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BIBUOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
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Co. Sz 0 /Jj) 0-
DIE
NEßVENKPiANKlIEITP
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PFERDES.
V( )X
HERMANN DEXLER,
A. O. PEOPESSOB FÜR THIERSEüCHENXEHHE A.\ DER DEÜTSCHEK ÜNIVBESITÄT
IX PRA.G
MIT 32 ABBILDUNGEN.
.
LEII'ZK; und WIEN. F R A N Z D E ü rr I C K E.
1899.
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Verlags-Nr. öli.').
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Vorwort.
Als icli an die Bearbeitung der Erkrankungen des centralen und peripheren Nervensystemes des Pferdes herantrat, war ich nicht wenig durch das Bewusstsein einer bedeutenden Verantwort­lichkeit beeinflusst, welche ich mit diesem Schritte auf mich nahm. Der Versuch, jenen heute noch zum grossen Theile auf dem Boden reiner Empirie fassenden Gegenstand in ein wissenschaftliches System zu kleiden, ist gewiss nicht leicht. Ich hätte mich auch an die Ausführung dieser Arbeit nicht sobald herangewagt, wenn ich hierzu nicht von verschiedenen Seiten, so namentlich von derjenigen Professor Hutyra's und meines früheren Chef s Professor Schindelka in freundschaftlichster Weise angeregt und er-muthigt worden wäre. Bestärkend für meinen Entschluss wirkte auch der Umstand, class mir durch üeberlassung einschlägiger Fälle und brauchbaren anatomischen Materiales von den Kliniken Professor Bayers und Schindelka's hilfreich an die Hand gegangen wurde: was dienothwendigen, pathologisch-histologischen Untersuchungen anbelangt, so erfuhren meine Bemühungen von meinem verehrten Lehrer Prof. Ob er st einer die weitgehendste Unterstützung und Erleichterung.
Unsere Kenntnisse über die Nervenkrankheiten des Pferdes, der Thiere überhaupt, sind im Vergleiche zu dem gedeihlichen Aufblühen anderer Fächer der vergleichenden Pathologie innerhalb der letzten Jahrzehnte soweit zurückgeblieben, dass wir uns heute in mancher Beziehung noch auf dem Standpunkte der fünfziger Jahre befinden. Die in jener Zeit bekannt gewordenen, epochalen Ar­beiten von Turk, Stilling. Clarke u. v. A. sowie die späteren, welche sich mit der Aufklärung des feineren Faserverlaufes im
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M
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IV
Vorwort.
Centralnevvensysteme, der Function einzelner Organe desselben und der Zusammengeliörigkeit derselben in physiologischer Beziehung be­schäftigten, .sind fast unbeachtet geblieben. Uie meisten dieser For-scbungsresultatc, welche in der humanen Medicin so glanzende Er­rungenschaften zu Tage gefördert haben, sind auf den Entwicklungs­gang der Neuropathologie der Thiere kaum von Einfluss gewesen. Die Hauptiirsache für die geringe Beachtung dieser mannigfachen Fort­schritte mag vielleicht in der Seltenheit der nervösen Erkrankungen unserer Hausthiere gelegen sein: ihre nervösen Organe sind ungleich geringeren Anforderungen unterworfen als diejenigen des Menschen und erkranken deshalb nicht, so leicht wie diese ; die für einen sehr grossen Thcil der menschlichen Nervenkrankheiten in Betracht kommenden Vergiftungen — allen voran die Narcotica und der Alcohol — fehlen, und die Vererbung ist durch eine gesetzlich ge­regelte Zuchtwahl fast ausgeschlossen; was endlich einen höchst wichtigen, aetiologischen Factor der Läsionen des menschlichen Xorlaquo; vensystemes — die luetische Infection — anbelangt, so wissen wir heute durch F o u r n i e r. class die Syphilis auf Thiere überhaupt nicht übertragbar ist. Deshalb wird man nicht häufig in die Lage kommen können, sich mit der Erkennung und Behandlung derartiger Affectio-nen abgeben zu müssen, und einschlägige Publicationen dürfen eben aus diesem Clrunde, wenigstens vom Standpunkte dos Prak­tikers aus. nur auf ein seeundiires Interesse rechnen. Hiezu tragen gewiss auch die thatsächlich vorhandenen, diagnostischen Schwierigkeiten und die nur zu oft ganz ergebnislose Therapie noch bei. Nicht zu vergossen ist, dass durch das Fehlen des Bindegliedes zwischen Mensch und Thier, der sprachlichen Ver­ständigung, eine ganze Reihe von möglicherweise vorhandenen Bo­schwerden sich der Erkenntnis auch des aufmerksamsten Beobach­ters entzieht.
Wenn aus den aufgezählten Momenten vielleicht eine geringe Notwendigkeit für eine eingehende publicistische Bearbeitung des Gegenstandes gefolgert werden sollte, ist dem allerdings entgegen zu halten, dass durch geflissentliches Ausweichen oder Nicht-beachten unsere Kenntnisse über das Wesen derartiger Leiden nicht gefördert werden können. Gerade im Hinblicke auf die praktische Seite der Frage gilt es hier, ebenso wie bei anderen Krankheiten, die ihnen zugrunde liegenden Ursachen und Vor-
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Vorwort.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;V
änderungen, wenn irgendwie möglieb, aufzudecken, um eine ziel-bewusste Behandlung überhaupt denkbar zu machen.
Was die bibliographischen Angaben betrifft ist zu bemerken,
(lass die ältere Literatur nicht vollständig angeführt wurde, da sie in den Lehrbüchern von Dieckerhoff, Friedb e r g e r - F r ö h n e r, II off mann etc. enthalten ist. Ausserdem ist die einschlägige Casuistik dieses Zeitraumes mit ganz wenigen Ausnahmen für die Fundamentirung einer Nenropathologie der Hausthieie kaum ver­wendbar und kann daher ohne Nachtheil übergangen werden. Es ist noch wenig geschehen, so dass ein grosses Feld der zu­künftigen Bearbeitung vorbehalten bleibt. Wissen wir doch kaum, warum -und nach welchen Normen die Zwangsbewegungen bei parasitären Cortexerkrankungen der Schafe auftreten, welches Be­wandtnis es mit den nervösen Störungen der Gnubberkrankheit oder mit denjenigen der Jloschiilseuclie hat — einer Contagion, die früher so häutig war. und heutzutage dank der gesetzlichen Massnahmen so selten mehr vorkommt, dass die Erklärung dieser, wie so mancher anderer, darauf Bezug habenden Fragen violleicht niemals möglich sein wird.
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Inhalts -Verzeichnis.
Seite
Allgemeine Vorbemerknngen...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
Störungen dcrBewogu u g............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3
Störungen der Empfindung...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ö
Störungen deiv vasomotorischen, trophischen und
s e c r o t o r i s c h e n F u n c, t i o n e n...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (quot;gt;
Art der klinischen Untersuchung.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i;
Kranklieiten der peripheren Nerven....... ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18
Lähmungen der peripiieren Nerven........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 19
n) EadialisliUiinung..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 20
b) Suprascapularislähmung............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 21
cj Bracliialislaliinung..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 22
(0 Tibialislähmung...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 23
e) Crnralislähnmng..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 23
/J Ischiadicaslähmnng.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 24
ff) ObduratoriusUiliniung.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 24
Liilimungen der Hirnnerven...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25
aj Lähmung der Augenmuskelnerven........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25-
b)nbsp; Trigeminuslähmung.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2()
c)nbsp; Faeialislamp;hmung...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 27
(/) Lähmung des VIII., IX., X., XI und XII. Paares . . ..nbsp; nbsp; nbsp; 30
ej Becurrenslähmung . ............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 34
Nervenv-erletzung................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3S
JNc rve nentzündung ...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 41
Eammelschwanz................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 42
Kranklieiten des ßttckenmai-kes..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 51
Anatomie........... .......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 51
Eintlioilung der Riickonmarkserkrankungen ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (!1)
\\i rbelerkran kungen..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 71
(i) Verletzungen der Wirbelsäule.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 71
b) Verbiegungen der llalswirbelsäule........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 73
Erkrankungen der Häute ............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 75
aj Hämorrhagie................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;
J b) Entzündung............., . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 75
Erkrankungen d o r R iic ke nma rk ss ubsta nz.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7S
nj Myelitis spinalis ..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 78
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Milnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; [nhalts-Verzeiclmis.
Seite
b)nbsp; nbsp;.Myelitis disseminata.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 81
c)nbsp; nbsp; Cumpressionsmyelitis.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 87
dj [ntoxicationen...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 90
KraiLkheiten dos Geliirnes................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;96
Anatomie....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'JO
a/ Nachhirn.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;98
lit [liaterhirn.................nbsp; nbsp; nbsp; 102
c) Mittelhirn.................nbsp; nbsp; nbsp; 106
(/y Zwischenliirn ...............nbsp; nbsp; nbsp; 10J
e) Vorderhirn................nbsp; nbsp; nbsp; 113
Hirnhöhlen................nbsp; nbsp; nbsp; 127
Hirnnerven................nbsp; nbsp; nbsp; 129
üirnbänte.................nbsp; nbsp; nbsp; 142
Blutgefässo des Gehirnes...........nbsp; nbsp; nbsp; 1-44
llistoloirisclies...............nbsp; nbsp; nbsp; 146
Allgemeine Symptomatologie der Ilirnkrankheitennbsp; nbsp; nbsp; 141)
1. Allgemeinerscheinungen............nbsp; nbsp; nbsp; 149
II. Herdsymptome...............nbsp; nbsp; nbsp; luquot;^
Erkrankungen der Schädeldecke.........nbsp; nbsp; nbsp; 161
dz Traumatische Verletzungen..........nbsp; nbsp; nbsp; 161
10 Commotio cerebri..............nbsp; nbsp; nbsp; 16*
cj Tumoren der Schädelwand..........nbsp; nbsp; nbsp; 165
Erkrankungen der Hirnhäute..........nbsp; nbsp; nbsp; 168
a/ Hyperämie.................nbsp; nbsp; nbsp; 168
b)nbsp; nbsp;Hämorrhagie ...............nbsp; nbsp; nbsp; 169
c)nbsp; nbsp;Entzündung der Haute des Gehirnes.......nbsp; nbsp; nbsp; 17^
1.nbsp; nbsp;Entzündung der weichen Haut........nbsp; nbsp; nbsp; ]lt;2
2.nbsp; nbsp;Endemischer Genickkrampf..........nbsp; nbsp; nbsp; 177
3.nbsp; nbsp;Die Borna'sche Krankheit..........nbsp; nbsp; nbsp; 183
Erkran klingen der Ili rn su bsta nz.........nbsp; nbsp; nbsp; 188
a)nbsp; nbsp;Hyperämie und Anämie............nbsp; nbsp; nbsp; 188
Ay Hämorrhagie ...............nbsp; nbsp; nbsp; 192
c) Encephalomalacie . ,............nbsp; nbsp; nbsp; 193
(/gt; Encephalitis................nbsp; nbsp; nbsp; 193
e) Hiraabscess................nbsp; nbsp; nbsp; 20Ü
ß Hydrocephalus...............nbsp; nbsp; nbsp; 203
lO Tumoren.................nbsp; nbsp; nbsp; 211
h) Parasiten.................nbsp; nbsp; nbsp; 214
i/i Thrombose der Vena raagna Galeni.......nbsp; nbsp; nbsp; 214
p Dummkoller................nbsp; nbsp; nbsp; 215
Nenrosen.......................nbsp; nbsp; nbsp; 223
dj) Epilepsie.................nbsp; nbsp; nbsp;224
b)nbsp; nbsp;Eklampsie ................nbsp; nbsp; nbsp; 230
c)nbsp; nbsp;Chorea..................nbsp; nbsp; nbsp; 230
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[nhalts-Vei'zeichnis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;IX
Seilo
d)nbsp; Scliwindel.................nbsp; nbsp; 231
e)nbsp; Jlorbus Baserlow..............nbsp; nbsp; nbsp;234
f) Cionische Zwerchfellkränipfe..........nbsp; nbsp; nbsp;234
;/) Clonische Kaumuskelkrilmpfe..........nbsp; nbsp; nbsp;236
h) Einseitiges Schwitzen . . ..........nbsp; nbsp; nbsp;238
Anhang.......................nbsp; nbsp; nbsp;2^1
a) Beselüllseuche...............nbsp; nbsp; nbsp;241
h) Lyssa.....•............nbsp; nbsp; nbsp;247
c)nbsp; nbsp;Tetanus.................nbsp; nbsp; nbsp; 2.quot;)1
d)nbsp; nbsp;Iläniüglobinurie ..............nbsp; nbsp; nbsp; 2.j7
c) Blitzschlag................nbsp; nbsp; nbsp; 2C.S
Sachregister......................nbsp; nbsp; nbsp; 271
Errata........................nbsp; nbsp; nbsp; 27S
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Allgemeine Vorbemerkungen.
Bevor ich zur eigentlichen Pathologie der Nervenkrankheiten übergehe, ist es anerlässlich, einen kurzen Abriss dessen, was von den Ergebnissen der anatomischen und physiologischen Forschung für das Verständnis der speciellen Krankheiten des Nervensystems nothwendig ist, zu geben. Da dieses Bach für das grosse thier-ärztliche Publicum bestimmt ist. schien es mir geboten, manchmal bei der Ausführung selbst elementarer Dinge zu verweilen, die meines Erachtens wenig oder nur ungenügend bekannt sind. Zu­gleich sind einige Erörterungen aus der Physiologie aufgenommen worden, deren praktische Bedeutung anfangs vielleicht nicht ge­bührend geschätzt werden wird, deren Kenntnis aber anzweifelhaft zu den wichtigsten Factoren gehört, wenn an eine wenigstens theilweise Ausbildung der in Rede stehenden Wissenschaft gedacht werden soll.
Unter peripheren Nerven verstehen wir aus feinen Fasern — den Nervenfasern — bestehende Leitungsorgane, welche zu ver­schieden dicken Bündeln angeordnet, die nervösen Centralorgane mit deren Endapparaten verbinden. Sie vermögen empfangene Reize u. zw. m e cli an is ehe, chemische, elektrische, thermisch eund physiologische in cent ripetaler oder in der entgegengesetzten Richtung fortzupflanzen; centrifugal in Form von Bewegung, Secretion oder deren Hemmung, und centripetal als Empfin­dung. (Leube.) Als besondere Form gilt der Reflex, hei welchem die centripetale Leitung der Nerverregung unter Ausschluss des Be-wusstseins auf centrifugal leitende Fasern überführt wird; die centri­petal leitende, die centrifugal leitende Faser und die eingeschalteten Nervenccntren bilden zusammen den Reflexbogen. Physiologisch kann ein Reflex vom Willen beeinflusst, sogar unterdrückt werden;
Dexlcr, Xerrcnkrankheiten dos Pferdes.
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'2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Vorbemerkungen.
unter pathologischen Verhältnissen erlischt er bei Unterbrechung des Reflexbogens an irgend einer Stelle. Eine abnorme Steigerung des Reflexes ist möglich bei pathologischer Steigerung der Erreg­barkeit des Reflexcentrums, oder bei Continuitätstrennung der vom Grosshirn kommenden Hemmungsfasern.
Die Durchtrennung einer motorischen Nervenfaser hat zur Folge Aufhebung des Leitungsvermögens, Degeneration des peripher von der Läsion befindlichen Stückes, structurelle Veränderungen der zugehörigen Vorderhornganglienzelle und von dort ausgehende retrograde Degeneration im centralen Stumpf. Diese kann durch regenerative Processe verdrängt werden oder zum gänzlichen Unter-gange der Nervenfaser führen. Im letzteren Falle verschwindet ihre Empfänglichkeit und Leitungsfähigkeit für elektrische Reize vollständig. Auch die Erregbarkeit in den von dem degenerirten Nerven versorgten Muskeln gegen den faradischen Strom erlischt nach einigen Wochen gänzlich.
Bei Durchschneidung eines sensiblen Nerven tritt Empfin­dungslosigkeit. Anästhesie in dem von jenem Nerven ver­sorgten Gebiete ein. In Bezug auf die Störungen, welche diese Nerven bei peripheren Läsionen erfahren, ist jedoch die Thatsache nicht aussei' Auge zu lassen, dass diese gewöhnlich nur geringfügig sind oder sich sehr bald ausgleichen. Es beruht dies darauf, dass sensible Fasern eines Nerven schon während seines Verlaufes auf einen anderen, benachbarten Nervenstamm übergehen können und dass in der Peripherie die anastomosirenden Verbindungen besonders zahlreich zu sein scheinen. Daher kommt es, dass nach operativer Durchschneidung des ülnaris oder des Braehialis beim Pferde Empfindungslähmungen auftreten, welche nur einen Bruchtheil der von jenen Nerven versorgten Gebiete betreffen. Immerhin kann es aber unter gewissen Umständen zu vollständiger Empfindungs­losigkeit knmiiien. Die sich anschlicssendo Verven-Degeneration hängt davon ab. ob die Läsion peripher oder central vom Spinalganglion ihren Sitz hat; im ersteren Falle degenerirt der periphere Theil; in letzterem entartet das intramedulläre Segment des ersten centralen Neurons, während das periphere intact bleibt. So einfach es ist, die totale Aufhebung der Function der sen­siblen oder motorischen Sphäre zu constatiren, so gross sind oft die Schwierigkeiten der Uestimmung, welcher Theil der betreffenden
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Allgemeine Vorbemerkungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; o
nervösen Bahnen ergriffen ist, d. li. ob eine periphere oder eine centrale (spinale, cerebrale) Läsion vorliegt. Unter peripheren I
Erkrankungen versteht man solche, bei denen die Schädlichkeit den Nerven in seinem Verlaufe von der Austrittsteile aus dem Centralorgan bis in das Verzweigungsgebiet betroffen hat. Bei centralen Affectionen liegt tier Angriffspunkt innerhalb des Centralnervensystems, und man unterscheidet hier nucleäre, wenn der Kern, und supr anucleäre Störungen, wenn der Verlauf der Leitungsbahnen oberhalb, d. i. central vom Kerne betroffen wurde.
Neben den bereits berührten elektrischen Unterscheidungsmerk­malen deutet auf eine periphere Schädigung eine genaue Loca­lisation der Erscheinungen auf den Ausbreitungsbezirk eines Nerven­stammes und das Befallensein ulier Zweige innerhalb dieses Be­zirkes; ferner findet man bei Läsionen von Nerven,quot;welche gemischte Fasern führen, gleichzeitig motorische und sensible Lähmungen im Ausbreitungsgebiet derselben; ausserdem starken Muskelschwand und Ausfall der Muskel-, resp. Sehneureflexe. (Siehe klinische Unter­suchung.)
Bei centralen Lähmungen ist die elektrische Erregbarkeit in den befallenen Theilcn nicht verändert; man beobachtet keine Muskelatrophie, die Reflexe sind erhalten oder gesteigert, und ge­wöhnlich sind gewisse Typen in der äussereu Form der Lähmungen sichtbar; es bestehen also Paraplegien, Hemiplegien, alternirende Paralysen etc.
Störungen der Bewegung.
Eine motorische Lähmung hegt dann vor, wenn der Muskel durch den Willen nicht mehr zur Zusammenziehung ver-anlasst werden kann. Ein Ausfall derartiger Bewegungen kann unter Umständen manchmal schwer diagnosticirbar sein, da ja der Willensimpuls des Thieres nicht controllirt werden kann. Die Furcht vor Schmerzen, welche bei Anwesenheit gewisser Krank­heiten (Gelenks-, Muskel-, Hautentzündungen) mit der Bewegung eines Körpertheiles auftreten, ferner eine schwere Prostration im Gefolge von Infectionskrankheiten, Störungen der Psyche u. s. w. sind oft Ursache von lähmungsartigen Zuständen, die mit den wirklichen Lähmungen gar nichts zu thun haben. Ich verweise hier auf die
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4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeine Vorbemerkungen.
in der Thierheilkunde so übliche Verwechslung von „Lahmheitquot; und „Lähmungquot;, und auf die bekannten Diagnosen „Hufgelenkslahm­heitquot; und „Schulterlahmequot;.
])ie motorische Lähmung kann tlieils vollständig (Paralyse), tlieils unvollständig (Pavese) sein und mit Herabminderung oder Steigerung des Muskeltonus verbunden auftreten — schlaffe und spastische Lähmungen. Die leichtesten Grade der Lähmung bezeichnet man als motorische Schwäche.
Die active Beweglichkeit kann aber auch bei erhaltener motori­scher Kraft wesentlich beeinflusst werden durch Coordinations-störungen und durch Zittern. Erfährt die bei einer Bewegung nothwendige Verthcilung. Grnppirung und gesetzmässige Anwendung von Kraft einer bestimmten Anzahl von Muskeln eine Störung, so wird die Bewegung uncoordinirt, atactisch. Diese Anomalie ä usse rt sieh nur dann, wenn das Thier einen gewissen Vorsatz auszuführen Willens ist. wird gewöhnlich bedeutend gesteigert, wenn die Augen verbunden werden, und hat mit der motorischen Schwäche keine Beziehung. Ob A ta x i en beim Pferde wirklich vorkommen, ist. nicht erwiesen; die bei der Be­schälseuche erhobenen einschlägigen Befunde sind nicht einwands-frei — in last allen anderen in der Literatur vorkommenden Fällen handelt es sich um willkürliche Annahmen.
Im Gegensätze zu den Lähmungen bezeichnet man als Krampf im weitesten Sinne des Wortes abnorme Muskelcontractionen, die durch nicht physiologische Heize ausgelöst werden, oder auch durch normale Beize hervorgerufene Gontractionen von abnormer Stärke (()p pen li e i m). Als ton isch er Krampf ist eine ungewollte, heftige Zusammenziehung des Muskels anzusehen, die eine gewisse Con-stanz und Dauer besitzt; bei klonischen Krämpfen wechseln An­spannung und Erschlaffung des Muskels in kurzen Zeiträumen ab. Klonische Zuckungen, welche zu heftigem Schütteln des ganzen Körpers führen, nennt man Convulsionen; kurz dauernde, schmerzhaft verlaufende, auf einen Muskel oder ein Muskelgebiet beschränkte tonische Gontractionen, Grampus. Aetiologisch trennt man die Krämpfe in d t r e c t e und r e f 1 e c t o r isch e, je nachdem die krampferzeugende Ursache auf die nervösen Centren direct ein-wirkt oder ob sie von dem Einflüsse von Erkrankungen anderer Organe abhängig ist.
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Allgemeine Vorbemerkungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
Unter Zittern vorstellt man rythmische, schnell aufeinander­folgende Zuckungen von geringer Contractionsweite, die in gewissen Muskelgruppen auftreten. Man unterscheidet sehne 11- und lang-s am schlägiges Zittern, endlich eia fein sch 1 Lig iges und grobes Zittern. Nicht ausseracht zu lassen ist die Thatsache, tlass auch das gesunde Individuum zittert bei Erregung, starker An­strengung, Fmst, sowie, dass diese Erscheinung häufig im An­schlüsse an schwere erschöpfende Krankheiten, in der Reconvale-scenz auftritt.
Störungen der Sensibilität.
Empfindungsstörungen können sich in einer Steigerung oder in einer Herabsetzung äussern und die Haut. Muskeln und Gelenke betreffen. Für gewöhnlich ist man auf die Untersuchung der Hautempfindung allein angewiesen und es sind nur objective Störungen unserer Erkenntnis zugänglich. Subjective Anomalien sind aller Voraussetzung nach auch vorhanden: sie werden sich aber ebensowenig nachweisen lassen wie eventuelle Störungen des Druck-, Temperatur- und stereognostischen Sinnes. Wenn also von Empfindungsstörungen gesprochen wird, so sind damit immer Stö­rungen des Gefühles im weitesten Sinne gemeint.
Die krankhafte Steigerung der Sensibilität wird als Hyper­ästhesie bezeichnet — d. h. es werden bereits Reize von äusserst geringer Intensität empfunden. Unter Hypästhesie versteht man die iheihveise Herabsetzung der Sensibilität, und unter An­ästhesie die vollkommene Aufhebung derselben. Selbstverständ­lich ist dabei eine Scheidung in eine partielle und eine totale, ck h. eine Lähmung aller oder nur einiger Empfindungsqualitäten
—nbsp; wie des Schmerz-, Druck-, Temperatur-, Tast- und Muskelsinnes
—nbsp; nbsp; ganz unmöglich. Aus demselben Grunde kann man beim Pferde kaum von einer Analgesic — dem ausschliesslichen Verluste der Schmerzempfindung bei erhaltener Tastempfindung — roden. Denn der klinische Nachweis, dass ein Pferd an irgend einer llautstelle für Schmerz unempfindlich, für Berührung dagegen empfindlich sei. wird sich praktisch kaum durchführen lassen.
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ßnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Vorbemerkungen.
Vasomotorische, trophische und secretorische Störungen.
Centren für die Bewegung der Gefässmuskulatnr befinden sich im Cortex des Grosshirnes, in der Medulla oblongata und im Rücken­mark. Ihr engerer Sitz ist beim Pferde bisher nicht ermittelt worden. Bei Erkrankungen des Rückenmarkes sind vasomotorische Erschei­nungen ziemlich häufig. Sehr bekannt sind die bei gastrischen Störungen auftretenden, rasch verschwindenden, plateauartigen Infiltrationen der Haut (Quaddeln), die höchstwahrscheinlich in vielen Füllen auf einer Reizung peripherer, vasomotorischer Fasern durch Intoxication vom Darme ans beruhen.
Ob die Ursache des beim Pferde so oft gesehenen Druck­brandes auf trophische Störungen oder auf mechanische Verhält­nisse zurückgeführt werden muss, ist nicht entschieden ; die erstere Möglichkeit ist gewiss nicht auszuschliessen : sie wäre wenigstens nach der Analogie anzunehmen, da Joseph experimentell gezeigt hat. dass Exstirpation der vorderen und hinteren Wurzeln eines Nervensegmentes sammt dem eingeschalteten Spinalganglion Ver­änderungen in der Haut u. z. einen umschriebenen Haarausfall nach sich zieht. Anderseits bilden die absolute Ruhelage dos Thieres, der Druck von Hunderten von Kilogrammen auf eine umschrie­bene Stelle (äusserer Darmbeinswinkel), die Verunreinigung von Fäcalien, .Stroh und Staub Hilfsmomente genug, um die phlegmonöse Infiltration auch ohne Hinzuthun trophischer Anomalien begreiflich zu machen.
Ueber die Centren der Schweisssecretion ist nur so viel sicher bekannt, dass der Sympathicus einen grossen Tlieil der ihr vorste­henden Fasern enthält. Functionelle Anomalien kommen selten vor.
Die Art der klinischen Untersuchung.
Der Anamnese ist eine besondere Sorgfalt zu widmen. Einer der wichtigsten Punkte, der vielfach übergangen zu werden pflegt, betrifft bei Gestütspferden oder bei Pferden von bekannter Abkunft, die Heredität, da es von grosser Wichtigkeit sein kann, zu consta-tiren. ob bei den Antecedenten irgend eines Pferdestammes gewisse Leiden bereits gesellen worden sind oder nicht: davon wird ja in
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Allgemeine Vorbemerkungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; lt;
manchen Füllen die Art der Zuchtwahl in gewissem Maasse ab-liängig zu machen sein. Nach Möglichkeit ist ferner zu erheben, ob etwa schon vor längerer Zeit vorübergehende pathologische Er­scheinungen bestanden haben, oder ob vor dem Eintritte der jetzigen Erkrankung gewisse Prodrome als: Krämpfe, Schwindel­anfälle, gastrische Störungen gesehen worden sind oder nicht. Eine wesentliche Beachtung wird dem Bestände von [nfectionskrank-heiten — Druse, Kotz, Brustseuche etc., sowie der Möglichkeit von Intoxicationen zu schenken sein. Bei der wichtigen Rolle, welche in ätiologischer Beziehung bei den Nervenkrankheiten die Ver­wundungen spielen, ist darauf besonders zu achten.
Der objectiven Untersuchung dos Nervensystems ist stets eine solche der gesammten Körperorgane vorauszusenden. Man orientire sich zunächst über Temperatur, Puls, Athmnng, Ernäh­rungszustand und die Furbung der Schleimhäute. Die aufmerk­same Besichtigung des Schädels wird Aufschluss geben über even­tuelle Assymetrien, Narben, Exostosen, stärkere Wölbung der Schädeldecke; auch die Betastung und Percussion des Schädels und der Wirbelsäule können oft zu wichtigen Ergebnissen führen.
Eine erhebliche Abnahme des Muskel Volumens wird zwar stets auffallen ; sie muss aber durch den Vergleich mit der Gegenseite genauer bestimmt werden. Zu diesem Behufe erwähle man einen Fixpunkt, z. B. bei Atrophie der Beckenmuskulatnr den Dornfort­satz eines Wirbels, und versuche von hier aus vergleichend auf beiden Seiten zu messen; natürlich können nur grosso Unterschiede als pathologisch angenommen werden, da solche von 1—15 cm bei ganz normalen Thieren gefunden werden.
Die Palpation der Muskeln gibt nur mangelhaften Aufschluss über die Beschaffenheit ihrer Substanz: man ist hei ihrer Beur-theilung vielen Täuschungen ausgesetzt: Muskelexcisionen am lebenden Thiere sind nur dann verwerthbar, wenn es sich um gröbere Veränderungen handelt und es ist dabei immer darauf zu achten, dass die Excision selbst Artofacte nach sich zieht. Die wichtigste und exaeteste Methode zur Prüfung der anatomischen Integrität des Muskels bildet die elektrische Untersuchung, die ohne Zweifel auch in der Thierheilkunde eines der werthvollsten dia­gnostischen Hilfsmittel abgeben dürfte, wenn zahlreichere einschlägige
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gt;Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Vorbemerkungen.
Untersuchungen vorliegen werden. Heute schon viel darüber zu sprechen, scheint mir verfrüht.
Aufschluss über den Muskel ton us erhält man beim Pferde, allerdings nur in beschränktem Umfange, durch l'riifang der passiven Beweglichkeit und des Verhaltens der Sehnenphänomene. Die Untersuchung der ersteren ist oft recht zeitraubend, da die Thiere nicht leicht zur vollständigen willkürlichen Erschlaffung zu veran­lassen sind: gewöhnlich führt Jedoch die Wiederholung des Ver­suches zum Ziele. Die Erhöhung des Muskeltonus gibt sich zu erkennen durch die Erschwerung der passiven IJeweglichkeit und durch die Steigerung der Sehnenreflexe. Man versteht hierunter Muskelzuckungen, welche durch einen die Sehne treffenden mecha­nischen Reiz ausgelöst werden. Beim Pferde ist wohl der Patellar-reflex der wichtigste. Sein Vorhandensein wird am ruhenden Thiere geprüft; u. zw. soll dasselbe hiezu nicht gelegt werden.
1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;DC
weil hier psychische Einflüsse zu sehr in Frage kommen. Die Untersuchung werde Abends, wenn die Pferde liegen, vorgenommen. Ein Wärter fixirt leicht den Kopf. Der üntersucher begebe sich unter Aufbietung der gvüssten Buhe an den Bücken des Thieres, erfasse die oben befindliche, hintere Extremität unterhalb des Sprung­gelenkes, ziehe sie langsam gegen den Bauch und lasse sie all-mälig los, nachdem sie in allen Gelenken gebeugt ist. Bei einem kräftigen .Schlage mit der l'lnarseite der Band auf die Quadriceps-sehne erfolgt fast bei jedem gesunden Thiere eine ruckweise, ziemlich ausgiebige .Streckbewegung in dem betreffenden Busse. Selbstver­ständlich ist die Ausführung dieses Versuches zu sehr von äusseren Umständen abhängig, als dass er stets vorgenommen worden könnte — ein Umstand, der kaum schwer ins Gewicht fällt, da bei den Thieren die Aufnahme eines genauen Nervenstatus überhaupt niemals bei einer einzigen Untersuchung möglich ist; will man sich einen Aufschluss über den Stand derartiger Störungen in genauer und unzweideutiger Weise verschallen, so ist hiezu eine gewisse Ange­wöhnung des kranken Thieres an den Untersuchenden anzustreben, und die vielmalige Wiederholung des klinischen Examens durch ein und denselben üntersucher ist oberstes Erfordernis.
Bei der Prüfung der activen Beweglichkeit hat .man vor Allem festzustellen, ob nicht eine mechanische Behinderung der Bewegung — Gelenkserkrankungen mit dem Ausgange
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Allgemeine Vorbemerkungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9
in Gelenkssteifigkeit, Späth, Exostosenbildung, Schrumpfung der Fascien, narbige Verkürzungen der Sehnen und Muskeln, etc. — vorliegen. Hauptsächlich ist darauf nicht zu ver­gessen, dass Schmerzen am häufigsten die Ursache von Beweglich­keitsbeschränkungen bilden; e rst in it de m vollst ä n d i g e n A n-schluss e solehe r Vor k oin m n i s s e, was beim Pferde bekannter Weise zu den grössten Schwierigkeiten gehört, darf an nervöse Störungen gedacht werden, widrigenfalls man unausweichlich in die schwersten diagnostischen und therapeutischen lirthinner ver­fallen wird; ich muss hier wieder auf das Capitel der Schulter­lähme zurückkommen, die unverantwortlich häufig noch als eine neuroparalytische bezeichnet wird.
Die Art der Beweglichkeit ist im Stehen, Gehen in Trabe und Galop zu beurtheilen; es ist auf die maximale Beugung und Streckung, Aus- und Einwärtsrollung, auf die Verlangsamung der Ortsveränderung genauestens-zu achten und nach Möglichkeit zu bestimmen, ob alle Muskeln in Thätigkeit treten, deren ver­einigte Action normalerweise zur Hervorbringung einer Bewegung nothwendig ist. Daher ist die genaue Kenntnis der Function einzelner Muskeln oder Muskelgruppen, sowie der Bewegungs­störungen und Stellungsanomalien, welche durch einen Ausfall derselben verursacht werden, von grösster Wichtigkeit.
Hieran schliesst sich die Untersuchung der mechanischen Muskelerregbark ei t. Klopft man mit dem Percussionshammer auf irgend einen Muskel eines gesunden Thieres, so sieht, man häufig eine schwache kurze Zuckung in den betreffenden Muskel eintreten: pathologischer Weise kann man sehr starke Gontractionen in den Muskeln des Beckens, des Schweifes, des Vorarmes auf sehr leichtes Anschlagen entstehen sehen: die später noch zu besprochende Action des Hautmuskels, die unter normalen Umständen schon sehr Ichhaft sein kann, ist dabei in Betracht zu ziehen.
Hinsichtlich der Diagnose ist die Reaction des Muskels gegen den galvanischen Strom von ausschlaggebender Bedeutung: —#9632; es können verschiedene Grade einerüebererregbarkeit oder einer ab­normen Verlangsamung der Zuckung vorkommen — Verhältnisse, die übrigens heim Pferde noch zu wenig geprüft sind, als dass sie heute schon allgemein anwendbar wären. Ueberhaupt wird die elektrische Untersuchung, so wichtig sie für die Diagnose ist, nur
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10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;AllgciiU'iiie Vorbemoikungen.
in A.usnahinsfällen dem Thierarzt zu Geböte stellen, da die be­treffenden Apparate ziemlich cotnplicirt und daher viel zu theuer sind. :i:) Aus diesen Gründen nehme icdi von der detailirten Be­schreibung der elektrischen Untersuchung in diesem Buche Abstand. Soviel steht jedoch mit Sicherheit fest, dass mit dem Ausfall der faradischen Erregbarkeit stets auf einen pe rip heran, respective nucleären Sitz der Xervenläsion geschlossen werden muss. Das Gleiche ist dann der Fall, wenn die Reaction gegen den faradischen Strom erhalten, gegen den galvanischen Strom gesteigert oder über­haupt von der Art und Weise des physiologischen Zuckungsgesetzes**) verschieden i.-t. Hierbei wird mau immer eine Vermehrung der mechanischen Erregbarkeit und einen hochgradigen, vaschen Schwund der gelähmten Muskeln beobachten, die bei centralen Läh­mungen auch bei längerem Bestände nicht auftreten.
Die Gesichtsmuskeln, welche unter dem Einflüsse des Facialis stehen,***) sind in der Regel in ihrer Gesammtheit gelähmt, und es bewirkt dieser Zustand ein so typisches Aussehen des Gesichts-antheiles, dass über die Art der Erkrankung kein Zweifel besteht. Die Lähmung dos Orbicularis palpebrarum bedingt die Unfähigkeit, die Lider vollständig zu schliessen. Auf diese Verhältnisse wird im speciellen Theil näher eingegangen.
Die Constatirung der Functionsstörungen des Sehnerven, der intra- und extrabulbären Augenmuskeln ist ausseist wichtig und häutig sehr schwer; das gilt besonders von den Stellungsfehlern der Bulbi, da wir bei unseren rein objective)! üntersuchungsmethoden auf genaue ophthalmometrische Messungen verzichten müssen. Man wird nur dann eine Augenmuskelerkrankung auf nervöser Basis annehmen, wenn die genaue Vergleichung beider Augen eine
*) Auf dor medicinischen Klinik des hiesigen Institutes steht für die Fara­disation ein grosser Inductionsapparat von \Glt;-m Spulenlänge und für die Galvani­sation eine 45 elementige constants Batterie mit einem Galvanometer von .Schulmeister in Anwendung. Der Gesammtpreis der ganzen Einrichtung beläuft sich auf nahezu 3tJo fl.
!;!:;:) Normales Zuckungsgesetz bei steigender Stromstärke: Kathoden-Schliessungs -Zuckung, Anoden - Schliessungs - Zuckung, Anoden - Oeffnungs-Znckung, Kathoden-Oeffnungs-Zackung und Kathoden-Schliessungs-Tetanus; KSZ, ASZ. AOZ, KOZ. KST. (Pearson-Sperling).
***) Für das Pferd und den Esel von Boll. Girard fils und Bouley experimentell bereits in den Zwanzigerjahren nachgewiesen.
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Allgemeine Vorbemerkungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 1
hochgradige Statopathie erkennen lässt, die selbstverständlich nicht an einem phthysischen Stumpf abgelesen werden darf. Alles übrige bleibt der individuellen Schätzung anheimgestellt, da wir die Grenzwerthe der Bulbusbewegung des Pferdes nicht kennen. Hier mögen nur einige Worte über die physiologischen Momente dieser Bewegungen angeführt werden.
Der \. oculomotorius innervirt den oberen, inneren und unteren M. rectus, den Retractor, den lieber des oberen Augenlides und den M. obliquus inferior. Er versieht gleichzeitig dielnnervation des Sphincter pupillae. Der Abducens steht den Bewegungen der äusseren Geraden, der Trochlearis, derjenigen des M. obliquus superior vor. Die Bewegung der Pupille geschieht reflectorisch auf Lichteinfall und Accommodation. Der die Retina treffende üeiz wird durch die Bahn des Opticus auf die Kerne des III. Paares über­tragen und gelangt durch diese Nerven zur Iris. Daraus geht hervor, dass Läsionen an sehr verschiedenen Stellen den Reflex beeinträchtigen können. Mangelt die Lichtempfindung (Amaurose) so fehlt der Pupillarreflex.
Die Prüfung wird so vorgenommen, dass man bei gewöhn­lichem Pages- oder Lampenlicht das eine Auge mit der Hand be­schattet und dann durch rasches Wegziehen der Hand Licht ein­fallen lässt: die Pupille dieses Auges wie auch dos anderen verengt sich unter normalen Umständen beträchtlich, d. h. die Contraction der Pupillarfasern ist consensuell. Die Reaction auf Accommodation odor auf die mit ihr verbundene Convergenzbewe-gung kann nicht benützt werden, da sie nur zufällig abgelesen werden kann und weil wir kein Mittel besitzen, die Thiere zu veranlassen in die Nähe oder in die Ferne einzustellen.
Die Weite der Pupillen ist individuell sehr verschieden; Un­gleichheit der Pupillen habe ich heim Pferde selten gesehen. Eine Verengerung des Sehloches bis auf eine fadenförmige Spalte ist wohl meistens als pathologisch aufzufassen und entweder durch Gifte, ins­besondere Physostigmin, oder durch centrale Läsionen bedingt. Doch kann die Pupillenöffnung eines gesunden Pferdes bei sehr greller Beleuchtung normaler Weise auf 2—3 wlaquo;2 Weite reducirt sein.
Hat man die Pupillenbewegung und das Sehvermögen erhoben, so überzeuge man sich nach Möglichkeit über die Excursionen und die Stellung des Bnlbns und fahnde darauf, ob bloss ein einzelner Nerv
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1 -nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Vorbemerkaagen.
geschädigt ist oder ob eine Combination von Erkrankungen meh­rerer Nerven vorliegt-, wie dies beim Pferde meistens der Fall ist. Ist neben der Augenmuskelläiimung Hemiplegie vorhanden, su fragt es sich, ob diese alternirend ist oder nicht; ist sie alter-nirend, d. h. besteht Lähmung der Extremitäten der einen Körperseite, und Ptosis, Pupillenerweiterung und Ein wii rtsrol hing des Augapfels der anderen Körper­seite, so ist anzunehmen, dass eine Schädlichkeit an der Basis des Schädels in der Gegend der Crura cerebri wirkt oder, bei intracerebralen Affectionen, dass die Lähmungsursache die Pyramiden und Oculomotoriusfasern central lädirt hat, u. zw. die letzteren nach, die erstere vor ihrer Kreuzung. Der Effect einer z. B. rechtssitzenden Läsion wäre dann rechtsseitige Leitungsunter­brechung der centralen Pyramidenbahn, also linksseitige Hemiplegie und rechtsseitige Oculomotoriuslähmung. Aehnliche Anhaltspunkte durften auch bei der Beurtheilnng des Sitzes der Schädlichkeiten des Trochlearis und Abducens maassgebend sein. Eire genauere Be­leuchtung würde jedoch zu weit fuhren.
Bei Lähmungszuständen der Zunge ist besonders der M. genio-glossus betroffen: lässt man die Thiere lecken, so beobachtet man bei einseitiger Affection die Unfähigkeit, beide Seiten der ]\laiil-spalte mit der Zunge zu erreichen; sie weicht nach der ge­lähmten Seite ab. Bei doppelseitiger Lähmung hängt sie weit aus dem Maule heraus.
Ueber die Lähmungen des Gaumens und Rachens sind noch zu wenige exaete Erfahrungen niedergelegt worden, als dass man darauf näher eingehen könnte.
Weit genauer sind wir über die Functionen der Kehlkopf­muskeln unterrichtet, deren Störungen wir. wegen der wichtigen Beziehungen zum Pfeiferdampfe eine grüssoro Ausführlichkeit widmen müssen. Daher muss auch die Verwerthung der Endoscopie, ohne welche die Feststellung der Diagnose oft unmöglich ist. an dieser Stelle auseinandergesetzt werden.
Die Spiegeluntersuchung wird an der hiesigen Klinik in strit­tigen Fällen stets in Anwendung gebracht und ist auch an aus­wärtigen Lehranstalten als ein unumgänglich nothwendiger kli­nischer Behelf anerkannt worden. (Cadiot, Malkmus u. A.)
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Allgemeine Vorbemerkungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 13
Die praktisch weitaus wichtigste der nervösen Störungen des Kehlkopfes sind die Paralysen der motorischen Zweige, die dem N. recurrens angehören; er ist der eigentliche Kehlkopfnerv, der die Oeffnung der Glottis besorgt; seine Lähmung bewirkt einen Zustand, bei welchem die Functionen der gleichseitigen Kehlkopf-muskeln mit Ausnahme der Cricothyreoideus aufgehoben sind: der letztgenannte Muskel wird auch beim Pferde von den Fasern des Laryngeus superior innervirt. (M u n k.)
Im normalen Kehlkopfe erscheint die Stimmritze bei der Spiegeluntersuchung als ein von den Stimmbändern begrenzter, sich vorne etwas verschmälernder Spült, der sich bei der Einathmung etwas erweitert, bei der Ausathmung verengt: indessen gibt es genug Individuen, bei welchen diese physiologischen Schwankinigen der Weite der Glottis fehlen, da die Stimmbänder sich dauernd in Inspirationsstellung befinden können, um sich von der vorhandenen Beweglichkeit der Stimmbänder zu überzeugen, muss man in solchen Fällen die Thiere niederlegen oder ihren Brust­korb mit ein oder 2 Deckgurten zuschnüren. (Malkmus.) Auch kann man retlectorischen Slimmritzenschlnss durch rasches An­blasen der Nasenschleimhaxit, kräftiges Herausziehen der Zunge. Zusammendrücken der Nasenscheidewand etc. erzeugen. Zu den Seiten der Stimmbänder liegen die Morgagni'schen Taschen, die nicht gleich weit erscheinen, weil das Laryngoscop nicht genau in der Medianebene des Körpers liegt; dieser umstand bewirkt auch, class das ganze Bild des Kehlkopfes etwas un­symmetrisch erscheint. Nach hinten ist der Kehlkopf schnabel­förmig verschmälert und durch die kammartig vorspringenden Arv­knorpel begrenzt; nach vorne liegt die lanzettblattähnlich gestaltete, an den Rändern eingekerbte Epiglottis, auf deren Oberfläche die Verzweigung zweier seitlicher grösserer Venen sichtbar sind; ausser-dem sieht man hei ausgiebiger Streckung des Kopfes am liegenden Thiere noch die Contouren der obersten Tracheairinge.
Bei vollständiger Lähmung eines Stimmbandes fällt auf den ersten Blick die Störung der Lageverhältnisse auf, da der ganze Kehlkopf schief und hochgradig unsymmetrisch ist. indem die gelähmte Seite sammt dem Stimmbande näher der Mittellinie zusteht als die gesunde. Der Giesskannenknorpel der­selben Seite ist mehr aufgerichtet, steht in das Kehlkopflumen
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14nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeine Vorbemerkungen.
weiter hinein als der rechte und bewirkt eine verschieden hoch­gradige Deformation der Stimmritze; letztere ist schief gestellt oder bat die Form eines schiefwinkeligen Dreieckes, das auch bei der Inspirationsbewegung nicht vollständig verschwindet; das normale gegenseitige Stimmband bewegt sich zwar bei der Ausathmung bis über die Mittellinie, erreicht aber trotzdem das gegen­überliegende in der Inspirationsstellung unbeweglich verharrende Stimmband nicht. Auch die reflectorische Stimmbandbewegang ist auf der gelähmten Seite leidend, auf der anderen von normaler Stärke; nur im Beginn der Inspiration beobachtet man hin und wieder auch im fi.xirten Stimmbande eine kurze Zuckung. (Wirkung des M. cricothyreoideus.) üebrigens stellt sich bei der Lähmung der Stimmritzenerweiterer auch eine Degeneration des Verengerers, des jM. cricothyreoideus, trotz erhaltener Innervation dieses Muskels ein. Gross mann erklärt diesen Umstand dadurch, dass der Cri­cothyreoideus seine Contractionen desshalb allmälig verliert, weil er bei der Paralyse der Erweiterer ohne Antagonisten functionirt und daher zu Grunde geht.
Die unvollständige Lähmung ist oft sehr schwer zu erkennen, da die Verschiebung der Glottis so gering sein kann, dass sie von der normalen Configuration nicht viel abweicht. Die Bewegungen eines paretischen Stimmbandes machen sich nur dadurch auffällig, dass sie etwas langsamer vor sich gehen und dass die Stimmritze in ihrem vorderen Abschnitte nicht ganz ge­schlossen wird. Selbstverständlich gibt es auch hier eine Grenze, über welche unsere Erkenntnis nicht hinausreicht ; ganz initiale Formen werden auch mit dem Kehlkopfspiegel nicht bestimmbar sein.
Bei der doppelseitigen Recurrenslähmung belinden sich beide Stimmbänder in einer Mittellage zwischen Ab- und Adduction, die der Ziemssen'schen Cadaverstellung entspricht, und aus welcher sie weder bei der Inspiration, noch bei der Expiration herausgebracht werden. Üebrigens scheint eine doppelseitige Para­lyse der Kehlkopfmuskeln beim Pferde zu den seltensten Ereig­nissen zu gehören.
Die Prüfung der Sensibilitätsstörungen erstreckt sich gewöhnlich nur auf das Vorhandensein einer Hyperästhesie oder auf die A n ä s thesie der Haut und. hin und wieder auch der darunter liegenden Weichtheile. Ob das Tastgefühl, die Beruhrungsempfind-
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Allgemeine Yorbemerknnsen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;lo
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hkeit ganz oder theilweise fehlt, ob also eine cutane partielle
Anästhesie bestellt, dürfte beim Pferde kaum mit Sicherheit festzu­stellen sein, da die reactiven Aousserungen von Seite des Thieres ult ganz minimal oder auch übertrieben sein können. Eine cutane Ueber-empfindlichkeit wird man nur dann annehmen, wenn ein leichtes üeberfahren der Ilaare einer gewissen Körperstelle mit, dem Finger oder mit dem Pinsfei eine sichtliche und unzweifelhafte Schmerz-iiussemng hervorruft; anderseits werden wir von einer cutanen Anästhesie dann sprechen, wenn flächenhafte Cauterisation der Haut, tiefe Stiche, Application eines starken faradischen Stromes oder das Auflegen von Eisstücken keinerlei Reaction hervorruft. Uabei ist wohl zu achten, dass die genannten Momente nicht gleichartig wirken, so dass ein Pferd, welches intensive Ver­brennungen der Haut ohne zu zucken verträgt, bei Anwendung von Killte unruhig werden, und bei der elektrischen (faradischen) Untersuchung, selbst bei erloschener Muskelempfind-lichkeit, deutliche Sensibilitätsäusserungen geben kann. Wie­weit hier seeundäre Stromschleifen in Frage kommen, kann nicht an diesem Orte abgehandelt werden. Auf Grund meiner Unter­suchungen steht jedoch fest, dass die Haut des Pferdes gegen elektrische Reize eine besondere Empfindlichkeit besitzt.
Bei jeder derartigen Untersuchung ist auf das Freisein der Psyche des Thieres und auf die individuelle Empfindlichkeit derselben das Hauptaugenmerk zu richten. Bei der Ausführung dieser Prüfung (im Stehen oder Liegen) geht man so vor, dass man die Augen ver­decken lässt und die eventuelle Unruhe oder Aengstlichkeit durch geeignete Mittel zu besänftigen sucht; grosse Geduld ist Hauptregel; nach dem ruhigen Auflegen der Hand auf den zu untersuchenden Körpertheil beginnt man massig an den Haaren zu zerren, sie aus­zuziehen; die Spitze einer Xadel aufzusetzen, langsam einzu­stechen etc.: hiebei hat man auf das .Spiel der Ohren, das Wenden des nur leicht gehaltenen Kopfes, auf ein Zucken, Ausweichen u. s. w. genauestens zu achten. Ganz verwerflich ist es, mit den Fingern gegen die Haut zu stossen, da der Hautmuskel reflex prompt auslös­bar sein kann, selbst wenn die Hautempfindung total aufgehoben ist. Was die Abgrenzung eines anästhetischen Hautfeldes anbe­langt, so ist hervorzuheben, dass der üebergang desselben in die normalen Hautgebiete nicht durch eine scharfe Linie gekennzeichnet
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Idnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Vorboiiierkungeii.
ist. IJie Untersuchungen Sherringtons u. A. haben gezeigt, dass sieh die Verbreitungsgebiete der sensiblen Nerven zum Theile über-clecken, dass demnach jeder Hautbezirk stets von mehreren Em-pfindungsnerven versehen wird. Dom entspricht es, dass wir jode anästhetische Hautstelle vom einer breiten, bandförmigen Zone umgeben finden, in welcher die Gefühlswahrnehmung zwar nicht aufgehoben aber doch mehr oder weniger herabgesetzt oder verändert erscheint.
Die Sensibilität des Gesichtes hängt von dem normalen Zustande des X. trigeminus ab. Von ihm wird auch die Bindehaut, Hornhaut, die Schleimhaut der Nase, der Zunge und des Manles versorgt. Lähmung der motorischen l'ortion des Quintus bewirkt Aufhebung dos Kauactes wogen Insufficienz dos Temporaiis, Massetor und der Pterigoidei, welche die Seitwärtsbewegung des Unter­kiefers veranlassen.
Die Untersuchung der Function der Sinnesorgane ist beim Pferde wohl in der Regel von sehr fragwürdigem Erfolge begleitet — wenn wir vom Gesichtssinn absehen. (Siehe: Krank­heiten des Gehirnes.) Störungen der Functionen dos Acusticus sind jedenfalls selten, ihr Nachweis sehr schwer. Üb primäre und isolirte Erkrankungen des VIII. Paares existiren. ist fraglich: bis­her wurden Gehörstörungen nur im Anschlüsse an solche Processe beschrieben, welche den schallleitenden Apparat betrafen; so bei Schädeltraumen, Entzündungen oder Blutungen in das Labyrinth oder in dor Umgebung desselben. In symptomatologischer Hin­sicht sind Läsionen des Acusticusstammes von solchen des Laby­rinthes nicht zu trennen. Bei basalen Processen, welche mehrere Hirnnerven tangiren, so z. B. den 111., V. und VII., kann aus der anatomischen Lage eine Mitbetheiligung des VIII. Paares vor-muthet werden; eine weitere Specialisirung ist aber unmöglich.
Wenn beiderseitige totale Taubheit besteht, wird sie mit einer gewissen Sicherheit erkannt worden können. Es gibt aber psy­chische Depressionszustände z. B. beim Dummkoller, die eine solche Diagnose nicht aufstellen lassen. Bei einseitigem Verlust des Ge­höres ist immer jedes Ohr für sich zu prüfen. Man geht dabei so vor, dass man das betreffende Thier in einen vollständig abge­schlossenen ruhigen Baum bringt und es von einem Gehülfen halten lässt. Nachdem man das eine Ohr mittelst eines langen,
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Allgemeine Vorbemerkungen.
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mit warmem Wasser befeuchteten Wattetampons gut verstopft, d. h. die ganze Ohrmuschel in ihrem untersten, trichterförmigen Theile ausgefüllt bat, entfernt man sich, wartet einige Zeit unter Beobachtung vollkommener Ruhe und vorsucht nun die Wirkung .schwacher Geräusche; am boten eignet sich hierzu jenes, welches erzengt wird, wenn man mit der Hand durch Hafer fährt, oder Hafer durcheinanderwirft; man kann überzeugt sein, dass das Herabfallen einiger weniger Haferkörner auf den Boden 'ler Futterschwinge genügt, um ein gesundes I'i'erd sofort umsehen zu machen. Leider hat dieser Modus den grossen Fehler, dass sehr viele Pferde bei Obduration des Gehürganges unruhig oder aufgeregt werden, so dass von einer ordentlichen Untersuchung nicht die Rede sein kann.
Ob pigmentlose Pferde in analoger Weise wie pigmentlose Hunde oft mit angeborener Taubheit behaftet sind, ist mir nicht bekannt.
Auch das Vorkommen von Anosmie, dem Mangeides Geruchs­sinnes, istquot; fraglich : dasselbe gilt von der Ageusie, dem Mailgelder Cieschmackseiiipthulung : jedenfali.s entziehen sie sich sehr leicht der objeetiven I ntersuchung. Mau könntebeivermutheten Geschmacks­störungen intensive Bitterstoffe benützen und dieselben auf die Zunge bringen ; doch wird man bei neu stets vorzunehmen­den Controllversuchen an normalen Pferden nicht viel unter­schied wahrnehmen: ganz abgesehen davon, dass viele Pferde die Amara überhaupt gerne aufnehmen. Die Benützung von Essig-sätire ist verwerflich, da von ihr weniger die Geschmacks- als die Hautempfindung getroffen wird.
Dexlcr, Nervenkrankheiten .1-- t'fonleä
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Krankheiten der periplieren Nerven.
Anatomisches. Jeder Ast eines motorischen periplieren Xerven besteht aus einem Bündel feiner Fibrillen. den Nerven­fasern; ein allen Nervenfasern gemeinsames Charakteristikon ljiilt;let der Axencylinder oder Axenfaden, der in der Regel von einer ver­schieden dicken Hülle, der Markscheide, umgeben ist. Das Ganze ist eingeschlossen in einem sehr durchsichtigen zarten Schlauch, der Schwann'schen Scheide oder Membranalimitans. Im ganz frischen Zustande zeigt jede derartige Nervenfaser einen centralen Faden (Axencylinder) und an den Rändern einen deutlichen doppelten Con­tour. Die Schwann'sche Scheide besteht ans einer Reihe von Schlauchsegmenten, welche durch schmalecirculäre Verengungen d ie Ranvier'schen Sehn iirringe von einander getrennt sind; u. zw. ist an der Einschnürung nicht die Membrana limitans sondern die Mark- oder Myelinscheide unterbrochen. Bei geeigneter Präpara­tion mit Silbernitrat erkennt man an den so gebildeten Verengungen eine deutliche kreuzförmige Zeichnung — die Ranvi ersehen Kreuze. Der Querbalken derselben reicht von der Schwann'schen Scheide bis an den Axencylinder heran und entspricht einem mit Silber sich dunkel imprägnirenden Diaphragma, durch dessen centrale (leffnung der Axenfaden hindurchgeht. Der Längsbalken wird durch das durchgehende Segment des Axencylinders dargestellt, der sich an dieser Stelle ebenfalls stärker färbt. Jedes Internodium der Schwann'schen Scheide besitzt einen flachen längsovalen Kern.
#9632;2-i- Stunden in 1quot; „ige üeberosmiumsäure eingelegte isolirte Ner­venfasern erscheinen als schwarzgraue Fäden, die durch hellere Ringe unterbrochen werden; ausserdem sieht man aber zahlreiche. in die Markscheide eindringende Einkerbungen, die seit, Lanter-rnann genauer bekannt sind, und nach ihm benannt wurden.
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Krankheiten der peripheren Nerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;19
Das in der äusseren odor S chwann'schen .Scheide oder dem Kourilemm enthaltene Nervenmark oder Myelin ist nur während des Lebens homogen und transparent; im Tode ändert sich seine Structur rasch; man sieht Fäden, Striche, feine Körnchen auftreten, die sich schnei! vermehren, bis die Faser ein ganz granulirtes Aussehen erhält: dort, wo die Nervenfaser abgerissen ist. quillt das Myelin in Form von Tropfen und Kugeln aus.
Der Axencylinder ist das central liegende, hellglänzende, faden­förmige, mit Carmin leicht tingible Gebilde, das höchst wahrschein­lich aus einem peiipheren Schlauch besteht und dessen Inneres eine Menge allerfeinster Fibrillen führt.
Axencylinder mit einer äusserst dünnen, der Sc h\v an n'.schen Scheide analogen Hülle und fehlender Myelinscheide, sogenannte E emack'sche Fasern, finden sich in grosser Menge im Grenzstrang des Sympathicus und im Olfactorius; nackte Axencylinder gibt es nur in den peripheren Endapparaten und in der grauen Substanz des Gehirnes.
Die Aestc der peripheren Nerven setzen sich zusammen aus tier Vereinigung mehrerer Fasern durch geformtes Bindegewebe, Endoneurium; mehrere derartige Bündel vereinigen sich durch das Ferineurium zu verschieden dicken Strängen. Jene Binde-gewebsschichte, welche diese Stränge zu einem Nervenstamme zu­sammen schliesst. wird als Epineurium bezeichnet. Das peri-und interfasciculäre Stroma führt Fettgewebe. Lymphgefässe und die Yasa nervorum.
Lähmungen peripherer motorischer Nerven.
Die allgemeinen Gesichtspunkte, nach welchen wir hei derar­tigen Affectionen vorzugehen haben, sind bereits besprochen worden. Von den speciellen Lähmungen können hier nur solche vorge­nommen werden, welche beim Pferde genauer untersucht wurden. Da die allermeisten derartigen Erkrankungen der spinalen Nerven nur hinsichtlich der durch sie erzeugten Störungen der Körper­bewegung studirt sind, hingegen Angaben über anatomische Substrate, elektrisches Verhalten der Muskel, sowie deren Erregbarkeit durch mechanische Heize sich nicht vorfinden, sollen sie hier nur sanz
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2Unbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der peripheren Nerven.
kurz, referirt werden. Man weiss eben noch nicht viel über dieses Capitel, da man erst in neuerer Zeit begonnen hat, ihm ein grösseres Interesse zn schenken.
a) Radialislähmung. Literatuv: Leblanc, Bulletin de l'Academie 1850 p. 746; Möller, Berlin.,- \reliiv 1875, p. 117: Maller. Klinische Diagnostik 1890; Munkel, l'IeussiselieMitt!ieilungenl883,p.34;Bayer,Chirurgiel890p.495;Sächroeder,
Milit. Veterinärzeitschrift 1894, p. 121; Preussische Militamp;r-Rapporte 1894; Plösz Veterinarius -Nr. 5; Storch. Beil. thierürztl. Wochenschrifl 1894; Tondeur, Journal de med. vet. 1892 p. It;; Hell, Handb. d. Chirurgie.
Die Ursache dieser heim L'ferde nicht seltenen Krankheit wird m traumatischen Schädlichkeiten gesucht — schwerer Zug, Stoss oder Quetschung (nach Operationen): sicherlich gibt es auch cen-trale Lüsionen, die einen Ausfall der Functionen der vom Radialis oder einzelnen seiner Aeste versorgten Muskeln -- den Anconaeen: dem Brachialis interims, dem Extensor carpi radialis, dein Abductor policis longus und dem Extensor carpi ulnaris bewirken. Bei der Radialislähmung verharren alle Gelenke vom Buggelenke nach ab­wärts in Reflexionsstellung und das Thier ist nicht im Stande, den Fuss zu belasten. Sobald die Streckung der Gelenke passiv, durch Druck gegen die Vorderfusswuvzel herbeigeführt wird, kann die Körperlast gestützt werden (Möller). Das Gleiche geschieht, wenn man das Thier rückwärts schiebt, so dass der Huf immer am Boden schleift Bayer). Beider Bewegung im Schritt oder Trab pendelt, die Extremität nicht vollständig vor. die Gelenke bleiben gebeugt, der Schritt wird zu kurz und beim Aufsetzen dos Fusses wird der mit der Spitze zuerst den Boden berührende Huf unter starker Beugung der Phalangealgelenke so weit nieder­gedrückt, dass die Zehenwand des Hutes am Duden anliegt. Das Thier droht zu fallen und sucht die Körperlast möglichst rasch auf die andere Seite zu übertragen, wodurch eine dem Stolpern sehr ähnliche Bewegung entsteht. Die gelähmten Muskeln fühlen sich schlaff an. Die Sensibilität der vom Radialis innervirten Hautgebiete kann gestört oder auch intact sein; letzteres war bei je 2 von Bayer und von Möller gesehenen Pferden der Fall. \trophien kommen nur bei peripheren Lähmungen vor. Das elektri­sche Verhalten der Muskeln und deren ReHexe, sind unbekannt.
Die Behandlung besteht in Massage, in Anwendung der Kälte in Form von Douchen. wodurch namentlich Moller
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Krankheiten der peripheren Nerven.
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einige Erfolge erzielt haben will. Uocli ist zu bemerkeji, dass viele Fälle spontan rasch zurückgehen, namentlich die Operations­lähmungen. Bayer sah in seinen Fällen keine Besserung ein­treten, so dass die Vorhersage also jedenfalls zweifelhaft ist.
Differentialdiagnostisch kommt in Betracht: Querbruch-des Ellenbogenbeines. Riss des langen Zehenstreckers oder der Anconaeensehne.
b) Lähmung des Suprascapularis.
Literatur: Günther, Magazin 1865; .Müller, Berliner Archiv IJ-iTG, p. 30(3; Siedamkrotzky, sächsischer Jahresbericht 1S7S. p. 59; Hansen, dänische Zeitschrift 1889; Bräuer, sächsischer Jahresbericht 1S!raquo;U; Iva tt ne r. Zeitschrift f. Veterinärkunde, 1891; Bayer, Chirurgie 1890; Möller, klinische Diagnostik 1890; L'hlich. sächsischer Veterinärbericht 189i; preussischer Mili-tär-Rapporl 1895; Hell, Handb, d. Chirurgie von Bayer-Fröhner 18it7.
Lähmungen dieses vornehmlich ans dem 7, Cervicalnerven-segment entspringenden Nerven, der sich in den beiden Grüten-muskeln und der Pars posterior des Deltoides. sowie dem Teres minor verästelt, werden gewöhnlich im Anschlüsse an Traumen be. obachtet. Die Affection äussert sieh in einer abnorm starken Abduction der Schulter bei der Belastung des Fusses, wobei das Schulterblatt vom Körper absteht, so dass zwischen Thorax und Ellbogen ein grosser Kaum entsteht. Am stärksten ist diese Bewegung in dem Momente der beginnenden Belastung ausgeprägt. Ferner kann ein solches Pferd nicht abduciren. also nicht zur Seite treten. Immer stellen sich ausgebreitete Atrophien im Gebiete der gelähmten Muskeln ein (siehe Fig. I). Die Muskeln reagiren nach einer Angabe F ri ed h e rg e r-Frii hners gegen elektrische Ströme nicht, wobei jedoch nicht gesagt ist. ob beide Stromesarten versucht wurden und in welcher Entwicklungsperiode der Atrophien.
Da eine Durchschneidung der Endsehne des hinteren Gräten­muskels, Knochenbrüche und einfache Muskelzerreissungen eben­falls ein der Lähmung de.s Suprascapularis analoges oder ähnliches Krankheitsbild machen, so wird sehr oft falsch diagnosticirt.
Hinsichtlich der Therapie gilt das von der Radialislähmung Gesagte.
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.,..
Krankheiten der peripheren Nerven.
c) Lähmung des Plexus brachialis.
Literatur: Goubeaux, Recueil 1871; Hell, Handb. d. Chirurgie 181)7.
Während wir bei der Bracbialislähmung die Function der Strecker aufgehoben, diejenige der Beuger normal vorfinden und bei der Suprascapularislähmung die Thätigkeit der Zuzieher des Schultergelenkes (vorderer, hinterer Grätenmuskel. Tares minor
: $laquo;:
Lähmung des Suprascapularis. Man beobachte das Abstehen des Schulter­gelenkes der belasteten kranken Estremität und das Vortreten der Schnlter-raquo;räte in Folge Atrophie der Grätenmuskeln (namentlich des vorderen:.
Nach Bayer.
hom. und pars post. m. deltoidoi horn.) gestört, diejenige der übrigen Muskeln des Vorderfusses aber erhalten sehen, beobachten wir bei den äusserst seltenen Plexuslähmungen eine totale moto­rische Paralyse dor gesammten Extremität, die wie ein lebloser Körper nachgezogen wird. Audi die Empfindung kann schwer ceschikliet oder can/, aufgehoben .sein.
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Krankheiten dor periphereu Nerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;23
In den Muskeln tritt Entartungsreaction und hochgradige Atrophie ein. Die Lähmung des Armgeflechtes stellt eine schwere, prognostisch ungünstig zu beurtheilende Schädigung dar, welche, nach den wenigen bisher bekannten Beobachtungen, auf traumatische Einflüsse zurückgeführt werden muss.
d) Lähmung des Tibialis.
I.iicraiur: Nocard, Chirurgie; Mil Her, Archiv f. Thierheilkunde II. Bd.
Sie kommt nur selten vor: die Bewegungsstörung ähnelt bei diesem Leiden sehr derjenigen, die heim Hahnentritt gesehen wird und unterscheidet sich von dieser nur durch die schlaffe Haltung des .Schenkels und die Plantarflexion der Zehenglieder. Die Gastrocnemii und der Hufbeinbeuger sind gegen die gleichnamigen Muskeln der anderen Extremität beträchtlich dünner; die ümfangsdifferenz ist sehr deutlieh. Im Stande der Ruhe wird der betreffende Fuss bei gestrecktem Hilft- und Kniegelenk, stark geöffnetem Sprung-gelenk und übermässig flectirtem Fesselgelenk in leichter Abductions-stellung nach vorne gesetzt. Bei der Belastung knickt das Sprung­gelenk haltlos zusammen. Die Feststellung der oberen Gelenke wird durch heftige Anspannung der Croupemuskeln, der Ab- und Adductoren bewerkstelligt. Beim Vorbringen der kranken Extremität wird dieselbe durch die Thätigkeit des [liopsoas und des Tensor fasciae latae unter abnormer Beugung nml Supinationsstellung sehr Irochgehoben und hierauf tappend niedergestellt.
e) Cruralislähmung.
Literatur: Trasbot, Arch.d'Alfort 1882; Baye r. Chirurgie 1890: Mol lev, klinische Diagnostik. 1890; Hell, Handb. d.Chirurgiev.Bayer-Friedbergor, IV. Bd.
Motorische [nsufficienz oder totale Paralyse der Muskulatur der Kniescheibe wurde nach Hämoglobinurie beobachtet. Doch scheinen in manchen Fällen keine wahren Lähmungen als vielmehr pathologische Muskelveränderungen für sich allein zu bestehen. Die echte Lähmung des Cruralis auf den Umstand zurückzuführen, dass der die entartete Muskelsubstanz durchziehende Nervenstamm in den Degenerationsprocess mit einbezogen wird, muss fallen gelassen werden, da sich gezeigt hat, dass ])ci der Hämoglobinurie centrale Destructionen in den Ganglienzellen der grauen Vorder­säulen Platz greifen, von denen aus (due seeundäre Degeneration des peripheren Neurons beginnt.
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21nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;traukheiten dor peripheren Nerven.
Bei derartigen Affectionen knickt der Fuss beim Versuche der Belastung im Hüft-, Knie- und Sprunggelenk zusammen. Der Quadriceps femoris ist schlaff, ebenso der Spanner der Schenkel­binde. Im Laufe der Zeit lernen die Thiere wieder gehen, indem sie zur Fixation des Kniegelenkes den dreiastigen Auswärtszieher und die Adductoren heranziehen. Bei längerem Bestände kommt es Wald zu ausgesprochenen Atrophien der Kniescheibenmuskeln. Sensible Störungen können ganz fehlen.
Möller sah von der Anwendung erregender Einreibungen. Vcratrininjectionen und Faradisation der Muskeln günstige Heil­resultate.
Verwechslungen können unter Umständen veranlasst werden durch Obduration der Beckenarterien, Riss der Achillessehne und Brüche der Röhrenknochen. Bei genauerer Beobachtung gelingt jedoch die Sicherstcllung der Diagnose leicht.
f) Lähmung des Ischiadicus ist bei Pferden mit Gewissheit noch nicht nachgewiesen werden. kommt alter beim Hunde und dem Rinde vor.
g) Lähmung des Obturatorius wurde von Schimmel beschrieben, (Tijdskrift voor Veeartsenijk. 1S94). Das betreffende Pferd beugte im Gehen stark das Hüftgelenk. weniger das Kniegelenk und brachte den Fuss unter sehr bedeu­tender Abduction nach vorne. Beim Zurücktreten machte sich die Störung in ähnlicher Weise bemerkbar. Die Zuzieher des kranken Beines waren bedeutend abgemagert, die Muskeln des Oberschenkels und der Croupe normal.
Die Diagnose wurde gestellt aus der übermässigen Abduction. der ungenügenden Adduction und der Atrophie der genannten
Muskelgruppe.
Die Heilung war in zwei Monaten auf Stryclinininjectionen erfolgt.
Ob bei Pferden Lähmungen des Sacralgeflechtes vor­kommen, wie dies beispielsweise bei Hunden nicht selten beob­achtet wird, ist fraglich; jedenfalls ist Genaueres darüber nicht bekannt. Lieber die Lahmungen des N. glutaeus superior und inferior siehe die combinirte Schweifmuskellähmung und Sphincterenparalyse.
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Läliiuiiiigen dor llinmorvcu.*)
a) Lähmung der Augenmuskelnerven.
Literatur: Thomassen und Hamburger, Annales de mi'decine vitOiinaire 1893.94; Bayer, Zeitschrift f. vergleichende Augenheilkunde 18'.)ö. Auf die Krantheitsbilder der Augenmuskelparesen und Para-l\-sen kann nicht näher eingegangen worden, da es zweifelhaft ist. nli reine Monoplegien vorkommen. Zudem ist ja das Wesen der Steliungsfehler des Pferdeauges, seines Bewegungsmechanismus mich nicht genügend studirt. Wir verfügen über keine Messungs-methoden am lebenden Thiere und können daher kleinere Stato-pathien kaum erkennen. Von starken Abweichungen der Bulbus-axen ist nur ein authentischer Fall von Bayer bekannt. Der Augapfel des betreffenden Pferdes war soweit um seine Horizontal-axe gedreht, dass das normal gehobene obere Augenlid einen grossen Theil der oberen Sehlochhälfte bedeckte; Sehproben er­gaben, dass die Retina jenes Auges noch funetionsfähig war: beim langsamen Vorführen beobachtete das Thier ziemlich genau alle Hindernisse: um sehen zu können, stellte es den Kopf so. dass die Nase gegen die linke Bugspitze gekehrt war. Oeffnete man den Verband des gegenüberliegenden, gesunden Auges, so hielt es den Kopf normal, zeigte aber durch häutiges Znsammenschrecken beim Vorüberführen oder Reiten an beliebigen Gegenständen, dass es eine Sehstörung zu haben schien (Doppelbilder?). Die Herkunft sowie der Verlauf der Affection blieb unbekannt.
Gewöhnlich finden wir derartige Störungen im Verlaufe ver­schiedener centraler Erkrankungen, wie sie nach schweren Schädel­traumen, Apoplexien etc. vorkommen (Thomassen). Am meisten tritt da die Oculomotoriusparalyse in den Vordergrund: i nmög-
•) Die Aflcctioncn des Options wurden bei den Hirnkrankheiten eingereiht.
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Lähmungen der Hirnnerven.
lichkeit der Retraction des Bulbus bei .lesson Betastung, mydria-tische Pupillenstarre und Ptosis. Das kranke Auge ist nach unten and aussei! gerichtet: der Blinzknorpelreflex fehlt.
b) Lähmung des Trigeminus.
Litenttuf. Lvd tin. Bad. Veterinätbericht 1893; Tem pel, Berl. thierärztl. Wochensch. 1894, p. 2ib; Roll, Pathologie; II. Bd.; Lüpke, Ber. d. Stutt­garter thierärztlichen Vereines 1896; De x ler, officielles Protokoll der k. k. Ge­sellschaft der Aerzte in Wien 1896.
Diese im Ganzen sehr seltene Krankheit ist bisher nur an einer Kopfhälfte beobachtet wurden und betraf meistens die moto­rische Portion wie auch die sensiblen Aeste des Quintus. Die Diagnose ist gewöhnlich in Folge der einfachen und ausgeprägten Erscheinungen leicht zu stellen, kann aber bei Combinationen mit anderen Nervenleiden z. 1!. Facialisparalyse auch die grössten Schwierigkeiten bereiten. Die Kaubewegungen sind aufgehoben, diejenigen der Zunge fehlen zum Theile; laquo;lie leicht constatirbare Härte des normalen Masseters und des Temporalis mangelt, die Schleimhäute und die äussere Haut zeigen Empfindungsstörungen in Form einer Abstumpfung oder auch einer Hyperästhesie. Die Schleimhäute sind höher injicirt, und gewöhnlich bildet sich eine nleerüse Keratitis des Auges der befallenen Seite aus, die übrigens auch fehlen kann. Sie wird auf mechanische Schädlichkeiten zurück­geführt, die von dem Thiere wegen der mangelnden Berührungs-empfindung der Conjunctiva und der CorneD nicht abgehalten werden, und kann zum Beweise dessen dadurch vermieden werden, dass man das Auge unter einen Verband bringt oder die Lidspalte
vernäht.
Die Ursachen sind in der Kegel nicht aufzufinden. Im Falle Lvd tin's war der Symptomencomplex durch einen Tumor, ein intracranielles Fibrosarcom bedingt. Lüpke fand bei der Section im Stamme des Trigeminus eine am zerrissenen Loch beginnende bindegewebige Wucherung und Umwandlung des Nerven in einen derben glatten Strang, die sich bis auf die Aeste dos Schläfen-und der Kaumuskelnerven sowie auf die der Keilbein-. Gaumon-und ünterkiefemerven fortsetzte. In einem, mit Facialisparalyse gepaarten Falle vermochte ich entzündliche Veränderungen im Ganglion Gasseri. Ganglion geniculatum und. mit Marchi Impräg-nation deutlich darstellbare Degeneration der spinalen Trigeminus-
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I.iihimuigen dor Hirnnerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;-'
wurzel zn demonstriren, die bis in.s 2. Cervicalsegment reichte. Eine Heilung derartiger Krankheitszustände ist bisher nicht gosehcn worden.
c) Facialislähmung.
Literatur der letzten 10 Jahre: Jobelot, Recueil de med. vet. 1891: Feil. Wochenschrift für Thierheilkunde 1891; Thomassen et II am!) urquot;-e r. Annales de Bruxelles 1889: Hochberger, Oesterr. Vereinsmonatsschrift 1889, p. -17; Tempel, Berliner klin. Wochenschrift 1894; Reinke, Zeit­schrift für Veterinärkunde 1891; Schultz, Berliner klin. Wochenschrift 1893; Hoffmann, Kepctitorium der Thierheilkunde 1891; H a s s i. Giorno di vetorin niilit. 1894: Goldbeck, Zeitschrift f. Veterinärkunde 1893; Kowalewski, Petershurger Archiv für Veterinärmedicin 1894; Bertholeyus, Bulletin bel-gique 1886; Butler, Jnum. of comp. Patholgy und Therapeutics 1892; Bayer, Chirurgie 1890; Vachetta, Oftalmojatria veterinaria 1892; Müller, specielle Chirurgie; Friedbcrgor-l'röhner. Therapie; Hü 11. Therapie II. Bd.; Dexler, Monatshefte f. Thierheilkunde 1896; Gratia, Annales de med. vüt. 1889; Theiler, Schweizer Arch. Bd. ;i7; Jewchtichilew, Arch, für Ve-terinärmed. l.S9i;. König, Handb. d. Chir, v. Bayer-Fröhner 1S97.
Das meiste Interesse beanspruchte die Paralj'se des Facialis, weil sie neben derjenigen des Recurrens die wichtigste und häufigste Lähmungsform des Pferdes ist.
Die Symptome der Facialislähmung dieses Thieres sind so auf­fallend, dass man bei einigermassen ausgeprägten Füllen wohl nie im Zweifel über die Art des Leidens sein wird. Man beobachtet in der Regel: Abstehen oder schlaffes Herabhängen des Ohres. Unfähigkeit die Lidspalte zu schliessen, Thränenträufeln, Er­schwerung der Nahrungsaufnahme in Folge ünbeweglichkeit der Lippen. Ansammlung von Futtermassen zwischen den Zahnreihen und den Backen, und ausserdem Verziehung der Nase und der Lippen nach der gesunden .Seite. Bei doppelseitigen Läh­mungen fehlt die Deviation der Nase; die Schlaffheit des häutig-muskulösen Naseneinganges bewirkt eine bei rascherer Athmung recht auffallende inspiratorische Dispnoe. Der Umstand, dass die kranken Thieve das Futter zwar mit den Zähnen erfassen, es aber in Folge mangelnder Anlegung der Backen nur schlecht zu kauen und nicht ordentlich weiter zu schaffen vermögen, bringt es mit sich, dass gewöhnlich eine leichte katarrhalische Stomatitis und späterhin Störungen des Ernährungszustandes auftreten können. Das beim Beginn der Paralyse oft gesehene Heraushängen der
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Lähmungen der Hirnnerveu.
Zungo steht in keiner Beziehung zur Glossoplegie. Sie ist frei beweglich und wird auf jeden Heiz, sei er mechanischer, elektrischer (.der chemischer Natur vollständig und schnell zurückgezogen ; auch verschwindet dieses Symptom gewöhnlich nach wenigen Tagen. In schweren Fällen beobachtet man auch Regurgitation von Flüssig­keiten durch die Nase, obwohl der Schlingact ganz frei bleibt. (Parese des Gaumensegels?); Gehör- und Geschmacksstörungen konnte ich nicht sicher nachweisen. Die faradische Erregbarkeit der mimischen Gesichtsmusknlatur ist entweder herabgesetzt oder ganz erloschen, in einem Falle von rechtsseitiger Facialislähmung (siehe Fig. II.) ergab die Reizung des Stammes durch den induc-tionsstrom folgende Differenz:
links
rechts
i; ollena list and 17 Fast vollständigen Lidschluss.
Hebung des Mundwinkels, starkes Vorziehen der quot;S'ase nach links
•ie #9632;jt'sanniite Gesichtshülfte bleibt ruhig.
und Anspannung des Corrugator.
I! olle n alist a n d 1!
Facialisgebiet: Leichte Hbrillärc
Contraction im ganzen Facialis-gebiete, der Kau-. Nacken- und oberen Halsmuskulatur.
Zuckungen im Orhicularis, Ver­ziehen dos Ohres. vau-. Kacken- und Halsmuskeln heftig contrahirt.
Die mechanische Erregbarkeit war mit Beginn des Processes bedeutend erhöht, erlosch aber nach 7 Monaten gänzlich. Das Vorhalten gegen den galvanischen .Strom habe ich noch nicht zu prüfen Gelegenheit geliaht.
Viel schwieriger als die Stellung der allgemeinen Diagnose gestaltet sich in der Regel die Beantwortung der Frage, ob es sich um einfache Lähmungen oder um Gomplicationen handelt. Die Fälle von Untier, Thomassen, Gratia und mir beweisen zur Genüge, dass letzteres oft genug gesehen wird. Soll in dieser Hin­sicht, eine Entscheidung mit wünschenswerther Sicherheit getroffen werden, so ist die eingehende Prüfung der einzelnen Symptome von grösster Wichtigkeit.
Hinsichtlich der Erscheinungen an den Augen ist noch zu erwähnen, dass hei joder totalen Paralyse dieses Nerven leichte. entzun dIi ch e V e r ä n d e r u n go n der C(irnea beobachtet werden. die zur Etablirung kleiner, seichter ülcerationen führen können,
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Lähmungen tier Hirnnerveu.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; -'•'
meistüiis aber, trotz des Fortbestandes der Lähmung bald zurück­gehen. Auch finden wir stets ein, je nach der individuellen Stel­lung des Bulbus mein- oder minder starkes Herabhängen des oberen Augenlides, was zu Verwechslungen mit Ptosis führen kann. Diese Erscheinung hat aber mit der echten Blepharoptosis nichts zu tlinn, da alle Pferde im Stande sind, auf geeignete Ver­anlassung das Lid willkürlich zu heben, und weil nach experimen­teller Durchschneidnng des Facialisstammes sofort ein ziemlich be­trächtliches Herabgehen des oberen Lides erzeugt wird.
Als Ursache dieser Erkrankung wurde von jeher Erkältungs­einflüssen eine hervorragende Rolle beigemessen. Es ist zweifellos, class sie in vielen Füllen bei bisher gesunden Thieren im An­schlüsse an eine Erkältung auftritt. Nicht minder oft ist sie die Folge von mechanischen Einwirkungen auf den ziemlich wenig geschützten Nerven, von Wunden, Abscessen nach Druse und Compression des Stammes durch Neoplasmen (Melanome).
Hinsichtlich der Localisation des krankheitserregenden Mo­mentes können folgende Anhaltspunkte dienen:
Bei dem peripheren Charakter der Facialisparalyse bestehen Lähmungen des ganzen Stammes. Sehr selten ist bloss ein Ast liidirt. Ein sicheres Zeichen gibt allerdings nur die elektrische Prüfung ab. Sämmtliche Aeste können unerregbar gegen beide Arten des elektrischen Stromes sein: meistens besteht Entartungsreaction: eine bald auftretende Muskelatrophie befestigt später die Diagnose.
Bei contralen Störungen ist die Sache bedeutend schwieriger, da der anatomische Verlauf dos Facialis und seine räumlichen Be­ziehungen zu den anderen Himnerven ziemlich complicirt sind. Nur der alternirenden Halbseitenlähmung kann hier mit einigen Worten gedacht werden. Wie bei Oculomotoriusläsionen werden auch bei denjenigen des Facialis wechselständige Hemiplegien gesehen, die je nach dem Orte der centralen Läsion verschieden gestaltet sind. Bei Veränderungen im Hirnschenkel besteht. Hemiplegie und Facialis­paralyse der Gegenseite, und Oculomotoriusparalyse der Läsionsseite. Sitzt, ein Herd (Hämorrhagie) im caudalen Ponsalschnitte, wo also die Bahnen der Pyramiden sich noch nicht gekreuzt haben, so resultirt eine wechselständige Lähmung dos Facialis und der Extre­mitäten ('Paralysis a Item ans).
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30nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Lähmungen der Hirnnerven.
Der Verlauf ist nach der Schwere der Erkrankung ein ver­schiedener. Leichte peripherische Lähmungen gehen oft in kür­zester Zeit zurück-, mittelschwere Formen heilen oft erst in 6—8 Wochen, häufig erst nach mehreren Monaten. Ich selbst habe auch nach 11L jährigem Bestehen noch eine fortschreitende Besserung gefunden.
In der Regel erlangen die vom oberen Faeialisast versorgten Muskeln des Ohres und Auges zuerst ihre Beweglichkeit wieder: später folgen erst der mittlere und untere Ast; vollständig zur Norm kehrt laquo;lie Facialisfunction übrigens seltener zurück, als dies ange­nommen wird; auch ist es erwiesen, dass Facialislähmungen beim Pferde reeidiviren können.
In Bezug auf die Therapie ist zunächt das Grundleiden, wenn diagnosticirbar, zu bekämpfen. Besteht Lähmung in Folge umfang­reicher Druseabscesse, so wird durch Incision und Entfernung des Eiters in manchen Fällen baldige Heilung erzielt: auch bei Wunden wird man die chirurgische Behandlung zuerst einleiten müssen. Was die rheumatischen Formen anbelangt, so wäre die Anwendung feuchter quot;Wärme zu versuchen; ausserdem kann Jodkali oder Arsen seseben werden. Subcutane Iniectioncn der verschiedensten Alka-loide sind werthlos; die elektrische Behandlung dürfte sich wegen ihrer Umständlichkeit höchstens in der Spitalspraxis einbürgern: massige Massage sollte in jedem Falle wenigstens versucht werden. Leider sind alle diese Massnahmen oft nur von einem fraglichen Erfolge begleitet. Die soeundären Erscheinungen — Kcratitis und Stomatitis — sind selbstverständlich für sich zu behandeln.
d) Lähmungen dor übrigen Hirnnerven.
Isolirte Erk rank un ge n des Acusticus, A ccessor iu s und Glossopharyngeus sind so gut wie niemals beobachtet worden. Lie Schwierigkeit der Erkennung der functionellen Störungen dieser Nerven, sowie die Thatsache. dass über die physiologische Stellung und Function derselben abschliessende Untersuchungen nicht existiren, lässt die einschlägige]! Diagnosen mit vollem Rechte als zweifelhafte bezeichnen.
Comhinirte Erkrankungen des IX., X.. XL und Xll. Paares hingegen scheinen beim Pferde vorzukommen: sie sind wenigstens schon wiederholt beschrieben worden. Gewiss gehören hicher viele
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Lähmungen der Hirnnerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 31
Fälle, die in der Literatur unter den Namen Disphagie1), Lähmung des Schlundkopfes2), Schlundlahmung3;, 1' ar a 1 y s e d e r Ph a ry n x m uske 1 n, 1' a r a 1 y si e j) li ;i v v n go #9632; laryngienne 4) verzeichnet worden sind.
Der Hauptsache nach liandelt es sich um chronisch verlaufende gewöhnlich tödtlich endende Störungen des Schlingens und der Athmung, die jedoch ungemein schwer analysirbar sind. Jquot;,s ist bei den zahlreichen Verbindungen des Vagus mit dem Glosso-pharyngeus und Accessorius die Stellung einer Localdiagnose zu den schwierigsten Problemen zu zählen, das nur auf der Basis der physiologischen und anatomisch-pathologischen Untersuchungen gelöst worden kann. Wenn auch angenommen wird, class das Pferd hinsichtlich der Topographie und der Physiologie seiner Hirnnerven nicht viel von derjenigen der experimentell genauer stu-dirten Laboratoriumsthiere sowie des Menschen abweicht, so ergehen sich trotzdem vom diagnostischen Standpunkte aus wesentliche Unterschiede, von denen nicht entschieden gesagt werden kann, ob sie nur scheinbare oder wirkliche sind, da wir nur mit der objective]! Beurtheilung allein auskommen müssen. Ja es werden Erscheinungen referirt, die entweder eine totale Verschiedenheit dieser Verhält­nisse beim Pferde supponiren oder die geeignet sind, eine pessimi­stische Auffassung der Diagnose wachzurufen. Eine andere Er­klärung kann ich nicht auffinden, wenn z. B. bei einer angenom­menen doppelseitigen Recurrenslähmung von heftigen Hustenstössen oder bei isolirter Schlundlähmung von dem Unvermögen Flüssig­keiten abzuschlucken gesprochen wird. Und was die pathologisch­anatomische Grundlage betrifft, so besitzen wir bis heute keinen einzigen verwerthbaren Befund. Ich glaube, dass wir nach unseren heutigen Erfahrungen nur in den allerseltensten Fällen im Stande sein werden, durch die klinische Beobachtung allein eine derartige Diagnose rechtfertigen zu können; auch die Trennung von peripheren
1i Lagrange, Repertoire de med. vet. 1849, p. 893.
Leclainche, Nonv. diction, prat. t. XV. p. 42(gt;. -) Stockfleth, Tidskrift f. Vet. Bd. 17. p. 204. 3} Hoffmann. Chirurgie 1890. p. 339.
Friedberger- Fröhner, Therapie.
Stitenrath, Berl. th. Wochensclirifi 1895, p. 182. 4; Honnoir, Annales de med. vet. 189.quot;gt;. p. M3.
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Lähmaneen der Hirnnerven.
und centralen Erkrankungen wird .sieh in vielen Fällen als ganz unmöglich erweisen, Dor Umstand, dass l)L'im Pferde bei multiplen Hirnnervenerkrankungen die vorderen Nervenpaare ein-schliesslich des Oeulnmotorins frei bleiben, legt den Gedanken nahe, dass es sich um bulbäre Läsionen gehandelt haben mag, von denen an anderer Stelle die Eede sein wird: hier snll nur solcher Fälle in Schlagworten gedacht werden, über deren periphere Natur aus der anatomischen Betrachtung sich kein Zweifel ergibt. Es sind das Verwundungen der Hals-. Kopf- und Nackengegend, Neu­bildungen am Schädelgrunde und Jene Entzündungsprocesse, die sich im Vorlaute der Angina und der Druse einstellen.
In symptomatologischer Beziehung ist zu merken, das.- die Erscheinungen je nach der Lage der Läsionsstellen sehr verschieden sein können. Ein Hauptsvmptom bilden die Schlingbeschwerden, welche sich manchmal zugleich mit Stimmbandlähmungen einstel­len. Die Thieve nehmen das Futter gierig auf. kauen es lange Zeit, können es aber nur theilweise oder gar nicht schlucken. Bei der Palpation des Schlundes fühlt man hin und wieder eine deutliche Contraction: aber es geht nicht alles durch: der grössere Theil kommt durch die Nasengänge zurück, ein Theil bleibt in der Rachenhöhle, und der liest passirt den Schlundeingang; und ge­langt entweder in den Magen oder sammelt sich im Oesophagus an, den man dann in der Drosselrinne als dicken, runden Strang fühlen kann. Bei der endoskopischen Untersuchung sieht man dieam Grunde des Pharynx vorhandenen Vertiefungen und Furchen, namentlich die zur Seite von den Aryknorpehi sowie die an dem Eingänge in die Eustachische Röhre verlaufenden Falten ganz erfüllt von feingekauten Futterstoffen (eigene Beobachtung), welche aber den Thieren keine besonderen Beschwerden zu machen scheinen: auch beim Einführen der Hand in den Rachenraum, scheinen sie sich weniger zur Wehre zu setzen, als dies gewöhnlich der Fall ist. Wasser wird meistens ziemlich leicht aufgenommen: es kommt nur ein geringer Theil zurück: bei sehr schweren Erkrankungen Hiesst der Speichel zum Maule heraus. 1st eine Becurrensliihmung eingetreten, so röhren die Pferde oft sehen beim ruhigen Stehen. Interessant ist, dass sie aber trotz aller dieser Störungen eine lange Zeit am Leben bleiben können : sie magern rasch ab, halten aber dann ganz sut aus. Nach wiederholten Verschlimmerungen
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Lähmungen der Hirnnerven.
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und periodischen Besserungen erfolgt gewöhnlich der Tod durch Inanition oder durch Fremdkörperpnenmonie; letztere Complication
ist erst dann zu fürchten, wenn die bandlähmong nicht mehr im Stande
rhiere wegen totaler Stimm-
sind zu husten.
Heilungen sind ausser-ordentlich selten, die Pro­gnose daherungünstig. Nach­dem ein solcher Krankheits- , zustand auch durch chroni-
sehe Abscesse, Tumoren, Schlundstricturen, Fremd­körper etc. vorgetäuscht wer­den kann, wird man eine nervöse Störung nur dann annehmen können, wenn alle diese .Schädlichkeiten mit Sicherheit auszuschliessen sind. Da letzteres nicht immer leicht ist. wie jeder Erfahrene zugeben muss, so ist eine solche Diagnose nur
fe,
;#9632;
in den seltensten Fällen be­rechtigt. Jede chronische Sehiingbeschwerde, für die ein plausibler Grund nicht
zu finden ist, als Pharynx-lähmung auszusprechen, ist
unzulässig.
v:
Eine eigentliche Thera-
pie kann nicht angegeben wer­den: bei Verwundungen wird man chirurgisch vorgehen: bei Ne( raquo;plasmen ist ein Eingriff
Ein Fall von rechtsseitiger peripherer Facoi-lislähmnng bei einer 10-jährigen Stute; die Nase ist nach links gezogen, die rechte Lidspalte enger als die linke, das rechte Ohr
horizontal abstehend.
in der Regel undurchführbar.
Kin erhöhtes Augenmerk ist der Ernährung des Thieres zuzuwenden. Bei vollständigen Lähmungen, wenn der Schlingact also gänzlich aufgehoben ist, wird man flüssige Nahrungsstoffe durch die Magen­sonde einzuführen trachten. Auch eine Oesophagusfistel kann angelegt
Dpxlor. NerTenkrankheitcn des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .'i
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Lähmungen der llirnnerven.
und die Ernährung ausserdem durch Nährklysmeu unterstützt
werden. liei parotischen Zuständen sind die Pferde ziemlich leicht am Leben zu erhalten, wenn sie auch sehr wenig Nahrungsstotte zu rsich nehmen. Man verwende in .Milch aufgeschlemmtes Bohnen-, Erbsen- oder Hafermehl, geschroteten Haler. Mehlschlapp etc. Allerdings wird in der Praxis die Ungeduld des Besitzers derartigen Vorkehrungen sehr bald ein Ende bereiten.
Was die isolirten Lähmungen des Hypoglossus und Vagus anbelangt, schliesse ich mich vollkommen dem von Möller vertretenen Standpunkte an, dass trotz der relativ grossen Zahl von publicirten Beobachtungen dieses Leidens kein Beweis für die lÜchtigkcit der Diagnose erbracht wurde. Solange nicht genaueste, anatomische und histologische Untersuchungen eingeleitet werden, ist eine Aenderung dieser Frage nicht zu gewärtigen. Auf eine Mittheilung Professor Schindelka's zurückgreifend ist hervorzu­heben, class er bei einem Pferdematerial von 45000 Pferden in ke in em Fal le vonFunctionsstörungen der Muskulatur desSchlund-kopfes, Gaumensegels, der Zunge etc. zur Annahme der isolirten Erkrankung eines der genannten Nerven sich berechtigt gehalten hat! Erwähnt sei, dass die für Hypoglossusaffection als charakte­ristisch angegebene Hemiatrophie der Zunge einmal nach Stich-verletzung gesehen wurde. (Kater, thierärztl. Mittheilungen 1870). Leider war eine histologische Untersuchung, welche in Bezug auf den intrabulbären Verlauf des Xll. von grüsster Wichtigkeit ge­wesen wäre, nicht möglich.
ei Recurrenslähmung. Hemiplegia laryngis; Kehl kopfpfeifen; Stimmbandlähmung;
Bohren.
Literatur: Ein vollst;indigos Verzeichnis bis zum Jahre l.S'.M ist in Friedberger-Fröhner's Therapie enthalten.
Neuere Literatur: l'ctü. Zeitschrift für Veterinärkunde 1891, p. 454; Fleischer ibid., p. In: Hoffmann, Chirurgie 1891, p. 2'J2: Rupprecht, Berliner thierärztl. Wochenschrift 1891, p. 283; Weigant, Wochenschrift für Thierheilkunde 1891, p. 147; Vogt ibid., p. 229 ; Meloni, Giornale di anatomia Pise p. 235; Pineles, Pflügers Archiv 18110, p. 17; Polansky-Schi rd cl ka, österr. Zeitschrift, f. wissenschaftliche Thierheilkunde Pd. ]J, p. 295; Csokor. gerichtl. Thierheilkunde p. 2()S: Günther, das KehlkopQpfeifen der Pferde. II. Aufl.; Cadiot. Monatshefte für prakt. Thierheilkunde 1892. p. 12: Munk,
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Lähmungen der llirnnerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;#9632;'•'
ibid. 231; Bassi. Giornale di vut. milit. 1893; Smith, Veterinary .Journal 1893, p. 427; Labat, llevne vet. 1893, p. 65;Lies, Berlinerthierärztl, Wochensch. 1890. p. 361; Barthelmy, Journal de mcd. veterin. IS!)'), p. 347; Qaslam,
Veterinary Journal 188quot;). p. 88; Malkmus, Deutsche thierärztliche Wochen­schrift IS'.IT. p. l'.l; Gros sin a n n. Wr. klin. Wochenschrift 1897, p. 405.
Die Lähmung des zurücklaufenden Astes des Vagus kommt beim Pferde sehr häufig vor und bewirkt eine Paralyse derjenigen Muskeln, welche der Erweiterung tier Stimmritze vorstehen. Sie ist die Hauptgrundlage des Pfeiferdampfes der Pferde und hat daher ein sehr wichtiges klinisches und forensisches Interesse. Aus diesem Clrunde ist sie seit langem zum Gegenstande eingehender Unter­suchungen gemacht worden, die in den bekannten Arbeiten von Günther, Vatel, Dupuy, Youatt, Möller, Dieckerhoff, Schindelka. Gerlach u. v. A. niedergelegt sind.
In ätiologischer Hinsicht sind vor Allem die quot;Vererbung, die Vergiftungen und die Infectionskrankheiten in Betracht zu ziehen.
Ks ist eine bekannte und durch eine reiche Casuistik bewie­sene Thatsache, daslaquo; von rohrenden Eltern abstammende Pferde häutig an demselben Leiden erkranken, wobei die ersten Anzeichen ent­weder bald nach der Geburt oder, wie es meistens der Fall ist. erst in einer späteren Lebensperiode auftauchen; auch wird be­hauptet, dass Hengste und Wallachen hiezu mehr incliniren als Stuten. Karounterschiode scheinen nicht zu bestehen.
Nicht selten stellen sich die Symptome der Recurrenslähmung nach chronischen Intoxicationen ein. besonder.- bei der Bleiver­giftung; in ähnlicher Weise wirken Lathyms, Luzerne und Pisura umbellatum; doch haben die Experimente mit den letztgenannten zwei Pflanzenarten noch zu keinem einheitlichen Resultat geführt; auch ist es nicht sicher, ob bei diesen Vergiftungen der Angriffs­punkt in das centrale oder in das periphere Nervensystem ver­legt werden muss.
Im Verlaufe oder im Gefolge von acuten Infectionskrankheiten kommen solche Affectionen gleichfalls zur Beobachtung: so nach Druse, Angina, sowie nach entzündlichen Processen der Pleura über­haupt; ausserdem können sie sich bei verschiedenartigen Erkran­kungen acuter oder chronischer Natur, die sich in der Nähe dieses Nervenstammes abspielen, entwickeln. Man hat Paralyse der Kehlkopfmuskeln nach Verletzungen am Halse durch Stich. Druck.
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Läbmuneen der ELimnerven.
Stoss, ferner bei Sclilunddivertikeln, bei Abscessen, bei Xeoplasmen der Thyreoidea, der Lympbdrüsen des Halses, des Brusteinganges und der llerzbasis 'eigene Beobachtung) gesehen: auch kann der Stamm des Vagus schon bei seinem Austritte aus dein Foramen jugulare durch Goschwülste der Meningen und der Knochen, durch Blutungen und Aneurysmen comprimirt oder zerstört werden: doch sind solche Vorkommnisse ihrer grossen Seltenheit wegen praktisch quot;hne Bedeutung. Was endlicdi gewisse Arten der Beschirrung und des Trainings der Rennpferde anbelangt, die im Vagus, bez. im Recurrens degenerative Processe anregen sullen, so ist ihr KinHnss wohl mehr als fraglich.
Die Eigenthümlichkeit, dass die Erkrankung in 95% aller
Fidle den linken Recurrens betrifft, dürfte nach den interessanten Arbeiten Günthers und Martins auf den umstand zurück­zuführen sein, dass dieser Nerv seinen Weg nm den Aorten-bogen nimmt und bei dem allmäligen Längenwachsthum des Halses und dem Zurücktreten des Herzens gewissen mechanischen Rei­zungen unterworfen ist. welche zu einer Degeneration führen können.
Der anatomische lie fund ergibt am Nerven gewöhnlich nur wenig hervorragende oder leicht sichtbare Anomalien: die Faserbündel werden gelblich verfärbt, verdünnt, in die Breite ge­drückt (bei Compression durch Tumoren) oder ganz aufgesplittert gefunden; ob degenerative oder entzündliche Processe vorliegen oder eine Combination beider, ist nicht bekannt. Genauer sind die geweblichen Veränderungen in den Muskeln studirt: sie sind blass, atrophisch und zeigen mikroskopisch hochgradige Anomalien einzelner Fasern und ganzer Faserbündel: es besteht wachsartige Degeneration neben einfacher Atrophie und Vermehrung der Sarcolemmterne. Die im interstitiellen Bindegewebe ablaufenden Processe sind nicht so prägnant; oft findet man nichts als eine massige Hypertrophie mit sehr geringer Fetteinlagerung.
Später bildet sich durch die fortschreitende Degeneration und Atrophie der .Muskeln auch eine Gestaltverschiebung des ganzen Kehlkopfes und eine Veränderung in der Configuration der Stimm­bänder aus. deren Rand etwas concav ausgeschweift wird: auch die Articulation der Kehlkopfknorpel leidet und im weiteren Ver­laufe der Krankheit kommt es zu anehylotischen Zuständen. Durch
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Lähmungen der Hirnnerven.
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die Verwachsung des Cricoarytenoidalgelenkes wird die Fixirung des gelähmten Stimmbandes bewirkt.
Symptomatologie. L)a.s Cardinalsymptom liegt in einer Störung der Athmungsthätigkeit, welche in der durch die mangel­hafte Erweiterung der Stimmritze bedingten Raumbeengung inner­halb des Kehlkopfes ihren Grund hat ; die hiedurch bewirkte inspiratorische Dispnoü macht sich gewöhnlich erst bei der Be­wegung des Thieres in rascheren Gangarten oder bei solchen An­strengungen bemerkbar, die ein erhöhtes Eespirationsbedürfnis nach sich ziehen. Die Dispnoü ist mit einem eigentluimlichen. höchst charakteristischen, meist nur bei der Einathmung hörbaren, pfeifenden, giemenden, brummenden oder rohrenden Geräusch ver­bunden, das von sehr verschiedener Intensität und Dauer sein kann. Ks verschwindet in der Hegel einige Minuten nach dem Anhalten des Thieres. manchmal sistirt es sofort nach dem Stehenbleiben; nur ganz ausnahmsweise ist es auch im Stande der Kühe hörbar. Wichtig ist ferner, dass es momentan aufhört, wenn durch Zusammen­drücken der weitgeöffneten Nüstern nur ein schwacher, den ver­änderten Passageverhältnissen der Stimmritze entsprechender Luft­strom eingelassen wird, und dass man es am ausgeruhten Thiere künstlich oft dadurch erzeugen kann, dass man den Kehlkopf seit­lich zusammendrückt: da die Lähmung meistens linkerseits sich vorfindet und die paralytische Kehlkopfwand nachgiebiger ist als die gesunde, so geht man gewöhnlich so vor, dass man den Kehl­kopf von der rechten Seite mit der flachen Hand fixirt und seine linke Seite, beziehungsweise den linken Giesskannenknorpel gegen das Kehlkopflumen drückt.
In Ausnahmsfällen ist die Stenose su hochgradig, dass das Rohren auch in der Ruhe geliert wird ; werden solche Pferde bewegt, so kann sich die Athembeschwcrde bis zu Erstickungs­anfällen steigern. Es sind das in der Regel doppelseitige Recurrens-lähmungen, die sich auch durch ihre rasche Ausbildung oder durch ihren acuten Verlauf auszeichnen und sich dadurch wesentlich von den einseitigen Affectionen, denen eine sehr langsame Pro­gression eigenthümlich ist, unterscheiden.
Der Husten derartiger Pferde ist eigenthümlich schlotternd und brummend : hin und wieder glaubt man auch die Stimme ver-
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quot;)'snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Lähmungen dor Ilirnnervon.
ilndert zu finden: es ist das aber ein ganz unsicheres Merkmal, auf dessen Prüfung kaum Gewicht zu legen igt.
Obwohl es nicht schwer ist, das Rohren, d. h. jenes Geräusch, welches durch die Lähmung der Stimmritzenöffner bedingt ist, zu erkennen, so gibt es doch Fälle, in denen die Diagnose kaum mit Sicherheit gestellt werden kann; das sind namentlich solche pathologische Zustände, welche mechanisch gleichwerthig sind mit der durch die einseitige Stimmbandlähmung bedingten Verengerung des Luftweges im Larynx und daher ebenso wie diese ein vom Kehlkopf ausgehendes Stenosengeräusch erzeugen können; hieher gehören Tumoren, chronische Indurationen der Larynxschleimhaut, Kehlkopfrotz (2 eigene Beobachtungen) u. s. w. Es müssen ferner Verwechslungen mit Stimmritzenkrampf, dem Stöhnen und Keuchen vermieden weiden : es erhellt daraus, dass der inspiratorische Stridor, Veränderungen des Hustens oder des Timbre de.- Wicherns für sich nicht immer zur Diagnose Recurrenslähmungen berech­tigen. Die Diagnose kann gegebenen Falles auf solche Schwierig­keiten stossen, dass wir mit unseren gewöhnlichen üntersuchungs-methoden nicht mehr auskommen ; die Entscheidung obliegt dann einzig und allein der Laryngoskopie, die für solche Fälle uner-lässlich ist. (Siehe: Allgemeiner Theil. p. 13.)
Die Prognose ist zweifelhaft; eine Heilung ist kaum zu er­warten : bei vielen in der periodischen Literatur registrirten Fidlen. ehe mit der Genesung endeten, ist. die Diagnose nicht bewiesen.
Die gegen die Recurrenslähmung versuchten Mittel sind sehr zahlreich, der wirkliehe Effect gleich Null. Auch die operative Behandlung (siehe die Lehrbücher der Chirurgie von Bayer, Müller. Hoffmann etc.) hat bisher nicht zu jenen Resultaten geführt, die man allgemein erhofft hat. Doch sind diese Unter­suchungen noch nicht zu Ende geführt. Prophylaktisch ist die Ausschliessung der Pferde, die an Recurrenslähmung leiden, von der Zucht oberster Grundsatz.
Anhangsweise möchte ich in dieses Capitol noch Einiges über Nervenverletzungen und über die Neuritis aufnehmen.
Bei der Durchschneidung eines Nerven, oder bei länger dauern­der, starker Compression eines solchen treten in seinem Parenchym Veränderungen auf. welche sich nicht nur auf die Läsionsstelle allein
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Lilhnmngcii der Hinmerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; oa
beschränken, sondern sieh auch auf das periphere wie centrale Stück erstrecken. Im centralen Nerve nstück kommt es zu der eingangs erwähnten retrograden Dogonoration und am Stumpfe seeundär zu bindegewebiger, zuweilen mit Neurombildung verknüpfter Entartung. Das ganze periphere Stück des Nerven dagegen fällt einer regres­siven Metamorphose, der traumatischen Degeneration anheim; es kommt zur Segmentirung und Zerklüftung dos Myelins, welches in Form von Ballen, Schollen oder kettenartig aneinander gereihten Kugeln die Markscheide erfüllt und. mit üeberosmiumsäure behandelt, die typische Fettreaction gibt. Die Neurilemmkerne sind vermehrt i'2—8 per Internodium). Nach und nach erfolgt Resorption der zer­fallenen Markmassen und seeundäre hypertrophische Zustünde des peri- und interfasciculären Bindegewebes. Die degenerativen Verände­rungen erstrecken sich stets auch auf den zugehörigen Muskel. Seine Fasern worden schmäler, die Sarcolemmkerne beginnen zu wuchern, die Querstreifung tritt zu Gunsten der Längsstreifung zurück, die Primitivfibrillen werden deutlicher sichtbar. Im Allgemeinen ist jedoch zu merken, dass die Untersuchungen der feineren Vor­gänge der Muskeldegeneration noch nicht zu bestimmten Er­gebnissen geführt haben. Die makroskopische Untersuchung ergibt nur in den höchsten Graden von Entartungszuständen deutliche Abnormitäten; so findet man 1. Volumsverminderung mit hocli-gradiger Fettsubstitution des intermuskulären Bindegewebes und -. sehr hochgradige Verschmächtigung ohne Fetteinlagerung. Ich halle beide Formen an Präparaten studiren und auseinanderhalten können, die von Pferden stammton, welche an Facialisparalyse oder an Lähmung dos Schweifes litten.
Histologisch zeichnet sich die erste Form dadurch aus. dass die contractile Substanz eine grobkörnige Verfettung zeigt, die schon bei schwacher Vergrösserung beim Zerfasern in Wasser oder Essigsäure deutlich wird. Die Fibrillon sind ganz zerfallen, die Streifung fohlt sowohl in querer wie in axialer Richtung und endlich enthält der Sarcolommschlauch nichts wie eine Kette von grösseren Fettkugeln. Dasselbe sehen wir auch bei rascher fort­schreitenden, noch nicht sehr alten Lähmungen oder nach opera­tiver Excision eines Nerven.
Davon verschieden ist die zweite Form von Degeneration die bei sehr alten, sich nur äusserst langsam entwickelnden
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I.;Uiimuiquot;cn der lliiniicrvoii.
Monoplegien peripherer Natur des Pferdes vorkommt. Die Muskulatur i.st weiss, transpai-ent und sieht aus wie Fischfieiscb. Betrachtet man einen sehr dünnen, mit Hämatoxylin und Carmin behandelten Lüngssciinitt. so glaubt man auf den ersten Anblick einen glatten Muskel vor sieh zu haben. Die Kerne sind lang und die Muskelfasern derartig geschrumpft, dass ih;-Dickendurchmesser noch geringer ist. als dasjenige der dünnsten willkürliehen Muskeln, der Augenmuskeln; er misst 4—(i [i, während die normalen Fasern derselben .Stelle (z. B. im Niederzieher des Schweifes) 90—110 u. messen. Die Querstreifung ist fast gänzlich verwischt: Fetteinlagerung ist nicht zugegen, wie Marchipräparate beweisen. Die contractile Substanz ist einfach verschwunden und es ist nichts übriggeblieben, als die leeren, zusammengefalteten Sarcolemmschläuche.
Endlich sei noch bemerkt, dass ich nach Xeurectomien starke Gefässveränderungen gesellen habe, die so hochgradig sind, dass sie bei der Vornahme derartiger Operationen gewiss in Betracht gezogen werden sollten. Es handelt sich um eine manchmal so starke Hypertrophie der Media, dass eine bedeutende Verengerung des Ciofässlumens eintritt.
Den degenerativen Anomalien entsprechen die auf Seite 10 kurz berührten Anomalien des elektrischen Verhaltens, deren Eigenthümlichkeiten beim Pferde, soweit meine noch im Zuge befindlichen Untersuchungen reichen, mit denen des Menschen einige Aehnliehkeiten zu besitzen scheinen.
Die traumatischen, auf Continuitätstrennung oder schwerer Compression basirenden Lähmungen sind stets schlaffe, mit Er­löschen der Reflexe und mit Atrophie verbunden. Durchaus nicht so constant wie der Ausfall der motorischen Funetionen ist der­jenige der sensiblen. Von grundsätzlicher Bedeutung sind folgende Momente: Mechanischen Einflüssen gegenüber reagirt die motorische Faser eher als die sensible. Bei Durchschneidung gemischter oder sensibler Nerven kann eine Störung der Gefühlswahrnehmung ganz fehlen, oder sich schnell ausgleichen, oder aber ein weit kleineres Gebiet befallen, als man nach der Art der anatomischen Ver­breitung erwarten sollte.
Schwere, dauernde und ausgebreitete Anästhesie kommt nur bei Zusammenhansstrennnnsen mehrerer Nervenstämme vor.
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Neuritis
Der Vorlauf einfacher Drucklähmungen, wie wir .sie z. B. zu­weilen am Faeialilaquo; sehen, ist ein rascher: in wenigen Wochen tritt gewöhnlich Heilung ein. Erfolgt Darchtrennung eines Nerven. so ist die Wiederherstellung der Functionen nicht vor Ablauf mehrerer Monate zu erwarten. Die Behandlung solcher Fälle ist eine rein chirurgische.
Die Nervenentzündung. Neuritis.
Die Neuritis ist ein Process, der sich primär nicht in den nervösen Bestandtheilen, sundern zunächst nur im Stützgewebe des Nerven abspielt, wobei man eine Perineuritis und eine inter­st i tie lie Neuritis an sieh unterscheidet, je nachdem die Er­krankung in dem umhüllenden Bindegewebe des Stammes oder im Interstitium vor sich geht. Die Entzündung der Nervenfassern, die parenchymatöse Neuritis deckt sich mit dem Begriffe der Nervendegeneration und ist hiedurch strenge von der interstitiellen, echten Neuritis geschieden. Häufig wird sich jedoch eine genaue Trennung beider Processe nicht durchführen lassen, da auch die parenchymatöse Degeneration stets von Mitbetheiligung des Bindegewebes, diejenige dos letzteren von degenerativen Alte­rationen des Parenchyms gefolgt ist.
Die Diagnose der Neuritis ist heute beim Pferde zumeist eine anatomische. Die Betrachtung mit freiem Auge ergibt nur äusserst selten verlässliche Anhaltspunkte: ausschlaggebend ist nur die histologische Untersuchung. Die Anwesenheit von Gcfässdila-tation, Auswanderung woisser Blutkörperchen in die perivasculären Scheiden und Bindegewebsspalten, kloine capilläre Blutaustritte. Wucherung dos Bindegewebes und der seeundäre Zerfall der Mark­scheiden berechtigen zur Annahme einer Entzündung im Nerven. Der Dostand einer wahren Neuritis ist beim Pferde bisher fast nur aus makroskopischen Befunden gefolgert worden: die moisten tier­artigen Beobachtungen können daher durchaus nicht den Anspruch auf Vollständigkeit machon, so dass es mir unmöglich ist. auf die in der Casuistik enthaltenen Fälle von Nervenentzündungen einzugehen. Wahrscheinlich handelt es sich bei der chronischen Bleivergiftung dos Pferdes um einen, der saturninen Polyneuritis
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l-!
Neuritis.
des Menschen analogen Process; man kann das wenigstens aus (leu Erscheinungen — der hochgradigen Abmagerung, der lähmungsartigen Schwäche und der Recurrensparalyse schliessen. Beweisende anatomische Befunde gibt es aber bisher nicht.
Wir besitzen dermalen nur einen typischen Repräsentanten dieser Krankheitsform in der als „Hammelschwanzquot; bezeichneten chronischen .Sehweif- und Sphincterenlähmung des Pferdes. Da der Process sich an der Grenze dos centralen Nervensystemes ab­spielt, seilte er eigentlich im folgenden Abschnitte abgehandelt werden. Wenn ich ihn trotzdem schon an dieser Stolle einreihe, so ge­schieht dies hauptsächlich deshalb, weil er seinen Ausgangspunkt in dem Anfangsstück der peripheren Nerven des Beckens nimmt.
'
Die combinirte Schweiflähmung und Sphincterenparalyse. sHammelschwanz.
Literatur. Die Lehrbücher der Chirurgie von Hoffmann, Möller, S to ckfleth, und d. Therapie von Dieckerhoffu. Fried be rger-Fröhner. Ferner Adam, Exterieur dor Pferdes, p.251; Delwart, Journal vet. belgique liS-W. p. 109; Schellhase, Mittheilungen a. d. thierärztl. Praxis 1857, p. 79; Schwarznecker ibid. iy()4, p. 225; Wolff ibid. 181)7. p. 1-48; Kühne ibid. ISllS. p. 2'.ll ; Gabbey ibid. 1878, p. 93; Dieckerhoff u. Schmalz. Ber­liner thierärztl. Wochenschrift I. Bd. p. 27;Lübke, Zeitschr. f. Veterinärkunde I89i, p. 160; Ferryman, Veterinary Journal ISIKquot;), p. 94; Stroud, ibid p. 160; Dexler, Zeitschr. f. Thiermed. 1897, p. 279; Fröhner, Monatshefte 1897.
Man versteht hierunter eine chronische, unheilbare totale Läh­mung des Schweifes, der Mastdarm- und Blasenmuskulatur, die bei Stuten häufiger als bei Hengsten angetroffen wird nnd einen sehr langsamen, progredienten Charakter besitzt.
Die Aetiol ogie des Leidens ist vollkommen unbekannt. Es ist selbstverständlich, dass Stich-, Hieb- oder Sehnssverletzungen, Callusbildung oder Fracturen an jenen Stellen, wo die Nerven für die Sphincteren, den Schweif und die hintersten Croupemuskeln räumlich nahe aneinander liegen, zu einem fast identischen Krank­heitsbilde Veranlassung geben können: allein das sind acut ent­stehende Affectionen, welche mit, jener Krankheit nur in einigen Symptomen übereinstimmen, sieh aber von ihr durch Vorlauf. Aus-trancr und anatomische Grundlage wesentlich unterscheiden. Beim
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Neuritis.
13
typischen Hammclschwanz tin-
D-
.
clen sich substantielle Verände­rungen in uml um Jene Nerven-stämme, die vom Sacralsegment des Rückenmarkes entstehen; il e L- Process besteht in einer chronischen Ent-z ii n d u n g de r d i e C a u d a i • (I n i u a z u s a in mensetze n-den Nfervenstränge, dieda-d u r e li c h a r a k t e r is i r t is t, d ass sie mit ein e r massen­haften Neubildu^ng von Bindege webe einh ergeht, w e 1 c h e s bei dem a 11 m ä 1 i-u;on Anwachsen schädi­gen d a u t d ie ei n gesch 1 o s-s en en n e r v ii son E 1 c ra ent o
/-,-.
Fis
r
e i n w i v k t. Die Cauda präsen-tirt sichbei der Herausnahme aus
dem Sacralcanal als ein solider, an den Knochen nicht angewach­sener, derber, langgestreckter
f
j
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Tumor 'S. nebenstehende Fig.),
welcher das Filum terminale
sammt allen Nervenstämmen in sich aufgenommen hat; die lly-perplasie beginnt in den Inter-
vertebrallöchern und setzt sicli bis zur harten Haut fort; inner­
im
halb des Duralsackcs sind die Nervenwurzeln fein, glänzend weiss, makroskopisch vollkom­
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i
i
men normal: eshandelt sich alsoumeineext r a d oral e f.iis ion. Histologisch erweist
Sacralmark und Cauda equina eines Falles von sog. Hammelschwanz.
D eröffneter Dnmlsack von der dorsalen Scit(. gesehen; gt;,—gt;#9632;.. Sacralnerren; K Hinterstranirs-
cogentl des Suerahnarkes; C Schweifn.rvpn : /'.iio latlmloiriscli voninderle Cauda equina. #9632;', der
natürl. (Irülaquo;se. (Zeitschrift für Thiermeflicin, I. Hand.
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I
II
Neuritis
sich die Geschwulst aus sehr derbem, gefäss- und keraarmeni Bindegewebe bestehend, das zum Theile um die Nervenstämme lagert, zum Theile zwischen die Faserbündel eindringt und letztere innigst umschliesst. Während man auf Querschnitten durch die normale Cauda ein starkes Fettpolster erblickt, das in seinem Centrum den Endfaden und seitlich hievon die Stumme der Sacral-nerven enthält, ist hier eine solche Differenzirung unmöglich. Das Fettgewebe ist vollständig verschwunden und durch eine fibröse Schwiele ersetzt, deren Fasern die Nervenstränge aus ihrer gegen­seitigen Lage verdrängt und deformirt hat. Die Blutgefässe sind im Bereiche des Wucherungsprocesses allenthalben hochgradig de-generirt. Die Adventitia ist durch dichtes fibrilläres Bindegewebe substituirt, die Media an den grösseren Arterien zwar nicht verdickt, jedoch längs der Yasa vasorum von kleinen Rundzellenschwärmen durchsetzt. Die Intima ist am meisten mitgenommen: sie misst in ihrer Dicke das 5—6fache der Muskelhaut und veranlasst eine so starke Verengerung des Gefässlumens. dass dieses kaum V,,, des Gesammtdurchmessers dos Gefässtranges ausmacht.
Fiquot;. IV.
^laquo;SS^
Querschnitt einer kleineren Arterie der Cauda c(|uina von einem Falle von
Hammels ohwanz.
Man sieht du.- spaltfürmig verengte Lumen, als Folge einer abnormen Massenzunahme der Intinia.
lt;lie dnreli ihre wohlerhaltene Elastic a interna von der nicht hypertrophischen Media geschieden
ist. Beichert, Ocnl. II. Obj. 7.
Was die Schädigung der nervösen Elemente anbelangt, so findet man solche in den Duck en mar ks wurzeln, den Nerven-
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Neuritis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 45
stammen undden Spinalganglien der Cauda equina. Marchi-präparation wie auch Weigertfarbung ergibt einen typischen Mark-scheidenzerfall, der von der Wurzelaustrittsstelle angefangen bis libev ilas Intervertebralsegment hinaus verfolgt werden kann. Die in die Geschwulst eingebetteten Nervenfaserbündel nehmen die Weigertfarbung nur ungleichmässig an; neben stark tingirten, blauschwarzen Bündeln liegen andere, in welchen nur wenige Fasern gefärbt erscheinen, die so blass sind, dass sie nur hei aufmerksamem Suchen gefunden werden können. Bei stärkerer Vergrösserung sieht man. dass ein Tlieil der Markscheiden noch erhalten, ein anderer, bei­weitem grösserer aber bereits zerfallen und degenerirt ist. Der Faserschwnnd ist am stärksten in der Mitte der Geschwulst aus­gesprochen: (loch trifft man entartete Bündel auch ganz in der Peripherie, von wo sie dann in die Nervenstämme übergehen. In den grossen Stämmen des Plexus sacralis verschwindet die Degeneration allmälig; auch central geht sie nicht weiter als bis in die Vorder-lulrner, deren Zellen quantitativ geringe, qualitativ sehr deutliche De­gen erationen zeigen; a s c e n d i r e n d e IT inters t r a n g s d e g e n e r a-tionen fehlen. Am besten sind die Erkrankungszustände in den Zellen der Spinalganglien abzulesen. Wir beobachten alle Ent­wicklungsstufen der Chromatolyse und die Endstadien atrophischer Lilsionen. Viele Zellen sind auffallend kloin und zeigen eckige Con-touren; ihr Protoplasmaleib tingirt sich so intensiv, dass seine feinere Structur nicht erkannt werden kann. Andere Zellen fallen durch ihre blasenartige Forin auf; an ihnen bemerkt man, dass das normale Gryo-chrom nicht mehr zugegen ist; die Zelle hat zwar noch ihre form behalten: der Kern liegt jedoch ganz an der Peripherie des Proto­plasmakörpers, an welcher Stelle noch Reste von Körnchenschwärmen wahrnehmbar sind: das Zellcentrum ist vollkommen ungefärbt und dor Kern nimmt höchstens einen ganz schwachblauen Ton an. (Siebe Fig. V). Auch ist autfallend, dass das pericelluläre Stratum gerade in der Umgebung solcher abnormer Zellen am kern­reichsten ist. und dass namentlich die kleinen atrophischen Formen oft so dicht von Rundzellenschwärmen umhüllt sind, dass sie da­selbst schwer auffindbar sind: in ihrer Mitte scheinen die letzten I legenerationsformen unterzugehen.
In den atrophischen Muskeln herrschen zweierlei Entartungs-zustände vor: In denjenigen des Schweifes höchstgradige
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]lt;#9632;'
Keuritis.
Atrophie der Muskelfasern, von denen nichtlaquo; zurückbleibt, als der leere Sarcolemmschlauch; es besteht keine Kernvermebruug und keine Eettmetamorphose, In den Muskeln der Hinterbacke und der Croupe findet man fettig-körnige Degeneration mit sub-sequenter interfasciculärer Bindegewebshypertrophie.
Fig. V.
'#9632;tr^0
-Ä^rlaquo;^
-4'ä t £
^h
Sie' ttellm Zellen Ram
Zwei Zellen auä den Spinalganglien des Kreuzmarkes.
ie mtii häuflgiten Torkommende Dogouerationstorm dar, Es besteht in rllmis.' des Kernes und weil forgeschriitene Chromatolyse. (Uek-hc-rt, Cmm. ' , , De. 11
beiden
Erwähnenswerth sind endlieh noch die Consecutiverscbeinungen im Mastdarm und in der Blase. Wir treffen in ersterem meist nur
eine leichte Verdickung der Schleimhaut und varicose Gefässe: in der Blase kommt es durch die Harnstauung zu schweren Ka­tarrhen, die seihst bis zur Entzündung der Blasenwand mit necro-tischem Zerfall umschriebener Schleiiuhaiitpartien. zu submueösen Hämorrhagien und Blasensteinbildung führen können.
Symptomatologie. Der Beginn der Erkrankung wird von den Eigenthümern der Thiere gewöhnlich übersehen oder mit zu­falligen Ereignissen in Verbindung gebracht. In einem von mir beobachteten Ealle wurde der Symptomencomplex durch einen lang-andauernden heftigen Priapismus eingeleitet; für gewöhnlich aber werden uns die Thiere mit dem schon entwickelten Eeiden vor­geführt.
Die erste und auffallendste Erscheinung, welche in der Piegcl die Aufmerksamkeit der Besitzer auf sich zieht, ist die Haltung des Schweifes. Er baumelt bei rascherer Bewegung, im Trab oder Galopp haltlos zwischen den Hinterbacken oder schlägt manchmal Segen die Croupe: hält man das Pferd rasch an. so pendelt er noch
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Neuritis.
17
eine kurze Zeit hin und her und hängt endlich schlaff herab: man hat dieses Verhalten mit den schlenkernden Bewegungen des Schweifes der Hammel verglichen und daher die Erkrankung „Hammel­schwanzquot; genannt, eine Bezeichnung, welche die oben beschriebene Erscheinung gut charakterisirt.
Fis. VI.
Ansiebt eines mit „Hammelschwanzquot; behafteten Pferdes,
Man bemerkt eine Äsymetric in den Bcgrenznngslinien der Croope, dadurth entstanden, dasx
in der Glutealgegend *\ev Unken Seite eine ziemlich tiefe Delle besteht. Innerhalb der punktirten
Linie war die Eautempändung deutlich liorabgesetzt, in dem straffirten Areal rollkommen auf-
gebnben; After und Vulva klaffend.
Betrachtet man ein solches Thier von rückwärts, so fallen gewöhnlich gewisse Ungleichheiten in der Begrenzung derjenigen
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4snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Neuritis.
Muskeln auf, die sich in der Nähe der Schwanzwurzel befinden. So sieht man häufig seichte, flächenhafte Vertiefungen in der Ge­gend des Sacralansatzes des Semitendinosus, Semimembranosus und Biceps femoris; diese Impressionen sind gewöhnlich auf der einen Seite mehr ausgeprägt, als auf der andern oder können auch ganz fehlen. Die Schweifrübe ist dünn, sehr biegsam, ihre Haare meist von abfliessenden excrementellen Stoffen verklebt und verfilzt.
Der After steht offen oder ist unregohnässig schlaff gefaltet, das Bectum gewöhnlich von Excrementen ganz ausgestopft, die zum Theile durch den After hervorschauen und bei der Bewegung des Tbieres langsam abbröckeln. Der Harn kann nicht gehalten werden — er fliesst meist schubweise in kleineren Quantitäten ab, und zwar während der Ruhe, wie auch während der Be­wegung. Bei Druck auf die Blase entleert sich eine grössere Harnmenge in dickem Strahle; der Sphincter ist dauernd erschlafft, der Detrusor unthätig.
Die mechanische und faradische Erregbarkeit der gelähmten Muskeln fehlte in den von mir beobachteten Fällen vollständig.
Neben diesen motorischen Störungen bestehen ausgesprochene Anomalien der Empfindung. Die Schmerzempfindung der Haut der Muskeln und der Gelenke des Schweifes, ferner des Perinaeum, des Schweifansatzes, der Mastdarm- und Vaginalschleimhaut ist gewöhnlich ganz aufgehoben. Man kann die Schweifrübe gegen den Bücken krümmen und den so gebildeten Bogen mit aller Kraft zusammendrücken, ohne dass das Thier hievon Kenntnis nimmt. Ebenso theilnahmslos verhält es sich gegen das ge­waltsame Vordrehen der Schweifrübe, gegen Stechen, Brennen oder (Quetschen der Haut oder der Muskeln innerhalb des ge­lähmten Territoriums. Auch sehr starke Inductionsströme (bei ganz eingeschobenen Spulen) werden weder von der Haut noch von den Muskeln aus pereipirt, vorausgesetzt, dass seeundäre, die gesunden Muskeln treffende Stromschleifen vermieden werden, was z. I!, im Schweife leicht bewerkstelligt werden kann.
Dieser Zustand wird von den betrettenden Pferden meistens ziemlich gut ertragen: die Kothanschoppung in den hinteren Darmabschnitten regulirt sich in der Hegel nach einiger Zeit von selbst; das mechanische Hinausdrängen der Excremente aus dem After wird durch den Nachschub aus den Grimmdarmlagen besorgtnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; •
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Neuritis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4(t
und die Bewegungen beim Trab odor Scliritte bewirken das Abfallen dor in dem klaffenden Analring eingezwängten Kothstiicke; andere Individuen äussern die Oeberfiillung des Kectnms durch leichte Koliken, die sofort sistiren, wenn dieses manuell geräumt wird. Dabei bleibt die Futteraufnahme immer gut, der Ernährungszustand leidet nicht besonders und die Thiere können bei dem ungemein langsamen Fortschreiten der Erkrankung jahrelange Dienste than, namentlich dort, wo der durch das Harnträufeln und die Besudelung dos Schweifes mit Darminhalt bewirkte Schönheitsfehler nicht in Betracht kommt, wie z. Ij. bei Ackergäulen.
Die Krankheit ist. wie schon erwähnt, chronisch, von ascen-direndem Charakter und unheilbar: doch schreiten die Störungen auch in sehr alten Fällen nicht über die hintersten Croupemuskeln hinaus fort; daher ist die Prognose, was die Nutzverwendung und das Leben des Thieres anbelangt, in der Kegel günstig zu stellen.
Bedenkliche Complicationen können von Seite der Blase er­wartet werden ; so die Bildung von Barnsteinen mit consecutiver hämorrhagischer oder gangränescirender Blasenentzündung. Auch die Coprostase könnte unter umständen zu einer tödtlichen Kolik Veranlassung geben, doch sind das gewiss höchst seltene Er­scheinungen.
Diagnose. In den meisten Fällen tritt die schlaffe Lähmung dos Schweifes so in den Vordergrund, dass das Leiden in einem ziemlich frühen Stadium auch von Laien erkannt wird. Gesichert wird die Diagnose durch die Feststellung der gestörten Functionen der Schliessmuskeln und der cutanen Emplindungsanomalien, welche drei Hauptsymptome fast immer zusammen vorkommen. Das Er­löschen der Sphincterenreflexe, das Vorkommen von motorischen und sensiblen Lähmungen sowie von Atrophien der Muskeln an einer umschriebenen Körperpartie, nämlich der Croupe, beweisen schlagend die periphere Natur des Leidens und begründen die klinische Dia­gnose einwandlos.
Verwechslungen sind nur möglich, wenn noch nicht alle drei Cardinalsymptome zu dem ungemein typischen Krankheitsbilde zusammengetreten sind. Es kommt vor. class man Schwund einiger Muskeltheile oder eines ganzen Muskels schon zu einer Zeit, wo ander­weitige Störungen noch weniger entwickelt sind, bemerkt. Ich bin fest überzeugt, dass viele in der Literatur unter dem Titel Lähmungen
Uexlcr, Nervenkrankheiten des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;*
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50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Keuritis.
einzelner Cronpemuskeln, der Nervi glutaei etc. beschriebenen Zustände in einem innigen Zusammenhange mit der hier geschil­derten Krankheit stehen, und ich habe daher diese Lähmungen auch nicht für sich abgehandelt. Das Vorkommen von Monoplegien an der Croupe soll damit nicht in Zweifel gezogen werden; ich glaube aber, dass wir bei einem derartigen Falle nach längerer Beobachtung unsere erste Diagnose oft werden rectificiren müssen. Hieher gehören auch die zahlreichen Fälle von isolirter Mastdarm­lähmung, die auch noch in letzter Zeit falschlich auf Hämorrbagien oder sogar auf Myolitiden zurückgeführt wurden (Bartke, Ilandb. d. Chirurgie 1897), von denen aber gesagt wird, dass die Schweif-und Sphincterenlähmung eine häufige Complication darstellt. Liegt eine Kückcnmarksentzündung vor. wie z. 1raquo;. die Beobachtungen Friedbergers zeigen, so kann es allerdings zu Lähmungen der Sphincteren kommen: es ist das ein Cardinalsymptom gewisser Mye-litiden, das aber immer von einer ganzen Reihe anderer Erscheinungen begleitet wird, die mit denjenigen des „Hammelschwanzesquot; nichts gemein haben.
Zum Schlüsse sei noch erwähnt, dass nur jene Momente, welche eine partielle oder totale Zusammenhangstrennung aller die Cauda equina bildender -Nervenstämme nach sich ziehen, von Erscheinungen gefolgt sein können, die denen des Hammelschwanzes ähnlich sind; so alle Traumen, welche die Knochen der Sacralwirbel zer­stören. Der Umstand jedoch, dass der Symptomencomplex im An­schlüsse an dieselben auftaucht, sich plötzlich einstellt, sowie der Nachweis des Traumas selbst sind massgebend genug, um eine Scheidung vorzunehmen. Nicht differencirbar bliebe nur ein langsam wachsendes, isolirtes Neoplasma des Sacralcanales.
Die B e ha ml I u n g beschränkt sich auf die regelnlässige, künst­liche Entleerung des Mastdarmes einmal des Tages und auf die sorg­same Reinigung und Pflege der Haut der Hinterschenkel und der Aftergegend, um Ekzeme zu vermeiden. Bestrebungen, welche dar­auf abzielen, das Grundleiden zu heilen, sind hei dieser Krankheit vollkommen zwecklos. Eine Spontanheilung eines notorischen Falles von Hammelschwanz wurde niemals gesehen, ist auch bei der Natur des anatomischen Substrates nicht zu erwarten.
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Die Krankheiten des Rückenmarkes.
Anatomie.
Das wichtigste Erfordernis bei der Bcurtlioilung der Rücken-markskrankbeiten besteht darin, dass man sich Kenntnisse von der Anatomie und Physiologie dieses Organes nach dem Stand­punkte der modernen Forschung verschafft. Erst damit wird ein sicherer Anhalt für die Pathologie desselben gewonnen werden können. Ich gebe daher in gedrängter Uehersicht die Resultate über die anatomische Structur und die fanctionelle Bedeutung der einzelnen Rückenmarkselemente, speciell auch über die Ver­laufsweise der Fasersysteme und das histologische Verhalten der Nervenzellen wieder: hiebei halte ich mich der Hauptsache nach an die bekannten Arbeiten von M a r tin, Ob e rstei ner, Koiliker. Ramon y Cajal. Lenhossek, Sherrington etc. Wenn ich damit in den engumgrenzten Rahmen dieses Buches ein Capitel aufnehme, das in den gebräuchlichen Lehrbüchern nicht enthalten ist, so geschieht das nur im Grunde des in der Einleitung er­wähnten Fundamentalsatzes, dass zuerst die normalen Verhältnisse bekannt sein müssen, ehe man an das Studium pathologischer Zustä nde herantritt.
Das Rückenmark, Medulla spinalis. geht ohne scharfe Ab­grenzung aus der Medulla oblongata hervor und reicht beim Pferde bis zum 1. Kreuzwirbel; der üebergang des Conus medullaris in den Endfaden erfolgt 4—5 cm caudal vom oralen Kreuzbeinrande. Das Rückenmark besteht aus grauer und weisser Substanz, welch letztere die erstere in Form eines Mantels umschliesst. Im Hals- und Lenden-theile besitzt es beträchtliche Verdickungen, die Cervical- und Lumbaranschwellung; an der Ventralseite ist es seiner ganzen
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52nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Rnckenmarkes.
Jiange nach von einer tiefen Furche, der Fissura lonsitudinalis anterior durchzogen, in welche das von der Pia stammende Septum long. ant. hineinreicht. Parallel der dorsalen, nur oberflächlichen Längsspalte, dem Sulcus mod. post., treten die hinteren Wurzeln aus. während die vorderen an der Ventralseite in ungeordneten Reihen das Mark verlassen. Die vorderen und hinteren Wurzel­fasern ziehen gegen die Dura convergirend, in seitlicher Pachtung nachaussen, durchbohren die harte Haut in ;! — 7 dickeren Bündeln, die sich ausserhalb dieser Membran, zum Theile erst unmittelbar vor dem zugehörigen Foramen intervertebrale zu je einem Nerven­stamme vereinen. Jene Partie des Pdickenmarkes, von welcher alle zu einem Nervenstamme gehenden Wurzeln herkommen, heisst Marksegment; es gibt beim Pferde deren 36 oder .'57 u. zw. 8 Cer­vical-. 18 Dorsal-, 5-6 Lumbar- und ö Sacralsegmente; ausser-dem rechnet man hiezu noch 5 Schweifnervenpaare. Der End­faden oder das Filum terminale ist beim erwachsenen Pferde rein biudegewebiger Natur; man trifft in ihm nur höchst selten nervöse Elemente an.
Durch den Ein- und Austritt der Wurzeln zerfällt der Markcylinder jeder Seite in den Hinter-, Seiten- und Vor­derstrang, von welchen der erstere in den Gollschen und I! u r d a c h'schen Strang getheilt wird. In diesen Abtheilungen verlaufen von einander funetionell verschiedene Längsfasersysteme, von welchen man folgende unterscheidet. (Siehe Fig. VII.) Im Hin­ter sträng medial die Gollschen oder zarten Stränge, Funi-culi gr a eil es, und lateral die Burdach'schen oder Keil stränge, Funicul i euneati; im Sei ten st range die Py r amide n seit 011-strangbahn, die peripher liegende Kleinhirnseitenst rang­bahn, das Seitenst ranggrundbündel. und zwischen den beiden letzteren das G o w e r s'sche Pgt; ü n d e 1 oder F a s c. an tero-lateralis ascendens; im Vorderstrange das Vorder­stran ggr u ndb lin dal und die unmittelbar dem Sulc. long. ant. angrenzende Pyramiden vor d er s t r an gb ahn. Von dem letztge­nannten Faserzug ist zu erwähnen, dass seine Existenz beim Pferde direct nicht erwiesen worden ist, da Durchschneidungsversuche bei diesem Thiere überhaupt noch fohlen. Nach dem Erfahrungssatze zu urtheilen, dass diejenigen Thiere, welche mit ihren Extremitäten complicirte Bewegungen ausführen (Affen, neuestens auch in
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;53
rudimentärer Entwicklung bei der Katze von Redlich nach­gewiesen), eine gut entwickelte Vorderstrangbahn besitzen, die­jenigen Species, welche nur einfache Bewegungen zu machen im Stande sind, einen gesonderten Verlauf dieses Systems nicht auf­weisen (Wal, Elephant), wäre letzteres auch für das Pferd anzu­nehmen.
Fig. VII.
Rlickenmarksquerschnitt, scbemati^ch.
quot;) Snlc. long, posterior; h) Sulc. long, anterior; lt;#9632;) Goll'scher Strang; d) Burdach'sclvGr Strang;
e) hintere Wurzel; /) Hinterhorn; ff) dirocte Kleinhirnseltenstrangbahn; //) Fyramideaseiten-
strangbalm ; /) Ceutralcanal; J) Gowers'sches Bündel; k) Vorderhorn; 2) SeitenstranggrundbQndel;
m) vordere Wurzeln: n) \'order^trang.
Die graue Substanz nimmt in jeder Rückenmarkshälfte die Mitte ein: beide Theile sind durch die graue Commissur verbunden, die in ihrer Mitte den Centralkanal trägt. Die graue Commissur bildet einen von der grauen Substanz der einen Rückenmarkshälfte zu derjenigen der anderen Hälfte gehenden Querfaserzug; ventral von ihr liegt die weisse Commissur: sie ist beim Pferde von so zahlreichen Längsfaserbündeln durchbrochen, dass sie ganz aufgesplittert erscheint und eigentlich nicht eine consolidirte Faser-
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54nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten ties Bfickenmarkes.
masse bildet. Sie enthält vorwiegend nur sich kreuzende Fasern und ist also nicht als eclito Commissur anzusehen. Zwischen beiden Commissuron verläuft der beim Pferde relativ wreite Centralcanal Die vorderen Partien der grauen Substanz bilden die Y or d er­hör nor, die dorsalen die schmäleren Hint er hörn er.
Dom Kopfe eines Jeden liinterhornes liegt eine helle, stark lichtbrechende gelatinöse Masse in Form einer ventral offenen Kappe an, welche sich mit Karmin specifisch dunkelroth filrbt, die Hämatoxylinimprägnation jedoch nicht annimmt; sie hoisst Substantia gelatinös a Hol an do oder Substantia Rolando kurzweg.
Das Massenverhältnis zwischen der grauen und weissen Sub­stanz ist in verschiedenen Höhen sehr wechselnd. (Siehe Fig. Vlll.raquo; Im Conus medullaris ist das centrale Gangliengewebe nur von einer dünnen Lage weisser Substanz umhüllt. An der Lenden­anschwellung ist die graue Substanz von einem dicken Markmantel umgeben, der im Dorsalmark absolut zwar bedeutend an Masse ab­nimmt, im Verhältnis zu den grauen Säulen aber diese beträchtlich überwiegt. Erst im obersten Cervical mark werden die grauen Säulen allmälig breiter und stärker und entwickeln sich in der .Medulla oblongata zu Jenen grauen, umfangreichen Kernen, die sich oral in das centrale Möhlengrau fortsetzen. Auch die Configuration des Quer­schnittes der grauen Substanz erfährt innerhalb der verschiedenen Rückenmarkssegmente eine wesentliche Aenderung, Im Conus me­dullaris stellt dieselbe ein kurzes, dickes Kreuz dar: im Lenden­mark nimmt sie bedeutend zu und besitzt hier am Querschnitte eine entfernte Aehnlichkeit mit einem lateinischen H; im unteren Dorsalmark vermindert sich die Breite der Hinterhörner sehr stark, im oberen Dorsalmark auch diejenige der Vorderhörner; imHalsraark werden die Vorderhörner klein, die Hinterhörner dagegen sehr lang und schlank und schwellen an ihrem Kopftheil durch die Zunahme der Substantia Rolando allmälig an. Im oberen Dorsalmark erfährt die graue Substanz an der lateralen Kante, etwa in der Mitte zwischen dem Vorder- und Hinteihorn, eine starke seitliche Aus­buchtung — das Seitenhorn (Tractus intermedio-lateralis).
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Anatomie. Fig. VIII.
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Querschnitte aus verschiedenen Höhen des Rückenmarkes vom Pferde. 1. Cervicalscgment; b) 6. Gervicalsegment; c) Intamescentia oerrlcalis ; ä) Doisalroark ; c) Intu-raquo;scentia Inmbalis ; /) 3. Sucralscgment; g) Conas mcdullaris. Gezeichnet mit dem Apparat von Edingcr nach Weijjert-J'älpräparaten. ^'l d. nat. Gr.
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5(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten ties llückenmarkes.
Ausserdem ist noch eine besondere, im obersten Brustmark, im Halse des Hinterhomes nahe seiner medialen Kante liegende, rund abgegrenzte Ganglicnanlulufung zu erwähnen, die sehr zahl­reiche rundliche Zellen enthalt: die (quot;1 arkeschen Säulen: sie sind beim Pferde sehr schwach entwickelt.
Was den feineren Bau des Rückenmarkes anbetrifft, so ist zu bemerken, dass die weisse Substanz aus markhalrigen Nervenfasern besteht, die je nach dem Systeme, welchem sie angehören, centri­petal oder centrifugal zu leiten vermögen. Die graue Substanz besteht vorwiegend aus einem feinen Gewirr markloser und mark-scheidenführender Fasern, in welches die Ganglienzellen aufge­nommen sind (Neuropilem).
Die Nervenzellen der grauen Substanz weiden in sehr ver­schiedene Arten eingetheilt; In Vorderhornzellen oder ür-sprungszellen der vorderen Wurzeln; sie liegen in den Vorder­hörnern und ihre Axencylinder gehen direct in die motorischen Wurzeln über. Eine zweite Art sind die Strangzellen, deren Fasern aus der grauen Substanz in die weisse eintreten und zu Längsfasern der Stränge werden (u. zw. nur in Vorder- und Seiten­strängen); unter Goinmis surz eilen verstellt man im medialen Gebiet der Yorderhürnor liegende Zellen, deren Nervenfortsätze durch die vordere Connnissur auf die andere Rückenmarkshälfte hinüber­ziehen und von dort in den Vorderstrang eindringen ; endlich haben wir noch eine besondere Art von Zellen zu berücksichtigen, deren Fortsätze sich fein verästeln und in der grauen Substanz selbst enden (Binnenzellen). Auch structurell unterscheidet man sehr zahlreiche Formen. Zu den bekanntesten gehören die in den Vor­derhörnern gruppenweise angeordneten multipolaren Ganglienzellen, welche als motorische bezeichnet werden (siehe Fig. IX). Sie sind sehr gross und messen beim Pferde ()0—90 [i im Durchmesser. Ihr Protoplasmakörper ist vielgestaltig und zeigt bei der Behandlung nach Nissl einen sehr ausgesprochen stichochromen Bau, d. h. sein Inneres ist von Körnchenreihen erfüllt, die eine bestimmte Gruppirung zeigen. An der Zellperipherie sind die Körnchen­schwärme parallelstreifig gelagert: sie sind spindelförmig und von einander durch helle, nicht färbbare Substanz getrennt. Je mehr man sich dem Kerne, der stets nur einzeln vorbanden ist. nähert, umsomehv überdecken sich diese Körnchenverbände, werden
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tu
kleiner, dichter und bilden um den central stehenden Nucleus ein unentwirrbares Gemenge von tiefblau gefärbten Körachengruppen von ganz unregelmässiger Anordnung. Peripher setzen sich die Körnchengruppen bis in die Protoplasmaausläufer fort. Der A x e n c y 1 i n d e r f o r t s a t z ist von den letzteren durch seine Structur gänzlich verschieden; er nimmt bei der Präparation nach Nissl nur einen ganz schwachen Farbenton an und ist so ungemein fein fibrillär gebaut, class er auch bei ziemlich aufmerksamer Be­trachtung und sehr starker Vergrösserung homogen erscheint. Aus diesem Grunde ist er von der erstgenannten Aasläuferart sehr leicht zu trennen. Es setzen sich demnach die Nervenzellen zusammen : 1. aus einer achromatischen Grandsubstanz im Protoplasma und im Kern ; 2. aus einer chromatophilen, zu den basischen Anilin­farben eine besondere Affinität besitzenden Substanz, die im Inneren der Zelle das scheckige Aussehen bewirkt, und in Form von Körn­chenverbänden in das weitmaschige Netz der achromatischen Sub­stanz eingelagert ist. Die /eilen des Vorderhornes sind pig-menthältig; das Pigment ist gewöhnlich von lichtgelber Farbe, grobschollig und meistens an der Peripherie des Zelleibes vor­handen.
Fig. IX.
Ganglienzello aus dem Vorderhorn des Lumbarmarkes vom Pferde.
Priiparation nach Xinsl: boromog. Immcrs. '/ni Oc. II. Keichert. Die Kiirnchonsphideln sind riiifjrs um den Korn sn dicht gelagert, dass sie einzeln nicht mehr untorschioden worden können. Links vom Ursprnngshügel lt;leH Axencylinders sind die eckigen FlgmentBchollen eingezeichnet, nie Grenze zwischen dem Ursprnngsliügel des Axencylinders und dem ZeHkörper ist in der
Figur zu scharf ausgeprägt.
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Krankheiten des Kücktiiniai kcs.
Die Zollt'ii der Seitenhörner sind nur etwas kleiner wie die zaerstbeschriebene Gruppe, structarell jedoch vollkommen gleichartig gebaut. Ein gleichfalls grobstreifiges Gefiige zeigen die Zellen im Halse des Hinterhornes und der der Substantia gelatinosa Rolando angren­zenden Gegend: sie sind gewöhnlich bipolar und besitzen nur 5—li Körnchenspindeln, die vom Kernpole auszugehen scheinen. Einer besonderen Erwähnung bedürfen noch eigenthümliche in den Hinterhörnem liegende sehr grosso Zellen, die. wenn auch nur sporadisch, doch in allen Rückenmarkssegmenten angetroffen werden und welche ganz die Struetur der Vorderhornzellen besitzen. Andere, ebenfalls grosse Zellen von gleicher Bauart kommen in einzelnen Exemplaren am dorsalen Eande der Substantia Bolando vor. Die Zellen innerhall) der Sahst, gelatinosa sind die allerkleinsten : sie haben vorwiegend eine wetzsteinartige Form, sind sehr schlank und senkrecht zum .Markrande gestellt. Ihre Länge beträgt 2.')—,-5U a, ihre Dreite 8—10 a. Der Hauptunterschied zwischen ihnen und allen übrigen Zellen des Rückenmarkes liegt darin, dass sie keine Kömchenspindeln und -gruppen enthalten, sondern dass ihr Protoplasma korper ungemein fein und gleichmässig gekörnt ist. Uebrigens sind im Rückenmarke noch eine sehr grosse Zahl anderer, verschieden gebauter Zelltypen enthalten, worauf hier nicht näher eingegangen worden kann. Zweifellos sind die mit den motorischen Vorderhornzellen structurell gleichartigen Zellen der gesammton grauen Substanz functionoll durchaus nicht identisch. Was die Zellen der beim Pferde sehr schwach entwickelten Clarke-schen Säulen anbetrifft, so ist nur ihre geringe Grosse (40—50 ;j,) sowie der Umstand auffallend, dass ihre Körnchenspindeln sehr gross und daher deutlieh abgrenzbar sind.
Um aid' die Verlaufsweise der Nervenfasern überzugehen, sei nach dem Vorgange KöHikers, der die topographischen Ver­hältnisse der .Medulla fast durch die ganze Wirbolthierroihe be­arbeitet hat, Folgendes angeführt:
Die hinteren, sensiblen Wurzelfasern ziehen, leicht aufsteigend, gegen den Hinterstrang und gegen die laterale Kante des Hinter­hornes. Nach ihrem Eintritte in die weisse Substanz theilen sich die meisten Fasern in einen cranial und einen in entgegengesetzter Richtung vorlaufenden Ast: die absteigenden Aeste gehen in die graue Substanz ein, die aufsteigenden ziehen zum grössten Thoile
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Anatomic.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;59
in den Hintcrstrilngon nach aufwärts bis zur Oblongata. Alle sen­siblen Fasern geben in ihrem Verlaufe zarte Seit.enästdien ab, die Collateralen, welche in die graue Substanz eindringen, sich dort fein vortheilen und frei enden: so in besonders grosser Anzahl an der Grenzschichte zwischen der Subst. gelat. Rolando und dem eigentlichen Grau des Hinterhornes.
Die longitudinalen Fasern der Vorder- und Seitcnstränge münden in die graue Substanz ein und enden daselbst. Sie bilden theils centrifugal leitende Bahnen (Pyramidenbahn, PyS), die sich in der grauen Substanz verästeln, theils centripetal leitende Faser­züge, die in der grauen Substanz entspringen und oral verlaufen (Kleinhirnseitenstrangbahn, KHS). Alle Längsfasem entsenden nach der grauen Substanz, wie die sensiblen Fasern, Collateralen. Alle (Aillateralen der Strangfasern besitzen stets ein und dieselbe Art der Endigung; sie laufen in feine Endbäamchen aus. die aus kurzen, die Nervenzellen dicht umspinnenden Zweigen bestehen und welche mit den Zellen nie in dirocte Verbindung treten. (Siehe Fig. X).
Je nach der Länge dos Verlaufes unterscheidet man lange und kurze Bahnen; unter ersteren versteht man solche, welche eine unmittelbare Verbindung der einzelnen Rückenmarksorgane mit dem Gehirne darstellen, z. B. die Pyramiden- und die directe Kleinhirnseitenstrangbahn; kurze Bahnen sind solche, welche die Verbindung einzelner Rückenmarkstheile unter einander besorgen. die also der Übertragung eines localen Reizes auf irgend einen kleineren oder grösseren Abschnitt der Medulla vorstehen. Erstere verlaufen näher der Rückenmarksperipherie, letztere bevorzugen mehr die der grauen Substanz anliegenden Gegenden des Mark­mantels.
Jede Nervenfaser geht aus einer Zelle hervor und schliesst mit einem Endbäamchen ab. In ihrem Verlaufe gehen in horizon­taler Richtung feine Zweige, die oben erwähnten Collateralen ab. In ihrer Gesammtheit bilden die drei B es t andt h eile ; Zelle, Nervenfaser sammt Collateralen und Endbäum-chen die Nerveneinheit, das Waldeyer'sche Neuron. Es findet daher nach der heute allgemein giltigen Annahme eine Einwirkung der einzelnen Rückenmarkselemente aufeinander auf zweierlei Weise statt: 1. Durch directe, von der Zelle ausgehende Erreiruns der von ihr stammenden Nervenfaser. 2. Durch indirecte
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Krankheiten des Bückenmarkes.
Einwirkung des Endbäumohens auf die von ihm umsponnene Zelle — einen Vorgang. denKölliker als Actio per distans bezeichnet.
Fig. X.
Rückenmarkschema nach v. Lenhossek; links die Collateralen, rechts die
Nervenzellen.
// hintory Wurzel; /.* Reflexcollaterale, bestimmt den von der sensiblen Paser der Hinterwurzel
empfangenen Cmpals auf die motorisclie Zolle zu übertragen; P Pyramidenseitenstrangbahn;
G G-owers'schea Bündel; .S directe Kleinbirnseitenstrangbahn; V vordere Wurzel.
Die mit der Nervenfaser organisch zusammenhängende Zelle dient nicht nur zur Leitungserregung, sondern sie ist zugleich trophisches Hauptorgan: wird der Connex an irgend einer Stelle aufgehoben, so tritt Degeneration desjenigen Theiles der Norven-einheit ein, welcher mit der Zelle in keiner Verbindung mehr ist: zugleich aber geben in der zugehörigen Ganglienzelle structurelle Veränderungen vor sich, welche ihrerseits eine in peripherer Richtung fortschreitende Entartung dos mit dieser Zelle noch in Contact stellenden Fortsatzes einleiten, die man als retrograde
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; iW
Degeneration bezeichnet; die Art der Alteration der Ganglien­zelle, welche namentlich von Nissl, Lugaro und nenestens von Mar in es co genauer studirt wurde, besteht bei dieser Degeneration darin, class in einem frühen Stadium ein von der Nachbarschaft dos Axencylinders ausgehender Zerfall der chromatischen Substanz (Cliromatolyse) zu constatiren ist, der in einem späteren Stadium den ganzen Zellkörper einnimmt und sich nach den Protoplasmafortsätzen ausdehnt: der Zellkern ist in diesem Stadium ganz an denZellrand ge­rückt. Solcherart kann die Zelle zu Grunde gehen und ganz ver­schwinden oder aber, es können sich unter gewissen uns noch nicht näher bekannten Umständen cellulilre Regenerationsvorgänge ein­stellen, die eine restitutio ad integrum herbeizuführen im Stande sind.
Der Verlauf der motorischen Bahn im Rückenmarke ist bei vielen Thieren durch die nach Durchschneidung oder nach ge­wissen Hirnläsionen eintretenden secundären Degenerationen genauer festgestellt worden — beim Pferde kann er nur durch die Analogie geschlossen werden, da trotz zahlreicher Beobachtungen cerebraler Herderkrankungen bis jetzt nicht eine einzige Arbeit hierüber vorliegt.
Inter Bezugnahme auf die Ergebnisse der experimentellen Physiologie und auf unsere Erfahrungen bei natürlichen Rinden-läsionen des Schafes und Hundes ist Folgendes wichtig. Man findet bei einseitigen Herderkrankungen des Grosshirnes im Rückenmark ein Feld degenerirt, welches dem lateralen Hinterhornrande an­liegt und von ziemlichem Umfange und undeutlicher Begrenzung ist: n. zw. liegt dieses Gebiet in der der Hirnläsion entgegengesetz­ten Körperseite, da die Pyramiden (beim Pferde zwei verhältnis-mässig schwache Fasersysteme) sich vollständig kreuzen. Die Art des üebertrittes der Pyramidenfasern in die Vorderhörner ist bisher noch nicht bekannt: wahrscheinlich geschieht dies in der Weise, class die Strangfasern und ihre Collateralen allmälig in die graue Substanz einstrahlen und mit ihren Endbäumchen die motorischen Zeilen umspinnen. (Siehe Fig. XI.) Letztere sind der Ausgangs­punkt eines weiteren Neurons, dessen Stamm die motorische Wurzel, respective den motorischen, peripheren Nerv bildet und dessen Endbäumchen im Muskel, u. zw. in der sogenannten Endplatte liegt. Nehmen wir hinzu, dass seeundäre Degeneration des Pyramiden­bündels stets eintritt, gleichviel ob die Läsion in der Medulla,
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Krankheiten des Rückenmarkes.
dem Grosshirn oder dem Cortex sitzt, so geht, da ihre Fasern aus bestimmten /eilen der Rinde, den Pyramidenzellen, ihren Ursprung nehmen, daraus hervor, dass die motorische Hauptinner-vationsbahn aus zwei Neuronen besteht. Das eine be­ginnt in der Hirnrinde, das andere in den Vorder­hörnern. Der trophische Einfluss erstreckt sich nur auf eine Nerveneinheit, w ährend de r Willens! m puls beide zu d u r c h 1 a u f e n i m Stande ist. Jenes Sti'ick der Innervationsbuhn. welches von der Peripherie (Endplatte) bis zur ersten Endigungim Centralorgan reicht (mot. Vorderhornzelle), bezeichnet man als Bahn erster Ordnung, erstes Neuron oder peripheres Neuron; ihr kann sich cen­tral eine Kahn 2., 3. u. s. w. Ordnung anschliessen. Durch diese Eigenthümlichkeiten erklären sich viele höchst wichtige klinische Erscheinungen.
1. Bei Unterbrechung der Pyramidenbahn, ora von deren Kreuzung, erfolgt Hemiplegie der Extre­mitäten der Gegenseite, die peripheren Nerven (legeneriren nicht, es entwickeln sich keine Muskelatrophien.
_. Doi Unterbrechung nur eines Pyramiden-
biindels im Rücken­mark (Halbseitenläsion)
entsteht Lähmung der
#9632;#9632;#9632;#9632;;#9632;
gleichseitigen Körper­muskulatur; auch liier
fehlt die Degeneration der Muskeln und der
Schematische Darstellung der motorischen Bahn nach Edinger.
I.nbsp; nbsp;Pyraznidenzelle dor Hirnrinde, centrales (2.) Xeuron;
II.nbsp; Motorische Zelle des Vordcrhomes; Muskelfaser mit den Eadigungen der KerreDfaserD; peripheres (1.) Neuron.
peripheren motorischen Nerven.
3. Trifft die Läsion
das Vorderhorn, so de-generirt Muskel und zugehöriger peripherer Nerv ganz so, als wenn letzterer selbst in seinem Zusammenhange geschädigt worden wäre. Der Verlauf der sensiblen R ückon marks bahn en ist ungleich complicirter und noch nicht vollständig klar gelegt; er kann daher nur mit wenigen Sätzen gestreift weiden.
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 63
Trophisches Centrum für die sensiblen Fasern sind die Spinal­ganglien. Es sind dies kleine, haut- bis reiskorngros.se An­schwellungen am Vereinigungsorte der sensiblen und motorischen Wurzeln des Rückenmarkes, die sicli innerhalb oder auch vor den Intervertebrallöchern an einander legen und welche Kerne der sensiblen Fasern darstellen. Diese knotenförmigen, hellgrauen Verdickungen bestehen aus einer Anhäufung von höchst charakte­ristischen Ganglienzellen, die in einem sehr kernreichen Binde-gewebsstroma aufgenommen sind: ihr Interstitium besteht aus lockerem, gefässarmem Bindegowebe, das sehr viclo fixe Binde­gewebszellen enthält. Zu bemerken ist. dass beim Pferde die Spinalganglienverbände des Lenden- und Kreuzmarkes nicht zu mn-schriebenen. auf die hinteren Wurzeln beschränkten Klumpen ver­einigt sind, sondern dass sie oft nach Art der Ganglia aber­rant i a ganz unregelmässig in das extradurale Segment eines solchen Nervenursprunges eingestreut sind. Daher kommt es, dass man auf Quer- oder Längsschnitten durch die normale Cauda equina oder durch einen solchen Nervenstamm Ganglienzellen erblickt, die oft ganz vereinzelt liegen oder in hingen, ein- und mehrschich­tigen Reihen die Servenfaserzüge durchsetzen.
Die Nervenzellen des Spinalganglions sind von sehr verschiedener Grosse. Man findet Exemplare von 70—JSO u. Durchmesser ; meistens stellen sie kugelrunde, auch eiförmige 40—50 tj, im Querdurchmesser haltende Zellen dar, die einen grossen runden Kern besitzen und deren Protoplasma durch Einlagerung feinster Körnchen mehr oder weniger dicht granulirt erscheint. Eine Consolidirung der Körn­chen zu Körnern oder Spindeln findet nicht statt, so dass also diese Zellen der Gruppe der N i s s l'schen gryochromen Zellen bei­gezählt werden müssen. Die chromatophile Substanz kann den Zelleib entweder ganz gleichmässig erfüllen, oder aber sie zeigt eine unregelmässige, bald verschwommene, bald sehr genau ab-grenzbare concentrische, schalenförmige Anordnung. (Siehe Fig. KII). Endlich beobachtet man nocli eine kleinere, öfter vorkommende Zellart, die eine bedeutend stärkere Affinität zum Farbstoff zu haben scheint, so dass sie auch nach langer Entfärbung immer noch bedeutend dunkler als die übrigen Zellen bleibt. Hiodurch wird ihr feinerer Bau ziemlich verdeckt; dor Kern dieser, mit der von Luaaro beschriebenen besonderen Form dunkler Zellen der
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ß4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Rlickenmarkes.
Spinalganglien des Hundes offenbar identischen Zellgattung, scheint meist einfach zu sein.
Hinsichtlich der Grüsse ist zu bemerken, class grosse und ganz kleine Zellen, von kaum 20 u Durchmesser, am selben Schnitte ganz angeordnet durcheinander liegen, dass aber jede derselben von einer deutlichen Endothelkapsel umschlossen ist. Der llr-sprungshügel des Axencylinders ist spitz kegelförmig, von viel kleinerer Basis als derjenige der motorischen Zellen. Das Pigment ist ähnlich dem der letzgenannten Zellform.
Von den Nervenzellen der Spinalganglien nehmen die sensiblen Fasern ihren Ursprung und gehen theils zur Peripherie, theils durch die hinteren Wurzeln in das Rückenmark; und zwar spaltet sich der von der Spinalganglienzelle kommende Nervenfortsatz nach kurzem Verlaufe T-förmig in einen zur Haut ziehenden x\.st und
einen centralen. als hintere Wurzelfaser ^'S-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;in das llückenmark eindringenden zweiten
.- .vlaquo;.:-.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ast. Die Gesammtheit der letzteren steigt
in den Goll'schen und B ur da ch'schen Strängen hinauf in die Oblongata und endet in den Kernen der zarten und der Keilstränge; ein anderer Theil hinterer Wurzelfasern geht in die graue Substanz und tritt liier durch seine Endbäumchen mit den Strangzellen in Contact, von welchen eine zweite Nerveneinheit ihren Ausgang nimmt, die in oraler Kichtung bis Nissetsclics Aeqnivalent zu den Hinterstrangskemen läuft, dort, einergrossen Nervenzelle ans ohne in diese einzutreten, mit den Schleifen­dem nurmiilcn Spinalsancflion des rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;j_nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;cn #9632;•nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; j. *n'i
„. , . ,. ., ^ , , fasern der zarten Strange zusnminentrmt
Pferdes mit Enaoibelkapsel undnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0
Crspiungshügeideraquo;Axencylinder- und vereint mit diesen zur Schleife des fortsatzes^ Hommog. imn,, v12, ilittelhil.ncs zur centralen Gefühlshahn
Ocul. II. Koicliert.
geht.
Das Inter st itium des Rückenmarkes bildet grösstentheils die Neuroglia; Bindegewebe kommt nur mit den von der Pia stammenden Gefilssträngen in das Innere des Markes.
Die Blutversorgung dos Rückenmarkes geschieht durch die Zwischenrippenarterien und durch die Aa. spinales anteriores und posteriorcs. Das grösste Gefilss ist die aus den beiden Aa.
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (jrj
cerebrospinales der Hinterhauptschlagader hervorgehende A. spi-nalis anterior, ilie an dor Vorderfläche des Rückenmarkes als un-paarer Strang bis zum Endfadon verläuft. Die Arteriao posteriores sind schwächer; sie entspringen aus den Aa. vertebrales und ziehen, ohne sich zu vereinigen lateral von den hinteren Wurzeln nach abwärts. Ausserdem erhält das Rückenmark noch Blut durch feine Aoste, die, von den Zwischenrippenarterien stammend, längs der Nervenwurzeln in dasselbe gelangen. Es wird also jedem Theüo des Rückenmarkes von verschiedenen Seiten Blut zugeführt.
Das im Sulcus anterior liegende Piaseptum führt starke Zweige bis an die weisse Commissur; von dort vertheilen sie sich und dringen in die Vorderstränge ein u. zw. geht die .Mehrzahl der­selben zur grauen Substanz; man nennt sie Centralgefässe zum Unterschiede von den viel schwächeren, von den Wurzelarterien herstammenden Zweigen, die sich in der weissen Substanz, also peripher von den Centralgefässen. verästeln.
Die abführenden Blutwoge lassen sich wegen den vielfachen Anastomosennicht sogruppiren. Am constantesten sind zwei seitlich vom Centralcanal verlaufende, beim Pferde ziemlich grosso Venen­stämme, die man auch als Centralvenen bezeichnet. Ausserdem findet man noch eine unpaare vordere und hintere Rückenmarksvene und einen zwischen den Wurzeln verlaufenden Venenstrang. Das gesammte venöse Blut fliesst in den Wirbelblutleiter ab.
Hüllen des Rückenmarkes.
Nach aussen ist das Rückenmark von einer beim Pferde relativ dicken Gliaschichte umgeben, die von der weichen Flaut oder Pia mater überlagert wird. Die letztere ist eine bindogewebige Membran, welche dem Markcylinder innig anliegt, in das Innere desselben jedoch keine Fortsätze absendet; nur das grosso, in der vorderen Längsspalte befindliche Septum stammt von der Pia ab. Sie besteht aus mehreren Lagen längs und quer verlaufender Fasern und lässt sich namentlich am Uebergange in die üblongata. un­mittelbar über und aborr.l von der Decussatio pyramidarum leicht in mehrere Blätter trennen.
In der Mitte zwischen dem Austritt der vorderen und hinteren Wurzeln liegt, in das Gewebe der Pia eingescheidet, das sogenannte
Doxlpr, Xerrenkrankheiten '!es Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
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(jßnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des ßückenmarkes.
seitliclie Kiieken marksband. ein beim Pferde deutlich sicht­barer, vom verlängerten Mark bis zum Conns reichender. 2 mm dicker, runder fibröser Strang, der zwischen je zwei Nerven­ursprüngen Verbindungsfasern zur harten Haut sendet; überdies steht die Pia mit der letzteren noch durch das Ligament um denticulatum im Zusammenhange. Es ist dies die Gesammt-lioit jener dreieckigen Bindegewebsblätter, die mit ihrer Basis an der lateralen Gegend der Pia anhaften und sich mit ihrer Spitze an der harten Haut inseriren.
Nach aussen von der weichen Haut befindet sich ein von Endothel ausgekleidetes Netz- oder Fachwerk bindegewebiger Fasern und zarter Membranen, die zusammen die Spinnwebenhaut oder Arachnoidea ausmachen. Der von dem Maschenwerk durch­setzte Baum ist mit einer Lymphe erfüllt und wird als Sub-arachn oida Ir au m bezeichnet, /wischen der Oberfläche der Spinnwebenhaut und der dritten Hüllmembran, der Dura mater­ist gleichfalls ein Lymphraum eingeschaltet, der Subduralraum.
Die harte Haut ist eine derbe, sehr feste, im Halstheil dickere, im Lumbartheil etwas dünnere Membran, welche das ge-sammte Rückenmark als ein loser Sack einhüllt. Yom Hinterhaupt­loch angefangen spaltet sich die Dura mater cerebri in zwei Blätter:nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; gt; das äussere wird zum Wirbelperiost, das innere zur eigentlichen Dura mater spinal is. Zwischen beiden liegt der von einer grossen Menge weichen gelben Fettes ausgefüllte Epidural-raum. Distal verjüngt sich der Duralsack etwa icm hinter dem Ende des Conus zu einen! engen, das Filum terminale umschlies-senden Rohr; daher kommt es, dass beim Pferde die eigentliche Cauda equina. nämlich die Gesammtheit aller Rückenmarksnerven-wuizeln des Lumbar- und Sacralscgmentcs. nur einen kurzen intraduralen Verlauf besitzt, während der extradurale, n och i n n e r-halb des Sacral can a 1 es befindliche Antheil derselben fast dreimal so lang ist und etwa 12—Hein misst.
Alle Rückenmarksnerven erhalten bei ihrem Austritt aus den Häuten desselben Scheiden von dor Dura und zum Thoile auch von der Pia.
In dem Maschen werk der Spinnwebenhaut und im Subdural­raum ist eine fast ganz klare, leicht bewegliche Lymphe, die Cere-brospinalflüssigkeit enthält, welche im normalen Zustande
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;()7
nicht gerinnt und einen sehr geringen Eiweissgehalt besitzt. Nach Nawratzky bestellt das vorhandene Eiweis nur aus Globulin und ist in einer Menge von tVOl^f)—0,04610/0 gelöst: ausserdem ist noch eine dem Trauhenzucker ähnliche, reducirende Substanz zugegen; ihre Quantität wurde mit iraquo;•04(11 0/() bestimmt. Die in den Rückenmarkshäuten enthaltene Menge der Lymphe beträgt beim erwachsenen Pferde nach drei von mir angestellten Messungen 275 Gramm im Mittel.
Es liegt auf der Hand, dass bei folgerichtiger Verwerthung der aufgezählten anatomischen und functionellen Eigenschaften des Rückenmarkes unter günstigen Umständen auch an eine Locali-sationsdiagnose gedacht werden kann. Im Vorhinein sei jedoch bemerkt, dass es in jedem vorkommenden Falle der aufmerk­samsten klinischen und physiologischen Prüfung bedarf, um nicht hinsichtlich der Wahrheit einer gestellten Diagnose in einen unge­rechtfertigten Optimismus zu verfallen.
Eine vielen Rückenmarkserkrankimgen zukommende Eigen­schaft ist ihre Doppelseitigkeit. Das durch die anatomischen Ver­hältnisse erklärte nahe Beisammenliegen der verschiedenen Rücken­marksorgane, wodurch pathologische Processe der einen Seite sehr leicht auf die Elemente der anderen Seite übergehen können, gibt den Grund hiefür ab. Daher ist die Hauptform der Affectionen des Rückenmarkes die Paraplegic.
Motorische Symptome. Nach jeder Störung im Verlaufe der motorischen Bahn innerhalb der Medulla tritt eine Schädigung der motorischen Kraft ein. Für eine Erkrankung der Pvramiden-bahn spricht also vor Allem die theilweise oder totale motorische. Lähmung der Extremitäten, Dabei sind die Muskelreflexe erhalten, häufig gesteigert: die peripheren Nerven und die Muskeln zeigen dem elektrischen Strom gegenüber ein normales Verhalten.
Nicht selten findet mau eine Steigerung der Motilität, so besonders hei Erkrankungen der Membranen. Sie kann tonisch sein. Muskelspasmus, oder klonisch; im letzteren Falle ist sie dann gewöhnlich pai'oxismal. Dauernder, auf eine bestimmte Muskelgruppe beschränkter Krampf wird oft auch als Contrac-tur bezeichnet.
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0 8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Rückenmarkes.
Sensibilitätsanomalien. Die Störung der Gefühlswahr­nehmung kann durch Erkrankungen eines jeden Theiles der sen­siblen Bahn hervorgerufen werden. Jhe structurelle Beeintrüch-tigung mehrerer hinteren Wurzeln bewirkt Anästhesie, Ataxie und Herabsetzung der Reflexe bei erhaltener Motilität. J)ie Steigerung der .Sensibilität ist gleichfalls ein häutig gesehenes Symptom der Rückenmarkskrankheiten und wird in der Hegel mit einer Reizung der Leitungsfasern in Verbindung gebracht.
Ferner beobachtet man bei den hierher gehörigen Krankheiten hie and da vasomotorische und trophische Störungen, von denen letztere bereits berührt worden sind, erstere bei den speciellen Krankheiten des Rückenmarkes besprochen werden sollen.
Sehr mannigfaltige Störungen werden durch den Schmerz erzeugt: sie betreffen vorwiegend die Bewegungsorgane; subjective Schmerzempfindungen existiren selbstverständlich auch, doch ist es unmöglich, die Art derselben festzustellen. Die hiedurch ausgelösten Veränderungen des Ganges sind vielseitig und sehr häufig Gegen­stand der chirurgischen Untersuchung: erst wenn keine localen Er­krankungen des Bewegungsapparates nachweisbar sind, könnte man nervöse Schmerzen annehmen: das ist aber stets eine sehr schwach begründete Diagnose, die von der individuellen Empfindlichkeit, von der allgemeinen Erregbarkeit und endlich von dem Umstände abhängt, dass wir oft kaum in der Lage sind, eine Loealerkrankung des Skelettes, der Gelenke, Bänder etc. mit aller Sicherheit auszu-schliesson, auch wenn wir objeetiv gar nichts firfden.
Beim Pferde ist daher über die Schmerzen, welche von Läsionen lies Rückenmarkes ausgehen, nicht viel bekannt; bei Schädigungen der Wirbelsäule oder der [Membranen sind sie als Reizungszuständo aufzufassen, welche der an der Durchtrittstelle der sensiblen Wur­zeln bestellende Process (Compression oder Entzündung) erzeugt.
Störungen der Function der Sphincteren entstehen dann, wenn entweder die Centren ergriffen sind, welche den Me­chanismus der Blasenentleerung resp. des Mastdarmschlusses vor­stehen : sie liegen beim Pferde vermutheter Weise im Sacralmark und dem Conus medullaris. herner treten sie auch ein, wenn die Bahnen der willkürlichen Controle unterbrochen sind, so z. B. bei Erkrankungen der hinteren Wurzeln, wo in Folge des Fehlens des Dranggefühles Störungen des reflectorischen Rectumschlusses,
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (JÜ
I lie on tine uz besteht; in letzterem Falle wirken die Sphincteren automatisch: bei Einführung des Fingers z. B. in den Mastdarm, folgt auf die initiale Erschlaffung eine starke rhythmische Con­traction, die Afterpulsation nach Goltz: sie beweist, dass das Reflex-centrum und die von ihm kommenden Nerven noch intact sind. Wird dieses Centrum zerstört, oder werden die von ihm kommenden Nervenbahnen unterbrochen (Hammelschwanz), so fehlt die Znsam-inenziehung vollständig, — es besteht totale Lähmung des Afters.
Aehnliches gilt vom Blasenmechanismus, Bei Intactheit des lle-flexcentrums und Aufhebung der Grosshirnbahnen, tritt intermit-tirende Incontinenz ein, d. h. der Urin sammelt sieh in einer gewissen Menge in der Blase an, bis theils durch den Druck, theils durch andere, von aussen kommende mechanische Momente, reflec-torisch Contraction des Detrusor erfolgt. Mit der Zeit nimmt die Kraft des letzteren ab, er vermag den Harn nur mehr unvoll­ständig auszupressen und es stellt sich Harnverhaltung ein. 1st ein bestimmter Grad von Blasenfüllung eingetreten, so wird der Sphincter erweitert und es träufelt in Folge des hohen Druckes stets Harn ab: der Sphincter wird fortwährend erschlafft bleiben, weil der Druck im Bluseninnern in Folge des aus den Nieren continuirlich nachkommenden Harnes nicht abnimmt — man beobachtet daher ununterbrochen Harnabgang in geringen Mengen, die Ischuria paradosa. Es ist wichtig festzustellen, welcher Art die Incontinenz ist, weil die letztere Form in Folge der Harnstauung auf die Nieren durch Druck und Harnfäulnis deletär wirken kann, obwohl sich der Harnapparat des Pferdes gegen diese beiden Schädlichkeiten besonders lange widerstandsfähig er­wiesen hat.
Endlich ist noch der bei manchen spinalen Affectionen auf­tretenden Temperatursteigerung Erwähnung zu thun. die wühl nur in den seltensten Fällen von diesen direct abhängt (Hämorr-hagien der Oblongata), sondern vielmehr von den der Rücken­marksläsion zu Grunde liegenden allgemeinen Krankheiten, z. 1gt;. bei den Infectionen.
Eintheilung der Rückenmarkserkrankungen
Man unterscheidet in der humanen Pathologie gewöhnlich zwei Hauptgruppen: Locale rkra nkunge n und Systemerkran-
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70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dos Rückenmarkes.
klingen, je nachdem die Veränderung dieses Organ in beliebiger Ausdehnung befällt oder sich nur auf ein eigenes, anatomisch und physiologisch einheitliches System von Faserzügen oder der grauen Substanz erstreckt.
Ob Systemerkranknngen beim Pferde vorkommen, ist höchst zweifelhaft; die Frage kommt überhaupt nur wegen des hie und da gebrauchten Namens „Pferdetabesquot; als Synonym für verschie­dene Affectionen, u. a. auch für Beschälseuche in Betracht. Diese Krankheit als Tabes zu bezeichnen ist ganz und gar ungerecht­fertigt — worüber später die Rede sein soll.
Was die erste Kategorie der Rückenmarkskrankheiten anbe­langt, mit welcher wir uns hauptsächlich beschäftigen müssen, ist vor Augen zu halten, dass ein Thoil derselben von den dieses Organ einscliliessemlon Häuten and von der Wirbelsäule ausgehen kann. Aber auch ausserhalb des Bereiches der letzteren gibt es Krankheitsprocesse, welche theils durch die Foramina inter-vertebralia, oder nach Usur eines Wirbels durch den Knochen bis zum Marke vorzudringen vermögen, z. B. maligne Neoplasmen, Aneurismen etc.
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Ruckeiiiuarksaffectionen, die durch Wirbelerkrankangen bedingt sind.
Verletzungen der Wirbelsäule.
Uterulur: Chirurgie von Stockfleth. Hoffmann. Möller; neuere Arbeiten. Nielsen. Tidskrft f. Vet. 1SS2, p. -11: Bourgoin, Journ. deLyon 1SSij, p. 180: Moussu. Recueil 188'.): Kowalewsky, Arch. f. Vet. Med. 1883; Ryder, Americ. vet. rev. 181)2, p. 151; Rüder. Süchs. Jahresber. 181)0, p. 138; Joly, Revue vetörinaire 1894, p.359; Gü tzlaff, Berl. thierärztl. Woohenschiift 189i, p. 519; Snaitli, Journ. of comp. path, and therapeutics 1894. p. 149; Jaeoulet et Jouly, Bulletin vet. 1896, p. 1quot;28; Benjamin, Recueil 18I)(5, ;.. 294; Grams, Berl. th.Wochenschrift 1897, Nr. -i.
Verletzungen der quot;Wirbelsäule können durch Stich- und Schuss­wunden und durch anderweitige äussere G ewaltein Wirkungen entstehen. So beobachtet man sie nach dem üeberschlagen der Pferde, beim Stürzen, beim .Springen und Anrennen: ferner liegt eine ganze Anzahl solcher Fälle in der Literatur vor. die durch die Anstrengungen des wahrend mancher Operationen gefesselten Thieres hervorgerufen werden. Je nach der Art und der Heftigkeit des betreffenden Traumas kommt es zu einfachen Yerbiegungen oder zu Luxationen oder endlich zu Brüchen einzelner quot;Wirbelkörper. Ein durch Knochenerkrankungen bedingtes langsames Zusammenbrechen der Wirbelsäule wie beim Malum Potti dos Menschen kommt höchst selten vor. (Ryder, nichttuberculöse Caries dos quot;).—12. Wirbels) Selbstverständlich können alle hierhergehörigen Affectionen u. zw. Bothriomycome. Ecchinococcen. Carcinome otc. dos Skelettes nicht an dieser Stelle besprochen werden, da sie nur ein rein chirurgisches Interesse besitzen. Luxationen der Halswirbel sind in Ausnahms-fällen wohl schon beobachtet worden: da jedoch bei der eigen-timmlichen Bauart der Halswirbel des Pferdes ein Losreisson der
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Krankheiten dos Backenmarkes.
Gelenksbänder, ein üebereinanderschieben tlev Gelenksenden und ein Festhaken der dislocirten Gelenksenden in einer pathologischen Stellang wohl niemals ohne Fracturen der schiefen Fortsätze gut denkbar sind, so scheint es gerechtfertigt, die Verrenkungen mit den Fracturen gemeinsam abzuhandeln.
Die Verschiebung der Brnchenden kann in jeder Richtung er­folgen und führt gewöhnlich zu schweren Läsionen des Rücken­markes; es kann entweder plattgedrückt oder vollständig durchrissen werden; gewöhnlich kommt es zu ausgedehnten Blutergüssen aus den verletzten Blutleitern. Wirbelbrliche kommen an allen Wirbeln vor; am häutigsten am Halse und im Lendentheile. Eine auffällige Consequenz liegt darin, class Fracturen bei zu Operationen niedergelegten Pferden fast ausnahmslos die Lendenwirbelsäule betreffen. Las kuinbarsegment ist manchmal auch der Sitz einer Diastase der Wirbelkörper. Lie Bandscheiben können zerreissen und von einander weichen, wobei der Knochen intact bleiben (eigene Beobachtung) oder gleichfalls verletzt sein kann. Die beobachteten Symptome sind die der acuten Curapres.sion — Deformation der quot;Wir­belsäule mit consecutiver Paraplegia. Las Krankheitsbild setzt meistens plötzlich, ein; es können jedoch nach einem stattgehabten Trauma mehrere Lage verlaufen, ehe typische Symptome auftreten, was darauf hinzudeuten scheint, dass auch Fissuren vorkommen, aus denen später wahre Fracturen hervorgehen; auch bei uncomplicirtem Eiss der Bandscheiben scheint die Diastase der Wirbelkörper unter Umständen längere Zeit hintangehalten werden zu können. In der Regel brechen mehrere Wirbel zugleich: auch kann eine Fractur mit Diastase verschiedener, nicht gebrochener Wirbel com-binirt sein.
In symptom at ologischer II i n s i c h t unterscheidet man indirecte Symptome — die Formveränderung der Wirbelsäule und eine oft sehr deutlich fühlbare und hörbare Crepitation — und spinale Symptome — theilweise oder ganz aufgehobene IVIotilität der distal vom Bruche befindlichen Körperregion, Sensibilitäts­störungen, Blasen-, Mastdarmlähnmng, gürteiförmigen Schweiss-ausbrnch (Rödcr) und gewöhnlich Ausfall des Patellarreflexes. Allgemeinerscheinungen sind sehr selten; manche Thiere zeigen eine hochgradige Erregtheit, andere bleiben vollkommen ruhig. Temperatursteigerungen treten bei complicirten Brüchen nur nach
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WirbeUäsiozien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i •gt;
Wundinfectionen oder infolge des meist rasch verlaufenden De-cubitua auf. Natürlich .sind Schwankungen dieses nur in allge­meinsten Umrissen skizzirten Symptomencomplexes möglich; nament­lich ist der Sitz der Fractur in dieser Hinsicht massgebend. Brüche der Halswirbel führen in der Regel den sofortigen Tod herbei. In Ausnahmsfallen kann aber das Leben auch mehrere Tage erhalten werden. Gewöhnlich bleiben die Thiere nach dem erhaltenen Insult betäubt liegen, kommen dann allmalig zu sich und kürinen manchmal sogar stellen; bald verschlimmert sich aber das Krankheitsbild und der lethale Ausgang ist in kürzester Zeit zu erwarten. Brüche der Rücken­wirbel, namentlich tier vordem, sind sehr selten, da die Gewalt eines einwirkenden Stosses meistens durch den Bruch der laugen Dornfortsätze geschwächt wird. Als ein typisches Symptom be­schreibt Benjamin die Feststellung der Rippenwandungen und ein dem entsprechend verstärktes Bauchathmen. 1st nur ein Wirbelbogen fracturirt, so können die Thiere oft noch vom Platze geführt werden; gewöhnlich sind sie jedoch nicht im Stande sich auf den Beinen zu erhalten. Bei Fracturen der Lendenwirbel treten die Blasenstörungen mehr in den Vordergrund: auch ist bei diesen Brüchen die Motilität oft nicht sehr stark gestört, trotzdem die Section eine vollständige Zertrümmerung eines oder mehrerer Wirbel ergeben kann: die relative Weite des Rückgradcanales im Lendensegment bringt es mit sich, dass hier das Rückenmark be­sonders leicht ausweichen kann. Die Thiere vermögen zwar nicht zu stehen, sie bewegen aber die Hinterbeine und den Schweif im Liegen ziemlich frei: ist das Lendenmark zerrissen, so besteht selbstverständlich totale Paraplegic der Beckenextremitäten.
Die Prognose ist hinsichtlich des Lebens immer ungünstig zu nennen. Die Behandlung ist eine rein symptomatische und geschieht nach den Grundsätzen der Chirurgie.
Eine ganz eigenartige Stellung nehmen beim Pferde die Ver-biegungen der Halswirbelsäule ein — ein Process, der sehr häufig mit wahren Luxationen verwechselt wird und zweifellos viel häufiger vorkommt, als jene. Man versteht darunter eine acut ent­stehende Verkrümmung des Halses nach seitwärts, die durch über-mässige Muskeldehnung oder theilweise Zerreissung derselben hervor­gerufen wird. Anlass hiezu gibt gewöhnlich das Kratzen des Kopfes mit den Hinterfüssen: die Thiere verfangen sich dabei in den Halfterketten,
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Krankheiten des Rückenmarkes.
stürzen und sind dann oft gezwungen, lungere Zeit mit stark ver­bogenem Halse zu liegen. Sie können sich nur mit Unterstützung erheben, gehen aber .sehr schwer, drehen sich im Kreise und üussern bei Eepositionsversuchen lebhaften Schmerz. Nervöse Störun­gen kommen hierbei nur ausnahmsweise zum Vorschein; so beobachtete Bayer einseitige Lähmung der vorderen Facialisäste. Die Prognose ist zweifelhaft; manche Fülle bessern sich in einigen Wochen, andere bleiben dauernd und es kommt zu Deformationen der Gelenksflächen der schiefen Fortsatze durch Druckschwand, Osteophytenhildung und schliesslich zur Anchylose einzelner oder mehrerer (ielenke. Die Behandlung ist eine rein chirurgische.
raquo;
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Erkrankungen der Häute des Rückenmarkes.
a)nbsp; nbsp;Hämorrhagien.
Literatur: Siedamgrotzky, siichs. Jahresbericht 18'.I4. p. 148.
Ein bei Traumen ziemlich oft angetroffenes Vorkommnis sind Blutungen in den Epidural- und Subarachnoidalraum — Ilama-torrachis — die oft mit Blutungen in die Rückenmarkssubstanz vergesellschaftet sind. Doch bilden diese Blutungen nur ein neben­sächliches Interesse: es lässt sich auch keine eigene Symptoma­tologie aufstellen. Spontane Blutungen aus den Gefässen der Iliiute sind, ebenso wie primäre Röhrenblutungen in der Rücken­markssubstanz — Hämatomyelie — bisher heim Pferde noch nicht beschrieben worden.
b)nbsp; Entzündungen.
Literatur: Friedbergor-Frühner. Therapie; Dieckerhoff, Therapie; ohm. Zeitschrift f, Veterinärknnde 1896, ^Xr. (i; Ostertag, Berl. thierärztl. Wochenschrift Nr. 37, 1807.
Die Entzündungen der das Rückenmark umhüllenden Membranen sind entweder aeut oder chronisch verlaufend; sie können sich auf die Dura mater allein beschränken, 1'aehymenin gitis. oder die Pia mater befallen — Leptomen ingitis spinalis. Man hat ferner noch Processe zu unterscheiden, die sich auf dem äusseren Ulatte tier harten Haut abspielen, im Gegensatze zu jenen, welche an der Innenseite derselben ihren Sitz haben, eine Pachymeningitis externa und interna. Es ist jedoch zu beachten, class acute Entzündungen, die jene Membran ergreifen, stets auch auf die übrigen Häute sich ausbreiten. Diejenigen Entzündungen, die sich an der Aussenfiäche der Dura abspielen, sind gewöhnlich fortge-
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i Önbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kniiiklieiten des Rückenmarkes.
leitete Processe, die von verschiedenartigen Affectionen in der Nähe der Wirbelsäule abstammen; sie bilden also keine Krankheitsfonn für sicdi. Da ferner alle Arten der acuten Entzündungen, gleich-giltig auf welcher Haut sie bestehen, ähnliehe klinische Sym­ptome machen, so ist in diagnostischer Beziehung die angeführte Eintheilung nicht anwendbar. Ich beschränke mich darauf, die am häufigsten gesehene Affection, die Leptomeningitis a cut a zu besprechen.
Sie wird nur ausnahmsweise als selbstständige Krankheit an­getroffen; in den meisten in der Literatur angeführten Fällen trat sie mir als Theilerscheinung der infectiösen Cerebrospinalmeningitis auf, oder im Anschlüsse an die Brustseuche. Sie kann sich auch hie und da auf dem Boden septieämischer und pyämischer Processe (Druse) entwickeln, oder sie ist traumatischen Ursprungs.
Die anatomische Diagnose ..acute .Spinalmeningitisquot; ist nur dann begründet, wenn das in den Maschen tier Pia und Arachnoidea angesammelte Exsudat einen unzweifel­haft eitrigen, fibrinösen oder serös-eitrigen Charakter besitzt. Die Häute sind von demselben bedeckt und zum Theile mit einander verklebt, zuweilen auch stark ecehymosirt. Auf die mikroskopische Untersuchung des Organes und des Exsudates (Bacterienfärbung etc.) ist das grösste Gewicht zu logen. Sehr zu hüten hat man sich vor der Anwendung des Ausdruckes „seröse Leptomeningitisquot;. Die allbekannten häufigen Fehldiagnosen beruhen zum allersrössten Theile auf unrichtiger Schätzung normaler Ver-hältnisse (Erweiterung der (Jefässe. gescblängelter Verlauf und der unendlich dehnbare Begriff der „grösserenquot; Menge serösen Transsudates).
Die Erkennung der Affection nach dem klinischen Bilde be­gegnet den grössten Schwierigkeiten, da die Symptome von den fast stets vorhandenen Hirnerscheinungen und von denjenigen des Rückenmarkes, welches in der Pegel an der Erkrankung theil-nimmt. vordeckt werden.
Gewöhnlich setzt die Krankheit mit hohem Fieber, Benommen­heit des Sensoriums, tonischen Krämpfen der Extremitätenmusku­latur und starkem Schweissausbruch ein. Die Thiere stehen nur kurze Zeit oder liegen ununterbrochen. Sehr bald beginnen sich allgemeine Lähmunsseischeinungen bemerkbar zu machen; es kommt
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Erkraukangeu der Häute des Rückenmarkes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(7
zu Störungen der Athmung, Decubitus und rapidem Kräfte­verfall; meist tritt in kurzer Zeit, in 1—(i Tagen der Tod ein. Audi Steifigkeit und Druckempfindlichkeit der Wirbelsäule und Störungen des Harn- und Mistabsatzes hat man beschrieben. Doch ist dieses Bild in den meisten Fällen von den Erscheinungen des etwa vor­handenen Grundleidens verdeckt.
Die Behandlung ist dieselbe wie bei der infectiösen, acuten Cerebrospinalmeningitis. Application von Kälte und Aderlässe werden am meisten angewendet. Hautreizende Mittel — Jod, Canthariden etc. bilden eine ganz nutzlose und ungerechtfertigte Therapie. Wer bedenkt, dass schon bei mittelstarken Pferden eine mindestens handbreite Muskelschichte das Rückenmark von dor Hautoberfläche trennt, dem wird der Unwert derartiger Vor­kehrungen einleuchten müssen. Auch von der innerlichen Ver­abreichung von Jodkalinm ist nicht, viel zu erwarten.
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Erkrankuii
#9632;n
en der Rückenmarkssubstanz.
a) Myelitis spinalis; die Entzündung des Rückenmarkes.
Literatur: Die Lebrbücber der Therapie von Dieckerhoff, Friedberger Fröbner und Roll; Hamburger, Revue de medecine, ISDC). p. -15.
Der Ausdruck Myelitis hat gerade in den letzten Jahren leb­hafte Controversen hervorgerufen, da er, klinisch wie anatomisch, mancherlei Zustände bezeichnet, die thatsächlich nur wenige oder gar keine Charaktere gemein haben. In rein anatomisch-pathologischer Beziehung ist der Xame Rückenmarksentzündung gleichfalls nicht allseitig verwertbar, da es genug Erkrankungsformell gibt, von donen nicht mit Bestimmtheit behauptet werden kann, ob sie in die Kategorie der Entzündungen eingerechnet werden können oder nicht. Am naheliegendsten wäre wohl die Classification nach ätiologischen Momenten — wenn nicht unsere bisherigen Kennt­nisse auf diesem Gebiet^ allzu lückenhafte wären. Man ist also zur Zeit noch gezwungen, diesen Namen beizubehalten und nach Verlauf und Localisation einzutheilen; man wird jedoch gut thun, die Bezeichnung Myelitis so weit wie möglich einzuschränken.
Eine gemeinsame Eigenschaft aller Myelitisfonncn ist die, dass sie fast stets etwas Secundäres darstellen; beinahe immer ist der be­stehende Entzündungsprocess abhängig von der Ausbreitung einer allgemeinen Krankheit oder von dem üebergreifen inflammatorischer Vorgänge von Organen, welche in der Nähe des Rückenmarkes ihren Sitz haben. Hieher gehören alle Myelitiden nach irgendwelchen Traumen. Die eigentlichen Ursachen sind fast stets Infectionen und Intoxicationen. Allerdings ist der Nachweis dieser Schädlich­keiten nicht immer stricte durchzuführen und es bleibt daher eine ganze Reihe von Fällen übrig, über deren Ursachen wir nichts an­zugeben wissen.
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Myelitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 79
Um auf die für praktische Zwecke noch am meisten verbrei­tete Eintlieilung zurückzukommen, so zerfallen die Myelitisformen in anatomischer Hinsicht in folgende Arten :
Die Men ingo-Myelitis, bereits erwähnt als Folgezustand
meningealer Affectionen.
Die Myelitis disseminata bei mehr oder weniger gleich-massiger Zerstreuung entzündlicher Herde im gesammten Rücken­mark.
Die Pol im ye 1 i t is, das Auftreten von mehreren, über das Rückenmark ungleichmässig ausgedehnten, grösseren und kleineren Herden. Ob eine Poliomyelitis, eine auf die graue Substanz beschränkte Entzündung beim Pferde vorkommt, ist nicht bekannt.
Die transversale Myelitis bei Ergriffensein des (j esammt-querschnittes an irgend einer Stelle des Rückenmarkes, und endlich die diffuse Myelitis bei Ausdehnung der Entzündung auf das gesammte Mark oder auf einen grösseren Abschnitt desselben.
Selbstverständlich gibt es wieder Fälle, wo eine genaue Ab­grenzung dieser Begriffe nicht möglich ist, die also Cebergängo der verschiedensten Art bilden.
Nach dem Verlaufe beobachtet man acute, sub a cute und chronische Formen, von denen man noch gewisse Entwicklungs­stadien namhaft macht und von entzündlicher Hyperämie, rother und gelber Erweichung etc. spricht. Die letztere Bezeichnung ist. all­gemein angewendet, sehr ungenau, da es auch entzündliche Processe gibt, die ohne Erweichung einhergehen, und Erweichungszustände oxistiren, die mit der Entzündung nichts zu thnn haben (necro-tische Erweichung). In noch höherem Masse gilt dies von der Beurtheilung ungleichmässiger Blutvertheilung (Hyperämie und Anämie), die ja nach übereinstimmender Anschauung aller Neu­rologen makroskopisch kaum erkannt werden kann. Growers kleidet diese Thatsache in folgende Worte: „Der Zustand der Gefässe des Rückenmarkes nach dem Tode, ihre Füllung und Leere geben uns keinen Anhaltspunkt für ihren Zustand im Leben: Angaben über den Zustand ante mortem, welche den Befunden post mortem entnommen werden, sind falsch, ausgenommen über locale Veränderungen, welche an einzelnen Theilen eines Gefässos auftreten.quot;
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^0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeine Vorbemerkungen.
Für die anatomisclio Diagnose aussclilagguljeml ist allein nur dio histologische Untersuchung von Zerfaserungs- und Abstrichpräpa­raten sowie von Serienschnitten; nur dann kann man die leukocytäre [nfiltration der C4efässcheiden, die capillaren Hämorrhagien, den Markscheidenzerfall, die Entartung der Axencylinder. mit anderen Worten diejenigen Charaktere erheben, die der Entzündung des Rückenmarkes zukommen.
Am lebenden Thiere ist die Diagnose einer isolirten acuten Myelitis wohl kaum zu stellen, da sie sich gewöhnlich mit den Er­scheinungen der meist coincidirenden Meningitis deckt. Man hat spastische Paraplegien, die xum Theile mit schlaffen Lähmungen abwechseln, cutane Anästhesien, Sphincterenparesen und schwere psychische Störungen beobachtet, die auch von Koma gefolgt sein können.
Allgemein angewendet, deutet die Existenz von Reizungserschei­nungen, also: Cutane Hyperästhesien. Zuckungen. Krämpfe auf eine Erkrankung der Membranen, während Lähmungen der motorischen und sensiblen Sphäre mehr dem Charakter einer reinen Myelitis entsprechen. Doch kommen, wie schon einmal erwähnt, so zahl­reiche Mischformen vor. dass eine klinische Orientirung oft ganz unmöglich ist.
Eine Localisation der Rückenmarksherde ist wohl sehr schwer; sie wird überhaupt nur in ganz besonders reinen Fällen denkbar sein. Gewöhnlich ist der aus motorischen, sensiblen Störungen sowie aus Abweichungen dor Reflexerregbarkeit, der Blasen-, Mastdarm-funetion etc. zusammengesetzte Symptomencomplex wegen der schweren fieberhaften Allgemeinerscheinungen nur unklar zu um­grenzen. Dazu kommt noch, dass der anatomische Process, auf welchem die klinischen Erscheinungen beruhen, nicht immer eine totale Zerstörung der nervösen Gewebe vcranlasst; sehr oft pas-siren viele Fasern unbeschädigt die Läsionsstelle und lassen so die Herdsymptome wenig hervortreten. Würde die Erkrankung mü­den Halstheil betreffen, so sind schlaffe, atrophische Lähmungen der Vorderextremitäten, spastische Lähmung der Hinterfüsse und Anästhesien am Rumpfe zu erwarten. Liegt der Herd im Lenden-theile allein, so findet man eine schlaffe Lähmung beider Hinter-, extremitäten und hochgradig entwickelte Blasen-JMastdannpara-Ivsen nebst cutaner Anästhesie der Nachhand. Derartige Schulfälle ,
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Myelitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,S1
scheinen aber höchst selten zu sein; viel häufiger beobachten wir beim Pferde eine multiple, disseminirte Myelitis.
Eine genauere, durch längere Zeit dauernde Beobachtung ist nur so lange denkbar, als die motorische Sphäre nur leicht be­troffen ist, da der bei längerem Liegen der Tbiere unausbleib­liche Decubitus sowie die bald auftretende hypostatische Pneumonie dem Leben rasch ein Ziel setzen. Aus diesem Grunde kommt es beim Pferde fast niemals zu so ausgeprägten Myelitlden, wie wir sie beim Menschen oder beim Hunde beobachten; wir sehen viel­mehr nur die Anfangsstadien, die weder klinisch noch anatomisch ein klares Bild geben: chronische Formen gehören zweifellos zu den aller-grössten Ausnahmen. Im Durchschnitte ist der Verlauf ein sehr rascher, oft foudroyanter, die Prognose sehr trübe.
Die Behandlung wird in erster Linie in der Anwendung eines ausgiebigen Aderlasses in Verbindung mit warmen Einpackungen bestehen müssen. Die Thiere sind vor jeder Beunruhigung zu schützen und weich zu lagern and in gleichmiissigen Zeiträumen umzulegen. Ferner empfiehlt sich die Verabreichung von mittel­starken Purgantien, bei Blasenstörungen Katheterismus. Innerlich gibt man häufig Salicylsäure und Belladonna: auch Jodkali und Ergotin wurden empfohlen — der Erfolg ist jedoch in der Regel nicht erwähnenswerth. Viel wichtiger erscheint die Verhütung des Hautbrandes, — eine bekanntlich sehr schwere Aufgabe; hat sich jedoch trotz aller Vorsicht au den Darmbeinschaufeln, den Trochanteren etc. einmal Decubitus eingestellt, so ist jede weitere Bemühung eigentlich nutzlos.
b) Multiple Myelitis; Myelitis disseminata.
Literatur: Weber et Barrier, Recueil de medecine veterinaire 1.S84. p. 32; Dexler, ßerl. Arch. 1898, Heft 4.
Es gibt beim Pferde eine besondere Form der acuten Hücken-marksentzündung. welche anatomisch gekennzeichnet ist durch das Auftreten multipler, unregelmässig über das Rückenmark zerstreuter Entzündungsherde, die aber auch in der Medulla oblongata und im Gehirne vorkommen können. Die Beziehung Myelitis dissemi­nata wird schon in älteren Lehrbüchern (B ru ckm üll er) öfters ange­wendet, obwohl nirgends von einer eigenen Krankheitsform die Rede ist. Trotzdem wir in der Literatur meines Wissens nur eine genaue
Dexler. NerTenkrankheiten slcs Pferdes,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ()
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g2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Rückenmarkes.
Untersuchung besitzen, welche sich auch eingehend mit der ana­tomischen Seite dieses Leidens beschäftigt (Weber und Barrier), halte ich das öftere Vorkommen derartiger Affectionen beim Pferde zweifellos für sichergestellt, da es mir neuestens gelungen ist, einen ganz analogen Fall zu beobachten und histologisch zu verarbeiten. Ich bin daher geneigt, hierin einen besonderen, beim Pferde vor­kommenden Krankheitstypus zu erblicken.
Weber beobachtete bei einem 8jährigen Wallachen eine sich ganz langsam entwickelnde motorische Schwäche der Extremitäten ; das gut genährte Thier zeigte ohne besondere Veranlassung eine leichte Ermüdbarkeit und eine gewisse Steifigkeit der Nachhand, welche Erscheinungen im Laufe eines Vierteljahres derart zunahmen, dass es aussei- Dienst gesetzt werden musste. Während dieser Zeit hatte sich eine eigeiithümliehe Gangsiürung ausgebildet. Die Vorder- wie die Hinterbeine wurden ganz unregelmässig bewegt: es wurde der den Schritt beginnende Fuss ruckweise gehoben, stark abducirt, gebeugt und tappend niedergestellt: dabei schwankte der Körper dermassen, dass das Pferd jeden Moment zu stürzen drohte. Das Ganze machte den Eindruck einer Coor-dinationsstörnng, welche jedoch mit einer merklichen Schwächung der motorischen Kraft verbunden war; so z. B. vermochte das Pferd auf einer abschüssigen Strasse die Last des Wagens nicht zurückzuhalten : dass aber ausserdem eine echte Ataxic da war. bewies Weber dadurch, dass er dem Thiere die Augen verband, worauf die Locomotionsstörungen sich bedeutend verschlechterten. Im Stehen war nichts von Anomalien der Gleichgewichtserhaltung zu bemerken; Hirnnerven- und Sphinkteren-erscheinungen sowie sensible Störungen fehlten; die Reflexe waren nicht geprüft worden. Die Muskulatur der Beugeseiten der Vorder-fiisse. sowie diejenige der Hinterbacken war permanent contrahirt und daher bretthart. Ausserdem begann ein rasch um sich greifender, generalisirter Abmagcrungszustand sich bemerkbar zu machen, der trotz guter Fütterung nicht gebessert werden konnte. Die Actiologie blieb unbekannt.
Bei der Section des nach neunmonatlicher Reobachtungszeit getödteten Pferdes fand Harrier in der Höhe des sechsten Cervicalnervensegmontes einen etwa Vbcm langen skierotischen Herd von derber Consistenz und ziemlich grosser transversaler
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Myelitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 33
Ausdehnung, auf dessen rothlicher, hyperämisch gefärbter Schnitt­fläche die graue Substanz von der weissen nicht zu trennen war. Ein zweiter Herd von ähnlichen Dimensionen lag im Lendensegment; er war viel weniger fest wie der erstere, betraf vorwiegend die linke Markhälfte in der Länge von 2 cm und war in seinem Inneren erweicht.
Die an Querschnitten angestellte mikroskopische Unter­suchung ergab Folgendes : Im Cervicaltheil betraf die Läsion die rechte Rückenmarkshälfte in Form eines breiten Streifens, der. die Hinter-. Seiten- und Vorderstränge oecupirend, sich von der Eintritts­zone der hinteren Wurzeln bis zu derjenigen der vorderen erstreckte. (Fig. XIII.) Histologisch bestand eine starke Vermehrung der Gefässe. die strotzend mit Blut gefüllt waren, und deren Wandungen be­deutend verdickt erschienen; die Gliasepten waren stark gewuchert und hatten die ihr Maschenwerk durchziehenden Nervenelemente dadurch gleichsam erdrückt, so dass an manchen Stellen nur ein dichter Filz feinster Fasern vorhanden war : die graue Substanz enthielt an der Läsionsstolle nur wenige Ganglienzellen, die alle ein geschrumpftes, atrophisches Aussehen darboten.
Im Lumbarmark waren neben dem schon makroskopisch sicht­baren Herd mehrere kleine Nebenherde vorhanden, die im Allge­meinen ähnliche Eigenschaften aufwiesen, wie derjenige des Hals-theiles : Gefässneubildung, Untergang der Ganglienzellen, Zerfall und Schwund der Nervenfasern; doch war die Sklerose nur in den Randpartien ausgesprochen ; im Centrum herrschte der Gewebs­zerfall vor : in der Nähe des grösseren Herdes fand man frische hämorrhagische Infiltrationen.
Wenn Barrier auch nicht das Verhalten der Bundzellen­emigration und der seeundären Degenerationen berührt, so kann es doch keinem Zweifel obliegen, dass hier das Endstadium eines multiplen, zum Theile hämorrhagischen Entzündungsprocesses mit' consecutiver Gliawucbcrung vorlag, dessen Herde im Cervicaltheile älteren, im Lumbartheile offenbar jüngeren Datums waren.
Es möge noch bemerkt werden, dass die von Weber ver­suchsweise eingeleitete Behandlung — Purgantien, Silbernitrat, elektrischer Strom — auf den Verlauf dieser interessanten Krank­heit ganz ohne Einflass blieb.
6*
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Krankheiten des Rückenmarkes.
Fig. XIII.
i.jucrschnitf durch das Lumbarmark.
n. I, und /laquo;klcrotische Hpnle; lt;#9632; Gcliiet mit weniger starker Sklerose; c Erweichungsherd;
(l graue Suhstan/. (nach quot;Weber nnlt;l Barrier),
In dem von mir beobachteten Falle handelte es sich um eine acute disseminirte Entzündutigsform des Rückenmarkes und zum Theile auch des Gehirnes bei einem 9jährigen Pferde, welches Pa-resen der rechten Körperseite, u. zw. zuerst des rechten Hinterfusses, dann des Vorderfusses und partielle Facialislahmung nebst scharf begrenzter Hyperhidrose derselben Seite zeigte. Nach zweitägiger Dauer des ganz plötzlich eintretenden fieberlosen Symptomencom-plexes hatte sich die motorische Schwäche auch auf die Extre­mitäten der Gegenseite ausgedehnt: das Thier legte sich, vermochte sich nicht mehr zu erheben und schon nach 24 Stunden trat Druckbrand der Haut auf. Vor der am vierten Krankheitstage vor­genommenen Vergiftung durch Chloroform constatirte man: Leichte Spasmen im rechten Vorderfuss, schlaffe Lähmung des rechten Hinterfusses, motorische Parese der linken Körperhälfte: die Fa-cialisaffection sowie die unilaterale Hyperhidrose waren verschwun­den; Puls, Temperatur, Athmen und Fresslust zeigten nichts Un­gewöhnliches. Tm Gebiete der Hirnnerven keine Störung: die Sphincteren des Mastdarmes und der Blase funetionirten normal; die Hantempfindung am Rumpfe schien vermindert, so namentlich an der rechten Hrustwand.
Die Section ergab im Hals und Dorsalmark die Anwesen­heit einer zahllosen Menge kleiner, am Querschnitte stecknadel-bis hanfkorngrosser rothbrauner, scharf umschriebener Herde, die sich in axialer Richtung auf ein oder selbst zwei Marksegmente
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Myelitis.
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erstreckten, von keiner Erweichung der umliegenden Nerven-substanz begleitet waren und die graue wie die weisse .Substanz in ganz regelloser Anordnung occupirten. Besonders gehäuft waren die Herde im oberen Halsmark und in der Oblongata. Mehrere derselben fanden sich im Kerngebiet des rechten Facialis und in
der aufsteigenden Trigeminuswurze getroffen im rechten Klein-hirnschenkelfuss. im Pons
Vereinzelt wurden Fig. XIV.
und schliesslich im Cortex beider Hemisphären: u.z.links in grösserer Anzahl in der Gegend des Schläfenlappens in der Umgebung der Fissura
ectosylvia. ganz vereinzelt rechts im Gvrus uncinatus. Mikroskopisch wiesen
#9632;\
alle Herde eine ganz gleich-massige Beschaffenheit auf.
An der von ihnen betroffenen Stelle war das Gliagewebe bedeutend gequollen, seine
Maschen erfüllt von grossen. mehrkernigen, loucocytären Elementen, die Axencylinder stellenweise enorm ver-grössert, kolbig oder am-pnllenartig aufgetrieben, zer­fallen oder ganz verschwun­den. Immer lag in der Mitte
Querschnitt dureb das 1. und 3. Cervical-segment der Medulla spinalis eines Pferdes, welches mit Myelitis disseuiinata behaftet war.
Im eräten Schnitte linden sieb in iler rechten Seiteu-Btranggegend fünf fxn gleich grnsse. raquo;cliarf umschrie­bene Kntzünchmgsht'rJe. Im /weiten Schnitte hegt ein Herd im Hinter- uml drei im linken Seiten­strange, Nach Hämatoxjlin-Kosinpräparaten ; ^ , der natürl. Grosse.
eines Herdes ein abnorm er­weitertes, prall gefülltes Blutgefäss und um dasselbe eine grosse Menge extravasirter rother Blutkörperchen, die in solcher Masse vorhanden waren, dass man bei der Betrachtung des frischen Präparates mit freiem Auge eher an eine multiple Blutung als an einen Entzündungsprocess gedacht hätte. Zwischen den Schwärmen der Erythrocytcn fand sich an vielen Orten plasti­sches, homogenes oder hin und wieder auch von Fibrinfäden durch-setztesExsudat.DurchMarchipräparätion nachweisbare Veränderungen
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$lt;C)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Rückenmarkes.
waren gleichfalls in reichem Masse zugegen: sie erstreckten sich jedoch, dem geringen Alter der Affection entsprechend, nicht weit in aufsteigender oder absteigender Richtung und bewiesen, class trotz des kurzen Krankheitsverlaufes in den nervösen Elementen eine fettige Degeneration bereits platzgegriffen hatte.
Fig. XV.
Der ätiologisch
vollkommen dunkle Process zeichnete sich vor allem dadurch aus,
ym
quot;)quot;gt;-#9632; *;\'
^-- i v •
.^ -/quot;.At
#9632;#9632;)#9632;
dass vielfache Entzün-
f.;i;:C;.,£___nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; dungsherde bestanden.
•£'gt;£ ^/-inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; die sich auch auf das
-d
Gehirn ausdehnten, sehr rasch entwickelt
hatten und neben den typischen Veränderun­
' v.
gen der acuten Mye-;%/f Ä-quot;.'V?'_1'-i:-inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;litis von einer höchst
'?\'\''titHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; auffallenden hämorrha-
J';-y^.'.v,.;s;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; gischen Infiltration be-
.U •^- rC':nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gleitet waren.
Ein kleiner Entzündungsherd aus dem Dor-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Selbstverständlich
salmark eines mit disseminirter Myelitis be- gab die Erkrankung ein
hafteten Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;klinisches Bild, dessen
quot; Pia rnator: 'raquo; Clinliülle des Rückenmarkes; coinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .
Theil der normalen weissen Substanz; d enorm ge-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;einzelne bestandtlieile
scliwollener Axent;!*]^!! in der erweiterten Glialücke;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Uiehlquot; oder Weniger VCl'-
ilic Markscheide i?t verschwunden; ähnliche Axcncylin-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;• t j. xr J'
tier sind im ganzen Gesichtsfelde in grösserer Mengenbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wischt Waren. Aur ClIO
vorhanden; g Olialücke au- welcher der Axencylindernbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Spasmen der linken
ausgefallen Ut; e hämorrhagische Infiltration um dasnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;•i-i i
erweiterte Blntgefasst. Hamatoxylin-Eosinpräparat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; \ Ol'derextrcmitat Unfl
(Obj. 7, Oc. ii Reichert).nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (]ie Facialisparalyse
rechts waren mit dem anatomischen Substrat vielleicht in Einklang zu bringen. Erstere hatten ihren Grund wahrscheinlich in den corti-calen Herden der rechten Hemisphäre, letztere in der partiellen Destruction des Kernes in der rechten Oblongatahälfte. Wir hätten sonach in der Myelitis disseminata des Fferdcs eine Krankheit vor uns. welche unter den Erscheinungen progredienter Spasmen und darauf folgenden, rasch fortschreitenden paraplegischen Läh-
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Compression des Rückenmarkes.
ST
mungen verlaufen wurde. Natürlich ist eine Unterscheidung von anderen medullilren Erkrankungen klinisch nur sehr schwer durch­führbar : auch hier wird erst die Section einen Aufschluss über die Natur der Affection geben.
c) Geschwülste; Compression des Rückenmarkes; Com-
pressionsmyelitis.
Literatur: Bruckmüllev, /ootoniic p. 313; Ilallander, Tipskrft. f. Voter. Medicin 1889, p. 114: Hutyra, österreichische Zeitschrift f. wissenscbaftl. Veterinärkande 1. Bd., p. 140; Dieckerhoff, Beil. thierürztl. Wochenschr. 188ö, p.82;Neraud, Journ. de Lyon 1888. p.821 :D e\ l er, Berliner Archiv IS'JS.Hoft 4.
Bisher wurden beim Pferde nur sehr wenige Fälle von Tu-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'quot;'^ -quot;^'•
moren des Rückenmarkes be­schrieben, u. zw. wurde über Lipome, Gliome (?), Sarkome und vascuiäres Papillom be­richtet. Endlich kommen beim Pferde auch, ähnlich wie bei Hunden, Enostosen zur Be­obachtung, welche von den Zwischen wirbelscheiben ihren Ursprung nehmen. (Fig. XVI.) Ks ist übrigens zu bemerken,
dass alle diese Geschwülste, gleichwie die bei den übrigenliausthieren gesehenen Botrio-
Intervertebrale Enostose,
on einora Zwischenwirbelbande dor Lenden'
wiriiel^äiilo au-^e!/angea warum! dasBilckenmark
von der Seite und von oben comprimirtc. (Xat'ir-
liche Gruppe.J
mycome, Melanome, Fibro-und Osteosarkome entweder
von der Wirbelsäule oder von den Hauten ausgiengen; aller­dings ist die Herkunft solcher Tumoren nicht immer leicht auf­zudecken. Ein gemeinsames Merkmal aller Rückenmarksgeschwülste ist ein langsames Wachsthum. Sie comprimiren allmälig das Mark und rühm die Erscheinungen unvollständiger Leitungs-nnterbrechung hervor, die indes nicht, immer so einfach zu dia-gnosticiren ist. In typischen Fällen beobachtet man constant: Sehr langsam beginnende Bewegungsstörungen, von leichter motori­scher Schwäche bis zu spastischen Lähmungen, erhöhte Reflex-erreebarkeit und Muskelrigiditäten. Die cutane Sensibilität kann
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S'^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten deraquo; Kiickenuiarkes.
langp Zeit intact sein, der Mechanismus der Blase und dos Mast­darmes ist sehr bald gestört, namentlich wenn das Lumbar- und Sacralsegment von dor Compression betroffen wurde. Doch ist bei der Seltenheit des Vorkommens solcher Krankheiten eine genaue Umgrenzung des Symptomencomplexes nicht möglich — die Dia­gnose wird nur durch Vermuthungen gestellt werden können — in der Rege] wurde dieses Leiden erst bei der Section erkannt.
Man ist daher nicht im Stande von einer charakteristischen Sym­ptomatologie, Diagnostik oder gar Therapie dieser Krankheit zu sprechen. Genauer studirt ist nur die pathologische Anatomie dieser Affection.
Wir bemerken an der Compressionsstelle eine Verjüngung oder Einschnürung des betreffenden Marksegmentes. Am Querschnitte ist das Mark asymmetrisch (siehe Fig. XVlIi, die graue Substanz und die vordere Längsfurche mehr oder weniger verschoben etc. Doch ist hervorzuheben, dass es beim Pferde beinahe niemals zu starken Gestaltsveränderungen oder Impressionen kommt, die mehr als höchstens '.. des Markdurchmessers betragen, weil die Thiere früher zu Grunde gehen; ja es kann geschehen, dass man makroskopisch überhaupt nicht viel nachweisen kann, obwohl schwere klinische Erscheinungen bestanden haben. In allen Füllen jedoch wird man histologisch sehr ausgesprochene Anomalien entdecken. Und zwar besteht unmittelbar an der Druckstelle verschieden stark entwickelte Schwellung und Zerklüftung der Axencylinder, umfängliche Erwei­terung der Gliamaschen. in denen die üeberreste der Markscheiden vollständig geschwunden sein können, so dass leere, leicht sicht­bare Lücken entstehen, oder Hohlräume, die leukocytäre Elemente und Reste des Axencylinders enthalten. Dieser Nervenfaser-zerfall ruft an manchen Stellen eine siebartige Durchlöcherung des Querschnittes hervor. Dabei sind die Blutgefässe wenig verändert. Nur hie und da weisen ihre adventitiellen Scheiden eine unbedeutende Rundzellenansammlung auf. Die Ganglienzellen zeigen an der Com­pressionsstelle verschiedene Stadien der Degeneration, häufig sind nur mit der Nissl'schen Methode nachweisbare Structurveränderungen zugegen. Die für die sogenannte traumatische Degeneration charakteristischen Anomalien setzen sich sowohl in oraler wie in caudaler Kichtung noch etwa 1—2 Marksegmente weit über die Compressionsstelle hinaus fort und verschwinden dann ganz allmälig.
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Compression des Rückeamarkes.
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Aussei- dieser diffusen Ue-generation beobachtet man aber auch secundäre Entartungen ge­wisser Strangsysteme, die sich in distaler und in proximaler Richtung erstrecken und welche sich gewöhnlich etwa 20—2bcm von der Läsionsstelle von der Querschnittsdegeneration abzu­sondern beginnen.
Es entarten secundär in ascendi render Richtung (siehe Fig. XVII):
1. Die G oil's c hen Stränge: sie entstehen aus der Vereinigung eines Theiles der sensiblen Wurzelfasern. nehmen am Querschnitte eine keilförmige Region zu beiden Seiten des dorsalen Septums ein und degeneriren bis zu ihren in der Medulla oblongata lie­genden Kernen.
2. Die directe K lein-hirnseitenstrangbahn, jener Faserzug. der aus den Clarke'schen Säulen seinen Ur­sprung nimmt: sie liegt an der oberen Seitenstrangsperipherie, beginnt am Querschnitt breit an der lateralen Grenze der Wurzelaustrittzone und reicht, sich rasch verjüngend, mit ihrer
Darstellong der Strangdegenerationen des Rückenmarkes nach chronischer Com' pression im 18. Marksegment.
;;. Läsionsstelle: das Markproftl ist deformirt, die weisse Substanz diffus degenerirt. 2. Schall ans dorn 15. Segment: es beginnen hier die Degenerationen der KleinUmseitenstrangbahn uml der HlnteTStrangetod der diffusen Degeneration sich allmälig abzusondern. 1. Sebnitt aus dem 7, Segment, .'.ü cm oberhalb der Compression ; die degenerirten OolPseben Strange /.und die Klein birnseitenstraugbahn quot; sind deutlich umgrenzt: ebenso liebt sich bereits der Contour des degene rirten O o w er ä'aeben Bündels c von der Vmgebnng ab. 4. Schnitt :i\is der Mitte der Intum lumbalis, 14 cm caudal v.ui der r.äsiou ; man beobachtet die ganz sehwache Degeneration der linken Pyramidenseitenstcangbahn a und die starker nusgeprügte Entartung des Faisccau
sidelaquo;#9632;#9632;marginal /-.
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90nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Kückenmarkes.
Spitze bis nahe in die Gegend des Vorderstrangs, wo sie von dem folgenden Faserzug nicht mehr zu trennen ist.
.'1. Das Go wer laquo;'sehe Bündel oder der Fase, antero-late-ralis ascendens, der in das Kleinhirn ausstrahlt, dessen Ursprung aber noch nicht genau bekannt ist. Der Gower'sche Strang liegt medial und ventral von der Kleinhirnseitenstrangbahn ganz ober-tiächlich am Seitenstrange.
In a 1) sto i gender Kichtung degenerirt beim Pferde typisch nur die P yra midens eit enstrangbah n, das zweite Neuron der im Cortex der Grosshirnrinde endenden motorischen Inner-vationsbahn. Die Degeneration ist umso stärker und massiger ausgesprochen, je höher die Läsion sitzt. Liegt die Compressions-stelle im oberen Lumbarmark, so gelingt der Nachweis eines conso-lidirten Bündels von degenerirten Fasern der oberwähnten Leitungs­bahn schon nicht mehr. In einem Falle sah ich auch Degeneration derjenigen Vorderstrangpartie, welche dem Faisceau sulco-marginal Pierre Marie's entspricht.
d) Intoxicationen.
1. Metallische G ifte.
Literatur: Nodet, Recueil 1884, p. 105; Grenwell, The veterinary Journal, vol. XVII.. p. 73; Michand, Schweizer Archiv 1Ngt;3. p. 1H3; Queripel, The verterinary journal, vol. XVIII., p, 233; Mosselmann et Alberand, Annales belgiques, tome XLIII., p. 78; Popow, Virchow-Archiv, Lid. 163, p. UI7: Dexler, Obersteiner Arbeiten, Heft V., p. 165 : Lugaro, Kivista di patologia nervosa e mentale ISOfi: Schaff er, ungarisches Archiv f. Medicin 18S.13; Nissl, Sitzungsbericht der Jahresversammlung deutscher Irrenärzte in Heidelberg. 1896; Ztschrft. f. Psychiatrie Bd. LIII; Walther, Sachs. Jahresber. 1896, p. 148.
Die Ausführungen über dieses Thema müssen sich auf einen kleinen Raum beschränken, da nicht viele exaete Untersuchungen vorliegen: doch sind diese wenigen Beobachtungen der neueren Zeit beweiskräftig genug, um das Vorkommen gewisser medullärer Affectionen nach Vergiftungen sicherzustellen.
Die gewöhnlichsten, durch metallische Verbindungen verur­sachten Erkrankungen sind der A rs enicismus und der Satur­nism us. Nach älteren Anschauungen setzen diese Substanzen vorwiegend Schädigungen des peripheren Nervensystemcs. Seitdem jedoch die scheine Entdeckung N issl's den Grund zu einem allgemein
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Intoxieationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '.'I
zugänglichen Studium der Nervenzellenpathologie gelegt hat, wissen wir, dass infolge der Aufnahme dieser Gifte substantielle Verände­rungen in der grauen Substanz des Rückenmarkes entstellen können. Diese Läsionen, welche schon in der Zeit vor Nissl von Stieglitz, Popow behauptet wurden, wurden von Schaffer, Lugaro, Ma­rin esco u. v. A. bei Kaninchen, Hunden und Meerschweinchen nach verschiedenen Metall-Intoxieationen genauer studirt und für den Arsenik beim Pferde von mir nachgearbeitet.
Bei dem letztgenannten Thiere sind fast durchwegs nur acute Vergiftungsfälle bekannt; diese verlaufen unter heftigen Darm­erscheinungen (Koliken) und schweren Störungen des Allgemein­befindens, während die nervösen Symptome mehr in den Hinter­grund treten; man beobachtet eine deutliche Muskelschwäche und Zittern: eigentliche Lähmungen fehlen. l!ei chronischer Bleiver­giftung sah Walther ausser schweren, zum Tode führenden Allge­meinerscheinungen noch eine ausgesprochene Steifheit der Extre­mitäten.
Bei der langdauernden Aufnahme mittlerer Arsenikmengen durch den Verdauungsschlauch wird beim Pferde ein Krankheits­bild erzeugt, welches charakterisirt ist durch Husten, hartnäckige Durchfälle, motorische Paresen, Muskelatrophien, allgemeine Ab­magerung und Kachexiei doch gehen auch hier den nervösen Störungen schwere gastro-intestinale Störungen voraus. Vielleicht drückt sich in diesem Verhalten die für das Pferd behauptete grössere Widerstandsfähigkeit gegen Arsenik aus.
Die histologischen Veränderungen sind bei der chronischen Arsenikvergiftung vorerst noch nicht bekannt. Bei der subacuten trifft man in den Zellen der grauen Substanz bei Benützung der Nisslmethode vornehmlich drei Arten von Degenerationsfonnen. üei der ersten beobachtet man innerhalb dos Protoplasmaleibes der grossen motorischen Zellen das Auftreten abgerundeter, kaumgefarbterPartien, innerhalb welcher der typische stichochrome Bau verwischt ist, die also keine Körnchengruppen enthalten. Diese hellen runden Stellen sind in den Zellen des Seitenhornes häufiger als im Vorderhorne. von ziemlich gleicher Grosse und eonfluiren nicht miteinander. Eine zweite sehr seltene Form macht sich dadurch bemerkbar, dass
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U2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Bilckenmarkes.
der Kern von gruben, tropfenförmigen, dankelblauen Hallen und Kugeln umhüllt ist. die sich gegen den übrigen Zelleib durch ihre Färbung stark abheben.
Bei der dritten, der häutigsten Form (siehe Fig. XVIII), die inner­halb dor Vorderhornzellen des ganzen Kückenmarkos vorkommt! besteht eine partielle Homogenisirung der Körnchenhaufen und eine vermehrte Färbbarkeit der Zwischensubstanz. Diese Verän­derungen beginnen immer um den Kern und schreiten von da gegen die Zellperipherie fort; sie sind im Lumbarmark häufiger als im Halstheil und machen sich schon bei schwacher Yer-grösserung durch das fleckige Aussehen der befallenen Zellen be­merkbar.
Fig. XVIII.
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Nissl'sches Aequivalent einer Vorderhomzelle
nach aubai:uter AsaOj Vergiftung; Itandsteliung d^s Kernei, perinuoleäre Clirora;itolyse ; \l2 Imra. Ocul. VI,
Alle diese Anomalien kommen im normalen Rückenmarke nicht vor, sondern sind nur bei mit Arsenik vergifteten Pferden zugegen; sie sind deutlich ausgeprägt und betreffen nicht alle Zellen, sondern nur eine geringere Anzahl, so dass man auf jedem Schnitte neben ganz normalen Ganglienzellen .quot;ä—6 entartete antrifft. Ausser
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Intoxicationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 93
diesen cellulären Alterationen bestehen noch Veränderungen an den
Blutgefiissen: letztere sind sehr stark dilatirt und namentlich inner­halb der grauen Substanz strotzend mit Blut gefüllt. Eine rund-zellige Infiltration fehlt. Pferde erholen sich von der Intoxication sehr rasch, wenn sie dem fortgesetzten Einflüsse des Giftes entzogen werden: die Prognose ist daher eine günstige.
Da die klinischen Erscheinungen der Bleivergiftung, soweit sie das ^Nervensystem betreffen, bereits berührt worden sind, er­übrigt nur noch der durch Pflanzengifte bedingten Erkrankungen, bei welchen es zu einer Betheiligung des Rückenmarkes zu kommen scheint. Erwähnung zu thun; da die medullären Läsionen nur klinisch angenommen, anatomisch aber noch wenig studirt wurden, können diese Zustünde nur in Schlagworten abgehandelt werden.
Von Vergiftungen mit pflanzlichen Stoffen sind beim Pferde bisher genauer bekannt nur der Lathyrismus. Ausserdem liegen mich eine Reihe von Beobachtungen von schädlicher Beeinflussung des Rückenmarkes durch Githago und Corchoros capsularis (Tsuno, Monatsschrift für Thierheilkunde, Bd. VI., p. 455) vor: endlich wurde von Sayre und auch von Mc. Cullough (Journ. of comp. med. 1892, p. 435) eine schwere Störung der Hirn- und Rückenmarksfunctionen nach Verfütterung von Oxytropis Lam­bert i und Astragalus mollissimus beschrieben, zweier Schmetterlingsblütler, die in Xeu-Mexiko, Colorado und Texas grosse Verluste an Pferden erzeugen sollen. Näheres über die Intoxicationen mit Corchoros, Oxytropis und Astragalus ist nicht bekannt: es handelt sich scheinbar um heftige Vagusgifte, die aber auch spinale und centrale Symptome auszulösen im Stande sind. Bei der Ver­fütterung von Ar undo phragmatis berichtet Ulli ich läh­mungsartige Zustände unbestimmter Natur und Kirn bau er (Monatsschrift des Vereines der Thierärzte 1SS2, p. 17) sah nach der Aufnahme von Colchicum Steifheit, Taumeln und Anästhesien.
2. Vergiftungen durch Agrostemma Githago.
Literatur: Contamine, Annales belgiqnes 1880, p. 31(5: Dachet, Revue veterinaire 188G, p. 141.
Vergiftungen durch Kornrade kommen beim Pferde nicht zu seiton vor; sie entstehen entweder nach längerer Verfütterung von
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94nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Rfickenmarkes.
mit Agrostenunasehr stark untermengtem Hafer oder nach Aufnahme von Kleie, welche mit Agrostemma vermengt ist. Die Symptome sind wenig charakteristisch; man findet vorwiegend Darmstörungen, Bewusstseinsverlust, Kriifteverfall. Taumeln, Zäbneknirschen, Zittern, Muskelspasmen und gegen das letale Ende Schlundkopflähmung, welche Symptome auf Veränderungen der grauen Substanz zurückgeführt werden. Beweisende Untersuchungen fehlen.
;5. Vergiftungen durch Lathyrus.
Literatur: Bouley, Recaeil 18SH, p. 659; Leather, The veterinary jour­nal 1885, p, 'l'i'i: Pirl, Arcb. f. wissenschaftliche Tliierheilkunde 1880, p. 107; Mc Call, The veterinarian LIX., p. 789: Pirl, Arch. f. wissenschaftliche Tliierheilkunde 1881), p. 72: Call, The Tcterinarian LXm., p. 490: Mc. Don­ga 11, The veterinary Journal 189Ü), p, 235: Bu yne. Veterinarian LXVIL, p. 450: A b son. ibid p. 754.
Die gesundheitsschädigende Wirkung der Lathyrusarten (L. cicera. satirus, clymenuin) ist für unsere Hausthiere, spe-ciell für das Pferd schon lange bekannt und von mehreren For­schern zum Gegenstände eingehender Studien gemacht worden. Namentlich war es Leather, welcher die Untersuchungen des Rückenmarkes von an Lathyrusvergiftung verendeten Pferden vor­nahm und zeigte, dass diese Läsionen thatsächlich das Substrat für die Krankheitserscheinungen vorstellten und dass sie das Primäre des ganzen Processes sind. Er fand Atrophie der Gan­glienzellen des Vagus und Accessoriuskernes und Degenerationen der multipolaren Ganglienzellen der Vorderhörner im Rückenmark mit darauffolgender GliaWucherung; die Zellen waren verkleinert, zum Theile zu kleineren Hallen zusammengeschrumpft, ihre Fort­sätze zerfallen oder ganz fehlend, die vorderen Wurzeln zum Theile geschwunden: auch die Gefässe der grauen Substanz waren in der Umgebung dieser Stellen dilatirt. ihre Wandungen ver­dickt, weshalb Leather den Process mit der Poliomyelitis an­terior hominum vergleicht.
Das Pferd scheint unter unseren Hausthieren eine besondere Empfänglichkeit für dieses Gift zu besitzen. Die gewöhnlichste Erscheinung, welche sich nach mehrmonatlicher Vorfütterung dieser Pflanze einstellt, ist die Hartschnaufigkeit in Folge bilateraler Pa­ralyse der Stimmbänder. Ferner beobachtet man initiale Spasmen
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Jmoxicutionen
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der Extremitätonmuskulatur uml clarauffolgemlL' Lähmung, welche in den Hinterbeinen stärker ausgesprochen ist als in der Vorhand. Der Gang ist wogen der Steifheit der Extremitäten anbehilflich, mähend und schwankend. Die Schritte erfolgen langsam: es be­steht bei vielen Kranken ein vermehrter Schweissäusbruch, Muskel-convulsionen und eine gewisse Schreckhaftigkeit.
Von derartigen schweren Fällen sind zu den viel häutigeren leichten Fidlen mannigfache üebergangsstufen möglich. Kehlkopf­pfeifen und spastische l'aresen der Nachhand werden aber immer zu finden sein.
Die Prognose ist in der grossen Mehrzahl der Fälle günstig zustellen: Mit dem Aussetzen des Futters verschwinden auch all-mälig die Symptome. Indessen liegt eine Pieihe von Beobach­tungen vor. die keine spontane Besserung aufwiesen, im Gegen-theile unabänderlich zum Tode führten, der entweder plötzlich an Erstickung oder langsam an Kachexie erfolgte. Bei solchen Thieren wäre Brom. Belladonna innerlich, und die Tracheotomie gegen die inspiratorische Dispnoö zu versuchen. Warme Einpackungen be­wirken ein Nachlassen der Spasmen, wenngleich nur vorüber­gehend: violleicht würde sich auch eine consequente und lange durchgeführte Massage empfehlen.
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Krankheiten des Gehirnes.
Anatomie.
Unsere Kenntnisse über den Bau und die Functionen des Pferdehirnes sind im Vergleiche zu denjenigen, welche wir vom Hunde, Affen. Kaninchen und anderen Laboratoriumsthieren be­sitzen, eigentlich als geringe zu bezeichnen. Dies rührt daher, weil bisher nur wenige Beobachtungen von cerebralen Processen an kranken Pferden gewonnen wurden, die in anatomisch-physiologischer Beziehung verwertet werden konnten und weil die bis jetzt ange­stellten einschlägigen Untersuchungen sich grösstentheils im Rahmen der einfachen Zerlegung und der vergleichend-anatomischen Methode bewegen. Was aber die experimentell-physiologische Forschung, sowie das Studium der Entwickiungs- und Degenerationsvorgiinge des Centralnervensystemes des Pferdes anbelangt, dürfen wir wohl sagen, dass noch sehr Vieles zu thun übrig bleibt. Das Pferd wurde sehr selten zu derartigen Untersuchungen vorwendet, so dass wir sehr Vieles, was wir von seinem Gehirne angeben — von den grob anatomischen Verhältnissen natürlich abgesehen — aus vermutheten Analogien herleiten. Die Abweichungen in seiner Structur und Thätigkeit sind von denjenigen des Gehirnes anderer Pflanzen­fresser, deren Centralnervensystem uns genauer bekannt ist, vielleicht nur unbedeutend; sie sind aber zweifellos vor­handen und zwingen uns bei der Uebertragung zu einer gewissen Reserve.
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Anatomie.
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Fie. XIX.
Ventralseite des Gehirnes einer 7jährigen Stute. % ('- n* *-quot;r-
I^ Tractus olfactorius; III Ocolomotoritis IV Trochlearis: V Trigeminus; VI Abdnoens; VIIFacialis; VIII Acusticus; IX GlossopliarynReus ; die zwischen dem IX. und XI Hirn-nervon aus der Oblongata kommende Fasern gehören laquo;lern Vagus an; XI Accessorius ; XII Hypo-glossns; 22 Snbstantia perforata anterior; P IbobaB pyrifonnie; // Hypopbisis; C Tractas options, mit laquo;Jem yc^en^eitipen sich zum Chia-sma nerv, optic-, vereinigend: zwischen dem caudalen Chiasraarande und aem nasalen Hypophisenendc ist ein Theil des Tuber cinereum sichtbar: /' TractUS interpeduncularis; 7''rubfrculum lacialo; D Decussatio pyraraidarurn; Ct Erste ven­trale Cervical wurzel.
Dcxler. Xcrvenkrankheiten des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '
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98nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gebirnoä.
Da eine richtige Auffassung der Topographie des Gehirnes ohne Studium seiner Entwicklungsgeschichte kaum gewonnen werden kann, möchte ich sie zum Ausgangspunkte meiner Dar­stellung machen. Ich halte mich hierbei in der Hauptsache an die Ausführungen von Obersteiner1), Martin-) und Ellen­berge r;i), welche die seit Langem eingebürgerten Theilungsver-hältnisse am kürzesten wiedergeben.
Der vordere, im Kopftheil des Embryo gelegene Abschnitt des Medullarrohres zerfallt durch Abschnürungen in drei Haupttheile oder Bläschen und bildet die primäre Anlage des Vorder-, Mittel-und Hinterhirnes. Durch weitere Theilung des ersten und dritten Abschnittes entstehen fünf räumlich von einander getrennte Organe:
1.nbsp; Das primäre Vorderhirn; aus ihm geht hervor das aus den Sehhügeln, dem Trichter, dem Chiasma und dem Markkügelchen bestehende Z w i s c h e n h i r n.
2.nbsp; Das secundäre Vorderhirn; aus ihm entsteht das aus dem Hirnmantel. dem Fornix, der vorderen Commissur und dem Linsen-und Schwanzkern bestehende eigentliche Vo rd erhir n.
3.nbsp; Das Mittelhirn, bestehend aus den Vierhügeln und den Grosshirnschenkeln.
4.nbsp; Das vordere Hinterhirn, aus welchem das aus dem Klein­hirn und der Brücke bestehende eigentliche Hinter hi rn her­vorgeht.
5.nbsp; Das hintere Hinterhirn, welches zum verlängerten Marke oder dem N a ch hir n wird.
Am erwachsenen Thiere bezeichnet man die aus dem secun-dären Vorderhirnbläschen abstammenden Organe in ihrer Gesammt-heit als Hirnmantel oder Pallium und die aus den übrigen vier Hirnbläschen sich bildenden, mit Ausnahme des Kleinhirnes, als Hirn stamm oder Caudex. Einem eingebürgerten Gebrauche folgend beginne ich mit der Beschreibung der caudalen Hirntheile.
a) Nachhirn.
Es besteht aus dem verlängerten Marko oder der Medulla oblongata und reicht vom Anfangstheil des Rückenmarkes bis zum
') Obersteiner, Der Bau der nervösen Contralorgane. III. Aufl. 1896--) Martin, Anatomie der Hausthicre. II. Bd. 18i)4. ^ Ellen berge r, Anatomie der Ilausthiere 18'J().
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;[)[)
distalen Ponsrande, an welchem es wenigstens an seiner ventralen Seite scharf begrenzt endet: seine Länge beträgt etwa (i cm; es ist bedeutend breiter und flacher als beim Menschen. An der Ventral­seite befindet sich die median gelegene, von den Pyramiden be­grenzte Fissur a Ion gitud inal is anterior, die unmittelbar vorder Brücke mit dem Foramen co e cum abschliesstlaquo;g Lateral von den Pyramiden, die beim Pferde zwei relativ schwache etwa 6mm breite Faserbündel darstellen, und caudal vom Corpus trape-zoides (siehe Pons) befindet sich eine ganz flache hügelige An­schwellung, das Tuberculum facial e, in dessen Tiefe der Facialis-kern liegt. Lateral vom Tuberculum faciale zieht sich das Corpus rest if or nie oder der .Strickkörper hin (unterer Kleinhirnarm), welcher die ventrale Flüche der Oblongata von der dorsalen scheidet.
An der dorsalen Fläche der Oblongata findet sich die breite, vom Kleinhirn ganz überdeckte Piautengrube, die eigentlich nur mit ihrer caudalen Hälfte dem Nachhirne angehört und in welche der Centralcanal des Rückenmarkes mündet. Median befindet sich die sehr seichte F i ss ur a 1 o n gi t u d in a 1 i s p o s t c r i o r; ausserdem be­merkt man am Boden der Rautengrube mehrere beim Pferde sehr schwach ausgeprägte Erhabenheiten, und zwar links und rechts neben der Mittelfurche in der vorderen Hälfte die Eminentia teres, und lateral und caudal von dieser das längliche Tuber­culum acusticum. An den Seitenrändern des distalen Winkels der Eautengrube oder der Schreibfeder sind zwei, vor der Eminentia teres und dem Tuberculum acusticum gelegene graue Vertiefungen, die Alae cineroao. nur leicht angedeutet. Eine ebensolche schwache Einsenkung, die wie beim Menschen meistens von einer grösseren oberflächlichen Vene durchzogen wird, ist neben und vor der Eminentia teres vorhanden, die Fovea anterior. An ihrem proximalen Ende (an welchem beim Pferde eine graue oder dunklere Färbung des beim Menschen Locus coeruleus ge­nannten Theiles nicht nachweisbar ist) geht die Rautengrube in die Sylvische Wasserleitung über.
Die eigentliche Decke der Rautengrube besteht aus dem Velum medullare anterius, dem Velum medullare posterius und ganz distal aus einem Fortsatze der weichen Hirnhaut, der Tela ehorioidea cerebelli, die proximal mit dem Velum posterius zusammenhängt. Der hinterste Theil der Ventrikeldecke besitzt
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100nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
beim Pferde keine Oeffnung ; durch den Aquaeductus Sylvii injicirte Flüssigkeiten drängen die Tela chorioidea hügelförmig vor, können aber hier nicht abfliessen; eine dem For. Magendii analoge Communi-cation der Hirnkamnieni mit dem Subarachnoidalräumen ist also nicht vorhanden : wohl aber besteht eine solche in den Aporturae laterales ventriculi quavti, in den Seitenwinkeln der Rau-tengrube.
Aus dem verlängerten Marke gehen hervor: der VI., VII., VIIL, IX., X., XI. und XII. Geliirnnorv. Der Xll., der Hypoglossus, ent­springt mit einer Reihe von Wurzeln lateral von dem Beginne der Pyramidenkreuzung, in der sog. Hypoglossuslinie. Medial vom Corpus restit'orme und etwas proximal vom Hypoglossusaustritt entspringt ein Theil des XL und proximal von diesem in un­unterbrochener Reihe der X. und IX. Der grosste theil des XI. kommt von den Seitenflächen des Cervicalmarkes (aus den 5 ersten Seg­menten).
Bei der Durchsicht von quer durch die Oblongata gelegten Serienschnitten fallen folgende wichtige Details auf. Ganz am caudalen Ende des Nachhirnes beobachten wir zuerst eine stärkere Entwicklung des Processus reticularis (Siehe Fig. XXX). Die Fasern der Seitenstränge sind theils senkrecht, theils schief getroffen; die Verlaufsrichtung dieser Bündel wird, je höher wir in der Schnittserie aufsteigen, immer mehr gegen den ventralen Theil der Vorderstränge gerichtet und noch weiter caudal sieht man kleinere und grössere Bündel die Medianebene tiberschreiten und in die Vorderstränge der Gegenseite einstrahlen; damit sind wir in das Gebiet der P y r a m i d e n k r e u z u n g gekommen, die beim Pferde noch in den Anfangstheil des Halsmarkes, also hinter das Foramen magnum fällt. An dieser Kreuzung, deren Länge etwa 1quot;2 cm beträgt, be­theiligt sich nur jener Theil des Seitenstranges, der als Pyra-midenseitenstrang des Rückenmarkes bekannt ist. An Frontal­schnitten aus dem proximalen Ende dieser Kreuzung beobachtet man, class der Centralcanal allmälig dorsal aufsteigt, und dass in der Hinterstrangsgegend zwei graue, von einander nicht ganz scharf gesonderte Ganglienkörper auftreten: medial der Kern des zarten oder Goll'schen Stranges, und lateral von ihm derjenige des Keil­oder Burdach'schen Stranges. Die laterale Grenze des Vorderhomes wird immer undeutlicher und geht in einem aus grauer und weisser
raquo;
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Aruitomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 101
Substanz gemischten Gebiete, derFo rmatio reticularis grisea unter; durch letztere zieht der Hypoglossus, der in der obenerwähnten Hypoglossnslinie die Oblongata verlässt.
Proximal von derjenigen Stelle, wo die Pyramidenkreuzung
vollendet ist, wo die Pyramiden also an die Ventralseite der Oblongata getreten sind, beobachtet man unter dem Centralkanal immer noch das Üeberkreuzen von Fasern: es ist dies die Schleifen­kreuzung oder obere Pyramidenkreuzang, Ihre Fasern ziehen in dicken Bündeln aus den Hinterstrangskernen ventral vom Central-canal auf die gegenüberliegende Seite. Weiter oral nehmen diese sich kreuzenden Bündel an Mächtigkeit ab: trotzdem trifft man aber in dem proximalen Stücke der Oblongata bis in das Zwischen­hirn hinauf immer noch viele Fasern, die ventral vom IV. Ven­trikel und der Sylvischen Wasserleitung über die Mittellinie hinüber­ziehen. Das schmale, median gelegene Gebiet, in welchem diese Kreuzung vor sich geht, heisst Kap ho.
Von anderen Faserarten, die für unsere Zwecke noch auf­gezählt werden müssen, sind zu nennen die Fibrae arcuatae externae; es sind dies an der Peripherie der Oblongata verlaufende circnläre Bündel, die zum grössten Theile in die Raphe einstrahlen und die beim Pferde sehr deutlich wahrnehmbar sind; die Kl ein bim­se it ans tr angbahn, welche immer weiter dorsal ziehend sich in das Corpus restiforme hineinbegibt; endlich an der Innenseite dieser Bahn ein rasch anwachsendes Bündel feiner Fasern, dessen halbmondförmiger Querschnitt sehr scharf umschrieben ist, nämlich die spinale Trigeminuswurzel.
Von den grauen Kernen macht sich aussei' den schon ge­nannten Hinterstrangscentren noch eine Gruppe zerstreuter Ganglien­zellen bemerkbar, welche seitlich und ventral vom Centralcanal liegend, sich durch grosse Zellen auszeichnet, der Nucleus am-biguus. Näher der Peripherie und ventral von der spinalen Trige­minus wurzel befindet sich der Seiten strangkern. Weiter cerebral, etwa 3 cw vor dem caudalen Brückenrande liegt die untere oder oaudale Olive, eine beim Pferde graue, am Querschnitt S-förmige Ganglienmasse, welche äusserlich keine Anschwellung der Ob­longata verursacht. Sie ist relativ wenig entwickelt, trennt die Pyramiden scharf von der Substantia reticularis und erstreckt sich cerebralwärts bis nahe zur Brücke.
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Krankheiten dos Gehirnes,
In der Hübe dos Corpus trapezoides existirt eine zweite, die na-sal e oder obere Olive, welche, bedeutend schwächer als die erste, in der Gegend des hinteren Brückenrandes sich vorfindet. Sie wird durch eine mehrere Male gewundene Platte grauer Substanz dar­gestellt: von ihr geben Verbindungen aus mit dem hinteren Vier­hügel, mit dem Abducenskerne derselben Seite (durch den soge­nannten Stiel der Olive) und mit dem aecessorischen Acusticus-
Fig. XX.
MM
Schnitt durch die Medulla oblongata des Pferdes in der Höhe der
caudalen Olive.
Uebex lt;!er Eantfingrube Km! Re^tedos Kleinhirnes sichtbar; zugleich sind aufbeiden Seiten die ans-
tretenden AVurzclbündel tie? N'ervus va.L.'ns getroffen ; -'[ d. nat. fJr. Nach t-inem Weigert-Pälpräparat.
kerne. Aussei' diesen Ganglien linden wir in der Oblongata um den Centralcanal, respective am Boden der Rautengrube eine zu-sammenliängende Partie grauer Substanz, welche sich ins Mittel­hirn fortsetzt und mehreren Gehirnnerven zum Ursprünge dient, das central e IIü hl on grau.
It) Hinterhirn.
Es wird gebildet aus dem Pons und dem Kleinhirn sammt seinen Bind ear men.
Das Kleinhirn oder Cerebellum, welches beim Pferde von den Hinterhauptlappen des grossen Gehirnes nicht bedeckt wird, zerfallt in einen medianen Theil, den Wurm, der die lateralen
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;103
Theile oder Hemisphären um ein Beträchtliches überragt. Der
proximale Theil des Wurmes oder Oberwurm biegt nach unten um und bedeckt den vorderen Tboil der Rautengrube: der hintere Theil oder Unterwurm schliesst dieselbe nach hinten und oben ab. Die aus grauer Substanz bestehende Rinde des Kleinhirnes ist im Ver­gleiche zu derjenigen des Grosshirnes sehr dünn und von zahl­reichen Furchen durchsetzt. Letztere sind zum Theile sehr seicht, zum Theile so tief, dass das gesammte Organ in mehrere Ab­schnitte zerfällt, die jedoch mit den Lappungen des menschlichen Kleinhirnes nur gezwungen homologisirt werden können.
Ich bin daher für eine Eintheilong nach den Markstrahlen eingenommen, die zwar keine Eigennamen besitzen, aber doch so mar­kant sind, dass sie zur Orientirang ausreichen. Legt man durch den Wurm des Kleinhirnes einen Medianschnitt, so bemerkt man einen central gelegenen weissen Markkörper, von welchem radienförmig mehrere Faserzüge gegen die Oberfläche ziehen; u.zw. fallen durch ihre Grüsse zuerst drei grosse Markstrahlen auf.
Der mächtigste geht vom Centrum anfangs in horizontaler Richtung rückwärts und biegt, dann in einem Kreisbogen aufwärts um: seine zahlreichen seeundären und tertiären Nebenäste fahren fächerförmig auseinander und sind an ihrer ()berfiäche von einer vielfach gefalteten grauen Ganglienschichte bedeckt. Eine Ausnahme hieven bildet nur der zweite ventrale Xebenast, dessen gegen die Rautengrube sehende Markseite frei von Rindensubstanz bleibt.
Der zweite primäre Ast befindet sich unmittelbar vor dem so­eben genannten und geht in dorsaler Richtung aufwärts, wo­bei er zwei grössere Nebenzweige abgiebt. Er bildet die Grundlage eines gut umgrenzten Lappens, der einen stark entwickelten Hemi-sphärentheil besitzt.
Oral vom zweiten liegt der dritte primäre Ast, der sich in dorso-proximaler Richtung gegen das Tentorium wendet und den Kern eines grösseren hinteren und kleineren vorderen Lappens darstellt, die bei manchen Individuen vollkommen gesondert sein können.
Oral und ventral von dem dritten grösseren Markast folgen nun 3—4 kleinere, die zur Bildung von ebenso vielen, successive kleiner und kürzer werdenden Läppchen beitragen, deren letztes an seiner
gt;
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104nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
ventro-caudalen Kaute mit dem Velum anterius organisch zu-
sammonhängt.
Die centrale Markmasse des Kleinhirnes besteht aus zwei late­ralen Markkernen, die vorne und oben durch den Markkem des Wurmes verbunden sind. Ks ist besonders hervorzuheben, dass die weisse Substanz im Vergleiche zur Grosse der Hinden-substanz unverhältnismässig klein ist. und dass auch die centralen Ganglienkörper derselben nur kümmerlich entwickelt, sind. Im Wurme unterscheidet man '2 kleine, neben der Mittellinie liegende Kerne, die dem Nucleus tecti des Menschen entsprechen dürften. Je ein grösserer compacter Kern findet sich in jeder Hemisphäre ; er ist mit dem Nucleus clenticulatus des Menschen zu iden-tificiren und liegt stellenweise so nahe an der Lecke des Ventrikel.-, dass er von diesem nur durch eine ganz dünne weisse Faser­platte getrennt wird.
Vom Marke des Kleinhirnes strahlen drei starke weisse Faser­massen ans: eines dieser Bündel zieht in caudaler Richtung und bildet den Piand des distalen Abschnittes der Rantengrube = der Strickkörper. Corpus restiforme oder unterer Klein­hirnarm; ein zweites Bündel stellt die Verbindung des Klein­hirnes mit der Brücke her = Brückenarm: ein drittes Bündel, der obere Kleinhirn arm, zieht zum Grosshirn und bildet den Rand des proximalen Theiles der Rautengrube = Binde arm: zwischen den medialen Rändern beider Bindearme ist das dünne vordere Marksegel ausgespannt.
Im Corpus restiforme verlaufen Fasern aus den Hinter-und Seitensträngen und von den unteren Oliven. Aus den Hintersträngen gelangen in den Strickkörper Bogenfasern, die eine kurze Strecke an der hinteren Peripherie der ()blongata ziehen (Fibrae arcuatae externae posteriores) und ausserdem noch ein starker Zuzug aus den Hinterstrangskernen, namentlich aus dem Kern des Burdach'schen Stranges. Der Seitenstrangtheil des Strickkörpers wird durch die proximale Fortsetzung der Kleinhirnseitenstrangbahn gebildet. Was endlich die Fasern betrifft, welche aus der Olive kommen, so ist hervorzuheben, dass eine anatomische Sonderling der mannigfachen Verbindungen nicht möglich ist. Soviel wir vom Menschen auf Grund pathologischer Erfahrungen und embryologischer Studien wissen, stellen diese Kleinhirn-Olivenfasern eine gekreuzte Bahn dar.
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Amitomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10quot;)
Beim Pferde sind diese Beziehungen noch nicht gezeigt worden. ]5ei der Kleinheit der eaudaien Olive ist die fragliche Verbindung jedenfalls von sehr kümmerlicher Entwicklung : immerhin tritt sie auf Weigertpräparaten auch heim Pferde in Form von gut um­schriebenen, ziemlich dicken Faserbündeln auf, die, ans dem Pedun-culus cerebelli austretend, die Substantia gelatinosa und die spinale Trigeminuswürze! durchziehen und sich gegen die Olive wenden: ob sie aber dort enden oder ob sie die Olive durchsetzen und über die Eapho gehend in die Olive der Gegenseite einstrahlen, ist an Weigertpräparaten nicht zu entscheiden. Der Rückeninarksantheil des Corpus restif. geht wahrscheinlich zum Wurme ; zu ihm ge­hört auch die Kleinhirnseitenstrangbahn, die eine ungekreuzte Ver­bindung des Eückenmarkes mit dem Kleinhirne darstellt.
Die Brücke n arme führen Fasern zum Pens, die von der Fände der Kleinhirnhemisphären stammen und wahrscheinlich zum grossen Theile gekreuzt sind. Der Zusammenhang der Brückenarme mit dem übrigen Cehtralnervensj'stem ist beim Pferde unbekannt. Wie die Durchschneidungsversuche Guddens beim Kaninchen zeigen, existiren Beziehungen zur gegenseitigen eaudaien Olive, zu der gleichseitigen lateralen Schleife, Kleinhirnseitenstrangbahn, dorn Kerne des Keilstranges und zu den Brückenkernen beider Seiten. Die letzteren vermitteln dann eine Leitung zum Grosshirne durch die Pedunculi cerebri. Es würde somit ein Verbindungs­system des Grosshirnes mit dem Cerebellum vorhanden sein, das theils gekreuzt, theils ungekreuzt ist. In dem Binde arm ver­laufen Fasern, die aus den centralen Kleinhirnganglien stammen und dessen wichtigsten Bestandtheil ausmachen. Nach dem Austritte aus dem Kleinhirn werden sie seitlich von der lateralen Schleife liedeckt, gelangen gegen die Vierhügel und kreuzen sich gerade unter der Mitte der vorderen Vierhügel; nach der Kreuzung ziehen sie als kreisrunde Stränge cerebralwärts und strahlen in den rothen Kern oder hlaubenkern ein. von wo sie dann höchst wahrscheinlich zu gesonderten Faserbändeln aufgesplittert in dem Sehhügel sich verlieren. Aussei- den genannten Verbindungen des Cerebellum be­stehen noch solche mit dem Acusticus und der sensiblen Trige-minuswurzel.
Physiologisch müssen wir das Kleinhirn als Centralorgan des Gleichgewichtes, als Coordinationscentrum ansehen. Die Gleich-
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I(l(;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes,
L'ewichtsempfintluiig und Muükelsensibilität finden ihren Sammel­punkt im Kleinhirn und von diesem aus beeinthissen sie die Be­wegung; e.s wird den einzelnen Muskelcontractionen die noth-wendige, entsprechende Kraft zur Erzielung einer coordinirten Ge-sammtbewegung zugewiesen (Ob erst ein er).
Die Brücke ist beim Pferde relativ wenig entwickelt; sie stellt einen plattrundlichen Querfaserzug dar, der über die Pyra­miden und die Crara cerebri an der Basalfläclie des Gehirnes hin­wegzieht und, sich lateral zu einem rundlichen Strange umformend, in das Kleinhirn als Cms cerebelli ad pontem eindringt. Der cau-dale Brückenrand reicht nicht wie beim Menschen bis zur Austritts­stelle der Abducentes herab, sondern die Pyramiden bleiben noch ein weiteres Stück cerebrahvärts unbedeckt, und es liegt dann seitlich von ihnen ein breites Bündel von Querfasern frei, deren Gesammtheit als Corpus trapezoides bezeichnet wird. An Frontalschnitten durch die Brücke beobachten wir starke Faserbündel, welche vom Kleinhirn ausgehend in der ventralen Schnitthälfte transversal über die Mitte vorlaufen und zwischen sich kleinere und grössere Gruppen grauer Substanz, die soge­nannten Brückenkerne, einschliessen; ferner befinden sich in dor ventralen Hälfte die quergetroffenen Pyramiden. Die dorsale Hälfte nennt man das llaubenfekl, weil ein grosser Theil der hier verlaufenden Längsfasem in das Gebiet der Hirnschenkel­haube übergeht.
lt;#9632;) Mittelhirn.
Es umfasst die Vierhügelgegend; der dorsale Abschnitt ist von dem ventralen durch eine seitliche Längsfurche, den Snlcus late­ral i s m es en cepha 1 i, geschieden. Dorsal von ihm liegen die Vier­hügel, deren vorderes Paar beim Pferde sehr platt ist, und ventral die Schenkel des Grosshirnes, zwei dicke, aus der Brücke hervorkommende Fasermassen, die unter dem Tractus nervi optici verschwinden und in das Grosshirn eindringen. Zwischen den medialen Bändern dorbeidenGrosshimschenkel liegt das Trigonium intercrurale.
Die vorderen Vierhügel sind beim Pferde erheblich grosser als die hinteren und am frischen Gehirne grau gefärbt; die hinteren sind von weisser Farbe. Eine mediane Läncrsfurche trennt die
I
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Anatomie.
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linken von den rechten Vierhügeln und nimmt in ihrem vorderen
verbreiterten Ende die Zirbeldrüse auf. während sie nach rückwärts
gegen das vordere Marksegel abfällt. Von jedem Vierhügel geht
ein Faserzug ab, und zwar der vordere und der hintere Vier-
hügelarm; der erst ere setzt sich gegen den Tractus opticus fort,
zum Theil zieht er unter den inneren Kniehücker. Ausserdem sieht
man beim Pferde einen ziemlich starken T r act u s pe d un cular i s
transversus, ein aus dem
vorderen Vierhügel kommen-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;S- -^-s'1-
des, basal verlaufendes und
quer über die Crura cerebri
hinziehendes Faserbündel.
Der hintere Vierhügelarm
theilt sich wieder in zwei
Stränge;der eine, schwächere,
verschwindet im Sulcus rao-
sencephali, der andere geht
zum inneren Kniehücker.
Durchschneidet man den Hirnstamm frontal in der
Höhe der vorderen Vierhügel 'siehe Fig. XXI.), so beob­achtet man dorsal die eigentlichen Vierhügelgang­lien, die sogenannte Vier­hügel p 1 a 11 e : darunter folgt ein aus graner und
xr.x.
Frontalschnitt durch die vorderen Vierhügel.
r. II \voi--e Schichtendes Vierhügels, auf welchenoch fine dritte, die fontlneartigc HaubenkrciKtung (III) fol'^t; IV Bittgang in den Aquoedttcttts Sylvii; V Cen-trales Hühlengrau; VI Hinteres Längsbilndel; VIE I.etnTii5ciigt; rnedialis; V'IIIKreuzung der Bimloarmt*; IX Hirnschenkelfttss; X Stiel des Corpus tnamillare; XI Ganglion interpeduneulare. Xach einem Weigert-I'.Upr:!parat. -, d. n. Grüose.
weisser Substanz bestehendes Gebiet, die Hauben region: ventral von dieser eine scharf um­schriebene graue Substanz, die Substantia nigra Soemme-ringi, deren Nervenzellen beim Pferde jedoch nicht dunkel pig-mentirt sind, so dass man bei diesem Thiere besser von einem Stratum intermedium spricht; ganz ventral liegt dann der halbmondförmige weisse Querschnitt des Hirnschenkelfnsses, dessen Fasern zum grössten Theile der centralen, motorischen Bahn ange. hören. Axial wird das Mittelhirn von der Verbindung des dritten Ventrikels mit dem vierton. dem Aquaeductus Sylvii, durch­zogen. Aus jener Furche, welche das Trigonum interpeduneulare
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Krankheiten des Gehirnes.
vom Hirnschenkelfasse trennt, tritt der IN*, oculomotorius aus: der X. t roe hl ear is geht als dünner Faden aus dem vorderen Marksegel, und zwar am Ansätze desselben hervor. Im Mittelhime vollzieht sich die Kreuzung der Bindearme. Ventral vom Aquaeductus Sylvii verlaufen das hintere Längsbündel, welches durch die ganze Oblongata verfolgt werden kann, ferner die absteigende Trigemin us wurzel und die in mehrere Bündel zerlegte sen­sible Bahn, die mediale und die laterale Schleife. Proximal von der Kreuzung der Bindearme, in der Höhe der Kuppe des vor­deren Vierhügels, linden wir eine runde graue Masse, zu welcher die Bindearmfasern ziehen, den rot hen Haubonkern, [Nucleus Tegmenti. Diejenigen Längsfasern, welche im Haubengebiete ihre Lage haben, verlaufen theils gekreuzt, theils ungekreuzt. Die ersteren kreuzen sich zum Theil unmittelbar unter dem hin­teren Längsbündel (fontäneartige Haubenkreuzung Mey-nert's), zum Theilc ventral, ganz nahe der Basis (ventrale II aub e n k r e u z u n g).
Der hintere Vierhügcl enthalt in seinem Innern graue Sub­stanz, die von derjenigen, welche um die Sylvische Wasserleitung gelagert ist (centrales Höhlengrau), scharf getrennt ist: peripher ist er von einem dünnen Markblatte, dem Stratum zonale, über­zogen. Von den im Mittelhirne vorhandenen longitudinalen Faser­massen ist neben der bereits erwähnten mottirischen Bahn, welche im Fes peduncnli verläuft, noch ein System zu nennen, welches wegen seiner complicirten topographischen Verhältnisse beim Pferde noch wenig bekannt ist: es ist dies die aus den medialen Kernen der Hinterstränge entstehende, cerebralwilrts lau­fende centrale Gefühlsbahn, die Schleife oder Lemniscus.
Von der in der Medulla oblongata liegenden Kreuzung der Schleifenfasern wenden sich diese in ventraler Richtung, ziehen knapp neben der Raphe liegend gegen das Hirn und bilden beim Pferde ein auf dem Querschnitte ziemlich ungenau begrenztes Fasersystem, welches die mediale Schleife darstellt: es ist dies jene Partie der centralen Gefühlsbahn, welche beim Menschen wenigstens zum Theile im Linsenkern und dem Thalamus endet, zum Theile aber direct zur Grosshirnrinde zieht. Im Mittelhirn hat die mediale Schleife ihre Lage unmittelbar über der Substantia intermedia Soemmeringi und unter der Bindearmkreuzung.
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T
Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; lO'J
In jener llülie des Hirnstammes, wo die nasale Olive sowohl, wie auch der sensible Trigeminnskern verschwindet, macht sich ein anderes Faserbündel, die laterale Schleife, bemerkbar, welches, soviel die Experimentaluntersuchnngen an Hunden und Katzen ergeben haben, mit dem Acusticus in Beziehung tritt; es nimmt U. a. Fasern auf, welche aus dem Trapezkern, der nasalen Olive und einer, unmittelbar vor dieser befindlichen Ganglienmasse, dem sogenannten Kern der lateralen Schleife, stammen : im .Mittelhirne legt sich die laterale Schleife dem Bindearme aussen an und wendet sich gegen die hinteren Vierhügel, wo sie sich zum Theile oberhalb des Aquaedtictus S. kreuzt, lieber den weiteren Verlauf dieser Gefilhlsbahn beim Pferde wissen wir nichts. Die Haube stellt ein Verbindungssystem zwischen Seh- und Vierhügel und dem ver­längerten Marke dar. Proximal geht sie zur Regio subthalamica, distal zur Formatio reticularis der Medulla oblongata.
d) Das Zwischenhirn.
Es schliesst in sich den Sehhügel oder Thalamus opti-cus, den Tractus options und die Corpora mamillaria.
Der Sehhügel stellt ein grosses Centralganglion dar, das sich in einem um den Grosshirnschenkel gelegten Bogen bis an die Hirnbasis und in den Tractus opticus fortsetzt. Die obere Fläche rriigt ein dünnes Marklager, die mediale, von ersterer durch eine stumpfe Kante getrennte Fläche, ist grau: doch verwachsen beide Thalami beim Pferde hier breit miteinander. Die weisse, obere Fläche des Thalamus wird seitlich von einer seichten Furche, dem Grenz- oder Hornstreifen abgeschlossen. Die ver­schiedenen Vorwölbungen an der Oberfläche des Thalamus sind kaum angedeutet, namentlich der beim Menschen so massige hin­tere Höcker, das Pul vinar, ist beim Pferde nur schwach entwickelt. Ventral und lateral wird der Thalamus immer schmäler, schwillt in dem ganz seitlich gelegenen äusseren Kniehöcker (Corp. geni-eulatum externum) zu einem kaum erbsengrossen Knoten an und setzt sich unmittelbar in den Tractus opticus fort. Zwischen dem Tractus opticus und den Hirnschenkelfuss schiebt sich noch die mediale, zum medialen Kniehöcker ziehende Wurzel des Sehstieles ein. Das letztgenannte Ganglion ist von weissen Faserzügen be­deckt und es gehen von ihm einige Bündel gecen den hinteren
raquo;
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Vierhügel. Eine Abtheilung des Thalamus in mehrere Glieder oder Kerne ist beim Pferde nur an Weigertpräparaten, und auch da nur schwierig, durchführbar.
Fig. XXII.
^i!gt;'-
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Frontalschnitt durch das Grrosshirn des Pferdes aus der
Elypophisenrandes.
Inbsp; nbsp; Fimbria cornu Ammonis ; IL Ventriculua tertiu?: III Tlialaraus opticus ; IV Cauda nuclei caudati; Y Nucleus lentiformls; VI Regio subthalatnica; YII Vorderes Ende des rothen Haubenkerncs; VIlIFornix; IX Fes pedancoli; X Tractus opticus ; XI Habenala; XII Tiobus pyriformis ; ' Corpus callosum. lu natürllcber Grosse grezeichnct nach einem nach Kultschit/.ky
bebandelten Serienschnitt.
Was die Faserzüge anbetrifft, die mit dem Sehhügel in Ver­bindung stehen, so kann man unterscheiden: 1. Die schon oben­erwähnte weisse Fasemasse, die den üeberzug der äusseren, oberen Thalamusgegend bildet, das Stratum zonale; es setzt sich zu­sammen aus Fasern, welche zum Theile aus der lateralen Wurzel des Tractus opticus stammen dürften und in den Thalamus einzu­strahlen scheinen. 2. Eine beim Pferde leicht darstellbare Faser-schicht, welche in den hinteren, dem Pulvinar entsprechenden Theil iles Thalamus hineingeht und welche zum grossen Theile aus dem
IInbsp;interhauptlappen stammt.
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Anatomie.
Ill
Aus der Grosshirnrinde ziehen zum Sehhügel: Fasern aus dem Stirnhirn und aus dem Riechlappen, die sich in dem basalen Tiieil des Sehhügels zerstreuen: ferner Fasern aus dem Scheitellappen,
Fig. XXIII.
Frontalschnitt durch das Grrosshlrn des Pferdes aus der Kühe des Ocolomotorius-
austrittes.
I Ventrkulus tertiu*; IT Grossblmspalte; Itt Corpus callosum; IV Comn Ammonis; V Fim-bri:i cornu Ammonia; VI Cornn Ammoiiis ; VII Ventriculus secundus; VIII Tapetum; IX C-ii-trale Fasennasse, in welcher mehrere Associations- und Projoctionssystemo verlaufen, u. a. auch der Fase. Ionlt;ntlulinaIis inferior; X. Kcst de- Xuclcus lentiformis; XL Xorvus oculomotorittä : XII Haiibenbiindcl; XIU Fascicitlus retroflexoa, Meynert; XIV Centralcs Ui'lil.mgrau; XV Ganglion habenulae; XVI Habenula; XVII Lateraler Kern des Thalamus; XVIII Tract, optic, mit darunter liegendem Ganglion geniculatum extermun; XIX Pyranaidenbalm. In aattlt-lieber Grüsse gezeichnet nach einem nach Kultscliit/ky behandelten Serienscbnitt.
die sich gegen die laterale Flache des Thalamus wenden; end­lich der soeben erwähnte, beim Pferde sehr mächtige Faserzug aus dem Hinterhauptslappen, der den sogenannten hinteren Thalamus-stiel bildet, die Gratiolefsche Sehstrahlung. Ausserdem be­stehen Verbindungen des Thalamus mit dem vorderen Vierhügel­paar, dem äusseren Kniehöcker und wahrscheinlich auch mit dem
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1
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Krankheiten des Gehirne?.
Linsenkern und Schweifkern, der Schleife, der Haubonregion und dem Buckenmarke.
Die physiologische Bedeutung der Thalami ist noch nicht sichergestellt. Sie scheinen ein grosses Reflexcentram darzustellen, beim [Menschen wenigstens als solches der Ausdruckbewegungen der sogenannten psychischen Reflexe.
Fig. XXIV.
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Frontalschnitt durch das Grosshirn des Pferdes in der Höhe des rothen
Hanbenkernes.
i Corpna callosttm; 11 Tapetnm; III uncl IV unteres Längsbttndel; V Goren Ammonis; VI Jtimle des Ammonshornes; VII Fascia dentata Tarini; VIII Lobns pyriformis; IX stra-tmn zonale lt;te; SehhügclF : X Tjatcrale Wnr/.s'I des Tracttts Opticus; XI I'yrainiilrnbalin; XII I'ul-vinar Thalami; XIII Centrales Höhlen grau; XIV Hinteres Längsbündel; XV Ffusciculns retrtj-Hexns : XVt Xiicleus ruber; XVII Substantia intermedia Soemmorinjji; XVIII Corpus geni-cnlatnm mediale. In natürlicher flrtisse nach einem Kult^ehit/ky-Praparat gezeichnet.
Der Tractus opticus geht aus zwei Wurzeln hervor, die der Hauptsache nach vom Corpus geniculatum externum und mediale stammen uncl als laterale und mediale Wurzeln bezeichnet werden; ausserdem nimmt er aber auch Fasern auf, die aus dem hintersten Thalamustheile. dem l'ulvinar, aus dem oberflächlichen Faserbelag
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 113
demselben und dem vorderen Vierhügel kommen: die laterale Wurzel steht mit dem Sehhügel, dem äusseren Kniehöcker und dem vorderen Vierhügel in Verbindung. Von diesen Ganglien ent­springen nun Stabkranzfasern, welche sich zum sagittalen Mark­lager des Hinterhauptlappens vereinigen, das zur Kinde der hin­teren G rosshirnabschnitte führt (G r a t i o 1 e t'sche S e h b a h n).
Die mediale Tractuswurzel geht aus dem, beim l'ferde sehr mächtig entwickelten Corpus geniculatum mediale hervor. Wichtig ist, dass das Corpus genic. med. mit dem Sehact nichts zu thun hat und dass die von ihm wegziehenden Fasern nicht zum N. opticus gehen, sondern in die untere Commissur, Comm. inferior Gudden. Diese queren Commissurfasern bilden beim Pferde ein ziemlich starkes, unmittelbar an der hinteren Chiasmakante lie­gendes Bündel. Aus der Vereinigung der hier angeführten Faserzüge entsteht der Tractus opticus, ein beim l'ferde platter weisser Mark­strang, der sich um den Pedunculus herumwindet und zur Seh­nervenkreuzung führt.
Das Corpus maraillare ist ein unmittelbar hinter dem Chiasma gelegenes hügelförmiges Organ, das von der Hypophisis verdeckt wird: es geht aus einer doppelten Anlage hervor, die beim erwachsenen Thiere einen ungetheilten Körper bildet; nach vorne zu hängt das Corpus mamillare, den Trichter seitlich um­greifend mit einem unmittelbar vor dem Trichter liegenden grauen Körper, dem Tuber cinereum, zusammen. In jedem Corpus ma­millare befindet sich ein grösseres mediales Ganglion, aus welchem das ungekreuzt zum Sehhügel ziehende Vicq d'Azyrsche Bündel entspringt, und ein laterales, kleines Ganglion, welches Faserzüge zur Haube entsendet. Das Tuber cinereum enthält nach vorne zu eine Oeffnung für den Trichter, der eine graue Ausstülpung des Bodens der dritten Gehirnkammer darstellt, die am Gehirn-anhange oder der Hypophisis blind endigt.
e) Vorderhirn.
Es schliesst in sich den Nucl. caudatus, Nucl. lentiformis, Fornix, die vordere Commissur und den Hirnmantel.
Das gesammte Vorderhirn wird durch eine mediane Längs-spalte in zwei Hälften, die Hemisphären getheilt, welche an ihrer Oberfläche von grauer Substanz, der Hirnrinde, überzogen werden.
Uexler, Xervenkrankheiten de^ Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8
)
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Krankheiten dos Gehirnes.
Die einzelnen Abschnitte der Hirnrinde sind von sehr ver­schiedener fanctioneller Bedeutung. Diejenigen Rindenfelder, welche einer bestimmten Thiitigkeit vorstellen, nennt man corticale Centren: ihre Umgrenzung ist beim Pferde mit Ausnahme der motorischen Region, weder experimentell, noch klinisch genauer festgestellt. Als Vorbild muss daher das in dieser Beziehung am besten studirte Hirn unserer Hausthiere, nämlich dasjenige des Hundes dienen. Der Ver­gleich ist aber ein sehr lückenhafter, weil die Furchen und Windungen des Pferdehirnes sich mit denjenigen des Handehirnes nur zum ge­ringsten Theile decken. Eine homologisirende Darstellung der Win-dungsverhältnisse stösst deshalb auf grosse Schwierigkeiten. Es ist zwar bei den meisten gyrencephalen Thieren, namentlich im em­bryonalen Zustande, eine gewisse Aehnlichkeit der Hauptwindungs­anlage vorhanden, doch lassen sieh diese topographischen Ver­hältnisse gerade beim Pferde nur gezwungen in ein derartiges Schema einfügen. Nichtsdestoweniger gelingt es uns auch bei diesem Thiere mehrere constante oder Hauptfurchen und Windungen nach­zuweisen. Die wichtigsten, bei deren Beschreibung ich mich an die grundlegenden Arbeiten von Ellenberger und von K ru eg halte. sind nachstehende:
laquo;) An der Convexität der Hemisphären:
1.nbsp; Die Fissur a Sylvii, eine sehr kurze, tiefe, über der Fossa Sylvii gelegene, sich vielfach verästelnde Furche, die in drei Hauptäste zerfällt, deren längster nach vorne gegen das Stirnhirn zieht. (Siehe Fig. XXV.) Sie ist sehr weit und es ist daher in ihrer Tiefe die Inselwindung sichtbar.
2.nbsp; Die Fissur a ektosylvia — die Gesammtheit mehrerer, sehr schwach ausgeprägter Furchenstücke, welche das Verzweigungs­gebiet der Fissura Sylvii in einem Bogen umlagern.
3.nbsp; Die Fissura suprasylvia, eine sehr lange, tiefe, stark geschlängelte, die Scheitel- und Seitenpartie der Hemisphäre in schiefer Richtung von oben und vorne nach unten und hinten durchschneidende Furche, die caudal bis an das hintere Ende des Hirnmantels, oral bis an die Fissura cruciata zieht.
4.nbsp; Die Fissura lateral is liegt medial und dorsal von der vorgenannten und verläuft, 1 cm von der Mantelspalte entfernt, parallel zu dieser; caudal biegt sie nach abwärts gegen das
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Anatomie.
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Tentorium cerebelli um; ihr orales Ende erreicht sie an der Fissura crueiata in einer Frontalebene, welche durch das Kiefer­gelenk gelegt wird.
Fig, XXV.
5. Die Fissura e k t o 1 a-
teralis befindet sich aussei! von der vorigen, ist von geringer Tiefe, häufig gedoppelt und be­steht in den meisten Fallen aus einer Eeihe kurzer Fuichen-stücke.
(i. Die Fissura cru­eiata, eine kurze, sehr mar­kante Furche, die mit der correspondirenden der anderen Hemisphäre eine die Mantel­spalte kreuzende Vertiefung dar­stellt: sie entspringt aus der Fissura calloso-marginalis. Un­mittelbar vor ihr und mit ihr im Zusammenhange befindet sich
7. die Fissura coro­nal is an der dorso-medialen Fläche des Stirnhirnes; sie ist. beim Pferde sehr deutlich aus­
geprägt und verbindet sich, oral in einem Eogon nach abwärtsnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
ziehend, mit der Fissura prä- Dorsalansicht der rechten Hemisphäre
sylvia, einem Nebenaste der
eines Pferdehirnes:
d, ii. Grosse.
Fissura rhinalis. Ganz seitlich am Stirnhirn, von der Fissura coronalis bis in das Verzwei­gungsgebiet der Fissura sylvia
1 Fissura präsylvia; 2 Kissura Baprasylria; 3 Fissura lateralis; 4 Fissuraentolateialis; 5 Fis­sura ektolatcralis: (i Fissura crueiata; 7 Fissura coronalis. l)io dunkle Stelle über dem nasalen Ende der Fissura suprasylvia be/oiehnet einen Tbeil des motorisehen Kindenfeldes.
reichend, zieht sich die
8. Fissura diagonal is hin; sie zieht im Stirnhirn von vorne und oben nach rückwärts und unten und bildet eine con-stante Furche, die gewöhnlich von zwei Parallelfurchen begleitet ist.
b) An der medialen Fläche jeder Hemisphäre beobachtet man gleichfalls mehrere Furchen, von denen nur zwei constant sind:
8*
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116nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; •
9. Die Pissura calloso-marginalis (Fissura splenialis Frank), einecaudal vom Balkemvulst beginnende Furche, die in einem zum Balken parallelen Bogen in der Mitte zwischen der medialen Mantelkante und der Balkenoberfläche verläuft, und vorne unter­halb des Balkenknies ausstrahlt. In ihrer Mitte zweigt von ihr ein senkrecht zur Mantelkante aufstrebender Ast ab —#9632; das me­diale Anfangsstück der Fissura cruciata. Der vor dem Genu corporis callosi nach ab- und rückwärts sich wendende vordere End-theil der Fissura calloso-marginalis wird peripher von einer kleinen inconstantenFurche,derFissura rostralis, begleitet. Zwischen der Fissura calloso-marginalis und dem Balkenknie einerseits, sowie zwischen dieser und dem Splenium andererseits schiebt sich noch je eine unbedeutende Furche ein, von denen die vordere die Fissura genualis, die hintere die Fissura post spien ial is darstellt.
c) An der Hirnbasis bemerken wir eine seitlich gelagerte, sehr wichtige Furche:
11.nbsp; nbsp;Die Fissura rhinalis, welche die Grenze zwischen dem Rande des Tractus olfactorius und der übrigen Hirnrinde bildet. Sie ist sehr lang und es trennt ihre caudale Fortsetzung den Schläfenlappen von dem Lobus pyriformis (Fissura limbica).
12.nbsp; nbsp; Die Fissura hippocampi ist eine sehr constants Furche, welche die Fascia dentata (siehe Ammonshorn) birgt und nach hinten gegen die Cerebellarfläche des Grossliirnes sich wen­dend, gegen das hintere Balkenende zieht und in den Sulcus cor­poris callosi übergeht.
Alle diese genannten Furchen sind mit zahlreichen Aesten und Nebenästen versehen, die zum grössten Theile in einander über­gehen. Aus diesem Grunde sind die dazwischen gelagerten Theile der Grosshirnrinde, die Windungen oder Gyri sehr complicirt; der Furchenreichthum des Pferdegehirnes ist eben ein so grosser, class wohlumschriebene, ununterbrochene AVindungszüge nur in sehr beschränktem Masse vorkommen. Ja selbst ein Analogen für die vier Urwindungen vieler Thiere lässt sich nicht einwandsfrei aufstellen. Dies gilt mehr oder weniger für alle an der Convexität befindlichen Gyri.
An der medialen Seite der Grosshirnhemisphären liegt eine einfachere, leicht nachweisbare und sehr constante Windung, von der Balkenfurche und der Fissura calloso-marginalis begrenzt —
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 1 7
der Gyrus cinguli oder Gyms fornicatus; er ist gewöhnlich von einer seichten Längsfurche und von vielen Querfurchen durch­zogen und umschlingt gleichsam den Balken; caudal verlässt er den Balken üher dem Splenium, wendet sich gegen den Schläfen-läppen und heisst hier Gyrus hippocampi. Seine stumpfe, basal gelegene Spitze strahlt gegen die Mitte des Ventralrandes der Hemisphären ziehend in den Zitzenfortsatz aus.
Der untere Theil des Gyrus hippocampi bildet die Grundlage des Zitzenfortsatzes, indem er an der Ilirnbasis zu einem grossen stumpf-kegelförmigen Körper anschwillt, der hiedurch zu einem eigenen Hirnlappen, dem Lobus pyriformis wird, üebrigens participirt hieran noch der laterale Abschnitt des Gyrus olfact. und die hakenförmige Ombeugung des Gyrus hippoc, der Gyrus un-c i n at us.
Von den ürwindungen sind die erste und zweite nur in ihrem oralen Antheile angedeutet. Ein, der vierten ürwindung, dem Gyrus marginal is entsprechendes Windungsconvolut wird medial von der Fissur a calloso-marginalis begrenzt und ist durch eine Längskerbe in zwei Theile getheilt, die ihrerseits wieder mit vielen Nebenzweigen versehen sind. Diese Windung begleitet beim Pferde die Mantelspalte nicht in ihrer ganzen Länge, sondern endet oral schon an der Fissura cruciata. Der von der Fissura suprasylvia und Fissura lateralis eingeschlossene Gyrus suprasylvius (3. ürwindung) zerfällt aboral ebenfalls in zwei Theile und reicht nach vorne bis zur Fissura cruciata, wo er sich mit dem Gyrus marginalis verbindet.
Was den Verlauf der Windungen im Allgemeinen anbetrifft, so ist noch hervorzuheben, dass wir fast bei jedem Gehirne kleinere oder grössere Abweichungen antreffen; ja es gibt kaum zwei Ge­hirne, bei welchen in der Art der Anlage der Windungen — die oben aufgezählten ausgenommen — nicht kleinere Schwankungen zu verzeichnen wären.
Auch eine Einthcilung in Stirn-, Scheitel-, Schläfen- und Hinterhauptlappen ist bei diesem Thiere nur künstlich durch­zuführen, weil die Begrenzung der Schädelknochen eine andere ist als beim Menschen, weil die einzelnen Lappen nicht scharf von einander zu trennen sind und sie functionell nicht mit den­jenigen des Menschen in Üebereinstimmung gebracht werden können: wir kennen ja, wie bereits hervorgehoben, heute noch
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118nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
nicht genau die Functionen der einzelnen Rindengebiete beim Pferde.
Nach Ellen berger, der diesem Gegenstande eine besondere Aufmerksamkeit zuwendete, hätten wir den Stirnlappen oder Lobus frontaliS hinten von jenen Furchen begrenzt anzusehen, welche der Fissura cruciata und der Fissura praesylvia des Hundes entsprechen. Analog wird der ohne scharfe Grenze in den Scheitellappen über­gehende Hinterhauptlappen oderLobus occipitalis durch die den Fissuraeektolateralis, splenialisund occipito-temporalis entsprechenden Furchen des Hundes seitlich, medial und hinten begrenzt. Der Schlafenlappen liegt unmittelbar hinter der Fossa Sylvii. Der Piiech- und .Sichellappen wird von der Fissura splenialis et rhinalis. rhinalis post, und Fissura hippocampi umgrenzt. Jenes Gebiet, welches den Lobus pyriformis und den Tractus olfactorius um-fasst, wird als zum ßiechlappen gehörig bezeichnet.
Das motorische Rindenfeld des Pferdes ist meines Wissens am genauesten von Arloing untersucht worden. (Associationfranraise pour l'avancement des sciences: Paris, 1878.)
Bei faradischer Heizung der Rindenzone 1 seines Schema's (Siehe Fig. XXVI.) erhielt er starke Beugung der gegenseitigen Extremitäten und schwächere Muskelcontractionen in den Extre­mitäten der gleichen Körperseite. Die Heizung des Feldes 2 ergab Contraction der gegenseitigen Kiefermuskeln, des Feldes '#9632;'gt; der Muskeln der Xase und der Oberlippe, des Feldes 4 Zurückziehen der Zunge, des Feldes 5 Oeffnen der Kiefer, Contraction der gegen­seitigen Halsbeuger und des Sternocleido-mastoideus, so dass im Halse eine Drehung zustande kam.
Durch Heizung der Zone (i wurde Blinzeln und Lidschluss des gegenseitigen Auges, bei sehr starken Strumen auch des Auges derselben Seite erzielt.
Reizung des Feldes 7 ergab laugsame Hebung des gegen­seitigen Augenlides und Niederlegen des Ohres: auch hier konnte durch die Verstärkung der Ströme eine Mitcontraction der Muskeln der gereizten Seite hervorgebracht werden.
Auffallend war Arloing der Umstand, class die Faradisation der, die Fissura cruciata umgebenden Gyri kein Resultat ergab. Dieser Umstand, den ich aus eigenen Versuchen zum Theile be­stätigen kann, ist umso merkwürdiger, weil von jener Gegend bei
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fast allen bisher untersuchten Thieren Zuckungen durch elektrische Ströme erzeugt werden können.
Fig. XXVI.
Seitenansicht einer Hemisphäre des Pferdehirnes.
1—8 Eimlonfcltlcr, (ieren Itoizung Contriu-tionen in pcwisECn Gruppen der gegenseitigen Ivurjierseite auslöste. Nach Arloing.
Als einen Theil des motorischen Rindenfeldes muss ich nach meinen unter Mitwirkung Ur. K r e id l's bei drei Pferden durchgeführ­ten Versuchen jenes Gebiet bezeichnen, welches oral von der Fissura cruciata, lateral von dem Proc. superior fissurae suprasylviae und caudal von dem vorderen Theile der Fissura ektolateralis umschlossen ist. Ich erhielt bei galvanischen Reizungen typische Zuckungen in der vorderen und hinteren Extremität der gegenüberliegenden Körper­seite. Die Centren für die Bewegungen der Zunge, der Gesichts­muskeln etc., die nach Arloings Ergebnissen zweifellos in der Umgebung dieses Areales liegen müssen, gelang es mir bisher nicht aufzufinden; innerhalb desselben ist jedoch noch eine weitere Differenzirung der Centren für einzelne Muskelgruppen möglich. Reizungen der Rinde an jenen Stellen lösen Bewegungen in den zugehörigen Muskeln, Zerstörung oder Abtragung der Rinde Läh­mungen aus.
LTeber die Emp fin dun gscentren können keine genaueren Angaben gemacht werden. Sie stehen jedenfalls mit den moto­rischen in inniger Beziehtrng und dürften soear in der motorischen
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1-0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
Rindenregion liegen, sind aber selbst Leim Menschen noch nicht genau erforscht.
Auch über die Lage der Centron für den Geschmack, den Geruch und das Hören sind wir nicht besser orientirt. Soweit Uebertragungen der Verhältnisse vom Menschen und von einigen experimentell genau untersuchten Sängethieren gestattet sind, dürfen wir nur annehmen, dass das Geruchscentrum mit der Rinde des Ammonshornes in Beziehung tritt und dass das Hörcentrum in den Schläfenlappen zu verlegen ist: das Hörcentrum jeder Seite dürfte mit beiden Acustici in Verbindung treten, so dass bei Zer­störung des einen. Compensation durch das andere statthat.
Nur hinsichtlich des Sehcentrums können wir auch beim Pferde mit Sicherheit sagen, dass es in die caudalen und medialen Theile des Lohns occipitalis verlegt werden muss, weil bei diesem Thiere die cerebrale Opticusbahn oder die Gratiolet'sche Sehstrahlung einen auf Weigert-Serienschnitten sehr markanten Faserkörper bildet, dessen Verlauf im sagittalen Marklager vom hinteren Ende des Thalamus bis zu seiner Aufsplitterung in der Rinde des genannten Hirntheiles genau abgelesen werden kann. Unterstützt wird diese aus der histologischen Präparation gewonnene Thatsache noch durch das Experiment. Munk erzeugte beim Pferde Seelenblindheit, indem er nahe der hinteren oberen Spitze des Hinterhauptlappens die Rinde im Umkreise von etwa 20 mm in einer 2 mm dicken Schichte abtrug.
Unterhalb des Cortex liegt die Marksubstanz des Grosshimes; sie trennt die oberflächlich gelegene Rinde von den in der Tiefe befindlichen Central- oder Basalganglien, zu welchen der Schweif­kern, der Linsen kern und der Seh hü gel gerechnet werden. Nach vorne zu erhält die weisse Substanz ihre grösste Mächtigkeit in dem im Stirnlappen liegenden Centrum semiovale; gegen die Hirnbasis zu senkt sich dieselbe zwischen die Contralganglien in Form breiter Markstreifen ein und umhüllt namentlich den Linsen­kern von innen und aussen, so dass man von einer inneren und äusseren Kapsel spricht. Die innere Kapsel zerfällt an Horizontal-schnitten in ein vorderes und hinteres Glied, die in einem stumpfen Winkel aneinander stossen: das erstere liegt zwischen Linsenkern und Schweifkern, das letztere zwischen Linsenkem und Sehhügel (Siehe Fig. XXVII.): beim Pferde ist dieses weit breiter und länger
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als das vordere. Lateral von der äusseren Kapsel befindet sich das Claustrum oder die Vormauer, ein sehr schmaler Streifen grauer Substanz, der seinerseits wieder vom Cortex, durch eine dünne Lage weisser Substanz getrennt ist.
Fig. XXVII.
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Horizontalscbnitt durch die rechte Grosshirnhemisphäre des Pferdes.
i Centrmn serolovale; II CapBttlo interna; III Capsula exteraa; IV Fimbria cornu Ämmoais; V Tapetnin; VI Gratiolet'S Selutrahlaaff; zwischen V und VL; Fasciculus lonu'ituclinalis inf.; VII Corpus callosam; IX Nucleus caadatas; X Nucleus lentiformis; XI Claustrum; XII Tha-lamns optlcas; XIII Pulvinar tbalami; XIV Cornu Anunonis; XVWexuraquo; chorioides der Seiten-Ventrikel. G-ezeicbuet nacb einem Serleuschnitt in natürlicher Grüsse. Hamp;matoxylinlmprägnation
nach Kultschitzky.
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Krankheiten des Gehirnes.
Die weisse Substanz im Inneren des Grosshirumantels besteht ans mehreren grossen Fasersystemen. 1. Aus solchen Fasern, welche aus der Hirnrinde zu den Ganglienmassen des Zwischenhirnes oder bis zum Mittel-, Hinter- und Nachhirn sowie zum Rückenmarke ziehen: ihre Uesamnitheit wird als Stabkranz odor Corona radiata Reilii bezeichnet. 2. Aus Fasern, welche gewisse
Kit: XXVIII.
III.— IV.— V.-
VI. VII.-
viii.-ix.-
X.
XL
XU.quot;
XIII.
XIV.
Frontalschnitt durch das Grosshirn des Pferdes in der Höhe der Sehnerven-
kreuzung.
1 Soitenventrikel: II Ventriculaa tertius; III f'ortex; IV Weisse Substanz; V '.'orpus callo--inn ; VI Tapetom; VII Koi'f des Nucleus caudatus; VIII Capsula interna; IX Septum pellu-eidum; X Xucleuslentiformie; XE Capsula externa; XII Tractus olfactorius; XIII Commissura anterior; XlVCIiiasrna nervorutn opticorum. In natürliclier Grüsst' gezeichnet nach einem nach Knltscliitzky behandelten Serienschnitt.
Bezirke beider Hemisphären verbinden, die sogenannten Com-missurfasern. ;-gt;. Aus Faserzügen, welche einzelne Theile der Hirnrinde einer Hemisphäre untereinander verbinden; man nennt sie Associationssysteme.
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 123
Stab k r a n z.
Der Stabkranz kann in Bezug auf die einzelnen Rindengebiete wieder eingetheilt werden: a) In die frontale Brückenbahn, von
den vorderen Partien des Stirnhirnes; h) in die Pyramidenbahn, von dem motorischen Eindenfeld ; c) in die sen so rise hen, haupt­sächlich aus dem Hinterhauptlappen kommendenBahnen, von welchen wir lieim Pferde nur die Sehstrahlung Gratiolet's genauer kennen. Ausser den bezeichneten Systemen gibt es eine Anzahl anderer, deren räumliche und fmictionelle Verhältnisse beim Pferde gar nicht bekannt sind, ilit dem Stabkranz gleichwerthig ist neben anderen weniger wichtigen Organen der For nix oder das Gewölbe, welcher beim Pferde eine dreieckige Markplatte darstellt, die den Sehhügel von seitwärts und vorne deckt. Er entsteht aus der Vereinigung der Fimbrien beider Ammonshörner; dieFhnbrien, resp. ihre Fort­setzungen, welche beim Pferde infolge der Grosslaquo;; der Ammons­hörner ungemein ausgedehnt sind, steigen als „hintere Fornix­schenkelquot; aus dem i'ntcrhorne der Seitenventrikel herauf und wenden sich gegen den Balken: sie liegen aber nicht wie beim Menschen der unteren Balkenfläche an, sondern sind von dieser durch die vorderen Enden der weit aufragenden Ammonshörner abgedrängt. Nach dem Zusammentritte beider hinteren Schenkel zum Körper des Fornix wendet sicli dieser immer mehr vom Balken ab und bedeckt die vordere Partie der Sehhügel. In dem von ihm und der ventralen Balkenfläche eingeschlossenen Raum ist ein medianes, vertikal gestelltes nervöses Doppelblatt, das Septum pcllucidum, ausgespannt. Der Fornix besitzt 2 Flächen und '6 Ränder. Die obere Fläche ist gewölbt, bildet die mediale und ventrale Begrenzung der Seitenventrikel und trägt in der Mittel­linie die Basis des Septum pellucidum, das sicli beim Pferde bis in den schmalen, zwischen dem Balkenkörper und dem umge­schlagenen caudalen Balkenende liegenden Baum einschiebt: das Septum pellucidum separirt also beim Pferde jene Balkenpartien gänzlich, so dass der Fornix dem Balken nirgends direct anliegt; er steht mit ihm nur durch das aborale Balkenende, durch den ventralen Theil des Splenium corporis callosi in Verbindung, der sich in die Deckschicht des Ammonshornes, beziehungsweise in die Fimbria fortsetzt, aus der die hinteren Fornixschenkel hervorgehen.
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124nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
JJie untere Flüche liegt in ihrer ganzen Ausdehnung der Tela chorioidea auf, mit der sie leicht verwachsen ist und welche sie von der Thalamusoberfläche scheidet.
Ton den .{{ändern steht der hintere, wie zuvor erwähnt, durch den Alveus mit dem Ausläufer des Splenium in Verbindung.
J)ie beiden Seitenränder dienen in ihrem rückwärtigen Ab­schnitte dem Plexus chorioideus zum Ansätze: nach vorne zu werden sie frei, wenden sich in einem Rogen der Hirnbasis zu und schliesson mit dem Thalamus eine Verbindnngsöft'nung des zweiten mit dem dritten Ventrikel, das Foramen Monro i, ein. Unmittelbar vor diesem Foramen theilt sich der spitz zulaufende Fornix in zwei Schenkel, die runden Pfeiler des Gewölbes: sie umziehen den vor­deren Thalamus, tauchen convergirend unmittelbar hinter der Commissnra anterior gegen die Hirnbasis, biegen nach rück­wärts gegen die subthalamische Region, wo ihre Fasern in das Corpus mamillare, zum Theile aber auch in den Thalamus opticus gelangen. Fs stellt der Fornix sonach ein System dar, welches seine Fasern der Hauptsache nach aus der Rinde der Ammonshörner erhält und zu den basalen Centren des Hirnstammes führt.
Commissurenfasern des Gehirnes.
Man hat zwei Systeme, den Balken und die vordere Com-missur zu unterscheiden.
Der Balken, das Corpus callosum, liegt am Boden der me-dianen Mantelspalte und besteht aus Fasermassen, welche identische Areale beider Hemisphären untereinander verbinden: er ist die grösste Commissur des ganzen Gehirnes. Seine Länge beträgt beim erwachsenen Pferde etwa ß'/a cm; wir unterscheiden an ihm einen eigentlichen Körper, zwei Flächen und ein vorderes und hin­teres Ende.
Das vordere Ende biegt nach unten um (Genu Corp. callos.) und wendet sich rasch verjüngend eine kurze Strecke nach hinten (Rostrum corp. callos.) Zwischen ihm und dem oralen Theil des Balkenkörpers liegt das Septum pellucidum.
Das hintere Ende verdickt sich nur sehr wenig, schlägt sich nach vorne um (Splenium corp. callos.) und hängt räumlich mit dem Alveus des Ammonshornes zusammen: dieses zugeschärfte
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I2'.t
hintere Balkonende wird als G 0 m miss u r der A m m o n s h ö r n e r bezeichnet.
Die untere Balkenfläche trügt median in ihrer ganzen Länge das Septum pellucidum und bildet das Dach der Seitenventrikel.
Die obere, den Boden der Mantelspalte bildende convoxe Balkenfläche ist durch zwei, nahe der Mittellinie liegende Mark­streifen, die Nerv i Lancisii oder Striae lo n gi tudin ale s ausgezeichnet, die von den vorderen Schenkeln des Gewölbes an, als zwei, beim Pferde deutlich ausgebildete Stränge den ganzen Balken umschlingen und sich in den Gyrus hippocampi einsenken.
Der von seinem vorderen Theile, dem Balkenknie stammende Faserzug strahlt in einem nach innen offenem Bogen zum Stirn­hirn und bildet den Forceps anterior; die vom mittleren Theile des Balkens kommenden Fasern gehen zunächst horizontal in beide Hemisphären ein und biegen dann, um zu den verschiedenen Rinden­gebieten zu gelangen, nach auf- und abwärts um. Die vom einge­rollten hinteren Ende des Balkens, dem Splenium, kommenden Fasern ziehen als eine beim Pferde wohl entwickelte starke Faser­masse in einem nach rückwärts offenem Bogen zu den Hinter­hauptlappen. Forceps posterior. Die wahrscheinlich dem hin­teren Theil des Balkenkörpers ungehörige Balkenstrahlung hilft als Tapetum die Wand des Seiten Ventrikels in ihrer hinteren und unteren Partie bilden (Siehe Fig. XXIV).
Die vordere Commissur zerfällt in zwei Theile, die in der Medianebone zu einem, knapp vor den Säulen des Fornix liegenden unpaarenMittelstücke vereinigt sind. Das Vorderhornist besonders stark ausgebildet und geht zum Bulbus olfactorius (Pars olfactoria); das Hinterhorn ist bedeutend schwächer und zieht durch den Linsenkern hindurch zum Lobus pyriformis (Pars po­sterior). Die Commissura anterior verbindet einen Theil des Lobus pyriformis und des Tractus olfactorius mit den homologen Bezirken der anderen Hemisphäre.
Associationsfasern.
Verbindungen gewisser Rindengebiete einer Hemisphäre be­stehen zwischen den benachbarten Windungen untereinander, L'-förmige Fasern oder Fibrae propriae. Andere, beim Pferde an Serienschnitten und Zerfaserungspräparaten leicht darstellbare,
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J2ßnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
lungere Associationssysteme sind: Die Zwinge oder das Cingulum, ein bogenförmiger Faserzug, der dem vorderen Theile des Balkens aufliegend, von der Medianfläche der Hemisphäre bis zum Lob. pyri-formis reicht. Ein zweiter, gleichfalls sehr mächtiger Faserzug ist das untere Längsbündel, Fase. long, inferior; es verläuft lateral von den Seitenventrikeln und verbindet die dem Schläfen­lappen entsprechenden Hirntheile mit dem Hinterhauptlappen.
In den obgenannten Fasersystemen, denen sich noch andere, nicht genauer untersuchte anreihen, erblickt man beim Menschen die Vermittiungsorsane der Vorstellungsassociation.
Im Inneren des Grosshirnes sind nun noch mächtige Ganglien enthalten, die gleichfalls zum Vorderhirn gerechnet werden: Der S chweifker n oder Nucleus caudatus und der Linsenkern oder Nucleus 1 e n t i f o r m i s; mit ihnen räumlich enge verbunden ist der bereits besprochene, zum Mittelhirne gehörige Thalamus opticus.
Der Schweif kern, jene graue Ganglienmasse, deren vorderer aufgetriebener Theil in die Seitenventrikel hineinragt, verschmächtigt .sich distal beim Pferde sehr stark und zieht in einem nach unten offenen Bogen im sogenannten Unterhorne der Seitenventrikel bis in den Lobus pyriformis. Von dem Kopfe des Schweifkernes wird durch das Vorderhorn der Seitenkammer ein Theil abgespalten, der sich an die halbdurchsichtige Scheidewand anlegt und als Nucleus septi pellucidi bezeichnet wird.
Legt man durch eine Grosshirnhemisphäre einen Horizontal­schnitt so, dass dor Nucleus caudatus etwa l1/., cm unter­halb seiner Kuppe getroffen wird, so erblickt man lateral vom Kopf des Schwanzkernes und von ihm durch eine weisse Markstrahlung getrennt eine beim l'ferde sehr kümmerlich entwickelte Ganglien­masse, den L in s enk e r n, welcher durch eingelagerte schmale Faser­züge concentrisch ineinandergeschachtelte Abtheilungen erkennen lässt. Sein hinterer Antheil, der über dem Pedunculus cerebri und unmittelbar unter dem Sehhügel gelagert ist, entspricht dem sogenannten Mandelkern des menschlichen Gehirnes. Ueber die functionelle Bedeutung dieser Ganglienkörper weiss man nichts Genaues.
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Anatomie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;l-(
Hirnhöhlen.
Das ganze nervöse Centralorgan beherbergt in seinem Innern ein zusammenhängendes System von Hohlräumen: im Rückenmark finden wir denCentralcanal, im Nach-und Hinterhirn die Rauten­grube, im Mittelhirn den Aquacductus Sylvii, im primären Vorderhirn den mittleren Ventrikel und im secundären Vor­derhirn die Seitenventrikel. Die Topographie des Centralcanales und der Rautengrube oder des vierten Ventrikels ist bereits er­wähnt worden; es wurde hervorgehoben, class der Boden ties letzteren von einer grauen Masse gebildet wird, die auch die Sylvische quot;Wasserleitung in sich schliesst und sich nach vorne, die Innenaus­kleidung des dritten Ventrikels bildend, bis zum Tuber cinereum fortsetzt. Diese Ganglienmasse wird in ihrer Gesammtheit als centrales Höhlengrau (Meynert) bezeichnet.
Die Sylvische Wasserleitung ist ein enger Canal, der den vierten mit dem dritten Ventrikel verbindet und unmittelbar unter den Vierhügeln liegt. Der dritte Ventrikel erscheint im Frontalschnitte T-förmig; der vertical gestellte Spalt befindet sich vor dem Eingange in den Aquaeductus und zwischen den beiden Thalami und reicht bis zum Trichter hinab. Der obere Rand des verticalen Theiles wird von der Stria medullaris thalami gebildet, an welcher der Plexus chorioideus medius angeheftet ist. Proximal, wo die Stria medul­laris schon den vorderen Fornixschenkeln nahe ist, erblickt man zwischen Thalamus und Fornix eine Lücke, das Foramen Monroi, durch welches die Seitenventrikel indirect verbunden werden und durch welches der Plexus chorioides von der Zwischenhirnkammer in die Seitenkammern eintritt. Der horizontale Theil des dritten Ventrikels ist eingeschlossen von der Unterfläche der Tela chorioidea .superior und von der oberen Fläche des Sehhügels.
Die Seitenventrikel communiciron durch das Foramen Monroi mit der dritten Gehirnkammer: sie liegen innerhalb der Grosshirn-hemisphären und besitzen eine vordere und hintere Verlängerung: die vordere, das sogenannte Vorder horn, ist in Verbindung mit der Höhle des Bulbus olfactorius; die hintere reicht mit dem Ammonshorn bis in den Lobus pyriformis und wird als unteres Horn bezeichnet; ein dem Hinterhorn des Menschen analoger Recessus fehlt. Auch einen, dem V e r g a'schen Ventrikel vergleichbaren
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128nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des üehirnos.
Anhang der Seitenkammern habe ich entgegen den Angaben Deje-rine's nicht nachweisen können. Im Gebiete des Vorderhornes liegt der Streitenhügel und der Stirnlappen; die Decke bildet das Corpus callosum. Derjenige Kammertheil, welcher zwischen Streifenhügel, Ammonshorn und dem Monroi'schen Loche liegt, heisst Cell a m e d i a.
Das ünterhorn erstreckt sich bis in die Zitzenfortsätze, wo es blind endigt; seitlich ist es begrenzt von dem Tapetum, einem mit dem Balkon verbundenen mächtigen Faserzug, medial von der Deckschicht des Ammonshornes oder Muldenblatt und weiter vorne von der oberen Fornixfläche.
Das Ammonshorn stellt einen beim Pferde verhältnismässig sehr starken Wulst dar, der, wie erwähnt, den Boden des Unter-hornes bildet und, caudal, lateral und dorsal vom Sehhügel liegend, in einem nach vorne und unten offenen Bogen gegen die Hirn­basis weit nach vorne unter den Balken zieht. Die Cornua Am-monis sind so gross, dass sie oberhalb der Thalami zusammen-stossen und auf Frontalschnitten, welche durch das Mittelhirn gehen (Siehe Fig. XXIII und XXIV), zweimal getroffen werden. Sie stellen eine Falte der medialen Grosshirnwand dar, die caudal aus dem Gyrns hippocampi hervorgeht, sich in Form eines Drei­viertelbogens in die Seitenventrikel hineinwölbt, über die Tha­lami hinüberlegt und zum Fornix wieder umschlägt. Ein Querschnitt welcher durch den Gehörgang gelegt wird, berührt das caudale Ende, während ein 4 —-t'/o cm vor dem Ohreingang geführter Schnitt unmittelbar vor das Ammonshorn fällt (El len b e rger). Es enthält mehrere Schichten und besteht eigentlich aus einer doppelten Hirnwindung, deren Cortex gegen einander gerichtet und innig verwachsen ist. Der mediale Theil stellt einen ganz in der Fissura hippocampi verborgenen Strang, die Fascia dentata Tarini vor, während der laterale Theil Hippocampus, Pferde-fuss, genannt wird. Die (Oberfläche des letzteren ist es, welche der Höhle des Unterhornes, dem Cornu descendens der Seitenkammern zusteht. Sie wird überzogen von dem Ependym der Seitenventrikel, das sich von der Fimbria auf den Plexus chorioideus fortsetzt, diesen ganz einhüllt und dann weiter auf die Seitenwand und die Decke des Unterhornes übergeht. Es ist somit der Yerschluss des Unterhornes nur durch eine dünne Membran bewerkstelligt.
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Hirnnerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;129
Im Inuorn der Gohirnkammern sowie in dem später zu besprechenden Subaraclinüidalraum ist eine wässerige, beinahe voll­kommen klare, .schwach gelbliche Flüssigkeit, der Liquor cerebro-spinalis enthalten. Der Liquor cerebrospinalis steht normal unter einem nicht unbeträchtlichen Druck, so dass er beim Anschneiden der Ventrikel fast regelmässig in einem kleinen Bogen herausspritzt (Hering, Johne). Nach meinen Beobachtungen ist dies fast immer der Fall, wenn das Gehirn nur durch Wegnahme des .Schädeldaches blossgelegt und mit dem Rückenmarke und der Wirbelsäule im Zusammenhange belassen wurde; auch die Lage dos Cadavers ist nicht ohne EinHuss. Ferner ist zu bemerken, dass die Druckverhältnisse schon physiologischer Weise sehr wechseln können. Die mittlere Menge der in den Ventrikeln, den Subarachnoidal-und Subdnralräumen des Gehirnes und des Halsmarkes enthaltenen Cerebrospinalflüssigkeit beträgt beim erwachsenen Pferde 157'5 cm*. (Johne). Den durchschnittlichen Eiwcissgelialt stellte Seeliger mit 0-177 % fest.
Das Gewicht des Gehirnes beträgt bei erwachsenen Pferden 642^ im Mittel (Colin). Chauveau bestimmte dasselbe mit 650 y, beziehungsweise 1j:ii;., — quot;/soo ^es gesammten Körper­gewichtes.
Die Hirnnerven. 1. Der Riechnerv, Nervus ol fact or ins.
Als Riechnerv kann man nur die Gesammtheit jener Fasern be­nennen, welche aus dem Gebiete der Riechschlcimhaut durch die Sieb­beinslöcher in die Schädelhöhle eintreten, zum Riechkolben, Bulbus olfactorius ziehen und in dessen Nervenzellenschichte enden (Fila olfactoria); der Riechkolben ist daher den Kernen der meisten sensiblen Nerven gleichwertig. Er bildet beim Pferde ein sehr mächtiges Organ, welches durch einen breiten und flachen Stiel, den Tractus olfactorius. mit der Hirnbasis in Verbindung steht. Der Tractus olfactorius enthält in seinem Innern einen mit Flim-meropithel ausgekleideten 11—12 mm breiten und 4—5 mm tiefen Hohlraum, welcher die Fortsetzung der Seitenventrikel darstellt und im Bulbus blind endigt. Am Durchschnitte unterscheiden wir mehrere Schichten. Auf die periphere Schichte der marklosen Fila olfactoria folgt eine Reihe von kugeligen, bis 0'40 mm grossen
Dexler. Xervenkrankheiten dos Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
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im)
Krankheiten des Gehirnes.
Körpern, die Glomeruli olfactorii, in welchen die centralen Enden der Fila olfactoria sich verästeln. Die dritte Schichte besteht aus grauer Substanz — Stratum griseum — und ruht auf einer Lage weisser Fasern auf, die den Hohlraum des Bulbus olfactorius um­grenzt; sie ist der Hirnrinde vergleichbar und enthält eine deutlich umschriebene Lage grosser, den ßiesenpyramidenzellen des Cortex ähnlicher /eilen, welche man M itralzell en nennt. Die weisse Substanz zerfällt wieder in zwei scharf von einander gesonderte Gebiete: l.Die centrale, unmittelbar unter dem Ependym liegende Schicht, welche aus feinen markhaltigen Nervenfasern besteht: sie gehört der Pars olfactoria commissurae anterioris an. 2. Die peripher von dieser befindliehe, weisse Substanz besitzt gröbere Fasern, die in den Tractns olfactorius übergehen. Caudal theilt sich der Tractus olfactorius in drei Stränge, die mediale, mittlere und laterale Wurzel: die mediale ist nur undeutlich begrenzt und wendet sich gegen die Mantelspalte, wo sie sich verliert: die mittlere, ein mit freiem Auge nicht wahrnehmbarer kurzer Faserzug. geht zum Riechhügel, d. i. zu der beim Pferde halbkugelig aufgetriebenen Substantia perforata anterior: die laterale Wurzel ist die markanteste und stärkste und zieht, seitlich durch die Fissura rhinalis beziehungsweise deren Fortsetzung, der Fissura limbica von dem Cortex der Hemisphären geschieden nach hinten, um in der Gegend der Ilakenwindung, seitlich und caudal vom Lobus pyriformis zu enden.
Vom Tractus olfactorius gehen Faserzüge zum Ammonshorn und zur vorderen Commissur, deren Pars olfactoria beim Pferde besonders stark ausgebildet ist. Ausserdem bestehen Beziehungen zum Fornix und zum Septum pellucidum.
Die centrale Geruchsbahn und das Geruchscentrum sind noch nicht genau erforscht; nur so viel darf angenommen werden, class das erste Neuron in der Riechschleimhaut beginnt, im Bulbus olfactorius in die Glomeruli eintritt und dort endet; von da erstreckt sich das zweite Neuron im Tractus olfactorius bis zur Substantia per­forata anterior, zur Rinde des Kopfes vom Nucleus caudatus und in den Lobus pyriformis ; von letzterem geht wahrscheinlich nur mehr ein Neuron, das dritte, bis zum Ammonshorn; der weitere Verlauf ist dann unbekannt: nach Löwen thai besteht in den Riechbahnen höherer Ordnung auch eine theilweise Kreuzung.
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llirnnerven.
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2. Der Sehnerv. Xltvus optic us.
Zu ihm gehört die Retina, der eigentliche Sehnerv, das Chiasm a oder die Sehn ervenkreuzung und der Sehst iel oder Tract us opticus. Der in der Orbita und in der Schädelhöhle liegende Tlioil des im gewöhnlichen Sprachgebrauch als Sehnerv bezeichneten Stranges ist fast vollkommen rund. 5—6 ww dick und
Fig. \.\l.\.
^
^
....
#9632;:#9632;-
sc
2,
Horizontalschnitt durch das Chiasma nerv, optic, eines Pferdes, dessen linker Bullms exstirpirt worden war.
m caudalc. n orale Kante des Cbiasma; a total degenerirter linker Opticus, h normaler rechter Opticns; c linker TtactUS opticus, nur wenige degenerirte Fasern an ?einor na.-alen Kante enthaltend; d rechter Tractus opticus, an seiner oralen Kante nur eine geringe Menge noch er­haltener (dunkel gefärbter; Fasern enthaltend, die aus dein gleichseitigen Opticus stammen: am caudalen Rande beider Tractus sind die normalen (dunkel gefärbten) Ibmdel der Gudden'scben Commissur vorbanden, welche auf der Seite des linken Tractus sich von den übrigen Fasern
nicht abheben; 5/i d. n. Gr.
besteht aus ungemein feinen Fasern, die durch deutliche interstitielle Sepien in verschieden gvosse Bündel getrennt werden: er verbindet sich in der vorderen Schädelgrube mit dem gleichnamigen Nerven der Gegenseite zum Chiasma nervorum opticorum; in letzterem findet eine partielle Kreuzung der Fasern statt, so dass der caudal aus
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132nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
dem Chiasma gegen das Hirn ziehende Sehstiel folgende Fasern ent­lullt: 1. Fasern aus dem gleichseitigen; 2. Fasern aus dem gegen­überliegenden Sehnerven und 3. Commissurfasern. In jedem Tractus stammt ein Theil, u. zw. der überwiegend grössere, aus dem Auge der Gregenseite, ein anderer Theil, der an Masse etwa Yr, der ersteren betrügt, aus demjenigen derselben Körperseite. In dem von jenen beiden Faserarten durchsetzten Chiasma existiren ausserdem noch drei weitere Faserarten: 1. Solche, die im hinteren Winkel des­selben von einem Tractus zum anderen ziehen — die oben erwähnte Gudden'sche oder untere Commissur — die zum Sebact in keine Beziehungen tritt. 2. Dorsal von der oberwähnten liegt die M e y n e r t'sche C o m m i s s u r, welche in das Corpus subthalamicum Luysii einstrahlt, und noch weiter caudal, also hinter der Gudden'schen Commissur trifft man 3. einen dünnen schwachen Faserzug. der, von den lateralen Abschnitten des Chiasma stammend, die Commissura inferior überquert und sich im Ventrikelboden mit dem correspondirenden, von der anderen Seite kommenden, kreuzt; er entspricht wahrscheinlich der Forcl'schen C o m miss u r. Nach einseitiger Bulbusexstirpation degenerirt tier Opticus der betrettenden Seite, ein grosser Theil des gegen­überliegenden Tractus opticus, der Tractus interpeduncularis transversns beider Seiten, und ein kleiner Theil des gleichseitigen Tractus opticus; ausserdem treten Degenerationen auf in der Forel-sclien Commissur, dem Corpus geniculatnm laterale, der hinteren Portion des Sehhügels und dem vorderen Vierhügel der Gegen­seite: erhalten bleiben: der Opticus des intacten Auges und, auf der operirten Seite, der grosste Theil des Tractus, innerer Kniehöcker, Thalamus und vorderer Vierhügel. (Siehe Fig. XXXII.)
Der T r ac t u s optic u s, ein flacher, breitgedrückter weisser Strang spaltet sich in zwei Wurzeln, von denen die eine, seitliche, grösstentheils in dem lateralen, die andere im medialen Kniehöcker endet: ein Theil der Fasern der lateralen Wurzel strahlt jedoch nicht im lateralen Kniehöcker aus, sondern geht unter ihm durch und wendet sich gegen die hintere Abtheilung des Thalamus; ein anderer Theil verliert sich an der Thalamusobertiäche im Stratum zonale. Ein letzter und ziemlich beträchtlicher Abschnitt der über den äusseren Kniehöcker weggehenden Wurzelfasern zieht im Arm des vorderen Vierhügels zu diesem Ganglion, wo er in den ober-
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Hiinnerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;13.'gt;
Bächlichen Schichten endet; endlich bestellt noch eine dritte, dem Sohnerven angehörende Wurzel, die schon erwähnte, vom Chiasma direct ins centrale Höhlengrau tretende sehr schwache Faserung. welche mit dem Namen basale Opticuswurzel belegt wurde: über den weiteren contralen Verlauf dieser Bahnen ist bereits die Rede gewesen.
Die optische Leitungsbahn besteht demnach aus folgenden Gliedern: Das erste Neuron liegt in der Retina und wird durch die Stäbchen und Zapfen vertreten: von der inneren Körner­schichte oder den multipolaren Ganglienzellen der inneren Lage geht das zweite Neuron durch die Nervi optici und die Tractus bis zum Thalamus opticus, vorderen Vierhügel und dem Corpus geniculatum laterale, wo die Opticusfasern frei enden und die Ganglienzellen eines 3. Neuron umspinnen, das in der Gratiolet'schen Seh-strahlnng bis zur Rinde des Occipitallappens zieht, dort ist das eigentliche Sehcentrum zu suchen.
o. Der gemeinschaftliche A uge nmuskel ne rv. Nervus
o c u 1 o m o tori us.
Bedenkt man die verschiedenen Functionen derjenigen Muskeln, welchen der Oculomotorius vorsteht (Rectus superior, Levator pal-pebrae superioris. Rectus internus. Rectus inferior. Obliquus in­ferior, Sphincter pupillae und Ciliarmuskel), so lässt sich schon von vornherein eine gewisse topographische Gliederung der Kerne mit der allergrössten Wahrscheinlichkeit vcrniuthen: auch ergibt sich aus der complicirten Function dieses Nerven die nothwendige Folge, dass er mit dem centralen Sehapparat sowie mit dem motorischen Hirnrindengebiete Verbindungen haben muss: doch sind alle diese Verhältnisse beim Pferde bisher nur ungenau erforscht. Ich finde an einer Weigert-Serie aus dem Hirnstamme eines erwachsenen Pferdes Folgendes :
Unterhalb des vorderen Vierhügelpaares zieht sich in einer seichten Einsenkung der dorso-medialen Fläche des hinteren Längs­bündels jederseits eine graue Ganglienmasse dahin, die in der Heine des distalen Endes der Vierhügel mit kleineren, unregelmässig zer­streuten Zellnestern beginnend nach vorne zu immer stärker wird und zu einem wohlumschriebenen langen Kerne anschwillt, der sich allmälig von dem hinteren Längsbündel abhebt und der
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134nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
Mittellinie nähert, ohne sie aber wirklich zu erreichen. Nach dem sein- auffallenden Grössenunterschiede könnte man eine Theilung dieses Kernes vornehmen, namentlich dort, wo einzelne Zellgrnppen durch dickereFaserbiindelabgegrenzt sind: doch ist zu bemerken, dass eine anatomisch scharfe Gliederung an meinen Präparaten nirgends möglich ist ; nur soviel kann angegeben werden, dass medial und distal kleinere Zellformen überwiegen, wogegen in den vorderen Abschnitten sehr grosszellige Ganglienkörper liegen, die besonders markant an der, dem hinteren Längsbiindel zugewendeten .Seite des Kernes angetroffen werden.
Von diesen beiden, undeutlich gegliederten lateralen Kernen ist ein dritter, median gelegener zu unterschieden, der am Querschnitte die Form eines etwa 4 mm hohen Deltoides besitzt: er beginnt weiter cerebralwärts als die lateralen Kerne und verschwindet 8 mm vor dem distalen üamle der vorderen Vierhügel. Ausserdem trifft man zwischen den Fasermassen des hinteren Längsbündels, zum Theile sogar noch unter demselben Anhäufungen von grossen multipolaren Ganglienzellen, welche, durch die Spalten des hinteren Längsbündels hindurchziehend, mit dem Lateralkern des Oculo-motorius zusammenhängen oder anatomisch wenigstens von diesem in keiner Weise getrennt werden können. Ich erwähne diese Zell­territorien deshalb besonders, weil sie beim Pferde verhältnismassig gross und deutlich sichtbar sind.
Die von den Kernen abgehenden Wurzelfasern treten in zier­lichen Windungen durch die Spalten des hinteren Längsbündels hindurch, ziehen zuerst seitlich, dann ventral an der Innen­seite des rothen Haubenkernes vorbei, wenden sich wieder in flachem Bogen nach einwärts gegen die Mittellinie und verlassen den Hirnstamm im Suleus ocnlomotorii, am Rande des Trigonum interpeduneulare. Auf Weigert-l'räparaten kann man in der Region der Oculomotoriuskerne auch Fasern erblicken, welche die Mittellinie überschreiten. Sie sind höchst wahrscheinlich den kreuzenden Oculomotoriusfasern des Menschen gleichwertig.
Die Verbindungen des Kernes des Oculomotorius mit den Kernen des II., IV. und VI. Nervenpaares und mit der Pyra-midenbahn, die aus physiologischen Gründen bestehen müssen und für den Menschen, das Kaninchen und den Hund auch nach­gewiesen wurden, sind beim Pferde noch nicht dargestellt.
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Hinineiven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 135
Ein Theil des motorischen Rindenfeldes für den III. Hirn­nerven liegt nach den Versuchen Arloings in der Zone 8 seines Rindenschema's (siehe Fig. XXIV) unmittelbar vor dem Mittelstück der Fissura suprasylvia.
4. Der Roll nerv, Nervus trochlearis.
Sein Kerngebiet verschmilzt oral mit demjenigen des Oeulo-motorius und liegt, in seiner ganzen Ausdehnung dorsal vom hin­teren Längsbündel. Zwischen den vorderen Yierhögeln ist seine Ganglienzellengruppe besonders scharf umgrenzt. Die aus dem Kerne austretenden Wurzelfasern ziehen medial von der cerebralen Trige-minuswurzel nach hinten, biegen gegen die Mittellinie um, gehen in das vordere Marksegel, begeben sich auf die andere Seite und treten neben dem Bindearm aus. Es findet also eine auf Frontal­schnitten sehr schön darstellbare Kreuzung statt und zwar höchst wahrscheinlich eine vollständige. Beim Pferde legt sich das Trochlearisbündel der cerebralen Trigeminuswurzel so dicht an, dass die Gesammtheit ihrer Fasern am Querschnitte nicht eine gerade Linie bildet, sondern an dieser Stelle medianwärts ausgebogen wird. An der ümbiegungsstelle zur Mittellinie dos vorderen Mark­segels durchbricht sie den dorsalen Theil der Trigeminuswurzel und ist mit dieser innig verflochten (Obersteiner). Er ist der Bewegungsnerv des M. obliquus superior.
5. Der d r ei get hei It e Nerv, Nervus trigeminus.
Der mächtige Stamm des Trigeminus entstellt aus zwei am Pons-rande getrennt austretenden Wurzeln, welche aus einem sehr aus­gedehnten Kerngebiete ihren Ursprung nehmen ; die dickere stellt die sensible, die schwächere die motorische Wurzel dar.
a) Die sensible Trigeminuswurzel reicht tief ins Hals­mark herab; ich habe sie durch Degeneration bis ins fünfte Cer-vicalsegment verfolgen können; sie endet in jenen Ganglionmassen, welche als Substantia gelatinosa Rolando den Kopf des Hinter-hornes begleiten: auch verhält sich diese Wurzel zum Ganglion Gasseri wie eine medulläro hintere Wurzel zu ihrem Spinalganglion. Der Querschnitt dieser Wurzel ist in allen Schnitthöhon ein halb­mondförmiger mit etwas abgestumpften, gegen die Mittellinie ge­richteten Spitzen. (Siehe Fig. XXXI.)
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Krankheiten des Geliirnea.
h) Die motorische Wurzel besteht vornehmlich aus einer nasalen Wurzel, deren Fasern aus zerstreuten Ganglieiianhüufungen im centralen Höhlengrau unterhalb der vorderen Vierhügel kommen ; ferner aus der eigentlichen motorischen Wurzel, vom motori­schen Kerne stammend: dieser liegt lateral von der oberen Olive, medial von der sensiblen Wurzel, besitzt eigenthtimlich erosse
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Schnitt aus dem 1. Ceivicalsegment des Pferdes, ^ ,, cm caudal von der Pyramidenkreuzung. Man sieht das Anschwellen der HinU'rhnrner und die Vergrösserusg der Suh=t. Rolando. Ill: jene Partie der weisen Substanz, die zwischen der Substantia Rolando und dor Markperipberic liegt, entspricht dem Querschnitte der sensiblen Trigcmiiiuswurzel ; I Fiss. long, posterior: II (tolrsche Stränge; IV Processns reticalaris; Worderhom; VI Fiss. long, anterior, ö'.maligc-A'ergrOsserung. Nach einem Weigert-FiUpräpaiate
Ganglionzellen und dient als primäi'es Centrum für die Hauptmasse
der motorischen Wurzel, die noch vorstärkt wird durch wenige Fasern des motorischen Kernes der Gegenseite.
Die centralen Verbindungen der Trigeminuskorno sind unbe­kannt; nur joner Thoil des Rindenfeldes, von welchem aus Kau­muskelbewegung ausgelöst werden kann, ist von Arloing gefunden worden (Zone 2 seines Schemas). Die übrigen Vorbindungen mit dem Cortex sind beim Pferde noch nicht bestimmt worden. Sie müssen jedenfalls sehr ausgedehnt und complicirt sein; denn der Trige-minus steht nicht nur der Bewegung des Masseter. Temporaiis, Stylo-
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Hirnnerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;loT
hyoidens, Pterigoideas und des vorderen Bandies des Biventer vor, sondern er hat auch secretorischo Functionen (Thrünendrüse. Pa-rotis?) und ist zugleich Empfindnngsnerv. Nach einseitiger Dnrch-
schneidung erlischt die cutane Sensibilität der ganzen Kopfhälfte mit Ausnahme der Umgebung des Kiefergelenkes, der hinteren Fläche und des mittleren Theiles des äusseren Ohres, der Nackengegend und der Zungenwurzel.
6. Der ä a ss ere Augen musk el ne r v, Nerv us abducens.
Der Kern dieses Nerven ist sehr gut abgrenzbar und daher leicht zu finden. Er liegt im Knie des Nervus facialis in der dorsalen Haubenregion und besteht aus sehr grossen multipolaren Ganglien­zellen; die Wurzelfasern verlassen den Kern an seiner dorso-medialen Seite, wenden sich im Bogen basahvärts. durchsetzen die Haube und verlassen das Gehirn am hinteren Rande des Corpus tra-pezoides oder Propons, etwa 4 mm von der Mittellinie.
Die Verbindung des sechsten Gehirnnerven mit dem Cortex wird durch die Fibrae arcuatae vermuthet; auch geht vom Kerne ein Faserbündel zur oberen Olive (Stiel der oberen Olive), die ihrerseits wieder in Verbindung mit dem Hörnerven steht. Hiedurch fände die reflectorische Wendung der Augen nach dem Orte der Schallerregung eine plausible Erklärung. Der Abducens ist moto­rischer Nerv für den Rectus externus.
7. Der Gesichtsnerv, Nervus facialis. Sein Endkern liegt in der basalen Portion des verlängerten Markes, wo er an der ventralen Fläche neben dem äusseren Pyra­midenrande und unmittelbar hinter dem caudalen Rande des Propons eine deutlich abgrenzbare Vorwölbung erzeugt, die etwa 7 mm breit und 11 mm lang ist. Die abtretenden Wurzelfasern begeben sich mit leichter Krümmung in medio-dorsaler Richtung nach dem Boden der Rautengrube, wenden sich, die graue Substanz daselbst zu der kleinen Eminentia teres emporwülbend. knapp neben der Mittellinie nach vorne, biegen nach kurzem oralen Verlaufe lateral-wärts um und ziehen, die Haubenregion in ventraler Richtung durchsetzend, gegen den hinteren Brückenrand, wo sie die Medulla oblongata verlassen. Die doppelte, hufeisenförmige Umbiegung im Boden der Rautengrube, die den Abducenskern gleichsam umkreist,
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Krankheiten des Gehirnes.
nennt man das Facialisknie. Der VII. ist Bewegungsnerv für die Nase, Lippen und Ohren, ferner für den M. stylomastoidous, stylo-hyoidens, biventer und Halshautmuskel.
Ein Tlieil des motorischen Bindenfeldes des Angesichtsnerven, dessen supranucleäre Bahn durch die innere Kapsel geht, ist nach
III.
IV. V.
VI.
I\. VIII. VII. Frnntalschnitt durch die .Medulla oblongata des Pferdes in der Höhe des
Facialisanstrittes.
I Fasciculus longitndinnlis; Ll Kminentia teres; tll Kleinhirnschenkel; IV Aufsteigende Trigeminuswnrzel; V Stibst. gelatinosa^ VI Austretender Stamm des JTacialis; VIL Pyramiden-bündel; VIII Einige Abducensfasern; IX Schleifenschicht. -, der nat. Grosse; nach einem
Wcigert-Pälpräparate.
den Untersuchungen A ridings in die Gegend ties üeberganges der Fiss. coronalis in die Fiss. praesylvia zu verlegen (Zone 3 u. 4 seines Schema's).
8. Der Hürnerv, Nervus acusticus.
Von den Kernen des Hörnerven, über dessen centrale Verbin­dungen und Ursprünge selbst beim Menschen noch keine voll­ständige Klarheit herrscht, wissen wir sehr wenig. In seinen Kern­ursprüngen existiren ungemein complicirte Verhältnisse.
Er besteht ans zwei l'unctionell ganz verschiedenen Nerven: dem Nervus cochleae, welcher dem Gehöre vorsteht und dem Nervus vestibularis, welcher zur Erhaltung des Körpergleich­gewichtes Beziehungen hat und das nervöse Leitungsorgan des statischen Sinnes darstellt.
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Himnerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;139
Der Nervus cochleae entstammt der sogenannten äusseren oder lateralen Wurzel, die alle jene Fasern enthält, welche lateral vom Corpus restiforme zum gemeinsamen Acusticusstamm ziehen und von dort aus jenen Ast bilden, welcher Nervus cochlearis ge­nannt wird. Er trennt sich beim Pferde vom Folgenden noch innerhalb der Scluldelhöhle, also noch vor dem Eintritte in das Felsenbein.
Der N e r v u s v e s ti b a 1 a r i s entsteht aus der m e d i a 1 e n oder inneren Acusticuswurzel, die unmittelbar zwischen der Innenseite des Corpus restiforme und der lateralen Begrenzung der absteigenden Trigeminuswurzel liegt. Beide Wurzeln erhalten ihre Fasern aus drei besonderen Kernen: 1. dem dreieckigen, 2. dem grosszelligen und 3. dem accessorischen Kern. Der dreieckige Kern besitzt am Frontalschnitte die Figur eines rechtwinkligen, dem Boden der Eautengrube anliegenden Dreieckes; er befindet sich oral vom Hypoglossuskerne. Seine Betheiligung an der Bildung des Acusticus-stammes ist noch zweifelhaft. Der grosszellige Kern, auch Deiters'scher Kern, besitzt auffallend grosse Zellen, die für die Fasern des Nervus aeustiens zum Endkeme dienen.
Zum accessorischen Kern ziehen ebenfalls Fasern von diesem Nerven hin. Er liegt ausserhalb des Gehirnes und bildet eigentlich eine Einlagerung in den Stamm der lateralen Wurzel, zum 1 heile sind seine Ganglienzellen auch zwischen die Fasern dieser Wurzel eingestreut. Derselben Wurzel liegt lateral noch ein zweiter, beim Pferde vom accessorischen Kern kaum trennbarer Ganglienkörper, das T u bereu! u m a c u s t i c u m an.
Die intranucleären und cerebralen Verbindungen, welche die Kerne dos Aeustiens eingehen, sind ungemein vielfach und beim Pferde wenig erforscht. Aus den Experimentaluntersuchungen, welche in der neueren Zeit von zahlreichen Forschern an anderen Thieren angestellt wurden, ergeben sich folgende Schlüsse: Die Fasern des Nerv, cochleae gehen zum Theile in den accessorischen Kern, zum Theile in das Tuberculum acusticum : die weiteren Ver­bindungen des erstgenannten Kernes sind sehr mannigfach; von be­sonderer Wichtigkeit sind jene Fasern, welche sich zu den oberen Oliven beider Seiten begeben. Die acustische Leitungsbahn dürfte dann weiterhin in der lateralen Schleife verlaufen.
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140nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
Die Fasern des Nervus vestibularis enden im Deiters'schen Kern; sie dringen oberhalb der Cochlearisfasern in die Oblongata ein, kreuzen die spinale Trigeminaswurzel und gelangen zu dem vorgenannten Kern: ein Theil endet hier, ein kleinerer Theil zieht ins Kleinhirn.
9, Der Zungen schlundkopfnerv, Nervus glosso-p h a r y n g e u s.
Die Fasern des Glossopharyngous enden im kl ein zelligen und gro s sz eiligen G1 o ssopharyn geusk e r n, im centralen Grau des verlängerten Markes. Der erstere liegt vor dem des zehnten Paares und hinter demjenigen des achten Paares. Der gross-zellige Kern oder Nucleus ambiguus befindet sich ventral vom kleinzelligen. Letzterer ist die Fortsetzung der grauen Vordersäulen des Rückenmarkes und entsendet in dorsaler Richtung Faserbündel, von denen ein Theil sich im Bogen nach aussen wendet und ventral bis zur Austrittszone oder der Ursprungslinie der Oblongata geht, während ein anderer Theil sich in der Raphe kreuzt und zur Wurzel des gegenüberliegenden Glossophaiyngeus zieht. Endlich gehört zum Stamme des neunten Paares noch eine dritte Wurzel, das Respirationsbündel von Krause, dessen Fasern in jenen grauen Massen enden, die den Hinterhornresten entsprechen und daher der Sensibilität im Verbreitungsgebiete des neunten Paares vorstehen. Der grosszellige Kern besorgt die motorischen Functionen (Rachenmuskel), der kleinzellige wahrscheinlich diejenigen des Geschmackes; auch sensible Functionen werden dem Glosso­phaiyngeus zugeschrieben ; im allgemeinen herrscht über die phy­siologische Stellung dieses Nerven noch nicht volle Klarheit.
10. Der Lungen-Magen nerv, Nervus vagus.
Er besitzt ebenfalls einen klein- und einen gros szellige n Kern, von denen dem ersten sensible, dem zweiten motorische Func­tionen zustehen. Der sensibloKern liegt lateral von demjenigen des zwölften Paares, der motorische in der Formatio reticularis, zwischen der Hypoglossus- und aufsteigenden Trigeminaswurzel. Seine Wurzeln, welche mit denjenigen des neunten und elften Paares in einer Linie an der Ventralseite der Medulla oblongata seitlich vom Tuberculum faciale hervortreten, sind makroskopisch von denen
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llirnnoiven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; J41
der obgenanntcn Nerven nicht zu unterscheiden, wenn man nicht durch Präparation des peripheren Nervenstammes von diesem aus gegen die Wurzeln vordringt. Der Vagus hat ein sehr grosses Verbreitungsgebiet und sehr complicirte functionelle Verhältnisse.
Er ist motorischer Nerv des Gaumens, der Rachenmuskulatur und des Kehlkopfes; u. zw. bewegt der Laryngens superior den M. crico-thyreoideus, der Laryngeus inferior oder Recurrens die ge-sammte übrige Muskulatur des Kehlkopfes ; ferner steht er der Be­wegung des Schlundes und des Magens vor.
Die Endignngen seiner sensiblen Fasern liegen in der Schleim­haut des Kehlkopfes, der Trachea, des Bronchialbaumes und der Speiseröhre: als Secretionsnerv wirkt er in der Schleimhaut des Magens; endlich hat die Heizung des Vagus einen hemmenden Ein-Huss auf die Herzbewegung.
11. Der 1! ein e r v, Nervus accessorius Wi 11 isii.
Der Beinerv bildet seinen Stamm aus Wurzelbündeln, die vom fünften Cervicalnervensegment bis zur Höhe des Hypoglossusaustrittes das Rückenmark seitlich neben den hinteren Wurzeln verlassen. Der Kern dieser Wurzeln ist in den an dem lateralen Hände der Vordersäulen gelegenen Ganglienzellengruppen zu suchen; er ist motorischer Nerv für den M. cucullaris und Kopfhalsarm-beinbeuger; seine Wurzelfasern durchziehen den Seitenstrang.
12. Der Zungenfleischnerv, Xervus hypoglossus.
Der Hypoglossuskern ist eine etwa 2 an lange Zellanhäufung, welche caudal von der Spitze lies Calamus scriptorius beginnt und oral bis in das centrale Höhlengrau des vierten Ventrikels hinein­reicht. Sein spinalster Antheil entstammt demjenigen Vorderhorn-rest, der sich mit dem Höhlengrau vereinigt. Von dort ziehen die Wurzelfasern im leichten Bogen nach der Ventralseite der Oblongata, lateral ander unteren Olive vorüber und verlassen das verlängerte Mark in der Hypoglossuslinie, unmittelbar am Pyramidenrande. Er ist der Bewegungsnerv für die Zunge ; seine centrale Bahn geht wahrscheinlich durch die Fibrae arcuatae zu den Pyramiden und zur inneren Kapsel. Das motorische Hypo-glossusrindenfeld läge nach den Untersuchungen A r loin sts im
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142nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
Stirnhirn nahe der Mantelspalte, unmittelbar hinter dem Ende der Fissura praesylvia. (Zone 4 des Schema's.)
Die Hüllen des Gehirnes.
Das Gehirn wird von aussen nach innen umschlossen von der Dura mater, Ärachnoidea und von der Pia mater.
Die Dura mater ist zugleich das innere Schäxlelperiost und liegt dem Knochen so fest an. class sie nur mit einer gewissen Kraftentfaltung abgehoben werden kann. An der Schädelbasis und dem Tentorium ist man jedoch nicht imstande, sie mit den Fingern loszureissen. Sie ist eine sehr feste, rein bindegewebige Membran, die zwei Verdoppelungen gegen das Innere des Schädel­raumes sendet: die Falx cerebri oder grosse Hirnsichel und das Tentorium cere belli oder Kleinhirnzelt, das beim Pferde zum Theile verknöchert ist. Dort, wo die Dura die Blutleiter und die Nervenstämme umhüllt, spaltet sie sich in ein viscerales und in ein parietales Blatt. In eigenen Scheiden verlaufen der dritte, vierte, sechste Hirnnerv und der Trigeminus samnit dem Ganglion Gasseri (Meckerscher Raum). Zugleich werden die das Schädelinnere ver­lassenden Nervenstämme von Duralscheiden umschlossen. Diejenige des Opticus reicht bis zur Sklera. diejenige des Facialis und Acusticus bis in den Meatus audiiorius internus.
Entlang der Ansatzstelle der Falx cerebri zieht in sagittaler Richtung ein venöser Canal, der Sinus 1 o n gitudi nal is superior, während der untere, über dem Balken schwebende Rand der Falx den Sinus longitudinalis inferior einschliesst. Seitlich von der Mittellinie findet man innerhalb der Dura noch eine Kette von eigenthümlichen Hohlräumen, in welche die oberen Hirnvenen ein­münden, ehe sie in den Sinus gelangen (Parasinoidalräume).
Nach hinten steht der Längsblutleiter mit dem an der Basis des knöchernen Gezeltes dahinziehenden Querblutleiter im Zu­sammenhang. Die Sinus cavernosi bestehen aus einer Menge von venösen Gefässchlingen unmittelbar oberhalb des For. lacerum und dienen dem seitlich aufsteigenden Sinus occipitalis zum Ursprünge. Die Duraarterien stammen von den Aa. meningeales und verlaufen zwischen Aussentiäche der Dura und dem Knochen, der an diesen Stellen tiefe, oft scharfrandige Furchen aufweist. Zur Beurtheilung pathologischer Verhältnisse ist es wichtig zu
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Hinineiven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;143
wissen, class die normale Dura mater an den Kanten der Mantel­spalte, namentlich über den Hinterhauptslappen, so fest mit der Pia verwachsen ist, dass man an dieser Vereinigung das ganze Gehirn emporheben kann, ohne dass die harte Haut dadurch losgerissen wird.
Die harte Hirnhaut wird aus derbem Bindegewebe gebildet und ist an ihrer parietalen, wie auch visceralen Seite mit einem Endothelbelage verseilen.
Die Arachnoidea oder Spin nwebenh aut ist eine zarte, aus faserigem Bindegewebe bestehende Membran, welche der Dura an ihrer Innenseite innig anliegt, sich über die Unebenheiten der HimoberHache hinüberspannt und zur Pia zahlreiche Balken und Fächer schickt; der von diesem Fachwerk begrenzte Raum heisst Subarachnoldalräum. Ausserdera weicht sie zwischen dem hinteren Rande des Kleinhirnes und der Oblongata, an den Gross­hirnschenkeln und an der Fossa Sylvii vom Gehirne zurück und bildet so arossen Räume, die S ubarachnoidalcysternen. Die Arachnoidea trägt überall ein zartes Plattenepithel, besitzt keine Gefässe und keine Nerven und bildet bei älteren Thieren am Hinterrande des Kleinhirnes und an der Medianspalte zottige. blnmenkohlartige, zierliche Excrescenzen, die Arachnoidalzotten oder Pac chionische Granulationen. Diejenigen Zotten, welche am Bande der Mantelspalte aufschiessen, wachsen hei ihrer allmäligen Grössenzunahme in die Hohlräume der Dura mater. in die sogenannten Parasinoidalräume und verbinden so die Dura mit der Arachnoidea sehr innig. Da diejenigen Fäden und Sopten, welche de norma von der Arachnoidea zur Pia geschickt werden, an dem besagton Bande besonders straff sind, wird die harte Haut mit dem Gehirne längs der Mantelspalte mehr oder weniger fest verbunden. Die Stämme der Hirnnerven werden von einer zarten Arachnoidalscheide begleitet.
Die weiche Hirnhaut, Pia mate r. Sie umhüllt das Gehirn unmittelbar und senkt sich in alle Ver­tiefungen desselben ein; am Quorschlitz des grossen Gehirnes um-schliesstsie die Vena magnaGaleni und das Conarium und gelangt in das Innere der Hirnventrikel, wo sie-die Tela chorioidea mit dem Plexus chorioideus bildet. Die Pia des Pferdes kann nicht wie diejenige des Menschen vom Gehirne leicht abgezogen
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144nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
werden, weil sie ungleich fester haftet wie diese. Sie begleitet die abtretenden Nervenstämme und ist diejenige Membran, welche mit ihren Falten die Blntgefässe in die Tiefe der Sulci bringt, von wo diese dann in die Gehirnsnbstanz gelangen. Die Pialgefasse ziehen innerhalb eines Lymphraumes, der wieder mit denjenigen der intracerebralen Gefässe in Verbindung steht.
Histologisch besteht die Pia aus einem dichten gefässtragenden Bindegewebsstratum, das Fortsätze in die Hirnsubstanz sendet, von dieser aber überall durch eine dünne Gliaschichte getrennt bleibt: aussei) ist die weiche Haut mit einem Plattenendothelbelage bedeckt. .Sie erhält ebenso wie die Dura mater ziemlich viele Zweige vom Sympathicus und auch vom V. Paare. Die Plexus chorioidei bestellen aus einem reichen GeHechte geschlängelter, dünnwandiger, relativ weiter Gefässe in einem zarten bindegewebigem Struma, das an seiner Oberfläche ein einschichtiges Cylinderepithel besitzt.
Die Blutgefässe des Gehirnes. Die Blut Versorgung des Gehirnes geschieht durch die Carotis und die Arteria vertebralis. Etwa in der Mitte des Tractus opticus theilt sich jede Carotis interna in einen oralen und einen caudalen Ast, die in ihrer Gontinuität einen Hing, den Willisischen Gefässring bilden. Am Zusammenflüsse der oralen Carotisäste, der Arteria cerebri anterior honi. mit der gegenseitigen durch den llamus communicans anterior, entsteht eine unpaare mediane Ar­terie, die den fortgesetzten Stamm beider Arteriae cerebri anteriores bildet; sie theilt sich in der Mantelspalte, verliert sich an der Dorsalfläche des Balkens und bildet dort die Arteria corporis callosi. Jener Viertelbogen von der Theilung der Carotis interna bis zum Abgange der Arteria corporis callosi gibt in seinem Ver­laufe ab:
1.nbsp; Die Arteria chorioidea anterior zum Plexus des Ün terhornes; sie entspringt manchmal auch aus der nächstfolgenden;
2.nbsp; Die Arteria fossae Sylvii, (cerebri media hom.) ein starkes, sich in der Gegend der Fissura Sylvii mit zahlreichen Aesten verzweigendes Gefäss;
3.nbsp; Die Arteriameningea a n t i c a; sie zieht in die Gegend des Riechhücels.
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Hirnnerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;145
Der caudale Ast der Carotis interna vereinigt sich jederseits mit dem Seitenaste der Grundarterie, welch letzterer mit dem der anderen Seite in der Höhe des Trigonnm intorpeduneulare zu einem gewöhnlich einfachen, oft auch mehrfach gotheilten und sieh am vorderen Brückenrande wieder vereinigenden Gefilsse verbindet, das in caudaler Richtung median an der Hirnbasis dahinzieht, sich unter­halb der Oblongata spaltet und in die Arteria cerebrospinalis jeder Seite fortsetzt; es ist dies die Arteria basilaris ce-rebri. Der von der Theilung der Carotis bis zum Beginne des Stammes der Arteria basilaris reichende Viertelbogen gibt die starke Arteria cer ebri pro fund a ab, die sich um den Hirnschenkolfuss herumschlingt. Von der Arteria basilaris gehen ab: 1. Die Arteria cerebelli superior am oralen Ponsrande. 2. Die Arteria cerebelli inferi or am caudalen Rande des Propons und ausser-dem zahlreiche kleinere Aeste zur Oblongata.
Alle in die Hirnbasis eindringenden Arterien sind Endarterien. Die die ganze übrige Hirnoberfläche versorgenden Gefilsse theilen sich vielfach und anastomosiren untereinander. Die erste Gruppe ernährt die Basalganglien, die letztere den Cortex und die weissen Markmassen.
Die Venen des Cortex münden in die venösen Sinus, diejenigen des Centrums des Gehirnes in die Vena magna Galeni, die sich in den Längs!ilutleiter ergiesst (unmittelbar vor dessen Zu­sammentritt mit dem Querblutleiter).
Die in den Seiten Ventrikeln liegenden Plexus chorioidei stammen, wie erwähnt, von der Pia ab. Wir haben in ihnen jene Or­gane zu suchen, welche die Cerebrospinalflüssigkeit absondern, jenes wasserklare, sehr zellarme, leicht bewegliche Fluidum, welches die centralen Höhlen und die Subarachnoidalräume erfüllt. DieCommuni-cationsöffnungen beider befinden sich seitlich am Rande des vierten Ventrikels. Es ist nämlich derjenige Theil der Ventrikeldecke, welcher die Rautengnibe dorsal abschliesst, mit zwei seitlichen Oeffnungen, den Aperturae laterales versehen, durch welche das Ventrikelinnere mit den Subarachnoidalräumen des Gehirnes sowohl wie des Rückenmarkes in Verbindung tritt. Das ganze Ge­hirn ist demnach innen wie aussen von Flüssigkeit umspült und im Cavum cranii durch die arteriellen Gefässverbindungen gleich­sam fixirt. Der Liqu. cerebrospinalis hat bei der Druckvertheilung
Dexler, Nervenkrankheiten des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; IQ
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14(1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
im Schädel eine wichtige Eolle zu spielen. Dies ist umso sicherer, als alle Gefüsse des Gehirnes von perivasculären Lymphscheiden umgeben sind; das Lymphgefässystem des Körpers steht in Ver­bindung mit den die Ganglienzellen und die Blntgefasse um-
scliliessendeu Lymphräumen.
Dei- feinere Bau der Hirnsubstanz.
Die Rinde des Grosshirnes bedeckt die Hemisphären in
einer Oö—0'7 nn dicken Lage. Mikroskopisch iässt sich eine Gliederung in mehrere Schichten nachweisen. Diese Lagen werden nach ihrem Gehalte an besonderen Zellarten unterschieden.
Unmittelbar unter der Pia mater liegt eine sehr dünne Schichte einer anscheinend homogenen Grundsubstanz, welche nur wenige kleine Zellen enthalt— die Neurogliaschichte.
unter ihr folgt eine zellarme Schichte von markhaltigen, zur Peripherie parallel laufenden Nervenfasern; ganz an der Oberfläche ist diese Faserlage merklich dichter; sie bildet hier die Tangential-fasers chic lite.
Unter dieser kommt eine breite Lage eines ganglienzellannen Stratums, welches von einer zellreicheren .Schichte begrenzt wird, die von den in ihr enthaltenen Ganglionzellen die Bezeichnung Schichte der kleinen Pyramidenzellen erhalten hat. Weiter central folgt die Schichte der grossen Pyramidenzellen. Sie ist bereits sehr stark durchsetzt von Nervenfasern, welche gegen die Oberfläche streben und ruht auf einer wonig ausgesprochenen Schichte von etwas gehäuften Spindelzellen auf, welche den gesammten Cortex von den weissen Markmassen trennen. Dies ist der Bau der Dirnrinde wie er am Stirnhirn gefunden wird; er ist jedoch durch­aus nicht für alle liindongebiete der gleiche, sondern es finden sich recht wesentliche Unterschiede, was sowohl die Quantität wie die Art der Zellen anbelangt. Soweit ich meine eigenen Untersuchungen des Cortex des Pferdes nach der Methode von Nissl citiren kann, finden wir in diesem Organe einen unge­mein grossen Formenreichthum der Zellen. Die markantesten sind die Pyramidenzellen. Sie sind von sehr wechselnder Grosse, be­sitzen einen langen, starken, gegen die Peripherie gerichteten Aus­läufer und einen am Querschnitte dreieckigen Zellkürper. Die
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J3au der Hirnsubstanz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 147
grössten derartigen nervösen Elemente fand ich im Cortex der motorischen liegion. Ihr Protoplasma besitzt deutliche, grobe, in der Axe des peripheriewärts abgehenden Fortsatzes liingsgesteiltu Körnchengruppen oder Spindeln, einen grossen, bläschenförmigen Kern und einen an der Basalseite liegenden, sich breit einpflanzenden Axencylinderfortsatz. Diese Zellen, welche ihrer Structur nach mit denjenigen der grauen Vordersäuion des Rückenmarkes Aelm-lichkeit haben, sind ungemein charakteristisch: sie fallen schon bei schwacher Vergrösserung nicht nur durch ihre Form, sondern auch durch das Aussehen ihres Protoplasmas auf. Das Protoplasma aller übrigen Zellen des Cortex besitzt die gemeinsame Eigenschaft, da.ss es eine feine Körnung zeigt, die entweder gleichmässig ver-theilt oder netzförmig, spinnwebenartig oder schalenförmig den Kern umgibt.
In den Centralganglien sind die Zellen ebenfalls sehr mannig­fach. Die grössten sind multipolar, haben eine Breite von 10, und eine Länge von Dj u; das Protoplasma ist, staulmrtig gekörnt; die färbbare Substanz ist oft nur in feinsten Pünktchen, Stri­chelchen oder kettenartigen, wolkenartigen und areolirten Anord­nungen vorhanden. Die Fortsätze gehen meist als relativ plumpe dicke Zapfen von Zellkörper ab und theilen sich nach kurzem Verlaufe dichotonisch. An dor Bifurcation ist stets ein zarter, sehr distincter Verzweigungskegel zu sehen. Aussei- diesen vielstrahligen, sternförmigen Zellen ist noch eine zweite Art vorhanden, die fast rund und mit nur wenigen Ausläufern versehen ist.
Kinde des Kleinhirnes. Sie ist von dein centralen Markweiss durch eine ungleichmässig dicke Lage von kleinen runden. 4—6 ix im Durchmesser haltenden Zellen abgegrenzt, deren Kern von einer sehr dünnen Protoplasmaschichte umschlossen wird. Die aus ihnen gebildete Zone heisst Körnerschicht. Peripher von ihr liegt eine aus grossen Zellen, den sogenannten Par­kin je'schen Zellen bestehende Schichte, die grosszellige Schichte. Die Zellen dieser Gruppe haben einen grossen, runden Kern und einen fein gekörnten Protoplasmaleib. Vom Korne bis zum Ursprünge der Fortsätze ist eine streifig-fädige Anordnung vorhanden. An dem der Kömerschicht zugewendeten Pole entspringt ein feiner Fortsatz, der in die Körnerschicht eindringt: von dem gegenüberliegenden Pole geht ein zweiter,
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148nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
ebenso constanter Fortsatz ab, welcher mit einer ungemein reichen Verästelung bis in die peripherste, unmittelbar unter der Pia liegende Rindenschichte, die Molecular schichte, reicht.
Die Nervenfaser n, welche im Gehirne vorkommen, unter­scheiden sich dadurch von denjenigen der peripheren Nerven, class sie entweder nur aus einem marklosen Axencylinder bestehen; solche finden sich besonders innerhalb der grauen Ganglienmassen; oder sie besitzen wohl eine Markscheide, jedoch keine Schwann'sche Membran. Sie kommen in grösster Menge in den weissen Mark­massen vor und zeigen ein buchtiges, knotiges Aussehen — vari­cose Nervenfasern.
Das Stützgewebe des Gehirnes besteht aus Neuroglia; die Auskleidung der Ventrikel wird von Pflasterepithel gebildet. Die Gesammtheit dieses Epithels mit der ihm als Unterlage dienenden kernarmen Neurogliaschicht nennt man Ependym. Das Ependym überzieht den Boden des vierten Ventrikels, den Aquaeductus Sylvii, den dritten Ventrikel und die Heitenventrikel mit ihren beiden Hörnern, nicht aber den Ventrikel des Septum pellucidum. Es be­steht aus Pflasterepithol, welches einen, bei erwachsenen Thieren nur schwer darstellbaren Flimmerbelag trägt.
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Allgemeine Symptomatologie der Hiriikranklieiteu.
I. Allgemeinerscheinungen.
(Soweit sie organische G e h i r n e r k r a n k u n g o n b e traf f en.)
Die Symptome der Hirnerkrankungen werden woniger durch die Art als durch die Localisation des Processes bestimmt; wir unterscheiden dalier Erscheinungen, welche bei jeder Affection eines grüsseren Ilirngebietes auftreten — allgemeine cerebrale Erscheinungen, und solche, welche nur bei Läsionen bestimmter Theile vorkommen #9632;— Herdsymptome. Wichtig ist jedoch zu merken, class diese Eintheilung gerade beim Pferde oft kaum durchführbar ist, da es bei diesem Thiere häufig geschieht, dass diffuse Processe Herdsymptome, und locale Läsionen nur Allgemein-symptome schalten, wie denn auch manche Erscheinungen in die eine wie in die andere Classe eingereiht werden können. Dies gilt vorzüglich von den Bewegungsstörungen. Zu den Allgemein­erscheinungen rechnet man: die Be wusstsein s s tu ru ng oder B e n o m m e n h e i t, den Schwindel, die V e r ä n d e r u n g e n d e s Pulses, der Athmung und Temperatur, endlich die Stau­ung s p a p i 11 e.
Die Anomalien der Psyche sind diagnostisch ungemein schwer zu verwerten, weil schon die richtige Beurtheilung des nor­malen Bewusstseins bei dem Pferde kaum möglich ist. Indes verschafft uns eine genaue und länger dauernde Beobachtung manchmal ziemlich gute Resultate. Das Bewusstsein kann in ver­schiedener Weise verändert sein— man unterscheidet einfache Be­il om m e n h e it, schlafähnliche Theilnahmslosigkeit gegen äussere
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150nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dos Gehirnes.
Einflüsse (Dummkoller), Somnolenz. Die völlige Bewusstlosigkeit mit erloschenen Reflexen und Sehnenphänomenen bezeichnet man als Coma. Dei den schwereren Formen von Bewnsstseinsstörungen kommt es häufig vor. dass die Pferde das Kauen und Schlucken vergessen und die Futterstoffe lange Zeit im Maule behalten. Chronisch verlaufende Krankheiten, die ein grösseres Gebiet des Hirns in Mitleidenschaft ziehen oder durch Druck in seiner Ge-sammtheit beeinträchtigen, bewirken eine allmälig anwachsende Bewusstseinsstörung. Tritt dieselbe sehr rasch auf, so sind wir berechtigt auf Blutung, Gefässverstopfung oder Trauma zu denken. Bei Vergiftungen und erschöpfenden Verblutungen wird ebenfalls eine stufenweise zunehmende Einengung der Psyche bemerkt. Die beim Menschen durch Hirnblutung erzeugte, plötzliche Bewusst­seinsstörung, die gewöhnlich mit einem tiefen Coma einhergeht, wird als apoplectiformer Anfall bezeichnet. Eine echte, der Apoplexia cerebri des Menschen analoge Läsion, die meistens in grösseien Blutaustritten in die Substanz der Basalganglien besteht, ist aber beim Pferde noch niemals nachgewiesen worden; auch die in der Aetiologie der Hirnblutungen des Menschen eine wichtige Rolle spielenden Gefässerkrankungen des Gehirnes in Folge von Athero-matose, Lues etc. fehlen beim Pferde. Da die Embolie einer grösseren Hirnarterie unter ähnlichen Erscheinungen verlaufen kann, ist bei der Beobachtung solcher Erkrankungen an die An­wesenheit einer derartigen anatomischen Grundlage nicht zu ver­gessen. Bei manchen Krankheitsfonnen ist die Bewusstseinsstörung mit lebhaften Unruheerscheinungen und grosser Erregtheit verbunden, was den Gedanken nahelegt, dass es auch bei den Thieren deliröse Anfälle gibt, die aber weniger von organischen Hirnkrankheiten als von Infectionen oder Intoxicationen abhängig zu sein scheinen. Eine S t e i g e r u n g der T e m p e r a t u r wird sehr häufig bei den Gehirnkrankheiten gefunden. Das Fieber kann direct von der Läsion des Nervensystemes abhängen. Dies tritt besonders bei localen Erkrankungen im Dons und der Oblongata auf, wobei man Temperaturen bis 42deg; beobachtet hat. Ferner kann das Fieber die seeundäre Folge cerebraler Functionsstörungen sein; wenn z. B. heftige Convulsionen sich häufig wiederholen, so steigt die Temperatur wegen der abnormen Muskclthätigkeit ziemlich hoch. Endlich kann das Fieber der Ausdruck einer allgemein wirkenden
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Allgemeinerscheinungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;li)l
Ursache sein, welclie auch das Gehirn in seine Wirkungssphäre mit cinbezogen hat (Infection).
Das Sinken der Temperatur hei rein cercbralen Leiden wird sehr selten beobachtet; gewöhnlieh ist es ein Anzeichen des nahen Collapses; stets ist zu seiner Beurtheilung die Frequenz des Pulses von Wichtigkeit; letztere kann auch erhöht sein (hei Fieber fast stets). Ausnahmsweise bemerkt man aber auch einen Zurück-gang der Pulsfrequenz und zwar bei inflammatorischen Zuständen. Hat die Erkrankung iiirou Sitz innerhalb der Oblongata (Vagus­centrum), so kann die Herzthätigkeit gehemmt, verlangsamt oder auch beschleunigt werden. Bei Meningitis wird in der Regel eine grosse Irregularität der Pulszahl beobachtet. Eine einfache Herab­setzung des Pulses kommt sehr häufig bei Tumoren, Dumm­koller, Abscessen und gesteigertem, intracraniellem Drucke vor; sie kann indes auch fehlen.
Die Respiration wird bei cercbralen Erkrankungen so­wohl nach Qualität wie nach Quantität beeinfiusst. Im Coma werden die Athemzüge tiefer und langsamer: zuweilen tritt im comatösen Zustande das „Choyne Stokes;sche Athmenquot; auf; tiefere Athemzüge wechseln mit obertiäclilichen, zuweilen steht die Eespi-ration stille, um nach einer längeren Pause wieder zu beginnen; im Anfange stets sehr schwach, kaum wahrnehmbar, wird sie allmälig energischer, rascher und dyspnoisch. Während der Athempause wird der Puls verlangsamt, die Pupillen contrahiren sich. Es ist jedoch zu beachten, class dieses interessante Phänomen beim Pferde mancherlei Abänderungen fähig ist und auch bei anderen Organ­oder Allgemeinerkrankungen gesehen wird z. B. bei Brustseuche, Tetanus und bei gewissen Vergiftungen. Wie bei allen übrigen Krankheiten lässt sein Auftreten auch bei Gehirnleiden in den meisten Fällen prognostisch nur eine Deutung zu, den zu er­wartenden Exitus letalis.
Eine andere Form der Athmung, welche von jener getrennt werden rauss, charakterisirt sich durch Perioden von sehr tiefen, plötzlich beginnenden Athemziigen, die allmälig seichter werdend sich verlieren und in eine verschieden lange Athempause über­gehen. Eine dritte Form ist das Biot'sche Athmen — bei welchem das periodische Athmen plötzlich beginnt und mit einem Male wieder steht.
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lo2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheilen des Gehirnes.
Die Respiration wird total gehemmt durch Läsionen des re-spiratorischen Centrums in der Medulla, oder einfach unregel-mässig. wenn sicli in der Xähe dieses Centrums acute Processe ab­spielen.
Der S ch windel, ein bei Geiurnleiden häufiges Symptom, ist nur von geringem diagnostischen Werte. Die Bezeichnung Vertigo wird oft gebraucht in einer Bedeutung, welche nicht genau dem Wortsinn entspricht: Es handelt sich beim Schwindel um ein rasch eintretendes oft durch längere Zeit andauerndes Gefühl der Gleichgewichtsstörung; doch bezeichnet man damit auch kurze Bewusstseinsverluste. Das Symptom ist also ein subjectives und kann daher beim Thier sehr leicht falsch bcurtheilt werden. Uebrigens kann der Schwindel auch ohne organische Erkrankung auftreten und die verschiedensten Ursachen haben, wovon später noch ge­nauer die Bede sein wird. Eine besondere und schwere Form von Schwindel kommt bei destructiven Processen der Brücke und des Kleinhirns vor. besonders bei solchen der lateralen Ponsabschnitte oder des mittleren Kleinhirnschenkels. Eine verwandte Art von Vertigo wird auch bei LabyrinthatTectiunen berichtet.
Endlich gehört zu den Allgemeinerscheinungen noch die Stauungspa pil le über deren diagnostische Bedeutung bei den Sehstörnnamp;en die Rede ist.
II. Herdsymptome.
Störungen der Bewegung gehören zu den allerhäutigsten Erscheinungen von Birnerkrankungen. Ihre Beurtheilung, ob sie als locale oder als allgemeine Symptome aufzufassen oder überhaupt von Hirnläsionen abhängig zu erklären sind, ist oft weit schwie­riger als man auf den ersten Anblick meinen sollte. Da sie ge­wöhnlich nicht scharf umgrenzbar sind, weil uns von dem Be-wusstsein des Thieres zu wenige Mittheilungen zugehen, so ist man nicht immer imstande, eine grössere Motilitätsstörung — sei es nun Krampf oder Lähmung — aufzudecken; ja ein geringerer Grad von motorischer Schwäche kann manchmal gar nicht aufgefunden werden.
Da es beim Pferde im Verlaufe sehr vieler Krankheiten Zustände gibt, welche den Erscheinungen allgemeiner Bewegungsanomalien ähnlich sind, die also nicht immer stricte in das Gebiet der Nerven-
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Herdsymptome.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;153
kranklieiten gehören, so soll von ihnen vorderhand hier nicht die Rede sein. An dieser Stelle handelt es sich um Störungen in der Bewegungsspbäre, die mit localen Krankbeitsprocessen des Ge­hirnes in Verbindung zu bringen sind. Sie sind beim Pferde selten, wurden aber schon eingebender studirt.
Aus der Physiologie wissen wir, dass Reizungen derjenigen Rindengebiete, welche als motorische bezeichnet werden, Convul-sionen in gewissen Muskelgebieten, hauptsächlich der entgegen­gesetzton Körperhälfte hervorrufen. Diese, seit den exacten Arbeiten von Fritsch und Hitzig festgestellten Thatsachen haben durch zahlreiche Experimente an Hunden und Affen und auch an Pferden (Arloing, Munk) einhellige Bestätigung erfahren und sind auch durch die Pathologie erhärtet und weiter ausgebaut worden. Ana­tomische Läsionen des Cortex, die nicht zu seiner vollständigen Zer­störung fuhren, sind stets von Krampfzuständen jener Muskeln be­gleitet, deren Centrum betroffen wurde. Bei intensiven Reizen — ge­wöhnlich handelt es sich um Verletzungen, Blutungen u. dgl. — dehnen sich die Krämpfe jedoch über die Grenzen jenes Gebietes aus: sie können auch auf die gegenüberliegende Körperhälfte übergehen: man beobachtet daher eine Fernwirkung derartiger Insulte. Bei localen Krämpfen bleibt das Bewusstsein in der Regel erhalten. Die­jenigen Muskeln, die unter normalen Verbältnissen auf beiden Seiten gleichzeitig in Wirksamkeit treten — Rumpf und Schlundmuskeln — können bei Halbseitenkrämpfen beiderseits zur Contraction ge­langen. Auf die Krämpfe folgen meistens vorübergehende Läh­mungen, gleichsam als Ausdruck einer functionellen Erschöpfung der motorischen Centren, die sich indes rasch wieder auszugleichen pflegt. Die Beschränkung der toniscb-clonischen Krämpfe auf einen gewissen Umkreis, z. B. eine Extremität oder eine Körperseite, ist charakteristisch für die partielle Epilepsie, Rinden- oder Jack s on'sch e Epilepsie. Sie fällt mit dem Begriffe der trauma­tischen Epilepsie häutig zusammen, da zahlreiche klinische Er­fahrungen, unter welche auch mehrere beim Pferde gewonnene ein­zureihen sind, gelehrt haben, dass solclie umschriebene epileptiforme Anfälle fast stets nur bei Rindenläsionen vorkommen und mit dem Untergange der Rinde auch meistens aufhören. Alle jene Momente, welche zu einer raschen Steigerung des Hirndruckes führen, sind gleichfalls imstande, epileptoide Krampfzustände auszulösen: doch
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154nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
sind diese letzteren dann immer von einer mehr allgemeinen Ver­breitung.
Die Läsion, welche den Krampf auslost, muss nicht unmittel­bar in der motorischen Region des Cortex ihren Sitz haben; sie kann auch in der Nachbarschaft vorhanden sein oder sogar ziemlich entfernt liegen und durch Druck oder Zerrung schildlich wirken, beziehungsweise einen Reizzustand veranlassen; dem gegenüber ist festzuhalten, dass Schädlichkeiten, welche centrals Lähmungen er­zeugen, die betreffenden Centra in der Regel unmittelbar treffen müssen. Bei centralen Lähmungen tritt fast, niemals eine Aen-derung des physiologischen Zuckungsgesetzes ein; auch kommt es zu keiner Atrophie der zugehörigen Muskulatur.
Wir sind in der Yeterinärmedicin, einem übel angebrachten Herkommen folgend gewöhnt, ein Pferd, das sich ohne Hilfe nicht vom Boden erheben kann, oft als ..ganz gelähmtquot; bezeichnen zu hören. Nimmt man sich die Mühe der Sache näher zu treten, so findet man oft — wenn chirurgische Krankheiten. Inanition, Prostration etc. ausgeschlossen sind — dass eine vollständige Lähmung nicht besteht; fast immer ermittelt man einen grösseren oder geringeren Grad von Bewegungsfähigkeit der Rumpf- und Extremitätenmuskulatur, sodass wir nicht von einer Paralyse, sondern nur von einer Parese reden dürfen. In diesem Sinne sind auch die meisten in der Lite­ratur vorhandenen Mittheilungen aufzufassen, die unter dem Titel Paralyse, Hemiplegie etc. publicirt werden; ihre Durchsicht ergibt beinahe immer das Bestehen von partiollen Motilitätsstörungen; auch muss ich anführen, dass ich bei dem grossen Krankenstand unserer Hochschule im Verlaufe von 6 Jahren nicht einen ein­zigen Fall von totaler, über einen grösseren Körperabschnitt ver­breiteten Lähmung beim Pferde gesehen habe.
Ist schon die Ermittlung des Grades der Bewegungsstörung nicht immer leicht, so ist die Feststellung der Ausbreitung der­selben noch viel schwerer durchführbar. Die auf das Bindenfeld eines motorischen Nerven beschränkten Herde können eine Lähmung erzeugen, die nur die, jenem Nerven untergeordneten Muskeln be­trifft — Monoplegio. Je umfangreicher ein Herd ist oder je näher derselbe an jene Stelle heranreicht, an welcher alle moto­rischen Bahnen zusammengedrängt sind (innere Kapsel), umso mehr Muskeln müssen von der Lähmung betroffen werden. Sind alle
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Herdsymptome.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;155
.Muskeln einer Körperhälfte willkürlich unerregbav, so spricht man von einer Elemiplegie. Ist die Extremitätenmaskulatar einer Seite und diejenige des Gesichtes oder des Auges der Gegenseite gelähmt, so besteht eine Hemiplegia altern ans.
Anomalien der Irisbewegung als: Pupillenstarre, Ungleichheit der Pupillen, Mydriase etc. werden gleichfalls hin und wieder ge­sehen. Doch sind ihre Beziehungen zu etwaigen Ilerderkrankungen dermalen noch unbekannt; fast dasselbe gilt vom Nystagmus.
Das Verhalten der corticalen Anästhesien ist beim Pferde nicht bekannt. Nach den Experimenten Munks wäre ein Ausfall der Gefühlsfunction nach Rindenerkrankungen jedenfalls sicher zu er­warten, da er zeigen konnte, class die Projectionen der Gefühlssphäre sich mit den motorischen im Cortex decken. Leider ist der exacte Nachweis von Anästhesien eine so schwierige und oft ergebnislose Arbeit, dass von einer praktischen Verwendung in den allermeisten Fällen abgesehen werden muss.
Eine andere, namentlich bei Klcinhirnerkrankungen beobachtete Erscheinung, die übrigens auch bei Ponsafi'ectionen berichtet wird, ist die Coordi nations stör irng. Derartige Thiere greifen beim Gehen ungemein weit aus, stützen den Körper schlecht, gehen sehr langsam, strecken den in Action tretenden Fuss vom Boden ab, setzen ihn tappend nieder — kurz sie taumeln wie schwer betrunken — führen aber im Liegen die meisten Bewegungen gut aus. Die Störung wird meistens verstärkt (nicht immer) durch das Schliessen der Augenlider. Der Zustand ist äusserst selten und wird nur zu leicht mit Schwindelanfällen, Schwächezuständen, Bewusstseinsstorungen verwechselt. Deshalb sollte die Diagnose cerebellare Ataxie wohl nur im äussersten Falle gestellt werden.
Cober Anhaltspunkte, welche bei der Localdiagnose von Er­krankungen anderer Grosshirngebiete Verwendung finden könnten, existiren keine Angaben, da einschlägige Beobachtungen überaus selten sind und sowohl unsere Kenntnisse über den feineren Bau und die Functionen der einzelnen Organe des Centralnervensystemes des Pferdes als auch unsere öntersuchungsmethoden noch höchst mangelhaft genannt werden müssen, Nur der Seh Störungen cerebralen Ursprunges möge mit einigen Worten gedacht sein. Zu den ophthalmoskopisch nachweisbaren Affectionen des Sehnerven,
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15Önbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
die im Verlaufe von Geliiinleiden auftreten, gehören die Sehnerven­atrophie und die Staunngspapille.
Zur einfachen, nicht entzündlichen S eh ne r ven at rophi e kommt es, wenn Tumoren oder Herderkrankungen im Gehirne den Sehnerven oder seine intracerobrale Fortsetzung schädigen; es ist das eine absteigende, von der Läsion gegen die Retina fortschrei­tende Atrophie, deren Ursache häufig nicht auffindbar ist. Mit dem Spiegel betrachtet, zeigt die Papille ein weisses bis grauweisses Aus­sehen; die Gefässe sind ganz klein, kaum sichtbar, der Scleralring breit, glänzend weiss; bei genauerer Betrachtung findet man hin und wieder eine Excavation, die aber niemals einen besonders hohen Grad erreicht; auch beobachtet man, dass die I'apille nicht gleichmässig weiss ist, sondern dass sie radienfürmig gestellte weisse Streifen besitzt, zwischen denen dunklere, grauweisse Stellen vorhanden sind; das Ganze wurde von Berlin mit dem Anblick eines schief durchschnittenen Rettigs verglichen.
Bei ausgesprochener Sehnervenatrophie ist das Sehvermögen erloschen. Anatomisch äussert sich die Leitungsuntorbrechung in gleicher Weise wie die Exstirpation eines Auges: es kommt zu secundären Degenerationen im Tractus opticus, die sich bis zu den primären Opticusganglien fortsetzen (vergl. p. 132); ist der Sehnerv lange Zeit functionsunfähig gewesen, so können diese Degenerationen zum Theile auch mit freiem Auge verfolgt werden, wie aus der beigefügten Figur XXXII ersichtlich ist.
Die Staunngspapille wird beim Menschen als ein wich -tigos Begleitsymptom vermehrten Hirndruckes — sei er durch Tumor oder Ventrikclhydrops verursacht — angesehen. Auch für das Pferd wurde seinerzeit von Lustig diese Erscheinung als ein bei dem Dummkoller constantes Symptom angegeben, was jedoch seither von keiner Seite bestätigt wurde; auch die Nachuntersuchungen an dem grossen Materiale der Wiener Schule haben die Un­richtigkeit dieser Behauptung ergeben. Das Verhalten der Papille bei Hirntumor des Pferdes ist noch nicht genauer geprüft worden.
Eine zweite Gruppe von Sehstörungen umfasst jene, bei denen kein ophthalmoskopischer Befund erhoben wrerden kann. Handelt es sich um einen auf ein Auge beschränkten Verlust des Sehvermögens, ohne dass in den durchsichtigen Medien oder den tiefen Membranen Veränderungen nachgewiesen werden können,
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Herdsymptome.
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so sprechen wir von einer Amaurose; in diesem Falle muss eine Leitungsunterbrechung des Opticus desselben Auges angenommen werden. Weit complicirter gestalten sich die Verhältnisse, wenn eine Läsion an oder über dem Chiasma seine La^e hat.
Dorsalansicht des Hirnstammes eines auf dem linken Auge seit mehreren Jahren erblindeten Pferdes. pu Pulvinav tbalami sin.; es ist wulstiger, breiter als auf der Gegenseite und Überdeckt daher das Corpus genic. mediale sin. cgm mehr als dies auf der rechten Seite der Fall ist: durch den Schwund des rechten Pulvinar ragt demnach das rechte Corpus genic. mediale mehr vor als das linke: //'hinterer linker VierliLigel, rjtr vorderer Unker Vierhügel; er ist merklich grosser als der gegen­überliegende; durch die Degeneration des rechten vorderen Vierhügels wird der darunter liegende, nicht atrophische hintere Vierhügel weniger verdeckt : namentlich der hintere Vierhügelarm sieht rechts breiter aus als links; X durchschnittene Verbindungsstelle des Cerebellum mit dem Pens, Vierhügel und der -Med, oblongata. An der Degeneration des linken Xervns optieus haben sonach das Pulvinar thalami und der vordere Vierhügcl auf der rechten Seite theilgenommen ; nicht verändert blieben die Corpora genic. medialia und die hinteren Vierhügel beider Seiten : dem entspricht es, da-s der grösste Theil der Sehnervenfasern des linken Auges mit den dege-nerlrteu Gebilden des Hirnstammes der rechten Seite in Beziehung tritt. Selbstverständ­lich gilt das hier Gesagte nur für die makroskopischen Verhältnisse. — Nach einer photographischen Aufnahme in natürlicher Grosse gezeichnet.
Wir wissen, dass beim Pferde eine Partialkreuzung der Opticus-fasern im Chiasma besteht, dass daher in jedem Tractus opticus ein Bündel gekreuzter und ungekreuzter Fasern nebeneinander verlaufen, so dass jede Grosshirnhemisphäre mit beiden Augen in Verbindung steht. Wie das räumliche Verhältnis der von beiden Faserarten versehenen Netzhautabschnitte beschaffen ist, wurde beim Pferde noch nicht bestimmt: aus der Schätzung der gekreuzten
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158nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
und ungekreuzten Fasern im Chiasma, deren Menge sich beim Pferde etwa wie .quot;gt; : 1 verhält, wäre zu sdhliessen, dass der von jeder Faser­art versorgte Netzhautabschnitt eines jeden Auges nicht gleich gross ist, wie dies beim Menschen nachgewiesen wurde: nach den Ergebnissen der anatomischen Untersuchung würde sich vielmehr herausstellen, dass das Retinafeld, das gekreuzte Fasern erhält #9632;— nasale Xetzliautregion — bedeutend grosser ist als die temporale, von ungekreuzten Fasern versorgte Region.
Die Kenntnis von dem Verlaufe der Sehnervenfasern von der Retina bis zur Occipitalrinde und den daraus gezogenen Schlüssen können dazu verwertet werden, eine Localerkrankung im Gebiete der Sehbahnen zu erheben. Solche Läsionen kommen bei unseren Ilausthieren zweifellos vor und wurden auch beim Pferde im Ge­folge von Hirnerkrankungen schon wiederholt beschrieben.
Trifft ein Erkrankungsherd den Tractus opticus einer Seite, so miisste nach dem Vorhergesagten ein Functionsausfall jener Retinahälften erfolgen, die von dem gekreuzten stärkeren und dein ungekreuzten schwächeren Faserbündel dieses Tractus ver­sehen werden; es sind dies die nasale Partie des gegenseitigen und die temporale Partie des gleichseitigen Auges: es würden somit zwei gleichseitig gelegene Netzhauttheile beider Augen von ihrer Verbindung mit dem Gehirne ausgeschaltet werden, einen Zustand, den mau beim Menschen laterale oder homonyme Hemiopie nennt: ganz dasselbe gilt auch für die Läsionen der gesammten intracerebralen Leitungsbahn des Opticus vom Tractus bis zum Cortex einer Seite: eine genauere Localisirung auf dieser Strecke ist klinisch kaum möglich; höchstens könnte man aus der Mit-betheiligung anderer Hirnnerven eher auf eine Tractusläsion als auf eine Cortexschädigung schliessen.
Viel schärfer würde die Localisirung bei dem Ausfalle der Function der beiden ausseien Gcsichtsfeldantheile sein: hierbei mtisste das innere, nasale Retinafeld eines jeden Auges aus der Verbindung mit dem Cortex gebracht werden: es geschieht dies bei Läsionen, die das Chiasma in sagittalcr Richtung zerstören; es kommt zur temporalen Hemiopie.
So plausibel sich diese Formen der Functionsstörungen aus dem anatomischen Präparate ergeben können, so schwer gelingt deren Diagnose im Leben. Die vorliegenden, hauptsächlich auf
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Herdsymptome.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 159
experimenteller Basis stehenden Publicationen von Hemiopie bei den Thieren haben häufig den Einfluss dos Geruchsinnes nicht genügend gewürdigt; es ist ganz sicher, dass die Anregungen, die dem Bewusstsein durch diese Sinnessphäre zugehen, denjenigen des Gesiclitsinnes beim Pferd, noch mehr beim Hunde, an Wert sehr nahe kommen oder letztere sogar übertreffen. Ferner erfordert der Nachweis solcher Anomalien schon beim Menschen eine ge­naue und vorsichtige Prüfung; er ist bei kleinen Kindern und Dementen kaum möglich. Ich habe Gelegenheit gehabt, bei grösseren Affen (Pavian, Meerkatze), die sicher mit solchen Sehstörungen be­haftet waren, langwierige Beobachtungen anzustellen, ohne dass es mir gelungen wäre, zur (Jeberzeugung zu gelangen, dass das be­treffende Thier thatsächlich eine abgegrenzte Gesichtsfeldeinschrän­kung besitzt: wenn wir bedenken, wie viel tiefer das Intellect des Pferdes als dasjenige der Affen steht, so werden wir die Grosse der .Schwierigkeiten sofort einsehen. Die subjeetiven Aeusserungen, die uns von der Sinnesempfindung des Pferdes zugehen, deren Beihilfe zur Constatirung eines solchen Gesichtsfelddefectes unum­gänglich nothwendig ist, sind so unbedeutend und häufig ganz unverständlich, dass wir damit nicht viel anzufangen wissen; wir haben ja nicht einmal die Anregung eines beliebigen Sinnesorganes allein immer in der Hand: wir können uns nur mit zwei Gegen­ständen befassen, die gewöhnlich das Interesse auch eines stumpf­sinnigeren Thieres anzufachen vermögen: den Hunger und den körperlichen Schmerz: es gibt aber genug Pferde, die der Peitsche durchaus keine Beachtung schenken, oder die einem ihnen vorge­zeigten Grasbüschel nicht nachgehen: ob das Thier das betreffende Futter aber nicht will oder ob es dasselbe nicht sieht, bleibt immer noch fraglich. Biese und ähnliche Schwierigkeiten nehmen umso-mehr zu, je mehr wir in die psychischen Vorgänge einzudringen versuchen und daran scheitert ja die feinere Diagnostik der localen Nervenerkrankungen fast immer.
Dies zeigt sich am deutlichsten bei jenen Störungen, welche die corticalo Sehsphäre betreffen. Bei Ausschaltung des Sehcentrums durch irgend einen deletären Process tritt eine Störung auf. welche Munk bei seinen Versuchsthieren zuerst beschrieben und als Seelenblindheit bezeichnet hat; u. zw. differenzirt Munk in eine durch Schädigung der Wahrnehmungselemente erzeugte
A
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IGOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Cnliirnes.
Rindenblindheit und eine durch Schädigung der Vorstellungs­elemente gesetzte eigentliche See I on bl in d h ei t. Diese lieobach-tungen wurde später auch von anderen Forschern so z. 15. von Goltz bei seinen bekannten Abtragungsversuchen gemacht und auch am Menschen constatirt. Seelenblinde Thiere sehen ver­möge ihres intacten peripheren Sehapparates die sie umgebenden Dinge, ohne jedoch deren Bedeutung zu erfassen. Sie schauen dem erhobenen Stock entgegen, ohne dem drohenden Schlag auszu­weichen, sehen ihr Futter, ohne es zu erkennen etc. Ich erachte aber die klinische Diagnose nSeelenblindheitquot; beim Pferde als kaum möglich.
Anhangsweise möge noch der trophis chen, vasomo­torischen und sec retorische n Störungen bei den Erkran­kungen des Gehirnes Erwähnung gethan werden. Es werden auf der Haut Oedeme, Qnaddeln und namhafte Temperaturunterschiede sowie auch halbseitiges oder örtlich beschränktes Schwitzen be­schrieben. Alle diese Vorkommnisse sind jedoch noch nicht auf­geklärt, so dass hier nicht näher darauf eingegangen werden kann.
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Erkrankun
ramp;
en der Schädeldecke.
aj Traumatische Verletzungen. Contusio cerebri.
Literatur: Chirurgie von Bayer, Hoffmann, Stockfleth: Vander-wal, Tijdskrft.f. Veeartsenijkonde 1880; Schütz. Arch. f. wissenschaftl. Thier-heilkunde 1878, p. 145; Arloing, Journ. de Lyon. 1896. p. 565; Burger. Badener thierUrztliche Mittheilttng, IS'Jä, p. 74; Struska, Vierteljaliresschritt für Thierheilkunde, Bd. XVII. 1882; Albrecht, Berliner thierUrztliche Wochenschrift 188'.), Nr. 43: Kröning, Milit.-Vet. Zeitschrift 11. p. 367; Co-raeny, Recueil 1898, p. 189.
Da Fracturen der Schädelkapsel immer das Gehirn und seine Häute mehr oder weniger in Mitleidenschaft ziehen, sollen sie hier eine kurze Erwähnung linden. Sie kommen beim Pferde nicht allzu selten vor und entstehen gewöhnlich durch Aufschlagen des Kopfes auf die Nackenseito. heim sogenannten Steigen und dem darauf folgenden üeberschlagen nach rückwärts, durch Sturz auf die Stirne, durch Anrennen an feste Gegenstände oder durch Projectile. Die Schwere der Zerstörung ist der Grosse der Gewalt proportional; bei Geschossen ist aussei- der Grosse noch deren Geschwindigkeit, mit der sie auftreffen, raassgehend. Die Fracturen können einen oder mehrere Knochen betreffen, einfach oder com-plicirt sein. Die knöcherne Schädelwand kann von kaum sicht­baren Fissuren durchzogen oder blos eingedrückt oder auf Stücke zerschmettert sein, wobei die äussere Haut nicht immer schwer beschädigt sein muss. Dei Nahschüssen aus englischen Express­gewehren kann die ganze Schädeldecke auf so kleine Stücke zer­sprengt werden, dass sich der Kopftheil wie ein weicher, mit Knochenstücken gefüllter Beutel angreift; die Haut weist ausseiquot; der Ein- und Ausschussöffnung keine andere Läsion auf (eigene Beobachtung).
Dexler. Nervenkrankheiten dos Pferde?.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;11
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162nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krunkbciten des Gehirnes.
Dass beim Pferde Contrafi.ssuren — Fracturen an anderen als von der Gewalt getroffenen Stellen — vorkommen, ist ganz sicher. Wenn auch die anatomischen Verhältnisse des Pferdeschädels nicht solche sind als diejenigen des Menschen, so ist es doch eine durch mehrere Beobachtungen bewiesene Thatsache, dass beim Sturz oder beim Anrennen mit der Vorderfläche des Kopfes die Schädelbasis brechen kann. Es ist übrigens bei Stürzen auf die Zahnreihen oder auf die Nackenseite ein gewöhnliches Vorkommnis, dass die Basis bricht: in der Kegel geht die Fraetur durch die Verbindungsstelle des Sphenoidale mit dem Occipitale; die Bruchenden findet man nach einwärts gegen den Schädehaum gedrückt (Comeny, Alb recht, 4 eigene Beobachtungen). Ein anderer, sehr häufiger Sprung erfolgt damit in Verbindung vom zerrissenen Loch aus; er­geht zwischen dem Processus postglenoideus und Meatus audit, ext. durch, gegen die Soitemvandbeine oder längs des Marge parie-talis des Hinterhauptbeines. Die Eigentluimlichkeit, dass Stösse, die der Längsachse des Schädels parallel erfolgen, beim Pferde so häufig zum Bruche der Basis führen, wird uns sofort klar, wenn wir einen macerirton Schädel von unten betrachten; während die seitliche, obere und hintere quot;Wand der Schädelkapsel aus einer allseitig geschlossenen Knochenschale bestellen, ist die Grundfläche nur von dem schmalen Keilbeinkörper und dem Grnndfortsatze des Occipitale gebildet. Die grossen Foramina lacera und condy-loidea. die bei älteren Individuen sogar in einander übergehen können, schwächen den Boden der Hirnhöhle bedeutend: erfolgt eine Gewalteinwirkung in der oben bezeichneten Richtung, so biegt sich das Schädelgewölbe zusammen und die schwache Basis bricht. Die Basalfracturen erfolgen daher nicht in der gleichen Weise wie beim Menschen; aus anatomischen Gründen ist der Mechanis­mus dieser Fracturen ein ganz anderer als bei den Brüchen der kugeligen Schädelkapsel des letzteren durch Contrecoup.
Der schädigende Einfluss von Schädelbrüchen äussert sich auf das Gehirn durch den Shock beim Entstehen der Fraetur, durch die Compression in Folge der Blutung oder durch verschieden­artige Zusammenhangstrennungen des Gehirnes, die alle Stufen von einfacher Contusion bis zur vollständigen Zerstörung des­selben zeigen können. Demgeraäss aussein sich die klinischen Erscheinungen entweder in einer kurz dauernden Bewusstseins-
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Erkrankungen der Schädeldecke.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;163
Störung — die Thiere taumeln, stürzen nieder, erholen sich aber bald wieder — in einer (,'ommotio cerebri (s. d.) oder mit dem Aufhuren aller Gehirnfunctionen, d. h. die Thiere sterben auf der Stelle.
In mittelschweren Füllen fallen sie gewöhnlich nach dem er­littenen Trauma zu Boden und bleiben für längere Zeit ganz bewusstlos liegen. Alle Reflexe fehlen, die Pupillen sind ad maximum erweitert. Die Athmung kann dabei sehr unregelnüissig. stertorös, der Puls unfühlbar sein. Nach einem Zeitraum von einigen Minuten oder auch von Stunden beobachtet man zuckende Bewegungen in den Extremitäten oder Rumpfmuskeln, die allmälig ausgiebiger und lebhafter werden; es stellt sich oft Nystagmus ein, die Thiere richten den Kopf auf, versuchen auf­zustehen und kommen langsam wieder zu sich. In anderen Fällen sieht man erst geraume Zeit nach dem Unfälle Gleichgowiehts-und Bewusstseinsstorungen auftreten, die immer intensiver werden und bis zum Coma und Tod führen können. Bei solchen Kranken ist eine durch die Fissur erzeugte meningeale Blutung anzunehmen, die secundär durch Compression oder durch Ünterwühlung lebens­wichtiger Centren den Tod veranlassen kann. Kommt aus einem oder beiden Nasengängen Blut zum Vorschein, so wird man kaum fehlgehen, wenn man eine Basisfractur annimmt. Sie ist gewöhn-1 ich mit einer Bewusstseinsstorung aller schwersten Grades vergesellschaftet und kann auch von Blutungen aus dem Ohre begleitet sein; letzteres Symptom ist sogar ziemlich constant. Endlich gibt es auch Fälle, wo sich nach einem weichen langen Latenzstadium erst allgemeine, meist wohl locale Erscheinungen be­merkbar machen (Arloing). Ein solcher Verlauf gehört indes zu den grössten Ausnahmen. Für gewöhnlich endet das Symptomenbild schon wenige Stunden oder höchstens wenige Tage nach dem er­littenen Insult mit dem Tode; die Schwere der Erscheinungen än­dert hieran nur wenig ; ich habe selbst einen Fall gesehen, wo ein Pferd 8 Stunden nach dem Unfälle Hals und Kopf erhob, Futter suchte und gierig Wasser trank, trotzdem der Keilbeinkörper 2mal fracturirt war; ausserdem waren noch die Seitenwandungen der Schädelkapsel vom Foramen lacerum aus auf beiden Seiten mehrfach eingerissen und der rechte Processus stiloideus ab­gebrochen. Tod nach 2 Tagen.
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164nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dos Gehirnes.
Die Prognose gestaltet sich ungünstig ; doch sind Heilangen
auch in .sehr schweren Fällen möglich, ja sogar Basalfracturen
sollen unter Umständen zur Ausheilung gelangen.
Die Behandlung richtet sich gegen das Coma und in zweiter Linie gegen die Gewobsverletzungen. Man wird daher bei bewusstlosen Thieren vor allem die gebräuchlichen Excitantien in Anwendung bringen und dafür Sorge tragen, dass sie in einen ge­eigneten Stall überführt und dort so gelagert werden, class der Kopf bedeutend höher liege als der übrige Körper. Auch die Re-nützung kalter Einpackungen des Schädels erweist sich vortheil-haft; ob Blutentziehungen gerechtfertigt sind, möchte ich dahin­gestellt sein lassen; jedenfalls wird die Constitution eines Pferdes immer vorher geschätzt werden müssen. Die Behandlung der Zu­sammenhangstrennungen geschieht nach den Kegeln der Chirurgie.
b) Commotio cerebri.
Literatur: Hoffmann, Chirurgie; Magnin, Journal de Lyon 1891; Wagenhäuser, Monatshefte für Thierheilkunde 1893. p. 403; Nnnn, Ve­terinary journal X.W. p. 240; Nocard, Alforter Archiv 1882. p. 681.
Unter der Bezeichnung Gehirn e r s c h ii 11 e r u n g wurde eine gewisse Gruppe nervöser Functionsstörungen zusammengefasst, die sich im Anschlüsse an ein Trauma entwickelten; als charakteristisch wurde dabei angenommen, dass die nervösen Elemente infolge der heftigen Erschütterung momentan oder vorübergehend in ihrer physiologischen Thätigkeit gestört werden können, ohne dass eine substantielle Anomalie in ihnen einzutreten braucht. Dadurch war eine. Grenze gezogen zwischen zwei Hauptformen von Er­krankungen, die durch mechanische Gewalteinwirkung auf das Nervensystem entstehen können: 1. Die Contusio cerebri mit mannig­fachen Zerstörungen des Gehirnes und seiner Schutzorgane. 2. Die eigentliche Hirnerschütterung, wobei durch die Fortleitung der schwingenden Bewegung auf die nervösen Elemente Functions­störungen derselben eingeleitet wurden, für die kein anatomisches Substrat bestand; daher wurde die Commotio cerebri früher den functionellen Neurosen zugerechnet. Auch hat man für diese Affection einen eigenen Symptomencomplex aufgestellt, der zwar mit dem der Contusio cerebri eine gewisse Aehnlichkeit besass, in einigen Punkten aber von diesem abwich: so wurde namentlich dem tiefen, rasch vor-
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Tumoren der Schüdolwand.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;165
übergehendem Coma, den Convulsionen und der Sphincterparalyse eine besondere Bedeutung beigelogt. Geht man aber die Casuistik durch, so kommt man zum Schlüsse, dass ein solches charak­teristisches Krankheitsbild nicht besteht, dass die Erscheinungen in vielen Füllen ungemein wandelbar sind und dass sie sich in anderen Fällen wieder von der Contusio cercbri kaum unterscheiden. Aber abgesehen davon, dass sich beim Pferde wenigstens nach dem. was in der Literatur hierüber bekannt ist, klinisch eine exacte Grenze zwischen beiden Processen nicht autstellen lässt. ist auch die substantielle Grundlage für beide eine gleiche oder doch ähnliche.
Man hat unter Zuhilfenahme der modernen histologischen Technik gefunden, dass in Fällen, wo man mit freiem Auge oder bei Benützung der früheren einfachen Untersuchungsmethoden keine structurellen Anomalien aufzudecken vermochte, solche doch vor­handen sein können. Unter Anderen haben sich Schmaus, Oppenheim und Bikeles*) mit der Frage der pathologischen Anatomie der Hirn- und Rückenmarkserschütterung beschäftigt. Schmaus zeigte, dass infolge eines Traumas hochgradige ne-crobiotische Processe innerhalb der Nervenfasern entstehen können, die nur durch eine besondere Färbemethode darstellbar sind, wobei der makroskopische Befund ganz negativ sein kann. Bikeles hat unter Anwendung der ungemein empfindlichen Marc h i-präparation bei experimentell erzeugter Hirn- und Rückenmark-erschütterung des Meerschweinchens ausgedehnte Dege nerations-proce.sse in Form von Markscheidenzerfall nachgewiesen: sie Fanden sich im ganzen Rückenmarke, dem Hirnstamm, besonders schwer jedoch in der Medulla oblongata und im Cervicahnark. Schliesslich sind hiemit auch die Resultate Westphal's in eine gewisse Parallele zu stellen, der bei analogen Versuchen in der Oblongata und im oberen Cervicalmark in der grauen und weissen Substanz sehr zierliche kleine Hämorrhagien, von den feinsten punktförmigen angefangen bis zur Stecknadelkopfgrösse vorfand.
c) Tumoren der knöchernen Schädelwand.
Literatur: Bruckmül ler, Zooforaie p. 551; Kitt, path. Anatomie; Drgive, Amiales de Brnxelles 1880, p. 446: Bonnet. Münchner Jahres-
*) Obersteiners Arbeiten, Heft III. p. 102.
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1GGnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
bericht 1881. p. 110; Cadiot, Krankheiten des Ohres: Handbuch der tbieiärztlichen Chirurgie Bay er-B'röh ner, p, 297; Labat, Revue vi'te-rinaire 18'.lti. p. 76; Blaue, Journ. de müd. viiterinaire 189ö, p. 277.
Wie die Traumen können auch die Geschwülste der Schädel­knochen krankheitserregend für das Gehirn werden. Sie können dadurch schädigend einwirken, dass sie den Schädelraum verengend, einen Druck auf das Centralnervensystem ausüben, dass sie meta-stasiren, auf die Gehirnsubstanz übergreifen oder dass sie zur in-fectiösen Entzündung der Meningen Veranlassung geben. In die letzte Gruppe gehören die durch verirrte Zähne oder Odontome verursachten Geschwülste, wie sie im Jochbein, Scheitel-, Schläfen-und Stirnbein gefunden werden, sogenannte Dentalosteo me. Ihr Lieblingssitz ist an der Vereinigung des Felsen- und Hinter­hauptbeines. Nach Kitt findet sich in der Münchner Sammlung ein Präparat, bei welchem zwei grosse verirrte Backenzähne ange­troffen wurden: der eine lag frei im Schädelraum, der andere war am Felsenbeine eingekeilt. Die Dentalosteome gehören der Kate­gorie der Kiemenfurchenteratome an (Kitt.) Oft sind sie encystirt oder stehen durch Hohlgänge mit der Aussenwelt in Verbindung. (Zahncysten oder Zahn fisteln). So lange diese Cysten ohne Complication bleiben, ziehen sie keine nennenswerten Störungen nach sich. Anders wird die Sache jedoch, wenn der verirrte Zahn bei seinem fortschreitenden Wachsthum die knöcherne Schädel­wand durchbricht und in das Schädelinnere hineinragt; dann kann von der Fistel aus eine Infection der Meningen erfolgen. Es sind auch Fälle beobachtet worden, in welchen die behufs operativer Entfernung des betroffenden Zahnes gesetzte Wunde von tödtlichen Folgen begleitet war. Man wird daher stets bei der Exstirpation verirrter Zähne auf die Gefahren einer infectiosen Hirnhaut­entzündung denken müssen.
So grosse Enostosen, wie sie bei den Rindern und Ziegen ge­funden werden, kommen beim Pferde nicht vor. Wohl aber kann die Knochenwand gegen das Schädelinnere durch andersartige Neoplasmen bedeutend vorgedrängt werden, die in der Umgebung des Knochens ihren Sitz haben. Ferner hat man beim Pferde Carcinome auf die Schädelwand übergreifen sehen (äusserst selten) und die Entwicklung von M elan omen im Knochen, primär oder seeundär, gefunden. Neben den verirrten Zähnen ist das Melanom die häufigste Geschwulstform; sie kann vom Felsenbein,
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Tumoren der Schädelwand,
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Seitemvandbein oder vom Keilbein ausgehen ; am häufigsten ist sie an der knöchernen Schädelbasis in der Umgebung der Glandula pitui-taria; von dort aus wuchert sie dann gegen die basalen Organe des Gehirnes und comprimirt sie.
In dem Falle von Blanc, der zu den am besten beobachteten gehört, war bei einem Schimmel ein wahrscheinlich von der Pa-rotis ausgehendes Melanom durch die Schädelwand hindurch­gewachsen und hatte sich am Boden der Schädelhöhle zu einem eiförmigen, vom Kleinhirnzelt bis zur Sella turcica reichenden Wulst entwickelt, welcher den Lobus sphenoidalis, Hippocampus und das Ganglion Gasseri verschoben und comprimirt, hatte; während des Lebens wurden keine Symptome beobachtet, welche die Existenz eines derartigen Neoplasmas hätten ahnen lassen.
Als Unicum steht eine Beobachtung Bonnet's da, welcher bei einem an hochgradigen Deprcssionsznständen leidenden alten Pferde ein Cholesteatom der Ossa interparietalia von Hühnerei-grösse vorfand. Die Geschwulst, welche ihren Ursprung zweifellos einer in fötalen Leben stattgehabten Verlagerung epidermoidaler Keime verdankte, bestand aus einer die mediale obere Fläche des Scheitel­lappens comprimirenden Knochenblase, deren Inneres von einer breiigen, grau-gelben Hasse erfüllt war.
Das klinische Bild ist von der Oertlichheit an welcher der Tumor sitzt, von der Schnelligkeit seines Wachsthums und von seiner Grosse abhängig. Es ist daher sehr vielgestaltig und in den meisten Fällen von demjenigen nicht zu unterscheiden, welches durch cerebrale oder meningeale Geschwülste hervorgerufen wird. Eine Diagnosticirung des Leidens ist auch nur dann denkbar, wenn sich bei einer aussen am Schädel constatirbaren Tumorentwicklung cerebrale Symptome einstellen. Uebrigens bildeten die meisten hierhergehörigen Tumoren zufällige Sectionsbefunde.
Die Behandlung ist, wenn eine klinische Diagnose möglich war, eine rein chirurgische.
Die Vorhersage gestaltet sich bei Odontomen günstig, bei Melanomen oder Carcinomen ungünstig. Da sich jedoch in den meisten Fällen die Art des Neoplasmas der klinischen Diagnose entzieht, sollte die Prognose immer zum mindesten sehr vor­sichtig gestellt werden.
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Erkraiikangen dor Häute dos Gehirnes.
a) Hyperämie.
Die Diagnose der Blutuberfüllung der Hüllen des Gehirnes und Rückenmarkes wird sowohl am lebenden Thiere wie auch am
Cadaver noch sehr häufig gestellt: auch ist die Annahme, dass bei den mannigfachen Krankheiton des Pferdes eine acute Conge­stion der Membranen besteht, heute noch sehr verbreitet. Diesbe­züglich habe ich meine Anschauung bei der Besprechung der Circu-lationsstorungen des Gehirnes auseinandergesetzt und verweise hiemit auf dieses Capitel.
Die nach dem Tode innerhalb der Gefässe der Käute gefundene Blutmenge gibt keinen sicheren Anhaltspunkt zur Heurtheilung des Zustandes im Leben. Schon die Lagerung des C ad avers ist nicht ohne Einfluss. Schlüsse allgemeiner Natur lassen .sich nur dann ziehen, wenn eine Hyperämie im Cadaver äusserst hochgradig entwickelt sein würde, wie sie möglicherweise als Vorläufer einer Entzündung vorkommen mag; dass aber eine reine, nicht entzündliche Hyperämie der Hüllen beim Pferde beob­achtet, wird, ist höchst zweifelhaft.
Wenn wir an der Aussenfiäche des Gehirnes eine sehr stark auffallende Gefässinjection wahrnehmen, so ist diese niemals auf die Häute allein beschränkt, sondern erstreckt sich bei genauer Untersuchung auf das gesammte Gehirn oder einen grossen Theil desselben; auch hier ist sie gewöhnlich eine entzündliche Er­scheinung; die Blutüberfüllung der Häute ist daher nicht als ein selbständiger Zustand aufzufassen.
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Haemorrhagia uieningealis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1ß9
b) Blutung: Haemorrhagia meningealis.
Literatur: Bruckmäller, Zootoraio p. 28r): Mob ins, Sachs. Jahresbericht 1891, p. 87; quot;Wagenhauser, Müuchener tli. Wochenschrift 1897. p. 133; Bordiert, Berl. th. Wochenschrift 18,,)7. p. 41; Korff, Mil. Veterinär/.eit-sclirifl 111, p. 114; Chawvrat, Bull, de la soc. centr. 1897, p. 524; Scoffie Rev. vet. 1898. p 201.
Spontane Blutergüsse zwischen die Hirnhäute, die von den Gefassen dieser Membranen ausgehen, sind ausserordentlieh selten. In der älteren Literatur existiren wohl häufigere casuistische Mit-thoilungen hierüber: allein man ist bei der überwiegenden Mehr­zahl derselben hinsichtlich der Pathologie und Genese dieser Fälle gezwungen, die grösste Reserve zu bewahren: trotzdem verdienen sie in eine eigene Gruppe von Hirnerkrankungen zusammengefasst zu werden, weil neuestens einige Beobachtungen von deutschen und französischen Autoren vorliegen, die das Vorkommen dieser Affection zweifellos darthun. Sie ist beim Pferde klinisch noch niemals diagnosticirt worden und hat daher nur ein anatomisch­pathologisches Interesse.
Die Ursachen sind mehr oder weniger unbekannt. Manclimal stellen sie sich ohne jede sichtliche Veranlassung ein, in anderen Fällen beschuldigt man Kopftraumen, bei denen es zu keinen Ver­letzungen des Knochens gekommen ist. Scoffie beschreibt einen sehr genau untersuchten Fall eines herzkranken Pferdes (Insufficienz der Tricuspidalis, enorme Herzvergrösserung), das unmittelbar nach dem Coitus apoplectiform verendete und lässt die arachnoidale Gefässberstung aus dem bei diesem Acte namhaft gesteigerten Blutdrucke entstehen.
Beider Section findet man in den Subarachnoidalräumen oder auch unter der Pia flächenartig ausgebreitete Blutungen, die gewöhnlich keinen bedeutenden Umfang besitzen und an den hin­teren Hirnabschmtten, meistens um das Kleinhirn, an der Oblon-gata auftreten; grosse Hämorrhagien sind selten. Es können auch mehrere Blutherde neben einander bestehen, die aber gewöhnlich continiren: sie enthalten flüssiges, zum Theil auch coaguhrtes Blut. In Fällen, wo das Leben des Thieres längere Zeit erhalten bleibt, wie in demjenigen von Chauvrat, ist bereits ein dünnes, weiches Gerinnsel vorhanden, das durch die beginnende Umwandlung des Blutes eine stellenweise hellere, rothbraune oder ockergelbe Farbe
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170nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
annehmen kann: das oder die blntenden Gefiisse werden in der Regel nicht gefunden. Lieber die Natur der Blutungen ist man wenig aufgeklärt; besonders fragt es sich, ob mechaniscbe Insulte allein geniigen, eine Gefässrnptur im Gehirne zu ermöglichen oder nb hiezu gewisse Degenerationszustilnde der Grefasswand nothwendig sind. Entavtungszustilnde der kleineren Hirngefässe des Pferdes sind bisher nicht genau untersucht worden: nach meinen Erfah­rungen kommen sie höchst selten vor; vom Atherom des Pferdes wissen wir, dass es sich nur auf die grossen Gefässe beschränkt. Die plötzliche Steigerung des Blutdruckes oder traumatische Mo­mente allein sind auch nur bedingungsweise anzuerkennen. Es ist bekannt, dass zu operativen Zwecken gefesselte Pferde sich manchmal mit solcher Gewalt aus ihrer Lage zu befreien suchen, dass die Lendenwirbelsäule bricht oder dass eine Herzruptur eintritt; über eine cerebrale Blutung wurde aber hiernach meines Wissens noch niemals berichtet. Kitt erwähnt als Erreger von arteriellen Spon­tanblutungen das Sclerostoma armatum bei apoplectisch veren­deten Pferden und hebt besonders hervor, dass bei diesem Thiere ago-nale Blutungen nach Schädelcontusion einen bekannten Befund darstellen auch wenn keine Knochenfractur zustande kam. Man findet in der Literatur einige Fälle, in denen diesen kleinen Sugillationen eine hervorragende pathogenetische Bedeutung zuge­sprochen wurde, weil anderweitige tödtliche Anomalien fehlten oder nicht gefunden wurden.
Die Erscheinungen, welche Pferde bei meningealen Blutungen darbieten, sind nicht charakteristisch. Sie stürzen plötzlich zu Boden und sterben sofort oder das Leben bleibt noch einige Zeit er­halten, wobei mannigfache Störungen des Bewusstseins und der Hirnnervenfunction beobachtet werden können. Chauvrat sah starke Schwindelerscheinungen, Speiehelfluss, Facialisparalyse, theil-weise Somnolenz, Manegebewegung, Muskelkrämpfe, Amaurose und Coma. Bor chert sah den Tod 3 Stunden nach dem Einsetzen starker Schwindelaufälle und beschleunigter Athmung eintreten; andere Störungen wurden nicht erhoben.
Von einer speciellen Therapie kann natürlich nicht die Rede sein, da sich das Leiden der Diagnose entzieht.
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Entzündung; dor Membranen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;171
c) Entzündung der Häute des Gehirnes. Jene entzündlichen Processe, welche sich an den Häuten des Gehirnes abspielen, bezeichnet man herkömmlich mit dorn Namen Meningitis. Betrifft die Erkrankung die harte Haut, so sprechen wir von einer P achy m e nin g it is; betrifl't sie die weiche Haut, so haben wir es mit einer Leptomeningitis oder eigent­lichen Meningitis zu thun. Da aus anatomischen Gründen eine Entzündung der Pia mater nicht leicht gedacht werden kann, welche nicht zugleich die Arachnoidea und die peripheren Schichten des Gehirnes in Mitleidenschaft ziehen würde, so füllt unter den Begriff Leptomeningitis auch immer der einer Encephalitis; da ferner, wie gezeigt werden wird, klinisch das Krankheitsbild einer Entzündung der Hirnsubstanz von demjenigen einer Leptomeningitis beim Pferde häufig nicht getrennt werden kann, so versteht man unter dem Namen Meningitis gewöhnlich eine Meningo-Encepha-litis. Thatsächlich sind in der Veterinär-Medicin die Begriffe „Me­ningitisquot; und „Encephalitisquot; meistens vollkommen gleichwertig ge­braucht worden. „Alles, was schlechtweg als Hirnentzündung auf­geführt ist. ist zürn weitaus grössten Theile eine Leptomeningitisquot; (Frie d her ger-Fr öh n e r).
Die Entzündung der harten Hirnhaut, Pachymeningitis, hat kein klinisches Interesse. Von weit grösserer Bedeutung sind die Entzündungen der weichen Häute. Bei dem Umstände, class heutzu­tage noch eine ziemliche Verwirrung über den Begriff „Meningitisquot; herrscht, möchte ich meine in dieser Monographie niedergelegten Anschauungen über die mannigfachen Meningitisarten des Pferdes allgemein präcisiren, ehe ich auf die Besprechung der einzelnen Formen eingehe.
In der grossen Literatur über dieses Thema finden wir haupt­sächlich 4 Benennungen vor; 1. Die traumatische, durch Wund-infection erzeugte Meningitis. 2. Die eitrige oder fibrinös-eitvige. acute Meningitis. 3. Die subacute Meningitis. 4. Die endemische Gerebrospinalmeningitis. 5. Die Borna'sche Krankheit.
1.nbsp;Die Umgrenzung des Begriffes träum at is ehe Meningitis ergibt sich aus der Bezeichnung von selbst.
2.nbsp; nbsp;Beim Pferde kommt ferner eine eitrige oder eitrig-fibri-nose, acute Meningitis vor, die durch verschiedene Erreger
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172nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gobirnes.
angefacht werden kann; sie kann auch ome epidemische Verbrei­tung annehmen und wird dann als s euch enhatt e Oerebro-spinalmeningitis bezeichnet.
3. Die Born a'sche K r a n k h e i t ist ein Gehirnleiden, welches der Cerebrospinalmeningitis epidemica ätiologisch wahrschein­lich zugehörig ist. von dieser aber durch den pathologisch-anato­mischen Befund sowohl, wie auch durch das klinische Bild häutig getrennt wird.
Wegen der fallsweise beobachteten längeren Dauer einer Menin­gitis eine eigene Krankheit, die sub a cute Hirnhautentzündung zu unterscheiden, halte ich fur unbegründet. In der Casuistik wurden schon zu viele der mannigfachsten Affectionen damit bezeichnet und die sonderbarsten Symptomenbilder in den Rahmen einer Meningitis einzuzwängen versucht. Ich schliesse mich daher der Meinung Friedberger-Fröhners vollständig an, dass die subacute Meningitis keine einheitliche Krankheit darstellt und der Name daher keine Berechtigung besitzt.
Eine Classificirung nach dem Exsudate (Meningitis serosa. fibrinosa, crouposa). dem Verlaufe (Meningitis acuta, subacuta) und der Ausdehnung (Meningitisbasilaris, convexitatis) ist nur mehr wenig üblich, da mit diesen Namen Eigenschaften bezeichnet werden, die bei jeder Meningitisart beobachtet werden können. Eine tuberculöse Meningitis ist beim Pferde unbekannt.
Die Entzündung der harten Hirnhaut, Pachymenin-gitis, stellt beim Pferde kein selbständiges Krankheitsbild dar. Sie ist gewöhnlich durch Fortpflanzung entzündlicher Processe von innen — bei Entzündungen der weichen Haut — oder von aussen, bei Schädelverletzungen, infectiösen Geschwülsten (Bothriomycome) etc. entstanden. Während des Lebens ist sie gewöhnlich nicht diagnosticirbar, weil ihre Erscheinungen von dem Symptomen-complexe des Grundleidens verdeckt werden.
1. Entzündung der weichen Hirnhaut. Meningitis, Lepto meningitis cerebral is acuta.
Literatur: Lehrbücher von Dicckerhoff. Friedberger - Fröhner. Roll, Brnckmüller, Schneidcniühl. Periodische Literatur der letzten 10 Jähre; Godfryn, Bull. belg. III. p. 298 ex 1886; Michalik, Berliner
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Entzündung der weichen Hirnhaut.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;173
Arch. 18'.I0, p. 73; Rousseau, Recueil IS'JÜ, p, 724; Thomassen, Annal. belg. 1893; Williams, The Veterinarian LXVIL p. 012: Harrevelt Holland. Ztschrift. Band 21, Nr. 24U; Pe rry et Peysine. Recueil 1888, p. 390; Rousseau, ibid. 1893, p. 722; Siedamgrotzky, Sächsischer Jahresbericht 18(.KJ. 1891 und 1892; Brüchcr. Berliner thierärztliche Wochenschrift 1891, Nr. 5; Masch, Mittheilungen fflr Thierärzte. Hamburg 18115; Czak, Monats­schrift des Ver. für Thierärzto 1894, Heft 2: Wilhelm. Sachs. Jahresbericht 1896, p. 135: Baltz, ibidem 1897, p. 197.
Die acute Leptomeningitis ist eine Erkrankung, bei der die Ent-zündungserreger in den meisten Fällen von einem bereits im Körper vorhandenen Krankheitsherde nach dem Gehirne verschleppt werden. Sie entwickelt sich daher meistens im Anschlüsse an Pyämie, Septicämie, Druse, Brustseuche etc. Ausserdem gibt es jedoch viele Fälle, wo uns die Quelle der Infection vollständig unbekannt bleibt; diese scheinen mit der sporadischen Form der Cerebrospinalmeningitis gleichwertig zu sein. In einer zweiten Gruppe von Fällen entsteht sie nach Schädel Verletzungen, wenn infectiöse Mikroorganismen in die Wunde gelangen oder end­lich, es greifen Eiterungsprocesse von den Nachbarorganen des Ge­hirnes schliesslich auf dieses über. In ganz seltenen Fällen kann eine Meningitis auch durch eine septische Sinusthrombose und durch Fortpflanzung einer jauchigen Panophthalmitis längs der Opticusscheiden vermittelt werden. Auch beim Durchbrechen eines Hirnabscesses gegen die Oberfläche der Hemisphären oder gegen die Ventrikel ist ein Uebergreifen der Entzündung auf die Pia möglich.
Dass Sonnenstich, ungünstige Temperaturverhältnisse, Futter­wechsel oder Uoberanstrengung den Anstoss zu einer Hirnhaut­entzündung geben sollen, ist höchst unwahrscheinlich und durch gar nichts bewiesen; es kann diesen Momenten höchstens ein ge­ringer prädisponirender Einfluss zugestanden werden: sonst sind aber derartige Annahmen nichts wie der Ausdruck der Verlegenheit, in welcher wir uns befinden, da wir nur zu oft auf Fälle stossen, wo es uns nicht gelingt, den Ausgangspunkt des Processes trotz allen Suchcns aufzudecken.
Anatomisches. Die Localisation der Entzündung ist sehr verschieden. Hei Schädelwunden — eingeschlagene Nägel (Spinola) Trepanationsöffnungen etc. — wird immer die Umgebung der Zu­sammenhangstrennung zuerst ergriffen. Bei septischen Processen
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174nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
dehnt sich die Erkrankung über die ganze Oberfläche dos Hirnes aus, wie denn die meisten Meningitiden eine diffuse Verbreitung an­nehmen. Die Pia ist hyperämisch, ecehymosirt, fleckig getrübt und mit Eiter oder mit einem flockigen, serös-eitrigen Exsudate verklebt. Sobald letzteres in erheblicher Menge zugegen ist, findet man neben der weichen Maut und der Arachnoidea cerebralis stets auch eine Mitbetheiligung der Pia mater spinalis. Sind sehr grosse Mengen von Exsudaten angesammelt, so erscheinen die Win­dungen etwas abgeplattet — ein übrigens sehr seltener Befund; auch die Seiten Ventrikel enthalten häufig eine getrübt gelbliche Flüssigkeit. Die Hirnsubstanz ist in ihren peripheren Schichten stets miterkrankt, da der Entzündungsprocess von den Piagefässen in den Cortex hineingetragen wird. Kleine oberflächliche Er­weichungsherde, corticale Abscesse und seröse Durchtränkung ge-hö ren zu den häufigen Vorkommnissen: dassdabeieingrösserer G e h i r n t h e i 1 oder das ganze Gehirn von breiartiger Consistenz sein kann, wie oft berichtet wird, scheint mir nicht richtig: jedenfalls berücksichtigt man die Fäulnisvorgänge zu wenig. Sehr oft sind übrigens die Zeichen der Reaction von-seite der Membranen sehr unbedeutend. Es kann dabei der Ent­zündungsprocess durch den Tod in einem so frühen Stadium zum Stillstande gebracht werden, dass die leucocytäron Emigrationen eben eist im lieginne und daher mit keiner für das freie Auge wahrnehmbaren abnormen Trübung der Cerebrospinalflüssigkeit verbunden sind. Das sind jene Fälle, welche unter dem Namen „seröse Meningitis- zusammengefasst wurden. So richtig diese Bezeichnung manchmal sein mag, so ist sie doch gewiss zu ver­werfen, weil mit ihr grosser Missbrauch getrieben wurde und weil sie beim Pferde keine eigene Form sondern nur ein Stadium der Ent­zündung benennt; sie ist jedenfalls ausserordentlich selten. Man wird daher zur Sicherung der Diagnose diehistologische Untersuchung der betreffenden Gehirntheile ausführen müssen. Meistens findet mau massenhafte lenkocytäre Infiltration der perivasculären Scheiden und des umliegenden Gewebes; dieses Resultat ist mit Sicherheit auch dann zu erwarten, wenn makroskopisch keinerlei Anomalie nach­weisbar ist. 1st die makroskopische und histologische Untersuchung negativ, dann darf man auch nicht den Bestand einer Meningitis annehmen und muss die Fehldiagnose eingestehen. Ob etwas mehr
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oder weniger Liquoc cerebrospinalis abfliesst, ist ganz gleichgiltig — wir kennen ja heute die normalen Mengenverhältnisse kaum: wie viel mehr muss diesen gebräuchlichen Mengenschätzungen erst jeder Wert abgesprochen werden, wenn wir bedenken, dass Sec-tionen von an Meningitis zugrundegegangenen Pferden uns relativ nur selten unterkommen. Eine Ausnahme ist natürlich dann zu machen, wenn es sich um kolossale Quantitäten, etwa über 4—500 Gramm handelt,
Symptomatologie. Der Erscheinungscomplex der Menin­gitis ist ein ungemein wandelbarer, so dass ein einheitliches Bild nicht aufgestellt werden kann. In jedem Falle beobachten wir Allge-meinerscheinungen verschiedenen Grades (Infectionsfieber), llirn-eramp;cheinungen im weiteren Sinne und locale Hirnsymptome. Diese an sich schon schwer umgrenzbaren Symptomgruppen wechseln so uu-regelmässig mit einander ab, dass sie nur selten zu einem ein­heitlichen Ganzen combinirt werden können. Ja selbst in sehr plausiblen Fallen z. B. bei penetrirenden Schädelwanden können wir nicht immer die Zeichen einer beginnenden Meningitis mit Sicherheit demonstriron, da sie von den unmittelbaren Wirkungen des Traumas verdeckt worden können.
Gewöhnlich setzt das Leiden plötzlich mit hohem Fieber und auffallenden ünruheerscheinungen ein, die von Perioden stumpf­sinnigen Dahinbrütens abgelöst werden. Die Thiere sind schreck­haft, ängstlich, drängen mit dem Kopfe gegen die Krippe, hauen ohne ersichtlichen Anlass oft wüthend aus. steigen auf, suchen die Halfterketten abzoreissen oder zeigen Zwangsbewegungen; sie gehen stundenlang im Kreise herum, stossen sich bei jedesmaligem Vor­übergehen an irgend einem festen Gegenstande immer wieder heftig an, rennen gegen die Wand, reagiren auf Peitschenhiebe und Zurufe nicht — documentiren daher deutlich genug die schwere Benommen­heit ihres Sensoriums. Andere Individuen wieder stehen regungslos mit gespreitzten Beinen vor ihrer Futtermuschel, das Maul auf das unberührte Futter aufgestützt; relativ wenige Pferde zeigen Krampf­erscheinungen; manchmal wird der ganze Körper von einem hef­tigen convulsivischen Zucken hefallen oder der Hals gestreckt. der Kopf ganz wagrecht gehalten. Solche Patienten sind im Nacken und an der Wirbelsäule auch meistens druckempfindlich und werden bei der Annäherung des Untersuchenden aufgeregter als sonst:
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1 (6nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kraiiklieiten dos Gehirnes.
doch wechseln auch bei ihnen Stadien dor Excitation mit solchen der Sümnolenz ab.
Fieber wird während der ganzen Krankheitsdauer in unregel-mässigen Schwankungen beobachtet. Auch der Puls ist .sehr variabel; seine Anzahl schwankt vom Subnovmalen bis zn 80 und 100 Schlägen per Minute; dabei ist er klein und hart oder kaum fühlbar. Die Fresslust fehlt gänzlich: die Peristaltik ist meistens vermindert. so dass hartnäckige Obstipation besteht. Der Kräfteverfall ge­schieht ungemein rasch — nach wenigen Tagen sind die Thiere nicht mehr imstande sich zu erheben; es entwickelt sich schnell Decubitus und der Tod erfolgt nach kurzer Zeit im Coma.
Locale Hirnerscheinungen bilden sich selten aus; doch hat man Facialis-, Trigeminus-, Oculomotoriuslähmungen und Hemiplegien beschrieben. Das Vorhalten dor Reflexe ist nicht massgebend, ebenso die Beweglichkeit der Pupille. Im Excitationsstadium finden wir vorwiegend Pupillenenge; doch kommen auch abweichende Verhältnisse vor: im Coma besteht immer Mydriase.
Das hier geschilderte Bild kann nicht als typisch bezeichnet werden, da ungemein viele Abarten eintreten können; ja ich habe nicht zwei Fälle gesehen, die einander sehr ähnlich gewesen wären. Ich kann mir daher nicht versagen, die Behauptung auf­zustellen, dass eine exacte klinische Diagnose, die auch den Beweis der Section aushält, kaum möglich ist. Nur dann, wenn wir Trau­men, vorausgegangene Operationen am Schädel (Ausmeisselung von verirrten Zähnen), exukerirende Tumoren der Schädelwand, schwere pyämische Processe u. A. plötzlich von Erscheinungen gefolgt sehen, die den oben geschilderten ähnlich sind, wird man sich zur Diagnose Meningitis entschliessen. In allen anderen Fällen, wo sich dieser Symptomencomplex primär einstellt, kann im besten Falle nur von einer Wahrscheinlichkeitsdiagnose die Rede sein; denn Verwechslungen mit Encephalitis, Hirnabsccss und Hirntumor sind kaum auszuschalton. Entscheidend ist allein die Section. Schliess-lich ist nicht aussor Acht zu lassen, dass Brastseuche und Influenza von ganz ähnlichen Hirnerscheinungen begleitet sein können, die aber mit Meningitis nichts zu tlum haben, bei denen man wenig­stens histologisch nichts findet, was von der normalen Structar der Gewebe abweichen würde.
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HirnrückenmarksseTiohe der Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 ( 7
Der Verlauf ist meist acut. Das letale Ende wird nach 2—ötilgigem Kranksein beobachtet; doch sterben auch noch solche Pferde, welche (i —12 Tage Widerstand geleistet haben. Heilungen sind sehr seiton: bei der Mehrzahl der in der einschlägigen Lite­ratur mitgetheilten günstigen Ausgänge sind diagnostische Irrthümer mehr als wahrscheinlich.
Die Prognose ist fast durchwegs schlecht, und die Be­handlung rein symptomatisch. Man stelle derartig erkrankte Pferde in einen abgesonderten Raum, verdunkle denselben und halte Geräusche so gut es geht ferne. Wenn möglich, versuche man Eisbeutel auf den Kopf anzuwenden und den Rumpf kalt zu wickeln. Auch kalte Üebergiessungen des Schädels sind vortheil-haft. wenn sich die Thiere dabei ruhig verhalten: sie zur Ruhe durch Bremsen oder andere Gewaltmittel zu zwingen, vermehrt nur ihre Angst- oder Aufregungszustände. Auch die Anwendung der Drastica, wie Physostigmin subeutan 0-1, Aloe 45, Sal mir. Glau­ben 300, Calomel 4*00 pro dosi und die gleichzeitige Entziehung grosser Blutmengen (8—10 Liter) werden empfohlen. Der Nutzen scharfer Einreibungen sowie die Verwendung von Strychnin. Pilo-carpin und Veratrin erscheint mir höchst fraglich. Bei Schädelver­letzungen oder entzündlichen Processen am oder in der Nähe des Schädels greife man stets zum Messer, eröffne ausgiebigst und forsche nach einem eventuellen Entzündungsherde am Schädel­knochen., der chirurgisch behandelt werden müsste.
2. Die 11 i rn r ü ck en m arks seuc h e der Pferde: G e n i c k k r a m p f:
Meningitis cerebrospinalis epidemica.
Literatur: Die gebräuchlichen Lehrbttcher der Therapie. Literatur der letzten 10 #9632;hihre: Johne, Sächsischer Jahresbericht ISrtG, p. 17; Pröger, Sachsisclier.hilircsberichtl.S87, p. 100; Moebius, ibid.; Kambachi Sächsischer Jahresbericht 1891, p. 70, 181)2, p. 87; Freitag, ibid. p. 69; Har­tenstein, Sächsischer Jahresbericht IHDS. p. 86; Hinebauch, Journ. of comp. mecl. 18Ü2, p. 327: Walter. Sächsischer Jahresbericht 1892, p, 87; Thomassen, Annal belg, 18i)3; Uli lieh, Sächsischer Jahresbericht 1893. p. 95; Florman. Tidskrfr. f. Vet. Med. IS'.Ki, p. 232; Siodamgrotzky. Sächsischer .lahresbericht 189(5, p. 90 ii. 1897, p. 17; Solm oid emüh 1, thiermediomische Vorträge, III. Bd , 12. Heft; Haase, Berl. thierärztl Wochen­schrift 1897, pag. 207; Hart mann, ibid., p. llü.
Dexler, Xprvnnkrankhoiton do^ Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;j2
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178nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
Die epidemische Genickstarre oder genuine Cerebrospinalmenin-gitis des Mensclien besteht pathologisch-anatomisch in einer durch Mikroorganismen veranlassten eitrig-fibrinüsen Entzündung der Me­ningen, die als specifisch für diese Krankheit angesehen werden. Wenn auch in bacteriologisuher Hinsicht die Untersuchungen über dieses Leiden noch nicht abgeschlossen sind, so ist doch soviel sicher, dass das patbogene Virus in den meisten Fällen ein ein­heitliches ist. Es hat Weichselbauru in mehreren Beobach­tungen von echter epidemischer Meningitis heim Menschen einen eigenen Diplococcus, den Üiplococcus intracellularis als Erreger nachgewiesen; seine Befunde sind dann von einer Reihe anderer Autoren bestätigt worden. Wenn auch später von verschiedenen Seiten, namentlich von italienischen Forschern gegentheilige An­schauungen aufgestellt wurden, so haben letztere doch nicht durchzudringen vermocht und man huldigt heute ziemlich allge­mein dem von Jäger zuerst ausgesprochenen Grundsatze, dass die epidemische Genickstarre des Menschen durch den Diplo­coccus intracellularis meningitidis Weichsclbaum angeregt wird, während die sogenannten sporadischen Fälle zum Erysipel und zur Pneumonie in Beziehung stehen und durch den Diplococcus l'neumoniae Franke!-Weich sei bäum erzeugt werden.
Dass beim Pferde eine dieser Krankheit voll­ständig identische Seuche existirt, ist meiner An­schauung nach noch immer nicht mit Sicherheit zu sagen, so dass man gut thun wird, sich bei der Benennung der beim Pferde thatsäeblich vorkommenden seuchenhaften Meningitis sich des Titels Ce re brospinalm enin git is des Pferdes zu bedienen. Sie ist in mancher Beziehung derjenigen des Menschen jedenfalls sehr ähnlich, kann aber mit ihr nicht identiilcirt werden. Die epidemische Cerebrospinalmeningitis, von welcher hier die Rede sein soll, ist eine Krankheit, die alle unsere Hausthiere, besonders aber das Rind und das Pferd befällt und wohl in kli­nischer, weniger aber in pathologischer Hinsicht scharf definirbar ist. Der Hauptsache nach handelt es sich um einen Symptomen-complex. der durch eine spoeifische Entzündung der Meningen des Gehirnes und oberen Halsmarkes erzeugt, wird.
In der Veterinärliteratur liegt eine grosse Reihe von Publi-cationen vor, welche diese Krankheit betreffen, besonders seit Apo-
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Ilirnruckenmarksseuche der Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 179
stolides unter diesem Namen einen verheerenden Souchenzug in Egypten und Syrien im Jahre 1876 beschrieben hat; auch englische Autoren haben zahlreiche Mittheilungen hierüber veröffentlicht, ohne jedoch irgend welche Klarheit über das Wesen der Seuche bringen zu können, was viele Zweifel über die thatsachliche Existenz der­selben angeregt hat. Man hatte unter Missbrauch dieser Bezeich­nung die heterogensten Krankheiten zusammen geworfen und endlich auch für das Pferd eine sporadische Form der epidemischen Cerebro-spinalmeningitis aufgestellt. Diese, auf unleugbarer Verkennung klinischer und anatomischer Befunde gegründeten Verhältnisse sind von Dieckerhoff und auch von Fröhner in klarer quot;Weise kritisirt und verworfen worden. Die durch verschiedenartige Eiter­erreger bedingte, acute Meningitis kann auch in epidemischer Form auftreten, so dass innerhalb eines gewissen Zeitraumes und einer bestimmten Ortlichkeit mehrere Thicre daran erkranken. Nichtsdestoweniger ist das Bestehen einer eigenen seuchenartigon Cerebrospinalmeningitis nicht von der Hand zu weisen: mit der beim Menschen gesehenen passt sie jedoch nicht in einen Rahmen. Namentlich die ätiologische Parallele ist nicht ohne weiters an­zuerkennen : denn diejenige epizootische Gehirnerkrankung-, welche beim Pferde durch den Diplococcus intracellularis eipii erzeugt wird, ist, wie wir aus den classischen Untersuchungen John es wissen, pathologisch-anatomisch keine Entzündung der Meningen: bei jener Pferdeseuche hingegen, deren anatomisches Substrat demjenigen der Cerebrospinalmeningitis epidemica des Menschen ähnelt, wurde noch niemals der nachWei chsel ha um benannte Er­reger einwandsfrei nachgewiesen. Da die bacteriellen Befunde, die wir Thomassen, Hamburger, Si edam grot zk y u. v. A. verdanken, sehr von einander differiren, müssen wir heute noch die Frage nach dem pathogenen Virus offen lassen.
In Bezug auf die pathologische Anatomie können nur einige Beobachtungen verwertet werden, da bisher wenige Sectionen ausgeführt worden sind. Im Centralnervensysteme mancher Pferde wurde keine nennenswerte pathologische Veränderung gefunden, besonders nach einem mehr chronischen Verlaufe der Krankheit. In den stürmisch auftretenden Fällen sollen manchmal eine Hy­perämie der weichen Häute und eine unbedeutende sero-fibrinöse Exsudation die einzigen Anomalien darstellen. In der Regel
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ISOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
findet man ein sevös-eitriges, respective rein eitriges Exsudat an tier Pia der Convexitilt wie auch der Basis, ;m der Oberfläche des Kleinhirnes und der weichen Haut des Rückenmarkes oft bis zum Brusttheil hinab. Die Hirnnerven sind in die Exsudatmassen eingebettet und infiltrirt. Die Hirn­substanz soll von teigiger Consistenz und von kleinen, durch das Messer nicht abstreifbaren Blutungen durchsetzt gefunden werden. Wie man sieht, sind diese Veränderungen denen der acuten, nicht epidemischen Meningitis recht ähnlich. Auch klinisch zeigen die einzelnen Falle für sich genommen nur wenig Cha­rakteristisches, so dass oft nur die epizootische Verbreitung zur Entscheidung herangezogen werden kann; möglich auch, dass die acute, durch die verschiedenen Eitererregererzeugte Meningitis unter gewissen Verhältnissen eine seuchenhafte Form annehmen kann. Jedenfalls sind wir hierüber heute noch im Unklaren.
Symptomatologie. Die primäre Cerebrospinalmeningitis stellt eine diffuse Erkrankung der Gehimoberfläche dar und ist daher in erster Linie von Allgemeinerscheinungen begleitet, ähnlich wie wir sie bei den acuten Infectionskrankheiten überhaupt an­treffen.
Die Seuche befällt gewöhnlich jüngere Thiere und zeigt im Frühjahre oder zur Winterszeit eine grössere Verbreitung. Es er­kranken oft verschiedene Thiergattungea (Rinder, Schafe) mit den Pferden gleichzeitig; doch werden, soweit die Berichte der letzten 20 Jahre vorliegen, nur kleinere Seuchenherde, Enzootien berichtet; u. zw. werden meistens in einer Ortsgemarkung nach einander mehrere Thiere ergriffen, ohne dass jedoch von einer wirklichen Epidemie die Rede sein kann.
Nach einem heftigen initialen Schüttelfröste beobachtet man starke Benommenheit des Sensoriums, Sehwanken und Taumeln, Pulsverlangsamung, epileptiforme Convulsionen, grosse Schreck­haftigkeit, häutig auch eine allgemeine cutane Ueberempfindlichkeit. Die Krankheit kann entweder sofort mit diesen Symptomen ein­setzen oder es können ihr allgemeine Prodrome vorangehen: Ab­geschlagenheit. Versagen des Futters und wechselndes Fieber: letzteres bleibt auch in schweren und ausgesprochenen Fällen atypisch und erreicht nur vorübergehend eine bedeutende Höhe. Die Pulsfrequenz ist grossen Schwankungen unterworfen —
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Hirnräckenmarksseache der Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;181
namentlich auffallend ist ein plützliches Herabgehen der Puls­zahl (Vagusreizang?). Gewöhnlich tritt nach kurzer Zeit ehe ge-fürchtete Nackenstarre ein. Es besteht eine intensive Steifigkeit und grosse Sehmerzhaftigkeit der Genickgegend, starre gespannte Haltung des Halses, und tetanische Contraction der Hals-, Nacken-, und Kiefermuskeln (Trismus). Der Kaumaskelkrampf sowie die Nackenstarre sind paroxismalen Steigerungen unterworfen, nach welchen hiiufig eine gewisse Erschlaffung constatirt wird. Man beobachtet nicht selten auch Ungleichheit der Pupillen, Nystagmus und tonische Oontractur der Rücken- und Bauchmuskeln. Später beginnen sich Lähmungen einzustellen; l'tosis, Zungen-, Schlund­kopfparalyse oder Paraplegien und die Fälle enden schon nach kurzer Zeit, in 1—3 Tagen letal im tiefen Coma. In diesem letzten Stadium sieht man nicht selten einen Athmungstypus, der an das Cheyne-Stokes:sche Athmen erinnert. Bei manchen Kranken ist die Betäubung und die Theilnahmslosigkeit weniger aus­geprägt: sie sind manchmal sehr schreckhaft, unruhig und be­obachten scheinbar mit einer ängstlichen Aufmerksamkeit die Vor­gänge, die sich in ihrer Umgebung zutragen. Sie suchen jeder Annäherung auszuweichen so lange sie noch imstande sind zu gehen. Die Krämpfe dehnen sich von den Halsstreckern auf die Vorderextre­mitäten, oft. auch auf die ganze Wirbelsäule aus und die Pferde stehen steif, sägebockartig. Gelingt es ihnen nicht mehr sich auf­recht zu erhalten, so nehmen tier Hals und die Vorderbeine auch im Liegen die gestreckte Stellung ein. Ortsveränderungen werden nur ungerne ausgeführt: versucht man die Pferde zurückzuschieben oder ihnen den Kopf in die Höhe zu heben, so stürzen sie nicht selten zusammen: dabei kann man häufig nystagmische Bewegungen der Bulbi, Pupillenenge, heftiges Zittern und Schwitzen nachweisen. Die Psyche bleibt aber anscheinend vollkommen frei. Tritt Gene­sung ein, so werden die Krämpfe allmälig weniger heftig, die Hyperästhesie der Wirbelsäule nimmt ab, die Kranken beginnen wieder Futter aufzunehmen, werden ruhiger und nach 10—20 Tagen können alle Symptome geschwunden sein. Ein sehr ungünstiges Zeichen ist das Übergreifen der Krämpfe auf die gesammte Rumpf­muskulatur: solche Thiere verfallen sehr rasch, an Stelle der Con-tractionen treten progrediente Lähmungen, Insufticienz der Sphinc-teren und Paralyse der Schlundmuskeln: die Pupillen werden licht-
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182nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes,
starr, die Bewusstlosigkeit wird immer tiefer und der letale Aus­gang ist, binnen Kurzem zu erwarten ; nicht selten ist er durch Fremdkörperpneumonie bedingt. Bei manchen Pferden ist die Aufein­anderfolge der Krankheitserscheinungen so rasch, dass dieselben nicht mit solcher Schärfe hervortreten und die Kranken sterben apoplecti-fovm in 1—2 Tagen. Es ist aber nicht daran zu zweifeln, dass manche dieser Fälle von Meningitis (Meningitis acutissima falminans) mit Anthrax verwechselt wurden.
Der V e r lauf ist gewöhnlich acut; er beträgt etwa 8—14 Tage; in den seltenen günstigen Fällen tritt die vollständige Genesung aber oft erst nach vielen Wochen ein, wenn nicht, was auch vorzukommen pflegt, gewisse Störungen zurückbleiben, die auf eine dauernde Localerkrankung des Centralnervensystemes hin­weisen: so beobachtet man Dummkoller, Stellungsfehlor der Augen, Amaurosis (Hartmann) und bleibende Lähmungen im Gebiete einzelner Hirnnerven.
Der Ausgang ist jedoch in der Kegel ungünstig. Das Mor­talitätspercent beträgt 80—90.
Die Diagnose der endemischen Cerebrospinahneningitis ist nur dann sicher, wenn der seuchenhat'te Charakter der Krankheit offenbar ist. Bei zerstreut vorkommenden Fällen oder bei Erst­lingserkrankungen, die den Reginn einer Seucheninvasion einleiten, halte ich es für unmöglich die Krankheit nachdem klinischen pje-funde allein zu erkennen und sie von anderen Formen der Menin­gitis zu unterscheiden. Das ist namentlich dann zu befürchten, wenn nach der ätiologischen Seite hin keine Anhaltspunkte ge­geben sind oder wenn der Symptomencomplex nur undeutlich ausgeprägt ist, d. h. wenn einzelne wichtige Erscheinungen fehlen: denn der Beweis, dass die Erkrankung durch bestimmte Mikroorga­nismen veranlasst wurde, wäre nur anatomisch, selten auch klinisch verwertbar; zudem kommt, dass der Seuchencharakter oft kaum erkannt wird, da die Infectionen sich immer über einen grösseren Landstrich verbreiten und in einem enger begrenzten Viehstande niemals sehr gehäuft sind. Auch kann jenes Symptom, welches noch als eines der constantesten bezeichnet werden muss, der Genickkrampf, ausnahmsweise auch fehlen oder bei anderen cerebralen Krankheiten gesehen werden; es ist also nicht pathogno-monisch: im Allgemeinen ist es jedoch immer noch das zuver-
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Bürnaquot;sclie Krankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18o
lässigste und daher diagnostisch sehr wichtig, speciell wenn zugleich die seitliche Bewegung der Halswirbelsüule schmerzhaft ist und beim Beklopfen der Dornfortsätze eine gewisse Empfindlichkeit ge-äussert wird.
Die Differentialdiagnose bewegt sich deshalb in sehr weiten Grenzen, da nicht nur die gewöhnliche acute Meningitis, sondern auch schwere Infectionen von Druse, Anthrax, Brustseuche u. s. w. unter Umständen ein ähnliches Bild haben können.
Auch die urämische Vergiftung kann leicht irreführen, da sie mit der Meningitis die Benommenheit, das Fieber, die Convulsionen, die Athmungsstörung und das Coma gemein hat. Der Nachweis von Eiweiss im Harne hat nur beschränkten Wert, da er auch bei der einfachen Meningitis häufig gelingt; der für den Menschen differential-diagnostisch wichtige, innere Augenbefund ist nicht zu benützen, da es beim Pferd eine Retinitis albuminurica nicht gibt. Vielleicht würde die neuestens von Siedamgrotzki ausgeführte Cervicalpunction massgebende Bedeutung erlangen können. Die grosse Oeffnung zwischen Hinterhauptbein und dem Atlas gestattet beim Pferde mit Leichtigkeit eine Punctionsnadel einzuführen, ohne dass bei einiger Vorsicht eine Gefahr für das Leben des Thieres daraus entstehen soll.
In therapeutischer Hinsicht gehören starke Aderlässe zu den am meist geübten Behandlungsarten. Sie scheinen in Verbindung mit dem Eisbeutel thatsächlich eine gewisse Besserung lierbeiführen zu können: auch Jodkali ist vielfach verwendet worden. Die Einreibung von Jod- und Quecksilbersalben in die Ohrspeichel­drüsengegend ist wertlos. Bei starken Unruheerscheinungen thut Morph, mur. in der Maximaldosis von 0-40 manchmal gute Dienste; ausserdem kann noch die Ableitung auf den Darm durch kräftige Purgantien versucht werden: doch ist hievon nur ein geringer Erfolg zu erwarten, wie denn hei dem bösartigen Charakter dieser Krankheit in sehr vielen Fällen jede Therapie eine verlorene Mühe ist.
3. Die Borna'sche Krankheit.
Literatur: IIaase. Berl. th. Wochenschrift 189C, ^Tr. 51, Band 18(J7, Nr. 18: L ieben er, ebendas. 1890, Nr. 48; Schamm, ehendas. 181)6, Nr. 31); üensert, ehendas. 181IG. Nr. 38; Kahl, ehendas. 1896, Nr. 39; Siedam-grotzky und Schlegel, Archiv, für Thierheilkunde, Bd. NXII. p. 287;
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184nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
Johne, Deutsche Zeitschrift für Thiermcdicin XXII, p. 369; Thomas, Schweizer Archiv 181)0, p. 174; Schnoideniühl, tbiermedicinische Vorträge 1898; Schortruann, Heyke und Wallmann, Beil. thierärztliche Wuchcn-gchrift 1897, p. 44.
Vor innigen Jahren trat im Königreiche Sachsen eine eigen­artige Pferdeseuche auf, welche mit der epidemischen Genickstarre eine gewisse Ähnlichkeit hatte und daher mit derselben identi-ficirt wurde. Da sie zuerst, mit einer gewissen Heftigkeit im Be­zirke der Amtshauptmannschaft Borna ausbrach, bürgerte sich all-mälig der Name Borna'sche Krankheit*) in der Literatur ein. Dank der ausgezeichneten Bearbeitung des Gegenstandes durch Siedam-g r o t z k y. .Schlegel und .1 o h n e sind wir heute iiljer das Wesen dieser Seuche wissenschaftlich fast besser unterrichtet, als über viele andere ansteckende Nervenkrankheiten des Pferdes. Im Nachstehenden halte ich mich ganz an die Darstellung obiger Autoren, deren Befunde ich theils im Auszuge, theils wörtlich wiedergebe.
Aetiologie. Der Krankheitserreger ist ein von Johne ge­fundener Mikrobe, der mit dem Diplococcus intracellularis Weichsel­baum sowohl morphologisch wie biologisch die grösste Aehnliclikeit besitzt und welchen Johne als Diplococcus intraeellu-1 a r i s e q n i bezeichnet,
Johne identificirt denselben dermalen noch nicht vollständig mit dem Diplococcus des Menschen, weil in jenem verseuchten Gebiete, dem das unter­suchte Materiale entstammte, damals keine endemische Cerebrospinalmeningitis des Menschen herrschte und ferner, weil derselbe heim Pferde anatomisch anders wirkt als beim Menschen. Beide von JohiU' selbst erhobenen Einwürfe sind indessen nicht sehr schwerwiegend; sie sind leicht zu widerlegen, wenn wir daran festhalten, dass ja der Diplococcus intracellularis Weichselbaum — ähnlich •wie der Diphthtriebacillus — in verschiedenen Orgauen des ganz gesunden Menschen gefunden wird und erst unter eigenthümlichen, uns noch unbe­kannten Umständen pathogen wirken kann; auch dass ein gewisses Virus unter sonst gleichen Verhältnissen beim Menschen und Thiore verschieden wirkt, ist ja bekannt; Johne selbst verweist auf den Anthrax, Jeder, der mit dem Di­plococcus intracellularis Weichselbaum gearbeitet hat, wird dessen Unbe­ständigkeit hinsichtlich seiner Virulenz hinreichend erfahren haben. Die jüngst
*) Schnei dem ü h 1 hat unlängst gegen diese Bezeichnung Stellung ge­nommen, da sie wenig verständlich ist; wenn dies auch zugegeben werden muss, wird sie docli so lange beibehalten werden, als nicht für diese, von der Meningitis epidemica wesentlich verschiedenen Krankheit ein besserer Name gefunden worden ist
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Borna'sche Krankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 185
von Dr. A. Schiff an der Klinik Schröttor angestellten Experimente lieferten einen neuen Beweis hiefür. Dieselbe Cultur. die sieh Mäasen gegen-i'iber hochgradig pathogen erwies und diese Virulenz auf mehrere Genera­tionen übertrug, war für Ziegen unschädlich. Ja noch mehr; von den Cul-turen einer Generation waren einige für Miiuse virulent, andere nicht wieder andere wuchsen überhaupt nicht weiter!
Die Mikroorganismen befinden sich in dem Liquor cerebro-epimlis suspendirt oder im Protoplasma der zelligen Elemente des­selben und wer den bei allen erkrankten Pferden gefunden. Der Liquor cerebrospinalis ist stets klar und zeigt den niederen Eiweissgehalt normaler Transsudate. Erscheinungen, welche auf einen Entzündungs­vorgang in der Substanz und den Membranen des Contralnerven-systeines zu beziehen wären, hat Johne in allen seinen Fallen makroskopisch und histologisch niemals gesehen. Auf Grund dieser vollkommen exact erhobenen Untersuchungsbefunde, die von vielen anderen Autoren bereits bestätigt wurden, kommt Johne zu dem Schlüsse, dass die fragliche Krankheit, welche klinisch ganz zweifellos eine schwere Gehirn-erk rankung da rstellt, vom pathologisch- anat omischen S t a n d p u n k t e keine E n t z ü n d u n g s f o r m der Meningen ist, sondern dass es sich bei ihr lediglich um eine, durch specifisch auf das Centrainervensystemeinwirkende Gifte (Pacterientoxine) erzeugte Vergiftung handelt.
Vorkommen. Wie wir aus der wichtigen Sammelforsebung von Siodamgrotzky-Schlegel erfahren, trat die Krankheit mit nur wenigen Fällen in der Gegend von Zwickau zuerst im Jahre 187S auf. Mit gewissen Unterbrechungen wurde sie in den darauffolgenden Jahren in Flauen und Anerbach, Oelsnitz und Chem­nitz beobachtet. In grösserem Umfange wurde sie 18lt;S() in denselben Districten erhoben, ohne indessen besondere quot;Viehverluste zu ver­anlassen. In bedenklicher Weise erschien sie 1894 in Borna neuerdings, so dass in diesem Bezirke damals 122 Pferde zugrunde gingen. Diese Zahl steigerte sich ziemlich rasch und 1895 waren in neun Bezirken zusammen 265 Pferde, 1896 in zehn Bezirken 457 Pferde von der Seuche ergriffen worden.
Symptomatologie. Nach einem gewöhnlich nur kurzem Prodromalstadium. in welchem die Thiere durch Icterus. Mattigkeit, Appetitmangel, häufiges Gähnen auffallen, beginnt sich nach initialem Schüttelfrost ein meist mittelhochgradiges Fieber einzustellen, bei
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186nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
welchem in regellosen Schwankungen Temperaturen von 37'5 bis -ll'1 C. gemessen werden. Die Pulscurve ist nicht charakteristisch; der Puls ist meistens wenig verändert. Die Pferde stehen theil-nahmslos mit gesenktem Kopfe und unrcgelmässiger Extremitäten-haltung da und reagiren nur wenig oder gar nicht auf Berührung, Treten auf die Krone etc; häufig haben sie den Kopf in eine Ecke gedrückt oder auf den Barren aufgestützt und sind nur schwer von der Stelle zu bringen. Die Fresslast ist ziemlich lange erhalten, ja die Thiere versagen das Futter niemals völlig. Die Peristaltik ist vermindert.
Constant sind Krampfzustände in den Kau- und Halsmus­keln: es besteht Trismus und Zähneknirschen. Die Pferde können anfangs noch Futter aufnehmen und abschlingen; später ist auch das nicht mehr möglich, ohnedass Lähmungen imFacialis- oder Trige-minusgebiete nachweisbar wären. Die Halsmuskeln sind stark ge­spannt, der Kopf wird gestreckt oder nach aufwärts gehalten. Beim Versuch den Hals passiv zu beugen, fallen die Thiere leicht zu Boden oder überschlagen sich: dabei ist die Erregbarkeit der tetanisch contrahirten Muskeln erheblich gesteigert; es kommen einseitige Zusammenziehungen vor, so dass der Kopf bis an die Schalter zurückgebogen und so durch längere Zeit festgehalten wird. Endlich beobachtet man auch Manege- und Zeigerbewegungen und mitunter ganz ausserordentlich heftige Tobsuchtsanfälle, in denen sich die Thiere schwer beschädigen. Gegen das Ende des Krankheitsverlaufes bestehen Gleichgewichtsstörungen, Taumeln und endlich Unfähig­keit zu stehen. Die Pferde liegen anhaltend, schlagen heftig um sich, bekommen ausgebreitete Druckschäden, Lähmungen ver­schiedener Muskelgruppen, des Schlundes, vorfallen sehr rasch und nach 8—10 Tagen erfolgt gewöhnlich der Tod; sein Eintritt kann beschleunigt, eventuell allein hervorgerufen werden durch Schädel-fracturen, welche sich die Thiere zuziehen, durch Druckbrand und endlich durch Fremdkörperpneumonie. Seltenere Erscheinungen in diesem Krankheitsbilde sind convulsivische Zuckungen am Halse, tonische Krämpfe in der Eückenmuskulatur und Augenmuskel­lähmungen: Pupillensymptome kommen selten vor.
Der Verlauf ist acut. In letal endigenden Fidlen wickelt sich der ganze Process innerlialb 8—24 Tagen ab. Der Ausgang in vollständige Genesung ist sehr selten und erfolgt erst nach
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mehreren Wochen. Meistens bleiben aber gewisse Nachkrankbeiten zurück; die Pferde zeigen die Erscheinungen des Dummkollers oder sie erblinden (Amaurose); auch soll sich manchmal eine dau­ernde leichte Gleichgewichtsstörung entwickeln.
Die Prognose ist daher immer sehr zweifelhaft. Vollständige Genesung ist bei etwa ISquot;/,, zu erwarten. Die Mortalität beträgt 76—80% (Walther).
Die Diagnose ist nach Siedamgro tzky in solchen Fällen unsicher, wo die initialen Symptome durch längere Zeit wenig ausgeprägt sind. Im Lebrigen sei das Leiden durch die Bewusstseinsstörung, die Krampf- und Lähmungserscheinungen, die Zwangsbewegungen und Coordinationsstnrungen genügend charakterisirt; auch die Probepunction, welche nach den Erfah­rungen Johne's im Nacken vordem ersten Halswirbel leicht und gefahrlos ausgeführt werden kann, wird diagnostisch zuweilen von Nutzen sein. Immerhin quot;werden aber kliniscii noch Verwechslungen mit anderen Meningitisformen nicht immer ausgeschlossen werden können.
Die Behandlung ist gewöhnlich nur diätetisch. Man bringe die Thiere in luftige grosse Stände mit kurz geschnittener Streu, um sie vor Verletzungen zu schützen. Nehmen die Pferde kein Futter auf, so hat man ihnen Kleientrank vorzusetzen oder man schiebt ihnen geeignete Xahrungsstüffe in das Maul. Noch einfacher ist es, ihnen mittelst eines dicken Gummischlauches halbflüssiges Futter bis an den Zangengrand einzuführen; sie schlucken dann gewöhnlich ganz gut; Trockenfutter darf nicht gegeben werden. Johne empfiehlt eine antizymotische Behandlung und verwirft die antiphlogistische. Leber Vorschlag Ebers macht er auf die möglichst frühzeitige Anwendung des jodsauren Natriums in der Dosis von 5 auf 50 Wasser pro die aufmerksam. Von allen sonstigen üblichen Mitteln des Arzneischatzes ist nicht viel zu erwarten.
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Erkraukun
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en der Hirnsubstanz.
a) Hyperämie und Anämie.
üeber das Wesen der Erkrankungen durch iibermässigen Blut-zufluss oder gehinderten Blutabfluss zum und vom Gehirne wissen wir nur sehr wenig: oft sind auch die noch Geltung habenden Normen theoretischen Schlüssen entsprungen und ermangeln nicht selten einer essentiellen Basis: nur zu oft nahm man die am Cadaver gesehene Dilatation der Gefässo als Beweis dafür an, dass irgend ein intra vitam notirtes Symptom auf eine (Jongestion zurück­zuführen sei, während man ganz aussei- Acht Hess, dass bei voll­kommen gesunden Thieren ähnliche oder gleiche Zustünde gefunden werden können; so wurde ein Krankheitsschema vorfasst. welches häufig auch nicht die einfachste Kritik aushielt. Die Annahme einer Congestion als Erklärung für ein Symptom, dessen anatomisches Substrat nicht gefanden wurde, war zu bequem und zu verlockend, als dass sie nicht eine grobe Ausbeutung erfahren hätte, die vornehm­lich noch dadurch wesentlich unterstützt wurde, dass nicht einmal die Grenzen zwischen krankhafter und normaler Blutfüllung bekannt sind. Kitt sagt in seinem Buche über die pathologische Ana­tomie der Hausthiere ausdrücklich, dass das natürliche Hervor­treten des Geäders auf der hellen Hirnrinde leicht zur An­nahme einer Hyperämie führt, wo gar keine da ist: das starke Sichtbarsein des Gefässnetzes der Pia für sich allein genügt nicht zur Bestimmung einer pathologischen Hyperämie: erst die Anwesenheit von Blutpünktchen, ödematüse Zustände, fleckig-rothe Färbung des Cortex und das Bestehen eines lebhaft rothen Ader-netzes auf der normal weissen Dura lässt auf eine intra vitam bestandene Hyperämie schliessen.
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Hyperämie und Anämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;189
Wenn man erwägt, wie wonige nervenkranke Thiere in die Hand des Sachverständigen gelangen und wie wenige von diesen Thieren einer Hirnsection unterzogen worden, SO wird jeder nicht voreingenommene Beobachter zugehen müssen, dass unsere Be­griffe des normalen Verhaltens viel zu lückenhaft sind um mit dem Losen der Diagnose „Hirncongestionquot; auch immer die Ueber-zeugnng von der Richtigkeit des Befundes in uns einziehen zu lassen. Bas gilt besonders dann, wenn alle möglichen Störungen eines Thieves auf eine deutlichere Schlängelung dor Gofiisse und eine stärkere Durchfeuchtung der Pia geschoben werden, oder wenn man von einem krankhaften höheren Glänze des Gehirnes und an­deren Veränderungen erfährt, die stets in Comparativen beschrieben werden, um nur keine eindeutige Auslegung zu erlangen. Obwohl die Hinfälligkeit dieser und ähnlicher Sectionsergebnisse vielen, auch den älteren Anatomen längst bekannt waren, so gelingt es doch nicht sie aus der Casuistik auszumerzen. Johne hat neuestens diese Verhältnisse von dem Standpunkte seiner Erfahrungen be­leuchtet: er weist gelegentlich seiner Untersuchungen über die Borna'sche Krankheit namentlich darauf hin, dass die patho­logisch-anatomischen Befunde am Gehirne und Rückenmarke, die als charakteristisch für das Vorhandensein verschiedener patho­logischer Zustände angesehen werden —#9632; wie seröse Durchtränkung, stärkere Blutfülle etc. — in gleicher Weise bei Pferden gesehen werden können, die an ganz anderen Krankheiten verendet sind.
Ist schon die Gelegenheit, bei unseren Ilausthieren die indivi­duellen Schwankungen des physiologischen Füllungsgrades der Gefässe an möglichst vielen Cadavern kennen zu lernen, mit grossen Schwierig­keiten verbunden, so gilt dies noch vielmehr von pathologischen Fällen, die man doch nur sehr selten zur Untersuchung bekommt. Es ist deshalb der Meinungsverschiedenheit ein weiter Spielraum gelassen, selbst wenn man von der Objectivität des Untersuchers vollkommen durchdrungen ist. Abnorme Schwankungen der Blut­mengen kommen selbstverständlich vor; sie sind aber ungemein viel seltener als angegeben wird und haben eine weit geringere Wirkung als man ihnen für gewöhnlich zuschreibt.
Die Vermehrung des Blutgebaltes kann statthaben in den Arterien oder in den Venen; in ersterein Falle tritt zu viel Blut in die Capillaren ein, in letzterem zu wenig, da der Abfluss un-
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190nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
genügend ist; stets sind sie düatirt. Beide Zustände können schädigend auf die nervösen Elemente einwirken, jedoch in ver­schiedener Art; im ersten Zustande besteht eine abnorm starke Durchflutliung dos Gehirnes, bei letzteren Sauerstoffmangel im Cap i 11 a rk re i s 1 au f wegen d e r Stase: daher ähnelt auch die passive Hyperämie klinisch mehr oder minder der Hirnanämie; nur sind die Gefässe bei ihr mit sauer­stoffarmem und kohlensäurereichem Blute gefüllt. Das gemeinsame Moment der Blutüberfüllung auf activem oder passivem Wege ist also eigentlich die Congestion der Capillaren; doch ist zu bemerken, dass es hiefür keinen makroskopisch-anatomischen Befund gibt. Jede active Hyperämie schwindet grösstentheils nach dem Tode: wir erinnern nur an die hyperämische Zone bei Verletzungen der Nasenschleimhaut, den Hof bei der Kuhpocke: nur die Dilatation bei der actuellen Entzündung bleibt bestehen und selbst diese in vermindertem Grade. Auch bei der passiven Hyperämie tritt nach dem Tode ein Ausgleich in der Blutvertheilung ein. Der EinHuss der Schwere ist hier von massgebender Bedeutung: besonders hat Go wer s die mechanischen, hier in Thätigkeit tretenden Ur­sachen unzweideutig bewiesen. Wenngleich die Bedingungen der Bluttranslocation im Tode ganz andere sind als wie im Loben, so wird übrigens zugegeben werden müssen, dass eine langandauernde, bedeutende Vermehrung dor Blutmonge mitunter auch bei der anato­mischen Untersuchung durch abnorme Füllung und Ausweitung der Capillaren oder deren Ausbuchtung zum Ausdrucke kommen kann.
Die Aotiologie lehrt uns sehr verschiedene Ursachen kennen, die man bei der Hirncongestion angegeben hat; so die gesteigerte Herzthätigkeit bei der durch übermässige Arbeitsleistung bewirkten Herzhypertrophie; ferner die active Congestion, als erstes Stadium der Entzündung: hochgradige psychische Erregungen, die mit dem Geschlechtsleben zusammenhängen, Brunst, Dilatation der kleinen Arterien durch Gifte (Alkohol. Amylnitrit, Coffein) endlich Insolation. Die passive Hyperämie wird stets hervorgebracht durch Throm­bose oder durch Compression der grossen Venenstämme. Die An­nahme, dass durch abnorme Gasansammlungen im Hintorleibe, Ab­dominaltumoren etc. eine collaterale Fluxion nach der Schädelhöhle hedinst wird, ist wohl mehr construirt als beobachtet.
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Das klinische Bild der Hirncongestion oder Hyperdiämor-rhyse Geig eis ist so wenig markant, dass die Stellung der Diagnose auf unüberwindliche Schwierigkeiten stösst. Die Sym­ptome, welche nach den seltenen Fällen, die als einfache Congestionen anzuseilen sind, beobachtet wurden, unterscheiden sich gründlich von den traditionellen Beschreibungen älterer Autoren; sie sind umso schwerer zur Stellung einer Diagnose heranzuziehen als sie wahrscheinlich der Hauptsache nach subjectiv sind und uns daher gewöhnlich entgehen. Falle, welche mit einer gewissen Berechtigung als einfache Congestionen angesprochen werden dürfen, zeigen vage Unruheerscheinungen, Aufregungszustände, Herzpalpitation und sind so selten, dass wir behaupten dürfen, dass diese Krank­heit beim Pferde klinisch in der Regel nicht diagnosticirbar ist. Aus der höheren Röthe der Kopfschleimhäute auf Blutüberfüllung im Gehirne zu schliessen, heisst eine Behauptung aufstellen, welche nicht bewiesen werden kann.
Die Hirnanämie, essentiell die mangelhafte Blutversorgung des Centralnervensystemes entsteht nach starken Blutverlusten und bei mangelhafter Blutbildung, ferner bei allgemeiner Anämie, Kachexie, Inanition und Herzklappenfehlern. Der Druck von Ge­schwülsten auf die grossen Arterien vermag keine Anämie zu erzeugen.
Die Gehirnanämie ist klinisch ein besser abgerundeter Begriff und kann daher unter sonst günstigen Umständen auch am lebenden Thiere diagnosticirt werden: so beobachtet man bei dieser Krankheit eine auffällige Müdigkeit, schlafähnliche Bewusstseins-störung, die sich zu tiefer Apathie, ja bis zur Synkope steigern kann, Pupillenerweiterung, Pulsbeschleunigung, Schwindelanfälle und Zittern.
Differentialdiagnostisch kommen mancherlei acute wie chro­nische Hirnaffectionen in Betracht, die klinisch kaum von dieser Krankheit getrennt werden können.
Die Therapie beschränkt sich bei acuter Anämie nach Ver­wundungen darauf, die Blutzufuhr zum Gehirne zu steigern. Man könnte, wie bei Hunden Extremitätenbandagirungen, Tieflage des Kopfes anordnen; ausserdem sind die Excitantien am Platze: Kampher, Alkohol, Coitein; auch Amylnitritinhalationen wären mit Vorsicht zu versuchen.
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192nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
b) Hirnblutung; Haemorrhagia cerebri;
A p o p 1 e x i a sanguine a.
Literatur: Cöster, Prenss. Mittheilungen 11-183. p. 33; Von nor ho Im. Schwed. Zeitschrift 1886, p. 247; Storch, Oesterr. Zeitschrift f. Thierheilkunde
1880, p. 79; Thomassen. Annul, belgiqnes 1894, p. 1; Preussischer Militär-Rapport 1895, p. 77; Magnus, Kecueil 1887, p. G91.
]\Iit diesem Namen bezeichnet man den spontanen Blut­austritt in die Gehirnsubstanz zum Unterschiede von anderen iatracraniellen Blutungen, die von den Häuten ausgehen (me-ningeale Blutung.) Die Liision ist beim Pferde ungemein selten und kann mit den Blutergüssen des Menschen, wie sie so luiuHg in den centralen liirnganglien auftreten, in gar keiner Weise verglichen werden; wenigstens sind alle in der Literatur gesammelten und unter dieser Bezeichnung angeführten Processe nicht mit ihnen identisch zu erklären. Die beim Pferde erhobenen Blutungen sind gewöhnlich von der Pia oder den Plexus ausgegangen und mit seltenen Ausnahmen, wozu ein von Thomassen geschilderter Fall gehört, sehr klein; auch ist ihre Pathogenie durchaus nicht immer beweiskräftig. Die Annahme, dass die beim Pferde gewiss häufige Atheromato.se der grossen Arterien sich auf die kleineren arteriellen Gefässo des Hirnes ausdehnt und daher zu Rupturen Anlass gibt, ist aus der humanen Medicin herübergenommen und muss erst noch untersucht werden. Eine histologische Bearbeitung fehlt noch gänzlich: übrigens hebt Kitt hervor, dass dieser beim Menschen häutige Process nicht dem beim Pferde bestehenden gleichwertig ist. Die beim Pferde nicht selten beobachteten kleinen Blutaustritte im Cortex, welche dem Gehirne oft ein gesprenkeltes Aussehen verleihen, halte ich nicht füi' einfache Blutergüsse son­dern für Begleiterscheinungen besonderer Enccphalitisformon (Siehe p. 'l96).
Die Symptomatologie ist kaum bekannt, so dass von einer klinischen Bedeutung der Krankheit nicht die Rede sein kann. Man hat wohl bei plötzlichem Tod grosse Blutungen in den Seitenventrikeln oder in der Medulla oblongata nachgewiesen, ander­seits aber auch bei schweren Hirnerscheinungen der verschie­densten Natur aus Mangel eines anderen Befundes kleine (steck-nadelkopfgrosse) Blutungen angegeben. Ein interessanter und gut beobachteter Fall von Thomassen gehört vielleicht hieher:
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Encephalitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;193
er betraf ein Pferd, das ohne besondere Vorboten an Paralyse des rechten Facialisgebietes und Parese des linken Vorder- und Hinterfusses erkrankt war. Das Thier konnte schlecht Futter aufnehmen, hatte an der rechten Gesichtshälfte cutane Anästhesie und der Bnlbus derselben Seite ging innerhalb vier Wochen voll­ständig zugrunde (Panophthalmiti.s). Die Parese der linken Ex­tremitäten blieb trotz verschiedener Heil versuche constant. Tho­rn ass en nimmt als Substrat dieser Erscheinungen eine Pons-blutung an. Das Thier kam nicht zur Section.
c) Hirnerweichung, Encephalomalacia,
Der Xarae Gehirnerweichung wird sehr häufig missbräuchlich angewendet. Die echte Erweichung erfolgt nach einer Hemmung der Blutzufuhr (embolisch oder auch thrombotisch) zu irgend einem Organe des Gehirnes: die Herabsetzung der Consistenz beruht auf einer Nekrobiose der Nervensubstanz, die kurze Zeit nach der Verschliessung des betreftenden Gefässes eintritt (2—3 Tage). Bis vor kurzem hat man die Erweichung stets für das Resultat inflamma-torischer Vorgänge gehalten — eine Ansicht, welche nicht immer zutrifft. In der Veterinärmedicin ist die Verwechslung von Encephalo-malacie und Entzündung eine so innige, dass heutzutage eine Sichtung dieser Art noch nicht möglich ist. In dem folgenden Capital über Hirnentzündung sind stillschweigend auch jene Fälle mit in Betracht gezogen, die als Gehirnerweichung beschrieben wurden, wobei es noch sehr fraglich ist. ob eine solche beim Pferde überhaupt existirt.
d) Hirnentzdndung1, Encephalitis.
Literatur: Demblou, Bulletin belg. Bd. Ill; Fenton, Vet. jüurn. Bd. XXIV, p. 315; Thomassen, Annal. belg. 189-i, p. 5; Friis, Maaneds-skrift f. Dyrlaeger VIII, p. 81; Pioma, Clin. vet. XII; Benjamin und Mouquet, Bull, de la soc. centr. 181)7, p. 329.
Die Bezeichnung Hirnentzündung wurde von jeher für die verschiedenartigsten Krankheiten gebraucht, bei welchen man eine entzündliche Affection des Gehirnes vermuthete oder — in seltenen Fällen — auch nachwies. Es gibt in der gesammten Pathologie kaum eine Krankheit, welche so verschiedene Deutungen erfahren hätte, als gerade diese. Der Umstand, dass bei der intracerebralen Ent-
Uexler, Xervenkrankheiten Jos Pferdes,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;13
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194nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
zündung die gewebliche Consistenzverminderung ein häufiges Sym­ptom ist, hat hauptsächlich dazu beigetragen, alle Erweichungen entzündlichen Ursprunges zu halten. Da ferner inflammatorische Vorgänge der Häute von solchen der peripheren Kimschichten be­gleitet sind, hat man oft zuerst die Hirnentzündung diagnosticirt, ob­wohl sie das Secundäre, die Meningitis das Primäre sein kann. Von diesen Formen soll hier nicht weiter die Rede sein, weil sie bereits zum Theile besprochen wurden und weil das Bild der seeundären Encephalitis von den meningitischen Erscheinungen verdockt wird.
Die acute Gehirnentzündung kann entweder bedingt sein durch Ausbreitung nahe gelegener Entzündungsherde, oder sie ist die Folge infectiöser Einflüsse; fast alle beim Pferde vorkommenden Ence-phalitiden sind auf eine Infection zurückzuführen: namentlich die Brustseuche, die metastatische Druse, die Pyämie und Septikämie kommen hier in Betracht; doch zwingen uns viele beim Pferde beob­achtete Fälle von Hirnentzündung nach dem Symptomencomplexe, dem Verlaufe und dem anatomischen Befunde zur Annahme der Existenz einer uns noch unbekannten Contagion.
Die pathologisch-anatomische Grundlage bildet eine, auf ein gewisses Gebiet beschränkte Entzündung der Gehinisubstanz. Der Process betrifft verschiedene, manchmal auch symmetrisch gelegene Hirnstellen von grösserer oder geringerer Ausdehnung — niemals ist er ganz diffus. Für die Entscheidung, ob die Entzündungsherde isolirt oder multipel auftreten, ist mitunter die mikrüskopische Unter­suchimg von Serionschnitten allein massgebend. Das Zerschneiden des Organes am frischen Cadaver hat nur nebensächlichen Wert, da nur grosse, weit ausgebildete, d. h. in einem späteren Stadium der Entzündung sich befindende Herde mit freiem Auge erkannt werden können. Zudem wird durch diese Präparationsmethode das Gehirn für nachträgliche histologische Untersuchungen leicht verdorben.
Die wichtigste Veränderung, welche makroskopisch erhoben worden kann, ist die seit Langem bekannte rothe Erweichung. Man bezeichnet damit die durch die entzündliche Injection der Gefässe und durch die charakteristischen miliaren oder auch grösseren Blutaustritte bewirkte Röthung der afficirten Gehirnpartie, die je nach der Menge der Hämorrhagien und dem Grade der Hyperämie
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Encephalitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;19o
blass- bis dunkelroth gefärbt sein kann. Durch den fortschreitenden fettigen Zerfall der nervösen Gewebe und ihrer Stützsubstanz ändert sich die Farbe nach längerem Bestände in eine gelblichrothe, endlich lichtgelbe, und es entsteht der gelbe Erweichungsherd. Diese Schematisirung ist aber beinahe niemals ganz scharf: selbst in älteren entzündlichen Herden finden sich gewöhnlich noch Stellen, die durch Beimengungen von Blut oder diffundirton Blut­farbstoff eine rothe, rothbraune oder schwarzbraune Zeichnung be­sitzen, üeberhaupt scheinen kleinste Blutungen, soweit ich meinen Erfahrungen entnehmen darf, fast constante Begleiterscheinungen der infectiösen Encephalitiden des Pferdes zu sein. Sie sind daher als Sympton, als Eigenthümlichkeit dieser und nicht als spon­tane Blutungen aufzufassen, wie dies gewöhnlich noch geschieht; sie sind nicht die Ursache, sondern die Folge der Entzündung: spontane Blutungen sind, wie ich schon Gelegenheit hatte an­zuführen, beim Pferde äussc-rt selten. Die Consistenz ist oft derartig verringert, dass unter dem Wasserstrahle das Flottiren kleiner Gewebsstücke gesehen wird. Grössere oberflächliche Herde sinken bei horizontal gehaltenem Gehirne flach ein, sind oft schwappend oder breiig und von starren Bändern infiltrirter, nicht erweichter Hirnsubstanz umgeben. Bei frischen Herden wölbt sich die erkrankte Partie am Durchschnitte über die Schnittfläche empor, sie quillt gleichsam vor, ist aber von ihrer Umgebung nicht scharf getrennt: nach(')—8 wöchentlichem Verweilen des Hirnes in Müllef-scher Flüssigkeit hebt sich die erweichte Stelle durch ihren lichteren Farbton und durch das Fehlen jeglicher Faserung ab. Endlich be­obachtet man manchmal noch starke Trübung des Liquor cerebro-spinalis und fleckenfönnige subependymäre Blutungen; die Flüssig-keitstrübung allein ist nicht pathologisch. Wir bemerken jedoch ausdrücklieb, dass alle diese Momente fehlen können, und dass das Gehirn trotzdem in hohem Grade ergriffen sein kann. Das Schwer­gewicht der anatomischen Analyse liegt in der mikroskopischen Untersuchung. Erst an Serienschnitten, welche durch das ganze Gehirn oder grosse Hirnstücke gelegt werden, überblickt man bei Anwendung von Kernfärbemitteln die Zahl und Ausdehnung der Herde. Gewöhnlich sind sie klein, ungemein zahlreich, zum Theile mit einander confluirend. llistologisch bestehen sie aus leucocytären Infiltrationen, die in dichten Zügen den Gefässen
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196nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
folgen, sich aber auch in die Umgebung derselben erstrecken. Der Process ist stets an die Gefiisse gebunden; letztere sind enorm erweitert, die adventitielle wie perivasculilre Scheide vollgestoptt von Eundzellen, die auch in die periganglionären Lymphspalten eindringen. Häutig trifft man auch ausgebreitete Schwärme von rothen Blutkörperchen, die das Gewebe gleichmässig infiltriren. Das Parenchym entartet seeundär; die Axencylinder und Markscheiden sind zerfallen, die Ganglienzellen gebläht, vacuolenhältig, oft zu runden kernlosen Piesten geworden. Doch treten diese Ver­änderungen der nervösen Substanz immer erst später auf; man kann selbst in sehr grossen Herden noch erhaltene Nervenfasern erblicken. Demnach sind auch die seeundären Degenerationen, welche ich bei mehreren typischen Fällen untersucht habe, un­scheinbar, bloss auf die nächste Umgebung des Herdes beschränkt und nur mittelst des M archiquot;sclien Imprägnationsverfahrens nachweisbar.
Aussei diesen Entzündungen des Gehirnes kommt beim Pferde noch eine andere, besondere Encephalitisform vor, die sich da­durch charakterisirt, dass sie zur Bildung zahlloser, miliarer infil-trativer Blutungen führt, welche im ganzen Gehirne, den Central-ganglien, namentlich gehäuft aber in der Umgebung der Hirnhöhlen ihren Sitz haben. Da diese Encephalitis nach meiner Uoberzeugung mit dem acuteii Ventrikelhydrops in einem ätiologischen Zusammen­hange steht, muss ich an dieser Stelle näher auf sie eingehen.
Wenn ich nicht irre war es Bruckmüller, der zuerst in seiner Zootomie darauf hinwies, dass bei Pferden, welche in dem sogenannten Erregungsstadium des Dummkollers verenden, neben verschiedenartigen Anomalien, kleine cerebrale Blutungen in Form von rothen Streifen und Flecken gefunden werden, die meist am Grunde der Scheidewand dor Seitenventrikel und an den Ammons-hörnern. seltener am Streifenkörper sitzen; diese Angabe ist von R ö 11 in sein Lehrbuch der Therapie übernommen worden, wo er sagt, dass man bei derartig zugrunde gegangenen Thieren „capillare Blutextravasate in den Wandungen der sehr erweiterten Seiten­ventrikel findet.quot;
Diese Befunde, die auch von anderen Autoren beschrieben wurden, kann ich, soweit es sich um die makroskopische Be-trachtung handelt, vollinhaltlich bestätigen: ich habe sie in allen
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Encephalitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;197
Fallen von sogenanntem rasenden Koller selbst erhoben und sie niemals bei Pferden getroffen, die an anderen Krankheiten gefallen waren. Immer waren es subependymäre Blutinfiltrate, die in den Furchen der Seitenventrikel, an der Anheftungsstelle des Plexus chorioideus, am Boden des Ammonshornes, im 3. Ventrikel, in den Höhlungen der Bulbi olfactorii und am Septum pellucidum sich vorfanden; sie waren oft ungemein fein und so zahlreich, dass das Gewebe roth gefleckt oder roth bespritzt aussah. Aus der histo-logischen Untersuchung, die ich an 6 Fällen gemacht habe, ergibt sich ein ganz übereinstimmendes Resultat, aus welchem Folgendes zu entnehmen ist:
Die Blutaustritte sind die Begleiterscheinung einer disseminirten Entzündung der subependymären Schichten der Hirnsubstanz: diese Entzündung ist histologisch charakterisirt durch deutliche, wenn auch schwache Infiltration der Gefässcheiden mit weissen Blut­körperchen, Berstung der Wände der Capillaren und der kleinsten Arterien und blutige Infiltrirung der anliegenden Gewebsschichten: die Erythrocyten sind dabei sehr ungleichmässig vertheilt: entweder liegen sie in kleinen Nestern oder grüsseren Ansammlungen um oder neben den Gefassen, oder sie sind im ganzen Gewebe un-regelmässig zerstreut, dünn gesät, so dass man sie in den Schnitten gut zählen kann. Es handelt sich nicht um abgekapselte Blut­horde, sondern um kleinste infiltrative Extravasate, die sich zum Theile innerhalb der Gefässcheiden halten und sich mit ihnen ver­zweigen oder, ohne den Gefassen zu folgen, feinste Ausfäufer in das nervöse Gewebe entsenden. Auch jene Gefässe, die in der Peripherie dieser Herde dahinziehen, zeigen deutliche Alterationen: sie sind zum Unterschiede von den übrigen Hirnarterien strotzend vollgepfropft mit rothen Blutkörperchen, enorm erweitert und an ihrer Aussenseite mehr oder weniger dicht mit leucocytären Ele­menten besetzt. Durch die Eocalisation, die Multiciplität der Herde, die hämorrhagische Infiltration und die weniger intensiven, leucocy­tären Emigrationenquot; unterscheidet sich diese Encephalitis wesentlich von den übrigen Formen, die wir beim Pferde finden.
Als ein weiteres Moment für die entzündliche Natur des Pro­cesses ist der Gewebszerfall anzuführen, der überall in und um die Herde mittelst des Marchi'schen Imprägnationsverfahrens dar­gestellt werden kann. Die fettige Metamorphose der nervösen
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198nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
Elemente beschränkt sich aber nicht nur auf die Herde selbst, sondern sie ist an den Faserzügen der weissen Substanz (Septum pellucidum) manchmal eine kleine Strecke weit als erstes Zeichen einer secundiiren Degeneration zu verfolgen; es zeigt uns dies abermals, dass es sich nicht um agonalo Erscheinungen handeln kann, sondern um Vorgänge, die längere Zeit vor dem Tode bereits bestanden haben mussten.
An dem Ependym, den Plexus chorioidei und der übrigen Hirnsubstanz habe ich nur wenige sichere Anomalien aufdecken können. Man findet in der Tela und im Plexus zuweilen lang­gestreckte, perivascuiäre Infiltrationen: aber diese sind im Ver­gleiche zu jenen Anomalien, welche innerhalb der Nervensubstanz ihren Sitz haben nicht bedeutend; sie beweisen eben nur, dass neben der disseminirten Encephalitis auch eine Meningitis interna zugegen ist. Ganz selten sind haemorrhagische Entzündungsherde im Cortex oder im Thalamus, Corpus striatum etc. Die Ventrikel­flüssigkeit ist immer trübe und enthält manchmal sehr viele Wanderzellen im Sedimente; in den meisten Fällen scheint sie normal und nur ausnahmsweise ist sie gerinnungsfähig; es scheiden sich nach längerem Stehen lange, fädige Flocken und membranöse Gerinnsel ab, die in der Flüssigkeit als zartes Balkenwerk suspen-dirt bleiben; exaete quantitative Bestimmungen konnte ich nicht ausführen: schätzungsweise war der Liqu. cerebrospin. vermehrt, stand aber bei den Sectionen unter keinem abnorm hohen Drucke. Was nun die ätiologische Seite der llirnentzündung an­belangt, so ist zu bemerken, dass wir 1, Encephalitiden kennen, bei denen der Erreger durch die mikroskopische wie durch die culturelle Untersuchung nachgewiesen werden kann; sehr regel­massig sind solche Befunde bei der Druseencephalitis und bei der pyämischen Hirnentzündung.
In einer '2. Gruppe von Hirnentziindungen gelingt dieser Nachweis nicht, obwohl ein Zusammenhang der Localerkrankung mit einer Allgemeininfection absolut sicher ist, wie z. B. bei der Brustseuche. Ein solches Verhalten kann uns nicht Wunder nehmen, da wir aus der pathologischen Anatomie des Menschen sowohl als auch aus dem Thierexperimente wissen, dass entzünd­liche Läsionen des Nervensystemes weniger durch die unmittel­bare Einwirkung der pathogenen Mikroorganismen selbst, als durch
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Encephalitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 199
die von ihnen erzeugten Toxine ausgelöst werden. Redlich weist in seinem letzten Sammelreferat über die acute Myelitis ^ ausdrücklich darauf hin, dass sich bei den infectiösen Entzündungen des Rückenmarkes des Menschen die Erreger gewöhnlich nicht nach­weisen lassen; „nur in einer kleinen Zahl von Fallen ist dies ge­lungen: ob aber diese Befunde immer einwandsfrei sind, muss dahingestellt bleiben, da der Nachweis von Mikroorganismen in der Leiche allein in seiner Beweiskraft stark angezweifelt wird.quot; Die für das Rückenmark dargelegten Verhältnisse können nun un­bedenklich auch auf das Gehirn übertragen werden; derartige Fülle fanden sonach eine Erklärung, namentlich dann, wenn durch einen grossen Infectionsherd im Organismus (Lunge, Pleura etc.) die Vor­bedingungen für die Bildung von. Bacterientoxinen gegeben sind.
Aussordem existirt beim Pferde 3. auch eine Encephalitis, die nach dem ganzen anatomischen Gepräge, das sie besitzt, unumgänglich nothwendig als infectiüs angesprochen werden muss, obwohl eine Allgemeininfection nicht zugegen ist und die Anwesenheit von Mikroorganismen in loco mit unseren dermaligen technischen Hilfsmitteln nicht deraonstrirt werden kann. Es ist das jene acute, fieberhaft verlaufende Encephalitis, welche ich oben als eine eigene, mit dem acuten Ventrikelhydrops im Causal-nexus stehende Art beschrieben habe.
S y m pt o m a t o 1 o g i e. Der Bestand einer multiplen Encepha­litis entzieht sich am lebenden Thiere beinahe immer der Diagnose. Die Symptome sind so verschiedenartig, theils denjenigen ähnlich wie wir sie bei der Meningitis finden, theils jenen der sogenannten acuten Ventrikelwassersacht, dass die Diagnose „Encephalitisquot; heute meistens eine rein anatomische ist. In einem von mir gesehenen Falle von einer klinisch sehr genau beobachteten Brustseuche war es zur Entwicklung zweier hühnereigrosser Entzündungsherde im Occipitalhirne beider Seiten gekommen; die durch sie gesetzten Störungen, welche unter Anderem das Sehvermögen schwer ge­troffen haben mussten, waren in dem durch das Allgemeinleiden bedingten Symptomencomplexe vollständig untergegangen.
Eine der besten Schilderungen eines typischen Falles von einer entzündlichen Herderkrankuns verdanken wir Thomassen.
') Redlich, Zieglerquot;s Archiv für pathologische Anatomie. 1898.
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200nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
Er beobachtete ein Pferd, welches apoplectiform an einer alter-nirendcn schweren Paralyse erkrankt war. Es bestand Lähmung aller Aeste des Facialis links, Lagophthalmus, Abweichung des linken Bulbus gegen den inneren Augenwinkel und Paralyse der rechten Extremitäten bei erhaltener cutaner Empfindlichkeit. Nach dreitägigem Kranksein konnte sich das Thier nicht mehr auf den Beinen erhalten, schlug bei den fortwährenden resultatlosen Ver­suchen sich zu erheben mit den nicht gelähmten Füssen heftig um sich, verletzte sich ziemlich bedeutend und verendete. Die Section ergab einen rothen Erweichungsherd in der Brücke, welcher deren linken Hälfte angehörte und sich bis ins Kleinhirn und die vor­dere Partie der Medulla oblongata erstreckt hatte. Die patho­logisch veränderte Stelle lag also derart, dass sie den austretenden Facialisstamm und die Pyramidenbahn der linken Seite traf und zerstörte, so dass der Angesichtsnerv links, die Extremitäten aber rechts gelähmt wurden. Die Entscheidung, ob echte Erweichung oder entzündliche Herderkrankung vorlag, traf Thomassen nur durch makroskopische Untersuchung. Vielleicht gehört auch ein im preussischen Militärrapport von 1890 klinisch ganz ähnlicher Fall von alternirender Paralyse her: leider wurde über den Sections-befund nichts verlautbart.
Therapie. Bei der Unmöglichkeit der klinischen Diagnosti-cirung sind uns keine Massnahmen bekannt, welche den Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen könnten. Die bei vermutheten Encephalitiden empfohlenen Vorkehrungen als: Aderlässe, Purgantien, Kälte, Alkaloide können ja versucht werden; sie sind aber auch dann, wenn das Leiden richtig errathen wurde, ziemlich wertlos.
e) Hirnabscess: Encephalitis purulenta.
Literatur: Die Lehrbücher der Therapie von D ieck erh off, Fröhner-Friedberger, Kitt und Hutyra; Chirurgie von Hoffmann etc. Xeuere Literatur: Dieckerhoff, Adams Wochenschrift 1882, p. 145; Leistikow, Thierarzt 1885, p. 27ö; Bouchet, Ri'-vue vet. 1S3G, p. 190; Haase, Berl, Arch. 1880. p. 27'.); Martin, Miinchener Jahresbericht 1880, p. 50; Ptugg, The Veterinarian LXI, p. 579; Thierry, Recueil 1888, p, 84; Leistikow, Berliner Arch, 1889, p, 294; Schwannfeldt, Berliner Arch. 1889, p, 293; Koschel. Berliner Arch. 1890. p. 220; Schlake, Mil. Vet. Zeitschrift 1890, p. 321; Pill, Berliner Arch. XVII, p, 373; Delamottc, Journ. de Lyon 1892, p. 695: Tetzner. Zeitschrift für Veterinärkunde IV. p. 391; Ess er. Berliner
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Hirnabscess.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 201
Arch. XXX, p. yü; K0der, Sächsischer Jaliresbericbt 18Ü3. p. 96; Duchanek, thierärztliclios Centralblatt d. V. d. Ost. Thierärzte 1804. Nr. 7; Ashley, The veterinarian 1896, p. 895; Butler, Americ. vet. rev. XII, p. 137; Preuss-Militär-Rapport 1897, ref. im Jahresberichte für Vet. med., p. 85; Pen-berthy, Journ. of comp. pathology 1897. p. 75; Cadeac, Journal de Lyon 1897, p. 28
Hirnabscesse kommen ham Pferde verhältnismässig häufig vor. Sie entstehen oft nach Schädeltraumen, Wundinfection, nament­lich aber bei jungen Thieren im Anschlüsse an die Druse; die über­wiegende Mehrzahl aller in der Literatur namhaft gemachten Be­obachtungen gehören in diese Kategorie; mehr als 600/o allt!r Fälle entwickeln sich beim Pferde auf dem Boden der Druse. Es sind das secundäre Processe, die ihren Ursprung dem Vorhandensein purulenter Herde in irgend einem Theile des Körpers verdanken. Die Entzündungserreger werden auf dem Wege der Blutbahn nach dem Gehirne verpflanzt und erzeugen dort die gleiche Veränderung; doch gibt es auch Fälle, wo die Provenienz des Abscesses unklar bleibt; deshalb einen idiopathischen Hirnherd anzunehmen, ist nicht gerechtfertigt. Der Abscess kann auch durch ein Trauma erzeugt werden, das von keiner äusseren Verletzung begleitet ist. Anatomisches: Eitrige circumscripte Herde können in allen Theilen des Gehirnes auftreten; sie sind vereinzelt oder multipel, liegen oberflächlich oder tief und erreichen die Grosse einer Erbse bis zu der einer Kinderfaust.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^
Der Eiter ist bei der Druse gewöhnlich von dicker, rahmähn­licher Consistenz, hellgelb, geruchlos und enthält neben den be­kannten Eiterkörperchen und den Trümmern des zerstörten Hirn­gewebes meistens den Krankheitserreger, wie dies in vielen Fällen von Druse und von Pyämie nachzuweisen gelungen ist. An der Abscessperipherie findet man die Erscheinungen einer Demar-cationsentzündung und bei älteren Processen mitunter eine deut­liche Kapsel.
Symptomatologie: Bezüglich des Krankheitsbildes ist nur wenig zu sagen, da die Erscheinungen durchaus nicht typisch sind. Mit einer gewissen Constanz beobachtet man heftige Erregungs-zustände mehr allgemeiner Natur. Die Pferde zeigen im Anfange grosse Unruhe, Rasereianfälle. Zwangsbewegungen, überhaupt Zu­stände, wie sie auch bei anderen acuten Hirnaffectionen auf­treten können. Daneben kommen auch Depressionsstadien und
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202nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
manchmal Herdsymptome, wie Lähmung der Gesichtsmuskulatur, Amauiose vor. Das Fieber kann hochgradig sein oder ganz fehlen; der Appetit bleibt lange Zeit normal, ebenso alle Functionen der Brust- und Bauchorgane. Vor dem Tode machte sich gewöhnlich ein mehr oder weniger ausgesprochener Erregungzustand be­merkbar; die Thiere werfen sich hin und her, versuchen aufzustehen, beginnen stark zu schwitzen, der Puls wird klein, die Atlunung keuchend, ungemein beschleunigt und der Tod tritt rasch ein. üebrigens ist das Krankheitsbild so wechselvoll, dass eine Norm nicht angegeben werden kann. Die maniakalischen Attaquen können ganz fehlen, so dass auch ihnen eine charakteristische Bedeutung nicht zukommt.
Die Diagnose darf, da das Krankheitsbild nicht genau prä-cisirt weiden kann, nur mit Wahrscheinlichkeit gestellt werden. Anders ist die Sache bei metastatischen Processen; da wir wissen, dass der Hirnabscess nicht selten eine Complication der Druse oder aber der Brustseuche, der Pyämie etc. darstellt, werden wir in solchen Fallen beim Auftreten von Symptomen, die den Verdacht einer cerebralen Läsion erwecken, stets an einen Hirnabscess denken müssen. Eine derartige C'oincidenz wird fast immer eine gewisse Stütze für die Diagnose abgeben können; sind solche An-haltspunkte nicht vorhanden, dann ist die klinische Diagnose unmöglich oder doch unsicher.
Der Ausgang ist immer letal. Fälle, in denen der Abscess-inhalt rosorbirt worden wäre, sind nicht bekannt.
Die Behandlung könnte nur auf operativem Wege versucht werden. Da jedoch eine Localisationsdiagno.se nicht durchführbar ist, kann auch von einer rationellen Schädelcrötfnung nicht die Rede sein. Denkbar wäre sie nur, wenn sich an eine zufällig abgekap­selte Affection der motorischen Region eine reine Ilemiplegie an-schliessen würde, d. h. wenn die motorischen Erscheinungen nicht von Allgemeinstörungen getrübt sein würden. Üb ein solcher Fall bisher beobachtet wurde, ist mir nicht bekannt. Bei der ausgesprochenen Tendenz der purulenten Encephalitis, in multiplen Herden aufzu­treten, ist dies kaum anzunehmen; zudem sind unsere Kenntnisse der Herderscheinungen beim Pferde so lückenhaft, die Unter­scheidung der indirecten von den directen, für die Localdiagnose allein entscheidenden Herdsymptome so ungenau, dass keine Normen
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Hydrocephalus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;203
angegeben weiden können; man liefe zu sehr Gefahr, die Läsion an einem ganz andern Ort zu treffen, als wo man sie ante Opera­tionen! hinverlegt hat.
f) Gehirnwassersucht: Hydrocephalus.
Literatur: Die gebräuchlichen Lehrbücher der Therapie. Neuere Lite­ratur: Martin. The vet. LXII, 1889: Preuss. Milit. Kapp. 1802 und 1894; Williams, The veterinarian 189(5, p. 729; Kitt, patholog. Anatomie.
Der Hydrocephalus besteht in einer abnormen Ansammlung von Flüssigkeit in den Ventrikeln (Hydrocephalus internus) oder in den Subarachnoidalräumen (Hydrocephalus externns sive interm en in geal is). Der Hydrocephalus extern us kommt nur angeboren vor und hat schon deswegen kein klinisches In­teresse weil derartig kranke Thierc niemals aufgezogen werden können.
Beim chronischen Hydrocephalus internus des Pferdes erfolgt der Erguss in die Ventrikel meist ohne nachweisbare Ursache (pri­märer, idiopathischer Hydrocephalus) oder er soll die Folge einer chronischen Entzündung des Ependyms sein; es ist aber gleich hier zu bemerken, dass nach dem anatomischen Begriffe des Ependyms die Entzündung dieser Membran undenkbar ist. Eine exsudirende Entzündung geht stets von den gefässtragonden Organen, das ist vor Allem die Pia mater, aus. Die Erkrankungen der Pia, respec­tive der von ihr abstammenden Tela chorioidea und der Plexus können zu einem intraventrikulären Erguss führen; ist dieser ent­zündlicher Natur, so ist er als Product einer Meningitis in­ter na. nicht aber einer Ependymitis aufzufassen.
Wegen der gegenseitigen Beziehungen des meningealen und cere-]aalen Gefässbaumes muss eine Meningitis aber immer auch die Hirnsubstanz mit einbeziehen — es kommt zurMeningo-Encephaiitis; das ist eben jene Erkrankung, die man bei solchen Pferden nach­weisen kann, die an den Erstlingsanfällen des zu chronischer Ven­trikelwassersucht führenden Processes erlegen sind. Welche Art von Entzündung in dem primären Stadium vorliegt, ist Schätzungssache; der Ventrikelinhalt enthält selten Fibrin, häufiger Leucocyten und Epithelreste in grösserer Menge, so dass er alle Abstufungen von einer klaren bis stark getrübten Flüssigkeit zeigen kann. Welcher Herkunft der Ventrikelinhalt nach dem Ablaufe der acuten Entzündungen ist. die ich für das Entstehen des Hydrocephalus
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-04nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
internus in sehr vielen Filllen verantwortlich mache, lässt sich auf verschiedene Weise erklären, auch ohne die heikle Frage der serösen Meningitis zu berühren. Es können ja möglicherweise die Gefilsswände so alterirt werden, dass sie dauernd eine abnorme Transsudirung zulassen. Ausserdem wird aber den Plexus die Eigenschaft zugeschrieben, in ähnlicher Weise wie Drüsensubstanz secerniren zu können (Obersteiner); die von ihnen gelieferte speeifische Flüssigkeit wäre der Liquor cerebrospinalis, der that-sächlich eine vom Blutserum verschiedene Zusammensetzung auf­weist und daher nicht als einfaches Transsudat aus den Gefässen erklärt werden darf: es ist also ganz gut denkbar, dass der menin-geale, abgelaufene Entzündungsreiz eine dauernde, abnorme Secre-tionssteigerung der Plexus hinterlassen hat, wodurch die Quelle der vermehrten Flüssigkeitsmenge innerhalb der Ventrikel auf­gedeckt wäre.
Ausserdem hat man mangelhafte Blutvertheilung, ferner die bei anämischen Zuständen vorhandene Neigung zu leichten Trans-sudationen angenommen; sehliesslichhat man auch einen Zusammen­hang mit Darmprocessen, Herzschlechtigkeit, üterin- und Nieren­leiden vermuthet, den Beweis hiefür jedoch nicht erbringen können. Dann scheint nicht ausgeschlossen, dass ein geringgradiger con-genitaler Hydrocephalus, der lange Zeit unbeachtet bleibt, unter gewissen uns noch unbekannten Einflüssen so zunehmen kann, dass er klinisch hervortritt.
Der Modus, wie es zu Stauungen in den Ventrikeln kommt, ist nur selten aufzufinden; zu seiner Erklärung müssen wir einige anatomische Betrachtungen einschieben.
Die centralen Höhlen des Xervensystemes stehen beim Pferde mit den Subarachnoidalräumen des Gehirnes und Rückenmarkes in Verbindung*); eine Ausnahme macht bloss der Ventrikel des Septum pellucidum, der allseitig abgeschlossen ist. Diese Com­munication lässt sich entgegen der Darstellung Frank's (Anatomie, p. 95;quot;)) leicht durch Injectionsversuche darthun. Legt man in den Geruchskolben der einen Seite bei sonst uneröffneter Schädel­höhle eine Glaskanüle ein und lässt nun gefärbte Flüssigkeiten bei einem Drucke von 2—6 cm Wasser einströmen, so erscheinen diese in 12—25 Secunden seitlich von der Oblongata und fliessen
*) Veröl. Renault. Rec. vet. 1829.
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Hydrocephalus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;205
dort ab: unterbricht man die Zuleitung und stellt den Schädel senkrecht, so beobachtet man, wenn man das Hinterhauptsloch mittelst Zangen etwas erweitert hat, dass der Inhalt der gefüllten Ventrikel noch weiter, bis zur gänzlichen Entleerung abfliesst, wogegen sich der caudalste Abschnitt des hinteren Marksegels kugelförmig vorwölbt und so lange vorgewölbt bleibt als der Schädel senkrecht steht. Nimmt man zum Versuche eine ganze Wirbelsäule sammt dem Schädel, öffnet den Bulbus olfactorius und den Wirbelcanal an seinem caudalen Ende, so erscheint die in den Bulbus injicirte Flüssigkeit in 100—250 Secunden am Conus terminalis. Dass es sich hier nicht um Artefacte bandelt, sondern um offene Communicationen, erhellt: 1. Ein Einreisson der hin­tersten Ventrikeldecke bei der Präparation ist unmöglich, weil die Schädelhöhle unangetastet bleibt. 2. Es ist hiebei die Wirkung eines höheren Druckes ausgeschlossen, weil beim Anwachsen des­selben auf ;J0 — 50 cm Wasser das Bersten des Bulbus olfac­torius nicht hintanzuhalten ist und der Versuch sich also von selbst hemmt. 3. Filtratiousprocesse sind ganz ausgeschlossen weil auch Gipsbrei dieselbe Passage, nur langsamer, nimmt.
Tnjicirt man erstarrende Massen, so ergeben sich die Ver­bindungen mit besonderer Deutlichkeit. Die weiten Geruchskolben gehen durch einen engen Canal in das Vorderhorn der Seitenven­trikel über, diese durch das Foramen Monroi in den III. Ventrikel; von dort führt die Sylvischo Wasserleitung in den IV. Ventrikel, der keine hintere Deckenöffnung (Foramen Magendii hom.), wohl aber zwei seitliche, grosse Lücken, die Aperturae laterales oder Foramina Luschkae besitzt, die in die grossen, seitlich vom Klein­hirn gelegenen, subarachnoidalen Lymphcysternen führen. Eine Ansammlung oder Stauung von Ventrikelinhalt ist also nach physi­kalischen Gesetzen nur dann denkbar, wenn eine oder mehrere dieser Communicationen verlegt sind: dies ist an den engsten Stellen, am Foramen Monroi und dem Aquaeductus Sylvii, jeden­falls zuerst zu erwarten. Es könnte dies durch Tumoren (Perl­geschwülste), Parasiten (Finnen, Oestridon) oder Abscesse etc. geschehen.
Der Hydrops ventriculorum stellt sich unter solchen Umständen als ein secundärer Vorgang dar und als solcher muss er auch in der Regel aufcefasst werden. Nun jribt es aber auch Fälle, wo ein
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2i)C)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kranklieiten des Gehirnes.
theilweiser Verschluss der Ventrikel nicht nachweisbar ist — der idiopathis ehe Hydrocephalus. Sie bilden die überwiegende Mehrzahl aller in der Veterinärliteratur beschriebenen Beobach­tungen: hier muss uns die Annahme gestattet sein, dass Momente, welche auf das Zustandekommen einer Stauung Bezug haben, über­sehen wurden, was uns bei den ungemein primitiven Unter­suchungsmethoden, wie sie im Gebrauche sind, nicht wundern kann: anders ist es kaum erklärlich wie innerhalb des Ventrikels ein höherer Druck herrschen soll als in den Subarachnoidal-räumen.
Man könnte ja annehmen, dass ein constanter Stauungszustand im Plexus dor Seitenventrikel die Monroi'sche Oeffnung verschliesst, wodurch diese Hirnkammern erweitert würden; man findet aber niemals Schnürringe an jener Plexusstelle; auch scheint die nachgiebige Fasermasse des Fornix kaum dazu angethan, um eine wesentliche Einschnürung zu erzeugen.
Boenninghaus:):) glaubt, dass ein selbständiger Verschluss des IV. Ventrikels beim Menschen auch eintreten kann, wenn bei langsamer Entstehung eines Ventrikelergusses die membranöse Umgebung der Oeffnungen der Ventrikeldecke gegen die Hinter­hauptsbeine gedrängt würde; auch der III. Ventrikel könne einen automatischen Abschluss erleiden, wenn das Lumen des Aquaeductus dem gesteigerten Exsudatabflusse nicht mehr genüge. „Es kommt dadurch zur Steigerung des Innendruckes und zur Ausweitung des dritten und der Seitenventrikel. Geht die Exsudation schnell vor sich, so erfolgt ein Verschluss des Aquaeductus. Es tritt gleich anfangs eine bedeutende Stauung im III. Ventrikel ein und dadurch eine Ausweitung zunächst an der schwächsten Stelle, d. i. am Infundibulum und am hinteren Theil des Daches vom Balken­wulst, dort wo allein die eintretende Tela den Ventrikel abschliesst. Die Tela hebt sich jetzt, zieht die mit ihr verwachsene Zirbel­drüse nach oben, diese zieht an den Vierhügeln, diese am Pons, der schwerere Pens folgt aber nicht so leicht und so wird der Aquaeductus zunächst in einen länglichen, von oben nach unten verlaufenden Spalt vorzerrt, der nur noch wenig Flüssigkeit durch-lässt. Die Exsudation aber geht weiter, die Erweiterung der
*1 Boenniiiquot;ha us; Die Meningitis serosa acuta. 1897.
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Hydrocephalus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;20 lt;
Ventrikel wird grosser, die Tela hebt sich höher und wird sehliess-lich mit den gedehnten Vierhügeln gegen den Ausschnitt des Tentoriums gepresst; dadurch ist der Abschluss des Aquaeductus ein vollkommener.quot;
Ich muss gestehen, dass ich, obwohl aussei- Stande eine bessere Erklärung zu geben, diese Theorie von Bo en n ingshaus beim Pferde kaum anwenden kann. Erstens ist sie nicht ver­wertbar bei den chronischen Ansammlungen eines nicht besonders grossen Ventrikelinhaltes, mit dem wir es beim Pferde ja fast immer zu thun haben; dann kann das Gewicht des kleinen Pens dieses Thieres kaum in Betracht kommen; auch der Umstand, dass sich die massige starre Vierhügelplatte so zusammendrücken lassen soll, dass der beim Pferde sehr weite Aquaeductus abgeschnürt werden könnte, will mir kaum einleuchten. Injicirtman am frischen Pferdehirn Wasser unter zunehmendem Drucke, so bersten zuerst die Geruchskolben, dann die Riechhügol: das In-fundibulum, die Zitzenfortsätze werden aufgerissen, der Aquaeductus aber verlegt sich nie; injicirt man bei geschlossener Schädelkapsel und schiebt die Canüle vom Bulbus olf. bis in den Verbindungs­gang des Vorderhornes mit dem Bulbus, so wölbt sicii das Stirn-hirn bei steigendem Drucke in der Knochonlückc knapp neben der Canüle vor, endlich zerreist der Prolaps, aber am Hinterhaupts-loche fliesst bis zur Berstung des Stirnhirnes continuirlich Wasser ab.
Ich glaube daher nicht, dass die Genese des auf Stauungs­erscheinungen beruhenden Ventrikelliydrops beim Pferde mit der Theorie Boenninghaus einwandsfrei erklärt werden könnte. Viel­mehr wäre es die Frage, ob nicht in einem gewissen Percentsatze der Fälle von idiopathischem Hydrocephalus weniger die Stauung das wirksame Agens der Ventrikelerweiterung sei, als vielmehr all­gemeine atrophische Processe des Gehirnes, die ja nach den wieder­holten entzündlichen Attaquen im Bereiche der Möglichkeit lägen. Leider sind solche Processe beim l'ferde exact kaum nachweisbar; man müsste bei ihrer Erforschung von dem Hydrocephalus externus ausgehen, der äusserst selten zu sein scheint; wenigstens hat man beim erwachsenen Pferde weder einen Hydromyelus noch einen Hydrocephalus externus beschrieben. Endlich kommt noch der höchst wichtige umstand hinzu, dass der Druck der Cerebro-
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208nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
spinalflüssigkeit wahrscheinlich während des Lebens inconstant ist; Eine diesbezügliche Beobachtung machte ich gelegentlich einer von Dr. C. Biehl am Pferde ausgeführten intracraniellen Durch­schneidung des Nervus vestibularis; nach Eröffnung der seitlich vom Kleinhirn gelegenen Lymphcysterne quoll aus dem tiefen, in die Pars petrosa gemeisselten Knochentrichter reine Cerebrospinal-Hüssigkeit in beträchtlicher Menge; in dem Momente, als man dem leicht narcotisirten, stark pressenden Pferde den Kopf etwas hob um besseren Einblick zu erhalten, verschwand die Flüssigkeit rapid in der Knochenlücke, so dass, um eine Luftaspiration zu vermeiden, der Muskelhautlappen raschest darüber geschlagen werden musste. Jedenfalls sind diese Verhältnisse noch durchaus nicht geklärt und bedürfen daher noch genauester Untersuchungen.
Anatomisches. Bei der Section findet man gewöhnlich die beiden Seitenventrikel massig dilatirt und durch klare Flüssig­keit von niederem speeifischen Gewichte erfüllt. Die Menge der Flüssigkeit ist in der Kegel nicht bedeutend, häufig kaum mehr als 30—-40 cm3. Doch gibt es Fälle, wo dieses Mass erheblich über­schritten wird; der Inhalt steht dann unter einem ziemlichen Drucke; trennt man die Hemisphären durch einen Horizontalschnitt so vom übrigen Gehirne, dass die lateralen Kammern nicht eröffnet werden, so beobachtet man eine leichte kugelförmige Hervorwölbung und beim Einstich das Herausspritzen von Serum. In den aller­meisten Fällen ist der Hydrops die einzige nachweisbare Ver­änderung; anderseits trifft man auch hin und wieder das Ependym verdickt, mit körnigen Vorragungen bedeckt: die Basalganglien sind kaum verändert, die Venenplexus normal oder leicht ge­schwollen. Eine Abflachung der Gyri sowie Schädeldeformation habe ich niemals gefunden. Sehr zu hüten hat man sich aber voi­der Verkennung normaler Zustände.
Wenn die Pferdecadaver längere Zeit in der Seitenlage verbleiben so erfolgt, da der Lumbartheil der Wirbelsäule den höchsten, der Kopf den tiefsten Punkt einnimmt, ein Abfluss der Cere-brospinalfiüssigkeit nach dem Schädel hin: stellt man diesen auf die Unterkieferkante und eröffnet das Schädeldach in der gewöhn­lichen Weise durch Aufsägen der Decke, so wird man beim Ein­stich in die Ventrikel häufig einen positiven Druck finden; auf ähnliche Verhältnisse wurde wiederholt von autorativer Seite, so
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Hydrocephalas.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^ü'.l
von Kitt, Hering, Johne hingewiesen. Trotzdem werden diese Thatsachen noch immer aussei- Acht gelassen und fast bei jeder Hirnsection, die ausgeführt wird, über Vergrösserung der Kammern berichtet. Ich behaupte, dass man eine solche Dilatation, wenn sie nicht einseitig oder sehr stark ist (höchst selten), überhaupt mit dem Augenmasse nicht schätzen kann. Die Hirnhöhlen stellen stereometrisch so complicirte Hohlräume dar, dass geringere Volums­schwankungen nur durch Messung festgestellt werden können. Von ihrer Form, ihren individuellen Verschiedenheiten und ihrer Ausdehnung erhält man erst dann einen richtigen Begriff', wenn man sie mit Gips ausgiesst, aus Serienschnitten durch das ganze Ge­hirn reconstruiert oder dann besichtigt, wenn man den ganzen Schädel durchfrieren lässt: gute Resultate ergibt auch eine Fixirung der örtlichen Verhältnisse durch concevitrirte Sublimat-Pikrinsäure­lösung: es muss das Gehirn damit durchgespritzt und dann saramt dem Cranium in die Flüssigkeit eingelegt werden. AU' das kann aber nicht von einer raschen Section verlangt werden und deshalb sind die durch eine solche gewonnenen Resultate nur zum geringsten Theile verwertbar.
Noch schwieriger ist die Messung der Flüssigkeitsmenge; zu dem Behufe muss das ganze Rückgrat und die Schädelhöhle bei unverletzter Dura eröffnet und die in dem Subarachnoi'dalsacke vorhandene Exsudat- oder Transudatmenge in graduirten Gefässen aufgefangen werden; ähnliches bezweckt das von Hering bereits im Jahre 1871 angeregte Durchfrieren der nervösen Centralorgane und das volumetrische Bestimmen der gesammelten Eisstücke. Hering hat damals auf Grund seiner Untersuchungen nach­gewiesen, ,,dass der normale Flüssigkeitsdruck ein ziemlich be­deutender sei und dass, bei den ausserordontlich auseinandergehenden Angaben über die Menge der in den Seitenventrikeln des Gross­hirnes von, an sogenannten Druckerscheinungen verendeten Pferden, der vermehrte Druck auf das Gehirn als Ursache der Symptome des Kollers . .. nicht sicher begründet angesehen werden könne.quot; Johne bestimmte die normale Menge der Cerebrospinalflüssigkeit des Pferdes im Schädel und Halsmark mit 157 cm3; meine an 18 Pferden durchgeführten Messungen ergaben ein Mittel von 237 Grammen. Die Mengen sind aber ungemein variabel und von den verschiedensten Verhältnissen abhängig; sehr wenig
Dexier, Nervenkrankheiten ties Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;yplusmn;
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Krankheiten des Gehirnes.
lindet man in den Ventrikeln, wenn man den Schädel zur Section abschneidet und, wie üblich, auf den Tisch stellt; ebensowenig, wenn der Cadaver etwa eine Nacht hindurch mit erhobenem Kopfe gelegen ist; aber auch bei gehetzten oder durch hochgradige Schweisse allgemein entwässerten Thieren kann die Menge der gesammten Cerebrospinalflüssigkeit auf wenige Gramme zurückgehen. Zweifellos gibt es ausserdem noch viele andere, uns unbekannte Momente, welche auf diese Schwankungen Einfluss nehmen.
Ich habe diese Umstände deshalb etwas weiter ausgeführt, um zu zeigen, welchen Wert, wir den Ergebnissen unserer ge­wöhnlichen Sectionen beimessen dürfen, die sich mit dem Auf­schneiden der Seitenkammern und dem Besichtigen der abfliessenden Cerebrospinalflüssigkeit begnügen. Es ist übrigens das Verdienst Hering's, schon vor 20 Jahren darauf aufmerksam gemacht zu haben, dass die beim Abschneiden des Schädels auslaufende Flüssigkeitsmenge keinen Masstab zur Beurtheilung einer Höhlen­wassersucht abgeben kann. In welchem Zusammenhange die aufgezählten Abnormitäten mit dem klinischen Bilde des 1) um mk oilers stehen, dessen hauptsächliches Substrat der Hydrocephalus darstellt, ist nicht genau bestimmt. Gewöhnlich leitet man sie von dem Drucke des Serums auf die nervöse Substanz des Gehirnes her; nur lässt man den Einwand unberück­sichtigt, dass selbst unbedeutende Flüssigkeitsmengen bei schweren Dummkollererscheinungen und relativ grosse Ergüsse dagegen oft symptomlos gefunden werden. Da aber bis heute noch exacte pathologisch-anatomische und namentlich histologische Unter­suchungen fehlen, ist man gezwungen die gangbare Erklärung mit der Voraussetzung beizubehalten, dass der Process in einer entzündlichen Erkrankung, in einer ^leningo-Encephalitis seine häufigste Ursache hat. Dabei tritt die Frage, ob der Erguss in den Seitenkammern secundär oder primär ist und ob die degenerativen Vorgänge im Hirne (Abplattung der Basalganglien, Schwund des Tapetuins etc.) auf Rechnung dieser Flüssigkeitsansammlung zu setzen ist, mehr in den Hintergrund.
Symptomatologisch äussert sich der Hydrocephalus inter-nus in den Erscheinungen des Dummkollers (s. d.) und man unterscheidet je nach dem, ob seine Symptome sich rascher
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Ilydrocephalus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;211
oder langsamer entwickeln, einen acutcn und einen chronischen Hydroeephalus.
In den acuten Stadien ist das Leiden von aeuten entzündlichen Processen des Gehirnes und seiner Häute klinisch nicht zu unter­scheiden. Die chronischen Formen verlaufen unter den Anzeichen des Hirndiuckes und begründen das beim Dummkoller oder stillen Koller beobachtete Bild. Da die letztgenannte Krankheit aber auch durch Hirntumoren, Cysten, und wie erwähnt durch manche Arten der Encephalitis erzeugt werden kann, so erhellt, dass der Hydro­eephalus an und für sich nicht Gegenstand einer klinischen Dia­gnose ist. Es sind daher auch keine Anhaltspunkte gegeben, auf Grund welcher man therapeutisch eingreifen könnte.
g) Hirngeschwülste: Tumor cerebri.
Literatur: Lehrbücher von Dleckerlioff, Ki t,t und H ut yra; Jessen. Gurlt und Hertwig 1835, p. 330; Pöppel, ibid. 1852, p. 488; Trasbot, An­nales de med. vet. 1879, p. 276; Mollerean, Arch. vet. 187!); DOgive, An­nales de Brnxelles 1880, p. 446; Lydtin, Bad Mittheilnngen 1881; Diecker-hoff, Zeitschrift für Veterinärkunde 1889. p, 10; Bauvillet, Revue veh'rin. 1896, p. 251; Jacoulet et July. Recueil de mod v.'trrin. 189(5, p. 125: Labat, Revue veterin. 1896, p. 70; Perrussel, Progres vrtrr. 1895; Preuss. Veterinärbericht 1896, p. 77; Rivel, Berliner thierärztl. Wochenschrift 1894, p. 11): Zernecke, ibid, p. 250; Rutherford, The joum. of comp. path, and therapeutics VI. p. 72; Chuchu, Bullet. 188;!, Ill; Bonnet, Münchner Jahresbericht 1882, p. 110; Walley, The journ. of comp. pathol. and thera­peutics 1893, Bd, V, p. 71; Eckardt. Adams Wochenschrift 1888. p. 885; Derselbe, Prenss. Militär-Rapport 1888. p. 77; Schubert, Rundschau' auf dem Gebiete der Thiermedic. 1888, p. 275; Militärische Veterinär­zeltschrift 1888, p. 210 und 302: Hall an der, Tijdskrift f. Vet. med. 1889. p. 114: Mollerean, Rec. Bull. 1890. p. 265; Burke. Annales de med! vet. XI., p 566; Kocli, Berliner thierärztliche Wochenschrift 1891. p. IOC: Cadeac, Rev. veter. 1886. p. 526; Haas, Thiermed. Rundschau 1886, p. 4-Math'ews, The vet. .journal 1885, Vol. XXI; Prenssischer Militärrapport 188^ p. 77; Trasbot, Bulletin belgique, p. 246 ex So; Bostroem, Centralblatt f. allgem. Pathologie VIII, 1,2; Benecke, Virclunv Arcb. 1897, Heft 1; Doroschenko, Petersburger Arcb. 1897. p 157.
Geschwülste des Gehirnes und seiner Häute werden beim Pferde verhältnismässig häufig gefunden. Eine Disposition des Geschlechtes, der Haoe und des Alters scheint nicht zu bestehen. Die Neoplasmen haben eine sehr wechselnde Grosse, kommen meist multipel vor und zerfallen in primäre und seeundäre oder meta­statische.
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Beim Pferde wurden im Schildelraume beobachtet: Fibrome, Fib rosarkom e, Chondrome, Melanome, seröse und De r-moidcysten : ferner Carcinome und Cholesteatome, für welche neuestens der ganz überflüssige Name Margaritome eingeführt wurde. Es hat übrigens die Aufzählung dieser Bezeichnungen wenig wissenschaftlichen Werth, da nicht viele exaete histologische Unter­suchungen vorliegen; man muss daher der Classificirung, wie sie in so manchen Arbeiten enthalten ist, oftmals mit grossem Scepticis-mus gegenüberstehen.
Am besten und am häufigsten beobachtet sind die Chole­steatome der Plexus chorioidei. Es sind das eigenartige Geschwulst­bildungen, die von Hanfkorngrosse bis zu der eines grossen Eies variiren können. Sie liegen in den meisten Fällen in den Seiten­ventrikeln, seltener an der Aussenfiäche des Gehirnes und haften dem Plexus resp. der Pia innig an. In einzelnen Fällen will man sie auch ganz frei gefunden haben, oder sie wurden bei der Section losgerissen: ihre Beziehungen zur weichen Haut sind von B o s t r o e m überzeugend daigethan worden. Sie sind von derber Consistenz, höckeriger Oberfläche und von braunrother bis braungelber Farbe, bestehen aus einem gefässlosen Stroma und enthalten schalen­artig angeordnete Lagen von epidermo'idalen Zellen, deren Schichtung einen eigenthümlichen perlmutterartigen Glanz an manchen Ge-schwulstslellen hervorbringt (Pe rl g esc h wülste). Ausserdem sind noch Einlagerungen von Kalkniederschlagen und Cholestearinnadeln in wechselnder Menge zu finden. Kleine, sandförmige silber­glänzende Cholestearinanhäufungen trifft man übrigens fast bei jedem Pferde in den seitlichen Adergeflechten der Ventrikel.
Sie bilden bei diesem Thiere ein sehr gewöhnliches Sections-ergebnis, worauf schon G urlt hingewiesen hat. Faiv re1) erklärt sie als regelmässiges Vorkommnis. Nach eigenen Beobachtungen fand ich die Geschwulstform in 22,50/o aller Hirnsectionen in den Seiten­ventrikeln vor (bei 204 Sectionen 4(3 mal.) Als krankmachend können sie erst dann angesehen werden, wenn sie mindestens nussgross sind. Man hat aber auch schon weit grössere Exemplare bei Pferden gefunden, welche klinisch absolut keine objeetiven Störungen aufwiesen (B r uckm üllo r. Kitt).
') Conarium et les plexus chorio'kl. chez l'homme et les animaux. Annales des sc. nat. 1857.
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Geschwülste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 210
Die Zahl der andersartigen Neubildungen ist im Vergleiche zu den Cholesteatomen verschwindend klein.
Sarkome hat man gewöhnlich von den Knochen ausgehen sehen: seltener sitzen sie in einer Hemisphäre oder im Cortex.
Zu den häufigeren Geschwülsten gehören noch die Melanome, welche man namentlich bei Schimmeln findet. Ihr Ausgangspunkt liegt immer ausserhalb des Schädels, wenigstens ist kein glaub­würdiger Fall von primärem Hirnmelanom verzeichnet.
E p i t h e 1 i a 1 g e s c h w ü 1 s t e wurden bisher an der Hypophysis, im Cortex und an der Hirnbasis constatirt; auch sie entwickeln sich häutig ausseihalb der Schädelhöhle und durchwachsen die knöcherne Wand. Ihre Genese ist ganz dunkel.
Unbeschadet der Natur einer im Schädelinneren wuchernden Neubildung, entstehen stets gewisse anatomische Veränderungen. Liegt der Tumor subcortical, so werden die Furchen seichter oder ganz verstrichen. Wächst er so, dass er die Abflusswege der Cere-brospinalflüssigkeit comprimirt, so wird ein Hydrocephalus internus die Folge sein müssen; das Gleiche ist möglich, wenn er grössere Venenstämme theilweise oder ganz verschliesst. Die Nervenstränge können plattgedrückt, ihre Bündel aufgefasert oder ganz zerstört sein; endlich sind die Schädelknochen meistens verdünnt und osteoporotisch, wenn ihnen ein Neoplasma anliegt.
Symptomatologisch treten beim Pferde die Hirndruck­erscheinungen manchmal deutlich hervor und wir beobachten das Bild des Dummkollers (s. d.); das ist aber selten ganz rein aus­geprägt. Ob eine Stauungspapille besteht, ist unbekannt. Erbrechen wurde niemals beobachtet, wobei nicht aussei- Acht gelassen werden darf, dass Pferde überhaupt nur sehr schwer erbrechen können. Bei Kleinhirntumoren bestehen Coordinationsstörungen. Endlich kann es zu theilweisen Lähmungen in manchen Hirnnervengebieten kommen, die von starken Atrophien begleitet sind. Obwohl jedes dieser Symptome theoretisch gut zu definiren wäre, so gelingt dies klinisch doch nur ganz ausnahmsweise, da das Krankeits-bild gewöhnlich durch häufige maniakalische Krisen mit perio­dischen Depressionszuständen, Pulsverlangsamung etc. so getrübt wird, dass die Erkennung des Grundleidens unmöglich ist. Nur wenn extracranielle Neubildungen vorhanden sind, wird man zu­weilen in der Lage sein, sich allmählig einstellende cerebrale Sym-
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214nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
ptome auf ihre thatsächliche Grundlage zurückzuführen. Die Be-hamllung solcher Vorkommnisse gehört in das Gebiet der Chirurgie.
h) Parasiten.
Literatur: Dieckerhoff, Adam's Wochenschrift 1888. p. 1; Lindst röm-Ilulphers, Schwedische Zeitschrift 1888, p. 240: Glokke, Berliner Arch. XIX, p. 'J8; Schwanfeld, ibid. 188ö: Boas, Tijdskrft. f. Veter. 1889, p. 7(5; Siedam-grotzky. Sachsischer Jahresbericht 188Ö, p. lö; Poulsen. Tijdskrft. f. Vet. 1889, p. 83; Segelberg, ibidem XIV, p. 144; Kitt, path Anat.. p. 607.
Von den bekannten Schmarotzern unserer Ilausthiere wurden im Centralnervensysteme des Pferdes bisher beobachtet: Oestrus-larven (Dieckerhoff, Lindström, Si ed amgrotzk y), die Finne vom Hirnquesenwurm, Coenurus cerebralis (Schwan fold), eine Gattung Hypoderma*) (Boas, Poulsen, Segelberg), ferner Scleroamp;toma armatum (A.bildgaard, Bihan, Albrecht, van He ill)**) und endlich Ecliinococcen (Glokke) in einzelnen Exem­plaren. Die Einwanderung erfolgt bei Coenurus analog wie bei den Schafen, d. h. durch die Nasengänge; Ecliinococcen dürften mit der Blutbahn eingeschleppt werden. Der Invasionsmodus der Oestruslarven und der Nymphen der Dasselfliege ist nicht bekannt. Man vermuthet das Eindringen vom Ohre her, oder bei Hypoderma durch jene Oeffnung, welche sich zwischen Hinterhauptbein und erstem Halswirbel vorfindet. Die Parasiten wurden niemals klinisch diagnosticirt und bildeten stets ein anatomisches Barum.
i) Thrombose der Vena magna Galeni.
Literatur: Boellmann, Bull. belg. II, p. 291; Kitt, pathol. Anat., p. 593; Berlin, Oesterr. Vierteljahresschvift 1879, p. 142.
Ein interessanter Fall wurde von Boellmann bei einer neun­jährigen Stute beobachtet, welche nach einer vier Wochen dauernden Phlegmons eines Vorderfusses eine gewisse Abstumpfung und eine allmälig zunehmende Gehstürung zeigte, die sich darin äusserte, dass das Pferd Zeigerbewegungen ausführte, wobei der Kopf nach dem Centrum des Kreises gestellt war. Weiterhin traten halbseitige Spasmen der Halsmuskulatur, Lähmung der unteren Angesichts­muskeln, der Lider und der Hautempfindung der linken Kopfhälfte
*) Wahrscheinlich Hypoderma bovis. *:'') Cit. nach Kitt.
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Dammkoller.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;215
auf: dann ulcerüse Keratitis, Icterus, Fieber und progressive Läh­mungen der ganzen Uumpfmuskulatur. Tod nach 24 Tagen. Die Section ergab einen zwei Frankstück grossen Erweichungsherd im Marke der linken Hemisphäre, und in der Vena magna Galeni über dem Splenium corporis callosi einen Thrombus von gelbrother Farbe und weicher Consistenz. Am Übergang des Gefiisses in den Sinus falciformis war ein wandständiger, derber, organisirter und mit, der Venen wand fest verwachsener Thrombus zugegen, der lr.gt; cm lang war. Im Falle Berlin's bestand eine Hinusthrombose nach jauchiger Pneumonic.
j) Dummkoller.
Literatur: Die Lehrbücher von Spinola. Gerlach, Dieckerhoff. Czokor, Roll, Friedberger. .Schneidern ühl; Literatur der letzten zehn Jahie: Klemm,Berl. Arch. 1885. p. 407; Popow. Petersburger Arch. 1880; Seh leg, Sächsischer Jahresbericht 1887. p. 111; Sc h ne idemü hl, dessen Rund­schau 1888, p. 1; Fiedeler, Berliner Arch. 1891, p. 210; Telesch insky. Arch. f. Veterinärmedicin 1891; Wilden, Milit. Vet. Zeitschrift 1891, p. 258, die prenssischen Veterinärberichte von 87—97; Steger, Wochenschrift für Thier-heilkunde 1893, p. 477; Reissmann, Berliner th. Wochenschrift 1893, p, 33; Herbst, Zeitschrift für Veterinärkunde 1892, p. 541; Lorenzetti. Clin. vet. XV, p. 355; Parazols, Rev. vet. 1892, p. U37.
Die Diagnose ..Dummkollerquot; ist eigentlich ein forensischer Begriff', ein Sammelname, der verschiedenartige anatomische Stö­rungen des Centralnervensystemes in sich schliesst, die das Substrat für ein gemeinsames Symptom, das einer mangelhaften Hirn-thätigkeit, einer Einengung des Sensoriums abgeben. Im weitesten Sinne des Wortes versteht man unter Dummkoller jede chronische, fieberlose Bewnsstseinsstörang, welche sich nach aussen hin durch Veränderung des Temperamentes, der motorischen und Gefühls-sphäre, und der Lagevorstellung kundgibt.
Vorkommen. Der Dummkoller wird bei Hengsten, Stuten und Wallachen gleich häufig beobachtet; man hat lange Zeit die ca-strirten Hengste als besonders veranlagt gehalten, diese Krankheit zu acquiriren — wie die Erfahrung gelehrt hat — mit Unrecht. Auch das Lebensalter hat keinen Einiiuss: desgleichen scheint eine Ver­erbung, wie namentlich Dieckerhoff betont, nicht nachgewiesen zu sein. Man hat auch eine gewisse Bauart des Schädels, Futter­verhältnisse, geschlechtliche Aufregungszustände, das ariose Tempe-
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216nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
rament mancher Pferde u. s. \v. als prädisponirende oder causale Momente angegeben, und auf dieser Basis sowohl über das Wesen der klinischen Erscheinungen, als auch über die ihr zugrunde liegen­den, pathologisch-anatomischen Vorgänge mannigfache Theorien auf­gestellt, die manchmal jeder Begründung entbehren.
Anatomisches. Es gibt sehr viele krankhafte Zustände, welche zu dununkollerartigen Erscheinungen führen, und die in jeder Hinsicht, sowohl in klinischer wie in forensischer Beziehung, als typisch für den Dummkolier erklärt und anerkannt werden müssen. Für praktische Zwecke genügt es, den chronischen Hydro-cephalus, die Meningitis und Encephalitis als die häufigsten Ur­sachen bezeichnet, und auf Tumoren, Parasiten und Abscesse als seltenere causale Schädlichkeiten hingewiesen zu haben. Gewöhn­lich wird angenommen, dass der chronische Ventrikelhydrops die öfterste Veranlassung darstellt.
Im Gegensatze zu der allgemein herrschenden Anschauung, glaube ich auf Grund meiner Befunde bei den Sectionen mehrerer, an rasendem Koller leidender Pferde, dass der Encephalitis ätio­logisch eine höhere Bedeutung beizumessen ist, als dem chronischen Hydrocephalus, oder, dass zu mindesten sehr viele hydropische Ergüsse eine Consequent vorübergegangener Encephalitiden sind. Ich habe in allen Beobachtungen von tudfliehen Fällen stets deutliche Anzeichen davon gefunden und diese Anomalien histo-logisch genau untersucht. Es sind dies jene subpialen und sube-pendymären, hirsekorn- bis kreutzergrossen, gehäuften Blutungen um die Ventrikel und die Stammganglien, die ich im Capitel „Ence­phalitisquot; ausführlich beschrieben habe, üeber die Pathogenese des Dummkollers, den ich in den meisten Fällen auf primäre, inflammatorische Vorgänge zurückführen möchte, wäre Folgendes zu beachten:
Die bestehende Meningo-Encephalitis interna ist keineswegs so beschatten, dass man aus ihr auf die erste Ueberlegung hin die schweren und dauernden sensorischen Störungen ableiten könnte. Erfolgt der Tod, so war die Virulenz der betreffenden Meningitis eine so hohe, dass die lebenswichtigen Functionen des Gehirnes aufgehoben wurden, ehe es noch zu einer namhaften Exsudat­bildung kam. Das sind aber nur Ausnahmsfälle: gewöhnlich läuft der Process ab. ohne das Leben zu gefährden: er geht jedoch nicht
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Dummkoller.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 217
spurlos vorüber. Einmal bleibt eine gewisse Neigung zu Recidiven oder eine erhöhte Disposition zur Entzündung zurück und ferner scheint eine dauernde Schädigung der Gefässe des Plexus und der inneren Meningen platzzugreifen, so dass eine stärkere Transsudation stattfindet. Thatsächlich entspricht auch die oft ausgesprochen sprunghafte Entwicklung des Dummkollers mit seinen sogenannten acuten Stadien und den längeren latenten Perioden dieser Grund­lage. Die Entzündung ist das Primäre, der Hydrocephalus inter-nus, wenn ein solcher vorhanden ist, das Secundäre. Ob die für den Dummkoller typischen Bewusstseinsstörungen als Effect des erhöhten Ventrikeldruckes oder der encephalitischen Ver­änderungen aufzufassen sind, ist meiner Ansicht nach nicht ent­schieden. Können wir eine namhafte Dilatation mehrerer Ven­trikel und gleichzeitig einen Verschluss ihrer Communicationen nachweisen, dann wird wohl die Druckwirkung deutlich sein; ist dies nicht der Fall, dann wäre die Schädigung der Gehirnsubstanz durch die recidivirenden Entzündungen wenigstens als alternirende Ursache in Betracht zu ziehen.
Der Dummkoller kann sich aber auch, wie schon erwähnt wurde, im Gefolge der verschiedenen Arten von Meningitis, Hirn­tumoren etc. entwickeln. Wir haben bei der Beschreibung dieser Zustände Gelegenheit gehabt davon zu sprechen und ich verweise daher auf sie.
Symptomatologie. Die Haupterscheinung beim Dumm-koller ist die Bewusstseinsstürung. Wenn wir von dem Bewusstsein des Pferdes, derThiere überhaupt sprechen, so handelt es sich weniger darum, uns einen Einblick in die subjective Kenntnis des Thieres von dem Stattfinden psychischer Vorgänge zu verschaffen, als vielmehr darum, die subjective Mittheilung dieser Vorgänge nach aussen hin zu sehätzen und zu prüfen. Die objective Bourtheilung der spontanen Manifestationen einer psychischen Thätigkeit ist natürlich unge­mein schwer und nicht nach einem Schema durchführbar; das ist immer Sache einer langen und genauen Beobachtung, die häufig genug nur zu Wahrscheinlichkeitsschlüssen führt.
Als pathologisch dürfen nur ausgesprochene, stark entwickelte Störungen der Sinnesthätigkeit, des Bewusstseins angenommen werden; es ist besonders im Auge zu behalten, dass alle übrigen Erscheinungen, welche z. B. das Gefühl, die Erhaltung des Gleich-
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218nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
gewichtes betreffen, unter dem vorherrschenden Einflüsse abnormer Geistesthätigkeit stehen können. Wenn man bei einem dummkollerigen Pferde auf starkes Kneipen der Haut keine Reaction erhält, so ist dies noch kein Grund, eine cutane Anästhesie anzunehmen; ebenso falsch wäre es, aus dem Beibehalten einer dem Thiere er-theilten unbequemen Stellung der Gliedmassen von einer Störung des Muskelsinnes sprechen zu wollen. Die sensitiven Buhnen können intact sein und sind es auch in den allermeisten Fällen; aber die Perception des erhaltenen Gefühlseindnukes im Cortex fehlt oder ist herabgemindert und löst daher keine, oder eine falsche Abwehrbewegung aus. Pferde, welche an Dummkoller leiden, lassen sich oft auf die Krone treten, in die Ohren greifen, mit der Peitsche drohen, ohne auszuweichen; sie sind gegen rüden Gebrauch des Stangengebisses, gegen Fliegenstich etc. vollkommen theilnahms-los oder sie erschrecken wegen geringfügiger Anlässe ungemein heftig. Leichtere Defecte dieser Art sind mehr relativ als ab­solut und ihre Beurtheilung von ausseien Umständen abhängig. Wenn ein hocligezogenes Plutpferd auf die Reitgerte nicht achtet, so kommt dies gewöhnlich einer viel schwereren Ausfallserscheinung gleich, als wenn ein massiges, kaltschlägiges Brauerpferd einen tüch­tigen Peitschenhieb ruhig verträgt.
Schon im Stande der Ruhe tragen dummkollerkranke Pferde ein auffallend theilnahmsioses, schläfriges Benehmen zur Schau. Auf Anrufe reagiren sie entweder gar nicht, oder sie zeigen durch Wenden des Kopfes, das eigenthümliche Spiel der Ohren, dass sie den Ausgang der Schallerregung häufig an eine unrichtige Stelle verlegen. Oft halten die Thiere den Kopf gesenkt, ihr Blick ist starr, ausdruckslos, die Haltung der Beine häufig unregelmässig. Die Aufnahme des Futters wird oft unterbrochen und die Pferde bleiben längere Zeit mit dem Heu zwischen den Zähnen stehen; beim Tränken senken sie die Nase manchmal bis über die Nüstern in das Wasser ein und vergessen zu schlucken.
Der Aufforderung, im Stande zur Seite zu treten, kommen sie entweder nicht, oder nur träge und unbeholfen nach. Der Gang ist dabei schwankend und langsam, oder die Beine werden über-mässig hoch gehoben und tappend niedergesetzt. Im Wege ste­hende Hindernisse werden nicht beachtet und die Pferde weichen denselben erst sehr spät oder nur ungenügend aus.
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Dummkoller.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;21Ü
Das eben geschilderte Symptomenbild finden wir aber nur bei sehr schwer kranken Thieren; es ist gewiss nicht häufig. Für ge­wöhnlich trifft man nur eine oder die andere Erscheinung so stark ausgeprägt, während die übrigen vielleicht nur angedeutet sind; man sieht ungemein viele Variationen, von dem Zustande aus­gesprochenen Blödsinns bis zu jenen leichten Formen, die häufig Gegenstand forensischer Streitfragen sind. Die Diagnose ist daher nicht selten recht schwer und mit Sicherheit erst nach län­gerer Beobachtung zu stellen. Um sich ihrer zu vergewissern, notirt man den Status nach vorheriger Bewegung der Thiere, von dem Erfahrungssatzo aasgehend, dass sich nach einer körperlichen Anstrengung die Erscheinungen steigern. Auch den Begleit-symptomen von Seite des Herzens, der Lunge und des Darmes hat man eine gewisse Aufmerksamkeit zu schenken. Man trifft bei dummkollerigeii Pferden meist einen verlangsamten Puls, träge Peristaltik und, wenn chronische Krankheitszustände der Lunge fehlen, auch eine Verminderung der Zahl der Athemzüge; die Tem­peratur bleibt fast stets dem Minimum nahe. Auch diese seeun-dären Erscheinungen mangeln zuweilen ganz oder theihveise, be­dingen aber hiedurch nicht den Ausschluss der Diagnose.
Von diesem Bilde des sogenannten chronischen Kollers ist der rasende Koller wohl zu unterscheiden, der gewöhnlich den Beginn des chronischen Kollers einleitet oder mit diesem in unregelmässigen Zeiträumen abwechselt; man spricht dann von acuten Nachschüben des chronischen Dummkollers oder des, mit ihm fälschlich identiticirten Hydrocephalus internus.
Im Beginne des rasenden Kollers werden manche Pferde an­geberdig, auffallend unruhig, suchen durchzugehen, gehorchen nicht mehr dem Zügel, schlagen oft ganz sinnlos um sich, steigen in die Futterbarren, rennen mit grosser Gewalt gegen die Stallwände, so dass es zu schweren Quetschungen der Lider, Lippen, Ohren, Knie, ja selbst zu Brüchen der vorstehenden Skelettheile des Kopfes kommt: oder sie werfen sich vehement zu Boden, wobei sie sich die Schneidezähne ausbrechen können. Nach den, wenige Minuten bis mehrere Stunden dauernden Anfällen, welche mit starkem Muskel­zittern, abundantem Scliweissausbruch und geringer Temperatur­steigerung einhergehen und sich bisweilen zu einer Art Raserei ge­stalten können, beruhigen sich die Thiere allmälig und versinken in
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220nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Gehirnes.
einen Zustand von Abgeschlagenheit und tiefer Somnolenz. Die gei­stige Depression ist so intensiv, dass gewöhnlich sehr schmerzhafte Eingriffe, das Treten auf den Kronenwulst, das Anziehen der Bremse, Peitschenhiebe etc. keinerlei lleaction von Seite der Kranken zur Folge haben; sie gehen entweder ruhelos, langsamen Schrittes umher, auch in Kreisen nach einer bestimmten Richtung, oder stehen ganz ruhig in einer Ecke, die Beine in oft unbequemster Weise übereinander gekreuzt und den Kopf auf die Krippe gestützt. Die Augen sind halb geschlossen, die Pupillen gleich- und mittel­weit oder contrahirt, die Athmung verlangsamt, aussetzend, oft durch mechanisches Zusammendrücken der Nüstern schnarchend, ausserordentlich erschwert und gewöhnlich sehr unregelmassig. Die Thiere sind oft gänzlich dement, ja selbst comatös; es er­löschen die Schleimhaut-. Corneal- und Hautrotlexe. Der Puls ist verlangsamt, aussetzend; die Athmung geschieht dann mit offenem Maule und dem charakteristischen schlotternden Geräusch. Die Temperatur ist meist nicht erhöht, manchmal indes schon vom Anbeginn hoch fieberhaft. Die Wasser- und Futteraufnahme ist entweder ganz sistirt oder sie geschieht nur mangelhaft, indem die Pferde das ins Maul gesteckte Futter nur wenig kauen oder mit den Strohwischen zwischen den Zähnen stehenbleiben u. s. wr. Diese Depressionserscheinungen gehen in vielen Fällen auch den Erregungszuständen voraus oder wechseln mit ihnen regellos ab; endlich können sie auch ganz fehlen. Die sehr rasch verlau­fenden Formen von rasendem Koller, mit denen wir es bis auf we­nige Ausnahmen stets zu thün haben, zeigen meist ein längeres Erregungsstadium, welches nur von kurzen Phasen der Depression unterbrochen ist.
Von diesen, in die Gruppe der Allgemeinerscheinungen zu rechnenden Symptomen sind die seltenen Herderscheinungen zu trennen. Unter letztere ist der Nystagmus, die Ptosis, die Zungen-, Kaumuskel- und Schlundlähmungen zu rechnen, welche hin und wieder beobachtet wurden. Doch hat man sich vor Augen zu halten, dass die Lähmungen gewöhnlich nur bei Aufhellung der Bewusst-seinsstörung constatirbar sind.
Diese Art des Dummkollers kann allmälig besser werden; die Thiere genesen langsam aber nur unvollständig und es tritt der chro­nische Koller mehr und mehr in den Vordergrund. Manchmal verläuft
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Dummkoller.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 221
die Krankheit, die von den verschiedenen Arten der Hirnentzün­dung und Meningitis nicht differenzirt werden kann, rasch tödtlich; in Bezug auf Heilung ist sie ungünstig zu beurtheilen, weil solche Thiere auch im besten Falle eine gewisse Disposition erlangen und sehr leicht neuerdings erkranken. Das Endresultat der ge-häuften Krankheitsatta quen ist dan nimmer der ehr o-n i s c h e Koller.
Gerade das Auftreten des rasenden Kollers scheint mir, wie ich bereits hervorgehoben habe, den pathogenetischen Zusammen­hang von Dummkoller und einer Art von Meningo-Encephaiitis interna zu beweisen. Wir wissen, dass sich bei jüngeren Pferden der Dummkoller gewöhnlich nach einem oder mehreren maniaka-lischcn Anfällen entwickelt; nur selten entsteht er ganz allmälig; wir wissen ferner, dass dummkollerige Pferde in den späteren Lebensjahren von derartigen acuten Krisen heimgesucht werden, die für uns anatomisch und klinisch ebenso gedeutet werden, als wie das periodische Aufflackern von Entzündungsprocessen im Intestinaltracte oder den Athmungsorganen bei den sogenannten acuten Nachschüben.
Tauchen in manchen Fällen von Dummkoller localisii'ter Muskelschwund, cutane Anästhesien an gewissen Korperstellen, ferner epiloptoi'de Anfälle, Monoplegien, speciell Lähmungen ein­zelner Hirunerven auf, so ist der Verdacht auf eine cerebrale Herd­erkrankung gegeben; man wird unter Umständen auch an Hirntumor denken müssen. In letzterer Hinsicht wäre diagnostisch nur das Vorhandensein einer Stauungspapille von Wert: beim chronischen Hydrocephalus des Pferdes habe ich sie niemals gesehen, so dass ich der Behauptung, die Stauungspapille als ein Charakteristikon des Dummkollers ansehen zu müssen, nicht beipflichten kann. Es sind auch diese von Lustig und Esberg gemachten Angaben in der Literatur bisher ohne Bestätigung geblieben.
Der Verlauf des Dummkollers ist chronisch. Für gewöhnlich beobachtet man eine sehr langsame Zunahme der Bewusstseins-beschränkung, manchmal verschiedengradige, vorübergehende Besse­rungen oder Verschlechterungen. So beschuldigt man grosse körper­liche Anstrengung, Ueberhetzon der Thiere, abnorme Hitze als un­günstige Momente: thatsächlich scheinen sich in der heissen Jahres­zeit die Fälle von Dammkoller zu vermehren: in wieweit hierbei
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222nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Gehirnes.
andere nervöse Erkrankungen mitgezählt werden dürften, kann ich allerdings nicht entscheiden. Dass dummkollerkranke Pferde auch an encepbalitischen Processen zu Grunde gehen können, wurde schon erwähnt; im Allgemeinen ist dieser Ausgang selten: in der überwiegenden Mehrheit der Fälle ist die Prognose quoad vitam günstig zu stellen.
Th erapeu tisch ist gegen die Krankheit nicht anzukämpfen. Alle Massnabmen von der unsinnigen Anbohrung der Geruchs­kolben bis zur modernen Pilocarpin-Therapie haben fehlgeschlagen. Prophylaktisch wird von vielen Seiten die Verabreichung leicht ab­führender Futtermittel oder salinischer Mittel empfohlen. Immer bleibt aber die Dienstverwendung dummkolleriger Pferde behindert, da man sie nur zu gewissen Arbeiten z. B. in der Feldwirthschaft verwenden kann und man ihnen häufig auch dann eine gewisse Schonung angedeihen lassen muss.
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Fimctionelle Neurosen.
Das gemeinsame Hauptmerkmal für alle in diese Gruppe ein­gereihten Krankheiten ist der totale Mangel oder die Abwesenheit regelmassiger, anatomischer, mit dem Leiden im genetischen Zusam­menhang stehender Veränderungen im Centralnervensysteme. Trotz­dem mit dieser Bedingung ein einheitliches Substrat für die Diagnose fehlt, ist der Symptomencomplex vieler hierher gehöriger Krankheiten so genau bestimmt und typisch, dass die Feststellung einer eigenen, besonderen Krankheitsform häufig gelingt. Wenn wir von dem Fehlen structureller Anomalien sprechen, so sind hiemit: nur die sinnlich wahrnehmbaren Veränderungen verstanden. Es ist dabei aber nicht ausgeschlossen, dass auch andersartige Abnormitäten bestehen, die mit unseren Sinnesorganen eben nicht nachgewiesen werden können; zudem kommt noch, dass das Gebiet der functionelien Nervenkrankheiten durch die Fortschritte der histologischon Technik immer mehr eingeengt wird und noch werden dürfte. Die Unter­suchungen über die Einwirkung von Nervengiften mittelst der Me­thode von Ni ss 1 haben sowohl beim Menschen wie auch beim Pferde und vielen anderen Thieren anatomische Veränderungen der Gan­glienzellen entdecken lassen bei Krankheiten, die man früher als rein fimctionelle erklärt hat. Die experimentellen Arbeiten von Schmaus, Bikeles. Scagliosi u. v. A. haben dargethan, dass bei vielen trau­matischen Einflüssen Schädigungen des Nervenparenchyms erzeugt werden können, die sich oft weit über die Einwirkungsstelle der Gewalt erstrecken, aber nur mit feineren histologischen Behelfen auf­zufinden sind. Trotzdem noch weitere Entdeckungen in diesem Sinne erwartet werden dürfen, ist es aber doch höchst wahr-
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-24nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Functionelle Neurosen.
scheinlich, class manche Affectionen ihren Charakter als functionelle beibehalten worden.
Irgend eine Eintheilung zu treffen, welche die hierher gehö­rigen Störungen nach einer gewissen Richtung geordnet betrachten Hesse, ist nach dem, was wir derzeit über dieselben wissen, nicht möglich. Sie folgen in einer Reihe wie sie bisher in den meisten Lehrbüchern der Therapie eingehalten wurde.
a) Fallsucht; Epilepsie. M or bus sac er.
Literatur: Lehrbücher von F riedberge r. Dieckerhoff, Cagny, S chneidemü hl, Eöll, etc. Neuere Literatur: Delaute, Bull. belg. 188B und 1885; Popow, Petersb. Archiv, f. Veteriniärw. 1885; Boissieres, Recneil 1886, p. 440; Dejonghe, Bull. belg. 1880 und 1885; Bassi, II med. Zooiatro 1891, p. 27: Thierry, Recneil 1887, p. 482; Albrecht, Adams Woch. 1889. p. 170; Tidholra, Tijdskrft. f. Veter. 1892, p. 17; Smith, Journ. of comp. med. and therapeutics 1894, p. H66: Jacoulet et Joly, Recueil 189G. p. 124 und die meisten Jahrgänge der Preuss. Veterinärberichtc; Ludewig, Zeitschrft. f. Veteriniirkunde V11I, p. 56; Friedberger, Münchn. Jhrsbr. 1880, p. 52; Mouquet, Recueil 1898, p. 95; Krüger, Preuss. Militär-Rapport 1897; Biichstädt. Zeitschrft. f. Veterinärkunde 1897, p. 28.
unter Epilepsie im Allgemeinen versteht man eine chronische Neurose, welche sich durch periodische, mit partieller oder totaler Bewusstseinsstörung verbundene Anfülle von tonisch-clonischen Krämpfen auszeichnet.
Charakteristisch für die Epilepsie ist der Umstand, dass mit dem einmal erfolgten Anfall eine gewisse Prädisposition der Nerven-centren zu neuerlichen Anfällen zurückbleibt; damit, hängt die Frage nach den primären Ursachen des Leidens zusammen.
Die ätiologischen Momente der Epilepsie sind sehr mannigfach.
Eine der häufigsten Veranlassungen bietet das Trauma: man hat beobachtet, dass nach verschiedenartigen Kopfverletzungen, die ohne nachweisbare Gewebszevstörung verliefen, Epilepsie auftrat. In gleichem Masse beschuldigt sind die acuten Infectionskrank-heiten und die Vergiftungen, die Insolation, rheuma­tische Schädlichheiten und psychische Erregungen. Ob diese Umstände mit Uocht als pathogenetisch angenommen werden dürfen, ist noch ziemlich zweifelhaft. Sicher ist aber, dass die Epilepsie beim Menschen in vielen Fällen vererbt wird und dass
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Epilepsie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;225
sie reflectorisch, durch einen an der Peripherie localisirten heftigen Heiz ausgelöst werden kann. Man bezeichnet diese Gruppe von Fällen als Reflexepilepsie zum Unterschiede von der ersten, welche mit dem Namen genuin e oder echte Epilepsie belegt wird. Bei der Reflexepilepsie hat man das Vorhandensein von Ilelminthon im Uarmtract. in den Hirn- und Nebenhöhlen, fort­dauernde Verletzungen und Irritationen der Schleimhäute über­haupt, endlich die Einwirkung chronischer Heize auf die peripheren Nerven als Veranlassung beobachtet. Ludewig und Fried­herger citiren einen von Gerlach beobachteten Fall, in welchem ein Pferd bei Berührung seines Wiederristes stets unter heftigen, epileptolden Krämpfen zusammenbrach.
Endlich gibt es noch eine dritte, ätiologisch gesonderte Gruppe, welche durch Texturveränderungen im Centralnervensystemo bedingt ist: so kommt es vor, dass nach Schädeltraumen oder Entzündungs-processen im Gehirne Epilepsie constatirt wird. Handelt es sich, wie dies häufig der Fall ist, um corticale Läsionen (durch Knochen­splitter, Verwundung und Vernarbung), so spricht man von der partiellen oder Jacks on'schen Epilepsie.
Ob beim Pferde eine echte, genuine Epilepsie vor­kommt, ist höchst fraglich. Das, was man bei diesem Thiere im gewöhnlichen Leben als Epilepsie bezeichnet und auch in der Literatur als solche beschrieben findet, hat mit dieser Krankheit nicht viel zu thun : es handelt sich in sehr vielen Fällen um das Auftreten epileptoYder Krämpfe, denen beinahe ausnahmslos zwei Charakteristica mangeln, die in der Pathogenese der genuinen Epilepsie des Menschen eine wichtige Eolle spielen: i. hie Chro-nicität und 2. Die Heredität.
Man hat von jeher eine Vererbung der Epilepsie beim Pferde angenommen ; es existiren aber nur sehr wenige Beobachtungen, die eine solche Möglichkeit, einräumen und keine einzige Arbeit, die mit zwingender Beweiskraft die Vererbung der Epilepsie de-monstriren würde. Was die Chronicität anbetrifft, so muss be­merkt werden, dass nnr wenige Beobachtungen publicirt sind, die eine längere Dauer mittheilen ; gar manche Angaben über diese Punkte, sowie über die beim Menschen vorkommende, schliessliche Ver­blödung tragen zu sehr den Stempel der Construction des Krank­heitsbildes an sich, als dass sie ganz glaubwürdig erscheinen
Dexler, Xervenkrankbeiten des Pferde
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j?2(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ftmctionelle Neurosen.
könnten. Dio eigenen Erfahrungen beifügend kann ich nur betonen, dass an dei- Wiener Schule unter fast 25.000 kranken Pferden in einer Beobachtungperiode von sechs Jahren nicht ein sicherer Fall von genuiner Epilepsie gesehen wurde. Die Noth-wendigkeit, über diese Krankheit Paralleluntersuchungen vorzu­nehmen, ergibt sich daher von selbst.
Die beim Pferde beobachtete Epilepsie ist meines Dafürhaltens wenigstens in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle der Gruppe der reflectorischen und der partiellen Epilepsie einzurechnen.
Fälle reiner Rinden- oder Jackso n'scher Epilepsie sind gar nicht so selten ; sie sind auch ziemlich genau bearbeitet worden. Man hat beim Pferde Schädelfracturen, Tumoren, Missbildungen der Schädelwand als Ursache nachgewiesen; weniger controlirbar sind schon die Mittheilungen iiberdie Reflexepilepsie. Wenn auch das Vorkommen derselben nicht im geringsten in Zweifel zu ziehen ist, z. U. bei Krankheiten der Haut, des Herzens und bei parasi­tären Invasionen, so werden doch sehr leicht auch Verwechslungen mit anderen Zuständen mit unterlaufen. Namentlich beim Vor­kommen der beim Pferde so häutigen Asearis megaloeephala lässt sich nicht ohne weiters ein epiloptii'ormer Zustand auf diesen Para­siten zurückführen; nicht einmal dann, wenn man sonst gar nichts findet; es müssten diese Würmer schon in einer auffallend grossen Menge vorhanden sein ; und auch da wissen wir. dass sie manch­mal ohne jede Reaction lange Zeit vertragen werden.
Anatomisches. I)ie Sectionen bei Epilepsie ergeben beim Pferde mit Ausnahme der schon berührten traumatischen Epilepsie nur selten einen positiven Befund; man hat Knochensequester, Ventrikeltumoren, abgelaufene meningeale Processe aufgedeckt — gewöhnlich findet man nichts oder doch nur nebensächliche Mo­mente — so die bekannten Cholesteatome, die aber nur unter ganz exceptionellen Verhältnissen schädigend wirken.
Symptomatologie. Wie wohl die Epilepsie des Pferdes mit heftigen, gehäuften Anfällen und wenigen, unbedeutenden Attaquen verlaufen kann, ist eine Eintheilung in zwei Formen (grand mal und petit mal) wie beim Menschen unmöglich.
Der epileptische Anfall beginnt häutig ohne jede erklärbare Veranlassung; manchmal wird er durch heftige Sinneseindrücke, Schreck, Schmerz, üeberanstrengung etc. ausgelöst oder steht
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Epilepsie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;227
wenigstens scheinbar in einem zeitlichen Zusammenhange mit ihnen. Er beginnt entweder plötzlich oder wird durch gewisse Vorboten eingeleitet, die mit der Aura des Menschen verglichen werden könnten. Die Thiere bleiben unvermittelt stehen oder hängen sich in die Halfter, verrathen lebhafte Unruhe, zittern, treten hin und her, die Augen erscheinen starr nach irgend einem Punkte eingestellt: der ganze Körper geräth langsamer oder rascher in's Schwanken und die Pferde fallen plötzlich bewusstlos zu Boden. Gleichzeitig ist ein Theil oder die ganze Kürper-musknlatnr tetanisch gespannt und die Athmung steht stille: die Augen sind dabei meist weit geöffnet, die Pupillen ad maxi­mum erweitert und lichtstarr. Häufig wird der Kopf stark nach rückwärts gezogen, so dass die vordere Halskante einen convexen Bugen bildet. Diese tetanische Starre wird nach Ab­lauf weniger Secuntlen durch clonische Zuckungen unterbrochen, welche meistens in der Lippen- und Gesichtsmuskulatur be­ginnen, sich ziemlieh rasch auf diejenige des Halses, Rumpfes und der Extremitäten ausbreiten und dabei immer heftiger und grosschlägiger werden. Endlich wird der ganze Körper von oft ausserordentlich starken Convulsionen derart erschüttert, dass sich die Thiere vom Boden aufzuschnellen scheinen und sich an harten Gegenständen schwel verletzen können. Nach Ablauf von etwa 3 bis 4 Minuten, ja selbst bis zu einer Viertelstunde (Popow) lassen die convulsivischen Zuckungen allmälig nach, hören ganz auf und die Pferde kommen zu sich, richten sich auf die Brust auf, schnauben, scheinen sich jedoch noch eine geraume Weile nicht ganz erholen zu können. Andere Individuen springen auf, schütteln sich stärker, beginnen um sich zu blicken und wieder zu fressen: auch sind Fälle bekannt, wo die Thiere den Anfall im Stehen über­dauerten. Die hier beschriebenen Attaquen von clonischen und toni­schen Krämpfen bilden das Hauptcharakteristicum der epileptischen Krisen; sie besitzen aber immer eine Reihe von Begleiterscheinungen. Die Reflexe, namentlich der Pupillar- und Cornealreflex sind er­loschen; die Haut ist vonSchweiss triefend, die Körpertemperatur niemals erhöht, und die Convulsionen können in Bewegungen von gewisser Regelmässigkeit übergehen: auf der Seite liegend scheinen die Thiere zu laufen oder sie beginnen zu schlagen, wobei es zu ganz unglaublichen Verletzungen der Endtheile der Extremitäten kommen
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228nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ftmctionelle Neurosen.
kann. lUis Bewusstsein ist im Anfalle vollkommen erloschen; die i'hiere reagiren daher weder auf Anrufen, noch auf Hautreize oder dergleichen. Der Puls ist meistens nicht wesent­lich verändert, der Sphincterenschluss nur manchmal aufgehoben (eigene Beobachtung); ob vorübergehend Albumin im Harne auf­tritt, ist unbekannt.
Die epileptischen Attaquen können gehäuft oder in grösseren Intervallen erseheinen. Erfolgen sie unmittelbar nach einander und durch längere Zeit, so kann die Temperatur steigen und das Thier kann im Anfalle verenden (Smith). Status epilepticus.
Beim Pferde ist dergleichen ungemein selten. Gewöhnlich beobachtet mau blos Gleichgewichtsstörungen und auf die Kau­oder Rumpfmuskeln beschränkte Krämpfe, während welcher der Körper zuweilen auch aufrecht erhalten wird. In einem von mir gesehenen Falle traten bei einem einjährigen Fohlen ohne bekannte Veranlassung ganz kurze Krisen auf, die sich darin äusserten. dass das Thier sich plötzlich auf das Hintertheil niedersetzte, den Hals gerade streckte und seitlich umfiel; nach einigen kurzen, stossenden Bewegungen in den Muskeln des Halses und des linken Vorderfusses richtete es sich langsam auf das Brustbein auf und schien normal. Die Anfälle dauerten niemals länger als 10—20 Secunden, wurden aber immer hantiger, so dass am 10. Krankheitstage deren 50—60 notirt wurden: die hiedurch am Schädel erzeugten Verletzungen waren so schwer, dass das sehr werthvolle Traberfohlen vom Be­sitzer vertilgt werden musste. Fs selieint beim Pferde die Hegel zu sein, dass die Dauer der Krämpfe nur kurz und der Anfall im Ganzen nur andeutungsweise vorhanden ist. Die Wiederholung der Attaquen kann in ganz unbestimmten Zeiträumen eintreten; heim Pferde will man gefunden haben, dass die Jahreszeit einen Einfluss auf die Häufigkeit derselben habe — ob mit Recht ist nicht bekannt; jedenfalls ist die Wiederkehr derselben sehr grossen individuellen Schwankungen unterworfen. Fs sind auch Beobachtungen mitge-theilt, in denen die Anfälle alljährlich nur einmal auftauchten. Fine durch Jahre hindurch bestehende Epilepsie (Krüger) ist jeden­falls ausserordentlich selten; gewöhnlich treten die Krämpfe nur für einige Zeit (Tage, Wochen) auf und erscheinen dann nicht mehr wieder.
Die Prognose richtet sich weniger nach der Schwere der einzelnen Krisen, als nach der Dauer der Krankheit; d. h. die
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Epilepsie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; -2'.)
Wahrscheinlichkeit einer Genesung wird umso geringer, je länger das Thier leidet: doch ist nicht zu übersehen, dass dieselben auch infolge der im Anfall erzeugten Verletzungen zugrunde gehen können. Heilungen sollen hie und da vorkommen, so z. B. nach Castration oder nach einfachem Futterwechsel; doch ist dn nur zu oft die Diagnose nicht ganz klar.
Die Erkennung der Epilepsie ist heim Pferde schon des­halb ungemein schwer, weil man gewöhnlich nur einen oder einige Anfälle sieht und die Thiere nicht längere Zeit im Auge behalten kann: auf einen einzigen Anfall hin die Diagnose zu stellen ist ganz ungerechtfertigt. Ohnmachtähnliche Zustände, Vergiftungen, cerebrale Affectionen und gar manche der acuten Infectionskrank-heiten können zu Erscheinungen führen, die vielleicht epileptiform genannt werden können, mit der genuinen Epilepsie aber nichts zu thun haben; diese symptomatischen, clonisch-tonischen Krämpfe sind nicht gar so selten. Ausserdem können gewöhnliche Schwindel­anfälle zu Verwechslungen Anlass geben.
Von der Therapie ist im Ganzen nur wonig zu erhoffen. Liegt ein Fall von Reflexepilepsie vor, so entferne man nach Möglich­keit die veranlassende Ursache — Narbenexstirpation, das Abtreiben der Eingeweidewürmer u. s. w. Im Anfalle verhüte man Verletzungen und im Intervall vermeide man jene Ursachen, welche einen solche erfahrungsgemäss auslösen, so gut es eben durchführbar ist. Man ändere versuchsweise die Fütterungs- und Nutzungsverhältnisse, er­warte aber wenig von einer medicamentösen Behandlung. Man hat bei Epilepsie die Bromsalze, Belladonna, Atropin, Chloroform, Pilo-carpin u. v. A. in Anwendung gezogen: der Erfolg war immer in­constant. Sehr empfohlen wird die Brom-Opiumbehandlung nach Flexig. Sie besteht in der Verabreichung steigender Opiumdosen (beim Pferde müssto man mit 0-5 dreimal täglich beginnen) bis nach etwa sechs Wochen die Menge von 3quot;50 —4,00 Opium erreicht ist: hierauf plötzliche Opiumentziehung und Medication von Brom­natron, etwa 70 gr pro die: nach weiteren 6—S Wochen wird auf etwa 20 gr herabgegangen. Die abschlicssenden Untersuchungen über diese Therapie sind noch ausständig: in einem von mir ge­sehenen Falle von angeblich echter Epilepsie blieb diese, ebenso wie viele andere versuchte, Behandlungsarten ohne den mindesten Ein-fluss auf den Vorlauf und die Stärke der Anfälle.
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230nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Functionelle Neurosen.
b) Eklampsie.
Bei unseren Hausthieren gibt es ziemlicli zahlrciclie Formen von acut verlaufenden Krampfanfällen, die manchmal von Bo-wusstseinsverlust begleitet sein können und daher der Epilepsie in gewissem Sinne ähnlich sind. Die Parallele kann sich auch auf die Krampffolge und Dauer beschränken, so dass man sie auch als epileptoi'de, nur einmal auftretende Krisen bezeichnet hat; sie werden nur deswegen der Epilepsie nicht zugezählt, weil sie keine dauernde Disposition für neuerliche Attaquen hinterlassen. Meines Erachtens gehört eine bedeutende Zahl aller beim Pferde unter Epilepsie beschriebenen Beobachtungen hieher, oder mit anderen Worten, sie sind von demjenigen Krankheitsbilde, welches wir bei der Epilepsie des Pferdes sehen, nicht zu trennen: aus diesem Grunde stehe ich davon ab, die Eklampsie als eine eigene Krank­heitstype zu besprechen.
Ob es beim Pferde eine, der sogenannten Eklampsie der säugenden Hündinen analoge Affection gibt, ist ungewiss; das Gleiche gilt von der Katalepsie.
c) Chorea St. Viti; Veitstanz.
Literatur: Aitken, Veterinary journ. XXII, p. 317; Wilkie, ibid. XXV, p. 34ü; Roll, Therapie.
Mit dem Namen Chorea wird heim Menschen eine Neurose be­zeichnet, welche durch spontane Bewegungen, Incoordination, Muskel­schwäche und geistige Defecte charakterisirt ist, uud welche nachge-wiesenermassen mit der Gravidität, der Endocarditis und dem Gelenks­rheumatismus in gewisse Beziehungen tritt. Wenngleich wir beim Pferde nicht gar so selten verschiedenartige Krampfzustände beo­bachten, die theils symptomatisch (bei Gehirnleiden), thcils ohne be­kannte anatomische Grundlage auftreten, so glaube ich doch, dass beim Pferde eine echte Chorea nicht existirt. Diese Anschauung wird noch dadurch unterstützt, dass in den wenigen in der Literatur enthaltenen, einschlägigen Beobachtungen die Diagnose nicht ^voll­ständig sicher ist, sondern vielmehr auf der Wahrnehmung anscheinend zweckloser, oft rythmisch wiederholter Bewegungen basirt. Ueber eine allgemeine motorische Unruhe, abnorme Afi'ecte, Depressions- und Excitationszustände, Gesichtsfeldeinschränkung,
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Vertigo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2öl
endlich über psychische Defecte #9632;— kurz über alle jene Momente, welche in das grosse Gebiet der echten Chorea oder Chorea major ge­hören— finden sich kaum Andeutungen. Manche dieser Symptome sind aber objeetiv gar nicht festzustellen, so dass wir annehmen können, dass es mit unseren heutigen Behelfen kaum gelingen wird diese Krankheit beim Pferde klinisch zu begründen, aucli wenn sie thatsächlich vorkommen sollte.
d) Schwindel. Vertigo.
Literatur •.Die gebräuchlichen Lehrbücher der Therapie; Riefel, Zündels Bericht 1883, p- 9ö; Demeester, 11 med. vet. 1886, p. 282; Fues, Zündels Ber. 1882, p. 106; Guibert. Recueil 1889, p. 725; Fleming. Veteri­narian LXIV, p. 466; Diockerhoff, Berl. th. Wochenschrift 1891, Nr. 28; Wilhelm, Sachs, .Tahresber. 1894, p. 112; Lustig. Deutsche Zeitschrift für Thiermed. IV; Mouquet, Keoueil 1898, p. U4.
Der Schwindel ist keine Krankheit für sich, sondern ein Symptom von sehr verschiedener Bedeutung; man gebraucht diese Bezeichnung für jede Empfindung der Störung des Gleichgewichtes, verbunden mit einem Gefühle der Schwierigkeit diese Störung auszugleichen, das sich bis zur Angst steigern kann. Objeetiv äussert sich der Schwindel in der Unfähigkeit, die aufrechte Stellung des Körpers zu erhalten. Er ist eine Begleiterscheinung sehr vieler Krankheiten des Nervensystemes und kann in dem be­treffenden Symptomencomplex derart in den Vordergrund treten, dass er für sich diagnosticirt wird, d. h. einen umgrenzten, klinischen Begriff bildet.
Der Schwindel ist beim Pferde eine häufige Erscheinung.
Die Aetiologie ist vielseitig. Bei den meisten Pferden kann er erzeugt werden durch andauernde Drehbewegung (im Goppel, bei nicht verbundenen Augen, Schiffsbewegung) und starke Liciit-einwirkung z.B. durch Scheuleder, deren Innenseite spiegelt. Er bildet eine Theilerscheinung der Epilepsie, des Hydrocephalus, der Hirn­tumoren, Hirnabscesse und Parasiten; namentlich bei Kleinhirnge­schwülsten ist er besonders deutlich ausgesprochen; vielleicht können auch vorübergehende Abnormitäten der Blutvertheilung im Ge­hirne von Schwindelanfällen begleitet sein (Brunst, Erkrankungen desCirculationsapparatcs, Lustig). Von dieser Gruppe dos sympto­matischen Schwindels ist eine andere zu unterscheiden, welche mit Ohrerkrankungen zusammenhängt, und zwar mit Labyrinth-
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2ö2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Functionelle Neurosen.
a£fectionen — derMeniere'sche Schwindel oder die Men Le ce'sche Krankheit.
üebrigens kann jode Erkrankung des mittleren oder des inneren Ohres mit Schwindel verbunden sein, Vertigo auricu­la r i s. ()b die M e n i e r e'sche Krankheit — d. h. die Schädigung der Bogengänge in constanter Verbindung mit acustischen, subjeetiven Empfindungen beim Pferde vorkommt, ist fraglich. Auch liegen keine Beobachtungen von ocularen. d. h durch Coordinationsstörungen der Augenmuskeln und consecutive falsche Projection des (ie-sichtsfeldes bewirkton Schwindel vor. üebrigens ist der Nachweis einer plausiblen Ursache in sehr vielen Fällen ganz unmöglich,
Im Falle für den Bestand des Schwindels kein anatomiscdies Substrat gefunden worden kann, spricht man von essentiellem Schwindel: ausserdem bringt man noch Erkrankungen der Schleim­häute, Witterungseinflüsse und Verdauungsstörungen in ursäch­lichen Zusammenhang (gastrischer Schwindel).
Symptomatologie. Meistens werden die Schwindelanfalle in der Bewegung, bei eingespannten Pferden gesehen. Die Thierc bleiben plötzlich stehen, beginnen zu schnauben, wollen nicht vom Flecke, schwanken, taumeln, lehnen sich an die Stange oder drängen zurück und verrathen lebhafte Angst. Der Blick ist starr, die Pupille meist erweitert und der Körper kann nur mit grösster Mühe oder überhaupt nicht aufrocht erhalten werden. Zuweilen besteht eine merkliche Bewusstseinsstörung, Nystagmus und die Neigung sich nach einer Seite zu drohen oder nach vorwärts zu taumeln. Durch das Schwankon des Körpers nach der Seite oder nach seiner Längsachse erhalten die Kranken ein Aussehen, das M 0 u (| u e t mit demjenigen eines betrunkenen Menschen vergleicht, dor zu stehen versucht, unter dem Eindrucke der psychischen Sensationen, die das Thier höchst wahrscheinlich empfindet (des Drehens im Kreise, des Vorsinkens etc.) beginnt es zu zittern, um sich zu schlagen und heftig zu schwitzen. In leichten Fällen geht die Attaque in wenigen Minuten vorüber, in schwereren kann sie selbst eine Viertelstunde währen. Es tritt allmälig eine sicht­liche Beruhigung ein und die Pferde scheinen alsbald wieder ganz normal zu sein. Doch kann eine Wiederholung des ganzen Cyklus in kurzer Zeit .stattfinden oder auch ganz ausbleiben. Fluchst wichtige Erscheinungen sind der Nystagmus und eine wieder-
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#9632;fr i*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; •) *-\
V ertigo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;-zoo
natürliche Haltung des Schädels. Bei einer, von Dr. C. Biehl an der Klinik Bayer ausgeführten, intracraniellen Dnrchschneidung des N. vestibularis, beobachtete man unmittelbar nach der Operation Rollbewegungen um die Längsachse des Körpers, die bald vorüber-giengen und dauernden Störungen l'latz machten: das Thier stand breitspurig, schwankte etwas, war durch seitliche Gewalt­einwirkung leicht umzustossen und hielt den Kopf stark seitlich geneigt; u. zw. war die operirte Seite dem Boden zu, die gesunde nach aufwärts gedroht. Hierbei vollführte der Kopf unaufhörlich leichte, seitlich schwankende Bewegungen, die mit dem bestehenden, sehr heftigen Nystagmus horizontalis gleichzeitig und entgegen­gesetzt waren: da diese Erscheinun gen mit denjenigen des echten Schwindels dos Menschen und mit denjenigen vollständig übereinstimmen, die wir bei Hunden, Katzen, Ivan in ch e n etc. vo r fin don. d o n e n die cent raIon, peripheren oder die leitenden Organe des statischen Sinnes zerstört wurden, so sehe ich sie auch als für d e n och ten S c hw indel dos Pferdes char akter istisch an.
Die Differen zialdiagnose bewegt sich in sehr weiten Grenzen. Die Beurtheilung dos Schwindels beim Pferde ist des­halb so schwer, weil er eine abnorme subjective Empfindung, nämlich das Gefühl der körperlichen Gleichgewichtstörung dar­stellt, das objeetiv ja kaum zu erhoben ist. Wir vermuthen eben eine solche Störung dann, wenn die Pferde taumeln oder stürzen, odor sich in Kreise bewegen etc. Davon mnss aber nicht immer der Schwindel die Ursache sein, sondern es können Schwäche­zustände, Syncope, Zwangsbewegung u. v. A. dem zugrunde liegen, so dass die Diagnose Schwindel immer nur sehr vorsichtig gestellt worden darf.
Die Prognose ist für gewöhnlich günstig; die Anfalle erscheinen nur selten oder bleiben ganz aus. Sind die Ursachen des Schwindels nicht zu beheben, so ist die Vorhersage wenigstens in Bezug auf Heilung zweifelhaft.
Die Therapie richtet sich gleichfalls nach dem Grundleiden oder nach den veranlassenden Ursachen. Man suche die Thiere vor den Folgen eines Sturzes zu bewahren, indem man sie während des Anfalles stützt odor festhält und ihnen die Augen vorbindet.
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234nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Functiünelle Neurosen.
Ungeeignete Beschirrung ist zu vorbessern; auch kalte Waschungen des Schädels erweisen sich von Vortheil.
Ebenso sind stärkere Darmentleerungen oft günstig und in hart­näckigen Fällen versuche man Aderlässe und die Verabreichung grosser Dosen Chinin (1O00—lö'OO) oder Opium (2—300 pro die): ferner Belladonnatinktur (20—25 Tropfen), Salicylsaures Natron oder die gebräuchlichen Bromverbindungen: Bromnatrium und Bromlithium.
e) Basedow'sche Krankheit.
Graves disease.
Literatur: Jewsej enko, Petersburger Arcliiv für Veteriniirkunde 1888; Cadiot, Eecueil 1892, p. 138.
Die Basodowquot;sche Krankheit wurde bisher beim Pferde erst zweimal beschrieben. Doch ist zu bemerken, dass die Symptomen­trias: Exophthalmus, Struma und Tachycardie nur von Jewse-jenko gesehen worden ist; im Falle Cadiot's wird die Diagnose vom Autor selbst in Zweifel gezogen. Das Wesen der Krankheit ist beim Pferde zum mindesten noch so sehr in Dunkel gehüllt, dass ihre Existenz in Frage gezogen werden muss. Wenn auch zu­gegeben werden soll, dass bisher vielleicht nur unvollständige Formen beobachtet wurden (formes frustes), so muss doch die Analyse der rudimentären Symptome eine ganz genaue sein, wenn die Diagnose einwandsfrei sein soll: es wäre also bei Exophthalmus auf die Untersuchung, ob der Lidschlag seltener als normal geschieht, (Stell wag's ch es Symptom) oder ob das obere Lid dem abwärts gedrehten Bulbus nicht folgt (Gräfe'sches Symptom) besonders zu achten. Nicht erhoben werden können beim Pferde die beim Basedow fast niemals fehlenden psychischen Anomalien. Dann besteht beim Menschen schnellschlägiges Zittern und sehr mannigfache secreto-rische, trophische und vasomotorische Störungen, die sich in Braun­färben der Haut, localen Oedemen und vermehrtem Schwitzen kund­geben; über den Zusammentritt aller oder vieler dieser Symptome wissen wir beim Pferde nichts Bestimmtes.
f) Zwerchfellkrampf; nervöses Herzklopfen oder abdominale
Pulsation.
Literatur: Anackcr, Thierarzt XXII.pag. 129; Degivc, Annales de mrcl. veterinaire XI, p, 487; Cadiot, Rccuoil 1887, p. 752; Salonne, ibid. p. 482;
wm
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Zwerchfellkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2iy.)
Battagliotti, Giorn. di vet. mod. 1888; Agolfi, ibidem 1892; Marcone, Clinica votorinaria 1882, Nr. ö; Thomassen. Annal. de med. vet. 1892; Geros a, Clinic, vet. XIX, p. 422.
Dor Name nervöses Herzklopfen hat beim Pferde dadurch eine eigentbümliche Bedeutung erlangt, dass man damit nicht etwa Ilerzpalpitationen bezeichnete, sondern hierunter eigentbümliche, finnische Zwerchfellkrämpfe verstand, welche zu der Herzbewe­gung in gewisse Beziehungen treten.
Im Wesentlichen besteht die Krankheit in clonischen Con-tractionen des Zwerchfelles, deren Ursache uns bisher verborgen geblieben ist.
Das Leiden, welches Pferde jeden Alters, Hengste und Stuten befallen kann, äussert sich durch rhythmische Erschütterungen der Körperwand in der Gegend der falschen Rippen. Die Contrac­tion en sind auf beiden Seiten gleich heftig: mitunter scheinen sie links stärker zu sein als rechts: doch sind da Beobachtungsfehler leicht möglich. In ausgesprochenen Füllen machen sie sich dem Auge leicht bemerkbar, so dass man die Zuckungen oft auf eine gewisse Entfernung ganz deutlich sieht. Sie sind aber auch durch die Palpation und durch die Auscultation nachweisbar. Die in der Rippenweiche flach aufgelegte Hand spürt kurze, durch deutliche Intervalle getrennte Stösse, die auch an den Seitenwänden des Thorax, am Rücken, in der Lende, ja manchmal selbst an der Croupe gefühlt werden können. Das aufgelegte Ohr vernimmt ein kurzes, dumpfes Geräusch, und bei der Ausculaiion des Herzens beobachtet man ganz scharf, dass diese Stösse so oft geschehen, als Herzcontractionen erfolgen, dass sie mit diesen gleichzeitig vor sich gehen oder von der systolischen Zusammenziehung der Kammern dnreh eine kleine Pause getrennt sind. Gadiot bezeichnet daher die Zwerchfellkrämpfe als isorythmisch und heterochron mit dem Puls. Das ist so ziemlich alles, was wir klinisch feststellen können.
Die Contractionen können so schwach sein, dass sie bei der Untersuchung der Lungen zufällig entdeckt werden; bei sehr heftigen Anfällen wird die Atbmung unterbrochen und man hört ein kurzes, mit der Contraction zusammenfallendes Geräusch, den „hoquetquot; der französischen Autoren. Die Krämpfe, welche von Marcone auch graphisch aufgenommen werden konnten, stellen sich ohne ersichtliche Prodrome ein, erreichen meistens in kurzer Zeit eine
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2.'!(Jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fanctionelle Neurosen.
gewisse Intensität und klingen allmiilig wieder ab; dabei kann ein Zeitraum von Stunden bis einigen Tagen verfliesson; doch soll der Krampf in Ausnahmen auch jahrelang dauern können; andern Materiale der Wiener Klinik konnte ich allerdings eine solche Beobachtung nicht machen.
Die somatischc Untersuchung der übrigen Organe ergibt nichts Abnormes. Puls, Athmung, Temperatur und Allgemeinbefinden ist stets ungestört, so dass dieser Neurose keine besondere Be­deutung zugemessen werden kann.
Als Ursachen sind alle möglichen Vorkommnisse beschuldigt worden, ohne jedoch wirklich einer kritischen Beleuchtung Stand zu halten; oft scheint es, dass sich die abdominelle Pulsation nach Aufnahme kalten Wassers, nach acuten Affectionen der Brustorgane oder nach gastrischen Störungen einstellt; indes gibt es genug Falle, wo von alledem nicht eine Spur nachgewiesen #9632;werden kann und umgekehrt eine Menge von Erkrankungen der inneren Organe, denen diese Neurose höchstens hin und wieder folgt: mir selbst ist ein derartiger Conex nie untergekommen.
Die Pathogenese ist, wie erwähnt, vollkommen dunkel. Es sind diesbezüglich sehr viele Theorien aufgestellt worden, aber mit wenig Glück. So nimmt Thomas sen an, dass der bei der Herzbewegung erzeugte elektrische Strom im Momente der Diastole den an der Herzbasis vorüberziehenden Zwerchfellnerven erregt; dies kann nur dann bis zu joner Höhe klinisch wahrnehmbarer Zuckungen des Diaphragma's führen, wenn im Phrenicus eine er­höhte Erregbarkeit, eine Hyperkinosis vorhanden ist; die Hyper-kinesis soll wieder aus einer excessiven, bei grossen Anstrengungen etc. auftretenden Herzaction resultiren. Bisher ist Thomas.sen mit dieser Theorie allein geblieben.
Ein therapeutischer Eingriff ist kaum nothwendig, da die Affec­tion in der Kegel von selbst verschwindet. In hartnäckigen Fällen giebt manchmal Morphium subeutan einen raschen Erfolg: auch würde man trachten müssen, die vermutheten Schädlichkeiten fern zu halten.
g) Clonische Krämpfe in der Rumpf- und Extremitätenmuskulatur.
Literatur. Dieckerli off, Therapie; Collmann, [ireuss. Mittheil. 1882, p. 4S; Weiser. Sachs. Bericht 1885, p. 93; Prietsch, ibid. 1892, p. 87; Stang. Ziindels Berieht 1882. p. 70.
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Cionische Krämpfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;237
Wir finden Leim Pferde nicht gar zu scltun das Bestehen von clonischen Krämpfen in verschiedenen Muskelgebieten. Hier
soll nur von einer etwas häufigeren Form die Rede sein, welche sich auf die Muskeln des Kopfes, namentlich des Gesichtes erstreckt, und deren Symptomatologie daher eine gewisse Gleichartigkeit verräth.
Derartige Affection, welche man mit dem Tic convulsiv des Menschen verglichen hat. befallen gewöhnlich nur einzelne Gesichtsmuskeln, anderemale das gesammte Facialisgebiet oder, wie ich selbst beobachten konnte, sie greifen auch in die motorische Region des Trigeminus über.
Die Aetiologie ist vollkommen unklar; alle jene Momente welche beim Tic convulsiv des Menschen als nosogen erkannt, worden sind, wie : corticale Defecte der motorischen Zone, Läsionen der Nervenstämme und Traumen sind beim Pferde bisher nicht gefunden worden. Der Umstand, class die Localisation des Tic convulsiv des Menschen in den Gesichtsmuskeln jedenfalls häufig auf die engen Beziehungen zurückzuführen ist, welche zwischen den seelischen Vor­gängen und der Gesichtsmuskelbewegung walten (Openheim), ge­stattet nicht eine Gleichstellung des beim Pferde gesehenen Leidens mit dem des Menschen.
Symptomatologie. Wir beobachten bei den clonischen Krämpfen der Kopfmuskeln ein verschieden rasches, stossweises, oft blitzähnlich schnelles Zusammenziehen gewisser Muskeln. Die Zuckungen können kaum wahrnehmbar sein oder so stark, dass sie sofort auffallen. Es werden bei einseitigen Krämpfen die Lippen ruckweise verzogen, die Lidspalte verengt, oder die Krämpfe bewirken, dass mit dem ganzen Schädel eine kurze nickende Bewegung vollzogen wird und dass die Kiefer so heftig stossweise aneinandergeschlagen werden, dass dies auf einige Schritte Distanz gehört werden kann (eigene Beobachtung). Die Zuckungen bestehen während der Buhe und während der Arbeit, ja selbst bei der Nahrungs­aufnahme ungehindert fort und können lange Zeit anhalten; gewöhn­lich verschwinden sie im Laufe von Wochen: selten bleiben sie während des ganzen Lebens bestehen. Die Häufigkeit der Contractiunen ist sehr verschieden ; meistens erfolgen sie mit einem gewissen Ryth-mus, ^0—.#9632;)() Mal per Minute; manchmal sind sie sehr schnellschlägig, dauern aber dann nicht ununterbrochen an.
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2.'5Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fundiuiiellc Neurosen.
Das Leiden scheint keine wesentlichen Störungen auf das Wohlbefinden der Thiere auszuüben ; wenigstens liegt bisher keine derartige Beobachtung vor.
Momente, welche die Vermehrung oder die Unterdrückung der Krämpfe bewirken würden (Druckpunkte), sind nicht bekannt. Es scheint allerdings, als ob Aufregungsznstände die Contractionen vermehren würden, und ich habe einen Fall gesehen, wo das Trinken von in Eis gekühltem Wasser die Krämpfe sichtlich vorstärkte ; aber es sind dabei zu viele Fehlerquellen möglich, als dass in dieser Hinsicht eine stricte Behauptung aufgestellt werden könnte.
Bezüglich der T h e r api e liegen nur wenige Erfahrungen vor. Man könnte die Ernährungsweise ändern und die krampfstillende Wirkung von Brom, Opium und Morphium versuchen. Zuweilen verschwinden die Krämpfe auch ohne jede Behandlung.
h) Einseitiges Schwitzen; Hyperhidrosis unilateralis.
Eph id rosis.
Literatur: Kerlirzin, Eevne vct. 188,'!, p. 114: Stroppa, Med. vete-rinaria 1886, p. 8; Sehindelka, Adams Wochenschrift 188(J, p. 141; Dages, Recueil 18l,)4, p. 141.
Störungen der Schweissecrotion gehören zu den interessan­testen Erscheinungen, welche wir beim Pferde kennen. Sie werden von mir den Neurosen beigezählt, weil wir, trotzdem in manchen Fällen eine sichere Comcidenz mit structurellen Läsionen des Nervensystemes besteht, sehr häufig ein anatomisches Substrat nicht auffinden können.
Man hat zwei grundsätzlich verschiedene Formen zu unter­scheiden : eine solche, wo das völlig ruhende Thier partiell mehr schwitzt — Hyperhidrosis part i alis, und 2. eine solche, wo das Thier bei forcirter Bewegung oder starker Anstrengung nur auf einer Seite zu schwitzen beginnt, während die andere Seite voll­ständig trocken bleibt — Anhidrosis unilateralis. Damit ist das Symptomenbild eigentlich schon beschrieben.
Einseitiges Schwitzen wurde bei Pferden gesehen, die an den verschiedenartigsten Kranklieitszuständen litten. So bei Schulter­lahmheit, bei Halsentzündung, bei allgemeiner Sarkomatose, nach Trauma (eigene Beobachtung) und nach experimenteller Durch­schneidung des Sympathicus (Stroppa); anderseits ist es aber auch bei Individuen nachgewiesen worden, bei denen keinerlei
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Einseitiges Schwitzen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 23!*
Organerkrankung herauszufinden war. Soviel ist sicher, dass Sympathicusaffectionen in einigen Fällen demonstrirt und mit der klinischen Erscheinung in ursächlichen Zusammenhang gebracht wurden. Compression des unteren Halsganglions bestand im Falle Stroppas, und in einer eigenen Beobachtung constatirte ich mehr­fache Zerreissung des Grenzstranges durch Splitterbrüche der 1., 2., ö. und 7. Kippe. Schindelka beschrieb einen Fall, in welchem eine schwere Angina bestand, bei der die Eniziindungsgeschwnlst die rechte Gesichtshälfte, das rechte Ohr, den Kehlgang und das obere Drittheil der rechten Halsfläche betraf und bei welchem die im Symphaticus verlaufenden Hemmungsfasern der Schweissecretion vermutblich alterirt waren. Kerlirzin glaubte bei einem stark melanotischen Schimmel eine Compression des Sympathicus durch die sarkomatös entarteten Bronchialdrüsen annehmen zu müssen, machte aber keine Autopsie. In einem dritten von mir beobachteten Falle sah ich einseitiges Schwitzen als Heglcitsymptom einer disseminirten Myelitis (Vergl. pag. 81). Bei einer anderen von mir ausgeführten Section konnte ich nicht das mindeste Resultat auf­decken; auch die genaueste Untersuchung des Sympathicus blieb er­folglos; es ist auch schwer, etwaige pathologische Zustände im symphatischen Nervensystem studiren zu wollen, da wir ja über die normalen Zustände dieses Organes kaum viel wissen. Auch ist es un­erklärlich, warum bei einer Zusammenhangstrennung dieses Nerven am Halse oder in der Brust eine abundante Schweissecretion einmal nur im Vordertheil, ein andermal auch im Hintertheil auf­treten soll, und warum in einem dritten Falle eine Läsion an der­selben Stelle ein vollkommenes Versiegen der Schweissecretion nach sich ziehen soll, wie ich selbst zu beobachten Gelegenheit hatte. Ich glaube daher, dass die ätiologischen Verhältnisse noch des ein­gehenden Studiums bedürfen.
Symptomatologie: Bei der Anhidrose finden wir, wie gesagt, dass eine Körperhälfte nicht zum Schwitzen gebracht werden kann, auch dann nicht, wenn das Thier heftig arbeitet, mit Decken eingehüllt wird oder auf der nicht schwitzenden Seite lange Zeit liegen bleibt. Bei der Hyperhidrose können die ruhenden Thiere ununterbrochen derart schwitzen, dass sie zu dampfen scheinen und dass ihre abnorme Körperseite in Folge der Durchfeuchtung der Haare ganz dunkel wird; natürlich sind innerhalb dieser
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240nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Panctionelle Neurosen.
Formen viele Abstufungen möglich. Die Begrenzung des abnorm secemirenden Haatgebietes kann an den Kürperseiten ungleiclnnässig vorbanden sein; in der Mittellinie des Körpers ist sie vollkommen scharf, so dass wir eine genaue Trennungslinie über das Gesicht, den Rücken und das Mittelfleisch verfolgen können. An Unter­brust und Bauch ist die Marke durch Ueberfliessen des Schweisses auf die andere Körperhälfte in der Regel etwas verwischt oder unregelmässig.
Die Vorhersage ist unbestimmt. Die Affection kann allmälig ganz zurückgehen, oder für einige Tage und Wochen verschwinden; manchmal bestehen deutliche Intermissionen, oder das Leiden endet erst mit dem Leben. Es kommt übrigens nicht selten vor, dass das Allgemeinbefinden durch diese Neurose nicht die mindeste Störung erleidet.
The rapeutiscli wurden bisher die gebräuchlichen Nervina in Anwendung gezogen; ob hiedurch eine Beeinflussung der Krank­heit angebahnt werden kann, ist unbekannt.
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Anhaug.
In diesem Capitol mögen noch jene Krankheiten des Pferdes besprochen werden, welche, wenn sie auch nicht von vornherein eine Affection des Nerven systemes darstellen, doch in ihrem Symptomencomplexe unter anderen Erscheinungen auch solche auf­weisen, die zweifellos auf eine Schädigung dieser Organe hin­deuten; diese Störungen treten entweder nicht rcgelmässig auf oder werden nur in gewissen Stadien der betreffenden Krankheiten ge­sehen: es handelt sich also hauptsächlich um Krankheiten, welche eine sogenannte „nervöse Formquot; besitzen: hierhergehört u. a. die Beschälseuche.
Ausserdem muss ich hier noch einige Affectionon anschliessen, die zwar einen ausgesprochen nervösen Charakter besitzen, über deren Stellung man aber noch im Unklaren ist, oder deren Einreihung in die Classe der Krankheiten dos Nervensystemes bis­her nicht gebräuchlich war: als Beispiele dieser Gruppe nenne ich den Blitzschlag und die Wuth.
a) Beschälseuche.
Literatur: Ansser den cingelionden Arbeiten, welche in den Lehrbüchern von R5I1, Dieckerhoff und Fried berger-Fröhner enthalten sind, hebe ich noch hervor: Del a fond. Recueil 18Ö2. p. 481; llayne, Oesterr. Viertel­jahresschrift 1852, p. i)8; Ro dl oft', llerlin 18Ö3; Pillwax. Oesterr. Vierteljahros-schrift 1853; Hering, ibidem, III. Bd., p. 55; Simon, Magazin v. Gurlt u. Hertwig 1854, p. 223; Williams, Americ. vet. rev. 1888. XII. Bd.; Than-hoffer, Zuchtlähmo 1882; Laguerriere, Gazette hebdomadaire 1883; Fournier, II moderno concetfo della sifilido; Gaz. degli Gspodali 1896, Nr. 70; Blaise, Rec. 1889; Mare^. Oesterr. Vierteljahresschrift 18G3 u. ]8()5; Vaillard, I. franz. Congress f. int. Medicin. Bordeaux 18(,)5.
Uexlcr. Nervenkrankheiten lt;lcs Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'[[]
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242nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Anhang,
unter Beschälseuche, Lälimun gskrankhe it der Zuchtpferde oder Mal de eoit versteht man eine bei Zucht­pferden beobachtete, chronische Infectionskrankheit, welche unter den Erscheinungen von entzündlichen Affectionen der Genital­schleimhaut einsetzt und seeundär zu schweren, motorischen und trophischen Störungen führen kann.
Die Beschälseuche ist eine Krankheit, welche im Laufe der letzten 7 oder 8 Jahrzehnte aus dem Chaos der Pathologie früherer Jahrhunderte allmälig losgelöst, als eigene Krankheit erkannt und näher untersucht wurde, und welche höchstwahrscheinlich bereits wieder verschwunden ist, ohne dass ihr Wesen vollkommen erforscht werden konnte.
Nach den Ausführungen Fröhner's tauchte der Name Be­schälseuche in Deutschland zuerst am Ende des vorigen Jahr­hundertcs auf, wo die Krankheit von Ammon an Gestütspferden in Trakehnen gesehen wurde. Die Contagion wurde jedoch noch lange Zeit darnach von Fachkreisen verkannt und mit verschie­deneu anderen Affectionen zusammengeworfen; so beschreibt Delafond die Verseuchung von 127 Pferden, von denen einige an Rotz verendet sein sollen. In ähnlichem Sinne berichteten liayne, Rodle ff, Er dt, Signol u. A.: Simon hingegen er­wähnt einen Fall, wo ein typisch rotzkranker Hengst auf eine Stute nicht Rotz, sondern die Beschälseuche übertragen haben soll u. a. m. Indessen gelangte man doch in den Fünfzigerjahren dahin, die beiden Seuchen von einander zu halten.
Mit der Beschälkrankheit wurde aber noch eine andere Krank­heit, der Bläschenausschlag der Genitalien identificirt und als eine gutartige Form dieses Leidens angenommen. Her twig lehrte zuerst, dass auch diese Krankheiten in keinem Zusammenhange stehen.
Endlich wurde mit der Beschälseuche noch eine dritte Krank­heit, die Syphilis, in Beziehung gebracht, indem man eine, vom Menschen auf Eselstuten erfolgte üehertragung annahm und namentlich Laguerriere wares, der im Jahre 1883 die Bezeichnung ..Syphilis der Einhuferquot; vorschlug: er stützte sich hierbei auf die angeblich positiven experimentellen Ergebnisse von Auzias, Mathieu, Sigmund, Zünde], Gailleton, Leyros, Michot und Brad lav. obwohl schon II er ins im Jahre 18ö.quot;I gezeigt
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Beschälseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 24.!
hatte, class Impfungen von Pferden mit luetischein Virus erfolglos seien. Ohne auf die umfangreiche Literatur eingehen y.a können, welche diese Streitfrage anregte, liebe ich nur hervor, dass nach Blaise im Jahre 1889 klarlegte, dass künstliche üebertragun-gen von Syphilis auf Pferde unmöglich seien, welche Tbatsache nach den neuesten Untersuchungen insoferne weiter ausgedehnt werden mass, als wir heute wissen, dass die Lues auf Thieve überhaupt nicht überimpfbar ist (Fonrnier).
Hinsichtlich der Aetiologie ist zu bemerken, dass der speei-tische Infectionserreger unbekannt ist. Das Contagium ist ein fixes, sehr ansteckend, seine Tenacität eine bedeutende; die Krankheit wird fast ausscbliesslich durch den Beschälact übertragen: sehr selten sind Infectionen durch Zwischenträger (Putzzeug, Beschirrung etc.). Die Ansteckung seil! auch durch Inoculation mit dem Genitalsecrete möglich sein; sogar die Vererbung soll eine Rolle spielen; doch sind diese Beobachtungen höchst zweifelhafter Natur. Die Eintritts­pforte ist in der Kegel das Genitale; an diesem, von dem Medullar-rnlir weit entfernten Orte, werden die auf das Centralnervensystem wirksamen Toxine erzeugt, wodurch die Chankerseuche pathoge-netisch mit dem Tetanus oder mit der Diphterie des .Menschen in eine Parallele zu stellen ist.
Pathologische Anatomie, Bei den an Beschälseuche verendeten Thieren findet man allgemeine Abmagerung, hochgra­dige Anämie, käsige Infiltration der Lymphdrüsen des Abdomens, der Leistenbeuge, des Euters etc. In der Vagina beobachtet man (jedoch nicht constant) katarrhalische ülcerationen, condylomatöse Excrescenzcn (Roll) der Schleimhaut und am Penis und Hoden harte subeutane Infiltrationen, fleckenweisen Mangel des Pigmentes der Haut (Krötenflecke), Orchitis oder auch Atrophia testis, adhäsive Entzündung der Tunica vaginalis und gelbsnlzige Infiltration der Samenstränge; die als ..Thalerlleckequot; bezeichneten Efflorescenzen der Haut führt Thanhoffer auf örtliche Entzündungsvorgänge im Corium zurück. Thiere, welche paraplegische Erscheinungen dargeboten haben, weisen im Rückenmarke „Erweichung der grauen Substanzquot; auf; bei allgemeinen Lähmungen fand Tras­bot alle Theile des Rückenmarkes erweicht und gelatinös (?) infiltrirt.
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244nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anhang.
Vail lard, dor sich hauptsUchlich auf die Erfahrungen No-cards stützt, erklärt die Beschälseuche vom anatomischen Stand­punkte aus für eine haemorrhagische Myelitis.
In patliologisch-bistulogischer Bezielrang hat T hanhot'fer eingehende L'ntersuchungen des Contralnervensystemes ausgeführt. Er fand hei Pferden, die nervöse Störungen gezeigt hatten, die verschiedenartigsten Veränderun­gen, die so genau und subtil sie beschrieben wurden, nur die eine Wahr­scheinlichkeit uns nahelegen, dass myelitische Herde bestanden haben dürften; die meisten übrigen Befunde sind wegen der Mängel der damals bekannten Untersucbungstechnik leider nicht verwertbar. Auf eine Betrachtung seiner Nervenzellenhefande kann nach dem, was wir heute über die feinere Struktur der Ganglienzellen wissen, nicht eingegangen werden. Auch einige andere Untersuchungsresultate halten einer Kritik nicht Stand oder sind als Belege zur Geschichte histologisclior Arfefacte verwendbar. Auch die gewählte Nomenclatur ist nicht, vollkommen klar; wir wissen zwar, was man unter Syringomyelie, nicht aber, was wir unter Syringomyelitis zu verstehen haben
Am störendsten wirkt, dass Thanhoffer zu viel gefunden hat — Höhlenhildnng, Etatcrible, Faserschwand, Zellzerfall, Glia-, Bindegewcbsnarben Blutungen, /erreissungen der üefässe, Obliterationen derselben, Myelomycose — kurz alle nur denkbaren Fälle waren vertreten, nur keine seeundären Degenerationen; sie wurden mit keinem Worte erwähnt.
Mit einer gewissen Sicherheit ist aus den umfangreichen und mit grossem Fleisse ausgeführten Untersuchungen T ha n hoff er's nur auf den Bestand einer multiplen haemorrbagischen Myelitis zu schliessen; doch ist zu bemerken, dass der beschriebene Symptomenconplex mit dem Bilde einer Polimyelitis haemor-rhagica, wie wir sie beim Pferde sowohl, wie auch beim Menschen kennen, durchaus nicht stimmt; exaete Nachantersnchnngen wären natürlich ungemein wichtig. JJie Krankheit ist aber durch die gesetzlichen Massnahmen, welche seit dem Jahre 1880 in Ocsterroicb wirksam sind, so selten geworden, dass nur hin und wieder einzelne Fälle gesehen werden.
Ich erwähne, dass Prof. Dr. Szpilmann im Winter des Jahres 1897 mir einige Rückenmarkastücke von einem an Bescbälkrankheit leidenden Pferde freundlichst überliess, das leider nur unbedeutende und fragliche motorische Erscheinungen während des Lebens dargeboten hatte. Die damals vorge­nommene Untersuchung nach Nissl und nachMarchi ergab, dass in diesen Segmenten der Medulla spinalis keinerlei abnorme Zustände vorhanden waren.
Die Erscheinungen sind nach den Beobachtungen zweier berufener österreichischer Forscher, Roll und Mar es, folgende:
Nach einem Incuhationsstadium, welches 8 Tage bis 2 Monate und darüber danern kann, stellen sich am Genitale locale Erkran­kungen ein; u. zw. beobachtet man bei der Stute Schwellung der Scham, Vermehrung des Ausflusses, der eine trübe, dicke, röthlich-gelbe oder iauchiae Beschaffenheit annimmt; die Mncosa ist ge-
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Beschälseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;24;)
c-chwollen, salzig inliltrirt und entweder nur von wenigen, leicht berstenden Bläschen, oder aber von grossen, tiefgreifenden Ulcera-tiouen bedeckt, welchquot; letztere unter Rücklassung grosser, strah­liger Narben abheilen können. Dor Process kann in Genesung übergehen, oder er kann eine grössere Ausdehnung gewinnen. Es kann zur Mastitis, Phlegmone, Periproctitis und Abscedirung der Inguinaldrüsen kommen. Trächtige Stuten verwerfen.
Beim Hengste beschränken sich die Initialerscheinungen ge­wöhnlich auf die Harnröhre allein, deren Schleimhaut eine bald vorübergehende katarrhalische Entzündung erleidet. Bisweilen beob­achtet man aber auch eine ödematöse Schwellung dos Schlauches odor Induration desselben. Harndrang, gesteigerten Geschlechtstrieb, aber kenne Allgemeinstörungen.
Nach Verlauf einer gewissen Zeit, die je nach der Rare, der Haltung, Verwendung etc. viele Wochen und Monate dauern kann, folgt auf das bei beiden Geschlechtern etwas differente Stadium der primären Erscheinungen ein solches der soeundären, welches bei Hengsten und Stuten ein ziemlich ähnliches oder ganz gleiches Bild darbietet.
Dieses zweite Stadium, welches auch eintreten kann, wenn die Localaffectionen abgeheilt sind, setzt sich zusammen aus nervösen Störungen, welche mit Störungen des Allgemeinbefindens combinirt sind; zu ihnen rechnet man die trophischen Anomalien der Haut, motorische Schwäche der Nachhand, die bis zur Paralyse gesteigert sein kann und meist mit hochgradigem Muskelschwund am ganzen Körper verbunden ist. Man beobachtet in der Haut der Croupe, des Bauches, Halses, der Schultern das Aufschiessen plateau­artiger Erhabenheiten von 2—5 cm Durchmesser, die entweder wochenlang persistiron und dann vom Centrum aus gegen die Peripherie hin abnehmen können, oder die plötzlich wieder ver­schwinden, während an anderen Hautstellen ähnliche (iebilde auf­tauchen. Diese Efflorescenzen werden von den meisten Autoren für vasoneurotischo Erscheinungen erklärt: im weiteren Verlaufe stellen sich motorische Störungen ein. welche neuestens von Vaillard mit der amyotrophischen Lateralsclerose des Menschen verglichen wurden. Der Gang wird schwankend, die Thiero üborköthen häufig, knicken in den Sprunggelenken ein, stürzen und können sich nur mühsam wieder erheben, welche Symptome! so zunehmen
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246nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Anhang.
können, dass die Pferde überhaupt unfähig sind, sich auf den Beinen zu erhalten; auch Monoplegien von Hirnnorven (Facialis), Zittern und cutaue Hyperästhesien wurden beschrieben, welche sich in Form eines so heftigen, localen Juckreizes äussern, dass sich durch das immerwährende Reiben und Scheuern tiefgreifende, blut­rünstige und brandige Substanzverluste in der Hauthilden. Azary, zweifellos einer der besten Beobachter dieser Krankheit, wies das Vor­handensein einer erhöhten Erregbarkeit der Sehnenreflexe, nament­lich des gemeinsamen Zehenstreckers nach. Hengste können nicht mehr belegen, weil keine Erection eintritt und weil sie mit dem Vordertheil nicht in die Höhe kommen können. Gewöhnlich stellt sich, namentlich im Hintertheile, eine auffallende Abmagerung ein, so dass die Contouren des Skelettes scharf hervortreten; der Bauch wird aufgezogen, die Flanken sinken ein, die Lenden-eeeend wird druckempfindlich, die Haut trocken, das Haarkleid glanzlos. Dabei kann das Alleemeinbefinden immer noch wenig gestört sein: Temperatur und Futteraufnalnne bleiben lange Zeit normal. Endlich sind aber die Pferde gezwungen, anhaltend zu liegen, sie werden kachectiseh und gehen an hypostatischer l'neumonic oder infolge des sich rasch entwickelnden IJocubitus oft schon nach 3—4 Wochen an Septicämie zugrunde.
Von diesem in zahlreichen Variationen geschilderten Verhalten der Krankheit sind nun einige Abweichungen hervorzuheben.
1.nbsp; nbsp;In jedem Stadium ist eine Rückkehr zu einer wirklichen oder scheinbaren Besserung möglich.
2.nbsp; nbsp; Die Trennung des Symptomencomplexes in ein Stadium der Vorläufer, der localen Affectioncn und der nervösen Störungen ist nicht immer durchführbar, indem letztere entweder ganz aus­bleiben oder nur so schwach ausgeprägt sein können, dass sie den anderen Erscheinungen gegenüber kaum bemerkenswert sind.
3.nbsp; nbsp;Filter Fortbestand aller, den Genitalapparat betreffenden Veränderungen können die nervösen Symptome entweder intensiver werden oder auch vollständig schwinden.
4.nbsp; nbsp;Die Krankheit kann auf die örtlichen Erscheinungen allein beschränkt bleiben und es kommt zu keinen nervösen Störungen.
5.nbsp; nbsp;Die localen Affectionen können ganz geringfügig sein, oder sie können völlig abheilen und erst nach Ablauf einer längeren Zeit entwickeln sich nervöse Symptome; es sind das Fälle, die
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Lyssa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;247
Anlass gegeben haben, eine selbständige Lahmungskrankheit an­zunehmen, welcher Standpunkt namentlich von Thanhoffer vertreten wird.
0. Nach Ablauf einer gewissen Latenzperiode können alle Erscheinungen wieder hervorbrechen, so dass man bei manchen Thieren mehrere Nachschübe beobachten kann.
Die Prognose ist ungünstig, indem etwa 70quot;/0 der Kranken dem Tode verfallen. Spontane Heilungen sollen trotzdem vor­kommen. Die Dauer betrügt nach Laguerriere 4—14 Monate, höchstens drei Jahre.
Eine speeifische Behandlung der Beschälseuche gibt es nicht; man hat seinerzeit durch die Castration der Hengste einen Still­stand, ja selbst eine Heilung der Contagion zu erzielen geglaubt, ist aber von diesem Irrthume bald abgekommen. Die Therapie der localen Affectionen (Desinficientien, Inunctionen etc.) hat nur einen geringen Wert.
Die einzige wirksame Bekämpfung der Seuche liegt in dorn Ausschlüsse beschälkranker Thiere von der Zucht, wie dies in den Seuchengesetzen Oesterreichs und Deutschlands ausgesprochen ist. Stuten dürfen hiernach selbst im Falle ihrer Wiederherstellung nicht mehr zur Nachzucht verwendet werden und müssen zur Kenntlichmachung an der linken Halsseite mit den Buchstaben B. K. gebrannt, werden. Beschälkranke Hengste werden castrirt. Gewiss gehören diese Bestimmungen zu den wirksamsten Factoren, die es dahin gebracht haben, dass innerhalb der letzten zehn Jahre in Oesterrcich und Deutschland kein Fall dieser Seuche zur gesetz­lichen Anzeige gelangte.
b) Lyssa: Wuth.
Neucrc Literatur: Maury, Rrvue viH. 1880; Berne. Veterinary Journal 1882, Nr. 4; Merkt, Wochenschrift für Thierheilkunde 1882, p. Uli; Palat, Kec. 1882, p. 1049; Csokor, Vierteljahresschrift 1883, Bd. LIX: Briggs, Veterinary journal 1883, p. 324; Milaneso und Battista, Giern, di med. vet. 1883, p. 338; Po Ian sky, Vierteljahresschrift 1883; Chelchovsky, Thierarzt 1884, p. 14; Popow, Petersburger Archiv 1885; Walker, Veterinary journal 1880, p. 153; Cagny, Aimales belgiqaes 1886, p. (187; Freisler, Oesterr. Vierteljahresschrift 188(), p. 125; Luatti, Giorn-di med. vet. 1886, p 288; Minette, Rec. 1886, p. 35: Kabbaglietti, Clinica vet. 188(5, p. 170; Pantet, Journ. de Lyon 18,87, p, 047; Caldcrwood,
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248nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anhang.
Veterinarian, Bd. LXI; Beurnier und (lustel, Kev. vrtrr. 1SS9, p. 109; Dely, Veterinarius !8'.K); G rimm, Säclis. Jabresber. 1892, p. üü; Tambarreau, Rev. voter. 1894, p. 183; Hoen, Tbierilrztliclie Blätter für niederl. Indien 1895, p. 214; Venuta, 11 rued. vet. Bd. '62. p. 201; ausserdem die gebräucbliclien Lehrbücher der Therapie,
Wie uns ein Blick auf den Auszug aus der einschlägigen Literatur dei; letzton 15 Julire lehrt, kommt die Wuth beim Pferde nicht allzuselten vor; überdies ist aber in der gesetzlichen Seuchen-statistik noch eine viel grössere Zahl von Fällen ausgewiesen.
Die Wuth wird wie bei allen Thieren durch Biss übertragen, u. zw. erfolgt beim Pferde die Verletzung gewöhnlich an den Lippen, seltener an den Extremitäten. Die Ansteckung geht in den allermeisten Fällen von wüthenden Hunden, nur ausnahms­weise von Wolfen oder von Füchsen aus. Der Biss wüthender Pferde scheint nach den Beobachtungen Chelchovsky's für Pferde wenig gefährlich zu sein. Das Incubationsstadium gibt Fröhner mit -1—(i Wochen im Mittel an; doch existiren Angaben von i'l (Beurnier) bis zu 705 Tagen (Esser und Schütz). Wenngleich die obere Grenze jenes Zeitraumes, der von der er­folgten Inoculation bis zum Ausbruche der Krankheit verläuft, bisher nicht feststellbar war, so werden doch Beobachtungen von mehr als 6 Monaten stark bezweifelt.
Pathologische Anatomie. Die für die Wuth charak­teristischen anatomischen Läsionen finden sich im Centralnerven-systeme; alle, in den übrigen Organen des Thierkörpers beschriebenen Anomalien, wie: Hyperämie und entzündliche Schwellung der Schleimhaut des Rachens und Kehlkopfes, Milztumor, Hyperämie der Nieren, Entzündung der Magenschleimhaut können auch bei anderen acuten Infectionskrankheiten vorkommen, oder sie können ganz fehlen. Ja selbst der für die Lyssa des Hundes so wichtige Defand von Fremdkörpern im Darme und von consecutiven Er­scheinungen ist für das Pferd nicht massgebend, weil diese Thiere weniger oft unverdauliche Substanzen aufnehmen, und weil, wenn dies dennoch geschieht, entzündliche Alterationen, Geschwürs­bildung n. s. w. im Magen nicht oder nur ausnahmsweise auftreten.
Im Nervensysteme aller an Lyssa zugrunde ge­gangenen Thiere*) und Menschen treffen wir Ver-
*) Ob analoge Untersuchungen beim Pferde bereits ausgeführt worden sind, ist mir nicht bekannt.
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Lyssa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;24;raquo;
äudernngen, welche diese Krankheit als eine acute, infectiüso Myelitis charakteri siren. Wenn auch diese Anomalien nur mit dem Mikroskope erforscht werden können, und wenn auch im Hinblicke auf manche Eigonartigkeiten die Bezeichnung Myelitis als nicht ganz treffend angesehen werden könnte, so handelt es sich doch in der Mehrzahl der Fälle un­zweifelhaft um Destructionen mit allen Charakteren der Entzündung. Nachdem Deboue im Jahre 1880 darauf hingewiesen hat, class der Angriffspunkt des Wuthgiftes in die Medulla oblongata zu verlegen sei und auch Pasteur die Erscheinungen der Lyssa mit gewissen histologischen Veränderungen des Centralnerven-systemes in Zusammenhang gebracht hatte, beschäftigte sich eine grosse Zahl von Forschern mit dieser Frage. Ihren Bemühungen gelang es bald, das stete Vorhandensein typischer Anomalien auf­zudecken, welche Csokor beim Hunde bereits im Jahre 18S3 als ..Anlauf zu einer Gehirnentzündung'1 bezeichnete. Er bezieht sich hiermit auf den Umstand, dass die entzündlichen Veränderungen, von denen er namentlich die leucocytäre Infiltration genauer studirt hat, keine höhere Entwicklung erreichen, da der rasch folgende Tod ihr ein Ziel setzt. Von den zahlreichen Autoren, welche sich seither mit der pathologischen Histologie dieser Zoonose beschäf­tigten, sind als einige der modernsten zu nennen: Ivanow, Popoff, Achard, Guinon, Babcs, Golyi, Högyes, Mari­ne sco u. v. A. Ihre Gcsammtresultate sind zum grossen Theile übereinstimmend und lassen sich in folgende Sätze zusammen­fassen : *)
Die anatomischen Voränderungen bei der Lyssa entsprechen einem acuten, interstitiellen Entzündungsprocesse, der in der Medulla oblongata am intensivsten ist, in geringem umfange aber auch im Gehirne und Bückenmarke vorkommt. Es bestehen Hyperämie, Ein­wanderung von lymphoiden Elementen in die perivasculären Bäume der nervösen Organe, welche stellenweise auch von kleinsten Blu­tungen durchsetzt sein können. Ferner findet man kleine umschriebene Infiltrationen, welche die Gestalt und Eigenthümlichkeiten kleiner Erweichungsherde aufweisen können. Die Gefässe sind allenthalben erweitert, strotzend mit Blut gefüllt oder thrombosirt; ihre Wan-
*) Redlich, Sammclreferat über Myelitis; Centrulblatt für pathologische Anatomie 1897.
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200nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anhang.
düngen können gleichfalls zellig infiltrirt erscheinen, in welcher Ab-normitüt die Entstehung miliarer Hilmon-hagien ihre Erklärung tindet. Aber auch in den nervösen Elementen wurden bereits Veränder­ungen entdeckt. So wird die auffallende Zunahme des Pigmentes und die trübe Schwellung der Ganglienzellen betont und fast überall hervorgehoben, dass die motorischen Nervenkerne am stärksten befallen sind; es kann zur Atrophie und zum gänzlichen Unter­gange der Zellen kommen.
Die nach der Nissl-Methode von Nagy, Seh äff er, Marinesco u. A. angestellten Untersuchungen ergaben, dass in den Nervenzellen vom Beginne der Infection an ein Zerfall der Ni ssl-schen Körnchenspindeln auftritt, in Folge dessen letztere ganz auf­gelöst werden können oder eine Atrophie und granulöse Degene­ration der betreffenden Zelle eingeleitet wird. Nach Marinesco, tritt die Chromatolyso zuweilen in concentrischen Schichten auf. Der Process ist immer dort am stärksten, wo das Virus zuerst in das Centralnervensystem eintritt.
Symptomatologie. Der Beginn der Krankheit äussert sich beim Pferde in einer gewissen Aenderung des Benehmens der Thiere; sie versagen das Futter, werden ohne sichtliche Ursache sehr auf­geregt, schreckhaft und suchen ihnen bekannte Personen (Warte­personale) durch Beissen oder durch Schlagen zu beschädigen. Ueber-haupt gehört eine sehr ausgesprochene Beissucht zu den ersten und wichtigsten Symptomen ; sie beissen wie sinnlos in den eigenen Körper oder in vorgehaltene Gegenstände und wenden dabei eine solche Summe von Kraft auf, dass nicht selten die Zähne oder selbst die Kiefer brechen. Fast gleichzeitig beobachtet man convulsivische, clonische oder tetanoulo Krämpfe, die entweder einen grossen Tlieil des Körpers oder nur wenige Muskeln betreffen, sich zuweilen in einem Aneinanderschlagen der Kiefer, Wiegen des Kopfes oder heftigem Schütteln des ganzen Körpers äussern und welche sehr oft durch den Versuch zu schlucken ausgelöst werden. Als charakteristisch für die Wuth der Pferde wird ein vermehrter Harndrang und ein erhöhter Geschlechtstrieb angegeben; Stuten sind stark rossig, stossen eigonthümliche Töne aus und setzen sehr oft Harn in geringer Menge ab. Hengste ver­suchen zu bespringen und haben sogar Samenverlust. Diese oft mit Anfällen von Raserei vergleichbaren Attaquen dauern ent-
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Starrkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;-;gt;1
weder längere Zeit an oder werden von Stadien sichtlicher Er-schöpfung und psychischer Depression abgelöst, so dass die Thiere ein dummkollcrartiges Benehmen zur Schau tragen: während des ruhigen Stehens schnappen sie in die Luft, schlagen plötzlich heftig aus, erfassen unverdauliche Gegenstände mit den Zähnen und zerkauen sie gewöhnlich, ohne sie zu verschlucken. Das Unvermögen abzuschlingen ist als erstes Zeichen der motorischen Lähmungen der Rachen- und Schlundmuskulatur aufzufassen, welche alsbald auch an anderen Muskelgebieton bemerkbar werden ; in der Kachhand sind sie am auffälligsten. Die Pferde schwanken, stolpern, können sich kaum aufrecht erhalten und werden bald ganz paraplegisch ; in der Hegel sind die Bewegungsstörungen die Vorboten des nahen Todes, der gewöhnlich unter Zunahme der Temperatur-, Puls-, Athemfrequenz und abundantem Schweiss-ausbrnch nach 2—.quot;! Tagen eintritt: ausnahmsweise verenden die Pferde auch schon früher.
Unter anderen, gelegentlich auftretenden Symptomen verdienen die Kolikerscheinungen und das Benagen und Zerbeissen der Stelle der ursprünglichen Verletzung eine besondere Erwähnung.
Aus dem Vorherrschen einzelner Symptome ergibt sich, ähnlich wie beim Hunde, ein bestimmter Charakter des Leidens: die rasende Wuth ist ohne Zweifel die gewöhnliche Form; doch kann das. dem Stadium der Lähmung vorausgehende Stadium der Excitation so kurz und undeutlich ausgesprochen sein, dass es ganz übersehen wird : solche Fälle von sogenannter stiller oder paralytischer Wuth werden beim Pferde gleichfalls beobachtet.
c) Starrkrampf; Tetanus.
Der Tetanus ist eine acute toxische Infectionskrankheit, welche charakterisirt ist durch einen dauernden, mit paroxysmalen Exa-cerbationen verbundenen tonischen Krampf, der entwedei\alle will­kürlichen Muskeln befallen kann oder auf grössere Muskelgruppen beschränkt bleibt.
Er kommt bei allen Hausthieren, am häufigsten jedoch beim Pferde vor und stellte bei diesem Thiere eine so oft gesehene und geschilderte Affection vor, dass ich besondere Literaturangaben unterlasse und diesbezüglich auf die Jahresberichte von Ellen-bercer und Schütz hinweise.
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2;)2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Anhang,
Der Tetanus ist eine reine Contagion; er wird erzeugt durch einen speeitisclien Mikroorganismus, den von Nicolai er zuerst gefundenen und beschriebenen, borsten- oder stecknadelförmigen Bacillus tetani. Die Infection mit diesem Mikroben, der in der Aussenwelt überall, besonders häufig aber in der Gartenerde vor­kommt, bildet die einzige Ursache des Starrkrampfes.*) In den Thierkorper gelangt der Erreger durch Zusammenhangstrennungen der Haut oder der .Schleimhäute der inneren Organe: eine Invasion durch unverletzte Membranen ist höchst wahrscheinlich un­möglich.
Bei der Infection wird der Mikroorganismus bei Verletzungen durch Gegenstände, die mit Erde, Staub, Dünger etc. verunreinigt sind, wie Nägel, Holzspäne, Glassplitter u. dgl. in die Wunde ge­bracht, kommt dort zum Waehsthume, ohn e jedoch in den Säfte­strom einzutreten; erst die von der Colonie erzeugton Stoffwechsel-producte rufen die Krankheit hervor. Ein sehr lehrreiches Beispiel dieser Art demonstrirte im Jahre 18l.)4 Doc. Dr. Kerry, der bei einem Pferde durch intravenöse Injection tiltrirtor Tetanusculturen die Krankheit mit allen ihren Erscheinungen anfachte: das Ver-suchsthier verendete am 42. Tage.
Die primäre Verletzung kann, besonders wenn sie sehr klein ist, leicht übersehen werden: gerade beim Pferde mit seinem dichten Haarkleid, der meist dunklen Hautpigmentirung und der grossen Körperoberfläche ist die Auffindung der Eintrittspforte manchmal ganz unmöglich: trotzdem können wir aber heute nur eine Form des Tetanus, den Tetanus traumaticus anerkennen. Das, was man früher als rheumatischen, oder noch bequemer, als idiopitthischen Starrkrampf auffasste, gehört zweifellos in die letzterwähnte Kate­gorie von übersehenen oder abgeheilten Verwundungen. Beim Pferde sind namentlich die Endtheile der Extremitäten der Lieb­lingssitz solcher Verletzungen, wie Kronentritte, Steingallen, Nagel­tritte und Aehnliches; Fröhner betont, dass diese Läsionen viel häufiger der xVusgangspuiikt des Starrkrampfes seien als allgemein angenommen werde. Selbstverständlich sind auch Verwundungen innerer Organe (Geburtsverletzungen, Darmgeschwüre etc.) unter
*) Ich sehe hier vom .Strychnintetanus und von jenen tetanischen Zustünden ab, welche als Begleiterscheinungen mancher Gehirn- und Rückcn-markserkrankuniren vorkommen können.
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Starrkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2;).'raquo;
umständen geeignet, als Vegetationsstätten für Jen Mikroben des Tetanus zu dienen.
Pathologische Anatomie. Die C'adaverbofunde sind wenig charakteristisch; alle in dieser Hinsicht aufgezählten Er­scheinungen können ebensogut Attribute einer anderen Krankheit sein; oftmals fehlen sie. Man hat mit mehr oder weniger Con-stanz rasch eintretende Todtenstarre, Milzschwellung, hypostatische Pnetunonie, Lungenhyperämie, fibrilläre Destrnctionen in den Skelet-muskeln u. v. A. beschrieben; auch die geweblichen Anomalien, welche man im Centralnervensysteme mit Hilfe unserer modernen Methoden findet, sind recht geringfügig; hier wären zu nennen zahl­reiche capillare Blutungen im Bereiche des Pons und der Med. oblongata und varicose Atrophie der Ganglienzellen (Vincenzi). Marin csco fand Blutungen in der grauen Substanz des Rücken­markes und in den Vorderhornzellen nach der N i s s 1-Methode Veränderungen, welche er als eigonthiimlich für den Tetanus erklärt: sie bestehen darin, dass jede kranke Zelle in zwei von einander leicht unterscheidbare Theile getheilt wird; einer derselben ist dunkel, opak gefärbt, so dass man in ihm die normale Structur nicht unterscheiden kann; er ist stets dem Axencylindor zugekehrt. Der Axencylinder besitzt eine leichte Granulirung und nimmt den Farb­stoff besonders gut auf. Jene Protoplasmafortsätze, welche diesem Theile zugekehrt sind, zeigen unregelmässige, mitunter sinuöse Con-touren. Der andere Theil der Zelle ist hell gefärbt und weist noch wohlerhaltene chromatophyie Elemente und normale Dendriten auf. Derartige Veränderungen konnte Marinesco bei keiner anderen Intoxication nachweisen. Gold scheid er und Fla tau beschreiben beim Tetanus des Menschen Schwellung des Kernkörperchens und Vergrösserung der Nissl'schen Körnchenspindeln; ähnliche Be­funde wurden neuestens von Westphal publicirt.
Symptomatologie. Nach einem Incubationsstadium, das zwischen zwei Tagen und etwa vier Wochen schwankt und inner­halb welchem die Wunde, von der die Infection ausgieng, bereits wieder vernarbt sein kann, beginnen sich die ersten Zeichen beinahe immer zuerst in den Kiefermuskeln als eine tetanische Contraction bemerkbar zu machen (Trismus). Sie nehmen sehr rasch an Intensität zu und breiten sich auf die Muskeln des Schlundes und Rachens, des Halses, der Brust, des Rumpfes u. s. w. aus. Der
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mm
2r)4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anhang,
Trismus ist tust immer schon sehr entwickelt, ehe die übrige Muskulatur an den Krämpfen theilnimmt. Die Krankheit kann übrigens auch mit ausgebreiteten tonischen Spasmen beginnen. Ge­schah die Infection von einer Schweifwunde aus (Courtage), so kann manchmal die Symptomenreihe auch in ascendirender Form er­scheinen; indes müssen die initialen Krämpfe durchaus nicht immer in der Region der Verletzung zuerst auftauchen.
Mit der tonischen Contraction der Masseteren ist gleichzeitig eine solche der übrigen Muskeln des Kopfes verbunden, wodurch dieser einen sehr eigcnthümlichen Ausdruck erhält. Der dritte Augen­winkel ist stark ausgeprägt, der Bulbus in die Orbita zurück­gesunken, die Membrana nictitans dadurch weiter als normal vor­gedrängt; die Lippen sind fest aufeinandergeprcsst, das Kinn vor­springend, die Nüstern trompetenartig erweitert und die Ohren starr vom Kopfe abstehend. Greift man über den zahnlosen Rand in das Maulinnore, so Hiesst zäher, oft faulig riechender Speichel in grosser Menge ab: man kann die Kiefer nur wenig auseinander­drängen und fühlt eine sehr auffallende Derbheit der Zunge, die unter dem palpironden Finger noch bedeutend zunimmt.
Sehr bald, oft schon im Verlaufe weniger Stunden, bethoiligen sich auch andere Muskeln an dem Krämpfe, so dass Kopf, Hals und Rumpf ganz gestreckt gehalten werden (Orthotonus): nur der etwas gehobene Schweif wird seitlich abgebogen. Der Tonus der Extremitätenmuskeln ist oft so stark, dass die Gelenke nur höchst unvollkommen gebeugt werden können, wodurch der Gang stelzenartig steif wird; übrigens lassen sich die Pferde nur schwer vom Platze bringen und werden hochgradig aufgeregt, wenn man sie dazu zwingt; sind auch die Bauchmuskeln und das Zwerchfell befallen, so wird der Bauch stark aufgeschürzt und die Athmung seicht und beschleunigt.
In manchen Fällen überwiegt der Krampfzustand der Muskeln des Nackens sowie der Hals- und Humpfstrecker und es wird die ganze Wirbelsäule, namentlich aber ihr llalstheil überextendirt (Hirschkrankbeit, Opisthotonus). Ausnahmsweise kommt es auch vor, dass der Rumpf nach aufwärts gekrümmt wird (Emprostho-tonus), oder durch stärkeren Muskelzug einer Seite eine seitliche Verbiegung erhält (Pleurosthotonns).
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Starrkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 255
Eine constante Eigenthümlichkeit der Muskelkrämpfe liegt darin, dass sie eine anfallsweise Steigerung ihrer Intensität erfahren können: diese Paroxysmen treten entweder ohne sichtliche Ursache auf, oder sie werden durch plötzliche Schall-, Gesichts- und ander­weitige Empfindung ausgelöst. Sie scheinen den Thieren grossen Schmerz zu bereiten und sie in Aufregung zu versetzen: trotz ihrer kläglichen Hilflosigkeit suchen sie sich der üerühning, dem Licht-einfall etc. zu entziehen, beginnen heftig zu schnaufen und ver­suchen unter quatschendem Geräusch die Kiefer zu bewegen. Dabei kann der Krampf ein so beträchtlicher werden, dass die Contouren der Muskeln scharf hervortreten und man deren abnormen Spannungs-zustand gleichsam ablesen kann. Hebt das Thier hei seinen unbe­hilflichen Abwehrbewegungen den Kopf, oder wird dieser gewaltsam gehoben, so fallen die Blinzknorpel so weit, vor, dass die Balbi zum grössten Theile von ihnen bedeckt werden.
Die Fresslust ist lange erhalten; nur ist die Nahrungsaufnahme infolge der Kiefersperre sehr bald auf flüssige Stoffe beschränkt. Der Urin ist gewöhnlich sehr dunkel, von hohen speeifischem Ge­wichte ; Albumen ist sehr selten. Der Abgang der festen Excre-mente zeigt oft nichts Abnormes; meistens besteht träge Peristaltik.
Die Pulsfrequenz sowie die Temperatur ist während eines grossen Theiles der Krankheitsdauer von der Norm wenig ver­schieden. Erst gegen das Lebensende steigt die Körperwärme an, nimmt auch nach dem Tode noch zu und erreicht dann exorbi­tante Höhen von 44—40quot; C. Das Fieber ist wahrscheinlich nervösen Ursprunges und auf Störung der Wärmecentren und weniger auf die übermässige Muskelarbeit zurückzuführen. Der Puls wird ge­wöhnlich erst in den letzten Krankheitstagen beschleunigt, un-regelmässig und hart.
Die Athmung wird dann wesentlich alterirt, wenn sowohl das Zwerchfell wie auch die accessorischen Athmungsmuskeln von den Krämpfen ergriffen worden sind; ausserdem ist sie aber noch beeinflusst von den Aufregungszuständcn. Bei ungünstigem Aus­gange nimmt die Zahl der Athemzüge langsam aber unaufhörlich zu ; sie werden sehr seicht, pfeifend, jagend und erfolgen 80 bis 100 mal in der Minute.
Alle diese Zustände können zuweilen alhnälig nachlassen und es kann Genesung eintreten: in der Resel endet die Krankheit aber
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25lgt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anhang.
letal. Die Krämpfe werden bei längerer Dauer so heftig, dass das Absclducken selbst flüssiger Körper ganz unmöglich wird; der ganze Rumpf bedeckt sich mit Schweiss und die Athmung wird unaus­reichend. Die Pferde stürzen nieder, können sich trotz der grössten Anstrengungen wegen der Starre ihrer Muskeln nicht mehr er­heben und verenden gewöhnlich ziemlich schnell asphyktisch.
Was nun das Verhalten der Krämpfe in der Narkose anbetrifft, so muss ich bemerken, dass wir die Intensität derselben beim Pferde durch medicamentöse Mittel nicht beeinflussen können, solange wir bei der Narkose innerhalb jener Grenzen bleiben, die keine Gefahr für das Lehen des Thieres enthalten. Nach meinen Er­fahrungen, die ich an tetanuskranken Pferden gesammelt habe, die durch Chloroform etc. getödtet werden sollten, hielten die Krämpfe auch dann noch ungeschwächt an, wenn der Cornealreflex bereits vollständig erloschen war: erst nachdem der Puls kaum fühlbar und unregelmässig geworden war, lange Athempausen eintraten und die Schleimhäute des Maulcs sich blaugrau zu verfärben begannen, wenn also bereits Collaps in vollem Umfange bestand, sanken die starr vom Dumpfe abgestreckten Extremitäten nieder. Man wird zugeben müssen, dass ein solches Heilverfahren, das, um wirksam zu sein, die betreffenden Thiere stets dem Tode nahe bringt, in die Praxis nicht eingeführt werden kann.
Die Prognose ist höchst zweifelhaft, indem die Mortalität nach Roll's statistischen Aufzeichnungen etwa 760/o beträgt.
In letalen Fällen wickelt sich der Process in beiläufig 3—15 Tagen ab. doch kann der Tod manchmal auch erst nach 4 und mehr Wochen erfolgen. Findet eine Genesung statt, so bessert sich der Zustand gewöhnlich erst nach der dritten Woche; die Reconvalescenz erstreckt sich aber meistens über Monate hinaus (Friedberger-Frühner).
Die Diagnose ist sehr leicht; der ganze Habitus tetanus-kranker Pferde ist so eigenartig, dass man, wenn man das Leiden einmal gesehen hat, nicht lange im Unklaren bleiben wird. Diffe­rentialdiagnostisch könnte nur eine heftige Strychninvergiftung in Betracht kommen.
Die Therapie ist rein symptomatisch. Man sucht die Exci-tationen zu vermeiden, die Muskelkrämpfe zu bekämpfen und den Kräftezustand durch künstliche Xahrungszufuhr (Schlundsonde.
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Hämoglobinarie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2iü
Oesophagotomie, Nahrklysmen), so gut es gehen, will zu erhalten. Leider sind alle diese Massnahmen selten von dem gewünschten Erfolge begleitet. Dass man auf den Ernährungszustand durch Anlage einer Schlundfistel günstig einwirken kann, glaube ich aus einer eigenen Beobachtung entnehmen zu dürfen, bei welcher der Tod eines sehr heftig erkranktun Thieres auf den 70. Krankheitstag hinausgeschoben werden konnte; das Verfahren hätte wegen seiner Kostspieligkeit allein schon keinen praktischen Wert. Auch eine anderweitige operative Behandlung, wie Ausätzen vorhandener Wunden, stärkeres Verkürzen eines courtirten Schweifes etc. kann niemals von Erfolg begleitet sein, wenn bereits die Initialsymptome sich gezeigt haben, d. h. wenn die Intoxication des Organismus schon vor sich gegangen ist.
Im übrigen können wir unsere Bestrebungen nur dahin richten, die Pferde in einem ruhigen, abgedunkelten, kühlen Standort unterzu­bringen, um sie vor jeder Erregung möglichst zu schützen, ihnen Nahrung in flüssiger Form vorzusetzen (Milch, Kleienschlapp, Erbsensuppe etc.) und durch narkotische Mittel das Bewusstsein derselben in einen periodischen oder auch andauernden Schlaf oder Dämmerzustand zu bringen, um den Thieren das subjective Empfinden ihrer qualvollen Lage zu verringern. Welche Medi-eamente wir dazu gebrauchen ist ganz gleichgiltig ; viel verwendet werden Chloroform- und Aetherinhalationen, combinirte Chloralhy-drat-Morphiumnarkosen (Morph. mnr. 0-5 subcutan. Chloralhydrat öU-O mit Stärkekleister als Clysma) imd Opium, Chloralhydrat oder Morphium für sich allein.
Ueber die Erfolge der Tetanusantitoxinbehandlung liegen der­malen noch zu widersprechende Berichte vor, um über den Nutzen derselben beim Pferde ein Urtheil abgeben zu können.
d) Hämoglohinurie; schwarze Harnwinde.
Trotz des häufigen Vorkommens der Hämoglohinurie dos Pferdes und der überaus zahlreichen casuistischen Mittheilungen über diese Krankheit sind wir heute noch keineswegs über das Wesen der­selben genügend aufgeklärt. Die umfangreichen Untersuchungen der neueren Zeit, die auf diesem Gebiete vorgenommen wurden, haben uns nicht viel über das hinausgebracht, was darüber bereits früher bekannt war — der höchst einfache Symptomencomplex,
Dexler, Nervenkrankheiten des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 17
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2i)Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anhang.
die Bösartigkeit dor Krankheit und die Wirkungslosigkeit unserer gebräuchlichen Arzneistoffe. Alle Untersuchungen hingegen, welche in Betreu' der Aetiolngie, Pathogenese und der feineren patho­logischen Anatomie gepflogen wurden, sind entweder resnltatlos verlaufen oder haben zu widersprechenden Ergebnissen ge­führt. Es hätte daher wenig Interesse, wenn ich alle literarischen Daten anführen wollte, die damit in Beziehung zu bringen sind; zudem ist die Literatur ja in unseren grossen Lehrbüchern der Therapie vollständig zusammengetragen.
Gegen den herrschenden Gebrauch reihe ich die Hämoglobi nu rie den Erkrankungen des Xorven-systemes an, weil das Krankheitsbild zum grossen Theile rein nervös ist und weil es mir gelungen ist. in dem Rückenmarke Veränderungen aufzudecken, die mit jenen Erscheinungen zweifellos ira Zusamme n-hange stehen.
Die Hämoglobinurie des Pferdes äussert sieh in einer fieberlosen, plötzlich beginnenden, partiellen Lähmung der liinter-extremitäten. des Schweifes, der Blase und des Mastdarmes, die gewöhnlich mit einer massenhaften Ausscheidung von Hämoglobin im Harne verbunden ist.
Aetiologio und Pathogenese. Die Ursachen der Krank­heit sind unbekannt. Trotz der zahlreichen Theorien über dieses Thema existirt keine einzige Untersuchung, welche die Aetiologie der Hämoglobinurie mit zwingender Beweiskraft klarzulegen ver­mocht hätte; vielmehr handelt es sich bei den meisten Auseinan­dersetzungen, welche auf diese Frage Bezug haben, um Vermu­th un gen.
Nach der Anschauung Fröhner's, die als die am besten fun-dirte, eine grosse Verbreitung in der Yeterinärliteratur gefunden hat, ist die Hämoglobinurie eine durch Erkältung hervorgerufene Muskelentzündung der Nachhand, wobei es unter anderem zur Auf­lösung des mit dem Blutfarbstoff identischen Muskelfarbstoffes und zum Uebergange desselben in das Blut kommt; für wenige Fälle wird auch die Möglichkeit einer infectiösen oder toxämischen Basis eingeräumt. Ausgehend von dem physiologischen Grundsatze, dass der Stoffwechsel im Muskel bei Reizung der sensiblen Hautnerven zunimmt, meint Fröhner,
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Hämoglobinurie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2i)y
es könne ein sehr heftiger Reiz den Stoffutnsatz im Muskelsysteme soweit steigern, class es selbst, zum Zerfall des Organeiweisses kommen kann: infolge dieser degenerativen Muskel Veränderungen treten die ümsatzproducte, u. A. auch der Muskelfarbstoff, ins Blut über; ist kein Erkältungsmoment aufzufinden, was selten der Fall sei, so müsse man an eine Infection denken.
Aussei dieser, wie erwähnt, heute sehr verbreiteten Meinung über refrigeratorische Einflüsse finden wir noch beschuldigt: Schlechte hygienische Verhältnisse. Blutzersetzung, Vermehrung des Harnstoffes (Azoturie), verdorbene Futterstoffe u. s. w. Gegen­über den oft langathmigen Betrachtungen über diese Noxen genügt es zu bemerken, dass sich bis jetzt keine derselben stichhältig erwiesen hat. Auch der Theorie Froh n er's von dem rheumatischen Ursprünge der Krankheit kann nicht bedingungslos beigepflichtet werden ; wenigstens muss neben der Erkältung noch ein anderes Moment beigezogen werden; so gelingt es zum Beispiele gar nicht, bei Pferden, die man einer heftigen Erkältung aussetzt, die nur das Hintertheil trifft, eine Hämoglobinurie zu erzeugen. Dann weist Hutyr a namentlich auf den bekannton Umstand hin, dass in der Regel die tiefen Muskeln (Bsoades) und nicht die oberfläch­lichen stärkerund früher verändert sind; auch ist zu bemerken, dass. entgegen der Meinung Fröhners. speci fische Anoma­lien in den nerv ö sen Organen zu einer Zeit v o r h a n d e n sind, wo die Functionsst ö r u n g e n der Muskeln eben erst begi nnen: die nervösen Destructionen sind mit den muskulären zum mindesten gleichalterig und können unmöglich als seeundäre aufgefasst werden. Daher schliesse ich mich auf Grund meiner Untersuchungen, die sich auf einen Zeitraum von vier Jahren er­strecken, der Anschauung Hutyra's an, dass die Hämoglobinurie des Pferdes alle Charaktere einer Vergiftungskrankheit besitzt, wobei es noch unbekannt ist, ob eine bacterielle oder anders­artige Toxinwirkung vorliegt.
Der Begriff der hier in Betracht kommenden Schädlichkeit kann höchstens per exclusionem etwas eingeengt werden. Dass eine reine Erkältungstheorie nicht genügen kann, habe ich bereits hervorgehoben; die medullären Veränderungen als Folgen des abnormen Hämoglobingehaltes aufzufassen, geht auch nicht an, da sie auch zugegen sind, wenn es gar nicht zur Hämoglobinausschei-
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2G0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anhang.
dnng kommt, d, h. wenn der Harn vollständig Hellt bleibt. Noch weniger ist das Symptomenbild durch Harnvergiftung zu erklären, da Urämie eine ganz seltene Begleiterscheinung dieser Krankheit darstellt und dann immer ein Spätsymptom ist.
P a t h o 1 o g i s c h e A n a t o m i e. Die Sectionsbefundo von Pferden, welche an Hämoglobiimrie verendet sind und sofort nach d e m T o d e obducirt wurden, haben makroskopisch wenig Markantes an sich. Am wichtigsten sind die Veränderungen an den Muskeln der Lende und der Cronpe. In alten Fällen findet man stets eine schwere, oft bis auf die Knochen reichende jauchige My o sit is, die wir bei jedem Decubitus kräftiger, massiger Pferde antreffen : s i e i s t d a h e r nicht charakteristisch. Ebensowenig darf das Verhalten der Muskeln von Pferden als typisch angesehen werden, die erst ö oder mehr Stunden nach Todeseintritt secirt wurden; es stellen sicli bei unseren grossen Pflanzenfressern so rasch Leichenerscheinungen ein, dass man dann aus dem Aussehen der Organe meistens nicht mehr auf ihren Zustand im Leben schliessen kann: die Muskeln solcher Thiere unterscheiden sich von den Muskeln von an anderen Krank­heiten z. B. an Kolik verendeten und ebenso lang gelegenen Thieren nicht im mindesten: sie sind matsch, leicht zerreisslich und haben ein gekochtes Aussehen. Der Umstand, dass bei der Hämoglobinurie die tiefen Muskeln zuerst erkranken, hilft in solchen Fällen nicht, da alle cadaverösen Muskelveränderungen in der Xäho des Bauchraumes am intensivsten sind.
Bei der Hämoglobinurie dürfen nur solche Muskel-a n o m a 1 i e n in d e n K r eis der anatomischen Unter­suchung gezogen werden, die an Pferden erhoben wurden, die wenige Stunden nach dem Auftritte der ersten Functionsstö r un gen getödtet und sog 1 eich secirt wurden. Dann lässt sich manchmal sohr schön demon-striren, dass gewisse Muskeln einen Farbunterschied erkennen lassen, der grosser ist, als der normal vorhandene, dass ihre Fasern einen matteren Glanz besitzen und vielleicht eine stärkere Zerreiss-lichkeit: darauf ist jedoch wenig zu geben, da die immer vorhan­denen geweblichen Anomalien nicht mit freiem Auge erkennbar sein müssen: sicher sind sie nur mit dem Mikroskope nachzu­weisen. Doch ist hier wieder zu bemerken, dass die Histologie des quergestreiften Muskels sehr schwierig ist und mehr als die
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Hämoglobinurie,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 201
irgend eines anderen Gewebes zu Trugschlüssen Veranlassung ge­geben hat, wie die mannigfachen Arbeiten über dieses Thema reichlich beweisen. (Vergl. J. Schaffer, Beiträge zur Histologie und Histogenese des quergestreiften Muskels; Aead. d. Wissensch. 1893, Wien.) Man muss also bei der Beurtheilung der feineren Anomalien, und nur solche sind bei der Hämoglobinarie primär, sehr vorsichtig sein.
Die Beobachtung von Zerfaserungspräparaten und kernge­färbten Schnitten aus einem der oben genannten Muskeln zeigt in der Regel nichts Auffallendes; keine Fettkugeln, keine Kern­vermehrung oder Abänderung der Streifung: das stärkere Hervor­treten einer Streifenrichtung ist beim Pferde ein normales Vor­kommnis. Behandelt man geeignete Stücke nach Marc hi, so ergibt sich ein sicheres histologisehes Kriterium für die abnorme Beschaffenheit der Muskelfasern in der fettigen Degeneration der interfibri Hären Körnchenketten. Bei mittelstarker Vergrösserung bemerkt man inmitten normaler Elemente unregel-mässig vertheilte, schwach graue Fasern, die sowohl hinsichtlich ihres Volumens wie ihrer Streifung nicht abnorm erscheinen. Be­trachtet man die blassgrauen Fasern mit Immersionslinsen, so überzeugt man sich von der Anwesenheit einer grossen Menge, zwischen den l'rimitivfibrillen liegender, kleinster, tiefschwarz ge­färbter Kügelchen, welche in Reihen die ganze Länge der Faser durch­setzen. Diese Ketten kommen im normalen Muskel des Pferdes nie vor, wohl aber bei allen frischen Processen, welche den Zu­sammenhang des Muskels mit seinem primären Centrum, den Zeilen der grauen Vordersäulen aufheben oder dieses Centrum zerstören. Bei der Hämoglobinurie kommt es eben, wie ich gleich ausführen werde, zu Alterationen der zelligen Elemente des Vor der horn es.
Alle anderen Anomalien, welche die Muskeln betreffen, als körnige, schollige Entartung, Verlust, der Querstreifung und Hyalini-sation, wie sie bei älteren Hämoglobinuriefällen gefunden werden, können im Gefolge jeder Myositis, auch der decubitalen entstehen, und können jedenfalls davon anatomisch nicht getrennt werden. Primär ist eine parenehymatöse Degeneration der Muskelfasern vorhanden, die in den Lenden- und tiefen Croupemuskeln am deutlichsten istu nd zuweilen auch
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262nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anhang:.
in vielen anderen Muskeln des Hintertheiles nach­gewiesen werden kann; die M uskel entz und un g ist seeundär und als Effect einer, von dem Hantbrande ausgehenden Infection aufzufassen.
Im Rückenmarke, das nach dem ganzen klinischen Gepräge als Hauptsitz der Erkrankung anzusehen ist und, wie schon die volksthümlichen Krankheitsnamen: Lendenlahme, Kreuzschlag, Kreuzlalunheit beweisen, bereits seit langer Zeit angesehen wurde, be­stehen keine Veränderungen, welche sich dem freien Auge verrathen würden; structurolle Anomalien sind aber zugegen und können durch Marchi-Imprägnation, durch die Methode von Nissl und durch die van G ieso n-Färbung leicht demoustrirt werden. Diese Veränderungen sind in verschieden ho hem Grade i n j e d e m Falle zugegen und schon zu ei n e r Zeit voll entwickelt, wo die motorischen St ö r a n g e n erst b ego n n e n habe n, sich o bj e cti v geltend zu mach e n.
Schon einfache van Gi eso n präparate aus der (legend der Intuinmescentia lumbalis zeigen uns in ganz frischen Fällen eine höchst auffallende Homogenisation und Quellung vieler Ganglienzellen, die häufig mit einer ausgesprochenen Eandstellung des Kernes ver­bunden ist; diese auf manchen Schnitten häufigen, auf anderen weniger häutigen Anomalien treten an nach ]\'issl gefärbten Prä­paraten erst mit voller Klarheit zutage. Von dem Momente an, wo sich die Pferde zu legen beginnen, constatirt man bereits starke und unzweifelhafte Abnormitäten in dem Verhalten der färbbaren Substanzportionen des NissIschen Aequivalentes; stets finden wir eine in den motorischen Zellen besonders deut­liche, jedoch auch in den Zellen der Seiten- und Hinterh i'i rner vorhandene, perin u cl eae re Chromato-lyse, welche je nach der Schwere der Erscheinungen eine grössere oder kleinere Anzahl der Zellen befällt und deren Structur in verschieden hohem Grade verändert.
In den allerjüngsten Stadien sehen wir einen Zerfall der innersten Körnchenspindeln, der deshalb nicht immer leicht erkannt wird, weil beim Pferde die centralen Körnchenspindeln kleiner und dichter um den Kern gelagert sind, als dies beim Kaninchen) Hunde und Menschen der Fall ist: doch gelingt eine Unterscheidung bei Benützung guter Linsen und bei genauer Kenntnis normaler Ver-
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Uämoglobmaxie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2Gi5
liilltnisse ziemlich sicher. Leicht und auf den ersten Bück deutlich ist die Chromatolyse in jenen Zellen zu sehen, in denen sie das Cen­trum bereits überschritten hat. Fast der ganze Zellkörper enthält dann mit Ausnahme seiner Randpartien und Protoplasmafortaätze einen ungemein feinen, gleichmässig färbbaren Staub. Die Degene­ration betrifft entweder silmmtliclie Zellen eines Schnittes (selten, nur bei apoplectiformen, sehr schweren Fällen), oder eine grössere oder geringere Anzahl derselben.
Hat die Krankheit 3-6 Tage gedauert, so findet man ge­wöhnlich weiter vorgeschrittene Veränderungen: die Chromatolyse erstreckt sich bis in die dicken, gequollenen Protoplasmafortsätze, der Kern wird randständig und verschwindet endlich ganz: die Fort­sätze werden immer undeutlicher und zum Schlüsse bleibt nichts von der Zelle zurück, als ein nahezu homogener, blassblau gefärbter Schatten. Diese De s t r u ctionen stehen zu der Schwere und Dauer der Krankheit in einem geraden Verhält­nisse. Bei den bösartigen Formen sind fast alle Zellen abnorm, u. zw. hochgradig verändert: bei den leichteren Erkrankungen sind auch die zellulären Anomalien qualitativ und quantitativ gering­fügiger, untersucht man das Rückenmark von Pferden nach iiber-standener Hämoglobinurie, die entweder wegen des Decubitus oder wegen der zu langen Dauer der ReconvaJescenz getödtet wurden, SO fehlen derartige Befunde oft ganz: die durch das schädliche Agens veränderte Zelle ist regenerationsfähig und kann nach Ablauf einer gewissen Zeit ihre Functionen wieder aufnehmen.
Diese interessanten Anomalien, die ich bei allen im Verlaufe von vier Jahren an der Wiener Schule untersuchten Hämoglobinurie-fällen vorgefunden habe und mehrere Male zu demonstriren Gelegen­heit fand (Geh. Kath Johne, Prof. Bayer, Ob er st ein er u. v. A.), beschränken sich nur auf das Dorsal-, Lenden- und .Kreuzmark; sie sind mit keiner entzündlichen lieaction des Rückenmarks verbunden, treten mit den ersten Anzeichen einer Muskelentartung zugleich auf und sind, wenn sie länger als 6—8 Tage gedauert haben, von einem starken, diffus vorbreiteten Markscheidenzerfall begleitet, der mit Marc hi deutlich gemacht werden kann; der Zerfall betrifft vor­nehmlich die Vorder- und Seitenstränge und ist der Schwere der Zell-zerstörung proportional. Unentschieden bleibt nur noch die Frage, warum nur die caudalen Markabschnitte allein und niemals das
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264nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anhang
Cervicalmark und das Gehirn von jener hypothetischen Noxe ge­troffen werden, ferner welcher Art diese Schädlichkeit ist. und ob dieselbe in gleicher Zeit zur Zerstörung der nervösen und der muskulären Elemente führt, oder ob und welches der beiden Systeme zuerst erkrankt. Es wären dann zwei Wege möglich;
1.nbsp; Die primäre, myogene Affection führt zur seeundären, retro-graden Degeneration des zugehörigen Neurons erster Ordnung: dies lässt sich jedoch mit dem oft blitzartigen Beginne der Krankheit nicht in Einklang bringen, da wir aus Experimenten wissen, dass die retrograde Degeneration ein viel langsamer eintretender Vor­gang ist.
2.nbsp; nbsp;Eine andere Auffassung wäre die, dass die Muskeldegene­ration als Antwort auf die Integritätsstörung der motorischen Zellen angesehen werden kann. Wenn das auch nicht für alle Fälle angenommen werden sollte, so gilt es doch sieher für jene Fälle von theilweise geheilter Hämoglobinurie, bei denen dauernde Muskelatrophien und Lähmungen zurückgeblieben sind; solche Fälle kommen vor und sind in dem vollständigen Untergänge der motorischen Zellen des zugehörigen medullären Segmentes begründet; hierher wären die Cruralislähmungen, Lähmungen der Kniescheiben­strecker, vielleicht auch die von Fröhner beschriebenen Läh­mungen des Bewegungsapparates der Ruthe zu rechnen.
Bei den Sectionen von Hämoglobinnriecadavern wurden ferner mich eine veränderte Blutbeschaffenheit, Milz- und Lebeltumor nebst Nierenveränderungen beschrieben.
Was die verminderte Gerinnbarkeit des Blutes anbetrifft und sein lackfarbenes Aussehen, so bemerke ich, dass nach den Er­fahrungen der Wiener Schule ein solcher Befund nicht constant erhoben wird. Das Blut von frisch an Hämoglobinurie erkrankten und getödteten Pferden gerinnt unter gleichen Umständen wie das gesunder Pferde; hierbei ist die etwa vorhandene Sepsis und Cadaver­fäulnis von wichtigem Einflüsse; das Alter der Leichen muss daher immer berücksichtigt werden. Hin und wieder hat man auch Infiltration und Schwellung (?) des rothen Markes der Röhren­knochen angeführt; diese Befunde bedürfen wohl noch sehr der Bestätigung.
In der Niere kann es infolge der Hämoglobinausscheidung zum Hämoglobininfarct kommen, an den sich weitere \ erände-
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llämoglobinuric.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2Go
rungen, u. a. auch eine parenchymatöse Nephritis anscliliessoii kann (F r ö hn er-Fr ie d b e rge r). Endlich finden wir in schworen, länger dauernden Fallen mit decubitaler Gangraen die bekannten Zeichen der Sepsis.
Symptomatologie. Die Krankheit befällt fast ausnahmslos nur schwere Pferde ohne Unterschied dos Alters und der Eace: die ersten Zeichen derselben treten gewöhnlich kurz, nachdem die Thiere zu arbeiten angefangen haben, auf: die Pferde beginnen un­vermittelt stark zu schwitzen, schwanken im llintertheile und sind nur mit Mühe in den Stall zu bringen, oder aber, sie stürzen plötzlich zu Boden und können nicht dazu veranlasst werden, sich zu erlieben. Das plötzliche Versagen der Extremitäten scheint die Thiere anfangs in hochgradige Aufregung zu versetzen; sie schlagen am Boden liegend heftig herum, ohne sich indes auf­richten zu können; werden sie dann mit dem Schleifwagen in den Stall gebracht, so beruhigen sie sich alsbald und beginnen zu fressen wie ehedem.
untersucht man jetzt einen derartig Krankon genauer, so findet man Puls, Athmen und Temperatur normal, die Organe der Bauch- und Brusthöhle frei, das Sensorium nicht eingeschränkt: Kopf, Hals und Vordertheil sind in ihrer Beweglichkeit und Em­pfindung nicht verändert. Wohl aber bestehen bedeutende moto­rische Störungen in den Muskeln des Schweifes und der Hinter­beine. Die Hautempfindung scheint manchmal herabgesetzt zu sein; gewiss ist dies selten: in der Regel reagiren die ruhig liegenden Pferde auf tiefe Stiche, Kratzen mit der Messerspitze. Brennen mit dem Glühstift ziemlich prompt durch Erheben des Kopfes und Umwenden desselben nach der getroffenen Stelle; sie localisiren also den Schmerz richtig: aussordem beginnen sie mit den Vorderfüssen herumzuschlagen, oder bei sehr grossen Schmerzen (heftige Faradisation) zu stöhnen; sie zeigen damit ganz deutlich, class die Schmerzempfindung nicht wesentlich eingeengt ist. Eine cutane Analgesic, Hyperästhesie, höhere Temperirung und ödema-töse Schwellung der Haut wird wohl beschrieben; ich habe sie als Initialsymptom nie gesehen.
Bei der Untersuchung der sensiblen Sphäre gelingt es sehr leicht, auch die motorischen Störungen auf ihre Schwere zu be-urtheilen. Man beobachtet, dass an den Abwehrbewegungen auch die
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2(j(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anhang.
Hinterextremitäten theUnehmen; die active Gelonksbeugung und Streckung ist zwar ungemein beschränkt, aber in Spuren auch in den allerschwersten Fällen nachweisbar: es handelt sich sonach nicht um eine totale motorische Lähmung, sondern nur um schwere Paresen, die mit tonischen Spasmen verbunden sind. Ich habe niemals schlaffe Paralysen angetroffen und behaupte, dass die tradi­tionelle Beschreibung der geschwollenen, brettharten Muskulatur im Wesentlichen auf die spastische Spannung der Muskel zurück­zuführen ist. Die Muskelreflexe sind erloschen, der Patellarreflex auf keine Weise auslösbar: auf den faradischen Strom reagirten alle von mir untersuchten Fidle ziemlich gut: galvanische Reizungen habe ich nicht angestellt. An diesen Motilitätsstörungen betheiligen sich auch die Schweifmuskeln, seltener diejenigen der vorderen Kumpfhälfte und Extremitäten.
Der Blasenmechan Ismus ist gewöhnlich gestört; doch scheint auch hier keine vollständige Lähmung vorzukommen; ich habe wenigstens noch in keinem Falle eine aasdrückbare Blase gefunden; es scheint nur der Detrusor seine Thätigkeit einzustellen, während der Sphincter sufficient bleibt. Ahnliche Anomalien bestehen auch im Eectum; der Koth kann sich dort in riesigen Mengen anhäufen, wobei aber der After selten klaffend wird: sein Sphincter bleibt traumatisch erregbar, wie im normalen Zustande.
Ein sehr häufiges und wichtiges Symptom ist die Harn­veränderung; der Urin wird verzögert abgesetzt, erhält eine dunkel-rothbraune bis chocoladebraune Färbung, besitzt grosse Eiweiss-mengen, Exsudat- und Epithelcylinder, rothe und weisse Blutkörper­chen, sehr viel freies Hämoglobin und ist arm an Hippursäure: sein Harnstoffgehalt ist vermehrt, die Beaction bleibt alkalisch. Da unter uns noch unbekannten Bedingungen alle diese Eigenschaften des Urins auch fehlen können, heben Friedberger-Frö hner besonders hervor, dassderHarn beiderHämoglobinurie zuweilen garkeine diagnostische Bedeutung besitzt.
In besonders günstigen Fällen können diese Erscheinungen rasch verschwinden und es tritt vollständige Genesung ein; in der Regel stellt sich jedoch eine etwas längere Dauer der Lähmung ein und damit fast unabwendbar der Decubitus; es kommt dann, auch wenn die nervösen Störungen zurückgehen sollten, zu so grossen Substanzverlusten der Haut, dass eine Heilung entweder
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Hiimoglobinurienbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;t
uninüglicli ist, oder doch so langwierig wäre, dass deren Kosten den Wert des Tbieres übersteigen würden. Eine andere Complication droht vonseite der Nieren in den Spätstadien der Krankheit: dann kann es auch zu jenen seltenen, uriimischen Erscheinungen kommen, die übrigens an dem hiesigen Materiale im Verlaufe der letzten vier Jahre, einem Zeiträume, in welchem auf dieses Symptom sehr geachtet wurde, nicht ein einziges Mal gesehen wurden.
Ausnahmsweise können auch so schwere Fälle noch in Ge­nesung übergehen; sie besitzen ein über viele Monate ausgedehntes Reconvalescenzstadium und lassen fast immer atrophische Läh­mungen gewisser Muskelgruppen, besonders häutig der Kniescheiben­strecker zurück.
In der Regel enden circa 70% aller Fälle mit dem Tode, der unter dem Bilde der Sepsis, seltener der Lrämie eintritt: es er­übrigt noch zu bemerken, dass derartig schwer kranke Thiere gewöhnlich vertilgt werden, da sie sich infolge der Ilautgangraen trotz der aufmerksamsten Pflege schon im Verlaufe von 8 — 10 Tagen in einem so bejammernswerten Zustande befinden, dass selbst sehr wenig feinfühlige Pferdeeigenthümer die Thiere eher tödten lassen.
Die Prognose ist also jedenfalls immer sehr zweifelhaft. Sie wird dadurch noch wesentlich getrübt, dass das einmalige Ueberstehen der Krankheit nicht immunisirend wirkt, sondern dass eine gewisse Prädisposition für neuerliche Erkrankungen zurück­bleibt.
Differentialdiagnostisch wäre nur das intermittirende Hinken und medulläre Querschnittslaesionen, vielleicht auch schwere Hufrehe oder auch gewisse Kolikarten zu erwähnen; es wird jedoch eine Verwechslung mit. diesen Leiden gewiss in den meisten Fällen ausgeschlossen werden können, wenn man eine auf­merksame Untersuchung durchführt und zu einer längeren Be­obachtung Gelegenheit findet.
Die Therapie ist dieser Krankheit gegenüber ziemlich macht­los. Ist die motorische Schwäche nur so gering, dass die Pferde mit Unterstützung stehen können, so versuche man sie in den Hänge­gurt zu bringen; man lasse die Thiere dabei jedoch sorgfältig be­wachen, weil sie bei Zunahme der Parese die Körperlast, ganz auf den Gurt legen und dann in Erstickungsgefahr gerathen.
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268nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anhang.
Sehr gerühmt werden grosse Aderlässe; sie scheinen bei sehr baldiger Application hin und wieder von Erfolg begleitet zu sein; doch wissen wir hierüber nocdi nichts Sicheres. Besteht llarn-stauung. so muss man katheterisiren; das Drücken der Blase vom Mastdärme aus ist vergeblich, da der Sphincter in der Hegel hält, auch wenn die Blase zum Platzen voll ist. Grosses Gewicht ist auf die Erhaltung der Hautthätigkeit durch häufige Frottirungen, weiches Lager und, wenn genügende Hilfskräfte vorhanden, wieder­holtes Umlegen der Thiere zu geben; wenn es nur gelingt, den Decubitus zu verzögern, so verbessern sich die Chancen für eine Heilung wesentlich: leider ist das eine häufig nicht zu be­wältigende Aufgabe. Irgend eine Wirkung von den salinischen Purgantien, von Pilocarpin, Physostigmin etc. habe ich nicht be­obachten können.
e) Blitzschlag.
Literatur: S es tier, Truitr de la foudre II, \gt;. 114; Hoffmann, Chi­rurgie; K no wies. Veterinary journal 1880; Lucas und Eiler, Preussische Mittheilungen 1882, p. 4ü; Boellmann, Recueil 1885. p. 234; Anaker, Berliner Archiv 1885, p. 229; Colson, Annales belgiqnes 1888, p. (iül; Collard, Recueil 1887. p. 399; Schmidt. Thiermedicinischc Bandscbau 1887; Utz, Deutsche thierärztliche AVocbenschrift 181)4, p. 140; Günther. Mil. Vet. Zeitschrift 1895, p. 70; Pench, Journal de Lyon 1896, p. 487; Wilhelm, Sächsischer Jahresbericht 1896, p. lU'J; Jacotin, Societe centrale 1896, Juni-heft; Wolf, Sächsischer Jahresbericht 1896, p. 137.
Weil die beim Blitzschlag erfolgenden Läsionen zuweilen rein mechanischer Natur sein können — Wegschleudern von einem inne­gehabten Standpunkte, Verwundungen, Verbrennungen, Blutungen, Muskelzerreissnngen etc. — ist die Wirkung des Blitzes den trau­matischen Schädlichkeiten ähnlich. Ausscrdem kann aber durch die elektrische Entladung im thierischen Organismus eine über-mässige, verschieden heftige Erregung des gesammten Nerven-systemes erfolgen, die sich in den mannigfachsten Functions-störungen des letzteren kundgibt.
Werden Pferde vom Blitze getroffen, so sterben sie entweder sofort oder kurze Zeit nach dem erlittenen Shok; bei jenen Thieren, welche mit dem Leben davonkommen, kann man neben mecha­nischen Verletzungen auch nervöse Zufälle beobachten und zwar hauptsächlich Lähmungen der motorischen Sphäre. Der Um-
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Blitzschlag.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2()9
stand, dass sich mit diesen Erscheinungen nur wenige Autoren eingehender beschäftigt haben, bringt es mit sich, dass unsere Kenntnisse hierüber recht dürftig sind.
Wollen wir aus den nicht häufigen, einschlägigen Berichten die Symptome genoralisiren, so können wir sagen, dass sich die beim Pferde vorkommenden Blitzlähmungen dadurch aus­zeichnen, dass sie gewöhnlich unmittelbar nach dem Unfälle am heftigsten sind, sich rasch zu bessern beginnen und im Verlaufe einiger Tage bis Wochen verschwinden. Fälle, bei denen ein solches Verhalten nicht besteht, gehören zu den grössten Aus­nahmen. Die Lähmungen können die Form von Monoplegien, Hemiplegien (Colson) oder Paraplegien (Know los) haben. Die localen Lähmungen, die sich oft nur auf das Gebiet eines Nerven (Facialis, Colson, Steffen, Utz) oder gewisser Muskelgruppen (Schultermuskeln, Wolf, Halsmuskeln, Ziegenbein, Augen­muskeln, Steffen, Court) beschränken, sind anfangs häufig von den Allgemoinerscheinungen verdeckt und kommen erst später klarer zum Ausdrucke; es ist jedoch zu merken, class die Lähmungen sieh in der Kegel über einen grösseren Körperabschnitt verbreiten. Die Schwere der Lähmungen wie auch der übrigen Störungen hängt natürlich davon ab, ob sich die Blitzwirkung auf den ganzen Körper oder nur auf einen Theil desselben erstreckte; doch werden auch Lähmungen bei solchen Pferden beschrieben, die sich in einer gewissen Entfernung vom Einschlagsorte befanden, die also ver-muthungsweise nicht direct getroffen wurden. Wieweit hierbei die Thatsache in Betracht gezogen erscheint, dass die Hautstelle, an welcher der elektrische Funke in den Körper eintrat oder ihn verliess, nicht immer gefunden werden muss, und dass es selbst bei Menschen, welche durch Blitzschlag verunglückten, Fälle gibt, wo es ungewiss bleibt, ob der Betreffende direct getroffen wurde oder nicht, ist mir unbekannt.
Eine andere, beim Pferde verhültnismässig oft gesehene Störung ist die dauernde oder vorübergehende Erblindung; sie wurde u. A. von Jarmer. Fischer, Ziegenbein beobachtet und Hoffmann rechnet sie zu den Hauptsymptomen des Blitzschlages. Genauere Untersuchungen über die Art dieser Sehstörungen sind noch nicht ausgeführt worden.
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270nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Anhang.
Zu den selteneren Erscheinungen gehören tetanische und convul-sivische Krampfzustände (Court, Hoffmann); auch rasch vor­übergehende Aufregungsanfalle sind beschrieben worden: hiezu kommen nun noch die sich an den Blitzschlag anschliessenden allgemeinen Störungen. Gewöhnlich werden die vom Blitze ge­troffenen Pferde, wenn sie nicht getödtet wurden, ruhig am Boden mit unterschlagenen Beinen liegend angetroffen: auf die Beine gestellt, zeigen sie einen schwankenden, taumelnden Gang, gewisse Zwangshaltungen, grosse Schwäche und eine oft schwere Be­nommenheit des Sensoriums; diese Erscheinungen bessern sich in der Regel bald und die localen Symptome, von denen früher die Rede war, treten dann in den Vordergrund.
Der Verlauf ist in der Mehrzahl der Fidle rasch und gutartig; allerdings kann es vorkommen, dass die Lähmungen und die durch sie veranlassten secundären Zustände nicht oder nur äusserst langsam zurückgehen; die Thiere verenden dann später oder weiden wegen der zu langen Krankheitsdauer getödtet. Häufig aber schwinden die Folgen des Blitzschlages schon in kurzer Zeit gänzlich ohne jede Behandlung. Es sind uns bisher auch keine allgemeinen, therapeutischen Regeln bekannt.
Nachträglich sei noch erwähnt, dass es einen für Blitzschlag charakteristischen anatomischen Befund im CentrainervenSysteme nicht gibt; ja es kann vorkommen, dass bei derartig getödtoten Pferden mit Hilfe der gebräuchlichen üntersuchungsmethoden eine Veränderung im ganzen Nervensysteme nicht aufgefunden werden kann: die wiederholt beschriebenen, kleinen Ecchymosirungen der Häute des Gehirnes oder rniliaren Blutaustritte in die Hirn­substanz können auch fehlen oder sind zum Theile vielleicht auch durch das Niederstürzen bedingt. Was die anatomischen Läsionen der übrigen Organe anbelangt, lässt sich ebenfalls nur wenig sagen; die beim Menschen so charakteristischen Blitztiguren der Haut können beim Pferde wegen der Pigmentirung nicht gesehen werden: die localen Verbrennungsschorfe, die Zertrümmerung der allge­meinen Decke und der darunter liegenden Weichtheile etc. sind inconstant.
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Sachregister
A.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Seite
Accessovinslähmung......nbsp; nbsp; nbsp; 30
Acusticuslähmung.......nbsp; nbsp; nbsp; 30
Ageusie...........nbsp; nbsp; nbsp; 17
Alae cinereae . .......nbsp; nbsp; nbsp; 99
Allgemeinerscheinungon bei cere-
bralen Att'ectionen......nbsp; nbsp; 152
Alternirende Lähmung ... 12.nbsp; nbsp; nbsp;20
Amanrosis..........nbsp; nbsp; 157
Ammonshorn.........nbsp; nbsp; 128
Anämie des Gehirnes.....nbsp; nbsp; 188
Anästhesie.......2. ö.nbsp; nbsp; 155
Analgesie ..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
Anatomie, des Gehirnes ....nbsp; nbsp; nbsp; 96
, des Rückenmarkes .nbsp; nbsp; nbsp; 51
„ der peripheren Nervennbsp; nbsp; nbsp; 18
Anhang...........nbsp; nbsp; 241
Anosmie...........nbsp; nbsp; nbsp; 17
Aperturae laterales .... 99,nbsp; nbsp; ]-)quot;)
Apoplexia sanguinea......nbsp; nbsp; 192
Aquaedtietus Sylvii......nbsp; nbsp; 107
Arachnoidea cerebralis.....nbsp; nbsp; 143
„ spinalis.....nbsp; nbsp; nbsp; 65
Arsenikvorgiftung.......nbsp; nbsp; nbsp; 91
Associationssysteme .... 122,nbsp; nbsp;125
Ataxie.........4, 82,nbsp; nbsp; 155
Atrophie des Sehnerven ....nbsp; nbsp; 150
Augenmuskellähmung.....nbsp; nbsp; nbsp; 25
Augenmuskelnerv, äusserer . .nbsp; nbsp; 137 „ gemeinschaft­licher ...........nbsp; nbsp; 133
Ansdrückbare Blase, bei Hammel­schwanz ..........nbsp; nbsp; nbsp; 48
B.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Seite
Balken........• ...nbsp; nbsp; 124
Basalgangiiea.........nbsp; nbsp; 120
Basedüw'sche Krankheit ....nbsp; nbsp; 135
Bau der Hirnrinde......nbsp; nbsp; HO
Beinerv...........nbsp; nbsp; 141
Beschälseuche........nbsp; nbsp;241
Bewegungscentrum......nbsp; nbsp; IIS
Bewegung der Pupille.....nbsp; nbsp; nbsp; 11
Bewegungsstörung......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
Bewusstseinsstörung......nbsp; nbsp; 149
Bindearm..........nbsp; nbsp; 104
Bindearmkreuznug......nbsp; nbsp; 108
Binnenzellen.........nbsp; nbsp; nbsp; 56
Biot'sches Äthmen......nbsp; nbsp; 151
Blasenlähmung........nbsp; nbsp; nbsp; (i8
Bleivergiftung.......93.nbsp; nbsp; nbsp;9t
Blitzschlag..........nbsp; nbsp; 2(58
Borna'sche Krankheit.....nbsp; nbsp; 183
Brücke............nbsp; nbsp; 106
Brückenarm.........nbsp; nbsp; 105
Brückenhahn, frontale.....nbsp; nbsp; 123
Bulbus olfactorius......nbsp; nbsp; 129
Burdach'scher Strang.....nbsp; nbsp; nbsp; 52
C.
Cadaverstellung der Stimm­bänder ...........nbsp; nbsp; nbsp; 14
Caudex...........nbsp; nbsp; nbsp; 98
Centralganglien........nbsp; nbsp; 120
Centrale Lähmungen.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3
- Läsionen.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
Centrum semiovale......nbsp; nbsp; 120
j.
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272
Seite
Cerebellum..........nbsp; nbsp; 102
('erebrale Opücasbabn.....nbsp; nbsp; 120
CerebrospinalHüssigkeit ....nbsp; nbsp; nbsp; (57
Cheyne-ytockes'schos Atlimennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;151
Chiasma...........nbsp; nbsp; Ii?l
L'liorea............nbsp; nbsp; 230
Ciiigahuii ..........nbsp; nbsp; 126
Ckrke'sche Säulen......nbsp; nbsp; nbsp; 56
Claustram..........nbsp; nbsp; 121
Cloniscber Krampf......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4
Collateralen .........nbsp; nbsp; nbsp; 5'J
Commotio cerebri.......nbsp; nbsp; 16-4
Commissura anterior.....nbsp; nbsp; 125
, grisea......nbsp; nbsp; nbsp; 53
„ inferior . . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;113
Commissurt'asorn d. Gehirnes 122.nbsp; nbsp; 124
Cümmissurzellen.......nbsp; nbsp; nbsp; 56
Commissur der Ämmonshörnci .nbsp; nbsp; 125
Compressionsmyelitis .....nbsp; nbsp; nbsp; 87
Contusio cerebri .......nbsp; nbsp; 161
Convulsionen.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4
Coordinationscentrmu.....nbsp; nbsp; 105
l'oordinationsstörungcn . . 4,nbsp; nbsp; 155
Corona radiata Ueilii.....nbsp; nbsp; 122
Corpus callosum.......nbsp; nbsp; 124
geniculatum externutu et
internum.....109,nbsp; nbsp; 113
mamiliaie.....109,nbsp; nbsp; 113
restiforme.....99,nbsp; nbsp; 104
trapezoides......nbsp; nbsp; 106
Corticale Centren.......nbsp; nbsp; 118
Grampus...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4
Crura cerebri.........nbsp; nbsp; 106
Craralislähmung.......nbsp; nbsp; nbsp; 23
E.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Seite
Eklampsie..........nbsp; nbsp; 230
Eminentia teres........nbsp; nbsp; nbsp; 99
Empfindungscentrum.....nbsp; nbsp; 119
Emptindungslosigkeit.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2
Encephalitis acuta.......nbsp; nbsp; 193
., purulenta.....nbsp; nbsp; 20O
Encephalomalacia.......nbsp; nbsp; 113
Endoneurium.........nbsp; nbsp; nbsp; 19
Enostosen, intervertebrale ...nbsp; nbsp; nbsp; 87
„ intracranielle ...nbsp; nbsp; nbsp; IST Entzündung der harten Hirnhaut
.............171,nbsp; nbsp; 172
Entzündung der harten llucken-
markshaut.........nbsp; nbsp; nbsp; 75
Entzündung der weichen llirn-
haut..........171,nbsp; nbsp; 172
Entzündung der weichen Bücken-
markshaut.........nbsp; nbsp; nbsp; 75
Entzündung des Gehirnes ...nbsp; nbsp; nbsp; 78
. , Rückenmarkes .nbsp; nbsp; nbsp; 78
Epbidrosis..........nbsp; nbsp; 238
Epiduralraum des Kückenmarkes 66
Epilepsie........• #9632; #9632;nbsp; nbsp; ^~^
Epilepsie, ])artielle, traumatischenbsp; 153,
226
Epincurinm .........nbsp; nbsp; nbsp; 19
Erkrankungen der Hückenmarks-
hiiute...........nbsp; nbsp; nbsp; 75
Erkrankungen der Rückenmark-
substanz..........nbsp; nbsp; nbsp; 78
Erregbarkeit bei centralen Läh­mungen ..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
Erregbarkeit, mechanische ...nbsp; nbsp; nbsp; .9
F.
Facialislähmnng........nbsp; nbsp; nbsp; 27
Falx cerebri.........nbsp; nbsp; 142
Fascia dentata Tarini.....nbsp; nbsp; 128
Fasciculus long. inf.......nbsp; nbsp; 126
Fibrae arcuatae externae ....nbsp; nbsp; 101
„ propriae........nbsp; nbsp; 125
Fila olfactoria ........nbsp; nbsp; 129
Foramen coecum.......nbsp; nbsp; nbsp;99
Monroi........nbsp; nbsp; 124
Iraquo;.
Decassatio pyramidarum ....nbsp; nbsp; 100
Degeneration, traumatische . . .nbsp; nbsp; nbsp; 39
j retrograde ... 2,nbsp; nbsp; nbsp; 61
Directei Krampf.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4
Dummkoller.........nbsp; nbsp; 215
Dnra matei spinaiis......nbsp; nbsp; nbsp;(iß
, cerebralis......nbsp; nbsp; 142
ocr page 287
Sachregister.
273
Seite
Forceps anterior, posterior ...nbsp; nbsp; 125
Forel'sche Coiiimissiir.....nbsp; nbsp; 132
Fornix............nbsp; nbsp; 182
Fovea anterior........nbsp; nbsp; nbsp; 99
Functionelle Neurosen.....nbsp; nbsp; 223
Funkulus cuneatus......nbsp; nbsp; nbsp; 52
„ gracilis.......nbsp; nbsp; nbsp; 52
Seite
Haute des Rückenmarkes ...nbsp; nbsp; nbsp; 05
Haubenregion.......nbsp; nbsp; nbsp;107
Haubenkern, rother.....nbsp; nbsp; nbsp;1GS
Ilaubenkreuzung ......nbsp; nbsp; nbsp;108
Hammelschwanz......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;42
Hemiopie, temporale, laterale .nbsp; nbsp; nbsp;158
Hemiplegie........nbsp; nbsp; nbsp;155
Hemiplegia laryngis.....nbsp; nbsp; nbsp; 34
Hemisphären .......nbsp; nbsp; nbsp;114
Herzklopfen, nervöses ....nbsp; nbsp; nbsp;234
Hinterhorn........nbsp; nbsp; nbsp;102
Hippocampus.......nbsp; nbsp; nbsp;128
Hirnanatomie.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;96
Hirnanämie........nbsp; nbsp; nbsp;188
Hirnabscess .......nbsp; nbsp; nbsp;200
Hirnblutung.......nbsp; nbsp; nbsp;192
Hirnentzündung......nbsp; nbsp; nbsp;193
Hirnerkrankungen.....nbsp; nbsp; nbsp; 90
Hirnerschütterung.....nbsp; nbsp; 164
Hirnerweichung......nbsp; nbsp; nbsp;193
Hirnfurchen.......nbsp; nbsp; nbsp;114
Hirngeschwülste......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2
Hirngewicht........nbsp; nbsp; nbsp;129
Hirnhautentzündung, acute .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;171 , epidemi­sche .........nbsp; nbsp; nbsp;177
llirnhöhlen........nbsp; nbsp; nbsp;127
llirnhyperämie.......nbsp; nbsp; nbsp;188
Hirnlappen........nbsp; nbsp; 117
Hirnmantel........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;98
llirnnerven........nbsp; nbsp; 129
Hirnnervenlähmung.....nbsp; nbsp; nbsp; 52
Hirnrinde..... . .nbsp; nbsp; 146
liirnrückenraarksseuche . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 177
Hirnatamm........nbsp; nbsp; nbsp; 98
Hirnsymptome, cerebrale . 194,nbsp; nbsp; nbsp;152
Hirnwassersucht......nbsp; nbsp; 203
Hirnwindungen......nbsp; nbsp; 116
llühlengrau, centrales ....nbsp; nbsp; 102
Höhrnerv........nbsp; nbsp; nbsp;138
Hornstreif........nbsp; nbsp; nbsp;109
Hydrocephalus......nbsp; nbsp; 203
Hypästhesie........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
Hyperästhesie.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
Hyperämie der Hirnhäute . .nbsp; nbsp; 168
18
Ot.
Gefässe des Gehirnes . . ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„ Rückenmarkes
Oehirnanhang . . . Gehörcentrum . . . Genickkrämpfe . . Geruchsbahn, centrale üenichscentrum . , Gornchskolben . . . Gcschraackscentrum . Geschmacksstörnngen Gesichtsnerv . . . Gewicht des Gehirnes
Gewölbe.....
Glomernli olfactorii . Glossopharyngeuslähmung Goll'scher Strang Gowers'sches Bündel Gratiolet'scbe Sehstralil Graves disease . : Graue Commissar Grenzstreif .... Grosshirn schenke! Gudden'sche Commissur Gyrus cinguli . . . „ hippocampi uncinatus . .
20
144
64
113
120
177
130
130
129
120
17
137
129
123
130
30
62
52
123
234
53
109
106
113
117
117
117
111
ir.
Haematomyelie......nbsp; nbsp; nbsp; 75
Ilaematorrachis......nbsp; nbsp; nbsp; 75
Haemoglobinurie......nbsp; nbsp; 357
Haemorrhagia meningealis . .nbsp; nbsp; 109
, cerebri ....nbsp; nbsp; 192
Harnwinde, schwarze ....nbsp; nbsp; 257
Häute des Gehirnes.....nbsp; nbsp; 142
Dexler. Nervenkrankheiten des Pferdes.
ocr page 288
274
Sacbresister.
Seite
Hyperämie der Hirnsubstanznbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 188
Hyperhidrosis.......nbsp; nbsp; 288
Hypoglüssuslähmung ....nbsp; nbsp; nbsp; 34
Hypophysis........nbsp; nbsp; 118
Lähmung der Augenmuskelner­ven .....
des Cruralis . . „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; . Facialis . . .
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „ Glossopharyngeus
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;der Hirnnerven
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;des Hypoglossus .
, Ischiadicus „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;_ Obduratorius .
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „ Oculomotorius
.. Plexus brachiali „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„ Plexus sacralis
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;der peripheren mot
Nerven .... des Quintus . . „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„ Radialis . . .
„ Recurrens . . „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;. Suprascapularis
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;. Schlundkopfes
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„ Tibialis . .
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.. Trigeminus . 16
,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;_ Vagus . . .
rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;der Zunge . . .
Läsionen, periphere, centrale, nu-cleilre, supranucleäro . .
Lemniscus.......
Lantermann'sche Einkorbungen Längsbündel, hinteres . . 108 Leptomeningitis cerebralis . ,
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; spinalis . .
Ligamentum dentioulatum
Linsenkern......120
Liquor cerebrospinalis . .
Lobus frontalis.....
„ oeeipitalia.....
„ temporalis .... Lungeniuagcnnerv .... Lyssa.........
M.
Malum Potti......
Mastdarmlähmung .... Medulla oblongata .... Mcningeale Ilämorrhagie . .
25 23 17 30 25 34 24 24 25 22 24
19 16 20 34 21 31 23 26 34 12
3
108
18
126
7.quot;) 66 120 29 118 118 118 140 247
l.
69 69 69
VI1 90 24 69
Ineontinentia ani . . . „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; intermittens
vesicae Inhaltsverzeichnis Intoxicationen . . . Iscbiadicuslahmang . Ischnria paradoxa
.r.
Jackson'sche Epilepsie
153
K.
Kapsel, innere, äussere . . .nbsp; nbsp; 120 i
Kehlkopfpfeifen......nbsp; nbsp; nbsp; 34 i
Kleinhirn........nbsp; nbsp; 102
Kleinhirnarm, unterer ....nbsp; nbsp; 104
„ oberer ....nbsp; nbsp; 104
Kleinliirnsoitenstrangbahn 02, 81),nbsp; 101
Kleinhirnrinde.......nbsp; nbsp; 147 i
Klinische Untersuchung ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ß •
Kniehöcker........nbsp; nbsp; 109 !
Kornradevergiftung.....nbsp; nbsp; nbsp; 93 ;
Krampf.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4 j
Krämpfe, clonische, der Extremi­täten .........nbsp; nbsp; 23fi |
Krankheiten der peripheren
Nerven........nbsp; nbsp; nbsp; 18
Krankheiten des Gehirnes . .nbsp; nbsp; nbsp; 96
„ .. Kückeninarkesnbsp; nbsp; nbsp; nbsp;61
Lähmung,nbsp; alternirende . . .
jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;motorische . . ,
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;traumatische . .
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;spastische, schlaffe
rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;des Acusticus . .
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„ Accessorius .
12 3
40 4
30
30
71
68
98
169
ocr page 289
Meningitis cerebralis acuta .
cerebrospinalis epide
mica........
Meningo-Myelitis.....
Meynert/sche Commissur . .
Mitralzellen.......
Mittelhirn.......
Monoplegie ......
Morbus sacer......
„ Basedowi......
Motorische Innervationsbabn „ Lähmung ... „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Region der Oross-
hirnrinde........
Multiple Myelitis......
Muskelempfindliehkeit. Prüfung
der..........
Muskeltonus.......
Myelitis diffusa......
disseminata . . . 7!),
transversa .....
spinalis......
X.
Sachre
,'ister.
2kgt;
Seite
Seil.-
172
Neuritis Neuron
38
v. Waldover
59
177
Neurose Nucleär
n ...
2'S
79
ä Läsionen
3
123
Nucleus
ambiguus
101
130
„
caudatus
. . 120,
126
106
_
denticulatus
cerebelli .
104
154
„
lentiformis .
. . 120,
126
224
raquo;
septi pelluci
ii. . . .
126
235
r
tecti
104
62
tegmenti . .
108
3
ns
81
o.
Obduratoriusläbmung . Ocalomotoriuslühmung Olive, untere ....
B obere.....
Opticuswurzeln Optische Leitnngsbahn .
24 25 lol 102 133 133
15
s 79
81
7;)
7S
Pacchionische Granulationen Pachymeningitis cerebralis . . „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;spinalis . . .
Pallium.........
Paralyse, allgemeine.....
Paralyse der Pbarynxmuskeln . Paralyse des Kecurrens
Paraplegie........
Parasino'idalräume.....
Parasiten.........
Parese.........
Pedunculus cerebri.....
Perineurium.......
Peripbere Läsionon.....
Pes peduneuli cerebri .... Pfeiflerdampt', Untersuchung Pia mater cerebralis .... , _ spinalis . . • . . Plexus chorioideus . . . 143,
Polimyelitis .......
Polyotnyelitis.......
Eons..........
Pottrsches Uebel......
143
Nacbbirn.......
Nerven, peripbere . . . Nervenentzündung . . . Nervenlähmung, periphere Nervenverletzung . . .
Nervi Lancisii.....
Ncrvus abducens . . .
,, accessorius . . .
„ acusticus ....
-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;cochleae .... „ facialis ....
-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;glossopbaryngeus . „ hypoglossus . . .
oculomotorius r olfactorius . . . opticus .... trigeminus . . . trochlearis . .
98 . 18 39 19 39 125 137 141 138 137 139 140 Ul 133 129 131 135 135 140 139
9S
4
31
13
67
142
214
4
106
18
3
107
13 143 65
145 79 79
106
71
vagus . . vostibularis
I
ocr page 290
276
Sachregister,
Seite 1 Propiideutik der Nervenkrank­heiten .........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 6
Propons.........nbsp; nbsp; 106
Pulvinar thulami......nbsp; nbsp; nbsp;109
Pulsaiion, abdominelle ....nbsp; nbsp; 234
Pupillenbewegung.....nbsp; nbsp; nbsp; 11
Pyramiden........nbsp; nbsp; nbsp; 09
Pyramidenbahn......nbsp; nbsp; nbsp;123
Pyramidenkreuzung.....nbsp; nbsp; 1ÜO
PyfamidenBeitcnstrangbabn . .nbsp; nbsp; nbsp; 52
Pyramidenvorderstrangbahn . .nbsp; nbsp; nbsp; 52
Qu.
Querschnittsmyelitis.....nbsp; nbsp; nbsp; 79
Quintuslähmung......nbsp; nbsp; nbsp; 16
\\.
Kadialislähmung......nbsp; nbsp; nbsp; 20
Kautengrube.......nbsp; nbsp; nbsp; 99
Kocurrensparalyse . . . 13,nbsp; nbsp; nbsp; 39
Pueflexbogen........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
Keflectorischer Krampf. ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4
Remack'scbe Fasern ....nbsp; nbsp; nbsp; 19
Respirationsbiindel v. Krause .nbsp; nbsp; 140
Riechnerv........nbsp; nbsp; 129
Rindenblindheit......nbsp; nbsp; 160
Rindenepilepsie......nbsp; nbsp; 153
Rindenfelder.......nbsp; nbsp; 118
Rohren.......13,nbsp; nbsp; nbsp; 34
Rollnerv.........nbsp; nbsp; 135
Rüekenmarksband, seitliches .nbsp; nbsp; nbsp; 6G
Rückenmarksblutung ....nbsp; nbsp; nbsp; 75
Rückenmarkscompression . .nbsp; nbsp; nbsp; 87
Rückenmarkägeschwülste ...nbsp; nbsp; nbsp; 87
S.
Sachregister.......nbsp; nbsp; 271
Schädelbruch.......nbsp; nbsp; 162
Sclüldeltumoren......nbsp; nbsp; 165
Schlaffe Lähmungen ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4
Schleife.........nbsp; nbsp; 108
Schleifenkreuzung.....nbsp; nbsp; 101
Schlundlähmung......nbsp; nbsp; nbsp; 31
Schnürringe, Kanviers ...nbsp; nbsp; nbsp; 18
Sch\vannquot;sche Scheide ....nbsp; nbsp; nbsp; 18
Seite
Schweifkern.....120,nbsp; nbsp; 126
Schweiflähmung......nbsp; nbsp; nbsp; 42
Schwindel.....1, 51,nbsp; nbsp; 231
Schwitzen, einseitiges ....nbsp; nbsp; 238
Secretorische Störungen ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 6
Seelenblindheit .... 120,nbsp; nbsp; 159
Sehhügel ......109.nbsp; nbsp; 120
Sehnerv.........nbsp; nbsp; 131
Sebnervenatrophie.....nbsp; nbsp; nbsp;156
Sehnervenkreuzung.....nbsp; nbsp; nbsp;131
Sehstörangen cerebralen Ur­sprunges ........nbsp; nbsp; nbsp;155
Sehstrahlung.......nbsp; nbsp; nbsp;111
Seitenstranggrundbündel . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;52
Seitenstrangkern......nbsp; nbsp; nbsp;101
Sensibilitätsstiirungen ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
Sensorische Bahnen ....nbsp; nbsp; nbsp;123
Septum pellucidum.....nbsp; nbsp; nbsp;123
Sinnesorgane. Prüfung ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;16
Sinus long, superior ....nbsp; nbsp; nbsp;142
Spaslische Lähmungen ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4
Sphinctcrcnparalyse . . . • 'nbsp; nbsp; nbsp; 42
Sphincterenstürungen ....nbsp; nbsp; nbsp; 68
Spinalganglien......nbsp; nbsp; nbsp; 63
Stabkranz........nbsp; nbsp; nbsp;122
Starrkrampf.......nbsp; nbsp; nbsp;251
Stimmbandlähmung.....nbsp; nbsp; nbsp; 34
Stauungspapille .... 149,nbsp; nbsp; 156
Störungen des Geschmackes .nbsp; nbsp; nbsp; 17
Strangzellen.......nbsp; nbsp; nbsp; 56
Stratum zonale......nbsp; nbsp; 110
Stratum intermedium ....nbsp; nbsp; 107
Strickkörper.......nbsp; nbsp; 104
Striae longitudinales ....nbsp; nbsp; 125 Subarachnoidalcysternen . .nbsp; nbsp; nbsp;143 Subarachnoidalraum des Rü­ckenmarkes .......nbsp; nbsp; nbsp; 66
Subaracbnoidealraumdes Gehirnes 66
Substantia nigra Soemmeringi .nbsp; nbsp; 107
Substantia perforata anterior .nbsp; nbsp; 130
Substantia Rolando gelatinosanbsp; nbsp; nbsp; 54
Sulcus latcralis mesencephali .nbsp; nbsp; 106
Supranucleäre Läsionen ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3
Suprascapularislähmung ...nbsp; nbsp; nbsp; 21
Sylvische Wasserleitung . 127,nbsp; nbsp; 107
ocr page 291
Sachregister.
Tapetum......125.
Taubheit, Prüfung.....
Tela chorioidea......
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; cerebelli . . .
Temperatursteigerung bei Ilirn-
aft'ectionen.......
Tentorium cerebelli.....
Tetanus.........
Thalamus opticus.....
Thrombose der Vena magna
Galeni.........
Tibialisliilimung......
Tonischer Krampf.....
Tractus olfactorius.....
Tractus peduncularis transversus Tractus opticus . . 109, 112,
Tractuswurzoln......
Traumatische Degeneration der
Nerven.........
Traumatische Degeneration des
Kückenmarkes......
Traumatische Lähmungen . .
Trichter.........
Trigeminus........
Trigeminuslähmung ... 16, Trigonum intercruralo .... Trophische Störungen ....
Tuber cinerenm......
Tuberculum faciale.....
„ acusticum .... Tumoren der Schädelwand . . Tumor cerebri ......
Seite
128 16
143 99
150 142 251 ICkj
Seite
Veitstanz.......
230
Velum medullare anterius et po
sterius .......
99
Ventrikel des Gehirnes . .
126
Verbiegungen der quot;Wirbelsäule
78
Verbindungen des Sehhügels
110
Vergiftung durch Arsenik
91
„ „ Agrostemma
93
B „ Lathyrus
94
. Blei , . ,
93
Verlängertes Mark ....
98
Verletzungen der Wirbelsäule
71
„ der Schädeldecke
161
Vertigo........
231
Vierhiigel.......
106
Vierhügelarme .....
107
Vierhügelplattc.....
107
Vorderhirn.......
113
Vorderhornzellen.....
56
Vordere Commissur . . . .
125
Vormauer........
121
214 23 4 129 1(17 131 113
39
88
40
113
135
w.
Weiche Hirnhaut .....nbsp; nbsp; 148
Willisischer Oefässring . . .nbsp; nbsp; 144
Wuth..........nbsp; nbsp; 247
Z.
Zittern.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
Zwerchfellkrampf......nbsp; nbsp; 284
Zwinge.........nbsp; nbsp; 126
Zwischenhirn.......nbsp; nbsp; 105)
Zuckungsgesetz......nbsp; nbsp; nbsp; 10
Zungenfleischnerv.....nbsp; nbsp; 141
Zungenlähmung......nbsp; nbsp; nbsp; 12
Zangenschi tmdkopfnerv . . .nbsp; nbsp;140
26
106
6
113
99
99
165
211
Untersuchung klinische
V.
Vaguslähmung . . . . Vasomotorische Störungen
34 6
K. u. k. Hofbucbdruckerei Karl Frociiaska in Tosche
ocr page 292
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