch Erregung der Hemmungsapparate ge­wöhnlich nicht mehr überkompensiert werden kann.
Methylguanidin^H^oderNH-C^JJ-011laquo;.
Von B r i e g e r und Bocklisch wurde dasselbe in faulem Pferdefleisch, ebenso in Kulturen des Cholera- und F i n k -ler-Prior sehen Bacillus gefunden. Hoffa isolierte es aus Kulturen der Bacillen der Kaninchenseptikämie. Anscheinend sind auch die Milzbrandbaeillen imstande, im Blut aus Kreatin das Methylguanidin zu bilden, vielleicht auch die Friedländer sehen Pneumonie-kokken, da dieselbe nachgewiesenermafsen aus Kreatin Essigsäure abspalten. Brieger operierte mit der aus
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faulem Pferdefleisch erhaltenen Base. 0,2 g einem Meerschweinchen injiziert, bedingen unmittelbar nach der Injektion etwas frequente Atmung und fibrilläre Zuckungen, welche von der Einstichstelle ausgehen. Wenige Minuten später erfolgt reichlicher Stuhl- und Urinabgang, die Pupillen erweitern sich ad maximum und bleiben reaktionslos. Auf Kneifen erfolgt nur eine geringe Reaktion. Das Tier benimmt sich unruhig, es versucht, mit den Vorderbeinen sich vom Platz zu bewegen, die Hinterbeine versagen aber ihren Dienst, ohne dafs eine ausgesprochene Lähmung der Extre­mitäten besteht. Die Atmung wird tiefer und mühe­voller, der Kopf wendet sich bald nach rechts, bald nach links, an den Extremitäten beginnt allmähliche Lähmung; es tritt Dyspnöe ein, das Tier fallt auf die Seite und verendete 20 Minuten nach der Injektion unter kurz dauernden, allgemeinen, klonischen Krämpfen. Die Obduktion ergab: Herz in diastolischem Stillstand, die Därme mit Flüssigkeit gefüllt, die Blase kontra­hiert, Nierenrinde hyperämisch, Pupillen auffallend blafs.
Kreatinin,dHgNgC^, oderMethylguanidin-
NH
essigsaure, NH.Clt;N(C2H3)_CH2_COOH. Vom
Magen aus wirkte K. in Dosen von 8 g, mit 6 g Kro­atin zusammen eingegeben, unschädlich, höchstens wird die Peristaltik und die Herzthätigkeit verstärkt (C. v. Voit). Subkutan rufen 0,4 g bei Kaninchen zwar spasmodische Muskelkontraktionen und soporöse Erschei­nungen und vorübergehende Pulsfrequenz hervor, töten aber nicht. Nach subkutaner Injektion von 0,2 g salzsaurem Kreatinin beobachtete Brieger bei einem Meerschweinchen von 435 g nicht den geringsten Effekt,
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Kreatinin und das Anhydrid desselben, das Kr eat in,
C4H7N30, oder Methylguanidinglycolyl
NH-----------CO
NH • C lt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i wird man nach diesen Ver-
N(CH3)-CH2
suchen als toxische Substanzen anzusprechen kaum noch
berechtigt sein.
Xanthokreatinin, C5H10N4O, soll nach Grau­tier in geringer Dosis Apathie und Somnolenz, Er­brechen und Stuhldrang hervorrufen, während dem Crusokreatinin, C5H8N40, im wesentlichen die Eigenschaften des Kreatinin zukommen, ebenso dem Amphikreati nin, C9Hi9N1704.
Im faulenden Fleisch konnte Brieger keine der drei letztgenannten Basen, welche Gau tier neben einigen anderen ähnlichen Körpern aus frischem Rind­fleisch dai'stellte, gewinnen. G r am erhielt durch Aus­schütteln mit Amylalkohol und Reinigung durch Destil­lation mit Weinsäure aus faulem Fleisch bedeutende Mengen basischer Substanzen, welche die Kreatinin-reaktion gaben, diese waren aber ungiftig. Durch Er­hitzen der salzsauren Verbindung blieb dieses Basen­gemenge ungiftig; wurde es aber in die Milchsäurever­bindung übergeführt und diese erhitzt, so traten nach der Subkutanapplikation bei Fröschen Lähmungserschei­nungen und Verlangsamung der Herzthätigkeit auf.
Xanthinverbindungen.
In naher Beziehung zu der vorangehenden Gruppe stehen die Xanthinverbindungen, welche sich nicht sowohl der Harnsäure, sondern auch dem Guanidin in einigen ihrer Derivate anschliefsen. Es zählen hierher:
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Guanin, CäHjNgO, oder Imidoxanthin HN—CH
NH.C C-NH
1 ! gt;CO HN—C=N^
Das Guanin ist ein sehr giftiger Körper, welcher fibrilläre Muskelzuckungen und Krämpfe veranlafst. Es tritt auf als Leukomain im Pankreas, als Ptomain in fauler Hefe und im Eiter, herrührend von einem perinephritischen Abcefs und tuberkulöser Pleuritis, in welchem v. Jak seh dasselbe konstatierte. Der Eiter enthielt im ersteren Falle reichliche Mengen von Buttersäure. In dem als Dünger verwendeten Guano findet sich ca. 1 pCt. Guanin und sind Vergiftungen von Haustieren durch Guano, z. B. durch Aufnahme von Wasser, in welchem Guanosäcke ausgewaschen worden waren, zur Beobachtung gelangt.
A d e n i n, CgHgNg, von Kos sei im Pankreas, der Milz und den Lymphdrüsen des Rindes gefunden. Mit Kalilauge liefert es Blausäure und Wasser.
X a n t h i n, €5^X402. Die Wirkung der Xanthin-verbindungen sind von Salomon bezüglich der Kalt­blüter untersucht. Die Vergiftungssymptome stimmen fast bis ins einzelne mit denen des Theobromin überein und ähneln aufserordentlich denen des Coffein.
Methylxanthin, C6H6N4 02 (Heteroxanthin), wirkt wie Xanthin quantitativ etwas weniger giftig als das
Di methylxanthin, C7H8N402 (Paraxanthin, isomer mit Theobromin und Theophyllin). Eine Rana esculenta wird durch subkutane Injektion von 5—6 Mg. getötet. Nach der Einspritzung verlangsamen sich die Bewegungen, hören schliefslich auf, die Vorderbeine
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werden starr, die Reflexerregbarkeit erlischt alsdann am Vorderkörper, dann an den Hinterbeinen und es tritt Respirationsstillstand ein. Die Herzthätigkeit über­dauert alle übrigen Lebenserscheinungen um ein be­trächtliches. Nach innerlicher Applikation stellen sich dieselben Erscheinungen, aber langsamer ein. Injektion in einen Muskel führt zu sofortiger Erstarrung des­selben. Reines Paraxanthin wirkt wegen seiner Schwer­löslichkeit auch in grofsen Dosen nur unsicher. Alka­lien erhöhen die Löslichkeit bedeutend.
Car n in, C7H8N40a. Von W ei del aus ameri­kanischem Fleischextrakt gewonnen, von Schützen­berg er auch im Bierhefewasser angetroffen.
Indol.
Als weitere, bei der Fäulnis eiweifsartiger Sub­stanzen (Fibrin, Fleisch, Leber etc.) auch im Darm­rohr auftretenden Produkte, sind zu erwähnen das der aromatischen Gruppe angehörige Indol, C8H7N, B e n -
CH z o 1 p y r r o 1, C6II4 lt; jj„ gt; CH, krystallisiert in farb­losen, bei 52deg; schmelzenden, bei 254deg; siedenden Blätt­chen, welche im Vacuum unzersetzt flüchtig sind. Sein Geruch erinnert an Naphtylamin. Die mit Salz­säure angesäuerte Lösung wird durch salpetersaures Kalium rosarot gefärbt. Mit rauchender Salpetersäm-e entsteht eine ziegelrote Nitrosoverbindung. Leitet man zu dem in Wasser suspendierten Indol Ozon, so scheidet sich nach einiger Zeit Indigoblau, C16H10N2O2, d. h.
C6H4lt;gggt;C=Clt;gggt;C6H4 ab. Im Organis­mus entsteht bekanntlich aus dem Indol Indoxylschwe-felsäure, C8H6N—HS04.
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S k a t o 1, C9H9N, Methylindol, C6H4 lt;^H3)gt;CH
ist der ständige Begleiter des Indol. Dasselbe krystal-lisiert in glänzend weifsen Blättchen, welche bei 93,50 schmelzen, in Wasser sich schwerer lösen als Indol (0,02 g Skotol lösen sich in 100 aq.), mit Chlorwasser keine Färbung und mit rauchender Salpetersäure eine weifse Trübung geben.
Physiologisch verhalten sich Indol und Skatol ziemlich gleich. Frösche verfallen in 0,02 pCt. Lösung zunächst in vorübergehende Krämpfe, sodann in einen regungslosen Zustand, wobei sie regelmäfsig zu Grunde gehen. 0,5 g Skatol riefen bei einem Kaninchen von 1400 g vorübergehende Störungen hervor, die sich vor­zugsweise in Lähmung der hinteren Extremitäten äufserten (B r i e g e r).
Baumann und Brieger gaben einem Hunde im Laufe von fünf Tagen 18 g reines Indol, ohne dafs das Tier starb. Der Harn zeigte eine rötlich braune Farbe, die Sulfate verschwanden am letzten Tage. Da­gegen war derselbe enorm reich an indoxylschwefelsaurem Kali, welches auf Zusatz von Salzsäure und Eisenchlorid als Indigo in dichten, krystallinischen Flocken ausfiel.
I n d i g o b 1 a u stand früher in dem Eufe, gegen Epi­lepsie wirksam zu sein. Das schwer resorbierbare Prä­parat erzeugte in den Versuchen von Ideler bei fort­gesetztem Gebrauch grofser Dosen Würgen, Erbrechen, Entleerung weicher, halbflüssiger Fäces, meist ver­bunden mit Koliksymptomen, Appetitverlust, leichte Zuckungen, Sehnenhüpfen.
1.
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Mercurialis.
Bingelkraut (Ruhrkraut, Schweifskraut).
Mercurialis perennis und annua (L. XXII, 6, Euphor-biaceae) wirken nur im frischen Zustand schädlich, getrocknet jedoch nicht und finden gekocht sogar als Gemüse Ver­wendung. Die längere Zeit an der Luft liegenden Wurzeln beider Arten färben sich, sowie auch die Milch der Kühe, welche davon fressen, indigoblau. Das Kraut von M. perennis war früher offizinell, wirktauf Fleischfresser abführend und brechen-erregend und wurde schon von Dioscorides unter dem Namen KvvoxQamp;fißti als Abführmittel gebraucht. H. Schulz prüfte das Bingelkraut auf seine toxischen Eigenschaften an Schweinen und Kaninchen und kommt zu dem Schlufs, dafs das Kraut kein starkes Gift sei.
Es enthält eine von Rcichardt als Mercurialin bezeich­nete, von E. Schmidt für Methylamin erklärte Base. Letz­terem gelang es auch aufserdem, Trimethylamin in Mercu­rialis annua nachzuweisen. Dieser Befund, im Verein mit der Blaufärbung der Wurzel an der Luft, gestattet dem Schlufs, dafs die Pflanze Indol in einer farblosen Verbindung enthält, welches sich durch Ozon in Indigoblau vorwandelt.
Trotzdem von Schulz einige der Tiere längere Zeit mit dem Kraut gefüttert wurden und trotz Verabfolgung beträchtlicher Dosen eines aus der Pflanze bereiteten Fluidextraktes in Milch starb doch keines der Tiere. Bei sämtlichen konnte S. jedoch eine Wirkung auf die Darmmuskulatur und in noch stärkerem Grade auf die Blasenmuskeln konstatieren, welche durch kleine Dosen erregt, durch grofse Dosen gelähmt werden. Der bei Kaninchen spärlich gelassene, stark sedimentierende Urin zeigte eine blutrote, jedoch nicht vom Blutfarbstoff herrührende Fär­bung (Indigrot?). Bei getöteten Tieren war die Blase enorm ausgedehnt, prall mit Urin gefüllt. Mikroskopisch liefsen sich in demselben lange, cylindrische, aus Schleim bestehende Fäden nachweisen, auf denen sich Kalciumkarbonat abgelagert hatte. — Bei den Schweinen war die Harnsekretion stark vermehrt undes machten sich deutliche Anzeichen vonHarnzwang geltend.
Wiederkäuer verschmähen die Pflanze weniger wie die Pferde und erkranken deshalb relativ häufiger. Vernaut berichtet über zwei bei Pferden eingetretene Vergiftungsfälle, welche eine Krankheitsdauer von drei Wochen bedingten. Der Befund war folgender: Schlechter Ernährungszustand, fast voll­ständige Appetitlosigkeit, gerötete Conjunctiva, Arterie ge­spannt. Puls beschleunigt, der Herschlag an der rechten Seite
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des Thorax wahrnehmbar. Das Gehen war erschwert, Nieren­gegend steif und unhiegsam, Urinsekretion übermäfsig stark, der Urin rotgefärbt.
Bei Wiederkäuern äufsern sich die Vergiftungserschei­nungen in Appetitmangel, gestörter Rumination, gelblicher, stinkender Diarrhöe im Falle schwerer Erkrankung, sonst besteht unterdrückte Defäkation. Von weiteren Symptomen sind anzuführen Verminderung der Milchsekretion, rötliche Fär­bung der schlecht aufrahmenden Milch, event. Frühgeburt, Zu­nahme der Puls- und Atemfrequenz, Harnbeschwerden, öfteres Niederlegen, Trippeln mit den Hinterfüfsen, Schmerz bei Druck auf die Nierengegend. Der braunrot bis schwarzrot gefärbte, mit sendimentierenden Flocken vermischte Urin wird in grofsen Quantitäten abgesetzt. Die Obduktion ergiebt Schwellung und fleckweise Rötung der drei ersten Magenabteilungen, Labmagen und Darmschleimhaut mit zahlreichen Extravasaten durchsetzt. Nieren sehr blutreich, Blut dunkel.
Im getrockneten Zustande soll die Pflanze keine toxischen Eigenschaften besitzen.
b) Amine (Mono-, Di-, Triamine), Clieno-p odium.
Als Fäulnisprodukte organischer Substanzen (Fleisch von Fischen und Warmblütern) treten eine Reihe von Aminen auf, welche als Ammoniakderivate jener Kohlewasserstoffe zu betrachten sind, von denen sich die Fettsäuren ableiten. Ihre Wirkung ist eine viel­seitige und erstreckt sich im wesentlichen auf die neuro-muskulären Apparate und das Cirkulationssystem.
Monamine.
Methylamin, CHBN oder CH3 • NH2, ist dargestellt worden aus faulenden Heringen, Seedorschen und in relativ gröfseren Mengen aus dem verdorbenen Fleisch des Hechtes.
Dimethylamin, C2H7N oder (CH3)2-NH, tritt nicht sowohl bei der Fäulnis des Fischfleisches auf.
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sondern auch in verdorbener Wurst, faulendem Leim und faulender Hefe.
Trimethylamin.
Trimethylamin, C3H9N oder(CH83N, welches sich nachweislich bei der Zersetzung der Cholinabkömm-linge bildet, wirkt an und für sich noch in 10 pCt. Lösung auf Schleimhäute lokal reizend und selbst in geringerer Konzentration deletär für die Blutkörperchen. Auf dieses Verhalten mufs auch der von Labord stark betonte pathologische Befund: Hämorrhagische Hyper­ämie der Nieren und Hämaturie zurückgeführt werden. Husemann, welcher nicht käufliches „Propylaminquot; (unreines Trimethylamin), sondern ein reines Präparat untersuchte, konstatierte nur mäfsige Nierenhyperämie, wie solche bei dem asphyktischen Tode der Tiere leicht erklärlich ist.
Im übrigen erinnert die Wirkung an die des Cho-lin. Auf Kaninchen sind ca. 0,5 g p. KK. subkutan ohne Einflufs. Die Wiederholung der Injektion nach Ablauf von IVa Stunden hat Speichelflufs, Diurese, vereinzelte krampfhafte Stöfse, Zuckungen des ganzen Tieres und leichtes Zittern zur Folge. Unter allmäh­licher Abnahme der Sensibilität tritt der Tod einige Stunden später ein. Von einer Herzlähmung als Todes­ursache (aufser bei Injektion in die Vena Jugularis), kann weder bei Kaninchen, noch bei Fröschen die Rede sein.
Bei Säugern hört die Respiration konstant früher auf, als die Herzaktion. Der Herzstillstand kennzeich­net sich bei beiden Tiergattungen als diastolischer. Die wenig hyperämischen Lungen sind mit punktförmigen bis erbsengrofsen Extravasaten durchsetzt. Venen des
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Mesenteriums und der Bauclieingeweide lebhaft injiziert. Das dunkle Blut rötet sich an der Luft stark und koaguliert. Nach einmaliger subkutaner Injektion von ca. 1,0 g p. KK. entsteht der Speichelflufs erst später. Nach Ablauf von 3/4 Stunden beginnen plötzlich heftige, 2—3 Minuten dauernde tonische und klonische Krämpfe mit Atmungssuspension. Pupillen im Krampf erweitert, nachher verengt. Die Krampfanfälle wiederholen sich, und das Tier geht in Coma zu Grunde.
Über die Einwirkung der Aminbasen auf die roten Blutkörperchen ist auf die beim Ammoniak gemachten Angaben zu verweisen.
Den Ammoniumsalzen gegenüber ist insofern eine Differenz vorhanden, als 0,67 g p. KK. vom Trimethyl-amin auf Kaninchen nur toxisch, dieselbe Dose vom Chlorammonium und selbst von dem etwas weniger giftigen Ammoniumkarbonat dagegen bereits tödlich wirkt.
Chenopodium.
Chenopodium, Gäusefufs oder Melde (L. V, 2, Farn. Cheno-podiaceae, Cariophyllinae) zeichnet sich in seinen verschiedenen Arten dadurch aus, dafs sie samt und sonders reichlich salpeter­saure Salze enthalten. Die Blätter von Chenopodium vulvaria s. olidum, dem Bocks- oder stinkenden Gänsefufs, enthalten besondere Drüsenorgane, welche freies Trimethylamm aus­hauchen, dessen Geruch auch bei Ch. hybridum, Schweinemelde oder stechapfelblättriger Gänsefufs unverkennbar hervortritt. Das Vorkommen des Trimethylamin in organischer Bindung ist bei anderen Arten vermutet, aber bisher nicht sicher festge­stellt worden. So isolierte Eeinsch aus Ch. album eine Base, welcher er die Formel C6H13N04 gab und Chenopodin benannte. Er fand die gleiche Base in faulender Hefe. Von diesem Produkt steht jedoch fest, dafs für dasselbe obige Formel nicht zutrifft, sondern die von Dragendorff ermittelte C6H13N02. Die betreffende Substanz ist eine Amidosäure und, wie v. Gorup bestätigt, Amidocapronsäure Cr)H,0(NH2)—COOH, das Leucin.
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Die meisten Chenopodiumarten werden von den Haustieren nur ungern gefressen. Schweine, welche sich am ehesten zum Verzehren derselben verstehen, werden duch Ch. hyhridum unter den Erscheinungen der Trimethylaminvergiftung getötet; auch Ch. rubrum wirkt nach Gmelin und Graumann bei Schweinen tödlich. Die Symptome äufsern sich bei den ge­nannten Thieren in Betäubung, Auflösung des Blutes und blau­rote Flecke vom Maul bis zum Magen.
Tetramethylammoniumhydroxyd
(0113)4 • N(OH), eine an Giftigkeit die Amine bedeutend übertreffende, leicht zersetzliche Base, ist zwar bisher unter den Fäulnisprodukten noch nicht gefunden worden, sein Vorkommen gehört indes nicht zu den Unmöglich­keiten. Vielleicht beruht die Abnahme der Giftwir­kung faulender N-haltiger Substanzen zum Teil auf der Umsetzung ähnlicher Basen. Am stärksten gif­tige Eigenschaften zeigt gewöhnlich das frische, aus faulendem Fleisch gewonnene wässerige Extrakt. Wäh­rend der weiteren Verarbeitung nimmt die Giftig­keit der Extrakte mehr und mehr ab. Mit Phosphor­molybdänsäure in salpetersaurer Lösung behandelte Fischlauge verliert meist ihre toxische Wirkung. Die Te-tramethylammoniumsalze bewirken zu 0,01—0,02 bei Fröschen in einigen Minuten Herzstillstand, wie Mus-carin durch Vagusreizung. Atropin hebt auch hier hier den diastolischen Stillstand auf. Nach Brown und Fräser fehlt der homologen Äthylen Verbindung die Herzwirkung. Es bewirkt der letztere Körper aber vor Eintritt der Lähmung der Skelettmuskulatür, welche auch durch die Methylbase veranlafst wird, hef­tige fibrilläre Muskelzuckungen durch starke, primäre Reizung der intramuskulären Nervenstrecken. Die Zuckungen treten auch nach Durchschneidung der Nervenstämme auf, nicht aber dann, wenn der Frosch
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vorher Curarin bekam (T i 11 i e). Nach B u f a 1 i n i führt sowohl Tetramethyl- als Tetraäthylammo­nium j o d zu Curare-artiger Lähmung der peri-pheren Nervenendigungen. Von den entschieden gif­tigeren Methylverhindungen töten 0,01 g p. KK. Warmblüter fast augenblicklich.
In G-esellschaft mit den Methylaminen kommen vielfach auch in anderer Weise alkylierte Amine vor, und zwar sind speziell
Diäthylamin, C^HnN, oder (CaHB^-NH und Triäthylamin, C6HigN, oder (C2H6)3-N aus faulem Fischfleisch, letztere Verbindung auch aus Fleischpep-ton-Cultur von Bacillen dargestellt worden, welche in giftiger Wurst enthalten waren.
Propylamin, CgHgN, oder CH8-(CH2)2-NH2, vielfach mit Trimethylamin verwechselt, findet sich unter den Fäulnisbasen des Leims.
Di amine.
Die substituierten Diamine des Methylen zeigen im freien Zustande grofse Beständigkeit und lassen sich daher unzersetzt destillieren. Mineralsäuren zerlegen sie sofort unter Bildung von Salzen von substituiertem Ammoniak.
Eine giftige Base, C2H8N2, isomer mit dem relativ ungiftigen Äthylendiamin, CaH^NH^, wurde von Brieger aus faulendem Fischfleisch gewonnen. Die­selbe giebt mit Goldchlorid keine Fällung und ihr Pt-salz löst sich in heifsem Wasser leicht, das ent­sprechende des Äthylendiamin fast gar nicht. Bei Fröschen bewirkt das Hydrochlorid wenig charakteri-
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stische Erscheinungen. Die Tiere verfallen in Lethargie, aus welcher sie durch äufsere Reize erweckt werden. Die Pupillen erweitern sich, und unmerklich erfolgt diasto-lischer Herzstillstand. Mäuse und Meerschweinchen sind weniger tolerant. Schon nach geringen Dosen tritt perio­disch verstärkte Absonderung des Nasen-, Mund- und Augensekrets ein. Die Pupillen erweitern sich, die Aug­äpfel werden auffällig vorgetrieben, darauf heftige Dys-pnöe, welche bis zu dem nach 24 Stunden erfolgenden Tode anhält. Ein 0,5 kg schweres Kaninchen erhielt 0,2 g subkutan, worauf ähnliche Erscheinungen und nach 18 Stunden der Tod sich einstellten. Besonders auf­fällig äufserten sich die dyspnöischen Zwerchfellkrämpfe, durch welche der hintere Thoraxabschnitt zeitweilig wie eingeschnürt erschien.
Tetramethylendiamin (PutrescinBriegers), C4Hi2N2, oder NH^CH^NHa, bildet neben dem nach­stehend genannten den Hauptbestandteil der bei Fäulnis von Fleisch der Warmblüter (Pferdefleisch) und des Fisch­fleisches entstehenden Basen, ist aber aufserdem gefunden worden in menschlichen Leichen, in Reinkulturen von Cholerabacillen, in Gclatinekulturen menschlicher Kot­bakterien und bei Fäainis des Leims. Die freie Base siedet bei 156—157deg;, riecht spermaähnlich und wirkt wie das Cadaverin (cf. S. 418).
Der Grad der Giftigkeit ist eben nicht als ein hoher zu bezeichnen. Verfütterung von 3 g an einen Hund von 6 kg hatte keine nachteiligen Folgen (H. v. Udränszky und Baumann). Die vierfach methy-lierte Base wirkt aber enorm giftig und zwar nach Art des Neurin. Bei Mäusen und Meerschweinchen, weniger bei Kaninchen, folgen alsbald nach Einverleibung des Giftes in kurzen Intervallen Krämpfe, so dafs dieser
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 27
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Symptomenkomplex gegenüber den übrigen Vergiftungs­erscheinungen (abundante Speichelsekretion, Dyspnöe; anfänglich Zunahme, später Abnahme der Atemfrequenz, Myosis, Lähmung der Muskulatur, vermehrte Peristal-tik, Spermatorrhöe, Harnträufeln) sich sehr in den Vordergrund schiebt.
Pentamethylendiamin (Cadaverin Brie-gers, wegen seines an Coniin erinnernden Geruches früher als Leichenconiin bezeichnet), C5HUN2 oder NH2(CH2)6NH2, stellte Ladenburg auf synthetischem Wege her. Es wurde sonst noch gewonnen aus Pferde­fleisch, menschlichen Kadaverteilen (vom dritten Tage ab um so reichlicher, je länger die Verwesung dauerte), faulendem Fischfleisch und Hühnereiweifs, Reinkulturen von Cholerabacillen und des Finkler-Prior sehen Bacillus (Vibrio Proteus), ferner als Begleiter des Putrescin auch im Harn und den Fäces von Personen, die an Cystinurie litten. Essigsaures Salz in einer Menge von 10 g einem 6 kg schweren Hund verabfolgt, be­wirkte aufser Temperaturabfall Erbrechen und diar-rhöischen Entleerungen keine pathologischen Verände­rungen. Cadaverin sowohl wie Putrescin erzeugen Nekrose des Darmepithels, bei subkutaner Injektion Eiterung, Auflösung der roten Blutkörperchen, Mangel der Gerinnbarkeit des Blutes, Muskelkrämpfe und Algidität.
Freies Cadaverin siedet bei 175deg;. Die dickflüssige, wasserklare Masse absorbiert COg und erstarrt alsdann krystallinisch. Das Pt-salz bildet kurze, rhombische, doppelbrechende Prismen von oktaederähnlichem Ha­bitus, das Goldsalz lange, glänzende, verwitternde Nadeln oder Prismen. Be bring konstatierte, dafs Cadaverin aus Jodoform unter Abspaltung von NH3
i
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Jod freimacht. Freies Cadaverin erregt, wie erwähnt, Ei­terung, während den sogenannten Eiterkokken an sich diese Fähigkeit abgeht (Scheurlin,Grawitz), ebenso wie dem HC1-Cadaverin (Kobert). Da W. F. Lö-bisch und P. v. Rokitansky das Cadaverin aus bronchiektatischen Eitermassen durch Benzoylierung rein gewinnen konnten, so läfst sich das Cadaverin auch als ein Stoffwechselprodukt der Eiterkokken be­trachten, da Eiter dem Jodoform gegenüber sich ge­rade so verhält, wie das Cadaverin. Das HCl-Salz löst sich in verdünntem Alkohol, nicht aber in abso­lutem. An der Luft zerfliefst dasselbe.
Diu'ch Destillation des salzsauren Pentamethylen-diamins erzielte Ladenburg Piperidin (CsHuN).
In den Zellkernen der Leber älterer Tiere, be­sonders der Hunde, fand v. G r a n d i s Krystalle, welche von der phosphorsauren Verbindung einer mit dem Pentamethylen isomeren Base CsH^^ gebildet werden (neben Leucin). In physiologischer Beziehung übt die Base eine paralysierende Wirkung auf die Nerven-centren, läfst aber die Nerven selbst und die Muskeln intakt. C schlägt für die neue Base den Namen Gr e -rontin vor, da das Auftreten derselben anscheinend auf senilen Veränderungen beruht.
Eine als Saprin bezeichnete, destillierbare Base ist dem Cadaverin ebenfalls isomer, unterscheidet sich aber von demselben durch den pyridinähnlichen Ge­ruch, ebenso durch das Verhalten seiner Salze, Das HCl-Salz bildet nicht zerfliefsliche Nadeln, die Pt-Ver­bindung parallel aggregierte, leicht lösliche, spiefsige
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Krystalle. Goldchlorid giebt keine Färbung. Dar­gestellt wurde das Saprin von Brieger aus mensch­lichen Leichenteilen. Es besitzt keine giftigen Eigen­schaften.
C. Ammoniumderivate unbekannter Kon­stitution (Ptomaine der Fleisch- und Fisch­fäulnis, Mydalein, Saprotoxin).
Mydalein.
Nach 14 tägiger Fäulnis menschlicher Kadaverteile bildet sich eine durch HgC^ nicht fällbare Base, deren Platindoppelsalz 38,74 pCt. Pt, 10,83 pCt. C, 3,23 pCt. H ergab. Brieger nennt sie Mydalein, ftvöaXiog = madeus, schlammtriefend, modernd. Wahrscheinlich liegt ein Diamin mit vier oder fünf Atomen C vor, ein eminentes, inuscarinartiges Gift. 0,005 g töten Meerschweinchen und nicht zu grofsc Katzen, ohne auffäl­lige pathologisch-anatomische Veränderungen zu hinter­lassen, höchstens findet man die Dannschleimhaut etwas injiziert, Herz in diastolischem Stillstand, Darm und Blase kontrahiert. Speichel, Nasenschleim, Thränen, die Darmdejektionen werden in reichlichster Menge abgegeben; bei Katzen tritt Schweifssekretion an den Sohlenballen ein und Erbrechen. Die Hinterglied-mafsen verlieren zuerst den Halt, dann die Vorder-gliedmafsen. Den Kopf flach an den Boden gedrückt, die Extremitäten seitlich ausgestreckt, liegen die Tiere mit keuchendem, hastigen Atem, zeitweilig, besonders auf äufsere Reize hin, konvulsivisch zuckend, am Boden. Pupille maximal erweitert, reflexlos auf Lichtreize. Die anfänglich gesteigerte Temperatur, Herz- und Atemthätigkeit nimmt ab, die Respiration wird ober-
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flächlicher, die Somnolenz nimmt der Tod im vollständigen Sopor.
zu
und
es
erfolgt
Sapro toxin.
Aus 50 kg Pferdefleisch, welches vier Monate ge­fault hatte, gewann Brieger neben grofsen Mengen Tetra- und Pentamethylendiamin einen Giftkörper von der Zusammensetzung C7H17N02, isomer mit Typhotoxin, dessen Goldsalz denselben Schmelzpunkt (176deg;) zeigt. Die von Brieger nicht benannte, zweck-mäfsig als Saprotoxin zu bezeichnende Substanz unterscheidet sich von dem Typhotoxin durch das Fehlen der Sulfodiazobenzolreaktion, das Unvermögen, mit Platinchlorid und Pikrinsäure Niederschläge zu bilden und durch die Krystallierbarkeit des Öles, welches Kalium kodmiumjodid etc. bildet. Das Goldsalz des Saprotoxin krystallisiert in Blättchen, die beim Um-krystallisieren Nadeln geben. Das Chlorhydrat bildet feine, in absolutem Alkohol unlösliche Nadeln. Reines Saprotoxin reagiert gegen Lakmus sauer, bildet aber mit Basen keine Salze. Nichtsdestoweniger vermag ein einziger Tropfen Sodalösung die saure Reaktion selbst von gröfseren Quantitäten der Substanz sofort aufzuheben. Die von Hofmeister für die Amido-säuren als charakteristisch angegebene Rotfärbung mit Eisenchlorid zeigt der Körper nicht, auch entsteht da­mit keine Fällung, so dafs die Vermutung gerechtfer­tigt ist, dafs es sich um eine Betain-ähnliche Substanz handelt.
Bei Fröschen ruft das Gift eine Curare - ähnliche Wirkung hervor. Wenige Minuten nach der Injektion verfallen die Tiere in einen lähmungsartigen Zustand, in welchem sie zwar auf Reflexe reagieren, aber ihre
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Glieder nicht aus der einmal angenommenen Stellung fortzubewegen imstande sind. In die Rückenlage ge­bracht, macht der Frosch keinen Versuch, sich um­zudrehen. Zeitweise erschüttern heftige, fibrilläre Zuckungen die Gresamtmuskulatur. Pupillen erweitert; die Herzaktion wird allmählich schwächer, nach einigen Stunden diastolischer Stillstand.
Injiziert man Meerschweinchen Gaben von 0,05 bis 0,3 g des salzsauren Salzes, so werden die Tiere kurze Zeit darauf von einem leichten Schauer befallen. Die Atemfrequenz nimmt zu und es erfolgt mäfsige Speichelsekretion und Erweiterung der anfänglich ver­engten Pupillen. Bald treten kurz dauernde Schüttel­fröste ein in raschem Wechsel. Die Tiere kauern auf dem Boden, den Unterkiefer fest gegen die Unterlage gedrückt, ähnlich wie es bei dem Miesmuschelgift (Mytilotoxin, CeHjgNC^, Schmelzp. des Goldsalzes 182deg;) beobachtet wurde. In immer kürzeren Intervallen wiederholen sich klonische Krampfanfälle, auch die Speichel- und Thränensekretion wird abundanter, Körpertemperatur und Atemfrequenz sinken, die Glie­der verharren in der ihnen angewiesenen Stellung, und schliefslich sind Krämpfe nur noch durch äufseren Anstofs auslösbar. Die Herzaktion wird unregelmäfsig, die Frequenz geringer als vorher. Häufiger Abgang von Urin und Fäces. Vor dem Tode Würgebewegungen, völlige Lähmung, Respiration aussetzend. Bei der Sek­tion findet sich das Herz in diastolischem Stillstand, die Därme blafs, fest, kontrahiert. Blase leer und zu­sammengezogen.
Oadinin.
Eine dritte Substanz von der Zusammensetzung C7H17N02, als G a d i n i n bezeichnet, wurde aus faulen-
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dem Dorsch (Gadus callarias), später auch aus faulen­dem Leim vonBrieger dargestellt. Dieselbe lieferte kein Golddoppelsalz. Das in goldgelben Blättchen krystallisierende Platinsalz schmilzt bei 214deg;. Phos­phorwolframsäure , Phosphormolybdänsäure, Pikrin­säure geben Fällungen. Die freie Base krystallisiert in dicken, farblosen Nadeln, welche in Wasser leicht, in Alkohol unlöslich sind. Die giftige, ähnlich wie Saprotoxin wirkende Substanz unterscheidet sich von der Amidoönanthsäure nur durch ein Plus von zwei Wasserstoffatomen.
Mydatoxin.
Aus den Mutterlaugen des Golddoppelsalzes des Saprotoxin isolierte B. eine auch unter den Fäulnis­produkten menschlicher Kadaverteile aufgefundene Base, das Mydatoxin, C0H13NO2 (ßvddw, verfau­len), dessen Chlorhydrat einen farblosen Syrup darstellt. Es wird nur durch Platinchlorid und Phosphormolyb­dänsäure (in Würfelform) gefällt. Die in Wasser sehr leicht lösliche Platindoppelverbindung schmilzt bei 193 0. Das Mydatoxin wirkt gleich dem Saprotoxin, nur noch langsamer, so dafs der Tod der Versuchstiere oft erst nach 12 Stunden eintrat. Weifse Mäuse sind gegen beide Gifte sehr empfindlich.
Der Rückstand von den Quecksilberchloridnieder­schlägen, durch welche das Saprotoxin isoliert worden war, enthielt kein Mydatoxin, sondern das mittelst Phosphormolybdän säure ausfallbare Methylguani-din, welches aus dem Kroatin des Fleisches nur durch Oxydation entstanden sein konnte (cf. S. 405).
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D. Ammoniumbasen zersetzter Lecithine.
Zu dieser Gruppe gehören eine Reihe von Basen, von denen einige gewöhnlich in Gemeinschaft vertreten sind, und zwar sowohl in pflanzlichen, als auch in tierischen Produkten.
Cholin.
Eine relativ ungiftige Verbindung, auck welcher indes höchst giftige Umsetzungsprodukte hervorgeben können, ist das Cholin (Äthylen- oder Oxäthylcholin), C5H1gN02, d. h. Trimethyläthylenhydrinammonium-hydrat oder Trimethyloxäthylammoniumhydrat
(CH3)3Nlt;CnTT2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; , identisch mit Bilineurin,
Sinkalin, Amanitin.
Die freie, stark alkalisch reagierende, durch Tannin nicht fällbare Base bildet zerfliefsliche Krystalle. Aufser Cholin vegetabilischer Herkunft kennt man auch sol­ches, welches aus faulem Fleisch, menschlichen Pla-centen, giftiger Leberwurst dargestellt wurde. Synthe­tisch erhält man Cholin nach Würtz beim Erhitzen einer Mischung von Äthylenchlor hydrin, CH2CI—CHgOH und Trimethylamin im zugeschmolzenen Rohr auf 100deg; (wobei der Stickstoff aus der dreiwertigen Form in die fünf wertige übergeht) nach der Gleichung
CH2C1- CH2OH-f- (CH3)3N=(CH3)3Nlt;gJl2~CH20H
Die in zerflicfslichen Nadeln krystallisierende Chlor­verbindung entwickelt auf Zusatz von Alkali Trime­thylamin (E. Schulze). Läfst man nach Zusatz von Platinchlorid die wässerige Lösung des reinen Cholin-chlorid verdunsten, so krystallisiert das Platindoppel­salz in orangeroten, monoklinen, wasserfreien Tafeln
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aus (Söffing und Rinne). Die Krystalle, welche man durch Abkühlung der heifs gesättigten, wässerigen Lösung des Pt-Doppelsalzes erhält, sind von den oben erwähnten insofern verschieden, als sie mehr gestreckt auftreten und flachen Prismen ähneln. Bei Krystalli-sation aus heifsem, verdünntem Weingeist scheiden sich gelbe, reguläre Oktaeder aus mit 1 Mol. Krystall-wasser von der Zusammensetzung
(C5 H14 NO Cl)2 Pt Cl4 -t- H2 0. Die aus natürlichem Cholin dargestellten Platinsalze werden nach Brieger beim Reiben stark elektrisch, die aus synthetischem Cholin gewonnenen nicht. Das wasserfreie Platinsalz schmilzt unter Aufschäumen bei 225deg;, das Goldsalz bei 244—245deg; (E. Jahns). Bei der Fäulnis des Cholin unter Einwirkung von Kloaken­schlamm entsteht reichlich CH4 (ca. *Ib der gesamten Gasmenge, welche auf 1,17 g fast 1 1 ausmacht), CO2 (Vs) neben NH3 und etwas Methylamin, NHa-CHg (K. Hasebrock). Bezüglich der Bildung des Cholin aus Lecithin ist auf das bei Besprechung des Baumwollen­samens Mitgeteilte zu verweisen (cf. S. 438).
Wirkung. Dafs Cholin nicht als indifferente Substanz betrachtet werden darf, lehren die Beobach­tungen von Gähtgens, Brieger, Böhm, Gram. Bei Fröschen bewirkt Cholin in Dosen von 0,025—0,1 g im Verlauf von 10 Minuten bis einer Stunde regel-mäfsig allgemeine Paralyse. Dieselbe erfolgt allmäh­lich und ist regelmäfsig von einem eigentümlichen Zittern der Muskeln begleitet, wie solches auch häufig der Curarewirkung unmittelbar vorangeht. Im weiteren Verlauf treten unter flimmernden Zuckungen in den Bauchmuskeln krampfhafte, dy'spnoeartige Atmungs­bewegungen, namentlich als Reflexe auf mechanische
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Reizung des Tieres noch dann auf, wenn bereits all­gemeine Paralyse sich ausgebildet hat. Auf der Höhe der Wirkung hört allerdings zuletzt auch dieses reflek­torische Krampfatmen vollständig auf. Pupille eine Stunde nach der Injektion sehr stark verengt. Reines Cholin übt auf das Herz keinen Einflufs aus (Har-k a w y, B ö h m).
Gröfsere Frösche erholen sich im Verlauf von 24 Stunden nach Dosen unter 0,1 g vollständig, kleinere gehen meist schon nach 0,05 g zu Grunde.
Bei Warmblütern konstatierte Böhm eine auf­fällige Verschiedenheit in der Empfänglichkeit gegen dieses Gift. Während Kaninchen selbst nach 0,7 g Cholinchlorid keinerlei Lähmungserscheinungen, nur etwas Salivation und weicheren Kot und Appetitver­lust zeigen und nach B r i e g e r erst infolge einer Dosis von0,5gp.KK. sterben, wird eine kräftige Katze bereits durch 0,3 g vorübergehend gelähmt und durch 0,5 g innerhalb fünf Minuten getötet. Die Zwerchfellsatmung sistiert erst längere Zeit, nachdem totale Paralyse ein­getreten ist. Von sonstigen Symptomen fallen auf: starke Salivation, nicht verengte Pupillen und inten­sive, postmortale Muskelzuckungen, welche 1U Stunde nach dem Tode beginnen und ca. Va Stunde dauern.
Charakteristisch für die experimentelle Cholin-vergiftung ist der Umstand, dafs dieselbe in kurzer Zeit zum Tode oder zur völligen Erholung der Tiere führt, was auf rasche Ausscheidung oder Veränderung des Giftes im Körper hindeutet.
Vinyloholin.
Durch 24 stündiges Erhitzen der freien Base mit Milchsäure oder 5—6 stündiges Erhitzen der salzsäure-
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haltigen,, wässerigen Lösung der Platinverbindung auf dem Wasserbade (Gram) geht das Cholin fast quanti­tativ über in Vinylcholin, C5H13NO, das Neurin Briegers, welches als Trimethylvinylammoniumhydrat,
OTT = OTT
(CHs^N^^ttnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2) aufzufassen ist, aus dem Cholin
entstanden durch Wasseraustritt. Beyer erhielt die Vinylbase aus Cholin durch Erhitzen mit HJ im zu­geschmolzenen Rohr. Synthetisch läfst es sich nach A. W. v. Ho ff mann darstellen durch Erwärmen von Äthylenbromid, CH2Br—CH2Br, mit Trimethylamin auf 50deg;. Das salzsaure Cholin giebt mit Gerbsäure keinen Niederschlag, während das gleiche Vinylcholin-salz eine schmutzig weifse Fällung eingeht; umge­kehrt wird das salzsaure Neurin durch Phosphor­wolframsäure nicht niedergeschlagen, während das salz-savire Cholin damit als voluminöses Präcipitat zu Boden sinkt. Die Platin- und Golddoppelsalze lösen sich selbst in heifsem Wasser äufserst schwer. Erstere sollen nach Brieger in gut ausgebildeten Oktaeden mit und ohne Krystallwasser krystallisieren, letztere flache Pris­men bilden. — Käufliches Neurin ist gewöhnlich mit Cholin verunreinigt. — Neurin wurde in faulem Fleisch und faulen Lorcheln von Brieger und Berliner­blau nachgewiesen.
Durch diese Base werden Frösche in Dosen von 0,002 g ausnahmslos unter ähnlichen Erscheinungen ge­tötet, wie durch Cholin, nur mit dem hauptsächlichen Unterschied, dafs nach initialer Beschleunigung der Herz-thätigkeit unter Verlängerung der diastolischen Phase des Herzens und Zunahme des Intervalls zwischen den einzelnen Herzkontraktionen das Herz nach voran­gegangener Sistierung der Lungenatmung in Diastole
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still steht. Mechanische und elektrische Reize ver­mögen anfänglich die Herzkontraktion wieder zu beleben, doch erlischt die Reaktion auf diese Reize nach einiger Zeit. Die Lähmungserscheinungen beginnen bereits nach 2 — 5 Minuten. Zuerst werden die Vorderbeine gestreckt gegen den Leib angezogen, alsdann die Hinterbeine in ausgesprochene Extensionsstellung ver­setzt. Unter Verminderung der Reflexerregbarkeit treten schliefslich auf aufsere Reize keine Abwehrbewe­gungen , sondern nur noch reflektorische Zuckungen in einzelnen Muskelgruppen ein. Geringe Gaben Atropin sind im stände, die Herzaktion von neuem anzuregen. — Ungleich giftiger sind von Marino-Zuco das phosphorsaure und glycerinphosphorsaure Neurin befunden worden; von letzterer Verbindung genügt 0,0001 g, um einen Frosch zu töten. Bei Säugern sind gleichfalls tiefgreifende Unterschiede hinsichtlich der Empfänglichkeit für dieses Gift wahrnehmbar. So reagieren Katzen mit grofser Präzision auf subku­tane Dosen von wenigen Milligramm, während dieselbe Dosis bei Meerschweinchen das physiologische Gleich­gewicht nicht weiter alteriert. Auch Kaninchen und selbst Mäuse überstehen die Giftwirkung viel eher als Katzen. Es bedarf einer Menge von 0,005 g, um bei l kg schweren Kaninchen eine Intoxikation sichtbar zu machen und erst eine Gabe von 0,04 g p. KK. führt den Tod herbei. Ein die Vinylverbindung enthal­tendes , von Gram aus Eidotter hergestelltes Cholinprä-parat tötete eine Taube (305 g) zu 0,1 g subkutan in 10 Minuten unter Krämpfen und Respirationslähmung. Innerlich gegeben, tritt durchschnittlich, intakte Schleim­häute vorausgesetzt, der Tod erst nach den auf das 10 fache erhöhten Subkutandosen ein. Bei Säugern über-
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dauert die anfangs hochgradig gesteigerte, dann allmäh­lich erlahmende Herzthätigkeit, welche zu diastolischem Stillstand führt, die Atmung ebenfalls. Der zum Still­stand gebrachte Herzmuskel reagiert auf Reize noch durch Kontraktionen, welche am Froschherzen nach grofsen Dosen allerdings nicht mehr ausgelöst werden können. Salivation, Kau- und Leckbewegungen sind stets vorhanden, ebenso ausgeprägte heftigste Dyspnoe. Letz­tere ist auf die beginnende Lähmung der Respirations­muskulatur zurückzuführen. Gegen das Ende hin wird die Atmung allmählich flach, weniger frequent, unregel-mäfsig. Mitunter besteht Pupillendilatation, welche bei direkter Einträufelung in den Konjunktivalsack ausge­sprochener Myosis weicht. Frühzeitig tritt auch heftige Darmperistaltik hinzu, so dafs ein ununterbrochener Ab­gang anfangs konsistenter, dann mehr wässeriger Massen stattfindet. Auch Thränensekretion, Schweifsbildung an den Sohlenballen bei Katzen, Samenergufs, sowie Harnträufeln waren damit kombiniert.
Eröffnet man in diesem Stadium die Bauchhöhle, so beobachtet man tetanische Kontraktionen an ver­schiedenen Abschnitten des Darms, die sich über gröfsere oder kleinere Teile desselben erstrecken. Die Milz erscheint fest kontrahiert, an ihrer Oberfläche höcke­rig. Kontraktion der Blase oder des Uterus war nicht zu beobachten. Abortus erfolgte selbst bei hoch­tragenden Kaninchen nicht.
. Zu der an den Hinterextremitäten beginnenden Paralyse gesellen sich nach tödlichen Dosen starke klonische Krämpfe, worauf die Tiere bald zu Grunde gehen. Künstliche Respiration verzögerte den Exitus, da alsdann die Krämpfe nachliefsen, aber sehr bald wiederkehrten. J. Ott und Ch. Collmar, ebenso
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Cervella, beobachteten nach 0,02—0,04 g bei Kanin­chen fieberhafte Temperatursteigerung.
Als äufserst wirksames Antidot erwies sich Atro-pin. Selbst wenn der Speichelflufs noch so abundant, die Krämpfe noch so heftig waren, brachten häufig sub­kutane Injektionen kleiner Mengen Atropin diese Er­scheinungen, ebenso die Pupillenverengerung zum Schwinden. Umgekehrt gelingt es nicht immer bei vorheriger Atropinisierung die Wirkung des Vinylcholin abzuwenden (Brieger). Nach Gram hebt Atropin zwar den Herzstillstand auf, nicht aber die Lähmungs­erscheinungen.
Muscarin.
Oydation des Cholin führt zur Bildung von Mus­carin, CgHjgNOg, welches auf diesem Wege (durch konzentrierte Salpetersäure) von Schmiedeberg und Harnack dargestellt wurde. Das verwendete Cholin wurde teils aus Gehirn, Eigelb, resp. Lachs-testikeln, teils nach der Angabe von W ü r t z, nachdem es Schmiedeberg unter Mitwirkung von Koppe 1870 im Fliegenpilze entdeckt hatte, gewonnen. Die Oxydation des Cholins vollzieht sich nach dem Schema:
(CHS).Nlt;^-CH'(0H, 0=(CH.).Nlt;^-CH0
H.O = (CH,),Nlt;™'_CHlt;OH- Umgekehit läfst
sich durch Reduktion das Muscarin in Cholin über­führen. Die Platinchloridverbindung des künstlichen Muscarins scheidet sich beim Erkalten einer heifsen, wässerigen Lösung in Form mehr oder weniger gut ausgebildeter Oktaeder aus, welche selten die Gröfse eines Stecknadelkopfes überschreiten. Die Verbindung hat die Zusammensetzung (C5H14N02Cl)2PtCl4 2H20.
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Beim Trocknen verliert sie schwer ihr Krystallwasser. Das zweite Molekül geht meist erst kurz vor der Zer­setzung fort, welche bei 150—155deg; erfolgt. Die Gold­verbindung, CgH^NOaCl AuCla, stimmt mit der aus Fliegenpilzmuscarin gewonnenen völlig überein. Unter Einwirkung von HaS entsteht nicht, wie man erwarten sollte, das Chlorid des Muscarins, sondern des Cholins durch Reduktion. Das unter Anwendung von KC1 aus dem Platinsalz dargestellte Muscarinchlorid krystal-lisiert nur unter Luftabschlufs in farblosen, glänzenden Nadeln oder Säulen. Aus dem Chlorid erhält man die freie Base durch Behandeln mit feuchtem Silberoxyd, als eine leicht zerfliefsliche, stark alkalisch reagie­rende, in Exsiccator krystallinisch erstarrende Masse. Das Muscarin besitzt stärkere basische Eigenschaften als das Ammoniak. Aus faulem Fischfleisch (Dorschquot;) isolierte Grautier im Jahre 1878 Muscarin, einen Befund, welchen Brieger später bestätigte. — Eine mit dem künstlichen Muscarin isomere Base, das Oxy-
cholin (CH3)3Nlt;gg(OH)-CH2(OH) erhielten E. Schmidt und Bode, indem sie Monochlorcholin, (CH3)3Nlt;gg,C1~CH2(OH), welches bei der Ein­wirkung von unterchloriger Säure auf Neurin entsteht, mit Silberoxyd behandelten.
Eine Vergiftung mit dem künstlichen Muscarin Schmiedebergs liefert sämtliche Erscheinungen des Cholins in potenziertem Grade, nur mit dem Unter­schiede, dafs in noch höherem Mafse, als durch Neurin, die Herzthätigkeit im gleichen Sinne beeinflufst wird. Für Frösche ist 0,0001 g die kleinste Dose, welche noch deutliche, zur völligen Paralyse führende Curarewir-
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kung und 0,0005 g die kleinste Dose, welche alsbald komplete diastolische, durch Atropin zu beseitigende Herzruhe verursacht. Die herzlähmende und dadurch tödliche Menge beträgt für Katzen 0,01 g. Auch hier Speichelflufs etc, hochgradigste Darmwirkungen, Wür­gen, Erbrechen, Diarrhöe und postmortale Zuckungen, und zwar infolge der Erregung der intraacinösen und intramuskulären Nervenendigungen, resp. der peri-pheren Drüsen und Darmganglien. Das künstliche Muscarin teilt mit dem natürlichen die erregende Wir­kung auf die Drüsen (nach gröfseren Dosen aber Anurie — Prevost und Monnier, Ellenberger), die Darmthätigkeit (Tetanus der Darmmuskulatur selbst, blutiges Erbrechen, sanguinolente Diarrhöe, hämorrhagische Enteritis, besonders des Dünndarms), den Oculomotorius und die intrakardialen Hemmungs­ganglien. Kleine Dosen Muscarin wirken nach Car-ville steigernd auf die Temperatur, grofse führen stetiges Sinken herbei. Die allgemeine Paralyse tritt aber gegenüber den Wirkungen auf das Herz ent­schieden zurück. Aus diesem Grunde kann man auch die vorhandene Dispnoe nicht auf Parese der Respi­rationsmuskulatur zurückführen; die Ursache liegt wesentlich in der Blutüberfiillung der Lunge, welche auf der Höhe der Muscarinwirkung zu Lungenödem führt (Muscarinlungenödem, Basch, Grofsmann). Dafs Paralyse der Rumpfmuskulatur aber dennoch ein­treten kann, beweist ein Versuch von Schmiedeberg und Koppe. Nach einer grofsen Dosis (0,01 g) natür­lichen Muscarins macht sich an einem atropinisierten Frosche, bei welchem eine durch Herzstillstand verur­sachte Komplikation nicht zu befürchten ist, allgemeine Paralyse geltend. Aufserdem ist bemerkenswert, dafs
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nicht nur nachträgliehe Atropininjektionen die mit töd­lichen Muscarinmengen behandelten Tiere (Katzen) viel­fach, selbst in den letzten Stadien der Vergiftung,, retten, sondern dafs auch bei vorher atropinisierten Katzen sämtliche Muscarinwirkungen ausbleiben, während bei Anwendung künstlichen Muscarins Paralyse in 3—30 Minuten unabwendbar trotz der vorgängigen Atropini-sierung eintritt. An dieser Lähmung gehen die Tiere entweder rasch zu Grunde oder sie erholen sich nach Ablauf einiger Stunden oder Tage, je nach der Do­sierung des künstlichen Muscarins (Böhm).
Bei Fröschen bewirkt natürliches Muscarin zu 0,5 Mg sofortigen diastolischen Herzstillstand. Katzen sterben durch 8 — 12 Mg in 10—15 Minuten, durch 2—4 Mg in 2 —12 Stunden. In der Agonie ver­schwindet die hochgradige Myosis. Kaninchen werden durch 5—10 Mg wenig affiziert.
Ellenberger prüfte natürliches Muscarin von Gehe (Dresden) und Merck (Darmstadt) bei gröfseren Haustieren. Das Präparat von Gehe wirkte etwa doppelt so stark als letzteres, indem es bei Pferden nach subkutaner Injektion von 0,01 g etwas Speicheln, nach 0,02 g weicheren Kot, nach 0,03—0,04 g Leib­schmerz, diarrhoische Entleerungen, geringe Diaphorese, Abtropfen von Flüssigkeit aus der Nase und Atemnot (Lungenödem) hervorrief. Eine Veränderung der Pu­pille war kaum bemerkbar. Das Muscarin von M e r c k begann erst bei 0,06 g zu wirken.
Bei Schafen trat bereits nach Anwendung von 0,003 — 0,008 g (Gehe) starke Thränen- und Nasen­schleimsekretion auf, vermehrte Pansenbewegung und heftiges Lungenödem, so dafs Atropin angewendet wer­den mufste. Das andere Präparat wirkte selbst bei
Teregu. Arnold, Toxikologie.
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einer Injektion von 0,01 g noch nicht. Verbindungen des Mittels mit Atropin liefsen die Muscarinwirkungen ganz zurücktreten.
Zum Nachweis des Muscarins giebt es aufser der physiologischen Reaktion keine bequeme Methode, welche genügende Sicherheit gewährt. Zur Konsta­tierung der Anwesenheit der Base kann der Umstand dienen, dafs beim Erwärmen muscarinhaltiger Lösungen sich ein tabakähnlicher Geruch bemerklich macht. Er­hitzen mit feuchtem Kaliumhydroxyd zersetzt das Mus-carin unter Bildung von Trimethylamin, welches an seinem Geruch nach Heringslake erkannt werden kann, nach­träglich entwickelt sich Ammoniak, eine Reaktion, welche das Muscarin mit andern Cholinderivaten teilt. Reines Muscarin löst sich in jedem Verhältnis in Wasser, sehr wenig in Chloroform, gar nicht in Äther und fallt Kupfer und Eisenoxydsalze aus ihren Lösungen. Mit Säuren bildet es lösliche Salze, welche mit Bromwasser einen gelben, im Überschufs verschwindenden Nieder­schlag geben. Gerbsäure bringt nur in sehr kon­zentrierter Lösung Fällung hervor, Jod-Jodkalium und Pikrinsäure fällen nicht.
Als Antidot kommt in erster Linie Atropin in Betracht, welches selbst die Wirkung einer fünffach letalen Muscarinmenge paralysiert (P r e v o s t). Tannin und Jodkalium versprechen wegen ihres Verhaltens zu Muscarinlösungen nichts, ausgenommen, es handelt sich um gleichzeitige Anwesenheit verschiedener Cholin-derivate. Obwohl Cholin selbst durch Tannin auch nicht gefällt wird, ist dies bekanntlich doch der Fall bei dem Vinylcholin.
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Betain.
Ein zweites Oxydationsprodakt des Cholins, wel­ches bei gemäfsigter Oxydation entsteht (0. Liebreich), ist das B e t a i n, Lycin (aus Lycium barbarum darge­stellt) oder Oxyneurin, CgHuNOä, d. h. Trimethyl-glykokoll,
(CH3)3Nlt;[q 2 , , dessen Hydrat
C6HuN02.H20 oder (CH3)3Nlt;gga-COOH
in Beta vulgaris, Scopolia atropoides, Solanura nigrum, Baumwollensamen, Vicia sativa, Pisum sativum, ferner in giftigen und ungiftigen Miesmuscheln und dem menschlichen Urin vorkommt und in naher Beziehung zum Sarkosin (Methylamidoessigsäure) steht. Betain reagiert nicht alkalisch und bildet grofse, glänzende, kühlend, süfslich schmeckende, zerfliefsliche, in Wasser und Alkohol lösliche Krystalle. Das Chlorwasserstoff:Be-
tainC5H11NOa • HC1 oder (CH8)N3lt;gp2 ~ C00H bildet
grofse, monokline, luftbeständige Krystalle. Das Be-tain wurde von Liebreich synthetisch aus Trime-thylamin und Monochloressigsäure, von Kraut aus Gly-kokollsilber und Jodmethyl erhalten und erwies sich als ungiftig(Jordan,J. Weifs; nach Kobertsollen dem Betain sowohl wie dem Hydrat giftige Eigenschaften zu­kommen), ebenso wie das von Brieger aus Gehirn, faulen Eiern, giftiger Wurst und Leichenteilen isolierte Neuridin, C5H14'S2, einem vom Vinylcholin abstam­menden Diamin.
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1. Cholinderivate in Pflanzen.
a. In verdorbenen FultmniUdn. Die oben erwähnten giftigen Cholinderivate finden sich in verschiedenen gebräuchlichen Futter- und Nah­rungsmitteln neben einer Reihe anderer Substanzen, welche dann, wenn ihnen ebenfalls toxische Wirkungen zukommen, den Symptomenkomplex der Vergiftung mehr oder weniger modifizieren, aber meist doch nur derartig, dafs trotzdem die Cholinderivate in ihren charakteristischen Eigenschaften nicht zu verkennen sind.
Baumwollensamen.
Die erbsengrofsen Samen der zu den Malvaceae gehörigen Gossypiumarten (L. XVI, 4) sind aufser-ordentlich fettreich. Das zu 20 - 40 pCt. vorkommende fette Öl zeigt eine tiefgelbe Farbe, ein spez. Cew. von 0,93 g und besteht nach Slessor aus Palmitin und viel Olein. Mit Schwefelsäure fiirbt es sich violett, mit Chromsäure rot, nach dem Verseifen mit Natronlauge blauviolett. Der Prefsrückstand der Samen, welcher in Kuchenform oder gemahlen als Baumwollensamen-kuchenmehl in den Handel kommt, enthält noch durch Äther extrahierbare, bei gewöhnlicher Temperatur feste, braun gefärbte Fette von butterartiger Kon­sistenz. Das mit Äther entfettete Kuchenmehl giebt an Alkohol noch eine braunschwarze, fettig harzartige Masse ab, die durch Weinsäure oder Salzsäure aus der alkoholischen Lösung ausgefällt werden kann und ihrem Aussehen und der Konsistenz naejh mit Pflaumen­mus zu vergleichen ist. Sämtliche Extrakte reagieren intensiv sauer, welche Eigenschaft durch Phosphor­säure (3,5 pCt. in Kuchen) und die wahrscheinlich
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vorhandene Milchsäure bedingt wird (T e r e g). Böhm isolierte aus einer gröfseren Men^e alkoholischen Ex­trakts aus Prefskuchen, welche bei der Verwendung als Futtermaterial bei Kälbern tödliche Vergiftung ver­ursacht hatten, eine Quantität von 20 g Cholin. Nach v. Lippmann beteiligt sich neben Cholin auch Betain au dem Aufbau der in den Samen präformierten Lecithine. Eigenen Beobachtungen zufolge ist nicht nur in toxisch wirkenden Baumwollensamenmehl Cholin, sondern eine dem künstlichen Muscarin entsprechende Base vor­handen, welche durch Elementaranalyse, Platinbestim­mung des Platinchloriddoppelsalzes, krystallographische Messung und Tierversuche identifiziert ist.
Die Ursachen für die schädigende Einwirkung des betreffenden Futtermittels sind nach verschiedenen Richtungen hin gesucht worden. Völcker bezichtigt die Verwendung der aus ungeschälten Samen herge­stellten und durch Schimmel verdorbenen Prefskuchen als causa morbi, ohne zu berücksichtigen, dafs Er­krankungen auch bei Fütterung von unverdorbenem, geschälten Material recht häufig auftreten; Breiken-förde u. a. beschuldigt die von den Prefstüchern her­rührenden unverdaulichen Pflanzenfasern, K1 i e n Ver-fütterung nicht genügend zerkleinerter Stücke der Prefskuchen, Holdefleifs die vorhandenen Schim­melpilze; Dammann vermutet Bakterien, auf welche Zopf fahndete. Letzterer züchtete zwei Streptokokken und vier Bacillenarten aus nachweislich schädlichem Material, durch deren Verimpfung in Eeinkulturen Erkrankungen jedoch nicht hervorgerufen wurden. Grautier erwähnt mit erkennbarer Absicht, dafs die schädlichen Kuchen aus der Heimat des Texasfiebers herstammen, einer Krankheit, welche auch durch Hä-
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matinurie charakterisiert sei. Mikroorganismen als solche kommen sicher nicht in Frage, denn das Baum­wollensaatmehl kann auch im gekochten Zustande toxisch wirken (Becked or ff, mündliche Mitteilung). Eöttger hält die Intoxikation für eine „Stickstoff­krankheitquot;, veranlafst durch Gärung der Eiweifsstoffe. Eine durch N - haltige basische Körper gegebene Noxe wird man nach der Konstatierung der Anwesenheit der Cholinabkömmlinge wohl annehmen müssen. Es sind aber keine Eiweifskörper, sondern Lecithine, welche der Spaltung verfallen und zwar liegt die Mög­lichkeit hierzu besonders nach Feuchtwerden (Transport auf stürmischer See, Pütz) bei hoher Aufsentempera-turvor, Selbsterhitzung nicht ausgeschlossen, wobei orga­nische Säuren, namentlich die Milchsäure, sicherlich nicht unbeteiligt sind. Der hohe Phosphorsäuregehalt dürfte hauptsächlich auf das Lecithin zurückzuführen sein, dessen Konstitutionsformel auf die Palmitinver-bindung bezogen, dies ohne weiteres erkennen läfst:
^0-OC-C15Eai C3H6-0-OC.C15H31
PO-OH
V0'CH2-(^PN(CH3)3.
Lecithinhaltige Substanzen, pflanzliche wie tierische, spalten Cholin unter Einwirkung von Alkalien leicht, bei Behandlung mit Säuren sehr schwer ab, in nennens­werten Quantitäten nur beim Erhitzen mit konzen­trierten Mineralsäuren. Extraktion mit Alkohol, Ein­dampfen etc. läfst das Lecithin unverändert. Vermei­det man die eingreifenden Operationen bei der Unter­suchung, dann kann man sicher sein, dafs das gefun-
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dene Cholin etc. in präformiertem Zustand vorhanden war (E. Schulze).
Nach Fütterung mit schädlichen Baumwollensamen­produkten erkranken vorzugsweise jüngere Tiere und die kleinen Wiederkäuer, erwachsene Rinder werden zwar durchschnittlich weniger mitgenommen, Todesfälle sind aber nichtsdestoweniger wiederholt vorgekommen. Ge­wöhnlich findet man eine Affektion des Darmtraktus, welche sich als hämorrhagische Gastroenteritis qualifi­ziert (Appetitverlust, Tympanitis, sanguinolente Diarrhöe, mitunter Icterus), ferner machen sich geltend Atem­beschwerden, Husten, Ödeme an Hals und Brust und Muskelschwäche (Taumeln, Hinfälligkeit, Unfähigkeit, sich zu erheben). Nicht selten treten gleich im Be­ginn der Erkrankung Sekretionsanomalien, kalter Schweifs, Abfliefsen von Speichel aus dem Maul oder Harnbeschwerden in den Vordergrund, speziell anhal­tendes Drängen ohne glatte Entleerung der Blase, sondern unfreiwilliges Abtröpfeln des nicht selten blutig gefärbten Urins (Blasenlähmung); schliefslich hört die Harnausscheidung trotz heftigen Drängens ganz auf (B o n g a r z), d. h. es entsteht Anurie, ein Symptom, welches teils auf parenchymatöse Nephritis, teils auf venöse Stauung in den Blutgefäfsen der Niere zu beziehen ist. Der stark sauer reagierende, oft blutig gefärbte Urin enthält in der Regel Eiweifs. Körpertemperatur gesteigert. Die Krankheit verläuft oft aufserordentlich akut, kann sich aber über mehrere Tage erstrecken. Nach J. G a u t i e r schwankt die Dauer der Krankheit zwischen zwei Stunden bis zu fünf Tagen und länger. In den weniger akut verlaufenden Fällen zeigen sich weitergehende Folgen der venösen Stauung, welche die Obduktion in ihrem ganzen Umfange aufdeckt,
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vielfach aber scion bei Lebzeiten als Brust- und Bauchwassersucht zu diagnostizieren ist. Der Tod er­folgt meist unter Konvulsionen.
Bei der Obduktion findet man das Duodenum dunkel gerötet, die Darmschleimhaut geschwollen, Leber stark vergröfsert, weich, Gallenblase prall gefüllt, Nieren um die Hälfte des Umfanges vergröfsert, Kapsel mit zahlreichen hämorrhagischen Herden übersät. Rinden­substanz gelbgrau, die geraden Harnkanälchen aufge­trieben , Marksubstanz nach der Papille hin blatirot, letztere selbst wie aufgequollen, Schleimhäute der Harn­wege geschwollen, in der Blase fleckige und streifige Rötung. Peritoneal- und Pleuraraum enthalten oft rot-gefarbte Lymphe in gröfseren Mengen, Grekröse und Mediastinum stark ödematös; die Lungen sind hämor-rhagisch-ödematös, mit Infarkten durchsetzt. Peri-kardialflüssigkeit gleichfalls rötlich gefärbt, unter dem Epi- und Endokard Ekchymosen, Myocardium blafs, mürbe, wie gekocht.
Fassen wir alle Krankheitssymptome zusammen, so weisen dieselben auf ein die Herzthätigkeit und die Blasenmuskulatur, zum Teil auch die Körpennuskulatur lähmendes Gift hin, welches gleichzeitig die Peristaltik verstärkt und Darmentzündung verursacht, Eigen­schaften, welche dem Vinylcholin und dem künstlichen Muscarin in ausgesprochenem Mafse zukommen. Dafs •die beim Muscarin auffällige Steigerung der Speichel-und Thränendrnsen nicht so eklatant hervortritt, dürfte auf die relativ geringen Mengen toxisch wirkender Umsetzungsprodukte des Cholins zurückzuführen sein, was daraus zu schliefsen ist, dafs immerhin einige Tage vergehen, bevor die Erkrankung manifest wird. Je nach der Gröfse des Konsums und der Quantität
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des vorhandenen Giftes wird der Eintritt und die Dauer der Krankheit, ebenso das Symptomenbild wechseln, da es bei akutem Verlauf schwerlich zur Ausbildung der hochgradigen Folgen der anhaltenden Kreislaufbehinderung kommen wird. Grips sah drei Bullen, welche täglich ca. 170 g Baumwollensamen-kuchen erhielten, erkranken und sterben. Esser be­obachtete, dafs 300 Lämmer, die täglich 250 g Baum­wollsamenmehl als Beifutter erhielten, nach Ablauf weniger Tage erkrankten (Tympanitis, blutige Durch­fälle). Nach 2—3 Tagen starb ungefähr 1ls der Tiere. G a u t i e r, welcher einem Kalbe täglich 500 g Kuchen verabfolgte, konstatierte erst am siebenten Tage ge­ringe Krankheitserscheinungen, am 11. Tage Durch­fall, am 16. dunkelblutroten Harn, Tod am 28. Tage unter totaler Paralyse der Skelettmuskulatur. Schwane­feld t fand bei den verendeten Kälbern ausge­breiteten Icterus. Inwieweit das fette Öl zur Ver­mehrung der Darmbewegung und der harzartige Körper zur Herbeiführung der hämorrhagischen Diathese bei­tragen, mufs vorläufig dahingestellt bleiben. Von dem fetten Öl der Sojabohne, z. B. ist durch B Ion del purgierende Wirkung festgestellt worden.
Im übrigen ist zu vermuten, dafs der Zustand, wel­chen Verschiedene für Hämoglobinurie halten, in manchen Fällen auf die Ausscheidung des im Baumwollensamen­mehl enthaltenen Farbstoffes zurückzuführen sein dürfte, ähnlich wie jene nach reichlicher Fütterung mit Erb­sen und Bohnen beobachtete Dunkelfärbung des Harns. Ob Hämoglobin wirklich vorhanden ist, wird sich un­schwer durch Untersuchung mit einem Taschenspektro-skop feststellen lassen. Der bei Schafen nach Fütte­rung von Baumwollensamcnmehl auftretende Icterus
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ist ebenso zu beurteilen, wie der nach Schlempe be­obachtete (cf. S. 448 sq.).
Der Nachweis einer Vergiftung durch Baum­wollensamenmehl wird sich im wesentlichen auf die Er­hebung anamnestischer Daten und die Untersuchung der Contenta stützen müssen.
Bezüglich der antidotarischen Behandlung ist auf das früher bei Vinylcholin und Muscarin Ange­führte zu verweisen. Die Bekämpfung der einzelnen Symptome richtet sich des weiteren nach den all­gemeinen Regeln.
Buchein.
Die Früchte von Fagus silvatica (L. XXI, 7, Cu-puliferae), Buchnüsse oder Bucheckern genannt, be­sitzen ein Gift, welches nach Buchner hauptsächlich in der Fruchtschale und Samenhaut vertreten sein soll, eine Annahme, welche sich wohl nur auf die Beobach­tung stützt, dafs besonders die reichliche Mengen von Schalen enthaltenden Prefsrückstände intensiver toxisch wirken, als die Buchnüsse selbst. Die als Fagin be­zeichnete Substanz, welcher man die giftige Wirkung zuschrieb, wurde von Herberger auch in dem fetten Öl nachgewiesen und als Trimethylamin erkannt. Böhm isolierte aus Bucheckernprefskuchen namhafte Mengen von Cholin, deren Platin- und Chlorverbin­dungen sich in keiner Weise von den Cholinsalzen anderer Abstammung unterschieden. Das fette 01 macht 34^—45 pCt. der Buchensamen aus, ist hellgelb, nicht trocknend, von 0,92 spez. Gew. und besteht nach Brandt und Rakowiecki vorwiegend aus Olein, wenig Palmitin und Stearin.
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Unzweifelhaft handelt es sich auch hier um die Wirkung von Cholin und Vinylcholin, vielleicht in Verbindung mit einer dem künstlichen Muscarin ent­sprechenden Base. Nach Braun läfst sich das Gift durch Wasser extrahieren; das Dekokt resp. das wässerige Extrakt wirkt giftig und führt den Tod durch Respirationslähmung herbei. Hunde und Katzen, welchen Braun von der letztgenannten Flüssigkeit einflöfste, bekamen nach einigen Stunden heftigen Husten und dann Erbrechen, worauf sie sich erholten. Rindvieh, Schafe und Schweine erhielten grofse Gaben von wässerigem Kuchenextrakt, ohne dafs hierdurch eine erhebliche Störung im Allgemeinbefinden entstanden wäre. Aufnahme von 3 — 4 kg Kuchen kann jedoch auch bei Rindern tödliche Vergiftung verursachen.
Hauptsächlich betrifft die Vergiftung Pferde, bei denen Quantitäten von 500—750 g letale Wirkungen hervorrufen können; Mengen über 1,5 kg töten fast regelmäfsig. Esel sterben nach 120—180 g der Buch­eck ernölkuchen in Zeit von 10 — 16 Stunden. Auch die Bucheckern selbst verursachen, jedoch erst in 3—4 mal höherer Gabe, bei Pferden und Eseln ähnliche Wirkungen.
Die wesentlichsten Symptome äufsern sich zu­nächst in plötzlich eintretender Unruhe, Kolikanfällen der verschiedensten Grade, mitunter in so hohem Mafse, dafs die Pferde toben, beifsen und nach dem Leib schlagen, ein Zustand, welcher nach 2 —10 Stunden eintreten kann, bei grofsem Konsum bereits im Verlauf einer Viertelstunde. Zu diarrhoischen Entleerungen kommt es bei rapidem Verlauf gewöhnlich nicht, wohl aber, wenn die Vergiftung überstanden wird.
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Dazu gesellen sich Lähmungserscheinungen. Die Tiere zeigen grofse Mattigkeit, senken den Kopf, tau­meln beim Gehen, stützen sich gegen die Wand, sind unvermögend, sich vom Boden zu erheben- Muskel­zittern, klonische Krämpfe der Nacken- und Rücken­muskeln, wohei die Pferde zuweilen hundesitzige Stel­lung einnehmen (W a n n e r), pflegen in den meisten Fällen vorhanden zu sein.
H e r t w i g beobachtete aufserdem regelmäfsig starke Salivation, Braun Abfliefsen von viel Schleim aus der Nase, livide Färbimg der Maul- und Nasenschleim-häute, triefenden Schweifs. Die Pupille weit, Iris reaktionslos. Das Atmen wird beschwerlich, aus­setzend, die Tiere öffnen das Maul weit, atmen kurz, röchelnd, mit Beschränkung der Bewegung der Rippen-und Bauchwand (Zwerchfellatmen wie bei Kaninchen nach Vergiftung mit Neurin und künstlichem Muscarin), und schlagen im Liegen mit den Vorderfüfsen, da in diesem Stadium meist komjjlete Lähmung der Hinter-gliedmafsen eingetreten ist. Herzschlag pochend. Puls frequent, klein und hart, im vorgeschrittenen Stadium der Vergiftung unregelmäfsig. Der Tod erfolgt meist 8—12 Stunden nach dem Verzehren der Kuchen unter Krämpfen. Falls die Tiere mit dem Leben davon­kommen, erholen sie sich ziemlich rasch.
Versuche mit dem ausgeprefsten 01, welches Hert-wig in Mengen von 750—1100 g einem Pferde ver­abreichte, hatten nur starkes Speicheln, Appetitverlust und zwei Stunden nachher etwas Tympanitis zur Folge. Am nächsten Tage ging der Kot ganz brei weich und übelriechend ab.
Die Obduktion deckt sich fast vollkommen mit dem Bilde der Muscarinvergiftung. Allgemeine venöse
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Stauungserscheinungen mit hämorrhagischem ödem der Lunge, ausgeprägteste Hyperämie der Meningen, des Hirns und Rückenmarks und Ödeme derselben. Das Herz, besonders und oft allein dessen rechte Hälfte, ist mit schwarzrotem, teilweise geronnenem Blut überfüllt. Die Leere des linken Ventrikels würde für die Theorie von Basch und Grrafsmann über die Herzwirkung des Muscarins bei Warmblütern sprechen ^ welche an­nehmen, das linke Herz gerate in eine Art spastischen Zustand, und veranlasse hierdurch die intensive Blut­überfüllung der Lunge (Lungenstarrheit) und des ve­nösen, peripheren Gefäl'sgebietes.
Im Dünndarm, namentlich im Duodenum und Ileum, seltener im Magen und Dickdarm findet sich dunkle, fleckige Rötung, besonders an jenen Stellen, wo eine direkte Berührung mit den Kuchenbestandteilen — kenntlich an den Hülsen — stattgefunden hat.
Die Körpermuskulatur erscheint grau gefärbt, bruchig.
Bei Rindern sind Vergiftungen von Kammerer und Vaeth konstatiert worden. Ein l1/^jähriger Fasel hatte 3 1 Prefsrückstände von Buchein im Ge­tränk erhalten. Nach zwei Stunden wurde das Tier unruhig, schwankte und fiel um. Hals und Extremi­täten waren steif.*) Puls frequent und drahtförmig. Die Temperatur betrug 39deg;. Reflexerregbarkeit er­loschen. Unter Anwendung von Laxantien, reizenden Einreibungen der Haut und einigen subkutanen Injek­tionen von Kampferöl erholte sich das Tier am zweiten Tage und im weiteren Verlauf vollständig. In dem anderen Falle waren innerhalb einer Woche
*) Anscheinend spastische Paralyse.
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täglich 3—4 kg, vorwiegend Bucheckern enthaltende Ölkuchen an Milchkühe verabfolgt worden. Am 4, - 6. Tage nahm die Milch einen bitteren Geschmack an und am 8.—10. Tage erkrankten die Tiere unter den Erscheinungen des Durchfalls, Herzklopfen, Anämie der Schleimhäute und Schwarzrotfärbung des Urins. Die Sistierung der Ölkuchenfütterung hatte nach meh­reren Tagen eine Besserung im Gefolge.
Für die Behandlung gilt ohne Einschränkung das, was bezüglich der Baumwollensamenmehlvergiftung gesagt worden ist.
Hefegifte. a) Diamid.
Durch Extraktion mit Alkohol gelingt es, aus Hefe eine Substanz zu gewinnen, welche den mit Al­kohol angefeuchteten Schwefel zu Schwefelwasserstoff zu reduzieren vermag. Mit Zuckerwasser und Schwefel gemengte Hefe giebt bei Bruttemperatur H2S und CO2. Ähnlich verhielt sich in den Versuchen von de Rey-Pailhade Muskelsubstanz, Rindsleber, Schafhirn und Blut. In jener als Philothion bezeichneten reduzie­renden Substanz vermutet Griesmeyer das Diamid (Hydrazin), H2N — NH2, von Curtius.
Ähnlich dem Hydroxylamin, HgN — OH, zeichnet es sich in chemischer Hinsicht durch energische Wir­kung auf Aldehyde und Ketone aus (0. Löw).
Das stark basische Diamid wirkt, wie H. Buchner ermittelte, auf die Tierkörper als heftiges Gift. Ein Meerschweinchen von 330 g erhielt eine subkutane Injektion von 0,1 g neutralisierten Diamid-sulfats. Nach einer halben Stunde stellten sich Un­ruheerscheinungen, Schwindel, starker Opisthotonus,
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klonische Krämpfe der gesamten willkürlichen Musku­latur, dann starkes Zittern ein. Die Krämpfe wieder­holen sich in kurzen Intervallen, worauf Parese der Hinter-, dann der Vorderextremitäten eintritt, unter periodisch viertelstundenlang anhaltenden klonischen Krämpfen (Brechbewegungen, Zähneknirschen), welche bis zu dem ca. zwei Stunden nach der Injektion er­folgenden Tode andauern. Ein 2,4 kg schweres Ka­ninchen verendete unter denselben Erscheinungen nach Injektion von 0,5 g im Verlauf von IVa Stunde.
Die in Blut auftretenden Veränderungen gleichen denen, welche durch die gewöhnlichen Ammonium­verbindungen verursacht werden, nur ist ihre Wirkung anscheinend eine noch intensivere (Heinz).
ß) Harkawys Basen.
Aus fauler Hefe wurden von A. Harkawy 1877 und von Chr. Gram 1886 Basen isoliert, welche in die Cholingruppe gehören.
Das Platindoppelsalz der einen krystallisiert in schönen, gelbroten Nadeln, während das zweite weifs-gelbe Konglomerate von Sphärokrystallen bildete. Die erste Base zeigte im freien Zustande schwach curareähn-liche Wirkung, ohne Affektion der Herzthätigkeit. Nach 24 stündigem Erhitzen bei Gegenwart von HC1 war ein Körper entstanden, welcher starke, allgemeine Lähmung und Herzstillstand in Diastole bei Fröschen hervorrief, welche durch Atropin aufgehoben werden konnte. — Die zweite Base zeigte ebenfalls eine schwache curareartige Wirkung bei Fröschen.
Eine durch stark hefehaltige Schlempe verur­sachte Vergiftung beobachtete R a t h k e. Auf einem Gute mit Brennereibetrieb waren mehrere hundert Liter Hefe
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mit dem Malz bei 100deg; dem Hollefreundamp;clien Apparat zugeführt worden, so dafs wegen zu starker Erhitzung die alkoholische Fermentierung unterblieb und die Maische keinen Spiritus lieferte. Die Masse wurde in den Schlemperaum abgelassen und an Rinder und Schafe verfüttert. Fast sämtliche Tiere, welche davon genossen hatten, erkrankten unter heftigem, wässerigem Durchfall und einer so grofsen Steifigkeit, dafs sich die Tiere kaum bewegen konnten. Eine Kuh und 18 Schafe starben.
Sauerkrautlake.
Kammerer berichtet über einen Fall von Vergif­tung eines Pferdes mit ca. drei Flaschen Sauerkrautlake, welche dem Tiere wegen vermuteter Würmer einge­geben worden waren. Nach 1/2 Stunde traten die hef­tigsten Kolikerscheinungen und bedeutende nervöse Aufregung, nach drei Stunden der Tod ein.
Schlempe, Schnitzel, Traber.
Die von verschiedentlichem, zur Spiritusgewinnung benutzten Material herrührenden, unter der Bezeichmxng Schlempe bekannten Fabrikationsrückstände enthalten samt und sonders C h o 1 i n und dessen Abkömmlinge, deren Vorkommen teils durch Analyse direkt festge­stellt, teils aus ihren Wirkungen bei längerem Ver­füttern zu erkennen ist.
In der Melassenschlempe fand M o r i n ein bei 155 — 220deg; siedendes Basengemisch und eine bei 171 bis 172deg; siedende Base von der Zusammensetzung CTH10N2, welche im Geruch an Pyridin erinnert und mit Alkaloidreagentien Fällungen giebt. Nach Würtz stellt die letztere ein mäfsiges Gift dar, das von Tanret mit /5-GIykosin, einem, durch NH3-Einwir-
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kung auf Glykosen entstehenden Körper identifiziert wurde. Für Kaninchen tödliche Dose ca. 0,5 g p. KK. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, dafs es nicht nur höhere Homologe des Cholins in der Fettsäure­reihe giebt, sondern auch aromatische Verbindungen, welche in ihrer Zusammensetzung zu den Cholinen zu rechnen sind und sich auch in der Wirkung als solche dokumentieren, so z. B. das von Bochefontaine untersuchte Oxäthylchinoleinammonium, welches curare-artige Wirkung zeigt. Dafs thatsächlich Ammonium­derivate höherer Athane in den Melassenrückständen enthalten sind, geht aus Untersuchungen von Vincent hervor, welcher Methyl-, Dimethyl-, Propyl- und Butylamin nachwies.
Indem Rüben saft und der Melasse findetsich neben dem von Scheibler, Kraut etc. nachge­wiesenen Betain auch Cholin, welches von Des-saigne als solches identifiziert wurde. Aufserdem sind, abgesehen von den Kohlehydraten, vertreten von Amidosäuren, die Amidoglutar oder Glutaminsäure,
nTT .CH(NH2)-COOH , A
OJl2lt;Qrj __COOHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;u Asparagmsaure
CH(NH2)-COOH
inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;, ferner Arabin-, Citronen-, Aconit-,
CH2-COOHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gt;
CH2COOH • Äpfel-, Wein-, Tricarballysäure CH -COOH, Oxal-
CH2-COOH
säure, ein gelber (Xanthobetinsäure) und ein roter Farb­stoff (Erythrobetinsäure). Inwieweit die nach anhal­tender Schnitzelfütterung oder Genufs von Me­lasse, Centrifugen- und Diffusionsrückständen beob­achtete ödematöse Durchtränkung der parenchymatösen
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 29
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t;
Organe der Muskulatur, die hämorrhagische Gastro­enteritis und Peritonitis (Frauenholz, Ulrich) auf die durch Cholinderivate hervorgerufenen Cirkulations-störungen zurückzuführen sind, läfst sich vorläufig nicht beurteilen. Jedenfalls unterstütztauch der deletäre Einflufs der reichlich vorhandenen Kalisalze die toxi­sche Wirkung der Basen auf das Cirkulationssystem. Dralle konstatierte im ersten Stadium der sog. Pressekrankheit nach Fütterung mit Rübenprefslingen stets die Symptome des Magenkatarrhs. Die Tiere zeigen sich lecksüchtig, fieberlos; Kot zähe, pechartig; Labmagenschleimhaut geschwollen, mit Erosionen be­setzt. Später werden die Tiere mager, das Haar struppig, Fäces entweder dünnflüssig oder pechartig, mit Blut durchsetzt. Schultergelenke und Zehen nach auswärts, Karpalgelenke einwärts gebogen. Im vierten Magen Geschwüre, Subcutis der Schenkel und fast des ganzen Körpers mit gelblicher Flüssigkeit gefüllt. Im dritten Stadium wird der Kopf vorgestreckt, der Vorderkörper erscheint breiter; die vier Schenkel sind stark geschwollen, der Gang schwerfällig. Die Tiere brechen häufig zusammen und sind dann unvermögend, aufzustehen. Kot blutig. Bei der Sektion finden sich wesentlich dieselben Erscheinungen, wie im zweiten Stadium. Meist ist soviel Flüssigkeit vorhanden, dafs in 12 Stunden aus dem ausgeschlachteten Kadaver 5—10 1 abfliefsen. Die vom Fleisch gekochte Bouillon verhält sich wie Leimwasser und wird beim Erkalten gallertartig. B o n g a r z eruierte in der Verfütterung von Eübenschnitzeln an die Milchkühe die Ursache der ruhrartigen Durchfälle der Kälber, welche auch nach dem Kochen der Milch nicht aufhörten und 50 pCt, der Saugkälber dem Tode überlieferten. Frank be-
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obachtete auf Gütern von Zuckei-fabriken, in Beglei­tung der Schnitzelkrankheit, seuchenartiges Verkalben oder doch eine geringe Entwickelungs- und Lebens­fähigkeit der geworfenen Kälber. Berücksichtigt man die von M. Runge auf experimenteller Basis gewon­nenen Erfahrungen über den Zusammenhang von Blut­druck und Abortus, so wird man auch hier den an­dauernd niedrigen Blutdruck in ätiologischem Zu­sammenhang mit dem Verkalben bringen müssen. Von täglich dreimaliger Verabreichung von je 50—60,0 g Natriumsalicylat sah F. selbst in hochgradigen Fällen von Schnitzelkrankheit raschen und nachhaltigen Er­folg. Bei drohendem Abortus dürfte Atropin gute Dienste leisten. Neigung zur Ausbildung von hydrä-mischen Zuständen findet sich auch bei anhaltender Fütterung nicht verarbeiteter Rüben. Schröder sah Rinder unter dem Einflufs der Rübenfütterung häufig an Bauchwassersucht erkranken.
Von dem Odem abgesehen, stehen sicherlich andere, nach Schlempefütterung auftretende Krankheitserschei­nungen mit der Wirkung von Cholinabkömmlingen in Zusammenhang, deren Bildung namentlich durch An­wesenheit organischer Säuren gefördert wird (näheres bei Essigsäure). Hiermit lassen sich die Erfahrungen der Praxis, welche besonders die Schädlichkeit saurer Schlempe lehren, in Einklang bringen. Sobornow beobachtete nach ausschliefslicher Fütterung von sauer gewordenen Branntweinträbern Erkrankung fast sämt­licher Individuen dreier Treibherden grauer Steppen­ochsen. Alle littenmehr oder weniger an intensivem Darm­katarrh mit blutigem Durchfall, Tympanitis etc. Beson­ders gefährlich waren die Erkrankungen, wenn die Tra­ber mit Wasser geweicht waren. 51 Ochsen starben. In
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beiden ersten Magenabteilungen braune Flecke. Schleimhaut des vierten Magens dunkelrot. Leber hyperämisch, lehmfarbig. Lungen blutreich. So er­innert der sog. Schlempehusten an die ersten Stadien eines Muscarinlungenödems, ein Symptom, welches auch nach Baumwollensamenfütterung vorkommt. Dabei stellt sich, oft schon nach wenigen Tagen, Durchfall, bei Schafen neben hämorrhagischer Diarrhöe auch schwerer Icterus mit akuter, gelber Leberatrophie ein, wonach in 3—6 Tagen der Tod erfolgt. — Schlempe aus Roggen, welcher mit roher Schwefelsäure einge­maischt ist, soll Vergiftung durch Arsenwasserstoff be­dingt haben (cf. Arsen).
Verfütterung von Kartoffelschlempe führt mit­unter zu einer als Träberausschlag oder Schlempemauke bezeichneten Hauterkrankung, welche neben einer als allgemeine „Schwächequot; sich charakterisierenden Muskel­affektion auftritt.
Das Hautexanthem beginnt mit einer diffusen Rötung an den Extremitätenenden, welche sich bei pigmentierter Haut natürlich der Beobachtung ent­zieht. Erst wenn Juckgefühl, Exsudation und Borken­bildung eintritt, läfst sich die Erkrankung nicht mehr übersehen. Der Ausschlag, welcher auch bei reinlich­ster Stallhaltung vorkommt, erstreckt sich mitunter bis zu den Sprunggelenken und befällt zuweilen die Vordergliedmafsen in gröfserer Ausdehnung, in ein­zelnen Fällen selbst den Rumpf. Dabei bilden sich lähmungsartige Erscheinungen, welche als Kreuz­schwäche imponieren, in immer höherem Grade aus; die Sensibilität erscheint vermindert, die Tiere sind unfähig, sich vom Boden zu erheben und gehen nicht selten an Septicämie infolge von Decubitus zu Grunde.
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In mancher Hinsicht erinnert die Hauterkrankung, ab­gesehen- von dem Sitz und den Nebenumständen, an die Dermatonose nach Buchweizenkrankheit und den „Skorbutquot; nach Linsenfütterung, welche ätiologisch sich vielleicht auf eine durch centrale Störungen be­dingte Vasoneurose zurückführen lassen werden, an welcher bei der Kartoffelschlempe die in dieser vor­handenen Kalisalze nicht ganz unbeteiligt sein mögen. Gegen eine Beteiligung des Solanins an der Intoxi­kation würden die Symptome an und für sich nicht sprechen, nichtsdestoweniger kommt dieses (jh'ft hier nicht in Betracht, da das Solanin in der Schlempe in der Hauptmasse zerstört ist.
Lupinenalkaloide.
Die einzelnen Varietäten der Lupinen enthalten neben organischen Säuren (Citronensäure, Apfelsäure in den Samen 2 pCt. der Trockensubstanz, nach R i 11 -hausen auch Oxalsäure), Eiweifskörpern, Kohlehydra­ten und Fetten verschiedene Alkaloide, Grlykoside und eiweifsartige Giftkörper. Der Alkaloid-gehalt schwankt nach Täuber und Hiller zwischen 0,04—0,81 pCt.
In den gelben Lupinen (L. luteus) ist konstatiert: L u p i n i n, C20H40N2O, bittere, eigentümlich riechende, farblose Krystalle, eine zweisäurige, tertiäre Aminbase und das flüssige L u p i n i d i n, C8H15N. Die blauen Lu­pinen (L. angustifolius) enthalten als einziges Alkaloid die einsäurige, tertiäre Aminbase L u p a n i n, C^^s^O, von honigartiger Konsistenz, hellgelb mit grüner Fluo-rescenz, schierlingsartigem Geruch, bitterem Geschmack. Das Glykosid, C29Hg2016, von Schulze und Bar­bie r i aus gelben Lupinen isoliert, löst sich in Alkalien
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mit gelber Farbe und zerfällt durch Hydrolyse in Zucker und Lupigenin, C17Hi206. Für die ursprüngliche Be­zeichnung Lupinin schlägt E. Schmidt den Namen L u p i n i i n vor, um Verwechselungen mit dem Alkaloid auszuschliefsen.
Nach den Versuchen Löwenthals wirken Lu­pinin und Lupinidin bei Kaltblütern lähmend auf die motorischen Centren und die muskulomotorischen Gang­lien des Herzens. Bei Warmblütern erzeugen sie klonische Krämpfe infolge der C02-Anhäufung im Blut, welche die primäre, lähmende Wirkung auf das Atemcentrum zuwege bringt. Beim Lupinidin ist auch Schwächung des vasomotorischen Centrums nachzu­weisen, die beim Lupinin fehlt. Lupinidin wirkt als Sulfat 5—6 mal stärker als Lupinin, welches örtliche Entzündung erregt. Warmblüter zeigen Vergiftungs­erscheinungen nach 0,2—0,3 g.
Aufserdem sind eine Reihe N-haltiger Substanzen isoliert worden, von denen einige, insbesondere das C h o 1 i n, für die toxische Wirkung nicht bedeutungslos sind. (Lecithingehalt cf. Lathyrismus S. 458.) E. Schulze fand in Keimlingen der gelben Lupine, abge­sehen von einer aufserordentlich grofsen Menge As-paragin noch Amidovaleriansäure, Phenyl-a-amido-propionsäure, Arginin, CgH^NiOä, und Körper der Hypo-xanthin und Xanthin-Gruppen.
Lupinose.
Dasjenige Gift, welches bei Wiederkäuern die als Lupinose bezeichnete Krankheit hervorruft, welche bei Schafen meist als Herdekrankheit auftritt, durch Lu­pinenfütterung auch bei Hochwild, Rindern, Schafen, fer­ner bei Pferden und experimentell auch bei Fleischfressern
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zu erzeugen ist, läfst sieh nach C. Arnold durch Ex­traktion, mit verdünnten Alkalien (1,5 pCt.) als braune, glänzende, harzartige Masse gewinnen. Nach C. Ar­no 1 d handelt es sich um einen giftig wirkenden Eiweifs-körper, für welchen die Bezeichnung Lupinotoxin gewählt wurde (letregen, Kühne).
Über die Ursache der Entstehung des Giftkörpers ist etwas Sicheres zur Zeit nicht bekannt. Möglicher­weise handelt es sich um Umwandlungsprodukte normaler Eiweifskörper unter Einflufs pflanzlicher Schmarotzer.
Die Erkrankung ist nach Verfütterung der Lupinen vielfach bereits nach einigen Tagen manifest und führt mitunter selbst nach 1—2 Tagen zum Tode, es können aber unter Umständen auch Wochen vergehen, ehe auf­fällige Veränderungen im Verhalten der Tiere sich geltend machen (chronische Lupinose).
Symptome. Akute Erkrankung beginnt mit plötzlicher Verweigerung der Futteraufnahme, Somrio-lenz im Verein mit cerebralen Reizerscheinungen und partieller Lähmung (Schreckhaftigkeit, Knirschen mit den Zähnen, steifem Gang, Vorwärtsdrängen, Drehbewe^ gungen etc.). Fäces anfangs hart, spärlich, später weich, oft mit Blutspuren durchsetzt, Harn eiweifs- und galle-haltig (Harncylinder) citronengelb gefärbt. Conjunctiva bleigrau oder broncefarben, mitunter schleimiger oder blutiger Nasenausflufs, Ödeme am Kopf. Puls frequent, Temperatur auf der Höhe der Krankheit gesteigert.
Die chronische Lupinose bietet meist den Befund der Anämie und Kachexie ohne den charakteristischen intensiven Icterus.
Bei der Obduktion an akuter Lupinose gefal­lener Tiere macht sich Gelbfärbung des Peritoneums,
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des Unterhautgewebes bemerklich, Lunge und Schleim­haut des Darms sind ödematös, letztere partiell mit multip­len hämorrhagischen Herden durchsetzt. Hämorrha-gien am Mesenterium und Herzbeutel, welcher ebenso wie die Bauchhöhle rötliche, gefärbte Lymphe ent­hält. Herzmuskel blafa, an einzelnen Stellen getrübt und graugelb gefärbt (Verschwinden der Querstreifung etc.), ebenso einzelne Teile der Skelettmuskulatur.
Die Leber erscheint citronengelb gefärbt (akute parenchymatöse Hepatitis mit Icterus, fettige Degene­ration), nicht selten verkleinert (akute, gelbe Leber­atrophie), bei chronischem Verlauf Granuiaratrophie resp. Cirrhose (insterstitielle Hepatitis, lakunäres Ein­schmelzen des Parenchyms) vorhanden. Parenchyma-töseNephritis. Grallen-und Harnblase ausgedehnt gefüllt. Gerinnungsfähigkeit des Blutes vermindert.
Der Nachweis der Vergiftung durch Lupinen läfst sich nicht immer durch die Anamnese führen, da mitunter auch mit Lupinenschrot verMschte Ölkuchen Ursache zur Erkrankung abgeben (Kiefer), welche vorläufig nur die mikroskopische Untersuchung auf­zudecken vermag.
Auf Grund der Wahrnehmungen von Arnold und Schneidemühl, dafsangesäuertes Material keine Vergiftung hervorruft, würden verdünnte organische oder Mineralsäuren für die Behandlung angezeigt sein, falls bei bestehendem Kräfteverfall die Anwendung von Emeticis und Purgantien kontraindiert sein sollte. Drastica sind bei der vorhandenen Disposition zu Gastroenteritis zu vermeiden. Bei nervöser Depression Äther, Kampher, Coffein etc., kein Ammoniumkarbonat, da Alkalien das Toxin löslicher machen.
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Lathyrismus.
Der toxischen Wirkung von Cholinderivaten sind vermutlich auch diejenigen Fälle zuzuschreiben, in denen nach Verfütterung von Kichererbsen (Cicer arie-tinum), der Gremüseplatterbse (Lathyrus sativus), Kicher­platterbse' (Lathyrus cicera), knotenfrüchtigen Linsen­wicken (Ervum Ervilia) und von Futterwicken (Vicia sativa) und deren Abarten, sämtlich den Papilionaceae zugehörig (L. XVII, 6), schwere Störungen resp. der Tod eintrat.
Über die Bestandteile der Kichererbse ist näheres nicht bekannt. Aus Lathyrus angustitblius stellte Keinsch eine als Lathyrin bezeichnete Base dar, über welche eingehendere Untersuchungen noch aus­stehen. Genauer ermittelt sind die Bestandteile der Samen von Vicia sativa. Schon früher hat Ritt­hausen Vicin (C28HgiNu02i), Convicin, CjoH^NgOy-f-H2O nachgewiesen, Substanzen, welche beim Schmelzen mit Kali Ammoniak liefern, neuerdings fand E. Schulze aufserdem noch V e r n i n, Ci6H2oN808. Letzteres findet sich auch im Klee und der Luzerne und giebt, mit Salzsäure erhitzt, Guanin, über dessen toxische Wir­kung kein Zweifel mehr besteht (cf. S. 408). Dazu kommt noch B e t a i n und C h o 1 i n. Aus 20 kg Wicken­samen isolierte Schulze 11—12 g Betain und 3—3,5 g Cholin. Ist auch die Cholinmenge gering, so leuchtet doch die Möglichkeit ein, dafs bei reichlicher oder an­dauernder Verfütterung eine Intoxikation in chronischer Form hierdurch bedingt sein kann. Die Bildung des Cholin läfst sich zwar auf den Lecithingehalt zurück­führen, dasselbe ist aber nach S. sicherlich nicht erst während der Analyse daraus entstanden, da Alkalien
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und Säuren bei der Extraktion mit Alkohol vermieden wurden.
Nach E. Schulze und E. Steiger macht das Lecithin einen nicht unerheblichen Bruchteil des Ge­samtfettes aus und beläuft sich in der Trockensub­stanz der Samen auf folgende Procentsätze: Lupinus luteus 1,57, Soja hispida 1^34 (Asparagin 7—8 pCt. der Trockensubstanz; Cholin, Phenylamidopropionsäure und Xanthinkörper ebenfalls vorhanden), Vicia sativa 1,22, Linum usitatissimum 0,88, Faba vulgaris 0781.
a. Kichererbsen. Am intensivsten scheinen die Kichererbsen einzu­wirken. Pferde gehen nach längerer Verabreichung entweder unerwartet schnell asphyktisch zu Grunde, oder sie erkranken unter anfänglicher Reizbarkeit und Schreckhaftigkeit an Kehlkopfslähmung und ander­weitigen Symptomen ausgebreiteter Paralyse, welche an den Hinterbeinen beginnt (cf. Lathyrus sativus). In Rouen erkrankten von 54 Omnibuspferden 29 und es starben neun von ihnen. Aufser Hafer waren täglich 2 1 Kichererbsen, allerdings im Gemisch mit Lathyrus-körnern, als Futter verabfolgt worden. Das alkoho­lische Extrakt tötete Hühner innerhalb 10—14 Stunden unter Lähmungserscheinungen, Über die Ätiologie der Paralyse cf. S. 459.
ß. Platterbsen. Mehrere Monate fortgesetzte Fütterung mit einiger-mafsen erheblichen Quantitäten .von Lathyrus sativus im reifen Zustande führt zur Lähmung der Extremitätenmus­keln (im Beginn schwankender Gang beim Seitwärts­treten) und der Kehlkopfmuskulatur (bei Bewegung Atem­not und röchelndes Atmen auch bei Exspiration) und Tod
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durch Asphyxie. In schweren Fällen, in denen noch Genesung eintrat, husteten die Tiere nicht selten blu­tige Massen in gröfseren Quantitäten aus. Der Appetit ist meist ungestört und in der Ruhe aufser frequentem Puls und pochendem Herzschlag wenig zu merken. — Ochsen und Schafe bleiben anscheinend gesund. Bei Schweinen stellen sich Lähmungserscheinungen ein, unterbrochen durch Krämpfe. Der grüne Lathyrus soll unschädlich sein. Nach M. Call ist ein tägliches Quan­tum von ca. 230 g Platterbsenmehl bei monatelanger Verfütterung im stände, eine tödliche Vergiftung der schwersten Arbeitspferde zu veranlassen. Zwei Clydes­dales gingen auf diese Weise zu Grunde. J. Leather beobachtete die Erkrankung in einem Stalle, der mit 74 Zugpferden und 6 Pennies besetzt war. Die Tiere hatten ein Gemisch aus Mais, Hafer, Weizenkeimen und 1,5—2 kg Samen von Lathyrus sativus erhalten. Von ersteren fielen 35 der Intoxikation anbeim; 19 starben, zwei tötete man, 14 genasen. Die Pennies blieben ver­schont.
Bei der Obduktion zeigten sich aufser den durch Asphyxie bedingten Erscheinungen Atrophie der Kehl­kopfmuskeln und des N. recurrens, offenbar bedingt durch bulbäre Herderkrankung, da die Ganglienzellen der Vagus- und Accesspriuskerne atrophiert waren. Die Kehlkopflähmung mufs daher als eine centrale aufgefafst werden. Am auffälligsten war die Degene­ration der multipolaren Ganglienzellen in den Vorder­hörnern der Medulla spinalis, ganz analog dem Befunde beim Menschen, wo die multiple, disseminierte Sklerose, welche der Lathyrismus erzeugt, oft unter dem Bilde der Polyomyelitis anterior oder auch der spastischen Spinalparalyse resp. einer chronischen transversalen
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Myelitis verläuft. Bei den von Leather untersuchten Pferden handelte es sich in einem Falle üln veritable spastische Spinalparalyse, da Seitenstrangsklerose nach­zuweisen war. In allen Fällen zeigten sich die Wände der Arterien und Kapillaren verdickt, etwas mehr mar­kiert in der grauen als in der weifsen Substanz.
Diese Veränderungen sind wahrscheinlich sekun­därer Natur, eine Folge andauernder allgemeiner Cir-kulationsstörungen, verbunden mit Thrombose kleinster Venen der Centralo.rgane, wie solche z. B. von O. Bufs nach anhaltendem Aloe-Gebrauch (Brandtsche Pillen) beim Menschen als vorhanden angesehen wird. Brunelli glaubt, bei Lathyrismus eine primäre Rücken-marksaffektion annehmen zu müssen, Cant an i hält die Lähmung veranlafst durch eine primäre Muskelaffek-tion, welche zu Degeneration der befallenön Muskel­bündel führt. Eine Reihe von anderweitigen Erfahrungen spricht entschieden für die Brunelli sehe Auffassung.
Für die Annahme primärer Erkrankung der Centralorgane würde auch der in Italien und Afrika nach Genufs der Körner von L. cicera oft endemisch auftretende Lathyrismus in seinem Verlauf sprechen, wobei die Lähmungserscheinungen (motorische und sensible Paraplegie der unteren Extremitäten und der Blase) oft völlig verschwinden. Auch bei Pferden wurde eine völlige Wiederherstellung von hochgradiger „Hart-schnaufigkeitquot; nach Verfütterung von Heu aus reifen Kichererbsen durch L a n g 1 e n beobachtet, nachdem die 5—6 Monate hindurch offen gehaltenen Tracheotomie-wunde sich geschlossen hatte. Bouley bestätigt die wiederholt gemachte Beobachtung, dafs Schweine nach Fütterung der Körner von L. cicera rasch sterben
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und dafs bei Pferden Lähmung des Recurrens und der hinteren Extremitäten event, der Tod eintritt.
y. Erve.
Binninger konstatierte bei verschiedenen Per­sonen nach Genufs von Brot, welchem die Körner von Ervum ervilia, (Linsenwicke, knotenfrüchtige oder Würfelerve) zugesetzt waren, Lähmung der unteren Extremitäten und V al i s n e r i bemerkt, dafs auch Pferde und Hühner nach Aufnahme derselben Frucht von ähnlichen Erscheinungen befallen werden.
8. Wicken.
Den Wicken, speciell den Futterwicken (Vicia sativa) vindiziert man ebenfalls die Fähigkeit bei Pfer­den schwere Verdauungsstörungen mit HirnafFektionen, Hartschnaufigkeit, bei Lämmern und Ferkeln „Lähmequot; zu erzeugen. Nicht selten beobachtet man bei Pferden „Verschlagquot;, welcher auch nach Darreichung gröfserer Mengen Lupinenkörner, Erbsen, ebenso von Roggen auftreten kann. Vielleicht handelt es sich in diesen Fällen um Gefafserkrankungen der Huflederhaut und deren Konsequenzen. Dafs die hin und wieder kon­statierte Rotfärbung des Harns, wie solche im Anschlufs an Leguminosenschrot und dergleichen sich bemerklich macht, nicht auf Hämoglobinurie,' sondern auf Farb­stoffe zu beziehen sei, welche durch die Nieren aus­geschieden werden, wie verschiedentlich behauptet wird, läfst sich ohne spektroskopische Untersuchung nicht entscheiden. Ebenso zweifelhaft ist die Ätiologie der von Steiner, Schrebe und Burmeister nach Ver-fütterung von stark mit Blattläusen besetzten Grün­wicken beobachtete Hauterkrankung, welches an die
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bei der Buchweizenkrankheit auftretende Dermatitis insofern erinnert, als nur die pigmentlosen Hautstellen der Pferde heifse und schmerzhafte ödematöse An­schwellungen zeigten und selbst zu partiellem Gangrän führten. Die genannten Autoren sind geneigt, die Noxe in den schwarzen Blattläusen zu suchen, da mit Aphis-Arten besetzte Luzerne zu ähnlichen Erschei­nungen Veranlassung gab.
£. Linsen.
Hervorzuheben ist mit Rücksicht auf dieses Nah­rungsmittel eine Beobachtung von R. Pringle, welcher bei einigen tausend Maultieren eines indischen Artillerie­parks nach vierwöchentlicher Fütterung mit trockenen Linsen (Lens csculenta) und Häcksel von G-ersten- und Weizenstroh Lahmheit und anfangs schmerzlose, später heifse, stark schmerzende, grofse Ödeme an Kopf und Nacken, Bauch und Schultern auftreten sah, auf denen Hautgangrän und tiefgreifende ülcerationen entstanden. Von den erkrankten Tieren starben ca. 80 pCt. P. liefs frisch geschnittenen, grünen Weizen verfüttern, wonach neue Erkrankungen nicht mehr vorkamen. Die Mehr­zahl der noch vorhandenen Patienten hatte sich in einigen Wochen vollkommen erholt. Die vorhandenen Ponnies waren nicht erkrankt. Da nach den von P. selbst gemachten Erfahrungen bei Skorbut des Menschen ganz dieselben Erscheinungen eintreten, so gab er der Krankheit denselben Namen. Nach Untersuchungen von Jahns läfst sich aus Linsen ebenfalls Cholin darstellen.
C. Erbsen.
Auch die Erbsen (Pisum sativum) sind im stände, jm Zustande der Zersetzung verhängnisvolle Wirkungen
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auszuüben. Gerlach erwähnt einen diesbezüglichen, selbst beobachteten Fall. Ein Gärtner hatte einer Er­ziehungsanstalt ein Fafs eingemachter grüner Erbsen geschenkt, für die er auf dem Markte keine Abnehmer mehr fand. Da die Kinder nur höchst widerwillig sich zum Genüsse derselben verstanden, so sah man sich veranlafst, die beiden Schweine der Anstalt damit zu regalieren, welche aber schon nach einigen Tagen er­krankten und unter Symptomen krepierten, welche bei Vergiftung mit Heringslake auftreten. Die grünen Erbsen rochen widerlich, die stinkende Brühe enthielt nur wenig Salz. — E. Schulze erhielt aus 3,5 kg geschälten Erbsen ca. 3 g Cholinplatinchlorid ent­sprechend 1,12 g Cholin. Betain konnte nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden, wohl aber die An­wesenheit einer anderen Base, deren Goldsalz einen um 2 pCt. niedrigeren Goldgehalt ergab, als Betaingold-
chlorid.
b. Arecannfs.
Die als Anthelminthicum gebräuchliche Frucht stammt von der in Ostindien heimischen Arecapalme (Areca catechu, L. XXI). Sie enthält 15 pCt. Gerb­stoff, 16 pCt. Fette und Farbstoff (Arecarot) und Al-kaloide, von denen das Arecolin (C8H13N02 oder C6H10N-COO(CH3), dem Pelletierin, C8H15NO nahe­stehend), der wirksame Bestandteil ist. Das Arccain (CyHnNOa, verwandt mit Trigonellin, dem Methyl-nikotinsäurebetain, C7H7N02), ist unwirksam, ebenso das dem Arecain isomere Zersetzungsprodukt des Are­colin, das Arecaidin, welches durch hydrolytische Spal­tung neben Methyl erhalten wird. Arecolin ist dem­nach der Methyläther des Arecaidin. Eine dritte Base wurde als Cholin erkannt (Jahns).
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Das Mittel verursacht mitunter selbst in therapeu­tisch üblichen Dosen bei Hunden heftiges Erbrechen und Durchfall und, wie Albrecht beobachtet, hoch­gradigste Erregung. Diese Intoxikationserscheinungen sind erklärlich, wenn man die von Marni6 ermittelte Wirkung des Arecolin berücksichtigt. Bereits nach kleinen Dosen der Arecolinsalze tritt Erbrechen und Durchfall ein, Verlangsamung der Herzthätigkeit durch Vaguserregung (bei grofsen Dosen diastolischer Herz­stillstand, ähnlich wie nach Muscarinvergiftung), klo-nisch - tonische Krämpfe mit nachfolgender Parese, Verlangsamung der Atmung, Myosis. Kaninchen ster­ben auf eine Gabe von 25—50 Mg. binnen wenigen Minuten, während Hunde ausnahmsweise selbst 75 Mg. vertragen.
c. Pilze, a. Hautpilze.
Vergiftungen durch Hautpilze sind verhältnis-mäfsig selten und in Deutschland hauptsächlich auf die gelegentliche Aufnahme von Agaricusarten zurück­zuführen.
Agaricus muscarius, Fliegenschwamm, istaus­gezeichnet durch seinenMuscaringehalt. Dafsjedoch letzterer ziemlich erheblichen Schwankungen unter­liegt, ist durch Seh mied eb erg, Harn ack, Bö hm u. a. aufser Frage gestellt. Aus Fliegenpilzen, welche in Rufs­land gesammelt waren, erhielt Schmiedeberg Basen, welche fast aus reinem Muscarin bestanden. H a r n a c k konstatierte in dem von ihm gewonnenen Basengemisch C h o 1 i n und höchstens 50 pCt. Muscarin, In Hessen gesammelte Fliegenpilze scheinen nach Untersuchungen von Jung noch mehr Cholin und noch weniger Mus-
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carin zu enthalten. — Das aus Fliegenschwämmen dar­gestellte Muscarin ist fast stets Cholin-haltig und aufser-dem noch durch eine A t r o p i n - artig wirkende Base verunreinigt. Man kann diese Base leicht vom Muscarin und dem Cholin trennen, wenn man das käufliche Prä­parat mit einem Überschufs von Ätzalkali versetzt und darauf mit Äther ausschüttelt. Die Base geht in den letzteren über, während Muscarin und Cholin darin unlöslich sind.
Agaricus pantherina (Amanita pantherina), Pantherschwamm, und Boletus luridus, Hexen­schwamm, Donnerpilz, enthalten nach Böhm Cholin zu ungefähr 0,1 pCt. der Trockensubstanz. Daneben kommen in B. luridus nach den Jahrgängen wechselnde, nur sehr kleine Mengen, in A. pantherina erheblichere Quantitäten natürlichen Muscarins vor. Aus den mit den Gemischen und den isolierten Basen ange­stellten Vergiftungsversuchen geht hervor, dafs bei der Einwirkung einer Mischung an sich nicht tödlicher Cholinmengen mit einer letalen Muscarindosis die giftigen Wirkungen des Cholins stärker hervortreten und den Verlauf der Vergiftung bedeutend abkürzen. Nach Böhm ist das Vorkommen von Cholin, das u. a. auch aus Helvella esculenta dargestellt wurde, in fast allen, namentlich den giftigen Pilzen, durchaus wahrscheinlich.
Die alsLuridussäure resp.PantherinussäureN-freien Körper der betreffenden Pilzspezies färben sich mit Eisenchlorid pupurviolett resp. dunkelgrün, mit Alkalien blau resp. rot und stehen vielleicht in naher Beziehung zur Chrysophansäure (Methyldioxyanthra-chinon). Trockene Destillation liefert Bernsteinsäure.
In Helvella esculenta, Speiselorchel, findet sich neben dem Cholin und in faulen Lorcheln neben
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;30
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N e u r i n eine von Böhm und K ü 1 z isolierte Säure, die Helvellasäure, G^HioO^; sie verursacht in Dosen von 0,02 bis 0,03 g p. KK. Hämoglobinurie. Dela-fond sah bei Schafen durch Pilze, welche allerdings nicht näher bestimmt wurden, Kolik, Durchfall und rote erysipelatöse Flecke auf der Haut entstehen und das Blut eine Beschaifenheit wie beim Milzbrand be­kommen.
Aus Polyporus hispidus gewann Zopf einen gelben, harzartigen Körper, der mit Gummigutti im physiologischen und sonstigen Verhalten grofse Ähn­lichkeit zeigt. Dieses Pilzgutti ist auch in anderen Pilzspezies enthalten.
InPolyporusofficiralis (Agaricus albus, Boletus laricis s. purgans) in der Schweiz, Frankreich und dem südlichen Rufsland heimisch, kommt neben dem ab­führenden Harz eine von Fleury zuerst dargestellte, von Jahns als Homologon der Äpfelsäure erkannte Säure vor, die Agaricussäure, C16H30Ob, resp,
OOOTT C!uHjj(OH)lt;Cfquot;ifgt;fVcp welche nach F. Hofmeister
die Schweifs-und Schleimsekretion vermindert. Bei in­terner Applikation erzeugt derselbe zu 1,0 g aufser Erbrechen und Durchfall keine weitere Erscheinung. Subkutan bewirkt sie in Dosen von 0,1 g p. KK. Ab­nahme der Herzthätigkeit (centrale Vagusreizung, welche durch Atropin nicht beseitigt wird), Dyspnöe, Krämpfe und schliefslich Tod durch Atmungslähmung. V i b o r g gab 120 g des P. officinalis einem Pferd und 8 g einem Schaf, ohne erhebliche Wirkung davon zu sehen.
Zu den Giftpilzen, welche spezieller noch zu unter­suchen sind gehören: Agaricus phalloides (Ama-nita bulbosa), rubescens, rimosus, virosus, Russula
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furcata, emetica, ochroleuca; Lactarius scrobicu-latus,. torminosus, necator, uvidus, pyrogalus, piperatus, vellereus; Cantharellus aurantiacus; Boletus pipe-ratus, calopus, purpureus, lupinus, satanas.
Die Symptome, welche nach Pilzvergiftung auftreten, bestehen hauptsächlich in Erbrechen, Leib­schmerz, Durchfall, Betäubung, Krämpfen und Läh­mung.
Mundesgruber berichtet über eine Vergiftung von 600 Gänsen, von denen 180 innerhalb 24 Stunden starben. Die Gänse hatten in einem Walde verschie­dene Pilze abgeweidet, welche sich bei der Obduk­tion als Stücke von Agaricus muscarius, bulbosus, Lactarius pyrogalus etc. erkennen liefsen. Die Schleim­haut war an den Stellen, an welchen die Pilzreste ge­funden wurden, stark gerötet und mit dunklen Flecken besetzt. Bei Gänsen, die erst am nächsten Tage der Vergiftung erlegen waren, fand sich nur graugelblicher, stark riechender Futterbrei vor, die Schleimhaut dunkel­braun.
Munkel erwähnt eine Blutvergiftung bei Scha­fen, welche wiederholt auf Waldweide getrieben worden waren. Einige Tage nach der Hütung im Walde fielen auf dem Heimwege verschiedene Tiere um und mufsten diese in gelähmtem Zustand nach Hause getragen werden. Andere zeigten nur steifen, gespannten Gang und Lähmungserscheinungen der Hinterhand. Todesfälle kamen nicht vor. Unter den Pilzen waren efsbare (Cantharellus eibarius. Boletus edulis, Lactarius deli-ciosus, Clavaria-Arten) vertreten, aber auch Agaricus muscarius.
Wie die Versuche von Jossitolnoko mit einer in Japan wachsenden giftigen, im Dunklen phosphorescie-
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renden Agaricus-Art (Pleurotus noctiluceus), von welcher auch Vertreter im südlichen Europa bekannt sind, gelehrt haben, bewirkt das Fleisch vergifteter Tiere bei anderen Koliksymptome und Durchfall. — Der Harn zeigt ebenfalls giftige Eigenschaften.
ß. Sphäria.
Zu der grofsen Gruppe der Pyrenomyceten gehört auch der in verschiedenen Arten auf Eichen-, Erlen­laub und Erdbeerblättern vegetierende Kugelpilz (Sphä­ria), welcher als Sphäria trifolii auf rotem, weifsem und schwedischem Klee an den Stengeln und Unterseiten der Blätter rundliche, schwarze, conidientragende Polster bildet.
Weber beobachtete nach der Aufnahme stark mit Sphäria besetzten Rotklees Erkrankung von fünf hoch­tragenden Kühen kurz vor oder unmittelbar nach dem Kalben. Die Vergiftungserscheinungen äufserten sich in plötzlich eintretender Schwäche des Hinterteils mit vollständiger Lähmung, Kolikerscheinungen und Fieber. Bei vier der Betroffenen erreichten die Symptome innerhalb 1—2 Tagen einen solchen Grad, dafs Not­schlachtung eintreten mufste. Die überlebende Kuh laborierte noch einige Wochen an Kreuzschwäche. Die Obduktion der getöteten erwies das Vorhandensein einer den gesamten Traktus betreffenden Gastroente­ritis, einer Metritis und Metroperitonitis, Ekchymosen am Endokard, Hyperämie der Rtickenmarkshäute und ödematöse Durchtränkung des Lendenmarks.
y. Polydesmus.
Polydesmus exitiosus,Eapsverderber,welcher auf Raps, Rübsen, Hederich etc. vorkommt, wird zwar
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zu den mit conidientragenden Fruchthyphen versehenen Pilzen (Hyphomycetes) gerechnet, ist aber nichts anderes als die conidientragende Form des Pyrenomyceten L e p -tosphäria napi, welcher an den dürren Stoppeln der­selben Träger zerstreute, glänzend schwarze Perithecien bildet. Die grünen Schoten fallen durch schwarzbraune, rufstauartige, punkt- und strichförmige Flecke auf (Conidienlager), welche sich rasch vergröfsern und oft die Schoten durchweg überkleiden.
Beide Formen, die Conidienform sowohl als die Perithecien, können Veranlassung zur Erkrankung von Tieren geben.
X In einer Stammschäferei erkrankten die Lämmer unter den Erscheinungen einer heftigen Nasen- und Maul­entzündung, die regelmäfsig letal verlief. Als Krank­heitssymptome fand Berndt grofse Mattigkeit, schwankenden Gang, beschleunigte und erschwerte Respi­ration, matten und kurzen Husten. Die Maulschleimhaut zeigte am Zahnfleisch, auf der Zunge und an deren Rän­dern zahlreiche Erosionen. Letztere waren auch auf dem sichtbaren Teile der Nasenschleimhaut vorhanden, hier jedoch von einer dicken, braunen Kruste bedeckt. Bei der Sektion liefsen sich folgende Veränderungen nachweisen: Die Schleimhaut der Nase, des Maules, des Pharynx und Larynx erschien geschwollen und stellen­weise erodiert. Die unteren Ränder der hinteren Lungenlappen waren derb, dunkelrot, ihre Durch­schnittsflächen, über welche eine jauchige Flüssigkeit abflofs, granuliert. Aus den durchschnittenen Bron­chien liefs sich eine schaumige, chokoladenfarbene Flüssigkeit ausdrücken. Die mikroskopische Unter­suchung ergab zwischen den Epithelzellen der Nasen-und Maulschleimhaut zahlreiche braune, verästelte Fäden
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und Sporenketten von Polydesmus exitiosus. Da die Lämmer neben anderem Futter auch Rapskuchen er­halten hatten, wurde auch letzterer nach dieser Richtung hin mikroskopisch untersucht und zwar mit positivem Resultat; denn auch hier waren die Sporen des genann­ten Pilzes nachzuweisen. Als man von einer weiteren Verfütterung der Rapskuchen Abstand nahm, hörten die Erkrankungen sofort auf.
Ganz ähnliche Erscheinungen beobachtete Rolo f f beim Weidegang einer Schafherde auf Rapsbrache. In wenigen Stunden kam es zu einer starken Anschwel­lung der Lippen und heftigen Entzündung der Augen-und Maulschleimhaut. Brummer konstatierte bei Milchkühen, welche auf einem mit Klee und Raygras besäeten Rapsstoppelfelde gehütet wurden, bei 16 Häup­tern (von 25) dieselben entzündlichen Veränderungen am Kopf neben Speichel- und Nasenausflufs, aufserdem aber an den Zitzen und den Klauen einen leichten, aber schmerzenden Ausschlag ohne Blasenbildung, welcher Lahmgehen veranlafste. Die zum Ausbreiten des be­fallenen Raps benutzten Pferde litten ebenfalls mehr oder weniger an Stomatitis. Ein Saugkalb und drei Ferkel, welche befallenes Rapsstroh als Streu erhalten hatten, erkrankten nur an Stomatitis resp. Rhi­nitis und Conjunctivis, die Klauenentzündung fehlte da­gegen. Da aufserdem die im Zungenbelag etc. durch­weg gefundenen zahllosen Sporen gröfstenteils mit Keim­schläuchen versehen waren, so liegt die Annahme nahe, dafs es sich in allen Fällen um lokale, durch den auskei­menden Pilz bedingte Reizerscheinungen, weniger um eine Giftwirkung handelte-, ob ausschliefslich, ist mit Rücksicht auf die B er n d t sehen Beobachtungen jedoch zweifelhaft. Zu erwähnen ist noch, dafs nach starken
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Regengüssen die Stoppelhütung auf denselben Feldern, auf denen die Tiere vorher erkrankt waren, keine nachteiligen Folgen verursachte.
d. Brandpilze.
Als Hauptrepräsentanten der toxikologisch wich­tigen Brandpilze (Ustilagineae) kommen die Gattungen Ustilago und Tilletia in Betracht.
Ustilago (Rufsbrand).
Ustilago carbo, Rufsbrand, Flugbrand, Staub­brand, Nagelbrand, bildet ein schwarzes Pulver in den Ähren und Rispen des Weizens, der Gerste, des Hafers, sowie von Arrhenaterum elatius (hoher Wiesen- oder Glatthafer, französisches Raygras), Avena flavescens (Goldhafer, Hafergras) u. a.; z. Z. der Ernte ist die Brandmasse nicht mehr vorhanden. U. typhoides, eine schwarze, pulverige Masse in den Halmgliedern von Phragmites communis (Arundo phragmites, gemeines Schilfrohr, Riet); U. echinata auf Phalaris arundina-cea (schilfartiges Glanzgras); U. longissima zeitigt Sporen in Form eines olivenbraunen Pulvers, das in langen, parallelen Streifen die Blätter von Glyceria fluitans und spectabilis durchsetzt, welche dadurch zerschlitzt werden; U. maidis, Maisbrand, Beutelbrand. Hasel­bach fand in den Blattwinkeln von toxisch wirkendem Futtermais rundliche, parasitäre Gebilde von der Gröfse einer Nufs bis zu einer geballten Faust, die im jugendlichen Alter rein weifs und von schwammiger Beschaffenheit waren, in späteren Wachstumsstadien eine graue Umhüllung mit massenhaftem, rufsartigen Inhalt zeigten und grofse Ähnlichkeit mit den Bovist­pilzen hatten.
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Eine tödliche, durch Eufshrand hei vier EIndern hervorgerufene Vergiftung heschreibt Wankmtiller. Die Erscheinungen hestanden in Speicheln und vermehrter Thränensekretion, Lähmung der Zunge, Diarrhöe und Koliksymptpmen, Mydriasis, schwachem Puls, erschwertem Atmen etc. Die Dauer der Krank­heit betrug 15—18 Stunden. Bei der Sektion fand sich Entzündung des Schlund- und Kehlkopfs, be­grenzte, stark hyperämische Stellen im Dünn- und Dick­darm, sowie seröse Durchfeuchtung des Gehirns.
Eine wiederholt konstatierte Intoxikation bei Rindern, veranlafst durch die mit U. longissima be­fallene Grlyceria aquatica (Wasser- oder Quellen­schwaden), erwähnt K ö p k e. In dem einen Falle be­kamen 80 Kühe und Jungrinder das Tags vorher ge­hauene Gras. Kaum war den letzten Tieren das Futter vorgeworfen, als jene, welche es zuerst erhalten hatten, auch schon von der Krippe zurücktraten, den Kopf schüttelten, hin- und herschwankten, zusammenbrachen und mit den Füfsen zappelten. Obgleich das Gras sofort aus der Krippe entfernt wurde, erkrankten sämtliche Tiere mehr oder weniger heftig, und 12 Kühe verendeten in 1 —l1^ Stunden.
Obduktion: Kadaver aufgetrieben, Schleimhaut des Mastdarms, der Scheide, die Conjunctiva blutigrot. Fleisch und Blut dunkel gefärbt, letzteres dünnflüssig. In der Bauchhöhle fand sich blutige Lymphe. Lab­magen fleckig, gerötet, Lungen mit Blut überfüllt, schwarzfleckig, an Herzohren und Endocardium rote Flecke. Hirnvenen überfüllt.
Nach Bertsche verursacht mit Rufsbrand be­setztes Glanzgras Verkalben.
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Ungleich häufiger hat man Ahortus beobachtet nach Verfütterung von brandigem Mais. Rinder ver­werfen in den ersten Monaten der Trächtigkeit viel öfter als im hochtragenden Zustand. Haselbach sah bei 11 Kühen innerhalb acht Tagen Abortus eintreten, nachdem grüner, mit dicken Beulen von U. maidis be­setzter Mais vorgelegt worden war. Von den getrockneten Pilzmassen gab derselbe zwei tragenden Hündinnen am ersten Tage je 15 g, am zweiten je 7,5 g und erzielte bei beiden Tieren zwei Stunden nach der letzten Dosis Abortus. Das spirituöse Extrakt der Pilzmassen (1:1) wird unter dem Namen Corn Ergot oder Cornsmut als Ersatz für Seeale cornutum in der ärztlichen Praxis be­nutzt und von Parke, Davis u. Co. und vonE. Merck in den Handel gebracht. Dor land giebt Gebärenden in der Austreibungsperiode 2—8 g des Fluid.-Extraktes, resp. 4 g mehrmals in geeigneten Zwischenräumen. C. H. Cressler hat im Pilzpulver Trimethylamin gefunden*), und Hahn isolierte ein saures Öl und eigentümliche Krystalle, deren Eigenschaften nicht näher angegeben werden. K o b e r t verfütterte Ustilago maidis sowohl in frischem als in getrocknetem Zustande und konstatierte selbst nach wochenlanger Einfuhr keine Wirkung. Sphacelinsäure ist bestimmt nicht darin enthalten. Eine der Ergotinsäure chemisch ähn­liche Substanz, welche K. darstellte, erwies sich als ungiftig. Auf sonstige alkaloidähnliche Körper von toxischer Wirkung fahndete K. vergebens. Diese ne­gativen Versuche den anderweitigen Erfahrungen gegen-
*) Mit den narkotischen und tetanisierenden, aus künst­lich fermentiertem Mais von Lombroso isolierten und von Th. Husemann genauer untersuchten toxischen Substanzen hat die Maisvergiftung bei Tieren anscheinend nichts zu thun.
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über als Beweis für die absolute Unschädlichkeit von Ustilago maidis gelten zu lassen, wäre indes ein aus praktischen Gründen nicht zu rechtfertigender Opti­mismus.
Tilletia (Steinbrand).
Tilletia caries, Steinhrand, Stink-, Schmier­oder Faulbrand, Faulweizen, geschlossener Brand, bildet ein schwarzbraunes, nach Häringslake resp. Trimethyl-amin riechendes Pulver in Weizen- und Spelzkörnern. Die geschlossenen Körner schwimmen auf dem Wasser. Im Sommerweizen mitunter T. laevis; in Triticum repens (Quecke) T. controversa; T. lolii inLolium perenne und temulentum.
Mustergültige klinische Beobachtungen, aus denen sich das scharf gezeichnete Bild einer Cholin- und Vinylcholinvergiftungergiebt, liegen von Weis-k o p f vor. Per Inhalt der Körner wird ausdrücklich als häringslakenartig riechend bezeichnet. Die Vergiftungs­symptome bestanden bei den Wiederkäuern in Fieber, pochendem Herzschlag, Kälte der Extremitäten, Schmer­zen im Hinterleib (Stöhnen, Umsehen nach dem Leib). Der Absatz des Kotes war anfangs unterdrückt, letzterer später schleimig, blutig. Dabei bestand Meteorismus, Tenesmus; Thränen- und Speichelflufs. Häufiges Kauen, Husten, tracheales Rasseln; Harndrang. Cerebral-erscheinungen: Grrofse Hinfälligkeit, Teilnahmslosig­keit, die Tiere schwanken, brechen zusammen, schliefslich tritt Sopor ein. Die anfängliche Paraplegic bildet sich zu vollständiger Reflexparalyse aus. Dabei bestehen Gehirnkrämpfe (Zähneknirschen etc.) und Muskelhüpfen am Hals und den Extremitäten. Träch­tige Tiere abortierten. Bertsche sah nach Ver-fütterung von brandigem, mit T. caries besetztem Ge-
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mühl (Kaff) seuchenhaftes Verkalben in einem Vieh­bestand von 70 Stück eintreten. Dauer bis zum letalen Ausgang 1—7 Tage, je nach der aufgenommenen Quantität.
In völliger Übereinstimmung hiermit stehen ältere Mitteilungen von Alb recht z. B., welcher aufserdem noch Nasenausflufs (nach Hohenleitner auch Vagi-nalausflufs) und vor dem bewufstlosen Zusammenstürzen als Symptome des ersten Anfalls Verdrehungen und Hintenüberbiegen des Halses angiebt.
Auch die Sektionsergebnisse stehen mit­einander im Einklang: Schwellung der Schleimhaut des Magendarmtraktus, im Labmagen und Dünndarm kleine Sugillationen und Erosionen oder streifige Rötung, ebenso im Darmkanal, sowie im ganzen Darm­rohr die unter dem Namen Aalhaut bekannten rufsigen Färbungen (sporadische „Rinderpestfällequot;), Leber ver-gröfsert, Schleimhaut der Nase, des Schlundes und Kehlkopfes gerötet (ebenso die Vaginalschleimhaut, Hohenleitner), Lungen und Gehirn hyperämisch. Am Herzen Ekchymosen.
Pferde erkranken unter denselben Erscheinungen. In einer Mühle gingen neun Pferde und eine Kuh nach 30—50 stündiger Krankheit zu Grunde, während zwei Kühe genasen. Die Tiere zitterten anfangs, so­dann stellten sich starkes Geifern, zeitweiliges Husten, Tenesmus und frühzeitige Schwäche der Nachhand ein. Nach 2—3 Tagen vollständige Appetitlosigkeit, Stöhnen bei der Atmung, Lähmung der Nachhand, allmählich steigende Pulsfrequenz, rapide Abmagerung; erst Ver­stopfung, dann Durchfall. Der Tod erfolgte meist nach zwei, mitunter nach 4 — 5 Tagen. Hohen­leitner, dessen Bericht das Vorstehende entnommen
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ist, verabreichte seinem eigenen Pferd dreimal täglich je 2 1 Weizenkleie mit Häcksel wegen einer stattgehabten Operation. Nach zwei Tagen — es waren im ganzen 12 1 Kleie verfüttert worden — zeigte das Pferd Un­sicherheit in der Bewegung der Nachhand. Das Über­treten von einer Seite zur andern geschah zögernd, wankend; einige Stunden darauf war ein Herumtreten ganz unmöglich. Das Tier lehnte mit der Kruppe schräg an der Wand. Sensorium frei. Das Tier wurde getötet (!). Die Untersuchung der Weizenkleie ergab das Vorhandensein von Sporen der T. caries. — Nach Verfütterung brandiger Dinkelspreu sah Vogel bei vier Müllerpferden ähnliche Krankheitserscheinungen eintreten; auch hier in der Hinterhand eintretende Lähmung der Körpermuskulatur und des Schlund­kopfes ohne wesentliche Bewufstseinsstörung. Längste Krankheitsdauer neun Tage. Obduktion: Schleim­hautschwellung im Traktus etc., Aalhaut des Dünn­darms.
Macks Bericht zufolge erlagen einer Tilletia-Ver­giftung vier Pferde, zwei Ochsen und zwei Kühe in ein und demselben Monat. Die Symptome traten ziemlich plötzlich auf. Hinterhand gelähmt, unempfind­lich gegen Nadelstiche. Vorhand keine Störung. Nach einigen Tagen Tod. Eine Stute abortierte.
e. Rostpilze.
Die Sporenlager der Uredineae bilden auf Blättern oder Trieben, oft auf der ganzen Pflanze Staubhäuf­chen als feste, krustige Flecke von gelber, roter, rost­brauner oder braunschwarzer Farbe. Die meisten Urodineen durchlaufen einen vollständigen Oenerations-wechsel meist in der Weise, dafs Äcidien, von Spar-
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mogonien begleitet, Sommersporen (Uredo) und Teleuto-sporen aufeinander folgen. Zu den uns interessieren­den Gattungen gehören Uromyces (Schweifrost) und Puccinia (Stiel- oder Zwillingsrost).
Uromyces.
Es kommen vor: Uromyces rumicum an ver­schiedenen Rumexarten; U. betae an den Blättern der Runkelrüben; U. appendiculatus an Hülsen­früchten (Vicia, Ervum, Pisum — Aecidium auf Wolfs­milch —, Lathyrus); U. apiculatus auf Latbyrusund Trifolium (T. hybridum, pratense, repens, Rot-, Weifs­klee); U. striatus auf Genista und Medicago-Arten (Luzerne).
Verbürgte Mitteilungen über toxische Wir­kung der einzelnen Uromyces-Arten liegen nur bezüg­lich der auf Klee schmarotzenden Uredineen vor. Eine Eigentümlichkeit teilt die ganze Gruppe mit den Poly-desmusarten, die anscheinend vorhandene Lokalwirkung. Pferde, welche zum Einfahren von befallenem Kleebenutzt werden und angeblich nichts von demselben gefressen haben, zeigen entzündliches Odem an den Fesseln. Solche, die auf der Weide oder im Stall derartiges Futter aufnehmen, acquirieren eine Schwellung der Maulschleimhaut, der Conjunctiva, der Lippen, der Kopf­haut etc. Dafs jedoch die nicht pigmentierte Haut Prä-dilektionsstellen abgeben sollte, ist nicht erwiesen. Bei dem hämorrhagischen Charakter des Ödems imponiert die Rötung der weifsen Haut natürlich mehr als die gleichmäfsig vorhandene, aber durch Färbung nicht ausgezeichnete Schwellung der Nachbarpartien. Im weiteren Verlauf kommt es zur Bildung von Blasen und ulcerösen Prozessen der Cutis, welche unter
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Hinterlassung von Narben, resp. haarlosen oder spär­lich behaarten Stellen zur Heilung gelangen, Prozesse, welche an die bei Fischvergiftung beim Menschen be­obachteten Symptome erinnern. Ähnliche HautafFek-tionen treten indes bei einer ganzen Reihe von In­toxikationen *) notorisch ohne Lokalwirkungen auf. Es spricht der gesamte Verlauf bei Uromyces-Vergif­tung sowohl, als auch jener der Puccinia-Intoxikation keineswegs für eine ausschliefslich örtliche Reizwirkung, auf welcher alle übrigen Krankheitssymptome basieren sollen. Als weiteres Symptom ist zu verzeichnen Sali­vation infolge frühzeitiger Schlundkopflähmung durch Bulbärparalyse (Eberhardt, Han ft). Born konsta­tierte gelegentlich bei einem Pferde nach Verfütterung von grünem Klee, der mit einer Unmasse kleiner, schwarzer, den Fliegenexkrementen ähnlicher Punkte besetzt war, in sechs Stunden Abflufs von 18—20 1 Speichel. Befallenes Kleeheu nehmen die Pferde meist nur widerwillig auf. Sehr bald stellt sich Appetit­verlust ein, Fieber, Gelbfärbung der Schleimhäute, Odem der Extremitäten (G r e b i n). Die Affektion des Centralnervensystems dokumentiert sich in Sopor, unterbrochen von Tobsuchtanfallen (Model), Blind­heit und Lähmung der Hinterhand.
Über eine Intoxikation bei Saugfüllen, hervorgerufen durch befallenen Klee (Uromyces), im Gemisch mit Gras
*) Eoulin, welcher die columbische Maiskrankheit, ver-anlafst durch Mays pelladero, auf die Bildung von Corn ergot im Mais zurückführt, giebt als deren hauptsächlichstes Phä­nomen an das Ausfallen der Haare, wozu bei Tieren (Pferden, Mauleseln) Schwäche namentlich im Hinterteil hinzutritt. Das in einzelnen Teilen Columbiens ausschliefslich mit gröfstenteils verdorbenem Mais gefütterte Federvieh verliert durchgängig am Kopf und Hals die Federn.
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(besetzt mit Pueciina graminis), berichtet Wolff fol­gendes; Von 30 Füllen erkrankte ein Drittel. Heftiges Fieber, gänzlich aufgehobener Appetit, häufiger, kurzer Husten, verzögerte Kotentleerung, schmutzig gelbe Farbe der Schleimhäute, schmierig belegte Zunge, unregelmä-fsige Stellung der Schenkel und hochgradige Abgestumpft­heit waren die am meisten hervortretenden Symptome. Nach einigen Tagen zeigten sich blutige Streifen auf der Nasenschleimhaut, bei einigen Tieren stellten sich Anschwellungen des Kopfes ein, besonders an den Lippen, bei allen unter dem Bauche und an einzelnen Schen­keln. Drei Fohlen erlagen der Krankheit. Obduk­tion: Blut schwarz, schmierig, fast ungeronnen, Lungen, Milz blutüberftillt, Leber orangegelb, Dünn-und Dickdarm sulzig infiltriert, teilweise fleckig ge­rötet, Gehirn blutreich, in Ventrikeln rötliches Serum.
Fuccinia.
Ganz ähnliche Symptome wie Uromyces bedingt Puccinia. Toxikologisch kommen in Frage P. gra­minis, Grasrost, Getreiderost (auf Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, aufserdem auf Tritic. repens, Lolium perenne, Agrostis vulgaris, Aira caespitosa, Dactylis glomerata — Äcidien auf Berberis vulgaris), P. stra-minis, Strohrost (ebenfalls am Getreide und Gräsern, besonders Bromus-Arten vegetierend — Äcidien auf Boragineen), P. coronata, Kronenrost (am Getreide, vorzugsweise dem Hafer; aufserdem auf Holcus lanatus, Calamagrostis (Arundo) epigeios, Lolium perenne, Alo-pecurus pratensis etc. — Äcidien auf Rhamnus-Arten), P. caricis (auf Carex-Arten — Äcidien auf Urtica dioica), P. compositarum (Autöcische Pilze, d. h. Äcidien auf derselben Gattung), P. arundinacea
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(auf Phragmites communis — Äcidien auf Rumex hydrolapathum), P. sessilis (auf Phalarisarundinacea — Äcidien unbekannt).
Toxikologische Versuche mit Pucciniagra-minis sind von Franck angestellt. Derselbe verfütterte im Juni ausgelesene, mit Uredosporen besetzte Blätter von Haargras (Elymus europaeus) an drei Kaninchen. Dieselben erkrankten plötelich am dritten und vierten Tage. Sie wurden traurig, taumelten, überschlugen sich rückwärts und lagen einige Zeit im Opisthotonus mit erweiterter Pupille. Atemzüge vertieft und langsam, Herzschlag schwach fühlbar, abnehmende Rektaltem­peratur und Tod in ca. zwei Stunden. Herz in dia-stolischem Stillstand (Arterien und Ventrikel stark ge­füllt), Harnblase ausgedehnt, Verdauungstraktus un­verändert. Die verfütterten Sporen teils zerfallen, teils ihres Inhalts mehr oder weniger beraubt, verblafst. Einen Monat später, nachdem die Sporen durch Ver­stäubung sich bereits verringert hatten, wurde der Versuch mit zwei anderen Kaninchen wiederholt. Eins derselben starb am siebenten Tage unter den gleichen Erscheinungen, das andere zeigte aufser starkem Durst und erheblichem Temperaturabfall keine Veränderung.
Pferde erkranken in ganz ähnlicher Weise; es treten Lähmungserscheinungen ein, ohne dafs von Lokalaffektionen etwas zu bemerken wäre. In einem Stalle waren seit acht Tagen grofse Quantitäten über­aus stark mit Rost befallenen Roggenstrohs und Häcksels gefüttert worden. Eins der Pferde wurde eine Stunde nach vollständiger Aufnahme des Morgenfutters auf der Streu liegend gefunden, unvermögend, sich mit dem Hinterteil zu erheben. Gegen Mittag verriet dasselbe grofse Angst, es schwitzte stark und zeigte kleinen,
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frequenten Puls (90 p. M.). Zeitweise traten epileptische Krämpfe ein, bei welcher die Augen rotierend bewegt wurden (Nystagmus). Defäkation sehr reichlich. Nach 24 Stunden Tod. Drei Tage später erkrankte ein zweites Pferd. Es frafs schlecht, fing an zu schwanken, fiel um und bekam Zuckungen über den ganzen Leib, war jedoch imstande, sich anfangs noch zu erheben. Fünf Stunden nach Eintritt des ersten Paroxysmus starb das Tier. Blutgefäfse strotzend mit teerartigem, dunklem Blut gefülllt, ebenso Lungen und linke Herzkammer. Nach Änderung des Futters kamen weitere Erkrankungen nicht mehr vor (S t ö h r). Von anderer Seite sind Lokalwirkungen konstatiert nicht nur bei Tieren, sondern auch beim Menschen. Albrecht erwähnt, dafs eine Magd, welche die Rinder zu füttern hatte, an Händen und Füfsen einen Pustelausschlag bekam. Das als Futter verwendete Stroh und die Spreu soll stark mit Tilletia caries, sehr wenig mit Puccinia graminis besetzt gewesen sein. — Beim Ausdreschen rostiger Hafergarben beschäftigte Arbeiter erkrankten an Schwellung der Mund-, Rachen-und Nasenschleimhäute. Pferde zeigten nach Auf­nahme desselben Materials anginaähnliche Erschei­nungen (Bluhm).
Der Krankheitsverlauf bei Rindern gestaltete sich nach den Erfahrungen von Bauer an zwei Repräsen­tanten dieser Gattung nach Aufnahme angebrühter Druschabfälle von rostigem Weizen und Hafer folgen-dermafsen: Vermehrtes Speicheln, Schlingbeschwerden, Mattigkeit, stierer Blick, verlangsamter Puls, fast un­fühlbarer Herzschlag, Mastdarm-Temperatur 37,8. Die Tiere suchten zu fressen, konnten aber das Futter nicht recht fassen und kauten ununterbrochen bei
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 31
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reichlichem Abflufs von Speichel. Die eine Kuh, welche am Tage vor der tierärztlichen Untersuchung bereits Krankheitserscheinungen zeigte, hatte acht Tage vorher mehrere Tage hindurch sehr übelriechende diarrhoische Entleerungen, während die andere Kuh be­ständig festeren, härteren Kot absetzte. Die Hungergrabe erschien gespannt, voll und hart. Drei Tage später fand ß. beträchtliche Verschlimmerung der Kranken; Speicheln sehr stark, schaumförmig, Kaubewegungen unwillkürlich; das Abschlucken erfolgte nicht mehr, das Futter blieb im Maule strangförmig zwischen den Zähnen stecken, einzelne hinabgewürgte Futterhalme verursachten Husten. Die Tiere konnten sich nicht mehr oder nur sehr schwer erheben, zitterten dann aber sehr stark und waren in der Weiche aufgezogen. Im Liegen zeigten die Tiere den schlafartigen Zustand der paralytischen Form des Kalbefiebers oder der starken Löserverstopfung. Kotentleerung vollständig sistiert, eine Probe des bei manueller Exploration gewon­nenen Kotes war trotz der verabreichten grofsen Mengen von 01 scheibenartig geballt und fast steinhart. Die Kühe verendeten nach 8 tägiger Krankheit. Bei der Sektion fand man Rötung im Schlund- und Kehlkopf und in dem oberen Teile der Luftröhre. Der Psalter voll­ständig ausgetrocknet, Epithel zu Pulver verreiblich, Schleimhaut in der rechten Hälfte rot punktiert, ebenso im Labmagen und an einzelnen Stellen des Dünn­darms, Gallenblase stark mit gelblicher Galle gefüllt, Leber sehr grofs.
Martin berichtet über einen Fall von Vergiftung nach Fütterung mit Stroh von brandigem Hafer. 2—3 Tage nach dem Genüsse des gedachten Strohes er­krankten von dem Viehbestande des Gehöftes (fünf
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Kühe, zwei Jungrinder) sechs, und sind hiervon fünf Stück gefallen. M. skizziert die Vergiftung in folgen­der Weise: Die Kranken stehen mit gesenktem Kopfe regungs- und teilnahmslos da, speicheln viel, ohne abschlucken zu können. Der Hinterleib ist eingefallen (hftringsartig), der Gang schwankend, die Tiere fallen um und können sich nicht mehr vom Boden erheben. Der anfangs pochende und am ganzen Körper fühlbare Herzschlag wurde später schwach und langsam. Hauttemperatur kühl, Mastdarmtemperatur 40—41deg;. Peristaltik vollständig unterdrückt. In die­sem Zustande verblieben die Tiere 3 — 5 Tage lang, bis sie schliefslich verendeten. Die Behandlung be­stand in der Darreichung von Ölen, dann in Kalt-wasserklystieren. Auch eine 5 pCt. Pilokarpinlösung wurde angewendet. Dieses Mittel scheint bei einem Rinde von Erfolg gewesen zu sein. Das letztere er­holte sich hierauf langsam, doch blieb eine Schwäche im Kreuze zurück, welche sich erst nach sechs Wochen vollständig verlor.
Die Obduktion der Gefallenen ergab: Geringe Totenstarre, Blutleere der Hautvenen, Fleisch blafs, bläulich, weich, mit den Fingern zerdrückbar, Gehirn anämisch, dessen Masse derb, Lungen emphysematisch. In den gröfseren Lungengefafsen strangformige Blut-coagula. Herz hypertrophisch, mit äufserst schlaffer, welker Muskulatur; in den Herzkammern festes, ge­ronnenes Blut, welches sich in die gröfseren Gefäfs-räume fortsetzte und in 1/2 m langen Strängen heraus­gezogen werden konnte. Leber blutarm, blafs; Gallen­blase um das Doppelte vergröfsert, mit braun-grünlicher, dicker Galle gefüllt. Im Wanst grofse Quantitäten von schwärzlichem, in faustgrofsen Kugeln zusammenge-
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balltem Futter. Epithel zum Teil losgelöst, überall leicht abziehbar. Dasselbe Verhalten zeigte das Epithel im zweiten und dritten Magen. Auffällige Rötung oder Erosionen wurden nicht wahrgenommen, mit Ausnahme der Schleimhaut des Labmagens, welche ziemlich in­tensiv gerötet, sehr stark aufgelockert und geschwollen erschien. Die von Fäkalmassen fast leeren Dünn-und Dickdärme zeigten eine schiefergraue Farbe-, die Schleimhäute geschwollen und samtartig anzufühlen.
Das mit Rost besetzte Schilf, Phragmites com-munis, schädigt frisch sowohl, wie auch als Heu nach übereinstimmenden Mitteilungen von Göhler, Rosen­baum, Haarstick, Friebe Schafe, Rinder und Pferde. Bemerkenswert sind die entzündlichen Schwel­lungen an den Schleimhäuten des Kopfes, des Digestions-traktus, die hämorrhagische Nephritis und Enteritis (blutiger Urin und hämorrhagische Diarrhöe), Ekchy-mosen unter den serösen Überzügen, neben den in obigen Fällen vorhandenen Symptomen: Speichelflufs, Dyspnöe, Kolik, daniederliegende Peristaltik, Para-plegie.
Behandlung: Energische Evakuation der Futter­mittel durch Drastica und besonders Aloe. Bei Sali­vation Diarrhöe und Herzschwäche Atropin. Magen-und Darmparese indiziert den Gebrauch von Eserin-Pilokarpin. Sonst symptomatisch.
C. Schimmelpilze.
Zu den mit. conidientragenden Fruchthyphen ver­sehenen Hyphomyceten zählt eine Anzahl auf tierischen und pflanzlichen Nahrungs- resp. Futtermitteln schma­rotzender Parasiten (Saprophyten), welche als Schim­melpilze bezeichnet werden. Zum Teil treten sie auch
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als echte Parasiten an lebenden Organismen auf. Von einigen derselben sind geschlechtliche Befruchtungs­vorgänge bekannt^ deren Produkte in Form von geschlossenen Sporenschläuchen (Asci) in kugeligen Behältern (Perithecien) neben oder nach den conidien-tragenden Fruchtständen oder mehr selbständig auf­treten und alsdann vielfach als besondere Pilzspezies beschrieben und zu den Perisporeaceae gerechnet wor­den sind. Es kommen für uns in Betracht:
Aspergillus.
Aspergillus, Kolbenschimmel; A. glaueus, Mycel anfangs weifs, dann graugrün; goldgelbe Peri­thecien, als Eurotium herbariorum bekannt, das zuge­hörige Mycel grauweifs oder rotgelb verändert; A. niger (nigricans, nigrescens), weifses Mycel, bildet Sklerotien (knollenartige Mycelformen ohne Asci); A. nidulans, Fruchtkörper zwischen Sklerotium und Perithecium; A. flavus oder flavescens, nur im Conidienzustand bekannt; A. fumigatus, Köpfchen braun, Sporenketten gedrängt, grün, bildet Sklerotien; A. Lindtii. Sporenketten divergent, bildet stecknadel-kopfgrofse Perithecien, von Lindt als Eurotium mali-gnum bezeichnet.
Sämtliche bisher genannten Pilze sind als Schma­rotzer im äufseren Grehörgang bekannt. Lichtheim beobachtete bei Aspergillusmykose (bei Mukormykose nie) Gleichgewichtsstörung und Zwangshaltung des Kopfes, veranlafst durch Lokalisation der Pilze im häutigen Labyrinth. Lindt erzielte durch Injektion der Sporen der von ihm gefundenen Aspergillusart in die Ohrvene eines KanincheDS dasselbe: Schiefe Kopf­haltung, Neigung, zur Seite zu fallen, Nystagmus.
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Gröfsere Mengen injiziert, loteten in 1 — 3 Tagen. Die Conidiensporen von A. nidulans verursachten eben­falls Tod in 10 Tagen nach hochgradiger Abmagerung. Die Askosporen erwiesen sich als unschädlich.
Von einzelnen (A. niger, fumigatus) ist es durch die Untersuchungen und Beobachtungen von Schütz, Johne u. a. zweifellos erwiesen, dafs sie in ätio­logischer Beziehung zu den Pilzpneumonieen der Vögel, Hunde, Schafe, Pferde*) und Rinder stehen (Pneumonomycosis aspergillina). Bei Rindern haben der­artige Pneumonieen insofern eine weitergehende Bedeu­tung, als die klinischen Symptome den Verdacht auf Lungenseuche erwecken können. Bei Perkussion fehlt aber lokale Dämpfung, da die Atemnot auf disseminierte multiple, kleinste, pneumonische Herde zurückzuführen ist (mündliche Mitteilung von Rabe). Die in den hepatisierten Stellen vorhandenen, im Innern mit gelb­lichem, deutlich abgegrenztem miliaren Kern ver­sehenen Knötchen (Pilzrasen und zellig infiltrierte Ai-veolen) sichern die Diagnose. A. glaucus erzeugte in den von Schütz angestellten Versuchen zwar eben­falls Tod unter den Erscheinungen der Atemnot, aber die in der Lunge gefundenen Sporen waren nicht aus­gekeimt und hatten nirgends Nekrose hervorgerufen, wie die Sporen von A. niger und fumigatus. Der Ver­dauungsapparat ist zur Ansiedelung und zum Aus­keimen des Kolbenschimmels keiner Art geeignet. Trotzdem können auch hier Lokalwirkungen durch die von den Pilzen produzierten Gifte auftreten, worüber
*) Chronisch broncho-pneumonische Zustände bei Pferden sind unter dem Bilde der Dämpfigkeit bekannt; nach andau­ernder Fütterung geringgradig verschimmelten Materials be­obachtet.
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bei Besprechung der Allgemeinwirkungen einige De­tails mitgeteilt werden sollen. Eine nicht näher cha­rakterisierte Aspergillusart ist nach Rofs imstande, Nierenentzündung, Nephromycosis aspergillina zu verur­sachen, welche in Australien beim Menschen nicht zu den Seltenheiten gehört. Durch Verstopfung der Ureteren mit Mycelklumpen kann eine oft hartnäckige Harnleiterkolik herbeigeführt werden, gegen welche sich grofse Dosen Atropln mit etwas Morphium be­währten. Aus dem Harn gewann R. Reinkulturen, deren wässerige Aufschwemmungen Kaninchen in 48 Stunden töteten. Tierarzt Desmond beschäftigte sich in dem Laboratorium von Rofs mit Untersuchung einer Art Lungentuberkulose der Rinder, welche in der Umgegend von Melbourne auftrat und sich als eine Aspergillusmycose entpuppte. In einer Ochsen­niere sah R. eine Anzahl Abscesse, die eine Gelatine­sauce-ähnliche, weil'se Masse enthielten, reichlichst durch­setzt mit Aspergillussporen. Eine für die Biologie der Schimmelpilze wichtige Beobachtung machte Gr. Lin-ossier an dem Pigment von Aspergillus niger. Der schwarze Farbstoff, von L. Aspergillin genannt, wird den Sporen durch längere Digestion mit schwach ammoniakhaltigem Wasser entzogen und aus der Lösung durch überschüssige Salzsäure in amorphen Flocken niedergeschlagen. Getrocknet stellt die Substanz ein schwarzes Pulver dar, das in seinem Verhalten dem Hämatin ähnelt. Es löst sich in alkalischen Flüssig­keiten mit rotbrauner Farbe, nicht in Mineralsäuren, dagegen in essigsäurehaltigem Alkohol; das Absorptions­vermögen dieser Lösung wächst in der Richtung vom Rot zum Violett. Beim Verbrennen riecht das Asper­gillin nach verbranntem Horn und hinterläfst Eisen-
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oxyd. Die Farbe der Lösung geht durch Natrium­hyposulfit in Goldgelb über, das sich unter Einflufs von Sauerstoff schnell wieder braun färbt. Das Asper-gillin übt im Pflanzenorganismus vermutlich respira-torische Wirkungen aus.
Fenicillium.
Penicillium glaucum, Pinselschimmel, der ge­wöhnlichste, am meisten verbreitete Schimmelpilz, welcher sich auf Brot, Cerealien, Baumfrüchten etc. neben anderen Schimmelpilzen (cf. Mucor) ansiedelt. Mycel anfangs weifs, später grau oder blaugrün. Das zuge­hörige Perithecium (Eurotium Brefeldii) ist ähnlich ge­färbt wie das vom blauen Kolbenschimmel. Erkran­kungen, welche durch Futtersubstanzen veranlafst wurden, die ausschliefslich mit Penecillium besetzt waren, oder Versuche mit Reinkulturen liegen z. Z. nicht vor.
Oidium.
O i d i u m, Eischimmel, stellt die Conidienform der Perithecien bildenden Mehltaupilze (Erysiphe) dar. O. lactis gedeiht nicht nur auf sauerer, sondern auch auf frischer, süfser Milch und hat mit der Milchsäuregärung nichts zu thun. O. albicans, Soorpilz. Die Behaup­tung von Grawitz, dafs diese Pilzspezies zu Sac-charomyces mycoderma (Kahmpilz) gehört, ist durch Untersuchungen von G. Roux widerlegt. Der Soor­pilz vermag Rohrzucker weder zu invertieren, noch zu spalten, gehört deshalb der Saccharomyces-Gruppe nicht an. Eine als Pneumomycosis oidica zu bezeich­nende Lungenerkrankung beobachtete Rofs bei einer Dame. R. vermutete Echinokokken und resecierte eine Rippe. Aus der Wunde entleerte sich nach zwei
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Tagen eine grofse Menge dicker, eitriger Flüssigkeit, welche O. albicans in reichlichster Menge enthielt. Eine Aufschwemmung der angelegten Eeinkultur tötete ein Kaninchen nach intravenöser Injektion in weniger als 48 Stunden. O. monilioides auf Gräsern und Getreidearten im Frühling, Perithecien (Erysiphe gra-minis) im Herbst. Eine als Erysiphe Martii (s. communis var., Link) bezeichnete, Perithecien bildende Form eines Oidiums, welches auf den verschiedensten Pflanzen­familien, speziell auch auf Lupinen, Luzerne, Kot- und schwedischem Klee vorkommt, wird von J. Kühn als wesentliche Ursache der Kleekrankheit bei Tieren an­gesehen.
Der Eischimmel verursacht Lokalaffektionen auf der Maulschleimhaut der Kälber bei Aufnahme infi­zierter Milch und in weiterer Folge anhaltende Diar­rhöe, welcher die Tiere in vielen Fällen erliegen.
Mucor.
Aus der Ordnung der Phycomyceten zählt man gewöhnlich noch aus der Familie der Mucorineae zu den Schimmelpilzen die Gattung
Mucor, Kopfschimmel. Das fadenförmige Mycel oft wurzelartig verzweigt. Sporen bilden sich in end­ständigen, kugeligen Sporangien. Durch Kopulation bilden sich am Mycel grofse Zygosporen, welche als zerstreute, schwarze, makroskopisch wahrnehmbare Pünktchen auf dem Mycel erscheinen. M. m u c e d o, gemeiner Kopfschimmel, Sporangien gelbbraun bis schwarz. M. racemosus, Sporangien gelblich bis hell­braun. Vorwiegend auf Kohlehydrat-haltigen Substan­zen. M. stolon if er, Sporangien schwarzblau; be­sonders auf faulenden Pflanzenstoflfen.
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Boggenschimmel.
In einigen Gemeinden in der Dordogne, besonders in den Territorien von Firbeix, Mialet und Saint-Saud, zeigte der Roggen der Ernte von 1890 besondere und sehr charakteristische giftige Eigenschaften. Brot, das gleich nach der Ernte aus dem ßoggenmehl gebacken wurde, verursachte, wie Prillieux berichtet, etwa zwei Stunden nach dem Genüsse bei jedermann all­gemeinen Taumel und Schläfrigkeit und Unfähigkeit zu irgend welcher Arbeit während der folgenden 24 Stunden. Leute, welche nach dem Genüsse auf die Felder gegangen, waren nicht imstande, allein zurück­zukehren. Hunde, Schweine, Geflügel, welche von dem Brot zu fressen bekamen, wurden verdriefslich, taumelig und nahmen 24 Stunden lang weder Nahrung noch Trank. Die Symptome hatten keine Ähnlichkeit mit denen nach dem Genüsse des Mutterkorns, wohl aber mit den Wirkungen des Taumellolchs, nur traten sie intensiver und schneller auf und wurden durch das Getreide selbst erzeugt.
Woronin hatte kurz zuvor ganz ähnliche Wir­kungen des „Taumelgetreidesquot; in Usurien in Rufsland beschrieben und das Taumel erzeugende Getreide von zahlreichen Pilzen durchwuchert gefunden, die die toxischen Wirkungen verursachten. Besonders waren es vier Pilzspezies: Fusarium roseum, Gibberella Sau-binetii, ein Helminth osporium und Cladosporium her-barum, auf die sich W o r o n i n s Verdacht lenkte. Bei den von Prillieux untersuchten Körnern des fran­zösischen Taumelroggens fand sich von diesen Pilzen keiner. Dagegen zeigten die (nicht ausgewachsenen) Körner im Innern alle das Mycelium und Stroma eines und desselben Pilzes, welche den Kleber und die Stärke-
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körner vermutlich durch ein diastatisches Ferment verändert hatten. Bei Kultur im feuchten Räume und bei einer Temperatur von 15—18deg; C. brachte P. den Pilz zur Sporenbildung. Er erinnerte in gewisser Hin­sicht an die Gattung Dendrodochium Bonorden (Den-dryphium, Wallroth?), zeigte aber bezüglich der Sporenbildung ein sehr eigenartiges Verhalten, wie es sonst nur selten vorkommt und z. B. von dem Ananas­schimmel, Sporoschisma paradoxum de Seynes, be­kannt ist.
Der Erklärung der allgemeinen toxischen Wirkung der Schimmelpilze wegen läfst sich ein von Bonsfieldan Menschen beobachteter Vergiftungs­fall nach Genufs schimmeligen Brotes an die Spitze der Symptomatologie stellen. Ein bis dahin gesunder Mann erkrankte unter heftigen Leibschmerzen und Er­brechen. Bald wurde der Puls äufserst schwach und die Atmung kaum wahrnehmbar, Ätherinjektion im Verein mit anderen Excitantien führte zur Wiederher­stellung. B. vergleicht das Krankheitsbild mit dem der Muscarinwirkung. Bei Tieren sind die Vergiftungserscheinungen nach Aufnahme verschimmelten Brotes ganz ähnliche, nur tritt die für Cholinwirkung charakteristische Lähmung do­minierend auf, womit auch der rasche Verlauf — Tod in kurzer Zeit oder Genesung — übereinstimmt.
Über einen Fall, in welchem nach Aufnahme einer geringen Menge mit schwarzen und orangefarbenen Cryp-togamen besetzten Brotes hochgradige Intoxikation ein­trat, berichtet P e r r i n. Zwei Pferde hatten je ca. 500 g Brot erhalten. Dieselben zeigten zuerst Anfälle von Leib-
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schmerz, welche 3—4 Minuten anhielten und in halb­stündlichen Intervallen wiederkehrten. Die Tiere senkten beim Umherführen die Kruppe, wälzten sich aber nicht. Nach ca. 12 Stunden fingen die Tiere mit dem Hinter­teil zu schwanken an, der Puls wurde klein und sehr schnell, die Respiration keuchend, es trat kalter Schweifs auf und Somnolenz. Auf der Conjunctiva zeigten sich Petechien. Schliefslich fielen die Tiere regungslos zu Boden und lagen mit kaum bemerkbarer Respiration gefühllos 1/2 Stunde lang in diesem Zustand. Plötz­lich erhebt sich der Patient, drängt gegen die Wand, atmet lebhaft, bis wiederum unter Schweifsausbruch ein ali Stunde andauerndes Coma eintrat. Nach die­sem Akmestadium erfolgte unter allmählich verringerter Intensität der sich wiederholenden Anfälle Besserung. Die Schwäche im Hinterteil verlor sich erst allmählich vollständig. Dekker und Chevillard beobachteten in zwei übereinstimmenden Fällen bei je einem Pferd nach Aufnahme von 6 kg stark verschimmelten Brotes aufserdem Lähmung der Zunge, Diarrhöe, unwillkür­lichen Harnabgang und Tod nach einigen Stunden. Bei jedem Tiere ergab die Obduktion dünne, übel­riechende Contenta, fleckweise Rötung der Schleimhaut, im Magen und Darm teerartiges Blut. Koch fand in einem Falle citronengelbe Leber, bei zwei anderen Pferden nicht. Da die Schimmelpilze in Bezug auf die Nährsubstrate nicht wählerisch sind, so können durch die verschiedenartigsten, mit Schimmel durch­setzten Futterstoffe etwas wechselnde, aber in den Grundzügen mit den obigen übereinstimmende Krank­heitserscheinungen veranlafst werden. Varnell sah sechs Pferde infolge des Genusses von verschimmeltem Hafer nach kurzer Krankheitsdauer unter Lähmung
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des Hinterteils und der Zunge nach 1—4 Tagen ver­enden. Eine häufig konstatierte Erscheinung, welche durch „multrigenquot; Hafer veranlafst wird, ist Harnruhr, wobei bis zu 38 1 per die entleert werden können. Eepiquet beobachtete nach Verfütterung von Hafer, der sich weich und feucht anfühlte und nach Moder roch, bei Pferden Appetitlosigkeit, allgemeine Schwäche, orangegelbe Färbung der Conjunctiva, Anschwellung der Grliedmafsen, schwankenden Gang, abnorme Em­pfindlichkeit des Abdomen, Abgang trockenen Kotes, schwachen Puls und Abmagerung. Verabreichung sali­nischer Laxantien, Chinin und Opium besserte den Zustand nach vorgenommenem Futterwechsel. Mitunter bleibt andauernde Blindheit zurück. Multriges, schim­meliges Kleeheu bewirkte bei einem Pferde Entzün­dung der Maulschleimhaut mit anhaltendem Speichel-Hufs, Kaubewegung und Abmagerung trotz reichlichster Fütterung.
Rinder erkranken unter analogen Symptomen. Verfütterung von feucht eingefahrenem und schimmelig gewordenem Kleeheu (Modergeruch) führte Erkrankung eines Rindviehbestandes und Tod von sieben Stück nach 3 — 6 Tagen herbei. Die Kühe traten von der Krippe zurück, hörten auf zu fressen und wiederzu­käuen und schäumten stark aus dem Maule. Tags nachher Augen gerötet, Blick stier. Hierzu gesellten sich krampfhafte Erscheinungen: Die Kühe stellten sich breitbeinig hin oder bohrten mit den Hörnern in die Wand und blieben öfter wie betäubt stehen. Wenn sie umfielen, stellten sich epileptische Zuckungen ein, welche bis zum Tode anhielten. Vor dem Tode trat bei allen ein längere oder kürzere Zeit dauernder paralytischer, von Konvulsionen unterbrochener Zu-
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stand ein. Die Sektion ergab zerstreute Blutextra-vasate unter der Haut. Das Blut war schmierig, schwarz und nicht geronnen. Im Blätter- und Labmagen stellenweise die Papillen und Zotten verdickt und intensiv rot gefärbt. Im Gehirn und im Kückenmarks­kanal eine grofse Quantität gelbrötlichen Serums. Hirn und Rückenmark selbst erweicht (König). — Malzkeime mit einer graugrünen Schicht von Schimmelpilzen über­zogen, wurden, mit warmem Wasser angerührt, an 11 Stück Jungvieh (l1^ — 21/2 Jahre) verfüttert. Sieben erkrankten, fünf starben unter ähnlichen Symptomen, wie nach Rostbrandvergiftung, nur mit dem Unter­schiede, dafs Salivation, Schlundkopfparalyse und Som-nolenz fehlten, dagegen klonische Krämpfe auftraten (Tiere mühten sich mit Aufstehen ab, bis sie nicht mehr konnten). Auch die Sektion lieferte ähnliche Resultate, wie bei Rostbrandvergiftung, nur hatte das Fleisch keine bläuliche, sondern mehr kirschrote Farbe. Eine Kalbin, welche sich bald wieder erholte, verendete nachträglich am 10. Tage nach der Erkrankung plötz­lich an Herzlähmung (Martin).
Die Obduktionen, ausgeführt an Rindern, welche nach Genufs stark verschimmelten, durch die Färbung schon suspekten Mehles unter den Erschei­nungen von Dyspnoe, Somnolenz, seltener hohem Fie­ber, Kolik, heftigem Durchfall, tobsüchtigen Anfällen erkrankt und verendet waren, ergaben meist hämor-rhagische Gastroenteritis und Nephritis, zuweilen Milz­tumor. Aus Leber und Niere gelang es Rofs, in seinen Versuchen stets Kulturen der pathogenen Schimmelpilze zu gewinnen, aus dem Blut nicht in allen Fällen.
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Bei Schafen entstand durch Verabreichung von dumpfigem, schimmeligem Heu ein an Lupinose er­innerndes Leiden, woran 52 Stück zu Grunde gingen. Intensive Grelbfärbung der Leber, ausgeprägter allge­meiner Icterus.
Anderseits wurde durch Lupinenkörner, welche mit dunkelgrünem Schimmelüberzug versehen waren, bei Rindern Fieber, Kolik, Tympanitis, Lähmung der Ohren und der Glieder und Tod, bei Schafen skorbu­tische Affektionen der Maulschleimhaut (erbsen- bis bohnengrofse Ulcerationen und prominente, leicht blu­tende Granulationsbildungen) und allgemeine Steifheit verursacht.
Auch Schweine machen keine Ausnahme, inso­fern als bei diesen Tieren Schimmelpilzvergiftungen ebenfalls Lähmungserscheinungen nach sich ziehen.
An sonstigen, bisher nicht erwähnten Futtermitteln, welche dem Verderben durch Schimmelpilze ausgesetzt sind und zu nachweislichen Intoxikationen geführt haben, sind noch anzuführen Buchweizenstroh, Stroh überhaupt (Häcksel), Rückstände von der Zuckerfabri­kation, Obst, Kürbisse, und die verschiedensten Sorten der Futterkuchen.
Therapie. Klemm behandelte drei Pferde, welche durch schimmeliges Brot vergiftet waren, mit derart gutem Erfolg mit Eserininjektionen, dafs Heilung in der Hauptsache innerhalb einer Stunde eingetreten war. — Das Eserin genügt zwei Indikationen: es wirkt eva­kuierend auf den Darmkanal und ist anderseits ge­eignet, die drohende Herzparalyse zu bekämpfen, da Eserin jeden Herzstillstand, gleichviel welcher Art, aufzuheben imstande ist (Harnack). Injiziert man in vierstündigen Zwischenräumen, so kann die relativ
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grofse Dose von 0,2 g event, wiederholt werden, wobei Wasser zur beliebigen Aufnahme gestattet werden mufs. Bei drohender Herzparalyse ist Atropin unentbehrlich.
t], Spaltpilze.
Bacillus subtilis (Grünfutter-Heugärung).
Man ist bisher der Ansicht gewesen, dafs bei Gärung der an Kohlehydraten reichen pflanzlichen Futtermaterialien die Entwickelung der Kohlensäure eine Hauptrolle spiele. Neuere Erfahrungen lehren indes, dafs den stickstoffhaltigen Substanzen trotz ihrer prozentisch geringen Menge ein toxikologisch bedeutsamer Anteil bei der Lieferung von Gärungs­produkten zufällt.
Selbst das Stroh kann eine Quelle für die Ent­stehung N-haltiger Zersetzungsprodukte sein. Leitet man Wasserdämpfe über gutes, ausgewaschenes Stroh und untersucht das Destillat, so findet man in dem­selben ölige, in Äther lösliche Tröpfchen. Nefslers Reagens giebt tiefe orange Färbung; der nach Ansäuern durch Abdampfen erhaltene Trockenrückstand ent­wickelt mit konzentrierten Laugen beim Erwärmen durch eintretende Spaltungsprozesse, welche mit den Fäulnisvorgängen gröfste Ähnlichkeit haben, Ammoniak und Trimethylamin (Th. Salz er).
Die Vorgänge bei der Heugärung sind durch F. Cohn untersucht worden. C. komprimierte 3 kg Gras in einer Blechdose. Im Verlauf von acht Tagen stieg die Wärme unter starker Kohlensäure- und Milch­säureentwickelung und Abnahme der Kohlehydrate auf 57 0 (37 0 höher als die Temperatur der Umgebung). Am fünften Tage waren die Halme noch grün, später gebräunt und in eine Art Dünger verwandelt, aus wel-
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chem eine schwarze Flüssigkeit unter Entwickelung von ammoniakalischem Geruch absickert. Nach Ver­lauf von acht Tagen trat Abkühlung ein; am 12. Tage war die Umgebungstemperatur erreicht. In der Feuch­tigkeit fanden sich feine Stäbchen in unendlicher Zahl, die zu kürzeren und längeren Fäden auswuchsen . und elliptische, stark brechende Sporen entwickelten, welche durch Auflösung der Stäbchen frei wurden, so dafs sich am achten Tage fast nur die freien Sporen vorfanden.
Bei einem in derselben Weise angestellten Ver­such mit Pferdedünger stieg die Temperatur unter Bil­dung ähnlicher Stoffwechselprodukte innerhalb der gärenden Masse nach 53 Stunden auf 71deg;, ging aber bis zum vierten Tage auf die Temperatur der Luft zurück. Auch hier waren dieselben Mikroorganismen, schliefslich nur noch deren Sporen vorhanden.
Dafs es sich in beiden Fällen um den gewöhn­lichen Heubacillus (Bacillus subtilis) handelt, wurde durch Reinkulturen erhärtet. Die Spaltpilze bleiben sonach bei der Durchwanderung des Tierkörpers lebens­fähig, gelangen mit dem Dünger auf den Acker, haften am Gras und wandern wieder in den tierischen Orga­nismus zurück, ein Kreislauf, welcher sich jahraus, jahrein wiederholt und auch für manche pathogene Schi-zomyceten nachgewiesen ist (cf. Starrkrampf). Cohn ist geneigt, die Bildung der Milchsäure und der ammo-niakalischen Gärungsprodukte auf die gleichzeitige An­wesenheit von Anaeroben zu beziehen.
Munckenbeck sah 15 Rinder erkranken nach Aufnahme von Grünfutter (Wicken, Hafer, Klee), wel­ches in Haufen aufgeschichtet war und erst nach drei­tägigem Lagern verabfolgt wurde. Das Futter soll
#9632;
Tereg u. Arnold, Toxikologie.
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nach Aussage des Dienstpersonals am dritten Tage schwarz, wie verbrannt ausgesehen haben. Die Ver­giftungserscheinungen äufserten sich in Salivation, Hirn­depression, Schlundkopf- und allgemeiner Lähmung (zwei Kühe stürzten unterwegs zusammen und wurden nebst vier anderen geschlachtet), Löservorstopfung, Aalhaut im Darm.
Bei den überlebenden Rindern leistete Aloe aus­gezeichnete Dienste. Nach Entleerung kolossaler Kot-massen trat rasche Besserung ein. Die mikroskopische Untersuchung des Blutes der geschlachteten Tiere er­gab einen bedeutenden Überschufs der weifsen Blut­körperchen (Dissolution der roten durch die Ammonium-derivate). Mikroorganismen fanden sich im Blut nicht vor. Da das Futter mit Puccinia graminis, wie M. ausdrücklich hervorhebt, obwohl nur in geringem Grade besetzt war, so ist die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, dafs auch diese Pilzspezies sich an der deletären Wirkung mit beteiligte. Prophylaktisch empfiehlt Uhlig zur Verminderung der Grärong das Einstreuen von Salz für nicht trocken eingebrachtes Heu zwischen die einzelnen Schichten beim Einlagern. Auf ein Fuder Heu sollen 2 1 Viehsalz ausreichen. Dieses Verfahren scheint jedoch die Bildung toxischer Substanzen auch bei minder stürmisch verlaufender Fermentation nicht zu verhindern.
2. Autointoxikationen durch Cholinderivate. Vom Uterus aus (cf. auch Eitergifte).
Mit hoher Wahrscheinlichkeit bedingt das Cholin zum Teil jene Symptome, welche #9632; nach vollständiger oder partieller Retention der Placenta im Anschlufs an die im Uterus ablaufenden Fäulnisvorgänge auf-
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treten. Übelriechende Gase, die Produkte anaerober Spaltpilze brauchen nicht notwendig vorhanden zu sein.
Aus menschlichen Placenten gelang es Böhm, eine Base darzustellen, welche nach ihren äufseren Eigen­schaften und der Form ihres Platinsalzes als identisch mit Cholin angesehen werden durfte.
L. Franck führt ganz generell unter den Sym­ptomen der Septicämiapvierperalis neben Fieber schwache Kolikerscheinungen an. Die Patienten stehen auf, legen sich, erheben sich wieder etc. Im Liegen halten sie den Kopf zurückgebogen, werden teilnahmslos gegen die Umgebung, knirschen mit den Zähnen. Später erscheinen die Tiere im Hinterteile wie gelähmt. S t r e -bei spricht von Steifigkeit in der Nachhand. Ödeme, Nasenbluten, Husten, Drängen und Kolikschmerzen beobachtete Contamine, A u g s t e i n beschreibt einen Fall, welcher insofern von Interesse ist, als aus dem­selben die Möglichkeit der Ausbreitung der Lähmung, und zwar einer spastischen Lähmung, auch auf die Vor­hand hervorgeht. Eine Kuh, welche leicht gekalbt und die Nachgeburt anscheinend gut abgesetzt hatte, verhielt sich in den ersten fünf Tagen vollständig nor­mal. Am sechsten versagte das Tier die Futterauf­nahme, gab keine Milch und vermochte sich nicht mehr auf den Beinen zu erhalten, es brach stöhnend zusammen. Die Glieder waren passiv beweglich und behielten die Stellungen bei, welche ihnen gegeben wurden. Der Kopf rechts an die Brustwand gedrückt, bleibt sekunden­lang in dieser Stellung. Vordergliedmafsen komplett gelähmt und anästhetisch, ausgeprägte Somnolenz. Nach dem Schlachten zeigten sich in der Subcutis erbsen-bis handtellergrofse Extravasate. Serosa der Darmteile mit punkt- und strichförmigen, blutroten Flecken be-
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setzt. Serosa des Pansens rot karriert. Auf den Schleim­häuten des Verdauungs-und Respirationstraktus Hämor-rhagien. Blase prall gefüllt. Im Uterus 7 1 rot­braune, sich körnig anfühlende, geruchlose Flüssigkeit. Im trächtig gewesenen Horn hirsekorn- bis handteller-grofse Blutungen.
Vom Tractifs intestinalis aus. Peptotoxin.
Schmidt-Mühlheim hatte beobachtet, dafs Pep-ton, intravenös injiziert, zu töten vermag. 6,0 g Pep-ton in 0,5 pCt. Kochsalzlösung gelöst, einem 7,9 kg schweren Hund in die Jugularis eingespritzt, brachte eine Erniedrigung des Blutdruckes in der Carotis von 208 mm auf 12 mm Hg zu stände und das Tier ging suffokatorisch zu Grunde. — Die Harnsekretion stockt vollständig, teils infolge der Blutdruckerniedrigung, teils durch Anhäufung des Pepton in der Niere bedingt (F. Hofmeister). Das Blut verliert auf'^—1 Stunde seine Gerinnbarkeit. Wie Alber toni nachwies, reichen 0,15 g p. KK. hierzu schon aus, sicher ist diese Wir­kung zu erreichen mit 0,3—0,6 g p. KK. (Schmidt-Mühlheim). Im Beginn der Fäulnis des Blutes oder auf Zusatz von Fibrinferment bildet sich ein weiches Koagulum.
Brieger behandelte 200 g nasses Fibrin bei Blut­temperatur 24 Stunden hindurch mit Magensaft eines frisch geschlachteten Schweines. Das auf diese Weise gewonnene Pepton war fäulnisfrei und enthielt weder Indol noch Phenol oder aromatische Oxysäuren.
Das rasch bis zu Syrupdicke eingedampfte Pepton wurde mit Äthylalkohol gekocht, der Eückstand des alkoholischen Extrakts längere Zeit mit Amylalkohol
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digeriert, bei dessen Verdunsten amorphe, braune Massen zurückblieben, die auf Frösche schon in ganz geringen Mengen giftig wirkten. Nach der Reinigung mit neutralem Bleiacetat erhielt Brieger einen farb­losen, neutralen, im Vacuum kiystallisierenden Syrup, welcher mit sämtlichen Alkaloidreagentien, aufser mit Platinchlorid, Niederschläge gab, keine Biuret-r e a k t i o n zeigte, sich aber beim Kochen mit M i 11 o n s Reagens rot färbte. Diese, Peptotoxin genannte Substanz ist in Äther, Benzol, Chloroform absolut nicht, in Wasser äufserst leicht löslich.
Wenige Tropfen konzentrierter wässeriger Lösung genügten, um beim Frosch einen lähmungsartigen und anästhetischen Zustand, leichte, fibrilläre Muskel­zuckungen und nach 15—20 Minuten den Tod herbei­zuführen.
Für Kaninchen erwiesen sich 0,5—1,0 g des Extrakts oder 2,0 g des frischen Fibrinpeptons p. KK. tödlich. Die Lähmung setzte an den Hinterextremitäten ein, das Tier sank um, es trat Sopor und nach 15 Minuten bis mehreren Stunden der Tod ein.
Dieselbe toxische Substanz bildet sich in den ersten Stadien der Fäulnis eiweifshaltiger Substanzen (Fibrin, Kasein, Hirn, Leber, Muskel), verschwindet aber nach einem Zeitraum von acht Tagen aus dem faulenden Gemisch.
Versuche mit Witte sehen Peptonpräparaten er­gaben die Ungiftigkeit des reinen Peptons; von diesem konnten Kaninchen bis 20 g, Frösche bis 1,5 g, ohne toxische Reaktion zu erzielen, subkutan einverleibt werden. Das Gift bildete sich aber, wenn das ungiftige Präparat von neuem der Einwirkung des Magensaftes ausgesetzt wurde.
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E. Salkowsky stellt die Existenz des Brieger-schen Peptotoxin auf Grund seiner Nachuntersuchungen in Abrede und ist geneigt, die event. Giftwirkung auf die Peptone selbst zu beziehen, resp. auf Albumosen. Neu meiste r tötete durch intravenöse Injektion von 1,0 g Protalbumose einen jungen Hund von 2 kg in einer Stunde, mit 3,5 g Heteroalbumose ein Kaninchen von 3 kg in einer Viertelstunde, mit 3,0 g Protalbu­mose ein Kaninchen von 2 kg in sechs Stunden. Ander­seits kann das Fibrin dem Peptotoxin ähnliche Sub­stanzen enthalten. Dieselben sollen dann aber bereits in dem verwendeten Material präformiert enthalten gewesen und nicht erst bei der Pepsinverdauung ent­standen sein. Brieger hält den Beweis, dafs unter den Bedingungen, welche der natürlichen Magenver­dauung entsprechen, ein giftiges Produkt, Peptotoxin genannt, auftreten kann, durch die S. Versuche nicht erschüttert.
Gau be führt den Magenschwindel (Vertigo e sto-macho laeso) auf Selbstinfektion mit den bei der Ver­dauung auftretenden Ptomainen zurück. Aus Urin und Fäces leidender Personen mit träger Verdauung iso­lierte er eine als HCl-Verbindung krystallisierende, giftige Base, welche bei Kaninchen Schwindelerschei­nungen hervorrief.
3. Cholinderivato in animalischen Futtersubstanzen
und Nahrungsmitteln.
Heringslake.
Diejenigen Vergiftungen, welche durch Verftitte-rung von Heringslake erzeugt werden, gehören zum gröfsten Teil ebenfalls unter die Kategorie der Cholin-vergiftungen, wenngleich nicht geleugnet werden kann.
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dafs frische Lake wesentlich durch die reichlich vor­handenen Chloride und Nitrate der Alkalien schädi­gend wirken.
Für das Vorhandensein eines durch Zersetzung organischer Substanz entstandenen Giftes spricht der Umstand, dafs alte Lake giftiger ist als frische; es genügen zur Intoxikation oft solche geringe Quanti­täten, dafs der Salzgehalt als Vergiftungsursache aus-zuschliefsen ist. Von alter Lake reichen mitunter zur Tötung 1—2,5 1 für ein Pferd oder Eind, 0,5 1 für Schweine oder Schafe und 0,25 1 für Hunde, 60 g für Hühner aus, während weniger alte Lake erst in fünffacher und höherer Quantität tötet. Kochen hebt die giftige Wirkung nicht auf. Zweifelsohne hat man es in den meisten Fällen mit einer kombinierten Wir­kung organischer und unorganischer Gifte zu thun. Zu ersteren sind nicht nur Aminbasen zu rechnen, sondern auch deren Muttersubstanzen, aus denen Tri-methylamin sich abspaltet, Cholin z. B., so dafs die hervorstechendsten Symptome, welche nach Genufs von Heringslake auftreten, ein Gemisch von Lähmung und Krampf, denen ähneln, welche durch Bucheckern veran-lafst werden. Aus 30 1 Heringslake isolierte Bocklisch 10 g salzsaures Cholin, aufserdem fand er neben Trimethylamin auch Dimethyl- und Methyl­amin. Tetramethylen- und Pentamethy-lendiamin wurden ebenfalls nachgewiesen.
V e r g i f t u n g s s y m p t o m e: Aufser den Anzeichen einer akuten Gastritis fällt der beschleunigte, oft unregel-mäfsige Puls und der pochende Herzschlag auf. Schleim­häute gerötet. Der Gang schwankend, taumelnd. Eine gewöhnlich im Hinterteil beginnende Lähmung macht sich nicht selten am Kopfe zuerst bemerkbar (Herab-
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hängen der Unterlippe beim Pferd, Schlundkopf lähmung beim Schweine) und kann sich auf die gesamte Körper­muskulatur erstrecken. Dazu gesellen sich konstant kon­vulsivische Krämpfe der verschiedensten Muskelgruppen (Extremitäten-, Nacken-, Kau-, Augenmuskeln) und Hirn­affektionen (unmotiviertes Ohrenspiel, Sehstörungen, reflektorische Pupillenstarre, Somnolenz, die gegen das Ende hin in vollständigen Sopor übergeht, unterbrochen von epileptischen Krämpfen). Schafe können ebenfalls der Vergiftung unter gleichen Symptomen erliegen (25 Stück nach Aufnahme von Heringslake, welche zur Hälfte mit Wasser verdünnt war, Arensberg).
Je nach der Quantität des aufgenommenen Giftes treten die Zufälle bald nach 4—6 Stunden, bald am 2.—3. Tage ein. Der fast regelmäfsig tödliche Ausgang erfolgt nach 6—12 stündiger Krankheitsdauer, seltener am zweiten oder dritten Tage.
DieObduktion des Gastrointestinaltraktus bietet ein wechselndes Bild. Mitunter erscheint die Schleim­haut normal oder ungewöhnlich blafs, in anderen Fällen stark gerötet. Im übrigen die Erscheinungen des suffo-katorischen Todes (Überfüllung der venösen Gefäfse, Ekchymosen), zuweilen auch die der Blutdissolution (rötlich gefärbtes Serum).
Pökellake siehe Chlornatrium.
Baupengift.
Eine Kuh erkrankte zwei Stunden nach Aufnahme von Gras, welches unmittelbar nach dem Reinigen derstark mit Raupen des Baumweifslings besetzten Bäume ge­mäht war. Es stellten sich Gliederzittern, Schäumen und starke Aufblähung ein. Die Kuh schwankte im Hinter­teil, stiefsKlagetöne aus etc. Bei der Obduktion der
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geschlachteten Kuh fanden sich die Dünndärme ent­zündet, die Milz blutreich, mit thalergrofsen, dunklen Flecken besetzt, Gallenblase gefüllt. Herzfleisch mit dunklen Flecken in Stecknadelkopfgröfse punktiert, Nieren sehr blutreich, Fett gelb, schmierig. Ein Pferd hatte den Rest des mit Raupen durchsetzten Grases verzehrt. Dasselbe erkrankte ebenfalls nach zwei Stunden unter heftigen Kolikerscheinungen. Puls hart, 63 p. M. Herzschlag pochend, Schweifsausbruch über den ganzen Körper. Häufiger Kotabsatz unter starkem Drängen, Conjunctiva stark gerötet, Pupillen ungemein erweitert, Unruhe, Brechneigung. Nach Verabreichung von Leinöl mit Bilsenkraut und Opium erfolgte nach drei Stunden Beruhigung und weiterhin Entleerung breiiger Kotmassen. Beim Aufstehen blieb eine auf­fällige Schwäche des Hinterteils zurück (Röpke). D i n t e r beobachtete ähnliche Erscheinungen bei Rin­dern nach Genufs von Kraut, welches stark mit Raupen verunreinigt war (Erosionen an den Lippenrändern und dem Zahnfleisch, Salivation, heftiger, wässeriger Durch­fall, Abnahme der Milchsekretion). Von 90 Enten, welche in Steckrübenbeeten Raupen in Masse auf­genommen hatten, starben 53 innerhalb drei Tagen. Den bei den gröfseren Haustieren ausgeprägten Sym­ptomen nach zu urteilen (Zittern, Lähmungserschei­nungen der Hinterhand, Wanstparese, Gastroenteritis und vermehrte Absonderung von Speichel und Darm­sekret und Blutdissolution) läfst sich auch hier eine, dem lecithinhaltigen „Fettquot; der Raupen entstammende Noxe als Ursache der Vergiftung annehmen.
Eäse- und Milctagifte.
Vaugham isolierte aus toxisch wirkendem Käse eine Substanz, welche in langen Nadeln krystal-
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lisierte, sich in Wasser, Alkohol, Äther und Chloroform löste, durch Alkaloidreagentien aber nicht gefällt wurde. V. bezeichnete sie als T y r o t o x i k o n; dieselbe war bei Siedetemperatur unter Verbreitung von stechendem Geruch flüchtig. Die unmittelbar nach dem Genufs auftretenden Krankheitssymptome sind fast in allen Fällen die gleichen und bestehen in Kolik, Er­brechen, Diarrhöe, Schwindelanfällen, Doppelsehen, Prä-kordialangst und enormen Kollaps. Das Gift entwickelt sich nicht immer, wie man früher allgemein annahm, im alten, sondern mitunter auch sicher im frischen Käse. Wie sich Th. Husemann überzeugte, war der giftige Käse, welcher im Mai 1877 in Pyrmont die Erkrankung einer gröfseren Anzahl von Personen ancholeriformen Erscheinungen veranlafste, vollkommen frisch und unterschied sich in seiner Konsistenz und im Äufseren durchaus nicht von der gängigen, als Hand­käse bezeichneten Marktware. Das Käsegift kann unter Umständen bereits in der Milch entstehen. New­ton und Wallace berichten über eine Erkrankung von 40 Personen unter Erscheinungen des Brechdurch­falls nach dem Genufs von Milch, die in heifser Jahres­zeit während der wärmsten Tagesstunden acht englische Meilen in Kannen nach der Molkerei transportiert worden war. Es gelang ihnen, aus der Mich eine krystal-lisierende, brennend schmeckende Substanz zu erhalten, welche, an Katzen mit Milch verfüttert, bei diesen Er­brechen, Diarrhöe etc. hervorrief.
Bei einer Vergiftung mit Vanille-Eis wurde das Tyrotoxin in der zur Bereitung verwendeten Milch ebenfalls nachgewiesen.
Unter den Produkten des durch Fäulnis total zer­setzten Käse fand Brieger nur Neuridin und Tri-methylamin.
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Neuerdings ermittelte V a ugh am (1890) in einem Käse, dessen Genufs Gastroenteritis hervorgerufen hatte, a new poison und zwar ein Toxalbumin. Der in ab­solutem Alkohol unlösliche Rückstand von 2 kg Käse wurde mit Wasser extrahiert und mit dem dreifachen Vol. absoluten Alkohols ausgefüllt und der Niederschlag auf Thonplatten getrocknet. Ein kleiner Teil dieser Substanz in Wasser gelöst und Katzen subkutan inji­ziert, erzeugte konstant in einer Stunde Erbrechen und Durchfall mit nachfolgendem Kollaps, aus welchem langsame Reconvalescenz eintrat. Weifse Ratten wurden nach intraperitonealer Injektion vollkommen regungs­los bei äufserst frequenter Respiration. Einige starben nach 3—4 Stunden, andere erholten sich nach und nach. Die toxische Substanz wird durch Erhitzen oder Zusatz von Salpetersäure resp. durch Kombination beider Re­aktionen nicht gefällt, giebt aber Biuretreaktion. Bei Sättigung mit Ammoniumsulfat entsteht ein Nieder­schlag, welcher das Gift als Albumose charakterisiert.
Ver giftung durch verdorbene Fleisch-o der Fisch waren.
a) Botulismus. Ptomatropin. Die Existenz eines Fäulnisalkaloides, welches atro-pinartig wirkt (K e r n e r sehe Wurstgiftbase) ist schon seit langem aus den Vergiftungserscheinungen erschlossen worden und wird weiterhin bestätigt durch die Über­einstimmung der chemischen Reaktion dieser Base mit dem Pflanzenalkaloid. Wie Giotto und Spica erwähnen, giebt es Fäulnissubstanzen, denen die Vitalische Atropinreaktion zukommt, weshalb bei der Untersuchung von Kadaverteilen Vorsicht geboten
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ist, da die erwähnten Ptomaine, wie Atropin, aus alkalischer Lösung durch Äther extrahierbar sind. Der Nachweis der mydriatischen Reaktion gewährt auch keinen Anhaltspunkt zur Unterscheidung, da das von Zülzer und Sonnenschein aus macerierten Leichen, sowie aus sechs Wochen bei 25deg; gefaulten Fleischaufgüssen dargestellte atropinartige Alkaloid ebenfalls die Pupillen erweiterte, aufserdem Lähmung der Darmmuskulatur und Steigerung der Herzthätig-keit herbeiführte. Eine Isolierung des Ptoma-tropin ist bisher noch nicht geglückt. Man kennt vorläufig das Grift hauptsächlich nur von seiner Wir­kung her.
Das, was gewöhnlich als Botulismus, Allantiasis oder Wurstvergiftung bezeichnet wird, ist meist eine ganz reine Form der Intoxikation durch Ptomatropin. Besonders gefährlich sind in dieser Beziehung die mit Semmel und Milch zubereiteten Würste, indes kann in Fischfleisch Ptomatropin ebenso entstehen, wie in Corned beef, Schinken oder rohem Fleisch.
Als Hauptsymptome treten auf: Trockenheit im Schlünde, hartnäckige Verstopfung, Unvermögen zum Schlucken und Aphonie (Lähmung der Muskeln des Schlundkopfes und des Larynx), bei schweren Fällen Ptosis, Strabismus und Lähmung des weichen Graumens, Muskelaffektionen, welche bei Atropinvergiftung noch nicht beobachtet worden sind. Ein weiterer Unter­schied gegenüber Atropinvergiftung liegt in dem raschen Schwinden der charakteristischen Pulsbeschleu­nigung (Kobert), was sich durch den Einflufs des meist gleichzeitig vorhandenen Ptomatomuscarin erklärt. Bri eger fand sogar, dafs nicht einmal atropinisierte Frösche sämtlich gegen die Wirkung des Ptomatomus-
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carin wiederstandsfahig waren. Im ferneren Verlauf einer Ptomatropinvergiftung stellt sich hochgradige Schwäche ein, Schwindel, Kopfschmerz, Anästhesie, Taubheit und Kribbeln in den Fingern, meist auch starkes Einziehen der Bauchdecken.
Gewöhnlich kommen Ptomatropin und Ptomato-muscarin in ein und demselben Vehikel vor, bald mit dem Überwiegen der einen, bald der anderen Substanz. So ist bekannt, dafs längere Zeit bei warmem Wetter aufbewahrte Fische, z. B. Schellfische, geräucherte und nicht geräucherte, auch gebratene Heringe gastro-enterische, an Cholera erinnernde Erscheinungen her­vorzurufen imstande sind. (Vorwiegende Ptomatomus-carinwirkuung cf. S. 513.) In gleicher Weise ent­steht aber in eingesalzenen und geräucherten Fischen (Stör, Hering) ein Gift, welches nach einem sehr langen Intervall ganz und gar die oben skizzierten Erscheinungen des Botulismus erzeugt. Der Verlauf der Vergiftung unter vorwiegendem Einflufs atropinartig wirkender Basen gestaltet sich nach dem Ausbruch der Krankheit rapider, als im anderen Falle.
Dafs die Aufnahme verdorbenen Fleisches eben­falls zu Erkrankungen, und zwar unter dem Bilde einer vorwiegenden Ptomatoatropinvergiftung selbst bei Hunden führen kann, lehren zwei von S c h i n -delka beschriebene Fälle. Ein mittelgrofser Ratten­fänger hatte morgens auf der Strafse ein Stück rohes Fleisch, angeblich die Schulter eines Hasen, aufgelesen und verzehrt. In der darauf folgenden Nacht er­krankte der Hund unter Erbrechen und Durchfall und sollen die hierbei entleerten Massen von höchst üblem Geruch und blutig gefärbt gewesen sein. Sehr bald stellte sich auffallende Mattigkeit ein und grofser
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Durst. Auf dem Wege nach seinem Trinkgefafs ver­fehlte das Tier den gewohnten Weg und stiefs an Tisch- und Sesselbeine an. S. fand 20 Stunden nach dem Auftreten der ersten Krankheitssymptome ver­minderte Temperatur der Körperoberfläche, unregel-mäfsigen, schwachen, frequenten Puls (140 p. M.), die Respiration erschwert (52 Atemzüge), die Maulschleim­haut trocken. An den Augen bestand beiderseitige Ptosis, die Konjunktiven waren bleich, die Pupillen ad maximum erweitert, reaktionslos. Der Augenspiegel­befund ergab längs des Verlaufes aller sichtbaren Ge-fäfse im Hintergrunde beider Augen fleckige und streifen-förmige Blutungen, welche die Papillen dicht gedrängt umgaben und an der temporalen Seite des rechten Auges so zahlreich auftraten, dafs die Retina an diesen Partien blutig infiltriert erschien. Über den Ausgang konnte S. nichts in Erfahrung bringen, da der Patient der Behandlung entzogen wurde. Der zweite Fall gleicht diesem fast vollkommen. Ein kleiner Hund war nach einem Ausgange unwohl geworden. Bei dem heftigen Erbrechen entleerte das Tier gröfsere Mengen rohen, übelriechenden Fleisches, vermischt mit Sehnenstücken. Unter häufigen, blutig gefärbten De-fäkationen nahm die Mattigkeit derart zu, dafs das Tier einige Stunden hindurch wie tot hingestreckt lag. Nach wiederholtem Einflöfsen von schwarzem Kaffee mit Cognac besserte sich der Zustand verhält-nismäfsig schnell. Der heftige Durst schwand, am vierten Tage kehrte die Frefslust wieder, es blieb aber bestehen ein taumelnder, unsicherer Gang und ein häufiges, in der Minute 2 —3mal sich wieder­holendes Gähnen. In diesem Zustand, ca. 12 Tage nach der Intoxikation, bekam S. das Tier zu Gesicht.
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Das ganze Verhalten dos Patienten deutete auf eine komplette Blindheit. Pupillen dilatiert, reaktionslos. Die ophthalmoskopische Untersuchung im aufrechten Bilde ergab im Hintergrunde beider Augen sehr zahl­reiche, teils hellrote, teils braunrote, kleinere und gröfsere Blutungen, welche auch hier um die Papillen dicht gedrängt auftraten. Sechs Monate später waren die Spuren der Blutungen in Form graugelber Flecke noch sichtbar, die Grenzen verschwommen. Die Tapeta zeigten sich beiderseits minder intensiv leuchtend, die Eetinalgefäfse leicht verschleiert. Im Glaskörper des linken Auges sind opake Fäden vorhanden. Die Blind­heit besteht unverändert fort. G. Gutmann erwähnt das Vorkommen einer beiderseitigen akuten Ophthal-moplegia exterior bei einem Manne, welcher Gänse­fleisch genossen hatte, das er von einem, bereits zwei­mal wegen Verkaufs von verdorbenem Fleisch bestraften Vorkosthändler erworben hatte. Die Residuen der einige Wochen vorher überstandenen Vergiftung bestan­den in einer Paralyse des M. rectus superior, obliquus inferior und einer Parese der übrigen Augenmuskeln.
Anderseits wird man bei ausgeprägtem Botulismus nicht auf das Fehlen muscarinähnlicher Basen schliefsen dürfen. In Tübingen vermochte man aus Würsten, welche eine schwere typische Ptomatropinvergiftung veranlafst hatten, nur Cholin und Amine (cf. S. 512, Ehrenberg, Nauwerk) darzustellen. Die Isolie­rung der leichter zersetzlichen atropinartigen gelang eben nicht.
Aus den Quecksilberchloridniederschlägen des wässerigen Extrakts faulender Fleischmassen, nach Aus-krystallisieren des Neuridin bewerkstelligte Bri eg er in der von Quecksilber befreiten Fällung, durch Aus-
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kochen mit Tierkohle, Extraktion des eingedampften Filtrats mit absolutem Alkohol und Zusatz von Platin­chlorid den Nachweis einer giftigen, alsVinylcholin erkannten Base. Mittelst derselben Quecksilberfäl­lungsmethode suchten Ehrenberg und Nauwerk Wurstgift in folgendem speziellen Falle zu isolieren.
Durch den Genufs von Würsten, welche aus Fleisch­stucken, Leber, Lungen, Blut und Speck hergestellt, geräuchert und 12 Tage alt waren, erkrankten 20 Stun­den bis drei Tage nachher acht Personen, von denen zwei starben. Die später untersuchten Wurstreste be­fanden sich in ziemlich vorgeschrittenem Fäulnisstadium. Es gelang, aus ihnen darzustellen Indol, Cholin, Neu-ridin (ungiftig), Di- und Trimethylamin und Chlor­ammonium. Hunde, denen Teile der Wurst verabfolgt wurden, erkrankten nicht, womit allerdings noch nicht bewiesen war, dafs die Giftigkeit der Wurst durch die zunehmende Fäulnis sich verringert habe. In einem vorher untersuchtem Falle waren Hunde mit Teilen derselben Wurst, welche beim Menschen heftiges Übel-beiinden veranlafst hatten, gefüttert worden, quot;wonach jede, auch die geringste Erkrankung ausblieb. Nau-werk züchtete aus dem übrig gebliebenen Material einen Gelatine schnell verflüssigenden Bacillus, welcher auf Fleischbrei nach lOtägiger Digestion die gleichen N-haltigen Substanzen lieferte. Eine mit denselben identische Bacillenart fand sich nachträglich im Magen-und Darmkanal von Schweinen vor, so dafs die Ver­mutung nahe lag, die ungenügende Reinigung der Wursthäute sei die indirekte Veranlassung zur Entwick­lung der Wurstgifte gewesen.
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b) Ichthysmus.
Wie erwähnt, kann die Vergiftung durch Fisch­fleisch unter dem Bilde des Botulismus mit Vorherr­schen atropinartiger Vergiftungssymptome bestehen.
Eine zweite Form bietet sich dar unter dem Bilde einer Muscarintoxikation.
Ftomatomuscarin.
Faulendes Fischfleisch kann thatsächlich Muscarin enthalten. Dasselbe ist von Brieger auf folgende Weise dargestellt worden. Das mit Salzsäure schwach angesäuerte Extrakt wurde mit Quecksilberchlorid ver­setzt, der entstandene Niederschlag, welcher eine Base einschlofs, deren Platinsalz 36,03 pCt. Pt. enthielt, abfil­triert. Das FiltratderQuecksilberfällung lieferte Äthylen-diamin. Die Mutterlauge des als Platinverbindung aus­gefällten Diamin schied beim Einmengen auf dem Wasserbade Krystallaggregate von oktaedrischer Form aus, die sich durch Analyse und physiologische Prü­fung der freien Base als Muscarin ergaben.
Bei der Seltenheit der Muscarinvergiftungen sei ein durch v. S o b b e mitgeteilter Fall erwähnt, welcher wohl hierher zu rechnen ist. Ein Hauptmann a. D. hatte von dem gelbgrünen Bauchlappen eines Kabel­jau gegessen, trotz des stark bitteren Geschmacks. Bei der darauf folgenden Erkrankung traten besonders hervor die auf 14 Schläge p. M. verminderte Puls­frequenz (10 Stunden nach der Mahlzeit, am andern Morgen 16, abends 26 Pulse), verengte Pupille, Er­stickungsgefühl, vermehrte Speichelsekretion etc.
Es erübrigt noch, eine dritte Form der Fisch­vergiftung zu erwähnen, welche sich durch eine exqui­site Hautaffektion hervorhebt.
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;33
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Diese wird geradezu als exanthematische be­zeichnet und charakterisiert sich durch das Auftreten von Urticaria oder anderer, meist stark juckender, später gewöhnlich abschuppender, vesikulöser, häufiger maku-löser Ausschläge. Die Mehrzahl der Fische, durchweiche diese Erkrankungsform bedingt wird, zählen zur Fa­milie der Scomberidae (makrelenartige Stachelflosser), deren Angehörige sich durch die aufserordentliche Leich­tigkeit, in Fäulnis überzugehen, charakterisieren. So­wohl jene auf den Darm, als die auf die Haut wirkende Substanz scheint unter dem Einflufs einer sehr raschen Fäulnis bei hoher Temperatur sich zu bilden, während der atropinartige Körper unter dem Einflufs allmäh­licher Zersetzung entsteht.
Fleisohmehl und Trockenfleisch.
Uhlig berichtet über eine Vergiftung von 12 Schweinen, welche nach Beigabe kleiner Quantitäten von Blut- und Fleischmehl zum Futter entstand. Ob dieselbe auf basische Zersetzungsprodukte zurückzu­führen ist, läfst sich nicht beurteilen, da eine Unter­suchung des schädlichen Materials nicht vorgenommen wurde und eine nähere Beschreibung des Verlaufes fehlt. Sämtliche 12 Tiere erkrankten, zwei verendeten ziemlich plötzlich, drei mufsten notgeschlachtet werden. — Fleisch in getrocknetem Zustand dient nicht nur als Nahrungsmittel für Hunde, sondern in Südeuropa auch für die ärmere Bevölkerung. Ein österreichischer Beamter, welcher infolge einer Wette 400 g von der­artigem, penetrant ranzig riechendem, gekochtem Fleisch verzehrt hatte, erkrankte unter den Symptomen von Benommenheit, blutigem Erbrechen und Durchfall. Karl in ski fand in den Resten den Bacillus enteritidis (cf. S. 518).
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Fleisch von kranken Tieren.
Strebel berichtet von Erkrankungen, welche bei Menschen und Tieren nach Genufs von Fleisch ein­traten, das von einem umgestandenen Pferde herrührte. An welcher Krankheit das Pferd gelitten hatte, liefs sich nicht ermitteln, es ist aber konstatiert, dafs das Kadaver bei einer hohen Lufttemperatur meh­rere Stunden gelegen hatte, ehe es geöffnet und aus­geweidet wurde. Die Personen, welche von dem Fleisch genossen hatten, erkrankten mehr oder weniger heftig an Kolik und Durchfall, genasen aber sämtlich wieder. Ein vier Monate altes Kalb, welches Gemüsereste erhielt, die mit dem Pferdefleisch zusammen gekocht waren, acquirierte einen sehr heftigen Durchfall und stand am siebenten Tage um. Gleichzeitig mit dem Kalb verendete eine jüngere Katze, eine ältere erholte sich. An anderen Stellen erkrankten ferner zwei Hunde und eine Katze; letztere starb. An einem dritten Ort zeigte ein Kalb Vergiftungssymptome, genas aber. Das Fleisch war durch einen sogen. Winkelmetzger in den Verkehr gebracht worden.
a. Metritis. Wiederholt ist die Beobachtung gemacht worden, dafs das Fleisch von Kühen, welche nach dem Kalben an Gebärmutterentzündung litten, die mit gänzlichem oder teilweisen Zurückbleiben der Nachgeburt ver­bunden war, nach dem Genüsse Vergiftungssymptome (Erbrechen, Durchfall etc.) bei Menschen hervorrief, selbst wenn die Krankheit des Tieres nur einige Tage bestanden hatte. Das Fleisch ist leichter dem Verderben aus­gesetzt und hält sich besonders schlecht, wenn es an einem warmen Ort aufbewahrt wird. In weniger aus-
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gebildeten Fällen sieht dasselbe tadellos aus und wirkt dennoch schädlich. Nur die Leber und die Milz findet man gewöhnlich geschwollen, mit subperitonealen Blutaustretungen versehen, das Leberparenchym mit schmutzig-gelben Herden durchsetzt. Das Fleisch ent­wickelt beim Kochen meist einen leichten, üblen Ge­ruch, wie nach faulender Nachgeburt.
Eine Kuh war an einer intensiven Gebärmutter­entzündung (putriden Metritis) erkrankt gewesen, infolge dieser Krankheit umgestanden und, wie es sehr häufig vorkommt, nachträglich gestochen und als geschlachtet ausgegeben worden. Das Fleisch hatte der Gemeinde­vorstand desselben Ortes im Notschlachtscheine für ge-niefsbar erklärt. Der Vertrieb des Fleisches geschah zum Teil im Orte selbst. Da infolge des Genusses solchen Fleisches häufige Erkrankungen unter den Bewohnern dieser Gegend auftraten, war dieses Vorkommnis zur Anzeige gelangt. Die Erkrankungen hatten sich ge­wöhnlich 2—3 Tage nach dem Genüsse solchen Fleisches eingestellt und äufserten sich zunächst in grofser Müdig­keit, Eingenommenheit des Kopfes, Übelkeit und gänz­licher Appetitlosigkeit. Bei sehr vielen Personen er­folgte starkes Erbrechen und Diarrhöe. Nebenbei klagten dieselben auch über grofsen Durst, Schmerzen in den Gliedern und besonders über solche im Kreuz. Die Intoxikationen waren sowohl nach dem Genüsse rohen, als auch gekochten Fleisches eingetreten, im letzteren Falle weniger heftig und weniger anhaltend. Gestorben ist keine Person, doch sind einige Erkrankungen ziem­lich bedenklich gewesen. Die Krankheitsdauer erstreckte sich meist auf 3—5 Tage, Es sind über 120 Erkran­kungen bekannt geworden (Koni g).
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b. Enteritis.
Auf einem Gute bei Frankenhausen war eine Kuh unter den Erscheinungen eines intensiven Durchfalls erkrankt und notgeschlachtet worden. Die Besich­tigung ergab aufser einer stellenweisen Rötung des Dünndarmes keinen auffälligen Befund, das Fleisch wurde als genufsfähig erklärt.
Ein 21 jähriger Arbeiter, welcher 800 g des rohen Fleisches mit Pfeffer und Salz genofs, erkrankte zwei Stunden darauf mit Erbrechen und Durchfall und ver­starb nach36 Stunden. Die Obduktion zeigte eine Entzündung der dünnen Därme mit Schwellung des Follikelapparates; das teils flüssige, teils geronnene Blut war teerfarben. Aufser diesem tödlich verlaufenden Falle wurden binnen fünf Tagen noch 12 Erkrankungen von Personen beobachtet, welche gleichfalls von dem rohen Fleisch genossen, und 36 Erkrankungen bei solchen, welche das Fleisch gekocht oder nur als Suppe zu sich genommen hatten. Die Schwere der Erschei­nungen richtete sich nach der Menge des genossenen Fleisches. Die Symptome bestanden vorwiegend in einem Magen- und Darmkatarrh, in schweren Fällen ver­bunden mit grofser Mattigkeit und Schlafsucht. Die Rekonvalenscenz war bei den leichten Fällen eine schnelle, bei den mittleren erforderte die Genesung ein bis zwei Wochen, bei den schweren bis zu vier Wochen. Fast bei allen intensiver affizierten Personen kam es zu einer Abschälung der Oberhaut und zwar jener der bedeckten Körperstellen und gleichzeitig mit der ver­hornten Epidermis an den Händen und Füfsen.
Gärtner hat nun in einigen dem hygienischen In­stitut zu Jena eingesandten Proben, sowohl in dem be­treffenden Kuhfleisch (innerhalb der Blutgeföfse), wie in
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der Milz des verstorbenen Arbeiters eine bestimmte Bakterienart mikroskopisch und durch Kulturverfahren nachweisen können. Es handelt sich um kurze, be­wegliche Stäbchen, welche auf Nährgelatine und den anderen üblichen Nährmedien gut gedeihen, die Anilin­farbe annehmen, nach der Gram sehen Methode jedoch nicht zu färben sind. Diese Bakterien wurden aus der Milz gezüchtet, obwohl letztere vier Tage in Alkohol gelegen hatte.
Die gefundene Mikroorganismenart, von Gärtner mit dem Namen „Bacillus enteritidisquot; belegt, erwies sich für Mäuse bei Verfütterung, wie bei subkutaner Aufnahme pathogen. Ebenso erfolgreich waren die subkutanen und intraperitonealen Impfungen bei Kanin­chen und Meerschweinchen, bei welchen gleichfalls, abgesehen von lokalen Veränderungen an der Impf­stelle, stets Darmentzündung hervorgerufen wurde. Bei zwei Hunden, einer Katze, einem Huhn und einem Sperling fielen die Infektionsversuche negativ aus.
Durch eine weitere Reihe von Versuchen wurde der Nachweis geführt, dafs der Bacillus enteritidis toxisch wirkende Produkte erzeugt, welche der Siede­hitze widerstehen. Wurde gutes Kuhfleisch mit den reingezüchteten Organismen infiziert, so konnte mit dem abgekochten Fleisch und mit der sterilisierten Brühe bei Kaninchen, Meerschweinchen und Mäusen Krankheit und Tod hervorgerufen werden. Die pathologisch-anato­mischen Veränderungen waren dann die nämlichen, wie bei den infizierten Tieren und bei der Leiche des verstorbenen Arbeiters.
c. Mastitis.
In Cotta und dessen Umgebung erkrankten 136 Personen nach Genufs des Fleisches einer Kuh, welche
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wegen Euter en tzündung geschlachtet worden war. Vier der Patienten starben. Die Vergiftungssymptome be­standen in Leibschmerz, Übelkeit, Brechneigung, Er­brechen und Durchfall, Kopfschmerz, Unruhe oder Schlafsucht und unstillbarem Durst. Die Kranken waren sehr hinfällig, hatten hohes Fieber (bis 40,4deg;) und durchgehends kleinen, beschleunigten Puls. Pupillen überwiegend dilatiert. In der Mehrzahl der Fälle, namentlich in denen mit tödlichem Ausgang, war das Fleisch roh verzehrt worden, indes gab auch gebra­tenes Fleisch und Fleischbrühe zu Erkrankungen Ver­anlassung. Die betreffende Kuh hatte plötzlich Futter-und Getränkaufnahme verweigert. Die Milchsekretion hörte auf und das Euter schwoll einseitig an. Da der Zustand trotz eingeleiteter Behandlung sich verschlim­merte, erfolgte die Schlachtung. Das Fleisch zeigte ein gutes Aussehen und passierte unbeanstandet, ob­wohl es bekannt war, dafs die Kuh an schwerer, fieber­hafter Mastitis gelitten hatte. Johne stellte an Aus­strichpräparaten aus dem Fleisch das Vorhandensein einer Bakterienart und grofser, runder Kokken fest. Das Bakterium hält J. für vollkommen identisch mit dem Bacillus enteritidis, Gärtner, welcher sich eben­falls an der Untersuchung beteiligte, spricht von einem dem B. enteritidis morphologisch ähnlichen Mikroorga­nismus, den er im Knochenmark geradezu in Reinkul­tur konstatierte. Im Gegensatz zu dem Befunde bei der Kuh aus Frankenhäüsen lagen die Bacillen, wie beide Untersucher übereinstimmend berichten, nicht in den Blutgefäfsen, sondern zwischen den Muskel-fibrillen vereinzelt oder in Nestern.
Lunge, Magen und Fleischteile der Kuh, welche in Cotta von Hunden verzehrt worden waren, übten auf
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diese Tiere keinen schädlichen Einflufs aus, ebenso­wenig Verfütterung von 250 g frischen, gesunden Rind­fleisches, welches Johne mit Reinkulturen vermengt und 24 Stunden im Brütofen aufbewahrt hatte. Eine Katze, welche in Cotta nach dem Genufs des gesundheitsschädlichen Fleisches erkrankt, aber wieder genesen war, verweigerte die Aufnahme des infizierten Fleisches. Die Hunde, jungen Katzen und Hühner, mit denen Gärtner Fütterungsversuche anstellte, blieben ebenfalls gesund, nur Mäuse gingen auf Fütte­rung mit dem Cottaer Fleisch und Impfungen mit Reinkulturen ein. Gekochtes Fleisch resp. die Fleisch­brühe verursachten bei Mäusen, Meerschweinchen und Kaninchen im Gegensatz zu dem Frankenhauser Fall keine Vergiftung. Johne injizierte in die Milchcysterne einer Kuh eine Bakterienkultur und erzeugte hier­durch eine schwere, fieberhafte Entzündung mit par­tieller Nekrose des Euters.
IX. Toxalbumine.
A. Fräformierte tierische Toxalbumine.
Ichthyotoxin.
Eine bisher nur auf experimentellem Wege erzeugte Art der Fischvergiftung wird veranlafst durch die von Hause aus giftigen Fische. Versuche von A. Mosso und Springfeld beweisen die Giftigkeit des Serum der Muraena, der Congri und speziell
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unseres gewöhnlichenFlufsaales Anguilla vulgaris. Das vom Blutkuchen abgehobene Serum des letzteren ist bei durchfallendem Licht gelb, im auffallenden smaragd­grün, besitzt spezifischen Fischgeruch, etwas reizenden Geschmack und neutrale Reaktion.
Kaninchen, denen 0,75 g und mehr Serum in die Bauchhöhle injiziert wurden, zeigten zunächst gestei­gerte Respirationsthätigkeit, darauf höchste Dyspnoe.
Die Tiere sind bald nach Eintritt der Giftwirkung sehr unruhig, laufen ängstlich hin und her, reagieren auf äufsere Insulte auffallend rasch und kräftig. Fibril-läre Muskelzuckungen steigern sich bis zu klonischen Krämpfen einzelner Glieder und allgemeinen tetanischen Anfällen.
. Charakteristisch für das Stadium höchster Reizwir­kung ist die Schwere und Ataxie der Bewegungen der hinteren Extremitäten. Die Willensbeeinflussung der Muskulatur ist deutlich herabgesetzt, die Tiere suchen durch ihre Körperhaltung die Hinterbeine möglichst zu entlasten. Die sensoriellen Funktionen erschienen in allen Fällen nicht beeinträchtigt, die Sensibilität erhöht. — Unter zunehmender Steigerung der Puls­frequenz und Energie der Herzkontraktionen ent­wickelt sich starke Erweiterung der peripheren Gefäfse, das Tier fühlt sich auffallend warm an, hei normaler Rektumtemperatur. Fast immer tritt bald nach der Injektion fast ununterbrochene Harn- und Kotentlee­rung ein.
Sobald das Maximum der Erregung erreicht ist, entwickelt sich ziemlich jäh ein Nachlafs derselben mit allgemeiner Prostration. Puls, Temperatur und Atemfrequenz sinken ab, die Haut wird kalt, die Pu­pillen verengern sich. Zunehmende Müdigkeit und Hin-
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Mligkeit, Abnahme von Sensibilität und Motilität, die indes nie zu völliger Anästhesie und Lähmung führte, gingen dem Erlösehen der Atmung voran. Der Tod stellte sich ohne Krämpfe ein, oft erst nach einigen Stunden. Die Totenstarre folgte verhältnismäfsig rasch.
Die Sektion ergab teerfarbiges, nicht gerinnen­des Blut und umfangreiche Blutergüsse in Magen und Darm.
Springfeld weist auf die auffallende Ähnlich­keit der von ihm beobachteten Vergiftungserscheinungen mit den von W o 1 f u. a. nach Einführung des Giftes von Seesternen und Miefsmuscheln wahrge­nommenen hin. Bei letzteren fand Brieger das Mytilotoxin, C6H15N02, als Vergiftungsursache auf, A. Mosso stellt das Muraenidengift in Parallele mit dem Schlangengift, was insofern Berechtigung hat, als das „Ichthyotoxicumquot; vom Magen aus nicht wirkt. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Eiweifskörper, denn einmal auf 100deg; erhitzt, geht die Giftigkeit des Serums (nicht aber die Fluorescenz) verloren, wobei es seinen herben, brennenden Geschmack einbüfst. In 90 pCt. Alkohol ist das Gift unlöslich.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,
Ein Hund wird durch 0,021 g p. KK. getötet, eine Quantität, welche der dreifachen tödlichen Menge des Viperngiftes gleichkommt. — Das Blutserum der Warmblüter wirkt nachRummo auf nicht verwandte Tierklassen in gröfseren Mengen ebenfalls quot;giftig.
Vogelblut, in einer Quantität von 7 g p. KK. einem Kaninchen intraperitoneal beigebracht, tötet das Tier (Höricourt und Riebet).
Tetrodougift.
Nach Takahashi und Inoko wirkt ein haupt­sächlich in den Ovarien lokalisiertes Gift (jap. Fugu)
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der Tetrodonarten auf Kalt- und Warmblüter töd­lich. Dasselbe wird durch Kochen nicht zerstört, gehört demnach nicht zu den fermentartigen Eiweifskörpem, ist aber auch keine organische Base. Es wirkt läh­mend auf die Centren der Medulla oblongata und die peripheren Nervenendigungen. Das Froschherz über­lebt. Das durch Alkohol extrahierbare von Tetrodon rubripes verursacht nach den Untersuchungen von Miura und K. Takesaki bei Kaninchen Tod regel-mäfsig durch Sistierung der Respirationsthätigkeit mit Paralyse der Skelettmuskeln. Nebenbei Mydriasis und gesteigerte Peristaltik konstatiert.
Schlangengifte.
Bei einer Anzahl von Schlangen liefert die Pa-rotis ein Sekret, dessen Wirkung sich bei den verschie­denen Spezies der Giftschlangen nur in Bezug auf die Intensität unterscheidet, so dafs die Annahme von einer allen gemeinsamen toxischen Substanz gerechtfertigt ist.
In Deutschland kommt fast ausschliefslich die Kreuzotter Pelias (Vipera) berus in Frage, im süd­lichen Europa die Nashorn- oder Asp is viper, Vipera aspis s. Redii und die Sandviper Vipera ammodytes.
Von sonstigen Giftschlangen sind erwähnenswert die Hornviper, Vipera cerastes, in Ägypten, von den Crotaliden Crotalus durissimus und Crotalus horridus, in Amerika einheimische Klapperschlangen; Bothrops (Trigonocephalus) lanceolatus, die auf den Antillen lebende Lanzenschlange; von den Elaphiden Naja tripudians (Cobra de capello), Brillenschlange, in Ostindien Naja haje, afrikanische Aspis, von den Hydrophidae Hydrophis chloris an den Küsten des indischen und stillen Oceans.
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Das Gift entleert sich aus den im Oberkiefer befind­lichen Giftzälmen beim Bifs durch Kontraktion der von den Ausfühnmgsgängen der Giftdrüsen durchsetzten Kaumuskeln und bildet frisch eine klare oder bernstein­gelbe, neutral oder sauer reagierende Flüssigkeit von sehr bitterem Geschmack und glyzerinähnlicher Konsi­stenz mit ca. 20—30 pCt. Trockensubstanz. Gefrieren oder einige Minuten hindurch fortgesetztes Kochen ändert an der Wirksamkeit nichts, Fäulnis nur wenig, nur ein durch Stunden fortgesetztes Kochen zerstört die Giftwii-kung. Im eingetrockneten Zustand büfst es an Wirksamkeit insofern ein, als die Lokalwirkung mehr oder weniger fehlt und die Hämorrhagien an den inneren Organen weniger ausgesprochen sind. In den Tropen benutzen die Eingeborenen das in Sand aufgefangene und mit Gummi versetzte Sekret, welches im getrockneten Zustande sich jahrelang wirksam hält, als Pfeilgift (sog. Hayagift des Handels). Das Gift der Krotaliden ist dialysierbar (H e i d e n s c h i 1 d).
Bonaparte gelang es, aus dem Rohmaterial durch Fällung mit starkem Alkohol einen eiweifsartigen Kör­per, das Viperinoder Echidnin zu erhalten, welches gleiche Giftwirkung zeigte als das Sekret, analog ver­halten sich Co brain (Winter-Bly th), Crotalin, Najin, Elaphin (Weyr-Mit chell). Nach Cal-m e 1 s ist in allen diesen und ähnlichen Giften die eigent­liche toxische Substanz neben dem Methylcarbyl-a m i n, C=N — CH3, das kohlensaure Methylkarbylamin oder Isocyanessigsäure, C=N —CH2 — COOH. Letztere soll sich in den Zellen der Giftdrüsen durch Einwirkung von Ameisensäure auf Glykokoll in statu nascendi bilden. Das Methylkarbylamin wirkt eminent giftig. Kaninchen, welche seine Dämpfe nur einige
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Sekunden einatmeten, stürzten sofort aufschreiend zu Boden und starben nach einigen Konvulsionen.
Die Wirkung des Schlangengiftes tritt schon in aufserordentlich geringen Mengen ein. Von der Trockensubstanz des Sekretes führen p. KK. bei Fröschen 50 Mg., bei Ratten 20 Mg., bei Hunden und Katzen 9 Mg., bei Tauben 7 Mg. den Tod herbei.
Lokale Veränderungen, von derBifs- oder Injektions­stelle ausgehend, sind meist vorhanden, aber nach der Spezies verschieden. Nach dem Bifs der Krotaliden beobachtete man häufig lokales Gangrän, nach dem der Viperiden ausgedehnte ödematöse Schwellung, die zuweilen über den ganzen Körper fortschreitet. Das an sich viel stärkere Gift der Elaphiden und Hydrophidae ruft nur geringe lokale Erscheinungen hervor. Anästhe­sie macht sich nicht bemerklich, vielmehr ein oft tagelang anhaltender brennender Schmerz, welchen die Tiere durch Reiben mit den Pfoten (bei Bifswunden am Kopf), Unruhe, Winseln etc. zu erkennen geben. Im weiteren Verlauf stellen sich Zittern, Hinfälligkeit, bei Pferden und Rindern Lahmgehen, Taumeln, stark beschleunigter, zuletzt unfühlbarer Puls und Atembeschwerden ein. Er­brechen (bei Hunden), Blutharnen und blutige Kotentlee­rungen gehören nicht zu den Seltenheiten. Fieberhafte Temperatursteigerung meist vorhanden. Der Tod erfolgt auf der Höhe des Allgemeinleidens durch Synkope oder asphyktisch nach 20—30 Stunden unter Temperatur­abnahme.
Genesung kommt vielfach auch ohne Medikation vor, namentlich dann, wenn die Schlange bereits vor­her gebissen hatte. Nach sehr wenigen kräftigen Bissen ist der Giftvorrat erschöpft. Karl in ski sammelte von vorgehaltenen Hartgummiplatten in einer Viertel-
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stunde 3—5 ccm. Die Ausscheidung des Giftes erfolgt durch die Nieren. Durch einen Cubikcentimeter Urin vergifteter Hunde wird ein Frosch nach 24 Stunden total gelähmt, welcher Zustand vier Tage andauern kann (Ragotzi).
Bei der Obduktion durch Injektion von frischem Schlangengift getöteter Tiere fand M. Kaufmann lokale Veränderungen, bestehend in einer violettfarbigen oder schwärzlichen Anschwellung, veranlafst durch blutig seröse Extravasate. Auch in der Magen- und Darmschleimhaut, im Gekröse, in den Nieren, der Leber, dem Endocardium, der Blase und in den Mus­keln finden sich gleichfalls Hämorrhagien. — Die schwer­sten Veränderungen betreffen das Blut. Die Blut­körperchen verlieren ihre bikonkave Form, werden bi­konvex resp. kugelig. Nach mehreren Stunden erfolgt, wenigstens nach Naja-Gift (Ragotzi), vollständige Auflösung der roten Blutkörperchen. Die Zahl der Leukocyten geht bis auf Va oder 1U der ursprünglichen Menge zurück (W. Heidenschild). Obwohl die Gerinnungstendenz des Blutes im allgemeinen ver­mindert erscheint, gehören Thrombenbildungen zu den regelmäfsigen Vorkommnissen. Konstant finden sich Thrombosen im Lungengebiete. Eine spezifische primäre Lähmung cerebrospinaler Centren ruft das Schlangen­gift nicht hervor. Tritt eine solche auf, dann ist sie wohl nur sekundärer Natur, d. h. die Folge schwerer Cirkulationsstörungen im Gebiet des Hirns oder Rücken­marks.
Dagegen läfst sich der diastolische Herzstillstand, wie er bei Einwirkung kleiner Giftmengen bezw. ge­ringer Giftkonzentration zu stände kommt, auf Läh-
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mung der motorischen Herzganglien zurückführen (keine Vagusreizung).
Injektion in ein isoliertes Blutgefäfs hat Lähmung der von dem Gefafs versorgten Muskulatur zur Folge, welcher Zustand bei starken Dosen sich auch am Herz­muskel geltend machen kann, gefolgt von rascher Totenstarre („systolischerquot; Stillstand). Tritt der Exitus nicht durch frühzeitige Herzlähmung ein, dann machen sich Lähmungserseheinungen am Zwerchfell und den übrigen Respirationsmuskeln gewöhnlich früher bemerk­bar, als an den Extremitätenmuskeln.
Die künstliche Respiration, welche eine Zeitlang für die Behandlung empfohlen wurde, ist nach den Ergebnissen der Untersuchungen des Calcutta-Comit^ nicht im stände, lebensrettend zu wirken. Nach Mit­teilungen von Roussy wird die toxische Wirkung des Schlangengiftes aufgehoben durch Zusatz von Na­triumkarbonat und Atzalkalien. Therapeutisch sind die Alkalien aufser Ammoniak, welches zur lokalen Applikation auf die Bifswunde (Injektion geringer Quantitäten) Anwendung fand, noch nicht geprüft. Bewährt haben sich oxydierende Mittel. So ist z. B. Chromsäureinjektion in 1 pCt. Lösung im stände, bei Hunden und Kaninchen die bereits eingetretene Giftwirkung aufzuheben, und vermochte Karlinski mittelst einer 10 pCt. Chromsäurelösung, welche er in die Umgebung einer beim Menschen durch Schlangen-bifs verursachten Wunde injizierte, die schon vorhan­denen Vergiftungssymptome (1'4 Stunde nach dem Bifs) zu beseitigen. M. Kaufmann zieht 1 pCt. Kaliumpermanganatlösung (vier Injektionen von je drei Tropfen um die Bifsstelle) der Chromsäure noch vor; die Injektion oder Spaltung der Wunde mit nachfolgen-
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dem Auswaschen mit Permanganatlösung gewährt ziem­lich sicheren Schutz, wenn nicht mehr als 1/a Stunde nach dem Bifs verflossen ist. Ligatur zwischen Bifs-stelle und Herz, ca. 4—6 Stunden andauernd, daneben anzulegen. Zur Hebung des gesunkenen Blutdrucks Injektion von Kampher, Äther. Innerlich Alkoholica. Manche Tiere gelten als immun, so z. B. der Kranichgeier (Gypogeranus serpentarius), das Schwein und der Igel. Bezüglich des letzteren haben die von Kaufmann ausgeführten Injektionen das Unhaltbare dieser Ansicht klargelegt. Nichtsdestoweniger bekämpft der Igel die Giftschlange mit Erfolg. Er greift die­selbe mit eingezogenem Kopf an, läfst durch wieder­holte Bisse nach seiner Stachelhaut den Giftvorrat sich erschöpfen, durchbeifst alsdann die Wirbelsäule und verzehrt den Kopf, nach und nach auch die übrigen Teile der Schlange.
Bienengift.
Über das Gift, welches die der Gattung Apis, Honigbiene, Bombus, Hummel, Hylocopa, Holz­biene, Vespa in ihren im Hinterleibe gelegenen Gift­drüsen produzieren, ist wenig bekannt. Das Sekret ist wasserhell und reagiert infolge von Anwesenheit freier Ameisensäure sauer. Anscheinend sind auch noch andere, den Leukomainen zuzurechnende toxische Sub­stanzen (Toxalbumine) vorhanden.
Die durch Stich verletzten Stellen schwellen beulen-förmig an, sind stark schmerzhaft und vermehrt warm. Liegen viele Stichwunden nahe aneinander, so kommt es zu hochgradigen, entzündlich ödematösen Anschwel­lungen und Allgemeinerscheinungen, welche sich aus­prägen in fieberhafter Temperatursteigerung, beschleus
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nigtem Puls, frequenter Atmung, schliefslich Respira­tionsparalyse resp. Herzlähmung. In nicht tödlichen Fällen dauern die Reizerscheinungen 10 —15 Stunden an und verlieren sich in etwa drei Tagen gänzlich. Mitunter besteht darüber hinaus ein heftiger Juckreiz, welcher die Tiere zu anhaltendem Scheuern veranlafst, wodurch sekundäre eiterige Prozesse eingeleitet wer­den können. Werden die Tiere von Bienenschwärmen überfallen, so kann der Tod innerhalb 6—10 Stunden eintreten, wie Fünfstück und Hable dies bei je zwei Pferden beobachteten. Bei der Obduktion der gefallenen fand sich sehr dunkles Blut, Blutextravasate unter der Haut und dem Endokardium, enorm ver-gröfserte, schwarz aussehende, mit dunklem, teerartigen Blut überfüllte Milz, mürbe, lehmfarbige Leber, das Herz schlaff, die Höhlen desselben mit Blut überfüllt, seine Muskulatur mürbe, wie gekocht, ebenso die Skelettmuskeln. Lange sah sechs Gänse an den Folgen von Bienenstichen verenden.
Da an ein Entfernen der zurückgebliebenen Stachel nicht zu denken ist, so wird man durch lokale sympto­matische Behandlung (Kühlen mit Wasser, Äther-Kokaininjektionen) dem intensiven Juckreiz begegnen. Tracheotomie, falls Schwellungen der Respirationswege ein mechanisches Atmungshindernis bilden. Analeptica bei drohendem Kollaps.
Dipterengifte. Tsetse. Südlich wie nördlich vom Zambesi kommt eine für die Haustiere höchst giftige Fliege vor, die Tsetse­fliege, an deren Stichen die Tiere in kürzerer oder längerer Zeit zu Grunde gehen.
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 34
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Der Afrikareisende Holub nimmt an, dafs sich die Rinder der dortigen Gegend an das Gift dieser Fliege wohl akkommodieren, aber unter dem Einfluss desselben in ihrem Wachstum zurückbleiben. Dies gilt auch für andere Tiere. Die Matoka vermögen thatsächlich nur verkümmerte Schafe, Ziegen und Hunde in dem Tsetse - Gebiete zu züchten. Das Fleisch der gefallenen Tiere ist derart ödematös, dafs wässerige Flüssigkeit abtropft. Unter der Haut und den oberflächlichen Muskelschichten befinden sich hand-flächengrofse, aus dünnflüssigem, gelblich braunem Serum bestehende Exsudate, vermutlich Originalbifsstellen, von welchen das giftige, die roten Blutkörperchen zerstö­rende Agens eingedrungen ist. Das Fleisch wird von den Eingeborenen ohne nachteilige Folgen verspeist.
Simulia.
Ähnliche Wirkungen ergeben die Stiche der (grauen) Columbaczer Mücke (Simulia maculata s. columbac-zensis). Dieselbe verbreitet sich Anfang Mai in Schwär­men von den unteren Donaugegenden über den Osten Deutschlands, mitunter bis Sachsen und Brandenburg, und überfallt Weidetiere derart, dafs oft die Haut voll­ständig von ihnen bedeckt wird. Sie kriecht in alle zugänglichen Körperöffnungen, bis in die Trachea, über­all juckende und schmerzende Stiche hinterlassend, welche starke, ödematöse Schwellung und nicht selten (durch Glottisödem) in wenigen Stunden Erstickung bedingen. Selbst die nur äufserlich zerstochenen Tiere können unter grofser Hinfälligkeit, hochgradigem Fieber, beschleunigter Herzaktion und Konvulsionen in 24 Stun­den zu Grunde gehen. Erfolgt der Tod nicht, so mil­dert sich der lokale, heftige Juckreiz nach 3—6 Tagen und im Verlauf von 1—3 Wochen verschwinden auch
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die Anschwellungen. K1 eb b a konstatierte bei Rindern starke diffuse Rötung der Schleimhaut des Dünndarms und Myocarditis. — Die (braune) Kriebelmücke, Simulia omata,*) veranlafst bei Pferden und Schafen, welche in Wäldern oder in der Nähe derselben sich aufhalten, lokale, entzündliche Schwellungen an Hals und Brust, besonders am Euter, am Schlauch bei Schafen an den Ohren. Tödlichen Verlauf beobachtete M ü 11 e r bei Rindern. Von 170 Erkrankten starben 26. Bei der Behandlung ist die ödematöse An­schwellung am Halse der Rinder im Auge zu behalten, welche durch ihre Ausdehnung gefährlich werden kann und bisweilen die Tracheotomie nötig macht. Als Vor­beugemittel bewährte sich Tabaksdekokt (in Serbien be­nutzt), ebenso Petroleum. Die einzelnen Tiere sind nach M. jeden Morgen mittelst eines petroleumgetränkten Lappens derartig zu überstreichen, dafs die Haare schwachen Glanz zeigen, worauf Erkrankungen ausblieben.
ß. Präformierte pflanzliche Toxalbumlne
(Ricin, Abrin, Robin (E. Merck) S. 60, 66, 67).
C. Toxine und Toxalbumine pathogener Schlzo-myzeten etc.
Cholera.
Von den Stoffwechselprodukten der Cholerabacillen sind bisher als giftig wirkende Substanzen isoliert worden:
*) Am Mississippi erliegen in manchen Jahren Hunderte und Tausende der verschiedensten Haustiere den Stichen von S. meridionalis und S. pecudis (Webster).
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Tetra- und Pentamethylendiamin, Methyl-guanidin, eine Base unbekannter Konstitution, C3H8N2, ferner I n d o 1. Der letzgenannte Körper hat die Eigenschaft, durch Mineralsäuren bei Gegenwart von Nitriten, welche in den Kulturen durch Oxydation von Ammoniak sich bilden, Rotfärbung zu geben. Diese „Cholerareaktionquot; ist übrigens nicht auf Cholerakulturen beschränkt. Man erhält dieselbe auch durch Bacillen der Kaninchensepticämie, der Schweinediphtherie, der Schweineseuche, der Schweinepest ( P e tr i), der Kälber-pneumonie, durch Proteus vulgaris, mirabilis, olens, fluo-rescens und verschiedene Fäcalbakterien. Die erwähnten Basen stellen aber noch nicht diejenigen toxischen Sub­stanzen dar, auf deren Wirkung die eigentlichen Cholerasymptome zurückzuführen sind, wahrscheinlich handelt es sich nur um Spaltungsprodukte von Eiweifs-körpern, denen z. T. eminent toxische Eigenschaften zu­kommen. Aus Kulturen unter Luftzutritt isolierte B r i e -ger und C.Frankol eine Eiweifssubstanz, das Cho-leratoxalbumin, welches Meerschweinchen in 2—3 Tagen tötet, bei Kaninchen aber keine Eeaktion ver­ursacht, Petri einen als Toxopepton bezeichneten, peptonartigen Körper, welcher durch Siedehitze nicht zerstört wird. Das eigentliche, unter Sauerstoffab-schlufs im Darm sich entwickelnde verheerende Gift scheint von H u e p p e und H. Scholl gefunden zu sein. S. gewann aus Eiern, welche er mit Calcuttakulturen geimpft und 18 Tage bei 360 aufbewahrt hatte, durch Ausfällen mit Alkohol, Extraktion des Niederschlages mit Wasser von 40 0 und erneutes Ausfällen mit Äther-Alkoholmischung eine weifse, voluminöse Masse, das Cholerapeptotoxin. Von diesem Körper genügt eine minimale Quantität, in wässeriger Lösung einem Meerschweinchen intraperitoneal injiziert, um sofortige
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totale Lähmung herbeizuführen. Die Tiere liegen einige Zeit völlig reaktionslos da, worauf sich rhythmische Zuckungen der Extremitäten und des Kopfes einstellen, welche bei rapidem Verlauf auch fehlen können. In kurzer Zeit erfolgt der Tod. Die aus einem ein­zigen Choleraei dargestellte Substanz reichte aus, 10 Meerschweinchen in durchschnittlich 10 Minuten zu töten. Bei der Obduktion fanden sich regelmäfsig die Blutgefäfse des Dünndarms und Magens stark injiziert, farbloses Transsudat im Peritoneum, Herzstillstand in Diastole. Nach C a n t a n i sind die Tanninverbindungen der Choleragifte unschädlich.
Cholera infantum.
Aus den Dejektionen der an Cholera infantum lei­denden Kinder züchteten A. Baginsky und Stadt­hagen einen Gelatine verflüssigenden, dem Finkler-Prior sehen Bacillus nahestehenden Mikroorganismus. Auf Pferdefleisch weiter kultiviert, lieferte derselbe eine mäfsig giftige Base von der Zusammensetzung C7Hi7N02 neben NH3 und einem giftigen, den Pep-tonen zugehörigen Eiweifskörper, welcher Mäuse nach 2—3 Tagen tötet. An der Impfstelle fanden sich sul­zige Infiltrate, ferner Hyperämie der Milz, der Leber und des Darmtraktus, in letzterem rotbraune Flüssigkeit.
Diphtherie.
Die L ö f f 1 e r sehen Diphtheriebacillen erzeugen in Kulturen giftige, lösliche, von den Bakterien trenn­bare Substanzen, welche bei empfänglichen Tieren die­jenigen Erscheinungen hervorrufen, die sich sonst nach der Übertragung der lebenden Mikroorganismen ent­wickeln. Eine dieser Substanzen wird bei Tempe­raturen über 00deg; unwirksam, verträgt aber das Ein­dampfen bei 50deg;, selbst bei vorhandenem Überschufs
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von Salzsäure. Letztere Eigenschaft spricht gegen die Zugehörigkeit der betreffenden Substanz zu den Fer­menten oder Enzymen (cf. S. 544). Der Giftkörper löst sich in Wasser, in Alkalien dagegen nicht. Durch Über­sättigen mit Ammoniumsulfat (nicht Magnesiumsulfat) oder durch Alkohol in schwach essigsaurer Lösung wurde die Substanz zunächst gefällt und im Vacuum bei 40deg; ge­trocknet. In dieser Form erscheint das Giftals eine graue, pulverige Masse, welche auf 70deg; erhitzt werden kann, ohne seine Wirksamkeit einzubüfsen. In gesät­tigter Lösung, welche links polarisiert, entstehen durch Kohlensäure, konzentrierte Mineralsäuren, Phenol, ver­dünnte Essigsäure (im Überschufs nicht). Metallsalze, Alkaloidreagentien, Fällungen. Da aufserdem Biuret-reaktion, Rotfärbung mit Millons Reagensund Gelb­färbung mit konzentrierter Salpetersäure auftrat, so zählen Brieger und C. Fränkel die Substanz den Eiweifskörpern mit pep tonartigem Charakter zu. Durch seine Fällbarkeit mit Ammoniumsulfat erinnert der Körper an das Ichthyotoxin der Muräniden und die toxischen Phytalbumosen (Ricin, Abrin etc.). Mit Ben-zoylchlorid giebt derselbe Doppelverbindungen, dagegen nicht mit Phenylhydrazin. Die Elementaranalyse er­gab C 45,35 pCt., H 7,13 pCt, N 16,33 pCt., S 1,39 pCt., ö 29,80 pCt. Kaninchen sterben nach subkutaner Injektion von 0,02 g in drei Tagen; geringere Quan­titäten bedingen Tod nach einigen Wochen. Lokal entstehen Abscedierungen und Nekrose. Als Allge­meinsymptome treten auf Abmagerung, Lähmungen, mitunter seröse Ergüsse im Brustraum, welche beim Stehen an der Luft spontan gerinnen, Leberverfettung. Bildung von Pseudomembranen in der Rachenhöhle wurde nicht beobachtet. Wahrscheinlich hängt dieses
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Symptom mit der Lokalisation der Bacillen selbst zusammen. Behring und Kitasato konstatierten fast regelmäfsig Vergröfserung und Rotfärbung der Nebennieren. Eigentümlicherweise geht die Giftigkeit von Bouillonkulturen nach und nach verloren und es läfst sich alsdann mit denselben Methoden ein dunkel­brauner, in verdünnten Alkalien löslicher, durchaus ungiftiger Eiweifskörper isolieren, welcher, abgesehen von seiner Fällbarkeit durch Phenylhydrazin dieselben Reaktionen giebt als das Toxalbumin; von diesem ist er aber wesentlich auch durch seine Zusammensetzung unterschieden: C 49,0, H 7,0 N 15,0, S 2,23, 0 26,97. A. Wassermann und B. Proskauer bestätigen im allgemeinen die Angaben von B r i eg er und Fränkel, heben aber hervor, dafs das von letzterem dargestellte Toxalbumin mit indifferenten Eiweifs-körpern verunreinigt ist. W. und P. entfernten durch Dialyse gegen destilliertes Wasser die Globuline, fällten die restierende klare Lösung mit dem 10 fachen Vo­lumen 60— 70 pCt. Alkohol, dem einige Tropfen Essig­säure zugefügt waren. Das Filtrat vom Alkoholnieder­schlag gab mit absolutem Alkohol eine neue Fällung, welche sich als identisch erwies mit dem braunen, in­differenten Eiweifskörper von B. und F. Der erste, das Toxalbumin enthaltende Niederschlag wurde in Wasser gelöst, mit Ammoniumsulfat gefällt, das Salz durch Dialyse entfernt und die Behandlung mit abso­lutem Alkohol und Wiederlösen in Wasser so lange fortgesetzt, bis das Filtrat vom Alkoholniederschlag Avasserklar abflofs. Der auf diese Weise gewonnene Eiweifskörper ist rein weifs und besitzt für Tiere giftige Eigenschaften. Die Elementaranalyse lieferte nach Abzug der Aschenbestandteile die Zahlen: C =
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44,82, H = 6,91, N = 16,18, S — 1,69, O = 30,40 pCt. Bei der Injektion von ca. 10 Mg. gingen ausgewachsene Kaninchen im Verlauf von 3—4 Tagen zu Grunde, bei 5 Mg. in etwa zwei Wochen, bei 3 Mg. erst nach zwei Monaten. Der Sektionsbefund ergab stets fettige Degeneration der Leber, starke Schwellung der Nebennieren, oft Nephritis und starke seröse Exsudate in die Pleuraräume, weniger häufig Ascites. Lokale Reizerscheinungen, abgesehen von ödematöser Schwel­lung, haben W. und P. nicht beobachtet. Die Inten­sität der Giftwirkung wechselt trotz der gleichen Her­stellungsweise bei dem aus denselben Kulturen her­stammenden, aber in getrennten Portionen verarbei­teten Material.
Babes und Pus car in erhielten aus Bouillon­kulturen (ohne Pepton) Lö ffler scher Bacillen, welche sie bei Diphtherie der Tauben gefunden hatten, nach mehreren Wochen durch Zusatz von Alkohol neben blafsrötlichen, in Wasser löslichen Flocken, denen die Biuretreaktion abging, eine weifsliche, giftige, in Wasser kaum lösliche, eiweifsartige Substanz. Dieselbe ver­ursachte bei Tauben nach subkutaner Injektion mäfsig entzündliche Reaktion, andauernde, bedeutende Tem­peraturerhöhung, Abmagerung und nach mehreren Tagen ausgebreitete Hämorrhagien und Tod.
Nach Behring enthalten Bouillonkulturen, mit 10 ccm Normallauge pro Liter alkalisch gemacht, nach 10 Wochen soviel giftige Substanzen, dafs von der durch Filtrieren keimfrei gemachten Flüssigkeit 1 ccm ausreicht, um beim Meerschweinchen ca. drei Wochen dauernde Erkrankung hervorzurufen. 3—4 ccm töten nach 3—8 Tagen. Regelmäfsig tritt dabei Nekrose der Haut auf und zwar nicht nur an der Injektions-
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stelle, sondern ganz weit davon entfernt, am häufigsten am Bauch.
Immunisierungsversuche an Meerschweinchen und Kaninchen sind in mehrfacher Hinsicht geglückt. Es lassen sich folgende Bedingungen für das Zustande­kommen der Immunität unterscheiden.
a)nbsp; Abschwächung der virulente Bacillen enthal­tenden Kulturen aufserhalb des Organismus und Ver-impfung derselben. Die Abschwächung läfst sich herbeiführen 1) durch einstündiges Erwärmen der Bouillonkultur (Roux und Yersin). Brieger und C. Fränkel fanden Temperaturen von 65—70deg; am wirksamsten in dieser Beziehung. Dieselben kamen auf Grund ihrer Versuche zu der Annahme, dafs die toxische Substanz von der immunisierenden verschieden sein müsse, da erstere bereits bei einer Temperatur von 60deg; die deletären Eigenschaften verliert. 2) Ab­schwächung durch chemische Substanzen. Vier Wochen alte Bouillonkulturen, mit Jodtrichlorid JC13 im Ver­hältnis von 1:500 16 Stunden sich selbst überlassen, verleihen damit geimpften Tieren nach Ablauf einiger Wochen Immunität gegen vollvirulente Kulturen.
b)nbsp;Abschwächunginnerhalbdes Organismus. ^Meer­schweinchen, denen einige Cubikcentimeter von der Pleu-ralflüssigkeit an Impfdiphtherie verendeter Tiere gleicher Spezies beigebracht wurden, erkrankten zwar, erwiesen sich aber nachher virulentem Material gegenüber wider­standsfähig. 2) Infizierte Tiere, welche erfolgreich mit chemischen Substanzen behandelt worden sind (Gold­natriumchlorid, Naphtylamin, Trichloressigsäure, Kar­bolsäure — Versuche von Beer — besonders mit Jodtrichlorid — Behring) erlangen Immunität. 3) Meerschweinchen, welche von einer 10 pCt., schwach
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mit Schwefelsäure angesäuerten Wasserstoffsuperoxyd­lösung 2 com subkutan erhalten hatten (Kaninchen starben in ca. 3U Stunden nach Injektion von 1 ccm) erwiesen sich ebenfalls immun. — Durch wiederholte Injektionen grofser Mengen keimfreier Kulturflüssig­keit geht die erworbene Immunität wieder verloren. Das Blutserum immuner Tiere, gleichgültig, ob die Im­munität eine natürliche fst (Mäuse, Ratten) oder eine erworbene, wirkt nicht dadurch, dafe es die Diphtherie-bacillen tötet — dieselben wachsen in diesem Nähr­medium üppig weiter —, sondern dadurch, dafs es deren toxische Stoffwechselprodukte unschädlich macht.
Zur Lokalbehandlung empfiehlt Löffler reichliche Pinselungen mit 5 pCt. Karbol-, 2 pCt. Brom­oder 1 pCt. Chlorwasser, auch konzentrierte o- und p-Kresollösungen. Pulawski bevorzugt neben Insuf-flationen von Jodoform die von v. Jaksch eingeführte Alkoholtherapie.
Eitergifte.
In Kulturen eines der gewöhnlichsten, Eiter erzeu­genden Spaltpilzes, des Staphylococcus aureus, fand. Tb. Leber eine N-freie, durch den gröfsten Teil der Alkaloidreagentien fällbare Substanz, welche ent­zündungserregend wirkt. Leber nennt die Substanz Phlogosin. Brieger stellte aus Kulturen desselben Mikroorganismus einen durch Ammoniumsulfat fallbaren, in Wasser schwer löslichen, globulinähnlichen Körper dar, welcher bei Kaninchen und Meerschwein­chen Nekrose mit eitriger Schmelzung der Organe, be­sonders in der Nähe der Einstichstelle und in 1—2 Tagen Tod bewirkte. Der Eiter erwies sich als keimfrei. Auf dickem Fleischbrei, Bouillon oder Blutserum gezüchteter
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Streptococcuspyogenes ergab bei Untersuchung mit der älteren Methode (Quecksilberchloridfilllung) Ammoniak und grofse Mengen Trimethylamin.
Nach Bouchard erzeugen Reinkulturen desBac. pyocyaneus in Pepton bei Meerschweinchen langsam heilende Ulcera, bei Kaninchen tödliche Septicämie, bei vorgeimpften Kaninchen nur Geschwüre, Der von Ledderhose isolierte blaue Farbstoff, das Pyo-cyanin Cj^H^NgO, gehört zu den aromatischen Sub­stanzen und wirkt als HC1-Verbindung bei Meerschwein­chen und Tauben in Mengen von 0,01 g nicht schä­digend.
Kartoffelkulturen des Bacillus pyocyaneus mit 0,5 pCt. erwärmter Kalilauge extrahiert, ergaben bei vorsichtiger Neutralisation des alkalischen, klaren, grün­lichen Filtrats mit verdünnter Essigsäure einen volumi­nösen Niederschlag von Pyocyaneusprotein. Das­selbe löst sich in Wasser unter Zusatz einiger Tropfen Sodalösung mit dunkelbrauner Farbe und hat Neigung, in der Kälte zu gelatinieren. Auch aus Staphylococcus pyogenes aureus, Bacillus subtilis, Bac. acidi lactici, dem Typhusbacillus und dem roten Kartoffelbacillus gelang es Buchner durch das nämliche Verfahren, Proteine zu gewinnen, welche, wie das erste, leukocyten-anlockend d. h. eitererregend wirkten. Da die Bak­terienproteine ihrer chemischen Beschaffenheit nach den Pflanzencasei'nen nahestehen, stellte B. auch mit diesen Versuche an und fand, dafs das Glutencasein und das Legumin ebenfalls eitererregend wirken. Von tierischen Eiweifssubstanzen zeigten Peptone keine chemotaktische Wirkung, während Leim, Hemialbumose und die Alkalialbuminate von Muskelfleisch, Leber, Lunge und Niere starke Eiterung hervorriefen. Nach
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intravenöser Injektion dieser Proteine bei Kaninchen entstand eine beträchtliche Vermehrung der Leukocyten im Blut. Beim Menschen bewirkten 3,5 Mg. subkutan am Oberarm erysipelatöse Entzündung und Schwellung, die erst am vierten Tage wieder abnahm.
Krebsgift. Carcinome und Cancroide enthalten nach Adam-k i e w i c z ein Gift, welches durch Siedehitze und Karbol­säure seine Wirkung verliert. Im Verlaufe der Intoxi­kation lassen sich bei den Versuchstieren zwei Pe­rioden unterscheiden. In der ersten bestehen die sehr stürmischen Erscheinungen in Beschleunigung der At­mung und der Herzthätigkeit, Verengung der Pupille, Speichelflufs und Krämpfen (Opisthotonus). Die zweite Periode charakterisiert sich durch Symptome der Hirnlähmung. Die Tiere liegen meist auf dem Bauch. Bei den Versuchen aufzustehen, macht sich zunehmende Parese der hinteren Glieder bemerklich. Ferner be­steht Zittern am gesamten Körper, meist Vermehrung des Speichelflusses bis zu dem in einigen Stunden erfolgenden Tode. Ist die Dosis des Giftes sehr grofs, so kommt die Parese gleich im Beginn der Intoxika­tion zu stände, und der Tod erfolgt sehr bald. Kleine Dosen bedingen nur vorübergehende Reizerscheinungen.
Malignes Ödem.
Über die Stoffwechselprodukte der Bacillen des malignen Odems liegen Untersuchungen von R. Kerry vor. In 150 g mit 3 1 Wasser aufgeschwemmte Blutserumtrockensubstanz wurde nach vorheriger Sterili­sierung eine Ödembacillen-Reinkultur verimpft und 10 Tage nach Nenckis Methode unter O-Abschlufs bei Blutwärme digeriert. Als Produkte der fäulnis-
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artigen. Eiweifszersetzung lielsen sich ermitteln C02, H2S, NH3, hauptsächlich H2, mit der Dauer der Zersetzung an Menge zunehmend, in geringen Mengen CH4. Unter den gebildeten flüchtigen Fettsäuren war vorherrschend Valeriansäure vorhanden, ferner ein Leucin, CeH^NO^ d. h. Amidokapronsäure, C5H10(KH2) — COOH, und Hydroparacumarsäure (cf. S. 550). Bemerkenswerter Weise trat ein bisher *bei Spaltung des Eiweifs nicht beobachteter aldehyd- oder ketonartiger Körper auf, C6H1604 (Siedepunkt 164—171deg;) und ein farbloses, dickes, unangenehm riechendes, schwach rechts drehendes, in Wasser unlösliches Öl (Siedep. 165—178deg;). Dasselbe gab mit Schwefelsäurefuchsin Violettfärbung und wurde durch Chromsäure im wesentlichen zu Valeriansäure oxydiert.
Von anderen, gewöhnlich in Gesellschaft mit den Ödembacillen und bei natürlichen Infektionen (durch Eiter in Quetschwunden etc.) zu berücksichtigenden Anae­roben produzieren der Bacillus liquefaciens und Bacillus spinös us (Lüde ritz) dieselben Substanzen wie Rauschbrand, aufsei'dem aber stinkende, nach Methyl-mercaptan richende Gase. In nachweisbarer analysier­barer Menge wurde Methylmercaptan, CH3—SH aus den Emphysembakterien (Klebs und Eisenlohr) von N e n c k i gewonnen. Wahrscheinlich gehört das von Kerry erhaltene Öl ebenfalls zu den organischen Schwefelverbindungen.
Auch für die Behandlung der an malignem Ödem erkrankten Tiere (nur Rinder zeichnen sich nach Arloing und Chauveau durch natürliche Im­munität aus), hält Behr ing das Jodtrichlorid geeignet.
In das Blut verimpft, bleiben, beiläufig bemerkt, virulente Bacillen unschädlich. Erkrankung erfolgt nur, wenn die Bacillen in die Subcutis gelangen.
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Blilzbrand.
Ausgehend von der Annahme, dafs die Milzbrand­bakterien aus kompleten, im Organismus vorhandenen Verbindungen Gifte abspalten, versuchte Hoffa, die toxischen Substanzen aus Kulturen zu isolieren, welche er auf vorher sterilisiertem Fleischbrei Wochen hindurch bei 37deg; gezüchtet hatte. Zur Darstellung der Giftkörper erwies sich das Stas-Ottosche und Fischersche Verfahren am geeignetsten. Die gewonnene basische Substanz (Milzbrandbase, Anthracin, CsH6N2 oder C3H8N2) wirkte auf Frösche, Mäuse, Meerschweinchen und Kaninchen gleich toxisch. Nach einem kurzen Stadium der Aufregung, beschleunigter Respiration und Herzthätigkeit wurden die Tiere somnolent, die Atem­züge tief, langsam, unregelmäfsig und erfolgten mit Inanspruchnahme sämtlicher Hülfsmuskeln. Die Tem­peratur sank, die Pupillen erweiterten sich. Es traten blutig diarrhoische Entleerungen ein und in kurzer Frist Exitus.
Bei der Sektion fand sich das Herz kontrahiert, das Blut schwarzrot, auf dem Perieard und Peritoneum zahlreiche Ekchymosen. Aus nicht mit Milzbrand geimpftem Fleischbrei, welcher sonst denselben Bedin­gungen unterworfen war, gelang es nicht, ein ähnlich wirkendes Gift darzustellen.
Diese Base scheint zu toxisch wirkenden Eiweifs-körpern in ähnlichem Verhältnis zu stehen, wie Te-tanin zu Tetanotoxalbumin (cf. S. 555).
Von B e h r i n g ist das Auftreten saurer Produkte in Milzbrandkulturen beobachtet.
Von hervorragendem Interesse sind die Immuni-siemngsversuche, welche zur Entdeckung antitoxisch wirkender Eiweifssubstanzen, der sog. Antitoxine (T i z -z o n i), defensive proteids (H a n k i n), führten.
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Die ersten Immunisierungsversuche bewährten sich nicht; die Methode der Schutzimpfung mit abge­schwächten Kulturen schützt nach den bisherigen Erfah­rungen nicht in genügendem Mafse. — Schutzimpfungen nach Pasteurs Methode ergaben in den Versuchen Sadovskys in den ersten vier Tagen bedeutende Abnahme der Zahl der roten Blutkörperchen. — Die Versuche von Chamberland und ßoux mit keim­freiem Milzbrandblutserum und den wässerigen Lö­sungen der alkoholischen Extrakte des Milzbrand­blutes, Immunität zu erzeugen, schlugen ebenfalls fehl.
Unter Kochs Leitung gelang es E. H. H a n k i n, aus Filtraten reiner Milzbrandkulturen, welche unter An­wendung Chamberland scher Thonfilter hergestellt waren, eine giftige Albumose herzustellen, welche in sehr kleiner Dosis (1—10 millionster Teil des Körper­gewichts) Mäuse und Kaninchen immun gegen viru­lenten Milzbrand macht. Als Nährmedium diente nicht peptonisierte Bouillon aus Fleischextrakt, welche nach Fibrinzusatz fraktioniert sterilisiert wurde. Die Ent-wickelung der Kultur geschah bei Zimmertemperatur, weil bei höheren Wärmegraden das vorhandene Anthraxfer-ment die sich bildende Albumose zerlegt. Nach einer .Woche wurde filtriert, die Albumose durch Saturation des Filtrats mit Ammoniumsulfat als Niederschlag ge­wonnen, dieser mittelst Dialyse gegen Wasser salzfrei in Lösung erhalten und das gelöste Eiweifs durch Dia­lyse gegen Weingeist rasch konzentriert. Schliefsliches Ausfällen mit absolutem Alkohol liefert die Albumose in ziemlich reinem Zustande. — Dafs bei dieser An-thraxalbumose, ebenso wie auch bei dem Brieger-F r an k e 1 sehen Toxalbumin aus Diphtheriekulturen (cf.
' 'i, in
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S. 559) eine Fermentwirkung nicht vorliegt, liefs sich nachweisen, als einer Anthraxalbmnoselösung Kalkwasser zugesetzt und der Kalk wieder ausgefällt worden war, wobei etwa vorhandene Fermente, ihrem bekannten Verhalten gemäfs, mitgerissen werden mufsten. Mit der vom Kalkniederschlag abfiltrierten Albumoselösung erhielt man nunmehr bessere Immunisierungsresultate als mit der ursprünglichen, gelösten Albumose. — In welcher Beziehung die Hank in sehe Albumose zu den zwei von Sidney Martin aus Anthraxkul-turen isolierten giftigen, alkalisch reagierenden Albumosen steht, ist noch unermittelt. S.Martin vermochte mit letzteren beiden alle Symptome des Milz­brandes zu erzeugen. Aufserdem fand er ein giftiges Alkaloid, dessen genauere Charakterisierung noch aussteht. Nach Brieger läfst sich ein giftiger Eiweifs-körper unter ähnlichen Bedingungen, wie das Tetano-toxalbumin durch Essigsäure enthaltenden Alkohol aus wässerigen Extrakten der keimfreien Kulturen ge­winnen.
Auf Grund der von Beb ring, Hankin und Lubarsch angestellten Untersuchungen über die natürliche Immunität der absolut xmempfänglichen grauen und der bedingt immunen weifsen Ratten gegen Milz­brandinfektion hat sich ergeben, dafs Transfusion von Blut oder Blutserum immuner Ratten auch die toxische Wirkung der Milzbrandgifte am lebenden Tier zu paralysieren im stände ist. Aber noch mehr. Das Serum dieser Tiere wirkt nicht nur antitoxisch, sondern auch antiseptisch, d. h. feindlich auf lebendes Infek­tionsmaterial. Im Hammelblutserum, in welchem sich Milzbrandbacillen üppig vermehrten, wurde das Wachs­tum noch vollständig verhindert, wenn ein Teil frisches
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Rattenserum zu 11—15 Teilen Hammelblut hinzu­gesetzt wurde. Zu gleichen Teilen letzterem beige­mischt, fanden sich die Bacillen nach 24 Stunden vollständig abgetötet. Die entwicklungshemmende und abtötende Wirkung des ßattenserums entspricht für diesen Fall der einer 2,0 pCt. Karbolsäurelösung oder einer Sublimatlösung von 1 p. Mille.
Das Blutserum von Hunden, Katzen, Hühnern, welche Tiere gegen Milzbrand sehr widerstandsfähig sind, und ebenso das von immunisierten Hammeln, übt keine milzbrandfeindliche Wirkung aus, aus Gründen, die sich aus Versuchen von H a n k i n ergeben und die im innigen Connex mit der Frage stehen, weshalb dem Rattenblutserum Immunisierungsvermögen zukommt. Diese Frage ist in verschiedener Weise beantwortet worden. B e h r i n g gelangt zu dem Schlufs, dafs wesent­lich die hohe Alkalescenz des Serums die Veranlas­sung hierzu sei oder vielleicht ein besonderer basischer Körper, der, wie Pentametylendiamin z. B. die Milz-brandbacillen vernichte. Buchner glaubte, dafs der Schutz einem spezifisch aktiven Zustand des Serumalbu­mins zuzuschreiben sei (cf. Pocken). H a n k i n findet die Ursache in der Anwesenheit eines alkalisch reagie­renden Eiweifskörpers, den er aus dem Blutserum und der Milz der immunen Ratten nach folgender Me­thode isolierte. Das frische, lebenswarme Material wird mit Alkohol verrieben, nach einer halben Stunde filtriert und dem Rückstande 30 ccm 2 pCt. Glaubersalzlösung hinzugefügt. Man filtriert nach 24 Stunden die sehr trübe Flüssigkeit wiederum und setzt Alkohol im Über-schufs zu. Den entstandenen Niederschlag von Eiweifs-körpern und Salzen trennt man durch nochmaliges Filtrieren, trocknet bei 37deg;, vermischt das von
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 35
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Alkohol befreite Gemenge mit etwa 10 com Wasser und dialysiert das klare Filtrat in einem Pergament-papiersclilaucli eine Stunde lang gegen strömendes Wasser von 37 — 40deg;. Nach dieser Behandlung zeigt die Lösung eine alkalische Reaktion und bakterien­tötende Wirkung, welche durch die gewöhnliche Platten-kulturmethode geprüft wurde. Aus der Milz der für Milzbrand empfänglichen Meerschweinchen und Kanin­chen erhielt H. ebenfalls den schützenden Eiweifskörper, derselbe bot aber einen bemerkenswerten Unter­schied. Sät man nämlich in eine vom Kaninchen ge­wonnene, schützende Eiweifslösung Milzbrandbacillen ein, so wird ein grofser Teil derselben zwar abgetötet, die übrigen entwickeln sich jedoch nach einigen Stunden wie auf gewöhnlichem Nährboden weiter, wahrschein­lich weil das schützende Eiweifs seine Wirksamkeit rasch verliert. Das von Ratten gewonnene Eiweifs resp. das Serum als solches behält dagegen auch für die nicht sofort abgetöteten Bacillen jene, die Fort­entwicklung hindernde Eigenschaft bei. Ein ähnlicher Unterschied ist in dem Verhalten der Sporen zu diesen beiden Serumarten zu bemerken. Milzbrandsporen ent­falten in derartigen Eiweifslösungen, wie H. für das Kanin­chen und Lubarsch für analoge Eiweifskörper des Hundeblutserum konstatierten, sofort ein üppiges Wachs­tum. Im Rattenblutserum soll dagegen eine ähnliche Er­scheinung, wie Beb ring angiebt, nicht vorkommen*).
*) Liubarsch fand, dafs Milzbrandsporen und Bacillen im Blutserum der wei fsen und auch in dem der völlig immunen graueu Ratten sehr gut gedeihen können. Im Unterhautgewebe einer toten, grau en Ratte (niemals bei lebenden) wuchsen Sporen innerhalb 3—4 Stunden zu mehrgliedrigen Bacillen aus. — Die Angaben von Faser, Friedberger, Fröbnerüber den im­munisierenden Einflufs der Fleischfütterung bei weifsen Ratten
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Weder Sporen noch Bacillen können nach B. in diesem Medium eine Kultur hervorbringen. Anscheinend beruht demnach der Heilerfolg resp. die Möglichkeit der Immu­nisierung, welche H. nicht nur durch Rattenserum, son­dern auch durch den isolierten schützenden Eiweifskörper bei Mäusen etc. erzielte, auf der Vernichtung der Bakte­rien im Organismus. Über die Natur des schützenden Eiwcifs läfst sich vorläufig nur soviel sagen, dafs es den Grlobulinen*) zuzurechnen ist. Setzt man nämlich die Dialyse im Papierschlauch nach Zusatz von Thymol bis zu 14 Tagen fort, so werden die Salze vollständig entfernt und der Eiweifskörper fällt aus, löst sich aber unter sich wieder einstellender alkalischer Reaktion nach Zusatz neutraler Kochsalz­lösung. Von der Mehrzahl der übrigen Globuline unterscheidet sich diese Substanz dadurch, dafs sie durch Alkoholfilllung nicht dauernd unlöslich gemacht wird. Vielleicht ergeben sich weitere Konsequenzen an der Hand der Angaben von Wooldridge (1888), dafs man Kaninchen gegen Milzbrand immunisieren kann durch intravenöse Einverleibung einer Lösung von unverändertem Grewebsfibrin eines normalen Tieres.
kann L. ebensowenig wie Straufs bestätigen. L. fütterte 14 Tage bis vier Wochen ausschliefslich mit Fleisch, und die Tiere starben trotzdem prompt an Milzbrand nach Impfung mit seinen virulenten Kulturen.
*) Die sonst bekannten alkalisch reagierenden Eiweifs­körper gehören zur Gruppe der Albumosen. Kühne und Chittenden fanden unter den Verdauungsprodukten des Myosin eine schwache, aber unbestreitbare alkalische Reaktion nach Dialysierung bei Protömyosinose und Deuteromyosinose. S. Martin erwähnt, dafs eine Lösung der Milzbrandalbumosen selbst nach verlängerter Dialysierung noch alkalisch reagiert. Es sei dies die einzige chemische Eeaktion, in welcher sich diese giftigen Albumosen von den gewöhnlichen Proto- und Deutero-Albumosen der peptischen Verdauung unterscheiden.
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Woodheat und Wood empfehlen als Antidot gegen Milzbrand sterilisierte Nährflüssigkeit des Bacillus pyocyaneus.
Fueumonie.
Von den Pneumonie erzeugenden Spaltpilzen ist be­sonders der Fränkel-Weichselbaumsche Diplo-coccus pneumoniae s. lanceolatus mit Rücksicht auf die von ihm produzierten virulenten Stoffwechselpro­dukte etwas eingehender untersucht. Dieser Diplo-coccus steht nicht nur in ätiologischer Beziehung zu der kroupösen Pneumonie des Menschen (und des Pferdes, Tetzner) sondern nach Bordoni-Uffreduzziauch zur Meningitis cerebrospinalis epidemica. Ebenso vermag er, wie Weichselba um nachgewiesen hat, serös-fibri-nöse Pleuritis, ferner Endometritis fibrinosa, Endocar­ditis ulcerosa resp. verrucosa und Arthritis suppurativa zu veranlassen. Die Tierversuche A. Fränkel s er­gaben nicht minder verschiedene Krankheitsbilder, je nachdem die Wachstumsbedingungen der Reinkulturen oder auch anderweitige Versuchsanordnungen abgeändert waren. In vielen Versuchen kam es nur zur Allgemein^ Infektion mit Anschwellung der Milz, in anderen ge­sellten sich dazu Entzündungen der serösen Häute, vor­nehmlich der Brusthöhle, und endlich wurden auch Verän­derungen in den Lungen hervorgerufen, welche denen der menschlichen Pneumonie als gleichwertig angesehen werden konnten. Die Wirkungen der Infektion er­strecken sich nach Beobachtungen von Foa und Car­bon e vorwiegend auf die Konstitution des Blutes, auf die Ernährung der Gewebe und stehen gleichfalls in Beziehung zu den wiederholt konstatierten nervösen Erscheinungen, welche sich auch in Lähmung der
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Vorderextremitäten und der Halsmuskeln äufsern können. F. und C. neigen zu der Annahme, dafs in den Diplococcuskulturen nicht blos ein, sondern meh­rere Gifte gebildet werden, von welchen eines auf die centralen Nerven, das andere auf das Blut und die Gewebe einwirke. Es gelang ihnen durch Ausfällen filtrierter Bouillonkulturen mit Ammoniumsulfat ein virulentes Präcipitat zu erhalten, welches in minimalen successiven Dosen Kaninchen an 3—4 aufeinander­folgenden Tagen beigebracht, Immunität gegen spätere Diplokokkeninfektion erzeugte, ebenso wie nach Injek­tion der keimfreien Nährfltissigkeit oder des Organ­extrakts infizierter Tiere. Das Blut derart immuni­sierter Kaninchen koagulierte bei 30deg; rapid. Wieder­holte subkutane Injektionen kleiner Mengen des Blut­serums von Kaninchen, die mit der toxischen Substanz immunisiert worden waren, bewirkten bei normalen Kaninchen ebenfalls Immunität. Bakterientötende Eigenschaften besitzt das Blut immunisierter Tiere nicht. — Das Blut pneumonisch erkrankter Menschen koaguliert ebenso rasch, wie das immunisierter Kanin­chen und zeigte am achten Tage nach Beginn der Krankheit dieselben toxischen Eigenschaften, wie das Filtrat einer Bouillonkultur. M. Rummo fand, dafs das Blutserum bei der fibrinösen Pneumonic des Menschen im Stadium der Anschoppung und der Hepati-sation bei Tieren ein Vergiftungsbild zuwege bringt, in welchem die Depressionserscheinungen des Nerven­systems und des Herzens #9632; vorwiegen.
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Rausehbrand.
Die Rauschbrandbakterien, ebenso wie die Erzeuger des Tetanus und des malignen Ödems, gehören
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zu den Anaeroben, welche auch auf festem Nährboden zu kultivieren Kitasato gelungen ist. Nencki unter­suchte die in Lösungen von Serumeiweifs unter O-Ab-schlufs entstehenden Stoffwechselprodukte. Der Kolben­inhalt wurde mit Oxalsäure versetzt und die flüchtigen Körper, welche teils aus Gasen, teils aus Fettsäuren bis zur Capronsäure bestehen, abdestilliert und der Rück­stand mit Äther ausgeschüttelt. In dem Äther fanden sich Hydrozimmtsäure CgHjoOg, d. h. Phenylpropion-säure, C6H6 — CH2 — CH2 — COOH, ferner Hydropara-cumarsäure, C9H1003, d. h. Paroxyphenylamidopropion-
säure, C6H4lt;gg2^CH2_COOH(4) und Skatol-
essigsaure, CnHnNC^, oder
C6H4lt;ggH3)^C —CH2 —COOH.
Speziell auf Toxalbumine gerichtete Untersuchungen wurden nicht ausgeführt.
In Dextroselösung giebt der Rauschbrandbacillus in Reinkultur zunächst optisch inaktive Milchsäure (Gärungsmilchsäure), CHg — CH (OH) — COOH, aus welcher unter CO2 und Ha-Entwickelung (bVol.: 1 Vol.) ßuttersäure (das Fleisch rauschbrandkranker Rinder riecht nach ranziger Butter) sekundär entsteht. In den Geschwülsten rauschbrandkranker Tiere findet sich neben dem Rauschbrandbacillus ein Coccus, der nur optisch aktive Milchsäure (die sterochemisch isomere Para-oder Fleischmilchsäure) liefert. Nencki nennt ihn Mikrococcus acidi paralactici.
Zur Erzeugung von Immunität gegen Rauschbrand sind zuerst von Arloing und Cornevin Versuche gemacht worden, und zwar zunächst mit gewöhnlichem, Rauschbrandbacillen enthaltenden Muskelsaft, welcher
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direkt in die Blutbahn gebracht wurde. Hiernach ent­steht nur ein leichtes und kurze Zeit andauerndes Fieber ohne örtliche Reaktion. Bei Tieren, welche in lOtägigem Zwischenraum zwei derartige Injektionen erhalten haben, rufen Einspritzungen selbst grofser Mengen virulenter Kulturen unter die Haut (0,5—] ,0 ccm) keine Störungen hervor. Für nicht immune Tiere wird die subkutane Injektion gleicher Quantitäten Veranlassung zu akuter, unter den bekannten Symp­tomen zum Tode führenden Erkrankung. Später be­nutzten die Genannten wässeriges, sechs Stunden auf 85—100deg; erhitztes Extrakt vom Serum aus Rausch­brandgeschwülsten, welches bei einer Temperatur von 32deg; eingetrocknet war (0,01 g Trockensubstanz für Schafe, 0,02—0,03 g für Rinder mit 100 aq.), ein Ma­terial, welches sich auch für subkutane Schutzimpfung eignet, aber immer noch lebensfähige Sporen enthält. Den Beweis, dafs die immunisierende Wirkung auf die Stoffwechselprodukte der Rauschbraudbacillen zurückzuführen sind, erbrachten Chamber land und Roux. Das Serum aus Geschwülsten an Rausch­brand verendeter Tiere wurde durch Thonlilter keim­frei gemacht und das Filtrat Meerschweinchen mehrfach wiederholt subkutan injiziert (je 1 ccm). Derart be­handelte Tiere erwiesen sich als immun. Kitt em­pfiehlt folgendes Verfahren für praktische Zwecke: Getrocknetes, virulentes, gepulvertes Rauschbrandfleisch in dünner Schicht strömendem Wasserdampf von 100 0 ausgesetzt, wird mit Wasser verrieben und durch feine Drahtsiebe filtriert. 0,3 g Trockensubstanz bewirkten bei Schafen, 0,5 g bei Rindern eine nach ca. 10 Tagen eintretende Immunität nach einmaliger Injektion. Pferde, Kälber, Schweine, Kaninchen, Hühner besitzen natürliche relative Immunität. Grofse
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Mengen virulenter Substanz können Erkrankung und Tod bei Tieren mit erworbener und natürlicher Immu­nität veranlassen. Sporenhaitiges, für Schutzimpfung bestimmtes Material erlangt in 20 pCt. Milchsäure­lösung volle Virulenz.
Behring glaubt von Jodtrichlorid in therapeu­tischer Beziehung Erfolge erwarten zu dürfen.
Rotz.
Kalning hat auf der bakteriologischen Station des Dorpater Veterinärinstituts aus Kulturen der L ö f f 1 e r - S c h ü tz sehen Rotzbacillen ein dem Tuber­culin ähnliches Präparat hergestellt, welches als Mallein bezeichnet wird. Dasselbe veranlafst bei rotzkranken Pferden nach der Injektion eine Erhöhung der Tem­peratur, so dafs dasselbe benutzt werden kann, um bei oecultem Rotz die Diagnose zu sichern. Kalning wurde ein Opfer seines Berufes. Er starb an Rotz­infektion. Hellmann verwendete das Mallein zu diag­nostischen Zwecken bei Pferden des Leibgarde-Ulanen-Regiments in Petersburg und konstatierte bei einigen verdächtigen Individuen Erhöbung der Körpertempera­tur, allgemeine Schwäche, Verlust des Appetits und lokale Schwellung. H. stellte sich das Mallein aus Kartoffel­kulturen her, indem er das abgehobene Material mit Wasser und etwas Grlycerin zu einer Emulsion verrieb und diese zuerst auf 40 dann auf 80deg; erwärmte und bei 150deg; sterilisierte. Ob damit Immunität zu erzielen ist, wie H. annimmt, müssen weitere Versuche lehren. Die Verwendbarkeit des Glycerinextraktes (bei 35deg; mit Wasser und Glycerin zu gleichen Teilen herge­stellt) zur Entscheidung in zweifelhaften Fällen wird von Preufse bestätigt. — Nach Sanarellis Er­fahrungen sind Hühner und Tauben absolut immun.
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Schweinepest.
Die beweglichen Bakterien der Hog-cholera Sal­mons und der Swine-plague Billings (neuere Kul­tur) sind nach den Untersuchungen von P. Frosch und E. Bunzl-Federn identisch, nach letzterem auch mit den Svinpeste Bacillen Seianders. Caneva und Th. Smith geben zu, dafs diese den Hog-cholerabacillen sehr nahe stehen. Aus dem eingedampften Filtrat von Schweinefleischkulturen der Hog-cholerabacillen erhielt Novy durch Ausfällen mit alkoholischem Queck­silberchlorid eine basische Substanz, welche er als S u s o -toxin bezeichnet. Das Hydrochlorid des Susotoxin ist ein hellgelber, vollkommen klarer, in Wasser und in kaltem, absoluten Alkohol leicht löslicher, etwas hygroskopischer Syrup, der beim Erhitzen mit Alkali einen starken Amingeruch entwickelt. Ratten wurden durch geringe Mengen in 36 Stunden getötet. Wiederholte Injektionen minimaler Dosen des Hydrochlorid brachten bei einer Ratte eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen viru­lente Schweinepestkulturen zu stände.
Mit Platinchlorid gab das Toxin einen gelben, fein­körnigen, in heifsem und kaltem Wasser unlöslichen Niederschlag. Aus dem alkoholischen Filtrat der Queck­silberfällung war eine zweite basi sehe Substanz zu erhalten, deren Platindoppelsalz in langen Nadeln krystallisierte. Durch Einträufeln einer im Vacuum bei 36 0 eingedickten Hog-cholerakultur in absoluten Alko­hol gewann N. ein Toxalbumin, das, bei Zimmertem­peratur getrocknet, ein Weifses, in Wasser leicht lös­liches Pulver darstellt. Subkutane Dosen von 0,05 bis 0,1 g töten Ratten in 3—4 Stunden. Eine Ratte, welche 0,025 g erhalten hatte, erholte sich am dritten Tage und vertrug dann wiederholte und ansteigende
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Dosen ohne weitere Reaktion; auch gegen später ap-plicierte vollvirulente Kulturen verhielt sich das Tier refraktär.
Die vorstehenden Thatsachen finden eine Ergän­zung durch die anerkennenswerten Resultate, welche v. Schweinitz erzielte. Nach S. eignen sich zur Gewinnung der vom Schweinepestbacillus produzierten Toxine und toxischen Eiweifskörper am besten Kul­turen in peptonisierter, saurer Rindfleischbrühe.
Mittelst der Quecksilberchloridmethode isolierte S. Pentamethylendiamin, ein primäres Amin und ein Alkaloid, dessen Platindoppelsalz der Formel (C7Hi6N'HCl)2,PtCl4 entsprach. Die freie Base rein darzustellen, gelang nicht. Das Hydrochlorid bildet einen dicken, nicht krystallisierenden, in absolutem Alkohol löslichen Syrup. Bei der Behandlung der Kulturen mit absolutem Alkohol erhielt S. einen weifsen,, flockigen, in Wasser löslichen Niederschlag, welcher nach S. von einer Albumose herrührt. Im Vacuum über Schwefelsäure krystallisiert dieselbe in weifsen, durchscheinenden Blättchen. Die wässerige Lösung giebt mit Platinchlorid einen fast unlöslichen, aus mikro­skopischen Nadeln bestehenden Niederschlag.
Subkutane Injektionen mit dem Hydrochlorid der neuen Base und der Albumose erzeugten bei Meer­schweinchen relativ rasch vorübergehende, leichte Lokal­erscheinungen und Temperatursteigerung. Meerschwein­chen sind ebenfalls immunisierbar.
Nach Bunzl-Federn produzieren die Schweine-pestbacillen in Peptonlösung weder Indol noch Phenol; mit Lakmus gefärbte Milch bleibt blau. Durch diese Eigenschaften unterscheiden sie sich von den L ö ff 1 e r -Schützschen Bacillen der Schweineseuche,
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welche ebenso wie die der Wildseuche unbeweglich sind, mit Lakmus versetzte Milch röten und Phenol und Indol bilden.
Starrkrampf.
Die von Nikolai er entdeckten, anaeroben Te-tanusbacil len*), deren Reinkultur durch Kita-Vato in bequemer Weise ermöglicht wurde, produzieren Gifte mit strychninähnlicher Wirkung.
Von den bisher isolierten Giftkörpern ist zunächst zu nennen:
Tetanin, C18H80N204. Die Wirksamkeit dieser von B r i e g e r dargestellten Base ist an Mausen, Fröschen und Meerschweinchen geprüft.
Man kann deutlich bei jeder Vergiftung zwei Phasen unterscheiden. In der ersten werden die Tiere abgeschlagen, lethargisch, schwer beweglich, alsdann plötzlich unruhig, das Diaphragma beginnt sich ener­gisch zu kontrahieren, die Atmung erscheint frequen­ter und nun setzt die zweite Phase ein, in der vorzugs­weise tonische, weniger klonische Krämpfe die Situ­ation beherrschen. Der Tod erfolgt häufig unter der Einwirkung eines heftigen Krampfanfalls. Nach ge­ringeren Dosen bleiben bei Mäusen die Krämpfe oft ganz aus, doch sind die Symptome der ersten Phase wohl ausgeprägt und dauern oft 10—12 Stunden, wo-
*) Die Tetanuskeime unterliegen einem ähnlichen Kreis­lauf, wie dies für den Bac. subtilis festgestellt ist. Pferde und Rinder nehmen mit ihrem Futter und dem anhaftenden Staube Tetanussporen auf und geben dieselben in virulentem Zustand mit den Faces der Ackerkrume zurück. S. Toledo und Veil-Ion erzielten bei acht Impfungen von Kaninchen mit den Kot­ballen vom Pferd viermal Tetanus. Zwei mit Kuhmi t geimpfte Kaninchen gingen gleichfalls an Tetanus zu Grunde.
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worauf die Tiere sich wieder erholen können. Nach Kitasato und Weyl erzeugen 0,033 g Tetaninchlor-hydrat nach sieben Minuten tetanische Starre der Hinterextremitäten und Tod ohne Krämpfe nach ca. sechs Stunden. Ein Quantum von 0,1 g ruft Tetanus der Hinterextremitäten bereits nach 4—5 Minuten her­vor und nach 15 Minuten allgemeinen Tetanus (aus­gesprochenen Opisthotonus), der mit Remissionen anhält, bis das Tier erliegt. Für Meerschweinchen sind 0,5 g noch nicht tödlich. Bei stark vergifteten Meerschwein­chen sah B r i e g e r die für den Tetanus des Menschen charakteristischen Stöfse neben Opisthotonus zu stände kommen.
Frösche sind weniger empfindlich als Mäuse. Auch hier Starre, Opisthotonus, mitunter Schlaffheit der Glieder, die zeitweilig von heftigen Stöfsen durchzuckt werden.
Tetanotoxin (CsHuN) äufsert seine giftigen Wirkungen bei Warmblütern 10—20 Minuten nach der Injektion der Base durch konvulsivische Anfälle, welche nach und nach an Stärke und Ausdehnung zunehmen und mit allgemeiner Lähmung enden.
Spasmotoxin giebt nur mit Platinchlorid einen Niederschlag, nicht mit den übrigen Alkaloidreagentien. Es erzeugt ebenfalls klonische und tonische Krämpfe, während ein noch
unbenanntes Toxin, als HCl-Verbindung dargestellt, neben typischen, tetanischen Anfällen die Thränen-und Speichelsekretion beträchtlich vermehrt.
Alle diese Toxine erscheinen nicht im Urin. Sub­kutane Injektionen mit dem Harn vergifteter Tiere sind effektlos (cf. S. 560).
Tetanotoxalbumin, von Brieger und Fränkel aus Reinkulturen in peptonisierter Fleisch-
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brühe mit essigsaurem Alkohol ausgefällt und dialysiert, ist ebenso wie das Diphtheritisgift einigennafsen in Wasser löslich, im Gegensatz zu dem Toxalbumin der Cholera, des Typhus und des Staphylococcus pyogenes aureus, welche sich in Wasser schwer oder gar nicht lösen. Das Toxalbumin unterscheidet sich hinsichtlich der Wirkung von den Toxinen dadurch, dafs es keine akuten Vergiftungen hervorruft. Erst nach ca. vier Tagen treten die ersten Krankheitssymptome ein, beste­hend in Muskelstarre und Konvulsionen, #9632;worauf nach kurzer Zeit der Tod erfolgt. 0,01 Mg. des Toxalbumins ist noch wirksam.
Tetanotoxalbumin von Tizzoni und Cat-tani, gewonnen aus Gelatinekulturen eines zweiten, anscheinend von dem Kitasa to sehen verschiedenen Tetanuserregers durch Ausfällen mit schwefel­saurem Ammonium und Dialysieren, stellt nach dem Trocknen eine amorphe Substanz dar, welche die Form glänzender, goldgelber Schüppchen besitzt und in Wasser mäfsig löslich ist.
Dieser Körper mufs als ein lösliches Ferment (En­zym) aufgefafst werden, dem T. und C. schwach peptische Eigenschaften beilegen. Für die Fermentnatur spricht die Löslichkeit in Glycerin, der Verlust der Giftigkeit durch Mineralsäuren und Wärme und die Wirksamkeit in minimalen Mengen. 2 Mg. toxischer Substanz p. KK. bewirken bei Kaninchen nach ca. 16 Stunden Steif­heit der Hinterextremitäten; am dritten Tage nach der Injektion kompleter Tetanus (Schwanz aufgerichtet, Opisthotonus und Konvulsionen bei geringstem Ge­räusch), Tod an demselben Tage. Obduktionsbe­fund negativ.
Keimfreie Bouillonkulturen von Tetanusbacillen (durch Gipsfilter gewonnenes Filtrat oder durch HC1-
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Zusatz bis zu 0,25 pCt. und mehrstündige Digestion bei 60deg; keimfrei gemachte Kulturen), Kaninchen zu 0,5 ccm subkutan injiziert, erzeugen nach 3—4 Tagen typischen Wundstarrkrampf, beginnend mit Steifheit der Hinterextremitäten und endigend mit Krämpfen.
Von T i z z o n i s keimfreien Filtraten der Gelatine­kulturen genügt ein, ja selbst 1/io Tropfen, um mittel-grofse Kaninchen durch Tetanus zu töten. Je nach der Menge erfolgt der Tod früher oder später. 0,5 ccm bewirken bereits nach 8—10 Stunden Erhöhung der Reflexerregbarkeit, Steifheit des injizierten Grliedes und Exitus binnen 24 Stunden, während nach einem Tropfen 48—50 Stunden, bei 1/[o Tropfen drei Tage vergehen, bevor der Tod eintritt.
Untersuchungen von Vaillard und Vincent bestätigen die Meinung Tizzonis bezüglich der enzym­artigen Natur des Tetanotoxalbumins. Erstere stellten sich durch dreimalige Benutzung von Pepton-Glycerin-Bouillon zu Kulturen, welche nach 2—3 Wochen immer von neuem durch Filtrieren keimfrei gemacht wurden, eine Flüssigkeit her, von welcher Viooo ccm hinreichte, um ein Meerschweinchen zu töten. Die Giftwirkung wird bedeutend gemindert durch 20 Minuten dauernde Erwärmung auf 62deg;. Eine 20—30 Minuten hindurch erhaltene Temperatur von 65deg; vernichtet die giftigen Eigenschaften vollständig*). Im geschlossenen Gefäfs unter Lichtausschlufs aufbewahrt, behalten die Filtrate lange Zeit ihre toxischen Eigenschaften. Unter Ein-
*) Nach Kitasato genügt hierzu eine Temperatur von 60deg; bei derselben Zeitdauer. Bei 65deg; sind nur fünf Minuten zur Zerstörung erforderlich. Beträgt die Temperatur des Wasser­bades 55deg;, dann ist eine U/z stündige Erwärmungsdauer not­wendig, wenn die Wirkung verloren gehen soll.
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flufs der Luft, namentlich aber des Lichtes, geht die Wirksamkeit ziemlich schnell*) verloren. Alkohol föllt den Giftkörper, welcher ähnlich dem Toxalbumin der Diphtherie von Vaillard, durch indifferente Nieder­schläge, z. B. von Calciumphosphat, mechanisch nieder­gerissen wird. In diesem Zustande läfst sich das Tetano-toxalbumin ohne Verlust seiner toxischen Eigenschaft im Vacuum trocknen (nicht im Trockenschrank) und in wirk­samer Form alsdann bei freiem Luftzutritt aufbewahren. Die in dem Präeipitat enthaltene wirksame Substanz dialy-siert langsam aber vollständig. 0,5 Mg. Kalkphosphat-präcipitat, 0,05 Mg. organische Substanz enthaltend, ver-anlafsten bei einem Meerschweinchen typischen Tetanus und führten in fünf Tagen zum Tode des Versuchs­tieres. Wie das Schlangengift, übt es bei stomachaler An­wendung, selbst in grofsen Dosen, keine Wirkung aus, — Die Verflüssigung der Gelatine, des koagulierten Blut­serums etc. bringt Vaillard mit einem zweiten, pep-tischen Enzym in Beziehung, welches von dem toxischen verschieden sein soll. — Junge Kulturen von Tetanus-bacillen enthalten gewöhnlich nur wenig von dem Virus und können dieselben ohne Schaden in relativ grofser Dosis injiziert werden. Bis zu 1 ccm Sporenkultur bleibt nach subkutaner Injektion ohne jede Folge, wenn die Masse vorher auf 65deg; längere Zeit erwärmt oder mit destilliertem Wasser gründlich ausgewaschen war. Die Sporen vermögen im Gewebe nicht zu keimen und kein Toxin zu produzieren, dagegen erfolgt Er­krankung der Meerschweinchen, wenn die Sporen gleichzeitig mit einer kleinen Menge von Milchsäure
*) Nach 32stüiidiger Insolationsdauer. Kitasato fand, dafs das Tetanusgift nach 15—18 Stunden total zerstört wird, • wenn es in direktem Sonnenlicht steht.
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intramuskulär injiziert werden. Die Ausbreitung des Tetanusgiftes vollzieht sich nach A. Bruschettini in einer dem Wutgift analogen Weise längs der Nerven­bahnen und durch das Blut. Die Diffusion findet im auf- und absteigenden Sinne statt, ebensowohl bei direkter Einführung in das Nervensystem, als bei In­jektion in das Bindegewebe. Das langsame Fort­schreiten der Diffusion im Nervensystem schliefst die Annahme aus, dafs die Giftigkeit des letzteren nur einfach von jener bereits im Blute beobachteten ab­hänge. Nach B. soll das Tetanusgift von T i z z o n i, wenn es in das Blut gelangt ist, vom Organismus durch die Nieren ausgeschieden werden. K i t a s a t o hält die Ver­breitung des Giftes im Organismus durch das Blut für den gewöhnlicheren Weg, da er mit Blut positive Resultate bekam, während die Übertragung von Organen (Unter­hautbindegewebe, Muskulatur) der an Giftinjektion ver­endeten Mäuse auf andere ausnahmslos erfolglos blieb. Dieses Verfahren glückte Bruschettini bei Kaninchen, die er mit Aufschwemmungen von Teilen des Rücken­marks, der Nieren, Nebennieren und der Leber solcher Kaninchen behandelt hatte, die einer Injektion mit dem von T i z z o n i isolierten Gift oder sterilem Filtrat von Tetanuskulturen erlegen waren. Mit der Empfänglichkeit der Tiere steht diese Erfahrung von B. schwerlich in Verbindung, da gerade die Kaninchen weniger empfind­lich für das Tetanusgift sind als die Mäuse; dann folgen die Meerschweinchen und obenan stehen die Hühner, welche sich durch natürliche Immunität auszeichnen. Kitasato überzeugte sich von der Thatsache, dafs es sich bei der Verimpfung keimfreier Kulturen ledig-, lieh um eine Intoxikation handelte, durch Prüfung des Blutes resp. der Transsudate mit dem Plattenkultur-
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verfahren. Niemals erfolgte ein Wachstum von Tetanus-bacillen. Es gelang K. femer annähernd, die tödliche Dosis des Tetanotoxalbumins für die Maus festzustellen. Es genügten 0,000 01 com Filtrat zur Tötung mit einem Grehalt an Trockensubstanz von 0,000 23 Mg. Da eine Maus ca. 15 g wiegt, so würde p. KK. 0,0153 Mg. der letalen Dosis entsprechen. In Wirk­lichkeit ist dieselbe aber noch geringer, denn in der Trockensubstanz findet sich neben dem Gift Asche und andere Substanzen vor. Die Frage, weshalb das Gift im Magen zerstört wird, erledigt sich durch eine weitere Beobachtung Kitasatos. Salzsäure zerstört nämlich schon bei gewöhnlicher Temperatur das Te­tanusgift nach einem Zusatz von 0,55 pCt. innerhalb einer Stunde und in der Menge von 0,365 pCt. binnen 24 Stunden vollkommen. Auch Alkalien vermindern die Giftwirkung in ziemlich hohem Grade. Alle übrigen versuchten Chemikalien, von denen als Gruppenreprä­sentanten angeführt sein mögen Äther, Jodoform (20 bis 50 pCt), Blei- und Kupferacetat (5 pCt.), Resorcin, Chromsäure (1,5—2 pCt.), Cyankalium (0,1 pCt.), ver­hinderten die Wirkung des Tetanusgiftes nicht, ebenso­wenig normales Blutserum irgend einer Tiergattung. Das tausendfach mit normalem Pferde-, Rinder-, Kalbs-, Hammel-, Kaninchen-, Meerschweinchen- oder Ratten­serum verdünnte Filtrat tötete eine Maus ebenso gut durch Tetanus, wie vor der Verdünnung.
Kaninchen lassen sich gegen Tetanus durch Be­handlung mit chemisch wirkenden Substanzen, z. B. dem Jodtrichlorid, JC13, (2 ccm einer 1—2 pCt. Lösung) immunisieren. Das Blut und zellenfreie Serum des tetanusimmunen Kaninchen hebt die Wirkung des Tetanusgiftes auf, wie Untersuchungen von B eh ring
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 36
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und Kitasato ergeben haben. Diese Eigenschaften des antitoxischen Blutes und Blutserums sind so dauer­hafter Natur, dafs sie auch im Organismus anderer Tiere wirksam bleiben, weshalb man im stände ist, durch Blut- bezw. Serumtransfusion hervorragende therapeutische Wirkungen zu erzielen. Mäuse mit dem Blut oder dem Serum tetanusimmuner Kaninchen be­handelt, bleiben nicht nur vor Erkrankung an Tetanus geschützt, wenn ihnen die immunisierende Flüssigkeit nach der Infektion mit virulentem Tetanusmaterial bei­gebracht worden ist (intraperitoneal), sondern auch dann, wenn bereits mehrere Extremitäten tetanisch geworden sind und nach den sonstigen Erfahrungen der Tod der Mäuse in wenigen Stunden zu erwarten ist, falls keine Behandlung eintritt, selbst dann gelingt es noch mit grofser Sicherheit, die Heilung herbeizuführen und zwar so schnell, dafs schon nach wenigen Tagen nichts mehr #9632;von der vorherigen Erkrankung zu bemerken ist.
Das Blut der von Natur immunen Hühner macht merkwürdigerweise andere Tiergattungen für Tetanus nicht refraktär. Worin dieser Unterschied zwischen dem Blut der immunen Hühner und der künstlich immunisierten Kaninchen besteht, entzieht sich vor­läufig noch unserer Kenntnis.
Kitasato versuchte ferner Kaninchen durch Ge­wöhnung an das Tetanusgift zu immunisieren, was j edoch nicht gelingen wollte. V a i 11 a r d erzielte durch Verwendung der eine Stunde lang auf 60deg; erwärmten, filtrierten Tetanuskulturen positive Resultate. Das Er­hitzen bedingt eine Abschwächung, nicht eine Vernich­tung des Giftes, was daraus hervorgeht, dafs Meer­schweinchen mit derartig behandelten Filtraten getötet werden. Injiziert man davon 20 ccra auf einmal.
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oder 30 ccm in zwei Portionen mit eintägiger Unter­brechung Kaninchen intravenös oder subkutan, so ge­nügt dies, um die Tiere dauernd immun zu machen. — Die Bemühungen von T i z z o n i und C a 11 a n i, nach Beb rings Angaben mit Jodtrichlorid Immunität herbei­zuführen , schlugen fehl. Sieraquo; mischten gleiche Mengen .einer filtrierten, im Vacuum auf ein Drittel des ursprüng­lichen Volumens eingedampften Tetanuskultur und 2 pCt. Lösung von Jodtrichlorid, wodurch die Giftwirkung im Laufe von 24 Stunden vernichtet wurde, ohne dafs das Ge­misch nach Subkutaninjektion bei Mäusen und Kaninchen die Entwickelung tetanischer Erscheinungen durch vor­her oder nachher angewandte virulente, filtrierte Te­tanuskultur zu hindern vermochte. Ebenso verhielten sich frisch bereitetes Chlorwasser und 5 pCt. Phenol­lösung, von denen letztere das Virus bereits innerhalb drei Stunden unwirksam machte, wohingegen 3—4 pCt. Lösungen, selbst nach 24 stündiger Einwirkung, das Grift intakt liefsen. Hinsichtlich der Wirkung des Blutserums immuner Hunde sammelten T. und C. ähn­liche Erfahrungen wie B. und K. an Kaninchen. Die Subkutaninjektion einer kleinen Menge von Blutserum eines immunen Hundes verleiht anderen Hunden eben­falls Schutz gegen sonst tödliche Dosen des Tetanus­giftes oder virulenter Kulturen; Kaninchen oder Meer-sdhweinchen waren jedoch mit Hundeserum nicht zu i^nmunisieren. 1—2 Tropfen des wirksamen Serums Vermag in kurzer Zeit (15—20 Minuten) die Virulenz von Va ccm Kulturfiltrat zu vernichten. Die antitoxischen Eigenschaften bleiben während der Aufbewahrung im Dunkeln bei 15deg; viele Tage unverändert bestehen, ebenso bei Erwärmen auf 60deg;; eine Temperatur von 65deg; schwächt die Wirkung in hohem Grade, Erhitzen auf
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680 vernichtet dieselbe völlig. Das in dem Blutserum immuner Hunde enthaltene Tetanus-Antitoxin ist ein neutral reagierendes Globulin oder eine Sub­stanz, welche beim Ausfällen mit Magnesiumsulfat vom Globulinniederschlag mitgerissen wird. Das dialysierte, frisch unter Zusatz eines Tropfens verdünnten Natrium­karbonats gelöste Antitoxin hebt die Giftwirkung fil­trierter Kulturen auf, ebenso das durch Fällung mit Alkohol oder Natriumsulfat dargestellte Antitoxin. Bei successiver Anwendung der beiden letztgenannten Re-agentien (Hankins Methode cf. S. 545) verliert das Antitoxin seine das Tetanusgift zerstörende Eigenschaft gänzlich. Läfst man wirksames Antitoxin (Alkohol­fällung) eintrocknen, so erzielt man mit der wässerigen Lösung desselben zwar noch bei weifsen Ratten 5—6 Tage andauernde Immunität, eine Heilwirkung jedoch überhaupt nicht mehr. Aus den wässerigen Auszügen der Muskulatur, der Leber und Milz, vermochten T. und C. keine, die Wirkung des Tetanusgiftes völlig vernichtende Substanz zu gewinnen.
Tuberkulose.
Anknüpfend an den Fund von N o c a r d und R o u x, dafs die Tuberkelbacillen in Glyzerinbouillon kräftig wachsen, impften N e n c k i und Hamm erschlag der­artige Flüssigkeit mit frischen Kulturen und erhielten nach sieben Wochen einen mehrere Millimeter hohen Bodensatz schwach rosa gefärbter Bacillen. In Pasteur scher Hefeabkochung (1 Vol. Hefe mit 15 Vol. Wasser aufgekocht, filtriert), mit 5 pCt. Glyzerin ver­setzt, bilden sie zähe, fest zusammenhängende Klumpen. Aus verschiedenen Kulturen wurden ca. 28,0 g ge­wonnen und analysiert. Wassergehalt 83—89 pCt. In
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100 Teilen Trockensubstanz fanden sich 73 pCt., in Alkoholäther unlösliche Stoffe (37 pCt. Eiweifs, 28 pCt. Cellulose, 8 pCt. Asche) und ca. 27 pCt. in Alkoholäther lösliche. Letztere enthielten eine g i f t i g e, anfangs klonische, später tonische Krämpfe erregende Substanz, welche Meerschweinchen nach 12 — 36 Stunden tötete. Der obstartige Geruch der Kulturen rührt von einem Alkohol her. In dem Ätherextrakt fanden sich Lecithin, Palmitin und Stearin (Olein und Cholesterin fehlten).
R. Koch (deutsche medizinische Wochenschrift 1891, S. 101) hatte die Beobachtung gemacht, dafs bei einigen an Impftuberkulose leidenden Meerschweinchen mit ulcerierender Impfwunde nach erneuter Impfung Hautnekrose an der neuen Impfstelle entstand. Das nach Efoliation entstandene Ulcus heilte schnell und dauernd, ohne dafs die benachbarten Lymphdrüsen affiziert wurden. Diese auffallende Wirkung kommt nicht nur den lebenden Tuberkelbacillen zu, sondern findet sich ebenso bei den abgetöteten. Es ergab sich dann fernerhin, dafs abgetötete Reinkulturen, in Wasser aufgeschwemmt, bei gesunden Meerschweinchen in grofser Menge unter die Haut gespritzt werden können, ohne dafs etwas anderes als lokale Eiterung entsteht. Tuberkulöse Meerschweinchen wurden dagegen schon durch Injektion von sehr geringen Mengen solcher auf­geschwemmten Kulturen innerhalb 6—48 Stunden ge­tötet. Nicht tödliche Dosen bewirkten die erwähnte Hautnekrose. Bei weiterer Verdünnung stellte sich nach fortgesetzten Injektionen merkliche Besserung im Allgemeinbefinden und Heilung der tuberkulösen Geschwüre unter Narbenbildung ein. Das, was heilend einwirkte, konnte nur eine lösliche Substanz sein, und
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es gelang Koch, mit Hülfe einer 40—50 pCt. Glyzerin­lösung ein wirksames Agens zu extrahieren, bei welchem Verfahren, wie der Erfolg lehrte, die Eiter erregende Noxe der Bacillen in das Extrakt nicht überging. In letz­terem sind aufserdem Mineralsalze und Farbstoffe ver­treten. Die wirksame Substanz läfstsich durch absoluten Alkohol in Verbindung mit anderen, ebenfalls in Alko­hol unlöslichen Extraktstoffen ausfällen. Nach Beseiti­gung der Farbstoffe bleibt eine farblose, trockene Sub­stanz zurück, welche das wirksame Prinzip in viel konzentrierterer Form enthält, als die ursprüngliche höchstens 1 pCt. Glyzerinlösung. Es scheint hier ein Eiweifsderivat vorzuliegen, welches hohen Temperaturen gegenüber resistent und leicht dialysierbar ist.
Das z. Z. als Impfmittel benutzte Glyzerinextrakt ent­hält das „Tuberculinquot; in der oben angegebenen Ver­dünnung. Dasselbe repräsentiert eine syrupöse, neutrale Flüssigkeit von brauner Farbe mit schwach grünlicher Fluorescenz. Der Geruch erinnert an Sauerteig, an­derseits an Honig. Beim allmählichen Erhitzen tritt der Hefegeruch mehr zurück und angenehmer Obst­geruch herrscht vor. Die Aschebestandteile bewegen sich unter 1 pCt. Beim Ansäuern mit verdünnter Essigsäure tritt schwache Trübung ein (Mucin, Kasein). Nach Zusatz von Ferrocyankalium erhöht sich diese Trübung (Albumin). Die Biuretreaktion ist sehr stark (Pepton). Alle jene Reagentien, welche auch bei Gegen­wart von Eiweifssubstanzen Alkaloide anzuzeigen im stände sind, gaben durchweg negative Resultate. F e h -ling sehe Lösung wird in minimalem Grade reduziert. Zucker ist ausgeschlossen. Unter den anorganischen Substanzen fehlen Schwefel und Phosphor, Chloride vor­handen (M. und A. Jolles). F. Hüppe und Scholl
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veröffentlichten eine Analyse der Koch sehen Lymphe, welche nach Annahme der Untersucher aus einem Ge­misch von Stoffwechselprodukten und unzersetztem Nährmaterial von Tuberkelbacillenkulturen besteht. Pep-ton*) ist zu ca. 30 pCt. darin enthalten, ebenso Glyzerin. Toxalbumine im engeren Sinne fehlen. Vielleicht han­delt es sich um ein Toxopepton. — Z ü 1 z e r extrahierte Gelatinekulturen mit heifsem, mit HC1 angesäuertem Wasser, filtrierte, dampfte ein und fällte mit Platin­chlorid. Das Doppelsalz der ausgefällten Substanz wurde mit H2S zerlegt, filtriert und zur Trockene ge­bracht. Auf diese Weise erhielt Z. ein fast weifses, wohl krystallisiertes Salz. Dasselbe löst sich leicht in Wasser von 40deg; mit gelblicher Farbe, schwerer in kaltem. Bei längerem Aufbewahren nimmt auch das trockene Salz eine hellbräunliche Farbe an. Kleinere Quantitäten der Verbindung (0,01 g und weniger) be­wirkten bei Kaninchen und Meerschweinchen nach 3—5 Minuten eine bis 180 p. M. zunehmende Respirations­frequenz von ca. viertelstündiger Dauer, worauf Ab­nahme erfolgte. Gleichzeitig trat Steigerung der Rektal­temperatur um 0,5—2 0 ein. Nächstdem bildeten hoch­gradige Protrusio bulbi und mäfsige Pupillendilatation konstante Erscheinungen, welche indes nach ca, 15 bis 20 Minuten verschwanden. Injektion von 0,02—0,03 g führte nach 2—4 Tagen zu letalem Ausgang. Die In­jektionsstellen erwiesen sich bei der Obduktion stark gerötet und mit Hämorrhagien durchsetzt-, kleinere Blutungen in der Schleimhaut des Magens und dem oberen Teil des Dünndarms. In der Bauchhöhle in einigen Fällen 15—20 ccm klares Transsudat. Gehirn
*) Nach W. Hunter sind Prot-, Deutero-, wechselnde, geringe Mengen von Hetero-, Spuren von Disalbumosen, auch mehrere Alkaloide, aber keine Peptone vertreten.
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weich, blutreich. Annähernd gleiche Symptome nach Applikation auf die Conjunctivalschleirahaut. —
Soweit die bisher von Grutmann, Schütz, Lyd-tin, Bang, Dammann u. a. veröffentlichten Impfver-suchean tuberkulösen Rindernzuübersehengestatten, ver­spricht das Koch sehe Mittel wesentlich zur Sicherung der Diagnose beizutragen, da bei vorhandener Tuber­kulose Fieber nach der Impfung eintritt. — Zur Prüfung des Tuberculins auf seinen therapeutischen Wert für Tiere sind von J a c c o u d Versuche mit Meerschweinchen und von A1 e x a n d e r mit Kaninchen angestellt worden. Ersterer injizierte das Tuberculin vor der Impfung mit virulenten Bacillen. Die Kontrolltiere blieben länger am Leben, als die mit Tuberculin behandelten. A. stu­dierte die Wirkung des Tuberculin auf die Impftuber­kulose des Kaninchenauges, wobei das Auftreten von Hämorrhagien bei allen drei injizierten Tieren auffiel, während Extravasate in den Augen der nicht mit Tuber­culin behandelten Tiere fehlten. Die Gefahr, Blutungen auch an anderen Organen herbeizuführen, ist nicht ausge­schlossen. Dujardin-Beaumetz berichtet von sehr häufigen und intensiven Nierenblutungen. Von einer Abnahme der Bacillen in den Augen der Kaninchen war unter Einwirkung des Tuberculin keine Rede, eher schien eine Vermehrung eingetreten zu sein, da sie bei den injizierten Tieren in Form gröfserer Haufen fast in Reinkultur angetroffen wurden; bei den übrigen be­kam A. Infektionsherde in dieser Ausdehnung niemals zu sehen. — Klebs kommt auf Grund bestimmter pathologisch-anatomischer Indicien zu der Ansicht, dafs sich unter den Stoffwechselprodukten der Tu-berkelbacillen ein Enzym befinde, welches nach Art eines Blutgiftes wirke. Maffucci schliefst aus seinen Versuchen, dafs die Tuberkelbacillen eine toxische
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Substanz bilden, welche einer Temperatur von 70deg; widersteht und im stände ist, eine chronische Ver­giftung des Organismus hervorzurufen, die mit Ma­rasmus und Zerstörung der roten Blutkörperchen endet. Diese toxische Substanz wird vom Tier nicht vernichtet, denn Milzstücke von marantisch zu Grunde gegangenen Meerschweinchen, welche, zur Kultur ge­bracht, steril bleiben, verursachen bei Übertragung auf Tiere gleicher Spezies nach einiger Zeit den Tod an Ma­rasmus. Ähnliches beobachtete M. nach Injektion ste­riler Tuberkelbacillenkulturen. Th. Weyl extrahierte gröfsere Quantitäten der letzteren mit verdünnter, warmer Natronlauge und erhielt eine gelbliche, trübe Mischung, welche sich beim Erkalten in eine gelati­nierende, agarälmliche, obere Schicht und eine weifse Bodenschicht sonderten, wovon die letztere die spezi­fische Färbbarkeit der Bacillen zeigte*). Wahrschein­lich entspricht diese weifse Substanz der Hülle der Bacillen, während die Gallerte das gelöste Plasma ent­hält. Die Gelatine löst sich in erwärmter Natronlauge und rufen verdünnte Säuren einen flockigen, schwach braun gefärbten Niederschlag hervor, welcher in über­schüssiger Essigsäure unlöslich bleibt. Der gereinigte Körper enthält C 51,6, H 7,3, N 4,4 pCt, aufserdem S und P. Durch seinen S-Gehalt unterscheidet sich die Substanz von dem S-freien Mykoprotein und dem Anthraxprotein von Nencki und Schaffer. Beim Kochen mit Millons Reagens wurde sowohl mit dem weifsen, als dem mucinähnlichen Körper Gelbfärbung (keine Rötung) erhalten. Kaninchen reagierten auf Injektion von 0,5 ccm einer 0,145 pCt. Lösung des
*) Sie läfst sich, mit ZiehIscher Lösung behandelt, durch 3 pCt. Schwefelsäure nicht mehr entfärben.
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letzteren nicht. Meerschweinchen zeigten an der Injektionsstelle drei Tage nach der Injektion einen trockenen Schorf, der nach 4—5 Tagen abfiel; bei Mäusen blieben nach Abheilung der Schorfe haarlose Stellen zurück. Eines der Versuchstiere starb. Der Eigenschaft wegen, lokale Nekrose zu erzeugen, wird die Substanz als Toxomucin bezeichnet.
Zur Behandlung der Tuberkulose verwendet Liebreich das kantharidinsaure Kali (0,1—0,2 Mg),. welches nach Subkutaninjektion an den erkrankten Stellen ähnliche Erscheinungen hervorruft, wie daraquo; Koch sehe Tuberculin, aber nicht von Fieber und allge­meinen Beschwerden begleitet ist, dagegen aufserordent-lich leicht Nephritis erzeugt (cf. S. 75). Lanelongue benutzte Zinkchlorür mit angeblich gutem Erfolg. Strisower empfiehlt Inunktion mit grauer Queck­silbersalbe, wovor O. Lassar warnt.
Gr. Bertin und Pick erzielten durch Trans­fusion von Ziegenblut bei Kaninchen, welche mit Tuberkelbacillen infiziert worden waren, günstige Wir­kungen. Die Ziege widersteht der Infektion in ziem­lich hohem Grade. St. Hilaire sah nach wieder­holten intratrachealen Injektionen von je 4 cem Hunde­blutserum Kehlkopfgeschwüre abheilen.
Typhus.
Die StofFwechselprodukte des Typhusbacillus (Koch, Eberth) sind in mannigfacher Richtung von Brieger untersucht worden. Auf 5 pCt, mit Nährsalz versehenen Lösungen von Traubenzucker oder Stärke gedeiht die Reinkultur bei 30deg; vortrefflich. Es bilden sich Äthylalkohol, flüchtige Fettsäuren, besonders Essig­säure und Gärungsmilchsäure. Noch besseres Wachs-
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turn liefs sich in Bouillon oder Fleischbrei konstatieren, welche Nährsubstanzen bald alkalische Reaktion an­nahmen, ohne dafs Gasentwickelung eintrat. Queck-silberchloridfallung ergab in 1—2 Monate alten Kul­turen eine Base, welche ein in Wasser leicht lösliches Platinsalz, aber eine schwer lösliche Goldverbindung bildete. Letzteres enthielt Au 41,94 pCt. C 16,06 pCt., H 3,66 pCt.
Mit Gerbsäure entstand eine weifsgelbe, amorphe Fällung, mit Jodjodkalium ein braunes, mit Phosphor­molybdänsäure ein weifses, mit Kaliumquecksilberjodid ein rotbraunes Präcipitat. Möglicherweise handelt es sich um ein Triamin. Die Wii'kung dieser Base äufserte sich beim Meerschweinchen zunächst in schwachem Speichelflufs und zunehmender Atemfrequenz. Später verloren die Tiere die Herrschaft über ihre Extremi­täten und ßumpfmuskeln, ohne dafs eine eigent­liche Paralyse dieser Muskelgruppen bestand. Die Versuchsobjekte fielen auf die Seite, vermochten jedoch, wenn man sie wieder auf die Extremitäten stellte, sich ein wenig vorwärts zu bewegen. Die Beine glitten aber bald aus, der Kopf sank nach abwärts und die Tiere stürzten um. Allmählich erweiterten sich die Pupillen, die­selben wurden reaktionslos, der Speichelflufs abundanter. Krämpfe fehlten und blieben auch nach äufseren Reizen aus. Nach und nach nahm die Herzfrequenz und Atmung ab. Während des ganzen Verlaufs der Vergiftung fanden reichliche diarrhöische Entleerungen statt. Der Tod erfolgte nach 24—48 Stunden. Beider Obduktion zeigte sich das Herz stets systolisch kontrahiert, die Lungen stark hyperämisch, die übrigen inneren Organe blafs; die Därme waren fest kontrahiert, ihre Wan­dung blafs.
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Auf Fleischbrei mit nur wenig Wasser zur Kon­sistenz dicker Sülze angerührt, produziert der Typhus-bacillus bei 37,5—38deg; in 1—2 Wochen eine als Typho-toxin bezeichnete Base, welche mit dem Saprotoxin isomer ist, jedoch in Krystallform und ihrem physiolo­gischen Verhalten wesentlich abweicht. Die Analyse ergab die Zusammensetzung C7Hi7N02, Schmelzpunkt des Golddoppelsalzes 176deg;. Das Chlorhydrat giebt mit Pikrinsäure eine schwer lösliche Fällung, mit Phosphor­molybdänsäure ein gelbes, mit Phosphorwolframsäure ein weifses, mit Kaliumwismuthjodid ein harziges Präcipi-tat. Kaliumcadmium-, Kaliumquecksilberjodid, Jodjod­kalium lassen ölige Tropfen entstehen, welche nicht krystallinisch werden. Sulfodiazobenzol erzeugt sofor­tige Gelbfärbung, welche bei Zusatz von Basen ver­schwindet. — Die Wirkung wurde, da die Ausbeute eine geringe war, an Mäusen studiert und zeigten sich im allgemeinen die gleichen Lähmungssymptome etc., wie bei der vorigen Base. — Über die Beziehungen des Typhotoxin zu dem zweiten isomeren Körper (cf. S. 533) Hegen keine Angaben vor.
Aus Kulturen auf peptonisiertem Bluteiweifs wurde das ungiftige Mydin, CgHuNO (auch aus Leichteilen) erhalten.
Fällungen mit Ammoniumsulfat führten auf ein globulinähnliches, in Wasser schwer lösliches Toxal-bumin (Typhustoxalbumin), welches auf Kanin­chen intensiver wirkte, als auf Meerschweinchen.
Wut.
Aus 100 Gehirnen von Kaninchen, die an Eabies zu Grunde gegangen waren, sind von Anrep 0,05 g eines äufserstgiftigen alkaloidähnlichen Körpers dar-
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gestellt worden, über dessen chemische Identifizierung keine Mitteilungen vorliegen. In kleinen Gaben (0,01 bis 0,03 Mg.) ruft die Substanz Temperatursteigerung und Unruhe, Beschleunigung des Pulses und Atmens hervor. Mittlere Dosen (0,05—0,2 Mg.) erregten Atmungsbe­schwerden, Krämpfe, Schwäche der Muskel- und Herz-thätigkeit, grofse Gaben (0,3—05 Mg.) bewirkten Ab­nahme der Temperatur, Parese der Extremitäten, Speichelflufs und Tod unter Asphyxie.
Die Versuche, durch kleine Quantitäten gifthal­tiger Organteile etc. eine Immunität gegen natürliche und künstliche Infektion mit Hundswut hervorzurufen, ergaben erst in neuerer Zeit konstante Resultate. Pasteur gelang es bekanntlich, mit emulgiertem Rückenmark tollwutkranker Kaninchen bei Hunden Immunität herbeizuführen und bei gebissenen Menschen in manchen Fällen den Ausbruch der Wutkrankheit zu verhindern. Babes erlangte mit dieser Impfmethode nur zweifelhafte Erfolge, weshalb er die auf dem Wege der Pasteur sehen Methode erreichte Unempfänglich-keit durch Impfung mit dem Blut derartig immuni­sierter Tiere auf andere warmblütige Lebewesen zu übertragen versuchte. Die ausgeführten Experimente liefsen vor allem die Thatsache feststellen, dafs die Blutimpfung (£0,0 g in die Bauchwand injiziert) auch in solchen Fällen noch eine prophylaktische Wirkung ausübte, wo die Pasteur sehe „Rückenmarkslymphequot; *) unter sonst ganz gleichen Verhältnissen gar kein Impfresultat ergab. — Die Herstellung des Pasteur-
*) Die eigentliche Cerebrospinalflüssigkeit enthält nach W. Wissokowicz das Gift der Tollwut nicht, ebensowenig das unter Druck gewonnene klare Filtrat des Eückenmarks (Peuch).
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sehen Impfmaterials geschieht in folgender Weise. Ein von einem wutkranken Tier gebissenes, oder mit der Rückenmarksubstanz an natürlicher Tollwut ge­fallener Hunde etc. subdural geimpftes Kaninchen stirbt um den 25. Tag nach dem Bifs. Durch fortge­setzte subdurale Verimpfung der frischen, virulenten Hirn- oder Rückenmarksubstanz (Medulla oblongata oder Lendenmark) der verendeten auf trepanierte ge­sunde Tiere nimmt die Intensität des Giftes derart zu, dafs die Impflinge schliefslich am 6. Tage*) nach der Injektion erkranken und ca. 3 Tage später sterben. Die nervösen Centralorgane dieser Tiere liefern das fixe Virus, mit welchem jene Kaninchen geimpft werden, von deren Rückenmark das abgeschwächte Virus hergestellt wird. Da das Gift durch Einflufs der Luft und der Wärme allmählich seine Wirksamkeit ein-büfst, so kann man sich durch verschieden lange Zeit getrocknetes Rückenmark der an Wut verendeten Kanin­chen eine Skala des Giftes herstellen. Das noch nicht drei Tage trocknende Rückenmark ist zu gifthaltig, dasjenige, welches länger als 14 Tage unter einer Glocke aufbewahrt wird, besitzt zuwenig wirksames Virus, um es mit dauerndem Erfolg zu Schutzimpfungen zu ver­wenden. Von jedem einzelnen Rückenmark werden Stückchen für sich in Bouillon so lange gekocht, bis sich das Ganze zu einer trüben, lichtgelben Flüssigkeit aufgelöst hat, welche in Gläschen gefüllt wird. Es steht alsdann von 14tägigem bis Stägigem Virus Mate-
*) Für Hunde beträgt das Inkubationsstadium bei gleicher Behandlung schliefslich nur noch 7—8 Tage; der Tod erfolgt 2—3 Tage nachher. Der Speichel zeigt nach Eoux und Nocard mindestens 30 Stunden vor Ausbruch der Krankheit virulente Eigenschaften.
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rial zur Verfügung, welches allmählich, mit dem schwächsten beginnend, zu ca. 20 Injektionen für den Menschen verwendet wird. — Nach Galtier, Roux und N o c a r d läfst sich das starke Laboratoriumsvirus Schafen und Ziegen unmittelbar in das Blut einführen, #9632;ohne dafs die Tiere an Tollwut erkranken. Im Gegen­teil macht dieses Verfahren sogar für spätere subdurale Inokulation mit virus fixe unempfänglich. Aufser in den Nerven und Speicheldrüsen findet sich nach Bujwid das Gift sicherlich im Blut lebender, wutkranker Tiere, obgleich in geringerer Menge als im Rückenmark. Die widersprechenden Resultate bezüglich der Ansteckungs-fahigkeit des Blutes erklären sich aus dem Umstand, dafs schon 12 Stunden nach dem Tode das Gift aus dem Blute verschwindet, so dafs letzteres nicht mehr ansteckend wirkt. Vom Magen aus soll das Tollwutgift nach Pasteur weder Erkrankung noch Immunität erzeugen, doch erhielt Galtier unter 30 Fütterungs­versuchen (Kaninchen) mit virulentem Rückenmark zweimal positive Resultate. Einreiben der Maulschleim­haut rief bei vier von 30 Tieren die Wutkrankheit hervor. Derselbe vermochte auch das Wutgift mit Erfolg zu übertragen, indem er etwas Substanz von dem zerriebenen Augapfel eines an Wut verendeten Tieres einem anderen in die vordere Augenkammer injizierte. Die Erkrankung trat nach 14—17 Tagen ein. — Peyraud will Kaninchen durch 14 Tage lang-fortgesetzte subkutane Injektion von je 0,1 ccm 01. Tanaceti immunisiert haben, eine Angabe, welche Ekkert nicht bestätigen kann.
Zur Desinfektion von Bifswunden eignen sich nach de Blasi und Travalli am meisten Citronensaft und Kreolin (1 pCt.), welche hirsekorngrofse Rückenmark-
#9632;lt; ]
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Stückchen in drei Minuten unschädlich machten. Das­selbe leisten 5 pCt. Salz- oder Salicylsäure nnd 2 pCt. Eisenchlorid in fünf Minuten.
Anhang*).
Aeonitin (S. 255).
Durch Extraktion mit Amylalkohol erhielten W. E. Dun­st an und W. H. Ince gelblich gefärbtes, krystallisiertes Aeo­nitin, das gereinigt bei 188,5deg; schmilztunddieFormelC33H48N013 besitzt. Die alkoholische Lösung def Base dreht rechts, die wässerige Lösung des Bromhydrats nach links. Durch Erhitzen mit Weinsäure im geschlossenen Rohr entsteht das von Wright und Luff erwähnte Dehydroaconitin oder Apo-aconitin, C33H43NOn. Es bildet Krystalle und schmilzt bei 186,5deg;. Durch längeres Erhitzen mit Wasser entsteht neben Benzoesäure eine amorphe Base, C26H41NOi1.
Amaryllin (S. 230).
In exotischen, als Gartenpflanzen kultivierten Repräsen­tanten der Amaryllidae finden sich ebenso, wie in den hei­mischen Narcissen, heftige, brechenerregende Grifte, welche durch K. Fragner krystallisiert aus den Zwiebeln von Ama­ryllis formosissima und A. Belladonna (Südamerika) dargestellt wurden. Das Alkaloidjler ersteren, das Amaryllin, krystal­lisiert in kurzen, büschelförmig gehäuften Nadeln. Die meisten Alkaloidreagentien geben Fällungen mit Ausnahme von Platinchlorid, Kaliumbichromat und Gerbsäure. Als charak­teristisch für das Alkaloid gelten nachstehende! Farbenreak­tionen. Mit Schwefelsäure entsteht eine dunkelrotbraune Fär­bung, die nach längerer Zeit in Braun, weiterhin auf Zusatz einiger Tropfen Wasser in Grün übergeht. Mit Zucker ver­rieben, färbt sich das Alkaloid auf Zugabe von etwas Schwefel-
*) Während des Druckes publizierte Arbeiten, welche dem Text nicht mehr einverleibt werden konnten.
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säure vorerst grün, dann dunkelgelb, mit Fröhdes Reagens braungrün, dann dunkelgrün, mit Man de lins Reagens braun, dann grün. Bei 190onimmt AmaryllineinengelbenFarbenton an, bei 194deg; wird es braun und bei 196deg; schmilzt es vollständig. — Die Zwiebel der Amaryllis Belladonna enthält ein in längeren, farb­losen Nadeln krystallisierendes Alkaloid, Bellamarin genannt, welches, wie das vorige, in Chloroform, Äther und Allfbhol leicht löslich ist. Beim Erwärmen bis 175deg; färbt es sich gelb, bei 179deg; braun und bei 181deg; schmilzt es. Platinchlorid und Ealium-biehromat geben gelbe, Tannin weifse, flockige Fällungen. Mit Schwefelsäure färbt sich Bellamarin grau, beim Erwärmen rot. Die Zucker-Schwefelsäurereaktion und die bei Anwendung des Fröhdeschen Reagens auftretenden Veränderungen ähneln denen des Amaryllin, Mandelins Reagens färbt aber zuerst blaugrün, dann braun.
Blausäure (S. 151).
Kobert fand eine einfache, zum Blausäurenach­weis brauchbare Methode, welche sich auf eine bisher ungenügend untersuchte Modifikation des Blutfarb­stoffes stützt und die Wirkung der Blausäure berührt.
Als letale Dosis berechnet K. für Warmblüter von CNH 0,83 Mg. p. KK. bei intravenöser und 1,0 Mg. p. KK. bei subkutaner Injektion. Die letztere Dosis kann sich sogar bei stomachaler Applikation als tödlich erweisen. — In den Deduktionen Koberts bezüglich der Atiologie der Griftwirkung der Blausäure kann ich eine vollkommene Bestätigung der auf S. 152 ge-äufserten Ansicht von der reduzierenden Wirkung der Blausäure erblicken, welche ich in die Worte kleidete: „Hiernach würde der toxische Effekt auf eine rapide Sauerstoffentziehung in lebenswichtigen Zellkomplexen hinauslaufen, wodurch diese und die Gewebe überhaupt für die innere Atmung unßlhig werden.quot; Kobert sagt im Anschlufs an die gleich zu erwähnende Wir­kung der Blausäure auf Methämoglobin (mHb) folgen­des: „Es kann kaum noch als zweifelhaft aufgefafst
Tereg u. Arnold, Toxikologie.
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werden, dafs CNH und CNK in hohem Grade reduzie­rende Eigenschaften besitzen, an die sich sekundär Oxy­dationsprozesse . . . anschliefsen könnenquot; und weiter: „die reduzierende Wirkung der Blausäure, seihst noch bei millionenfacher Verdünnung möchte ich auch zur Erklärung seiner abtötenden Wirkung auf fast alle Arten von tierischem Protoplasma herbeiziehen.quot;
Der Nachweis der Blausäure steht in engster Beziehung zu der reduzierenden Wirkung der Blau­säure auf Methämoglobin.
Die beste Methode, sich eine zu spektroskopischen oder chemischen Untersuchungen brauchbare mHb-Lösung herzustellen, besteht nach K. darin, dafs man Blut von Warmblütern bis auf 1—2 pCt. mit destil­liertem Wasser verdünnt, von dem entstandenen Stroma-niederschlag abfiltriert und das Filtrat mit einem win­zigen Kiyställchen von Ferricyankalium schüttelt. Sobald die rote Farbe in Gelbbraun übergegangen ist, giel'st man die Flüssigkeit von dem event, noch nicht ganz aufgelöstem Krystall ab und hat jetzt eine niHb-Lösung, die sich tagelang unverändert hält. Füllt man letztere in Gläschen mit planparallelen Wänden und fügt vor­sichtig, ohne zu schütteln, einige Tropfen einer auch nur Spuren von Blausäure enthaltenden Flüssigkeit (ver­dünntes Bittermandelwasser z. B.) hinzu, so geht sofort der gelbe Farbenton in ein prachtvolles Hellrot über. Verfolgt man den Prozefs vor dem Spektro­skop, so sieht man das mHb-Spektrum verschwinden, und bei nicht zu stark verdünnten Lösungen ein schwaches Absorptionsspektrum auftreten, welches der Lage nach dem des reduzierten Hb entspricht, aber viel undeutlicher ist. Die unter Einflufs der Blau­säure entstandene hellrote Lösung enthält jedoch kein reduziertes Hb, da durch Umschütteln oder Durchleiten
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von O das Oxyhämoglobinspektrum nicht entsteht. Höchst wahrscheinlich handelt es sich um eine che­mische Verbindung der Blausäure mit mHb, welche K. als Cyanmethämoglobin (CNHmHb) bezeichnet und von welcher er vermutet, dafs sie es ist, deren Anwesenheit die auffallende Röte der Leichenflecke und der Magenschleimhaut bei der CNH und CNK-Vergiftung veranlafst. Beim Eintrocknen an der Luft wird das CNHmHb in gewöhnliches mHb zurück­verwandelt. Fäulnisfermenten gegenüber ist CNHmHb ziemlich resistent. Während gewöhnliches mHb bereits am 3.— 4. Tage der Fäulnis zu Hb reduziert ist, läfst sich das CNHmHb noch nach achttägiger Fäulnis nach­weisen. Es hängt dies wahrscheinlich damit zusammen,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ! dafs das CNH erst beim Auftreten von H2S in das leichter zerstörbare Rhodan verwandelt wird.
Das erwähnte Verhalten des CNHmHb benutzt K. zum Nachweis der Blausäure im Kadaver, indem er einer mit 99 Teilen destillierten Wassers versetzten Blutprobe unter Umschütteln tropfenweise eine frisch bereitete 0,1 pCt. Lösung von Ferricyankalium hinzufügt. Nor­males Blut nimmt in dünner Schicht bereits nach einigen Tropfen der Ferricyankaliumlösung eine gelbe Farbe an, während die Nuance des CNH enthaltenden Blutes sich aus Blutrot in Hellrot umwandelt. Auch spektroskopisch sind beide Blutsorten scharf zu unter­scheiden, da die gelbe mHb-Lösung den charakte­ristischen Streifen im Rot zeigt, das vergiftete Blut dagegen das undeutliche Absorptionsband des redu­zierten Hb zwischen den Linien D und E.
Für die Behandlung hält K. sofortigen Ader-lafs und intravenöse Injektion von physiologischer Kochsalzlösung neben der Magenausspülung indiziert.
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Delphinium (S. 257).
Nach Untersuchungen von K. Stojanow sollen die in den Samen enthaltenen Delpliiniumalkaloicle folgende Zusammen­setzung haben: Delphinin, C31H49X07, Schmelzpunkt 191,8, ohne Farbenreaktionen, Delphi sin, C^HsqNOt, leicht lös­lich in Chloroform, Delphinoidin, Co5Hj2N04.
Peonol (S. 81).
Durch Methylierung des von Nencki und Sieber auf synthetischem Wege (Digestion von Resorcin mit Eisessig und Chlorzink bei 150deg;) dargestellten Kesacetophenon C8Hs03 oder
/ OH (1) CgHo^ OH (3), erhielt Y. Tahara farblose, glänzende,
V CO-CH3(4) bei 50deg; schmelzende Krystallnadeln, welche vollständig mit dem von Martin und Yagi aus der Wurzelrinde von Peonia Moutan dargestellten und von Nagai genauer untersuchten und benannten Peonol übereinstimmten. Dieser aromatische Körper hat die Zusammensetzung CaHjoO,, oder
„OOH8 (4) Cgflg—OHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (2), ist demnach p-Methoxy 1-o-hydroxylphonyl-
^CO.CHjil) methylketon. Das Peonol löst sich in kaltem Wasser sehr schwer, leichter in heifsem, in allen Verhältnissen in Alkohol, Äther etc., ebenso in kaustischen Alkalien (in Alkalikarbonaten und NH3 dagegen nicht), wobei gut krystallisiercnde Salze ent­stehen. Konzentrierte Schwefelsäure löst farblos, rauchende Salpetersäure mit intensiv grüner Farbe. Die alkoholische Lösung des Peonol färbt sieh durch Eisenchlorid dnnkelviolett.*) Mit Wasserdämpfen destilliert es über. Tahara erhielt aus dem ätherischen Auszuge der in Japan und China als Heil­mittel gebrauchten Wurzelrindo beträchtliche Mengen von Benzocsäure.
Podophyllum (S. 68).
Anknüpfend an die Ergebnisse der Arbeiten von Pod-wyssotzki analysierte R. Kurs ten in dem Laboratorium von
*) Salicylsäurereaktion.
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R. Böhm 100 kg Bhizoma Podophylli und gewann dadurch Anhaltspunkte zur Ermittelung der Konstitution der wirksamen Bestandteile.
Durch Auskochen des zur Trockene abgedampften Chloro­formextrakts des Rhizom mit Benzol auf dem Wasserbade und Abdunsten des Lösungsmittels an der Luft erhielt K. dicke, stark lichtbrechende Prismen von
Podophyllotoxin, 023112409 2112 0 oder C2oH1506(0-CH3)3 2H2O. Dasselbe schmilzt bei ca. 94deg; und nimmt beim Zerreiben elektrische Eigenschaften an. Wasser von 15deg; löst 0,14 p. M. In heifsem Wasser löst es sich etwas leichter, scheidet sich aber beim Erkalten in amorpher Form ab. Die besten Krystallisationsmittcl sind Spiritus von 45 pCt. und Benzol. Die Lösungen sind sämtlich farblos und drehen links. Nach dem Befeuchten einer kleinen Menge der Krystalle mit konzentrierter Schwefelsäure tritt sofort eine kirschrote Fär­bung ein, die langsam zuerst in Grünblau, später in Violett übergeht. Konzentrierte Salpetersäure erzeugt sofort Kotfär­bung, Millons Reagens in ,Eisessiglösung des Körpers ebenfalls.
Durch Oxydation mit Kaliumpermanganat in alkalischer Lösung entstehen unter Abscheidung brauner, amorpher Sub­stanzen und CO2 zwei krystallisierende Körper, von denen der eine, die
Podophyllsäure, C2oH2409, bei ca. 159deg; schmilzt und nur drei Atome C weniger enthält als das Podophyllotoxin. Im Gegensatz zu letzterem ist die Podophyllsäure ungiftig. Kon­zentrierte Schwefelsäure giebt dieselben Farhenreaktionen wie das Ausgangsmaterial.
Das zweite, in gelben, mikroskopischen Prismen krystalli­sierende Oxydationsprodukt schmilzt bei 190deg;, löst sich in Alkalien unter prachtvoll blauer Fluorescenz, zeigt ebenfalls Säurecharaktor und erinnert durchaus an die Kunzsche Chry-satropasäure, das Scopoletin (cf. S. 283). Die Ähnlichkeit dieses Produktes mit Körpern der Äsculetinreihe, der beim Ver­brennen der Podophyllsäure auftretende Cumaringeruch, ferner die Entstehung von intensiv nach Acrolein und Phenol riechen­den Dämpfen bei der Reduktion mit Zinkstaub läfst auf das Vorhandensein einesZimmtsäurekernesimPodophyllinschliefsen. Hydroxylgruppen fehlen anscheinend, da die versuchte Acety-lierung erfolglos blieb.
Pikropodophyllin, C23H240g, isomer dem Podophyllo­toxin, entsteht aus dem letzteren durch Einwirkung von Am­moniak auf alkoholische Lösungen des: Podophyllotoxin bei
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Siedetemperatur durch intramolekulare Umlagerung, vermut­lich an den vorhandenen Methoxylgruppen. Die nadelförmigen, intensiv bitter schmeckenden Krystalle geben die Schwefel­säurereaktion, unterscheiden sich aber vom Podophyllotoxin durch das Fehlen des Krystallwassers und der Mi 11 on sehen Eeaktion, durch den hohen Schmelzpunkt (227 0) und die optische Inaktivität. Der geringeren Löslichkeit wegen wirkt es weniger intensiv, qualitativ aber gleich der
Pikropodophyllinsäure, welche höchst wahrscheinlich iden­tisch mit der durch Oxydation des Podophyllotoxin künstlich her­zustellenden Podophyllsäure ist. Sie findet sich im Rückstand des Chloroformextrakts nach dem Auskrystallisieren des Podophyl­lotoxin. In unreinem Zustand bildet sie, ebenso wie die Podo­phyllsäure, gummiartige oder gelatineähnliche Massen. ,
Podophylloquercetin, C^Hu^io (c^ Quercetin S. 356), läfst sich sowohl im Podophyllin*), als in dem mit Petroläther und Chloroform erschöpften Rhizom gewinnen, aus welchem es K. durch Atherextraktion erhielt. Die gelben, sublimicr-baren Krystalle schmelzen beica.2760(daBPodwyssotzkische Präparat bei 250deg;), färben sich mit Eisenchlorid grün, mit H2S04 orangerot, mit HN03 dunUelrot bis braun, in Eisessig gelöst mit Millons Reagens ebenfalls rot. In Wasser löst es sich fast gar nicht, am leichtesten in Alkohol und Alkalien. Alkalische Kupfer- oder Silberlösung wird reduziert, eine Eigenschaft, welche möglicherweise 6u a res chi zur Annahme eines Glykosides in dem Rhizoma Podophylli bestimmte. Das Podophylloquercetin enthält sechs Hydroxylgruppen'', aber keine Methoxyle. Nach Podwyssotzki ist das Podophyllo­quercetin unwirksam.
Saponine (S. 261). Eine Reihe von Versuchen, welche N. Kruskal auf Roberts Veranlassung anstellte, gaben letzterem Gelegenheit, sich über die Saponine im allgemeinen zu äufsern. Hiernach ist die Bezeichnung Saponin nur noch als Kollektivbegriff zu verwenden, da von einer
*) Ein grau-gelblich-grünes Pulver, welches durch Fällung einer konzentrierten alkoholischen, aus dem Rhizom ge­wonnenen Tinktur mit Wasser gewonnen wird und das Podo­phyllin des Handels darstellt.
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einheitlichen Zusammensetzung der Saponine nicht mehr die Rede sein kann.
Bereits 1877 wurde von Flückiger eine allgemeine Formel Cn-^n-!laquo;reg;raquo; aufgestellt, welcher er u. a. das Digo-tonin von Schmiedeberg, CS3H560i8, anreihte. Demselben kommt jedoch nach Külz (S. 102) eine andere Molekular­formel zu.
Aufser dem S. 265 erwähnten Parillin, C4oH70018, ge-hörtnoch eine zweite Art des Parillins hierher, dessenPormel C^sägeOis lautet. Die Gleichung, nach welcher die Zersetzung des ersten Parillin sich vollzieht (S. 265), ist zu schreiben: C4oH700,8 —2H20==Ci!8H4204 2C6HlijOG
Parillin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Parigenin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Glykose.
Aus der Wurzel einer in Ohio heimischen Pflanze Cha-maelirium luteum, Asa Gray s. Helonias dioica (Colchicaceae), Teufelsbifs, falsche Einhomwurzel, isolierte Kruskal das Chamälirin, CgeH^Oifj, welches in diese Gruppe gehört.
Eine zweite, von K o b e r t aufgestellte Reihenformel lautet: C'nHai,—gOio- Von der Reihe der zu dieser Formel gehörigen Glieder sind einige näher bekannt. Für n = 20 erhalten wir C20H32Oj0, entsprechend dem Cyclamin von Mutschier, der Quillajasäure von Merck, dem Digitonin vonPasch-kis, der Polygalasäure von Quevenne aus der Senega-wurzel. — Setzt man n = 17, so ergiebt sich CnH^Ojo. Dieser Formel entspricht das Senegin von Merck-Kruskal und das Saponin von Rochleder und Schwarz aus Saponaria rubra und S. alba, das Sapotoxin der Quillajarinde und levantinischen Seifenwurzel von Kruskal, welche ein Mol. Wasser erst bei 110—120deg; entlassen, so dafs die luft­trockene Substanz als ein Hydrat C17H26Oio H20 aufzufassen ist. Zwischen der anhydrischen Formel CnHjjOjo und der hydratischen C^BggOu liegt eine weitere, CsiH!ii021=2CniIie01(gt; H20, welche für das über Schwefelsäure getrocknete Quil-lajasapotoxin von Robert, das von Merck und das Sa-pindus-Sapotoxin von Kruskal pafst. — Für n=19 findet man C19H30Gi0, eine Formel, welche E. Stütz für das von Robert als ungiftig befundene Quillajasaponin aufstellte und von Robert gleichfalls für eine Quillajasäure ermittelt wurde. Es existieren zweifellos zwei Sorten von Quillajasäure, da auch Merck auf Substanzen stiefs, welche diese Zusammensetzung zeigten. Ferner läfst sich das von Funaro als Senegin be­zeichnete Präparat aus der Senegawurzel hierher rechnen, da seine Analysen auch mit der obigen Formel in Einklang zu
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bringen sind. Krnska] glaubt, diese Substanz als eine z weite Poly galasäure ansprechen zu dürfen.
In dem Saponin von Stütz sind nach Untersuchungen des Autors fünf Hydroxyle vertreten. K o b e r t schliefst aus K r u s -kals Ermittelungen auf die Anwesenheit von zwei Methyl­gruppen, weshalb er dessen Formel zu O^Hi^OHj^OH^jOg erweitert. Aufserdem macht Robert darauf aufmerksam, dafs das unterste Grlied der Reihe CnH22—8Oi0 die Substanzen der Oruppe C17H20Oi0 mit dem krystallisierten Syringin von Gr. Körner, CnH^Og U^O (S. 339), übereinstimmen, ein Körper, #9632;welcher ebenfalls zwei Methyle (als Methoxyle) enthält und mit Schwefelsäure eine Reaktion liefert (Blaufärbung), welche an die der Saponine erinnert. So löst sich z. B. das levautinisehe Sapotoxin und das Chamälirin in konzentrierter H2 S04 anfangs braun, beim Stehen an der Luft geht die Farbe •vom Eande aus in Violettrot über, Sapindus-Sapotoxin giebt bimbeorrote Färbung. Beim Erhitzen der wässerigen Lösungen mit einigen Tropfen verdünnter Salzsäure entwickelt sich ein angenehm aromatischer (Vanille?) Geruch.
Die weite Verbreitung der Saponine im Pflanzenreich läfst sich aus der auf ausreichende litterarische Quellen gestützten Zusammenstellung von Kruskal ersehen, welche folgende Familien umfafst: Aroideae, Arum maculatum, A. italicum, Balaniteae, Balanites aegyptiaea, Begoniaceae, Begonia spuria, Befberideae, LeonticeLeontopetalum, Caryophyl-leae, a) Paronychieae: Herniaria glabra, b) Sileneae: Dian-thus caryophyllatus, D. Carthusianorum, D. caesius, D. prolifer, Silene nutans, S. inflata, Agrostemma Githago, Saponaria offi-cinalis, S. vaccaria, S. oeymoides. Lychnis chalcedonica, L. dioica, L. diurna, L. flos cueuli, L. vespertina, Gypsophila cen-tifolia, G. altissima, G. fastigiata, G. Struthium, G. Arrostii, G. paniculata, Chenopodeae, Chenopodiummexicanum, Com-positae, a) Tubuliflorae: Grindelia robusta, G. squarrosa, b) Labiatiflorae: Mutisia viciaefolia, Dioscoreae; Dioscorea vil-losa, Liliaceae, a) Aloineae: Yucca angustifolia, Y. baccata, Y. filamentosa, b) Asphodeleae: Muscari comosum, Scilla pome-ridiana s. Chlorogalum pomeridianum, Magnoliaceae, Illi­nium anisatum, Melanthaceae, Helonias dioica, Mimoseae, Albizzia Saponaria, A. procera, A. latifolia, A. stipulata, A. anthelminthica, A. Lebbeck, A. lophantha, Acacia concinna, A. latronum, Entada scandens, Enterolobium Timbura, Papaya-ceae, Carica papaya, Papilionaceae, Tetrapleura Thon-ningii, Gleditschia ferox, Phytolaccaceae, Pircunia abyssi-nica,' P. saponacea, Polygaleae, Polygala Senega, P. mexi-
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cana, Monnina polystachya, Primulaceae Primuleae: Cy­clamen laquo;uropaeum, C. coum, C. persicum,Primula veris, Ranun-culaceae, Nigella sativa, Rosaceae, Quillaja saponaria, Qu. smegmadermos, Rubiaceae, Cephalanthus occidentalis, Sa-pindaceae; a)Sapindeae: Sapindus,ungefähr40Arten,b)Hyppo-castaneae: Aesculus pa via, Sapotaceae, Bassia longifolia, B. latifolia, Chrysophyllum glycyphlaeum, Scrophularineae a) Digitaleae: Digitalis purpurea, D. ochroleuca, h) Veroniceae: Leptandra virginica, Smilaceae; a) Parideae: Trillium pen­dulum, b) Convallarieae: Smilax, die meisten Spezies, Sola-naceae, Acnistus arborescens, Solanum saponaceum, S. nigrum, S. Dulcamara, S. mammosum, S. verbascifolium, S. Lycoper-sicum, S. Sodomaeum, S. bacciferum, Ternstromiaceae, Camellia ole'ifera, C. Sasanqua, Xanthoxyleae, Xanthoxylum pentanome.
Zum Gegenstand einer besonderen Arbeit hat Kruskal das Gift der Kornrade^ Agrostemma Githago gemacht. Die Samen enthalten eine Saponinsubstanz, welche nach Malapert und Radlkofer nur im Embryo vorkommt, während Samenschale und Mehl­körper davon frei sind. Dieselbe wird von K. Agro-stemma-Sapotoxin genannt. Die Molekular­formel C17 H26 On-{-HgO stimmt mit der des levan-tinischen und des Quillaja-Sapotoxin überein.
Darstellung. Die einfachste, von K. angegebene Me­thode zur Gewinnung des Sapotoxins besteht in der Extrak­tion der gepulverten Radesamen mit Alkohol und Ausfällen durch Ätherzusatz. Zu diesem Zweck wird das Radesamen-mehl (100 g) am Rückflufskühler mit 500 Alkohol 3—4 Stunden gekocht, der gelblich gefärbte Auszug abfiltriert und mit dem Filterrückstand die Operation noch zweimal wiederholt. Die vereinigten filtrierten Flüssigkeiten befreit man durch Destil­lation vom Alkohol und trocknet den filtrierten Rückstand mit einem Überschufs von Magnesiumoxyd (10—15 g auf 100 g Mehl). Die getrocknete und gepulverte Masse wird mit abso­lutem Alkohol ausgekocht und mit Äther versetzt, wobei die Saponinsubstanz sich in weifsen Flocken abscheidet. Das durch Filtrieren isolierte Material kann nach dem Trocknen über Schwefelsäure zu Pulver verrieben werden.
Eigenschaften. Im getrockneten, pulverförmigen Zu­stand erscheint das Sapotoxin amorph, gelblich weifs, schmeckt
lt;
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anfangs milde, dann brennend und erzeugt für lange Zeit Kratzen im Hals. Sein Staub erregt heftiges Brennen in der Nase und Niesen reap. Thränenflufs. In Wasser, kohlensaurem und ätzendem Alkali und konzentrierten Säuren löst es sich leicht, in Methylalkohol (bei 25deg;) zu 0,08 pCt, in Äthylalkohol mit 0,04 pCt. In Äther, Chloroform, Benzin etc. ist es voll­ständig unlöslich. Die neutralen, wässerigen oder alkalischen Lösungen schäumen beim Schütteln und wirken emulgierend. Beim Stehen an der Luft zersetzen sich wässerige, nicht steri­lisierte Lösungen unter Ausscheidung einer flockigen Masse, unter reichlicher Pilzbildung ziemlich schnell. Im Dyalisator geht, wie bei den meisten übrigen Saponinsubstanzen, nur ein minimaler Teil durch die Membran hindurch. Krystalle sind aus alkoholischer Lösung nicht zu erhalten. Beim Verbrennen bilden sicli weifse, unangenehm riechende Dämpfe.; die volu­minöse Kohle verbrennt ohne Rückstand.
In konzentrierter Schwefelsäure löst sich das A.-Sapotoxin mit hellgelber Farbe, die nach Verlauf von einigen Stunden durch Orange in Rot übergeht. Versetzt man die orangefarbene Lösung mit einem Tropfen Wasser, so'findet eine kirschrote bis violettrote Färbung statt. Die violette Lösung zeigt anfangs nur bei der Linie b, mit zunehmender Violettfarbnng zwischen D und E Absorptionsbänder. Rauchende Salpetersäure löst das Sapo-toxin unter Oxalsäurebildung mit gelber Farbe. Froh des Reagens färbt bräunlichgelb, später braunrot. Lafonsches Reagens (alkoholische Schwefelsäure und Eisenchlorid) giebt schwache Grünfärbung. Kaliumbichromat wird mit grüner Farbe, Silbernitrat nach längerem Kochen unter Abscheidung von Metall reduziert, Fehlingsche Lösung dagegen nicht. Durch basisches Bleiacetat (nicht durch neutrales) entsteht, ebenso wie durch Baryumhydrat, in konzentrierter Lösung ein weifser Niederschlag, der im letzteren Falle auf Wasserzusatz wieder verschwindet. Eisenchlorid und Sublimatlösung ver­ursachen nur Trübungen.
Spaltungsprodukte. Unter Einwirkung verdünnter Salzsäure, beim Erwärmen auf 140—150* event, auch ohne Säurezusatz (Lehmann und Mori), spaltet sich das Sapotoxin in Agrostemma-Sapogenin und Zucker, wobei ein noch nicht isolierter, angenehm riechender Körper nebenher entsteht. Nach Kruskal vollzieht sich die Umsetzung konform der Gleichung (2C17H36O10 H2Ü) 6H2O=(CBHgO)2H2O-J-4C6H,2O8.
Das Sapogenin stellt nach dem Trocknen eine bräunliche Masse dar, welche sich bisher nur aus Alkohol bei langsamer Verdunstung krystallinisch gewinnen liefs. Dasselbe ist in
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Wasser nicht, dagegen in Alkalien und konzentrierten Säuren löslich. . Verdünnte Säuren scheiden das in Alkalien gelöstcopy; Sapogenin in Flocken aus. Mit konzentrierter Schwefelsäure
färbt sich das Sapogenin ohne nachträgliche Veränderung in
den ersten Stunden violettrot.
Die bei der Spaltung des Sapotoxin auftretende Glykosen bestehen anscheinend aus Dextrose und Galaktose(cf. Kilianis, Digitonin S. 102}.
Wirkung. In wässeriger Lösung auf die Schleim­haut gebracht, erregt das A.-Sapotoxin reflektorische Sekretion, Räuspern, Husten, Niesen, lokale Schwellung und Rötung. Es schädigt die Erregbarkeit des Frosch-muskels nach dem Benetzen bereits in Verdünnungen mit physiologischer Kochsalzlösung von 1 p.M. und vernichtet, die Irritabilität bei stärkerer Konzentration gänzlich^ wobei der Muskel abblafst und sich verkürzt. Die vitalen Eigenschaften markhaltiger Nerven gehen erst in 0,5 pCt. Lösung verloren. Die Prüfung des Froschherzens am Willi am sehen Apparat ergab zunächst bei Verwen­dung von 1 Mg. eine Reizwirkung, welche sich in Ver­mehrung der Pulsfrequenz und Steigerung der Arbeits­leistung aussprach. Bei Dosen von ca. 10 Mg. auf 50 cem Flüssigkeit folgt darauf ein zweites Stadium, in welchem das Herz unregelmäfsig schlägt und end­lich in Mittelstellung still steht. Ausspülen des Herzens bringt dasselbe wieder in Gang. —'#9632; In 1—2 pCt. Blut-kochsalzgemisch löst das Gift die roten Blutkörperchen des Pflanzen- und Fleischfresserblutes noch in starker Verdünnung aui^ wird aber in diesey Beziehung vonnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I
einer Reihe anderer Saponinsubstanzen übertroffen, wie aus umstehender Übersicht hervorgeht. Dieselbe giebt die Konzentration des Giftes an, bei welcher noch eine völlige Auflösung der Erythrocyten in einer 50—lOOfach, mit 0,75 pCt. Kochsalzlösung verdünnten Rinderblut­mischung erfolgt:
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Cyclamin.....1:100 000
Digitonin (Kruskal) . 1 :nbsp; nbsp;80000
Yucca-Saponin . . .1:nbsp; 75 000
Smilacin, amorph . . 1:nbsp; 50 000
Herniaria-Saponin . . 1:nbsp; nbsp;40 000
Smilacin, krystallisiert 1 :nbsp; nbsp;30 000
Levant. Sapotoxin . . 1:nbsp; nbsp;20 000
Agrostemma-Sapotoxin 1:nbsp; nbsp;15 000
Sapindus-Sapotoxin . 1:nbsp; nbsp;14 000
Senegin......1:nbsp; nbsp;12 000
Quillaja-Sapotoxin . .1:nbsp; nbsp;10 000
Solanin .....1:nbsp; nbsp; nbsp;8 300
Quillajasaures Natron 1:nbsp; nbsp; nbsp;8 000
Mit zunehmender Konzentration des Kochsalzge-lialtes steigt die Energie der Giftwirkung, so dafs bei Verwendung einer 10 pCt. Kochsalzlösung das Agro­stemma-Sapotoxin völlige Dissolution noch bei einer Konzentration des Giftes von 1:25 000 herbeiführt. Benutzt man an Stelle des Blutes eine einfache Blut­körperchenlösung (also ohne Serum), so tritt die Auf­lösung bereits bei 1 :38 000 ein. Das Serum hemmt sonach die Auflösung. Katzenblut verhält sich empfind­licher als Pferde- oder Rinderhlut. In der mit Sapo-toxinlösung behandelten Blutmischung scheidet sich das Blutkörperchenstroma in feinen Flocken aus und setzt sich am Boden des Reagensglases ab. Hat man Abrin (S. 67) oder Ricin dem Blute vorher beigefügt, wodurch die Blutkörperchen zu einem Klumpen ver­klebt werden (S. 61), so wird das Hämoglobin der ver­klebten Erythrocyten durch das Agrostemma-Sapotoxin trotzdem gelöst. Bei Anwendung einer Lösung gleicher Teile des letzteren und vom Abrin in 0,75 pCt. Koch­salz entsteht überhaupt keine Fällung, sondern Auf­lösung des Hämoglobins unter Ausscheidung des Stroma. Die Abrinwirkung wird also unter diesen Umständen verhindert. — Der Blutdruck wird bei Warmblütern
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ganz wie beim levantinischen und Quillaja-Sapotoxin selbst durch mehr als tödliche, intravenös applizierte Dosen nicht sofort herabgesetzt oder sonst wie beein-flufst. Auch Puls und Respiration zeigen in den ersten Stunden nichts Bemerkenswertes.
Bei subkutaner Injektion von einigen Mg. des Agrostemma-Sapotoxin unter die Haut eines Frosches ist die Wirkung je nach der Einstichstelle verschieden, am geringsten bei Einspritzung in die dorsalen Lymph­säcke. Nach Einführung des Giftes in die Subcutis eines Schenkels stirbt dieser gewöhnlich innerhalb 24 Stunden ab. Die Sensibilität erlischt zuerst. Einer Kreuzotter wurden 0,05 g (1,35 g p. KK.) unter die Haut gespritzt, worauf sich dieselhe krümmte und das Maul aufgesperrt hielt. Erst 15 Stunden nach der In­jektion war komplete Lähmung vorhanden; 12 Stunden später erfolgte der Tod. — Warmblüter verhalten sich dem Agrostemmagift gegenüber wesentlich anders, als gegen die übrigen Sapotoxine. Während nämlich Quil-lajasäure, Quillaja-Sapotoxin, levantinisches und Sapin-dus-Sapotoxin, Senegin und Cyclamin nach Subkutan­injektion nicht zur Resorption gelangen, sondern Ne-krose oder Eiterung erregen, wird das Agrostemma-Sapotoxin, ohne Eiterbildung hervorzurufen, schnell resorbiert und bedingt schwere Allgemeinerscheinungen, die sich von den nach intravenöser Applikation auf­tretenden nicht unterscheiden. Junge Hasen starben bei Anwendung von 0,01—0,02 g p. KK. nach 2—3 Tagen, bei Verwendung von 0,04 g p. KK. nach einigen Stunden, ohne dafs sich Krämpfe in auffälliger Weise bemerklich gemacht hätten, während eine weifse Ratte nach 0,02 g p. KK. unter häufigen Anfällen von starken Krämpfen und Dyspnoe erkrankte, dann somnolent
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•wurde und im Coma zu Grunde ging. Subendokardiale Blutungen waren regelmäfsigvorhanden. Intravenös ist die letale Dosis für die einzelnen Sapotoxine ver­schieden. Katzen erliegen den nachstehend angeführten Milligramradosen:
Quillaja-Sapotoxin . . . 0,5nbsp; nbsp; Pachorukow
Agrostemnaa-Sapotoxin . 1,0nbsp; nbsp; Kruskal
Levantinisches Sapotoxin 2,0nbsp; nbsp; Kruskal
Senega-Sapotoxin . . . 5,0nbsp; nbsp; Atlafs
Sapindus-Sapotoxin . . 46,7nbsp; nbsp; Kruskal.
Heftige Krämpfe gehören zu den regelmäfsigen Vergiftungssymptomen, welche indes bei nicht tödlichen Dosen, nach denen sich nur Appetitverlust einstellt, ausbleiben. Ferner sind beobachtet Erbrechen schau­miger Massen, starker Durchfall, Entleerung blutigen Urins, Dyspnoe, Abortus. Bei der Obduktion fanden sich Rötung, zum Teil Schwellung der Schleimhäute des Magens, des Darms, der Harnblase, Ekchymosen unter dem Endokard. In einem Fall war die Magen­schleimhaut mit frischen, bis centimeterlangen Ge­schwüren durchsetzt.
Vom Magen aus erfolgt nach Einführung von Agrostemma-Sapo toxin imGegensatzzu den übrigen nicht resorbierbaren, event, durch Spaltung im Magen und Darm in unwirksame Produkte zerfallenden Sapo-toxinen eine recht schnelle Resorption mit allen Symptomen einer ausgesprochenen Sapotoxinvergiftung.
Kruskals Versuche lehren, dafs Dosen von 21 bis 37 g Rademehl (in Pillen), welche einer Sapotoxin-menge von 1,26—2,22 g entsprechen, auf Hähne bei stomachaler Applikation tödlich wirken, selbst wenn die Darreichung refracta dosi geschieht. Bereits am ersten Versuchstage stellte sich heftiger Durchfall ein. Am zweiten Tage flofs den Tieren beständig Flüssigkeit
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aus dem Schnabel, die Tiere wurden bei andauernden, unwillkürlichen Entleerungen aus der Kloake aufser-ordentlich matt und starben unter heftigen Krämpfen. Obduktion: Schleimhaut der Mundhöhle, des Öso-phagus und Kropfes in grofsen Fetzen nekrotisch ab­gelöst, am Kropf, namentlich von aufsen deutlich sicht­bare Blutungen, starke sulzig-ödematöse Durchtränkung der Subcutis am Halse. Dünndarm durchweg injiziert, Schleimhaut des Dickdarmes fleckig gerötet event, linsen­förmige Extravasate.
Kaninchen sind auch dem Agrostemma-Sapo-toxin gegenüber widerstandsfähig. Ein 1,6 kg schweres Tier erhielt 10 Tage hindurch je 15 g Mehl mit Wasser angerührt mittelst Sonde, im ganzen p. KK. 93,8 g Mehl mit 5,0 g des Giftes, ohne dafs irgend welche krankhafte Veränderungen sichtbar wurden.
Katzen, bei denen nach Einführung des Trocken­rückstandes vom alkoholischen Extrakt des Konrade­mehls das Erbrechen durch Schlundunterbindung un­möglich gemacht ist, sterben in wenigen Stunden nach Quantitäten, welche 0,16 g Sapotoxin p. KK. ent­sprechen. Bei ungehindertem Erbrechen vertrug eine Katze von 1,2 kg vier Tage lang je 10 g Mehl, im ganzen p. KK. 33 g.
Ein Hund, welcher von Pillwax und Miller mit 88 g Rademehl vergiftet wurde, zeigte Unruhe, Erbrechen, Schlingbeschwerden, Mattigkeit, Abstum­pfung und Betäubung, unter welcher er starb. Die Sektion ergab verschiedenartige, selbst kroupöse Ent­zündung der Schleimhaut des Magens, Dünndarms, Dickdarms und Mastdarms, sowie des Kehlkopfes, ferner Gehirnhyperämie und Hydrocephalus internus.
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Schweine erbrechen gegebenen Falls nicht min­der heftig (C o r n e v i n), erkranken aber trotzdem, wenn ihr Futter aus 25 pCt. Radesamen besteht (v. Tormay) und zwar tödlich, besonders dann, wenn der Rade­samen in zerkleinertem Zustande (Kleie, Schrot) ein­geführt wird. Als toxische Dosis vom Rademehl giebt Cornevin für das Schwein 1,0 g, für den Hund 0,9 g, für Kälber und Hühner 2,5 g p. KK. an, wäh­rend die toxische Dosis der nicht gepulverten Samen doppelt so hoch ist.
Eine Ziege, welcher Ulrich täglich 300—500 g Rade neben Heu verabfolgte, starb nach Ablauf von drei Wochen. Bei der Sektion fand U. starke Darment­zündung, sowie Exsudation im Rückenmarkskanal vor.
Schafe gehören, wie die Kaninchen, zu den resi-stenten Tieren (Pusch).
Von einer Kuh und einem Kalb, die mit dem Futter auch 2,5 kg Rade bekommen hatten, berichtet K o p p i t z, dafs dieselben sehr aufgeregt und unruhig wurden, an Durchfall erkrankten und kontinuierliches Zittern der Schulter- und Oberarmmuskulatur zeigten neben Pupillendilatation. Nach v. T o r m a y erkranken Rinder bei Radefütterung noch nicht, wenn 12,5 pCt. des täglichen Trockenfutters durch Rade ersetzt werden (3,4 g p. KK.), wohl aber dann, wenn die doppelte Quantität, also 25 pCt. des Gesamtfutters (7 g p. KK. täglich) vorgelegt wird. Kälber gehen an derartigen Mengen sicher zu Grunde. Tab our in tötete zwei Kälber, welche anläfslich eines V-ergiftungsfalles mit 6—7 g Radepulver p. KK. und gleichen Teilen Weizen­mehl gefüttert wurden, in Zeit von 18—22 Stunden. Ein drittes Tier, welches 4 g Rademehl \ind ca. 9,5 g Weizenmehl p. KK. erhalten hatte, erkrankte zwar.
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hatte sich aber am zweiten Tage vollständig erholt. Die Vergiftungserscheinungen traten bereits eine Stunde nach dem Füttern ein. Die Kälber äufserten Leib­schmerzen, ringen an zu kauen und leicht zu speicheln, knirschten mit den Zähnen, stöhnten und setzten weichen Kot ab. Es erfolgten Regurgitationen und Husten­anfälle, die Respiration war vermehrt, der Puls sehr beschleunigt, das Flotzmaul trocken, die Ohren sehr heifs; Rektaltemperatur 39deg;. Dieses Stadium dauerte bei den ersten beiden sechs Stunden, worauf die Tiere somnolent und reaktionslos wurden, welcher Zustand unter zunehmender Dyspnoe bis zum Tode anhielt. Temperatur während der Agonie 33deg;. — Im Pharynx, Oesophagus, Labmagen, Dünndarm Injektionsröte, Ek-chymosen unter dem Epicardium, Hirn- und Rücken­markshäute ziemlich stark injiziert, die graue Substanz der Rückenmarksstrenge war erweicht.
Bei zwei Pferden beobachtete Con ta mine nach Aufnahme von Rade starkes Speicheln, Zähneknirschen, Zittern, Kolik, Diarrhöe und Steifigkeit in der Be­wegung. Durch ein Quantum von 120 g Rademehl, dem am nächsten Tage 360 g in Brodform nachfolgten, erzielten Pill wax und Miller bei einem Pferd am dritten Tage Appetitlosigkeit, Schlingbeschwerden und Depressionserscheinungen, welche dem Tiere den An­strich eines dummkollerigen gaben (es behielt das Futter im Maul). Die Symptome verschwanden sehr bald wieder. Bei Stuten macht sich nach P u s c h auch eine Reizung des Urogenitalapparates geltend.
Zum quantitativenNachweis des Rademehl in Futtermehlen giebt Malapert ein titrimetrisches Verfahren an, welches sich auf die Fähigkeit des Sapo-toxin stützt, Jod zu absorbieren und dadurch die Stärke-
Tereg u. Arnold, Toxikologie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;38
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reaktion zu verhindern. Die alkoholische Jodlösung enthält 1,0 g Jod auf 100 com Alkohol. Zur Her­stellung der Normalflüssigkeit digeriert man 1,0 g reines Weizenmehl eine Stunde in 100 g Wasser bei 50deg;, filtriert und setzt einige Cubikcentimeter Stärkekleister­lösung hinzu. In dieser Mischung entsteht die Jodreaktion nach Verbrauch von 3—4 Tropfen Jodtinktur. In der in ganz gleicher Weise bereiteten Flüssigkeit von reinem Kademehl, welcher ein gleiches Quantum Stärkekleister zugefügt ist, tritt die Jodreaktion erst auf, nachdem fast 80 Tropfen der Jodlösung zugefügt sind. Zur Untersuchung eines verdächtigen Mehles fertigt man sich einen wässerigen Auszug an, welcher unter Be­nutzung von Stärke als Index titriert wird. Aus der Anzahl der über 3—4 Tropfen mehr verbrauchten Jod-Jösung berechnet man den Prozentgehalt an Rademehl.
Lungenseuche.
Die Versuche von Arloing hatten darauf abge­zielt, das Virus der Lungenseuche darzustellen. Er fällte das klare, aus den Lungen kranker Rinder ge­wonnene Exsudat mit Alkohol und gewann einen in Wasser löslichen Niederschlag, in welchem die entzün­dungserregende Noxe enthalten war. Rinder wurden durch gröfsere Mengen dieser Substanz getötet. Die Substanz soll ihren chemischen Eigenschaften nach den „Diastasenquot; nahe stehen und am intensivsten nach Er­wärmen auf 80deg; gewirkt haben. Durch Erhitzen auf 110deg; sei Abschwächung eingetreten. Immunität war damit nicht zu erzielen, wohl aber gelang es Schütz und Steffen, durch Verimpfung frischer, höchstens 24 Stunden alter, warmer, nicht filtrierter Lymphe Rinder vor natürlicher Ansteckung zu schützen. Diese
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Versuche würden kein toxikologisches Interesse haben, wenn nicht durch Zusatz bakterientötender Substanzen zu der kalten, weniger virulenten, schwächer aber doch genügend immunisierenden Lymphe die Vermutung gerechtfertigt wäre, dafs auch in diesem Falle die Im­munität lediglich auf die spezifische Wirkung che­mischer Substanzen (Eiweifskörper) zurückzuführen sei. Diese Folgerungen gründen sich auf folgende Sätze der betreffenden neuesten Mitteilungen über die Impf­versuche: Schliefslich bleibt noch zu erwähnen, dafs das Glycerin die eiterbildenden Mikroorganismen zer­stört, also antiseptisch auf die Lymphe wirkt. . . Dar­über kann kein Zweifel sein, dafs die von uns (mit Glycerinlympbe) geimpften drei Tiere immun waren.
Schweinerotlauf. Die Immunisierung von Kaninchen läfst sich nach Versuchen von Emmerich, welche derselbe im Ver­ein mit di Mattei und später mit Mastbaum unter-nahmj herbeiführen, indem man in die freigelegte Ohr­vene 0,2—0,3 ccm oder subkutan 0,7 ccm einer 50fach mit Wasser verdünnten vollvirulenten Rotlaufbouillon-kultur injiziert. Die am Leben bleibenden Tiere sind als völlig immun zu betrachten, da sie nach subku­taner Injektion von 2—10—30 ccm Bouillonkultur nicht sterben. Die Bakterien büfsen in dem immunen Tier ihre Lebensfähigkeit ein. Der aus den zerklei­nerten Organen ausgeprefste und durch Thonfilter bak­terienfrei gemachte Gewebssaft immuner Tiere, beson­ders jener, welche durch intravenöse Injektion immu­nisiert waren, vermochte bei Mäusen mit solcher Sicher­heit den Rotlauf zu heilen, dafs selbst infolge Ein­führung enormer Mengen von Bacillen (1 ccm Bouillon-
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kultur) kein einziges Tier zu Grunde ging. Wenn die „Heilflüssigkeitquot; frühzeitig, spätestens innerhalb 24 Stunden nach der Injektion injiziert wurde, ent­standen nicht einmal wahrnehmbare Krankheitserschei­nungen, während die nicht behandelten Tiere ausnahms­los in 36—60 Stunden an Rotlauf verendeten. Bei Kaninchen ist die Heilwirkung des Gewebssaftes im­muner Tiere dieselbe. Nach Einspritzung sehr grofser Mengen virulenten Materials kam es mitunter trotz sofortiger Anwendung der Heilflüssigkeit zu einer stär­keren Temperatursteigerung. Nichtsdestoweniger liefs sich die Krankheit dadurch koupieren, dafs von der antitoxischen Lymphe wiederholt Gebrauch gemacht wurde.
In gleicher Weise eignet sich die Lymphe zur Schutzimpfung gegen den Rotlauf bei weifsen Mäusen und Kaninchen. Mäuse wurden mit der Heilflüssigkeit behandelt und fünf Tage später mit 0,5 ccm virulenter Kultur injiziert. Während das Kontrolltier starb, blieb das mit 2 ccm Heilflüssigkeit immunisierte Tier am Leben. Ein Kaninchen erhielt 11 Tage nach der Schutzimpfung 1,5 ccm virulente Kultur intravenös in­jiziert, wonach dasselbe zwar erkrankte, sich aber sehr bald vollständig erholte, während ein Kontrollkaninchen am dritten Tage starb. Ob die Immunität längere Zeit andauert und ob event, auch Schweine zu immunisieren sind, sollen weitere Versuche klarstellen.
Aufserhalb des Organismus werden die Bacillen durch die Heilflüssigkeit nur in beschränktem Mafse vernichtet und zwar in Reinkulturen in viel geringerem Grade, als in einer bacillenhaltigen Blutprobe. E. ver­mutet Sporenbildung als Grund der gröfseren Wider­standsfähigkeit der Kulturen. (Über ähnliche Erfah-
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rangen Hank ins bezüglich des Milzbrandtoxins cf, S. 546.)
Variola vaeeina.
C. Jansen (Stockholm) versuchte mit Vaccine-flüssigkeit, welche er vom 8.—10. Impfungstage sam­melte, dieselbe mit physiologischer Kochsalzlösung ver­dünnte und durch diskontinuierliche Sterilisation keim­frei machte, Immunität bei Kindern herbeizuführen, indem er die sterilisierte Lymphe subkutan injizierte. Das Resultat war ein negatives. In keinem Falle erlangte er Immunität für nachträgliche Vaccination mit nicht sterilisierter Lymphe, selbst dann nicht, als er die Prü­fung vom sechsten und den folgenden Tagen ab vornahm. Es tritt nämlich bei der gewöhnlichen Impfung nach den Erfahrungen von Kuhn und Vetter die Immu­nität sozusagen allmählich und sicher nicht vor dem sechsten Tage ein, nach den Versuchen von Jans on und den älteren von S a c c o gewöhnlich nicht vor dem 11.—12. Tage. Ferner spritzte J. vaccinierten Kindern sterile Lymphe zu verschiedenen Zeitpunkten nach der Inokulation ein, erreichte aber nichts anderes, als einen, wie es schien, beschleunigten Verlauf der Vaccine.
Später wiederholte J. dieselben Versuche mit 3—4 Monate alten Kälbern, denen er 4 — 8 g durch Erwärmen sterilisierte Lymphe unter die Bauchhaut injizierte, worauf er sie nach 1—3 Tagen vaccinierte. Es ent­wickelte sich indes auch hier die Vaccine normal.
J. ging nun zu Immunisierungsversuchen mit Blut­serum von vaccinierten Kälbern über. Er liefs dasnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,11
beim Schlachten gesammelte Blut zwei Tage über Eis stehen, mischte das Serum mit etwas Sodalösung, um Koagulation, welche sonst bei dem 10—15 Minuten
I
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598
hindurch fortgesetzten Erwärmen auf 65 — 70deg; einge­treten sein würde, vorzubeugen. Diese Temperatur mufste zu erfolgreicher Sterilisierung erreicht werden*), da das Blut, welches Reiter der wirksamen Lymphe in 1200facher Verdünnung gleichstellt, vom 8. Tage ab das Vaccinekontagiura enthält. Trotzdem J. schliefs-lich 70—100 g derart behandeltes Blutserum injizierte, entwickelten sich auch in diesen Fällen bei nachträg­licher Vaccinierung regelrechte Impfpusteln.
Das Ausbleiben der Schutzwirkung scheint in den Versuchen von J. in dem Umstand begründet zu sein, dafs durch das Erwärmen nicht sowohl die vorhan­denen Mikroorganismen, sondern auch die Antitoxine unwirksam werden, eine Eventualität, welcher durch Anwendung des Thonfilters**) voraussichtlich vorge­beugt werden kann.
Die Anwesenheit von besonderen Defensiv-Pro-teinen im Blutserum, für welche Buchner zum Über-flufs noch den allgemeinen Namen Alexine einführte, nachdem er seine ursprüngliche Ansicht aufgegeben hat (cf. S. 545), läfst sich auch mit Bezug auf die Pocken aus den Versuchen von Reynaud und L. Pfeiffer entnehmen, denen die Immunisierung von Kälbern durch Transfusion mit unsterilisiertem Blut***) gelang.
*) Nach Braidwood und Vacher wird das Kontagium bei 65,2deg; wirkungslos.
**) Hierdurch würde die Impftechnik zweifellos eine wei­tere Vervollkommnung erfahren, da sich die Möglichkeit eröffnet, auch fremdartige, gelegentlich schädigende Organismen auszu­schalten.
***) Mit subkutaner oder intravenöser Injektion virulenter Vaccine erzielte Chauveaubei Pferden und Kälbern Immunität.
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599
Der Schlufs, dafs die Antitoxine die Hauptrolle bei Erzeugung der immunen Eigenschaften spielen, erscheint durch eine ganze Reihe bisher bekannter Thatsachen, welche im Vorhergehenden mitgeteilt sind, gerechtfertigt. Diese Erkenntnis ist der feste Grund und Boden, auf welchem die Forschung Fufs gefafst hat, um weitere Etappen zu erreichen. Bereits kann man auf dem eroberten Gebiet ordnend eingreifen) wie aus den Auslassungen H a n k i n s auf dem Londoner internationalen hygienischen Kongrefs hervorgeht. Nach ihm rührt die Immunität, die natürliche sowohl wie die künstlich erzeugte, von der Gegenwart von Sub­stanzen her, die eher durch den Stoffwechsel der Tiere, als durch den der Bakterien gebildet werden und welche die Eigenschaften haben, entweder die Bakterien, denen gegenüber Immunität erlangt worden ist, oder die Produkte, von welchen deren pathogene Eigenschaft abhängt, zu zerstören. Diese Substanzen, die Defensiv-Proteine, scheinen fermentähnliche Eiweifskörpor zu sein, welche sich entweder natürlicherweise im nor­malen Tier oder beim künstlich immunisierten vor­finden. Das natürliche Defensiv-Protein bezeichnet H. als So ein, das künstlich gebildete als Phylaxin.
Socine kommen in allen bis jetzt daraufhin unter­suchten Tieren vor und scheinen auf zahlreiche Mi­kroben oder deren Produkte einzuwirken. Die Phy^ laxine machen nur bestimmte Arten von Bakterien oder deren Produkte unschädlich.
Jede Klasse der Defensiv-Proteine kann wiederum in zwei Unterabteilungen gebracht werden, nämlich in eine, deren Repräsentanten auf die Mikroben selbst wirken, und in solche Antitoxine, welche das von den Mikroben erzeugte Gift in nicht toxische Körper um-
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600
wandeln. Die ersteren kennzeichnet H. durch die Vor­silben My k o -, letztere durch T o x o -, so ciafs sich fol­gende Einteilung der derzeitig bekannten Gruppen der Defensiv-Proteine ergiebt: I. Socine.
a) Mykosocine, b) Toxosocine. II. Phylaxine.
a) Mykophylaxine, b) Toxophylaxine. Ein neuer Beweis für die Hankin sehe Hypothese, welcher die Beobachtungen von F o ä und C a r b o n e (S. 548) bestätigt, aber gleichzeitig eine verlockende Perspektive auf den in Aussieht stehenden Gewinn für die Praxis eröffnet, gewährt die erfolgreich durchge­führte Untersuchung von G. und F. Klemperer über Pneumonic. Es gelang ihnen, aus den keimfreien viru­lenten Bouillonkulturen des Diplocoecus lanceolatus durch wiederholte Alkoholfällung und Wiederauflösen in Wasser einen Eiweifskörper zu gewinnen, dessen Giftigkeit am intensivsten hervortrat, wenn das Filtrat vor dem Ausfällen im Vacuum bei 35—37 ü eingedampft wurde. Erwärmen auf 60deg; verminderte die toxische Wirkung erheblich. Das Pneumotoxiu, so wird die toxische Albumose von ihren Entdeckern genannt, präsentiert sich im trockenen Zustande als ein amorphes, gelblich weifses Pulver, dessen wässerige Lösungen in grofsen Dosen Kaninchen innerhalb 22 Stunden töten, in kleinen gegen nachträgliche Pneumokokkeninfaktion völlig immun machen, eine bereits vorhandene Pneu­monic jedoch nicht zu heilen vermögen. Verarbeitet man aber das Blutserum oder das wässerige, nach der Emmerichschen Methode hergestellte keimfreie Organextrakt immunisierter Kaninchen, das „Heilserumquot; auf Eiweifskörper, so erhält man ein schwach bräunliches
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601
Pulver, welches Eiweilsreaktionen giebt und in wässe­riger Lösung Kaninchen nicht nur immunisiert, sondern auch pneumokokkenkranke Tiere wieder herstellt. Ein Zusatz von diesem „Antipneumotoxinquot; zu virulenter Bouillonkultur hebt die Giftwirkung der Diplokokken auf, ohne die Lebensfähigkeit der jetzt indifferenten Krankheitserreger zu vernichten. Das Gleiche gilt selbst­verständlich auch von dem Serum immuner Tiere. Es ist somit evident, dafs 1) die Pneumonic auf einer In­toxikation durch giftige StofFwechselprodukte der Diplo­kokken beruht, 2) dafs dieses Gift, das Pneumotoxin, im Tierkörper ein Gegengift, das Antipneumotoxin er­zeugt, dessen Anwesenheit vorläufig bis zur Dauer von vier Wochen sicher konstatiert ist. — Bei einer jeden natürlichen pneumonischen Infektion entsteht auch im menschlichen Organismus das Antipneumotoxin, und damit gleichzeitig der Wendepunkt im Verlauf der Krankheit. Die Krisis bei der menschlichen Lungen­entzündung und die Heilung bei der Pneumokokken-septikämie des Kaninchens sind übereinstimmende Vor­gänge. Unumstöfsliche Gewifsheit über die Identität beider Heilprozesse verschaiften sich die Untersucher, indem sie dieselben Mittel, welche die Heilung der Kaninchen bewirkten, am Menschen erprobten. Das Heilserum erwies sich für den Gesunden vollkommen indifferent. Bei Kranken trat in allen bisherigen Fällen 6—12 Stunden nach der subkutanen Injektion von 4—6 com bedeutender Temperaturabfall mit Verlang­samung von Puls und Atmung ein. Ein Drittel der behandelten Patienten behielt dauernd normale Tem­peratur, bei den übrigen stieg sie durchschnittlich erst nach sechs Stunden wieder an. Auf Grund aller dieser
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602
Ermittelungen sind wir berechtigt, das Antipneumotoxin den Toxophylaxinen einzureihen.
Abzuändern:
S. 53 Zeile 5 von unten, 0,9 in 0,09.
S. 67 „ 2 „ oben, 0,6 in 0,06.
S. 233 „ 14 „ unten, Cymen in Cymol.
S. 240 „ 12 „ unten, hinter Wurmsamen einzufügen
„Cineolquot;. S. 257 „ 14 „ unten, 022H33NOb in C22H38N05.
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Register.
A.
Aalblut.......nbsp; nbsp; 520
Abführmittel.....nbsp; nbsp; nbsp;20
Abietinsäure.....nbsp; nbsp; 858
Abortus......nbsp; nbsp; nbsp;84
Abrin.......nbsp; nbsp; nbsp;67
Abrus.......nbsp; nbsp; nbsp;66
Acabaiopfeilgift....nbsp; nbsp; 114
Acetum pyrolignosuni .nbsp; nbsp; 298
Aoetylen......nbsp; nbsp; 145
Aohillea......nbsp; nbsp; 190
Achillein......nbsp; nbsp; 190
Acidum acetienm . 386.nbsp; nbsp; 389
Ackergänsedistel . . .nbsp; nbsp; 353
AconeTlin......nbsp; nbsp; 255
Aconitin......nbsp; nbsp; 254
Aconitsäure . . . 255.nbsp; nbsp; 886
Aconitum .... 254.nbsp; nbsp; 576
Acnistus......nbsp; nbsp; 585
Actaea spicata ....nbsp; nbsp; nbsp;81
Adenin.......nbsp; nbsp; 408
Adlerfarn......nbsp; nbsp; 243
Adonidin......nbsp; nbsp; 112
Adonis.......nbsp; nbsp; 112
Ahrenlilie......nbsp; nbsp; 113
Äsculus ......nbsp; nbsp; 585
Äther.......nbsp; nbsp; 132
Äthusa.......nbsp; nbsp; 830
Äthyläther.....nbsp; nbsp; 132
Äthylalkohol.....nbsp; nbsp; 126
Äthylendiamin ....nbsp; nbsp; 416
Ätzkalk.......nbsp; nbsp; nbsp;72
Ätzungen, lokale . 39.nbsp; nbsp; nbsp;72
Agaricus albus ....nbsp; nbsp; 466
Agaricusarten, giftige .nbsp; nbsp; 466
Agaricus muscarius . .nbsp; nbsp; 464
Agaricus pantherina . .nbsp; nbsp; 465
Agaricussäure ....nbsp; nbsp;466
Agrostemma 261. 265.584.nbsp; nbsp; 586
Agrostemma-Sapogenin .nbsp; nbsp; 586 Agrostemma-Sapotoxin585. 590
Ailanthiis glandulosa .nbsp; nbsp; 265
Akazie, falsche ....nbsp; nbsp; nbsp;67
Alaun.......nbsp; nbsp; nbsp;74
Albizzia......nbsp; nbsp; 584
Aldehyd ......nbsp; nbsp; 187
Alexine.......nbsp; nbsp; 598
Alkalien......nbsp; nbsp; nbsp;33
Alkalische Albumosen 544.nbsp; nbsp;547
Alkalisches Globulin . .nbsp; nbsp; 547
Alkaloide, Reaktionen dernbsp; nbsp; nbsp;28
Alkohol.......nbsp; nbsp; 128
Allantiasis......nbsp; nbsp; 508
Alliaria.......nbsp; nbsp; 366
Aloe......341.nbsp; nbsp;460
Aloin.......nbsp; nbsp; 342
Alraunwurzel ....nbsp; nbsp; 276
Amanita pantherina . .nbsp; nbsp;466
Amanitin......nbsp; nbsp; 424
Amaryllideen . . 231.nbsp; nbsp; 676
Amaryllin......nbsp; nbsp;576
Amine.......nbsp; nbsp;412
Ammoniakderivate . .nbsp; nbsp; 398
Ammoniakgas . . 31.nbsp; nbsp; 398 Ammoniumderivate zer­setzter Eiweifssubstanzen 404
Ammoniumsalze . 398.nbsp; nbsp;400
Amphikreatinin. . .
407
Amygdalin .... Amylalkohol ....
157
130
Anacardium ....
77
Anacardsäure . . .
77
Anamnese.....
13
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H
604
Andromedagift ....nbsp; nbsp; 116
Andromodotoxin . . .nbsp; nbsp; 116
Anemonin......nbsp; nbsp; nbsp;79
AnemoTiinsänve ....nbsp; nbsp; nbsp;79
Anomonol......nbsp; nbsp; nbsp;78
Antagonismus ....nbsp; nbsp; nbsp;21
Anthoxanthum ....nbsp; nbsp; 163
Antkracin......nbsp; nbsp; 342
Anthraxalbumoso . . .nbsp; nbsp; 543
Antiarin......nbsp; nbsp; 115
Antjarpfeilgift . . . •nbsp; nbsp; 115
Antimon......nbsp; nbsp; nbsp;55
Antirrhinum.....nbsp; nbsp; 124
Antipneumotoxin . . .nbsp; nbsp; 600
Antitoxine . . . 542.nbsp; nbsp; 598
Aphis.......nbsp; nbsp; 462
Apoaconitin.....nbsp; nbsp; 576
Apocyne'in......nbsp; nbsp; 115
Apocynin......nbsp; nbsp; 115
Applikationsstelle ...nbsp; nbsp; nbsp;11
Arabis.....366.nbsp; nbsp; 368
Arbntin....... •nbsp; nbsp;357
Arecaidin......nbsp; nbsp;463
Arceain.......nbsp; nbsp;463
Arecanufs......nbsp; nbsp;463
Areeolin......nbsp; nbsp;463
Arginin.......nbsp; nbsp;454
Aristolochia.....nbsp; nbsp; 164
Aronstab......nbsp; nbsp;266
Arsen.......nbsp; nbsp; nbsp;39
Arsenige Säure ....nbsp; nbsp; nbsp;39
Arsensäure.....nbsp; nbsp; nbsp;39
Arsenvergiftung, akute .nbsp; nbsp; nbsp;45 chronische 47
Arum.....266.nbsp; nbsp;584
Asarin.......nbsp; nbsp; 163
Asarum.......nbsp; nbsp; 163
Asebotoxin.....nbsp; nbsp; 118
Asklepiadin.....nbsp; nbsp; 125
Asklepias......nbsp; nbsp; 125
Asklepin......nbsp; nbsp; 126
Asklepion......nbsp; nbsp; 126
Aspergillin.....nbsp; nbsp;487
Aspergillus.....nbsp; nbsp;485
Aspidium......nbsp; nbsp; 240
Astragalus.....nbsp; nbsp; 122
Atropamin.....nbsp; nbsp; 282
Atropin.......nbsp; nbsp;277
Atropinartige Base im
Fliegenpilz.....465
Auffallige Haut- und
Schleimveränderungen 31 Ausscheidung der Gifte 12 Autointoxikation vom
Tractus intestinalis aus 500 Autointoxikation vom
Uterus aus.....498
Azaleagift......116
B.
Bacillus enteritidis 514. 518.519
raquo; pyocyaneus 539.nbsp; nbsp;548 . subtilis ....
Balanitis......nbsp; nbsp; 584
Baryum......nbsp; nbsp; 120
Bassia.......nbsp; nbsp; 585
Baumwollensamen. . .nbsp; nbsp; 436
Befund, pathol. anatom.nbsp; nbsp; nbsp; 13
„ klinischer...nbsp; nbsp; nbsp;13
Begonia......nbsp; nbsp; 584
Behandlung der Vergif­tungen ......nbsp; nbsp; nbsp;19
Beingras......nbsp; nbsp; 113
Belladonna-Alkaloide .nbsp; nbsp; 275
Belladounin.....nbsp; nbsp; 282
Benzin.......nbsp; nbsp; 140
Benzol.....145.nbsp; nbsp; 292
Benzolpyrol.....nbsp; nbsp; 409
Berbamin......nbsp; nbsp; 190
Berberin......nbsp; nbsp; 190
Berberis......nbsp; nbsp; 189
Betain.......nbsp; nbsp; 435
Beutelbrand.....nbsp; nbsp; 471
Bewegung, spastisch-atak­tische .......nbsp; nbsp; 219
Bewufstlosigkeit ...nbsp; nbsp; 143
Bienengift......nbsp; nbsp; 528
Bierträber......nbsp; nbsp; 129
Bilineurin......nbsp; nbsp; 424
Bilsenkraut.....nbsp; nbsp; 276
Bingelkraut.....nbsp; nbsp; 411
Bittersüfs......nbsp; nbsp; 267
Blasenbildung ....nbsp; nbsp; nbsp;75
Blattläuse......nbsp; nbsp; 461
Blausäure .... 151;nbsp; nbsp; 577
ocr page 625
605
Blei........nbsp; nbsp; 191
Blutdissolution 39. 292.nbsp; nbsp; 334
341. 854. 370. 386. Blutserum, giftige Eigen­schaften ......nbsp; nbsp;522
Boletusarten, giftige . .nbsp; nbsp;467 Boletus laricis s. pur-
gans.......nbsp; nbsp;466
Boletus luridus ....nbsp; nbsp; 465
Borsäure .... 386.nbsp; nbsp; 397
Botulismus . . . 507.nbsp; nbsp; 508
Brandpilze.....nbsp; nbsp; 467
Brassica rapa ....nbsp; nbsp; 366 I
Braunwurz.....nbsp; nbsp; 125
Brechen.......nbsp; nbsp; nbsp;72
Brechmittel.....nbsp; nbsp; nbsp;20
Brechnufs......nbsp; nbsp; 287
Brechweinsteinvergiftungnbsp; nbsp; 55
Brucin.......nbsp; nbsp; 290
Bryonia......nbsp; nbsp; nbsp;71
Bryonin......nbsp; nbsp; nbsp;71
Bryorctin......nbsp; nbsp; nbsp;71
Bucholn......nbsp; nbsp; 442
Buchweizen.....nbsp; nbsp; 354
Buxin.......nbsp; nbsp; 183
Buxus.......nbsp; nbsp; 183
Chamälirin . . . 583. 584
Chelerythrin.....185
Chelidonin.....184
Chelidonium.....184
Chelidonsäure .... 186 Chelidoxantin .... 186 Chem. Modifikation der
Gifte . . . Chcnopodium . . 414. Chilisalpeter . Chlor . . . Chlorammonium Chlorate .... 870. Chlornatrium. Chloroform Chlorogalum . Chlorwasserstoff1 Choleinsäure . Cholera . . . Cholera infantum Cholcrapcptotoxin Choleratoxalbumin . . Cholin 424. 487. 442.
10 584 388
81 400 374 370 133 584
34 119 531 533 532 532 449 468
454. 457. 458. 462.
464. 465. 511. Cholinderivate in Pflanzen 436 Choloidinsäure .... 120
Cholsäure......119
Chromogene.....292
Chrysarobin.....394
Chrysophansäurc . 394. 465 Cicer arictinum .... 457
Cicuta.......232
Cicutin.......283
Cicutoxin......232
Cineol.......602
Citronensäure . . 386. 388
Claviceps......84
Clonus.......292
Cobrain......524
Coehlearia......866
Codamin .... 166. 179
Codcm.......176
Colchicein......229
Colchicin......227
Colchicum......227
Collidm.......308
Conhydrin......327
Coniferae......358
C.
Cadaverin......nbsp; nbsp; 418
Calabarbohne ....nbsp; nbsp; 244
Calabarin......nbsp; nbsp; 244
Caladium......nbsp; nbsp; 266
Calla.......nbsp; nbsp; 266
Caltha palustris. ...nbsp; nbsp; nbsp;79
Camellia......nbsp; nbsp; 585
Cantharellus.....nbsp; nbsp;467
Capsella......nbsp; nbsp; 366
Cardaminc.....nbsp; nbsp; 366
Carbamid......nbsp; nbsp;401
Carbolsaure.....nbsp; nbsp; 293
„ robe ...nbsp; nbsp; 296
Carduus......nbsp; nbsp;353
Caroten......nbsp; nbsp; 366
Carnin.......nbsp; nbsp; 409
Carica.......nbsp; nbsp; 584
Cephalantlms ....nbsp; nbsp; 585
Chärophyllum . ^ . .nbsp; nbsp;332
ocr page 626
606
Coniferin......nbsp; nbsp;358
Coniin.......327
Conium.......nbsp; nbsp; 326
Connigellin.....nbsp; nbsp;334
Convallamarin ....nbsp; nbsp; 112
Convallaria.....nbsp; nbsp; 112
Convallerin.....nbsp; nbsp; 112
Convulsionen . . . 75.nbsp; nbsp;219
Corindin......nbsp; nbsp;308
Coronilla......nbsp; nbsp; 122
Coronillin......nbsp; nbsp; 122
Corrosion......nbsp; nbsp; nbsp;31
Crotalin......nbsp; nbsp;524
Croton.......nbsp; nbsp; nbsp;64
Crotonsamen.....nbsp; nbsp; nbsp;65
Crotonsäure.....nbsp; nbsp; nbsp;64
Cruoiferen......nbsp; nbsp;366
Crusokreatinin ....nbsp; nbsp;407
Cryptopin .... 166.nbsp; nbsp; 178
Cupressineae.....nbsp; nbsp;363
Cuscuta......nbsp; nbsp;341
Cyanäthyl......nbsp; nbsp; 149
Cyangas......nbsp; nbsp; 150
Cyankalium.....nbsp; nbsp; 156
Cyanmethämoglobin . .nbsp; nbsp; 579
Cyanverbindungen 149.nbsp; nbsp; 157
Cyanwasserstoff. . . .nbsp; nbsp; 151
Cyclamen .... 261.nbsp; nbsp;585
Cyclamin . . 262. 583.nbsp; nbsp;589
Cymol.......nbsp; nbsp;602
Cynaria.......nbsp; nbsp;553
Cytisin.......nbsp; nbsp;322
Cytlsus.......nbsp; nbsp;321
Delphinin .... 257.nbsp; nbsp; 580
Delphinium . . . 257.nbsp; nbsp; 580
Delphinoidin. . . 257.nbsp; nbsp; 580
Delphisin .... 257.nbsp; nbsp; 580
Deponierung der Gifte .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
Diamine......nbsp; nbsp; nbsp;46
Diantims......nbsp; nbsp; 584
Diäthylamin.....nbsp; nbsp; 416
Digitalem......nbsp; nbsp; 101
Digitalin......nbsp; nbsp; 101
Digitalis .... 101.nbsp; nbsp; 585 Digitalis-ähnliche Gift­wirkung ......nbsp; nbsp; 122
Digitonin .... 102.nbsp; nbsp; 583
Digitoxin......nbsp; nbsp; 102
Dimethylamin ....nbsp; nbsp; 412
Dimethylxanthin . . .nbsp; nbsp; 408
Dioscorea......nbsp; nbsp; 584
Diphtherie......nbsp; nbsp; 533
Diplococcus pneumoniaenbsp; nbsp; 548
600.
Dipterengifte ....nbsp; nbsp; 529
Dispnoe.......nbsp; nbsp; nbsp;31
Disteln.......nbsp; nbsp; 353
Diurese . . 101. 254.nbsp; nbsp; 317
Donnerpilz.....nbsp; nbsp; 465
Dosis letalis.....nbsp; nbsp; nbsp;10
„ pharmacotherapeu-
tica......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
„ toxica .....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
Drosera .... 386.nbsp; nbsp; 388
Duboisia......nbsp; nbsp; 276
Duboisin......nbsp; nbsp; 276
Dulcamarin . . . 267.nbsp; nbsp; 271
Düngerjauche ....nbsp; nbsp;403
Durchfall 39. 75. 84.nbsp; nbsp; 172
191. 219. 254. 307.nbsp; nbsp; 317 334. 341. 354. 386.
Dynamit .... 370.nbsp; nbsp; 377
Dyslysin......nbsp; nbsp; 120
D.
Dämpfigkeit . . .
. 486
Damascenin . . .
. 333
Daphne .....
. 81
Daphnetin ....
. 82
Daphnin ....
. 82
Datura.....
. 276
Daueus . . . . ;
. 365
Defensive proteids.
. 543
Defensiv-Proteine .
. 598
Degeneration, fettige
. 39
Degeneration, fehlend Denydroaconitin .
e . 354
. 576
E.
Echidnin......nbsp; nbsp;524
Echujapfeilgift ....nbsp; nbsp; 114
Echujin.......nbsp; nbsp; 114
Echujon......nbsp; nbsp; 114
Eibenbaum ... .nbsp; nbsp;259
ocr page 627
607
Eicheln.......nbsp; nbsp; 334
Eichengerbaäure . . .nbsp; nbsp; 335
Eischimmel.....nbsp; nbsp;488
Eisenhut......nbsp; nbsp;254
Eitergifte......nbsp; nbsp;538
Elaphin.......nbsp; nbsp;524
Elefantenlaus (Anacar-
dium).......nbsp; nbsp; nbsp;78
Enteritis, Fleischvergif­tung nach.....nbsp; nbsp; 517
Enterolobium.....nbsp; nbsp; 584
Epichloe......nbsp; nbsp; 100
Epilepsie......nbsp; nbsp; 232
Epileptiforme Krämpfe .nbsp; nbsp; nbsp;84
Equisetsäure.....nbsp; nbsp; 386
Equisetum . . . 386.nbsp; nbsp;387
Erbrechen 39. 72. 75. 84.nbsp; nbsp; 165
191. 219. 254. 307.nbsp; nbsp; 317 354. 386.
Erbsen.......nbsp; nbsp;462
Ergosterin......nbsp; nbsp; nbsp;86
Ergotinsäure.....nbsp; nbsp; nbsp;85
Ergotismus.....nbsp; nbsp; nbsp;84
Encaceen......nbsp; nbsp; 116
Ericolin .... 119.nbsp; nbsp; 357
Ermittelung der Reaktionnbsp; nbsp; nbsp;16
Ervum, Ervilia . . 457.nbsp; nbsp;461
Erysimum......nbsp; nbsp; 368
Eseridin......nbsp; nbsp; 245
Eserin.....244.nbsp; nbsp;246
Essigsäure. ... 386.nbsp; nbsp;389
Euonymin......nbsp; nbsp; 112
Euonymus......nbsp; nbsp; 112
Euphorbin......nbsp; nbsp; nbsp;83
Euphorbinsäure ....nbsp; nbsp; nbsp;88
Euphorbium.....nbsp; nbsp; nbsp;83
Euphorbon......nbsp; nbsp; nbsp;83
Excitation......nbsp; nbsp; 165
Fieber.......nbsp; nbsp;254
Filixöl.......nbsp; nbsp; 241
Filixsäure......nbsp; nbsp; 241
Flachsseide.....nbsp; nbsp;341
Fleisch kranker Tiere515.nbsp; nbsp; 516
518. Fleischmehl .....nbsp; nbsp; 514 Fleisch- und Fischvergif­tung .......nbsp; nbsp; 507
Fliegenpilz.....nbsp; nbsp;464
Flohkraut......nbsp; nbsp;356
Flugbrand......nbsp; nbsp;471
Frangulin......nbsp; nbsp; 351
Frangulinsäure ....nbsp; nbsp; 351
Frefswurz......nbsp; nbsp; 266
Furfurol......nbsp; nbsp; 131
Fuselöl.......nbsp; nbsp; 130
Futterwicke.....nbsp; nbsp;457
G.
Gadinin......nbsp; nbsp; 422
Galega.......nbsp; nbsp; 122
Gallactucon.....nbsp; nbsp; 165
Galle.......nbsp; nbsp; 119
Gallussäure.....nbsp; nbsp; 336
Gangrän......nbsp; nbsp; nbsp;84
Gänsefufs......nbsp; nbsp;414
Gartengleisse.....nbsp; nbsp;330
Gartenraute.....nbsp; nbsp;357
Gartenschierling . . .nbsp; nbsp; 330
Gase, irrespirable ...nbsp; nbsp; nbsp;31
Gegengifte.....nbsp; nbsp; nbsp;20
Gegenmittel.....nbsp; nbsp; nbsp;20
„ chemische .nbsp; nbsp; nbsp;21
„ dynamischenbsp; nbsp; nbsp; 21
„ mechanischenbsp; nbsp; nbsp;20
„ physikalischenbsp; nbsp; 20
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; physiologische 21
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; symptomatische22
Gemüseplatterbse . . .nbsp; nbsp; 457
F.
Faba vulgaris ....nbsp; nbsp;458
Fagin.......nbsp; nbsp;442
Farnkraut......nbsp; nbsp; 241
Färbung, auffällige . .nbsp; nbsp; nbsp; 14
Ferula.......nbsp; nbsp;364
Feldlöwenmaul ....nbsp; nbsp; 124
Fichten.......nbsp; nbsp;358
Genista . .
Gerbsäuren
326 334 419 16 479 2
Gerontin . Geruch . . Getreiderost Gift . . .
ocr page 628
608
Giftbohne......nbsp; nbsp; nbsp; 66
Gifte, chemische Modifi­kationen ....nbsp; nbsp; nbsp; 10 „ Deponierung . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7 „ Einteilung ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3 „ Elimmierung .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7 n Gewöhnung an .nbsp; nbsp; nbsp; 11 „ physikalische Ei-
f enschaften ...nbsp; nbsp; nbsp; 10
erwandlung . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8
quot; Wirkungsweise .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 6
Giftlattig......nbsp; nbsp; 165
Giftwirkung, Bedingungnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9
Ginster.......nbsp; nbsp; 326
Glaubersalz.....nbsp; nbsp; 385
Gleditschia.....nbsp; nbsp; 584
Glykocholsäure ....nbsp; nbsp; 119
GlykosidederCvangruppenbsp; nbsp;157
Goldregen ..quot;....nbsp; nbsp; 321
Gottesgnadenkraut . .nbsp; nbsp; 124
Grasrost......nbsp; nbsp; 479
Gratiola......nbsp; nbsp; 124
Gratiolin......nbsp; nbsp; 124
Gratiosolin.....nbsp; nbsp; 124
Grindelia......nbsp; nbsp; 584
Grünfutter-Heugärung .nbsp; nbsp; 496
Guajakol......nbsp; nbsp; 299
Guanidinverbindungen .nbsp; nbsp; 405
Guanin.......nbsp; nbsp; 408
Guano.......nbsp; nbsp; 408
Gypsophyla . . . 261.nbsp; nbsp; 584
Heckenkirsche ....nbsp; nbsp; 396
Heckensamen ....nbsp; nbsp; 326
Hefegifte......nbsp; nbsp; 446
Hcllebomn.....nbsp; nbsp; }^\
Helleborin......nbsp; nbsp; 10deg;
Hollebonis......nbsp; nbsp; 107
Helonias......nbsp; nbsp; 5S4
Helvella esculenaa . .nbsp; nbsp; 465
Helvellasäure • • • •nbsp; nbsp; ™!
Heringslake . . #9632; • •nbsp; nbsp; 50^
Herniaria • • • ; 261-nbsp; nbsp; £deg;f
Herzschlag, pochender232.nbsp; nbsp;lt;nö
Heteroxanthin . . . •nbsp; nbsp; 408
Heubacillus . . • 496.nbsp; nbsp; 497
Hexenkraut.....nbsp; nbsp; f*
Hexenschwamm . . . .nbsp; nbsp; 4b0
Hirnkrämpfe . . . 7o.nbsp; nbsp; 254
Hog-cholera.....nbsp; nbsp; gamp;raquo;
Holzessig......nbsp; nbsp; laquo;|deg;
Homochelidomn • • • •nbsp; nbsp; ^So
Huminsubstanzen . . .nbsp; nbsp; 33raquo;
Hundspetersilie ....nbsp; nbsp; 330
Hundswürger ....nbsp; nbsp; 1^0
Husten, schmerzhafter .nbsp; nbsp; nbsp; 31
Plydrazin......nbsp; nbsp; 446
Hydroberberin ....nbsp; nbsp; nbsp;iraquo;quot;
Hydrocotyle.....nbsp; nbsp; •*£
Hvdrocatarnin • • • •nbsp; nbsp; IIq
Hvdrocorindin ....nbsp; nbsp; 308
Hyoglykocholsäure . .nbsp; nbsp; 11raquo;
Hyoscm.......nbsp; nbsp; 27b
Hyoscyamin.....nbsp; nbsp; 277
Hyoscyamus.....nbsp; nbsp; *lt;*
Hvpericum.....nbsp; nbsp; lquot;l
H.
Hämoglobinurie . . 74.nbsp; nbsp; 354
Hahnenfufsgewäohse . .nbsp; nbsp; nbsp; 79
Harkawys Basen . . .nbsp; nbsp; 447
Harn der Menschen . .nbsp; nbsp; 403
Harn, gefärbter ....nbsp; nbsp; 292
Harnstoff......nbsp; nbsp; 401
Hartheu......nbsp; nbsp; 191
Hartriegel......nbsp; nbsp; 339
Harzseifen......nbsp; nbsp; 302
Hautblasen.....nbsp; nbsp; nbsp; 75
Hautödem......nbsp; nbsp; 354
Hautpilze......nbsp; nbsp; 464
Hautveränderung ...nbsp; nbsp; nbsp; 31
Hayagift......nbsp; nbsp; 524
J. und I.
Jaborandiblätter
Jaboridin .
Jaborin . .
Japaconitin
Japankampfer
Ichthyismus
Ichthyotoxin
Ictrogen
Jequiritsamen
Jervin . .
Igasursäure
317 317 317 255 251 513 520 455 66 220 290
ocr page 629
609
Iktrogen......nbsp; nbsp; 455
Illicium. #9632;. • • • 244.nbsp; nbsp; 584
Imidoxanthin.....nbsp; nbsp; 408
Imine'.......nbsp; nbsp; 404
Immunität......nbsp; nbsp; 599
Indigoblau.....nbsp; nbsp; 410
Indol........nbsp; nbsp; 409
Inepfeilgift.....nbsp; nbsp; 114
Initiale Erregung . , .nbsp; nbsp; 128
Jodoform......nbsp; nbsp; 137
Jodsalze......nbsp; nbsp; 381
Jodtri chlorid.....nbsp; nbsp; 561
Johanniskraut ....nbsp; nbsp; 191
Irrespirable Gase ...nbsp; nbsp; nbsp; 31
Isobutylalkohol . . .nbsp; nbsp; 131
Isobut'hylenglykol ...nbsp; nbsp; 131
Isocyanessigsäure . . .nbsp; nbsp; 524
Isocyansäure.....nbsp; nbsp; 152
Jungfernbrust ....nbsp; nbsp; 267
Jumperus......nbsp; nbsp; 363
K (of. C).
Kachexie .... 72.nbsp; nbsp; 191
Käsegifte......nbsp; nbsp; 505
Kanit.....370.nbsp; nbsp; 378
Kälberruhr.....nbsp; nbsp; 450
Kalciumnitrat ....nbsp; nbsp; 381
Kaliumnitrat . . 370.nbsp; nbsp; 379
Kaliumoxalat, saures . .nbsp; nbsp; 392
Kalk........nbsp; nbsp; nbsp; 72
Kampfer......nbsp; nbsp; 251
Kantharen......nbsp; nbsp; nbsp;75
Kanthariden.....nbsp; nbsp; nbsp; 75
Kantharidin.....nbsp; nbsp; nbsp; 75
Kantharidinsäure ...nbsp; nbsp; nbsp; 75
Kantharidinsaures Kali .nbsp; nbsp; 670
Kardol.......nbsp; nbsp; nbsp; 78
Kartoffel......nbsp; nbsp; 267
Kartoffelschlempe . . .nbsp; nbsp; 453
Katalepsie......nbsp; nbsp; 172
Kichererbse . . . 457.nbsp; nbsp; 458
Kicherplatterbse . 457.nbsp; nbsp; 458
Kirschkerne.....nbsp; nbsp; 160
Kirschlorbeerblätter . .nbsp; nbsp; 161
Kleber.......nbsp; nbsp; 341
Kleekrankheit ....nbsp; nbsp; 489
Knöterich......nbsp; nbsp; 356
Tereg u. Arnold, Toxikologie
Körbelkraut.....nbsp; nbsp;332
Kockelsköruer ....nbsp; nbsp; 236
Kohlendunst.....nbsp; nbsp; 145
Kohlenoxyd.....nbsp; nbsp; 145
Kohlensäure.....nbsp; nbsp; 143
Kolik.....172.nbsp; nbsp;341
Konvulsionen . . 219.nbsp; nbsp; 232
Kopfschimmel ....nbsp; nbsp;489
Kornrade. . 261. 265.nbsp; nbsp; 585
Kornrademehl ....nbsp; nbsp; 591
Kornutin......nbsp; nbsp; nbsp;85
Krähenaugen.....nbsp; nbsp; 287
Krämpfe . . 143. 172.nbsp; nbsp; 191
„ epileptiforme .nbsp; nbsp; nbsp;84
klonische 172.nbsp; nbsp; 292
307.
., tetanische 287.nbsp; nbsp; 326
„ tonische . . .nbsp; nbsp; 172
Kranzerbse.....nbsp; nbsp; nbsp;66
Kreatin.......nbsp; nbsp;407
Kreatinin......nbsp; nbsp;406
Krebsgift......nbsp; nbsp; 540
Kreolin.......nbsp; nbsp;300
Kreosol.......nbsp; nbsp; 299
Kreosole......nbsp; nbsp; 300
Kreosot.......nbsp; nbsp; 299
Kreuzdorn......nbsp; nbsp; 351
Kreuzschwäche ....nbsp; nbsp; nbsp;72
Kupfer.......nbsp; nbsp;201
L.
Lactarius......nbsp; nbsp;467
Lactuca......nbsp; nbsp; 165
Lactucerin.....nbsp; nbsp; 165
Lactucin......nbsp; nbsp; 165
Lactucon......nbsp; nbsp; 165
Lactupikrin.....nbsp; nbsp; 165
Lähmung 75. 191. 219.nbsp; nbsp;254 275. 307. 326.
Lathyrismus.....nbsp; nbsp;457
Lathyrus cicera. . 457.nbsp; nbsp;460
Lathyrus sativus . 457.nbsp; nbsp;458
Läusekraut . . . 125.nbsp; nbsp; 257
Läusesamen.....nbsp; nbsp; 223
Lanthopin .... 166.nbsp; nbsp; 178
Lappa.......nbsp; nbsp;353
Laudanin......nbsp; nbsp; 166
89
ocr page 630
610
Laudanosin.....nbsp; nbsp; 178
Laurocerasin.....nbsp; nbsp; 159
lecithin......nbsp; nbsp; 438
Ledum . .....nbsp; nbsp; 358
ijeichenconiin ....nbsp; nbsp; 418
Lens esculenta ....nbsp; nbsp; 462
Leontice......nbsp; nbsp; 584
Leptandra......nbsp; nbsp; 585
Leptospharia.....nbsp; nbsp; 469
Leuchten im Dunkeln .nbsp; nbsp; nbsp; 16
Leuchtgas......nbsp; nbsp; 145
Levkoje......nbsp; nbsp; 231
Liebesapfel.....nbsp; nbsp; 267
Ligustron......nbsp; nbsp; 340
Ligustrum......nbsp; nbsp; 339
Linsen.......nbsp; nbsp; 462
Linsenwicke . . . 457.nbsp; nbsp; 461
Linum.......nbsp; nbsp; 161
„ catharticum . .nbsp; nbsp; 348
Lonicera .... 386.nbsp; nbsp; 396
Lugolsche Lösung. . .nbsp; nbsp; 382
Lungenseuche ....nbsp; nbsp; 594
Lungcnseucheverdacht .nbsp; nbsp; 486
Lupanin......nbsp; nbsp; 453
Lupigenin......nbsp; nbsp; 454
Lupinenalkaloide . . .nbsp; nbsp; 453
Lupinidin......nbsp; nbsp; 453
Lupiniin......nbsp; nbsp; 454
Lupinin......nbsp; nbsp; 453
Lupinosc......nbsp; nbsp; 454
Lupinotoxin.....nbsp; nbsp; 455
Luridussäure.....nbsp; nbsp; 465
Lutidin.......nbsp; nbsp; 308
Lychnis......nbsp; nbsp; 583
Lycin.......nbsp; nbsp; 435
Mastitis, Fleischvergiftung
nach.......nbsp; nbsp; 518
Mauersalpeter . . 370.nbsp; nbsp; 381 Maulschleirahaut,Sch wel­lung der.....nbsp; nbsp; nbsp; 75
Melampyrit.....nbsp; nbsp; 124
Melampyrum.....nbsp; nbsp; 123
Melassenschlempe . . .nbsp; nbsp; 448
Melde.......nbsp; nbsp; 414
Melilotol......nbsp; nbsp; 162
Melilotus......nbsp; nbsp; 161
Mercurialis.....nbsp; nbsp; 411
Methylamin.....nbsp; nbsp; 412
Methylcarbylamin . . .nbsp; nbsp; 524
Meth'ylconiin.....nbsp; nbsp; 329
Methylguanidiu ....nbsp; nbsp; 405
Methylguanidinessigsäurenbsp; nbsp;406
Methvlguanidinglycolyl .nbsp; nbsp; 407
Methylindol.....nbsp; nbsp; 410
Methylxanthin ....nbsp; nbsp; 408
Methylhyroberberin . .nbsp; nbsp; 190
Mothylinorphin ....nbsp; nbsp; 176 Metritis,Fleischvergiftuug
nach.......nbsp; nbsp; 515
Mezereiu......nbsp; nbsp; nbsp; 82
Microooccus aeidi para-
lactici......nbsp; nbsp; 550
Milchgifte......nbsp; nbsp; 505
Milzbrand......nbsp; nbsp; 542
Mohnpflanzen ....nbsp; nbsp; 179
Monamine......nbsp; nbsp; 412
Mondsamen.....nbsp; nbsp; 236
Monnina......nbsp; nbsp; 585
Moorkönig......nbsp; nbsp; 124
Morphin .... 166.nbsp; nbsp; 169
Mucor.......nbsp; nbsp; 489
Muscari......nbsp; nbsp; 584
Muscarin .... 430.nbsp; nbsp; 464
Mutisia.......nbsp; nbsp; 584
Mutterkorn.....nbsp; nbsp; nbsp; 84
„ -Nachweis .nbsp; nbsp; nbsp; 99
Mydalein......nbsp; nbsp; 420
Mydatoxin......nbsp; nbsp; 423
Mydin.......nbsp; nbsp; 572
Mydriasis......nbsp; nbsp; 275
Mykophylaxine ....nbsp; nbsp; 600
Mykose.......nbsp; nbsp; nbsp; 85
Mvksocine......nbsp; nbsp; 600
Maisbrand . . .471.nbsp; nbsp; 473.
Maische, saure ....nbsp; nbsp; 390 Maiskrankheit, columbi-
sche .........nbsp; nbsp; 478
Malignes Ödem ....nbsp; nbsp; 540
Mandeln, bittere . . .nbsp; nbsp; 159
Mandragora.....nbsp; nbsp; 276
Mandragorin.....nbsp; nbsp; 276
Marshscncr Apparat . .nbsp; nbsp; nbsp; 49
ocr page 631
611
Myronsäure Mytilotoxin
. . 367 422. 522
0,
Objekt, Stellung in der
Tierreihe.....nbsp; nbsp; nbsp; 12
Önanthe......nbsp; nbsp; 235
Onanthin......nbsp; nbsp; 235
Oidium.......nbsp; nbsp;488
Oleander......nbsp; nbsp; 110
Oleandresin.....nbsp; nbsp; 110
Oleandrin......nbsp; nbsp; 110
Onopordon......nbsp; nbsp; 353
Opiansäure.....nbsp; nbsp; 174
Opium.......nbsp; nbsp; 166
Orthocumarsäurc . . .nbsp; nbsp; 162
Oxalis.....386.nbsp; nbsp; 396
Oxalsäure .... 386.nbsp; nbsp; 392
Oxycholin......nbsp; nbsp; 431
Oxydicolchicin ....nbsp; nbsp; 227
Oxymethylhydrastin . .nbsp; nbsp; 172
Oxymorphin . . . 166.nbsp; nbsp; 172
Oxyneurin......nbsp; nbsp; 435
Oxyphenylacrylsiiure . .nbsp; nbsp; 162
Oxvzimtsäure ....nbsp; nbsp; 162
Nabel kraut
.
365
Nachtschatten .
.
267
Nachweis unox'gaiiischer
Gifte ....
2o
Nachweis der Alkaloids
etc. nach Stas-Otto
26
Nachweis flüchtiger
Gifte
24
„ giftiger Gase .
24
Nachweis löslicher
Gifte
24
., physiologischer
18
„ von Antimon .
59
., Arsen . .
49
., Kanthariden 77
_ ,, Phosphor .
55
Nagelbrand Naiin . .
471
524
Naphtalindampf
145
Narcein ....
166.
177
Narcisse . . .
230
Narcissus . . .
230
Narcotin . . .
166.
172
Narkose . . .
165
Narthecin . . .
113
Narthecinsäure .
113
Narthecium . .
113
Natriumjodid . .
370.
381
Natriumnitrat .
370.
388
Natriumoxalat .
393
Natriumsulfat
370.
385
Natronsalpetei
383
Neriantin .
110
Neriin .
110
110
Neuridin .
.
435
Neiirin .
427.
466
Nicotin . .
310
Nigella . .
333.
584
Nigellin
333
Nitroglycerin
370.
377
^ux vomica .
287
P.
Paeonia.....81.nbsp; nbsp; 580
Panamarinde.....nbsp; nbsp; 261
Pantherschwamm . . .nbsp; nbsp; 465
Papaverin .... 166.nbsp; nbsp; 174
Paralyse 101. 161. 292.nbsp; nbsp; 317
„ ascendierende .nbsp; nbsp; 161
Paraxanthin.....nbsp; nbsp; 408
Paridin.......nbsp; nbsp; 113
Paridol.......nbsp; nbsp; 113
Parigenin .... 265.nbsp; nbsp; 583
Pariflin.....265.nbsp; nbsp; 583
Paris.......nbsp; nbsp; 113
Paristyphnin.....nbsp; nbsp; 113
Partikelchen, ungelöste .nbsp; nbsp; nbsp;14
Parvolin......nbsp; nbsp; 308
Penicillium glaueum . .nbsp; nbsp; 488
Pentamethylendiamin. .nbsp; nbsp; 418
Peonol.......nbsp; nbsp; 580
Peptotoxin.....nbsp; nbsp; 500
Petroleum......nbsp; nbsp; 141
Pfeffer.......nbsp; nbsp;308
Pfeilgift......nbsp; nbsp; 114
39*
ocr page 632
612
Pfirsichblätter .... Pflanzenteile, Eeste . . Pflanzliche Toxalbumine,
präformierte .... Phellandrium ....
Phenol.......
Philothion .....
Phlogosin......
Phloroglucin . . . 339.
Phosphor......
Phylaxin......
PhyMkal. Eigenschaften
der G-ifte.....
Physosterin . . . 283. Physostigmin ....
Picolin.......
Picrotoxinin.....
Picrotoxin......
Pikropodophyllin . 69. Pikropodophyllinsäure .
Pilocarpen.....
Pilocarpidin.....
Pilocarpin......
Pilze ........
Pilz-gutti......
Pilzpneumonie ....
Pinipittria .....
Pinselschimmel ....
Piperidin......
Piperin.......
Pircunia......
Pisum sativum .... Platterbsen . . . 457. Pleurotus noctiluceus Pneumonie. . 68. 548. Pneumonomycosis asper-
gillina......
Pneumonomycosis oidica
Pneumotoxin.....
Podophyllin ... 69. Podophyllinsäure . . . Podophylloquercetin . . Podophyllotoxin. . 68. Podophyllsäure
160 14
Polygonum.....nbsp; nbsp; 356
Polyporus hispidus . .nbsp; nbsp; 466
Porschöl......nbsp; nbsp; 358
Primula .... 261.nbsp; nbsp; 585
Prognose d. Vergiftungennbsp; nbsp; nbsp; 19
Propylamin . . . 413.nbsp; nbsp; 416
Protopin .... 179.nbsp; nbsp; 185
Protoveratridin ....nbsp; nbsp; 220
Protovoratrin ....nbsp; nbsp; 220
Pseudaconitin ....nbsp; nbsp; 255
Pseudojervin.....nbsp; nbsp; 220
Pseudomorphin . . 166.nbsp; nbsp; 172
Pteris aquiliua ....nbsp; nbsp; 243 Ptomaine der Fleisch- u.
Fischfäulnis ....nbsp; nbsp; 420
Ptomatomuscarin 508. 509.nbsp; 513
Pucoinia......nbsp; nbsp; 479
Puls, abnehmender und
frequenter ... 75.nbsp; nbsp; 101
Puls, frequenter . . .nbsp; nbsp; 232 Puls, frequenter, dann
abnehmender ....nbsp; nbsp; 254 Puls, Verlangsamung,
dann Beschleunigung .nbsp; nbsp; 219
Purgierdorn.....nbsp; nbsp; 351
Purgierlein.....nbsp; nbsp; 348
Putrescin......nbsp; nbsp; 417
Pyocyaneusprotein . .nbsp; nbsp; 539
Pyridin.......nbsp; nbsp; 307
P'yrogallol ......nbsp; nbsp; 338
Pyrola.......nbsp; nbsp; 357
531 365 293 446 538 356 49 599
10 366 244 308 237 236 581 582 317 317 317 464 466 486 358 488 308 308 584 462 458 468 600
486 488 600 582 69 582 581 581 580 373 468 584 584
Q
Quercimerinsäure . . .nbsp; nbsp; 356
Quercetinsäure ....nbsp; nbsp; 356
Quecksilber.....nbsp; nbsp; 208
Quillaja......nbsp; nbsp; 585
Quillajarinde ....nbsp; nbsp; 261
Quillajasapotoxin . 583.nbsp; nbsp; 589
Quillajasäure . . . 261.nbsp; nbsp; 583
Podophyllum.
68.
B.
Rachenschleimhaut,
Schwellung .... 74 Rade......592. 593
Pökellake . . Polydesmus . Polygala . . Polygalasäure
261. 583.
ocr page 633
613
Bademehl. . 590. 591.
Raimveide......
Eanuncvüusarten . . .
Raps........
Rapskuchen.....
Rapsverderber
593 , Rutin.....355.
339 Ruta........
78 i
357 357
366 369
S.
Sabadilla......
1 Sabadillin......
i Sabadin.......
! Sabadinin......
1 Sabatrin......
Sadebaum......
Safranrebendolde . . .
Salivation . . 75. 292.
Salmiak......
Salpeter .... 370.
Salpetersäure ....
Salzlake......
Salzsäure......
Santonin......
Sapindus......
Sapindus-Sapotoxin 583.
Sapogenin......
Saponaria......
Saponin . . 262. 265.
Sapotoxin......
Saprin.......
Saprotoxin.....
Sarsaparille-Saponin . .
Sauerampfer . . . 392.
Sauerklee......
Sauerkrautlake ....
Säuren .......
„ organische . . .
Schafgarbe.....
Schierling......
Schimmelpilze .... „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wirkung der
Schlafkraut .....
Schlangengifte ....
Schlangenwürger . . .
Schleimhäute, gerötete .
Schleimhautschwellung .
Schleimhautveränderung
Schlempe......
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; hefehaltige
Schlempemauke ....
Schlempe, saure ' . 390.
Schlingbeschwerden . .
Schmeerwurz . . . .
223 224 224 224 224 363 235 317 400 879
33 378
34 238 685 589 262 584 588 261 419 421 265 395 896 148
33 386 190 826 484 491 276 523 125 275 354
31 448 447 452 451
33 266
369 504 128 548 28 16 235 352 352 351 351 851 124 116 119 116 179 60 60 475 257 531 67 67 490 490 452 111 358 365 476 283 552 221 246 163 365 337 411 392 471 467
Rauke . . .
366.
Baupengift.....
Rausch.......
Rauschbrand.....
Reaktionen der Alkaloide „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ermittlung .
Rebendolde.....
Rhamnetin.....
Rhamnin......
Rhamnocathartin . . . Rhamnoxanthin ....
Rhamnus ......
Rhinantin .... 123. Rhododendrongift . . . Rhodotannsäure.... Rhodoxanthin ....
Rhöatin.......
Ricin.......
Ricinus.......
Rinderpest, sporadische .
Rittersporn.....
Robin.....68.
Robinia.......
Robinin.......
Roggen.......
Roggenschimmel . . . Roggenschlempe . . .
Rosaginin......
Rosmarin......
Rofsfenchel.....
Rostpilze......
Rotoin.......
Rotz........
Rubijervin......
Rubreserin.....
Ruchgras......
Rüben .......
Rufigallussäure ....
Ruhrkraut......
Eumex.....396.
Rufsbrand......
Russula.......
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614
Schneeball......nbsp; nbsp; 397
Schneeglöckchen . . .nbsp; nbsp; 231
Schnitzel......nbsp; nbsp; 448
Schöllkraut.....nbsp; nbsp; 184
Schwäche......nbsp; nbsp; 341
Schwarzkümmel . . .nbsp; nbsp; 333
Schwefelsäure ....nbsp; nbsp; nbsp;37
Schweifrost.....nbsp; nbsp; 477
Schweinepest ....nbsp; nbsp; 553
Schweinerotlauf . . .nbsp; nbsp; 595
Schweineseuche . . .nbsp; nbsp; 565
Schweifs ......nbsp; nbsp; 254
Schwel l'skraut ....nbsp; nbsp; 411
Schwellung.....nbsp; nbsp; nbsp;31
,, entzündlichenbsp; nbsp; nbsp;75
Schwindelhafer ....nbsp; nbsp; 186
Scilla......111.nbsp; nbsp; 584
Scillain.......nbsp; nbsp; Hl
Scillin.......nbsp; nbsp; 112
Scillipikrin.....nbsp; nbsp; 111
Scillotoxin......nbsp; nbsp; 111
Scopoletin......nbsp; nbsp; 283
Scopolia ......nbsp; nbsp; 276
Scopolin......nbsp; nbsp; 276
Scrophularacrin ....nbsp; nbsp; 125
Scrophularia.....nbsp; nbsp; 125
Scrophularin.....nbsp; nbsp; 125
Scrophularosmin . . .nbsp; nbsp; 125
Seeale cornutum ...nbsp; nbsp; nbsp;84
Seifenrinde.....nbsp; nbsp; 261
Selbsthülfe d. Organismusnbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
Seline.......nbsp; nbsp; 365
Senegin.....262.nbsp; nbsp; 583
Senföle.......nbsp; nbsp; 366
Sikimin.......nbsp; nbsp; 244
Silberdistel.....nbsp; nbsp; 353
Silge........nbsp; nbsp; 365
Simulia.......nbsp; nbsp; 530
Sinaibin.......nbsp; nbsp; 367
Sinapin.......nbsp; nbsp; 367
Sinapis.......nbsp; nbsp; 366
Sinkalin......nbsp; nbsp; 424
Sisymbrium . . . 366.nbsp; nbsp; 369
Sium........nbsp; nbsp; 243
Skatol.......nbsp; nbsp; 410
Sklererytrin.....nbsp; nbsp; nbsp;85
Sklerojodin.....nbsp; nbsp; nbsp;85
Skleromucin.....nbsp; nbsp; nbsp;85
Smilacin......nbsp; nbsp; 265
Smilax.....265.nbsp; nbsp; 585
Socin........nbsp; nbsp; 599
Soja hispida.....nbsp; nbsp; 458
Solanein......nbsp; nbsp; 271
Solanidin......nbsp; nbsp; 271
Solanin.......nbsp; nbsp; 267
Solansäure......nbsp; nbsp; 267
Solanum .... 267.nbsp; nbsp; 585
Somatische Verhältnissenbsp; nbsp; nbsp;11
Somnolenz. . 161. 232.nbsp; nbsp; 292
Sonchns.......nbsp; nbsp; 353
Sopor.....128.nbsp; nbsp; 254
Spaltpilze......nbsp; nbsp; 496
Spasmotoxin.....nbsp; nbsp; 556
Spasmus......nbsp; nbsp; nbsp;84
Specklilie......nbsp; nbsp; 396
Speichelflufs.....nbsp; nbsp; 282
Speiselorchel.....nbsp; nbsp; 465
Sphacelia......nbsp; nbsp; nbsp;84
Sphacelinsäure ....nbsp; nbsp; nbsp;85
Sphacelotoxin.....nbsp; nbsp; nbsp;85
Sphäria trifolii ....nbsp; nbsp; 468
Staphylococcus aureus .nbsp; nbsp; 538
Staphysagrin . . 257.nbsp; nbsp; 602 Starre, narkotisch - kata-
leptische.....nbsp; nbsp; 172
Starrkrampf.....nbsp; nbsp; 555
Staubbrand.....nbsp; nbsp; 471
Stechapfel......nbsp; nbsp; 276
Stockkraut.....nbsp; nbsp; 353
Steckenkraut.....nbsp; nbsp; 364
Steinbrand.....nbsp; nbsp; 474
Steinklee......nbsp; nbsp; 161
Stielrost .... 477.nbsp; nbsp; 479
Streptococcus pyogenes .nbsp; nbsp; 539
Strohrost .... 477.nbsp; nbsp; 479
Strophantin.....nbsp; nbsp; 115
Strophantus.....nbsp; nbsp; 114
Strychnin......nbsp; nbsp; 287
Strychnosalkaloide. . .nbsp; nbsp; 287
Sturmhut......nbsp; nbsp; 254
Sumpftnerk.....nbsp; nbsp; 243
Sumpfporst.....nbsp; nbsp; 358
Susotoxin......nbsp; nbsp; 553
Symptome akuter Arsen­vergiftung .....nbsp; nbsp; nbsp;45
Syringin .... 339.nbsp; nbsp; 584
Syringopikrin ....nbsp; nbsp; 340
ocr page 635
615
T.
309
266
115
358
336
186
332 1
186
119
259 •
259
304
304
191
187
187
35laquo;
358
555
557
556
232 ,
564 j
415
416 417 i 584 I 599
341 I
177
115
115
367
364
Toxikologie.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
„ allgemeine .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2
„ chemische . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
„ physiologischenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
„ spezielle . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2 Toxine pathogener Schi-
zomyceten ....nbsp; nbsp; 531
Toxomucin.....nbsp; nbsp; 570
Toxopepton.....nbsp; nbsp; 532
Toxophylaxine ....nbsp; nbsp; 600
Toxosocine.....nbsp; nbsp; 600
Traber.......nbsp; nbsp; 448
Träberausschlag . . .nbsp; nbsp; 452
Traubenkirschblätter . .nbsp; nbsp; 160
Trehalose......nbsp; nbsp; nbsp; 85
Tremor . . 191. 292.nbsp; nbsp; 317
Triäthylamin ....nbsp; nbsp; 416
Trichlormethan ....nbsp; nbsp; nbsp;133
Trijodmethan ....nbsp; nbsp; nbsp;137
Trillium......nbsp; nbsp; 585
Trimethvlamin ....nbsp; nbsp; 418
Trimethj-lgly kokoll . .nbsp; nbsp; 435
Tritopin......nbsp; nbsp; 178
Trockenfleisch ....nbsp; nbsp; 514
Tropasäure.....nbsp; nbsp; 278
Tropin.......nbsp; nbsp; 278
Tsetsefliege.....nbsp; nbsp; 529
Tuberkulm.....nbsp; nbsp; 566
Tuberkulose.....nbsp; nbsp; 564
Typhotoxin.....nbsp; nbsp; 572
Typhus.......nbsp; nbsp; 570
Typhustoxalbiimin . .nbsp; nbsp; 572
Tabak . . . Tamus . . . Tanghinin Tannen . . . Tannin . . . Taumelhafer . Taumelkörbel Taumellolch . Taurocholsäare Taxin . . . Taxus . . .
Teerbestandteile Temperaturabfal 1 Temulentin . . Temiilentinsäure Terpene . . . Terpentinöl . . Tetanin ....
556.
Tetanotoxalbumin
Tetanotoxiu.....
Tetanus......
Tetanusantitoxin . . . Tetramethylammoniuin-
liydroxyd.....
Tctramethylammonium-
jodid.......
Tetramethylendiamin. .
Tetrapleura.....
Tetrodongift.....
Teufelszwirn.....
Theba'in .... 166.
Theveresin.....
Thevetin......
Thlapsi.......
Thuja.....; .
Tierische Toxalbumine,
präformierte ....
Tilletia.......
Tintenbeerstrauch . . .
Tobsucht......
Tollkirsche.....
Tomate.......
Toxalbumine pathogener
Schizomyceteu . . . Toxalbumine, präform.
tierische......
U.
Ulex........nbsp; nbsp; 326
Unterchlorige Säure . .nbsp; nbsp; nbsp; 36 Untersuchung, chemische 14. 22 „ physikali­sche .......nbsp; nbsp; nbsp; 14
Untorsuchungsobjekte Sammlung, Aufbe­wahrung .....nbsp; nbsp; nbsp; 17
Urin, Färbung ....nbsp; nbsp; 292
„ Eotfärbung . . .nbsp; nbsp; 122
Uromyces......nbsp; nbsp; 477
Ursou.......nbsp; nbsp; 357
Ustilago......nbsp; nbsp; 471
520 474 339 275 275 267
581
520
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616
V.
Variola vaccina ....nbsp; nbsp; 597 Veränderung im Dige-
stionstraktus ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;8
Veränderung im Blute .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
Verätzung der Maulhöhlenbsp; nbsp; nbsp;33
Veratralbin .• ...nbsp; nbsp; 221
Veratrin......nbsp; nbsp; 223
Veratrum......nbsp; nbsp; 219
Vergiftungen ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
„ Behandlungnbsp; nbsp; nbsp;19
., . Diagnose .nbsp; nbsp; nbsp;13
., kosmctisclienbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
., medizinischenbsp; nbsp; nbsp; 5
., ökonomischenbsp; nbsp; nbsp; 5
., -Prognose .nbsp; nbsp; nbsp; 19
„ technische .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
Vergiftungen, Ursache .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
Verhältnisse, somatischenbsp; nbsp; nbsp;11
Verlauf, rascher . . .nbsp; nbsp; 254
Vernin.......nbsp; nbsp; 457
Verstopfung 72. 161. 165.nbsp; nbsp;334
Viburnin......nbsp; nbsp; 397
Vicia sativa . . . 457.nbsp; nbsp; 461
Vinylcholin . 426. 474.nbsp; nbsp; 511
Virburnum . . . 386.nbsp; nbsp; 397
Viridin.......nbsp; nbsp; 220
Waaserpastinake . . .nbsp; nbsp; 243
Wasserschierling . . .nbsp; nbsp; 232
Weinraute.....nbsp; nbsp; 357
Wiesenlein.....nbsp; nbsp; 348
Wintergrün.....nbsp; nbsp; 357
Wirkung, entfernte . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
„ lokale ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;6
Wirkungsintensität . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
Wirkungsweise der Giftenbsp; nbsp; nbsp; nbsp;6
Wolfskirsche.....nbsp; nbsp; 276
Wurmsamen.....nbsp; nbsp; 288
Wut........nbsp; nbsp; 572
Wntkirsche.....nbsp; nbsp; 276
X.
Xanthiu......nbsp; nbsp;408
Xauthinverbindungeu .nbsp; nbsp;407
Xanthokreatinin . . .nbsp; nbsp; 407
Xanthoxylum ....nbsp; nbsp; 585
Xylostein......nbsp; nbsp; 396
Y.
Yukka.......nbsp; nbsp; 584
Z.
Zahnwurz......nbsp; nbsp; 266
Zaunrübe, schwarze . .nbsp; nbsp; 266
Zehrwurz......nbsp; nbsp; 266
Zerstörung der Substanz zum Zwecke chemischer
Untersuchung ...nbsp; nbsp; nbsp;25
Zink ........nbsp; nbsp;216
Zuckungen, fibrillärc . .nbsp; nbsp;307
Zwetschenkerne....nbsp; nbsp; 158
W.
Wabain......nbsp; nbsp; 115
Wabaiopfeilgift ....nbsp; nbsp; 115
Wachholder, virginischernbsp; nbsp;363
#9632;Waldnachtschatten . .nbsp; nbsp; 276
Waschholz.....nbsp; nbsp; 261
Wasserfenchel ....nbsp; nbsp; 365
Wassernabel.....nbsp; nbsp; 365
Pierei'sche Hofbuchdruckerei. Stephan Geihel amp; Co. in Altenbnrg.
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tvfm iiiraquo;iii i* i^jv iiiiiii^ifjlaquo;^w^^OTiiiiwiiiw laquo;i^iii i^i.^M^l^pi^v^p^mp^^
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