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BIBUOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
2911 209 5
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LEHRBUCH
DER
SPEC1ELLEN
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PATHOLOGIIE UND THERAPIE
FÜR
THIERÄRZTE.
NACH KLINISCHEN ERFAHRUNGEN BEARBEITET
VON
W. DIECKERHOFF
PUOFUSSOH AN DBB THIKKÄHZTI.tCHUN HOOHSOHUUä 7A1 BKltl.IN.
Erstex* Band.
Die Krankheiten des Pferdes.
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Berlin 1888. Vorlag von August Hirschwald.
NW. Unter lt;lon Mmlon HS.
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Vorwort.
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em Werke, von welchem ich hiermit den durch die dritte
Lieferung vollendeten ersten Band der Oeffentlichkeit übergebe, habe ich nur wenige Bemerkungen voranzustellen. Die leitenden Principien für die Behandlung des umfangreichen Materials sind schon in den ersten beiden Lieferungen zum Ausdruck gekommen und von der öffentlichen Kritik gebilligt worden. Das Buch ist für die Studirenden und für die praktischen Thierärzte bestimmt. Beide Zwecke erheischen nach meiner Auffassung eine gesonderte Darstellung der Krankheiten bei den einzelnen Gattungen der Plausthiere. Diesem Plane entsprechend umfasst der erste Band die Krankheiten der Pferde, während der zweite Band in ge­trennten Abschnitten die Krankheiten der Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine enthalten wird.
Trotz mannigfacher Anregung habe ich die Bearbeitung des Werkes erst nach reiflichen Studien begonnen. In einer lang­jährigen Thätigkeit als praktischer und beamteter Thierarzt, sowie in der Stellung als Leiter der Klinik an der hiesigen thier-ärztlichen Hochschule war mir eine reiche Gelegenheit zur Orientirung im Gebiete der inneren Krankheiten bei den Haus-thieren und in den Aufgaben der thierärztlichen Praxis geboten. Wenn ich hiernach einen grossen Theil der Krankheiten ein-schliesslich ihrer Diagnostik und Therapie vorwaltend auf Grund des eigenen Erfahrungsmaterials beschrieben habe, so wird mir hoffentlich die Berechtigung hierzu nicht bestritten werden. Bei vielen Capiteln habe ich für nothwendig erachtet, casuistische Beiträge in der Form kurzer Krankheitsgeschichten anzuschliessen.
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IV
Vorwort.
V
Dieselben haben den Zweck, einerseits die tliatsachliche Richtig­keit der Darstellung nachzuweisen und andererseits dem Leser die Aneignung gesicherter Kenntnisse in der Symptomatologie und dein Verlaufe der Krankheiten zu erleichtern. Daneben ist die Fachliteratur bei allen erheblichen Anlässen thunlichst ge­würdigt worden. Indess habe ich bei den theoretischen Er­läuterungen von unfruchtbaren) Beiwerk abgesehen, mich viel­mehr darauf beschränkt, die feststehenden oder nach allgemeinen Gründen annehmbaren Erklärungen hervorzuheben, im Uebrigen aber die Grenzen der gesicherten Hrkenutniss zu bezeichnen.
Der geneigte Leser wird in einzelnen Capiteln eine um­fassende, fast monographische Darstellung finden, während die ßeschreibung anderer Krankheiten kurz gehalten ist. Zu meiner Rechtfertigung in diesem Betracht bemerke ich, dass ich ge­flissentlich auf die Bedeutung der einzelnen Krankheiten für das Studium und für die thierärztliche Praxis Rücksicht genommen habe. Dass bei der Besprechung der weniger wichtigen Krank­heiten engere Grenzen innegehalten sind, war schon des räum­lichen Interesses wegen geboten. Ist doch der Umfang des ersten Bandes trotz der reichlichen Anwendung von Kleindruck um mehrere Bogen stärker geworden, als im ursprünglichen Plane lag.
Für die Classification der Krankheiten ist, wie ich schon in der Einleitung (S. 1) bemerkt habe, ein bestimmtes Princip nicht mit Erfolg zu verwerthen. Ich hoffe indess, dasä*durch die von mir gewählte Theilung des Materials, sowie durch das Inhalts-verzeichniss und das ausführliche Sachregister die Benutzung des Buches wesentlich erleichtert sein wird.
Berlin, den 15. November 1887.
IMeckerhoff.
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Inhaltsverzeichniss.
Reitraquo;
Einleitung...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
Classification der Krankheiton..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
Allgemeine Diagnostik der Pferdekrankheiten.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
Allgemeine Bemerkungen............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3
1.nbsp; nbsp;Habitus des Pferdes............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
a)nbsp; nbsp;Bauart...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
b)nbsp; nbsp;Constitution.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8
c)nbsp; nbsp;Temperament.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10
2.nbsp; nbsp;Eigenwärme (Fieber)............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;12
3.nbsp; nbsp;Haut................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;16
4.nbsp; nbsp;Schleimhäute..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;20
5.nbsp; nbsp;Ausflüsse iius Augen, Nase und Maulhöhle......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;26
6.nbsp; nbsp;llespiratlonsai parat............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;28
a)nbsp; nbsp;Form, Umfang und Durchmesser des Thorax ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;28
b)nbsp; nbsp;Frequenz und Intensität des Athmens......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;29
Dyspnoe..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;31
c)nbsp; nbsp;Auscultation.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;41
Stimme.....#9632;.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;41
Husten . .............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;43
Athmungsgeräusche der Nasenhöhle......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;49
Athmungsgeräusche des Kehlkopfs.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;51
Athmungsgeräusche der Luftröhre.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;52
Athmungsgeräusche der Bronchien, Lungen und Pleura .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;54
d)nbsp; nbsp;Percussion..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;64
7.nbsp; nbsp;Circulationsapparat............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;68
a)nbsp; nbsp;Herz...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;68
b)nbsp; nbsp;Arterlen..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;79
c)nbsp; nbsp;Venen...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;82
8.nbsp; nbsp;üigestionsapparat............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;83
ö. Harnapparat..............nbsp; nbsp; nbsp; 99
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VI
Inhaltsverzeiohniss.
Erste Classe. Infections- und Intoxicationskrankheiten,
Seite
Rotz. Maliasmus. Malleus...............nbsp; nbsp; nbsp;106
Tollwuth. Wuthkranltheit. Lyssa. Rabies..........nbsp; nbsp; nbsp;179
Milzbrand. Anthrax................nbsp; nbsp; nbsp;191
Sibirische Beulenseucho. Jaswa.............nbsp; nbsp; nbsp;201
Afrikanische Pferdopest. Pestis africana Equorum........nbsp; nbsp; nbsp;203
Influenza....................nbsp; nbsp; nbsp;204
Brustseuche. Epidemia pectoralis Eq. Typische infectiöse Lungenentzündung
der Pferde.................nbsp; nbsp; nbsp;207
Ephemere infectiöse Pneumonie. Pneumonia ephemera Equorum ....nbsp; nbsp; nbsp;267
Pferdestaupe. Leuma................nbsp; nbsp; nbsp;272
Scalma....................nbsp; nbsp; nbsp;287
Diphtherische Krankheiten...............nbsp; nbsp; nbsp;297
Diphtherisohe Herde der Nasenschleimhaut. Rhinitis multiplex diph-
therica.................nbsp; nbsp; nbsp;299
Diphtherisohe Herde der Conjunctiva. Conjunctivitis diphtherica .nbsp; nbsp; nbsp;302 Diphtherische Herde der Darmschleimhaut. Enteritis diphtherica
multiplex................nbsp; nbsp; nbsp;302
Diffuse diphtherische Darmentzündung. Enteritis diphtherica diffusanbsp; nbsp; nbsp;303
Sephthämie. Septische Infection. Septisches Fieber........nbsp; nbsp; nbsp;308
Primäre septische Allgemeininfoction. Primäre Sephthämie . . .nbsp; nbsp; nbsp;310
Pyämie....................nbsp; nbsp; nbsp;316
Pyo-Sephthämie neugeborener Fohlen durch Phlebitis umbilicalis ....nbsp; nbsp; nbsp;320
Nabelentzündung und Nabelvenenentzündung .......nbsp; nbsp; nbsp;327
Entzündliche Reizung der weichen Hirnhaut und der weichen Rücken­markshaut ................nbsp; nbsp; nbsp;329
Allgemeine septische Blutvergiftung.........nbsp; nbsp; nbsp;330
Metastatische abscedirende Lungenentzündung......nbsp; nbsp; nbsp;331
Metastatische innere Augenentzündung.........nbsp; nbsp; nbsp;332
Multiple seröse und purulento Gelenkentzündung. Arthritis multiplex
metastatica. Lähme.............nbsp; nbsp; nbsp;333
Druse. Coryza contagiosa Equorum............nbsp; nbsp; nbsp;337
Leichte fieberhafte Affectionen. FeBricula. Ephemera (Febris diuria) . . .nbsp; nbsp; nbsp;380
Erkältungsfieber...............nbsp; nbsp; nbsp;380
Ephemeres Fieber nach Reizung dor Respirations- oder der Digestions­schleimhaut...............nbsp; nbsp; nbsp;383
Stomatitis et Dermatitis pustulosa contagiosa. Aphthenkrankheit der Pferde .nbsp; nbsp; nbsp;385
Beschälkrankheit. Beschälseuche. Lues venerea Equi.......nbsp; nbsp; nbsp;393
Tuberkulose. Tuberculosis Equi.............nbsp; nbsp; nbsp;405
Blutflockenkrankheit. Morbus maculosus...........nbsp; nbsp; nbsp;410
Bluterkrankheit. Haemophilie..............nbsp; nbsp; nbsp;443
Kreuzrhehe. Windrheho. Schwarze Harnwinde.........nbsp; nbsp; nbsp;449
Harnruhr. Lauterstall. Diabetes insipidus..........nbsp; nbsp; nbsp;484
Bösartige Gelbsucht. Icterus gravis. Acute gelbe Leberatrophie. Lupinen­krankheit. Lupinosis..............nbsp; nbsp; nbsp;495
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Inhaltsverzeiohniss.
VII
Seite
Vergiftung durch Kornrade (Agrostemma Githago)........nbsp; nbsp; 498
Vergiftung durch Equisetum (Schachtelhalm)..........nbsp; nbsp; 502
Vergiftung durch Rohr (Arundo Phragmites)..........nbsp; nbsp; 504
Vergiftung durch verschimmeltes Putter...........nbsp; nbsp; 505
Vergiftung durch Herbstzeitlose (Colchicum autumnale).......nbsp; nbsp; 505
Zweite Olasse. Durch thierische Parasiten verursachte Krankheiten.
Bandwürmer. Cestodes................nbsp; nbsp; 507
Rundwürmer. Annelides. Nemathelmintha..........nbsp; nbsp; 509
Der Spulwurm des Pferdes. Ascaris megalocephala.....nbsp; nbsp; 509
Der bewaffnete Pallisadenwurm. Sclerostomum armatum. Strongylus
armatus................nbsp; nbsp; 513
Bremsenlarven. Gastruslarven..............nbsp; nbsp; 524
Krätzmilben...................nbsp; nbsp; 529
Räude. Krätze. Scabies. Psora..........nbsp; nbsp; 530
Sarcoptesräude. Scabies equi sarcoptica .......nbsp; nbsp; 632
Dermatocoptesriiude. Scabies equi dermatocoptioa ....nbsp; nbsp; 533
Dermatophagusraude. Scabies equi dermatophagica. Fussräudenbsp; nbsp; 540
Läuse. — Haarlinge. — Vogelmilben............nbsp; nbsp; 542
Dritte Classe. Allgemeine Störungen der Ernährung.
Constitutionelle Schwäche (Muskelschwäche) durch ungenügende Ernährung.
Hungerkachexie................nbsp; nbsp; 544
Darrsucht, Tabes intestinalis..............nbsp; nbsp; 546
Essentielle Anämie. Chronische Anämie. Progressive perniciöse Anämie . .nbsp; nbsp; 550
Leukämie....................nbsp; nbsp; 652
Pseudoleukämie. Hodgkin'sche Krankheit. Malignes Lymphom. Malignes
Lymphadenom................nbsp; nbsp; 554
Geschwülste...................nbsp; nbsp; 563
A.nbsp; nbsp;Sarkome................nbsp; nbsp; 564
B.nbsp; nbsp;Melanosarkome..............nbsp; nbsp; 569
C.nbsp; nbsp;Carcinome................nbsp; nbsp; 572
Constitutionelle Knochenkrankheiten . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.........nbsp; nbsp; 575
A.nbsp; nbsp;Lordosis, Senkrücken............nbsp; nbsp; 576
B.nbsp; nbsp;Kyphosis und Kypho-Skoliosis. Karpfenrücken, Buckel . . .nbsp; nbsp; 576 0. Rhachitis................nbsp; nbsp; 577
D.nbsp; nbsp;Knochenbrüchigkeit. Osteopsathyrosis........nbsp; nbsp; 580
E.nbsp; nbsp;Allgemeine Osteoporose............nbsp; nbsp; 581
F.nbsp; nbsp;Toxische Entzündung des Knochenmarks. Chronische Osteomye­litis des Beckens und der Oberschenkel.......nbsp; nbsp; 586
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VIII
Inhaltsverzeichniss.
Vierte Olasse. Organ krankh ei ten.
A. Krankheiten des Nervensystems.
Seitlaquo;
Allgemeine Bemerkungen über das Gehirn und Rückenmark.....nbsp; nbsp; nbsp;587
Gehirncongostion. Gehirnhyperümie............nbsp; nbsp; nbsp;589
Acute Gehirnwassersucht. Hydrops acutus cerebri. Hydrocephalus acutus .nbsp; nbsp; nbsp;594
Gehirnödem................nbsp; nbsp; nbsp;596
Subacute seröse Hirnhautentzündung. Leptomeningitis serosa sub-
acuta.................nbsp; nbsp; nbsp;597
Gehirnentzündung. Encephalitis. Gehirn- und Gehirnhautentzündung.
Encephalo-Meningitis.............nbsp; nbsp; nbsp;598
Dummkoller. Morosis Equorum.............nbsp; nbsp; nbsp;613
Gehirnabscoss......... ........nbsp; nbsp; nbsp;635
Schwindel. Vertigo.................nbsp; nbsp; nbsp;636
Fallsucht. Epilepsia. Morbus sacer............nbsp; nbsp; nbsp;642
Acute epileptiforme Gehirnkrärapfe. Acute Epilepsie. Eklampsie ....nbsp; nbsp; nbsp;646 Allgemeine klonische und klonisch-tonische Krämpfe ohne Verlust des Be-laquo;
wusstseins.................nbsp; nbsp; nbsp;650
Starrkrampf. Tetanus................nbsp; nbsp; nbsp;655
Blutungen im Gehirn und Rückenmark...........nbsp; nbsp; nbsp;666
Geschwülste im Gehirn und Rückenmark...........nbsp; nbsp; nbsp;670
Entzündung der Rückenmarlishäute (Meningitis spinalis) und Entzündung des
Rückenmarks (Myelitis spinalis)...........nbsp; nbsp; nbsp;671
Lähmungen...................nbsp; nbsp; nbsp;674
Blitzschlag....................nbsp; nbsp; nbsp;678
B. Krankheiten der Respirationsorgane.
Acuter Nasenkatarrh. Catarrhus nasalis simplex. Rhinitis catarrhosa . . .nbsp; nbsp; nbsp;680 Acuter Kehlkopfkatarrh. Laryngitis acuta. Bräune. Angina laryngea. Cy-
nanche. Laryngo-Pharyngitis............nbsp; nbsp; nbsp;682
Acute infectiöse Kehlkopfentzündung. Laryngitis infectiosa acuta. Angina
phlegmonosa.................nbsp; nbsp; nbsp;686
Glottisödem. Laryngitis acutissima............nbsp; nbsp; nbsp;689
Acuter Bronchialkatarrh. Bronchitis catarrhalis acuta.......nbsp; nbsp; nbsp;691
Chronische oberflächliche Kehlkopfentzündung. Laryngitis superfioialis chro-
nica. Chronischer Reizhusten. Chronischer Kehlkopfhusten ....nbsp; nbsp; nbsp;695
Chronischer Nasenkatarrh. Catarrhus nasalis chronicus. Rhinitis chronica .nbsp; nbsp; nbsp;696
Chronischer Katarrh der Kiefer- und Stirnhöhlenschleimhaut.....nbsp; nbsp; nbsp;699
Geschwülste in den Kopfhöhlen..............nbsp; nbsp; nbsp;701
Chronischer Luftsackkatarrh..............nbsp; nbsp; nbsp;703
Meteorismns des Luftsackes...............nbsp; nbsp; nbsp;704
Einseitige Kehlkopflähmung. Kehlkopfpfeifen.........nbsp; nbsp; nbsp;706
Blutungen aus dem Respirationstraotus...........nbsp; nbsp; nbsp;713
Bronchitis chronica. Chronischer Bronohialkatarrh........nbsp; nbsp; nbsp;716
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Inhaltsverzoiohniss.
IX
Soitc
Lungenemphysem.................nbsp; nbsp; nbsp;724
Lungeninduration und Lungengeschwülstc..........nbsp; nbsp; nbsp;727
Lungendämpfigkeit. Asthma pulmonalo...........nbsp; nbsp; nbsp;730
Lungencongestion und Lungenödem............nbsp; nbsp; nbsp;732
Pleurodynie...................nbsp; nbsp; nbsp;735
Lungenentzündung. Pneumonia.............nbsp; nbsp; nbsp;738
Broncho-Pneumonie. Katarrhalische Lungenentzündung. Pneumonia catarrhalisnbsp; nbsp; nbsp;740
Embolisohe Pneumonie. Metastatischo Pneumonie........nbsp; nbsp; nbsp;749
Lungenabsoess..................nbsp; nbsp; nbsp;751
Lungenbrand. Gangraena pulmonum............nbsp; nbsp; nbsp;753
Brustfellentzündung. Pleuritis..............nbsp; nbsp; nbsp;757
Rheumatische Brustfellentzündung. Pleuritis rheumatica exsudativanbsp; nbsp; 760 Hydrotiiorax (Brustfellwassersucht), Haematolhorax (Erguss von Blut in den Pleurasack), Pneumothorax (Windbrust) und Pyothorax s. Empyema
(Eiterbrust) .................nbsp; nbsp; nbsp;765
0. Krankheiten der Circulationsorgano.
Acute llorzinsufflcienz nach übermässiger Anstrengung der Pferde. Herz- und
Lungencongestion...............nbsp; nbsp; nbsp;768
Acute Herzentzündung. Myocarditis acuta..........nbsp; nbsp; nbsp;771
Erweiterung und Vergrösserung des Herzens, üilatatio et Hypertrophia cordisnbsp; nbsp; nbsp;772
Endocarditis...................nbsp; nbsp; nbsp;775
Klappenfehler des Herzens...............nbsp; nbsp; nbsp;777
Thrombonbildung im Herzen..............nbsp; nbsp; nbsp;781
Spontane Ruptur des Herzens..............nbsp; nbsp; nbsp;783
Neurosen des Herzens................nbsp; nbsp; nbsp;784
Herzbeutelentzündung. Pericarditis . '...........nbsp; nbsp; nbsp;786
Hydropericardium (Wassersucht des Herzbeutels), Haomopericardiuin (Blut-
erguss in den Herzbeutel) und Pnoumopericarduim (Gas im Herzbeutel)nbsp; nbsp; nbsp;788
Artoriosklerose...... ...........nbsp; nbsp; nbsp;789
Aneurysmen. Pulsadergeschwülste............nbsp; nbsp; nbsp;792
Thromboso und Obliteration der hinteren Aorta und ihrer Aesto ....nbsp; nbsp; nbsp;792
Spontane Ruptur der Arterien und Venen...........nbsp; nbsp; nbsp;794
D. Krankheiten der Digestionsorgano.
Katarrh der Maulschleimhaut. Stomatitis simplex. St. erythomatosa . . .nbsp; nbsp; nbsp;795
Stomatitis vesicularis. Bläschenoxanthem der Maulschleimhaut ....nbsp; nbsp; nbsp;796
Stomatitis erysipolatosa...............* .nbsp; nbsp; nbsp;798
Spoichellluss. Salivation. Ptyalismus...........nbsp; nbsp; nbsp;799
Katarrhalische Entzündung dor Rachenschleimhaut. Pharyngitis acuta. Kachon-
bräune. Angina pharyngea. Pharyngo-Laryngitis......nbsp; nbsp; nbsp;800
Retropharyngealabscess................nbsp; nbsp; nbsp;803
Lähmung des Schlundkopfs und Schlundes........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .nbsp; nbsp; nbsp;805
Divertikel. Stenosen und Geschwülste des Schlundes.......nbsp; nbsp; nbsp;806
Acute Dyspepsie. Gastrosis simplex. Gastricismus. Status gastricus #9632; .nbsp; nbsp; nbsp;807
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Xnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Inhaltsvemiohniss,
Holte
Acuter Magen-Darmkatarrh. Catarrhus intestinalis febrilis. Fieberhafte
Gastrosis. Febris gastrica.............nbsp; nbsp; 810
Dyspepsia chronica. Chronischer Appetitmangel........nbsp; nbsp; 812
Erweiterungen des Magens und des Darms..........nbsp; nbsp; 816
Magen- und Darmgeschwüre..............nbsp; nbsp; 818
Magen- und Darmblutungen..............nbsp; nbsp; 819
Durchfall. Bauchfluss. Diarrhoea............nbsp; nbsp; 821
Einfacher Erkältungsdurchfall. Rheumatische Diarrhöe.......nbsp; nbsp; 822
Acuter Magen-Darmkatarrh der Fohlen. Acute Diarrhöe......nbsp; nbsp; 823
Chronischer Darmkatarrh. Catarrhus intestinalis chronicus. Diarrhoea chronicanbsp; nbsp; 825 Diffuse acute Magen-Darmentzündung nach Erkältung. Gastro-Enteritis rheu-
matica..................nbsp; nbsp; 827
Toxische Magen-Darmentzündung.............nbsp; nbsp; 828
Acute infectiöse Magen-Darmentzündung...........nbsp; nbsp; 829
Kolik. Colica. Darmweh. Enteralgia...........nbsp; nbsp; 831
Einfache Obstipation. Verstopfung ohne Kolik.........nbsp; nbsp; 853
Chronische Mastdarinentzündung. Proktitis chronica.......nbsp; nbsp; 854
Mastdarmlähmung. Paralysis recti............nbsp; nbsp; 855
Acute Bauchfellentzündung. Peritonitis acuta.........nbsp; nbsp; 857
Chronische Bauchfellentzündung. Peritonitis chronica.......nbsp; nbsp; 860
E. Krankheiten der Leber.
Gelbsucht. Icterus.................nbsp; nbsp; 862
Entzündung der Lebor. Hepatitis.............nbsp; nbsp; 864
Diffuse Leberverhärtung Cirrhosis hepatis diffusa. Hypertrophische
Lebercirrhose des Pferdes. Schweinsberger Krankheit . . .nbsp; nbsp; 866
Leberblutung. Ruptur der Leber.............nbsp; nbsp; 868
Geschwülste in der Leber und Gallensteine..........nbsp; nbsp; 870
F. Krankheiten der Harnorgane.
Nierenentzündung. Nephritis..............nbsp; nbsp; 871
Chronische Nierenentzündung. Nephritis chronica........nbsp; nbsp; 873
Chronische parenchymatöse Nephritis.........nbsp; nbsp; 873
Chronische interstitielle Nephritis..........nbsp; nbsp; 874
Chronische parenchymatös-interstitielle Nephritis. Chronischer Mor-
bus Brightii...............nbsp; nbsp; 875
Eiterige Nierenentzündung. Nephritis suppuratiya. Nierenabscess . . .nbsp; nbsp; 877
Hydronephrose..................nbsp; nbsp; 878
Entzündung des Nierenbeckens. Pyelitis...........nbsp; nbsp; 879
Nierensteine. Nephrolithiasis..............nbsp; nbsp; 879
Fibripöse Entzündung des Ureters und des Nierenbeckens......nbsp; nbsp; 880
Entzündung der Harnblase. Cystitis............nbsp; nbsp; 881
Blasenlähmung..................nbsp; nbsp; 881
Hyperästhesie der Harnröhre..............nbsp; nbsp; 883
Blutungen aus den Harn wegen. Hämaturie..........nbsp; nbsp; 883
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Inhaltsverzeichniss.
XI
G. Krankheiten der Geschlechtsorgane.
8laquo;tte
Acute Gebärmutterentzündung. Metritis acuta. M. peraouta. M. septica . .nbsp; nbsp; nbsp;884 Chronischer Katarrh dos Uterus. Chronische katarrhalische Gebärmutterent-
ziindung. Endometritisquot;catarrhalis chronica........nbsp; nbsp; nbsp;886
Bläschenausschlag. Phyctänenausschlag der Geschlechtstheile.....nbsp; nbsp; nbsp;888
H. Krankheiten der Skeletmuskulatur.
Constitutionelle Muskelscbwäohe (Lebensschwäche) neugeborener Fohlen . .nbsp; nbsp; nbsp;889
Acute Degeneration der Skeletmuskulatur in Folge krankhafter Ueberanstrengungnbsp; nbsp; nbsp;890
Allgemeiner acuter Muskelrheumatismus. Rheumatismus muscularis aoutus .nbsp; nbsp; nbsp;891
Progressive Pseudohypertrophie der Skeletmuskeln bei Pferden.....nbsp; nbsp; nbsp;893
Eisballen....................nbsp; nbsp; nbsp;894
Entzündung und Retraction der Fascien...........nbsp; nbsp; nbsp;894
Kreuzschwäche. Unvollständige rheumatische Lähmung des Kreuzes.
Paraplegia muscularis incompleta. Chronische Kreuzlähmung .nbsp; nbsp; nbsp;895
I. Hautkrankheiten.
Spontane Blutung der Haut. Blutschwitzen..........nbsp; nbsp; nbsp;896
Ausfallen des Deokhaars und Verlust des Hautpigmentes......nbsp; nbsp; nbsp;897
Schmutzflechte. Kleienflechte. Pityriasis simplex........nbsp; nbsp; nbsp;898
Hautjucken. Pruritus................nbsp; nbsp; nbsp;898
Sohwindflechte. Liehen................nbsp; nbsp; nbsp;899
Hitzknötchen...................nbsp; nbsp; nbsp;900
Intertrigo....................nbsp; nbsp; nbsp;901
Erythema....................nbsp; nbsp; nbsp;902
Ekzema.....................nbsp; nbsp; nbsp;903
Einfaches locales Ekzem.............nbsp; nbsp; nbsp;903
Einfaches allgemeines Ekzem...........nbsp; nbsp; nbsp;904
Pustulöses Ekzem..............nbsp; nbsp; nbsp;904
Krustöses Ekzem. Schorfflechte..........nbsp; nbsp; nbsp;904
Mauke....................nbsp; nbsp; nbsp;906
Schutzmauke. Exanthematische Mauke. Jenner'sohe Mauke. Pferde­pocken. Variola equina. Horse-pox........nbsp; nbsp; nbsp;907
Nesselausschlag. Nesselfleber. Nesselsucht. Nesselbeulen. Urticaria . .nbsp; nbsp; nbsp;908
Acuter allgemeiner Blasenausschlag. Pemphigus acutus......nbsp; nbsp; nbsp;910
Glatzflechte. Scheerflechto. Herpes tonsurans.........nbsp; nbsp; nbsp;912
Acne contagiosa Equorum. Englische Pocken.........nbsp; nbsp; nbsp;913
Progressive Hautgangrän...............nbsp; nbsp; nbsp;916
Pachydermie...................nbsp; nbsp; nbsp;917
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Berichtigung.
Seite 431 '/eile G von oben ist statt „Physostigm. sulf. (0,8—1,25 in Aq.)quot; zu lesen „Physostigm. sulf. (0,08—0,12 in Aq.)quot;.
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Einleitung.
Classification der Krankheiten.
conform der in der Medicin üblichen Eintheilung der menschlichen Krankheiten in „innere und „äusserequot; ist auch in der Thierarzneikundo seit jeher das Gebiet der speciellen Pathologie und Therapie auf die­jenigen Thicrkrankheiten beschränkt worden, welche vorwaltend an den inneren Organen des Körpers zur Entwickelung kommen. Einem be­stimmten und klar defmirbaren Princip entspricht aber die Unterscheidung zwischen inneren und äusseren Krankheiten nicht. Zu allen Zeiten hat vielmehr das Zugeständniss gemacht werden müssen, dass es eine Reihe von Krankheiten giebt, deren Erörterung mit gleichem Recht der internen oder der externen (chirurgischen) Pathologie angereiht werden kann. In der neueren Zeit wird vielfach In dem Masse, als die Localbohandlung der Krankheiten Fortschritte macht, das Gebiet der speciellen Chirurgie zu erweitern getrachtet.
Bei der in diesem Lehrbuch beabsichtigten Darstellung der inneren Pferdekrankheiten werde ich zwar im Allgemeinen die bislang aner­kannten Grenzen zwischen chirurgischen und inneren Krankheiten be­achten. Indoss wird sich die Besprechung mancher Gegenstände, die — wie ich anerkenne — auch in der speciellen Chirurgie abgehandelt werden können, aus Rücksicht auf die nothwendige Vollständigkeit und auf das praktische Interesse der Leser nicht umgehen lassen.
Für die Eintheilung der Krankheiten, deren Erörterung der speciellen Pathologie und Therapie anheimfällt, lässt sich ein allgemein befriedigen­des Princip nicht aufstellen Die in der früheren Zeit gemachte Prä-sumtion, dass die speciellen Krankheiten auf grössere physiologische Sphären (Bildung, Bewegung, Empfindung, Fortpflanzung) zweckmässig
Dieckorlioff, Spec. Fetliologio 11. TUornpio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;j
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Classification der Krankheiten.
zu begrenzen und nach diesen Gesichtspunkten in bestimmte Classen /u-sammciizufassen seien, ist nicht berechtigt. Ebensowenig entspricht die Auffassung, dass bei einer grösseren Zahl von Krankheiten eine Gleich­artigkeit des Charakters bestehe und dass deshalb die Scheidung der­selben in bestimmte Gruppen oder Familien (Typhen, Erysipelaceen, Katarrhe, Rheumatismen etc.) zweckmässig sei, den Thatsachen.
In dem Masse, als die medicinischen Schulen und Systeme durch die fortschreitende Erkenntniss der ursächlichen Bedingungen und des Verlaufs der spociellen Krankheiten unhaltbar geworden sind, hat auch die Unzulässigkeit der Principien für die Classificirung der Krankheiten zugegeben werden müssen.
Auch die in der neueren Zeit bevorzugte Scheidung des Materials in allgemeine und locale (Organ-) Krankheiten deckt sich nicht voll­ständig mit den thatsächlichen Verhältnissen. Denn es giebt sehr viele Krankheiten, welche zuweilen unter dem Bilde einer localen Störung verlaufen, oft aber durch die gleichzeitige Affection mehrerer Organe sich vorwaltend als eine Gesammt-Erkrankung des Körpers charakterisiren (Rotz, Tuberkulose u. s. w.).
Hiernach erscheint es am zweckmässigsten, bei der Mannigfaltigkeit der Störungen, von weichen die Gesundheit der Thiere betroffen werden kann, die Uebersicht über das grosso Material dadurch zu erleichtern, dass die Einthoilung desselben unter Berücksichtigung verschiedener Principien bewirkt wird. Das Eigenartige der Krankheiten wird am meisten bestimmt durch die Ursachen, durch die Rückwirkung der Stö­rungen auf die allgemeine Ernährung des Körpers und durch die Ver­änderungen an den einzelnen Organen. Es empfiehlt sich daher, wie in der neueren Medicin mehrfach verfahren wird, die Classification der inneren Krankheiten auf diese Gesichtspunkte zu basiren. Ich werde demgemäss das Material in folgenden 4 Classen zur Darstellung bringen:
Erste Classe: Infections- und Intoxikationskrankheiten;
Zweite Classe: Durch thierische Parasiten verursachte Kranklieiten;
Dritte Classe: Allgemeine Störungen der Ernährung (chronische constitutionelle Krankheiten);
Vierte Classe: Organkrankheiten.
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Allgemeine Diagnostik der Pfordekrankheiten.
Allgemeine Diagnostik der Pferdekrankheiten.
Unter den Aufgaben des praktischen Thierarztes ist die Diagnostik der Thierkrankheiten eine der vornehmsten und schwierigsten. Die Trag­weite derselben ergiebt sich daraus, dass durch ihre technisch richtige Handhabung die thatsächliche Basis sowohl für die ßeurtheilung der concreten Krankheitsfälle, als auch für die Feststellung zwecknaässiger Heilindicationen bezw. für die Formulirung eines rationellen Ourplans geschaffen werden muss. Bislang war die Erläuterung der Untersuchungs­methoden, mit welchen die Thatsachen zum Zwecke der Diagnose bei den kranken Thieren ermittelt werden, der allgemeinen Pathologie an­heimgegeben. Erst in der neueren Zeit ist es üblich geworden, dieselben der klinischen Pathologie vorzubehalten.
Die Ueberwindung der Schwierigkeiten, welche die Diagnose der Pferdekrankheiten mit sich bringt, erfordert die ganze technische Auf­merksamkeit des Thierarztes. Ist derselbe von Natur mit einem scharfen Verständniss ausgestattet, so wird ihm die vollständige oder wenigstens die ausreichende Erhebung des Untersuchungsbefundes erleichtert. Im Allgemeinen sind aber vorschnelle Urtheile möglichst zu vermeiden. Andererseits lässt sich durch fortgesetzte Uebung und besonders durch eingehende Beobachtung des Verhaltens gesunder Pferde die Befähigung in der Beurtheilung eines Untersuchungsbefundes bei kranken Pferden nach und nach vervollkommnen. Erschöpfend werden die Aufgaben der Diagnostik von Niemand gelöst. Das liegt schon in der Unvollkommen-heit der Wissenschaft begründet. Auch die erfahrensten und gewandtesten Diagnostiker befinden sich bei der ersten Untersuchung kranker Pferde zuweilen in der Nothvvendigkeit, zunächst ihr Urtheil auf den allgemeinen Charakter der Krankheit zu beschränken und die endgültige bezw. richtige Diagnose von der Vervollständigung der Befunde während des weiteren KrankheitsVerlaufs abhängig zu machon.
Es giebt eine Reihe von Krankheiten, welche nach ihrer vollendeten Ausbildung bei den Pferden „auf den ersten Blickquot; erkannt werden können (Angesichts-Diagnosen). Wenn die Pferdestaupe in einem grösseren Bestände herrscht, so ist jeder neue Krankheitsfall meist schon nach dem Habitus des Pferdes zu ermitteln. Auch beim Starrkrampf ist die „Diagnostik in Distanzquot; oft ausführbar. Als Regel hat aber für die
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Ihierärztlicho Praxis zu gölten, dass der Peststeilung einer Krankheit die saoligernäss geordnete Erhebung des Thatbestandes vorhergehen muss. Hierbei ist zuerst Rücksicht zu nehmen auf die Anamnese. Wenn auch nicht alle Mittheilungen, welche dem Thierarzt über das Befinden eines kranken Pferdes von den Interessenten oft gemacht werden, für die Diagnose zu verwerthen sind, so lässt sich doch in vielen Fällen aus der Anamnese eine wesentliche Vervollständigung des Untersuchungs­befundes gewinnen. Ausnahmsweise ist der Thierarzt sogar bei der Be-urtheilung und Behandlung einer Krankheit auf die Angaben der Inter­essenten beschränkt (raquo;Diagnostik aus der Anamnesequot;). Ueber ein Ver­sehen in der Fütterung und über das Auftreten von Koliksymptomen können dem Thierarzt so vollständige Mittheilungen zugehen, dass er die Krankheit im Allgemeinen richtig zu beurtheilen vermag, ohne das Pferd gesehen und untersucht zu haben. Oorrecter ist aber die Diagnostik, welche sich auf den objectiven Untersuchungsbefund stützt und bei der grössten Mehrzahl der Krankheiten muss der Thierarzt die eigene Er­hobung der diagnostischen Momente als unerlässlich für die Diagnose betrachten.
Im Allgemeinen geben sich die Krankheiten durch graduelle und quantitative Abänderungen physiologischer Zustände und Functiouen zu erkennen. Solche mit einer speciellen Krankheit im unmittelbaren oder mittelbaren Zusammenhange stehenden Anomalien werden als Symptome (Zeichen, Phänomene, Erscheinungen, Zufälle, Kennzeichen, Merkmale) einer Krankheit benannt.
Für die Feststellung und Beurtheilung derselben ist nach folgenden Gesichtspunkten zu verfahren.
Obenan steht in der Diagnostik die Verpflichtung des Thierarztes, alle Beweismomente aus der Anamnese und dem Untersuchungsbefunde bei einem kranken Pferde zu erhoben und zu sammeln. Je vollständiger die Krankheitssymptome aufgefunden und nebeneinander in ihrer Be­deutung erwogen werden, um so leichter gestaltet sich die Diagnostik. Dabei handelt es sich nicht blos um die einfache Feststellung eines Sym­ptoms; dasselbe muss vielmehr zugleich nach den Bedingungen seines Zustandekommens beurtheilt werden. Die abnorme Färbung der Con­junctiva steht immer — soweit sie nicht durch eine selbständige ent-ziindliche Reizung hervorgerufen wird — mit abnormen Zuständen des Blutes in Verbindung. Durch die Feststellung eines solchen Symptoms ist demnach gleichzeitig das Vorhandensein einer abnormen Beschaffenheit des Blutes ermittelt. Für die speciolle Diagnose gewährt die genetische Betrachtung der Symptome, wie aus diesem Beispiel ersichtlich ist, oft
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weitere Anknüpfungspunkte. — Es ist nicht immer leicht, nach dem ersten Befunde zu entscheiden, ob die bei einem Pferde wahrgenommeneu Erscheinungen von krankhafter Bedeutung sind oder nicht. Pferde, welche bei kalter Witterung aus einem warmen Stall in die frische Luft gebracht werden, bekunden nicht selten durch die Wirkung des momen­tanen Temperaturwochsels eine zitternde Bewegung der Haut. Die Er­scheinung ist in diesem Falle nicht krankhaft, während andererseits das Zittern der Haut bei acuten fieberhaften Krankheiten ein wichtiges Sym­ptom, besonders für die Beurthoilung des Krankheitsgrades sein kann. Mangelhafte Futteraufnahme ist sehr oft darin begründet, dass das Futter eine verdorbene und unschmackhafte Beschaffenheit hat, während die be­treffenden Pferde nicht krank sind. Nicht selten hat der Appetitmangel auch in einer Unvollständigkeit des Körperbaus oder in einem abnorm reizbaren Temperament seine Ursache und er kann selbstredend dann nicht auf eine primäre Functionsstörung der Verdauungsorgane bezogen werden. Aehnlich liegen die Verhältnisse auf anderen physiologischen Gebieten. Es ergiebt sich daraus zur Evidenz, dass der Diagnostiker sich bei der Aufsuchung der Krankheitssymptome stets gegenwärtig halten muss, dass die in Frage kommenden Erscheinungen nachweisbar durcii krankhafte Vorgänge im Körper verursacht sein müssen und nicht durch Neben-umstände unabhängig von der Krankheit des Pferdes bedingt, sein können.
Wenn in dieser Art eine Krankheitserscheinung oder eine Gruppe von Erscheinungen ermittelt und mit ihrer nächsten Ursache, d. h. mit dem Organ, von dessen Störung dieselbe ausgeht, in Verbindung gebracht ist, so muss weiter geprüft werden, ob das betreffende Organ an einem selbständigen Leiden erkrankt ist oder ob die Störung in der Thätigkeit desselben nur als Theil einer anderen, bezw. einer allgemeinen Krank­heit besteht. Es ist klar, dass die Erledigung dieser Aufgabe ein ein­gehendes Studium der speciellen Pathologie voraussetzt. Ohne Kennt-niss der einzelnen Krankheiten, ihres gesammten Charakters und ins­besondere ihrer Symptome lässt sich selbstredend die Diagnose nicht ermöglichen.
Für die Entscheidung der Frage, ob eine acute allgemeine Infections-oder Intoxikationskrankheit vorliegt, liefert die Peststellung der Blut­temperatur oft einen massgebenden Anhalt. Der Hegel nach können die höheren Grade der krankhaften Bluttemperatur als Zeichen einer speci-fischen Infection oder Intoxikation angesehen werden und es ist dem-gemäss zu prüfen, ob die Functionsstörungen der einzelnen Organe in das Bild einer bestimmten allgemeinen Krankheit passen oder nicht. Die weitere Unterscheidung zwischen den wissenschaftlich festgestellten allge-
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Allgemeine Diagnostik der Pferdeltrankheiten.
meinen Krankheiten ist durch die Vergleichung der einzelnen Symptome zu bewirken, oft auch durch die Ermittelung zu unterstützen, dass das betreffende Pferd der Einwirkung einer speoifischen Krankheitsursache ausgesetzt gewesen ist. Von grossom Wertho ist bei dieser Prüfung der Nachweis, dass die Entwickolung und der Verlauf des in Frage kommen­den Krankheitsfalles oft wosontlich verschieden sind von der erfahrungs-gemäss bekannten Pathogenese einer oder mehrerer allgemeinen Krank­heiten. Letztere können deshalb nicht selten für die Diagnose eines concreten Falles von vornherein ausgeschlossen werden. Hierdurch wird das zweifelhafte Gebiet eingeengt und die richtige Feststellung des Krank­heitsfalles erleichtert („Diagnose auf dem Wege der Ausschliessungquot; oder „Diagnose nach dem negativen Befundequot;).
Nicht minder schwierig gestaltet sich die Diagnose einer Organ­krankheit oft dadurch, dass dieselbe zu einer Resorption von Entzündungs-producten und durch Vermittelung der Blutcirculation zu einer Mitaffec-tion anderer Organe geführt hat. Die Functionsstörungen der letzteren können unter solchen Verhältnissen in dem Krankheitsbildo mehr hervor­treten, als die Symptome, welche von dem primär erkrankten Organe ausgehen. Recht oft wird bei Pferden durch eine Pneumonic von ge­ringem Umfange eine Störung in der Sekretion der Verdauungssäfte her­beigeführt. Dann bekundet das betreffende Pferd die augenfälligen Sym­ptome des Appetitmangels und der verzögerten Ausscheidung spärlicher Darmcxcremente, während die Symptome der Pneumonie kaum nach­weisbar sind. In solchen Fällen bedarf es einer umsichtigen Erwägung des Gesammtbefundes und zuweilen einer mehrtägigen Beobachtung des Krankheitsverlaufs, um feststellen zu können, dass die Verdauungsstörung nicht eine selbständige Krankheit, sondern eine Folge der Lungenentzün­dung ist.
Auch wenn die localen oder Organ-Krankheiten noch nicht zu einer erheblichen Störung der Functionen anderer Organe geführt haben, ist die Abhängigkeit eines Krankheitssymptoms von der Affection dos be­treffenden Organs nicht immer leicht nachzuweisen. Es kann z. B. die beschleunigte Ausführung der Respiration durch Abnormitäten der eigent­lichen Athmungsorgane (Lungen, Bronchien, Pleura etc.) hervorgerufen sein; sie kann aber auch ihre Ursache haben in Störungen der Blut­mischung, in Herzkrankheiten, in schmerzhaften Affectionen der Brust­wandungen, in Meteorismus des Magens und Darmkanals, in schmerz­haften Entzündungen der Bauchorgane oder der Gliedmassen u. s. w. Gegenüber dieser Mannigfaltigkeit erübrigt als rationelles Verfahren nur, das fragliche Symptom auf den Zusammenhang mit den krankhaften
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Habitus des Pferdes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
Zuständen, welche dasselbe bedingen können, speciell zu erforschen. Dabei ergiebt sich, dass eine mehr oder minder grosse Zahl derjenigen Krankheitszustände, welche bei dieser Erwägung berücksichtigt zu werden verdienen, nicht als Ursache des fraglichen Symptoms bestehen, weil sonst auch noch andere Merkmale, welche die gedachten Krankbeits-zuständo erfahrungsgemäss begleiten, vorhanden sein müssten. Es ist demnach auch in solchen Fällen das Verfahren der Ausschliessung, auf welches die Diagnose zum grossen Theil basirt werden muss. — Ist ein bestimmtes Organ als Sedes Morbi ermittelt, so hat der Diagnostiker sich die Erscheinungen derjenigen Krankheiten, welche erfahrungsgemäss an demselben vorkommen, in der Erinnerung vorzuführen und zugleich zu erwägen, auf welche der in Frage kommenden Krankheiton die vor­handenen Symptome am besten passen. Die nach dieser Methode er­mittelte Krankheit wird als die ursächliche Grundlage der Störung in dem Gesundheitszustande anerkannt, oder wie gewöhnlich gesagt wird, „diagnosticirtquot;.
Die Kunst der Diagnostik lässt sich nur durch dauernde üebung erwerben. Sowohl der thierärztliche Praktikant in den Kliniken, als der Thierarzt, welcher die Praxis aufnimmt und die öffentliche Aner­kennung seines Rufes als Sachverständiger zu erstreben gewillt ist, tbut wohl daran, mit regem Interesse die physiologischen Zustände und Functionen bei den Pferden zu betrachten. Es kann nicht oft genug hervorgehoben werden, dass die Sicherheit in der ßeurtheilung normaler Zustände und Functionen eine Vorbedingung für die technische Befähigung in der diagnostischen Kunst ist. Selbst der erfahrene Diagnostiker kann nicht in Abrede stellen, dass es oft schwierig ist, von dem Verhalten eines Pferdes zu entscheiden, ob dasselbe als Ausdruck einer krank­haften Störung im Körper oder als Zeichen einer unerheblichen Modifica­tion der Gesundheit bezw. einer unvollkommenen Entwickelung des ge­sunden Körpers anzusehen ist. Für den Anfänger ist es nützlich, zum Zwecke der Diagnostik die Organe und ihre Functionen sowohl mit Bezug auf die physiologischen als auf die pathologischen Eigenschaften in einer geordneten Reihenfolge zu betrachten. Hierzu sollen die nach­stehenden Bemerkungen einen generellen Anhalt bieten.
I. Habitus des Pferdes.
Als Habitus ist hier der allgemeine Eindruck gemeint, welchen die Pferde nach Bauart, Constitution und Temperament machen.
Bauart. Soweit die Construction des Körpers für die Diagnostik In
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Habitus des Pferdes.
Betracht kommt, ist es zweckraässig, die Pferde nach ihren am meisten entwickelten Gebrauchsfähigkeiten in Reitpferde (schwere und leichte); Wagenpferde (schwere und leichte); Arbeitspferde (schwere und leichte) und Ponys zu unterscheiden. Die grössere oder geringere Vollkommen­heit der einzelnen Körpertheile bedingt in der Haltung und in den physiologischen Functionen der Pferde mancherlei Verschiedenheiten, Die Pferde der Arbeits-Racen tragen gewöhnlich den Kopf niedrig, während die Pferde der edlen Zuchten in der Mehrzahl sich mit hoch gestelltem Kopfe bewegen. Bei geringer Brusttiefe und langen Gliedraassen pflegen alle Gebrauchspferde das Futter langsamer zu verzehren, als bei gut gebautem Thorax. Ein mangelhafter Bau der Lendenwirbel und der falschen Rippen bedingt bei den meisten Pferden eine mangelhafte Futter-aufnahme und eine relativ geringe Athmungsfähigkeit, weil bei den­selben gleichzeitig die Organe der Bauch- und Brusthöhle unvollkommen entwickelt sind. Oft ist auch die Bewegung mit dem Hintortheil bei solchen Pferden schwankend und es kann die Gangart derselben mit einer krankhaften Schwäche im Kreuz verwechselt werden. Durch fehler­haften Bau der Gliedmassen wird die Gangart mannigfach beeinträchtigt. Von wesentlicher Bedeutung ist ferner der Bau des Kopfes. Bei schmalem Kopfe (enger Stellung der Unterkieferäste und steil nach oben gerichteten Ohren), ferner bei dem Kopfe mit convexer Nasenfirste (Ramskopf) und bei dem Kopfe mit nach hinten abgeflachter Stirn (Schweinskopf) sind die Pferde weniger aufmerksam, als bei guter Kopfbildung. Das Ver-ständtiiss ist oft so gering, dass das Benehmen solcher Thiere den Ver­dacht des Dummkollers erregt.
Constitution. Die histologischen und nutritiven Einrichtungen des Pferdes sind mancher Abweichungen fähig. Auf dieser allgemeinen physiologischen Eigenschaft, welche in der Thierzucht als „Variationquot; bezeichnet wird, beruht die Bildung von Pferde-Racen, -Schlägen und -Stämmen. Die Abänderung der Constitution wird durch Klima, Er­nährung und Benutzung der Pferde vermittelt. Man kann im Thier-körper eine Gesammtconstitution und eine Constitution der einzelnen Organe unterscheiden. Im Allgemeinen ist aber festzuhalten, dass die histologische Einrichtung und die nutritive Energie in den einzelnen Organen des thierischen Körpers so lange übereinstimmen, als eine ein­seitige Erkrankung das Verhältniss nicht stört. Wenn bei manchen Pferden in gesundem Zustande ein Organ gut funetionirt und das andere relativ schlecht, so ist ein Mangel in der quantitativen Ausbildung des letzteren als die Ursache der Differenz zu betrachten.
Wie der Körperbau bei zwei Pferden niemals vollständig überein-
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Habitus des Pferdes,
stimmt, so hat auch jedes Pferd gewissermasson seine eigene Constitution. Einen praktischen Werth hat indess die Zusammenfassung der ver­schiedenen Constitutioncn in grössere Gruppen. Für die Thicrzuclit werden als Racezeichen die foino und die grobe Constitution anerkannt; indess besteht zwischen beiden Gruppen keine strenge Abgrenzung. In pathologischer Hinsicht ist eine starke oder kräftige, ferner eine schlaffe oder lymphatische und endlich eine reizbare Constitution zweckmässig zu unterscheiden. Bei allen Pferden verbessert (verfeinert) sich die Constitution mit der Förderung des Näiirzustandes, wie anderer­seits nach der Abmagerung der Stoffwechsel der Organe sich verringert. Das wichtigste Hüifsmittel für die Beurtheilung dieser Verhältnisse liegt in der äusseren Haut. Die gute Constitution eines Pferdes giebt sich durch eine feine geschmeidige BoschafFonheit der Haut und durch gleich-massigen (ausgeglichenen) Besatz derselben mit feinem glänzenden Haar zu erkennen.
Vorübergehend wird die Constitution bei Pferden krankhaft ver­ändert durch eine Störung der Hautfunction. Es giebt Pferde, die im üebrigen gesund sind, die aber im Frühjahr das Haar nicht wechseln und oft viele Monate hindurch, ja zuweilen selbst noch länger eine harte Haut haben, welche sich auf dem Rippenkörper von der Unter­baut nur wenig verschieben lässt. Sehr ungleich ist die Störung der Constitution bei allgemeinen Krankheiten, namentlich bei den fieberhaft verlaufenden Alfectionen. Zuweilen sind die Pferde in Folge von Ka­tarrhen der Respirationsschleimhaut oder bei multipler Abscessbildung in der Subcutis mehrere Wochen hindurch fieberhaft krank ohne erheb­lich abzumagern, während bei anderen allgemeinen Krankheiten das Er­nährungsmaterial, welches in den einzelnen Organen aufgespeichert ist, schnell verbraucht wird. Hierbei nimmt die Haut eine derbe Beschaffen­heit an; sie liegt der Subcutis am Thorax fest an, so dass sie nur schwer in einer Palte emporgehoben worden kann. Oft verringert sich die Empfindlichkeit der Haut bei allgemeinen Krankheiten und es gilt stets als ein bedenkliches Symptom, wenn fieberhaft erkrankte Pferde während der Sommerzeit sich der Fliegen nicht erwehren. Die Schwächung dor Constitution bei acuten fieberhaften Krankheiten (Pfordestaupe, Brust­seuche, Scalma, Pyämie, Sophthämio) bedingt die relativ starke Wirkung, welche die Einreibung reizender Mittel in der Haut erzeugt. Bei den betreffenden Pferden kommt es leichter zu eiterigen Entzündungsproccssen in der Haut und in Folge derselben zu partiellem Verlust der Haare. Eine schwere Störung der allgemeinen Ernährung wird ferner durch toxische Blutdyskrasien bedingt.
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Habitus des Pferdes.
Temperament. Während man im Altcrthum die Gesammtconstitution des thierischen Körpers als Temperament bezeichnete und letzteres in die vier Gruppen des sanguinischen, cholerischen, phlegmatischen und melancholischen Temperamentes trennte, hat man sich seit mehr als hundert Jahren daran gewöhnt, das Wort Temperament für die allge­meinen Beziehungen des Selbstbewusstscins zur Aussenwelt zu gebrauchen. Demnach ist als Temperament eines Thieres das psychische Verhalten desselben gegenüber den Eindrücken, welche durch die Sinnesorgane zur Perception kommen, zu verstehen. Eigentlich ist das Temperament ein specieller Theil der Constitution, insofern dasselbe auf der histologischen und nutritiven Einrichtung des Gehirns beruht. Aber bei der hohen Bedeutung, mit welcher das Bewusstsein und die durch dasselbe ver­mittelten Verstandesoperationen das gesammte Verhalten der Thiere be­einflussen, ist die begriffliche Trennung des Temperaments von der Con­stitution geboten.
Bei dem gesunden Pferde wird das Verständniss von äusseren Be­gebenheiten vorzugsweise durch den Gesichtssinn vermittelt. Ausserdem beobachtet man einen erheblichen Einfluss des Gefühls und des Gehörs auf die Gestaltung des Temperamentes. Von geringerer Bedeutung sind der Geruch und der Geschmack.
Es ist zwar zuhässig, im Allgemeinen von dem laquo;Temperament der Pferdequot; zu sprechen, wobei man sich das durchschnittliche Verhalten der Pferde zu ihrer Umgebung vergegenwärtigt. Aber wie bei der Con­stitution, so kann es auch beim Temperament nicht zwei Pferde geben, welche vollkommen übereinstimmen. Im Princip muss demnach jedem einzelnen Pferde ein besonderes Temperament zugestanden werden. Empfehlenswerth ist aber, zur besseren Uebersicht nach dem Gebrauchs­zwecke sich von dem durchschnittlichen Temperament für Reitpferde, Arbeitspferde und Wagenpferdc eine Kenntniss zu verschaffen. Bei der Feststellung der Besonderheiten des Temperamentes ist von dem Unter­schiede zwischen Lust und Unlust (Lebhaftigkeit und Trägheit) auszu­gehen. Wenn auch zwischen diesen Eigenschaften keine scharfe Grenze besteht, so kann thatsächlich doch bei einer grossen Zahl von Pferden ein lebhaftes Temperament und entgegengesetzt ein träges Temperament mit Leichtigkeit unterschieden .werden.
Nach beiden Richtungen kommen mannigfache Abstufungen vor. Die Abweichung von dem Durchschnitts-Temperament kann so bedeutend sein, dass sie den Gebrauch des Thieres erheblich beschränkt und selbst unmöglich macht. Das störrige, widersetzliche, bosliafto Temperament einerseits, das ängstliche, furchtsame, schreckhafte Temperament anderer-
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seits, ferner das unruhige, flatterhafte Temperament und endlich das überrnässig träge Temperament bezeichnen solche psychische Zustände, welche der Benutzung des Pferdes oft hinderlich werden und als Grund­lage erheblicher Gebrauchsfehler sich geltend machen können. Die in hohem Grade mit einem trägen Temperament behafteten Pferde zeigen bei der Arbeit eine sehr geringe Energie; sie verhalten sich oft gegen die gebräuchlichen Antreibungsmittel so unempfindlich, dass sie den Ver­dacht des Dummkollers hervorrufen. Thatsächlich sind sie nicht selten zu der gewöhnlichen Benutzung woniger tauglich, als manche in leichtem Grade mit dem Dummkoller behaftete Pferde.
Die besondere Artung des Temperamentes giebt sich durch die ge-sammte Haltung des Pferdes schon zu erkennen. Bei regelmässiger Futterauf nähme, beziehentlich durch das Gefühl der Sättigung äussert das gesunde Pferd in seiner Haltung eine gewisse Zufriedenheit. Mass-gebend für die Beurtheilung einer krankhaften Störung des Temperamentes ist die Aufmerksamkeit, welche die Thicre der Umgebung widmen.
Lebhaftigkeit, Trägheit, Punht, Angst, Bosheit machen sich durch eine besondere Artung des Blickes bemerklich. Auch das Gehör, resp. das Verhalten des äusseren Ohres verdient für die Beurtheilung des Temperamentes eine Beachtung. Pferde, die erblindet sind, bewegen die Ohrmuscheln nach vorn, zur Seite und nach hinten mit grosser Lebhaftig­keit, um Eindrücke von der Umgebung zum Bewusstsein zu bringen. Sie können hierdurch sich des Dummkollers verdächtig machen. Die Empfindlichkeit der Haut, d. h. die psychische Reaction der Pferde gegen künstlich angebrachte Hautreize ist in concrete stets auf das durch­schnittliche Verhalten gesunder Pferde zu beziehen. Höhere Grade der Empfindlichkeit in der Haut — an den Fusskronen, an der Nase, zum Theil auch auf dem ßücken — finden sich bei Pferden von unruhigem oder furchtsamem und schreckhaftem Temperament. Die Verringerung der Empfindlichkeit in der Haut kommt bei alten Pferden häufig, zu­weilen aber auch bei jungen Thieren vor, ohne dass eine Erkrankung des grossen Gehirns (Dummkoller) zu bestehen braucht. Durch über-mässige Anstrengung bis zum allgemeinen Schweissausbruch und grosso Ermüdung nach ungebührlich langer Arbeitsleistung kann bei gesunden Pferden eine vorübergehende Depression des Sclbstbewusstseins und damit zugleich eine Unlust des Temperaments, sowie eine geringe Empfindlich­keit der Haut herbeigeführt werden, was namentlich bei der Diagnose des Dummkollers zu beachten ist. Pferde von unruhigem Temperament werden im Stalle zuweilen aufgeregt, wenn sich Personen in der Nähe
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Eigenwiirmo des Pferdes.
aufstellen. Dabei scharren die Thiere nicht selten mit den Vorderhufen, als wenn sie an Kolik litten.
Durch Krankheiten wird das Temperament wesentlich alionirt. Die grösste Aenderung macht sich bei den Erkrankungen des grossen Ge­hirns, welche die normalen Verstandesoperationon behindern, bemerklich. Mit dem Dummkolicr ist eine Vorminderung der Aufmerksamkeit und ein unvollkommenes Erkennen der Eindrücke aus der Umgebung, welche von gesunden Pferden sehr gut verstanden werden, verbunden. Der Blick wird stier und manche Pferde suchen mit dem Gehörorgan einen Thcil der Eindrücke aus der Umgebung zu gewinnen, welche mittels des Sehapparates nicht zum Bewusstsein gelangen können. Gewöhnlich sind beim Dummkoller dio Gefühlsvorstellungeu und zuweilen auch die Be­wegungsvorstellungen erheblich gestört.
Auf gleicher Grundlage beruhen die Störungen des Temperamentes, von welchen die acuten entzündlichen Krankheiten der Pia mater cere-bralis begleitet werden. Je bedeutender diese Störungen sind, um so mehr kann ceteris paribus auf ein selbständiges Gehirnleiden geschlossen werden. Denn die Erfahrung lehrt, dass bei den acuten fieberhaften Krank­heiten die fflnetionirende Substanz des Gehirns weniger stark afficirt ist.
Alle schmerzhaften und lebensgefährlichen Erkrankungen innerer Organe bedingen eine wesentliche Aenderung in dem Temperament. Die betreffenden Pferde bekunden durch stieren Blick, dass sie un­empfänglich für die gewöhnlichen Eindrücke sind. Die Körperbewe­gungen werden mit Vorsicht und langsam ausgeführt. Oft bewegen sich die schwer kranken Pferde ungern und es bedarf fast immer in solchen Fällen starker Antreibungen, um sie zu einer Aenderung der Stellung zu veranlassen. Kurze Zeit vor dem Tode sinkt bei manchen Pferden die Energie des Körpers beträchtlich; der Blick wird gläsern, die Nasen-und Lippenmuskeln erschlaffen, das Gesicht verlängert sich und fällt ein (Eacies hippoeratica). Die Thiere halten sich in dieser Agonie so lange als möglich stehend, weil sie ein Bewusstsein davon haben, dass sie nicht mehr so viel Kraft besitzen, um sich nach dem Niederlegen wieder emporrichten zu können.
Hiernach lässt sich durch Beobachtung des Temperamentes mancher wichtige Aufschluss über Art und Bedeutung der Krankheiten bei Pferden gewinnen.
3. Eigenwärme des Pferdes.
Durch den Stoffwechsel wird die thierische Wärme producirt, die bei den Haus-Säugethioren im gesunden Zustande sich dauernd innerhalb
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Eigenwärme des Pferdes.
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enger Grenzen hält. Die inneren Bedingungen, welche der Selbstregu-lirung der Wärme zu Grunde liegen, sind bis jetzt nicht genau bekannt. Der Lehre von den calorischen Ceutren im Gehirn, welche vor mehreren Jahren eine weit verbreitete Annahme fand, wird in der neueren Physio­logie die Berechtigung abgesprochen.
Bei gesunden Pferden schwankt die Temperatur zwischen 37,5 bis 38,50 C. Durch die Arbeit der Organe (Drüsen- und Muskelthätigkeit) wird dieselbe gesteigert, während sie bei anhaltender Ruhe der Pferde sich etwas verringert. Hiermit hängt es zusammen, dass des Morgens die Temperatur niedriger ist als des Abends. Die Differenz beträgt zu­weilen 10C., gewöhnlich aber weniger. Ausnahmsweise kommt sogar vor, dass bei gesunden Pferden die Temperatur am Nachmittag etwas geringer ist als am Morgen. Bei einzelnen Pferden wird eine Erniedri­gung der Körpertemperatur unter die Norm beobachtet, ohne dass die Thiere krank sind. Man bezeichnet dies mit dem Ausdruck der sub­normalen Temperatur, die aber selten unter 37,0deg; sinkt. Innerhalb der physiologischen Breite wird die Eigenwärme durch die Individualität mannigfach beeinflusst. Manche Pferde haben constant eine ßluttempe-ratur unter 38,00 0., während sie bei anderen fortdauernd mehr als 38,0deg; 0. beträgt. In den meisten Fällen ist aber die Eigenwärme bei einem gesunden Pferde gewissen Schwankungen unterworfen, so dass zuweilen weniger, zuweilen mehr als 38,0deg; 0. gefunden werden.
Die Erhöhung der Körpertemperatur um einige Decigrade hat an sich keine besondere Bedeutung und kann durch gesteigerte Muskel­arbeit, sowie durch andere, noch nicht bekannte Einflüsse bedingt sein. Eine geringfügige Steigerung wird mit dem Ausdruck der hochnormalen Temperatur bezeichnet. Wenn aber die Erhöhung sich bei Pferden bis auf 39,0deg; 0. und darüber erstreckt, so ist sie als eine krankhafte zu betrachten.
Schon im Alterthum ist erkannt worden, dass bei fieberhaften Krank­heiten des Menschen und der Thiere die Eigenwärme erhöht ist. Die Benutzung des Thermometers zu diagnostischen Zwecken datirt aber erst von der Mitte des gegenwärtigen Jahrhunderts.
In dem Symptomencomplex des Fiebers hat die krankhafte Er­höhung der Eigenwärme einen massgebenden diagnostischen Werth. Eine Krankheit wird nur dann als fieberhaft bezeichnet, wenn die Temperatur des Körpers die Norm überschreitet. Irrlhümlich war aber die Ansicht, dass Fieber und Temperaturerhöhung congruente Begriffe sein sollten. Es würde hier zu weit führen, die Definitionen des Fiebers zu be­sprechen, welche in den Handbüchern der allgemeinen Pathologie einen breiten Raum einnehmen. Bislang hat das Wesen der fieberhaften Pro-
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Eigenwärme des Pferdes.
zesse eine befriedigende ErkLärung nicht gefunden. Nach dem Spracli-gebrauch in der Praxis bedeutet „Fieberquot; im Allgemeinen so viel wie „fieberhafte Blutdyskrasiequot;, d. h. eine Krankheit, bei welcher constant oder zeitweise eine Verunreinigung des Blutes mit solchen pathogenen Fermenten besteht, die durch ihre Wirkung auf eine grössere oder ge­ringere Zahl von nervösen Apparaten den abnorm schnellen Zerfall des Fettes und des Eiweisscs der Organe bedingen und hierdurch entweder continuirlich oder mit Remissionen eine erhebliche Erhöhung der Körper­wärme über die physiologische Norm verursachen. Das Fieber ist dem­nach nur ein Bestandtheil einer zusammengesetzton Krankheit und es kann das Verständniss der letzteren dadurch nicht gefördert werden, dass der fieberhafte Prozess als eine einheitliche Action des Thierkörpers betrachtet wird. Die Erfahrung ergiebt auch, dass die Temperatur­erhöhung eine bestimmte Grenze hat und niemals so weit geht, dass das Thier durch die übermässige Erhitzung seiner Organe stirbt. Die Bedeutung des Fiebers richtet sich vielmehr nach der Ursache, welche demselben zu Grunde liegt. Tn dieser Hinsicht haben die grundlegenden Forschungen von Biliroth und Ed. Weber (1867) die alte humorale Auffassung von der Aotiologie des Fiebers zeitgemäss reconstruirt. Es besteht jetzt kein Zweifel mehr darüber, dass Fieber und insbesondere der wichtigste Bestandthcil desselben, die krankhafte Erhöhung der Körpertemperatur durch die Einführung einer grösseren Zahl von fremd­artigen Stoffen in die Blutbahn bedingt sein kann. Die Substanzen, welche diese Wirkung haben, werden nach dem Vorschlage der genannten Autoren „pyrogenequot; genannt. Ihre Wirkung ist mit derjenigen der Fer­mente zu vergleichen. Nach ihrer besonderen Natur ist manchen fieber­haften Krankheiten ein bestimmter Verlauf eigen (anhaltende, remittirende und intermittironde Fieber). Bei Pferden ist das Vorkommen von inter-mittirenden Fiebern noch nicht mit Sicherheit festgestellt. Der speeifische Verlauf einer fieberhaften Krankheit wird durch einzelne organisirte Gifte (Miasmen und Contagion) bedingt, welche grösstenthoils durch die Ath-mungswege in den Körper eindringen und nach einer bestimmten Zeit absterben oder wenigstens ihre krankmachende Wirkung verlieren. Bei anderen miasmatischen Krankheiten ist der Verlauf des Fiebers unregel-mässig. Dasselbe wird beobachtet bei denjenigen Fiebern, welche durch die Resorption von Entzündungsproducten hervorgerufen werden. Im Verlaufe solcher Krankheiten ist die Temperatur nach unregelmässigen Zwischenzeiten bald höher, bald niedriger; sie kann sogar mehrere Tage hindurch und selbst noch länger normal oder subnormal sein, ohne dass deshalb der Charakter und die Gefahr der Krankheit verändert würden.
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Eigenwärme des Pferdes.
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Hiernach hat die Feststellung der Temperatur in fieberhaften Krank-lieiten durchaus nicht die grosso prognostische Bedeutung, welche ihr von vielen Seiten auch in der Thierarzneikunde beigelegt worden ist.
In manchen Fällen lässt sich bei Pferden schon durch das Auflegen der flachen Hand auf die Haut die Fiobcrtemperatur (Oalor mordax) erkennen. Auch giebt dio Einführung der Hand in die Maulhöhlo sowie die Prüfung der oxspirirten Luft mit der Dorsalfläche der Hand einigen Aufschluss. Zur genauen Peststellung der Körpertemperatur bei Pferden ist aber die Application des Thermometers in das Rectum unentbehrlich. Das Maximumthorraometer hat den Vorzug, dass die Temperatur in einem dunklen Räume ohne jede Schwierigkeit ermittelt werden kann. Noth-wendig ist, dass das Thermometer gegen Wärmeunterschiode eine grosso Empfindlichkeit hat und dass dasselbe mit einem Normalthermometer verglichen sein muss. Ganz genau wird die Temperatur des Körpers im Rectum nicht immer ermittelt. Denn von wesentlichem Einfluss ist bei der Feststellung der Eigenwärme die Menge des Blutes, welche sich in dem untersuchten Organ findet. Da nun sowohl unter physiologischen als unter patliologischon Verhältnissen das ßlut nicht immer gleichmässig in den Gefässbahnen verthoilt ist und da auch die Mastdarmschieimhaut des Pferdes nicht zu allen Zeiten die gleiche Menge Blut enthält, so ist die übliche Feststellung der Körperwärme im Rectum von geringen ün-genauigkeiten nicht frei. Für die Zwecke der Diagnostik sind indess diese geringfügigen Differenzen ohne Belang.
Die Temperatur im Mastdarm steigt der Regel nach, selbst bei den schwersten fieberhaften Krankheiton des Pferdes nicht über 41,7deg; C. Temperaturen von 42,0deg; und darüber gehören sicherlich zu den grössten Ausnahmen. Unter der grossen Zahl von fieberhaft kranken Pferden, welche ich in der hiesigen Klinik untersuchte, habe ich niemals eine Steigerung der Temperatur bis auf 42,0deg; gefunden. Die höheren Grade werden besonders bei der Pferdestaupe und bei der Brustseuche beob­achtet. Bei diesen Leiden kann in dem speeifischon Stadium die Tempe­ratur bis auf 41,7 und ausnahmsweise selbst bis auf 41,9 ansteigen. Eine Ausnahme von diesen Untersuchungsbefunden macht nur der Starr­krampf, welcher im Entwickelungsstadium keine Steigerung der Blut­temperatur veranlasst. Erst im Verlaufe des Starrkrampfs und wenn eine hohe Pulsfrequenz eine Zeit lang bestanden hat, erhebt sich die Tempe­ratur über dio Norm. Wenige Stunden vor dem Tode steigt sie bei einzelnen Pferden bis zu 43,0 0. und selbst noch höher.
Eine krankhafte Erniedrigung der Temperatur wird bei Pferden nur selten beobachtet; sie kommt bei tödtlichem Ausgange von Krankheiten
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vor, welche mit schweren Blutvergiftungen und in Folge derselben zuletzt (in der Agonie) mit einer Verringerung des Stoffwechsels verbunden sind. Die Ursachen einer derartigen krankhaften Erniedrigung der Eigenwärme sind nicht genau bekannt; gewöhnlich pflegt man einen Oollaps der Kräfte oder eine Lähmung der nervösen Centren zu beschuldigen. Im Ganzen haben diese Behauptungen nur einen hypothetischen Werth. Die­selben Krankheiten, welche bei einzelnen Pferden eine erhebliche Tempe­raturerniedrigung kurz vor dem Tode bedingen, werden bei anderen Pferden tödtlich, ohne dass die Temperatur in dem Stadium der Agonie sich erheblich verringert. Die Angaben, welche in der Literatur über krankhafte Erniedrigung der Eigenwärme von Pferden mitgetheilt sind, müssen zum Theil auch mit einer gewissen Reserve aufgenommen wer­den, weil bei Pferden nicht selten im Vorlaufe von Krankheiten der Sphincter Ani unvollständig geschlossen ist und dann begreiflicherweise die Blutwärme des betreffenden kranken Thieres sich an dem, in den Mastdarm eingeführten Thermometer nicht mit Sicherheit ergiebt.
Einige Krankheiten (Pferdestallpe, subacuto Hirnhautentzündung u. A.) bringen es mit sich, dass unmittelbar nach dem Tode die Temperatur des Körpers zuweilen noch während der nächsten '2 Stunden um l — 2 Grade ansteigt, und erst ditnn allmälig geringer wird. Die stärkste postmortale Temperatursteigerung wird beim Starrkrampf (bis zu 45,0deg;) beobachtet.
Eine ungleiche Erwärmung der äusseren Haut findet sich bei fieber­haften Krankheiten zuweilen, aber nicht in dem Grade, wie seit langer Zeit behauptet wird. Es darf bei der Beurtheilung der „ungleichen Ver-theilung der Temperaturquot; nicht übersehen werden, dass bei den Pferden die Haut stets unter der Mähne, dem Schopf und der Schweifrübe wärmer ist, als am Rumpf, weil an den genannten Stellen die Wärme weniger gut ausstrahlen kann. Die Gliedmassen fühlen sich stets kälter an, als der Rumpf. Bei schweren Blutkrankhciten, namentlich bei der Pferde­staupe ist die Nasenfirsto und die Nasenschlcimhaut nicht selten kalt, während die Maulhöhle und die äussere Haut fieberhaft heiss sind.
3. Haut.
An der äusseren Haut (Integumentum commune) sind für die Dia­gnostik der Innern Krankheiten manche Anomalien zu beachten, welche sich auf das Haar, die Epidermis und das Corium, sowie auf die Sub-cutis beziehen.
Haar. Irrthümlichcr Weise hat man im Alterthum und sogar bis in die neuere Zeit angenommen, dass mit einzelnen Farben des Deck-
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Haut.
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haars eine besondere Anlage zu Krankheiton gegeben sei. Nach Marx Fugger (1578) sollten Pferde mit Schimmelhaar eine weichliche Con­stitution haben und zu inneren Krankheiten prädisponirt sein. Trotzdem diese Behauptung in den Handbüchern über Pferdekenntniss sehr oft wiederholt worden ist, so hat sie doch nicht durch thatsächliche Fest­stellungen verificirt werden können. Nur fur die Bildung von Melanosen (schwarze Goschwülste, Molano-Sarcome) und für die hieraus resultiren-den krankhaften Zustände sind Schimmelpferde abnorm empfänglich. Offenbar beruht die Prädisposition darin, dass der Blutfarbstoff zur Pigmentbiidung im Haar bei den Schimmeln keine Verwendung finden kann. Genauer ist aber der pathologische Inhalt der Anlage nicht bekannt.
Abgesehen von dem Unterschiede in der Feinheit des Haares, wel­cher durch die Race des Pferdes bedingt ist, erlangt das Haar durch eine intensive, kräftige Ernährung eine grössere Kürze, einen strafferen Bau und einen grösseren Glanz. Bei mageren Pferden und namentlich bei solchen, welche in ihrem Nährzustand durch Krankheiten herunter­gekommen sind, wird das Haar lang, grob und matt. Eine gesträubte Stellung des Deckhaars kommt sehr leicht nach der Einwirkung kalter Luft zu Stande. Bei der Febricula und in einzelnen Fällen bei infectiöser Pneumonie, sowie bei eiteriger und jauchiger Blutvergiftung verbindet sich dieselbe mit clonischen Krämpfen in den Haufmuskeln (Schüttelfrost). Druse, Pneumonie, Rotz und andere fieberhafte Krankheiten sind nicht selten von einer gesträubten Stellung des Deckbaars begleitet und beim ver­steckten Rotz kann dieselbe sogar einen grossen diagnostischen Werth haben.
Auf den naturgemässen Wechsel des Haares im Frühjahr und auf die Umwandlung des Sommerhaars zum Winterhaar im Herbst hat die Ernährung und beziehungsweise die Gesundheit des Pferdes einen be­sonderen Einfluss. Unvollkommene Futtcraufnahme und mangelhaftes Gedeihen der Pferde verhindern den Ausfall des Winterhaares und die Ergänzung durch das Sommorhaar im Frühjahr. Die Bedeutung dieses abnormen Verhaltens richtet sich nach den bedingenden Ursachen. Manche gesunde Pferde behalten nur deshalb im Herbst und im Winter ein ab­norm langes und in der Farbe mattes Dockhaar, weil sie mit dem Futter nur eine ungenügende Menge von Nährstoffen aufnehmen. Wenn solche. durch Vernachlässigung heruntergekommene Pferde während dos Winters in bessere Pflege und Fütterung kommen, so verlieren sie zuweilen auf grösseren Körperpartien das lange Deckhaar sehr schnell, bevor das Er­gänzungshaar nachgewachsen ist. Oft vergehen 3—4 Wochen, bis das Ersatz­haar lang genug geworden, und das unangenehme Aussehen beseitigt ist.
Dieckerhoff, Spec. Pathologie u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
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Haut.
Es giebt Pferde, welche das Dockhaar im Frühjahr niemals wechseln, trotzdem sie an einer Krankheit nicht leiden. Die Ursachen dieser Anomalie sind nicht bekannt. Unrichtig ist aber die im Publicum viel­fach verbreitete Annahme, dass bei einem Wallach, bei welchem die Castration in den Wintermonaten vorgenommen wurde, der Haarwechsel zur Frühjahrszeit nicht mehr eintreten soll.
Nach der Brustseuche wird in seltenen Fällen im Reconvalescenz-stadium eine momentane Depilation über grössere Hautpartien beob-aehtet; aber es ergänzt sich auch hier das Haarkleid in wenigen Wochen wieder.
Die Fälle, in welchen Pferde das Deckhaar zum grössten Theil oder sogar vollständig durch krankhafte Zustände einbüssen und nicht wieder erlangen, gehören zu den grössten Seltenheiten. Die Aetiologie solcher Fälle hat bisher nicht aufgeklärt werden können.
Durch Ausschlagskrankheiten (Scabies, Herpcs) wird die Haut stellen­weise des Haares entkleidet. Auch nach oberflächlichen traumatischen und erysipclalösen Entzündungen kommt ein vorübergehender Verlust des Deckhaares, namentlich an den Gliedmassen, zu Stande. Ein erhebliches diagnostisches Interesse kann eine haarlose Partie am Thorax haben, welche der Regel nach dadurch entsteht, dass wegen Brustkrankheiten die Haut mit scharfen Mitteln behandelt wurde. Nach der Application reizender Einreibungen auf die Haut fällt das Haar aus und es er­setzt sich oft durch den Nachwuchs eines mehr dunklen und glänzen­den Haares.
Hautfarbe. Da die Haut des Pferdes in ihrer ganzen Ausdehnung mit Haaren bedeckt ist, so bietet ihre Farbe wenig ßemorkenswerthes. Schon die dunkle Pigmontirung, welche sich bei der üborgrossen Mehr­zahl der Pferde findet, verhindert die Ermittelung besonderer histologi-scher Veränderungen, welche wahrscheinlich bei chronischen Krankheiten auch in der Haut des Pferdes eintreten. Bei den Schimmeln wird nicht selten eine schmutzig graue und eine gelbliche Färbung der Haut beob­achtet. Es kann aber aus dieser Wahrnehmung nicht immer geschlossen werden, dass dieselbe durch Gallenfarbstoff (Icterus) hervorgebracht wäre. Die Brustseuche der Pferde bedingt bei Schimmeln keine Gelbfärbung der Haut. Dagegen wird die Haut der Schimmel gelb beim Icterus gravis (Lupinenkrankhoit), ferner bei chronischen Darmkatarrhen und auch nach grossen und namentlich oft wiederholten Blutverlusten.
Die Epidermis ist bei gut genährten Pferden glatt und wird bei denselben häufiger ergänzt als bei mageren Pferden. Reichliche Epidermis-schuppen sammeln sich auf der Haut bei Pferden mit langem Haar und
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Haut.
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mangelhafter Hautpflege. In fieberhaften Infectionskrankheiten wird die Epidermis gewöhnlich trockener, als im gesunden Zustande. Chronische allgemeine Krankheiten (Rotz), ferner krankhafte Zustände mit be­hinderter Respiration (Lungendämpfigkeit) bedingen zuweilen, aber nicht immer eine trockene BeschaiFenheit der Epidermis. Constant wird beim Lauterstall (Hydrurie) beobachtet, dass die Haut sich reichlich mit feinen Epidemisschüppchen bedeckt, welche sich zum Theil an das lange und aufgebürstete Haar legen und deshalb den Eindruck hervorbringen, als wenn die Haut mit Staub bedeckt wäre.
In der Lederhaut entstehen bei Pferden häufig entzündliche Zu­stände, deren Erörterung den speciellen Krankheiten vorbehalten bleiben muss. In Folge mangelhafter Ernährung der Thiere und besonders auch im Verlaufe acuter und chronischer constitutioneller Störungen (Pferde­staupe, Lauterstall, pyämische und ichorrhämische Intoxication, chronischer Darmkatarrh) wird die Lederhaut fester und härter, sie besitzt nicht die im normalen Zustande vorhandene Geschmeidigkeit, welche die Bil­dung von Falten auf dem Rippenkörper erleichtert. Die Veränderung, an welcher übrigens auch die Subcutis betheiligt ist, vollzieht sich in Folge mangelhafter Ernährung der Haut. Der Zustand charakterisirt sich aber nicht als eine einfache Abnormität der Haut, sondern steht mit der Gesammternährung des Organismus im engsten Zusammenhange. Deshalb pflegt die Ausgleichung des Missverhältnisses in der Nutrition der Haut oft erst in der Frühjahrszeit einzutreten, wenn durch natur-gemässe Bedingungen eine durchgreifende Aenderung in der gesammten Nutrition des Körpers zu Stande kommt.
In der Lederhaut und in der Subcutis bilden sich bei Pferden häufig ödematöse und entzündliche Schwellungen. Erstere werden am meisten als Folge von Blutstauung an den Gliedraassen, am Schlauch und unter dem Bauch beobachtet. Bei Pleuritis und Hydrothorax entsteht häufig ein Oedem in der Subcutis unter dem Brustbein. Die Geschwülste des Nesselfiebers liegen in der Haut, während beim Hautrotz Schwellungen in der Haut und in der Subcutis auftreten. Hämorrhagische Herde und daran anschliessende entzündliche Schwellungen in der Unterhaut werden bei der Blutfleckenkrankheit des Pferdes beobachtet. Ansammlung von atmosphärischer Luft in der Unterbaut (Hautemphysem) findet sich nicht selten nach Verwundung der Haut, besonders hinter dem Schulterblatt und unter der Brust. Ganz vereinzelt wird ein Hautemphysem bei Pferden dadurch hervorgebracht, dass in Folge einer eigenartigen Gährung (Sepsis) sich im Unterhautgewebe Gase bilden. Ich beobachtete ein sol­ches Emphysem (Emphysema septicum) bei schweren Krankheitsfällen
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von Pferdestaupe, forner bei einem Pferde, welches in Polgo von Mast­darmruptur an Darmlähmung und schwerer ßauehfelloiitzündung mit Blutvergiftung litt und erst am 6. Krankheitstage einging; ausserdem wiederholt bei starken Quetschungen und brandiger Zerstörung der Haut.
4. Schleimhäute.
Der Untersuchung sind die Bindehaut der Augen, die Schleimhaut in den unteren Abschnitten beider Nasenhöhlen, die Schleimhaut in der unteren Hälfte der Maulhöhle, ausnahmsweise die Schleimhaut im hinteren Theil des Mastdarms und bei weiblichen Thieren die Schleimhaut im Schoidonvorhof zugänglich.
Die l'arlning der Schleimhäute wird durch den ßlutgehalt der Capillar-gofässe in denselben, beziehungsweise durch die besondere Beschalfenheit des Blutes bedingt. Wenn die Schleimhäute des Kopfes kein Blut mehr enthalten, so erscheinen sie blassweiss. Nur die Maulschleirahaut hat in einzelnen Partien, besonders auf dem Zungenrücken wegen der an den Epithclicn haftenden Färbung ein grauweisses Ansehen. Bei gesunden Pferden sind die Conjunctiva, die Nasen- und Maulschleimhaut nicht ganz gleich gefärbt. Die Conjunctiva erlangt- oft durch anstrengende Dienstleistungen der Pferde und beziehungsweise durch die hierbei ent­stellende leichte Blutanhäufung in derselben eine stärkere Röthung. In kalter Luft erscheint die Nasenschleimhaut bläulich roth, ohne dass bei dem betreffenden Pferde ein krankhafter Zustand besteht.
Eine blasse (anämische) Färbung erlangen die Schleimhäute dadurch, class in denselben wenig Blut vorhanden oder dass das Blut arm an rothen Blutkörperchen ist. Zuweilen vermindert sich bei fioborhaften Krank­heiten (Scalma) die Quantität des in den Gefässbahnen circulirenden Blutes. Dann erscheinen die Schleimhäute abnorm hell. Wenn durch starken Mctoorismus dos Darms (Windkolik) oder durch Embolie der Darmgefässe oder durch Vorlagerung und Abschnürung einer grossen Partie des Darm­kanals sich erhebliche Quantitäten des abnorm dunklen Blutes im Gastro­intestinal tractus anhäufen, so tritt nicht selten Blutleere in den Organen des Kopfes ein und die Schleimhäute, besonders die Maulschleimhaut erhalten in Folge dessen eine blasse (blauweisse) Färbung. — Zuweilen beruht die Erblassung der Schleimhäute in einer constitutioncllen Krank­heit des Blutes bezw. der blutbildenden Organe (essentielle Anämie). — In anderen Fällen ist die hellere Färbung eine Folge starker und ganz besonders wiederholter Blutverluste (Blutungen aus der Leber, derti Peritoneum, den Lungen, der Pleura etc.). — Der Grad der Erblassung
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variirt zwischoa rölhlich weiss, grauweiss und weiss. Am auffallendsten erscheint die helle Färbung an der Maulschleimhaut, namentlich an der hinteren Fläche der Ober- und Unterlippe und am Ober- und Unter­kiefer. Aber auch in der Conjunctiva und in der Nasenschleimhaut ist die Anämie als Krankheitssymptoin leicht zu erkennen. Bei längerem Bestehen des anämischen Zustandes erlangen die sichtbaren Schleimhäute neben der Erblassung zuweilen ein gelbliches Colorit.
Gelbfärbung der sichtbaren Schleimhäute entsteht dann, wenn dem circulirenden Blute gelblicher Farbstoff in abnormer Menge beigemischt ist. Schon in der Norm hat das Blutserum des Pferdes eine gelbliche Färbung, welche durch den physiologischen Zerfall rother Blutkörperchen bedingt ist. Die stärkere Gelbfärbung der sichtbaren Schleimhäute bei fieberhaften Krankheiten rührt grösstentheils daher, dass die rothen Blutkörperchen in abnorm reichlicher Menge zerfallen. Nicht selten wird als Symptom der fieberhaften Krankheiten, namentlich bei der ßrust-seuche, in den ersten Krankheitstagen die Conjunctiva palpebrarum in Folge des krankhaften Zerfalls rother Blutkörperchen gelbroth gefärbt. Die hier besprochene Art der Gelbfärbung in den Schleimhäuten ist von Virchow und nach seinem Vorschlage auch von vielen thierärztlichon Autoren als hämatogener Icterus benannt worden.
Der eigentliche Icterus in den sichtbaren Schleimhäuten kommt durch die Resorption von Galle zu Stande und beruht demnach darauf, dass dem Blute Gallenfarbstoff (Bilirubin) beigemischt ist. Man findet die hier gemeinte, icterische Färbung der Schleimhäute, deren Entstehung auf degenerative Entzündungen in der Leber und beziehungsweise auf eine Behinderung des Abflusses der Galle in den Dünndarm zurückzu­führen ist, bei Ffcrdon nur selten. Zum Unterschiede von dem vorer­wähnten Verhältnisse des sogenannten hämatogenen Icterus wird der hier gedachte Krankheitszustand der Leber mit seinen Folgen als Stauungs-icterus, Rcsorptionsicterus oder hepatogener Icterus bezeichnet. Ausser der bösartigen Gelbsucht (Lupinose) bewirkt auch die Brustsouche in schweren Krankheitsfällen einen Resorptionsicterus und mit demselben eine icterische Färbung der sichtbaren Schleimhäute.
Bcmerkenswerth ist noch die krankhafte Gelbfärbung der Schleim­häute, welche nach schweren Blutverlusten eintritt, sobald die betreffen­den Pferde sich wieder erholen. Sie besteht nicht selten ein bis zwei Wochen hindurch. — Bei gastrischen Krankheiten erlangt die Schleim­haut der Mauihöhle eine schmutzig gelbweissc Färbung. Oft wird in solchen Fällen zugleich eine gelbliche Nüancirung der Sclera gefunden.
Duukle Röthuug der Schleimhäute findet sich bei den Krankheiten
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des Pferdes sehr häufig und ist immer ein Kennzeichen abnormer Mischungs­verhältnisse des Blutes. Am meisten verursachen entzündliche Affectionen der Magen-Darmschleimhaut eine venöse Beschaffenheit des Blutes und mit derselben eine abnorm dunkle Färbung der Schleimhäute. Weil das Blut in den Schleimhäuten und besonders in der Conjunctiva gleich-massig die Capillaron und die kleinsten Gefässe füllt, so erscheint die dunkle Färbung verwaschen. Zur Bezeichnung dieses in diagnostischer Hinsicht besonders bei Magendarmaffectionen wichtigen Symptoms sind seit langer Zeit die Ausdrücke: „venösequot; oder „diffusequot; (verwaschene) oder „ziegelfarbcne1' Röthung im Gebrauch. Wenn das Blut bei fieber­haften Krankheiten in geringerem Grade dunkel ist, so nimmt die Con­junctiva eine gleichmässig fahlrothe Färbung an. — Derjenige Theil der Conjunctiva, welcher die Sclera überzieht, trägt zahlreiche kleine Blut-gefässe, die sich bei Augen- und Augenliderentzündungen, aber auch bei einfachen Blutstauungen in der Conjunctiva erweitern und abnorm stark mit Blut füllen. Eine solche Injectionsröthe der Sclera ist bei entzünd­lichen Erkrankungen des Gastro-Intestinaltractus (Kolik) ein ungünstiges Symptom.
In der Nasenschleimhaut entsteht die dunkle Röthung nicht in dem­selben Grade wie in der Conjunctiva. Sie wird bedingt durch die An­häufung von Blut in den Capillaren und in den kleinen venösen Gefässen. Bei den meisten fieberhaften Krankheiten, recht augenfällig bei der Pferdestaupo, erscheint die Nasenschleimhaut oft punktförraig geröthet. Die Erscheinung beruht auf der eigenthümlichen Anordnung der Capillar-gefässschlingen in der Schleimhaut. Im Uebrigen ist bei den Krank­heiten, welche eine diffuse Röthung der Conjunctiva hervorrufen, die Nasenschleimhaut oft nicht abnorm gefärbt. Nur bei der Kolik, nament­lich kurze Zeit vor dem letalen Ausgange derselben, erscheint die Nasenschleimhaut im Ganzen dunkler gefärbt und beim Auftreten suffo-catorischer Zufälle erhält dieselbe ein cyanotisches Ansehen.
Stauung des Blutes in der Maulschleimhaut findet sich bald mehr bald woniger bei allen fieberhaften Krankheiten. Das Zahnfleisch der Schneidezähne besitzt in grosser Zahl Capillaren und kleinste Blutgefässe. Hieraus erklärt sich, dass bei fieberhaften Biutdyskrasien das Zahnfleisch violet gefärbt, in schweren Fällen auch dunkel geröthet erscheint. Er­hebliche Störungen der Blutmischung und Beschränkungen in der Circu­lation und Respiration, welche besonders durcli Meteorismus des Darms verursacht werden, bedingen eine cyanotischo (blaurothe) Färbung der Schleimhaut an der Zunge, den Backen und am Körper des Unter­kiefers.
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Die Sehwclluiig der sichtbaren Schleimhäute findet sich bei vielen Krankheiten. In der praktischen Thierarzneikunde ist das Symptom oft als „aufgelockerte Schleimhautquot; geschildert worden. Indess besagt dieser Terminus zu wenig; er erseheint auch schon deshalb für die Semiotik nicht anwendbar, weil die Nasonschleimhaut bei gesunden Pferden durch die punktförmigen OefFnungen der acinösen Drüsen eine unebene Ober­fläche hat, welche von vielen Sachverständigen als Auflockerung be­trachtet wird. An der inneren Fläche der Lippen besitzt die Maul­schleimhaut in grosser Zahl punktförmige Warzen von Hanfkorngrösse. Dieselben bezeichnen die Stellen, an welchen die Lippendrüsen aus­münden. Im vorigen Jahrhundert hielt man diese Beschaffenheit der Lippenschleimhaut irrthümlich für krankhaft und für die Ursache des Appelitmangels. — Die Schwellung der Schleimhäute beruht auf einer Infiltration des mucösen und submucösen Gewebes mit Blutserum oder mit wirklichem Blut. Nach der Beschaffenheit, welche das infiltrirto Blutserum besitzt, sieht die geschwollene Schleimhaut entweder wässerig (blass), oder glasig (perlrautterfarben), oder gelblich oder gelbröthlich aus. Hiernach werden die durch Conjunctivitis oder durch Blutstauungen in der Conjunctiva zu Stande gekommenen Schwellungen zweckmässig unterschieden in: wässerige, glasige, gelbliche und gelbröthliche. — Blut infiltrirt in das Gewebe der Conjunctiva und in die Submucosa entweder herd weise oder all gemein. Im erstgedachten Falle spricht man von hämorrhagischen Herden oder auch nach der Gestalt der letzteren von punktförmigen streifigen und flächenförmigen Hämorrhagien. Am meisten bedient man sich zur Bezeichnung der Herde der Kunstausdrücke: Pe-tochien, Ecohymosen, Vibices, Sugillationen und Suffusionen. Die allgemeine Füllung der Conjunctiva und ihrer Submucosa mit Blut, welche indess nur sei gt;:. bei der ßlutfleckenkrankheit, häufiger dagegen bei Quetschungen und Verwundungen eintritt, wird als hämorrhagische Schwellung bezeichnet.
Abgesehen von den localen Entzündungen der Conjunctiva findet sich die wässerige Schwellung häufig bei gastrischen Krankheiten und bei leichten fieberhaften Störungen. Die glasige Schwellung entsteht sehr oft bei der Pferdestaupe und zuweilen in solchem Grade, dass die geschwollenen Falten der Conjunctiva aus der Lidspalte fingerdick heraus­treten. Indess ist die glasige Schwellung für die Pferdestaupe nicht charakteristisch. Sie wird vielmehr auch bei anderen fieberhaften Krank­heiten von acutem Verlaufe, wenn auch gewöhnlich nicht in hohem Grade, beobachtet. — Die gelbliche und die gelbröthliche Schwel­lung findet sich bei der Brustseuche und besitzt gerade für diese
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Infectionskrankhoit einen grossea diagnostischen Werth. Es kommen aber auch bei allgemeinem Herrschon der Pferdestaupe Krankhoitsfälle vor, in welchen die Conjunctiva gelblich geschwollen ist.
Hämorrhagische Herde in verschiedenster Form trolon als Symptom der ßlutfleckenkrankheit und ausserdem nur bei traumatischen Zuständen in der Conjunctiva auf.
Die Schwellungen der Nasenschlcimhaut sind von geringerem dia­gnostischen Werthc als diejenigen der Conjunctiva. Schon die straffe Einrichtung der Submucosa behindert das Zustandekommen erheblicher wässeriger Schwellungen in derselben. Bei der ßrustseuche findet man die Nasenschlcimhaut oft in leichtem Grade gelblich oder gelbröthlich infiltrirt. Eine geringe Schwellung mit röthlicher Färbung der Schleimhaut findet sich bei acuten Katarrhen. Blutige Herde entstehen in Folge von Verwun­dungen vereinzelt, sind aber gewöhnlich ein Merkmal der Blutlleckon-krankheit. Nach ihrer Form werden sie als Petechien oder als Sugilla-tionen (Blutunterlaufungen) bezeichnet. Chronische Katarrhe der Nasen­schleimhaut compliciren sich nicht selten mit ecchyraotischen Herden in dem Umfange eines Fünf- bis Zehnpfonnigstückes, die nach einigen Tagen wieder verschwinden, sich im Uebrigen aber von den Petechien, welche im Initialstadium der Blutfleckenkrankhoit auftreten, nicht unterscheiden.
Geschwüre bilden sich in der Nasenschleimhaut beim Rotz. Ober­flächliche Anätzungon sind nicht selten durch die Einathraung von Kalk­staub verursacht. Narben können durch Verheilung von llotzgeschwüron, aber auch durch einfache Verwundungen in der Nasenschleimhaut ent­stehen. Sowohl wegen dieser Symptome als auch wegen des Auftretens von entzündlichen Neubildungen und Geschwülsten in der Nase verweise ich auf die Diagnose der Rotzkrankheit.
Schwellungen der Maulschleimhaut sind bei Pferden nicht häufig. Der seit alter Zeit in Europa viel verbreitete Irrthum', dass durch die Schwellung des harten Gaumens oder durch eine Schwellung des Zungen-bändchens (Froschgeschwulst, Rana oder Ranula) die Futteraufnahme der Pferde häufig behindert sei, verdient keine Beachtung, obwohl der­selbe von manchen Laien auch heute noch mit grosser Hartnäckigkeit als Thatsache verthoidigt wird. Nicht selten entsteht eine Schwellung der Zunge in Folge von Ruptur des Zungonbändchens, oder auch durch eine Verwundung der Zunge mit spitzen Gegenständen. Ausserdem kann eine allgemeine ödematöse Schwellung der Zunge durch eine Entzündungs­geschwulst oder einen Abscess, welcher im Kehlgange dicht an der Zunge zur Ausbildung kommt, bedingt sein. In solchen Fällen verliert sich die Zungenschwellung nach der Eröffnung des Abscesses in kurzer
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Zeit. — Von den fieberhaften Krankheiten ist es nur die Pferdestaupe, welche in schweren Fällen eine starke Blutstauung und Infiltration der Maulschleimhaut bewirkt und in einzelnen Fällen auch eine Schwellung der Zunge verursacht. — Petechien und grössere hämorrhagische Herde treten in der Maulschleimhaut bei der ßlutflockoukrankheit auf; ver­einzelt werden sie an den Lippen und an der Zunge auch als Folge von Verwundungen beobachtet.
Trockenheit der Schleimhäute zeigt sich stets bei erheblichen fieber-liaften ßlutdyskrasicn. Sie beruht darin, dass die Secretion der auf die Schleimhaut ausmündenden Drüsen (Schleim- und Speicheldrüsen) auf­hört oder sich erheblich vermindert. Ihre entfernte Ursache liegt theils in der Verminderung der allgemeinen ßlutmenge im Körper, theils in der abnormen Mischung des Blutes. Die trockene Beschaffenheit der Schleimhaut in der Maulhöhle ist ein constantes Symptom der Kolik in allen erheblichen Erkrankungsgraden. Durch dieselbe wird das Eingeben von Pillen und festen Latwergen bekanntlich sehr erschwert. — ße-merkenswerth dürfte noch die Thatsache sein, dass manche Pferde aus übler Angewohnheit die Zunge durch das Schneidezahngebiss oder zur Seite aus einem Lippenwinkel hervorstrecken oder die Lippen für den Eintritt der kalten Luft offen halten und dass bei solchen Pferden die Schleimhaut der Maulhöhle oft trocken gefunden wird.
Im Verlaufe allgemeiner Krankheiten ist die Schleimhaut der Zunge nicht selten mit einer geringen Schicht zähen und etwas eingetrockneten Speichels bedeckt. Einen epithelialen Belag auf der Zunge beobachtet man nur bei schweren Darmentzündungen, besonders bei solchen, welche durch Abschnürung grösserer Partien des Intestinaltractus oder durch Embolie der Grimmdarmarterien verursacht sind. Auch bei der Pferde­staupe bedeckt sich die Zunge in schweren Krankheitsfällen mit einem solchen Belag.
In übermässiger Menge findet sich der VcnehtigkeitsgchaU auf den der Untersuchung zugänglichen Schleimhäuten bei gesunden Pferden nur in der Maulhöhle. Dem Vorgange liegt eine reichliche Secretion der Kopfspeicheldrüson zu Grunde. Es scheint, als ob bei solchen Pferden die Empfindlichkeit in der Maulschleimhaut abnorm stark ist und dass hierdurch die ergiebigere Speichelsecretion reflectorisch angeregt wird. In anderen Fällen liegt die Ursache in den lebhaften Kaubewegungen, welche manche Pferde von feurigem Temperament ausführen, wenn sie aufgezäumt sind. Künstlich lässt sich die stärkere Speichelsecretion für eine kurze Zeit durch das Einbringen von reizenden Substanzen (Ingwer, Pfeffer) in die Maulhöhle hervorrufen.
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5. Ausflüsse aus Augen, Nase und Maulhühle.
Aus dem Inneren Augenwinkel entleert sich bei selbständigen Augon-und Augenlidentzündungen ThrÄnenflüsligkeit. Sonst ist der krankhafte Abfluss von Thränen aus der Augonlidspalte als Krankheitssyraptom nicht häufig wahrzunehmen. Am meisten wird das Symptom bei der Pferdestaupe und bei Darmkatarrhen mit protrahirlem Verlauf beob­achtet. Die letztgedachten Krankheiten bedingen in der Regel gleich­zeitig die Ausscheidung von eiterig-schleimiger, grauweisser oder gelb­lich woisser Materie aus dem inneren Augenwinkel. Diese Materie ist das Secret der in der Bindehaut gelegenen Drüsen, welche bei dem Zu­rücktreten des Augapfels krankhaft gereizt werden.
Die Dejectionen aus der Nase haben ein ungleich grösseres dia-gnosiischos Interesse. Sie werden eine specielle Würdigung bei den be­treffenden Krankheiten finden. Es mögen deshalb an dieser Stelle einige kurze Bemerkungen genügen. Gesunde Pferde bekunden gewöhnlich keinerlei Ausfluss aus der Nase. Der in geringer Menge sich in den oberen Abtheilungen der Nasencavitäten ansammelnde Schleim wird zeit­weise durch Ausprusten entfernt. Oft ist aber bei gesunden Pferden die tropfenweise Ausscheidung der Thränenflüssigkeit wahrzunehmen.
Bei einfachen Katarrhen der Nasenschleirahaut kommt ein schleimiges Deject von klebriger Beschaffenheit zur Entleerung. Durch entzündliche Roizungen der Rachonschleimhaut gelangt nicht seiton eine geringe Quan­tität des Maulspeichels in die Choanen, welche mit dem Exspiratrons-strom nach unten befördert wird. Dies Deject ist von wässerig weisser Beschaffenheit und oft mit Luftbläschen vermischt (schaumig). Bei der Druse enthält die Ausflussmasse Schleim, Epithelion, Serumalbumin und Eiterkörperchcn. Hinsichtlich des Nasenausflusses beim Rotz besteht eine grosso Mannigfaltigkeit, die in der speciellen Darstellung dieser Krankheit ihre Erörterung finden soll. — Blutige Ausflüsse aus der Nase werden beim Rotz, ferner beim einfachen Nasenbluten, bei chro­nischen indurirenden Pneumonien, bei spontanen Jjungenbiutungon , bei schworen Fällen der Brustseuche im ersten Stadium (hämorrhagischo Pneumonic) und bei der Blutfleckenkrankheit beobachtet. Auch Ver­wundungen der Lungen oder der Schleimhaut an irgend einer Stelle dos Respiraüonstractus verursachen den Abfluss von Blut aus der Nase. Gelblich oder rötblich gefärbtes IMutserum scheidet sich bald aus einem, bald gleichzeitig aus beiden Nasenlöchern im ersten Stadium der Brust­seuche, in Folge dos reichen Eiweissgolialtcs haftet die Flüssigkeit an
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den Naseneingängen, woselbst der wässerige Bestandtheil verdunstet und ein grauröthlicher Rückstand (rostfarbenes Deject) eine Zeit lang ver­bleibt. — Jauchige Entzündungszustände der Lungen bedingen zunächst einen süsslich-fauligen Geruch der Exspirationsluft, führen aber im weiteren Verlaufe zur Ausscheidung dickflüssiger, eiterig-jauchiger, übel­riechender Materie aus der Nase. Der faulige Geruch der ausgoathraeten Luft ist nicht pathognomonisch für den Lungenbrand. Er kann auch durch Geschwüre in der Rachenschleimhaut und wie ich in einem Falle beobachtete, durch eine chronische Bronchienkrankheit (fötide Bronchitis) bedingt sein. Indess kommt der Lungenbrand bei Pferden viel häufiger vor, als die übrigen Krankheitszustände, welche diesen Geruch mit sich bringen.
Bei Behinderung des Schluckens (Pharyngitis, Druse, Starrkrampf, ßlutfleckenkrankheit) sind den Nasendejecten Putterpartikol, Wasser und Maulspeichel beigemischt. Da das Velum bei Pferden bis auf die Zunge herabreicht, so gelangen auch beim Erbrechen die Ingesta des Magens durch die Nase nach aussen. Zuweilen entleert sich der Magen beim Erbrechen eines grossen Theils seines Inhaltes auf diesem Wege. Man findet aber auch nicht selten, dass eine spärliche Menge erbrochen wird, und dass nur einzelne Futtcrpartikel auf der Nasenscheidewand in der einen oder anderen Cavität haften bleiben. Die lebensgefährliche Be­deutung des Erbrechens bei Pferden verringert sich aber hierdurch nicht (cf. Kolik).
Krankhafte Ausflüsse aus der Maulhöhle kommen bei Pferden nur selten vor. Schon die Einrichtung des Gaumensegels verhindert die­selben gsösstentheils. Bei Lungonblutungen und bei dem Austritt grosser Mengen von hämoglobinhaltigem Blutserum aus den Lungen in schweren Fällen von Brustseuche beobachtet man aber nicht selten, dass ein Theil der krankhaften Flüssigkeit beim Husten oder beim Kauen in die Maul-höhie gelangt und mit Speichel und Luft unter kauenden Bewegungen entleert wird. Oft schlucken die Pferde das auf diese Art in die Maul­höhle gekommene Blut zum Theil herunter.
Pferde, die mit einer traumatischen Entzündung an irgend einer Stelle der Maulschlcimhaut oder mit einer auf andere Weise entstandenen ödematösen Schwellung der Zunge behaftet sind, lassen den Maulspeichcl in langen Fäden zu beiden Seiten aus der Lippenspaltc abfliessen. Die­selbe Beobachtung wird bei Entzündungszuständen in der Rachenschleim-haut, besonders bei der Druse gemacht. Dass bei frischen Verwundungen in der Maulschleimhaut Blut aus der Maulhöhlo abfliessen kann, bedarf kaum einer Andeutung.
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Bei der Untersuchung des Respirationsapparatos, welche zu den wichtigsten Aufgaben der thierärztlichen Diagnostik gehört, ist Rücksicht zu nehmen a) auf Form, Umfang und Durehmesser des Thorax, b) auf Frequenz und Intensität des Athmens, c) auf Auseultation und d) auf Percussion.
a. Form, Umfang und Durchmesser des Thorax.
So verschieden die Form des Brustkastens nach der grösseren oder ge­ringeren Vollkommenheit im Bau der Pferde sein kann, so ist dieselbe pathologisch nur von geringem Interesse. Dass bei mangelhaft entwickelter Form des Brustkastens auch die Dimensionen unvollständig sind und dass in Folge dessen bei sonst gesunden Pferden das Athmungsgeschäft schwierig sein kann, ist schon bei der Betrachtung über den Körperbau bemerkt worden. Eindrücke in der Brustwandung werden zuweilen als Rück­stände verheilter Rippenfracturen beobachtet und sind gewöhnlich irrele­vant. Zuweilen ist die Lunge an einer solchen Impressionsstello mit der Rippenwandung vorwachsen. Aber nur ausnahmsweise und wenn die Verwachsung einen relativ grossen Umfang hat, entsteht hierdurch ein Nachtheil für die Athmung.
Bei einseitiger, schmerzhafter Pleuritis, Pleurodynie, Pneumonia ephemera und bei frischen Rippenbrüchen ändert sich die Configuration des Thorax oft, indem die Thiere die gesunde, bezw. die weniger schmerz­haft erkrankte Seite nach aussen hervorwölben und stärker bewegen, als die kranke Seite, welche etwas eingezogen wird. Es geschieht dilaquo;s zu dem Zwecke, um die Verschiebung der Lunge an der kranken Brustwandung mög­lichst zu verringern, resp. vorzugsweise mit der gesunden Lunge zu athmen.
Von geringer diagnostischer Bedeutung bei Pferden ist die That-sache, dass beim Hydrothorax sich die Intercostalräume ausfüllen. Es kann dies Symptom auch nur dann festgestellt werden, wenn die be­troffenden Pferde abgemagert sind. Gewöhnlich entsteht beim Hydro­thorax, weil die Mm. intercostales für die Respiration stark in Anspruch genommen werden, keine Ausdehnung der Zwischenrippenräume, trotzdem sich eine grosso Menge von flüssigem Exsudat im Brustraum anhäuft.
Für den Umfang des Brustkastens Durchschnittsmasse anzugeben, hat für die Zwecke der Diagnostik keinen Worth, weil nach der Grosse und Bauart der Pferde in diesem Gebiete aussorordentlich grosso Ver­schiedenheiten obwalten. Die Mensuration des Thorax ist aucli doshalb schon von keiner grossen Bedeutung, weil die Pferde von der tuber-
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kulösen Lungenphthise nicht beüillen werden. Bei mastigem Nälirzu-stande ist der Umfang des Thorax grosser als bei abgemagerten Thieren. Anhaltende Krankheiten, namentlich kachcctische Leiden, bewirken durch Atrophie des Fettgewebes und der Muskeln, zum Theil auch der Rippen eine erhebliche Verringerung in dem Brustumfänge. Hiernach giebt die anhaltend sich steigernde Verkleinerung in dem Brustumfänge Auskunft über die Fortdauer einer Krankheit. Da aber dieser Aufschluss durch viele andere Merkmale sehr leicht und mit grösserer Sicherheit gewonnen werden kann, so wird in der Praxis gewöhnlich auf die Mensuration des Brustkastens keine Rücksicht genommen.
Bei der Pleurodynie, gewöhnlich auch bei schmerzhafter bilateraler Pleuritis, bei interstitiellem Lungenomphysem und bei Rupturen der Bauchdecke nahe den falschen Rippen erweitern die Pferde den Brust­kasten bis zum äussersten Grade, um ihn vollständiger feststellen zu können. Die hierdurch bedingte Vergrösserung im Umfang wird be­sonders in der hinteren Hälfte des Thorax auffällig.
Am Brustkasten kann ein Längendurchmesser, ein Querdurchmesser und ein Höhen- oder Tiefendurchmesser unterschieden werden. Werth-voll ist die Vergleichung der Dimensionen bei Pferden mit gut gebautem und schlecht gebautem Brustkasten, wenn es sich um die Bestimmung des Werthes und der Leistungsfähigkeit der Thiere handelt. Mit der grösseren Geräumigkeit des Thorax ist regelmässig eine vollständigere Ausbildung der Lungen und des Herzens gegeben, welche die Respiration und Circulation erleichtert. Demgemäss bekundet jedes Pferd, bei wel­chem die Durchmesser des Brustkastens relativ gering sind, bei ange­strengter Bewegung eine stärkere Dyspnoe, als bei den Pferden mit gutem Brustkasten angetroffen wird. Diese Verhältnisse erfordern zu­weilen eine sorgfältige Würdigung bei der Feststellung der Lungen­dämpfigkeit (Asthma pulmonale).
b. Frequenz und Intensität des Athmens. Durchschnittlich athmen die Pferde 10—11 Mal in einer Minute. Gastrische Störungen bedingen zuweilen vorübergehend eine Herabsetzung der Athmungsfrcquenz bis auf 6 Respirationen in der Minute. Auch ver­ringert sich innerhalb der normalen Grenzen bei Pferden mit geräumigem Brustkasten und guter Constitution zuweilen die Frequenz bis auf 7, wäh­rend sich dieselbe unter entgegengesetzten Verhältnissen oft bis zu 15 Respi­rationen in der Minute vergrössert. Im Stande der Ruhe wird die In­spiration fast ausschliosslich durch das Zwerchfell vermittelt, welches sieb durch Contraction seines muskulösen Theiles gegen die Bauchhöhle
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abflacht und eine massige und allmälige Ausdehnung der Bauchwand herbeiführt. Die normale Exspiration vollzieht sich durch die Erschlaffung des Zwerchfells und die Retraction der Lungen.
Bewegungen der Nasenflügel werden bei der normalen Respiration vieler Pferde nicht beobachtet; bei manchen gesunden Pferden ist aber durch aufmerksame Betrachtung eine geringfügige Erweiterung der Nasen­eingänge im Momente der Inspiration zu constatiren. — Der Kehlkopf bewegt sich beim normalen und ruhigen Athmen nicht in bemerkbarer Weise. Eine starke in- und exspiratorische Dyspnoe, welche bei diffuser chronischer Bronchitis und Peribronchitis, aber auch zuweilen bei anderen Arten der Dämpfigkeit beobachtet wird, bedingt jedoch eine augen­fällige Athembewegung des Kehlkopfs. Derselbe wird in solchen Fällen in Folge der excessiven Erweiterung bei jeder Inspiration nach unten gezogen, während er bei der Exspiration sich jedesmal wieder in die normale Lage emporhebt.
Die Athmungsmechanik kann in mehrfachen Modificationen von der Norm abweichen. Es kann die Respiration vorwiegend mit dem Zwerch­fell und den Bauchmuskeln, oder mit abnorm starker Anstrengung der Muskeln des Thorax oder der Muskeln des Kopfes (Nase) ausgeführt werden. Hiernach unterschied man früher die Respiratio abdominalis, die R. pectoralis seu thoracica und die R. cephalica. In der neueren Physiologie wird dieser Unterschied als Respirationstypus oder -modus ausgedrückt und auf die active Thätigkeit der Rippenmuskeln und der Bauchmuskeln bezogen (costaler, abdominaler und costo-abdominaler Respirationsmodus). De norma vollzieht sich die Respiration unter gleich-massiger inspiratorischer Ausdehnung der falschen Rippen und der Bauch­wandung. — Zwischen weiblichen und männlichen, bezw. castrirten, männlichen Pferden macht sich kein erheblicher Unterschied in der Athmungsmechanik bemerkbar. Dem Sprachgebrauche gemäss kann des­halb beim Pferde der normale Respirationstypus „costo-abdorainalquot; ge­nannt werden. Die Zeit der Inspiration ist bei vielen Pferden um ein geringes kürzer als die der Exspiration. Gewöhnlich lässt sich aber ein Zeitunterschied zwischen beiden Momenten im gesunden Zustande nicht nachweisen. Bei alten Pferden konnte ich in vereinzelten Fällen con­statiren, dass die Dauer der Inspiration ein wenig länger war, als die­jenige der Exspiration.
Deutlich ausgesprochener OÖstaltypus der Respiration wird bei Pferden beobachtet, welche an starkem Lungenödem (in einzelnen Fällen von Brustseuche; nach fiinathmung von Rauch beim Abbrennen des Stalles; nach Einathmung von schwefligsauren Dämpfen) oder an um-
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fangreicher Induration der Lungen leiden. In anderer Art gestaltet sich der Oostaltypus der Respiration bei Pferden, die mit starkem Moteoris-mus des Darms (Windkolik) behaftet sind und die Symptome der sich entwickelnden Asphyxio bekunden. Bei diesem Zustande bleibt die Bauchwand ausgedehnt und es macht sich eine erhebliche in- und ex-spiratorische Bewegung der Rippen geltend. Während hiernach der costalo Respirationsmodus stets ein Zeichen von Krankheit ist, kann der abdominale Modus des Athraens bei denjenigen Pferden, bei welchen die falschen Rippen und die Lendenwirbel mangelhaft entwickelt sind, schon nach jeder erheblichen Anstrengung in massigem Grade hervortreten, ohne dass eine Krankheit zu bestehen braucht.
Eine geringe Abweichung in der Athmungsmechanik bildet das „Seufzenquot;, welches in einer tiefen, allmälig zunehmenden, verlängerten Inspiration und darauf folgender langsamer Exspiration besteht. Es ist bei starker Ermüdung der Pferde und bei den mit Eingenommenheit des Bewusstseins verbundenen Krankheiten (Gehirncongestion, acute Hirn­höhlenwassersucht, Dummkoller) oft zu beobachten. Aber auch gesunde Pferde äussern eine solche Respiration bei ruhigem Stehen zuweilen, ohne dass sich die Ursache derselben nachweisen lässt. Das „Gähnenquot; be­steht in einer langsamen, aber mit Aufbietung der Hülfsmuskulatur sich vollziehenden, möglichst umfangreichen Inspiration, wobei die Maulhöhle weit geöffnet wird; die Exspiration ist normal oder etwas verlängert. Einzelne Pferde gähnen zuweilen bei ruhigem Stehen im Stalle nach reichlicher Futteraufnahme. Für gewöhnlich ist das Gähnen aber als ein Krankheitssymptom anzusehen, welches am häufigsten bei gering­fügigen acuten Indigestionen (Gastrosis simplex), ausserdem auch in manchen Fällen der Pferdestaupe und bei Intoxicationen bezw. nach der Einverleibung narcotischer Arzneipräparatc vorkommt.
Dyspnoe. Durch eine abnorm grosse Frequenz der Respiration, ferner durch eine abnorm starke Intensität der Inspiration oder dor Exspiration oder der In- und Exspiration äussert sich die Dyspnoe (das Schwer-athmen, die At hem be seh werde). In der Regel findet man bei einer Dyspnoe die Zahl der Athemzüge und die Intensität der Athom-bewegungen gleichzeitig krankhaft gesteigert. Generell beruht die Dyspnoe immer auf einer Beeinträchtigung des Gaswechsels in den Lungen; im Besonderen ist dieselbe aber nach dem Ursprünge des Athmungshinder-nisses zu unterscheiden in Nasen-, Kehlkopfs-, Luftröhren- und Lungen-dyspnoe. Um die übersichtliche Betrachtung der Symptomatologie nicht zu erschweren, will ich die durch Erkrankung der Bronchien verursachten Athembeschwerden der Lungendyspnoe anreihen. Zu der letzteren ge-
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hören im weiteren Sinne auch die durch krankhafte Blutmischung, durch schmerzhafte Affectioncn der Bauchorgane, durch Herzfehler und Krank­heiten der Pleura bedingten Athembeschwerden.
Ausser diesen Arten lässt sich allgemein eine Dyspnoe mit ver­längerter Inspiration, eine Dyspnoe mit verlängerter Exspiration und eine Dyspnoe mit gleich langer In- und Exspiration unterscheiden.
aa. Nasen-Dyspnoe (Dyspnoea nasalis). In seltenen Fällen ist eine abnorme Enge der Nasen-Cavitäten bei Pferden angeboren; sie findet sich bei der oxcessiven Bildung des „Hechtkopfesquot;, wobei die Nasen­firste eingebogen ist. Derartige Pferde bekunden nach einer erheblichen An­strengung und bezw. während derselben ein brausendes Geräusch bei der In- und Exspiration. Ausserdem können Geschwülste in den Nasenhöhlen, ferner hämorrhagische Infiltrationen der Nasenschleimhaut (bei der Blut-lleekenkrankhcit), entzündliche Schwellungen (bei Druse, Rotz, Ver­brennungen etc.) und endlich traumatische Zustände (Fracturen und Impressionen der Nasenbeine) das Lumen der Nasenhöhlen erheblich ver­kleinern und eine Dyspnoe mit schniebenden Nasalgeräuschen bedingen. Diese Dyspnoe charakterisirt sich in den geringeren Graden der be­zeichneten Krankheiten vorwaltend als eine inspiratorische, in den höheren Graden als eine in- und exspiratorische.
bb. Kehlkopfs-Dyspnoe (Dyspnoea laryngealis) wird am meisten bei Pferden durch die linksseitige Kehlkopfslähmung (Kehlkopfs­pfeifen) veranlasst und äussert sich dann bei der Inspiration, ausnahmsweise bei der In- und Exspiration. Sehr oft verursachen auch entzündliche Schwel­lungen der Kohlkopfsschleimhaut (Bräune, Druse, Rotz), ferner hämor­rhagische Zustände in derselben (Blutflockenkrankheit), Geschwülste und Abscesse in der Nachbarschaft des Kehlkopfs, sowie eine abnorme Füllung des Buftsackes eine Verengerung der Larynx und eine Dyspnoe, welche meist den Charakter der inspiratorischen an sich trägt, in den höheren Graden aber als eine in- und exspiratorische sich kennzeichnet.
cc. Luftröhren-Dyspnoe (Dyspnoea trachcalis). In der Luft­röhre kommen bei Pferden abnorme Zustände nicht häufig vor. Zuweilen findet man als Ursache einer Dyspnoe bei alten Pferden, dass die Trachea in einer Ausdehnung von 25 Ctm. und darüber eine Aenderung ihrer Form erlitten hat, wobei die Knorpolringo nach beiden Seiten ausoinander-gezogen sind und der Höhen- oder Tiefendiirchmosser der Trachea sich erheblich verkleinert. Auch Fracturen und Impressionen der Knorpol­ringo verursachen in seltenen Fällen ein Athmungshinderniss in der Luft­röhre. Geschwülste (Fibrome) in der Luftröhre bei Pferden sind sehr selten. Häufig wird aber nach der Anwendung des Tracheotubus die
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Entwickelung eines Abscesses im submucöseu Gewebe oder die Verdickung der Trachealschleimhaut in Folge einer granulirendon Entzündung die Veranlassung zur trachealen Dyspnoe. In allen diesen Fällen ist stets die Inspiration und nur bei erheblicher Abnormität zugleich die Exspi-ration dyspnoisch. Bei geringfügiger Ausbildung der bezeichneten Ab­normitäten tritt die tracheale Dyspnoe der betreifenden Pferde erst nach der entsprechenden Anstrengung hervor.
Wenn durch die sub aa) bis cc) gedachten Krankheitszustände eine erhebliche Verengerung des Respirationstractus bewirkt wird, so kommt rcgelmässig eine Verlangsamung der Respiration zur Ausbildung. Die Thiere bemühen sich, durch möglichst tiefe Inspirationen die zum Gas­wechsel in den Lungen erforderliche Luft einzuziehen. In Folge dessen dauert das Moment der Inspiration länger, als das der Exspiration. Bei einem an der Halsbräune schwer erkrankten und deshalb mit laryn-gealer Dyspnoe behafteten Pferde, welches unter lautem Kehlkopfs­geräusch in der Minute etwa 20 Mal tief einathmet, steigt nach der zweckentsprechend ausgeführten Tracheotomie die Zahl der Athemzüge sofort auf 28—33 in der Minute. Auch das Kehlkopfspfeifen der Pferde äussert sich, wenn das Athmungshinderniss erheblich ist, unter verlang­samter und tiefer Inspiration. Bei den höchsten Graden dieses fehler­haften Zustandes, bei welchen die betreffenden Pferde schon nach einer geringen Anstrengung in die Gefahr kommen, zu ersticken — fand ich, dass die Inspiration 3 Secunden und die Exspiration 1 Secunde dauerte. Mit der allmäligen Beruhigung des dyspnoischen Athmens gestaltete sich das Verhältniss nach wenigen Minuten wie 2 : 1 und mit der vollständigen Sistirung des Rohrens wie 1 : 1. Die Erklärung dieses Respirationsmodus ist in der physiologischen Theorie der Selbststeuerung des Athmons zu finden. Indess will ich nicht unerwähnt lassen, dass das Athmen bei den mit dem Kehlkopfspfeifen behafteten Pferden nicht immer die ge­dachte Eigenthümlichkeit hat. Ich habe viele Rohrer untersucht, welche nach der entsprechenden Anstrengung 50 — 60 Mal in einer Minute athmeten und bei denen eine Beschleunigung des Athmens nicht eintrat, nachdem beim ruhigen Stehen der Thiere das krankhafte Kehlkopfs­geräusch in 1—2 Minuten verschwunden war.
dd. Lungen-Dyspnoc (Dyspnoea pulmolialis). Mannigfaltiger, als in den oberen Respirationswegen sind die Bedingungen der Dyspnoe in den Lungen. Für das Verständniss derselben ist das Verhalten der Lungen bei der normalen Respiration zu beachten. Die Lungen erleiden bei der Einathmung eine passive Ausdehnung, während sie an der Aus-athmung activ betheiligt sind, indem die in den Bronchien und in den
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Alveolarwänden befindlichen muskulösen und elastischen Elemente sich zusammenziehen.
Sowohl durch die Beschränkung in der Ausdehnung, als durch die Beeinträchtigung in der Zusammenziehung der Lungen kann dyspnoisches Athmen verursacht werden. Erschwert wird die Respiration ferner, wenn sich der Gehalt des Blutes an Kohlensäure erheblich vergrössert (bei schweren Darmentzündungen und manchen Vergiftungen). Ebenso kommt dyspnoisches Athmen zu Stande, wenn die Pferde durch schmerzhafte Empfindungen an den Gliedmassen behindert werden, ergiebige Inspira-tionsbewegungon auszuführen.
Jede starke Anstrengung eines gesunden Pferdes bedingt schon eine Dyspnoe, welche sich aber mit der Verringerung der Kraftleistung wieder verliert. Hierbei ist in diagnostischer Hinsicht zu beachten, dass bei den in guter Condition befindlichen und an die Arbeit gewöhnten Pferden auch nach einer schweren Anstrengung die Dyspnoe in 5—15 Minuten aufhört, während ungeübte, mangelhaft ernährte und unvollkommen ge­baute Pferde nach einer überraässigen körperlichen Anstrengung nicht selten 30 Minuten und noch länger dyspnoisch athmen, obschon ein krankhafter Zustand bei denselben nicht besteht.
Pferde, welche durch irgend eine krankhafte Veranlassung sich nicht stehend erhalten können und deshalb anhaltend oder übermässig lange auf der Seite liegen, bekunden oft eine beschleunigte und beschwerliche Respiration, weil die Athmungsmuskeln beim Liegen der Thiere nicht genügend functioniren. Der hierdurch bedingte Sauerstoffmangel macht die Beschleunigung und stärkere Anstrengung der Athembewegungen noth-wendig.
Schmerzhafte Zustände in den Organen der Bauchhöhle, besonders am Peritoneum beschränken die Inspirationsbewegungon und verursachen Dyspnoe. In höherem Grade wird die Tiefe der Inspiration behindert und Schwerathmen veranlasst durch schmerzhafte Empfindungen in der Brustwand (diffuse Pleuritis, rheumatischer Schmerz in den Muskeln des Rumpfes, Rippenfracturen).
Uebermässige Anhäufung des Blutes in den functionellen Gefässen der Lungen verursacht eine Beschränkung des Luftwechsels bei der Re­spiration und in Folge dessen Dyspnoe. In dieser Art kommt das Schwerathmen bei Congestionen nach der Lunge und bei Herzkrankheiten (Klappenfehler) zu Stande.
Fieberhafte Krankheiten, bei welchen entzündliche Affectionen der Athmungsorgane nicht bestehen, erzeugen nur dann eine Beschleunigung
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und Erschwerung der Respiration, wenn durch Schwächung der moto­rischen Herzganglien oder durch parenohymatöse Degeneration des Herz­fleisches die Blutcirculation unvollkommen und der kleine Kreislauf be­lastet wird. Soweit die Pferde und auch die übrigen Hausthiere in Betracht kommen, muss ich nach vielseitigen Erfahrungen der Ansicht bestimmt widersprechen, dass die fieberhaft gesteigerte Eigenwärme für sich allein das Athmungscentrum erregen und eine Beschleunigung der Respiration verursachen soll.
In den Bronchien und Bronchiolen sind es vornehmlich die diffusen Entzündungen der Schleimhaut und ihrer bindegewebigen ürakleidung, welche eine Athembeschwerde bedingen. Bei einer frischen Bronchitis beruht die specielle Ursache in der Schwellung der Schleimhaut und in der Bedeckung derselben mit dem katarrhalischen Secret. Die chronische Bronchitis erzeugt das Schwerathmen zuweilen dadurch, dass die Schleim­haut allein in grosser Ausdehnung entzündlich verdickt ist; in anderen Fällen ist die krankhafte Erweiterung der Bronchien und mitunter die Verdickung der Wandungen und ihrer Umgebung (Peribronchitis fibrosa diffusa) die nächste Ursache der Dyspnoe. Demnach kann im Gebiet der Bronchien einerseits die Verengung der luftführenden Kanäle und andererseits der Mangel an Contractionsfähigkeit in den Bronchial-Wan­dungen die Grundlage einer Dyspnoe sein.
Die zur Dyspnoe führenden Erkrankungen der Lungen sind mannig­facher Art. Die alveoläre (respiratorische) Oberfläche der Lungen kann durch Transsudate und Exsudate, sowie durch Blutanhäufungen in den Lungen, und zwar sowohl durch embolische oder thrombotische Infarci-rung, als durch Aspiration von Blut, ferner durch entzündliche Degene­ration und geschwulstbildendo Processo im Lungenparenchym eine so erhebliche Beschränkung erfahren, dass bei den betreffenden Pferden das Athmen dyspnoisch wird. Andererseits können Expansion und Re­traction der Lungen durch Druck von aussen auf das alveoläre Paren-chym behindert sein, so dass eine Dyspnoe entstehen muss (interlobu-läres Lungenemphysera, Hydrothorax, Hydrops Pericardii, Blutan­häufungen im Thorax, Geschwülste an der Pleura und am Diaphragma).
Nach den bedingenden Momenten der Dyspnoe unterliegt die Sym­ptomatologie derselben manchen Verschiedenheiton, deren ätiologische Auseinandeihaltung sich für den Thierarzt zuweilen um so schwieriger gestaltet, als mehrere Krankheitszustände bei einem Pferde gleichzeitig an dem Zustandekommen der Athmungsbeschwerde betheiligt sein kön­nen. Hierzu kommt, dass bei entzündlichen Krankheiten die Haltung
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des Thorax und der Bauchdecke durch schmerzhafte Empfindungen be­sonders bestimmt wird. In den meisten Fällen von Dyspnoe ist die Zahl der Athemzüge erheblich vermehrt; nicht selten wird aber auch beobachtet, dass die Respirationsfrequenz die Norm nur wenig übersteigt. Die auf chronischen Abnormitäten in den Athmungswegen beruhenden Arten der Dyspnoe machen sich oft erst bei einer Anstrengung der Pferde bemerklich. Für die speciellen Erscheinungen im Athmungs-apparat kommt es wesentlich darauf an, ob bei der Dyspnoe die Dauer der Inspiration und der Exspiration gleich lang ist, oder ob eins von diesen Momenten — die In- oder Exspiration — vorwaltend verlang­samt ist. Auf die Athmungsgeräusche, welche verschiedene Arten der Dyspnoe begleiten und ein ganz wesentliches Merkmal derselben sind, werde ich an anderer Stelle eingehen.
Die Anstrengung eines gesunden Pferdes bis zum allgemeinen Schweissausbruch verursacht immer eine Dyspnoe, die sich durch erheb­liche Beschleunigung der Respiration bei gleich langer In- und Exspira­tion und durch Steigerung der Athembewegungen zu erkennen giebt, aber bei ruhigem Verhalten des betreffenden Thieres bald wieder auf­hört. Die Beschleunigung des Athmens ist demnach nur dann ein Zeichen krankhafter Dyspnoe, wenn sie bei vollständiger Ruhe eines Pferdes besteht oder wenn sie nach der Anstrengung erheblich länger andauert, als bei gesunden Pferden von gleichem Nährzustande und Körperbau beobachtet wird. Ist die Frequenz der Respiration innerhalb einer Minute um wenige Athemzüge vermehrt, so gilt sie noch als be­deutungslos. Wenn aber ein vollkommen ausgeruhtes Pferd ohne äussere Veranlassung mehr als 16 Mal in der Minute athmet, so betrachte ich die Respiration schon als dyspnoisch. Die Frequenz der Respiration ist bei Pferden nach festeren Regeln zu beurtheilen, als bei den Wieder­käuern. Die Zahl der Athemzüge kann sich bei Pferden, die an schwerer Dyspnoe leiden, bis auf 120 und darüber in einer Minute steigern. Je grosser die Frequenz der Athemzüge ist, um so gefährlicher gestaltet sich im Allgemeinen der Krankheitszustand.
Im Rhythmus der Athembewegungen besteht bei den Pferden ge­wöhnlich eine Gleichmässigkeit, selbst wenn die Respiration krankhaft beschleunigt ist. Ab und zu pflegen indess die Pferde tiefer als sonst zu inspiriren. Bei Lungen-Dyspnoe mit gleich langer In- und Ex­spiration wird nicht selten — und zwar sowohl in acuten, als chroni­schen Krankheitsfällen — eine Ungleichheit im Rhythmus und in der Tiefe der Athemzüge beobachtet. Die arhythmische und inäquale Aus­führung der Athembewegungen geschieht willkürlich und scheint durch
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die unangenehmen Eindrücke, welche die krankhafte Respirationsfrequenz mit sich bringt, veranlasst zu werden.
Eins der wichtigsten Symptome der Dyspnoe liegt in dem Verhalten der Nasen-Eingänge. Die leichten Grade von Schwerathraen kennzeichnen sich durch gleichmässige Erweiterung der Nasenlöcher, wobei der äussere Rand derselben nach aussen und der innere Rand nach innen gezogen wird, so dass sich die Xförmigen Knorpel beider Naseneingänge ein wenig nähern. Bei erheblicher in- und exspiratorischer Dyspnoe geschieht aber die Erweiterung der Nasenlöcher beim Einathmen dadurch, dass der äussere Rand derselben nach auswärts und gleichzeitig nach oben ange­spannt wird, wobei sich die falschen Nasenlöcher (nach den gebräuch­lichen Ausdrücken „dutenformigquot; oder „trompetenartigquot;) aufblähen. Im Moment des Ausathmens fallen die Nasenlöcher am äusseren und oberen Rande zuerst ein, worauf sofort der innere Rand nach innen gezogen wird, so dass die Annäherung der Xförmigen Knorpel eine exspiratorische Bewegung darstellt. Wenn bei einer erheblichen Dyspnoe die Athmungs-frequenz sehr gross ist, so erscheinen die Nasen-Eingänge fortdauernd erweitert. Einzelne Pferde, welche an bilateraler Pneumo-Plouritis und ihren Folgen schwer erkrankt sind, bekunden in der Exspiration eine doppelschlägige Bewegung der medialen Nasenflügel. Zwischen den Athembewegungen der Nasenflügel und der Brustwandungen einschliess-lich des Zwerchfells besteht unter krankhaften Verhältnissen keine voll­ständige Uebereinstimmung. Auch bei Feststellung des Thorax und ober­flächlicher, aber beschleunigter Respiration werden die Nasenflügel stets abnorm erweitert. Im üebrigen ist die in- und exspiratorische Bewegung der Nasenflügel um so heftiger, je stärker die Action ist, mit welcher das Zwerchfell, sowie die Muskeln der Brustwand und des Bauches beim Athmen betheiligt werden.
Die übermässige Erweiterung des Thorax als Merkmal des dyspnoi-schen Athmens kann verschiedener Art sein. Gleichmässig in allen Partien erweitert sich der Brustkasten bei Pferden, welche in Folge von Stenosen im Respirations-Tractus eine Dyspnoe mit verlängerter Inspira­tion bekunden. Eine möglichst starke Erweiterung und Feststellung der Brustwandungen wird bei der Pleurodynie und nicht selten auch bei Krankheitsfällen von Brustseuche mit diffuser bilateraler Pleuritis im ersten Stadium beobachtet. Das dyspnoische Athmen erfolgt in diesen Fällen stark beschleunigt, aber mit geringfügiger Bewegung der Flanken. Auch beim intcrlobulären Lungenemphysem stellen die Pferde den bis zum äussersten Grade erweiterten Brustkasten fest, indem sie unter activer Betheiligung der Bauchmuskeln exspiriren. Bei inspiratorischcr
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Lungendyspnoe (Lungenödem, Zusamraenziehung der Bronchien nach dem Einathmen von Kohlenoxydgas oder von schwefligsaurem Gas, speckige Pneumonic und multiple Geschwülste in den Lungen, ein­zelne Fälle von Brustseucho im Initial-Stadium, diffuse Bronchitis) wird die Wirbelsäule in der Widerristpartie während des Einathmons gehoben und der Brustkasten nach vorn bewegt. Bei der Ausathmung tritt der Brustkasten wieder zurück. Das Moment der Ausathmung vollzieht sich hierbei oft ohne Beschwerde. Sind die angedeuteten Krankheitszustände in hohem Grade vorhanden, so stellen die Pferde zuweilen die Vordergliedmassen auseinander, um unter Mitwirkung der accessorischcn Inspirationsmuskeln den Thorax möglichst nach den Seiten hin zu erweitern.
Eine erhebliche in- und exspiratorische Dyspnoe (diiFuso Bronchi-eetasio, allgemeine fibröse Peribronchitis, Hydrothorax, Lungenlähmung) äussert sich durch starkes Heben der falschen Rippen, welche bei der Inspiration unter drehenden Bewegungen nach vorn und aussen gezogen werden, während sie im Exspirationsact wieder zurücksinken.
Die exspiratorische Lungen-Dyspnoe spricht sich nicht selten dadurch aus, dass das Moment des Ausathmens sich erheblich länger• gestaltet, als das des Einathmens. Hierbei bedarf es noch keiner besonderen Kraftleistung derjenigen Muskeln, welche dem Zwecke der Exspiration dienstbar gemacht werden können. Am meisten wird die Dyspnoe mit vorwaltender Verlängerung der Exspiration bei protrahirtem Verlauf schmerzhafter Entzündungen in den Brust- und Bauchorganen beobachtet. Die Bauchdecke erscheint dabei angespannt, wodurch die Pferde die schmerzhafte Bewegung der inneren Organe während der Respiration möglichst zu verringern suchen.
Dass beim interlobulären Lungenemphysem die ßrustwandungen fest­gestellt werden und die Lungendyspnoe sich als eine exspiratorische charakterisirt, wurde schon erwähnt.
In anderer Art giebt sich die exspiratorische Dyspnoe kund bei diffuser Bronchiectasie, bei der allgemeinen fibrösen Peribronchitis, bei Hydrothorax, in manchen Fällen von Asphyxie und bei tödtlichem Blut­verlust. Auch bei krankhaften Verengungen des Respirationstractus, namentlich in den höheren Graden der einseitigen Kehlkopfslähmung folgt auf die abnorm tiefe Inspiration eine angestrengte Exspiration. Die hier vorausgesetzten Krankheitszustände erschweren den Luftwechsel in den Lungen. Insbesondere wird zur Austreibung der verbrauchten Athmungsluft die active Mitwirkung der Bauchmuskeln erforderlich. Die durch die Inspiration erweiterten Lungen verkleinern sich zunächst in
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Folge der Erschlaffung des Zwerchfells und des Zurücktretens der Bippen­wandungen etwas, wobei die Bauchdecke der exspiratorischen Bewegung des Zwerchfells folgt. Darauf contrahiren sich die Bauchmuskeln, so dass der Darmtractus gegen das Zwerchfell, zum Theil auch in die Beckenhöhle gedrängt wird. Hat die Dyspnoe einen hohen Grad er­langt, so bewegt sich die Bauchdecke bei jeder Respiration in relativ weiten Grenzen auf und ab. Nach einer den Laien geläufigen Sprech­weise „schlagenquot; oder „wogenquot; die Pferde mit den Flanken. Dabei wird im Exspirationsact die Wirbelsäule vom 9. Brustwirbel bis zum Kreuzbein stark gehoben und die falschen Rippen verschieben sich in Folge activer Betheiligung der gemeinschaftlichen Rippenrauskeln und der hinteren gezahnten Muskeln nach hinten und innen. Bei einzelnen der hier gedachten Pferde wird durch die bis zum äussersten Grade er­zwungene Exspirations-Bewegung sogar die Form des Brustkastens alterirt. Entgegen dem normalen Verhalten erweitert sich im Exspirationsact die vordere Partie des Thorax — die Herzgegend —, während dieselbe bei der Inspiration, sobald die Wirbelsäule wieder herabsinkt und die falschen Rippen nach aussen treten, sich verengt. Die Ursache dieser Formver­änderung des Thorax beruht demnach in der Wirkung der für die for-cirte Exspiration in Anspruch genommenen Muskeln.
Da die Bauchmuskeln sich bei der in Rede stehenden dyspnoischen Exspiration zuerst passiv und darauf activ betheiligen, so lassen sich in den Athembewegungen der Bauchwand zwei Momente unterscheiden, zu deren Bezeichnung der Name des „doppelschlagigen Athmensquot; seit langer Zeit gebräuchlich ist. Im ersten Moment folgt die Bauchdecke passiv der Exspirationsbewegung des Zwerchfells und im zweiten Moment hebt sich dieselbe activ in Folge der Contraction der Bauchmuskeln. Mit dem letztgedachten Moment entsteht den Knorpeln der falschen Rippen ent­lang eine oberflächliche Vertiefung, die bei Pferden mit flach gebautem Brustkasten die Form einer Rinne erlangen kann. Wegen des Vor­kommens dieser Erscheinung bei mehreren Arten der Dämpfigkeit hat die Vertiefung den Namen „Dampfrinnelaquo; erhalten, der in der thier-ärztlichen Literatur Deutschlands seit mehr als hundert Jahren mit Sorg­falt conservirt worden ist, gleichsam, als ob dabei ein wichtiges Merk­mal in Frage stände. Thatsächlich ist das Symptom ohne jede dia­gnostische Bedeutung und kaum der Erwähnung worth. Bei guter Wölbung des Rippenkörpers macht sich dasselbe überhaupt nicht bemerklich, selbst wenn die Pferde eine erhebliche exspiratorischo Dyspnoe bekunden.
Von grösserem Werthe ist die abnorme Bewegung des Afters bei der Dyspnoe. Das ruhige Athmen gesunder Pferde ist nur von einer
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geringen, kaum erkennbaren passiven Afterbewegung begleitet, die etwas stärker und leicht wahrnehmbar wird, wenn sich die Pferde bis zum allgemeinen Schweissausbruch anstrengen und beschleunigt athmen. Die Afterbewegung beim Athmen gesunder Pferde vollzieht sich oft in der Weise, dass bei der Inspiration das Zwerchfell die Baucheingeweide nach hinten drängt, wobei kleine Partien des Mastdarms und des Grimmdarms in die Beckenhöhle gelangen und den After ein wenig nach hinten schieben. Bei der Exspiration gleitet der After wieder in die Becken­höhle zurück. Nicht selten exspiriren aber gesunde Pferde nach der Anstrengung unter activer Betheiligung der Bauchmuskeln. Dann tritt der After bei der Exspiration nach aussen und bei der Inspiration in die Beckenhöhle zurück. Ich habe auch mehrfach bei echauffirten Pferden eine doppelschlägige Bewegung des Afters beobachtet, wobei derselbe sowohl bei der In- als bei der Exspiration ein wenig nach aussen vor­geschoben wurde und während der Intervalle wieder zurückglitt.
Bei denjenigen Krankheitszuständen, bei welchen sich die Dyspnoe wesentlich durch eine abnorm grosse Zahl der Respirationen kundgiebt und die Bauchdecke nur in geringem Grade bewegt wird (diffuse chro­nische Bronchitis, manche Fälle von diffuser Pleuritis im ersten Stadium, Geschwülste oder umfangreiche Producte chronischer Entzündungspro-cesse in der Lunge), erfolgt das Hervordrängen des Afters bei der In­spiration. Die Afterbewegung ist aber hierbei in der Regel nicht stärker, als bei gesunden Pferden nach erheblicher Anstrengung.
Anders gestaltet sich die Afterbewegung, wenn die Exspiration dyspnoisch ist und unter activer Mitwirkung der Bauchmuskeln vollzogen wird. Dann schiebt sich durch den Druck der Bauchwand in jedem Exspiralionsacte die Beckenflexur des Colon und ein Theil des Rectum in die Beckenhöhle, so dass der After nach hinten gedrängt wird. Mit der bei jeder Inspiration erfolgenden starken Ausdehnung der Bauch­wand tritt die erwähnte Partie des Dickdarms wieder in die Bauchhöhle und der After gleitet in die Beckenhöhle zurück. Je weiter die Bewe­gung der Bauchwand bei der exspiratorischen Dyspnoe sich gestaltet, um so grosser ist die Verschiebung des Afters. Die diffuse chronische Peribronchitis und die Bronchiectasie (Lungendämpflgkeit, Hartschlägig-keit), ferner manche Fälle von Hydrothorax sind von einer solchen Afterbewegung begleitet. Aber auch beim Kehlkopfspfeifen beobachtet man dieselbe, weil die Pferde hierbei nach der tiefen Inspiration ge­zwungen sind, die Exspiration unter activer Mitwirkung der Bauchmuskeln zu forciren.
Abgesehen von wenigen Ausnahmefällen ist das inspiratorische Vor-
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schieben des Afters stets geringfügig; das exspiratorische häufig bedeutend. Es kann daher allgemein als Regel gelten, dass die erheblich starke Afterbewegung beim Athmen ein Symptom erschwerter Exspiration ist, bei welcher die Muskeln der ßauchdecke, gewöhnlich auch die Muskeln des Rückens activ betheiligt sind.
c. Anscnltation.
unter den wissenschaftlichen Hülfsmitteln, mit welchen die krank­haften Zustände der Respirationsorgane eruirt werden, hat die Auscultation eine hervorragende Bedeutung. Derselben unterliegen im weitesten Um­fange die Punctionen des gesammten Respirationstractus. Aus Irrthum wird die Aufgabe der Auscultation im Bereiche der Athmungsorgane zuweilen auf die am Brustkasten zu ermittelnden Geräusche beschränkt. Für die specielle Erörterung der Auscultation des Respirationsapparates sind zu berücksichtigen: die Stimme, der Husten, die Athmungsgeräusche der Nasenhöhlen, des Kehlkopfs, der Luftröhre, der Lungen einschliess-lich der Bronchien und die Geräusche der Pleura.
Stimme. Durch die Stimme geben die Pferde nur wenig Aufschluss über die Existenz krankhafter Zustände. Der Einfluss, welchen das Ge-müth und die Affecte desselben auf die Häufigkeit des Wieherns und die Modulation der Stimme bei gesunden Pferden haben, liegt im Be­reiche der Physiologie. Indem ich deshalb von einer Erörterung dieses Einflusses hier absehe, bemerke ich zugleich, dass unter kranken Ver­hältnissen bei den meisten Pferden die psychischen Affecte, welche sich durch Wiehern kundgeben, nicht den normalen Grad erreichen, oft auch nicht mehr entstehen, weil das Selbstbewusstsein durch die Eindrücke von der Störung des Gesammtbefindens ganz in Anspruch genommen ist. So lange indess eine schwere Veränderung in der Ernährung der Ge­webe und ein Collaps der Kräfte noch nicht bestehen, wird bei den kranken Pferden nicht selten beobachtet, dass sie nach dem Oeffnen der Stallthür oder bei der Annäherung fremder Pferde aufschauen und wiehern. Die Thiere geben in dieser Weise einer angenehmen Empfindung oder einem körperlichen Verlangen (nach Futter oder Getränk) Ausdruck. — Von den Pferden, welche durch Verblutung (beim Erstechen) oder durch Lufteinblasen in die Vena jugularis getödtet werden, wiehern manche kurze Zeit vor Eintritt des Todes ein- oder zweimal mit heller Stimme. Ein ganz ähnliches Wiehern bekunden einzelne Pferde bei schweren Darmentzündungen, besonders bei den mit Durchfall und massig starker Kolik verbundenen Arten der Enteritis in den letzten Stunden des Lebens. Am meisten habe ich das Wiehern bei derartig erkrankten
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Pferden beobachtet, welche fahrlässiger Weise bis zur Erschöpfung ge­fahren oder unihergeführt wurden. Das psychische Motiv dieser Aeusse-rung habe ich aus den Beobachtungen nicht feststellen können. — Ge­sunde Pferde, die sehr kitzelig sind, und namentlich manche böse Pferde bezeugen die abnorme Empfindlichkeit der Haut durch Ausstossen heller und hoher Töne. — Aehnliche schreiende Laute werden in Folge sexueller Affecte von denjenigen aufgeregten Stuten geäussert, bei welchen der Geschlechtstrieb einen hohen Grad erlangt. — Manche gutgenährte Pferde bekunden, wenn sie nach reichlicher Futteraufnahme bewegt oder zur Arbeit verwendet werden, beim Gehen brummende Töne. Ein gleich­lautendes Brummen wird nicht selten bei Pferden bemerkt, die in hohem Grade an der Kehlkopfsdämpfigkeit (Kehlkopfspfeifen) leiden. Die Ur­sache dieses Brummens liegt in der Beengung der Athembewegungen. — Die Erkrankung an der Tollwuth veranlasst die Pferde, besonders die Stuten, zum häufigen Wiehern und zur Ausstossung hoher, eintöniger, gellender Laute.
Durch die bei den Krankheiten des Respirationstractus vorkommen­den entzündlichen und ulcerösen Processe muss die Stimme selbstredend modificirt werden. Allein die betreffenden Pferde wiehern nicht, weil sie dabei Schmerzen empfinden würden. — Pferde, welche an einseitiger Kehlkopfslähmung (Kehlkopfspfeifen) leiden, haben eine heisere Stimme, weil das Stimmband der gelähmten Seite die Tonbildung behindert. Man beobachtet aber nur selten, dass solche Pferde wiehern, obwohl dadurch keine Schmerzen verursacht werden.
Während der Ausführung aussergewöhnlich schmerzhafter Operationen geben nur einzelne Pferde laute (klagende), einförmige Töne kund. Am meisten habe ich dieses Klagen bei der operativen Behandlung von Fistel­geschwüren am Widerrist beobachtet. — Von anderer Art sind die lauten, quiekenden Töne, mit welchen manche Pferde das zornige, widersetzliche und unfolgsame Benehmen begleiten. Pferde, die zum Zweck einer Operation niedergelegt und gefesselt werden; aber auch solche, welche bei der Arbeit sich frei machen und davon laufen, stossen oft solche quiekenden Töne aus.
Die Erkrankung an der Verstopfungskolik veranlasst einzelne Pferde zu wiederholtem Drängen mit der Bauchpresse, wobei ein langgedehntes dumpfes Klagen oder Stöhnen, ähnlich wie beim Gebären bekundet wird.
—nbsp; nbsp;Lauter und nicht selten auf eine Entfernung von 10 Schritt ver­nehmbar, ist das brummende Klagen, welches die am Starrkrampf leiden­den Pferde während des Liegens bei der Exspiration zuweilen ausstossen.
—nbsp; nbsp;Am häufigsten äussern die Pferde klagende Laute — Aechzen,
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Respirationsapparat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 43
Anken, Stöhnen — bei der Plcurodyuie, bei diffuser Pleuritis und bei den die acuten fieberhaften Krankheiten begleitenden rheumatischen Schmerzen in der Brustwand. Diese Laute erfolgen immer im Exspira-tionsact; sie sind in der Regel kurz und abgebrochen, zuweilen aber langgezogen und bei den einzelnen Pferden von sehr verschiedener Stärke. Mitunter ist das Aechzen so leise, dass man es nur in der unmittelbaren Nähe des Kopfes der Pferde hört, während es in anderen Fällen schon auf eine Entfernung von 4—5 Schritt deutlich vernommen werden kann. Es steigert sich bei der Verschiebung des Körpers bezw. bei der Bewe­gung des betreffenden Pferdes und beim Druck gegen den Brustkasten. — In diagnostischer Hinsicht ist noch bemerkenswerth, dass die Pferde klagende Laute — Aechzen oder Stöhnen — nur bei krankhaften Em­pfindungen äusseru, während die Rinder nicht blos in Krankheiten, son­dern auch unter ganz normalen Verhältnissen oft in auffälliger Weise stöhnen.
Husten4'). Der Husten beruht in einer auf reflectorischem Wege er­folgenden stossweisen Exspiration, bei welcher ein lautes Kehlkopfs­geräusch (Hustenschall) dadurch entsteht, dass die vorher entweder voll­ständig oder doch zum grössten Theil geschlossene Stimmritze durch den exspiratorischen Luftstrom gewaltsam geöffnet wird. Zum Husten gehört auch das unmittelbar nach dem Exspirationsstoss stattfindende schnelle Eindringen von Luft in die Lungen, welches nicht selten von einer kurzen Erschütterung der Brustwand begleitet ist (Gegenstoss des Hustens). Hierbei ist oft ein im Kehlkopf entstehender, leicht giemender Inspira­tionston zu hören. Dieser Ton erlangt bei der Angina eine auffällige Steigerung und ist zuweilen auch abnorm stark bei Pferden, die in hohem Grade am Kehlkopfspfeifen leiden.
Willkürlich husten die Pferde niemals, weil es ihnen an einem Motiv für diese Verstandesthätigkeit fehlt. Indess ist der Husten auch bei den Pferden dem Einfluss des Willens nicht vollständig entzogen. Es findet sich oft Gelegenheit, zu beobachten, dass derselbe bei schmerzhaften Zu­ständen absichtlich unterdrückt oder in seiner Intensität erheblich abge­schwächt wird. — Am meisten empfänglich für die Auslösung des Husten­reizes ist die Schleimhaut des'Kehlkopfes, besonders an der hinteren Hälfte desselben und an der Stimmritze. Wie von Nothnagel zuerst experimentell nachgewiesen, im üebrigen aber schon seit 50 Jahren nach der klinischen Erfahrung bei Pferden angenommen worden ist, wird
*) Vergl. Dieckeihoff, Der Husten und seine diagnostische Bedeutung bei den Pferden. In Adam's Wochcnschr. 1879. S. 121.
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ausserdem von der Tracheal- und Bronchialschleimhaut Husten veran­lagst. Dagegen enthält das alveoläre Parenchym der Lungen keine für die Auslösung des Hustens empfängliche Nerven. — Die Costalpleura erlangt unter krankhaften Verhältnissen eine abnorme Reizbarkeit, durch welche Husten verursacht wird. — Nach Kohts lässt sich auch durch Heizung des Halsvagus und der Centren an der Ursprungsstello der Vagusfasern Husten erzeugen. Es mag daher ebenso, wie beim Menschen angenommen wird, auch für einzelne, ätiologisch nicht genau zu er­klärende Fälle bei Pferden zulässig sein, die Entstehung des Hustens auf einen abnormen Erregungszustand in der Bahn des Vagus zurück­zuführen. Von einem krankhaften Zustande der Magenschleimhaut geht der Hustenreiz niemals aus: der von älteren Autoren zugelassene Be­griff des Magenhustens ist demnach nicht berechtigt.
Ein massiger, einmaliger oder mehrfach wiederholter Druck am oberen Ende der Luftröhre oder auf die Giesskannenknorpel des Kehl­kopfes ist in der Regel ausreichend, um die gesunden Pferde zum Husten zu veranlassen. Man trifft aber nicht selten Pferde, sowohl jüngere, als ältere, welche gegenüber diesem Drucke ganz indolent sind und durch denselben zum Husten nicht veranlasst werden können. Viele andere gesunde Pferde besitzen eine relativ geringe Reizempfänglichkeit in der Kehlkopfschleimhaut, so dass sie erst nach wiederholtem und anhalten­dem Druck auf die Giesskannenknorpel husten. Die Zahl der Huston-.stösse, welche gesunde Pferde auf diese „künstlichequot; Anregung bekun­den, ist nicht immer gleich. Mitunter husten die Thiere nur einmal, zuweilen auch 3—4 Mal und noch öfter. So verschieden sich hiernach die Reizempfänglichkeit des Kehlkopfs bei gesunden Pferden in Bezug auf die Genesis des Hustens gestaltet, so ist es doch nicht gerade schwierig, sich durch üebung eine Kenntniss von den innerhalb der physiologischen Breite liegenden Graden derselben zu verschaffen. — Eine krankhaft erhöhte Reizbarkeit der Kehlkopf-Schleimhaut bekunden die Pferde in den unten genannten Krankheiten dadurch, dass sie nach relativ leichtem Druck gegen das obere Ende der Luftröhre in heftiges Husten gerathen. Die Luftröhren-Schleimhaut der Halspartie besitzt gegenüber der Auslösung des Hustens eine so geringe Erregbar­keit, dass sie beim Zusammendrücken und auch bei der directen Be­rührung unempfindlich bleibt. Besteht aber eine oberflächliche acute oder chronische Tracheitis, so genügt ein leichter Druck gegen die Luftröhre, um die Pferde zu wiederholten Hustenstössen zu veranlassen. — Bei acuten toxischen Blutdyskrasien wird die Erregbarkeit der Kehl­kopf-Schleimliaut oft ganz aufgehoben. Es kann immer als ein Zeichen
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schwerer Erkrankung im VerJaufe von Kolik, von Vergiftungen mit nar-cotischen odor scharfen Stoffen, von pyämischen und ichorrhämischen Leiden angesehen werden, wenn die Pferde sich gegen den relativ starken Druck am Kehlkopf und am oberen Ende der Luftröhre ganz unempfind­lich verhalten.
Gegenüber dem durch Druck am Kehlkopf oder an der Luftröhre mit Absicht veranlassten Husten ist es üblich, von demjenigen Husten, welchen die Pferde ohne eine derartige Mitwirkung des Menschen be­kunden, zu sagen, dass er „von selbstquot; oder „spontanquot; oder „freiwilligquot; entstehe. Sprachlich ist diese Ausdrucksweise nicht ganz correct; denn eine abnorme Ursache liegt dem Husten immer zu Grunde und eine eigentlich freie Handlung ist derselbe niemals.
Da die Pferde der Erfahrung gemäss willkürlich nicht husten, so ist in diagnostischer Hinsicht zu beachten, dass der Husten, soweit man denselben nicht absichtlich durch Druck auf den Kehlkopf oder die Luftröhre hervorruft, stets ein untrügliches Merkmal abnormer Zustände im Respirationsapparat ist. Aber nicht alle Krankheiten des letzteren verursachen Husten. Die oberflächlichen Reizungszustände der Kehlkopf-und der Bronchialschleimhaut, und zwar sowohl die chronischen, als die acut verlaufenden, sind gewöhnlich von Husten begleitet, während die tiefer in die Substanz der Schleimhaut und in die Submucosa eindringen­den Processe (jauchige Entzündungen) ohne Husten verlaufen. Bei der phlegmonösen Bräune kommt oft kein Husten vor, selbst wenn die Glottis stark geschwollen, die Inspiration giemend ist und flüssige oder breiförmige Nahrungsstoffe wegen der Schluckbeschwerden in den Kehl­kopf und durch die Luftröhre und Bronchien in die Lungen gelangen. Unter solchen Verhältnissen ist durch die Infiltration der Schleimhaut die Erregbarkeit der sensiblen Nerven (des N. laryngeus superior) auf­gehoben. Mit der etwaigen Heilung der Krankheit stellt sich die nor­male Reizbarkeit der Schleimhaut wieder ein.
Die wichtigsten Krankheiten, welche den Husten bei Pferden ver­ursachen, sind folgende:
aa. Die durch Eindringen fremdartiger Flüssigkeiten in die Luftwege entstehende Reizung und Entzündung der Laryngeal-, Tracheal- und Bronchialschleimhaut. Pferde, welche gierig Trinkwasser aufnehmen, vermögen dasselbe oft nicht vollständig zu schlucken; ein kleiner Theil fliesst aus der Nase zurück und etwas gelangt in den Kehlkopf. Dann husten die Pferde einige Male; besondere Nachtheile treten aber durch dies Verschlucken nicht ein. Bedenklicher ist das Verschlucken beim Ein­geben flüssiger Medicamente; indess werden auch von den letzteren kleine
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46nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Respirationsapparat.
Quantitäten oft direct ausgehustet, so dass eine entzündliche Erkrankung nicht entsteht.
bb. Die Druse, bezw. die mit derselben auftretende entzündliche Affection der Kehlkopfs- und Bronchialschleimhaut.
cc. Der einfache Kehlkopf-Katarrh (Angina simplex) und die ober-pli*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; flächliche Affection der Kehlkopf-Schleimhaut, welche als Bestandtheil
anderer Krankheiten (Pferdestaupe) vorkommt. #9632;fe1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; dd. Die Scalma. *
jl$|nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ee. Die acute Bronchitis (Bronchialkatarrh) und die katarrhalische
Broncho-Pneumonie.
if. Die chronische diffuse Bronchitis und Bronchiolitis (chronischer Bronchialkatarrh), die mit Verdickung der Bronchialschleimhaut, mit Bronchiectasie, mit diffuser fibröser Peribronchitis, mit partiellem (vica-riirendem) alveolärem Lungenemphysem und mit chronischer indurirender Pneumonie verbunden sein kann.
'irr
gg. Die chronische Reizung der Kehlkopf- und Bronchialschleimhaut
U;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(Laryngitis et Bronchitis sicca; Krampfhusten, chronischer Reizhusten,
chronischer Kohlkopfkatarrh).
hh. Die chronische Luftröhrenentzündung, die als selbständiges Leiden bei Formveränäerung der Trachea, häufiger aber in Verbindung mit diffuser Bronchiectasie oder bei längerem Tragen eines Tracheotubus vorkommt.
ii. Die infectiöse Broncho-Pneumonie und Pneumo-Pleuresie (Brust­seuche) und die als Nachkrankheiten derselben vorkommenden chronischen Entzündungen der Lungen und der Pleura.
Mit Ausnahme der zu ii) vorerwähnten Krankheiten, bei welchen der Hustenreiz zum Theil von der Oostalpleura ausgeht, liegt dem krank­haften Husten bei Pferden stets eine abnorme Reizbarkeit im Kehlkopf, in der Luftröhre oder in den Bronchien zu Grunde. Aber es ist nicht ausschliesslich die krankha.u; quot;eränderung (Congestion und Mangel an Absonderung) in der Schlemhaii. welche die Auslösung der Hustenstösse vermittelt. Nebenbei komiL-n nf h zur Mitwirkung: 1) die Verschiebung des Kehlkopfs, der Luftröhre omi r Bronchien beim Athmen und bei den Bewegungen des Kopfes lind doa Rumpfes; 2) die Berührung der Schleimhaut mit den bei der In- und Exspiration sich fortschiebenden Flüssigkeiten (Schleim, Serum, BLt); 8) Üüssige und feste Nahrungsmittel, von welchen bei Schluckbeschwercjn zuweilen ein kleiner Theil in die Glottis gelangt; 4) die Einathmung kalter Luft, welche besonders beim „chronischen Reizhustenlaquo; der Pferde sich als ursächliches Moment geltend macht.
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Nach dor Art und Bedeutung des Hustens lassen sich viele Eigen­schaften desselben aufstellen. Es ist indess nicht zweckmässig, die Distinction übermässig zu vertiefen, weil sonst das gegenseitige Ver-ständniss der Thierärzte über die Qualitäten des Hustens in concreten Krankheitsfällen leicht an Sicherheit oinbüsst. Auch muss ich mich hier darauf beschränken, die für die Diagnose wichtigen Eigenschafton kurz zu bezeichnen, da die eingehende, auf die betreffenden Krankheitszustände gestützte Motivirung derselben zu viel Raum beanspruchen würde.
Der Husten kann bei acuton und chronischen Krankheiten „häufigquot; oder „selten'', ferner „anhaltendquot; oder „vorübergehendquot; sein. Der zeitweise (vorübergehend), d. h. nach Intervallen von einigen Stunden auf­tretende Husten äussert sich entweder in mehreren kurzen, gewisser-raassen unabhängig von einander erfolgenden Stössen oder in einer Reihe von Stössen, welche schnell, aber ungleich aufeinander folgen und ver­schieden stark sind. In den lotztgodachton Fällen ist der Reiz so heftig, dass er durch einen Hustenstoss nicht einmal momentan zu beseitigen ist. Hiernach wird der Husten mit Bezug auf seine Wirkung für das Pferd als „heftigquot; oder „lästigquot; oder „quälendquot;, im Gegensatz zu dem „nicht heftigenquot; oder „wenig lästigenlaquo; Husten bezeichnet.
Für das Verständniss der weiteren Eigenschaften des Hustens finde ich es zweckmässig, zwischen dem Hustenstoss, dem Hustenschall und dem ausgestossenen Luftquantum begrifflich zu trennen, obwohl nach dem üblichen Sprachgebrauch jede Specialität dieser drei Momente für eine Eigenschaft des Hustens selbst ausgegeben wird.
Als Hustenstoss ist die Action der Exspirationsmuskeln anzusehen, mittels welcher die Luft aus den Lungen ausgestossen werden muss. Der Hustenstoss ist: schmerzlos oder schmerzhaft; kräftig (stark) oder kraftlos (schwach); lang oder kurz (abgebrochen). Aus dem sprachlichen Inhalte dieser Eigenschaftsworte ergiebt sich die Be­deutung derselben leicht. Zu beachten ist aber, dass zwischen den hier hervorgehobenen Gegensätzen Uebergänge bestehen, welche zweckmässig durch die abschwächenden Worte „massigquot; oder „wenigquot; ausgedrückt werden, z. B. „massig kräftigquot; oder „wenig schmerzhaftquot;. Auch will ich hinsichtlich der Stärke und Kürze des Hustenstosses noch darauf aufmerksam machen, dass die Pferde bei schmerzhaften Krankheiten sehr oft die Energie des Exspirationsstosses willkürlich (absichtlich) ver­ringern. Lang nenne ich den Hustenstoss, wenn er sich so weit aus­dehnt, wie bei einem vollkommen gesunden Pferde, welches durch Druck am Kehlkopf zum Husten gereizt wird. Nun kann aber der Hustenstoss abnorm lang resp. langgedehnt sein, wie sehr oft bei einseitiger Kehl-
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48nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Respirationsapparat.
kopfslähmung, auch in manchen Fällen von Laryngitis, Bronchitis und Pleuritis zu beobachten ist, weil hierbei die Stimmritze nicht zum voll­ständigen Verschluss gelangt und die ausgestossene Luft deshalb nicht wie bei normalem Husten erst einer Compression unterliegt, bevor der Verschluss des Kehlkopfs gesprengt wird, sondern durch den bald mehr, bald weniger geöffneten Kehlkopf in einer abnorm langen und nicht scharf begrenzten Säule hindurch getrieben wird. Dies für die thierärzt-liche Praxis wichtige Verhältniss ist dadurch auszudrücken, dass man den Hustenstoss mit vollständigem (normalem) Verschluss der Stimmritze gegenüber dem Hustenstoss mit mangelhaftem Ver­schluss der Stimmritze bezw. mit offener Stimmritze unterscheidet.
Der Hustenschall, uneigentlich zuweilen als Ton des Hustens auf-gefasst, ist abhängig von der Stärke des Hustenstosses, von der Grosse und Dichtigkeit der exspirirten Luftsäule und von der besonderen Be­schaffenheit der Bronchial-, Tracheal- und Laryngeal-Schleimhaut. Hier­nach sind am Hustenschall folgende Eigenschaften zu beachten: hell im Gegensatz zu dumpf; laut: leise; hoch: tief; locker (feucht): fest (trocken); hohl: dicht. — Kaum bedarf es einer besonderen Erwähnung, dass zwischen diesen Gegensätzen allmälige Uebergänge be­stehen und dass oft ein Mittelding zwischen den sich gegenüberstehen­den Eigenschaften des Hustenschalls gefunden wird. Abweichend von der Norm kann ferner der Hustenschall bei Pferden sich: scharf, rauh, heiser, krächzend, röchelnd, brüllend und pfeifend gestalten. Andere Modificationen an demselben zu unterscheiden, ist nach den Er­fahrungen der Praxis nicht nothwendig.
Das mit dem Exspirationsstoss des Hustens aus den Lungen heraus­getriebene Quantum von Luft ist gegenüber der Norm entweder gross oder klein. Theoretisch würde ich es demnach für unbedenklich halten, den Husten raquo;grossquot; oder „kleinquot; zu nennen. Aber in der Praxis ist diese Sprechweise nicht üblich. Statt derselben wird seit langer Zeit der Husten als „vollquot; im Gegensatz zu „leerquot; bezeichnet. Soweit der Unter­scheidung von „Vollequot; und „Leerequot; des Hustens eine physikalische Be­rechtigung überhaupt zugestanden werden kann, lässt sich dieselbe nur auf die Menge und Dichtigkeit der exspirirten Luft beziehen. Nach dem­selben Gesichtspunkt spricht man auch von der Geräumigkeit des Hustens mit der weiteren Unterscheidung eines normal geräumigen, eines übermässig geräumigen und eines wenig geräumigen Hustens.
Des diagnostischen Werthes, welchen die einzelnen Eigenschafton dos Hustens bei den betreffenden Krankheiten besitzen, wird bei der Erörte­rung derselben gedacht werden. Nur von dem „schmerzhaften Hustenquot;
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will ich des generellen Interesses wegen hervorheben, dass vorzugsweise bei Laryngitis, Bronchitis, Pleurodynie und diffuser Pleuritis der Husten-stoss sich schmerzhaft gestaltet. Deshalb unterdrücken die Pferde, die an solchen Krankheiten leiden, den Hustenreiz, soweit es angeht. Ist der Reiz zu intensiv, so suchen die Pferde denselben durch ganz leichte, weniger schmerzhafte Hustenstösse („Hüstelnquot;) zu mildern oder zu be­seitigen. Bei Laryngitis wird der Hustenreiz oft durch häufiges Herab­schlucken des Speichels oder durch Aufnahme kleiner Quantitäten von Wasser zu verringern gesucht. Pferde, die an schmerzhafter Bronchitis leiden, scharren zuweilen mit den Vordergliedmassen; oder sie suchen den Hustenreiz dadurch zu mildern, dass sie die Luftröhre und die Bronchien etwas verschieben, indem sie mit dem Kopfe nicken oder denselben nach vorn strecken. Auch beobachtet man, dass solche Pferde zeitweise, nachdem die ersten Schmerzen überwunden sind, einige Male kräftig aus­husten. Ein auffälliges Benehmen zum Zweck der Unterdrückung des krankhaften Hustenreizes, wie es gewiss nur sehr selten vorkommen mag, beobachtete ich bei einem 15jährigen Wallach (Droschkenpferd), der an einem acuten Laryngeal- und Bronchialkatarrh erkrankt und nach Verlauf von 2 Wochen wiederhergestellt war. Wenn ich während der Krankheit bei dem Pferde einen Druck auf den abnorm reizbaren Kehl­kopf anbrachte, so nahm es eine gespreizte Stellung mit beiden Vorder­gliedmassen an; es streckte den Kopf nach vorn und stiess brummende Töne aus; es athmete beschleunigt, hob die Wirbelsäule bei der Exspi-ration und machte öfter Bewegungen zum Erbrechen. Dabei bestand heftiges Kauen und starkes Speicheln aus dem Maule. Nach 1—2 Mi­nuten erfolgten mehrere kurze und kräftige Hustenstösse nacheinander, worauf sich das Pferd beruhigle und die erwähnten Erscheinungen sofort aufhörten.
Athimingsgeräusche der Nasenhöhlen. In den Nasenhöhlen werden bei ruhigem Athmen gesunder Pferde keine hörbaren Geräusche erzeugt. Gerathen die Pferde aber durch Anstrengung oder durch Krankheiten in eine erhebliche Athcmbeschvverde, so entsteht mit der In- und Exspira-tion in den Nasenhöhlen ein stark hauchendes Geräusch, welches als „Schnaufenquot; bezeichnet wird. Für den Begriff des Schnaufens muss daran festgehalten werden, dass mit demselben ein lauter Ton nicht verbunden ist.
Reit- und Wagenpferdo exspiriren zuweilen, besonders in der Galopbewegung und dann jedesmal beim Niedersetzen der Vordorgliedmassen mit einem lauten Nasen­geräusch, welches durch eine willkiirlicho, aber durch Gewohnheit allmälig zur Noth-wendigkeit gewordene Erschlaffung der Nasenmuskeln seine Entstehung findet. Dies Geriiusch, welches junge Pferde meist nur im Beginn der anstrengenden Bewegung,
Dieckerhoff, Spec. Pathologie u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;t
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alte Pferde aber oft dauernd bekunden, wird „Brausenquot; benannt. — Als Krankheits-symptom habe ich das ,,Brausenquot; bei Starrkrampf kranken Pferden, bei welchen die Athmung dyspnoisch geschah, oft beobachtet.
Auf Angewöhnung beruht auch das kurze, stosswoise erfolgende, brummende Exspirationsgeräusoh, welches Reitpferde, denen das Herannehmen des Kopfes unbe­quem wird, zuweilen in der Galopbewogung äussern. — In einzelnen Fällen habe ich bei edlen Pferden (häufiger bei Keitpferdon, als bei Wagenpferden) beobachtet, dass sie willkürlich im Momente der Inspiration einen kurzen pfeifenden Kehlkopfston her-*-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; vorbringen konnten, lloitpferde bekunden denselben namentlich, wenn sie bei heran-
genommenem Kopfe in Galop gesetzt oder unerwartet während der Galopbowegung mit den Sporen gestraft werden, [miner verliert sich der Ton, nachdem die Pferde eine kurze Zelt im Galop gegangen sind, und sich an die gezwungene Haltung ge­wöhnt haben. Auch dieses Atlimungsgeräusch, welches für die Diagnose der gering­fügigsten Grade von einseitiger Kehlkopfslähmung Beachtung verdient, findet seine Ursache in einer Angewöhnung.
Wenn sich in den Nasenhöhlen Schleim oder Staub befindet, ebenso wenn die Pferde ein oder mehrere Male gehustet haben, so erfolgt oft eine forcirte Exspiration, wobei ein starkes schlotterndes Nasalgeräusoh entsteht, welches als „Prustenquot; oder ,,Ausprustenquot; allgemein bekannt ist. Irrthfimlich wird in der Literatur das Prusten der Pferde vielfach als identisch mit,,Räuspernquot; betrachtet. Das Prusten entspricht vielmehr dem,,Schnäuzenquot; andererThiere und charakterisirt sich nicht selten geradezu als solches, wenn die Pferde einen prickelnden Reiz in der Nase empfinden. Die als „Räuspernquot; bekannte Exspiration habe ich bei Pferden niemals beobachtet; auch das „Niesenquot; kommt bei Pferden nicht vor.
Bei einer plötzlichen Erregung durch Wahrnehmung auffälliger Gegenstände mittels des Gesichts, Geruchs oder Gehörs stossen die Pferde nicht selten die Luft einmal oder auch in kurzen Zwischenzeiten mehrere Male mit einem starken Nasen­geräusch aus, für welches die Bezeichnung „Schnaubenquot;, oder „Schnauben auf den Nüsternquot; üblich Ist. Lebhafte, besonders Jängere, kräftig genährte und ausgeruhte Pferde aussein das „Schnaubenquot; häufig, wenn sie aus dem Stall gebracht und vor­geführt, gefahren odor geritten werden. Manche Pferde, die sich im Vollbesitz ihrer Kraft fühlen und nach längerer Stallruhe vorgeführt oder zur Musterung gefahren resp. vorgeritten werden, erzeugen, besonders wenn sie mit hochgehobenem Kopf und Schweif leicht hintraben, bei der Inspiration in der Nase ein hartes, rauhes Geräusch, das ich zum Unterschied von anderen Nasengeräuschen das „Ronchenquot; oder „Nasen-ronchenquot; nenne. Oft äussern feurige Pferde bei der Musterung nacheinander das Schnauben und Ronchen. Letzteres wird nicht selteti auch von erregbaren, ängst­lichen Pferden bei der Wahrnehmung eines aulTälligen Gegenstandes bekundet.
Pferde, welche durch den Geruch Eindrücke zur Perception bringen wollen, besonders geschlechtlich aufgeregte Hengste, die mit Stuten zusammenkommen, in-.spiriren die Luft in einzelnen Absätzen nacheinander, bevor die Exspiration erfolgt. Dies geschieht mit einem stark hauchenden, leicht hörbarem Geräusch, welches als „SchnülTelnquot; oder „Witternquot; bekannt ist.
Die vorbezeichneteu Nasongeriluscho haben mit Ausnahme des Schnaufens nie­mals einen pathologischen Charakter. Ich habe aber geglaubt, sie hier dellniren zu sollen, weil sie für die Diagnose abnormer Geräusche von Werth sind, und weil sie bisher niemals vollständig beschrieben wurden.
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Als abnorme resp. krankhafte Nascngeräuscho sind folgende zu be­trachten :
1)nbsp; Das übermässige „Schnaufenquot;, welches bei angeborener Enge der Nasenhöhlen (excessive Höchtkopf-Bildung und angeborene Schiefstellung der Nase)j sowie bei krankhafter Auftreibung der Nasenmuscheln wahr­zunehmen ist. Man hört das Geräusch bei den angedeuteten Zuständen immer erst, nachdem die Pferde angestrengt sind. Es begleitet die In-und Exspiration und ist nach dem Grade des fehlerhaften Zustandes der Nase mehr weich oder hart, verliert sich aber nach dem Aufhören der Anstrengung gewöhnlich sehr schnell.
2)nbsp; Das „Schniobenquot;, ein lautes Nasengeräusch, welches durch krankhafte Verengerung der Nasenhöhlen bedingt wird, und bei jeder Inspiration, zuweilen auch noch bei der Exspiration sich bemerklich macht. Die wichtigsten Ursachen des Schniebens sind entzündliche oder blutige Infiltration der Nasenschleimhaut, Tumoren, tVaeturcn und Im­pressionen der Nasenbeine. Ich halte es nicht für zulässig, die höheren Grade des Schniebens als Schnarchen zu bezeichnen, wie in der Literatur mehrfach geschehen ist. Besser und nicht missverständlich wird das Geräusch in seinen höheren Graden als „starkesquot; oder „sehr starkesquot; Schnieben ausgedrückt.
3)nbsp; Der „klatschende Nasaltonquot;. Diese Bezeichnung habe ich (Adam's Wochenschr. 1883. S. 221) einem krankhaften Exspirationston beigelegt, welcher nicht selten bei infectiösen Pneumonien und acutem Hydrothorax, ausnahmsweise auch bei der Lungendämpfigkcit entsteht. Die Bedingung desselben beruht in einer starken in- und exspiratorischen Dyspnoe bei feuchter Beschaffenheit der Respirationsschleimhaut. Unter diesen Umständen wird bei der forcirten Inspiration die Partie der Nasenschleirahaut, welche sich mit der Haut des falschen Nasenloches vereinigt, an den gegenüberliegenden Theil herangezogen und es kommt zwischen den gedachten Schleimhautpartien momentan eine Verklebung zu Stande. In dem Augenblick, in welchem die Inspiration aufhört und die Exspiration anhebt, trennt sich die Verklebung wieder, wobei ein klatschender Ton entsteht, der in der nächsten Nähe der Nase und zu­weilen auf 2—3 Schritt Entfernung deutlich vernommen werden kann. In schweren Graden der betreffenden Krankheiten entsteht der klatschende Nasalton bei jedem Athemzuge; in anderen Fällen hört man ihn nur bei einzelnen Athemzügen nach unregelmässigen Zwischenzeiten. Er ist auch am Kehlkopf und an der Luftröhre zu constatiren.
Athmungsgeräuschc des Kehlkopfs. Der Inspirationsstrom passirt im Kehl­kopf normalmässig eine engere Stelle. Hierdurch werden die Tracheal-,
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bronchial- und Pulmonalgeräuschc veranlagst. Ein gleiches Geräusch, wie au der Luftröhre gesunder Pferde, ist auch am Kehlkopf zu ver­nehmen. Dasselbe hat den Charakter des „Röhrenathmensquot;. Die Aus­cultation des Kehlkopfes ist aber nicht üblich,- weil abgesehen von der
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Schwierigkeit des Verfahrens die Modificationen des laryngealen Röhren-athmens kein praktisches Interesse haben. Um so wichtiger sind für den Thierarzt die bei abnormen Zuständen im Kehlkopf entstehenden lauten
*'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Athmungsgeräusche. — Wenn flüssige Substanzen (Schleim, Speichel,
Eiter) innerhalb des Kehlkopfs liegen und durch die Luftströmung be­wegt werden, so entstehen Rasselgeräusche (Kehlkopfsrasseln). Man beobachtet dieselben häufig bei der Bräune, beim Starrkrampf, bei der Bronchitis und bei der Pneumonic im Stadium des Ausganges. — Durch die ausserordentlich häufig vorkommende einseitige Stimrabandiähmung (Kehlkopfspfeifen) ist die Erweiterung des Kehlkopfs bald mehr, bald weniger behindert und das Athmen erfolgt dann bei entsprechender An­strengung der Pferde im Momente der Inspiration mit einem lauten Ge­räusch, oft auch mit einem hellen Ton. Nach ihrer besonderen Be-schaifenheit werden diese Töne und Geräusche als Flöten, Pfeifen, Giemen (Hiemen), Rohren, Kreischen, Brüllen bezeichnet. Ent­zündliche Schwellungen der Laryngeal-Schleimhaut (Angina simplex; Angina phlegmonosa; Coryza), ferner hämorrhagische Herde (Morbus maculosus) und ulceröse Degenerationen (Maliasmus, Laryngitis ichorosa) verengen das Lumen des Kehlkopfs oft so stark, dass schon im Staude der Ruhe die Inspiration und in schweren Fällen auch gleichzeitig die Exspiration von einem hörbaren giemenden Geräusch begleitet wird. Dasselbe entsteht, wenn ein subparotideal gelegener Abscess oder der mit Luft krankhaft gefüllte Luftsack die Pharynxwand auf den Giess-kannenknorpel der kranken Seite drückt und die inspiratorische Bewegung des letzteren unmöglich macht. In seltenen fällen kommen giemende und rohrende Kehlkopfgeräuscho dadurch zu Stande, dass Tumoren in der Nachbarschaft des Kehlkopfs, oder am Kehldeckel, am Gaumensegel
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oder am Grunde der Zunge sich ausbilden und in Folge ihres nachbar-
lichen Druckes die Bewegung der Giesskannenknorpel erheblich behindern. Wenn beim Starrkrampf die Athmungsfrequenz vermehrt ist, so kann im Momente der Inspiration ein pfeifender Kehlkopfston entstehen, der zwar nicht gerade auffällig ist, aber zuweilen doch bis auf eine Entfernung von 1 — 2 Schritt am Kopfe des Pferdes deutlich gehört werden kann. Athmuiigsgeräusehe der Luftröhre. Das beim Anlegen des Ohres an die Luftröhre normalmässig sowohl bei der Inspiration, als bei der Exspira­tion zu hörende Athmungsgeräusch führt den Namen des „trachealenquot;
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oder „bronchialenquot; Geräusches, oder des „Röhrenalhmensquot;. Seine Ent­stehung bei der Inspiration ist in der Hauptsache auf die starken Oscilla-tionen zurückzuführen, welche die Athmungsluft beim Durchströmen durch den Kehlkopf erleidet. Daneben hat die Reibung des Luftstroms an der Trachealwand bezw. die Fortbewegung desselben in der röhren­förmigen Trachea einen ursächlichen Antheil an dem Zustandekommen des Geräusches. Für die Entstehung desselben bei der Exspiration ist das unter einem starken Druck erfolgende Zusammenströmen der Exspi-rationsluft in den grossen Bronchien und in der Trachea als das ursäch­liche Bedingniss anzusehen. — Eine Abänderung des trachealen Röhren-athmens entsteht bei Verengerungen der Luftröhre. In Folge derselben muss die Luft mit stärkeren Athembewegungen in- und exspirirt werden, wobei ein lautes Geräusch erzeugt wird, welches den Charakter des Giemens oder Rohrens (Luftröhren-Rohren) an sich trägt. Verengerungen der Luftröhre, welche ein solches Athmungsgeräusch bei der In- und Exspiration verursachen, können bedingt sein durch Fracturen und Im­pressionen, sowie durch eine Lage- und Gestaltveränderung der Luft­röhre. Nach der Tracheotomie, besonders wenn die Pferde wochen-oder monatelang einen Tracheotubus tragen, entsteht nicht selten eine granulirende Entzündung und Verdickung der Trachealschleimhaut; oder es bildet sich ein Abscess in der Submucosa; oder es kommt eine um­fangreiche entzündliche Neubildung von Bindegewebe in der Submucosa zu Stande. Diese Krankheitszustände können ebenfalls zur Verengerung der Trachea führen. Im Ganzen sind aber die selbständigen Krank­heiten der Luftröhre, durch welche abnorme Athmungsgeräusche ver­ursacht werden, nicht häufig. Bei der metastatischen Druse können grössere, abscedirende Entzündungsgeschwülste durch Druck auf die Trachea an der Bifurcation eine Athembeschwerde veranlassen. Nach einigen Angaben in der Literatur sollen auch Tumoren in der Tracheal­schleimhaut als Ursache einer Athembeschwerde vorkommen. — In diagnostischer Hinsicht dürfte die Bemerkung noch am Platze sein, dass durch ein fehlerhaftes — zu kurzes — Kummt bei denjenigen Pferden, welche zum Ziehen schwerer Lasten benutzt werden, die Luftröhre zusammengedrückt wird und dass hierdurch während der An­strengung die In- und Exspiration von einem giemenden Geräusch be­gleitet sein kann.
Wenn sich im Kehlkopf, in der Luftröhre oder den Bronchien Flüssig­keiten befinden (Schleim, Eiter, Blut), so vermischt sich das tracheale Geräusch mit Rasselgeräuschen. Bei ausgebreitetem interlobulärem Lungen-
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mhraquo;
emphysem ist au der Luftröhre mit dem trachoalen zugleich das emphyso-matische Geräusch zu hören.
Athinuiigsgcräusche der Bronchien, der Luugeii und der Pleura. Normal-massig besteht In den Bronchien ein Geräusch, welches mit dem trachealen Geräusch übereinstimmt. Da aber die ßronchien der Auscultation nicht direct zugänglich sind, so werden die Geräusche derselben in Verbindung mit den Lungengeräuschen Detrachtet. Auch die Pleurageräuscho sind dieser Betrachtung anzureihen, weil sie an denselben Stellen, an welchen die Lungengeräusche zu eruiren sind, festgestellt werden müssen und weil die Krankheiten der Pleura mit den Lungenkrankheiten der Regel nach in engem Zusammenhang stehen.
Der Auscultation der Lungen ist bei Pferden nur ein relativ kleiner Theil des Thorax zugänglich. Soweit das Brustbein, die Schultern und die Wirbelsäule mit ihren Muskeln den Thorax umfassen, sind die Bron­chial- und Pulmonalgeräusche gewöhnlich nicht zu hören. Bei erheb­licher Steigerung der Lungengeräusche ist aber die Wahrnehmung der­selben bei der Anlegung des Ohrs auf die Region der Mm. anconaei möglich. Es erübrigen hiernach der Regel nach nur die zu beiden Seiten hinter den Mm. anconaei befindlichen Theile der Brustwandungen und vor der Brust die Regionen der beiden Brustfurchen. Wegen dieser anatomischen Beschränkung kann die Auscultation der Brustorgane bei Pferden nicht so umfassend sein, wie bei Menschen. Gleichwohl behält dieselbe auch bei Pferden immer noch eine grosse diagnostische Bedeu­tung. Zu beiden Seiten des Thorax sind die Hauptpartien der Lungen, sowie ein ziemlich grosses Gebiet der Pleura und an den Brustfurchen sind die vorderen (zungenförmigen) Lappen der Lungen für die Auscul­tation erreichbar. — Wenn hiernach schon die diagnostische Ausbeute der Auscultation bei den Lungenkrankheiten des Pferdes im Ganzen ge­ringer sein muss, als bei den Lungenkrankheiten des Menschen, so darf andererseits auch nicht übersehen werden, dass die Phthisis pulraonalis, welche der physikalischen Exploration des menschlichen Thorax eine ausserordentliche Tragweite verleiht,' bei Pferden nicht vorkommt.
Innerhalb der diesem Lehrbuch gesteckten Grenzen ist es nicht thunlich, die Lehre von der Auscultation und Percussion der Brustorgane vollständig abzuhandeln. Ich werde daher die Darstellung auf die praktischen Gesichtspunkte beschränken und verweise im Uebrigen für das theoretische Studium auf die zahlreichen medicinischen Lehrbücher, besonders auf Paul Guttmann, Lehrb. d. klinischen Untersuchungs-Methodeu. 5. Aufl. Berlin 1884 und auf das thierärzllicho Work von Ed. Jul. Vogel, Lehrb. d. physik. Diagnostik. Stuttg. 1874.
Als „unmittelbare Auscultationquot; wird die Methode bezeichnet, bei der man das Ohr mit der Haut des Körpertheils, an welchem
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Geräusche ermittelt werden sollen, in directe Berührung bringt. Die „mittelbare Auscultationquot; besteht darin, dass die Geräusche durch Benutzung eines Instruments (Hörrohr — Stethoskop — Hörholz, Hör­schlauch) erforscht werden. Bei den Pferden ist die Benutzung eines Stethoskop nicht üblich, da für die Aufgaben der thierärztlichen Praxis die unmittelbare Auscultation ausreicht. Zweckmässig bedeckt man die Stelle, an welcher unmittelbar auscultirt werden soll, mit einem dünnen Tuch, um sich vor einer Beschmutzung zu schützen. Andere Vorthoile hat das Tuch nicht und die Auscultation ist auch an der nicht bedeakten Haut ausführbar. Anfänger in der thierärztlichen Praxis können beim Auscultiren leicht in einen Irrthum gerathen. Wenn nehmlich das Ohr nicht zweckmässig an die Brustwand gelegt wird, so verschiebt sich an demselben, den Respirationsbewogungen folgend, das Deckhaar, wobei ein Geräusch entsteht, welches mit verschiedenen Bronchial- und Pleura-geräuschen leicht verwechselt werden kann. Ausserdem ist zu beachten, dass, wenn an einer Stelle auscultirt werden soll, an welcher eine scharfe Einreibung applicirt war, durch das feste Anlegen des Ohrs in der geschwollenen Subcutis ein Geräusch zu Stande kommt, welches den trockenen Rasselgeräuschen oder dem harten Reibungsgeräusch ähn­lich ist.
Eine Täuschung kann auch dadurch verursacht werden, dass bei vielen Pferden an den Brustwandungen Darmgeräusohe zu hören sind. Die krankhaft verdichtete Lunge ist ein besserer Schallleitcr, als die normale Lunge. Da nun in manchen Fällen von Brustkrankheiten das Zwerchfell sich nur in geringem Grade nach der Bauchhöhle abflacht, so er­klärt sich, dass die Darmgeräusche sich abnorm leicht auf die Brustwandung der kranken Seite fortpflanzen. Sind die Darmgeräusche undeutlich, so können sie leicht mit Rassel- oder Reibungsgeräusohen verwechselt worden.
Für die diagnostischen Zwecke gewährt es einige Vorthoile, in den Geräuschen, welche bei der Auscultation dos Brustkastens zu constatiren sind, nicht zu viele Eigenschaften aufzusuchen. Irrthümlicher Weise wird zuweilen angenommen, dass durch eine möglichst grosso Differenzirung der Geräusche ein vollständigeres Urtheil über die Natur, den Sitz und Umfang einer Brustkrankheit gewonnen werden könne.
Die Athmungsgeräusche, welche am Brustkasten auftreten, worden in folgende Gruppen getheilt: 1) Vesiculäre, 2) bronchiale, 3) ampho­rische, 4) unbestimmte Athmungsgeräusche. Diese 4 Gruppen stellen die „reinen Athmungsgeräuschequot; dar. Dazu kommen 5) die Rassol­geräusche mit Einschluss des „emphysematischen Geräuschesquot;, 6) die Reibungsgeräusche und 7) die consonirenden Athmungsgeräusche.
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Das „vesiculäre Athmungsgeräuschquot; (Bläschengeräusch) findet seine Entstehung, wie schon der Name besagt, in den Lungen­bläschen. In seiner reinen Form kann es nur in gesunden und normal-massig thätigen Lungen oder Lungenpartien erzeugt werden. Sind die Alveolen durch Exsudat oder Infiltrat gefüllt, oder zusammengedrückt und luftleer, so kann das Geräusch nicht mehr zu Stande kommen, üeber die Genesis des vesiculären Geräusches ist man in der Wissen­schaft zu einem abschliessenden Urtheil noch nicht gekommen, trotzdem dieselbe seit Laennec (1819) aller Orten mit dem Aufwände eines grossen Scharfsinns studirt worden ist. Die meiste Wahrscheinlichkeit hat die Ansicht für sich, dass die Ursache in dem Eintritt der hörbar oscillirenden Luft durch die feinsten Bronchiolen in die sich trichter­förmig erweiternden Alveolen beruht. Hiernach ist an dem Zustande­kommen des vesiculären Geräusches in erster Linie die lebhafte Schwin­gung betheiligt, in welche die Inspirationsluft beim Passiren des Kehl­kopfs geräth und die in dem trachealen oder bronchialen Geräusch ihren Ausdruck findet. Die hörbar schwingende Luftsäule gelangt bei der grossen Vervielfältigung der Bronchiolen in ein breites Strombett und muss schliesslich in ganz minimalen Strömungen die Infundibula passiren. Die Aetiologie des vesiculären Geräusches würde sich danach zusammen­setzen aus ^ler Abschwächung des trachealen Geräusches in den Bron­chiolen und aus den Stenosengeräuschen, welche in den Infundibulis entstehen.
Vesiculäres Athraungsgeräusch ist bei Pferden nur an beiden Seiten des Thorax rein zu hören. Die Stärke desselben unterliegt nach der Bauart des Brustkastens und nach dem Nährzustande der Thiere einigen Verschiedenheiten. Im Allgemeinen gestaltet es sich bei einem tonnen-förmig gewölbten Thorax, dessen Panniculus reich mit Fett gefüllt ist, weniger stark als bei langem und tiefem Thorax. Je tiefer die gesunden Pferde inspiriren, um so stärker tritt das vesiculäre Geräusch hervor. Bei mastigem Nährzustande schwerer Arbeitspferde kann dasselbe in den unteren Abschnitten der Lunge für die Auscultation nicht erreichbar sein. Auch ohne erkennbare Ursachen tritt es bei Pferden von gleicher Bauart in verschieden hohem Grade hervor. Es gehört eine grosse Uebung dazu, um diese Modificationen des vesiculären Geräusches, welche innerhalb physiologischer Grenzen liegen, richtig würdigen zu können.
Das reine Bläschengeräusch ist bei ruhig athmenden Pferden nur im Momente der Inspiration zu hören, und zwar im Beginn der Inspira­tion etwas schwächer, als gegen Ende derselben. Man vergleicht das­selbe treffend mit dem Geräusch, welches durch Einsaugen von Luft bei
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verengerter Mundöffnung erzeugt wird. Das bei der Exspiration ruhig athmender gesunder Pferde durch den Austritt der Luft aus den Alveolen in die Bronchien, an den Stenosen der Infundibula und in den Bronchiolen entstehende Geräusch ist so schwach, dass es bei der Auscultation an den Brustwänden nicht gehört werden kann. Sobald aber die Pferde angestrengt werden und beschleunigt athmen, hört man ein hauchendes Geräusch bei der Exspiration, welches in nicht corrector Bezeichnung „Exspirationsgeräuschlaquo; genannt und den unbestimmten Athmungsge-räuschen zugerechnet wird. Obwohl sich dasselbe von dem bei der Inspira­tion in den Lungenbläschen entstehenden Geräusch akustisch unterscheidet, so finde ich mich doch durch praktische Gründe bestimmt, das fragliche, bei krankhaften Zuständen vielfach vorkommende Exspirationsgeräusch unter die vesiculären Geräusche, mit denen es am nächsten verwandt ist, einzureihen. Pferde, welche in Folge von schmerzhaften Zuständen an den Gliedraassen oder am Bauche oder in Folge anhaltenden Liegens (bei Lähmungen, sowie bei schweren Krankheiten des Gehirns und der Gliedmassen) beschleunigt athmen, bekunden stets neben starkem Vesi-culärgeräusch das hauchende Exspirationsgeräusch.
Das vesiculäre Äthmungsgeräusch kann „starkquot; bezw. „verstärktquot; im Gegensatz zu „schwachquot; bezw. „abgeschwächtquot;, ferner „weichquot; im Gegensatz zu „rauhquot; („scharfquot; und „verschärftquot;) sein. Abrform stark wird das Geräusch bei gesunden Lungen dadurch, dass die Respiration mit grösserer Heftigkeit erfolgt. Aber es kann ein grösserer oder kleinerer Abschnitt der Lungen für den Eintritt der Athmungsluft unzu­gänglich sein, wie bei zahlreichen Krankheitszuständen beobachtet wird (Hepatisation, Atelectase, alveoläres Emphysem, Geschwülste, indurirende Entzündung, Compression der unteren Partien durch pleuritisches Exsudat). Unter diesen Umständen strömt die Athmungsluft heftiger, als sonst, in die gesunden Abschnitte der Lungen, welche gewissermasson den Aus­fall in der Athmungsgrösse durch gesteigerte Thätigkeit zu ergänzen haben. Man bezeichnet das in solcher Art vorstärkte Äthmungsgeräusch der gesunden Lungenpartien als „vicariirendesquot; oder „compensatorischesquot; oder „supplementäresquot; Vesiculärgeräusch. — Abnorm „schwachquot; oder „abgeschwächtquot; wird das Vesiculärgeräusch in einem Lungonstück, wel­ches sich nur unvollständig mit Luft füllt. Diese Anomalie findet sich bei den verschiedensten Krankheiten der Lungen und des Brustfells, be­sonders im Anfangsstadium der Brustseuche. — Das rauhe, scharfe oder verschärfte Vesiculärgeräusch kommt durch das Mitschwingen der Bron­chialschleimhaut zu Stande und wird demgemäss bei diffuser Bronchitis beobachtet. Regelmässig stellt sich hierbei ein krankhaft verstärktos,
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58nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Respirationsapparat.
mit dorn inspiratorischen Geräusche übereinstimmendes Exspirations-geräusch ein. In der Praxis wird dies Verhältniss als „verstärktes, scharfes, bei der In- und Exspiration hörbares Vesiculärgeräuschquot; be­zeichnet. — Nicht selten erfolgt bei Pferden sowohl im gesunden Zu­stande, wie bei Krankheiten (namentlich bei der Brustseuche im ersten Stadium) die Inspiration ungleichmässig, so dass sich das Vesiculär-geräusch in zwei, selten in drei Absätzen bekundet („abgesetztesquot; oder „saccadirtesquot; Vesiculärgoräusch). — In einem kleineren oder grösseren Theil der Lungen können die Alveolen luftleer werden. Dann ver­schwindet in der betreffenden Partie das Bläschengeräusch und statt desselben tritt entweder bronchiales Geräusch auf oder es wird gar kein Athmungsgeräusch gehört (Hopatisation, Hydrothorax, Geschwülste).
Soweit das abnorme Vesiculärgeräusch bei der Diagnose der Lungen-und Brustfellkrankheiten in Betracht zu ziehen ist, lege ich ein grosses Gewicht darauf, dass die Ergebnisse der Auscultation beider Lungen an den symmetrischen Stellen des Thorax miteinander verglichen werden. Sehr oft ist in der ersten Entwickelung der Brustseuche die Affection an der kranken Seite daran zu erkennen, dass die Intensität und die Ausdehnung des Bläschengeräusches geringer sind, als an der gesunden Seite.
Das „bronchiale (tracheale) Athmungsgeräuschlaquo; oder das „Bronchialathmenquot;. Als ein significatives Merkmal für die Eigen­schaften des bronchialen Athmungsgeräusohes gilt das Geräusch, welches beim Anlegen des Ohrs an die Luftröhre während der In- und Exspiration gehört wird (vergl. S. 52). Das bronchiale Geräusch setzt sich von der Trachea auf die grossen Bronchien fort, vermischt sich aber in den letzteren mit dem vesiculären Geräusch. Es kann bei gesunden Pferden an der vorderen Brustapertur aus den zungenförraigon Lungenlappen ge­hört werden, ist aber auch hier von weicherem Charakter, als an der Trachea. Sonst lässt sich bei gesunden Pferden das bronchiale Geräusch am Brustkasten nicht nachweisen. Unter krankhaften Verhältnissen kann das Bronchialathmen an jeder Stelle des Thorax, an welcher Athmungs-geräusche überhaupt zu hören sind, auftreten. Vom verstärkten vesicu­lären /um bronchialen Geräusch besteht ein allmäliger Uebergang und es worden sehr oft bei der Auscultation brustkranker Pferde Athmungs-geräusche vernommen, welche ein Mittelding zwischen beiden darstellen („starkes vesiculäres, fast bronchiales Geräuschquot;). Im üebrigen wird ein „scharfesquot; im Gegensatz zum „weichenquot; Bronchialgeräusch unter­schieden. — Die Entstehungsgeschichte des bei Brustkrankheiten auf­tretenden Bronchialathracns ist zwar bis jetzt noch nicht ein wandsfrei aufgeklärt worden. Unbestreitbar ist indess, dass die ursächliche Grund-
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läge desselben in den Schwingungen der in der Trachea und in den grossen Bronchien befindlichen Luftsäule beruht. Sind die Alveolen eines erheblichen Stückes der Lunge ganz oder grösstenthoils luftleer, so pflanzt sich das tracheale bezw. laryngeale Athmungsgeräusch durch die solide Lungensubstanz, welche ein weit besserer Schallleiter, als die lufthaltige Lunge ist, auf die Brustwand fort, woselbst es gehört werden kann. Vorauszusetzen ist hierbei, dass die kleinen Bronchien in der durch Exsudat, Induration oder Compression verdichteten Lungenpartie lufthaltig sind. Denn nur durch diese Luftsäulen geschieht dio (Jebor-tragung des trachealen Geräusches so vollständig, dass dasselbe an der ßrustwand gehört werden kann. Sind die kloinen Bronchien der be­treffenden Partie durch Flüssigkeit oder durch Compression verlegt, so ist an der entsprechenden Stelle des Thorax kein Respirationsgeräusch wahrzunehmen.
Bronchiales Athmungsgeräusch wird bei der pneumonischen Hepati-sation und den derselben häufig folgenden destructiven Zuständen in den Lungen, sowie bei der Compression einer oder beider Lungen durch Flüssigkeit (Serum, Eiter, Blut) im Pleurasack beobachtet. Auch bei ausgebreitetem interlobulärcm Lungenemphysem kommt stellenweise Bron-chialathmen vor, seltener bei indurirenden Pneumonien und Geschwülsten. In der Lungenschwindsucht des Menschen wird nach den Angaben der Autoren das Bronchialgeräusch auch durch lufthaltige Lungenhöhlen, welche mit einem Bronchus communiciren, erzeugt. Bei Pferden habe ich derartige Höhlen niemals beobachtet.
Dem bronchialen Geräusch stellt das „amphorische Athmungs­geräuschquot; (Krugblasen) sehr nahe. Dasselbe kennzeichnet sich als ein schwaches Bronchialgeräusch mit metallischem Beiklang und be­sitzt eine grosse Aehnlichkeit mit dem Geräusch, welches beim Einblasen in einen Krug (Amphora) entsteht. Ich habe es iJbi Pferden wiederholt, aber im Ganzen nicht häufig beobachtet, und zwar immer nur im oberen Theile der Brustwandung. Offenbar können sich die pathologischen Vor­bedingungen des amphorischen Geräusches nur in den dicken Lungen-partien, nahe dem oberen, stumpfen Rande der Lungen ausbilden. Die ursächliche Grundlage dieses Geräusches beruht bei Pferden darin, dass zwischen broncho-pneumonischen eiterigen oder jauchigen Herden sich kleinere Lungenabschnitte befinden, in Welchen sich dio entzündliche In­filtration wieder zurückbildot. In solchen Abschnitten ist das Lungen-parenehym noch verdichtet und. zum Mittönen befähigt, während die Alveolen schon wieder lufthaltig und wegsam geworden sind. Da die eiterig-jauchigen Herde keine Luft aufnehmen, so strömt dieselbe bei
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der Inspiration stärker in die zwischen denselben liegenden Lungonab-schnitte, wodurch das verdichtete Parenchym in die Oonsonanz versetzt wird. Mit dieser Theorie steht die von mir gemachte Beobachtung im Einklänge, dass das amphorische Athmungsgeräusch bei den Pferden stets der Nachkrankheit der acuten Pneumonie angehört und vorzugs­weise bei der ßrustseuche (multiple, herdweise Erkrankung der Lungen) vorkommt. Auch ist dasselbe immer ein ungünstiges Symptom. Nach den Angaben der Autoren entsteht bei Menschen das amphorische Ge­räusch, wenn ein Bronchus mit einer lufthaltigen Lungenhöhle in Vor­bindung tritt. Ich bemerkte schon, dass solche Höhlen bei Pferden nicht beobachtet werden.
raquo;Unbestimmte Athmungsgeräuschelaquo;. In den Lungen ein-schliesslich der Bronchien kommen verschiedene krankhafte Geräusche zu Stande, welche weder als vesiculäre, noch als bronchiale charakterisirt werden können und deshalb nach Skoda den Namen der unbestimmten Geräusche führen. Zweckmässig macht der thierärztliche Praktiker von der wissenschaftlichen Berechtigung, ein Athmungsgeräusch schlechtweg als „unbestimmtquot; zu bezeichnen, möglichst wenig Gebrauch. Soweit als irgend thunlich, sind die betreffenden Geräusche dem Vesicular- und Bronchialathmen beizuordnen. Bei Pferden mit gesunden Lungen ist das oberflächliche Athmen von schwachen Geräuschen begleitet, welche den akustischen Charakter des Bläschengeräusches nicht besitzen, aber dennoch ganz passend als „schwaches, undeutliches Bläschengeräuschquot; bezeichnet werden können. Unter krankhaften Verhältnissen kann ein unbestimmtes Vesiculärgeräusch auftreten, wenn die Alveolarräume einer Partie sich nur theilweise mit Luft füllen können, bezw. durch Infiltration oder Compression verengt sind. Auch durch Nebengeräusche — Bronchial­athmen und Rasselgeräusche — kann in einer Lungenpartie das vesicu­läre Geräusch verdeckt und unbestimmt werden. Am meisten beobachtet man unbestimmte Athmungsgeräusche bei diffuser Bronchitis, bei chro­nischer Bronchiectasie, bei chronischer Peribronchitis, bei partiellem alveolärera Lungenemphysom und bei interlobulärem Lungenemphysem.
„Rasselgeräuschelaquo; (Rhonchi). Die von Skoda in die Wissen­schaft eingeführte Unterscheidung zahlreicher Arten von Rasselgeräuschen ist für die Diagnostik der Pferdekrankheiten entbehrlich. Ihre Ent­stehung finden die Rasselgeräusche in den Bronchien und zuweilen in grösseren ulcerösen Lungenhöhlen. Der im Kehlkopf und in der Luft­röhre entstehenden Rasselgeräusche wurde bereits gedacht (S. 52). Nach ihrem Charakter bezeichnet man die hier in Betracht kommenden Rassel-
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geräusche als „feuchtequot; oder „trockenequot;; sie können in beiden Arten „reichlichquot; oder „spärlichquot; vorhanden sein.
Das Zustandekommen feuchter Rasselgeräusche ist an die Be­wegung von Flüssigkeit in den Bronchien oder zugleich in grösseren Lungenhöhlen gebunden. Man beobachtet solche Zustände bei den Pferden häufig. Wenn bei der ßrustseuche ein grosser Theil der afficirten Lunge hämorrhagisch infarcirt wird, so tritt zuweilen eine grössere Menge von Blutserum oder von wirklichem Blut in die Bronchien. Die Flüssigkeit bewegt sich mit dem In- und Exspirationsstrom, wobei feuchte (grob­blasige) Rasselgeräusche entstehen. Bei diffuser chronischer Bronchi-ectasie und Bronchialkatarrh (feuchte Dämpfigkeit oder Rieseldampf) wird das Geräusch durch die Bewegung von Schleim in den Bronchien und vorwaltend im Momente der Exspiration erzeugt. Häufiger ist das Vor­kommen von Bronchialrasseln bei dem ungünstigen Ausgange einer acuten Bronchitis oder Broncho-Pneumonie. In Folge des eiterig-jauchigen Zer­falls bronchiectatischer oder broncho-pneumonischer Herde entsteht eine eiterige Entzündung der Bronchialschleimhaut mit Erweiterung der Bron­chien. Derselbe perniciöse Zustand kann in den Bronchien entstehen, wenn Eiter oder Jauche vom Schlundkopf in die Bronchien gelangt. Unter solchen Verhältnissen vermischt sich die eiterige oder jauchige Flüssigkeit in den Bronchien mit der Athmungsluft, mit welcher sie auf- und abbewegt wird. Wenn eine grössere ulceröse Höhle in der Lunge entstanden ist und mit einem Bronchus in offener Verbindung steht, so kann die Bewegung der mit Luftblasen vermischten jauchigen Flüssigkeit sich bis in die Lungenhöhle erstrecken. Insofern kann auch beim Pferde eine Lungenhöhle beim Zustandekommen des feuchten Rassel­geräusches betheiligt sein. Dasselbe entsteht bei der In- und Exspiration, vorwaltend jedoch bei der letzteren. Es ist an den Brustwandungen und an der Luftröhre bezw. an der vorderen Brustapertur zu hören. Die Verwechselung des Bronchialrassolns mit dem bei katarrhalischen Zu­ständen im Kehlkopf entstehenden Rasselgeräusche, welches auch an den Brustwandungen zu hören ist, lässt sich bei einiger Aufmerksamkeit leicht vermeiden. Schwieriger ist zuweilen die Unterscheidung des Rassel­geräusches von pleuritischen Reibungsgeräuschen,
Die trockenen Rasselgeräusche (Schnurren, Brummen, Zirpen, Zischen, Piepen, Knistern, Klingen u. s. w.) kommen durch Verengerung der Bronchioli und der kleinen Bronchien zu Stande. Die Verengerung kann durch Schwellung der Bronchialschleimhaut und partielle Verklebung der­selben mit zähem Schleim, oder durch Compression der Bronchioli be­dingt sein. Demgemäss werden die trockenen Rasselgeräusche bei den
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vorschiedonsten Brustkrankheiten der Pferde sehr häufig beobachtet. Am meisten kommen sie vor bei Lungenödem, bei beginnender Hepatisation, bei diffuser Bronchitis, ferner bei einer Compression der Lunge durch pleuritisches Exsudat, bei chronischer, abscedirender und indurirender Pneumonie, bei Geschwülsten in den Lungen und beim intetlobulärem limphysem. Zu beachten ist, dass die trockenen Rasselgeräusche oft nicht gleichmässig fortbestehen. Nach deni Husten verschwinden sie nicht selten momentan, um nach kurzer Zeit von Neuem wieder aufzu­treten. Auch werden sie in einer Lunge neben bronchialem und vesicu-lärem Geräusch gefunden und bei interlobulärem Lungenemphysem treten gewöhnlich verschiedene Arten der trockenen Rasselgeräusche neben­einander hervor.
Im Anschluss an die trockenen Rasselgeräusche will ich eines Athmungsgeräusches erwähnen, welches ich mehrfach bei Pferden con-statirte, die von einem ausgebreiteten interlobulären und subpleuralen Lungenemphysem befallen waren. Das Geräusch entsteht bei der In-und Exspiration und hat eine grosse Aehnlichkcit mit dem Gehörsein­druck, der beim Treten auf frisch gefallenen Schnee oder beim Emphysem der Subcutis durch Streichen mit der Hand über die Haut erzeugt wird. Es wird hervorgebracht durch den Druck auf die in den interlobulären Bindegewebsbahnen befindliche Luft, welche sich in Folge dessen in den Maschen des Bindegewebes verschiebt. Nach seiner Entstehung bezeichne ich dies Geräusch als „emphysematisches Athmungsgeräuschquot;. Es ist bei interlobulärem Lungeneraphysem zuweilen in grosser Ausdehnung an den Brustwandungen zu hören und hat dann den Charakter des „Rauschensquot;. Häufiger tritt dasselbe in geringerem Umfange und in der Mitte der Brustwandungen hervor, woselbst es eine grosso Aehnlichkeit mit dem härteren Reibungsgeräusche der Pleura besitzt.
Die „Reibungsgeräuschequot; werden nur an der krankhaft veränder­ten Pleura erzeugt, deren costaler und pulmonaler Theil sich bei der respi-ratorischen Lungenbewegung aneinander reiben. Ihre speciello Ursache liegt in einer losen Adhäsion zwischen der Costal- und Pulmonalpleura, die sich am meisten in Folge leichter Verklebung durch fibrinöses Ex­sudat einstellt. Die frische Pneumo-Pleuritis ist demnach sehr oft von Reibungsgeräuschen begleitet. Wenn sich indess die Pleurablätter durch copiöses Exsudat weit von einander entfernen, so kann ein Reibungs­geräusch nicht mehr entstehen. Das fragliche Geräusch charakterisirt sich entweder als „weichesquot; oder als „hartesquot; Reiben. Das erstere wird oft bei einer frischen fibrinösen Pleuritis gehört, während das harte Reibungsgeräusch vorwaltend den späteren Stadien der Pleuritis ange-
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hört. Oft hat das letztere eine grosse Aehnlichkeit mit der Gehörs-wahrnehmiing, welche beim Zusammendrücken neuen Leders verursacht wird (Neuleder-Geräusch). Die Reibungsgeräusche bleiben bei der Pleu­ritis sicca drei bis vier Tage, selbst noch länger bestehen, während sie in solchen Krankheitsfällen, in welchen die Pleuritis zu reichlicher Ab­scheidung von Serum führt, oft schon nach einem Tage verschwinden. Wenn der Herzbeutel mit fibrinösem Exsudat stark bedeckt ist, so tritt mit jedem Herzschlag ein weiches Reibungsgeräusch auf, worauf ich bei den Herzgeräuschen noch zurückkommen werde. — Reibungsgeräusche kommen auch bei chronischer Pleuritis und bei chronischer abscedirender Pneumonic vor, wenn bei der letzteren die Herde an die Pleura stossen und dieselbe in Mitleidenschaft ziehen.
Da in der Wissenschaft alle Athrnungsgoräusche, welche an den Pleurablättern zur Entstehung kommen, als Reibungsgeräusche behandelt werden, so zähle ich zu denselben auch das „gluckendequot; oder „plät­scherndequot; oder „klingendequot;, auch „kluckerndcquot; Pleurageräusch, welches ich bei den Nachkrankheiten der Brustseuche oft beobachtet habe. Das Auftreten dieses Geräusches ist an das Vorhandensein von drei Bedin­gungen geknüpft: 1) massig starker Erguss von seröser oder eiterig­seröser Flüssigkeit in den Thorax; 2) Entwickelung von Gasen aus dem pleuritischen Exsudat; 3) partielle Verwachsungen oder fibrinöse Ver­klebungen zwischen der Costal- und Pulmonalpleura. Bei solchen Zu­ständen verschieben sich während der Inspirations- und Exspirations-phasen die in der Brusthöhle befindlichen Gase und die Flüssigkeit. Ein Theil der letzteren fällt im Momente der Exspiration aus den oberen Partien des Thorax in einen niedriger gelegenen Raum, wodurch das Plätschern oder Kluckern erzeugt wird. Das Geräusch ist in einzelnen Fällen so stark, dass es beim Anlegen des Ohrs auf die Schultermuskeln oder selbst auf einen halben Schritt Entfernung vom Brustkasten schon deutlich wahrgenommen werden kann.
„Consonirende Geräuschequot; sind bei der Auscultation brustkranker Pferde oft zu beobachten und bei oberflächlicher Untersuchung mit bron­chialen Geräuschen leicht zu verwechseln. Namentlich werden die Rassel­geräusche, welche im Kehlkopf entstehen, bis zu den Brustwandungen fortgeleitet, deren Erzittern (Pectoralfrernitus) auch bei Pferden zuweilen mit der Hand gefühlt werden kann. Ebenso ist das Aechzen (Stöhnen) der Pferde am Thorax stets zu hören. Wenn das Lungenparenchym in grösserem Umfange luftleer ist, so erfolgt das Mittönen stärker (Broncho-phonie).
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d. Percussion.
Mehr noch, als die Auscultation, ist die Percussion des Brustkastens bei Pferden räumlich beschränkt. Soweit die Schultern, das Brustbein und die Wirbelsäule mit ihren Muskeln den Brustkasten, umfassen, ist die Percussion nicht ausführbar. Dazu kommt, dass sich die Bauch­eingeweide mit dem Zwerchfell oft ziemlich weit in den Brustraum hineinschieben und dass der Percussionsschall in Folge dessen an den hinteren Partien des Thorax kein verwerthbares Resultat liefert. Indess fällt das letzlgedachte Moment weniger ins Gewicht, weil erfahrungs-gemäss bei den Pferden die hinteren Abschnitte der Lungen von den acuten Entzündungsprocessen nur relativ selten betroffen werden. Trotz­dem hiernach der für die Percussion verwendbare Raum an den Brust­wandungen nicht umfangreich ist, so giebt das Verfahren doch nicht selten entscheidende Aufschlüsse über den Sitz einer Brustkrankheit. Grundsätzlich ist aber in jedem Fall zu beachten, dass mit dem Ergeb-niss der Percussion zugleich die Befunde der anderen üntersuchungs-methoden, namentlich der Auseultation für die Diagnose zur Erwägung kommen müssen.
Die „unmittelbare Percussionquot;, bei welcher die Rippen mit den stark gebeugten Fingern angeklopft werden, liefert bei Pferden keine ausreichenden Ergebnisse. Für die „mittelbare Percussionquot; kommen zwei Methoden in Betracht. Entweder wird die linke Hand flach auf die Brustwand gelegt und mit dem stark flectirten Zeigefinger der rechten Hand auf den dritten Finger der linken Hand geklopft, oder es kommen der Percussionshammer und das Plessimeter zur Anwendung. Das erst­gedachte Verfahren ist wegen der Dicke der Brustwand bei Pferden im Allgemeinen nicht cmpfehlenswerth. Mit, demselben lässt sich nur bei mageren Thieren mit flachem Brustkasten in den geeigneten Krankheits­fällen ein Unterschied des Schalles ermitteln, wobei aber stets auf die Rippen, und nicht auf die Intercostal räume geklopft werden muss. Ge­bräuchlich ist bei Pferden nur die mittelbare Percussion mit Hammer und Plessimeter. Indem ich von einer Beschreibung dieser Instrumente hier absehe, will ich nur bemerken, dass der Percussionshammer die entsprechende Schwere haben und mit einer gewissen Kraft geführt wer­den muss, weil sonst die Schallschwingungen sich nicht mit der nöthigen Stärke auf die Lungen fortpflanzen. Als das zwockmässigste Plessimeter ist eine ovale, massig starke Elfenbeinplatte, die an beiden Enden hohe Randleisten hat, zu benutzen. Das Plessimeter muss den Brustwandungen fest anliegen („gut coaptirt seinquot;), weil sonst durch die zwischen demselben
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und der Haut liegende Luft der Percussionsschall alterirt wird. Manche Pferde empfinden bei der Percussion Schmerzen und ziehen deshalb die Haut in leichte Falten, was beim Anlogen des Plessimeters berücksichtigt werden rauss. Dass entzündliche Schwellungen der Haut und Unterbaut (nach scharfen Einreibungen) die Percussion behindern, bedarf kaum einer Andeutung. Ist die ßrustwand sehr dick und mit einer starken Fettlage bedeckt, so lässt sich nur durch kräftiges Schlagen mit dem Hammer das Mitschwingen der Lungen ermöglichen, während bei mageren Pferden und bei flachem Brustkasten schon ein massiger Schlag hierzu ausreicht. Von erheblichem Werthe ist noch, dass der Thierarzt beide Brustwandungen nach einander percutirt und die Eigenschaften des Schalles an den symmetrischen Stellen sorgfältig vergleicht. Im üebrigen darf von der Percussion des Brustkastens kein grösserer Aufschluss er­wartet werden, als sie naturgemäss bieten kann. Eine massige Ver­minderung im Luftgohalt einer Lunge giebt sich bei Pferden durch den Percussionsschall nicht zu erkennen. Auch kann der luftleere Zustand einer kleinen Partie, etwa eines Lobulus, durch die Percussion ebenso­wenig, wie durch die Auscultation nachgewiesen werden.
Auf die Theorie des Percussionsschalls kann ich hier nicht aus­führlich eingehen; ich verweise in dieser Hinsicht auf die S. 54 citirten Werke von Guttmann und Vogel.
Der Percussionsschall wird nach seiner Intensität, Höhe und Klang­farbe (Timbre) unterschieden. — Hinsichtlich der Intensität ist derselbe „lautquot; (hell) oder „dumpfquot;. Der Uebergang vom lauten zum dumpfen Schall wird als „gedämpftquot; bezeichnet. Hierbei ist zu beachten, dass nach der Form und Dicke der Brustwände die Intensität des Percussions­schalls innerhalb physiologischer Grenzen ziemlich grossen Verschieden­heiten unterliegt. Besitzen die betreffenden Pferde grosse Lungen und eine dünne Brustwand, so ist der Schall sehr laut resp. lauter, als im Durchschnitt gefunden wird. Bei starker Wölbung und grosser Dicke der Brustwand ist der Schall in dem unteren Drittel des Thorax normal-massig weniger laut. Gedämpft wird derselbe durch das Bestehen von Lungenödem, von Hepatisation und Induration grösserer Lungonpartien, von pleuritischen Exsudaten und von grösseren Geschwülsten (Melano-Sarcome) an der Pleura. Bei vollkommener Luftleere einer grösseren Lungenpartie, namentlich bei der Compression der Lungen durch copiöse Anhäufung von serösem Exsudat im ßrustraum wird der Percussions­schall dumpf. — Abnorm laut kann der Schall bei diffuser Bronchieotasie und partieller Alveolarectasie (Lungendämpfigkeit) sein.
Diockerhoff, Spec. Pathologie u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; f^
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Die Höhe des Percussionsschalls wird durch den Grad der Spannung in der Brustwand und im Lungengewebe bedingt. Höher, als im ge­sunden Zustande wird der Schall nie; dagegen erlangt er eine abnorme Tiefe bei Pneumonien und bei einer exsudativen Pleuritis.
Der Lehre Skoda's folgend haben die thierärztliohea Autoren einen „vollenquot; und „leerenquot; Percussionsschall unterschieden. Besonders wurde durch die Darstellung von Roll und Vogel diese Terminologie ge­bräuchlich. Nach Skoda ist die Unterscheidung auf den grössoren oder geringeren Luftgehalt der durch die Percussion in Schwingung versetzten Lungenpartie zu beziehen und es erklärt sich vornehmlich aus dieser knappen und gegenständlichen Motivirung, dass die Lehre allgemein aeeeptirt worden ist. Gegen die Zulässigkeit derselben sind indess die gewichtigsten physikalischen Gründe von namhaften Autoren der Medicin geltend gemacht worden, deren Entscheidung dahin geht, dass beim Per­cussionsschall die Eigenschaft „vollquot; mit „laut und tiefquot; und die Eigen­schaft „leerquot; mit „gedämpft und hochquot; sich deckt.
Bei der Percussion wird auch auf die Unterscheidung des „tympani-tischenquot; und „nicht tympanitischenquot; Schalles grosser Werth gelegt. Tympanitisch wird bei Menschen der Schall vorzugsweise durch das Vor­handensein von lufthaltigen grösseren Lungenhöhlen und durch den Pneumothorax. Beide Zustände begleiten nicht selten die ulceröse Lungenphthise, die aber bei Pferden nicht vorkommt. Ich habe den Pneumothorax bei Pferden nur in ganz vereinzelten Fällen nach pene-trirenden Brustwunden beobachtet und dann allerdings auch gefunden, dass der Percussionsschall an der kranken Seite tympanitisch war. Sonst ist bei multiplen Pneumonien des Pferdes (Brustseuohe) ein tym-panitischer Percussionsschall zuweilen, aber nicht oft nachzuweisen. Im Ganzen hat derselbe indess keine so grosse Bedeutung, wie von einzelnen Autoren angegeben ist.
Eine Klangfarbe (Timbre) kann der Percussionsschall auch bei Pferden bekunden. Man bezeichnet einen solchen Schall einerseits als „metallischen Percussionsklangquot; oder „percutorischen Metallklangquot; und andererseits als „Ton des gesprungenen Topfesquot;. Beide Schallartcn werden bei Pferden nur durch pneumonische Zustände verursacht; ich habe aber niemals nachweisen können, dass dieselben durch lufthaltigo Lungenhöhlen bedingt werden, wie bei phthisischen Personen vorkommt und wie Roll und Vogel auch von den Pferden behaupten. Der per-cutorische Metallklang wird im Resolutionsstadium einer fibrinösen Pneumonic zuweilen beobachtet und dadurch bedingt, dass in dem ver­dichteten Lungenparenchym die Alveolen sich wieder mit Luft gefüllt
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haben. Der Ton des gesprungenen Topfes (Olla rupta; Bruit de pot f616) kommt unter anatomisch verschiedenen Krankheitszuständen der Lungen vor, obschon die nächsten Bedingungen seiner Entstehung stets dieselben sind. Bei der multiplen erysipelatösen Pneumonie (Brustseuche) kann eine zwischen den Hepatisationsherden befindliche Lungenpartie von etwa Handtellergrösse serös infiltrirt sein. Mit dem Beginn der Resolution wird diese Partie früher als die fibrinös hepatisirten Abschnitte ihrer Um­gebung lufthaltig. Dann ist an der correspondirenden Stelle des Thorax bei der Percussion der Ton des gesprungenen Topfes wahrzunehmen. Der Luftgehalt und die verdichtete Beschaffenheit des Lungengewebes in einer massig grossen Partie, die zwischen hepatisirten (luftleeren) Ge­bieten liegt, sind die speciellen Ursachen des in Rede stehenden Percus-sionstons. Derselbe wird in den meisten derartigen Krankheitsfällen nur 2—3 Tage hindurch gefunden, weil durch die fortschreitende Resorption die Verdichtung des Lungengewebes bald wieder verschwindet. — In gleicher Weise kommt der Ton des gesprungenen Topfes zu Stande, wenn in einer Lunge jauchige Herde bestehen, zwischen welchen eine handteller­grösse Partie durch Gewebsinfiltration verdichtet, aber für den Ein- und Austritt der Luft wegsam ist. Am meisten wird dieser Ton in der mittleren Partie einer Lunge resp. an der entsprechenden Stelle des Thorax, seltener in der oberen und noch seltener in der unteren Partie beobachtet. In einem Falle fand ich den Ton des gesprungenen Topfes an der linken Seite in der unteren Partie des Thorax und am Brustbein. Wie die Section ergab, war die linke Lunge von der bezeichneten Be­schaffenheit und sowohl mit dem Brustbein als mit der Rippenwand krankhaft verwachsen, so dass bei der Percussion am Brustbein sich die Schallschwingungen auf das verdichtete, aber lufthaltige Lungengewebe direct fortsetzen konnten.
Der Widerstand, welchen die Brustwand dem Anklopfen entgegen­setzt, unterliegt einigen graduellen Verschiedenheiten, welche in der Lehre von der Percussion als „Tastwahrnehmungenquot; oder als „Wider­stand unter dem Hammerquot; zusammengefasst werden. Schon unter physio­logischen Verhältnissen ist das Gefühl des Widerstandes bei dünnen Brustwänden geringer, als bei dicken. Darüber hinaus giebt es eine Verringerung des Resistenzgefühls nicht. Andererseits steigert sich das­selbe in dem Masse, als der Luftgehalt in der betreffenden Lungen­partie sich vermindert. Das verstärkte Gefühl des Widerstandes ist daher ein beständiger Begleiter des gedämpften resp. dumpfen Percus-sionsschalls.
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7. Circulationsapparat.
a. Herlaquo;. Die Untersuchung des Herzens und seiner Function ist beim Pferde durch anatomische Verhältnisse wesentlich behindert. Zu zwei Dritttheilen wird das Herz von den Lungen bedeckt; mit der Spitze und der linken Kammer liegt es nahe an der linken Brustwand; die rechte Kammer erreicht die Brustwand nicht. Bei der Dicke des Brustbeins und der Brustmuskeln der Pferde ist demnach nur die linke Hälfte des Herzens, und auch diese nur zum Theil der Untersuchung unmittelbar zugänglich. Die Circulation des Blutes wird durch den Herzschlag (Herz­puls, Pulsus Oordis) vermittelt, der sich aus der Systole und Diastole der Vorkammern und der Herzkammern zusammensetzt.
Bei der Untersuchung ist Rücksicht zu nehmen auf die Lage und Grosse des Herzens, auf die Frequenz, Regelmässigkeit und Gleichmässig-keit des Herzschlags, auf den Herzstoss und auf die Herztöne. —• Soweit die Lage des Herzens durch die Systole und Diastole sich ändert (active Lageveränderungen) fällt ihre Darstellung in das Gebiet der Physiologie. Auch die geringfügigen Verschiebungen des Herzens, welche die normalen Respirationsbewegungen des Zwerchfells mit sich bringen, haben für die Diagnostik kein Interesse. Eine paseive Lageveränderung des Herzens kann in verschiedener Art entstehen. Durch starken Meteorismus des Darmkanals wird das Zwerchfell weit in die Brusthöhle gedrängt, womit eine leichte Verschiebung der Herzbasis nach vorn und ein Druck auf die Vorhöfe zu Stande kommt. Ist der Herzbeutel an der einen oder anderen Stelle mit der Nachbarschaft (Lunge, Zwerchfell) verwachsen, was übrigens bei Pferden nur selten vorkommt, so muss sich dement­sprechend die Lage des Herzens ändern. Häufiger verschiebt sich das Herz bei Pferden nach der rechten Seite bei reichlicher Anhäufung von fibrinösem Exsudat auf dem Herzbeutel oder bei der Hepatisation der linken Lunge in demjenigen Theil, welcher das Herz bedeckt. Ich beob­achtete in einem Falle von Brustseuche mit linksseitigem Hydrothorax, starker Mediastinitis und Verwachsung des Herzbeutels mit dem Mittel­fell, dass das Herz ganz nach der rechten Seite gedrängt war, so dass der Herzstoss und die Herztöne an der rechten Seite sehr deutlich, an der linken Seite gar nicht wahrgenommen werden konnten.
Die Grössenverhältnisse des Herzens sind von Colin und Franck untersucht worden. Indess ergeben sich aus den festgestellten Massen für die Diagnostik keine recht verwerthbaren Momente. Denn die Grosse des Herzens ist normalmässig bei Pferden, wie bei allen Haus-Säuge-
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thiorcn nach dem Bau und der Grosse des Körpers vorschieden. Anderer­seits geben sich die Umrisse des Herzens an der Brustwatid nicht deut­lich genug zu erkennen, um während des Lebens eine Hypertrophie durch die Untersuchung (Percussion und Palpation) direct nachweisen zu können. Das Gewicht des Herzens beträgt 3—5 Kilogramm. Aus­nahmsweise wiegt das Herz noch mehr; im Allgemeinen muss ich aber nach meinen Beobachtungen annehmen, dass bei einem Gewicht von mehr als 5 Kilogramm eine Herzhypertrophie vorliegt. Zu beachten ist, dass die Angaben über das Gewicht des Herzens zuweilen nicht ganz correct sind, weil das im Herzen befindliche Blut und die grossen Ge-fässe vor dem Wägen nicht vollständig entfernt waren.
Bei der Percussion der linken Brustwand giebt sich die Lage des Herzens durch eine Dämpfung des Schalles (Herzdämpfung) zu erkennen. Allein die Beurtheilung dieses Symptoms zu diagnostischen Zwecken er­fordert eine Berücksichtigung der physiologischen Verschiedenheiten des Thorax, welche bei der Percussion der Lungen schon besprochen wurden. Hierzu kommt die Lage dos grossen Brustmuskels, welche die Percussion des Herzens behindert. Im Ganzen kann demnach bei einer geringen Verkleinerung oder Vergrösserung des Herzmuskels der Pferde die Per­cussion keinen genügenden Aufschluss geben. Durch starke Vergrösse­rung (Hypertrophie) des Herzens erlangt die Herzdämpfung an der linken Brustseite einen grösseren Umfang. Dasselbe wird beobachtet bei peri-carditischen Transsudaten, die übrigens bei Pferden nur ausnahmsweise selbständig auftreten und zu einem höheren Grade sich ausbilden. Eine wesentliche Bedingung für die Percussion des Herzens ist, dass der linke Vorderschenkel durch einen Gehülfen in der Vorderfusswurzel gebeugt und nach vorn gezogen wird. Die normale Herzdämpfung erstreckt sich von der 3. bis 6. Rippe und reicht von der oberen Fläche des Brust­beins (der Lage der Herzspitze) etwa 12 Centimeter weit nach oben.
Die gleichmässige Frequenz und Intensität, sowie die rhythmische Aufeinanderfolge des Herzschlags sind von der unausgesetzten Thätigkeit eines complicirten Nervenapparates abhängig. Ira N. vagus verlaufen die Hemmungsfasorn, deren Wurzeln in der Medulla oblongata liegen. Die Antagonisten der Hemmungsnerven des Herzens werden als Be-schleunigungsnervcn (Nervi accelerantes) bezeichnet. Auch diese wurzeln in der Medulla oblongata, gelangen aber in der Bahn des Sympathicus zum Herzen. Durch Reizung des Vagus entsteht eine Verlangsamung, durch Reizung des Accelerans eine Beschleunigung der Herzschläge. Einen wesentlichen Einfluss auf die Action des Herzens hat auch das intracardiale Centrum (muskulomotorisches Herzncrvencentrum), das sich
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ebenso wie das Heramungscentrum im Zustande fortdauernder Erregung befindet. Frequenz und Rhythmus des Herzschlags sind ferner abhängig von der gleichmässigen Füllung der Herzkammern bei jeder Diastole. Dass die Function der Herznerven bei abnormer Mischung des Blutes sich unregelmässig gestalten muss, kann hier nur angedeutet werden. Indirect wird die Action des Herzens durch die Nerven beeinflusst, welche den Blutdruck reguliren. Die Hemmungs- und Beschleunigungs­nerven wirken auf das ganze Herz, so dass die Systole und Diastole jedesmal an beiden Herzhälften gleichzeitig stattfinden.
Obwohl die Frequenz des Herzschlags bei keinem Thiere sich im ge­sunden Zustande so gleichmässig gestaltet, wie beim Pferde, so ist dieselbe doch nicht, wie früher oft angenommen wurde, auf eine bestimmte Zahl zu fixiren. Durchschnittlich schlägt das Herz bei Pferden 36—38 Mal in der Mi­nute. Häufig beträgt die Frequenz 40, oder entgegengesetzt nur 34 Schläge in der Minute. Im Allgemeinen ist die Frequenz bei Stuten etwas grosser, als bei Hengsten. Aber ich halte es für ganz unrichtig, die Normalzahl der Herzschläge bei Hengsten auf 28 — 30 zu berechnen, oder gar noch geringer zu veranschlagen. Eine Frequenz von weniger, als 34 Schlägen in der Minute ist stets abnorm; sie findet sich oft beim Dummkoller, aber nur in ganz vereinzelten Fällen bei acuter Hirnhöhlen-Wassersucht. Häufig trifft man eine abnorm verringerte Zahl der Herz­schläge als Folge einer aus unbekannten Einflüssen entstehenden ünregel-mässigkeit in der Action der Herznerven bei sonst gesunden Pferden, oder bei Pferden, die gleichzeitig an gastrischen Affectionen leiden und deshalb wenig Futter aufnehmen. Die Zahl der Herzschläge sinkt zu­weilen bis auf 30, weniger oft bis auf 25 und in vereinzelten Fällen bis auf 21 in der Minute. Bei einem Pferde (7jähriger Wallach) zählte ich eine Zeitlang nur 17 Herzschläge. Sehr selten wird bei sonst ge­sunden Pferden gefunden, dass die Zahl der Herzschläge constant mehr, als 40 in der Minute beträgt. In einem solchen Falle, der einen 12jährigen Wallach betraf, constatirte ich während einer sechswöchent­lichen Beobachtungszeit gleichmässig 45—46 Pulse in der Minute; es war keine allgemeine Krankheit vorhanden und ein mangelhafter Klappen-verschluss des Herzens nicht nachzuweisen. — Bei jungen Fohlen im Alter von 3—7 Monaten fand ich gewöhnlich 45—48 Herzschläge in der Mi­nute; einzelne dieser Thiere hatten nur 42 Herzschläge. Nach der Ge­burt und in den ersten drei Monaten betrug die Herzschlag-Frequenz bei den von mir untersuchten Fohlen 48 — 58 in der Minute. Fohlen, die im Alter von 8—12 Monaten sich befanden, zeigten 40 — 42 Herz­schläge. Die betroffenden Untersuchungen sind bei jungen Fohlen nicht
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immer leicht auszuführen, weil die Thiere bei jeder Belästigung ge­ängstigt werden und sich bewegen, wodurch sich die Herzschlag-Frequenz erhöht.
Eine Vormehrung der Schlagzahl tritt stets bei körperlicher An­strengung der Pferde ein. Während einer Bewegung bis zum leichten Schweissausbruch steigt die Frequenz auf 60 — 70 und bis zu starker und allgemeiner Transspiration auf 75 —100 Herzschläge und darüber in einer Minute. Boi gesunden Pferden, die nach einer Anstrengung sich allmälig erholen, besteht bezüglich der Beruhigung zwischen der Herzschlag-Frequenz und der Zahl der Athemzüge ein gleichmässiges Verhältniss nicht immer. Die Verminderung der Schlagzahl bis zur Norm vollzieht sich, wenn die Pferde nach einer leichten Anstrengung etwa 50 Herzschläge haben und dann ruhig stehen bleiben, durchschnitt­lich in 20 Minuten. Werden dagegen gesunde Pferde übermässig stark und bis zum allgemeinen Schweissausbruch angestrengt, so kommt die Verminderung der Herzschlag-Frequenz bis zur Norm erst in etwa 1 Stunde zu Stande, während die Respirations-Frequenz sich nicht selten schon in '/a Stunde vollständig beruhigt.
Neben der Muskelbewegung können auch psychische Erregungen vor­übergehend eine Beschleunigung des Herzschlags veranlassen. Man beob­achtet aber stets, dass dieselbe bei ruhiger Behandlung in wenigen Mi­nuten, zuweilen noch schneller wieder nachlässt. Unter pathologischen Verhältnissen kommt eine die Norm übersteigende Frequenz des Herz­pulses zunächst bei schmerzhaften Leiden der Gliedmassen, besonders der hinteren, und bei heftiger Kolik vor; ausserdem bei Herzfehlern (Insufficienz der Klappen), sowie bei Verwachsungen des Herzens mit dem Herzbeutel. Von der letztgedachton Abnormität sind Pferde indess nur sehr selten betroifen. Ausnahmsweise kann auch durch den Druck von Geschwülsten der Lungen oder der Pleura auf die Vorhöfe eine Be­schleunigung des Herzpulses verursacht werden. In gleicher Weise wird bei Meteorismus des Magens oder Darms (Kolik) die Herzaction abnorm stark belastet, so dass das Blut sich in den Ventrikeln anstaut und die Häufigkeit der Herzcontractionen sich vergrössern muss. — Die ungleich wichtigste und häufigste Veranlassung zur Vergrösserung der Herzschlag-Frequenz liegt aber in der Ausbildung einer fieberhaften Blutdyskrasie. Dass die Fieberhitze, d. h. eine die Norm überschreitende Körpertempe­ratur hierbei den hauptsächlichsten Einfluss ausüben soll, wie seit 15 Jahren fast allgemein behauptet wird, muss ich nach den sorgfältig­sten klinischen Beobachtungen und Vergleichen bestreiten. Oft ver-grössort sicli bei Pferden, bei welchen sich ein acuter Katarrh der
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7^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ciroulationsapparat.
Respirationssehleimhaut entwickelt, die Frequenz des Herzschlages schon, bevor die ßluttemperatur die Norm in bemerkenswerthem Grjide über­steigt. Die gleiche Beobachtung ist bei anderen lintzimdungskrankheiten der Pferde zu machen. In den typisch verlaufenden acuten fieberhaften Infectionskrankheiten (Pferdestaupe, ßrustseuche) sinkt die Temperatur mit der Krisis nicht selten innerhalb eines Tages um 20G., d. h. bis zur Norm herab, während die Frequenz des Herzschlags in der Regel nicht gleichzeitig normal wird, sicli vielmehr sehr oft erst ganz allmälig verringert und zuweilen nicht vor 8 Tagen bis zur Norm herabsinkt, obwohl die ßluttemperatur in der ganzen Zeit nicht mehr erhöht ist. Ausserdem lässt sich bei den bezeichneten fieberhaften Infectionskrank­heiten der Pferde durch Vergleichung einer grösseren Zahl von Fällen leicht nachweisen, dass zwischen der Höhe der Fiebertemperatur und der Zahl der Herzschläge ein bestimmtes Verhältniss nicht besteht. Dem--nach kann eine vergrösserte Herzschlag-Frequenz durch die physikalische Wirkung der Fieberhitze nicht bedingt sein. — Ebensowenig lässt sich die Pulsfrequenz auf die krankhaft beschleunigte Zahl der Athemzüge, bezw. auf die Dyspnoe direct zurückführen. Denn ich habe sehr oft beob­achtet, dass Pferde bei localen Krankheiten der ßrustorgane, insbesondere bei Geschwülsten und bei ausgebreiteter Induration der Lungen, ferner bei der Pleurodynie 45—60 Mal in der Minute athraeten, während die Herzschlag-Frequenz die Norm nur um 5—8 Pulse in der Minute überstieg. Es erübrigt hiernach nur die Erklärung, dass durch die ßlut-dyskrasie eine parenehymatöse Affection des Herzfleisches und in Folge dessen eine Abschwächung der Schlagkraft herbeigeführt wird, so dass behufs Ermöglichung des ßlutumlaufs der Mangel an Triebkraft durch eine grössere Zahl von Herzschlägen ersetzt werden rauss. Auch hat das dyskrasische Blut bei vielen Krankheiten eine lähmende Wirkung auf die moderirenden Herzcentren, wodurch die accelerirenden Impulse das Uebergewicht erlangen. Unter den beiden vorstehend gemachten Voraussetzungen, deren Coincidenz für viele Fälle zugestanden werden kann, muss eine Beschleunigung des Herzschlags entstehen. Einzelne allgemeine Krankheiten, namentlich Pferdestaupe, infectiöse Pneumo-Pleuresien und toxische Darmentzündungen bedingen oft eine übermässigo Belastung des kleinen Kreislaufs und Dilatation des Herzens, besonders der rechten Herzhälfte in Folge von Blutstauung. Es leuchtet ein, dass hierdurch eine Beschleunigung des Herzschlags veranlasst werden muss. Aehnlich liegt das Verhältniss bei Pferden, welche im hohen Sommer nach anhaltender Anstrengung und bei starker Diaphoresis an einer Lungencongestion erkranken.
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Erhebliche Blutverluste verursachen stets eine Vermehrung der Herz­schläge.
Soweit die vergrösserte Herzschlag-Frequenz auf Insuffioienz der Herzklappen beruht, bietet dieselbe für die Beurthoilung des Krankheits­falles keinen genügenden Anhalt; in solchen Fällen sind andere Befunde massgebend. Dagegen liegt bei den allgemeinen Krankheiten in der Zahl der Herzschläge ein wichtiges Merkmal für die Diagnose und mehr noch für die Prognose, wie seit Jahrhunderten richtig erkannt worden ist. Wenn bei einer allgemeinen Krankheit der Herzschlag eine Frequenz von mehr, als 60 Pulsen in der Minute erreicht, so ist die Störung des Gesammtbefindens als erheblich anzusehen. Eine Frequenz von mehr als 100 Herzschlägen in der Minute begründet stets eine schlechte Prognose. Allerdings sind hierbei neben der Frequenz auch andere Eigenschaften des Pulses (Grosse resp. Verminderung des Blutdruckes in den Arterien) zu berücksichtigen. Trotzdem kann als erfahrungsgemäss angesehen werden, dass bei Pferden alle Krankheitsfälle, welche eine Pulsfrequenz von mehr als 100 pro Minute bedingen, der Regel nach einen tödt-lichen Verlauf nehmen und nur unter Ausnahmeverhältnissen zur Gene­sung führen.
Die Regelmässigkeit des Herzschlags ändert sich bei Pferden sehr oft dadurch, dass einzelne Pulse ausfallen (aussetzender oder intcrmittiren­der Puls). In sehr verschiedener Weise, häufig nach je 3 oder ,4, 5 bis 11 Herzschlägen bleiben 1, 2 oder selbst 3 Schläge aus. Die Er­scheinung ist davon abhängig, dass die betreffenden, bei normalem Ver­halten zu erwartenden Herzcontractionen entweder ganz ausfallen, oder so schwach sind, dass sie bei der Untersuchung des Herzschlags und des Arterienpulses nicht festgestellt werden können (frustrane Herzcontrac­tionen). Am häufigsten findet sich der aussetzende oder interraittirende Herzschlag bei leichten gastrischen Krankheiten: zuweilen ist er ein Symptom des Dummkollers; ausserdem kommt er in der Reconvalescenz nach verschiedenen inneren Krankheiten und nicht selten auch bei älteren Pferden vor, die ganz gesund sind. In allen diesen Fällen ist der aus­setzende Herzschlag eine bedeutungslose Abnormität. Werden die be­treffenden Pferde bewegt oder körperlich angestrengt, so dass sich die Schlagfrcquenz beschleunigen muss, so verliert sich das Symptom; es stellt sich aber wieder ein, sobald die Pferde sich von der Anstrengung beruhigt haben. Zuweilen dauert die Erscheinung überhaupt nur einige Tage oder einige Wochen, um dann wieder zu verschwinden, ohne dass die Ursache genauer erkannt werden kann. Das eigentlich bedingende Moment des aussetzenden oder intermittirenden Herzschlags liegt in unbekannten
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Einflüssen, von welchen die automatischen Bewegungscentren des Herzens betroffen werden.
Leichter verständlich ist das Aussetzen des Herzschlags bei chro­nischen Herzfehlern in den vorgerückten Krankheitsstadien, in welchen die Contractionskraft des Herzens sich schon erheblich verringert hat. Zum Nachweise dieser ursächlichen Bedingung dient die Thatsache, dass die Erscheinung neben Arhythmie des Herzschlags auftritt.
Ein wichtiges Symptom ist die Ungleichheit der Intervalle, mit welchen die Herzschläge aufeinander folgen (Arhythmie). Bei Pferden wird der llhythmus des Herzschlags im Ganzen nicht häufig gestört. Am meisten beobachtet man Arhythmie bei chronischen Herzfehlern bezw. bei mangelhaftem Klappenverschluss. In schweren Fällen von Pferde­staupe, Brustsoucho, Meteorisraus oder Entzündung des Darms, sowie bei acut verlaufenden Vergiftungen, d. h. wenn die Herzschlagfrequenz circa 90 pro Minute und darüber beträgt, kommt das Symptom ebenfalls vor. Künstlich lässt sich eine Arhythmie des Herzschlags durch den anhalten­den Gebrauch grosser Gaben von Fol. Digitalis hervorrufen; dieselbe verliert sich nach dem Aussetzen der Medication bald wieder. In den letzten Stunden des Lebens können Pferde bei allen Krankheiten, welche durch Suffocation zum Tode führen, eine Arhythmie des Herzschlags zeigen. Als Ursache dieser Krankheitserscheinung lässt sich nur im All­gemeinen eine ungleiche Innervation der Herzmuskulatur anführen. Bei den allgemeinen Krankheiten hat offenbar die Ermüdung des Herzmuskels eine ätiologische Bedeutung. Man constatirt das Symptom verhältniss-mässig leicht bei der Auscultation des Herzschlags oder bei der Unter­suchung des Arterienpulses daran, dass nach verschiedenen (3 bis 10) rhythmischen Hcrzcontraotionen einige Herzschläge abnorm schnell auf­einander folgen.
Die Glcichmässigkeit der Intensität, mit welcher die Herzschläge normalmässig erfolgen, wird nur bei gleicbzeitiger Arhythmie gestört. Zur Bezeichnung dieser Störung wird der Ausdruck des inäqualen Herz­schlags oder inäqualen Pulses gebraucht; die diagnostische Bedeutung derselben erhellt aus den Bemerkungen über die Arhythmie des Herz­schlags.
Der Herzstoss (Spitzenstoss) entsteht dadurch, dass das Herz bei der Systole sich nach der linken Seite bewegt und hierbei mit dem Spitzentheil des linken Ventrikels die Brustwand im 5. Intercostalraura trifft. De norma ist der Herzstoss bei manchen Pferden sehr leicht, bei anderen gar nicht zu fühlen, was sich theils durch die Grosse des Herzens, mehr aber durch die Dicke und die Fornaverschiedenhoiten der Thorax-
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wand erklärt. Auch ist hierbei die Ausdehnung des linken Lungenflügels, welcher einen Theil des Herzens bedeckt, von Einfluss. Eine Verstärkung des Herzstosses wird bei jeder massigen Anstrengung gesunder Pferde und bei plötzlichen psychischen Erregungen (Furcht) beobachtet. Krank­haft kommt eine Steigerung des systolischen Herzstosses nach erheblichen Blutverlusten und bei der als „nervöses Herzklopfenquot; bezeichneten Functionsstörung vor. Pessina fand bei einem Pferde, welchem das Futter gänzlich entzogen wurde und das am 20. Tage den Hungertod starb, vom 5. Tage an den Herzstoss verstärkt, am 8. Tage und später pochend und prallend. Dagegen beruht die früher allgemein vertretene Ansicht, dass bei gewissen fieberhaften Krankheiten („sthenische Fieberquot;) eine Leistungszunahme des Herzens und eine Verstärkung des Herzstosses eintreten soll, auf einer vorgefassten Meinung. Ich habe niemals ge­funden, dass sich eine Krankheit in dieser Art manifestirt. üebermässig stark ist der Herzstoss zuweilen bei der Hypertrophie des linken Ven­trikels, namentlich bei Insufficienz der Aortenklappen. Einfache Herz­hypertrophien werden aber nicht selten bei Pferden beobachtet, bei welchen der Herzstoss nicht verstärkt, sondern im Gegentheil kaum fühlbar ist.
Ist die rechte Lunge durch entzündliche Exsudate oder durch Indu-rationszustände verdichtet, so pflanzt sich die mit dem Herzstoss ein­tretende Erschütterung abnorm stark nach der rechten Seite fort, so dass der Stoss auch an der rechten Thoraxwand in ziemlich weiter Ausdehnung durch die Palpation nachgewiesen werden kann. Oft tritt bei derartigen Brustkrankheiten der Herzstoss an der rechten Seite stärker und deutlicher hervor, als an der linken. Dass bei einer linksseitigen Pneumo-Pleuritis durch Verschiebung des Herzens der Stoss an der rechten Seite auftreten und an der linken Seite fehlen kann, wurde bereits erwähnt. Besteht eine starke Hypertrophie des linken Ventrikels mit mangelhaftem Klappenver-schluss, so ist der Herzstoss bei vollkommener Ruhe der betreffenden Pferde gewöhnlich nur an der linken Seite zu fühlen; mit der durch körperliche Anstrengung bedingten grösseren Intensität tritt aber der Herz­stoss auch an der rechten Seite deutlich hervor. Das Vorkommen des Situs inversus der Eingeweide, wobei das Herz seine Lage in der rechten Brusthälfte hat, ist meines Wissens bei Pferden noch nicht beobachtet.
Die krankhafte Abschwächung des Herzstosses kann durch sehr verschiedene Ursachen bedingt sein. Pleuritischo Exsudate der linken Seite, ferner Hepatisation und Adhäsion des linken Lungenflügels an die Brustwand oder den Herzbeutel, ausserdem der bei Pferden in sehr seltenen Fällen vorkommende Erguss einer grossen Quantität seröser oder
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eiterig-seröser Flüssigkeit in den Herzbeutel vermögen durch mecha­nischen Druck eine Beschränkung des systolischen Herzstosses herbei­zuführen. Viel häufiger wird aber der Herzstoss abgeschwächt durch parendiymatöse Trübung und mangelhafte Innervation der Herzmuskulatur bei fieberhaften Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Die Palpation des Herzstosses beschränkt sich bei Pferden für ge­wöhnlich auf die Ermittelung der hier angeführten Vorgänge. Wissen­schaftlich bemerkenswerth ist nur noch die Thatsache, dass bei einzelnen Herzfehlern „tastbare Geräuschequot; in der Regie Cordis entstehen (endo-cardialo und pericardiale Frcmissements). In Fällen von linksseitiger Herzhypertrophie und Insufficienz der Aorten- oder der linken Atrio-Ventricularklappe habe ich mehrfach bei der Untersuchung der betreffenden Pferde an der palpirenden Hand die Vibration constatirt, welche Laennec von herzkranken Menschen als Fr^raissement cataire (Katzenschnurren) bezeichnet hat. Die abnormen Oscillationen gehen von der Wirbelbewe­gung aus, in welche der Blutstrom bei mangelhaftem Klappenverschluss geräth. Mit grösserer Deutlichkeit kann dies endocardiale Fremissement bei der Auscultation des Herzens als Geräusch gehört werden. Ein pori-cardiales Fremissement habe ich nur bei der Brustseuche der Pferde ge­funden, und zwar in solchen Fällen, in welchen mit der Krankheits-Entwickelung eine diffuse fibrinöse Pleuritis der linken Seite entsteht und der Herzbeutel sich mit weichen Fibrinausscheidungen bedeckt. Diese Art von Herzfrcmitus ist gar nicht selten, kann aber auch weniger deut­lich gefühlt, als durch das Gehör wahrgenommen werden. Bestimmend für die Gehörswahrnchraung ist das bei jeder Systole bemerkliche peri-kardiale Reibungsgeräusch. Zuweilen wird auch an dem der Rippenwand anliegenden Ohr blos der Eindruck des Anstreifens hervorgebracht. Eine systolische Pulsation der Arterien (ist bei Herzhypertrophien zu beiden Seiten an der vorderen Brustapertur nicht selten zu fühlen. Ich fand diese Pulsation in mehreren Fällen von Hypertrophie des linken Ventri­kels und Insufficienz der Aortenklappe nicht isochron mit der Herz­systole; sie erfolgte vielmehr gleich nach derselben.
Da die Palpation der Herzgegend die Herzfunction und ihre Stö­rungen nicht bei allen Pferden gleich deutlich ergiebt und bei vielen Pferden überhaupt keine Resultate liefert, so tritt dieselbe als Unter-suchungsmethodo in ihrem Werthe weit hinter die Auscultation des Herzens zurück. Durch letztere sind die „Herztönequot; und „Herzgoräuschequot; zu ermitteln, deren besondere Begriffe von Skoda zuerst klargestellt worden sind. Laennec unterschied noch „normale Herzgeräuschequot; und „abnorme Herzgeräuschequot;.
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Behufs der Auscultation des Herzens ist das Pferd von einem Ge­hülfen am Kopf zu halten und der Sachverständige legt das linke Ohr auf die mit einem Tuche bedeckte Gegend dor Mm. anconaei. Oder der Gehülfe ergreift das Carpalgelenk der linken Vordergliedmasso und zieht letztere nach vorn, worauf der Sachverständige das rechte Ohr auf die 5. oder 6. Rippe der Regio Cordis legt.
Die Entstehung des ersten Herztons fällt mit der Systole zusammen (systolischer Ton) und ist auf die Anspannung der links- und rechts­seitigen Atrio-Ventricularklappen zurückzuführen. Dadurch, dass das Blut der Kammern bei der Systole heftig gegen die genannten Klappen gepresst wird, kommt die tonartig charakterisirte Spannung zu Stande. Viele Autoren vertreten hiergegen nach C. Ludwig die Ansicht, dass der erste Herzton durch die Contraction des Herzmuskels erzeugt werden und einen Muskelschall darstellen soll. Zur Zeit dauert die Besprechung dieser Meinungsverschiedenheit unter den Physiologen noch fort und beide Theorien werden auf die Resultate experimenteller Studien gestützt. Viel Anklang findet auch die von namhaften Autoren versuchte Ver-mittelung beider Ansichten, welche dahin geht, dass der erste Herzton theils durch die Contraction des Herzens, theils durch die Spannung der Mitral- und Tricuspidalklappen seine Entstehung finden soll.
Von dem zweiten Herzton wird seit mehreren Decennien ohne Wider­spruch anerkannt, dass derselbe durch die Anspannung der beiden halb­mondförmigen Klappen an der Aorta und an der Lungenarterie bei oder unmittelbar vor der Diastole entsteht (diastolischer oder prädiastolischer Ton). Jeder Herzton setzt sich hiernach aus zwei Einzeltönen zusammen, die aber bei der gewöhnlichen klinischen Untersuchung der Pferde nicht unterschieden werden können. Die relativ ungünstige Lage des Herzens bei Pferden bringt es mit sich, dass durch die gewöhnliche Auscultation nur der linksseitige Antheil sowohl an dem ersten, als an dem zweiten Herzton zu ermitteln ist.
Das Intervall zwischen dem ersten und zweiten Herzton ist de norma kürzer, als die Zeit zwischen dem zweiten Ton eines Herzschlags und dem ersten Ton des folgenden Herzschlags. An diesem Verhältniss ist die Unterscheidung zwischen dem ersten und zweiten Herzton in der Regel leicht zu machen. Schwierig kann die Unterscheidung bei Arhyth­mie des Herzschlags sein. Für solche Fälle gewährt die mit der Aus­cultation des Herzens zu verbindende Palpation der Arteria brachialis einen wesentlichen Anhalt. An der Arterie ist der Puls einen kurzen Augenblick nach dem systolischen Herzton, und immer, auch wenn der systolische Ton ganz ausfällt, vor dem diastolischen Ton zu fühlen.
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Die Stärke der Herztöne gestaltet sicli bei gesunden Pferden ver­schieden, was zum Theil durch die Grosse des Herzens, vorzugsweise aber durch die Dicke einschlieSslich dos Fettreichthuras und die be­sondere Gestalt der Brustwandung bedingt ist. Abgesehen von diesen physiologischen Verschiedenheiten macht sich eine Abschwächung der Herztöne bei den allerdings nicht häufigen serösen und eiterigen Er­güssen in den Herzbeutel und zuweilen beim Hydrothorax bemerklich. Pleuritische Reibungsgeräusche, sowie laryngeale und tracheale Rassel­geräusche behindern nicht selten die deutliche Eruirung der Herztöne.
Der erste Herzton klingt norrnalmässig etwas tiefer (dumpfer), als der zweite. Sehr häufig haben die Herztöne bei Krankheiten des Pferdes (Pferdestaupe, Vergiftungen, Wundfieber) einen metallischen Beiklang, welchem indess weder ein besonderer diagnostischer, noch ein prognosti­scher Werth beigelegt werden kann. Die Ursache desselben scheint darin zu liegen, dass die Herzmuskulatur unter den angedeuteten patho­logischen Verhältnissen die Töne besser, als sonst fortleitet. Erhebliche Insuffioienz der Mitralklappe bewirkt zuweilen, dass der verstärkte zweite Herzton einen klingenden Charakter hat, während entgegengesetzt bei fehlerhaften Zuständen am Aorten-Ostium der erste Herzton diese Eigen­schaft bekundet.
Die Herzgeräusche werden unterschieden in „endocardialequot; und „pericardialequot;. Letztere finden ihre Entstehung an der Aussenfläche des Herzens und resp. am Herzbeutel, während die ersteren durch abnorme Zustände innerhalb des Herzens und im Anfangstheil der grossen Arterien zu Stande kommen. In der Medicin ist es üblich, die durch organische Herzkrankheiten (Circulations-Hindernisse) bedingten Herzgeräusche als „organischequot; zu bezeichnen, im Gegensatz zu den „anorganischen Ge­räuschenquot;, welche ohne Behinderung des ßlutstroms entstehen, selbst bei gesunden Herzen (ungleichraässige Schwingungen der Klappen) eintreten können. — Für die endocardialen organischen Geräusche ist die nächste Ursache darauf zurückzuführen, dass das Blut bei seiner Strömung durch das Herz auf Hindernisse stösst und hierdurch in eine Wirbelbewegung geräth. Die in dieser Art bedingte abnorme Oscillation einer kleinen Blutmenge pflanzt sich auf das Herzfleisch und von diesem auf die Brust­wand fort, an welcher sie durch Auscultation wahrgenommen werden kann. Die endocardialen Geräusche treten entweder mit der Systole oder mit der Diastole hervor (systolische und diastolische Geräusche). Von den systolischen Herzgeräuschen gilt im Allgemeinen, dass sie lauter und besser accentuirt sein sollen, als die diastolischen, die dafür etwas länger anhalten. Diastolische Herzgeräusche kommen nur bei Circula-
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tionsstönmgen im Herzen (besonders bei Klappen fehlem) zu Stande, während systolische Geräusche auch ohne organische Herzfehler verur­sacht sein können. Nach ihren besonderen Eigenschaften sind die endo-cardialen Herzgeräusche bei Pferden sehr verschieden; zumeist hören sie sich schwirrend, summend oder blasend an. Einmal fand ich bei einem vierzehnjährigen, mittelgrossen Wallach mit jedem 4. bis 7. Herz­schlag ein laut tönendes, langgezogenes diastolisches Geräusch.
Pericardiale Geräusche kennzeichnen sich als Reibungsgeräuscho und werden bei der Brustseuche, bei penetrirenden Wunden in der Region des Brustbeins und bei sonstigen exsudativen Herzbeutel-Entzündungen gefunden.
b. Arterien. Die Untersuchung des Arterienpuisos ist bei Pferden der Regel nach an der Art. raaxillaris externa zu bewirken. Nur er­gänzungsweise oder in Fällen, in welchen durch Schwellung des Kehl­ganges diese Arterie nicht zu palpiren ist, oder bei unruhiger Haltung des Kopfes kann die Art. brachialis zur Feststellung der Frequenz und einiger anderer Eigenschaften des Pulses dienen. Das bedingende Mo­ment des Arterienpulses liegt im Herzschlag, dessen Verhalten demnach, wie seit dem Alterthum bekannt ist, sich zum grossen Theil nach der Qualität des Arterienpulses beurtheilen lässt. Was ich über die ursächlichen Bedingungen des Herzschlags und seiner Anomalien hervorgehoben habe, findet daher auch auf den Arterienpuls Anwendung. Begrifflich umfasst der Arterienpuls, oder wie schlechtweg gesagt wird, der Puls die Eigen­schaften der Blutwelle und des Arterienrohrs (der Wandung). Eine genaue Analyse des Pulses lässt sich nur durch die Anwendung künstlicher Apparate (Sphygmometer, Sphygmograph und Sphygmoskop) gewinnen, die aber für die thierärztliche Praxis nicht benutzt werden können. Die beim Puls in Betracht kommende Bewegung des Blutes und des Arterien­rohrs setzt sich zusammen aus der primären Pulswollc, der Rückstoss-elevation und den Elasticitätsolevationen.
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Die Systole des linken Herzventrikels treibt eine grössere Quantität von Blut in das Arteriensystem. Hierdurch wird eine positive Blutwolle erregt, welche eine von der Aorta beginnende und sich bis zu den Capillaren fortsetzende Ausdehnung aller Arterien veranlasst. In den kleinsten Arterienzweigen kommt die primiire Wolle zum Erlöschen. Da das Nachströmen von Blut mit der Beendigung der Systole des Herzens aufhört, so ziehen sich die ausgedehnten Arterien alsbald wieder ziisanunen, wodurch die Blutsiiule zum Ausweichen nach den peripherischen GoOlssen und nach dem Herzen gebracht wird. Die letztgedachto Quantität dos Blutes prallt an den ge­schlossenen Semilnnarklappen zurück, wodurch eine im Sphygmogramm erkennbare zweite, kleinere Welle (Rückstosswelle) entsteht. Diese Mckstosselevation ist uner­heblich an den Arterien, die relativ weit vom Herzen entfernt sind; sie ist am stärk-
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sten bei kurzer, kräftiger Systole des Herzens und bei geringer Spannung im Arterien­rohr. An den, dem Herzen nahe liegenden Arterlen kommt es gewöhnlich noch zur Bildung einer zweiten Rückstosswelle, die ebenfalls in dem Rückprall des Blutes vor den geschlossenen Somilunarklappen ihre Ursache hat.
Wie an dem Sphygmogramm zu erkennen ist, entstehen ausser der Rückstoss-elevation an der Wandung der Arterien durch oscillirendo Bewegungen noch kleine Erhöhungen, welche von Landois (1869) alsElasticitäts-Elevationen bezeichnet sind.
Durch Vergrösserung der Rückstosselovation entsteht der „doppel-schlägige Pulsquot; (Pulsus dicrotus), der zuweilen bei anhaltend fieber­haften Krankheiten der Pferde, aber in der Regel nur undeutlich gefühlt werden kann. Voraussetzung des Doppelschlägers ist eine gewisse Kürze und Energie der primären Blutwelle und eine verminderte Spannung der Arterien.
Heber die Zahl der Pulse in einer bestimmten Zeit habe ich bei der Erörterung des Herzschlags bereits nähere Angaben gemacht. Eine die Norm überschreitende Pulszahl wird als „Pulsus frequensquot; und die abnorme Verminderung derselben als „Pulsus rarusquot; bezeichnet.
An der primären Pulswelle ist die Länge und die Höhe zu berück­sichtigen, über deren durchschnittliche Masse eine Kenntniss nur nach dem Ergebnisse zahlreicher Untersuchungen bei Pferden verschiedener Grosse und Racen gewonnen werden kann. Von den zugänglichen Arterien eignet sich die Maxillaris externa für die Beurtheilung dieser Eigen­schaften des Pulses am besten. Normalmässig zieht sich die Pulswelle bei massiger Höhe lang unter dem palpirenden Finger hinweg (Pulsus tardus — „gedehnter Pulsquot;), während bei beschleunigter Herzaction und abnormer Kürze der Systole die Blutwelle sich stossweise und kurz anfühlt (Pulsus celer — „schnellender, hüpfender Pulsquot;).
Das Aussetzen des Herzschlags ist auch am Arterienpulse nach­weisbar (aussetzender Puls). Hierbei ist der vollständige Ausfall der Systole (Pulsus deficiens) und eine abnorm verringerte Stärke derselben, bei welcher die Blutwelle an der Art. maxillaris nicht mehr gefühlt werden kann (Pulsus intermittens) zu unterscheiden. Ebenso lässt sich die Störung in der Gleichmässigkeit der Intervalle und der Intensität der Herzschläge bei der Palpation der Arterien erkennen (Pulsus arhyth-micus und Pulsus inaequalis). Bei Arhythmie des Herzschlags ist zuweilen ein Puls kräftig, worauf mehrere kleine und kleinere Pulse und dann wieder ein kräftiger Puls erfolgen (Pulsus myurus). Den Pulsus alternans (Traube), bei welchem regelmässig ein hoher und ein niedriger Puls nacheinander erfolgt, habe ich bei Pferden niemals beobachtet. Dagegen ist bei Arhythmia Cordis zuweilen nachzuweisen, dass auf je zwei oder drei resp. vier normal kräftige oder abnorm starke Pulse eine
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längere Pause folgt (Pulsus bigeminus, Pulsus trigominus, Pulsus quadrigeminus).
Mit Vortheil wird bei der Diagnose die „Stärkequot; des Pulses be­rücksichtigt, bei deren Definition von der Leistungsfähigkeit des Herzens und resp. von der Spannkraft der primären Pulswelle auszugehen ist. „Starkerquot; oder „kräftiger Pulsquot; (Pulsus fortis) und „schwacher Pulsquot; (Pulsus debilis). Dass es einen abnorm starkenPuls alsSymptom fieberhafter, aligemeiner Krankheiten des Pferdes nicht giebt, habe ich bei der Erörterung des Herzschlags bereits bemerkt. Nur bei Herzkrankheiten (Hypertrophie des linken Ventrikels) ist nicht selten ein abnorm starker Puls zu beobachten. Der schwache Puls ist bei der Herzaffection, welche die acuten fieberhaften Infections- und Intoxicationskrankheiten begleitet, eine gewöhnliche Erscheinung, deren graduelle Verschiedenheiten einen sehr wichtigen Anhalt für die Beurtheilung der Krankheitsfälle gewähren.
Dem „Pulsus durusquot; (harterPuls) liegt eine abnorm starke Span­nung der Artorienwand zu Grunde, welche bei starken Blutverlusten und bei diffusen schweren Darmentzündungen eintritt. Der höchste Grad des Pulsus durus ist unter dem Namen des „draht form igenquot; oder „fadenförmigen Pulseslaquo; (Pulsus filiformis) bekannt; Wenn die letztgedachte Qualität des Pulses mit einer venösen Färbung der Onjunctiva zusammentrifft, so ist stets auf eine schwere Gastro-Enteritis zu schliessen, die einerlei, ob sie als selbständiges oder als seeundäres Leiden entstanden ist, fast in allen Fällen zum Tode führt. Der Gegensatz des Pulsus durus ist der „Pulsus mollisquot; (weicher Puls), bei welchem die Arterie sich in der normalen Spannung findet oder etwas schlaffer anfühlt.
Eine volle Arterie trifft stets mit normaler Länge und Höhe der Pulswelle zusammen. Hierfür ist der Name des „vollenquot; (Pulsus ple-nus) und des „grossen Pulsesquot; (Pulsus magnus) gebräuchlich. Bei leerer Arterie (Pulsus vaeuus seu inanis) kommt eine abnorm kleine Pulswelle vor (Pulsus parvus). Der kleine Puls findet sich nur bei erheblich vergrössorter Frequenz der Pulszahl, er kann ein Symptom starker Blutverluste, entzündlicher Erkrankung der Darmschleirahaut und mangelhafter Innervation des Herzens (kurze Zeit vor dem Suffo-cationstöde) sein. Unter denselben ursächlichen Verhältnissen geht die Verkleinerung der Pulswelle oft so weit, dass sich dieselbe an der Art. maxillaris ext. und überhaupt an allen mittelgrosson Arterien durch Palpation des Fingers nicht mehr nachweisen lässt (Pulsus insen-sibilis). Zu beachten ist hierbei aber, dass an der Art. brachialis der Pferde der Puls stets noch gefühlt werden kann.
Diockerhoff, Spec. Patliologio u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; a
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Ist die Blutwello sehr schwach, so entsteht so zu sagen nur ein Zittern an der Arterien wand, welches sich dem palpirenden Finger rait-thoilt (Pulsus tremulus). Dem Anfänger in der Praxis empfehle ich indess bezüglich der Beurthcilung dieses Phänomens bei Pferden eine ge­wisse Vorsicht, weil auch bei normalem Pulse durch eine massig starke Compression der Art. maxiliarisexterna gegen den hinteren Rand des Unter­kiefers eine zitternde Empfindung in dem palpirenden Finger eintreten kann.
Bei Menschen wird in Fällen von chronischer fibröser Pericarditis und Verwachsung des Herzens oder der grossen Gefässstämme mit der Nachbarschaft beobachtet, dass der Puls während der Inspiration sich verkleinert, oder selbst ganz verschwindet und bei der Exspiration in normaler Grosse erfolgt (Pu Is us paradoxus). Ich habe diese Pulsform bei Pferden niemals beobachtet.
Es empfiehlt sich nicht, ausser den vorgenannten Eigenschaften noch andere Merkmale des Pulses zu unterscheiden. Mindestens kann hiermit nach dem gegenwärtigen Standpunkt der klinischen Thierarzneikunde ein diagnostischer Zweck nicht verfolgt werden. Dagegen ist es vollkommen berechtigt, verschiedene Eigenschaften des Pulses zu combiniren. So ge­staltet sich der Puls oft gleichzeitig hart und klein oder schwach und weich, unrcgelrnässig, ungleich und klein etc.
c. Venen. Die abnorm grosse Blutfülle der Venen und der Venen-puls lassen sich bei Pferden nur an den Venao jugularos erkennen. Am unteren Ende des Halses wird nicht selten in den Drossolvenen eine Rückwärtsbewegung des Blutes wahrgenommen, die einerseits durch die Respirationsbcwegungen (Undulation der Jugularveno), andererseits durch Herzfehler und insbesondere durch mangelhaften Verschluss der rechts­seitigen Atrio-Ventrikularklappe bedingt resp. vom Herzschlage selbst abhängig sein kann (Pulsation der Jugularvenen, Vonenpuls). Die ge­wöhnlichste Veranlassung des Venenpuises bei Pferden besteht in der übermässigen Eiillung und Ausdehnung des rechten Herzventrikols, wie sie bei fieberhaften Blutdyskrasien (Pferdcslaupe, Brustseuche, acute Intoxicationen) vorkommt. In solchen Fällen ist eine relative Insufficienz der Trieuspidalklappe anzunehmen, die sich bei günstigem Verlaufe der allgemeinen Krankheit bald wieder ausgleicht. Das Symptom selbst bringt demnach an sich noch keine Lebensgefahr mit sich, wenigstens so lange nicht, als die Rcgurgitation des Blutes blos im unteren Dritt-theil der V. jugulares wahrzunehmen ist. In einzelnen Fällen habe ich auch bei chronischen Herzkrankheiten der Pferde die echte Tricuspidal-klappcn-lnsufficienz beobachtet, wobei eine erhebliclie Blutstauung sowohl in der hinteren, als in der vorderen Hohlvenc eintritt und die V. jugu-
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lares bis in ihre Wurzeln gefüllt erscheinen. Dem Venenpulse selbst liegt eine bei der Herzsystole In die V. jugulares rognrgitirende Blut­welle zu Grunde.
8. Digestioiisapparat.
Störungen in den Functionen der Verdauungsorgano giebt es bei Pferden in grosser Zahl und Mannigfaltigkeit. Die Ermittelung ihrer Ursachen ist zum Theil leicht, zum Thoil aber sehr schwierig. Bei chronischen Krankheiten der Bauohorgane bleibt die speoielle Ursache der Digestionsstörung nicht selten dunkel und auch der erfahrenste Thier-arzt inuss sich in solchen Fällen damit begnügen, die Krankheit nur nach ihrem Sitze und ihrem allgemeinen Charakter diagnosticiren zu können. In dieser Hinsicht bietet zuweilen das längere Portbestehen der Störung unter gleichen Symptomen einen wichtigen Anhalt.
Bei der speciellen Untersuchung des Digestionsapparatos ist neben der Besichtigung der Kopf-Schleimhäute (vergl. S. '20) Rücksicht zu nehmen auf: 1) den Appetit; 2) das Kauen; 3) das Schlucken; 4) den Umfang des Bauches; 5) die Darmperistaltik mit Einschluss der Darm-geräusclie und 6) die Darmexcremente.
Appetit auf Putter. Pur die Beurtheilung des Appetits auf Futter kommt zunächst in Betracht, dass der Grad (die Lebhaftigkeit) desselben bei gesunden Pferden von der grösseren oder geringeren Schmaokhaftigkoit der Futterstoffe beeintlusst wird. Unsclimackhafte oder verdorbene Nahrungsmittel verzehren die Pferde theils gar nicht, theils nur in kleinen Bissen und in geringer Menge, Es bedarf keines Oommentars, dass bei der diagnostischen Beurtheilung dos Appetitmangels vorab die Qualität des Puttors zu prüfen ist. Nicht selten ist die schlechte Beschaffenheit des Kraftfutters der ausschliessliche Grund des mangelhaften Fressens. Aber auch abgesehen hiervon, gestaltet sich die Lebhaftigkeit des Appetites innerhalb physiologischer Breiten sehr verschieden. Pferde von guter Brusttiefo, weitem Thorax und geräumiger Bauchhöhle pflegen viel Puttor in kurzer Zeit zu verzehren, während flachrippige, hochbeinige und rangleibige Pferde nur wenig Putter, und auch dies erst in relativ langer Zeit aufnehmen. Bei Pferden mit gutem Körperbau und ruhigem Temperament wird stets beobachtet, dass sie sofort nach der Krippe eilen und Putter verlangen, sobald sie nach der Arbeit in den Stall gelangen, während manche Pferde mit nervösem Temperament, besonders die reizbaren edlen Reitpferde nach starker An­strengung bisweilen 6 —12 Stunden im Stalle stehen, bevor sie das
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Futter annehmen. Solche Verschiedenheiten in dem Verhalten der Pferde scheinen ihren Grund in nervösen Einflüssen, oder in mangelhaften histo-logischen Einrichtungen der Verdauungsorgane zu haben; sie mögen zum Theil auch darin beruhen, dass die Vertheilung des Blutes in den Gofass-bahnen sich bei den gut gebauten und ruhigen Pferden leichter regulirt, als bei den Pferden von ungeeignetem Bau und Temperament.
Statt des Heus können gesunde Pferde mit dem Stroh als Rauf­futter fürlieb nehmen. Bei vollständiger Entziehung des Rauffutters wird aber von manchen Pferden die Aufnahme des Körnerfutters versagt. Andererseits verzehren diejenigen Pferde, die reichlich mit Kraftfutter versehen werden, nur wenig Heu gegenüber denjenigen Pferden, denen nur in spärlicher Menge die Kernnahrung gereicht wird. Aber auch abgesehen hiervon ist der Appetit auf Heu nach individuellen Zuständen sehr verschieden. Unschmackhaftes (saures) und verdorbenes Heu wird immer nur in ganz geringer Menge verzehrt und zum Lupinenheu greifen die Pferde gewöhnlich nur dann, wenn die Ernährung derselben dürftig und das Hungergefühl gross ist.
Ein Gemenge von Weizen- oder Roggenkleie mit Wasser oder von Mehl und Wasser wird von vielen gesunden Pferden mit Begierde aufgenommen, während andere für derartiges Futter keine Neigung haben. Oft habe ich beobachtet, dass Pferde, welche statt dos harten Körnerfutters Schrot (Mehl) mit Wasser in breiiger Form erhielten und einige Wochen in ausreichender Menge frassen, später die Aufnahme dieses Futters hartnäckig verweigerten, obwohl sie ganz gesund waren. Das weiche (breiförmige) Futter war ihnen zuwider geworden. Einzelne Pferde habe ich aber gekannt, welche mehrere Jahre hindurch bei relativ geringer Verabreichung von Rauffutter das Roggenschrot mit Wasser stets gern verzehrten und sich dabei in sehr gutem Nährzustande er­hielten. Bierträber oder Branntweinschlämpe werden von manchen Pferden sehr gern, von anderen dagegen nur zögernd oder gar nicht aufgenommen. Auch gegenüber den Mohrrüben, Kartoffeln und anderen Wurzelgewächsen ist der Appetit der Pferde de norma sehr ungleich. Bei Berücksichti­gung dieser physiologischen Unterschiede wird die Thatsache verständ­lich, dass bei manchen kranken Pferden die dem Geschmacke am meisten entsprechende Art des Futters erst durch Versuche ermittelt werden muss. Aus Irrthum ist in der Literatur fast bei allen erheblichen Krank­heiten der Pferde die Verabreichung von Weizenkleie oder Mohrrüben etc. empfohlen worden. Die Erfahrung beweist, dass die an allgemeinen Krankheiten leidenden Pferde diese Futtermittel sehr oft verschmähen, während sie kleine Mengen von reinem Hafer, sowie Heu und reines
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Stroh aufnehmen. Im Allgemeinen bevorzugen die kranken Pferde das­jenige Futter, welches der Organisation des Verdauungsapparates am meisten entspricht bezw. „naturgeraässlaquo; ist. Bei der nach überreichem Genüsse von Körnerfutter entstehenden Dyspepsie zeigen die Pferde eine besondere Vorliebe für Weizenkleientrank mit einem geringen Zusatz von Schrot.
Auf einer irrthümlichen Meinung beruht auch die Angabe der Autoren, dass es bei den Pferden einen plötzlich eintretenden „Heiss-hungerquot; (ßulimie) als krankhaften Zustand gebe und dass der letztere durch Verabreichung von Futterstoffen geheilt werde. Dagegen beobachtet man bei manchen Pferden dauernd eine übergrosse Begierde auf Futter und die Fähigkeit, sehr beträchtliche Mengen von demselben zu verzehren. Dieser übermässige Appetit (Wolfshunger) vermindert sich, sobald die betreffenden Pferde mehrere Wochen oder Monate lang mit Körnerfutter reichlich ernährt („durchgefüttertquot;) worden sind.
Alle erheblichen Krankheiten sind in der Regel mit einer Be­schränkung des Appetites verbunden. Je mehr Appetit die Pferde beim Beginn und im ersten Stadium einer allgemeinen Krankheit noch zeigen, um so günstiger gestaltet sich in der Regel der Krankheitsverlauf. Ein relativ ungünstiges Zeichen ist dagegen das vollständige Versagen der Futteraufnahme. Es beruhen diese Verschiedenheiten des Appetites theils in der Körperconstruction der Pferde, theils in dem Grade und Charakter der betreffenden Krankheiten und theils in der von manchen Zufällig­keiten beeinflussten Affection der Verdauungsorgane. Bei einigen allge­meinen Krankheiten (Soalma und manche Fälle von Pyämie) verzehren die Pferde relativ viel Futter, wenn selbst die Erkrankung einen perni-ciösen Verlauf nimmt. Die Bedeutung dieser Thatsache für die Prognose der betreffenden Fälle ergiebt sich von selbst.
Appetit auf Gewürze. Der Appetit auf Gewürze ist zuweilen von diagnostischem Werthe. Von den gesunden Pferden nehmen manche sehr gern Kochsalz als Lecke auf, während andere dasselbe kaum an­rühren. Nicht selten sieht man die erstgedachten Pferde mit Begierde an kalten Gegenständen unter starker Speichelabsonderung lecken. Bei der einfachen Gastrosis steigert sich in der Regel der Appetit auf Koch­salz. Oft suchen die kranken Pferde laugenhaft schmeckende Gegen­stände: Stroh, an welchem Urin haftet; oder altes Holz; auch Kalk und Lehm an der Stall wand mit Begierde auf. Am stärksten ist der Hunger auf Alkalien bei derjenigen chronischen Gastrose, bei welcher sich abnorm grosso Mengen von Säuren im Magen anhäufen (Dyspepsia aeida). In solchen Fällen verzehren die Pferde auch die als Zusatz zu
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den Alkalien (Magnesia, kühlensaurer Kalk) gereichten bitteren oder aromatischen Medicamento rait grosser Vorliebe.
Appetit auf Wasser (Durst). Hinsichtlich des Durstes finden sich bei Pferden innerhalb physiologischer Grenzen /iemlich erhebliche Verschiedenheiten. Viele Pferde gewöhnen sich nach und nach an die Aufnahme grosser Mengen von Wasser, während andere mit einem sehr geringen Quantum ausreichen. Das Trinken selbst bewirken manche Pferde sehr schnell, andere dagegen langsam. In [•'olge krankhafter De­pression des Bewusstseins (Dummkollor, Meningitis subacuta) stecken einzelne Pferde das Maul zunächst in den mit Wasser gefüllten Eimer bis auf den Grund. Junge Fohlen spielen zuweilen in ähnlicher Weise mit dem Trinkwasser. Bei ein- und zweijährigen Fohlen sah ich mehr­fach, dass sich die Thiore aus Langeweile die Untugend aneigneten, das Trinkwasser aus dem Eimer odor dor Krippe in die Maulhöhle zu saugen und dann (ähnlich wie die Gänse verfahren) mit hoch emporgehobenem Maul langsam herabzuseblucken. Als die Thiore später zu anstrengenden Arbeiten beschäftigt und nur nach längeren Zwischen­zeiten mit Trinkwasser verschen wurden, verlor sich die Untugend wieder.
Dass Pferde bei der Verabreichung von Grünfutter wenig oder gar kein Wasser verzehren, dagegen bei Trockenfütterung innerhalb 24 Stun­den 2—3 Stalleimer voll trinken, kann hier ebenso als bekannt voraus­gesetzt werden, wie die Thatsache, dass bei reichlicher und anhaltender Schweisssecretion resp. bei starker Arbeitsleistung von den Pferden mehr Wasser getrunken wird, als bei fortdauernder Ruhe im Stalle. Pferde, die an fieberhaften Krankheiten leiden, nehmen sehr gern und häufig frisches, klares Wasser an; aber sie trinken von demselben stets nur geringe Mengen. Wenn die allgemeinen Krankheiten sich mit einer schweren Magen-Darmentzündung compliciren, so versagen die Pferde die Aufnahme des Wassers. Sie spielen wohl mit den Lippen* und der Zunge in dem vorgehaltenen frischen Trinkwasser; aber sie verschlucken von demselben kaum eine nennenswertbe Quantität. Dasselbe Vorhalten findet sich bei der Kolik (Darmverstopfung), in deren Verlauf die kranken Pferde gewöhnlich nur dann lebhaften Durst zu erkennen geben, wenn eine Besserung des Zustandes eintritt. Aussergewölmlich reich­lichen Genuss von Trinkwasser bekunden einzelne Pferde bei der Pferde­staupe und bei der Bruslsouche, wenn sich die Krankheitsfälle unter starker Ausscheidung von klarem Harn zur Besserung wenden. Aber auch bei einfachen Dyspepsien wird nicht selten beobachtet, dass die Pferde mehr Wasser trinken, als sonst. Krankhaft gross ist die Auf­nahme des Wassers und resp. das Durstgefühl bei Pferden, die am
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Lauterstall (Diabetes) leiden; hierbei sah ich die kranken Pferde, naoh-dem sie mehrere Stunden lang während der Arbeil nicht getrunken hatten, oft 3—4 Stalleimer voll Wasser nacheinander mit lebhafter Be­gierde aufnehmen.
Durch Zusatz geringer Mengen von Kleie, Bierträber, Mehl oder Oelkuchen wird das Trinkwasser für viele Pferde schmackhafter; nicht wenige Pferde bevorzugen aber das klare und frische Trinkwasser am meisten. Das durch reichliche Beimischung von Lehm trübe gewordene Regenwasser trinken die Pferde ebenso gern, als gutes Brunnenwasser. Dagegen nehmen sie nur ungern und zögernd das Trinkwasser, welches viel Salpeter, Schwefel oder Eisensalze enthält.
Dass einige Arzneimittel zweckmässig dem Trinkwasser zur Selbst­aufnahme der Pferde beigemengt werden können, kann ich hier nur an­deuten. Bemerken will ich aber, dass es keine Mittel giebt, mit wel­chen das Trinkwasser den Pferden angenehmer resp. schmackhafter ge­macht werden könnte. Vielen Pferden wird die Aufnahme des Wassers fast durch jeden Zusatz, selbst durch geringe Mengen von Säuren ver­leidet. An den Gcnuss von Bier lassen sich einzelne Pferde gewöhnen. Ich habe ein älteres Reitpferd gekannt, welches in Folge einer Lieb­haberei seines Besitzers täglich gegen 2 Liter Bayrisch-Bier erhielt und dieses Quantum regelmässig auf einmal austrank. Es verzehrte aber niemals erheblich mehr, als 2 Liter und eine besondere Wirkung dieses Biergenusses habe ich an dem Pferde nicht beobachtet. Schwarznecker (Pferdezucht, 2. Aufl. 1884, S. 248) erzählt, dass das englische ßrauer-pferd (Dray Horse) einen kräftigen Trunk guten Biers nicht verachte.
Kauen. Die Kaubewegungen dos Unterkiefers geschehen bei ge­sunden Pferden nicht gleichmässig. Schmackhaftes Futter wird im Allge­meinen schneller gekaut, als Substanzen, welche weniger angenehm sind. Sind die Pferde hungerig, so kauen sie die Futtermittel mit mehr be­schleunigten Kieferbewegungen, als wenn sie die Sättigung beinahe be­endet haben. Im höheren Alter erfolgen die Kaubewegungen langsamer, als in der Jugend. Pferde von guter Bauart und lebhaftem Appetit machen bei der Futteraufnahme In einer Minute 70—100 Kaubewegungen mit dem Unterkiefer, während Pferde mit geringer Brusttiefe, aufge­schürztem Bauch und langem, schmalen Kopf das Futter langsamer ver­zehren und nur 40—60 Kieferbewegungen in der Minute ausführen.
Bei inneren Krankheiten, welche die Verdauungsorgane essentiell oder symptomatisch tangiren, verlangsamt sich das Kaugeschäft. Auf­fälliger wird aber die Verringerung der Kaubewegungen bei acuten fieber­haften Krankheiten (Pferdestaupe, Brustseuche), wenn durch Congestiv-
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zustände im Gehirn Kopfschmerz und Benommonheit des Bewusstseins entstehen. In gleicher Weise vermindert sich die Frequenz der Kau­bewegungen bei der acuten Hirnhöhlenwassorsucht und beim Duramkollor. Als nächste Ursache dieser Erscheinung ist die Affeotion des Cortex beider Hirnhemisphären und die mit derselben in Verbindung stehende Beschränkung des Temperamentes anzusehen, wobei die psychomotorischen Impulse abnorm langsam und weniger intensiv erfolgen.
Bezüglich der Gleichmässigkeit in den Kaubewogungen finden sich bei Pferden manche willkürliche Modificationen, die hier nicht weiter verfolgt werden können. Haben die Thiere mit dem aufgenommenen Futter scharfe Körper (Holz, Nägel etc.) oder Gegenstände von perversem Geschmack in die Maulhöhle gebracht, so hören sie momentan auf, zu kauen und lassen das Futter ganz oder grösstentheils aus dem Maul wieder herausfallen. Bei lebhaftem Hungergefühl lassen sich gesunde Pferde im Kaugeschäft gewöhnlich nicht stören; ist aber der grösste Hunger befriedigt, so halten die Thiere bei momentaner Erregung ihrer Aufmerksamkeit mit dem Kauen eine kurze Zeit inne. Anders gestaltet sich die vorübergehende Sistirung des Kaugeschäfts bei symptomatischen und essentiellen Gehirnaffectionen (acute Hirnhöhionwassersucht, Dumra-koller), namentlich wenn Rauffutter verzehrt wird. Hier stehen die Pferde wie in sich gekehrt; sie vergessen sich förmlich und hören mit dem Kauen einige Secunden bis zu einer Minute, selbst noch länger auf, wobei einzelne Halme dos Heus oder Strohs aus den Lippenwinkeln hervorragen.
Die Lähmung der Backen- oder Wangenmuskoln behindert das Kau­geschäft erheblich und verursacht das „Einfütternquot;, wobei das grob zer­kleinerte Material sich in Form einer länglichen Rolle zwischen Backe und Backzahnreihe schiebt. Pferde, die an Tetanus (Trismus) in hohem Grade leiden, sind ausser Stande, das Futter, namentlich Rauffutter vollständig zu kauen. Von letzterem bleiben nicht selten kleinere oder grössere Partien zwischen Backe und Backzähnen oder neben der Zunge und am Gaumensegel liegen. Auch bei der Blutfleckenkrankheit kann, wenn umfangreiche Anschwellungen am Kopf eintreten, das Futter nicht mehr gekaut werden, trotzdem die betreffenden Pferde oft noch Appetit haben. Dasselbe beobachtet man bei schweren Entzündungen der Rachcn-sohleimhaut.
Sehr ungleichmässig kann sich das Kaugeschäft bei Krankheiten und fehlerhaften Zuständen der Backzähne gestalten. Die meisten der be­treffenden Pferde verzehren hierbei nur wenig Futter und kauen dasselbe mit verlangsamten und inäqualen Kieferbewegungen. Sehr oft halten
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die Thiere bei dem Verzehren von Körnorfuttor mit dem Kauen plötzlich inne und lassen einen Thcil des Futters wieder aus dem Maul heraus­fallen. Sie finden sich hierzu voranlasst, wenn sie den kranken Back­zahn mit einem ungleichen Druck belasten und hierdurch einen heftigen Schmerz auslösen. Manche Pferde strecken bei der unvermuthet ein­tretenden Zerrung eines kranken Backzahns in Folge des Schmerzes den Kopf nach vorn und zur Seite; sie verziehen dabei den Unterkiefer, um mit der Backe einen gelinden Druck gegen den schmerzhaften Zahn aus­zuüben. Das Heu wird bei schmerzhaften Zuständen an den Backzähnen oft zu Bissen gekaut, weiche die Pferde wieder aus dem Maule fallen lassen. Bei mehreren zahnkranken Pferden habe ich beobachtet, dass sie das Heu oder Stroh in kleinen Bissen zu kauen vorsuchten, dann aber anhielten und in Folge der Zahnschmerzen wie in sich gekehrt eine Zeitlang stehen blieben, den Kopf auf die Krippe stützten und einige eingespeichelte und zusaramengelogto Halme aus den Lippen hervortreten Hessen. Ein solches Bild gleicht dem Benehmen der am Dummkoller erkrankten Pferde. Nur in wenigen Fällen habe ich gesehen, dass Pferde bei krankhaften Zuständen des Backzahngebisses lobhaften Hunger hatten und viel Futter verzehrten. — Ein zehnjähriger, mit bilateralem Treppengebiss behafteter Wallach belgischer Race kaute das aufge­nommene Heu zu Bissen und Hess dieselben grösstentheils zunächst wieder vor die Krippe auf den Boden fallen. Auch das Körnerfutter wurde nach einigen unvollständigen, mit starker Salivation ausgeführten Kaubewegungen zum Theil wieder fallen gelassen. Später nahm das Pferd die Futtermassen wieder vom Boden auf, um sie nach unvoll­ständiger Zerkleinerung herabzuschlucken. Die Darmexcremente ent­hielten unverdautes Futter in grosser Menge. — Die Störungen des Kaugeschäfts bei den Krankheiten der Backzähne genauer darzustellen, fällt der Veterinär-Chirurgie anheim; ich möchte nur noch hervorheben, dass dem trotz aller Rüge von vielen Pferdebesitzern und Wärtern oon-servirten Irrthum, die verringerte Futteraufnahme und die Retardation der Kaubewegungen auf ein kantiges Gebiss (Zahnspitzen) zu beziehen, nicht scharf genug entgegengetreten werden kann.
Bei schweren inneren Krankheiten werden oft vom Rauffutter nur einzelne Halme und vom Körnerfutter nur kleine Partikel aufgenommen. Dann erzeugen die Thiere nicht selten mit den Kauflächen der Back­zähne ein hartes Reibungsgeräusch (Zähneknirschen). In der früheren Zeit wurde dies Symptom als Merkmal einer gefahrvollen Wendung im Krank­heitsvorlauf gedeutet, was thatsächlich unbegründet ist. Richtig ist aber, dass dasselbe bei lebensgefährlichen Krankheiten oft beobachtet wird.
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Schlucken. De norma kommt niemals von dem gekauten Futter etwas aus den Nasoncavitäten zurück. Wohl aber beobachtet man bei sehr gierigem Trinken sonst ganz gesunder Pferde, dass das Wasser nicht vollständig verschluckt wird und dass eine geringe Quantität aus den Nasenöffnungen wieder abfliesst. Eine Störung des Schluckens wird am meisten bei entzündlichen Zuständen in der Rachenhöhle beobachtet. Pharyngitis simplex für sich allein oder in Vorbindung mit Laryngitis simplex; forner Angina symptomatica bei Druse, Soalma, ßlutflecken-krankheit, auch bei subacutem Rotz; endlich Druck auf den Schlund­kopf durch retropharyngeale Abscesse oder Geschwülste können die Ver­anlassung dafür abgeben, dass die zerkauten Futterstoffe nicht vollständig verschluckt werden. Wegen des bei Pferden bekanntlich sehr langen Velum entleert sich das Futter oder das Getränk, welches in die Rachen­höhle gelangt aber nicht verschluckt wird, nicht aus dem Maul, sondern aus der Nase nach aussen. Das bedingende Moment für das Unvermögen des Schluckens liegt in der Regel darin, dass das Velum in Folge der entzündlichen Schwellung die Ohoanen nicht vollständig abschliessen kann.
Nach dem Grade der Schlundkopfsentzündung ist die Quantität der­ails der Nase entleerten Futterpartikel verschieden. Oft besteht das Deject fast ganz aus Speichel mit einer geringen, zuweilen kaum er­kennbaren Beimischung von klein zerkauten Pflanzentheilchen (Heu, Grünfutter), von Körnerfutter oder Kleie etc. Nicht selten fliesst aber aus beiden Nasenhöhlen so viel breiförmiges, mit Speichel durchsetztes Futter wieder zurück, dass die Ränder der Naseneingänge vollständig verklebt erscheinen. — Mit einer schwereren Entzündung der Rachen­organe, besonders bei der Angina phlegmonosa, beim Morbus maculosus, beim Tetanus und bei anderen Leiden, erlischt bei Pferden oft für kürzere oder längere Zeit die Empfindlichkeit der sensiblen Nerven des Kehl­kopfs, so dass die in den Pharynx gebrachten flüssigen Substanzen zum Theil in die Luftröhre horabfliessen und in derselben durch den In- und Exspirationsstrom auf- und abbewogt, auch durch den Husten wieder ausgeworfen werden. Von dieser Thatsache überzeugt man sich sehr leicht nach der Ausführung der Tracheotomie bei den mit den ange­deuteten Krankheiten behafteten Pferden. Durch die Trachealwunde oder durch den Tracheotubus entleert sich nehmlich ein Theil der bei Behinde­rung des Schluckens in die Trachea gelangten Flüssigkeiten. — Die bei Pferden allerdings nur selten vorkommende selbständige Schlundkopfs-Lähmung kann mehrere Wochen, selbst Monate lang das Schluckver-mögen erheblich beschränken, so dass bei jeder Futteraufnalime ein Theil des Materials aus der Nase zurückkommt.
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In diagnostischer Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass bei einer Verstoplung des Schlundes, bei einer Geschwulst oder einem Divertikel in demselben und beim Erbrechen ebenfalls Futterstoffe durch die Nase entleert werden. Jndoss bieten die Affectionen des Pharynx so viele auffällige Merkmale, dass die Störungen des Schluckens von den hier an­gedeuteten Vorgängen leicht zu unterscheiden sind.
Bauohumfang. Nach dem ümlange des Bauches lassen sich bei Pferden nur wenige diagnostische Gesichtspunkte gewinnen. Denn schon bei voller Gesundheit unterliegt die Weite dos Bauches sehr erheblichen Schwankungen, so dass die Aufstellung von Durchschnittsmassen nicht thunlich ist. Eine Ansammlung von Flüssigkeit im ßauchfellsack be­dingt keine auffällige Vergrösserung des Bauchumfangs. Ich habe mich hiervon zu wiederholten Malen überzeugt bei der Section von Pferden, bei welchen 12—15 Liter Blut oder eine noch grössere Menge von Dick­darminhalt (nach Darmruptur) oder 20 Liter seröses Exsudat in Folge diffuser acuter Peritonitis sich im freien Raum der Bauchhöhle ange­sammelt hatte. — Chronische Bauchwassersucht als selbständige Krankheit kommt bei Pferden nicht vor. Nur in seltenen Fällen scheidet sich in Folge chronischer Herzkrankheiten eine massige Quantität von Serum in die Bauch­höhle ab, wodurch aber keine sichtbare Ausweitung des Bauches veranlassl wird. Ebensowenig verursacht die geringe Menge von Serum, welche sich bei abgemagerten alten oder kachectischon Pferden in die Bauciihöhle er-giesst, eine erkennbare Vergrösserung des Bauches. — Leber und Milz haben eine so versteckte Lage, dass selbst erhebliche krankhafte Ver-grösserungen derselben bestehen können, ohne den Bauchumfang in er­kennbarer Weise zu alteriren. — Dagegen bedingt die Trächtigkeit bei Stuten fast immer eine allmälig zunehmende sichtbare Vergrösserung des Bauches, der sich nicht blos nach unten, wie beim „Heubauchquot;, sondern auch nach beiden Seiten ausdehnt. Nur bei denjenigen tragenden Stuten, welche täglich im anhaltenden Trabe (als Postpferde oder in ähnlicher Beschäftigung) benutzt werden, nimmt der Bauch in so geringem Masse an Umfang zu, dass die Vergrösserung lange Zeit unbemerkt bleibt und in einzelnen Fällen überhaupt, nicht wahrgenommen wird, so dass die Geburt ganz unerwartet eintritt.
Die Vcrgrösserungen oder Verkleinerungen des durch die Bauart des Rumpfes bedingten ßauchumfangs sind von der Weite des Darmkanals und vorzugsweise dos Dickdarms abhängig. Von geringem Eintluss ist auch die Dicke der Bauchwand, die bei intensiver Ernährung durch die Fettablagcrung zunimmt. Reichliche Futtcraufnahmc bedingt bei den meisten Pferden eine Ausweitung des Darmkanals und in Folge dessen
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eine Zunahme des ßauohumfangs. Pferde, die viel Rauffutter und wenig Körner verzehren, erlangen eine starke Vergrösserung des Bauches (Heu­bauch).
Viele Arten der Kolik sind mit der Anschoppung abnorm grosser Quantitäten von Futterstoffen oder mit der Anhäufung von Gasen (Kohlen-wasserstoffgas) im Gastro-Intcstinaltractus verbunden, wodurch die Bauch­höhle nicht selten bis zum äussersten Masse ausgeweitet wird. Die chronische Ectasie des Magens, die als eine seltene Krankheit bei Pferden beobachtet wird, verursacht keine erkennbare Vergrösserung des Bauches. Bei den ebenso selten vorkommenden chronischen Ectasien des Blind­darms oder des Grimmdarms, bei welchen sich in der kranken Partie des Darms zeitweise Kohlenwassorstoffgas in grosser Menge anhäuft, er­langt der Bauchumfang oft eine erhebliche Zunahme. Das Abreissen der Bauchwandung vom Schambein oder von den falschen Rippen, wel­ches bei Pferden in Folge Niederstürzens oder heftiger Muskelanstrengung beim Festliegen zuweilen vorkommt, bedingt stets eine Vergrösserung des Bauchumfanges.
Die Verkleinerung des Bauches kann mit dem Körperbau und mit dem Gebrauche der Pferde im Zusammenhang stehen. Diejenigen Pferde, bei welchen die falschen Rippen kurz und flach sind, zeigen bei an­strengendem Gebrauche stets eine Verminderung des Bauchumfangs. Dieselbe Wirkung hat bei Pferden mit langer Mittelhand die anhaltende Verwendung in schneller Gangart. Bei andauerndem Appetitmangel bleibt der Bauch klein, selbst wenn die sonst gesunden Pferde nicht angestrengt werden, sondern im Stall stehen.
Schmerzhafte Empfindungen in den Hintergliedmassen veranlassen die Pferde, die Bauchmuskeln zu contrahiren (die Bauchhöhle zu ver­kleinern), um die Körperlast von den Hintergliedmassen möglichst zu entfernen.
Sowohl die essentiellen, als die bei anderen Leiden entstehenden Affectionen der Magen- und Darmschleirahaut bedingen bei längerer Dauer eine Verkleinerung des Bauches in dem Masse, als die Fatter-aufnahme verringert ist. Auffällig wird die Verminderung des Bauch­umfanges bei anhaltendem Durchfall und bei peritonitischen Zuständen. Abweichend von diesen Befunden verhält sich der Bauch bei der Darr­sucht der Fohlen, bei welcher oft während mehrerer Momite eine relativ starke Ausweitung des Intestinaltractus und bezw. des Bauches fort­besteht, obschon die Thiere nur wenig Rauffutter verzehren und das Kernfuttor fast ganz verschmähen.
Peristaltik. Sowohl eine Steigerung, als eine Verminderung der
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Peristaltik des Gastro-Intestinaltractus wird bei Pferden sehr oft beob­achtet. Bedingt wird die Peristaltik durch die Impulse, welche die nervösen Apparate an die Muskulatur der Magen- und Darmwandung abgeben. Die gesteigerte Erregbarkeit der Darmganglien kann durch vielfache Einflüsse verursacht sein. Aeusserlich bekundet sich dieselbe durch eine vermehrte Ausscheidung der Darmexcremente. Bekannt ist in dieser Hinsicht die Wirkung vieler Nahrungsmittel (Grünfütter, Kleie, Schlempe, Mohrrüben, rohe Kartoffeln etc.) und vieler Arzneipräparate. — Die Verminderung der Darm peristaltik tritt beim Uebergang von der Grünfütterung zur Trockenfütterung ein. Auch Medicamente (Narcotica und Adstringentia) beschränken die Peristaltik. — Viele Pferde bekunden in Folge der Anstrengung in beschleunigter Gangart eine gesteigerte Bewegung des Darms.
Zu diagnostischen Zwecken lässt sich sowohl die Intensität als der Umfang der Darm peristaltik durch die Auscultation des Bauches er­mitteln, welche beim Stehen und beim Liegen des Pferdes leicht aus­führbar ist. Hierbei wird das Ohr an die zweckmässig vorher mit einem Tuche bedeckte Bauchwandung gehalten, gewöhnlich in der Flanken­gegend. Für Anfänger in der Praxis mag die Bemerkung nicht über­flüssig sein, dass man durch die Auscultation des Bauches dicht vor der Kniescheibe leicht gestossen werden kann, wenn die Pferde den be­treffenden Hinterschenkel emporheben.
Die Geräusche, welche die Darmperistaltik herbeiführt, kommen durch die Fortschaffung des Darminhaltes zu Stande. Ihre Entstehung ist an das Vorhandensein von flüssigem oder weichem Futterbrei und Gasen (Darmgasen) im Intestinaltractus gebunden. Ohne die Anwesen­heit von Gasen im Darmkanal können hörbare peristaltische Geräusche nicht entstehen. Im Allgemeinen wird die besondere Beschaffenheit der Dünndarmgeräusche durch die Fortschaffung von flüssigem oder halb­flüssigem Inhalt bestimmt, während der Charakter der Dickdarmgeräuscho von der Fortschiebung des mehr festweichen Futterbreies und der Darm-gase bedingt ist. Sowohl unter normalen, als unter abnormen Ver­hältnissen hat die ungleiche Füllung des Darmkanals einen wesentlichen Einfluss auf die Intensität der Darmgeräusche. Je stärker der Druck ist, mit welchem der Inhalt eines Darmstückes in das benachbarte Stück getrieben wird, um so lebhafter gestalten sich die Darmgeräusche. Die Oscillationen des Darminhaltes theilen sich der in einem geringen oder höheren Grade der Spannung befindlichen Darmwandung mit, von welchen sie auf die benachbarten Darmpartien und auf die Bauchwand fortgeleitet werden. Dass die Schallschwingungen von den am Zwerch-
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fell gelegenen Theilon des Gastro-Intestinaltractus sich auch auf die Brustorgane und die ßmstwandungen fortsetzen und an den letzteren gehört werden können, ist schon S. 55 erwähnt worden.
Darmgeräusche entstehen nicht continuirlich, sondern nach kürzeren oder längeren Zwischenzeiten. Ihre Intensität ist schon bei gesunden Pferden und noch mehr bei Darmkrankheiten in den einzelnen Theilen des Intestinaltractus sehr ungleich. Es ist daher zu diagnostischen Zwecken erapfehlenswerth, die Auscultation des ßauches an beiden Seiten einige Minuten fortzusetzen, um über den Grad und Umfang, in welchem die Darmgeräusche krankhaft vermehrt oder vermindert sind, ein sicheres Urthoil zu erlangen.
Die Dünndarmgeräusohe besitzen theils den Charakter dos Gurgeins, Iheils denjenigen des Plätscherns („plätschernde Geräuschequot;); die-solbon sind gewöhnlich an der rechten Seite deutlicher, als an der linken zu hören. Der Klangfarbe einzelner Töne, welche sich in dem peristaltischen Geräusche des Dünndarms geltend machen, entspricht der Ausdruck: „kluckerndo Geräuschequot; oder „Gluck-Gluok-Geräuschequot;. — Die gesteigerte Peristaltik des Dünndarms, bei welcher der flüssige Nahrungs­brei abnorm schnell befördert wird, macht sich durch die Gehörswahr-nehmung des Fliessens („fliessende Geräuschequot;) bemerklich. Sehr deutlich treten diese Geräusche nach der Einverleibung grosser Dosen der Abführmittel hervor. Soweit die Dickdarmperistaltik hörbar ist, kenn­zeichnet sich dieselbe gewöhnlich als ein langgedehntes „Gurrenquot; oder „Knurrenquot;. Stärkere Diekdarmgeräusche sind als „Ko Hernquot; oder „Pol­ternquot; zu vernehmen, meist an der linken Seite stärker, als an der rechten.
Die peristaltischen Geräusche können in Folge mangelhafter Inner-vation durch die Darmganglien und durch Behinderungen in der Fort­bewegung des Darminhaltes abnorm vermindert sein. Am meisten wird dies bei den unter dem Namen der Kolik zusammengefassten Darm­krankheiten beobachtet, bei welchen Darmgeräusche sehr oft während einer kürzeren oder längeren Zeit ganz fehlen. Bei Metoorismus des Darms, mit welchem eine erhebliche Abschwächung und oft eine Sisti-rung der Peristaltik, starke Ausdehnung und Spannung der Darm­wandungen durch Gase bestehen, sind häufig abgebrochene und hell­tönende („klingendequot;) Geräusche zu hören, deren Entstehung auf die mit der langsamen Fortbewegung der Contenta eingeleitete Oscillation der stark gespannton Bauchwand zurückzuführen ist. Nicht selten macht das klingende Darmgeräusch den Eindruck des Tones, welcher durch das Pierabfallen eines Tropfens in einen Metallkcssel erzeugt wird („Geräusch der Gutta cadensquot;).
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Neben den vorstehend besprochenen Eigenschaften der peristaltischen Schallproductionen ist es in der thieräratlichen Praxis üblich: schwache, massig starke, kurze, langgedehnte und lebha fte Dünn- und Dick-darrageräusche zu unterscheiden, auch das Fehlen derselben als diagnosti­sches Merkmal zu beachten. Bemerkenswerth ist ausserdem die Thatsache, dass bei Lähmungen des Blinddarms oder eines Theils des Grimmdarms (chronische Kolik) das Dickdarm gertäusch fehlt, während Dünndarm­geräusche noch entstehen und dass bei Magenzcrreissung oder Dünndarm­verstopfung die Untersuchung der Pferde oft den entgegengesetzten Be­fund erglebt. Ist das Colon durch Gefäss-Embelle und -Thrombose gelähmt, so kommt der Regel nach sowohl im Dickdarm, als im Dünn­darm kein peristaltisches Geräusch mehr zu Stande. Ueber die differen-tielle Semlotik dieser Zustände gegenüber der einfachen Koprostase und den Dlslocatlonen und Incarcerationen von Darmtheilen wird bei der Kolik Näheres angeführt werden.
Ausser nach der Einverleibung von Abführmitteln und dem Genüsse gewisser Futterstoffe wird die gesteigerte Darmperislaltilc durch ober­flächliche Reizungen der Dünn- und Dickdarraschlelmhaut hervorgerufen. Die Processe können als selbständige Affectionen des Gastro-Intestinal-tractus und als Bestandthelle allgemeiner Krankheiten, auch als con­secutive Entzündungen der Darmschlelrahaut nach der Aufnahme eiterig­jauchiger Stoffe in das Blut zur Ausbildung kommen. Immer hat die gesteigerte Perlstaltik, wenn sie nicht in wenigen Stunden vorübergeht, diarrholsche Entleerungen des Darms zur Folge. Unrichtig ist aber die vielfach verbreitete Ansicht, dass bei Jedem Durchfall die Darmgeräusche auffällig laut sein sollen. Nur wenn der Darm noch in ziemlicher Quantität Nahrungsbrei resp. Wasser und Gase enthält, sind beim Durch­fall die Darrageräusche krankhaft gesteigert (Fliessen und Poltern). Wenn aber, wie nach der Resorption der Producte von entzündlichem Gewebszerfall (beim sogenannten colliquativem Durchfall) oft zu beob­achten 1st, der Bauch zusammenfällt und grösstentheils nur die krank­haften Secrete des Darms zur diarrholschen Ausscheidung gelangen, so verbleiben die Darrageräusche trotz der diarrholschen Entleerung und der dieselbe bedingenden Perlstaltik auf einem niedrigen Grade.
Darmexcrementc. Quantität und Qualität der Darmexcromento richten sich de norma nach dem Futter, welches die Pferde verzehren. Das Getränk hat keinen bemerkenswerthen Einfluss auf die Beschaffen­heit derselben, weil das im üebermass genossene Wasser im Darm zur Resorption kommt. Bei diarrholschen Entleerungen wird aber auch ein grosser Theil des genossenen Wassers aus dem Darm ausgeschieden.
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Obwohl die Ernährung des Pferdes in viel geringerem Verhältnisse, als beim Rinde mit fremdartigen Mitteln bewirkt worden kann, so um-fasst doch die Zulässigkeit von Modificationen in der Fütterung noch ein grosses Gebiet. Deshalb lässt sich gegenüber der Mannigraltigkeit der bei Pferden üblichen Verpflegung die normale Beschaffen licit der Darmexcremente kaum mit wenigen Worten bezeichnen. Das Volumen der Excremento ist vorzugsweise abhängig von der Quantität der mit dem Futter aufgenommenen unverdaulichen Cellulose. Pferde, die nur Rauffutter erhalten oder dauernd auf Weiden leben, entleeren grössere Haufen von Excrcmenton, als diejenigen Pferde, welche nur Futter mit engem Nährstoff-Verhältniss aufnehmen. Das Gewicht der in einer be­stimmten Zeiteinheit abgesetzten Excremeute differirt in geringerem Masse. Nach Siedamgrotzky-Hofmeister werden bei reiner Wiesenhounah-rung durchschnittlich von einem Pferde pro Tag 16,5 Kilo und bei Hafer, Heu und Häcksel 9 —10 Kilo Darmexcremente ausgeschieden. Bei den schworen Arbeitspferden, welche pro Tag dreimal mit Hafer bis zur vollen Sättigung gefüttert werden, beträgt das Gewicht der täglichen Darmexcremente eben so viel, als bei den Pferden gleicher Grosse, die vorzugsweise Rauffutter verzehren. — Die Entleerung der Darmexcre­mente geschieht bei gesunden Pferden, die im Stalle verbleiben, inner­halb 24 Stunden durchschnittlich 9 —10 Mal. Während der Arbeit, namentlich bei der Bewegung im Trabe steigert sich die Darmpcristaltik und die Entleorungen folgen häufiger und schneller aufeinander. Ebenso mehrt sich die Zahl der Entleerungen durch die Futter- und Arznei­mittel, welche die Peristaltik anregen. — Form, Consistenz, Farbe und Geruch der abgesetzten Fäces differiren schon nach Massgabe der Füttc-rungsart und innerhalb normaler Grenzen sehr erheblich. Die Farbe wird theils durch die in dem Futter enthaltenen Farbstoffe, theils durch die Verdauungssäfte, namentlich die Galle bestimmt. Die Verabreichung von Eisenpräparaten in grossen Dosen veranlasst eine schwärzliche Fär­bung der Excremente. — Junge Fohlen, die nur Milch geniessen, setzen gelblich gefärbte Fäces ab. — Pferde, die vorwaltend voluminöses Rauf­futter erhalten und Weidopferde entleeren locker geballte Fäces von dunkelbrauner Färbung in grossen Haufen, welche frisch entleert einen eigenthümlichen Geruch haben, dessen specielle Natur bislang aber nicht ermittelt ist. — Geniessen die Pferde in abgemessenen Rationen Hafer mit Häcksel und Heu, so sind die Fäces fostgeballt und von brauner Farbe; die Kothbälle oft kaum merklich, oft auch reichlich mit Darmschleim umhüllt. Karge Fütterung bedingt, dass nur geringe Mengen von Exorementen entleert werden. — Bei reichlichem Genüsse von Ge-
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Dlgestfonsnpparaf,
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treide (Hafer, Mais, Bohnen, Erbsen, Koggen: in Körnern oder gesohrolen) gelangen die Faces in breiiger Form und in grauweisser oder gelblich­grauer Farbe zur Ausscheidung. Sie enthalten noch grössere Mengen von nicht zur Assimilation gekonnnenen Nährstoffen, die nicht selten zum Theil durch Fäulniss zersetzt sind und einen penetranten Geruch ver­breiten. — Nach dem Genüsse von jungem Grünfutter setzen die Pferde bräunlich gefärbte Kothmasscn von flüssiger oder halbflüssiger Oonsistenz ab. Die reichliche Verwendung von älterem Grütifutter veranlasst bei einzelnen Pferden, dass beim Kothabsatz zuerst flüssige Exercmento von brauner Färbung und darauf locker geballte Excrcmente zur Ausscheidung kommen. Die Erscheinung ist mit einer Schwäche der Dickdarm-Ver­dauung in Verbindung zu bringen; aber eine bemerkenswerthe Störung der Gesundheit habe ich an den betreffenden Pferden nie beobachtet. — Die chemische Reaction der von gesunden Pferden abgesetzten Fäces ist schwach alkalisch oder neutral; bei verzögerter Entleerung nicht selten stellenweise schwach sauer (Milchsäure).
Darragase werden mit den Fäces, sehr oft aber zu anderer Zeit und nicht selten mit hörbaren, mehr oder weniger scharfen Geräuschen eliminirt.
Da die Störungen der Darmfunctionen theils in Folge primärer Magen- und Darmkrankheiten, theils als begleitende Zufälle der meisten allgemeinen Krankheiten bei Pferden überaus häufig vorkommen, so sind die Darmentleerungen von grossem diagnostischen Interesse. Die Ver­zögerung derselben kann zunächst in der abnorm spärlichen Aufnahme von Futter ihre Ursache haben. Bleibt die krankhafte Beschränkung des Appetits mehrere Tage oder länger fortbestehen, so verengt sich der Darmkanal und die spärlich und in langen Zwischenzeiten entleerten Excremente erlangen die Form abnorm kleiner Bälle, die oft in der äussersten Schicht von Darmschleim durchtränkt und überzogen sind und ein glänzendes (lackfarbenes) Ansehen, sowie eine dunkelbraune Farbe haben. — In vereinzelten Fällen ist die Verzögerung der Aus­scheidung von Darmexcrementen (Verstopfung; in einer selbständigen Atonic des Darms (mangelhafter Peristaltik) begiündet und der Appeiitmangel erst eine Folge der krankhaft verminderten Darmbewegung. Dabei kann die Entleerung von Fäces mehrere Tage lang unterbrochen sein, ohne dass die Pferde an Kolik erkranken. — Am häufigsten ist aber die Zurück­haltung der Excremente ein Symptom der Kolik. — Paralyse des Mast­darms macht die spontane Entleerung fester und festweicher Excrete unmöglich. Die länger als einen Tag dauernde Zurückhaltung der letzteren im Mastdarm verursacht das Auftreten von Kolik.
Dieckerhoff, Spec. Pathologie n. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;n
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98nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Digestionsapparat.
Eine breiartige oder flüssige Oonsistenz erlangen die Excremente bei oberflächlichen Reizungsprocossen in der Darmschloimhaut. Die ursäch-liohen Bedingungen derselben können sehr verschieden sein und werden bei der Krankheitsgruppe der Diarrhöe ihre Besprechung finden. Diar-rhoische Fäcalstoffe setzen sich aus dem Nahrungsbrei und den Trans-sudaten der Darmsclileimhaut zusammen. Je mehr die letzteren präva-lircn, um so gefährlicher ist die Diarrhöe. Durch diarrhoisohe Ent­leerungen werden in der Regel das Schweif haar und die Hinterschenkel beschmutzt, was bei der Befunderhebung zur richtigen Beurthoilung des Krankheitszustandes einen Anhalt bieten kann. Excremente von brei-förmiger oder flüssiger Oonsistenz haben oft eine schmutzig braune oder dunkelbraune, verwaschene Färbung, was durch Abscheidung von Blut oder blutfarbstoffhaltiger Flüssigkeit in der Darmsclileimhaut verursacht wird (hämorrhagischer Darmkatarrh). Eine solche Diarrhöe besteht ge­wöhnlich bei eiterig-jauchiger Blutvergiftung, kommt aber auch bei der Pferdestaupe und bei sporadischen schweren Infectionskrankheiten vor. — Reich an üarmepithclien und in Folge dessen von missfarbenem Ansehen und üblem Geruch sind die diarrhoischen Excremente beim soge­nannten colliquativon Durchfall, naracnflich bei ichorrhämischer Intoxi­cation, aber auch nach der Verabreichung von drastischen Abführmitteln (Calomel, Aloe) in toxischen Dosen.
Die Ausscheidung von zähem, dicklichem oder eiterähnlichem Schleim aus dem Mastdarm ist die Folge eines Katarrhs in der Schleimhaut des letzteren. Der Zustand kann in einer selbständigen Erkrankung des Mastdarms (Mastdarmentzündung, Mastdarmkatarrh) beruhen oder mit dem als Thoilcrscheinung allgemeiner Krankheiten entstehenden Darm-katarrh verbunden sein. Die Bedeutung der Erscheinung ist hiernach sehr ungleich. Im Allgemeinen kann die anhaltende Ausscheidung von schleimigen Materien aus dem Mastdarm als ein ungünstiges Symptom gelten, während die einmalige oder auch die nach unregelmässigen längeren Intervallen sich wiederholende Entleerung von zähem, etwas glänzendem Schleim, der den Fäcalstoffon äusserlich anhaftet, irrelevant ist.
Reines, dunkelrothes, flüssiges oder unvollständig geronnenes Blut wird bei Darmblutungen (Berstung eines venösen Gefässes der Dickdarm­schleimhaut) entleert. Geringe Quantitäten von Blut kommen auch bei Mastdarm-Rupturen zur Ausscheidung.
Normalmässig soll der After sich nur bei der Entleerung von Darm-exerementen und Darmgasen öffnen, sonst durch den Tonus des Sphincter Ani geschlossen sein. Aeltere Stuten zeigen oft eine Erschlaffung des Diaphragma Pelvis und mit derselben die Einziehung des Afters in die
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ßeckonhöhle. Durch Atonie dos Splimuior oltiiet sich der Mter hierbei oft so weit, dass Luft in den Mastdarm eindringen kann. In der Regel hat dieser Zustand keine üblen Folgen, obwohl er oft einen leiohlon Katarrh in dem Endstück des Mastdarms verursacht. — Im Verlaufe schwerer diarrhoischer Zustände bewirkt der Mastdarrakatarrh vorüber­gehend eine Erschlaffung des Sphincter und Oeffnung des Afters. #9632;— Bei den schweren Arten der Diarrhöe (Folgeleiden der Pfordestaupe und anderer Infectionskrankheitcn, ferner bei toxischer Wirkung der Drastica), besteht oft eine schmerzhafte Empfindung in der Partie dos Afters (After­zwang, Tenesmus), welche die Pferde zum häufigen Drängen auf den Mastdarm zwingt, wenn auch keine Fäcalstoffe zur Ausscheidung vor­handen sind.
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9. Ilarnapimrat.
Der in den Nieren secernirte Harn (Urin) wird zunächst in der Harnblase bis zu massiger Anfüllung der letzteren gesammelt und dann ausgeschieden Gesunde Pferde entleeren die Blase durchschnittlich inner­halb 24 Stunden 5—6 Mal. Beim Genuss wasserreicher Nahrungsmittel und nach der Aufnahme diuretisch wirkender Substanzen (Kochsalz) wird von manchen Pferden 7 — 8 Mal täglich und selbst noch öfter Harn gelassen.
Das hier als bekannt vorausgesetzte Verhalten der Pferde bei der Harnentleerung ändert sich in Folge abnormer Zustände in den Harn­organen. — Die Hyperästhesie der Urethra veranlasst die Pferde, oft und anhaltend auf die Ausscheidung zu drängen, wobei jedesmal nur eine geringe Menge und oft kein Harn abfliesst. In gleicher Weise zeigt sich bei manchen Arten der Kolik ein vergeblicher Drang auf den Harn, was theils auf nervöse Findüsse, thoils auf die Belastung der Blase durch krankhaft erweiterte Darmpartien zurückzuführen ist. Oft ist bei kolik­kranken Stuten der Drang auf den Harn durch den Unverstand verur­sacht, mit welchem reizende Substanzen (gepulverter Pfeffer oder Ingwer) auf die Schleimhaut des Schoidenvorhofs gebracht wurden. Acute In-fectionskrankheiten mit typischem Verlauf sind während der kritischen Harnausscheidung oft von Drang auf den Harn begleitet. Aehnlich vor­halten sich einzelne Pferde, die an Hämorrhagia vesicalis oder an Cystitis leiden.
Manche Hengste, mehr aber die Wallachen halten aus üblor Ange­wohnheit im Beginn der Harnentleerung den Penis in der Vorhaut zu­rück, so dass der Harn aus letzterer strudeiförmig abfliesst. Erst im
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100nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Harnapparat.
Verlaufe der Entleerung wird der Penia aus der Vorhaut gestreckt. — Wenn die Vorhaut in Folge chronischer Batzündung und Ulceration ver­engt ist, so wird die Ausstreckung des Penis unmöglich und der Harn fliesst über die corrodirte Vorhaut ab. — Die Ausscheidung des Harns in einem abnorm dünnen Strahl bei Hengsten und Wallachen ist in der Kegel durch eine schmerzlose Auflockerung der Harnröhren-Sclileimhaut verursacht, in vereinzelten Fällen auch durch einen Harnröhrenstein. — Continuirliches Abtröpfeln des Harns (Incontinentia Urinae) bei Hengsten und Wallachen, ähnlich auch bei Stuten, wird durch paretische Zustände des Blasenhalses, namentlich in Folge der reizenden Wirkungen von Blasensteinen und ßlasengries bedingt.
Die Untersuchung des Harns nach Quantität und Qualität hat für die theoretische Erklärung des Verlaufes mancher Krankheiten ein hervorragendes Interesse, kann aber für die Zwecke der Diagnostik in der thieramp;rztlichen Praxis auf die wichtigsten Momente beschränkt wer­den. In der nachfolgenden Darstellung sollen deshalb nur die letzteren eine Berücksichtigung finden. Für das weitere Studium der Harnanalyse verweise ich auf Siedarngrotzky-Hofraeister, Mikrosk. und ehem. Diagnostik. 2. Aufl. 1884.
Obwohl einige Eigenschaften des Harns schon bei der Entleerung wahrgenommen oder nach den Angaben der Wärter beurtheilt werden können, so ist doch für die genauere Ermittelung seiner Beschaffenheit das Auffangen einer massigen Quantität unerlässlich. Hierzu wird am besten nach der allgeübten Methode ein geeignetes Gefäss im Stalle be­reit gehalten und ein Wärter beauftragt, dasselbe beim Harnlassen des Pferdes zu füllen. Die vollständige Sammlung der in einer bestimmten Zeit secernirlei) Harnmenge macht die Application eines Harnbeutels, wie ihn Haubner zuerst empfohlen hat, nothwendig. Die Harnmenge unter­liegt nach der Grosse der Pferde, dem Wassergehalt der Nahrung, der grösseren oder geringeren Wassorausscheidung durch die Haut, die Lungen oder den Darm (Durchfall) erheblichen Modilicationen. Grössore Pferde entleeren bei dauerndem Aufenthalt im Stalle und bei der am meisten üblichen Fütterungsart pro Tag 4—6 Liter Harn. Bei kleineren Pferden ist das Quantum geringer (2,50—4,0 Liter). Die Berechnung der normal-massigen Harnmenge nach dem Lebendgewicht der Pferde liefert kein brauchbares Resultat, weil mit der Zunahme des Nährzustandes das Körpergewicht erheblich steigt, die ausgeschiedene Harnmenge aber des­halb nicht grosser wird. — Die tägliche Menge des Harns vermindert sich bei schweren fieberhaften Krankheiten bis auf die Hälfte des nor­malen Quantums und zuweilen noch darüber hinaus. — Eine krankhafte
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Vermehrung der Menge ist stets mit grösserera Wassergehalt dos Hains verbunden; sie kommt vor bei acuten Infoetionsfiebern mil typischem Verlaufe im Stadium der Krisis; am meisten aber beim Lauterstall (Polyurie).
üer dem Pferdeharn eigenthümliohe Geruch wird von Stoffen be­dingt, deren chemische Constitution noch nicht nachgewiesen ist Je concentrirter der Harn ist, desto stärker ist die Verdunstung der Riech­stoffe unmittelbar nach der Entleerung. Laien bezeichnen einen solchen Harn vielfach als „heissquot; oder „scharf. Nach Siedamgrotzky-Hof-meister erlangt der Harn eines Pferdes, welches mit Fleischmehl ge­füttert wird, den Geruch des menschlichen Harns. Zuweilen riecht der frische Pferdeharn ammoniakalisch in Folge abnormer Gährung und Zer­setzung des Harnstoffs in demselben. Die fortgesetzte innerliche An­wendung grösserer Gaben von Terpenthinöl verleiht dem Harn den Veilchengeruch. Auch mehrere andere Arzneipräparate bewirken das Auftreten eigenthümlicher Riechstoffe im Harn, welche aber klinisch nicht von Interesse sind. — Der bei der Harnruhr (Lauterstall) ausge­schiedene wasserklare Harn ist geruchlos; nach der frischen Entleerung zeigt sich an demselben auch keine augenfällige Verdunstung, wesshalb viele Laien ihn als „kaltquot; bezeichnen.
Ein abnorm starkes Schäumen des frisch gelassenen Harns findet in dem relativ grossen Gehalt an Kohlensäure seine Ursache, scheint aber eine krankhafte Bedeutung nicht zu haben.
Das speeifische Gewicht steht bei gesunden Pferden in einem be­stimmten Vorhältniss zur Menge des Harns. Vorgrössert sich letztere, so sinkt das spec. Gewicht und umgekehrt. Bei einer Temperatur des Harns von 15deg; 0. beträgt das spec. Gewicht in mittlerer i3erechnung 1,030. Oft ist es höher oder auch geringer. „Die Grenzen liegen etwa zwischen 1,020 und 1,050quot; (Lustig). Haben die Pferde stundenlang schwer gearbeitet und stark transspirirt, so ist der zunächst ausge­schiedene Harn stark concentrirt und das spec. Gewicht desselben kann bis zu 1,055 ansteigen, wie entgegengesetzt bei reichlichem Genüsse von Grünfutter an die im Stalle verbleibenden Pferde das spec. Gewicht des Harns bis auf 1,015 herabsinken kann. — In fieberhaften acuten Krank­heiten richtet sich das spec. Gewicht grösstentheils auch nach der Harn­menge. Der im Stadium der Krisis gelassene klare und wasserreiche Harn ist von geringem spec. Gewicht. — Bei chronischen Nierenkrank­heiten ist das spec. Gewicht dos Harns erheblich vormindert, ebenso beim Lautorstall, auch wenn derselbe nur wenige Tage anhält.
Die Farben, welche der Harn zeigen kann, unterscheidet Lustig
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(Hannov. Jalirosber. XL; in: bkssgolb, liellgolb, gelb, rothgolb, gelbroth — roth, braunroth. rothbraun, schwarzbraun. Die fünf erstgenannten Farben kommon nonnalmässig vor, die vier letzterwähnten sind krank­haft. In der Praxis werden ausserdem die Bezeichnungen; blass, stroh­gelb, bernsteinfarben, dunkel, chokolacionFarbig und missfarbig gebraucht. Blass, farblos, resp. mit reinem Wasser zicmlioli übereinstimmend wird der Pferdeharn bei der Harnruhr (Lauterstall), sowie bei der Diureso nach der Anwendung von Canthariden oder Terpenthinöl und oft auch im kritischen Stadium dor Brustscuclie und der Pferdestaupe. Die gelben Farben dos Harns sind durch eigenthümliche Harnfarbstoffo verursacht, von denen das ürobilin der wichtigste ist. Das Auftreten der rothen Farben im Harn, sowie das missfarbige und choko laden farbige Aussehen desselben ist durch den Gehalt von Blut oder Bluibestandtheilen bedingt.
Die Reaction dos frischen Pferdeharns, die mit Lakmuspapier nach­gewiesen wird, ist wegen des Gehaltes an kohlensaurem Kalk der Regel nach alkalisch. Sauer reagirt der Harn nicht selten bei fieberhaften Krankheiten. Die saure Reaction wird auf den Gehalt an phosphor-sauron Salzen oder an freier Hippursäure oder an oxalsaurein Kalk zu­rückgeführt.
Hinsichtlich der Consjstenz ist der Pferdeharn gewöhnlich trübe, ofl dickflüssig, schleimig, gallertig und fadenziehend. Nach Siedam-grotzky-Hofmeister wird die schleimige Eigenschaft des Pferdcharns dadurch bedingt, dass demselben das Secret der Schleimdrüsen des Nierenbeckens beigemischt ist. Fehlt dasselbe, so erscheint der Harn dünnflüssig, wie bei fieberhaften Krankheilen im ersten Stadium oft zu finden ist.
Durch die mikroskopische Untersuchung des Harns sind zunächst die Krystallo der Harnsalze nachweisbar, was indess für die Diagnose einer Krankheit nicht von erheblicher Bedeutung ist. Von grösserem Worth ist der Nachweis der für die einzelnen Regionen des Uro-Genital-tractus charakteristischen Zellen. Bei Reizungsprocessen im Nierenbecken scheiden sich die demselben, eigentliümlichon Gylinderzeilen ab. Aus den Harnleitern der Blase und der Urethra stammen die Pflasterepithelien, die bei katarrhalischen Zuständen der Harnwege in grosser Zahl neben Eiterkörperchen (weisse Blutkörperchen) gefunden werden. — Harncylinder (Abgüsse der Nierenkanälchen) werden bei Nierenkrankheiten im Pferde­harn oft gefunden (hyaline, grnnulirte und epilholialo Cylinder). — Der Eintritt von Blut in den Harn ist mikroskopisch durch den Nachweis der rothen Blutkörperchen zu ermitteln; letztere haben kurze Zeit nach der Harnentleerung tlicils noch die normalen Eigenschaften, theils sind
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sie ausgewaschen und aufgebläht, theils erscheinen sie geschrumpft oder von zackiger Form. — Die weisson Blutkörperchen im Harn unter­scheiden sich mikroskopisch nicht von den Eiterkörperchen.
Die chemische Untersuchung dos Harns liefert Aufschluss über den etwaigen Gehalt desselben an Eiwoissstoffen. Die Eigenthümlichkeiten der letzteren sind aber durch die Prüfung des Harns mit chemischen Reagentien nicht klarzustellen. Die Beimischung rother Blutkörperchen oder Eiterkörperchen (weisse Blutkörperchen) bedingt ebenso gut liiweiss-reactionen, wie der Gehalt des Harns an Serumalbumin. Zweckmässig ist demnach neben der chemischen die mikroskopische Untersuchung aus­zuführen. Das Auftreten von Eiweiss im Urin ist stets krankhaft, aber sehr oft vorübergehend und unerheblich. Allgemein gültig lässt sich aus dem Nachweis desselben nur auf eine Störung der Blutciroulatlon in den Nieren schliessen. Nach den bei kranken Menschen ermittelten Vorgängen ist auch in der Thierarzneikünde geltend gemacht worden, dass durch Herzfehler, sowie durch acute und chronische Lungenkrank­heiten und durch Pleuritis eine Rückstauung des Blutes in den Venen und folglich auch in den Nierenvcnen verursacht und dass hierdurch ein üebertritt von Eiweiss in den Harn bedingt werde. Soweit loh nach meinen Erfahrungen habe feststellen können, ist für die Entstehung des Eiweissharns bei Pferden eine derartige Bedingung nicht in An­spruch zu nehmen. Es mag sein, dass unter den gedachten Voraus­setzungen ausnahmsweise Spuren von Serum-Eiweiss in den Harn ge­langen. Der Rogei nach gestaltet sich das ursächliche Vcrhällniss des Eiweissharns so, dass durch entzündliche Reizungen oder durch schwere Degenerationen der Nieren eine Blutstauung in den Venen derselben her­vorgebracht und dass der hierdurch bedingte abnorm starke Blutdruck in den Gefässschlingcn der Glomeruli die Transsudation von Serumeiwoiss unter gleichzeitigem üebertritt von morphotischon Blutbcstandtheilen herbeiführt. — Die Aetiologie des Eiweissharns, wie sie bei Menschen ermittelt ist, lässt sich nicht vollständig auf die Pferde übertragen, weil bei der horizontalen Stellung der letzteren die Störungen im kloinen Kreis­lauf nicht eine gleich starke Blutstauung im Gebiete der Cava inferior und bezw. in den Nierenvenen verursachen. Zunächst wird Eiweiss im Pferdeharn oft gefunden bei den fieberhaft verlaufenden InCectionskrank-helten (Brustseuche, Pferdestaupe), weil dieselben eine parenehymatöse Reizung und Schwellung der Nieren mit sich bringen. Meist enthält der Harn während des speeifischen Verlaufs dieser Krankheiten nur vor­übergehend an einem oder an mehreren Tagen Eiweiss. Mit der Ver­ringerung und bezw. mit der Rückbildung der Nicrenaffection hört die
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Aussoheiduug von Eivvciss wiotler auf. — C)hronischo diffuse Nieren­entzündungen veranlassen auch bei Pferden dauernd, bald in höherem, bald in geringerem Grade eine Beimischung von Eiweiss zum Harn.
Eiweiss wird im Harn durch Kochen gefällt. Tndess tritt dieser Niederschlag nur bei saurer Reaction des Harns ein. Ist der Harn alka­lisch, so rauss der zur Untersuchung bestimmten und vorher filtrirten Probe im Reagenzglaso zuvor Essigsäure oder Salpetersäure in genügen­der Menge zugesetzt und darauf die Erhitzung bewirkt werden.
Dass der Pferdeharn verschiedene Eiweissstoffe und auch Blut in toto enthalten kann und dass sich bei der chemischen Prüfung eines solchen Harns die Eiweissreaction zeigt, wurde schon angeführt. — Der blutige Harn ist, wenn die Anomalie in einem erheblichen Grade besteht, schon durch die Farbe erkennbar. Zu unterscheiden ist dabei zunächst das Auftrelcn von Hämoglobin (Hämoglobinurie) und von Blut in toto (Häma-turie). Der Hämoglobinharn giebt sich durch eine gleichmässig blut-rothe Farbe oder durch eine bierbraunc Farbe oder durch chokoladen-farbige Beschaffenheit des Harns zu erkennen. In demselben scheiden sich Blutgerinnsel nicht ab und bei der mikroskopischen Untersuchung finden sich rothe Blutkörperchen nicht oder doch nur in geringer Zahl.
—nbsp; nbsp;Die Ursachen der Hämoglobinurie sollen bei der Darstellung der Windrehe erörtert werden. — Das Auftreten von Blut im Harn ist auf eine Hämorrhagie der Blase oder der Nieren zurückzuführen. In Aus­nahmefällen kann das Blut aus den Ureteren oder aus der Urethra männlicher und castrirter männlicher Pferde stammen. In der Regel ist bei der Hämaturie das Blut gleichmässig mit dem Harn vermischt; ich habe aber bei Blasenblutung eines Pferdes beobachtet, dass zuerst ziemlich heller und klarer Harn entleert und darauf unvollständig ge­ronnenes Blut ausgeschieden wurde. Beim Stehen des bluthaltigen Harns bildet sich nach mehreren Stunden mitunter ein Ooagulum von Fibrin. Immer enthält ein solcher Harn in grosser Zahl rothe Blutkörperchen.
—nbsp; nbsp;Wenn der Harn eines Pferdes nur in geringerem Grade rothgefärbt erscheint, so kann der mikroskopische Nachweis von dem spärlichen Befunde rother Blutkörperchen in demselben nicht auf eine Gefässruptur in den Harnwegen bezogen werden Bei einer schweren parenehymatösen Nephritis, wie dieselbe die acuten infectiösen und toxischen Krankheiten oft begleitet, vollzieht sich per Diapedesin der Uebergang von rothen Blutkörperchen in den Harn.
Zu den normalen Bestandtheilen des Harns gehört das Chlornatrium. Dasselbe ist durch Zusatz einer lOproc. Lösung von Argent, nitr. nach­zuweisen. Bei fieberhaften Krankheiten, namentlich bei der Brustseuche,
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vermindert sich auch bei Pferden, ebenso wie bei den analogen Krank­heiten des Menschen, der Gehalt des Harns an Kochsalz. Mit dorn Nach-lass des Fiebers steigt der Kochsalzgelialt wieder. Für die thierärztüche Praxis hat indess diese Thatsache keine erhebliche Bedeutung, weil die günstige Wondung im Krankheitsverlaufe sich nach anderweitigen Er­mittelungen viel leichter und mit ausreichender Sicherheit nachweisen lässt. Auch ist bei der Brustseuche die Zunahme dos Koohsalzgehaltes im Harn am 7. — 8. Krankheitstage noch kein unzweifelhaftes Merkmal der Genesung, weil trotzdem durch die Brustaifection der Grund zu einem tödtlichen Folgeleiden gelegt sein kann.
Eine Prüfung des Harns auf Zucker ist bei den Pferdekrankheiten ohne praktisches Interesse. Denn bislang ist keine ein wandsfreie Beob­achtung über das Vorkommen der Meliturie bei Pferden gemacht worden. Die entgegenstehenden Angaben in der Literatur erklären sich dadurch, dass die Untersuchung des Harns auf Zucker durch die Trommer'sche Probe keine ganz sicheren Resultate liefert und dass demnach die Be­funde irrthümlich gedeutet worden sind.
Gallenfarbstoff, der durch die Gmelin'sche Probe nachgewiesen wird, habe ich nur in einem Falle bei einem Pferde, welches an Icterus gravis (Lupinenkrankheit) litt, gefunden. Die in der hiesigen Klinik sehr oft untersuchten Harne von Pferden, welche an Brustseuche, Pferde­staupe oder an acuten toxischen Krankheiten litten, haben in keinem Falle einen Gehalt an Gallenfarbstoff erkennen lassen.
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Erste Classe. Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Capitel I. Rotz, fflaliasmus. Malleus.
Dor Kotz ist die gefährlichste Krankheit der Pferde und hat aus diesem Grunde zu allen Zeiten die eingehendste Beachtung der Thlerärzte gefunden. Wie bei den meisten Krankheiten, so ist auch beim Rotz die Definition wesentlich bestimmt worden durch den Einlluss der medicinischen Schulen und Systeme. Bis zu den grundlegen­den Arbeiten Virchow's wurde derselbe aber ziemlich allgemein als eine, dem Pferde eigenthümliche dyslcrasischo oder kachectische Krankheit angesehen, welche sich vorwaltend durch katarrhalische Affection der Respirationssohleimhaut und durch Erkrankung der Lymphdrüsen äussern sollte.
In der älteren Zeit beschränkte man den Namen Rotz auf die speeiflsche Affec­tion der Respirationsschleimhaut, während die rotzige Erkrankung der Haut als „Wurmquot; fMorbus fareiminosus, Farciminum) betrachtet wurde. Beide Krankheiten sollten genetisch und pathologisch von einander verschieden sein. Die ätiologische Zusammengehörigkeit von Rotz und Wurm wurde zwar gegen Ende des vorigen Jahr­hunderts nachgewiesen. Allein in der Literatur behauptete die althergebrachte Ge­wohnheit, zwischen beiden Krankheitsformen zu trennen, noch lange ihr Vorrecht. Zur Beseitigung dieser Unzulässigkeit wählton die Thlerärzte vor 30 Jahren die Be Zeichnung „Rotz- und Wurmkrankheitquot;, oder „Rotzwurmkrankheitquot;.
Der Rotz ist schon imAlterthum beobachtet worden. Aristoteles (330 v. Chr.) wusste, dass der Esel von demselben befallen wird. Er bezeichnete das Leiden als ßfjhs (böse Krankheit oder Seuche). Apsyrtus (375 n. Chr.) änderte fifjkig in fxdhg und verstand unter diesem Worte so ziemlich alle pernieiösen Krankheiten des Pferdes. Mit Beibehaltung der Lehre bildete Vegetius Ronatus (400 n. Chr.) aus der griechischen Bezeichnung das lateinische Wort Malleus. Nach der Darstellung dos Vegeti us sind von den angeblichen 7 Arten des Malleus zwei Krankheiten; 1) Malleus humidus, auch Morbus humidus (Nasenrotz) und 2) Malleus fareiminosus (Hautrotz oder Wurm) dem Rotz bei/.ureohnen.
Soleysel (1()69) betrachtete den Rotz als eine „kalte Krankheitquot;, die mit der chronischen Druse Aelmlichkeit. habe und bei welcher eine scharfe Feuchtigkeit die Nasenschleimhaut zerfresse. Seine Lehre wurde fast 100 Jahre hindurch in den Hand-
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Rotz.
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Mohern der Pferdekunde wiederholt. Bourgelat, welcher den medicinisohen An­schauungen seiner Zeit zugänglich war, hielt den Rotz für eine Dyskrasie und meinte zunächst — worauf schon van llelmont (1682) aufmerksam gemacht hatte —, dass derselbe mit der Syphilis des Menschen in genetischem Zusammenhange stände. Später hat Bourgelat durch Versuche festgestellt, dass Rotz und Syphilis zwei besondere Krankheiten sind; aber Faulet verblieb trotzdem bei der Ansicht, dass die Entwick­lung derselben nicht verschieden sei. Im Zusammenhange mit dieser Lehre erhielten die Geschwüre auf der Nasenschleimhaut den Namen „Schankergeschwürequot; oder „schankröse Geschwürequot;, mit welchem sie bis in die neueste Zeit vielfach bezeichnet worden sind, trotzdem die ätiologische Verschiedenheit des Rotz von der menschlichen Syphilis durch experimentelle Untersuchungen längst aussei' Zweifel gestellt war.
Mit der Gründung der Thierarzneischulou verallgemeinerte sich die Discussion über den Rotz. Die französischen Autoron widmeten der Frage ihre Aufmerksamkeit, ob der Rotz ansteckend sei oder nicht, obwohl schon Solleysol die Entstehung aus der Ansteckung beobachtet hatte. Eine Einigung der Ansichten wurde nicht erreicht. Mehrere französische Thierärzte erklärten, dass die Krankheit stets ansteckend sei; von anderen Seiten wurde dagegen behauptet, sie sei niemals ansteckend. Am meisten erhielt sich aber in der französischen Literatur der Irrthum, dass der Rotz zuweilen ansteckend und oft nicht ansteckend sei. Daher die Unterscheidung in echten und unechten Rotz, die schon von Lafosse und Bourgelat vertreten wurde und Ten­necker zu der inoorrecten Behauptung verleitet hat, dass es einen gutartigen und bösartigen Rotz bei Pferden gebe. Noch im Jahre 1855 erklärten Delafond und Bouley den chronischen Rotz für nicht ansteckend.
Lafosse der ältere (1754) und Lafosse der jüngere (1780) glaubten, dass der Rotz mit einer localen Reizung der Nasenschleimhaut seinen Anfang nehme, und dass die rechtzeitige Behandlung dieses Entzündungszustandes eine Heilung ermögliche. Mit dieser Anschauung verknüpfte sich die Vorstellung, dass die Krankheit eine Form der Druse (Coryza) darstelle oder durch Ausartung der Druse hervorgebracht werde. Die Geschwüre in der Nasenschleimhaut galten als Wirkung einer „Schärfequot;, welche die Nasendejecte bei chronischem Vorlaufe der Druse aus unbekannten Gründen er­langen sollten. Es erklärt sich hiernach und aus der Richtung der Krankheitslehre in der damaligen Zeit, dass die Thierärzte nicht müde wurden, nach einem Heilver­fahren gegen den Rotz zu suchen.
Eine erhebliche Bereicherung hat die Lehre vom Kotz durch Abi Idgaard und Viborg erfahren, welche zuerst durch Versuche klar erwiesen, dass der Rotz der Respirationsorgane (Kotz im engeren Sinns) und der Hautrotz oder Wurm dem Wesen nach identisch sind. Viborg hat ausserdem die Art der Ansteckung und die wichtig­sten Eigenschaften des Contagiums experimentell ermittelt. Insbesondere erkannte er zuerst, dass das Oontagium zwar in der Hauptsache fixer Natur ist, sich aber auf geringe Entfernungen von dem Krankheitshorde in der Luft befinden und mit dor Athmung die Infection gesunder Pferde bewirken kann. Hättet) die späteren Autoren die anregenden Arbeiten Viborg's besser benutzt, so würde die Konntniss von den Eigenschaften des Kolzcontagiums wahrscheinlich früher dem Gebiete unfruclilbaror Mulhmassungen entzogen worden sein. Wie Kourgelat, so glaubte auch Viborg, dass der Rotz spontan entstehen könne und dass seiner Entwicklung eine Dyskrasie des Blutes vorausgehe. Coleman und Delabere-Blaine traten dor Lehre Vi­borg's von der Identität zwischen Kotz und Wurm bei. Eigenthümlich war die An­sicht Dupuy's (1817), nach welcher eine grössero Zahl von Thierkrankheiten einen
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gemeinsamen tuberkulösen Untergrund haben, bezw. in einer „tuberkulösen Affectionquot; beruhen sollte. Zu dieser Affection rechnete Dupuy auch den Rotz mit Einschluss des Hautrotz oder Wurm. Ihm galten die Knötohen und Knoten in den Lungen und in der Haut als Tuberkeln und die Geschwüre in der Nase und in der Haut als Folge einer Erweichung dor primär daselbst vorhanden gewesenen Tuberkeln. Den aouten Rotz (Morve aigue) vergleicht Dupuy mit der brandigen Bräune und der Lungen­entzündung. Wegen des phantastischen Beigeschmacks, welchen die Arbeit Dupuy's offenbar hat, sind die in derselben mitgetheilten Thatsachon weniger beachtet worden, als sie verdient hätten. Er bezeichnete die Rotzknötehen in den Lungen als „Miliar-tuberkelnquot;, und auch die sternförmigen Narben der Nasenschleimhaut als verheilte Zustände früherer Rotzgeschwüre waren ihm bekannt. Irrthümlich hielt er mit seinen Zeitgenossen und auf Grund seiner Lehre den Rotz für nicht ansteckend. Die schon vor ,r)0 Jahren in Aufnahme gekommene Eintheilung des Rotz nach dem Sitz der krank­haften Veränderungen (Nasenrotz, Lungenrotz, Hautrotz u. s. w.), lässt sich literarisch auf die Arbeit Dupuy's zurückführen. In Deutschland gorieth diese Terminologie, welche zuerst viel Anklang fand, allmälig in Vergessenheit; sie wurde später von Gerlach (1868) wieder aufgenommen und darauf von vielen deutschen Thierärzten als Richtschnur für die Charakteristik der Krankheitsfälle benutzt.
Entgegen der Theorie Dupuy's wurde an der Thierarzneischule zu Lyon im Sinne von Lafosse gelehrt, dass der Rotz in der Nasenschleimhaut seinen Sitz habe und dass die Geschwüre durch Entzündung veranlasst würden.
Auf einer unklaren Definition der Druse und auf der Thatsache, dass Nasenaus-fluss ein Symptom beider Krankheiton ist, fusst der Irrthum, mit welchem seit dem vorigen Jahrhundert die Meinung vertreten wurde, dass der Rotz aus der Druse ent­stehe. Die Diagnose des Rotz (Nasenrotz) war abhängig von der Wahrnehmung der Rotzgeschwüre in den unteren Abschnitten der Nase. So lange bei einem rotzkranken Pferde blos Nasenauslluss bestand und keine Geschwüre gesehen werden konnten, diagnosticirton die Sachverständigen die „Drusequot; und wenn trotz der fortgesetzten Behandlung schliesslich Geschwüre auf der Nasenschleimhaut sich bemerkbar machten, so wurde angenommen, dass der Rotz sich aus der Druse entwickelt habe. Um diese Theorie zu vervollständigen, mussten besondere und ziemlich willkürlich oonstruirte Begriffe von der gutartigen, bösartigen, bedenklichen und verdächtigen Druse den allmäligen Uebergang der Druse in den Rotz anschaulich machen (Bleiweis, Funke u. A.). Wenn die Krankheit der Respirationsschleimhaut bei einem Pferde sich in ihrem Verhältniss zum Rotz unsicher gestaltete, so wurde sie für die „verdächtige Drusequot; ausgegeben. Es ist evident, dass die meisten der betreffenden Pferde am chronischen Rotz litten. Diese irrthümliche, aber in Deutschland allgemein acceptirte Auffassung hat später Gerlach zu der incorrecten Forderung verleitet, die „ver­dächtige Drusequot; als identisch mit dem Rotz zu betrachten und auf das Entwicklungs­stadium des letzteren bei chronischem Verlaufe zu beziehen. Nachdem endgültig fest­gestellt war, dass der Rotz aus der Druse nicht entsteht, war es unzulässig, statt „Rotzverdachtquot; den Namen „verdächtige Drusequot; zu verwenden.
Wesentlich neue Gesichtspunkte über den Rotz wurden bis zur Mitte dieses Jahr­hunderts nicht aufgestellt. Die Selbstentwicklung der Krankheit sollte nach der An­sicht einflussreicher Autoren (Veith, Hertwig, Hering, Spinola u. A.) durch schlechte Ernährung, anhaltende Anstiengung, Abmagerung, krankhafte Secretionen und Resorption eiterig-jauchiger Entzündungsproducte eingeleitet werden. Den Mittel­punkt dieser Lehre bildete die Hypothese von der eigonthümlichen Dyskrasie des
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Rotz.
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Blutes und der Gewebssafte, welche dem Rotz vorausgehen sollten. Die pathologisch­anatomischen Veränderungen dachte man sich als Ablagerungen aus dem Blute. Eine scheinbare Stütze erhielt die Annahme der Dyskrasie durch die von Renault und Bouley (1840) veröffentlichten Versuche, bei welchen angeblieh nach der Injection von Eiter in das Blut gesunder Pferde Rotz entstanden sein soll. Hering erklärte zunächst vorsichtig, dass die Entstehung der Krankheit durch Eiterresorption nach diesen Versuchen wahrscheinlich sei; später betrachtete er aber die Versuche als be­weisend. Heute wird nicht mehr bezweifelt, dass vor Anstellung der fraglichen Versuche die betreffenden Pferde mit dem verborgenen Rotz behaftet gewesen sind. Als eine Folge dieser Publicationen ist hervorzuheben, dass Bruckmüller, Eroo-lan i u. A. den Rotz als eine Pyämie definirten. Im Uebrigen dachten die meisten Thierärzte, dass gutartige, primäre Krankheiten, namentlich die Druse und die Brust­seuche durch irgend eine Umwandlung ihres Charakters, für welche der Kunstausdruck „Metaschematismusquot; gebräuchlich war, in den Rotz übergehen könnten. Vorsichtige Fachmänner betonten indess im Anschluss an die zuverlässigsten Autoren der älteren Zeit, dass die Selbstentwicklung des Rotz viel seltener sei, als gewöhnlich behauptet werde.
Während bis dahin die theoretische Betrachtung des Rotz sich vorzugsweise auf die Symptome und den Krankheitsverlauf stützte, versuchten Kreutzer und Ditt-rich in Erlangen (1851) die Sectionsbefunde in den Vordergrund der Discussion zu rücken. Sie deuteten nach dem Vorgang Dupuy's die Kotzknoten in den Lungen und die Qeschwürsbildung in der Respirationsschleimhant als die Tuberkulose des Pferdes. Hierdurch verallgemeinerte sich der Gebrauch, die beim Rotz vorkommenden Knötchen und Knoten als „Rotztuberkelnquot; zu bezeichnen.
Eine vollständige Umwandlung in der Auffassung der Thierärzte über den Rotz ist durch Virchow (1854 und 1863) herbeigeführt worden. Er zeigte zuerst, dass das Rotzcontagium die Eigenschaft besitzt, neoplastische Bildungen, daneben aber auch einfach entzündliche und exsudative Processe in einer Reihe von Organen hervor­zurufen. Die Rolzknoten stellte er in die Gruppe der Granulationsgeschvvülste (Gra-nulomata). Von ihm wurde auch zuerst erörtert, dass die Rotzknoten sich aus Zollen zusammensetzen, dass die Rotzgeschwüre durch Rückbildung und Erweichung dieser Zellen veranlasst worden und dass die Rotzknoten trotz ihrer Aohnlichkeit von den Tuberkeln und den syphilitischen Goschwülsten der Menschen ätiologisch verschieden sind. Mit dieser wichtigen Erforschung hatte die Geschwürsbildung beim Rotz den Charakter dos Räthsolhaften verloren. Die Frage der Selbstentwicklung behandelte Virchow mit Vorsicht. Seine Kritik ergab aber schon, dass ausreichende Gründe für die Annahme einer spontanen Entstehung des Kotz bislang nicht beigebracht waren.
Der anregenden Wirkung, welche die Publikationen Virchow's hatten, ist es vorzugsweise zu danken, dass über die Entwicklung der Rotzprocesse und ihre dia­gnostische Trennung von anderen Krankheitszuständen in neuerer Zeit eine bessere Erkonntniss erlangt worden ist. Leisering (18C2) beschrieb die pathologisch-ana­tomischen Veränderungen, denen er durchweg einen nooplastischen Charakter beilegte. Nach seinen Andeutungen sollten sogar die sternförmigen Narben in der Respirations­schleimhaut nicht durch „Verheilungquot; der Rotzgeschwüro zu Stande kommen, son­dern malleose Neoplasien sein. Die spontane Entstehung des Rotz erklärt er in einer trefflichen Kritik für unerwiesen. Von grosser Tragweite sind die Studien Gerlach' s (1868) gewesen, dem die Arbeiten Virchow's und Leisering's als Grundlage dienten. Gorlach hat zuerst den Lehrsatz eingeführt, dass der Rotz sich durch
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Solbstentwicklung nicht ausbildet. Allerdings hatte er hierbei vorzugsweise im Auge, den veterinär-jMlizeilichon Schutzmassregeln zur Bekämpfung des Rotz eine wissen-sohaftlichp ßasis zu geben. Denn or erläutert seine Ansicht dahin, dass die Ent­stehung der Krankheit aus einer anderen Ursache, als dem Ansteckungsstolf nicht zu erweisen und deshalb auch so lange nicht annehmbar sei, bis die Selbslentwioklung objectiv dargothan werden könne. Die Begründung dieser Lehre hat Bollinger (1874) erweitert und zu einer präcisen Darstellung gebracht. Für die thierärztliche Praxis hat Gorlach ausserdem das Verdienst, endgültig festgestellt zu haben, dass zur Diagnose dos Rotz (Rotz der Kcspirationsorgane) die Wahrnehmung von Ge­schwüren in der Sasenschloimhaut nicht unumgänglich nothwendig, dass vielmehr durch eine wissenschaftliche Erwägung anderer diagnostischer Gründe das Vorhanden­sein dos Rotz in vielen Fällen vollständig zu motiviron sei.
llallier, Zürn, Chauvoau u. A. bemühten sich, das Wesen des Rotzconta-glums durch mikroskopische Untersuchungen zu erforschen. Sie glaubten spocifisohe Mikrokokken in den Rotzproducton erkannt zu haben. Allein Bollinger (1874) hat hiergegen schon auf Grund zahlreicher Untersuchungen mit Recht eingewendet, dass die specifischo Natur der von den genannten Autoron boschriobonon Gebilde nicht zu erweisen sei.
Bessere Resultate erlangten Bouchard, Capitan und Charin, welche 1881 und 1882 in den Rotzherden der Nase, Lungen, Milz etc. einen Schistomycoten fanden und in neutraler Fleischbrühe oultivirten. Mit der fünften Cullur wurde durch Impfung der Rotz auf Katzen, Meerschweinchen und Esel übertragen. (Gaz. hebd. 1882 und Rec. do Möd. vet. 1883.) — Im Kaiserlichen Gesundhoitsamt zu Berlin ver-impften Loeffler und Schütz kleine Theilchon von den Rotzknoten aus den Lungen und der Milz eines Pferdes auf storilisirtes Pferde- und l[ammolblutserum. Sie fanden hierdurch den spocifischen Spaltpilz des Rotz (Rotzbacillus), wie durch fortgesetzte Culturen und Impfungen bei Kaninchen, Meerschweinchen, Pferden und Feldmäusen nachgewiesen wurde. Weisso Mäuse erkrankton nach der Einimpfung der Bacillen-Culturen nicht (Deutsche mod. Wochensohr. von Boornor, 1882., No. 52). — Zu gleicher Zeit stellte 0. Israel im pathologischen Institut der Berliner Universität eine Reihe von Impfversuchen mit den aus Rotzknoton der Lungen künstlich gezüchte­ten Bacillen bei Kaninchen an. In mehreren Fällen gelang die künstliche Erzeugung der Rotzkrankheit. Bemorkenswerth ist die von Israel gleichzeitig ermittelte That-sache, dass neben den specifischen Rotzbacillen in den Krankheitsherden oft noch andere Mikroorganismen vorkommen, von welchen Eiterungsprocesso bedingt und unterhalten werden (Berliner klinische Wochenschr., 1883., No. 11).
Von praktischer Bedeutung ist die Entdeckung des Rotzbacillus bis jetzt nicht geworden. In dem virulenten Nasendeject dor rotzkranken Pferde hat derselbe noch nicht nachgewiesen werden können. Auch in den Rotzherden der Lungen sind sehr häufig die Bacillen nicht zu finden. Für die Zwecke der Diagnose lässt sich demnach die Entdeckung nicht verwerthen und auch für die Beurtheilung dos Contagiums und seiner mannigfachen Eigenschaften dürften noch weitere Cultur- und Infectionsver-suohe erforderlich sein, bevor massgebende theoretische Gesichtspunkte aus dem biolo­gischen Verhalten der Rotzbacillen aufgestellt werden können.
Aetiologie. Die alleinige Ursache des Rotz ist das speeifische Conta-gium (der Rotzbacillus), dessen Erhaltung durch die fortdauernde Er­zeugung im Körper kranker Thiere bedingt wird. So lange eine ander-
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Rotz.
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weitige (eotogene) Production des Contagiurns nicht ermittelt ist, bleibt nach der correcten Forderung Gerlach's (1868) nur übrig, den Ur­sprung der Rot/eruption in jedem Falle auf ein krankes Thier zurückraquo; zuführen. Aber die Möglichkeit, dass auch ausserhalb des lebendigen Thieres noch günstige Nährsubstrate für die Rotz-Mikroben existiron können, lässt sich nicht endgültig in Abrede stellen. — Das Oontagium entwickelt und vervielfältigt sich nicht in den Flüssigkeiten, sondern nur in den Geweben des Thierkörpers; es haftet aber an den feston und flüssigen Krankheilsproducten: Goschwürssecroten, Nasendejecien, Knoten und Herden in Lungen, Haut, Lymphdrüsen etc. Durch Re­sorption wird es in das Blut übernommen; mit der Blutcirculation kann es in verschiedene Organe gelangen und in denselben malleose Krankheitsprocesse veranlassen. Aber das Blut dient nicht als Oultur-flüssigkeit für die Propagation des Rotzcontagiums; es ist vielmehr nur ein Transportmittel für dasselbe. Ob das Rotzcontagium mit Beibehaltung seiner Keimfähigkeit vom Blute in den Harn (Viborg) und in andere Secrete übertreten kann, halte ich nicht für erwiesen. Mit den Vehikeln ist es so fest vereinigt, dass es in der Hauptsache als ein fixes Oonta­gium betrachtet werden muss. Allein schon Viborg hat experimentell erwiesen, dass es von einem mit rotziger Nasendejection behafteten kranken Pferde durch die Exspiration in die atmosphärische Luft eines Stallraumes gelangen, dass es ferner durch die Feuchtigkeit der Luft eine Zeit lang getragen und mit der Einathmung bei gesunden Pferden eine Infection herbeiführen kann. Wenn auch die Flüchtigkeit des Con­tagiurns an sich nicht bedeutend ist, so hat sie doch, wie Gerlach mit vielem' Recht betonte, für das Verständniss der Aetiologie einen grossen Wörth.
Vom Klima wird das Rotzcontagium nicht wesentlich beeinflusst; es behält die gleiche Virulenz in den Ländern der heissen, wie der ge-mässigten und kalten Zonen. Seit mehr als 100 Jahren ist bekannt, dass der Rotz den Pferden in Arabien und im nördlichen Afrika ebenso verderblich wird, wie im mittleren und nördlichen Europa.
Die grösste Empfänglichkeit für das Rotzcontagium besitzt zweifellos das Pferd. Sehr wahrscheinlich stehen demselben die übrigen Einhufer, namentlich die Maulthiere, darin gleich. Der Esel erkrankt noch leichter und im Allgemeinen auch schwerer am Rotz, als das Pferd. Der An­steckung erliegen ausserdem mehrere andere Thiergattungcn und der Mensch. Verhältnissmässig leicht werden die Katzen (Hauskatze, Löwe, Tiger und Panther) angesteckt. Nächst der Katze ist der Mensch am meisten in Gefahr, durch das Oontagium des Pferderotz inficirt zu wer­den. Die Empfänglichkeit des Menschen ist aber im Ganzen nicht gross.
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Exacte Kninkhoitsgeschichten von Rotz bei Menschen sind seit 1821 in den iDedioinischen Zeitschriften und Lehrbüchern veröffentlicht worden. Durch Impfung kann das Contagium auf Schafe und Ziegen übertragen worden. Diese Thiero haben aber nur eine geringe Disposition und es müssen schon grössere Mengen des Ansteckungsstoffes verirapft werden, wenn derselbe haften soll. Von Ercolani und Harms ist der Rotz bei Ziegen nach spontaner Infection beobachtet worden. Hunde besitzen nach den Angaben Gerlach's eine sehr geringe Empfänglichkeit; im Wider­spruch hiermit fanden aber Pütz u. A.. dass das Contagium durch Im­pfung bei Hunden verhäitnissmässig leicht haftet (von 6, etwa 10 Wochen alten Hunden wurden von Pütz 3 mit Rotzgift geimpft; 3 wurden nicht geimpft, blieben aber mit den Impflingen längere Zeit zusammen. So­wohl die geimpften, als die nicht geimpften, letztere in Folge spontaner Infection, gingen an Rotz zu Grunde). Durch diese Versuche werden die älteren Angaben von Renault und Leblanc, welche den Rotz durch Impfung auf Hunde übertragen haben, bestätigt. Dass die Kaninchen durch Impfung rotzkrank gemacht werden können, ist neuerdings von Bollinger erwiesen worden. Die üebertragung gelingt jedoch nicht immer. In gleichem Grade sind Meerschweinchen und Mäuse für das Contagium empfänglich. Ob durch dasselbe bei den Schweinen eine Er­krankung bedingt werden kann, scheint mir nicht definitiv festgestellt zu sein, obwohl Gerlach bei einem Schwein ein locales Rotzgewächs in der Subcutis nach der Impfung gefunden und Spinola einen Fall von Rotz beim Schwein nach spontaner Infection gesehen haben will. Rinder sind nach den Beobachtungen in der thierärztlichen Praxis und nach den Versuchen Gerlach's immun. Es war früher allgemein üblich, rotz­kranke Pferde in den Kuhstall zu bringen und hier Monate lang in nächster Berührung mit den Rindern zu belassen; trotzdem ist eine üebertragung der Seuche auf das Rind niemals gesehen worden. Ein von Erdt angeblich beobachteter Fall ist mehr, als zweifelhaft. Die Möglichkeit ist allerdings noch nicht ausgeschlossen, dass durch üeber­tragung einer grossen Quantität des Oontagiuras eine Erkrankung auch bei Rindern herbeigeführt werden kann.
Dass der Rotz ansser vom Pferde auch von anderen Thieren sich spontan weiter verbreiten kann, geht schon aus den Versuchen hervor, welche Pütz u. A. bei Hunden, Kaninchen und anderen Thieren an­stellton. Nach Virchow's Angaben ist in den Spitälern zu Paris mehr­fach die Ansteckung beim Menschen durch die Behandlung und Ver­pflegung der an Rotz leidenden Personen beobachtet worden. Die Rück-impfung von kranken Menschen auf Pferde haben Coleraan, Sowell,
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;118
Youatt, Rayer, Leblanc und später (1847) Virchow mit Erfolg aus­geführt.
Obwohl das Contagiura die aussoliliessliche Quelle des Rotz ist, so giebt es doch ausserdem noch Einflüsse, welche an der Entstehung der Krankheit indirect belbeiligt sind. Vorständlich ist die Thaisache, dass die Infection schneller und leichter zu Stande kommt, wenn eine grössere Quantität von Contagium bei einem gesunden Pferde zur Aufnahme ge­langt. In den Ställen erfolgt die Ansteckung im Allgemeinon schneller, als bei der Arbeit im Freien, wobei das mit der Exspirationsluft aus-gestossene Contagium alsbald zerstreut wird. Das Secret des rotzigen Nasenkatarrhs und die Producte der Rotz- und Wurmgoschwüre bewirken die Ansteckung leichter, als die Rotzknoten. Viborg glaubte, dass der Hautrotz in höherem Grade ansteckend sei, als der innere Rotz, was indess durch spätere Erfahrungen widerlegt worden ist. Am concen-trirteston ist das Contagium in den Nasendcjecten enthalten, welche bei frischen und namentlich bei grösseron Ulcerationen durch den Rotzkatarrh herbeigeführt worden. Hiermit stimmt die alle Erfahrung überein, dass bei dem acuten und subacuten Verlaufe des Rotz die Virulenz des Con-tagiums und bezw. die Gefahr einer Weilerverbreitung der Krankheit unter den Pferden, welche Gelegenheit zur Ansteckung haben, viel grosser ist, als bei chronischem Verlaufe.
Ich beobachtete 1871, dass ein an subacutein Nasen- und Lnngenrotz leidendes Pferd in einem Stalle zwischen 5 gesunden Pferden nur während einer Nacht unter­gebracht war. Es wurden in Folge dessen die beiden benachbarten Pferde und noch ein drittes, welches mit dem kranken nicht einmal in nächste Berührung gekommen war, angesteckt. Alle drei erkrankten innerhalb 5 Wochen, obwohl sie unter sich vollständig getrennt gewesen waren. Gegenüber dieser Wahrnehmung ist die That-sache allgemein bekannt, dass einzelne an chronischem Kotz leidende Pferde mehrere quot;Wochen hinduroh mil gesunden Pferden im Stalle und bei der Arbeit in Berührung kommen können, ohne eine Ansteckung herbeizuführen,
Bei der Verbreitung des Rotz kann das Contagium einen bestimmten Grad der Energie lange Zeit beibehalten. Ich babe oft beobachtet, dass fast sämmtliche Pferde kleiner Bestfinde nacheinander vom subacuten Rotz befallen wurden, während in vielen anderen Beständen die Krankheits­fälle vorherrschend einen chronischen Verlauf nahmen.
Abgesehen von seltenen Ausnahmen ist eine Immunität gegen das Contagium bei keinem Pferde vorauszusetzen. Selbst von denjenigen Pferden, welche der Ansteckung trotz der Berührung mit rotzkranken Pferden nicht erliegen, ist als wahrscheinlich anzunehmen, dass sie in die Krankheit verfallen würden, wenn durch Impfung oder bei der spon-
Di eck erhoff, Spec. Putholütjie u. Thurupie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; g
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114nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
tanon Aufnahme eine grosse Quantität von Conlagium in die empfäng-liclien Organe gelangen würde.
Ganz gesunde, gleich alte und gleichmässig genährte Pferde haben nicht die gleiche Disposition für das Rot/virus. Bei einzelnen Thieren haftet das Oontagium ausserordentlioh leicht, bei anderen seiir schwer. Wenn ein chronisch rotzkrankes Pferd in einem grösseren Bestände viele Monate verbleibt, so wird gewöhnlich beobachtet, dass die im Stalle zunächst stellenden Pferde der Ansteckung verfallen; zuweilen erkranken aber die benachbarten Pferde nicht, sondern es kommt die Seuche bei dem einen oder anderen von denjenigen Pferden zum Ausbruch, welche entfernt sieben und nur ganz vorübergehend mit dem rotzkranken Pferde in unmittelbarer Berührung waren. Ausnahmsweise wird ein Pferd nicht inficirt, wenn es selbst viele Monate hindurch in enger Gemeinschaft mit einem rotzkranken bleibt.
Ein achtjähriger Hengst arbeitete 18G0 neben einem mit chronischem Lungen-und Nasenrotz behaftoton, aber gut genährten zwölfjährigen Wallach täglich vor dem Frachtwagon an der Deichsel mehr als 9 Monate lang. Nachdem das rotzkranke Pferd, welches 2 andere Pferde angesteckt hatte, wogen eines Knochenbruchs getödtet und zum Zwecke der Diagnose von mir secirt war, habe ich den Hengst noch mehr als 5 Jahro hindurch beobachtet; er erkrankte nicht und als er sohliesslich an einer Kolik starb, habe ich durch die Section festgestellt, dass er an Rotz nicht gelitten hat.
Zu 4 Ackerpferden, welche in einem Stalle neben einander aufgestellt waren, wurde im März 1864 ein an chronischem Kotz leidendes Pferd gebracht. Bei der Arbeit wurden sämmtliche Pferde abwechselnd zusammengespannt. Am 12. Juli 1864 fand ich aussei- dem gekauften noch 3 Pferde des Bestandes mit dem ausgebildeten Kotz behaftet. Das letzte Pferd, ein vierjähriger Fuchswallach, welcher viele Wochen hindurch mit den rotzkranken Pferden zusaramengespannt war und zwischen denselben im Stalle gestanden hatte, war gesund. Ich habe dasselbe noch 5 Jahre lang beob­achtet; es ist nicht erkrankt und auch die inzwischen von dem Besitzer wieder ange­kauften Pferde, mit welchen es fortdauernd zusammengestellt war, sind gesund ge­blieben.
Diese Fälle bestätigen die Richtigkeit der in der älteren Literatur mitgetheilten Beobachtungen, nach welchen bei einzelnen Pferden die Ansteckung nicht eintrat, während andere Pferde unter gleichem Verhalten in den Kotz verfielen.
Pferde, welche an harte Arbeit gewöhnt und kräftig genährt sind, werden nicht so leicht angesteckt als Pferde, welche hauptsächlich Rauf-futter erhalten und trotzdem schwere Arbeit verrichten müssen. Im Kreise Bochum (Westfalen) war 1845 der Rotz durch die Pferde, welche beim Bau der Köln-Mindener-Eisenbahn verwendet wurden, ausgebreitet worden. Von 1857—1870 hatte ich Gelegenheit, den Verlauf der Seuche unter den Beständen mehrerer industrieller Etablissements zu beobachten. Während die mit Hafer reichlich gefütterten Pferde, welche seit Monaten täglich harte Arbeit zu leisten hatten, trotz aller Gelegenheit der An-
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Rotz.
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öteokung oft lange entgingen, wurden die frisch ziigokauf'ten Pferde in viel grösserer Zahl inficirt. Die Begünstigung der Anstecdcung bei sol­chen Pferden dürfte in der stärkeren Anstrengung, welche die Arbeits­leistung bei den noch nicht durchgefütLerten Pferden mit sich bringt und in der hierdurch bedingten zeitweisen Steigerung der llespiration be­gründet sein.
Allgemeine Ernährungsstörungen durch acute oder chronische Krank­heiten und Abmagerung in Folge von schlechter Fütterung und anhalten­der Arbeit steigern die Empfänglichkeit der Pferde für das Contagium. Seit langer Zeit sind tief gehende Widerristfisteln und chronische Ge­schwüre an den Gliedmassen mit der irrthümlich angenoinmonen Goneratio spontanoa des Rotz in Verbindung gebracht worden. An den bezüglichen Wahrnehmungen ist thatsächlich aber so viel richtig, dass bei krank­hafter Abmagerung der Pferde das Contugium leichter haftet. Ganz auffallend wird durch den Lauterstall (Polyurie) die Infection der Pferde begünstigt. Unbemittelte Fuhrunternehmer sind gewöhnlich nicht in der Lage, den Ankauf von Pferden und Pferdefutter glatt zu reguliren und deshalb zuweilen genöthigt, im Frühjahr und Sommer verdorbenen (mul-trigen) Hafer längere Zeit hindurch zu verfüttern. Hierdurch entsteh' der Lauterstall und mit demselben eine erhebliche Abmagerung der Pferde. Wenn nun mit dem Ankauf von geringworthigen Pferden das Rotzcontagium in einen solchen Bestand eingeschleppt wird, so erliegt der grösste Theil desselben in kurzer Zeit der Seuche. Vor Emanation des preussischen Viehscuchengesetzes (1875) wurde gar oft durch den auf diese Art in den Pferdebeständen veranlassten Ausbruch des Rotz der finanzielle Ruin der Besitzer herbeigeführt.
Die in der Literatur behauptete Ansicht, dass der Rotz durch Ver­erbung auf die neugeborenen Fohlen übergehen oder angeboren sein könne, kann ich nicht für nachgewiesen erachten.
In einem grösseren Pferdebostande, in welchem die Kolzkrankhoit seit Jahren herrschte, wurde 1863 eine an chronischem Rotz der Respirationsorgane leidende zehn­jährige Stute, belgischer liace, von einem gesunden Hengste gedeckt. Der Besitzer hatte sich eingeredet, dass durch die Triichtigkeit der Rot/, bei der Stute zur Heilung kommen werde. Aus der Deckung ging im März 1864 ein kräftiges Stutfohlen hervor, welches von der rotzkranken Mutter gesäugt wurde und sich in den ersten Wochen vorzüglich entwickelte. Ich habe das Fohlen wöchentlich mehrere Male untersucht; es zeigte keine Symptome des Rotz. Erst im Juni erkrankte es am subacut verlaufen­den Hantrotz, an welchem es nach 12 Tagen einging. Die Section hatte icli nicht Gelegenheit zu machen, aber ich bin nicht zweifelhaft darüber geblieben, dass das Fohlen erst durch die rotzkranke Mutterstute kurze Zeit vor der olTenkiiiuligen Er­krankung angesteckt worden ist. — In einem anderen Falle, in welchoin eine chro­nisch rotzkranke Stute ein gesundes Fohlen zur Welt brachte, trat die Erkrankung
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116nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicatlonskrankheiten.
des letzteren 7 Wochen nach der Geburt ein. Auch hierbei liess sich nicht der ge­ringste Grund dafür erbringen, dass die Krankheit angeerbt oder angeboren war. — Dass diese Beobachtungen an sich nicht ausreichen, die Annahme der Vererbung und der intrauterinen Infection definitiv zu widerlegen, gebe ich zu. Aber nach dem Charakter des Rotz und nach den Erfahrungen über die Entstehung metastatischer Rotzprocesso ist nicht zu vermuthen, dass der Krankheitskoim sich bei der Zeugung oder während der Trächtigkeit dem Fötus mittheilen kann.
Bei der spontanen Ansteckung wird das Contagium in den meisten Fällen mit der Athmung auf die llespirationsschleimhaut gebracht. Ge­sunde Pferde beriechen sieh mit den rotzkranken beim Begegnen und Anhalten oder im Stalle und ziehen in unmittelbarer Nähe der An­steckungsherde das Contagium mit der Athmungsluft ein. Durch die momentane Anstrengung eines rotzkranken Pferdes, bei welcher die Athmung schneller erfolgt und eine grössere Menge des Contagiums mit der Respirationsluft ausgestossen wird, steigert sich die Gefahr der An­steckung. In derselben Weise kann eine Infection zu Stande kommen, wenn für ein gesundes Pferd die Krippe benutzt wird, welche mit frischen Nasendejecten oder Geschwürssecreten eines rotzkranken Pferdes verun­reinigt ist. Die unmittelbare üebertragung der krankhaften Secrete auf die Nascnschleimhaut gesunder Pferde ist bei der spontanen Infection unstreitig sehr selten. Auch die mittelbare Ansteckung durch einen nicht dosinficirten Stall, sowie durch Geschirr, Decken, Futterkrippen etc. ereignet sich nur ausnahmsweise. Denn mit der Eintrocknung des Vehikels kommt die Keimfähigkeit des Ansteckungsstoffes zum Erlöschen. Das Contagium kann bei intacter Beschaffenheit der Respirationsschleim­haut haften; eine wunde Stelle braucht in derselben nicht zu bestehen. In der äusseren Haut kommt eine directe Infection nicht häufig zu Stande, weil das Deckhaar einen Schutz bietet. Selbst wenn ein rotz­krankes Pferd die Nasendejectc direct auf das Deckhaar eines gesunden Pferdes bringt, ohne die Haut durch Beissen zu verletzen, erfolgt für gewöhnlich keine Ansteckung. Nach den Versuchen Viborg's ist aber in Uebereinstimmung mit der klinischen Erfahrung anzunehmen, dass, wenn das Contagium mit seinem Vehikel in die Haut eingerieben oder auf eine von Haaren entblösste und nicht verwundete Stelle gestrichen wird, eine Ansteckung eintreten kann. Bei oberflächlichen Verwundungen der Haut haftet der Ansteckungsstoff leicht.
Die künstliche- üebertragung des Contagiums (Impfung) lässt sich in der Nascnschleimhaut, in der äusseren Haut und Unterbaut und bei Stuten auch in der Vagina bewirken. Nicht minder ist durch intra­venöse Injection des Rotzcontagiums die Infection herbeizuführen Auf den Erfolg der Impfung sind theils die besondere Beschaffenheit und die
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;117
Quantität des Oontagiums, theils die Disposition des betreffenden Pferdes von Einfluss.
Dass das Rotzcontagium, welches die Pferde etwa mit dem Futter ver­schlucken, von der Darmschleimhaut eine Infection herbeiführen könnte, ist nicht erwiesen. Aeltere Autoren (WoIstein u. A.), welche diese Frage experimentell prüften, sprachen sich vorsichtig dahin aus, dass die Dejecte eines rotzkranken Pferdes bei der Aufnahme mit dem Futter weniger ansteckend seien, als bei der üeberlragung in die Nase. Später kam die Ansicht allgemein zur Geltung, dass gesunde Pferde durch Vermitte-lung der Nahrung und des Getränks häufig angesteckt würden. Auch Haubner vertrat diese Meinung. Gerlach gab einem Füllen eine Quantität von dem Nasenschleim eines rotzkranken Pferdes in Pillenform ein. Als dasselbe 8 Wochen später secirt wurde, fand sich keine Spur von Rotzinfection. Hiernach folgerte Gerlach, dass das Rotzcontagium in den Verdauungsorganen zersetzt wird. Ich trete dieser Ansicht bezüglich dernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gt;
Pferde bei, weil bei denselben Rotzprocesse in der Magen- und Darm­schleimhaut gar nicht und im Schlundkopfe nur in Folge nachbarliohor In­fection gefunden werden. Löwen, Tiger und Panther sind vielfach durch dennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,,
Genuss des Fleisches rotzkranker Pferde inficirt worden. Es ist wahrschein-
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lich, dass hierbei die Ansteckung von den Verdauungsorganen erfolgte.
Pathogenese. A. Allgemeine Pathogenese. Die grösste Dispo­sition für die pathogenen Wirkungen des Rotzcontagiums besitzen die Respirationsschleimhaut, die Lungen, die Lymphgel'ässe und Lymph­drüsen, die äussere Haut und das Ünterhaut-Bindegewebe. Relativ oft wird die Milz von malleosen Neubildungen betroffen, seltener die Leber,
und noch seltener die Skeletmuskulatur. Einige Male ist auch in den Knochen, Nieren, Hoden und im Herzen die Entwicklung von Rotzpro-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; *
cessen beobachtet worden. Im Respirationstractus ist die Nasenschleim­haut eine Prädilectionsstelle für das Coutagium; etwas geringer ist die Empfänglichkeit der Schleimhaut im Kehlkopf, in den Bronchien, in der Luftröhre und in den Nebenhöhlen des Kopfes. Die rotzige Affection
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der Luftsäcke ist sehr selten. Hering hat einen Fall beschrieben; auch Fischer (Preuss. Mitth., 1879) fand in einem Falle bedeutende rotzige Veränderungen eines Luftsackes. Häufiger entwickeln sich Rotzherde an der Schleimhaut der Eustachi'schen Tuben. Die Lymphdrüsen werdennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;u,
nicht überall im Körper gleich leicht afficirt. Der Hautrotz verbindet sich in der Regel und bei chronischem Verlaufe fast immer mit einer Erkrankung der betreffenden Lymphdrüsen. Beim Nasenrotz bleiben die Kehlgangsdrüsen und beim Schlundkopfrotz die retropharyngealen Lymph­drüsen nur ganz ausnahmsweise gesund. Dagegen erkranken beim chro-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; *\
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118nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
nisolien Bronoliien- und Limgonrot'/i die bronohialen und mediastinalen Lymphdrüsen nicht constant.
Das Rotzcontagium gelangt in die empfänglichen Organe entweder von aussen, oder durch die Lymphgefässe oder durch die Blutcirculation. Auf die pathogene Wirkung dossolbon ist die Art der Uebertragung nicht von besonderem Einfluss. Bei der gewöhnlichen Ansteckung wird es von' aussen an den primären Erkrankungsherd gebracht, in welchem es sich vervielfältigt. In der Regel ist der Respirationstractus (die Nasen-Cavi-täten in den oberen Partien), seltener die äussere Haut das Atrium für die Ansteckung.
Von den Krankheitsherden wird das Contagium durch die Lymph-gefässe resorbirt und zu den Lymphdrüsen fortgeführt. Letztere er­schweren den Durchgang desselben in die Blutcirculation, aber sie machen ihn nicht unmöglich. In dieser Hinsicht scheint die grössere oder ge­ringere Virulenz der Rotzprocesse von grosser Bedeutung zu sein. Denn bei acutem und subacutem Krankheitsverlauf erfolgt die Verbreitung durch die Blutcirculation viel schneller, als bei chronischem Verlauf. Mit dem Blut kann keimfähiges Contagium in kleineren oder grösseren Mengen in die Haut und in das subeutane Bindegewebe, in die Lungen, die Nasenschleimhaut, Milz, Leber und andere Organe gelangen.
Durch die unmittelbare Wirkung des Conlagiums entstehen, wie Virchow zuerst gezeigt hat, geschwulstbildendo und entzündliche Krank-heitsprocesse, welche aber ihrem Grade und Umfange nach sich sehr verschieden gestalten können. Hierdurch wird eine grosse Mannigfaltig­keit von anatomischen Erkrankungsformen bedingt, welchen die Autoren theils mehr den neoplastischen, theils mehr den entzündlichen Charakter vindiciron. Die Unterscheidung hat für die klinische Pathologie ein viel geringeres Interesse, als für die pathologische Anatomie.
Thatsache ist. dass die wichtigsten Eormverschiodenheiten in den malleosen Krankheiisprocessen der einzelnen Organe sich nach der grösse­ren oder geringeren Virulenz des Contagiums und zum Theil auch nach der grösseren oder geringeren Empfänglichkeit des betreffenden Pferdes richten. Aus diesen Motiven erklärt sich zugleich die Verschiedenheit des Krankheitsvcrlaufs, welcher chronisch, subacut oder aout sein kann. Hiermit stimmt im Allgemeinen die Entwickelung der Localprocesse überein, die sich demnach auch in chronische, subacute und acute unter­scheiden lassen. Freilich lässt sich die Trennung derselben nach den graduellen und quantitativen Verschiedenheiten ihrer Entwickelung nicht striote durchführen. Denn auch bei den chronischen Localprocessen ist die erste Entstehung in der Hauptsache nicht anders, als bei den sub-
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Äotz,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;119
acuten Processen und wenn von den letzteren nur einzelne Organe (etwa eine Nasenhälfte, oder die Haut oder die Lungen) in massigem Grade befallen worden, so kann das betreffende Pferd die directen Folgen der­selben überleben und es kann in den Rotzherden eine productive Ent­zündung mit Narbenbildung angeregt werden, wodurch die Möglichkeit gegeben ist, dass der subaoute Rotz in den chronischen ausläuft. Trotz dieser Schwierigkeiten bin ich der Ansicht, dass das Verständniss der Pathogenese durch die Auseinanderhaltung der chronischen, subacuten und acuten Processe erleichtert wird.
Die Rotzneubildung (das Rotzgranulom) kommt durch die Emigra­tion weisser Blutkörperchen in das von dem Contagium gereizte Gewebe zu Stande. Im Allgemeinen ist das bei diesen Vorgängen sich anhäufende zellige Material wenig widerstandsfähig. Es erliegt ziemlich schnell der regressiven Metamorphose. Aber auch in diesem Betracht giebt es grosse Verschiedenheiten. In der Milz und Eeber, theilweise auch in den Lun­gen, persistircn die neoplastischen Bildungen viel länger, als in den Respirations-Schleimhäuten und in der äusseren Haut. Der Zerfall wird mit einer Erweichung eingeleitet und vollzieht sich theils mit Eintrock-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; M
nung. theils mit Verflüssigung. Bei der Verflüssigung geht das Gewebe, in welchem die Rotzneubildung liegt, zu Grunde; es entstehen Abscesse oder Geschwüre. Die Tendenz zur Geschwürsbildung ist aber nicht in allen Organen gleich; sie manifestirt sich beim Pferde am meisten in den Respirations-Schloimhäuton, in der äusseren Haut und im Unterhaut-Bindegewebe, weniger in den Lungen und noch weniger in den Lymph­drüsen. In der Milz habe ich nur einmal und in der Leber niemals eiterige oder ulceröse Rotzherde gefunden.
Die mit den Rotzgranulomen entstehenden Entzündungszustände ge­stalten sich sehr verschieden. Neben einfachen Hyperplasien kommen secrctorische (an der Respirationsschleimhaut), erysipelatöse, eiterige und indurirende Processe vor. Sonstige entzündliche Veränderungen (Narben­bildung, gangränöser Gewebszerfall) sind als consecutive, von der speci-fischen Ursache nicht direct abhängige Processe zu betrachten.
Leisering (186'2) stellte die Ansicht auf, dass die Rotzneubildungen
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entweder in Form von umschriebenen Knötchon (Knöt chenrotz) auf­treten oder diffus (Rotzinfiltration oder infiltrirter Rotz) sein sollen. Hierauf beziehen sich auch die von anderen Autoren gebrauchten Namen: circumscriptor Rotz und di ffuser Rotz. Vorzugsweise sind als Knötchenrotz oder circumscripter Rotz die chronischen Processe und als diffuser oder infiltrirter Rotz die subacuten und acuten Processe defi-nirt worden. Die begriffliche Erläuterung, mit welcher Leisering die
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120nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskranldieiten.
üntersoheiclung vor 20 Jahren zeitgemäss motivirt hat, lässt sich gegen­wärtig nicht mehr aufrecht halten; ich kann auch die erwähnten Be­zeichnungen nicht für zweokraässig erachten.
Die raalleosen Localprooeese erhalten si(;li trotz ihrer ätiologischen Einheit, in den einzelnen Organen nicht ganz gleich. Im Allgemeinen charakterisiren sich aber die ohronischen Krankheitsherde schon von ihrer ersten Entstehung an durch eine geringe Malignitäl, während die sub-acuten und acuten Rotzprocesse durch schnellere Ausbreitung und Ver­vielfältigung in dem einmal afficirten Organ und im ganzen Körper aus­gezeichnet sind.
Die erste Entstehung der specifischen Localprocesse ist seit langer Zeit allgemein mit der Form von Knötclion in Verbindung gebracht worden. Ich will gegen die Berechtigung dieser Interpretation, die von namhaften Autoren vertreten wird, nicht streiten. Aber ich bin doch der Meinung, dass es corrector sein würde, die localen Krankheitszustände beTra Rotz im weitesten Umfange als „rotzige Herdequot; zu deuten. Denn oft genug lässt sich an denselben, auch in der ersten ßntwickelung, die Form der Knötchen nicht constatiren, wenn man nicht die fehlenden Eigenschalten durch theoretische Beigaben vervollständigen will.
Die knötchen- und knotenförmigen Rotzherde werden trotz der von mehreren Autoren geraachten Einwendungen noch vielfach als Tuberkeln (Rolztuberkoln) bezeichnet. Der Beibehaltung dieser Sprechweise steht ent­gegen, dass der Name „Tuberkelquot; für speeifische, von einem besonderen Infectionsstoff (den Tuberkel-Bacillen) verursachte Krankheitsproducte be­nutzt wird. Es ist nicht mehr thunlich, den Tuberkel mit einem collectiven Begriff zu verbinden und bei der Beschreibung der rotzigen Krankheits­herde in Anwendung zu bringen. Sprachlich correct sind die knötchen-und knotenförmigen Herde beim Rotz als „Rotzknotehenquot; — Moduli malleosi — und „Rotzknotenquot; — Nodi malleosi — zu bezeichnen. Für die grossen neoplastischcn Rotzproducte ist der Ausdruck „Rotzgeschwülstequot; oder „Rotzgewächsequot; (Tumores malleosi) gebräuchlich.
B. Specielle Pathogenese. Nasenrotz. In der Nasenschleim­haut ergeben sich nach der Entstehungsgeschichte der Rotzherde für die pathologische Histologie einige Verschiedenheiten. Kommt das Oonta-gium von aussen auf die Schleimhaut, so beginnen die Herde oberfläch­lich. Wird dasselbe aber mit der Blutcirculation in die Schleimhaut gebracht, so entwickelt sich der Herd im Schlcimhaufkörper.
Wenn man die Nasenschleimhaut mit der Lancette ansticht oder anschneidet und in die Wunde Rotzcontagium bringt, so bildet sich in der Regel an der Impfstelle nach 8—6 Tagen ein kleines, röthlich oder
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bräunlich gefärbtes Bläschen (Rotzpapel) und in der Umgebung eine ent­zündliche Rötho. Das Bläschen zerfällt in einigen Tagen und heilt ent­weder ab mit Zurücklassung einer kleinen Narbe oder es entsteht aus demselben ein Geschwür. Ich habe solche Impfversuche, die schon Vi-borg, später Hering und Haubner anstellten, oft gemacht und kann die Richtigkeit der älteren Angaben bestätigen. Bei der spontanen In­fection kommt es dagegen nicht häufig zur Bildung einer Rotzpapel, die dann eine helle Färbung zeigt.
Nach der gewöhnlichen Infection kann das Zustandekommen von Rotzherden in der Nasenschleimhaut singular und multipel sein. In der Regel entsieht am Sitze der Infection ein weiches, Haches, aus Rnndzellen zusammengesetztes Knötchon, in dessen nächster Umgebung die Schleim­haut entzündlich geröthet erscheint. Die kleinsten Rotzherde haben bei ihrer Entstehung den Umfang eines Stecknadelknopfes; grössere erreichen die Dimensionen einer Kaffebohne und darüber. Die letzteren haben fast immer eine ovale Form in sagittaler Richtung. Innerhalb weniger Tage zerfallen und erweichen die Zellen solcher Rotzherde, welche in Folge dessen ein puriformes Ansehen erlangen. Beim Abstreifen der eiterigen Detritusmasse erkennt man leicht, dass die Schleimhaut selbst eine zer­fressene (ulceröse) Beschaffenheit angenommen hat. Mit dem Zerfall des zelligen Materials hat sich demnach ein Geschwür (Rotzgeschwür) gebildet. Im Grunde und in den Rändern desselben wiederholt sich nach dem Zerfliessen des Belags die Abscheidung von Rundzellen, welche durch die Einwirkung des Contagiums dem Zerfall und der Erweichung erliegen. Hierdurch wird die seit lange bei Rotzgeschwüron beschriebene unebene, zernagte oder zerfressene Beschaffenheit des Randes und der speckartige (eiweisshaltige) Belag des Grundes verursacht. Zuweilen trocknet ein Theil des Geschwürsbelags zu einem weichen, bräunlich ge­färbten Schorf. Manche Rotzgeschwüre sitzen oberflächlich in der Nason-schleirahaut, andere erstrecken sich tiefer in dieselbe. Die kleinsten haben zuweilen eine 'Cngo Oeffnung und einen sinuösen Grund von dem Umfange einer Linse oder Erbse (lenticuläre Geschwüre). Durch weiteren Zerfall des Randes oder durch Zusammenfliessen dicht nebeneinander in der Schleimhaut entstandener Rotzherde kommen die grösseren Ge­schwüre zu Stande. Bei tieferem Sitz schwillt die Umgebung eines chronischen Rotzgeschwürs an, der Rand wird wallartig.
So lange das in dem Geschwürssecret befindliche Contagium sehr virulent ist, bleibt die Granulation im Grunde und am Rande unvoll­kommen und schlaff. Mindert sich die Virulenz, so entsteht oft eine gesunde Granulation und mit derselben die Vernarbung. Bei Geschwüren,
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122nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
welche mehr oder weniger rund sind, erlangt die Narbe in Folge der Retraction nach dem Mittelpunkte des Defectes eine „sternförmige'' Ge­stalt. Sehr oft verheilen beim chronischen Nasenrolz des Pferdes mehrere Sohleirnhautgesohwüre in dieser Art. Ich habe Fälle beobachtet, in wel­chen eine Seite der Nasenscheidewand in ihrer ganzen Ausdehnung mit sternförmigen Narben besetzt war, von welchen die jüngeren theilweise über die älteren hinwegragten. Die Vorheilung der grösseren Geschwüre, welche bei der Confluenz mehrerer Rotzherde entstehen, vollzieht sich nicht selten nach Verlauf von einigen Monaten mit einer umfangreichen Narbenbildung, welche entweder sternförmig gestaltet, oder flach ge-wulstot ist oder die Form länglicher Schwielen mit, seitlichen binde-gowebigen Leisten hat. Oberflächliche und kleine Geschwüre verheilen mit Zurückiassung einer glatten Narbe, die in einzelnen Fällen wegen ihrer Geringfügigkeit kaum erkennbar ist.
Die Confluenz der Rotzherde zu Geschwürs-Conglomeraten wird so­wohl an der Nasenscheidewand, als an den Muscheln beobachtet. Die an der inneren Seite der Muscheln entstehenden Rotzherde bedingen bei längerer Dauer nicht selten eine eiterige Entzündung der Schleimhaut, wobei das Secret sich in den Hohlräumen der Muscheln ansammelt. Oft wird an den Nasenmusciieln die Fortsetzung der entzündlichen Processe auf die dünnen Knochenplatten (Dütenbeine) beobachtet, an welchen Osteophyten und Hyperostosen entstehen können. Die an der Nasen­scheidewand befindlichen tieferen Geschwüre dringen in einzelnen Fällen bis auf den Knorpel, welcher an der betreffenden Stelle nekrotisch und sogar mit der Schleimhaut In der anderen Nasenhöhle vollständig durch-brochen werden kann, so dass beide Nasenhälften mit einander coramu-niciren. Häufiger wird jedoch beobachtet, dass bei der Anfressung des Knorpels die vollständige Perforation nicht eintritt; es verdickt sich vielmehr der Knorpel und die Schleimhaut an der gesunden Seite der Sclieidowand erlangt eine gewulstete Form, wird aber nicht zerstört.
In den oberen Regionen der Nase verursachen die ulcorösen Zu­stände oft die Bildung von Thromben in den Venen. Aber nur selten wird die Wandung eines noch nicht verschlossenen ßlutgefässes durch UIceration zerstört und eine Hämorrhagia nasalis herbeigeführt.
Der Bildung von Rotzherden folgt in der Nasenschleimhaut ein diffuser Reizungsprocess (Rotzkatarrh), welcher in der nächsten Umgebung der Geschwüre einen höheren Grad erlangt, als in weiterer Entfernung. Die Quantität und Qualität des katarrhalischen Secretes unterliegen grossen Verschiedenheiten. Bei vereinzelten und oberflächlichen Ge­schwüren wird oft nur eine geringe Menge grauweissen Schleims producirt.
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;123
Die Absonderung vermindert sich zuweilen, wenn die Pferde dauernd im Stalle bleiben und sie vermehrt sich in Folge körperlicher Anstrengung. Mit der Enlwickelung grösserer Ulnerationen bildet sich in der Nasen-schleirahaut gewöhnlich ein klares, dünnflüssiges und durch Beimischung von Blutfarbstoff oder von den Derivaten desselben gelblich odor grün­lich gefärbtes Secret. Daneben entsteht aber oft noch eine dickflüssige, graugelbliche oder missfarbene, eiweissreiche und deshalb klebrige Masse. Wenn der chronische Nasonrotz schon lange bestanden hat und neben narbigen Sclerosen nur vereinzelte oder ganz oberflächliche Geschwüre vorhanden sind, so wird ein grauweisses, schleimiges Secret in geringer Menge erzeugt. Nach der vollständigen Abheilung der Geschwüre ver­liert sich der Nasenkatarrh ganz, oder es bleibt eine spärliche, kaum wahrnehmbare Secretion zurück, welche sich bei der Benutzung der Pferde in regnerischer Witterung zuweilen etwas vermehrt.
Der subacute Nasenrotz ist von einer stärkeren Entzündung und Schwellung der Nasenschleimhaut begleitet. In der letzteren entstehen kleine, flache, punktförmige oder oval geformte Herde, welche sich in wenigen Tagen vergrössern und nach dem Zerfall ihrer zelligen Elemente als rund oder länglich gestaltete, grauweisse Beläge über das Niveau der Schleimhaut ein wenig hervortreten. Nicht selten confluiren diese Herde und die Schleimhaut wird in grösserem Umfange ulcerös destruirt. Die im Bereich des pernieiösen Processes befindlichen venösen Gofässo der Nasenschleimhaut unterliegen der Thrombose. An der inneren Fläche der Nasenmuscheln kommen häufig dieselben Rotzherde mit ihren Folge­zuständen zur Ausbildung. Wenn ein derartig erkranktes Pferd nicht durch die gleichzeitige Affection anderer Organe in einigen Wochen zu Grunde geht, so verdickt sich die Nasenschleimhaut durch ausgebreitete narbige Sclerosen, in welchen aber kleine Geschwüre von Neuem ent­stehen können. Bei diesem Ausgange unterscheiden sich die Verände­rungen nicht mehr vom chronischen Nasenrotz.
Die krankhafte Absonderung der Nasenschleimhaut ist beim sub-acuten Nasonrotz reichlich. In Folge der Beimischung von Blutbestand-theilen erlangt das Product eine schmutzig gelbliche, eiweissreiche und daher stark klebende Eigenschaft, Ausserdem wird in der Umgebung der frisch entstandenen Geschwüre ein klares, gelbliches, dünnflüssiges Secret geliefert.
Der acute Verlauf der Rotzprocesse in der Nasenschleimhaut ent­wickelt sich unter starker entzündlicher Schwellung und Röthung des Schleimhautkörpers mit Geschwürsbildung und Thrombose der Venen, wobei zuweilen Blut oder röthlich gefärbtes Blutserum abgeschieden wird.
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124nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Die Geschwüre entstehen in derselben Weise, wie beim subaouten Nasen­rotz; aber in Folge der malignen Entzündungsprocesse kommt die Zer­störung der Schleimhaut schneller und in grösserera Umfange zu Stande. Gewöhnlich unterliegen die abgestorbenen Gewebsmassen der Verjauchung und die Producte der letzteren gelangen mit dem In- und Exspirations-strom auf die noch nicht zerfallenen Partien der Schleimhaut, an deren oberen Schichten in Folge dessen eine flächenartige Mortification ein­treten kann. Wenn sich der acute Rotz mit der ßlutfleckenkrankheit complicirt, so lässt sich an der kranken Nasenschleimhaut nicht mehr unterscheiden, ob die Zerstörung mehr durch die speciflschen Rotzprocesse oder durch die Complication veranlasst ist.
Rotz in den Nebenhöhlen der Nase. In den Oberkiefer- und Stirnhöhlen, sowie in den Höhlen der Nasenmuscheln gestaltet sich die Entwickelung der Rotzherde wie in der Nase. Bei chronischem Krank­heitsverlauf entstehen neben den ulcerösen Zuständen narbige, schwarten-förmige Verdickungen. Von der kranken Schleimhaut wird oft eine trübe, weissgraue, schleimige oder eiterige Masse abgesondert, welche sich in der Oberkieferhöhle oder in den Nasenmuscheln ansammelt. Bei monatelanger Krankheitsdauer wird auch beobachtet, dass die Rotzpro­cesse von der Schleimhaut auf die Knochen übergreifen und eine chro­nische Knochenentzündung mit Auftreibungen herbeiführen. In der Regel erkrankt nur die eine oder andere der Nebenhöhlen, gewöhnlich die Oberkieferhöhlo. Bei acutem und subacutem Krankh3itsverlauf fand ich aber mehrfach in den Höhlen der Nasenmuscheln und in den Stirn­höhlen zahlreiche kleine, knötchenförmige Rotzherde in der entzündlich geschwollenen und gerötheten Schleimhaut, während in der Oberkiefer­höhle keine krankhaften Veränderungen bestanden.
Kehlkopfrotz. Die Kehlkopfschleimhaut wird beim chronischen Rotz häufig afficirt, im Ganzen aber seltener als die Nasenschleimhaut. Vorzugsweise entwickeln sich die Processe an den unteren Stimmbändern und in deren nächster Umgebung, seltener am Introitus Laryngis und an der Epiglottis. Nach vielfachen Beobachtungen und genauen Befund­erhebungen scheint es mir nicht wahrscheinlich, dass das Contagium bei der ersten Ansteckung direct in den Kehlkopf gelangt und auf der Schleimhaut eine primäre Erkrankung herbeiführt. Auch habe ich bei meinen Versuchen niemals nachweisen können, dass bei einem rotzkranken Pferde durch Vermittelung der Blutcirculation der Ansteckungsstoff in die Kehlkopfschleimhaut gelangt. Ich muss hieraus schliessen, dass der Kehlkopfrotz in der Regel durch nachbarliche Infection von den Rotzherden in der Nase oder entgegengesetzt von den Processen in den
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Lungen zur Entstehung gebracht wird. In ihrer Entwiokelung verhalten sich die malleosen Processe im Kehlkopf wie an der Nasenschleimhaut. Am Stimmfortsatz des Giesskannenknorpels wird mit der Etablirung eines Rotzgeschwiirs die Schleimhaut nicht selten ganz zerstör!, so dass ein entsprechendes Stück des Knorpels der Nekrose verfällt.
Bei subacuten Rotzprocessen bilden sich in der entzündlich gerötheten Schleimhaut, besonders an den Morgagni'schen Taschen, aber nicht selten auch an den Giesskannenknorpeln und an der Epiglottis weissgraue, trübe Herde und Geschwüre von Hirsekorn- bis Erbsengrösse und darüber. Die acuten Processe sind neben der Geschwürsbildung von einer starken, entzündlichen Infiltration (Phlegmone malleosa) begleitet, welche sich in dem lockeren Schleimhaut- und ünterschleimhautgewebe neben der Epi­glottis und au den Giesskannenknorpeln etablirt und eine erhebliche Ver­engerung des Kehlkopfeinganges bewirkeu kann. Dabei bildet sich zu­weilen durch die Confluenz der dicht neben einander stehenden Rotzherde eine flächenartige ülceration in der Kehlkopfschleimhaut aus.
Schlundkopfrotz. Die Rotzprocesse in der Pharynxwand habeich nur in Folge nachbarlicher Infection bei acutem und subacutem Krank­heitsverlaufe beobachtet. Es scheint bei der geringen Vulnerabilität der Rachenschleimhaut, dass ihre Entwickelung in allen Fällen von einer grösseren Virulenz des Contagiums abhängig ist. Wenn in der Nasen­schleimhaut an den Choanen subacute Rotzprocesse bestehen, so werden oft die benachbarten Partien des Schlundkopfes afficirt. Häufiger habe ich aber gesehen, dass bei subacutem oder acutem Luftröhren- und Kehl­kopfrotz die unteren Abschnitte des Pharynx durch nachbarliche Infection erkrankten. Mit der Einlagerung der Rotzherde entsteht eine starke entzündliche Schwellung der Schleimhaut, an welcher die Oberfläche in grösserer Ausdehnung durch die Confluenz der Herde ulcerös werden kann. Die Bildung von Narben oder bindcgewebigon Vordiokungen habe ich in der Schlundkopfschleirahaut niemals gefunden, weil die betreffen­den Pferde sämmtlieh an der Krankheit zu Grunde gingen, bevor eine productive Entzündung zu Stande gekommen war.
Luftröhrenrotz. In der Luftröhre entstehen Herde und Geschwüre, nachdem sich in den oberen Kopfhöhlen oder in den Lungen acute, resp. subacute Processe ausgebildet haben. Beim Nasenrotz werden die De-jecte mit der erschwerten Inspiration in die Trachea herabgezogen und beim Lungenrotz kommen die in den Bronchien sich ansammelnden flüssigen Krankheitsproducte, welche das Contagium in grosser Menge enthalten, bei ihrer Expulsion mit der Tracheaischleimhaut in Berührung. In einzelnen Fällen bleiben die Herde der Trachealschlcimhaut hanfkorri-
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126nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
bis crbsengross; in der Regel erlangen sie aber mit der ersten Ent-wickelung schon den Umfang einer Haselnuss und darüber. Sie ent­stehen auch nur selten vereinzelt. Es kann vielmehr als Norm gelten, class, wenn die Tracheaischleimhaut erkrankt, ihre vordere Fläche (seltener zugleich die hintere Fläche) von der Bifurcation bis zum Kehlkopf sicii mit einer grösseren Zahl von ulcerösen Herden bedeckt. Dieselben haben in der Richtung von oben nach unten eine länglich ovale Form und er­scheinen nach dem Zerfall der zelligen Elemente zunächst als weissgraue oder missfarbene Massen, welche das Niveau der entzündeten Schleim­haut ein wenig überragen. Sie haben in der Regel eine oberflächliche Lage und durchbrechen die Schleimhaut nicht, was nach den Unter­suchungen von Rabe in dem histologischen Bau der Trachealschleiin-haut und vornehmlich in der Einrichtung der Basalmembran seinen Grund findet. Aus dieser Eigenschaft der Geschwüre in Verbindung mit der unerheblichen Verkleinerung, welche das Lumen der Trachea durch die Rotzprocesse erleidet, erklärt sich die klinische Thatsache, dass der Luft-röhrenrotz auch bei subacutera Verlaufe für sich allein dem Leben des Pferdes viel weniger gefährlich wird, als die subacuten Rotzprocesse in den oberen Abschnitten der Respirationsschleimhaut. In einzelnen Fällen kommen in der Luftröhrenschleimhaut durch Rotzulceration tiefgehende Defecte zu Stande. Ich habe Fälle keimen gelernt, in welchen die Trachealschleimhaut zwischen den Knorpelringen stellenweise vollständig zu Grunde gegangen war. Die ulcerösen Defecte hatten ungleichmässig und speckig aufgetriebene Contouren. An der hinteren Wand der Trachea constatirto ich bei einem nach vierwöchentlicher Krankheitsdauer wegen subacuten Rotz getödteten Pferde in der Submucosa die multiple Bildung förmlicher Rotzcavernen mit speckiger Verdickung ihrer Wandungen.
Bei einer Krankheitsdauer von mehreren Monaten kommt fast immer die vollständige Verheilung der Trachealgeschwüre durch sternförmige, zackige, spitze und längliche Narben zu Stande. Man findet nicht selten bei Pferden, die an chronischem Rotz gelitten haben, die vordere Wand der Luftröhre in ihrer ganzen Ausdehnung mit Narben von der ver-schiede.nston Gestalt förmlich bedeckt. „Die Oberllächc erinnert an die Eisblumenzeichnung dick befrorener Fensterscheibenquot; (Rabe). Bei acutem Krank hei tsverlaufo conlluiren die rotzigen Herde gewöhnlich an mehreren Partien der Trachea und an anderen Stellen bildet sich durch die Ein­wirkung der jauchigen Krankheitsproducte eine oberflächliche, diffuse Mortification. — Die krankhafte Secretion der Trachealschleimhaut ist unbedeutend. Wenn die Rotzprocesse lange bestehen und verheilen, so erzeugt die gereizte Schleimhaut ein weissgraues, schleimiges Secret in
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geringer Menge. Acute Processe verursachen durch die Zerstörung der Schleimhaut zuweilen den Austritt von Blut oder Blutserum in die Trachea.
Bronchienrotz. Auf der Sollleimhaut der Bronchien bilden sich beim chronischen Rotz meist nur kloine, hanfkorn- bis erbsengrosse trübe Herde, welche oberflächlich sitzen und alsbald ulcerös zerfallen. Sie lassen sich in den kleineren Bronchien nur bei sehr sorgfältiger Unter­suchung auffinden. In der Regel sind bei diesen Zuständen rotzige Ver­änderungen der Lungen zugegen, durch welche die Erkrankung der Bronchiaischloirahaut herbeigeführt und unterhalten wird. Die letzlere unterliegt auch in denjenigen Fällen, in welchen keine Geschwüre ent­stehen, einer andauernden Reizung und Absonderung von weissgrauem Schleim. Sehr oft werden einzelne Bronchien krankhaft erweitert und es wird in i^olge dessen unabhängig von der specifisclien Reizung des Rotz-contagiums eine vermehrte Schleimsecretion in denselben unterhalten.
Subacute und acute Rolzprocesse der Bronchialschleimhaut kommen nur in Verbindung mit Lungenrotz vor und lassen sich daher zweck-mässig mit diesem zugleich schildern.
Lungenrotz. Durch die Wirkung des Contagiums entstehen in den Lungen kleinere und grössero Knoten, ausserdem aber zuweilen umfang­reiche Geschwülste („Rotzgewächsequot;). Diese Zustände sind seit 20 Jahren eingehend studirt und soweit es auf ihre anatomische Formation an­kommt, auch genau bekannt geworden. Streitig ist aber die Frage ge­blieben, von welchen Geweben die Entwickelung der Herde ausgebt uixl wie das Contagium in die Lungen gelangt.
Ueber die älteren Vorstellungen, nach welchen bei der hypothetisch construirten Rotzdyskrasie (lymphatischer Dysltrasie) eine krankhafte Materie in die Lungen ab­gelagert worden sollte, kann ich hier hinweggehen, obwohl anerkannt werden muss, dass die alten Thiorärzto sich im Princip von der Wahrheit nicht entfernten, wenn sie die [{otzhcnle in den Lungen als melastatische Processe ansahen. Nach exaeten wissenschaftlichen Voranssetzungon sprach sich Vii'chow(Gesohwii!sto, 186H, 11. Bd.) dahin aus, dass die Kotzherde der Lungen auf motastatischem Wege entstehen. Ka-witsch (Virchow's Archiv, Bd. XXIIL), welcher die eiteriihnliohe Beschaffenheit der in den Rotzknoten und Wurmbeulen befindlichen '/ollen und ihre Verschiedenheit von den „Tuberkelzellenquot; hervorhobt, äussert sich in Uobereinstimmung mit Rych-nor und Erdt dahin, dass die Rotz- und Wurmkrankheit zu jenen Procosson der Eiterbildung in verschiedenen Kttrporthoilcn gehöre, welche als Scrofoln zu bozeichnon seien. Es wurde deshalb von ihm der Vorschlag erneuert, die Rotz- und Wurmkrank­heit als „Scrofula Equi malignaquot; zu betrachten. Nach Rawitsch sollen die tuberkel­artigen Neubildungen in den Lungen Capillarombolien (Metastasen) sein. Er dachte sich, dass von den Thromben in den Gefassen der Respiraliuns-(Naseu-)Schleiiiihant Stückchen abrissen und mit dem ßlutstrom in die Lungencapillaren gelangen müsston.
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128nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten
Im Anschluss an die Lehre Virchow's hat Leisering (Dresdener Ber. pro 1862) sich die Meinung gebildet, dass die Rotzknoten in dem interstitiellon Binde­gewebe dor Lungen zur Ausbildung kommen sollen und dass das Contagium durch den unaufhörlich sich erneuernden, sich vorwärts und rückwärts bewegenden Luft-stroni getragen werde und in Folge dessen an jedem Orte im Respirationsapparat, also auch in den Lungen Rotzneubildungen veranlassen könne.
Verschieden von diesen Ansichten vertritt Roloff (Mag. f. Thierh., Bd. XXX) den Standpunkt, dass dem Rotzknoten eine entzündliche Reizung des Lungenparen-chyms zu Grunde liegt und dass es in dem letzteren zur Schwellung und Wucherung, sowie zur Bildung zahlreicher zelligor Elemente, namentlich an der Oberfläche der Alveolen komme. Der Process gleiche einer oircumscripten Pneumonic und der über­wiegend grössere Theil der einzelnen Knoten setze sich aus den Producten der Ober-flächcnwucherung zusammen. Die Entstehung der Rotzherde in den Lungen bezieht Roloff in Uebcreinstimmung mit Leisering auf das mit dem Luftstrom bei der Athmung fortgeführte Contagium. Die Vermehrung der Knoten soll auf der in dieser Art sich beständig fortsetzenden Localinfeotion beruhen.
Gerlach (Hannov. Jahresb. prolSGS) betrachtet nach demVorgangeVirchow's und Leisering's die Rotzknoten der Lungen als neoplastische Bildungen, welche von den Bindegewebskörpern und Epitholien ihren Ausgang nehmen sollen. Nach seiner Erörterung soll bei Pferden eine primäre Erkrankung der Lungen an Rotz (primärer Lungenrotz) vorkommen; aber or hat sich nicht darüber erklärt, wie er sich den Eintritt des AnsteckungsstolTes in die Lungen dachte.
Bellinger (Ziemssen's Pathol. u. Ther., III. Bd., 1874) hält den Vorgang, mit welchem das Contagium in die Lungen gelangt, nicht für aufgeklärt. Er meint, dass in der Mehrzahl aller Rotzfälle der flüchtige Infectionsstoff mit der Athemluft in den Körper eindringe und sowohl eine primäre Blutvergiftung mit secundären specifiüchen Producten oder auch in den Lungen primäre Knoten und Geschwüre mit secundärer Allgemeinvergiftung erzeuge.
Auf Grund sorgfältiger mikroskopischer Untersuchungen hat Pflug („Lungen­rotzquot; 1877) die Rotzknotchen der Lungen als „disseminirte lobuläre Entzündungs­herdequot; interpretirt. Die grösseren rotzigen Veränderungen (diffusen Lungenrotz der Autoren) betrachtet Pflug im Sinne v.Buhl's als Pneumonia dosquamativa malleosa. Er ist der Meinung, dass der Lungenrotz ebenso häufig wie Nasenrotz und Hautrotz primär auftreten soll. Auf die Frage, wie das Contagium in die Lungen gebracht wird, ist Pflug nicht näher eingegangen.
Rabe (Jahresb. der Thierarzneischule zuHannover pro 1876), welcher die patho­logische Anatomie und Histologie der Rotzkrankheit in einer sehr fleissigen und gründ­lichen Arbeit erörtert hat, ist gleich Roloff und Pflug zu dem Schlüsse gelangt, dass die Rotzherde in den Lungen aus entzündlichen Vorgängen zu Stande kommen; er be­merkt forner, dass die Rotzlungo gelegentlich, nicht aber gerade häufig, unzweifelhaft embolische Infarcte enthalten könne. In allen übrigen Fällen sei aber die rotzige Erkrankung der Lungen auf die Aspiration des Rotzgiftes mit der Athomluft zurück­zuführen. „Die Geschwüre in den oberen Abschnitten des Respirationsapparates bilden eine unversiegbare Quelle der Infection für die Lunge. Die Variationen, unter denen das pathologisch - anatomische Bild der rotzigen Lungenerkrankung aufzutreten ver­mag, hängen davon ab, dass in einem Falle die Schleimhautoberlläche der kleineren und kleinsten zuführenden Kanäle, im andern Falle die dem Luftstrom zugewandte
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 129
Oberfläche des respirirenden Parenchyms selbst direct und zuerst mit dem Rotzvirus in Contact geräth.quot;
Werner (Lungenrotz 1878) bekennt sich zu der Ansicht, dass die Rotzknoten in den Lungen den Charakter der Geschwülste haben und dass das Contagium sowohl mit der eingeathmeten Luft als durch den Blutstrom den Lungen zugeführt wird.
Aus diesen Mittheilungen ergiebt sich, dass über die Frage, wie das Rotzcon-tagium zunächst in die Lungen gelangt und die Krankheitsherde verursacht, eine übereinstimmende Meinung nicht besteht. Ich bin auch der Ansicht, dass die Streit­frage durch anatomische und histologische Untersuchungen nicht zu entscheiden sein wird. Massgebende Thatsachen lassen sich vielmehr nur durch Impfungsversuche und durch die klinische Beobachtung geeigneter Krankheitsfälle gewinnen. Ich war deshalb seit einer Reihe von Jahren bemüht, die Entwickelung des Rotz nach der spontanen Infection und nach der Impfung zu verfolgen. — Bei der gewöhnlichen Ansteckung eines Pferdes entsteht in vielen Fällen zunächst eine ganz oberflächliche Ulceration in der Nasenschloimhaut und unmittelbar darauf eine entzündliche Schwel­lung der zum Stromgebiet des Primärherdes gehörigen submaxillaren Lymphdrüse. Zuweilen sistirt der Ausfluss und die Lymphdrüsenschwellung bildet sich zurück. Ein solches Pferd bekundet dann in einem Zeitraum von mehreren Monaten, selbst von einem Jahr und darüber keinerlei Krankheitserscheinungen; es ist insbesondere gut genährt und hat auch keine Athembeschwerden. Bei einzelnen Pferden, bei wel­chen die Infection in der hier beschriebenen Art stattfindet, wird zeitweise, nament­lich nach der Arbeitsleistung in nasskalter Witterung eine geringfügige katarrhalische Nasendejection, welche aus den Bronchien stammt, beobachtet. Werden solche Pferde getödtot, so findet man in den Lungen bald in kleinerer, bald in grössorer Zahl Knötchen oder auch wohl grössere Neubildungen (Rotzgewächse). Bleiben die Pferde am Leben, so entsteht nicht selten nach vielen Monaten, in welchen die Thiere ausser Abmagerung und mangelhaftem Haarwechsel nichts Auffallendes be­kunden, ganz plötzlich und unvermuthet eine ulceröso Destruction in der Nasen­schleimhaut, zuweilen mit bedeutender, oft aber mit geringer Dejection eines klebrigen schmutzig grauen Secrets. Bei der Section finden sich dann ältere Rotzherde in den Lungen. Bagge (Ref. von Hering, Jahresber. 1863) fand bei 53 getödteten Pferden, bei welchen im Leben keine Krankheitssymptome bestanden, nur Rotzknoten in den Lungen und Geschwüre in der Luftröhre. Solche Krankheitsfälle interpretirte Ger­lach dahin, dass die betreffenden Pferde lange Zeit hindurch an primärem Lungen­rotz gelitten hätten. Es ist aber klar, dass bei einer sorgfältigen Berücksichtigung des Krankheitsverlaufes die Annahme einer primären Erkrankung der Lungen nicht berechtigt ist. Denn die Thatsache, dass während einer langen Zeit trotz des Vor­handenseins von Lungenrotz bei einem Pferde keine Krankhoitsorscheinungen be­stehen, giebt noch keinen Grund ab, die früher aufgetretene geringfügige Nasenaffec-tion zu ignoriron.
Bei den Impfungsversuchen wird derselbe Krankheilsverlauf beobachtet. Wenn man einem Pferde die Nasenschlei nihaut an dorScheidewaiul mit der Lanzette leicht an­sticht und in diese Wunde eine geringe Quantität von dem katarrhalischen Nasendeject oder demGeschwürssecret eines rotzigen Pferdes streicht, so bildet sich nach 3—5 Tagen an dieser Stelle eine gelblich gefärbte, bläschenförmige Elevation (Rotzpapel) und zu­gleich eine tauben- bis hühnoreigrosso Anschwellung des submaxillaren Lymphdrüsen-packetes an der betreffenden Seite. Nicht selten heilen die Erscheinungen in den
Dieckerhoir, Spec. Pathologie u. Tlierapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9
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130nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und IntoxicationskranWieiten.
folgenden 8 Tagen vollständig ab und es lässt sich dann sogar die Vernarbung an der Impfstelle kaum erkennen. Mindestens wird sie Jeder leicht übersehen, der von der vorhergegangenen Impfung keine Kenntniss hat. Ein solches Pferd zeigt häufig in mehreren Monaten, selbst ein halbes Jahr hindurch und noch länger keine Krankheits­erscheinungen. Bei der Tödtung und Section finden sich aber an vereinzelten Stollen in den Lungen Rotzherdo, zuweilen auch in der Trachea kleinere Narben. Solche Versuche haben schon Viborg, Haubnor u. A. in der älteren Literatur besprochen, ohne indess sich auf die Frage einzulassen, in welcher Art der Lungenrotz zur Aus­bildung gekommen war. Ich habe diese Versuche bei mehreren Pferden wiederholt. Aus dem Krankheitsverlaufe, welchen der Impfrotz oft nimmt, ergiebt sich-zweifellos, dass die Erkrankung der Lungen der NasenalTection folgt; aber es lässt sich aus dieser Thatsache die Frage noch nicht entscheiden, ob das Contagium mit der In­spirationsluft oder durch die Blutcirculation in die Lungen gelangt. Mehr Sicherheit ergeben subcutane und intravenöse Impfungs-Versuche.
1)nbsp; nbsp;Einem vierjährigen, wegen deformirender Kronengelenkentzünkung am linken Hinterfusso unheilbaren und deshalb werthlosen, aber sonst gesunden Pferde brachte ich einen Cbcm. von den Nasendejecten eines an subacutem Rotz schwer erkrankten Pferdes in die Subcutis an der linken Brustwandung. Am 3. Tage zeigte sich das erste Merkmal der Infection in einer diffusen Schwellung der Impfstelle, aus welcher an den beiden folgenden Tagen die Entwickelung strangförmiger Lymphgefässan-schwellungen verfolgt werden konnte. Danehen bestand Pulsfrequenz und Temperatur­erhöhung. In den nächsten Tagen bildeten sich in diesen Lymphgefässen Abscess-knoton, welche nach weiteren 3—5 Tagen zum Aufbruch kamen. Am 10. Tage zeigte sich Ausfluss von klebrigem missfarbenem Schleim aus beiden Nasenlöchern. Am 16. Tage nach der Impfung wurde das Pferd getödtet. Die Autopsie ergab in den Lungen eine erhebliche Zahl von erbson - bis haselnussgrossen Rotzknoten; in der entzündlich gerötheten und geschwollenen Nasenschleimhaut auf beiden Seiten, namentlich an den Muscheln viele mohnsamon- bis kaffeebohnongrosse, grauweisse Geschwürsherde; in beiden submaxillaren Lymphdrüsen mehrere graue Rotzherde; die Subcutis an der inneren Seite des linken Hinterschenkels sulzig infiltrirt und mit zahlreichen kleinen, grauen Herden besetzt.
2)nbsp; nbsp;Der verewigte Dr. Block aus Danzig hatte gelegentlich des Berliner Chir-urgen-Congresses im Sommer 1882 mit Genehmigung der Thierarzneischul-Direction einer 2 Monate alten weiblichen Ziege die linke Lunge vollständig exstirpirt, um zu zeigen, dass eine solche Operation unter aseptischem Verbände bei den Wiederkäuern ausführbar ist. Das Thier hatte diese Operation leicht überstanden und zeigte 5 Tage nach derselben, als der Verband abgonoramen wurde. Nichts Krankhaftes. Es ist auch ein halbes Jahr hindurch stets gesund geblieben. Am 23. December 1882 applicirte ich der Ziege in der rechten Unterrippongegend ein Eiterband, welches mit dem Qeschwürssecret und dem entzündlichen Infiltrat aus der Subcutis von einem an acutem Rotz eingegangenen Pferde reichlich getränkt wurde. Zwei Tage später zeigte das Thier Verminderung des Appetits und Fieber. Es lag viel und war nur schwer zum Aufstehen zu bringen. In den folgenden Tagen: Pulsfrequenz, krankhafte Temperaturerhöhung, Verfall der Kräfte bei spärlicher Aufnahme von Futter und Ge­tränk. Am 27. December leichter Ausfluss von dünnem, gelblich klarem, klebrigem Schleim aus beiden Nasenlöchern. Unter Zunahme des Kräftevorfalls ging das Thier am 31. December zu Grunde. Autopsie: In der Umgebung der Impfstelle war die Subcutis im Umfange einer Hand entzündlich infiltrirt und mit erbsen- bis haselnuss-
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 131
grossen rotzigen Horden besetzt; die Lymphdrüsen vor dem Sohultergelenk lüihner-eigross geschwollen, auf der Durchschnittsfliiohe zwei kleine Rotzherde. Die Milz enthielt viele hirsokorn- bis erbsengrosse, zum Theil rölhlich graue, zum Theil speck­artig derbe, grauweisse Knötchen, welche subperitoneal lagen,.die Oberfläche über­ragten und von einem rothen Kiilzündungshofe umgeben waren. Im subplouralen Gewebe der rechten Lunge drei hirsekorn- bis erbsengrosse Knötchen, von welchen zwei zum grössten Theil grauweise und käsig, zum Theil noch hämorrhagisch waren. Das dritte Knötchen erschien auf der Sohnittlläche hämorrhagisch und hatte im Cen­trum einen stecknadelknopfgrossen, granweissen Erweichungsherd. In beiden Nasen­hälften war die Schleimhaut der Muscheln und der Scheidewand mit vielen steoknadel-knopf- bis hirsekorngmssen, grauweissen Herden besetzt; die Schleimhaut selbst massig geschwollen und dunkel geröthot.
3) Einem Pferde, welches nach viorwöchentlicher Krankheitsdauer an subacutem Rotz eingegangen war, entnahm icb aus der kranken Subcutis flüssiges Exsudat und eine grössero Zahl von frischen, orbsen- bis haselnussgrossen Rotzknoten. Letztere wurden zerschnitten und der Flüssigkeit beigemengt. Von dem klaren Piltrat dieser Masse brachlo ich am 29. December 1882 Nachmittags 2 Uhr bei einer fünfzehnjährigen Sohimmolstute 60 Crm. durch intravenöse Injection direct in die Blutciroulation. Das Versuchspferd hatte an der rechten Schulter ein faustgrosses Melanom, war aber sonst gesund. Puls 36; Resp. 10; Temp, 37,9quot;. Zwei Stunden nach der Injection Puls 44; Resp. 10; Temp. 40,4. Verringerung des Appetits und trauriges Benehmen. Am folgenden Tage Puls 56; Resp. 12; Temp. 39,7. Futteraufnahme verweigert, Wasser wird häulig, aber stets in kleinen Quantitäten getrunken. Starke Ermüdung, anhalten­des Liegen. Dieselben Symptome fanden sich auch am 31. December. Am 1. Januar Puls 68; Resp. 30; Temp. 39,6. Unvermögen zu stehen; das Pferd nimmt nur etwas Wasser, aber keine festen Nahrungsmittel zu sich; starke Prostratio Virium. Am 2. Januar früh 7 Uhr: Puls 72; Resp. 38; Temp. 39,7. Eine Stunde später trat unter den Zufällen der SulTocation der Tod ein. Autopsie: In der Subcutis an der Brust und an der inneren Seite beider Hinterschenkel diffuse gelbliche Infiltration. Die Bug­drüsen und die Leistendrüsen geschwollen und durchfeuchtet. Beide Lungen mit stecknadolknopf- bis orbsongrossen, frischen Rotzknötchen vollständig durchsetzt. Beim Ueberstroiohon mit der Hand machton sich dieselben an jeder Partie der Lungen bemerkbar. Die kleinsten Knötchen waren auf dem Durchschnitt grauweiss. Die grösseren erschienen theils noch durchweg hämorrhagisch, theils hatten sie im Cen­trum oder auch mehr nach der Seite eine grauweisse, käsige Beschaffenheit. In der linken Lunge befand sich nahe dein vorderen Lappen eine handgrosse Partie im Zu­stande einer frischen diffusen Entzündung. Die Bronchialschleimhaut entzündlich geschwollen und geröthot, an den tieferen Stellen mit gelblicher Flüssigkeit gefüllt, aber frei von Geschwüren. Tracheal- und Kchlkopfschleimhaut nicht verändert. An der Nasenscheidowand linkerseits enthielt die Schleimhaut einen grauweissen, frischen, mohnsamengrossen Herd. In der Milz, deren Parenchym nicht geschwollen war, fand sich auf der ilusseren Fläche, zu einem kleineren Theile auch auf der inneren Fläche unter dem peritonealen Uoberzuge eine sehr grosse Zahl von hirsekorn- bis erbsen-grossen Knötchen, von welchen die grösseren iiussorlich roth aussahen und auf dem Durchschnitt eine hiimorrhagischo Beschaffenheit zeigton; die kleineren Knötchen der Milz halten eine dunkelgraue Farbe. Die übrigen Organe gesund.
4) Um dem Einwände zu begegnen, dass die ad 3 beschriebenen Lungenknoten nicht rotzigen Ursprungs sein könnton, nahm ich von dem vorerwähnten Versuchs-
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132nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
pferde 4 erbsengrosse Knoten aus den Lungen und brachte dieselben am 3. Januar bei einer zehnjährigen Fuchsstute an beiden Seiten der Brustwandung in die Subcutis. Das Pferd war in Folge einer eiterig-jauchigen Sehnenscheiden-Entzündung am rechten Hinterfuss vom Huf bis zur Tibia mit einer 3—4 Ctm. breiten bindegewebigen Ver­dickung der Subcutis behaftet und hatte aus diesem Grunde eine geringe Frequenz der Respiration und der Herzcontractionon. Es erkrankte fieberhaft am 6. Januar und starb am 11. Januar Vormittags. Die Impfstellen waren am 6. Januar massig ge­schwollen und secernirten dünnflüssigen Eiter. Am folgenden Tage fanden sich am Rücken und an beiden Hinterschcnkeln, sowie am rechten Vorderschenkel leichte knotenförmige Auftreibungen und neben denselben eine flache Anschwellung der Sub­cutis. Am 8. Januar trat eine leichte Secretion aus beiden Nasenöffnungen ein. Die Kräfte verfielen mehr und mehr, das Haar erschien aufgebürstet, zeitweise traten Schüttelfröste ein und am letzten Tage der Krankheit konnte das Thier nicht mehr vom Boden aufstehen.
Datum.
Puls.
liesp.
Temp
-5. Januar
48
20
38,0
6. „
64
20
40,0
7- ,,
64
20
40,0
8. „
84
24
40,1
9. „
80
14
40,0
10. „
84
16
39,8
Bei der 6 Stunden nach dem Tode vorgenommenen Section fand sich das Unter­hautbindegewebe am rechten Vorderschenkol, an beiden Hinterschenkeln und am Rücken theils mit hirsekorn- bis erbsengrossen eiterigen Herden, theils mit wallnuss-grossen frischen Rotzknoten durchsetzt und an vielen grösseren Partien mit gelblichem Exsudat infiltrirt. An dem krankhaft verdickten linken Hinterfusse erschien die 3 bis 4 Ctm. dicke Schicht von neugebildetem fibrösem Bindegewebe der Subcutis auf der Durchschnittsfläche mit zahlreichen, linsen- bis erbsengrossen, grauweissen, frischen Rotzherden von unregelmässigen Contouren durchsetzt. Von der Schnittfläche floss ein klares, gelbliches, flüssiges Exsudat ab. In beiden Nasenhälften war die Schleim­haut in geringer Menge mit flüssigem, gelblichem, eiweissreichem Exsudat bedeckt. Sowohl an der Scheidewand, als an den Muscheln trug die Schleimhaut in grosser Zahl stecknadelknopf- bis kaffeebohnengrosse, theils rundliche, theils längliche, weiss-graue Herde; nach Abstreifung des weichen purifomen Belags zeigte die Mucosa eine corrosive Beschaffenheit. Im Schlundkopf, dicht an den Choanen und neben der Epi­glottis frische, flach aufgewnlstete, ulceröse Herde. An der hinteren Fläche der Epi­glottis ein erbsengrosses Geschwür mit röthlichem, lockerem Belag und zerrissenen, blutig infiltrirten Rändern.
In der linken Lunge war der vordere Lappen frisch hepatisirt und dunkel ge-röthet; auf der Schnittfläche zeigte sich, dass die entzündete Partie reichlich mit gelb­lichem, flüssigem Exsudat infiltrirt war. Die Lobuli derselben theils grauroth, theils blutig roth gefärbt, das subpleurale Gewebe und die Interstitien einzelner Lobuli mit gelblichem, flüssigem Exsudat gefüllt. In den Bronchien trübe, gelblich graue, eiweissreiche Flüssigkeit; bronchiale Schleimhaut entzündlich geröthet. In der Um­gebung von zwei mittelgrossen Bronchien finden sich je ein frischer, erbsengrosser, weicher, graurother Rotzherd, und mit denselben zusammenhängend das peribron­chiale Gewebe entzündlich geschwollen. Aussei- den kranken vorderen Lappen ent­hielt die linke Lunge nur noch einen haselnussgrossen Herd, der dicht an der Wand
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 133
eines grösseren Bronchus lag. Ein etwas kleinerer Herd fand sich im peribronchialen Gewebe an einem mittelgrossen Bronchus der rechten Lunge. Beide Herde hatten eine weiche Consistenz und grauröthliche Farbe. Die Knorpel und die Schleimhaut der Bronchien waren an dem Sitze der Rotzherde nicht verändert. Die bronchialen Lymph­drüsen massig geschwollen und .stark durchfeuchtet; ein wallnussgrosses Drüsen-packet enthielt einen grauweissen käsigen Zerfallsherd. Die Leber, Milz, Niere und Darmschleimhaut zeigten ausser einer leichten parenchymatösen Schwellung Nichts Krankhaftes.
Die Ergebnisse dieser Versuche sind in mehr, als einer Hinsicht von Interesse. Zunächst bestätigen sie die schon nach der praktischen Erfahrung der Thierärzto be­rechtigte Annahme, dass in den Lungen, der Nasensohleimhaut, der Haut, der Milz u. s. w. die Rotzherdo durch Vermittelung der Blutoirculation verursacht werden können. Für die Gesammtbetrachtung der Pathogenese ist seit den Feststellungen Virchow's (Geschw., II., 1864., S. 546) nicht zweifelhaft gewesen, dass die Ent­stehung der Rotzherde in den Organen 1) durch Uebertragung des Infectionsstoffes von aussen (primäre Affection); 2) durch nachbarliche Infection; 3) durch Fortführung des Infectionsstoffs in den Lymphbahnen und 4) durch Einführung desselben mittelst, der Blutoirculation bedingt sein kann. Die sub 2, 3 und 4 gedachten Verbreitungs­arten umfassen die secundären oder consecutiven Rotzaffectionon. Auf Grund dieser Feststellung ist aber selbstredend nicht zu demonstriren, dass in jedem Organ alle 4 Entstehungsarten vorkommen. Für eine ganze Reihe von Organen, in welche das Contagium nur durch die Blutoirculation gelangen kann (Milz, Leber, Muskeln u. s. w.) sind die drei anderen Wege der Infection ohne Weiteres auszuschliessen. Anders ge­staltet sich die Frage für die Haut, die Respirationsschloimhaut und die Lungen. Dass die Rotzprocesse in der Haut und in der Schleimhaut der Nasenhöhlen durch primäre Infection entstehen können, ist nach der thatsächlichen Erfahrung ausser Zweifel gestellt. Durch die Resultate der mitgetheilten Versuche wird aber zugleich die Richtigkeit der Ansicht dargethan, dass sowohl in der Nasenschleimhaut, als in der Haut auch durch Vermittelung der Blutoirculation (auf metastatischem Wege) die Rotzaffection mit allen ihren Eigenthümlichkeiten veranlasst werden kann. Die Pathogenese der Rotzherde in den Lungen wird durch die Versuche in Uoberein-stimmung mit vielen klinischen Beobachtungen dahin aufgeklärt, dass sowohl die kleinen (Rotzknötchen), als die grösseren Herde durch Einführung des Contagiums in die Lungen mittelst der Blutoirculation entstehen können. Es giebt an den Rotz-producten in den Lungen keine anatomischen Eigenschaften, aus welchen deducirt werden könnte, dass das Zustandekommen derselben von der primären Einführung des Contagiums in die Alveolen mittelst der Inspiration abhängig sei. Auch die seit den Zeiten Viborg's sehr oft gemachten Ansteckungsversuche haben nicht ergeben, dass die Rotzaffection der Lungen durch die Einathmung des Contagiums direct hervor­gebracht werden kann. Bei dieser Sachlage charakterisirt sich die Ansicht von dem „primären Lungenrotzquot; schon als eine Hypothese. Gegenüber der Thatsache aber, dass die Rotzherde in den Lungen trotz ihrer verschiedenen Gestaltung sämmtlich auf metastatischem Wege herbeigeführt werden können, liegt nach meiner Meinung kein ausreichender Grund vor, um die Hypothese einer anderen Entstehung zuzulassen.
Für die Praxis der beamteten Thierärzte ist der Frage des primären Lungenrotz in den letzten Jahren eine Tragweite beigelegt worden, die sie gar nicht hat. Wenn ich den Gegenstand von dem unnöthiger Weise mit demselben verflochtenen unfruchtbaren Beiwerk loslöse, so handelt es sich lediglich um die Diagnose solcher Krankheitsfälle,
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134nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxication.skrankheiten.
bei welchen intra vitara keine suspecten Symptome bestanden, durch die Section aber in den Lungen die Producte der Rotzkrankheit ermittelt worden, während in der Rospirationsschleimhaut keine Rotzhorde nachweisbar sind. Zur Beurthoilung solcher Fälle kann ich nach vielen Beobachtungen mich auf die Thatsaohe beziehen, dass die primäre RotzafTection in der Nasensclileimhant oder in dor Haut nicht selten bei Pferden ganz oberflächlich verläuft und nach kurzer Zeit abheilt, ohne erkennbare Gewebsvwänderungen zu hinterlassen. Vor der Abheilung ist aber in solchen Fällen das Contagium in der Sasenschleimhaut oder der flaut resorbirt und durch Vermitte-lung der Blutcirculation in die Lungen gebracht worden, in welchen sich nun Rotz-herdo entwickeln. So entsteht ein Thoil von den bekannton Krankheitsfällen, welche dem klinischen Begrilf des latenten oder occulten Kotz unterstellt werden. Von den Rotzherden der Lungen kann nach kürzerer oder längerer Zeit (mehreren Monaten und darüber) keimfähiges Contagium durch Resorption in das Blut und mit der Circulation in die Haut oder in die Rospirationsschleimhaut (Nasenschleimhaut) gelangen. Auf diese Weise kommen bei den der Ansteckung verdächtigen oder auch bei Pferden, welche nicht polizeilich beobachtet werden, nicht selten innerhalb eines Tages frische Rotzulcerationen der Nasenschleimhaut zum Ausbruch. Für solche consecutive oder metastatische RotzafTeotionen der Nase und der Haut liegt zwar der Ausgangspunkt in den kranken Lungen. Allein die Rotzherde der letzteren erlangen deshalb für die Gosamintbetrachtung des Krankheitsfalles noch nicht den Charakter einer Primär-Aifection.
In einer anderen Richtung hat das Ergebniss des sub 4 mitgetheilten Versuches für die Pathologie des Rotz deshalb ein Interesse, weil in der mehrere Centimetor breiten, durch chronische bindegewebige Entzündung verdickten Suboutis des rechten Hinterschenkels kleine frische Rotzherde sich in grosser Zahl otablirt hatten. Es be­weist dieser Fall von Neuem in Uebereinstimmung mit manchen Befunden beim Lungenrotz, dass das durch entzündliche Wucherung entstandene Bindegewebe eine Prädilectionsstolle für die Etablirung von Rotzherden ist.
Endlich möchte ich aus den Vorsuchsresultaten mit Bestätigung der Erfahrungen Haubnor's noch hervorheben, dass Rotzherde in donLungen schon innerhalb weniger Tage zu Stande kommen und dass sogar in dieser relativ kurzen Zeit eine partielle Verkäsung derselben eintreten kann.
Die rotzigen Krankheitszustände in den Lungen haben theils die Form und den Umfang kleiner und grosser saftreicher (frischer) oder trockener (alter) Knötchen (Noduli maileosi), theils die Form saftreicher, derber, auf #em Durchschnitt weiss gefärbter und in den späteren Stadien fester, bindegewebiger Geschwülste (Rotzgewächse nach Ger­lach). Seltener finden sich eingekapselte Höhlen mit dünnflüssigem, eiterigem, bräunlich weissem Inhalt (Rotzcavernen bei chronischem Krank-heitsvcrlauf), welche sich nach ihrer Genesis von den uicerösen Höhlen mit eiterig-jauchigen Zerfalls prod ueten (Rotzcavernen bei aculem Krank-heitsvcrlauf) leicht unterscheiden lassen. Sehr häufig sind die Gompli-cationen mit acuter oder chronischer Bronchitis und cylindrischer oder sackförmiger Bronchiectasie und mit der Bildung von kleinen Rotz­geschwüren in der Bronchialschleimhaut. Ausserdem compiieirt sich der
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 135
Lungenrotz mit frischen broncho-pneumonischen Zuständen, sowie mit einfachen atolectatischen und gelatinös infiltrirten Herden. Beim chro­nischen Rotz finden sich häufig, bald in geringer, bald in grösserer Aus­breitung peribronchitische Verdickungen und grauweiss gefärbte Indura-tionen an kleinen und grösseren Partien des Lungenparenehyms, welche sich schlaff anfühlen und oft ohne scharfe Begrenzung allmälig in das gesunde Gewebe übergehen. Auch die Pleura wird häufig an kleineren und grösseren Partien bindegewebig verdickt, und zuweilen ulcerös. In einzelnen Fällen kommt es im Verlaufe des chronischen Rotz zu einer diffusen exsudativen Pleuritis mit Hydrothorax.
Allein die vorstehend bezeichneten Krankheitszustände der Lun­gen sind nicht sämmtlich specifischer Natur und als die unmittelbare Folge von der Wirkung des Rotzcontagiums anzusehen. Specifisch in diesem Sinne sind nur die Rotzknötchen und -Knoten, sowie die „Rotz­gewächsequot; und die in den letzteren, sowie in den pleuritischen Schwarten entstehenden ulcerösen Herde. Die Bronchiectasien, die Peri bronchitis, die schlaffe bindegewebige Degeneration in einzelnen Partien des Lungen­parenehyms, die Atelectase, die gelatinöse Infiltration, die relativ seltenen llotzcavernen bei chronischem Krankheitsverlauf, die bindegewebigen Ver­dickungen der Pleura und der entzündliche Hydrothorax worden nicht direct durch die speeifische Reizung des Rotzcontagiums verursacht. Diese Zustände sind vielmehr als Folgeleiden zu interpretiren und auf die örtlichen Störungen zurückzuführen, welche die speeifischen Rotz­herde der Lungen nach ihrem Sitze, ihrer Zahl und ihrer Ausdehnung an den benachbarten Geweben veranlassen.
Nur in einem losen genetischen Zusammenhango mit dem Rotzcon-tagium stehen die acuten broncho-pneumonischen Zustände, an deren Zustandekommen fremde, mit der atmosphärischen Luft in die Lungen eindringende ursächliche Schädlichkeiten betheiligt sind. Die ulcerös-eiterigen Zerfallsherde (Rotzcavernen bei acutem Krankheitsverlaut) sind theils auf die Einführung von Embolis in die Lungen, theils auf atmo­sphärische Einflüsse zurückzuführen.
Chronischer Lungenrotz. Vorwaltend haben beim chronischen Krankheitsverlauf die Rotzherde die Form der kleinen und grösseren Knötchen. Es ist aber das Vorkommen einzelner Rotzgeschwülste (Rotz-gewächso) nicht ausgeschlossen. Der Verlauf der ßlutgefässe bringt es mit sich, dass die Rotzknötchen mit Vorliebe in dem subpleuralen Gewebe entstehen. Sie sind daselbst von aussei) zu sehen und noch leichter zu fühlen. Sehr oft liegen sie auch in grosser Zahl central in der Lunge oder im parabronchialen Gewebe.
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136nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Von einem primären Erkrankungsherde, gewöhnlich in der Respira­tionsschleimhaut, seltener in der äusseren Haut, gelangt das Contagium durch Resorption in die Blutcirculation, mit welcher es in die nutritiven Oapillargefässe der Lungen gebracht wird. Es bleibt in den Oapillaren haften, von welchen demnach die Bildung der Rotzherde ihren Ausgang nimmt. Zunächst entsteht ein kleiner hämorrhagischer Infarct, mit wel­chem aber oft durch die Virulenz des Oontagiums in geringem oder grösserem Umfange eine entzündliche Reizung des benachbarten Ge­webes zur Entwickelung kommt. Die Grosse der Infarcte variirt von dem Umfange einer kleinen Erbse bis einer Wallnuss. Zuweilen liegen mehrere hämorrhagische Herde dicht nebeneinander. Mit den weiteren Veränderungen schrumpfen die Herde gewöhnlich bis auf die Hälfte ihres ursprünglichen ümfanges zusammen. Im ersten Stadium er­scheinen demnach die Rotzherde der Lungen dunkelroth. Aber der Blutfarbstoff verschwindet in kurzer Zeit, aus den kleinsten Knötchen schon nach 1 — 2, aus den grösseren nach 3 — 5 Tagen und in den grossen Knoten erhält sich die Röthung 10 — 15 Tage. In dem Infarct kommt es in Folge der Reizung durch das Contagium zum Austritt von weissen Blutkörperchen. Sehr oft liegt der Infectionsherd im Centrum des Knotens, nicht selten aber auch an einer Seite oder es sind mehrere Herde vorhanden, die miteinander in Communication treten können. Rabe hat zuerst nachgewiesen, dass die Zellenbildung von den Capillaren und nicht, wie Gerlach u. A. behaupteten, von dem Alveolarepithel ausgeht. Liegt der Rotzherd in der Wandung der Alveolen, so füllen sich die letzteren mit zelligem Material, während bei der Entstehung im peribronchialen oder interlobulären Bindegewebe das Material in den Maschen des letzteren liegt. — Die kleinsten Knötchen unterliegen in kurzer Zeit der regressiven Metamorphose; sie erweichen, verkäsen und verfetten, worauf die Eintrocknung zu einer grauweissen puriformen Masse folgt, die sich später mit einer, von dem benachbarten gesunden Gewebe gebildeten, dünnen Kapsel uragiebt. Die Erweichung beginnt bei den kleinsten Knötchen central und in der Mitte dieser trüben Partie findet sich oft ein, durch fettige Nekrobiose bedingter, matter, gelblicher Punkt, den Roloff conform seiner Ansicht von der Pathogenese als die ,pri­märe Reizungsstellequot; definirte. In manchen Knötchen wird statt des gelben ein rother Kern gefunden, welcher durch centrale Hämorrhagie entsteht. Allmälig vergrössern sich die gelben, fetthaltigen Kerne, wo­bei sie eine rahmartige Beschaffenheit annehmen. In dem Knötchen be­hält nicht selten die nächste Schicht eine Zeit lang ein speckiges, glänzen­des Ansehen, für welches Pflug die Bezeichnung „diaphane Zonequot; ge-
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wählt hat. Mit der weiteren Regression wird das Knötchen gleichmässig grauweiss oder gelblich grau. Mehrfach sah ich auf dem Durchschnitt solcher Knötchen, dass um den centralen Kern eine rothe Zone (kreis­förmige Hämorrhagie) bestand.
In den späteren Stadien können die grauweissen und gelblich-grauen Rotzknötchen verkalken. Bei Pferden, welche viele Monate am chroni­schen Lungenrotz gelitten hatten, fand ich mehrere Male im Centrum alter Rotzknoten, welche den Umfang einer Haseinuss besassen, einen hanfkorn- bis erbsengrossen Herd verkalkt, während der übrige Theil (die ursprüngliche Entzündungszone) der bindegewebigen Induration ver­fallen war.
Oft nehmen die kleinen Knötchen eine glasige, perlgraue Beschaffen­heit an, in welcher sie viele Monate, selbst Jahre persistiren, ohne der Verkalkung zu erliegen.
In den hämorrhagischen Rotzherden, welche den Umfang einer Haseinuss bis zu einer Kastanie erreichen, stellt sich häufig an einer, oder auch gleichzeitig an mehreren Stellen Nekrose ein. Das zellige Material verkäst in kurzer Zeit; der nekrobiotische Process nimmt oft nicht in der Mitte, sondern an einer Seite seinen Anfang, und verbreitet sich allmälig über den ganzen Herd. Den Beginn derartiger Verände­rungen kann man gewöhnlich schon bei dem 3 — 4 Tage alten Rotz­knoten constatiren. Die vollständige Verkäsung erfordert zuweilen eine Zeit von 10—15 Tagen. Später schrumpft der Herd zu einem trockenen Detritus zusammen, welcher sich mit einer bindegewebigen Kapsel um-giebt.
Einzelne grössere Rotzherde bilden sich durch Embolie der Lungen-arterieh, deren Ursprung nach Rawitsch in den Thromben der Venen in der Nasenschleimhaut liegen soll. Israel fand einen solchen Embolus von Rotzbacillen durchsetzt. In Folge der Embolie verfällt ein kleines oder grösseres Stück eines Lobulus der Nekrose. Es erlangt hierbei in wenigen Tagen eine grauweisse Farbe und derbe Beschaffenheit. In der entzündlich infiltrirten Nachbarschaft des nekrotischen Herdes bildet sich eine Dissection mit Abkapselung und Abscheidung eines dünn­flüssigen, grauen Eiters. Allmälig erfolgt die Erweichung und Ver­flüssigung der Herde; aber die eiterige Masse kann wochenlang in der Höhle liegen bleiben, ohne sich wesentlich zu verändern. Solche Herde können durch Resorption vollständig verschwinden und wenn dieselben bis an die Peripherie der Lungen reichten, so entsteht daselbst eine kerbförmige Einschnürung.
Abweichend von den vorbeschriebenon Rotzherden gestaltet: sich die
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138nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicatlonskrankheiten.
Entwickelung der Rotzgeschwülste (Rotzgewächse) in den Lungen. Ihre Entstehung hat eine gewisse Analogie mit dem Zustandekommen der metastatischen Sarcomknoton in den Lungen, denen sie oft auch im Habitus, namentlich auf der Durchschnittsfläche ähnlich sind. Wie der Infectionsstoff solcher Sarcomknoten aber unzweifelhaft durch Vermitte-lung der Blutcirculation in die Lungen gebracht wird, so ist auch bei den Rotzgeschwülston der Lungen nur die Annahme einer metastatischen Entstehungsweise zulässig. Auch habe ich bei mehreren gesunden Pferden, welche an der Brustwandung subeutan geimpft wurden, die nebeneinander erfolgende Entstehung von Rotzknötchen und Rotzgewächsen beobachtet, ohne dass die Nasenschleimhaut verändert gewesen wäre. Hieraus muss ich im Einklang mit der Ansicht Virchow's folgern, dass auch die Rotzgeschwülste (Rotzgewächso) der Lungen metastatische Krankheits-produete sind. Die speoiello Pathogeneso der Rotzgeschwülste vollzieht sich wie bei den Rotzknoten in der Weise, dass das Contagium in den Capillargefässen haftet und die hämorrhagische Infarcirung eines kleineren oder grösseren Lungenstückes herbeiführt. Ein derartiger Entzündungs­herd wird allmälig von Rundzellen durchsetzt, die aber keine Tendenz zum Zerfall haben, sondern sich ähnlich, wie bei anderen Geschwülsten lange erhalten. Das Persistiren der Rotzgeschwülste im Gegensatz zu den regressiven Metamorphosen der Rotzknötchen in den Lungen wird durch besondere Eigenschaften des Rotzcontagiums bedingt, worüber aber Näheres noch nicht bekannt ist. — Die Geschwulst, welche von der Grosse einer Wallnuss bis zu der eines Gänseeies, selbst eines Kinds­kopfes variirt und unregelmassig, bald mehr rund, bald mehr länglich geformt ist, hat zunächst eine saftige, weisse oder grauweisse Beschaffen­heit. Die Umgebung wird entzündlich gereizt und wenn die Geschwulst an die Pleura reicht, so erscheint letztere in der nächst gelegenen Partie leicht geschwollen und geröthet. Die kleinen Herde nehmen in einzel­nen Fällen den Umfang eines Lobulus ein; sehr oft umfassen sie aber 2 oder 3 und auch einzelne Theile der benachbarten Lobuli. Gerlach verglich sie mit den Sarcoracn und nannte sie „sarcomähnliche Rotz­gewächsequot;. Nach längerem Bestehen erfolgt die Umwandlung des weichen histologischen Materials der Rotzgeschwülste in hartes, fibröses Binde­gewebe („fibromähnlichc Rotzgewächsequot; nach Gerlach). Inmitten der vorboschriebenen Rotzgeschwülste entstehen häufig neue Rotzherde von kleinerem oder grösserem Umfange mit der Tendenz zum ulcerösen Zer­fall. Die Zerfallsmasse hat wie beim Rotzgeschwür auf die Nachbar­schaft eine corrosive Wirkung und es kann hierdurch eine Zerstörung der Wandungen kleiner ßlutgefässe mit geringer oder grösserer Hämor-
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rhagio bedingt worden. Wenn ein Bronchus im Bereich der Rotzulcora-tion liegt, so wird die Wand desselben durchbrochen, so dass die etwa veranlasste Blutung ihren Abfluss nach dem Respirationstractus findet. Hierauf beruhen zum Theil die Blutflüsse aus der Nase, welche seit fast 100 Jahren bei Pferden mit latentem Lungenrot/, beobachtet worden sind.
Sehr häufig sind beim Lungenrotz die ßronchion in grösserer oder geringerer Zahl afficirt. Wenn Rotzherde sich in der Bronchialwandung ctabliren und in Erweichung übergehen, so schliesst sich durch nachbar­liche Infection die Erkrankung der Bronchialschleimhaut direct an. Regel-mässig entsteht ein diffuser, schleimiger Katarrh (Rotzkatarrh), welcher bei anstrengender Thätigkeit der Pferde sich steigert und bei anhalten­der Ruhe geringer wird. Dabei kommt es zu bronchieetatischon Zu­ständen und ziemlich häufig zu einer Verstopfung kleiner Bronchien durch das kranke Secret: in Folge dessen entsteht in den zugehörigen Lungenläppehon Atelectase, und bei langer Dauer der letzteren Atrophie.
Die gelatinöse Infiltratien, welche im Ganzen nicht häufig an ein­zelnen Theilen der Lungen eintritt, wird von Rabe auf Stauungen in den Lymphbahnen zurückgeführt.
Chronische, bindegewebigo Verdickungen kommen in dem peribron-chialcn und parabronchialen Gewebe, in welchem kleine Rotzherde sich gebildet haben, zu Stande. Ihre Form kann sehr verschieden sein. Zu­weilen wird an der Lungenwurzel eine Induration des Parenchyms von dem Umfange eines Hühnereies und darüber gefunden. Nicht selten er­strockt sich die indurirende Entzündung auf ein länglich gestaltetes Stück der Lunge im Vorlaufe eines Bronchus. Noch häufiger wird eine 3 bis 6 Centimetor im Durchmesser umfassende Partie der Lunge zu einem grauweissen schlaffen Horde umgewandelt, welcher allmälig und ohne scharfe Begrenzung in das gesunde Lungonparenchym übergeht. In der Pleura selbst entstehen zuweilen bindegewebige Verdickungen, wenn in oder dicht unter derselben Rotzherde zur Ausbildung kommen. Solche pleuritische Verdickungen können an jeder beliebigen Stelle dor Lunge eintreten und als einfache Abnormitäten bedeutungslos bleiben. In ein­zelnen Fällen bilden sich aber inmitten der letzteren neue Rotzherde. Hierbei kann der krankhafte Vorgang direct auf die correspondirende Partie der Costalpleura übertragen werden. In einzelnen Fällen ent­stehen in weiter Ausdehnung auf der Pleura unebene bindegewebige Ver­dickungen.
Mehrfach habe ich beim chronischen Rotz beobachtet, dass sich eine serös-fibrinöse Pleuritis ausbildete, wobei sich eine grosso Quantität von Flüssigkeit in den Pleurasack orgoss. Die Entwickelung des Hydro-
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140nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
thorax erfolgt langsam; oft besteht derselbe mehrere Wochen und selbst noch länger. Bisher ist auf diese Complication des Lungenrotz in der Literatur nicht aufmerksam gemacht worden. Es dürfte deshalb von Interesse sein, einen Krankheitsfall genauer mitzutheilen.
Rotz mit diffuser chronischer Pleuritis und Hydrothorax. Vom Handelsmann G. wurde am 9. Mal 1879 eine 9 Jahre alte Fliegenschimmelstute der Klinik zugeführt, weil sie seit 4 Wochen weniger fresse, leicht ermüde und stark mit den Flanken schlage. Der Besitzer hatte das Pferd 6 Monate vorher erworben. Puls 40, Athemz. 20, Temp. 39,3 0. Der künstlich erregte Husten kurz und schwach. Bei der Auscultation fand sich in beiden Lungen bronchiales Athmungsgeräusch. Percussions-schall dumpf und leer. Die Dämpfungslinie lag an beiden Brustwandungen gleich hoch. Nach diesem Befunde diagnosticirte ich chronische Brustfellentzündung mit Hydrothorax. Die durch Punktion aus der Pleurahöhle entleerte Flüssigkeit enthielt vielEiweiss, rothe und woisse Blutkörperchen, sowie eine geringe Menge vonEpithelien. Spec. Gew. 1020. Vom 14. Mai an wurde das Athmen frequenter und erschwert. Puls 44; Temperatur normal. Appetit wechselnd; Nährzustand gering. Im weiteren Verlaufe steigerte sich die Athmungsbeschwerde, es entwickelte sich eine erhebliche exspiratorische Dyspnoe, der Appetit nahm mehr und mehr ab. Gegen den 24. Mai erschien das Pferd in seinem Habitus kachectlsch. Starke Ermüdung, anhaltendes Liegen; bei geringer Bewegung wird die Athemnoth grosser. Während diese Erschei­nungen bis zum 28. Mai Nichts direct Verdächtiges an sich trugen, wurde ich am 30. Mai förmlich überrascht, als ich eine wallnussgrosse Schwellung der linksseitigen Kehlgangsdrüsen und ein frisches oberflächliches Geschwür in der Nasenschoidewand der linken Seite fand. Erst nach diesem Befunde war die Rotzkrankheit zu diagnosti-ciren und wurde das Pferd noch an demselben Tage getödtet. Bei der Section fanden sich in beiden Pleurasäcken 40 Liter einer leicht getrübten dunkelgelben Flüssigkeit, in welcher viele gallertartige Fibringerinnsel suspendirt waren. Beim Stehen an der Luft bildeten sich in der Flüssigkeit nach einem Tage grössere gelatinöse Gerinnsel. Die Pleura war in ihrer ganzen Ausdehnung mit dicken, gelben Fibrinauflagerungen bedeckt. Beide Lungen stark comprimirt. Pulmonalpleura durchweg verdickt und von grauweisser Farbe. Auf der Durchschnittsfläche beider Lungen fanden sich viele hirsekorngrosse, theils grauweisse, theils gelbe Knötchen, von welchen manche ver­kalkt und andere noch weich waren. Auch die bronchialen Lymphdrüsen zeigten auf der Durchschnittsfläche mehrere hirsekorngrosse Knötchen. An der hinteren Fläche der Epiglottis und an beiden Klappen der Eustachi'schen Röhren grauröthlichoNarben. In der linken Nasenhöhle fanden sich auf der Scheidewand in der oberen Abtheilung viele kleine Geschwüre von dem Umfange einer Linse bis zu dem einer Haselnuss; mit speckigem Grund und unebenen Rändern. Die Schleimhaut der unteren Nasen­muschel dieser Seite trug ein 12 Ctm. langes Geschwür, welches mit einer missfarbigen Masse bedeckt war. Die pharyngealen Lymphdrüsen der linken Seite waren verdickt und enthielten auf der Durchschnittsfläche kleine, zum Theil verkäste Knötchen. Die submaxillare Lymphdrüse der linken Seite war vergrössert und derb; auf dem Durch­schnitt fanden sich aber keine rotzigen Veränderungen.
Beim subacuten Lungonrotz finden sich sowohl die kleinen Rotz-knötchen, als die grösseron Rotzknoten und die Rotzgeschwülstc. Nur ist die Ausbildung der Rotzproducte zahlreicher und umfangreicher; auch
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erlangeh die entzündlichen Affectionen der Lungen bei der beschleunigten Entwickelung eine grössere Bedeutung für die Gesammtconstitution des betreffenden Pferdes. Dazu kommt, dass die constitutionelle Schwäche eine Causa praedisponens ist für die Complication mit einer katarrhali­schen Pneumonie, durch welche der letale Ausgang des Krankheitsfalls oft beschleunigt wird.
Nimmt der Lnngenrotz bei schwerer Infection einen acuten Verlauf, so bilden sich in grösserer Zahl Rotzherde von dem Umfange eines Hühnereies und darüber. Für dieselben nehme ich auch eine embolische Entstehung an. Mit dem Embolus gelangen aber nicht blos die Rotz-bacillen, sondern gleichzeitig eiterige Fermente in einzelne Endarterien des Pulmonal-Kreislaufs. Innerhalb weniger Tage, selten erst in 1 bis 2 Wochen verfallen die Herde der eiterigen oder jauchigen Erweichung und die ulceröse Gewebszerstörung führt zur Durchbrechung der Bron­chialwandungen. In Folge dessen entsteht eine diffuse Bronchitis mit secundären broncho-pneumonischen Herden, die ebenfalls mortificiren und eiterig-jauchig zerfallen.
Rotz in der Haut und im Unterhautgewebe. Die primäre In­fection der Haut oder des Unterhautgewebes durch Rotzcontagium ist selten. Dagegen kommt der metastatische Hautrotz häufig vor. Hier­mit steht im Zusammenhange, dass der Hautrotz bei subacutem und acutem Krankheitsverlaufe oft gefunden wird, während er bei chronischem Rotz, bei welchem die Disposition zu Secundäraffectionen gering ist, relativ selten beobachtet wird. — In der Substanz der Haut können die Rotzherde ganz oberflächlich sitzen. Sie haben zunächst die Form kleiner Knötchen, welche in wonigen Tagen erweichen und aufbrechen. Das Geschwür hat dieselben Eigenschaften, wie das Rotzgeschwür der Nase: zerrissene Ränder und unreiner, speckiger Grund. In der Regel schliesst sich an die Erkrankung eine Entzündung der nächsten Lymphgefässe und Lymph­drüsen. — Die endormatisch gelegenen Geschwüre kommen oft zur Ver-heilung und zuweilen so vollständig, dass kaum eine Verdickung zurück­bleibt.
Häufiger als in der Substanz der äusseren Haut entsteht der Rotz in dem Unterhautgewebe. Mit der ßlutcirculation gelangt das Contagium an irgend eine Stelle der Subcutis und verursacht daselbst eine hasel-nuss- bis hühnereigrosse, entzündliche Geschwulst, welche oft innerhalb weniger Tage, oft erst nach 1—2 Wochen mit der Haut sich verbindet, zum Aufbruch kommt und dünnflüssigen grauen Eiter oder eine blut-haltige, missfarbene, jauchige Flüssigkeit entleert. Das Geschwür kenn­zeichnet sich durch sinuöse Ausbuchtung des Grundes, unebene Ränder
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142nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxioationskrankheiten.
und geringe Neigung zur Granulation. In der Nachbarschaft entsteht oft eine diffuse Schwellung der Subcutis, strangförmige Auftreibung der Lymphgefässe und Vergrösserung der Lymphdrüsen. An den Lymph-gefässen bilden sich knotige Anschwellungen, theiis einzeln, theils mul­tipel (rosenkranzförmig). Bei längerem Bestehen der diffusen Schwellung entwickelt sich in der Subcutis ailmälig eine bindegewebige Verdickung, die besonders an den Hinterscbenkeln beobachtet wird (elophantiastischo Form des Hautrotz nach Ger lach). In dem krankhaft verdickten Ge­webe der Haut und ünterhaut können neue Kotzherde entstehen, die zuweilen aufbrechen und oberflächliche Geschwüre mit sohlechtem Heil­trieb hinterlassen.
Der subacute Hautrotz wird eingeleitet durch die Bildung von Ge­schwülsten in der Subcutis, welche nach kurzer Zeit aufbrechen. Zu­weilen entstehen die Geschwülste auch in der Haut selbst, ähnlich wie die Nesselbeulcn, ganz plötzlich und die Mitaffection der zugehörigen Lymphgefässe und Lymphdrüsen folgt erst nach mehreren Tagen, nach­dem bereits ein Aufbruch der Geschwüre stattgefunden hat. Das Secret, welches die Hautgoschwüre bei subacutem Rotz liefern, ist dünnflüssig, bräunlich oder missfarben, zum Theil auch durch Blutboimischung röth-lich. Neben solchen Zuständen bilden sich in der Unterhaut an manchen Stellen kleine, Stecknadel knöpf- bis erbsengrosse Rotzherde, welche der eiterigen Erweichung verfallen und eine grauweisso Farbe besitzen, llegel-mässig ist in der Umgebung dieser Herde das ünterhautgewebe entzünd­lich infiltrirt und oft entsteht in der nächsten Nachbarschaft eine diffuse erysipelatöse Schwellung.
Nimmt der Hautrotz einen acuten Verlauf, so finden neben den vorbezeichneten Veränderungen, welche den subacuten Verlauf begleiten, noch jauchige Zerstörungen statt, so dass an der einen oder anderen Partie umfangreiche, ulceröse Herde auftreten.
Rotz in den Lymphgefässon und Lymphdrüsen. Die Wan­dungen der Lymphgefässe und die Lymphdrüsen erkranken nur dann, wenn in den, zu ihrem Stromgebiet gehörigen Organen rotzige Krank-heitsVorgänge bestehen. Von dem letzteren wird das Contagium mit der Resorption der krankhaften Producte in die Lymphbahnen und bis zu den betreffenden Drüsen gebracht. Beim chronischen Rotz bleiben die Lymphgefässe häufig verschont, während die Drüsen erkranken. Die Formen der Erkrankungsherde in den Lymphdrüsen unterliegen ähnlichen Verschiedenheiten, wie bei den Rotzknoten in den Lungen. Zuweilen entstehen im Parenchym einzelne, stecknadelknopfgrosse, grauweisso, feste Knötchen, welche lange persistiren. Häufig bilden sich etwas
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grössere, weiche Herde, deren zelligos Material der Nekrobiose verfällt und zu einer grauweissen oder gelblich grauen Detritusmasse sich um­wandelt. Auch nekrotische (käsige) Horde werden, besonders, wenn der Krankheitsvorgang einen subaouten Charakter hat, oft gefunden. Mit dem ersten Eintritt dieser Affection entsteht regelmässig eine hyper­plastische Schwellung, die zuweilen sich auf die Lymphdrüsen beschränkt, zuweilen auch in der nächsten Umgebung eine Infiltration bedingt. Im ersteren Falle stellt die Drüse einen ziemlich derben Knoten beim Be­ginn der Erkrankung dar, im letzteren Falle ist die Drüsengeschwulst diffus und schmerzhaft. Die Schwellung tritt gewöhnlich nach einigen Tagen mehr zurück, worauf eine chronische, productive Entzündung mit Neubildung von narbigem Bindegewebe sich etablirt, durch welche die Drüse mit der Nachbarschaft oft fest verbunden wird. In der Ge­schwulst der Kehlgangslymphdrüsen entsteht nach der käsigen Mortifica­tion einzelner Drüsentheilchen zuweilen ein eiteriger Process, bei welchem eine dünnflüssige, gleichmässig grauweisse oder klümprigo, kleine Ge­rinnsel enthaltende Materie gebildet wird. Hierbei kann es zu einem Abscesse unter der Haut im Kehlgange kommen. Nach Entleerung der Flüssigkeit tritt gewöhnlich Heilung ein, aber stets bleibt ein indurativor Zustand in der Drüse bestehen. Zuweilen geht aus dem Abscesse ein förmliches Wurmgeschwür hervor. In anderen Lymphdrüsen wird ein solcher Vorgang nicht beobachtet.
Die Lymphgefässwandungen bilden oft den Sitz zahlreicher, kleiner oder grösserer Rotzherde, die vorwaltend der Erweichung und Verflüssigung unterliegen und zum Aufbruch kommen, nicht selten aber auch induriren und eine längere Zeit hindurch als erbsen- bis kastaniengrossc Knoten sich erhalten.
Milzrotz. In der Milz bilden sich auf metastatischem Wege durch Vermittelung der Blutcirculation Rotzherde einzeln oder in grösserer Zahl. Sie entstehen stets unter dem peritonealen üeberzuge der Milz und variiren von der Grosse eines Hirsekorns bis zu einer Kastanie. Ursprüng­lich erscheinen die Herde als röthliche (hämorrhagische) Knötchen; sie verlieren aber bald den BlutfarbstolT und erlangen eine grauweisse und saftreiche Beschaifenheit. In der nächsten Umgebung dieser Knoten be­steht längere Zeit ein entzündlicher Reizungszustand. Die kleinen Knöt­chen schrumpfen durch nekrobiotische Froccsse zu einer grauweissen Detritusmasse, welche später der Verkalkung anheimfallen kann. Die grösseren Knoten erhalten sich dagegen viele Monate, selbst Jahre, ohne wesentliche Veränderungen zu erleiden.
Leberrotz. Seltener als die Milz wird die Leber von Rotzherden
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144nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
befallen. Dieselben haben im Allgemeinen die gleiche Beschaffenheit wie in der Milz. Fast immer werden nur kleine Knoten bis Erbsengrösse gefunden. Sie sitzen unter der serösen Haut der Leber, wohin der In-fectionsstoff mit der Blutcirculation gelangt.
Nierenrotz. Die Nieron incliniren für die rotzige Erkrankung sehr wenig. Nur selten bilden sich in der Rindensubstanz kleine oder grössere Rotzknoten, die ebenso, wie die Rotzherde in der Milz nicht erweichen.
Muskelrotz. Auch in der Substanz der Muskeln und namentlich im Herzfleisch können Rotzherde entstehen. Sie kommen nicht häufig vor und differiren in der Grosse von dem Umfange eines Stecknadel­knopfes bis einer Wallnuss. In ihrer Entwickelung und Rückbildung verhalten sie sich, wie Rabe zuerst nachgewiesen hat, ähnlich den Rotz­herden in der Subcutis. Bei längerem Bestehen bildet sich in der nächsten Umgebung eine diffuse fibröse Entzündung der Muskeln; die­jenigen Muskelherde, welche zu einer schleimig-eiterigen Flüssigkeit zer­fallen, umgeben sich mit einer bindegewebigen Kapsel.
Knochenrotz. Durch Eggeling und Werner ist auf die Ent­wickelung von Rotzherden in den Knochen aufmerksam gemacht worden. Im Ganzen ist die Affection sehr selten. Sie kommt auf metastatischem Wege zu Stande und manifestirt sich als eine schleichende, entzündliche Affection mit Erweichung und Verflüssigung des Krankheitsproductes im Markgewebe. In dem von Werner beschriebenen Falle hatte sich der Process von der Costalpleura aus auf eine Rippe fortgesetzt und in dem Eggeling'sehen Fall war der 2. Halswirbel Sitz einer metastatischen Rotzaffection.
Hodenrotz. Mehrfach ist in der Literatur auf die Bildung von Rotzherden in der Substanz der Hoden aufmerksam gemacht worden. Die Herde sind theils klein, von Hirsekorn- bis Erbsengrösse, theils grosser. In Norddeutschland ist die Erkrankung sehr selten. In Ländern, in denen die Hengste nicht castrirt werden, wird sie öfter beobachtet.
Rotzdyskrasie des Blutes. Im Sinne der älteren Krankheits-lehre giebt es eine krankhafte Aenderung der Blutmischung beim Rotz nicht. Auch das Contagium ist nicht continuirlich im Blut rotzkranker Pferde enthalten. Daher misslingen die Impfungsversuche mit dem Blut kranker Pferde oft. Eine „speeifischequot; Dyskrasie kann nur mit der Einschränkung angenommen werden, dass das Contagium nach der Re­sorption mit dem Blut circulirt, bis es entweder in die Gewebe vulne-rabler Organe gelangt und hier die speeifischen Processe hervorruft, oder bis es zu Grunde geht und ausgeschieden wird. Daneben kommt aber durch die Resorption der Producte rotziger Entzündungsproocsso eine
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fieberhafte Blutdyskrasie zur Entwiokelung, bei welcher eine erhebliche Vermehrung der weissen Blutkörperchen (Leucocytose) stattfindet.
Symptome. Nur der Rotz in der Respirationsschleimhaut (Rotz im engeren Sinne) und der Hautrotz (Wurm) sind von sichtbaren Krank­heitserscheinungen begleitet. Dagegen entziehen sich die Rotzprocesse, welche in den inneren Organen ihren Sitz haben, der Wahrnehmung im Leben; höchstens kann zuweilen das Vorhandensein des Lungenrotz unter Berücksichtigung des etwaigen Ansteckungsverdachts nach einigen allge­meinen Anhaltspunkten vermuthet werden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; #9632;
1)nbsp; nbsp;Fieber. Umfangreiche frische Rotzprocesse führen in jedem Organ zur Resorption pyrogoner Substanzen und zur krankhaften Erhöhung der Bluttemperatur, welche conform dem anatomischen Verlauf der Krank­heit bald grosser, bald geringer ist und vorübergehend sich ganz verliert. Die krankhafte Temperatur wird namentlich durch anhaltende Ruhe der Pferde verringert und durch Anstrengung gesteigert. Bei acutom Krank­heitsverlauf ist immer Fieber vorhanden, zuweilen mit Schüttelfrost. Auch der subacute Verlauf ist von Fieber begleitet, bei welchem aber die Eigenwärme in vielen Fällen nicht dauernd abnorm hoch steht. Der chronische Rotz der Respirationsorgane verläuft meist fieberfrei; nur bei diffusem Katarrh der Respirationsschleimhaut stellt sich eine krankhafte Erhöhung der Eigenwärme ein.
2)nbsp; nbsp;Ernährung des Körpers. Mit der fieberhaften Blutdyskrasie verschlechtert sich der Nährzustand; das Haar wird rauh, die Haut trocken, die Thiere magern ab und die Kräfte verfallen. Bei fieberlosom chronischen Rotz bleiben die Pferde oft viele Monate und selbst Jahre hindurch trotz anstrengender Arbeit in guter Condition. In der Regel entwickelt sich aber mit der Ausbreitung der Rotzherde in den Lungen und besonders mit der Ausbildung der Rotzgeschwiilste In denselben, eine rauhe, aufgebürstete Beschaffenheit des Deckhaars. Bei langem Fort­bestehen der Seuche in einem grösseren Pferdebestande hat das Auf­treten dieses Symptoms bei einem bis dahin gut genährton und mit glattem Deckhaar versehenen Pferdes ein hervorragendes diagnostisches Interesse.
3)nbsp; nbsp;Nasenausfluss. Der Rotz in der Respirationsschleimhaut ver-anlasst Nasenausfluss, thcils einseitig, theils doppelseitig. Bagge, wel­cher über ein grosses Beobachtungsmatcrial verfügte, fand bei Kl., der kranken Pferde beiderseitige, bei '/4 linksseitige und bei V4 rechtsseitige Erkrankung der Kopfschleiinhäuto. Hiermit stimmen die anderweitig und auch von mir gemachten Erfahrungen überein. Die in der alten
Diockerhoff, Spec. I'atholügic u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; in
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146nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Literatur vielfach urgirte Angabe, dass ein einseitiger Ausfluss beim Nasenrotz die Regel sei, ist ganz irrthümlich. Die Quantität und Qualität der Nasendejocte sind sehr verschieden. Beim chronischen Rotz ist der Ausfluss zuweilen kaum auffällig; mitunter liegt nur eine spärliche, dünn­flüssige oder weisslieh gefärbte Schleimmasso an den Nasenrändern. In anderen Fällen entleert sich eine grössore Quantität grauweissen oder schmutzigen Secretes, welches die Nasenränder verklebt.
Beim subacuten Nasenrotz bilden sich, wie Haubner zuerst er­örtert hat, zwei verschiedene Materien; ein Thoil der Dejecta ist miss-farbcn, stark eiweissreich und deshalb klebrig; ein anderer Theil ist gelblich oder grünlich, klar, dünnflüssig und entleert sich gewöhnlich in starken Tropfen, welche über die Oberlippe herabfliesscn und oft einige Augenblicke an den längeren Haaren haften bleiben. Mit der Abheilung der llotzprocesse in der Respirationsschleimhaut verringert sich der Ausfluss; er kann sogar vollständig aufhören.
Der acute Rotz der Respirationsorgane kann durch seine Com-plicationen sehr verschiedene Nasendejecte verursachen: Schleim und Blutserum oder Blut, Speichel und Futterpartikel, Eiter oder Jauche.
Ueber das Nasenbluten als Symptom des oeculten Rotz wird bei der Darstellung des Krankheitsverlaufs Näheres mitgetheilt werden.
4)nbsp; nbsp;Nasengeschwüre. Einzelne oberflächliche oder tiefere Ge­schwüre mit speckigem Grunde und unebenen Rändern, oder auch con-(luirte Geschwüre von gleicher Beschaffenheit auf der Nasenscheidewand, oder an den Muscheln im unteren Theile der Nasenhöhlen gehören zu den bedeutungsvollsten Symptomen, durch welche für sich allein die Dia­gnose des Rotz vollständig motivirt sein kann. Sie fehlen aber häufig oder entstehen erst nach wochen- und monatelanger Dauer der Krankheit. Unter dem Flügelknorpel, am Ende der Scheidewand, kommen nicht selten oberflächliche Geschwüre mit Schwellung der Subcutis und des submueösen Gewebes vor. Oft sind sternförmige und andere Narben als Residuen abgeheilter Rotzgeschwüre vorhanden. Beim acuten Ro'z finden sich gangränöse Zerstörungen in der Nasenschleirahaut.
5)nbsp; nbsp;Husten. Ein ganz inconstantos Zeichen beim Rotz ist der Husten. Selbst beim Kehlkopfrotz kommt er nicht immer vor, offenbar, weil mit der Zerstörung der Schleimhaut die sensiblen Nervenfasern zu Grunde gehen. Nur in denjenigen Fällen, in welchen vereinzelte ober­flächliche Geschwüre in der Kehlkopfschleimhaut bestehen, wird eine anhaltende krankhafte Reizbarkeit mit Husten beobachtet. Häufiger ist dagegen beim chronischen Bronchienrotz ein kurzer, scharfer oder auch dumpfer Husten. Im Ganzen ist aber dieser Husten bei weitem nicht
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 147
so häufig, wie Gorlach behauptet hat. Sehr viele Pferde leiden Woohen oder viele Monate, selbst Jahre lang am Lungenrotz, ohne einen ab­normen Husten zu bekunden.
6)nbsp; nbsp;Athembeschwerdo. Bei langer Dauer des Lungenrotz stellt sich zuweilen Dämpfigkeit in Polge einer verbreiteten Erkrankung der Bronchien ein. Die Lungendämptigkeit ist aber beim Rotz nicht so häufig, als von Gorlacli und nach ihm von vielen Anderen angegeben worden ist. Wie mir scheint, war dabei einerseits übersehen, dass bei alten, mit der Dämpfigkeit bereits behafteten Pferden der Rotz zur Entstehung kommt und andererseits, dass es nicht zulässig ist, jede durch Lungen­
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rotz verursachte Athembeschwerdo als Dämpfigkeit zu deuten. Durch
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ulceröse Zerstörungen im Kohlkopf kann ein lautes, giomendes Inspira­tionsgeräusch bedingt worden. Kleinere Geschwüre im Kehlkopf ver­ursachen eine solche Athombeschwerde nicht. Die Schwellung der Nason-schleirahaut bei subaculem oder acutem Rotz ist mit einem schniebenden In- und Exspirationsgeräusch verbunden. Umfangreiche acute oder sub-acute Rotzprocesse in den Lungen verursachen beschleunigte und dyspnoi-sohe Athmung. Blutige Horde oder entzündliche Schwcllungon im Kehl­kopf bei acutem Rotz können kreischende Respirationsgoräusche veran­lassen und die Athemnoth bis zur Erstickung steigern.
7)nbsp; nbsp;Katarrh der Augenbindehaut. Sowohl der chronische, als
der subacute Nasenrotz wird zuweilen von einem Katarrh der Conjunctivanbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; till
begleitet, der sich gewöhnlich nur an dem Auge der kranken Seite aus­bildet, mindestens an diesem stärker ist, als an dein Auge der gesundennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.. ' Seite. Geringer Thränentluss und Absonderung eines zähen, gallertartigen,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; : it den Harder'schen Drüsen entstammenden Secretes am Innern Augenwinkel markiren die Alfoction.
8)nbsp; nbsp;Geschwulst der submaxillaren Lymphdrüsen. Eins der gewöhnlichsten und wichtigsten Symptome beim Rotz liegt in der An­schwellung und Induration der Kehlgangslymphdrüsen. Die äussore Form dieser Geschwulst (Rotzbubo) ist unwesentlich, Am meisten hat die Geschwulst, conform den Lymphdrüsonpacketen eine längliche Ge­stalt. Häufig erkranken die der Haut zunächst gelegenen Theilc, in anderen Fällen die entgegengesetzt am Kiefer befindlichen Theile. An­fänglich entsteht eine derbe, festweiche Schwellung, die später hart, höckerig wird. Selten kommt es zur oberllächlichen Abscedirung und Entleerung einer dünnflüssigen, bräunlichen, etwas klümprigen Materie. Ina Allgemeinen ist die Geschwulst beim Druck wenig empfindlich, doch wird bei frischer Schwellung auch nicht selten Schmerzempfindung wahrgenommen. Die in den späteren Stadien vorhandene, harte Geschwulst ist fast ganz
10*
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148nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
unempfindlich. Sie liegt meist dorn Kiefer ziemlich fest an, sehr oft aber bleibt sie verschiebbar, in einzelnen Fällen auch fest mit der äusseren Haut verbunden und in der Tiefe beweglich.
9)nbsp; nbsp;Knoten, Geschwüre, entzündliche Schwellungen und Verdickungen der Haut. Kleine Knötchen oder Geschwüre, in seltenen Fällen herdwoise Verdickungen der Haut und Bedeckung der Geschwürchen mit festen Schorfen konnzeichnen den nur ausnahmsweise vorkommenden superficiellen, clironischen Hautrotz (endermatischon Rotz). Der viel häufiger auftretende subeutane Rotz charakterisirt sich durch knoten-förmigo Geschwülste und Geschwüre in dem Unterhautgewebe. Die Ge­schwüre, welche die Haut durchbrechen, haben in der Regel zerrissene Ränder und einen kraterförmigen, leicht blutenden Grund. Das Ge-schwürsproduet besteht aus einer dünnflüssigen, bräunlichen oder durch blutige Beimischungen missfarbenen, klebrigen Masse. Beim subacuten und acuten Hautrotz treten zugleich diffuse, ödematöse Anschwellungen in der Suboutis ein, welche durch eine gleichmässige, ziemlich derbe Infiltration des subeutanen Gewebes mit einer gelblichen oder grauweissen, albuminösen Flüssigkeit bedingt sind. Daneben finden sich die Lymph-gefässe, welche zu dem Stromgebiete der erkrankten Hautpartie gehören, strangförmig angeschwollen und auch die oberflächlich gelegenen Lymph­drüsen (Leisten-, Kniefalten- oder Bugdrüsen) sind in den betreffenden Fällen mehr oder minder stark geschwollen, in der ersten Zeit schmerz­haft, später hart und unempfindlich. Häufig bilden sich an den ge­schwollenen Lymphdrüsen knotenförmige Entzündungsherde, die zuweilen in wenigen Tagen die Haut durchbrechen und sich in Geschwüre um­wandeln, oft aber längere Zeit persistiren und sich allmälig etwas ver­kleinern. An den Glied massen, besonders an den hinteren, entsteht bei langer Dauer des chronischen Hautrotz eine fibröse Verdickung in der Subcutis und in der Haut (Elephantiasis, Pachydermie), in welcher zuweilen kleine ulceröse Rotzherde von Neuem auftreten. — Der acute Rotz führt nicht selten in der Haut und Unterhaut umfangreiche, gangränöse Zerstörungen herbei.
10)nbsp; nbsp;Lahmheit. Die Etablirung der Rotzprocesse in der Nähe der Aponeurosen, oder diffuser Entzündungszustände in der Subcutis an den Gliedmassen verursacht während kurzer oder längerer Zeit eine Lahm­heit. Bei der nur selten vorkommenden Ausbildung von Rotzherden in der Skeletmuskulatur oder in den Knochen bemühen sich die Thiero, den kranken Körpertheil so zu halten, dass die schmerzhaften Empfin­dungen sich möglichst verringern.
Verlauf. Kaum bei einer zweiten Pferdekrankheit zeigt der Verlauf
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;149
so grosso Verschiedenheiten wie beim Rotz. Der InfectionsstofF hat nicht immer die gleiche Energie und deshalb verallgemeinert sich die Erkran­kung im Körper oft nur sehr langsam, zuweilen aber in kurzer Frist.
Die Zusammenstellungen einiger Autoren über das numerische Ver-hältniss des chronischen zum subacuten (und acuten) Rotz und des Rotz der Respirationsorgane zum Hautrotz haben keinen Werth, weil nicht ersichtlich ist, wie weit das Sectionsergebniss und die Pathogenese bei den statistischen Ermittelungen berücksichtigt wurden, ßagge (1863) sammelte 1534 Fälle, welche in Dänemark von 1807—1862 constatirt wurden. Hiervon entfielen 1366 auf den Nasenrotz und 168 auf den Hautrotz. Auf 8 Fälle kam einer mit acutem (subacutem) Verlauf. Haubner (1869) giebt an, dass von 780 Fällen 713 dem Rotz der Respirationsorgane und 67 dem Hautrotz angehörten. Das Ver-hältniss des chronischen zum acuten (und subacuten) Rotz betrug nicht ganz 8:1.
Thatsache ist, dass der primäre Hautrotz selten vorkommt und dass auch der metastatische Hautrotz früher auftreten kann, als der metastatischo Lungenrotz. Im Ganzen sind es aber nur einzelne Fälle, in welchen die Lungen eine Zeit lang frei von Rotzherden bleiben. Mit dem subacuten Verlaufe der Krankheit verbindet sich in der Regel die rotzige Hautaffection früher oder später, während bei chronischem Krank­heitsverlauf nur in wenigen Fällen Rotzherde in der Haut oder Unter­haut zur Entwickelung kommen.
Es ist eine alte Erfahrung, dass der Rotz bei den meisten Pferden einen chronischen Verlauf hat und dass in manchen Pferdebeständen viele Jahre hindurch fast nur Krankheitsfälle mit chronischem Verlauf beobachtet werden. Sehr oft nimmt die Krankheit aber einen subacuten Verlauf und es ist Thatsache, dass, wenn die Ansteckung eines gesunden Pferdes durch ein an subacutem Rotz erkranktes Pferd zu Stande kommt, auch bei dem letzteren häufig derselbe Verlauf beobachtet wird.
Ein Stadium Incubationis giebt es beim Rotz eigentlich nicht, weil nach der Infection die krankhaften Processe sofort beginnen. Nur be­schränken sich die letzteren sehr oft eine lange Zeit auf die hinteren Abschnitte des Respirationstractus und auf die Lungen, ohne eine er­kennbare Störung der (Gesundheit zu verursachen, während sich dieselben in anderen Fällen an den der Untersuchung zugänglichen Theilen eta-bliren und hier wahrgenommen worden können. Es ist daher incorrect, die Zeit, welche darüber vorgeht, bis bei einem inficirten Pferde die Krankheit erkennbar wird, als die Entwickelungszeit des Rotz zu inter-pretiren. Nach Einimpfung des Ansteckungsstoffes in die Nasenschleim-
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Infoctions- und fntoxicationskranldieiton,
haut oder in clio Haut vergehen 3—5, zuweilen bis 10 Tage, bevor der Rotzproeess einen sichtbaren Fortgang nimmt. Bei der spontanen An­steckung treten dagegen nur in seltenen Fällen vor Ablauf von 2 Wochen charakteristische oder verdächtige Hrschoinungen hervor.
Ein Tjäliriger Wallach, welcher einige Stunden lang mit einem am Nasenrotz in erheblichDin Grade erlirankton Pfordo zusiimmen vor dem Kutsclnvagen gefahren, sonst aber mit demselben nie In Berührung golfommon war, zeigte schon nacbSTagengoringen missfarbenen Nasenausfluss und drei Wurnibeulen auf der Brustwand und am Halse.
Bei der allerdings nur selioii erfolgenden primären Infection der Haut ist die Krankheit früher erkennbar, als bei der gewöhnlichen In­fection der Respirationsschleim haut. Hier vergeben in der Regel 2 bis 4 Wochen, nicht selten aber 2—3 Monate und ausnahmsweise bis 6 Mo­nate und darüber, bevor charakteristische oder verdächtige Krankheits-erscheinungen auftreten. Nach dem durch Impfungsvorsuche gewonnenen Erfahrungsmaterial halte ich die theoretische Folgerung für berechtigt, dass die angesteckten Pferde spätestens nach 14 Tagen mit dem aus­gebildeten Rotz behaltet sind und von dieser Zeit an die Krankheit weiter verbreiten können, wenn auch keine Merkmale der Seuche bei denselben äusserlich zu erkennen sind. Der nach der primären Infection in den oberen Regionen der Nasenschleimhaut oder an anderen Partien des Respirationstractus entstehende Eot/process ist gar oft in quantita­tiver Hinsicht so unerheblich, dass kein Nasenauslluss eintritt oder dass derselbe wegen seiner Geringfügigkeit unbeachtet bleibt. Der Process war aber ausreichend, um in den hinteren Abschnitten des Respirations­tractus und in den Lungen (dem Prädileclionsorgane für den Rotz) die Entstehung seeundärer Krankheitsherde herbeizuführen. Von den letzteren erfolgt nach Wochen und Monaten oder selbst erst nach Jahren durch Vermittelung der Blutcirculation oder des Kxspirationsstroms die Rück-Infeotion der Respirationssohleimhaufc, womit sich erst wahrnehmbare Krankheitszeichen ausbilden. In manchen Fällen stellt sich hierbei auch metastalischer Hautrotz ein und ich habe sehr oft beobachtet, dass nur der letztere zur Ausbildung kam oder dass der Nasenrotz auf den Haut­rotz erst nach I — 2 Wochen und darüber folgte. Das ist die Geschichte des verborgenen Rotz (Malleus oecultus) oder — wie viele Thier-ärzte nach Gerlach's Vorgang irrthümlich sagen — des primären Lungenrotz. Die deutsche Literatur enthält, eine reiche Casuistik über die Dauer des verstockten (verborgenen oder latenten) Rotz und über die gemeingefährlichen Nachtheile, welche die betreffenden Pferde verursacht haben. Von den Krankheitsfällen, die ich selbst beobachtet habe, will ich hier einige besonders instructive in Kürze mittheilen.
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Rots-,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 151
1)nbsp; nbsp;Aus einem Bestände von vier Arbeitspferden wurden 1876 drei Pferde nach­einander rotzkrank befunden und getödtet. Das vierte Pferd — ein sechsjähriger brauner Wallach — verblieb der damaligen Vorschrift gemäss drei Monate lang unter polizeilicher Observation und es fand sich bei wöchentlich dreimaliger thierärztlicher Untersuchung nie eine Anschwellung der Kohlgangsdrüsen oder Nasenausfluss. Erst 4 Monate und 3 Tage nach dem letzten Todesfall und nachdem der Besitzer das Pferd inzwischen verkauft hatte, entstand an der inneren Seite des linken Vorarms ein kleines, oberfliichliches (endermatisohes) Rotzgeschwür in der Haut und wenige Tage später ein zweites Geschwür in derSubcutis vor derBrust. Bei derSection fanden sich mehrere alte und frische Rotzherde in beiden Lungen, kloine Narben an der Bifurcation der Trachea, im Kehlkopf und an den Choanen.
2)nbsp; nbsp;Am 14. September 1871 Hess der Fabrikbesitzer W. eine 10jährige Schimmol-stute arabischer Abkunft (Reitpferd) in die Klinik mit der Angabe einstellen, dass das Pferd im Juli ej. a. an einer Druse 4 Wochen lang krank gewesen und dann auf die Weide gebracht, trotzdem aber im Nährzustande zurückgegangen sei. Status: Starke Abmagerung; geringer Appetit; sichtbare Schleimhäute blass; frequenter, kurzer, dumpfer Husten; Puls 48; Resp. 14; Tcmp. 39,5; in den oberen Partien der Lungen verstärktes, in den unteren schwaches Vosiculärgeräusch; während der folgen­den Tage trat an der linken Brustseite Bronchialathmen auf. Am 20. Septbr. liess ich das Pferd 15 Minuten lang im Trabe reiten; es stellte sich aber keine abnorme Athembesohwerde ein. Bei täglichen Untorsuchungen konnte ich eine wesentliche Aondernng des Zustandos nicht erkennen. Aber am 28. Septbr. fand sich ganz uner­wartet die linke Untorkieferdrüse leicht geschwollen und in der linken Nasenhälfte auf dor Scheidewand hatten sich drei oborflächlicho, frische, lenticuläre Rotzgeschwüro gebildet. Geringer Nasenausfluss von gelbgrünlicher, klebriger Materie. Bis zum 30. Soptbr. trat auch in der rechten Untorkieferdrüse Schwellung ein und am 2. October constatirte ich an beiden Seiten dos Thorax fünf haselnussgrosse Wurmbeulon in der Subcutis, die am folgenden Tage aufbrachen. Tödtung am 4. October. Autopsie: Ulcoröso Rotzherde in der Haut am Thorax, liyporplastische Schwellung der Bug­drüsen und Untorkieferdrüsen; in letzteren einige kleine, frischo Horde; in beiden Nasenhälften viele frischo Rotzgeschwüre, namentlich an den Muscheln; in beiden Lungon eine sehr grosso Zahl von Rotzknötchen verschiedenen Alters, theils vorkalkt, theils graugelb und trocken, theils lüimorrhagisch; diffuse chronische Bronchitis catarrhalis und atelectatisoho Zustände in der unteren Hälfte der linken Lunge.
3)nbsp; nbsp;Der Schmiederaoister K. in S. hatte Im April 1876 von einem unbekannten Händler eine zwölfjährige Schimmelstute veredelter Abkunft gekauft und benutzte dieselbe zu Ackerarbeiton. Ein zweites Pferd, welches der Besitzer mit der Stute zusammengestellt hatte, war im Juli 187G nach C. verkauft und — wie nachher er­mittelt wurde —#9632; fünf Wochen später als rotzkrank getödtet worden. Ein im Septem­ber 1876 von dem Besitzer neu zugekauftes und mit der Stute zusammengestelltes Pferd war im März 1877 nach W. vorkauft und drei Wochen nachher rotzkrank be­funden worden. Durch den Rechtsstreit, der sich hieraus entwickelte, kam die Sache zur Cognition der Polizeibehörde. Ich untersuchte die Stute als beamteter Thierarzt am 29. Juli 1877. Sie war von kräftiger Constitution, sehr gut genährt, hatte glattes Deckhaar und lobhaften Appetit. Ausfluss aus der Nase bestand nicht und die Nasen-Schleimhaut zeigte bei eingohonder Untersuchung Nichts Abnormes. Im Kehlgange fanden sich zwei wallnussgrosso Geschwülste, von welchen eine im unteren Winkel und die zweite 6 Ctm. höher an der rechten Seite gelegen war. Die Geschwülste
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152nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
waren hart, fest, beim Druck nicht schmerzhaft und nach allen Seiten leicht ver­schiebbar. Sonst fand sich an dorn Pferde Nichts Verdächtiges. Insbesondere war der Idinstlich erregte Husten sehr kräftig, wie bei gesunden Pferden. Von dem Be­sitzer und seinen Nachbarn wurde versichert, dass die harten Drüsengeschwülste im Kehlgange schon beim Kaufe im April 1870 zugegen gewesen seien und sich auch zu keiner Zeit anders gestaltet hätten Nach dorn Thatbestando gab ich das amtliche Gutachten dahin ab, dass das Pferd sehr wahrscheinlich am occulten Rotz leide. Die hierauf angeordnete Tödtung der Stute erfolgte am 17. August 1877. Bei der Section, welche in Gegenwart eines vom Besitzer zugezogenen Privatthierarztes ge­macht wurde, fand ich die Lymphdrüsengeschwülste im Kehlgango durch schwieliges, aber leicht verschiebbares Bindegewebe mit der Umgebung vereinigt. Ein Durch­schnitt ergab, class die Drüsenläppchen von festen, bläulich-weissen, narbigen Binde-gewebsziigen umschlossen und etwas kleiner geworden waren. Die Drüsenläppchen enthielten viele kleine, theils rundliche, theils cylindrische Hohlräume, welche mit dicker, käsiger Detritusmasse fest angefüllt waren. Beim Zusammendrücken der Ge­schwulst trat diese Masse in kleinen Säulen aus der Schnittfläche hervor. Die in den Rotzhubonen gewöhnlich befmdlichenKnötclien oder grauwoissen kleinen Herde fehlten. Auf der Scheidewand der linken Nasenhälflo sassen zwei glatte, grauweisse Narben von der Grosse eines Fünf- resp. Zehnpfpiinigstüokes (verheilte oberflächliche llotz-gesohwüre). Die Höhle der oberen Nasenmnschel war gefüllt mit einem grauwoissen, colloiden Secret. Beide Lungen enthielten in mässigerZahlRotzknötchen vonllirsekorn-bis Krbsengrösse, welche theils frisch (hämorrhagisch), theils älter (grauweiss), theils verkalkt waren. Im vorderen Dritttheil der rechten Lunge fand sich am stumpfen Rande eine starke, transversal vorlaufende, kerbförmige Einschnürung, von deren tiefster Stelle sich eine grauweisse, schlalTe Induration von dem Umfange eines Hühnereies in mehrere Lungenläppchen erstreckte. Die indurirte Partie war nicht abgekapselt. Einzelne kleine Theilc der rechten Lunge atelectatisch. Die Milz ent­hielt vier hasolnussgrosse Rotzknoten.
Bei manchen Pferden stellen sich mehrere Wochen oder Monate nach der Ansteckung als erstes Zeichen des versteckten Rotz Blutungen aus der Nase ein, die gewöhnlich in indurirenden und ulcerösen Zuständen der Lungen, seltener in corrosiven Processen der Nasenschioirahaut ihre nächste Ursache finden. Greve (1818) hat auf diese Erscheinung, weiche später von den Thiorärzten sehr oft constatirt worden ist, zu­erst aufmerksam gemacht. Sie verdient in grösseren Pferdobeständen, in welchen die Seuche seit längerer Zeit besteht, eine besondere Be­achtung. Nur selten ist die Blutung so erheblich, dass sie direct zum Tode führt; in der Regel ist sie geringfügig. Aber sie wiederholt sich bei einzelnen Pferden nach kürzerer oder längerer Zeit, besonders wenn dieselben zu anstrengenden Arbeiten benutzt werden.
Der Vorlauf des Rotz wird wesentlich bestimmt durch den fieber-liaftcn Charakter der Localprocosse und durch die grössere oder ge­ringere Neigung zur Bildung von Metastasen, Letztere beruht auf be-
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 153
sonderen und bis jetzt nicht bekannten Eigenschaften des Contagiums. Die Ansicht Gerlach's, dass der chronische Rotz der Respirationsorgane durch die zufällige Entstehung einer katarrhalischen AtTection in Folge von Erkältung einen acuten Vorlauf annehme, habe ich niemals bestätigt gefunden. Richtig ist, dass der chronische Rotz in einzelnen Fällen nach Monaten oder Jahren plötzlich in den subacuten Rotz übergeht. Aber die Einflüsse, welche dem Contagiura die grössere Virulenz verleihen, so dass sich die Localprocesse schnell verallgemeinern, sind noch nicht er­mittelt.
So lange der chronische Rotz der Respirationsorgane nicht mit diffuser Bronchitis verbunden ist, verläuft er fieberlos. Durch letztere wird ein hektisches Fieber (Kachexic) unterhalten. Aehnlich verhält es sich auch beim chronischen Hautrotz, bei welchem nur die intercurrenten entzündlichen Processe dieGesammt-Constitution der Pferde beeinträchtigen.
Hierauf beruht die Thatsache, dass die Einflüsse, welche den Tonus der Organe verbessern (anhaltende Ruhe, gute Fütterung etc.) die Rück­bildung der Krankheitsersoheinungen bis auf einen niedrigen Grad herbei­führen, während die entgegengesetzten Verhältnisse (sohlechte Ernährung, üeberanstrengung, hohes Alter etc.) den chronischen Verlauf fieberhaft gestalten und Kachexie bedingen. Die krankhafte Erhöhung der Eigen­wärme ist beim chronischen Rotz nicht continuirlich vorhanden.
Für die Dauer des chronischen Rotz lässt sich eine bestimmte Zeit nicht angeben. Die meisten Pferde verfallen nach einem halben bis einem Jahre der Kachexie, durch welche sie eingehen. Andere erhalten sich viel länger. Gegenwärtig fehlt in Deutschland jede Gelegenheit, die lange Dauer des offenkundigen chronischen Rotz festzustellen. Vor Er-lass der neuen Seuchengesetze machte ich die Beobachtung, dass ein Pferd 7 Jahre lang am chronischen Rotz der Respirationsorgane litt und fortdauernd arbeitsfähig war. Es hätte noch länger gelebt, wenn die Tödtung nicht durch einen Nageltritt geboten gewesen wäre. Zwei andere chronisch rotzkranke Pferde blieben 4 resp. 5 Jahre diensttaug­lich. Ein Arbeitspferd litt am chronischen Rotz der Rospirationsorgane und zugleich an rotziger Elephantiasis des linken Hinterschenkels 3 Jahre lang, bevor es kachektisch wurde. Uebrigens sind in der Literatur viele Fälle von jahrelangem Bestehen des chronischen Rotz mitgetheilt.
Der subacute Verlauf des Rotz ist immer von krankhafter Erhöhung der Temperatur und mangelhafter Ernährung begleitet. Hat sich der subacute Rotz einmal verallgemeinert, so geht er nicht mehr in den chronischen Verlauf über. Durch die schmerzhaften Affectionen der Re-
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154nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
spirationsorgane oder der äusseren Haut, sowie durch die Resorption der Krankheitsproducte vorschleohtort sich das Allgemeinbefinden mehr und mehr; die Kräfte verfallen und nach einer Krankheitsdauer von 2—5 Wochen gehen die Thiere unter dem Bilde einer allmäligen Er­schöpfung zu Grunde.
Beim aenten Rotz ist der Verlauf noch stürmischer, weil die Local-processe überall von entzündlicbcr Schwellung und Gowebsdestruction begleitet sind. Es entstehen ulcerösc Zerstörungen in den Lungen, in der Respirationsschleimhaut oder in der äusseren Haut und durch die Resorption der Krankheitsproducte kommt Icborrluiemie mit seeundärer Darmentzündung zur Ausbildung. Zuweilen complicirt sich der Rotz mit der Blutlleckenkrankheit, wobei die Respirationsschleimhaut durch die blutigen Herde in grossem umfange anschwillt und brandig zerfällt. Die Dauer des immer fieberhaft und tödtlich verlaufenden acuten Rotz er­streckt sich auf 4—10 Tage.
Die Unheilbarkeit des Rotz resultirt aus der Thatsache, dass bei einem kranken Pferde die rotzigen Herde nicht gleichzeitig der Nokro-biose unterliegen, resp. durch Vcrnarbung ausheilen. Wie bei der Patho-genese erörtert ist, behalten die einzelnen Herde ihre Virulenz eine ver­schieden lange Zeit und bevor der Ansteckungsstoff (die Rotzbacillen) in denselben zu Grunde geht, kommt schon die Eruption neuer Herde zu Stande. Dass die früheren Behauptungen über gelungene Heilver­suche fast sämmtlich auf Täuschung beruhten, ist zweifellos. Ganz un­möglich ist aber die Genesung eines Pferdes vom Rotz nicht, wie schon sehr zuverlässige Thierärzte vor 50 Jahren beobachtet haben. Ich selbst fand 1863 unter einem seit Jahren verseuchten Bestände bei einem sechsjährigen Wallach Rotzgeschwüre in der Nase und Drüsengeschwulst im Kehlgange. Die Geschwüre verheilten in 2 Monaten, die Kehlgangs­geschwulst verschwand nicht ganz. Das Pferd lebte noch 5 Jahre und arbeitete gemeinsam mit vielen gesunden Pferden, von welchen keins inficirt worden ist. Die Section habe ich nicht gemacht, aber ich zweifle nicht, dass dies Pferd von der Rotzkrankheit genesen war. Nach der Gesammttödtung von Pfordeheständen, die seit vielen Jahren verseucht und bezw. der Ansteckung verdächtig waren, fand ich einige Male bei der Section alter Thiere, die im Leben Nichts Krankhaftes gezeigt hatten, Narben in der Nase, verkalkte Knötchen und die Rückstände einer localen chronischen Bronchitis an einer oder an mehreren Partien der Lungen. Ich bin der Meinung, dass auch in diesen Fällen die Rotz-processe vollständig ausgeheilt und dass die Pferde später nicht mehr ansteckungsfähig gewesen sind. Wiederholt habe ich in grösseren ßo-
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ständen, in welchen die Seuche lierrchte, Pferde, die, soweit erkennbar, nicht am Rotz der Respirationsorgane, sondern nur am Hautrot/, erkrankt waren, durch Zerstörung der subcutancn Rotzherde mit dem Glüheisen geheilt. Dass diese Fälle zu den Seltenheiten gehören und dass im üebrigcn die curative Behandlung stets inisslingt, ist gegenwärtig nicht mehr zu bestreiten.
Diagnose bei Icbentleu Pferden. Die Erkennung des Rotz kann sehr leicht sein, wenn die wichtigsten Erscheinungen bei der Untersuchung wahrzunehmen sind, in den vielen Fällen aber, in welchen charak­teristische Zustände in der Nase oder der Haut nicht zu sehen oder zu fühlen sind, ist die Diagnose unmöglich. Oft lässt sich an einem, mit dem verborgenen chronischen Rotz der Respirationsorgane behafteten Pferde viele Monate lang nichts finden, was den Verdacht der Krankheit begründen könnte. Auch dor verborgene Rotz der Re­spirationsorgane mit subacutem Verlauf bedingt keine erheblichen Ver­dachtsmomente. Die Pferde bekunden Fieber mit einer Temperatur­erhöhung bis zu 40,5deg;, leichte Pulsfrequenz und massige Beschleunigung der Respiration bei mangelhaftem Appetit. Solche Erscheinungen, die bei vielen anderen Krankheiten auch vorkommen, können 1—2 Wochen, selbst noch länger anhalten, bevor die pathognomonischen Symptome sich hervorthun. Es empfiehlt sich daher für die Thierärzle, jede fieber­hafte Krankheit eines Pferdes, deren Ursprung nicht klar ist, von vorn­herein mit einem gewissen Verdacht auf Rotz zu prüfen und zu behandeln.
Charakteristisch sind die Rotzgeschwüre in der Nasenschleimhaut; aber es sind bekanntlich nur die untersten Partion der Nasenhöhlen bei der Untersuchung zu sehen und in diesen Thoilen fehlt die Ge­schwürsbildung sehr oft. Hering hat zuerst empfohlen, die Nasen­scheidewand und die Muscheln mit Hülfe eines kleinen Spiegels reflocto-risch zu beleuchten, um die etwaigen Krankheitszustände leichter zu erkennen, im Ganzen ist der Vortheil. der mit dieser künstlichen Be­leuchtung erzielt wird, nicht erheblich. Ich habe immer gefunden, dass alle Veränderungen der Nasenschleimhaut, welche im reflectirten Lichte allerdings leichter wahrgenommen werden, auch bei der einfachen Unter­suchung mit der hinreichenden Deutlichkeit zu erkennen sind.
Dio Nasendejecte sind an sich nicht charakteristisch. Selbst das Abfliesscn klarer, grünlicher oder gelblicher Tropfen wird auch bei anderen Krankheiten (Druse, Brustseuche) gefunden und andererseits kann beim chronischen Rotz eine grauweisse Schleimmasso in geringer Menge aus der Nase abfliessen, was in gleicher Weise auch bei einem einfachen acuten oder chronischen Nasenkatarrh vorkommt. Demnach
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Infections- und Intoxieationskrankheiten.
ist ein Nasenausfluss von der erörterten Beschaffenheit wohl ein Vor-dachtsmoment, aber er kann für ein Symptom der Rotzkrankheit mit wissenschaftlicher Sicherheit immer nur dann angesehen werden, wenn neben ihm noch andere Symptome vorhanden sind.
Von der Drüsenanschwellung im Kohlgange lassen sich keine Eigen­schaften angeben, welche als bestimmter Ausdruck dos Rotz zu deuten wären. Eine länglich gestaltete, harte und schmerzlose Geschwulst bei Ab­wesenheit einer entzündlichen Infiltration in der nächsten Nachbarschaft ist am meisten verdächtig. Beim versteckten Rotz wird aber häufig nur ein erbsen- bis haselnussgrosser, harter Knoten in dem körnigen Lymph-drüsenpacket gefühlt. In einzelnen Fällen bestehen beim chronischen Nasenrotz Schwellungen und Verhärtungen in den submaxillaren Lymph­drüsen überhaupt nicht, trotzdem die Drüsenläppchon hanfkorngrosse Rotzknötchen enthalten. Oft habe ich gefunden, dass eine unebene, wallnussgrosse Geschwulst dicht an die Haut sich erstreckte, schmerzlos und beweglich war. Es darf auch bei der Diagnose nicht übersehen werden, dass eine unvollständige Abscodirung in der Kehlgangsgeschvvulst mit dem Ausgang in ein kleines oder grösscres Hautgeschwür eintreten und dass selbst bei chronischem Krankheitsvorlauf der Rotzbubo des Kehlgangs in einem massigen Grade schmerzhaft bleiben kann.
Auf den Husten und die Athembeschvverde lege ich im Ganzen einen geringen diagnostischen Worth. Der chronische Liingenrotz kann sehr lange bei einem Pferde vorhanden sein, ohne die Lungendämpfig­keit herbeizuführen. In vielen Fällen ist der durch Druck an der Luft­röhre erzwungene Husten kurz, rauh und kräftig. Leiden die Pferde an subacutem Lungen- oder Luftröhrenrotz, so bekunden sie wegen der schmerzhaften Empfindungen gewöhnlich einen kraftlosen, oder etwas scharfen, kurzen Husten. Hierbei findet sich auch oft beschleunigtes und erschwertes Athraen, welches aber der Dämpfigkeit nicht subsummirt werden darf. Athembeschwerde und kurzer, scharfer oder schmerzhafter Husten begründen den Rotzverdacht, wenn die ßluttemperatur fieberhaft erhöht ist und die Pferde einige Wochen vorher an einem verdächtigen Nasenausfluss gelitten haben oder nachweislich früher mit rotzkranken Pferden in Berührung gekommen sind.
Für den Hautrotz oder Wurm ist jede phlegmonöse Schwellung und Geschwürsbildung, von welchen die gutartige Entstehung nicht erkennbar ist, als verdächtig zu betrachten. Dieselbe Beurtheilung motiviren ver­einzelte Geschwüre der Haut und der Unterhaut neben Vergrösserung und Verhärtung der betreffenden Lymphdrüsen, ferner einfache und mul­tiple (rosenkranzförmige) knotige Anschwellungen und Geschwüre im
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Verlaufe der entzündlich vergrössorten Lymphgefässe, auch vereinzelte, wallnussgrosse Knoten in der Suboutis. Lässt sich nach dem diagnosti­schen Princip der Aussohliessung erweislich machen, dass die erwähnten Symptome nicht durch Quetschung oder durch eiterige bezw. septische Wundinfection bedingt sind, so sind dieselben für die Diagnose der Seuche ausreichend. Gesichert ist die Diagnose auf Grund der vorgedachten Zustände in der Haut auch, wenn gleichzeitig Krankheitssymptorae be­stehen, welche den Verdacht des Rotz in den Respirationsorganen be­gründen.
Die Befunde zweifelhafter Fälle mit verdächtigem Nasenausfluss empfahl Haubnor (1859) durch die Trepanation und Untersuchung der Oberkieferhöhle zu vervollständigen. Er bezog sich (1869) auf die An­gaben von Leisering und Uouley, nach welchen in 75 resp. 95 pCt. der Fälle von Rotz in den Respirationswegen eine speeifische Affection der Kieferhöhleii-Schloimhaut angenommen werden könne.' Der Befund von „kleinen Knotenquot; in der verdickten Schleimhaut wurde von ihm als pathognomonisch betrachtet. Gerlach (1868) legte der Trepanation und Untersuchung der Kieferhöhle keinen erheblichen Werth bei. Auch ich habe diese Angelegenheit mit Aufmerksamkeit verfolgt und bin in Uebereinstimnuing mit Gerlach zu dem Schlüsse gekommen, dass die Trepanation gegenüber den Consoquenzen der heutigen Veterinär-Polizei­gesetze (Anordnung der Tödtung seuchevordächtiger Pferde) nur selten einen diagnostischen Erfolg hat. Denn beim chronischen Nasenrotz, bei dessen Diagnose das Verfahren überhaupt nur in Frage kommen kann, fehlt die Erkrankung der Kieferhöhlen-Schleimhaut oft. Von 29 in diese Kategorie gehörenden Fällen fand ich bei 13 Pferden die Oberkieferhöhle gesund. Andererseils entsteht auch bei gutartigen chronischen Katarrhen und bei Geschwülsten der Kieferhöhle oft eine Verdickung der Schleimhaut. Die irrthümliche Meinung, dass die Trcpanationswunde bei rotzkranken Pferden nicht verheilen soll, hat Haubner selbst nachdrücklich zurückgewiesen.
Seit langer Zeit ist zu diagnostischen Zwecken auf die üebertragung der Krankheitsproducte eines verdächtigen Pferdes in gesunde Partien der Haut und Unterhaut desselben aufmerksam gemacht worden. Mit Recht haben aber Haubnor u. A. sich dahin ausgesprochen, dass diese Art der Impfung nicht haftet, selbst wenn das Pferd rotzkrank ist. Ich fand ebenfalls, dass gewöhnlich keine Erkrankung folgt und nur selten eine Schwellung der Impfstelle und ihrer Nachbarschaft eintritt, die sich in kurzer Zeit wieder zurückbildet. Dass die am chronischen Rotz leidenden Pferde keine Disposition zu einer neuen Ansteckung haben, coustatirte ich bei 5 Versuchen, bei welchen die kranken Pferde mit
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158nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intnxioatinnskrankhoiten.
den Nasendejecten fremder rotzkranker Pferde subculati geimpft wurden und nur eine vorübergehende Scliwellung und Auftreibung dor Lymph-gefässe aber keine significanten Merkmale entstanden. Das Ergebniss dieser Versuche stimmt mit den Angaben Tsohcruing's überein, wel­cher vor 20 Jahren den Plan vergeblich vorfolgte, durch wiederholte Impfungen nach Art der bei Menschen versuchten Syphilisalion den Rotz zu heilen.
In der neueren Zeit ist die Impfung von werthlosen Pferden, forner *von Kaninchen. Hunden und anderen Thieren mit den Nasendejecten eines .seucheverdächtigen Pferdes zu diagnostischen Zwecken gerühmt worden. Nach meinen Erfahrungen sind diese Experimente ebenso un­sicher, als überflüssig. Denn die liier in Frage kommende Feststellung von chronischem Rotz betrifft immer nur solche Pferde, bei denen der Nasenausfluss nur durch die lange Zeit seines Bestehens, nicht aber durch die Beschaffenheit, des Dejectes verdächtig erseheint. Solche Ausfluss-materie ist aber bei den am chronischen Rotz in geringem Umfange leidenden Pferden gewöhnlich nur wenig und zeitweise gar nicht viru­lent. Ein negativer Erfolg der Impfung kann demnach, selbst wenn ein Pferd zu dem Versuche benutzt wurde, den ßevveis nicht liefern, dass der Krankheitsfall gutartiger Natur sei.
Von praktischem Werthe kann die Exstirpation einer vergrösserten und verhärteten Kehlgangs-Lymphdrüse sein. Zuweilen machen sieb Pferde nur durch eine solche Geschwulst verdächtig. Die Operation ist leicht ausführbar und sollte daher, wie Bollinger mit Recht ange-rathen hat, von den Thierärzten in geeigneten Fällen nicht unterlassen werden. Allerdings kann auch der Rotzbubo in einer einfachen Schwel­lung und Verdichtung des Drüsenparenchyms beruhen. Die Erfahrung ergiebt aber, dass dies nur seiton vorkommt und dass fast immer bei wochen- oder monalelanger Krankheitsdauer auf dem Durchschnitt der harten, festen Lymphdrüsengeschwulst Rofzproducte (sandkorngrosse Knötchen, grauweisse trockene Zcrfallshorde, frische oder ältere käsige Herde) in kleiner oder grösserer Zahl gefunden werden. Wiederholt habe ich in der veterinärpolizeilichen Praxis aus dem Befunde der exstir-pirten Kehlgangsgeschwulst, eines Pferdes mein Gutachten dahin ertheilt, dass die Existenz des Rotz mit grosser Wahrscheinlichkeit anzunehmen und das Pferd deshalb vorschriftsmässig zu tödten sei. Die Section er­wies in jedem Falle das Vorhandensein des verstockten Rotz der Respi­rationsorgane. Für die Beurthcilung der Lyraphdiüsongcscliwulst ist Rücksicht zu nehmen auf die einfache Hyperplasie der Drüse nach acutem und chronischem Nasenkatarrh, auf die bei der Druse zuweilen
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Rotz.
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vorkommende multiple Bildung kleiner Eiterabscesse sowie auf sarcoma-töse (melanotische) und caroinornatöse Zustände.
Die grösste diagnostisehe Bedeutung für den praktischen Thierarzt hat die gonaue Ketintniss derjenigen Abnormitäten und Krankheitszustände, welche eine gewisse Aehnlichkeit mit den Symptomen des Rotz haben und deshalb mit demselben vorwechselt werden können. Hierzu gehören namentlich folgende:
Gegenüber dem Rotz der Respirationsorgane.
1)nbsp; nbsp;Vereinzelte und mul tiploK nötchen bildung in der Nasen-Schleimhaut. Durch Verstopfung dor Ausführungsgänge einzelner Schleimdrüsen in der Schnoider'scben Membran entstehen hirsekorn- bis erbsengrosse Entzündungsknötchen von spitz zulaufender Form und rother Färbung. Ich fand bei drei Pferden je 1, bei mehreren anderen Pferden je '2—7 solcher Knötchen auf der Scheidewand an einer Seite. Die Pferde waren theils ganz gesund, thoils mit leichtem Nasenkatarrh, theils mit der unrcgelmässig verlaufenden Druse behaftet. Die Knötchen, die ich als kleine Retentionsgoschwüiste ansehe, bleiben 1—2 Wochen be­stehen und heilen durch Abschilferung allmälig ab. Bei einem sechs­jährigen Wallach sah ich die untere Partie der Nasenscheidewand auf der rechten Seite vollständig besetzt mit hanfkorngrossen Knötchen. Die Entstehung der Affection hat ihre Analogie in der bekannten Bildung kleiner Retentionsgoschwüiste der äusseren Haut. Da die kleinen Knöt­chen nicht infectiös sind und auch nicht zerfallen, so können sie trotz ihres langen Bestehens von malleoscn Herden leicht unterschieden werden.
2)nbsp; nbsp; Narben auf der Nasensoheidewand. Behufs Ergreifung und Eesthaltung der Pferde fassen manche Personen in ungeeigneter Weise mit den Fingern in die Nasenhöhlen. Oder die Pferde stossen sich harte und scharfe Strohhalme oder andere Gegenstände zufällig in die Nasenhöhlen. Oder die Wärter führen einen Strohwisch in die Nasenhöhlen, um die katarrhalischen Dejecte zu entfernen und die Pferde zum Ausprusten zu veranlassen. Hierbei wird die Scheidewand ver­wundet. Nach der Verheilung der Läsionen bleiben sehr oft vereinzelte, kleine oder grössere Narben zurück, die in seltenen Fällen eine stern­förmige Gestalt haben, in der Regel aber harte, längliche, unregelmässig geformte, weissgraue Schwielen darstellen. Bei dem häufigen Vorkommen der erwähnten Verwundungen können einzelne Narben in der Nasen­soheidewand für sich allein den Verdacht des Rotz nicht motiviren. Insbesondere sind dicke, wulstige Narben am unteren Ende der Nasen-scbeidewaiid immer auf eine einfache Verwundung zu beziehen und noch
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160nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
leichter ist die Unterscheidung, wenn die Sciieidewand auf beiden Seiten an der nehmlichen Stelle eine Narbe trägt. Nach Verwundungen, welche in den Knorpel des Septum nasale eindringen, können sich in der letzte­ren auch narbige Degenerationen von grosserem Umfange ausbilden.
Ein Arbeitspferd von mittlerer Sohwero — Stute, 9 Jahre alt — zeigte in der rechten Nasencavität geringen Ausfluss von grauweissom Schleim und auf der Scheide­wand eine länglich gestaltete wulstige Verdiokung, deren oberes Ende über den sicht­baren Theil der Nasenhöhle hinaufreichte. In der äusseron Form hatte die krankhaft aufgowulsteto Partie der Nasenschloimhaut viel Aohiilichkeit mit einer polypösen Neu­bildung. Wahrend meiner dreimonatlichen Beobachtuugs/.eit änderte sich der Zustand nicht; auch der Nasenausfluss wurde nicht copiöser. Das Pferd ging am Tetanus zu Grunde und bei der Section fand sich, dass die Nasensoheidewand an der rechten Seite in der Länge eines Zeigefingers narbig eingezogen und nach der linken Nasen­höhle ausgebuchtet war. Die Breite der Narbe entsprach der Dicke eines Zeigefingers. Auf der rechten Seite war die Schleimhaut in der nächsten Umgebung des Defectes zu einer weichen, wulstigen Narbonmasse degencrirt. In der Mitte bestand eine feste Verwachsung der Schleimhaut mit dem atrophisoh gewordenen Knorpel. Die Schleim­haut der linken Nasenhöhle war an der gewölbten Partie derSchoidewand nicht abnorm.
3)nbsp; nbsp;Rigide Beschaffenheit der Nasenschloimhaut im unte­ren Nasengang. Alte Pferde sind mit diesem nach Katarrhen resti-renden Zustande oft behaftet, der bei oberflächlicher Untersuchung mit einer verheilten Rotzulceration verwechselt werden kann.
4)nbsp; nbsp;A cuter Nasenkatarrh, bei welchem Nasenausfluss von grau-vveisser eiweissreicher Materie einseitig und doppelseitig vorkommen kann. Verdächtig wird ein solcher Ausfluss, wenn gleichzeitig ein Katarrh der Augenschleimhaut und eine wallnuss- bis baselnussgrosse, derbe, hyper-plastisohe Schwellung der Kehlgangslymphdrüse besteht, welche oft erst nach 4—6 Wochen verschwindet und zuweilen auch nach Abheilung des Katarrhs bestehen bleibt. Die Schleimhautaffection ist nicht selten ganz unerheblich, so dass von vornherein blos eine wallnussgrosse derbe Ge­schwulst im Kehlgange sich bemerklich macht. In grösseren Pforde-beständen findet sich eine solche Lymplulrüsongeschwulst sehr häufig. Der Rotzveidacht ist durch die Anamnese oder durch die fixstirpation und sorgfältige pathologisch- anatomische Untersuchung der Drüsenge­schwulst zu beseitigen.
5)nbsp; Rachenkatarrh; oberflächliche Schi und köpfe ntz und ung. Die Trockenheit der Schleimhaut, welche die Pharyngitis superficialis begleitet, veranlasst die Pferde, fortwährend Mundspeichel zu schlucken. Wegen der Erschwerniss in der Deglutition flicsst der mit Luftbläschen vermischte Speichel zum Theil aus der Nase ab. Bei aufmerksamer ßefunderhebung ist die Verwechselung dieses Ausflusses mit einer Rotz-dejeetion wohl zu umgehen.
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Rot2,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;161
6)nbsp; nbsp; Bräune. Sowohl bei der selbständigen acutou Laryngitis (An­gina simplex), als bei der mit der Druse entstehenden Laryngitis (An­gina symptomatioa) haben die Krankheitserscheinungcn oft eine ziemlich grosse Aehnlichkeit mit denjenigen Fällen von Rotz, bei welchen der Kehlkopf durch ulceröso Destructionen verengt ist und das Athmen des­halb mit hörbarer Inspiration geschehen muss. Namentlich bei alten Pferden, bei welchen sich zuweilen, wenn sie mit dem Kehlkopfrotz be­haftet sind, au der Nasenschleirahaut oder an der Ausflussmaterio keine verdächtigen Merkmale nachweisen lassen, ist Vorsicht geboten. Mit Sicherheit kann ein in dieser Art zweifelhafter Krankheitsfall oft nur nach einer längeren Beobachtung beurtheilt werden.
7)nbsp; nbsp; Oberflächliche Vorätzungen der Nasenschicimhaut. Arbeitspferde, welche gelegentlich der Düngung eines Ackerfeldes mit Kalk zum Eggen vorwendet werden, ziehen den feinen Kalkstaub mit der Inspiration auf die Nasenschleimhaut, welche hierdurch in grosser Ausbreitung oberflächlich angeätzt und in entzündliche Schwellung ver­setzt wird. Von der Schleimhaut stösst sich das Epithel in dünnen Platten ab; aber Geschwüre bilden sich hierbei nicht. Innerhalb 8 Tagen heilt die Entzündung bei zweckraässigem Verhalten der Pferde wieder ab. — Vor 50 Jahren soll, wie in der Literatur berichtet wird, eine absichtliche Anätzung der Nasenschleinahaut mit Schwefelsäure bisweilen vorgenommen sein, um zu betrügerischen Zwecken die Existenz des llotz vorzutäuschen. Gegenüber solchen Zuständen ist auf die Pathogenese und die Charaktere der Rotzgeschwüre zu achten.
8)nbsp; nbsp;Chronische traumatische Nasenentzündung. Bei der Section eines Pferdes, welches 4 Monate lang rechterseits verdächtigen Nasenausfluss und Lymphdrüsengeschwulst im Kehlgang gezeigt hatte, fand Gips (Preuss. Mitth. 1879) als Krankheitsursache ein Stückchen Holz, welches in der Gegend des 2.—4. Backzahns in der Nasenscheide­wand steckte.
9)nbsp; nbsp;Chronischer Katarrh der Nasen- und ihrer Nebenhöhlen (chronischer Kieferhöhlenkatarrh). Nach dem acuten Nasenkatarrh bleibt zuweilen ein chronischer Reizungszustand zurück, welcher vorzugs­weise in den Falten und Buchten, sowie in den Hohlräumen der Nasen­muscheln und in der Schleimhaut der Oberkieferhöhle seinen Sitz hat. Der Zustand ist meist einseitig, zuweilen aber doppelseitig und bald von geringem, bald von sehr copiösera Schleimausfluss aus der Nase be­gleitet. Die Dejecte sind bei massiger Affection dünnflüssig und ziem­lich klar, bei schwererer Erkrankung grauweiss und klebrig. Die Nasen­schleimhaut ist unverändert oder leicht geröthot. Die betreffenden
Dl eck erliorf, Spec. Pathologie u. 'X'lieruple.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ij
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162nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Tntoxicationskrankheiten.
Lymphdrüsen des Kehlganges werden hyperplastisch, erlangen aber niemals eine harte und feste Beschaffenheit. Umsichtige Praktiker dia-gnosticiren den gutartigen, chronischen Kieferhöhlenkatarrh nach den an­gegebenen Merkmalen fast immer. In zweifelhaften Fällen gewährt die Trepanation der Oberkieferhöhle, die überdies aus therapeutischen Gründen nothwendig ist, in der Regel einen genügenden Anhalt, um die Affection vom Rotz zu unterscheiden. Mehr Schwierigkeit verursacht die Diagnose der seltenen Fälle, bei welchen sich die katarrhalische Schleimhauterkran­kung im Wesentlichen auf die Hohlräume der Nasenmuscheln beschränkt.
Achyälirigo braune Stute, Arbeitspferd von mittlerer Schwere, hatte seit 3 Mo­naten an liatarrlialischem Nasenausfluss gelitten und wurde am 7. März 1883 in die Klinik gestellt. Doppelseitiger, starker Nasouausfluss, bei welchem die üejecte theil-weise gelblichweiss und stark klebrig, thoils klar und dünnflüssig sind. Augenlider entzündlich gereizt und in dem inneren Augenwinkel schleimig-eiteriges Secret. Beide Kieferdrüsen sind taubeneigross geschwollen, nicht schmerzhaft und ohne Tendenz zur Abscessbildung. Respiration 12J Temperatur 38,8; Puls 56. Der Nasenausfluss er­hielt sich während 14 Tagen. Die Nasenschleimhaut erschien leicht geröthet und aufgelockert, Appetit ziemlich gut. Das Pferd wurde nach dreiwöchentlicher Beob­achtung zum /Avecke der Diagnose getödtet und es fand sich bei der Section nur eine leichte Schwellung und Auflockerung der Nasenschleimhaut, aber Füllung der oberen Nasenmuscheln beiderseits mit einer grauen, dickschleimigen Flüssigkeit. Die sub-maxillaren Lymphdrüsen Imhneroigross, derb, hyperplastisch. — Kehlkopf, Luftröhre und Lungen enthielten nichts Abnormes.
10)nbsp; nbsp;Caries in der Oberkieferhöhle. Uiceröse Zerstörungen am Knochen compliciren die Geschwülste in der Oberkieferhöhle zuweilen und sind dann in Verbindung mit diesen leicht zu diagnosticiren. Häufiger geht die Caries von einer Periostitis alvcolaris purulcnta am 3. oder 4, Backzahn des Oberkiefers aus. Die betreffenden Pferde zeigen Wochen und Monate, selbst Jahre hindurch Ausfluss von klarem oder grauweiss-lichem Schleim aus der Nasenhöhle der kranken Seite und die Materie hat oft, aber nicht constant, einen üblen (cariösen) Geruch. Zeitweise verringert sieh auch der Ausfluss soweit, dass er nicht auffällig ist. Die an der kranken Seite im Kehlgangc befindliche Lymphdrüse schwillt bis zum Umfange eines Taubeneies an, indurirt aber nicht. Vom Rotz unterscheidet sich der Krankheitszustand durch den Geruch des Nasen-dejeets und durch die lockere Beschaffenheit der Kehlgangsgeschwulst. Zuweilen lässt sich auch durch Untersuchung der Maulhöhle die Krank­heit des Backzahns ermitteln.
11)nbsp; nbsp;Verwundung des Gaumensegels durch einen abnormen Backzahn des Unterkiefers. Ich habe 1873 ein älteres Pferd secirt, welches 9 Monate lang mit einem copiösen rechtsseitigen Nasenausfluss behaftet und deshalb als rotzverdächtig angesehen war. Im rechten
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Kotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;163
Unterkiefer hatte sich abnormer Weise ein 4. Molarzahn (7. Backzahn) gebildet, welcher so weit hervorragte, dass das Gaumensegel durch­brochen und eine continuirliche traumatische Reizung der Schleimhaut an der Choane unterhalten war.
12)nbsp; nbsp;Druse. Die regelraässige Druse ist fast in Jedem Krankheitsfall vom Rotz zu unterscheiden. Schon die schmerzhafte Affection des er­krankten Thoiles in der Rospirationsschleimhaut und der abscedirende Charakter der consecutiven Lymphdrüsengeschwülste machen dem Thier-arzt die Diagnose leicht. Eine grössere Aehnlichkeit mit den Symploraon des Rotz haben einzelne, langsam verlaufende Fälle von Druse, wobei es nur ganzallmälig oder gar nicht zur Abscessbildung in der Keliigangsgeschwulst kommt und die Entzündung der Rachenschleimhaut mehrere Wochen an­dauert. Die hierbei in reichlicher Menge entleerten Nasendojecte sind schmutzig-grau und klebrig. Von besonderem Wertho ist die bei der Druse meist bestehende grössere Reizbarkeit und Schmerzempfindung, welche die Pferde beim Druck auf das obere Ende der Trachea bekunden. Oft stellt sich aber die Natur der Krankheit erst in 1—2 Wochen mit Sicherheit heraus. — Grosse diagnostische Schwierigkeiten macht die Druse ferner, wenn vor oder nach Abscedirung der Kehlgangsgeschwulst eine Anschwellung der Lymphgofässe an der Backe bis zu der Lippe herunter mit phlegmonöscr Schwellung der Subcutis eintritt. Hierbei bilden sieb au den Lymphgefässen knotige Entzündungsherde, die in einigen Tagen aufbrechen (gutartiger Wurm oder Kopfwurm der älteren Autoren). Mit dieser Affection ist der Rotz leicht zu verwechseln, weil auch bei letzterem die primäre Ansteckung an den Lippen oder an dem Rande der Nase nicht selten stattfindet. Für die Diagnose kann zu­weilen die sorgfältige Eruirung der ätiologischen Verhältnisse einen ent­scheidenden Anhalt gewähren. Nicht selten lässt sich auch durch voll­ständige Spaltung der Drüsengeschwulst im Kohlgange nachweisen, dass sich gutartiger Eiter in derselben befindet.
13)nbsp; nbsp;Pferdestaupe. Manche Fälle der Pferdestaupe bekunden eine grosse Aehnlichkeit mit dem Bilde des subacut verlaufenden oeculten Rotz der Respirationsorgane. Die Unterscheidung ist namentlich schwierig, wenn ein Pferd von der Pferdestaupe in massigem Grade befallen und hierbei mit einer schmerzhaften Lymphdrüsengoschwulst im Kehlgange behaftet wird. Durch sorgfältige Anamnese und vollständige Erhebung des Krankheitsbefundes lassen sich in der Regel ausreichende Gründe für die Diagnose gewinnen. Es giebt aber Fälle von subacut verlaufendem Lungenrotz und von Pferdestaupe, in welchen die specielle Natur der Krank­heit nur durch längere Beobachtung des Verlaufs klar gestellt weiden kann.
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164nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (nfpctions- nnrl Intnxinationsliranldioiten.
14)nbsp; nbsp;Nasenbluten und Lungenblutung. Beide Hämorrhagien treten bei Pferden, die anscheinend gesund sind, aus versohiedenen Ur­sachen auf. Die Unterscheidung dieser Blutungen von denjenigen Blut-llüssen aus der Nase, welche beim occulten Rotz vorkommen, kann sich sehr schwierig gestalten und sofern sich nicht der Befund einer selbständigen chronischen Pneumonic ergiebt oder die Vorgeschichte des Pferdes einen greifbaren Anhalt bietet, erst nach wochenlanger Observa­tion des betreffenden Pferdes möglich sein.
15)nbsp; nbsp;Pneuraonie. Pur die Diagnose des liotz ist Jede Pneumonic, besonders aber die Brustseuchc von Interesse. Bei derselben kommt es zuweilen im acuton Stadium zur Entleerung einer klaren, gelblichen Flüssigkeit aus der Nase, welche in dicken Tropfen von der Oberlippe träufelt. Von derselben Beschaffenbeit ist nicht selten das Nasendeject beim Rotz. Vor einer Verwechslung schützt die sorgfältige Erhebung des pathologischen Thatbestaiulos. — Ferner kommen bei einer schweren Rotzinfection acut und subaout verlaufende Krankheitsfälle vor, bei wel­chen ein grosser Thoil der Lungen berdweisc erkrankt und entzündlich destruirt wird. Die Aehnlichkeit der Symptome mit den Zufällen einer ungünstig verlaufenden Brustseuche-Pneumonio ist zuweilen so gross, dass der Irrthum älterer Autoren, welche annahmen, dass der Rotz aus der Brustseuche entstehen könne, entschuldbar erscheint. In zweifelhaften Fällen ist eine längere Beobachtung des Pferdes für die Diagnose er­forderlich.
16)nbsp; nbsp;A phthenkrankliei t der Pferde, von den älteren Schrift­stellern als „Maulseuche der Pferdequot; zuweilen auch als „Pockenkrank­heit der Pferdequot; aul'gefasst. Bon ley bezeichnete die Krankheit als Herpes phlyetaenoides; Roll als Follicularkatarrh der Nasenschleimhaut; Eggeling-Ellen berger als Stomatitis und Dermatitis pustulosa con-tagiosn. Hierbei bilden sich in der vorderen Abtheilung des Mauls, an den Lippen und Lippenwinkcin, sowie am Eingange der Nasenhöhlen, zuweilen auch inmitten der Nasenschleirahaut erbsengrosse Aphthen. welche in wenigen Tagen platzen. In den Kehlgangsdrüsen entsteht eine massige Schwellung. Der Inhalt der Aphthen trocknet in einigen Tagen zu zähen, weichen Krusten und die Abheilung erfolgt ohne Zurücklassung sichtbarer Narben in 10—14 Tagen. Bei sorgfältiger Befunderhebung sind die Symptome von einer Rotzaffcction wohl zu unterscheiden.
Die von Roll als „Group der Nasenschleimhautquot; beschriebene Affection scheint ätiologisch mit der Aphthenkrankhcit identisch zu sein.
17)nbsp; nbsp;Multiple Blutgeschwülste in der Nasenschleimhaut, eine äusserst seltene und ihrem Wesen nach ganz unbekannte chronische
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Rot?,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 165
Erkrankung, bei welcher circumscripte blutige Herde von dem Umfange einer Erbse bis einer Wallnuss in der Naseuschleimhaut auftreten und 2—3 Wochen bestehen bleiben. Nach Abheilung derselben bilden sich neue Herde.
18)nbsp; nbsp;Blutflcckenkrankheit in der Rcspirationsschleimhaut. Auf die Blutfleckenkrankheit ist deshalb ein diagnostischer Werth zu legen, weil tlieselbe nicht selten den Rotz eomplicirt. Gewöhnlich wird die Diagnose durch die Anamnese wesentlich erleichtert. Ausserdem ist zu beachten, dass die Petechien in dor Nasenschleimhaut bei der Blutfleckenkrankheit gewöhnlich nicht zur Ulceration führen und dass die grösseren gangränösen Herde nicht den fressenden Charakter haben, wie beim acuten Rotz.
19)nbsp; nbsp;Geschwülste in der Schleimhaut der Nasen- und Ober­kieferhöhle.
a.nbsp; nbsp; Chronische fibröse Schleimhautwucherungen der Nase in Form flacher, gefässreicher Geschwülste, welche in der Regel am unteren Ende der Nase zuerst entstehen und sich allmälig über die Nasenscheidewand, sowie über die Muscheln verbreiten, wobei durch die ungloichmässige, höckerige Vordickung der Schleimhaut eine bedeutende Verengerung der Nasenhöhlen zu Stande kommen kann. P. Grawitz (Virch. Arch., Bd. 94), der einen von mir behandelten Krankheitsfall untersuchte, con-statirte in den Geschwülsten die amyloide Degeneration. Auf der knolligen Oberfläche der kranken Nasenschleimhaut entstehen oft ober­flächliche Defecte, die auch eine ulceröse Beschaffenheit annehmen können. Die Kchlgangslymphdrüsen bleiben intact oder erleiden nur bei intercurrenten Entziindungszuständen der Nasenschleimhaut zeitweise eine massige, hyperplastische Anschwellung. Die allmälig fortschreitende Entwickelung der Abnormität, welche oft einige Jahre fortbesteht, lässt in Verbindung mit den starken bindegewebigen Verdickungen und dem allmälig zunehmenden schnieberden Athmungsgeräusch die Unterscheidung vom Rotz leicht bewirken.
Die seit mehreren Jahren von einzelnen Schriftstellern als „Flächen-Angiomquot; der Nasenschleimhaut des Pferdes besprochene Degeneration ist mit der hier erörterten chronischen Wucherung der Schleimdrüsen, deren specielle Natur zuerst von P. Grawitz nachgewiesen wurde, identisch.
b.nbsp; nbsp; Fibrome mit stielförmiger oder breiter Basis (Polypen) ent­wickeln sich bei Pferden zuweilen in den oberen• Partien der Nasen­höhlen, vorzugsweise an der mittleren Nascnmuschel. Mit ihrem Wachs-thum verknüpft sich eine oberflächliche, katarrhalische Affection, Secretion einer dünnflüssigen, klebrigen Schleimmasse und leichte Intumescenz der
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166nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
betreffomlon Kehlgangslymphdrüsc. Dio längoro Dauer der Affection kann den Verdacht des chronischen Rotz erregen. Das sciiniebonde Athmen, wel­ches durch Verschluss des Nasoneinganges an der gesunden Seite ge­steigert wird, ist bei dem Fehlen einer entzündlichen Schwellung der Schleimhaut für die Diagnose gewöhnlich ausreichend. Ausserdem ist meist auch die polypöse Neubildung in der Nasenhöhle sichtbar.
c. Sarcome und Carcinome in der Nasen- und Oberkieferhöhle. Häufiger als die Fibrome entstehen bei Pferden Sarcome in der mittleren Nasenmuschel oder an der unteren Muschel und mehr noch in der Highmorshöhle. Selten werden carcinomatöse Neubildungen an diesen Körpertheilen beobachtet. Solche Geschwülste bedingen stets eine chro­nische Entzündung in der Nachbarschaft, Dejection eines eiwoissreichen, dünnflüssigen Materials und später Auftreibung der Gesichtsknochen. Die Kehlgangslymphdrüse der betreffenden Seite wird hyperplastisch und erlangt den Umfang einer Wallnuss oder darüber. Es können auch metastatische Geschwülste in den Kehlgangslymphdrüsen entstehen. In den späteren Stadien haftet in Folge des jauchigen Zerfalls eines Theiles der Geschwulst an der Exspirationsluft und den Nasendejecten ein übler Geruch. Zunächst bietet die geringfügige Drüsenanschwellung bei dem copiösen Nasenausfluss ein wichtiges Unterscheidungsraoment. Später schützt der üble Geruch der Exspirationsluft vor einer Verwechselung mit dem Rotz. Wenn die Geschwulst sich in der Nasenschleimhaut aus­bildet, so hat der Sachverständige an dem schniebenden Athmungsge-räusch einen wichtigen Anhaltspunkt und bei dem Sitzquot; des Tumors in der Highmorshöhle wird durch die Trepanation und die locale Unter­suchung mit dem Finger die speciolle Natur der Krankheit erkennbar.
20)nbsp; nbsp;Chronischer Luftsackkatarrh. Sehr selten ist nach meinen Erfahrungen der chronische Katarrh in einem oder gleichzeitig in beiden Luftsäcken des Pferdes, wobei sich das Secret im Luftsack anhäuft und zeitweise oder continuirlich eine grauweisse, oder auch wohl eine wässerig klare, klebrige Schlcimmasso aus der Nase abfliesst. Dabei bildet sich eine leichte Anschwellung in den Kehlgangslymphdrüsen. Die Füllung der Luftsäcke kann nicht immer äusserlich an der Ohrdrüsenregion nach­gewiesen werden. Der Zustand hat eine ausserordentlich grosse Aehn-lichkeit mit dem chronischen Rotz der Respirationsorgane. Wenn nicht nach der Vergangenheit des Pferdes die Abwesenheit des Rotz zu folgern ist, so lässt sich nur durch eine wochenlang fortgesetzte Beobachtung des Zustandes oder durch den Versuch der operativen Eröffnung des Luftsackes die Diagnose ermöglichen.
21)nbsp; nbsp;Molano-Sarcom der Kehl gangslymphdrüsen. Bei den
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Rotz.
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Schimmeln von höherem Alter habe ich mehrere Male eine harte, feste und schmerzlose Lymphdrüsengeschwulst im Kehlgange constatirt, ohne dass an anderen Partien der äusseren Haut Melanome bestanden. Zur Unterscheidung dieser Drüsengeschwulst von einem Rotzbube ist die ge­sunde Beschaffenheit der Nase nicht ausreichend, da auch beim chro­nischen Rotz nicht selten die Lympbdrüsengeschwulst ohne eine erkenn­bare Mitaffection der Nase gefunden wird. Durch Exstirpation der Lymphdrüse ist die Natur der Erkrankung aber in jedem Falle fest­zustellen.
22)nbsp; nbsp;Lymphutische Leukämie. Die bei der lymphatischen Leuk­ämie auftretenden Schwellungen der an der Körperoberfläche gelegenen Lymphdrüsen, namentlich der submaxillaren Lymphdrüsen, erregen in einzelnen Fällen den Verdacht des Rotz. Da die Geschwülste niemals einen indurativen Charakter an sich tragen, so ist bei einiger Aufmerk­samkeit und bei der Kenntniss der in Rede stehenden constitutioncllen Krankheit die Unterscheidung nicht schwer.
Gegenüber dem Hautrotz.
23)nbsp; nbsp;Fettablagerung um die oberflächlich gelegenen Lymph­drüsen. Bei Pferden, welche viele Monate oder Jahre hindurch mit proteinreichem Futter intensiv ernährt worden, entstehen zuweilen in der Subcutis und an den oberflächlich gelegenen Lymphdrüsen geschwulst­artige Ablagerungen von hartem Fett. Ich habe solche Geschwülste an den Kniefaltendrüson öfter beobachtet. Für sich allein können dieselben allerdings den Verdacht des Rotz nicht motiviren. Wenn aber gleich­zeitig eine Drüsenschwcllung im Kehlgange als Rückstand des gutartigen Nasenkatarrhs besteht, so kann ein derartiges Pferd wohl verdächtig er­scheinen. Die Kenntniss von dem Vorkommen der in Rede stehenden Zustände und die Thatsache, dass in ihrer Nachbarschaft sich nichts Krankhaftes findet, helfen über die diagnostischen Schwierigkeiten hinweg.
24)nbsp; nbsp;Verwachsung des Stenson'schen Speichelganges. Der Ausführungsgang der Parotis einer Sei to verwächst zuweilen an der Mündung in der Backenschleimhaut. Durdi die Stauung des Speichels erweitert sich der Speichelgang bis zur Fingerdicke. Derselbe sieht einem angeschwollenem Lymphgefäss ähnlich. Erkrankt ein solches Pferd an einem Nasenkatarrh mit hy per plastischer Intumescenz der submaxillaren Lymphdrüsen, so kann die abnorme Beschaffenheit des Speichelganges leicht für eine llotzaffection der Subcutis (Lymphgefässentzündung) ge­halten werden. Die Unterscheidung lässt sich aber durch .sorgfältige Befunderhebung stets ermöglichen.
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168nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infwtinns- tind Intoxicationskraiikheiteii.
25; Elephantiasis. An den Hintcrgliedmassen wird die Haut bei Pferden am meisten von der Elephantiasis (Pachydermie) betroffen, wobei die Gliedmasse vom Huf bis zum Sprunggelenk, nicht selten sogar bis zum Kniegelenk eine starke Vergrösserung ihres ümfanges und ein unförmliches Ansehen erlangt. Die verdickte Haut ist entweder glatt oder stellenweise mit Knoten besetzt. An anderen Regionen (Brust, Kopf, Hals) wird die Elephantiasis weniger oft beobachtet. Da auch beim Rotz eine diffuse Verdickung der Haut und des Unterhautgewebes mit und ohne Geschwürsbildung vorkommt, so kann die richtige Beur-theilung eines elephantiastischen Zustandes, insbesondere der Verdickung einer oder beider Hintorgliedmassen eine sehr schwierige Aufgabe sein. Zu beachten ist dabei, dass die in Rede stehende Hauterkrankung viel häufiger in einer nicht bösartigen Localaffection beruht, als vom Rotz abhängig ist, In manchen Fällen erleichtert die Kenntniss der Vor­geschichte des Pferdes die diagnostische Entscheidung. Sonst bleibt nur übrig, zu erwägen, ob das Gcsammtbefinden des Pferdes zugleich krank­haft gestört ist. Leidet ein Pferd neben der elephantiastischen Auf­treibung in der Haut an einem schleichend verlaufenden Fieber, so ist bei der Beurtheilung des Falles die grösste Vorsicht geboten.
In dorn Stalle des Pferdohiindlers M. war Mitte .lull 188M angeMich die Pferde­staupe bei zwei Pferden vorgekommen. Am 26. oj. m. Hess der Besitzer einen neun-Jäiirigon Wallach (Landschlag, Arbeitspferd) zur Untersuchung auf Oewährfehler unter der Mittheilung in die Klinik bringen, class er das Pferd am 1. ej. m. von dem Landwirth N, in der Provinz Schlesien gekauft habe. Durch die spätere Unterredung mit dem Verkäufer habe ich selbst festgestellt, dass die elephantiastische Verdickung des linken Hinterfusses schon zur Zeit des Kaufes vorhanden gewesen ist und dass dieselbe sich 6 Wochen vorher zuerst gezeigt hat. Bei den vier anderen Pferden des Verkäufers hat der Rotz damals nicht geherrscht; es ist auch später in der Obser-vationszeit kein Erkrankungsfall eingetreten. Als ich am 27. Juli 1883 das Pferd in der Klinik untersuchte, bekundete es lieberhafte Erscheinungen, wie sie in den leichten Fällen der Pferdestaupe beobachtet werden. Ausserdem fand sich der linke Hinter-fuss vom Fessel bis zum Sprunggelenk ringsum stark verdickt. Die Geschwulst war hart und schmerzlos. An der inneren Seite des Metatarsus sassen in der Haut drei daumendicke, längliche, schräg gelegene Erhabenheiten. Die vierzehn Tage lang fortgesetzten Waschungen der elephantiastischen Geschwulst mit einer Lösung von Bleizucker änderten an der BeschalTenheit nichts. Vom 27. Juli bis 2. August stand die Bluttemperatur zwischen 39,0 und 40,0. Pulsfrequenz 46—50. Respiration nor-rnal. Appetit gering; Schleimhäute geröthot; gesträubtos Maar und leichte Benommen­heit des Sensoriums. Vom 2. bis 9. August war das Allgemeinbefinden etwas besser; Puls, Rosp. und Temp, normal. Am 10. August: P, 56; R. 18; Temp. 39,4. Der untere Rand der rechten Lunge verdichtet; geringer, schleimig-wässeriger Nasenaus-llttss. Die Erscheinungen änderten sich nicht wesentlich bis zum 16. August; dann entstanden in der elephantiastischen Verdickung des linken Hinterfusses vier walL
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 169
nussgrosse Abscesse, A\c sohlcchlpn Riter entleerten, MehrereWurmbeulen am Rippen­körper- Copiöser bilateraler Nasenausfluss; sohniebeudesAthmen. ÄllgemeinerKrHfto-
verfall; Scliwellung der Kehlgangsdrüson. Iliemaoh war zweifellos, dass das Pferd
am subaouten Jlotz litt. Der weitere Verlauf bot nichts üemerkonsworllies mehr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; s
Am 20. August war im unteren Thoil der liiikon Nase ein Conglomerat von Uotz-
gesohwiiren sichtbar. P, 70. Resp. 18. Temp. 39,3. Schneller Verfall dos Pferdes,
das am 22. August getödtet wurde.
Bei der von Herrn Pusch im pathologischen Institut ausgeführten Section fand sich die eleplmutiastische Geschwulst des linken liintorfusses an dor inneren und iiusseren Seite mit haselnuss- bis htthnoroigrossen Knoten und Geschwüren, die theils in der Haut, theils im Unterhautgewobo lagen, besetzt. Mehrere Wurmbeulen und Abscesse in dorSubcutis am Thorax. Milz stark geschwollen, aber ebenso, wie Leber und. Nieren frei von rotzigen Zuständen. Rechte Lunge im vorderen Lappen und am unteren Rande derb, auf der Schnittlläoho mit mehreren gelben, unregelmässig oon-tonrirton Herdon durchsetzt, welche aus einer breiigen Masse bestehen (broncho-pnoumonischo Zerfallsherde). Andere Abnormitäten, insbesondere Rotzknolen waren in beiden Lungen nicht zu finden. Luftröhren-Sohleimhaut nicht verändert. Auf der hinteren Fläche der Epiglottis und am Lig. ary-epigl. dextr. liegt je ein zehnpfenuig-stüokgrosses frisches Rotzgoschwnr. In der Nase trägt die Schleimhaut der Muscheln und der Scheidewand zahlreiche, frische, zum Theil conlluirte Rotzgeschwüro.
Der vorstehend geschilderte Krankheitsverlauf ist nicht blos in diagnostischer, sondern auch in pathogonetischer Hinsicht exceptionell, insofern das Pferd viele Wochen an localer rotziger Elephantiasis gelitten hat und die Respirationsorgane erst seeundär afficirt worden sind.
26)nbsp; nbsp;Erysipelatöse Phlegmone der Subcutis. Die aus ver­schiedenen In fectionsstofFen hervorgelicndcn und zur Gruppe der Phlegmone gerechneten entzündlichen Krankheiten der Haut bieten mancherlei Aehn-lichkeiten mit dem Hautrotz, weil bei denselben ebenfalls diffuse, ent­zündliche Infiltrationen der Subcutis vorkommen. Am häufigsten machen die durch Hautwunden vermittelten Infectioncn, namentlich die diffusen Schwellungen der Gliedmassen nach Streichwunden diagnostische Schwierig­keiten. Aber auch der aus inneren Ursachen entstehende „Einschussquot; an der inneren Fläche der Hinterschenkel kann sich dem Hautrotz einige Tage hindurch sehr ähnlich gestalten. Die Diagnose ist deshalb zuweilen so schwierig, weil auch bei der Phlegmone hyperplastische Schwellungen der betreffenden Lymphdrüsen eintreten. Unterscheidend ist das Fehlen der knotigen Rotzherde und -Geschwüre in der Haut bei der Phlegmone. Anderseits liegt nur in der Vorgeschichte des Pferdes und in der auf einige Zeit fortgesetzten Beobachtung ein ausreichender Anhalt.
27)nbsp; nbsp;Quetschungen der Haut. Pferde leiden häufig und an den verschiedensten Körporslellen an einer Quetschung und hierdurch be­dingten diffusen Schwellung, während die Haut selbst nicht verwundet ist. In der Regel fehlt hierbei die intumescenz der Lymphdrüsen.
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170nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten.
Ein achtjähriger, brauner Wallach, welcher sehr gut genährt war und nichts Krankhaftes sonst erkennen Hess, lahmte seit 2 Tagen auf dem rechten Vorderfuss. Ks fand sich an der inneren Seite unter der Vorderfusswurzol eine geringe, flache, ödematöse Schwellung der Subcutis, welche in den folgenden Tagen sich über die Vorderfusswurzel bis zum Vorarm ausdehnte. Nach 5 Tagen stellte sich Anschwellung der Bugdriisen und 2 Tage später Bildung von Rotzknoten und Geschwüren in der Haut am Vorarm und in der Drosselrinne ein. Das hiernach unzweifelhaft rotzkranke Pferd wurde getödtet. Bei der Section fanden sich in den Lungen rotzige Krankheits-zustände von längerer Dauer.
28)nbsp; nbsp;Abscesse in der Subcutis. Kleinere Wunden an den Glied-massen oder am Rumpfe verheilen bei Pferden nicht selten vollständig, während eiterige Fermente durch die Lymphbahnen nach entfernteren Stellen der Subcutis hingelangt sind und zur Abscessbildung Veranlassung geben. Es entsteht dabei zuweilen ein knotiger Entzündungsherd von dem Umfange einer Walinuss bis zu dem eines Hühnereies. Ein solcher Zustand kann mit dem Rotz (Wurmbeule) eine kurze Zeit verwechselt werden. Sobald sich Eiterung einstellt, ist die Diagnose an der Be­schaffenheit des Entzündungsproductes zu sichern.
29)nbsp; nbsp;Eine grössere Aehnlichkeit mit dem subacuten Hautrotz hat die auf eiteriger Infection beruhende purulente Phlegraone und multiple Abscessbildung in der Subcutis, welche im Verlaufe der Druse, aber auch unabhängig von derselben durch Wundinfection bei Pferden zuweilen entsteht und sehr oft zum Tode führt. Fieber und mangelhafte Futter­aufnahme begleiten die örtlichen Processe, welche durch die Lymph-bahnen sich in der Nachbarschaft vervielfältigen. Bei der Druse nimmt die Affection von den submaxillaren oder von den subparotidealen Eiter­herden ihren Ausgang. Die tiefer in der Subcutis liegenden Herde zeigen keine Tendenz zur Maturation. Auch die oberflächlich unter der Haut befindlichen Herde verhallen sich nicht, wie die gutartigen Abscesse; der Aufbruch vollzieht sich zum Theil wie bei den Wurmbeulen an einer kleinen Stelle, welche sich darauf mit einem lockeren, bräunlichen Schorf bedeckt. Schmerzhafte Empfindungen verursachen die eiterigen Herde für die Thiore oft nicht. Beim Aufspalten entleert sich'gewöhnlich ein grauweisser, zäher, geruchloser (lymphatischer) Eiter. Durch die Re­sorption der eiterigen Krankheitsproducte wird eine fieberhafte Blutintoxica-tion unterhalten. Bemerkcnswerth ist hierbei, dass die Pferde trotz des Fiebers relativ lange ein gutes Aussehen und eine gewisse Glätte im Deckhaar behalten.
Ich behandelte ein Pferd, welches durch Wundinfection am Verarm mit einer mtengen Phlegmone behaftet war und sich durch Benagen der kranken Partie eine Infection an der Oberlippe zugezogen hatte. Bei demselben entstand eine Phlegmone
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 171
des Vorkopfos mit starker Sohwollnng der Snhcutis, in welcher sich zahlreiche hasel-nussgrosso Herde mit grauem dünnflüssigem Inhalt bildeten, in den Lymphdrüsen des Kehlganges entstand eine hühneroigrosse derbe Schwellung, welche nach drei Tagen gespalten wurde und grauen, dünnflüssigen Eiter entleerte. Lange Einschnitte in die phlegmonös goschwollene Partie des Kopfes und Anwendung einer energischen Desinfeotion konnten den tödtlichen Ausgang der Krankheit nicht abwenden. Durch die Section wurde die Diagnose der pyämischen Infection bestätigt.
Ein anderes Pferd —#9632; fünfjähriger Wallach dänischer Race erkrankte leicht an der Druse, Im Kehlgange entstand ein flacher Abscess, der zähflüssigen, bräunlichen Eiter entleerte. Sechs Tage darauf entwickelten sich zu beiden Seiten in der Drossel­rinne vom Kopf bis 7,ur Brust und auch vor der Luftröhre zahlreiche, thoils mark-stückgrosse und platte, theils haselnuss- bis hühneroigrosse Knoten, aus welchen sich beim Aufschneidon eine dicke, eiweissreiche, grauweisse Flüssigkeit entleerte. In den folgenden 14 Tagen entstanden immer von Neuem kleine, flache, schwer nachzu­weisende Eiterherde in der Haut und Unterhaut am Halse. Auch unter der Ohrdrüse bildeten sich zu beiden Seiten taubonoigrosse Eiterherde. Trotz sorgfältigster Be­handlung starb das Pferd in der vierten Woche und bei der Section fanden sich noch grosso Eiterdepots hinter der Luftröhre und mehrere metastatische eiterig-jauchige Herde in den Lungen.
Die Unterscheidung solcher Krankheitsfälle vom subacuten bozw. acuten Hautrotz ist grösstentheils nach der Vorgeschichte des betreffen­den Falles und nach dem Krankhoitscharakter zu bewirken. Verworth-bar für die Diagnose ist die Beschaffenheit des in den Abscessen be­findlichen Eiters und bei protrahirtem Krankheitsverlauf die schnelle Heilung der gespaltenen oder spontan aufgebrochenen Abscesse.
30)nbsp; nbsp;Urticaria. Die weichen, quaddelförmigen Hautgeschwülste beim Nesselausschlag haben in einzelnen Fällen eine gewisse Aehnlich-keit mit dem acut vorlaufenden endermatischen Hautrotz („fliegender Wurm1' der älteren Autoren). Mit Bestimmtheit lässt sich die speeifischo Natur solcher Rotzgeschwülste zuweilen erst erkennen, wenn die regionären Lymphgefässe und Lymphdrüsen miterkranken.
Eine elfjährige Fuchsstute, die bereits etwas verbraucht war, aber sonst ganz gesund im Haar erschien, bekam innerhalb 12 Stunden auf dor linken Seite des Halses 5 flache, theils rundlich, theils länglich gestaltete, daumendicke und quaddel-förmige Geschwülste; ebensolche Hautgeschwülste fanden sich auch in der linken Flankengegond und an der Kniekohle. Leichtes Fieber; geringer Appetit. Die Ge­schwülste brachen zum Theil am dritten bis vierten Tage auf und producirten ein dünnflüssiges, bräunliches Secret. Jetzt war die Diagnose des subacuten Hautrotz nicht mehr zweifelhaft. Nach der Tödtung des Pferdes fand sich Lungen- und Luft­röhrenrotz in erheblichem Grade, während dieOrgane desKopfes nicht verändert waren.
31)nbsp; nbsp;Abscedirende Geschwülste (Dasselbeulcn), welche durch die Larven der Bremsfliege verursacht werden.
In der Haut und Unterhaut der Pferde schmarotzen die Larven der Bromsflioge (Hypoderma) sehr selten. Ich habe bisher nur ein Pferd wegen Dasselbeulen be-
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172nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
handelt. Dasselbe — ein vierjähriger brauner Wallach, Wagenpferd, Halbblut —#9632; halte am Beokeu mul am Rlppenkörpet' reohterselts 5 huselnusa- bis wallnussgrosse Beiden, welche in derSuboutis lagen und in die .Substanz der Cutis sich erstreckten. Das Pferd litt gleichzeitig an einem leichten Nasenkatarrh und konnte nach dem Kraukheitsbefunde wohl den Verdacht des Rotz erregen. Acht Tage nach meiner ersten Untersuchung fand sich an einer Beule Maturation und nach der Spaltung ent­leerte sich neben diinnflüssigem Eiter eine Larve, die kleiner war, als diejenigen Larven, welche die Dasselbeulen der Rinder gewöhnlich beherbergen. .Vuch die anderen Beulen enthielten Larven. Der Fall beweist, dass die Dasselbeulen, die wogen der grossen Seltenheit ihres Vorkommens bei Pferden wenig bekannt sind, eine Zeitlang den Wurmbeulen der Haut sehr ähnlich aussehen können.
32)nbsp; nbsp;Blutfleokenkrankheit in der Haut. Bei der Ausbildung der Blutfleckenkrankheit werden häufig hämorrhagiscae Herde in der Haut und in der Subcutis zuerst angetroffen; sie vergrössern sich all-mälig. Beim subacuten und acuten Hautrotz können ganz ähnliche Zu­stände als Krankheitszeichen zuerst wahrnehmbar sein. Werthvoll für die Unterscheidung ist zuweilen die Thatsaoho, dass die Blutfleckenkrankheit fleberlos einsetzt, während der subacute oder acute Hautrotz immer Fieber und auch eine schwere constitutionelie Störung von vorn herein bedingt.
33)nbsp; nbsp;Pustulöses Exanthom der Haut. Pferde, welche mit eiternden Wunden und Geschwüren oder mit einer eiterigen Hautentzün­dung nach scharfen Einreibungen behaftet sind, werden zuweilen von einem ansteckenden Pustelausschlag befallen. Der Ansteckungsstoff findet seine Entwickoltmg in dem Eiter. In der Nachbarschaft des Eiterherdes bilden sich erbsen- bis haselnussgrosse, seiton grössere abscedirende Knoten in der Haut, welche in wenigen Tagen reifen und aufbrechen. Hierbei schwillt die Subcutis leicht an und selbst die benachbarten Lymphdrüsen werden in massigem Grade hyperplastisch. Die Haut-affection, welche ausseroidentlich schmerzhaft ist, kann sich über die Brust, den Bauch, die Hippen und auch über Hals und Kopf ausbreiten. Da beim Rotz des Pferdes oberflächliche Hautgeschwüre (exanthematischer Rotz) nur selten vorkommen, so hat die Diagnose in der Regel keine Schwierigkeiten. Einen wesentlichen Anhalt liefert ausserdem das Vor­handensein des eiterigen Ursprungsherdes und die Beschaffenheit des Secretes, welches die kleinen Pusteln nach ihrer Maturation produciren.
34)nbsp; nbsp;Furunkulose. Vorzugsweise an den Hautpartien, welche vom Reit- oder Arbeitsgeschirr gedrückt werden, entstehen bei Pferden zuweilen knotige Entzündungsherde, die sich in weitigen Tagen, nicht selten aber erst in 2 Wochen zu Geschwüren (Furunkeln) umgestalten. Bei dem oberflächlichen Charakter dieser Zustände fehlt eine Schwellung der Lymphgefässe und Lymphdrüsen fast immer. Es genügt daher die
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Kotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;173
Kenntniss der Thatsaehe, dass eine Furunkulose bei Pferden vorkommt, um vor einer Verwechslung zu schützen.
35)nbsp; nbsp;Die als „englische Pockenquot; bezeichnete ansteckende, pustulöse Hautaffection in der Sattellage der Pferde verläuft ohne Fieber; auch schwellen die nächstgelegenen Lymphgefässe nur, wenn die Pusteln sehr gross werden.
36)nbsp; nbsp;Knötchonfönnige lletentionsgosch wülste der Haut. Bei Pferden, die sonst nichts Krankhaftes zeigen, entstehen ohne erkenn­bare Veranlassung an einzelnen Stellen der Haut erbsen- bis haselnuss-grosse, vereinzelte oder gruppenförmig gelagerte Knötchen, welche ihren Sitz in den Schweiss- und Talgdrüsen haben. Einzelne Pferde zeigen für diese Hautaffection eine Prädisposition, so dass an mehreren Partien der Haut (am Halse, an der Schulter, Brust etc.) solche Knötchen gleichzeitig zur Ausbildung kommen. Sie porsistiren Wochen und Monate und ich habe Pferde gekannt, welche ein Jahr hindurch und darüber mit denselben behaftet blieben. Da sich Geschwürsbildung und seeundäre Schwellung der Lymphgefässe hierbei nicht einstellen, so ist immer in wenigen Tagen festzustellen, dass der Zustand keinen infectiösen Charakter hat, womit die Unterscheidung vom Rotz gesichert wird.
Sectionsiliagnose. Die auf das Ergebnislaquo; der Obduction zu basirende Diagnose des Rotz hat durch die neuere Veterinärpolizei - Gesetzgebung eine erhöhte Tragweite bekommen, weil verdächtig erkrankte oder der Ansteckung verdächtige Pferde oft getödtet worden, bei welchen durch die Section die Frage nach dem Vorhandensein des Rotz endgültig zu entscheiden ist. Für den beamteten Thierarzt ist es gesetzlich nicht statthaft, aus dem Obductionsbefunde bios den „Verdacht des Rotzquot; ab­zuleiten. Er hat sich vielmehr in seinem amtlichen Gutachten bestimmt darüber zu äussern, ob nach den festgestellten Abnormitäten das secirte Pferd mit dem Rotz behaftet, war, oder nicht. Von allgemeinem Interesse ist bei der Sectionsdiagnose, dass die Lungen nur selten und stets nur dann, wenn sich die Pferde erst innerhalb der letzten 4—6 Wochen in-ficirt hatten, keine Rotzherde enthalten. Die grössere Zahl dor Rotz­herde und der Nachweis derselben in mehreren Organen können zwar die Diagnose erleichtern, sind aber principiell nicht massgebend. Im Wesentlichen kommt es vielmehr nur auf den Charakter der ermittelten pathologischen Zustände an. Ein Pferd kann ausschliesslich am Nasen­rotz oder am Hautrotz und insofern auch ausschliesslich am Lungenrotz gelitten haben, als bei der Section von den abgeheilten primären Rotz­herden der Respirationsschleimhaut oder der Haut keine Merkmale mehr aufzufinden sind. Das Gebiet der zweifelhaften Krankheitsfälle kann
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174nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiton.
der Thierarzt auch bei der Seotionsdiagnose dadurch einschränken, dass er Rücksicht nimmt auf die durch die Infectiousfähigkeit der Loeal-processe in der Regel vcranlassten krankhaften Veränderungen in den­jenigen Lymphdrüsen, welche zum Stromgebiet der rotzig veränderten Partien eines Organs gehören. Allgemeine Schwellung und Durch-feuchlung der Lymphdrüsen des Körpers wird durch den Rotz an sich nicht bedingt; sie wird aber bei acutem und subacutem Rotz in Folge der Blutvergiftung gefunden. Für die Seotionsdiagnose ist die Kenntniss derjenigen Abnormitäten, welche in ihrer Form den rotzigen Krankheits-zuständen ähnlich sind, nothwendig, insbesondere kommen hierbei die Krankheiten der Nasenschleimhaut, dor Lymphdrüsen der Lungen und der äusseren Haut, auf welche bereits aufmerksam gemacht ist, in Be­tracht. Ausserdcm sind noch folgende Zustände in den Lungen und anderen inneren Organen zu beachten.
1)nbsp; nbsp;Chronische diffuse Bronchitis und Bronchiectasi e (die gewöhnliche Art der Lungendämpfigkeit). Hierbei fehlen die kleinen Rotzknötchen und ulcerösen Herde; dagegen werden nicht selten An­sammlungen von Schleim In den Bronchien gefunden, in deren Nachbar­schaft kleinere oder grössero Partien der Lunge atelectatisch sein können. Auch alveoläres Emphysem, welches an kleineren und grösseren Ab­schnitten bestehen kann, wird bei dieser Krankheit wie beim Lungen­rotz angetroffen. Ausnahmsweise habe ich auch gesellen, dass von einem bronchieetatischen Herde eine chronische indurirende Pneumonia ausgegangen war und zur Umwandlung eines mehrere Centimeter um­fassenden, unregelmässig gestalteten Lungenstückes in eine grauweisse, bindegewebige Masse geführt hatte. Da aber die respiratorischen Schleim­häute, die Lymphdrüsen und die Haut nicht erkrankt sind und da die Rotzknötchen der Lungen fehlen, so ist die Unterscheidung des in Rede stehenden Befundes vom Rotz nicht schwierig.
2)nbsp; nbsp;Peribronchitis fibrosa diffusa. Die Lungendämpfigkeit, alter Pferde wird in einzelnen Fällen durch eine weit verbreitete, chronische, fibröse Peribronchitis bedingt, bei welcher sich die Lungen schlaff an­fühlen, auf der Durchsclmittsfiäclie aber bald mehr in einer, bald gleich-massig in beiden Lungen kleine, grauweisse Stellen von dem Umfange einer lürbse angetroffen werden, welche die fibröse Degeneration der Bronchien-und Bronchiolenwände bezeichnen. Auf dem Durchschnitt der Lungen erscheinen die grauweissen Stellen ähnlich den rotzigen Herden, zumal das Lumen des in ihrem Centrum befindlichen Bronchiolus mit einer schleimigen Materie gefüllt ist, die eine andere Farbe und weichere Consistenz besitzt, als die bindegewebige Substanz der verdickten Bron-
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 175
chiolenwände. Bei oberflächlicher Betrachtung oder ungenügender Kennt-niss der Lungenkrankheiten kann die Peribronchitis mit dem Rotz ver­wechselt werden. Die Abwesenheit eigentlicher Knötchen und die rotz­freie Beschaffenheit der übrigen Organe machen dem Techniker die Ent­scheidung sonst leicht.
3)nbsp; nbsp;Chronische indurirende Pneumonie (speckige Lungen­entzündung). Pferde erkranken in seltenen Fällen an einer multiplen Pneumonic, welche zunächst eine katarrhalische Exsudation und Hepati-sation mit sich bringt, bald aber einen indurirenden Charakter annimmt und die Urnwandlung kleiner, haselnuss- bis hühnereigrosser oder um­fangreicher Partien der Lungen in grauweisse, speckige Massen herbeiführt. Von diagnostischer Bedeutung ist die Thatsache, dass hierbei Infarctc oder ältere Knötchen in den Lungen nicht vorkommen und dass die Bronchialdrüson keine Veränderungen zeigen.
4)nbsp; nbsp;Multiple Knötchenbildung von gutartiger Beschaffenheit in den Lungen (Peribronchitis nodosa multiplex). Auf diese bei alten Pferden häufig anzutreffende Knötchenbildung in den Lungen habe ich vor mehreren Jahren (Adam's Wochenschrift, 1879) aufmerksam ge­macht. Da ich die Knötchen zum grössten Theil in dem peribron-ohialen und parabronchialen Gewebe fand, so bezeichnete ich die Affection als multiple chronische Peribronchitis. Wie diese Knötchen zu Stande kommen, ist bis jetzt nicht ermittelt. Nach neueren Erfahrungen halte ich es für wahrscheinlich, dass niedere pflanzliche Organismen (Pilze) von wenig differenter Eigenschaft durch die Blutcirculation in die Bron-chialcapillaren gelangen und die fragliche Knötchenbildung bedingen. Eine Functionsstörung der Lungen verursachen die Knötchen niemals. Die Abnormität wird nur bei alten Pferden angetroffen. Theils sind die Knötchen grieskorn-, theils hirsekorn - und linsengross. Zuerst er­scheinen sie derb, glänzend, später fest, grauweiss und von matter Farbe. Sie persistiren in diesem Zustande Jahre lang, unterliegen aber in ein­zelnen Fällen der Verkalkung. Sie umgeben sich mit einer dünnen Kapsel, aus welcher sie nach dem Einschneiden leicht heraustreten. In der Regel sind beide Lungen von den Knötchen durchsetzt; zuweilen finden sich dieselben aber ausschliesslich oder grösstentheils in einer Lunge. Ihre Grosse ist fast in jedem Fall gleichmässig, so dass ent­weder nur grieskorngrosse oder etwas grössere Knötchen gefunden werden. Auch in der Farbe und Festigkeit zeigen dieselben keine Verschieden­heit. Hierin liegt schon ein sehr wesentliches Unterscheidungsmerkmal, weil beim Lungenrotz fast in allen Fällen Knötchen verschiedener Grosse und verschiedenen Alters, insbesondere aber neben alten auch frische Rotz-
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176nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiteii.
knötchen von härnorrhagischer Beschaffenheit angetroffen werden. Ausser­dom finden sich beim Lungenrotz gewöhnlich auch In den Respirations­schleimhäuten oder in der äusseron Haut und In den Lymphdrüsen die Producte des Rotz.
5) Embolische Herde der Lungen. Mit diesem gebräuchlichen, aber für die Aetiologie nicht significanten Ausdruck sind die metastatischen Entzündungsherde gemeint, welche nach primären destruetivea Krankheits-zuständen, besonders nach eiterig-jauchigen Processen in der Subcutis bei Pferden sehr oft in den Lungen entstehen. Die Grosse dieser embo-lischen Herde variirt zwischen einer Erbse und einem Hühnerei; ihre Zahl ist zuweilen sehr gering, oft aber so gross, class sie zur dirocten Ursache des Todes werden. Am meisten haben die kleinen embolischeu Herde Aohnliclikeit mit den Rotzproductcn. Es können aber auch die frisch entstandenen grossen metastatischen Entzündungsherde (lobuläre metastalische Pnoumonio) zu einer Täuschung Veranlassung geben, weil beim Rotz in einzelnen Fällen an der Peripherie der Lungen umfang­reiche embolische Herde entstehen, welche unter der Pleura protuberiren. Dazu kommt, dass beim acuten Rotz zuweilen sich lobuläre embolischeHerde mit der Tendenz zu eiterig-jauchigem Zerfall in den Lungen ausbilden.
Die erste Entstehung der hier gemeinten embolischeu Herde kenn­zeichnet sich durch die Merkmale der hämorrhagischen Infarcte; nach wenigen Tagen verwischt sich die dunkelrolhc Färbung, besonders an denjenigen Stellen der Herde, an welchen das Lungongcwebe abstirbt. Oft verjauchen die embolischeu Herde in einigen Tagen. Nicht selten aber behalten die mortificirten Theilc derselben einen mehr trockenen Habitus. Auf dem Durchschnitt der 5—8 Tage allen erbsen- bis wall-nussgrossen Herde zeigen die abgestorbenen Stellen eine grauweisse Farbe und unregelmässige Gestalt, während die übrigen Theile des Herdes noch die hämorrhagische Eigenschaft besitzen. Grössere embolische Herde, welche in Verjauchung übergehen, werden stets födtlich. Dagegen können kleine Herde, wenn die primäre Krankheit nicht letal verläuft, ohne wesentlichen Einfluss auf das Gesammtbelindcn des Pferdes bleiben. Sie unterliegen später der Verkalkung.
In den frisch entstandenen Rotzknotcn mortificirt das Lungengewebe an einzelnen Stellen oft unter ganz denselben Erscheinungen, welche die hier besprochenen embolischeu Herde auf dein Durchschnitt zeigen. Zur Unterscheidung beider Zustände lege ich den gi'össten Werth darauf, dass beim Rotz in den betreffenden Fällen neben den frischen Herden von der vorerwähnten Eigenschaft stets noch andere und bezw. ältere malleose Krankheitsproducte in den Lungen, oder dass in der Rospirationsschloiin-
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Rotz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;177
haut und in der äusseren Haut auf Rotz zu beziehende krankhafte Zu­stände laquo;ich finden. Oft ist auch die Entstehungsgeschichte der embo-lischen Herde aus primären, eiterigen Krankhoitsprocessen nachweisbar. Besonders zu beachten sind die eiterigen oder eiterig-jauchigen Entzün­dungen der Subcutis. Zuweilen gelingt aber bei der sorgfältigsten Be­funderhebung dieser Nachweis nicht. Für solche Fälle mache ich darauf aufmerksam, dass bei Pferden, welche aus irgend einer Ursache mehrere Tage hindurch nicht vom Boden aufstehen können, sehr leicht eine nicht augenfällige decubitale Zerstörung, namentlich am äusseren Darmbeins-winkol, und als Folgekrankheit eine bald kleine, bald grössero Zahl von embolischen Herden in den Lungen sich ausbildet. Wird der primäre Process nicht aufgefunden, so ist zum Zwecke der Diagnose auf den Vorlauf der tödtlich gewordenen Krankheit und auf die etwaige Wahr­scheinlichkeit einer Ansteckung durch Rotzcontagium Rücksicht zu nehmen. Durch mikroskopische Untersuchung der zweifelhaften Herde lässt sich die besondere Natur derselben nicht anschaulich machen.
6)nbsp; nbsp;Chronische, bronchieetatische Herde. Viel seltener als beim Rinde, finden sich beim Pferde und fast nur im vorgerückten Alter vereinzelte bronchieetatische Heide. Die Grosse derselben variirt von dem Umfange einer Haselnuss bis zu einem Gänseei. Der kranke Bron­chus kann sich vor dem Herde verschliessen, so dass letzterer eine förm­liche Höhle bildet, die meist mit einem trockenen, grauweissen Detritus, zuweilen aber mit einer schleimigen oder mit einer bräunlichen, dünn­flüssigen, eiterähnlichen Materie angefüllt ist. Das Nichtvorhandensein von Knötchen in den Lungen und von Rotzherden in der Respirations­schleimhaut sichert die Diagnose.
7)nbsp; nbsp;Tuberkulose (Perlsucht). Pferde leiden sehr selten an der Perlsucht, wobei die Neubildungen in den Lungen, der Brust­haut, der Respirations- und der Digestionsschloimhaut sich entwickeln können. In den wenigen Fällen, die ich selbst zu untersuchen Ge­legenheit hatte, verhielten sich die krankhaften Veränderungen wie bei der Perlsucht der Rinder und Schweine. Die Miliartuberkulose habe ich bei Pferden nie gefunden und es scheint, wie ich schon 1879 (Adam's Wochenschr.) andeutete, dass dieselbe nicht vorkommt. Für die Unter­scheidung der perlsüchtigen Befunde vom Rotz ist auf den indurirenden und doformirenden Charakter, sowie auf die traubenförmige Gestalt der Neubildungen Gewicht zu legen. Wenn die Producte einer chronischen rotzigen Pleuritis den perlsüchtigen Neubildungen in der Form mehr oder minder gleichen sollten, so ist die Diagnose davon abhängig zu machen, ob sich Rotzprocesse in den Lungen und anderen Organen finden.
D iockerü of f, Spec. Pathologie a, Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; J2
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178nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
8)nbsp; nbsp;Carcinome der Lungen. Metastatische oarcinomatöse Herde kommen bei alten Pferden, Jedoch nicht oft vor. Die Tumoren haben eine gewisse Aehnlichkeit mit den grössoron Rotzherdon (Rotzgewächsen), zumal auch die ßronchialdrüsen in ähnlicher Weise wie beim Rotz dege-neriren. Der Nachweis des Primärherdes und des etwaigen metastatisohen Carcinoms an anderen Organen ist für die Diagnose entscheidend. Sonst ist zu beachten, dass die eigentlichen Rotzknötchcn in den Lungen fehlen und dass auch die Respirationsschlcimhaut keine Veränderungen zeigt. Ausserdem ist für die Diagnose des Carcinom das Ergobniss der mikro­skopischen Untersuchung massgebend.
9)nbsp; nbsp;Sarcomo der Lungen. Metastalischc sarcoraalöse Herde der Lungen werden bei Pferden nicht seilen beobachtet. Im frischen Zu­stande haben sie den Umfang einer Haselnuss bis einer Wallnuss; selten sind sie kleiner. Linzeine Tumoren wachsen bis zur Grosse eines kleinen Kindskopfes. In den kleineren Knoten habe ich oft centralc Erweichungs­und Zerfallsherde gefunden. Vom Lungonrotz werden auch diese Tumoren nach den sub 8 für das Lungencarcinoin angegebenen Gesichtspunkten unterschieden.
10)nbsp; nbsp;Multiple Knötchenbildung in der Leber. Wie in den Lungen, so finden sich gleich häufig bei älteren Pferden in grosser oder geringer Zahl kleine, hirsekorngrossc und etwas umfangreichere gutartige Knötchen, welche theils unter dem peritonealon Ueberzugc, theils im Parenchym liegen und bei längerem Bestehen verkalken. Auch diese Knötchen seheinen durch pflanzliche Parasiten, welche mit der Blut-circulation in die Leber gelangen, verursacht zu werden. Die Rotz-knötchen der Leber haben eine verschiedene Grosse und eine derbe, etwas saftreiche Beschaffenheit. Sie werden auch nur neben malleosen Zu­ständen der Respirationsorgane oder der Haut gefunden. Hierin liegt das wichtigste Unterscheidungsmerkmal.
11)nbsp; nbsp;Oystische Herde in der Leber. Mit diesem Namen, wel­cher bis auf Weiteres nichts präjudiciren soll, will ich auf das Vor­kommen von erbsen- bis haselnussgrossen, perlmutterfarbenen, saftreichen Herden aufmerksam machen, mit welchen die Substanz der Leber bei alten Pferden zuweilen förmlich durchsetzt ist. Ueber die Entstehungs­geschichte der Herde kann ich nichts Bestimmtes aussagen. In ihrem Ansehen haben sie eine gewisse Aelinlichkeit mit den bei Rindern aus abgestorbenen Echinokokken entstehenden Herden. Es ist möglich, dass sie durch thierische Parasiten hervorgebracht werden. Indess habe ich bei der mikroskopischen Untersuchung keine Parasiten gefunden. Ich habe auch nie erkennen können, dass durch die Abnormität eine Er-
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Tollwuth.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;179
krankung bei Pferden hervorgerufen würde. Die Unterscheidung vom Rotz ergiebt sich leicht, wenn berücksichtigt wird, dass die Rotzknötchen stets in der Peripherie liegen, die cystischen Herde aber in die Substanz der Leber eingebettet sind. Ausserdem sind die spociellen Eigenschaften der Rotzknötchen zu beachten.
12) Multiple Knötchenbildung in derMilz. Knötchenförmige Krankheitsherde von gutartiger Beschaflfonheit finden sich in der Milz nicht häufig. Wahrscheinlich entstehen sie auch durcli pllanzlicho Para­siten. Sie liegen wie die Rotzknötchen an der Oberfläche. Letztere sind aber durch ihre derbe, speckige Beschaffenheit kenntlich. Auch ist für die Diagnose zu beachten, dass der Milzrotz niemals in einem Pferde gefunden wird, bei welchem nicht gleichzeitig andere Organe mit dem Rotz behaftet wären. — Nebenbei will ich bemerken, dass die Milz bei Pferden nicht selten sarcomatöse Neoplasmon enthält.
Capitel II. Tollwuth. Wuthkrankheit. Lyssa. Rabies.
Aetiologie. Während die Selbstentwickclung der Tollwuth bei Hunden und Katzen bis in die neuere Zeit vertheidigt worden ist, sind Zweifel darüber nie entstanden, dass bei den pflanzenfressenden Thieren ebenso, wie beim Menschen, die Erkrankung nur durch Ansteckung verursacht wird. Für gewöhnlich erfolgt die Ansteckung bei Pferden wie bei anderen Thieren durch den Biss der mit der Tollwuth behafteten Hunde. — Seitdem Virchow 1854 die spontane Entstehung der Toll­wuth bei Hunden in Frage stellte, ist ein reiches Erfahrungsmaterial gesammelt worden, aus welchem mit Bestimmtheit hervorgeht, dass auch bei den Hunden sich die Tollwuth nur durch Ansteckung erhält, und dass demnach das Contagium im eigentlichen Sinne des Wortes ein endogenes ist. Die pathogenen Eigenschaften des Wuthgiftes sind im Wesentlichen schon durch Hertwig 1828 festgestellt worden. Es ist aber bis jetzt nicht gelungen, die Substanz des Contagiums mikroskopisch nachzuweisen. Nach der herrschenden Lehre denkt man sich, dass speeifische Mikroben das Contagium darstellen. Hallier glaubte im Blute wuthkrankor Thicre besondere Mikrokokkcn out-
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deckt zu haben. Dass seine Angabe auf einem Irrthura beruht, wird jetzt allseitig anorkannt. Bei der Unmöglichkeit, den Ansteckungsstoff in den kranken Geweben nach/uweiscn, versuchte 1881 Pasteur, die Kenntniss der EntwickelungsgescMchte desselben auf anderem Wege zu erweitern. Er verimpfto Gehirnsuhstanz von einem wuthkranken Hunde bei gesunden Hunden nach der Trepanation des Schädels auf die Ober­fläche dos Gehirns und fand, dass die Tollwuth schon 6—10 Tage nach der Impfung zur Ausbildung kam. Durch das Resultat der Pasteur-schen Versuche, deren Richtigkeit mehrfach geprüft und bestätigt worden ist, hat sich mit Bestimmtheit ergeben, dass der Ansteckungsstoff sich in der Substanz des Gehirns, des llückenmarkes und der Nerven fort­entwickelt, dass derselbe durch Resorption in die Blutcirculation gelangt und vorzugsweise mit dorn Speichel ausgeschieden wird. Die seit langer Zeit unterschiedenen beiden Hauptformen der Krankheit (die stille und die rasende Wuth) sind nach Pasteur davon abhängig, dass das Con-tagium bald mehr im lliickenmark, bald mehr im Gehirn und der Me­dulla oblongata zur Entwickclung kommt. Mit diesem experimentellen Nachweise ist die ältere Auffassung, nach welcher das Contagium von localen Processen in das Blut gelangen, in letzterem eine Vormehrung und Vervielfältigung finden und durch die Blutcirculation eine Reihe von Organveränderungen hervorrufen sollte, definitiv widerlegt worden. Trotz­dem bleibt in der Entwickelungsgoschichte der Tollwuth noch Vieles dunkel und es würde müssig sein, über die biologische Grundlage des Contagiuras, welches sich von anderen Ansteckungsstoffen wesentlich unterscheidet, Hypothesen aufzustellen. Eür die klinische Pathologie ist hervorzuheben, dass die ücbertragung des Contagiums auf gesunde Thiere der Regel nach nur dadurch erfolgt, dass der Speichel eines wuthkranken Hundes, in seltenen Ausnahmefällen einer Katze oder eines anderen Thieres durch den Biss in die Haut oder Unterbaut eingeimpft wird.
In dem Masse, als die Tollwuth bei Hunden beschränkt worden ist, hat sich auch die Gefahr ihrer Uebertragung auf die Pferde gemindert. Im Ganzen sind Pferde niemals so häufig inficirt worden wie Rinder. Es erklärt sich diese Thatsachc dadurch, dass die wuthkranken Hunde, ebenso wie die gesunden Hunde, sich gegenüber einzelnen Thiergattungen im höheren Grade aggressiv verhalten und dass dieselben insbesondere die Rinder häufiger, als die Pferde anfallen.
Der Speichel wuthkranker Hunde ist nicht in jedem Fall gleich virulent, was wahrscheinlich durch die Quantität des dem Speichel bei­gemischten Contagiums bedingt ist. Vielleicht unterliegt auch die Energie des Contagiums gewissen graduellen Verschiedenheiion. Inwieweit die
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Tollwuth.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;181
behaarte Haut der Pferde dem Eindringen des virulenten Speichels in die Bisswundc hinderlich ist, lässt sicii kaum mit Sicherheit bestimmen. Ich kann aber nach meinen Erfahrungen diesem ätiologischen Moment keine so grosso Bedeutung beilegen, wie Hertwig und andere Autoren gethan haben.
• Das Contagium der Tollwuth ist im eigentlichen Sinne des Wortes ein fixes. Niemals ist eine Uebertragung der Krankheit anders geschehen, als durch die Bisswunde bezw. durch die Einführung dos Contagiuras und seines Vehikels in eine frische Hautwunde oder bei Impfversuchen durch die Injection desselben in die Subcutis und in die Blutbahn.
Pathogenese. Pferde werden in der Regel von wuthkranken Hunden in die Vordergliedmassen oder in die Lippen gebissen, seltener in die Hintergliedmassen oder in die Flanken. Für die wirksame Uebertragung des Oontiigiums sind die kleinen und oberflächlichen Wunden gefährlicher, als tiefe Verletzungen mit reichlicher Nachblutung. Gewöhnlich beissen die wuthkranken Hunde nicht tief; eine erhebliche Verwundung kommt bei Pferden niemals vor. Die Ansteckung erfolgt besonders leicht nach dem Biss in die Lippen. — Bei keiner zweiten Krankheit ist das Stadium ineubationis contagii so ungleich, wie bei der Wuth Meist vergehen 4—8 Wochen, zuweilen nur 2—3 Wochen und in anderen Fällen bis 12 Wochen und darüber, bevor die Krankheit nach der Ansteckung bei Pferden zum Ausbruch kommt, lieber das Verhalten des Contagiums in der vernarbten Bisswunde ist nichts bekannt. Nach hypothetischen Gesichtspunkten haben ältere Autoren die Ansicht vertreten, dass der Ansteckungsstoff in dem Gewebe allmälig eine Veränderung schaffe, welche nach Verlauf einer verschieden langen Frist eine speeifische In­toxication verursachen sollte. Andererseits dachte man sich, dass das Contagium in dem Gewebe zunächst eingekapselt werde und dann ge­legentlich in Folge einer Entzündung an der vernarbten Bisswunde zur Resorption in das Blut kommen sollte. Eine dritte, besonders von Virchow (1854) vertretene Auffassung ging dahin, dass das Contagium nach der Impfung sich in dem organischen Gewebe fortdauernd repro-ducire und vervielfältige, dass dasselbe nach der Resorption massiger Quantitäten durch den Stoffwechsel aus dem Blute wieder ausgeschieden werde und nur nach einer übermässigen Aufnahme in die Circulation die speeifische Krankheit herbeiführe. Die Hypothese ist zwar allseitig be­achtet, aber stets mit einer gewissen Reserve beurtheilt worden. Gegen dieselbe spricht die Thatsacho, dass die Krankheit in der Incubationszeit mit dem Speiche] des gebis.'encn Thieres nicht übertragen werden kann.
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Noch melir widerspricht der Zulässigkeit dor älteren Ansichten das Resultat der Pasteur'sohen Versuche. Mag das Contagium nun, wie Virchow meinte, eine Fermentsubstanz sein oder wie gegenwärtig angenommen wird, in speeifischen Mikroorganismen bestehen — in jedem Fall lässt sich aus den Thatsachen nur folgern, dass dasselbe an der Impfstelle längere Zeit liegen bleibt, ohne die für seine Reproduction und Vermehrung erforder­lichen günstigen Bedingungen zu finden. Kaum dürfte gegenwärtig noch zweifelhaft sein, dass der Ansteckungsstoff in der Substanz des Gehirns, des Rückenmarkes und der Nerven seinen eigentlichen Nährboden hat. Inwieweit aber andere organische Stoffe des Thierkörpers die Möglichkeit seiner Entwickelung bieten, ist eine offene Frage. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass in den Geweben, an welchen das Contagium nach der Impfung haftet, bald früher, bald später durch den Stoff­wechsel ein Zustand geschaffen wird, welcher die Vermehrung des Con-tagiums gestattet. Wenn dies Vorhältniss an dor vernarbten Impf­oder Bisswunde eintritt, so gelangt der Ansteckungsstoff durch Resorption in das Blut, von welchem er in die Substanz der nervösen Apparate übergeführt wird. In den letzteren vollzieht sich die Vervielfältigung des Ansteckungsstoffes sehr sohneil und in dem Masse, in welchem die Centren des Gehirns und Rückenmarkes hierbei in ihrer histologischen Einrichtung nachtheilig getroffen werden, kommt die Störung ihrer physiologischen Function zu Stande. Essentielle Veränderungen haben sich im Gehirn und Rückenmark nicht nachweisen lassen. Es giebt daher keine pathologisch-anatomische Grundlage für die Theorie der Tollvvuth, Was man bei den Sectionen wuthkranker Thiere oder Men­schen am Gehirn und Rückenmark findet (Blutreichthum und seröse Durchfeuchtung), wird durch die mit dem Krankheitsverlauf eintretende Störung der Blutcirculation verursacht.
Die hier angedeutete Ansicht von der Pathogenese der Tollwuth wird unterstützt durch die in den letzten Jahren mehrfach mit Erfolg ausgeführte intravenöse Impfung des Wutliconlagiums. Von pathologischem Interesse ist dabei, dass der Ausbruch der Krankheit zunächst nicht von einer fieberhaften Steigerung der Eigenwärme begleitet ist. Erst im weiteren Verlauf kommt eine fieberhafte Dyskrasie des Blutes zu Stande, deren bedingende Momente indess ganz unbekannt sind. Am Blute selbst erkennt man nur eine abnorm dunkle Färbung und den Mangel an Ge­rinnungsfähigkeit. Die Vulnorabilität der nervösen Organe für das speci-fische Contagium scheint bei verschiedenen Thiereu ungleich zu sein. Den Hauptsitz der Störungen bildet das verlängerte Mark, ausserdem wird bald mehr das Rückenniark, bald mehr das Gehirn afficirt, Möglich
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Tollwuth.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;183
ist, dass auch bosondoro Eigenschaften des Contagiums mit diesen Ver­schiedenheiten in Verbindung stehen. Viele Contralapparate dos Gehirns, insbesondere diejenigen, welche das ßewusstsein vermitteln, sind für das Wuthcontagium unempfänglich. — Die mit der Ausbildung der nervösen Störungen sich entwickelnde Dyskrasie des Blutes veranlasst eine langsam zunehmende Erhöhung der Eigenwärme und im Herzfleisch, der Leber, den Nieren, der Milz und den Skeletrauskcln eine parenehymatöse Trü­bung. In den späteren Stadien entsteht eine hämorrhagische Diatheso, welche in der Respirations- und Digestionsschloimhaut den Eintritt kleiner oder grösserer Ecchymoson und Sugillationen herbeiführt.
Symptome. Das Wuthcontagium afficirt eine grössero Zahl von ner­vösen Centralapparaten und es äussert sich in Folge dessen die Krank­heit wesentlich durch Alienation der nervösen Functionen.
1) ßewusstsein. Mit dem Ausbruch der Tollwuth ändern sich die Beziehungen des Selbstbewusstseins zu den bekannten Gegenständen und Vorgängen in der Umgebung des Patienten. Eine Depression des Bewusstseins kommt aber nicht vor. Die meisten Pferde zeigen Unruhe, zuweilen ein schreckhaftes Bonohmen, oft auch eine lebhafte Neugierde gegenüber bekannten Gegenständen; häufiges Wiehern, besonders wenn die Stallthür geöffnet oder an der Futterkrippe resp. ausserhalb des Stalles ein Geräusch entsteht. Fast alle wiitlikranken Pferde benagen Stallgeräthe, Krippen, Wandungen. Oft beissen sie in dieselben. Einzelne Pferde reissen sich mit den Zähnen Stücke aus der Haut, besonders an den Regionen, in welchen die Einverleibung des Contagiums mittels der ßisswunde stattgefunden hatte. Ein aggressives Verhalten gegenüber Menschen oder Thieren kommt nur ganz vereinzelt vor. Hierbei schlagen die Thiere mit den Hinterfüssen gegen die Personen, welche sich ihnen nähern, oder sie versuchen, dieselben zu beissen. Eine Aufregung beim Annähern von Hunden und anderen Thieren, die beim Rinde immer ge­sehen wird, habe ich bei Pferden nie beobachtet.
'2) Körpertemperatur. Im Beginn der Krankheit ist die Mast­darmtemperatur normal, Erst nach mehreren Stunden und zuweilen erst am 2. oder 3. Tage findet sich dieselbe bis zu 40,5deg; gesteigert.
3)nbsp; nbsp;Bin tcirculation. Anfänglich ist die Zahl der Herzcontractionon ziemlich normal. Mit der weiteren Ausbildung des Leidens steigert sich die Frequenz der Herzcontractionon auf 70 — 80, selbst bis 100 und darüber. Arterienpuls schwach und weich.
4)nbsp; nbsp;Respiration. Zunächst weicht das Athmen wenig von der Norm ab. Einzt.'ino Pferde athmen zeitweise öfter als zu anderen Zeiten, was mit der AuFregung zusammenhängt. Mit der vollständigen Aus-
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184nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
bildung dor Krankheit steigt die Zahl dor Respirationen auf 30 und mehr in der Minute. Die Athembewegungen sind unregelraässig und werden von den anfallsweise auftretenden, krampfhaften Schnürungen der Bauchmuskeln modificirt. Die Thiere inspiriren kurz, während das Exspirationsstadiura sich verlängert.
5)nbsp; nbsp;Sichtbare Schleimhäute. Anfänglich fiitdet sich in der Farbe der sichtbaren Schleimhäute keine Anomalie, später zeigt sich venöse Röthung.
6)nbsp; nbsp;Speichelsecretion. In den meisten Fällen, namentlich bei langsamem Verlauf, ist die Secretion des Mundspeichels vermehrt.
7)nbsp; nbsp;Körpermuskulatur. Klonische Krämpfe in verschiedenen Re­gionen, vorzugsweise im Bereich des Körpertheiis, an welchem die In­fection stattfand. Daneben lähmungsartige Erschlaffung einzelner Muskeln. Die Körperbewegung ist häufig schwankend. Mehrfach beobachtete ich, dass die Thiere sich in tappendem Schritt bewegten. — Anfallsweise treten krampfhafte Contractionen der Bauch- und Brustmuskeln auf. Im Initial-Stadium vergehen oft 15—20 Minuten, bis ein solcher Krampf sich wiederholt. Später verkürzen sich die Intervalle mehr und mehr und gegen Ende der Krankheit erfolgen zuweilen in einer Minute 2, selbst 3 solcher Anfälle. Dabei bekunden die Pferde starkes Stöhnen (Dröhnen), zuweilen einen, dem Koppen ähnlichen Ton.
8)nbsp; nbsp;Verdauungsorgane. Der Appetit verringert sich gewöhnlich schon im Anfang der Krankheit, zuweilen aber erst mit der deutlichen Ausbildung der übrigen Symptome. Die Thiere kauen auf Holzstückchen oder Stroh, nehmen auch wohl den Streudünger ins Maul, kauen und verschlucken ihn selbst. Manche Pferde ergreifen mit den Lippen und Zähnen etwas von dem Futter, spielen aber mehr mit demselben, als dass sie den Versuch zum Kauen machten. Häufiges Zähneknirschen. Hydrophobie ist nicht vorhanden. Auch habe ich niemals einen Schling-kvampf beobachtet. Anfänglich trinken die Pferde ziemlich viel Wasser, aber langsamer, als im gesunden Zustande. Später spülen sie sich das Maul mit Wasser aus, vermögen aber nichts mehr zu verschlucken. — Fast immer besteht ein unbehagliches Gefühl in den ßauchorganen. Die Pferde scharren mit den Füssen wie bei einer leichten Kolik, legen sich flach auf die Seite und verhalten sich am ersten Krankheitstage oft eine halbe bis ganze Stunde lang ruhig, später schlagen sie zeitweise mit den Hinter- und Vordergliedmassen um sich.
9)nbsp; nbsp;Geschlechtstrieb. Stuten bekunden gewöhnlich eine krank­haft erhöhte Reizbarkeit in den Geschlechtsorganen. ivSie stellen sich jnit gespreizten Hintcrfüssen, drängen ijnd pressen häufig kleine Quanti-
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täten Urin aus der Blase. Dabei sunhen sie fremde Pferde auf und wiehern theils mit normaler Stimme, theils unter Ausstossung gellender Töne. Auch Hengste sollen eine gesohleohtliohe Aufregung zeigen. Ich habe die Tollwuth nur bei einem ein/igen Hengste beobachtet, welcher das Symptom aber nicht bekundete.
10) Verhalten der vernarbten Bisswunde. Mit dem Beginn der Krankheit entsteht in der vernarbten ßisswunde eine entzündliche Schwellung und die Empfindung eines heftigen Juckens, welches sich auf die nächste Umgebung fortsetzt; zuweilen tritt auch an anderen Partien der äusseren Haut ein abnormer Juckreiz auf. Die Thiere reiben und scheuern sich die Haut an der Bisswundo oder sie benagen dieselbe mit den Lippen und Zähnen. Diejenigen Pferde, bei denen die Sym­ptome einen furibunden Charakter erlangen, erfassen von Zeit zu Zeit die Haut mit den Zähnen und reisson förmliche Stücke aus derselben heraus. Bei einem Wallach, welcher 43 Tage vor dem Eintritt der Krankheit von einem wuthkrankon Hunde am rechten Vorderfusse In der Metacarpalgcgend gebissen war, sah ich, dass er nicht nur von der Haut, sondern auch von der Kronen- und Hufbeinsbeugesehno mit den Zähnen einzelne Stücke abriss.
Verlauf iiml Ausgang. Seit langer Zeit wird der Verlauf der Tollwuth nach 3 Stadien unterschieden: 1. Stadium initiale s. Prodromorum; 2. Stadium Acmes s. furibundum; 3. Stadium Paralyseos. Es besteht indess keine Regelmässigkeit in dem Eintritt und in der Dauer dieser Stadien. Weniger oft prävaliren die furibunden Erscheinungen, während bei den meisten Thieren ein mehr ruhiges Verhalten und der frühzeitige Eintritt von Muskelschwäche und wirklichen Lähmungen das Krankheits­bild beherrschen. Hiernach hat man besonders bei der Tollwuth der Hunde den Verlauf in die beiden Grundformen der rasenden und der stillen Wuth unterschieden. Auch bei den Pferden kann eine solche Eintheilung im Princip beibehalten werden, obwohl die Unterscheidung der Krankheitsfälle sich viel weniger deutlich ausspricht, als bei den Hunden. Correct hat Virchow 1854 das Wesen dieses Unterschiedes im Krankheitsverlauf dahin präcisirt, dass die rasende Wuth ein ver­längertes Stadium furibundum und die stille Wuth ein verlängertes Stadium paralyticum darstellt. Nach den Pasteur'schen Vorsuchen ist anzunehmen, dass bei der stillen Wuth vorwaltend das Rückenmark und bei der rasenden Wuth mehr das verlängerte Mark und einzelne Theile des Gehirns afficirt sind.
Das Stadium initiale oder wie es allgemein genannt wird, das Stadium Prodromorum umfasst bei Pferden häufig 1—2 Tage. In dieser
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186nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Zeit tritt oino Veränderung des Temperamentes, neugieriges, fremdartiges Benehmen, Unruhe, häufiges Wiehern, ßcrieclicn von Futter, Benagen von hölzernen und anderen Gegenständen ein. Die Symptome sind aber oft so geringfügig, dass sie nur bei methodischer Beobachtung der Patienten erkannt werden. Zeitweise stellen sich Idonische Muskel-contractionen ein. Mit der Ausbildung des zweiten Stadiums treten die wichtigsten Erscheinungen der Tollwuth auf und in diesem Stadium markirt sich auch der Unterschied zwischen der rasenden und stillen Wuth. Pferde, die an der rasenden Wuth erkranken, beissen mehr oder minder heftig in die Krippe, Stallgeräthc und andere Gegenstände. Bei der stillen Wuth dagegen fehlt die Beisssucht entweder ganz, oder sie besteht nur in geringem Grade. Aber auch hier spricht sich die Un­ruhe sehr deutlich aus. Die Thiere legen sich nieder, stehen nach kurzer Zeit wieder auf und achten nicht auf Zurufe, zuweilen auch nicht auf Peitschenhiebe. Im weiteren Verlaufe bleiben sie länger und stets flach auf der Seite liegen. Dieses Stadium dauert bei Pferden selten länger als einen Tag. Die Krampfanfälle in der Muskulatur des Bauches und der Brust nehmen mehr und mehr zu; schliesslich können die Thiere in Folge der zunehmenden Muskelschwäche sich kaum noch vom Boden erheben. Der Tod erfolgt durch Asphyxie. Die meisten Pferde sterben im zweiten Stadium apoplectisch und insofern oft unerwartet, als sie kurz vor dem Tode eine erhebliche Schwäche in der Körper­haltung und in den Bewegungen nicht erkennen Hessen. #9632;— Die Toll­wuth der Pferde endet immer tödtlich. Von den Hunden haben viele Beobachter angegeben, dass die Krankheit zuweilen ohne eine erkennbare Veranlassung im ersten Stadium aufhört und die Thiere darauf voll­ständig genesen. Bei den Pferden ist ein Abortivverlauf nie beob­achtet worden.
In den Oadavern der an der Tollwuth gestorbenen Pferde entsteht die Todtenstarro sehr schnell. Durch starke Gasentwickelung im Gastro-Intestinaltractus treibt die Bauchpartio bis zum Maximum auf. Wie beim Milzbrand und bei der Kolik zeigt sich schnell eine fortschreitende Fäulniss der Organe mit reichlicher Bildung von Fäulnissgasen. Die Muskulatur sieht wie gekocht aus; Leber, Milz und Nieren weich, mit starker Trübung des Parcnchyms. Magen-Üarmschleimhaut durch Blut­anhäufung geröthet und bald mehr bald weniger Ecchymosen und Su-gillationon enthaltend. Herz schlaff, auf der Schnittfläche grauroth, mürbe. Lungen blutreich. In der Respirationsschleimhaut Stauungs-röthe und vereinzelte Blutuntcrlaufungon. Das Blut im Herzen und in den venösen Gelassen ist zähflüssig, dunkclbraunroth: bei sehr schnellem
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Krankheitsverlauf auch wohl im Herzen schlaffe Gerinnsel. Day bei der Section aus den Gelassen abftiessende Blut gerinnt aber unter dem Ein­flüsse der atmosphärischen Luft. Am Gehirn und Rückenmark ist aussei- der blutreichen und weichen Beschaffenheit eine pathologische Veränderung nicht nachzuweisen.
1)nbsp; nbsp;Zwei Pferde eines Besitzers — eine fünfjährige Stute und ein neunjähriger Wallach — waren im April 1869 gleichzeitig von einem wuthkranken IFimde ge­bissen. Die Stute erkrankte 45 Tage später und zeigte zunächst aufgeregten Ge­schlechtstrieb, häufiges Wiehern. Zeilweise wurden gellende Töne ausgoslossen. Scharren mit den Vorderfiissen, anhaltendes Liegen auf einer Seite, vorwallend auf der rechten. Zuweilen plötzliches, unerwartetes Aufspringen. Beim Liegen konnte ich das Pferd mit den gewöhnlichen Mitteln, selbst durch Schläge mit der Peitsche nicht zum Aufstehen veranlassen. In der Meinung, dass os an Kolik erkrankt sei, wurde der Versuch gemaclit, eine Schüttelmixtur beim Liegen einzugeben. Hierauf sprang das Pferd, obschon os durch mehrere Personen festzuhalten versucht wurde, schnell in die Höhe. Auch im Stehen widersetzte os sich dem Eingeben von Arznei. Durch genaue Erhobungen konnte ich nunmehr die Diagnose feststellen. Die Sym­ptome steigerton sich in wonigen Stunden und das Thier starb 24 Stunden nach dem ersten Eintritt der Krankheitssymptome apoplectisob.
Der Wallach erkrankte 14 Tage später. Unruhe, Muskolzuckuiigen, später krampfhafte Schnilrungon in der Bauclulocke, schwankender Gang, heftiger Juckreiz der Haut, Beissen in die Krippe, Stalleimor und sonstigen Gcrälhe. Schneller Kräfle-verfall, rauhes, aufgebürstetes Haar, Aufziehen der Flanken, Scharren mit den Füssen, Niederwerfen und Aufspringen, Schweissausbrnch. Nach einer Krankheitsdauer von 17 Stunden trat der Tod ein.
2)nbsp; nbsp;Vom Handelsmann S. wurde am 24. März 1873 ein dreizehnjähriger Wallach, Pony, weisser Schimmel in die Klinik eingeliefert, weil er weniger Futter auf­nahm, auch in die Krippe, in die Streu, sowie in vorgehaltene Stöcke und selbst in die eigenen Vordergliedmassen gebissen habe. Das Pferd war hinter einen Wagen gebunden und ich beobachtete hier schon, dass es oft in die Bretter und in das Wagenrad biss; es selling mit den Hinterfiissen nach den sich nähernden Per­sonen, zeigte einen stieren, gläsernen Blick und nnsiätes Verhalten. Puls 46; Respi­ration 15. Mastdarmtemperatur wogen des widersetzlichen Benehmens nicht festzu­stellen. Als dorn Pferde ein Besenstiel vorgehalten wurde, biss es mit den Schneide­zähnen in das eine Ende desselben und wurde in dieser Weise statt am Zügel am Besenstiel in den Stall geführt. Körperbewegung regelmässig. Das im Slall vorge­legte Futter, Heu und Hafer, wurde hastig aufgenommen und unter unruhigem Be­nehmen und fortwährendem Wechsel der Stellung verzehrt. Das Pferd trank einen Eimer voll Wasser langsam ans. Schhickbcschwerden waren nicht zu bemerken, Darmexcronieiito und Harn wurden oft und in kloinen Quantitäten entleert. Von den Darraexcrementen verzehrte das Pferd etwas. Oft stellte es sich mit ausgestreckten Küssen, als ob es hätte Harn absetzen wollen. Zeitweise Zuckungen in der Muskulatur des Halses und des Kückens. Die fortdauernde Unruhe in dem Benehmen wurde zuweilen auf kurze Zeit durch Lauschen mit den Ohren unterbrochen. Ab und zu schnappte das Pferd nach dem Carpalgelenk der linlien Vordergliedmasse, als wenn es daselbst hätte eine Fliege vorjagen wollen. Es nahm auch wohl die ganze Vorder-fusswurzelpartio oder den Vordermittel fuss zwischen die Zähne und riss kloine Stück-
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188nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infoclions- iinrl Intoxicatiünskrankheiten.
ohon aus dor Haul heraus, so class lotztoro an molireron Stellen blutelc. Auch In don rechten Vorderfuss blss es zuweilen, aber seltener. Abwechselnd sohültelte os mit dem Kopf odor es peitschte mit dem Schweif zwischen die Ilinlerfiisso, als woim os sich hätte der Fliegen orwohron wollon. Speicholn aus dem Maul fehlte. Oft nahm das Pferd Stroh und Dünger aus dem Stall mit dem Maul auf, es kaute und verzehrte einen Theil davon. Es nagte und biss auch oft an den Stallwandungen und in die Krippe, sowie in einen vorgehaltenen Stock und gegen Personen, die sich ihm näherten, schlug es mit einem Iliiiterl'nsse. Iliiulig legte es sich nieder; beim OolTnen der Thür fuhr es erschreckt zusammen und sprang sofort wieder auf. Als ich dem Pferde einen Stock vor die Vorderfusswnraelpartie führte, biss os sehr heftig In denselben. Im weiteren Verlauf warf es sich oft plötzlich nieder, schlug mit den Füssen um sich, wälzte sich unter lautem Stöhnen und packte mit den Zähnen in den einen oder den anderen Vorderfuss. Während dos Stehens scharrte es oft mit den Vordorhufen. — Am Abend des 24. Miir/, erschien die Körperhaltung im Hinterthoil etwas schwächer. Abwechselnde Belastung des einen oder anderen Hinterfnsses. Wenn ich das Pferd mit dem Stock zu schlagen drohte, so wich es zur Seite. Ein in den Stall gebrachter und dorn Pferde vorgehaltener Hund machte auf dasselbe gar keinen Eindruck. — In der Nacht zum 25. März wurden zweimal krampfhafte Zusammonschnürungen dos Bauches mit Ansstossung von heiseren Lauten wahrgenommen. Am Morgen dos 25. März hatten die Symptome des vorhergehenden Tages einen höheren Grad er­reicht. I)ie Mattigkeit erschien grosser, aber das Pferd konnte noch sehr gut im Stall hin- und hergehen, Es scharrte heftiger mit den Vorderfüssen und athmeto ange­strengt mit angespannten Bauchdecken 21 Mal in der Minute. Puls und Tempe­ratur Hessen sich bei dem boshaften Benehmen dos Pferdes nicht feststellen. Um 10 Öhr Vormittags brach das Pferd zusammen und starb apopleotisch. — Ueber die Zeit, in welcher die Infection stattgefunden hatte, konnte der Besitzer keinen Auf-schluss geben.
3) Kin achtjähriger, brauner Wallach, Reitpferd, war am 20. Januar 1878 von einem fremden Hunde In die Nase gebissen. Einige Stunden nachher Hess der Be­sitzer, welchem der Hund schon verdächtig vorgekommen war, die am unteren Ende der Nasenbeine boflndllohe Wunde mit Salzsäure ätzen. Die Wunde vernarbte bald darauf und das Pferd bekundete bis zum 20. Februar 1873 nichts Kegelwidriges in seinem Benehmen. Am Abend des 20. Februar nahm es weniger Futterals sonst auf; es war auch etwas unstät. Die Unruho erschien am folgenden Tage grosser, das Pferd wechselte öfter seine Stellung und drängte zeitweise mit der Bauchpresse auf den Mastdarm. Spät am Abend Hess der Besitzer wegen dieser Erscheinungen das Pferd in die Klinik einstellen, woselbst ich es am 22. Februar Vormittags unter­suchte. Es erschien im Stalle aufmerksam, hörte auch den Wärter sich nähern und wieherte, als wenn es Futter vorlangen wollte. Jeden Gegenstand, der in den Stall gebracht wird, betrachtet es neugierig, aber nur für kurze. Zeit. Lebhafte Bewegung der Ohren nach allen Seiten, Zuckungen in den Muskeln der Oberlippe,; anhaltendes Abträufeln und Abfllossen von Speichel aus dem Maule, was durch lebhafte Bewegung der Unterlippe zu verhindern gesucht wird. Zeitweise leichtes Scharren mit den Vorderfüssen. Blick nicht abnorm. Conjunctiva schwach geröthet. lläulige Ent­lastung der einzelnen Gliedmassen. Oefteres quot;Niodorlegcn und schnelles Aufspringen. In Zwischenzeiten von 15 Minuten stellt sich nach einer tiefen Inspiration starkes Drängen auf den Mastdarm mittels der Bauchprosse ein, wobei der Schweif in die Höhe und etwas nach rechts gehoben, dor After hervorgedrängt wird. Hierbei tritt
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Tollwuth.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18!gt;
der Penis aus der Vorhaut heraus und jedesmal worden bei dein gewaltsamen Drängen einige Tropl'on Harn entleert. Bei dem Drängen hebt sich der Kippenkörper; der Kopf wird nach vorn und eben gestreckt, das FJlntertbeil leicht gesenkt and das lJford stösst dröhnende Laute aus, ähnlich wie beim Koppen. — Die KuUerauruahme wird verweigert. Das Pferd spielt mit den Lippen und der Zunge in einem Eimer nill Wasser, kann aber von letzterem nichts herabschlucken. Es nimmt das Wasser in das Maul, hebt den Kopf empor und bemüht sich mit der Zunge, das Wasser im Maule auszubreiten, als wenn es sich das Maul ausspülen wollte. Respiration 80, oberfläch­lich, Herzschlag deutlich fühlbar, 66 Mal; Arterlenpuls voll und weich, rhythmisch und iiqual. Kectum-Temperatur 88,0. — Beim Umherführen wird eine schwankende Körperbewegung wahrgeuommen, namentlich mit den Vorderfiissen, die beim Gehen nach ausseu gerichtet und wie bei manchen, mit dem Dummkoller behafteten Pferden gehoben werden.
Nachmittags 8 — 6 Uhr. Status idem. Besonders auffällig erscheint das an­haltende Speicheln aus dem Maul; auch die übrigen Zufälle haben einen höheren Grad erreicht. Das Pferd kaut beständig und erzeugt mit deu Backzähnen ein knirschendes und knatterndes Geräusch. Es hat einen matten, etwas verschleierten Bliok. Ohrenspiel und klouisoho Oontractionen der Lippenmuskeln sehr lebhaft; Haar etwas aufgebürstet. Neugierige Betrachtung aller Linzelheilen in der Umgebung; bald wird der eine, bald der andere Gegenstand betrachtet und mit den Lippen be­fühlt. Respiration 36; Herzschlag 60, leicht fühlbar; Puls etwas schwächer, Arterie weich. llectum-Temperatur 89,5. — Alle 4—;') Minuten stellt sich ein krampfhaftes Drängen mit der Bauchpresse ein, das sich absatzweise schnell nacheinander 2 bis 8 Mal, zuweilen auch 4 Mal wiederholt. Die hierbei von dem Pferde ausgestossenen dröhnenden Töne sind etwas stärker als Vormittags. Das Pferd benagt die Stallwändo und Krippe mit weit geöffneten Kiefern sehr oft, ohne aber zu beissen. Mitunter lässt es einen gellenden, eintönigen Laut vernehmen, besonders, wenn es etwas Be­fremdliches sich nähern glaubt. Kommt Jemand unerwartet heran, so wiehert es leise, wie gesunde Pferde zu than pflegen, wenn sie den Wärter mit der Futter-schwinge gewahren. Oft scharrt es mit den Vorderfiissen oder es klopft mit denselben gegen die Stallwände; es legt sich häufig nieder und liegt mit Ausstrecknng des Kopfes und der Füsse flach auf einer Seite; es verbleibt aber nur kurze Zeit in dieser Lage und schlägt dabei zuweilen mit den Vorder- und llinterfüssen ans. Mit dem Eintritt der krampfhaften Bauchprosse springt es auf. Ebenso erhebt es sich, sobald Jemand die Stallthür öffnet. Es benimmt sich uustät und neugierig gegen Alles, was es bemerkt. Beim Liegen beisst es oft in das Stroh, welches eine Zeit lang im Maule festgehalten wird. Auch bemüht es sich, mittels des Strohes den Speichel von der Zunge zu streifen. — h'utteraufnahme vollständig verweigert; Wasser wird aufge­nommen, aber vergeblich zu schlucken versucht. Das Pferd scheuert sich die ver­narbte Bisswunde an der Nase sehr oft; auch greift es zuweilen mit den Zähnen in die Haut an den Flauken und anderen Körpertheileu, ohne sieh indess zu beissen. — Ein in den Stall gebrachter Hund erregt trotz des Bellens keine Aufregung. Das Pferd -zeigt sich auch gegen Personen nicht im Geringsten aggressiv; es versucht nur mit den Lippen die Kleider zu erfassen und zu benagen.
Abends 9 Uhr leichter Schweissausbruch am ganzen Körper. Starke Unruhe. Das krampfhafte Drängen mit der Bauchpresse wiederholt sich alle 2 — 8 Minuten und die hierbei verlautbarten dröhnenden Töne sind stärker. Der Schweif wird fast immer nach der rechten Seite gehalten. Zeitweise heftiges Scharren mit den Vorder-
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190nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; [nfpotions- nnrt Intoxicationskraiikheiten.
fiisson. Starke /uckungen in den Muskeln der Lippen und Backen. Lebhaftes Ohren­spiel. Beständige Sucht, alle greifbaren Gegenstände mit den Lippen zu erfassen und zu reiben. Auch jetzt noch versucht das Pferd zu wiehern, wenn Jemand im Stallllur herankommt; es bringt aber nur unarticulirle, leise Töne hervor. Die ver­narbte Bisswunde an der Nase wird mehr als vorher gerieben, Iläuüges Liegen auf der Seite mit ausgestreckten Füssen, abwechselnd Scharren und Schlagen im Liegen. Beim OelTnen der Stallthür sofortiges Aufspringen. Beim Stehen zuweilen Klopfen mit einem Vorderfusso gegen die Stallwand. Resp. 40, ohne Anstrengung. Herz­schlag fühlbar, 75; Puls klein und schwach. Temp. 40,3.
Um 10 Uhr steigerte sich die Unruhe. Um ll1., Uhr war das Pferd nicht mehr fähig, vom Boden aufzustehen, Die krampfhaften Zusammenziehungen des Bauches erfolgten jetzt zweimal in jeder Minute. Starker Schwoissausbruch auf dor ganzen Haut. Respiration 65. Um 2 (Jhr Nachts erfolgte der Tod. —- Durch die Section wurden bemcrkenswerthe Veriüiderungen nicht nachgewiesen.
Diagnose. In Ermangelung einer Kenntniss von dorn Biss des wuth-kranken Hundes ist die Deutung der zuerst auftretenden Krankheits-erscheinungcn nicht leicht. Mit der weiteren Entwickelung der Sym­ptome vereinfacht sich die ßeurtiieilung eines Krankheitsfalles. Ent­scheidend wird das Zusammentreffen des Juckreizes in der Haut mit dem anfallsweise sich einstellenden Drängen auf den Mastdarm und der Alte­ration des Gcmüthes. Auch das Nagen und Beissen in hölzerne oder andere Gegenstände und das Speicheln aus dem Maul giebt in den meisten Fällen einen wichtigen diagnostischen Anhalt. Mit Sicherheit ist ein Krankheitsfall bei Pferden als Toliwuth in der Regel erst fest­zustellen einen halben bis einen Tag vor dem tödtlichen Ausgang. Die gesetzliche Vorschrift, dass ein von der Toliwuth befallenes Pferd ge-tödtet werden soll, wird deshalb meist gegenstandslos. — Das Scharren mit den Vorderfüssen, das häufige Niederlegen und Aufspringen und das Drängen auf den Mastdarm verleihen dem Krankheitsbilde der Toliwuth zuweilen eine Aehnlichkeit mit den Symptomen der Kolik und der ge­wöhnlich stark erregte Geschlechtstrieb bei Stuten kann bei oberfläch­licher Betrachtung zu dem irrihum führen, dass ein Fall von krankhafter Rossigkeit vorliege. Vor solchen Verwechselungen schützt am besten die umsichtige und vollständige Erhebung des Thatbcstandcs. — Gastrische Krankheiten sind bei Pferden zuweilen mit leichter Pulsfrequenz und Temperaturerhöhung, aufgebürstetem Haar und Muskelzuckungen an ver­schiedenen Körpeistellen verbunden. Auch leichte Koliksymptome können bei solchen Krankheiten sich bemerkbar machen. Es liegt auf der Hand, dass ein derartiger Zustand für einige Stunden an die in der Entwickelung begriffene Toliwuth erinnern kann. Im Ganzen hat aber die Aehnlich­keit der Erscheinungen nur ein untergeordnetes Interesse, weil die Toll-
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Tollwuth.
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wuth mit ihrer woitoroii Ausbildung sicii ganz anders gestaltet, als ein fieberhafter Status gastricus oder eine Kolik.
Behaiullung. Nach dem Ausbruch der Tollwuth ist eine Behandlung crfahrungsgomäss aussichtslos. Ob in Zukunft die Auffindung eines er­folgreichen Heilverfahrens jemals gelingen wird, steht dahin. Die beim Menschen und bei den Hausthieren seit der grauen Vorzeit mit negativem Resultat gemachten Vorsuche lassen den Bestrebungen der Wissenschaft kaum noch eine berechtigte HofFnuiig. — Mohr Erfolg verspricht die prophylaktische Behandlung der Wundon, welche ein wuthkrauker Hund den Pferden zufügt. Oft hält es aber schwer, die Wunden ausfindig zu machon und namentlich sind die kleinsten Verletzungen, welche als die gefährlichsten für die Frage der Infection angesehen werden müssen, meist gar nicht zu entdecken. Reines Auswaschen der frischen Biss­wunden mit heissem Wasser oder mit Kochsalzlösung oder mit Essig sind empfehlenswert]!. Ausserdem kommt das Ausbrennen der Wunden oder die Application von Aetzmitteln und die mehrere Wochen hindurch fortzusetzende Anwendung von Reizmitteln, welche die Eiterung unter­halten, in Betracht. Die früher übliche Benutzung von Medicamenten zum inneren Gebrauch ist für die Prophylaxis werthlos. — üeber die in der neuesten Zeit von Pasteur vorgeschlagene Präventiv-Impfung lässt sich nach der thatsächlichen Erfahrung noch kein definitives Urtheil abgeben. Die Resultate der bei Hunden ausgeführten Impfversuche sind zwar für die wissenschaftliche Forschung von höchstem Interesse, können aber die gegen die Verbreitung der Tollwuth zu richtenden gesetzlichen Schutzmassregeln nicht entbehrlich machen.
Capitel III. Mil/braiiil. Anthrax.
Ungleich seltener, als beim Rinde inul Schaf ist der Milzbrand beim Pferde. Ra sollen dahor-die Aotiologie und Pathogonese desselben in dor zweiten A.btlieilimg dieses Lehrbuches eingehender besprochen werden. Hier mag die Bemerkung genügen, dass bis in die neueste Zeit dem Milzbrand ein viel grösseres Oebiel der Pathologie begrilflich untergeordnet wurde, als nach der thatsiiehliehen Krtahrung berechtigt ist. Die Kntdecknng der Milzbnuulpilze (Milzbrand-Bactorien, Bacteridien, iiacillon) durch rollender, Urauell und Davaine hatte zwar die Feststellung der ätiologischen
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1 (.)'inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;[nfeolions- und Intoxioationskrankheiton.
Einheit, der Kranklioit vorboreitet. Nach don sorgfältigen Arboiton von Bollingor, Fosor u. A. konnten auch die Kinwendungen gegen die pathogene Natur der Milz-brandpil/.e als widerlegt angosehon werden. Wissenschaftlicli gesichert wurde aber dto Keniilniss der Mil/.brandbaoillon in allen ihren Beziehungen erst durch die Unter­suchungen und Versuche von U. Koch. Den botanischen Nachweis, dass die Vege­tation der Baclllen sich in zwei KnUvickelungsphasen (Sporen und üaeterien) voll­zieht, erbrachte V. Colin. Nach Koch's Versuchen gelangen bei der Kntslehung des spontanen oder originären Milabrandes dleSporen mit demFatter in den Digestions-traotus, Sie widerstehen im Magen der Einwirkung des sauren Magensaftes und wachsen in dem alkalisch reagirenden Inhalt dos Dünndarms 7,11 Stäbchen aus, die in die Darmschloimhaut und in das Blut dringen. Mit der ßlulcirculation gelangen sie In die Organe. Im Thierkörper vervielfältigen sich die Stäbcheu durch Quortheilung. Dagegen geschieht die Sporenbildung im Thierkörper nicht. Sofern aber die Stäb­chen nach dem Verenden der milzbrandkranken Thiere nicht durch Fiiulnissprocesso vernichtet werden, entstehen aus denselben in geeigneten Nährsubstanzen bei einer Temperatur, die nach Koch nicht unter 18 u C. sinken darf, die Sporen (Dauersporen), Am meisten erfolgt die Sporonbildung bei einer Temperatur von 35—37 Grad, wäh­rend eine Temperatur von mehr als 43 Grad dieselbe unmöglich macht. Die zuerst von Bot linger und darauf von mehreren anderen Autoren vertretene Ansicht, dass die unzweckmiissigo Behandlang der Cadaver milzbrandkranker Thiere vorzugsweise odor ausschliesslich die Forterhaltung des Milzbrandes in manchen Gegenden bedingen soll, entspricht der Erfahrung nicht. Auch über diese Frage haben die Forschungen Koch's den wissenschaftlichen Aufschluss geliefert. Nach denselben vegetiren die Milzbrandbacillen vornehmlich auf pflanzlichen Substraten. Mit der Aufnahme des Futters, an welchen die Sporen haften, vollzieht sich die Einführung des Infections-Stoffes in den Thierkörper. Fs ist doshalb die Mitwirkung der Cadaver milzbrand-krankor Thiere nicht nothwendig, 11m die häufigen Ausbrüche der Krankheit in den sogenannten Milzbrand-Distrioten zu ermöglichen.
Aetiologie. In Gegenden, in welchen der Milzbrand stationär ist und die wiederkäuenden Hausthiere häufig befällt, erkranken auch Pferde an demselben nicht selten. An anderen Orten kommt die Seuche bei Pferden nur in ganz vereinzelten Fällen vor. Die Entstehung des originären oder spontanen Milzbrandes wird durch die Aufnahme von Futterstoffen be­dingt, an welchen Sporen des Bacillus Anthracis haften. Im Allgemeinen ist nach der Erfahrung und nach den Resultaten der vielfach ausge­führten Versuche anzunehmen, dass eine gewisse Quantität des Infections-stoffes aufgenommen worden muss, um eine Erkrankung bei Pferden möglich zu machen. Relativ geringe Quantitäten desselben werden nicht nachtheilig. Die gut genährten Pferde sind in höherem Grade empfäng­lich, als die mageren Pferde. Ob das Alter auf die Disposition einen Einfluss hat, lässt sich nach der bisherigen Erfahrung nicht feststellen.
Mittels absichtlicher Impfung mit bacterienhaltigem Blut, sowie mit den Transsudaten, Exsudaten und dem Parenchym einzelner Organe (Milz, Lymphdrüsen etc.) von milzbrandkrankcn Thieren lässt sich die
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Milzbrand.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;193
Seuche auf Pferde übertragen. Sonst wird die directe Ansteckung nur durch FliegQn, welche sich kurz vorher auf die Cadaver niilzbrandkranker Thiere oder deren Abfälle niedergelassen haben, vermittelt. Leicht erfolgt die Ansteckung während des Herrschens der Seuche beim Wild (Hirsche, Rehe, Wildschweine) in den heissen Sommermonaten, wenn die Pferde in die Nähe der Cadaver milzbrandkranker Thiere kommen. Nach Bollinger soll die beim Wild im Sommer auftretende Seuche („Wildseuchequot;) mit dem Milzbrand nicht identisch sein. Obwohl ich nicht verkenne, dass die Beobachtungen und Untersuchungen Bellinger's alle Beachtung erfordern, so scheint mir die Frage nach der speciellen Natur des Infectionsstoffes beim Wildrailzbrand (Wildseuche) doch noch nicht spruchreif zu sein. Mit dem Blute von Rothhirschen und Wild­schweinen, die an der Seuche eingegangen waren, habeich 1874 bei Pferden wiederholt Impfversuche angestellt. Die Impfkrankheit der Pferde ver­hielt sich in ihrem Verlaufe und in den Seclionsrosultaten ganz so, wie der durch Einimpfung von Blut milzbrandkranker Schafe erzeugte Irapf-milzbrand. Ich halte es daher bei der gegenwärtigen Sachlage noch für zulässig, diese Erkrankung dor Pferde dem Milzbrand zuzurechnen. I'athugciiese. Beim originalen oder spontanen Milzbrand des Pferdes vollzieht sich die Infection in der Magendarmschleimhaut. Durch die Lymphbahnen erfolgt die Verschleppung des Infectionsstoffes in die Lymphdrüsen und in das Blut. Nach Pasteur und Bollinger ent­ziehen die sich innerhalb weniger Stunden zu unglaublichen Zahlen ver­mehrenden Bacterien dem Blute den Sauerstoff, wodurch die seit lange bekannte Beschränkung der Gerinnungsfähigkeit und die dunkle Färbung des Blutes bedingt werden. Mit der Blutcirculation gelangen die Bacterien in eine grössere Zahl von Organen (Magendarmschleiinhaut, Rachen­schleimhaut, Milz, Leber, Nieren etc.). — In der Milz entsteht bei Pferden stets eine beträchtliche parenehymatöse und hämorrhagisohe Intumescenz; auch Leber, Nieren und Herzfleisch erleiden eine parenehy­matöse Trübung. Die Lymphdrüsen worden in einen Reizungszustand versetzt, durch welchen sich die Production von weissei) Blutkörper­chen vergrössort. In der Schleimhaut der Rachenhöhlc, des Magens und Darms erzeugt der Infectionsstoff eine hämorrhagischo Entzündung und Schwellung. Dazu kommen die Stauungen des Blutes in den Capillaren und venösen Gefässen verschiedener Organe. Die hiermit verbundene Steigerung des Blutdruckes bewirkt an einzelnen Stellen (im Gekröse des Dünndarms und In der Submucosa der Rachenschleimhaut) die Transsudation von eiweissreichem Blutserum, welches zu einer gelb-
Dfookerhoff, Hyvv. Ptttliologu1 u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i lt;j
laquo;
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194nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und [ntoxiontionskrankhoiton.
sulzigen Materie gerinnt. Ziemlich constant entsteht beim originären Milz­brand der Pferde um den Pharynx und Larynx der Austritt von dunklem Blut in das submucöse und subcutane Bindegewebe, in welchem es zu einer theerartigen sulzigen Masse gerinnt.
Die directe Ansteckung der Pferde durch Fliegen kommt in der äusseren Haut zu Stande, ich habe solche Krankboitsfälle beim Herr­schen des Wildmiizbramlcs wiederholt beobachtet, dagegen in den Guts-bezirken, in welchen die Seuche bei den Wiederkäuern anhaltend herrschte, nie gesehen, liidess bezweifle ich nicht, dass auch unter den letzt-gedachten Verhältnissen eine Ansteckung vorkommt. A priori Ist anzu­nehmen, dass an Jeder Stolle der Haut die Einverleibung des Milzbrand-virus geschehen kann. In den von mir beobachteten Fällen war dieselbe aber stets an den Regionen mit feiner Haut erfolgt: an der inneren Fläche der Hintorsohenkel oder der Verarme und an der Brust, oder an den äusseren Gesohloohtsthoilon ~ Euter und Hodensack —. In der Subcutis der Region, an welcher die Einverleibung und Vervielfältigung des Contagiums stattfindet, bildet sich eine diffuse erysipelatöse und hämorrhagischo Entzündung mit starker Schwellung (Carbunkel). Mit der Carbunkelbildung erfolgt die Infection der zu der erkrankten Region gehörenden Lymphdrüsen und des Blutes. Die consecutive Er­krankung der Magendarmschleimhaut, der Milz und der anderen Organe verhält sich, wie beim originären Milzbrand.
Die krankmachenden Wirkungen des im Blute sich vermehrenden Milzbrandvirus beruhen nach Pasteur zum Theil darauf, dass die Bacterien den reihen Blutkörperchen Sauerstoff entziehen und dass dem-gemäss eine Ueberladung des Blutes mit Kohlensäure stattfindet. Die entziindungerregende Eigenschaft der Bacterien führt Bellinger auf die Producte ihres Stoffwechsels und auf etwaige durch dieselben indirect im Blute erzeugte toxische Stoffe zurück. Daneben hat Toussaint darauf aufmerksam gemacht, dass die Bacillen in den Capillargefässen verschiedener Organe sich anstauen und dass durch die GefässVerstopfung die locale Unterbrechung der Circulation mit Transsudation, hämorrha-gischer Infiltration oder Extravasation herbeigeführt wird. #9632;— Mit dem Eintritt der Veränderungen des Blutes bei milzbrandkranken Thieren ent­steht immer ein eigenartiges Fieber, welches sich durch Zittern und stärkere Muskelzuckungen, schnelles Steigen der Temperatur und erheb­liche Beschränkung der Drüsensecretion ausspricht. Durch die An­häufung des kohlensäurehaltigen Blutes in den inneren Organen (Herz, Lungen, Gehirn) wird die Function der letzteren mehr oder minder er­heblich verändert.
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Milzbrand.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1Ö5
Der Ausbruch des Milzbrandes bei den inficirten Pferden erfolgt nicht ganz gleichmässig. Wahrscheinlich können die Verschiedenheiten sowohl von der Menge des eingeführten Infeclionsstoffes, als von dem Grade seiner Virulenz bedingt sein. Entwickelt sich die Krankheit originär vom Darm aus, so vergehen etwa '20—30 Stunden, bis die ersten Symptome hervor­treten. Vielleicht kann sich die Incubationszoit ausnahmsweise auf 2 bis 3 Tage ausdehnen. Dass dieselbe aber bei Pferden sich auf 5—6 Tage verlängern könne, wie bei den Wiederkäuern in einzelnen Fällen beob­achtet wird, ist bisher nicht festgestellt worden. — Die Krankheitsfälle des originäron Milzbrandes verlaufen bei Pferden sehr schnell, so dass nach dem Eintritt der ersten Symptome kaum 6 —15 Stunden vergehen, bis die Störung ihren schwersten und letalen Grad erreicht. Bei den auf Ansteckung in der Haut beruhenden Krankheitsfällen ist gewöhnlich die Entwickolung etwas langsamer, so dass die Dauer des Leidens sich auf 2 — 3 Tage ausdehnt. Die Verzögerung der Pathogonese ist mit Wahrscheinlichkeit dahin zu erklären, dass bei der Ansteckung nur eine sehr geringe Quantität des Milzbrandvirus in die Haut eingeführt wird. Denn bei der künstlichen Einimpfung einer relativ grossen Menge von infectionsfähigem Milzbrandblut in die Subcutis, gestalten sich die Patho-genese und der Krankhcitsverlauf viel stürmischer. Bei einer sechszehn­jährigen Stute, welcher ich von dem Blute eines an Impfmilzbrand ein­gegangenen Kaninchens 5 Gramm mit 5 Gramm Aq. dest. verdünnt, am Thorax linkerseits subeulan injicirto, erfolgte der Ausbruch nach 16 Stun­den und die Krankheit endete nach sechsstündigem Verlauf letal. — Abgesehen von der ätiologischen Verschiedenheit des originären oder Futter-Milzbrand und dos durch Ansteckung herbeigeführten Milzbrand kann ich die Aufstellung verschiedener Formen der Krankheit bei Pferden nach der Erfahrung nicht für begründet erachten. Von praktischem Werth ist nur die Unterscheidung des Anthrax acutus mit Inbegriff des Anthrax acutissimus und dos Anthrax subacutus. Zu der erstoren Cate­goric rechne ich alle Krankheitsfälle der Pferde, die nicht über 24 Stun­den dauern. Der Anthrax subacutus dos Pferdes umfasst die Fälle von längerer Dauer.
Symptomei Für die generelle Beurtheilung des Krankheitsbildes ist 1. auf die eigenthümliche fieberhafte Blutdyskrasie mit ihren unmittel­baren Wirkungen; 2. auf die entzündliche Affection der Gastro-intestinal-schleimhaut und 3. auf die Schwellungen (Karbunkel) In der Subcutis einzelner Regionen zu achten.
Fieber. Mit dem acuton Milzbrand des Pferdes tritt schon im Be­ginn der Krankheit eine Erhöhung der Bluttemperatur ein, welche nach
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196nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections-und Intoxicationskrankhoiten.
wenigen Stunden bis auf 40,0 und 41,0deg;, selbst noch höher steigt. Die Haut ist heiss, das Haar rauh; in den meisten Fällen Zittern und stärkere Zuckungen der oberflächlich gelegenen Muskeln. — Einge­nommenheit des Sensoriums, bald in niederem, bald in höherem Grade. Tobsüchtiges Benehmen habe ich nie beobachtet. Der Blick ist stier, angstvoll und das Interesse an der Umgebung fehlt. Schwerfällige Körperhaltung, schwankeiuler Gang, anhaltendes Liegen, soweit nicht die Kolik die Thiero zu wiederholtem Aufstehen zwingt. — Störungen der Herzfunction. Schnelle Zunahme der Pulsfrequenz bis auf 80, selbst 100 Schläge in der Minute und darüber. Arterienpuls schwach, klein, später drathförmig. — Beschleunigung der Respiration (in Folge der Herzschwäche und der Blutstauung in den Lungen). Die Athraungs-frequenz erreicht in wenigen Stunden, bei subacutem Verlauf aber erst am 2. Tage einen hohen Grad. Nicht selten erfolgt die Respiration 30—50, selbst 70—80 Mal in der Minute. — Digestionsorgane. Von Anfang an zeigen die am originären Milzbrand erkrankten Pferde Kolik-syraptome (Milzbrand-Kolik). Scharren mit den Vorderfüssen, häufiges Niederlegen oder längeres Liegen flach auf der Seite mit ausgestrecktem Kopfe. Leichte Auftreibung des Bauches. — Sichtbare Schleimhäute, Conjunctiva durchweg venös geröthot; die dunkle Färbung steigert sich in dem Masse, als der Puls schnell und klein wird. Nasenschleimhaut trocken, kirschroth; Maulschleimhant gewöhnlich cyanotisch. — Kar­bunkelbildung. Beim originären Milzbrand des Pferdes habe ich als Krankheitssymptome die karbunkulöso Schwellung nur in der Kehlkopf-und Schlundkopfgegend beobachtet. Sie tritt bald 4—5 Stunden, bald erst 8—10 Stunden nach dem Beginn der Krankheit ein und ist ge­wöhnlich so bedeutend, dass die Oontouren der Ohrdrüsen- und Kehl­kopfregion sich verwischen. — Entsteht der Milzbrand des Pferdes durch Fliegenstiche, so bildet sich primär an der inficirten Partie eine karbun-kulöse Schwellung, oft von beträchtlichem Umfange (an der inneren Fläche der Hinterschenkel, an den äusseren Geschlcchtstheilen, am Vor­arm, am Kopfe etc;.). Die Haut der geschwollenen Partie ist vermehrt warm, ödematös und beim Druck schmerzhaft.
Verlauf. Der originäre Milzbrand nimmt stets einen stürmischen Verlauf. Aber ein apoplektisches Verenden, dergestalt, dass die ge­sunden Pferde beim Gehen oder Stehen zusammenstürzen und sofort sterben sollen, haben ich nie beobachtet. Die Angaben in der Literatur über die apoplektische oder fulininirende Milzbrandform des Pferdes scheinen nicht begründet zu sein. Der Regel nach bekunden die milz-brandkranken Pferde als auffälliges Symptom zuerst eine leichte Kolik.
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Milzbrand.
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In der nächsten Stunde bilden sich auch die wichtigsten übrigen Sym­ptome aus, mit deren vollständiger Entwickelung ein allgcraeiiior Collaps eintritt (grosse Schwäche, angstvoller, stierer Blick, Schweissausbruoh). Der Tod erfolgt unter den Zufällen der Asphyxie nach einer Krankheits­dauer von 5—30 Stunden. Mit Genesung endet der Milzbrand nur aus­nahmsweise. Fünfzehn, von mir beobachtete und behandelte Fälle von originärem Milzbrand endeten sämmtlidi letal. Die Thierärzte, welche in den sogenannten Milzbranddistricten prakticiren, geben an, dass mit­unter auch der originäre oder genuine Milzbrand bei Pferden zur Gene­sung kommt.
Bei dem durch Ansteckung mit primärer Karbunkelbildung in der Haut entstehenden Milzbrand verzögert sich der Verlauf um 1—2 Tage. Entwickelt sich die karbunkulöse Geschwulst an den Gliedmassen, so stellt sich Lahmheil, ein; die Pferde erbeben sich nur mühsam vom Hoden. Der Appetit ist gering. Mastdarm-Temperatur und Pulsfrequenz massig gesteigert. Am zweiten Tage, selten erst später, treten die Sym­ptome der allgemeinen Erkrankung hervor und der Verlauf ist dann gleich dem des originären Milzbrandes. In einzelnen Fällen wird die Krankheit durch frühzeitiges Aufspalten der primären Karbunkelgeschwulst geheilt. Es vergehen dann aber '2— ;•! Wochen, bevor die Thiere ihre volle Ge­sundheit wieder erlangen.
Seetions-Ergeliniss. Die Cadaver unterliegen einer unvollständigen Todtenstarre. die aber schon nach einer Stunde wieder nachlässt. Auf-tällend ist die Disposition der Organe zu Fäulnissprocessen. die schon in 1,0- 20 Stunden soweit fortschreiten, dass die feineren Veränderungen der Organe unkenntlich werden. Dor Sphincter ani ist erschlafft; oft entleert, sich in den ersten Stunden nach dem Tode aus dem After, der Nase, dem Maul und dem Conjunctivalsack eine geringe Menge flüssigen dunklen Blutes. In der Subcutis erscheinen die venösen Gefässe mit dunklern, halbflüssigem Blut gefüllt. Die grossen Venen im Körper und das Herz enthalten dunkles, scliwarzrothes, theerartig geronnenes Blut, welches auch nach der Einwirkung der atmosphärischen Luft nur wenig heller wird. Die Muskulatur ist wie gekocht, mürbe, auf der Schnittfläche lehmtärben oder in Folge [#9632;eichen Blutgehaltes in den venösen Gelassen dunkel gefärbt. — Bauchhöhle, Brusthöhle und Herzbeutel ent­halten in der Regel eine geringe Quantität rothgefärbten Transsudats. Die Milz ist, immer stark vergrössert durch Schwellung und hämorrhagische Inlärcimng der Substanz. Auf der Schnittlläche i[uillt überall schwarzes, halbflüssiges Blut hervor. Leber geschwollen; Nieren weich, blutreich, gewöhnlich breiförmig. Zwischen beiden Gekrösblättern dicht am Darm
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198nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
findet sich in der Regel geJbsulziges, siollenwoise mit blutigen Herden durchsetztes Transsudat, Magen- und Darmsohleirnhaut sind in grosser Ausdehnung von einer schweren häraorrhagischen Entzündung betroffen, die sich durch intensive Röthung und Schwellung, Ecchymosen und Su-gillationen, sowie durch Erweichung des cpithelialcn Stratums ausspricht. — Das Hcrzfleisch erscheint weich, auf der Schnittfläche trübe und stellenweise ecehytnotisch; an der Herzbasis findet sich oft eine gelati­nöse Infiltration in dem Bindegewebe um die Kranzarterie. — Lungen mit dunklem Blut gefüllt; Bronchial- und Tracheaischleimhaut blutig imbibirt. — Rachenschleimhaut cyanotisch, oft mit hämorrhagischen Herden durchsetzt. In den lockeren Partien neben der Epiglottis ist das submueöse Gewebe der Rachenschleirahaut theils mit gelbsulzigem Transsudat, theils mit Blut infiltrirt. Gewöhnlich findet sich auch in dem lockeren Gewebe neben dem Schlundkopf und unter dem Kehlkopl eine copiöse Infiltration mit schwarzem, dickflüssigem oder unvollkommen geronnenem Blut,
Bei den durch Ansteckung in der Haut verursachten Krankheits­fällen ergiebt die Section in den betreffenden Regionen den Befund des Karbunkels: Extravasate von dunklem, haibflüssigem Blut und gelbliche oder gelbröthliche, eiweissreiche, sulzige Exsudate. An den äusseren Geschlechtstheilon fand ich stets die hämorrhagische Schwellung vor­herrschend, während an den Gliedmassen, vor der Brust und am Halse sich meist in grosser Ausbreitung die gelbsulzigen Exsudate (erysipelatösc Anthraxgeschwülste) und in denselben hämorrhagische Herde von ver­schiedener Gestalt ergeben.
Diagnose. Die Gharaktcrisirung eines Krankheitsfalles als Milzbrand kann bei Pferden durch sorgfältige Erhobung der Befunde (Symptome, Verlauf und Scctionsergebniss) ausreichend motivirt werden. In solchen Fällen aber, welche der Thiorarzt während des Lebens der Thiore nicht beobachtet hat, lässt sich zur Beseitigung von Zweifeln neben der Fest­stellung des Sectionsbefundes die mikroskopische Untersuchung des Blutes und des Milzparenchyms, sowie die Impfung kleiner Thiere mit dem Blut oder blutigen Transsudat des gestorbenen Pferdes ausführen.
Bei der mikroskopischen Untersnohung ist; die Aohnlichkeit der Milzbrandstab-chen mit anderen Bactorien zu berücksichtigen, welche in den Cadavorn sich oft in grosser Zahl, besonders im Blute, finden. Sind die Cadaver der am Milzbrand ge­fallenen Pferde in Fiiuliiiss übergegangen, so bleibt die mikroskopische Untersuchung des Blutes oder des Milzparenchyms resultatlos, weil die Milzbrandstäbchen durch die Fäulniss zerstört werden. — Zur Impfung ist Blut oder bluthaltiges Transsudat des unter dem Verdacht des Milzbrandes eingegangenen Pferdes zu verwenden. Leicht haftet das Milzbrandvirus beim Kaninchen. Wenn ein Schaf von geringem Werthe
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Milzbrand.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;199
für die [mpfung bestimmt wird, so ist die Impfflüssigkeit stets in einer grösseren Quantität (5—10 Gramm) in die iSubcutis zu injioiren, weil die Empfängliohkeit des Schafes gegenüber dorn Impfmil/brand relativ gering ist.
Von den Krankheiten, welche mit dem Milzbrand oft verwechselt werden, sind die schweren Italic der Kolik, soweit sie zur diffusen Darm-entzündung oder zu Nekrose und Rupturen der Darmwand Veranlassung geben, ferner die zur Gruppe der Sophthämie gerechneten Leiden und die Rlutfleckenkrankhcil besonders zu beachten. Im Allgemeinen liegt schon in dem Symptomenbilde und im Krankheitsvorlaul' ein ausreichen­der diagnostischer Anhalt. — Bezüglich der Kolik ist zu berücksichtigen, dass der Moteorismus des Darms beim Milzbrand niemals einen excessiven ürad erreicht. — Bei der Sephthämie fehlt der stürmische Krankheits­vorlauf und der schleichend fortbestehende Darmschmerz. — Die Blut-flcckenkrankheit (Pferdetyphus), die Roll irrthümlich als eine Form des Milzbrandes betrachtet, ist im Initialstadium nicht von Fieber begleitet. Sie nimmt auch nur in den Ausnahmefällen, in welchen grössere hämor-rhagische Herde in der Portio pylorica dos Magens und im Duodenum mit der Krankheitsentwickelung entstehen, einen heftigen Verlauf und einen tödtlichen Ausgang am '2.—8. Krankheitstage. In solchen Fällen treten auch Koliksymplome bei der Blutfleckenkrankheit auf. Aber die Diagnose ergiebt sich bei der Section stets m\i Sicherheit durch den Befund der multiplen Blutgeschwülste.
Prognose. Jeder Krankheitsfall von originärem Milzbrand bei Pferden bedingt eine schlechte Prognose; die Krankheit verläuft fast immer tödt-lich. Nicht ganz so aussichtslos ist die durch Ansteckung in der Haut sich entwickelnde Milzbrandaffection zu bourtheilcn, wenn sich der primäre Karbunkel in der Subcutis an einer für die Behandlung zugänglichen Region ausbildet. Ich will aber nicht unerwähnt lassen, dass auch die Krankheitsfälle dieser Art, die ich selbst behandelte, sämmtlich letal verlaufen sind.
Therapie. Die Heilversuche, welche die Tödtung der Milzbrand-bacillen im Körper oder die Behinderung ihrer Vermehrung bezw. ihrer pathogenen Wirkung bezweckten, sind bis jetzt nicht von Erfolg ge­wesen. Für die Behandlung der kranken Pferde erübrigt demnach nur die Anwendung von Palliativmitteln, mit welchen der Versuch gemacht werden kann, die schwersten und gefährlichsten Functionsstörungen auf einen niederen Grad zurückzuführen. \is ist anzunehmen, dass, wenn die kranken Pferde einige Tage am Leben erhalten werden könnten, die Organe des Körpers gegen die krankmachenden Wirkungen der Milz­brand bacilleu nicht mehr empfänglich sein werden. Zur Bekämpfung
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quot;200nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
der Blutanhäufung in den inneren Organen ist ein starker Aderlass zu versuchen, wobei sich die Benutzung einer grosson Fliete empfiehlt, da­mit die Eröffnung dor Vena jugularis das schnelle Abfliossen des Blutes ermöglicht. Daneben werden anhaltende Bogiossungoii oder Berieselungen des Körpers mit kaltem Wasser und spätere Einwickelungen des Rumpfes für nützlich gehalten, üass der beständige Aufenthalt der kranken Pferde in frischer Luft einige Vortheile gewähren kann, ist klar. Von der Benutzung der erregenden Mittel (Camphor, Aether, Liq. Ammonii caustici), die seit Jahrzehnten in einem gewissen Rufe stehen, ist indess nicht viel zu erwarten. Innerlich kann versuchsweise Hydr. bichloratum zu 0,5 Gramm pro dosi mit einer Flasche voll Wasser täglich 3—4 Mal verabreicht werden. Nach Koch werden die Milzbrandbacillen von einer Sublimatlösung am schnellsten und sichersten getödtet. Pferde von mittlerer Schwere vertragen 2 — 3 Gramm Sublimat pro die ohne Be­lästigung. Selbstredend darf die ausreichende Verdünnung des Mittels und die nöthige Vorsicht beim Eingeben nicht verabsäumt werden. — Die primär in der Haut entstehenden Karbunkeln sind mit langen und tiefen Einschnitten zu behandeln. Letztere werden mit Terpentinöl oder einer Spirituosen Lösung der reinen Carbolsäure und abwechselnd mit concentrirtem Seifenwasser ausgewaschen, bis sich in den Wunden Eite­rung einstellt.
Dass bei der Behandlung eines milzbrandkranken Pferdes behufs Verhütung einer Infection bei Menschen die gesetzlichen Vorsichtsmass­regeln stricte zu befolgen sind, bedarf hier kaum einer Andeutung. Ich will aber trotzdem noch ausdrücklich auf die Bestimmungen der deutschen Viehseuchen-Gesetzgebung verweisen.
Die prophylaktische Behandlung der Pferde mit Medicamenten hat erfahrungsgemäss keinen wesentlichen Erfolg. Für die unschädliche Be­seitigung der Cadaver sind durch die Seuchengesetzgebung bestimmte Vor­schriften angeordnet. Beim Auftreten des ersten Krankheitsfalles in grösseren Pferdebeständen ist auf Aendening des Futters Bedacht zu nehmen und die Ernährung weniger intensiv zu gestalten. Sind die Pferde eines Gehöftes beim Herrschen des Wildmilzbrandes in Gefahr, durch Fliegen inficirt zu werden, so kann für die Zeit, in welcher die Seuche fortdauert, die Haut der Pferde an den äusseren Geschiechtstheilen, an den Gliedmassen, an der Brust und am Kopfe mit einem geeigneten Medicament (Oleum Lauri, Acidum carbolicutn (#9632;rudum, Pix liquida etc.) bestrichen werden.
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Beulenseucho.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'201
Capitel IV. Sibirische Beulenseiiche. Jaswa.
Im vorigen Jahrhuiiflert verölTfititlichton Gmelin, Pallas und einige andere Naturforscher, welche Sibirien bereisten, die thoils nach eigenen Beobachtungen, grösstentheils aber nach den Aussagen der sibirischon Einwohner ermittelten That-sachen über eine daselbst im Sommer bei Menschen nnrl Pferden auftretende gefähr­liche Seuclie. Die Ausbildung der Krankheit bei Menschen oder Thioren soll sich zu­erst durch Geschwülste (Beulen) am Körper kundgeben. Von den russischen Aerzten wurde die Seuche dem Milzbrand zugerechnet und mit den verschiedensten, für die Milzbrandaffection des Menschen und derThiore im westlichen Europa gebräuchlich ge­wordenen Namen bezeichnet. Genauer, aber nach den Anforderungen der Gegenwart doch noch recht unvollständig, hat der russische Oberthierarzt IT a u p t („Seuchenkrankh. d. Wausthiere in Sibirienquot; 1845) dieSeuoho dargestellt. Derselbe beobachtete dieKrank-heit nur bei Pferden und Menschen und benannte sie: ,,Be nl ensouohe oder sibi­rische Pest der Pferdequot;. Das russische Wort ,,.laswoquot; oder ,,.Faswaquot; bedeutet nach Haupt soviel, wie „Seuchequot;. In Deutschland hat man sich indess seit den letzten Jahrzehnten daran gewöhnt, unter der Jaswa nur die sibirische Beulenseuohe zu verstehen. Obwohl Haupt das Wesen der Krankheit sehr resenirt behandelt und nur behauptet, dass sie dem „enropäischen Milzbrändequot; ähnlich sei, aber eine eigen-thiimliche Species desselben darstelle, fand doch die allere Meinung von der Zuge­hörigkeit der Beulenseucho zum Milzbrand in der Literatur die allgemeinste Zu­stimmung. Mindestens hatten die deutschen Thierärzte kein Bedenken mehr, die Seuche als eine Perm des Milzbrandes zuzulassen, nachdem II ens i nger (1850) sich in diesem Sinne ausgesprochen und die Jaswa für identisch rail der Pustula maligna (Anthrax malignus) ausgegeben hatte.
In den Niederungs-Gegendon Westsibiriens, an den Ufern der Wolga und Ihrer Nebenllüsse, herrscht die Jaswa nach vielfachen Mittheilungen während der heissen Sommerzeit nicht selten. Sie verbreitet sich aber nie in die westlichen Gouvernements des russischen Reiches, Aus den Beobachtungen llaupt's, mit welchen die An­gaben anderer Autoren übereinstimmen, geht hervor, dass die Erkrankungen bei Pferden in den einzelnen Disl-rieten etwa ti — 8 Wochen vorkommen und dann von selbst aufhören. Hiernach verhält sich die sibirische Beulenseuche der Pferde analog dem in Deutschland während der Monate Juni, Juli und Augusl an verschiedenen Orten bei llivschen, Kehcn und Wildschweinen zuweilen auftretenden Wildmilzbrand (Wildseuche) und in gewisser llinsiohl auch analog der Karbunkelkrankheit (Beulen-krankheil oder Knotenkrankheit) des Kindes. Nach Bellinger's Ansicht isi die Wildseuche nicht identisch mit dem Milzbrande. Ob die Karbunkel- oder Beulen-krankheil des Rindes eine Form dos Milzbrandes ist, bezw. durch den Anthraxbaoiilus oder einen anderen Schistomyceten verursach! wird, ist zur Zeit in höherem Grade zweifelhaft, als bisher angenommen wurde. Gegen den üblichen Brauch) die sibi­rische Beulenseuche als eine Perm des .Milzbrandes zu deliniren, sprechen demnach einige Bedenken. Es kommt hinzu, dass nach liaupt nur Pferde und Menschen von
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202nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten.
der Krankheit befallen werden, während ira westlichen Europa vorwaltend die Wieder­käuer dem Milzbrand erliegen. Vollständige Klarheil über das Wesen dor sibirischen Jaswa wird sich erst durch baoteriologisohe Untersuolmngen des Blutes und des In­haltes der Beulen bei den kranken Pferden, sowie durch die Ausführung von Impf­versuchen gewinnen lassen. Einstweilen ist anzunehmen, dass die Infection und die Pathogonese der sibirischen Seuche eine gewisse Aehnlichkeit mil dem Milzbrand er­geben, dass aber beide Krankheiten nicht identisch sind.
Aetiolugie iiml Patliogenese. Ucbcr den Infeotionsstoff clor sibirischen .laswa ist Nichts bekannt. Die Thatsaohe, dass die Seuche nur in der heissen Jahreszeit und ausschliesslich in den Nioderungsgegcnden an den Ufern der Wolga und einiger ihrer Nebenflüsse vorkommt, lässt ver-nuithen, dass der Krankheitserreger die Natur eines an Pflanzen oder Fllanzcnrestcn schmarotzenden Filzes hat, der mit dem Sinken des Wassers im Hoden (Austrocknen der Sümpfe) an die Oberdäche gelangt, dass derselbe ferner ähnlioh wie der Milzbrand-lnfectionsstoff an den pflanz­lichen Futterstoffen haften bleibt und nach seiner Einführung in den Darmkanal der Pferde die Gelegenheit zur Vervielfältigung und patho-genen Infection des Organismus findet. Am meisten sollen die Pferde im mittleren Lebensalter von der Seuche befallen werden. Nach Haupt soll die Jaswa sich durch directe Ansteckung von den kranken Pferden oder von den Cadavern nicht verbreiten.
Symptome und Verlauf. Das wesentlichste Symptom der Jaswa findet Haupt, dem ich liier folge, in dem Auftreten von ödematösen Ge­schwülsten mit sulzigem Inhalt in der Region des Kehlkopfes und an anderen Stellen des Körpers. Zuweilen sollen Pferde an der Krankheit eingehen, ohne dass sich solche Geschwülste zeigen. Meist bestehen die­selben 2 — 8 Tage, bis die fieberhafte Gosammtaffcction sich geltend macht (Zittern, Unruhe. Angst. Appctitmangel, schneller und später unfühlbarer Puls). Die schworen Störungen des Gesammtbefiiidens dauern L—3 Tage, bevor der Tod eintritt. Bei einzelnen Pferden verläuft die Krankheit langsamer und es sollen Fälle mit einer zweiwöchentlichen Dauer vorkommen.
Bei der Sectiuu werden die sulzigen Infiltrate der Subcutis am Kehl­kopf oder vor der Brust, an der inneren Fläche der Schenkel, an den äusseren Geschlechtsthcilen und anderen Gegenden gefunden. Die Milz vergrössert, „voll schwarzen Blutesquot;. Im Magen und Dünndarm multiple Blutunterlaulüngon von verschiedener Grosse. SämmUiche Organe der Brust- und Bauchhöhle mit dunklem Blut angefüllt.
Prognose. Nur die langsam vorlaufenden Krankheitsfälle scheinen bei rechtzeitiger Behandlung der Geschwülste zuweilen zur Genesung zu führen. Bei schnellem Verlauf endet die Jaswa stets tödtlich.
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Pferdepest,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 203
Therapie. Von Haupt wird die unverzügliche ergiebige Spaltung der „Beulenquot; und Behandluug der Sohnittlläclicn mit desinfieirenden und Aetzmitteln (Weingeist, Salmiakgeist, Sublimat, Mineralsäuren etc.) em­pfohlen. Tm üobrigon soll die Application kalter Begicssungen, bei gutgenährten Pferden eine Venäsection und ausserdem die innere Verab­reichung erregender Mittel zuweilen nützlich sein.
Capitel V. Afrikanische Pferdepest. Pestis africmia Kquonmi.
In Egypten herrschte 1876 während der Sommermonate unter den Pferden, Maul-thieren und Eseln eine Seuche, welche durch ihren mörderischen Verlauf ausserordent-lich schwere Verluste herbeiführte, Nach amtlichen Berichten zeigte sich die Seuche schon im Frühjahr 1876 in Syrien. Uic durch kriegerisohe Verwickelungen erforder­liche Uemontirung der egyptisohen Armee vermittelte die Verbreitung nach Massaua, wo die Krankheit im Juni und Juli den Militärpferden verderblich wurde. Von hier erfolgte die Verschleppung einerseits nach Ismailia und Suez und andererseits nach Zagazig. Im August herrschte die Krankheit in der ganzen Provinz (Jherkieh sowie in Cairo und Umgegend. Sie raffte In ungeheurer Zahl die Pferde der Reiterei, vieler Gestüte und Privatbesitzungen hinweg, Ks starben in der Provinz CherMeh 4700 und in Cairo mit Umgegend 5400 Pferde an der Seuche, Nach und nach verbreitete sich die Krankheit auch auf andere Provinzen ßgyptens. Erst im October kam sie zum Erlöschen.
Symptome mul Verlauf. Die Krankheit beginnt nach den Beobachtungen
von Sonsino in Zagazig und Bull in Cairo mit Appetitmangcl, ge­senkter Kopfhaltung, starker Depression des Sensoriums, Zittern, Schwäche und Hinfälligkeit. Blultemperatur 89,0 — 41,0deg; C. Conjunctiva ge­schwollen und gelblich roth; am inneren Augenwinkel sohloiinig-eiteriges Seeret; Zunge heiss, geschwollen, an den Seiten und an der Spitze mit Petechien, zuweilen auch mit umfangreichen blutigen Sugillationen be­deckt. Bei manchen Pferden bestanden Blutflüsse aus der Zunge. — Der Ausbildung dieser Symptome folgte alsbald starke Prostratio virium. Haut und Nase wurden kühl; die Respiration kurz und frequent. Puls klein und unfühlbar, die Thiere starben nach kurzem Todeskampf. Bei der Section fanden sich an den serösen Häuten und in den Schleim­häuten Ecchymosen von verschiedener Grosse, Die drüsigen Organe waren geschwollen. — Die Krankheit nimmt einen stürmischen Verlaul
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204nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
und dauert oft nur einige Stundon. Auch bei langsamcrem Vorlauf hielt sie nur 2—3 Tage an. Fälle von Heilung waren selten und ausschliess-lich durch don Abortivverlauf der Krankheit veraniasst. Alle Heilmittel blieben erfolglos.
üeber das Wesen der afrikanischen Pferdepest äussern sich die egyptisohon Sachverständigen nicht übereinstimmend. Villoresi, Ohof-Thierarzt am Marstall des Vice-Königs, hielt die Krankheit für die apoplektische Form des Milzbrandes. Apostolidos deutete sie als epidemische Corebro-Spinalmeningitis. Andere bezeichneten sie als Typhus equinus. — Es ist evident, dass diese Definitionen nicht zutreffen. So dürftig die Berichte über die Symptome und Sectionsergebnisse sich ge­stalten, so geht doch aus denselben so viel hervor, dass die Seuche eine grosse Aehnlichkelt mit den schweren Fällen der Pferdestaupe hat. Für die Identität beider Seuchen möchte ich indess trotzdem nicht eintreten, obschou ich es nicht für unmöglich halte, dass die Pferdestaupe In Egypton unter dem Einflüsse eines nahezu tropischen Klimas einen viel bösartigeren Verlauf nehmen kann, als in Europa. Auch die Verbreitung der Krankheit als Landseuche stimmt ganz überein mit dem Verhalten der Pferdestaupe. Es wird aber erst bei einem etwaigen erneuten Auf­treten der Seuche möglich sein, an der Hand sorgfältiger Befunderhebungen diese Frage zu entscheiden. Bis dahin dürfte es zweokmässig sein, die in Rede stehende Pferdoscuche als eine eigenartige peracutc und fieber­hafte Infectionskrankheit anzusehen. Demnach halte ich mit dem eng­lischen Militär-Thierarzt Hellen die Bezeichnung der Seuche als afrika­nische Pferdepest für passend. In Europa ist inhaltlich der Fachliteratur aus den letzten drei Jahrhunderten eine gleich mörderische Krankheit unter den Pferden niemals aufgetreten.
Capitel VI. Influenza.
Kein Gebiet der speciellen Pathologie ist in der thierärztlichen Literatur des gegenwärtigen Jahrhunderts so widersprechend behandelt worden, als die Frage der Influenza. Das Wort selbst ist italienischen Ursprungs und bedeutet nach seinem sprachlichen Inhalt eine Seuche
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Influenza.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;205
(Oontagio). Seit dem vorigen Jahrhundert wird in der Medicin als In­fluenza ein epidemischer Katarrh des Mensohen bezeichnet, für welchen In Deutschland die volksthümlichcn Namon: Brustfieber, Grippe (soviel wie Husten; der polnischen Sprache entlehnt); Blitzkatarrh, russischer Katarrh, Modekrankhoit, neue Krankheit, Huudskrankheit, Laune u. s. w. Anwendung fanden. Nach der vorherrschenden Affection einzelner Organe wurde in der Medicin zwischen einer katarrhalischen und einer gastrischen Form der Influenza mit je verschiedenen Unterabtheilungen getrennt, Zu der ersteren Form gehörten insbesondere die nervöse, die einfach katarrhalische, die pneumonische und pleuritische Influenza, Diese Lehre, die heute in der Medicin nicht mehr vertreten wird, ist die Quelle der verwirrenden Krankheitsbeschreibungen, welche die thierärztlichen Autoren in den letzten 80 Jahren von der „Influenza des Pferdesquot; mitgetheilt haben. Die erste Benutzung des Wortes „Influenzaquot; zur Charakterisirung einer seuchenhaft auftretenden Pferdekranklieit wird auf Niomann (1805) zurückgeführt. Allgemeiner wurde der Gebrauch des neuen Namens seit l8-20. Ais gleichbedeutend galt der deutsche Ausdruck „Brust-seuchoquot;, für dessen Verwendung indoss der pathologisch-anatomische Befund der pneumonischen und pleuritischen Zustände nicht ausschliess-lich massgebend war. Schon die katarrhalischen Affectionen der Bron-ciiien und das Auftreten von Fieber und Athemboschwerde rechtfertigten vor 50 Jahren die Diagnose der Brustseuche oder Influenza. Mit ver-hältnissraässig wenigen Ausnahmen sind fast alle, in grössorer Zahl die Pferde befallenden, acut verlaufenden, fieberhaften Krankheiten der In­fluenza unterstellt gewesen. Es war bequem, für solche Krankheiten eine einheitliche Ursache anzunehmen und die verschiedene Gestaltung der­selben auf besondere atmosphärische Constilutionen oder auf individuelle Dispositionen der Pferde zu beziehen. Nach dem Vorgange in der Medicin verwandten die meisten Autoren einen besonderen Scharfsinn darauf, Formverschiedenheiten der Pferdeinfluenza zu ermitteln (rheuma­tische, gastrische, katarrhalische, erysipelatöse und biliöse Formen der Influenza). Eine besondere Feinheit der Diagnose lag in der vermeint­lichen Kunst, nach dem Eindrucke, den die Krankheitssymptome machten, zwei oder drei, selbst vier Formen der Influenza bei den erkrankten Pferden nachzuweisen (rheumatisch-katarrhalische; gastrisch rheumatisch-erysipelatöse Formen u. s. w.). Sehr beliebt war bei den Autoren die mythologische Definition der Influenza als eine proteusartige Krankheil der Pferde. Falko, Haubner u. A. versuchten, die angebliche ursäch­liche Einheit dadurch zur Anerkennung zu bringen, dass sie, überein­stimmend mit der Anschauung älterer Autoren, die Influenza ihrem
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206nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Wesen nach als „Typhus der Pferdequot; interpretirten und den anderen vermeintlich typhösen Krankheiton gleichsam anreihten, lieber die Un-zulässigkcit dieser Auffassung braucht heute nicht mehr gestritten zu werden. Die historische Reproduction aller sonstigen irrthümlichen Meinungen über das Wesen der Influenzen würde hier zu weit führen. Wohl fühlten die vorsichtig urtheilenden Thierärzte den phantastischen Inhalt, welchen die Fathologio der Pferdeinfluenza hatte und oft genug wurde.darauf aufmerksam gemacht, dass dieselbe mehrere verschiedono Seuchenkrankheiten umfasse. Bei der Erkenntniss der Thatsache, class die Angaben in der Literatur mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmten, wurde auch schon darauf hingewiesen, dass es vielleicht besser sei, den Namen der Influenza ganz zu verbannen (Kreutzer). Allein die in grosser Verbreitung auftretenden Pferdekrankheiten zwangen die prakti­schen Thierärzte in Ermangelung richtiger Krankheils-Beschrcibungen und -Benennungen immer wieder, auf die „Influenzaquot; zurückzugreifen.
Die gleiche Verwirrung herrschte auch in der Medicin über das Wesen der menschlichen Influenza, die von einigen Autoren der Bron­chitis zugerechnef wurde, soweit letztere durch allgemein verbreitete atmosphärische Einflüsse bedingt sein könne. Aehnlich glaubte Roll in den ersten Auflagen seines Lehrbuchs mit der Influenza der Pferde verfahren zu sollen. Allein die häufigen Ausbrüche der ansteckenden Lungen-Brustfellentzündung in grösseren Pferdebeständen und das zeit­weise Herrschen der Pferdestaupe veranlassten die Thierärzte, die alte Lehre von der Influenza beizubehalten.
Nach der historischen üeberlieferung umfasst die Pferdeinfluenza eine Gruppe verschiedener Scuchekrankheilen. Die bedeutendsten der­selben, deren pathologische Selbständigkeil von mir zuerst nachgewiesen worden ist*), sind die Brustseuche, die Pferdestaupe und die Scalma. Da die Eigenschaften dieser ätiologisch verschiedenen Seuchenkrankheiten in der thierärztlichen Praxis eine besondere ßeurtheilung erfordern, so sprechen zwingende Gründe dagegen, dieselben als Influenza oder als Arten der Influenza zu benennen. Für die Begutachtung der fraglichen Krankheilen in der Praxis bleibt den Thierärzfen nur übrig, darauf hin­zuweisen, dass dieselben bisher als Influenza angesehen worden sind und gegenwärtig noch vielfach als Influenza bezeichnet werden.
Vergl. Dieckerhoff, Die Pferdestaupe. Berlin 1882; ferner meine Aufsätze In Adam's Wochensdir. Jahrg. 1881, 1888 und 1885.
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Brustseuohi-,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;207
Capitel VII.
Brnstseuchlaquo;. Gpidemia pectoralis Eqiioruni. — insteckendc Lungen-
Brnstfellciit/üiKliing der Pferde. Pneiinio-PIeiiresia (Piienino-Pleii-
ritis) contagiosa fiqiioruni. — Fibniiüse (croupöse) Liingenentzüii-
dnng. Typische infectiöse LiiiigeiieiitzUndnng der Pferde.
Nach literarischen Quellen lässt sich das Auftreten der Brustseucho bei Pferden nur bis zum Beginn dos gegenwärtigen .iahrluinderts verfolgen. Beschreibungen ein­zelner Krankheitsfälle enthält die Literatur erst aus den letzten 50 Jahren. Bis in die neueste Zeit ist die Seuche mit der Pfordestaupe, mit der Scalma und mit anderen Krankheiten vermengt und als Influenza beneichnet worden. Als ich 1881 die mass-gebenden Gesichtspunkte für die Trennung der Brustseucho von der Pferdestaupe auf­stellte, glaubte ich bei der Benennung derselben darauf Rücksicht nehmen zu sollen, dass die Krankheit bis dahin als Influenza in der Literatur beschrieben war. Ich proponirto daher, als ein Synonynum für dieselbe einstweilen den Terminus „In­fluenza pectoralisquot; zuzulassen. Allein der Vorschlag fand eine missbriiuehliche Ausnutzung in der Literatur laquo;nd ich inusste mich bald überzeugen, dass in der Frage der Influenza dio wohlwollende Berücksichtigung der von den thierärztliohen Schrift-stollern ausgesprochenen Meinungen nicht am Platze war. Um die essentielle Ver­schiedenheit der Brustseucho von anderen Seuchenkrankheiton des Pferdes besser zur Anerkennung zu bringen, habe ich mich (of. Adam's Wochenschrift, 1885) demnächst für die Nothwendigkeit ausgesprochen, dio .Influenza des Pferdes nur noch als einen historischen Begriff aufzufassen und eine, besondere Krankheit mit diesem Namen fernerhin nicht mehr zu bezeichnen.
Die Brustseuche des Pferdes findet ihre Analogie in der fibrinösen oder crou-pösen Pneumonio des Menschen, sofern derselben die mit dieser Krankheit nicht selten entstehende und bezw. auf der gleichen infectiösen Ursache beruhende Pleuritis des Menschen zugerechnet wird. In der Modicin ist es gebräuchlich, nach der vorwalten­den Ausbildung der Krankheit in den Lungen oder in der Pleura zwischen der Pneu-mome(croupöso Pneumonio) und der Pleuritisdos Menschen zu trennen. Sachgemäss finde ich ater die In der Thierarzneikundo, wenigstens in Deutschland befolgte Praxis, nach welcher die ätiologische Einheit der Krankheit für die Nomination und für die Be­schreibung als massgebend angesehen wird. Daher die liezeichnung „Lungen-Brust-follentzündungquot; (Pneumo-Pleuresie, Pleuro-Pneumonie, Pori-Pneumonio). Für den Kraiikheitsverlauf bleibt zu berücksichtigen, dass In der Kegel vorwaltend nur die Lungen uffioirt sind, zuweilen dagegen vorwaltend nur die Pleura. Hiernach halte ich es für zweifellos, dass die von Roll und nach ihm auch von Anderen als crou-piise Lungenentzündung der Pferde beschriebene Krankheit, soweit sie auf einer speoiflsohon Ursache beruht, mit der Brustseucho identisch ist. Dass diese Lungen­entzündung zuweilen nur bei einzelnen Pferden auftritt und sich nicht weiter ver­breitet, steht ihrer Zurechnung zur Brustseucho nicht entgegen.
In der pathogenetischen und anatomischen Gestaltung hat die Brustseuche des Pferdes auch eine grosso Aehnlichkeit mit der Lungenseuche des Rindes, wie von
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208nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxioationskrankheiten.
Friedberger (Miinch. Jaliresber., 1874) und auch von mir (Pfordestaupe, 1882 und Adam's Wochenschv., 1885) erörtert worden ist. Wahrscheinlich haben aus dieser Erkenntniss einige Thierärzte von der „Lungenseuche bei Pferdenquot; gesprochen. Es benöthigt keiner weiteren Erklärung dafür, dass diese Bezeichnung nicht in Aufnahme kommen darf. Ebenso verdienen die älteren Ausdrücke: Lungenfieber, Brustfleber, epizootische Lungen-Bnistfoll-Leborentzündung n. A. der Vergessenheit anheim-'/nfallen.
Als speciflsohe Infectionskrankheit kann die Brustseuohe nur durch die patho-gene Einwirkung eines organisirten Stoffes besonderer Art zur Entstehung kommen. Das Wesen des InfectionsstolTes wurde aber bis jetzt nicht sicher nachgewiesen. In den Lungen der an oroitpöser Pneumonie verstorbenen Menschen hat Klebs (1877) zuerst einen besonderen Mikrococcus (Monas pulmonale) gefunden. Nachher sind auch von mehreren anderen Autoren, besonders von Priedlaendor (1882) Spaltpilze bei der fibrinöson oder croupösen Pneumonie des Menschen nachgewiesen und als das Wesen der Krankheitsursache angenommen worden. Leyden entzog einem Pneu-nionikor mittels der Pravaz'schen Spritze eine Probe des entzündlichen Infiltrates aus der Lunge und fand in derselben die Mikrokokken, die zum Theil zu zweien ver­eint waren (Diplokokken). Hierdurch war constatirt, dass die Mikrokokken in den Lungen des kranken Menschen intra vitam vorhanden sind. Auf Veranlassung Ley-den's entnahm Mendelsohn unter meiner Mitwirkung mehreren Pferden, die an der Brustseuohe mit monolateralor Pneumo-Pleuresie frisch erkrankt waren, mittels einer grossen Pravaz'schen Spritze eine kloine Quantität des Exsudats aus den frisch hepatisirtom Lungenpartsen. Es gelang Loydou in zwei Fällen, die Mikrokokken, zum Theil zusammenliegend (Diplokokken und Triplokokken) nachzuweisen. Die Mi­kroben waren etwas grosser, als die bei der menschlichen Pneumonie gefundenen, im üebrigen aber von gleicher Gestalt (of, Mendelsohn, Die iufectiöse Natur der Pneumonie. Zcitschr. f. klin. Med. Vll. 2. Heft. S, 81). So wichtig diese Befunde sind, so lässt sich doch aus denselben bis jetzt kaum mehr, als die Form des ursäch­lichen Agens der Krankheit erkennen. Was ausserdem bei den an der Brustseuche gestorbenen Pferden In den Entzündungsherden der Lungen und im pleuritisohen Exsudat an Mikroorganismen ermittelt worden ist, scheint mit dem speoilischen In-fectionsstoff nicht in Verbindung- zu stehen. Auch die von Friedberger (1873) in dem serösen Exsudat der Pleura gefundenen Bacterien, welche ich ebenfalls nach Probepunktionon dos Thorax, aber nicht constant nachweisen konnte, sind sehr wahr­scheinlich von dem specilisohen InfectionsstolT ganz unabhängig. Die wissenschaft­liche Deutung solcher Befunde erheischt eine grosse Vorsicht, weil bei der Brust­seuche sehr leicht mit der Inspirationsluft Päulnissfennente in die pneumonischen Herde und in die entzündete Pleura eindringen können.
Actiologie. Die BrastSeliche ist eine speoiflscho Krankheit dos Pferdes. Sie überträgt sich auf andere Thiero und auf den Menschen nicht. Trot/ ihrer Aelmlichkeit mit der croupösen Pneumonie des Men­schen und der Lungenseuche des Rindes hat doch ein ätiologischer Zu­sammenhang /wischen diesen Krankheiten sich niemals ergeben. Oli Esel, Maulthiere und die wilden Einhufer mit dem [nfectionsstoff der Brustseuche behaftet werden können, lässt sich nicht mit Bestimmtheit aussagen.
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Brustsouohe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 209
Nach der klinischen Beobachtung ist schon seit langer Zeit bekannt, dass sich die Brustseuche durch direclo Ansteckung von den kranken auf gesunde und empfängliche Pferde verbreitet. Auch habe ich durch Versuche (of. Pferdestaupe, 1882, S. 104) die unmittelbare Ansteckungs­fähigkeit der Brustseucho nachgewiesen. Aber es lässt sieh deshalb noch nicht behaupten, dass die Entstehung der Krankheit in allen Fällen auf einer directen oder durch Zwischenträger vermittelten Ansteckung beruht. Nachweislich verbreitet sich die Brustseuche durch den Handels­und Geschäftsverkehr mit Pferden. Ich habe sehr oft feststellen können, dass sie mit der Einführung eines in der Genesung befindlichen und scheinbar nicht mehr kranken Pferdes in kleinere oder grössere Be­stände eingeschleppt wurde und dann einzelne oder mehrere Pferde befiel. Andererseits ergiebt die Erfahrung, dass sie an manchen Orten, besonders in grossen Städten stationär vorkommt. Sie charak-terisirt sich hierdurch gewissermassen als eine Ortsseuche. In solchen Gegenden kann oft beim Ausbruch der Krankheit in kleinen oder grösse-ren Pferdebeständen selbst nach den sorgfältigsten Erhobungen eine An­steckung nicht erweislich gemacht werden. Mit Rücksicht hierauf wird für eine Reihe von Fällen der Einfluss der Atmosphäre (Erkältung) als Ursache in Anspruch genommen. Ich muss auch nach meinen Beob­achtungen in Uebereinstimmung mit den Angaben älterer Autoren zugeben, dass in grossen Städten die Brustseuche beim Herrschen von kalten Nord- und Ostwinden zuweilen gleichzeitig eine grössere Zahl von ganz getrennt gehaltenen Pferden ergreift. Inhaltlich der gegenwärtigen Er­fahrung ist daher neben der Ansteckung auch eine miasmatische Ent-. stehungsweise zu concediren. In ätiologischer Hinsicht ist die Brust­seuche hiernach stets als eine Infectionskrankheit, im Besonderen aber als eine miasmatisch-contagiöse Krankheit zu defmiren.
Die Frage nach dem Wesen der Brustseuche deckt sich mit der Frage nach der ätiologischen Einheit der typisch verlaufenden fieber­haften Lungenentzündungen des Pferdes. Da der Infectionsstoff und seine biologischen Eigenschaften nicht genauer bekannt sind, so lässt sich die Präge nicht endgültig beantworten. Es bleibt daher nur übrig, dieselbe nach dem gosaramten Charakter und insbesondere nach dem Verlaufe der einzelnen Krankheitsfälle zu beurtheilen. Bei dieser Sachlage halte ich es für berechtigt, jede typisch verlaufende, infectiöse Pneumonie oder Pneumo-Pleuresie des Pferdes der Brustseuche zuzurechnen. Nicht seiton erkrankt an dieser Pneumonie in einem grösseren Pferdobestande nur ein Pferd oder es werden gleichzeitig bezw. kurz nacheinander zwei bis vier Pferde von derselben befallen. Oft tritt dagegen die Krankheit in
Dl eck e rliofl', Spec. l'Htlioloijic u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;|^
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210nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
grosser Verbreitung unter den Pferden eines oder mehrerer Bestände eines Ortes auf. Während in den erstgedaohten Fällen über die Auf­nahme dos Infectionsstoffes ein bestimmter Nachweis nicht geführt werden kann, ergiebt sich beim allgemeinen Herrschen der Seuche die Verbrei­tung durch dirocte oder indirecte üebertragung des Infectionsstoffes sehr leicht.
Für die ßeurtheiluug der miasmatischen Entstehung ist die Erfah­rung von Interesse, dass die Brustseuche vorzugsweise in verkehrreiohen Städten, in welchen viele Pferde gehalten worden und in grossen Pforde-beständen (Gestüten, Cavallerio- und Artillerie-lleglmentorn) auftritt, da­gegen in vielen ländlichen Gegenden nur dann zum Ausbruch kommt, wenn der Infectionsstoff durch kranke oder in der Genesung befindliche Pferde eingeschleppt wurde. Hiernach ist anzunehmen, dass in den Ortschaften, bezw. in den Gehöften und Stallungen, in welchen die Krankheit oft vorkommt, der Infectionsstoff sich consorvirt und dass unter der Mitwirkung geeigneter atmosphärischer Einflüsse (Nord- und Ostwind) die pathogene Einwirkung desselben ermöglicht oder be­günstigt wird.
Die von den älteren Autoren, besonders von Spinola urgirto An­sicht, dass nur die veredelten Pferde eine Anlage zur Brustseuche hätten, beruht auf Irrthum. Seitdem in den grossen Städten viele den schweren Racen und Schlägen angehörende Arbeitspferde gehalten werden, hat sich gezeigt, dass bei diesen die Brustseuche in gleichem Umfange grassiren kann, wie bei den Militär- und Gestütpferden. — Pferde, die einmal an der Brustseuche gelitten haben, werden der Regel nach für die ganze Dauer des Lebens von derselben nicht wieder befallen.
Die Vehikel des Infectionsstoffes sind nicht genau gekannt. Dass derselbe in der atmosphärischen Luft dauernd enthalten sei, lässt sich aus der geographischen Verbreitung der Krankheit nicht folgern. Für die miasmatische Entstehung der infectiösen, typischen Pneumonic des Pferdes ist vielmehr mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass der In­fectionsstoff sich in den Pferdeställen producirt oder erhält und dass derselbe bei manchen Pferden nur dann die speeifische Erkrankung herbei­führt, wenn dieselben von einer Erkältung bezw. von der krankmachen­den Wirkung trockener Ostwinde oder rauher Nordwinde betroffen werden. Durch diese Ansicht wird nicht ausgeschlossen, dass die miasmatische Ausbildung der Krankheit bei einzelnen Pferden auch ohne Mitwirkung einer Erkältung durch den im Stalle entstandenen speeifischen Infectionsstoff bedingt sein kann. — Besser bekannt in der Aetiologie der Brustseuche-Erkrankung ist die directe und indirecte Ansteckung. Von den kranken
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Bmstseuohe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;311
oder in der Convalesconz befindlichen Pferden wird der Infectionsstoff mit der Exspiration aus den Lungen eliminirt. Mit demselben bohaften sich gesunde Pferde, soweit sie empfänglich sind und mit den kranken Pferden anhaltend in nahe Berührung kommen, durch die Inspiration. Auch durch Zwischenträger (Kleider von Personen, Streu und frischer Dünger aus dem Krankenstall) kann die Ansteckung vermittelt werden. Ich Hess eine gesunde fünfjährige Stute in einen nicht gereinigten Stall­raum bringen, in welchem 8 Stunden vorher ein seit 5 Tagen brust-seuchekrankes Pferd eingegangen war. Die Stute erkrankte 6 Tage später an der Seuche. Dass gelegentlich des Abholens von Pferdedünger aus Gehöften (Casernen), in welchen brustseuchekranke Pferde stehen, eine Ansteckung erfolgen kann, ist oft beobachtet worden.
Im Blute der brustseuchokranken Pferde findet sich der Ansteckungs­stoff nicht. Die in dieser Hinsicht von Hertwig und anderen Autoren schon ausgeführten Versuche fielen negativ aus. Auch ich konnte bei zahlreichen Versuchen durch intravenöse und subeutane Injection des warmen Blutes brustseuchekranker Pferde eine Ansteckung bei ge­sunden Pferden nicht herbeiführen.
Pathogenesc. Unerwiesen ist die Ansicht, dass der Infectionsstoff der ßrustseucho zunächst in die ßluteirculation gelangen, im Blute einen günstigen Nährboden zu seiner Entwickelung finden und dann die LocalafFection der Lungen oder der Pleura veranlassen soll. Der ganze Entwickelungsgang der Krankheit lässt vielmehr erkennen, dass der Infectionsstoff durch die Bronchien direct in die Lungen gelangt und in denselben die entzündlichen Processe anregt, welche sich analog dem Erysipelas in der äusseren Haut ausbreiten, — Die rechte Lunge er­krankt häufiger, als die linke.
Wenn die Krankheit durch atmosphärische Einflüsse (Erkältung) zur Entwickelung gebracht wird, so vergehen nach der Zeit, in welcher das Pferd den krankmachenden Wirkungen der Witterung ausgesetzt war, gewöhnlich nur 12—24 Stunden, zuweilen aber 2—3 Tage, bevor augen­fällige Krankheitsorscheinungen eintreten. Bei der Entstehung durch direetc Ansteckung von einem kranken Pferde dauert die Entwickelungs-zeit des Contagiums in den meisten Fällen 5—10 Tage, ausnahmsweise nur 3—4 Tage, bis die Pferde offenkundig erkranken. Andererseits kann das Incubationsstadium sich in einzelnen Fällen bis auf 14 Tage ver­längern. In der Literatur ist mehrfach angegeben worden, dass die Krankheit zuweilen erst 4—5 Wochen nach der Ansteckung zum Aus­bruch komme. Indess bedarf diese Behauptung noch einer genaueren Prüfung. Denn es ist nicht unmöglich, dass in einem Stalle, in welchem
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212nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskranklieiten.
die Krankheit herrscht, der Infectionsstoff nicht direct von den kranken Pferden, sondern erst eine Zeit lang später durch Vermittelung eines Vehikels auf gesunde Pferde übertragen wird.
Die Pathogenese einzelner Krankheitsfälle kann sich dadurch com-pliciren, dass neben dem specifischen Miasma resp. Contagium gleich­zeitig andere InfectionsstofFe zur pathogenen Einwirkung kommen (Misch-infection). A.m prägnantesten ist in dieser Hinsicht die von mir 1883 festgestellte und auch im Frühjahr 1885 mehrfach beobachtete That-sache, dass Pferde gleichzeitig an der Brustseucho und an der Pferde­staupe erkranken können. Wiederholt sah ich, dass Pferde, die 8 bis 14 Tage lang an leichten Katarrhen der Respirationsschleimhaut gelitten hatten, in die Brustseuche verfielen. Bei der Unterbringung der kranken Pferde in ungeeigneten Stallungen gelangen sehr oft noch septische Fermente in die erkrankten Brustorgane, wodurch sowohl den örtlichen Processen, als dem gesammten Krankheitsbilde ein besonderer und in der Regel lebensgefährlicher Charakter verliehen wird.
Entsprechend der gleichzeitigen Einführung dos Infectionsstoffes in verschiedene Partien einer oder beider Lungen vollzieht sich gewöhnlich die erste Entwickelung der Pneumonic herdweise (Broncho-Pneumonia multiplex). Wie von der Lungenseuche des Rindes seit langer Zeit be­kannt ist, so habe ich auch bei der Brustseuche durch die Sectionen mehrfach nachweisen können, dass nur zwei oder drei tauben- bis gänse-eigrosse Herde in den Lungen entstanden waren. Wenn solche Herde nicht bis an die Pleura reichen, sondern central in der Lunge liegen, so verläuft die Krankheit mit relativ geringfügiger Störung des Allge­meinbefindens. Nicht selten wird sie in solchen Fällen ganz übersehen. Es kommt auch vor, dass zunächst eine Lunge erkrankt und dass von dieser nach einigen Tagen der Infectionsstoff durch die Athmungswegc in die andere, bis dahin gesunde Lunge gelangt und in derselben eine herdweise Entzündung herbeiführt. Durch Confluenz der Herde kann die Hepatisation sich über grössere Abschnitte der Lungen ausbreiten. Die unteren Partien der Lungen, in denen die Strömung der Athmungs-luft weniger intensiv ist, erkranken viel häufiger, als die oberen und hinteren Abschnitte. Relativ oft setzt sich die Entzündung auf die Pleura fort, welche demnach zuerst im Bereiche der pneumonischen Herde er­krankt. Liefert die Pleuritis reichliches Exsudat, so vermittelt das letztere die Ausdehnung des Processes über einen grösseren oder ge­ringeren Abschnitt der Pleura pulmonalis und den Uebergang auf die anderen Abtheilungen der Pleura. Neben der Virulenz des Oontagiums hat die individuelle Disposition einzelner Thiere auf die räumliche Aus-
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Brnstseuche,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;213
breitung des specifischen Krankheitsprocesses in den Lungen und in der Brusthaut einen grossen Einfluss. Die Pleuritis kann sich von der kranken auf die gesunde Brusthälfte fortsetzen, was durch die spinn­webenartige und deshalb für das flüssige Exsudat durchlässige Partie 'jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; des Mittel fells begünstigt wird. In der Regel ist die doppelseitige Pleu-
ritis aber dadurch bedingt, dass die Infection sich von vornherein in beiden Brusthälften vollzogen hat.
In den Lungen füllen sich gewöhnlich ein oder mehrere Lobuli, zuweilen auch von den angrenzenden Lobulis noch einzelne Theile reit entzündlichem Infiltrat. Das interiobuläre Bindegowebe wird nur ganz ausnahmsweise erheblich afficirt. Der in der Substanz der Lungen sich ausbreitende erysipelatöse Process dringt in die Wandungen der Capillaren und kleinsten Venen, in welchen als Folge der Veränderung ihrer Intima eine Thrombose zu Stande kommt. Hierdurch wird der Druck des Blutes in den zugehörigen Arterien so gross, dass eine Blutung in die Alveolcn und in das interiobuläre Bindegewebe erfolgt (hämorrhagischer Infarct). Das in die Alveolen ergossene Blut bewirkt eine Reizung an dem Lungenparenchym; es gerinnt und der Blutfarbstoff tritt in das Serum über, mit welchem er in die Bronchiolen und Bronchien entleert, theiis auch resorbirt wird. Während die einfache erysipelatöse Infiltration eine schlaffe Schwellung der kranken Lungenpartie (schlaffe Hepatisation) bedingt, wird durch den hämorrhagischen Infarct und bezw. durch die Gerinnung des Fibrins in den Alveolen eine harte Entzündungsgeschwulst (feste Hepatisation) und eine brüchige Beschaffenheit des kranken Lungen-th'eils verursacht. In den ersten 2—3 Tagen behält das hämorrhagisch infarcirte Stück der Lunge seine dunkelrothe Farbe (rothe Hepatisation). Mit der fortschreitenden Diffusion des Blutfarbstoffes erlangt die Schnitt­fläche ein dunkelgraues, bis hellgraues und gelblichgraues Ansehen (graue Hepatisation). — In der nächsten Umgebung der broncho-pneumonischen Entzündungsherde entwickelt sich collaterale Fluxion und seröse Infiltra­tion der Lungensubstanz. Die zwischen zwei benachbarten Herden be­findliche Partie wird sehr oft durch die Imprägnirung mit eiweissreichem Serum förmlich verdichtet.
Bei grosser Virulenz des Infectionsstoffes breitet sich der erysipelatöse Process am 2.—6. Krankheitstage nicht selten auf die Wandungen einer oder mehrerer grösserer Lungenvenen aus, worauf in denselben eine Thrombose entsteht. Der Verschluss einer grösseren Lungenvene be­dingt sofort einen Ucberdruck des Blutes in der betreffenden Lungen-arteric und in Folge dessen die hämorrhagische Infarcirung eines grösseren Abschnittes der Lungen. Ich habe bei der Section vieler Krankheitsfälle
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214nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und [ntoxioatlonskranlthoUen.
die thrombotisch verschlossenen grösseren Lungengofasse untersucht und stets gefunden, dass dio Thromben in den Venen — niemals in den Arterien — ihren Sitz hatten. Ein bis dahin noch nicht entzündlich ver­änderter Theil der Lungen kann allein durch den hämorrhagischen In-farct in Entzündung und Hepatisation versetzt werden. — Das eigent­liche Lungenparcnchym wird von dem Entzündungsprocess nicht direct destruirt, woraus sich die seit lange bekannte Thatsache erklärt, dass selbst nach schweren Lungenentzündungen eine vollkommene Restitution möglich ist. Vorauszusetzen ist hierbei, dass die nutritiven Gefässe durch den Entzündungsprocess nicht zu Grunde gehen oder dass durch dio Anastomosen die Nutrition des Gewebes erhalten werden kann. Sehr oft erfolgt aber durch das Uebergreifon der erysipelatösen Entzündung auf die nutritiven Capillargefässe, vielleicht zum Theil auch durch den Druck, welchen das geronnene und eingetrocknete Blutfibrin des infar-cirten Lungenstückes auf die Capillaren ausübt, die Sistirung des Kreis­laufs und in Folge dessen eine Mortification (häraorrhagische Necrose) der broncho-pneumonischen Herde. Das mortificirte Lungengewebe in diesen Herden behält zunächst seine anatomische Configuration bei. Das­selbe erlangt eine bald hellere, bald mehr graubraune oder grüngelblicho, verwaschene Farbe und trockene Beschaffenheit.
Die Affection der Pleura ist in der grossen Mehrzahl der Fälle zunächst nicht erheblich. Zuweilen bleibt die Pleura gesund, während von beiden Lungen ziemlich bedeutende Abschnitte hepatisirt werden. Diesem anatomischen Verhalten der Krankheit stehen die Fälle gegen­über, in welchen die Lungen leicht erkranken und die Pleura von vorn­herein in einem so grossen Umfange und so schwer afficirt wird, dass das ganze Krankheitsbild sich lediglich durch die Pleuritis bestimmt. Hierbei kann der Entzündungsprocess in den Lungen in wenigen Tagen abheilen.
Ein Pferd bekundete am 2. Krankheitstago neben den übrigen Symptomen def Brustseuohe gelbröthlichen Nasenausfluss, der unzweifelhaft durch eine Pneumonie verursacht war. Zwei Tage später charakterisirle sich der Fall als diffuse doppel­seitige, exsudative Pleuritis. Tod am 9. Krankheitstage durch Ilydrothorax. Bei der Section war eine entzündliche Veränderuilg in den Lungen nicht mehr nachzuweisen.
Das procentische Verhältniss der Fälle, in welchen von vornherein eine erhebliche Pleuritis auftritt, zur Gesammtzahl der Krankheitsfälle lässt sich nicht genau bezeichnen. Nach meinen Beobachtungen ist die Pleuritis in einzelnen Epidemien bezw. beim Herrschen der Brustseuche in einzelnen Pferdebeständen häufiger, als in anderen. Bei den meisten Pferden prävalirt die Pneumonie und die Pleuritis entsteht oder erlangt
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Brustsenche,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 215
doch erst eine erhöhte und lebensgefährliche Bedeutung, wenn sie durch die Mortification oder die käsige Metamorphose und eiterige Einschmeizung der broncho-pneumonischon Entzündungsherde hervorgerufen und unter­halten wird. — Der entzündliche Process auf der Pleura scheidet ein serös-fibrinöses Exsudat ab, dessen Quantität aber in den einzelnen Krankheitsfällen sehr ungleich ist. Zuweilen bedeckt sich nur das Segment der Pleura, welches dem Umfange des broncho-pneumonischon Herdes entspricht, mit einer geringen Schicht von Fibrin, ohne dass ein seröses Exsudat entsteht (Pleuritis sicca). In anderen Fällen werden in Folge einer diffusen und doppelseitigen Pleuritis bis zu 30 Liter Serum abge­schieden. Innerhalb dieser Extreme kann sich das quantitative Vcrhält-niss des fibrinöson zum serösen Exsudat sehr verschieden gestalten. Nicht selten breitet sich die Entzündung über die ganze Pleura pulmo-nalis und -costalis, sowie über die Pleura diaphragraatica und über das Pericardium aus. Dabei erlangt der Process aber nicht in allen Ab­schnitten der Pleura eine gleich grosse Intensität. Am schwersten ist derselbe in der Regel an derjenigen Partie, welche an den broncho-pneumonischen Primärherd heranreicht. Das fibrinöse Exsudat verklebt innig mit der Pleura und im weiteren Verlaufe bildet sich auf der letzteren ein feines Granulationsgewebe, welches stellenweise sehr dicht (sammetartig) wird und durch reiche Vascularisation ein hellrothes Aus­sehen erlangt.
Die Dauer der durch den speeifischen Infectionsstoff unmittelbar und ausschliesslich bedingten Pneumo-Pleuresie erstreckt sich auf rund 8 Tage, wie schon seit langer Zeit bekannt ist. Nicht selten hält die Affection 1—2, selbst 3 Tage länger an (verzögerter Verlauf); oft kommt dieselbe auch um 1—5 Tage früher zum Aufhören (Abortiv-Verlauf). Die Ursachen dieser Modificationen sind nicht bekannt. Wahrscheinlich hängen dieselben mit der grösseren bezw. geringeren Intensität des In-fectionsstoffes zusammen.
Wenn schon das organische Substrat des Infectionsstoffes nicht mit Sicherheit festgestellt ist, so lässt sich noch weniger über die bedingen­den Momente aussagen, durch welche die entzündliche Reizung der Lungensubstanz und der Pleura zu Stande kommt. Auch die specielle Natur der Stoffe, welche in das Blut übergehen und die Allgemein­symptome der Krankheit verursachen, hat bisher nicht aufgedeckt werden können. Die Analyse der Symptome und Complicationen, welche bei der Brustseuche vorkommen, giebt der Hypothese eine gewisse Berechti­gung, dass der Infectionsstoff für sich allein oder durch seine Wirkung auf die Lungensubstanz und auf das Exsudat mehrere organische Gifte
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producirt, welche zur Resorption gelangen und in die empfänglichen Organe des Körpers mit der Blutcirculation gebracht werden. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass auch die Resorption der nicht specifisch ver­änderten Exsudate, deren zelligo Bestandthcile schnell der Regression verfallen, an dem Zustandekommen der Allgomeinsymptome betheiligt ist. Die in solcher Art herbeigeführte Verunreinigung des Blutes be­dingt die Entwickelung von Fieber und parenohymatösen Krankheits-zuständon des Herzens, der Magondarmschloirahaut, der Leber, dor Milz, der Nieren und anderer Organe. Die Allgemeinsymptome dauern so lange, bis die speeifische Entzündung der Brustorgane ihr Ende erreicht. Die zahlreichen E'ällo, in welchen die Fiebersymptome nach Ablauf dos speci-fischen Stadiums nicht verschwinden, erklären sich dadurch, dass die ent­zündlichen Veränderungen der Brustorgane, welche den Charakter der Nach­krankheiten besitzen, eine anderweitige Intoxication des Blutes unterhalten.
Augenfällige Merkmale der Dyskrasio sind am Blute selbst nicht erkennbar. Der Gehalt an woissen Blutkörperchen scheint sich zu ver-grossern. In den Blutproben fand ich sehr oft das quantitative Verhältniss der weissen zu den rothen Blutkörperchen abnorm gross. Auffallend ist die starke Gerinnungsfähigkeit des Blutes. Hierauf führe ich die Thatsache zurück, dass bei der Brustsoucho das Blut eines hämorrhagischen Lungen-infaretes innerhalb der Alveolen gerinnt. Bei vielen anderen Krankheiten erfolgt die Gerinnung des in die Lungen infiltrirten Blutes nicht. Das Blutserum der brustseuchekranken Pferde enthält gewöhnlich eine abnorm grosso Quantität von zerfallenem Hämoglobin. Daher die gelbe oder gelbrothe Schwellung der Schleimhäute.
Das Horzfleisch erleidet in der Regel eine erhebliche parenehyraatöse Trübung. Bei umfangreichen Entzündungsprocessen in der Pleura und in den Lungen, sowio bei starken Blutstauungen in den Gefässcn der Brustorgane tritt eine übergrosse Belastung des Herzens und Dilatation der rechten Kammer ein, wodurch die Herzkraft und der Blutdruck in den Arterien abnehmen. Starke Blutstauungen in den Gefässen des Herzbeutels verursachen die Transsudation von Pericardialflüssigkeit, welche gelblich klar, selten röthlich tingirt ist und deren Quantität in der Regel nicht mehr als 30—40 Gramm beträgt.
In der Magcndarmschleimhaut entsteht Stauung des Blutes, entzünd­liche Infiltration und Röthung. Bei schwerer Erkrankung bildet sich oft in der Schleimhaut des Blinddarms und Grimmdarms eine intensive Entzündung mit starker Schwellung des Schleimhautgewebes aus. — Die Leber erleidet eine parenehymatöse Trübung und häufig eine sehr starke Vergrösserung durch Fettinfiltration. In schweren Krankheitsfällen bildet
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Brnstseuohe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 217
sieh aucli an kleineren und grösseren Abschnitten der Leber eine fettige Degeneration und Verschluss der kleinsten Gallenwege, so dass die Galle zurückstaut. In Folge dessen Icterus in der Leber und Resorption von Galle mit Icterus in zahlreichen anderen Organen. Soweit die Leber ihre Functionsfähigkeit behält, findet eine vermehrte Absonderung der Galle statt, welche sich in den Dünndarm ergiosst und nicht selten in weiter Ausdehnung eine icterische Färbung der Darmschleirahaut veran-lasst. Exsudative Entzündungen des peritonealen Ueberzuges an der Leber, wovon in der älteren Literatur vielfach die Rede ist, kommen bei der Brustseuche nicht vor. — Die Milz vergrössert sich durch Reizung der Pulpa und Blutanhäufung in der Regel, und wenn im Verlaufe der ßrustseuche bezw. ihrer Nachkrankheiten eine hämorrhagischo Diathese zur Ausbildung kommt, so entstehen blutige Herde in der Milz. Anderer­seits sind die Fälle häufig, in welchen keine nachweisbaren Veränderungen an der Milz zu Stande kommen. — An den Nieren tritt in Folge der Blutstauung und parenehymatösen Reizung eine mehr oder minder starke Schwellung ein. Das Parenchym erscheint durchfeuchtet und dunkler gefärbt. Andere, an den Nieren vorkommende schwere Krankheitszu-stände werden durch den speeiflschen Infectionsstoff nicht hervorgebracht, sondern durch die Folgeleiden der Brustseuche (Ichorrhäraie), wobei zu­weilen embolische Herde durch den Import von Mikrokokken zu Stande kommen. — Die Conjunctiva beider Augen unterliegt der Blutstauung und häufig einer leichten Schwellung durch Infiltration mit gelblichem oder gelbröthlichem Blutserum. — Die Nasenschleimhaut ist oft von einer leichten Blutcongostion und Infiltration betroffen. In der Maul­schleimhaut entstellt ebenfalls Stauung des Blutes, namentlich in dem gefässreichen Zahnfleisch und in der Regel eine schmutzig gelbliche Fär­bung. Bei schweren Erkrankungen bedeckt sich der Zungenrücken mit einem leichten Belag. — Auch im Gehirn kommt oft ein Congestiv-zustand zur Ausbildung, der in einzelnen Fällen einen hohen Grad er­reicht und zur Infiltration der Pia mater führen kann. — Die Fascien erleiden häufig eine Reizung und leichte Infiltration. Das Parenchym der Skclctmuskeln wird aber durch den speeiflschen Infectionsstoff nicht erkennbar verändert. Die in letalen Fällen bei der Section oft bemerk­bare Trübung der Skeletmuskeln wird durch die Nachkrankheiten der Brustseuche (Ichorrhämie) verursacht.
Anatomische Charakteristik des Krankheitsausgangs.
Abgesehen von dem Abortivvcrlauf führt der spccifischc Brustseuchc-process auch bei regeimässiger Dauer oft zur directen Genesung, welche
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218nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
sich in der Art vollzieht, dass die anatomischen Processe von dem Augen­blicke an, in welchem der Infectionsstoff seine pathogenen Eigenschaften verliert, sich zurückbilden. Die erysipelatösen Exsudate und die Rück­stände der hämorrhagischen Infarcte werden verflüssigt und nach und nach resorbirt, so dass die luftfiihrenden Kanäle der Lungen grössten-theils schon innerhalb 8 Tage ihre Wegsamkeit zurückerlangen. Wenn man von dem Abfluss des Blutes oder des Blutserums aus den hämor-rhagisch infarcirten Lungenpartien während des specifischen Krankheits­verlaufes absieht, so findet eine Expulsion des pneumonischen Exsudats durch die Bronchien nach aussen so gut wie gar nicht statt. Auch auf der Pleura erfolgt bei dirocter Genesung nach dem Aufhören des speci­fischen Entzündungsreizes die Resorption des Exsudates verhältnissmässig schnell. Finden sich dicke Schichten fibrinösen Exsudates auf der Pleura, so muss eine reichliche Vascularisation der letzteren erfolgen und es bleiben in solchen Fällen sehr oft bindegewebigo Abnormitäten (faden­förmige oder hautartige Anhängsel, auch schwartige Verdickungen) auf der Pleura zurück, die aber nicht nachthoilig sind.
Der directe Ausgang in den Tod ereignet sieh nicht häufig im specifischen Stadium. Er wird am meisten noch bedingt durch eine universelle Pleuritis und Ausscheidung einer übergrossen Menge von Serum und Fibrin in beide Hälften des Brustkastens. Bei diesem Ent­wicklungsgang, welchem eine schwere bilaterale Infection zu Grunde liegt, können die Pferde wegen der schmerzhaften Empfindung in den Brustwandungen und im Zwerchfell nicht genügend athmen. Hierzu kommt der übergrosse Druck des Exsudats, dessen Quantität 30—40 Liter betragen kann, auf die Lungen und das Herz. — Einen tödtlichen Ver­lauf nimmt die Pleuritis auch, wenn durch copiöse Exsudation von Fibrin im vorderen Brustraum der zungenförmige Lungenlappen sich nach aussen und hinten umschlägt (Retroversion), was ich dreimal beobachtet habe. In einem Falle constatirte ich durch die Section, dass Serum aus der Brusthöhle neben dem Schlünde vorbei sich einen Weg in die Bauch­höhle gebahnt hatte. In Folge dessen war eine schwere fibrinöse Peri­tonitis am Magen, an der Leber und an den Bauchwandungen entstanden, welcher das Pferd nach 2 Tagen erlag. — Mehrere Fälle habe ich beob­achtet, welche dadurch tödtlich wurden, dass beide Lungen bis auf einen kloinen Theil an den oberen stumpfen Rändern, durch Hepatisation ganz unwegsam waren, während die Pleura ohne Veränderungen blieb. Der Tod ist in solchen Fällen darauf zurückzuführen, dass die Respirations­fläche der Lungen zu klein wird und demnach dem Sauerstoffbedürfniss des Körpers nicht mehr Genüge geschehen kann. — Einzelne brüst-
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Brustseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;219
seuchekranke Pferde starben am 6.-8. Krankheitstage in Folge starker Blutcongestion nach den Lungen. — Selten ist ferner der directe Aus­gang in den Tod durch excessive Herzaffection. — Etwas häufiger er­liegen die Pferde einer schweren, diffusen Gastroenteritis im specifischen Stadium. — In drei Fällen beobachtete ich, dass die Pferde durch eine sehr schmerzhafte parenchymatöse (toxische) Entzündung mit fettiger und wachsartiger Degeneration der Kniescheibenmuskeln zu Grunde gingen (vgl. die Casuistik am Schlüsse dieses Oapitels).
Wenn die vorerwähnten Ausgänge nicht eintreten, so endet der Brustseucheprocess mit Zuriicklassung von Nachkrankheiten, deren Kennt-niss schon deshalb von hervorragendem Interesse ist, weil die Behand­lung der Krankheit im Wesentlichen auf der Indication beruht, der Ausbildung derselben zuvorzukommen. Zu den Nachkrankheiten gehören:
1)nbsp; nbsp;Hämorrhagischo Nekrose in den Lungen. Oft kommt die Nekrose an vielen erbsen- bis hühnereigrossen, unregelmässig contourirten Herden zu Stande. Es wird aber auch zuweilen beobachtet, dass grössero Lungenvenen thrombosiren und dass ein umfangreiches, kopfgrosses Stück einer Lunge der Nekrose verfällt. In den letztgedachten Fällen kann der Tod schon vor Beginn des dissecirendon Processes eintreten; sonst sterben die betreffenden Pferde wenige Tage nach der Entwickelung der Sequestration eines grossen, nekrotisch gewordenen Abschnittes der Lunge. — Wenn zahlreiche kleine Entzündungsherde den Ausgang in Nekrose nehmen, so wird der Zustand dadurch tödtlich, dass in der Umgebung der Herde sich eine dissecironde Entzündung bildet, deren Producte durch Resorption in das Blut übergehen und eine erhebliche Blutvergiftung unterhalten. Nicht selten bildet sich nur ein einzelner, hühnerei- bis kindskopfgrosser, nekrotischer Herd peripherisch in der kranken Lunge und in der Umgebung desselben entsteht eine dissecirende Entzündung mit Abscheidung einer dünnflüssigen, bräunlichen Materie. Die Pleura wird an der betreffenden Stelle nekrotisch, worauf sich in der Regel eine heftige, scrös-fibriiiöso und bei etwas längerer Dauer auch eiterige und hämorrhagischo Pleuritis anschliesst, welche den Tod herbei­führt. Bei der Section findet sich dann gewöhnlich, dass die Sequestra­tion des nekrotischen Lungenstückes erst theilweisc zu Stande ge­kommen ist. In einigen Krankheitsfällen constatirte ich eine vollständige Abkapselung und Verwachsung der Lunge mit der Pleura. Es ist wahr­scheinlich, dass, wenn kloine Lungenstüokchen von der Grosse einer Wall-nuss nekrotisch werden, die Verwachsung zwischen Lunge und Brustwand öfter eintritt und dass der Krankheitsfall hierdurch zur Genesung gelangt.
2)nbsp; nbsp;Broncho-pneumonische Eiterherde (Lungenabscesse).
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Nach der Mortification der haselnuss- bis hühnoreigrossen hamorrliagischen Tnfarcte entwickelt sich oft in der Nachbarschaft eine dissecirende Ent­zündung mit reichlicher Production von weissem oder grauweissera Eiter. Das nekrotisch gewordene Lungenstück wird hierbei von dem Eitor voll­ständig durchsetzt, erweicht und zum Zerfall gebracht. In der Um­grenzung des Eiterherdes erfolgt, soweit das Pferd nicht der consecutiven Pleuritis schnell erliegt, die Kapselbildung. Nicht häufig kommt ein solcher Abscess durch Resorption der flüssigen Bestandtheilo zur Ein­trocknung und demnächst zur Vernarbung. In den meisten Fällen ent­stehen dadurch, dass die Lymphgefässe eiterige Fermente fortführen, in der Nachbarschaft neue A bscesse, die das Leben des betreffenden Pferdes in grosso Gefahr bringen. Oft tritt der Tod erst nach raonatelangem Siechthum ein.
3)nbsp; nbsp;Bronchiectatische käsige Herde. Eine erhebliche Reizung entsteht in der Bronchialschloimhaut durch den Abfluss des Blutserums aus den hämorrhagischen Entzündungsherden in die Bronchien. Hierbei kann die Muskulatur der Bronchialwandungen stellenweise oder auch wohl in grösserer Ausdehnung erschlaffen, so dass sich sackförmige oder cylindrische Bronchiectasien ausbilden. Bei dem paretischen Zustande können die Bronchien sich des abnormen Inhaltes nicht entledigen und namentlich in den sackförmigen Erweiterungen sammelt sich das aus dem eiweisshaltigen Blutserum der Infarcte und aus dem Secrete der kranken Schleimhaut sich zusammensetzende Entzündungsmaterial. Der feste Theil des letzteren bleibt in den Herden liegen und erfährt eine käsige Metamorphose, während der flüssige Theil durch die Respirations­wege nach aussen entleert wird. Sind nur wenige bronchieetatische Herde vorhanden, so kann die Heilung dadurch zu Stande kommen, dass das Material in '2—3 Wochen allmälig verflüssigt und expectorirt wird. Treten die Herde aber in grosser Zahl auf, so dass eine Lunge mit denselben vollkommen durchsetzt oder selbst noch von der zweiton Lunge eine Partie in gleicher Art vorändert wird, so stirbt das Pferd in Folge eiteriger Bronchitis. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Fermente, welche mit der Luft in die Bronchien gelangen und besonders dann einen ungünstigen Einfluss haben, wenn die Pferde aus anderen Gründen die Aufnahme des Futters versagen und in Folge dessen in ihrer constitutionellen Widerstandsfähigkeit eine Einbussc erleiden.
4)nbsp; nbsp;Jauchige Herde in den Lungen. Sowohl die hämorrhagischen Infarcte als die aus denselben entstehenden nekrotischen Herde und die bronchieetatischon Herde können den- Fäulniss unterliegen, wenn mit der atmosphärischen Luft die geeigneten Fermente aspirirt werden. Hierbei
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Bmstseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; quot;2 21
bildet sich eine missfarbene, übelriechende Flüssigkeit, welche das be­nachbarte Lungengewebe zerstört und auch in die Bronchien eindringt. In der ßronchialschleimhaut entsteht eine diffuse, ichorrhöse Entzündung mit reichlicher Abscheidung eines übelriechenden Secretes. Letzteres bewegt sich, dorn In- und Exspirationsstrom folgend, in dem Bronchial­rohr und gelangt zum Theil in die bis dahin noch intacten Bronchien beider Lungen, zum Theil durch die Luftröhre, den Kohlkopf und die Nase nach aussen. Auf diesem Wege erzeugt die Jauche oft schwere, ichorrhöse Entzündungszuständo. Wiederholt habe icli gefunden, dass durch die Einwirkung der Jauche die Schleimhaut des Kehlkopfes und Schlund-kopfes stellenweise zu flächenartigen Fetzen destruirt war. — In der Nachbarschaft der broncho-pneumonischen Jaucheherde bildet sich zu­weilen eine Kapsel; sehr oft aber mortificirt die Lungensubstanz allmälig mehr und mehr gegen die Peripherie hin und wenn der Jaucheherd bis in die Nähe der Pleura vordringt, so stirbt auch die letztere ab und es entwickelt sich eine jauchige, diffuse Pleuritis. Waren nur wenige Horde oder nur ein einzelner in der Lunge entstanden, so erfolgt zuweilen in der Umgebung derselben eine Verwachsung der Pleura mit der Rippen­wand und es kann in besonders günstigen Fällen ausnahmsweise der Jauchehord durch Resorption zum Verschwinden und der Defect durch Narbenbildung zur Ausheilung kommen. — Mitunter bleibt ein hühnerei-bis faustgrosser Herd eine Zeitlang abgekapselt und das betreffende Pferd bekundet äusserlich kaum noch etwas von der Krankheit; aber später tritt ein solcher Herd mit einem benachbarten Bronchus in Communication, wodurch eine diffuse, eiterig-jauchige Bronchitis mit seeundäror Bildung von broncho-pneumonischen Herden gleicher Tendenz veranlasst wird. Ich habe mehrfach beobachtet, dass Pferde, welche sich scheinbar von der Brustseuche allmälig erholten und sogar wieder in Dienst genommen waren, ganz unerwartet einen eiterig-jauchigen Nasenausfluss bekundeten und bald darauf der multiplen jauchigen Pneumonie und Bronchitis er­lagen.
5) Eiterige Pleuritis. In das Exsudat der speeifischen Pleuritis können Fermente übertreten, welche eine als lebensgefährliche Nach­krankheit der ßrustseuche sich fortsetzende eiterige Entzündung bedingen und unterhalten. Hierbei bildet sich eine reiche Vascularisation auf der Pleura und zuweilen förmliches Granulationsgewobe (Pleuritis granulans). Das Exsudat enthält in grosser Menge weisse Blutkörperchen, welche alsbald zerfallen. Auch kann eine Verjauchung des pleuritischen Ex­sudates eintreten, wie an dem stinkenden Geruch der durch Paracenthese des Thorax entleerten Probe zu erkennen ist. Die jauchige Pleuritis
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beruht nicht in jedem Falle auf der Präexistoir/ eines gangränösen pneu-monischen Herdes. Es ist anzunehmen, dass die zur Fäulniss des pleu-ritischen Exsudates führenden Fermente auch durch die ßlutcirculation in die kranke Pleura gebracht werden können. Ausser dem Serum und den Eiterkörperchen enthält das Exsudat zuweilen grosse Quantitäten von Fibrin. Auch Blut kann durch Ruptur der auf der kranken Pleura neugebildeten Gefässe in das Exsudat übertreten und letzterem eine braune oder braunrothe, schmutzige Farbe verleihen.
6) Empyem. In Folge der exsudativen Pleuritis kann die Lungen-pleura mit der Rippen- oder Zwerchfellpleura in der Art verwachsen, dass zwischen den vereinigten Partien ein mehr oder minder grosser Hohlraum verbleibt, welcher zunächst Fibrin und Serum enthält, sich später aber mit eiteriger Flüssigkeit anfüllt (abgekapselte Pleuritis). In der Umgebung des mit einer dicken Kapsel umschlossenen Hohl­raums bleibt gewöhnlich eine chronische und letal verlaufende Entzündung bestehen; in einzelnen Fällen aber bildet sich die letztere im Verlaufe von Wochen und Monaten vollständig zurück, so dass, wenn das Empyem den Umfang eines menschlichen Kopfes nicht überragt, die Pferde eine lange Zeit hindurch keine Störung ihrer Gesundheit durch dasselbe er­leiden.
Sjmptome. Bei der Symptomatologie der Brustseuche sind die all­gemeinen Krankheitszufälle und die speciellen Erscheinungen im Athmungs-apparat zu berücksichtigen.
Allgemeine Erscheinungen.
Fieber. Schüttelfrost wird bei der Brustseuche nur in Ausnahme­fällen beobachtet. Manche Pferde bekunden aber nach der Einwirkung einer niederen Temperatur vorübergehend Zittern oder leichtes Muskel­zucken in der Haut. Sehr oft findet sich am ersten oder zweiten Krank­heitstage eine gesträubte Stellung des Deckhaares. Dazu kommen: Allgemeine Körperschwäche, Mangel an individueller Energie und zu­weilen förmliche Prostratio virium. Die krankhafte Temperatur des Blutes schwankt zwischen 39,0—41,70C. Das Fieber hat in dem speci-fischen Stadium immer den Charakter der Febris continua, wobei indess massige graduelle Schwankungen der krankhaft gesteigerten Temperatur nicht ausgeschlossen sind.
Puls. Die Frequenz der Herzcontractionen ist sehr ungleich. Bei massigem Krankheitsgrado werden 50 — 60, bei höheren Graden bis 100 Herzschläge und darüber angetroffen, die nicht selten arhythmisch und inäqual sind. Spitzenstoss in der Regel von massiger Stärke; beide
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Bmstseucho.
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Herztöne hörbar, oft abnorm schnell aufeinander folgend und der erste Ton mit einem metallischen Beiklang. Artorienpuls in leiohten Pällon und während der ersten beiden Krankheitstage oft normal stark, in schweren Fällen immer schwach, Blutwello niedrig. Wenn die Frequenz der Herzcontraction über 90 in der Minute erreicht, so ist dor Puls zu­weilen so leer, dass er kaum an der Kinnbackenarterie festgestellt werden kann. Die Arterionwand bleibt in dem specifisohen Krankheitsstadium weich.
Eingenommenheit des Bewusstseins. Eine massige Benommen­heit des Sensoriums zeigen die meisten brustseuchekranken Pferde, sie rührt von der Congestion nach dem Kopfe und von dem hierdurch be­dingten Kopfschmerz her. Nicht selten stützen die Pferde zeitweise den Kopf auf die Krippe oder an einen anderen Gegenstand. Der Blick wird bei schweren und schmerzhaften BrustafFectionen stier und gläsern.
Störungen in der Körperhaltung und Bewegung. Beim Gehen äussert sich die constitutionelle Ermüdung und die schmerzhafte Empfin­dung in den Brustorganen durch steife Haltung des Körpers und schwankende Bewegung der Hinterhand. Im Stalle werden die Gliedmassen ab­wechselnd entlastet und sehr oft wird hierbei ein knackendes Geräusch (Gliederknacken) erzeugt. Manche Thiero nehmen zeitweise eine knickelndo Fesselstellung ein.
Sichtbare Schleimhäute. Die Conjunctiva zeigt gewöhnlich eine gelbrothe Schwellung. Die Sklera ist bald mehr, bald weniger gelb. Oft sind die Episkleralgefässe mit Blut gefüllt. Die Nasenschleimhaut ist häufig geröthet oder gelblich roth und leicht geschwollen, nicht selten aber von normaler Beschaffenheit. Die Maulschleimhaut hat ein dunkleres (bläu-lich-weisses) oder schmutzig-gelbliches Colorit. Das Zahnfleisch an den Schneidezähnen erscheint geröthet. Bei starker Insufficienz der Respira­tion erlangen die Schleimhäute eine venöse Färbung.
Verdauungsapparat. Die Aufnahme von Futter ist in der Regel vermindert und oft 1 — 2 Tage hindurch ganz aufgehoben. Dagegen trinken die Thicre häufig Wasser. Nur bei schweren Affcctioncn der Magen- und Darmschleimhaut wird auch das Getränk nicht angenommen. Die Darmexcremente sind entsprechend der verminderten Futteraufnahme spärlich, oft klein geballt und mit klebrigem Transsudat der Darm-schleimhaut überzogen. Nicht selten erfolgt im Beginn oder im Verlauf der Krankheit die Entleerung von breiförmigen oder flüssigen Excrementon während eines oder zweier Tage. Später verzögert sich der Kothabsatz. Einzelne Pferde zeigen im Beginn der Krankheit leichte Koliksymptomo, welche einige Stunden, selten einen ganzen Tag anhalten.
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Harnapparat. Die Harnsecretion verringert sich zunächst quanti­tativ. Der Harn ist trübe, fadenziehend, von gelbbrauner Farbe und enthält in Folge des continuirlichen Fiebers eine abnorm grosse Menge von Harnstoff, mineralisclien Bestandtheilen und Epithelien aus den Harnwegen; recht häufig auch Eiwoiss und weisse Blutkörperchen. Mit dem Nachlass des specifischen Fiebers entsteht oft, aber nicht immer, eine reichliehe (kritische; Entleerung von speeifisch leichtem, gelblichem oder klarem, wässerigem Harn während 2 — 3 Tage. Manche Pferde zeigen auch schon 1 — 2, selbst 3 Tage vor Ablauf des specifischen Stadiums eine gesteigerte Diurese.
Specielle Erscheinungen im Athmungsapparat.
Nasenausfluss. Nach der hämorrhagischen Infarcirung der Lungen fliesst Serum, welches gelösten Blutfarbstoff, rothe und weisse Blut­körperchen enthält, in die Bronchien. Ein Theil desselben wird mit der Exspiration in die Nasenhöhlen gebracht, aus welchen kleine oder grössere Mengen abfliessen. Häufig haftet die durch den Eiweissgehalt sehr klebrige gelbliche, oder gelbrothe Flüssigkeit (rostfarbenes Nasendejeot) an der Haut des Naseneinganges, an welcher nach Verdunstung des Wassers ein gelblicher oder grüngelblicher oder gelbröthlicher, krümlicher Ansatz zurückbleibt. In anderen Fällen wird zeitweise eine gallert­artige, gelbbraun oder röthlich gefärbte Materie aus der Nase entleert und zuweilen fliessen in den ersten beiden Krankheitstagen klare, gelb­liche Tropfen über die Oberlippe herab. Stehen die frisch erkrankten Pferde dauernd im Stalle, so kommt trotz des Vorhandenseins von hämor­rhagischen Lungeninfarcten häufig kein Nasenausfluss zu Stande. Wenn aber die Pferde in freier Luft geführt und hierdurch zu stärkeren Athem-bewegungen genöthigt werden, so ist die bezeichnete Nasendejeotion in der Regel augenfällig. Die Dauer des Ausflusses erstreckt sich auf 1—4 Tage, selten bis zum 6. Krankheitstage. — Oopiöso Entleerungen von flüssigem, dunkelrothem Blut aus der Naso werden bei brustseuche-kranken Pferden verhältnissmässig oft beobachtet. Auch diese Aus­flüsse stammen aus den Lungen. Es braucht nicht nothwendig die Ver­stopfung einer grösseren Lungenvene dieser Blutung vorherzugehen; sie kann auch schon bei kleineren Infarcten zu Stande kommen. Wahr­scheinlich hat eine, bis jetzt nicht genauer bekannte Alienation der Blut­mischung (hämorrhagische Diathese) Antheil an den Lungenblutungen.
Husten. Die oberflächliche Reizung der Bronchialwege oder der Pleura verursacht Hustenreiz, welchen manche Pferde wegen der schmerz­haften Empfindungen zu unterdrücken suchen. Bei grösserer Intensität
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Brustseuohe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;225
des Reizes erfolgen kurze, scharfe, abgebrochene Hustenstösse mehrere Male nacheinander, worauf gewöhnlich längere Zeit hindurch kein Husten vernommen wird. Pferde, die an sehr schmerzhafter Pleuritis leiden, suchen auch den starken Hustenreiz abzuschwächen und bringen selbst nach Druck am Kehlkopf oder am oberen Ende der Luftröhre nur einige leise Hustenstösse bei lang gestreckter Kopfhaltung hervor.
Dyspnoe. Die Respiration erfährt durch Schmerz in der Pleura oder durch Blutanhäufung und Beschränkung der respiratorischen Ober­fläche in den Lungen eine Beschleunigung, welche im Beginn der Krankheit oft gering, zuweilen aber bedeutend ist und sich im weiteren Verlaufe fast immer erheblich steigert. Gewöhnlich athmen die Pferde bei der offenkundigen Entwickelung der Krankheit 20—25 Mal und oft bleibt während des Krankheitsverlaufes die Respirationsfrequenz auf dieser Höhe. In anderen Fällen steigt die Zahl der Athemzüge im weiteren Verlaufe auf 40—50 und darüber in einer Minute. — Die schmerzhaften Empfindungen in der Pleura verursachen im Entwickelungsstadium der Krankheit eine oberflächliche, aber beschleunigte In- und Exspiration, wobei die Naseneingänge abnorm erweitert und die Rippen an der kranken Brustseite möglichst ausgedehnt gehalten, resp. wonig bewegt werden. Ist die frische schmerzhafte Pleuritis excessiv ausgebildet, so wird der Thorax bis zum äussersten Grade erweitert und die Lungen erlangen eine abnorme Expansion (Volumen pulmonis auctum). Auch hier werden die Nasenflügel stark bewegt. Eine wenig umfangreiche Pneumonie ohne erhebliche Mitaffection der Pleura verursacht zunächst nur eine ge­ringe Beschleunigung der normalen Respiration. Die Zahl der Athem­züge kann sogar mehrere Tage hindurch normal sein. Wenn aber im Entwickelungsstadium eine multiple Affection und mit derselben eine ödematöse Infiltration der Lungo entsteht, so wird die Inspiration be­schleunigt und unter Hebung der Widerristpartie ausgeführt. In den späteren Stadien der Pncumo-Pleuritis verlängert sich das Moment der Exspiration und die Dyspnoe erlangt den Charakter einer exspiratorischen. Die Athembewegungen bei einseitigem oder doppelseitigem Hydrothorax sind nicht in allen,Fällen gleich. Wenn beim Hydrothorax die Pleura schmerzhaft afficirt bleibt, so werden die ßrustwandungen erweitert und festgestellt, so dass sich die Athmung vorwaltend mit dem Zwerchfell vollzieht. In den meisten Fällen verursacht aber die entzündliche ßrust-wassersucht eine erhebliche Steigerung der in- und exspiratorischen Athembewegungen (krankhaftes Schlagen mit den Flanken). Auch hierbei charakterisirt sich die Athmung im Wesentlichen durch die Symptome der exspiratorischen Dyspnoe (vgl. S. 38).
Dieckerlioff, Spec. Pathologie u. Ttaernpie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;jr,
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226nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten
Schmerz in der Brustwand (Seitenstiche). Durch die Aus­bildung der pneumonischen Affection entsteht keine schmerzhafte Empfin­dung; dagegen wird die Pleuritis im Initialstadium für die Tliiere bald in höherem, bald in geringerem Grade schmerzhaft. Das Exsudat steht mit der Empfindung des Schmerzes nicht im Zusammenhange. Es kann im Gegentheil angenommen werden, dass. Je reichlicher die Exsudation ist, um so geringer die schmerzhafte Empfindung sich gestaltet. Durch starke Blutcongestion nach der Pleura wird der Schmerz vergrössert. Aus dem Verhalten der Pferde lässt sich folgern, dass der Schmerz zu­weilen mehr stechend, in anderen Fällen ziehend oder reissend sein muss. Manche Pferde geben den Schmerz durch Stöhnen bei jedem Athemzuge kund; andere stöhnen nur, wenn sie sich bewegen und noch andere nur dann, wenn ein kurzer kräftiger Druck oder Stoss mit der Hand gegen den Thorax ausgeführt wird, Ist die schmerzhafte Empfindung sehr ge­ring, so treten die Thiere beim Druck gegen die kranke Brustwand blos abnorm schnell zur Seite. Durch nervöse Verbindungen verbreitet sich der Brustschmerz bei manchen Pferden von der kranken auf die gesunde Seite, und es ist gar nicht selten, dass der Druck mit der Hand gegen die gesunde Brustseite fast in demselben Grade schmerzhaft wird, als der Druck an der kranken Seite. Oft entsteht die Entzündung der Pleura mit der schmerzhaften Empfindung im Beginn der Krankheit, häufig aber erst am zweiten bis fünften Tage und in vielen Fällen schliesst sich an die Pneuraonie eine diffuse exsudative Pleuritis, ohne dass die Pferde auffällige Brustschmerzen äussern.
Form des Thorax. In der Regel ergiebt die Besichtigung des Thorax keinen bestimmten Anhalt bezüglich des Sitzes der Krankheit. Nicht selten wird aber wahrgenommen, dass die Pferde die kranke Brust-seite wegen der schmerzhaften Empfindungen einziehen und möglichst wenig bewegen, während sie die gesunde, bezw. nicht schmerzhafte Brust-wand hervorwölben und mit derselben intensiver athmen, was an der stärkeren Bewegung der falschen Rippen erkannt werden kann. Die hierdurch bedingte Aenderung in der Form des Brustkastens ist am besten zu constatiren, wenn beide Brustseiten von oben betrachtet werden.
Ergebnisse der Auscultation. Die Entwickohmg der Krankheit verursacht gewöhnlich eine räumliche Beschränkung des Bläschengeränsches in der kranken Lunge, deren in- und exspiratorische Bewegung bei schmerz­hafter Affection der Pleura nach Möglichkeit beschränkt wird. Bei um­fangreicher Hepatisation sistirt das Athemgeräusch in der betreffenden Lungenpartie oft vollständig. Zuweilen ist saccadirtes Vesiculärgeräusch vernehmbar. In den gesund gebliebenen Lungenabschnitten entsteht
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Brustseucho.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;227
compensatorisches, bei der In- und Exspiration hörbares Vesiculärgeräusch. Bei einer multiplen Affection und [nfiltralion der Lungen treten gewöhn­lich trockene Rasselgeräusche (Knistern, Piepen, Schnarren, Pfeifen u. s. w.) auf. Entsprechend den Partien, in welchen die Alveolon durch die Hepatisation verschlossen sind, aber die Bronchien noch offen stehen, wird Bronchialathmen gehört. — In gleicher Weise bedingt die Com­pression der Lunge durch pleuritisches Exsudat (Hydrothorax) Bronchial­athmen. Die Ansicht, dass beim Hydrothorax das Wasser die Lunge erheblich nach oben verdrängen soll, ist irrthiimlich. — Wenn in Folge starker fibrinöser Exsudation im vorderen Brustraum der zungenförmige Lappen der Lunge nach hinten umgewendet ist, so fehlt an der vorderen Brustapertur der betreffenden Seite das Athmungsgeräusoh. — Zu be­achten bleibt bei der Auscultation das consonirende Geräusch, welches beim Stöhnen oder bei dor Ansammlung und Bewegung von Flüssig­keiten im Kehlkopf und in der Trachea äusserlich an der Brustwandung, nicht selten an beiden Seiten und an der vorderen Brustapertur zu ver­nehmen ist. Bronchiales Rasseln findet sich der Regel nach nur bei den Nachkrankheiten der Brustseucho. Auch das Krugblasen, welches in einzelnen Fällen in den oberen Partien der Lunge entsteht, gehört den Eolgeleiden der Brustseuche an. — Eine schwere in- und exspiratorische Dyspnoe ist häufig 2—3 Tage hindurch von dem klatschenden Nasalton begleitet.
Reibungsgeräusche der verschiedensten Art begleiten die pleuritische Affection, aber nicht constant. Eine reichliche, frische, fibrinöse Ex­sudation bringt durch die mit der Respirationsbewegung der Lunge ver­bundene Verschiebung des Exsudates ein weiches Reibungsgoräusch hervor. Sehr oft ist ein derartiges Geräusch am Pericardium und zwar isochro­nisch mit der Systole des Herzens zu vernehmen (pcriperikardiales Rcihungsgeräusch nach Traube). Bei geringer trockener Exsudation, ebenso am Ende des specifischen Stadiums, findet sich nicht selten knarrendes Reibegeräusch (Lcdorknarren). — Der Hydrothorax besteht in der Regel ohne pleuritische Athmungsgeräuscho. Wenn aber neben dem Wassererguss mehrere kleine Partien der Pulmonal- und Costal-Pleura durch fibrinöses Exsudat fest verklebt oder durch organische Ver­wachsung voreinigt sind, so wird in Folge der Verschiebung des Wassers durch die Athembewegungcn zuweilen ein gluckerndes oder plätschern­des Roibogeräusch mehrere Tage hindurch erzeugt. Sehr auffallend fand ich ein hartes, plätscherndes lleibungsgeräusch bei der durch fibrinöses Exsudat bedingten Verschiebung und Umwendung des vorderen Lungen­lappens.
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Die Percussion liefert am ersten und zweiten Krankheitstage niuht immer einen bestimmten diagnostischen Anhalt. Es können in einer Lunge mehrere hühneroigrosse Entzündungsherde vorhanden sein und es kann eine Brusthälfte auch 2 — 3 Liter Wasser enthalten, ohne da.ss des­halb bei der Percussion ein abnormer Schall sich ergiebt Füllt sich eine Lunge in ihrem unteren Dritttheil oder noch höher mit Exsudat, so ist der Percussionsschall in dem entsprechenden Bereiche dor ßrust-wand gedämpft. Liegt zwischen der Lunge und der Brustwand eine Schicht von Wasser und Fibrin in der Dicke von etwa 5 Ctm., so ist der Percussionsschall im höchsten Grade dumpf („absolute Dämpfungquot;). — Percutorischer Metallklang (Ton des gesprungenen Topfes) kann in allen der Untersuchung zugänglichen Theilen des Thorax vorkommen, ist aber am häufigsten in der mittleren Partie hinter den Schulter­muskeln zu constatiren. Am Ende des specifischen Stadiums wird der percutorische Metallklang oft durch eine in der Resolution befindliche, multiple Pneumonic bedingt. Bei den Nachkrankheiten ist er auf das Vorhandensein von eiterigen oder jauchigen Herdon mit oder ohne Ver­wachsung der beiden Pleurablätter zu beziehen. In einem derartigen Falle, in welchem die scharfen Ränder der Lunge mit dem Pleuraiiberzug des Brustbeins verwachsen waren, fand ich bei der Percussion des ganzen Brustbeins ausgeprägten Metallklang (vgl. S. 67). — Im Resolutions-stadium hellt sich der Percussionsschall an der kranken Seite von oben nach unten allmälig wieder auf. Zuweilen vollzieht sich die Resorption der Entzündungsproducte so schnell, dass in 3—4 Tagen nach dem Ein­tritt der Krisis der Percussionsschall normal wird. In anderen Fällen vergehen 5—8 Tage und bei den Nachkrankheiten bleibt der gedämpfte Percussionsschall oft mehrere Wochen bestehen.
Verlauf und Ausgang. Der Krankheitsverlauf ist bei der Brustseuche vorwaltend von dem Sitze und dem Umfange der .specifischen Local-Affection in den Brustorganen abhängig. Grossen Einfluss hat ausser-dem die Energie des Infectionsstoffes und die etwaige gleichzeitige Ein­wirkung anderer pathogener Ursachen (Mischinfection). Wenn die Krank­heit als typische Pneumonic oder als Pleuritis bezw. als Pneumo-Pleuritis durch Erkältung zur Ausbildung kommt, so beginnen die Erscheinungen oft schon 12—20 Stunden, zuweilen auch erst am zweiten oder dritten Tage nachher. Entsteht der Krankheitsfall durch Ansteckung, so ent­wickelt sich gewöhnlich am 5. — 10. Tage nach der Aufnahme dos In­fectionsstoffes, selten schon am 3. oder 4. Tage die fieberhafte Gesammt-affection. Oft wird ein Pferd am frühen Morgen schwer krank gefunden, welches am Abend vorher noch nichts Abnormes bekundet hat. Nicht
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Brustseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;229
selten vollzieht sich die Entwickelung des Krankheitsfalles auch lang­samer. Die betreffenden Pl'erdo nehmen dann ein oder zwei, zuweilen drei bis vier Tage und in einzelnen Fällen bis 8 Tage hindurch weniger Futter zu sich, bekunden auch eine gewisse Ermüdung, ohne aber ander­weitige und bezw. augenfällige Merkmale zu zeigen. Auch die Körper­temperatur steigt in dieser Zeit nur massig an. — Bei leichter Affection vollzieht sich in den ersten 2—3 Tagen der offenkundigen Erkrankung die Ausbildung dor Localprocessc vollständig, so dass während der letzten Tage eine Steigerung derselben nicht mehr stattfindet. Die Fiebertempe­ratur erhält sich im spec-ifischen Stadium ziemlich gleichmässig; doch sind Schwankungen innerhalb eines Thermometorgrades häufig. Entwickelt sich die Krankheit von vornherein in beiden Brusthälften, so gestaltet sich dieselbe in den meisten Fällen schwerer, als bei einseitiger Affection. Bei regelmassigem Verlaufe und leichter Erkrankung bestehen die Sym­ptome 7—8 Tage, worauf innerhalb 24—36 Stunden eine erhebliche Re­mission eintritt (Krisis). Dabei kommt oft eine Vermehrung der Harn-secretion zu Stande. Der bis dahin speeifisch schwere und an Harnstoff wie an Chlorverbindungen reiche, oft eiweisshaltige Harn wird dünn­flüssig, klar und frei von aromatischen Bestandtheilen; das speoifische Gewicht sinkt nicht selten bis zu 1010 und selbst noch niedriger. Nur die leichten Krankheitsfälle zeichnen sich dadurch aus, dass die fieber­hafte Temperatur, die Puls- und Athmungsfrequenz mit der Krisis fast gleichmässig sich zurückbilden. Gewöhnlich bleibt aber die Puls- und Athmungsfrequenz noch einige Tage etwas vermehrt, während die Rcctum-Toniperatur bereits normal ist. — In den Fällen einer schweren Er­krankung entscheidet sich das Leiden, auch bei regelmässigem Verlauf, oft nicht mit der gleichen Schnelligkeit. Zwar hört die speeifische Affection am 8. —10. Tage auf, aber in Eolge der Nachkrankheiten bleiben die Symptome der Gesammtstörung fortbestehen, so dass zwischen der spoeifischen Krankheit und dem Folgeleiden nicht immer eine scharfe Trennung möglieb ist.
Auf unbekannten Einflüssen beruht der Abortivverlauf, bei welchem die Allgomeinsymptome schon am 3. — 6. Krankheitstago nachlassen und das betreffende Pferd ohne erhebliche Schädigung der Gesundheit die Affection übersteht. Hypothetisch lässt sich der Abortivverlauf mit besonderen biologischen Bedingungen in Verbindung bringen, durch welche der [nfeotlonsstoff eine Abschwächung seiner pathogenen Virulenz er­fährt. Mit dieser Voraussetzung steht im Einklänge, dass die Gesammt­störung sehr oft nur einen massigen Grad erreicht. Auf einer Ab­schwächung des Infectionsstoffes dürfte auch die Thatsache beruhen,
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dass die Brustseuche zuweilen bei wochenlangom Herrschen in einem Orte oder in einem grössoren Bestände durchweg cinon milderen Charakter hat, als in anderen Jahren. Einzelne Pferde erkranken in so geringem Grade, dass die Erscheinungen der Gesammtstöning kaum augenfällig werden und ohne alles Zuthun nach 5 — 6 Tagen sich wieder zuriiek-bilden.
Ob der Verlauf schon 24 — 30 Stunden und gewissermassen plötz­lich abbrechen kann, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die Fälle, in welchen Pferde an einer fieberhaften und infectiösen Lungenentzündung von eintägiger Dauer erkranken, sind nicht gerade selten. Ich beob­achtete, dass aus einem grösseren Bestände 9 Pferde innerhalb 15 Mo­nate von dieser Krankheit befallen wurden (vgl. meine Mittheilungen in Adam's Wochenschr., 1885). Da sich nicht erweisen lässt, dass der speeifische Infectionsstoff der Brustseuche dauernd eine bestimmte Ab-schwächung seiner Virulenz erleidet, so betrachte ich aus praktischen Gründen die ephemere Pneumonic des Pferdes als eine besondere Krankheit.
Dass die Organe, welche durch die speeifische Blutdyskrasie in Mit­leidenschaft gezogen werden, nicht in jedem Ealle gleichmässig erkranken, wurde schon erwähnt. An einer genügenden Erklärung für das Zustande­kommen der hier gedachten Modificationen im Krankheitsverlauf fehlt es gegenwärtig noch. Thatsache ist, dass zuweilen die Function des Gastro-Intestinaltractus oder des Herzens nur in sehr geringem Grade leidet oder dass die Blutmischung mir wonig altcrirt wird. Oft prävalirt dagegen unter den Symptomen die Gelbfärbung der sichtbaren Schleim­häute. Solche Fälle sind in der älteren Literatur als „biliöse Pneu-moniequot; charakterisirt worden. Es ist nicht motivirt, diese Terminologie, die auf einer irrthümlichen medicinischen Lehre basirte, beizubehalten. — Nicht selten fehlt das Symptom der Gelbfärbung; die Conjunctiva erscheint dann in leichtem Grade anämisch oder auch wässerig infiltrirt. Dabei sind die Herzschwäche, die Abspannung der Körperkräfte und die Apathie erheblich. Die in dieser Art gekennzeichneten Fälle waren die Veranlassung, eine „asthenische Pnoumoniequot; des Pferdes zu unter­scheiden. Nach meiner Meinung liegt keine Nothwendigkeit vor, sicii unter diesem Namen eine besondere Form In dem Auftreten der Brust­seuche zu vergegenwärtigen.
Unregelmässig kann der Verlauf im speeifischen Stadium werden durch die excessive Ausbildung des einen oder anderen Bestandtheils der Krankheit oder durch Complicationen. In dieser Hinsicht sind folgende Zustände bemerkenswerth;
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Brustseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;231
1)nbsp; nbsp;Pleuritis universalis. Aus unbekannten Ursachen kommt bei einzelnen Pferden eine relativ geringe Pneuraonie, aber eine univer­seile exsudatire Pleuritis in beiden Brusthälften zur Ausbildung. Diese schwere und oft tödlliche Krankheit ändert den Verlauf insofern, als die betreffenden Patienten eine grosse Athmungsfrequenz und erhebliche Dyspnoc zoigon. Dabei kann eine massige Futteraufnahme sich bis zum Tode erhalten, wie bei schweren Arbeitspferden oft zu beobachten ist. Der tödtliohe Ausgang ist auf die Compression der Lungen und auf die excessive Belastung der Horzfunution zurückzuführen.
2)nbsp; nbsp;Nicht selten ragt unter den Symptomen die Wirkung einer schweren Myocarditis hervor, durch welche die Herzschwäche eine ge­fährliche Höhe erlangt und der Blutdruck in den Arterien sich ver­ringert, so dass der Puls sehr frequent, klein und schwach wird. Bei passender Behandlung ist zuweilen noch eine Rückbildung der Herz-affeotion und eine vollständige Genesung möglich. Ungünstig verläuft das Leiden in der Regel bei einer Frequenz von mehr als 90 Schlägen in der Minute, sowie bei inäqualer und arhythmischer Beschaffenheit des Pulses. Der Tod erfolgt unter den Erscheinungen der Suffocation, ge­wöhnlich am 5.—8. Krankheitstage.
3)nbsp; nbsp;Schwere Magen-Darmaffection entsteht im Beginn der Brastseuche oft und kann den sonst regelmässigen und leichten Krank­heitsvorlauf ungünstig gestalten. Sie findet ihre ursächliche Grundlage in der relativ grossen Virulenz der Entzündungsproducte, welche aus den kranken Brustorganen in die Blutcirculation gelangen. Die Affection der Digestionsschleimhaut vollzieht sich unter starker Füllung der ßlut-gefässe und entzündlicher Infiltration mit gelblichem Serum. Hiermit kann eine verzögerte Defäcation verbunden sein und einzelne Pferde be­kunden in Folge dessen im Beginn der Krankheit die Symptome einer leichten Kolik. Lebensgefährlich ist eine solche Kolik an sich nicht. Von grösserer Bedeutung wird die mangelhafte Futteraufnahme, welche die nutritive Restitution verzögert und den Verlauf der localen Entzün-dungsprocesse in den Brustorganen ungünstig gestaltet. Bei einzelnen Pferden entsteht ein vorübergehender Durchfall, so dass an 1 oder 2 Tagen bräunlich gefärbte, dünnflüssige Darmexcremente in grosser Quantität abgesetzt werden. Zuweilen scheidet sich auf der Darmschleim­haut Blutserum oder selbst Blut ab, wodurch die Excremente eine brei-förmige Beschaffenheit und dunkle bis braunrothe Färbung erlangen.
4)nbsp; nbsp;Krouzlähmung. In vereinzelten Fällen wird im speeifischen Stadium beobachtet, dass die kranken Pferde wegen der diffusen Affection der Apoueurosen am Rücken und an den Hinterschenkeln oder in Folge
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einer diffusen Infiltration der Pia mater spinaiis sich nicht stehend er­halten können. Diese Complication endet nach meinen Beobachtungen stets tödtlich.
5)nbsp; nbsp;Gehirnkrämpfe. Die speciello Entwickolungsgeschichte der die ßrustseuche zuweilen complicirenden Gehirnkrämpfc ist nicht bekannt; ich habe bei der Section der betreffenden Pferde wiederholt gefunden, dass das Adergeflecht der vierten Hirnkammer an beiden Seiten auf­getrieben und degenerirt, und dass die von hier sich in die Schenkel fort­setzende Pia mater etwas verdickt war. Es ist möglich, dass durch die acute Leptomeningitis sich dieser chronische Zustand steigert und dass hierdurch die Krämpfe veranlasst werden, welche anfallsweise und vor­waltend in den gemeinschaftlichen Kopf-Hals-Armmuskeln und in den Beugern der Vordergliedmasse auftreten. Immer erlangt der Krankheits­verlauf durch diese Complication einen lebensgefährlichen Charakter; indess ist die Aussicht auf Genesung durch dieselbe nicht vollständig abgeschnitten. Von 10 dieser Complication angehörenden Krankheits­fällen, welche ich behandelte, endeten 6 direct tödtlich, 1 verlief durch recrudescirende Pleuritis letal und in 3 Fällen erfolgte Genesung.
6)nbsp; nbsp;Lungenblutung. Ausser den blutigen oder blutfarbstoffhaltigen Ausflüssen aus der Nase, welche sich als Erscheinung umfangreicher hämorrhagischer Lungeninfarcte kennzeichnen und zeitweise häufiger beob­achtet werden, als sonst, kommt im Verlaufe der Brustseuche mitunter eine erhebliche Lungenblutung vor, die mit einer durch besondere For­mente bedingten hämorrhagischen Diathese in Verbindung zu stehen scheint. Aus den Lungen fliesst das Blut in die Bronchien und in die Trachea, von wo es in den Schlundkopf gelangt und von dem kranken Pferde zum grossen Theil verschluckt wird. Ein Theil des Blutes ent­leert sich aus der Nase und zuweilen gleichzeitig aus dem Maul. Das verschluckte Blut erzeugt im Magen und Darmkanal eine entzündliche Reizung, von der auch die Peyer'schen Haufen betroffen werden. Ich fand in einem Falle eine förmliche Verschorfung der geschwollenen Peyer'schen Haufen und im Jejunum und lleum eine diffuse, oberfläch­liche Mortification (Diphtherie) der Schleimhaut an kleinen und grösseron Partien. Von dem in die Bronchien und Trachea ergossenen Blute ge­langt durch Aspiration ein Theil in die noch gesunden Abschnitte beider Lungen, wodurch eine grössere Zahl von Lobulis für die Athmung mo­mentan untauglich wird. Hieraus erhellt, dass Lungenblutungen im Ver­laufe der Brustseuche erhebliche Gefahren impliciron. Die Prognose wird durch diese Complication mindestens ungünstig, gewöhnlich schlecht.
7)nbsp; nbsp;Blutungen in die Brusthöhle (Hämatothorax) werden
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Brustseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;233
durch Berstung eines Gefässcs der Pleura veranlasst. Mehrfach sah ich eine solche Blutung in Verbindung mit Lungenblutung entstehen und es scheint das Zustandekommen derselben ebenfalls darauf zu beruhen, dass neben der Brustseuche noch eine besondere septische Infection stattfindet. Diagnostisch ist diese Blutung von der häraorrhagischen Pleuritis zu trennen. Die Ruptur des Gefässes kann bei den Sectionen in der Regel nicht nachgewiesen werden, wenn selbst bis zu 15 Liter dunklen Blutes sich in den Thorax ergossen haben. So lange die Brusthöhle geschlossen bleibt, gerinnt das Blut nicht.
Die Voraussetzung der hämorrhagischen Diathese findet auch da­durch ihre Bestätigung, dass bei Verletzungen der Lungen gelegentlich der Paracenthese des Thorax durch reichlichen Erguss von dünnflüssigem schwarzrothem Blut in den Brustraum der Tod verursacht werden kann.
Sowohl die Hämorrhagien der Lungen, als diejenigen der Pleura bedingen ein schweres Allgemeinleiden. Die sichtbaren Schleimhäute entfärben sich; der Puls wird frequent und schwach, die Respiration beschleunigt und dyspnoisch; es fehlt der Trieb zur Futteraufnahme vollständig; die Harnsecretion verringert sich und die Kräfte verfallen innerhalb ein bis zwei Tage. Wenn die Pferde nicht mehr stehen können, gehen sie gewöhnlich schnell unter den Zufällen der Asphyxie ein.
8)nbsp; nbsp;Blutungen in die Harnwege. Nierenblutungen habe ich bei der Brustseuohe nie constatirt. Der Nachweis rother Blutkörperchen im Harn kann nicht mit einer eigentlichen Hämaturie in Verbindung ge­bracht werden. Dagegen stellen sich Blutungen der Blase während des speeifischen Stadiums und auch in der Reconvalescenz nicht selten ein. Die Entstehungsgeschichte derselben führe ich darauf zurück, dass die pathogenen Stoffe des Blutes in der Blasenschleimhaut eine erysipelatöso Entzündung veranlassen, welche sich auf die Wandungen einzelner Venen verbreitet und Thrombose der letzteren verursacht, worauf durch den übermässigen Blutdruck eine Hämorrhagie aus den Capillaren erfolgen muss. Die Blasenblutung dauert zuweilen nur einige Tage, oft aber mehrere Wochen und ich habe ein Pferd in Behandlung gehabt, bei welchem sich die in dieser Art entstandene Häraorrhagia vesicalis erst nach 2 Monaten allmälig wieder verlor. Die Prognose ist demnach bei diesen Blutungen im Allgemeinen günstig.
9)nbsp; nbsp;Erysipelatöso Schwellung der Gliedmassen. Der krank­haft verringortc Blutdruck begünstigt die Entstehung ödematösor Schwel­lungen in der Subcutis an den Gliedmassen und es schliesst sich daran nicht selten eine diffuse entzündliche Infiltration, welche sehr schmerz­haft sein kann. Mehrfach sah ich bei Pferden gegen Ende des speeifischen
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234nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten.
Krankheitsverlaufs und auch noch im Rcconvalescenzstadium, dass der erysipelatöse Bntztindungsprocess an den Hintersohenkeln von dem sub-outanen Gewebe sioii auf die Vena saphcna ausbreitete und eine Throm­bose der letzteren herbeiführte. In solchen Fällen nimmt die Krankheit einen letalen Verlauf, weil sich die Pferde nicht aufrecht erhalten bezw. nicht mehr aufstehen können.
10)nbsp; nbsp;Pferdestaupe. Ich habe im Winter 1882 1883 und im Früh­jahr 1885 viele Fälle von Brustseuche behandelt, bei welchen die Pferde im Beginn der Erkrankung sich mit dem Contagium der Pferdestaupe behafteten, so dass die Patienten am 5. — 7. Krankheitstage an beiden Seuchenkrankheiten gleichzeitig litten. Die Gefahr der Brustsouche-affection verschlimmert sich durch die Mischinfection sehr erheblich, weil die gesammte Nutrition des Körpers schwer benachtheiligt wird und die Kräfte schnell verfallen. In Folge dessen kommen in den entzündeten Brustorganen die ungünstigen Nachkrankheiton (Zerfallsprocesse) sehr leicht zur Ausbildung. Unterstützt wird die Diagnose durch die Kennt-niss von dem Herrschen der Pferdestaupe und durch den Eintritt von starken Blutstauungen in den Organen der Brust- und Bauchhöhle, ödematöser Infiltration der Conjunctiva mit starker Lichtscheu und schweren Störungen der Horzfunction. Der Vorlauf gestaltet sich oft lebensgefährlich, besonders bei regnerischer und nebeliger Witterung und wenn die Pferde in dumpfen, niedrigen Stallungen bleiben. In Folge übergrosser Herzschwäche, profusem Durchfall oder eiterig-jauchiger Herde in den Lungen nimmt die Krankheit bei dieser Complication leicht einen tödtlichen Ausgang. Durch sorgfältige diätetische Pflege und Be­handlung der Pferde gelingt unless die Heilung nicht gerade selten.
11)nbsp; nbsp;Katarrhalische Affectionen der Respirations-Schleim-haut. Pferde, welche an einfachem Nasenkatarrh, Bräune oder Bron­chitis leiden, sind vor der gleichzeitigen Erkrankung an der Brustscucho nicht geschützt. Selbst mit der Druse kann sich die Seuche compliciren, wie ich mehrere Male beobachtet habe. Dass durch das gleichzeitige Bestehen solcher Affectionen der Krankheitsverlauf erschwert wird und die Entzündungszustände der Brustorgane leicht einen ungünstigen Aus­gang nehmen können, ist für jeden Sachverständigen ohne eingehende Motivirung verständlich.
Als Nachkrankheiteu der Brustseuche worden beobachtet:
1) Bronchitis und Bronchiectasie. Die aus der multiplen
Broncho-Pneumonic sich häufig bildenden bronchieclatischen, käsigen
Herde bleiben als solche nur kurze Zeit bestehen. Das Material in den
erweiterten Bronchien verflüssigt sich und wird expectorirt. Hierbei
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Brustseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;235
dehnt sich die katarrhalische Entzündung von den eotatischen Partien auf weitere Abschnitte des Bronchiaibaums aus. Lästiger Husten, massig beschleunigtos und erschwertes Athmen, fieberhafte Temperaturerhöhung, geringe Pulsfrequenz, mangelhafter Appetil und schleimige Nasendejection kennzeichnen diesen Zustand, dessen Verlauf bei einseitiger Pnouraonio in der Regel günstig, bei doppelseitiger Erkrankung der Lungen zu­weilen lebensgefährlich ist. Die Genesung erfolgt in 8 —14 Tagen. Durch frühzeitigen Gebrauch der Pferde und namentlich durch die Ein­wirkung von Witterungsunbilden kann sich aber eine diffuse, eiterige Bronchitis mit tödtlichom Ausgang entwickeln.
2) Ichorrhöse Pneumonic (Broncho-pneumonische Jauche­herde — Lungen brand). Zu dieser gefährlichen Nachkrankheit in-cliniren diejenigen Patienten, bei welchen im speeifischen Stadium eine reichliche hämorrhagische Nasendejection beobachtet wird. Wenn jauchige Zerfailsmassen in die Bronchien gelangen, so bekunden die Pferde bald mehr, bald weniger einen süssl ich-fauligen Geruch der Exspirationsluft und eiterige oder auch jauchige, zuweilen hämorrhagische Nasendejection. Die Resorption der iohorrhösen Flüssigkeiten veranlasst eine Blutvergiftung mit entzündlichen Ernährungsstörungen in der Magendarmschlcimbaiit und in zahlreichen anderen Organen. Als Symptome dieser, in der Regel tödtlichen Nachkranklieit sind zu beachten: Appetitmangel, grosse Puls­frequenz, harte und scliliesslich drahtförmige Beschaffenheit der äussern Kinnbackonarteric, erschöpfende Diarrhöe, schnelle Abmagerung, venöse Färbung der sichtbaren Schleimhäute, stierer Blick und zunehmender Kräfteverfall. Hierzu kommen die speciellen Symptome der Pneumonio: leerer und dumpfer Pcroussionsschall, oft auch an einer kleineren oder grösseron Partie der Ton des gesprungenen Topfes. Bei der Auscultation: Fehlen des Vesiculärgcräusches, Bronchialathmen und in seltenen Fällen auch in der oberen Partie der Lungen amphorisches Athraungsgeräusch. Hat sich der Lungenbrand mit Pleuritis complicirt, so sind Schmerz-empfindung in der Brustwand und pleuritische Reibungsgeräusche nach­zuweisen.
Die Prognosis ist bei der jauchigen Lungenentzündung schlecht. Gewöhnlich können die Pferde als dem Tode verfallen beurthoilt werden, sobald der stinkende Geruch an der Exspirationsluft in Verbindung mit dem Ergebniss der Auscultation und Percussion den jauchigen Charakter der Lungenkrankheit sicher stellt. Ich will aber nicht unerwähnt lassen, dass ich wiederholt Pferde behandelt habe, bei welchen durch Narben-bildung in der Lunge und Verwachsung der letzteren mit der Costal-
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wand die Genesung soweit erfolgte, dass die Thiere noch zu den ge-wölmliohen Dienstleistungen tauglich blieben.
3)nbsp; nbsp; Chronische, eiterige Pneumonic (Lungenabscesse). Broncho-pneumonische Eiterhorde können eine chronische, mit Abscess-bildung verlaufende Pneumonie, sowie eine consecutive diffuse Pleuritis veranlassen, wie S. 219 bereits hervorgehoben wurde. Der krankhafte Zustand kann sich auf Monate ausdehnen, endet aber nach meinen Er­fahrungen fast stets mit dem Tode. Die Pferde zeigen hierbei einen grossen Wechsel in den Krankheitserscheinungen, zuweilen fieberhafte Temperaturerhöhung, oft dagegen mehrere Tage hindurch die normale Eigenwärme. Eiteriger Nasenausfluss, der zeitweise stark, zuweilen ge­ring ist. Pulsfrequenz, geringer Appetit, llöthung der Conjunctiva, zeit­weise Durchfall, Abmagerung, harte, dem Rippenkörper fest anliegende Haut. Hierzu kommen die Ergebnisse der Auscultation und Percussion.
4)nbsp; nbsp;Consecutive Pleuritis. Die Bedingungen, unter welchen sich eine Pleuritis als Nachkrankheit der ßrustseuche fortsetzen kann, sind verschieden. Hiernach differirt auch der Charakter und die Gefahr der Pleuritis. Nicht immer lassen sich aber in den concreten Krankheits­fällen die Ursachen der consecutiven Pleuritis feststollen und es kann demnach auch eine sichere Prognose zuweilen erst nach mehrtägiger Beobachtung motivirt werden. Ungünstig ist jeder Fall von doppel­seitiger consecutiver Pleuritis zu beurthoilen. — Mit dem hier gewählten Namen der consecutiven Pleuritis ist die ganze Gruppe der an der Pleura als Folgeleiden der Brustseuche auftretenden Entzündungsvorgänge ge­meint. Im Wesentlichen gehören hier/u folgende Zustände:
a. Selbständige, oberflächliche Pleuritis mit entzünd­lichem Hydro thorax. Nachdem die Lungenentzündung ohne Znrück-lassung erheblicher Veränderungen abgeheilt ist, bleibt bei einzelnen Pferden ein diffuser oberflächlicher Process auf der Pleura bestehen, durch welchen grosse Mengen von Serum in den Brustraum abgeschieden werden. Die fibrinöse Exsudation ist hierbei in der Regel gering. Das Serum hat eine gelbliche, zuweilen auch blassröthlichc Farbe. Fast immer sind beide Seiten betroffen und in der Brusthöhle sammelt sich in 3 — 8 Tagen eine Quantität von 25 — 30 Liter Flüssigkeit an. Die Pferde bekunden neben den Ergebnissen der Auscultation und Percussion die allgemeinenErschcinungen der I3rustwassersucht: Krankhafte Athmungs-frequenz, starke in- und exspiratorischo Dyspnoe, grosse Pulsfrequenz, zunächst weiche, später harte Beschaffenheit der äusseren Kinnbacken­arterie, ödematöse Schwellungen am Brustbein, Beschränkung der Harn-secretion, Verweigerung der Futteraufnahroe und venöse Röthung der
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Brustseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;237
sichtbaren Schleimhäute. Dor Verlauf ist meist ungünstig, doch kann zuweilen durch die Paracenthese des Thorax noch eine günstige Wendung im Krank hei tsverlauf herbeigeführt werden.
b. Reorudesoirende Pleuritis. Nach einem regelmässigen und zuweilen nicht einmal schworen Krankheitsverlauf behält, die Pleura oft mehrere Wochen hindurch eine grosse Vulnerabilität, welche darauf zu­rückzuführen ist, dass die speeifischen Entzündungsprocesse nicht voll­ständig abheilten. Dem Pferde selbst wird ausser der unvollständigen Futtoraufnahme und einer Verringerung des Temperamentes kaum noch eine Störung der Gesundheit angesehen. Wenn aber die Thiere 2 bis 3 Wochen nach dem scheinbaren Aufhören der Krankheit frühzeitig in Gebrauch genommen werden oder sich eine Erkältung zuziehen, so ent­wickelt sich von neuem eine Pleuritis. Die Auscultation und Percussion ergiebt hierbei ziemlich dieselben Merkmale, wie bei der speeifischen Pleuritis. Temperaturerhöhung, Pulsfrequenz, Appetitmangel, venöse Injection der sichtbaren Schleimhäute und Beschränkung der Harn-secretion vervollständigen das Bild. Zuweilen ist diese Pleuritis gering­fügig und die Thiere genesen nach zweckmässiger Behandlung. Sehr oft führt dieselbe aber zur Entwickelung von Granulationsgewebe in der Pleura und es scheidet sich neben Fibrin und Serum eine grosse Quantität von Eiter ab. Dann bekunden die Thiere eine progressive Abmagerung, Oedem der Subcutis am Brustbein, Zurückziehen der Augen, stieren Blick und dyspnoisches Athmen. In solchen Fällen hat die recurrirende Entzündung immer einen letalen Ausgang und auch mittels künstlicher Entleerung des eiterigen Exsudates durch die Eröffnung des Thorax ist eine Heilung nicht mehr zu ermöglichen.
0. Eiterige Pleuritis. Häufig setzt sich die speeifische Pleuritis der Brustseuche direct fort, wobei neben dem serös-fibrinösen Charakter die Tendenz zur Abscheidung von Eiter besteht. Der Entwickelung dieser ungünstigen Complication liegt die Mitwirkung besonderer F'er-inonte zu Grunde, welche entweder mit der Blutcirculation oder durch die Bronchien in die Pleura gelangen. Gleich nach dem Aufhören der speoiflsohen Pleuritis erhält das wässerige Exsudat eine grünliche Eärbung, wie ich öfter bei der Paracenthese des Thorax fand. In den folgenden Tagen prävalirt der eiterige Entzündungscharakter und die Thiere gehen in gleicher Weise, wie von der recrudescirenden Pleuritis hervorgehoben wurde, zu Grunde.
d, Pleuritis nach Mortification eines hämorrhagisch in-farcirten Lungenstückes. S. 219 ist der Entwickelung der hier ge­meinten Pleuritis bereits gedacht worden. In der Umgebung der mit
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der disseoirenden Bntzündang an dem nekrotisohen Herdo entstehenden Mortification dor Pleura bildet sich eine starke Exsudation von Fibrin. Dor Process setzt sich durch nachbarliche Infection auf einen grossen Theil dor Pleura tort und kann auch auf die bis dahin noch gesunde Brustseite übertreten. Die Entstehungsgeschichte dieser Pleuritis ist während des Lebens nicht /,u oruiren, da die Symptome in Nichts ver­schieden sind von dem Krankheitsbilde Jeder anderen diffusen, exsudativen Brustfellentzündung, Im üebrigen ist der Zustand fast immer unheilbar, weil die Ursache dor Pleuritis nicht beseitigt werden kann.
e. Pleuritis nach peri pherisch gelegenen Jauoheherden der Lunge. Gangränöse Zerstörungen der Entzündungsherde verbreiten sich sehr leicht auf die Pleura, weil die jauchigen Zerfallsmassen durch ihre scharfen Eigenschaften eine corrosive Wirkung auf das Lungengewebe ausüben. Die Pleura erstirbt an den Stollen, welche mit der Jauche sich imprägniren; sie wird glanzlos und fest, zuweilen auch porforirt, so dass Jauche von der Lunge direct in den Brustraum gelangt. Ich will aber ausdrücklich constatiren, dass die jauchige Infection dor Pleura auch oft zu Stande kommt, ohne dass eine förmliche Mortification vor­hergeht. Die hiernach in der Pleura eintretende diftuse Entzündung hat conform ihrem Ursprünge einen jauchigen Charakter. Es scheidet sich in massiger Quantität (etwa quot;2 —10 Liter) trübe, missfarbene, an Eiter-körperchen und zerfallenen rothen Blutkörperchen reiche, fibrinhaltigo Flüssigkeit ab, mit welcher sich zuweilen das äussere Blatt des Herz­beutels imprägnirt, so dass auch das innere Blatt des letzteren (die Herzüberkleidung) in Folge der hoftigen Reizung mit der gleichen Ent­zündung behaftet wird. — Die Krankheit führt stets zum Tode. — Wenn nicht zugleich durch den üblen Geruch der Exspirationsluft die Lungengangrän festzustellen ist, so lässt sich die Diagnose der Jauchigen Pleuritis nicht mit Sicherheit ermöglichen, weil die Symptome von den Merkmalen einer anderen diffusen Pleuritis nicht wesentlich differiren. Schneller Kräfteverfall, abundante Diarrhöe, öderaatöse Schwellungen der Subcutis am Brustbein, tief liegende Augen, starke venöse Röthung der Schleimhäute und erhebliche Abmagerung deuten in Verbindung mit den durch Localuntersuohung zu errnittelnden Symptomen den jauchigen Charakter der Pleuritis an.
5) Empyom. Wie S. 222 bereits angegeben ist, kommen bei grösseron Empyemen die entzündlichen Processo nicht zum Aufhören. Die Pferde zeigen hierbei spärliche Futteraufnahrao, Abmagerung, tief­liegende, oft triefende Augen, Pulsfrequenz, zeitweise krankhafte Er­höhung der Eigenwärme, massig beschleunigtes und dyspnoisches Athmen.
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Hierzu kommen die Ergebnisse der Auscultation und Percussion, welche sich indoss wie beim einseitigen Hydrothorax vorhalten. Die Diagnose lässt sich bei der Seltenheit des Vorkomraens von Empyemen gewöhn­lich erst nach einer 2 — 3 wöohentiichon Beobachtung dos Patienten motiviren. Durch Function des Thorax und Entleerung eines kleinen Thcils des Inhalts wird die Erkennung erleichtert. Die Heilung eines grösseren Empyems bei Pferden kann nach meinen Erfahrungen nicht in Aussicht genommen werden. Für die Auswaschung der Höhle mit dosinficirenden Flüssigkeiten liegen die Verhältnisse viel ungünstiger, als bei Menschen.
6) Meningitis spinalis dif fusa. Eine acute entzündliche Affection der Riickenmarkshäute ist als Nachkrankheit der Brustseuche selten. S. 232 wurde erwähnt, dass dieselbe schon im speeifischen Stadium zu Stande kommen kann. Der Verlauf ist in der Regel peracut und nach meinen Beobachtungen stets tödtlich. Krampfhaftes Zittern in der Haut und Zuckungen in den oberflächlichen Muskeln, zuweilen Lähmungen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen, schwankende Haltung des Körpers, Scheu vor Ortsbewegungen und Niederfallen beim Gehen bezeichnen die Ausbildung dieser Nachkrankheit. Dazu kommen: Verweigerung der Futteraufnahme, Pulsfrequenz, Erhöhung der Bluttemperatur und Be­schleunigung des Athmens. Die Thiere werden unvermögend, zu stehen und gehen dann innerhalb eines Tages zu Grunde, nachdem sie sich im Liegen noch mannigfache Läsionon der äusseren Haut zugezogen haben. Bei einem Pferde beobachtete ich einen langsameren Verlauf.
Ein siebenjähriger brauner Wallach, dem schweren WagensohLig angehörend, erkrankte am 12. April 1883 an dor Brustseucho mit massiger Pneumonia sinistra. Krankheitsverlauf günstig. Am 24. April war das Pferd Beberfrei und es zeigte bei geringer Pulsfrequenz regen Appetit, so dass es als Reconvaloscent anzusehen war. Es hatte am 27. April sein Futter und (iotränk noch vollständig verzehrt. Aber am nächsten Morgen (und ich folgende Symptome: Leichtes Zittern der Haut am Kopfe; schwerfälliger Gang; schreckhaftes Zusammenfahren bei leichtem (ioräusch; häufiges Aufstützen des Kopfes; Ober- und Unterlippe nach der rechten Seite verzogen; ge­spreizte Stellung der Vordergliedmasseni Hinterglledmassen nach vorn unter den Bauch gestellt. Mm, anconaei erschlafft, Mm. sternooleidomast, und Mm. peotorales in starker Contraction, um das Stehen zu ermöglichen. Das Pferd lehnt sich beständig mit der rechten Seile an die Stallwand, um sich aufrecht zu halten. Es bewogt sich ungern, und dann stets nach der linken Seite. Eigenthümlich tappende Bewegung mit der rechten, weniger mit der linken Vordergliedmassej die Füsse werden weit nach vorn gebracht, aber das Pferd hat nicht die Fähigkeit „des Eingreifens in den Bodenquot; mit denselben. Puls (iO, Rosp. 12, Temp. ii9,0. In den nächsten 3 Tilgen steigerten sich diese Symptome, während Futter und Getränk noch in massiger Quan­tität langsam aufgenommen wurde. Das Thier logt sich öfter und kann ohne Hülfe nicht aufstehen. Verletzungen am Kopfe, Becken und an den Schenkeln in Folge
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wiederholten Niederstürzens und anhaltenden Liegens. Starke Abmagerung'. Am 7. Mai konnte das Pferd auch durch zweckmässige Hülfe nicht zum Aufstehen gebracht wer­den; am folgenden Tage wurde es als unheilbar getödtet. Autopsie: Neben dem sonstigen Befunde Ansammlung von röthlich gefärbtem Serum zwischen Dura und Pia spinalis; die Subpia am Halse und Rücken reichlich mit röthlicher, eiweissreicher Flüssigkeit inflltrirt. Rückenmark selbst serös durchfeuchtet. Leber geschwollen; linke Lunge zeigt noch Spuren der abgeheilten Pnoumonie.
Während die vorstehend betraohteten Nachkrankheiten sich im directen Anschluss an das speoiflsohe Stadium entwickeln, wird anderer­seits noch an entfernteren Organen das Zustandokomnaen von localen Entzündungszustiüulen bei einzelnen Pferden beobachtet, welche die Brust­seuche nach regelmässigem Verlaufe überstanden haben. Für die Aetiologie dieser Folgoleiden erübrigt nur die Hypothese, dass auch im Conva-lescenzstadium noch schädliche Körper (organische Gifte) mit dem Blute circuliren, welche nach ihren speeifischen Eigenschaften an einzelnen Organen und Geweben entzündliche Reizungen herbeiführen können. Von solchen Folgeleiden, die im Ganzen aber nicht häufig vorkommen, werden beobachtet:
1) Die chronische Entzündung der Bursa trochlearis (chro­nische Hufgeienklahmheit).
'2) Die chronische Entzündung der oberen Sehnenscheide des Hufbeinbeugers.
In der Regel kommen derartige Affectionen an beiden Vorderglied­massen gleichzeitig und meist auch in gleichem Grade zur Ausbildung. Nicht selten ist das Leiden aber an der einen Gliedmasse stärker, als an der andern. Ihrem Charakter nach sind die Entzündungen, deren specielle Beschreibung der Veterinär-Chirurgie anheimfällt, sehr hart­näckig und die Ausheilung gelingt nur selten vollständig. Günstig wirkt auf den Verlauf anhaltende Ruhe und gute Pflege der Pferde.
3)nbsp; nbsp;I n ne re A ugene n tz ii n du ng(recurrirende oder periodische Augenentzündung, Mondbl indheit). Auf einem oder gleichzeitig auf beiden Augen tritt im Convalesccnzstadium ganz unerwartet eine schwere Entzündung der Iris oder der Chorioidea mit ihren Folgen ein. Auch diese Nachkrankheit hat nach ihrer ganzen Tendenz einen un­günstigen Verlauf. Wenn auch in einzelnen Fällen sich das Sehver­mögen auf dem kranken Auge erhält, so ist doch als Regel zu be­trachten, dass dasselbe später erblindet.
4)nbsp; nbsp;Li nksseitige Kehlkopflähmung (Kehlkopfpfeifcn). Die in der Literatur niedergelegten zahlreichen Beobachtungen der praktischen Thierärzte rechtfertigen die Annahme, dass der Fehler des Kehlkopf-pfeifens zuweilen mit der Brustseuche in ursächlichem Zusammenhang
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steht. Ich kenne auch mehrere Fälle, in welchen die Pferde einige Wochen nach der Genesung mit dem Kehlkopfpfeifen behaftet waren, habe aber trotz eines grossen Beobachtungsmatorials keine Gelegenheit gehabt, die Pathogenese dieser Nachkrankheit spociell festzustellen. — Bei dem Dunkel, in welches die Entstehungsgeschichte der einseitigen Kehlkopflähmung noch gehüllt ist, lässt sich über den ursächlichen Ein-fluss der Brustseuche bei derselben eine klare Vorstellung nicht ge­winnen. Die Muskellähmung muss dadurch hervorgebracht werden, dass ein mit dem Blute circulirendes Gift entweder den Centralapparat des N. recurrens sinister lähmt, oder eine parenehymatöse Degeneration der betreffenden Kchlkopfmuskoln herbeiführt.
Senchevcrlauf. In ihrer Verbreitung bekundet die Brustseuohe bis zu einem gewissen Umfange einen epidemischen Charakter, insoweit sie leicht in mehrere Pferdebestände durch Einführung inficirter oder kranker Pferde, verschleppt wird und in den grossen Städten, in welchen sie stationär ist, bei dem Herrschen ungünstiger Witterungseinllüsse gleich­zeitig in vielen Ställen zum Ausbruch kommt (Ortsseuche). Vorzugs­weise verläuft die Brustseuche aber in den grossen Pferdebeständen, ohne sich weiter zu verbreiten (endemisches Auftreten; Stallseuche). Die Krankheit hat auch in diesem Verhalten viel üobereinstimmung mit der Lungenseucho des Rindes. Die Verbreitung in grossen Pferde­beständen erfolgt nicht gleichmässig. Abgesehen von Ausnahmefällen bleiben die Pferde, die früher einmal an der Seuche gelitten haben, ver­schont. Bei den anderen Pferden richten sich die Zahl und die Zeit der Krankheitsfälle wesentlich nach der grösseren oder geringeren Gelegen­heit zur Ansteckung, zum Theil auch nach Wittorungscinflüssen. Oft verliert der Infectionsstoff nach I—2 Monaten seine grössere Virulenz und die Seuche kommt zum Erlöschen, trotzdem in dem Bestände noch viele Pferde nicht erkrankt sind. Zuweilen dehnt sich der Seucheverlauf auf ein halbes Jahr und darüber aus. In kleinen Beständen, die etwa bis 12 Haupt zählen, sah ich mehrfach innerhalb 4—(! Wochen sämmt-liche Pferde in die Brustseuche verfallen. Im Allgemeinen lässt sich nach der Erfahrung annehmen, dass, wenn vom Beginn des letzten Krank­heitsfalles fünf Wochen vergangen sind, ohne dass sich eine weitere Er­krankung eingestellt hat, die Brustseucho zum Aufhören gekommen ist.
Diagnose, Manche Irrthümer in der Unterscheidung der Brustseucho von anderen Krankheiten wurden bisher durch eine incorrcete Definition der Seuche und ihrer Pathogenese verursacht. So lange die Brustseucho einerseits mit der Pferdestaupe und der Scalma vermengt und anderer­seits von der „crouposen Pneumoniequot; getrennt oder als Pleuritis und als
Dieckerhoff, Spec. Pathologie 11. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;j (;
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242nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten,
eine nicht ansteckende Krankheit angesehen wurde, Hess sich von den praktischen Thierärzton eine genaue Diagnose nicht erwarten. Der Ver­wechselung dieser Krankheiten kann der Sachverständige nur durch die vollständige, mit Umsicht und Sorgfalt bewirkte Erhebung der dia­gnostischen Befunde zuvorkommen. Massgebend ist für die Beurtheiiung der Symptome, dass die fieberhafte Blutdyskrasie bei jeder Infections-krankheit ihre eigcntliümlichon Eigenschaften hat. Wegen der diagnosti­schen Bedeutung dieses Gesichtspunktes kann ich nur auf die Beschreibung der Krankheitssymptome verweisen. Im Uebrigen schützt die sorgfältige Beachtung der Thatsache, dass die Brustseuohe eine primäre erysipelatöse Pneumonie oder Pnoumo-Pleuritis darstellt, in praxi vor diagnostischen Irrthümern.
Eine gewisse Aehnlichkeit der Symptome hat die acute Bronchitis mit der Brustseuohe. In den meisten Fällen bietet aber der schleimige Ausfluss aus der Nase bei der Bronchitis und die hohe Bluttemperatur im Initialstadium der Brustseuche einen genügenden Anhalt zur Unter­scheidung. Zuweilen ist aber eine zwei- bis dreitägige Beobachtung des Krankheitsvcrlaufes erforderlich, um bei einem diffusen Katarrh der Bronchien das Vorhandensein der Brustseuchepneuinonie auszuschliessen. Denn es kann die letztere auch bei einem Pferde entstehen, welches bereits an einem Laryngoal- und Bronchialkatarrh leidet.
Mehr noch, als die Katarrhe der Respirationsorgane sind die nicht infectiöson Arten der Pneumonie und Pleuresie bei der Diagnose zu be­rücksichtigen. So leicht die Diagnose der Brustseuche ist, wenn neben den Zufällen einer frischen Pneumonie gelbliche Schwellung der Schleim­häute und rostfarbene oder gelbliche Nasendejocte hervortreten, so schwer ist oft die Beurtheiiung versteckter Fälle. Ein speeifisches Merk­mal zur Unterscheidung der Brustseuche von den anderen Lungenkrank­heiten giebt es nicht. Es bleibt nur übrig, den Gesammtcharakter zu berücksichtigen und insbesondere zu beachten, dass es eine „croupöse Pneumonie1' mit typischem Verlaufe aussei- der Brustseuche bei Pferden nicht giebt und dass die anderen Pncumonien stets vereinzelt vor­kommen. Schwierig ist die Unterscheidung zuweilen, wenn das be­treffende Pferd bereits 5 — 6 Tage an einer Katarrhal-Pneumonic oder an einer metastatischen Pneumonie leidet. Die schweren consecutiven Entzündungszustände in den Brustorganen bei der Brustseuche lassen sich an einem einzelnen Patienten der Regel nach nicht mehr von anderen pernieiösen Pneumo-Pleuresien unterscheiden.
Leicht kann auch die Pleurodynie, namentlich wenn mehrere Pterde eines Transportes an derselben erkranken, zu einer Verwechselung Ver-
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Brustseuche.
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anlassung geben. Indess ist bei sorgfältiger Befunderhebung ein Irrthura zu umgehen.
Im weiteren Umfange können alle acuten fieberhaften Krankheiten, bei welchen sich die Selbständigkeit der Localaffection nicht deutlich ausspricht, eine Berücksichtigung bei der Diagnose erforderlich machon. Oft genug ist sicher schon eine fieberhaft auftretende Gastro-Enteritis oder eine schleichend verlaufende Peritonitis mit der Brustseuche ver­wechselt worden.
Für die Anordnung von Schutzmassregeln, wie sie von der Militär­verwaltung vorgeschrieben ist, erscheint die diagnostische Frage noch von Interesse, ob jeder Fall von acuter fibrinöser oder croupöser Pneu­monic bei Pferden als Brustseuche zu begutachten ist. Die Erwägung dieses Gesichtspunktes fällt zusammen mit der theoretischen Frage nach der Einheit der ßrustseuche. Ich bin bei der ganzen Krankheits­beschreibung davon ausgegangen, dass alle acuten (erysipelatösen) ent­zündlichen Affectionen der Lungen und der Pleura, die von dem hier vorausgesetzten eigenartigen Infectionsstoff verursacht werden, zur Brust­seuche gehören. Nun wird oft bei einem einzelnen Pferde eines grösseren Bestandes ein Fall von Pneumonic oder Pneumo-Pleuritis beobachtet, der nach Pathogenese, Symptomen und Verlauf vollständig mit der Brust­seuche übereinstimmt, aber bei den übrigen Pferden trotz der directen Berührung eine Erkrankung nicht veranlasst. Inhaltlich der gegen­wärtigen Erfahrung ist ein solcher Krankheitsfall der Brustseuche zuzu­rechnen. Denn wie bei einigen anderen Krankheiten, so muss auch bei der Brustseuche zugegeben werden, dass dieselbe nicht nothwendig bei jedem Ausbruch zur allgemeinen Verbreitung in den Pferdebeständon zu führen braucht. Soweit die Anordnung von Schutzmassregeln in Be­tracht kommt, ist der bisher schon befolgte Grundsatz praktisch, in grösseren Pferdebeständen den zweiten oder dritten Krankheitsfall abzu­warten, bevor als erwiesen betrachtet wird, dass die Krankheit durch grössere Virulenz und leichte Uebertragbarkeit des Ansteckungsstoffes die übrigen Pferde des Bestandes, soweit dieselben nicht nach der früheren Durchseuchung eine Immunität erlangt haben, in Gefahr bringt.
Prognose. In den Bemerkungen über die Complicationen und Aus­gänge der Brustseuche findet die Frage der Bcurtheilung einzelner Krank­heitsfälle bereits ihre Erledigung. Für die Prognosis im Allgemeinen will ich hervorheben, dass der Charakter der ßrustseuche zu verschiedenen Zeiten nicht immer gleich ist. Oft verlaufen die localen Entzündungen der Brustorgane während des Herrschens einer auf Wochen oder Monate sich ausdehnenden Epidemie sehr milde, während sie zu anderen Zeiten
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
mit ungleich grösserer Tendenz 7,ur Destruction der Gewebe auftreten. Bei der Beschränkung der Krankheit auf eine Brusthälfte sind die Ge­fahren im Allgemeinen geringer, weil hierbei mit der gesund gebliebenen Lunge die Atlimungsfunction noch genügend bewirkt werden kann. Leicht wird die Brustseuohe in der Regel auch überstanden, wenn sich der Entzündungsproccss in der Lunge erhält und die Pleura nur uner­heblich afficirt ist. Ungünstig ist dagegen die Prognose in allen denjenigen Fällen, in welchen von vornherein sich eine doppelseilige, diffuse Pleuritis entwickelt. Auch eine bilaterale Pneumonie ohne erhebliche Mitaffection der Pleura ist mit Vorsicht zu beurtheilen. Eine grosse Lebensgefahr liegt in der schweren Myocarditis, welche zuweilen im spoeifischen Stadium zur Ausbildung kommt und sich durch schwachen und froquenten, bis auf 80 Schläge und darüber in der Minute ansteigenden Puls aus­spricht. Ungünstig sind ferner schwere hämorrhagische Zustände in den Lungen, welche sich durch reichliche, bluthaltige Nascndojection kenn­zeichnen. Wenn Pferde, die an schmerzhaften Zuständen der Glied-raassen leiden und sich in Folge dessen nicht lange stehend erhalten können, von der Brustseuche befallen werden, so gestaltet sich der Krankheitsvorlauf schwieriger. Von den directen Nachkrankheiten sind die jauchige und chronische, eiterige Pneumonie, sowie die jauchige und jede erhebliche eiterige Pleuritis als unheilbar anzusehen. Im Uebrigen entscheidet bei den fieberhaften Folgekrankheiten der Brustseuche der Grad der Blutvergiftung und als äusseres Zeichen dafür ist auf die grössere Frequenz des Pulses und den Füllungszustand der äusseren Kinnbackenarterie, sowie auf den Grad der Beschränkung in der Auf­nahme von Futter und Getränk und vorzugsweise auf die venöse Be­schaffenheit der sichtbaren Schleimhäute zu achten. Auch profuse Diarrhöen in der zweiten oder dritten Krankheitswoche können als ein Symptom von schweren und in der Regel tödtlich verlaufenden Krank-heilszuständen in den Brustorganen angesehen werden, besonders wenn sich mit denselben zugleich ein allgemeiner Kräfteverfall und eine venöse Beschaffenheit der Schleimhäute bemerklich macht.
Nach meinen Erfahrungen gehen von den an der ßrustseucho er­krankten Pferden rund 15 pCt. zu Grunde. Die Berechnung bezieht sich aber nur auf eine grosse Zahl von Pferden und Pferdeboständen. Für die Beurtheilung des Verlaufs der Seuche in kleineren Beständen kann dieselbe nur einen ganz allgemeinen Anhalt gewähren. In der hiesigen Klinik wurden in 6 Jahren (vom 1. April 1879 bis zum 31. März 1885) im Ganzen 693 brustseuchekrankc Pferde verpflegt und behandelt, von welchen 147 gestorben sind. Dass sich der Verlust in
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Brustseuohe.
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dieser Zusammenstellung höher gestaltet, ist darauf zurückzuführen, dass aus manchen Pferdobeständcn in Berlin nur die an der Brustseuche schwer erkrankten Pferde in die Klinik eingeliefert, die leicht erkrankten dagegen von Privatthiorärzten behandelt worden. — In der Klinik zu München endeten nach Priedbergor's Bericht von 66 Fällen 6 tödtlich.
Therapie, Ein Heilverfahren, welches das die Erkrankung unter­haltende Contagium oder seine pathogenen Eigenschaften vernichten könnte, ist nicht bekannt. Es lässt sich daher die Brustseuche im speeifischen Stadium nicht coupiron, Sämmtliche Mittel, die in dieser Absicht versucht worden sind, haben sich nicht bewährt. A.uch das Terpentinöl, welches schon vor langer Zeit empfohlen wurde, ist nutzlos. Die curative Behandlung eines Krankheitsfalles hat sich dem­nach im Princip dahin zu richten, dass Alles angewandt wird, was der excessiven Ausbildung und dem ungünstigen Ausgange der Looal-affectionen entgegen wirken kann. Dabei ist der Gesichtspunkt zu be­achten, dass mit der atmosphärischen Luft in ungeeigneten Stallungen anderweitige pathogeno Agentien in die kranken Brustorgane eindringen und den anatomischen Verlauf der Krankheit ungünstig gestalten können.
Die Meinung, dass durch die anhaltende Fiebertemperatur für sich allein der Tod bedingt werden könnte, beruht auf Irrthum. Es ist daher unnöthig, ein besonderes Verfahren zur Verringerung der Tempe­ratur einzuleiten. Man kann zwar zuweilen durch anhaltende Beriese­lungen des Körpers mit kaltem Wasser die Temperatur um einige Deci-grade herabsetzen; oft gelingt dies aber nicht und ich kann nach meinen Erfahrungen nicht sagen, dass der Verlauf eines Falles hierdurch günstiger gestaltet würde. Gegen Ende des speeifischen Stadiums wirken zuweilen die Berieselungen des Brustkastens, namentlich in der Sommerzeit, günstig, was sich dadurch erklärt, dass durch das kalte Bad der Stoff­wechsel im gesamraten Organismus gefördert wird. Die Anwendung von Chinin, Oarbolsäure, Salicylsäuro und salicylsaurem Natron, Jodpräparaten, Natr. subsulfurosum und anderen Medicamenten zu dem Zwecke, die Fieberhitze zu verringern und der Krankheit eine günstige Wendung zu sichern, hat sich nicht bewährt. Die nachtheiligen Wirkungen, welche die fieberhafte ßlutdyskrasie auf die Ernährung der einzelnen Organe ausübt, lassen sich durch ein zweckmässiges, diätetisches Verhalten etwas verringern. Ein kühler, trockener und gut ventilirter Stallraum, häufige Verabreichung von frischem Trinkwasser und von schmackhaften, naturgemässen Futterstoffen sind den Thieren zuträglich, — Gegen die ungleichmässige Vorlhoilung des Blutes im Organismus empfiehlt sich neben dem diätetischen Verhalten die Application von erwärmenden und
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reizenden Mitteln auf die äussere Haut. Behängen mit Decken und Ein-wickelung der Füsse mit Flanell binden, Frottiren mit Spirit, dilut. oder mit einer Mischung von 01. Terebinth. 1 und Aqu. coramun. 5—10. — Der Affection dor Magen-Darmschleimhaut und dem durch dieselbe bedingten Appetitmangel ist entgegenzuwirken mit Mitteln, welche die Secretion der Verdauungssäfte fördern. Am meisten entspricht diesem therapeutischen Zweck die Darreichung von bestem Wiesenheu, Kloe-oder Luzerneheu, im Sommer von gutem Grünfutter. Daneben ist zeit­weise schmackhaftes Stroh den Thieren zur freiwilligen Aufnahme zu verschaffen. Manche Pferde nehmen guten Hafer in geringer Menge an. Kleie wird meist verschmäht und Roggen- oder Gerstenschrot würde nicht passen, wenn selbst die Thiere davon etwas nehmen sollton. Von den Medicamenten erweisen sich Kochsalz als Locke, forner die tonisi-renden und die gelind abführenden Mittel nützlich. Natr. bicarb. 75 bis 120 Grm. mit Gort. Quere. 40—60 Grm. oder einem Amarum pro die in Latwergenform; auch Natr. sulfuric. oder Magn. sulfuric. zu 300 bis 500 Grm. pro die mit bittern Mitteln lassen sich passend verwenden. Für einzelne Fälle eignet sich Calomel zu 2—3 Grm. pro die in Ver­bindung mit Natr. bicarb, und Rad. Gcntianae oder einem andern toni-sirenden Medicament. Vom Tart. stib. zu 4 — 8 Grm. pro die im Ge­tränk habe ich nie eine vorthoilhafte Wirkung beobachtet. Beim Auf­treten von Kolikzufällen ist die Application von Priossnitz'schen Um­schlägen um den Bauch und die Infusion von Mehlwasser in den Mastdarm angezeigt; die innere Behandlung der Kolik ist in der Regel entbehrlich, in den Ausnahmefällen mit salinischen Abführmitteln oder mit Physo-stigmin zu bewirken.
Die speeifische Pneumo-Pleuritis orfordert bei niederem Grade und einseitigem Auftreten keine Localbehandlung. In jedem erheblichen Falle, der sich durch frequentes und dyspnoisches Athmen äussert, sowie bei schmerzhaften Affectionen der Pleura ist aber die Application von reizenden oder scharfen Einreibungen auf die Haut am Thorax vortheilhaft.
Sachlich ist es gleichgültig, ob Sinapismen 3—5 Stunden lang auf der Brustwand liegen oder ob 5—8proc. Senfspiritus einmal eingerieben wird. Nur ist der Senfspiritus viel leichter zu appliciren und er wirkt auch schneller als der Sinapismus. Vom Senfspiritus sind für jede Brust­seite 100 —150 Grm. zu verwenden. Dabei ist Rücksicht darauf zu nehmen, dass das Mittel nicht unter die Ellenbogen auf die Haut ge­langt, weil sonst leicht eine schmerzhafte und für die Thiere sehr lästige Dermatitis an dieser Partie entsteht. Nächst dem Senf empfehle ich zur Hautreizung am meisten 01. Crotonis 10 Tropfen auf 01. Terebinth.
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Brustseuohe.
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30 Grm. für eine Brustwand. In jedem Falle ist dafür zu sorgen, dass die scharfen Mittel gleichmässig auf die Haut vortheilt werden. Denn auch in entsprechender Concentration können dieselben zu stark wirken, wenn eine grosse Quantität auf eine kleinere Stelle aufge­tragen wird. Der Thierarzt darf nie vergessen, dass die scharfe Wirkung aller Medicamente auf die Haut bei der in der Brustseuche bestehenden allgemeinen Ernährungsstörung viel stärker ist, als bei ge­sunden Pferden. Haarlose Stellen bleiben aber nur dann zurück, wenn die Haut in ihren tiefen Schichten stellenweise verätzt wird oder wenn in derselben eine eiterige Entzündung mit der Bildung von Narben­gewebe zu Stande kommt. Zur Vermeidung der haarlosen Stellen empfehle ich dringend, die nach einer scharfen Einreibung pergament­artig gewordenen und in grossen Flächen sich abstossende Epidermis-Schicht niemals abzureissen, sondern ruhig auf der Haut sitzen zu lassen, bis sie von selbst abfällt. Auch ist dafür zu sorgen, dass sich die Pferde nicht scheuern oder die trockene, aber mit der Haut noch innig verbundene oberflächliche Schicht nicht mit den Zähnen abreissen.
Recht zweckmässig habe ich als Ableitungsmittel die Application von 1 oder 2 Haarseilen auf der Rippen wand der kranken Seite, resp. auf beiden Seiten gefunden. Für leichte Fälle empfehle ich, die Brust­wand täglich 1—2 Mal mit Sapo vir. einreiben zu lassen. Ich habe mich nicht überzeugen können, dass die früher übliche Anwendung eines Fon-tanells vor oder unter der Brust in der Gegend des Schaufelknorpels im specifischen Stadium einen Nutzen hätte. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass bei den Nachkrankheiten das Fontanell auch nutzlos sei.
Gegen Ende des specifischen Stadiums bei einer schweren Pneumo-Pleuritis ist ein warmer Umschlag um den Brustkasten oft recht nütz­lich. Ich lasse 2 Docken oder Säcke um den Thorax legen und zu­sammen nähen oder mit Gurten befestigen, wobei sich durch Strohwische ein Druck der Gurte auf den Widerrist vermeiden lässt. Dann wird 2 bis 4 Stunden lang entweder mit einem Irrigator lauwarmes Wasser über den Brustkasten gespült, odor es ist ein Wärter zu instruiren, dass er fort­während durch Aufgiessen von warmem Wasser auf die Widerrist- und Rückenpartie die um den Brustkasten gelegten Decken feuchtwarm hält. Einzelne Pferde vertragen die Application der Decken und resp. des Umschlages nicht; sie regen sich dabei so sehr auf, dass von der An­wendung desselben Abstand genommen werden muss.
Der Herzschwäche wirkt schon der Aufenthalt in einem hohen, stets mit frischer, atmosphärischer Luft gefüllten Stallraum entgegen. Verhältnissmässig gering ist der Vortheil, welcher mit der Verabreichung
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von erregenden Medicamenten erstrebt wird. Am meisten bewährt sich noch der Kamphor zu 5 —10 Grm. pro die, welcher zweckmassig mit Rad. Valerian. 50—60 Grm. und den aus anderen Indicationen zu ver­wendenden salinischen und bitteren Mitteln zu verbinden ist. Auch 01. Terebinth, zu 10—20 Grm. pro die in Mehlpillen oder zu 50—70 Grm. in heissem Wasser als Inhalation kann hiergegen versucht werden. Häufig erweist sich die Verabreichung von Pol Digitalis (4,0—8,0 pro die auf zwei Mal) in Verbindung mit Borax und Natr. bicarb, nützlich. — Die Anwendung von harntreibenden Mitteln, in der Meinung, dass die günstige Entscheidung (Krisis) eines Krankheitsfalles dadurch gefördert werden könnte, ist erfahrungsgemäss nicht berechtigt. Man gebrauchte hierzu in der früheren Zeit: Digitalis, Borax, 01. Terebinth., Pruct. Junip.
Die Nachkrankheiten und Complicationen der Brustseucho erfordern eine besondere Berücksichtigung. — Bei Bronchitis und partiellen Bronchiectasien mit oder ohne Nascnausfluss ist der Schutz der Thiere vor Witterungsunbildon geboten und für gute Athmungsluft in dem Krankenstall zu sorgen. Ausserdom empfiehlt sich Stib. sulfurat. aurat. zu 20—30 Grm. oder Ammon. chlorat. 40—60 Grm. mit Natr. sulfuric. 300 Grm. pro die in Latwergenform. Auch Inhalationen mit Terpentinöl in warmem Wasser sind am Platze, wobei aber vor dem Behängen des Kopfes nicht genug gewarnt werden kann, weil hierdurch die Respiration erschwert wird. Im Uebrigen ist eine reichliche und gute Ernährung der Thiere das beste Mittel, um die entzündlichen Processe in der Bronchialschleimhaut zur Ausheilung zu bringen. Die Verwendung der Pferde zum Arbeiten ist so lange zu widerrathen, bis die Thiere mit lebhaftem Appetit das Futter verzehren und bis der Husten zum Auf­hören gekommen ist.
Ist die Entwickelung einer eiterigen Lungenentzündung oder Pleu­ritis als Nachkrankheit zu befürchten, so leistet die Application eines Fontanells vor der Brust oft vortreffliche Dienste. Dasselbe bleibt 8—14 Tage liegen und ist täglich mit warmem Seifenwasser zu reinigen. Von der günstigen Wirkung der Fontanelle zu dem hier angedeuteten Zwecke habe ich mich oft durch vergleichende Beobachtungen bei der Behandlung geeigneter Krankheitsfälle überzeugt. Wenn der eiterige Charakter der Pleuritis vollständig ausgesprochen ist, so kann auch das Fontanell ebensowenig dem Krankheitsfall eine günstige Wendung geben, wie andere Mittel. Bevor die Krankheit diesen Grad erreicht hat, ist, wie ich in den letzten Jahren mehrfach bei therapeutischen Versuchen festgestellt habe, zuweilen eine Scarification der Pleura noch nützlich, um eine günstige Wendung herbeizuführen. Zu diesem Zwecke lasse ich
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Brustseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;249
die Haut an der kranken Partie dos Thorax mit 5proc. Carbollösung rein abwaschen und mache mit einem sorgfältig dosinficirten Stilet eines feinen Troicars 3—6 Einstiche durch die Intorcostalräume in die Pleura. Die Einstiche müssen 4—8 Centimetor von einander entfernt sein. Die mit diesem Verfahren erzielte günstige Wondung des Entzündungsprocesses in den Brustorganen hängt damit zusammen, dass durch die Einstiche in der Pleura eine traumatische Entzündung mit ihrem besonderen Charakter künstlich veranlasst wird.
Die Ausbildung der acuten Brustwassersucht kann die Paracentheso des Thorax und die Entleerung eines Theils der Flüssigkeit erforderlich machon. Es darf immer nur ein kleiner Theil, etwa 2 — 4 Liter der Flüssigkeit plötzlich entleert worden, weil sonst eine Lähmung der Lungen eintritt. Zur Operation wird zweckraässig ein gewöhnlicher Troicar benutzt. Die Stichwunden sind mit Theer zu bepinseln. Mitnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'
diesem Verfahren ist aber ein günstiger Erfolg nicht zu erzielen, wenn der entzündliche Hydrothorax durch unheilbare Destructionen der Lungen bedingt wird und wenn eine eiterige oder jauchige Pleuritis besteht. Auf Genesung des betreffenden Patienten ist nach der Punction des Thorax zu hoffen, wenn sich alsbald vermehrte Harnsecrclion, reichliche Diirraausloerung und eine Besserung im Appetit einstellen.
Die im Verlauf der Brustseucho zuweilen vorkommende Hämaturio wird am besten nur durch Regelung der Diät behandelt. Leicht ver­dauliches, naturgemässes Futter, anhaltende Ruhe im Stalle oder leichte Bewegung an dor Hand in frischer Luft erweisen sich nützlich. Ich widerrathe aus Erfahrung dringend die Katheterisirung und die Injection von styptischen oder adstringirenden Medicamenten in die Harnblase. Von den Pferden wird eine solche Behandlung nicht vertragen. Es ent­steht vielmehr, da auch bei der sorgfältigsten Dosinfeotion Fermente mit dem Katheter in die Blase gebracht werden können, sehr leicht eine septische Cystitis, welche stets tödtlich vorläuft. Andererseits hat mich die Erfahrung gelehrt, dass diese Hämaturio nach 2 — 6 Wochen von selbst aufhört, und dass in der Regel das Localleiden der Blase ohne weiteres Zuthun vollständig ausheilt.
Gegen die Anschwellungen der Gliedmasson ist eine 4—6malige, tägliche Waschung mit Spiritus oder Essig oder mit einer Lösung von adstringirenden Metallsalzen angezeigt. Ich benutze gewöhnlich eine Mischung von Plumb, acetic. 100 Grm. und Alum. crud. 50 Grm., von welcher ich einen gehäuften Theelöffel voll in einer Flasche kalten Wasser lösen und zu den Waschungen verwenden lasse. Bei energischer Durchführung dieser Behandlung vermindert sich die orysipelatöse
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Schwellung in der Regel nach 4 — 8 Tagen sichtlich. Ist durch das Erysipel der Subcutis am Hintersohenkel eine Thrombose der Vena saphena herbeigeführt, so habe ich niemals eine Heilung erwirken können. Die Pferde gehen zu Grunde, weil sie unfähig sind, zu stehen. Veterinärpolizeiliche Schutzmassregeln zur Tilgung und Abwehr der Brustseuche sind deshalb nicht berechtigt, weil die Krankheit nur in einer relativ geringen Zahl der Fälle tödtlich verläuft und weil die Belästigung des Handelsverkehrs, welche die polizeiliche Durchführung der Massregeln mit sich bringen würde, durch die geringen Vortheile derselben nicht aufgewogen werden kann. Empfehlenswerth ist aber in prophylaktischer Hinsicht, dass die Pferdebesitzer die Einführung brust-seuchekranker Pferde in ihre Bestände thunlichst zu verhindern suchen und auch die Gelegenheiten, welche die Ansteckung gesunder Pferde begünstigen, vermeiden. Wenn die Seuche in einem grösseren Pferde-bestando zum Ausbruch kommt, so ist mit dem Auftreten der ersten Symptome die Isolirung des kranken Pferdes und die Reinigung des Standortes geboten. Da auch die Wärter den Infectionsstoff verschleppen können, so ist die besondere Verpflegung der kranken Pferde anzu­ordnen. Wenn es auch nicht immer durch diese Vorsicht gelingt, die Seuche sofort zum Aufhören zu bringen, so lässt sich doch oft mit der­selben die Zahl der Krankheitsfälle erheblich verringern. Denn nur selten dehnt sich der Verlauf der Seuche in einem Pferdebestande über eine Zeit von 2—3 Monaten aus.
Casuistik der Brustseuche.
Bei den widerspruchsvollen Beurtheilungen, welche die Brustseuche in der Literatur gefunden hat, halte ich es für nützlich, diesem Lehrbuche eine Reihe von instructivon Kranldieitsgeschichten in möglichst kurzer Darstellung einzuverleiben:
1) Ausbruch der Krankheit in Folge einer Erkältung; Pneumonia si-nlstraj Pleuritis bilatoralis; regelmässiger Verlauf; Genesung. Vierjähriger Wallach, veredelter Abkunft, war im Juli 1881 angekauft und im Wagendienst ein- und zwoispännig leicht beschäftigt worden. Im November 1881 erkrankte das Pferd an einem leichten Rachenkatarrh mit geringem schleimigem Nasenausfluss quot;und leichter Hyperplasie der Kehlgangsdrüsen. Ich habe das Pferd wogen des Katarrhs selbst behandelt; es war nach 14 Tagen von demselben wieder ziemlich genesen. Am 26. November Vormittags wurde es zum ersten Mal wieder angespannt und im Kutschwagen einspännig 2 Stunden lang gefahren. Die Witterung war rauh (Nordwind). Entgegen meiner Anordnung hatte der Kutscher das Pferd sehr erheblich angestrengt, weil er sich nach Kutscher-Manier einmal hatte davon überzeugen wollen, was das Pferd im Trabe leisten könne. Am Abend des 26. No­vember hatte das Pferd nur wenig Putter angenommen. Am 27. November Vormittags untersuchte ich dasselbe. Ich fand die Allgemoinsymptome der ßrustseuche mit links-
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Brustseuche.
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seitiger frischer Pneumonie, welche die untere Hälfte des mittleren Theils der Lunge betraf. — Das Pferd wurde in die Klinik eingeliefert und hatte ich deshalb Gelegen­heit, den Krankheitsverlauf vollständig zu beobachten. Am 28. November fand sich neben der Pneumonia sinistra eine diffuse Pleuritis an beiden Brustwandungen (Reibungsgeräusch und starke Schmerzempfindung beim Druck auf den Thorax an beiden Seiten; erhebliche Dyspnoo). Conjunctiva gelbroth geschwollen; Nasen- und Maulschleimhaut geröthet; Inappotenz; hohes Fieber. Rostfarbene Nasendejection. — Ord.: Natr. bicarb, und Natr. sulfur, in grossen Dosen; äusserlich Senfspiritus auf beide Brustwandungen. Am 29. November: Massige Steigerung der Symptome. Harn eiweisshaltig. Ord.: Anhaltende Berieselung des Thorax mit warmem Wasser. — Am 30. Novemb.; Reichliche Harnausscheidung. Harn strohgelb, durchsichtig, nicht fadenziehend, schwach sauer. Bis zum 2. Decbr. besserte sich das Befinden etwas. Am 3. Decbr. erschien das Bewusstsein freier, Appetit massig; starke Diurese. In den folgenden Tagen fortschreitende Convalescenz. Krankheitsverlauf:
R.
P.
T.
R.
P.
T.
27. November 22
60
40,5
2.
December
24
64
39,7
28. „ 28
72
40,0
3.
))
28
60
39,9
29. „ 30
72
40,1
4.
)gt;
24
52
38,0
30. „ 32
66
40,4
5.
)gt;
16
48
38,2
1. December 32
60
40,1
6.
12
44
37,8
Bemerkungen: Ausser dem erkrankten Pferde hatte der Besitzer noch zwei Wagenpferde, die ich seit 3 Jahren kannte; sie hatten in dieser ganzen Zeit an der ßrustseuche nicht gelitten, sind auch später nicht von derselben befallen worden. Die Pferde kamen auch nie in fremde Stallungen und wurden mit anderen Pferden nicht zusammengebracht. Demnach muss ich die Entstehung der Krankheit auf die Erkältung, die sich das Pferd nach zweiwöchentlichem Verweilen im Stalle durch den übermässigen Gebrauch und die Wirkung der rauhen Witterung zugezogen hatte, zurückführen.
2) Rechtsseitige Pneumonie, doppelseitige Pleuritis; starke Dyspnoe mit klatschendem Nasalton; schwere Myocarditis; Genesung. Der Möbelfabrikant G. schickte am 8. December 1881 einen achtjährigen Rapp­wallach, Wagenpferd, zur Behandlung in die Klinik, weil derselbe seit 4 Tagen eine Störung seines Allgemoinbefindons gezeigt hatte. Das Pferd war gut genährt, stand im Stalle mit gesenktem Kopfe, hatte einen schmerzhaften Blick und achtete wenig auf die Umgebung. Möglichste Vermeidung der Ortsbewegimg. Auf starkes An­treiben bewegt sich das Pferd mit steifer Körperhaltung, Bluttemperatur fieberhaft. Kopfschleimhäuto diffus geröthet. Sldera gelblich. Herzstoss schwach fühlbar. Herz­töne deutlich.- Puls schwach und zeitweise unregelmässig in der Aufeinanderfolge und in der Stärke. Aoussere Kinnbackonarterie weich. Athmung massig beschleunigt und dyspnoisch. Inspiration kurz, Exspiration abnorm verlangsamt. Auf der Höhe der Inspiration und bezw. im Beginn der Exspiration ist der klatschende Nasalton vernehmbar. Zeitweise tröpfelt eine gelblich klare Flüssigkeit aus der Nase. Husten ziemlich häufig, kurz und rauh. Percussionsschall in der unteren Brusthälfte hell und leer. Atherageräusch an den unteren Partien der Brust abgeschwächt, in der oberen Brusthälfte abnorm stark. Beim Druck gegen beide Brustwandungen stöhnt das Pferd,
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252nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten.
Appetit reLitiv gut. Es werden 3 Kilogrm. Hafer und '/j Kilogrm. Kleie neben Heu innerhalb eines Tages verzehrt. Diagnose: Brustseuche am 4. Krankheitstage.
Am 9. December Steigerung der Krankheitserscheinungen. Aus beiden Nasen­löchern rostfarbener, zuweilen blutiger Ausfluss. Häufiges Stöhnen. Harn sauer, eiweisshaltig, spec. Gew. = 1027. — Ord.: Einreibung von öproc. Senfspiritus auf beide Brustseiton. Innerlich; 300,0 Natr. sulfurio. in Latwergenform.
10, December. Zunahme der Krankheitssymptome. Puls 80, klein, an der Art. maxill. fast anfühlbar, llerzaotion arhythmisch und inäqual. Anhaltendes Stöhnen. Bronchialathmen an beiden Brustwandungen; in der unteren Brusthälfte kein Athem-geräusch. Kechterseits pleuritisches Heibegeräusch. Der Matschende Nasalton tritt stärker auf. Harn von saurer Reaction, stark eiweisshaltig, flockig getrübt, von hellgelber Farbe; spec. Gew. = 1030. In der aus der Jugularis entnommenen Blut­probe wird eine starke Zunahme der weissen Blutkörperchen constatirt. — Ord.; Application von 7proc. Senfspiritus auf beide Brustwandungen. Innerlich; Spir. aeth. 60,0 mit Wasser als Mundflüssigkeit. Abreibung der Haut am ganzen Körper und besonders an den Füssen mit Spiritus. — 11. December. Trotz der schweren Krankheitserschoinungen besteht noch ein massiger Appetit. — Am 12. December wird eine Abnahme der Krankheitserschoinungen constatirt. Puls schwach, aber deutlich fühlbar. In der linken Lunge hat die Wegsamkeit zugenommen. Das Athmungsgeräusch in derselben ist verhältnissmässig stark. Kechterseits ist am Brustkasten bei der In- und Exspiration Bronchialathmen zu hören. Im unteren Theil der Lunge fehlt jedes Athmungsgeräusch. Der klatschende Nasalton wird noch in gleicher Stärke vernommen. Harn weniger eiweisshaltig, spec. Gew. = 102ö. — 13. Decembor. Fortschreitende Besserung. Entfieberung. Stöhnen seltener. Das Nasalgoräusoh hat aufgehört. Körperbewegungen freier. Harn eiweissfrei. — Bei sorgfältiger Pflege convaloscirte das Pferd sehr schnell, so dass es am 16. December als genesen betrachtet werden konnte.
1882.
R.
P.
T.
1882.
R.
P.
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8.
December
26
62
40,4
13.
December
Vorm.
20
60
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Vorm.
24
64
39,6
13.
Nachm.
16
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Nachm.
18
68
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14.
Vorm.
20
56
38,7
10.
Vorm.
20
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14.
Nachm.
18
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38,6
10.
Nachm.
19
84
40,0
15.
Vorm.
14
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11.
Vorm.
20
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40,2
15.
Nachm.
16
54
38,6
12.
Vorm.
18
60
39,5
16.
Vorm.
13
48
38,4
12.
Nachm.
19
66
39,7
3) Schwere Erkrankung;-rechtsseitige Pneumonie, linksseitige Pleu­ritis, starker Magendarmkatarrh, grosso Herzschwäche, Genesung ohne Nachkrankhelten.
Braune Stute, veredelter Abkunft, 9 Jahre alt, wurde im Frühjahr 1873 wegen Knorpelfistel in einem Stalle behandelt, in welchem andere, an der Brustseuche leidende Pferde sich befanden.
Sie erkrankte erkennbar am 6. April. Traurigkeit, mangelhafte Fresslust, Be­schleunigung des Pulses und geringe Athmungsfrequenz. — 7. April. Eingenommen­heit des Bowusstseins, diffuse Röthung und leichte Gelbfärbung in der Conjunctiva. Maulschleimhaut trocken, dunkler geröthet. Excremente klein geballt. Futteraut-
ocr page 271
Brustseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 263
nähme gering. Im unteren Drittel der rechten Lunge ist das Athmungsgeriiusch ab­geschwächt und an dem correspondirenden Thoil des Thorax ist ein leerer Percussions-schall zu constatiren. — 8. April. Die Unwegsamkeit der rechten Lunge umt'asst das untere Drittel. Conjunctiva intensiv gelb. Zunge mit einem sclmuitzig weissen Belag bedeckt. An beiden Rändern der Zunge erschienen die Wärzchen ge­schwollen. Es wird kein Futter mehr aufgenommen. Harn dickflüssig, selten und in geringen Mengen entleert. Darmexcremente spärlich und trocken. — 9. April. Herz­schlag regelmässig. Puls schwach, Arterie weich. Respiration nicht angestrengt. Zunge stark belegt. Grosse Apathie. — Am 10. und 11. April zeigte das Pferd die gleichen Erscheinungen, aussordem aber beim Druck auf die linke Brustwandung deutliches Stöhnen. Ord.; Sinapismus linksseitig. Innerlich: Kai. carbonic, und Natr. sulfuric. — 12. April. Futteraufnahme versagt. Darmexcremente broiförmig, von rothbrauner Farbe. Grosse Eingenommenheit des Bewusstseins. Anhaltendes Stehen mit gesenktem Kopfe. Puls sehr schwach, unregelmässig in Rhythmus und Intensität; Arterie massig voll. Rospiration ohne Anstrengung. Zungenbelag an der Spitze geringer. Conjunctiva gelb. Nasenschleimhaut ohne Veränderung. — 13. April. Innerliche Behandlung ausgesetzt. Allgemeinbefinden ein wenig freier. Das Pferd nahm etwas Heu und Wasser auf. Excremente dünnflüssig. Conjunctiva heiler ge­färbt. Die Zunge erschien an den Rändern reiner, auf dem Rücken aber noch belogt. An der rechten Seite erstreckte sich die Dämpfung beim Percussionssohail bis in die Mitte der Brustwand. Linke Lunge wegsam. — 14. April. Vermehrte Urinaiisschei-dung. Harn klar. Excremente dünnflüssig. Zunge bis zum Frenulum ohne Belag. Puls etwas kräftiger. Am unteren Rande der linken Lunge konnte kein Athmungs-geräusch ermittelt werden. — 15. April. Derselbe Zustand. Herzschlag schwächer; Puls unregelmässig, auf mehrere rhythmische Schläge folgen einige mit ungleicher Zeitfolge. Nach dem 11. —12. Pulse konnten zuweilen 4—6 Schläge nicht gefühlt werden. Die Diurese besteht fort. Das Pferd nahm etwas Klcientrank und Heu. — 16. April. Puls regelmässig, aber schwach. Rospiration nicht angestrengt. Excre­mente broiförmig, Urin reichlich, gelblich gefärbt. Die untere Hälfte der rechten Lunge ist noch unwogsam. Linke Lunge frei. — 17. April. Das Pferd hustet auf Druck am Kohlkopf ungern, ilustenstoss kurz und scharf. Conjunctiva schmutzig geröthet. Im Laufe des Tages werden 1 Ltr. Hafer, 2 Ltr. Kleie mit 6 Pfund Heu langsam verzehrt. In den folgenden Tagen besserte sich der Zustand allmälig, so dass das Pferd am 25. April als genesen zu betrachten war.
n
#9632;
D.
R.
P.
T.
D.
R.
P.
T.
6.
April
Vorm.
17
C5
37,7
12.
April
Vorm.
15
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G.
Nachm.
14
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12.
Nachm.
16
107
40,3
7.
Vorm.
17
68
39,9
13.
Vorm.
14
94
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7.
Nachm.
12
65
39,6
13.
Nachm.
17
81
39,9
8.
Vorm.
10
79
40,7
14.
Vorm.
14
G7
38,8
8.
Nachm.
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14.
Nachm.
15
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9.
Vorm.
15
75
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15.
Vorm.
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9.
Nachm.
12
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15,
Nachm.
13
63
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10.
Vorm.
14
80
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IG.
Vorm.
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10.
Nachm.
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7G
40,6
IG.
Nachm.
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38,7
11.
Vorm.
16
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40,5
11.
Nachm.
18
78
39,2
^
5,,
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254
Infections- und Intoxioationskrankheiten.
4) Rechtsseitige Pneumonio, verzögerter Krankheitsverlauf; Throm­bose zwei grösserer Lungenvenen, embolische Nephritis, parenchyma-töse Hepatitis, starke Myocarditis, tödtlicher Ausgang.
Zehnjähriger Blauschimmelwallach hatte mehrere Tage hindurch schlechte Fress­lust und am 12. Januar 1880 aus beiden Nasenlöchern eine relativ starke Blutung bekundet. Das Pferd kam am 13. Jan. in die Klinik und verblieb daselbst bis zu seinem Tode am 5. Febr. Am 13. Jan. waren die Schleimhäute anämisch. Zeitweise Husten, kurz, abgebrochen, schmerzhaft. Bei der Auscultation der Lunge rechter-seits rauhes Vesioulärathmon, Porcussionsschall nicht abnorm. In den folgenden Tagen mangelhafte Fresslust. Am 19. Jan. rechte Lunge unwegsam und an der Brustwandung in der unteren Hälfte ein dumpfer Percussionsschall. In den folgen­den Tagen starke Athmungsfrequenz mit in- und exspiratorischer Dyspnoe. Erheb­liche Abmagerung. Die Augen sinken in ihre Höhlen zurück. Starker Darmkatarrh; Entleerung dickflüssiger Darmexcremente. Die Application von Senfbrei und die Verabreichung roborirondor Arzneien hatten auf den Krankheitsverlauf keinen Ein-iluss. Am 21. Jan. colliquativer Durchfall. Starke Dyspnoe und klatschender Nasal­ton bei jeder Exspiration. Vom 25. Jan. ab wird der Durchfall geringer, das Pferd nimmt auch etwas Futter auf. Am 27. entwickelt sich eine phlegmonöse Schwellung sämmtlicher Gliodmassen. Am 2. Febr. Paralyse des Nervus facialis sinister (die Unterlippe hängt an der linken Seite schlaff herab, die Oberlippe ist nach rechts ver­zogen). In den folgenden Tagen Unvermögen zu, stehen und am 5. Februar Tod.
D.
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11.
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13.
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17
38,G
25.
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IG
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16
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15
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40,G
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G4
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37,8
Sectionsergebniss: Graue Hopatisation der ganzen rechten Lunge, mit Ausnahme eines kleinen Theils am oberen Rande. Zwei grössere Lungenvenen in derselben mit gelbweissen Thromben gefüllt. Linke Lunge ödomatös. Beide Nieren sehr weich und vergrössert. Die rechte Niere ist mit 8 grösseren, 3 Ctm. langen, dunkel roth ge­färbten Einschnürungen behaftet. Am inneren Rande der rechten Niere findet sich eine wallnussgrosse, höckerige Erhabenheit, welche auf dem Durchschnitt gelbroth aussieht. An diesem Herde lässt sich die Structur der Niere nicht mehr erkennen. In der zu dem Herde führenden Arterie sitzen mehrere Emboli. Leber stark ver­grössert. Herzfleisch mürbe, graubraun, getrübt. Starke Röthung und ödematöse Schwellung der Magendarmschleimhaut.
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Brustseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 255
I 5) Pneumonia dextra multiplex mit diffuser Hepatisation. Schwerenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^
Myocarditis und Tod durch Herzschwäche.
Sieben Jahre alter, brauner Wallach, Wagenpferd, mittlerer Schwere wird am 16. Juni 1882 vom Milohhändler G. mit der Angabe in die Klinik eingestellt, dass er seit einer Woche krank sei und namentlich kein Futter mehr aufnehme.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'St
Das im Nährzustande durch die Krankheit etwas zurückgekommeno Pferd zeigt eine leichte Kolik: Scharren mit den Vordorgliedmassen, Zusammenkauern und Aus­druck von Schmerz im Blick. Augenschleimhaut geschwollen, braunroth und etwasnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .Jl icterisch. Schleimhaut des Maules und der Nasenhöhle venös geröthot. Aus dem
rechten Nasenloche träufelt eine geringe Menge gelbröthlicher Flüssigkeit, welche dienbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Jj
Nasenränder verklebt und an denselben einen rostfarbenen, krümligen Ansatz zurück-
lässt. Beim Husten steigert sich die Dejection und die zähe, eiweisshaltige Flüssig-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;\
keit ist mit feinen Luftbläschen durchsetzt. Durstgefühl massig, klares Wasser wird
in kleinen Portionen aufgenommen. Appetit gering; etwas Heu und Grünfutter wirdnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,'
mit verlangsamten Kaubewegungen verzehrt. Peristaltik lebhaft. Exoromonto kleinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; •f1
geballt und mit zähem Schleim überzogen. Mastdarmzwang. Schleimhaut des Mast­darms krankhaft geröthet. Hustenreiz nicht vorhanden. Nach Druck auf das obere
Ende der Luftröhre hustet das Pferd rauh und ziemlich kräftig. Temperatur 38,3;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; r,,
Respiration 18; Puls 108, schwach und unregelmässig; einzelne Schläge sehr deut­lich, dann mehrere weniger deutlich und einzelne ganz unfühlbar. Auch die Auf­einanderfolge der Schläge ist ungleich. Art. maxill. massig gefüllt und weich, llerz-
stoss pochend, auch auf der rechten Brustsoite deutlich zu fühlen. Herztöne undent-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; \
lieh. Percussionsschall an der rechten Thoraxwand dumpf und leer, links normal. Bei der Auscultation ist rechterseits nur in den oberen Regionen der Brust starkesnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'#9632;
Bläschengeräusch zu hören. An der linken Seite besteht verstärktes Vesiculärathmen. In der ganzen Ausdehnung der rechten Thoraxwand machen sich bei der Auscultation der Herzschlag und die Darmperistaltik geltend.
Diagnose: Brustseuche nach Ablauf des speoifischon Stadiums. Diffuse Ent-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,J
zündung und Hepatisation der rechten Lunge mit schwerer parenehymatöser Degene­ration des Herzfleisches.
Ord.: öproc. Senfspiritus auf beide Brustwandungen. Innerlich: Analeptica.
An den beiden folgenden Tagen trat in Temperatur, Respiration und Circulation keine wesentliche Aenderung ein, dagegen vorfielen die Kräfte mehr und mehr und auch die Zeichen einer leichten Kolik blieben bestehen. Das Aufstehen machte dem Thiere Schwierigkeiten und oft wurde ein knackendes Geräusch bei der Bewegung der Gliedmassen gehört. Am 18. Juni traten convulsivischo Zuckungen in der Hals-muskulatur mit Rückwärtsdrängen in dieHalfterketto ein. Der Anfall dauerte löMinuten. Am 19. Juni starke Prostratio virium; gespreizte Stellung. Augen in ihre Höhlen zurückgezogen. Die Fliegen, welche sich in grosser Zahl auf der Haut einfinden,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;#9632;
werden nicht mehr abgewehrt. Bei jeder Exspiration starkes Stöhnen. Ans beidennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,laquo;raquo;
Nasenlöchern wird etwas Blut entleert. Die Unregclmässigkeit in der Herzaction ist
im Allgemeinen gleich wie am ersten Tage, aber zeitweise etwas grosser. Ord.: Be-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'
rieselung des Thorax mit kaltem Wasser 5 Stunden lang, darauf Umhüllung mit warmen Decken. Innerlich: Spir. aether.
Am 20. Juni starker Kräfteverfall, vollständige Apathie. Mangelhafter Tonns der Haut. Die mit dem Finger am Rumpfe und am Halse gebildeton liautl'alten bleiben längere Zeit bestehen. Gegen die Fliegen scheint die Haut ganz emplindungs-
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256nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
los. Futteraufnahme findet nicht mehr statt, dagegen wird klares Wasser in kleinen Quantitäten häufig getrunken. ColliquativerDurchfall. Respiration nicht beschleunigt, aber sehr schmerzhaft. Das Pferd stöhnt laut bei jeder Exspiration.
Am 21. Juni Fortdauer der schworen Krankheitssymptoniü. Die diarrhoischon Excremente verbreiten einen stinkenden Geruch. In der Nacht zwischen dem 21. und 22. Juni ging das Pferd zu Grunde.
1882.
R.
P.
T.
1882.
11.
P.
T.
IG. Juni
20
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19. Juni
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18. „
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Bei der im pathologischen Institut ausgeführten Section fand sich die Schleim­haut in dor Portio pylorioa des Magens und im Dünndarm getrübt, leicht gefaltet und entzündlich geschwollen, von bläulich rother Farbe und mit einer zähen, glasigen Flüssigkeit bedeckt. Ebenso war die Sohloimiiaut im Dickdarm, namentlich im Mast­darm entzündlich geröthet. Milz nicht verändert. Nieren etwas vergrössert durch trübe Schwellung. Leber bruunroth, auf der Schnittfläche schwach getrübt; Acini deutlich sichtbar; Parenchym fest. Rechte Lunge fast vollständig hepatisirt, nur am oberen stumpfen Rande ist ein kleiner Theil gesund. Die subpleuralen Venen sind stark gefüllt; Pleura pulmonalis sonst nicht verändert. Die Schnittfläche ist grauroth und zeigt zahlreiche graue oder grauwoisse Herde, deren Umfang zwischen der Grosso einer Erbse und eines Zweimarkstückes dilTerirt. Die Herde sind durch eine scharte Linie von der Nachbarschaft getrennt und beim Ilorausnohmen zu einer trockenen, krümligen Masse zu zerdrücken. In der Nachbarschaft der Herde ist das Lungenparenohym braunroth gefärbt. Ausserdem finden sich auf der Schnittfläche der rechten Lunge viele braunrothe Stellen (nokrotisirte hämorrhagische Infarote). In der linken Lunge besteht ein starkos Oedem. Die Bronchien beider Lungen ent­halten eine grosso Menge schaumiger, röthlich gefärbter Flüssigkeit. Herz von nor­malem Umfange, wiegt 3750 Grm. In den Ventrikeln reichliche Mengen dickflüssigen Blutes und dunkelrothe, saftige Gerinnsel. Das Muskelfleisch des Herzens zeigt auf dem Durchschnitt eine graurothe, trübe und trockene Besohaflcnhoit. In der oberen Partie des linken Herzens ist die Schnittfläche stellenweise grauwoiss gefärbt. So­wohl am linken, als am rechten Herzen erscheinen auf der Schnittflächo rundliche, zum Theil auch streifenfönnig gestaltete, braunrothe (hämorrhagische) Herde. An diesen Stellen ist das Parenchym des Herzens etwas derb. An den Papillarmuskeln der linken Seite finden sich frische blutige Sugillationeu.
6) Pleuritis bilateralis. Protrahirtcr Krankhoitsverlauf. Knarrende, pfeifende, piepende und plätschernde pleuritische Geräusche, zu­nächst rechterseits und darauf linkerseits. Starke Dyspnoe. Ver­zögorte Reconvalescenz; Genesung. Der Kaufmann 0. besass 2 Pferde, von welchen angeblich eins Anfangs Sep­tember 1882 eine Lungenentzündung leicht überstanden hatte. Das 2. Pferd — Rappwallach, 10 Jahre alt, Wagenpford, von mittlerem Gewicht — zeigte am 10. Sept. 1882 Verminderung der Presslust und wurde am 12. Sept. in die Klinik ge-
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Brustseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 257
bracht. Massiger Verfall der Kräfte. Häufiger kurzer und abgebrochener Hasten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; \\\
Fiebertemperatur der Haut. Heu und Kleienfutter wurden relativ gut aufgenommen, Hafer aber nur in kleiner Quantität verzehrt. Harn hellgelb, fadenziehend, alkalisch und eiweissfrei, enthält Epithelion, kohlensauren Kalk, Tripelphosphat und Chlor­verbindungen. Conjunctiva beiderseits gelb röthlich, geschwollen; Nasenschleimhaut feucht, blassroth; Maulschleimhaut schmutzig gelb. Puls 62; Resp. 22; Temp. 40,5. Durch Auscultation und Percussion wurde festgestellt, dass das untere Drittel der linken Lunge unwegsam war. In den folgenden Tagen verschlechterte sich das All-gemeinbflnden. Mehrere Tage hindurch bestand aus beiden Nasenlöchern ein relativ starker, rostfarbener Ausfluss. Am 17. und 18. September starkes Stöhnen nach leichtem Druck gegen die rechte Brustwandung. Trotz Einreibung mit Senfspiritus blieb das Athmen sehr frequent und dyspnoisch (exspiratorische Dyspnoe). Am 19. Sept. starke Reibgeräusche auf der Pleura rechterseits. Am 20. Sept. heftiger Durchfall. Am 23. Sept. Reibegeräusohe auf der rechten Brustseite, daneben piepende, knarrende und plätschernde Geräusche. In der unteren Partie der rechten Lunge fehlt das Athmungsgeräusch; an der linken Seite Bronchialathmen. Starke Dyspnoe bei der In- und Exspiration. Versuchsweise werden 2 Einstiche mit dem Troicar an der rechten Brustwandung gemacht, es ergiesst sich aber aus der Hülse kein Wasser, sondern verhältnissmässig viel Blut. Ord.: Warme Umschläge um den Brustkasten.
Am 24. Sept. ist das Befinden wesentlich besser. Rechte Lunge freier, Zahl der Athemzüge vermindert, das gluckernde Geräusch fehlt und die übrigen Reibungs­geräusche sind geringer geworden.
Am 26. wird eine weitere Rückbildung der Pleuritis dextra festgestellt. Da­gegen hat sich auf der linken Seite in der unteren Partie der Brust die Entzündung stärker ausgebildet. Harte und gluckernde Reibegeräusche bei jedem Athemzüge. Ord.: Zwei Haarseile an der linken Brustwandung.
Am 27. Verringerung der Symptome und Besserung der Futteraufnahme. Be­sonders wird Heu und Kleienfutter in grossen Quantitäten verzehrt. Die Convales-cenz erfordert noch 3 Wochen ; das Pferd ist vollständig genesen.
1882.
P.
R.
T.
1882.
P.
R.
T.
13.
September
02
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32
39,1
20.
80
60
39,4
30.
00
26
38,2
21.
7G
5G
38,2
1.
October
56
28
38,4
7) Pneumonia ainistra; Lungenblutung; Krampfanfälle; tödtlichor
Ausgang.
Im Mai 1881 wurde durch frisch angekaufte Pferde die Brustsouche in einen Bestand der Berliner Feuerwehr eingeschleppt; es erkrankten 8 Pferde. Eins der­selben •— 8jähriger, brauner Wallach — wurde am 21. Mai in die Klinik eingestellt;
Dleckerhoff, Spec. Pathologie u, Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;in
ocr page 276
258nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
es war seit einigen Tagen krank. Nährzustand ziemlich gut. Starke Ermüdung, Aufstützen des Kopfes auf die Krippe, oder gesenkte Haltung desselben im Stalle. Conjunctiva diffus geröthet. Zeitweise wird das Pferd unruhig und scharrt mit den Vorderfüssen, wie bei der Kolik. Es wiegt den Kopf hin und her, kaut häufig, ohne Futter zwischen den Zähnen zu haben. Im Stehen wird bald die eine, bald die an­dere Gliedmasse entlastet. Futter wird nicht aufgenommen, aber Wasser ziemlich viel getrunken, Harn lehmfarben, fadenziehend, leicht oiweisshaltig, spec. Gew. = 1044. Bei der Auscultation fand sich an der linken Brustseite weiches Reibegeräusch, welches mit jeder Systole des Herzens sich stärker markirte. Der Percussionsschall erschien im unteren Drittel der linken Brustwandung dumpf und leer. Der durch Druck auf den Kohlkopf hervorgerufene Hustenreiz wird unterdrückt. Bei starker Reizung erfolgt leichtes Hüsteln unter schmerzhaften Empfindungen.
Die Behandlung mit Natr. salicyl. hatte keinen Erfolg. Bis zum 23. Mai stiegen die Symptome noch an, die Herzschwäche wurde sehr erheblich. — Berieselung der Brust mit kaltem Wasser 6 Stunden lang, worauf die Temperatur nur um 0,3 0 ab­fiel; Appetit etwas besser. Im Ganzen aber blieb die Krankheit in gleichem Grade fortbestehen.
Am 24. Mai zeigte sich hämorrhagischer Ausfluss aus beiden Nasenlöchern. Athmen dyspnoisch, Herzschwäche bedeutend. Ord.: Diätetische Pflege wie bisher in einem hohen Stallraum. Innerlich: Camphor. Aeusserlich: Einreibung der Thorax mit 6proc. Senfspiritus. Am Nachmittage wiederholte sich der blutige Ausfluss aus der Nase.
Am 25. Mai Vormittags trat eine stärkere Blutung aus der Nase ein. Unmittel­bar darauf bekundete das Pferd heftiges Zittern am Rumpfe und Halse. Zeitweise wird der Kopf krampfhaft nach unten gezogen, wobei sich die Augen verdrehen, so dass die Sclera deutlich sichtbar wird. Das Pferd stürzt zu Boden, zuckt einlgemale mit den Füssen und bleibt dann ruhig liegen. Nach 10 Miuuten wird es durch An­treiben und entsprechende Hülfeleistung zum Aufstehen gebracht. Excremente diarrhoisch. Ord.: 01. Terebinthinae zur Inhalation.
Im Laufe des Vonnittags wiederholte sich der Krampfanfall einmal. Am Nach­mittage trat von Neuem Blutung aus der Nase ein. Herzschlag sehr schnell. Puls an der Art. max. undeutlich, inäqual; Arterie gespannt. Am Abend verzehrte das Pferd etwas Grünfutter.
26. Mai: Befinden nicht wesentlich verändert. Um 10 Uhr Vormittags wieder­holten sich die Krämpfe, bei welchen das Pferd zu Boden stürzte. Nach kaum 15 Mi­nuten hatte es sich so weit erholt, dass es aufstehen konnte. Eine halbe Stunde später zeigte sich von Neuem Hämoptoe, bei welcher Blut aus dem Maule und aus der Nase durch Husten ausgestossen wurde. Respiration röchelnd. Darmexoremente dünnflüssig. Im mittleren Drittel der linken Brustseite war durch Percussion Bruit de pot fclö im Umfange einer Handfläche festzustellen. Die Auscultation ergab linksseitig bronchiales Athmen. Ord.: Inhalation von Terpentinöl in warmer Heu­samenbrühe.
Am 27. Mai Vormittags wiederholte sich die Hämoptoe. Im Uebrigen waren die Erscheinungen gleich. Behandlung mit Terpentinöl fortgesetzt, daneben 100,0 Gort. Quere, mit 80,0 Natr. bicarb, in Latwergenfom. Mittags traten von Neuem krampf­hafte Contractionen in den Beugern des Kopfes und Halses ein, worauf das Pferd niederstürzte und i/i Stunde liegen blieb. Resultat der Percussion wie am Tage vor-
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Brustseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 259
her. — Das Pferd hatte am 28. Mai nochmals 2 Krampfanfälle zu bestehen. Die Lungenblutung wiederholte sich aber nicht.
29. Mai. Besserung im Allgemeinbefinden. Es wurde eine ziemliche Quantität Grünfutter, auch etwas Hafer und Heu verzehrt. Das Geräusch des gesprungenen Topfes besteht noch, aber in etwas geringerem Umfange an der linken Brustseite. — Die Inhalationen mit Terpentinöl werden wiederholt.
Am 30. Mai wurden in Zwischenzeiten von 5—^10 Minuten krampfhafte Contrac-tionen in den Muskeln des Kopfes und Halses beobachtet. Das Pferd vollführte dabei schluchzende Bewegungen, war sehr unruhig, scharrte mit den Vorderfüssen, schwankte bei der Bewegung hin und her und war kaum fähig, zu gehen. Maul­schleimhaut cyanotisch; Conjunctiva gelb. Futteraufnahme ganz verweigert. Darm-excremente diarrhoisch.
Am 31. Mai Vormittags wiederholton sich die krampfhaften Zufälle in kurzen Zwischenzeiten von 3-—8 Minuten; die Kräfte verfielen mehr und mehr und um neun Uhr trat der Tod ein. Die Körpertemperatur, welche im Todesacte 40,3deg; betrug, er­fuhr keine postmortale Steigerung, verminderte sich vielmehr ganz allmälig bis um 3 Uhr auf 38,3 0.
R.
P.
T.
R.
P.
T.
21.
Mai
24
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40,5
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Mai
32
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30
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3G
80
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23.
„ Vorm.
30
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23.
„ Nachm.
30
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„ Vorm.
30
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40,1
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—
—
40,3
25.
„ Nachm.
32
96
40,5
Bei der im pathologischen Institut der Thierarzneischule vorgenommenen Sec­tion fanden sich in der Brusthöhle V/i Liter und im Herzbeutel 2 Esslöifel voll einer wässerig-klaren Flüssigkeit. Herzbeutel gesund. Herzfleisch trübe, graubraun, mürbe. Am Endocardium und an den Trabekeln zahlreiche kleine, hämorrhagische Horde. Lungen mit dünnllüssigem, braunrothem Blute gefüllt. Die untere Hälfte der linken Lunge ist derb und fest (hepatisirt). Auf der Schnittfläche finden sich zahl­reiche gelbgraue Herde, die sich leicht aus der Lungensubstanz herausheben lassen und eine grauweisse, schmierige, eiterähnliche Masse darstellen. Neben den Herden zeigt die Schnittfläche zahlreiche erbsen- bis haselnussgrosse und einzelne hühnerei-grosse Cavernen mit unebenen Wandungen und chocoladenfarbigem, schmierigem In­halt. Das zwischen den Cavernen befindliche Lungengewebe ist derb und luftleer, an vielen Stellen mit linsengrosson, braunrothen Punkten durchsetzt. Im vorderen Drittel der rechten Lunge, nahe am unteren scharfen Rande, wurde ein hühnereigrosser Herd gefunden, dessen Schnittfläche grauroth, glatt, aber vollständig luftleer war. Tra-chealschleimhaut ramiform geröthet und mit schaumiger Flüssigkeit bedockt. Die Pleura pulmonalis war an einem grossen Abschnitte der linken Lunge trübe und matt­grau gefärbt, im Uebrigen ohne Veränderung. Ausserdem fanden sich bei der Section diffuse Schwellung und stärkere Röthung der Magen-Darmschleimhaut. Vergrösserung der Milz, Nieren und Leber, venöse Kötho der Schleimhäute in den Hals- und Kopf­höhlen. Am Gehirn und Rückenmark konnte aber aussor einer starken Füllung der Gefässe mit dunklem Blut nichts Krankhaftes ermittelt worden.
17*
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260nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
8) Pneurao - Pleuresia dextra. Epileptiformo Krämpfe. Scheinbare Genesung am sechsten Krankheitstage. Abgekapselter eiteriger Herd im vorderen Lappen der rechten Lunge. Erneute Erkrankung an Pleuritis diffusa bilateralis nach 18 Tagen. Hydrothorax. Exitus letalis nach weiteren 4 Tagen.
Eine 11 jährige englische Stute, Reitpferd, gegen 8 Centner schwer, hatte an­geblich einen Tag hindurch weniger Futter verzehrt und kam deshalb am 24. Octbr. 1882 in die Klinik. Das Pferd zeigte die gewöhnlichen Erscheinungen der Brust­seuche und bekundete massig starkes Stöhnen bei leichtem Druck gegen die rechte Brustwand. Futter wurde nur wenig aufgenommen, Wasser dagegen oft getrunken. Zur Diagnose bemerke ich noch, dass das zweite Pferd des Besitzers 6 Tage später ebenfalls an der Brustseuche erkrankte. Ord.: Innerlich Natr. bicarb, und Natr. sulf. mit Rad. Valer. Aeusserlich 7 proc. Senfspiritus auf die rechte Brustwandung. Am folgenden Tage hatte sich die Störung des Allgemeinbefindens nicht verändert, da­gegen war das Pferd einmal in der Box zu Boden gefallen, hatte mit den Glied­massen zuckende Bewegungen vollführt und die Augen verdreht.
Am 26. Oct. war das Benehmen des Pferdes weniger gut. Der Kopf wurde gesenkt gehalten, die Augen halb geschlossen. Um 10 Uhr Vormittags fiel das Pferd, ohne sonstige Symptome zu zeigen, plötzlich auf die Seite, es streckte den Kopf im Liegen nach hinton, verdrehte die Augen und zuckte krampfhaft mit den Gliedmassen. Muskelzittern am ganzen Körper, besonders am Hals, Schulter und Becken. Geringer Speichelfluss, dyspnoisches Athmen unter lautem Stöhnen. Nach 5 Minuten war der Krampfanfall vorüber. Das Pferd lag ruhig; leichter Sohweissausbruch, geringes, aber andauerndes Muskelzittern. Unmittelbar nach dem Krampfanfalle hatte das Pferd 80—90 Pulse und 60—75 Athemzüge in der Minute. Nach 25 Minuten stand es auf. Sohweissausbruch und Muskelzittern waren geringer, der Blick etwas ängst­lich, der Gang unsicher, Kopfhaltung gestreckt und zeitweise kurzer und rauher Husten. Futtoraufnahme verzögert und spärlich, Wasser wird aber gern getrunken. Nachdem das Pferd aufgestanden, hörten das Stöhnen und die Dyspnoe wieder auf. Das Pferd wurde in einen geräumigen, luftigen Stall gebracht. Innerlich dieselbe Medication wiederholt, äusserlich auf beide Brustwandungen 7V2Pr0C- Senfspiritus applicirt. Abreibung der Haut, Flanellbinden um die Gliedmassen. Bei guter Pflege bossorte sich das Thier und am 30. Oct. waren die wesentlichsten Erscheinungen der Krankheit beseitigt.
D.
R.
P.
T.
D.
R.
P.
T.
24.
October
24
64
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October
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30.
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16
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27.
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39,8
Der Besitzer Hess das Pferd am 1. Nov. abholen, am 18. Nov. aber von neuem einstellen. Es wurde eine doppelseitige schwere Pleuritis als Nachkrankheit der Brustseuche constatirt. 75 Pulse, 36 Athemzüge mit exspiratorischer Dyspnoe und lautem Stöhnen. Verfall der Kräfte. Der Tod erfolgte am 21. Nov. Autopsie: In beiden Brusthälften zusammen 27 Liter einer trüben, grauröthlichen Flüssigkeit. Pleura in ihrer ganzen Ausdehnung entzündlich getrübt und stark vascularisirt, am Zwerchfell und an den Rippenwandungen ausserdem mit fibrinösem Exsudat bedockt. Lungen comprimirt; der vordere Lappen der rechten Lunge ist mit der Rippen wand
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Brustseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 261
fest verwachsen und enthält inmitten dieser Partie einen hühnereigrossen, von einer dünnen Kapsel umschlossenen Eiterherd. Die Bronchialschleimhaut in beiden Lungen entzündlich geröthet. Das Herz, sowie die Digestions- und Harnorgane zeigten die gewöhnlichen Veränderungen. Am Gehirn fand sich nur das Adergeflecht des 4. Ven­trikels verdickt und vergrössert.
9) Pneumonia dextra multiplex. Nekrose der Entzündungsherde.
Verwachsung eines pneumonischen Herdes der rechten Lunge mit der
Brustwand. Pleuritis universalis sero-fibrinosa; Dislocation des
zungenförmigen Lappens der linken Lunge; Exitus letalis.
Leichtes Wagenpferd, Schimraelstute, 14 Jahre alt, hatte seit 4 Tagen wenig gefressen und bekundete am 14. Febr. 1883 schweres Allgemeinleiden, Benommenheit des Bewusstseins, stieren, ängstlichen Blick. Ermüdung und wechselnde Belastung der Gliedmassen, geringen Appetit, öftere Aufnahme kleiner Mengen Wasser; kurzer, abgebrochener Husten. Puls 68, arhythmisch und inäqual; Resp. 40, Temp. 40,5. Dyspnoe, In- und Exspiration von gleicher Dauer. Rechts Bronchialathmen, im unteren Drittel der Lunge kein Athomgeräusch. Links normales Vesiculärathmen der Lunge mit Ausnahme des unteren Randes. Percussionsschall rechts, entsprechend dem oberen Rande der Lunge, voll und hell, in der Mitte leer und an einer hand-tellergrossen Partie metallischer Percussionsschall. — Bei sorgfältiger Behandlung nahmen die Erscheinungen zunächst ab, die Gosammtstörung blieb aber bestehen. Am 20. Februar bei der Auscultation rechtersoits die beschriebenen Geräusche, linkerseits an den Anconäen starkes pleuritisches Reibegeräusch (Gluckern). Das­selbe Geräusch vor der Brust an der linken Brustfurohe, woselbst das Lungen­geräusch fehlte, während an der rechten Brustfurche das bekannte Broncho-Vesiculär­athmen des zungenförmigen Lungenlappens bestand. Am 23. Februar erhebliche Verschlimmerung, starke in- und exspiratorische Dyspnoe. Zunehmender Kräfteverfall. Tod am 24. Februar.
Autopsie: In der linken Brusthälfte einige Liter leicht getrübter, gelblicher, geruchloser Flüssigkeit und viel fibrinöses Exsudat, besonders in dem vorderen Ab­schnitt der Brusthöhle, welcher umfangreiche, lockere, gelbliche Fibringerinnsel mit reichlichem Wassergehalt enthält. Pleura pulmonalis mit flbrinösem Belag bedeckt. Der zungenförmige Lappen der linken Lunge war umgeschlagen und mit dem dahinter gelgenen Theile der Lunge innig verklebt. In der rechten Brusthälfte diffuse, serös-fibrinöse Pleuritis mit starker Vascularisation. Verwachsung der Lunge mit der Brust­wand. Starker Blutreichthum der Lunge und entsprechend der verwachsenen Stelle ein gänseeigrosser, brandiger Zerfallsherd. Daneben fand sich in beiden Lungen eine grössere Zahl von unregelmässig gestalteten nekrotischen Herdon, zwischen welchen die einzelnen Partien verdichtet, aber lufthaltig waren.
10) Pneumonia bilateralis; broncho-pneumonische Jaucheherde;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; quot;#9632;
eiterig-jauchige Pleuritis; Exitus letalis.
Fabrikbesitzer M. Hess am 24. Juni 1882 eine vierjährige, braune Stute in die Klinik einstellen, weil dieselbe seit 14 Tagen schlecht gefressen habe. Die Stute war traurig und stand mit gesenktem Kopfe. Haut fieberhaft temperirt. Puls von mitt­lerer Stärke; Arterie weich; Respiration massig frequent, costo-abdominal, oberfläch­lich. Coiyunctiva geschwollen und diffus roth. Episcleralgefässe gefüllt, Sclera gelbnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'
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262nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
gefärbt. Nasen- und Maulschleimhant blassroth. Bei der Auscultation des Brust­kastens wird Unwegsamkeit im unteren Viertel der rechton Lunge oonstatirt. In der linken Lunge ist die Erkrankung durch Auscultation und Percussion noch nicht fest­zustellen. Druck mit der Hand auf die Rippenwandung wird an beiden Seiten schmerz­haft empfunden. Das Pferd hustet wiederholt. Appetit gering, Darmexcremente locker. Harn gelblich, klar.
Am 5. Juni ist die linke Lunge im unteren Drittel unwegsam. Im Uebrigen be­stehen dieselben Symptome. — Ord.: Einreibung beider Brustwandungen mit 5proc. Senfspiritus; innerlich; Natr. bicarbon. und Natr. sulfuric. — 26. Juni. Appetit noch mehr verringert. Beide Lungen in der unteren Hälfte für die Athmung unweg­sam. Sichtbare Schleimhäute venös geröthet. — Ord.: Warme Umschläge um den Brustkasten. Grünfutter, welches das Pferd ziemlich gut aufnimmt. Bis zum 28. Juni verschlimmerte sich der Znstand. An beiden Brustwandungen ist pleuritisches Reibe­geräusch zu vernehmen. Die Athmung erfolgte unter Stöhnen, welches beim Druck mit der Hand gegen die Rippenwandung, namentlich an der rechten Seite sich be­deutend steigert. Ord.: Fortsetzung der warmen Umschläge. — 30. Juni. Athmen mit erheblicher Dyspnoe und starker Erweiterung der Nasen. Bei der Ausculta­tion rechterseits trockene Rasselgeräusche. — Ord.; Spirit, aether.; äusserlich warme Umschläge um die Brust. — Am 1. Juli zeigt die Exspirationsluft einen üblen süss-lich fauligen Geruch, der sich aus dem rechten Nasonloche in höherem Grade bemerk­bar machte, als aus dem linken. Bei der Auscultation wurde an der rechten Seite feuchtes Rasselgeräusch vernommen. Bis zum 8. Juli nehmen diese Symptome zu, das Pferd verfällt in seinem Nährzustand mehr und mehr und wehrt die Fliegen nicht mehr ab. Augen in die Höhlen zurückgezogen. Sichtbare Schleimhäute stark injicirt und venös geröthet. Am 4. Juli erfolgt der Tod.
D.
P.
R.
T.
D.
P.
R.
T.
24. Juni
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41,2
30. Juni
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38,6
25. „
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1. Juli
72
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38,7
2fi. „
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20
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27. „
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20
41,3
8. „
Nachm.
124
24
41,3
29. „
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20
39,5
Bei der im pathologischen Institut ausgeführten Section fanden sich allgemein die Erscheinungen der ichorrhösen Intoxication. Im linken Pleurasack 20 Liter einer braunrothen, trüben Flüssigkeit, in welcher viel gallertartige Fibringerinnsel umher-schwammon. Beide Pleurablätter mit einer dünnen Lage schmutzig-grauer Fibrin­masse belegt, die sich leicht abheben Hess. Pleura selbst nicht verändert. Das Mediastinum entzündlich geschwollen. Im rechten Pleurasack 10 Liter einer trüben, wässerigen Flüssigkeit, in welcher ebenfalls flockige Fibringerinnsel enthalten sind. Lungen- und Rippenpleura der rechten Seite mit einer 4 Ctm. dicken Lage fibrinösen Exsudates belegt, welches durch balkenartige Züge beide Pleurablätter miteinander verbindet. Rechterseits ist die Pleura stark verdickt, bläulich roth und auf der Ober­fläche vielfach granulirl. Lungen retrahirt. Linke Lunge hepatisirt bis in die Nähe des oberen stumpfen Randes. Schnittfläche stark glänzend, luftleer und braunroth gefärbt. Im vorderen Lappen und am unteren Ende enthält die Schnittfläche der linken Lunge einzelne erbsengrosse, graue Herde, welche bei der Berührung zu einer schmierigen Masse zerfallen.
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Brustseiiohe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;263
Rechte Lunge im vorderen Lappen und in der ganzen unteren Hälfte hepatisirt, derb und fest. Schnittfläche an diesen Partien graublau, brüchig und mit vielen erbsengrossen braunen Herden durchsetzt. Stellenweisse finden sich wallnussgrosse Höhlen, welche nekrotisches Lungengewobe und grauweissen Eiter enthalten. Die Cavemen stehen durch die Bronchien miteinander in Verbindung. Die Lungensub­stanz, von welcher sie umgeben sind, erscheint theils glatt, theils rauh und buchtig; besondere Wandungen lassen sich nicht nachweisen.
11) Pneumo-Pleuritis sinistra; grosses Empyem der linken Brust; chronische Pleuritis; tödtlicher Ausgang. Eine neunjährige Rothschimmelstute, welche angeblich seit mehreren Tagen wenig Futter aufgenommen und Athembeschwerde gezeigt, wurde am 31. März 1880 in die Klinik eingeliefert. Nährzustand gut, massige Eingenommenheit des Bewusst-seins, anhaltendes Stehen mit gesenktem Kopfe. Abwechselnde Entlastung der Glied­massen. Futteraufnahme gering. Conjunctiva etwas geröthet. Herzschlag und Ar­terienpuls von mittlerer Stärke, Athmung massig beschleunigt. Bei der Auscultation findet sich an der linken Brustseite pleuritisches Reibegeräusch, in der oberen Hälfte daneben verstärktes Bläschengeräusch. An der rechten Seite ebenfalls vicariirendes Bläschengeräusch. Der Percussionsschall war in der unteren Hälfte der linken Brust­wandung leer. Von selbst hustet das Pferd nicht. Beim Druck auf die linke Brust­wandung bekundet es heftiges Stöhnen. — Hiernach diagnosticirte ich eine Pleuritis gravis als Folge der Brustseuche. — Die Behandlung hatte nur vorübergehend eini­gen Erfolg. — Mit dem 15. April verschlechterte sich das Allgemeinbefinden wieder, die Herzschwäche nahm zu, das Athmen wurde dyspnoisch. An der ganzen linken Brustseite Bronchialathmen und gedämpfter Percussionsschall. Demnächst verrin­gerte sich das pleuritische Reibegeräusch, so dass es mehrere Tage hindurch ganz sistirte. Am 24. April fand sich an der rechten Seite Reibungsgeräusch; am 25. April Ausfluss einer eiterig-schleimigen Flüssigkeit aus beiden Nasenlöchern. Am 28. April wurde ein fauliger Geruch der Exspirationsluft constatirt, die Dyspnoe nahm zu, die Kräfte verfielen mehr und mehr, das Pferd wurde sehr mager. Tod am 30. April unter den Symptomen vollständiger Erschöpfung nach kurzem Todeskampfe.
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D.
R.
P.
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D.
R.
P.
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81.
März
20
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15.
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1.
April
14
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37,8
16.
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24
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16
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26
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I
Ja
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264nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxioationskrankheiten.
Bei der im pathologischen Institut der Thierarzneischule vorgenommenen Section fand sich ein diffuser Magen-Darmcatarrh und leichte Schwellung der Nieren, Milz und Leber. Parenchymatöse Myocarditis. Die Musculatur des Herzens graubraun und glänzend. Am Endocardium, theils auch am Pericardium zahlreiche kleine hämorrha-gische Herde. Der obere Theil des linken Brustraums war ganz ausgefüllt von einer Höhle, welche 34 Liter einer gelben, sahnenartigen Flüssigkeit mit Fibringerinnseln enthielt. Die Höhle war entstanden durch Verwachsung der Lungenpleura mit der Rippenploura und der Zwerchfellspleura. Die Häute waren stark verdickt, gefäss-haltig und auf der inneren Fläche im Zustande einer granulirenden Entzündung. Auch ausserhalb des grossen Empyems war die Pleura entzündet und stark vasculari-sirt. In der rechten Brusthälfte hatte die Entzündung einen geringeren Grad erreicht; es befanden sich in derselben 2 Liter einer blutigen Flüssigkeit. Die linke Lunge enthielt mehrere tauben- bis hühneroigrosso Zerfallsherde. Ein solcher Herd war bis in die Pleura, resp. bis in den Empyemsack vorgedrungen. An dieser Stelle war die Pleura nekrotisch geworden und die hierdurch eingeleitete Pleuritis hatte zur Bil­dung des Empyems Veranlassung gegeben. Im Uebrigen waren beide Lungen stark comprimirt; die Bronchien an der linken Lunge erweitert, die Schleimhäute des Re-spirationstractus blauroth gefärbt und mit eiterig-jauchiger Flüssigkeit bedockt.
12) Bilaterale fibrinöse Pneumonio; schwere Myocarditis; parenchy­matöse Myositis und schollige (wachsartige) Degeneration der Knie­scheibenmuskeln beider Hintergliedmassen. Tod durch progressive Ermüdung (Lähmung) des Herzens.
Der Banquier M. . . . kaufte am 10. Febr. 1885 zwei 4jährige Rappstuten ver­edelter Abkunft, die beide vollständig gesund waren und lebhaften Appetit bekundeten. Sie wurden täglich einmal vor dem Wagen behufs ihrer Einfahrung bewegt. Zu der fraglichen Zeit herrschte rauhe, kalte Witterung mit zeitweise recht lästigem Ostwinde. Die Stallung war verhältnissmässig klein und Hess sich auch nur unvollständig von-tiliren. Dessungeachtet bekundeten die Pferde lebhaftes Temperament und sichtliche Besserung im Nährzustande. Am 25. Februar, Vormittags, wurde von dem Kutscher eine mangelhafte Futteraufnahme und geringere Lebhaftigkeit bei dem einen Pferde wahrgenommen. Als dasselbe 8 Stunden später in die Klinik eingeliefert wurde, fanden sich die Symptome der Brustseuche mit rechtsseitiger fibrinöser Pneumonic, bei welcher die Hepatisation bis zur Mitte des Brustkastens herauf reichte. Resp. 18, Puls 72, Temp. 40,9. Appetit relativ gut; Kopfhaltung gesenkt, Augenlider halb geschlossen. Conjunctiva gelblich geschwollen; Dejection von Blutserum aus dem linken Nasenloche. Herzschlag in geringem Grade arhythmisch. Bei vollständiger Ruhe sind beide Herztöne vernehmbar, sobald aber das Pferd nur wenige Schritte sich bewegt, fällt der zweite Herzton aus. Therapie: Natr. bicarb. 60,0. Natr. sulf. 300,0 in Latwergenform.
Bis zum 28. Februar blieben die bezeichneten Symptome bestehen. An diesem Tage wird eine Mitaffection der linken Lunge in der unteren Partie festgestellt. Der Percussionsschall ist im unteren Dritttheil der linken Thoraxwand gedämpft, und das Bläschengeräusch fehlt in dem entsprechenden Abschnitte der Lunge. Respiration beschleunigt, mit starker Nasendyspnoo. Puls schwach, arhythmisch und inäqual; Arterie weich. Ord.: Einreibung beider Brustwandungen mit 7proc. Senfspiritus; innerlich Natr. bicarb. 100,0. Natr. sulfur. 300,0. Rad. Gentian 60,0 in Latwergen­form. Das Pferd wird in einem grossen, geräumigen Laufstallo untergebracht.
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Brustsenohe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 265
Am 1. und 2. März findet sich neben den vorbemerkten Symptomen lebhafte Sehmerzempfindung in beiden Hintergliedmasson, durch welche das Pferd veranlasst wird, anhaltend zu liegen resp. nach dem Aufstehen sich bald wieder hinzulegen. Die Vordergliedmassen worden unter den Leib gestellt, behufs Entlastung der Hinter­gliedmassen. Letztere stellt das Pferd ebenfalls mehr unter den Leib, indem es mit dem Fesselgolenk etwas nach vorn überknickt. Der Tensor Fasciae latae wird wäh­rend des Stehens stark contrahirt, so dass er in seinen Contouren durch die Haut sich deutlich markirt. Zeitweise entlastet das Pferd die Hintergliedmassen nach einander. Die Bauchdecke wird angespannt und das Becken ein wenig gesenkt gehalten. — Resp. sehr beschwerlich, mit klatschendem Nasalton. Aus beiden Nasenlöchern ent­leert sich zeitweise dünnflüssiges Blut. Die Arhythmie des Herzschlages hat zu­genommen, und der zweite Herzton ist nur noch ausnahmsweise zu vornehmen. Ar­terienpuls weich. — Ord.: Spirit, aether, mit Wasser zum Anfeuchten der Maulhöhle. Waschung der Hintergliedmassen mit Sp. camphor. Aderlass von 2 Liter. — Der Krankheitszustand gestaltet sich am 4. März hoffnungslos. Das Pferd liegt anhaltend, steht nur auf, wenn es angetrieben wird und zeigt im Stehen eine grosse Unruhe, indem es die Vorder- und Hintergliedmassen unter den Leib stellt, letztere aber fort­während nacheinander emporzieht und niedersetzt. Blick stier, Pupille erweitert. Conjunctiva geröthet. Starke Dyspnoe mit klatschendem Nasalton. Herzschlag sehr unregelmässig und ungleich. Am Abend des 4. März erfolgt der Tod.
Krankheitsverlauf:
B.
P.
T.
R. P. T.
25.
Februar
18
72
40,9
1.
März
40 80 40,3
26.
jj
20
70
40,7
2.
raquo;
42 85 40,6
27.
u
27
65
40,4
8.
ft
54 100 40,6
28.
raquo;
34
80
40,6
4.
ff
80 110—120 40,0
Die im pathologischen Institute (Lüpke) ausgeführte Section ergab, dass die Magen-Darmschleimhaut nicht wesentlich verändert war. Nur in der Portio pylorica des Magens befand sich eine frische Schwellung der Drüsen. Milz in leichtem Grade geschwollen, stahlblau, welk; die Malpighi'schon Körperchen vergrössert. Leber doppolt so gross als gewöhnlich in Folge starker Fettinfiltration. Parenchym ziemlich fest. Nieren etwas vergrössert, blutreich; auf der Schnittfläche in der llindonsubstanz graubraun und trübe; Marksubstanz schmutzig grauroth. In beiden Pleurasäcken etwa 2 Liter gelbrother, trüber Flüssigkeit. Die rechte Lunge ist auf der Pleura mit einem dünnen, flbrinösen Belag bodockt. Im Herzbeutel 100 Grm. klare, gelbrothe Flüssigkeit. Am visceralen Blatte des Herzbeutels einige hämorrhagischo Herde. Das Horzlloisch mürbe, auf der Schnittfläche getrübt, trocken und glanzlos; ander Basis stellenweise weissgrau und grauroth gefärbt. Aus der Luftröhre entleert sich eine grössero Quantität feinblasigon Schaumes mit einer reichlichen Menge lack-farbenen Blutes. Lungon im Inspirationszustande. Rechte Lunge bis zum oberen Rande hepatisirt, auf der Schnittfläche in zahlreichen, unregelmässig contourirton Horden von dem Umfange bis zu einem Gänsoei schwararoth gefärbt, im Uebrigon braunroth. Beim Druck orgiesst sich über die Schnittfläche viel Flüssigkeit. Die linke Lunge zeigt am unteren Rande bis zu einer Höhe von 10 Ctm. dieselbe Be­schaffenheit. Die Skoletmuskoln sind auf der Schnittfläche braunroth gefärbt und im Parenchym durchweg getrübt. In dem intermuskulären Bindegewebe finden sich an zahlreichen Stellen Ergiessungen von dunklem, flüssigem Blut. Die Kniescheiben-muskeln beider Gliedmassen erscheinen auf dem Durchschnitt intensiv gelb, zum
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266nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxioationskrankhelten.
Theil golbrothlich und stellenweise hellgelb. Im Ganzen lässt sich die Farbe mit rlerjenigen des gelben Wachses vergleichen. Nur die äusseren Schichten der Knie­scheibenmuskeln haben das normale rothe Ansehen. Sowohl die Kniescheibenmuskeln der linken als diejenigen der rechten Gliedmasse enthalten im Innern eine Ruptur von der Länge und Grosse eines menschlichen Daumens. In die hierdurch entstandene Kluft hat sich dünnflüssiges Blut ergossen. — Die von mir vorgenommene mikro­skopische Untersuchung der Kniescheibenmuskeln, deren Degeneration bei der ein­fachen Besichtigung schon sehr augenfällig hervortritt, ergab, dass in den am stärk­sten entarteten Partien die Muskelfasern durchweg die Veränderungen der scholligen oder wachsartigen Degeneration erfahren hatten. An einigen Präparaten fand sich in einzelnen Fibrillen die Querstreifung noch theilweise erhalten; daneben enthielten mehrere Fibrillen die Producte des fettigen Zerfalles. Im Ganzen bewies die Behand­lung der mikroskopischen Präparate mit Natronlauge, dass die Degeneration nur zu einem kloinen Theil den Charakter der Fettmetamorphose, grösstentheils dagegen alle Eigenschaften des scholligen Zerfalls besass.
13) Pneumonia multiplex bilateralis mit dem Ausgange in Lungen-
abscesse; parenchymatöso nekrotisirende Myositis im M. biceps
femoris beider Seiten.
Sechsjähriger, brauner Wallach belgischer Race, etwa 12 Ctr. Lebendgewicht, war im Januar 1885 an der Brustseuche erkrankt. Der Krankheitsverlauf hatte sich ver­zögert und nach Angabe des behandelnden Thierarztes vor Beendigung des specifi-schen Stadiums mit einer unvollständigen Paraplegic complicirt. Da sich das Pferd nicht erholte, so wurde es am 26. Februar 1885 in die Klinik eingeliefert.
Befund: Nährzustand massig, Bewusstsein frei, Futteraufnahme gering, Wasser wird in normaler Menge getrunken. Im Stalle werden die Vordergliedmassen unter den Bauch gestellt. Die Ilintergliedmassen stellt das Pferd abnorm weit nach vorn, indem es die Lendenwirbel emporhebt und die Sitzbeinhöcker tief herabsenkt. Die Hinterfesseln nehmen abwechselnd eine knickende Stellung an. In dem geräumigen Laufstalle kann sich das Pferd nur mühsam fortbewegen, wobei das Hintertheil der correspondirenden Bewegung der Gliedmassen folgend, stark nach beiden Seiten schwankt. Anfänglich lag das Pferd anhaltend; später nur zeitweise. Mit dem Vordertheil richtete es sich leicht auf; das Emporheben des Hintertheils erforderte eine erhebliche Anstrengung, gelang aber in der Regel beim ersten Versuche. — Kesp. 54 mit starkor Anspannung der Bauchdecken und dyspnoischer Erweiterung der Naseneingängo. Puls 90—100, ziemlich regelmässig. Mastdarmtemperatur 39,0. Bei der Auscultation fanden sich in beiden Lungen Rasselgeräusche von mehr trock-nem Habitus. Percussionsschall am Thorax in leichtem Grade gedämpft. — Die Krankhoitserschoinungen verringerten sich in den nächsten 8 Tagen nur wenig. Am 8. März wurde das Pferd zum Zwecke der Section getödtet.
Autopsie; In beiden Lungen kleine bronchiektatische Herde. Im mittleren Theile der linken Lunge mehrere 'jionchopneumonische, abgekapselte Eiterherde, in deren Bereich die Lunge mit der Rippenwandung verwachsen war. Beide Pleurasäcke enthielten etwa ein Liter röthlich gefärbter trüber Flüssigkeit. Im Herzbeutel circa 50 Grm. derselben Flüssigkeit. Herz 9 Pfund schwer; rechter Ventrikel zusammen­gezogen, Herzfleisch mattglänzend, grauroth und mürbe. Leber, Milz und Nieren nicht verändert. Die Skeletmusoulatur mit Ausnahme des M. biceps femoris beider Hintergliedmassen gesund. Dicht unterhalb des Sitzbeins enthält der Muskel eine
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M
Ephemere infeotiöse Pneumonie.
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unregelmassige Höhle von der Grosse einer geballten Mannesfaust, aus welcher sich beim Einschneidon eine trübe, röthlich gefärbte, wässrige Flüssigkeit entleert. Die Wände der Höhle sind glatt, raattglänzend und mit rundlichen Stümpfen besetzt, von welchen einer die Stärke eines Fingers hat. Ein fingerdicker Strang zieht sich mitton durch die Höhle hinduroh. Beim Durchschneiden der Stümpfe und des Stranges er-giobt sich, dass dieselben aus fibrös degenerirten Muskolthoilen bestehen. Auch die Wandungen der Höhlen sind durch bindegewebige Umwandlung der Muskelsubstanz entstanden. Die Höhlen in den Muskeln beider Gliedmassen stimmen in der Lage und Grosse ziemlich überein; nur ist die Degeneration des linken M. biceps etwas um­fangreicher als diejenige des rechten.
Capitel VIII. Ephemere iufectiöse Pneumonie. Pneumonia ephemera Rquorum.
Aetielogie. Unter dem verwirrenden Einflüsse, welchen die Geschichte der Pferdeinfluenza auf die Beurtheilung der Lungen Krankheiten gehabt hat, ist die Eigenthümlichkeit der von mir als ephemere Pneumonie des Pferdes zuerst beschriebenen Infectiouskrankheit bei den thierärztlichen Autoren unbeachtet geblieben. Ich habe jüngst (Adam's Wochenschr. XXIX. 1885) eine Reihe von Krankheitsfällen dieser Pneumonie mit-getheilt und die Gründe hervorgehoben, nach welchen die Krankheit nicht als Abortivverlauf der Brustseucho beurtheilt werden kann. Von der ephemeren Pneumonie werden einzelne oder innerhalb weniger Tage bezw. Wochen mehrere Pferde eines Bestandes befallen. Durch die schnelle Ausbildung und den Verlauf der fieberhaften Gesammterkrankung charakterisirt sich dieselbe als eine acute Infectiouskrankheit. Der In-fectionsstoff selbst ist nicht näher bekannt; es lässt sich daher auch nicht angeben, inwieweit das biologische Substrat desselben mit dem Infeclionsstoff der Brustseucbe verwandt ist oder nicht. Ich beobachtete in zwei Pferdebeständen eines Besitzers innerhalb 15 Monate 9 Krankheits­fälle. Während dieser Zeit kam die ßrustscuohe in den gedachten Be­ständen nicht vor. Nach dieser Erfahrung kann ich nicht annehmen, dass die Brustseuche und die ephemere Pneumonie durch den nehmlichen In-fectionsstoff verursacht werden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Krankheit auf der pathogenen Einwirkung eines eigenartigen Slallmiasma beruht. Ob ein gesundes Pferd von einem kranken direct angesteckt
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#9632;
268nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankhelten.
werden kann, lässt sich nicht mit Bestimmtheit behaupten, muss aber als möglich zugegeben werden. Gross ist die Ansteckungsfähigkeit der ephe­meren Pucunionie indess nicht. Denn ich habe oft beobachtet, dass die mit derselben behafteten Pferde neben gesunden Pferden standen, ohne dass eine Ansteckung der letzteren erfolgte. Aehnlich wie bei der Brustseuche kann die Ausbildung der Krankheit bei einem Pferde durch Erkältung, besonders durch die nachtheiligen Wirkungen kalter Ostwinde in der Winterzeit begünstigt, bezw. ermöglicht werden. — Die Disposition zu der Krankheit scheint durch das Alter der Pferde nicht beeinflusst zu sein. Indess habe ich bei Fohlen die ephemere Pneumonie nicht beobachtet, inwieweit durch die einmalige Erkrankung die Empfänglich­keit der Pferde sich verringert, lässt sich nicht sicher entscheiden.
I'athogeiiese. Da die ephemere Pneumonie nicht tödtlich wird, so findet sich keine Gelegenheit zu Sectionen. Die Pathogenese muss daher nach Massgabe der Krankheitserscheinungen in Verbindung mit ander­weitigen pathologischen Erfahrungen beurtheilt werden. Die Zeit, welche von der Aufnahme des Infectionsstoffes bis zum Eintritt der ersten Krankheitserscheinungon vergeht, ist nicht bekannt. Muthmasslich ist die Incubationszeit nicht in allen Fällen gleich. Sie mag zwischen 1 bis 5 Tagen differiren. Die Symptome sprechen dafür, dass die Ent-wiokelung der Krankheit sich analog der Brustseuche vollzieht. Demnach gelangt der Infectionssloff mit der Athmungsluft in die Schleimhaut der kleinen Bronchien und in die Lungen. Gewöhnlich wird nur der mittlere und untere Tlioil einer (am meisten der rechten) Lunge afficirt. Zu­weilen erkranken beide Lungen. Der speeifische Reizungsprocess kann bis in die Pleura vordringen und einseitig oder doppelseitig eine sehr schmerzhafte Affection derselben hervorrufen. Nach den Untersuchungs­befunden oharaklerisirt sich die Localaffccüon als eine seröse Pneumonie von geringem Umfange. Die primäre Reizung der Bronchialschleimhaut giobt sich durch den Husten zu erkennen, während die zuweilen eintre­tende entzündliche Irritation dor Pleura sich durch die oft sehr intensive Schmerzcnipfindung gellend macht.
Mit dem Beginn der speoifischen Bronchopneumonie entsteht durch Resorption des Infectionsstoifes oder seiner Producte zugleich die fieber­hafte Blutdyskrasie. Von den nachtheiligen Wirkungen derselben treten die krankhafte Erhöhung der Körpertemperatur, die Schwächung der Heizkraft und oft die Depression des Bewusstscins am meisten hervor. — Die Lebensfähigkeit des Infeclionssloffes ist nur von kurzer Dauer. Hierdurch erhält die ephemere Pneumonie ihren eigentlichen Charakter. Die uralte pathologische Erklärung; „ecssante causa cessat effectusquot;
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Ephemere infectiöso Pnemnonle.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;269
findet auf diese Krankheit volle Anwendung. Gewöhnlich dauern sowohl die Symptome der Localaffection, als diejenige des fieberhaften Allgomein-leidens nur 12 bis 24 Stunden und am folgenden Tage sind oft kaum noch Spuren der Krankheit nachzuweisen. Aus der Schnelligkeit und Vollständigkeit der Rückbildung folgt, dass der von der Entzündung betroffene Lungenabschnitt nur mit einem serösen Infiltrat durchtränkt ist, welches schon innerhalb eines Tages durch Resorption zum grösston Theil verschwindet. Hiernach hat die ephemere Pneumonio den Cha­rakter einer erysipelatösen, fieberhaften Entzündung, deren Gutartigkeit sich durch die ausserordentlich kurze Lebensdauer des Infoctionsstoffos erklärt.
Symptome. Das Krankheitsbild der ephemeren Pneumonie und Pneumo-Pleuresie verhält sich demjenigen der ßrustseuche im Initial­stadium sehr ähnlich. Auch kommen bei derselben gleich grosse gra­duelle Abstufungen der Symptome in den einzelnen Krankheitsfällen vor. Die Störung des Gesammtbefindens giebt sicli durch folgende Er­scheinungen kund:
Fieber. Die Rectumtemperatur steigt auf 39,0—40,4deg;, vielleicht in besonders schweren Fällen noch höher. Zuweilen stellen sich Horri-pilationen der Haut ein; das Deckhaar ist gesträubt. Dabei besteht bald in höherem, bald in geringerem Grade eine Depression des Sen-soriums und, soweit das Verhalten der Pferde bourtheilen lässt, aucii Kopfschmerz. Der Blick ist stier und unaufmerksam; der Kopf wird gesenkt gehalten oder auf die Krippe gestützt.
Störungen der Digestion. Appetit fohlt gewöhnlich ganz; Wasser wird oft angenommen. Die leicht erkrankten Pferde verzehren noch Stroh oder auch Heu in einzelnen Hahnen und mit verlangsamten Kaubewegungen. Bei der kurzen Krankheitsdauer findet sich an den Darmexcrementen keine Veränderung. Auch die Darmperistaltik ver­bleibt in der Norm.
Sichtbare Schleimhäute. Die Conjunctiva ist abnorm geröthet, die Solera zuweilen gelblich tingirt. Nascnschleimhaut normal oder diffus geröthet; Maulschleimhaut trocken.
Störung der Herzfunction. In den leichten Fällen ist die Puls­frequenz nur wenig, in schweren Fällen aber erheblich vormehrt; zuweilen sind 60—70, selbst bis 90 Schläge in der Minute vorhanden. Arterienpuls weich und schwach. Spitzenstoss des Herzens schwach, oft kaum fühlbar.
Als Symptome der Localaffection ergeben sich:
Störung der Respiration, die bald nur um wenige, bald bis auf 60, 70 und selbst 80 Athemzüge in der Minute beschleunigt ist.
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270nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Gewöhnlich ist die Inspiration etwas länger als die Exspiration. Die Brustwandungen werden erweitert und festgestellt; die Rippen verschie­ben sich beim Hoben und Senken nur wenig. Bei einseitiger Pneumo-pleuritis findet man, dass die Brustwandung der gesunden Seite stärker erweitert und in der Partie der falschen Rippen etwas mehr bewegt wird, als die der kranken Seite. Mit der Beschleunigung der Respiration ist eine dyspnoische Bewegung der Nase verbunden, während an den Flan­ken und am After ein dyspnoisches Verhalten nicht besteht.
Hustenreiz. Einzelne Pferde bekunden oft einen kurzen, scharfen, schmerzhaften Husten; andere husten nur selten oder gar nicht.
Ergebnisse der Auscultation und Percussion. Bei leichter Erkrankung nicht wesentlich von der Norm abweichend; bei schwerer Affection in der erkrankten Partie einer oder beider Lungen abnorm schwaches Vesiculärgeräusch und zuweilen knisterndes Rasselgeräusch in geringem Grade. In der gesunden Lunge und bezw. in dem gesunden Theil der erkrankten Lunge findet sich eine Steigerung des Vesiculär-geräusches. — Der Percussionsschall ist entsprechend dem Urnfange der erkrankten Lungenpartie an der Brustwand zuweilen im leichteren Grade gedämpft.
Schmerz in den Brustwandungen. Die schwer afficirten Pferde empfinden an der kranken Seite, bezw. an beiden Seiten lebhafte Schmer­zen und geben dieselben durch exspiratorisches Stöhnen, namentlich bei Druck auf die Brustwaud, zu erkennen. Auch die starke Beschleuni­gung der Respiration und die Feststellung der Brustwandungea sind durch die in den Pleuren diffus auftretenden Schmerzen bedingt.
Verlauf. Wenige Stunden nach einer Erkältung, oder auch ohne dass eine Gelegenheitsursache erkennbar wäre, beginnt die ephemere Pneumonic unter Fiebersymptomen. Die Ausbildung der Krankheit vollzieht sich in 2 bis 5 Stunden. Nachdem die Erscheinungen 5 bis 10 Stunden be­standen haben, verringern sie sich ziemlich schnell, so dass 20 bis 30 Stunden nach dem Beginn der Krankheit bei den Pferden kaum noch eine Störung der Gesundheit zu erkennen ist. — Der Ausgang ist stets günstig. Ich habe auch nie beobachtet, dass bei der ephemeren Pneu­monic Complicationen vorkämen, welche die Genesung der Pferde ver­zögern könnten.
Casuistik.
1) Achtjährige Stute veredelter Abkunft, Wagenpferd, erkrankte unerwartet am 18. Nov. 1884, Nachmittags, unter folgenden Symptomen: Allgemeine Ermüdung, gesenkte Haltung des Kopfes, stierer Blick, gesträubtes Deckhaar, knackende Ge­räusche bei der Entlastung der üliedmassen. Coiyunctiva gelblich roth; Nasen- und
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raquo;#9658;#9632;#9632;
Ephemere infectiöse Pneumonie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 271
Maulschleimhaut nicht abnorm gefärbt. Haut fieberhaft temperirt. Mastdarmtempe­ratur 40,1deg;; Puls 72, schwach; Resp, 29 mit massiger Ausweitung dos Thorax und dyspnoischer Bewegung der Naseneingänge. In- und Exspi ration von gleicher Dauer. Bei der Auscultation der Brust ergiebt sich, dass in der unteren Hälfte der rechten Lunge das Vesiculärgeräusch fehlt und dass in derselben Knisterrasseln wahrgenom­men werden kann. In den oberen Partien der rechten Lunge und in der ganzen linken Lunge ist das Vesiculärgeräusch verstärkt. Der Percussionssohall ist an der rechten Brustwand gegenüber der afflcirten Lungenpartie gedämpft, sonst überall normal. Das Pferd hustet häufig; Hustenstoss kurz und rauh, etwas schmerzhaft. Diagnose: Pneumonia dextra. — Ord.: Einreibung von 7 proc. Senfspiritus auf die rechte Brust­wand. Am 19. November Vorm. (16 Stunden nach dem Beginn der Krankheit) waren sämmtliche Symptome verschwunden. Temp. 38,0, Puls 36, Kesp. 12. Appetit rege. Das Pferd ist auch gesund geblieben.
2) Leichtes Wagenpferd edler Abkunft, Stute. 10 Jahre alt, leidenschaftlicher Krippensetzer, war in der Nacht vom 14. zum 15. Januar 1885 bei rauher und kalter Witterung gefahren worden und hatte 4Stunden im Freien stehen müssen. Am 15. Jan. Vorm. hatte das Pferd nur wenig Futter verzehrt. Nachmitt. 4 Uhr fanden sich fol­gende Symptome: Gesenkte Haltung des Kopfes; Blick stier, unaufmerksam. Gesträubte Stellung des Deckhaars; Zittern der Haut am ganzen Körper. Futteraufnahme voll­ständig verweigert. Conjunctiva geröthet; Maulschleimhaut trocken. Temp. 39,7quot;, Puls 62, Resp. 80 mit weit geöffneten Nüstern, Ausdehnung und Feststellung dos Thorax. Die linke Brustseite wird stärker erweitert als die rechte. Schon beim Führen bekundet das Pferd exspiratorische Klagelauto, mehr noch beim Druck mit der Hand auf die rechte Brustwand. Der Druck auf die linke Brustsoite ist nicht schmerzhaft. Bei der Auscultation findet sich das Vesiculärgeräusch in der unteren Hälfte der rechten Lunge abnorm schwach. Der Percussionsschall ist an beiden Brust­seiten normal. Husten wird nicht bemerkt. Diagnose: Pneumo-Pleuritis dextra. — Ord.: Aderlass von 3 Liter; Application von 7proc. Senfspiritus auf beide Brust-wandungen. Um 8 Uhr (4 Stunden nach der ersten Untersuchung) Temp. 39,1 quot;, Puls 48, Resp. 40. Die Symptome bildeten sich in den folgenden Stunden mehr und mehr zurück. Am 16. Januar, Vorm. 9 Uhr (24 Stunden nach dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen) Temp. 38,6deg;, Puls 46, Resp. 10. Das Pferd war im Laufe des Tages noch etwas matt, von der Krankheit aber vollständig genesen.
Diagnose. Die Unterscheidung der ephemeren Pneumonie von an­deren Lungenentzündungen lässt sich nach Anleitung der Krankheits­symptome nicht durchführen. Denn die Erscheinungen stimmen überoin mit den Symptomen der Brustseuche im Initialstadiura. Wenn mehrere Pferde eines Bestandes innerhalb weniger Wochen von der ephemeren Pneumonie befallen werden, dann können die anamnestischen Data für die Diagnose bestimmend sein. Sonst bleibt nur übrig, die Feststellung der Krankheit gegenüber der Frage, ob die Affection der Brustseucho oder einer anderweitig entstandenen acuton Pneumonie angehört, von der weiteren Beobachtung des Krankhcitsverlaufes abhäugig zu machen.
In den leichten Krankheitsfällen sind die Symptome so wenig be­zeichnend, dass die fieberhaften Magendarmaifectiouen, soweit sie nicht
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Infections- und Intoxicationskrankheiton.
von Kolikzufällen bogleitet sind, mit denselben verwechselt werden kön­nen. Auch gegenüber dieser diagnostischen Schwierigkeit giebt es kein anderes Hülfsmittel, als die sorgfältige Erhebung der Befunde und der Anamnese.
Therapie. Die leichten Fälle der ephemeren Pneumonie bedürfen keiner Behandlung. In diätetischer Hinsicht ist, auf Erwärmung der Haut und frische Athmungsluft Rücksicht zu nehmen. Bei schwerer Affection kann durch die Application von 5—Tproc. Senfspiritus auf die Brustwandungen der Krankheitsverlauf abgekürzt werden. Ist die Dys-pnoe sehr bedeutend, so empfiehlt sich zur momentanen Entlastung des kleinen Kreislaufs ein Aderlass und die innerliche Anwendung erregender Mittel.
Capitel IX. Pferdestanpe. Leuma Equornm.
Obgleich die Geschichte der Thierarznoikunde keine bestimmten Angaben ent­hält, aus welchen das Auftreten der Pferdestaupe im Alterthum mit Sicherheit gefol­gert werden könnte, so lässt sich doch nach den Schriften der griechischen Pferde-iirzte mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen, dass die Seuche im 4. und 5. Jahr­hundert n. Chr. bekannt gewesen und allgemein als Fieber der Pferde bezeichnet worden ist. Im 14. Jahrhundert herrschte die Pferdestaupe in Italien; sie wurde von Laurentius Rusius nach dem Vorgänge des Apsyrtus als eine fieberhafte Seuchenkrankheit (Febris Equorum) betrachtet. Soleysol beobachtete sie 1648 im westlichen Deutschland; KanoldlTll in den östlichen Provinzen des preussischen Staates. Während des 18. Jahrhunderts wurde in den meisten europäischen Staaten, besonders in England, zu wiederholten Malen eine allgemein verbreitete fieberhafte Affection bei den Pferden beobachtet, die zweifellos mit der Pferdestaupe identisch war. Genauer ist die Beschreibung, welche Haremann von dem Auftreten der Krankheit — die er „Faulfieberseuchequot; nennt — 1796 veröffentlicht hat. Nach Pilger (Handb. 1803) sind 1797 im westlichen und südlichen Deutschland viele Pferde von der Seuche befallen worden; Pilger machte aus derselben zwei Krank­heiten: „gutartiges Norvenfieberquot;, und „bösartiges Sumpffleber oder Lungenseuchequot;. Allgemeine Verbreitung erlangte die Pferdostaupe 1804 und 1805. „Sie setzte die Federn vieler Schriftsteller in Bewegungquot;, wie Busch (Syst. d. Thierh. IV. 1816) bemerkt. Ihre Benennung war verschieden: Bösartiges epizootischos Pferdefieber (Viborg); Nervenfieber (Naumann); bösartiges Faulfieber mit Entzündung der Lungen und Leber (Wo 1st ein). In die Zeil der Invasion von 1805 fällt auch das Bestreben, die Seuche mit der menschlichen Influenza zu identificiren und als In-
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Pferdestaupe.
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fluenza dos Pferdes zu bezeichnen. Ausserdem wurden die Namen: Brustfieber, Brust­seuche, Brustkatarrh, Blitzkatarrh, Lungenfieber, Lungenseuche, Typhus, Stalltypiius, Nervenfieber gebräuchlich. Die Aetiologie der Seuche bourthoilten die Autoren ver­schieden. Pilger, Viborg und Andere meinten, dass die Fütterung von verdorbe­nen Nahrungsmitteln und die übenniissige Anstrengung, namentlich bei Kriegsfuhren die Seuche hervorbringen, dass dieselbe aber nach ihrer ersten Entstehung sich auch durch Anstoclcung verbreiten könne. - Seit 1805 geht die Geschichte der Pferde­staupe ganz in die Lehre von dor Pferdoinfluenza auf (vergl. S. 204). Wohl gab es noch thiorärztlichc Autoren, welche den Namen der Inlluenza mit seiner unklaren De­finition vermieden. Allein die Pferdestaupe wurde von den übrigen dem Inlluenza-begriff unterstellten seuchenhaften Pferdekrankheiten nicht mehr unterschieden. Auch die deutschen Bezeichnungen sind der Trennung dieser Krankheiten hinderlich ge­wesen, weil sie die Sachverständigen verleiteten, alle fieberhaften Entzündungskrank­heiten der Brustorgane bei Pferden irrthümlich unter die ätiologische Einheit der vermeintlichen Pferdeseuche zu stellen. J. D. Busch (181C) folgte der Darstellung Pilger's und beschrieb zwei Krankheiten: die Brustseuche, Blitzkatarrh oder In­fluenza und den ansteckenden Typhus der Pferde. Nach den Beschreibungen sind beide Kapitel auf die Pferdestaupe zurückzuführen; es scheint, dass vorzugsweise die schwereren Krankheitsfälle als „ansteckender Typhusquot; gedeutet wurden. Ribbe (1816) nannte die Seuche: ,,ansteokendesPaulfieberquot;, während Walding er (Therapie, 2. Aufl., 1821) dieselbe als Milzbrand beschrieb. — In den Kriegsjahren von 1811 bis 1815 und ebenso in den Jahren 1820—22—24—26—27 und —29 hat die Pferdestaupo eine weite Verbreitung in Europa erlangt und bei der nicht immer saoh-gemässen Behandlung auch relativ viele Opfer gefordert. Sie wurde bezeichnet von Dieterichs als „katarrhalisch entzündliches Fieber mit gastrischen und nervösen Complicationenquot;; von Bachmann in Trakehnen (S. Spinola, Influenza. 1844. S. 84) als Brustseuche; von Girard als „Qastro-Enteritequot;; von Anker als „epizoo-tisches Nervonfieberquot;; von Walz als „rothlaufartige Krankheit (Febris erysipolatodes) der Pferdequot;; von Hayne als „epizootisches gastrisch-nervöses Fieberquot;; von Franque als „nervöse Seuche der Pferdequot;; von Veith als „seuohenartigos Katarrhalfieber der Pferdequot;. Die in der gedachten Zeit an manchen Orten auftretende ansteckende Lungen-Brustfellentzündung vermochten die Autoren von der Pferdestaupo nicht zu trennen. Daher erklärt sich die Aufstellung von Formen der „Pferdeseuchcquot; oder „Influenzaquot;. Seit 1830 häufen sich in der Literatur die fruchtlosen Versuche, durch Substantiirung verschiedener Tonnen der Influenza eine Einsicht in die Natur der seuchenhaften Pferdekrankheiten zu erlangen. Von den abstrusen Vorstellungen jener Zeit über das Wesen der Seuche liefert die Definition Körber's (llandb. der Seuchen etc. 1835) ein prägnantes Beispiel: „Die unter dem Namen Brustseuche, typhöse Brustseuche, Stalltyphus, Pferdeinfluenza, Pferdoseuche etc. bekannte Seuche der Pferde besteht in einem anfangs entzündlich-nervösen Fieber, welches jedoch meist früher oder später in ein pulmles Norvenfieber übergeht und mit örtlichen Ent­zündungen, namentlich des Brustfells, der Lungen und der Lober vereinigt vorkommtquot;. Es ist nicht schwierig, aus der Darstellung der Influenza zu erkennen, dass die Pferdestaupe nach ihrem allgemeinen Verhalten von den Autoren wohl gewürdigt worden ist. Hertwig bourtheilt sie als „katarrhalisch-nervöses Fieberquot;; Hering als „gastrisch-rothlaufartigo Formquot;; Spinola (Monographie 1844 und llandb. 1855) als „gastrisch-rheumatischequot; und als „biliös-rheumatische Form der Influenzaquot;, Was Spinola (Handb. 1855, S. 125) ausserdem als „fauliges Nervenfieberquot; oder
Dleckerboff, Spec. Pathologie u. l'heruple.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; |g
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
„bösartiges Norvenfleberquot; und „typhöses Fieberquot; (Typhus, Stalltyphus) bei Pferden beschreibt, bezieht sich zweifellos auch auf die Pferdestaupe. — In der späteren Zeit wurde die Seuche theils als die katarrhalische, theils als die typhöse Form (Kopf­form) der Influenza angesehen, von einzelnen Autoren auch als Typhus oder als Leber­typhus der Pferde definirt.
Die Frage der Ansteckungsfähigkeit der Seuche hat in der Literatur eine sehr ungleiche und unklare Beurtheilung gefunden. Freilich war das nicht anders zu er­warten, da die ätiologische Selbständigkeit der Pfordestaupe gegenüber den anderen zur Influenza gerechneten Krankheiten nicht erkannt wurde. Grösstentheils blieb die im vorigen Jahrhundort vertretene Ansicht massgebend, nach welcher die Seuche aus allgomeinon Schädlichkeiten der Luft, insbesondere der Stallluft, der Ernährung und des Gebrauchs der Pferde originär entstehen und mit ihrer Ausbildung ein Contagium produciren, bezw. sich durch letzteres weiter verbreiten sollte. Daneben fand auch die Meinung, dass die Influenza nicht ansteckend sei, oder dass die Ansteckung nicht nachgewiesen werden könne, ihre Vertreter (Hertwig, Hering). Zu den über­zeugten Anhängern der Lehre von der Ansteokungsfähigkeit der Seuche gehörten Spinola und Fuchs, die zwar gleichzeitig die spontane Entstehung zugaben, dessenungeachtet aber für die Anwendung von polizeilichen Schutzmassregeln wenig­stens insoweit plaidirton, als die Eruption der Seuche in einem Pferdebestande öffent­lich bekannt gemacht werden möchte, damit andere Besitzer in die Lage kämen, durch geeignete Massnahmen sich vor der Uebertragung des Contagiums auf ihre Pferde zu schützen.
Unter dem Einflüsse des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871 verbrei­tete sich die Pferdestaupe über ganz Europa; sie fand auch Eingang in Nordamerika (vgl. meine Monographie). Eine erneute Invasion ereignete sich 1881. Die Ausbrüche folgton dem Handelsverkehr mit inficirtenoder in derConvaloscenz befindlichen Pferden. Allgemein herrschte die Seuche in den Pferdobeständen der grossen Städte. Ihre Aus­breitung in Europa und Amerika war nicht minder gross, als 1871. In Frankreich wird sie vorwaltend als „Fievre typhoide des chevauxquot; bezeichnet; in England als „Equine Distemperquot;, „Influenzaquot; und „Horse-Plaguequot;; in Amerika als „Pink-Eyequot; (rothes Auge) oder auch als „Pink-Eye-Pestquot;.
Ich habe 1881 (Adam's Woch.) für die Seuche den Namen der Pferdestaupe eingeführt und zugleich auf Grund meiner umfassenden Beobachtungen die Folgerung motivirt, dass dieselbe mit den übrigen zur Influenza gezählten Krankheiten keine ätiologische Gemeinschaft hat, dass sie sich lediglich durch Ansteckung erhält und dass die bis dahin vertretene Ansicht ihrer nrsprüglichen Entstehung auf Irrthum be­ruht*). Die neue Bezeichnung hat sich in Deutschland bei den Fachmännern schnell eingebürgert. Friedberger hielt zwar dafür, dass es vorzuziehen sei, den Namen der Influenza für die Pferdestaupe zu reserviren und für die anderen Seuchenkrank­heiten des Pferdes auszuschliessen. Indess habe ich wiederholt (Adam's Woch. 1883 und 1885) erörtert, dass dieser Vorschlag nicht opportun ist und auf einen durchgreifenden Erfolg nicht rechnen kann. — In meiner ersten Publication (1881) nahm ich Rücksicht darauf, dass die Krankheit von älteren Autoren als „rothlauf-artige Form der Influenzaquot; bezeichnet worden ist. Ich übersetzte den Ausdruck in „Influenza erysipelatosaquot;, den ich neben den anderen Bezeichnungen mitanführte. Diese Nomination, die ich nur aus historischem Interesse beigab, hat sich Schütz
*) of. Dieckerhoff, Pferdestaupe 1882.
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Pferdestaupo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 275
mit der Rückübersetzung dor „Influenza erysipolatosaquot; In „Rothlaufseuohequot; ange­eignet. Abgesehen davon, dass die Rüoldibersolzung incorrect ist, so entspricht auch die Natur der Pferdestaupe dem pathologischen BegrilT dos Rothlauf nicht. Der Name der Rothlaufseucho ist doshalb ganz ungeeignet.
Als lateinische Bezeichnung der Pferdestaupe wähle ich in diesem Lehrbuch das Wort „Leumaquot;, welches der bei den grioohisohon Ilippiatern gebräuchlichen Benen­nung einer Pferdoseuche (^ Xoiß-rj tm Seuche) nachgebildet ist.
Aetiologle. Die Pferdestaupe ist eine nur aus Ansteckung entstehende und sich ausserordentlich leicht durch den Handel und Geschäftsverkehr mit Pferden verbreitende, acut verlaufende und fieberhafte Krankheit. Das Contagium ist nicht näher bekannt. Im Blut der kranken Pferde habe ich pflanzliche Mikroorganismen nicht nachzuweisen vermocht. Wohl aber konnte ich durch subeutano und intravenöse Injectionon des warmen Blutes der kranken Pferde die Seuche auf gesunde Pferde über­tragen. Esel und Maulthiere unterliegen nach den in Frankreich ge­machten Beobachtungen der Einwirkung des Oontagiums in gleichem Grade, wie die Pferde. Aber bei anderen Thieren oder beim Menschen ist niemals eine Ansteckung mit dem Pferdestaupe-Contagium beobachtet worden. Der Ansteckungsstoff haftet vorzugsweise an der exspirirten Luft der kranken und in der Convalescenz stehenden Pferde. Wahr­scheinlich können auch die Darmexcremente, der Urin und etwaige kranke Ausflüsse der mit der Pferdestaupe behafteten Thiere als Vehikel des Oontagiums dienen und miltelbar eine Infection veranlassen. Die meisten Pferde behaften sich mit dem Ansteckungsstoff dadurch, dass sie (in den Ställen, auf Märkten, bei der Arbeit, in den ßeschlag-schraieden u. s. w.) mit kranken Pferden in nahe Berührung kommen. Relativ leicht erfolgt auch die Ansteckung durch Vermittelung von Personen, welche das Contagium in ihren Kleidern von den kranken Pferden mitnehmen und innerhalb der nächsten halben Stunde mit ge­sunden Pferden zu thun haben. Auch in den Stallräumen, in welchen kranke Pferde standen, kann der Ansteckungsstoff einige Tage hindurch an der Streu, der Krippe oder an den Wänden haften bleiben und bei gesunden Pferden eine Erkrankung herbeiführen. — Die Pferde, welche die Seuche überstanden haben, erkranken nur in Ausnahmefällen zum zweiten Mal an derselben. Der Regel nach gewährt die einmalige Affec­tion eine Immunität für die ganze Lebenszeit.
Pathogenese. Mit der Inspirationsluft gelangt das Contagium in die Athmungsorgane, von welchen es durch Resorption direct in das Blut übergeht. In letzterem findet es muthmasslich die Bedingungen seiner Fortentwickelung. Es vergehen 5—7 Tage, bevor die Ausbildung des Oontagiums im Blute so weit fortgeschritten ist, dass die inficirten Pferde
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276nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
sichtbar in die Krankheit verfallen. Das Blut bildet den Mittelpunkt für die Einleitung der weiteren Störungen. Es erlangt eine dunkle Farbe und zeigt bei der mikroskopischen Untersuchung eine starke Vermehrung der weissen Blutkörperchen und der Eleraentarkörnchen. Das während der Krankheit aus der Ader entnommene Blut gerinnt etwas langsamer, aber ebenso vollständig wie gesundes Pferdeblut. Aus der dunklen Be­schaffenheit und dem sonstigen Verhalten des Blutes ergiebt sich, dass während der Krankheit rothe Blutkörperchen in abnorm grosser Zahl zu Grunde dehen. Die speeifischen Schädlichkeiten, welche das Blut ent­hält, haben eine pathogene Wirkung auf die nervösen Apparate, das Herz, die iiespirationsschleimhaut, die Bindehaut der Augen, die Di­gestionsschleimhaut und das ünterhautgewebe. Weniger erheblicii sind Nieren, Milz und andere Organe von dem Contagium der Pferdestaupe afficirt. — Die Wirkung auf die nervösen Apparate spricht sich zunächst aus durch die fieberhafte Erhöhung der Körpertemperatur und durch die ungleiche Vertheilung des Blutes in den Gefässbalmen. Es entstehen bald in dem einen, bald in dem anderen Organe und bei schweren Krankheits­fällen in einer grösseren Zahl von Organen starke Blutstauungen mit ihren Folgezuständen. Durch die letzteren werden die parenehymatösen Reizungsvorgänge oft bedeutend gesteigert. Am Gehirn entwickelt sich eine erhebliche Congestion und in schweren Krankheitsfällen eine In­filtration der Pia mater mit gelblichem Serum. Die Infiltration erstreckt sich oft bis in die Retina der Augen (J. Peters). Ausnahmsweise ist der Blutdruck so bedeutend, dass auch Serum in die Grosshirn-Ventrikel tritt. Aber ich habe nie beobachtet, dass aus dieser Transsudation der Hydro-cephalus chronicus entstanden wäre. In einem letal verlaufenden Krank­heitsfalle constatirte ich eine Extravasation von dunklem, flüssigem Blut in die Pia mater am verlängerten iMark, dem kleinen Gehirn und an der Con-vexität der Grosshirnlappen. Die Hämorrhagie findet in einer durch den starken Blutdruck herbeigeführten Ruptur einer kleinen Vene ihre Er­klärung. Das Rückenmark ist für gewöhnlich bei der Pferdestaupe nicht erkrankt. In Ausnahmefällen entsteht indess auch hier eine starke Blut-congestion mit Infiltration der Pia mater spinalis und Ausscheidung von Flüssigkeit in den Raum zwischen Pia und Dura. In schweren Fällen kommen zuweilen Lähmungen der Gesichts- und Lippenmuskeln, des Sphincter ani und ganz ausnahmsweise auch des Sphincter vesieae zur Ausbildung.
Constant wird das Herz von einer parenehymatösen Schwellung und Trübung des Muskelparenchyms betroffen. In den Herzbeutel transsudirt eine gelbliche, fibrinogenhaltige Flüssigkeit, deren Quantität in schweren
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Fällen bis 1 Liter und darüber betragen kann. Bei der in geringem Grade auftretenden Krankheit ist die Congestion nach dem Herzbeutel so unbedeutend, dass kaum 50 Grm. oder noch weniger Serum in das Pericardium abgeschieden wird. Gegen Ende der tödtlich verlaufenden Krankheitsfälle bilden sich an der Oberfläche des Herzens und am Endo­cardium, besonders an den Papillarmuskeln kleinere und grössere Blut-unterlaufungen.
Die Respirationsschleimhaut wird in vielen Fällen nur ganz ober­flächlich afficirt. Oft aber entsteht eine krankhafte Secretion von wässe­rigem oder auch von grauweissem, zähem Schleim. Die Affection betrifft bald mehr den Kehlkopf, bald mehr die Bronchialschleimhaut oder die Nasenschleimhaut. In schweren Fällen entsteht eine starke Blutcongestion, und die Schleimhaut schwillt durch Infiltration mit gelblichem Serum an; es kann die Intumescenz am Kehlkopf so bedeutend sein, dass das Athmen dyspnoisch und mit hörbarem Tnspirationsgeräusch erfolgt. Der Affection der Nasenschleimhaut folgt sehr oft eine bald nur geringfügige, bald wallnuss- bis hühnereigrosse, ziemlich derbe und schmerzhafte Schwellung der submaxillaren Lymphdrüsen, die aber — abgesehen von den seltenen Ausnahmefällen einer Mischinfcction der Pferdestaupe mit einem eiterigen Katarrh — niemals zur Abscessbildung führt.
In der Augenschleimhaut entsteht eine Congestion, die sehr oft so bedeutend ist, dass die kleinen Gefässe auf der Sclera sich mit dunklem Blute stark anfüllen. Abgesehen von den ganz geringen Graden der Krank­heit erleidet die Conjunctiva palpebrarum constant eine ödematöse Schwel­lung. Bei schwerer Affection tritt die geschwollene Conjunctiva durch die Augenlidspalte hervor; sie ist oft glasig geschwollen, namentlich in der Falte, welche zwischen Blinzknorpel und Bulbus liegt. Zuweilen erlangt die Conjunctiva an den Lidern eine mattrothe Färbung und an der Sclera eine gelbliche oder wässerige Infiltration. Der krankhafte Zustand kann sich auf die Cornea und auf die Iris fortsetzen und eine Ruptur mit hämorrhagischem Erguss in die vordere Augenkaramer herbeiführen.
Die Digestionsschleimhaut wird oft in ihrer ganzen Ausdehnung von einer starken Blutcongestion und Infiltration betroffen. Selten ist die Affection der Maulschleimhaut so bedeutend, dass in dieser eine ödema­töse Schwellung zu Stande kommt. Dagegen bildet sich oft auf dem Zungenrücken ein mehr oder minder deutlicher, epithelialer Belag. Die Magen- und Darmschleimhaut erleidet bald eine geringfügige, bald eine erhebliche Schwellung, welche sich bei schwerer Affection auch auf die Submucosa ausdehnt. Hierbei schwellen die Mesenterialdrüsen an und es
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278nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
ergiesst sich gelbliches, fibrinogenhaltiges Transsudat in das lockere Bindegewebe des Mesenteriums, sowie in die Bauchhöhle.
Das Unterhautgewebe erleidet eine starke Congestion und Infiltration nicht constant. Am meisten werden die Gliedmassen, seltener der Kopf, der Bauch und die äusseren Geschlechtstheile von derselben betroffen. Zuweilen entsteht auch an den Aponeurosen die gleiche Affection und in 2 Fällen sah ich, dass der Entzündungsprocess auf die Vena saphena sich verbreitete und in derselben eine Thrombose veranlasste.
Die Lungen und die Pleura sind häufig der Sitz einer schweren Congestion, so dass sich die Gefässe in der Pleura stark erweitern und mit dunklem Blute füllen. In Folge des gesteigerten Blutdruckes trans-sudirt bei schwerer Erkrankung eine gelbliche, klare oder leicht getrübte, fibrinogenhaltigo Flüssigkeit.
In den Nieren entstehen ausscr der Congestion und leichten Schwel­lung keine materiellen Veränderungen. Nur einmal habe ich beobachtet, dass in Folge starker Blutcongestion eine Gefässruptur in den Nieren mit erheblicher Hämaturie entstand.
Parenchymatöse Schwellung und Blutstauung kommen auch in der Leber zur Ausbildung.
Symptome. Fieber. Die Temperatur im Rectum steigt auf 39,0 bis 41,5deg; und darüber. Sie erhält sich, abgesehen von den Schwan­kungen innerhalb eines Wärmegrades, 3 bis 5, selten bis 7 Tage auf dieser Höhe und fällt dann bei regelmässigem Verlauf in 1 bis 2 Tagen wieder auf die Norm. Die äussere Haut fühlt sich heiss an, aber die Gliedmassen und auch die Nase sind oft kalt. Schüttelfrost wird nur ganz ausnahmsweise gesehen. Bei schweren Erkrankungen erscheint das Deckhaar gesträubt.
Störungen in der Körperhaltung. Auffallend ist die all­gemeine Ermüdung, welche die kranken Thiere bekunden. Der Gang ist schwerfällig und langsam, zuweilen schwankend im Hintertheil. Die Kaubewegungen geschehen zögernd und mitunter wird das zerkleinerte Futter bis hinter die Backzähne gebracht, worauf die Thiere das Kau­geschäft sistiren. Oft hängen die Ohren schlaff herab und auch die Lippenmuskeln entbehren des Tonus. Die schwer erkrankten Pferde zittern beim Stehen mit den Vorderglicdmassen und liegen gern längere Zeit auf einer Seite.
Störung des Bewusstseins. Die Pferde bekunden in ihrem Habitus die Empfindung eines dumpfen Kopfschmerzes: Unaufmerksam­keit auf die Umgebung, Aufstützen und gesenkte Haltung dos Kopfes, Drängen nach rückwärts und zur Seite in die Halfterkette.
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Affection der Augen. Oedematöse glasige Schwellung, oft dif­fuse Röthung der Conjunctiva; Füllung der Episcleralgefässe mit Blut. In schweren Fällen Trübung der Cornea und Anhäufung von gelblichem Transsudat oder Blut in der vorderen Augenkammer. Lichtscheu und in Folge dessen Verschluss der Augenlider, sowie Erguss von Thränen-flüssigkeit aus den inneren Augenwinkeln. Bei den Pferden, welche nur in geringem Grade erkranken, fehlen auffällige Erscheinungen an den Augen oft.
Störung der Blutcirculation. Die Herzcontractionen vermeh­ren sich bei leichter Erkrankung auf 50 bis 60, bei schwerer Erkran­kung auf 100 bis 120 Schläge in der Minute. Der Blutdruck in den Arterien verringert sich, der Puls wird schwach, die Blutwelle niedrig und kurz.
Störung der Respiration. Die Athembewegungen sind gewöhn­lich nicht regelwidrig. Oft aber bedingt die starke Blutcongestion eine massige Beschleunigung der Athemzüge und in schweren Fällen werden 30 bis 40 Respirationen in einer Minute beobachtet. Starke Congestion nach der Pleura verursacht die Empfindung von Brustschmerzen, welche entweder schon bei der Bewegung der Thiere oder beim Druck gegen die Brustwandungen sich durch Stöhnen ausspricht. Daneben besteht bei vielen Thieren krankhafter Hustenreiz und Ausfluss einer geringen Menge wässerigen oder grauweissen Schleims aus der Nase. Die hyper­plastische Schwellung der Kehlgangsdrüsen ist sehr oft unerheblich, zu­weilen aber von Hühnereigrösse und darüber; sie dauert nur in Aus­nahmefällen über das fieberhafte Krankheitsstadium hinaus. #
Störung der Digestion. In einzelnen Fällen Gähnen, häufiges Lecken an kalten Gegenständen und Appetit auf Kochsalz. Verringerung oder vollständige Verweigerung der Futteraufnahmo. quot;Wasser wird häufig in kleinen Quantitäten aufgenommen. Maulschleimhaut venös geröthet, Zunge trocken, oft belegt. Darmexcremente in den ersten Krankheits­tagen normal, bei schwerer Aifection und namentlich am 3. bis 4. Tage breiig und von braunrother Farbe. Später häufig Durchfall mit oder ohne KoUkz^lle. In manchen Fällen Tenesmus und Erschlaffung des Afters. :j- -;% #9632;;gt;#9632;,.
Störwi^fin der Harnsecretion. Während des fieberhaften Sta­diums Verringerung der Harnsecretion. Harn selbst concentrirt, reich an Harnstoff, Chlorverbindungen und kohlensaurem Kalk; oft eiweiss-haltig und reich an weissen Blutkörperchen, in einzelnen Fällen Hämo-globinurie mit chocoladonartiger Beschaffenheit des Harns.
Schwellung der äusseren Haut. Die Gliedmassen sind ge-
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
wohnlich leicht, zuweilen aber erheblich goschwollen; nur in schweren Krankheitsfällen finden sich subcutane Infiltrationen an den Augenlidern, an den äusseren Geschlechtstheilen, am Brustbein und an den Lippen.
Verlauf und Ausgang. Nach Ablauf der Incubationszeit des Contagiums vollzieht sich die Krankheitsentwickelung sehr schnell. 10—12 Stunden genügen zur vollsfändigcn Ausbildung der wichtigsten Krankheitssymptorae: Fieber, Pulsfrequenz, Infiltration der Conjunctiva, Lichtscheu, Eingenom­menheit dos Bewusstseins, Aufhören dos Appetits, schwankende Körper­haltung. Bei regelmässigem Verlaufe und nicht schwerer Erkrankung bestehen die Symptome gleichmässig 3—4 Tage hindurch; sie verlieren sich dann gewöhnlich schnell, und insbesondere sinkt die Fiebertempe­ratur oft innerhalb 24 Stunden auf die Norm zurück. Nur eine leichte Pulsfrequenz erhält sich nicht selten noch mehrere Tage hindurch, und auch der Appetit bessert sich erst nach und nach wieder. Sehr häufig entsteht beim Nachlassen der Krankheitserschoinungen eine vermehrte Harnsecrotion, wobei der Harn klar, speeifiseh leicht und arm an Harn­stoff, Hippursäure, Salzen und aromatischen Bestandtheilen wird.
In schweren Fällen erlangen entweder sämmtliche Krankheitssymptomo oder die Störungen der Blutcirculation, der Digestion oder des Bewusst­seins einen höheren Grad der Ausbildung. Die Pferde bekunden nicht selten Kolik und vorübergehend Durchfall. Mit Eintritt des letzteren verringert sich zuweilen die Störung in der Blutcirculation, und die Puls­frequenz kann in Folge dieses Einflusses um 10—20 Schläge in der Mi­nute sinken. Häufig beobachtet man auch, dass der Durchfall sich zu der Zeit einstellt, wenn der fieberhafte Process zum Aufhören kommt, und es erklärt sich hierdurch der frühere Brauch, dem Durchfall eine kritische Beziehung zu dem Fieber beizulegen. Es ist im Allgemeinen nicht günstig, wenn unabhängig von der etwaigen Medication und länger als einen Tag hindurch dünnflüssige Excremente entleert werden.
Mitunter ist die Erkrankung so geringfügig, dass nur an 2 Tagen eine fieberhafte Temperaturerhöhung, Vorminderung der Futteraufnahme, leichte Pulsfrequenz und ödematöse Infiltration der Conjunctiva zu be­merken sind. Von Laien wird zuweilen die in einem so niedrigen Grade auftretende Pfordestaupe ganz übersehen.
Das Convalesccnzstadium verhält sich ungleich. Pferde von guter Constitution erholen sich nach einer leichten Erkrankung innerhalb 2 bis 8 Tagen, nach schwerer Erkrankung in 8 —12 Tagen. Bei manchen Pferden, die in einem mittleren Grade an der Pferdestaupe litten, dauert die Convalescenz 2—3 Wochen und darüber. In dem Convalenscenz-stadium findet sich bei den Pferden noch eine Zeitlang die ödematöse
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Pferdestaupe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;281
(wässerige oder glasige) Infiltration der Augenschleimhaut. Die Secretion der Verdauungssäfte ist unvollständig, so dass die Thiere nur wenig Futter verzehren können und namentlich das minder schmackhafte Futter nur zum Theil annehmen wollen. Je vollständiger die Futteraufnahme ist, um so leichter kommt die Restitution der Organe und mit derselben die Genesung zu Stande. Von praktischer Bedeutung ist die Thatsache, dass die Pferde im Convalescenzstadium sich sehr leicht mit Nachkrankheiten, namentlich mit einer Lungenentzündung behalten, wenn sie nicht vor den nachtheiligen Wirkungen dos unzweckmässigen Gebrauches und der Witte­rung geschützt werden.
Durch die excessive Ausbildung einzelner Bestandtheile erlangt die Krankheit einen unregolraässigen Verlauf. Starke parenehymatöse De­generation (Lähmung) des Herzfleisches gefährdet das Leben in hohem Grade und ist immer die Ursache einer längeren Verzögerung der Con-valescenz. Seltener veranlasst der schwere Congestivzustand im Gehirn eine Unregelmässigkeit im Krankheitsverlauf. Die Thiere zeigen hierbei Unaufmerksamkeit, schlaffe Haltung der Ohren, der Gesichts- und Lippen­muskeln, Lichtscheu, Thränen der Augen und Aufstützen des Kopfes; in einzelnen Fällen krankhaftes Vorwärtsdrängen wie bei subacuter Lepto-meningitis. Dieser Zustand, bei welchem die Herzaffection stets einen hohen Grad besitzt, involvirt immer eine gewisse Gefahr, und es verzögert sich, auch wenn der Ausgang noch günstig bleibt, die Convalescenz meist um 3—4 Wochen.
Die Entwickclung eines erysipelatösen Schwellungszustandes in der Kehlkopfschleimhaut kann inspiratorische Dyspnoe mit lautem Laryngeal-geräusch veranlassen und den sonst gleichmässigen Krankheitsverlauf un-regelmässig gestalten. Zuweilen verliert sich die Schwellung mit dem giemenden Athmungsgeräusch schon nach wenigen Stunden, oft dauert der Zustand 1—2 Tage und selbst noch länger.
Die meisten Pferde genesen von der Pferdestaupe vollständig und leicht. Im Ganzen nehmen, wie ich aus dem Verlauf bei 1700 Pferden berechne, 4 pOt. der Krankheitsfälle einen tödtlichen Ausgang. Bei dem letzteren können verschiedene Bedingungen betheiligt sein: grosse Virulenz des Contagiums, anstrengende Arbeit der Pferde während der Entwickc-lungszeit und im fieberhaften Stadium der Krankheit, unzweckmässigo, niedrige oder schlecht ventilirte Stallungen, regnerische und neblige Witterung, sowie andere Einflüsse, welche die Athmungsfähigkoit des Blutes zu behindern vermögen. Die nächste Ursache des in dem spe-eifischen Stadium eintretenden Todes beruht in der Regel in der Herz­lähmung. Zuweilen lässt sich der Tod auf die Lähmung der cerebralen
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282nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Tntoxicationskrankheiten.
Functionen in Folge der starken Blutstauung nach dem Gehirn und der Infiltration in die Pia mater zurückführen.
Coraplicationen und Nachkrankheiten.
. 1) Lungenentzündung. Die fiberhafte Blutdyskrasie und die mit derselben verbundene unregelmässigo Vortheilung des Blutes begünstigen die Ausbildung einer Lungenentzündung. Die Anhäufung des kranken Blutes in den Lungen kann so erheblich sein, dass sie als die nächste Ursache der Pneumonic gelten muss. In anderen Fällen verursacht vor­nehmlich die ungeeignete Anstrengung der Pferde die Entzündung in einer oder gleichzeitig in beiden Lungen. Auch ungünstige Witterungseinflüsse, namentlich rauhe Nord- und Ostwinde, bringen bei den kranken Pferden eine Reizung der Bronchialschleimhaut mit consecutiver Pneumonia leicht zu Stande. Weniger kann nach der Erfahrung der Aufenthalt in schlecht ventilirten Räumen als Ursache der Pneumonic beschuldigt werden. Die Entwickclung der als Complication der Pferdestaupe auftretenden Pneu­monic vollzieht sich herdweise. In manchen Fällen entstehen nur ein­zelne Entzündungsherde, während nicht selten auch in beiden Lungen eine ^rösserc Zahl von Herden zur Ausbildung kommt. Die Ausbreitung in den Lungen gestaltet sich ähnlich wie bei anderen Entzündungsprocessen. Auch kommt zuweilen eine Thrombosirung der Oapillaren zu Stande und in einzelnen Fällen der grösseren Lungenvenen, so dass unter den Sym­ptomen eine blutige Nasendejection sich bemerkbar macht. Im Uebrigen ist der anatomische Verlauf dieser Pneumonie wesentlich verschieden von der Brustseuche. Die Pleura erkrankt seeundär zwar auch an einer fibri-nösen Entzündung, aber es kommt doch niemals zur Ausscheidung einer grossen Quantität von Wasser in die Pleurasäcke. Gefährlich wird diese Pneumonie durch den Ausgang in Lungenbrand, wozu bei der eigen-thümlichen fieberhaften Gesammtaffection eine besondere Neigung besteht. Symptome der Pneumonie sind: hohe Pulsfrequenz, mangelhafte Futter­aufnahme, beschleunigte Respiration, schmerzhafte Empfindung beim Druck gegen die Brustwandungen und die speciellen Ergebnisse der Auscultation und Percussion.
2) Durchfall. Häufig entsteht in dem speeifischen Krankheits­stadium oder nach dem Aufhören des Fiebers heftiger Durchfall, durch welchen die Kräfte schnell sinken und die Thiere an der Futteraufnahme verhindert werden. Die Entstehung des Durchfalls ist zurückzuführen auf die Reizung der Magcndarmschleimhaut, welche durch mit dem Blute circulirendo Schädlichkeiten verursacht wird. Die Dauer des Durch­falls kann sich auf wenige Tage beschränken oder auf 2 Wochen und
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darüber ausdehnen. Bei demselben raindert sich die schwere Störung des Herzens nicht und die Zahl der Pulse bleibt deshalb sehr hoch. Es kann auch neben dem Durchfall eine Lungenentzündung als Nachkrank­heit der Pferdestaupe zugegen sein. Häufig besteht Mastdarmkatarrh und mit demselben Erschlaffung und Oeffnung des Afters.
3)nbsp; Rhehe. Mit der schweren Erkrankung an der Pferdestaupe entwickelt sich nicht selten am 3. bis 5. Krankheitstage eine Entzün­dung der Huflederhaut an den Vordergliedmassen, welche durch Blut-congestion und Infiltration verursacht wird, gewöhnlich aber einen gün­stigen Verlauf nimmt. Naohtheilig wird die Affection nur dadurch, dass die Thiere nicht stehen können, und dass bei dem anhaltenden Liegen die Circulations- und Athmungsorgane überraässig belastet werden.
4)nbsp; Kreuzlähmung. Nur in einzelnen Fällen sah ich die an der Pferdestaupe schwer erkrankten Thiere von einer Lähmung des Hinter-theils betroffen. Die Complication wird bedingt durch starke Blutstauung und Infiltration der Lenden- und Beckenmuskeln, sowie des Rücken­markes. Bei dem Unvermögen der Thiere, zu stehen, ist diese Kreuz­lähmung ungünstig zu beurthoilon, denn bevor eine Ausgleichung der pathologischen Zustände zu Stande kommen kann, erliegen die Thiere durch die übermässige Belastung des kleinen Kreislaufes und der Re­spiration dem Erstickungstode.
5)nbsp; Abortus. Bei tragenden Stuten entsteht, wenn das fieberhafte Stadium mehr als 3 Tage anhält, leicht ein Abortus. Obwohl diese Complication die nachtheiligon Wirkungen der Krankheit auf die Ge-sammteonstitution erhöht, so involvirt dieselbe an sich doch keine er­hebliche Lebensgefahr.
6)nbsp; Starke Schwellungen derSubcutis an den Gliedmassen. Während eine massige Schwellung der Gliedmassen zu den regelmässigen Bestandtheilen der Pferdestaupe gerechnet werden kann und sich nach dem Aufhören des Fiebers gewöhnlich von selbst zurückbildet, bleibt in anderen Fällen eine starke Schwellung 8 bis 14 Tage und darüber bestehen. Die mit chronischen Sehnen- und Gelenkkrankheiton an den Gliedmassen behafteten Pferde sind dieser Complication oft unterworfen. Solchen Pferden wird das anhaltende Stehen beschwerlich und sie gehen deshalb leicht zu Grunde. In einzelnen Fällen kann sich an den Hinter-füssen, wie bei der Brustseuche, die Entzündung auf die Vena saphena fortsetzen, so dass in der letzteren eine Thrombose eintritt. Diese Com­plication führt stets zum Tode.
7)nbsp; Urticaria. Auf einer besonderen Intoxication scheint die Ent­wicklungsgeschichte der Urticaria bei der Pferdestaupe zu beruhen. Bei
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Infections- und Intoxloationskrankheiten.
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manchen Invasionen werden nur einzelne Pferde von derselben befallen; ich habe aber in einigen Beständen beobachtet, dass der grösste Theil der Pferde von der Urticaria betroffen war. In der Regel hat der Aus-schlag nichts an sich, was ihn von der bei Pferden häufig vorkommen­den Urticaria auszeichnen könnte. Oft habe ich aber gesehen, dass statt der grösseren, quaddelförmigen Protuberanzen auf der Haut nur kleine erbsen- bis haselnussgrosse, knötchenförmige Schwellungen zur Entwick­lung kamen. Einen nachtheiligen Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat die Urticaria nicht.
8) Multiple Abscessbildung in der Haut. Bei Pferden, die an oberflächlichen Quetschungen der Haut leiden oder sich während der Krankheit leichte Verletzungen zuziehen, entstehen häufig lästige Eiterungs-processe in der Subcutis. So unerheblich diese Complication erscheint, so kann dieselbe doch die Gefahr des Krankheitsfalles bedeutend stei­gern, weil bei der fieberhaften Ernährungsstörung im Organismus nur schwer eine gesunde Granulation in den Hautdefecten eintritt und die allgemeine Schwäche der Thiere durch die Resorption der eiterig-jauchi­gen Krankhcitsproducte sich nothwendig steigern muss.
Diagnose. Die Erscheinungen der Pferdestaupe sind ziemlich charak­teristisch, so dass beim allgemeinen Herrschen die Krankheitsfälle leicht erkannt werden können. Einige Schwierigkeiten macht zuweilen die Unter­scheidung derselben von der Brustseuche, namentlich wenn beide Seuchen in einem Orte gleichzeitig vorkommen. Das Bild einer geringfügigen Brustseuche-Erkrankung hat mit den Symptomen, welche die Pferdestaupe in massigen Krankheitsgraden begleiten, viel Aehnlichkeit. Weniger oft wird die Krankheit verwechselt mit der Scalma, Druse, Pyämie, Sephthämie und mit den acuten, fieberhaften Krankheiten der Darmschleimhaut. Wegen der oft sehr starken Eingenommenheit des Bewusstseins ist auch eine Verwechslung mit der subacuten Hirnhautentzündung der Pferde nicht ausgeschlossen. Hinsichtlich der speciellen Unterscheidungsmerkmale der Pfordestaupc von anderen Krankheiten verweiseich auf meine Monographie.
Prognose. Die wichtigsten Anhaltspunkte für die Beurtheilung der Pferdestaupe liegen in dem Gesammtcharakter der Krankheit, der bei der Pathogonese und beim Krankheitsverlauf bereits geschildert ist. Günstig verlaufen in der Regel alle Fälle, bei welchen in den Sympto­men eine graduelle Ueboroinstimmung und ein massiger Krankheitsgrad ausgesprochen ist. Dagegen erheischen diejenigen Fälle eine, vorsichtige Beurtheilung, bei welchen mehr als 80 Herzcontractionen in der Minute und ein kraftloser Puls bei weicher Arterie vorkommen. Ungünstig wird ferner die Prognose bei schweren Affectionen des Gehirns und bei erheb-
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Pferdestaupe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 285
liehen Complicationen. Auch äussero Umstände, schlechte Einrichtung der Stallung, niedrige Lage der Gehöfte, ungünstige Witterung, schlechtes Futter und anstrengende Arbeit sind bei der Prognose zu beachten.
Behandlung. Arzneimittel, mit welchen der fieberhafte Verlauf der Pferdestaupe zu coupiren wäre, giebt es nicht. Die molufach zur künst­lichen Herabsetzung der Körpertemperatur empfohlenen Modicamente (Chinin, Chinolin, Salicylsäure und salicylsaures Natron, Blausäure u. A.) haben bei der Pferdestaupe keine antifebrile Wirkung. Es ist daber grundsätzlich nur die Indication zu berücksichtigen, dass die von dor Seuche ergriffenen Pferde vor allen Nachtheilen bewahrt bleiben, welche geeignet sind, den Krankheitsverlauf zu erschweren und Complicationen herbeizuführen. Von diesem theoretischen Gesichtspunkte aus ist Rück­sicht zu nehmen auf die speeifische ßlutdyskrasie und es ist durch diätetische und arzneiliche Mittel von vornherein einer Vergrösserung und Vermehrung derselben entgegen zu wirken. Zu diesem Zwecke empfehlen sich: Aufenthalt in kühlen, gut ventilirten Räumlichkeiten, während des Sommers vorübergehende Aufstellung dor Pferde in freier Luft; Reinigung der Krankenställe und üebortünchen der Wände und Decken mit Kalkmilch, während des Sommers Besprengen oder Ueber-spülen des Pussbodens mit kaltem Wasser behufs Erniedrigung der Stall­temperatur; häufige Verabreichung von frischem, kaltem Trinkwasser und von schmackhaften Nahrungsmitteln verschiedener Art. Gegen die Herzschwäche sind erregende Medicamente empfehlenswcrth: Spirit, aeth., Rum, Cognac, selbst gewöhnlicher Branntwein mit Wasser verdünnt als Mundflüssigkeit; ferner Camphor 5—10,0 pro die in Latwergonform und Rad. Valerianae. Weniger gut wird Terpentinöl vertragen. Bei starker Congestion nach den Brustorgauen und hierdurch bedingter Dyspnoo leisten Einreibungen mit Senfspiritus auf die Brustwandungen gute Dienste. Starker Kräfteverfall erfordert erregende Einreibungen der Haut (Spirit. oder 01. Terebinth. 1 zu Aq. comm. 5—10). Die Affection des Magens und Darrakanals verlangt häufig die Verabreichung massiger Dosen sali­nischer Abführmittel: Natr. sulfuric., Magn. sulfuric. mit Mehl oder Wasser in Latwergenform. Ausserdem Kochsalz zur beliebigen Aufnahme oder Natr. bicarbon. 100,0 pro die mit Cort. Quercus 30,0 in Latwergon­form. In schweren Fällen ausserdem Priessnitz'sche Umschläge um den Bauch. Bei starkem Durchfall oder Mastdarmkatarrh als Infusion oder Klystier Weizenmehl in heissera Wasser aufgebrüht und lauwarm alle 2 Stunden zu appliciren. Starke Eingenommenheit des Bowusst-seins verlangt, namentlich im Sommer, Waschungen des Kopfes mit kaltem Wasser oder mit einer Mischung von Wasser, Spiritus und Essig.
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Gegen die Anschwellungen dor Haut: Waschungen mit kaltem Wasser oder mit Spiritus und Wasser oder mit einer 5proc. Lösung von Plumb. acetic, in Wasser. Empfehlenswerth ist folgende Ordination: Rp. Pulv. Plumb, acetic, crud. 100,0; Pulv. Alum. crud. 50,0 M. D. S. Einen Theelöffel voll in einer Weinflasche voll Wasser zu lösen und zwei­stündlich zu Waschungen zu gebrauchen. Bei starken Schwellungen der Augen sind Waschungen mit frischem Wasser und bei Lichtscheu 2 Mal täglich Einpinselungen einer VjproOi Atropinlösung heilsam.
Hinsichtlich der Nachkrankheiten ist Folgendes zu berücksichtigen. Bei starkem Durchfall innerlich Tinct. Opii simpl. und Tinctur. Valerian, aeth. ana 15,0 mit einer Weinflasche voll Wasser vorsichtig einzugeben und nach Umständen an demselben Tage zu wiederholen. Ausserdem Einreibungen des Bauches mit verdünnten 01. Terebinth, oder Liqu. Ammon. caust. und Application Priessnitz'scher Umschläge. Schleimhaltige Klystiere. Bei anhaltendem Durchfall: Rp. Hydrarg. chlorat. mit. 1,0, Natr. bicarb. 75,0, Gort. Quere. 50,0 pro die in Latwergenform auf 2—3 Mal zu reichen
Die Complication der Pferdestaupe mit Pneumonie erfordert die zweckmässige Versorgung des Patienten mit frischer Athmungsluft, ausserdem Einreibungen von Senfspiritus und an den folgenden Tagen warme Umschläge um den Brustkasten.
Beim Auftreten von schmerzhaften Zuständen in den Hufen empfiehlt sich Entfernung der Hufeisen oder Regelung des Beschlags neben erweichen­den Umschlägen und Einreibungen von Fett oder Theer in die Krone.
Veterinär-polizeiliche Schutzraassregeln zur Abwehr und Tilgung der Pferdestaupe, die von Spinola (Infl. 1844) empfohlen wurden, sind praktisch nicht ausführbar. Da die Krankheit überall dem Handel und gewerblichen Verkehr mit Pferden folgt, so könnte eine polizeiliche Eiu-schreitung nur dann einen Erfolg haben, wenn die Benutzung der kranken und der mit denselben in Berührung kommenden Pferde für den öffent­lichen Verkehr untersagt wäre. Zur Abwehr der Seuche müsste ausser­dem der Import von Pferden aus dem Auslande ganz verboten werden. Wegen der schweren Belästigung des wirthschaftlichen Verkehrs halte ich deshalb die Anordnung von Veterinär-polizeilichen Schutz- und Tilgungsmassregeln nicht für begründet. Auch die schon von Spinola, Fuchs u. A.. neuerdings von Lustig und Adam empfohlene Einführung der Anzeigepflicht und der amtlichen Publication aller Eruptionen kann einen befriedigenden Erfolg nicht haben. Denn die Seuche kommt vor­zugsweise in den Pferdebeständen grosser Städte vor und die Namhaft-machung der Besitzer in den öffentlichen Blättern würde bei ungehinder­tem Gebrauche der betreffenden Pferde die Verschleppung des Contagiums
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Scalma.
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nicht behindern können. Auch ist zu berücksichtigen, dass die Diagnose der Pferdestaupe und insbesondere ihre Unterscheidung von der Brust­seuche bei einzelnen Thieren sogar für viele Thierärzto schwierig ist und dass deshalb umsoweniger den Besitzern die Verpflichtung allgemein auf­erlegt werden kann, den Behörden das Auftreten der Pferdostaupo und des Verdachts derselben bei Vermeidung von Strafe anzuzeigen. Die Pferdebesitzer auf dem Lande thun gut, grundsätzlich gegenüber fremden Pferden vorsichtig zu sein und dieselben nur dann, wenn der Gesund­heitszustand keinem Zweifel unterliegt oder durch eine mehrtägige Isoli-rung festgestellt ist, in die vorhandenen Bestände zu bringen.
Gapitel X. S c a 1 m a.
Aetiologie. Der „Influenza der Pferdequot; ist neben der Brustseuche und der Pferdestaupe noch eine dritte Seuchenkrankheit hinzugezählt worden, welche ich (Adam's Wochenschr. XXIX. 1885) als eine besondere In-fectionskrankheit beschrieben und mit dem Namen der Scalma (von dem altdeutschen Worte „Scalmoquot; oder „ScelmC = Schelm, soviel wie heim­tückische Krankheit) bezeichnet habe. — Nach der klinischen Erfahrung ist anzunehmen, dass der Infectionsstoff der Scalma sich unter geeigneten Bedingungen in den Pferdeställen bildet und als Krankheitserreger in die Respirationsschleimhaut, vorzugsweise in die Bronchialschleimhaut gelangt. Innerhalb mehrerer Wochen oder Monate erkrankt in grösseren Beständen zuweilen die Mehrzahl der Pferde an der Seuche. Oft werden aber nur einige Pferde grösserer Bestände befallen. Neuerdings consta-tirte ich in zwei Fällen, dass die Scalma sich durch Ansteckung von den kranken auf gesunde Pferde verbreiten kann. Die beiden bis dahin gesunden Pferde erkrankten, nachdem sie 6 resp. 7 Tage mit den kranken in einem Stalle gestanden hatten. Sehr oft werden aber ge­sunde Pferde, welche neben den kranken stehen, mit dem InfectionsstoiT nicht behaftet. Die Krankheit trägt den Charakter einer Stallseuche an sich. Ueber das Wesen des Infectionsstoffes ist nichts bekannt. Auch über die Zeit, welche von der Aufnahme desselben bis zum Ausbruch der Krankheit vergeht, war ich nicht in der Lage, ausreichende That-
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
sachon festzustellen. Sehr wahrscheinlich unterliegt die Entwicklungs­zeit des Infectionsstoffes nach seiner zufälligen Intensität und nach der Menge, mit welcher derselbe zur Aufnahme gelangt, einigen Verschieden­heiten. Nach meinen Beobachtungen schätze ich die Dauer der Incu-bationszeit auf 2 bis 10 Tage. Dass die Krankheitsfälle unter den Pferden grösserer Bestände zuweilen viel langsamer auf einander folgen, erkläre ich mit der Annahme, dass die betreffenden Pferde erst später mit dem in dem Stalle entstehenden Miasma sich behaften. Durch die einmalige Erkrankung an der Scalma scheint die Empfänglichkeit der Pferde für den speeifischen Infectionsstoff zu erlöschen. Mindestens halte ich nach meinen Erfahrungen die Annahme für begründet, dass die Pferde nur in seltenen Ausnahmefällen zum zweiten Male an der Scalma erkranken werden.
Pathogenese. Für die Wirkung des Infectionsstoffes ist die 'ganze Respirationsschleimhaut empfänglich. Vorwaltend wird aber die Bron­chialschleimhaut ergriffen. Hiernach charakterisirt sich die Scalma im Allgemeinen als eine diffuse infectiöse Bronchitis von subacu-tem Verlaufe. In manchen Fällen erkrankt auch die Tracheal- und Laryngealschleimhaut, sowie die Schleimhaut der Kopfhöhlen. Zuweilen entsteht im Verlaufe der Krankheit eine entzündliche Reizung der Pha-rynxschleimhaut. Nach 2 bis 3 Tagen liefert die Schleimhaut der Bron­chien ein schleimiges, eiweissreiches, gewöhnlich schmutzig grau gefärbtes Secret, welches oft nur geringfügig ist, bei einzelnen Pferden sich aber in leicht bemerkbarer Menge aus einem oder gleichzeitig aus beiden Nasenlöchern entleert. Die Dauer der krankhaften Secretion in der Re­spirationsschleimhaut erstreckt sich in der Regel auf 8 bis 14 Tage. Dann vollzieht sich, soweit die Krankheit nicht zur Pleuritis führt, die Rückbildung und Ausgleichung der entzündlichen Nutritionsstörung. Bis zur vollständigen Abheilung des diffusen Katarrhs der Respirations­schleimhaut vergeht in der Regel eine Zeit von 3 Wochen.
In schweren Krankheitsfällen kommt eine diffuse exsudative Entzün­dung der Pleura an einer oder an beiden Seiten zur Ausbildung. Der Pleuritis liegt eine Infection zu Grunde, welche mit dem speeifischen Krankheitsprocesse der Bronchialschleirahaut in directem Zusammenhang steht, aber ohne das Zwischenglied einer Pneumonic sich durch Vermitte-lung der Lymphbahnen vollzieht. — Mit der Primäraffection der Respi-rationsschlcimhaut und in den schweren Krankheitsfällen mit der Erkran­kung der Pleura in einem grösseren Abschnitte entsteht durch Resorption des Infectionsstoffes oder seiner Producte eine fieberhafte Blutdyskrasie von eigenthümlichem Charakter. Das Fieber steht in genetischer Ver-
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Scahna.
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bindung mit der specifischcn LocalafFootion. Vorübergehende graduelle Verminderungen der letzteren bedingen auch eine Abnalune dor Fieber­hitze. Im Allgemeinen hat der fieberhafte Process der Scalma den Charakter der Febris conlinua; aber die Fiebertemperatur bleibt nicht beständig auf gleicher Höiie. Bei den leicht erkrankten Pferden sinkt die Temperatur im Rectum vorübergellend bis auf die Norm. Mit der Störung des Gesammtbefindens scheint eine Verminderung der Blutmengo im Körper einzutreten; die sichtbaren Schleimhäute werden in vielen Fällen trocken und abnorm leer von Hlut; auch die äussere Haut erlangt eine trockene Beschaffenheit. — Auf die Gastro-Intestinalschleimhaut wirken die pyrogenen Stoffe der Scalma nur in relativ geringem Grade. Dadurch erklärt sich die Thatsache, dass die scalmakranken Pferde selbst bei protrahirtem und ungünstigem Krankheitsverlaufe und trotz der grossen Körperschwäche noch ziemlich viel Futter verzehren.
Der tödtliche Ausgang der Scalma findet seine nächste Ursache in der diffusen exsudativen Pleuritis. Begünstigt wird die lüntwickelung der­selben durch anstrengende Arbeiten, welche unvorsichtige liigenthümer zuweilen im Beginn oder im Verlauf der Krankheit von den Pferden noch verlangen. Bei längerem Bestehen des entzündlichen Hydrothorax wird die Respiration insufficient, die Herzkraft erheblich geschwächt und das Blut unvollständig arterialisirt. Die Todesart ist die der Suffocation. — Inwieweit die Scalma noch durch anderweitige Oomplicationen einen tödtlichen Verlauf nehmen oder zu Nachkrankheiton führen kann, müssen weitere Erfahrungen erst ergeben. Von der Pharyngitis, welche nicht selten während des Krankheitsverlaufes in der zweiten und selbst noch in der dritten Woche entsteht, habe ich nicht beobachtet, dass sie das Leben der Pferde gefährdet. — In einem Falle bilderte sich am 15. Krankheitstage an der linken Seite ein subparotidealer Abscess, der aber nach kunstgerechter Eröffnung gut ausheilte.
Symptome. Die Localalfection der Respiratjonsorgane kennzeichnet sich durch folgende Erscheinungen:
Krankhafter Hustenreiz, bald in höherem, bald in geringerem Grade. Der Husten ist kurz, rauh und nicht selten in geringem Grade schmerzhaft. — Dejection der Nase. Bei den meisten scalmakran­ken Pferden stellt sich am '2. bis 5. Tage schleimiger Nasenausfluss ein. Das Deject ist zunächst wässerig und zähe, wird aber später dickflüssig; es enthält ziemlich reichlich weisse Blutkörperchen und in geringer Menge auch rothe Blutkörperchen. Gewöhnlich lässt der Ausfluss in einigen Tagen wieder nach; zuweilen dauert er aber 8 bis 14 Tage. — Wenn die Pharynxsehleimhaut mit afficirt ist, so enthält das Nasen-
Dleckerhoff, Splaquo;o. Pathologie u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;jg
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Infections- und TntoxicationskranWioiten.
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deject Futtorpartikelchen und bei der Aufnalirao des Trinkwassers fliesst ein kleiner Theil desselben aus der Nase zurück. — Athera besch werde. Oft findet sich keine Beschleunigung der Respiration. In schweren Fällen steigt die Zahl der Athemziige auf 20 bis 30 und wenn eine Pleuritis entsteht, bis auf 50 in der Minute Die Naseneingänge werden in massi­gem Grade erweitert. Wird die Pleuritis tödtlloh, so macht sich eine exspiratorisohe Dyspnoe geltend. — Ergebnisse der Auscultation und Percussion. Soweit die Krankheit ohne plcuritische Affection verläuft, ist durch die Auscultation und Percussion nichts Abnormes zu ermitteln. Bei der Pleuritis findet sich Reibungsgeräusch und gedämpfter Percussionsschall. — Schmerzhafte Empfindungen in der Brust­wand treten nur bei der Pleuritis auf und bekunden sich durch Klage­laute bei der Bewegung der Pferde oder beim Druck auf die kranke Seite des Thorax.
Die durch die fieberhafte Blutdyskrasie bedingten Störungen geben sich durch folgende Symptome kund:
Krankhafte Erhöhung der Bl uttemporatur. Verbleibt die Scaima auf einem niedrigen Grade, so steigt die Mastdarmtemperatur gewöhnlich nur auf 39.0—89,5deg;. Bei schwerer Erkrankung finden sich bis 4-0(l. Die diffuse Pleuritis verursacht eine Steigerung der Tempe­ratur auf 41,0deg; und darüber. Mit der Rückbildung der Localaffection sinkt die Temperatur. Da die Ausgleichung langsam erfolgt, so kommt, abgesehen von Ausnahmefällen, ein kritischer Abfall der Fiebertemperatur nicht vor. 1st der Krankheitsverlaul' sehr milde, so sinkt die Temperatur an einzelnen Tagen bis zur normalen Höhe, während die übrigen Er­scheinungen in geringem Grade fortbestehen. An anderen Tagen erlangt die Temperatur im Eectum wieder einen fieberhaften Grad. — Puls­frequenz. Die Zahl der Pulse steigt in den massigen Krankheitsgraden nur geringfügig. Bei der Pleuritis vermehrt sieh die Pulsfrequenz auf 80—100 und selbst bis 120 Schläge in der Minute. — Trockene Be­schaffenheit der Haut und gesträubte Stellung des Deck­haars. — Verfall der Kräfte. Auch die geringfügig erkrankten Pferde erleiden eine erhebliche Schwächung der Constitution, die sich oft erst nach mehreren Wochen wieder ausgleicht. In den schweren Krankheitsfällen verringert sich die Aufmerksamkeit erheblich; der Kopf wird gesenkt gehalten; die Bewegungen geschehen zögernd und die Augen sinken ein. — Schleimhäute. Die Solera erscheint anämisch, zuweilen mit einer gelblichen Nuance; die Schleimhaut der Augenlider mattroth oder auch ziemlich blutleer. Nasenschleirahaut blass; Maulschleimhaut schmutzig grau-weiss und trocken, zuweilen gelblich tingirt. Bei pro-
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Soalma.
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trahirtem Vorlauf tritt dor Augapfel zurück und die inneren Augenwinkel sind mit grauweissom Schloiin verklebt. — A p poti tmangel. Der Appetit ist zwar vermindert, aber mit verlangsamten Kaubewegungen verzehren die Pferde in der Regel noch eine massige Quantität von sohnaaokhaften Futterstoffen. Das Trinkwasser wird in normaler Menge aufgenommen.
Verlauf und Ausgang. Die Symptome der Looalaffeotion und dos fieber­haften Gesamnitleidens treten bei den sealmakrankon Thieren gleichzeitig hervor. In den niederen Graden der Erkrankung bleiben die Störungen 5—8 Tage bestehen, worauf sie sich allmälig zurüokbilden. Die voll-ständige Genesung erfolgt langsam, so dass gewöhnlich 3 — 4 Wochen vergehen, bis die Pferde wieder in den Vollbesitz ihrer Körperkraft ge­langen. — Bei schwerer infection macht sich im Krankheilsbilde ein starker Verfall der Kräfte gellend, obschon die Pferde gewöhnlich noch ziemlich viel Kutter verzehren. Der Nährzuatand verringert sich erheb­lich und es bedarf einer sorgfältigen Pflege, um einer Störung der Re-convalescenz ZU begegnen. - Dass der Krankheitsverlauf durch das an­fällige Vorhandensein schmerzhafter Zustände an den Hufen oder an anderen Regionen der Gliedmassen sich verschlechtern kann, bedarf kaum einer Andeutung,
Von wesentlichem Einflüsse auf den Verlauf ist die bei einzelnen Pferden erfolgende Ausbildung der Pleuritis. Selbst bei blos einseitiger Affection dor Pleura und bei zweck massiger Behandlung verzögert sich der Verlauf gewöhnlich um '2 — 3 Wochen. Die doppelseitige Erkrankung dor Pleura involvirt stets eine grosse Lebensgefahr und wenn ein erheb­licher Wassererguss in den Thorax erfolgt, so gehen die Pferde zu Grunde.
Der Verlauf der Soalma als Seuche (Stallseuche) kann sich auf '2 bis 3 Monate und ausnahmsweise auf ein halbes Jahr erstrecken. Da die Infection allem Anschein nach keine typische lintwiokelung hat, SO folgen sich die einzelnen Krankheitsfälle sehr ungleich. Nach den bis­herigen Beobachtungen ist anzunehmen, dass, ähnlich wie bei anderen Seuchen von den grössereu Pferdebcständen zuweilen die Mehrzahl der Pferde, oft aber nur ein kleiner Thoil derselben in die Krankheit ver­fällt. Kino befriedigende Erklärung dieser Thatsache giebt es zur Zeit noch nicht. Ich habe nicht beobachtet, dass die Krankheit nach ihrem Ausbruche in andere Pl'erdebeslände verschleppt, werden könnte. Sie ist deshalb nach ihrem Gesammtcharakter als eine Stallkrankheit (Stall-seucho) anzusehen.
IHagnose. Da die Symptome der Soalma in den einzelnen Krank­heitsfällen relativ erheblichen graduellen Verschiedenheiten unterliegen,
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292nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
so kann sich die Diagnose bei dorn Mangel an ausreichenden anamnesti-schen Thatumständen schwierig gestalten. Leicht ist die Diagnose bei den einzelnen Pferden aus einem grössoren Bestände, in welchen die Krankheit als Seuche herrscht.
Gegenüber dem seuohenbafton Auftreten der Scalma können nur die Brustseuche, die Pferdestaupe und die Druse in Betracht kommen. Massgebend für die Unterscheidung ist im Allgemeinen der Gesammt-charakter der Scalma, der durch die eigenthümliche katarrhalische Affec­tion der Respirationsschleimhaut, die Blutleere der Kopfschleimhäuto, den
!!j,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; relativ starken Kräfteverfall der kranken Pferde und die Verzögerung in der
Heilung der anscheinend geringfügigen und nicht destruetiven Localaffec-tionon sich ausspricht. Im Einzelnen empfehle ich die Beachtung fol-
''nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gender diagnostischer Anhaltspunkte:
laquo;*
1)nbsp; nbsp;Von der Brustseuche unterscheidet sich die Scalma durch das Fehlen der gelblichen oder gelbröthliehen Schwellung der Kopfschleim-häute, des rostfarbenen oder gelblichen resp. blutigen Nasendejectes und der speciellen Symptome der primären Paoumonio oder Pneumo-Pleu-resio. Auch ist im Initialstadium der Brustseuohe in der Regel die Fiebertemperatur höher, als bei der Scalma.
2)nbsp; nbsp;Mehr Aehnlichkeit können manche Krankheitsfälle der Scalma mit der Pferdestaupe haben. Zur Unterscheidung ist auf die glasige Schwellung der Conjunctiva, auf die ödematöse Infiltration der Subcutis an den Gliodmassen und am Bauche, auf den typischen Verlauf des Fiebers und auf die grosse Ansteckungsfähigkeit der kranken Pferde bei der Pferdestaupe Rücksicht zu nehmen.
3)nbsp; nbsp;Die Druse der Pferde complicirt sich bei unregelmässigem Krank­heitsverlaufe nicht selten mit einer schleichend verlaufenden Bronchitis, deren Symptome dem Krankheitsbilde der Scalma sehr ähnlich sind. Als Unterscheidungsmerkmal dient die meist erhebliche Schwellung der Lymphdrüsen im Kehlgang oder am Schlundkopf, sowie die Abscessbil-dung in den Lymphdrüsengcschwülsten bei der Druse. Auch ist die Körperschwäche bei der Scalma grosser, als bei den hier gedachten Fällen der Druse. Von grossem diagnostischen Werthe gegenüber der Druse ist ausserdem die Erkrankung mehrerer Pferde eines Bestandes unter dem Bilde der diffusen oberflächlichen Bronchitis.
4)nbsp; nbsp;Eine gewisse Aehnlichkeit mit der Scalma hat die durch Erkäl­tung entstehende Bronchitis, besonders in denjenigen Fällen, in welchen dieselbe zur Ausbildung eines broncho-pneumonischen Herdes führt. Ge­wöhnlich lässt sich indess die Bronchitis als eine primäre Localkrank-heit erkennen, während den scalmakranken Pferden von vornherein das
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Scalma.
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Gepräge eines fieberhaften Gesamratleidens anhaftet. Von der Bronchitis wird auch stets nur ein vereinzelter Krankheitsfall beobachtet, während die Scalma mehrere Pferde und bozw. ganze Bestände befällt.
5)nbsp; Zur Verwechselung kann ferner die durch Erkältung verursachte (rheumatische) Pleuritis Veranlassung geben, weil dieselbe zuweilen bei Pferden entsteht, die bereits an einem Katarrh der Respirationssciileim-haut leiden oder gleichzeitig mit demselben behaftet werden. In der Regel findet sich bei dieser Pleuritis, die auch stets nur bei einzelnen Pferden vorkommt, eine abnorm starke Röthung der Kopfschlcimhäute. Sonst bleibt nur übrig, die Unterscheidung auf den Krankheitsverlauf zu begründen.
6)nbsp; Die Pleurodyuie, welche oft von einer Erblassung der Kopf­schlcimhäute bogleitet ist und hierdurch in ihren Erscheinungen eine ge­wisse Aohnlichkeit mit dem Krankheitsbildo der Scalma erlangt, charak-torisirt sich in diagnostischer Hinsicht durch die von vornherein auftre­tenden starken Schmerzempfindungen in den Brustwandungen und durch die Beschleunigung der Respiration. Ausserdem liefert die Anamnese bei der Pleurodynie ein wichtiges diagnostisches Moment.
7)nbsp; Dio Symptome des Wundfiebers, welches bei multiplen Quetschun­gen der Haut und Unterhaut hervorgerufen wird, stimmen mit manchen Symptomen der Scalma überein. Indess miisste schon eine besondere Combination von Zufälligkeiten bestehen, wenn ein derartig erkranktes Pferd zugleich an einem diffusen Katarrh der Respirationsschleirahaut leiden sollte. Im Uobrigen wird durch die diagnostische Beachtung der primären Quetschungen ein etwaiger Zweifel beseitigt.
8)nbsp; nbsp;Gegenüber den selten und stets nur sporadisch auftretenden acuton fieberhaften Infectionskrankheiton (diphtherische Entzündung der Nasenschleimhaut und Sephthämie) kann nur dann eine Verwechselung eintreten, wenn der Sachverständige diese Krankheiten nicht kennt.
Prognose. Massgebend für die Beurtheilung der Scalma ist im All­gemeinen die Erfahrung, dass die Pferde von derselben relativ schwer afficiri werden und dass auch bei günstigem Krankheitsverlauf die Re-convaloscenz gewöhnlich mehrere Wochen erfordert. Sonst richtet sich die Prognose vorwaltend nach dem Grade des Kräfteverfalls, nach der Qualität der Stallungen und nach den anderen Hülfsmitteln, welche für die Verpllegung und Ernährung der kranken Pferde zur Verfügung stehen. Der Ausgang in den Tod scheint bei der Scalma nicht häufig zu sein; er ist dann zu befürchten, wenn die Pferde während der Krankheit noch zum Arbeitsdienst benutzt werden.
Therapie. Die Behandlung der scalmakranken Pferde lässt sich nur
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Infections- und Intoxicationskranlsheiten.
auf die Indication basiron, dass durch /.wockmassige diätotischo Anord­nungen günstige Lebensbedingungen für die Tbiere geschaffen werden müssen, damit sie die nachtheiligen Wirlumgen der Krankheit relativ leicht überstellen Mittel, mit; webdien die Ausbildung der Krankheit bei einem frisch al'ficirten Pferde aufgehalten werden könnte, giebt es nach der gegenwärtigen Rrfahrung nicht. Lobensgcfährliidi wird im Krankheitsvcrlauf die Pleuritis. Ihrer Entwicklung und bezw. ihrer Aus­breitung im Thorax entgegenzuwirken, ist daher die wesentlichste Auf­gabe der Behandlung. Inwieweit mit der Scalma noch andere lebens­gefahrliche Zustände verbunden sein können, die für die Therapie spocioll zu berücksichtigen sein werden, müssen weitere Erfahrungen erst er­geben. — Es empfiehlt sich, die kranken Pferde in hohen, zweokmässig temperirton und gut ventilirten Räumlichkeiten unterzubringen und mit scbmaekbaltem Futter zu versehen. Zur Förderung der Verdauung ist Kochsalz behufs beliebiger Aufnahme vorzulegen und Nalr. bicarb. 75,0 bis 100,0 mit Rad. Gentianao oder Gort. Quercus 50,0—60,0 pro die zu verabreichen, Aussordem Abreibung der Haut mit Spiritus oder Terpentinöl und Wasser (1 : 5 —10). Auch Inhalationen von 01. Torch, 50,0—100,0 in einem halben Eimer voll hoissen Wassers einmal oder zweimal im Laufe eines Tages fördern die Ausgleichung der Bronchitis. Nützlich sind ferner feucht warme Finwickelungon des Rumpfes. Bei der Ausbildung einer Pleuritis ist die Application von Sp. Sinapis oder einem anderen Reizmittel dringend indicirt. In schweren Fällen von Hydro-thorax kann die Paracenteso vorsucht werden. — Wenn in der zweiton Woche lästiger Husten und Sehluckbeschwcrden fortbestehen, so empfehle ich, eine Injection vom oberen Ende der Trachea aus in den Kehlkopf und Sohlundkopf zu versuchen und nach 3 Tagen zu wiederholen. Hierzu eignet sich eine wässerige Lösung von Aluminium aceticum (1 proc.) oder von Alumen (\/2\iroc. bis 1 proc.) oder von Kalium bromatum (1 proc. bis '2 proc), Selbst Wasser ohne Jeden Zusatz lässt sich zu diesen Injcctioncn therapeutisch verwenden. Etwa 50 Grm. Flüssigkeit sind jedesmal zu injiciren. — Die Convalescenz macht eine längere Schonung der Pferde erforderlich.
Für die Prophylaxis muss in grösseren Beständen auf die bald­mögliche Dislocation der gesunden Pferde, sowie auf die Reinigung und Desinfection der Stallungen (Uebertiinchen der Wandungen etc. mit Kalk­milch) Bedacht genommen werden.
Casuistilf der Scalma. — 1) In einem grösseren Bestände von Arbeits­pferden hat seil 8 Jahren die Scalma zeitweise geherrscht. Die Pferde, die einmal iin derselben gelitten halten, erkrankten zum zweiten Male nicht wieder. Im Früh-
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Soalma.
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jähr 1885 wurden nach Angabo des Besitzers und des von ihm oonsullirton Thier-arzlos innerhalb G Wochen 5 Pferde von der Krankheit befallen, von denen 2 nicht zeitig genug aussei' Dienst gestellt waren und in Folge dessen unter den ICrankheits-orscheinungon der acuten Brustwassersiioht eingingen. Einige Wochen darauf Cam 25. Mai 1885) erkranMen 2 Pferde, die vor 4 resp. 6Monaten angekauft waren. Beide wurden am 27. Mai 1885 in die Klinik gebracht.
Das eine Pferd (brauner Wallach, 6 Jahre alt) ist gut genährt und verzehrt das Futter vollständig. Deokhaar leicht aufgebürstet. Aufmerksamkeit vermindert. Lungen vollständig wegsam. An der Trachea sind Rasselgeräusche in massiger Stärke vernehmbar. Geringer Auslluss von grauem, zähem Schleim aus beiden ISiasen-löchern. 'Zeitweise rauher, etwas scharfer Husten. Lymphdrüsen im .Kehlgange nicht geschwollen. Conjunctiva in massigem Grade anämisch. Nasen- und Maulsohleim-haut nicht abnorm. — In den folgenden Tagen blieben die Symptome ziemlich gleich-massig bestehen, nur der Auslluss aus der Nase war zeitweise stärker als an anderen Tagen. Pie Respiration erschien nicht erschwert, aber die Bauohdecke war in leich­tem Grade angespannt. Zuweilen verzehrte das Pferd weniger Futter als sonst. Dem Nasendojecte waren zeitweise Futterpartikolohen beigemischt (Sohluckbeschwerdo).— Unter diesem Bilde verblieb die lioberhafte Krankheit 14 Tage hindurch. Dann fand sich (am 9. Juni) an der Parotis der linken Seite eine leichte Schwelluug, die bis zum 11. Juni sich vergrösserte und von mir als ein retropharyngealer Abscess dia-gnosticirt wurde, der sich als Complication der Scalma entwickelt hatte. Nach der Eröll'nung des Abscesses entleerte sich dicker gutartiger Eiter. Auf den günstigen Verlauf der Krankheit hatte der Abscess keinen Einfluss. Am 14. Juni konnte das Pferd als genesen betrachtet werden.
Das zweite Pferd, braune Stute, 7 Jahr alt, bekundete im Ganzen dieselben Krankhoitserscheinungen. Am 27. Mai prävalirte unter den Symptomen die allgemeine Ermüdung. Daneben fanden sich: anämische Beschaffenheit der Conjunctiva und Ab­sonderung von Schleim aus den inneren Augenwinkeln beiderseits. Grauweisse schleimige Nasendejection in geringer Menge. Krankhafter Hustenreiz; Husten kurz und rauh. Körnerfutter wurde nicht aufgenommen, GrünfuUer dagegen reichlich ver­zehrt. Lungen vollständig wegsam. Kehlgangsdrüsen leicht aufgelockert. — Die Behandlung beschränkte sich auf die diätetische Fliege und Verabreichung von Koch­salz zum Lecken. — Im Verlauf der Krankheit war der Appetit bald rege, bald ge­ring. Im Ganzen aber verzehrte das Pferd Heu und Grünfutter reichlich. Auch der Nasenausfluss und der Hustenreiz waren an manchen Tagen stärker als sonst. Bei guter Pflege vorlief die Krankheit in drei Wochen günstig. Das Pferd ist vollständig genesen.
Kran kheits verlauf:
a) Bei dem 6jährigen Wallach.
b) Bei der 7ji
hrigen
Stute.
D.
R.
P.
T.
28. Mai
12
36
38,7
29. „
18
86
39,5
30. „
16
40
39,4
81. „
15
44
39,6
1. Juni
16
44
38,9
2. „
12
43
39,2
3. „
11
47
39,8
4. „
12
50
39,7
D.
R.
P.
T.
28. Mai
16
48
39,4
29. „
Ifi
48
39,4
30. „
16
48
39,3
81. „
14
48
39,0
1. Juni
12
44
39,0
2. „
14
48
39,7
3. „
13
48
40,2
4. „
13
48
40,0
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296nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;
Infections- um
Bei dem
6 jährigen
Walla
D.
B.
P.
T.
5. Juni
12
48
40,3
6. „
12
48
40,4
7- „
14
48
40,2
8. „
14
52
40,8
9. „
14
50
39,8
10. „
15
42
39,7
11. „
1laquo;
42
38,7
12. „
13
43
39,0
13. „
12
40
38,4
14. „
12
39
38,3
Infections- und Intoxicationskrankheiten.
b) Bei der 7jährigen Stute.
D.
R.
P.
T.
5. Juni
12
47
39,9
6. „
17
42
39,1
7. „
l(i
48
40,1
8, „
17
45
39,3
9. „
17
47
39,2
10. „
14
43
38,6
11. „
13
40
88,5
12. „
12
40
37,9
18. „
12
40
38,0
14. „
12
40
38,2
2) Die beiden vorgedachten Pferde waren in einem kloinen Stalle untergebracht, j )nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;der für drei Pferde Raum gewährt. Neben die Stute wurde am 4. Juni eine 14jäh-
*raquo;'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; rige Fuchsstute gestellt, die am linken Hinterfusse spatlahm, sonst aber ganz gesund
war. Resp. 11, Puls 40, Tomp. 37,9. Am 10. Juni zeigte das Pferd mangelhaften Appetit und allgemeine Ermüdung in massigem Grade. Temperatur fieberhaft. Con­junctiva fahlroth und leicht infiltrirt. Nasen- und Maulschleimhaut blassroth. Das Pferd verzehrte mit verlangsamten Kaubewegungen im Laufe des Tages 6 Liter Hafer und ziemlich viel Grünfutter. Darmexcromente und Harn von normaler Beschaffen­heit. Rospiration nicht beschwerlich. Lungen vollständig wogsam. Krankhafter Hustenreiz. Nach längeren Zwischenzeiten hustet das Pferd mehrere Male rauh, kurz und kräftig. Kehlgangsdrüson etwas aufgelockert. — Der weitere Krankheitsverlauf bot nichts Bemerkenswerthes. Vorwaltend erschien die allgemeine Schwäche neben rauher und aufgebürsteter Beschaffenheit des Deckhaares. Unter den Specialsympto­men prävalirte der Husten. — Am 15. Juni erschien das Gesammtbefinden des Pferdes verschlechtert. Der Hustenreiz war stärker. Bei der Percussion der Brustwandung wurde zuweilen Husten ausgelöst. Grünfutter verzehrte das Pferd ziemlich reichlich, während Hafer nur In geringer Menge aufgenommen wurde. Ord.: Pri esnitz'scher Umschlag um den Thorax. In den folgenden Tagen minderten sich die Krankheits­erscheinungen. Der Appetit auf Futter war rege und das Pferd erholte sich nach einer Krankheitsdauer von 14 Tagen.
Krankheitsverlauf:
D.
R.
P.
10. Juni
14
42
11. „
12
42
12. „
14
42
18. „
14
44
T.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;D.
39.0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 14. Juni
38,6nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15. „
39.1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 16. „ 38,9nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 17. .,
R.
P.
T.
12
42
38,1
20
48
39,7
20
60
38,5
12
86
37,9
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Diphtherische Krankheiten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;297
Capitel XL Diphtherische Krankheiten.
Definition. Der Begriff der „Diphtheritisquot; oder —#9632; wie man in der neueren Zeit mit besserer Wortbildung sagt — der „Diphtheriequot; hat in der Pathologie eine übereinstimmende Deutung bisher nicht gefunden. Am meisten stösst die Definition auf Schwierigkeiten bei der Erklärung der Beziehungen zwischen Croup und Diphtherie (vgl. Virchow, Croup und Diphtherie. Berl. klin. Wochenschr. 1885. No. 9). Das Wort „Croupquot;, welches dor schottischen Sprache entstammt, ist in der medicinischen Literatur und besonders von den französischen Autoren während der ersten Decennien des gegenwärtigen Jahrhunderts zur Bezeichnung der oxsudativen Laryngitis bezw. der durch acute Laryngitis beim Menschen verursachten Athembeschwerde (Er-sticknngsgefahr) benutzt worden. Bretonneau (Des inflammations speciales du tissu muqueux et en particulier de la diphthörite. Paris 1826), der nach den anato­mischen Befunden die Kehlkopfentzündungen des Menschen in Unterabtheilungen zu bringen versuchte, stellte neben den Croup die pseudomembranöse Entzündung (Ma-ladie pelliculaire) des Kohlkopfes, für welche er den Namen der Diphtheritis in die Wissenschaft einführte. Seit dieser Zeit sind die Worte „Croupquot; und „Diphtheriequot; als Krankheitsbezeichnungen mehr und mehr in Gebrauch gekommen. Durch Roki-tansky wurde der Begriff des Croup auf alle fibrinösen Entzündungen der Schleim­häute und auf die acute fibrinöse Pneumonie ausgedehnt. Die croupöse Entzündung umfasst hiernach ein sehr weites Gebiet. Nebenher ist aber auch eine restrictive Interpretation für den Croup in Geltung geblieben, nach welcher mit demselben die acuten, unter Erstickungsgefahr verlaufenden Kehlkopfentzündungen (Bräune) bezeichnet werden. Virchow trennt die zu dieser Krankheitsgruppe gerechneten anatomischen Entzündungszustände in katarrhalische, fibrinöse und diphtherische (katarrhalischer, fibrinöser und diphtherischor Croup). Hiernach ist der Croup eigentlich ein klinischer, die Diphtherie aber ein pathologisch - anatomischer Be­griff, welcher sich auf eine bestimmte Form der Entzündung beschränkt. „Die Diphtherie ist ein mortificireuder Process, der in der Substanz selbst, im Gewebe sitzt, der also keine Pseudomeiubrauen macht, die auf der Oberfläche sitzen, sondern der, wenn er scheinbar Pseudomembranen macht, sie nur dadurch macht, dass Theile der Oberfläche selbst exfoliirt werden, der also auch in jedem Fall, wo die Exfolia­tion stattfindet, einen Substanzverlust erzeugt, und der also, kurz zu sagen, auch im günstigsten Falle oberflächliche Ulcorationen hervorbringt.quot; (Virchow). In der pathologischen Anatomie werden der Diphtherie nicht blos die hautartigen Mortiflca-tionen der Respirationssohleimhaut unterstellt, sondern auch die ähnlich verlaufenden Mortificationsprocosse in der Darmschleimhaut, welche nach Verstopfung und Darm-lähmung entstehen; ferner eine Reihe von brandigen Entzündungen in der Haut, in den Harn- und Geschlechtswerkzeugen u. s. w. — Abweichend hiervon besteht in der klinischen und praktischen Medicin, sowie bei dem Laienpublikum die Gepflogen­heit, als Diphtherie des Menschen vorwaltend die bösartige Rachenbräuno (epide-
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ff
I
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
misoho Dlpbtherltls) in Anspruch zu nehmen. Seitdem die Anstecknngsfähigkeit dieser Krankheit bekannt geworden ist, wird ihre Aetiologie allgemein auf die pri­märe Einwirkung specifischer Mikroorganismen (Pilze) zurückgeführt. Klehs hat dem Diphtherie-Pilz den Namen ,,Mikrosporon diphtheritioumquot; gegeben. Dass die Beschränkung des Begrlflea der Diphtherie auf diese Krankheit mit den Lehren der pathologischen Anatomie nicht im Einklang steht, ist seit einer Reihe von Jahren vielfach erörtert worden. Die grösste Schwierigkeit, die der Verständigung im Wege ist und gewissermassen eine principiello Bedeutung hat, liegt darin, dass bei der bös-arligen Kaciienbriiune des Menschen nicht blos mortiflcirende, sondern auch exsuda-tive Processe vorkommen. Senator hat deshalb den Vorschlag gemacht, die in Rede stehende Krankheit des Menschen fernerhin nicht mehr als Diphtherie, sondern als „Synanche contagiosaquot; zu bezeichnen. Es ist evident, dass diese Nomenklatur keine missverständlichon Nebenbegriffe hat und dass sich derselben die verschiedenen Ent-ziindungsprocesse, welche bei der gedachten Krankheit vorkommen, unterordnen lassen. Die neuerdings von Löffler (1884) proponirto Interpretation, nach welcher als „Diphtheriequot; die bösartige Rachenbräune des Menschen, als „Diphtheritisquot; da­gegen bestimmte Veränderungen der Gewebe bezeichnet werden sollen, scheint keinen allgemeinen Anklang zu finden.
Die genauere Darstellung der Controverse gehört in die allgemeine Pathologie, liier mag die Bemerkung genügen, dass, so lange für die klinische Charakteristik die pathologisch-anatomische Begriffsbestimmung der Diphtherie beibehalten wird, die Unterscheidung der diphtherischen Entzündungsprocesse in primäre und secundäre (solche, die erst im Verlaufe anderer Krankheiten eintreten) nothwendig ist. Die primären diphtherischen Entzündungen beschränke ich für die klinische Pathologie auf die mit einer eigenartigen Infection verbundenen und ilächenförmig zusammen­hängend oder herdweise entstehenden Mortificationsvorgänge in den Schleimhäuten, für deren Aetiologie die locale pathogeno Einwirkung specifischer Mikroorganismen vorausgesetzt wird.
Vorkommen. Eine Krankheit der Respirationsschleimhaut bezw. des Rachens, welche mit der epidemischen Diphtherie (bösartigen Rachenbräune) des Menschen identisch oder auch nur in Parallele zu stellen wäre, habe ich bei Pferden nicht beob­achtet. Inhaltlich der neueren Literatur ist die Erkrankung von Pferden an der pri­mären diphtherischen Halsentzündung zwar oft behauptet, meiner Meinung nach aber niemals mit Sicherheit odor auch nur mit Wahrscheinlichkeit nachgewiesen wor­den. Rinder und Schafe (Lämmer) sind einer Rachendiphtherie, analog derjenigen des Menschen, unterworfen. Bei Rindern kommt auch, allerdings nur in sehr seltenen Fällen, eine herdweise auftretende Diphtherie der Schleimhaut im Schlünde und in den Vormagen vor. Eine ganz analoge diphtherische Affection habe ich einmal in der weissen Abtheilung (Portio cardiaca) der Magenschleimhaut eines Pferdes gefun­den. Das Pferd (Schimmelstute, 13 Jahre alt) ging an der Brustseuche durch Ver­jauchung der multiplen pneumonischen Herde und bilaterale hämorrhagisohe Pleuritis am 4. Nov. 1884 zu Grunde, nachdem es 4 Tage lang in der Klinik vergeblich behan­delt war. Bei der im pathologischen Institut der Thierarzneischule (Lüpke) ausge­führten Section fanden sich im Magen und Darmkanal die pathologischen Zustände, welche die Brustseuche nach dem Ausgange in die bezeichneten letalen Folgezustände stets verursacht, und nebenbei in der Schleimhaut der linken Magenhälfte 24 beet­artige circumscripte Herde von der Grosse eines Fünf- bis /ehnpfennigstückes. Die Herde hatten eine bläulichrothe bezw. dunkelgraurothe Färbung. Einige derselben
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Dlphtherische Krankheiten.
299
waren an der Peripherie durch disseoirende Eiiteiiiidung von der Nachbarschaft be­reits gelöst. In den Herden war die oberfläohliche Schicht der Schleimhaut nekroti-sirt. In den tieferen Partien erschien die Schleimhaut ent/ündlich geröthet, aber nicht mortifioirt. Die Respirationsschluiinliaut enthielt keine Herde.
Aussei- diesem Falle, den ich wegen seines vereinzelten Auftretens und weil sich die Affection erst bei einem an der Brustseiicho schwer erkrankten Pferde aus­gebildet hatte, nicht zum Cregenstande einer besonderen ICrankhoitsbeschreibung machen will, lassen sich naoli meinen Krfalirungon nur die in Folgendom dargestell­ten Krankheiten des Pferdes den primären diphtherischen Affectionen zurechnen.
Dlphtherische Herde der Nasenschleimhaut. Rhinitis multiplex diphtherlca.
iletiologie und l'atliogcnese. Die Pferde erkranken, aber nur in sehr soitenen Fällen, an einer in multiplen Herden auftretenden nekrotisiren-den Entzündung der Nasenscliloimhaut, dos Maules und der äusseren Haut an den Lippen und der Nase. Da die Affection der Nase hierbei die grösste Bedeutung hat, so bezeichne loh dieselbe mit dem in der Uebcrschrift gewählten Namen. Bei dem seltenen Vorkommen lässt sich die Theorie ihrer Entwicklung nicht auf erschöpfende Tliatsachen basiren. In der Literatur ist der Krankheil bisher nicht Erwähnung gethan. Ich selbst habe nur vier Fülle beobachtet. Nach den hierbei gemachten Wahrnehmungen cliarakterisirt sich die Krankheit vornehmlich als eine fieberhafte Infection des gesainmten Organismus, während die localen Veränderungen in der Nasen- und Maulschleimhaut relativ gering sind. Für das Zustandekommen der diphtherischen Herde muss die Einwirkung eines speeifischen, pflanzlichen Keimes angenommen werden, welcher muthmasslich mit der Atbmungsluft in die Nasenhöhlen gelangt. An der Schleimhaut der Muscheln oder der Scheidewand oder auch in der äusseren Haut an den Naseneingängen und in der Rachenschloirabaut entstellen scharf umschriebene Entzündungsherde von dem Umfange eines Fünfzigpfennigstückes bis eines Zweimarkstückes. Die Herde erscheinen erst abnorm gerölhet, werden aber bis /um zweiten oder dritten Krank­heitstage dunkler und mit der vollständigen Ertödtung des Gewebes grünlich- oder röthlich-schwarz, Bei einem Pferde beobachtete ich auch in der Maulhöhle an der Backenschleimhaut einen solchen Herd. Die Nasensohleimhaut wird mit der Ausbildung der Herde entzündlich ge­reizt und scheidet eine zähe, eiweissreiche, gelbliche Flüssigkeit (Blut­serum) ab, welche die Nasenränder leicht verklebi. In einem Falle ent­stand in der Nasenschleimhaut beider Oavltäten eine grössere Zahl von erbsengrossen und stumpf zugespitzten Knötohen, welche zunächst eine liämorrhagisoho Bosohaffenhoit hatten und imch zwei Tagen mortifleirt
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''1
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300nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhelten.
waren. Stellenweise wurde die nächste Umgebung der ertödteten Knoten ulcerös und in den intacten Partien der Schleimhaut entstanden Pe-techien. — Das Zustandekommen der diphtherischen Herde vollzieht sich nicht auf einmal. Es bilden sich vielmehr im Verlaufe mehrerer Tage nach einander neue Herde. Wenn dieselben in den oberen Abschnitten der Nase oder in der Nähe des Kehlkopfes ihren Sitz haben, so wird durch die Infiltration der Schleimhaut der Athmungsweg in massigem Grade beengt. — Mit der Entwicklung der fieberhaften Blntdyskrasie entstehen alsbald: diifuse Entzündung und gelbröthlicho Schwellung der Magendarmschleimhaut; parenchyma!Öse Trübung und Eettinfiltration der Leber mit partiellem Leberictcrus: starke parenehymatöse Schwollung und hämorrhagische Infarcirung der Milz; schwere parenehymatöse und hämorrhagische Nierenentzündung und parenehymatöse Myocarditis. — Im Unterhautgewebe an den Gliodmassen, an der Brust oder am Thorax kommt es zur Entwicklung flacher, erysipelatöser Schwellungen, welche Eingereindrücke annehmen und schmerzhaft sind, Die in der Region der kranken Hautpartien liegenden Lymphdrüsen werden gereizt und mit jjlnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;serösem Transsudat infiltrirt.
. nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Symptome. Aeusserlich wahrnehmbar sind die diphtherischen Horde
1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;selbstredend nur insoweit, als sie in den unteren Abschnitten der Nasen-
''•*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;höhlen oder an den Naseneingängen vorkommen. Als örtliches Merkmal
i^.inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ist ausserdem der Ausfluss von oiweissreichom, gelblichem Transsudat
aus der Nase zu beachten. Von dem Secret, welches zum Theil die Ränder der Nasenlöcher verklebt, fliessen einzelne Tropfen über die Oberlippe.
Allgemeine Erscheinungen: Fieber. Die Bluttemperatur steigt bis auf 41,0deg;; das Haar ist gesträubt; Pulsfrequenz bis zu 70 Schlägen in der Minute und darüber; Appetitmangcl für Futter, während Getränk oft, aber in kleinen Quantitäten aufgenommen wird; Verzögerung der Darmexcretion; gelblich-rothe Färbung der Kopfschleimhäute; Albumin-urie und Hämoglobinurie; diffuse eryaipelatöse Schwellungen der Unter­haut an den Gliedmassen und anderen Körportheilen; schmerzhafte Em­pfindungen in den Gliodmassen (Lahmgehen), soweit die erwähnten phlegmonöscn Processe entstanden sind.
Verlauf. Die Krankheit verläuft acut und endet, soweit meine bis­herigen Beobachtungen ein Urthcil gestatten, nach 3—6 Tagen stets mit dem Tode. In Folge der schmerzhaften Schwellungen an den Glied­massen wird den Pferden jede Bewegung beschwerlich; sie können sich schliesslich nicht mehr stehend erhalten und nach dem Niederfallen auch nicht wieder vom Boden erhoben. Der Tod erfolgt unter den Zeichen
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Diphtherische Krankheiten.
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der Suffocation, nachdem sich 1—2 Tage vorher schon ein starker Ver-fall der Kräfte im Habitus kund gegeben hat.
Sectluiisbcfuiitl. In den Sclileimhäutcn der Nase, der Maulhöhle und des Rachens finden sich die nekrotischen Horde und in deren Umgebung die Merkmale der entzündlichen Reizung. Entsprechend der asphykti-schen Todesart zeigen Herz und Lungen zahlreiche schwarzrothe (hämor-rhagische) Flecke. Die Horzmusculatur erscheint auf der Schnittfläche getrübt. Die Lungen sind ödematös infiltrirt und die Pleura pulmonalis ist stellenweise durch die im Todeskampfe extravasirte Inspirationsluft emporgelioben. — Leber stark geschwollen und fettig infiltrirt. — Die Milz ist erheblich vergrössert, derb und mit schwarzrot hem, schmierigem Blut infarcirt. Jn den von mir beobachteten Fällen hatte die Milz einen gleich grossen Umfang und dasselbe Ansehen, wie beim Milzbrand. — Die Magendarmschleimhaut ist gelbröthlich geschwollen. — Die Nieren sind stark vergrössert und auf der Schnittfläche finden sich die Merk­male einer schweren hämorrliagisch-parenchymatösen Entzündung.
Diagnose. Bei der Seltenheit des Vorkommens kann die Diagnose der Krankheit gewisse Schwierigkeiten mit sich bringen. Insbesondere liegt die Verwechselung mit dem acuten Rotz nahe. Der Irrthum wird am besten vermieden durch die Beachtung der Thatsache, dass beim Rotz sich niemals scharf umgrenzte, nekrotische Herde in der Nase fin­den und dass auch in denjenigen Fällen, in welchen der Rotz nach aeutem Verlaufe zum Tode führt, Milz, Leber und Nieren nicht die hier gekennzeichneten starken Schwellungen zeigen.
Selbst wenn die diphtherischen Herde der Nasenschleimhaut in grösseror Zahl entstanden und nach mehttägigor Dauer ulcerös geworden sind, findet sich inmitten der Herde ein festes (nekrotisches) Gewebs-stückchen, was bei den Rotzgeschwüren nicht vorkommt. — In der Zeit, als alle nicht näher gekannten fieberhaften Infectionskrankheiten von aeutem Verlaufe mit der „Influenzaquot; in Verbindung gebracht wurden, lag es nahe, die in Rede stehende Pferdekrankheit in gleichem Sinne zu deuten. Gegenwärtig wird die Diagnose derselben durch die Influenza­frage nicht mehr behindert.
Prognose. Zur sicheren Beurtheilung der Krankheitsfälle von mul­tipler diphtherischer Rhinitis fehlt es noch an ausreichendem Erfahrungs-matorial. Es scheint, dass die Natur der Krankheit stets eine schlechte Prognose motivirt.
Therapie. Bis jetzt ist kein Heilmittel gefunden, mit welchem den schweren Störungen in den Organen der Bauchhöhle, in den Nieren und in der Herzmusculatur, welche die allgemeine Infection mit sich bringt,
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302nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicatlonskrankheiten.
entgegen gewirkt werden könnte. Die Behamllung ist deranach nur als Versuch zu betrachten. Innerlich: Calomel oder Sublimat; äusserlich: Berieselungen des Körpers mit Wasser; Priessnitz'sche Umschläge. Soweit die diphtherischen Herde für die Locaibehandlung erreichbar sind, kann die Bepinselung derselben mit einer 3—öproc. Lösung von Acid, oarbol. purum versucht werden.
Diphtherische Herde der Conjunctiva. Conjunctivitis diphtherica.
Von einer diphtherischen Erkrankung der Conjunctiva bei Pferden ist in der Literatur bisher nicht berichtet worden. Ich habe im Sommer 1882 innerhalb zwei Monate bei den kleinen Pferden, die aus Russland in grosser Zahl nach hier trans-portirt bezw. hier durchgeführt werden, in 8 Fällen und ausserdom in den folgenden beiden Jahren bei mehreren Arbeitspferden eine an sich gutartige Entzündung der Augenlider theils auf einem, theils gleichzeitig auf beiden Augen beobachtet, bei welcher in der ConjunctiYa Palpebrarum 2 bis 5 scharf umgrenzte, erbsen- bis bohnengrosso aschgraue Herde von rundlicher Form entstanden waren. Die Herde be­ruhten in einer ganz oberllächlichen Mortification der Schleimhaut; sie lösten sich in 8—10 Tagen vom Rande aus ab und die Del'ecte vernarbten schnell, ohne dass Ver­dickungen zurückblieben. Nach dem anatomischen Verhalten hat die Erkrankung den Charakter der Diphtherie, deren Gefahren aber nicht erheblich sind. Mit der speci-fischen Ursache der bezeichneten Herde werden sich die Pferde wahrscheinlich in schlecht gereinigten Ställen behaftet haben.
Zur Ausbildung der diphtherischen Herde dor Conjunctiva scheint eine Zeit von 2—4 Tagen genügend zu sein. In der Umgebung der Horde entsteht eine entzünd­liche Reizung der Conjunctiva. Die Krankheit giebt sich durch Lichtscheu und par­tiellen Verschluss der Augenlider, Abscheidung von Thriiuen und Schleim aus dem inneren Augenwinkel zu erkennen. Nach der Eröffnung der Lider sind die circum-soripten aschgrauen Herde leicht zu ermitteln. — Line Gefahr für das Sehvermögen hat diese diphtherische Erkrankung ^ler Angenschleimhaut nicht. Sämmtliche von mir behandelten Pferde sind nach 10—20 Tagen vollkommen genesen. Zur Behand­lung eignen sich warme Bähungen der Augen mit Altheesohleim und Ohamilleninfu-sum, sowie öftere Waschungen mit einer Iproc. Lösung von Liq. Plumbi subacetici oder 0,3proc. Lösung von Hydr. bichlor. in Wasser.
Diphtherische Herde der Darmschleimhaut. Enteritis diphtherica multiplex.
Actiolugie und l'athogenese. Eben so selten, wie in der Nasonschleim­haut kommen diphtherische Herde in der Darmschleimhaut bei Pferden vor. In den wonigen Fällen, die ich beobachtete, waren sie im Grimm-darm und zum kleineren Theil im Blinddarm entstanden; sie hatten den Umfang einer Haselnuss bis eines Taubeneies und theils eine runde, theils eine längliche Form. Ueber die specielle Aetiologie dieser Herde ist Nichts bekannt. Nach allgemeinen Erfahrungen erscheint die An-
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Diphtherische Krankheiten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;308
nahine berechtigt, dass das Zustandekommen derselben auf der patho-genen Ansiedelung eines speoifisohen pflanzlichen MikroorganisiTiiiH be­ruht, den die Pferde mit dem Futtor aufnehmen. Mit der Etablirung der Herde wird die oberfläohliche Schicht der Darmschloimhaut ettödtet, während in der unteren Schicht eine entzündliche Read ion entsteht. In der Nachbarschaft der Herde entwickelt sich eine diffuse Reizung. Wenn die betreffenden Pferde nicht in einigen Tagen zu Grunde gehen, so werden die mortificirten Gewobstheile durch dissecirendo Granulation ab-gestossen und es bleiben Geschwüre zurück, die im günstigen Fall durch Bildung einer glatten röthlichen Narbe ausheilen.
Symptome. Dircctc Kennzeichen für die Erkrankung eines Pferdes an diphtherischen Herden der Darmschleimhaut gieht es nicht und das all­gemeine Krankheitsbild deckt sich mit den Symptomen einer diffusen Irritation der Dickdarm-Schleimhaut. Sind die Herde in geringer Zahlnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;t
vorhanden, so ist das auffallendste Symptom der Appetitraangel Na­mentlich versagen die Pferde die Aufnahme dos Körnerfutlors. während sie schmackhaftes Rauffutter noch in geringen Mengen voiv.ohion. — In den erheblichen Fällen steigt die Bluttemperatur bis zu etwa 39,5deg;, die Pulsfrequenz zunächst bis 55, später bis 75 pro Minute und darüber. Die Respiration wird nicht, oder nur ganz unerheblich beschleunigt. — Die schwere Erkrankung verursacht: dunkle Rothung der Kopfschleim­häute, Anspannung der Bauchdecke, zeitweise verzögerte und an einzel-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gt; nen Tagen auch diarrhoische Entleerung der Darmexcremenle. Trocken­heit der Maulschleimhaut und Zurücksinken der Augen. — Bei tödt-
lichem Grade der Affection treten zuletzt noch Koliksymptome ein.
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Verlauf und Ausgang. Die Krankheit nimmt einen subaouten Vorlauf,
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der im Besonderen durch die Zahl der Herde bestimmt wird, die sich in der Dickdarmschleimhaut etablirt haben. Die Dauer erstreckt sich auf 10—20 Tage. Während die schweren Fälle stets zum Tode führen, werden die diphtherischen Herde bei geringer Zahl in etwa 8 Tagen ab-gestossen, worauf die Defecte vernarben, so dass die Pferde ihre voll­ständige Gesundheit zurückerlangon.
Diagnose. In Ermangelung director Krankheitssymptome ist das Leiden bei einzelnen Pferden nicht zu erkennen. Aus den Befunderhe-bungen folgt nur, dass eine subacut verlaufende fieberhafte Darm affection vorliegt. Erkranken mehrere Pferde aus einem Stalle gleichzeitig odernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^
kurz nacheinander, so kann das Sectionsergebniss beim tödtliehen Aus­gange eines Falles die Diagnose der Krankheit bei den übrigen Pferden ermöglichen.
1
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304nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Im April 1868 besass ein Pferdehändler drei Pferde von 4 bezw. 6 und 7 Jahren. Eins derselben erkrankte am 25. April mit leichtem Fieber, vollständiger Inappetenz und verzögerter üarmentleerung. Es ging am 2. Mai ein. Durch die Section ermit­telte ich 11 diphtherische Herde und bezw. Geschwüre in der Schleimhaut des Grimm­darmes und 2 Herde in der Schleimhaut des Blinddarmes. — Das zweite Pferd er­krankte am 27. April unter den gleichen Symptomen. Nach dreiwöchentlicher sorg­fältiger Pflege und Behandlung erholte es sich soweit, dass es auf eine gute Weide gebracht werden konnte. Es ist bei der Ernährung auf der Weide in 6 Wochen voll­ständig genesen und hat sich deinniichst im Nährzustand auch dauernd gut gehalten. — Das dritte Pferd zeigte am 1. Mai die offenkundigen Symptome der Krankheit und starb 10 Tage später. Bei der Section, bei welcher Kroisthierarzt Schmidt aus Mülheim an der Ruhr zugegen war, wurden die von mir nach den Krankheitssymptomen und nach den Erhobungen bei dem zuerst verendeten Pferde als Todesursache dia-gnosticirten Dickdarmgeschwüre nachgewiesen.
Therapie. Im Wesentlichen ist- die Behandlung nach symptomati­schen Indicationen einzurichton. Selbst wenn ein Krankheitsfall von multipler diphtherischer Enteritis zeitig genug erkannt wird, ist die directe Behandlung der Herde in der Dickdarmschleimhaut nicht aus­führbar. Angezeigt ist die Verabreichung von Mitteln, welche die Peri-staltik in massigem Grade fördern und den Dickdarm entleeren: Extr. Aloes mit Natr. bicarb, und Natr. sulfuricum; auch Calomel in mittleren Dosen. Nützlich wirken Infusionen in den Mastdarm von warmem Wasser oder Mehlwasser, die täglich 2—3 Mal applicirt werden können, wobei zu beachten ist, dass das Wasser gewöhnlich nur bei ganz all-mäliger (langsamer) Einführung bis in den Grimmdarm vordringt. — Von grpsstem Werthe für die Cur ist die sorgfältigste Verpflegung des kranken Pferdes. Bequemer Stall, warme Einwickelung des Bauches und Verabreichung wohlschmeckender und leicht verdaulicher Nahrungs­mittel wirken günstig auf den Krankheitsverlauf, so dass Zeit zur Aus­heilung der Geschwüre gewonnen wird.
Diffuse diphtherische Darmentzündung. Enteritis diphtherica diffusa.
Aetiologie und Pathogenese. Selten ist bei Pferden auch die primäre diffuse Diphtherie der Darmschleimhaut, deren Ursache auf der Einfüh­rung eines speeifischen, aber bis jetzt nicht ermittelten Infeetionsstoffes in den Gastro-Intestinaltractus beruht. Die Erkrankung der Dünndarm­und Dickdarmschleimhaut vollzieht sich in wenigen Tagen. Neben der flächenförmigen Mortification ist die Bildung circumscripter Herde nicht ausgeschlossen. Zur Dissection der ertödteten Schleimhautportion kommt es nicht, weil die Pferde früher zu Grunde gehen. Mit der Resorption der durch die diphtherische Entzündung producirten Gifte entsteht in
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üiphthorischo Krankheiten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;305
den Lyraphdrüsen des Darms eine Vergrösseruug und Erweichung. Das Blut wird dunkler. Nieren, Leber und Milz werden durch die toxische Wirkung des Blutes mit parenchymatöser Schwellung behaftet. Die Herz-rausculatur erfährt eine Trübung ihrer Substanz, in der Rachenschleim-haut, im Gehirn und in den Lungen tritt Blutstauung ein. Gegen Ende der Krankheit bildet sich eine hämorrhagisho Diathese aus, mit welcher im Herzen, in der Rachenschleimhaut und in anderen Organen kleine blutige Herde entstehen.
Symptome. Das Krankheitsbild der primären diffusen Darmdiphtherie spricht sich nicht bestimmt aus, so dass bei der Seltenheit des Vorkom­mens die Erkennung des Leidens intra vitam kaum möglich ist. Mangel an Appetit, schmerzhafte Empfindungen im Darmkanal (Kolik), leichte Constipation und venöse Färbung der Schleimhäute bezeichnen die Darm-afFection. Daneben treten hohes Fieber, starke Pulsfrequenz, schwacher Arterienpuls, massige Frequenz der Respiration, Benommenheit des Sen-soriums und constitulionelle Ermüdung hervor. Im weiteren Verlaufraquo; nimmt die Körperschwäche zu und' es stellt sich Durchfall mit dem Charakter der Colliquation ein. Bei einem Pferde beobachtete ich vor­übergehend eine heftige Herzpalpitation, die eigenthümlicher Weise con­stant im Momente der Diastole erfolgte. Die Erscheinung ist auf die Reizung der Herznerven durch eine aus der erkrankten Darmschleirahaut in die Blutcirculation übergegangene, aber nicht bekannte Substanz zu­rückzuführen.
Verlauf und Ausgang. Der Verlauf erstreckt sich auf 4—8 Tage. Je grosser der Umfang ist, in welchem die Darmschleimhaut der Mortifica­tion ihrer oberflächlichen Schicht unterliegt, um so schneller ist der Ver­lauf beendet. Gewöhnlich bleiben die Symptome gleichraässig fort­bestehen. In einzelnen Fällen constatirte ich aber, dass bei Eintritt der diarrhoischen Darmentieerung die schweren Allgemeinsymptome und die Kolikzufäile während zwölf Stunden sich etwas verringerten. Mit der Steigerung des Durchfalls machte sich aber die Herzschwäche wieder mehr geltend und der zunehmende Kräfteverfall liess über den tödtlichen Cha­rakter der Darmaffection keinen Zweifel bestehen. Die Krankheit hat, soweit ich nach meinen Firffihriinjrrin aflnahjpnn kann, stets einen letalen A usgang.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;r^.- Mv 1 - #4 A'.
Diagnose. Aus den Syn^tömen jiabe.ich ^iVlen betreffenden Pfer­den nur eine schwere Dahiiontzihid.ung ableitendJkdnncn; auch die all-mälige Steigerung der Sw-m.ptoniq gt;ermöglic|*t dieODijignose der primären Danndiphlherie nicht. Da!!) Kraökheitstfild mat eiriej grosso Aehnlichkeit mit manchen Fällen voh' 'allgerpoiaer SepHthänu£r/und mit den durch
Igt;ieckortioff, Spec. Pathologla und Xhernp^.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i*^*/nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;20
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306nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
gangränescircnde cmbolischo Herde der Darmwand verursachten lür.schei-nungen. Mit Bestimmllieit lässt sich demnach die Krankheit erst durch den Seotionsbefund feststellen^ Verhamp;ltnissmässig leicht ist aus dem Verhalten der Pferde, namentlich bei Eintritt des colliquativen Durch­falls, der tödtliche Charakter des Krankheitsfalles /.u motiviren. — Von dem einfachen diffusen Darmkatarrh, der auch anhaltenden Durchfall herbeiführen kann, unterscheidet sich die primäre Darmdiphtherie durch die Schwere der Allgemeinsymptome.
Thernpie. Nach den zur Diagnose angeführten Gesichtspunkten hat die Angabe der Therapie nur einen theoretischen Werth. 1st die Er­krankung eines Pferdes an Darmdiphtherie za vermuthen, so würde die Einleitung einer desinficirenden Behandlung angezeigt sein. Als geeignete Medicamente hierzu empfehlen sich: Calcaria chlorata. Acidum carboli-cum. Hydrargyrum bichloralum, Natrium boracicum, Acidum tannicum, Cortex quercus. Die Mittel werden am besten in flüssiger Form, selbst­redend mit der nothigen Vorsicht, pro die 5—-6 mal in grosser) Dosen eingegeben. I3ei grosser Herzschwäche ist ein Zusatz von Camphor zu einem der genannten Arzneipräparate angebracht. — Zur-Milderung der Darranffection sind warme Umschläge um den Bauch und Infusionen von warmem Mehlwasser in den Mastdarm zu versuchen. — Wenn in dem Symptoinenbilde der colliquative Durchfall und ein erheblicher Kräfte­verfall sicli hervorthun, so ist die Behandlung aussichtslos.
Ein Fall von primärer diffuser Darnidiplithorie.
Brauner Wallach, 7—8 Jahre alt, leichtes Arbeitspferd, hatte angeblioh am 80. April 1885 nach einem zweistündigen Gebrauche die Futteraufnahmc verweigert und wurde deshalb am 1. Mai in die Klinik eingestellt. Befund; Guter Nähr/ustaml; krankhafte Verringerung der Aufmerksamkeit; Blick eingenommen; abwechselnde Entlastung der Gliedmassen; gesenkte Haltung des Kopfes. Kopfschleimliiiule venös geröthet. Pulsfrequenz 84; Art. max. gespannt, Blutwelle niedrig. Starke lierz-palpitation; die Auscultation ergiebt, dass der erste Herzten die normale Intensität hat, der zweite Herzton aber enorm verstärkt ist. Im Moment der Diastole erführt der Brustkasten an beiden Seiten eine sichtbare Erschütterung; das Herzklopfen ist an beiden Bruslwandnngen und auf dem Kücken, am stärksten auf den falschen Rippen der linken Seite zu fühlen. Das Pferd athmet 22 Mal in der Minute, ohne Anstrengung; die Lungen erweisen sich bei der Auscultation und Percussion überall wegsam. Temp. 40,2. Appetit fehlt; Hafer wird nicht angerührt, Heu zeitweise in kleinen Bissen langsam verzehrt; Wasser öfter, aber in geringer Menge getrunken. Darmperlstaltik gering. — Diese Symptome blieben Ms zum Abend des 1. Mai gleich-massig bestehen. — Am 2. Mai früh Morgens hatte die Herzpalpltation ganz nach­gelassen; Herztöne normal. Das Pferd zeigt anhaltend Symptome der Kolik in massi­gem Grade; namentlich wendet es sich oft mit dem Kopfe nach der linken oder rechten Flankengegend. Die in geringer Menge entleerten Darmexeremento sind klein.
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Diphthorischo Krankheiten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;#9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;307
geballt und mit Schleim überzogen. Harn trübe, reich an anorganischen Bostand-theilen. Im Uobrigen bestehoiraquo; dieselben Symptome, wie am Tage vorher.
Hiernach diagnosticirte ich den Fall als diffuse septische Oastro-Enteritis. —
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Ord.: Physostigminum sulf. 0,10 in Aq. 10,0 subcutan. Infusion von warmem Mehl­wasser in den Mastdarm. Am Nachmittag dos 2. Mai erfolgte eine reichliche Entleo-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i:' rung des Darms. — Am 3. Mai erschien das Krankheitsbild nicht verändert. Ord.: Innerlich: Acid, carbol. Aeusserlich: Einreibung von Sonfspirilns auf die Bauch­wand. Am 4. und 5. Mai zeigte das Pferd oolliquativen Durohfall. Kräftevorfall. Gliedmassen und Nasenflrste kühl. Ord.: Innerlich Camphor, Aeusserlich warme Umschläge um den Bauch. Am 6. Mai wässerige Darmentleerungenj Fäces von üblem Geruch. Ohren, Nase und Gliedmassen kalt. Augen zurückgezogen) Blick stier. Starker Collaps. Am Abend des G. Mai ging das Pferd ein.
Krankheitsverlauf:nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; •nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,.% ,
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40,2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4. Mai 20 80 89,0
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39,9nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 6. „ 20 80 40,2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;A
Section am 7. Mai Vormittags im pathologisclien Institut dor TMeravzneisohule
gt;:#9632;
(Lüpke). Aus dem Befunde hebe ich hervor, dass die Schleimhaut im Magen, im Zwölffingerdarm und im Anfangstheil dos Leerdarms aussor einer leichten Schwellung nichts Abnormes zeigte. Im mittleren Theile des Leerdarms enthielt die Schleimhaut an der dem Gekrösausatz gegenüberliegenden Wand viele aschgraue Flecke (diphtho-risohe Herde) von Erbsen- bis Markstiickgrösse. Die Herde haben eine faserige und mürbe Oberfläche und in der Tiefe eine bläulichrothe Färbung. In der nächsten Um­gebung ist die Schleimhaut diffus geschwollen und gerölhet. ZumTheil sitzen die Herde in den Peyer'schen Haufen, zum Theil in der Nachbarschaft derselben. Neben den runden Herden trägt die Schleimhaut viele von mehr länglicher Gestalt, deren grösste Ausdehnung in der Quorrichtung des Darmes liegt. Weiterhin enthält die Schleim­haut des Leerdarmes dicht nebeneinander liegende diphthorischo Herde von dor be­schriebenen Grosso und Beschaffenheit. In den letzton 2 Metern dos Leerdarms und im Hiiftdarm ist die obere Schicht der Schleimhaut vollständig und gleichmässig mortificirt, von aschgrauer Farbe und faseriger, trockener Beschaffenheit (dilTuse Diphtherie). Die Blinddarmschleimhaut enthält in grosser Zahl fünf- bis zehnpfennig-stiickgrosse diphthorische Herde, die vorwaltend in den Solitärfollikeln und in ihrer Nachbarschaft sich etablivt haben. Von der Grimmdarmschleinfliaut trägt nur der Anfangstheil der rechten unteron Lage vereinzelte diphthorischo Horde. Sonst sind in der Schleimhaut des Grimmdarmes und des Mastdarmes nur die Merkmale eines starken Katarrhs nachzuweisen. —• Ausserdem fanden sich bei der Section: starke Fettin filtration und Vergrösserung der Leber, Intumescenz der Milz, trübe Schwellung der Nieren, parenohymatöse Entzündung des Herzlleisches und Lungenödem.
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308nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Capitel XII.
Sqilitliäinic. Scptisclm Iiilcction, Septisches Fieber. Fcbris sc|itica.
Der Sephthilinie ist eine boschriiiilde Gruppe von aout verlaufendon, fieberhaften und lebensgofährllohen [nfeotionstoankhelton dor Pferde zu subsummii'en, bei welclion das Blut don InfecUonsstoir enthält, Nach dieser Definition müsston in dem Capilel der Sephtliamie neben den hier zu besprechenden Krankheitsfällen eigentlich auch einige seuchenhaft auftretende Krankheiten (Milzbrand, Pferdestaupe) zur Erörterung kommen, weil dieselben auch auf der Einführung specilisohor Contagia animata in das Blut beruhen. Die gesonderte Betrachtung der letzteren rechtfertigt sich aber durch die ausreichende Eenntniss ihrer Aetlologio und ihres gesanimten Verhaltens. Demnach erübrigen für don Collcctiybegriff der Sephthiiniio die spora­dischen fieberhaften Allgemein-lürkrankungon, deren Charakter mit Sicherheit ergiebt, dass sie durch die Aufnahme speeiflsohor Infootionsstoffe in das Blut bedingt worden. Vorzugsweise kommen die sophthämischen Erkrankungen durch Vermittelang von Wunden und üeschwüren (Wundinfection) oder durch gangränöse Krankheitszuständo innerer Organe zu Stande. Es giebt aber auch bei Pferden essentielle Sephlhämien, bei welchen präoxistento Substanzverlusto ilusserer oder innerer Organe iiicht nach­gewiesen werden können. Für die lotztgodacliton Krankheitsfälle, welche die Be­sprechung der Sephthämie in einem Lehrbuch der inneren Pathologie erheischen, wird mit Wahrscheinlichkeit die Dannscliloimhaut als das Organ betrachtet, welches die septische Blutinfection vermittelt.
Die Geschichte der Sephthämie hat sich durch begrillliche und sprachliche Controversen vielfach verwickelt. Bis in die nouore '/eil wird der seil dem Altorthuin gebräuchliche Torminus d6r„Pobris putrldaquot; („Faulfieborquot;) verwendet. Der Name umfasst eine grosso Zahl von infocliösen und toxischen Procosson, für welche die theoretische Vorstellung bestand, dass sio eine zersetzende Wirkung auf das Blut hätten und eine „üissolutio sanguinisquot; herbeiführlen. Nach den von deuAuturou des vorigen Jahrhunderts vertretenen Meinungen konnten die Faullieber als primäre allgemeine Krankheiten oder im Verlaufe localor Entzündungen entstehen. Unter beiden Voraussetzungen sollte eine mehr oder minder verderbliclie(.iähriing(Fauluiig) im Blute und in den Organen des Körpers zu Stande kommen. Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts verallgemeinerte sich der Brauch, den seil llippokratos verwendeten pathologischen Begriff des Typhus mit der krankhaften Faulung (Faulfieber) zu identificiren. Jede schwere Blulinloxicaliou, die primär oder im Verlaufe einer ört­lichen Krankheit bezw. einer Verwundung eintrat, wurde als „typhösquot; charaklerisirt. In den thieriirztlichen CollectivbegrilT des „Stalllyphiisquot; fand neben anderen In-fectionskrankheiten auch die primäre Sephthämie des Pferdes Aufnahme, Die ab­strusen Vorstellungen der Autoren über' den ungünstigen Vorlauf einer inneren oder äusseren Krankheit bekundeten sich durch die Behauptung, dass dor betroirendo Krankheitsfall durch eine „typhöse Complicationquot; sich verschlimmert odor einen
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Sephthämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 309
„typhöson Charakterquot; bezw. einen „typhösen Anstrichquot; angenommen habe oder dass ein „typhöser Zustandquot; (Status typhosns) eingetreten sei. Unzweifelhaft erstreckten sich diese Deutungen auch auf die Sephthämie.
Im Anschluss an die ältere Lehre von der Febris putrida ist der Begriir der putriden oder fauligen Infection entstanden, mit welchem die Sephthämie in der neueren Zeit vielfach erörtert wird. Nachdom P lorry (1840) für die in Rede stehende Infection das Wort „Sopicoömiequot; gebildet hatte, kamen bei den deutschen Autoren die Termini: Septikaemio, Sopticaemie und Septichaemie in Gebrauch. Die sprachlich correctore Bezeichnung „Sephthämiequot; hat Virchow in die Wissenschaft eingeführt.
So lange die pathogenen Mikroorganismen, welche die zur Sephthämie gezählten Infectionskrankheiten verursachen, nicht endgültig nachgewiesen und künstlich culti-virt sind, ist die klinische Trennung und gesonderte Bezeichnung der fraglichen Krank­heiten des Pferdes nicht möglich. Die Verhältnisse complioiren sich dadurch ausser-ordenllich, dass häufig inFolge traumatischerProcesseoderentzündlichorDestructionen in den inneren Orgauen neben der septischen Infection noch eine Blutvergiftung durch Resorption chemischer Stoffe (Producte des Gewebszerfalls) gleichzeitig zu Stande kommt. Zur sachgemässen Unterscheidung dieser Vorgänge stellte Virchow der Sephthämie die Ichorrhämie gegenüber, hei welcher vorwaltend die Resorption der durch jauchige Localerkrankungon entstehenden Zerfallsproducte und die mittels der Blutcirculation herbeigeführten toxischen Wirkungen derselben in Betracht zu ziehen sind. In der neueren medicinischen Literatur ist der Name der Ichorrhämie mehrfach beanstandet worden, weil er zu umfassend sei und die Specialvorgängo der Infection
und Intoxication nicht bezeichne. Allein bevor nicht die Bostandthoile (die belebtennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; :|,
und nicht belebten Gifte) der Producte des jauchigen Gewebszerfalls festgestellt sind,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;*
wird in einer ganzen Reihe von Krankheitsfällen die Scheidung der Symptome nachnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; x
der Qualität der Ursachen nicht zu bewirken sein. Für solche Fälle finde ich vomnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; *
Standpunkte der klinischen Pathologie den Begriff der tohorrhämio ebenso berechtigt,
als nützlich. Bei den jauchigen Zerstörungsprocesson der Haut und Unterhaut nachnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; laquo;r
Deeubitus, forner bei der Ausbildung jauchiger Entzündungen in den Lungen und
der Pleura als Nachkrankheiten der Brustseucho lässt sich z. B. das Allgemeinleidennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;t
der Pferde nur mit diesem Begriff passend bezeichnen. In wie weit dabei die Ver-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .!
schleppung septisch inficirter Bostandtheilo von Gefässthromben durch die Blntbahn und die Ausbildung jauchiger metastatischer Herde in den inneren Organen des Kör­pers stattfindet, wird bei den betreffenden Krankheiten erörtert werden.
Die septische Infection ist oft eine Folge eigenartiger (septischer) Entzündungen innerer Organe (Harnblase, Gebärmutter), worüber bei der Erörterung der betreffenden Organkrankheiten Näheres mitgetheilt werden soll. — Die meisten Krankheitsfälle der Sephthämie nehmen ihren Ausgang von einer septischen Wundinfoction; die Be­trachtung derselben fällt deshalb eigentlich in das Gebiet der Chirurgie. Bei der Wichtigkeit des Gegenstandes will ich indoss mit einigen Mittheilungen auf die ge­dachten Arten der Sephthämie hier zurückkommen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,
Gegen die primäre septische LocalalTeotion bietet die gesundellaut einen sicheren Schutz; die Erkrankung kann aber in jeder Wunde zu Stande kommen. Am meisten habe ich die septische Infection bei Ilaarseil- und Fontanellwunden beobachtet; sonst geben die Stichwunden und die anscheinend geringfügigen Quetschwunden Gelegen­heit zu derselben. Ausserdem sah ich mehrfach nach derCaslration, dass die septische Infection von den Hodensackwunden ihren Ausgang nahm. In den Ställen grossernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;M'
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310nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxioationskrankheiten.
Pferdebestände, die mit relativ wenig Streu vorsehen werden und in den Kranken­ställen, in welchen mancherlei Secrete kranker Pferde die Vervielfältigung der hier fraglichen Mikroorganismen zu begünstigen scheinen, kommt die septische Wund-infection leicht vor. Dass die gedachten Krankheitsfälle in der neueren Zeit seltener geworden sind, ist dem Erfolge der dosinlicirenden Wundbehandlung und der zur Verhütung von Wiindinfectionen üblichen Reinigung und üosinfection der Stallungen anzurechnen. — Nicht.jede Wundinfection ist als eine septische zu charakterisiren. Das Wunderysipelas hat einen so eigenthiimlichon Symptomencoinplox, dass es sich als selbständige Krankheit leicht unterscheiden lässt. Auch die gewöhnliche Ver­jauchung einer Wunde durch die Elablirung einer stinkenden Fäulniss ist von der septischen Infection zu trennen. Letztere bedingt keinen stinkenden Geruch der Ent-zündungsproduote; das Infiltrat riecht entweder gar nicht oder in geringem Grade süsslich. — Die am häufigsten bei Pferden vorkommende septische Wundinfection bekundet sich durch die Symptome und den Verlauf der malignon Phlegmone. Etwa 2—8 Tage, zuweilen bis 8 und selbst 10 Tage nach dein Eintritt der Verwundung ent­stellt in der Nachbarschaft eine starke und ziemlich schmerzhafte Schwellung, die sich bald auf einen grösseren Umfang ausdehnt; nicht selten kommt in einer gewissen Entfernung eine zweite oder dritte beulcnfönnige Entziindungsgcschwulst von Kopf-grösse zur Ausbildung. Breitet sich das Oedem auf die Gliodmasson aus, so wird den Pferden das anhaltende Stehen beschwerlich. Wenn sich die Thiero niederlegen, so können sie nur mit grosser Mühe wieder emporgehoben worden, oder sie stehen überhaupt nicht mehr auf. — Die septische Allgemeininfection spricht sich hierbei durch krankhafte Erhöhung der Mastdarmtemperatur (89,0—400), gesträubte Stellung des Deckhaars, Zittern der Haut, zuweilen Schüttelfrost, nicht selten öfteres Aus­strecken des Körpers oder einzelner Gliedmassen; starke Pulsfrequenz und massige Beschleunigung der Respiration aus. Futter wird von den Pferden in der Regel noch' in relativ reicher Menge verzehrt und Wasser häufig getrunken. Mit der Zunahme der Krankheitssymptome entsteht gewöhnlich ein starker Kräftovorfall. Verletzungen der Haut, namentlich an den phlegmonös infiltrirten Partien verursachen leicht er­hebliche Blutverluste. — Die Prognose der vorgodachten Krankheitsfälle ist sehr un­günstig. Nur wenn die Behandlung zeitig in AngrilT genommen und mit grosser Sorg­falt durchgeführt wird, nimmt die Krankheit zuweilen noch einön günstigen Verlauf, der sich aber in der Regel auf 2 — 3 Wochen hinzieht. Der Tod erfolgt durch llerz-lähmung. Diejenigen Pferde, welche sich nicht mehr stehend erhalten können, sterben stets nach 2—8 Tagen. — Für die Behandlung empfiehlt sich, die Haut und die in-liltrirte Unterhautpartie an den geschwollenen Partion möglichst lang und tief zu durchschneiden; die Schnittllächen sind täglich 3Mal mit Terpentinöl, oder mit Theer, oder mit einem anderen desinficirenden Mittel zu behandeln. Daneben sind öftere Waschungen der geschwollenen Partie mit einer Mischung von Bleizucker, Alaun und Wasser oder mit anderen desinficirenden Mitteln vorzunehmen. Die innere Behand­lung ist auf die diätetische Pflege zu beschränken oder nach syiuptomatischan Indi-cationen zu bestimmen.
Primäre septische Allgemeininfection. Primäre Sephthämie.
Actiologie und l'athogciiese. Die Pferde erkranken an einer ohne nach­weisbare Localaffcction entstehenden Sephthämie im Ganzen seiton. Es
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Sephthämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;311
ist auch nicht sicher bekannt, durch welches Organ der septische In-feotionsstoff in die Säfte des Körpers eingeführt wird. Demnach lässt sich die Aetiologie der primären Sephthämie nicht vollständig aufklären. Bis jetzt ist auch das iuficirondo Agens nicht mit Sicherheit nachgewiesen worden. Lustig ist der Ansicht, dass der von Pasteur als Vibrion septique und von R. Koch als Bacillus des malignen Oedems bezeichnete Mikrobe die Infection herbeiführe. — Obwohl die Möglichkeit dos Ein­
dringens septischer Mikroorganismen durch die Athmungswege in das
lt;£
Blut nach den Versuchen von Buchner zugegeben werden muss, so ist doch mit grösserer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die Magon-Darmschleirahaut der Regel nach die Infection vermittelt. Vielleicht gehört eine besondere Disposition der Gastro-Intestinalschleimhaut dazu, um den Durchtritt der septischen Pilze in die Lymphbahnen zu ermög­lichen. Denn es ist kaum zweifelhaft, dass die Pferde mit dem Futternbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,. recht oft pathogene Mikroorganismen verschlucken, dass dieselben aber für gewöhnlich durch die Verdauungssäftc unschädlich gemacht worden. Die Entwickelung der auf einer septischen Allgemeininfection zu be­ziehenden Krankheiten spricht dafür, dass durch Lrkältung oder durch
:,
Indigestion die Gastro-Intestinalschleimhaut in einen Zustand versetzt werden kann, in welchem septische Pilze mit Beibehaltung ihrer patho-genen Eigenschaften in die Blutcirculation übergehen. Es ist nicht un­wahrscheinlich, dass manche Organkrankheiten, deren Aetiologie unbe­
kannt ist, in dieser Art entstehen. Ich habe hierbei besonders die sub-
acute Meningitis der Pferde, deren Aetiologie nicht selten nur unter dieser Voraussetzung anschaulich gemacht werden kann, im Sinne. Auch die acute parenehymatöse Herzentzündung beruht vielleicht auf einer primären septischen Infection. Bei der Betrachtung der Organkrankheiten wird sich Gelegenheit finden, hierauf näher einzugchen. — Vereinzelt weiden junge Pferde, aber auch solche, die im mittleren Alter stehen,, ganz unerwartet von einer heftigen Entzündung des Tibio-Astragalgelenks oder des Kniegelenks befallen. Die praktischen Thicrärzte bringen solche Krankheitsfälle, die zwar nicht tödtlich verlaufen, aber doch ungünstig zu beurthcilen sind, mit einer Erkältung in Verbindung, ohne die Patho-genesc näher nachweisen zu können. Es spricht aber Manches dafür, dass in solchen Fällen speeifische Infectionsstoffe mit der Blutcirculation in die Synovialmembran der Gelenke gelangen. — Bei Menschen wird auch die „acute Osteomyelitisquot; auf eine primäre septische Blutinfection zurückgeführt. Eine ähnliche Knochenkrankheit der Pferde habe ich bisher nicht kennen gelernt. Möglich ist aber, dass die von mir (Pathol. igt;f u. Therap. des Spat, 1875, S. 112) beschriebene „fungöse Arthritisquot; in
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812nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
der unteren Articulation des Sprunggelenks mit einem aus der Blutbahn stammenden septischen Ferment in Verbindung steht.
Symptome. Zur primären septischen Allgemeininfection gehört die sowohl sporadisch als endemisch (Stailseuche) auftretende fieberhafte Blutvergiftung, bei welcher eine locale Erkrankung im Entwickelungs-stadium nicht nachgewiesen werden kann. Unmerklich beginnend, erreicht diese fieberhafte Affection in 2—3 Tagen ihre Acme. Das in solcher Art erkrankte Pferd zeigt eine erhebliche Ermüdung, Verminderung des Appetits, dunkle Färbung der Kopfschleimhäute, zuweilen Schwellung der Conjunctiva und massig starke Pulsfrequenz. Die Mastdarm-Temperatur steigt auf 39,5—41,0deg;. Die Respiration ist zunächst nicht beschleunigt. Auch die Darmexcremente und der Harn weichen nicht erheblich von der Norm ab. — Mit der weiteren Ausbildung der Krankheit prävaliren die Verdauungs­störungen. Es stellt sich Diarrhöe ein; die Pulsfrequenz steigt; der allge­meine Verfall der Kräfte wird grosser. Dazu kommt Benommenheit des Be-wusstseins und Verweigerung der Futteraufnahme, während Wasser noch in ziemlicher Menge getrunken wird. In diesem Stadium enthält der Urin gewöhnlich Eiweiss, zuweilen auch Blutfarbstoff. — Bei einzelnen Pferden beobachtete ich auch leichte Schwollung der Gliedmassen.
Gegen das Ende des Krankheitsverlaufs sind die Symptome der diffusen Darmentzündung vorherrschend: profuse Diarrhöe; sehr frequenter drathförmiger Puls; venöse Färbung der Schleimhäute und starker Col-laps. — Der tödtliche Ausgang erfolgt nach einer Krankheitsdauor von 5—10 Tagen.
Autopsie. Die Section ergiebt in den venösen Gefässen und im Herzen einen reichen Blutgchalt. Das Blut ist dunkel und flüssig, oder unvoll­ständig geronnen; die Gastro-Intestinalschleimhaut gewöhnlich sehr blut­reich und entzündet. In den meisten Organen finden sich kleinere und grössere hämorrhagische Herde in erheblicher Zahl. Dazu kommen die parenehymatösen Degenerationen des Herzens, der Leber und Nieren. Die Milz ist herdweise oder in toto durch sulzig geronnenes schwarzes Blut geschwollen.
Casuislik. — 1) Der Spediteur K. Hess am 5. August 1882 einen 15 Jahre alten braunen Wallach in die Klinik einliefern, weil derselbe angeblich seit 3 Tagen das Futter mangelhaft und am letzton Tage nichts verzehrt habe. Das Pferd Ist massig gut genährt. Aufmerksamkeit auf die Umgebung ist nicht vorhanden; Bo-wusstsein eingenommen; Blick stier; im Habitus deutlich ausgesprochene Ermödung. Der Kopf wird nach vorn gestreckt gehalten, ähnlich wie bei starrkrampfkranken Pferden; im Stalle stützt das Pferd den Kopf beständig mit dem Kinn auf den vorderen Band der Krippe. Die Temperatur der äusseron Haut ziemlich warm; blos die Ohren und die Gliedmasson fühlen sich kälter an. Mastdarintemperatur 38,9. Hcrzstoss 52,
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Sephthämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;313
kräftig, regelmassig; beide Herztöne normal; Art. maxill. voll und weich, Pulswelle von mittlerer Stärke. Resp. 12, ohne Beschwerde. Die Conjunctiva beider Augen diffus geröthet und die Episkleralgefässe gefüllt. Nasenschleimhaut leicht geröthet. Maulschleimhaut trocken. Bei der Auscultation und Percussion des Brustkastens findet sich nichts Regelwidriges. Der durch Druck am Kehlkopf hervorgerufene Husten ist rauh und kräftig. Das Pferd verzehrt nur eine sehr geringe Quantität von dem vorgelegten Futter. Die entleerton Darmoxcremente sind bräunlich und klein geballt. Darmgeräusche vernehmbar. — Ord.: Natr. bicarb, und Natr. sulfuric. Daneben Berieselungen mit Wasser von 120 C.
Am 7., 8. und 9. August blieb sich der Zustand im Wesentlichen gleich. — Am 10. August fand sich neben den angegebenen Störungen des Allgemeinbefindens eine Beschleunigung der Respiration. Das Pferd athmete 18 Mal in der Minute und be­kundete beim Druck gegen beide Thoraxwandungen lautes Stöhnen. Bluttemperatur 39,4deg; C. Puls 70. Zeitweise Koliksymptome. Am Nachmittag des 10. August: Puls 90, Arterie zusammengezogen. Blick stier, Kräfteverfall (Facies hippocratica). Wiegende Bewegungen des Körpers. Wiederholtes Liegen, erschwertos Aufstehen. — In den Frühstunden des 11, August ging das Pferd ein. Section 6 Stunden nach dem Tode im pathologischen Institut der Thierarzneischule (Boother). Unterhaut venös, injicirt und gelblich gefärbt, an einzelnen Stellen kleine hämorrhagische Herde. In der Baiichhöhle 1''._, Liter dunkolrothor, blutiger Flüssigkeit. Magen und Darmkanal massig gefüllt. Peritoneum glatt, glänzend und transparent. Die subperitonoalen Venen massig stark gefüllt mit dünnflüssigem, dunkelrothom Blute. Am Peritoneum parietale finden sich in massiger Zahl braunrotho, diffuse, linsengrosse Herde, welche durch kleine Blutungen entstanden sind. Schleimhaut des Dünn- und Dickdarms graugelb, ohne Schwollung. Mosenterialdrüson vergrössort, auf der Schnittfläche saftig, in der Rindensubstanz grau und homogen, in der Marksubstanz maschig und grauwoiss. Milz stark geschwollen, 68 Ctm. lang, 28 Ctm. breit und 40 Ctm. dick; Oberfläche glatt, braun- und grauroth; Kapsel durchscheinend, Schnittfläche schwarz-roth, glänzend und höckerig. Die Pulpa ziemlich fest. Beide Nieren vorgrössert, auf der Schnittfläche trüb, grauroth; Glomeruli und Markstrahlen undeutlich. — Magen­schleimhaut in der Portio pylorica leicht goschwollen, aber nicht geröthet und mit einer zähen, glasigen Flüssigkeit bedeckt. Duodenalsohleimliaut grauwoiss und glatt. Leber etwas vergrössort, an der Oberfliicho golbroth, auf der Schnittfläche glatt, trübe und von gelbrother Farbe; acinöse Zeichnungen vorwischt. Parenchym brüchig. — Pleura glänzend, glatt, an einzelnen Stellen mit punktförmigen, hämorrhagischon Herden besetzt. Die Lungen fallen bis zum mittleren Retractionszustand zusammen. Ihre Schnittfläche ist glänzend, schwach lufthaltig und ziegel- bis braunroth. In den Bronchien findet sich eine schaumige, klare Flüssigkeit. Herzfleisch getrübt, brüchig und graubraun. Im rechten Ventrikel und in beiden Vorhöfen eine reichliche Menge dickflüssigen Blutes. Linker Ventrikel fast leer; zwischen den Sehnonfäden der Atriovontrikularklappen saftige, braunrotho Coagula. Endokardium glatt, an den Papillarmiiskeln blutig unterlaufen. Schleimhaut der Luftröhre, des Kehl- und Schlundkopfes gelblich roth.
Zur mikroskopischen Untersuchung wurde das Bluttranssudat der Bauchhöhle und Blut aus den grossen Gefässen verwendet. In den Proben fanden sich in grosser Zahl glatte, unbewegliche Sliibchen mit abgerunrloten Enden, Sie färbten sich leicht blau und violett. Ein Kaninchen, welchem 6 ürni. von dem blut-igon Transsudate der
#9632;
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314nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten.
Bauchhöhle subcutan injicirt wurden, starb 5 Tage nachher ohne Krankheitserschei-mmgen gezeigt zu haben. Die Section ergab Sephthämio.'
Abgesehen von dem Ergebnisse der mikroskopischen Untersuchung und des Impfexperimonts unterschied sich der hier beschriebene Fall vom Milzbrand schon da-durcli, dass die schwere Entzündung der Magen- und Duodonalschloimhaut fehlte, dass die blutige Milzgoschwulst compact und derb war, so dass die Milz selbst nach
2nbsp; Tagen und nach mohrfuchor Durchsohneidiiiig noch nicht zusammenfiel.
2) Rappwallach, Arbeitspferd, 15 Jahre alt. wurde am 18. Oktober 1884 in die Klinik eingeliefert und hatte angeblich am vorhergehenden Tage relativ wenig Futter aufgenommen. Befund: Allgemeine Mattigkeit und Hinfälligkeit mit abwechselnder Entlastung der Gliedmasson; Bewegungen schwerfällig; der Kopf wird häufig und an­haltend auf die Krippe gesetzt. Conjunctiva beider Augen glasig geschwollen und in daumendicken Falten aus der Lidspalte hervortretend. Die Sklera zeigt stark ge­füllte Blutgefässe, Cornea beider Augen leicht getrübt und in den vorderen Augen-kammern graues, etwas flockiges Exsudat. Aus beiden Augenwinkeln ergiesst sich in reichlicher Menge Thriinenllüssigkeit, die Winkel sind ausserdem mit einer schmutzigen Materie vorklebt. Maulschleimhaut schmutzig-gelblich, Naseuschloimhaut leicht goröthet. Aus beiden Nasenhöhlen Abfluss einer gelblichen Schleimmaterie in grosser Menge. Körperoberfläohe und Maulhöhle fieberhaft heiss, Extromitäton kühl, llectumtemperatur 39,8. Respiration 12, regelmässig. Puls 60. Art. maxill. voll und weich, Herztöne normal. Auscultation und Percussion der Brust ergeben nichts Abnormes. Darmperistaltik verringert. Appetit mangelhaft; das Pferd verzehrt
3nbsp; Pfund Hafer und ein wonig Heu.
Therapie. Innerlich Natr. salicyl. Zur Waschung der Augen Liq. Plumb. subacet. in l'/Vproc. Lösung. An den folgenden Tagen keine Besserung; Kräftever-fall sichtlich' stärker. Futteraufnahme vollständig verweigert. Wasser in grossen Quantitäten getrunken. Am 22. Oktober Diarrhöe, gegen welche vergeblich Physo-stigmin sulf. — 0,04 — subcutan und Infusionen von Mehlwasser in den Mastdarm versucht wurden. Am 23. Oktober Durchfall in gleichem Grade mit Erscheinungen von Tenesmus, Futloraufnahme verweigert, Wasser häufig, aber in, geringer Menge aufgenommen. Infusionen von Mehlwassor in den Mastdarm und Priessnitz'sche Umschläge um den Bauch änderton die Diarrhöe nicht im Geringsten. Dieselbe hatte bis zum 25. Oktober sich noch mehr gesteigert. Der Kräfte verfall war auffälliger ge­worden. Die Verabreichung von Opium, 8 Grm., hatte nicht den geringsten Erfolg. Harn nur In geringer Menge entloort, schmutzig-braun gefärbt, nicht fadonziohend, alkalisch, spec. Gew. 1018, viel Eiweiss und viel Chloride, in grosser Menge Platton-epithelien und Eiterkörperchen, daneben waren zerfallene rotho Blutkörperchen er­kennbar. Am 26. Oktober legte sich das Pferd nieder und war unvermögend aufzu­stehen. Durch zweckmässigo Ilüifeleistung wurde die Aufrichtung ermöglicht. Das Pferd konnte sich aber nicht mehr stehend erhalten, bekundete in Folge der An­strengung eine starke Beschleunigung der Rospiration sowie des Herzschlages und starb nach 4 Stunden unter den Zufällen der Asphyxie.
D. R.
P.
T.
D. II.
P.
T.
18.
Oktober 12
60
39,8
22. Oktober 15
64
40,1
19.
„ 10
59
39,5
23. „ 14
56
39,4
20.
„ 18
50
39,9
24. „ 16
60
39,2
21.
,, 12
64
39,7
25. „ 14
62
39,2
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t.
Sephthämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 315
Ü. R.
p.
T.
D.
R.
P.
T.
26.
Oktober 9 Uhr früh' 55
87
40,3
26.
Oktober 11
Uhr früh —
—
41,4
26.
01/ ___
)I u !-i 11 11
—
40,5
26.
„ 11'
'i quot; quot;
—
41,7
26.
11 ^V 5) 55
—
40,5
26.
„ 12
J5 •raquo;
—
41,9
26.
10'/ — 11 lv-/ 1 'l 11 11
—
40,7
f
Eine postmortale Steigorung der Temperatur fand nicht statt.
Section im pathologischen Institut (Lüplto). Blutiger Auslluss aus beiden Nasenhöhlen. Conjunctiva beider Augen wulstig geschwollen. Cornea leicht getrübt. In der vorderen Augenkammer beiderseits coagulirles Blut. Bauchhöhle eingot'allon. An der Skelotmuskulatur Todteustarre. Die Substanz der Muskeln getrübt, grössten-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^
theils von graurother Färbung. Zwischen den Muskeln streifige hämorrhagiscbo Herde. Im retroperitoncalen Gewebe zahlreiche häinorrhngischo Flerdo. Die Gefässe des Perl-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; , :
toneums stark injicirt. In der Bauchhöhle ca. 3 Liter efner chokoladenbraunon, trüben Flüssigkeit mit flockigem Gerinnsel. Darmkanal grauroth gefärbt, die sub­
#9632;
serösen Blutgefässo gefüllt und in der Wandung zahlreiche hämorrhagischo Herde. Darminhalt flüssig, chokoladcnartig. Die Schleimhaut des Dünndarms schmutzig roth und geschwollen, stellenweise in Kalten gelegt. Mastdarm leer. Im Dickdarm grosse Mengen consistonteron Inhalts; Diokdarmsohloimhaut schmutzig grau gefärbt. Die Schleimhaut der rechten Magenhälfte entzündlich i'nflltrlrt. Milz leicht ge­schwollen, von stahlgrauer Farbe. Pulpa rothbraun, am breiton Ende aber schwarz-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; jraquo;C, braun. Leber durch Fäulniss vorändert. Nieren stark vorgrössert, von gelbbrauner Farbe und massig fester Conslstenz; Tunica propria leicht abziehbar. aber mürbe.
^
Auf der Schnittfläche erscheinen die Nieren glänzend. In den Pleurasäcken 2 Liter trüber, brauner Flüssigkeit, Pleura selbst überall glatt und ohne entzündliche Vor- \, änderungen, aber mit zahlreichen kleinen, blutigen Horden durchsetzt. Lungen blut­reich, weich und mürbe, auf der Schnittllächo viele kloine Blutungen. Im Herzbeutel ]amp; etwa 100 Grm. blutiger Flüssigkeit. Am Perikardiuin viscerate und am ESndokardium kleine hämorrhagischo Horde, Horzfloisch trocken, mürbe, von mattgelber Farbe. Dasnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „^ Blut im Herzen und in den grossen Gefiisson ist schwarzrotli gefärbt und nur ganz unvollständig geronnen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; aSI
Bemerkungen: Aus dorn Krankheits- und Soctionsbericht ergiobt sich, dass diese septische Infection oino grosso Aelmlichkeit mit manchen pernieiös vorlaufen­den Fällen der Pferdestaupe hat. Ich will deshalb ausdrücklich hinzufügen, dass zu jener Zeit die Pferdestaupe in Berlin nicht geherrscht hat und dass das erkrankte Pferd zu dem grösseren Bestände des Molkoreibesitzers II. gehörte, in welchem mehrere Monate vor- und nachher kein Pferd von einer allgemeinen Krankheit befallen ist.
t Diagnose, Das primäre oder essentielle soptischc Fieber ist bei der
Seltenheit des Vorkommens mit anderen fieberhaften Infectionskrankheiton
leicht zu verwechseln. Wie die vorbosohriebenen Kninklieitslaile zeigen,
kann das Krankheitsbild der Pferdestaupe täuschend ähnlich sein. —nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i
Die erste Entwickolung der primären Sephthämie ist zuweilen von Sym-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;jtl
ptomen begleitet, welche mit den Erscheinungen des fieberhaften Gastri-
cismus oder auch des in einzelnen, relativ kleinen Herden bestehendennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; gt;
Lungenbrandes viel Aehnlichkeit haben. Demnach ist für den Thierarzt
eine gewisse Vorsicht bei der Beurtheilung der betreffenden Krankheits-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;tJ
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316nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
falle geboten Nach 2—3 Tagen sprechen sich gewöhnlich die Merkmale der septischen Infection so deutlich aus, dass bei dem Nichtbestehen einer der bekannteren Organkrankheiten die Diagnose zu ermöglichen ist. — Eine besondere Prüfung erfordert auch die Aehnliclikcit der Sectionsergebnisse mit den Befunden beim Milzbrand namentlich, wenn mehrere oder sämmtliche Pferde eines Bestandes von der septischen Blut-infection innerhalb 1—2 Wochen befallen werden. Durch Quetschungen und Gowebszeitriimmerungon. bei welchen die äussoro Haut ihre Integrität behält, kann eine fieberhafte Gcsammtstörung (leichte Erhöhung der Tempe­ratur, Pulsfrequenz und Appetitmangel) für einige Tage herbeigeführt wer­den Bei sorgfältiger Erhebung des Thathestandcs ist diese Erkrankung mit der selbständigen, primären Sephtliämie indess kaum zu verwechseln.
Prognose. Es ist nicht bekannt, dass ein vollkommen ausgebildeter Krankheitsfall von primärer septischer Infection bei Pferden zur Gene­sung geführt hätte. Die Prognose ist demnach durchweg sehr ungünstig.
BehantUung. Von den zahlreichen Heilmitteln, welche gegen das „faulige Fieberquot; seit langer Zeit empfohlen sind, hat sich keines der­artig bewährt, dass seine Anwendung einen genügenden Erfolg versprechen Hesse. Ganz unberechtigt war die Anpreisung der unlerschwefligsauren Salze, von denen besonders das Natr. subsulfurosum bei Pferden oft ver­sucht worden ist. Soweit die Erkrankung noch in einem niedrigen Grade besteht, können die excitirondon Mittel (Camphor, Oleum Tercb.), auch Hydr. bichlor. zu 1,0—2,0 auf 2 Mal pro die in Gebrauch gezogen werden. Zeigen die Pferde noch Neigung zur Kutteraul'nahme, so ist Heu besserer Qualität und Stroh neben reinem Trinkwasser zu geben. Alle sonstigen Anforderungen an die Behandlung richten sich nach symptomatischen Indicationen. — in prophylaktischer Hinsicht ist beim endemischen Auf­treten der Sephtliämie eine durchgreifende Aenderuhg des Futters und die Desinfection der Ställe zu veranlassen.
Capitcl XIII. Pyäinic.
ItatinUioii. Die viol umstrittene pathologisoho Krage, ob es eine eiterige Blut-dyshrasie giebt und ob bei Kranldieiten eine Ablagerung des im Blute oiroulironden Eiters an einzelnen Körporstellen möglich ist, hat dureb Virchow vor 30 .labron ihre Erledigung gefunden. Im Ulute selbst kann sich kein Eiter bilden und der ver-
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Pyämio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 317nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;*
•'i meintlicho Bol'und grosser Mongen Eiter im Blute beruht in einer krankhaften Vor-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;p
mehrung der wcissen Blutkörperchon (Loukiimie). Mit dieser wichtigen Entdeckungnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,
war aber die Frage nach dem Woson dor mit multiplen eiterigen Procossen verbunde­nen, lioberhafton Gesammlaifoctionon nicht zum Abschlüsse gekommen. Virchow stellte in Abrode, dass der reifte, gute Eiter eine krankhafte Wirkung haben könne, wenn er resorbirt und dem Blute beigomisoht werde. Üomnach gebe es keine Pyämio im eigontlichen Sinne dos Wortes. Trotzdßm wurde in der Modlcin und auch in der Thierarznoikuiulo vor wio nach von einer Pyiinüo gesprochen, wobei freilich in grosser Zahl diejenigen Krankheitsfälle, welche Virchow als Ichorrhämie bezeichnet hatte, unterlaufen sind. Aber auch nach Ausscheidung dieser Fälle erübrigte noch die Beob­achtung, dass bei multiplen Eiterungsprücessen eine fieberhafte Gesammtaffoclion von lebonsgefährlichem Charakter vorkommt, wobei sich sehr häufig in den inneren Organen und namenllicli in den Lungen metastatischo Eiterherde ausbilden. Erst in der neueren Zeit hat sich für die Erklärung dieser Krankheitsvorgänge die Ansicht be­festigt, dass der Eiter an den Orten, an welchen er entsteht, zunächst inflcirt wird und dass die Resorption des inlicirten Eiters eine fieberhafte Gesamratorkrankung zur Folge hat. Für diese Vorgänge wird gegenwärtig der Name der „Pyämioquot; verwendet. Das Wort selbst ist von Piorry in der Version „Pyohemiequot; zuerst gebraucht. Aus dem französischen Terminus entstand die deutsche Bezeichnung „Pyämioquot;, welche zwar spraohlicli nicht ganz correct gebildet, aber in der deutschen Literatur ziemlich allgemein angenommen ist. Neben derselben hat auch der von Billroth gewählte Name dor „Pyohämlequot; viel Anklang gefunden. Synonyme Bedeutung haben die Be-grilfo „purulontes Fieberquot;, „purulonle Diathesequot;, „purnlente Dyskrasioquot; und „Eiter-infectionquot;.
Dor Begriff der Pyämie umschliesst eine Reihe von thoils lebensgefährlichen oder tödllichen AlTectionen neben Krankheitszuständon von mehr gutartigem Verlaufe. Im Wesentlichen liegt die Gefahr in der Möglichkeit der Entstehung eiteriger Meta­stasen. So lange letztere nicht ointroten, sind alle pyämischon lieber relativ günstig anzusehen. Auf diesen Thatsachon basirt dioEinthoilung der Pyämie in eine oinfacho und motastatisoho. Die oinfacho Pyämie findet sich bei diffusen traumatischen Entzündungsprocossen und wird in diesem Zusammenhango gewöhnlich als „eiteriges . Wundfieborquot; intorpretirt. In ganz ähnlicher Weise entsteht bei der Druse, sobald sich orheblicho Eilerungsprocesso in den Lymphdrüsen des Kehlgangos und des Halses ausgebildet haben, ein einfaches pyämischos Fiobor, das nach der Spaltung der Ab-scesso und vollständigen Entleerung dos Eiters wieder aufhört. Von weit grössorer Bedeutung sind die purulenten Processo, welche sich, den Lymphgofässon folgend, in der Subcutis oder auch in dem subfascialen Gewebe ausbreiten. Sie worden theils bei der Druse, thoils bei traumatischen Zuständen beobachtet. Ihre Ausbildung be­ruht auf einer specifischon Infection des Eiters. Ueberall im Bindegewebe und in den
Lymphgefässen, wohin die geringfügigsten Beslandthoile dos inficirlen Eiters ge-
\.
langen, entstehen eiterige Entzündungen resp. Abscosso. Das Product der letzteren kennzeichnet sich als eine besondere Art von Eiter. Es ist nicht Jone rahmartige, weisse Materie, die von den Vorfahren als „Pus bonumquot; bozoichnet wurde. Der Eiter hat vielmehr eine graue, zähflüssige, fadonziehondo und zuweilen mit krümligen Be-standthelleu untermischte Beschaffenheit, Durch die Resorption dos flüssigen Thoils dieses Krankheitsproducts wird das eigentlicheEiterfiebor (die Eitersucht) unterhalten. Gelangen aber aus dem in Rede stehenden Krankheitsproducto corpusculäro Stoffe in die Blutoiroulation, so bilden sich an entfernten Körperstellen metastatischo Ent-
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318nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Zündungen, die sich im Allgemoinon durcli die gleiche oitorigo Tendenz kennzeichnen, wie die pi'iniären Ent/.iinduiigsherdß.
Sjidjitome iniii Verlauf, ^ Dass die Symptomatologie der pyiimischen Allgemoin-[nfeotionen nicht In allen Füllen gleioli ist, bedarf nach den vorstehend gemachten Mittheilungen kaum einer Andeutung. Die örtlichen Erscheinungen können sich aussorordentlioh vcrscliiedon gestalten. Einfache Verwundungen am Kopfe oder am Halse führen in der gewöhnlichen Weise zur Eiterung. Wenige Tage nachher stellt sich, bald in grösserem, bald in geringerem Umfange, eine diffuse Entzündung in der Nachbarschaft der primären Wunde ein und innerhalb weniger Tage linden sich, bald vereinzelt, bald in grösserer Zahl, knötchenförmige oder flächenartig prominirende Eiterherde, bei deren Spaltung sich das eiterige Product entleert. Mit dieser localon Affection verbinden sich: (ieberhafto Erhöhung der Temperatur, zuweilen Horripila-tionen oder förmlicher Schüttelfrost und Pulsfrequenz. Die Futteraufnahme ist oft nur in massigem Grade gestört. An den Darmausscheidungen findet sich, soweit die Quantität derselben nicht durch die Verminderung der Futteraufnahme beschränkt ist, keine Abweichung.
Wenn es gelingt, durcli eine desinficirende Behandlung der localon Eiterungs-processe die Quelle für die fieberhafte purulente Infection zu zerstören, so verliert sich das Allgemeinleiden nach 5—8 Tagen, Oft aber entsteht in der Nachbarschaft eine neue Kntzündungsgesclnvulst von der Grosse einer Wallnnss, oder auch wohl ein dilfuser Entzündungsherd. In solchen Herden ist die Tendenz zur Eiterbildung aussor­ordentlioh stark und der Kegel nach findet sich nach kaum eintägigem Bestehen in­mitten derselben stets eine relativ grosse Quantität dünnflüssigen, zähen, grauweisson oder missfarbenen, aber nicht stinkenden Eiters. In solchen Fällen kommt gewöhn­lich eine metastatische Erkrankung innerer Organe zur Ausbildung. Gegenüber dieser Gefahr sind nicht alle Körperregionen von gleicher Bedeutung. Am bedenklichsten ist die multiple Entstehung von Eiterherden am Halse im Verlaufe der Drosselrinne, weil in dem lockeren Bindegewebe hinter der Luftröhre die Herde nicht aufgefunden und deshalb auch nicht rechtzeitig behandelt werden können, so dass sich die Gefahr eines Einbruches des infioirton Eiters in die Blutcirculation mit dem längeren Fort­bestehen nothwendig vergrössert.
I3ei der metastalischen Pyämic erhält sich im Allgemeinen die Gesammtstörung unter dem Bilde der Febris continua. Ausgeschlossen ist aber nicht, dass zeitweise die Temperatur annähernd bis zur Norm sinkt und nach wotiigeii Tagen wieder eine grössere Höhe erlangt. Zu diesen Erscheinungen treten dann die Störungen, welche durch die metastatische Etablirung von Eiterherden in den entfernteren Organen hervorgerufen werden. Am meisten kommt die Bildung embolischer Eiterhorde in den Lungen zu Stande, weil sich'die corpusculäron Substanzen der resorbirton Materie zunächst in den Capillaren des Lungenkreislaufs festsetzen. Da jeder Lobulus eine Endarterie der Pulmonalis enthält, so wird mit der Verstopfung derselben regelnlässig ein lobnlärer Infarct herbeigeführt. Durch das infectiöso Agens, welches dem Embolus anhaftet, bildet sich in dem infarcirten Lobulus innerhalb kurzer Zeit ein eiteriger Gewebszerfall aus. Ist eine grössere Zahl von Lungenläppchen von solchen embo-lischen Herden befallen, so bekunden die Pferde neben dem fieberhaften Gesammt-leiden die Symptome der Pnenmonie.
Nicht immer sind die corpusculären Stoffe des resorbirteu Eiters so gross, dass sie in dem Lungenkreislauf stecken bleiben. Dann kann in vielen anderen Organen die Etablirung metastatischer Eiterherde zu Stande kommen. Häufig sieht man unter
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Pyämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 319
solchen Verhältnissen In dor Suboutis oder in dorn subfasoialon Gewebe an den Gliod-massen oder auoli an anderen Regionen inotastatiseho Ahscesse entstehen. Es liegt auf der Hand, dass die subfascial gelegenen Herde in höherem Grade schmerzhafl sind, als die in dor Suboutis entstehenden, metastatisuhen Entzündungen. Zu berück­sichtigen ist bei der Beurthoilung concreter Killle die Thatsache, dass die an den Gliodmasson bofindliohon Eiterherde eine grössere Gefahr für das Leben dos Pferdes involviren, als die eiterigen Entzündungen in dor Suboutis dos Rumples. Denn bei einer schworen Erkrankung der Gliedmassort vermögen die Pferde sich nicht mehr aufrecht zu erhalten und bei anhaltendem Liegen oomplioirt sich der Krankheitsfall durch iVthmungsinsulTioienz oft sehr schnoll in einem tödtlichen Grade. — Die in den Organen der Rauchhöhle und besonders in den Duplioaturen des Peritoneums (Ge­kröse, Mil/,-Magenband) odor in dem rotroporilonoalen Gewebe (Nierenkapsel) onl-stehendon, inetastatischen Abscesse sind in der Regel für die Diagnose nicht erreich­bar. Die betreffenden Krankheitsfälle kennzeichnen sich im Allgemeinen durch die Symptome des fieberhaften Gesammtloidens und durch einen protnihirten Krankheits­verlauf, wobei dio Pferde wenig Futter aufnehmen, erheblich abmagern, stieren Blick, krankhafte Ermüdung, leichte Dyspnoo mit Anspannung der Bauchdeckon, starke Pulsfrequenz und venöse Färbung der Schleimhäute bekunden.
Der Krankheitsverlauf der inetastatischen Pyämie ist vorzugsweise von der Dignität der erkrankten Organe und von dem Umfange der Entzündungsprocesse in denselben abhängig. Wenn sich bei niotastalischon Lungenabscossen eine eiterige Pleuritis ausbildet, so tritt dor Tod oft nach einem Krankheitsvorlauf von ö—10 Tagen ein. In anderen Fällen besteht die Krankheit mehrere Wochen. Einen ähnlichen Ver­lauf nehmen dio Fälle, bei welchen sich metastatischo Herde in den Organen dernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; % Bauchhöhle etabliren. Es vergeht nicht selten eine Zeit von 3—4 Wochen, bevor der Krankheitsfall mit dem Tode endet. Hierbei prävaliron unter den Symptomen die progressive Abmagerung und die oonstitutionelle Schwäche, in Folge deren die Pferde in den letzten Tagen ihres Lebens unfähig sind, sich vom Bodon zu erheben.
Diagnose. Die Oharakterisirung einer Krankheit als Pyämie hat sich auf die Symptome der fieberhaften Infection und gleichzeitig auf die primären eiterigen Ent-zttndungszustände zu stützen. Bei der Kenntniss der Gefahren, welche die Resorption des infleirten Eilers mit sich bringt, ist hiernach die Diagnose im Allgemeinen nicht schwierig, Zweifel können nur insofern eintreten, als der Krankheitsfall niclit durch eine eigentlich pyämischc Infection, sondern durch die Resorption fauliger (septischer) StolTo verursacht worden ist. Die Entscheidung dieser Frage erfordert eine sorg-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; . I
fältige Befunderhebung und die richtige wissenschaftliche Benrlheilung der Local-processe. Wegen der Unterscheidung der eiterigen Infection vom Rotz verweise ich auf die S. 170 befindliche Erörterung.
Prognose. Das einfache pyäniische Fieber nimmt einen günstigen Verlauf. Wenn es gelingt, die primären eiterigen Entzündungsherde mit Erfolg zu behandeln, so verlieren sich die Zeichen des Fiebers in der Regel sehr bald. Ungünstig ist da­gegen jeder Fall von metastatischer Pyämie zu beurtheilen. Indess ist die Behand­lung, wie ich aus Erfahrung versichern kann, nicht in jedem Falle aussichtslos. Selbst eine metastatische Pneumonie kann in einzelnen Fällen, wenn die Erkrankung der Lungen auf einem geringen Umfange verbleibt, ausheilen, so dass dio Pferde ihre vollkommene Gesundheit wiedererlangen. Von grosser Bedeutung ist bei der Beur-theilung solcher Fälle die oonstitutionelle Widerstandskraft der betreffenden Pferde. So lange die metastatischen Herde sich auf die Subcutis und auch auf die Fascien
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320nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten,
beschränken, ist die Prognose relativ günstig, namentlich, wenn eine aufmerksame und rechtzeitige Behandlung der Localisationsherde möglich ist, Ungünstig und resp. schlecht gestaltet sich die metastatische Pyämie, wenn nach dem Symptomenbilde das Vorhandensein von eiterigen Horden und Absoesson in den Organen der Bauch­höhle nicht ausgeschlossen worden kann. Auch jede umfangreiche metastatische Lungenentzündung führt regelmiissig zum Tode. Zu beachten bleibt bei einer solchen Lungenentzündung, dass der metastatische Eiterherd in einen Bronchus durchbrochen und hierdurch zur Entwickolung einer eiterigen Bronchitis führen kann, wobei das eiterige Krankheitsproduct mit dem In- und Exspirationsstrome in die noch gesunden Bronchien gelangt und durch Aspiration eine diffuse eiterige Bronchitis oder eine multiple eiterige Broncho-Pneumonie herbeiführt.
Behantlluiig. Die Therapie der pyämischen Infection ist im Wesentlichen eine chirurgische. Die möglichst frühzeitige und ergiebige Spaltung der localen Eiter­herde ist von grösstem Werthe. Liegen die Herde tiefer unter der Haut und unter­halb der Fascie, so ist die Ausführung von Probepunctionen mit einer grossenPravaz-schon Spritze oder weniger zwockmiissig mit einem dünnen Trocar zunächst zu ver­suchen, weil bei diesem Verfahren unnöthige Blutungen sich vermeiden lassen. Findet sich aber bei der Probepunction Eiter, so muss der Herd gespalten werden. Die blosse Extraction des Eiters mit der Spritze ist für die Behandlung nicht ausreichend.
Die innere Behandlung ist nach symptomatischen Indicationen einzurichten. Erapfehlensworth sind; bequemer und luftiger Aufenthalt, Darreichung von kräftigem und leicht verdaulichem Putter und, soweit Verdauungsstörungen auftreten, die An­wendung von Mitteln, welche den Tonus der Gastrointestinalschleimhaut und die Secretion der Verdauungsdriisen fördern. Hierdurch wird die constitutionelle Wider­standsfähigkeit der Pferde erhöht und die Ausheilung der motastatischen Eiterherde begünstigt.
Capitel XIV.
Pyo-Sephthüniie neugeborener Fohlen durch Phlebitis
umbilicalis.
Verhältnissmässig spät ist in der thierärztlichen Literatur eine Reihe von Krank­heiten besprochen worden, welche die Fohlen in den ersten Tagen nach der Geburt oder in den ersten Wochen und Monaten ihres Lebens befallen. Als das augenfälligste Symptom der gedachten Krankheiten fanden bei den Thierärzten, wie bei den Laien das Unvermögen zu stehen und das Lahmgehen der Fohlen Beachtung. In dieser Wahrnoliniung liegt offenbar derUrsprung des ompirischenAusdrucks „Lähmequot; („Fohlen-lähmoquot;), mitweichem von den deutschen Autoren die fraglichen Krankheiten zusammon-gefasst worden sind. Es entsprach der wissenschaftlichen Systematik der früheren Zeit, eine grössere Zahl von Krankheiten auf gemeinsame ursächliche Einflüsse zu beziehen. Daher erklärt sich dieThatsache, dass in der Literatur derßegrilT der Fohlenlähme eine sehr umfassende Deutung gefunden hat und auf eine Reihe von Krankheiton ausge­dehnt worden ist, deren DilTerenz gegenwärtig keinem Zweifel mehr unterliegt.
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Pyo-Sephthämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;321
Dieterichs (Gestütkunde 1824) beschrieb die Lähme (multiple Gelenkentzün­dung) der jungen Fohlen als eine Knochenkrankheit, zu welcher der Grund schon während des embryonalen Lebens gelogt werde. Im Besonderen sei als Ursache die Ernährung der Mutterstuten mit schlechtem, verdorbenem Futter während derTrächtig-keit zu beschuldigen. Nach Wirth (Schweiz. Arch., 4. Jahrg.) sollte die Lähme die „wandernde, schnell verlaufende Gichtquot; sein. Hof acker führte die Lähme auf die Rhachitis zurück. Das seuchenartige Vorkommen der Fohlenlähme in grösseren Ge-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; dl*
stüten wurde von den französischen Thiorärzten (Renard 1828) beobachtet. In Deutschland entstand zu jener Zeit die Ansicht, dass mit der Veredelung der Pferde auf die Fohlen eine abnorme Disposition als die wesentlichste Ursache zur Erkrankung an der Lähme übergehe.
Als gemeinsame Bezeichnung für die meisten Krankheiton, welche dor Lähmo zugerechnet werden sollten, wählte Strauss (1831), der seine Beobachtungen in Ungarn machte, den Namon „Darrsuchtquot;, zu welchem die fortschreitende Abmagerung der Thiero die Veranlassung gab. Die nächste Ursache war nach Strauss eine con-stitutionello Störung der lymphatischen Apparate, und insbesondere eine Entartung der Mesentorialdrüsen (Atrophia glandularis mesontorica). Sowohl in der zarten Jugend, als bis zum 4. Lebensjahr sollten die Fohlen an der Darrsucht erkranken. Die bei neugeborenen Fohlen entstehenden Entzündungen der Gelenke und Sehnon­scheiden galten als Complicationen oder als Nebenkrankheiten dos flauptleidens, dessen Entstehung vornehmlich auf einer angeborenen Anlage beruhen und bezw. durch eine mangelhafte Gesundheit der Mutterstuton bedingt sein sollte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^I
Für die Beurtheilung der fraglichen Fohlenkrankheiten hat Keiner den Irrthum des Unitarismus so radical vertreten, als Traoger (1839), welohor das Wesen der
Lähme generell in einer fehlerhaften Blutbildung suchte. Das Blut sollte in Folge der angeborenen krankhaften Anlage eine venöse BeschafTonheit erlangen und dor Organismus der jungen Fohlen musste auf die Wirkung des krankhaften Blutes bald
in dem einen, bald in dem anderen Organ mit der Etablirung eines Entzündungs­herdes reagiren. — Eine neue Ansicht führte Heusinger ein, indem er die Aetiologie der Lähme in eine auf Anerbung beruhende skrophulöso Disposition der neugeborenen Thiero verlegte. Die gleiche Ansicht ist später von Funke, Spinola u. A. ver­treten worden. Bei der Besprechung der vormeintlichon skrophulösen Grundlage fand auch die Uoboroinstimmung vieler Krankheitsfälle der Fohlen, Kälber und Lämmer, aufweiche übrigens schon Veith (1842) hingewiesen hatte, Berücksichtigung. Die seit jeher unklare Interpretation der Skrophulöso lioss die Autoren leicht über die Unterschiede der Jugendkrankhoiten unserer Hausthiere hinwegsehen. — Haubncr (1840) hatte bei den Lämmern drei „verwandtequot; Krankheiten (Lähme, Rheumatismus und Gelehkkrankhoit) auseinander gehalten. Aehnlich bourthoilte auch Hering (1849) die Frage der Lähme. Ohne sich genauer zu äussern, fonnulirte er seine Ansicht dahin, dass die Lähme eine constitutionollo Krankheit sei, welche zwischen Rheuma­tismus, Tetanus und Arthritis in der Mitte stehe.
Die vorstehend skizzirte Unklarheit der Lohro von der Lähme erfuhr durch dienbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; laquo;
interessante Arbeit Fürstenberg's (Virch. Arch., Bd. 29) über die fettige Dege­neration der Skeletmuskeln bei jungen Lämmern, Fohlen und Kiilborn eine Berichti­gung. Hiernach ist aus der Gruppe der Jugendkrankhoiten eine Affection als con-stitutionolle Schwäche mit fettigem Zerfall der Muskulatur zu substantiiren Das Zustandekommen derselben soll nach Fürstenberg durch Erkältung der jungen Thiero wesentlich begünstigt werden. — Roloff (Virch. Arch., Bd. 37) vortrat die
Dice kerhof ff Spec. Patltotogic u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; •/{nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;JIF
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Meinung) dass die Lähme der Jungen Thlere ein raohitisohes Leiden sei und dass die Gelenkentzündungen durch Zerrungen der Gelenkbänder bei der Bewegung der weichen und ungleich consistenten Knochen entständen.
Dft von den Erklärungen der Lähme, welche hier kurz angedeutet sind, keine zutreffend ist, so bog-reift sich die Thatsaohe leicht, dass bei den praktischen Thier-ärzten jode Ansicht mehr oder minder zustimmend bourthoilt wurde. Die Verwirrung dauerte bis 1873, als durch eine ebenso exacte, als lichtvolle Arbeit Bollinger's (Virch. Arch., Bd. 58) über die Natur der zur Lähme gerechneten Fohlenkrankheiten eine entscheidende Thatsaohe aufgedeckt wurde. Ilollinger constatirto nehmlich durch Seotionsbefunde die eiterige und jauchige Entzündung des Nabels und der Nabelgefässe bei Fohlen. Damit war für die Aetiologie der Fohlenlähme eine wesent-licho Klärung geschaffen. Die primäre Erkrankung des Nabels und dor Nabelgefässe bildet „den Ausgangspunkt und die Quelle einer motastasirendon Pyämie, wobei theils direct cmbolische Prooesse (in den Lungen), theils in Folge der allgemeinen entzündlichen Disposition metastatische Entzündungen der serösen lläuto (Pleuritis, Pericarditis und Arthritis), der Lungen, der Iris, die Muskel- und Zollgewebsabscesse, kurz die Reihe der klinischen und pathologisch-anatomischen Störungen der Fohlen-lähme auftretenquot; (Bollinger). In dieser Arbeit wurde auch bereits darauf hinge­wiesen, dass bei Kälbern und Lämmern der grösste Thoil der zur Lähme gezählten Krankheitsfälle ebenfalls durch eine Entzündung der Nabelgefässe mit consecutiver Blutvergiftung und metastatischen Entzündungen bedingt sein werde. Ferner be­kämpfte Bollinger die Theorie Koloff's, dass die Fohlenlähmo auf rachitische Wucherungen in den Knochen und auf Lockerung der Bänder und Sehnen zurück­zuführen sei.
Mit der Entdeckung Bollinger's änderte sich die theoretische ßeurtheilung der Lähme. Roloff berichtigte in einer ausführlichen Erörterung (Pütz's Zeitschr., 1., 1873) seine frühere Ansicht dahin, dass die Gelenkseuclie in den meisten Fällen
—nbsp; wenigstens bei Schweinen und bei jungen Rindern — die Rhachitis sei. In anderen Fällen seien die entzündlichen AlTectionon einzelner Gelenke eine Theilerschoinung der Scrophulose, indem sie auf scrophulöser Diathese wurzelten. In wieder anderen Fällen seien die Gelenkentzündungen der jungen Thiere pyohämischc, die von Eite-rungsprocessen am Nabel ausgingen und namentlich bei Lämmern häufig vorkämen.
—nbsp; Soweit es auf die Fohlenlähme ankommt, lässt sich gegen diese Deutung Manches einwenden. Insbesondere findet die Voraussetzung, dass neugeborene Fohlen mit der scrophulöson Diathese behaftet seien, in der thatsächlichen Erfahrung keine Unter­stützung. Auch die Rhachitis kommt nur sehr selten bei Fohlen vor. Darin muss ich aber Roloff beitreten, dass es wünschonswerlh ist, den Namen der Lähme in der wissenschaftlichen Pathologie nicht mehr zu gebrauchen. In der Praxis werden die Thierärzte freilich mit dem seit langer Zeil eingewurzelten Namen zu rechnen haben. In einer späteren Publication (Münchener Zeitschr. I. 1875) hat Bollinger den Nach­weis geliefert, dass auch die Kälberlähme den nehmliohen Ursprung hat. ,,Wie bei der Fohlenlähme ist die mit Metastasen einhorgehende Pyämie, ausgehend von einer eiterigen Nabelvenenentzündung das Wesentliche des Processes.quot; — Die Literatur der letzton 10 Jahre enthält zur Bourtheilung der Fohlenlähme mehrere casuistische Bei­träge, welche die Richtigkeit der von Bollinger begründeten Lehre darthun. Eine umfassende Beschreibung der „Nabelkrankheiten des frischgeborenen Jungenquot; findet sich in Pranck's Goburtshülfe, Berl. 1876.
Ans vorstehenden historischen Mittheilungen erhellt, dass zur Fohlenlähme
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Pyo-Sephthiimie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 823
mehrere dilTerente Krankheiten gerechnet worden sind. Auf einer irrthümlichon Vor­aussetzung fussend, suchton die älteren Autoren die Einheit solcher Krankheiten in der constitutionellon Anlage der neugeborenen Fohlen. l)io Aetiologie mussto sich bei dem Mangel aller Detailkenntniss auf Muthmassungen beschränken. Erst durch die verdienstliche Arbeit Bollinger's ist die ontologischo Trennung dor zur Fohleu-lähme gezählten Leiden möglich geworden. Von denselben sind als die wichtigsten hier hervorzuheben: 1. Die Pyämie und Sephthämie mit Bildung von Metastasen in den Gelenken, Lungen und Augen als Folge der Nabelvonen-Kntzündung; 2. die constitutionelle Schwäche (Lebensschwäche) der neugeborenen Fohlen; 8. dor Icterus neugeborener Fohlen; 4. der durch acuton Magendarmkatarrh bedingte Durchfall der Fohlen; 5. die chronische Dyspepsie (Darrsucht).
Die sub 2, 3, 4 und 5 gedachten Krankheiten stehen mit der Phlebitis umbili-calis nicht in Vorbindung und können deshalb in diesem Capitei nicht berücksichtigt werden.
Aetiologie ihm! Pathogenese. Die Nabelvenen-Entzündung beruht auf einer örtlichen Infection mit septischen und eitcrbildondon Fermenten. Gewissermassen besteht bei jedem Fohlen die Möglichkeit einer solchen Erkrankung. Dessen ungeachtet ist seit mehr als fünfzig Jahren stets beobachtet worden, dass ein Theil der neugeborenen Fohlen in hohem Grade für die Erkrankung empfänglich ist, während ein anderer Theil unter den gleichen Verhältnissen von der Krankheitsursache gar nicht tangirt wird. Nach der Erfahrung sind es besonders die den veredelten Rassen und Schlägen angehörenden Fohlen, welche leicht von der in-fectiösen Nabelvenen-Entzündung befallen werden, während bei der Zucht des schweren Arbeitspferdes die Krankheit nur selten und in einzelnen Gegenden gar nicht- vorkommt. Unvollkommen entwickelte, magere und schwächliche Fohlen behaften sich mit der Nabelvenen-Entzündung leichter, als stark gebaute Thiere. Diese Thatsachen waren die Veranlassung, dass Traegcr die Aetiologie der Fohlonlähme irrthümlich auf eine mangelhafte Bildung des Blutes und hierdurch bedingte mangelhafte Widerstandsfähigkeit der Organe zurückführte. Der speciello Inhalt der Prädisposition edler Füllen für die Nabelvonen-Entziindung ist zwar nicht bekannt; unrichtig war aber die Vcrmuthung, dass eine skrophulösc Constitution bei den betreffenden Fohlen bestehe. So wichtig im All­gemeinen die constitutionelle Anlage für das Zustandekommen der in-fectiösen Nabelvenen-Entzündung ist, so darf doch bei der Aetiologie nicht übersehen werden, dass ohne die Einwirkung specüischer, septischer oder purulenter Fermente !die Krankheit bei keinem Fohlen zur Ent-wickelung kommt. Hiernach ist, wie Bollinger und nach seinem Vor­gange auch Franck mit Recht hervorgehoben haben, die Verunreinigung des Nabels neugeborener Thiere mit den hier gedachten, specifischen Fermenten die eigentliche Ursache der Nabelvenen-Entzündung. Die
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324nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Fermente selber sind nicht näher bekannt. Es ist anzunehmen, dass sie die Natur der Schizomyceten haben. Ob an dem Zustandekommen der Krankheit nur ein patliogener Mikroorganismus bethoiligt ist, lässt sich in Ermangelung thatsäoblichor Aufschlüsse nicht klarstellen. Nach döm Charakter und den Producten der Phlebitis scheinen mehrere Fer­mente einzuwirken. Die Infection geschieht erfahrungsgemäss am leichte­sten unmittelbar nach der Geburt. Ist die Nabelscheide erst einge­trocknet, so tritt die Erkrankung nicht mehr ein (Franck). Hinsicht­lich des Grades und Umfanges, in welchem die Nabelvone afficirt wird, kommen erhebliche Differenzen vor. Oft erkrankt dieselbe in ihrer ganzen Ausdehnung, die Wand erweicht, die Vene und oft auch ihre nächste Umgebung werden mit einer trüben Flüssigkeit imprägnirt. An der Stelle, wo die Vene in die Pfortader mündet, zuweilen auch in der letzteren entsteht eine Thrombose. Oft bleibt aber das Lumen der Vena umbilicalis frei von Thromben, oder das dicht an der Pfortador befindliche Gerinnsel unterliegt der Erweichung, so dass dem Eintritt der Entzündungsproducte in die Pfortader und von da in die Blutcirculation Nichts im Wege steht. Wenn in der Pfortader eine Thrombose entsteht, so staut das Blut nach dem Darm zurück, so dass eine reichliche seröse Transsudation in den Darmtractus und in den Peritonealsack zu Stande kommt. #9632;— In anderen Fällen hat die Entzündung sich an einzelnen Stellen der Vene etablirt, an welchen eine reichliche Eiterbildung statt­findet. Bei diesem Charakter verläuft der Process langsamer und es ist gar nicht selten, dass der Nabel verwächst, während in der Vene selbst die eiterige Entzündung mit schleichendem Verlaufe mehrere Wochen hindurch fortbesteht. Es wird auch beobachtet, dass die Ent­zündung sich auf einen kleinen Theil der Vene in der Gegend der Nabel­öffnung beschränkt und gewissermassen einen localen Charakter bei­behält. Abgesehen von den letztgedachten Fällen führt die eiterige oder septische Nabelvonen-Entzündung stets zu einer Allgemeinerkrankung, die nach dem Charakter und dem Umfange der phlebitiscben Local-processe sich sehr mannigfach gestalten kann.
Der Transport eiteriger oder septischer Krankheitsproducte von der Nabelvene in die ßlutbahn erfolgt im Ganzen leicht. Wenn auch bei den neugeborenen Thieren von dem Augenblick an, in welchem die Nabelschnur zorrcisst, die V. umbilicalis von der Blutcirculation aus­geschlossen ist, so kann doch durch die llospirationsbewegungen des Zwerchfells und der Bauchdeckc flüssiger Inhalt aus derselben in die Pfortader gebracht werden. Dem Pferdefötus und bezw. den neugeborenen Fohlen fehlt zwar der Ductus Arantii (die Communication zwischen dor
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Pyo-Sophlhiimio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 325
Pfortader und der hinteren Hohlvenc). Allein wie Bellinger schon richtig gefolgert hat, können kleine Stückchen (Emboli) der Pfortader­thromben die Lebercapillarcn passiron. Um über die Weite der letzteren einen thatsächliohon Aufschluss zu gewinnen, injicirtöich bei neugeborenen Fohlen die Nabelvene mit Gyps. Ich fand jedesmal, dass die Injections-masse die Lebercapillaren passirto und durch die hintere Hohlvene und das rechte Herz bis in die Lungen drang. Hieraus erhellt, dass eiterige oder dünnflüssige Entzündungsproducte mit Leichtigkeit von der Nabol-vene in die ßluteirculalion gelangen können. Dcmgemäss erfolgt die fieberhafte Allgemein-Infection um so schneller, jo grosser die Intensität und räumliche Ausbreitung der Omphalo-Phlebitis sich gestalten und je unvollständiger die Nabelvene an ihrer Eintrittsstelle in die Pfortader durch einen Thrombus abgeschlossen ist.
Für das Zustandekommen der raetastatisehen Organaffectionen ist zunächst die Grosse der von der Nabelvene in das Blut gelangenden corpusculären Stoffe entscheidend. Grössere Partikelchen werden immer in den functionellen Capillaren der Lungen festgehalten. Da denselben eiteriges Ferment anhaffet, so bilden sich mit ihrem Import in den Lungen embolische Entzündungsherde von eiteriger Tendenz. Der Vorlauf und die Dauer dieser metastatischen Pneumonic sind abhängig von der Zahl der Emboli, welche auf einmal oder nach kürzeren und längeren Zwischen­zeiten von der kranken Nabelvene in die Lungen gelangen. Bei protra-hirtem Vorlaufe verursachen die embolischen Abscesse einen Durchbruch in die Bronchien, worauf die eiterigen Massen mit dem In- und Exspi-rationsstrom fortbewegt werden, so dass einerseits ein diffuser eiteriger Katarrh der Rospirationsschleimhaut, andererseits neben den embolischen zugleich multiple broncho-pneumonische Eiterherde zur Entstehung kommen. — In einzelnen Fällen bilden sich im Anschluss an die embo­lischen Herde Thrombosen in den grösseren Aesten der Lungenarterie. — Der Regel nach führen die vorstehend bezeichneten Krankheitszuständc der Lunge zum Tode. Nur in seltenen Ausnahmefällen und wenn die Omphalo-Phlebitis purulenta relativ schnell abheilt, erfolgt die Genesung der Fohlen durch Vernarbung der Lungenabscesso.
Die multiple Entzündung der Gelenke, Bursen und Sehnenscheiden kommt dadurch zu Stande, dass eiterige Fermente von der Nabelvonc in die ßluteirculalion und durch Vermittelung der letzteren in dieSynovial-membranen gelangen. Die hierdurch an den Gelenken und Sehnen­scheiden gesetzten Entzündungsprocesse sind theils seröser, theils eiteriger Natur. Soweit die Synovialkapseln einer Ausdehnung fähig sind (Tibio-Astragalgelenk), bildet sich an den betreffenden Gelenken, wie an den
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
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Suhleimbouloln und Sehnenscheiden mit der Abscheidung des flüssigen Exsudates eine Ausweitung (Gallen). Die Synovialmerabran erfahrt eine Schwellung und an den Ansatzstcllen eine starke Vascularisation. An den Knorpeln der botreffenden Gelenke entsteht eine Imprägnation mit dem Exsudat und Entfärbung. Zuweilen sehwindet der Knorpel stellen­weise vollständig, so dass die Lamina terminalis des Knochens frei zu Tage tritt. In der Umgebung der kranken Gelenke, besonders der Fesselgelcnkc, Vorderfusswurzelgelenke, Sprunggelenke und Kniegelenke bilden sich diffuse Schwellungen in Folge entzündlicher Infiltration der Subcutis. Wenn der Krankheitsverlauf sich auf 1—2 Wochen ausdehnt, so führt die Synovitis suppurativa zuweilen zum Durchbruch der Gelenk­kapsel und der Haut, so dass sich das missfarbene Entzündungsproduct durch einen oder mehrere Fistelkanäle entleert. Bei längerem Bestehen kommt es in der Umgebung der kranken Gelenke zur Infiltration der Subcutis mit gerinnbarem Exsudat, welches den flüssigen Theil durch Resorption abgiebt und eine grauweisse compacte Beschaffenheit erlangt.
Selten erhalten sich die Fohlen so lange, dass das kranke Gelenk oder die Sehnenscheide sich mit bindegewebigen Verdickungen umgiebt. Bei der pyämischen Dyskrasie besteht eine erhebliche Prädisposition zu consecutiven eiterigen Entzündungen. Geringe Quetschungen der Haut, die bei dem anhaltenden Liegen der Fohlen nicht zu verhindern sind, führen zur Abscessbildung oder zu jauchigem Gewebszerfall. Recht häufig entstehen in den Muskeln Eiterherde, die nicht selten bis zu den be­nachbarten Knochen und Gelenken vordringen und an denselben Caries herbeiführen.
Die als Folgeleiden dor Phlebitis umbilicalis purulenta auftretende innere Augenentzündung (Iritis und Chorioiditis) kommt an einem oder gleichzeitig an beiden Augen vor. Ihre EntWickelung beruht auf einer Capillarembolie in der Iris oder in der Chorioidea, wozu das Material aus der kranken Nabelveno durch die Blutcirculation herbeigeführt wird. Vielleicht mögen auch aus den Lungenabscessen zuweilen kleine Partikel­chen in die Blutbahn gelangen und eine metastatische Iritis oder Cho­rioiditis veranlassen. Die Entzündung hat stets einen exsudativen Cha­rakter; das Exsudat besteht aus Fibrin und Eiterkörperchen.
Die Reizung der Hirnhäute (Genickkrampf), die metastatische Pneu-monie, die multiple Gelenkentzündung und die innere Augenentzündung finden sich oft^gleichzeitig bei den kranken Fohlen oder es entsteht zunächst das Gelenklciden, welchem sich bei protrahirtem Verlaufe die eine oder andere von den genannten Affectionen anschliesst. Nicht selten stellt sich aber blos die Lungenkrankheit oder die Gelenkkrankheit ein.
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Pyo-Sophlhämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 327
Dass die mütaslalischo Augoncntziindung für sich allein, rosp. ohne eine
der beiden anderen Krankheiten bei den neugeborenen Fohlen vorkäme,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;f
habe ich bislang nicht beobachtet. Mit Wahrscboinlichkeit ist anzunehmen,
dass in den Fällen, in weichen die primäre Nabplvenon-Enizündung nur
Eiter producirt, ein pyämisches Fieber und die raetastatische Pneumonicnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^
(Lungenabscesso) entstehen, während bei einem mehr putriden Charakter
der primären Omphalo-Phlebitis ein sepiithämisches Fieber und multiple
Gelenkentzündung herbeigeführt werden. Die zahlreichen Fälle einer
gleichzeitigen Erkrankung der Gelenke und der Lungen würden biornach
einem eiterig-jauchigen Charakter der Nabolvüncn-Entzündung entsprochen,
Ob die Nabel- und Nabelgefässentzündung durch Gangrän direct zu einer pernieiösen Peritonitis Veranlassung geben kann, ist gegenwärtig noch eine offene Frage. Mir ist ein derartiger Krankheitsfall nicht be­kannt geworden. An den Nabolarterien und ihrer bindegewebigen Um­hüllung entsteht zwar nach der Infection des Nabels auch eine putride Entzündung. Von derselben hat aber Pranck (Geburtsbülfe S. 586) mit Recht schon bemerkt, dass sie zur pyämischcn Allgemein-lnfoction keine Veranlassung giebt. Möglich ist, dass die entzündliche Destruction an einzelnen Stellen in das Peritoneum vordringt und eine tödtlicho Peritonitis veranlasst, Indess fehlt bis jetzt der tbatsächliche Nachweis dafür, dass die Nabelontzündung diese FolgokranUhoit herbeiführt. — In schweren Fällen von Phlebitis umbilicalis ist die Palte des Peritoneums, welche die Vene umschliesst, zuweilen entzündet und mit den benach­barten Eingeweiden verklebt. Es erhellt leicht, dass eine solche locale Peritonitis den Verlauf der Gesammtkrankheit noch ungünstiger gestaltet, als er ohnehin schon ist.
Für die specicllc Beurthoilung und Behandlung der aus der septisch-purulenten Nabelveuen-Entzündung hervorgehenden Krankheiten erscheint die gesonderte Darstellung derselben vorthoilhaft. Da die Localaffection des Nabels für die gosammte Prophylaxis massgobend ist, so stelle icli dieselbe voran.
Nabelentzttndung (Omphalitis) und Nabelvenen-Eatzttndnng (Omphalo-Phlebitis; Phlebitis umbilicalis).
Symptome. Der am Nabel haftende Rest der Nabelschnur schrumpft nicht vollständig ein. Zuweilen erscheint der Nabel ein wenig ge­schwollen und feucht. Bei protrahirtem Verlauf des Gcsammtleidens verwächst dagegen der Nabelring oft, trotzdem in der Nabelvcno die Entzündung fortbesteht. Ist die Nabclvenc gegen die Pfortader durch
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Thrombose abgeschlossen, so kann die Phlebitis mehrere Wochen an­halten und im günstigen Falle abheilen. Hierbei zeigen die Fohlen nur eine massige Störung des Wohlbefindens; die Ernährung bleibt aber dürftig und erst nach dem günstigen Abschlüsse dor Phlebitis bessert sich der Appetit und der Nährzustand.
Pathologische Anatomie. Bei der Section der gestorbenen Fohlen wird eine Erweiterung der Nabelvene und Ansammlung von trüben, dünn­flüssigen oder grauweissen und eiterigen Entzündungsproducten in der­selben gefunden. Die Wandung und ihre Umgebung sind geschwollen. Oft ist die Entzündung im Verlaufe der Vene herdweise entstanden. An solchen Herden findet sich eine dickflüssige, eiterige Masse.
Diagnose. Soweit die krankhaften Zustände äusserlich am Nabel in Betracht kommen, ist zu beachten, dass sich die Harnschnur nach der Geburt zuweilen nicht gleich verschliesst. so dass der Harn des Fohlens während der ersten Lebenswochen sich zum Theil durch den Nabel ent­leert und die Umgebung des letzteren erodirt. Die genaue Untersuchung liefert für die Unterscheidung dieses Leidens von der Phlebitis stets einen ausreichenden Befund.
Prognose. Die Beurtheilung ist im Allgemeinen sehr ungünstig. Nur in seltenen Fällen erhält sich die Entzündung local oder in einem niederen Grade, so dass keine Metastasen mit tödtlichem Ausgange ein­treten.
Therapie. Eine Behandlung kann nur am äusseren Nabel mit des-inficirenden Mitteln (Lösung von Alumen oder Acid, tann.) versucht werden. Franck (Geburtsh. S. 585) meinte zwar, dass, so lange der Nabelring nicht geschlossen sei, mit. einem Fischbeinstäbchen, an welchem ein in Carbollösung getauchtes Leinwandstückchen sorgfältig zu befestigen sei, in die Nabelvene bis zur Leber eingedrungen werden könne. Ich halte eine solche Localbehandlung der Nabelvene nicht für angebracht. Der Injection von flüssigen Arzneipräparaten in die Vene steht, wie ich mit Franck anerkenne, die häufig offen gebliebene Communication mit der Pfortader entgegen. Somit bleibt für die Therapie der Phlebitis umbilicalis und ihrer gefährlichen Folgekrankheiten nur die sorgfältige Prophylaxis übrig, wie Bollinger zuerst zutreffend erörtert hat. Bis jetzt sind indess die Methoden der prophylaktischen Behandlung noch nicht vollständig erprobt und ausgebildet. Empfohlen wurde, den Nabel­strangrest mit Theer zu bestreichen oder mit einer 5proc. Lösung von Acid, carbol. öfter zu waschen; auch Jodoform ist in den Gestüten viel­fach benutzt worden. Von grösserem Vortheil scheint mir die Beachtung der Indication zu sein, den Nabelstrangrest möglichst bald zur Ein-
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Pyo-Sephthamie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;329
trooknung zu bringen. Zu diesem Zwecke eignet sich die täglich 6 Mal wiederholte Waschung des Nabels mit einem Gemisch von Plumbum aceticum (2), Alumen (1) und Aqua (30); ferner die öftere Application von Plumbum tannicum pultiforme oder Waschungen mit Decoctum Gort. Quercus concentratiss. Diese Präparate haben den Vorzug, dass sie die Haut am Bauche der Fohlen nicht reizen, so dass der Nabclstrang auch an seiner Ansatzstelle, worauf es bei der prophylaktischen Behandlung am meisten ankommt, mit dem Mittel vollständig imprägnirt werden kann.
Entzündliche Reizung der weichen Hirnhaut und der weichen Rückenmarks-Haut; Meningitis (Leptomeningitis) cerebro-spinalis.
Pathogenese und Symptome. Das Zustandekommen der Gehirn- und Rückenmarks-Affectionen bei den Fohlen nach der Nabelvenen-Infection lässt sich bei dem gegenwärtigen Stande der Forschung nur im Allgemeinen dahin deuten, dass reizende Stoffe in das Blut übergehen und nach ihrer eigenthümlichen Wirkung an der Pia Mater eine Congestion und Infil­tration herbeiführen. In manchen Fällen ist diese Affection relativ gut­artig. Da sich hierbei eine Localerkrankung des Nabels nicht mit Sicher­
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heit ergiebt, so könnte es zweifelhaft erscheinen, ob die Entstehung der Krankheitsfälle wirklich auf einer primären Nabelinfection beruht. Indessnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;!raquo;_
habe ich ganz die gleichen Krankheitserscheinnngen bei schwerer und
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durch die Section nachweisbarer Phlebitis umbilicalis der Fohlen beob­achtet, wobei gleichzeitig die multiple Gelenkentzündung zur Ausbildung kam. Ich bin deshalb der Ansicht, dass es sich bei den gutartigen, zur Genesung führenden Fällen um eine vorübergehende leichte Infection handelt.
Die Krankheit, von welcher die Fohlen innerhalb der ersten Lebens­tage befallen werden, giebt sich durch Eingenommenheit des Bewusst-seins zu erkennen. Zuweilen entsteht förmlicher Sopor. Gesenkte Hal­tung und Stützen des Kopfes gegen die Stallwand; nicht selten auch Manege-Bewegungen. Einzelne dieser Fohlen leiden daneben an Krampf­anfällen, welche sich besonders in der Kopf- und Halsmuskulatur (Ge­nickkrampf) zeigen. Auch an den Gliedmassen treten Zuckungen ein. In anderen Fällen werden Lähmungen im Bereiche des Paclalis oder an den Gliedraassen beobachtet. Die übrigen Erscheinungen beziehen sich auf den Mangel an Appetit, Pulsfrequenz und Erhöhung der Temperatur. Bei den schwer erkrankten Fohlen macht sich alsbald der Kräfteverfall geltend.
Frognose und Behandlniig. So bedenklich das Krankheitsbild erscheint
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Infoctions- und lntoxicalionskrankheiten.
so ist doch die Cur nicht aussichtslos. Ungünstig vorlaufen die Fälle, in welchen dio nervösen Symptome länger als einen Tag anhalten. — Liegen die soporösen Erscheinungen leistet in der Hegel ein Aderlass (Entziehung von l/4 — Vj, Liter Blut aus der V. jugularis) vortreffliche Dienste. Schon Traogor hat den Erfolg der Vonäsoction bei solchen Patienten hervorgehoben und Gestüt raquo;Inspector Priester in Trakchmon erzählte mir, dass er seit vielen Jahren die heilsame Wirkung des Ader­lass in einer grossen Zaiil von Krankheitsfällen constatirt habe. — innerlich soll nach Traegcr und Priester Aqua chlorata zu einem Esslöffcl voll mehrmals täglich gegeben, günstig wirken. In einigen Fällen gab ich mit Vortheil roborirende Mittel (Chinawein, Tinct. Valer. simpl. mit Wasser oder Tinct. Rhei aquosa in Zwischenzeiten von 2 bis 5 Stunden). Wenn die Fohlen das Euter freiwillig oder mit Unter­stützung nicht mehr annehmen wollen, so kann das öftere Einflössen von lauwarmem Fenchelthec, im Nothfall von Heusamenthee versucht worden. Das Eingeben von abgemolkener oder verdünnter Muttermilch oder von Kuhmilch habe ich in keinem Fall vortheilhaft gefunden. — Dass die kranken Fohlen sorgfältig gehalten und vor der Einwirkung kalter Luft zu schützen sind, bedarf kaum einer Andeutung.
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Allgemeine septische Blutvergiftung.
Symptoinc. Zuweilen ist die allgemeine Infection des Blutos mit dem aus der Nabelvene importirten septischen Virus so erheblich, dass die Fohlen schon am ersten, oder doch am zweiten Krankheitstage eingehen, ohne mit entzündlichen Schwellungen der Gelenke behaftet zu sein. Die Erscheinungen entsprochen dem von der Sephthämie im Allgemeinen entworfenen Bilde. Mit der Ausbildung der Krankheit macht sich eine erhebliche constitutionollo Ermüdung geltend. Das Fohlen ist ausser Stande, am Euter zu saugen. Es steht theilnahmlos oder liegt an­haltend und ist nicht fähig, ohne Hülfe aufzustehen. Das Haar er­scheint struppig. Pulsfrequenz, Fiebertemperatur, vollständige Inappetenz, venöse Färbung der Schleimhäute und oft diarrhoischo Entleerungen dos Darms. Im Vorlaufe eines Tages nimmt der Kräftcverfall zu; die Augen sinken in die Höhlen zurück, die Thiere liegen flach auf der Seite und sterben unter den Zufällen dor Suffocation.
Prognose untl Thernpie. Die allgemeine Sephthämie führt ausnahmslos zum Tode. Ein besonderer Curplan lässt sich demnach bei einem der­artig kranken Fohlen nicht aufstellen. Die Prophylaxis ist nach den S. 328 erörterten Indicationcn durch Localbchandlung des Nabels zu bewirken.
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Pyo-Sephthiimie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 331
ffletastatische abscedirende Lungenentzflndung — Pneumonia metastatica
Symptome. Die im Habitus scliwach erscheinenden Fohlen, bei wel­chen eine nässende Absonderung am Nabel besteht, bekunden in der 2,—3. Lebenswoche schmerzhaften Huston bald in höherein, bald in ge­ringerem Grade. Fohlen, die zunächst an der multiplen Arthritis er­kranken, werden nicht selten noch in der 6.—10. Lebenswoche von der metastatischen Pneumonie befallen. Neben dem krankhaften Husten findet sich Schmerz beim Druck auf die Brustwandungen und Ausfluss von eiterhaltigem Schleim aus der Nase. Pulsfrequenz, Fiebertemperatur, dyspnoisches Athmen, Mangel an Appetit, Röthung der Schleimhäute und allmälig zunehmende Abmagerung. Bei schwerer Erkrankung liegen die Fohlen oft ziemlich lange auf dem Brustbein mit untergeschlagenen oder nach vorn gehaltenen Vordergliedmassen. Durch den krankhaften
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Hustenreiz werden die Thiere sehr belästigt. Gegen Ende der Krank­heit besteht gewöjinlich starke Nasenblennorrhoo. Die Auscultation der Lungen ergiebt das Bestehen von Ilasseigeräuschen; daneben ist gewöhn­lich in den erkrankten Partien ausgesprochenes ßronchialathmen nach­zuweisen. An den in höherem Grade degenorirten Lungenpartien fohlt das Athmungsgeräusch ganz. Dementsprechend ist der Percussionsschall an den unteren Abschnitten des Thorax gewöhnlich gedämpft. Nicht selten findet sich vorübergehend porcutorischor Metallklang. — Die Dauer dieser metastatischen Pneumonie ist ungleich. Einzelne Fohlen sterben schon nach wenigen Tagen, während andere erst nach mehreren Wochen zu Grunde gehen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^
Pathologische Auatomie. Bei der Section der Fohlen, die innerhalb
8 Tage der Krankheit erliegen, finden sich in einer oder in beiden
Lungen lobuläre Entzündungsherde mit eiteriger Einschmelzung des Ge­webes. An den peripherisch gelegenen Horden tritt die Oberfläche der Lunge knotig hervor. Die Pleura ist in massigem Grade und Umfange entsprechend den erkrankten Lungenpartien geschwollen und mit fibri-nösem oder eiterigem Exsudat bedeckt. In den Bronchien besteht einenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,
diffuse entzündliche Röthe mit leichter Schwellung der Schleimhaut. — Hat die Krankheit mehrere Wochen gedauert, so findet sich ein form-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;l,
liches System von Eiterherden in den Lungen. Die metastatischen Abs-cesse haben sich zum Theil in die Bronchien entleert, wodurch eine diffuse eiterige Bronchitis zur Ausbildung gelangt ist. Von dem in den kranken Bronchien mit der Exspiration fortgeführten Eiter sind durch Aspiration broncho-pneumonische Entzündungsherde mit der Tendenz zur
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fnfBction.s- uiirl IntoxioationskranlilioilPii.
Eiterung an den von dor Erobolle nicht betroffenen Abschnitten dor Lunge herbeigeführt worden, in der Umgebung der embolischon und der broncho-pneumonischen Eiterherde findet sich fibröses Bindegewebe. Einzelne Herde sind nicht sollen durch Neubildung von schwieligem Bindegewebe vernarbt. — In der Luftröhre, mehr noch im Kehlkopf und im Schlundkopf, zuweilen auch in der Nasenhöhle ist die Sohleinahaut entzündlich gerötbet und leicht goschwollen (die Wirkung der Dojoction eiteriger Krankheitsproducto aus den Bronchien und Lungen). — Wegen der Veränderungen in dor Nabelvene vergl. S. 324
Diagnose. Im Initialstadiuni haben die Symptome der embolischen Pneumonic junger Fohlen nicht selten viel Aehnlichkeit mit den Er­scheinungen einer durch Erkältung verursachten Bronchitis und katar­rhalischen Broncho-Pneumonie. Ausserdem ist in diagnostischer Hinsicht auf die bei der Druse vorkommende Bronchitis resp. Broncho-Pneumonie Rücksicht zu nehmen. Auch können junge Fohlen an einer purulenten Infection der Subcutis am Kopfe oder an den Gliedmassen erkranken und in Folge dessen mit einer tödtlich verlaufenden mclastatischen Pneumonic behaftet werden. Bei sorgfältiger Erhebung der Anamnese und der Krankheitsbefunde ergeben sich indess in der Regel ausreichende Anhaltspunkte zur Sicherung der Diagnose. Erleichtert wird letztere bei einer wahrnehmbaren Nabelerkrankung und bei dem gleichzeitigen Bestehen entzündlicher Affectionon an den Gelenken.
Prognose. Sehr ungünstig. Nur in den seltenen Ausnahmefällen, in welchen blos einzelne Lungenabscesso von geringem Umfange ent­stehen und die primäre Nabelvenen-Erkrankung bald abheilt, kann die Genesung der jungen Thierc erfolgen.
Therapie. Im Wesentlichen ist die Behandlung der Krankheitsfälle auf die diätetische Pflege in gut ventilirten Stallungen und auf die An­wendung von roborirenden Mitteln (Einflössen von Wein, Ohinawein oder dem Dococt eines bitteren Medicamentes etc.) beschränkt. Machen sich Schmcrzcmpfindungen in der Brustwand bemerklich, so ist nach der Theorie die Application scharfer Einreibungen (öproo. Senfspiritus) indi-cirt. Die Erfahrung ergiebt aber, dass in solchen Fällen jede Behand­lung erfolglos bleibt. — Wegen der prophylaktischen Behandlung des Nabels vorweise ich auf die S. 328 befindlichen Bemerkungen.
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Metastatische innere Äugenentzündnng — Iritis und Chorioiditis.
Symptonic und Diagnose. Die nach der primären Nabelvenen-Entzündung
nicht selten eintretende metastatischo innere Augenenlzündung, deren
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Pyo-Sephthämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 888
specielle Erläuterung der Voterinär-Ophtlialmologic anheimfällt, giebt sich im Ganzen durch dieselben Erscheinungen zu erkennen, welche den ersten Anfall der sogenannten Mondblindheit bei älteren Fohlen oder erwachsenen Pferden charakterisiren. Zuweilen erkranken beide Augen gleichzeitig oder kurz nacheinander. Oft wird aber nur ein Auge be­fallen. Der Regel nach entstellt diese Augenaffection nur dann, wenn die Fohlen bereits an der multiplen metastatischen Arthritis leiden. Lichtscheu, Verschliessen der Augenlider, Abfluss von Thränen, Ver­engerung der Pupille und die Bildung von grünlich-gelblichem Exsudat an der Iris kennzeichnen die Affection. Für die Diagnose ist zu be­achten, dass junge Fohlen auch aus anderen Ursachen an einer inneren Augenentzündung erkranken können. Mit der Phlebitis umbilicalis lassen sich nur diejenigen Fälle in Verbindung bringen, welche in den ersten Lebenswochen der Thiere neben der örtlichen Affection des Nabels oder im Verlaufe der Gelenk- und Lungenerkrankung zur Entstehung kommen. Pruguusc und Therapie. Die in Rede stehende Augenentzündung ist stets ungünstig zu beurtheilen. Abgesehen davon, dass die botreffenden Fohlen in der Regel durch die Golcnkcrkrankung zu Grunde gehen oder werthlos werden, so lässt sich auch das Sehvermögen auf den erkrankton Augen kaum jemals erhallen. Zur Behandlung kann versuchsweise täg­lich zweimal die Instillation einer 0,5 proc. Lösung von Atropin und die Application eines Haarseils oder einer scharfen Einreibung (Collodiuni cantharidatum) unter den kranken Augen in Anwendung gezogen werden.
Multiple, seröse und purulente Gelenkentzündung. Arthritis multiplex
metastatica. Lähme, Gelenkkrankheit der Fohlen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; r
Wenn die faulig-eiterige Entzündung der Nabelvenc einmal ent­standen ist, so kommt in der grössten Mehrzahl der Fälle die metasta­tische Erkrankung der Gelenke, zuweilen auch der Sehnenscheiden und Schleimbeutel zur Ausbildung. Gerade von dieser Affection ist in den pathologischen Handbüchern das Bild der Lähme mit Vorliebe entworfen worden und es würde in der That zweckmässig sein, den Begriff der Lähme, wenn derselbe nicht ganz aufgegeben werden soll, auf dieselbe zu beschränken. — Durch die Blutcirculation gelangen die aus der kranken Nabelveno aufgenommenen phlogogenon Stoffe in die Synovia, welche in Folge dessen eine reizende Wirkung auf die Synovialmembrannbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; V
der betreffenden Gelenke, Sehnenscheiden und Burscn herbeiführt. Niemals erkranken bei einem Fohlen sämratliche Gelenke resp. Synovialkapselnnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .y.
an diesen Entzündungsprocesson. Im Ganzen ist aber die Zahl der
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Fnfections- und Intoxioationskrankheiten.
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affloirten Gelenke in der Regel grosser, als nach den Krankheitssym-ptoraen anganommen wird. Denn die an den straffen Gelenkon ein­setzenden Entzündungsprocesse verursachen nur selten eine äusserlich wahrnehmbare Schwellung und bleiben deshalb oft unermittelt. Die Angaben der älteren Autoren über die Häufigkeit der Erkrankung ein­zelner Gelenke haben nur einen relativen Worth, weil sie sich auf die äusserlich sichtbare entzündliche Schwellung oder auf die Vereiterung der Gelenke und ihrer Umgebung beschränken. So meinte Dieterichs, dass das Schulter- und Kniegelenk am meisten befallen würden, wäh­rend Renard neben dem Kniegelenk besonders an den Vorderfusswurzel-und Fesselgelenken die Erkrankung am meisten beobachtete. Im Ein­klänge mit der Erfahrung hat Strauss auf die häufige Affection der Sprunggelenke aufmerksam gemacht.
Symptome mul Verlauf. Der Beginn der multiplen Arthritis bei den neugeborenen Fohlen ist abhängig von der Virulenz und dem Umfange der Primäraffection in der Nabelvene. Gewöhnlich am 3.—5. Tage nach der Geburt, zuweilen schon am 2. Tage, oft auch erst 10 —14 Tage nach der Geburt finden sich die ersten Zeichen der Krankheit. Die Fohlen erscheinen traurig und müde. Sie halten den Kopf gesenkt und suchen das Euter nicht mehr auf oder saugen nur wenige Augenblicke. Steifer Gang, anhaltendes Liegen und Unvermögen, ohne Hülfe aufzu­stehen. Pulsboschleunigung und Fiebertemperatur. — Zuweilen schon am 1., oft auch erst am 2.—3. Krankheitstage treten schmerzhafte An­schwellungen an dem einen oder anderen Gelenke ein: Am Tarsus füllt sich das Tibio-Astragal-Gelenk mit Flüssigkeit; am Kniegelenk die vordere Abtheilung (Bursa subpatellaris); au der Vorderfusswurzel und am Fessel die Sehnenscheiden. Ausser den Synovialsäoken ist auch das poriarticuläro Bindegewebe bald mehr, bald weniger infiltrirt. Die Ge­schwülste sind sehr schmerzhaft. Auf die erkrankte Glicdmasse können die Fohlen sich gar nicht oder nur sehr unvollkommen stützen. Leiden zwei oder drei Gliedmassen, so können die Tliiere überhaupt nicht stehen. In der Regel bleiben die einmal entstandenen Füllungen der Gelenke oder Sehnenscheiden fortbestehen. Wenn aber nebenbei eine schwere fieberhafte Sephthämie mit metastatischer Lungenentzündung oder mit diffuser Darmentzündung (colliquativer Durchfall) zur Ausbildung kommt, so wird das entzündliche Exsudat aus der einen oder anderen Synovial-kapscl zuweilen innerhalb eines Tages wieder rosorbirt.
Bei geringfügiger Allgemeininfection zeigt sich zunächst nur an einem oder zwei Gelenken einer Gliedmasse die Schwellung. Nach 1 bis 8 Tagen, zuweilen auch erst nach 8 Tagen findet sich dann die gleiche
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Affection an einer anderen Gliedmasse. Die Empfängliohkeit der Gelenke und Sehnenscheideh für diese naetastatisohe Entzündung ist an allen 4 Gliodmasson gleich. Doch bleiben die Sprunggelenke, die Kniegelenke und die Sehnenscheiden am Fessel der Vordcrgliedmassen seltener ver­schont, als andere Gelenke, üass der Krankheitsverlauf von der Viru­lenz der PriiiKiraffoction in der Nabelvene und der hiervon abhängigen grösseren oder geringeren Intensität der Gelenkerkrankungen wesentlich beeinflusst wird, habe ich schon angedeutet. Oberflächliche lioizuagen der Synovialmcrabran und seröse Ergüsse sind von einer minder gefähr­lichen Rückwirkung auf die Constitution der Fohlen, als eiterige Proccsse. Im üebrigen richtet sich der Verlauf eines Krankheitsfalles vorzugsweise danach, ob nur an einer oder gleichzeitig resp. nacheinander an mehreren Gliedmassen die Gelenke afficirt werden. In den letztgedachton Fällen gehen die Fohlen oft im Verlaufe einiger Tage, zuweilen auch erst nach 10—14 Tagen zu Grunde. Nicht selten tritt im Verlaufe der Krankheit eine metastatische Pneumonie oder innere Augenentzündung ein. Aus dieser Wahrnehmung und aus der Thatsache, dass die Gelenke oft nicht gleichzeitig, sondern nacheinander und in ungleichen Zwischenzeiten er­kranken, formulirten ältere Autoren den Begriff der „wandernden Lähmequot;. Als eine Folge des anhaltenden Liegens entsteht nicht selten an den stark gedrückten Regionen der Haut Decubitus mit gangränöser Zer­störung der ünterhaut und der Muskulatur. Bei eiterig-jauchigem Cha­rakter der Gelenkerkrankung kommt zuweilen, wenn die Patienten 10—14 Tage am Leben bleiben, ein Aufbruch der Gelenke zu Stande. Die hiermit verbundenen ulcerösen Gewebsstörungen pflegen aber den tödtlichen Ausgang der Krankheit zu beschleunigen. — Unter den Allgemein-Symptomen prävalirt die Abmagerung, die bei protrahirtem Verlaufe in dem Masse zunimmt, in welchem die Fohlen den Milchgenuss verweigern.
Diagiiuse. Eine geringe, flache Anschwellung am Fessel einer Glied­masse und Lahmheit sind neben der Verminderung des Appetits oft 1—2 Tage hindurch die wesentlichsten Symptome der, Krankheit. Ich habe mehrfach kennen gelernt, dass die Besitzer in solchen Fällen die Anschwellung darauf zurückführten, dass das Fohlen von der Stute ge­treten sei. Gegen eine derartige Verwechselung schützt die Berück­sichtigung des Appctitmangels, der allgemeinen Körperschwäche und der lieberhaften Temperaturerhöhung. Auch lassen sich im Allgemeinen die Quetschungen an den Gliedmassen junger Fohlen von den Geschwülsten der multiplen Arthritis leicht dadurch unterscheiden, dass bei den letzteren die Synovialräumo mit Flüssigkeit angefüllt sind und die Haut-
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
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Verwundungen fehlen. — Für die Diagnose ist ausserdem zu beachten, dass die metastatische multiple Arthritis als Folge der Nabelinfection gewöhnlich in den ersten Tagen, stets aber innerhalb der ersten 4 Wochen nach der Geburt zur Ausbildung kommt. In dieser Zeit werden bei den Fohlen die aus anderen Ursachen entstehenden Affectionen der Gelenke und Sehnenscheiden (Gallen) sehr selten beobachtet. Dagegen habe ich mohrfach geschon, dass gesunde Fohlen im Alter von 2 — 3 Monaten plötzlich resp. innerhalb 12 Stunden auf einer Hintergliedmasso mit einer sehr schmerzhaften Sprunggelenkentzündung und starker Anfüllung des Tibio-Astragalgelenks behaftet wurden, ohne dass eine äussere Ur­sache der Erkrankung nachgewiesen werden konnte. In der Literatur ist dieser Erkrankung, die auch bei volljährigen Pferden vorkommt, unter dein Namen der „rheumatischen Sprunggelenkgallequot; gedacht worden. Wahrscheinlich erfolgt die Entstehung derselben durch ein vom Darm­kanal aufgenommenes oder nach Störungen des Stoffwechsels (Erkältung) entstandenes Gift, welches mit der Circulation in die Gelenkkapsel ge­langt. Einer Verwechselung der „rheumatischen Sprunggelenkgalloquot; mit der multiplen Arthritis neugeborener Fohlen lässt sich schon durch die Beachtung der Thatsache begegnen, dass nur ein Gelenk afficirt ist. Ausserdem ergiebt das Alter in Verbindung mit dem Nährzustande des betreffenden Fohlens, dass vor der Vernarbung des Nabelringes eine In­fection der Nabelvone nicht erfolgt und eine schleichende Phlebitis um-bilicalis nicht vorhanden sein kann.
Prognose. Da der Primäraffection der Nabelvene nicht direct bei­zukommen ist, so bedarf es kaum noch einer Bemerkung darüber, dass jede schwere Erkrankung an der multiplen metastatischen Arthritis bei den Fohlen zum Tode führt. Aber auch gegenüber den leichten Fällen, in welchen die Nabelentzündung abheilt, fällt die Beurtheilung der Krank­heit sehr ungünstig aus. Selbst bei der sorgfältigsten Verpflegung der Patienten bleiben die Folgen der Gelenkaffection (Gallen und Verkürzungen der Kapsclbänder) zurück, welche das gesammte Körperwachsthum nach­theilig beeinflussen und insbesondere fehlerhafte Stellungen der Glied­massen verursachen. Die Erfahrung hat ergeben, dass solche Fohlen die Kosten der Aufzucht fast in allen Fällen nicht decken. Es ist des­halb für den Thierarzt geboten, darauf aufmerksam zu machen, dass die betreffenden 'filiere vverthlos sind.
Therapie. Soll eine Behandlung versucht werden, so kann innerlich Fcnchelthee oder Kamillenthee mit Wein oder Tinct. Valer. aeth. täglich einige Male eingeflösst werden. Aeusserlich sind warme Bähungen der geschwollenen Gelenke mit Heusamenbrüho unter Zusatz von Plumb, acet.
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Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3;i7
odor Alum, angozeigt. Die Naohkrankhoilon der multiplen Arthritis werden nach den Regeln der Chirurgie mit scharfen Einreibungen be­handelt. —• Von viel grösserer Bedeutung, als die curative Behandlung, ist die Prophylaxis, wegen deren die S. 328 befindlichen Angaben zu beachten sind.
Capitel XV. hnisc, Cory/a contagiosa Kquorum.
Zweifolloso Andeutungen, aus welclion mit einiger Wahrschoinlichkoil gefolgert worden könnte, dass die Druse den alten Culturrölkern des Orients bekannt gewesen sei, finden sich In dem litorarischon Naohlass dos Altertlnims nioht. Auch die Werke der römisohenLandwirlhe und der grloohlsohbnHlpplater ontiialton keineMittlieihmgeii über die Symptome und die Behandlung der Druse.. Erklärlich wird diese tJnvoll-sliiiuligkeit der alten Literatur durch die Thatsache, dass die Umso in den wannoren Ländern ebensowenig vorkommt, als im hohen Norden. Ihre Heimath erstreckt sich etwa vom 40. bis zum 60. Breitengrade. Es liegt kein Grund vor, aus welchem sich die Vermuthung rechtfertigen liesso, dass die Druso in Europa eine neuere Krankheit sei und nicht schon so lange geherrscht habe, als eine geordnete Pferdezucht und l'ferdehaltung Im Gebrauche sind. Trotzdem ist keine glaubwürdige Nachricht über das Auftreten der Druso bei den Pferden der Kriegsheere oder der Gestüte aus der Geschichte des Mittelalters bekannt. Unsicher ist die Angabe bei .lord. UulTiis (1251) über die als „Cimoiraquot; bezeichnete Pferdekrankheit. Da von derselben nur hervorgehoben wird, dass sie sich vornehmlich durch Nasenausfluss charaklorisiro, so lilsst sich die Mittheilung mit oben so viel Rocht auf den Rotz, als auf die Druse beziehen. Hütte Ruffus von der Abscessbildung im Kohlgange der drusekranken Pferde und von dem endemischen Auftreten der Krankheit eine Kenntniss gehabt, so würde er zweifellos darüber gesprochen haben. Die italienische Bezeichnung der Druso mit „Cimnorroquot;, welche mit der Ru ffus'schon Terminologie sprachlich zu­sammenhängt, deutet auf die auch nach anderen literarischen Quellen zu constalirendo Thatsache, dass gegen Ende des Mittelalters alle mit Nasenausfluss verbundenen Pferdekrankheiten unter einem Namen zusammengefasst worden sind. Von dou un­klaren Ansichten, welche sich dio Stallmeister im 17. und 18. .lahrhundert über das Wesen der Druso angeeignet hatten, verlohnt sich eine ausführliche Darstellung nicht. Solleysel (1664) glaubte, dass während der Jugendjahre der Pferde sich überfldssigo Säfte im Organismus ansammeln und bei geeigneten Bedingungen eine Krankheit (die Druso) veranlassen sollton, durch wefoho sie aus dem Körper wieder ausgeschieden würden. Simon Winter hielt dio Druse für einen kalten Fluss, der vom Gehirn käme und auf die Leber oder die Lungen falle. Verzeihlich erscheint dieser Ausspraoh durch die Thalsache, dass bis zum 18. Jahrhundert die Ansicht der griechischen Aorzte des Altorlhums, nach welcher beim Nnsonkatari'h des Menschen Scllloim aus Dlookorlioff. Spec. Pnlliologlo quot;. Thcrajilo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .)•gt;
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Infections- und Intoxicalionskrankheiten.
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dem Gehirn durch die Laminii oribrosa dos Siobboins in die Nase abfliosson sollte, in der medioinisohon iatonituv vortreten worden Ist,
Als die Errichtung dor Thiorarznoisohulon In IDuropa das wlssenscharuicho Studium der Thlei'ld'ankhoiton ormögliohte, fand auoh die Frage nach dem Wesen der Druse allseitige Würdigung. Mit Vorliebe vorglichen die Autoren die Kranldieiten der Füllen mit den meiiscbliolien Kinderkrankheileji (Scharlach, Masern, Kötheln). Wie die letzteren als Kigenthüniliclikeiten des Kindesalters gallon, so sollte auch die Druse ausschliesslich eine Jugondkrankhelt dor Pferde sein und in dieser Beschränkung einen specilischen Charakter besitzen. Um die Unterscheidung der Druse von den bei älteren Pferden vorkommenden aouten Katarrhen der Respirationssclileimhaut voll­ständiger zur Anscliaiumg zu bringen, machten einllussreiche Autoren zwischen den schon seit Jahrhunderten gebräuchlichen Krankheitsnamen eine begrilTlicho Trennung. Die Druse (ächte oder wahre Druse, Füllendruse) galt als eine speeifische Jugendkrankheit, während der Strenget (altdeutsch: „Strengequot;), der Kropf und die Kehl sucht sowohl die einfachen, als auch die mit abscedirender Entzündung der rtgioniiren Lymphdrüsen verbundenen Katarrhe der Kespirationssohlcimhaut bei den älteren Pferden bezeichnen sollten. Entgegen diesem principiollen Standpunkt machten andere hervorragende Thierärzte zwischen der Druse, dem Strenget und dem Kropf keinen essentiellen Unterschied.
Die Theorie der Druse erläuterton die Thierärzte des vorigen Jahrhunderts nach humoral-pathologischen Voraussetzungen. Vitot (1771) präsumirto eine speeifische Schädlichkeit („Drusengiftquot;) imKörper. Zu jcnorZeit unterschieden die französischen Thierärzte schon eine „gutartigequot;, eine „bösartigequot; und eine „falschequot; Druse. Nach Vitet soll sich die gutartige Druse durch gänzliche Ausleerung der Feuchtigkeit (Drusengift) aus der Nase oder dem Kehlgangsabscesso charaktorisiren. Bei der bös­artigen Druse soll die Feuchtigkeit die Luftröhre und die Lungen angreifen. Zur falschen Druse worden die Fälle gerechnet, bei welchen die Materie nicht vollständig aus den llespirationswegen abfliessen und deshalb sich zum Theil auf andere Organe des Körpers werfen soll. Auch Lafosse (1772) hatte die Ansicht, dass bei der Druse eine primäre Veränderung des Blutes bestehe und dass in letzterem ein unbe­kanntes Gift circulire, welches die Localaffectionen herbeiführe.
Für die bedeutendsten thierärztlichen Autoren des vorigen Jahrhunderts blieb die durch Vitet und Lafosse begründete Theorie der Druse massgobend; nur in der Definition derselben als Jugendkrankheit gegenüber den acuten Katarrhen der älteren Pferde finden sich principielle Verschiedenheiten. Bouwi nghausen von Wallmerode (Druse und Strenget der Pferde, 177G) vertheidigte die Ansicht, dass die Druse als speeifische Krankheit die Pferde nur einmal im Loben und regelmässig bis zum 4. Jahre, ausnahmsweise im späteren Alter befalle. Vom Strenge!, der sich auf die ganze Respirationsschleimhaut (Nase, Rachen, Luftröhre und Lungen) aus­breite, unterscheide sich die Druse vornehmlich durch ihre Ansteckungsfähigkeit. Ganz entgegengesetzter Ansicht war Wolsteiu (Innerliche Krankheiten der Füllen, 1787), dessen Lehro in folgendem Satze gipfelt: „Druse, Kehlsucht und Strenge! sind Namen, die einerlei Uebel unter verschiedenen Graden, Gängen und Stufen von Gefahr anzeigenquot;. Krasser, als andere Autoren, hat Kersting (Nachgel. Manuscr., 2. Aufl., 171)2) den humoral-pathologischen Standpunkt vortreten. Wie Wolstoin, so rechnet auch er den Strenget, die Kehlsucht und den Kropf zur Druse, deren nächste Ursache in einer Verschleiinung des Blutes beruhen soll. „Je mehr das Blut verschleimt und je übelartiger dieser Schleim ist, desto bösartiger wird die Dmse.
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Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;339nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;%,
k Wenn das Zähe, Schleimige im Blut durch eine gelinde lieberliafte Bewegung nachnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;U.J
dem Kopfe getrieben und in der .Schleimhaut duroh die Austuhrungscaniilo derSchloim-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; \
driisen ausgeführt wird, so ist dies der natiirlichsto und schicklichste Weg, den die Natur einschlägt. Dagegen ist es weit gefälirlichoi' und für widernatürlich zu halten, wenn die drusige Materie in der Lunge, in den Gorlnrmon odor in einem anderennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;L
Eingeweide abgesetzt wird und durch diese ausgeführt werden sollquot;. DieAnsteckungs-lahigkeit der Druse wird von Kersting bestritten. Er dachte, dass die gleichzeitige Erkrankung einer grösseron Zahl von Pferden dadurch bedingt sei, dass dieselben sich gemeinsam im Hereiche der die Druse herbeiführenden ursächlichen Schädlichkeiten befänden. Nach der Meinung lirugnone's (178H) beruhte die Druse auf einer fehler­haften Constitution der Säfte bei den Fohlen; sie war gewissermassen eine noth-wendige und heilsame Krankheit des Entwickelungsalters. wahrend die acuton Ka­tarrhe der Respirationsorgane bei älteren Pferden sich in anderer Art äussern sollten. Einer ähnlichen Theorie huldigte auch Viborg (Samml., 111., 1802), der die An-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gt;
stockungsfähigkeil, der Krankheit experimentell feststellte. Bei dem grossen Einflüsse, den Viborg auf die Entwickelung der Veterinär-Pathologie gehabt hat, mögen folgende Lehrsätze aus seiner viel citirten Abhandlung noch eine Erwähnung finden. „Der Kropf (die Druse, dor Strenge!, die Bräune) ist eine Krankheit, die gewöhnlich im jüngeren Alter das Pferd heimsucht. Diese Krankheit äussort sich mit Fieber, wobei die Krankheitsmaterie aus dem Blute sich aussondert, welche gemeiniglichnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,
durch die Schleimhaut als ein eiterartiger Auslluss aus der Nase, durch Vereiterung in der Kinnladengrube, rings um die Gurgel und anderswo am Körper abgeht .... Der Kropf wird durch Ansteolning, durch plötzliche Abwechselung der Witterung und durch den Wechsel des trockenen und grünen Futters bei den Thieren, welche diesenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4,
Krankheit nicht gehabt haben, veranlasst. Sie kann, wenn sie unrichtig behandelt wird und wenn sie bösartig 1st, in wandelnden Kropf, Steinkropf, Kotz, Wurm oder andere gefährliche und tödtliche Krankheiten übergehenquot;. P ilger (tlandb., 1803) beschrieb dagegen als selbständige Krankheiten: 1. den Strengel (Coryza), der dem Schnupfen des Menschen völlig ähnlich sei; 2. die Kehlsucht oder Bräune (Angina); 8t die Druse (Morbus glandulosus Equorum) als speeiflsohe, nur einmal im Leben vorkommende Jugendkrankheit.
Auf Grund eines umfassenden Untersuoliungsplanes erörterte Erdelyi (Die Drusenkrankheit der Pferde, 18Ui) die Lehre von der Druse. Von der Annahme aus­gehend, dass die Krankheit durch eine fehlerhafte Mischung der Lymphe bedingt sei, schickte er seiner Betrachtung die Anatomie und Physiologie des Lymphsystems voraus. Begrifflich galten ihm die Worte: Druse, Kropf, Strengel und Kehlsucht als identisch. Das „örtliche und ursprüngliche Leidenquot; verlegt er in die Nasenschleim­haut und die Drüsengeschwülste im Kehlgange führt er auf die Affection der Lymph­drüsen zurück. „Sie (die Lymphdrüsen) leiden entweder durch ihren Oonsons mit der Schleimhaut, oder es sind ihnen von daher abgeartete Stoffe (sogenannte Schärfen) durch die einsaugenden Gefässe zugeführt wordenquot;. „Kehlsucht oder Bräunequot; soll die Krankheit genannt worden, wenn dieRachenschloimhaut entzündet ist undSchluck-beschwerden sich geltend machen; „Kropfquot;, wenn eine Geschwulst im Kehlgangenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;•'
hervortritt und „Strengelquot;, wenn nur Auslluss aus der Nase mit Entzündung der ganzen Respiratioiisschloimhant, aber ohne Schwellung der Lymphdrüsen bestehe. Wie schon die älteren Autoren angenommen hatten, so glaubte auch Erdelyi, dass alle möglichen Einflüsse: die Constitution des jugendlichen Alters, die Jahreszeiten, die Witterung, fehlerhafte BeschalTenheit der Nahrung und der Luft, sowie mangel-
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Infections- und Intoxicationskrankheiton.
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hafte Wartung und Pflege die ursprüngliche Entstehung der Druse vermitteln sollten. Die Ansteckungsfähigkeil der Druse gilt ihm als zweifellos; auch hebt er in Uober-einstimmung mit Vihorg hervor, dass die Krankheit nur Pferde, Ksel und Maulthiere befalle, auf die anderen llauslhiere sich aber nicht übertragen lasse. „Das die Drusen begleitende Fieber ist eigener Art und kann deshalb Drusen - oder lymphatisches Fieber genannt werdenquot;. Aehnlich wie Korsting führt Erdelyi die Pathogenese der Druse auf einen vermehrten Zufluss der Säfte zu den Luftwegen und auf die hierdurch veranlasste Kntleerung einer grösseren Menge von Feuchtigkeit aus den Nasenhöhlen zurück. Der Verbreitung der Krankheit im Organismus und der hier­durch bedingten Mannigfaltigkeit ihrer Aeusserungen widmete er das eingehendste Interesse. Nach ihm sollton unterschieden werden: eine sporadische und onzootische; gutartige, bösartige und verdächtige; ausartende und verschlagene (gestopfte); ein­fache und zusanimengesetzto (verwickelte) Druse. Die an den verschiedensten Re­gionen des Körpers auftretenden Eiterungen sind nach seiner Ansicht Ablagerungen der Drusonmaterie. Nach dem Vorgange Viborg's leitete auch Erdelyi die Ent­stehung der Brustbeule, der Widerristbeule und anderer localer Abscesse von der in den Säften vormutheten Drusenmaterie ab („verschlagene Drusequot;).
Die Arbeit Erdelyi'a hat bis in die neueste Zeit auf die Lehre von der Druse einen gewissen Einllnss gehabt, der sich beim vergleichenden Studium der thierärzt-lichen Lehrbücher leicht ergiobt. Etwas unklar war die Ansicht Waldinger's (Therapie, 1821), der den Strengel und die Druse als Folgen einer nach entzündlichen Fiebern entslehendon Ablagerung von nicht kritisch entleerten Fieberreizen auf die Luftwege ansah. Veith (llandb., 1. Aufl., 1817) betrachtete den Strengel (Kehl­sucht), — Rhinitis, Coryza — die gutartige Druse — Adenitis, Scrophula oquina — und die bösartige Druse als verschiedene Formen des „katarrhös-lymphatischen Fiebersquot; der Pferde. Er erklärte es für unzulässig, die Druse als eine einfache Drüsenentzündung (Adenitis) anzusehen. Auch sei kein Grund vorhanden, die Krank­heit mit der Variola des Menschen oder des Schafes zu vergleichen. Mehr habe die Vergleichung derselben mit der Skrofelkrankheit für sich, „insofern beide in einer krankhaften Erregung des lymphatischen und Capillargefässsystems sich begründen, von ähnlichen Ursachen hervorgebracht werden und in ähnliche chronische Uebel aus­artenquot;. Im Uebrigen vertheidigte Veith die Ansicht, dass Pferde wiederholt an der Druse erkranken könnton. Die Charakteristik der Krankheit als Scrophula equina wurde alsbald von Ilofacker abgelehnt „Die Vergleichung dieser Entwickelungs-krankheit mit den Skrofeln des Menschen, wie sie Veith aufstellt, ist gänzlich un­passend, weil die Affection des Lymphsystoms in der Druse nicht allgemein, wie bei jenen, sondern nur ein gleichsam zufälliges, in der Nähe der entzündeten Sohleim-membran beruhendes Krgriffenwerden dor Lymphdrüsen istquot; (Ilofacker, Lehr­buch 1823).
Unter dein Einflüsse, welchen das von Broussais begründete Lehrsystem der Pathologie auf die Thierarzneikunde gewann, kam neben der bis dahin unbestrittenen Definition der Druse als eine primäre Dyskrasie mit nachfolgender Localaffection eine neue Ansicht zur Geltung. Vatel (Elemens de Path, veter , Deutsch von Pestel, 1829) präcisirte dieselbe dahin, dass die Druse in einer Entzündung der Respirations Schleimhaut beruhe. Hiernach sollte als Druse angesehen werden: die bei jungen Einhufern vorkommende Rhinitis, complicirt mit Laryngitis und Pharyngitis; als Strengel (Coryza, Nasenkatarrh oder falsche Druse) dio Rhinitis der erwachsenen Kinhufer. MitVatel hat auchHurtrel d'Arboval (Wörterb., Deutsch voiiKen ner,
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Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 341nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; \
I 1830) sich dahin ausgesprochen, class die Druse nicht als eine Reinigungskrisis, son­dern als ein katarrhalisches Leiden aufzufassen sei. „Das, was man Druse nennt, ist in der That eine wahre Entzündung der Nasenschleimhaut. Die Verstopfung und Anschwellung der benachbarten Drüsen, welche diesen Zustand gewöhnlich begleiten, ist nur das Resultat der sympathisohon Verbindung, welche unter allen Organen be-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;).,
stehtquot;. Nach derselben Auffassung, aber mit grösserer G'onsequenz erörterte Bloi-weiss (Prakt. Heilverf., 1839) die Theorie der Druse. Kr unterschied zwischen „Strengelquot; und „Drüsenkrankheitenquot;. Der erstore bestand in einer einfachen Rhinitis mit katarrhalischer Dejection. „Der Strengel hört auf, Strengel zu heissen, wenn nebst dem Leiden der Nasensohleimhiiuto auch die Lymphdrüsen des Kehlganges oder der nachbarlichen Gebilde erkranken und anschwellen, und bekommt dann den Namen Drüse oder Druse.quot; Den „Drüsonkrankhoitenquot; unterstellte Illeiweiss fünf „Grada­tionenquot;; 1. gutartige; 2. bösartige; 3. bedenkliche; 4. verdächtige Druse; 5. Rotz. Während die früheren Autoren den Rotz mit Kinschluss des Hautrotz (Wurm) nur als ein Folgeleidon der Druse betrachtet halten, wird derselbe von Bleiweiss direct für eine Form der Druse oder Drusenkrankheit erklärt und auf den ungünstigen Ver­lauf einer primären Entzündung der Nasenschleimhaut zurückgeführt.
Da das von Broussais aufgestellte pathologische System den Thatsaohen ge-wlssermasson vorauseilte, so fand dasselbe in der medicinischen Wissenschaft keine allgemeine Anerkennung. , Auch in der Lehre von .der Druse verblieben die einflusv reichsten thierärztlichen Schriftsteller bei der älteren Anschauung. Eine vermittelnde Stellung nahm II or twig ein (Med. Enoyclop. 1833). Er meinte, dass es der Natur der Krankheit am meisten entspreche, dieselbe als „eine katarrhalische Reizung der Schleimhaut in den Hospirationsorganen, verbunden mit Affcctionon des Lymphgofäss-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; *.
systems und zunächst bedingt durch Zurückhaltung von Hautauswurfstoffenquot; zu dedniren. Nach dem Vorgange Erdelyi's trennte ITortwig die Druse in drei Krankheitsformen; 1. Strengel (Nasenkatarrh, Rhinitis, Coryza), 2. Kohlsuchl (katarrhalische Bräune), 3. gutartige Druse, (Kropf). Letztere wird als die „häufigste und die llauptform der Drusenkrankheitquot; hervorgehoben. — Traeger (Eiillen-krankh. 1839) schloss sich der Ansicht an, dass die Druse eine Entwickelungskrank-heit sei und In der Begel die Pferde nur einmal befalle. Von historischem Interesse ist, dass Traeger von der verdächtigen Druse, dem Rotz und dem Wurm zuerst her­vorgehoben hat, dass diese Krankheitsformen mit der eigentlichen Druse In keinem Zusammenhange ständen. Seine Erklärung, dass Ihm der Ausgang der Druse in den Rotz niemals vorgekommen sei, hätte bei dem grossen Beobachtungsmaterial, das ihm nicht bestritten werden konnte, wohl eine ernstere Beachtung verdient, als sie gefunden hat.
Als überzeugter Anhänger von der dyskrasisclien Entstellungsweise und dem speeiflschen Charakter der Druse, versuchte llaubncr (Magazin etc. 1843) In einer umfassenden, aber etwas selbstbcwusst gehaltenen Kritik sich Geltung zif verschaffen. Seine Aulfassung ergiebt sich aus folgenden Sätzen. „Die Druse ist In der That eine .lugend- und Enlwiekelungskrankheil, die nur einem gewissen Lebensalter eigenlhilm-lich ist . . . Die vermeintliche Affection der Lymphdrüsen 1st gar keine solche, sondern besteht nur in der Bildung eigenthümlicher Zellgewebs-Abscesso .... Das Schleimhaut- wie das Zellgewebslelden stehen in keinem abhängigen Verhältnisse zunbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^
einander; jedes entwickelt sich selbständig und weder das eine noch das andere kann als primäres oder seeundäres Leiden aufgefasst werden .... Die Wesenheit dernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,i
DrUS9 besteht in der Ausscheidung eines olgenthümlich gearteten Stoffes (Drusen-
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laquo;
Hi'lnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxioationskiankheiten.
Stoff) aus dorn Gelasssystom, der als Quelle den gesaniiuLen Assimilations- und BilduDgsprooess hat und der theils durch die llespirationssoliloiinliäute in Form einer lilennorrhoe, tlioils dureli das Zellgewebe in Form von Geschwülsten und Abscesson ausgeschieden wird oder durch seine Einwirkung auf Schleimhäute und Zellgewebe Blennorrhoe und Abscesse hervorruft.quot; Don in diesen Sätzen ausgesprochenen principiellen Standpunkt hat Haubnor nicht wieder aufgegeben. Nach dor VerölTent-lichung der vorgedachton Kritik waren bereits 25 Jahre vergangen, als derselbe (Vet,-Pollzei, 18C9, S. öG7) das Wort .,Drusequot; dahin definirto, dass es ein Collectivname für verschiedene KrankhoitszusUinde sei. .,Die oigentliclio (wahre, Füllen-) Druse
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ist eine den Pferden eigenthümlicho Krankheit, die vorzugsweise die jüngeren Thiore
bis zum 5. Lebensjahr ergreift und nur einmal im Loben erscheint oder wenigstens die Anlage für längere Zeit tilgt.quot; Ueber das Vorhältniss der Druse zur Rotzkrank­heit hatte Haubner dieselbe Ansicht, wie Traogor. Obwohl er mit Letzterem die Selbstentwickelung der Rotzkrankheit zugab, so erklärte or doch mit Bestimmtheit, dass dieselbe aus der ,Fiillondru.sequot; niemals entstehe.
. Die Auffassung, nach welcher Dieterichs (Spec. Pathol., 1. Aufl., 1828; 3. Aufl., 18!)1) die Druse erörterte, stimmt mit den Meinungen älterer Autoren inso­weit üborein, als sie dahin geht, dass die „eigentliche Drusequot; die Pferde nur einmal und zwar vor dem 5. Lebensjahre befalle; sie sei als eine Jugend- oderFttllenkrank-heit zu betrachten. Dagegen fügte Dieterichs die unklare Bemerkung hinzu, dass die bei Pferden joden Alters im Frühjahr und Herbst auftretende Druse (Kropf) mit Katarrh des Rachens, der Nase, der Luftröhre und Bronchien nicht „die eigentliche Umso, sondern einen weit gelinderen Grad derselbenquot; darstello. Gleich Bleiweiss
„laquo;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; bekannte auch er sich zu der seit dem vorigen Jahrhundert in dor Literatur vielfach
vertretenen Ansicht, dass bei fortdauernder Vernachlässigung der Pflöge, Wartung
„.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;und Krniihrung der Pferde die gutartige Druse sich in die bösartige und schliesslich
in die Rotzkrankheit umwandeln könne. — Der von Dieterichs vertretenen An­sicht entspricht im Allgemeinen das Ergobniss dor historisch-kritischen Untersuchung, in welcher sich Funke (Spec. Path, und Ther., 2. Aufl., 1852) über das Wesen der Druse ergeht. Dagegen stellte liyohner (Spec. Pathol. und Ther., 1854) im Ein­klänge mit der von Veith besprochenen Hypothese die Druse als „Scrofula evolu-tionis equiquot; in die Krankheitsgruppe der „Lymphskrophelnquot;. Hering (Spec. Path, und Ther.. I. Aufl., 1842), der die Druse nach dem Vorgange Veith's als „eine
laquo; dem Pferdegeschlocht eigenthümlicho katarrhalisoh-lympliatische, ansteckende Krank­heitquot; definirte, liess die principiello Frage ihrer Verschiedenheit von Strenget, Kehl­sucht etc. unbeantwortet. Zu derselben Definition bekannte sich auch Spinola (Spec. Path, und Thor., I, Abth., 1855), der die Causa pimima der Druse im Blute voraussetzte. „Die Schleimhaut wird das Grnndleldon rellootiren und scheint es allerdings in der Natur der Krankheit zu liegen, das durch den Gosanimtkrankhoits-process gebildete Product (l)rusenmatorie) durch die Schleimhaut auszuscheiden, die (Crisis durch diese vorzugsweise zu bewirken und wo dies nicht ausreicht, Metastasen in das Zellgewebe zu bilden, wobei auch hier, wie bei vielen anderen Säftekrank-heiten, besonders die Nachbarschaft der Drüsen ausorsohen ist, am constanteston der Kehlgang.quot; Indem Spinola zugab, dass diese Erklärung mit den Lehrsätzen Haubner's üboreinstiftimt, verthoidigto er aber im Gegensatz zu denselben den alten Irrthum, dass die Druso bei ungünstigem Verlaufe in die llotzkrankheit übergehen könne. — Roll (Path, und Ther., 5. Aufl., 1885) beschreibt a) den acuten Katarrh der Nascnschleimhaul (Sirengel, Coryza), b) die Druso (Adenitis Equorum, Morbus
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Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;343
glandulosus) und o) den clironisclioii Katarrh der Schleimhaut der Nase und ihrer Nebenhöhlen als locale Kranlcheiten und speolell als ,Entzündung der Nasenschleim* hautquot;. Die Erkrankung der Lymphdrüsen und Lymphgefässe bei der Druse wird auf die Zufuhr von Krankheitsproducten in den Lymphstrom bezogen. Die Verbreitung der Druse durch Ansteckung hält Roll für eine streitige Frage.
Es würde mich zu weit führen, die von den thierär/.tlichen Autoron über die Druse ausgesprochenen Meinungen ausführlicher zu reproduoiren. Obschon kaum eine zweite Pferdekrankheit vorkommt, von welcher die Erscheinungen gleich leicht und in gleicher Vollständigkeit festgestellt worden können, so erhellt doch aus vorstehen­den historischen Mittheilungen, dass die theoretische Betrachtung über das Wesen der Druse zu allen Zeiten unter dem bestimmenden Einflüsse abstractor modicinischer Lehrsysteme gestanden hat. Die medicinisohon Systeme sind aber nicht mit einem Male beseitigt worden. Daher erklärt sich die Thatsacho, dass bei der Beurtheilung der Druse verschiedene Ansichten nebeneinander und unvermittelt sich in der Literatur erhalten haben. Bei dem häufigen Vorkommen sind die wesentlichsten Erscheinungen der Krankheit auch dem Laienpublikum bekannt. Dasselbe hat sich fast durchwog die Vorstellung angeeignet, dass bei der Druse die in den Säften seit längerer Zeit angehäuften unreinen Steife aus dem Körper eliminirt würden und dass bei unvoll­ständiger Ausscheidung die Tiiiere bald in höherem, bald in geringerem Grade krank bleiben miissten. Neben einer grosson Zahl von Krankheiten der inneren Organe werden namentlich die Absoesse und Geschwüre, selbst fistulöse Zustände der äussoren Körpertheile aus trrthum mit der Druse in Verbindung gebracht. Thatsächlich ist die Disposition zu Katarrhen der Kespiralionsschleiinhaut und zur Eiterbildung in localen Entzündungsherden bei einzelnen Pferden grosser, als bei anderen. Dies Verhältniss wird von vielen Laien dahin gedeutet, dass die Pferde von der Druse nicht vollständig genesen seien oder nach der üblichen Sprechweise „nicht richtig abgedruslquot; hätten. Aohnliche Irrthümer wurden vor 50 Jahren auch in der thicr-ärztlichon Literatur ausgesprochen. Es ist gegenwärtig nicht mehr nöthig, dieselben besonders zu bekämpfen. Um so mehr hat der Thierarzt aber ein praktisches Interesse daran, die Pathogenese, Ooniplicationon und Ausgänge der Krankheit nach thatsäoh-lichen Feststellungen zu studiren, um den bei nnregelmässigom Verlaufe zu be-fttrobtenden lebensgefährlichen oder tödtlichen Complicationen frühzeitig genug be­gegnen zu können.
IMimlion. Der Name ,,Drusequot; oder „Drüsenquot; ist aus der volksthümlichen Wortbildung in die Wissenschaft übergegangen. Er bat seinen Ursprung in der die Krankheit begleitenden einfachen Schwellung oder Schwellung mit nachfolgender Absocssbildung in den Lymphdrüsen des Kehlganges. Seit langer Zeit wird die Druse von den Autoren als eine dem Pferdegeschlecht eigenthümliche, ansteckende Krankheit definirt. Im modernen Sinne 1st dieselbe als eine sowohl ursprünglich, wie durch Ansteckung entstehende (miasmatisch-contagiöse) acute Krankheit zu deuten, welche sich durch Entzündung mit eiterig-schleimiger Secretion der llespira-tionsschleimliaut und durch seeundäre entzündliche Schwellung mit Abscessbildung in den zur primär affloirtenSchleimhaut-Region gehörigen Lymphdrüsen charakterisirt. Der BegriiTsbestimmung ist noch hinzuzufügen, dass auch die mit dem Rospirations-traotus nachbarlich zusaimnenhängende Hachenschleimhaul (Schlundkopf, Gaumen­segel und Znngengiunil) von der Priniäralfection mitbotrolfen sein kann, In vielen Gegenden Deutschlands wird die Krankheit übereinstimmend mit dem in der älteren thierär/.tlichen Literatur bevorzugten Namen „Kropfquot; bezeichnet, wozu zweifellos die
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Infections- und InloxioaUonslinuilihoiten.
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Lymphdrüsen - Schwellung im Kehlgang und am llniso Veranlassung gegeben hat. Der in der Literatur sehr verschieden gedeutete Ausdruck „Strengelquot; 1st, wie icli mit Viborg, Erdelyi, Hertwig u. A. anerkenne, zwecldniissig nicht auf eine dem Wesen nach von der Druse zu unterscheidende Kranldieit zu beziehen. Denn es be­steht kein zutreffender Grund, naoli welchem die Druse der erwachsenen Pferde („Strengelquot;) von der Druse der Füllen („wahre Drusequot;) begrifflich getrennt werden könnte.
Nicht jeder acute Katarrh des Respiratlonstraotus und des Rachens ist der Druse zuzurechnen, Erwachsene Pferde, nicht selten auch Fohlen, welche die Druse noch nicht überstanden haben, sind rocht oft der Erkrankung an einfachen Katarrhen der Nase, dos Kachens, des Kehlkopfes oder der Bronchien unterworfen, welche sich von der Druse dadurch unterscheiden, dass hei denselben die krankhafte Secretion der Sohleinihaut nicht von einem besonderen pathogenen (eiterbildendon) Ferment beeinflusst ist und dass deshalb in den Lymphdrüsen des erkrankten Gebietes eine eiterige (abscedirende) Entzündung nicht entsteht. Die Berechtigung, diese ,,ein­fachen Katarrhequot; von der Druse begrifflich zu trennen, kann — wie icli schon an dieser Stelle bemerken will — dadurch keinen Eintrag erleiden, dass sowohl bei der sporadischen, als bei der endemisch (als Stallseiiche) auftretenden Druse einzelne Pferde in einem so geringen Grade erkranken, dass dio wichtigsten Krankheitssym­ptome (Flächenoiterung In der Respirationsschleimhaut und Schwellung mit Abscoss-bildung in den Lymphdrüsen) nicht, oder nur unvollständig zur Ausbildung kommen.
Eine scheinbare Schwierigkeit für die Begriffsbestimmung bringen die in ein­zelnen Jahren und zu gewissen Zeiten (im Sommer) häufiger als sonst vorkommenden Krankheitsfälle mit sich, bei welchen die Primäraffection der Nasonschleimhaut oder des Rachens so gering ist, dass sie gar nicht wahrgenommen wird, so dass die Schwellung und Absccssbildung in den Lymphdrüsen gleichsam als zuerst entstandene Krankheitsprooesse sich bemerkbar machen. Solche Beobachtungen waren es, welche Haubner zu dem Irrthum verleiteten, dass die Absccssbildung im Kehlgange und in der Ohrdrüsengegend nicht mit einer 'Prlinttraffection der Schleimhäute in Ver-liindung stehe. Thalsächlich handelt es sich aber um eine Modiflcation der Pätho-genese, wobei das mehrgedachte pathogene Ferment nur eine geringfügige Reizung der Schleimhaut setzt, dagegen nach dem üebergange in die Lymphbahnen eine relativ starke Schwellung und Suppuration der Lymphdrüsen herbeiführt.
Als primäre AlTection und als spocifischer Bestandtheil der Drusonkrankheit steht die eigenthümliche diffuse und oberflächliche Entzündung der Rospirations-schlcimhaut und des Kachens im Vordergrunde der Begriffsbestimmung, Am liiiiifigsten unterliegt die Nasenschleimhaut der Erkrankung. Die Schwellung und Abscessbildung in den zugehörigen Lymphdrüsen ist als eine Complication dos Schleimhautleidens zu präeisiren. Aus diesen Gründen wird die Druse technisch am zweckmässigsten als „Coryza contagiosa Equorumquot; bezeichnet. Die in der älteren und neueren Literatur gebrauchten Namen; Adenitis, Morbus giandulosus. Scrofula equina führen zu Missverständnissen in der IJeurtheiluiig der Krankheit und sind deshalb nach meiner Ansicht nicht statthaft.
Actiologie. Ks giebt eine grösserc Zahl von pflanzlichen Mikroorga­nismen in der alraosphärisohon Luft, welche die Fälligkeit haben, an ompfängiiclion Geweben des thierischen Körpers eiterbiidende Entzündungs-processe anzuregen, lieber die biologischen Eigcntliiinilichkeitcn derselben
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Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mb
ist eine abschliessciido Erkenntniss noch nicht erbracht. Wahrscheinlich vogotiren sie in dor Form der Kokken (Eiterkokkon).
Nacii der Tliatsache, dass sich die Druse durch Kntziindungsprocesse mit der Tendenz zur Eiterung charaldorisirt, dass dieselbe ansteckend ist und dass bei den angesteckten Pferden die Erkrankung sich unter den nohmlichen Merkmalen vollzieht — ist anzunehmen, dass von den eiterbildenden Mikroorganismen eine bestimmte Species das spoeifische, ansteckende Ferment der Druse darstellt. Aus den Acrulerungen im Krankhoitsverlauf bei manchen Pferden ist aber weiter zu schliesson, dass neben diesem speeifischen Stoff in den Krankhcitsproducten sich noch einige andere, in der atmosphärischen Luft suspendirte pathogene Fermente ansiedeln und als Ursachen krankhafter Processe bei den druse­kranken Pferden sich geltend machon können. Prcilich beruht diese Folgerung auf einer Hypothese. Aber die Thatsacho, dass die als Eiter bezeichneten Krankheitsproducte bei einer Thicrgattung und insbesondere auch bei manchen drusekranken Pferden nicht die gleichen Eigenschaften besitzen, lässt auf eine Verschiedenheit ihrer ätiologischen Bedingungen schliessen.
Ursprünglich entwickelt sich die Druse In Folge einer Erkältung. Aber soweit die betreffenden Pferde empfänglich sind, wird dein Er­kältungs-Katarrh durch das mit der Athmungsluft eingeführte spoeifische Ferment ein cigenthümlicher Charakter verliehen (Drusenkatarrh). Aeltore Autoren haben neben der Erkältung als Ursachen der spontanen Druse: schlecht beschaffenes Futter, unreines Trinkwasser, ungünstige Lage der Stallungen und körperliche Anstrengungen beschuldigt. Es ist evident, dass diese Einflüsse einen speeifischen Katarrh der Rcspirationsschleim-haut nicht herbeiführen können.
Dagegen sind gewisse Aenderungen in der Pferdehaltung mit Recht als wesentliche Ursachen der spontanen Druse angesehen worden. Pferde, die während der Wintermonate im Stalle gestanden haben und an die wechselnden Finllüsse der Atmosphäre nicht gewöhnt sind, erkranken im Frühjahr, sobald sie zur Arbeit verwendet werden, sehr leicht am Erkältungskatarrh und in Folge dessen an der Druse. Auch die an den Weidegang und den Genuss reiner Athmungsluft gewöhnten Pferde ver­fallen, soweit sie empfanglich sind, sehr leicht in die Druse, wenn ihre Aufstauung erfolgt. Dabei lässt sich aber nicht immer entscheiden, inwieweit auch ohne Mitwirkung einer Erkältung die Infection in den Ställen für sich allein die Erkrankung herbeigeführt hat. Aehnlicb liegen die ursächlichen Einflüsse, wenn Pferde von Händlern erworben, auf dem Transport den atmosphärischen Unbilden ausgesetzt sind und dann
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In factions- urul [nloxioationskrankhoiton.
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in mangelhaft ventilirte Stallungen gobraclit werden. Füllen sind der Erkrankung an der Druse sehr oft unterworfen, wenn sie zuerst auf die Weide gelangen oder auch in späterer Zeit auf derselben von den Wir­kungen einer nasskaUen Witterung betroffen werden. Jodes ältere Pferd kann aber in der täglichen und gewohnten Beschäftigung durch die vor-bezeiühneten Einflüsse an der spontanen Druse erkranken. Bei Pferden, welche gegenüber den Wirkungen der Zugluft und des kalten Regens nicht abgehärtet sind, kann schon ein kurzer Aufenthalt im Freien unter den gedachten Einflüssen oder die Unterlassung der gewohnten Bedeckung des Körpers zu einem Erkältungskatarrh und zur Druse Veranlassung geben.
An eine bestimmte Jahreszeit ist die Entstehung der Druse nicht gebunden. Ich habe in meinem früheren Wirkungskreise, in welchem keine Gestüte waren, aber von den Landwirthen viele Fohlen gezüchtet wurden, die meisten Krankheitsfälle stets im März, April und Mai und die wenigsten vom October bis zum Februar gesehen. Jm Uebrigon wird aber die Entstehung der Krankheit weder durch die niedere Temperatur des Winters, noch durch die hohe Temperatur des Sommers behindert. Es ist leicht zu erkennen, dass das häufigere Vorkommen der Druse im Frühjahr und Sommer mit der Haltung der Pferde und mit der Gelegen­heit zur Ansteckung in ursächlichem Zusammenhange steht.
Obwohl die Entstehung der spontanen Druse in dem Sinne, in wel­chem dieselbe hier erläutert ist, nicht selten vorkommt, so beruht doch bei der grossen Mehrheit der Pferde, welche an der Druse erkranken, die Ursache in der Ansteckung. Es wurde bereits angedeutet, dass sich der Ansteckungsstoif in den Nasendejecten der kranken Pferde findet. Viborg (Samml. III,, f802) impfte den „Naseneiterquot; drusekranker Pferde hei gesunden Fohlen in die Nasenschleimhaut und bewirkte hier­durch die Erkrankung an der Druse. Auch mit der Exspirationsluft wird der Ansteckungsstoif ausgestossen. Ueber das organische Substrat desselben ist bis jetzt Näheres nicht bekannt. Aeltore Autoren (Funke, Spinola) bezeichneten das Contagium der Druse als ein fixes. Indess ist hiergegen zu bemerken, dass es flüchtige (gasförmige) Contagien im Sinne der älteren Lehre überhaupt nicht giebt. Auch von dem Au-steckungsstoff der Druse kann eine relativ grosso Quantität in der feuchten Luft des Stalles resp. in der nächsten Umgebung des kranken Pferdes sich anhäufen und es bedarf einer „unmittelbaren'' Berührung eines gesunden Pferdes mit dem drusekranken Pferde nicht nothwendig, um eine Ansteckung herbeizuführen. Selbst von den Nasendejecten, die sich auf dem Boden, in der Krippe oder an anderen Gegenständen dos
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Druse,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 347
Stalles ansammeln, kann der Änsteokungsstoff durch die Luftbewegimg emporgehoben worden und die Erkrankung eines vorübergehend in den betreffenden Stall gebrachten gesunden Pferdes veranlassen, loh hubo oft constatirt, dass gesunde jüngere oder ältere Pferde sich dadurch in-ficirten, dass sie auf 2—3 Stunden in einem Stalle untergebracht wurden, welcher bis zum letzten Tage vorher zur Verpflegung eines drusekranken Pferdes benutzt war. Die Krankheit kam bei den angesteckten Pferden 3—4 Tage nachher zum Ausbruch. Leichter erfolgt aber die Ansteckung, wenn gesunde Pferde mit drusekranken dauernd in einem Stalle stehen und hierbei den Infectionsstoff mit der Athmung in die llespirations-schleimhaut bringen. Durch die üeberführung eines drusekranken oder in der Reconvalescenz befindlichen Pferdes in gesunde Bestände (Gestüt­höfe und Romontcdopots) wird die Krankheit, wie schon seit langer Zeit bekannt ist, leicht eingeschleppt. Wahrscheinlich enthält auch der lüter frischer Lymphdrüsen-Abscesse den Ansteckungsstoff. Indess fehlt es hierüber an sicheren Beweisen.
Pathogenese. Für das Verständniss des anatomischen Entwickelungs-ganges der Druse kommt vornehmlich die Infection in Frage. Denn es ist im Wesentlichen gleich, ob der Infectionsstoff aus der atmosphärischen Luft als „Miasmaquot; oder aus den Dejocten eines drusekranken Pferdes als „Oontagiumquot; auf die Respirationsschleimhaut gelangt und in derselben seine pathogonen Wirkungen herbeiführt. In jedem Falle ist; eine An­lage: eine Geneigtheit der Gewebe, durch die speeifischen Eigenschaften des Infcctionsstoffes zu erkranken — vorauszusetzen. Die Frage, worin diese Anlage und die Tilgung oder Abschwächung derselben durch die einmalige Erkrankung der Pferde eigentlich beruht, hat seit 100 Jahren die bedeutendsten thierärztlichen Autoren zur Aufstellung von Hypo­thesen angeregt. Allein die Lösung des Problems ist bis zur Gegen­wart nicht viel weiter gebracht worden. Seit dem vorigen Jahrhundert ist bekannt, dass nur Pferde, Esel und Maulthiere an der Druse er­kranken. Bei den übrigen Hausthieren entstehen auch zuweilen acute Katarrhe der Kopfschleimhäutc mit copiöser schleimig-eiteriger Nasen-dejeetiot). Allein diese Krankheiten unterscheiden sich von der Druse schon äusserlich dadurch, dass die im Gebiete der erkrankten Schleim­häute liegenden Lymphdrüsen nicht in eine abscedirende Entzündung versetzt werden. Dass Wiederkäuer oder Schweine von einem druse­kranken Pferde inficirt würden, ist mit Recht schon seit dem vorigen Jahrhundert, in Abrede gestellt, ich habe oft gesehen, dass drusokranke Pferde während des ganzen Krankhcitsverlaufcs im Kuhstalle standen und dass sowohl ältere, als junge Rinder mit den Pferden und ihren
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Infections- und Intoxicationskranldioiton.
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krankhaften Dcjecten in unmittelbare Berührung kamen. Aber eine Uebertragung der Krankheit fand nicht statt. Auch der Mensch besitzt für den Infeotionsstoff der Druse keine Empfänglichkeit. Zweifellos be­ruht die Disposition der Pferde für die Druse in einer bosondoren histo-logischen Einrichtung der Respirationsschleimhaut und der Lymphdrüsen. Genauer ist aber der physiologische Inhalt dieser Disposition nicht be­kannt. Die Meinung der älteren Autoren, dass dieselbe in einer relativ grossen Ausbildung des Lymplulrüsensystcms bei den Pferden begründet sei, entbehrt dos tliatsächiichcn Anhaltes. Ebensowenig erscheint die oft in Botraohl gezogene Hypothese zulässig, dass durch die Bildung der Milchzähne und durch den Zahnwechsel bei jungen Pferden die Kopfschleimhäute in eine Prädisposition zu Katarrhen versetzt werden sollen.
Bei jungen Pferden besteht die Anlage zur Druse allgemein, aber in verschiedenem Grade. Sie wird durch die einmalige Erkrankung der Thiore in der Hegel für mehrere Jahre, zuweilen für die ganze Lebens­zeit getilgt. Aber auch ältere Pferde sind der Erkrankung an der Druse unterworfen. Schon oft ist der teloologische Irrthum einzelner Autoren, dass die Pferde nur einmal von der Druse (wahre Druse, Fiillendruso) uffteirt werden könnten, in der Literatur zurückgewiesen worden. Es kommt in dor That nicht selten vor, dass Pferde nach Zwischenzeiten von einigen Jahren wiederholt an der Druse mit Ausbildung aller wesent­lichen Merkmale derselben erkranken. Im Ganzen ist aber anzuerkennen, dass Pferde, welche einmal die Druse mit regelmässigem Verlaufe, starker Schwellung und Abscessbildung im Kehlgange überstanden haben, bei späteren Erkrankungen niemals wieder in gleichem Grade Abscesse im Kehlgange bekommen. Dagegen ist bei wiederholten Erkrankungen die Raohenaffection mit der Ausbildung subparotidealer Abscesse eine ge­wöhnliche Erscheinung. — Schon in der zartesten Jugend kann sich die Krankheit ausbilden. Ich habe sie mehrfach bei 1—2 Monate alten Fohlen beobachtet, welche in Eolge der Ansteckung erkrankt waren. Bleiben die Pferde in der Jugend von der Druse verschont, so können sie in der späleron Zeil, und zwar in jedem Alter von derselben mit allen Erscheinungen, wie sie bei jungen Pferden vorkommen, befallen werden. Ich hatte 1859 Gelegenheit, bei zwei Pferden, die von Jugend auf in einem bäuerlichen Gehöfte ziemlich isolirt gehalten waren und ein Alter von 22 resp. 24 Jahren erreicht hatten, ohne jemals an einer inneren Krankheit gelitten zu haben, die vollkommen ausgebildete Druse mit Klächeneilerung der Nasenschleimhaut, Angina und Abscessbildung im Kehlgange zu behandeln. Wenn es weiterer Beweise bedürfte, um
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Druses,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 349
die Erkrankung alter Pferde an dor Druse nachzuweisen, so würde ich mich auf eine grosse Zahl eigener Beobachtungen beziehen können. Schon Viborg hat angegeben, dllSS durchschnittlich von 100 Pferden 70 vor dorn 5. Jahre, 20 zwischen dem 5. und 12. Jahre und 10 nach dem 12. Jahre von der Druse befallen werden. Hertwig erklärt dies Verhältniss für zutreffend, fügt aber mit Recht hinzu, dass dasselbe durch mancherlei Umstände, namentlich durch die Witterung und durch die seuchenartige Verbreitung der Krankheit abgeändert werde. In Ueber-einstimmung mit den Thatsachen steht der Ausspruch Funke's und Spinola's, dass der Druse allerdings eine Tilgungskraft in niederem Grade zuzuschreiben sei, dass sie die Anlage aber nicht gänzlich, auch nicht in allen Fällen gleich stark tilge, sondern nur für eine gewisse Zeit, analog vielen anderen ansteckenden Krankheiten.
Die durch anhaltende und ergiebige Ernährung der Pferde mit proteinreichem Futter erzeugte widerstandsfähige Körperconstituiion min­dert die Disposition zur Druse. Ich habe vielfach beobachtet, dass die „in guter Conditionlaquo; befindlichen jungen und älteren Pferde trotz der vorhandenen Gelegenheit zur Ansteckung von der Krankheit verschont blieben oder in geringerem Grade erkrankten, als die mangelhaft ge­nährton oder „aufgeschwemmtenquot; Pferde. Eine Verringerung der Anlage wird ferner durch die fortdauernde Gewöhnung der Pferde an die Witte­rungseinflüsse herbeigeführt. Aeltere Pferde, die täglich zu anstrengen­den Arbeiten verwendet werden, erkranken relativ selten an der Druse. Unter den hier angedeuteten Verhältnissen scheint die Respirations­schleimhaut eine straffere Einrichtung zu erlangen und dein Druse-Infectionsstoff mehr Widerstand entgegensetzen zu können.
Die Pathogeneso der Druse ist verständlicher geworden durch die erst in der neueren Zeit erfolgte wissenschaftliche Feststellung der That-sache, dass die Eiterbildung von der primären Reizung der zu den Bindesubstanzen gehörigen Gewebe abhängig ist. Im Allgemeinen voll­zieht sich die Fntwickelung der Schleimhautallection bei der Druse nach dem Gange, den alle acuten Katarrhe der llespiratiüiisschleimhaut inne­halten. Entsteht die Krankheit durch Ansteckung, so zeigen sich die ersten sichtbaren Merkmale 3—4 Tage später. In der afficirten Partie der Schleimhaut tritt eine diffuse Hyperämie und seröse Infiltration des Gewebes ein. Das Epithel erweicht und stösst sich unter gleichzeitiger Ausscheidung von klarem oder gelblichem Blutserum ab. Durch den Eiweissgchalt des letzteren erlangt das Deject eine klebrige Eigenschaft. Es trocknet an den Naseneingängen durch die Verdunstung dos Wassers zu schmutzig-grauen Krusten ein. Nach weiteren 2-—3 Tagen lindot eine
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liifpotion.s- und [ntoxioationskrankbelton.
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reichliche Production von Schleim statt und gleichzeitig odor im An­schlüsse an die schleimige Dejection kommi die copiöse Bildung von Eiter auf der entzündeten Schleimhaut zu Stande. Theoretisch lässt sich demnach beim Drusekatarrh ein seröses, pituitöses und purulentcs oder blennorrhoischos Stadium untersclioidon. Da aber diese Stadien an eine typische Zeit nicht gebunden sind und die gesteigerte Schleimproduction mit der Eiterbildung oft zusamtnenfftilt, so hat die Eintheilung keinen wesentlichen Worth. Die Abscheidung des Eiters dauert gewöhnlich etwa 8 Tage, worauf die Entzündung abheilt und die Schleimhaut sich mit normalem Epithel wieder bedeckt. Sehr oft aber erhalten sich mehr oder minder bedeutende Rcizungszustände in einzelnen Abtheilungen der Rospirationsschleiinhaut odor in der Nachbarschaft derselben (besonders in der Rachenschleimhaut) und gewissermasson als Complication des specifischen Katarrhs noch quot;2—3 Wochen hindurch.
Am häufigsten vollzieht sich die infection und die primäre Er­krankung in der Nasenschleimhaut, nicht selten aber auch in der Rachen-sohleimhaut. Die Ausbreitung des Katarrhs verhält sich sehr ungleich. Oft beschränkt sich derselbe auf eine Nasenhälfte, während die andere gar nicht oder nur unerheblich erkrankt. Ebenso unterliegt die Er­krankung der Rachenschleimhaut den gleichen rogionären Verschieden­heiten. In anderen Fällen setzt der Process an beiden Nasoncavitäten oder an beiden Seiten der Rachcnhöhle mit gleicher Intensität ein. Auch in die Oberkiefer- und Stirnhöhlen kann der Katarrh von der Nase sich fortsetzen. Durch den in- und Exspirationsstrom wird das infectiöse Product des Katarrhs von der primär erkrankten Partie nach anderen Stellen des Respirationstractus gebracht, auf welche sich in Folge der „nachbarlichen Infectionquot; der Process überträgt. Es ist eine gewöhn­liche Erscheinung bei der Druse, dass sich an den Nasenkatarrh die Entzündung des Schlundkopfes oder des Kehlkopfes anschliesst, während undererseits auch, aber weniger oft, auf die primäre Affection der Hals-organc die Erkrankung der Nascnschleimhaut folgt. Die Schleimhaut der Luftsäcke wird viel seltener in den Drusenkatarrh versetzt, als nach dem Vorgange Viborg:s von vielen Autoren angenommen ist. Nicht selten ist dagegen die Mitaffection der Bronchialschleirahaut, besonders bei den Fohlen. Am wenigsten inclinirt die Trachcalschloirahaut zur Miterkrankung bei der Druse. Von der Respiralionsschleimhaut gelangt eiterbildendes Ferment (der Infectionsstoff der Druse) zur Resorption und durch die Lymphgefässe zu den betreffenden Lymphdrüsen, in welchen eine hyperplastische Schwellung und Eiterung (Abscessbildung) entsteht.
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Boaolitonswortli sind für das Vorständnlss dor soonndären Absoessbildung bei dor Druse die regioniircm Be/.ieiuuigeii dor am Kopfe und Halse gelegenen Lymph­drüsen zur RospirationsseliliMinliaul. Die Lympligolasse des ganzen unteren Tlioils dos Kopfes, bis zu don Augen, führen In die ICehlgangs-Lymphdrüsen, so dasa jedes Packet die Lymphe der ontsprechonden Kopfhäifte aufnimmt. — Von den (Jhoanen, den lilustachischon Tuben und dem oberen, vorderen Theil des Rachens gelangen die Lymphgcfässo in die „Lymphdrüsen dor Ohrdrüsengegendquot; (hintere Kieferdrüsen), welche hinter dem Kiefergelonk und zum Theil zwischen den Läppchen der Olir-speicholdriiso liegen. — In die oberen Halsdrüsen (obere Luftröhrendrüsen oderretro-pharyngealen Lymphdrüsen) führen die Lympbgefüsse von dem unteren und hinteren Tlioile dos Rachens und vom Kehlkopfe, — Qoringores Interesse haben die mittleren llalsdriiscn (mittlere Luftröhrendrüsen), welche im oberen Dritttheile der Trachea liegen, sowie die unteren Halsdrüsen (untere Luftröhrendrüsen), welche sich an dor vorderen Brustapertur befinden. — Aussei' diesen grösseren Lymphdrüsen enthalten die Organe des Kopfes und Halses noch zahlreiche vereinzelte Drüschen. Zu beachten ist auch, dass kleinere Abtheilungen der angeführten Lymphdrüsenpaokote mitunter ziemlich weit entfernt von den grösseren Haufen liegen. — In die Hals- odor Luft­röhrendrüsen gelangen die ausführenden Lymphgefiisse der Kohlgangs- und der hinteren Kieferdrüsen.
Hehr oft tangirt der Infeotionsstoff nur einen kleinen Theil, in vielen anderen Fällen dagegen sämmtliche Abschnitte des betreiTendcn Lymph-drüsenpacUctos. Eh ist wahrsclioinlich, dass diese Differenzen theils mit der Quantität dos eingeführten Infectionsstoffes, theils mit der localen Disposition der Lymphdrüsen für die gedachten Entzündungsprocesse zu­sammenhängen. Andererseits unterliegt die speeifische Energie des In­fectionsstoffes unzweifelhaft auch erheblichen Abstufungen. Die reizende Wirkung desselben bekundet sich zuerst durch Infiltration des Drüsen-parencliyms und des Bindegewebes, welches die Drüse im Ganzen und in den einzelnen Tlieilen umfasst. Darauf folgt in den meisten Fällen die Abscheidung von Eiter. Oft nimmt die Eiterbildung von einem Punkte, häufig aber von mehreren Stellen ihren Ausgang. Im weiteren Verlaufe der Krankheit wird nicht selten das zwischen zwei oder drei Abscessen befindliche Gewebe in Folge der fortschreitenden Eiterung durchbrochen. Die Tendenz zur Eiterung gestaltet sich aber sehr un­gleich. Mitunter bilden sich kleine Abscesse, ohne dass eine erhebliche Infiltration (derbe Schwellung) vorhergeht. In vielen anderen Fällen (besonders bei älteren Pferden) besteht die Schwellung 8 Tage und noch länger, bevor sich die Eiterbildung bemerklich macht und ausnahmsweise kommt letztere gar nicht zu Stande.
Nicht in allen Abschnitten der Respirationsschleimhaut folgt dem Drusonkatarrh die Affection dor betreffenden Lymphdrüsen mit der gleichen Uogclmässigkeit. Bei jungen Pferden, die zum ersten Mal an der Dmse erkranken, bleibt nach dem Auftreten des Nasenkatairhs die
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Infections- und Inloxicationskrankhpiton.
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abscodirende Entzündung der Kehlgangslyrnphdrüsen nur in Ausnalimc-fällon aus. Sehr leicht erfolgt die Abscossbildung auch nach dem Katarrh in den oberen Abschnitten der Rachenhöble, an den hinteren Kiefordrüsen und in der Parotis. Nicht minder häufig ist die seeundäre Schwellung und Abscessbildung in den relropharyngoalen Lymphdrüsen (unter der Parotis). Dagegen erkranken die unteren Halsdrüsen und die Bronchial­drüsen in Folge der Etablirung des Drusenkatarrhs in der Tracheal- und Bronchialsclilcimhaut nur ausnahmsweise.
Der irrthiimlichen Ansicht, dass die Druse auf einer primären con-stitutionellen Dyskrasie beruhe, entsprach die Neigung der früheren Autoren, besondere Formen der „violgliederigen Krankheitquot; zu schaffen. Es bat jetzt kein actuelles Interesse mehr, die Zulässigkeil von Frincipien für die Fintheilung der Krankheit zu erörtern. Aus der Aetiologie re-sultirt schon, dass man von einer „miasmatischenquot; und „contagiösenquot; Druse sprechen kann. Berechtigt ist ferner die von Spinola nach praktischen Gründen betonte Unterscheidung der „regclmässig verlaufen­denquot; und der „unregeimässig verlaufendenquot; Druse, wobei zur ersten Gruppe die relativ schnell und günstig abschliessenden, gutartigen Krank­heitsfälle, zur zweiten die länger anhaltenden oder mit lebensgefährlichen Complicationen und Nachkrankheiten sich verbindenden, bösartigen Fälle gerechnet werden. Alle sonstigen Eigenschaften, welche in der früheren Krankheitslehre eine Rollo spielten (acute, chronische — sthenische, asthenisebe — entzündliche, faulige — einfache, zusammengesetzte — sporadische, seuchenartige — venöse, bösartige, fiebcrlose, bedenkliche Druse), sind für die ßeurtheilung und Behandlung der Krankheit ent­behrlich.
Das Gesammtbild der Druse lässt sich leichter übersehen, wenn berücksichtigt wird, dass die Affection der Respirationsschleimhaut sehr oft auf einen kleineren Abschnitt derselben sich beschränkt oder doch nur in diesem eine erhebliche Bedeutung erlangt. Insbesondere wird bei einem Tbeile der drusekranken Pferde vorzugsweise die Nasenschleim­baut, bei einem anderen Theile vorzugsweise die Rachenschleimhaut, bei einem dritten Tbeile vorzugsweise die Kehlkopfschleimhaut und bei einem vierten Tbeile die Bronchialscbleimhaut in erheblichem Grade afficirt. Nicht selten etablirt sich aber der Drusenkatarrh gleichzeitig oder kurz nacheinander in zwei oder drei der bezeichneten ScbleimhautabscbniUe. Auch kommen Fälle genug vor, in welchen der ganze Rcspirationstractus schwer erkrankt.
Mit dem Katarrh der Nasenschleimbaut entwickelt sich in der Regel sfloichüoitiff oder innerhalb dor nächsten 8—4 Tage die Sehwellunff der
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Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 353
Kehlgangslymphdrüson, welche entsprechend der Schleirahautaffection bald einseitig, bald doppelseitig auftritt. Jn Ausnahniofällen, die aber zeit­weise öfter als sonst beobachtet werden, bleibt der Nasenkatarrh auf einem so geringen Grade, dass sich keine augenfällige Dejection einstellt (Rhinitis sicca), so dass die nachfolgende Geschwulst der Kehlgangs-driisen das einzige wesentliche Merkmal der Druse darstellt. Entgegen­gesetzt entsteht oft eine reichliche Eiterbildung in der Nasenschleimhaut (Rhinitis blennorrhoica), ohne dass eine erhebliche Schwellung der Kehl­gangslymphdrüsen zu Stande kommt. Hinsichtlich des Sitzes und der Grosse der Drüsengeschwulst ergeben sich mancherlei Modificationen, namentlich bei älteren Pferden. Die Schwellung kann sich auf den unteren, mittleren oder oberen Theil des betreffenden Lymphdrüsen-paoketes beschränken, aber auch auf den ganzen Umfang des letzteren und auf das benachbarte subcutane Bindegewebe sich ausdehnen.
Ebenso beginnt an den Lymphdrüsen der Ohrdrüsengegend die Schwellung nicht immer in dem grösseren Drüscnconglomorat am Kiefer­gelenk. Der Entzündungsprocess kann auch von einem kleinen Follikel in der Parotis seinen Ausgang nehmen. — Gioich grosse Verschieden­heiton ergeben sich bei der Pathogenese der soeundären Entzündung und Abscessbildung in den retropharyngealen Lymphdrüsen.
Von thatsächlichera Interesse ist endlich noch, dass sich zuweilen an die Abscedirung der Kehlgangsdrüse eine abscedirende Geschwulst in der Gegend der Schilddrüse anschliesst, was darauf beruht, dass die daselbst gelegenen kleinen Lymphdrüsen einzelne aus den Kehlgangs-drüson stammende Lymphgefässe aufnehmen und dass in den letzteren eiterbildendes Ferment weiter geführt wird.
Dass die Lymphdrüsengeschwülste zuweilen und besonders bei älteren Pferden nicht zur Abscessbildung führen, wurde schon erwähnt. Nach der Abheilung des Katarrhs oder gleichzeitig mit derselben vollzieht sich in solchen Fällen die Rückbildung der hyperpiastischen Schwellung.
Die EpiWickelung dos Abscesses in der Drüsengeschwulst ist an keine bestimmte Zeit gebunden. Gewöhnlich vergehen 4 — 5 Tage, bis eine dem Umfange der Geschwulst entsprechende erhebliche Quantität Eiter erzeugt ist. Oft erfordert der Vorgang aber eine Zeit von 10 bis 14 Tagen. Sehr ungleich ist ferner die Tendenz zum selbständigen Durch­brechen der äusseren Haut in den Lymphdrüsenabsccssen. In dieser Hinsicht scheint die Energie des speeifischen, eiterbildendon Ferments (Druse-lnfectionsstoff) durch chemische Einflüsse in dem Producte der Nascnschleimhaut oder durch die gleichzeitig in die Lymphdrüsen er-
Dlookerhoff| SpOOi Patliologle nlt; Thorapic.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Oo
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folgende Miteinführung anderer pathogoner Fermente eine Hemmung er­leiden zu können.
Das die Druse bogleitende Fieber findet seinen Ursprung darin, dass pyrogene StofFo aus der katarrhalisch affioirten Respirationssohleimhaut oder aus den Eiterherden der Lymphdrüsen und ihrer Umgebung durch Resorption in das Blut übergehen. — Auf die Wirkungen der mit dem Blute circulirenden, fiebererregenden StofFo ist auch dio Beschränkung in der Secretion der Verdauungssäfte zurückzuführen, wodurch der Appetit-mangol bei dem regelmässigon Krankheitsverlaufe seine Erklärung findet.
Symptome. Soweit der Krankheitsverlauf nicht durch Complicationen und Nachkrankheiten eine Aendcrung erfährt, charakterisirt sich die Druse durch folgende Symptome:
1)nbsp; nbsp;Fieber, welches gewöhnlich schon im Beginn der Erkrankung, oft aber erst mit dem 2, — 4. Tage sich durch Kopfschmerz (gesenkte Haltung des Kopfes und Verschluss der Augen), Mattigkeit, Vermeidung der Ortsbewegung, gesträubte Stellung dos Deokhaars und nicht selten durch Frostschauer sich bemerklich macht. Die Mastdarm-Temperatur steigt auf 39,0—41,0 Grad.
2)nbsp; nbsp;Husten (in Folge der Affection des Kehlkopfes, zuweilen auch der Bronchien), bei manchen Pferden häufig, bei anderen selten, in der Regel'aber lästig und oft schmerzhaft, später locker. Oft erhält sich der Hustenreiz noch 1 — 2 Wochen nach dor Abheilung der übrigen Symptome.
3)nbsp; nbsp;Krankhafte Reizbarkeit im Kehlkopf und am oberen Ende der Luftröhre, welche durch relativ leichten Druck mit der Hand ermittelt wird.
4)nbsp; nbsp;Appetitmangel. Die leicht erkrankten Pferde versagen das Futter nicht ganz, nehmen aber vorzugsweise nur Heu oder Grünfutter an. Bei schwerer Erkrankung wird oft mehrere Tage hindurch nur eine geringe Quantität von Rauffutter in einzelnen Halmen verzehrt. — Das Durstgefühl ist nicht abnorm. Aber viele Pferde nehmen oft etwas Wasser auf, um sich das Maul auszuspülen.
5)nbsp; nbsp;Pulsfrequenz, welche bis auf 70 Schläge in der Minute und selbst noch höher steigt.
6)nbsp; nbsp;Röthung und leichte Schwellung der Kopfsch leimhäute. In einzelnen Fällen entstehen durch die reizende Wirkung der Dejecto am unteren Ende der Nase flächenartige Erosionen, die sich mit dorn eingetrockneten Secrete bedecken.
7)nbsp; nbsp;Nasenausfluss. In den ersten Tagen ist das Deject wässerig, später schleimig-eiterig. Der reiche Gehalt an Eiwoiss bedingt eine
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Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;855
klebrige Beschaffenheit. Gewöhnlioh ist die Farbe grauweiss, oft aber gelblich, aucli schmutzig-grau. Besteht Schluckbesohwerdej so können dem Deject Putterpartikel, Getränk und Speichel beigemischt sein. Auch in quantitativer Hinsicht zeigt der Nasenausduss grosse Verschiedenheiten; er bleibt gewöhnlich 8 —14 Tage bestehen und vormindert sich dann allmälig, bis er nach weiteren 8 Tagen ganz aufhört.
8)nbsp; nbsp;Absonderung der Conjunctiva. In den ersten Krankheits­tagen ergiosst sich Thränenflüssigkeit, später ein dioksohleimiges Secret aus dorn inneren Augenwinkel eines oder beider Augen. Bei leichter Erkrankung fehlt das Symptom häufig.
9)nbsp; nbsp;Athmuugsfrequenz. Beschränkt sich die Erkrankung im Wesentlichen auf die Nasonschlcimhaut, so ändert sich die Athraung nicht erheblich. Leiden aber die Laryngeal- und Bronchialschleimhaut, so vormehrt sich die Zahl der Athemzüge bis auf 25 in der Minute und darüber. In solchen Fällen vollziehen die Patienten die Athmung mit Anspannung der Bauchdocken, dyspnoischer Erweiterung des Nasen-eingangos und Verzögerung der Exspiration.
10)nbsp; nbsp;Kehlkopfsdyspnoe. Die Affection der Kehlkopfschleimhaut (Angina symptomatica) fohlt bei der Druse selten. Häufig ist dieselbe aber unerheblich. Vorhältnissmässig oft entsteht indess am Introitus laryngis eine stärkere entzündliche Schwellung, welche hörbare Inspi­rationsgeräusche (Gieraen, Rohren, selbst Kreischen) und eine mehr oder minder starke Dyspnoe mit gestreckter Haltung des Kopfes bedingt.
11)nbsp; nbsp;Schluckbeschwerde. Oft entwickelt sich gleichzeitig mit dor Laryngitis eine Pharyngitis; nicht selten kommt aber letztere allein zur Ausbildung, während der Kohlkopfskatarrh keine Erheblich­keit erlangt. Die entzündliche Schwellung der Rachcnschleimhaut er­schwort das Schlucken in leichterem oder stärkerem Grade, so dass ein Theil des Futters und Getränkes, sowie des Maulspeichels aus der Nase ablliesst. In derartigen Krankheitsfällen entleert sich oft auch eine erhebliche Quantität von Speichel aus dem Maul.
12)nbsp; nbsp;Lymphdrüsongesch wülste und - A bscesse. Unter Hin-weisung auf die S. 851 eingehend beschriebene Entwickelung der conse-cutiven Schwellung und Absccssbildung in den Lymphdrüsen mag hier noch die Bemerkung Platz finden, dass die Kehlgangsgeschwulst zuweilen nur gering ist, oft aber don ganzen Raum dos Kohlganges ausfüllt und selbst über die Ränder der ünterkieferäste sich ausbreitet. Die grösseren Geschwülste sind zunächst ödematös, führen aber stets zur Eiterung, wäh­rend kleinere derbe Schwellungen nicht selten ohne Absccssbildung sich wieder vertheilen. Durchschnittlich kommen die Kehlgangsabscesse nach
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
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4—8 Tagen zur Reifung. Oft entstellen zwei, selbst drei Abseesse in einem Lymphdrüsen packele des Keiilgangos. Die rolohlicho Eiterbildung in den abscedirenden Geschwülsten bedingt stets das Symptom der Fluctuation, dessen Peststellung bei einiger Uebung leicht ist. Werden die Abscesse nicht zu therapeutischen Zwecken gespalten, so erfolgt in der Hegel /wischen dem 5. und 10. Tage der spontane Durchbruch im Kehlgange.
Die öesohwülsto in den Lymphdrüsen der Ohrdrüsengogend kommen immer zur Abscodirung. Unter der Ohrmuschel, bald (lichter am Unter­kiefer, bald im ganzen Unifango der Parotis zeigt sich eine derbe Schwellung, die im Verlaufe von 8—14 Tagen zunimmt und die Grosse eines menschlichen Kopfes erreichen kann. Zuweilen erfolgt die Bildung von solchen abscedirenden Geschwülsten gleichzeitig an beiden Seiten. Zur vollständigen Maturation derselben ist gewöhnlich eine Zeit von 10—15 Tagen erforderlich. Wenn dann die künstliche Eröffnung nicht erfolgt, so vergehen noch weitere 5—8 Tage, bis die äussere Haut durch­brochen wird und eine spontane Entleerung des Eiters stattfindet.
Geschwülste der subparotidealen (retropharyngealen) Lymphdrüsen entstehen bald nur an einer, bald gleichzeitig an beiden Seiten. Nach Lage und Grosse gestalten sich diese zwischen dem Schlundkopf und der Parotis etablirten Entzündungsgeschwülsto sehr verschieden. In den meisten Fällen entwickelt sich die Geschwulst in der Höhe des Kehl­kopfeinganges, zuweilen aber einige Centimeter weiter nach oben. Die oberhalb des Larynx gelegenen Geschwülste verursachen bei massiger Grosse stets einen relativ erheblichen Druck auf die Pharynxvvand und mittelbar auf den Eingang des Kehlkopfes, so dass sich Dyspnoo mit lauten und rauhen laryngealen Inspirationsgeräuschen und Schluck­beschwerde einstellen. Aeusserlich giebt sich die Goschwulst durch eine mehr oder minder starke abnorme Füllung der Ohrdrüsengegend zu er­kennen. Eine Fluctuation entsteht selbst bei der Ausbildung eines relativ grossen Abscesses nicht, weil die Parotis, die hierbei niemals durchbrochen wird, letzteren bedeckt. — Wird der Abscess nicht recht­zeitig durch künstliche Eröffnung entleert, so kann sich die fortschreitende Eiterung verschiedene Wege bahnen. Zuweilen setzt sich die eiterige Entzündung in dem subparotidealen Bindegewebe an der äusseren Seite des Kehlkopfes entlang fort, so dass am oberen Ende des Kehlganges und unter dem Kehlkopf eine diffuse entzündliche Schwellung entsteht, an welcher wenige Tage später die Fluctuation nachgewiesen werden kann. Nach der Spaltung oder nach dem spontanen Aufbruch dieser Stelle kann der subparotideale Abscess sich vollständig entleeren und ausheilen. — In anderen Fällen nimmt die eiterige Entzündung ihren
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Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;357
Weg nach der Drosselrinne zu, so dass in dieser Partie der Durchbruoh erfolgt. — Einmal beobacliteto ich bei einem 10 Wochen alten Fohlen, dass dor Abscess sich in den Luftsack fortsetzte und an der Tuba Eustaohil entlang sich nach der Nase entleerte. Das Fohlen ist voll­ständig genesen. — Sehr häufig erfolgt aber bei Unterlassung der künst­lichen Eröffnung die eiterige Einschmelzung und Penetration einer Stelle in der Pharynxwand, deren tödtliche Folgen bei den Complicationen der Druse besprochen werden sollen. — Irrtliiimlichor Weise haben Viborg und nach seinem Vorgange die meisten anderen Autoren die hier ge­schilderten subparotidealen Abscesse als „Ablagerungen der Drusen­materie in die Luftsäckequot; aufgefasst.
18) Abmagerung. Das Fieber und die mangelhafte Futteraufnahme bedingen bei einer Krankheitsdauer von mehr als 2 Wochen stets eine erhebliche Verschlechterung des Nährzustandos, die um so mehr augen­fällig ist, als der Bauchumfang sich in Folge der Verkleinerung des Darmtractus erheblich verringert.
Verlauf. Mehrfach wurde schon angedeutet, dass der Regel nach nicht sämmtliche Symptome der Druse bei einem kranken Pferde zur Entwickelung gelangen. Fohlen und jüngere Pferde erkranken vor­waltend am Katarrh der Nase und ihrer Nebenhöhlen mit Abscess-bildung im Kehlgange. Doch ist die Entzündung der Eachenschleimhaut und des Kehlkopfes, welcher die älteren Pferde häufiger unterworfen sind, nicht ausgeschlossen. Die unter der Ohrmuschel in der Parotisgegend entstehenden Abscesse worden bei jungen Pferden öfter beobachtet, als bei älteren. — In der Hegel setzt die Erkrankung mit Nasenkatarrh ein. Relativ oft findet sich aber der Katarrh des Kehlkopfes (Bräune) für sich allein, oder in Verbindung mit Pharyngitis als erstes Symptom der Druse.
Wenn die vorgeschilderten Krankheitsprocosse sich nicht mit ander­weitigen Störungen compliciren, so vollendet sich der Krankheitsverlauf vom Beginn der Affection bis zur vollständigen Genesung der Patienten in 2 — 4 Wochen („gutartige Drusequot; der Autoren). In der wärmeren Jahreszeit und bei trockener Witterung verläuft die Krankheit günstiger, als bei nasskalter Atmosphäre. Grosser ist aber der Einfluss der Hal­tung und Verpflegung der Pferde auf den Krankheitsverlauf. Mangel­haft ventilirto und schlecht gereinigte Stallungen haben eine ungünstige Wirkung. Durch sorgfältige und öftere Reinigung der Nase, sowie durch gute Hautpflege wird nicht selten bei schwer kranken Fohlen der Ver­zögerung des Verlaufs und dem Eintritt von Complicationen vorgebeugt.
Im Verlaufe des Fiebers finden sich gewöhnlich keine erheblichen
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Tnfoctions- und [ntoxicalionskrankheilßn.
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Modificalionon. Wenn die Krankheit sich vorwaltend auf die Respirations-suhleimliaut beschränkt, so sinkt die lioberhafte Bltittempcratur nach 8—12 Tagen zuweilen innerhalb '24 Stunden auf die Norm, ohne später wieder anzusteigen. Sonst richtet sich das Verhalten des Fiebers imracr nach dein Grade und Umfange der Kitermigsprocesso in der Schleimhaut, in den Lymphdrüsen oder in der Subcutis.
Ein drusekrankes Pferd, welches zu einem kleineren oder grösseron Bestände gehört, ist oft die alleinige Veranlassung, dass alle Pferde des betreffenden Gehöftes, soweit sie empfänglich sind, innerhalb weniger Wochen der Krankheit in Folge director oder indirector Ansteckung ver­fallen. Die Eruption der einzelnen Fälle kommt in ungleichen Zwischen­zeiten zu Stande. Oft finden sich mehrere Pferde gleichzeitig an einem Tage erkrankt und zuweilen vorgehen 6 — 8 Tage, bis sich ein neuer Krankheitsfall zeigt.
Com plicationen und Nachkrankhoi ten der Druse. Mannigfaltig und von sehr verschiedener Dignilät sind die örtlichen und allgemeinen Störungen, welche durch den Drusenkatarrh der Respi­rationsschleimhaut und durch die eiterige Entzündung der Lymphdrüsen herbeigeführt werden können. Es gehören hierzu:
1)nbsp; nbsp;Schwellung der Subcutis an den Gliedmassen. Sowohl die rcgelmässig und relativ leicht verlaufende, als die mit Com plicationen verbundene Druse bedingt nicht selten eine ödematösc Schwellung an einer oder mehreren Gliedmassen, vorwaltend den hinteren, von den Hufen bis zur Fasswurzel. Zuweilen setzt sich die Schwellung über das Sprung­gelenk auf die innere Schenkelfläche fort (Einschuss), an welcher sie durch die Anspannung der Fascia lata schmerzhafte Empfindungen be­dingt. Die Complication hat zunächst alle Eigenschaften des Stauungs­ödems. Sie vermindert sich fast immer bis zu einem unerheblichen Grade, wenn die Patienten im Stalle umhergehen können. Die Fort­setzung der Schwellung auf die Schenkclpartie hindert das Pferd aber an der Ortsbewegung, Hierdurch und durch den Schmerz wird der Krankheitsverlauf stets erschwert. Besteht die Schwellung am Unter­schenkel oder Vorarm 8 Tage und darüber, so können Eiterherde in derselben zur Ausbildung kommen, die bei Verabsäumung ihrer früh­zeitigen Spaltung leicht zur Pyämie führen.
2)nbsp; nbsp;Chronischer Katarrh der Ilespirationsschleimhaut. Zu­weilen erhält sich die mil dem Drusenkatarrh eingeleitete entzündliche Reizung in der Nase, sowie in den Cavitäten der Nasenmuscheln und in den Oberkieferhöhlon, ferner in den Bronchien, weniger häufig im Kehlkopf
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Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;359nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i
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mohroro Woclion hinrluroh. Derartige Krankheitsfälle haben die Autoren in den Begriff der „clnonisohen Drusequot; übernommen. Zu dieser Nach-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; is
krankheit incliairen besonders die Kohlen, die an constitutioncller Schwäche leiden oder daroh vorhergegangene Krankheiten (Diarrhöe, Dyspepsie) im Nährzustande /urückgekoramen sind. Als Symptome machon sich geltend: Mangel an Appetit; starke Abmagerung; aufgeschürzter Leib; Schwellung der Gliedmassen; schleichendes Fieber mit wechselnder, aber im ganzen nur massiger Temperaturerhöhung; Pulsfrecjuenz; schleimig-eiterige, zeitweise geringere odor stärkere Nasendejcction, meist nur an einer Seite; tauben- bis hühnercigrosso, hyperplastische Schwellung der betreffenden Kehlgangslymphdrüse; tiefliegende Augen; dunkle Röthung und Injection der Conjunctiva.
Die in Rede stehende ISachkrankheit führt bei sorgfältiger Pflege der Patienten nach einem mehrwöchontlichen Verlaufe oft zur Genesung. Sie iraplicirt aber erhebliche Gefahren, da bei zunehmender Schwäche der Thiere leicht eine tödtiicho Lungenentzündung entsteht. Namentlich gehen junge Fohlen an dem diffusen Bronchialkatarrh leicht zu Grunde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;,
Des chronischen Nasen- und Kieforhöhlenkatarrhs und der chroni­schen Irritation der Kehlkopfschleimhaut als irolgeloiden der Druse wirdnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 bei den Organkrankheiten gedacht werden. — Der Katarrh der Luft­säcke ist als Complication der Druse sicher viel seltener, als nach der Literatur angenommen wird. Mir ist ein solcher Fall bisher nicht be­gegnet. Ich bemerkte schon, dass die subparotidealon Abscesse nicht mit einer Erkrankung der Luftsäcke in Verbindung stehen.
3) K nötch enförmiger Hautausschlag. Zuweilen stellt sich gegen Ende des Krankheitsverlaufs über den ganzen Körper, einschliesslicb der Gliedmassen ein oberflächliches Exanthem ein, bei welchem sich die Haut mit liirsckorn- bis erbsengrossen, auch wohl bis bohnengrossen Knötchen bedeckt. Lieber die speciello Aetiologie dieses Ausschlags ist Nichts bekannt. Wahrscheinlich beruht dieselbe auf Verunreinigung des Blutes mit einer eigenartigen, in den kranken Secreten der Schleimhaut ent­stehenden chemischen Substanz, die mit der Circulation in die Haut ge­bracht wird. Das Exanthem heilt nach 8—14 Tagen von selbst ab. Nachtheilige Folgen hat dasselbe nicht.
Um die Nase, an den Lippen und am Gesicht tritt zuweilen ein locales Exanthem in der Form kleiner Knötchen auf. Auch dieser Aus-schlag heilt nach kurzer Zeit ohne künstliches Zuthun wieder ab.
In der Literatur ist ziemlich allgemein eines gutartigen aphthösen Exanthems der Nasenschleimhaut als einer excoptionollen Erscheinung drusekranker Pferde unter der Bezeichnung „ßlatterdrusequot; gedacht worden.
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360nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationslcrankhoiten.
Ich habe niemals eine derartige Erscheinung beobachtet. Ob das that-sächliohe Vorkomraon derselben mit Recht behauptet werden kann, lasse ich dahingestellt. Wenn loh die Angaben der Autoron einer speciollen Kritik unterziehe, so scheint ein grosser Thoii derselben sich auf die „Stomatitis et Dermatitis contagiosa pustulosaquot; zu beziehen, die in der älteren Zeit auch zuweilen als eine Form der Druso gedeutet ist. Ein anderer Theil der angeblichen Beobachtungen dürfte auf oberflächliche llotzgescbwüro zurückzuführen sein. Dass bei der Druse zuweilen durch die scharfe Wirkung der Nasondejecte oberflächliche Erosionen auf der Nasenschleim­haut, und zwar am unteren Ende entstehen, wurde S. 354 erwähnt.
4)nbsp; nbsp;Eiterige Entzündung und multiple A bscossbildung in den Lymph gelassen des Kopfes. Mit der seeundären Entzündung der KehlgangslymphdrÜHon entwickelt sich nicht selten, und in einzelnen Jahren öfter als sonst eine entzündliche Schwellung der Lymphgefässe, welche in der äusseren Haut, von der Nase, den Lippen, dem Gesicht und den Augen zum Kehlgange verlaufen. Gewöhnlich breitet sich in der Nach­barschaft der entzündeten Lympbgelasse eine ödematösc Infiltration aus. Innerhalb weniger Tage treten an den Lymphgofässen kleine Knötchen auf, die schnell abscediren und eine dünnflüssige, graue, eiterige Materie ausscheiden. — Diese Erkrankung ist seit mehr als 50 Jahren als Com­plication der Druse bekannt und von den Autoren als „gutartiger Wurmquot; oder „Kopfwurm der Pferdequot; zum Unterschiede von den mallcosen Herden der Haut (Rotzwurm) bezeichnet worden. — Das Zustandekommen der Complication scheint darauf zu beruhen, dass mit dem gewöhnlichen eiterbildenden Ferment des Drusonkalarrhs noch ein anderer pathogener Infeotionsstoff resorbirt wird, welcher die Abscessbildung in der Kehl­gangsgeschwulst verzögert, so dass eine Rückstauung der inficirten Lymphe erfolgt, Letztere voranlasst durch ihre speeifische Reizung die abscediren-den Entzündungsknoten in den Lympligefässwandungcn. Neben der Lymph­angitis am Köpfe ist auf die Schwere der fieberhaften Gesammtstörung Rücksicht zu nehmen. Durch zeitige und sorgfältige Behandlung lässt sich die Affection gewöhnlich heilen. Sonst führt dieselbe leicht zu der unter der folgenden Nummer erwähnten gefährlichen Complication.
5)nbsp; nbsp;Purulente Entzündung (Eiterinfection) des subeutanen Bindegewebes am Kopfe und Halse. Mit der sub 4 erwähnton Lymph­angitis steht die hier gedachte gefährliche Complication der Druse in pathogenelischem Zusammenhange. Indem ich auf die zur Diagnose des Rotz (S. 170) und zur allgemeinen Charaktcrisirung der Pyämio (S. 317) gemachten Bemerkungen Bezug nehme, will ich noch hinzufügen, dass die purulente Entzündung sich durch flache ödematöse Schwellung der
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Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;361
Subcuiis zunächst kennzeichnet und dass sich in dem geschwollenen Bindegewebe an zahlreichen Stellen kleine Eiterherde bilden, die zumnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;V
Theil coniluiren, aber nur eine geringe Tendenz zum spontanen Auf­bruch zeigen, deshalb auch oft gar nicht zu ermitleln sind. Diesen phlegmonösen Processon folgt immer eine pyämische [nfection. — Vcr-hältnissmässig oft entsteht die vorbezeichnete Complication bei druse­kranken Pferden, welche nicht zweckmiissig verpflegt und den Insulten einer kalten oder nasskalten Witterung ausgesetzt werden, wobei der suppurative Process in den Lymphdrüsenabscessen eine Störung erfährt. Fast ausnahmslos verläuft der Process tödtlich. Seine Dauer erstreckt sich auf 1—4 Wochen. In einzelnen Fällen habe ich die Pferde noch länger am Leben erhalten, trotzdem aber die Genesung nicht herbeiführen können. Der pernieiöso Verlauf erklärt sich durch die infectiöse Be­schaffenheit der eiterigen Producte, welche die locale Affection liefert, und durch die Etablirung metastatischer Herde in den inneren Organen des Körpers. Auf die hier gedachte Complication und ihre Folgen be­ziehen sich die meisten Beobachtungen, welche die älteren Autoren zurnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ' Beibehaltung der Ansicht von dem Vorkommen einer „wanderndenquot; oder „metastasirondenquot;, raquo;versetztenquot;, „verschlagenenquot; Druse veranlasst haben.
6)nbsp; nbsp;Erysipelatöse Entzündung und starke Schwollung der Subcutis im Kchlgange, am Kopfe und in der Ohrdrüsengegcrul. In einzelnen Fällen bildet sich eine starke Kehlgangsgeschwulst, die sich an einer oder an beiden Seiten über die Ganaschen nach dem Gesicht und andererseits nach der Ohrdrüsengegend ausbreitet. Dabei erreicht die fieber­hafte Gcsatnmtstörung einen hohen Grad. Trotz tiefer Einschnitte und energischer Anwendung von Desinfectionsmitteln gelingt die Bekämpfung der offenbar auf einer besonderen Infection beruhenden Entzündung der Subcutis nicht immer. Wenn die Complication sich an beiden Seiten des Kopfes entwickelt und einen grossen Umfang erreicht, so führt sie stets durch pernieiöse Blutvergiftung zum schnellen Verfall der Kräfte und zum Tode der Patienten. Dos literarischen Interesses wegen will ich noch anführen, dass sie mit der Blutfleckenkrankheit und der schweren, zur oberflächlichen Mortification der Schleimhaut führenden Pharyngitis zu der Complication gehört, welche die Autoron mit dem Namen der „brandigen Drusequot; zusammengefasst haben.
7)nbsp; Oedem der Zunge und Durchbruch des Kehl gangsabscesses in die Maulhöhle. Die Etablirung des Kehl gangsabscesses dicht unter der Zunge verursacht, aber im Ganzen nur selten, durch Druck auf die Venen und Lymphgefässe eine starke und schmerzhafte, wässerige Infil­tration der Zunge, besonders an beiden Seiten, am Zungenbamp;ndohen und
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362nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
an dor Spitze. In ^olge der Sohmerzen bekunden die Pferde Eingenommen­heit des Bewusstseins. Die geschwollene Zunge wird aus der Lippen-spallc hervorgestreckt und der Speichel fliesst in langen Fäden aus dem Maul. — In diagnostischer Hinsicht ist auf die Verwundung der Zunge durch einen spitzen metallischen Gegenstand, der oberhalb dos Zungen-bändchens eindringen und sich festsetzen kann, Rücksicht zu nolunen. — Das hier gedachte Oedcm der Zunge ist nicht gefährlich und bildet sich nach kunstgerechter Spaltung der Lymphdrüsengeschwulst des Kehlganges resp. Eröffnung des tief liegenden kleinen Abscesses schon in 24 Stunden wieder zurück.
Bleibt der dicht unter der Zunge entstehonde Kehlgangsabscess sich selbst überlassen, so kann derselbe nach der Maulhöhle durchbrechen, was aber auch nur selten vorkommt. Eine besondere Gefahr für das Leben des Pferdes bedingt diese Complication zwar nicht. Aber die von der Maulhöhle aus stattfindende Verunreinigung des Eiterherdes verursacht eine schlechte Granulation und verzögert die Heilung.
8) Durchbruch subparotidealer Abscesse in den Schlund­kopf. Viel erheblicher, als der Kehlgangs- und der oberflächlich gelegene Ohrdrüsenabscess ist die von den retropharyngealen Lymphdrüsen aus­gehende Abscessbildung. Wird dieselbe nicht erkannt oder nicht beachtet, so bahnt sich die Eiterung nicht selten ihren Weg in die Schlundkopfs­wand. Die Schleimhaut nekrotisirt an einer kleinen, erbsen- bis bohnen-grossen, zuweilen bis 2 Ctm. langen und 1 Ctra. breiten Stelle. Durch die penetrirte Schleimhaut ergiesst sich der dünnflüssige Theil des Abs-cossinhaltes in den Schlundkopf, während der dickere Eiter in dem Abscesse liegen bleibt. Mitunter kommt der Abscess auch noch zum Durchbrucb nach aussen, während bereits die Schlundkopfswand pene-trirt war, so dass eine förmliche Schlundkopffistel mit Entleerung von Kutterpartikeln und Getränk sich ausbildet. Auch mit dieser Complication nimmt der Krankheitsfall in der Regel einen tödtlichen Verlauf. Stürmischer sind aber die Symptome beim Einbruch einer grösseren Quantität von Eiter in den Schlundkopf. Wenn nicht vorher schon die Tracheotömie ausgeführt ist, so tritt neben der Inappetenz und dem Unvermögen zum Schlucken schwere Dyspnoe mit Laryngealgeräuschen ein. Unter den Symptomen der fieberhaften Blutvergiftung deuten der starke Kräfteverfall, die erhebliche Pulsfrequenz und die venöse Röthung der Kopfschleimhäute schon auf den ungünstigen Verlauf dos Krankheitsfalles. Immer folgt der Complication, bei welcher Eiter und in fauliger Zersetzung befindlicher Speichel mit der Inspiration in die Bronchien gelangt, unmittelbar eine Broncho-Pneuraonie. Wenn der Patient noch länger, als einen Tag am
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Loben bleibt, so ontstohcu broncho-pncumonischo Jaucholiüide, die stets schnell zum Tode lühren. Schon durch Tonnockor (1820) ist auf dieso Complication aufmorksam goinacht worden. In dor neueren Zeit hat Fiedler in einer Dissertation (1878) den Krankheilsverlauf von einem in der Klinik der Thierarzneisohule zu Hannover behandelten und im pathologischen Institut daselbst obducirlcn Pferde eingehend beschrieben.
9)nbsp; nbsp;A bscessbi Idung i m Gaumensegel. Eine schwere Entzündung der llachensclileimhaut kann zur Etablirung eines oder mehrerer Abscesse im Gaumensegel führen. Da die Localuntersuchung der Maulhöhlo bei den an der Druse in hohem Grade erkrankten Pferden stets lästig ist, so bleibt diese Abseessbildung meist unerkannt. Die Schwellung des Velum verhindert den Abschluss der Choanen und bei dem langsamen Verlauf der Entzündung erhält sich deshalb das Symptom der Schluck­beschwerde (Abfluss von Futter, Getränk und Speichel aus der Nase) 2—3 Wochen lang. Kleinere Abscesse im Velum mögen zuweilen auf­brechen und ausheilen. Hat aber der Abscess den Umfang eines Tauben­eies, oder sind mehrere Abscesse entstanden, so erlangt der Hegel nach die Entzündung der Rachenschloimhaut eine gefährlicbe Bedeutung. Die stark goschwollene Schleimhaut mortificirt oberflächlich an einzelnen Stollen. Mit dem Inspirationsstrom werden Eiter, Futter und Speichel in die Bronchien herabgezogen und der hierdurch hervorgerufenen Lungen­entzündung (Schluck-Pneumonic) erliegen die Pferde in kurzer Zeit.
10)nbsp; nbsp;Abscessbildung in den Muskeln des Zungenbeins. Durch Fortführung des Eiters aus den submaxillaren oder subparotidealon Abs-cessen in den Lymphgefässen resp. durch Vordringen des eiterigen Ent-zündungsprocesses im Bindegewebe kommen in einzelnen Fällen Abscesse im Schulterzungenbein-Muskel oder im Brustzungenbein-Muskol zur Aus­bildung. Dabei können die übrigen durch die Druse veranlassten Krankraquo; heitsproces.se grösstentheils abheilen. Die fraglichen Abscesse sind sehr schmerzhaft, weshalb die Patienten die Verschiebungen und Contractionen der betreffenden Muskeln vormeiden. Der Kopf wird gestreckt gehalten. Da die Zungenbein-Muskeln einen wichtigen Factor beim Schlucken ab­geben, so können die Pferde von dem aufgenommenen Futter und Ge­tränk nur eine geringe Quantität in den Schlund überführen. Bei der localen Beschränkung der eiterigen Muskelaffection bekunden die Thiere aber zunächst noch einen ziemlich regen Appetit. Es entleert sich dos­halb während des Fressens das zerkaute Futter anhaltend und in grosser Menge aus der Nase. In gleicher Weise (liosst beim Trinken das Wasser aus der Nase wieder ab. — Die mangelhafte Ernährung bedingt starke Abmagerung mit zunehmender constitutionoller Schwäche. Danebon be-
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364nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
stehen die Zeichen dos pyämischen Fiebers. — Nach einem Krankheits­verlaufe von 6—10 Tagen erlangt der Kräfteverfall einen so hohen Grad, dass die Pferde nicht mehr aufstehen können und durch Erschöpfung zu Grunde gehen. Gewöhnlich entsteht aber zuvor noch eine perniciöse Pneumonie dadurch, dass Futter und Getränk aus dem Sohlundkopf in die Bronchien kommen. — Die Abscesse in den Zungenbein-Muskeln können nicht mit Bestimmtheit diagnosticirt werden. Selbst bei der etwaigen Vermuthung ihres Bestehens ist die Lage derselben nicht zu ermitteln. Auch würden sie in jedem Falle einer ausreichenden chirur­gischen Behandlung nicht zugänglich sein. Deshalb bringt diese Com­plication cine grosso Lebensgefahr mit sich. Der Regel nach führt sie zum Tode der betreiTenden Pferde.
11) MultipleAbsoessbildunginderSubmucosa des Pharynx und purulente Entzündung des retropharyngealon Gewebes. Bei ungünstigem Verlaufe des Rachenkatarrhs entstehen zuweilen eiterige Pro-cesse in den Follikeln der Schleimhaut und in dem submucösen Gewebe. Die Erkrankung ist mit Wahrscheinlichkeit darauf zurückzuführen , dass das eiterige Secret des Drusenkatarrhs durch besondere pathogene Fermente inficirt wird und in der entzündeten Rachenschleimhaut purulento Pro-cesso verursacht. Mitunter dringen die submucösen Abscesse in die Muskulatur des Pharynx, so dass bei den Sectionen derartig erkrankter Pferde eine grössere Zahl von erbsen- bis haselnussgrossen Eiterherden in der Schlundkopfswand nachgewiesen worden kann. In dem retro­pharyngealon Gewebe entsteht durch die fortschreitende Infection zuweilen noch eine purulente Phlegmone. — Die Complication giebt sich gewöhn­lich durch die Symptome der anhaltend schworen Pharyngitis zu er­kennen , neben welcher durch entzündliche Schwellung der Kehlkopf­schleimhaut die mehrerwähnten Zeichen der Kehlkopfsdyspnoe bestehen können. Bei einseitiger Erkrankung kann die Pharyngitis aber 6 bis 8 Tage lang unerheblich bleiben und ich habe mehrfach beobachtet, dass die Erkrankung eine Zeit lang keine Störung des Schluckens und des Gesammtbefindens veranlasste. Zuweilen entstehen durch Resorption purulenter Stoffe metastatische Herde in den Organen der Bauchhöhle oder in den Lungen. — In den niederen Graden dieser Schlundkopfs-Erkrankung ist die Heilung der kleinen Schleimhautabscesse möglich. Mit der vollständigen Ausbildung der vorerwähnten eiterigen Processe wird die Krankheit stets durch purulente Infection des Blutes oder meta­statische Entzündung innerer Organe tödtlich.
12) A bscessbildung am Halse und hinter der Luftröhre. Die locale Eiterinfection des subeutanen Bindegewebes verursacht zuweilen die
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Entstehung oiner absoedirenden Entzündungsgösohwulst vor der Luftröhre. Mit derselben ist in der Regel keine Gefahr für das Leben des Pferdes verbunden, wenn nicht zugleich eine Pyämie besteht. .— Von grösserer Bedeutung ist der hinter der Luftröhre sich bildende Abscess, der von den mittleren Ilalsdrüsen ausgeht. Das Zustandekommen desselben er­klärt sich dadurch, dass Eiter von den Kehlgangs- oder subparotidoalen Abscessen mit den Lymphgefässen zu den mittleren Halsdrüsen gebracht wird. Bald drängt sich der Abscess nur an einer Seite, bald an beiden Seiten des Halses hervor. Im letzteren Falle erfolgt der Durchbruch, falls die chirurgische Eröffnung nicht zeitig genug bewirkt wird, gewöhn­lich an beiden Seiten, so dass eine lange Sonde von einer Seite des Halses zur anderen durch den Abscess geschoben werden kann. Der­artiger Krankheitsfälle hat schon Rohlwes (1822) gedacht und ich kann die Richtigkeit seiner Behauptung nach eigenen Beobachtungen bestätigen. — Die Gefahr dieser Abscessbildung liegt darin, dass der Eiter in das benachbarte lockere i3indcgewebe dringen, eine schwere Phlegmone und purulente Infection des Blutes mit tödtlichem Ausgange herbeiführen kann. Bei rechtzeitiger Eröffnung des Abscesses gelingt indess die Heilung nicht selten.
13)nbsp; nbsp;Abscessbildung an der vorderen Brustapertur oberhalb der Luftröhre. Durch die mit den Lymphgefässen erfolgende Einführung von eiterigem Ferment in die unteren Halsdrüsen wird die hier gedachte abscedirende Entzündungsgeschwulst veranlasst. Sie erstreckt sich zu­weilen 10—20 Ctm. weit an der Luftröhre herauf und bedingt durch Compression der letzteren gewöhnlich eine erhebliche Dyspnoe mit lauten trachealen In- und Exspirationsgeräuschen. Die Compression kann bei grossem Umfange des Abscesses so stark werden, dass das Pferd durch Erstickung zu Grunde geht. Sonst entwickelt sich nach 10—-15 Tagen an den benachbarten Brustorganen noch eine erhebliche Entzündung, welcher das durch die fieberhafte Erkrankung schon sehr geschwächte Pferd erliegt, bevor der Abscess zum Aufbruch gekommen ist. Dem­nach fällt die Beurtheilung der gedachten Complication stets ungünstig aus. Alle Fälle, die ich selbst behandelt habe, nahmen einen tödtlichen Verlauf. Bei der ungünstigen Lage und der Ausdehnung des fraglichen Abscesses kann auch die frühzeitige Eröffnung, die übrigens nicht immer ausführbar ist, die Heilung des Pferdes nicht ermöglichen.
14)nbsp; nbsp;Lungenentzündung. Im Verlaufe der Druse können die Lungen einer Erkrankung in verschiedener Art unterworfen sein. Das häufige Bestehen eines schleimig-eiterigen Katarrhs der Bronchialschleimhaut ver­ursacht oft die Ausbildung einzelner broncho-pneumonischer Eiterherde.
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366nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten.
Soweit das eiterige Secret der ßronchiaischleimhaut eine gutartige Be­schaffenheit behält, sind diese voroinzclten Herde nicht gefährlich. Sie können selbst die Grosse eines Hühnereies erreichen und doch durch Resorption und Narbenbildung oder durch Verkalkung ausheilen. Ich habe oft Gelegenheit gehabt, mich bei der Section der duroh andere Ursachen eingegangenen Pferde von der Richtigkeit dieser Behauptung zu überzeugen. Wenn aber in dem Secrete der Bronchialschleimhaut, oder in den pneumonischen Herden eine faulige Zersetzung eintritt, so entwickelt sich eine ichorrhöse Pneumonie oder eine diffuse, eiterig-seröse Pleuritis mit Hydrothorax, wodurch der tödtliche Ausgang der Krank­heit unaufhaltsam herbeigeführt werden muss.
Häufiger entsteht bei der Druse durch Aspiration von Futter, Wasser und Speichel, oder von Schleim und Eiter aus dem entzündeten Schlund­kopf oder Kohlkopf eine seeundäre Pneumonie (Schluck-Pneumonie, Fremdkörper-Pneumonie). Die aspirirten deletären Stoffe enthalten stets Fäulnissfermente und es kommt daher durch ihre Verraittelung sehr oft zur Ausbildung einer jauchigen Bronchitis und Broncho-Fneumonie, welche sich zuweilen auch auf die Pleura fortsetzt und eine exsudative Pleuritis (Hydrothorax) herbeiführt. Schon die einfachen Fremdkörper- oder Schluckpneumonien, die im Verlaufe der Druse entstehen, involviren eine grosso Lebensgefahr. Indess überwinden Pferde mit guter Constitution zuweilen eine solche Pneumonie vollständig. Ungünstiger gestaltet sich die Beurtheilung bei kraftlosen Fohlen und bei den in Folge des fieber­haften Gesammtleidens heruntergekommenen Pferden. Erlangt die Broncho-Pneumonie einen jauchigen Charakter, so liegt die Rettung der Pferde nicht mehr im Bereiche der Möglichkeit.
Metastatische Lungenentzündungen im Verlaufe der Druse werden in der Hegel tödtlich. im Besonderen richtet sich die Gefahr aber nach der Zahl und Grosse der embolischen Herde und nach dorn mehr oder weniger pernieiösen Charakter des in die Lungenarterien eingeführten eiterigen Materials.
15) Pyämie mit Absccssbildung in derSubcutis. Die bereits geschilderten eiterigen Entzündungsprocesse am Kopfe und Halse unter­halten nicht selten ein pyämisches Fieber mit protrahirtem Verlaufe. Die Krankheit kann 2—3 Wochen, selbst noch länger dauern. In dieser Zeit entstehen einzelne oder mehrere Fntzündungsgeschwülste mit der Tendenz zur Abscessbildung in der Subcutis an verschiedenen Regionen. In pathogenetischor Hinsicht sind zwei Arten von abscedirenden Fnt-zündungsgeschwülsten der Subcutis als Complicationen der Druse zu unterscheiden. Bei der purulenten Blutdyskrasie incliniron schon leichte
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Druse.
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QuetsohungOil dei1 Haut zur Eiterbildung. Obwohl bei diesen Abscessen die äussero Vcranlussuiig oft mit Sicherheit nachgewiesen werden kann, so ist doch die Abhängigkeit ihres speciellen Charakters von der pyärai-schen Allgemeinaffection leicht zu erkennen. — Andere Abscesse beruhen auf einer Capillarembolie durch purulento Stoffe. Sie bilden sich nicht selten in der ünterrippengegend, in den Flanken oder auf der Rippen­wand, zuweilen auch in den Leistendrüsen, am Widerrist oder am Genick. Im Allgemeinen ist das Auftreten derselben nicht lebensgefähr­lich und bei zweckmässiger Behandlung der Abscesse gelingt die Heilung der Pferde in der Regel. Indess richtet sich die Beurtheilung eines con-creten Falles vornehmlich nach der Lage des Abscesses, sowie nach dem Grade der pyäraischen Gesammtaffection und der constitutionelien Wider­standsfähigkeit der Patienten.
16)nbsp; nbsp;Metastatische A bscessbildung in der Darmschleim haut. Ich habe drei Pferde behandelt, bei welchen durch die Section mehrere Abscesse von Bohnen- bis Wallnussgrösse in der Schleimhaut des lleum und des Jejunum festgestellt wurden. Die Eiterherde hatten die Darmschloim-haut mit einer kloinen Oelfnung durchbrochen; der eiterige Inhalt der Herde war von gutartiger Beschaffenheit. In Verbindung mit den Abs-cessen hatte sich an mehreren Lyraphgefässen des Mesenteriums eine starke Entzündung (fingerdicke Schwellung der Wandung) ausgebildet. Diese Lyraphgcfässe enthielten eine geringe Menge gutartigen, grau-weissen, dünnflüssigon Eiters. Die zu ihrem Stromgebiet gehörigen Mesonterialdrüsen waren hühnerei- bis faustgross geschwollen. Die Ge­schwulst hatte eine derbe Beschaffenheit und enthielt im Innern eine relativ kleine, mit rahmartigom, gutartigem Eiter gefüllte üöhle. — Die Quelle der hier besprochenen metastatischen Abscessbildung der Darm­schleimhaut lag in einer purulenten Entzündung der Pharynxwand an einer Seite. Bei dem geringen Umfange, welchen die mit der Druse entstandene Erkrankung des Schlundkopfes hatte, erscheint der langsame Verlauf und der relativ gutartige Charakter der metastatischen Darm-abscesse nicht auffallend. Ich zweifle aber nicht, dass es Fälle geben wird, in welchen die consecutive Darmkrankheit einen pernieiösen Cha­rakter erlangt. Andererseits scheint es mir nicht unmöglich zu sein, dass bei zeitiger Abheilung des primären purulenten Entzündungsherdes in der Schlundkopfswand kleine metastatische Abscesse in der Darm­schleimhaut einen günstigen Verlauf nehmen können resp. nicht noth-wendig zum Tode führen müssen.
17)nbsp; Embolisohe Abscessbildung in der Nierenkapsel oder im retroperitonealen Gewebe resp. in den Duplioaturen dos Peri-
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3(58nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankhoiten.
toncums (Gekröse, Netz, Milzmagonband etc.). Es ist sehr wahr­scheinlich, (lass von den eiterigen Entzündungsherden am Kopfe oder am Halse der drusekranken Pferde minimale corpusculäre Stoffe (vielleicht zer­fallene Eiterkörporchen), an weichen das pyogene Ferment haftet, durch Re­sorption in die Blutbahn gelangen können. Solche Stoffe würden klein genug sein, um die Capillaren des functionellen Lungenkreislaufs zu passiren und sich in den Capiliargefässen an solchen Stellen des Körpers, in welchen die Blutströmung eine relativ geringe Stärke hat, gelegentlich festzusetzen. An derartigen Siollen würde demnach die embolische Abscessbildung ein­setzen müssen. Mit dieser Voraussetzung lässt sich nach dem gegen­wärtigen Stande der Wissenschaft die Thatsache, dass bei der Druse zuweilen die Lungen intact bleiben und an den Organen der Bauch- und Beckenhöhle motastatische Abscesse zur Ausbildung kommen, am besten veranschaulichen. Die Pathogonese der hier gedachten Abscesse voll­zieht sich in der Regel langsam. Es vorgehen zuweilen 2 — 8 Wochen und darüber, bevor dieselben zum Tode der Patienten führen. Die Grosse der Abscesse kann sich auf den Umfang eines Hühnereies oder einer Faust beschränken, aber auch den doppelten Umfang eines mensch­lichen Kopfes erreichen. Es ist nicht unmöglich, dass die Ideinsten Abscesse im Peritoneum bei starker ümkapselung theils durch Resorption, theils durch Verkalkung ausheilen können; die grösseren werden aber in allen Fällen tödtlich. Die nächste Bedingung des letalen Ausganges beruht zuweilen darin, dass bei vollständigem Verschlüsse eines grösseren Abscesses die Entzündung von der Abscesswand sich auf die nachbar­lichen Gebiete des Peritoneums fortsetzt und an derselben zur fibrinösen Exsudation und Verklebung der in naher Berührung stehenden Organe Veranlassung giebt. Hierbei erhalten sich die Patienten nicht selten 1—2 Wochen lang am Leben. In anderen Fällen kommt der Abscess durch eiterige Einschraelzung der Kapsel an einer kleinen Stelle zum Aufbruch, so. dass sich Eiter in den freien Raum der Bauchhöhle er-giesst. Die hierdurch verursachte Peritonitis führt in der Regel schon innerhalb des ersten oder des zweiten Tages zum Tode. — Für die Dia­gnose der hier besprochenen metastatischen Abscesse giebt es keine significanten Merkmale. Nach verhältnissraässig langem Fortbestehen des eiterigen Nasenausflusses und der Eiterung in den Kehlgangs­oder zugleich in den subparotidealen Abscessen bleibt der Appetit bei den betreffenden Pferden gering; Darmexcremente klein geballt und mit zähem Schleim reichlich bedeckt; starke Verkleinerung der Bauch­höhle; erhebliche Abmagerung; tief liegende Augen; Pulsfrequenz und Fiebertemperatur von 39,5 — 40,5 Grad. Unter diesen Symptomen er-
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Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 369
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hulton sich die Patienten gowöhniich 2 — 4 Wochen, in seltenen Fällen
bis 2 Monate am Leben, bevor der Tod eintritt.
18)nbsp; nbsp;Embolische A bscessbildung im Mediastinum. In gleicher Weise, wie von den Organen der Bauchhöhle sub No. 16 geschildert ist, kann sich im Verlauf der Druse /wischen den ßlätlern des Mediastinum ein metastatischer Abscess entwickeln, der den Umfang eines menschlichen Koples erreicht, zuweilen noch grosser wird und gutartigen Eiter von milchiger Beschaffenheit enthält Diese Metastase der Druse sah loh nur bei jungen Pferden, welche an der Druse mit verzögertem Ver­laufe und anhaltender Eiterung der Kohlgangsabscesse litten. Sie führt stets zum Tode. Die vollständige Ausbildung des Mittolfellabscesses dauert zuweilen mehrere Wochen. In. dieser Zeit verringert sich der Nährzustand mehr und mehr; das Athmen ist beschleunigt und erschwert; bei vorgeschrittenem Krankheitsverlauf Stöhnen; Futterauf nähme spär­lich; Pulsfrequenz und Fiebertemperalur. Durch die Percussion dos Brust­kastens lässt sich in der Regel ein bestimmter Anhalt nicht gewinnen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '. Auch die Auscultation der Lungen ergiebt ausser dem verstärkten v Bläschengeräusch bei der In- und Exspiration nichts Wesentliches. —
Dass der Mittelfell-Abscess mit einer enibolischon Pneumonie leicht ver­wechselt werden kann, bedarf hiernach keiner Erläuterung. — Der tödt-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; lt;* liehe Ausgang der Krankheit wird entweder durch die von der Abscess-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;; wand ausgehende diffuse Pleuritis verursacht, oder durch Aufbruch des Abscesses und Entleerung des Eiters in die Brusthöhle herbeigeführt.
19)nbsp; nbsp;Embolische Abscessbildung im Gehirn. Junge Pferde er­kranken in einzelnen Fällen und bei schleichendem Verlaufe der Eiterung in den submaxillaren oder subparotidealen Abscessen an einer inetastatischen Eiterbildung im Gehirn. Ich habe einen solchen Krankheitsfall von einem fünfjährigen Halbblut-Wallach beschrieben (Adam's Wochenschr., 1882), der Anfangs März an der Druse erkrankte. Wiederholle Abscess­bildung in der Ohrdrüsenregion; copiöser Nasenausfluss; dürftiger Appetit; Abmagerung. Gegen den 10. April Besserung des Befindens. Am 13. April (6 Wochen nach dem Beginn der Druse) die ersten Zeichen der Depression des Bewusstseins. Das Pferd wollte beim Hochheben des Kopfes nicht weitergehen. P. 56; Resp. 12. Am 16. April erheblicher Stumpfsinn; tappende Schrittbewegung; Schliessung der Augenlider; häutiges Gähnen; Kreisbewegungen nach rechts mit niedrig gehaltenem Kopfe. Appetit gering. P. 41, Resp. 15. — Das Krankheitsbild hatte eine grosso Aehnlichkeit mit den Symptomen der acuten Hirnhöhlen-Wassersucht. — Am 18. und 19. April Unvermögen zu stehen; am folgenden Tage trat der Tod ein. — Die Section ergab neben einem inetastatischen
Die ck e i hoff, Spec. Piithologio u. Therupie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;24
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370nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten.
Abscesso des Milzmagenbandes eine Eiterbildung in der linken Halbkugel des grosson Gehirns, Dor Abscess erstreckte sich von der Convexität bis in den linken Seitenventrikel. — Die Diagnose des metastatischen Gelürnabscesses ist dadurch erschwert, dass die Störungen der Hirn-funetionen mit dein Bilde der subacuten Meningitis in vieler Hinsicht übereinstimmen und dass letztere auch zuweilen bei protrahirtem Ver­laufe der Druse entsteht. Bestimmte Merkmale zur Unterscheidung beider Zustände liefert die Symptomatologie derselben nicht. Da nun die mota-statischo Abscossbildung im Gehirn viel seltener vorkommt, als die sub-acute Meningitis mit Hydrocephalus, so verlangt die Diagnose der ersteren eine grosse Vorsicht.
20) Blutfleckenkrankheit. Die bei der Druse und ihren Compli-cationen vorkommenden purulenton und iohorrhösen Zustände in der Respirationsschleimbaut, in den Lungen und anderen Organen liefern einen günstigen Nährboden für die Erzeugung des Virus, von dessen Einführung in die Blutcirculation die Entstehung dos Morbus maculosus ihren Ausgang nimmt. Die meisten älteren Autoren berichten schon von der Complication der Druse mit dem „Faulfieberquot;, die theils zu der bösartigen, thcils zu der brandigen Druse gerechnet wurde. Vorwaltend sind die schleichend verlaufenden Krankheitsfälle, bei denen ein eiteriger Katarrh der Rachenschlcimhaut oder ein rotropharyngealer Zcrfallsherd oder ein bronchopneumonisebor Jaucheherd besteht, der Complication mit dem Morbus maculosus unterworfen. Indem ich auf die Beschreibung des letzteren verweise, will ich hier nur hervorheben, dass aus praktischen Gründen ein Unterschied gemacht werden muss zwischen dem Auftreten einzelner kleiner hämorrhagischer Herde in der Nasenschleimhaut (Petechien) und der vollständigen Entwickelung der Krankheit. Letztore charakterisirt sich durch grössero blutige Herde in der Respirationsschleimhaut, der äusseren Haut und der Magendarmsclileimhaut. — Gerade bei drusekranken Pferden führt die Blutfleokenkrankheit leicht zu Mortificationen der Schleimhaut im Rachen und in der Nase. In den letzten Jahrzehnten ist die hier besprochene Complication vielfach mit dem acuten Rotz ver­wechselt worden, weil bei demselben ebenfalls die Blutfleckenkrankheit zuweilen entsteht. Die Diagnose bestimmt sich vorzugsweise nach der Vorgeschichte des betreffenden Krankheitsfalles und nach der Tliatsache, dass beim acuten Rotz durch die Section neben den blutigen Herden und den durch die etwaige Mortification der Schleimhaut in denselben veranlassten Defecten stets noch malleose Herde ermittelt werden können. Die Bourthcilung der Krankheitsfälle, welche sich mit dem Morbus maculosus verbinden, liegt sehr ungünstig. Bei der schon durch den
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Druso.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 371
Verlauf der Druse bedington Körperschwäche ist der Patient, wenn die Complication sich einigormassen erheblich gestaltet, als verloren zu be­trachten.
Aussei1 den vorstehend besprochenen Complicationon Insst sich nicht selten ein ätiologischer Einllnss der Druse auf die Entwickelung von Localkranldieiten innerer Organe oonstatiren. Dem schleichenden Verlaufe der eiterigen Processe und der durch dieselben unterhaltenen lioberhaftcn Blutdyskrasie folgt häufig eine erhebliche Beeinträchtigung in der Function dor Verdauungsorgane, die sich zuweilen erst nach mehreren Wochen oder Monaten wieder verliert. Dass Fohlen hierdurch eine dauernde Schädigung dos Körponvachsthums erleiden können, bedarf kaum einer Andeutung. — Begünstigt wird im Verlaufe der Druse bei jungen und älteren Pferden die Entwicke­lung der Meningitis subacuta. Unrichtig ist aber die Ansicht vieler Autoren, dass die Lungendämpfigkoit und die einseitige Kehlkopfslälimung (Kehlkopfpfeifen) durch die Druso ihre Entstehung finden sollen.
Diagnose. Die Erkennung der Druse ist in der Regel leicht, nament­lich wenn die Krankheit sich in grösseron Beständen durch Ansteckung ausbreitet. Verwechselt wird dieselbe zuweilen mit den einfachen Ka­tarrhen der Nasen-, Rachen- oder Kohlkopfschleimhaut. Den Unterschied in der Pathogencse beider Krankheiten habe ich schon gewürdigt. Bei den einfachen Katarrhen fehlt die Lymphdrüsenschwellung oder sie er­langt nur einen unerheblichen Grad und führt insbesondere nicht zur Abscedirung. Auch hat das katarrhalische Deject nicht den ausgesprochen eiterigen Charakter, wie bei der Druse. Indess ist nicht zu übersehen, dass es Krankheitsfälle genug giebt, in welchen sich die Diagnose erst im weiteren Verlaufe begründen lässt. Pferde, die in leichtem Grade an der Druse erkranken, bekunden zuweilen nur die Symptome und den Krankheitsverlauf, welche den einfachen Nasenkatarrh charakterisiren. — Vor einer Verwechselung der Druse mit dem diffusen Bronchialkatarrh und mit der Erkältungspnoumonie kann sich der Thierarzt durch die wissenschaftliche Würdigung des Krankheitscharakters am besten schützen. — Wegen der Aehnlichkeit mancher Krankheitsfälle mit dem Rotz der Respirationsschleimhaut verweise ich auf die S. 163 gemachten Be­merkungen.
Prognose. In der giossen Mehrzahl der Krankheitsfälle genesen die Pferde von der Druse vollständig. Aber die Minderzahl umfasst noch einen so grossen Procentsalz, dass die Beurthcilung der Krankheit im einzelnen Falle eine gewisse Vorsicht erheischt. Nadi den pathogono-tischen und symptomatologischcn Mittheilungen erklärt sich leicht, dass so lauge die Krankheit in leichtem Grade besteht und einen rogelmässigen Verlauf behält, die Aussicht auf Heilung günstig liegt. Indess ist auch in solchen Fällen die Prognose davon abhängig, ob die Patienten in
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
bequemen, gnl: tempevirten und gleiehmässig vontilirton Stallungen unter-gebrauht, ob sie ferner sorgfältig verpflegt und mit schmaulchaftom Futter ausreichend versehen werden können. Nichts wirkt in höherem Grade störend auf den gleichmässigen Verlauf der Drusenprocesso, als wieder­holte Refrigerationen der Patienten. So abstruse die Meinung der Vor­fahren ist, dass nach Erkaltungen die „Druscumaterie1' versetzt oder verschlagen werde, so ist doch so viel richtig, dass nach der gedachten Störung der katarrhalischen oder suppurativeu Proccsso die gefährlichen Complicationen der Druse mit purulenter infection und Lungenentzündung leicht ontstehon. Je reiner die Athmungsluf't in den Ställen erhalten wird, um so weniger leicht kommen in der kranken Respirationsschleim­haut und in den Lymphdriisenabscossen die auf dem Eindringen be­sonderer Permente beruhenden störenden Einflüsse zur Wirkung.
In einzelnen Jahren complicirt sich die Druse verhältnissmässig oft und in den verschiedensten Gegenden mit der S. 360 beschriebenen multiplen Abscessbildung in den Lymphgefässen des Kopfes. Es ist anzunehmen, dass unbekannte Permente der atmosphärischen Luft dieser allgemeinen Modification des Krankheitsverlaufes zu Grunde liegen. Bei der Prognose ist auf solche Einflüsse Rücksicht zu nehmen. Ich con-statirte im Frühjahr und Sommer 1885, dass im nördlichen Deutschland von Ostpreussen bis Sachsen die Druse in zahlreichen Pällen, welche ätiologisch nicht mit einander in Zusammenhang standen, diesen Ver­lauf nahm.
Bei gutem Nährzustande erkranken Fohlen und ältere Pferde im Allgemeinen weniger schwer. Ungünstig verläuft die Krankheit oft bei Fohlen, deren Constitution von Geburt an oder in Folge chronischer Dyspepsie und anderen Krankheiton wenig widerstandsfähig ist. In den ersten Lebensmonaten der Fohlen führt die Krankheit schon wegen der zarten Constitution der Thierc häufiger zum Tode, als im späteren Alter. — Beschränkt sich die Affection im Wesentlichen auf den Katarrh der Nasensohleimhaut und auf den Kehlgangsabscess, so ist in der Regel die Gefahr erheblich geringer, als bei entzündlichen Schwellungen des Pharynx oder Larynx. Insbesondere involvirt die Entwickelung subparo-tidealer A bscesse die Gefahr des Eintrittes lebensgefährlicher Compli­cationen mehr, als die Ausbildung von Absccsson auf der Ohrdrüse oder im Kehlgange. — Alle Krankheitszustände in der Region des Kehl­kopfes, welche das Lumen des letzteren beengen und eine erhebliche laryngeale Dyspnoo veranlassen, führen bei jungen Fohlen im ersten Lebensjahr leicht zur Lungenentzündung (Schluck-Pncumonie). Denn im jugendlichen Alter ist dlt;is Lumen des Kehlkopfes relativ enger, als
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Druso.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 373
bei erwachsenen Pferden, Auch lässt sich die Trachootomio bei den letzteren leichter ausführen, als bei den erst einige Monate alten Fohlen. — Endlich ist bei der Prognose noch zu borücksichtigen, class durch die zeitige Anordnung und sorgfältige üeberwachung der diätetischen und medicinisch-chirurgischen Behandlung der kranken Pferde der Ausbildung gefährlicher Ooraplicationen sehr oft vorgebeugt werden kann, während nicht selten lediglich die Vernachlässigung der Patienten den unglück­lichen Ausgang der Krankheit bedingt. Die Gefahren, welche die Oom-plicationon und Folgekrankheiten mit sich bringen, habe ich S. 358 bis 371 bereits angedeutet.
Therapie, Der Voraussetzung eines constitutionelloii Primärloidons entsprach der von den älteren Autoren ompfohlono Ourplan, nach wel­chem die vermeintlich kritische Ausscheidung der „ürusenmateriequot;, d. h. die katarrhalische Secretion in der Rospirationsschlcimhaut und die Pro­duction des Eiters in den Lymphe!rüscnabsccsscn befördert werden sollte. Diesem Irrtbum verdanken die „Drusen pul vorquot; den ganz unbegründeten Ruf, den sie beim Laicnpublicum gegenwärtig noch besitzen. Fs vor­lohnt sich nicht, die häufige Verwendung derselben mit wissenschaftlichen Gründen besonders, zu bekämpfen. Finer missbräueblichon Ausnutzung der Leichtgläubigkeit machen sich viele Apothokenbesilzcr dadurch schuldig, dass sie halbverdorbene aromatische Arznoistoffc mischen und den Land­leuten als wirksame Drusenpulver verkaufen.
Durch Heilversuche den Verlauf der Druso coupiren zu wollen, würde in jedem Falle ein nutzloses Bemühen sein. Der Thiorarzt darf aber bei der Behandlung niemals ausscr Acht lassen, dass Störungen in der krankhaften Secretion dor Schleimhaut und in der Suppuration der Drüsenabsoesso durch unzweckmässige Haltung der Pferde den Krank­heitsverlauf in jedem Falle ungünstig gestalten können. Von grösster Bedeutung ist daher die zweckmässigo Ptlege der Patienten in einem geräumigen, mit guter Athmungsluft. versehenen und massig warm ge­haltenen Stalle. Vortheilhaft wirken ferner: aufmerksame Pflege der Haut; öftere Reinigung der Naseneingänge und der Augen von den an­klebenden Dejcctcn mit warmem Wasser, wiederholte Entfernung der schleimigen und eiterigen Dejecte aus den Futterkrippen und dem Stalle, häufige Erneuerung der Finstren und überhaupt grosso Sauberkeit in der ganzen Haltung der Patienten. — Zur Ernährung ist schmackhaftes Heu mit geringen Quantitäten reinen Hafers geeignet, Daneben sind zucker­und schlcimhaltige Futterstoffe (Mohrrüben, Kartoffeln) und im Sommer gutes Grünfutter passend. Einzelne drusekranke Pferde verzehren Weizen-klcietrank mit Appetit. Im Allgemeinen empfiehlt sich, die aussei'-
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374nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infeotlons- und Intoxicationskrankheiten.
gewöhnlichen Puttorstoffe nur zeitweise und in kleinen Mengen zu ver­abreichen, damit sich die Patienten mit denselben nicht übersättigen und in Folge dessen die fernere Annahme versagen. — Saugfohlen sind beim Ergreifen der Zitzen zu unterstützen.
Bei der vorbezeichneten Verpflegung nehmen die meisten Krank­heitsfälle, bei welchen die Affection des Rachens und des Kehlkopfes auf einem unerheblichen Grade verbleibt, einen günstigen Vorlauf, so dass kaum eine medicamentöse Behandlung erforderlich wird. Ist die Schleim­hauterkrankung stärker ausgebildet, so dass die Pferde vom Hustenreiz belästigt worden, so sind reizmildcrnde Mittel in Latwergen- oder Schlecken­form angezeigt. Rp.: Stibii sulfurati aurati 30,0; Arnmonii chlorati 50,0; Natrii sulfurici 300,0; Radicis Liquiritiae 100,0. In Latwergenform stünd­lich den 8. Theil mit einem Spatel auf den Zungengrund zu streichen. Statt der Süssliolzwurzel lässt sich auch Honig oder Aepfelsyrup zwock-mässig benutzen. Die Medication kann mehrere Tage nacheinander wiederholt werden. — Wirksamer und bei älteren Pferden leicht zu appliciren ist die stündlich zu wiederholende Einführung einer 2,0 bis 3,0proc. wässerigen Lösung von Kalium chloricum in die Maulhöhle mittels eines Irrigators mit langem Gummischlauch. — Im ersten Stadium der Krankheit ist ferner die altbekannte Inhalation des verdunstenden heissen Wassers (Dunstbäder der Respirationsschleimhaut) angezeigt. Dem heissen Wasser kann Heusamon, Kamillenblumon, Anissamon, Malz, Treber oder Schlempe beigefügt werden. In manchen Gegenden wird aus alter Gewohnheit eine Abkochung von Gerste benutzt. Erheblich ist indess die Wirkung dieser Inhalationscur nicht und in schweren Krankheitsfällen ist es besser, sich nicht mit derselben zu befassen. — Zieht sich der Drusenkatarrh länger, als 8 Tage hin, so empfiehlt sich die Inhalation von Carboldämpfen, die leicht durch Zerstäubung von Aqua carbolisata mit einem Sprayapparat entwickelt werden können. Bei verschleppter Pharyngitis und Laryngitis leistet die von mir (Adam's Wochenschrift 1881) empfohlene Laryngeal-lnjection von 50—100 Gramm einer 0,5 proc. Lösung von A lumen, Acidum carbol. oder Tanninum oft sehr gute Dienste, das Verfahren kann in geeigneten Fällen nach 2 bis 3 Tagen wiederholt werden. — Empfchlenswerth ist endlich bei ver­schlepptem Verlaufe des Drusenkatarrhs und besonders beim Bestehen einer diffusen Bronchitis die zeitige Application eines Fontanells vor der Brust. Dasselbe wird 8—14 Tage in Eiterung gehalten. Ich habe mich von dem therapeutischen Erfolge des Fontanells in den geeigneten Krank­heitsfällen oft überzeugt. — Den in der Convalesccnz befindlichen Pfer­den ist eine massige Bewegung in freier Luft zuträglich. Sie können bei
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Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;375
günstiger Witterung ohne Nachlheil auch zu leichten Arbeiten verwendet werden.
Der Abscessdurchbruch im Kohlgangc vollzieht sich in den leichten Krankheitsfällen zwar ohne künstliches Zulhuii. Wogen der zahlreichen Ausnahmefälle, in welchen aus dem Kehlgangsabscesse lebensgefährliche Complicationen hervorgehen, darf der Thiorarzt denselben indess niemals unbeachtet lassen. Die Forderung der Autoren, dass die künstliche Er­öffnung der Abscesse zu unterlassen und der spontane Aufbruch derselben abzuwarten sei, ist nach meiner Erfahrung in zahlreichen Fällen nicht am Platze. Richtig erscheint zwar der Ausspruch Spinola's, dass die zur Zeit dos Einstichs noch nicht in Eiterung übergegangenen Goschwulst-theile gern verhärten und als Knoten zurückbleiben. Aber die früher übliche Eröffnung der fraglichen Abscesse mit der Lancette ist überhaupt nicht rationoll. Praktischer und bei einiger Gewandtheit auch leicht ausführ­bar ist die Spaltung derselben mit dem geballten Bistouri. Wird ein langer Schnitt durch die Kehlgangsgeschwulst gelegt, so bleiben keine Knoten zurück. Die Blutung ist der Regel nach unerheblich und cr-forderlicden Falles durch Einlegen eines Flachstampons, über welchem ein Heft durch die Wundränder gezogen wird, leicht zur Sistirung zu bringen. Es empfiehlt sich hiernach die Spaltung des Abscesses, sobald an demselben eine Fluctuation festgestellt werden kann. Bei multipler Abscessbildung im Kehlgange ist es oft zweckmässig, in die spontan entstandene oder künstlich bewirkte Oeffnung mit dem Finger einzudrin­gen und die Eiterheerde freizulegen. Oft ist dagegen die Spaltung meh­rerer nebeneinander entstandener Abscesse nothwendig. — Die früher allgemein angerathene Erwärmung der Kehlgangsgeschwulst durch Auf­legen eines Hasenfells oder Lammfells behufs Beförderung der Matura­tion ist von keinem besonderen Nulzon. Mehr Vortheil bietet schon die Einreibung der Geschwulst mit Fett oder mit reizenden Mitlein (Liquor Ammonii caustici und ülcum Rapae ana, oder Sapo viridis für sich allein, oder mit Zusatz von Oleum Terebinthinao; oder ünguentum Can-tharidum). Wenn aber die Kchlgangsgcschwulst nicht die Form eines etwa hühnereigrossen, derben Knotens hat oder überhaupt keine deut­liche Abgrenzung von der Nachbarschaft zeigt, sondern sich als eine flache Schwellung der Subcutis markirt, dann ist es besser, sich mit der Application scharfer Einreibungen nicht aufzuhalten, sondern ohne Verzug die Spaltung der Geschwulst vorzunehmen und derselben die Localbehandlung mit desinficirenden Mitteln folgen zu lassen. Eine the­rapeutische Nothweudigkeit ist die Spaltung, vvonn die Eiterung nicht zu spontanem Durchbruch tendirt und in mehreren flachen Herden der
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376nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
Suboutis erfolgt, an welchen eine Fluctuation gar nicht oder nur sehr undeutlich festgestellt werden kann. In diesen Fällen hat der Eiter keine gutartige Beschaffenheit, und bei Verabsäumung der Spaltung und Freilogung der Herde stellt sich die purulente Infection der benach­barten Lymphgelasse und des subeutanen Bindegewebes mit allen ihren Gefahren ein. — Nach der ErölTnung des Kehlgangsabscesses ist eine (iesinficirende Behandlung angezeigt. Bei gutartiger Eiterung genügt die Einreibung mit Sapo viridis und die öftere Reinigung des Kehl-ganges. Das Verfahren ist mehrere Tage hindurch fortzusetzen. Grösse-ren Erfolg hat aber die an den ersten beiden Tagen zweistündlich und später nach längeren Zwischenräumen zu wiederholende Waschung der Eiterabscessc mit Plumb, acet. 2; Alum. 1 und Aqua 50; oder mit einer 0,5proc. Lösung von Hydr. bichloratum; oder mit Aqua car-bolisata.
Wenn sich im Initialstadium oder im weiteren Vorlaufe der Krank­heit die Angina mit laryngoaler Dyspnoe (Giemen oder Rohren) ausbildet, so sind zunächst Priessnitz'scho Umschläge oder scharfe Einroibungen in der Kehlkopfsregion angezeigt Die kunstgerechte Application von 5 bis 7 proc. Senfspiritus führt zuweilen schnell zur Verminderung der Dyspnoe; sonst empfiehlt sich die wiederholte Einreibung von Unguen-tum Oantharidum. Daneben ist die nachhaltige Erwärmung der Kehlquot; kopfsregion mit einem Schaffell oder mit einer Binde rathsam. Wenn aber die Dyspnoe nicht alsbald nachlässt oder einen hohen Grad er­reicht, so dass dis Gefahr einer Complication des Krankheitsfalles mit Pncumonie droht, so ist diese temporisironde Behandlung nicht am Platze. Dann empfiehlt sich dringend die Tracheotomie, welche bei zeitiger Aus­führung sehr oft die Rettung der betr. Patienten ermöglicht. Der Tu­bus, dessen tägliche Reinigung sich aus chirurgischen Gründen von selbst versteht, kann in der Regel nach 4 — 8 Tagen wieder entfernt werden.
Abscosse, die unter dem Ohre entstehen und von den Lymphdrüsen der Ohrdrüsengegend (hinteren Kiefordrüscn) ausgehen, sind zu eröffnen, sobald eine Fluctuation ermittelt werden kann. Oft ist aber die Span­nung der Abscesswand so stark, dass sich die Fluctuation nicht deutlich ergiebt. In diesen Fällen lässt sich schon aus der Dauer des Bestehens und aus der Grosse der Geschwulst mit Sicherheit darauf schliessen, dass dieselbe zur Eiterbildung geführt hat. Zur Eröffnung ist zweckmässig zunächst die Haut über der Ohrdrüse mit einem geballten Bi­stouri zu durchschneiden, worauf der Operateur mit dem Zeigefinger bohrend in die Abscesshölile dringt. Ist der Abscess vollständig matu-rirt, so liegt die Höhle dicht unter der Haut. Oft ist die Spannung der
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Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;377
Absoosskapsel so orhoblicli, dass der Eiter nach der Eröffnung im grossen Bogen hetvorspritzt. Nach der Entleerung des Eiters ist eine desinfici-ronde Behandlung der Absoesshöhle durch Waschungen mit warmem Seifenwasser odor Aqua carboiisata angezeigt. Zweckmässig wird zu­nächst täglich zweimal ein mit Oarbolwasser getränkter frischer Plachs-tampon in die Absoesshöhle gelegt und für die sorgfältige Reinigung der Umgebung derselben Sorge getragen. Im Ucbrigen vollzieht sich die Heilung dieser Abscosse fast immer ohne weitere Störungen in 8 bis 14 Tagen.
Die subparotidealon Abscosse liegen bald mehr im unteren, bald im mittleren, bald im oberen Thoile der Parotis. Wenn ein derartiger Abscess im Beginn der Krankheit entsteht, so iässt sich oft nicht ent­scheiden, ob die Schluckbeschworden und die laryngeale Dyspnoe durch die Pharyngitis und Laryngitis oder durch den Druck der Abscessgc-schwulst auf den Schlundkopf bedingt sind. In solchen Fällen kann zunächst die Tracheotornic als Präventivmittcl gegenüber der Schlurk-pneumonie zur Anwendung kommen. Sonst empfiehlt sich die baldmög-lichsto Eröffnung des Abscosse, für welche die von Viborg zuerst bo-schriobene Methode allein praktisch ist. Zur Ausführung derselben ist die Haut mit Oarbolwasser zu clesinficiren, im Nothfalle mit warmem Seifenwasser zu reinigen Darauf wird am unleren Ende der Ohrdrüse die Haut und die unter derselben befindliche dünne Fascie mit einem ge­ballten Bistouri auf die Länge von 4 — 5 Ctm. vorsichtig durchgeschnitten. Nun dringt der Operateur mit dem sorgfältig gereinigton oder desinfi-cirten Finger bohrend unter die Parotis und an der inneren Fläche der­selben in die Höbe Dor Abscess markirt sich oft als eine längliche weiche Geschwulst. In dieselbe wird dor Finger langsam vorgeschoben, worauf sich der Eiter entleert. Zuweilen liegt der Eiter auch flach in dem zarten Gewebe zwischen der Parotis und dem Pharynx. Mit dem Fin­ger ist immer nach der Stelle vorzudringen, an welcher die Parotis äusserlich hervorgewölbt erscheint. Liegt der subparoiidealc Abscess in der Mitto dor Parotis. so muss zuweilen die Ohrdrüse mit dem Finger durchbort werden, um den Abscess zu erreichen. Bei einiger Goscbick-lichkeit gelingt dem Thierarzlo diese Operation in jedem Falle. Die Eröffnung der subparotidealon Abscosse mit der Lancette, dem spitzen Bistouri oder dem Trocart widerrathe ich dringend. Denn die grossen Blutgcfässe der Ohrdrüsenregion vorschieben sich durch die Abscessge-schwulst, so dass die Verletzung derselben auch bei genauer Kcnntniss ihrer Lage leicht geschehen kann. Die vorbeschriebene Operation ist so wenig eingreifend, dass dieselbe gegenüber den grossen Gefahren, welche
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378nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
der subparotideale Abscess mit sieh bringt, schon indicirt ist, sobald sich nur der Verdacht von der Existenz des letzteren ergiebt. Zuweilen entleert sich der Eiter wenige Tage später durch den Canal, welchen der Ope­rateur mit dem Finger gebahnt hat. Zeigt sich die in Rode stehende Schwellung der Ohrdrüsenregion an beiden Seiten, so ist ohne Verzöge­rung die Eröffnung beider Abscesse auszuführen. Die Nachbehandlung erstreckt sich auf die Erleichterung des Eiterabflusses und auf die Ver­hütung einer Wundinfection. Wenn der Finger nicht in gerader Richtung bis zu dem Abscesse geführt werden konnte, so wird zweckmässig ein mit Aqua carbolisata oder mit anderen Desinfectionsmitteln getränkter Flachstampon in den Wundcanal gelegt. Die Wunde und ihre Umgebung sind täglich mehrere Male mit einer Mischung von Plumb, acet.. Alum, und Aqua oder mit Aqua carbolisata zu waschen. Gewöhnlich erfolgt die Ausheilung der in der beschriebenen Art eröffneten subparotidealen Abscesse in 8—14 Tagen.
Behandlung der Gomplicationen. Die Darstellung der bei der Druse vorkommenden Gomplicationen wird den Thierarzt leicht über­zeugen, dass er seine ganze Aufmerksamkeit auf die Verhütung dersel­ben zu richten hat. Nach ihrer Ausbildung lassen sich manche Gompli­cationen (metastatische Abscesse innerer Organe) nicht mehr mit Erfolg behandeln. — Die Schwellung der Gliodmassen vermindert sich in der Regel nach öfteren Waschungen mit adstringirenden Mitteln (Plumb, acet. für sich allein oder mit Alumen in Wasser). Bei günstiger Witterung und wenn das Gesammtbefinden des Patienten nicht erheblich gestört ist, empfiehlt sich eine leichte Bewegung in frischer Luft. — Der chro­nische Katarrh des Respirationstractus erfordert eine sorgfältige diäte­tische Pflege und die Verabreichung von gutem Futter. Im Frühjahr sind junge Disteln, grüner Roggen, Klee oder Gras den Patienten täglich mehrere Male, aber nicht in übermässigen Quantitäten anzubieten. Auch Mohrrüben erweisen sich nützlich. Vom grossen Vorthcil ist oft die Application eines Fontanells. Gegen den Appetitmangel sind salinische und bittere Mittel angezeigt: Natr. bicarb. 50,0, Natr. sulf. 200,0, Rhiz. Calami 75,0 pro die in Latwergenform auf 3mal.
Die eiterige Entzündung und multiple Absecssbiidung in den Lymph-gefässen am Kopfe erfordert die sorgfältige Aufsuchung und frühzeitige Spaltung der kleinen Eiterherde. Daneben sind Waschungen mit desin-ficirenden Mitteln täglich 6 —10 Mal zu wiederholen (Plumbum acet. und Alumen in Aqua; Hydr. bichlor. 0,5 in Aqua 100; Spir. carapho-ratus; Decoctum Gort. Quercus). — Bei der purulcnten Infection der Subcutis können versuchsweise lange Einschnitte durch die Haut behufs
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li.
Druse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 379
mögliclistcr Freilogung der zahlreichen Eiterherde und die Bepinselung der Schnittwunden mit Theer ausgeführt werden. Auch öftere Waschun­gen mit warmem Seifenwasser (Kaliseife, Theerseife) sind nützlich. Häufig wird aber die Behandlung der betr. Krankheitsfälle zu spät nach­gesucht.
Die Behandlung der motastatischen A bscesse in der Subcutis ist nach den Regeln der Chirurgie zu bewirken. Dabei ist auf die thunlichst frühzeitige Eröffimng der Eiterherde das Hauptgewichst zu legen. — Wegen der Behandlung der Schluckpaeumonie und der Blutflockeukrank-heit verweise ich auf die betreffenden Capitel.
Prophyluxis. Da die Druse eine ansteckende Krankheit ist, so be­darf es kaum eines Hinweises darauf, dass durch Vermeidung der direc-ten und indirecten Berührung gesunder Pferde mit drusekranken Pferden die Ansteckung vermieden werden kann. In den Gehöften, in welchen junge Pferde aufgestellt sind, wird am besten für alle fremden Pferde, deren Gesundheit nicht ausser Frage steht, ein besonderer Stall reser-virt. Aber auch ältere Pferde, selbst solche, die früher an der Druse gelitten haben, werden beim Einstellen in fremde Stallungen nicht selten mit dem Ansteckungsstoff der Druse behaftet. Was die Besitzer in dieser Hinsicht zum Schütze ihrer Pferde thun können, orgiebt sich von selbst. — Wenn die Krankheit in Gestüten oder Remontedepots mehrere Wochen hindurch herrscht, so lässt sich durch die wiederholte Entfernung des Stalldüngers und Bctünchcn der Stall wände mit Kalkmilch, überhaupt durch sorgfältige Reinigung der Ställe der Entstehung einer schweren Infection zuweilen mit Erfolg begegnen. Auch die Separation der kranken Thiere von den gesunden ist thunlichst zu bewirken.
Gegen die spontane Entwickelung der Druse durch Erkältung lässt sich eine Präventivcur nicht mit Erfolg durchführen. Die übliche Haltung oder Verwendung der Pferde bringt die Gelegenheit zu Erkältungen so oft mit sich, dass gegen dieselbe ausreichende prophylaktische Verhaltungs­regeln nicht, aufgestellt werden können.
Viborg (1802) und Toggia (1828) glaubten gegenüber der That-sache, dass die meisten Pferde früher oder später in die Druse verfallen, die künstliche Erzeugung der Krankheit beim Herrschen günstiger Witte-rungsverhältnisse empfehlen zu sollen. In der Frühjahrszeit sollte bei den jungen Pferden eine kleine Quantität des katarrhalischen Dejectes drusekranker Pferde auf die Nasenschleimhaut gestrichen worden, um die Infection herbeizuführen. Der Vorschlag ist wohl in verschiedenen Ländern geprüft, aber meines Wissens niemals allgemein befolgt worden. Gegen denselben bomerkf Dieterichs sehr richtig, dass nicht alle Pferde
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380nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
nothwendig an der Druse erkranken müssen und dass der Krankheits-vcrlauf nach der Impfung im WcsenÜielicn nicht anders sei, als nach der gewöhnlichen Ansteckung resp. nach der Selbstentwickelung der Druse.
Capitel XVI.
Leichte fieberhafte Aflectionen des Pferdes. Fchricula. Kphemera (Febris diaria).
Die exaeton pathologischen Forschungen der neueren Zeit haben für die Fieher-lohre thatsächlicho Grundlagen geschaffen, welche der älteren Wissenschaft nicht zu Gebote standen. Nachdem der Nachweis geführt ist, dass das Fieber nicht die Essen-tialität, sondern nur einen ßestandthoil der (fieberhaften) Störungen des Gosammt-befindens darstellt, widerspricht es eigentlich der Logik, eine Gruppe von speciellen Krankheiten als Fieber zu bezeichnen. Allein die pathologische Erforsolmng der in der Ueborschrift dieses Capitels zusammengefassten leichten fieberhaften Krankheiten ist bis jetzt noch nicht so weit gediehen, um die Eigenart derselben mit Sicherheit feststellen zu können. Die Ignorirung dieser Krankheiten verbietet sich aber in einem Lehrbuche der speciellen Pathologie aus wissenschaftlichen und insbesondere aus diagnostischen Gründen von selbst. Hiernach erscheint es einstweilen noch zulässig, eine Reihe von leichten Krankheiten, die nur 1—2 Tage bestehen, stets mit Genesung enden und sich vornehmlich durch die Symptome der fieberhaften GesarnmtafFection der Pferde konnzeichnen, mit dem Namen der Febricula oder Ephemera zusammen zu fassen.
Dieser Gruppe hätte auch die ephemere Pneumonie des Pferdes angereiht werden können. Ich habe es aber vorgezogen, letztere in einem besonderen Capitel (S. 267) zu beschreiben, weil sie eine unverkennbare Aehnlichkeit mit der Brustseucho hat und weil die Erkrankung der Lungen aus den Erscheinungen mit Lestimmthoit nach­gewiesen werden, kann.
Soweit die Entwickolung und der Verlauf der Symptome ein Urthoil gestatten, beruht die Aetiologio der hier gedachten leichten fieberhaften Krankheiten des Pferdes theils in derErkältung, theils in der Einwirkung reizender (infectiöser oder chemischer) Stoffe auf die liespirations- oder Digestionsschleimhaut. Hiernach erscheint eine ge­trennte Darstellung derselben angezeigt.
Erkältnngsfieber.
Als gonorollo Krankheitsursache umfasst die Krkältung (die nachtheilige Wir­kung einer Abkühlung des Körpers oder einzelner Theilo desselben) eine Reihe von Vorgängen, deren wissenschaflliche Klarstellung noch nicht abgeschlossen ist. Ihre Besprechung fällt der allgemeinen Pathologie anheim. Ich beschränke mich doshalb
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Leichte fieberhafte AlTectionen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 381
hier auf die Bemerkung-, dass nach der am meisten vertretenen Theorie der Erkilltungs-einflnss in besonderen Reizen beruht, welche durch die Nervenbahnen fortgeloitet und in den Contren auf andere Balinon übertragen werden. Theils erfolgt die Uebertragung auf sensible, theils auf motorische und vasomotorische Nerven. Für die Pathogenese der nach Erkältung entstehenden inneren Krankheiten dürfte die durch nervöse Ein­flüsse bedingte ungleiche resp. abnorme Vortheilung dos Blutes in den Gefässbahnen und die Hyperämie einzelner Organe ein wesentliches Moment abgeben. Aus der sorgfältigen Beobachtung des Entwickelungsganges, welchen die Erkältungskrank­heiten oft innehalten, ergiebt sich forner, dass bei besonders empfänglichen Pferden die Abkühlung der Haut an einzelnen Stellen eine directo Reizung der Subcutis und der oberflächlich gelegenen Aponeurosen herbeiführt. In gleicher Weise hat die Ab­kühlung der Schleimhaut in der Nase, im Rachen und im Kohlkopf bei manchen Pferden eine unmittelbar krankmachende Wirkung. — Einzelne Thiere besitzen eine besondere Disposition gegenüber den vorbezeichneten örtlichen Schädigungen ther­mischer Einflüsse. Die Empfänglichkeit vergrössert sich durch die Anstrengung der Pferde bis zum Schweissausbruch. Leicht entstehen ferner Erkältungskrankheiten, wenn die Pferde in der kälteren Jahreszeit geschoren und hierdurch des Schutzes durch das Deckhaar plötzlich beraubt worden, oder wenn nach der Anstrengung beim Anhalten das gewohnte Bedecken des Körpers unterbleibt. — Bei jeder Temperatur der Atmosphäre kann die Erkältung erfolgen. Am meisten giobt aber die plötzliche und ungewohnte Abkühlung der Haut, sowie der Einfluss einer kalten und besonders einer nasskalten Witterung zu derselben Veranlassung. — Fohlen und Pferde, welche
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das 5. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, werden von der Erkältung leichter tan-girt, als ältere Pferde. Durch intensive Ernährung und tägliche Arbeitsleistung er­
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langt die Constitution eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen die thermischen Ein­flüsse der Atmosphäre. Bei den in dieser Art gefestigten Pferden hat die Wirkungnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;r''. der Zugluft oder der kalten resp. nasskalton Witterung oft keine nachtheiligen Folgen, während andere Pferde unter den gleichen Verhältnissen in eine Erkältungskrankheit verfallen.
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Soweit die Erkältung zu bestimmten Organkrankhoiten führt, findet ihre ätiologische Würdigung bei den betreffenden Capiteln statt. Es giobt aber Krankheitsfälle bei Pferden, welche nachweislich mit der Refrigera­tion in ursächlichem Zusammenhange stehen, aber ohne erkennbare Stö­rung eines Organs verlaufen. Auf diese Erkrankungen wird der Name des Erkältungsfiebers hier begrifflich beschränkt. — Obschon alle Pferde der in Rede stehenden Affection unterworfen sind, so ist die Disposition doch im jugendlichen Alter und bei den massig genährten, verweichlichten und an die wechselnden atmosphärischen Einflüsse nicht gewöhnton Thiercn am grössten. Die äussere Ursache beruht gewöhnlich in starker An­strengung und in der plötzlichen Abkühlung der Haut. So lange die Pferde in der Arbeit bleiben, werden die Symptome meist nicht wahr­genommen. Nach dem Anhalten oder nach der Einführung der Thierc in den Stall machen sich dieselben aber sofort oder innerhalb 2 bis 5 Stunden bemerkbar.
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Infections- und Intoxioationskrankhoiton.
Symptome und Verlauf. Trauriges Bonohmon, gesenkte Haltung des Kopfes, gesträubte Stellung des Dockhaares, Zittern der Haut, zuweilen klonische Muskelcontractionen an den Flanken und an der Schulter, Ver­sagen der Patterauf nähme, Beschleunigung der Athenmige auf 20—40 und leichte Pulsfrequenz von 50—55 in der Minute bezeichnen das Er-kältungsfiober. Die Mastdarmteraporatur übersteigt die Norm in der Regel nicht und In Ausnahmefällen nur unerheblich.
Die Erscheinungen bestehen 5—10 Stunden, seltener einen Tag, so dass der Patient am nächsten Tage keine Störung seiner Gesundheit mehr bekundet.
Diagnose. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Erkältungsfieber unter den vorstehend benannten Symptomen das Initialstadium ver­schiedener acuter Erkältungskrankheiten darstellt, welche nicht, voll­ständig zum Ausbruch kommen, sondern durch die regulatorischen Leistungen des Organismus in ihrer Entwickelung gehemmt rosp. coupirt werden. Danach verdienen bei der Diagnose besonders die Druse, der einfache Rachenkatarrh, die Laryngitis simplex, die acute Bronchitis und die Erkältungspnoumonie, andererseits der acute Rheumatismus und die leichten Reizungen, welche struppirte Pferde in Folge starker Anstrengung und Refrigeration an den Fascien und Sehnenscheiden der Gliedmassen erleiden, eine sorgfältige Berücksichtigung. Auch Quetschungen und Ver­wundungen der Haut und Unterhaut können eine Störung in dem Ge-sammtbefinden veranlassen, welche an das Bild des Erkältungsfiebers erinnert. — Mit der Entwickelung der Erkältungskrankheiten in den Respirationsorganon ist in der Regel von vornherein schon eine krank­hafte Reizbarkeit in der Schleimhaut des Kehlkopfes und am oberen Ende der Luftröhre (Hustenreiz) verbunden, was sich beim Druck auf die genannten Organe leicht nachweisen lässt. Die acute Irritation der Fascien (Rheumatismus) giebt sich durch steife Haltung des ganzen Körpers oder des Hintertheils oder der Vordcrgliedmassen gewöhnlich so weit zu erkennen, dass der Thierarzt bei aufmerksamer Beobachtung eine Verwechselung umgehen kann.
Prognose und Behandlung. Das Erkältungsfieber ist eine unbedeutende Krankheit, welche bei guter diätetischer Pflege der Pferde ohne künst­liches Zulhun mit Genesung endet. Der Behandlung ist demnach nur der theoretische Gesichtspunkt zu Grunde zu legen, einer weiteren Aus­bildung der Störung entgegen zu wirken. In diesem Sinne ist es ge­bräuchlich, kleine Dosen (2,0—4,0) Tartarus stibiatus mit dem Trink­wasser zu reichen. Daneben empfiehlt sich die Unterbringung des Patienten in einem warmen Stall, Behängen des Körpers mit Decken
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Leichte fieberhafte Affectionen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;383
und die Verabreichung von erregenden Mitteln, durch welche die gleich-massige Vcrtheilung des Blutes in den Gefässbahnen gefördert wird. Hierzu eignen sich Lösungen von Branntwein (Rum, Cognac) in Wasser oder schwarzer Kaffee, welche in der Form des Maulwassers verwendet und mit einer Spritze oder einem Schwamm in die Maulhöhlo gebracht werden. Auf das Abfliossen eines grossen Theils der Mittel aus der Maulhöhle kann es bei dieser Medication nicht ankommen. Manche Pferde nehmen warmen Kloientrank mit mehr oder minder grossem Appetit an, worauf gewöhnlich die Krankheitsersoheinungen bald nach­lassen.
Ephemeres Fieber nach Reizung der Respirations- oder der Digestions-
schleimhant.
Ohne dass die Ursache nachgewiesen werden kann, findet sich bei Pferden, die anhaltend im Stalle stehen, zuweilen eine fieberhafte Affec­tion, die nur einen Tag, selten zwei Tage bestehen bleibt. Sehr wahr­scheinlich beruht die Aetiologie der meisten Krankheitsfälle der hier ge­dachten Art in der Kinwirkung speeifischer Mikroorganismen (Stall­miasmen) auf die Respirations- oder die Digestionsschleimhaut. Dafür spricht namentlich die Thatsache, dass zuweilen von einem grösseren, in einem gemeinsamen Stalle untergebrachten Bestände junger oder älterer Pferde mehrere unier gleichen Symptomen innerhalb weniger Wochen erkranken. So lange sich indess über die Natur der ursäch­lichen Agentien oder über die speciellen Bedingungen, unter welchen die Infection zu Stande kommt. Nichts ermitteln lässt, ist die Dauer des Entwickelungsstadiums der betreffenden Krankheiten nicht zu beurtheilen. Verrauthlich vollzieht sich die Ausbildung nach der Einwirkung der Ur­sache innerhalb 2 Tage. Wiederholt sah ich Pferde an ephemerem Fieber nach dem Genüsse von Stroh erkranken, welches in leichtem Grade die Eigenschafton der Fäulniss zeigte. Ich habe demgemäss früher (Pferdestaupe, 1882, S. 96) einen Thcil der hier gedachten Krankheits­fälle als infectiösen Magen-Darmkatarrli interpretirt, muss aber nach neueren Beobachtungen anerkennen, dass diese Deutung auf einer Hypo­these beruht und dass die Bezeichnung nicht zweckmässig ist.
Symptome und Verlauf. Allgemeine Ermüdung bald in höherem, bald in niederem Grade; Eingenommenheit des Sensoriums durch Kopfschmerz; gesträubte Stellung dos Deckhaares und zuweilen Horripilation; Appetit­mangel; Röthung der Kopfschleimhäute; bei einzelnen Pferden leichter Hustenreiz; oft reichliches Abtröpfeln klarer Tropfen aus der Nase und
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384nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankhoiton.
tropfenweises Abfliessen voa Thrfinenflüssigkeit aus den Augen; Ver-mindoruiig in der Secretion des Maulspelohelsj Frequenz der Respiration bis auf 25 und der Pulszahl bis auf 60 und mehr in der Minute; An­steigen der Bluttemperatur auf 39,0—41,0 Grad, in der Darraperistaltik und in der Defäcation findet sicii bei der kurzen Dauer der Krankheit keine Veränderung. Nur in einzelnen Fällen äussern die Patienten leichte Koliksymptome (Umwenden des Kopfes nach der Seite, gestreckte Stellung) in Folge unbehaglicher Empfindungen im Darmkanal.
Den in Rede stehenden Krankheitsfällen ist ein peracuter Verlauf eigen, der aber stets mit vollständiger Genesung der Patienten endet. Die Dauer erstreckt sich auf 5 —15 Stunden. Nur in seltenen Fällen zeigen die Thiero an den nächsten Tagen noch einige Spuren des Fiebers (Mattigkeit und mangelhaften Appetit). Ob bei einer therapeutischen Vernachlässigung der Patienten in Folge der fieberhaften Störung die Entstehung localer Krankheiten des Darms oder anderer Organe bedingt oder begünstigt werden kann, vermag ich nach meinen Erfahrungen nicht zu behaupten. Die augenfälligen Symptome der Störung in dem Allge­meinbefinden veranlassen die Besitzer stets, die Patienten dem Gebrauch zu entziehen. Es ist aber wahrscheinlich, dass, wenn die am ephemeren Fieber erkrankten Pferde einer übermässigen Anstrengung oder der Ein­wirkung atmosphärischer Unbilden ausgesetzt werden, andere Krank­heiten leichter, als sonst entstehen können.
Diagiiuse. Ein Ueberblick über die angegebenen Symptome muss jeden Techniker sofort überzeugen, dass die Erkennung der in Rede stehenden ephemeren Krankheiten des Pferdes in den ersten Stunden ihres Bestehens schwierig ist. In dieser Zeit sind die Symptome den Zufällen verschiedener, leichter oder schworer Krankheiten sehr ähnlich. Insbesondere hat der Thierazt Rücksicht zu nehmen auf die Pferdestaupe, auf die Scalma, auf die primäre Sephthämie (cf. S. 310) und auf die mit Wundfieber verbundenen Quetschungen der Haut und der Unterhaut. Auch die Gastrose in Folge von Ueberfütterung oder Aufnahme ver­dorbenen Futters kann in leichten Fällen 1—2 Tage hindurch fieberhaft verlaufen. Hiernach lässt sich eine bestimmte diagnostische Aufklärung oft erst gewinnen, nachdem der zweifelhafte Krankheitsfall mehrere Stunden oder einen Tag gedauert hat. Zuweilen ist aber die Diagnose durch die technische Erwägung der mit Sorgfalt erhobenen positiven und negativen Untersuchungsergebnisse möglich zu machen.
Eine 6 Jahre alte, seit 3 Wochen in der Klinik wegen Strahlkrebs behandelte Stute zeigte am 19. October 1882 des Morgens keinen Appetit, nachdem sie am Abend vorher bei der Untersuchung sowie bei der Fütterung noch vollständig gesund befunden
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m #9632;
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tin #9632;
Aphthonld'ankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;385nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i.j
war. — Massige Depression desBewusstseins, Kopfhaltung gesenkt, Blick stier, Augen-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '
lider halb geschlossen, Deckhaar rauh, Haut fieberhaft temporirt. Conjunctiva diffus
geröthet, Solera schmutzig-weiss. Episcleralgefässe gefüllt. Nasenschleimhaut ge-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,,(
röthet; Maulschleimhaut schmutzig. Temp. 41,0; Puls 56; Resp. 18. Hustenreiz nicht vorhanden. Futter wird gar nicht, Wasser in kloinen Quantitäten aufgenommen. Darmperistaltik rege, Exoremento gross und locker geballt. — Das Pferd wurde nicht mit Medicamenten behandelt, aber von seinem Standorte entfernt und in einen gut ventilirtön, kühlen Stall gebracht. Es zeigte 8 Stunden später eine Bluttemperatur von 38,2; Puls 44; Resp. 12. Futter wurde schon am Abend des 19. October in ge­ringer Menge wieder aufgenommen. Am folgenden Tage waren sämmtlicho Krank­heitserscheinungen verschwunden.
Prognose und Therapie. Da die ephemeren Fieber gewöhnlich nach einem halLen bis einem Tage, und in schweren fällen nach zwei Tagen von selbst nachlassen, so ist die Beurtheilung derselben stets günstig. Ausser der diätetischen Pflege in geräumigen, massig kühl gehaltenen und gut ventilirten Standorten bedarf es einer Behandlung nicht. In denjenigen Fällen, welche bei der ersten Untersuchung nicht mit Be­stimmtheit zu diagnosticiren sind, sind nach symptomatischen Indicationen leichte Abführmittel in massigen Dosen, sowie die wiederholte Frottirung oder die Einreibung der Haut mit Spiritus und die Anlegung von Flanell­binden um die Gliedmassen rationell. Aussordem wird zweckmässig Kochsalz als Lecke vorgestreut.
Capitel XVII.
Stomatitis et Dermatitis pustulosa contagiosa. Aphtltenkraiikheit der Pferde (lÜorbus aphthosus Equorum).
Von den deutschen Thierärzten ist in der neueren Zeit allgemein der Name der Stomatitis pustulosa contagiosa für eine typisch vorlaufende, acute und ansteckende Ausschlags-Krankheit des Pferdes angenommen worden, deren Vorkommen erst seit etwa 40 Jahren in dor Literatur erwähnt wird. Ihrer ganzen Natur nach gehört die Krankheit mehr zu den ansteckenden Localaffectionen, als zu den allgemeinen In-fectionskrankheiten. Wenn ich sie hier trotzdem der letzteren Classe anreihe, so ge­schieht dies lediglich deshalb, weil die Affection sich nicht auf die Maulschleimhaut beschränkt, sondern auch in der äusseren Haut, am Kopfe, am Rumpfe und an den Hinterschenkeln, ferner in der Nase, in der Conjunctiva und bei Stuten an der Scham zum Ausbruch kommen kann.
Manche Andeutungen in der älteren Literatur rechtfertigen dieVermuthung, dass die Krankheit nicht selten auf die Druse zurückgeführt und als ein durch entartete
Dinckor hof f, Spec. Pathologic u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;
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386nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Drusenmatorio erzeugtes Exanthera beurtheilt ist. Auch auf Rotzgeschwüre der Nase und der Haut wurde die Eruption des Exanthems y.uwoilen irrthümlich zurückgeführt. Den französischen Thierärzten gebührt das Verdienst, zuerst auf die Verschiedenheit des in Rede stchendou Exanthonis vom Rotz aufmerksam gemacht zu haben. Schon im Jahre 1840 hat Dard ein pustulöses Exanthem der Nase beschrieben, welches er 1832 bei 15 Pferden beobachtete und als pemphygusähnliche Nasenontzündung (Rhinite pemphygoido) bezeichnete. Die Anstockungsfähigkeit der Krankheit war ihm indess entgangen. Bouloy (1843) betrachtete das Exanthem als „Herpes phlyotae-noidesquot;. Seine Charakteristik war aber nicht ausreichend, um dem eigenartigen Charakter desselben eine allgemeine Anerkennung verschaffen zu können. In seinem neuen Werke (Lemons etc., 1882, S. 150) hat ßouley seine ehemalige Ansicht dahin abgeändert, dass er den Ausschlag für die eigentlichen Pfordepocken (Variola equina) ausgiebt. Er idontificirt denselben mit dem Exanthem, welches Jonner und Loy vor fast 100 Jahren als ilorse Pox (Equine, Sclmtzmauko, Grease) angesehen haben. — Soweit die Literatur ergiebt, ist die Krankheit auch häufig für die Maulseuche des Pferdes ausgegeben und mit der anstockenden Aphthenseuche des Rindes identlficirt worden. Die Erscheinungen, welche Roll noch in der 5. Auflage seiner Pathologie (1885) von der Maulseuche dor Pferde anführt, sind ohne Bedenken auf die in Rede stehende eigenartige Ausschlagskrankheit zu beziehen.
Nicht wenig Verwirrung hat auch der Irrthum hervorgebracht, dass die Krank­heit mit dem Bläschenausschlag der Geschlechtstheilo identisch sei. Departements-Thierarzt Steiner in Gumbinnen hatte 1841 (vergl. Magaz., VIII., S. 305) eine grössere Zahl von Pferden wegen einer exanthematischen AtTection untersucht und seine Ansicht dahin ausgesprochen, dass die Krankheit zu den fieberhaften Haut­ausschlägen gehöre und nicht die „gutartige Beschälseuchequot; sei. Allein Hertwig (Magaz., Vltl.) veröffentlichte den Bericht Steinor's als casuistischen Beitrag zur Kenntniss dos Bläschonausschlags an den Geschlechtstheilen der Pferde. Hiernach bildeten sich manche Thierärzte die Meinung, dass der lotztgedachte Ausschlag auch unabhängig von der Bedeckung und rosp. bei Wallachen und Fohlen vorkomme.
Unter der Benennung „aphthöser Ausschlag auf der Riechhaut und an anderen Stellenquot; gedenkt Hering (Report., XVII., 1856) des im Jahre 1855 an einigen Orten vorgekommenen Ausschlags, „welcher vorzugsweise die Nasenschleimhaut, das Maul, die Augen, seltener die feinhäutigen Stellen des Afters, Wurfs u. s. w. und am selten­sten die behaarte Haut befielquot;.
Gauthier (Rec. de Mod. vet. 1865, ref. in Hering's Report.) beobachtete den Ausschlag bei drei Fohlen in der Nase und im Maule, bei einem Thiere auch gleich­zeitig an der Scham. Da das Exanthem vom Pferde auf das Euter der Kühe durch Impfung übertragen und da ferner mit der Lymphe aus einer Pustel am Kuheuter bei einem nicht vaccinirten jungen Menschen eine Pustel erzeugt werden konnte, so folgerte der Verfasser, dass die Fohlen an den Pferdepocken gelitten hätten. #9632;— Ebenso halten Silvestri in Italien (1875) und Fleming in England (1880) das Exanthem für die Pocken des Pferdes.
Nähere Aufklärungen über den Vorlauf und den selbständigen Charakter der Krankheit haben zuerst Eggeling und Ellenborger (Gerlach's Arch., 1878) gebracht. Sie bezeichneten das Exanthem als „Stomatitis pustulosa contagiosaquot;. Der Name fand eine beifällige Aufnahme, obwohl er sprachlich eigentlich nur einen Theil der Krankheit (die Affection der Maulschleimhaut) zum Ausdruck bringt. Aller­dings ist die Eruption des Ausschlags im Maul der am meisten constante Theil der
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Aphtlionkrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;387
Krankheit. Indess hat Ellen berge r selbst (Virchow-Hirsch's Jahresber., 1880, I., S. 690) anerkannt, dass die Krankheit im Allgemeinen am besten als Dermatitis pustulosa contagiosa und im Specialfalle als Stomatitis pustulosa contagiosa zu be­zeichnen sei.
Später sind noch von Friodberger (Deutsche Zeitsohr. f. Thiermod., 1879) Versuche über die Contagiosilät der Krankheit angestellt, deren Ergebnisse im Ganzen mit denVersuchsresultaten Eggeling's und Ellenberger's übereinstimmen. Auch enthält die neuere Literatur eine grössero Reihe von casuistisohen Beiträgen, durch welche indoss die Kenntniss von dem Charakter der Krankheit nicht mehr erweitert worden ist. Die von Roll versuchten Definitionen: „Follicularkatarrhquot; oder „Folli-cularentziindungquot; der Nasenschleimhaut und,,FolIiculai'verschwärungquot; der Umgebung des Mauls und der Nasenlöcher sind nicht berechtigt. Die Darstellung, welche Roll vom „Group der Nasenschloimhautquot; des Pferdes entworfen hat, scheint sich zum grössten Theil auf die in Rede stehende Affection zu beziehen.
Aetiolugic. Als eine acute Ausschlagskrankheit von typischem Ver­lauf wird die pustulöse Stomatitis durch ein spocifisches Contagium ver­ursacht, welches sich in der Lymphe und den Krusten des Exanthems findet und sehr leicht auf gesunde Pferde überträgt. Zweifellos beruht das Contagium in einem pflanzlichen Mikroparasiten, der aber bis jetzt noch nicht aufgefunden und cultivirt worden ist. Nach den Impfungs­versuchen von Eggeling und Ellenberger sind aussei- dem Pferde auch das Rind, das Schaf und das Schwein, sowie der Mensch für das Contagium empfänglich. Fried berger konnte dasselbe auf Pferde, Rinder, Schafe und auch auf eine Henne mit Erfolg überimpfen. Sieht man aber von solchen künstlichen Verimpfungen der Lymphe oder des Eiters aus den kleinen Pusteln ab, so überträgt sich der Ausschlag unter den gewöhnlichen Verhältnissen nur auf Pferde, und auch auf diese nur dann, wenn sie mit den kranken Thieren in nahe Berührung kommen. Durch Verunreinigung des Gesichts oder der Hände und Arme mit dem Maulspoichel kranker Pferde inficiren sich zuweilen einzelne Personen. Die hiernach am 2. — 8. Tage auftretende Hautentzündung verursacht zwar einen lebhaften Juckreiz, ist aber sonst ohne alle Gefahr und heilt in 2—4 Tagen wieder ab.
Stehen viele Pferde in einem Stalle dicht nebeneinander, so kann der grösste Theil des Bestandes nach und nach in Folge der Ansteckung erkranken. Es ist mehrfach beobachtet worden, dass innerhalb weniger Wochen 100—150 Pferde mit dem Exanthem behaftet wurden. Gewöhn­lich erfolgi die Einschleppung des Ansteckungsstoffcs mit dem Ankaufe eines inficirten oder kranken Handelspferdes. Die Verbreitung der Krank­heit erstreckt sich meist nur auf einige Pferde, weil dem weiteren Um­sichgreifen durch Isolirung der Patienten begegnet wird. — Dass das Contagium ausscrhalb des lebenden Thieres noch einen geeigneten Nähr-
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boden finden und in demselben eine längere Zeit hindurch keimfähig bleiben könne, ist nicht bekannt.
In üebercinslimmung mit den Versuchsresultaten Egge ling's und Ellenberger's steht die Erfahrung, dass einzelne Pferde für die An­steckung keine Empfänglichkeit besitzen, üeberhaupt unterliegt die Disposition der Pferde zur Erkrankung an dem gedachten Exanthem ziemlich erheblichen Abstufungen. Auch der pathogene Charakter des Ansteckungsstoffes gestaltet sich verschieden.
Pferde, welche an dem Ausschlag einmal gelitten haben, sind vor der zweiten Erkrankung zunächst geschützt. Indess ist bis jetzt nicht ermittelt worden, wie lange die Immunität anhält.
Pathogeuese. Für die Entwiokelung des Exanthems hat die Maul­schleimhaut in der unteren Region (bis zum Zungenbändchen) die grösste Empfänglichkeit. Ausserdem erkrankt häufig die Nasenschleimhaut in den unteren Abschnitten, ferner die äussere Haut, besonders am Kopfe, zuweilen auch an den Vorderglicdmassen, am Halse, an der Schulter oder an den Hinterschonkeln. Auch die feine Haut an den Schamlippen und die Schleimhaut im Scheidenvorhof, ferner die Bindehaut dor Augen­lider bieten dem Contagium geeignete Bedingungen für die Infection. Eggeling und Ellenberger meinten zunächst, „dass das Exanthem nur die mit cutanem Charakter ausgestatteten, mit Pflasterepithel be­deckten Schleimhäute und unter Umständen auch die äussere Haut be­fallequot;. Die an der Nasenschleimhaut auftretenden Geschwüre hätten ihren Sitz im Bereiche der mit üebergangsepithel ausgestatteten Partie. Gegenüber dieser Angabe will ich ausdrücklich feststellen, dass ich viel­fach bei der Erkrankung der Pferde auch die Etablirung der kleinen Pusteln mitten in der Nasenscheidewand, wo die Schleimhaut kein Pflasterepithel trägt, beobachtet habe. Es müssen deshalb andere Eigen­schaften, als die Einrichtung des Epithels, existiren, welche dem Con­tagium einen geeigneten Boden zur Entwickelung bieten.
Nach der Infection vergehen 3—5 Tage, bevor die ersten augen­fälligen Krankheitssymptome hervortreten. Zuweilen erfolgt schon am 2. Tage, nicht selten aber auch erst am 6.—8. Tage die sichtbare Aus­bildung der Krankheit. Das Exanthem entwickelt sich in der Form kleiner Knötchen von dem ümlange eines Hirsekorns bis einer Erbse und es ist als zweifellos anzusehen, dass keimfähiges Contagium zuvor von Aussen an die Stellen gelangt, an welchen sich die Knötchen etabliren. In der Maulschleimhaut entstehen die Knötchen zuweilen dicht neben­einander, so dass sie zusammenfliessen und ein Conglomerat darstellen, während in der Regel die Eruption vereinzelt erfolgt. Letztere vollzieht
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Aphthenkrankheit.
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sich in den meisten Fällen nicht auf einmal. Es vergehen vielmehr 2 — 6 Tage, in welchen nach und nach neue Knötchen hervortreten. Nach Ablauf dieser Zeit scheint die Disposition des Thiercs für den AnsteckungsstofF erloschen zu sein. — Die Reizung des Contagiums trifft die Epithelsohicht und die Papillarschicht der Schleimhaut resp. der äusseren Haut. Durch Infiltration von weissen Blutkörperchen und Serum entsteht unter lebhaften Rcizungserscheinungen in der nächsten üragobuiig ein kleiner Entzündungsherd von dem bezeichneten Umfange. Bei schwacher Infection bleibt der Herd flach und von Hirsekorngrösse; er erscheint zunächst als eine rotho Stelle, an welcher sich später ein Bläschen bildet, welches zerplatzt oder in wenigen Tagen eintrocknet, worauf durch Neu­bildung der Epithelschicht die Heilung erfolgt. In der Regel kommen aber derbe Knötchen von Linsen- bis Erbsengrösse zur Entwickelung. Sie erheben sich leicht über das Niveau der Schleimhaut oder der äusseren Haut. An der ersteren lässt sich das Verhalten genauer verfolgen. Drei bis vier Tage nach der Entstehung erblassen die Knötchen in der Mitte (an der Spitze), während an der Basis und in der Circuraferenz die Schleimhaut entzündlich geröthet erscheint. Dann erfolgt in der Mitte der Aufbruch von eiteriger Lymphe. Im Verlaufe der nächsten 3 bis 4 Tage schreitet die Granulation von der unteren Schicht der Schleim­haut so weit vor, dass die entzündliche Röthung in der Umgebung nach-iässt. Die Heilung erfolgt unter Bildung einer kleinen Narbe, welche den Defect in der Regel vollständig ausgleicht, so dass keine sichtbaren Spuren dos Exantheras zurückbleiben. Nur ausnahmsweise dringt das Knötchen tiefer in die Schleimhaut, so dass eine leicht ausgehöhlte Narbe zu Stande kommt.
Symptome. Die Localerscheinungen der Stomatitis et Dermatitis pustu-losa contagiosa gestalten sich selbstredend nach dem Sitze der Affection und nach der Zahl der Pusteln verschieden. Selbst innerhalb der Maul­schleimhaut erfolgt die Eruption bei den einzelnen Pferden sehr ungleich. An der hinteren Fläche der Lippen, am Zahnfleisch, an der Lade und am Zungenbändchen finden sich theils frische, derbe Knötchen von ent­zündlichem Habitus, theils abgewelkte und in oberflächlicher Eiterung begriffene Knötchen. Die nächste Umgebung ist geröthet und geschwollen. Beim Ocffnen des Mauls bekunden die Pferde Schmerzen: sie sträuben sich gegen die Besichtigung. Die Lippen werden meist geschlossen ge­halten, um durch die Ansammlung des Maulspeichels die Schmerzen zu lindern. Zeitweise flicsst der Maulspeichel in langen Fäden aus der Lippcnspalte. — Die Nasenschleimhaut trägt am unteren Ende, nahe der äusseren Haut die Pusteln, zuweilen aber auch inmitten der Nasen-
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Scheidewand. Die Entzündungsröthe dor Knötchon und der Circumforonz markirt sich stcärker, als in der Maulschleimhaut. Die Nasenschleim­haut in der Umgebung der Pusteln producirt eine geringe Quantität eiweisshaltigen, schleimigen Secretes, welches die Nasenränder verklebt. — Sehr oft entstehen Pusteln in der äusseren Haut an den Lippen, um die Naseneingänge und an der Backe. Wie schon bei der Patho-genese angeführt ist, erfolgt in einer Minderzahl der Fälle die Eruption am Vorarm, am Rumpfe oder am Hintcrtheil. In der Regel entstehen die Pusteln hierbei in grosser Zahl. Ich habe wiederholt in Beständen, von welchen die meisten Pferde im Maul erkrankten, beobachtet, dass einzelne Pferde nur in der Haut am Hintertheil oder am Rumpfe von der Pustelbildung betroffen wurden, während die Maulschloimhaut voll­ständig vorschont blieb. Die in der Nachbarschaft der Pusteln ver­laufenden Lyraphgofässe der Haut schwellen zu federkieldicken Strängen an. A.uch die zu den erkrankten Gebieten gehörigen Lymphdrüsen, be­sonders oft die submaxillaren Lymphdrüsen zeigen eine durch entzünd­liche Reizung und Infiltration entstehende derbe Schwellung, die aber niemals zur Abscessbildung führt. Bei reichlicher Pustelbildung ist die Haut sehr schmerzhaft und gegen die Berührung empfindlich. — Wird die Conjunctiva afficirt, so zeigen die Pferde Abfluss von Thränen und Ausscheidung eines schleimig-eiterigen Secretes aus dem inneren Augen­winkel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.
Das Gesammtbefinden ist der Regel nach nur unerheblich gestört. Einzelne Pferde zeigen im Initialstadium geringe Pulsfrequenz und leichte Erhöhung der Mastdarmtemperatur. Vom 2.—3. Tage an ist die Krank­heit nicht mehr von Fieber begleitet. Durch die schmerzhaften Empfin­dungen in der Maulhöhle sind die Thiere aber gewöhnlich mehrere Tage hindurch an der Futteraufnahme behindert.
Verlauf. Für die Eruption und das weitere Verhalten der einzelnen Pusteln ist der Verlauf typisch. Drei bis fünf Tage, zuweilen erst am 6.—8. Tage nach der Infection ist die Pustel ausgebildet. Die Eiter­bildung in derselben markirt sich nach weiteren 5—6 Tagen und die Ab­heilung erfordert eine gleich lange Zeit. Demnach gestaltet sich der Verlauf bei der als Regel anzusehenden leichten Erkrankung so, dass vom Tage der sichtbaren Eruption des Ausschlags bis zur Genesung der Pferde 10—14 Tage vergehen. Erkranken die Pferde schwer und resp. mit reichlicher Pustelbildung, so verzögert sich der Vorlauf schon deshalb um mehrere Tage, weil die Pusteln nicht auf einmal, sondern nach­einander entstehen, worüber nicht selten 4 — 5, selbst bis 8 Tage vor­gehen. Auch erfordert die Abheilung der grössoren Pusteln eine längere
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Aphthenkrankheit.
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Zeit, so dass in don gedachten Fällen der Krankheitsvcrlauf sich auf 3 Wochen erstrecken kann. — Die Krankheit endet stets mit vollständiger Genesung.
Diagnose. Jeder Thicrarzt, der sich mit der Pathogenese und dem anatomischen Vorlaufe dos liier besprochenen pustulösen Exantheras ver­traut gemacht hat, erkennt die Krankheit leicht. Dass dieselbe früher mit einigen anderen Krankheiten öfter vorwechselt wurde, beruht ledig­lich darin, dass ihr pathologischer Charakter erst seit 1878 allgemein bekannt geworden ist. Für die Diagnose ist vorzugsweise zu berück­sichtigen, dass die Pferde in vereinzelten Fällen an anderen aphthösen und pustulösen Ausschlägen erkranken. Unter den letzteren sind die wichtigsten:
1)nbsp; nbsp;Stomatitis vesicularis s. aphthosa. Ich habe wiederholt bei Pferden eine leichte exanthematische Entzündung der Maulschleim­haut am Unterkiefer und an den Seiten der Zunge bis zum Frenulum beobachtet, wobei kleine Bläschen von Erbsen- bis Haselnussgrösse ent­stehen, die eine helle Flüssigkeit enthalten. Die Krankheit unterscheidet sicli von der Stomatitis pustulosa durch die der letzteren zukommende Bildung von Pusteln. Auch die vesiculäre Stomatitis ist ansteckend. Aber in den von mir beobachteten Fällen beschränkte sich die Affection stets auf den unteren Abschnitt des Mauls und niemals sah ich eine Eruption in der äusseren Haut oder in der Nase. Die Dauer erstreckt sich auf 6 — 8 Tage. Ob die Stomatitis vesicularis der Pferdo in ätio­logischem Oonnex mit der Maulseuche der Rinder steht, lässt sich in Ermangelung aller thatsächlichen Feststellungen nicht entscheiden. Es ist mir nie begegnet, dass die Maul- und Klauenseuche der Rinder, Schweine oder Schafe sich auf Pferde verbreitet hätte. Die spärlichen Angaben in der Literatur über die Erkrankung der Pferde an der Maul­seuche kann ich nicht als entscheidend ansehen. Die Uebereinstimmung in der pathologisch-anatomischen Gestaltung dor Stomatitis vesicularis des Pferdes und der Maulseuchc des Rindes erachte ich andererseits nicht für ausreichend, um die Identität der Ansteckungsstoffe beider Krank­heiten zu behaupten. Eine vollständige Beschreibung dor Affection werde ich in der vierten Classe dieses Lehrbuches bringen.
2)nbsp; nbsp;Bei Eitcrungsprocesson in der Haut kommt zuweilen die mul­tiple Bildung kleiner Pusteln vor, welche sich über grössero Ab-thcilungen der Haut durch nachbarliche Infection ausbreiten. Dieser Ausschlag geht auf die Maul- und Nasenschleimhaut nicht über.
3)nbsp; nbsp;Die Acne contagiosa des Pferdes (englische Pocken, canadische Pocken). Das Exanthem findet sich in den Schleimhäuten
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
niemals, sondern vorzugsweise in der Sattellage am Rumpfe und in den benachbarten Regionen der Haut. Dasselbe kennzeichnet sich auch durch grössere Pusteln und wird durch einen eigenartigen Bacillus verursacht*).
Neben den vorbezeichneten Hautkrankheiten ist bei der Diagnose noch die Rotzkrankheit zu berücksichtigen. Vorsichtige Sachver­ständige (ßouley, Hering) haben die semiotischen Unterschiede zwischen dem Rotz und der Stomatitis et Dermatitis pustulosa contagiosa schon vor langer Zeit richtig erkannt. Seitdem die Pathogenese der letzteren durch Eggeling und EUenberger festgestellt ist, erscheint die Ver­wechselung derselben mit dem Nasenrotz kaum noch als entschuldbar. Zum üeberfluss will ich hervorheben, dass in der Maulschleimhaut keine Rotzgeschwüre vorkommen und dass beim Rotz auch keine Pusteln mit typischem Verlaufe und schneller Abheilung in der Nasenschleimhaut entstehen.
Irrthümlich ist das hier besprochene Exanthem mehrfach für die Pockenseuche der Pferde ausgegeben und als Variola equina (Equine) gedeutet worden. Auf die Frage der Pferdepocken werde ich später in dem Capitel der Mauke mit einer historisch-kritischen Erörte­rung zurückkommen. Wie Grawitz und ich (1. c.) erläutert haben, ist bis jetzt das Vorkommen der Variola bei Pferden überhaupt nicht nach­gewiesen. Die seit 100 Jahren in der Literatur fortgeführte Behauptung, dass die Pferdepocke als eine spontane und selbständige Krankheit an den unteren Fussenden auftrete (Schutzmauke), kennzeichnet sich bei näherer Erwägung als eine- vorgefasste Meinung.
Prognose und Therapie. Eine erhebliche Bedeutung hat die Stomatitis pustulosa nur insoweit, als sie sehr ansteckend ist und deshalb bei ihrem Auftreten in grössoren Beständen die Verwendbarkeit relativ vieler Pferde auf eine Zeit von 5—10 Tagen unterbrechen kann. Sonst endet die Affection in allen Fällen mit Genesung ohne Nachkrankheiten. Die Prognosis ist demnach durchaus günstig.
Eine medicamentöse Behandlung ist in den leichten Fällen entbehr­lich. Bei mehrtägiger Ruhe im Stalle heilt der Ausschlag ohne künst­liches Zuthun von selbst ab. Wenn die Eruption einer grossen Zahl von Pusteln erfolgt, oder wenn letztere confluiren, so empfiehlt sich die 3—4 Mal täglich zu wiederholende Application einer 4proc. Lösung von Kalium ohloricum oder der Bu row'sehen Lösung (Plumb, acet. und Alum, in Aqua). Auch öftere Berieselungen der kranken Maulschlcim-
*) Vergl. die Abhandlung von Dieckorhoff und Grawitz, Die Acne con­tagiosa des Pferdes und ihre Aetiologie. Virchow's Archiv. 102. Bd, 1885.
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Beschälkrankheit.
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haut mit Aqua carbolisata sind indicirt und in den späteren Stadien lässt sich die tägliche Bepinselung der Pusteln rait Tinct. Aloes oder Tinct. Myrrhae vortheilliaft anwenden.
Die Prophylaxis erfordert beim Ausbruch der Krankheit in einem Gehöfte, in welchem mehrere Pferde stehen, dass die Patienten isolirt aufgestellt und von besonderen Wärtern verpflegt werden. Wenigstens darf der Wärter eines mit dem Ausschlag behafteten Pferdes erst nach der Abwaschung seiner Hände und Reinigung der Kleider sich mit den gesunden Pferden des betreffenden Bestandes befassen. Bei dieser Vor­sicht lässt sich eine ausreichende Isolirung des kranken Pferdes schon dadurch sichern, dass dasselbe im Stalle mindestens 2 Motor von den gesunden Pferden während der Dauer der Affection entfernt bleibt. Die Gefahr der Ansteckung mindert sich indess erheblich, wenn sämmtlicho Pusteln der erkrankten Pferde mit den vorbezeichneten desinficirenden Mitteln behandelt werden. Mit der Abheilung der Pustein erlischt die Ansteckungsfähigkeit des betreffenden Pferdes vollständig. Die Tonacität des Oontagiums ist nach der Erfahrung sehr gering. Es bedarf daher ausser der Reinigung keiner besonderen Dosinfection der Krippen und Standorte.
Capitel XVIII. Bescliälkranklieit. BeschiÜseuchlaquo;. Lues vciierca llqui.
Die Geschichte der Beschälkrankheit reicht nach den Forschungen Hortwig's (Magaz., VIII., 1842) bis in das Jahr 1796. Indess ist erst seit der Mitte des gegon-wärtigon Jahrhunderts mit Sicherheit zwi seilen demBläschenaussohlag derGeschlechts-theilo und der Beschälkrankheit unterschieden worden. Deshalb gestatten die vor dieser Zeit publicirten Beobachtungen zum grossen Theil kein bestimmtes Urthoil darüber, welche von beiden Krankheiten die Autoren gemeint haben. Als zuverlässig kann nach den Berichten von Havemann, Hausmann und Pfannenschm idt (Hannov. Mag., 1821) angenommen werden, dass die Beschälkrankheit in der gegen­wärtigen Provinz Hannover von 181fi—1820 vielfach vorgekommen und durch die Deckhengste des Landgestüts Celle verbreitet worden ist. In Oesterreich (Steiermark, Böhmen) und Ungarn herrschte die Seuche von 1821—1838 an verschiedenen Orten. Trotz vieler theoretischer Meinungsversohiodenheiten blieb hinsichtlich der Aotiologie kein Zweifel darüber bestehen, dass die Eruption durch eine specifische Infection beim Beschälact verursacht würde. Für das Laienpublikum lag die Annahme nahe, dass
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die durch unreinen Coitus veranlassto Krankheit der Syphilis des Menschen gleich­stehe. Daher erklärt sich die ursprünglich gewählte Bezeichnung „venerische Krankheit der Pferdequot;. Diesen Namen hat auch Veith mit der lateinischen Uebersetzung „Lues venerea Equiquot; beibehalten. Die später von den Autoren mit Vorliebe benutzte Bezeichnung „Schankerse uchequot; ist ebenfalls von Veith zuerst vorgeschlagen worden. Derselbe vertrat die Ansicht, dass die Krankheit originär aus einer katarrhalisch-lymphatischen Affection der Geschlechtsorgane entstehen könne. — Indess hat schon Hausmann erkannt, dass die Boschälkrankheit mit der Syphilis nicht identisch ist und Knauert (1837) erläuterte nach den Symptomen die essen­tielle Verschiedenheit beider Krankheiten. — Dass in der Symptomatologie der Be­schälkrankheit die Affection der nervösen Centralorgane eine dominirende Stellung erlangt, war den Thierärzten zu jener Zeit vollständig bekannt. Ammon (Gestütk., 1833) bezeichnete doshalb das Leiden als „Nervenkrankheit (schleichende Nervenkrankheit) der Pferdequot;. Aber auch mit dieser Benennung konnte das Ens morbi dem Verständniss nicht näher gebracht werden, so dass sich von Haxt-hausen (Die venerische Krankheit der Pferde, 1839) in Gemässheit der Thatsache, dass die Verbreitung der Seuche nur durch den Coitus geschieht, veranlasst fand, den Namen der Beschälkrankheit in die Terminologie aufzunehmen. Aus der Mono­graphie von llaxthauson's, der die Krankheit 1836—1838 in Schlesien beobachtete, ist ausserdem noch die Angabe hervorzuheben, dass im Krankheitsverlauf 3 Stadien zu unterscheiden seien: 1. das entzündliche Reizstadium in den Genitalien; 2. das lymphatisch-nervöse und 3. das paralytische Stadium. — Im Jahre 1838 herrschte die Krankheit nach einem Berichte von ßonora (Professor an der Thierarzneischule in Mailand und Landesthierarzt) in der Lombardei unter den Zuchtpferden.
In den preussischen Provinzen Schlesien und Posen hatte die Beschälkrankheit von 1835—1842 grosso Verluste herbeigeführt. Die Besitzer verlangton vom Fiscus mehrfach im Rechtswege die Erstattung des Worthes der Stuten, welche von Be­schälern der Königlichen Landgestüte gedeckt und demnächst an der Krankheit zu Grunde gegangen waren. Nach Rodloff's Angabe fielen die gerichtlichen Ent­scheidungen nicht zu Gunsten der Kläger aus, weil der Beweis nicht erbracht werden konnte, dass die Erkrankung der Stuten durch die Beschäler herbeigeführt war. — Die durch den perniciösen Charakter der Beschälkrankheit bedingten Verluste führten alsbald zum Erlass der Allerh. Ordre vom 22. September 1840, in welcher für die östlichen Provinzen des Preussischen Staates die Ausschliessung aller kranken und verdächtigen Pferde von der Bedeckung angeordnet wurde. In der Ordre ist die Seuche ohne Beifügung der synonymen Krankheitsnamen als „Beschälkrankheitquot; be­zeichnet. Da aber bis dahin auch der Bläschenausschlag der Geschlechtstheile als Beschälkrankheit (venerische Krankheit etc.) von den Thierärzten angesehen war, so blieb die Ausführung der polizeilichen Schutzmassregeln von unberechtigten Härten nicht frei. Hieran änderte auch die Abhandlung Hertwig's (Mag., 1842) Nichts, in welchor zuerst die Unterscheidung beider Krankheiton angebahnt worden ist. Die specifische Verschiedenheit derselben wurde von Hertwig zu joner Zeit indess nur vermuthot, aber nicht als erweislich betrachtet. Vorsichtig slullte erdeshalb 2Formen: „gutartige und bös artige Beschälkrankheitquot; auf. Erst fünf Jahre später, als durch die amtlichen Veteriuärberichte die thatsächliche Kenntniss von dem Ver­laufe des Bläschenausschlags der Geschlechtstheile wesentlich ergänzt und vervoll­ständigt war, sprach sich Hertwig (Mag. 1847) dahin aus, dass beide Krankheiten ihrem Wesen nach von einander verschieden seien. Er proponirte deshalb, der „gut-
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Beschiilkranlcheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 395
artigen Beschälkrankheitquot; don Namen: „Bläschen- oder Phlyctänonausschlag der Geschlechtstheilequot; zu geben und den auch in der Ordre von 1840 gebrauchten Ausdruck: „Beschälkrankheitquot; auf die „bösartige Besohälkrankhoitquot; zu beschränken. Für die wissenschaftliche Forschung wurde mit dieser Abhandlung die eigenartige Natur beider Krankheiten endgültig festgestellt. Allein dem neuen Standpunkte Hessen sich die Vorschriften der gedachten Verordnung nicht ohne Weiteres anpassen, wie llertwlg meinte. Es wurde deshalb für den Geltungsbereich der Verordnung durch die Minist.-Verf. vom I.November 1851 bestimmt, class die schwere und lang­wierige Krankheit unter der Benennung „Beschälkrankheitquot; mit den vorge­schriebenen Schutzmassregeln bekämpft, während die gutartige Krankheit im amt­lichen Schriftwechsel ,,Beschälausschlagquot; oder „Bläschenausschlag der Geschlechtstheilequot; benannt werden solle. Für die letzterwähnte Affection wurde vorgeschrieben, die Hengste und Stuten während der Dauer des Uebels und 3 bis 4 Wochen nach erfolgter Heilung von der Begattung auszuschliessen, andere Be­schränkungen den Besitzern aber nicht aufzulegen. Zugleich veröffentlichte das Ministerium eine technische Belehrung über die Symptome und den Verlauf beider Krankheiten, welche das Lehrer-Collegium der Tlüerarzneischule zu Berlin unter der Mitwirkung von zwei erfahrenen Sachverständigen (Gestüt-Inspector Kodloft aus Zirke und Marstall-Oberrossarzt Dr. Knauert aus Berlin) bearbeitet hatte (vergl. Horn, Das Preuss. Medicinalwesen. 2. Aufl. 1863).
Strauss (Beiträge zur Gesch. der Lähmnngskrankheit oder Schankerseuche des Pferdes; in den „Mittheil. Österreich. Vet.quot; Wien 1844) hatte die Seuche zu Radauz in der Bukowina beobachtet. Er führte den Namen „Lähmungskrankheitquot; in die Veterinärpathologie ein. Seine Darstellung von den Symptomen und dem Ver­laufe der Krankheit hat den späteren Autoren (Veith, Spinola) vielfach als Richt­schnur gedient. Die Aetiologie der Seuche vermutheteStrauss, der die Contagiosität bestritt, in einer krankhaften Anlage, welche durch Kreuzungs-Zuchten und Ver­weichlichung der Pferde in der Jugend bedingt werden sollte.
Dass die in manchen Punkten nicht zutreffenden Urtheile von Strauss die Meinungen der Thierärzte nur unwesentlich beeinflusst haben, ist einerseits durch die bereits besprochenen Arbeiten Her twig's und andererseits durch die Monographie von Rodloff (Die Beschälkrankheit und der Beschälausschlag der Pferde. Birnbaum. 1802) bewirkt worden. Obwohl auch Rodloff, wie seine Vorgänger die Selbst­entwickelung der Krankheit zugestand, so betonte er doch mit Nachdruck, dass die meisten Krankheitsfälle aus der Ansteckung bei der Begattung entsprängen. An die von Veith aufgestellte Hypothese des katarrhalisch-lymphatischen Ursprungs der Seuche sich anschliessend, meinte Rodloff, dass in Folge einer ererbten Anlage oder durch Hautausschläge eine lymphatische Dyskrasie bei den Zuchtpferden entstehe und dass unter diesen Verhältnissen die Aufregung der Thiero in Verbindung mit der localen Friction der Genitalien während der Begattung zur primären Erzeugung der Krankheit genügen könne. So unberechtigt diese Voraussetzung ist, so muss dem Verfasser doch das Verdienst belassen werden, dass er zuerst die „unbekannten Ein­flüsse der Jahres-Constitution und der Witterungsverhältnissequot; aus der Aetiologie der Beschälkrankheit mit Erfolg ausgemerzt hat. Im Uebrigen liegt der Werth der Mono­graphie in den thatsilchlichen Angaben über die Symptome und den Verlauf der Krankheit.
Nur unerheblich ist die Kenntniss der Boschälkrankheit durch Pillwax (Bei­träge etc. Wiener Vicrteljahrsschr., 1853, S. 55) gefördert worden, welcher den
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396nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und IntoxicationskranWieiten.
TJliischenausschlag („Eczem oder Hitzblftschenansschlag dos Wurfs und der Ruthequot;) dem KrankheitsbegrilT von Neuem einzuverleiben bemüht war und diese AfTection sowie die wesentlichsten Bestandthoile der Krankheit als besondere Formen der Beschäl­seuche beschrieb. Pillwax hatte die Krankheit 1846 in den Ungarischen Gestüten und 1852 in Böhmen und Steiermark beobachtet. — Weit interessanter und gehalt­reicher ist dagegen der „Bericht über die bei der Schankerseuohe in Böhmen während der Jahre 1859—1862 gemachten Beobachtungenquot; vom Landosthierarzt Maresch (Wiener Vierteljahrsschr., XIX., 1863, S. 149). Maresch erklärte zuerst die An­steckung für die ausschliesslicho Ursache der Krankheit. Seine Ansicht hat er in folgendem Satze zusammengefasst: „Don gesammelten Erfahrungen zu Folge halte ich die Schankerkrankheit für eine spociflsche, durch das ihr innewohnende Contagium ansteckungsfähige Affection der Geschlechtstheile, welche als Analogen der Syphilis gelten kann.quot; Dass die bei der Beschälkrankheit auftretenden Lähmungen in dem Krankheitsverlaufe der menschlichon Syphilis keine Analogie finden, hat Maresch aber mit Bestimmtheit ausgesprochen. Uobrlgens hatten schon weit früher Knauert und von Haxthausen hierauf, sowie auf die Verschiedenheit anderer Symptome im Verlaufe beider Krankheiten aufmerksam gemacht. — Roll (Path, u. Ther., 5. Aufl., 1885) beurtheilt die Beschälkrankheit auf Grund der von ihm neuerdings gemachten Beobachtungen in Uebereinstimmung mit Maresch als eine sich nur durch fort­gesetzte Ansteckung erhaltende Krankheit. — Von praktischem Interesse sind die Beobachtungen Iluthe's (Adam's Wochenschr., XX., 1876, S. 221), der 1873 im Regierungsbezirk Frankfurt a. d. Oder mehrere Krankheitsfälle zu beobachten Gelegen­heit hatte.
Nach Signol und Vital (Journ. des Vöt. du Midi. Toulouse 1864. Ref. v. Hering, Rep. XXV.) ist die Beschälkrankheit den Züchtern in Algier als eine anstockende Affection bekannt. Die Beduinen glauben an die spontane Entstehung, welche bei Hengsten eine Folge dos häufigen Dockens und bei Stuten durch die nach­einander erfolgende Zulassung mehrerer Hengste zur Bedeckung bedingt sein soll. Die bei der Maulthierzucht vorwendeten Esel sollen ebenfalls für die Krankheit empfänglich sein. — Eine vollständige Beschreibung der Beschälkrankheit mit Berück­sichtigung der Literatur findet sich bei Reynal (Police sanitaire. 1873).
In Frankreich haben die Autoren gleiche Ansichten von der Natur der Beschäl­krankheit aufgestellt, wie in Deutschland und Oesterreich. Auch die in der fran­zösischen Literatur bis in die neuere Zeit benutzten Krankheitsnamen (Maladie du co'it — Maladie vencrienno du choval — Maladie paralytique des reproduoteurs) ent­sprachen genau den deutschon Bezeichnungen. Neuerdings ist in die französische Literatur der Ausdruck „Dourinoquot; zur Bezeichnung der Krankheit eingeführt. Das Wort ist in der arabischen Sprache nach der Versicherung des General Daum as (1855) zur Bezeichnung der Krankheit gebräuchlich und bedeutet eigentlich nichts mehr, als eine unsaubere Begattung. Trotzdom muss ich die in Frankreich bewirkte Aenderung der bisherigen Nomenclatur als zweckmässig anerkennen. Denn die Krankheiten der Hausthlere und namentlich die mit gesetzlichen Schutzmassrogeln bekämpften Souchou werden nicht blos von Fachmännern, sondern auch in den Kreisen gobildotor Laien besprochen. Letztere äussern oft ihr Missfallen darüber, dass die moderne Wissen­schaft die Beseitigung anstösslgcr Krankheitsnamen nicht vermocht hat. Dies war auch das Motiv für die Neubildung dos Wortes „Dourinequot;, dessen sprachlicher Inhalt den Laien unbekannt ist. Wenngleich dio Pathologie nur ein rein äusseros Interesse an diesem Gegenstande hat, so kann ich doch den Wunsch nicht unterdrücken, dass
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Boschälkrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 397
das Wort etwa in der Schreibweise „Durinequot; ^uch in die deutsche Nomenclatur über­gehen möge.
St. Cyr (La dourine. Annal. de Dermatologie et Syphilis. 1878. Ref. von Bollinger in Virchow-Hirsch's Jahrosb.) hat sich in einer längeren literarisch kritischen Studie dahin ausgesprochen, rtass sich die Krankheit aussohliesslich auf dem Wege der Ansteckung durch den Begattungsaot verbreite. Er bezieht sich hierbei auch auf die Thatsache, dass die Seuche 1851 und 1860 in Frankreich nur dadurch zum Ausbruch gekommen sei, dass bei beiden Gelegenheiten ein mit derselben be­hafteter Zuchthengst aus Syrien importirt war.
Laguorriere (De la syphilis öquino. Gaz. hebdomad. 1883. Ref. in Ellen-bergor-Schütz, Jahresber. 1884. S. 40) hat eine ausführliche Abhandlung über die Beschälkrankheit publicirt, in welcher die gesammte ältere Literatur berücksichtigt ist. Derselbe gelangt auf Grund seiner Studien in liebereinstimmung mit Trasbot u. A. zu dem Schlüsse, dass die Krankheit der Syphilis gleich sei.
Von 1875 bis Ende 1881 hatte von Thanho ff er (Ueber Zuchtlähme. Budapest. 1882) in den ungarischen Gestüten Gelegenheit, die Krankheit zu studiren und an
33 Pferden die Section auszuführen. Durch die pathologisch-histologischen Unter-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„j.'
suchungon desselben ist die Kenntniss der am Rückenmark eintretenden Veränderungen vervollständigt worden. Dagegen hat sich die gesammte Pathogenese hierbei auchnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;f11;;
nicht näher aufklären lassen.
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Aetiologie mid Pathogenese. Nach den übereinstimmenden Beobachtungen in Deutschland, Oesterreich - Ungarn und Frankreich wird die ßeschäl-krankhoit nur durch Ansteckung bei der Begattung eines kranken mitnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'
einem gesunden Pferde verursacht. Demnach ist die Eruption der Seuchenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'^J
bei Wallachen und bei allen männlichen und weiblichen Pferden, welchenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Iwraquo;,,
zur Begattung nicht zugelassen werden, ausgeschlossen. Die Angaben einzelner älterer Schriftsteller, dass durch die Berührung junger Fohlen mit beschälkranken Stuten eine Ansteckung herbeigeführt sei, sind uner-wiesen. Dagegen haben Hausmann, Pfannenschraidt und Hertwig durch Bestreichen der Vagina mit dem Dejecte kranker Thiere einige Pferde künstlich inficirt. — Unter der Wirksamkeit der neueren Seuchen­gesetze ist die allgemeine Verbreitung der Krankheit, wie sie früher in Preussen und besonders in Oesterreich und Ungarn vorgekommen ist, kaum noch möglich. Denn das Contagium ist im eigentlichen Sinne dos Wortes fixer Natur und wenn die kranken Pferde von der Begattung aus­geschlossen werden, so fehlt es an jeder Gelegenheit zur Infection. Im Uebrigen unterliegen der Ansteckung die Stuten mehr als die Hengste, weil ein beschälkranker Zuchthengst leicht für viele Stuten benutzt werden kann, während das Contagium von der kranken Stute stets nur auf einen oder einzelne Hengste übergeht. Nicht alle Pferde, welche zur Begattung mit einem beschälkranken Pferde gelangen, werden mit dem Contagium behaftet. Doch soll im Ganzen nach den Ermitte­lungen von Roll, die sich auf eine grosse Zahl von Krankheitsfällen
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398nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
beziehen, nur ein Dritttheil der .Stuten, welche von einem kranken Hengste gedeckt wurden, gesund bleiben.
Das organische Substrat des Contagiums ist ganz unbekannt und von der Pathogeneso der Krankheit lässt sich in Ermangelung einer aus­reichenden Feststellung der Thatsachen eine vollständige Beschreibung nicht entwerfen. Ausser Zweifel steht, dass das Gontagium bei der Be­gattung von der kranken Stute auf die innere Haut des Präputiums oder auf den Penis resp, auf die Eichel und in die Harnröhre gelangt, wäh­rend bei Stuten der Ansteckungsstoff von dem kranken Hengste in die Scheide gebracht wird. Durch die speeifische Reizung des Contagiums entstehen in den Geschlechtsorganen oberflächliche Entzündungsprocesse entweder herdweise oder in diffuser Verbreitung. Die oft beschriebene Bildung von Bläschen und Geschwüren kommt bei Hengsten am Penis, am Schlauche und am Hodensack, aber im Ganzen nur selten vor. In der Scheide der inficirton Stuten fand Rodloff Bläschen und Geschwüre niemals. Auch Marosch hat eigentliche Bläschen nicht gesehen, wohl aber kleine Wulstungen und Geschwüre. Derselbe fügt aber hinzu, dass die ulcerösen Horde auch bei Stuten selten seien. Häufig kommen da­gegen entzündliche Schwellungen der Scham bei Stuten und des Prä­putiums bei Hengsten zur Ausbildung. Oft ist beobachtet worden, dass sich die entzündliche Reizung in den Geschlechtstheilen bis auf einen unmerklichen Grad zurückbildet und später bei fortschreitender Allge-meinaffection wieder augenfällig hervortritt. Die Scheide wird zuweilen enger in Folge der chronischen Vaginitis. Auch bilden sich kleine hellere Flecke in der Schleimhaut. Ebenso wird bei den Hengsten am Penis die Haut fleckweise blasser („Krötenfleckequot; nach Rodloff). Stärkere Reizungsproccsse in der Scheidenschleimhaut veranlassen die Abscheidung eines grauweissen, zuweilen auch mehr dunkel gefärbten, schleimigen Secretes.
Das Gontagium wird aus den localen Erkrankungsherden der Ge-schlechtstheilc resorbirt. Ueber die Zeitverhältnisso, unter welchen die Resorption sich vollzieht, ist nichts bekannt. Da die seeundären Stö­rungen in den nervösen Apparaten zuweilen einige Wochen, oft aber erst mehrere Monate nach der Infection sich hervorthun, so ist anzunehmen, dass der Ansteckungsstoff eine vorschieden lange Zeit in den äusseren Geschlechtstheilen zurückbehalten werden kann. Unaufgeklärt ist ferner die Art und Weise, in welcher der Ansteckungsstoff mit dem Blute in entfernte Organe fortgeführt wird. Bei Hengsten dringt das Gontagium zuweilen in die Substanz der Hoden, in welchen kleine Entzündungs­herde entstehen, die später der Regression verfallen. In dem Binde-
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Beschällcranldieit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 399
gewebo der Nebenhoden und der Samenstränge entwickeln sich in Folge der Blutstauung gelbsulzige Infiltrationen. — Eine speeifischo Wirkung hat der AnsteckungsstofF auf das llikkenmark und wahrscheinlich auch auf viele gangiiöse Apparate des sympathischen Nervensystems. Neuer­dings wurde durch von Thanhoffer auf Grund histologischer Unter­suchungen gefolgert, dass die vasomotorischen Apparate in verschiedenen Körperregionen tangirt werden, wodurch die herd weisen Oodemo der Haut (Tlialcrflccke) bedingt sein sollen. Nach den Untersuchungen von Thanlioffer's treten die Veränderungen am Rückenmark einmal in der Form der Myelitis hämorrhagica centralis und ein anderes Mal in der Form der Syringomyelitis auf. Aeltere Beobachter (Hertwig, llodlo(f) haben übereinstimmend angegeben, dass eine abnorm gros.se Menge von Flüssigkeit zwischen der Dura und Pia spinalis sich befände. Auch Rutho fand bei der Section einer nach 4 Monaten eingegangenen Stute die Anhäufung einer abnorm grossen Quantität von Serum zwischen den Rückenmarkshäuten. Demnach muss mit dem entzündlichen Pro-cesse am Marke ein Congestivzustand in der Pia mater verbunden sein, welcher durch Steigerung des Blutdruckes die Transsudation von Serum verursacht. — Die krankhaften Voränderungon am Rückenmark bilden den Grund für die Lähmung des Hintertheils, welche schon von Warneke in Zolle (1820), demnächst auch von allen anderen Autoren als das bedeutendste Merkmal der Krankheit angesehen worden ist. — Zuweilen entstehen Blutanhäufungen und in Folge derselben sulzige Infiltrationen an einzelnen Stellen der Bauchorgane, namentlich des Darmkanals. Iluthe fand in einem Falle zahlreiche runde Entzündungsherde in der Darmschleimhaut. Er vergleicht dieselben mit den Thalerfiecken der Haut. Wie mir scheint, handelt es sich in dem einen, wie in dem anderen Falle um Capillar-Embellen durch das Contagium oder durch Stoffe, an welchen das speeifische pathogeno Ferment haftet. Dafür spricht die runde Form der Horde, welche offenbar den Verbrcitungs-bozirk des verlegten Gefässes bezeichnet. — Im Verlaufe der Beschäl­krankheit wird ferner eine katarrhalische Affection der Rospirations-schleimhaut beobachtet. Indess lässt sich nicht klarstellen, wodurch der Katarrh veranlasst wird. — Constant erkranken die Lymphdrüsen, soweit sie mit den entzündlichen Localaffectionen in anatomischer Verbindung stehen. Sie vergrössern sich durch Infiltration zu derben Geschwülsten, in welchen sich kleine, erbsen- bis wallnussgrosse Herde bilden, die der regressiven Metamorphose verfallen und durch Dissection von dem ge­sunden Gewebe scharf abgegrenzt werden.
Symptome. A. Bei Hengsten. Hyperästhesie der Harnröhre; Drang
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400nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiton.
zum Uriniren; gesteigerter Goschlochtstriob; Schwellung dos Penis, der zeitweise aus dem Schlauch ein wonig hervorhängt; Röthung und leichte Schwellung am unteren Ende der Urethra. Im weiteren Verlauf ist auch dor Hodensack und in einzelnen Fällen die Nachbarschaft ödomatös ge­schwollen. Am Penis, der später dauernd aus dem Schlauch hervor­hängt, entsteht eine dicke ringförmige Schwellung, welche die Eichel in der Form eines stumpfen Kegels umfasst. Rodloff fand am Penis öfter rothe Flecke, selten Bläschen und Geschwüre.
Nach Verlauf von einigen Wochen oder Monaten zeigen sich die allgemeinen Störungen: constitutionello Ermüdung* Zittern der Haut; Knicken mit den Fessclgelenken der Hintergliodmassen beim Gehen; Schwäche im Kreuz; Erschlaffung und Lähmung einzelner Muskeln (Ohren, Lippen, Augenlider); ödematöse Infiltration der Haut, besonders am Hintcrtheil und am Halse, in der Form runder Horde von dem Umfange eines Markstückes bis zu dem einer gewöhnlichen Untertasse und von der Dicke eines kleinen menschlichen Fingers. Viele dieser Herde er­langen die durchschnittliche Grosse eines Silberthalers der früheren deutschen Prägung („Thalerfleckequot; der Autoren). Oft verschwinden die Herde nach 4 —10 Tagen, worauf innerhalb kurzer Zeit zuweilen in andern Hautpartien neue Herde entstehen.
Später beherrschen die Symptome der Kreuzlähme und der pro­gressiven Abmagerung das Krankheitsbild. Starke Atrophie der Kruppen-und Rückenmuskeln. Anhaltendes Liegen; erhebliche Anstrengung zum Aufstehen; Verengerung (Aufschürzen) des Bauches; schwankender Gang im Hintertheil; köthenschüssige Stellung der hinteren Fesselgelenke; Zittern der oberflächlich gelegenen Muskeln beim Stehen oder bei der Bewegung und stierer Blick als Ausdruck der constitutionellen Ermüdung. Bei vielen Hengsten zeigt sich ein krankhafter Juckreiz in der Haut allgemein oder an einzelnen Körpertheilen. Strauss, welcher auf das Symptom zuerst aufmerksam machte, legte demselben eine so grosso Bedeutung bei, dass er die Krankheit der betreffenden Thiere mit dem Namen der „Juckkrankheit,, bezeichnete. — Der Appetit ist zuweilen vermindert, oft aber nicht. Auch die Functionen der Verdauungsorgane bleiben meist normal. Pulsfrequenz fehlt nach Rodloff so lange, bis sich Kachexio einstellt. Dagegen ist das Athmen in den späteren Krank­heitsstadien meist in massigem Grade beschleunigt. — Relativ oft zeigt sich eine katarrhalische Affection im respiratorischen Traclus mit Dejection von weissem oder grauweissem Schleim aus der Nase. Die Lymph­drüsen, welche im Bereich der entzündlichen Localaffoction liegen (Leisten­drüsen, Kehlgangsdrüsen) treiben zu derben Geschwülsten auf.
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Beschälkrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 401
B. Bei Stuten: Rodloff hebt hervor, dass die Veränderungen in der Scheide bei Weitem nicht der Bedeutung des Uebcls entsprächen und oft so geringfügig seien, dass sie von Laien gar nicht bemerkt würden. Diese Angabo stimmt auch mit den Beobachtungen von Rut he überein, welcher bei 2 Stuten die Scheidenaffection erst in einem späteren Stadium der Krankheit constatirte. — An der Vulva bildet sich eine ödematöso Geschwulst („pappige Schwellungquot; nach Rodloff). Dieselbe setzt sich oft auf das Euter und die innere Fläche der Schenkel fort. An der Schleimhaut dos Vorhofs findet sich eine ungleiche fleckige oder streifige Röthung und häufig tine geringe Quantität schmutzigen katarrhalischen Secretes. Selten werden Bläschen gefunden. Rodloff giebt an, niemals Geschwüre in der Scheide gesehen zu haben. Dagegen constatirte Roll in mehreren Fällen an den Schamlippen und weiterhin in der Scheide tiefer greifende, mit stark geschwollenen und gerötheten Rändern ver­sehene unreine Geschwüre. Andererseits sah Rodloff einige Male kleine „plattgedrücktequot;, gelbliche Knötchen in der Scheide. — Die Stuten drängen oft wie bei der Rossigkeit auf die Geschlechtsorgane und ent­leeren hierbei bräunlichen oder missfarbenen Schleim in grössorer Menge, so dass die Schweifhaare vorklebt und auch die Hintcrgliedmassen ver­unreinigt werden. Der Urin wird bei dem häufigen und starken Pressen stossweise und unter Schmerzempfindungen ausgeschieden, wobei auch leichte ümstülpungen des Afters vorkommen. Blennorrhoische Ausflüsse aus der Scheide fand Maresch unter 197 kranken Stuten aber nur 17 Mal.
Die Symptome der Lähmung im Hintertheil und der paretischen Affectionen an den Lippen, Ohren oder anderen Regionen verhalten sich bei den Stuten wie bei den Hengsten. Nach Rodloff treten die „Thaler-fleckequot; in der Haut bei den Stuten selten auf. Das krankhafte Juck­gefühl in der Haut wurde von Rut he auch bei den Stuten an den Hinterschenkeln beobachtet. „Das Thier scheuerte sich an allen Gegen­ständen und nagte sich mit den Zähnen an den Schenkeln, wobei es häufig mit den Hinterbeinen einknickte.quot;
Pathologische Anatomie. Starke Abmagerung dos Körpers und Schrumpfung der Muskeln am Becken und am Rücken. In den ödematöscii Sohwellungon der Scham und des Euters oder des Schlauches und llodensackes findet sich gelbliches Serum. Die Hoden enthalten nach Knauort bei entzündlichen Schwellungen kleine käsige Herde, Nebenhoden und Samenstränge sind mit gelblichem, gallertartigem Serum inliltrirt. Bei Stuten bestehen in der Vaglnalschleimhaiit hordweise Verdiokungen und Verhärtungen, in einzelnen Fällen ulceröse Zustände. Die Schleimhaut selbst hat eine dunkle, ungleichmässigo, streifige Röthung, stellenweise eine bloigrauo Fär­bung. Die Thalerllecke der Haut sind auf dem Durchschnitt derb. In den iimfang-
Diecke rhoff t Spi-i-.. Pathologiti u. Tliorapio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2(J
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402nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
reichen Schwollungen dor Subcutis fand Huthe das Bindogowobo dorb, spoclütrlig und mit intensiv golb gofärbtem Sorum durchtränkt. In der Bauchhöhle klares Traus-sudat in geringer Menge. Unter dem poritonoalon Ueberzugo dor Bauohorgano stellen­weise sulzigo iM'giessungon. Zwischen den Kückonmarlishäulou Ansammlung von Serum. Das Rückenmark selbst bei langer Krankheitsdauor atrophisoh. In dor grauen Substanz des Rückenmarks ermittelte von Thanhoffer breiige Erweichungsherdo. Das Gehirn fand Uodloff In der Regel erweicht. Oft enthalten die Seitonvontrikel eine abnorme Menge serösen Transsudatos. — In den geschwollenen Lymphdrüsen finden sich kleine Hohlräume mit trockenem amorphem (käsigem) Inhalt. Die benach­barten Lymphgofässe sind vergrössort und derb. Ruthe beobachtete bei einer Stute im Dünndarm und Dickdarm zahlreiche kreisrunde Flocke von der Grosse eines Mark­stückes bis einer gewöhnlichen Untertasse. Die Mesenteriaulrüsen waren wallnuss-bis apfelgross geschwollen.
Verlaut' und Ausgang. Die Beschälkrankheit nimmt stets einen chro­nischen Verlauf, der sich gewöhnlich auf 6—10 Monate, zuweilen auf 1—2 Jahre erstreckt. Meist vergehen 3—4 Wochen nach der Infection, bis die ersten Krankheitserscheinungen bemerkt werden. Bei den meisten Patienten entwickeln sich die Symptome nicht gleichmässig. Auch bilden sich die Reizungs/ustände an den Geschlechtsorganen, namentlich die entzündlichen Schwellungen am Hodonsack, am Euter oder unter dem Bauche zuweilen wieder zurück, so dass die betreffenden Patienten mehrere Wochen oder Monate keine erheblichen Störungen der Gesundheit be­kunden. Dann stellen sich bei den Thieren, die kaum noch für krank gehalten werden, die Merkmale der constitutionellen Affection ein und daneben machen sich auch stärkere Reizungsprocesse in den Geschlechts­organen geltend. Wenn die Abzehrung und die Kreuzschwäche einen erheblichen Grad erlangt haben, so schreitet die Gesaramtkrankheit lang­sam aber unaufhaltsam weiter. Indess vergehen doch nicht selten noch mehrere Monate, bis der Tod durch Erschöpfung eintritt. Es giebt Fälle, in welchen von den Krankheitserscheinungen nur die progressive Paralyse des Hintertheiis und die Abmagerung augenfällig hervortreten. Ich beob­achtete 1873 in der hiesigen Klinik einen 10jährigen Deckhengst, der aus dem Posonschen Landgestüt zur Feststellung seines Krankheits­zustandes eingeliefert war. Bei diesem Pferde fanden sich mehrere Monate hindurch nur die Kreuzschwäche mit knickelnder Fesselstellung, starke Abmagerung, Aufschürzen des Bauches, später katarrhalische Affection der Rospirationsschleimhaut mit Schwellung der submaxillaren Lymphdrüsen und an dem Hinterschenkel sowie auf dem Rücken die sogenannten Thalerflecke, welche theils kürzere, theils längere Zeit be­stehen blieben.
Sowohl bei den Hengsten wie bei den Stuten verläuft die Beschäl­krankheit nicht immer tödtlich, aber die Heilung erfolgt doch nur in
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Boschiükrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;403
einer kleinen Minorität der Krankheitsfälle. Oft genug ist selbst von erfahrenen Sachverständigen angenommen worden, dass die betreffenden Patienten geheilt seien, während nach mehreren Monaten die Zufälle der Krankheit sich von Neuem wieder einstellten und dann zur Kachexie und zum Tode führten. — Nach einer viel verbreiteten Annahme soll dem Krankheitsverlauf bei Hengsten durch die Castration Einhalt gethan werden können. Knauert (vergl. Rodloff 1. c. S. 38) hatte sich die Meinung gebildet, dass der Infectionsstoff eine Zeit lang in den entzünd­lich geschwollenen Hoden und Samensträngen verbleiben könne. Es sollte demnach mit der frühzeitigen Entfernung der Hoden die Beseitigung des Ansteckungsstoffes stattfinden. Rodloff constatirtc in mehreren Fällen, dass die Castrationswunden in eine starke Schwellung geriethen und eine schlechte Tendenz zur Heilung zeigten. Indess ist auch er der Ansicht, dass die frühzeitige Castration die Heilung der Hengste wesent­lich begünstige.
Wie die Rückbildung der Krankheit beim günstigen Ausgang sich vollzieht, ist nicht festgestellt. Offenbar wird es auf die constitutionelle Widerstandsfähigkeit der Pferde am meisten ankommen, wenn der Krank­heitsverlauf coupirt wird, bevor noch die allgemeinen Störungen dor nervösen Apparate eintreten. Dass aber ein Abortivverlauf vorkommt, ist ausser Frage. Ruthe fand bei einem Hengste, der eine grösserc Zahl von Stuten inficirte, nur eine starke, ödematöse, schmerzhafte Schwellung am Präputium und am Scrotum, sowie an der inneren Fläche beider Hinterschenkel. In der Geschwulst bildete sich nach 6 Wochen ein Abscess mit dünnem, jauchigem Eiter, nach dessen Entleerung das Pferd genesen ist. Die Castration wurde nicht vorgenommen, aber es war nach Verlauf von 3 Jahren nur noch eine fingerdicke feste Ge­schwulst am Schlauche. Andere Symptome der Krankheit hatten sich bei dem fraglichen Hengste nicht eingestellt.
Die Literatur enthält viele Angaben darüber, dass im Verlaufe der ßesohälkrankheit sich der Rotz ausgebildet habe. Die Erklärung dieser Complication ging bis vor 20 Jahren allgemein dahin, dass bei den bo­treffenden Pferden der Rotz aus den localen Krankheitsprocessen spontan entstanden sei. Nach allen neueren Beobachtungen bleibt kein Zweifel darüber bestehen, dass ein essentieller Zusammenhang zwischen der Be­schälkrankheit und dem Rotz nicht vorhanden ist. Auch bei den be­schälkranken Pferden entsteht der Rotz nur dann, wenn dieselben von anderen rotzkranken Pferden angesteckt wurden. Maresch, dem ein reiches Beobachtungsmaterial zu Gebote stand, fand den Rotz bei den beschälkranken Pferden niemals.
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Soweit die Erfahrung reicht, überträgt sich bei den tragenden Stuten der Infectionsstoff auf den Fötus nicht, llodloff behandelte eine tragende Stute, die erst mehrere Monate nach dein Abfohlen zu Grunde ging. Das Fohlen war zwar in der ersten Zeit nach der Geburt und in Folge der geringen Milühproduotion der Stute ziemlich mager, entwickelte sich aber später zu einem ganz gesunden Pferde.
Diagnose. Seitdem der Bläschenausschlag der Genitalien als eine eigenartige Krankheit bekannt ist, gestaltet sich die Diagnose der Be­schälkrankheit woniger schwierig. Bin einzelnes Symptom derselben hat aber keinen pathognomonischen Werth und wenn die Krankheit nur bei einem einzelnen Pferde besteht, so kann die Erkennung derselben eine Zeit lang unmöglich sein. Lässt sich ermitteln, dass das betreffende Pferd aus einer Gegend stammt, in welcher die Krankheit vorkommt oder dass eine Begattung desselben mit einem kranken oder verdächtigen Pferde stattgefunden hat, so erleichtert sich die Diagnose wesentlich. Sonst bleibt nur übrig, nach dem Krankheitsverlauf und unter sorgfältiger Combination aller diagnostischen Momente einen zweifelhaften Fall zu beurtheilen. Hierbei ist zu beachten, dass die Thalerflecke eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Nesselausschlag haben. — Schwellungen der Lymph­drüsen machen die Untersuchung des Pferdes auf Rotz nothwendig. In der Regel wird bei sorgfältiger Beachtung dor Pathogenese beider Krank­heiten die Unterscheidung möglich sein. — Entzündliche Oedemo an den Geschlechtstheilen und am Bauche können aus mehreren Ursachen ent­stehen, was selbstredend bei der Diagnose zu erwägen ist. — Die Kreuz­schwäche der beschälkranken Pferde unterscheidet sich von der chro­nischen Kreuzlähmung schon dadurch, dass bei der letzteren keine krankhafte Abmagerung besieht und auch die Bauchdecken nicht ange­spannt sind. Ausserdem ist der Gang bei einem an chronischer Kreuz­lähmung leidenden Plerde in höherem Grade schwankend (wackelig).
Prognose und Therapie. Die Beurtheilung der Beschälkrankheit fällt im Allgemeinen ungünstig aus. Nur ausnahmsweise und so lange die Krankheit noch nicht zur Affection des Rückenmarks geführt hat, ist auf die Herstellung der Pferde zu hoffen.
Zur Behandlung der Stuten empfiehlt sich die täglich 2—3 Mal zu wiederholende Irrigation der Scheide mit Carbolwasser oder mit einer Iproc. Lösung von Alaun oder einer 2proc. Lösung von Tannin. Inner­lich haben die österreichischen Thierärzte zuweilen Hydrarg. bichlorat. (1,0 — 2,0 pro die in Latwergenform) und Acid, arsenicos. (0,5—1,0 pro die mit dem Futter) mit Erfolg angewandt. — Gegen die Beschäl­krankheit der Hengste wird seit langer Zeit die Castration emptohlen.
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Tuberkulose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 405
Die Entzündungsgeschwülste am Euter und am Scrotum sind mit warmen Breiumschlägen zu behandeln und bei ihrer etwaigen Abscedirung bald-thunlichst zu eröffnen. Maresch empfiehlt zur Beschleunigung der Maturation die Einreibung einer scharfen Salbe.
Capitel XIX. Tuberkulose. Tuberculosis Equi.
Die liedeulungsvollen Forschungen von Kob. Koch über den Tuberkelbacillus und seine pathogenen Eigenschaften (Mittheil, aus dem Kais. Gesundheitsamte, II., 1884) haben den Erfolg gehabt, dass die Tuberkulose allgemein als eine Infections-krankheit anerkannt wird. Bevor der Nachweis geführt war, dass der Tuberkel­bacillus die spocifischo Ursache der Krankheit ist, wurde letztere als eine chronische constitutionolle Störung (Kachexie) charaktorisirt und den übrigen chronischen Krank­heiten des StolTwechsels angereiht. Nicht zum geringsten Theil fällt dieser Inter­pretation die Thatsache zur Last, dass in der früheren Zeit die Tuberkulose des Pferdes viel häufiger diagnosticirt worden ist, als berechtigt war. Die umfassenden pathologisch-anatomischen ArbeitenVirchow's haben seit 30Jahren die Berichtigung der irrthümlichon Diagnose möglich gemacht. Seit dieser Zeit vermindert sich auch in der thieriirzüichen Literatur mehr und mehr die Deutung, dass die in den Lungen des Pferdes vorkommenden bronchiectatisohen, broncho-pneumonischen und meta­statischen Eiterherde „aufgelöste Tuberkelquot; seien.
Der Begriff der Tuberkulose bestimmt sich gegenwärtig nicht mehr nach dem sprachlichen Inhalte des Wortes. V,a ist wissenschaftlich unzulässig, alle Krankheits-zustände, bei welchen Knötchen, Knoten oder käsige llordo entstehen, schlechtweg als tuberkulöse All'eclionon zu definiren. Durch die Entdeckung des Tuberkelbacillus hat der begrifflioho Inhalt der Tuberkulose oder Tuberkelkrankhelt im Ganzen eine er­hebliche Einschränkinig, im Einzelnen aber auch eine Erweiterung erfahren. Zu den tuberkulösen Krankheiten gehören nur diejenigen pathologischen Zustände,, welche durch die Tuborkelbaclllen verursacht und unterhalten werden. Dass der herkömm­liche Brauch, den Bolz als die Tuberkulose dos Pferdes zu deuten, nicht statthaft ist, habe Ich S. 120 schon erörtert.
Die Pferde Incllnlren für die pathogenen Wirkungen der Tuberkelbacillen nur in einem sehr geringen Grade. Nach allen neueren Erfahrungen 1st die Tuberkulose bei Pferden eine seltene Krankheit. Ungleich wichtiger Ist das Vorkommen derselben bei Rindern und Schweinen. Deshalb will ich an dieser Stelle von einer längeren historisoheu Erörterung über die Ansichten absehen, welche die Autoren von den Tuberkel-Krankheiton der Hausthlere vertreten haben. Auch die zahlreichen experi­mentellen Arbeiten zur Begründung der Charakteristik und Aetiologie der Tuberkulose
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
können hier nicht berücksichtigt werden. Es wird sich im 2. Bande dieses Lehrbuchs die Gelegenheit bieten, ausführlicher auf dieselben zurückzukommen.
Aetiolugie und Pathogenese. Bei der geringen Zahl wohlconstatirter Krankheitsfälle, welche bis jetzt bekannt sind, lässt sich über den Vor­gang, mit welchem sich die Infection der Pferde durch Tuberkolbacillen vollzieht, eine bestimmte Auskunft nicht ertheilen. Anzunehmen ist, dass wie bei anderen Thiergattungen und beim Menschen die Einsaat der Bacillen einerseits in die Respirationsschleimhaut und die Lungen, andererseits in die Digestionsschleimhaut wird erfolgen können. Damit ergiebt sich zugleich als wahrscheinlich, dass der Infectionsstoff theils mit der Inspiration in die Athmungswege, theils mit der Futteraufnahme in die Verdauungsvvege wirksam übertragen werden kann. Bis jetzt sind tuberkulöse Neubildungen bei Pferden in der Nasenschleimhaut, in den Lungen, in den ßronchialdrüsen, in der Pleura, in der Dünndarmschleim­haut und im Peritoneum beobachtet worden. In den Schleimhäuten wird die Infection beim Bestehen oberflächlicher Reizungszustände oder kleiner Substanzverluste leichter zu Stande kommen, als bei intacter Be­schaffenheit. Die Verbreitung der Krankheit von den Primärherden ge­schieht theils durch nachbarliche Infection, theils durch die Lymphbahnen oder durch die ßlutcirculation.
„Die Tuberkulose des Pferdes nimmt eine Mittelstellung zwischen derjenigen des Rindes und des Menschen einquot; (R. Koch). Soweit die Pleura und das Peritoneum betroffen werden, tragen die tuberkulösen Neubildungen ganz den Charakter der Knoten und Geschwülste, welche bei der Pcrlsucht des Rindes an den genannten Organen entstehen. Indess habe ich in den wenigen Krankheitsfällen, die ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, eine Verkalkung der Tuberkelgeschwülste nicht nach­weisen können. — Der Entwickelung tuberkulöser Krankheitszustände scheinen fast nur ältere Pferde unterworfen zu sein. Wenigstens kenne ich keinen Fall, welcher bei Fohlen oder jungen Pferden festgestellt wäre. Für die Verallgemeinerung der Krankheit von den primären Localhordcn aus scheinen die Pferde nur in sehr geringem Grade zu incliniren. Demnach machen sich die nachtheiligen Wirkungen der tuber­kulösen Krankheitszustände vorzugsweise dadurch geltend, dass die be­treffenden Organe eine Beschränkung ihrer Function erleiden. — Die Unheilbarkeit der Tuberkulose beruht nach R. Koch darin, dass die Tuberkolbacillen im Thierkörper selbst die Bedingungen ihrer Entwicke­lung und Vermehrung finden. Sie sterben daher im Körper nicht aus, wie die Mikroparasiten anderer Krankheiten, welche nur ausserhalb des
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Tuberkulose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 407
Thierkörpers die zur Erhaltung der Art nothwondige Dauerforra annehmennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; *l|j
können.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; p
Dio künstliche Uebertragung der Tuberkulose ist bei Pferden, soweit sich aus der Literatur ergiebt, nur ausnahmsweise gelungen und auch dio wenigen excep-tionellen Fülle mit positivem Resultat sind nicht ganz oinwandsfrei. Waldenburg und Ohne (Magaz. 1870, S. 285) exporimentirten an 3 Pferden, welche mit Tuberkel­masse von Menschen und mit Porlsuclitgeschwulst vom Rinde wiederholt geimpft, aber nach mehreren Monaten bei der Tödtung und Section gesund befunden wurden. — Pütz (Seuchen und Herdeltrankh., 1882, S. 702) injicirte 4 Cctm. von der aus einer tuberkulösen Menschenlunge durch Auspressen gewonnenen und flltrirten Flüssig­keit direct in die rechte Lunge eines einjährigen Fohlens. Es entstand hiernach zu­nächst Rronchialkalarrh mit Athmungs- und Pulsfrequenz, Nasenausfluss und Schwel­lung der submaxillaren Lymphdrüsen. Nach 5 Wochen waren die Krankhoitsorschei-nungen zurückgetreten. Eine Woche später wurde das Thier gotödtet und secirt, wobei sich eine Miliartuberkulose der Lungen ergab.
Symptome uml Verlauf. Ein bestimmtes Symptomenbild lässt sich von der Pferdctubcrkuiose nicht entwerfen. Direct wahrnehmbar sind nur die sehr seltenen tuberkulösen Wucherungen und Ulcerationen in den unteren Abschnitten der Nase. Hierbei kann das Athraen mit schnieben-den Geräuschen verbunden sein. Daneben findet sich Schwellung der Kehlgangsdrösen. — Tuberkulöse Zustände in den Lungen und an der Pleura können viele Monate, vielleicht 1—2 Jahre bestehen, ohne eine erhebliche Störung der Gesundheit herbeizuführen. Umfangreiche Neu­bildungen in den Brustorganen mögen die Athmung abnorm belasten undnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ' Schmerzempfiiulung in den Brustwandungen veranlassen können. Indess ist mir ein Krankheitsfall dieser Art nicht bekannt. — Die Tuberkel-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „, bildung in der Darmschloimhaut und im Mesonterium bedingt Appetit­mangel und progressive Abmagerung bis zur vollständigen Entkräftung. Dagegen können die vereinzelten und traubonförmig gruppirten Ge­schwülste an der Bauchwand, am Netz und am Zwerchfell ähnlich wie unter den gleichen Verhältnissen bei Rindern beobachtet wird, ein Jahr und darüber bestehen, ohne erhebliche Erscheinungen zu verursachen.
Hiernach ergeben sich bei den Pferden in Folge der Tuberkulose in der Regel nur die Symptome der Abmagerung, welche im Verlaufe von mehroren Monaten und darüber zur Kuchexie führt.
Uiagnuse inul Prugnose, Da dio tuberkulösen Zustände an den inneren Organen eine relativ lange Zeit hindurch keine Störung der Gesundheit veranlassen und sonst sich nur durch allmälig zunebraende Abmagerung aussprechen, so ist die Diagnose der Krankheit Intra vitara nicht mög­lich. Die Symptome dor Gosammtaffection gleichen vollständig dem all­gemeinen Bilde der Kachcxie. Demnach lässt sich in einem concrotonnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^. Falle nur nach Anleitung der fortschreitenden Abmagerung und Ent-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; H
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kräftung der allgemeine Charakter der Kranklieit (die Kachexie) dia-gnosticiren. Die Feststeilung der Tuberkulose kann erst bei dor Section erfolgen. Wegen des oft begangenen Trrlhums, die ganz unschädliche multiple Knötchenbildung in den Lungen alter Pferde und die kleinsten Rotzknötohon für die Miliartuberkulose auszugeben, verweise ich auf die S. 175 und 177 zur Diagnose des Rotz befindlichen Bemerkungen. — Soweit die Sectionsbefunde durch ihre Aehnlichkeit mit anderen ge­schwulstbildenden Processen Zweifel erregen, ist zur wissenschaftlichen Sicherung der Diagnose die mikroskopische Untersuchung der Krankheits-producte erforderlich. Der Nachweis der Tubcrkelbacillen erledigt die diagnostischen Fragen entgültig.
Die durch tuberkulöse Neubildungen bedingte progressive Abmage­rung ist unheilbar. Es giebt kein Mittel, mit welchem die an der Darraschlcimhaut, am Peritoneum oder an der Pleura und in den Lungen angesiedelten Tubcrkelbacillen vernichtet bezw. in ihrer pathogenen Vege­tation mit Erfolg aufgehalten werden könnten. — Für die Beurtheilung einzelner Krankheitsfälle ist als Richtschnur der kachektischo Charakter des Gesaramtleidens festzuhalten. Sind die Merkmale der Kachexie be­stimmt ausgeprägt, so bleibt nur übrig, das werthlos gewordene Pferd tödten zu lassen.
Casuistik.
1)nbsp; nbsp;R. Koch (Mittheil, ans dem Kaiserl. Gesundheitsamte, II., 1884, S. 40) hat in 4 Füllen die Pferdetuberkulose an einzelnen Präparaten durch den Nachweis der Tuberkelbaoillen festgestellt. „Stelionweise hatten die tuberkulösen Neubildungen am Peritoneum und Netz die grössle Aehnlichkeit mit den Perlsuchtknoten des Rindes,. während in denselben Fällen gleichzeitig die Lungen von ausserordentlioh zahlreichen miliaren Tuberkeln durchsetzt waren, welche ihnen auf der Schnittfläche vollkommen das Aussehen einer menschlichen, mit Miliartuberkeln versehenen Lunge verliehen. In einem Falle liess sich auch der Weg, auf welchem das Tuberkelvirus in den Blut­strom gelangt war und zur Miliartuberkulose geführt hatte, ermitteln. Es waren nämlich die Retroperitonealdriiseii in einen sehr grossen, von festen, gelblichen Käse­herden durchsetzten Tumor verwandelt, welcher die Vona cava inferior zum Theil einschloss und höckerige Wülste nach dem Innern der Vene zu bildete. Schnitte durch diese Driisonmasse und besonders durch die in die Vena cava hineinragenden Knoten enthielten ausserordontiiehe Mengen von Tuberkelbacillen, theils frei, theils die zahlreichen Kiesenzellen erfüllend. Mehrere Knoten waren an ihrer Oberfläche erweicht und hatten offenbar sehr viele Tuberkelbacillen dem Blut der Vena cava beigemischt. Die Miliartuberkulose war hier also in derselben Weise, wie es von Weigert beim Menschen nachgewiesen ist, entstanden. Auch in den übrigen Fällen von Pferdetuberkulose waren die Tuberkelbacillen in den Knoten vom Netz und Peri­toneum, in den colossal vergrösserten Bronchialdrüsen, in den Tuberkelknoten der Lunge, Milz, Leber, und zwar stellenweise in grosser Anzahl nachzuweisen.quot;
2)nbsp; nbsp;Uepartemontsthierarzt Müller (Preuss. Mittheil., 21. Jahrg., 1874., S. 101)
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Tuberkulose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 409
beobachtete ein kurz vorher gekauftes Pferd, welches wiederholt Nasenbluten gehabt hatte. Schnaufen aus beiden Nasenlöchern, selbst im Stande der Ruiio. Submaxillar-drüsen goschwollen, wurslförmig, hart und unempfindlich. Im Uebrigen war das Pferd munter. Bei Anwendung des Spiegels fand sich in dor linken Nasenhälfte eine ziemlich bedeutende Flüche der Schleimhaut orodirt. Das Thier wurde für rotzkrank erklärt und getödtet. Bei der Section stellte sich heraus, dass an dor Pleura in grosser Menge kleine, traubenförmig aneinander hängende, anscheinend fleischige Körperchen sassen, welche dicht aneinander gedrängt Klumpen von der Grosse einer oder mehrerer Mannesfäuste bildeten. Beide Lungen waren mit Miliartuberkeln durch­setzt. Das ganze Sectionsbild stimmte vollkommen mit der Perlsucht dos Rindes überein. Auch von der Direction der Thierarzneischnle zu Berlin wurde in den über­sandten Präparaten eine tuberkulöse Erkrankung festgestellt.
3)nbsp; nbsp;Im Jahre 1855 sah ich bei der Section eines alten, abgemagerten Anatomie-Pferdes im Mesenterium eine armdicke längliche Geschwulst. In der Unterrippen­gegend der rechten Seite fanden sich am Peritoneum mehrere traubonförmige Ge-schwulstconglomerate, welche den Umfang eines Hühnereies bis einer Faust hatten. Daneben trug das Peritoneum einzelne haselnussgrosse Knoten. Der peritonoale Ueborzug des Zwerchfells war in seiner ganzen Ausdehnung mit crbsen- bis wallnuss-grossen Knoten besetzt, welche in ihrem Charakter übereinstimmton mit den am Peritoneum des Rindes vorkommenden Perlsuchtgeschwülsten. Auf der DurchschniUs-fläche der Knoten war aber eine Verkalkung nicht zu erkennen. Der verewigte Geh. Rath Gurlt deutete die Erkrankung als Perlsucht.
4)nbsp; nbsp;Bei einem alten, in Folge mangelhafter Futteraufnahme und Abmagerung zum Schlachten bestimmten Pferde fand ich 1884 am Zwerchfell und am Gekröse zahlreiche tuberkulöse Neubildungen, welche sich in der Form und im Umfange ganz so verhielten, wie in dem sub 3 beschriebenen Falle.
5)nbsp; nbsp;Ein zwölfjähriger brauner Wallach, den ich 1875 behandelte, zeigte mangel­haften Appetit, leichte Pulsfrequenz mehrere Wochen hindurch, zunehmende Ab­magerung und leichte Schwellung der Gliedmassen. Da die Unheilbarkeit des Pferdes zweifellos war, so wurde dasselbe getödtet. Bei dor Section fand ich in der Duodonal-Schleimhaut eine flache und knotige Geschwulstbildung an zwei nebeneinander liegen­den Stellen, von welchen jede den ungefähren Umfang einer menschlichen Hand er­reichte. Das Lumen des Darms war wegen der Erweiterung des intact gebliebenen Theils der Schleimhaut nicht wesentlich verkleinert.
6)nbsp; nbsp;Von einem alten Pferde, welches in Folge laryngealer Dyspnoe unbrauchbar geworden und zum Schlachten getödtet war, wurde mir 1883 die Zunge mit dem Schlundkopf und Kehlkopf zugeschickt. Dicht vor der Epiglottis, ein wenig nach der rechten Seile gelegen, fand sich eine runde Geschwulst, deren Grosso den Umfang eines Hühnereies etwas überragte. Die Geschwulst war auf dem Durchschnitt grau-weiss. Neben derselben waren noch zwei haselnussgrosse Knoten in der Schleimhaut entstanden. Herr Geh. Rath Virchow, den ich um die Untersuchung des Tumors bat, erklärte, dass derselbe mit den Perlsuchtgesohwülsten des Rindes identisch sei.
Ich verkenne nicht, dass die Diagnose der sub 3 bis 6 orwiihnlen, von mir beob­achteten rälle angefochten worden kann, weil in denselben dorNaohwoia der Tuberkel-bacillen nicht geführt ist. Trotzdem habe ich die Krankheitsgesohiohlen hierin aller Kürze mitgetheilt, da ich die Diagnose für zutrefTend halle. Bei der Seltenheit der Pferdeluberkulose hat einstweilen die Mittheilung eines jeden Krankheitsfalles noch ein grosses wissenschaftliches Interesse.
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Infections- und Intoxioationskrankheiten.
Capitel XX. Bliitfleckenkrankheit. Norbus uiaciilosus.
An keinem Capitel der speoiollen Kranlcheitslehre ist die Thatsaclio, dass die Theoria raorbi oinsciiliesslich der Terminologie sich in der Regel nur schwer von den ilberlioferton Gcwolinheiten losmaoht, anschaulicher zu kennzeichnen als an der Ge­schichte der ßlutlleckenkrankheit. Ich habe schon S. 308 Veranlassung gehabt, darauf hinzuweisen, class im vorigen Jahrhundert eine grosse Zahl von infectiösen und toxischen Krankheiten dem CollectivbegrilTe des Paulfiebers untergeordnet war. Die thoorotisohe Beurtheilnng der „fauligen Fieberquot; gipfelte darin, dass eine erhebliche Alteration der Blutmischung oder eine Auflösung der Formbestandtheile des Blutes in der Blutflüssigkeit (Üissolulio sangulnls) das Ens morbi ausmache. Fast alle acut verlaufenden allgemeinen Krankheiten, deren Eigenart nach dem früheren Inhalte der Pathologie nicht festzustellen war, zählten zum Faulfieber. Auch die Blutflecken-krankheit ist bis in die neueste Zeit zu dieser Gruppe gerechnet und als eine Form des fauligen Fiebers (Febris putrida) betrachtet worden. Es kann deshalb nicht be­fremden, dass erst vor wenigen Decennien die descriptive Darstellung der Krankheit soweit gesichert worden ist, dass die casuistischen Beiträge der Literatur sich wenig­stens zum grossen Theil richtig beurtheilen lassen. Neben dem Namen des Eaul-liebers hat sich die synonyme Bezeichnung der Krankheit als Typhus erhalten, aller­dings zunächst auch mit der Einschränkung, dass dieselbe nur eine Form des Typhus der Pferde darstellen sollte. Welche Consequenzen diese Bezeichnung gehabt hat, ergiebt sich leicht aus der Thatsache, dass auch die Pferdestaupe seit 18-25 vielfach als „Pferdetyphusquot; beschrieben worden ist. Fast jeder Verfasser eines thierärztlichen Handbuches defmirte den BegrilT des Typhus anders, als seine Vorgänger. Die Lehr­sätze der medicinischen Schulen und Systeme mussten die hypothetische Voraus­setzung recht fertigen, dass die einzelnen Formen des Typhus auf einer nosologischen Einheil basiren sollten.
Dass diese Lehren schwere diagnostische Irrthümer im Gefolge gehabt und die Erforschung der selbständigen Pferdekrankheiten behindert haben, zieht sich wie ein rother Kaden durch die Fachliteratur. Zur Verwirrung der praktischen Thierärzte hat um meisten die mit der Nomenclatur von den Autoren theils absichtlich, theils unabsichtlich gegebene Anleitung beigetragen, zwischen den als Typhus und Typhoid bezeichneten menschlichen Krankheiten und dem Typhus oder Typhoid der Pferde eine Identität oder eine Analogie anzunehmen. Daher erklärt sich, dass für die in Bede stehende Krankheit nach den Blutflecken (Petechien) in den Schleimhäuten und in der äusseren Haut der Name Petechialfieber (Eebris petechialis) und Pelechial-typhus (Typhus petechialis) der Pferde viel Anklang gefunden hat. Der Gebrauch dieser Nomniclatiir führt bis auf Renault und Bouley (1840) zurück. Wie seit dem Jahre ISSO zunächst von den französischen Thierärzten und demnächst auch in der deutschen Literatur als erfahrungsgemäss angenommen worden ist, kommt weder bei Pferden noch bei den übrigen llausthieren eine Krankheit vor, welche mit
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Blutfleckenkrankheit.
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dem Ileotyphus oder mit dem Typhus oxanthematinus oder mit dem Typhus recurrons des Menschen identifioirt resp. in eine nosologische Parallele gestellt worden könnte.
Die englischen Thiorärzto, welche bis vor kurzer Zeit der ganzen Krankheits­lehre eine mehr praktische Tendenz zu gehen bemüht waren, haben sich bei der Definition der Bluttleckenkrankheit mit der Theorie dos Typhus nicht bofasst. Statt dessen bürgerte sich in der englischen Literatur der Irrthum ein, dass die Krankheit mit dem Scharlach der Menschen identisch sei. Andererseits wurde indess erkannt, dass die Tendenz zur Bildung blutiger Horde den hauptsächlichsten Bestandthoil der Krankheit ausmacht. Dem entsprechend werden in England und in Nordamerika bis in die neueste Zeit zur Charakterlsining dor Blutllockenkninkheit die Namen „Scar­latinaquot; und „Purpura haemorrhagicaquot; benutzt.
Die in den älteren Fachschriften niedergelegten unklaren Ansichten über das Wesen der Blutlleckenkrankheit hier extraetweise zu erörtern, würde zwecklos sein, weil die gesicherte Diagnostik der Krankheit kaum über die Mitte des gegenwärtigen Jahrhunderts zurückreicht. Selbst noch in der späteren Zeit zählten Voith (1840), Dietorichs (1851), Funke (1852) undSpinola (1855) die Krankheitsfälle zu dem CollectivbegrilT des Faulfiebers oder Typhus. Rychncr (Hippiatr. 1842 und Spec. Path. u. Ther. 1854^, welcher in seiner dem Schönlein'schon System nachgebildeten Classification der Krankheiten zur Familie der Typhen: 1. „die Typhon des Nerven­systemsquot;, 2. „die Typhen der Schleimhäutequot; und 3. „die Typhen der allgemeinen Deckequot; rechnet, gedenkt der Blutfleckenkrankheit unter dem Namen des Peteohial-typhus.
Bevor durch Renault und Bouley, sowie durch die diagnostisch worthvollen Publicationen Hering's die Selbständigkeit der Blutfleckenkvankhoit klar gestellt war, sind Verwechselungen derselben mit dem acuten Rotz häufig begangen worden. In England scheint die Autorität Percivall's der Auffassung, dass die Krankheit dem menschlichen Scharlach analog sei, viel Vorschub bei den Thierärzlen geleistet zu haben. Webb und Turner (Veterin. 1840 und 1841) beschrieben zwei Krank­heitsfälle als Scharlach resp. als bösartigen Scharlach dos Pferdes. Indess bemerkt Hertwig (Oanstatt's Jahresber., 1841) hierzu, dass er die Krankheit nicht für Scharlach, sondern für das „acute Faulfleberquot; halte. — Hering hat die Krankheit stets als Petechialliebor des Pferdes bezeichnet. Schon 184(5 (Rep., S. 6) wandte er sich gegen den Brauch, in der Eruption der Krankheit ein „gewöhnliches Kaullioborquot; zu erblicken. Ausserdem bestritt er die mehrfach ausgesprochene Meinung, dass die­selbe durch Kiterrosorption hervorgebracht und deshalb als voi-schlagene Druse ge­deutet werden könne. Die Berechtigung des in der englischen Literatur beschriebenen Scharlachs stellte Hering (Spec. Path. u. Ther., H. Aufl., 18-19) ebenfalls in Abrode, ohne aber eine bestimmte Stellung gegenüber der Frage zu nehmen, ob der vermeint­lichlaquo; Scharlach zur Influenza oder zum fauligen Fieber oder zum Pelechialfiebcr ge­höre. Im Jahre 1850 (Rep., XI., S. 50) erläuterte Hering seine Ansicht „über das Petechialfiober der Pferdequot; dahin, dass die Petechion bei der Druse, beim Typhus und bei gangränösen Entzündungen sowie bei Eiterung in inneren Organen sccuiuliir entstehen könnton, dass dagegen das eigentliche Faulfieber (Petechialfiober) eine idle-pathischo Krankheit sei, welche in einer Entmischung des Blutes beruhe. Die krank­hafte Veränderung des Blutes sollte sich in einem Mangel an Oorinnbarlcoit und zu­nächst wenigstens in einer wässerigen Beschaffenheit aussprechen. Am Ende des Krankheitsverlaufs sollte aber das Blut eine gleichartig dicke, syrupartige ('onslslonz erlangen. Die Unterscheidung des idiopathischon Petechialfiebers vom Milzbrand und
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vom acuten Rotz basirte Hering darauf, dass boi der crstgodachten Krankheit die Contagiositiit fohlt. — Gelegentlich späterer Publikationen in seinem Repertorium und in Canstatt's Jahresberichten hat Hering stets bestritten, dass das I'etechial-lieber aus einer EiterreSorption hervorgehen könne. Andererseits vertheidigte er seine Meinung (vergl, Rep. XIX.), dass das Blut abnorm dünnflüssig sei und aus diesem Grunde in die Gewebe transsudiron müsse.
Mannington, Haycock, Girling (Vet. Record etc., 1848 u. 1850) und andere englische Thierärzto beobachteten, dass die Blutfleckenkrankheit im Verlaufe der Druse y.ur Entwickelung kam. Sie bezeichneten dieselbe als „Purpura haemor-rhagicaquot;.
Eine neue und oigenthümliche Bourtheilung der Blutfleckenkrankheit ist von dem Thieraranei-Institut in Wien ausgegangen. Uebereinstimraend mit der älteren Literatur rechnete Bruckmüller dieselbe zur Gruppe dos Typhus (Wien. Viertelj., 1855). Von diesem Standpunkte ist ursprünglich auch Roll ausgegangen, welcher der Krankheit die Natur des Milzbrandes beigelegt hat. Klar ausgesprochen ist die Lehre Roll's in dessen Lehrbuch der Pathologie und Therapie, sowie in der „Be­lehrung über den Pferdetyphusquot;, welche das Oesterreichische Armoe-Oborcommando unter dem 12. Februar 1850 erlioss (Wien. Viertelj,, XII.). In dieser Belehrung wird vorausgeschickt, dass die Krankheit mit verschiodonen Namen „wie z. B. Nervenfieber, Pferdoseuche, brandige Druse, cpizootisches Rothlauffiebor, Faulfiobor, Eaulfieber-seuohe, Bnistsouche, Lebertyphus, Abdominaltyphusquot; bezeichnet werde. „Das den Milzbrand formen beizuzählende Leiden der Pferde kann zwei, aber nicht immer ganz streng getrennte Formen annehmen und zwar a) solche, in denen sich die Krankheit nicht localisirt, sondern als Blutkrankheit verläuft und meist tödtet (Milzbrand-Blut­schlag) und b) solche, bei denen sich Ablagerungen an der Körperoberfläche und in inneren Theilon auffinden lassen (eigentlicher Pferdetyphus).quot;
Gegen diese Lehre, die in den kurzen klinischen Berichten Roll's (Wien. Vierteljahrssohr., 18(52 und 1863) stets vertreten ist, hat Hering wiederholt bemerkt, dass die Darstellung des Pferdetyphus, soweit die Krankheitsfälle nicht zum Milz­brand gehören, sich auf dasselbe Leiden bezieht, welches von ihm Petechialfieber genannt werde. — Auch Haubner, Arloing, Friedberger u. A. stellten unter Bezugnahme darauf, dass der „Pferdetyphusquot; nicht anstockend sei und nicht einmal mit dem Blute iiborgoimpft werden könne, die Identität desselben mit dem Milz­brände entschieden in Abrede. Trotzdem ist Roll bis zur Gegenwart bei seiner An­sicht verblieben. Boi der autoritativen Stellung, welche derselbe in der Veterinär-Pathologie zwei Deoennien hindurch eingenommen hat, befestigte sich die Meinung, dass der Pferdetyphus eine Form dos Milzbrandes sei, ziemlich allgemein unter den Thieriir/.ton. Wie weit die Lehre Roll's die Fachschriftstoller beeinflusst hat, cr-giebt sich daraus, dass auch Williams (Principels and Practice of Vet.-Mod. 1874) die Blutflockenkrankheit als Purpura haemorrhagica dem Milzbrande zuzählt.
Aus dor neueren Literatur ist hier noch auf die casuistischen Beiträge zu ver­weisen, welche Friedberger zur Charakteristik dos Pferdetyphus (München! Jahres­bericht, 1874 75 und 1875,70) verölfentlioht hat.
IMinliioii. Aus den Symptomen, dem Verlaufe und den Sectionsbefuuden er-glebl sich rail Sicherheil, dass die Blutfleckenkrankheit ein eigenartiges Leiden darstellt, welches ätiologisch auf der Einführung eines speeifischen Virus in die Blut-circulation beruht. Don wesentlichsten Bestandtheil der acut verlaufenden Krankheit bezeichnet die multiple Bildung kleiner und grösserer blutiger Herde in der äussoren
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Blutfleckenkrankheit.
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Haut und ünterhaat, in der Res|iirations- und Digestionssclileimhaut, sowie in vielen anderen Organen.
Dass die Begriffsbestimmung früher mit der Lehre vom „Faulf ieber (Febris putrida 8. septica)quot; verknüpft gewesen ist, erklärt sich dadurch, dass der selb­ständige Charakter des Morbus maculosus nicht bekannt war. Seitdem das faulige oder putride Fieber der putriden Infection und der Sephthämie begriff lioli gleich­gestellt wird, eignet sich der Name des Faulfiebers für die niutfleckenkraukheit nicht mehr. Zweckmässig ist derselbe auch früher nicht gewesen, weil er eine grössoro Zahl von difforenton, acuten infeotiösen und toxischen Aligemeinairectioneii umfasste. üie Diagnose des Faulfiebers mussto daher unklar bleiben. — In noch höherem Grade führt der Versuch, die Blutlleokenkrankheit als „Typhus der Pferdequot; zu deliniren, zu unrichtigen Vorstellungen. Da der Typhus begrifflich auf mehrere acut vorlaufende Pferdekrankhoiten (Milzbrand, Pferdestaupe, Sephthämie und pernioiöso Entzündungen innerer Organe) ausgedehnt wurde, so ist gerade der Name des „Pfordetyphusquot; der richtigen Einsicht in die Natur der Blutfleckenkrankheil hinderlich gewesen. Dazu kommt, dass der Morbus maculosus mit denjenigen Krankheiten des Menschen, welche als Typhus bezeichnet werden, weder eine ätiologische Gemeinschaft, noch überhaupt eine Aehnlichkoit hat. Der Name dos Typhus verleitet aber die Sachverständigen, bei der Constatirung und Behandlung der Blutlleckonkrankheit dos Pferdes Vergleiche mit dem Abdominaltyphus oder mit dem exanthematischen Typhus (Potechialtyphus, Petechial(icber) des Menschen anzustellen und analoge oder identische Processe bei den Pferden vorauszusetzen. So haben Hering, liychner und andere Autoren nach dem Merkmal der Petechien, welches beim exanthematischen Typhus dos Menschen vorkommt, die Blutfleokenkrankheit als „Petechialfioberquot; und „Potechial­typhusquot; des Pferdes charakterisirt. Ich halte diese Nomination ebensowenig für passend, wie diejenige des „Pferdetyphusquot;, welche von Roll neuerdings wieder bevorzugt und nach ihm von vielen Schriftstellern angenommen ist. Wer die Sym­ptome, welche die meisten Anhänger der Typhus-Theorie von der Krankheit entworfen haben, mit dem thalsächüchon Vorhalten der am Morbus maculosus leidenden Pferde vergleicht, der wird die Unzweckmässigkeit dos Namens nicht bezweifeln können. So sollen die Patienten im Beginn gewöhnlich leichten Froslschauer, grosso Traurigkeit, Unaufmerksamkeit und Abstumpfung zeigen. Es ist leicht zu erkennen, dass diese Angabe unter dem irrlhümlichen Eindrucke sieht, dass die Krankheit „typhöser Naturquot; sei.
Schon früher (Pferdestaupe, 1882., S. 100) habe ich in einer kurzen diagnostischen Erläuterung hervorgehoben, dass die Krankheit dem „Morbus maculosus Werl-hofiiquot; des Menschen gleiche (Worlhof, 1()98—1767, Arzt in Hannover, hat diese Krankheit des Menschen zuerst genau beschrieben), Die Aehnlichkoit beider Krank­heiten wurde schon von Eborhardt borücksichtigt, welcher zwei Fälle unter dem Namen „Blutfleokenkrankheitquot; beschrieb (Magaz., 1857., S. 2l(i).
Nach der Uebereinstimmung der in Redo stehenden Krankheit mit dem gedachten Leiden des Menschen halte ich den Namen: „Morbus maculosus Ecpiorumquot; für zu­treffend. Mit der Annahme desselben verbindet sich von selbst der Begriff einer eigen­artigen, durch die Ausbildung von Blutflecken (blutigen Herden) charaklerisirten Affection. Es ist überflüssig, eingehend zu erörtern, dass die passende Bezeichnung der Krankheit manchen diagnostischen Irrthümorn von vornherein die Spitze abbricht. — Die in der englischen Literatur gebräuchliche Benennung der Krankheit als „Pur-pura haemorrhagicaquot; erscheint weniger zweckmässig, weil der Terminus „Pur-
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puraquot; in der Medicin als Collootivnamo für mehrere, unter Petechienbildung vor­laufende, aber ihrem Wesen nach diiTerente Krankheiten des Menschen benutzt wird. Ganz unmotivirl ist der Vergleich der Blutfleckenkrankheit des Pferdes mit dem Schar­lach des Menschen und der hiernach gewählte Krankhoitsnamo (Scarlatina; Scarlet fever), der von englischen und nordamerikanisohen Thierärzten gegenwärtig noch be­nutzt wird. Soweit nach der thatsächlichen Erfahrung beurtheilt werden kann, sind weder die Pferde, noch die übrigen llausthiere der Erkrankung am menschlichen Scharlach unterworfen.
Aetiologie. Die Thatsaclio, dass die Blutfleckenkrankheit sehr oft bei katarrhalischen Zustcänden in der Respirationsschleimhaut, ferner bei dem Bestehen eiteriger Zerfallsherde in den Lungen oder in anderen Organen zur Ausbildung kommt, lässt darauf schliessen, dass die Einführung eines speoifisohcn Virus in die Blutcirculation das bedingende Moment der Pathogenese darstellt. Nun werden aber nicht selten Pferde von der Krankheit befallen, bei welchen die Präexistenz localer Entzündungsherde nicht nachgewiesen werden kann (idiopathische Blutfleckenkrankheit im Sinne Hering's). Allein dies beweist noch nicht, dass ein Primärherd in derartigen Fällen fehlt. Denn es können eiterige Processe und Zu­stände von geringem Umfange in der Subcutis oder auch in den inneren Organen der Ermittelung entgehen. Da nun die Krankheit sich in ihren hauptsächlichsten Bestandtheilen stets gleich bleibt, sowohl wenn sie als Complication oder Folgeleiden beim Rotz, bei der Druse oder bei einer Lungenentzündung entsteht, als wenn sie scheinbar eine idiopathische Affection darstellt, so ist anzunehmen, dass ihre Ausbildung in allen Fällen aus primären localen Zerfallsherden stattfindet. Ich habe diese Ansicht schon früher in einer kurzen Bemerkung (Pferdestaupe, 1882., S. 102) ausgesprochen und kann auch nach allen neueren Beobachtungen dieselbe nur wiederholen.
Nicht selten vollzieht sich die Ausbildung der Krankheit bei Pferden, welche an der Brandmauke oder an anderen eiterigen Herden in der Subcutis leiden. Auch Absccsse in der Nicrenkapsel oder in der Milz können den Ausbruch vermitteln. Am häufigsten hat aber die primäre Erkrankung in den Respirationsorganen ihren Sitz: eiterige Katarrhe in den Nebenhöhlen der Nase oder in der Rachenschleimhaut, retropharyngeale Abscesse und broncho-pneumonische oder motastatisclie Zerfallsherde in den Lungen. Die hier ange­deuteten Primäraffectionen verknüpfen sich oft nicht mit augenfälligen Störungen der Gesundheit, so dass sie unerkannt bleiben. Siedam-grotzky rechnet zu den primären Erkrankungen besonders die Darm­katarrhe mit Verschwärung der Lymphfollikei.
Die Natur des Virus, welches an den Primärherden entsteht und
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Blutflockenlcrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;415
durch Resorption in das Blut übergeht, ist nicht bekannt. Es lässt sich insbesondere nicht mit Bestimmtheit entscheiden, ob ein Infectionsstoff (pflanzlicher Mikroparasit) oder ein chemisches Gift (nach Art der Ptomaine) die Krankheit verursacht. Aus den klinischen Beobachtungen ergiobt sich indess mit Wahrscheinlichkeit, dass in den Primärherden ein chemischer Körper von cigenthümlichen toxischen Eigenschaften ent­steht und dass die Actiologie des Morbus maculosus demnach in einer speciflschen Autointoxication beruht. Die Erzeugung eines solchen Virus muss von der Einführung eines besonderen belebten Fermentes in die Primärherde abhängig gedacht werden. Hiernach würde die Blutflecken­krankheit mittelbar allerdings auf eine Infection zurückzuführen sein, in ihren wesentlichen Eigenschaften aber eine toxische Krankheit darstellen.
Das Aller der Pferde scheint keinen Einfluss auf die Entstehung der Krankheit zu haben. Indess habe ich doch nicht beobachtet, dass Fohlen vor dem vollendeten zweiten Lebensjahre erkranken. Anderer­seits sah ich aber mehrere Fälle bei Pferden, die das 18. Lebensjahr bereits überschritten hatten.
Pathogenese. Ueberoinstimmend mit dem Verhalten anderer toxischer Allgemeinaffeciionen ist dor Entwickelungsgang des Morbus maculosus wesentlich beeinflusst von der Quantität des Virus und von der Schnellig­
keit, mit welcher dieselbe in die Blutcirculation aufgenommen wird.
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Dass dabei die individuelle Disposition von erheblichem Einfluss sei,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; it
lässt sich nicht nachweisen. Das Virus hat an sich keine fiebererregendo Wirkung. Denn oft bestehen die unzweideutigsten Symptome der Krank­heit mehrere Tage hindurch, ohne dass die Blnttemperatur ansteigt oder das Gesammtbefinden der Pferde gestört ist. Das Fieber ist erst eine Folge der localen Entzündungszustände, welche im Verlauf der Krank­heit entstehen. Auch das Blul selbst erleidet zunächst keine erkennbare Aenderung in seiner Zusammensetzung bezw. in dem Mischungsverhält­nisse seiner Bestandtheile. Ich habe sehr oft, sowohl im Beginn als auch nach der vollendeten Ausbildung der Krankheitserscheinungen Probe­aderlässe vorgenommen, aber weder durch die mikroskopische Unter­suchung noch an dem Gerinnungsmodus eine Abweichung von der Norm constatiren können. — Dagegen ist der virulenten Substanz im Allge­meinen die Eigenschaft eines phlogogenen Stoffes und im Besonderen eine speeifische Affinität zu den Capillargefässwandungen beizulegen. In Folge der letztgedachten Wirkung des Virus können Rupturen der Capi II arge fasse in einer grösseren Zahl von Organen entstehen. Immer sind es aber in den Organen nur einzelne Capillaren, welche in ihrer Wandung eine Alteration erleiden und in Folge dessen durchbrochen
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416nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
werden. Der Continuitätstrennung folgt die Extravasation von Blut, welches in die nächstgclegeiien Gewebe infiltrirt. Es entstehen kleine oder grössere blutige Herde, welche zuweilen confluiren und umfang­reiche hämorrhagische Unterlaufungcn bilden.
Am meisten incliniren für die Entstehung der blutigen Herde: Die äussere Haut mit der Unterbaut, die llespirationsschleimhaut mit der Submucosa und die Con­junctiva, demnächst die Digestionsschleimhaut mit der Submucosa, die Skelet-muskulatur, die Lungen, die Milz und die Nieren. Am Periost und an der Synovial-raembran einzelner Sehnenscheiden finden sich mitunter bei der Section flache hämor­rhagische Herde. Aber in dor Substanz der Knochen, in den Gelenken, im Gehirn, in den Hoden und Ovarien habe ich niemals blutige Herde gesehen. — Die Subcutis unterliegt dorn Zustandekommen der Blutflocke am meisten in der unteren Hälfte des Kopfes, an den Gliedmassen, am Bauche und unter der Brust. Auf der Kruppe und dorn Rücken, sowie am Halskamm entstehen die Herde nur ausnahmsweise. — Von dem Rospirationstractus erkrankt die Nasenschloimhaut fast constant, ausserdem die Raohensohlelmhaut sehr oft. Die übrigen Abschnitte werden seltener afficirt. — In dor Magon-Darmschloimhaut habe ich nicht nachweisen können, dass einzelne Ab­schnitte häufiger als andere erkranken.
Die Grosse der Herde scheint von der Ausdehnung der an den Capillargefässen eintretenden Rupturen abhängig zu sein. Bei erheblichen Rupturen sistirt die Extra­vasation erst dann, wenn die Menge des ausgetretenen Blutes einen hinreichenden Gegendruck schafft. Das in die Gewebe infiltrirto Blut bleibt flüssig. In den grössoren snbcutanen Untevlaufungen coagulirt es zuweilen zu einer lockeren schmierigen Masse. So lange die Horde von der Luft abgeschlossen sind, hat es eine venöse Farbe. Das Serum wird zunächst und oft schon innerhalb weniger Tage grösstentheils resorbirt. —#9632; Das extravasirte Blut, bezw. die in demselben befindliche unbekannte virulente Substanz hat eine phlogogene Wirkung auf die Gewebe. In der Subcutis entwickelt sich von den hämorrhagischen Herdon aus eine diffuse Entzündung mit reichlicher Bxsudation von Serum und weissen Blutkörperchen. Das Exsudat hat eine gallertartige (sulzige), gelbliche oder gelbweisse Beschaffenheit.
Die Submucosa der Nase ist von dor entzündlichen Exsudation in geringerem Grade betroffen, was auf die straffe Einrichtung derselben zurückzuführen sein dürfte. Die Conjunctiva erleidet oft eine erhebliche Entzündung, die aber ohne Einfluss auf den Krankheitsvorlauf bleibt. Dagegen entsteht in der Submucosa der Rachenschleim-haul, besonders in den lockeren Falten vor und hinler dem Kehldeckel, ferner an den Giesskannenknorpeln und an den Morgagni'schon Taschen sehr oft eine starke In-lillration mit gelbsulzigen Entzündungsproducten.
Zuweilen entwickelt sich in der unteren Partie dor Maulschleimhaut, an den Lippen und neben dorn Frenulum eine entzündliche Schwellung. — Die Magen-Darm-sohleimhaut erkrankt zwar sehr oft, aber im Ganzen doch nicht so constant, wie die äussere Haut und der Respirationstractus in seinen oberen Abschnitten. Die Herde etabliren sich theils in der Substanz der Digestionsschleimhaut, theils in der Sub­mucosa. In erstoror bleiben sie meist klein, von dem Umfange einer Erbse bis einer Wallnuss. Die Herde der Submucosa können aber die Dimensionen einer menschlichen Hand und darüber erreichen. In einzelnen Fällen bilden sich im Dünndarm, seltener im Dickdarm runde hämorrhagische Herde von der Grosso eines silbernen Fünfmark-stückos. Diese Form hängt mit dem Verbreitungsbezirk der kleineren Arterien zu-
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Blutilockenkrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 417
sammen, welche durch die Erkrankung verlegt werden. Entzündliche Exsudate in der Umgebung der Herde entstehen nur selten in grüsserer Ausdehnung.
Die Lungen enthalten oft viele Herde von Haselnuss- bis Faustgrusso, nament­lich in den unteren Abschnitten. Mitunter entstehen Infarete von dem Umfange eines menschlichen Kopfes in einer oder in beiden Lungen. An die Infarcirung schliosst sich nicht selten eine entzündliche Kxsudation, so dass relativ grosse Partien der Lungen ganz ähnlich wie bei der lärustseuche hepatisirt werden.
Von der Skeletinuskulatur werden am meisten die llio-Psoasmuskoln, ferner die Muskeln des Beckens, des Oberschenkels und der Kniescheibe, ausserdom die'Zwillings-muskoln, die Bauchmuskeln und die Brustmuskeln, weniger oft die Halsmuskeln afficirt. Nach Form und Orösse zeigen die Herde erhebliche Differenzen. Sie sind theils länglich rund, theils lang gestreckt, dem Bau des Muskels entsprechend. Selten ist ein grösserer Muskel in seiner ganzen Länge inliltrirt; meist sind nur einzelne Schichten betroffen, innerhalb weniger Tage vollzieht sich die Resorption des Blut­serums aus den Muskolherden zum grössten Theii, so dass die Substanz von den zu­rückbleibenden und zerfallenen rothon Blutkörperchen dunkelrolh, selbst scliwarzroth gefärbt erscheint, aber im Ganzen einen mehr trockenen Habitus behält. Sulzige Ergiessungen entstehen nur vereinzelt neben den Herden im intermuskulären Binde­gewebe.
Die Bildung hämorrhagischer Herde in den übrigen Organen (Milz, Nieron und Nierenkapsel, Bauchwand, Zwerchfell, Mosenterinm) kommt weniger oft vor und zeigt im Uebrigen von dem boschriobonen Verhalten der blutigen Herde in anderen Organen nichts Abweichendes.
Die Entstehung der hämorrhagischen Herde vollzieht sich nicht auf einmal, dauert vielmehr, soweit die Patienten nicht früher zu Grunde gehen, in der Hegel 9—12 Tage. Zuweilen kommen aber schon vom dritten Tage an keine neuen Herde mehr zur Ausbildung. Im Verlauf von katarrhalischen Krankheiten linden sich sehr oft nur erbsengrosse Petechien in der Nasenschleimhaut, die nach einigen Tagen durch Resorption wieder verschwinden, ohne eine erhebliche Störung zu bewirken. Bei ein­zelnen Pferden sistirt die Entstehung frischer Herde vorübergehend einige oder mehrere Tage hindurch. Die Erklärung dieses Verhaltens der Krankheit ist in der Beschaffen­heit der primären LocalaiTectionen zu suchen. Wenn in den letzteren die spocifische virulente Substanz nicht mehr producirt wird, oder wenn das Virus nicht mehr zur Resorption gelangt, so können frische hämorrhagisohe Herde nicht mehr entstehen. Erfolgt aber nach einer momentanen Unterbrechung die Verunreinigung des Blutes von Neuem, so wiederholt sich die Neubildung von Herden.
Das weitere Verhallen der Blutflecke gestaltet sich nicht in allen Organen gleich. Kleine in der Substanz der Haut oder der Subcutis liegende Herde verschwinden in wenigen Tagen durch Resorption. Umfangreiche Schwellungen können durch den stärkeren Druck überall zum Absterben der Haut führen. Besonders ist aber die Haut an denjenigen Partien gefährdet, an welchen die Subcutis eine straffe Einrichtung be­sitzt. Ebenso bedingen erhebliche Geschwülste an den Gelenken in Folge der bei der Bewegung unvermeidlichen Verschiebungen und Frictionen der Haut oft ulcoröse Procosse. Insbesondere verursachen die blutigen Schwellungen an den Lippen und im Gesicht, an der hinteren Flüche des Fesselbeins, in der Gegend des Kölhenzopfes, in der Sprunggelenkbeuge und an der hinteren Fläche der Vorderfusswurzel sehr leicht eine starke Spannung, so dass gelblich klares oder röthliches Serum durch die Haut sickert. Hierbei mortilicirt die Haut immer in kleinem odor grosserem Umfange Dlookerhoff, Spoo. rmihulugio und TUorapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2/
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zuweilen an mehreren erbsen- bis wallnussgrosson Stellen. Mit den Substanzverlusten verknüpft sich die Ktablirung1 ulcerösor Zustände, die oft nur sehr scliwer und erst nach mehreren Wochen abheilen, in vielen Fällen aber eine ichorrhämischoIntoxication mit tödtlichem Verlaufe unterhalten.
Kleine Blutflecke (Petechien oder Tupfen) in der Nasenschleimhaut bilden sich stets durch Resorption wieder zurück. Grössere Infiltrationen und Unterlaufungon bedingen starke Schwollungszustände, so dass die Nasencavitäten eine erhebliche Ver­engerung erleiden. Das Blutserum sickert durch die Schleimhaut und fliesst aus der Nase ab. Nicht selten wird die inflltrirte Nasenschleimhaut an einzelnen Stellen durchbrochen. Dann ergiesst sich flüssiges Blut aus der Nase. In derselben Weise kann auch die Kachenschloimliaut in kleinen Partien zerstört worden.
Im Magen und Darm sind die nächsten Wirkungen der Herde ganz ähnlich. Kleine Infarcte, welche den Umfang einer Wallnuss nicht überragen, oder wenn sie etwas grosser sind, eine flache Gestalt behalten, verlieren sich oft in 5 — 8 Tagen durch Resorption. Zuweilen kommt aber in Folge dos Druckes eine Sprengung der Schleimhaut zu Stande, so dass Blut in das Lumen des Darms gelangt und an den defecten Stellen eine Ulceration entsteht. Wenn die Defecte den Umfang einer Hasel-nuss nicht überschreiten, so heilen sie nicht selten durch Vernarbung. Grössere Substanzvorluste bedingen eine tödtliche Darmentzündung. Die gleichmässige blutige Unterlaufung eines ausgedehnten Abschnittes der Darmwand habe ich nur in ver­einzelten Fällen bei der Section gefunden. Zweimal constatirte ich, dass ein kleiner Herd im Dünndarm zur Nokrose des poritonealon Ueberzugs und zur Vcrklebung mit einer benachbarten Darmschiingo geführt hatte. Siedamgrotzky fand einmal eine vollständige Perforation im Duodenum mit Austritt von Futterbrei in die Bauchhöhle. — Mitunter dringt gelbliches Blutserum in das Darmlumen, so dass die Schleimhaut in grosser Ausdehnung sich mit demselben durchtränkt.
In den Lungen, in der Milz, in der Nierenkapsel und auch an anderen Organen verursachen die hämorrhagischen Herde zuweilen eine starke Spannung, so dass eine erhebliche, selbst tödtliche Blutung entstehen kann.
Aus vorstehender Betrachtung ergiebt sich, dass die Ansicht Roll's von der Milzbrandnatur des Morbus maculosus hinfällig ist. Die fieberhafte GesammtafFection wird nur durch die Resorption der Entzündungsproduote aus den localen Erkrankungs­herden vermittelt. Kommt es zu erheblichen brandigen Zerstörungen in den hämor­rhagischen Herden der Haut oder des Respirationstractus, so erlangt die Gesammt-störung den Charakter der Ichorrhämie. Schmerzhaft sind für die Pationton die diflusen phlegmonösen Processe der Subcutis und dos Rachens, besonders aber die parenchymatöse Muskelentzündung, welche mit der Etablirung hämorrhagischor Herde eingeleitet wird.
Syin|gt;tome. Unwesentlich ist für die Ausbildung der Symptome, dass die Blutfleckenkrankheit oft im Verlaufe der S. 414 bezeichneten Vor­krankheiten und zuweilen entsteht, ohne dass sich präexistente Krank­heitsherde nachweisen lassen. Zu den Krankheitserscheinungen gehören:
1) Blutflecke in den Kopfschleimhäuten. Die Nasenschleim­haut bedeckt sich mit hanfkorn- bis erbsen- und bohnengrossen blutigen Herden (Petechien, Tupfen).- Oft bilden sich an der Scheidewand und an den Muscheln lange streifen- und flächenförmige Suffusionen, durch
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Blutfleckenkrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;419
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welche die Sohleimüaut eine relativ starke Schwellung erleidet. In Ver­bindung mit der benachbarten Partie der Subcutis entsteht in der Schleim­haut des falschen Nasenloches sehr häufig eine starke häraorrhagische Inturnescenz. — Abfluss von gelblichem oder gelbröthlichem Blutserumnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;:quot;
oder von flüssigem Blut aus der Nase. — Petechien und hämorrhagische Schwellung in der Conjunctiva eines oder beider Augen mit Ausfluss von Blutserum oder Blut aus den Augenwinkeln. — Weniger constant, aber doch nicht selten finden sich kleine und grössere Blutflecke in der unteren Hälfte der Maulschleimhaut, namentlich an den Lippen und zu beiden Seiten der Zunge.
2)nbsp; nbsp;Blutflecke in der Haut. Theils in der Substanz der Haut, mehr aber in der Subcutis treten derbe oder auch ödematöse Geschwülste von dem Umfange eines Taubenoies bis eines menschlichen Kopfes und darüber hervor. In der unteren Hälfte des Kopfes zeigen sich die Schwellungen an den Lippen, den Rändern der Nasenlöcher, auf und neben den Nasenbeinen und an den Backen. Die blutige Infiltration und die gelatinöse Exsudation in die Subcutis führen zu starken An­schwollungen der Haut an einer oder gleichzeitig an beiden Seiten des Kopfes, welcher oft ein ganz unförmiges Ansehen erlangt. — An den Gliedmassen können in ihrer ganzen Ausdehnung und an beiden Seiten
wallnuss- bis gänseeigrosse, scharf abgesetzte Beulen in der Haut odernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; k'
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auch diffuse und sehr umfangreiche Schwellungen in der Subcutis ent­stehen. — Unter dem Bauche, an der Brust, am Halse und bei Hengsten oder Wallachen am Schlauche kommen oft derbe oder ödematöse, blutige Schwellungen der Haut und der ünterhaut zur Ausbildung.
3)nbsp; nbsp;Athembeschwerdo. So lange der Respirationstractus in Folge der blutigen oder entzündlichen Schwellungen keine Verkleinerung seines Lumens erleidet, ist die Athmung normal oder nur unerheblich be­schleunigt. Schmerzhafte Zustände an den Gliedmassen bedingen oft eine massige Steigerung der Respirationsfrcquenz mit Anspannung der Bauch­muskulatur. Erhebliche Schwellungen der Naseneingänge oder der Muscheln verurslichen in- und exspiratoriselics Schnieben. Blutige oder entzünd­liche Infiltrationen der Rachenschlcimhaut, die oft sehr schnell (inner­halb einer Stunde) entstehen, gehen sich durch laryngeale Dyspnoo mit lauten inspiratorischen oder in- und exspiratorisohen Kehlkopfsgeräuschen (Giemen, Rohren, Kreischen) zu erkennen.
4)nbsp; nbsp;Fieber und Benommenheit dos Bewusstseins. Wenn nicht die Vorkrankheit einen fieberhaften Charakter hatte, so erfolgt die krank­hafte Erhöhung der Bluttemperatur erst nach Ausbildung der Blutflecke in dem einen oder anderen Organ. Die Fiebertemperator erhält sich
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nicht gleichmässig; sie steigt oft nicht über 39,5deg;, zuweilen aber bis 41,0deg; und dumber.
Stärkere Schwellungen in der Haut des Kopfes und in der Nase verursachen den Patienten Schmerzen. In Folge dessen wird der Kopf auf die Krippe gestützt oder in gesenkter Haltung nach vorn gestreckt. Auch die entzündlichen Localaffectionen an den Gliedmassen werden durch die Spannung der Haut und der Fascien schmerzhaft. Da die Pferde sich nicht niederlegen, so bekunden sie bei erheblicher Erkrankung eine mehr oder minder starke constitutionelle Ermüdung.
5)nbsp; nbsp;Beschwerden beim Gehen und Stehen. Die schmerzhaften Zustände in der Haut, besonders an den Gliedmassen, behindern die Pferde in der Bewegung. Eine Aenderung der Stellung muss gewöhnlich durch starkes Antreiben erzwungen werden. Zum Niederlegen finden sich die Thiere nur bei leichter Erkrankung und wenn die Gliedmassen in ge­ringem Grade leiden, oder in Folge übermässiger Ermüdung veranlasst. Die letztgedachten Patienten können sich in der Regel aus eigener Kraft nicht wieder emporrichten. — Wenn starke Schmorzempfindungen durch Blutflecke und entzündliche Affoctionen in den Lenden-Darmbeinmuskeln oder in den langen llückenrauskeln sich geltend machon, so stehen die Pferde mit^geslreckter Stellung der Hintergliedmassen.
6)nbsp; nbsp;Pulsfrequenz. Im Beginn der Krankheit steigt die Zahl der Pulse nur dann erheblich, wenn von vornherein die Magen-Darraschleim-haut erkrankt. Sonst bleibt die Pulsfrequenz so lange gering, bis die Schwellungen der Organe und die schmerzhaften Empfindungen in den localen Krankheitsherden einen höheren Grad erreichen. In der Hegel steigt die Pulszahl zunächst nicht über 50 — 70 in der Minute. Eine Frequenz von mehr als 80 findet sich in Folge starker Blutverluste oder mit dem Eintritt von Gomplicaüonen.
7)nbsp; nbsp;Störungen im Digestionsapparat. Leichte Verminderung des Appetits bei schmerzhaften Zuständen in der Haut. Beschwerde und selbst Unvermögen zum Kauen bei erheblichen Schwellungen am Kopfe. Auslluss von Speichel und Blutserum bei hämorrhagischen Herden im Maul und in der Rachenschleirahaut. Schluckbeschwerde mit gestreckter Haltung des Kopfes, selbst vollständige Aufhebung dtj Schluckvermögens bei hämorrhagischen und entzündlichen Zuständen in der Rachenschieim-haut. Unter solchen Verhältnissen bringen die Pferde oft einzelne Bissen Heu oder Stroh, auch Kurzfutter bis hinter die Backzähne, ohne die­selben weiter befördern zu können. Auch entleert sich nicht selten Speichel mit Futterpartikeln oder Getränk aus der Nase.
Wenn sich grössere Blutflecke in der Magen-Darmschleimhaut aus-
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Blutflockenkrankheit,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 421
bilden, so bekunden die Patienten Koliksymptome, die bei der Etablirung von schweren Localprocessen am Pylorus und im Duodenum sehr heftig sind, sonst aber in massigem Grade und nioht selten mit zeitweisen Remissionen auftreten. Diffuse Entzündungen der Darmschleimbaut be­dingen ausserdem vollständige Inappetenz mit venöser Färbung der Schleimhäute und starker Pulsfrequenz.
Die Entleerung der Exoremento richtet sich nach der Quantität des aufgenommenen Futters. Oft besteht aber ein diffuser Mastdarm-Katarrh, wobei spärliche Kothbällo mit reichlicher Abscheidung von Schleim ab­gesetzt werden. — Diarrhoische Entleerung dor Fäcalstoffe ist ein Sym­ptom der Complicationen oder Nachkrankbeiten.
Verlauf uml Ausgang. In einem concrcten Krankheitsfälle unterliegen fast niemals alle Organe, welche eine generelle Empfänglichkeit für die Affection besitzen, der Etablirung von blutigen Herden. Schon hier­durch ergeben sich manche Differenzen im Krankheitsverlaufe. Aber auch dem Grade nach gestaltet sich der Morbus maculosns sehr un­gleich. — Bei der Druse und anderen katarrhalischen Zuständen im Respirationstractus bedeckt sich zuweilen die Nasenschleimhaut in den unteren Abschnitten mit zahlreichen Petecbien, die sich nach wenigen Tagen von selbst wieder zurückbilden. Diese Affection, die oft so un­erheblich ist, dass sie kaum einer Constatirung werth erscheint, muss als ein minimaler Grad der Blutflockenkrankbeit angesehen werden. Woher es kommt, dass in derartigen Fällen nur eine sehr geringe Quan­tität des Virus, welches der Pathogenese zu Grunde liegt, entsteht, ist durch thatsächliche Feststellungen bisher nicht aufgeklärt worden. — Es giebt ferner Krankheitsfälle, bei welchen die Blutflecke in der Haut und in der Nase nur eine geringe Zahl und einen massigen Umfang er­reichen, .so dass nach 3 — 5 Tagen schon die Rückbildung derselben be­ginnt und die Patienten verhältnissmässig leicht über die Gefahren der Krankheit hinweg geholfen werden können.
Nur in einzelnen Fällen entsteht im Beginn eine schwere Erkran­kung der Magen-Darmschleimbaut, welche sich durch heftige Kolik, schnellen Verfall der Kräfte, starke Pulsfrequenz, hohe Fiobertemperatur, Beschleunigung der Respiration, venöse Färbung der Schleimhäute und allgemeinen Sehweissausbruch kennzeichnet und am 2.—8. Krankheitstage zum Tode führt. Gewöhnlich bilden sich die Petecbien zuerst in der Nasenschleimhaut, zuweilen gleichzeitig in der Conjunctiva und im Maul. Dann folgt am 2.-4. Krankheitstage die Etablirung der Blutflecke in der Haut. Oft treten aber die Schwellungen in der Haut und in der Subcutis, namentlich an den Hinterschenkeln zuerst hervor, worauf sich einen oder
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einige Tage später die Fetechienbildung in der Nase bemerklich macht. In der Ilachenschleimhaut entstehen blutige und entzündliche Herde seiton schon am 2., meist erst am 4.—8. Tage und zuweilen noch später. — Die Erkrankung der Haut erhält sich oft mehrere Tage hindurch in massigem Grade und Umfange, bevor die Herdbildung in den inneren Organen erfolgt. Sie beginnt oft an den Gliodmassen mit der Etablirung diffuser Schwellungen oder mit multipler Bildung von ßlutbeulen. Solche Patienten bekunden 2 — 3 Tage hindurch neben den nicht besonders charakteristischen flachen Schwellungszuständen der Haut massiges Fieber, leichte Pulsfrequenz;, Appetitmangel, verzögerte Defäcation und trockenes Maul. Demnächst zeigen sich Petechien an anderen Regionen der Haut und in der Nase. — Häufig entstehen aber zuerst die Blutflecke in der Haut des Kopfes, seltener vor der Brust, auf den Rippen oder am Halse.
Wenn die inneren Organe nicht erkranken oder nur unerheblich von der Etablirung blutiger Herde betroffen werden, so dauert die Bildung frischer Geschwülste in der Haut gewöhnlich 9—12 Tage, so dass nach dieser Zeit ein günstiger Ablauf der Krankheit in Aussicht genommen werden kann.
Ungünstig gestaltet sich der Verlauf in der Regel, wenn sich eine starke Schwellung der Haut an beiden Seiten des Kopfes ausbildet und die Nasenhöhlen durch die hämorrhagisohe Schwellung der Schleimhaut so erheblich verengert werden, dass die Respiration nur mühsam er­zwungen werden kann. Erhebliehe Gefahren bringt auch die Schwellung der Rachenschleimhaut mit sich, selbst weftn dieselbe frühzeitig genug erkannt und zwcckraässig behandelt wird. — Tödtlich enden in der Regel die Krankheitsfälle mit anhaltender Tendenz zur Bildung von blutigen Herden in der Muskulatur oder in der Darmschleimhaut, wobei sich der Verlauf oft auf 2—3 Wochen ausdehnt.
Nach dem Charakter der Vorkrankheiten (acuter Rotz, Druse, A bs­cesse in den Lungen und anderen Organen, eiterig-jauchige Entzündungs-zustände in der Haut etc.) können mancherlei Modificationen im Verlaufe des Morbus maculosus vorkommen. Wenn die bezeichneten Vorkrank­heiten schon mit einer erheblichen Störung der Gesundheit verbunden oder an sich unheilbar sind (Rotz, Lungenabscesse etc.), so gestaltet sich der Verlauf stets ungünstig und zuweilen sehr stürmisch, so dass die Pferde unter den schwersten Zufällen innerhalb weniger Tage zu Grunde gehen. Bei dem Bestehen primärer Abscesse in den inneren Organen verzögert sich der Krankheitsverlauf oft auf 15 Tage und darüber. Dabei markirt sich die nachtheilige Rückwirkung der localcn
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Blutfle.ckenkrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 423
Herde auf das Gosammtbefindon der Patienten an einzelnen Tagen stärker, als an anderen.
Zur unmittelbaren Genesung gelangt die Blutfleckenkrankheit nur dann, wenn sieh die Herde auf die Nase und die äussere Haut be­schränken und wenn die Bildung derselben blos 3—5 Tage dauert. In solchen Fällen, die aber nicht häufig beobachtet werden, vollzieht sich die Rückbildung mitunter ohne therapeutisches Zuthun.
Direct tödtlich wird die Krankheit zuweilen durch Verblutung. Namentlich führen grössere Herde in den Lungen, in der Milz und den Nierenkapseln leicht zur Berstung des betreffenden Organs und zu tödt-lichem Blutverlust. Bei diesem Ausgange finden sich neben den anderen Erscheinungen: Erblassung der Schleimhäute, frequenter, harter und schliesslich fadenförmiger Puls, später Unvermögen zu stehen und soweit die blutigen Herde der Lungen in die Bronchien sich ergiessen, die Sym­ptome einer schweren Lungenblutung. — Wenn sich der Krankheits­verlauf auf 14 Tage und darüber verzögert, so macht sich auch ein erheblicher Blutverlust in dem Symptoraenbilde betnerklich, obschon der letale Ausgang der gedachten Fälle in anderen Coraplicationen (Ichor-rhaemie) seinen Grund findet.
Weit häufiger, als die directo Genesung und der schnelle Vor­blutungstod vorkommen, entstehen im Verlaufe des Morbus maculosus Complicationen und Folgekrankheiten, von welchen die nach­stehend benannten als die wichtigsten hervorzuheben sind.
1) Mortification der Haut an den endermatischen und hypodermatischen Herden. An den Lippen, im Gesicht und an den Gliedmassen, weniger oft an anderen Regionen veranlassen die Blutbeulen im Verlaufe von 4 — 8 Tagen sehr leicht eine Ertödtung der Haut. Kleine endermatische Herde bedingen eine Nekrose der Haut nur in den äusseren Schichten. Durch die grösseron hypodermatischen Herde ge-räth die Haut oft in eine so starke Spannung, dass die Berstung der­selben erfolgt und ulceröse Zustände in der Subcutis herbeigeführt werden. Diese Complication bekundet sich gewöhnlich dadurch, dass an den Geschwülsten (in der Region des Fesseis, an den Sprunggelenken und anderen Partien) gelbliches oder röthliches Blutserum tropfenweise die Haut durchsickert. In den nächsten Tagen entstehen Defecte in der Haut, die leicht bluten und sich erst relativ spät mit guter Granulation ausfüllen. Zuweilen stossen sich an den Gliedraassen handtellergrosse Partien der Haut ab. Die mit solchen kleineren und grösseren Substanz­verlusten verbundenen schmerzhaften Entzündungsprocesso sind nicht selten so erheblich, dass sich die Thiere nicht stehend erhalten können
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Infections- und IntoxicationskranWioiten.
und schon deshalb dem Tode verfallen. Bei relativ günstigem Verlaufe erfordert die Ausheilung der Defecte an den Gliedmassen 2—3 Monate und sehr oft bleiben unförmige Narben zurück, welche die Pferde in hohem Grade entwerthen. Starke Narbenbildung in der Köthe bedingt eine steile Stellung des Fesseis, welche spcäter zur Entwickelung der Schale Veranlassung geben kann. — Weniger gefährlich ist die Haut-nekrose an den Blutflecken des Kopfes und des Thorax.
2)nbsp; nbsp;Decubitus. Den an der Blutfleckenkrankheit leidenden Pferden wird das anhaltende Stehen beschwerlich. Nach dem Niederlegen sind sie oft nicht fähig, sich wieder zu erheben. Dann entsteht in der Haut tin den Schläfen, oder am Halse, an den Schultern, am Ellenbogen, am Brustbein, auch am äusseren Darmbeinwinkel und am Unterschenkel, besonders aber an den geschwollenen oder mit Einschnitten behandelten Hautstellen durch Aufliegen (Druck) eine Gewebszerstörung, welche zu eiterig-jauchigen Herden in der Subcutis und in der Muskulatur der Nachbarschaft Veranlassung geben kann. Bei solchen Patienten ist der Tod gewöhnlich unabwendbar. Starker Kräfteverfall, hohe Pulsfrequenz und Verkleinerung der suboutanen Schwellungen in Folge der Ichorrhämie. — Selbst in den geringeren Graden erfordern die durch Aufliegen ent­standenen Brandherde der Haut eine energische Behandlung mit Des-infectionsmitteln, wenn dem tödtlichen Ausgange vorgebeugt werden soll.
3)nbsp; nbsp;Brandige Zerstörungen in der Schleimhaut der Nase und des Rachens. Im Verlaufe des acuten Rotz (S. 165) oder der Druse (S. 370) führt die als Complication sich entwickelnde Blutflecken­krankheit mitunter zum Bersten der Schleimhaut in der Nase oder im Rachen und zu gangränösen Zerstörungen. Aber auch bei der Entstehung der Krankheit aus anderen Ursachen kann die starke Infiltration der Schleimhaut diesen Ausgang nehmen. Die Fälle, welche in den Hand­büchern der speciellen Veterinär-Pathologie unter dem Namen der „Kopf-rosequot; oder „Kopfkrankheitquot; des Pferdes berücksichtigt sind, beziehen sich zum grössten Theil auf den hier gedachten Verlauf der Blutflecken-krankhoit. Brandige Zerstörungen in der Nasen- und Rachenschleimhaut sind anzunehmen, wenn der Kopf umfangreich geschwollen ist, das Athmen unter schniebenden Nasalgeräuschen erfolgt, dunkles Blut aus der Nase abfliesst, schweres Fieber mit erheblicher Pulsfrequenz besteht und ein übler Geruch mit der Exspirationsluft verbreitet wird. Die ge­dachten Krankheitsfälle enden stets und schon nach wenigen Tagen tödt-lich. Zuweilen entsteht vor dem Tode noch eine jauchige Broncho-Pneumonie.
4)nbsp; Schwere Pharyngitis und Laryngitis. Die mit der Ent-
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Blutflockenkranltheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 425
stehung blutiger Herde in der Raohenschleirahaut eingeleitete Phlegmono ist eine häufige und wichtige Complication des Morbns maculosus. Das significanto Merkmal derselben liegt in der dyspnoischen, mit lautem Kehlkopfsgeräusch erfolgenden Respiration. Daneben bestehen: Schluck­beschwerde, Abfluss von Speichel aus dem Maul und die allgemeinen Symptome der Krankheit. — In den höheren Graden kann der Tod durch Erstickung herbeigeführt werden, wenn nicht die Trachcotomic zeitig genug vorgenommen war. Andererseits verursacht der phlogmonöse Zustand eine Lähmung der sensiblen Nerven des Kehlkopfes, welche sehr leicht zur Ausbildung einer consecutiven brandigen Pneumonic Veranlassung giebt, weil die Patienten von dem Eindringen flüssiger Substanzen in den Kehlkopf keine Empfindung erhalten. Die leichteren Grade der submueösen Infiltration der Pharynx- und Larynxschloimhaut bilden sich bei rechtzeitiger Ausführung der Tracheotoraie wieder zurück, so dass die betreffenden Pferde vollständig genesen.
5)nbsp; nbsp;Eibrinöse Pneumonie. Aehnlich wie sich an die Etablirung der subeutanen Herde eine Phlegmone der Nachbarschaft anschliosst, kommt zuweilen mit der Etablirung der Blutgeschwülste in den Lungen eine entzündliche Infiltration des interlobulären Gewebes und des respi-ratorischen Parenchyms mit Füllung der Alveolen zur Ausbildung. Bei entsprechendem Umfange der Hepatisation giebt sich der Zustand durch das Resultat der Auscultation und Percussion zu erkennen. Die übrigen Symptome sind wenig bezeichnend. Werden beide Lungen afficirt, so
erschwert sich der Krankheitsverlauf erheblich und die betreffenden Pferdenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^
gehen in der Regel unter dem Einflüsse der diffusen Lungeninfiltration
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zu Grunde. Eine monolaterale Pneumonie der gedachten Art stört da­gegen bei massigem Umfange den Verlauf der Blutfleckenkrankheit nicht in hohem Grade.
6)nbsp; nbsp; Fremdkörper- oder Schluckpneumonie. Die häufigste Bedingung des tödtlichen Verlaufs der Krankheit. Durch die nasale oder laryngealo Dyspnoe wird eine forcirte Inspiration nothwendig, womit reizende Stoffe in die Bronchien und bis in die Lungen gelangen Starke Schwellungen der Haut am Kopfe beschränken das Kaugeschäft, während das Hungergefühl fortbesteht. Die Patienten behalten dann die halb-gekauton Bissen und den Speichel längere Zeit in den oberen Abschnitten der Maulhöhle. Daselbst unterliegen die Substanzen der Zersetzung. Die flüssigen Stoffe gelangen in die Rachenhöhle und zum Theil durch Aspiration in die Lungen. Gleich häufig ist die als Complication des Morbus maculosus eintretende Dysphagie die Ursache, dass Puttcrpartikel oder Speichel und Getränk in die Bronchien gelangen. Ills wurde oben
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426nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhelten.
schon erwähnt, dass die Lähmung der sensiblen Nerven des Larynx den Eintritt deletärer Stoffe in die unteren Respirationswege erleichtert. — Schwere fieberhafte Blutdyskrasie mit hoher Pulsfrequenz und Inappetenz, venöse oder gelbliche Färbung der Schleimhäute, diarrhoische Entleerung übelriechender, durch blutige Beimischungen dunkel gefärbter Darraexcre-mente, Albuminurie und starker Kräfteverfall bezeichnen die mit der gangrä­nösen Broncho-Pneuraonio entstehende ieborrhäraische (sephthämischo) In­toxication, die stets tödtlich wird. Zuweilen sind durch die locale Unter­suchung bronchiale und tracheale Ilasseigeräusche und soweit die jauchige Pneumonic sich auf die Pleura fortsetzt, Schmerzerapfindungen in der Brust­wand und Athembescbwerden nachzuweisen. — Im Verlaufe der ichor-rhämischen Intoxication, welche die gangränöse Pneumonie herbeiführt, ver­mindert sich zuweilen die Gesammtmenge des Blutes im Körper erheblich. Hierdurch wird die schnelle Resorption des in den subeutanen Geschwülsten befindlichen blutigen und gallertartig-flüssigen Inhalts bedingt. Schon seit langer Zeit ist nach den Angaben von Percivall, Hering und Roll bekannt, dass, wenn die Schwellungen der Haut beim Morbus maculosus innerhalb eines Tages verschwinden, der Exitus letalis bevorsteht.
7) Schwere Magen-Darmentzündung. Eine Folge der Bildung grösserer blutiger Herde am Pylorus und im Duodenum, seltener im Dick­darm. Die Herde führen zur Berstung der Schleimhaut, zuweilen zur Nokrose und selbst zur förmlichen Perforation der Darmwand. Auch die multiple Bildung grösserer runder hämorrhagischer Herde im Dünndarm verknüpft sich mit Nekrose der Schleimbaut und diffuser Enteritis. — Die Symptome einer heftigen Kolik deuten auf die in Rede stehende Complicalion, die stets in 1—2 Tagen den Tod des Patienten herbeiführt.
Pathologische Anatomie. Nach der umfassenden Erörterung der Pathogoneso und des Kranhheitsverlaufs will ich auf die Sectionsbefunde bei den am Morbus macu­losus eingegangenen Pferden nur mit einem kurzen Rosurad zurückkommen. Es be­darf kaum noch der Bemerkung, dass bei der Mannigfaltigkeit der Vorkrankheiten und bei der grosson Zahl dor Organo, welche der Etablirung blutiger Herde und phlegmonöser Schwellungen zugänglich sind, die Sectionscrgebnisso sehr verschieden sein können. Zu den anatomischen Befunden der Vorkrankheiten gehören: Malloose Zerfallsherde in den Respirationsorgauon; Drnsenkatarrhe und Absccsse im Velum und in der Kachenschleimhaut; rotropharyngealo Absoesso; abgekapselte troncho-pnoutnonisohe und metastatisohe Kiter- und Jauohohorde in den Lungen; Absccsse in der Milz (bei einem Pferde — Preuss. Mittheil., 1855., S. 72 — hatte der Milzabscoss ZU einem lislulösen Geschwür In der linken Unlerrippengegend geführt); eiterige Herde In der Niernnkapsel und In den Nieron; metastatische Eiterherde in der Skelet-imisliulatur; eiterig-jauchige Herdo in der Subcutis und in den Gelenken.
In der Regel erfolgt der Tod unter den Zufällen der SulTocation. Dann ergiebt die Section neben den sonstigen Veränderungen auch die gewöhnlichen Wirkungen
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Blutfleckenkrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 427
dieser Todosart (kleine Blutflecke in den serösen Häuten, in den Lungen, der Rachen-schleirahaut, der Magen-Darmschloimhaut und am Endocardium; Füllung dor Herz­ventrikel mit dunklem Blut, Ausdehnung dos rochton Herzventrikeis, Transsudation kleiner Quantitäten von blutigem Serum in die serösen Säcke, Lungenödem).
Als anatomische Befunde, welche dom Morbus maculosus selbst angehören, sind zunächst hervorzuheben: Die ondermatischen und subcutanen hämorrhagischon In-farcto, sowie die sulzig-serösen Inliltralo der (Jnterhaut. Auch an den Fascien und Sohnonscheidon finden sich oft kleine und grössere blutige Iterdo. Dazu kommen bei längerer Dauer der Krankheit die nokrotisohen und ulceröson Zustünde der Flaut an. den blutigen Horden, sowie die durch docubitale Gangrän verursachten Zerstörungen der Haut und der Subcutis. — Die Schleimhaut beider Nasenhöhlen ist zuweilen in ihrer ganzen Ausdehnung blutig infiltrirt. Oft sind aber einzelne kleine odor grössere Partion von dor hämorrhagischon Infiltration nicht betroffen. Die Blutungen haben die Form der Peteohien oder grösserorFlächon mit unregelmässigonConloui'on (Platten, Suffusionon). Zuweilen enthält die Schleimhaut an den Muscheln kleine odor grössere Continuitätstrennungen. In den Nebenhöhlen der Nase finden sich nur selten Blut­flecke. — Die Rachenschleimhaut ist venös goröthot oder cyanotisch, oft mit grösseren blutigen Herden durchsetzt. Neben dem Kohldeckel gewöhnlich phlogmonöso Schwel­lungen. Die Schleimhaut der Oiesskannonknorpel und der Morgagui'schen Taschen durch seröses Infiltrat geschwollen. Wenn im Verlaufe der Krankheit eine multiple jauchige Pneumonie mit Abfluss der Krankheitsproducte durch den Kespirationslraclus entstanden war, so finden sich oft fläohenförmige Mortificationon der Schleimhaut im Larynx und Pharynx. — Die Lungen können blutige Herde in sehr verschiedener Zahl und Grosso enthalten. Daneben kommen die Folgen der Lnngenblutung (Aspiration von Blut in die Lobuli), sowie die Veränderungen vor, welche die fibrlnöse Hepati-sation oder die multiple eiterig-jauchige Lungenentzündung kennzeichnen. Nur in seltenen Fällen ergiosst sich Blut aus den grossen Horden der Lungen in einen Brust­fellsack. — Am Herzen bestehen zuweilen grössere blutige Herde. War die Krank­heit mit septischer oder ichorrhöser Blutvergiftung complicirt, so finden sich im Herzfleisoh zuweilen embolische Infarcte von Hühnerei- bis Gänsoeigrösse. In ein­zelnen Fällen kommen hierbei auch ulceröse Procosso am Endocardium zur Ent­stehung. — Die Bauchhöhle enthält bei der im Ganzen nur seltenen Verblutung aus einer Milzgeschwulst oder aus blutigen Herden im Poritononm oder in der Nieren­kapsel 15—25 Liter dunkles, flüssiges Blut. Blutige Herde können in fast allen Organen der Bauchhöhle und in den Nieren vorkonunon. Die Milz ist zuweilen normal, oft aber mit blutigen Infarcten durchsetzt und in einzelnen Fällen durch eine starke Infiltration von erheblich grössorom Umfange. Die Horde derDannschleimliaut machen sich durch ihre bläuliche Färbung schon von aussen am peritonealen üeberzuge kennt­lich. Das Blut in den Herdon ist flüssig. Kleine Defecte der Darmschleimhaut zeigen zuwoilon Granulationsbildung, selbst vollständige Vorheilung. An den grösseren Herden findet sich oft ein Zerfall der Schleimhaut. Die runden Herde des Dünndarms haben in Folge der entzündlichen Infiltration eine gelbliche oder golbröthlicheFärbung und eine derbe Beschaffenheit. Oft ist die Darmschleimhaut in grosser Ausdehnung durch Imbibition mit Blutserum gelblich gefärbt. In anderen Fällen findet sich in einzelnen Abschnitten dos Darmtractus flüssiges Blut, sowie eine starke entzündliche Schwellung und dunkle Röthnng der Schleimhaut. — Dio Leber wird, abgesehen von der Wirkung, welche die ichorrhöse Blutdyskrasie auf das Parenchym derselben herbei­führen kann, nur selten von der Blutflockonkrankhoit afficirt. Die Skoletmuskulatur
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(lienden-Darmbeinimiskeln, Beckon- und Sohonkelmuskeln, Bauch- und Brustmuskeln) enthält in der Regel kleine oder grössere, meist länglich geformte, schwarzrothe, unrogelmässig contourirte und von der Nachbarschaft scharf abgegrenzte Horde von trockener Beschalfenheit. Das Muskellloisch selbst ist getrübt und an einzelnen Partien von lehmgelber Färbung. — Die Cadaver der gestorbenen Pferde begünstigen in hohem Grade den Zerfall der Organe durch posttnortale Fäulniss.
Diagnose. Das Stadium initiale kann sich auf mehrere Tage aus­dehnen. In dieser Zeit ist die Erkennung der Krankheit zuweilen schwierig. Verdächtige Symptome sind: Mangelhafter Nährzustand, all­gemeine Körperseh wache in Folge fieberhafter Krankheiten, diffuse Schwel­lungen an den Gliedmassen oder am Bauche, leichte Steigerung der Bluttemperatur und geringe Neigung zur Futteraufnahme. Sind die wesentlichsten Symptome der Krankheit in der Haut und in den Kopf­schleimhäuten vollständig ausgebildet, so ist die Diagnose leicht. Zu­weilen wird die punktförmige Röthung, welche bei schweren fieberhaften Krankheiten durch Blutstauung in der Nasenschleimhaut entsteht, irrthüm-lich für die beginnende Petechienbildung gehalten (vergl. S. 22). Mit den subeutanen Blutflecken haben Quetschungen, Stauungsödeme, phlegmonöse Processe (Einschuss an den Hinterschenkeln) und abscedirende Entzündungen eine gewisse Aehnlichkeit. Gegen­über diesen diagnostischen Erwägungen ist das Auftreten von Petechien in den Kopfschleimhäuten von entscheidender Bedeutung. Auch die an den folgenden Tagen stattfindende Entstehung neuer Herde in der Haut sichert die Diagnose der Blutfleckenkrankheit. Am meisten kann im Stadium initiale die Unterscheidung der Blutflecke in der Haut von der Eruption der Urticaria die Sachverständigen in Verlegenheit bringen. So leicht die Diagnose beider Krankheiten sich oft gestaltet, wenn die Symptome vollständig hervortreten, so schwierig kann dieselbe sein, wenn im Verlaufe fieberhafter Katarrhe nur einige Nesselbeulen von relativ grossem Umfange in der Haut sich zeigen. Dass die Nesselbeulen in der Haut liegen und die Horde des Morbus maculosus zum Theil in der Unterhaut, kann den zweifelhaften Befund der ersten Untersuchung noch nicht aufklären. Denn auch die ersten Blutflecke beim Morbus macu­losus haben zuweilen eine endermatische Lage und eine scharfe Ab­grenzung, wie die Nesselbeulen. Nach Verlauf von 1—2 Tagen orgeben sich aber stets ausreichende Merkmale für die Unterscheidung. Zu be­achten ist auch, dass, wenn die Blutfleckenkrankheit zur Genesung führt, mitunter in der Convalescenz eine Eruption der Urticaria erfolgt, die mehrere Tage anhalten kann.
Der latente Rotz veranlasst zuweilen innerhalb eines Tages die
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Blutfleckenkrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;429
diffuse Schwellung der Subcutis an den Schenkeln oder am Rumpfe. Derartige Krankheitsfälle sind auch von Fieber begleitet und deshalb bei der ersten Untersuchung nicht immer von der in der Entwickelung begriffenen ßlutfleckenkrankboit mit Sicherheit zu unterscheiden. Treten Petechien in der Nasenschleimhaut auf, so ist die Diagnose leicht. Sonst bleibt nur übrig, den Krankheitsverlauf einen oder zwei Tage zu beob­achten. Zu berücksichtigen ist dabei, dass sich der Rotz zuweilen mit der Blutfleckenkrankheit complicirt.
Krankheitsfälle, welche im Initialstadium sicli mit einer schweren Gastro-Enteritis verknüpfen und deshalb von den Symptomen einer heftigen Kolik begleitet werden, haben Aehnlichkeit mit den Erscheinungen des Milzbrandes. Unter den Symptomen fehlt aber die blutige Infil­tration der Subcutis in der Ohrdrüsen- und Kehlkopfregion, welche beim originären Milzbrand in der Regel vorkommt. In zweifelhaften Fällen entscheidet die Section durch den Befund der blutigen Herde beim Morbus maculosus und die mikroskopische Untersuchung des Blutes oder die Impfung von Kaninchen oder Schafen mit dem Blute (vergl. S. 199).
Von wissenschaftlichem Interesse ist endlich noch die Unterscheidung des Morbus maculosus von der Haemophilie. Allerdings kann eine Verwechselung beider Krankheiten nur dann vorkommen, wenn die Blut­fleckenkrankheit am 2. oder 3. Krankheitstage durch Verblutung tödtlich endet. Einen massgobenden Anhalt für die Feststellung des Morbus maculosus liefert nur der Befund multipler Blutgeschwülste.
Prognose. In der pathogenetischen Erläuterung habe ich dar-gethan: 1. dass die Beschaffenheit der protopathischen Eiter- und Jaucheherde sehr oft der Ermittelung nicht zugänglich ist; und 2. dass der Morbus maculosus keinen typischen Verlauf hat. Hieraus recht­fertigt sich die Forderung, jeden Krankheitsfall mit einer gewissen Reserve zu beurtheilen. Im Allgemeinen ist die Prognose des Morbus maculosus ungünstig. Nach der Erfahrung vorlaufen etwa 60 Procent der Krank­heitsfälle letal. Bei umsichtiger und sachgemässer Behandlung sind zwar manche Patienten zu retten. Aber niemals kann von der Cur ein sicherer Erfolg von vornherein in Aussicht gestellt werden. Einen hohen Grad der Lebensgefahr hat die Krankheit, wenn eine starke und umfang­reiche Schwellung der Haut am Kopfe oder in der Nase besteht. Ferner enden die von Koliksymptomen begleiteten Fälle sehr ot't tödtlich. Ebenso ist bei den Pferden, welche sich nicht aufrecht erhalten können, der tödtliche Ausgang unabwendbar. Ungünstig ist auch eine Pulsfrequenz von mehr als 80 in der Minute. — Die Gefahren, welche die Com-plicationen mit sich bringen, habe ich S. 423—426 bereits angedeutet.
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Tödtlich verläuft die häufig und oft ohne augenfällige Kennzeichen sich ent­wickelnde jauchige Broncho-Pneumonie. Auch die anhaltende Aeusserung von Schmerzempfindungen in der Muskulatur (Lenden- und ßeckcnmuskeln) kann als Zeichen eines lebensgefährlichen Charakters der Krankheit gelten. Am meisten ist von der Behandlung ein günstiger Erfolg zu hoffen, wenn die Bildung der Blutflecke sich vorzugsweise auf die Haut und Unterhaut beschränkt, weil diese Organe den therapeutischen Ein­griffen direct zugänglich sind. Einigermassen gesichert ist die Genesung der Pferde aber erst, wenn seit dem offenkundigen Auftreten der Blut­flecke 10—12 Tage vergangen sind und die Neigung zur Futteraufnahme sich in massigem Grade erhält.
Therapie. Heilmittel, mit welchen nach Constatirung der Krankheit die weitere Ausbildung frischer Blutflecke inhibirt werden könnte, giebt es nach der gegenwärtigen Erfahrung nicht. Wenigstens lassen sich gegen die Wirksamkeit derselben manche Einwände erheben. Den meisten Nutzen schien in den zahlreichen, von mir behandelten Fällen Acidum hydrochloricum zu haben, von welchem jedem Eimer voll Trinkwasser 20,0—30,0 Gramm zur Solbstaufnahmo zugesetzt werden. Auch Acidum sulfuricum, welches schon Werlhof gegen die analoge Krankheit des Menschen empfohlen hat, kann in gleicher Weise angewandt werden. Manche Pferde haben aber einen Widerwillen gegen angesäuertes Wasser. Bei denselben ist die Lösung mittels eines Irrigators lang­sam in die oberen Partien der Maulhöhle zu bringen. — Leicht aus­führbar — und in den Fällen, in welchen protopathische Katarrhe im ßespirationstractus nachweislich oder muthmasslich bestehen, auch vortheilhaft — sind Inhalationen von Carboldämpfen, wozu eine 3,0 bis 5,Oproc. Lösung von Acid. carb. pur. mittels eines Sprayapparates zer­stäubt wird. Die Oarbolinhalation ist täglich 2—3 Mal zu wiederholen. — Nicht zvveckmässig fand ich Dunstbäder von Terpentinöl in Wasser. Auch Acidum tannicum (5,0—10,0 pro die in Trinkwasser), Plumbum aceticum, Perruin sesquichloratum, B'errum sulfuricum und andere ad-stringirende Präparate hatten in allen von mir behandelten Fällen keinen Nutzen. — Acidum arsenicosum 1,0 pro die in Mehltrank habe ich öfter, aber stets erfolglos versucht. — In 15 Fällen benutzte ich Extr. Seealis cornuti (subeutan 1,0 in Aq. und Glyccr.). Ich habe nicht erkennen können, dass der Krankheitsverlauf durch diese Medication günstig beeinflusst worden sei.
Hieraus ergiebt sich, dass nach der Indicatio raorbi nur die allge­meine Behandlung mit Mineralsäuren und mit Carbolsäure berechtigt er-
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scheint, obwohl auch über den Nutzen dieser Mittel die Erfahrung noch nicht endgültig entschieden hat.
Nach der Indicatio symptomatica kann den Patienten manche Hülfe gebracht werden. Beim Auftreten von Koliksymptomen, welche auf das Bestehen blutiger Herde und Congostimistände in der Darmwand sohliessen lassen, fand ich subcutane Injoctionen von Physostigm. sulf. (0,8—1,25 in Aq.) sehr nützlich. Der Erfolg erklärt sich dadurch, dass das Physo-stigmin eine Contraction mit Anämie des Darms herbeiführt. — Auch Infusionen von Mohlwasser in den Mastdarm sind gegen die Kolikzufällc vortheilhaft. — Der Athembeschwerde, welche durch starke hämor-rhagische Schwellungen der Nasenschleimhaut oder durch blutige und entzündliche Infiltration der Pharynx- und Larynxschleimhaut entsteht, ist nur mit der Tracheotomie zu begegnen. Es empfiehlt sich, diese Operation frühzeitig vorzunehmen. Denn es giebt kein anderes Mittel, um der Erstickung oder der Complication des betreffenden Krankheitsfalles mit der Schluckpneuraonie zuvorzukommen. Der Tracheotubus ist zweimal täglich zu reinigen. Nach 5 —10 Tagen ist derselbe in der Regel schon überflüssig geworden. Die Operationswunde wird mit Burow'scher Lösung (Plumb, acet. 2,0 und Alum. 1,0 in Aq. 50) vorsichtig behandelt. Mit Hecht hat Roll die Tracheotomie als ein oft erfolgreiches Heilmittel empfohlen. Die von anderen Seiten geäusserte Meinung, dass die Ope­rationswunde zur Gangränescenz neige, fand ich nicht bestätigt. Wenn aber das Pferd bereits an ichorrhämischem Fieber leidet, so entsteht in der Wunde gewöhnlich eine gangränöse Phlcgraone. Allein solche Pferde sind überhaupt nicht heilbar und mit der Tracheotomie kann deshalb bei denselben nur dem Erstickungstode vorgebeugt werden.
Sowohl die endermatischen und subeutanen Blutbeulcn, wie die ent­zündlichen Schwellungen der Unterbaut verlangen eine energische Be­handlung mit solchen Mitteln, welche die Haut verdichten und wider­standsfähiger machen, aber keine Entzündung in derselben erregen. Hierzu eignen sich: Plumb, acet. in Wasser (5:100); Aqua Plumbi Goulardi; Alum. crud. in Wasser (5—8:100) oder Plumb, acet. 2, Alum. 1 und Aqua com. 30 — 50; Acet. crud.. Spirit, und Aqua com. zu gleichen Theilen; Spirit, camph.; Acid. sulf. in Wasser (1:25—30). Zweckmässig, aber etwas umständlich in der Zubereitung sind ferner Decocte von bitteren und adstringirenden pflanzlichen Arzneistoffen (Cort. Quercus; Cort. Hippocast.; Gort. Salicis). Weniger sind die oft em­pfohlenen Chlorpräparate (Mischungen von Calcaria chlorata mit Wasser oder Chlorwasser) anzurathen. Auch Aqua carbolisata, die zu Injoc­tionen in die subeutanen Blutgeschwülste und zu Waschungen vor
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Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
15 Jahren in Aufnahme kam, fand ioh weniger geeignet, als die Lö­sungen der essigsauren Metallsalze.
Umfangreiche Blutgeschwülste, die eine starke Spannung der Haut erzeugen, müssen zeitig durch lange Einschnitte gespalten werden. Die mehrfach gegen die Scarification der Geschwülste gemachten Einwen­dungen sind nicht begründet. Ich habe oft constatirt, dass wenn an einer passenden Stelle der Geschwulst ein langer Schnitt durch die Haut und ünterhaut gelegt wurde, die sonst unabwendbare Haut-nekrose nicht eintrat oder doch keinen erheblichen Grad erreichte. — Es ist aber thunliohst die Spaltung nicht unmittelbar oder am ersten Tage nach der Entstehung der Blutgeschwülste vorzunehmen, weil dann die Blutung aus der Schnittwunde leicht erheblich wird. Er­scheint die Spaltung in derartigen Fällen geboten, so ist zur Blutstillung ein Flachstampon in die Schnittwunde zu logen und mit einigen Heft­fäden zu befestigen. Derselbe wird am folgenden Tage wieder entfernt. An den Gliedmassen ist die innere oder äussere Seite für die Application der Einschnitte zu wählen. Scarificationen an der ßeugefläche der Gelenke sind thunliohst zu vermeiden, weil sonst leicht lästige Wunden entstehen. — Nach der Spaltung verkleinern sich die Geschwülste durch den Ab-fluss von Blut und Serum in der Regel so weit, dass die Spannung der Haut aufhört. Die Schwellung an den Lippen und an den Nasenein­gängen resp. am falschen Nasenloch, durch welche oft ausschliesslich die Dyspnoe unterhalten wird, vermindert sich nach der Spaltung zu­weilen innerhalb eines Tages so weit, dass die Athmung wieder ohne Beschwerden erfolgt. — Auch nach der Spaltung ist eine energische Behandlung der Geschwülste uncrlässlich. Ich verwende hierzu mit Vor­liebe die mohrbezeichnete ßurow'sche Lösung von Plumb, acet. und Alum, in Wasser. Wirksam erweist sich ein Zusatz von Camphor zu dieser Mischung, namentlich wenn bereits eine Nekrose in der Haut und ünterhaut eingetreten ist.
Für die Behandlung der decubitalen Gangrän sind die vorbenannten Arzneipräparate ebenfalls indicirt. Mit grossem Vortheil lässt sich an manchen Partien der Haut Plumbum tannicura pultiforme 3 bis 4 Mal täglich auftragen. Der allgemeinen Anwendung desselben steht indess der relativ hohe Preis entgegen.
In vielen Fällen bringt die anhaltende Berieselung der defecten Partien in der Haut und Unterhaut mit warmem Wasser oder mit Aqua carbolisata mehr Erfolg, als alle anderen zulässigen Medi­camente.
Die Destructionen, welche durch die Blutllecke in der Haut, nament-
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Blutflockenkraiüheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;433
lieh an den Gliedmassen entstehen, sind in gleicher Weise desinficirend zu behandeln. Bei üppiger Granulation ist durch die Application von austrocknenden (Tinct. Aloes, Tinet. Myrrhae) oder ätzenden Mitteln (Acidum sulfoearbolicum, Acid, nitricum fumans) die Vernarbung mög­lichst zu beschleunigen.
Die diätetische Behandlung orfordert eine grosso, massig temperirto und gut ventilirte Räumlichkeit, in welcher die Patienten frei umher­gehen können. So lange Futter aufgenommen wird, ist eine kräftige Ernährung angezeigt. In jedem Falle muss den Pferden das (mit einem Zusatz von Salzsäure oder Schwefelsäure präparirtc) Getränk in Zwischen­zeiten von '/„—1 Stunde zur beliebigen Aufnahme gereicht werden. — Bei starker und schmerzhafter Schwellung dos Kopfes, welche das Kauen behindert und selbst unmöglich macht, empfiehlt sich die vollständige Entziehung des Rauffutters, um zu verhüten, dass die halbzerkauten Bissen hinter den Backzähnen oder unter dem Velum liegen bleiben. Dagegen kann den Patienten von Zeit zu Zeit reiner Hafer vorgestreut werden. Im üebrigen erheischen starke Schwellungen am Kopfe täglich 4 — 5 Mal wiederholte Irrigationen der Maulhöhle mit Wasser oder mit einer Lösung von Salzsäure oder mit Oarbolwasser. — Wenn sich am 5.^—10. oder 12. Krankhoitstage eine wesentliche Erleichterung in den Symptomen kenntlich macht, so lässt sich die Genesung zuweilen da­durch beschleunigen, dass die Patienten täglich 2 — 3 Mal während '/a Stunde im Freien umhergeführt werden.
Besondere Desinfectionsmassregeln, die Roll für erforderlich hält, sind bei der Blutfleckenkrankheit zu entbehren. Die Reinigung der Standorte, welche den kranken Pferden zum Aufenthalt gedient haben, gebietet sich aus allgemeinen hygienischen Gründen als selbstverständlich.
Casuistik der Blutfleckenkrankheit.
Des beschränkten Raumes wegen kann ich nur einige Krankheitsgeschichten hier mittheilen. Von den Fällen, welche mit Genesung endeten, will ich ganz ab­sehen , weil der Krankhoitsverlauf bei diesem Ausgange leicht zu verstehen ist. Da­gegen dürften die nachstehend beschriebenen Krankheitsgeschichten in ätiologischer Hinsicht und zur Illustration des dilTerenton Verlaufes der Blutfleckenkrankheit ein allgemeines Interesse beanspruchen können.
1) Protopathische retropharyngoale Abscesso. Schwere Erkrankung
mit verzögertem Verlaufe und ichorrhämischer Gesammtaffection.
Tödtlicher Ausgang.
Ein Ifandelspferd (Wallach, 5 Jahr alt, 164 Otm. gross) wurde am 9. Seploinber 1884 in die Klinik gestellt, weil es seit einigen Tagen sich krank gezeigt halte. Es
Diccke rhoff, Spec. Futhologic u. Thorapio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 28
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
war gut genährt, bekundete aber eine krankhafte Benommenheit des Bewusstseins. Appetit gering. Darmexcremente weich. R. 12. P. 48. T. 39,9. Herzstoss fühlbar, Lungen vollständig wegsam. Die Nasenschleimhaut an beiden Seiten mit zahlreichen Petechion besetzt und blutig geschwollen. Auch die Coryunctiva beider Augen trägt mehrere erbsen- bis bohnengrosse blutige Herde. Der rechte Hinterfuss ist massig stark und ödematös geschwollen. Die Schwellung erstreckt sich vom Metatarsus bis zum Kniegelenk, wo sie mit einem scharfen Absatz endet. Sie umfasst den Unter­schenkel vollkommen und ist am stärksten in der Sprunggelenkbeuge. Schmerz-ompfindung beim Druck auf die Geschwulst gering.
Ord.: Freie Bewegung im Laufstall und stündliche Waschungen mit einer Lösung von Plumb, acetic, und Aluin. in Wasser, welcher Kampfer im Verhältniss von 5 : 1000 zugesetzt wird.
Sept. 10. H. 14. P. 50. T. 39,6. Auch am linken Hinterfuss und an beiden Vorderfüsson vom Carpus bis zum Buggelenk sind blutige Herde mit Schwellung in der Suboutis entstanden. — Innerlich Acid, hydrochloric. 30,0 im Trinkwasser und Fortsetzung der Waschungen an den geschwollenen Gliedmassen.
Sept. 11. 11. 15. P. 58. T. 39,8.
Sept. 12. R. 15. P. 60. T. 39,6. Frische Schwellungen im unteren Dritttheil dos Kopfes, besonders an der Nase, an den Lippen und im Kehlgange. Blutige De­jection aus der Nase mit Antrocknung von röthlichen Krusten an den Nasenrändern. In- und exspiratorisches Schnieben. — Einschnitte in die Geschwülste an der Nase und an den Lippen. Die Schnittwunde ergiebt, dass die Infiltration der Subcutis theils eine blutige, theils eine gelbsulzige Beschaffenheit hat. Die Therapie wird fortgesetzt.
Sept. 13. R. 16. P. 62. T. 38,7. Allgemeinbefinden etwas besser, die Schwel­lungen haben sich ein wonig verringert. In der Gegend des Sohaufelknorpels besteht aber eine frische faustgrosse Geschwulst in der Haut und Unterhaut. Im Laufe des Tages breitet sich dieselbe nach hinten bis zum Schlauche aus. Behandlung nicht geändert.
Sept. 14. R. 16. P. 58. T. 39,3. Futteraufnahme gering, Trinkwasser wird dagegen verzehrt. Die Schwellung unter der Brust wird gespalten. Aus der Schnitt­wunde entleert sich Blut und Blutserum.
Sept. 15. R. 15. P. 67. T. 38,9.
Sept. 16. R. 15. P. 70. T. 38,5. Die Schwellung unter der Brust hat sich nach vorn zwischen die Vorderfüsse und nach hinten bis zum Schlauche und zu den #9632; Kniefalton ausgedehnt. In der Behandlung wird nichts geändert.
Sept. 17. R. 18. P. 62. T. 38,5. Die Schwellung unter der Brust und am Bauche hat noch zugenommen und die Haut fühlt sich an einzelnen Stellen fest, bretthart an. Harnausscheidung beschwerlich, tropfenweise. Respiration schniebend. An der linken Seite zäher grauweissor Nasenausfluss. Petechienbildung zu beiden Seiten dor Zunge. Die Schwellung unter dem Bauche wird mit einem langen Ein­schnitt behandelt. Im Uebrigen Fortsetzung der Waschungen wie früher.
Sept. 18. K. 20. P. 60. T. 39,5. Gesammtstörung schwerer. Respiration dyspnoisch mit lauten Kehlkopfsgeräuschen. Die Zunge ist im unteren Dritttheil brett­hart geschwollen. Aus dem Maule entleert sich zähe, schmutzige, weissgelbe Flüssig­keit. Futter wird nicht aufgenommen und Getränk kann das Pferd nur in geringer Quantität verschlucken. — Tracheotomie, worauf Erleichterung der Respiration eintritt.
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Ifi
Sept. 19. R. 10. P. 64. T. 38,8. Im Ucbrigen dasselbe Befinden, wie am Tage vorher.
Sept. 20. R. 10. P. 64. T. 39,1. Sichtbarer Kräftoverfall. Zu beiden Seiten der Luftröhre hat sich eine starke Anschwellung der Subeutis entwickelt. Die Schwellung unter der Brust und am Bauch ist erheblich geringer. Aus beiden Nasen­löchern entleert sich eine zähe, eiterige, stinkende Materie. Sohluckbeschwerde, so dass das Getränk zum grossen Theil aus der Nase wieder abfliesst.
Sept. 21. R. 12. P, 68. T. 39,3. Zunahme des Kriifteverfalls. Die Augen sind in die Höhlen zurückgezogen. Das Pferd erwehrt sich der Fliegen auf der Haut nicht mehr.
Sept. 22. R. 10. P. 68. Die Temperatur kann, weil der After geölfnet ist, nicht mehr festgestellt werden. Aus dem After entleert sich neben stinkenden Excre-menten eine zähe schleimige Materie.
Sept. 23.—30. Unter Zunahme des Kräftevorfalls und Steigerung der Puls­frequenz bis auf 84 erhält sich das Pferd bis zum 30. September. Während dieser Zeit war die Zahl der Athomzüge nicht abnorm, aber die Futteraufnahmo nicht zu ermöglichen. Am 30. September früh erfolgte der Tod.
Section 3 Stunden später im pathologischen Institut (Lüpke). — Aussei- den Befunden in der Haut und Untorhaut, welche den beschriebenen Veränderungen ent­sprechen, ergab die Section entzündliche Schwellung der Magen- und Dünndarm-Schleimhaut, welche an manchen Stellen fleckig geröthot war. Der Dickdarm enthält in der Submucosa an mehreren Stellen eine diffuse blutige Infiltration. Milz und Leber nicht wesentlich verändert. Rechte Lunge derb, abnorm roth und im vorderen Abschnitt mit zahlreichen kleinen und grössoren schwarzrothen Herden besetzt. Horz-flelsch brüchig, grauroth, auf dem Durchschnitt trocken. Die Kohlkopfschleimhaut geschwollen, stark geröthet und an der rechten Gie.sskannon-Kehldeckolfalte blauroth. An der inneren Seite beider Giosskannonknorpol je ein bohnengrossor Schleimhaut-defect mit etwas geschwollenen dunkelrothen Rändern und unebenem Grunde. Die Schleimhaut des Pharynx goschwollen und geröthet. Am Eingänge in den Schlund und am Isthmus faucium finden sich bohnengrosse Defocte. Die rotropharyn-gealen Lymphdrüsen der rechten Seite sind stark geschwollen. Am unteren Ende derselben eine wallnussgrosse Höhlung mit glatten Wänden und m*it gelblich schmutzigem, übelriechendem Inhalte. Die Drüsenljippchen selbst sind mit einer gleichen Masse infiltrirt und von grauschwarzer Färbung. Nasenschleimhaut thoils entzündlich geröthet und andererseits in grosser Ausdehnung durch blutige Infiltration blauroth gefärbt.
2) Eiterig-jauchiger Lungenabscoss mit chronischer Pleuritis (wahr­scheinlich in Folge der Brustsouche) als Vorkrankheit. Schwere Herz-affection. Blutige Herde in den Nieren und diffuse paronchymatösc Nephritis. Multiple Entstehung blutiger Herde und s-chmerzhafte Entzündung in den Skolotmuskeln, besonders in den Lenden-Darm-beinmuskeln und in den Kruppenmuskeln. Tod durch Horzparalyso.
Am 24. März 1878 wurde ein edles englisches Halbblutpferd (Rappwallach, Wagenschlag, 172 Ctm. hoch) in die Klinik gebracht, mit dem Vorbericht, dass das­selbe seit 14 Tagen sich krank gezeigt und deshalb in thierärztlichor Behandlung befunden habe. Nährzustand gut. R. 12. Ausathmungsluft von fadem Geruch. Bei
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leichter Bewegung im Laulslallo stieg die Respirationsfrequenz auf 22. Die Per­cussion und Auscultation ergaben nichts Abnormes. Puls ungleich, 70 — 80 Mal in der Minute. Auf 10 gleiclnnässigo und rhythmische folgen 5—6 kleine und schnellere Pulse. Herzstoss undeutlich fühlbar. Dor erste Horzton unklar, mit einem schwirren­den Nachgcräusch. Der diastolische Ton deutlich. Bei der Bewegung hült das Pferd den Körper wegen schmerzhafter Empfmdungon in der Lenden- und Beckenmuskulatur steif und die Schweifrübe hoch gehoben und etwas zur Seite gerichtet. Darmexcre-mento nicht wesentlich verändert, Harn blutig und unter starken Schmerzempfln-dungon entleert. Vor der Brust, am Schlauche, sowie an der Innenfläche der Hinter­schenkel linden sich hühnerei- bis faustgrosse theils derbe, theils ödematöse Schwel­lungen der Haut.
März 25. R. 18. P. 60—80. T. 39,2. Kopfschleimhäute in leichtem Grade venös geröthot. Puls klein, Arterie weich. Wird das Pferd zur Ortsbewegung im Slalle veranlasst, so steigt die Pulszahl nach wenigen Schritten auf 90 und darüber. Peristaltik rege. Excremento von saurer Reaction. Harn wird nicht entleert. Voll­ständige Inappetonz. Aussei' der diätetischen Pflege wird eine Behandlung nicht eingeleitet.
März 26. R. 20. T. 38,9. P. 58, arhythmisch und inäqual. Auch heute wird nach der Bewegung des Pferdes im Stalle eine Steigerung der Pulszahl auf 80 fest­gestellt. Zwischen beiden Vorderschenkeln, sowie an der Innenfläche der Hinter­schenkel und am Schlauche haben die Schwellungen an Dicke zugenommen. Harn wird nicht entleert, Das Pferd legt sich nicht nieder und bekundet beim Stehen durch Steifhaltung des Körpers schmerzhafte Empfindungen in der Muskulatur.
März 27. Das Pferd hat sich niedergelegt und muss 'zum Aufstehen unterstützt worden. Sichtbare Schleimhäute icterisoh. Herzschlag unregelmässig. R. 12. P. 70. T. 38,8. Schwellung der Gliedmassen stärker. Dnrmexcremento und Urin werden nicht entleert. Bewegung etwas freier. Bei der Untersuchung des Mastdarms drängt das Pferd sehr stark unter bedeutenden schmerzhaften Empfindungen. Die Harnblase wird leer gefunden.
März 28. Anhaltendes Liegen. Aufstehen nur mit sachgemässer Hilfe zu er­möglichen, leterische Färbung der Schleimhäute. R. 18. P. 80—90. T. 39,1. In der Nasensohleimhaut kleine und grösscro Petechien. Blutig-seröse Dejection aus der Käse. Die ganze innere Fläche der Hinterschenkel ist diffus'geschwollen und beim Druck schmerzhaft. Das Pferd entleert Harn von schwach brauner Färbung und saurer Reaction; derselbe enthält Eiweiss, Epithelien, FibrincylInder und kleine stark liohtbrechende Körperchen (Mikrokokken).. Vollständige Inappetenz, Darment-leerung gering!
März 29. Petecliienbildung in der Nase stärker, Nasondeject hellgelb, mit Blut untermischt. Conjunctiva hämorrhagisoh infiltrirt und stark geschwollen. Blutige Tropfen entleeren sich aus den Augen. Schwellung der Haut und Subcutis am Kopfe, besonders an den Kaumuskeln der linken Seite und im Kehlgang. R. 16, in leichtem Grade schniebend. T. 39,6. P. 90—96 arhythmisch und inäqual. Während des Tages wird 4 Mal und jedes Mal 1 xl.l—2 Liter Harn entleert. Derselbe reagirt sauer und enthält viel Eiweiss.
März 30. Starke Schwellung der Nase, der Lippen, des Kehlganges und des Gesichtstheils am Kopfe. Reichlicher Ausfluss von zäher gelber Flüssigkeit aus beiden NasenölTnungen. R. 16, mit nasaler Dyspnoe. Auscultation und Percussion
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der Lungen ergeben nichts Abnormes. T. 39,3. P. 106. Harn von hellbrauner Farbe, eiweissfrei.
März 31. R. 14—16. P. 100. T. 38,9.
April 1. Das Befinden des Patienten verschlechtert sich mehr und mehr, die Kräfte verfallen, das Pferd ist unfähig zu stehen und geht am Abend unter den Er­scheinungen der Erstickung zu Grunde.
Section im pathologischen Institut. Die Subcutis in grosser Ausdolumng am Bauch, an den Gliedmassen, an der Brust und am Kopf ödematös infillrirt und stellenweise blutig roth, stellenweise gelb sulzig. Skeletmuskulatur graurolh, trübe und trocken. Am stärksten verändert sind die Rumpfmuskeln und die Muskeln in den oberen Partien der beiden Hintergliedmassen. Viele Muskeln enthalten dunkelroth gefärbte und unrogelmässig gestaltete Herde, welche sich zum Theil etwas über die Nachbarschaft erheben. Dünn- und Dickdarm zusammengezogen. Aussorlich treten blaurothe Flecke an dem peritonealen Ueberzuge knotig hervor. Die grössere Zahl dieser Flecke befindet sioli im Dickdarm. Der Leerdarm enthält eine gelb gefärbte Flüssigkeit. An den Flocken, die äusserlich blau erscheinen, liegen in der Submucosa hämorrhagische Herde. Das Oöcum und Colon enthalten dünnbreiige FäcalstolTe. Die Schleimhaut ist etwas ge­schwollen und graugrün gefärbt, sie enthält mehrere graugelb gefärbte thalergrosse Flecke, an welchen die Submucosa hämorrhagisch infiltrirt ist. Die Schleimhaut im Pylorus und im Zwölfiingordarm ist entzündlich goröthet, in Falten gelegt und mit Blutflecken besetzt. Hintor dem Pylorus ist eine markstückgrosse Partie der Sclileim-haut ulcerirt, Ränder uneben, Grund mit leichter Granulation bedeckt. An der vor­deren Krümmung des Zwölffingerdarms findet sich eine handlange Stolle hämorrha­gisch infiltrirt. Der Labdrüsentheil des Magens ist entzündlich geschwollen. Milz-parenchym leicht vergrössert. An den Nieren sind die Kapseln leicht abzu­ziehen. Das Gewebe ist fast breiig und gelblichroth gefärbt. Starke Trübung auf dem Durchschnitt an der Mark- und Rindensubstanz. In der Harnblase befinden sich 500 Com. massig trüben, flockigen, röthlich gefärbtennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ||
Harns. Leber vergrössert, fettig infiltrirt. Im Gekröse finden sich einzelne hämorrha­gische Herde. Beide Pleurasäcke enthalten 6 Liter braunrothe trübe Flüssigkeit, in welcher gallertig geronnenes Fibrin suspendirt ist. Zu beiden Seiton ist die Pleura in der vorderen und unteren Partie mit fibrinösom Exsudat bedeckt. Die linke Lunge ist im unteren Abschnitt mit dem Mediasti­num fest verwachsen. Auf dem Durchschnitt finden sich viele Höhlen mit glatten Wänden. Dieselben commun iciren mit einander. Die Wandungen bestehen aus einer schiefrig gefärbten fibrösen Masse. Die Höhlen enthalten jauchigen Eiter und nekrotischc Gewebsstücke. Ein übler Geruch ist an dem Inhalt nicht zu bemerken. Einzelne Höh­len communiciren mit den Bronchien. In den letzteren befindet sich eine grünlich gefärbte, jauchige Flüssigkeit. Die Schleimhäute des Kehlkopfes und des Schlundkopfes sind entzündlich geschwollen. Der Herzbeutel enthält eine geringe Menge röthlicher Flüssigkeit. Herzfloisch lehmfarbon, trocken. Das Endocardium trägt zahlreiche blutige Horde, namentlich im linken Ventrikel, an don Papular-muskeln. Die Schleimhaut beider Nasenhöhlen ist durch Petechien und grössere blutige Unterlaufungon stark geschwollen.
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Infections- und Intoxlcationskrankheiten.
3) Absoessbildung in dor Suboutis an dor Schulter als protopathisoho Affection. Schwere Erkrankung. Complication mit ichorrhösor Bron-cho-Pnoumonie. Starke Dysphagie in Folge ichorrhöser Entzündung der Brustsohild- und Brustzungonb einmuskoln. Tod durch Er­schöpfung.
Ein neunjähriger Wallach (Wagenpferd) wurde am 31. October 1884 dor Klinik mit dem Vorbericht zugeführt, class derselbe seit 8 Tagen niedergefallen und seit dieser 'Zeit mit einer Anschwellung an der linken Schulter behaftet sei. Störungen in dem Gesammtbofinden machten sich nicht bemerkbar. P. 40. R. 11. T. 38,1. An der linken Schultor, in der Mitte des vorderen Grätenmuskels liegt eine handtellorgrosse Entzündungsgeschwulst, an welcher Fluctua­tion oonstatirt werden kann. Nach der Spaltung der Geschwulst ent­leert sich gelber, dickflüssiger Eiter, An den Rändern des grösseren Abscossos liegen mehrere kleine Eiterhöhlen. Ordination: Waschungen mit Plumb, acet. 4,0, Alum. 1,0 und Aq. comm. 100,0, 5 Mal täglich; demnächst Bepinselang der Granulation mit Tinct. Aloes.
In den nächsten Tagen änderte sich das Befinden dos Patienten nicht und in der Wunde schien eine langsame Verhoilung zu erfolgen. — Am 5. November wurde eine diffuse ödematöse und schmerzhafte Schwellung beider Hintergliedmassen vom Fessel bis über das Sprunggelenk constatirt. Kopfschleimhäute leicht geröthet. Ap­petit gut. P. 60. H. 28, Die Bewegungen verursachten dem Pferde starke Schmerzen in den Hintergliedmassen. Am Nachmittage des 5. November findet sich eine Zu­nahme der Schwellung, welche bis zum Kniegelenk reicht. T. 38,9.
Nov. 6. R. 12. P. 43, T. 39,1. Futtoraufnahme gut. Ausser der Schwellung an den Hintergliedmassen hat sich eine diiTuso schmerzhafte Infiltration im Bereiche beider Vorarme ausgebildet. Am medialen Rande des rechten und linken Nasen­loches punktförmige bis hirsekorngrosse Petoohion. — Erst nach diesem Befunde er­schien die Diagnose des Morbus maculosus zweifellos.
Nov. 7. R. 10. P. 48. T. 38,6. Die Schwellung der Vorarme hat sich auf den unteren Theil der Brust bis über den Schaufelknorpel ausgebreitet. Massig starke blutige Schwellung der Unterlippe. Die Pctochion der Nasenschloirahaut haben sich vergrössert und vermehrt. Conjunctiva hellgelb, frei von Petechien.
Nov. 8. R. 12. P. 64. T. 39,3. Futteraufnahme normal. Am unteren Theil des Kopfes ist die Suboutis massig stark und ödematös geschwollen. Schniebondes Nasalgeräusch bei der Inspiration und in etwas geringerem Grade auch bei der Ex-spiration. Abfluss von gelblich grauer oiweissreicher Masse aus beiden Nasenlöchern. Ordination: Zu beiden Seiten der Nase ein 10 Ctm. langer Schnitt durch die Haut und die Subcutis. Durchschnoidung der Haut auf der Geschwulst am Brustbein. Zweistündlich wiederholte Waschungen mit Plumb, acet. und Alum, in Wasser.
Nov. 9. R. 12. P. 64. T. 39,3. Die Schwellungen sind etwas geringer ge­worden. Athmung nicht erschwort. Futterauf nähme massig.
Nov. 10. R, 12. P. 68. T. 39,5.
Nov. 11. R. 9. P. 68. T. 38,4. Futteraufnahme gering. Starke Schwellung des Kopfes in der unteren Hälfte. Dyspnoe mit nasalen und laryngealon Geräuschen. Schluckbcsohwordo und Entleerung von Futterpartikelchcn mit Blut und Blutserum aus der Nase. — Tracheotomie, worauf das Athmen ohne Beschwerde erfolgt.
Nov. 12. R. 12. F. laquo;0. T. 38,9. Die Anschwellung dos Kopfes hat sich
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etwas verringert, dagegen hat die Dysphagie zugenommen, so dass das zerkautenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I
Futter zum grösston Theil aus der Nase zurückfliesst.
Nov. 13. R. 11. P. 74. T. 38,8. Futteraufnahme verringert. Keine Ab­nahme der Dysphagie. Exspirationsluft übelriechend. Beim Herausnohmon dos Tra-cheotubus wirft das Pferd, wenn es hustet, Schleim und Futterpartikel aus der Tra-chealwunde nach aussen.
Nov. 14. R. 14. P. 70. T. 38,8. Sichtbarer Verfall der Kräfte. Venöse Röthung der Conjunctiva. Gesträubte Stellung des Deckhaares. Putteraufnahrae verweigert.
Nov. 15. R. 20. P. 80. T. 38,9. Das Pferd hat sich niedergelegt und ist unvermögend zum Aufstehen. Athmen röchelnd. Der Tod erfolgt 4 Stunden später unter den Zufällen der Suffocation.
Section am 16. Nov. im pathologischen Institut (Läpke). — Aus dem Be­funde hebe ich Folgendes hervor: Das Cadaver zeigt Todtenstarre. Jauchigor Aus-fluss aus der Nase von stinkendem Geruch. Diffuse Schwellung der Subcutis am Gesichtstheile des Kopfes, an beiden Seiten des Halses, unter der Brust, dem Bauch und am Schlauch, sowie an allen 4 Gliedmassen. An den geschwollonon Körper-theilen ist die Unterhaut mit gelber trüber Flüssigkeit infiltrirt. Ausserdem finden sich, theils vereinzelt, theils gruppenförmig angeordnet, zahlreiche Blutungon. Die Subcutis am Kopf zeigt stellenweise Gangränescenz. Die Magenschleimhaut ist mit glasigem, trübem Schleim bedeckt. Leber und Milz ohne wesentliche Veränderungen. Beide Nieren etwas vergrössert. Sowohl in der Bauchhöhle wie in den Pleurasäcken und im Herzbeutel keine Flüssigkeit. Das Blut im Herzen und in den grosson Ge-fässen ist dunkelroth und von schmieriger Consistenz. In der linken Herzkammernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; gt;
bestehen unter dem Endocard, besonders an den Papillarmuskeln, zahlreiche kloine und grössere blutige Herde. Die Lungen enthalten im vorderen Thoile viel oxtrava-sirte Luft in den Interstitien und unter der Pleura. Rechte Lunge blutreich (Hypo­stase). An der Pleura pulmonalis viele kleine blutige Herde. Der zungen form ige Lappen und ein grosser Theil am unteren Rande der rechten Lungenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;..
sind verdichtet und auf dem Durchschnitt finden sich in grosser Zahl broncho-pneumonische Jaucheherde. Die Bronchialschloimhaut geschwollen und sehr trüb. Trachealschleimhaut, entzündlich geröthet, geschwollen und von einer eiterigen, jauchigen Materie bedeckt. Das lockere Bindegewebe um die Luft­röhre ist mit jauchiger Flüssigkeit durchtränkt. Dieselbe Zerstörung findet sich an einzelnen Stellen im Brustschildmuskol, Brustzungenbein-und Brustkinnbackenmuskel. Die Schleimhaut der Epiglottis und der Mor-gagni'schen Taschen ist mit einer schmutzigen, graurothen Masse bedeckt, leicht go­schwollen und mit unzähligen stecknadelknopf- bis erbsengrossen Petecliion besetzt. Vom vorderen Rande der Epiglottis bis zum Zungengrunde ist die Schleimhaut zer­stört. Die Ränder und der Grund dieser Partien enthalten stellenweise üppige Gra­nulationen, zwischen welchen schmutzige nekrotische Massen liegen.
4) Chronische Entzündung und Abscessbildung in der linken Niere und in der Nierenkapsel als Vorkrankheit. Langsame Entwickolung des Morbus maculosus. Schmerzhafte Affection der Lenden- und Bocken-muskeln. Tödtlicher Ausgang. Rappstute, 6 Jahre alt, grosses Wagenpferd veredelter Abkunft, wurde am 16. September 1885 in die Klinik eingeliefert. Das Pferd litt seit oiuigon Tagen an
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440nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
der Brustseuche. Specialdiagnose: Pneumonia dextra in massigem Umfange. Nach regelmiissigem und leichtem Krankheitsvorlaufe bildeten sich die wesentlichsten Sym­ptome vom 22. September an wieder zurück. Die Convaloscenz verzögerte sich indess und am 26. Sept. trat an sämmtlichen Gliedmassen eine Schwellung der Haut vom Hufe bis zu den Fusswurzeln ein. Appetit mangelhaft. Am 1. October fanden sich Petechion in beiden Nasenhöhlen. Conjunctiva stark geröthet. Die Schwellung der Gliedmassen hatte zugenommen und reichte bis über die Pusswurzoln hinauf. Ord.: Innerlich Aoid. hydroohlor. mit dem Trinkwasser. Aeusserlich Waschungen mit Plumb, acet. 2 und Alum. 1 in Aqua 50. In den folgenden Tagen änderte sich das Bild nicht erheblich. Aber am 5. October stellte sich eine relativ starke Schwellung vor und unter der Brust ein, die nach beiden Seiten bis an die Sporader und nach hinten bis in die Nabelgegond reichte. Puls frequent und klein, die sichtbaren Schleimhäute anämisch. Petechienbildung in der Nase gering, Excrementediarrhoisch. Am 7. October fand sich die Oberlippe an der linken Seite armdick geschwollen. Die Schwellung verbreitete sich bis zum folgenden Tage auf die Unterlippe und die Backe hinauf. Auch die rechte Kopl'hälfte zeigte mehrere herdweise Schwellungen der Subcutis, die beim Druck schmerzhaft waren. Die Geschwülste wurden durch Längsschnitte geöffnet und entleerten in massiger Menge flüssiges Blut. Die Subcutis erschien gelblich inflltrirt. Am 11. October fanden sich die Merkmale einer Infiltra­tion der Kehlkopfschleimhaut (dyspnoisches Athmen mit inspiratorischom Kehlkopf­geräusch) wershalb die Trachootomie vorgenommen wurde. Das Pferd starb am 13. October.
D.
R.
P.
T.
D.
R.
P.
T.
25. September
11
46
38,7
5.
October
16
78
39,5
26.
11
53
39,5
6.
13
73
39,8
27.
14
54
39,1
7.
12
84
40,3
28.
15
53
39,0
8.
12
98
39,8
29.
16
57
39,8
9.
13
91
39,5
30.
15
59
39,5
10.
14
104
40,0
1. October
14
65
39,8
11.
20
108
40,1
2- raquo;
16
67
40,1
12.
24
98
39,7
3. „
16
79
40,2
13.
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40,0
Bei der im pathologischen Institut (Lüpke) ausgeführten Section fand sich die linke Niere mit der benachbarten Partie der Bauchhaut vereinigt. Sie erschien abnorm gross und hatte beim Botasten eine fluetuirende Con-sistenz. Vom hinteren Ende der Niere erstrockt sich ein armdicker Strang nach der Gegend der Lendendrüsen und im Verlauf des Ureters bis zur Douglas'schen Falte. Dieser Strang verschmälert sich allmälig bis zur Daumenstärke. Er ist mit grauem missfarbenem Eiter, welcher viel Gewebstrümmer enthält, angefüllt. Auch das um die Nieren ge­legene en tzündlich verdickte Gewebe enthält j auohigen Eiter. In der Niere findet sich ein System von Hohlräumen, in welchen dieselbe eiterige Flüssigkeit nachgewiesen wird. Die Oberfläche der Niere ist stellen­weise perforirt. Die OelTnungen führen in die Höhlen, deren Wände glatt und weich erscheinen. In der noch restirenden Nierensubstanz sind stellenweise graue linsen-bis bolinengrosse Herde erkennbar, welche aus deslruirtem Nierengewebe bestehen.
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Blutfleckenkrankhoit.
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Das Nierenbecken ist an dem nach dem Ureter gelegenen Theile nicht verändert, während die Nierenkelche theilweise ulcerös durchbrochen sind. Die Schleimhaut des Nierenbeckens ist grau, geschwollen und trüb. An dem Ureter ist nur eine Ver­dickung und trübe Schwellung seiner Schleimhaut nachweisbar. Die Schleimhaut der Blase stark geröthet und mit blutigen Horden bedeckt. Die rechte Niere ist erheb­lich vorgrössert (componsatorischo llyporlrophie), im Uebrigen durch postmortale Fäulniss verändert. — Die Iliopsoas-Muskeln beider Seiten sehen wie gekocht aus und zeigen auf dem Einschnitt längliche, blutige (schwarzrothe), scharf umgrenzte, trockene Herde. Das im Bereich der Blutungen bofindlioho Muskelgewebe erscheint mürbe, brüchig, trüb und glanzlos. Am Herzen finden sich unter dem Endocardium des linken Ventrikels zahlreiche blutige Horde. Herzfleisch mürbe. Lungen ödematös infiltrirt. Kehlkopfschleimhaut stark geröthet und erheblich geschwollen. Augenlider geschwollen, auf den Durchschnitt ergiesst sich viel gelblioh-seröse Flüssigkeit. An der Oberlippe und nach den Backen hin umfangreiche dunkelrothe, theilwoise gelb­liche Horde. In gleicher Weise findet sich unter der Brust und unter dem 15auch eine dilTuse, blutige und golbsulzige Anschwellung der Subcutis. Im Magen und Darm­kanal wenig Futtorbrei. Die Schleimhaut mit gelblichem Secret bedeckt, etwas ge­schwollen, trüb und graugelb. Milz stark geschwollen, weich, Pulpa dunkelbraun-roth, fast flüssig, Trabokel schwer zu erkennen. Leber stark vorgrössert, rothbraun, stellenweise gelbbraun und etwas weich.
5) Schwerer Krankheitsverlauf mit Blutungen in den Darm, in die
Bauchhöhle und in die Brustfollsäcke. Complication mit Enteritis
ditfusa im Dickdarm. Unerhebliche Affection dor Rospirationsorgane.
Exitus lotalis durch Verblutung.
Caroussolbesitzer H. sandte am 6. Juli 1882 einen 10 Jahre alten braunen Wallach in die Klinik, mit der Angabe, dass derselbe seit einigen Tagen auf dem rechten Vorderfasse lahm gehe. , Das sehr kräftig genährte Pferd stand mit gesenk­tem Kopf, bewegte sich langsam und bekundete in seinem Habitus eine deutliche Ermüdung. T. 38,5. F. 50. Arterie massig voll, Horzstoss deutlich fühlbar, Herz­töne nicht verändert, Resp. 12. Schleimhäute der Augen, der Nase und des Maules anämisch, kaum röthlich nüancirt. Appetit gering; es wird etwas Grünfuttor und Heu, aber kein Hafer aufgenommen. Die Dofäcation ist schmerzhaft und erfolgt unter lautem Stöhnen. Darmexcromente in Folge von blutigen Beimischungen schwarzroth, breiförmig, stinkend. Bei der mikroskopischen Untersuchung lassen sich zahlreiche, theils intacte, theils in Zerfall begriffene rothe Blutkörperchen er­kennen. Vor der Brust rechterseits und am Brustbein entlang bis zum Sohaufel-knorpel findet sich eine starke ödematöse Anschwellung, durch welche das Pferd im Gebrauch der rechten Vordergliedmasse behindert ist. Ausserdem zeigt sich an der Fesselpartie dos linken Hinterfussos eine massig starke diffuse Schwellung, welche bis zum Sprunggelenk reicht. —#9632; Ordination: Waschungen mit Bleizucker-Alaun­lösung. Innerlich: Acid, hydrochloric.
Bis zum 8. Juli verschlimmerte sich der Zustand. 11. 12. 1'. GO. T. 38,3. Die Anämie hat einen höheren Grad erlangt. Die ödematöse Schwellung erstreckt sich von der Brust bis zum Schlauch. Appetit sehr gering. Fäces breiartig, schwarz­roth; Reaction durchweg alkalisch.
Am 9. Juli. R. 12. P, 64, gleichmässig, deutlich fühlbar, weich. T. 38,7. Die sichtbaren Schleimhäute ganz weiss gefärbt. Die übrigen Erscheinungen sind
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
gleich geblieben. Harn alkalisch, geringe Mengen von Eiweiss und relativ viel Chlor­verbindungen. Spec. Gew. 1037. — Die am 6. Juli eingeleitete Therapie wird fort­gesetzt.
Am 10. Juli R. 12, P. 40, klein, Arterie stärker zusammengezogen; Herzstoss deutlich fühlbar; Herztöne nicht verändert. T. 39,1. Futteraufnahme versagt. Starke Ermüdung und Auflegen des Kopfes auf die Krippe. Lautes Stöhnen bei der Kothentleerung. — Dem Pferde wurde eine Probe Blut aus der linken Jugularvene entnommen. Das Blut gerinnt in 8 Minuten. Die rothen Blutkörperchen senken sich zu einer relativ dünnen schwarzrothen Schicht zu Boden. Das Plasma trübe, schei­det keinen festen Kuchen aus, bernsteingelb gefärbt, von der Consistenz einer dünnen Gallerte. Anormale Bestandtheile waren durch die mikroskopische Untersuchung des Blutes nicht zu finden (diese Eigenschaften wurden mit Vergleichung des Verhaltens einer von einem gesunden Pferde genommenen Blutprobe festgestellt). Harn von saurer Reaction. Spec. Gew. 1031. Am Nachmittag dos 10. Juli R. 16, P. 88, T. 39,4. Abends um 9 Uhr erfolgte der Tod.
Autopsie. Bei der im pathologischen Institut der Thierarzneischule durch Herrn Booth er ausgeführten Section fanden sich alle Schleimhäute blass und ohne irgend welche Injectionsröthe. Die Skoletmuskulatur zeigt eine starke Todtenstarre. Am Thorax rechterseits und an den unteren Partien des Halses in der Subcutis sulzige und stellenweise hämorrhagisohe Schwellung. Das Oedem amBauche wird durch Infiltration derSubcutis mit gelblicher, stellenweise röthlicher Flüssigkeit bedingt. Ausserdem finden sich blutige Infiltrationen der Subcutis am Sprunggelenk, in der Knie­region des linken Vorderschenkels und in der Fesselpartie des rechten Vorderschenkels. Im freien Raum der Bauchhöhle 6 Liter einer blu­tigen, trüben Flüssigkeit. Peritoneum blass, glänzend und mit vereinzelten, erbsengrossen, blutigen Herden besetzt. Netz und Gekröse sehr fettreich, leicht in-filtrirt und an einigen Stollen mit braunrothen Herden besetzt. Der Inhalt des Dünn­darms schmutzig-gelb gefärbt und dickflüssig. Dünndarmschleimhaut blass, grau-gelb, leicht geschwollen und getrübt. Die Peyer'schen Haufen treten sehr stark hervor, ihre Follikel sind hirsekorngross und grau gefärbt. Blinddarm und Grimm­darm massig gefüllt mit zum Theil dickbreiigon, zum Theil dünnflüssigen und dunkel­grauen Massen. Dickdarmschleimhaut glasig geschwollen, blassgrau gefärbt und trübe. Submucosa mit einer schwach getrübten, gelben Flüssigkeit infiltrirt. Im Mastdarm finden sich schwarzbraun ge­färbte, mit Blutgerinnsoln bedeck teKoth masse n. Schleimhaut nament­lich in den hinteren Abschnitten stark geschwollen, braunroth gefärbt. — Gekrösdriisen etwas vergrössert, saftig, auf dem Durchschnitt grauroth. Milz nicht wesentlich verändert. Fettkapsel der Nieren mit braunrother Flüssigkeit infil­trirt. Die Nieren erscheinen auf der Schnittfläche getrübt, sonst nicht verändert. — Im Magen ist die Schleimhaut der Portio pylorica grauweiss, etwas geschwollen und getrübt. Leber auf dem Durchschnitt trübe, theils blassgelb, theils braun gefärbt. Lobervenon und Pfortaderäste wenig gefüllt mit dünnflüssigem, hellrothem Blute. Harn­blase nicht besonders verändert. In den Pleurasäoken 3 Liter dünnflüssigen, hollrothen Inhalts. Pleura nicht verändert, nur an einzelnen Stellen punktförmige Ekchymosen. Lungen an verschiedenen Stellen mit erbsen- bis wallnusgrossen blutigen Herden besetzt, sonst gesund. Aus den Bronchien quillt eine braunrothe, klare Flüssig­keit. Herzbeutel leer. Perioardium gesund. Herz wenig verändert, Schnittflächo
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Bluterkrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;443
grauroth und etwas trocken. Endocardium, besonders an den Papillarmuskeln des linken Ventrikels blutig unterlaufen. Schleimhaut der Luftröhre, des Larynx und Pharynx blass gefärbt und glatt. In der Nasenschleimhaut stellenweise leichte blutige Infiltrationen.
Capitel XXI. BlutM'knuiklicit. Hacmophilic.
Uctiuition. Der Begriff der Bluterkrankheit bindet sich in der Lehre von den Krankheiten desMenschen principaliter an eine durch Vererbung entstandene„häinor-rhagische Diathosequot;. Indess wird von den meisten Autoren zugestanden, dass eine Prädisposition zu Blutungen beim Menschen auch erworben sein könne. Von den Pferden ist nicht bekannt, dass eine krankhafte Anlage zu Blutungen durch hereditäre Eindiisse zu Stande kommt. Demnach besteht zwischen der Bluterkrankheit des Menschen laquo;nd der hier zu erörternden Pferdekrankheit keine vollständige Congruenz.
Die MannigfalUgkeit der Bedingungen, unter welchen krankhafte Blutungen bei Menschen und Thioren eintreten, hat seit jeher der zusammenfassenden theoretischen Betrachtung einen grossen Spielraum geboten. A.n Versuchen, die Geschichte der Blutungen ätiologisch aufzuklären, hat es nicht gefehlt, üleichwohl hat die ent­scheidende Frage nach den dilferenton ursächlichen Grundlagen derjenigen Blutungen, welche auf die „hämorrhagische Diathesequot; zurückgeführt worden, eine be­friedigende Lösung noch nicht gefunden. Die kritische Erläuterung der zur Erklä­rung der constitutionollen Blutungen geltend gemachten Ansichten fällt der allge­meinen Pathologie anhoim.
Dass das bedingende Moment der Bluterkrankheit bei Pferden in einer ange­borenen oder in einer allmälig erworbenen und Monate oder Jahre lang fortbestehenden Unvollkommcnheit der Gewebe einzelner Organe beruhe, lässt sich nicht annehmen. Die Blutungen der inneren Organe (Lungen, Leber, Nieren), welche sich nach kürzeren oder längeren Zwischenzeiten wiederholen, sind durch Localkrankheiten bedingt und können deshalb begrifflich nicht zur Bluterkrankheit gerechnet werden. Bei der letzteren genesen die Pferde, soweit s'e nicht in Folge des Blutverlustes direct zu Grunde gehen, in wenigen Wochen vollständig. Diese Thatsachen sprechen dafür, dass bei den an der Bluterkrankheit leidenden Pferden eine Alienation der Blut-Albuminate, vielleicht auch eine Störung in der Function der blutbereitenden Organe (Lymphdrüsen) besteht und dass das krankhafte Verliiiltniss des Blutes allmälig wieder ausgeglichen werden kann. Demnach lässt sich die Bluterkrankheit des Pferdes den chronischen Störungen der Ernährung (chronischen constitutionollen Krankheiten) nicht anreihen. Die Aetiologie derselben ist vielmehr in einer eigonthümlichen In­toxication des Blutes zu vermuthen. Freilich fohlt es bis jetzt noch durchaus an gesicherten Thatsachen, um die Organe bezeichnen zu können, von welchem die Blut­vergiftung eingeleitet wird. Aber es ist unverkennbar, dass die Hämorrhagien bei der Bluterkrankheit eine grosso Aehnlichkoit haben mit den Blutungen, welche bei
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444nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
der Brustseuche (vergl. S. 232) und beim Morbus maculosus (vergl. S. 423) vor­kommen. Wie in diesen Fällen aber die Vermuthung berechtigt ist, dass durch be­sondere pathogone Fermente bezw. durch die von solchen Fermenten erzeugten chemischen Substanzen eine Alienation der Blutmischung als bedingendes Moment der Blutung herbeigeführt wird, so lässt sich auch die Ansicht vertheidigen, dass bei der Bluterkrankheit ähnliche ursächliche Verhältnisse obwalten. Die Hämo-philie des Pferdes ist demnach als eine toxische Krankheit anzusehen, welche sich dadurch kennzeichnet, dass aus unerheblichen Wunden oder ohne eine orkonnbaro äussere Veranlassung in der Haut, oder in der Respi ratio nssch leim haut, in der Darmschleimhaut, im Peritoneum oder in der Pleura eine krankhafte, lebensgefährliche oder tödtliche Blutung entsteht.
Das Zustandekommen der Blutungen ist oft von einer regionären Erschlaffung der Capillargefässwandungen bezw. von einer Schwäche in den Impulsen der vaso­motorischen Nerven abhängig gedacht worden. Indess fehlt es bis Jetzt an thatsäch-lichen Feststellungen, welche die Richtigkeit dieser Ansicht darthun könnten. Für dieselbe spricht aber die beim Ableben der Pferde sehr oft stattlindende Bildung zahlreicher kleiner blutiger Herde (Ekchymosen) in den serösen Häuten und in anderen, zu den Bindesubstanzen gehörenden Geweben. Im Todesacte hört die Erregbarkeit an einzelnen nervösen Apparaten früher auf, als an anderen. Nach den Erfahrungen iibsect;r die Genesis solcher Blutungen ist zur Zeit die Frage noch offen, ob-neben der toxischen Beschaffenheit des Blutes eine Veränderung der Capillargefässwände oder eine Lähmung der vasomotorischen Nerven an den Hämorrhagien bei der Bluterkrank­heit einen ursächlichen Antheil hat.
Actiologie und Pathogenese. Die Pferde, bei welchen eine auf die Hänaophilio zu beziehendo Blutung eintritt, sind entweder von einer nachweislichen protopathischen Störung der Gesundheit nicht betroffen oder mit einem schleichenden Katarrh in der Respirationsschleimhaut, oder mit einer Dyspepsie behaftet. Auch Wunden mit mangelhafter Granulationsbildung (Castrations- und andere Operationswunden mit pro-trahirtem Verlaufe und entzündlicher Schwellung der Nachbarschaft) werden als Vorkrankheiten der Häraophilie beobachtet. Indess ist das Verhältniss, in welchem diese Vorkrankheiten zur Ausbildung der hämor-rhagischen Diathese stehen, bis jetzt nicht aufzuklären. Die äussere Veranlassung zur Herbeiführung krankhafter ßlutflüsse geben zuweilen kleine resp. unerhebliche Verletzungen der Haut. In der Literatur sind mehrere Fälle bekannt gemacht, bei welchen die Application eines Pon-tanells eine anhaltende Blutung veranlasste.
Ich behandelte im December 1866 einen neunjährigen braunen Wallach von ver­edelter Abkunft und starkem Körperbau. Das Pferd war mager und bekundete drei Wochen hindurch mangelhaften Appetit, leichte Schwellung der Gliedmassen, rauhes Deckhaar und geringe Pulsfrequenz. Die Kopfsohleimhäute waren nicht von abnormer Färbung und im Athnumgsapparat war eine Störung nicht erkennbar. Hiernach kam ich zu der Diagnose, dass das Pferd an einer chronischen Dyspepsie leide. Da die
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Bluterkrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;445
üblichen Medicamente 14 Tage hindurch erfolglos gegeben waren, so applicirte ich dem Pferde ein Haarseil vor der Brust. Aus der unteren Haarseilwunde entleerte sich zunächst einen Tag hindurch dunkles leicht flüssiges Blut in dünnem Strahl. An den folgenden Tagen lloss das Blut tropfenweise, aber ohne Unterbrechung ab. Die wiederholte Durchtränlaing des Haarseils mit Terpentinöl blieb ohne Einlluss auf die Blutung. Auch trat keine erhebliche Scliwelhing der Haarseilwunde ein. Ich legte darauf am 4. Tage neben dem Haarseil Flachstampons in die Ooffnungen und entfernte dieselben nach 20 Stunden. Die Blutung stand momentan, trat aber nach einem Tage von Neuem wieder ein. Demnächst sistirte die Blutung zuweilen 6—10 Stunden hindurch, worauf sich das Abtröpfeln wieder einfand. Die Eiterbildung kam nicht zu Stande. Bis zum 10. Tage nach der Application des Haarseils hatte das Pferd relativ viel Blut verloren; die Schleimhäute des Kopfes waren anämisch. Andere Krankheitserscheinungen machten sich nicht bemerklich. Ich entfernte nun das Haarseil, injicirte täglich dreimal eine öproc. Lösung von Tannin und tamponirte die Wunde gleich darauf mit Flachs. Nach 2 Tagen stand die Blutung vollständig und die Wunde heilte allmälig aus. Die Symptome der Indigestion und die Schwel­lung der Gliedmassen verschwanden in 4 Wochen. Das Pferd ist darauf vollständig genesen und noch mehrere Jahre zu landwirthschaftlichen Arbeiten benutzt worden. Ausser einem trägen Temperament habe ich an demselben nichts Auffälliges beobachtet.
In der Respirationsschlcimhaut, in den Lungen, in der Pleura oder im Peritoneum sind Sprengungen der Blutgofässe bei der Section der betreffenden Pferde nicht nachweisbar. Das Blut, welches sich in die eine oder andere Körperhölile ergiesst oder aus der Nase nach aussen entleert, ist venös gefärbt und dünnflüssig. Zuweilen entleert sich inner­halb eines Tages eine so grosse Quantität von Blut, dass das Pferd durch Blutverlust unmittelbar eingeht. In anderen Fällen erfolgen die Blutungen nach kürzeren oder längeren Zwischenzeiten aus Hautwunden oder aus der Nase, oder in die grossen Körperhöhlen. Ist der allraälige Blutverlust sehr bedeutend, so gehen die Thiere unter den Symptomen der Erschöpfung zu Grunde. In anderen Fällen erlangt das Körperblut bald innerhalb weniger Tage, bald erst in späterer Zeit die normale Gerinnungsfähigkeit wieder und die Hämorrhagien sistiren unter den­selben Bedingungen, welche auch bei gesunden Pferden das Aufhören kleiner traumatischer Blutungen bewirken.
Symptome und Verlauf. Blutungen aus Wunden und ulcerösen Defocten in der äusseren Haut oder aus der Nase sind leicht wahrnehmbar. Die in die Körperhöhlen stattfindenden Blutergüsse entziehen sich der directen Feststellung. Erhebliche Blutverluste bedingen eine anämische Beschaffen­heit der sichtbaren Schleimhäute und das Gefühl der Ermüdung. Fre­quenter und kleiner, in den höheren Graden der Blutung unfühlbarer Puls; pochender Herzstoss; dyspnoischos Athraen.
Bei tödtlichem Krankheitsverlaufe bestimmen sich die sonstigen
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Infections- und In.toxicationskranlcheiton.
Erscheinungen vorzugsweise nach der Zeit, welche darüber vergeht, bis eine entsprechend grosse Quantität Blut aus den Gefässen ausgetreten ist. Selbstredend können wiederhol to odor anhaltende geringe Ulutungon erst in einer späteren Zeit zum Tode führen, als übermässige (schwere) Blutverluste. In den erstgedachten Fällen worden die Patienten gegen Ende des Lebens so schwach, dass sie mehrere Stunden, selbst einen Tag und darüber flach auf der Seite liegen und nicht mehr aufstehen können. Starke Blutverluste enden schon nach wenigen Stunden tödt-lich. — Anämie der Schleimhäute; Dyspnoe; frequenter Herzschlag; unfühlbarer Arterienpuls: Verfall der Kräfte; Paoies hippoeratica; klo-nische Krämpfe in den Streckmuskeln der Gliedmassen, des Rückens und Kopfes, sowie in den Augen- und Gesichtsmuskeln; unrcgelmässigo und verlangsamte, schliesslich aussetzende Atlimung mit Verzögerung der Exspiration.
Endet die Hämophilie mit Genesung, so treten die Symptome dos schweren Blutverlustes nicht ein. Die Blutungen sistiron; etwaige Wundon in der Haut vorheilen und das Gosammtbefinden der Pferde bessert sich nach und nach, so dass in 2—3 Wochen jede Spur der Krankheit be­seitigt ist.
Diagnose. Die Frage, ob eine anhaltende oder sich mehrfach wieder­holende Blutung aus Wunden in der Haut und Unterbaut durch eine allgemeine hämorrhagische Diathose (Hämophilie) bedingt ist, oder nicht — lässt sich zuweilen bei der ersten üntersucluing des Falles nicht mit Bestimmtheit entscheiden. Dabei ist besonders zu beachten, dass durch eine eigenthümliche Wundinfection anhaltende oder nach Zwischenzeiten von einigen Tagen sich wiederholondo Blutungen aus dem Granulations­gewebe veranlasst werden können. Ich habe eine solche Wundkrankheit in mehreren Fällen bei Pferden behandelt.
Nach der mit Kluppen bewirkten Castration eines ßjnhrlgen Hengstes entstand an der rechten Seite eine beuteiförmige Ausweitung im vorderen Theil dos Scrotums mit schlaffer, dunkler, blutreicher Granulation, Am 9. Tage nach der Operation stellte sich eine erhebliche parenehymatöse Blutung aus der Castrationswundo der rechten Seite ein, welche nach der Application von Tampons aufhörte. Am 10. Tage Entfernung der Flachstampons und Waschungen der Wunde mit Aq. carbolis. Am 12. Tage wiederholte sich die Blutung; sie wurde wiederum durch Tampons und Heftung gestillt. Als am 13. Tage die Blutung wieder eintrat, legte ich das Pferd nieder, spaltete die Wunde vollständig und ätzte die Gramilationsllächc in ihrer ganzen Ausdehnung nachhaltig mit Acidum nitricum fumans. Hiernach sistirte die Blutung und die Heilung erfolgte ohne weitere Störungen.
Wenn sich parenehymatöse Blutungen trotz sachgemässcr Behand­lung aus den Hautwunden wiederholen, so ist die Hämophilie anzunehmen.
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Bluterkrankheit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 447
Spontane Blutungen der Haut (ßlutsohwitzen) au der Schulter oder am Thorax unterscheiden sich als locale Krankheitszustände von der Hämo-philie durch ihre ünerheblichkeit und durch das Fehlen allgemeiner Stö­rungen der Gesundheit. — Blutungen aus den Respirationsorganen (Nasen-und Lungenblutungen) sind der Regel nach auf locale Krankheitszustände zurückzuführen. Nur in den Fällen, in welchen sie neben spontanen Blutungen aus Hautwunden hervortreten, bilden sie einen Bestandtheil der Hämophilie. — Die in die Brusthöhle oder in die Bauchhöhle er­folgenden Blutungen, die sich überhaupt nur durch indirecte Symptome kund geben, lassen sich intra vitam nicht von dem durch Localkrank-heiten (Rupturen) innerer Organe veranlassten Blutverlust unterscheiden. Bei tödtlichem Verlaufe kann nur die Section über die Ursache des Ver­blutungstodes Auskunft geben.
Rücksichtlich der allgemeinen Krankheitserscheinungen ist für die Diagnose zu beachten, dass im Verlaufe fieberhafter Infectionskrankheiten (Scalma, Pferdestaupe) und bei gastrischen Störungen die Kopfschleim­häute nicht selten 5—10 Tage hindurch eine anämische Beschaffenheit zeigen, ohne dass eine Blutung besteht. Mit der Genesung der Pferde stellt sich die normale Färbung der Schleimhäute nach und nach wieder ein.
Leicht kann die durch Hämophilie bedingte tödtliche Blutung in die Bauchhöhle verwechselt werden mit der Verblutung, welche beim Morbus maculosus zuweilen entsteht (vergl. den S. 441 mitgotheilten Krankheitsfall).
Einen interessanten Fall von „tödtlicher hämorrhagischer Diathese bei einem Pferdequot; hat Siedamgrotzky (Drcsd. Bei-., 1878., Jahrg. 23) beschrieben. Das Pferd, Wallach, 5 Jahre alt, war vor 10 Tagen castrirt und sollte wegen Steingallen behandelt werden. Auf der linken Kaumuskolfläche fand sich eine geschwollene, exeoriirte Hautstelle. Als am folgenden Tage diese Wunde und die Castrationswunden durch Aufschlitzen der Localbehandlung zugänglich gemacht wurden, trat an beiden Stellen eine ganz erhebliche parenehymatöse Blutung ein, die erst nach 24 Stunden zum Aufhören gebracht werden konnte. F. 38, R. 10, T. 37,8deg;. Appetit gut. — Als am 4. Tage in die rechte Hodensackwunde die Hand eingeführt wurde, entstand wiederum, und zwar aus den Wandungen der Höhle eine heftige, anhaltende, paren­ehymatöse Blutung, die einen halben Tag dauerte und die allgemeinen Symptome des krankhaften Blutverlustes herbeiführte. Am niedergelegten Pferde wurden beide Stellen mit dem Glüheisen touchirt, worauf die Blutung sistirte. Am folgenden Tage blutete aber die Kopfwunde von Neuem. P. 48, R. 12, T. 38,2deg;. — Innerlich: Seeale cornutum 10,0 mit Ferrum sulf. 15,0 in Latwergenform. Aeusserlich: Acidum tanni-cum. — Das Pferd erschien blutarm. — Am 7. Tage neues Bluten aus der Kopf­wunde und blutig-schleirnige Nasendejection der linken Seite. — Vom 8.—16. Tage traten keine Blutungen ein und die mit Carbolwasser behandelten Wunden zeigten Heiltrieb. — Am 17. Tage Appetitmangel. P. 58, R. 14, T. 39,2deg;. Blutung aus der
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Infections- und Intoxlcationskrankheiten.
linken Nasenhöhle und aus dei- Kopfwunde. Gegen Abend ödematöse Schwellung der Unterbrust und Vordersohenkel. — Am 18. Tage: P. 60, R. 14, T. 39,6deg;. Die Backenwunden bluteten fort. Blutung aus beiden Nasenlöchern. In der Nasenschleim­haut kleine Petechien. Zunahme der Schwellung an der Brust und an den Vorder­schenkeln und scharf abgesetzte ödematöse Schwellung der Hinterschenkel. — Ord.: Camphor. 10,0, Ferr. sulf. 15,0 mit Rad. Torment. 100,0 in Latwergenform. — Am 19. Tage starkes Bluten aus der Nase, den Backenwunden und den Castrationswunden. Umfangreiche Schwellung der Gliedmassen. Grosse Schwäche. Inappetenz. P. 66, klein, gespannt. R. 16, T. 40,0deg;. — Innere Behandlung fortgesetzt. Aeusserlich Acid, tannic. — Am 20. Tage Fortdauer der Blutungen. Grosse Schwäche. An­haltendes Liegen. Gegen Abend erfolgte der Tod. — Section: Zahlreiche Blutaus-trelungen fast in allen Organen und im Unterhautzellgewebe. Am Blute selbst war nichts Krankhaftes nachzuweisen. Das ausgetretene Blut erschien dunkel, schwach geronnen. Zahlreiche kleinere Blutungen in der Nasen-, Maul-, Schlund- und Bron­chialschleimhaut, sowie in der Pleura. Die Bauchhöhle enthielt blutig-seröse Flüssig­keit. „Wohin das Auge blickte, überall kleine Blutungen unter dem Bauchfellüberzug der Organe, am stärksten an der hinteren Gekröswurzel.quot; Die verdickten Samen-strangenden waren mit abgestorbenen Gewebsnmssen und blutigem Eiter bedeckt.
Prognose. Die Gefahr der Verblutung gestaltet sich in den Krank­heitsfällen, welche der Hämophilie zugerechnet werden, sehr verschieden. Unabwendbar ist zuweilen der Tod bei Blutungen in die grossen Körper­höhlen. Dagegen ist mehrfach beobachtet worden, dass Blutungen aus Wunden in der Haut und Unterhaut bei geeigneter Behandlung zur Sistirung kamen und dass die Krankheitsfälle mit vollständiger Genesung endeten. Eine vorsichtige Beurtheilung ist in jedem Falle gegenüber der hämorrhagischen Diathese geboten. In der Regel vergehen 2 bis 3 Wochen, zuweilen 4 Wochen, bevor die Körperconstitution des betreffen­den Pferdes wieder als normal angesehen werden kann.
Therapie. Eine grössere Reihe von Arzneipräparaton, welche seit langer Zeit aus allgemeinen theoretischen Gründen gegen krankhafte constitutionelle Blutungen empfohlen wird, hat sich in der Praxis nicht bewährt. Von den Eisenpräparaten (Ferrura sulfuricum, Ferrum ses-quichloratum u. a.) habe ich einen erkennbaren Vortheil in keinem Falle constatiren können. Nutzlos war auch Secalo cornutum innerlich in Latwergenform und eine Lösung von Extr. Seealis corn, in Aq. und Glycer. bei subcutaiier Application. Der Anwendung des Mutterkorns liegt die Ansicht zu Grunde, dass dasselbe eine Contraction der Capillar-gefässe erzeugen und hierdurch die Hämorrhagie zur Sistirung bringen soll. Da die constitutionellen Blutungen auf einer Intoxication beruhen, so kann das Mutterkorn keine Heilung herbeiführen. — Acidum tannicum (mit dem Trinkwasser) habe ich stets vergeblich angewandt.
Mit besserem Erfolge wird Acidum hydrochloricum in grossen Dosen
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ICreuzrhehe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;449
goreicht, Jedem Eimer voll Trinkwasser sind 30,0 — 40,0 Gramm der Säure zuzusetzen. Bei protrahirtem Verlaufe empfiehlt sich auch Acidum arsenicosum (0,5—1,50 pro die) mit dorn Futter oder unter Zusatz von Kochsalz, Mehl und Wasser als Bolus.
Störungen der Vordauungsfunctionen (Appetitmangel) erfordern neben schmackhaftem und gehaltreichem Futter die Anwendung von Natrium chloratum als Lecke und die Darreichung von Alcalier. mit tonisirenden Mitteln (Natr. bicarb. 50,0, Natr. sulfur. 300,0, Cort. Quercus 75,0 in Latwergenform auf 3 Mal pro die).
Zur Verpflegung ist auf dioUnterbringung der Patienten in einer kühlen, gut ventilirten Räumlichkeit zu halten. Wenn die Gliedmassen anschwellen, so sind die Thiere zweimal täglich '/j Stunde im Freien umherzuführen.
Blutungen aus Wunden und ulcoröscn Zuständen der Haut, aus Gastrations- und anderen Wundon erfordern eine chirurgische Behandlung zum Zwecke der Blutstillung. Hierbei ist zu beachten, dass die in Frage stehenden Blutungen stets einen parenehymatösen Charakter haben. So­weit als irgend zweckmässig und thunlich ist, empfiehlt sich die Spaltung der Wunden behufs vollständiger Freilegung der blutenden Granulations­fläche. Letztere ist mit Aetzmitteln zu behandeln. Von allen gebräuch­lichen Mitteln habe ich für diesen Zweck das Acidum nitricura fumans als das wirksamste befunden. Die Säure wird mit einem Holz- oder Eisenstäbchen auf der Granulationsfläche ausgebreitet. Darauf ist das zunächst entstehende Coagulum zu entfernen und die Aetzung zu wieder­holen, bis die äusscren Schichten der Granulation durchweg eine grau-weisse Farbe annehmen. Etwaige Schwellungen der Subcutis in der Nachbarschaft der gedachten Wunden sind mit desinficirenden Mitteln (Lösung von Alumen oder Zinc, chloratum oder Plumb, acet.) zu behandeln.
Capitel XXII.
Krcnzrhehe. Lumbago gravis Eq. — Wimlrhelic. — Acute rhcii-
ntatische Kreiizlalimuiig. Paraplegia rlienmatica acuta. —
Schwarze Harnwinde.
Nicht olmo eingehende Prüfung dor in dor neueren Literatur niedergelegten Ansichten über die „acute Krouzlähmungquot; der Pferde habe ich mich dafür ent­schieden , in der Ueberschrift dieses Capitels die empirischen Krankheitsnamen boi-
Dicckerhoff, Spec. Pathologic n. Thernpio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; on
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450nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten.
zubehalten. Die Gründe, welche mich hierzu bestimmen, werden sich aus den ein­leitenden historischen Mittheilungon und aus dor Definition ergeben,
Bis zur Mitte des gegenwärtigen Jahrhunderts ist von der Majorität der thier-ärztlichen Autoren die althergebrachte Meinung berücksichtigt worden, dass die Aetiologie einer grösseren Zahl von acuten Krankheiten der Hausthiere sich einheit­lich auf unbekannte rheumatische Einflüsse begründen soll. Die in der deutschen Sprache vom Laienpublicum benutzten ätiologischen Ausdrücke: „Verfangenquot; und „Verschlagenquot; hängen bogrifTlich mit der uralten Vorstellung zusammen, dass eine unbekannte Schädlichkeit (Matories peccans) von aussen in den Körper dringe, eine Erkrankung desselben verursache und bei der Genesung wieder ausgeschieden werde. Eine praktische Gestaltung fand die traditionelle Lehre in der Zusammen­fassung der gedachten Krankheiten unter den Namen; „Verfangquot; und „Ver­schlagquot;. Die letzterwähnte Bezeichnung ist in den wissenschaftlichen Handbüchern der Voterinärpathologie bis in die neueste Zeit wiederholt worden. — Im Alterthum dachte man sich nach den herrschenden Lehrsystemen die ursächliche Schädlichkeit bald als eine flüssige Substanz (Acrimonia rbeumatica), bald als einen immateriellen oder geistigen Reiz (Aether, Ventus). Der erstgedachten Meinung entsprechen die Namen: „Rhehequot; — „Rheumaquot; #9632;—„Flussquot; — „Flüssequot;, während die andere Ansicht den altdeutschen Krankheitsnamen: „Windquot; oder „Windequot; zu Grunde liegt. Beiläufig bemerkt, führt die Erklärung des deutschon Wortes „Flussgallequot; und des gleichbedeutenden englischen Ausdrucks „Windgallquot; auf diese alten Krankheits­bezeichnungen zurück.
Die augenfälligsten Symptome der Kreuzrheho sind die Unfähigkeit der Er­hebung des Hintsrtheils und die Entleerung von dunkelgofärbtem Harn. BeideErschoi-nungen haben zu besonderen Bezeichnungen Veranlassung gegeben. In Norddeutsch­land ist die Krankheit der „rheumatischen Kreuzlähmungquot; begrifflich einver­leibt und wegen des acuten Verlaufs insbesondere als „acute rheumatische Kreuzlähmung der Pferdequot; bezeichnet worden. Dagegen knüpft sich die volks-thümliche Krankheitsbenennung in Süddoutschland, namentlich in Altbayern und Württemberg an die Wahrnehmung des dunklen Harns, welchen die kranken Pferde absatzen. Nach diesem Merkmal wird die Krankheit als „schwarze Harnwindoquot; bezeichnet. Der Ausdruck kann, wie sich aus der mitgetheilten Erklärung ergiebt, nach seinem sprachlichen Inhalte nichts Anderes bedeuten, als eine rheumatische Krankheil, bei welcher schwarzgefärbter Harn entleert wird.
Die Etymologie des Wortes „Windrhehequot;, welches zunächst bei den Land­bewohnern in der Pfalz und in den benachbarten Staaten, dann aber bei den deutschen Thicrärzten allgemein in Aufnahme kam, löst sich dahin auf, dass die beiden volks-thümlichen Krankheitsbezeichnungen zusammengefasst sind.
Von den älteren Thierärzten Norddeutschlands wurde die Krankheit zum „Ver­schlag' gerechnet und noch Dieterichs spricht in seinem Handbuch geradezu vom „Kreuzvorschlagquot; (Lumbago) der Pferde.
Wer die historische Entwickelung der Thierarzneikunde eingehender verfolgt, der kann nichts Auffälliges darin erblicken, dass die Kreuzrhehe von anderen Krank­heiten, bei welchen die Pferde sich nicht vom Boden erhoben können oder einen krankhaften Gang im Hintertheil zeigen, in der älteren Literatur nicht getrennt worden ist. Hat doch bis zur Gegenwart die vollständige Lösung der diagnostischen Schwierigkeiten noch nicht ermöglicht werden können.
Die Frage, in welcher Zeit die Windrhehe der Pferde zuerst beobachtet worden
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Kreuzrhehe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;451
ist, liisst sich aus der Literatur nicht mit Bestimmtheit beantworten. Fröhner ist der Ansicht, dass dieselbe „schon von Alters her bekannt sei und jedenfalls eine der ältesten Pfordekrankheiton darstellequot;. Das mag für einzelne Fälle zutreffen. Aber ich meine, dass die Krankheit so häufig, wie sie gegenwärtig vorkommt, erst auf­getreten sein kann, seitdem es üblich geworden ist, die Arbeitskraft der zu den schweren Itacen und Schlägen gehörigen Pferde vollsländig auszunutzen und dem-gemäss die Thiere mit proteinreicher Nahrung in grossen Quantitäten zu füttern. Denn die aus edlen Racen und Schlägen gezüchteten Pferde sind der Kreuzrhehe unstreitig weniger oft unterworfen. Andererseits fehlt bei der Ernährung der Pferde mit gehaltlosem Futter die -wesentlichste Ursache zur Ausbildung der Krankheit.
Die neuere Literatur der Kreuzrhehe ist von Bolli nger*) und F'röhner**) kritisch besprocheo worden. Indem ich auf beide Arbeiten verweise, beschränke ich mich hier darauf, die wichtigsten Episoden aus der Geschichte der Krankheit zu kennzeichnen. Nach den literarischen Studien Fröhner's enthalten die thierärzt-lichen 'Zeitschriften seit 1840 Mittheilungen über einzelne Krankheitsfälle. Mine aus­führlichere Beschreibung der Kreuzrhehe und ihrer wesentlichsten Merkmale wurde zuerst von Hof er (Wien. Vierleljahrsschr., 1852) entworfen. Von diesorZeit an haben die Thierärzte auf die Diagnose der Krankheit mehr Aufmerksamkeit verwendet. Der specielle Charakter derselben hat eine sehr verschiedene Beurthcilung gefunden, indem die Sachverständigen bald dem einen, bald dem anderen Bostandtheil eine grössere Bedeutung beilegten. Vorzugsweise wurden: 1. Die Veränderungen des Blutes; 2. die Erkrankung des Rückenmarkes; 3. die Entzündung der Nieren und 4. die Entzündung der Skeletmuskulatur als Grundlagen für die Formulirung von Ansichten berücksichtigt. Dementsprechend ist auch die Benennung der Krankheit verschieden ausgefallen. Hofer deflnirte die „schwarze Krankheitquot; oder „schwarze Harn­winde der Pferdequot; als acuten Morbus Brightii. Zu derselben Ansicht gelangten Meyer (Mag. 1866), Bruckmüller (Path. Zoot. 1869) und Pflug (Krankheiton der uropoet. Organe, 1870). Auch Hering und Spinola adoptirten dieselbe in den späteren Auflagen ihrer Handbücher. Indess bietet der Krankheitsverlauf so viele EigenthümlichkoUen, dass die Unmöglichkeit ihrer parallelen Betrachtung mit den als Morbus Brightii zusammengel'assten Nierenkranklieiten dos Menschen bald erkannt worden musste. Für die aufmerksam beobachtenden Thierärzte ergab sich, dass mehrere wesentliche Erscheinungen nur durch Vermiltelung des Blutes hervorgerufen werden können. Hieraus entsprang die Ansicht von der primären Dissolution des Blutes. Die Anomalie dos Blutes wurde als eine „typhösequot; gedacht und mit den Veränderungen des Blutes beim Milzbrand und anderen vermeintlich „typhösen Krank­heitenquot; in Parallele gestellt. Demgcmäss sollte die Kreuzrhehe als Typhus aut­zufassen und wegen der gleichzeitig gefundenen Störungen in den Functionon des Rückenmarks, der Nieren und der Lendenmuskeln als „Rückenmarkstyphusquot;, „Nierentyphusquot; und „Londentyphusquot; richtig zu bezeichnen sein. Im Ganzen sind aber diese Namen bei den praktischen Thierärzten nur deshalb in Gebrauch ge­kommen, weil es an besseren Bezeichnungen in der Kranklioitslehro fohlte und in Norddeutschland pflegten viele Praktiker denselben den süddeutschen Namen der
*) Bollinger, Uober Hämoglobinurie („schwarze Ilarnwindcquot;, „Windrehoquot;) beim Pferde. Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1877.
**) Fröhner, üeber rheumatische Hämoglobinämie (toxämische Hämoglobinurie B ollin gor's) beim Pferde. Berliner Archiv. 1884.
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452nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
schwarzen Harn winde hinzuzufügen, um über die Eigonthüralichkeit der Krankheits­fälle keinenZweifel aufkommen zu lassen. Die rhoinischenThierilrzte (vorgl.Sticker, Preuss. Mitth., 1856) verblieben bei der ompirischon Beurtheilung der Krankheit als eine „Kreuzliihmungquot;, welche aus dem Genüsse schädlioherluitterstofTe hervorgehe.
Aus der schnellen Entstehung der AlTection bildeten sich manche Thiorärzte in Norddeutschland ohne eine speciollo Prüfung der anatomischen Sachlage die Mei­nung, dass die Krankheit eine Art der Apoplexie darstelle. Daher rühren die Namen; „Rückenmarks-Apoplexiequot; und „Nervonschlagquot;, die in der Praxis zuweilen noch gewählt werden, weil sie das Laienpublicura einigermassen befriedigen.
llaubnor (Landw. Thierheilk.) führte die wesentlichsten Symptome auf eine Congestion dos Blutes nach den Nieren und dem Rückenmark zurück und benannte die Krankheit deshalb als „Nieren-Rückenmarks-CongestiQnquot;. Dagegen kam Franck (Beiträge zum Eiweiss- resp. Blutharnen der Pferde und speciell der Bright-schen Krankheit derselben. Adam's Wochenschr., 1873) zu der Ansicht, dass der Krankheit eine Spinalparalyse mit secundäror Lähmung der Nierennerven zu Grunde liege. Die Thatsache, dass die blutige Farbe des Urins nicht durch intacte rothe Blutkörperchen, sondern durch aufgelöstes und übergetretenes Hämoglobin erzeugt wird, wurde von Franck zuerst hervorgehoben. Der Nephritis legt derselbe einen desquainativen Charakter bei, weil das Epithel der Harnkanälchen in reichlicher Menge abgestossen wird.
Vogel (Kopert. 1873. S. 39) betrachtete die „schwarze llarnwindequot; als eine wirkliche Infectionskrankheit (primäre faulige Blutvergiftung). Die rothe Erweichung dos Nierenparenchyms sei nur eineTheilerschoinung der Bluterkrankung. Vollständiger ist dieser Standpunkt in einer ausführlichen Arbeit desselben Verfassers (Ibidem. 1875. S. 167) erörtert worden. „Das Primäre der llarnwinde ist nicht die Rückenmarks­paralyse, sondern die Bluterkrankung. Unzweifelhaft gelangen (bis jetzt unbekannte) septische oder sonst deletäre Stoffe in das Blut, die zunächst eine Fermentation, Schwerflüssigkeit und Eindickung des Blutes erzeugen. Eine Folge davon ist Hyper­ämie, Druck und gestörte Ernährung des Rückenmarks, vasomotorische Lähmung und Aufstauung des Blutes in den verschiedonston Organen.quot; Von der Lähmung dos Hintortheils wird angenommen, dass sie mit dem Auftreten des schwarzen Harns nicht in Verbindung stehe. Die Lähmung hat mit der Auflösung des Hämoglobins im Blutserum Nichts zu thun, was sich daraus ergebe, dass zuweilen bei den in Folge der Krankheit gelähmton Pferden keine Hämoglobinurie entstellt. Vogel zählt die Windrhehe zu den „Hämoneurosenquot; und möchte sie als „toxämische oder dyskrasische Rückenmarkslähmungquot; bezeichnen.
Neben den vorstehend angedeuteten Theorien erhielt sich gleichzeitig die ältere Vorstolluiig, dass die Krankheit sich als eine primäre Muskelaffection kennzeichne, demnach in ihrem wesentlichsten Bestandtheil auf einer rheumatischen Entzündung der Lendenmuskelii beruhe und als „rheumatischeKreuzlähmungquot; oder „acute Kreuzlähmungquot; zu bourtheilen sei (vergl. Weinmann, Adam's Wochenschrift, I860; Lechleuthner, Ibidem. 1868; Albert, Ibidem. 1877).
Eine umfassende klinische Erörterung der Erscheinungen von 3 Fällen publicirte Friedbergor (Pütz's Zoitschr., I., 1873), welcher die Krankheit mit dem her­gebrachton Namen „Windrhehequot; zu bezeichnen empfiehlt. Die Aetiologie wird auf Erkältung zurückgeführt. In Uoberoinstinitnung mit Franck wird ferner angenommen, dass das Rückenmark primär erkranke und dass die Nierenerkrankung secundär resp. vom Rückenmarksleiden abhängig sei.
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Auf Grund exacter Untersuchungon erklärtenSiedamgrotzky undHofmeister (Dresd. Der., 19. Jahrg., 1874, S. 132), dass die Auffassung der Krankheit als eine dosquamative Nephritis nicht gerechtfertigt erscheine. Wie nach Ponfiok's Ver­suchen durch Transfusion von Blut anderer Thiorgattungen eine Hämoglobinurie er­zeugt werde und wie durch Injection lackfarbenen Blutes derselben Thiergattung eine Hämoglobinurie mit paronchymatöser Nephritis herbeizuführen sei: „ebenso leicht denkbar und die Krankheit in ihrem Wesen erklärender wird die Annahme sein können, dass entweder primär oder secundär durch allgemeine Veränderungen der Muskulatur Blutveränderungen entstehen, bei denen es zur Auflösung der Blutkörperchen, zur Hämoglobinurie und nachträglich zur Nephritis kommtquot;. —Siedamgrotzky (Ibid. S. 35), welcher die Krankheit nach Haubner's Terminologie als Nieren-Riioken-markscongestion 0(Jer schwarze Harnwinde bezeichnete, schilderte zugleich die anato­mischen Veränderungen der Skeletmuskulatur von einem am 3. Krankheitstage tödt-lich abgelaufenem Falle.
Bollinger (Münch. Zeitschr., 1877) erklärte in einer sorgfältigen Arbeit für die wichtigsten Krankheitssymptome: 1. Hämoglobinurie; 2. Albumiimrie und 3. Lähmung oder lähmungsartige Zustände dos Hintertheils. — Dass der Lähmung eine Rüokenmarksaffection zu Grunde liege, sei nicht anzunehmen. Wichtiger erscheine als Ursache derselben „das hochgradige Oedem und die daraus resultirende Degene­ration der Muskaifasern im Bereich der Lendenmuskelnquot;.....„Alle Veränderungen
des Blutes, der Körpermuskulatur und der Leber deuten im Zusammenhang mit der Hämoglobinurie darauf hin, dass ein Gift oder giftähnlicher Stoff die Ursache des ganzen Processes bildet, welches in erster Linie im Blut seine verderblichen Wirkungen äussert, .ähnlich wie bei der Transfusion fremdartigen Blutes dieses nach Art eines Giftes wirkt und zur tödtlichen Hämoglobinurie und Nephritis führt.quot; Die Erkältung als Ursache der Krankheit stellt der Verfasser in Abrede. Das ursächliche Agens soll vielmehr mit der Nahrung in den Körper aufgenommen werden. Für die Krankheits­benennung proponirt Bollinger, so lange bis die ursächlichen Stoffe näher gekannt seien, den Terminus „toxämische Hämoglobinurie (Haemoglob inuria toxaemica)quot; zu verwenden, welcher dem Wesen der Krankheit am nächsten komme.
Vor Kurzem hat Bollinger (vergl. Adam's Wochenschr., 1885 , S. 439) diese Ansicht dahin modificirt, dass die Entstehung der Hämoglobinurie des Pferdes auf einer Autointoxication beruhen dürfte, wobei durch die Einwirkung des Gehens oder der Kälte ein toxisches Agens (Ferment) sich bilde, welches auf die rothen Blut­körperchen zerstörend einwirke und zu Hämoglobinurie Veranlassung gebe.
Neue Untersuchungen über die Zusammensetzung des Harns bei den an Kreuz­rhehe erkrankten Pferden stellten Siedamgrotzky und Hofmeister an (Zur Kennt-niss der Hämoglobinurie — schwarze Harnwinde — des Pferdes. Dresd. Bor., 1878, 23. Jahrg., S. 115). Beide sprechen sich übereinstimmend mit Bollinger dahin aus, dass die Erscheinungen der Krankheit durch eine Blutintoxication bedingt worden. „Es können aber nicht neue und unbekannte Stoffe sein, die plötzlich auf­treten, sondern es ist eher denkbar, dass vielleicht Produote der regressiven Meta­morphose, die sonst nur in minimalen Mengen gebildet und immerfort ausgeschieden werden, plötzlich in solcher Menge auftreten und dem Blute zuströmen, dass durch sie die Auflösung der Blutkörperchen und die übrigen bekannten Erscheinungen be­wirkt werden.quot; .... „Harnstoff und die in seiner Begleitung auftretenden Extractiv-stoffe sind demnach wahrscheinlich jenes supponirte Gift, welches die Blutveränderung bei der toxicäinischen Hämoglobinarie bildet.quot;
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454nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Bezirks-Thlerarzt Utz (Bad. Mittheil., 1871., S. 97) unterscheidet eine acute Form der Krankheit, wobei die Lähmungsorsoheiuungen von Anfang an auftreten, und eine subacute Form, bei welcher das Unvermögen zn stehen sich erst mit dem ii.—5. Krankheitstage hervorthut. In der Sitzung des Voreins badischer Thierärzte am 81. August 1878 (ibidem. 1878. S. 177) hat derselbe Verfasser in eingehendem Vortrage die Eigenthümliohkoiten der Krankheit beleuchtet. Der Erörterung folgte eine Discussion, aus welcher hier hervorzuheben ist, dass nach Utz die schwarze llarnwiiulo vor etwa 30 Jahren in Baden nie beobachtet wurde. In ätiologischer Hin­sicht wird darauf Gewicht gelegt, dass gegenwärtig mehr Pferde des schweren Arbeits­schlages gehalten werden, als früher. Utz, Schlieff und Stratthaus bemerkten, dass auch Militärpferdo von der Krankheit befallen würden. Hinsichtlich der Aetio-logio ergab die Besprechung keine Erweiterung oder Berichtigung der bisherigen Er­fahrungen. Indess constatirte Lydtin doch, dass die Beschuldigung der Weissrüben-Fütterung nicht zutreffe, weil die Krankheit in der Kegel bei Pferden beobachtet werde, die keine Rüben erhalten.
Die Ansichten Fröhner's über die Natur der Windrhehe sind in einer Ab­handlung „Ueber rheumatische Hänioglobinämie (toxämische Hämoglobinurie Bel­linger's) beim Pferde und ihr Verhältniss zur paroxysmalen Hämoglobinurie des Menschenquot; (Berl. Archiv, 1884, Bd. 10) und in dem Lehrbuch der speciellen Patho­logie und Therapie von Friedberger-Fröhner, Bd. I., 1885, auseinandergesetzt. Da bei der Windrhehe nicht selten die Hämoglobinurie fehlt, so erachtet Fröhner die durch Bollingor eingeführte Nomenclatur nicht als zweckmässig. Das Wesent­liche der Erkrankung soll darin beruhen, dass das Blut freies Hämoglobin enthält, welches aus den primär erkrankton Muskeln aufgesaugt werde. Fröhner behauptet, dass die Krankheit ohne Erkältung noch niemals beobachtet worden sei. Seine Lehre ist in folgendem Satze zusammengefasst. „Wir erblicken in der sogenannten schwarzen llarnwinde des Pferdes in der Hauptsache oino durch Erkältung hervor­gerufene Muskelentzündung der Nachhand, wobei es unter Anderem zur Auflösung des Muskelfarbstoffes (identisch mit dem Hämoglobin) und Uobergang desselben in das Blut kommt und halten daher den Ausdruck ,rheumatische Hänioglobin­ämie' als für die überwiegende Mehrzahl der Fälle am bozeichnondston.quot; Demnach wird üboroinstimmend mit einer älteren Theorie die Muskelorkrankung als die Primär-affection gedeutet. Neu 1st aber die abstracto Voraussetzung, dass der durch die parenohymatöse Erkrankung gelöste Muskelfarbstoff (Hämoglobin) in das Blut auf­genommen werde, eine llämoglobinämio bedinge und bei der Ausscheidung durch die Nieren die von Franck, Bellinger und Anderen beschriebene Verstopfung der Harn-kanälchen und eine starke Nephritis mit Retention des Harns erzeugen soll. — Gegen die Erkältungslhoorie wendet sich Bongartz in Bonn mit zutreffenden, den Er­fahrungen in der Praxis entlehnten Gründen (vorgl. Berl. Arch., 1885., S. 216).
Ilctinition. In den letzten 30 Jahren haben die Thierärzte die theoretische Deutung der Krankheit nach sehr verschiedenen Voraussetzungen versucht. Die Essentialität derselben wird gegenwärtig noch nicht einheitlich beurlheilt. Als defi­nitiv abgethan können die Vorstellungen über die „typhöse Naturquot; des Leidens, über die Primärerkrankung der Nieron und über die essentielle Affection des Rückenmarks angesehen werden. Demnach erscheinen die Namen nicht zweckmässig, welche diesen Ansichten Ausdruck gobon: Lendentyphus, Nierentyphus, typhöse Nieren­entzündung, acute Bright'sche Nierenkrankheit, acute Nioronentzün-
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dung, Nervenschlag, Rückenraarks-Apoplexie, llückenmarks-Typhus, Riickenmarks-Lahmung.
Da die wesentlichste Ursache der Krankheit bis jetzt nicht ermittelt ist, so fehlt es an einem concreten Motiv zur iitiologischon Benennung derselben. — Auch die Ver­suche zur Herstellung einer geeigneten symptomatischen Nomination sind nicht be­friedigend ausgefallen. Die wichtigsten Bestandtheile der Krankheit beruhen in der eigenthümlichen Reizung der Muskeln und in derblutigen Infiltration des Knochenmarks. Schon deshalb eignet sich dievonHaubnergewählteBezeiohnung„Nieren-Riickon-marks-Congestionquot; nicht, weil sie die Muskelaffection unberührt lässt. Ebensowenig erscheint der von Bollinger urgirte Terminus „Ilämoglobinuriequot; als speciellor Krankheitsname zweckmässig. Obwohl dieser Terminus sich auf einen sehr wesent­lichen Bestandtheil der Krankheit bezieht, so stehen seiner allgemeinen Annahme doch die Thatsachon entgegen, dass in den niederen Graden der Krankheit die Ausscheidung von Hämoglobin durch die Nieren fehlt und dass andererseits eine Hämoglobinurie auch bei anderen allgemeinen Krankheiten vorkommt. — Aehnliche Einwendungen lassen sich auch gegen den von Fröhner bevorzugten Ausdruck der „Hämoglobinämiequot; erheben. Denn das Auftreten von freiem Hilmoglobin im Blut erlangt nur dadurch eine erhebliche Bedeutung, dass dasselbe durch ein specifischos Gift gelöst wird. — Dazu kommt, dass Fröhner selbst sowohl die Ursache der Hämoglobinämie, als die primäre Organaffection in der parenchymatösen Muskel­entzündung voraussetzt. Es würde hiernach schon die Hämoglobinämie nicht der wichtigste Bestandtheil der Krankheit sein. Daher dürfte auf Grund der Theorie Fröhner's für die symptomatische Krankheitsbenennung die Aufgabe bestehen, auf die Muskelaffection Rücksicht zu nehmen, nach Massgabo des Grundsatzes: „A potiori fit denominatio.quot; Nun ist aber die ätiologische Eigenthümlichkeit der Muskelerkrankung noch nicht bekannt. Dieselbe ausschliesslioh auf Erkältung zurück­zuführen, widerspricht der Erfahrung. Doshalb lässt sich nach der Muskelaffection ein ^raquo;laquo;timmter Name zur Charakterisirung der Krankheit nicht vorschlagen.
ich lege bei der Bezeichnung der Krankheit das Hauptgewicht auf die ent­zündliche Affection der Muskeln und Knochen des Hintortheils, die zwar in sehr verschiedenen Graden bestehen kann, sich aber immer in der einen oder anderen Er­scheinungsweise hervorthut. Die Affection ist mit heftigen Schmerzen verbunden, die in der Semiologie und dem Verlaufe der Krankheit eine hervorragende Stellung einnehmen. Deshalb halte ich den älteren Namen der „Lumbagoquot; einstweilen noch für passend. Da derselbe aber in der Thierarznoikunde begrifflich nicht auf die in Rede stehende Affection beschränkt ist, so bezeichne ich die Krankheit als „Lumbago gravisquot;, um der Gefahr der Affection zugleich einen Ausdruck zu geben.
Die Kreuzrhehe oder Lumbago gravis ist demnach eine zusammen­gesetzte acute Allgemeinkrankheit des Pferdes, welche sich vorzugs­weise durch eine eigenthümliche, schwere, parenchymatöse Entzün­dung der Skeletmuskeln, sowie durch eine blutige Infiltration und schmorzhafte Reizung des Knochen marks, besonders im Femur charak-torisirt und mit Hämoglobinurie und acuter Nephritis complicirt.
Aetiologie. Die thierärztliche Praxis hat bisher nicht mit Sicherheit ergeben, dass die Kreuzrhehe oder Windrhehe ausser bei dem Pferde auch bei den anderen Hausthieren vorkommt. Vereinzelte Behauptungen in der Literatur üher das Auftreten der Krankheit bei Schafen, Hunden und
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456nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
boira Geflügel erscheinen nicht gesichert. Wahrscheinlich beruhen dieselben auf diagnostischen Irrthümern, weil die Lähmung des Hintertheils bei Thieren aus einer ganzen Reihe von differenten Ursachen entstehen kann und namentlich bei narkotischen Vergiftungen sich einstellt.
Die Disposition zur Erkrankung an der Kreuzrhehe ist nicht bei allen Pfcrderacen gleich. Schon seit 30 Jahren haben die praktischen Thierärzte betont, dass die schweren Arbeitspferde der Krankheit weit mehr unterworfen sind, als die edlen Pferde. So viel in der neuesten Zeit gegen diese Behauptung polomisirt wurde, so muss ich dieselbe doch aufrecht halten. Denn bei edlen orientalischen oder englischen Pferden habe ich die Krankheit nie beobachtet. Zu Weihnachten 1885 erkrankten in Berlin nach den 3 Festtagen, soweit ich ermitteln konnte, 15 schwere Arbeitspferde (belgischer, dänischer oder gemischter Abkunft) und 2 Halb­blutpferde. Aber mir ist nicht bekannt geworden, dass von der grosson Zahl edler englischer Pferde, die in Berlin gehalten werden, eins erkrankt ist. Nach den Berichten, welche die Inspection für das Militär-Vetorinär-wesen zusammenstellen lässt, sind in der deutschen Armee (excl. Bayern, Württemberg und Sachsen) vom 1. Januar 1879 bis zum 1. October 1885 im Ganzen nur 66 Pferde von der Krankheit ergriffen worden. — Die Berichte bayerischer Thierärzte über 63 Krankheitsfälle hat Adam (Wochenschr., 1885., S. 363) zusammengestellt. Es entfielen auf den „schweren (belgischen und pinzgauer) Arbeitsschlagquot; 20; auf die „ver­edelten Landschlägequot; 23; auf „gewöhnliche Landschlägequot; 13 und auf „edle Schlägequot; 7 Pferde. Von den letzteren fügt der Referent vorsichtig hinzu, dass sie „ohne sichere Begründungquot; als edle Pferde angenommen seien.
Nach allseitigen Erfahrungen sind das Geschlecht, die Farbe und das Alter nicht von besonderem Einfluss auf die Anlage zur Kreuzrhehe. Indess ist nicht mit Sicherheit bekannt geworden, dass die Krankheit die Pferde vor dem 3. Lebensjahr afficirt. Die Beobachtungen der bayerischen Thierärzte resumirt Adam dahin, dass Pferde nach voll­endetem Zahnwechsol bis zum 8. Jahr am häufigsten, während des Zahn­wechsels ziemlich oft, vom 9. Jahr bis ins höhere Alter verhältnissmässig selten von der Krankheit befallen werden, jedoch von 3 Jahren an keine Altersklasse verschont ist.
Einen massgebenden Einfluss auf die Entstehung der Windrhehe hat die Ernährung der Pferde. Am meisten erkranken die mit protein­reichen Mitteln seit längerer Zeit gefütterten und in gutem Nährzustande befindlichen Pferde. Ganz besonders sind die dickfetten („gemästetenquot;) Pferde für die Krankheit prädisponirt. Pferde von mittlerer Condition erkranken seltener und gewöhnlich nur dann, wenn sie einige Tage hin-
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Kiouzrhehe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;457
durch Putter mit engem Nährstoffvorhältuiss in grösseren Quantitäten auf­genommen haben. — Im unmittelbaren Zusammenhange mit dorn ätio-logibchen Einflüsse der schweren Fütterung steht die Wirkung der an­haltenden Ruhe im Stalle. Vor 30 Jahren berichteten die rheinischen Thierärzto, dass, wenn die schweren Arbeitspferde und besonders die Lastpferde zu Weihnachten oder Ostern 2 oder 3 Pesttage nacheinander im Stalle verblieben und während dieser Tage das Körnerfutter bis zur vollen Sättigung erhielten — die rheumatische Krouzlähmung am folgen­den Tage resp. mit dem Beginn der Arbeitsleistung häufig entstehe. Die Behauptung trifft zu, wie sich alljährlich und bis zur Gegenwart in den Pferdebeständon, in welchen eine schwere Fütterung üblich ist, herausgestellt hat. Gering versichert nicht ohne thatsächliche Be­rechtigung, dass mit den vor bezeichneten ursjich liehen Factoren die Krankheit künstlich herbeigeführt worden könne.
Viele Beobachter legen auf die Erkältung ein erhebliches Gewicht und Fröhner ist sogar der Ansicht, dass das mehrtägige Verbleiben der Pferde im Stalle in Verbindung mit der starken Fütterung im Wesent­lichen nur eine grössere Empfänglichkeit der Thiere für die Erkältung herbeiführen soll. Zur Unterstützung der Erkältungs-Theorio bezieht sich Fröhner darauf, dass die Krankheit fast immer erst zum Ausbruch komme, nachdem die Pferde aus dem Stalle herausgebracht und zur Arbeitsleistung angestrengt werden. Die vereinzelten Affectionen bei Pferden, die sich noch im Stalle befinden, sollen auf einer „Erkältung im Stallequot; oder auf der Wirkung eines unbekannten Stallmiasma be­ruhen. — Nach meiner Auffassung kann der Erkältung ein so umfassen­der Einfluss in der Aetiologie der Kreuzrhche nicht concedirt werden. Zunächst erfolgt die vollständige Ausbildung der Krankheit bei Pferden, die nach den angeführten ursächlichen Momenten sich noch im Stalle befinden, nicht gerade selten. Ich kenne mehrere Fälle. In den durch die bayerischen Thierärzte behandelten 63 Fällen stellten sich die Krank-heitserscheinungen bei 12 Pferden im Stalle ein und bei 51 Pferden im Freien. Dazu kommt, dass fast durchweg solche Pferde in die Krank­heit verfallen, welche an harte Arbeitsleistungen und an die Wittorungs-unbilden gewöhnt, gewissermassen abgehärtet sind. Bei solchen Pferden aber anzunehmen, dass sie durch eine mehrtägige Ruhe im Stalle und durch kräftige Ernährung für die Erkältung besonders empfänglich ge­macht werden sollen, lässt sich mit der thatsächlichen Erfahrung über die Entstehung anderer Erkältungskrankheiten nicht vereinbaren. Die Entwickelung der „paroxysmalen Hämoglobinämio'' des Menschen, die in der medicinischen Literatur von einer Erkältung abhängig gemacht
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wird, dürfte für die Beurtheilung der Windrhehe des Pferdes nicht mass-gebond sein. Ich kann auch in der Thatsache, dass die Krankheit sich in der Regel erst dann einstellt, wenn die betreffenden Pferde aus dem Stalle herausgebracht und angestrengt werden, ein zwingendes Motiv für die Erkältungstheorie nicht finden. Nach meiner Ansicht erklärt sich diese Thatsache dadurch, dass die Anstrengung beim Gehen und bei der Arbeitsleistung die Entwickelung der Krankheit, für welche die be­dingenden Momente durch die excessive Anhäufung der Nährstoffe im Körper resp. im Blute gegeben sind, beschleunigt. Dieser Ansicht lässt sich zwanglos die Vorstellung einfügen, dass ohne die Anstrengung der betreffenden Pferde die Krankheit nicht zum Ausbruch gekommen sein würde. — Den Witterungseinflüssen kann ich nur insoweit eine ursächliche Wirkung beilegen, als die Refrigeration des Körpers bei einer nasskalten Atmosphäre die normale Vertheilung des Blutes in den Ge-fässbahnen stört und die Oxydationsprocesse im Körper momentan be­schränkt. Die Erkältung ist demnach wohl als ein occasionellor ursäch­licher Factor anzusehen. Massgebend für das Zustandekommen der Wind­rhehe ist dieselbe aber nicht. Sonst müsste die Krankheit nicht blos bei stark gefütterten, sondern auch bei anderen Pferden, die nach längerer Ruhe im Stalle zu Erkältungen erst recht incliniren, entstehen, was thatsächlich nicht beobachtet wird.
Nach ihrem ganzen Entwickelungsgange gestaltet sich die Kreuzrhehe, wie ich mit Bellinger anerkenne, als eine toxische Krankheit. Die specielle Beschaffenheit des Giftes, welches die Alteration der Blutraischung und in Folge derselben die krankhaften Localprocesse in der Muskulatur in den Nieren und im Knochenmark hervorruft, ist zwar noch vollständig unbe­kannt. Aber die in praxi ermittelten ätiologischen Thatsachen sprechen dafür, dass reichliche Zufuhr und mangelhafter Verbrauch von Proteiu-substanzen die wesentlichen Eactoren für das Zustandekommen der Kreuzrhehe darstellen. So lange die Pferde täglich zu schwerer Arbeit benutzt werden, erfolgt der Verbrauch der mit der reichlichen Fütte­rung aufgenommenen Nährstoffe durch die physiologische Leistung der Muskulatur. Verbleiben aber die Pferde bei gleich starker Fütterung ohne Arbeit im Stalle, so häufen sich die Nährstoffe im Blute und in den Organen in so erheblicher Menge, dass ihre normale Umsetzung nicht mehr erfolgen kann, Dann findet muthmasslich ein Zerfall von Eiweisskörpern im Blute statt, wobei ein Stoff von speeifisch giftigen Eigenschaften entsteht. Mit dieser Hypothese, die übrigens schon oft von den Autoren angedeutet ist, erklärt sich die Ausbildung der Krank­heit noch am besten. Nachdem durch Schmidt-Mülheim gezeigt
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Kreuzrhehe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 459
worden ist, dass die Albuminatc bei reicher Zufuhr toxisclio Wirkungen hervorbringen, hat dieselbe auch nichts Gezwungenes mehr.
Nach der Analogie ist mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass sich die Entstehung der mehrgedachteu giftigen Substanz im Körper durch die Wirkung eines speeifischen Fermentes auf die Albuminatc des Blutes vollzieht. Das organische Substrat dieses Fermentes ist aber bisher für die Untersuchung nicht erreichbar gewesen. Vielfach wird geglaubt, dass ein besonderer Infectionsstoff mit dem Futter in den Körper gelangen müsse, weil sonst die Thatsaohe nicht zu erklären sei, dass in den Pferdebeständen einzelner Gehöfte die Krankheit häufig vorkommt, wäh­rend andere Bestände unter ziemlich gleichen Verhältnissen verschont bleiben. i5ei dem Mangel an entscheidenden Ermittelungen lässt sich meiner Meinung nach diese Hypothese nicht zurückweisen. Freilich würde es sich nur um solche Mikroorganismen handeln können, welche an gut beschaffenem Körnerfutter haften und der Regel nach eine krank­machende Wirkung erst dann ausüben, wenn das Nährstoffmaterial sich im Körper der Pferde im Uebermass anhäuft. Denn die Meinung, dass „verdorbenes Futterquot; die Entstehung der Krankheit verschulde, ist nicht begründet und bereits von Siedatngrotzky mit der zu­treffenden Bemerkung zurückgewiesen worden, dass auch bei der Ver­abreichung von tadellosem Hafer die Pferde in die Kreuzrhehe ver­fallen. Fröhncr meint, dass in den Wirthschaften, in welchen die Krankheit häufiger beobachtet wird, die Stallungen nicht hinreichend ventilirt seien, so dass die Athmungsluft, eine dunstige Beschaffenheit erlange und die Pferde hierdurch für Erkältungen besonders empfäng­lich würden. Hiergegen lässt sich indoss einwenden, dass in sehr vielen Gehöften, in welchen die Krankheit niemals aufgetreten ist, die Pferdeställe eine dunstige Luft enthalten.
Dass eine besondere Art des Futters von spcoifischem Einflüsse sei, kann nicht angenommen werden. Vorzugsweise erkranken die Pferde bei reichlicher Haferfütterung. Aber auch nach der Verabreichung anderer Getreidearten, sowie von Mehl kommt die Windrhehe zum Ausbruch. Mehrere süddeutsche Thicrärzte beschuldigen die Hackfrüchte (Weiss­und Dickrüben, Kunkeln, Kartoffeln). Von anderen Sachverständigen wird die Berechtigung dieser Ansicht bestritten. Wahrscheinlich werden die Rüben und Kartoffeln in den betreffenden Wirthschaftetr nur als Bei­futter gegeben, so dass die wesentliche Ursache der Krankheit auch in solchen Fällen auf das Körnerfuttcr zurückzuführen sein dürfte.
Im Speciellen ist bei der Aetiologic noch zu berücksichtigen, dass in grösseren Stallungen die Pferde vielfach aus einer Krippe gemeinsam
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460nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
gefüttert werden und dass hierbei einzelne Thiere erheblich mehr ver­zehren, als andere. Oft wird auch einem Pferde geflissentlich von dem Knecht eine grössere Menge des Körnerfutters zugewcndot. Gerade solche Pferde verfallen leicht in die Kreuzrhehe. Mehrfach habe ich die Krank­heit behandelt bei jungen Pferden, welche zum Zwecke des Verkaufs wochenlang im Stalle behalten und dann bei kühler Witterung zum Markte geführt waren. Im Allgemeinen tritt dieselbe während der Winter- und Frühjahrsmonate häufiger auf, als im Sommer und Herbst, weil die kräftig gefütterten Pferde in den Sommermonaten seltener mehrere Tage nach­einander im Stalle behalten werden. Am meisten entsteht die Kreuzrhehe unmittelbar nach den Festtagen (Weihnachten, Ostern, Pfingsten), wenn die Thiere 2—3 Tage im Stalle verblieben. Nach diesen Erfahrungen ist anzunehmen, dass auch bei reichlicher Fütterung durch die Ruhe im Stalle während eines Tages (des Sonntags) die Entwickelung der Krank­heit viel weniger begünstigt wird, als wenn die Pferde 2—3 Tage hindurch oder noch länger der gewohnten Arbeitsleistung entzogen sind.
Pathologische Anatomie und Pathogenese. Da die toxische Substanz, welche die localen Störungen verursacht, nicht bekannt ist, so lässt sich dio- anatomische Entwickelung der Krankheit nur nach den klinischen Befunden resp. nach den Ergebnissen der Section schildern. Krankhafte Veränderungen erleiden bei der Kreuzrhehe die Skeletmuskulatur, das Blut, das Knochenmark und die Nieren. Im Verlaufe der Krankheit werden das Herz, die Leber und in geringem Grade auch die Milz affleirt.
1) Die Muskeln werden in eine eigenthümliche parenehymatöse Degeneration versetzt, die sich in besonders hohem Grade an den Lenden-Darmbeinmuskeln ausbildet. Bei schwerer Erkrankung sind auch viele andere Muskeln, besonders diejenigen des Beckens und Oberschenkels, sowie die Schulter- und Armbeinmuskeln betroffen. Die entzündliche Trübung des Fleisches steigert sich, wenn die Patienten 2 — 3 Tage, oder noch länger am Boden liegen und eine Insufficienz in der Circula­tion und in der Respiration besteht. Das Muskelfleisch erblasst; es erlangt eine eigenthümliche, matt-braune Farbe. Bei der mikro­skopischen Untersuchung finden sich körnige Trübung und Verlust der Querstreifung. An den Lenden-Darmbeinmuskoln besteht zuweilen eine wachsartige Beschaffenheit oder eine gelbliche Färbung. Diese Verände­rungen beruhen auf scholligem Zerfall und fettiger Degeneration der Muskelsubstanz. Im Allgemeinen ist das kranke Fleisch auf dem Durch­schnitt trocken. Zuweilen wird ein kleiner ausgetrockneter hämorrhagi-scher Herd auf der Schnittfläche, namentlich in den Lenden-Darmboin-muskeln angetroffen.
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Kreuzrliehe.
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2)nbsp; nbsp;Am Blute findet sich beim Beginn der Krankheit keine er­kennbare Veränderung. Wie ich am 2. Krankheitstage und später bei zahlreichen Untersuchungen constatirte, gerinnen die der Jugularis ent­nommenen Blutproben oft etwas schneller, als das Blut gesunder Pferde. Es bildet sich daher nur eine diiiino Schicht von Fibrin. Der Blut­kuchen zieht sich abnorm langsam zusammen, so dass sich erst nach 20—40 Stunden eine erhebliche Quantität Serum ausscheidet. Letzteres ist röthlich gelb (hämoglobinhaltig) und in der Regel vollständig klar. Bei einzelnen schwerkranken Pferden sonderte sich aus den Blutproben gelblich trübes Serum ab. Dagegen ist die in der Literatur enthaltene Angabe, dass das Blut lackfarbig und theerartig dunkel sei, nicht zu­treffend. In den Cadavern der an der Kreuzrhehe gestorbenen Pferde finden sich am Blute allerdings diese Eigenschaften; sie sind dann aber nicht mit der speeifischen Krankheit, sondern mit dem Erstickungstodo in Verbindung zu bringen. — Bei den convalescirenden Pferden, die 2—3 Tage am Boden gelegen hatten, dann aber wieder stehen konnten und nichts Krankhaftes mehr erkennen Hessen, fand ich noch 2—4 Tage hindurch an den der Jugularis entnommenen Blutproben dieselbe Aus­scheidung von klarem, röthlich-gelbem Serum. Erst nach dieser Zeit lieferten die Blutproben wieder normal gelbliches Serum.
3)nbsp; nbsp;Das Knochenmark wird, wie ich in jüngster Zeit bei mehreren Sectionen feststellte, von einer multiplen blutigen Infiltration und schmerz­haften Reizung betroffen. Constant scheint die Affection im Oberschenkelbein und in den Lendenwirbeln zu bestehen. An anderen Röhrenknochen der Hinter- und Vordergliedmassen, sowie an den Rippen- und Beckenknochen fand ich die Veränderungen nur stellenweise und in geringem Grade. Wenn man dieOberschenkelknochen eines an der Kreuzrhehe eingegangenen Pferdes der Länge nach durchsägt, so findet man in der Spongiosa der Epiphysen und an der Diaphyse das Mark entzündlich geschwollen und blutig ge­färbt. In der Markhöhle fand ich nur kleine Herde. Ich zweifle aber nicht, dass in schweren KrankLeitsfällen auch diese Partie des Knochen­marks erheblicher afficirt sein kann. Die blutigen Herde kommen auch in der Substantia corticalis vor, an welcher auf der Durchschnittsfläche die dunkle Färbung in einzelnen Partien deutlich markirt ist. — In der Tibia traf ich in einigen Fällen auf die gleichen Veränderungen an dorn Markgewebe in der Markhöhlo. — Auf dem Durchschnitt des Humorus fanden sich in der Spongiosa der Epiphysen hasclnuss- bis wallnussgrosse blutige Herde. — Zuweilen trifft man im Markgewebo zahlreicher Knochen viele hanfkorn- bis erbsengrosse hämorrhagische Punkte.
Bisher ist die Affection des Knochenmarks fast unbeachtet geblieben.
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462nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Die Literatur enthält nur eine, auch von Fröhner berücksichtigte Be­merkung, die sich auf die fragliche Affection bezieht, Zucker in Württemberg (Hering, Report. 1877. Bd. 38. S, 142) beschreibt nach dem Sectionsbefunde an einem schwerkranken Pferde die starke Blut-dissolution, welche eine liämorrhagisehe Durchtränkung der meisten Or­gane veranlasst hatte. Er erwähnt hierbei, dass die Marksubstanz der durchgebrochenen Rippen, sowie der Hals- und Kückenwirbel infiltrirt gewesen sei und schwarzbraun ausgesehen habe. Theorotische Folge­rungen hat derselbe aus diesem Befunde nicht gezogen.
4) Die Nieren bleiben nur in den leichten Krankheitsfällen sowie bei dem subacuten und chronischen Verlaufe frei von erheblichen Ver­änderungen. Sonst entsteht regolmässig eine acute parenehyraatöso Ent­zündung, Schwellung und Erweichung der Nieren. Sehr oft sind in den Cadavern beide Nieren fast breiförmig, so dass sie kaum exenterirt werden können. Zuweilen findet sich die Erweichung in diesem hohen Grade nur an der Niere derjenigen Seite, auf welcher das Pferd beim Tode liegt, während die andere Niere eine etwas festere Consistenz hat.
Die Harnblase enthält meist '/a bis 1 Liter eines chocoladenfarbigen trüben, an Hämoglobin, Eiweiss, weissen Blutkörperchen, Nierenepithel und Salzen sehr reichen Harns.
Die krankhaften Veränderungen an den übrigen Organen sind we­niger constant. Das Rückenmark ist in der Regel serös durchtränkt und die venösen Gefässe der Pia spinalis sind mit dunklem Blut gefüllt. Die Leber ist bald mehr, bald weniger geschwollen und zuweilen um das Doppelte ihres normalen Umfanges vergrössert. An der Milz findet sich sehr oft keine Schwellung; in anderen Fällen ist die Pulpa hyper­plastisch und herdwoise oder im Ganzen mit dunklem Blut durchsetzt; die Schwellung erlangt aber, wie ich mit Vogel anerkennen muss, keinen erkeblichen Umfang. Das Herz erscheint bei der Section stets ausgedehnt, namentlich in der rechten Hälfte; das Herzfleisch ist auf der Durchschnittsfläche trübe, blass und trocken. Die Lungen sind ödematös infiltrirt. — An der Rospirations- und Digestionsschleim­haut finden sich ausser der Blutstauung keine wesentlichen Verände­rungen. — In den serösen Säcken, namentlich in der Bauchhöhle und im Herzbeutel wird in der Regel blutrothes, flüssiges Transsudat angetroffen. — Das Herz und die venösen Gefässe fast sämmtlicher Or­gane enthalten zähflüssiges, dunkies, zuweilen lackfarbenes Blut, welches zum Theil an der Luft zu breiigen, theerartigen schwarzen Massen coa-gulirt. — In einzelnen Fällen ergiebt die Section in den serösen Häuten und in den Schleimhäuten zahlreiche erbsen- bis bohnengrosse Blut-
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Kreuzrheho.
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flecke, die im Todesacte entstellen. — Die Oadavor der an der Kreuz­rheho verendeten Pferde gehen schnell in Fäulniss über.
Für die speciello Pathogenoso der Kreuzi-hehe ist zu beachten, dass die Aus­bildung der Krankheit in der Hegel sehr solmell erfolgt. Die Pferde, auf welche die vorbezoichneten Ursachen naohtheilig gewirkt haben, zeigen sich zum Theil noch im Stalle plötzlich aussei- Stande, aufzustehen. Oder sie werden gesund aus dem Stalle genommen und angespannt; nachdem sie kurze Zeit bewegt oder eine halbe Stunde bis einen halben Tag in der gewöhnlichen Arbeit angestrengt sind, brechen sie im Dienste mit dem llintertheil zusammen, so dass sie auf Schleifen oder niedrigen Wagen von den Strassen entfernt werden müssen. — Diese Thatsachen rechtfertigen die Annahme, dass die Entstehung der die Localprocesse veranlassenden giftigen Substanz sich innerhalb weniger Stunden vollzieht. Das specifischo Gift scheint sich im Blute zu bilden und eine besondere Affinität zu den Muskeln und zum Knochenmark zu haben. Es entstehen parenchymatöse Entzündungsprocesse in den Lenden-Darmbeinmuskeln und in einigen anderen Muskelgruppen des Ilintertheils. quot;Wenn die Krankheit mehrere Tage anhiilt und tödtlich endet, so erfahren die meisten Muskeln des Körpers eine geringere oder stärkere Trübung ihrer Substanz. Indess ist nicht zu entscheiden, ob diese Veränderungen ausschliesslich durch das specifische Gift zu Stande kommen oder ob nicht die im Verlaufe der Krankheit stets eintretende anderweitige Alienation der Blutmisohung an der Herbeiführung derselben be­theiligt ist. Am meisten werden stets die Hiopsoasmuskeln betroffen, deren Substanz einer starken Trübung und Erblassung, zuweilen auch der waohsartigen und fettigen Degeneration anheimfällt. Die Aponeurose dieser Muskeln wird gereizt und die kleinen Gefässe derselben füllen sich mit Blut. In der Muskelaffection hat der am meisten vertretenen Ansicht gemäss das Unvermögen der Pferde, sich mit dem llintertheil vom Boden zu erheben, seine nächste Ursache. Indess ist diese Erklärung nicht ein-wandsfrei. Wenn ich das Verhalten der kranken Pferde prüfe und namentlich die ausserordontlioh starken Schmerzen berücksichtige, welche die Patienten schon während des Liegens und noch mehr bei den Vorsuchen zum Aufheben resp. beim Stehen in den Hintergliedmasson bekunden, so scheint mir, dass die blutige Schwellung des Knochen­marks im Oberschenkel und in der Wirbelsäule an dieser Krankheitserscheinung betheiligt ist. — Zur Erklärung der Thatsache, dass vorzugsweise und in der Regel sogar ausschliesslich die Muskeln der Nachhand aflioirt werden, hat Fröhner angeführt, dass diese Muskeln bei der Bewegung der Pferde in höherem Grade ange­strengt würden und dass die Nachhand am meisten der Erkältung ausgesetzt sei. Mir erscheinen diese Argumente nicht zutreffend. Nach der Analogie und nach der ganzen Entwickelung der Krankheit ist mit grösserer Berechtigung zu vermuthen, dass eine specifische Beziehung zwischen dem toxischen Agens und den betreffenden Muskeln besteht. Ich verweise auf die als Complicationen der Brustseuche S. 264 und 266 beschriebenen Muskelerkrankungen, aus welchen sich unzweifelhaft ergeben dürfte, dass solche specifische Wirkungen toxischer Substanzen auf einzelne Muskeln vor­kommen.
Die Entstehung der Osteomyelitis ist auf die reizende Wirkung des hämoglobin-haltigon Blutserum zurückzuführen, welches in das Markgewebe gelangt. An den afficirton Partien wird das Knochenmark von einem blutigen Infiltrat durchsetzt. Das Markgewebe erfährt zugleich eine Schwollung. — Offenbar muss die Entzündung des Knochenmarks, die ich in den Oberschenkelknochen und in zahlreichen anderen
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464nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und IntoxicationskranWieiten.
Knochen fand, sehr schmerzhaft sein und ich bin deshalb der Ansicht, dass das Un­vermögen der Patienten zum Stehen oder nach der Aufrichtung mittels eines JFlaschen-zuges sich stehend zu erhalten, nicht aussohliesslich durch die Muskelaffection, son­dern auch durch die acute Knochenortrankung bedingt wird.
An den Gesiiss- oder Kruppenmuskeln tritt in vielen Fällen, aber nicht immer, eine starke Contraction ein, so dass die Partien zu boidon Seiten neben dem Kreuz­bein wie geschwollen erscheinen und eine brettliarto Beschaffenheit haben. Ich be­trachte diese Erscheinung als eine Folge der sclmiorzhaften Empfindungen in den Knochen des Hintertheils. üie Contraction scheint mit Bowusstsein von den Patienten unterhalten zu worden, um die Bewegung des Femur möglichst zu be­schränken. Vielleicht mag auch refleclorisch bei einem schweren Knochonschmerz die anhaltende Contraction einzelner Muskelgruppen zu Stande kommen. Wie gross aber der Willensoinfluss in dieser Hinsicht ist, das orgiobt sich schon aus der Haltung des Beckens, sobald die Patienten nach dem Emporhoben sich anstrengen, um mit dem Hintertheil stehen zu bleiben. Sie drücken mit Absicht die Region der Sitzbein­höcker tief herab und verhindern nach Möglichkeit die Bewegungen der Oberschenkel. Bei den Versuchen zum Gehen heben die kranken Pferde das Hintertheil nur unvoll­ständig und die Flexion der Gliedmassen wird mit Vehemenz ausgeführt, um dio schmerzhaften Empfindungen zu verringern. Letztore sind so bedeutend, dass dio Pferde in der Regel bald wieder zusammenbrechen und momentan erschöpft auf einer Seite liegen bleiben.
Viele Patienten halten die liintergliodraasson beim Liegen gestreckt, so dass ein Zusammenschieben derselben nicht möglich ist. Zuweilen können die Sprung­gelenke und im Zusammenhange mit denselben die Kniegelenke noch in eine leichte Flexionsstellung gebracht werden. Auch diese Erscheinung hängt damit zusammen, dass die Pferde wegen der Knochenschmerzen die Streckmuskeln des Oberschenkels stark contrahiren.
Das analoge Verhalten einzelner Muskelgruppon an den Vordergliedmassen (starke Contraction der Vorarmstrecker oder der Schulter- und Brustmuskeln), welches zuweilen beobachtet wird, ist auf gleiche Ursachen zu beziehen. Namentlich scheint die herdweise Osteomyelitis im Huraerus und im Radius in einzelnen Fällen heftige Schmerzen auszulösen.
Am Blut lassen sich niemals so bedeutende oder charakteristische Veränderungen nachweisen, wie in dor neueren Zeit vielfach angenommen wird, nachdem Fröhner die Ilämoglobinämie als den wesentlichsten Bestandthoil der Krankheit gedeutet hat. Ich habe oft von den schworkranken und zur comparativon Betrachtung gleichzeitig von gesunden Pferden Blutproben entnommen. Hierbei ergab sich, dass sowohl der Gerinnungsmodus, als die Qualität der Blutbestandtheilo am ersten Tage sich oft nicht von dem Verhalten des Blutes gesunder Pferde unterscheiden. Im Allgemeinen gerinnt aber das Blut der an der Kreuzrhoho erkrankten Pferde schnell und es scheidet sich langsamer, als bei gesundem Blute gelbes Serum ab, welches in verschieden hohem Grade eine abnorme, röthliche Nüancirung zeigt. Dass das Serum ,,blutrothquot; sei, wie ältere Autoron vor 20 Jahren gelegentlich der Erklärung des „Blutharnonsquot; angegeben haben, konnte ich in keinem Falle bestätigen. Meine Befunde bestätigen die von Bellinger und Fröhner urgirto Thatsache, dass bei der Kreuzrhoho das Blut­serum immer gelöstes lliimoglobin enthält. Nach einer von Siedamgrotzky erör­terten Ansicht soll das Blut die Producte des krankhaften StolTwochsels aus der Skelet-muskulatur aufnehmen und insbesondere Harnstoff in abnormer Menge enthalten.
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Kreuzrhehe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;465
Auch im Harn der Patienten fand sich ein abnorm grosser Gehalt an HarnstolT. Aber doshalb lässt sich doch nicht annohmon', dass der Harnstoff die wesentlichsten Local-processe hervorruft. Uobrigons unterliegt auch der Harnstoffgehalt im Harn der kranken Pferde ziemlich erheblichen quantitativen Abstufungen. Fröhner meint, dass der Muskelfarbstoff (Hämoglobin) resorblrt und mit dem Blute in die Organe ge­führt werde. Ob diese Meinung zutrifft, halte ich zur Zeit noch für eine offene Frage. Mit gleichem Recht lässt sich behaupten, dass die primär entstehende toxische Substanz die Abscheidung von freiem Hämoglobin im Blute vermittelt. Im Blute trennt sich ein kleiner Theil des rothen Blutfarbstoffs von seiner Grundlage; der Leib der rothen Blutkörperchen bleibt zurück, während sich der Farbstoff im Serum löst. Wie Ponfiok zuerst nach den Resultaten seiner Experimente geschildert hat, er­zeugt das frei gewordene Hämoglobin häufig eine Nierenentzündung. Hiernach hat Bollinger für die Entstehung der bei der Kreuzrhehe auftretenden Nephritis den Hämoglobingehalt dos Blutes als Ursache bezeichnet. Nach der Lehre Ponfick's sollen die geformten Schlacken dos zerstörten Blutes von der Milz übernomnien werden („spodogener Milztumorquot;), während die ungoformten zunächst der Leber und dann der Niere zuströmen sollen. Es erklärt sich daher, wie schon Bollinger erläutert hat, die bei der Kreuzrhehe ziemlich constant vorkommende Schwellung der Leber durch die Zuströmung dos freien Hämoglobins zu dem Leberparenchyra.
Die Hämoglobiniimie an sich ist kein speciflscher Zustand. Durch verschiedene organische und unorganischoGifte kann dieselbe herbeigeführt werden. Dass dieFrage derHämoglobinämie für die Erklärung der entziindlichonLocaiprocesse nicht so einfach liegt, wie vielfach geglaubt wird, dürfte folgender Versuch lehren. Am 11..Januar 188Ü injicirto ich einer löjährigen gesunden Stute (Analomiepferd) 544 Cctm. und zwei Tage später noch 272 Cctm. hämoglobinhaltiges Blutserum von gesättigter kirsch-rother resp. dunkelrother Farbe direct in die Jugnlarvonen. Dasselbe wurde aus 8 Liter Blut erhalten, welche einem anderen gesunden Pferde aus der Jugularls ent­nommen, bei starkem Frostwetter zwei Tage hindurch im Freien aufgestellt und zum Gefrieren gebracht waren. Bei dem Versuchspferde trat nach diesen beiden Injec-lionen von reinem Hämoglobin nicht die geringste Störung der Gesundheit ein, auch koine Aenderung in der Quantität und Qualität dos Harns.
Zur Erklärung der Nierenentzündung 1st auf die Ansicht Fonfick's oft Bezug genommen worden. Dieselbe ist in folgenden Sätzen zum Ausdruck gebracht: „Es bedarf nur des Entweichens geringer Quantitäten Hämoglobins durch die Harnkanäl-chen, um das iSierenparonchym in einen Zustand hochgradiger Empiindlichkeit zu ver­setzen. Wird der Anspruch an die Ausscheidung nur etwas gesteigert, so treten innerhalb des bis dahin ganz klaren rubinrothen Fluidums eigenthümliche, ein dickes schlammiges Sediment bildende Flocken auf, welche bräunlich oder grünlich gefärbt sind und sich ebenso innerhalb der Tnbnli selber wiederfinden. Es sind Nieder­schlüge, deren Substrat thoils aus den Glomerulusgofässen, theils direct durch die Epithelien der Tubuli contorti hindurch in das Kanallumen hineingolrüpfelt ist und alsbald zur Gerinnung gelangt, noch innerhalb dos Labyrinthes eine Menge stattlicher Cylinder bildet. Damit haben wir die Hanptgofahr jeder stärkeren llämoglobinämie, die Verstopfung zahlloser Niorenkanälchen mit halbfesten Massenquot; (Ponfick, üerl. klin. Wochenschr., 1883., S. 391).
Die einfache Uobertragung dieser Erfahrungen auf die Aetiologie der Nephritis bei der Kreuzrhehe deckt aber sämmtliche Fragen noch nicht.
Im Harn findet sich bei der Pferdestaupe und bei anderen fieberhaften Krank-
Dieckerho ff, Spec. Pathologie u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ßQ
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466nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Tntoxioationskrankheiton.
heiten zuweilen eine erhebliche (Juantitiit von Hämoglobin, ohne dass eine so schwere Nephritis, wie bei der Kreuzrhehe entsteht. Das hämoglobinhaltige Blutserum, wel­ches bei dieser Krankheit die Ursache zur Nephritis abgiebt, muss deshalb noch besondere Eigenschaften besitzen, durch welche das Nierenparenchym eine starke Reizung erfährt.
In fast allen schworen Krankheitsfällen entwickelt sich die Nephritis, die sich regelmässig über die Nieren in ihrer ganzen Ausdehnung erstreckt. Dieselbon schwellen bald in geringem, bald in höherem Grade. In Folge der parenchymatösen Entzündung gehen neben dem hämoglobinhaltigen Blutserum auch Fonnbestandtheilo des Blutes in den Harn über und es ist eine fast regelmässige Erscheinung, dass der Harn der schwer erkrankten Pferde weisse Blutkörperchen enthält. Rothe Blutkörperchen finden sich nur in geringer Zahl. Der Harn erscheint braunroth oder dunkelbraun, in ein­zelnen Fällen missfarbig und schwarzbraun. Diese BeschalTenheit entsteht dadurch, dass hämoglobinhaltiges Blutserum durch die Nieren in den Harn übertritt und dass die Farbe desselben sich mit der Farbe der Extractivstoffe, der Epithelien und der weissen Blutkörperchen vormischt.
Die Zusammensetzung des kranken Harns haben Siedamgrotzky und Hof­meister in mehreren Fällen festgestellt. Indem ich auf die citirten Quellen verweise, beschränke ich mich hier auf die Bemerkung, dass bei den schwerkranken Pferden der Harn sauer reagirt, wie ich ebenfalls oft constalirto. Nach den Befunden von Friodberger-Fröhner ist die Reaction in leichteren Fällen immer, aber auch in schweren Fällen nicht selten andauernd alkalisch. In der Convalescenz findet sich stets eine alkalische Reaction. Die trübe, chocoladenartige Beschaffenheit wird durch den abnormen Gehalt an Hämoglobin, Serumeiweiss, Exsudatcylindern, Nieronepithel, Mineralsalzen und Extractivstoffen bedingt. „Aussei- Eiweiss treten der Harnstoff, die Extractivstoffe und Mineralsalze vermehrt, die Hippursäure vormindert auf.quot; (Dresd. Ber., 1879., S. 81.) Der trübe, dickflüssige Harn hat ein speciflsches Gewicht von 1030—1040. Bei leicht erkrankten Pferden wiegt der Harn nicht abnorm schwer. — Die Quantität des innerhalb eines Tages entleerten Harns ist in leichten Krank­heitsfällen oft abnorm gross. Von dem trüben, chocoladenartigen Harn wird aber stets nur eine geringe Menge abgesetzt.
Im Anfange und bei leichter Erkrankung besteht dio Kreuzrhehe ohne Fieoer. Erst mit der graduellen und quantitativen Steigerung derAffectionen in der Muskulatur und im Knochenmark, vorzugsweise aber in Folge des anhaltenden Liegens resp. des Durchliegens und der hieiduroh bedingten Beschränkung der Respiration entwickelt sich die krankhafte Störung des Stoffwechsels, durch welche die Temperatur des Körpers sich steigert. — Der Pulsfrequenz, die in leichten Krankheitsfällen gering­fügig bleibt, liegt die parenchymatöse Herzaffection zu Grunde und die dunkle Fär­bung der Kopfschleimhäute beruht auf der unvollständigen Arterialisirung des Blutes. Für den starken Schweissausbmch, den manche Pferde bekunden, sind die schmerz­haften Empfindungen in den Knochen und Muskeln als Ursache anzusehen.
Symptome. Für das Verständniss der Erscheinungen, welche die Kreuzrhehe kennzeichnen, ist im Allgemeinen zu beachten, dass die Krankheit zunächst fieberlos auftritt, dass die Respirations- und die Digestionsschleimhaut von essentiellen Störungen überhaupt nicht be­troffen werden und dass die Erschwerung resp. das Unvermögen zum
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Krouzrhehe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 467
Stehen und zum Gehen nicht auf einer eigentlichen „Lähmungquot;, sondern auf heftigen Schmerzcmpfindungon in den Muskeln und in den Knochen beruht. Die Verschiedenheiten in dem Verhalten der Patienten finden ihre Erklärung darin, dass die Schmerzen mehr oder minder heftig sind und an einer grösseren oder geringeren Zahl von Knochen und Muskeln ausgelöst werden.
1)nbsp; nbsp;Das wichtigste Symptom liegt in der steifen Haltung der Muskeln des Hintertheils rosp. in dem Unvermögen der Thiere, sich mit dem Hintertheil zu erheben. Erkranken die Pferde, während sie im Stalle stehen, so erfolgt das Niederlegen wie bei gesunden Pferden; aber die Thiere sind ausser Stande, sich auf­zurichten. Sie bemühen sich hierzu vergeblich und gerathen nicht selten in eine Vertiefung des Stallraums. — Stellt sich die Krankheit beim Gehen oder im Arbeitsdienst ein, so findet sich ganz unerwartet eine Steifheit in der Bewegung eines oder beider Hinterschenkel. In der Mehrzahl der Fälle steigert sich die Störung innerhalb 5 Minuten. Die Pferde knicken in der Sohrittbcwegung mit den Hinterfesseln über; sie spannen die Bauchmuskeln stark an, ziehen die Kruppenmuskeln zu­sammen, bewegen sich noch 20—50 Schritt mit Mühe vorwärts und brechen dann mit dem Hintertheil zusammen, ohne wieder aufstehen zu können. Nur in den leichteren Graden oder bei langsamer Entwickelung der Krankheit gelingt es, die Thiere mit sachgemässer Unterstützung empor zu bringen. In der Regel müssen dieselben auf Schleifen oder Wagen in den Stall transportirt werden. Im Stalle liegen die Patienten flach auf der Seite. Senkung des Beckens; Streckung der Hinterglied­massen; starke Contraction und häufig harte Beschaffenheit der Kruppen-rauskeln; zuweilen eine gleichartige starke Contraction und förmliche Aufwulstung einzelner Muskelgruppen an den Vordergliedmassen. Wenn die Erkrankung auf einem niedrigen Grade verbleibt, so erhalten sich die Pferde stehend. Beim Versuche, sie zu führen, erfolgt aber gewöhn­lich ein Zusammenknicken in den Hinterfesseln, zuweilen auch in den Vorderfesscln. Nicht selten fallen die Patienten hierbei zu Boden, worauf die Emporhebung schwierig und nur mit zweckmässiger Hülfe möglich ist.
2)nbsp; nbsp;Unruhe. Die schwer erkrankten und hülflos auf der Seite liegenden Pferde schlagen in Folge der heftigen Schmerzempfindungen zeitweise mit den Vordergliedmassen gegen den Boden, den sie oft förm­lich aufwühlen. Auch die Hintergliedmassen werden ab und zu mit Vehemenz flectirt und dann wieder ausgestreckl. Manche Patienten finden ihre Lage so unerträglich, dass sie häufig den Kopf emporheben und dann mit Heftigkeit gegen den Boden oder nach rückwärts aufschlagen,
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468nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxlcationskrankhoitan.
so dass sie sich Verletzungen am Kopfe zuziehen. Versuche zum Auf­stehen werden nicht selten gemacht; indess gelingt den Patienten nur das Emporrichten der Vorhand, während sie wogen der starken Schmerzen mit dem Hinterthoil liegen bleiben. Die leichter erkrankten Pferde er­heben sich oft mit der Vorhand vollständig und mit der Hinterhand ein wenig, um sich mit grosser Anstrengung und unter dröhnenden Klage­lauten einige Schritte vorwärts zu bewegen oder auf die andere Seite zu legen. Einzelne Pferde drängen zeitweise heftig mit der Bauohpresse. Starke Schmerzempfindungen veranlassen die am Boden liegenden Patienten zum Ausstossen brummender Klagelaute.
3)nbsp; nbsp;Sehweissausbruch. Eine Folge der Schmerzen in den Muskeln und Knochen. Zuweilen über den ganzen Körper; oft vorwaltend in den Flanken. In vielen Fällen ist das Schwitzen nur am ersten Tage von erheblicher Bedeutung; nicht selten macht sich dasselbe als erstes Sym­ptom der schmerzhaften Muskel- und Knochenaffection geltend, bevor noch die Thiere hülflos zusammenbrechen. Je unbequemer die Lage der Patienten ist, um so stärker und anhaltender gestaltet sich der Seh weiss­ausbruch.
4)nbsp; nbsp;Störungen im Harnapparat. Die Harnsecretion ist in den günstig verlaufenden Fällen zuweilen vermehrt, in der Regel aber ver­mindert. Hämoglobinurie und Albuminurie. Harn blutroth oder kaffee­braun (schwarzer Kaffee mit etwas Milch), chocoladenartig, zuweilen grauschwarz, dickflüssig. Bei leichter Erkrankung und Genesung innerhalb eines Tages bleibt der Harn zuweilen frei von Hämoglobin und Eiweiss.
5)nbsp; nbsp;Verringerung der Darmperistaltik.
6)nbsp; nbsp;Störungen in der Circulation. An den ersten beiden Tagen und bei ruhigem Verhalten der Patienten oft unerheblich. In schweren Fällen 70—85 und kurze Zeit vor dem tödtlichen Ausgange nicht selten 100 Pulse und darüber in der Minute. Artorienpuls anfänglich normal kräftig, später schwach und weich, schliesslich unfühlbar. Herzstoss schwach fühlbar, zuweilen arhythmisch.
7)nbsp; nbsp; Fiebertemperatur. Die leichten Krankheitsfälle verlaufen fieberlos. Sonst steigt die Mastdarm-Temperatur vom 2. Tage an auf 39,0—41,0 Grad. Im Verlaufe der schweren Fälle unterliegt die Fieber­temperatur ziemlich bedeutenden graduellen Schwankungen.
8)nbsp; nbsp;Diffuse (venöse) Röthung der Kopfschloimhäute.
9)nbsp; nbsp;Störungen im Athmungsapparat Nicht selten geringfügig, bei schwerer Affection 20—30 Respirationen und darüber in der Minute. Sind die Schmerzen heftig und tritt starker Schweissausbruch ein, so wird die Respiration sehr frequent und dyspnoisoh.
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Kreuzrhehe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 469
10)nbsp; nbsp;Verringerung des Appetits. Anfänglich nehmen die Pferde das Futter mit Appetit an. Durch die heftigen Schmerzen und durch den Einfluss des anhaltenden Liegens vermindert sich aber bald das Hungergefühl. Wasser wird gewöhnlich in normaler Menge getrunken. In einzelnen Fällen zeigt sich gesteigertes Durstgofühl.
11)nbsp; nbsp;Decubitus. Die durch Aufliegen entstehenden Quetschungen und Entzündungen in der Haut und Unterhaut gehören eigentlich zu den Complicationen der Kreuzrhehe. Wegen ihres ziemlich constanton Vor­kommens bei allen Pferden, welche länger als 2 Tage am Boden liegen, erwähne ich dieselben indess schon bei den Symptomen.
Verlauf. Auf den Krankheitsverlauf haben der Grad und die Mannig­faltigkeit der Localprocesse einen wesentlichen Einfluss. Die Verschieden­heiten in der Intensität der Symptome sind zunächst abhängig zu denken von der Menge des Virus, welches sich im Blute bildet. Bei gering­fügiger Erkrankung stellt sich blos eine Steifheit in den Muskeln der Hinterhand an einer oder an beiden Seiten ein, mit leichter Hämo-globinurie, die gewöhnlich nicht einmal wahrgenommen wird. Die Patienten erhalten sich mit Mühe auf den Füsson und wie Bongartz in Uebereinstimmung mit älteren Beobachtungen ganz richtig betont, nach wenigen Stunden sind alle Symptome spurlos verschwunden. Bei manchen Pferden dauern die starke Spannung der Muskulatur und die Beschwerden beim Gehen (Einknicken mit den Fesseln und vollständiges Ueberköthen) einen halben bis einen Tag, worauf die Genesung erfolgt. — Sieht man von diesen geringfügigen Krankheitsfällen ab, so giebt es bei der Kreuzrhehe: 1. einen acuten (einschliesslich des peracuten), 2. einen subacuten und 3. einen chronischen Verlauf.
1) Der acute Verlauf umfasst alle Krankheitsfälle, bei welchen die Pferde innerhalb weniger Minuten oder innerhalb einiger Stunden und ausnahmsweise erst nach 6—10 Stunden zusammenbrechen und ausser Stande sind, aus eigener Kraft oder mit Unterstützung sich vom Boden zu erheben. Nach den Erfahrungen, die ich in der Praxis und auch in der hiesigen Klinik zu machen Gelegenheit hatte, sind die Krankheits­fälle mit acutem Verlaufe bei Weitem die häufigsten. Ihre Dauer be­trägt in einzelnen schweren Fällen nur 1, gewöhnlich aber 3 — 5 und nicht selten bis 10 Tage. Von grossem Einfluss auf die Krankheitsdauer ist die Haltung und Verpflegung der Patienten. Sind dieselben in kleinen und schlecht eingerichteten Stallungen untergebracht und werden sie nicht zweckmässig gebettet so macht sich gewöhnlich sehr bald die In-sufficienz des Athmens geltend, es tritt in erheblichem Umfange Decubitus ein und die Thiere verenden schneller, als bei guter Verpflegung.
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
2)nbsp; nbsp;Boi dem subacuten Verlaufe, den Utz (Bad. Mittheil., 1871., S. 97) zuerst beschrieben hat, erhalten sich die Pferde 3—5 Tage stehend. Starke Contractioncn in den Kruppenmuskeln, zuweilen auch in den Vorarmstreckern oder in den äusseron Kaumuskeln. Das Stehen verursacht den Tlüeren viel Beschwerde; aber wenn sie sich niederlegen, so können sie zunächst mit Unterstützung noch emporgeholfen werden. Aufziehen des Bauches und Zittern in der Hautmuskulatur. Daneben Hätnoglobinurie. Nach Ablauf von einigen Tagen brechen die Thiere zusammen, ohne wieder zum Stehen zu kommen. Dann verhält sich die Krankheit wie bei dem acuteu Verlaufe mit letalem Ausgange.
3)nbsp; nbsp;Ein chronischer Verlauf ist bisher in der Literatur nicht angenommen worden. Ich habe eine erhebliche Zahl von Krankheits­fällen behandelt, die ich der Kreuzrhehe mit langsamem Verlaufe zu­rechne. Von vielen guten Beobachtern wird darauf aufmerksam gemacht, dass häufig Lähmungen im Hintertheil nach der Krankheit zurückbleiben. Es scheint, dass die Fälle, die ich als chronisch verlaufende interpretire, in der Praxis den paralytischen Folgekrankheiten beigezählt worden sind.
1) Im Besitee eines Landwirths in Westfalen befanden sich 1868 zwei Pferde, von welchen am 10. Juli eins an der Kreuzrhehe erkrankte und nach einigen Tagen zu Grunde ging. Ich habe das Pferd nicht gesehen, aber die Diagnose nach den Mit-thoilungon des Eigonthiimers als sicher angesehen. Am 18. Juli wurde das zweite Pferd (8 Jahre alter Wallach, Arbeitsschlag, kräftig genährt, aber nicht fett) im Stalle liegend angetroffon. Es konnte sich aus eigener Kraft nicht erheben. Mit einiger Unterstützung war es aufgestanden und als ich wenige Stunden später hinzu­kam, fand ich an dem Patienten nichts Krankhaftes mehr. Er ging im Schritt umher, wie ein gesundes Pferd, verzehrte das Futter mit Appetit und zeigte auch keine auf­fälligen Eigenschaften am Urin. Dem Pferde war bislang rother Klee verabreicht worden. Ich verordnete Futterwochsel und Kleientrank. Am folgenden Morgen lag das Pferd wieder im Stalle und machte vergebliche Versuche zum Aufstehen. ISach-dem es mit Unterstützung auf die Füsse gestellt war, Hess ich es in einen Hänge-gurt bringen. Scharfe Einreibung auf die Haut in der Lenden- und Kreuzgegend. Das Pferd blieb 8 Tage im Hängegurt stehen und bekundete in dieser Zeit nichts Krankhaftes. Bei meinem Besuche beseitigte ich nun den Hängegurt und liess das Pferd umherfiihren. Es benahm sich sehr munter. Als es mit dem Hintertheil ein wenig zur Seite sprang, kam es zum Fallen und war nicht vermögend, sich allein emporzuheben. Es wurde wieder aufgerichtet und von Neuem in den Hängegurt ge­stellt, in welchem es 10 Tage verblieb. Ich habe keine Gelegenheit gehabt, das Pferd wieder zu untersuchen, aber aus sicherer Quelle erfahren, dass es nach weiteren 8 Tagen mit den Zufällen der vollständigen Kreuzlähmung und mit starkem Decubitus behaftet gewesen und zu Grunde gegangen ist.
Der Besitzer hatte am 17. Juli als Ersatz für das erstgestorbene Pferd eine elfjährige Stute (quot;Arbeitsschlag) zugekauft. Dieselbe wurde zunächst in einem iso-lirten Stalle untergebracht und am 26. Juli neben dem zweiterkrankten Pferde auf­gestellt. Am 29. Juli lag die Stute im Stalle und war unvermögend, sich mit dem
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Hintertheil zu erheben. Mit einiger Hülfe wurde sie zum Aufstehen gebracht. Bei meiner Untersuchung fand ich 50 Pulse und 20 Respirationen in der Minute; Appetit, Verdauung und Harnentleorang nicht abnorm. Auch dieses Pferd ist, wie mir dem­nächst von Augenzeugen mitgetheilt wurde, 14 Tage später unter den Erscheinungen der vollständigen Kreuzlähmung gestorben.
Am Futter, welches die Pferde erhielten, habe ich eine verdorbene Beschaffen­heit nicht nachweisen können.
2) Ein 13jähriger Wallach belgischer Race, schwerer Arbeitsschlag, in den Gliedmassen massig verbraucht, kräftig aber nicht mastig genährt, wurde am 11. October 1885 auf einem Wagen in die Klinik gebracht. Das Pferd war nicht im Stande, sich mit dem Hintertheil vom Boden zu erheben. Leichte Pulsfrequenz; Appetit ziemlich gut; Harn in leichtem Grade hämoglobinhaltig. Diagnose: Wind-rhehe. Eine medicamentöse Behandlung wurde nicht eingeleitet. Ich Hess das Pferd mit einem Flaschonzug emporrichten und im Hängogurt stehen. Es konnte sich trotz­dem nur mit Anstrengung auf den Hinterfüssen stehend erhalten, knickte bei jeder Bewegung zur Seite mit den Hinterfesseln, namentlich mit der rechten über und stand zuweilen auf den Fesselgelenken resp. mit vollständig umgewendeten Hufen. Im Verlaufe von 14 Tagen besserte sich der Zustand. Das Pferd konnte leicht umher­geführt werden, im Stalle sich aber ohne Hängegurt nicht stehend erhalten. Der Gang war steif, das Becken wurde gesenkt und die Kruppenmuskeln erschienen bei der Bewegung stark contrahirt. Die Gelenke der Hintergliedmassen wurden beim Gehen leicht gebeugt gehalten. Futteraufnahme gut, Harn nicht abnorm. — Ich be­handelte das Pferd 6 Wochen lang. Eine wesentliche Beseerung erfolgte indess nicht und der Besitzer liess dasselbe abholen, so dass die Section nicht vorgenommen werden konnte.
In welchen anatomischen Veränderungen der chronische Krankheits-vcrlauf seine Bedingung findet, lässt sich nicht mit Sicherheit bezeichnen. Trotz aller Bemühungen habe ich keine Gelegenheit gehabt, ein derartig krankes Pferd zu seciren. Dass die Möglichkeit einer chronischen Osteo­myelitis von geringem Umfange im Oberschenkelbein und in der Wirbel­säule, oder einer localen schmerzhaften Muskelentzündung vorliegt, er-giebt sich aus dem Verhalten der Pferde. Aber in Ermangelung that-sächlichcr Feststellungen wage ich doch nicht, auf diese Möglichkeit eine präcise Theorie zu begründen.
Mehrfach ist in der Literatur von „Recidivenquot; bei der Windrhehe berichtet worden. In Wirklichkeit hat aber die Krankheit keinen reci-divirenden Verlauf. Den bezüglichen Beobachtungen liegt nur die That-sache zu Grunde, dass die Pferde durch die einmalige Erkrankung vor einer erneuten Affection nicht geschützt werden. Es ist nicht anzu­nehmen, dass nach der Genesung von dem ersten Krankheitsfall eine eigenartige Schwäche resp. eine krankhafte Disposition für spätere AfFoc-tionen zurückbleibe. Vielmehr müssen die ursächlichen Verhältnisse mit der Bildung des specifischen Virus stets von Neuem zur Einwirkung ge­kommen sein, wenn ein Pferd zum 2. oder 3. Mal von der Krankheit
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472nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
befallen wird. Ooftcr ist beobachtet worden, dass Pferde innerhalb eines Jahres zweimal oder mit einem erklärlichen Zufall genau nach Ablauf eines Jahres an demselben Tage (am Tage nach Weihnachten) zum zweiten Mal erkrankten.
Auch das endemische Auftreten der Kreuzrhehe (als Staliseuche oder Ortsseuche) findet seine Erklärung darin, dass eine grössere Zahl von Pferden gleichzeitig von den ursächlichen Einflüssen betroffen werden. Ich habe wiederholt sowohl auf den Gütern, wie in den Städten beob­achtet, dass aus grösseren Beständen von 50—80 Haupt, die wegen der Feiertage oder aus anderen Gründen mehrere Tage hindurch im Stalle gehalten waren — innerhalb eines Tages 2 — 6 Pferde erkrankten. — Nicht selten ist ferner, dass die Kreuzrhehe in einem Bestände nach Zwischenzeiten von einigen Wochen oder Monaten ein zweites und selbst ein drittes Pferd befällt. Gerade solche Fälle unterstützen die Theorie, dass die Entstehung der Krankheit auf einer Infection beruht. Ich kann nach sorgfältiger Erwägung aller Thatsachen, die sich bei meinen ätio­logischen Erhebungen feststellen Hessen, nur annehmen, dass das Futter ein besonderes Ferment enthält, welches im Körper der Thiere die Bil­dung der spccifischen toxischen Substanz bedingt.
Als Ortsseuche wurde die Windrhehe beobachtet von Schmidt in Baden (Bad. Mittheil., 1871., S. 102), von Mayer und Schust in Württemberg (Hering, Rep., 1875., S. 169 und 1877 S. 267), ausser-dem von mehreren norddeutschen Thierärzten. In Städten und Gemeinden, in welchen die Pferde allgemein kräftig ernährt werden, befällt die Krankheit nach den Festtagen im Winter oder im Frühjahr nicht selten innerhalb einer Woche 10—20 Thiere.
Ausgang. Die Kreuzrhehe endet entweder mit dem Tode oder mit vollständiger Genesung oder mit Zurücklassung von Lähmungen in ein­zelnen Muskelgruppen des Hintertheils. — Als Causa proxima des letalen Ausganges ist die schwere Degeneration des Herzfleisches anzusehen, welche sich in Folge der allgemeinen Erkrankung der Skeletmuskulatur ausbildet. Auf die Entwickelung der parenehymatösen Myocarditis ist ausserdem das anhaltende Liegen der Patienten von erheblichem Einfluss. Starke Pulsfrequenz, geringer Blutdruck in den Arterien, hohe Fieber­temperatur, Beschleunigung der Respiration und zunehmender Kräfte­verfall sind die äusseren Merkmale der letalen Herzschwäche.
Die Genesung vollzieht sich in den leichten Krankheitsfällen und wenn die Pferde sich stehend erhalten können, zuweilen innerhalb eines Tages. Oft vergehen aber 8 — 10 Tage, bevor die steife Haltung der Muskulatur und das üeberköthcn bei der Bewegung vollständig vor-
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schwinden. In den schweren Krankheitsfällen kommt die Genesung nicht oft zu Stande und dann in der Regel nach 3 — 8 Tagen. Sie gelingt immer nur dadurch, dass die Patienten mit Unterstützung zum Auf­stehen gebracht werden. Durch welche inneren Vorgänge die oft sehr schnelle Wiederherstellung der Pferde erfolgt, lässt sich nicht mit Sicher­heit sagen. Das anhaltende Stehen der kranken Pferde ermöglicht eine mehr gleichmässige Vertheilung des Blutes in den Gofässcn und eine erhebliche Erleichterung der Respiration. Durch diese Factoren scheint die Rückbildung der parenohymatösen Procosse in den Muskeln und im Knochenmark, sowie die Ausscheidung der toxischen Substanzen aus dem Blute begünstigt zu werden.
Oomplicationen und Nachkrankheiten. Da die schwerkranken Pferde gewöhnlich in der Arbeit zusammenbrechen, so können die Krank­heitsfälle sich mit mancherlei Verletzungen compliciren, auf welche ich hier nicht näher eingehen kann. — Die wichtigste und häufigste Com­plication bei der Kreuzrhehe beruht in dem Decubitus, der sich an ver­schiedenen Regionen des Körpers stets einstellt, wenn die Pferde länger als 2—3 Tage liegen, stark schwitzen und in Folge der Schmerzempfin­dungen sich unruhig verhalten. Starke entzündliche Schwellungen in der Subcutis am Kopfe oder am Thorax und am Becken verursachen oft eine schwere fieberhafte Gesammtaffection, durch welche der tödtliche Aus­gang beschleunigt wird. Bei dem protrahirten Krankheitsveriaufo ent­stehen an den durchgelegenen Hautpartien oft umfangreiche gangränöse Zerstörungen. Die in Folge derselben eintretende Ichorrhämie verursacht zuweilen eine Lähmung der Lippen- und Wangenmuskeln an einer oder an beiden Seiten.
Für die consecutiven Muskellähmungen, die nach der Kreuzrhehe nicht selten entstehen, ist die Ursache in der Degeneration des Muskel­fleisches, welche mit der speeifischen Entzündung in schweren Krank­heitsfällen eintritt, vorauszusetzen. Nicht selten bleibt eine Lähmung der Kniesoheibenmuskeln an einer oder an beiden Gliedmassen als Nach­krankheit zurück. Hierbei können sich die Pferde nur mit grosser An­strengung eine kurze Zeit stehend erhalten, worauf sie sich zum Aus­ruhen wieder niederlegen müssen. Beim Stehen wird die betreffende Gliedmasse im Kniegelenk mehr oder minder stark flectirt. Die Knie­scheibenmuskeln atrophiren nach und nach so stark, dass die Region derselben einfällt. Im Verlaufe mehrerer Wochen und Monate bildet sich eine compensatorische Hypertrophie an den benachbarten Muskeln, be­sonders am Tensor fasciae latae aus, wodurch den Pferden das Stehen und Gehen etwas erleichtert wird. Indess besitzen solche Thiere eine
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Infections- und Intoxicatlonskrankheiten.
nennenswerthe Leistungsfähigkeit nicht mehr. Meist sind sie werthlos. — Von anderen Muskeln des Hintertheils sind die oonsecutiven Läh­mungen weniger genau bekannt, ßongartz (1. o. S. 2quot;23) beobachtete bei einem Pferde, welches im Verlaufe von 2 Jabren zum zweiten Mal an der Kreuzrhehe erkrankte, als Naclikrankheit „auf der linken Hinter­backe eine ca. 25 Ctm. lange, handbreite und 2 Gtm. tiefe Grube in Folge localen Muskelschwundesquot;. — Ich habe früher in der Praxis mehrere an der Windrhehe erkrankte Pferde, welche mit dem Hinter-theil sich nicht erheben und auch im ünterstützungsgurt sich nicht stehend erhalten konnten, durch sorgfältige Pflege 3—4 Wochen lang am Leben erhalten. Sie mussten schliesslich als unheilbar getödtet werden. Von solchen Fällen ist gegenwärtig noch nicht entschieden, ob sie auf einer degenerativen Muskellähmung beruhen oder dadurch be­dingt sind, dass die schmerzhaften Entzündungszustäude in den Muskeln oder im Knochenmark der Wirbelsäule und des Oberschenkels einen chronischen Charakter annehmen.
Diagnose. Vollständig ausgebildete Krankheitsfälle, über deren Ent­wicklung der Thierarzt zugleich eine Auskunft erheben kann, sind leicht zu diagnosticiren. Wenn aber die Symptome weniger scharf ausgeprägt sind, so erfordert die Diagnose viel Umsicht und die Berücksichtigung einer Reihe von Krankheiten, welche die Pferde zu einem der Kreuz­rhehe ähnlichen Verhalten veranlassen.
Wäre dio Hämoglobiniimio ein massgetondes Symptom, so Hesse sich jeder diagnostische Zweifel durch Entnahme einer Blutprobe von den Patienten leicht be­seitigen. Allein oft ist die röthliche Färbung des Blutserums nur geringfügig und andererseits entsteht bei einer grösseron Zahl von Krankheiten, namentlich bei Darm­entzündungen kurze Zeit vor dem Tode auch eine Dissolution des Blutes, wobei sich Hämoglobin im Serum löst. — Bei einem nach zehntägiger Dauer tödtlich verlaufen­dem Falle der Kreuzrhehe constatirte ich, dass vom 7. Krankheitstage an das aus den Blutproben abgeschiedene Serum kaum noch eine röthliche Mance zeigte, vielmehr so ziemlich dieselbe gelbe Farbe hatte, wie das Blutserum gesunder Pferde. Trotz­dem war der Patient selbst mit Unterstützung durch den Hängegurt nicht fähig, sich auf den Ilinterfttssen stehend zu erhalten.
Aus dem Sectionsergebnisse für sich allein lässt sich nur in den vollständig entwickelten Krankheitsfällen und bei sehr sorgfältiger und umfassender Befund­erhebung mit wissenschaftlicher Sicherheit erschliesson, dass das betreffende Pferd der Kreuzrhehe erlegen ist. Denn es giebt keine Vorändorung an den erkrankten Organen, welche eine pathognomische Bedeutung hätte. Auch die blutige Infiltration des Knochenmarks findet sich, obschon weniger ausgeprägt, bei anderen Krankheiton, insbesondere bei solchen, welche durch eine acute pernieiöso Blutvergiftung zum Tode führen.
Von den Krankheiten, welche mit der Lumbago gravis verwechselt
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werden können, sind die nachstehend bezeichneten besonders bemerkens-werth;
1)nbsp; nbsp;Die krankhafte Ermüdung der Pferde in Folge iiber-mässiger Anstrengung. Die in den Hintergliedmassen struppirten resp. mit chronischen Entzündungszuständen und Verdickungen an den Sehnen, Bändern, Knochen oder Gelenken behafteten Pferde ermüden durch eine relativ lange und anstrengende Arbeitsleistung nicht selten in so hohem Grade, dass sie sich im Stalle niederlegen und aus eigener Kraft mit dem Hintertheil sich nicht aufzurichten vermögen, Die Thiere liegen gewöhnlich flach auf der Seite und haiton die steifen Gliedmassen gestreckt. In der Regel ist eine Gliedmasso von der krankhaften Er­müdung in höherem Grade betroffen, als die andere. Bei schweren Arbeitspferden kann dieser Zustand, namentlich wenn die Vorgeschichte desselben nicht bekannt ist, eine frappante Aehnlichkeit mit den Sym­ptomen der Windrhehe haben. In manchen Fällen stellt sich auch ein starker Schweissausbruch ein. Weniger schwierig gestaltet sich die Dia­gnose derjenigen Fälle, in welchen die Uebermüdung einen so hohen Grad erreicht, dass die Thiere nach wenigen Stunden durch Suffocation verenden. Aber auch die anderen Fälle können, wenn sie nicht zweck-mässig behandelt werden, in Folge des anhaltenden Liegens nach 3 bis 5 Tagen zum Tode führen. — Zu sichern ist die Diagnose gewöhnlich dadurch, dass das betreffende Pferd in zweckmässiger Weise zum Auf­stehen veranlasst und hierbei durch Aufheben des Hintertheils an der Schweifrübe wirksam unterstützt wird. Oft gelingt hierbei die Erhebung der Pferde nur dadurch, dass dieselben zuvor auf die andere Seite um­gelegt werden. Denn sie legen sich in der Regel auf die Seite der am meisten ermüdeten Hintergliedmasse, welche aus leicht erklärlichen Gründen beim Aufstehen weniger leistungsfähig ist, als die andere Glied­masse. Zuweilen ist die Aufrichtung solcher Pferde erst möglich, nach­dem sich dieselben 6 — 8 Stunden lang ausgeruht haben. — Wenn bei der Beachtung dieser Thatsachen noch Zweifel bestehen, so kann die Untersuchung des Harns Aufschiuss geben.
2)nbsp; nbsp;Unvollständige oder vollständige Lähmung des Nervus cruralis in Folge gewaltsamer überraässiger Streckung einer Glied­masse. Der Zustand hat dadurch eine Aehnlichkeit mit der Kreuzrhehe, dass das Pferd plötzlich mit dem Hintortheil zusammenbricht und von selbst nicht wieder aufstehen kann. Wird der Patient vorher auf die Seite der gesunden Gliedmasse gelegt, so gelingt bei sachgemässer Hülfe die Aufrichtung in der Regel. Die weitere Untersuchung liefert dann ausreichende Thatsachen für die Diagnose.
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Infections- und [ntoxicationskrantheiten.
3)nbsp; nbsp;Ruptur der Achillessohne. Durch Ausgleiten und plötzliche iibermässige Belastung der süirk gebeugten Gliedmasse kann die Achilles­sohne vom Fersenbein abreissen, wobei einzelne Knochonstückchen an der Sehne haften bleiben. Da die Kronenbeinbougesehne hierbei in ihrer Lage und Befestigung verbleibt, so ändert sich das Sprunggelenk in seiner Form und Stellung nicht und die Erkennung des Zustandes ist daher zuweilen schwieriger, als a priori angenommen wird. Gegenüber der Diagnose der Lumbago ist in den Fällen, in welchen die Aufrichtung der Patienten nicht möglich ist und die Belastungsfähigkoit der gesunden Gliedmasse unerkannt bleibt, die Beschaffenheit des Harns zu berück­sichtigen.
a.nbsp; nbsp;Eine 7 Jahre alte Stute (schwerer Arbeitssohlag) war vor 3 Tagen angeb­lich an Kolik erkrankt und nach dem Niederfallen nicht im Stande gewesen, sich wieder aufzurichten. Das Pferd wurde am 17. März 1872 in die Klinik eingestellt und bekundete ganz ähnliche Symptome, wie dieselben bei der Kreuzrhehe vorkommen. Nach wiederholten fruchtlosen Versuchen gelang die Aufrichtung des Pferdes, als dasselbe auf der linken Seite lag. Es hielt den rechton Hintorfuss gebeugt, stellte kaum die Hufspitze auf den Boden und knickte mit dem Fossolgelenk fortwährend nach vorn. Die genauere Untersuchung ergab eine leichte Crepitation am Tuber calcanei, so dass die Ruptur, festgestellt werden konnte.
b.nbsp; nbsp;Am 26. Februar 1873 wurde ein schweres Lastpferd (Wallach, 8 Jahre alt) zur Arbeit angespannt. Nach ' ., Stunde glitt es angeblich mit dem rechten Hinterraquo; fusse aus und brach sofort mit dem llintertheil zusammen. Es war unfähig aufzu­stehen und wurde auf einem Transportwagen in die Klinik gebracht. Abgesehen davon, dass der Harn nicht blutig war, zeigte der Patient die Symptome, die der Lumbago entsprechen. Alle Versuche, das Pferd auf die Gliedmassen zu stellen, waren vergeblich. Ich blieb über die Diagnose im Zweifel. — Umfangreicher Decu-bitus und Tod am 5. Tage. — Erst die Section ergab als Krankheitsursache-, dass am rechten Hinterfusse die Achillessehne vom Calcaneus abgerissen war.
4)nbsp; nbsp;Thrombose der hinteren Aorta und ihrer Aeste. So lange die Aorta oder die Beokenarterien oder die Schenkelarterien von parietalen Thromben nur eine Verkleinerung ihrer Weite erleiden, treten die Symptome der Muskellähmung erst bei der Anstrengung der Pferde ein. Sie verlieren sich wieder, nachdem die Thiere sich eine kurze Zeit ausgeruht haben. Diese Zustände können einen diagnostischen Zweifel nicht verursachen. — Ich habe aber einen Krankheitsfall von Arterien-Thrombose kennen gelernt, der für die Diagnose der Lumbago von Be­deutung war. Von differentiellem Interesse ist bei derartigen Erkran­kungen, dass die Pferde wegen Mangel an Sauerstoff haltigem Blute in den Muskeln mit einer wirklichen Lähmung behaftet sind, während sie bei der Kreuzrhehe in Folge sohinerzhaftcr Empfindungen nicht aufstehen können.
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Schimmelwallach, 12 Jahre alt, Landschlag, war am 3. März 1873 vor dem Arboitswagen auf der Strasse plötzlich zusammengebrochen. Er wurde auf einem Wagen in die Klinik gebracht. Bei der [Jntersuohung fand ich das Hintortheil ge­lähmt. Die Empfindung der Haut gegen Nadelstiche bestand aber in normalem Grade. Nachdem das Pferd mit zweckmässigor Hülfeloistung emporgerichtet war, konnte es nur mit grosser Anstrengung auf den steif gehaltenen Hinterfüssen stehen. Es war nicht fähig, dioselbon aus eigener Kraft nach vorn zu führen, konnte auch den rochton Fuss kaum belasten und drohte beständig zur Seite zu fallen. Da das Pferd im Hängegurt nicht aufrocht zu halten war, so musste es liegen bleiben. Am 2. Tage: Puls 92, Uesp. 4(;, Toinp. 39,9. Das Pferd liegt flach auf der Seite, verzehrt aber Futter und Getränk mit einigem Appetit. — Am 5. Tage trotz sorgfältiger Pflege allgemeiner Docubitus; in Folge desselben bis zum 8. Tage tiefe und umfangreiche Zerstörungen in der Haut und Unterbaut. Puls 100, Resp. 33, Temp. 39,5—40,7. Am 10. Tage Hess der Besitzer das hoffnungslos erkrankte Pferd tödten. — Autopsie: Thromboso der aneurysmatisch erweiterten vorderen Gekrösarterie. Grosser, in puri-former Erweichung befindlicher Thrombus in der hinteren Aorta vor der Thoilung. Embolio und obturirondo Thrombose in der linken Beckenarterie, in beiden Kniekohlen Arterien und in der rechton Verstopfungsarterio. Aussordem fanden sich die durch jauchige Blutvergiftung bedingten Veränderungen.
5)nbsp; nbsp;Fractur der i3eckenknoohen. Pferdo, die mit einem Becken­bruch behaftet werden, können in der Regel bei zweckmässiger Unter­stützung sich erheben und auf den Hinterfüssen stehen. Auch iässt sich bei Verschiebungen des Beckens oder des Schenkels oft eine dumpfe Crepitation vernehmen. Ausserdem giebt die ungleiche Haltung des Beckens, wenn die Pferde stehen, einen diagnostischen Anhalt.
6)nbsp; nbsp;Fractur der Wirbelsäule. In schweren Fällen mit starker Blutung in den Wirbclkanal besteht neben vollständiger Lähmung der Muskeln zugleich Mangel an Empfindung in der Haut bei Nadelstichen, während bei der Lumbago die Reizempfänglichkeit der Haut nicht auf­gehoben ist. — Oft erleiden die Wirbclkörpor zunächst nur eine Fissur, wobei die Pferde sich 2—5 Tage stehend erhalten können. Solche Fälle haben einige Aehniichkeit mit der subacut verlaufenden Lumbago. Aber die betreffenden Pferde ziehen im Schritt die Hintergliedmasse bei stark angespannter und etwas gehobener Wirbelsäule schleppend nach. Ausser­dem fehlen die schmerzhaften Empfindungen in der Hinterhand. —• Wird der Thierarzt erst hinzugezogen, wenn das Pferd nicht mehr stehen kann, so ist die Diagnose schwierig, namentlich wenn sich über die Vorgeschichte des Falles Nichts ermitteln lässt. Denn bei einem Wirbclbruch entsteht gewöhnlich auch ein starker und allgemeiner Schweissausbruch und im weiteren Verlaufe bestimmt sich das allgemeine Krankheitsbild der hüif-los am Boden liegenden Pferde wie bei der Lumbago, vorwaltend durch die Störungen der ßluteirculation und Blutmischung, welche sich in Folge des anhaltenden Liogens ausbilden. Da charakteristische ünterscheidungs-
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478nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiton.
merkmale fehlen, so bleibt nur raquo;brig, für die Diagnose sammtliche ätiologische und semiotische Merkmale einer vergleichenden Würdigung zu unterziehen.
7)nbsp; nbsp;Hufrhche. Mastig genährte Pferde erkranken zuweilen inner­halb eines Tages am acuten Muskelrheumatismus in Verbindung mit einer schweren Entzündung der Hufiederhaut so erheblich, dass sie wegen der heftigen Schmerzempfindungen in den Hufen nicht aufstehen. Bei ober­flächlicher Untersuchung solcher Patienten kann eine Verwechselung der Krankheit mit der Lumbago leicht stattfinden. Indess liefert gewöhnlich schon die krankhafte Wärme an den Hufkapseln ein wichtiges Unter­scheidungsmerkmal. Andererseits ist die zweckraässige Lagerung der Pferde in Verbindung mit energischer Unterstützung durch Heben am Schweif und Antreibung mit der Peitsche fast immer ausreichend, um die an der rheumatischen Hufentzündung leidenden Pferde zum Aufstehen zu bringen. Sobald dieselben stehen, ist die für die Diagnose mass-gebende starke Schmerzempfindung in den Hufen nicht zu übersehen.
8)nbsp; nbsp;Reizung und Vorkürzung der Aponeurosen an den Lenden- oder an den ßeckenmuskeln. Nach starkem Gebrauche, mehr aber nach Erkältungen entsteht bei Pferden nicht selten in ein­zelnen Partien der Fascien des Rückens, des Beckens oder der Schenkel eine Reizung und Verkürzung. Die hierdurch verursachte Störung in der Bewegung kann sich sehr mannigfach gestalten. Für die nach wenigen Tagen mit Genesung endenden Fälle wird in der thierärztlichen Praxis die Bezeichnung des Leidens als „Hexenschussquot; bevorzugt, während die unheilbaren Fälle der „chronischen Kreuzlähmungquot; begrifflich zugerechnet werden. Gewöhnlich zeigen die Pferde einen „schwankenden Gangquot; im Hintertheil. Da dieselben aus eigener Kraft noch aufstehen oder doch mit einiger Unterstützung sich vom Boden erheben können, so ist die Diagnose gegenüber der Kreuzrhehe nicht besonders schwierig.
9)nbsp; nbsp;Kolik. Dass die zur Kolik gerechneten Krankheiten des Di-gestionstractus der Regel nach mit der Kreuzrhehe nicht verwechselt werden können, bedarf kaum der Erwähnung. In einzelnen Fällen wird aber beobachtet, dass die kolikkranken Pferde wie gelähmt am Boden liegen und besonders in den letzten Stunden vor dem Tode zum Auf­stehen nicht gebracht werden können. Dann ist die sorgfältige Beach­tung sämmtlichor Symptome erforderlich, um eine Verwechselung beider Krankheiten zu vermeiden.
10)nbsp; nbsp;Narkotische Vergiftungen. Einige Gifte, die als Futter­stoffe oder mit dem Futter aufgenommen werden, verursachen eine mit Lähmung verbundene Erkrankung der Rückenmarkshäutc. Hierzu gehören
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Kreuzrhohe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;470
der Samen der Kornrade (Agrostemma Githago), das Rohr (Arundo Phragmites) und der Schaohtellialm (Equisetum palustre). Auch die anhaltende Verabreichung roher Kartoffeln scheint zuweilen eine nach­theilige Wirkung in dieser Richtung zu haben. — Die betreffenden Pferde zeigen oft keine Störung des Gosatmntbefindens, bekunden aber einen schwankenden Gang und sind in den höheren Krankheitsgraden nicht mehr fähig, aufzustehen. — Durch die genaue Beachtung der die Kreuzraquo; rhehe begleitenden Muskel- und Knochenschmerzen ist indess ein dia­gnostischer Irrthum ohne Schwierigkeit zu vermeiden.
Prognose. In der Beurtheilung der Lebensgefahr, welche die Kreuz-rhehe für die Pferde im Ganzen bedingt, gehen die Meinungen der Thier-ärzte ziemlich weit auseinander. Einzelne berechnen den Verlust der erkrankten Pferde auf 70 Procent, während Andere den tödtlichen Aus­gang der Krankheit nur auf 20—40 Procent der Fälle veranschlagen. Soweit meine Erfahrungen in Betracht kommen, muss ich die erst­erwähnte Berechnung für richtig erklären. Die Krankheit involvirt stets eine grosso Gefahr für die Pferde. Sie ist deshalb im Beginn mit Vor­sicht zu beurtheilen. Auf vollständige Genesung lässt sich nur dann mit Sicherheit rechnen, wenn nach Verlauf von 1—3 Tagen in den Sym­ptomen sich eine deutliche und progressive Erleichterung der Muskel-und Knochenschmerzen herausstellt. Bei dem acuten Verlaufe nimmt die Krankheit fast in allen Fällen, in welchen die Aufrichtung der Pferde am 2.—5. Tage nicht gelingt, einen tödtlichen Ausgang. Es ist leicht erklärlich, dass die höheren Grade der Schmerzempfindung in der Nachhand eine ungünstige Prognose erheischen. Einigen Anhalt für die Feststellung dieses Verhältnisses gewährt die Leistungsfähigkeit, mit welcher die Patienten die Versuche zur Aufrichtung der Nachhand unter­stützen. Helfen sich die Thiere mit den Hinterschenkoln gar nicht und lassen sie sich in den Unterstützungsgurten förmlich hängen, so dass sie wieder auf den Boden herabgelassen werden müssen, so ist die Prognose schlecht. Dass die Aussicht auf Genesung durch umfangreichen Decu-bitus noch erheblich verringert wird, ergiebt sich von selbst. — Es nimmt ferner jeder Krankheitsfall, bei welchem der Harn eine grau­schwarze Farbe und einen reichen Gehalt an Eiweiss zeigt, der Hegel nach einen tödtlichen Vorlauf. — Die seitonen Fälle, die dem subacuten und chronischen Krankhcitsverlaufe angehören, sind im Allgemeinen auch ungünstig zu beurtheilen. — Eine günstige Prognose ist nur be­rechtigt bei den leicht erkrankten Pferden, die sich stehend erhalten und bei denjenigen Patienten, die am 2. — 5. Krankheitstagc empor*
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480nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten.
gerichtet werden und selbständig oder mit Unterstützung eines Hänge-gurtes die Hintergliedmassen belasten können.
Therapie. Bis jetzt ist kein speoifiscb wirkendes Mittel bekannt, mit welchem die im Körper befmdlicho toxische Substanz unschädlioh gemacht werden könnte. Es erübrigt daher für die Behandlung nur die Be­folgung symptomatischer Indicationen. Die kranken Pferde sind mög­lichst in zweckmässig eingerichteten Räumlichkeiten unterzubringen und soweit sie nicht aufstellen können, vorab zur thunlichsten Verhütung des Dccubitus bequem zu lagern. Die Hauptaufgabe besteht in dem Ver­suche, die imlflos am Boden liegenden Pferde mit geeigneter Unter­stützung empor zu richten und womöglich, wenigstens eine Zeit lang stehend zu erhalten. Hierzu werden die Thiere in die jedem Sach­verständigen bekannte Lage gebracht und bei gleichzeitiger Antreibung durch mehrere Personen am Schweife und an einem unter den Bauch gelegten Gurt aufgehoben. Leichter lässt sich die Aufrichtung des Patienten mit einem Flaschenzug bewirken. In den meisten Fällen sind die Schmerzerapfindungen so gross, dass die Thiere sich gar nicht auf die Hintergliodmassen stellen. Dann bleibt nichts Anderes übrig, als sie wieder auf den Boden herabzulassen. Der Versuch zur Aufrichtung kann nach einigen Stunden wiederholt werden. Indess darf der Thier-arzt bei den Misserfolgen der ersten Versuche nicht verzagen. Einzelne Patienten erlangen, wenn sie sich etwas anstrengen, beim ersten oder bei den folgenden Versuchen im Verlaufe von 15 — 30 Minuten so viel Leistungsfähigkeit in der Muskulatur, dass sie im Hängeapparat stehen bleiben. Dann erfolgt die Genesung schnell. Schon nach 2—3 Tagen können diese Pferde sich selbständig bewegen und es vergehen kaum noch einige weitere Tage, bis sich die Heilung vollständig vollzieht.
Seit langer Zeit ist bei der frisch entstandenen Kreuzrhehe der Aderlass in Anwendung gekommen. Ich habe ihn oft ausgeführt, muss aber den süddeutschen Thierärzten darin zustimmen, dass er einen er­kennbaren Heilerfolg nicht hat. Indess ist der Aderlass in keinem Falle nachtheilig.
Einigen Vortheil gewährt die schnelle Entleerung des Darmkanals. Hierzu eignet sich am besten die subeutane Anwendung einer Lösung von Physostigmin (0,10—0,1'2 in Aq.). Tritt eine genügende Wirkung hierauf nicht ein, so kann nach 4 Stunden dieselbe Dosis wiederholt werden. Andererseits ist auch Extr. Aloes indicirt. Dagegen habe ich mich nicht überzeugen können, dass die stark reizenden Drastica einen Nutzen hätten. — Früher war die innerliche Verabreichung von Tart. stib. mit Kai. nitr. oder von erregenden Mitteln (Camphor, Semen
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Kreuzrhohe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 481
Strychni) auch die subcutane Anwendung einer Lösung von Strychn. nitr. gebräuchlich. Ich habe von diesen Medicationen niemals einen heilsamen Erfolg beobachtet. — Ebensowenig fand ich Chloralhydrat und Morphium vortheilhaft. — Dagegen habe ich die in der Literatur mehrfach em­pfohlene innerliche Behandlung mit Mineralsäuren (Acid, sulfur, oder Acid, hydrochlor.) beibehalten. Trinken die Thiere viel, so kann die Säure zweckmässig zu 30,0—40,0 Grm. einem Eimer voll Wasser zuge­setzt werden. Sonst ist dieselbe mit einer reichlichen Quantität (15,0 in einer Weinflasche voll) Wasser den am Boden liegenden Thieron mit der nöthigen Vorsicht einzugeben. Einige süddeutsche Thierärzte verwenden mit Vorliebe Acid, phosphor., welches in gleicher Art zu verabreichen ist.
Aeusserlich sind scharfe Einreibungen auf die Haut in der Lenden-und Kreuzpartie (Sp. Sinapis, 01. Tereb. mit Liq. Ammon. caust, Tinot. Gantharid.), auch die Acupunctur an den Kruppenrauskeln vielfach be­nutzt worden. Ich nahm oft Gelegenheit, diese Heilmittel bei der Kreuz-rhehe auf ihre Wirkung zu prüfen, habe aber in keinem Falle einen therapeutischen Erfolg von ihrer Anwendung gesehen. Demnach halte ich die scharfen Einreibungen (ür nutzlos und entbehrlich. — Anhalten­des Frottiren der Haut mit Spiritus, namentlich an den Gliedmassen, empfiehlt sich aus allgemeinen Heilindicationen und erweist sich vor­theilhaft, wenn die Aufhebung der Pferde versucht werden soll.
Zur Behandlung des Decubitus ist die öftere Waschung mit Aiumen l, Plumb, acet. 2 in Aq. 50 indicirt.
Beim chronischen Verlauf der Kreuzrhehe und bei den Lähmungen in der Muskulatur der Nachhand, welche als Folgekrankheiteu eintreten, ist die gewaltsam erzwungene Bewegung der Pferde zuweilen nützlich. Die Thiere werden zunächst täglich l/i — 1 Stunde geführt und später zu leichten Arbeiten verwendet.
In prophylaktischer Hinsicht hat die Regelung der Ernährung fast immer einen vollständigen Erfolg. Wenn die Pferde, welche täglich an harte Arbeitsleistungen gewöhnt sind und intensiv ernährt werden, an einem oder an mehreren, sich einander folgenden Tagen im Stalle ver­bleiben, so ist eine entsprechende Beschränkung des Körnerfutters ge­boten. Gleich vortheilhaft ist es, die mastig genährten Pferde während der Feiertage täglich eine Stunde im Freien umherführen zu lassen. Gegenüber der Thatsache, dass zuweilen innerhalb weniger Wochen unter den Pferden eines Gehöftes mehrere Krankheitsfälle vorkommen, ist auf die ausreichende Beschäftigung der Pferde und auf eine Aenderung des Futters Bedacht zu nehmen.
Di ec k er h o f f, Spec. Patliologie und Thertipie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ot
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Casuistik.
Aus dor Boschreibung der Symptome und des Verlaufs dürfton sich die wesent­lichsten Charaktere der Krankheit genügend ergehen. Ich will doshalb an dieser Stelle nur über 3 Falle berichten, die zwar an sich nicht bosonders bemerkenswerth sind, aber dem Anfänger in der thionir/ilichen Praxis einigen Anhalt bieten können.
1) Acute Entwickelung der Krankheit; Hämo globin urio mit Verringe­rung der Harnsecrotion; unerheblicho parenchymatöse Nierenentzün­dung; fruchtlose Versuche, das Pferd auf clon Hinterfüssen zum Stehen zu bringen. Tod in Polge anhaltenden Liegens durch parenchymatöse Degeneration des Herzens am 13. Krankheitstage.
Rothschimmel-Stute, 12 Jahre alt, belgischer Race, auf beiden Augen durch grauen Staar erblindet —- hatte 3 Tage im Stalle gestanden und war am 28. Decem­ber 1885 nach einstiindlgem Gebrauche auf der Strasse plötzlich zusammongobrochon. Das Pferd wurde auf einem Wagen in die Klinik eingeliefert. Es konnte sich mit dem Vordortheil leicht erheben, die Hintcrschenkcl aber nicht belasten. Massige Contraction und Aufwulstung der Krnpponnmskoln. Kopfschloimhäute venös geröthet. Sensorium vollständig frei. Appetit und Durstgefühl normal. Pulsfrequenz; llespi-ration und Temperatur nicht gesteigert.
Od.: Physostigmin 0,10 in Aq. In den nächsten Tagen wird die Aufrichtung des Pferdes dreimal täglich mit einem Flaschenzug vorsucht. Es belastet aber die Hinterschenkol stets nur 2—3 Minuten lang, stellt sich dann auf die nach vorn übor-goknickton ITesselgelenlce und lässt sich schliesslich in dem Untcrstützungsgurt voll­ständig hängen, so dass es wieder auf den Fussbodon gelegt worden muss. Der am 29. December und an den folgenden Tagen mit dem Katheter aus der Blase entleerte Harn reagirt schwach sauer und ist stark hämoglobinhaltig. Die Farbe gleicht der dos arteriellen Blutes. Am 31. December Hess ich aus der Jugularis 150 Grm. Blut durch eine Hohlnadel in einen Glascylinder lliessen. Das Blut gerann schnell. Nach 30 Stunden war eine massige Quantität vollständig Idaron, etwas glänzenden, röth-lich gelb gefärbten Serums abgeschieden.
Innerlich Acid. sulf. mit dem Trinkwasser. — Bei sorgfältiger Pflege wurde der Decubitus ziemlich lange verhindert. Am 3. Januar 1886 konnte das Pferd nach der Aufrichtung die llinterfüsso fast'Ö Minuten lang etwas belasten. Aber es stöhnte in Folge der starken Schmorzenipfindungon und vorsagte schliesslich jede Hülfeleistung, so dass alle Vorsuche zur Aufrichtung erfolglos waren. Die am 4. Januar der Jugularis entnommene Blutprobe vorhielt sich fast ganz wie normales Blut. Das Serum hatte
nur eine ganz geringe röthlicho Nuance. Starke Pulsfrequenz und Dyspnoo. Der
Am 5. Januar stellte sich Decubitus ein. Tod erfolffte erst am 10. Januar.
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Section am 11. Januar im pathologischen Institut (Liipko). Als Nebenbefund ergab sich in der Portio oosophagea dos Magens eine grössero Zahl frischer diphthe-
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Kreuzrheho.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;483
rischer Hereto von dem Umfange einer riaselnuss, ganz ähnlich den S. 298 als Neben-befund bei der Brnstseuche bosohriobenen Herden. — Lober leicht vergrössert; Milz normal. Nieren wenig vergrössert; Oberllücho glatt undgrauroth; Sclinittnäche saft­reich; spiegelnd; Marksubstanz geröthet; Rinde etwas verbreitert. An einzelnen Stellen, an welchen die Röthung stärker hervortritt, sind die Markstrahlen bis zur Peripherie der Nieren als breite graue Streifen zu verfolgen. In der Blase befanden sich etwa 100 Gnu. trüben, fadenziehenden Harns von alkalischer Reaction, — Die Lenden-üarmboinmuskeln und die Strecker der Kniescheibe sind von graubrauner, stellenweise von gelblich brauner Färbung. Weniger stark sind die Kruppenmuskeln verändert. — Die venösen Gofässe enthalten schwarzrothes flüssiges Blut. In der rechten Herzhälfte theerartige Blutgerinnsel. Herzfleisch graubraun, weich, auf der Schnittfläche grau gefleckt, glanzlos und trocken. — Lungen sehr blutreich und ödematös indllrirt. — In beiden Oberschenkelbeinen enthielt das rothe Mark der Spongiosa ausgebreitete schwarzrothe Herde. Das gelbe Knochenmark zeigte keine erheblichen Veränderungen. Die Wirbelsäule wurde der Länge nach durchgesägt. Auf der Schnittfläche zeigten die Körper der Rückenwirbel eine blutige Durchtränkung. Die Lendenwirbel enthielten häniürrhagische Herde von schwarzrother Farbe. An dem Markgewebe der übrigen Knochen fanden sich keine wesentlichen Veränderungen.
2) Schwere Erkrankung mit peracuter Entwiokolung. Genesung am
8, Krankheitstage.
Sechsjähriger Wallach dänischer Race, 12 Centner Lebendgewicht, mastig ge­nährt, erkrankte nach zweitägiger Ruhe im Stalle am 13. Februar 1883 beim Ge­brauche vor einem Lastwagen auf der Strasse unter starkem Schwoissausbruch. Das Pferd lahmte auf beiden Hintergliedmassen, mit der linken etwas stärker, als mit der rechten. Ueberknicken der Fesselgelenke, steife Haltung der Schenkel und Anspannung des Bauches. Nachdem der Patient noch etwa 50 Schritte gegangen war, fiel er zu­sammen und war unvermögend, sich wieder zu erheben. Das Pferd wurde auf einem Wagen in den Stall des Besitzers gebracht und bekundete bei meiner Untersuchung die Merkmale der Lumbago in hohem Grade. Puls 60, Respiration 15, Temperatur 39,1. — Ord.: Sorgfältige Verpflegung. Innerlich Extr. Aloös 40,0 mit Natr. sulf. 300,0 in einer Schüttelmixtur. Acid. sulf. 30,0 in Trinkwasser. Am 14. Februar (30 Stunden nach dem Beginn der Krankheit) wurde der erste Versuch zur Aufrichtung des Pferdes unternommen. Ich Hess unter die Brust und unter den Bauch je einen Sack legen, an dessen Enden Stricke befestigt waren. Letztere wurden durch Ringe an der Stalkleckc gezogen. Durch Anziehen an den Stricken und starkes Emporhoben an der Schweifrübe gelang die Aufrichtung des Pferdes. Die Belastung der Hinter-gliodmassen verursachte demselben zunächst eine grosse Beschwerde. Starkes Muskel­zittern, Ueberknicken der Fesseln, steife und gespreizte Stellung Nach 15 Minuten musste der l'atient wieder auf die Streu herabgelassen werden. — Am 15. Februar (48 Stunden nach dem Krankheitsanfange) wurde die Aufrichtung zum zweiten Mal in derselben Weise bewirkt. Auch jetzt empfand das Pferd beim Stehen zunächst eine gleich grosse Beschwerde. Es hielt sich aber bei aufmerksamer Unterstützung eine halbe Stunde lang aufrecht, worauf die Schmerzen allmälig nachliessen, so dass es mit starker Kraftanstrengung stellen bleiben konnte. Die Steifheit der Gliedmassen minderte sich im Verlaufe des nächsten Tages mehr und mehr und das Pferd erholte sich bis zum 20. Februar vollständig.
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484nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
8) Leichte Erkrankung mit Affoction der Hinterhand und der Vorder-gliediua ssen. Protrahirtor Verlauf. Vollständige Cionesung nach
vier Wochen.
Schimmel-Wulltich belgischer Race, 8 Jahre alt, sehr gut genährt. Im Bositno einer Kohlenhaiidlung, zeigte nach dreitägiger Kühe im Stalle am 27. December 1882 vor dem Lastwagen die Symptome der in der Entwickelung begriffenen Kreuzrhehe. Das Pferd wurde vom Wagen abgespannt und langsam in den Stall geführt. Es hielt sich aufrecht) bekundete aber eine steife Haltung dos Beckens mit beulenförmiger llervomiguug der hart gespannten Kruppenmuskeln. Auch die Vorarn:Strecker wurden in gleicher Weise contrahirt. Puls 65, Respiration 18, Temperatur 38,7. Beim An­treiben zur Schriltbewoguug knickte das Pferd mit den Vorderfesseln nach vorn, so dass es sich oft auf die Kesselgelonke stellte. Kr konnte die Vordergliedmassen in steifer Haltung nach vorn bringen, vermochte dann aber die Streckung wegen starker Sohmerzempfindung nicht zu bewirken. Zuweilen fiel es auf die Vorderfusswurzel-gelonke. Die Hintergliedmassen wurden fast gestreckt gehalten und schleppend nach vorn gezogen. — Harn in leichtem Grade blutig gefärbt, trübe. Therapie; Starker Aderlass, Prottiren der Haut mit Sp. camphor. Innerlich: Aloe*in Latwergenform. Das Pferd wurde mit Jlühe in einen Laufstall gebracht und zunächst in einen Hänge­gurt gestellt. — Am 28. December fand sich eine geringe Erleichterung in den Krank­heitserscheinungen. Das Pferd verzehrte Heu und Mohrrüben. Durstgefühl normal. Harn nicht blutig. Der Hängegurt wurde entfernt, aber das Pferd legte sich im Lauf­stall nicht. Ord.: Acid, hydrochlor. in Trinkwasser,
Im Verlaufe der nächsten 4 Tage traten die Krankheitserscheiimngen mehr und mehr zurück. Am 3. Januar konnte das Pferd auf dem Hofe umhergeführt werden. Es hatte aber noch keine Sicherheit auf den Vorderfüsson und knickte bei geringen Fehltritten leicht in den Fesseln ein. Bei zwockmässiger Vorpllegung im Stalle Hess ich das Pferd täglich 1—2 Standen lang umherführen. Hierbei besserte sich der Gang allmälig; aber erst am 80. Januar 1883 konnte die Krankheit als vollständig gehoben betrachtet werden.
Capitel XXIII. Harnruhr. Lautcrstall. Diabetes iiisipidiis.
Auffällig ist die Thatsacho, dass die Harnruhr der Pferde in der älteren Literatur nicht die oingohendo Würdigung gefunden hat, welche ihrer Bedeutung entsprochen dürfte. Der Grund scheint darin zu liegen, dass die einllussroichsten Autoren wonig Gelegenheit gehabt haben, die Krankheit zu beobachten. In den Kliniken der Thior-arzneischulen werden nur selten Pferde wegen Harnruhr behandelt. Desto bekannter ist die Krankheit in den Wirkungskreisen mancher praktischer Tbierärzte, namentlich
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Harnruhr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 485
in solchen Gegendon, in welchen viel Lastfuhrwerk an Unternehmer verdungen wird und grosso Pferdobostände zur Bewältigung der Transporte nothwendig sind.
Im vorigen Jahrhundort-scheint die Krankheit den Autoren fast nur dem Namen nach bekannt gewesen zu soin. Indess wusste man, dass dieselbe durch den Genuss verdorbenen Putters entstellt. Nach guten Beobachtungon hat zuerst Greve (Erf. und Beob., 2. Bd., 1821., S. 81) einige Mitthoilungon über dieselbe vorölTentlicht, die zwar nicht erschöpfend, aber im Ganzen zutrelTend sind. Dieterichs hat in seinem Handbuch der Harnruhr nur ganz oberflächlich gedacht. Haync, Voith und Uleiweiss führen dieselbe auf eine Reizung mit gleichzeitiger Erschlaffung in den Nieren zurück. Dieser Theorie entsprechend werden die verschiedensten Ursachen, unter welchen allerdings auch dem dumpfigen Hafer ein Platz eingeräumt ist, be­schuldigt. Oft ist auf eine Beschreibung von Jloiroud (Rec. do mod. vöt. 1830) Bezug genommen, der das allgemeine Vorkommen der Krankheit In niohroren fran­zösischen Departements beobachtete. Renner (Wörterb., 1830., Art. Diabetes) er­klärte den Genuss des verdorbenen, dumpfigen Hafers für die häufigste Ursache der Harnruhr. Diese Thatsacho wird auch In den neueren Handbüchern stets hervor­gehoben, obschon neben derselben noch viele andere ursächliche Factoron der Patho-genese zu Grunde gelegt sind.
IMinitioii, Der Name „Harnruhrquot; hat in der Pathologie einen conventioneilen Begriff. Derselbe umfasst nicht jede das tägliche Durchschnittsquantnm erheblich übersteigende Ausscheidung von Urin. Die Harnruhr der Pferde ist vielmehr zu defi-nireif als eine selbständige Ernährungskrankheit, bei welcher eine abnorm grosso Quantität von wasserreichem Harn ausgeschieden wird, der kein Eiweiss und auch keinen Zucker enthält. Demnach ist dem Begrilf der Harnruhr nicht'unterworfen: Die Vermehrung des Urins, welche bei der Aufnahme wasserreicher Futterstoffe, ferner nach der Verabreichung diuretischer Arzneimittel und im Vorlaufe acutor fieberhafter Krankheiten eintritt. Structurveränderungen in den Nieren sind bei der Harnruhr des Pferdes nicht nachzuweisen. Daher kann dieselbe als eine Nierenkrankheit nicht an­gesehen werden. Eine krankhafte Vermehrung der Harnmengo, bei welcher der Harn Eiweiss enthält, ist der Albuminurie begrifflich unterzuordnen und auf eine Nioren-kranltheit zurückzuführen, nicht aber als „Harnruhrquot; zu bezeichnen.
Der technische Ausdruck „Diabetesquot; wird In dor Medicin auf zwei verschiedene Krankheiten resp. auf zwei Arten der Harnruhr angewandt. Bei dor einen Krankheit scheidet sich mit der vermehrton Harnsecretion Traubenzucker aus, während bei der anderen Krankheit der Harn keinen Zucker enthält. Hierauf beruhen die Bezeichnungen; Diabetes mellitus (Melituria, Zuckerharnruhr, Diabetes verus) und Diabetes insipidus (einfache oder zuckerloso Harnruhr, Diabetes spurius). Das Beiwort „insipidusquot; (unschmackhaft) bezieht sich demnach in dem hier gedachten Sinne nur auf die Abwesenheit des Zuckers. Dass bei den Pferden die Meliturio vorkäme, ist bislang nicht nachgewiesen worden (vorgl. S. 105). Als Diabetes des Pferdes ist deshalb immer die zuckorlose Harnruhr zu denken.
Mit dem symptomatischen Namen der „Hydruriaquot; lässt sich die Harnruhr des Pferdes im Allgemeinen richtig bezeichnen, weil die Abnormität des Harns im Wesent­lichen auf einem übergrossen Gehalt an Wasser beruht. Indess ist hierbei zu berück­sichtigen, dass die Ernährung der Pferde mit wasserreichem Futter auch eine llydrurie herbeiführt, die aber keine krankhafte Bedeutung hat. Aus annlogen Gründen sind die Namen „Polyuriequot; und „Hyporuresisquot; nur unter der Voraussetzung zuzu-
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486nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
lassen, dass dieselben sich lediglich auf den vermehrten Wassergehalt des Harns be­ziehen und ein kranlfhaftes Verhalten der Harnseorotion ausdrücken sollen.
Dor Name „Tjauterstallquot; hat folgende Etymologie. „Stallenquot; ist gleich­bedeutend mit Uriniren; „Stallquot; ist daher in diesem Sinne die ürinentleerung. „Lauterquot; (altd.: „Lutterquot;) = nichts, als. Demnach bedeutet der Ausdruck „Lauter­stallquot; eine Krankheit, bei welcher die Pferde nichts, als Urin resp. fortwährend und im Uebormass Urin entleeren.
In der Volkssprache wird die Krankheit vielfach als „kaltes Urinirenquot; be­zeichnet, was von dem Merkmal herrührt, dass der Harn wassorholl aussieht und RiechstofTe, welche im gesunden Harn gleich nach derEntleerung verdunsten, nicht ent­hält. Nach dieser Eigenschaft nehmen viele Laien irrthümlich an, dass der Harn kalt sei.
Aetiologie. Als Ursache dor Harnruhr ist nur die Verabreichung von verdorbenem Hafer, d. h. von solchem Hafer zu beschuldigen, welcher in grosson Quantitäten auf Futterböden gelagert oder in Schiffen ver­frachtet und nicht in Zwischenzeiten von 3—4 Tagen von einer Stelle zur anderen geworfen („umgesetztquot;, d. h. der allseitigen Einwirkung der frischen Luft ausgesetzt) wird. Vor 50 Jahren und noch früher war es üblich, grosso Posten von Hafer mit Schiffstransporten resp. in Kähnen zu beziehen. Hierbei erlitt der Hafer oft die in Rede stehende Ver-derbniss. Aeltere Autoren erklären deshalb den Genuss des Schiffs­hafers für eine der wichtigsten Ursachen bei der Harnruhr. Gegenwärtig wird der Hafer meist in Säcken verfrachtet und mit der Eisenbahn transportirt. Aber die Futterhändler schichten den Hafer gewöhnlich in grossen Posten (100—200 Centner und oft noch viel mehr) auf dem Boden zusammen. Bleibt eine solche Quantität hier ohne die vorbe­zeichnete Behandlung 8 —14 Tage oder noch länger liegen, so verdirbt der Hafer. — Der lufttrockene Hafer enthält immer noch 10—15 pCt. Wasser. Dieser Wassergehalt ist ausreichend, um beim Abschlüsse der Luft die Fortentwickelung resp. Vermehrung der in jedem Hafer unter der Hülse befindlichen Pilze zu ermöglichen. Die in einem Haferkorn vegetironden Pilze verbrauchen die Nährstoffe des Kerns, welcher dem­nach allmälig kleiner und schliesslich vollständig aufgezehrt wird, so dass die leere Hülse übrig bleibt Hieraus erklärt sich die Thatsache, dass, wenn die in Rode stehende Verdorbniss einen höheren Grad er­langt, der Hafer im Ganzen ein relativ leichtes Gewicht hat. Es werden aber nicht alle Haferkörner gleichtnäsSig verdorben. Oft sind viele Körner schon ihres Kerns vollständig beraubt, während an anderen kaum die ersten Merkmale der Verderbniss erkannt werden können. — Die Pilze, welche den Hafer in der hier gedachten Art verderben, sind noch nicht endgültig festgestellt. Seit längerer Zeit wird angenommen, dass sie der Gattung Aspergillus angehören.
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Harnruhr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;487
Es ist üblich, den verdorbenen Hafer als rnultrig, stickig oder dumpfig zu bezeichnen. Er hat einen eigenthümlichen unangenehmen Geruch, bald in geringem, bald in hohem Grade. Je näher man eine Probe dos gedacbten Hafers vor die Nase bringt, um so leichter ist der Geruch festzustellen. Haubner (Gesundheitspflege) und Gerlach (Ger. Thierh., 2. Auil., S. 139) behaupten, dass solcher Hafer auch einen brennenden, stechenden oder kratzenden Geschmack haben soll. Ich habe bei sehr vielen Versuchen einen derartigen Geschmack niemals empfunden. Dagegen ist der Geruch ganz charakteristisch. Um der ungünstigen licurlheilung dos in lledo stehenden Hafers entgegen zu treten, pflegen die Futterhändler den Geruch als „Bodengeruch'' zu be­zeichnen. Es ist für den Thierarzt von Interesse, zu wissen, dass der Bodengeruch immer der verdorbenen Beschaffenheit des Hafers seine Ent­stehung verdankt.
Dass die anderen Arten des Körnorfutters in gleicher Weise, wie der Hafer eine verdorbene Beschaffenheit annehmen und die Harnruhr erzeugen können, ist zwar wahrscheinlich, aber bis jetzt nicht nach­gewiesen. Jedenfalls hat in praxi nur der Hafer ein ätiologisches Inter­esse bei der Krankheit. Als Folge der Maisfütterung sah ich mohrfach in den ersten Wochen bei den Pferden eine Polyurio auftreten. Dieselbe war aber nicht von krankhafter Bedeutung und verlor sich auch wieder, nachdem sich die Pferde an das Maisfutter gewöhnt hatten.
In der Literatur ist auch die Verabreichung von verdorbenem (ver­schimmeltem) Heu und von schlechtem Trinkwasser als Ursache des Lauterstalls anerkannt worden. Ich muss auf Grund eines grossen Beob­achtungsmaterials diese Behauptung für irrthüralich erklären. Die Futter­händler haben oft ein Interesse daran, die Meinung nicht aufkommen zu lassen, dass der von ihnen gelieferte Hafer die Krankheit verursacht. Ein gleiches Interesse haben zuweilen die Administratoren, welche für die Beschaffung und Aulbewahrung von gutem Futter verantwortlich sind. Von solchen Interessenten geht gewöhnlich die unrichtige Be­schuldung des Heues und des Trinkwassers aus.
Incorrect ist auch die Ansicht, dass der Genuss von Kochsalz und von Futter, welches durch Meerwasser überschwemmt war, die Harnruhr verursachen soll. Es kann durch solche Stoffe wohl eine gesteigerte Harnentleerung herbeigeführt worden, nicht aber die hier gemeinte Krankheit.
Entsprechend dem geschäftlichen Verkehr wird der verdorbene Hafer vorwaltend gegen linde des Winters, noch mehr aber im Frühjahr und im Sommer in den Handel gebracht. Doshalb kommt die Harnruhr in
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488nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
diesen Zeiten am meisten vor. Sie ist ferner häufig in den Pferde­beständen solcher Besitzer, welche die Rechnungen der Putterhändler nicht prompt begleichen und deshalb die Annahme des schlechten Hafers nicht verweigern können. In den Stallungen der Landwirthe, welche das Pferdefutter aus der eigenen Erndtc beschaffen und den Hafer nicht in grösseren Haufen aufspeichern, wird die Harnruhr nicht beobachtet. Die Militärbehörden und viele andere staatliche und private Verwaltungen haben contraetlich vorgesehen, dass die Händler keinen Hafer liefern dürfen, der nicht „frei von Geruchquot; ist. Deshalb kann die Harnruhr in den Pferdebeständen der Armee und der betroffenden anderen Ver­waltungen gegenwärtig kaum noch zum Ausbruch kommen.
Pathogenese. Die Entwiokelung des Diabetes ist darauf zurOokzuführen, dass durch die Vegetation eines specifischen Pilzes in dem Hafer eine Substanz von eigen-tluimlichor tox isolier Wirkung entstellt, üeber die chemische Constitution derselben ist aber bis jetzt nichts bekannt. — Wenn die Pferde als Kernnalming ausschliess-lich den verdorbenen Hafer erhalten, so stellen sich die Krankheitsersoheinungen schon nach 2—4 Tagen ein. Wird aber noch Roggenschrot oder guter Hafer nebenbei gegeben, so erkranken die Pferde in offonkundigem Grade erst nach 5—10 Tagen. — Die nachtheiligen Wirkungen des verdorbenen Hafers äussern sich durch Dyspepsie, Polyurie und mit letzterem zusammenhängend durch krankhaft gesteigertes Durst-geftthl (Polydipsie). Die Dyspepsie erklärt sich dadurch, dass die krankhafte Hydrurie die Austrocknung der Organe bis zu einem gewissen Grade herbeiführt, wodurch die Secretion der Verdauungsdrüsen erheblich beschränkt wird. — Für die vermehrte Aus­scheidung von Wasser durch die Nieron sind die physiologischen Gründe noch nicht genau erkannt.
Die Menge des Harns differirt nach der Quantität des aufgenommenen Wassers, übersteigt aber die normale Harnmenge um das Vier- bis Achtfache. In der Wasser­aufnahme und der Harnsecretion besteht keine quantitative Ueberoinstimmung. Die Quantität des Harns ist immer geringer, als die des verzehrten Wassers, weil von letzterem für die Athmung und für andere Functionen ein Theil nutzbar gemacht werden muss. Da die Ausscheidung des HarnstolTs nicht wesentlich von der Norm abweicht, so wird der Harn in dem Grade, in welchem seine Menge zunimmt, an speeifischem Gewicht leichter. In einem von Schlampp (München. Zeitschr. 1884., S. 133) beschriebenen Falle wurde eine Abnahme des Phenols, des Indioans und der Alkalisalze nachgewiesen. Chlornatrium fehlte vollständig. Eiweiss enthält der Harn beim Diabetes insipidus nicht. Demnach spricht sich die Störung im Wesentlichen dadurch aus, dass eine abnorm grosse Menge von Wasser in den Nieren ausgeschieden wird. Aber diese Hydrurie beruht nicht darauf, dass das Blut zu viel Wasser ent­hielte. Es findet sich im Gegenthoil am Blute selbst keine Veränderung. Im Ganzen vormindert sich aber die Blutmongo im Körper, wenn die Krankheit lange dauert oder unheilbar ist. — Alle Resultate dor klinisch-praktischen Erhobungen sprechen da­gegen, dass eine Reizung des Niorenparenchyms besteht. Demnach bleibt nur übrig, eine Innorvationsstörung der Nierengefiisse als Vorbedingung der gesteigerten Wasser­ausscheidung anzunehmen. Durch nervöse Einflüsse muss eine Zunahme dos Blut­drucks in den Gofässknäueln der Nieren bedingt werden. Dio Folge dieser Druck-
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Harnruhr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 489
zunähme ist die Vergrössernng der Harnmenge resp. der Wassermenge im Harn. Wird diese Hypothese der Pathogonese des Diabetes zu Grunde gelegt, so muss die mit dem verdorbenen Hafer aufgenommene toxische Substanz eine speciflsche Wirkung auf die nervösen Apparate haben, welche den Tonus in den Gefässknäueln der Nieren vermitteln. Nun ist aber noch nicht mit Sicherheit nachgewiesen, ob diese Apparate im Rückenmark, oder am Boden der vierten llirnkammer oder im Bereiche des N. sym-pathicus liegen. Es ist daher in der Theorie der Harnruhr das wichtigste Moment nach thatsiiehlichen Ermittelungen noch nicht aufzuklären.
Die Polydipsie beim Diabetes ist eine seeundiire Erscheinung-, die darin ihren Grund findet, dass mit der krankhaften Polyurie dem Blute fortdauernd eine grosse Menge von Wasser entzogen und ebonmässig auch aus den Organen ein abnorm grosser Theil des Wassergehaltes durch Resorption entfernt wird. Demnach ist das krank­hafte Durstgefühl durch den Mangel an Wasser in den Organen des Körpers bedingt.
Die Dauer des Diabetes ist in der überwiegend grössten Mehrzahl der Fälle ab­hängig von der Zeit, in welcher der verdorbene Hafer gefüttert wird. Mit dem Wechsel in der Ernährung der Pferde erreicht die Krankheit der Regel nach ihr Ende. In einzelnen Fällen, namentlich dann, wenn der verdorbene Hafer länger als 6 Wochen gegeben war, bleibt die Harnruhr trotz zweckmässiger Ernährung der Pferde fort­bestehen. Ihre Dauer kann sich dann auf 1—2 Jahre ausdehnen. Schliesslich gehen solche Pferde durch progressive Abmagerung zu Grunde. Auch in diesen Fällen findet sich bei der Section keine krankhafte Veränderung der Nieren. Die bedingenden Mo­mente des unheilbaren Diabetes insipidus sind bis jetzt nicht nachgewiesen. Zur Umschreibung des Problems bleibt nur die Annahme übrig, dass die nervösen Apparate, welche den normalen Blutdruck in den Nierengefässen reguliren, gelähmt oder ver­nichtet sind.
Symptome. Es ist leicht verständlich, dass bei der Harnruhr graduelle und quantitative Abstufungen in den Symptomen vorkommen. Sie sind durch die Menge dos verdorbenen Hafers und die Zeit, in welcher der­selbe verzehrt wird, bedingt. Einigen Einfluss hat auch die Individualität, namentlich der Körperbau der Pferde. Thiere mit lebhaftem Appetit und starker Verdauung erkranken nicht so schnell in augenfälligem Grade, als hochbeinige Pferde mit schlecht gebauter Mittelhand. Das Sensorium wird niemals belastet; die Pferde behalten vielmehr selbst bei anhaltender Harnruhr ihre gewöhnliche Aufmerksamkeit. Auch in der Bewegung des Körpers treten keine anderen Störungen ein, als durch die Abmagerung und den Kräfteverfall veranlasst sind. — Fieber tritt bei der Harnruhr nicht ein. Nur nach Ausbildung der Kachcxie und resp. bei tödtlichem Krankheitsverlauf ist die Rectumtemperatur an ein­zelnen Tagen etwas über die Norm erhöht. — Auch Pulsfrequenz fehlt. Oft ist der Puls aussetzend.
1) Störungen im Digestionsapparat. Verminderung des Ap­petits, zunächst soweit der verdorbene Hafer gereicht wird, später auch gegenüber den Schrot- und Kleientränken und dem Rauffutter. Dauert die Krankheit 1—2 Wochen oder noch länger in hohem Grade, so ver-
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490nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
zehren die Pferde kaum so viol Futter, dass sie sich am Leben erhalten. Schmackhaftes, gutes und leicht verdauliches Futter (im Winter Kleeheu, irn Sommer Grünfuttcr) wird am meisten angenommen. — Die Maul­schleimhaut wird trocken und die Zunge bedeckt sich oft mit einer ge­ringen Menge zähen weissgrauon Speichels. — Bei der vermindertennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ' Futteraufnahme sind die Darmexcremente spärlich, klein geballt und oft mit etwas Schleim umhüllt.
2)nbsp; nbsp;Störungen In der Harnausscheidung. Häufige und abnorm reichliche Entleerung von geruchlosem, wasserhollem oder in leichtem Grade weingelb gefärbtem Harn. Ist der Fussboden des Stalles gepflastert, so erscheint derselbe in Folge des häufigen ürinirens dauernd feucht. Der Harn ist eiweissfroi; das speeifischo Gewicht schwankt zwischen 1002 —1012, kann aber durch die zeitweise Verabreichung besseren Futters vorübergehend mehr betragen. Auch die in 24 Stunden zur Ausscheidung kommende Harnmenge ist nicht immer gleich; sie kann auf 15—30 Liter beschränkt bleiben, aber auch auf 40—60 Liter sich vergrössern. — Beschwerden habe ich bei der Harnentleerung nie beob­achtet; die Wallachen lassen aber nicht selten die Ruthe etwas aus dem Schlauch herabhängen. In der Literatur ist fast allgemein von einer Empfindlichkeit in der Lenden- oder Nierengegend bei den harnruhr­kranken Pferden gesprochen worden. Ich habe dieselbe nie gesehen, obwohl ich doch mehr als tausend Krankheitsfälle kennen zu lernen Gelegenheit hatte.
3)nbsp; nbsp;Krankhaftes Durstgefühl. Die Polydipsie ist das auf­fälligste Symptom. Fehlt es an klarem Trinkwasser, so nehmen die Thiere auch mit Kleientrank und selbst mit schmutzigem Wasser fürlieb. Wenn die harnruhrkranken Pferde 2—3 Stunden gearbeitet und hierbei kein Wasser erhalten haben, so trinken sie rait grosser Gier 2—3 selbst 4 Stalleimer voll Wasser nach einander aus. Innerhalb 24 Stunden nehmen einzelne Pferde 80—90 Liter Wasser, selbst noch mehr auf.
4)nbsp; nbsp;Veränderungen der Haut. Gesträubte Stellung der Haare, Trockenheit der Haut und reichliche Bedeckung derselben mit staub-artigen Epithelschtippohen, die zum Theil an den Haaren haften bleiben. Auch die Unterhaut wird trocken und derb, so dass sich die Haut auf dem Rippenkörper nur schwer verschieben lässt. Verzögert sich der Verlauf, so wird das Deckhaar lang und rauh.
5)nbsp; nbsp;Anämie. Sichtbare Schleimhäute blass. Conjunctiva in den höheren Krankheitsgraden grauweiss.
6)nbsp; nbsp;Abmagerung. Bei längerer Krankheitsdauer immer erheblich, so dass die früher bestandenen Körperformen fast unkenntlich werden.
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Harnruhr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;491
Dio Augen werden kleiner und treten in die Höhlen zurück. An den Glicdmasson .stellen sich leichte Anschwellungen der Subcutis ein. Müssen die Pferde trotz der Krankheit noch arbeiten, so erreicht die Abmagerung schnell einen höheren Grad und wenn mehrere Wochen hindurch den Pferden nur der verdorbene Hafer als Futter gereicht wird, so kann dio Inanition zum Todo führen.
Verlauf und Ausgang. Vorzugsweise bestimmt sich der Krankheits­verlauf durch die bald lange, bald weniger lange fortgesetzte Fütterung der Pferde mit verdorbenem Hafer. Je schneller der letztere beseitigt und ausschliesslich gutes Futter verabreicht wird, um so früher hört die Krankheit auf. Wenn den Pferden neben dem verdorbenem Hafer gutes Beifutter gegeben wird, so schleppt sich die Krankheit oft lange Zeit hin.
Zu Complicationen inclinirt die Harnruhr eigentlich nicht. Dass die Abmagerung der Pferde einen günstigen Boden für die Rotzin foction ab­geben kann, wurde S. 115 schon erläutert. Ausserdem ist zu beachten, dass, wenn die am Lauterstall leidenden Pferde zu gleich schweren Arbeiten verwendet werden, wie sonst, die an den Gliedmassen als Folge der übermässigen Anstrengung vorkommenden Fehler relativ leicht ent­stehen.
Von erheblichem Interesse ist die als Nachkrankheit des Diabetes oft zurückbleibende Dyspepsie, welcher namentlich die schlecht gebauton resp. die mit mangelhafter Futterverwerthung behafteten Pferde unter­worfen sind. Im Winter bleibt der Appetitmangel oft noch lange Zeit bestehen, wenn durch dio Verabreichung guten Futters der Diabetes be­reits zum Aufhören gebracht ist. Im Sommer erfolgt bei Grünfütterung die Heilung der Dyspepsie schneller.
Wenn die Fütterung des verdorbenen Hafers mehrere Wochen oder Monate hindurch fortgesetzt wird, so erlangt der Diabetes insipidus bei einzelnen Pferden einen unheilbaren Charakter. Im Ganzen ist aber dem unheilbaren Verlaufe kaum 1 Procent der Krankheitsfälle unterworfen. Es ist eigenthümlich, dass solche Pferde bei zweckraässiger Fütterung sich trotz der krankhaften Hydrurie oft sehr lange in gutem Nährzustande erhalten und zu den gewöhnlichen Arbeitsleistungen tauglich bleiben. Grove (Erf. und Boob., II., 1821, S. 34) beobachtete bei einem Pferde eine Krankheitsdauer von V/^ Jahren. Ich habe mehrere Fälle dieser Art kennen gelernt, in welchen die Pferde über 2 Jahre an der Harn­ruhr litten. Schliesslich stellt sich eine erhebliche und unheilbare Dys­pepsie ein, an welcher die Thiere unter den Symptomen der Kachexie eingehen.
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492nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationslirankheiten.
Ein Fall von unheilbarci' Polyurie. Keine Structurvei'cänderung
an rlon Nieron.
Kappslute, 10 Jahre alt, Reitpferd von edlem Ilalbbliitsotüago, war vorbericht-lloli seit 9 Monaten in manyelhaflem Nähr/uslande und hatte seit dieser Zeit im Ganzen sohlecht, an einzelnen Tagen aber besser, als an anderen gefressen. (Jebor die Harn­entleerung konnte der Besitzer Nichts mittheilen. Das Futter soll von tadelloser Beschaffenheit gewesen sein. Das Pferd wurde am 20. November 1885 in die Klinik eingeliefert.
Status. Kaehektisoher Habitus; starke Abmagerung; langes, glanzloses Ueok-haar. Die psychischen Functionen waren nicht gestört. Kopfschleinihänte blassroth. Puls 84, massig kräftig, rhythmisch und äqual; Lungen überall wegsam; Resp. 10 ohne Anstrengung; Temp. 37,9. — Von dem vorgelegten Hafer verzehrte das Pferd Nichts; einige Mohrrüben und eine geringe Quantität Ilen wurden angenommen. Darmexcremente klein geballt und trocken, — Durstgefühl krankhaft gesteigert; mit Vorliebe trinkt das Pferd reines Wasser; vom Kloientrank verzehrt es nur so viel, als erforderlich ist, mn das heftige Durstgefühl zu befriedigen. — Hamsecretion krank­haft gesteigert; Harn klar, dünnflüssig, in ganz geringem Grade gelblich gefärbt, oiwoissfrei, spec. Gewicht 1004, mit Spuren von Kochsalz.
Diese Symptome blieben während des ganzen Krankheilsverlaufs in ziemlich gleichem Grade bestehen. Durch die Verabreichung von Extr, Aloes mit Natr. bicarb, konnte eine Besserung der Verdauung und des Appetits nicht bewirkt werden. Die Menge des innerhalb 24 Stunden entleerten Harns schwankte zwischen 30—45 Liter. Von reinem Wasser verzehrte der Patient täglich 40—60 Liter. Hafer wurde nur zu­weilen in geringer Menge aufgenommen; auch auf Ileu und Stroh war der Appetit nur unbedeutend.
Am 29. November injicirte ich versuchsweise Apomorphinum hydrochlor. 0,2 in Aq. 12 subeutan. Nach fünf MIimten trat eine heftige Wirkung ein. Das Pferd wurde sehr unruhig und schreckhaft, trat im Stalle hin und her, bekundete Brechanstren­gungen und Knliksymptomo, Pulsfrequenz, boschlennigle und dyspnoische Respiration und starken Schweissausbruch. Die Wirkung des Apomorphin hielt eine Stunde an.
Bei guter Qualität des Apomorphin ist die Dosis von 0,2 Grm. für kleine Pferde sehr gross. In den folgenden 4 Tagen wurde deshalb nur 0,1 Grm. pro die ange­wandt. Auf den Krankheitsverlauf hatte die Modicatlon mit Apomorphin keinen anderen Kinlluss, als dass die Pulsfrequenz ein wenig über die Norm erhöht blieb. Die Futteraufnahme besserte sich nicht im Geringsten. Auch das Durstgefühl und die Hamsecretion blieben in gleichem Grade bestehen. Durchschnittlich trank das Pferd in 24 Stunden 55 Liter Wasser. Am 10. December betrug die in der gleichen Zeit entleerte Harnmenge 46 Liter. Der Harn war ohne Geruch, blassgelb, klar, eiwoissfre-i und von neutraler oder schwach saurer Reaction; spec. Gewicht 1003 bis 1005. — Resp. 10-12; Puls 44-48; Temp. 37,8-38,6.
Anfangs December stellte sich eine leichte ödematöse Schwellung der Glied-massen ein. Die Abmagerung nahm mehr und mehr zu. Die Hals-, Rücken- und Kruppenmuskeln wurden atrophisoh, Auch an den Knochen Hess sich eine Substanz-abnähme erkennen. Die Haut lag der Subcntis fest au; starke Abscliu|ipung der Epidermis; Haar rauh. Sichtbare Sehleimhäute, besonders die Conjunctiva anämisch. An den aus der Jugularis nach Zwischenzeiten von 3—4 Tagen entnommenen Rlnt-probon fand ich nichts Abnormes. Sowohl der Gerinnungsmodus, als die Qualität
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Harnruhr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 493
der BlutbesUmdihoilo und das Vorhiilluiss dor [''ormelomonto verhielten sich wie beim lilut gesunder Pferde;
Am 20. December fand sicli am rechten llinlorruss eine stärkere und schmerz­hafte Schwellung- der Subcutis, an welcher das Pferd lahmte. Durch wiederholte Waschungen mit 13urow'scher Lösung trat die Schwellung nach wenigen Tagen wieder zurück. Das Pferd legte sich Anfangs Januar 1886 noch regolmässig des Nachts, konnte aber ohne Hülfe nicht gut mehr aufstehen. Da die Krankheit keine Aussicht auf lioilung bot, so genehmigte der Besitzer, dass das Pferd am 13. Januar 188G durch den Bruslstich (Verblutung) gotödtet wurde.
Die im pathologischen Institut vorgenommene Section des Cadavers ergab an den Organen nur diejenigen Veränderungen, welche die Kachexie charaktorisiren. Die Nieren waren von normaler Derbheit, die Oberfläche grauroth; auf dem Durch­schnitt fand sich nicht die geringste Veränderung. Auch das Nierenbecken, die Harn­leiter und die Blase waren normal beschallen. Die Leber war dunkelbraun und etwas kleiner, als bei Pferden gleicher Grosse gewöhnlich gefunden wird. Das Herz und die-grossen lilutgefässo waren frei von Abnormitäten.
Diagnose. Die Erkennung der Krankheit ist Jeioht, wenn die wichtig­sten Erscheinungen walirzunchnien sind. In grossen Pferdebeständen führt die gleichzeitige Erkrankung mehrerer Pferde schon auf die richtige Diagnose. Wenn aber nur ein einzelnes Pferd aCficirt ist und die Anamnese unvollständig ausfällt, so kann die Harnruhr leicht mit einer Dyspepsie verwechselt werden. Dem gegenüber liefert die Beschaffenheit der Haut mit dem gesträubton Deckhaar und dem staubförrnigen Belag meist einen boachtenswerthen Anhalt. Uestiminte Aufschlüsse sind durch die Untersuchung des betreffenden Hafers zu erlangen, weil die ver­dorbene Beschaffenheit desselben durch den Geruch leicht festgestellt werden kann.
Wenn der Diabetes unheilbar ist und zur Kachexie führt, so ist eine Verwechselung desselben mit chronischer Nierenentzündung möglich. Hiergegen giebt nur die Untersuchung des Harns Aufschluss. Ent­scheidend für die Diagnose der chronischen Nierenentzündung ist der Eiweissgehalt des Harns, der beim Diabetes fehlt.
Prognose. Abgesehen von den unheilbaren Fällen, deren Beurtheilung sich aus dem Fortbestehen der Hydrurie bei zweckraässiger Ernährung der Pferde ergiebt, so richtet sich die Prognose weniger nach dem Grade der Krankheitsorscheinungen, als nach der Frage, ob den kranken Pferden statt des verdorbenen Hafers ausschliesslich Futter von guter Qualität gegeben werden kann. In praxi liegt diese Frage oft nicht so einfach, als a priori scheinen mag. 1st der Besitzer in der Lage, den verdorbenen Hafer zu beseitigen und statt desselben vorzügliches Futter schnell zu beschaffen, so stellt sich die Beurtheilung des Diabetes günstig. Bei längerer Dauer der Krankheit vermindert sich die Leistungsfähigkeit der
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494nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Pferde in Folge der Abmagerung erheblich. — Die als Nachkrankheit zurückbleibende Dyspepsie lässt sich oft erst nach mehreren Wochen und zuweilen nur mit dem Beginn der wärmeren Jahreszeit und der hierdurch ermöglichten Grünfütterung zur Heilung bringen.
Therapie. Arzneimittel nützen gegen den Diabetes nicht. Permanente causa permanot elTcctus: So lange der verdorbene Hafer gefüttert wird, bleibt die Krankheit bestehen. Nun ist aber die Beseitigung des schlechten Hafers nicht immer ausführbar. Dann empfiehlt sich, denselben durch die' Entfernung der leichten (am meisten verdorbenen) Körner und durch die nachbaltige Einwirkung der frischen atmosphärischen Luft zu vor­bessern. Nach meinen Erfahrungen geschieht dies am erfolgreichsten dadurch, dass der Vorrath auf dem Boden täglich 2—3 Mal umgesetzt, d. h. sohaufelweise durch die Luft nach einem anderen Platz geworfen wird. Die hierbei sortirten leichten Körner sind als werthlos zu ent­fernen. Durch die sorgfältige Ausführung dieses Verfahrens ist der multrige Geruch nach einigen Tagen zu beseitigen. Aber der Hafer er­langt trotz der wesentlichen Verbesserung doch noch nicht die Eigen­schaften eines guten Futters. — Alle anderen Versuche zur Milderung der nachtheiligen Wirkungen des verdorbenen Hafers (Schwemmen im Wasser oder Dämpfen, Trocknen an der Sonne) sind weniger wirksam, in den meisten Wirthschaften auch zu umständlich und deshalb nicht ausführbar. — Dem schnellen Kräfteverfall lässt sich durch Verabreichung von Schrottränken und gutem Heu oder Kleeheu, im Sommer durch Grün­futter einigermassen begegnen. Den wesentlichsten Nachdruck hat der Thierarzt aber bei der Behandlung der kranken Pferde auf die Be­schaffung von reinem Hafer zu legen. — Gegen die consecutive Dys­pepsie erweist sich die reichliche Ernährung der Patienten mit vorzüg­lichem Wiesenheu, Kleeheu oder Luzernheu, im Frühjahr und Sommer von gutem Grünfutter sehr vortheilhaft. Auch reiner Hafer von schwerem Gewicht wird in massigen Quantitäten von den Thicren gut vertragen. Bei der Dyspepsia aeida ist die Verabreichung von Alkalien indicirt. Verhältnissmässig gering ist der Vortheil, den die Behandlung der Pferde mit Kochsalz und bitteren oder tanninhaltigen Mitteln hat.
Die seit fast 100 Jahren von den Laien gegen die Harnruhr In Anwendung gebrachten Zusätze von trockenem Lehm oder rothera Bolus zum Getränk sind ebenso wirkungslos, wie die Verabreichung von Ferrum sulf., Plumb, aoet., Alumen und anderen adstringirenden Präparaten.
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Bösartige Gelbsucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 495
Capitel XXIV.
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Bösartiglaquo; Gelbsucht, icterus gravis. — Acute gelbe Leber­atrophie. - liupineiikrankhcit. Lupiuosis.
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Aetiulogic. Die Pferde verzehren das Lupinenfutter (Körner, Schalen, Heu oder Stroh der Lupinenpflanze) wegen des bitteren Gesohraaclses nur ungern. Durch starkes Hungergefühl finden sie sich indess zur Aufnahme desselben veranlasst. Nach und nach stumpft sich dor unangenehme Geschmack ab, so dass das Futter, namentlich das Lupinenheu für die Pferde benutzt worden kann. Zur intensiven Ernährung der Pferde eignet sich aber die Lupine nicht. Dadurch erklärt sich die Thatsacho, dass die durch den Gemiss eigonthümlich verdorbenen Lupinenf'utters bedingte bösartige Gelbsucht bei den Pferden nicht die allgemeine Bedeutung hat, wie bei den Schafen. Ich werde domgomäss die Aetiologie der Krankheit erst im zweiten Bande dieses Werkes eingehend besprechen.
Seit 1872 ist bekannt geworden, dass in dem Lupinenfutter eine speeifische toxische Substanz entstehen kann und dass nach dem Genüsse solchen Futters bei den Schafen und bei den anderen herbivoren Hausthieren eine lebensgefährliche und sehr oft tödtlioho Vergiftung herbeigeführt wird. Das Auftreten der Krankheit wurde alljährlich in grösserer oder geringerer Verbreitung beobachtet. Mit anerkennens-werthem Entgegenkommen veranlasste das Preussische Ministerium für Landwirth-schaft umfangreiche thiorärztliche Erhebungen über die Ursachen derLupinonvergiftung und wissenschaftliche Untersuchungen zur Ermittelung dos Lupinengiftos und seiner Eigenschafton. Wenn diese Anordnungen auch keinen vollständigen Erfolg gehabt haben, so ist durch dieselben die Pathologie der Lupinenkrankheit doch im Wesent­lichen festgestellt worden. Die Resultate der bisherigen Forschung sind übersicht­lich zusammengestellt in den Jahresberichten von Ellenberger-Schiitz und von Dainmann(Gesundlieitspfloge, 1883, S. 43G). Den giftigen Stoff bozeichnelJ. Kühn , ohne ihn indess isolirt zu haben, als „let regenquot;, während Arnold und Seh neide-miihl (Hannov. Jahrosb., 1882—1883) durch chemische Behandlung der verdorbenen Lupinen einen Stolf von toxischen Eigenschafton darstellten, den sie für das spoeifischo Lupinengift halten und „Lupinotoxinquot; benennen. Es wird nach meiner Meinung noch einer Reihe von weiteren Vorsuchen bedürfen, bevor als einwandsfroi festgestellt erachtet werden kann, dass der dargestellte Stoff mil dor speeifischon toxischen Sub­stanz in dem verdorbenen Lupinonfutter identisch ist. Trotzdem halte ich dafür, dass der Name des Lupinotoxin ganz zweckmässig ist. Dam mann hat zuerst die Ver-muthung ausgesprochen, dass das Lupinengift durch bestimmte Pilze (Saprophyten) in den abgeschnittenen Lupinen und vielleicht auch in den abgestorbenen Theilen der noch lobenden Pflanze producirt werde. Die umfassenden Versuche, welche J. Kühn, Roloff, sowie Arnold und Lemke anstellten, haben diese Annahme bestätigt. Demnach charaktorisirt sich die bösartige Gelbsucht oder Lupinose als eine speeifische Intoxicationskrankhoit.
Wie Haubnor zuerst mitgetheilt hat und wie später wiederholt beobachtet
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496nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioatlonskrankhoiten.
worden ist, können die Schafe auch nach dem Genüsse eigenthiimlich verdorbener Branntweinschlempe an der bösartigen Gelbsucht erkranken. Die Kreisthierärzte Reinemann und Jansen (Preuss. Mittheil., Berlin 1882, S. 2C) berichten ferner, dass die Krankheit bei Schafen nach der Vorfütteruug von verschimmeltem Erbsen-, Wicken- oder Bohnenstroh aufgetreten sei. Obschon diese Angabe eine anderweitigenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 11
Bestätigung noch nicht gefunden hat, so spricht doch Vieles dafür, dass das Lupino-toxin in mehreren Futterstoffen durch die Wirkung eines speciflschen Pilzes sich bilden kann. Indeos haben die Pferde einen starken Widerwillen gegen den Genuss vor­schimmelten Erbsen- und Bohnenstrohes und die Entstehung der bösartigen Gelb­sucht nach demselben wird deshalb kaum jemals beobachtet werden.
Pathogenese. Durch die Verdauung wird das mit dem verdorbenen Lupinen­futter aufgenommene Lupinotoxin gelöst. Es gelangt durch Resorption ia das Blut und mit demselben in die Leber, sowie in zahlreiche andere Organe, in welchen es parenchymatöse Entziindungsprocesso verursacht. Vorherrschend ist die Erkrankung der Leber, von welcher in allen schweren Fällen ein Theil des Parenchyms degenerirt und durch Resorption verschwindet. Bleiben die Thiere 2—3 Wochen lang oder noch länger am Leben, so wird die Leber erheblich kleiner. Zugleich entsteht in der Leber bald in höherem, bald in geringerem Grade Icterus. Durch die Resorption eines Theils der Galle in der Leber und durch Vermittelung der Blutcirculation kommt eine icterische Färbung auch in der Darmschleimhaut, am Peritoneum, an den Nieren, sowie an den Brusteingeweiden, in den Muskeln und in anderen Organen zur Aus­bildung. Zuweilen entsteht eine entzündliche Reizung der Magen- und Darmsohleim-haut. Constant ist die parenchymatöse Entzündung des Herzlleisches. — Die Krank­heit verläuft fieberhaft. Indess kommen im Entwickelungsgange und im Verlaufe erhebliche Modificationen vor, die in der Quantität des auf einmal oder innerhalb weniger Tage aufgenommenen Lupinotoxins ihre Erklärung finden. Beim tödtlichen Ausgange entstehen in der Regel kloine blutige Herde in den serösen Häuten, am Herzen und in der Respirations-, sowie in der Digestionsschleimhaut.
Symptome. 1) Fieber mit einer Temperaturerhöhung auf 39,5—41,50.
2)nbsp; nbsp;Pulsfrequenz bis auf 75 Schläge und mehr in der Minute. Anfänglich ist der Puls kräftig, mit der Verschlimmerung der Krankheit verringert sich die Herzkraft.
3)nbsp; nbsp;Mangelhafter Appetit. Bei schwerer Erkrankung versagen die Pferde die Putteraufnahme ganz. Sonst verzehren sie noch eine ge­ringe Menge von schmackhaften Nahrungsmitteln. Das verdorbene Lu­pinenfutter ist den Patienten aber zuwider.
4)nbsp; nbsp;Eingenommenheit des Bewusstseins und allgemeine Körperschwäche.
5)nbsp; nbsp;Gelbliche oder gelbröthliche Färbung der sichtbaren Schleimhäute.
6)nbsp; nbsp;Verzögerte Entleerung der Darmexcremente; bei ein­zelnen schwerkranken Pferden Durchfall.
7)nbsp; nbsp;Geringer Eiweissgehalt des Harns, in welchem auch Gallen­farbstoff nachgewiesen werden kann.
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Bösartige Gelbsucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 497
Verlauf und Ansgang. Der Krankheitsverlauf richtet sich nach dem Grade der Intoxication. Ana 2. Tage, zuweilen aber erst 3 — 6 Tage nach der Aufnahme des verdorbenen Lupinenfutters kommen die Er­scheinungen zur Ausbildung, welche in der Regel 4 — 5 Tage bestehen quot;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;bleiben. Endet die Krankheit mit vollständiger Genesung, so nehmen
die Symptome nach und nach ab, so dass der Gesammtverlauf in 8 bis 10 Tagen beendet ist. Schwere intoxicationen verlaufen meist letal. Der Tod tritt am 2. — 5. Tage ein. Demnach charaktorisirt sich der Icterus gravis bei Pferden als eine acute Krankheit. Die chronische Lupinen Vergiftung, die bei Schafen durch die fortgesetzte Verabreichung geringer Quantitäten der verdorbenen Lupinen unterhalten wird, kann bei Pferden nicht vorkommen, weil dieselben die Aufnahme des ge­dachten Futters verweigern.
Ob bei den Pferden als Nachkrankheit der Lupinose eine durch er­hebliche Leberatrophie bedingte Kachexie, wie sie bei Schafen oft zu beobachten ist, zur Entstehung gelangt, ist bisher nicht festgestellt worden.
Diagnose. Da die bösartige Gelbsucht bei Pferden selten auftritt, so kann ein vereinzelter Krankheitsfall leicht unrichtig beurtheilt werden. Die Symptome erinnern an die ßrustseuche. Indess führt die sorgfältige Erhebung der Ernährungsweise unschwer auf die Erkenntniss der Krank­heitsursache. Wenn mehrere Pferde gleichzeitig von der Krankheit be­fallen werden, so vermuthet der Besitzer gewöhnlich selbst schon eine Vergiftung durch das verabreichte Futter.
Prognose. Die ßeurtheilung einzelner Krankheitsfälle hat sich einer­seits nach der Menge des von den Patienten verzehrten schädlichen Lupinenfutters und andererseits nach der Schwere der Erkrankung zu richten. Erhebliche Pulsfrequenz mit geringem Blutdruck in den Arterien, grosse Körperschwäche und vollständige Inappetenz sind in der Regel Merkmale des schweren Krankheitsverlaufes. Dagegen bleibt die Pro­gnose günstig, wenn die Thiere nur 1—2 Tage hindurch mit den giftigen Lupinen gefüttert sind und wenn das Gesammtbefinden nicht in hohem Grade gestört ist.
Therapie. Eine Medication, mit welcher das im Blute und in den Organen des Körpers befindliche Lupinotoxin unschädlich gemacht werden könnte, giebt es nicht. Die Behandlung der einzelnen Krankheitsfälle ist daher nach symptomatischen Indicationen zu regeln, um Zeit zu ge­winnen, damit das Gift durch den Stoffwechsel eliminirt wird. Nur insoweit, als noch giftiges Lupinenfutter im Digestionstractus liegt, ist die schnelle Ausscheidung desselben nach der Causal-Indication herbei­zuführen. Hierzu eignet sich am besten das Physostigmin oder die Aloe
Dtookerhoff, spec. I'ntliologUi u. Tlieraptu.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .jo
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498nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxioutionsliianldioiten.
in relativ grossen Dosen. Im Uebrigen ist die Haltung und Pflege der Patienten möglichst zu berücksichtigen. Dem Trinkwasser wird zweck-mässig Salzsäure zugesetzt. Dass das verdorbene Lupinenfutter den Pferden nicht mehr goreloht werden darf, gebietet sich von selbst.
In prophylaktischer Hinsicht ist, wenn Lupinenlutter bei Pferden verwendet werden soll, zunächst eine Probefiitterung angezeigt, die indess nicht bei Pferden, sondern zwockmässig bei einigen Schafen vorgenommen wird. Stellt sich bei der Probefütterung nach 4—8 Tagen eine toxische Wirkung nicht ein, so ist das betreffende Futter unschädlich. — An dem Lupinenfutter selbst finden sich keine Merkmale, aus welchen die ver­dorbene Beschaffenheit desselben fostgestollt werden könnte. — Die Vor­suche, das verdorbene Lupinenfutter durch Auslaugen, Dämpfen oder Ansäuern zu entgiften, haben bezüglich der Ernährung der Pferde kein wirthschaftliches Interesse, üebrigeus ist der Erfolg solcher Versuche bis jetzt überhaupt noch ungenügend.
Capitel XXV. Vergiftung durch Kornrade (Agrosteinina Githago).
Auf die giftige Wirkung, welche der Samen der Kornrade bei den Hansthieren herbeiführen kann, wurde schon von Viborg aufmerksam gemacht. Trotzdem ist die Aetiologie und Pathogenese der Radovergiftung noch nicht vollständig ermittelt. Gcrlach (Gerichtl. Thierh.) erwähnt dieselbe in Ermangelung eigener Erfahrungen nur nebenbei nach literarischen Angaben. Auch Haubnor (Gesundheitspflege), dorn die betäubende Wirkung des Radesamens bekannt war, hat die bei Pferden vor­kommende Vergiftung nur kurz angedeutet. In den letzten 10 Jahren sind einzelne Fälle von Radevergiftung bei Schweinen und Kälbern mitgetheilt worden, irievnach scheint die Krankheit bei Pferden selten zu sein Giftig wirkt nur der Samen, der dem Futter beigemischt ist, oder das Futtermehl, welches Mehl von Radesamen ent­hält. In Deutschland wird die Kornrade als Unkraut sehr gefürchtet und. sorgfältig ausgemerzt. Das im Inlande gewonnene Körnerfutler (Hafer, Gerste etc.) enthält deshalb nur sehr selten eine so grosso Menge des Radesamens, dass durch die Zu­bereitung und Verwendung des betreffenden Putters bei Pferden eine Vergiftung entsteht.
Das Gift, welches als „Githagiuquot; bezeichnet worden ist, scheint in dem trockenen Samen nicht enthalten zu sein. Es bildet sich in demselben erst nach der Anfeuchtung mit Wasser durch eine besondere Gährung. Einlaquo; Vergiftung entsteht demnach bei Pferden, wenn das Futter, welches viel Radesiimen enthält, mit Spreu
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Vergiftung durch Kornrade.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 499
und Woizenkleie oder mit Mehl vermengt und mit Wasser angefeuchtet wird. Je länger das angefeuchtelo Futter in Bottichen oder Kübeln verbleibt, bevor es die Pferde verzehren, desto leichter kommt die Vergiftung zu Stande. Von wesentlichem Einflüsse scheint auch die Thatsacho zu sein, dass die Körner des Kadosamens an der Magen- und Dannschleimhaut oft mehrere Tage lang haften bleiben. Es ist anzu­nehmen, dass sich die giftige Substanz unter günstigen Bedingungen erst in den Verdauungsorganen bilden kann. Hierfür spricht, dass nach fortgesetzter Verab­reichung des mit Rade verunreinigten Futters bei mehreren Pferden die Symptome der Vergiftung nicht an einem bestimmten Tage auftreten, dass vielmehr einzelne Thiere später, als andere erkranken. Selbst wenn bereits ein vollständiger Futter­wechsel stattgefunden hat, kann 6- 8 Tage später die schwere und tödtliche Ver­giftung sich noch einstellen. — Da der trockene Radesamen, wie ich durch Versuche feststellte, für die Pferde nicht nachtheilig ist, so muss die Entstehung dos Giftes an besondere Gährungsbedingungen gebunden sein, die indess noch nicht ermittelt sind,
Symptome. Aulfallende Schwäche in der Skeletmuskulatur; schwanken­der Gang und Unvermögen zu stehen. Liegen die Pferde, so können sie nur mit. kräftiger Unterstützung zum Aufstehen kommen. In den höheren Krankhoilsgraden ist das Aufstehen unmöglich; die Thiere liegen flach auf der Seile mit ausgestreckten Giicdmassen. — Das Kauen und Schlucken ist in Folge der Lähmung in den betreffenden Muskeln er­schwert. Auch in der Harnblase und im Mastdarm besteht eine krank­hafte Schwäche der Muskulatur. — Der Puls ist im Anfang und so lange die Pferde noch stehen, normal oder etwas beschleunigt, zuweilen auch retardirt. Bei anhaltendem Liegen erhöht sich die Pulsfrequenz. Re­spiration nicht wesentlich gestört. Die Temperatur des Körpers anfäng­lich normal; im Verlaufe der Krankheit erniedrigt sich die Bluttempe­ratur bis auf 34deg;, selbst bis auf 3'20. Die äussere Haut fühlt sich kühl an. — Das Scnsorium ist nicht, gestört, Conjunctiva leicht go-röthet. Zunge belegt.
Verlauf und Ausgang. Schwere Vergiftungsfälle verlaufen unter dem Bilde einer fast vollständigen Rückcnmarksiähmung und führen stets zum Tode. Ihre Dauer erstreckt sich auf 2—4 Tage. Die leichter erkrankten Pferde erhalten sich stehend oder können doch mit Unterstützung zum Aufstehen gebracht werden. Bei diesem Krankheitsgrade verringert sich die krankhafte Muskelschwäche nach 6—10 Tagen, worauf vollständige Genesung erfolgt.
Pathologische Anatomie. Als essentielle Veränderungen finden sich in den Cadavern: Ansammlung von Serum im Wirbelkanal zwischen der Dura und Pia spinalis, Füllung der venösen Gcfässc des Rückenmarks mit dunklem Blut. Transsudation von Serum in den Herzbeutel. Sulzige Infiltration der Niercnkapseln. Im Magen- und Darminhalt eine oft augenfällige Beimischung von Radesamen; viele Körner haften massig
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500nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiton.
fest an der Magenschleimhaut. Letztere ist zuweilen, aber nicht con­stant, entzündlich geröthet und mit zähem Schleim bedeckt. — Sonstige Veränderungen der Organe können durch das anhaltende Liegen der Pferde und durch den Decubitus verursacht werden.
Prognose. Im Ganzen ungünstig. Für die einzelnen Krankheitsfälle ist der Grad der Lähmung und die schnelle oder langsame Entwickelung der Vergiftungserscheinungen raassgebend.
Therapie. Vollständiger Futterwechsel resp. Entfernung des mit Korn­rade verunreinigten Futters. Schnelle Entleerung des Digestionstractus durch Physostigmin oder durch die innerliche Anwendung von Extr. Aloes. Einreibungen der Haut mit 2 —3proc. Senfspiritus. Daneben sorgfältige Pflege und öftere Versuche zum Aufrichten der Patienten.
Casuistik.
1) Auf dem Dominium G. in der Xcumark erkrankten vom 4.—20. October 1874 von den in 3 getrennten Stallungen untorgobraohten 60 Pferden 17 Stück, von wel­chen 15 zu Grunde gingen. Die Krankheitssymptomo stimmten bei den einzelnen Pferden vollständig überein. Nach den Feststellungen dos Kreisthierarztes Rut he verliefen die ersten Fälle in 3—4 Tagen tödtlich. Schwankender (taumelnder) Gang, bei einigen Pferden mehr im Hintertheil, bei anderen mehr im Vordertheil. Darauf Niederfallen und Unvermögen aufzustehen. Wird der Kopf zwockmiissig empor­gerichtet, so nehmen die Pferde Trinkwasser und etwas Futter an; das Kauen ge­schieht aber langsam und beschwerlich. Verzögerte Entleerung und Anhäufung der Darmexcremento im Rectum. Bei der Section der thoils gestorbenen, theils als un­heilbar getödtoten Pferde hatte sich in allen Fällen eine krankhafte Ansammlung von wasserldarera oder etwas trübem Serum zwischen der Dura und Pia spinalis gefunden. Im Magen und Darmkanal keine Veränderungen. Leber sehr blutreich, Milz normal. Nachdem vom 4.—15. October bereits 11 Pferde eingegangen waren, unter­suchte und obducirte ich 2 Pferde gemeinschaftlich mit Herrn Ruthe, wobei sich die angeführten Symptome fanden. — Dass die Pferde an einer narkotischen Vergiftung erkrankt waren, erschien zweifellos. Bei der Section fand sich aber ausser einer auf­fälligen Menge von Kadesamen im Magen- und Darminhalt kein bestimmter Anhalt. Wie ich weiter constatirte, enthielt der als Futter verwendete Hafer viel Radesamen. Den Pferden war dies Futter theils mit Weizonkleie, theils mit WeizenkalT und Kleie angefeuchtet gereicht worden. Nach diesen Erhebungen diagnosticirte ich eine Korn­radevergiftung.
Mit dem Radesamen selbst, welcher aus dem Hafer ausgeschieden und mir durch Herrn Rutho zugeschickt wurde, konnte ich indess durch directo Fütterung eine Ver­giftung nicht herbeiführen. Ein 18 Jahre altes Pferd erhielt am 8. November 1874 mit etwas Hafer vermischt 300 Gramm Radesamen zur Selbstaufnahme; es erkrankte hiernach nicht. — Vom 15.-25. November gab ich einem 10jährigen gesunden Wallach täglich 200 Gramm Radesamen mit dem Hafer. Auch dies Pferd, welches I im Ganzen 2200 Gramm in 11 Tagen verzehrt hatte, blieb vollkommen gesund. — Von anderen Versuchen bei Pferden und Schafen, bei welchen sich das Eingeben des Radesamen in Form einer Emulsion ganz unschädlich erwies, will ich hier absehen.
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Vergiftung durch Kornrade.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;501
Die Versuche beweisen in Uebereinstimmung mit älteren Beobachtungen, dass in dem Radesamen nur dann ein narkotisches Gift entsteht, wenn derselbe in eine eigenthüm-liche Gährung versetzt wird.
2) Der Viehhalter H. hatte Ende September 1874 aus einer Bierbrauerei zur Ernährung von 5 Milchkühen Malekeime beschafft, welche eine grosse und augen­fällige Quantität Iladesamen enthielten. In den ersten 8 Tagen erhielten die Kühe von den Malzkeimen nur eine geringe, darauf eine grössere Menge und ohne Beifutter. Am 5. October stellten sich bei einer Kuh die Symptome einer mit Lähmung der Skeletmuskulatur verbundenen narkotischen Vergiftung ein. Bis zum 10. October wurden auch die vier anderen Kühe unter den gleichen Symptomen krank. Eine Kuh wurde hergestellt; die anderen 4 mussten geschlachtet werden.
Von diesen Malzkeimen verwandte ich einen Theil zu folgendem Versuche.
Die Malzkeime wurden mit Wasser angefeuchtet und mit etwas Hafer vermengt, um sie schmackhaft zu machen. Eine 15 Jahre alte Stute von lebhaftem Temperament verzehrte neben der gewöhnlichen Menge Heu von diesem Futter am 24. October 1874 des Morgens, Mittags und Abends im Ganzen 12 Liter. Das Pferd war gesund (Puls 36, Resp. 10, Temp. 37,8). Am 25., 26. und 27. October erhielt dasselbe täglich die gleiche Quantität des in Rede stehenden Futters, ohne bis dahin eine Störung seines Befindens zu bekunden. Am 28. October: Abnahme der Munterkeit, stierer Blick, schwankender Gang auf allen Gliedmassen, öfteres Liegen, Verringerung dos Appetits. Es wurden nur noch 4 Liter des mit Radesamen verunreinigton Malzkeimfutters ver­zehrt. Sichtbare Schleimhäute normal. Puls, Respiration und Temperatur nicht vor­ändert. Trotz eines grösseren Zusatzes von Hafer nahm das Pferd am 29. October nur noch 2 Liter des Futters auf. Es hatte auch keinen Appetit auf Heu. Wasser wurde in kleinen Quantitäten sehr langsam getrunken. Puls 48, ziemlich voll; Resp. 10, Temp. 37,8. Blick stier; Bewegung schwankend, besonders mit dem Hintertheil. Das Pferd stampfte oft mit den Vorderfüssen ängstlich gegen den Boden. Es stellte ge­wöhnlich die Gliedmassen gespreizt und wiegte sich mit dem Körper hin und her. — Am Nachmittag lag es mit ausgestreckten Gliedmassen und konnte trotz energischer Unter­stützung nicht zum Aufslohen gebracht werden. Puls 44, Resp. 20, Temp. 38,2. Das Pferd zitterte am ganzen Körper; es versagte Futter und Getränk, nahm aber vom Fussboden etwas Sand in das Maul und vorschluckte denselben unter langsamen Kaubewegungen.
Am 30. October Vormittags: Puls 36, Resp. 10, Rectumtemperatur 34,5. Grosso Apathie. Augen halb geschlossen. Krampfhafte Contractionen im M. deltoid. Wenn das Pferd auf das Brustbein gelegt wurde, so stützte es den Kopf auf den Boden. Skeletmuskulatur des Hintertheils gelähmt; Schweifrübe erschlalTt. Aus der Scheidlaquo; entleerte sich der Urin unwillkürlich resp. ohne Drängen. Darmexcremente wurden reichlich ausgeschieden. Zuckungen in den Muskeln des Kopfes. — Acht Stunden später lag das Pferd ganz bewegungslos. Es war auch gegen Nadelstiche in der Haut nicht mehr empfindlich. Bowusstsein unterdrückt. Rospiration ruhig und tief, 17 Mal in der Minute. Puls 33, Temperatur 33,5. Zuweilen wird das Maul krampfhaft ge­öffnet und der Kopf nach hinten gezogen. After und Scham erschlafft; Harnblase ge­lähmt. Der abfliessendo Urin von gelblicher Farbe und saurer Reaction, ohne Kiweiss. Der Mastdarm enthält eine grosse Menge trockener Excremente. Im Verlaufe der nächsten Stunde sank der Puls auf 30, die Temperatur auf 32,5 und die Rospiration auf 15. Unter den Symptomen dor vollständigen Paralyse erfolgte am Nachmittag des 30. October der Tod, wobei das Pferd seine Lage nicht änderte.
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502nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoiicationskrankheiten.
Autopsie. Die Unterhaut und das intermusculäre Bindegewebe stellenweise gelb­lich inflltrirt. Im Magen und Darm breiartige Contenta mit dem während der Krank­heit verschluckten Sand. An der Magenschleimhaut haften viele Radekörner; Portio pylorica leicht geschwollen; venöse Gefiisse des Darms und des Gekröses mit dunklem Blut gefüllt. In derganzon Üannschloimhaut zahlreiche lursekorngrosse Ilämorrhagien. An der Wirbelsäule neben der Aorta sulzige Infiltration. Die Blase ist mit zähflüssigem, gelblichem Harn gefüllt; Scham durch gelbliche Infiltration geschwollen. Uterus normal. Nieren, Lober und Milz nicht krankhaft verändert. — Im Herzbeutel etwa 100 Gramm gelblich - klarer Flüssigkeit. Horzfleisch nicht krankhaft. Im zungen-förmigen Lappen der rechton Lunge eine frische katarrhalische Entzündung. An der Lungenwurzol gelblich-sulzige Infiltration dos Bindegewebes. Die Schleimhaut der Raohenhöhle und dor Nase cyanotisch, — Im Gehirn waren die venösen Gefässe mit dunklem Blute strotzend gefüllt. Die Subpia enthält heilos Serum in massiger Quan­tität. In den Soitenventrikeln eine geringe Menge'wassorholler, klarer Flüssigkeit. Plexus normal. Auf der Schnittfläche des Gehirns punktirte Röthe. — Im Wirbel-kanal fand sich ausserhalb der Dura eine gelbsulzige Infiltration des Gewebes. Der Raum zwischen der Dura und Pia spinalis war mit klarem, wasserhellem Serum stark gefüllt. An dor Medulla spinalis koine erkennbaren Veränderungen.
Schlnssbeinerkiiiig. Ich habe vorstehenden Versuch in extenso mitgetheilt, weil sich aus demselben die Ueboreinstimmung der Radovergiftung mit den Symptomen und Sectionsbefnnflon bei den sub 1 besprochenen Krankheitsfällen ergiebt. Obwohl die Ermittelung der giftigen Substanz, welche in dem Radesamen unter geeigneten Bedingungen entstehen kann, nocli nicht möglich gewesen ist, so hat das Vorkommen der gefährlichen Radovergiftung doch eine so grosse Tragweite, dass den praktisohen Thierärzten die Verpflichtung obliegt, vor der Verabreichung des mit Radesamen ver­unreinigten Futters zu warnen.
Capitel XXVI. Vergiftung durch Kquisetum (Schaclitcllialin).
Der S-chachtelhalm (Katzensterz, üuwook) wächst auf niedrig gelegenen und bei regnerischer Witterung oder bei hohem Stande des Grundwassers überschwemmten Wiesen. Die drei Arten desselben (Equisotum palustre; E. arvense und E, limosum) können bei Pferden eine Vergiftung herbeiführen. Zuweilen wird das Equisotum im Sommer grün verfüttert, oder zerschnitten und mit Häcksel, Kleie und Hafer gegeben; häufiger ist die Verabreichung desselben im Winter als Heu. Unter beiden Voraus­setzungen kann die Intoxication erfolgen. Indess sind die bedingenden Momonfe der­selben noch nicht endgültig erforscht. Oft verzehren die Pferde mehrere Wochen hindurch Grünfutter oder Heu, welches viel Equisetum enthält, ohne N'achthcil. Es wird doshalb vielfach angenommen, dass die Pflanze den giftigen StolT nur vorüber­gehend und in einem bestimmten Stadium ihrer Entwickelung enthalte. Kreisthior-
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Vergiftung durch Equisetum.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;503
arzt Domin ick (Preuss. Mitthoil., V., 1858, S. 187) ist dagegen der Ansicht, deiss das Kquisetum nur dann eine Vergiftung verursache, wenn die Pferde eine relativ grosse Quantität desselben verzehren und nach den Beobachtungen, welche Schmidt auf der inscl Rügen machte (vergl. Adam's Wochenschr., 1875., S. 381) scheint es in der That nur auf die Menge des Equisetuna anzukommen. Die Füllen, welche wäh­rend des Winters das Equisotum-Ileu (Eq. limosum) in kloinen Rationen täglich er­hielten, erkrankten nicht. Als man denselben aber im Frühjahr gestattete, von dem Fatter so viel zu verzehren, wie sie nur immer mochten, stellten sich nach 14 Tagen die Erscheinungen der Vergiftung ein. Thoms (Magaz. 1869) erwähnt, dass bei reichlichem Genuss von Eq. palustro und Eq. limosum im grünen Zustande schon nach 12 Stunden die Intoxication aufgetreten sei.
Die chemische Zusammensetzung des Equisetumgiftes ist nicht bekannt. Seiner Wirkung nach gehört dasselbe in die Gruppe der narkotischen Gifte.
Symptome. Aufgeregtes, sclircckhaftes Benehmen. AengsUicher Blick. Unregelmässige Stellung und schwankender, unsicherer Gang auf allen 4 Gliedmasson (daher der Name „Taumeikrankheitquot;); in den höheren Graden der Erkrankung Unvermögen zu stehen. Der Appetit ist zu­nächst nicht vermindert. Auch das Bewusstsein erscheint nicht gestört. Pulsfrequenz massig beschleunigt; hei anhaltendem Liegen frequenter und schwacher Puls.
Verlauf und Ausgang. Bestimmend für den Krankheitsverlauf ist die Quantität und die Zeit, in welcher das Equisetum verzehrt wurde. Ge­wöhnlich nimmt die Vergiftung einen subacuten Verlauf, der sich auf 6—12 Tage erstreckt. Die leichten. Eälle, bei denen die Pferde sich stehend erhalten, enden mit vollständiger Genesung. Sind die Patienten unvermögend, sich vom Boden zu erheben oder nach der Aufrichtung stehen zu bleiben, so sterben dieselben in Folge des anhaltenden Liegens durch progressive Athtnungsinsuffloienz oder durch umfangreichen Üecubitus.
Pathologische Anatomie. Die Krankbeltssymptome ergeben schon, dass das Equisetumgift auf das Rückenmark wirkt. In der Pia raater spinalis entsteht eine Reizung mit starker Blutcongestion und Erguss von Serum in den Raum zwischen der Dura und der Pia. Dom in ick erwähnt aus dem Soctionsbofunde bei einem als unheilbar getödieten Pferde: „Das Rückenmark war sehr weich und schwamm förm­lich im Wasserquot;. Im Llebrigen linden sich in den Organen des Körpers nur die von der Herzschwäche und Athmungsinsufficienz verursachten Veränderungen.
Diagnose. Sind mehrere Pferde gleichzeitig erkrankt, so führen die Symptome leicht auf die Vermuthung, dass ein Rückenmarksgift von den Thieren aufgenommen sein muss. In einem vereinzelten Falle kann die Muskelschwäche leicht mit der Kreuzrhehe oder mit der frisch ent­standenen raquo;chronischen Kreuzlähmungquot; verwechselt werden. Ein wesent­liches diagnostisches Hülfsmiltel liegt in der Besichtigung des Futters resp. in der Ermittelung der Thatsachc, dass eine reichliche Atifnahmo von Equisetum stattgefunden hat.
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504nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und IntoxicatUnskrankheiten.
Prognose und Therapie. Für die Beurtheilung der einzelnen Fälle ent­scheidet der Grad der Lähmung. Können die Thiero nicht mehr auf­stehen, so ist die Prognose schlecht. Bei leichter Erkrankung kann die Genesung in Aussicht gestellt werden.
Die Behandlung ist zunächst nach der Indication einzurichten, dass das im Digestionstractus befindliche Futter schnell zur Ausscheidung gebracht und dass die weitere Verabreichung von Equisetum inhibirt werden muss. Demnach empfiehlt sich die Anwendung von Abführ­mitteln (Physostigmin, Extractum Aloes, Mastdarminfusionen) und die Darreichung von gesundem, leicht verdaulichem Futter. Ausserdem ist für die beständige Zufuhr frischer Athmungsluft im Krankenstall zu sorgen. Gegen die Schwäche sind Analeptica (Sp. aethereus in Aqua als Maulwasser oder Inhalationen von Liq. Ammonii caust. mit Aq. durch einen Sprayapparat) angezeigt. Einigen Vortheil können auch Einreibungen der Haut am Rücken und Kreuz mit Terpentinöl oder Senfspiritus bringen.
Capitel XXVII. Vergiftung durch Rohr (Arundo Phragmites).
Aehnlich wie das Equisetum wirkt das Rohr, wenn es in grosser Quantität von den Pferden aufgenommen wird, lähmend auf das Rückenmark. Kreisthierarzt Morro in Storkow (vorgl. Berl. Arch., XII., 1886., S. 77) beobachtete eine Vergiftung durch Rohr bei 4 Pferden, an welche einige Tage lang die junge Pflanze zu Häcksel ge­schnitten in grosser Menge verfüttert war. Das Rohrhäcksel hatte eine lebhaft grüne Farbe; doch war der Geruch desselben etwas dumpfig. Im Innern war der Halm aber schmutzig gelblich gefärbt und mit schwärzlichen Flecken behaftet. Die Pferde hatten dieses Futter in den ersten Tagen mit besonderer Vorliebe verzehrt, dann aber ver­schmäht.
Symptome und Verlauf. Die Erkrankung verlief fieborlos. Aufnahme von Futter und Getränk normal. Die Pferde vermochten sich aber kaum aufrecht zu erhalten und taumelten, wenn sie im Stalle sich nach vorn oder zur Seite bewegen wollten. Sie schwankten von der einen Seite zur anderen und stürzten dabei auch zuweilen nieder.
Nach Aenderung des Futters und Verabreichung von Semen Strychni ver­schwanden die Lähmungserscheinungen in 10 Tagen vollständig.
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Vergiftung durch verschimmeltes Futter.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 505
Capitel XXVHI. Vergiftung durch verschimmeltes Futter.
Futterstoffe, welche durch Schimmelpilze verdorben sind, begünstigen nach reichlichem Genüsse bei Pferden das Zustandekommen einer einfachen Kolik oder einer Indigestion. Auch kann die anhaltende Verabreichung von verschimmeltem Heu die Entstehung eines diffusen Bronchialkatarrhs mit Bronchiectasie (Lungendämpfig­keit) verursachen. Dagegen sind acute AllgemoinafFectionen, die auf den Genuss ver­schimmelten Putters zurückgeführt werden können, bei Pferden sehr selten. Denn die Pferde haben einen Widerwillen gegen derartige Nahrungsmittel. Sie verzehren dieselben deshalb gewöhnlich nicht in solchen Mengen, dass eine Vergiftung erfolgt. Am meisten ist das verschimmelte Brod die Ursache einer acuten Allgomelnerkrankung bei Pferden (vergl. Gerlach, Gerichtl. Thierheilk.). Doch ist bis jetzt die Gattung der Schimmelpilze, welche die Vergiftung veranlasst, noch nicht festgestellt. In jedem Falle scheint die Aufnahme einer grösseren Quantität, mindestens 2 — 3 Pfund dos verschimmelten Brodes erforderlich zu sein, wenn eine Erkrankung entstehen soll.
Ich habe sehr oft gesehen, dass Pferde stark verschimmeltes Schwarzbrod (Kleie-brod) in massiger Menge verzehrten. Eine Vergiftung trat hiernach nicht ein. Nach den in der Literatur veröffentlichten Beobachtungen ist aber anzunehmen, dass eine toxische Gastro-Enteritis bei reichlichem Genüsse entstehen kann.
Symptome. Kolik mit diarrhoischer Entleerung der Darmexcremente. Starke Pulsfrequenz. Dyspnoe. Muskelschwäche im Hintertheil und zuweilen starke De­pression des Bewusstseins.
Prognose und Therapie. Soweit die literarischen Mittheilungen ein Urtheil über die Bedeutung der in Rede stehenden Vergiftung gestatten, ist die Prognose stets sehr ungünstig.
Für die Behandlung dürften gegen die Gastro-Enteritis zunächst Opium mit Schleim und später tonisirende Mittel angezeigt sein. Daneben empfehlen sich feucht­warme Umschläge um den Bauch und Infusionen von warmem Mehlwasscr in den Mastdarm. Zur Bekämpfung der allgemeinen Schwäche können Excitantien (Aether, Kampfer) versucht werden.
Capitel XXIX. Vergiftung durch Herbstzeitlose (Colcliicum autiimiiale).
Die Vergiftung durch Herbstzeitlose ist bei Pferrtpn seltener, als beim Rinde. Gerlach (Gerichtl. Thierheilk.) hat die ältere Literatur über diese Erkrankung zu­sammengestellt. Durch den Genuss von GrünfiiUer, welcliem die Pflanze in grösserer Menge beigemischt ist, kann eine Vergiftung im Sommer erfolgen. Leichter wird die­selbe bei Pferden mit der Verabreichung von Heu, welches eine grössere Quantität der getrockneten Herbstzeitlose enthält, herbeigeführt.
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Symptome und Verlauf. Das in der Herbstzeitlose befindliche Gift (Colchicin) erzeugt: 1. eine diffuse Reizung der Gastro-fntestinalschleira-haut; 2. eine Reizung in den Nieren und in der Schleimhaut der Harn­wege; 3. Lähmung der motorischen Apparate des Rückenmarks; 4. De­pression des Bewusstseins bis zu förmlichem Sopor. — Ais Krankheits­zeichen treten Kolik, vermehrte Speichelabsonderung, Schluckboschwerde, Röthung der Conjunctiva, Durchfall, Drang zur Harnentleerung, Puls­frequenz mit starker Verminderung des Blutdrucks und Athembeschwerde ein. Wenn die Intoxication einen höheren Grad erlangt, so bekunden die Pferde ausserdem noch schwankenden Gang, Eingenommenheit des Bewusstseins, zuweilen Unvermögen zum Stehen, ünempfindlichkeit der Haut und grosse Unruhe. Friedberger (Adam's Wochenschr., 1871) fand bei einem Pferde heftiges Herzklopfen. — Die Intoxication tritt 5—15 Stunden nach dem Genüsse der Herbstzeitlose hervor. In den erheblichen Krankheitsgraden gehen die Pferde unter den Symptomen des Erstickungstodes ein. Die Dauer erstreckt sich auf 1—3 Tage. Leichtere Fälle nehmen bei zweckmässiger Behandlung einen günstigen Verlauf. Indess verzögert sich die Genesung meist auf 4—8 Tage.
Pathologische Anatomie. Diffuse Entzündung der Magcn-Darmschleim­haut; Darminhalt flüssig, durch blutige Beimischungen röthlich braun gefärbt. In den venösen Gefässen dunkles, flüssiges oder schwach coa-gulirtes Blut. Die serösen Häute, das Herz, die Nieren und die Schleim­häute enthalten zahlreiche hämorrhagische Herde.
Prognose. Im Allgemeinen ungünstig. Entscheidend für die ßeur-theilung einzelner Fälle ist die geringere oder höhere Herzschlagfrequenz und der Grad der Depression des Bewusstseins.
Therapie. Die Behandlung ist nach symptomatischen Indicationen ein­zurichten. Gegen die Diarrhöe sind schleimige Mittel mit Opium, später Tannin (5,0—10,0 zweimal täglich) in wässeriger Lösung angezeigt. Dem Trinkwasser wird zweckmässig Acid, hydrochlor. zugesetzt. Zur Be­kämpfung der nervösen Symptome empfehlen sich neben der diätetischen Pflege erregende Mittel in Form von Inhalationen.
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Von den im engeren Sinne als „Vergiftungenquot; 7,u definirenden Krankheiten des 1 Pferdes habe ich in diesem Lehrbuch nurdi^jenigenAffectionen berüoksichtigon können, welche mit der Putteraafnahme zur Entstehung gelangen. Die Darstellung der durch unvorsichtige Anwendung grosser Gaben von arzneilichen Giften und der durch me­tallische Piaparate aus Bergwerken, Fabriken etc. verursachten Erkrankungen fällt in das Gebiet der Maleria medica und Toxikologie.
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Zweite Ciasse. Durch thierische Parasiten verursachte Krankheiten*).
Capitel XXX. Bandwürmer. Cestodes.
Für die specielle Lohre dor Pferdeltrankheiton sind die Bandwürmer nach dor bisherigen Erfahrung von geringer Bedeutung. Im Dünndarm des Pferdes kommen von den eigentlichen Bandwürmorn (Taeniadae) drei Species vor: 1. Taeuiapli-cata; 2. T. mamillana; 3. T. perfol iata. Die letztgenannte Bandwunnspecies wird am häufigsten gefunden. Dass diese Parasiten eine Störung dor Gesundheit herbeiführen, ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden. Megnin (vorgl. Oostorr. Revue, 1879) hat die Bildung eines Dünndarm-Divortikels und die Perforation dor Darmwand mit consecutivor Peritonitis in einigen Fällen auf das Sohmarotzerthum der Taenia perfoliata zurückgeführt. Indess stellt diese Behauptung mit der Lebensweise der Bandwürmer nicht im Kinklang. Da andererseits der Entstehung eines Danndivertikels andere Ursachen zu Grunde liegen können, so kann ich die Interpretation der be­treffenden Krankheitsfälle nicht als gesichert betrachten. — Einstweilen lässt sich nur die Möglichkeit zugestehen, dass'von dem bei Pferden sehr oft vorkommenden chronischen Appetitmangol einzelne Fälle mit dem Parasitismus der Bandwürmer in ursächlichem Zusammenhange stehen können. Indess vorräth sich das Vorhandensein der sehr kloinen Bandwürmer durch bestimmte Symptome nicht. Es ist daher nicht ausführbar, die Diagnose derselben intra vitam zu motiviren.
*) Die zoologische Charaktoristik der Parasiten liegt nicht im Rahmen dieses Lehrbuchs. Ks können hier auch nur diejenigen Schmarotzer eine Boriicksiciitigutig finden, welche nachweislich eine Störung der Gfesundheit bedingen oder für die Ur­sache bestimmter Krankheiten gehalten worden. Auf die wichtigsten Speciularboiton über die Naturgosohichte der thiorischon Parasiten werde ich an den geeigneten Stellen aufmerksam machen. Zur allgemeinen üriontirung verweise ich auf: Guilt, Patho­logische Anatomie, Berlin 1881; Zürn, Thierische Parasiten, Weimar 1882 und Roll, Pathologie und Therapie, Wien 1885.
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Durch thierische Parasiten verursachte Krankheiten.
Wenn eine Behandlung gegen die vermeintlich vorhandenen Tänien hei Pferden gerichtet werden soll, so würde sich eine volle Dosis von Floras Koso (10,0—30,0) mit Semen Cinae (50,0) in Latwergenform und demnächst die Verahreichung eines drastischen Abführmittels empfehlen.
Die Blasenwürmer (Larven von Tänien, welche bei anderen Thieren schma­rotzen) finden sich bei Pferden nur ganz ausnahmsweise. Am Bauchfell wird in seltenen Fällen der röhrenförmigeBlasenschwanz(Cysticercusfistularis) bei Sectionen angetroffen. Die dieser Larve angehörende, im Körper einer anderen Thiorgattung schmarotzende Tänie ist nocht nicht bekannt. Dass der Cysticercus flstularis eine Krankheit resp. eine chronische Peritonitis verursachen könnte, lässt sich nach der bisherigen Erfahrung nicht behaupten.
Echinokokken (Larven der Taenia Echinococcus des Hundes) werden bei Pferden nur ganz vereinzelt angetroffen. Ich fand bei derSection einervierzehnjährigen Stute veredelter Abkunft in der Milz eine gänseeigrosse sterile Echinococcusblase, die aber keine nachtheilige Wirkung gehabt hatte. Vachetta (Clin. vet., 1882) unter­suchte eine Knochengeschwulst im linken Unterkieferaste eines Pferdes, welche zahl­reiche Echinococcusblasen enthielt. Bollinger (Kolik der Pferde. München 1870, S. 141) berichtet über 2 Präparate von Pferden, bei welchen ein Echinococcus in der Wandung der Brustaorta resp. der Bauchaorta sich entwickelt hatte.
Seit mehr als 50 Jahren wird in der thierärztlichen Literatur die Angabe wieder­holt, dass der Coenurus cerebralis (die Larve der bei Hunden schmarotzenden Taenia Coenurus) in seltenen Fällen auch im Gehirn des Pferdes vorkomme und dann den Dummkoller veranlasse. Gurlt (Pathol. Anat., 1831., S. 324) bezieht sich dabei auf eine Mittheilung des Thierarztes Frenzel(T6nnecker's Zeitung, Bd. IV). Die betreffende kurze Krankengeschichte ist später von Tennocker (Jahrb., Bd. XII., Weimar 1836, S. 99) zum zweiten Male veröffentlicht worden. Sie bezieht sich auf ein „zweijähriges Pferdquot;, welches vorberichtlich seit einem Jahr zu manchen Zeiten im Kreise herumlief und dann plötzlich auf einem Fleck stehen blieb. Frenz el „fand das Pferd ganz abgezehrt, beim Herumführen träge und unempfindlich, die Schenkel etwas höher, als gewöhnlich hebend, die Pupille erweitert, die Physiognomie melancholisch. Doch bliebon alle diese Symptome, wie sein besonderes Benehmen des im Kreise Herum­gehens von denen des gewöhnlich vorkommenden Dummkollers verschieden. Das Pferd starb an Auszehrung. Bei der Oeffnung des Cadavers fand ich alle Eingeweide der Brust- und Bauchhöhle gesund. Ich öffnete nun behutsam die Gohirnhöhle und fand hier die Ursache der Krankheit und des Todes, nämlich eine grosso Wasserblase, die zwischen dem grossen und kleinen Gehirn mitten inno lag und ungefähr mit vier Loth (gleich 16,0 Gramm) Wasser angefüllt sein konnte. An den Häuten derselben hing eine unbeschreibliche Menge kleiner Körperchen in der Gestalt und Grosse eines Hirse­kornsquot;.— Die,,kleinen Körperchenquot; sind als,,PacchionischeGranulationonquot; anzusehen und die Wasserblase kann ebensogut ein Echinococcus, wie ein Coenurus gewesen sein. — Gerlach (Gerichtl. Thierheilk., 2. Aufl., S. 257) erhielt vom Thierarzt Oeltjen eine kopflose Hydatide aus dem Gehirn eines Pferdes zugeschickt, welches die Er­scheinungen des Dummkollcrs bekundet hatte. — Solche sehr seltene Befunde ohne Weiteros mit dem Coenurus cerebralis der Schafe zu identificiren, erscheint nicht be­rechtigt, und zwar um so weniger, als in den Gegenden, in welchen die Drehkrank­heit der Schafe und Rinder häufig auftritt, die Pferde von dieser Affection nachweis­lich nicht betroffen werden.
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Rundwürmer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;509
Capitel XXXI. Rundwürmer. Anuelides. Nemathelmiiitha.
Aus derGruppe derRundwürmer sind nur wenige Gattungen für die Aetiologie der Pferdekrankheiten von erheblichem Interesse. Der im Magen des Pferdes schmarotzende Rollschwanz (Spiroptera megastoma s. Pilaria megastoma) verursacht in der rechten Hälfte der Magenschleimhaut flache Schwellungen von dem Umfange einer Haselnuss bis eines Taubenoies. Die Herde werden von dem eiterigen Inhalt an mehreren kleinen Stellen durchbrochen. Bei einzelnen Pferden setzt sich die durch das Schmarotzerthum der Würmer unterhaltene locale Entzündung auf den peritonealen Ueberzug des Magens fort, an welchem sich eine schwartige Verdickung ausbildet. Doch ist bisher nicht festgestellt worden, dass durch diese Veränderungen eine er­hebliche Krankheit der Pferde entsteht. — Die Diagnose einer solchen Magenentzün­dung ist bei dem seltenen Vorkommen und in Ermangelung bestimmter Symptome nicht ausführbar. Da die Parasiten in den Entzündungshorden für die Medication nicht erreichbar sind, so kann auch eine Präventivbehandlung nicht von Erfolg sein.
Unschädlich ist ferner der Pfriemenschwanz (Oxyuris curvula), der im Coecum und Colon zuweilen in grosser Zahl schmarotzt. Aehnlich wie der Oxyuris des Menschen am Anus einen heftigen Juckreiz bedingen kann, soll nach der Ver-muthung von Zürn durch das Ausschlüpfen trächtiger Oxyurisweibchen aus dem Darm eine juckende und brennende Empfindung am After der Pferde verursacht werden. Die Literatur enthält in dieser Hinsicht nur eine specielle Beobachtung (Pflug, Oesterr. Revue, 1881, S. 81), nach welcher bei einem Pferde der „Schweif­grindquot; auf die Embryonen der Oxyuris zurückzuführen war. — Wenn eine Behand­lung gegen den durch die Oxyuris veranlassten Juckreiz ausgeführt worden soll, so empfiehlt sich die öftere Waschung des Afters und der Schweifrübe mit Spiritus und Wasser, sowie die Einreibung von Glycerin. Ausserdem können Infusionen von warmem Mehlwasser in den Mastdarm nützlich sein.
Der warzige Faden wurm (Filari a papillosa) lebt in der Bauchhöhle und zuweilen in der Brusthöhle des Pferdes. Abildgaard, der diesen Parasiten „Gordius equinusquot; benannte, fand ihn auch auf der Pia mater cerebralis. Indess ist nicht erwiesen, dass er an den Hirnhäuten eine entzündliche Reizung veranlasst. Gurlt (Pathol. Anat., S. 341) erwähnt eines alten Pferdes, bei welchem er ein männ­liches Exemplar vonFilaria papillosa in der vorderen Augenkammer ermittelte. Mehrere andere Fälle sind in der älteren Literatur mitgethoilt. Der Wurm soll durch seine beständige Bewegung eine Ophthalmie mit Trübung der wässerigen Feuchtigkeit und Verdunkelung der Hornhaut verursachen können.
Der Spulwurm des Pferdes. Ascaris megalocephala.
Der Spulwurm des Pferdes findet im Dünndarm die Bedingungen seiner Ent-wickelung. Nachdem er daselbst ausgewachsen ist, vorlässt er seinen Wohnsitz mit dem Futterbrei. Dann hält er sich eine kurze Zeit im Dickdarm auf. Seine Aus­scheidung rosp. Auswanderung erfolgt mit den Excrementen. In ganz vereinzelten
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Fällen wird bei den Soctionen der Pferde ein Exemplar im Magen, in den Gallen-gängen oder im Ducliis pancreaticus gofunden. Die Einwanderung nach diesen Stellen soll, wie Gorlach betont, erst nach dem Todo der botroH'oiulon Pferde stattfinden. — Die Zahl der Exemplare, welche ein Pferd beherbergt, dillorirt zwischen weiten Grenzen. Oft enthält der Üarmtraclus nur 4—8 Exemplare, zuweilen 20—40 und in einzelnen Fällen bis zu 100 und darüber. Die Angabe einiger Autoren, class 2000 Ex­emplare und selbst noch mehr im Darm eines Pferdes gefunden seien, beruht nach meiner Meinung auf einer Uebertreibung.
Das Leben der Ascariden vollzieht sich, wie bei allen Rundwürmern, in zwei Oenerationsphasen. Indess ist das Vorhalten der Embryonen und die Art und Weise ihrer Aufnahme in den Darm noch nicht sicher festgestellt. Louckart u. A. halten es für möglich, dass die Embryonen zuerst in einen Zwischonwirth (Insectenlarven) gerathen und hier gewisse Eigenschafton erlangen müssen, um sich im Darm des Wohnthiores zur Geschlechtsreife ausbilden zu können. Doch ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Embryonen aus den Eiern, welche mit den Excremonten entleert werden, schon im Wasser oder in feuchter Erde entwickeln können. Ihre Aufnahme geschieht mit dem Futter oder mit dem Trinkwasser. Bevor sie im Darm des Trägers die Ge­schlechtsreife erlangen, machen sie verschiedene riäutungsproccsse durch.
Eine genaue Konntniss über die Zeitvorhältnisse, in welchen sich das Wachs-thum des Spulwurms vollzieht, besitzen wir noch nicht. Zweifellos vorgehen aber mehrere Monate (etwa ein halbes Jahr), bevor derselbe seine volle Körpergrösse er­langt hat. Mit einiger Wahrscheinlichkeit kann die gosammte Dauer seines parasi­tären Aufenthaltes im Darm auf etwa 9 Monate veranschlagt werden. An eine be­stimmte Jahreszeit scheint die Aufnahme der Embryonen nicht gebunden zu sein. Es können daher ausgewachsene Ascariden jederzeit bei einem Pferde vorkommen.
Der Spulwurm des Pferdes hat hornige Lippen, welche mit kleinen Zähnchen besetzt sind. Hierdurch wird derselbe befähigt, leichte Ver­letzungen an der Darmschleimhaut zu machen und selbst die Darmwand zu durchbohren. Letzteres geschieht indess der Erfahrung geraäss nur in sehr seltenen Fällen. Für gewöhnlich bringt das Schmarotzerthum der Ascaris megalocephaia keine Läsionen der Darmschleimhaut mit sich. Bei älteren Pferden wird auch die Verdauung der Regel nach nicht ge­stört. Dagegen ist anzunehmen, dass Fohlen öfter durch die Spulwürmer mit einem chronischen Darrakatarrh und Appetitmangel behaftet werden, so dass sie im Nährzustande erheblich zurückgehen. Gerlach meint, dass das Schmarotzerthum der Ascariden ausnahmsweise eine vollständige Kachcxie herbeiführen könne. Einen derartigen Krankheitsfall habe ich nicht beobachtet. Sind die Würmer in grosser Zahl vorhanden, so können sie sich im Dünndarm zusammenknäueln und eine Darmver­stopfung mit tödtlichem Ausgange verursachen. Nach der thatsächlichen Erfahrung ist indess anzunehmen, dass dies weit seltener vorkommt, als vielfach geglaubt wird. — Durch die Bewegungen der Ascariden an der Darmschleimhaut werden zuweilen auf reflectorischem Wege besondere Symptome ausgelöst. Dahin gehört das „Flehmcnquot; oder „Flennenquot;,
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welches die kolikkranken Pferde nicht selten bekunden, wenn sie Spul­würmer im Darmkanal beherbergen. — Nicht so sicher ist zu entscheiden, ob krampfhafte Affectionen in der Kopf-, Hals- und Sehultermuskulatur mit dem Schmarotzortlium resp. mit den Bewegungen dor Spulwürmer an der Darmwandung in ursächlichem Zusammenhange stehen können. Gerlach (Ger. Thicrheilk., 2. Aufl., S. 651) bespricht einen Krank­heitsfall dieser Art, ohne indess die Frage als ausgemacht zu betrachten: „Ein gesundes Pferd bekam plötzlich Schwindelzufälle, dann Gehirn­krämpfe und starb nach einigen Stunden. Die Obduction ergab Nichts, als gänzliche Anfüllung des Dünndarms mit grossen, 10—15 Zoll langen Spulwürmernquot;.
Ich hal)0 nur einen Fall von Krämpfen beobachtet, der reflectorisch durch Asca-ridon bedingt sein konnte. Eine vierjährige Stute — leichtes Arbeitspferd — er­krankte vorberichtlich am Nachmittage des 11. April 1873 an Krampfanfällen und wurde am folgenden Tage in die Klinik eingestellt. Sie bekundete in ungleichen Zwischenzeiten von einigen Stunden krampfhafte Contractionon in den Beugern des Halses und in den Muskeln der Vordergliedmassen. Das Pferd brachte beide Vorder­gliedmassen in floctirter Stellung nach vorn, krümmte den Hals und zog den Kopf bis zum Fussboden oder bis an die Carpalgelenke. Verdrehen der Augen mit Hervor­treten des Blinzknorpels. Tetanische Contraclionen in den Lippenmuskeln sowie in den gemeinschaftlichen Kopf-Hals-Armmuskeln und in den Brustkinnbackenmuskeln. Im Laufe eines Tages traten 4 Krampfanfälle dieser Art auf, die ungefähr eine Mi­nute anbiolten. Der verewigte Geheimrath Gorlach war mit mir der Ansicht, dass diese Krämpfe durch Ascariden verursacht sein könnten. Demgemäss wurde das Pferd mit Tart. stib. und Aloe behandelt, worauf 21 ausgewachsene Spulwürmer zur Ent­leerung kamen. Das Pferd war am nächsten Tage hergestellt und ist auch in der Folge gesund geblieben. — Dass diese Beobachtung nicht ausreicht, um den Zu­sammenhang der Krämpfe mit dein Schmarotzorthum der Ascariden einwandsfrei dar-zuthun, gebe ich zu. Wahrscheinlich ist aber, dass die Würmer in einzelnen Fällen Reflexkrämpfe verursachen können.
Einen ähnlichen Krankheitsfall, der ebenfalls mit Genesung endete, hat Fro­minet (Rec. de mod. vet., 1864) milgetheilt.
Bei der Entstehung der Kolik (Wurmkolik) können die Spulwürmer als wesentliche Ursache nur dann angesehen werden, wenn sie in grosser Zahl vorhanden sind, oder sich zu förmlichen Knäueln im Dünndarm verwickelt haben. Es ist für die Aetiologie der betreffenden Krankheits­fälle stets zu berücksichtigen, dass Pferde, welche einige Spulwürmer beherbergen, gerade so gut, wie andere Pferde nach verschiedenen Ur­sachen und namentlich nach ungeeigneter Fütterung an Kolik erkranken können. Nicht selten bedingen aber die Spulwürmer einzelne Symptome der kolikkrankon Pferde (Flehmen und gestreckte Stellung des Körpers) und ausnahmsweise lassen sich dieselben nach den Sectionsbefunden als die Ursache des Todes mit Sicherheit beschuldigen. Abgesehen von der
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schon wiederholt erwähnten kuäuelartigen Verstopfung des Darras durch Spulwürmer ist in dieser Hinsicht noch anzuführen, dass die Parasiten die Darmwand durchbohren können. Indess iiit ausser der interessanten Publication von Zorn (Adam's Wocliensciu., 1879, S. 357) hierüber eine sichere Thatsache nicht bekannt. Unmotivirt erscheint die Beschul­digung der Parasiten, wenn eine frische Ruptur des Magens oder eines Darmtheils gefunden wird und neben den Spulwürmern Futterstoffe in die Bauchhöhle gelangt sind. In diesen Fällen ist die Perforation des Magens oder Darms durch andere Ursachen bewirkt worden. Dagegen consta-tirte Zorn in zwei Fällen, dass Spulwürmer die Wandung des Dünn­darms an dem Gekrösansatz derartig durchbrochen hatten, dass zwischen beiden Gekrösplatten ein Hohlraum von 10 resp. 16 Ctm. Durchmesser entstanden war, welcher Eiter, Futterstoffe und Spulwürmer ent­hielt. Die Höhle, welche durch Auseinanderweichen der Blätter des Dünndarmgekröses sich gebildet hatte, war nach der Bauchhöhle durch­gebrochen. Beide Pferde erlagen der hierdurch bedingten diffusen Peri­tonitis. In einem Falle waren 29 Spulwürmer aus der Höhle in den freien Raum der Bauchhöhle gelangt, während bei dem zweiten Pferde die intramesenterialo Höhle neben Heu - und Strohpartikelchen 2 Sput-würmer enthielt, von welchen einer in der nach der Bauchhöhle führen­den Oeffnung sichtbar war. An der kranken Partie des Gekröses fänden sich im Dünndarm noch 8 gleichgrosse Spulwürmer.
Diagnose. Das Vorhandensein der noch im Wachsthum begriffenen Spulwürmer giebt sich bei den betreffenden Pferden durch bestimmte Erscheinungen nicht zu erkennen. Selbst wenn das Schmarotzerthum zahlreicher Ascariden eine chronische Dyspepsie bedingen sollte, so lässt sich in dem Verhalten der Patienten Nichts ermitteln, was der Erfahrung gemäss auf die Wirkung der Parasiten mit einiger Wahrscheinlichkeit bezogen werden könnte. Einen bestimmten Anhalt gewinnt die Diagnose erst durch die Ausscheidung von einzelnen Spulwürmern aus dem Darm. Indess lässt sich aus der Zahl der an einem oder an mehreren Tagen mit den Excrementen entleerten Exemplare nicht annähernd beurtheilen, ob und wie viel Spulwürmer sich im Darm noch befinden.
Prognose und Therapie. Die Ausscheidung einiger Ascariden aus dem Darm deutet noch nicht auf das Bestehen eines erheblichen und für das betreffende Pferd gefährlichen Krankheitszustandes. Ueberhaupt entsteht durch den Parasitismus der Spulwürmer nur selten eine Störung der Ge­sundheit resp. eine tödtliche Krankheit. Gleichwohl sind die Gefahren bedeutend genug, um vom thierärztlichen Standpunkte die Einleitung einer Cur zu rechtfertigen. — Haben die Spulwürmer ihre vollständige Grosse,
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Hiindwiirmor.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;513
d. h. ihr naturgemässos Alter erreicht, so gelingt die Abtreibung der­selben relativ leicht. Schwierig und oft erfolglos ist aber die Our, wenn die Würmer noch nicht ausgewachsen sind. Dann haften sie so fest an der Darmschleimhaut, dass sie auch durch eine sehr starke Peristaltik des Darms nicht von ihren Wohnsitzen entfernt und weiter befördert werden können.
Unter den Heilmitteln (Anthelmintica) hat dor Tart. stib. als eines der wirksamsten seit langer Zeit einen gewissen Ruf. Man giebt den­selben nach dem Alter und der Grosse der Pferde zu 5,0—15,0 Gramm, am besten im Trinkwasser, nachdem die Thiere einen Tag hindurch nicht getränkt worden sind. Am nächstfolgenden Tage ist eine volle Dosis der Aloe zu verabreichen. Als Abführmittel kann auch Physostigmin versucht worden. — Vortheilhaft erweist sich in vielen Fällen die Arsenik-cur. Acidum arsenicosum wird 1—2 Wochen hindurch täglich zu 1,0 bis 2,0 Gramm mit dem Futter, oder in Mehlpillen mit Zusatz von Natr. chloratum gegeben. — Nicht selten hat die Anwendung von Flores Cinae oder von Rhizoma Filicis (50,0—100,0 pro die) in Latwergenform gute Erfolge. Wo es auf den Preis der Medicamonte nicht ankommt und die gewöhnlichen Mittel nicht ausreichend erscheinen, sind die zur Abtreibung der Bandwürmer erprobten Präparate zu versuchen: Flores Koso (8,0 bis 15,0), Kamala (5,0—10,0). Diese Mittel können einzeln oder zusammen in entsprechenden Dosen mit Rhizoma Filicis und Honig in Latworgen-form zur Anwendung kommen. Zweckmässig wird einige Stunden nachher die beschleunigte Entleerung dos Darms durch Aloo oder Physostigmin bewirkt.
Der bewaffnete Pallisadenwurm. Sclerostomum armatum. Strongylus
armatns.
Fast ein Jahrhundort hindurch schien es, als ob der bewaffnete Pallisadenwurm als Schmarotzer des Pferdes nur ein zoologisches Interesse habe und eine nachthoilige Wirkung nicht herbeiführen könne. In den letzten 30 Jahren wurde zwar von einigen Thiorärzten gelegentlich hehauptet, dass das Aneurysma der vorderen Gokrösartorie mit dem tödtlichen Vorlaufe einer Kolik in Verbindung gestanden habe. Mit wissen­schaftlicher Sicherheit hat aber erst Bollinger („Die Kolik der Pferde und das Wurmaneurysma der Eingeweidearterienquot;, München 1870) die Beziehungen der Palli-sadonwünnor zu den erabolischen und thrombotischen Störungen im Dünn- und Dick­darm erkannt. Nachdem die verdienstvolle Arbeit Bollinger's allseitig gewürdigt war, konnte der wesentliche Inhalt derselben nicht mehr bestritten werden. Nur in der Angabo, dass in der Mehraahl der Piille die Entstehung der Kolik von dem Para­sitismus der Pallisadonwürnicr resp. seinen Folgezuständen bedingt sei, hat die that-sächliche Erfahrung die Voraussetzung Bollinger's nicht bestätigt.
1gt; ie okor ho ff, Spec. Palhologlfl u. Theniplc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; oo
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Durch thiorisolio Parasiten verursachte Krankheiten.
Nach der Darstellung von Zürn (Thierische Parasiten) ist die Entwickelungs-geschichto des Strongylus armatus durch die Untersuchungen Leuckart's kenntlich gemacht worden. Die früher von Rudolphi und Gurlt als grössere Varietät des Strongylus armatus beurtheilten Eingeweidewürmer, die im Blind- und Grimmdarm dos Pferdes und Esels loben, sind die vollkommen entwickelten resp. geschlechtsreif gewordenen Thiore, deren Larven (im Sinne der älteren Autoren die kleinere Varietät des Strongylus armatus) an den Wandungen einzelner Arterien, namentlich der vorderen Gekrösarterie schmarotzen. Die im Grimm- und Blinddarm lebenden Stron-gyli armati begatten sich; die Eier der weiblichen Schmarotzer gelangen mit den Ex-crementen nach aussen. „Auf feuchtem Boden, im Schlamm etc. entwickeln sich ziemlich schnell die von einer nur dünnen Schale umgebenen Embryonen, in warmer Jahreszeit schon innerhalb 3—4 Tage. Sie schlüpfen aus, suchen in Wasser oder Schlamm zu gerathen, um hier als frei lebende Nematoden (Rhabditiden) — also als Nichtparasiten — Nahrung zu suchen. Diese Larven gelangen mit dem Trinkwasser in den Darmkanal und von hier aus in die Arterienquot;.
In der grossen Mehrzahl der Fälle siedeln sich die Strongyli resp. die Larven derselben im Stamme der vorderen Gekrösarterie an. Zuweilen werden dieselben in dor Bauchschlagader, in der hinteren Gekrösarterie oder in den Nierenarterien ge­funden. Ob sie mit dem Blutstrom dorthin gelangen oder sich vom Darm aus durch die Organe einen Weg in die Artorienwand bahnen, ist nicht festgestellt. Bellinger (1. c. S. 89) berechnet nach den von Hering und ihm an 100 Pferden bewirkten Sectionon, dass bei denselben in der vorderen Gekrösarterie und ihren Aesten 153, in der Bauchschlagador 4, in der Leberarterio 3, in der hinteren Gekrösarterie 3, in der Nierenarterie 3 und in der Bauchaorta 2 Aneurysmen bestanden.
Durch die Ansiedelung der Würmer verliert die Intima der Arterien ihre intacte BeschalTenheit. Es entsteht eine chronische Endoarteriitis. In Folge dessen schlägt sich Blutfibrin an der Artorienwand nieder (parietale Thrombose). Der Thrombus im Stamme der vorderen Gekrösarterie kann erbsen- bis haselnussgross sein, aber auch den Umfang eines Hühnereies bis eines Gänsoeies erreichen. Da das Lumen der Arterie sich erweitert (Aneurysma), so erleidet der Blutstrom durch den Thrombus der Regel nach keine erhebliche Beschränkung.
Das durch den Parasitismus des Strongylus armatus verursachte Aneurysma (Wurm-Aneurysma, Aneurysma verminosum) der vorderen Gekrösarterie findet sich, worauf Hering schon im Jahre 1830 aufmerksam machte, bei der Mehr­zahl der Pferde. Nach den Forschungen Bellinger's erweisen sich 90—94 Procent sämmtlicher Pferde mit demselben behaftet. Je älter die Pferde sind, um so seltener fohlt das Aneurysma. Wie Bellinger zuerst festgestellt und Lustig bestätigt hat, kann dasselbe schon bei halbjährigen Fohlen vorkommen. — An der Intima und in dem Thrombus des aneurysmatisch erweiterten Gefässes liegen die Strongyli: oft nur einige, zuweilen mehrere Dutzend, nach Bellinger durchschnittlich 9 Exemplare. Mitunter setzt sich die Thrombose fort in das Lumen eines der Stämme, welche aus dem Hauptstamme dor vorderen Gekrösartorie entspringen. Auch kann in der oberen, oder in der unteren Grimmdarmarterie oder in der Hüft-Blinddannarterie eine ziemlich ausgedehnte Parietalthromboso mit Erweiterung des betreiTenden Gelasses zu Stande kommen.
Weshalb die Larven des Strongylus armatus gerade die vordere Gekrösarterie als Wohnstätto bevorzugen, ist nicht bekannt. In einzelnen Fällen dringen sie in die Uauchsclilagiulcr oder in die hintere Gekrösarterie, auch in den Bauchthoil der Aorta
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selbst und in die Nierenarterien. Die Veränderungen, die sie hier hervorrufen, sind denjenigen in der vorderen Gekrösarterie ganz analog.
Die krankhaften Folgen, welche das Aneurysma verminosum in einem der be­zeichneten Aortenstämme herbeiführen kann, bestimmen sich vorzugsweise durch die Ausdehnung und durch die Beschaffenheit des Thrombus. Für die allgemeine Beur-theilung dieser Verhältnisse ist die Thatsache zu beachten, dass bei der grossen Mehr­zahl der Pferde die Thrombose in den Wurm-Aneurysmen und insbesondere in dem­jenigen der vorderen Gekrösarterie keine nachtheilige Wirkung hat. In den Cadavern finden sich die Arterien, soweit sie parietale Thromben enthalten, eng zusammen­gezogen. Aus Irrthum wird zuweilen angenommen, dass das Lumen derselben intra vitam in gleichem Grade verengt gewesen ist. Die Ansicht, dass durch die Throm­bose der vorderen Gekrösarterie oder des einen oder anderen ihrer Aeste die Zufuhr von arteriellem Blute zum Colon und Coecum erheblich beschränkt und dass in Folge dessen eine Kolik oder eine Lageveränderung des Darms herbeigeführt werde, bedarf daher in concreto einer vorsichtigen Prüfung. Ich habe an einem grossen Erfahrungs­material nicht die Ueberzeugung gewinnen können, dass die in Rede stehende Throm­bose nach dieser Richtung eine häiifigo Ursache der Kolik ist. — Soweit der Throm­bus sich organisirt, bedingt er keine erhebliche Störung der Circulation. Eine nach­theilige Wirkung tritt auch der Regel nach nicht ein, so lange derselbe eine feste Consistenz hat. Im Wesentlichen liegt demnach die Gefahr darin, dass die Cohäsion des Thrombus sich verringert und dass in Folge dessen Partikel desselben losgelöst und in den einen oder anderen von den arteriellen Aosten der vorderen Gekrösarterie fortgeschwemmt werden. — Die Erweichung des Thrombus hat in vielen Fällen den Charakter desjenigen Vorganges, den Virchow die „puriformo Schmelzungquot; genannt hat. Nicht selten wird aber die Festigkeit des Thrombus in der vorderen Gekrösarterie lediglich dadurch verringert, dass das Blut in Folge von Athniungs-insufficionz oder von anderweitigen Intoxicationen eine abnorme Mischung erlangt und die thrombotischon Massen an ihrer Oberfläche imbibirt.
Hinsichtlich der Krankheiten, welche durch den Parasitismus des Strongylus armalus, bezw. durch die Wurm-Aneurysmen der Eingevveide-arterien entstehen können, ist Folgendes hervorzuheben.
1) Autochthone Verstopfung der vorderen Gekrösarterie und ihrer Aeste. Die sich wiederholende schichtenweise Ansctzung von Fibrin an den parietalen Thrombus kann den aneurysmatischen Gefässbezirk schliesslich obstruiren. Indcss ist hierbei die Möglichkeit einer „Kanalisirungquot; des Thrombus in Betracht zu ziehen, bei welcher die Blut­zufuhr zu den betreffenden Darmthoilen sich genügend erhält. Gefährlicher ist die Fortsetzung des Thrombus aus dem Hauptstamm in die Aeste. Hier­durch kann der Eintritt des Blutes in die betreifendo Arterie theilweise abgesperrt werden und es ist erklärlich, dass die Function des Darmtheils wegen Mangel an sauerstoffhaltigem Blut und durch rückläufige Stauung in den venösen Capillaren erheblich beschränkt werden muss. Indess beweist die thatsächliche Erfahrung, dass diese Störung der Blutcircu-lation im Darm nur selten vorkommt. Gefährlich ist, wie Bellinger
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Durch thierisclio Parasiten verursachte Krankheiten.
(1. c. S. 168) hervorhebt, die sich schnell vollziehende thrombotisuhe Verstopfung einer grösseren Darmarterie, weil dann eine Compensation durch Coilateralgefässe nicht stattfinden kann. Für die Ueurtheilung der obstruirenden Parietalthrombose in der oberen oder unteren Grimm­darmarterie ist aber zu beachten, dass beide Arterien durch den Gefäss-bogen an der Beckenflexur anastomosiren und dass daher die autoch-thone Verstopfung an einer relativ kleinen Partie Iceine krankhafte Be­deutung erlangt. Wird die Zufuhr von arteriellem Blut zu einem grösseren Theile des Grimmdarms oder Blinddarms versperrt, so erfolgt Lähmung der Darmmuskulatur, sowie eine hämorrhagische Infiltration und Schwel­lung der Mucosa und Submucosa. Die betreffenden Pferde erkranken unter dem Bilde einer schleichend verlaufenden Kolik und gehen stets nach wenigen Tagen an Darmentzündung zu Grunde.
2) Embolische Verstopfung der von der Arteria ileo-cooco-colica entspringenden Darmarterien. Nach Bellinger sollen die durch minimale Emboli im Dünndarm oder im Dickdarm herbeigeführten hämorrhagischen Infarcte mit Zurücklassung von pigmentirten skierotischen Platten abheilen. Auch die bei den Sectionen so häufig gefundenen üeberreste einer günstig abgelaufenen Peritonitis führt derselbe auf embolische Infarcte zurück. Ob diese Annahme zutrifft, lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden. Indess ist nach der gegenwärtigen Erfahrung eine andere Ursache für die pfriemenförmigen Excrescenzen und schwartigen Verdickungen am Peritoneum vieler junger und alter Pferde nicht bekannt.
Die Bedeutung der embolischen Verstopfung einer Grimm­darmarterie richtet sich nach der Grosse der Emboli. Sehr kleine Pfropfe können die arteriellen Capillaren in der Dickdarmschleimhaut verstopfen und hämorrhagische Infarcte mit blutigen Ergüssen in den Darrainhalt, selbst multiple oberflächliche Mortificationen und Ulcerationen in derSchleimhaut veranlassen. („Thrombotisch-embolische, hämor­rhagische Gastro-Enteritisquot; nach Friedberger).
Ein einzelnes, vom Thrombus in der vorderen Gekrösarterie oder in ihren Aesten losgelöstes Stückchen dringt nicht selten bis in den Gefässbogen an der Beckenflexur des Colon. Auch dieser Embolie folgt eine Infarcirung der Darmschleimhaut in geringem Umfange. Aber durch die Entwickelung der collateralen Blutbahnen erhält sich die Nutrition der Darmwand und die Entzündung kann vollständig abheilen. Bei der Section alter Pferde findet sich der Gefässbogen an der Becken­flexur zuweilen vollständig obliterirt und die Darmwand stellenweise durch narbiges Bindegewebe verdickt, was auf das hier geschilderte Ver-hältniss zu beziehen ist.
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Sehr oft folgt dem ombolischcn Gefässabschluss, namentlich wenn der Erabolus relativ gross ist, die Thrombose der Grimmdarmarterie; oder es gelangen nacheinander mehrere Emboli in das Gefäss. Dieser Zustand bewirkt immer eine Lähmung des Grimmdarms, starke Blut­stauung in den Venen, hämorrhagische Durchtränkung und Schwellung der Schleimhaut mit Abscheidung blutiger Flüssigkeit in den Darm. Der Inhalt des gelähmten Darms zersetzt sich und in der Schleimhaut ent­steht eine diffuse hämorrhagische Entzündung, nicht selten auch noch eine oberflächliche Mortification. Zuweilen werden in einer Partie der Darmwand von dem Umfange eines Gänseeies oder eines menschlichen Kopfes die kleinen Arterien von der Erabolie betroffen. Dann vorfällt das Stück der Nekrose, die sich durch eine deutliche Demarcationslinie von der Nachbarschaft abgrenzt. Wenn die Pferde der schweren Darm­entzündung nicht in kurzer Zeit erliegen, so folgt der Nekrose eine hämor­rhagische oder hämorrhagisch-eiterige und fibrinöse Peritonitis. In einzelnen Fällen wird die Darmwand in der Peripherie des nekrotischen Stückes an die Nachbarschaft angelöthet. Hierbei können die betreffenden Pferde mehrere Tage am Leben bleiben. Ich habe zwei Fälle behandelt, in welchen zwischen beiden linken Lagen des Colon eine vollständige Ver­wachsung erfolgte und die Pferde erst nach mehreren Wochen unter den Symptomen eines erschöpfenden Durchfalls zu Grunde gingen. — Ist der Grimmdarm mit Futterstoffen stark belastet oder durch Gase ausgedehnt, so erfolgt zuweilen die Berstung der Darmwand • und durch den finger-bis handlangen Riss der Austritt von Darminhalt in die Bauchhöhle. Wenn eine gtössere Quantität von Gasen und flüssigem Futterbrei in die Bauchhöhle gelangt, so sterben die Pferde innerhalb weniger Stunden an Blutvergiftung. Im anderen Falle kommt zuvor noch eine acute per-niciöso Peritonitis zur Ausbildung.
Weniger häufig, als in den Grimradarmarterien, wird die embo-lischo Verstopfung in der oberen oder unteren Blinddarm­arterie gefunden. Da beide Gefässe nicht mit einander in Verbindung stehen, so kann eine Compensation dor Störung nicht eintreten. Die krankhaften Folgen am Coecum sind im Wesentlichen dieselben, wie sie am Colon eintreten. Etwas häufiger aber, als an letzterem, wird bei den Sectionen die Nekrose der Darmwand in dem Umfange einer Handfläche gefunden.
Von der crabolischen Verstopfung durch kleine Pfropfe aus dem Thrombus im aneurysmatischen Stamme der vorderen Gekrösarterio sind die Aeste der Dünndarmarterien oft betroffen. Da aber die Ana-stomosen dieser Arterien sehr vollständig sind, so gleichen sich die
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Durch thiorischo Parasiten verursachte Krankheiton.
Störungen der Circulation durch die Entwickelung collateraler Bahnen in der Regel wieder aus, ohne Krankheitserscheinungen zu bedingen. Bellinger hat zuerst die Aufmerksamkeit auf die Embolio der Dünn­darmarterien gelenkt. Auch Lustig (Hannov, Jahrcsb., VI11., 1875) hat auf dieselben hingewiesen und zugleich erwähnt, dass bei ganz ge­sunden Pferden die Residuen günstig verlaufener embolischor Verstopfungen in den Arterien des Darms gefunden werden. Ich habe in Ueberein-stimmung mit diesen Angaben bei den im pathologischen Institut der hiesigen Thierar/noischule ausgeführten Sectionen häufig wahrgenommen, dass eine grössere Zahl von Dünndarmarterien durch abgelaufene embo-lische Zustände vollständig obliterirt war, und zwar bei Pferden, die an einer Störung der Verdauung resp. an Kolik nicht gelitten hatten. Im Gekröse entsteht hierbei stellenweise eine bindegewebige Verdickung.
Zuweilen führt die Embolie zwischen den Gekrösblättern am Dünn­darm zur Gefässruptur und zu erheblichen Blutergüssen.
Wenn die durch Embolie der Dünndarmarterien bedingte Darm­krankheit einen verzögerten Verlauf nimmt, so entsteht in einzelnen Fällen eine seeundäre Thrombose in den Dünndarmvenen und in der Pfortader mit tödtlichem Ausgange. Einen Krankheitsfall dieser Art hat Gerlach (Gerichtl. Thierh., 2. Aufl., 1872., S. 531) beschrieben. Auch Bellinger hat in seiner Monographie (1870) das Zustandekommen der Pfortader-Thrombose erläutert.
Tödtlich wird die 'Verstopfung einer Dünndarmarterie ferner, wenn die Blutzufuhr zu der Wandung des betreffenden Darmstückes vollständig verlegt ist und letzteres in Folge dessen der Nekrose verfällt. Soweit meine Erfahrung reicht, ist indess diese Erkrankung, von welcher ich einen Fall in Kürze mittheilen will, nicht häufig.
Kolik mit protrahirtemVerlauf, Lähmung des Gastro-Intestinaltractus und tödtlichem Ausgange. — Aneurysma und Parietalthrombose der vorderen Gekrösarterie; Thromboso einer grössoren Diinndarmartorie; Embolie und Thrombose eines Zweiges derselben, in dessen Strom­gebiet der Leerdarm der Nekrose verfällt. Entzündliche Vorklobung des nokrotischen Darmstückes mit der Nachbarschaft. Diffuse ober­flächliche Peritonitis. — Vorlagerung des Grimmdarms. Serös-hämor-rhagische Infiltration und Entzündung der Schleimhaut im Loerdarm
und Grimmdarm. Acht Jahre alter, mastig genährter Wallach — Arbeitspferd dänischer Race — erkrankte am 17. Januar 1885 unter den Symptomen einer leichten Kolik. Nach dem Berichte des Thierarztes IIartmann hiersolbst hatte das Pferd bis zum 20. Januar eine Pulsfrequenz von 60 in der Minute, venöse Färbung derSohleimhäuto, Inappetenz, geringe Neigung zur Aufnahme von Getränk, auch öfteres Scharren mit den Vorder-
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Rundwürmer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;51 i)
gliedmassen gezeigt, zeitweise aber ruhig gelegen. Darmoxoremente waren nur spär­lich entleert. Die Behandlung mit Aloe und Wasser-Infusionen in den Mastdarm hatte keinen Erfolg gehabt.
Am 21. Januar wurde das Pferd in die Klinik gebracht. Befund: Starker Kriifto-verfall, stierer Blick, allgemeiner Schweissausbruch, massige Unruhe, Bauchumfang nicht veigrössert, Scharren mit den Vorderhufen, öfteres Niederlegen und Wieder­aufrichten, venöse Färbung der Conjunctiva, dunkle Röthung der Maul- und Nasen­schleimhaut. Puls 92, sehr schwach; Respiration 25, oberflächlich, mit dyspnoischer Erweiterung der Nase; Temperatur 39,5. Futter und Getränk wurden vollständig versagt. Darmperistaltik war nicht zu vernehmen. — Die Behandlung mit Physo-stigmin blieb erfolglos. Nach 10 Stunden ging der Patient ein.
Section am 22. Januar im pathologischen Institut (Lüpke): In denBlutgefässen und im Herzen dunkles, thoils flüssiges, thoils theerartig geronnenes Blut. Die Bauch­höhle enthält eine geringe Menge trüber, röthlich gefärbter Flüssigkeit. Peritoneum diffus geröthet. rauh und glanzlos. Die Beckenflexur des Grimmdarms ist verlagert (umgeschlagen) und befindet sich hinter dem Magen. — Der Leerdarm ist an einer kleinen Partie (7 Meter vom Magen entfernt) mit dem Gekröse und mit einer anderen Dünndarmschiingo fest verklebt. Durch vorsichtiges Ziehen gelingt die Trennung. Das betreffende Stück liegt im Stromgebiet einer Dünndarmarterie, welche 3'/., Ctm. vor ihrer Theilung thrombotisch verlegt ist. Der Thrombus erstreckt sich in den Theilast, von welchem kleine Zweige nach dem nekrotischen Darmstück führen. Einer der letzteren ist obliterirt, ein zweiter durch frische, obstruirende Thrombose ver­schlossen. An der Stelle, wo diese Gefässe aus dem Gekröse an den Darm treten, beginnt die Nekrose. Das mortiflcirte Stück hat zu beiden Seiten am Gokrösansatze die Form einer stumpfen Spitze und an dem, derGekrösanheftung gegenüberliegenden Theil der Darmwand eineLängevon 15Ctm. Von der Nachbarschaft setzt sich dasnekrotische Stück durch einen schwarzrothen Rand scharf ab; es ist an der peritonealen Fläche trübe und zähe, die Schleimhaut schmutzig-gelb und sehr mürbe. Weiterhin erscheint die Schleimhaut des Leerdarms blauroth und stark infiltrirt. In den entfernten Partien ist dieselbe nicht entzündlich erkrankt.
Dickdarm massig gefüllt, Inhalt von breiiger Consistenz. In den von der Ver­lagerung betroffenen linken Lagen des Grimmdarms ist der Futterbrei mit Blut ge­mischt, die Mucosa mit dor Submucosa in grosser Ausdehnung serös-hilmorrhagisch infiltrirt. Die Grimmdarmarterien sind vollständig wogsam.
Der Magen ist stark ausgedehnt und enthält 20 Liter einer trüben, grauen Flüssigkeit; die Schleimhaut der Portio pylorica diffus geröthet und hügelig ge­schwollen.
Aneurysma der Arteria ileo-coeco-colica von Hühnereigrösse; an der rechten Wand desselben haften lose an der Intima thrombotische Massen von graugelber, trockener Beschaffenheit.
Im Uebrigen ergab die Section eine parenchymatöse Trübung des Herzens, der Leber und der Nieren, sowie eine leichte Intumescenz dor Milz.
3) Embolie und Thrombose in den arteriellen Gefässen der Leber als Folge eines Aneurysma vorminosum mit Throm­bose der Bauchschlagader. Die Entstehung von obstruirenden Thromben in den Leberarterien im Anamp;ihlusse an die Thrombose der
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5quot;20nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Durch thiorische Panvsiton verursaclite Krankheiten.
Arteria coeliaca ist von Bo Hing er erläutert worden. Im Ganzen ist indess entsprechend dem nicht häufigen Vorkommen des Wurmaneurysma in diesem Gefässstamm die in Rede stehende Erkrankung der Leber selten. Ich fand bei einem Pferde als Ursache der tödtlichen Erkran­kung einen kopfgrossen Leberabscess, der aus einem nekrotischon Herde hervorgegangen war. Das Zustandekommen des Herdes beruhte in einer Embolie, bezw. in der Loslösung eines Pfropfes von dem Thrombus der Bauchschlagader.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;#9632;laquo;
4)nbsp; nbsp;Embolischo Herde in den Nieren (ombolische Nephritis) in Folge von Thrombose im Aneurysma verminosum der Nierenarterien oder der Bauchaorta. Der Zusammenhang embo-lischer Herde in den Nieren mit den Thromben in der Bauchaorta und in den Nierenarterien ist von Lustig (Münch. Zeitschr., Bd. I., S. 180) durch sorgfältige Befunderhebungen nachgewiesen worden.
5)nbsp; nbsp;Ruptur des Aneurysma in der vorderen Gekrösarterie; Tod durch Verblutung. Bellinger (1. c. S. 159) hat aus der Literatur 8 Fälle hervorgehoben, in welchen die Verblutung durch Perforation des grosser) aneurysraatischen Sackes in die Bauchhöhle oder in den Blinddarm und in den Hüftdarm erfolgt war. Ich habe folgen­den Fall beobachtet.
Sectionsdiagnos o: Aneurysma mit Thrombose der Art. ileo-cooco-
colica. Ulceration am aneurysmatischon Sacke, Perforation desselben
in den Blinddarm mit tödtlioher Verblutung.
Rapphengst, 15 Jahre alt, veredelter Abkunft, wurde am 7. August 1885 spät Abends in die Klinik gebracht, weil er seit 12 Stunden an Kolik erkrankt war. Starker Kräftoverfall. Puls 90. Respiration 30 in der Minute. Entleerung von stinkenden, breiigen, blutigen Darmexcremonten. Blässe der sichtbaren Schleimhäute. Kolik­symptome stellen sich nicht mehr ein. Das Pferd wurde sorgfältig verpflegt, ging aber nach 3 Stunden zu Grunde.
Bei der im pathologischen Institut (Lüpke) ausgeführten Section fanden sich im Allgemeinen die Erscheinungen der Verblutung. Die Bauchhöhle enthielt 3 Liter schmutziggrüner, trüber Flüssigkeit. Coocum und Colon stark gefüllt mit Gasen und breiigem Koth, der zum Theil mit geronnenem Blute durchsetzt ist. Auch im Hiift-darm und im ganzen Mastdarm findet sich blutiger Inhalt. Im Grunde des Blind­darms liegen grössere, dunkelrothe, saftige Blutgerinnsel. An dieser Stelle enthält die Darmwandung ein Loch mit zackigen Rändern, durch welches man in der Rich­tung nach der Gekröswurzel mit dem Finger in die sackartig erweiterte Art. iloo-coeco-colica gelangt, die reichlich den Umfang von zwei Fäusten hat. Der Sack hat an der breitesten Stelle 15 Ctm. Durchmesser. In demselben liegt ein gänseeigrosser Thrombus von theils glatter, thoils rauher und bröckliger BoschalTenheit. Der Throm­bus selbst ist sonst derb, auf der Schniltfläche glanzlos und trocken. Die änsseren Partien desselben sind von grünliclvir Färbung. An der Stelle, wo die Arterie sich in ihre Aeste fortsetzt, ist die throrubotische Masse mit der Intima fest verklebt. Um
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Rundwürmer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;521
den Thrombus liegt eine schmierige, dunkelgriino, stinlconde Masse. Der anenrysma-tische Sack ist an seiner inneren Fläche ulcerös zerfallen. An drei Stellen finden sich röhronförmigo Verlilngerungcn, in welche man mit dem Zeigefinger 2 Ctm. tief eindringen kann. Einer dieser Kanäle führt in den Blinddarm, dessen Wandung durch die ülcoration ponotrirt ist. Das um die aneurysmatische Arteria ilio-coeco-colica gelegene Gewebe ist durch chronische bindegewobigo Entzündung vordickt, aber von sehr ungleicher Stärke, theils 0,3 Mm., thoils bis zu 3 Ctm. dick.
6) Ruptur dos W urmaneurysma in der Bauchaorta und tödtliche Verblutung. Auf die Zerreissung dor Aorta als Folge des Parasitismus der Strongyli hat Grcvo (Erf. und Beob., L, 1818., S. 172) nach den in 5 Fällen bewirkten Feststollungen aufmerksam gemacht. Mehrere andere Fälle hat Bellinger (1. c. S. 157) zusammengestellt. Im Ganzen ist indess diese Vorblutung ein seltenes Ereigniss.
Diagnose. Die Krankheitsfälle, welche aus dem Wurmaneurysma und der Throm­bose in der vorderen Gokrösarterie, bezw. aus der thrombotischen und embolischen Verstopfung der Darmarterion hervorgehen, stehen unter dem CollectivbegrilTe der „Kolikquot;. Ich werde daher die Symptome derselben in dem Capitol der Kolik be­sprechen. Auf die Erscheinungen und den Vorlauf der mit dem Parasitismus der Strongyluslarven in ursächlicher Verbindung stehenden embolischen Entzündungen der Leber und der Nieren, sowie auf die aneurysmatischon und thrombotischen Zu­stände in der Aorta werde ich ebenfalls bei den Organkrankheiten zurückkommen. — Abgesehen von der partiellen Verlegung der Aorta am hinteren Ende, der Beckon-arterien oder der Schenkelarterion durch Parietalthromboso, sind die durch das Aneurysma der Eingoweicleartorion bodifigton unheilbaren oder tödtlichon Krankheiten während dos Lebens nicht mit Sicherheit zu ermitteln.
Die Scctiunstliagnosc der betrelTendon Krankheitsfälle kann für die forensische Praxis von massgebender Bedeutung sein. Sie gestaltet sich aber bei Weitem nicht so einfach, als a priori vorausgesetzt werden könnte. Ergiebt sich bei der Section als Todesursache die Verblutung aus einem griisseren und durch chronische bindegewobigo Neubildungen oder durch degenerative Processe in seinen Wandungen charaktorisirton Wurmaneurysma, so liegt die Frage nach der Dauer des tödtlich gewordenen Krank-hoitszustandes nicht schwierig. Dagegen ist für die forensische Beurtheilung des Verhältnisses, in welchem dio Thrombose in der aneurysmatischon Arteria ileo-coeco-colica oder ihren Aeston zur embolischen Kolik steht, eine Reihe von Erfahrungen zu beachten. Ohne der Frage näher zu treten, hat Bollinger (1. c.) schon auf die Consequenzen dieses Verhältnisses für dio gerichtliche Thierarzneikunde in Kürze hingewiesen. In einer späteren Publication (Schweiz. Archiv., 24. Bd., 4. Heft., Ref. von Adam, Woohenschr. 1873, S. 22) hat sich Bollinger dahin ausgesprochen, dass das Wurmaneurysma als Ursache der Gefässverstopfung alle Eigenschaften eines Gewährsfehlers besitze. Hiergegen reagirte Gerlach (Gerichtl. Thierh., 2. Aufl., S. 531), welcher befürchtete, dass jeder nicht als frisch entstanden nachgewiesene und tödtlich verlaufende Fall von Kolik als ein redhibitorischer Mangel angesehen und nach dem Alter des Thrombus in der vorderen Gokrösarterie heurtlicilt werden könnte. Er stellte den wissenschaftlichen Feststollungen Bollingor's allerdings mit mehr Energie, als Berechtigung, dio Behauptung entgegen, dass die Wurm-aneurysmen der Eingeweidearterien eine Kolik niemals verursachen sollten, Lustig
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Durch thierisohe Parasiten verursachte Krankheiten.
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hat in den Ilannov. Jahresb., VI., S. 33 und VII., S. 21 „die forensische Bedeutung der embolisohen Kolikquot; besprochen und für die Qualiflcirung der Krankheit als Ge-#9632;ffiihrsraangol den Nachweis verlangt: „dass ein Embolus oder Thrombus die Ursache des tödtlich gewordenen Krankheitsprocesses ist und dass dieser Embolus oder Throm­bus zur Zeit der Ueborgabo des betreffenden Pferdes vorhanden oder in der Entwicke-lung begriffen gewesen istquot;. Diese Forderung deckt sich im Ganzen mit der juristi­schen Definition der Gewährfchler, soweit sie den Tod der Thiere herbeiführen. Für die Beurtheilung conoreter Fälle liefert die Declaration indess keinen fassbaren An­halt. Denn die Bedingung, ,,dass ein Embolus oder Thrombus in der Entwickelung begriffen gewesen seiquot;, liisst dem Sachverständigen einen grossen Spielraum und gestattet ihm für viele Fälle, den Beginn der Circulationsstörung im Darm auf eine längere Zeit zurück zu vorlogen, als berechtigt ist.
Bei der Beurtheilung der Frage ist zunächst zu beachten, dass nach den Fest­stellungen von Bollinger, Lustig u. A. das Wurmaneurysma in der Art. ileo-coeoo-oolica oder in ihren Aesten schon bei 6 Monate alten Fohlen vorkommt und dass nach den allseitig als richtig anerkannten statistischenBefunderhebungenvonHering, liöll, Bollinger, Ellenberger u. A. mehr als 90 Procent sämmtlioher Pferde mit demselben behaftet sind. Dazu kommt, dass in der überwiegend grossen Mehrzahl der Fälle das Aneurysma einschliesslich der Thrombose keine nachtheilige Wirkung hat. Nach den Grundsätzen des gemeinen Rechts kann daher im gewöhnlichen Handel und Verkehr dor Erwerber eines Pferdes nicht stillschweigend voraussetzen, dass bei demselben ein Wurmaneurysma nicht vorhanden sei. — Wenn aber aus dem Sections-befunde hervorgeht, dass das Aneurysma zur Zeit des Erwerbes (dos Kaufes oder Tausches) ungewöhnliche Eigenschafton von krankhafter Bedeutung gehabt hat und wenn das Pferd innerhalb der Klagefrist in Folge dieser Eigenschaften zu Grunde gegangen ist, so kann der Erwerber eine Entschädigung vom Vorbesitzer verlangen. Denn in diesem Falle ist anzunehmen, dass der Erwerber das betroffende Pferd nicht oder doch nur zu einem erheblich geringeren Preise, als für gewöhnlich vereinbart wird, erstanden haben würde, falls ihm zur Zeit des Vortragsabschlusses die gefähr­lichen Eigenschaften des fehlerhaften Zustandos bekannt gewesen wären. — Zu den hier gedachten ungewöhnlichen Eigenschaften können eine erhebliche Grosse des Aneurysma, atheromatöse und eiterige Entartung, Verkalkung oder Verknöcherung seiner Wandung, puriforme Schmelzung, sowie die Fortsetzung eines relativ grossen Thrombus in eine Darmarterie, deren Verlegung die Blutzufuhr zu der betreffenden Darmpartie vollständig aufhebt, gerechnet werden.
Wenn dagegen bei der Section blos in den Darmarterien eine embolische Ver­stopfung mit ihren Folgen als Ursache dqs Todes festgestellt wird, so ergiebt sich daraus für sich allein noch nicht, dass der Rechtsanspruch auf Schadenersatz motivirt ist. Insbesondere erscheint die Folgerung nicht berechtigt, dass die Todesursache bei dem betreffenden Pferde so lange bestanden habe, wie der Thrombus in der aneurysmatischon vorderen Gekrösarterie oder in einem Aste derselben vorhanden ge­wesen ist. Einer solchen Annahme steht die Thatsacho entgegen, dass nicht selten an einem derben und compacten Thrombus in den gedachten Arterien, der an und für sich keine Gefahr für die Gesundheit des botreffondon Pferdes herbeigeführt habenquot; würde, erst in Folge einer frisch entstandenen Störung der Blutmischung und bezw. durch die unmittelbare Einwirkung des dyskrasischen Blutes Bedingungen entstehen, welche zur Loslösung und Fortschwemmung kleiner Thoilchen desselben und zur tödlliohen Embolie einer Darmarterie führen. In diesen Fällen lässt sich nach den
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llundwiirmer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 523
Grundsätzen des gemeinen Rechts die Entstehung der Todesursache nur bis zu der Zeit zurückführen, in welcher die krankhafte Störung in der Bluttnischung zur Aus­bildung kam. Denn es ist anzunehmen, dass ohne die Mitwirkung dieses Momentes die tödtliohe Darmembolie bei den botrefTondon Pferden nicht eingetreten sein würde. Ich habe gelegentlich der lieschreibung eines Falles von tödtlioh verlaufenem Gehirn-abscess (Adam's Wochenschr., 1882, S. 158) in einer kurzen Bemerkung schon darauf verwiesen, dass die Erweichung des Thrombus in der vorderen Gekrosarterie und die Loslösung kloinor Pfropfe von demselben durch eine acute Blutdyskrasie vermittelt werden. Ziemlich oft habe ich dies Verhältniss bei Pferden constatirt, welche an den gewöhnlichen Nachkrankhoiten der ßrustseuche (eiterig-jauchige Prooosso in den Lungen oder in der Brusthaut) durch ichorrhämische Intoxication zu Grunde gingen. Auch im Vorlaufe von chirurgischen Krankheiten, selbst schon nach einfacher Ath-mungsinsuffioienz in Folge anhaltenden (krankhaften) Liegens kann die Blulmisohung eine Störung der fraglichen Art erleiden und zur Bildung von ombolischon Ver­stopfungen die wesentlichste Ursache abgeben. — Die Richtigkeit dor vorbozeichneton Auffassung der Frage ergiebt sich auch daraus, dass in zahlreichen Fällen von Darm­embolie am Thrombus der vorderen Gekrosarterie oder ihrer Aeste frische, lockere Gerinnsel gefunden werden, von welchen erst die Bildung der Pfropfe und die Embolio mit consecutiver Thrombose der botrelTonden Darmarterien ihren Ausgang genommen haben.
Aus dieser Darstellung erhellt, dass sich auch in den Bezirken des gemeinen Rechts und des proussischen Landrochts aus den Wurmaneurysmen der Eingoweide-arterien resp. aus dem tödtlichen Vorlaufe einer Embolie und Thromboso der Darm­arterien nur selten ein Regress gegen den Vorkäufer der betreffenden Pferde mit wissenschaftlicher Sicherheit auf die Sectionsergebnisse basiren lässt.
Pallisadenwürmer im Gehini.
In der Literatur sind zwei wohlconstatirte Fälle mitgotheilt, in welchen durch das Eindringen dos Strongylus armatus in das Gehirn der Tod der Pferde verursacht wurde. AI brecht (Magaz., 1872, S. 177) berichtet von einem siebenjährigen Wallach, dass derselbe während der Arbeit plötzlich taumelnde Bewegungen gezeigt, den Kopf gesenkt und nach rechts gehalten habe, demnächst niedergefallen und bewusstlos ruhig liegen geblieben sei. Bei der Section fand sich das Gehirn sehr blutreich; die Soitenkammorn waren mit klarer Flüssigkeit massig gefüllt. In der Marksubstanz der linken Halbkugel 4 Blulcoagula, im llirnknoten und im kleinen Gehirn jo ein starkes Blutcoagulura. Das Coagulum im kleinen Gehirn enthielt einen Strongylus (nach der Feststellung des Geheimraths Gurlt ein ausgebildetes, in der Häutung begrüfenos weibliches Exemplar). — van Ileill (Thierarzt, 1873, S. 88) behandelte ein dreizehn­jähriges Ackorpferd, welches vorberichtlich für dummkollerkrank gehalten war, aber stets gut gearbeitet hatte. In der Arbeit vor dem Pfluge zeigte es plötzlich ein tob­süchtiges Benehmen und schlug mit dem linken llinterfusse nach dem Kopfe. Der Anfall dauerte ', 4 Stunde. Am folgenden Tage wiederholten sich die Anfälle, welche sich 8 Tage hindurch mit zunehmender Heftigkeit und immer häufiger einstellten. Sonst bekundete das Pferd Depression des Bewusstsoins und taumelnde Bewegung. Es wurde als unheilbar gotödtet. — Autopsie: Blutüberfüllung im Gehirn und Blut-austrotungen in den Adergeflechten, in der Mitte der rechten Hemisphäre auf der Rindensubstanz des Gehirns ein sich frei bewegendes Exemplar des Strongylus armatus.
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524nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Durch thierische Parasiten vorursachto Krankheiten.
Behandlung. Die Vernichtung der Strongyluslarven im Körper der Pferde ist unmöglich. Es giebt kein Mittel, mit welchem der Para­sitismus derselben in den Arterien aufzuhalten oder zu beseitigen wäre. — Uober die Behandlung der durch die Thromben in den Eingewoidearterion herbeigeführten Krankheiten des Darms, der Leber und der Nieren werde ich später bei den betreffenden Capiteln Näheres mittheilen.
Auch für die Prophylaxis lässt sich eine wirksame Massregel in der Haltung und Ernährung der Pferde nicht anordnen. Bellinger meinte gewiss richtig, dass es von grösster Wichtigkeit sei, die mit der Nahrung erfolgende Aufnahme der Strongylus-Embryonen zu verhindern. Allein bei dem grossen Verbreitungsbezirk des Strongylus armatus und bei der ungeheuren Zahl von Eiern, welche die Parasiten produciren, scheint diese Forderung geradezu unerfüllbar zu sein. Die Gelegenheit zur Aufnahme der Embryonen findet sich zweifellos so vielfach, dass die Modification in der Fütterung und Tränkung der Pferde einen Nutzen nicht haben kann.
Capitel XXXII. Bremseiilarven. Gastriislarven.
Die Gattung der Bremsfliege oder Dasselfliege (Gastrophilus, Gastrus) seliwürmt vom Mai bis October, vorzugsweise aber vom Juni bis August. Soweit die Entwickelung der Larven in dem Körper des Pferdes erfolgt, sind folgende 4 Species von Interesse: 1. Gastrophilus equi; 2. Gastrophilus pecorum; 3. Gastro­philus haemorrho'idalis; 4. Gastrophilus nasalis.
Die befruchteten weiblichen Exemplare der Bremsfliege setzen die reifen Eier auf die Haut der Weidopferde ab, besonders an der vorderen Körperhälfte. Vermöge ihrer klebrigen Umhüllung haften die Eier an den Haaren ziemlich fest. Bei den dunkolbehaarten 'Weidopforden finden sich dieselben an den Vordergliedmassen, am Halse, an der Mähne und an den Tasthaaren des Kopfes oft in sehr grosser Zahl. Durch Ablecken und mit dem Putter nehmen die Pferde theils die Eier, theils die schon vorher aus den Eiern geschlüpften Embryonen (Larven) auf. Die naturgemässe Entwickelung der Larven erfolgt in der Digestionsschleimhaut und vorwaltend im Magen. Zu ihrer vollständigen Ausbildung ist eine Zeit von 10—13 Monaten erforder­lich. Sie vorlassen demnach im Sommer ihre Sitze und gelangen mit den Excrementen nach ausson. Zum Thoil hängen sie sich hierbei noch einige Tage im After fest.
Das legitime Organ für das Schmarotzerthum der Bremsenlarven ist der Magen. Am meisten erfolgt die Ansiedelung in der Schleimhaut der Portio cardiaca, zum
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Bremsenlarven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 525
Theil auch in der Portio pylorica und im Duodenum. In einer kleinen Minderzahl der Fälle setzen sie sich im Schlünde, in der Rachenhöhle oder im Kehlkopfe fest. Das Vorkommen in anderen Organen wird von den Autoren mit Recht als eine „Ver-irrung1' gedeutet. — Die ursprünglich sehr kloinen Larven hohren sich mit ihren Mundhaken in die Schleimhaut, in welcher sie ziemlich fest haften, ohne eine eigent­liche Verletzung zu bewirken. Durch ihr Wachsthum erweitern sich die Gruben, in welchen sie stocken. Im Magen wohnen sie meist dicht nebeneinander, so dass sie förmliche Haufen von Taubonei- bis Faustgrösse bilden. Sie kommen aber auch ver­einzelt vor. In der Schleimhaut der Rachenhöhle oder des Kehlkopfes siedeln sich nur einzelne Exemplare an.
Die Bedeutung der Bremsenlarven als Ursache von Krankheiten ist seit jeher und bis zur Gegenwart vielfach überschätzt worden. Eine rühmliche Ausnahme macht Greve (Erf. u. Beob., I., 1818, S. 194), der das Schraarotzerthum der Larven als unschädlich ansieht. Dass die Thierärzte bis zur Mitte des gegenwärtigen Jahrhunderts den Befund der Larven mit der Kolik, mit Krämpfen, oder mit schweren acuten Ent-zündungsprocessen in Verbindung brachten, kann nach dem früheren Standpunkte der Wissenschaft nicht befremden. Ich erachte es aber nicht für thunlich, die betreffenden Angaben der älteren Autoren ohne nähere Prüfung als thatsächlich begründet anzusehen und hiernacii die Gefahr der Bremsenlarven zu beurtheilen. Vor Allem darf nicht über­sehen werden, dass die ümkleidung der Larven aus einer Chitinsubstanz besteht, die gegenüber der Digestionsschleimhaut indifferent ist. Es ent­steht daher durch das Schmarotzerthum der Larven keine entzündliche Reizung in der Schleimhaut. Die ältere Vorstellung von dem Zustande­kommen einer traumatischen Entzündung des Magens oder der Rachen­höhle resp. des Kehlkopfes ist nicht berechtigt. — Die Larven unter­halten auch durch ihren Sitz in der Mucosa nur eine ganz geringfügige Granulation, von deren Product sie leben. Wenn sie demnach auch in grosser Zahl sich ansiedeln, so können sie doch die Gesundheit der Wohnthiere durch Entziehung von Albuminaten nicht beeinträchtigen.
Die Richtigkeit der vielvorbreiteten Ansicht, dass die im Magen schmarotzondon Bremsenlarven zuweilen eine Kolik verursachen sollen, muss ich nach den Erfahrungen der thierärztlichen Praxis und nach eingehender Prüfung der literarischen Publi-cationon in Abrede stellen. Aus der ganzen Lebensweise der Larven lässt sich kein Moment ableiten, welches bei der Pathogenoso einer Kolik von Einlluss sein könnte. — Auch die Meinung, dass die in der Pylorushälfte des Magens und im Duodenum angesiedelten Larven bei Fohlen eine chronische Gastrosis mit krankhaftem Appotit-mangol bedingen sollen, ist thatsächlich nicht zu begründen. Mindestens spricht Nichts dafür, dass die gewöhnliche Lebensweise der Larven eine krankhafte Reizung der Magenschleimhaut veranlassen kann.
Von Durchbohrungen des Magens und des Zwölffingerdarms durch die Larven und der consocutivon Entwickelung einer lodtlichen Peritonitis ist seit mehr als
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526nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Durch thierische Parasiten verursachte Krankheiten.
100 Jahren in der Literatur — allerdings nur nach den Befunden in vereinzelten Fällen — berichtet worden. Numann (vergi. Mngaz., 1838, S. 73) constatirte eine solche Durchbohrung bei einem Pferde, welches In Folge eines Nageltrittes an einem „faul-fieberartigen Zustandquot; erkrankt und gestorben war. Er folgerte hieraus mit Recht, dass die Durchbohrung nur deshalb habe stattfinden können, weil die Magenwandung krankhaft verändert gewesen sei. Gerlaoh (Gerichtl. Tliierh., 2. Aufl., S. GßO) tritt dieser Auffassung bei und bemerkt zugleich, dass die Larven bei allgemeinen Er­krankungen der betreffenden Pferde kurz vor dem Tode und selbst erst nach dem Tode den Magen durchbohren können. Ich habe einmal bei der Section eines an Kolik ver­endeten Pferdes eine Bremsenlarvo in der Bauchhöhle gefunden, aber die Stelle, an welcher dieselbe den Magen oder Dann durchbohrt hatte, nicht nachweisen können. Es war auch kein Mageninhalt in die Bauchhöhle gedrungen. Ebensowenig bestand eine Peritonitis. Hiernach muss ich die Ansicht Gerlach's für zutreffend halten. Mit thatsächliohen Gründen lässt sich die Meinung, dass die Penetration der Larven in die Bauchhöhle als Ursache einer tödtlichen Krankheit bei Pferden angesehen werden könne, nicht aufrecht halten.
Sehr oft ist in der neueren Literatur auf den von Hertwig (Magaz., IV., 1838, S. 74, Anmerkung) beschriebenen Krankheitsfall exemplificirt worden. Ein acht­jähriger Wallach war innerhalb eines Tages von einer allgemeinen Krankheit befallen, die als ein „rheumatisch-gastrisches Fieberquot; diagnosticirt wurde (Appetitmangel und ödcmatöse, schmerzhafte Anschwellungen unter dem Bauche und an den Gliedmassen). Am 5. Krankheitstage starb das Pferd unter den Symptomen einer inneren Vorblutung. Bei der Section fand sich der Magen mit Blut gefüllt, „welches zum Theil geronnen und in seine Bestandtheile geschieden warquot;. Auf der Schleimhaut sasseu an mehreren Stellen die Larven in Häufchen nebeneinander; an anderen Stellen fanden sich die Vertiefungen, in welchen Larven gesessen hatten. Zwischen den Häuten des Magens lag ein Abscess von der Grosse einer flachen Hand. Als in die Kranzarterie Wasser eingespritzt wurde, kam dasselbe aus donOeffnungen in der Magenschleimhaut heraus. Hertwig bemerkt hiernach: „Man kann also annehmen, dass die daselbst befindlich gewesenen Larven die Wände der betrelfonden Gefässo durchnagt und so eine innere Verblutung und den Tod herbeigeführt habenquot;. — Ich halte dafür, dass diese An­nahme nicht zutrifft. Der Krankheitsfall ist überhaupt nicht, genügend aufgeklärt, um ihn mit Sicherheit beurtheilen und den Ursprung des im Magen gefundenen Blutes bestimmen zu können. Ganz unzulässig ist aber die Deutung, dass die Larven die ßlutgefässo durchgenagt hätten. Seit der Zeit, als Hertwig die Bremsenlarvon für den tödtlichen Ausgang des gedachten Krankheitsfalles beschuldigte, sind 50 Jahre vergangen. Niemals ist aber nachher ein ähnlicher Befund, ermittelt worden. Es er­scheint deshalb die in zahlreichen Schriften der neueren Zeit verbreitete Behauptung nicht berechtigt, dass das Schmarotzerthum der Larven zuweilen eine erhebliche oder tödtliche Magenblutung herbeiführen soll.
Eine Verwachsung des Magens mit benachbarten Organen mag in seltenen Fällen durch das Vordringen der Larven in die Subserosa des Magens entstehen können. Aber es ist nicht bekannt, dass hierdurch eine Störung der Gesundheit oder gar der Tod der betroffenden Pferde veranlagst werden könnte. Schliepe (Magaz., 1859, S. 402) fand bei einem zwölfjährigen Pferde, welches unter den Symptomen einer Rückenmarkslähmung plötzlich erkrankte und als unheilbar getödtet wurde, den Magen an der grossen Curvatur im Umfange eines silbernen Fünfmarkstückes mit der Bauchwand verwachsen. In der divortikolartigen Fortsetzung der Magenhöhle sasseu
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Bremsenlarven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;527
mehrere Gastruslarven. Im Uebrigen war der Magen nicht krankhaft verändert. — Bruckmüller (Viorteljahvsschr., XIII., Wien 1859, S. 141) und Roloff (Magaz., 1868, S. 180) constatirton in jo einem Falle einen Abscess im Milzmagenbande, wie sich derselbe nicht selten als Metastase im Verlaufe der Druse bildet. Zwischen dem Abscosse und der Magenhöhle befand sich eine offene Communication und in der Abscesshöhle eine Bremsenlarve. — Auch in diesen Fällen kann die Todesursache nicht in dem Parasitismus der Larven angenommen werden.
Die Bremsenlarven, welche sich eine kurze Zeit am After festsetzen, verursachen bei den Pferden zuweilen eine juckende Empfindung. Aber ich habe nie gefunden, dass die Thiere doshalb auf den Mastdarm resp. auf die Kothentleerung drängten. Die Folgerung Hortwig's (Mag., 1838, S. 81, Anmerk.), dass bei einem Pferde die Heizung der Larven zu heftigem Drängen und hierdurch zu einem Mastdarmvorfall geführt habe, halte ich nicht für zutreffend. Der Prolapsus war jedenfalls durch andere Ursachen entstanden.
Vor etwa 60 Jahren berichteten französische Thierärzte, dass die Larven in der Rachen- und Kehlkopfschleimhaut eine schwere Halsbräune mit tödtlichom Ausgange herbeigeführt hätten. Mit einer bedingten Zustimmung zu diesen Mittheilungen meinte F. Günther (Zeitschr. von Nebel und Vix, L, 1834), dass die Larven nach der vollständigen Ausbildung heftigen Husten (Krampfhusten) verursachen sollten. Nach vielfachen Erfahrungen muss ich diese Meinungen für irrthümlich erklären. Die Rachenschleimhaut ist gegenüber der Lebensweise und der BeschalTenheit der Larven ebensowenig vulnerabel, wie der Magen. Im Kohlkopfe sitzen die Larven (1—5) stets dicht oberhalb der Stimmbänder resp. der Morgagni'sohon Taschen. Unrichtig ist die Ansicht, dass die Kehlkopfschleimhaut in dieser Gegend besonders empfindlich sein soll, so dass die Anwesenheit der Larven einen chronischen Husten auslösen müsse. Die thatsächliche Erfahrung und das Resultat der von Kohts (Virchow's Arch., 60. Bd., 1874, S. 194) über die Empfindlichkeit der Kehlkopfschleimhaut angestellten Experimente beweisen das Gegentheil. — F. Günther (1. c.) verinuthet ferner, dass die Larven im Kehlkopf in seltenen Fällen die Ursache des Kehlkopfpfeifens abgeben sollen. Ich habe niemals Gelegenheit gehabt, dies zu constatiren und mir ist auch aus der Literatur keine gesicherte Beobachtung, welche die Ansicht Günther's unterstützen könnte, bekannt geworden. So nahe dieselbe liegt, so kann sie als thatsächlich begründet doch nicht gelten.
Bremsenharvon im Gehirn.
Wenn nach der vorstehenden Kritik eine nachthoilige Wirkung der Bremsen­larven im Verdauungstractus oder im Kehlkopf nicht vorkommt oder mindestens nicht nachgewiesen ist, so enthält andererseits die Literatur die wohlconstatirton Krankon­geschichten von 2 Pferden, welche durch das Eindringen der Bremsenlarven in das Gehirn eine schwere Störung erlitten und als unheilbar und wertlilos gotödtet werden mussten. Bruckmüller (Wien. Vierleljahrsschr., VI., 1855, S. 48) beobachtete bei einem einjährigen Fohlen, welches stets gesund gewesen und am 6. Mai 1853 plötz­lich erkrankt war: Gesenkte Haltung des Kopfes, der zugleich mit der rechten Seite etwas nach oben gewendet wurde; Lidverschluss und Erweiterung der Pupille am linken Auge; das rechte Auge normal; taumelnder oder schwankender Gang; Be-wusstsein nicht gestört; Futteraufnahme nicht abnorm; einhaltendes Liegen und Un­vermögen, ohne Hülfe aufzustehen. Nach 6 Tagen wurde das Fohlen gotödtet. Bei
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Durch thierisohe Parasiten verursachte Krankheiten.
der Section fanden sich an der linken Seite vor und in der Varolsbrücke mehrere kleine Höhlen und in denselben zwei junge Bremsenlarvon, die 12 Linien lang waren. Nach Bruckmüller's Ansicht gehören dieselben zur Species der Nasenbremse. Er meint, dass sie von der Rachenschleimhaut aus durch das zerrissene Loch in das Gehirn gekommen seien. — Siedamgrotzky (Dresd. Ber., XXIX., 1885, S. 15) be­handelte im Mai 1884 einen siebenjährigen Wallach, der bis dahin niemals eine Stö­rung in den Oehirnfunctionen bekundet hatte. Das Pferd zeigte zunächst schwankende Bewegungen und fiel dann auf die rechte Seite. Es konnte nicht wieder emporgerichtet werden. Bewusstsein nicht gestört. Blick stier, Pupille massig erweitert. Der Kopf wird gestreckt gehalten; die Vordergliedmassen lleotirt, der rechte Hinterschonkel gestreckt und der linke in fortdauernder Abwechselung gestreckt und gebeugt. Die Veränderungen in der Temperatur, Respiration und Pulsfrequenz waren unerheblich. Am 4. Tage stellten sich auch Beuge- und Streckbewegungen an den Vorderglied-masscn ein. Das Pferd wurde zum Schlachten gotödtet. An der rechten Seite des verlängerten Marks, und zwar „am strickförmigen Körper, an der Grenze zwischen Keil- und Seitenstrang, 2 Mm. hinter dem Kleinhirnsohonkel zum verlängerten Markquot; fand sich ein Hohlraum von 13 Mm. Länge, 7 Mm. Tiefe und 3 Mm. Breite. In dem Hohlraum steckte ein kleiner Parasit, der zwar nicht genau bestimmt werden konnte, aber wahrscheinlich eine in der Häutung begrilfcne Gastruslarvo war.
Behandlung. Schon im vorigen Jahrhundort wurde von den Thier-ärzten nachgewiesen, dass die Larven durch antiparasitische Medicamente nicht getödtet oder aus der Digestionsschleirahaut abgetrieben werden können. Gleich nach dem Auskriechen der Larven aus den Eiern findet sich schon die ausserordentlich grosso Widerstandsfähigkeit derselben gegen Al­kalien, Säuren und empyreumatische Substanzen. Da übrigens die Larven im Allgemeinen nicht gefährlich sind, so ist der Vorsuch einer Vertreibung derselben aus ihren Wohnsitzen überhaupt nicht indicirt. — Ebensowenig empfiehlt sich eine Präventivcur. Numann (Magaz., 1838, S. 101) meinte, dass den Weidepferden täglich antiparasitische Mittel (Theer, Asa foctida, Wermuthdecoct) auf die Haut gestrichen werden könnten. Dass diese Vorschrift nicht ausführbar ist, bedarf keiner Erläuterung. Auch die nach Numann oft wiederholte Empfehlung, durch häufige Verabreichung schleimiger Mittel die Magenschleimhaut zu schützen, ist nicht berechtigt. Denn die Larven verursachen überhaupt keine Reizung. Es erübrigt hiernach nur, gegen die Ansiedelung und den Parasitismus der Bremsenlarven bei den Weidepferden keine Behandlung zu versuchen. Nach Beendigung der naturgemässen Entwickolungszeit verlassen dieselben ihre Wohnsitze von selbst.
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Krätzmilben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5'29
Capitel XXXIII. Krätzmilben.
Die zoologische Ordnung der Milben (Acarina) umfasst 4 Abthoilungen: a) Wassorrailben; b) Sumpfmilbon; c) Landmilben; d) Laufmilben, Von der letztgenannten Abtheilung (Laufmilben) werden nach Koch (üebersicht des Arachnidensystems, 3 Hefte, Nürnberg 1837 — 1847) 5 Familien unterschieden: a) Prachtmilbe, b) Schnabelmilbe, c) Thiermilbe, d) Käfermilbe, e) Lausmilbe. Zur Familie der „Lausmilboquot; gehören neben anderen die drei Gattungen: a) Sarcoptes, ß) Dermatocoptes, y) Dermatophagus, die durch ihren Parasitismus auf der Haut der Säugethiere resp. des Menschen die Krätze (Räude) bedingen und deshalb als „Krätzmilbenquot; besonders unterschieden werden.
Erst im gegenwärtigen Jahrhundert ist die zoologische und pathologische Charakteristik der Krätzmilben zum Abschlüsse gebracht. Um dieselbe haben sich die thierärztlichen Forscher Gerlach*), Fiirstenberg**) und Mögnin***) hervor­ragende Verdienste erworben. Indem ich auf die mit instruetiven Abbildungen ver­sehenen Werke derselben verweise, will ich hier nur hervorheben, dass die Milben getrennten Geschlechtes sind. Aus den Eiern der befruchteten weiblichen Milben bilden sich in 6—7 Tagen die Larven, die in ca. 14 Tagen die Geschlechtsreife er­langen und fortpflanzungsfähig werden. Die weiblichen Milben erreichen ein Alter von 4 Wochen, die männlichen von 6 Wochen. Wie bedeutend die Vermehrung der Milben sich unter geeigneten Bedingungen gestalten kann, ergiobt sich aus der von Gerlach festgestellten Thatsache, dass ein Milbenwoibchen täglich 2 Eier legt, die in 3 bis 4 Tagen ausgebrütet werden.
Eine merkwürdige Eigenthümlichkoit zeigen die verschiedenen Gattungen der Milben darin, dass sie sich zum grossen Theil auf der Haut bestimmter Säugethiere resp. des Menschen allmälig einleben und dann — abgesehen von Ausnahmefällen — auf anderen Thiergattungen sich entweder gar nicht mehr oder nur eine kurze Zeit forterhalton und vermehren. Worin diese biologische Eigenthümlichkoit beruht, ist nicht bekannt. Gerlach erachtete dieselbe für so bedeutend, dass er bei allen drei Milben-Gattungen verschiedene Species unterschied, die sich nach Fürstonberg's Charakteristik zoologisch nicht auseinanderhalten lassen. Indess ist der Accommo­dation der Milbengattungen oder -Species doch so viel Werth beizulegen, dass be­sondere „Varietätenquot; derselben anerkannt werden können.
Ueber das Vorkommen der drei Krätzmilbengattungen ist Folgendes hervor­zuheben.
1) Sarcoptes (Latreillo), Grabmilbe. Kommt nach Fürstenborg in vier Species vor: a) Sarcoptes scabioi Latr. (S. hominis Rasp., S. equi Gerl.,
*) Gerlach, Krätze und Räude etc. Berlin 1857.
**) Fürstenberg, Die Krätzmilben der Menschen und Thiere. Leipzig 1861. ***) Mögnin, Los parasites et les maladies parasitaires. Paris 1880.
Dieükorhoff. Spec, l'atliulogte und Tlicnipto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;va
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Durch thierischo Parasiten verursachte Krankheiten.
S.dromedariiGervais), heim Menschen, Pferde, Dromedar*), beimneapolilanischen Schafe und boiAITen; b) Sarooptes caprae F. bei Ziegen; c) Sarcoptes squami-ferus F. bei Hunden und Schweinen; d) Sarcoptes minor P, bei Katzen und Kaninchen.
Gerlach (Berl. Arch., 1877) hat sich später für die Unterscheidung von zwei Gruppen der Grabmilbe ausgesprochen: a) Sarcoptes communis (beim Menschen und bei den grösseren Hausthieron); b) Sarcoptes minor (bei Katzen und Kaninchen).
2)nbsp; nbsp;Dermatocoptes F. Saugmilbe. (Dermatodoctes Gerl., Psoroptes Mcgnin.) Von Gerlach werden drei Species angenommen: üermatodectos equi, D. bovis und D. ovis. Fürstenborg fasst dagegen alle drei zu einer Art zusammen! Dermatocoptes communis (bei Pferden, Hindern und Schafen).
3)nbsp; nbsp;Dermatophagus F. Schuppen fressende Milbe. (Symbiotos Gerl.; Chorioptes Gervais und Mögnin.) Wurde von Gerlach als Symbiotes equi und S. bovis unterschieden. Fürstenberg hat nur eine Species: Dermatophagus bovis anerkannt (bei Pferden und Kindern).
Rande. Krätze. Scabies. Psora.
Detiiiitioii und Aetiologie. Der „Krätzequot; oder „Räudequot; sind nur diejenigen ansteckenden Hautkrankheiten begrifflioh unterstellt, weiche durch das Schmarot/crthum von Milben verursacht und unterhalten werden.
Die im vorigen Jahrhundert allgemein gebräuchlichen, in einzelnen Gegenden Deutschlands und Oesterreichs bis zur Gegenwart benutzten Termini „Grindquot; und „Schabequot; werden in der wissenschaftlichen Thierarzneilainde nicht mehr vorwendet. Es ist leicht ersichtlich, dass die üblichen Bezeichnungen der Krankheit einen sym­ptomatischen Ursprung haben. „Krätzequot; und „Schübequot; beruhen auf der Uebor-setzungdes griechischen Terminus,,Psoraquot; rosp. des lateinischen Wortes,,Sc ah i esquot;. Die Ausdrücke „Räudequot; und „Grindquot; sind nach der iiusseren BeschalTonheit der räudekranken Haut gebildet worden.
Andere in der älteren Literatur für die Pforderäude verwendete Namen: „Schmutzflechtequot; oder „Räudeflechtequot; (Herpes scabiosus); „trockene Schübequot; (Herpes farinosus); „trockene, dürre Räudequot; (Scabies fari-nosa, Sc. sicca) gegenüber der „nüssenden, feuchten oder fetten Räudequot;
*) DieRüude des Dromedars wurde 1841 von Gervais (vergl. Fürstenberg, 1. c. S. 217) beobachtet, der hierbei auch die Milbe gefunden und beschrieben hat. Ich behandelte 1879 gemeinschaftlich mit dem verewigten Kroisthierarzt Herrns 5 räudekranke Dromedare, welche zu einer Karawane aus Nubien gehörton und in den Besitz des hiesigen zoologischen Gartens übergegangen waren. Die Krankheit war hei allen 5 Thieren invetorirt; 3 gingen zu Grunde und 2 wurden geheilt. Ich fand die von Gervais beschriebene Milbe in grosser Zahl. Sie stimmte vollstiinrlig- üborein mit der menschlichen Krätzmilbe. — Bei den Waschungen der Thiere inficirten sich drei Wärter dos zoologischen Gartens an den Händen, Armen und am Halse. An diesen Regionen entstand die Krätze mit allen ihren Eigonthümliclikoiten. Die Warter mussten sich einer ärztlichen Behandlung unterziehen, nach welcher die Heilung in 8 Tagen erfolgte.
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laquo;riitzmilben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,r)31
(Sclt;al)ios ulcerosa) sind angeeignet. Sie entstanden aus einer gänzlich verfehlten Anschauung über die Natur der Krankheit und besitzen daher nur noch ein historisches Interesse.
Dem gegenwärtigen Jahrhundert waren in der Aeliologio der Krätze noch die abstrusen Vorstellungen dos Altortliums überliefert worden. Nasskalte Witterung, schlechte Ernährung und mangelhafte Hautpflege sollton bei den Thieren eine be­sondere Dyskrasic der Säfte verursachen, aus welcher die Scabies als eine chronische anstockende Krankheit der Haut hervorgehen mussto. Mit grosser Hartnäckigkeit hat sich diese Hypothese auch von der Räude der Pferde bis über die Mitte dos gegen­wärtigen Jahrhunderts hinaus erhalten. Das Blut sollte eine salzige Schärfe enthalten, welche mit dem Blutwasser in die „Schweiss abführenden Gofässequot; der Haut dringe, an den Ausgängen derselben die Haut zerfresse und die Sohorfbildung verursache. Nach­dem die Krätzmilbe dos Menschen mehrfach, aber nicht allgemein als die alleinige Ursache der Krankheit anorkannt war, versicherte Kerstin g (Nachgcl. Manuscr., 2. Aufl., 1792, S. 129), auch beim „Grind der Pferdequot; kloine Thierchon ähnlich den Käsemilben im Käso auf dor Haut gesehen zu haben. Er dachte sich aber, dass diese Parasiten sich erst in Folge der Krankheit auf der Haut einfinden sollten. — loh halte os für zweifelhaft, ob Kersting wirklich Krätzmilben bei Pferden gefunden hat. Dagegen gelang Gohier (1812) der Nachweis der Dermatocoptes-Milbe. Später constatirten Ilortwig (1835) und Hering (1838) dieselbe Milbe bei räudekranken Pferden. Trotz dieser Befunde erhielt sich die Ansicht, dass die Eruption dar Pferde­räude theils in einer ursprünglichen Entwickelung, theils in einer unmittelbaren oder mittelbaren Ansteckung beruhe. Dementsprechend wurde die Entstehung der Räude­milbon auf die Urzeugung (Generatio spontanen) zurückgeführt. Einer der letzten unter den einflussroiehen thierärztlichon Autoron, welche die spontane Generation der Räudemilben vertreten haben, warSpinola. Der Thatsache, dass die Räude in allen ihren Arten und bei allen Thieren sich nur durch Ansteckung erhält und ausschliess-hch durch den Parasitismus der Räudemilben bedingt wird, hat erst Gerlach (1857) die allgemeine Anerkennung der Thierärzto gesichert. Es gehört auch zu seinen Vor-dionsten, das Schniarotzerthum der Sarcoptosmilbo und der Dermatophagiisiuilbe bei Pferden entdeckt resp. zuerst nachgewiesen zu haben, dass die Räude bei den Pferden in drei besonderen Arten vorkommt: 1. Sarcoptes-Räudo, 2. Dormatocoptes- (Dermato-dectes-) Räude und 3. Derniatophagus- (Symbiotos-) Räude. Die beiden erstbezeich­neten Arten verbreiten sich über den ganzen Körper resp. über den Rumpf, Hals und Kopf. Sie umfassen im engeren Sinne den Begriff der Pferdoräude. Auch das Seuchengesetz des deutschen Reiches stellt nur dioso beiden Arten der l'forderäudo unter die polizeiliche Behandlung, nicht aber die Dormatophagus-Räude. Siedam-grotzky defmirt die Sarcoptes- und die Dennatocoptos-Räude als „allgemeine Räudequot; und die Dermatophagus-Räude als „örtliche Räudequot;.
Dem Ausbruch der Räude liegt in den meisten Fällen die unmittel­bare Berührung eines gesunden Pferdes mit einem räudekranken zu Grunde. Die Milben werden bei der engen Gemeinschaft dor Pferde in den Stallungen oder auf den Weiden leicht übertragen. Es kann aber auch mittelbar durch das Putzzeug, die Decken oder das Arbeitsgeschirr, welche bei räudekranken Pferden benutzt wurden, die Ansteckung erfolgen. Nicht selten vollzieht sich die indircete Ucbertragung der Milben in den nicht
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desinficirten Ställen, in welchen räudekranke Pferde untergebracht waren. Da die Milben die alleinige Ursache der Krankheit resp. das Oontagium derselben darstellen, so ist bei jedem Ausbruch der Räude vorauszusetzen, dass entweder gleichzeitig männliche und weibliche Milben oder trächtige weibliche Milben oder keimfähige Milbenoier auf die Haut des botreffen­den Pferdes gebracht sind. Die Eier können an feuchten Vehikeln i bis 6 Wochen, vielleicht in einzelnen Fällen noch länger keimfähig bleiben, während sie an trockenen Gegenständen früher zu Grunde gehen. — Für die unmittelbare Ansteckung ist die Thatsache noch beachtenswerth, dass nach dem Grade und der Ausbreitung der Räude bei einem Pferde die Uebertragung der Milben bald sehr leicht, bald weniger leicht er­folgt. Ein Pferd, welches frisch angesteckt ist, kann mehrere Tage, selbst 2 — 3 Wochen neben einem gesunden Pferde stehen, ohne dass letzteres mit den Milben behaflet wird, während bei der stark ent­wickelten Räude schon eine einmalige vorübergehende Gemeinschaft zur Ansteckung ausreicht.
Vorstehende ätiologische Thatsachen kommen den beiden Arten der allgemeinen Pferderäude gemeinsam zu. In der Pathogenose und Sym­ptomatologie bestehen dagegen einige erhebliche Modificationon, die eine gesonderte Betrachtung erheischen.
Sarcoptesräude des Pferdes. Scabies equi sarcoptica.
Pathogenese. Die Grabmilbe (Sarcoptos scabiei Latr.) dringt unter die Epidermis und erzeugt in der Haut förmliche Gänge, in wel­chen die Paarung, das Ausbrüten der Eier und die Entwickelung der jungen Milben erfolgen. Nach Gerlach graben sich die Sarcoptesmilben stets an einem Haarbalg ein. Durch die Bisse derselben wird eine ober­flächliche chronische Entzündung der Haut eingeleitet und unterhalten. In Folge derselben vermehrt sich die Bildung der Epidermisschuppen; es entstehen kleine Knötchen und an den feineren Hautpartien selbst förmliche Pusteln; zuweilen scheidet sich in geringer Menge ein seröses Exsudat ab; die Haut vergrössert sich und legt sich an den Regionen, in welchen die Unterhaut sehr locker ist, in Falten. Bei längerer Dauer führt der Process zur Bildung von Krusten und Borken. Die Haare fallen aus. 'Vorzugsweise durch die Bisse und die Bewegungen der Milben, zum Theil auch durch die auf der Haut befindlichen Schuppen und Krusten wird ein krankhaftes Juckgefühl unterhalten.
Symptome. Am Kopf, Hals und an den Schultern wird die Haut von den Sarcoptesmilben am meisten heimgesucht. Indess ist der Beginn
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Kriitzmilben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;533
der Räude am Rumpfe nicht ausgeschlossen. Die Gliedmassen werden aber erst bei der allgemeinen Ausbreitang derselben über den Körper resp. nach einer relativ langen Krankheitsdauer afficirt. Als wesentliche Erscheinungen finden sich:
1)nbsp; nbsp;Juckreiz. Die Pferde benagen und scheuern die kranken Haut­stellen. Beim Striegeln oder beim Reiben derselben mit den Fingern äussern sie grosses Wohlbehagen durch Bebbern mit den Lippen, Strecken oder nickende Bewegungen des Kopfes und Einbiegen dos Körpers. Am meisten macht sich die juckende Empfindung bei der Erwärmung der Haut oder während der Nacht geltend.
2)nbsp; nbsp;Knötchenbildung an den kranken Hautpartien, zuweilen auffällig, oft aber geringfügig.
3)nbsp; nbsp;Ausfallen der Haare, mitunter so bedeutend, dass die Haut in grosser Ausbreitung kahl erscheint.
4)nbsp; nbsp;Schilferige oder schuppige Beschaffenheit der Haut.
5)nbsp; nbsp;Faltenbildung in der Haut, besonders am Grunde der Mahne und zu beiden Seiten des Halses, der sich bei der inveterirton Räude vom Kopf bis zur Schulter mit quer, d. h. von der Mähne zur Luftröhre verlaufenden Hautfalten bedeckt.
6)nbsp; nbsp;Krusten und Borken, auch Risse und innerhalb der­selben secretorische Processc oder leichte Blutaustretungen in der Haut. Eine Folge des heftigen Reibens an harten Gegenständen.
7)nbsp; nbsp;Mangclhalte Ernährung und bei monate- oder jahre­langer Dauer der Krankheit Kachexie.
Dermatocoptesräude dos Pferdes. Scabies equi dermatocoptica.
Pathogeneso. Die Saugrnilbe (Dermatocoptcs communis Fürst.) gräbt sich nicht unter die Epidermis; sie durchbohrt dieselbe blos und saugt ihre Nahrung aus der Outis. Diese Milben leben demnach auf der Haut. Durch ihre Bisse entstehen kleine Knötchen und diffuse Reizungs-processe in der Haut. Hiermit verknüpft sich ein heftiger Juckreiz. In Folge des Benagens und Reibens bilden sich Schuppen, sowie blut­rünstige Risse, Schrunden, Krusten und Borken an den kranken Haut­partien. Allmälig lockern sich die Haare mehr und mehr. Sie fallen mit den Schuppen oder beim Reiben ab. An den kahlen Stellen er­scheint die Haut zunächst glänzend; aber bei denn fortdauernden Para­sitismus der Milben verdickt sich dieselbe, so dass rissige Schuppen, Runzeln und Falten entstehen. .
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Durch tliiorischo Parasiten verursaclito Kraukhoiton.
Symptome. Wie Gerlach zuerst festgestellt hat, suchen sich die Dermatocoptesmilben an den fortdauernd warmen und geschützten Haut-stellon anzusiedeln: Schweifrübo, Schopf, Mähne, Kchlgang und innere Schenkelflächon. Bei längerem Bestehen der Krankheit breiten sie sich aber über den ganzen Körper aus. Im Uebrigen sind die Symptome den Erscheinungen der Sarcoptesräudo sehr ähnlich:
Starkes Juckgefülil; Abschuppung, Verdickung und Kru-stonbildung an den kranken Hautpartien; Lockerung und partielles (büschclwoises) Ausfallen der Haare; seröse Exsu­dation an einzelnen Stollen und blutige Imbibition der Krusten und Borken; mangelhafte Ernährung und rauhe Beschaffen­heit des Deckhaaros an den nicht erkrankton Regionen.
Verlauf. Sowohl bei der Sarcoptes-, als bei der Dermatocoptes-räude vergehen nach der Ansteckung etwa 14 Tage, bis sich die Krank­heitssymptome wahrnehmen lassen. Sie sind auch dann noch sehr ge­ringfügig. Erst nach 4—6 Wochen treten die Erscheinungen deutlicher hervor. Werden die Pferde nun einer Behandlung nicht unterzogen, so verbreitet sich die Krankheit in wenigen Wochen über einen grossen Theil des Körpers. — Die Abmagerung macht sich bei alten Pferden schneller bemerklich, als bei jungen. Letztere erhalten sich nicht selten 1 — 2 Jahre bei Kräften, besonders wenn sie gut gefüttert werden. Schliesslich tritt Appetitmangei ein und die Pferde gehen durch die allmälig zunehmende Abmagerung zu Grunde. Wird die Krankheit aber durch gute Hautpflege und medicamentöse Behandlung auf einem niederen Grade erhalten, so kann sie mehrere Jahre fortbestehen.
Diagnose. Nothwcndig ist für die Diagnose der allgemeinen Räude in der thierärztlichen Praxis der Nachweis der Milben nicht. Wenn sich aber Jemand die Aufgabe stellt, die Sarcoptesräudo zum Unterschiede von der Dermatocoptosräude festzustellen, so ist die sichere Diagnose von dem Befunde der bestimmten Milbengattung abhängig. Nach den Erfahrungen Gerlach's wird die allgemoine Räude des Pferdes in % der Fälle durch Sarcoptesmilben und in l/8 durch Dermatocoptesmilben ver­ursacht. Im Allgemeinen sprechen die Verbreitung des Ausschlags über grösscre Hautpartien, eine erhebliche Enthaarung, sowie die Verdickung und Faltenbildung der Haut dafür, dass das betreffende Pferd an der Sarcoptesräudo und nicht an der Dermatocoptesräude leidet. — Das Aufsuchen der Milben bleibt oft erfolglos, namentlich wenn die kranken Pferde bereits mit antiparasitären Mitteln bohandolt sind. Für die mikroskopische Untersuchung werden die Schuppen oder Krusten an den Stellen, an welchen heftiges Juckgefühl, besteht, mit dem Messer abgo-
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Krätzmilben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;535
tragen und zunächst mit Natronlauge erweicht. Zuweilen finden sich in denselben todte Milben oder Theile derselben. Lebende Milben lassen sich mitunter in den frisch aufgeblühten und mit dem Messer abgehobenen Räude-knötchen leicht nachweisen. Zweckmässig findet vorher eine Anfeuchtung und Erwärmung der Knötchen, Schuppen oder Krusten statt, weil die Milben hierdurch zum Umherkriechen veranlasst werden. Die Derraatocoptes sind leichter zu finden, als die Sarcoptes. Wegen der Schwierigkeit, die das Auffinden der Milben mit sich bringen kann, empfahl Gerlach, die abgenommenen Knötchen oder Schuppen auf dem Arm einer Person zu befestigen und einige Stunden auf demselben zu erhalten. In dieser Zeit suchen die Milben sich in die Haut einzugraben, was an der jucken­den Empfindung sich zu erkennen giebt. Sie lassen sich dann von der Haut mit einer Nadelspitze hervorholen.
Durch den Nachweis der Milben wird jeder theoretische Einwand gegen die Richtigkeit der Diagnose beseitigt. Aber sowohl bei den vetorinärpolizoilichen Befunderhebungen, als in der Privatpraxis ist es nicht berechtigt, das Vorhandensein der Räude deshalb zu bezweifeln, weil bei der Untersuchung keine Milben gefunden werden. Bei sorgfältiger Erwägung der positiven und negativen Befunde lässt sich die Räude auch ohne Auf­suchung der Milben mit wissenschaftlicher Sicherheit feststellen. Ein wesentliches diagnostisches Merkmal liegt in dem starken Juckreiz an den kranken Hautpartien. Das Bestehen desselben ergiebt zunächst, dass das betreffende Pferd mit thiorischon Hautparasiten behaftet ist. Ausser dem sehr selten vorkommenden aeuten Pemphigus habe ich bei Pferden keinen Hautausschlag kennen gelernt, welcher ein so heftiges Juckgefühl veranlassen könnte, als die thierischen Hautparasiten. Demnach ist bei der Beurtheilung der Krankheitserscheinungen vorab die Frage zu erledigen:
1)nbsp; nbsp;Ob bei dem betreffenden Pferde oder bei einer Mehrzahl von Pferden eines Bestandes sich Läuse angesiedelt haben. Wegen des starken Juckreizes, den die Läuse verursachen, scheuern und reiben sich die Pferde die Haut zuweilen wund, so dass die Haare auf relativ grosserraquo; Partien der Haut abfallen. Bei wochen- und monatelangem Parasitismus der Läuse kann deshalb die Affection eine grosso Aehnlich-keit mit den Symptomen der Räude haben. Indess gelingt durch eine sorgfältige Untersuchung der Haut resp. durch Scheitclung der Haare an den Flanken, am Thorax oder an der Schulter und am Halse unter der Mähne die Ermittelung einzelner Läuse oder der an den Haaren klebenden Eier (Nisse) fast immer.
2)nbsp; nbsp;Die Vogelmilbe (Derraanyssus avium) kann in solchen Pferdeställen, in welchen eine Hühnerstiege oder ein Taubenschlag ein-
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Durch thierischo Parasiten vorursachto Krankheiten.
gerichtet ist, des Nachts auf die Haut der Pferde kriechen und durch ihre Invasion einen juckenden Ausschlag verursachen. Indess kommt nach meinen Erfahrungen diese Affection nicht hfiufig und jedenfalls seltener vor, als in der Literatur vielfach behauptet wurde. Immerhin ist bei zweifelhaften Befunden Rücksicht darauf zu nehmen, ob der Pferdestall mit einer Hühnerstiege in director Verbindung steht.
3)nbsp; nbsp;Der Pemphigus acutus der Pferde, eine oberflächliche in-fectiöse Hautkrankheit, deren specifischer Verlauf in 5—8 Tagen beendet ist, bedingt in noch höherem Grade, als die Räude einen krankhaften Juckreiz. Indess ergiebt sich schon aus der starken serösen Exsudation und zuweilen aus den wahrnehmbaren kleinen und grösseren Blasen auf der Haut ein hinreichendes Unterscheidungsmerkmal. Ausserdem ist zu beachten, dass bei diesem acuten Ausschlag am Bauche, am Rumpfe und am Becken die Haare zwar ausfallen, dass sich die Haut aber nicht verdickt.
4)nbsp; nbsp;Das allgemeine Ekzem (Ekzema simplex universale Equi), ein in Form von Bläschen oder oberflächlichen Knötchen auf­tretendes Exanthem, welches zuweilen im Oonvalescenzstadium bei katar­rhalischen Krankheiten der Respirationsorgane vorkommt, aber auch selbständig auftritt, hat für den Sachverständigen nur eine geringe Aehn-lichkeit mit der Räude. Die schnelle Entwickelung der allgemeinen Affec­tion und die Eintrocknung der Bläschen machen die Unterscheidung leicht.
'' Einige Aehnlichkeit mit der Räude haben ferner folgende Affectionen:
5)nbsp; nbsp;Das allgemeine oder locale Hautjucken des Pferdes (Prurigo equi).
6)nbsp; nbsp;Die Schwindflechte (Liehen).
7)nbsp; nbsp;Die Hitzknötchen (Hitzpocken).
8)nbsp; nbsp;Die multiple Knötchenbildung in der Haut als Folge von Sattel- und Geschirrdruck.
Diese Affectionen, welche ich bei den Hautkrankheiten spcciell be­schreiben werde, unterhalten zwar auch eine juckende Empfindung, unter­scheiden sich aber von der Räude schon durch das Fehlen des heftigeren Juckgefühls, welches der Thierarzt bei einiger Erfahrung als die Wirkung thierischer Parasiten leicht erkennen kann. Schwierig gestaltet sich die Diagnose gegenüber solchen Exanthemen aber zuweilen, wenn bei einem einzelnen Pferde der Räudeausschlag sich in der ersten Entwickelung befindet oder wenn derselbe durch eine Palliativbehandlung auf einem niederen Grade erhalten ist und über die Vorgeschichte des Falles sich Nichts eruiren lässt.
Prognose. Die in Rede stehenden beiden Arten der Pferderäude sind immer als erhebliche Krankheiten anzusehen, deren sichere Heilung in
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Krätzmilben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;537
praxi von der energischen Durchführung eines umfassenden Curplans ab­hängt. Schwer heilbar ist insbesondere die Sarcoptesräude, weil die Milben derselben in die Haut eindringen und sich hierdurch zum Theil den Wirkungen der Heilmittel entziehen. Selbst bei scheinbar vollständiger Abheilung der Erscheinungen kommt niety selten nach einigen Wochen oder Monaten die Räude von Neuem zur Ausbikfung. Denn auch bei einer sorg­fältigen Behandlung bleiben leicht einzelne Milben am Leben. Für die ßeurthoilung der Krankheit ist deshalb zu berücksichtigen, ob der Be­sitzer ernstlich gewillt ist, mehrere Wochen hindurch die Application der Heilmittel mit der erforderlichen Sorgfalt ausführen zu lassen.
Wird die Räude bei alten Pferden von geringem Werthe constatirt, so ist die Tödtung der Thiero der lästigen und durch die Ausführung auch kostspieligen Behandlung aus wirthschaftlichen Gründen vorzuziehen. Die bei langer Dauer der allgemeinen Räude eintretende krankhafte Ab­magerung (Kachexie) kann einen so hohen Grad erreichen, dass die Pferde als unheilbar und worthies zu erachten sind. Von praktischem Interesse ist für den Thierarzt, dass solche Pferde bei der eingreifenden Behandlung der Krankheit leicht zu Grunde gehen.
Die Sarcoptesräude des Pferdes kann sich auch auf den Menschen über­tragen. In der Regel heilt aber der Ausschlag von selbst wieder ab. Ein­zelne Personen können sich indess durch Ansteckung von den betreffenden Pferden die echte Krätze zuziehen. — Für das Schmarotzerthum der Derma-tocoptes- und Dermatophagusmilben ist der Mensch nicht empfänglich.
Therapie. Die Tödtung sämmtlicher Milben und die Vernichtung der keimfähigen Milbeneier sind die Aufgaben für die Behandlung der räudo-kranken Pferde. Demnach beschränkt sich die Our auf die Anwendung äusscrer Heilmittel. Die innere Behandlung der Räude, auf welche früher viel Gewicht gelegt wurde, ist nicht motivirt. Mit dor Cur muss gleich­zeitig eine Desinfection des Krankenstalles und der Stallutensilien aus­geführt werden, damit nicht nach Beendigung der Behandlung eine er­neute Uebertragung der Milben stattfindet. Im Wesentlichen ist bei dieser Desinfection auf die Entfernung des Stalldüngers, auf die Abwaschung der Krippen, Raufen, Futtergänge, Tränkeimer etc. mit heisser Lauge, auf die Reinigung der Decken und des Pferdegeschirrs mit kochendem Wasser und auf die Uebertünchung der Stallwände und des Fussbodens mit Kalkmilch, welcher etwas Chlorkalk zugesetzt wird — Bedacht zu nehmen.
Um die erfolgreiche Wirkung der milbenwidrigen Mittel zu sichern, ist die Haut der räudekranken Pferde vorher zweckraässig zu präpariren. In dieser Hinsicht kann das Scheeren der Patienten grosse Vortheile bieten. Nothwendig ist ferner die Erweichung der Schuppen, Krusten
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und Borken durch Einreiben von lOproo. Carbolöl oder Carbolglycerin oder von Sap. viridis und Abbähen mit warmem Wasser oder Kleien­wasser oder einer 0,5proc. Lösung von Kalium carbon. Einigen Nutzen gewährt auch die forcirte Anwendung des Striegels. Im Sommer können die räudekranken Pferde vor der Application der Mittel eine Zeit lang den warmen Sonnenstrahlen ausgesetzt werden, damit durch die Er­wärmung der Haut die Milben aus ihren Schlupfwinkeln hervorkommen.
Zur Vernichtung der Milben sind viele Mittel empfohlen worden. Ihre Wirksamkeit gestaltet sich aber in praxi nicht gleich. Indoss kommt es bei jedem Mittel wesentlich darauf an, dass dasselbe zweck-mässig applicirt wird. Namentlich verlangt die Sarcoptesräyde eine sehr sorgfältige Anwendung der Medicamentc. Die flüssigen Präparate lassen sich leichter auf die Haut vertheilon, als Salben und Linimente. Letztere bringen ausserdom die Unannehmlichkeit mit sich, dass sie die Haut und das Haar verkleben und erst nach vielfach wiederholten Waschungen vollständig wieder entfernt werden können. Da aber die Wirkung der in die Haut eingeriebenen Salben relativ lange andauert, so empfiehlt sich die Anwendung der Mittel in dieser Form an den stark afficirten Hautpartien und an solchen Stellen, auf welche flüssige Lösungen sich nicht gut auftragen lassen (Kopf, Kehlgang). In allen Fällen ist auf die wiederholte Application der betreffenden Mittel zu halten. Sonst bleiben stets einzelne Milben am Leben, wodurch der vollständige Erfolg dor Our vereitelt wird. Zur Heilung der Sarcoptesräude bei einem Pferde werden in der Regel 4—5 Wochen erforderlich, während die Dermato-coptesräude in 2—3 Wochen vollständig zu heilen ist. Der Erfolg der Behandlung ist zunächst dadurch zu controliren, dass die Patienten beim Roiben der kranken Hautpartien kein Juckgefühl mehr äussern.
Gegen die Sarcoptesräude sind folgende Mittel als die wirk­samsten anzusehen:
1) Arsenikpräparate: Die Fovvler'sche Lösung (Acidum arsen. 1, Kalium carb. 1, Aq. com. 100); oder die Mathieu'sche Lösung (Acid, arsen. 1, Alum. 10, Aq. 100); oder die Viborg'scho, neuerdings von Sohlcg empfohlene Lösung (Acid, arsen., Kai. carb. ana 1, Aq. com., Acet. com. ana 100). Die Arseniklösungon, denen zur Verhütung eines fahrlässigen Missbrauchs zwockmässig eine geringe Quantität von Oleum animale foctidum zuzusetzen ist, werden in der Quantität von etwa 500 Grm. mit einer Bürste auf die kranken Hautpartien eingerieben. Es empfiehlt sich, zunächst eine und am nächsten Tage die andere Seite des Körpers der Behandlung zu unterziehen, darauf aber die Waschung für die folgen­den 3 Tage auszusetzen. Eine drei- bis viermalige Application der
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Krätzmilben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;539
Arsonikwaschungen ist zur Heilung der Krankheit gewöhnlich sohon aus­reichend. Nur an den schwer afficirten Hautstellen wird zuweilen noch eine Fortsetzung der Behandlung nothwendig.
2)nbsp; nbsp;Sublimat: Hydr. bichlor. 1; Natr. chlor. 3; Aq. 100. Der Zusatz von Kochsalz verhindert die Zersetzung des Sublimats. Empfehlons-werth ist die Beifügung eines widrig riechenden Mittels zur Verhütung einer fahrlässigen Beschädigung von Personen. Die Pferde vertragen die am besten mittels einer Bürste auszuführenden Waschungen mit Iproc. Subiimatlösung sehr gut. Bei umfangreicher Erkrankung der Haut sind täglich einmal ','.,—1 Liter dieser Lösung einzureiben. Nach 6—8 Tagen werden die allgemeinen Waschungen ausgesetzt. Für einzelne schwer afficirtc Hautpartien empfiehlt sich die Anwendung einer 2—Sproc. Lösung.
Vielfach ist angorathon worden, das Sublimat anderen Mitteln (Carbollösnng, Tabaksdecoct) zuzusetzen. Indess ist hierbei mit Vorsicht /,u verfahren und der Ge­halt an Sublimat in dem Präparate entsprechend zu verringern, weil sonst eine Ver­giftung herbeigeführt werden kann. Ich habe von mehreren Fällen Kenntniss er­halten, in wolohon räudekranke Pferde fahrlässiger Weise dadurch tödtlioh vergiftet wurden, dass die Waschung aus 2 oder 8 wirksamen Mitteln zusammengesetzt und dass von jedem der letzteren so viel genommen wurde, wie bei der Benutzung des­selben für sich allein zulässig gewesen wäre. Wenn auch die Wirkungen verschiedener Gifte nebeneinander erfolgen, so ist doch leicht verständlich, dass die Pferde durch das Zusammentreffen derselben tödtlicli afllcirt werden können.
3)nbsp; nbsp;Kreosotlösung: Kreosotum 1, Spiritus 10 und Aqua 20 oder: Kreosotum 1, Oleum Rapae 30 (nach Gerlach),
4)nbsp; nbsp;Theerliniment: Pix liquida, Flores Sulfuris ana 280; Saponbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ' viridis, Spiritus ana 560 (nach Roll). Das Mittel wird mit einer Bürste über die gesammte Haut gut eingerieben. Selbst in inveterirten Fällen soll nur ausnahmsweise eine Wiederholung nothwendig gewesen sein.
5)nbsp; nbsp;Styrax: Für sich allein oder mit 3—5 Theilen Spiritus. Zur Be­handlung einzelner Hautpartien ganz geeignet, sonst für gewöhnlich zuthouer.
6)nbsp; nbsp;Olcurn animale foetidum. Wegen des üblen Geruchs nicht überall anwendbar, im üebrigen zur Bepinselung der Haut an einzelnen Stellen ganz zweckmässig.
7)nbsp; nbsp;Unguontum Hydrargyri cinereum. Für die Behandlung der ganzen Haut ist der Preis der grauen Salbe relativ hoch. Dagegen kann dieselbe zu wiederholten Einroibungen einzelner Hautstellen (Kopf, Kehl­gang, Genickpartio, Halskamm etc.) recht vortheilhaft verwendet werden.
In manchen Fällen ist eine combinirte Behandlung mit verschiedenen Medioamonton angezeigt. Man kann ganz zweckmässig eine allgemeine Waschung mit Arsenik- oder Sublimatlösung und die Localbehandlung der schwor erkrankten Hautstcllen mit einem anderen der vorbenannten
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Präparate voreinigen. Zur Localbehandlung des Halses oder einer anderen relativ kleinen Hautpartie eignen sich auch Petroleum und Oleum Tere-binthinae. Als billiges Mittel ist zu demselben Zwecke ferner die wieder­holte Bepinselung einzelner Stellen mit Theer empfehlenswerth. Die früher übliche Behandlung einzelner, durch Krusten- und ßorkenbildung entarteter Hautpartien mit dem per Distanz applicirten Glüheisen ist nicht mehr gebräuchlich. Das Verfahren ist aber nicht irrationell. — Nicht ausreichend fand ich die Behandlung der Sarcoptesräude mit Kalium sulfuratum (1 zu 5—10 Aqua), Acidum sulfur, crudum (l zu 20—25 Aqua) oder Acidura carbolicum (1—3 zu 100 Aqua).
Gegen die Dermatocoptesräude können sämmtliche, vorstehend genannte Mittel angewendet werden. Sehr heilsam und leicht zu appli-ciren ist die Einreibung der am meisten afficirten Regionen mit Ungt. Hydrarg. cinereum neben allgemeinen Waschungen mit einer 0,5proc. Lösung von Kalium carb. Auch eine 1 proo. Oarbollösung ist zur all­gemeinen Behandlung der Haut geeignet. Wirksamer ist aber eine 1 proc. Sublimatlösung. Die von älteren Autoren empfohlene Salbe aus Culcaria chlorata (2), Oleum Terebinthinae (5) und Sapo viridis (25) verdient wegen des billigen Preises auch gegenwärtig noch in geeigneten Fällen die Beachtung der Thierärzte. Das Mittel ist einmal in die ganze Haut und recht nachhaltig mit einer scharfen Bürste In die sichtbar erkrankton Partien einzureiben. Nach 3 Tagen erfolgt die allgemeine Abwaschung der Haut mit warmem Wasser oder mit Kleienwasser. Zuweilen muss das Verfahren 1 oder 2 Mal wiederholt werden.
Prophylaxis, Abgesehen von den Schutzmassregeln, welche nach den veterinär-polizoilichen Vorschriften zur Anwendung kommen, empfiehlt sich wegen der grossen wirthschaftlichen Bedeutung der Räude, die sorgfältigsteBeachtung jedes verdächtigen Exanthems. Fremde Pferde, deren Haut in grössoren Partien verdickt und von Haaren cntblösst ist, sind so lange als verdächtig anzusehen und isolirt zu halten, bis mit Sicherheit entschieden werden kann, dass der abnorme Zustand nicht durch Räude­milben bedingt wird.
Wenn die Räude in grösseren Pferdebesländon herrscht, so ist eine getrennte Aufstellung und Beschäftigung der Thiere schon aus therapeutischen Gründen zweck-mässig. Es sind: 1. die schwer erkrankten; 2. die leicht afficirten und verdächtig erkrankten; 3. diejenigen Pferde, an welchen noch keine /eichen der Räude erkennbar sind — in besonderen Räumlichkeiten unterzubringen. Zuweilen lässt sich die letzt-gedachte Gruppe mit dieser Absonderung vor der Ansteckung bewahren.
Dcrmatophagusräude (Scabies oqui dermatophagica).
Fussräude.
Pathogenese. Die schuppenfressende Riuidemilbe (Dermatophagus bovis Fürst.) schmarotzt an den Gliedmassen der Pferde und hält sich vorzugsweise an den Hinter-
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Krätzmilben.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 541
Kissen im Kothenzopfe auf. Diese Milben leben, wie Gerlach zuerst festgestellt hat, colonienweise und ernähren sich von den Epidermisschuppen. Ihr Verbreitungsbezirk erstreckt sich vom Fessel bis zum Tarsus resp. Carpus. Doch kommen sie an den Vordergliedmassen nur selten vor. Ger lach (1. c. S. 111) constatirte in zwei ver­nachlässigten Fällen, dass sich die Milben auf die Schultern und den Hals der Pferde verbreitet hatten.
Die Dermatophagusmilben verursachen durch ihre Bewegungen und durch das Benagen der Epidermis eine mit starkem Juckgefühl verbundene oberflächliche Reizung der Haut und in Folge derselben eine reichliche Abschuppung der Epidermis und partielles Ausfallen der Haare. Die Pferde scheuern und reiben sich an den kranken Gliedmassen, so dass die Haut stellenweise blutrünstig wird. Während der Nacht laufen und nagen die Milben am meisten. Deshalb gestaltet sich das krankhafte Juck­gefühl in der Nacht stärker, als am Tage.
Symptome. 1) Heftiger Juckreiz und in Folge desselben: Häufiges Reiben der Mittolfusspartie einer Hintergliedmasse mit dem inneren Tragerande des Hufes der anderen Gliedmasse oder an den Raumbäumen des Stalles. An den Vorderglied­massen benagen sich die Pferde die Region des Fessols und des Metacarpus. Manche Pferde stampfen mit den Hinterhufon zeitweise raquo;uf den Boden; oder sie schlagen in der Nacht während 1—2 Stunden gegen die Stallwände odor gegen die Raumbäume. Wird die Haut am Fessel der kranken Gliedmasse mit den Fingern gerieben oder ge­kratzt, so äussern die Thiere Wohlbehagen durch Bebbern mit den Lippen und Ein­biegen des Körpers.
2)nbsp; nbsp;Reichliche Abschuppung der Epidermis und partieller Verlust der Haare an den afficirten Gliedmassen.
3)nbsp; nbsp;Blutrünstige Beschaffenheit und entzündliche Verdickung de r Haut, gewöhnlich nur in den höheren Krankheitsgraden.
Verlauf. Bei guter Hautpflege erhält sich die Dermatophagusräude dauernd auf einem niedrigen Grade. Je länger und dichter aber das Haar an den Gliedraasson ist, um so mehr wird die Vermehrung der Milben begünstigt. Im Winter steigert sich die Fassräude bis zu einem augenfälligen Grade, während nach dem Haarwechsel im Sommer die Milben sich so bedeutend vermindern, dass die Zeichen der Krankheit kaum noch bemerkt werden.
Wenn die Fussräude nicht behandelt wird, so überträgt sie sich zuweilen auf die Nebenpferde, soweit dieselben mit den kranken in unmittelbare Berührung kommen. Ich hatte 1874 Gelegenheit, die Pferde in zwei Gehöften eines Dorfes wegen der Fuss­räude zu behandeln. Andererseits kenne ich aber mehrere Fälle, in welchen die Krank­heit sich in einem Gehöfte auf ein angekauftes Pferd beschränkte, während die übrigen Pferde des Bestandes vorschont blieben. Gerlach giobt an, dass die Ansteckung nur sehr selten stattfinde. — Bei dem kranken Pferde selbst erfolgt die Verbreitung von einem Ilinterfusse auf den anderen leicht; dagegen wird, wie Gorlach schon hervorgehoben hat, niemals beobachtet, dass der Ausschlag sich von den Hinterfüsson auf die Vordergliedmassen überträgt.
Diagnose. Die Kenntniss der Erscheinungen and die Berücksichtigung der That-sache, dass der krankhafte Juckreiz sich der Regel nach nur in der Köthe oder am Schienbein der hinteren Gliedmassen bemorklich macht, ermöglichen die Diagnose leicht. Kino besondere Berücksichtigung orfordert nur dor Parasitismus der Läuse. — Mehrfach ist mir begegnet, dass das Ausschlagen des mit der Fussräude behafteten Pferdes gegen die Stallwände, welches die Personell während der Nacht im Schlafe
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Durch thierisoho Parasiten verursachte Krankheitor
störte, mit allerlei mysteriösen Vorgängen In Verbindung gebracht wurde. Auch bilden sich die Laien zuweilen die irrtiuimlioho Meinung, dass das Stampfen und Aus­schlagen des Pferdes ein Merkmal des Duiumkollors sei.
Durch eine sorgfältige Befunderhebung kann die Diagnose in praxi schon ohne den directen Nachweis der Milben gesichert werden. Im üebrigen ist, wie Gerlach zuerst erörtert hat, dasAuffinden derMilben leicht. „Die feinen mehligen Hautschuppen in der Köthe enthalten in der Regel so viel Milben, dass sie dem unbewaffneten Auge lebendig erscheinen. Mit einer Loupe kann man die Milben darin bestimmt erkennenquot;.
Prognose. Die Dormatophagusriiude ist eine unerhebliche Krankheit, die leicht geheilt worden kann und sich in der Kegel nicht auf andere Pferde überträgt. Sie wird doshalb Im Sinne des Seuchengoset/.es nicht als „Räudequot; betrachtet. Qer-iach (Gerichtl. Thierheilk., 2. Aufl., S. 324) hat sich auch in forensischer Hinsicht dafür ausgesprochen, dass dieselbe wegen ihrer Geringfügigkeit nicht zu den üowährs-mängoln gezählt werden könne.
Therupie. Zur Boliandlung der Affection sind wiederholte Waschungen der be­treffenden Gliedmassen mit einem der nachbenannten Präparate geeignet: Benzinum Petrolei (1) in Spiritus (10); oder: Kai. sulfuratutn (1) in Aqua (7); oder: ifydr. bichlor. (1) in Aqua (100) unter Zusatz von Kreosotum (5); oder: Acidum narbol. purum (1) in Aqua (2b). Es genügt fast stets, wenn die Waschung während 4 bis 5 Tage einmal täglich ausgeführt wird.
Capitel XXXIV. Läuse. — llaarliiige. — Vogclmilbcn.
Die Pfordelaus (Podiouius equi; Haematopinus maoroeephalu s) ge­hört zu den blutsaugemlon Flautparasiten und belästigt die Pferde durch den heftigen Juckreiz, den sie unterhält. Im Winter wird die Vormehrung der Läuso durch das lange Deckhaar begünstigt, während in den Sommer-Monaton bei geregelter Hautpflege der betreffenden Pferde die Zahl dor Läuso sich erheblich vermindert. Im Üebrigen hat der Nährzustand der Pferde auf die Ansiedelung der Läuse keinen wesentlichen Einfluss. Auch die bestgenährton Pferde können dem Parasitismus derselben unter­worfen sein. — Die Fortpflanzung der Läuse vollzieht sich durch Eier (Nisse), welche mit einer klebrigen Hülle vorsehen sind und an den Haaren der Pferde ziemlich fest haften. — In grösseren Beständen verbreiten sich die Läuse nicht selten innerhalb einiger Monate auf sämmtlicho Pferde. Sio bevorzugen die Regionen des Körpers, die von der Abkühlung weniger stark betroffen werden (Hals zu beiden Seiton am Gründe der Mähne, Flanken, innere Sohenkelllächen und Kötbon/.opf). Bei starker Verviel­fältigung finden sich die Läuse auch an der Schulter und am Rumpfe. — Auf andere Thiere oder den Menschen vorbreitet sich die Pfordelaus nicht.
Syni|)tomc nnil Diagnose. Ziemlich starkes .luckgefühl in dor Haut. Häufiges Scheuern und Nagen an einzelnen Partien des Körpers. Bebbern mit den Lippen und Umwendung desKopfos, zuweilenErgreifen von Gegenständen mit den Sohneidezähnen, sobald die betreffenden Hautstellou anhaltend gerieben werden. Reichliche Abschuppung
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Läuse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 543
der Epidermis. Rauhes, glanzloses Haar. Stellenwoises Abrasiron der Haare und entzündliche Schwellung der Haut In Folge des anhaltenden Scheuerns.
Die vorerwähnten lih'soheinungen finden sich auch bei der Dermatoooptesräude. Indess lassen sich bei aufmerlisainer Untersuchung der Haut die Eier (Nisse) an den Flanken und anderen Kegionen, gewöhnlich auch einige Exemplare der Läuse selbst nachweisen.
Prognose. Obgleich die Störungen, welche der Parasitismus der Läuse mit sich bringt, nicht lebensgefährlich worden, so gestalten sich dieselben docli recht lästig. Namentlich in grösseren Pfordebeständon kann die Ausrottung der Läuse schwierig sein. Der Erfolg der Behandlung ist zum grossen Theil von der Sorgfalt bedingt, welche auf ihre Ausführung verwendet wird. — Nicht selten scheinen die Läuse bei den betrolTenden Pferden im Sommer vollständig beseitigt zu sein. Aber im folgen­den Winter tritt das Uobel von Neuem wieder hervor. Die wenigen Exemplare, die im Sommer vorkommen, halten sich im Köthen/.opf und am Halskamm unter derMähne auf.
Therapie. Zur Vertilgung der Läuse ist ein analoges Heilverfahren einzuschlagen, wie bei der Räude. Sehr ompfehlenswerth ist zunächst das Scheoren der Pferde, mit welchem den Schmarotzern eine wesentliche Lebensbedingung entzogen wird. — Als läusetödtendo Mittel haben sich am meisten bewährt: Unguentum Hydrarg. einer., welches mit einer scharfen Bürste (Kartätsche) in kleinen Quantitäten über die Haut verbreitet wird; ferner eine Salbe aus 01. animal, foet., Ungt. Hydr. ein. und Sap. virid. zu gleichen Thoilen; Benzinum Pctroloi (1) mit Spiritus (10); Solutio Sublimati (1 : 100) und die S. 538 genannten Arsonikpräparato. Haubner hat folgendes Mittel zur Einreibung in die Haut empfohlen: Rop.: Pruot. Sabadillae, Sem. Staphisagriae, Khiz. Veratri ana 1, Sem. Anisi 2. M. f. p. Einzelne Hautpartien können zweokmässig mit Einreibungen von Petroleum oder von öproc. Carbollösung behandelt werden. — Es ist darauf zu achten, dass die Anwendung des Heilverfahrens nach 8—14 Tagen wiederholt und dass eine entsprechende Desinfection des Stalles (vergl. S. 537) vor­genommen wird.
Der Pferdehaarling (Trichodectos pilosus) wird zuweilen bei abge­magerten Pferden (am Kopfe und Halse) angetroffen. Diese Parasiten leben von Ilaaren und Epidermisschuppen. Krhebliche Nachthoile verursachen sie nicht. Bei guter Er­nährung der betreffenden Pferde verlieren sie sich gewöhnlich von selbst. Sonst ist ihre Vertilgung mit den gegen die Läuso gebräuchlichen Mitteln zu bewirken.
Von der Vogolmilbe (Dormanyssus avium) werden die Pferde im Ganzen selten und stets nur dann afficirt, wenn sie in Stallungen stehen, in welchen eine Hühnerstiege oder ein Taubenschlag angebracht ist. Die Vogelmilbe schmarotzt bei den Pferden nur des Nachts, besonders am Halse und auf dem Rücken. Sie erzeugt ein lästiges .luckgefühl, was die Pferde zum Scheuern der betreffenden Hautpartien veranlasst.
Der Parasitismus dos Dermanyssus avium ist bei den Pferden im Allgemeinen nicht leicht zu diagnosticiren, weil die Milbe während der Tageszeit sich gewöhnlich nicht auf der Haut aufhält. Verwechselungen mit anderen Hautkrankheiten sind oft vorgekommen. — Die Behandlung der Störung beruht in der Abstellung der Ursachen (Beseitigung der lliihnerstiego aus dem Pferdestall). Im Uebrigcn genügt meist schon eine sorgfältige Reinigung der Haut. Bei erheblichem Juckreiz ist die Waschung der Haut mit Aqua carbolisata vortheilhaft.
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Dritte Classe. Allgemeine Störungen der Ernährung*).
Capitel XXXV.
Coustitutioiielle Sclnviichc (muskelscliwiiche) durch iingcnügeiHle Ernährung. — Hungcr-Kachexilaquo;.
Jedes Siiugethier ist von Jugend auf an die fortdauernde Erhaltung derLeistungs-fähigkeit seiner Skeletmuskulatur gobundon, Ein orhobliohor Ausfall in der Arbeits-grösse der gesammten Muskeln oder wichtiger Muskolgruppon Charakter is irt sich als eine Krankheit. Indoss kommen bei Pferden schon innerhalb physiologischer Grenzen grosse Abstufungen in der Leistung der Muskeln vor und die tägliche Erfahrung lehrt, wie bedeutend der Werth der gesunden Thiero durch die quantitative und qualitative Entwickelung ihrer Muskeln beeinflusst wird.
Auf die selbständigen Muskolkrankheiten, zu welchen ich auch die,konsti­tutionelle Schwäche (Lebensschwäche) nougeboroner Fohlenquot; rechne, werde ich in der vierten Classe dieses Lehrbuchs eingehen.
Actielogie iiihI Pathogciiese. Junge und ältere Pferde ertragen gewöhnlich eine kümmerliche Ernährung und mit derselben die Abmagerung des Körpers bis zu einem relativ hohen Grade eine längere Zeit hindurch ohne Schädigung ihrer Gesundheit.
*) Als „allgemeine Ernährungsstörungenquot; (Ernährungsanomalion — chronische constitutionelle Krankheiten — Blut- und Säftekrank­heiten — Krankheiten des Stoffwechsels) sollen in diesem Lehrbucho einige chronische Pferdokrankhoiton zusammengestellt werden, deren Aetiologie zum Theil noch nicht genau bekannt ist. Das gemeinsame Merkmal derselben besteht nur in der schleichenden Ausbildung und in der Beschränkung der Ernährung dos Körpers. Demnach stehen sie in keiner ontologischen Verbindung. Pur die Beibehaltung dieser Krankhoitsclasse 1st vielmehr lediglich das klinisch-praktische Interesse massgebend. Sie repräsentirt gewissormassen den Rost der in den älteren Krankheitssystemen als eine besondere Ordnung untorscliicdenen „Kachexienquot; (Suchten, Siechkrank--holten, Zohrkrankheiten, Auszohrungon).
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Constitutionolle Schwäche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 545
Der Nachthoil macht sich nur in der mangelhaften Entwlolcelung des Körpers und In dor Verringerung der Arbeitsfllhlgkoit geltend, üass die krankhaften Folgen der quantitativ oder qualitativ unvollständigen Krnährung beim Pferde nicht so häufig vorkommen, wie beim Rinde, ist vorzugsweise in der üblichen Haltung und wirth-schaftlichen Verwendung der Thiere und insbesondero auch darin begründet, dass die Pferde zur Aufnahme und Verdauung der „nicht naturgemässonquot; Futtermittel in weit geringerem Masse fähig sind, als die Rinder. Gegenwärtig wird die „flunger-Kachoxiequot; im Ganzen selten, und fast nur bei unbemittelten Besitzern beobachtet, deren Pferde im Winter anhaltend verdorbenes Putter oder nurStroh mit einer geringen Menge von Kleie erhalten und trotz dieser ungenügenden Ernährung noch zu leichten Arbeiten benutzt werden. Ein disponirondes Moment liegt in der mangelhaften Function dor Verdauungsorgane. Ks sind demnach vorzugsweise ältere Pferde von unvollkommenem Körporbau, bei denen die Krankheit zur Ausbildung gelangt.
Als die nächste Folge des krankhaften Mangels an Nährstoffen vollzieht sich in don Muskeln die Abnahme des Organeiwoiss. Aus der Subcutis, aus den Interstitien der Muskeln, aus den Duplioaturen des Poritoneums etc. wird das Fett nach und nach vollständig resorbirt. Das Blut ändert sich in seiner Mischung dadurch, dass es mehr Wasser aufnimmt. In die Subcutis, namentlich an den Gliedmassen und in die serösen Höhlen des Körpers scheidet sich Serum ab. Allmälig vormindern sich die Functionen der wichtigsten vegetativen Organe und die Muskelschwäche erreicht endlich einen so hohen Grad, dass die Pferde nicht mehr die Kraft besitzen, sich stehend zu erhalten oder sich vom Boden zu erhoben.
Syiiiiituinc mill Verlauf. Rauhes, glanzloses, langes und gesträubtes Deckhaar. Derbe, unreine, auf dem Thorax nicht verschiebbare Haut (Ilarthäutigkeit). Fettlose Subcutis. Magerer, dürrer Hals. Zurücktreten des Augapfels. Stierer Blick. Steife Haltung der Wirbelsäule. Verkleinerung der Skeletmuskoln. Anämie der sichtbaren Schleimhäute. Leichte Pulsfrequenz. — Bei diesen Zufällen, welche unter dem Namen des „kachoklischen Habitusquot; zusainmongofasst werden, erhält sich der Appetit entsprechend dem Alter und dem Körperbau, so dass die Pferde von dem schlochten Futter noch relativ viel verzehren.
Nach mehreren Monaten, zuweilen auch erst nach einer längeren Zeit linden sich: Verminderung des Appetits, Vermehrung des Herzpulses, zeitweise leichte Erhöhung der Bluttemperatur (Zehrfieber, F,ebris hectica) und ödematöse Anschwellung der Subcutis an don Gliedmassen, am Bauche und unter der Brust. — In der Regel werden die Patienten in diesem Stadium der Kaohexie als worthies gotödtet. Sonst schleppen sie sich noch einige Wochen hin, bevor sie so kraftlos sind, dass sie sich nicht mehr stehend erhalten können und durch Erschöpfung eingehen.
IMiigiiuse. So leicht die vorerwähnten Symptome auf die krankhafte Abmagerung (Kachoxie) zu beziehen sind, so schwierig kann die Entscheidung der Frage sein, ob die constitutionelle Schwäche lediglich durch ungenügende Verabreichung der Futter­stoffe, oder durch eine Organkrankheit, insbesondere durch idiopathische Störungen in den Functionen der Verdauungsorgane verursacht und unterhalten wird. Gegenüber dieser Frage lässt sich nur aus der Anamnese und aus der Beobachtung des Kranli-heitsverlaufos ein bestimmter Anhalt gewinnen.
I'l'ogiiosc. Bis zum Eintritt der schworen Zufälle (Fieber, Anschwellung der Oliedmassen und Unvermögen zu stehen) ist die Hungor-Kachoxio durch Zuwendung ausreichender FutterstolTe von guter Beschaffenheit heilbar. Es fragt sich nur, ob
DI eck erhoff. Spec. Putlloluülo u. Tlierupio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; qk
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Allgemeine Störungen der Ernährung.
die belred'ondon Pferde noch einen solchen Worth haben, dass sie den zu Ihrer Recreation erforderlichen Kostonaufwand verlohnen. Bei alten Pferden von mangel­haftem Körperbau wird sich der Versuch zur Auft'ütterung aus wirthschnfllichen üründen oft nicht empfehlen.
'I'hcrapic. Durch reichliche Zuwendung von gutem Heu, im Sommer durch Grünfutter oder durch den Besuch der Weide ist die Hunger-Kachoxie mit Vortheil zu behandeln. Demnächst können zur Hebung dor Körperliriifte auch alle anderen leicht verdaulichen PutterstolTe verabreicht worden. Arzneiprä parate sind entbehrlich. Als Dlätotloum empfiehlt sich Kochsalz zur Selbstaufnahme.
Capitel XXXVI. Darrsucht, Tabes intestinal is.
An sich bedeutet der seit langer Zeit im medlcinischcn Sprachgebrauch bekannte Name der Darrsucht (Tabes) einen „trocknen Körperschwundquot; (Muskelschwund), bei wolchom fieberhafte oder ulceröse und secretorlsche Procosse an den Organen nicht bestehen. In der Thierarzneikunde wurde zuerst durch Strauss („Die Darrsucht der Füllenquot;. Wien 1831) mit dem Worte die Vorstellung verbunden, dass dasselbe eine auf scrophulöser oder tuberkulöser Schwellung der Lymphdrüsen im Mesenterium be­ruhende Fohlenkrankheit (die Fohlenlähme) bezeichnen sollte. Die Ansicht war aus der modicinischen Lehre jener Zeit hervorgegangen, in welcher als Darrsucht der Kinder (Atrophia infantum) die von allgemeiner Abzehrung des Körpers begleiteten chronischen Darmkrankheiten zusammen gefasst wurden.
Die kleine Schrift von Strauss, der ein thatsächlicher Worth kaum beigelegt werden kann, hat die Irrthümer und begrifflichen Unklarheiten veranlasst, welche in dor thioiärztlichon Literatur bis zurGegenwart über die,,Darrsuchtquot; verbreitet worden sind. Aus der Schrift selbst ergiebt sich leicht, dass der Verfasser neben den Folge-leiden der Phlebitis umbilicalis (cf. S. 321) vorzugsweise die metastatischen Abscesso im Mesenterium und mehrere subacut oder chronisch verlaufende Affectionen der Darm-sohloimhaut irrthümlioh als eine einheitliche Krankheit unter dem Namen der Darr­sucht geschildert hat. Die in der späteren Zeit von einigen Autoren versuchte Ein­schränkung, nach welcher die Darrsucht der Füllen lediglich als Tuberkulose der Mesentorialdriisen gedeutet werden soll, ist thatsächlich nicht berechtigt. Denn es finden sich in den betreffenden Krankheitsfällen keine tuberkulösen Veränderungen, überhaupt keine regressiven Processe in den Lymphdrüsen des Darms.
Hiernach erscheint die Frage discutabel, ob der Name der Darrsucht zur Be­zeichnung einer selbständigen Krankheit der Hausthiere überhaupt beibehalten werden kann. Indessliegt kein ausreichender Grund vor, das Wort mit einer sym­ptomatischen Begriffsbestimmung zu verwerthon und ganz allgemein auf diequot;krank­hafte Abmagerung des Körpers begrifflich zu beschränken. Auch fehlt es in der modicinischen Sprache nicht an Ausdrücken, mit welchen die allgemeine Atrophie
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Darrsucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 547
dos Körpers als Symptom vorsohifidmier Kranldieiton gokennzeiohnot worden kann (Macies, Hectik, Kachoxie, Marasmus).
Sowohl bei Pferden, als bei Rindern, Schafen, Schweinen und Ziegen kommt oino eigenartige, chronisch verlaufende Functionsstörung der üarmschloimhaut vor, die eine fortschreitende Abmagerung des Körpers bedingt und sehr oft zum Tode führt. Vorzugsweise sind die Tliiere im 1. und 2. Lebensjahre dor Krankheit unter-worfen, deren Symptome sich im Wosentlichon in einer mangelhaften Assimilation der Nährstoffe und Boschriinkung dos Appetits kundgeben. Krankhafte Absonderungen in den Respirations- odor üigestionsorganen bestehen hierbei nicht. Für diese chro­nische Krankheit lässt sich zwockmiissig dor Name der Darrsucht (Tabes) verwenden. Da die primäre Störung ihren Sitz in der Darmschleimhaut hat, so dürfte die Deutung der Krankheit als „Tabes i ntestinalisquot; geeignet sein. Der Ausdruck entspricht einigermasson dorn in dor Medicin bis zur Gegenwart beibehaltenen Namen „Tabes moseraicaquot;, womit die im Kindosalter durch chronische Darmalfectionen entstehende krankhafte Körporatrophio bo/.oichnot wird. Die hier gedachte Pfordekrankheit ist indoss mit der Tabes moseraica des Menschen nicht identisch. Denn letztere wird in der Medicin vielfach als eine tuberkulöse Krankheit der Bauchorgano erörtert, was bei den Pferden nicht zutreffen würde. Eine tuberkulöse Degeneration oder Verkäsung der Mosontorialdriisen habe ich bei jungen Fohlen und auch bei der Darrsucht der anderen llausthioro nie gefunden.
Aetiologie und Pntlivgcum. Zu der primären Darmaffection, welche der Darrsucht zu Grunde liegt, incliniren die Fohlen im Alter von l/., bis 172 Jahren am meisten. Es kann aber die Krankheit schon früher ihren Anfang nehmen. Ich habe mehrere Fälle behandelt, in welchen die Störung bereits im 3. Monate nach dor Geburt und bevor die Fohlen abgesetzt waren, erkannt werden konnte. Selten entsteht die Darrsucht noch im 3. Lebensjahre. Ob die bei älteren Pferden oft vorkommende chronische Dyspepsie in einzelnen Fällen auf der nämlichen Functions-störung im Dann beruht, welche die Darrsucht der jungen Pferde be­dingt, ist noch nicht entschieden.
Das Leiden charaktcrisirt sich zunächst als eine unvollständige und fehlerhafte Verdauung. In einzelnen Fällen scheint die Milch der Mutter­stuten durch unbekannte Einflüsse eine Aenderung ihrer Mischung zu er­leiden und eine reizende Wirkung auf die Darmschloimiiaut der Saug­fohlen auszuüben. Bei den Absätzfohlen und Jährlingen habe ich mehr­fach die einige Wochen fortgesetzte Verabreichung von schlechtem (saurem) Heu als Krankheitsursache constatirt. In wie weit eine anderweitige Beschaffenheit des Futtcrmaterials die Entstehung der Darrsucht ver­mitteln kann, lässt sich mit Bestimmtheit nicht aussagen. Wahrschein­lich wird aber, wie bei Wiederkäuern und Schweinen, auch bei den Fohlen durch die fortgesetzte Verabreichung von Branntweinschlempe die Darr­sucht ihre Entstehung finden können. In den Sommermonaten, in wel­chen die Fohlen gewöhnlich Grünfutter erhalten, kommt die Krankheit
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Allgemeine Störungen der Ernährung.
nur selten /.ur Ausbildung. Die an den drüsigen Apparaten des Magens und Darras eintretenden anatomischen Zustände sind noch ganz unbe­kannt. Mit Wahrscheinlu'hkoit ist aus dem Krankhcitsverlaufo zu scliliessen, dass das Driisencpithel sich verändert und dass hierdurch die Secretion des Magen- und Darmsaftes sich vermindert. In welcher Art die che­mische Zusammensetzung des letzteren sich gestaltet, ist bisher nicht ermittelt worden.
Symittoiiic. 1) Verringerung des Appetits. Körnerfütter und Mehltränke werden verschmäht oder nur in ungenügender Quantität an­genommen. Heu und Stroh verzehren die Patienten gewöhnlich in kleinen Bissen. Im Ganzen ist aber auch die Aufnahme des Rauffutters erlieb­lich beschränkt. Das Kauen erfolgt zuweilen mit knirschenden Ge­räuschen.
2)nbsp; nbsp;Abmagerung. Der Nährzustand reducirt sich nach und nach so bedeutend, dass die Thiere einen kachektischen Habitus erlangen: die Augen sinken in die Höhlen zurück; der Hals erscheint lang und mager; die Rippen treten augenfällig hervor und der Rücken verharrt bei der Bewegung in gerader Haltung. Von beiden Seiten fällt der Bauch ein; aber nach unten behält derselbe in der Regel einen relativ grossen Umfang.
3)nbsp; nbsp;Veränderungen der Haut. Das Deckhaar erscheint lang, rauh und trocken. Die Haut lässt sich auf dem Ripponkörper nur wenig ver­schieben.
4)nbsp; nbsp;Verzögertc Entleerung klein geballter, braun gefärbter Darm-exeremente.
5)nbsp; nbsp;Pulsfrequenz. Nur in den schweren Krankheitsfällen und auch dann in der Regel nicht erheblich.
6)nbsp; nbsp;Abnahme der Körperkräfte. Entsprechend dem Grade der Ab­magerung.
Verlauf iiikI Ausgang. Die Darrsucht hat einen chronischen Verlauf. Sie entwickelt sich ganz allmälig und erst 2—3 Wochen nach dem Be­ginn der Krankheit machen sich die vorbezeichneten Symptome in augen­fälligem Grade bemerklich. Im Temperament, in der Circulation, Re­spiration und Körperwärme treten keine Störungen ein. Ausser der krankhaften Abmagerung und dem mangelhaften Appetit lässt sich bei der Untersuchung kein bemerkenswerthes Symptom eruiren. Da die Thiere kaum so viel Futter verzehren, dass sie das Leben fristen, so reducirt sich der Nährzustand in hohem Grade. Trotzdem führt die Krankheit nur in einzelnen Fällen und bei Vernachlässigung der Patienten zum Tode. Am meisten erliegen die jungen Fohlen, welche den 3. bis
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Darrsucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 549
4. Lobensmonat noch nioht überschritten haben, der Erschöpfung. In der Mehrzahl dor Fälle erhalten sich die Thiere 3 —6 Monate, selbst noch Länger in der krankhaften Condition, bis unter dem Einflüsse einer zwcckmässigcn Ernährung die Convalescenz zu Stande kommt.
Die Seotian ergiebt in den letal verlaufenen Fällen nur diejenigen Veränderungen, welche die Kachexie mit sich bringt.
Diagnose, Die Feststellung der Darrsucht ist unter Berücksichtigung der Krankheitssymptome und nach dem diagnostischen Princip der Aus-schliossung zu bewirken. Es ist leicht verständlich, dass durch eine grösscre Zahl von Krankheiten mit chronischem Verlaufe eine erhebliche Abzehrung entstehen kann, deren Merkmale mit der Darrsucht vielfach übereinstimmen. In dieser Hinsicht ist auf die Complicationen und Folgeloidon der Druse eine besondere Rücksicht zu nehmen. — Der bei den Fohlen häufig vorkommende Durchfall, welchem mehrere Darm-affectionen zu Grunde liegen können, unterscheidet sich von der Darr­sucht dadurch, dass der letzteren eine diarrhoischo Entleerung der Darm-exeremente nicht zukommt.
Prognose. Wenn die Darrsucht in den ersten Lebensmonaten ent­steht, so ist zuweilen der Tod unabwendbar. Bei den älteren Fohlen kann der Erfahrung gemäss die Genesung nach einer monatelangeu Krank-heitsdaucr in Aussicht gestellt werden. In der Regel erleidet aber die körperliche Ausbildung der betreffenden Fohlen in Folge der anhaltend dürftigen Ernährung eine Beschränkung. Sowohl das Skelet, wie die Muskulatur bleibt unvollkommen und oft acquiriren die Fohlen eine ab­norme Stellung der Gliedmassen.
Leichtor gestalten sich die Krankheitsfälle, wenn auf die Wartung und Pflege der Patienten eine besondere Sorgfalt verwandt worden kann. Oft ist aber die vollständige Heilung erst im Frühjahr durch die an­haltende Verabreichung von Grünfuttcr zu erreichen.
Therapie. Vor der vollständigen Erschöpfung sind die darrsucht­kranken Fohlen durch gute Pflege in geräumigen und luftigen Ställen zu schützen. In den Wintermonaten ist den Patienten vorzugsweise schmackhaftes Heu und gutes Stroh zu verabreichen. Der Hafer wird nur nach der Aufnahme geringfügiger Mengen ohne Belästigung ertragen. Sonst verschlechtert sich die Verdauung nach dem Genüsse von Körner­futter vorübergehend. Geschrotenes Futter ist zu vermeiden.
Zur medicamentösen Cur eignen sich bittere und salinische Mittel: Rec. Extr. Aloes 5,0, Rad. Rhei 20,0, Natr. bicarb. 50,0. In Latworgen-form pro die auf 2 Mal zu geben und in Zwischenzeiten von einigen Tagen zu wiederholen. Auch Karlsbader Salz gewährt bei anhaltendem
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Allft'omeine Störungen der Erniilirung.
Gebrauche einige Vortheile. Nach einer älteren Medication habe ich zu­weilen Natr, sulfur, in relativ kleinen Gabon rait dem Trinkwasser an­haltend gegeben. Versuchsweise kann auch Kochsalz zu Locken vor­gestreut worden.
Sobald im Frühjahr junge Disteln', grüner lloggen oder Gras zu Gebote stehen, ist davon unter Aussetzung aller Medicamcntc in ge­eigneter Weise Gebrauch zu machen. Der Erfahrung gemäss genesen die Fohlen hiernach in 1—2 Monaten.
Capitel XXXVII.
Fissentielllaquo; 4iiäiiiie. Chronische Viiiimio. Progressive pernieiöse Anämie.
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Zu den dunkelsten Gebieten der speciellen Pathologie gehört die Geschichte derjenigen allgemeinen Ernährungsstörungen, welche auf einer selbstständigen Er­krankung der blutbildenden Organe beruhen. So leicht die Thatsache, dass bei der mangelhaften Zufuhr von Nährstoffen (Hungerkachoxie) das Blut an Albuminaton verarmt, dem Verständniss näher tritt, so schwierig gestaltet sich die Beurtheilung der Krankheitsfälle, in welchen bei regelmässiger Ernährung der Thiere und ohne erkennbare materielle Veränderungen in den Organen des Körpers sich ein erheblicher Mangel an rothen Blutkörperchen nach und nach ausbildet. Die Bildungsstätten für die Formbestandtheilc des Blutes sind die Lymphdrüsen, die Milz und das Knochen­mark. Es ist aber bisher noch nicht gelungen, bei der selbstständigen chronischen Anämie der Pferde eine bestimmte anatomische Anomalie in diesen Organen nach­zuweisen. Auch in der Lehre von den menschlichen Krankheiten ist die Aetiologie des nachBiormer als „progressive pernieiöse Anämiequot; bezeichneten chro­nischen Allgemeinleidens noch nicht erschlossen, üa nun schon über die physio­logischen Bedingungen der Entstehung und des Zerfalls der rothen Blutkörperchen noch Manches nicht endgültig feststeht, so lässt sich kaum eine acceptabele Hypothese zur Erklärung der in Rode stehenden Krankheit entwerfen. Es kann bei derselben mit gleichem Recht an eine mangelhafte Bildung, wie an einen krankhaft gesteigerten Zerfall der rothen Blutkörperchen gedacht werden. Ob der essentiellen Anämie bei Pferden Functionsstörungen in den Digestionsorganen vorausgehen, ist nicht bekannt. Indess habe ich in einigen Fällen beobachtet, dass die mangelhafte Aufnahme von Futter längere Zoll hindurch das wichtigste Merkmal der Krankheit blieb. Im Ganzen ist das Leiden selten. Es entsteht nach meinen Feststellungen am moisten bei Pferden, die sich im Alter zwischen 9—15 Jahren befinden, Zschokke (Schweiz. Aroh., 1883, Heft 1 u. 2) bemerkt, dass die von ihm beobachteten 9 Fälle bei 5 bis 10jährigen Pferden vorgekommen seien.
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Essentiollo Anämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;551
Die Krankhoitsentwickelung beruht auf Verarmung dos Blutes an rothon Blut­körperchen und auf der hierdurch unterhaltenen dürftigen Krniihrung der Organe. Auch die Menge des Blutes in den Gefässbahnen erleidet eine Abnahme.. Aussei' der numerischen Verminderung fanden Zachokke und Fröhnor (Borl. Arch., XU., 1886) auch Formvereänderungen der rothen Blutkörperchen (Poikilooytoso), wie sie in gleicher Weise bei der pernieiösen Anämie des Menschen eintreten. In einem Falle constatirto ich bei dor Section grössere hämorrhagische Herde im Modiastinum und im Herz­beutel. Demnach kommt auch bei Pferden schliesslioh die hämorrhagische Diathose, wie bei Menschen, zur Ausbildung.
Symptome. Allgemeine Ermüdung ohne Depression des Bewusstseins. Minderung des Appetits auf Rauffuttor und auf Körner. Verkleinerung des Bauches; später aufgeschürzter Bauch. Blässe der sichtbaren Schleim­häute. Zurücktreten der Augäpfel. Progressive Abmagerung. Puls­frequenz, zunächst geringfügig, später bedeutend; Puls klein, gespannt, gegen Ende der Krankheit drahtförmig; Herzschlag fühlbar, zuweilen abnorm stark. Respiration normal, nur bei starker Abmagerung der Patienten beschleunigt. — Wenn die Pferde in Folge der Ermüdung anhaltend liegen, so entsteht leicht Decubitus. Auch treten zuweilen ödematöse Schwellungen der Subcutis unter dem Bauche oder an den Gliodmassen auf. — Fieberhafte Erscheinungen sind nicht constant.
Verlauf und Ausgang. Mit geringfügigen Störungen des Allgemein­befindens anfangend, erlangt die Krankheit nach 4—8 Wochen ihre volle Ausbildung. Sie kann 2—4 Monate dauern und führt stets durch pro­gressive Erschöpfung der Körperkräfte (Kachexie) zum Tode.
Bei der Section findet sich in den Gefässen wenig Blut. Alle inneren Organe sind erblasst (anämisch). In den serösen Häuten kleine Blutungen; zwischen den Blättern des Mittelfelles zuweilen abgekapselte blutige Herde von Hühnereigrösse. An den grossen Parenchymon fand ich keine wesentlichen Veränderungen. Zschokkc beobachtete eine Ver-grösserung der Milz mit Einlagerung von Blutkrystallen; ausserdera Ecchymosen an särnmtlichen serösen Häuten neben Blutungen in die Nieren und Gekrösdrüson.
Diagnose. Die Verarmung des Blutes an Hämoglobin kommt bei fieberhaften Infectionskrankheiten, namentlich bei der Scalma, nicht minder auch bei gastrischen Störungen vor. Ausserdem bedingt jeder erhebliche Blutverlust die Symptome der allgemeinen Anämie. Demnach gestaltet sich die Diagnose an sich schwierig; sie ist zunächst in einem concreten Falle abhängig davon, dass die Krankheit bereits mehrere Wochen besteht und bei guter Verpflegung des Pferdes nicht zur Aus­gleichung kommt. Dann ist aber noch zu berücksichtigen, dass reeidivi-rende Blutungen aus der Leber oder der Milz oder den Harnwegen ahn-
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Allgemoino Störungen der Ernährung.
liehe Kmnkhoitsorschoinungon mit sich bringen. Auch können Geschwülste in den inneren Organen (Sarkome oder Carcinome) mehrere Monate lang eine kachektische Allgemeinaffoction veranlassen, die intra vitam von der hier besprochenen Anämie sich nicht unterscheiden lässt, Endlich ist noch hervorzuheben, dass die Leukämie und die Pseudoleukämie mit der essentiellen Anämie im Ganzen das gleiche Krankheitsbild bedingen. — Für die wissenschaftliche Feststellung der essentiellen Anämie ist neben dem chronischen Krankhoitscharaktor die bei der mikroskopischen Unter­suchung der Blutproben nachweisbare Schrumpfung und Formveränderung an den rothen Blutkörperchen (Poikilocytose) von besonderem Worth. Prognose unil Therapie. Mit Sicherheit lässt sich nicht aussagen, dass die essentielle Anämie spontan oder durch die Wirkung von bestimmten Medicamenten zur Heilung gelangen kann. Insbesondere bleibt es frag­lich, ob die vermeintlich günstig verlaufenen Krankheitsfälle nicht aut einer irrthümlichen Diagnose beruhen. Die untrüglich erkennbaren Fälle trotzen nach dor bisherigen Erfahrung jeder Behandlung. Die Cur kann demnach nur als ein Versuch angesehen werden. Empfehlenswerth er­scheint die anhaltende Verabreichung von Acid, arsenicosum, sowie die wochenlang fortgesetzte intratracheaie Injection von Jod oder Phosphor.
Capitcl XXXVIIT, Leiikäniie.
Die Thatsaohe, dass durch acute und chronische Reizungsprocessc In den Lymph­drüsen und In der Milz eine krankhafte Vermehrung der woissen Blutkörperchen herbeigeführt wird, hat Virchow (184f)) zuerst erkannt und für die Pathologie ein-wandsfrei festgestellt. Vorübergehend produciren die gereizten Lymphdrüsen bei fieberhaften Krankheiten und soweit die Pferde in Betracht kommen, namentlich bei der Pferdestaupe, bei der Scalma, bei der Brustseuche und beim subacuten Rotz die weissen Blutkörperchen in abnorm grosserZahl. Die hierdurch veranlassto quantitative Störung in der Blutmischung wird nach Virchow als „Leukocytosequot; bezeichnet. Sie ist als Symptom namentlich bei der Scalma sehr bemerkenswerth, vorschwindet im üebrigen aber mit der Heilung der allgemeinen Krankheit vollständig. Dagegen stellt die aus oigenthüinliohen chronischen Krankheitszuständon der Lymphdrüsen oder der Milz resultirendo Vermehrung der weissen Blutkörperchen eine schwere und unheilbare constitutionolle Ernährungsstörung dar, welche nach Virchow's Vor­schlag mit dem Namen der „Leukämiequot; (Weissblut) belegt und nach ihrem
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Leukämie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;553
Ursprünge in eino lienale, eine ly mphatischo und eine gemischte Form unter.' schiodon wird. Die Krankheit beruht in einer „veränderten Gowobsbildung des Blutesquot;. Aus der Milz oder den Lymphdrüsen gelangen die im IJebermass producirton farblosen Zollen in das Blut.
Durch E. Neumann wurde 1868 zuerst der Nachweis geführt, dass auch das Knochenmark ein wichtiges Organ für die Blutbildung ist und dass durch eine eigen-thümliche Erkrankung desselben die „myologono oder medulläre Form der Leukämiequot; bedingt wird. Bei Menschen soll nach den Angaben verschiedener Autoren die Affection gleichzeitig in den Lymphdrüsen, in der Milz und in der Mark­substanz zahlreicher Knochen sich ausbilden können. Viel Wahrscheinlichkeit hat die von Klebs zuerst ausgesprochene Ansicht, dass der Leukämie in allen Formen eino speeiflsche [nfootion zu Grunde liegt. Indess hatten die Versuche Moslor's (v. Zlomsson's Handb. d. spec. Path. u. Thor., VIII), mittels dor Injection louk-ämischen Blutes in die Blutbahn bei gesunden Thieren dio Krankheit zu erzeugen, oin negatives Resultat.
Die bei den Thieren beobachteten Fälle von Leukämie haben Si edamgrotzky (Vortr. für Thierärzte, L, 1878, Heft 10) und Nocard (Aroh. vötörin., 1881) be­sprochen. Von der Leukämie des Pferdes hat Loisering zuerst über einen Krank­heitsfall berichtet, den Rosenkranz in Sachsen beobachtet hatte. Bisher ist bei Pferden die Leukämie mit Sicherheit nur In der lymphatischen Form nachgewiesen worden. Die bei Menschen wohlbekannte myelogene oder medulläre Form wurde noch nicht constatirt.
Symptome iiihI Verlauf, Das Allgemeinbefinden ist längere Zeit hindurch nicht auffällig gestört. Die Pferde sind müde und bewegen sich schwer­fällig. Rauhes Haar. Zunehmende Abmagerung und Erblassung der sicht­baren Schleimhäute. Nach vollständiger Ausbildung der Krankheit ist der Appetit gering und domentsprechend dio Entleerung dor Darmoxcrc-mente verzögert. Massige Pulsfrequenz; Herzschlag fühlbar, zuweilen pochend, Arterienpuls klein. Athmung etwas beschleunigt. Fieberhafte Erhöhung der Temperatur tritt erst nach wochen- oder monatolaiigom Bestehen der Krankheit ein. Bei der lymphatischen Leukämie findet sich gewöhnlich eino hyporplastischo Schwellung der Lymphdrüsen im Kchl-gango und am Pharynx, — Die aus der Jugularis entnommene Blutprobe lässt bei der mikroskopischen Untersuchung eine starke Vermehrung der weissen Blutkörperchen erkennen.
Die Leukämie hat einen chronischen Vorlauf, dor sich auf 3 bis 6 Monate und noch darüber hinaus erstrecken kann. Nach und nach erlangen die Patienten einen hektischen Habitus und schliosslich wird die allgemeine Körporschwächo so gross, dass dio Thiere nicht mehr auf­stehen können und an Entkräftung verenden.
Die Section dor an der lymphatischen Leukämie eingegangenen Pferde ergiebt neben den Merkmalen der starken Abmagerung eine hypor­plastischo Schwellung der Lymphdrüsen. Wenn auch nicht ausnahmslos
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Ill I
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Allgomoine Störungen dor Kmährung.
sämmtliche Drüsen erkrankt sind, so erscheinen doch die meisten und vorzugsweise die Mosonteriai-, Mcdiastinal- und Pharyngoaldrüson zu dem Umfange eines menschlichen Daumens, selbst bis zur Grosse eines Gänse-eics geschwollen. Die Consistonz der vergrösserten Drüsen ist weich und auf dem Durchschnitt sieht das Parenchym nicht krankhaft aus. — Ina Blute findet sich eine abnorm grosso Menge welssor Blutkörperchen.
Viagiiose. Die Leukämie ist bei Pferden eine seltene Krankheit. Des­halb lässt sich die wissenschaftliche Sicherstellung eines Krankheitsfalles nicht ohne sehr sorgfältige Erhebungen der Symptome, des Verlaufes und des Scctionsresultates ermöglichen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass der Rotz bei chronischem Verlaufe ebenso, wie die aus sarkomatösen oder carcinomatösen Geschwülsten in den inneren Organen hervorgehende Kachexie von ähnlichen Symptomen begleitet sein kann. Intra vitam kann nur der mikroskopische Befund an den Blutproben in Verbindung mit dem chronischen Krankheitsverlaufo und evcntualiter mit der massig weichen, hyperplastischen Schwellung der äussorlich gelegenen Lymph­drüsen einen diagnostischen Anhalt gewähren. Von der Pseudoleukätnie unterscheidet sich die Krankheit nur durch die starke Vormehrung der weissen Blutkörperchen.
Prognose iiik) Therapie. Nach der thatsächlichen Erfahrung und nach Analogie-Schlüssen ist die Leukämie auch bei Pferden als eine unheil­bare Krankheit anzusehen. — Als therapeutischer Versuch ist die an­haltende Verabreichung von Arsenik zwar empfohlen, bislang aber nicht vorlheilhaft befunden.
Capitel XXXIX.
Psciulolciikiiiiiie. Ilodgkin'sclic Krankheit. Malignes Lymphom. Malignes Lymphadeiiom.
Nicht so selten, wie die Leukämie, ist bei Pferden die als Fseudoleukämio be­zeichnete olironisohe Krnährungsstörung, welche nach ihrem Entwickolungsgang und Vorlauf sich der Leukämie ganz analog verhält und von derselben nur insofern ab­weicht, als eine krankhafte Vermehrung der weisson Blutkörperchen im Blute nicht gefunden wird. Auch diese Affection, welche wahrscheinlich aufgor Einführung eines spoeifischen Infectionsstoffes In den Körper beruht, beginnt zuerst an einer Lymph-drüsengruppo und verbreitet sich nach und nach auf andere Gruppen. Die Drüsen­geschwülste erlangen die Grosso eines Ilülinoroios bis oinor Faust; sie besitzen theils
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Pseudoloukämic.
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eine weiche, theils eine harte Consistenz. Auf der Schnittfläche haben sie ein graues oder etwas streifiges Ansehen.
Nun ist ahor das allgomoine maligne Lymphom nicht immer mit einer erkenn­baren Störung der Bhitbildung und der Ernährung verbunden. In der pathologisch-anatomischen Charakteristik der Lymphdriisongesohwülste fohlt es noch an einer voll­ständigen Klarheit. Insbesondere bleibt es eine offene Frage, weshalb zuweilen die Lymphdrüsengesohwülste zur Leukämie resp. Kachexie führen, in anderen Fällen aber lange Zeit bestehen, quot;ohne anders, als durch locale Störungen, oder durch die Com­plication mit erschöpfenden Blutungen nachtheilig zu werden. Orth (Pathol. Anat., I., S. 72) unterscheidet demnach zwischen „malignen leukämischen Lymph­adenomenquot; und „malignen aleukämischen Lymphadenomenquot;. Ich werde am Schlüsse dieses Capitels einige Beobachtungen raittheilen, aus welchen hervor­geht, dass auch bei den Pferden allgemeine Lymphdrüsengeschwiüste(Lymphosarkome) vorkommen, welche theilweise einer käsigen Metamorphose unterliegen, aber nur dann tödtlich werden, wenn sie durch ihre Lage und allmälig zunehmende Grosse eine schwere Störung der Blutcirculation und der Respiration herbeiführen, oder wenn sie aus unbekannten Gründen sich mit Blutungen compliciren.
Die Pseudoleukämie kann sich durch Metastasen verallgemeinern und in den Lungen, in der Leber, in der Haut, wahrscheinlich auch in anderen Organen zur Ent­stehung kleiner oder grösserer Lymphome Veranlassung geben. Am Blute sind augen­fällige Veränderungen nicht nachzuweisen. Zuweilen findet sich eine Verminderung der Blutmenge (Anämie der Schleimhäute). Ausserdem ist die Disposition zu Blu­tungen in einzelnen Organen (Maulschleimhaut) beraerkenswerth, die sich aber nicht in allen Fällen ausbildet.
Symptome. Schwellung der Lymphdrüsen im Kehlgange oder in der Ohrdrüsenregion, aber nicht constant. Wichtiger ist die bald früher, bald später sich einstellende mangelhafte Ernährung; müdes, lustloses Be­nehmen; rauhes Haar; wechselnder Appetit, der im Ganzen aber krank­haft verringert ist; zeitweise verzögerte Entleerung der Darmexcremente; vorübergehend diarrhoische Defäcation; zuweilen Erblassung der Kopf­schleimhäute. Später zunehmende Abmagerung und ödematöse Schwellung der Haut an den Gliedmassen. — Bei einzelnen Pationton ist die Pseudo­leukämie von einer sich beständig wiederholenden Bildung kleiner und grösserer Blutbeulen (Blutblasen) in der Maulschloirahaut (auf der Zunge, an den Lippen und am Zahnfleisch) bogleitet. In einem Falle beob­achtete ich ein unheilbares Juckgefiihl in mehreren Partien der Haut.
Der Verlauf dehnt sich in der Regel auf 8—12 Monate, in einzelnen Fällen bis auf l'/j Jahre aus. In den späteren Stadien bekunden die Thiere die Symptome der Kachexie.
Sectiousbefiiiul. Neben (Ion Merkmalen der krankhaften Abmagerung sind hyperplastiaoho Schwellungen vieler Lymphdrüsen und zuweilen auch Schwellungen der Föllikel im Darm nachzuweisen Am Blute sind keine
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Allgomoino Störungon dor Ernährung.
Veränderungen zu finden. Bei einem Pferde constatirto ich Lymphome in den Lungen und in der Haut.
Diagnose. Die allmäligo Ausbildung der Symptome und der fiober-lose Verlauf erschweren die Erkennung der Krankheit. Einigen Anhalt gewähren die derben Lymphdrüscngoschwülste im Kchlgangc oder in der Ohrdrüsenregion. Wo diese fehlen, ist die Diagnose im Wesentlichen darauf zu stützen, dass trotz zweckmässiger Pflege und Behandlung der Patienten eine Besserung des constitutionellcn Leidens in Wochen und Monaten nicht erreicht werden kann. — Im Uebrigen können Sarkome und Carcinome in den Organen der Bauchhöhle ganz ähnliche Symptome bedingen, wie die Pseudoleukämie.
Prognose und Therapie. Nach den bisherigen Erfahrungen ist die Pseudo­leukämie unheilbar. Auch die gleiche Krankheit des Menschen trotzt jeder Behandlung. Vielleicht mag die anhaltende Verabreichung grosser Dosen von Arsenik in einzelnen Fällen vortheilhaft sein.
Oasuistik. A. Maligne leukämische Lymphadenome.
1) Lustig hat im Hannover. Jahresber. pro 1880/82, S. 7ö einen Fall von „lymphatischer Anämie (Pseufloleukämle)quot; mitgotheilt. Bei einem fünf­jährigen Schimmelwallaoh zeigte sich 5 Wochen nach überstandener Druse am rechten Buggelonk eine Geschwulst, welche Rabe nach dem Tode des Pferdes untersuchte und als ,,Oste o-Sarcoma capsularequot; feststellte. Unabhängig von dieser Ge­schwulst bekundete das Pferd einige Monate später Abmagerung, Appetitmangel, Husten und massige Schwellung der submaxillaren Lymphdrüsen. Temp. 39,0 bis 39,2. Puls 50—52. Upitheliale Defecte in der Maulsohleimhaut, namentlich am Zahn-lloisch längs der Baclizähno und an den Seiten der Zunge; dieselben waren aus Blut­blasen entstanden. Mit kurzen Unterbrechungen wiederholten sich die Entstehung und Abheilung der Blutblasen bis zur Tödtung des Patienten. Temperatur, Puls und Rospiration verblieben meist in der Norm. Appetit wechselnd, im Ganzen aber er­heblich verringert. Harn nach einer melmnonatliohen Krankheitsdauer zeitweise schwach oiwoisshaltig. Conjunctiva blassge'b, Nasenschleimhaut blassröthlich. — Nach einem Krankheitsverlaufe von fast einem Jahre wurde das Pferd als unheilbar getödtot. Am Blute war bei öfteren Untersuchungen nichts Krankhaftes gefunden. Erst am Tage der Tödtung constatirto L. eine Vermehrung der weissen Blutkörperchen und der Elementarkönichon.
Nach dorn von Habe orhobonon Sectionsbefunde fanden sich: „Allgemeine Anämie, ferner die Lymphdrüsen an der Wirbelsäule etwas goschwollen, blaurotb gefärbt; an ihrer Oberfläche zahlreiche, mit röthlicher Flüssigkeit gefüllte und er­weiterte Lymphgefiissc; dio retropharyngealen, sowie die Lymphdrüsen an den Ex­tremitäten und ganz besonders die Scham-, Bug- und Afterdrüson vergrössert, blass-bläulichroth und sehr stark durchfeuchtet.quot; Das Mark der Röhrenknochen war von gelber, gelatinöser Consistonz; die Milz atrophisch.
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Psoudoloukämio.
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2) Psciuloloukiimio mit hämorrhagisohon Ilertlou in dor Maul­schleimhaut.
Am 14. Februar 1881 wurde ein 7 Jahre alter brauner Wallach, mit durch­gehender Bliisse und woissen Fesseln, 1,(12 Meter hoch, Oflioier-Reitpferd, in die Klinik der Berliner Thieraraneischule mit dem Bemorkon eingestellt, class derselbe seit etwa 3 Monaton in der Maulschleimhaut kleine blutige, bliisolicnförmigo Horde zeige.
Status: Das Pferd steht im Stalle mit gesenktem Kopfe und halb goschlossonon Augen, die Unterlippe hängt sohlalT herab, ist aber nicht gelähmt. Das Haar ist rauh. Am ganzen Körper, vom Kopf bis zum Schweif, findet sich eine grössere Zahl von Stellen, an welchen das Deckhaar ausgefallen ist. Puls 3G; Temp. 37,19; Resp. 12. Appetit gering, Peristaltik rege. Die Schleimhaut dor Augen und der Nase von normaler Farbe. Die Maulschleimhaut zeigt auf und untor der Zunge, an den Backen, an der hinteren Fläche der Unter- und Oberlippe und am Zahnfleisch des Schneide­zahngebisses viele Blutblasen von dem Umfange eines Stocknadelknopfos bis einer grussen Haselnuss. Bei einem kleinen Einstich in diese Herde entleert sich flüssiges Blut. Neben den Herden sieht man am Zungengrunde und an der unteren Fläche der Zunge, auch an anderen Stellen der Maulschleimhaut, kleine Defecte und Narben, welche durch Dissection der Herde entstanden sind. Starker AMuss von lufthaltigem Speichel, welchem zuweilen Blut beigemischt ist. Bei Aufnahme von Heu, Stroh und Hafer vormehrt sich der Speichelfluss. Das Pford verzehrt übrigens nur wenig hartes Futter, dagegen ziemlich grosse Quantitäten von Kleiontrank. An den der Jugularis entnommenen Blutproben waren bei der mikroskopiscbon Untersuchung keine Ver­änderungen nachzuweisen. Diagnose: Pseudoloukämie mit multiplen hämorrhagischon Horden in der Maulschleimhaut.
Ordinat.: Täglich 4 Mal Ausspritzung des Mauls mit öproc. Lösung von Acid, tannicum.
In den folgenden Tagen vorschwanden mehrere dieser Herde theils durch Re­sorption des Blutes, theils durch Abstossung der nekrotisch gewordenen Schleimhaut­stückchen. Daneben traten aber einige neue Herdo auf. Temp. 37,5 — 38,2. Puls 34—36, von massiger Stärke; Arterie weich. Resp. 12—14.
Am 1. März fand sich an der Schleimhaut der Oberlippe ein hämorrhagischor Herd in dem Umfange eines Zweimarkstückes. Im Uebrigon waren dieselben Erschei­nungen vorhanden.
Ordinat.: Acid, arsenicos. 1,0 mit Stib. sulfurat. crud. 45,0 pro die. Kleien­trank xind Mohrrüben.
Die Behandlung hatte indess keinen Erfolg. Das Pferd blieb mager und rauh im Haar, zeigte aber keine schwere Störung seiner Gesundheit. Bei der mikro­skopischen Untersuchung des Speichels fand sich ein reicher Gehalt von weissen Blutkörperchen und Epithelien der Maulschloimhaut. In dem Blute der hämor-rhagisclien Herde wurde eine grosse Zahl von weisson Blutkörperchen constatirt. — Die am 10. März der Jugularvene entnommene Probe dos Körperblutes Hess aber nur eine geringe Vermehrung der weissen Blutkörperchen, und sonst nichts Krankhaftes erkonnon. — Am 16. März fand ich an mehreren Partion der Maulschleimhaut die luiinorrhagischon Herde conlluirt. Bis zum folgenden Tage platzton dieselben, worauf sehr bald ihre Abheilung erfolgte. Vom 19. März an besserte sich das Pford in der Kuttoraufnahme und bis zum 25. waren die meisten der Horde abgeheilt. Die Speichel-secrotion blieb vermehrt. Bis zum 29. März waren aber einige neue Herde in der
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558nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Störungen der Ernährung.
Maulsoliloinihiiul entstanden. Das Pferd wurde am 30. März 1881 aus der Klinik zurückgenommen. Eine Heilung des Zustandos ist nicht eingetreten. Nach einer Mit-theilung dos Besitzers soll das Pferd 4 Wochen später an Limgenontziindung erkrankt und nach ütägigor Krankhoitsdauer eingegangen sein.
|-gt;) Lymphatische Pseudoleukämie m it llydrothorax und Asci tes. Starke Schwellung der inescnteria 1 on Lymphdrüsen.
Ein lOjiihrigor Euchswallach, Droschkenpferd, hatte seit 8 Tagen schlechter als sonst gefressen und zeigte bei seiner Einstellung in die Klinik am 29. März 1881 ein rauhes Maar, Anämie der Schleimhäute, Mangel an Appetit, llarnsecretion normal. Puls 40, Kesp. 12, Temp. 37,8. Percussion und Auscultation des Thorax ergaben keine Zeichen einer Brustkrankheit. Nach diesem Befunde liess sich eine bestimmte Diagnose nicht ermöglichen. Es wurde eine chronische Dyspepsie angononimen und eine entsprechende Behandlung eingeleitet. Besserung trat nicht ein. Am 5. April erschien die Haut am Brustbein zwischen den beiden Vordergliedmassen ödematös goschwollen. Die Schwellung erstreikte sich bis über den Vorarm. Am folgenden Tage war auch der Schlauch und die untere Partie des Bauches ödematös inflltrirt. Der Appetit verringerte sich mehr und mehr. Das Pferd trank viel Wasser und ver­zehrte einige Mohrrüben. Am Blute fand sich eine hellere Färbung und grosser Wassorgohalt Die rothen Blutkörperchen blieben vereinzelt; keine Geldrollenbildung. Weisse Blutkörperchen in relativ grosser Zahl. Bis zum 12. April ergab sich eine Wassoransammlung im Thorax zu beiden Seiten. Kesp. 24, Puls 04, Tomp. 39,3. In der ganzen unteren Hälfte dos Thorax gedämpfter Percussionsschall. Unter all-mäliger Steigerung der Krankheitsorscheinungen ging das Pferd in der Nacht vom 14. zum 15. April ein. Bei dor Section fanden sich in der Bauchhöhle 20 Liter gelb-rother, etwas trüber Flüssigkeit; in der Brusthöhle 30 Liter derselben Flüssigkeit. Costalploura mit gelblichen, flaschonförmigen Pibringerinnseln bedeckt. Lungen nicht verändert. Im Herzbeutel 40 Gramm einer dunkelrotheri, trüben Flüssigkeit. In der Schleimhaut dos Leerdarms fand sich oino kloine Stelle verdickt; dieselbe enthielt ein zehnpfonnigstnckgrosses Geschwür, dessen Ränder derb und aufgewulstet waren. Die-von dieser Darmpartie ausgehenden Lymphgefässo erschienen strangartig verdickt. Die mesonterialen Lymphdrüsen bis zu Faustgrösse geschwollen und auf dem Durch­schnitt markig.
4) Lymphatische Pseudoleukämie mit heftigem Hautjucken. Multiple Lymphome der Lober und der Lungen. Allgemeine Schwollung der
Lymphdrüsen.
Fünfjährige Stute, leichter Koitsohlag, war im Hemontodepot zu Wirsitz seit einem Jahre wegen heftigen llauljuckons an dor linken Seite des Halses erfolglos be­handelt und wurde von der Militärbehörde der Klinik zur weiteren wissenschaftlichen Vorworthung im Januar 1883 überlassen. Herr Oborrossarzt Stottmeister hatte die Güte, mir mitzutheilon, dass an der linken Halsseite vorübergehend kleine Pusteln aufgetreten seien, dass aber nach ihrer Abheilung der heftige Juckreiz gleichmässig fortbestanden habe, dass die Pusteln auch immer wieder an ein und derselben Stelle sich von neuem gebildet hätten. Ich untersuchte das Pferd am 25. Januar:- Glanz­loses, langes Dockhaar; derbe, wenig verschiebbare Haut. Leichte Anschwellung der
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PseudoltHikamio.
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Gliedmiisson. In rler Mitte des Halses an der linlten Seite findet sich eine, 30 Ctm. im Durohmesser grosse Hautpartio mit einem trouknen Soliorfe bedeckt. Flaarlose Stellen auf der vorderen Fläche beider Vorarme und auf dem linken Carpalgelenk. Puls 84, Art. maxill. ext. massig voll und weich; Respiration 20 mit leichter Dyspnoe, In- und Exspiration gleich. Temperatur 38,2; Appetit gering. Sichtbare Schloim-häute gelblich gefärbt. Hustenreiz fohlt. Auscaltation und l'ercussion dos Thorax liefern nichts Ungewöhnliches. In Zwischenzeiten von 15 Minuten, zuweilen noch öfter wird das Pferd von einem heftigen Juckreiz an der linken Seite des Halses, an den Vordergliodmasson und vor dor Brust befallen. Es scharrt dann mit den Vorder-füssen, nagt sich mit den Zähnen an der Brust, an der Schulter und an den Vor­armen, namentlich am linken Vordeifusse. Darauf senkt es den Kopf zur linken Seite und reibt sich mit der Hufspitze des linken Hinterfusses die kranke Hautpartie dos Halses. Oft scheuert es sich an den Stallwänden. Es fällt zuweilen dabei nieder und bleibt, wie in sich vergossen, am Boden liegen. Der Anfall dauert durchschnittlich l Minute. Während desselben steigt die Uespiration auf 60, der Puls auf 100.
In den folgenden Wochen bleibt das Krankhoitsbild im Wesentlichen gleich, das Temperament ist abgestumpft; gewöhnlich steht das Pferd in sich gekehrt. Schleim­häute blass und etwas gelblich. Puls 76; Resp. 20; Temp. 38,5. Die heftige Reaction gegen den anfallsweise auftretenden Juckreiz führte jedesmal zur Erschöpfung. — Arsenik zu 0,5—0,75 pro die hatte keinen Erfolg. Die Futteraufnahme verringerte sich mehr und mehr, das Athmen wurde dyspnoisch. Puls variirto zwischen 80—95 und unter Zunahme der Schwäche ging das Pferd am 17. März zu Grunde.
Autopsie. Cadaver sehr abgemagert. An der kranken Halspartie ist die Haut und Unterhaut sehr verdickt, derb und mit einer gelblich klaren Flüssigkeit infiltrirt. Aehnlich ist die Beschaffenheit der Haut an einer handgrossen Partie vor dem linken Buggelenk und auf der äusseron Seite des Vorarms. Auf dorn Durchschnitt der ver­dickten Haut finden sich zerstreut hirsekorngrosse, woisso Herde. Das Blut in den Gefässen hellroth, sehr wässrig, wenig abfärbend. Die Innern Organe anämisch. Darmschleimhaut gelblich grau gefärbt und glatt. Im Zwölffingerdarm und in der Mitte dos Leerdarms sitzt in der Schleimhaut je ein wallnuss-grosses Geschwür, dessen Ränder von einer derben, grauweissen, homogenen Masse umschlossen sind. Milz von normaler Grosso, auf dem Durchschnitt glatt, Milzkörperchen hirsekorngross. Nieren sehr blass, sonst nicht verändert. Portio pylorica der Magenschleimhaut grauroth und leicht geschwollen. Leber von normaler Grosse und anämisch, von bräunlich grauer Farbe; die Acini enthalten in ihrem Centrum ein rothes Pünktchen. Leborkapsel glatt, unter derselben und auch im Parenchym mehrere gelblich weisse, ziemlich derbe Knoten von Linsen- bis Haselnussgrösse. Einige kleine Knoten von derselben Beschaffenheit sitzen au oh in den breiten Bändern der Leber. In beiden liungen zahlreiche erbsen- bis hühnoreigrosse, rundliche, weiche Herde mit graugelber, homogener Schnittfläche. Die Herde liegen theils unter der Pleura, theils central in den Lungen. Herz normal. Ko-spirationsschleimhaut blass. Sämmtliohe Lymphdrüsen des Körpers, besonders aber die modiastinalen und bronchialen, bis zu Tauben- und Hühnereigrösse geschwollen.
Herr Prof. Paul Grawitz hatte auf meinen Wunsch die Güte, die Geschwülste der Lungen und der Leber zu untersuchen. Er diagnosticirte dieselben als louk-ämischo Lymphome.
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560nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgomomo Störungen dor Ernährung.
B. Maligne aleukämische Lymphadenome. Lympliosarkome (Vircbow).
1) hi einem grösseron Pferdobestando heri'schto im Sommer 1885 die Pferde-stäupe. Neben 7 anderen Pferden wurde eine löjiihrigo Stute veredelter Abkunft zur Boliaudlung in dro Klinik gebracht. Bei der Untersuchung am 3. Juli fand sich dürftiger Niihrzusland, geringe Aufmerksamkeit und matte Körperbewegung. Puls 50, llosp. 18, Temp. 89,0. Die Conjunctiva falilrolh. Kutteraufualime gering. Die Kehlgangsdrüsen sind l'austgross geschwollen und knotig. Am 4. Juli verweigert das Pferd die Futter-aufiiahmo vollständig, während Wasser getrunken wird. Darmonlleerung reichlich; Kxcreinonte breiförmig. J'uls 60, Resp. 25, Temp. 89,G. Am 5. Juli findet sich Un-wogsamkeit an den unteren Rändern beider Lungen. Starke Ermüdung, so dass sich das Pferd nur zeitweise stehend erhalten kann. Puls 80, Resp. 80, Temp. 40,1. Trotz der Behandlung verschlimmerte sich der Zustand mehr und mehr. Die Athmung ge­schah unter grosser Anstrengung mit rasselnden Exspirationsgoräuschen. Am 0. Juli hatte das Pferd eine Mastdarmtemperatur von 42,1deg;. Puls 120, Resp. 40. Unter An­wendung von kalten Begiessungon minderte sich die Körpertemperatur nach einer Stunde auf 41,0deg; und nach weiteren 4 Stunden auf 40,9deg;. Gegen Abend am G. Juli erfolgte der Tod unter den Zufällen der Asphyxie.
Section am 7. Juli Vormittags im pathologischen Institut (Lüpke). Der Befund-erhebung entnehme ich folgende Thatsachen. Magen- und Darmkanal mit einer ge­ringen Menge dünnbreiiger Substanzen gefüllt. Der Pepsindrüsentheil der Magen­schleimhaut bräutilichroth und hügelig geschwollen. Mesonterialdrüsen ge­schwollen und auf der Durchschnittsfläche trübe. Einzelne Lymphdrüsen im Mosenlerium, besonders diejenigen, welche in der Nähe der Nebennieren sitzen, erscheinen derb und gelblich gefärbt. Die rechte Nebenniere stellt einen derben, fast glatten, nieronfönnigen Körper dar, welcher die Grosse von zwei Mannsfäusten hat. Die im Milus der Niere liegenden Lymphdrüsen sind vergrössert und mit der Nebenniere durch fibröse Neubildungen fest verbunden. Auf der Durchschnittslläche der Nebenniere (indet sich an keinerStelle die normale Structur. Die Masse erscheint glatt, glänzend und von gelber Farbe, stellenweise grauroth nüancirt. Dieselbe Veränderung fand sich an der linken Nebenniere, welche aber nur halb so gross war, als die rechte. — Leber massig vergrössert, derb, aber etwas brüchig. Auf der Oberfläche zeigen sich zahlreiche umschriebene Flecke von gelb-rothor Farbe, welche beetartig promin iron und von einem dunklen Hof umgeben sind. Die Grosse variirt zwischen einem Hirsekorn und einer Wallnuss. Der obere Theil dos rechten Leberlappens, welcher der rechten Nebenniere unmittelbar anliegt, ist in der Grosse einer Doppelfaust mit der Neubildung so durchsetzt, dass von dem Lober-gewebo nur noch Spuren nachgewiesen worden können. Milz etwas vergrössert, blau-grau, aber sonst ohne wesentliche Veränderungen. Ebenso erscheinen beide Nieren geschwollen, aber frei von Neubildungen. Im Herzbeutel etwa 80 Grm. trüber Flüssig­keit. Herz stark dilatirt. in beiden Lungen an den unteren Rändern die gewöhnlichen Befunde der acuten zelligen Pneumonie. Die Kehlgangsdrüsen füllen den ganzen Raum des Kehlgangs. Die einzelnen Drüsonpackete sind stark vergrössert und zeigen auf dem Durchschnitt dieselben Verände­rungen, welche an den Nebennieren gefunden wurden. An einzelnen Stellen orgiebt sich, dass die Neubildung durch regressive Metamor­phose sich verändert hat (safrangelbe Flecke). Aohnliche Vorände-
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Aleukamische Lymphadenome.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 561
rungen finden sich an den subparotidealen, sowie an den oberen Luft-röhrendriisen. Die Driisenpackete sind zu strangartigen und knotigen Massen degenerirt. Die mittleren und unteren Lul'lröhrendrüsen, so­wie die vorderen Brust- uivd dieMediastinaldriisen sind durch die Neu­bildung zu förmlichen 0 ewiichsen umgestaltet, welche die Grosse einer Faust bis zu der eines kleinen menschlichen Kopfes haben. Daneben finden sich im Mediastinum noch vereinzelte, wallnussgrosse Knoten von derber Consistenz.
Bemerkung: Der Tod des in vorstehender Krankheitsgeschiohte gedachten Pferdes war durch die Pferdestaupe bedingt. Interessant ist aber der Befund der malignen Lymphadenome, die zweifellos lange vorhanden und einer partiellen käsigen Kegression verfallen gewesen sind, ohne eine Störung in der Ernährung des Pferdes herbeizuführen.
2) Constitutionelle Lymphosarkoiaatose. Complication mit hämor-rhagischer Diathese. Tödtlicher Ausgang.
Brauner Wallach, 11 Jahr alt und 1,70 Meter hoch, Wagenpferd veredelter Ab­kunft, wurde am 27. November 1883 in die Klinik eingestellt. Das Pferd hatte an­geblich seit 2 Tagen weniger gut als sonst gefressen und vor der Brust war eine Goschwulst entstanden.
Befund: Nährzustand gut. Haut fest anliegend. Allgemeinbefinden nicht er­heblich gestört. Zu beiden Seiten des Halses und vor der Brust bestanden ödomatöse Schwellungen, aus welchen sich beim Einstechen eine blutige Flüssigkeit entleerte. Beide Vordergliedmassen, besonders die rechte, waren in gleicher Weise ödematös geschwollen. Conjunctiva kirschroth. Aus dem Innern Augenwinkel ergiessen sich Thränen. Nasenschleimhaut geröthet, Maulschleimhaut schmutzig gefärbt. Aus der Nase entleert sich in geringer Menge eine röthlich klare Flüssigkeit.
Die Kehlgangslymphdrüsen sind knollig geschwollen und faustgross. Puls 60, klein und weich, Herzschlag nicht fühlbar, Herztöne rhythmisch und äqual. Resp. 12, Temp. 38,5 0 0. Durch die Auscultation war ein krankhafter Zustand der Lungen nicht nachzuweisen. Beim Druck auf die Brustwandung bekundet das Thier ein schmerzhaftes Unbehagen. Die Aufnahme von Futter und Wasser ist gering, die Ent­leerung der Darmexoremente verzögert. Harn fadenziehend, übel riechend, rothgelb, schwach durchscheinend und von stark saurer Reaction. Specifisohes Gewicht 1042. Eiweiss nicht nachzuweisen.
Nach diesen Feststellungen war ich der Aleinung, dass das Pferd am Morbus maculosus leide.
In den nächsten beiden Tagen trat eine wesentliche Aenderung der Krankheit nicht ein. Am 1. December zeigte das Pferd Hustenreiz und einen sichtbaren Verfall der Kräfte. Am folgenden Tage fanden sich Fetochien in der Nasenschleimhaut und Schwellungen der Hintorfüsse. Diarrhoische Entleerung der Darmexoremente. Futter­aufnahme versagt, Wasser wird in geringer Menge getrunken. Dieselben Symptome bestanden auch am 3. December. Am Morgen des 4. Decembers war das Pferd verendet.
Section im pathologischen Institut der Thiorarzneischule 6 Stunden nach dem Tode! Die subcutanon Venen, besonders an der linken Seite des Körpers, mit dunkel-rother Flüssigkeit gefüllt. Skeletmuskulatur dunkelroth, auf der Schnittfläche
Dleokorhof/) 8poc. Pathologie u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; •nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; on
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562nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeine Störungen der Ernährung.
glänzend. Das subperitoneale Fettgewebe normal. An den Extremitäten, sowie an dor hintern und untern Brustregion war die Subcutis sulzig geschwollen, hellgrau, thoils röthlich gefärbt. Heim Druck lässt sich eine klare, citronengolbe Flüssigkeit aus der Subcutis herauspressen. — Die Bauchhöhle enthielt keine Flüssigkeit. Die Schleimhaut des Dünndarms in Längsfalten gelegt, von graurother Farbe und mit einem sohlolmigen Belag bedeckt. Die Peyer'schen Haufen sind geschwollen und treten als flache Erhabenheiten hervor. Der Inhalt des Dickdarms war gering, die Schleimhäute glatt und stark gefaltet. In derselben treten kleine steck-nadolkopfgrosse Herde hervor. Die Magenschleimhaut im Labdrüsentheil etwas ge­schwollen und von graurother Färbung. Milz vergrössert, von stahlgrauer Farbe, Kapsel glatt. — In der Milzrinne sind die von gut entwickeltem Fett­gewebe bedeckten Lymphdrüsen zu faustgrossen, mit einander zu­sammenhängenden Knoten geschwollen, welche eine weiche Con-sistenz haben. Auf dem Durchschnitt erscheinen die Lymphdrüsengeschwülste von grauwoisser Farbe. Die Knoten sind aus der Kapsel mit dem Finger leicht heraus­zuschälen. — Leber leicht vergrössert, von fester Consistenz; auf der Schnittfläche sehr blutreich. Die Lymphdrüsen der Porta hepatis sind taubeneigross geschwollen und von gleicher Beschaffenheit, wie die Lymphdrüsen der Milz. Nieren massig geschwollen und blutreich. Die Gekrösdrüsen stark geschwollen und von aussen als blaurot he, hühnerei grosso Knoten durch die Platten des Gekröses zu erkennen. Die Schnittfläche dieser vergrösserten Lymphdrüsen ist grauroth, stellenweise dunkelroth; das zwischen den Drüsenläppchen befindliche Bindegewebe nicht verdickt. Die Substanz der Geschwulst lässt sich leicht zerdrücken. In beiden Plourasäcken gegen 50 Liter einer graurothen, trüben Flüssigkeit, welche beim Stehen einen schwach rothen Bodensatz bildet und im übrigen eine graugelbe Farbe erlangt. An der Costalpleura der rechten Seite sitzen ältere bindegewebige Kxcrescenzen, sonst ist die Pleura nicht krank. Die vorderen Lappen beider Lungen enthalten die Veränderungen einer einfachen katarrhalischen Pneumonie. Die media-stinalen und bronchialen Lymphdrüsen sind faustgross geschwollen. Dieselben Vergrösserungen zeigen die an der Luftröhre gelegenen Drüsen. Die Luftröhre selbst ist an dieser Stelle durch den Druck der Geschwülste etwas verengt. Ein 50 Ctm. langes Stück der Luftröhre wiegt mit den um dasselbe gelegenen Lymphdrüsengeschwülsten 6,8 Kg. — Gleiche Geschwülste finden sich in den Leisten-, sowie in den Kehl­gangs- und Schlundkopfsdrüsen.
8) Lymphosarkomo in den Schinndkopfs- und Luftröhrendrüsen. Com­plication mit hämorrhagischor Diathese. Tödtliche Erkrankung unter den Symptomen der phlegmonösen Bräune. Sohiminolwallach, 12 Jahre alt, Droschkenpferd, hatte seit zwei Tagen Mangel an Appetit und eine Anschwellung um den Kehlkopf gezeigt. Am 14. December 188G wurde das Pferd in die Klinik eingestellt. Ich fand: Temp. 40,1; Puls 64, von mittlerer Stärke und rhythmisch; Resp. 20, mit laut giemenden Kehlkopfsgeräusohen im Moment des Einathmens. — Conjunctiva diffus geröthet. In der Nasenschleimhaut zahlreiche hanfkorngrosse Petechien. Aus beiden Nasenlöchern entleert sich ein röth-liches, zähflüssiges Deject, welchem Futterpartikelchen beigemischt sind. Submaxillare Lymphdrüsen normal. Zu beiden Seiten der Ohrdrüsenregion und unter dem Kehl­kopf bis zur Mitte des Halses herab ist die Haut stark geschwollen. Geschwulst ver-
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Geschwülste,
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mehrt warm, gespannt, schmerzhaft und ödematös. — Durch Auscultation und Per­cussion dor Brust konnte in den Lungen nichts Krankhaftes nachgewiesen werden. — Der Appetit war vermindert. — Die Genesis der in der Kehlkopfsregion und am Halse bestehenden Geschwulst liess sich nicht aufklären.
Das Pferd starb 20 Stunden nach der Einstellung an Erstickung. — Section im pathologischen Institut der Thierarzneisohule (Buch). Es fand sich das Unterhaut-gewebe in der Gegend des Kehlkopfs und des Halses mit einer theils rothen, theils gelblich rothen Flüssigkeit gefüllt; das lockere Bindegewebe um den Kehlkopf und die Luftröhre war theils gelbröthlioh, theils blutig infiltrirt. — Die rotropharyn-gealen und die mittleren Luftröhrendrüsen waren zu umfangreichen, aus haselnuss- bis hühnoieigrosson Tumoren sich zusammensetzenden Packeten aufgetrieben; die Gos chwülste mit punktförmigen Blutungen durchsetzt. Das Gewebe um die Lymphdrüsentumoren h ämorrhagisoh infiltrirt. Pharyngeal- und Laryngealschleimhaut durch Blutcongestion geröthet. Beide Lungen in hohem Grade ödematös. In der Dünndarmschleimhaut erbsen- bis haselnussgrosse blutige Herde. Milz hyporämisch. An den übrigen Organen bestanden keine wesentlichen Veränderungen.
Capitel XL. Geschwülste.
Die Begriffsbestimmung und die l^ntwickelungsgeschiohte der Geschwülste dar­zustellen, ist eine Aufgabe der allgemeinen pathologischen Anatomie. Die kritische Erörterung dieses Gegenstandes würde einen so breiten Raum erfordern, dass sie in einem Lehrbuche der speciellen Pathologie nicht Platz finden kann. Dazu kommt, dass bei den wichtigsten Geschwülsten, welche die allgemeine Ernährung der Thiere nachtheilig beeinflussen können, die Aetiologie bislang nicht hat aufgeklärt werden können. •
Jede Geschwulst kann durch ihren Sitz und ihre allmälig zunehmende Grosse eine functionolle Beschränkung wichtiger Organe herbeiführen. In diesem Verhalten sind die geschwulstbildenden l'rocesse das bedingende Moment für eine Reihe von Organkrankhoiten, die in der 4. Classe dieses Lehrbuches noch eine kurze Erwähnung finden werden.
Diejenigen Geschwülste, welche sich auf metastatischem Wege verallgemeinern, verursachen in vielen Fällen eine constitutionelle Störung, die sich vorwaltend durch die Erscheinungen der Kachexie zu erkennen giebt. Dabei spielt der primäre Sitz der Geschwülste oft eine ganz untergeordnete Rolle. Nicht selten wird sowohl die Function einzelner Organe, wie die gesammte Ernährung lediglich durch die meta­statischen Geschwulstherde und ihre consecutiven Affectionen beeinträchtigt, während die primäre Goschwulst an sich keine nachtheiligen Wirkungen hat. Das Motiv für die allgemeine Abmagerung mag zum Theil darin liegen, dass durch die Verviel­fältigung und das Wachsthum der Geschwülste feines, werthvolles Ernähiungsinaterial
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564nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Störungen der Ernährung.
dem Organismus in grosser Menge entzogen wird. Mehr aber dürfte durch die in den Geschwülsten unterhaltenen chronischen Krankheitsprocosse und die von denselben verunlasste allgemeine fieberhafte Affection (Febris hectica seu lenta) die Kachoxie vermittelt werden. Ks kommt dabei nur wenig in Betracht, dass die fieberhafte Blut-dyskrasie zeitweise sich verringert oder ganz verliert und zu anderen Zeiten wieder in höherem Grade entsteht. Zur Erklärung der Kachexie ist ausserdem zu beachten, class die aus den regressiven Zuständen in den Geschwülsten resorbirten impuren und pyrogenen Stoffe die Function der Verdauungsorgane und damit zugleich die Putter-aufnahme beschränken, so dass die Thiere in ihrem Nährzustande nothwendig zurück­gehen müssen.
Die Geschwülste, welche nach kürzerem oder längerem Bestehen sich auf meta-statischon Wege verviolliiltigen, werden seit langer Zeit in der Minisohen Pathologie als „bösartigequot; zusammengefasst und von den nicht metastasirenden ^.gut­artigenquot;) Geschwülsten unterschieden. Für die pathologische Anatomie ist diese Classification, wie Virchow zuerst motivirt hat, nicht angebracht. Trotzdem wird in der Praxis auf dieselbe oft zurückgegrillen und zwar besonders dann, wenn die Geschwülste in den inneren Organen auftreten und für die speciello Feststellung ihrer histologisohen Eigenart nicht zugänglich sind. Die wichtigsten malignen Geschwülste, welche eine nachtheilige Rückwirkung auf die Gesammtconstitution der Pferde er­langen können, sind die Sarkome und Carcinome.
A. Sarkome.
Die nach dem Typus der Bindesubstanzen gebauten Sarkome hat Virchow unterschieden in: Kundzellen-, Spindelzellen- und Kiesenzellonsarkome. Alle drei Arien finden sich bei Pferden und nicht selten ergiebt die Untersuchung einer Geschwulst, dass sie theils der einen, theils der andern Art angehört. Auch die Uobergangslormen zwischen den Sarkomen und Fibromen (F ibro-Sarltome) kommen bei Pferden oft vor. Je bedeutender der Gehalt eines Sarkoms an kloinen Kundzellen ist, desto weicher verhält sich die Geschwulst im Ganzen. Die Spindel­zellensarkome haben eine harte Consistenz. Hiernach wird das Sarkom unterschieden in das „weichequot; (Sarcoma molle) und das „hartequot; (S. durum). Pur die klinische Pathologie ist von prognostischem Interesse, dass das weiche Sarkom eine weit grössere Neigung zur Bildung von Metastasen hat, als das harte. Letzteres be­steht in einem Organ oft viele Monate, ohne secundäre Geschwülste in anderen Organen herbeizuführen.
Im Ganzen sind nach meinen Erfahrungen die sarkomatösen Neubildungen bei Kindern häufiger, als bei Pferden. Indess kenne ich doch von der Sarkomatoso bei Pferden viele Fälle, in welchen die Diagnose durch die Section einwandsfrei fest­gestellt worden ist. Kelativ selten sind primäre Sarkome in der Haut und Unterhaut. Am meisten entstehen in der Subcutis die Fibrosarkome, die zuweilen einen grossen Umfang und ein erhebliches Gewicht erreichen. Vor mehreren Jahren wurde mir vom Thierarzt Herrn Mann in Prenzlau eine solche Geschwulst von runder Porm über-sandt, welche er aus der Bauchdecke eines 10jährigen Pferdes mit vollständigem Er­folge exstirpirt hatte. Die Geschwulst, welche 33 Otm. lang resp. breit und 22 Ctm. dick war, halte ein Gewicht von 10 Pfund. Sie wurde vom Geh. Kath Virchow als „Fibrosarkomquot; diagnosticirt.
Die Skeletknochen haben im Allgemeinen keine grosse Vulnerabilität für die
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Geschwülste.
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sarkomatösen Neubildungen. Indess sind doch in den Kieferknochen, in den Becken-und Schonkelknochen mehrfach Sarkome nachgewiesen worden. Fläufiger bildon sich sarkomatöse Neubildungen von weicher Consistonz in der Siebbeinmuschol und in der Oberkieferhöhle, auch in der Conjunctiva und in der Poriorbita.
Von den inneren Organen können die Pleura, die Wandung des Darmtractus, die Milz, die Leber, das Peritoneum und die Nierenkapsel bei l'ferden von sarkomatösen Noubildungon betroffen werden. In der Wandung der Harnblase habe ich nur einmal (bei einem Ojährigen Wallach) ein Fibrosarkom constatirt. Dasselbe hatte zu einer unheilbaren Lahmung dos Blasenhalses geführt. Auch von sarkomatösen Neubildungen in den Rückenmarkshäuten ist mir nur ein Krankheitsfall begegnet (vergl. Adam's Woohenschr. 1881. S. 81).
In der Regel kommt die Verallgemeinerung der Sarkome erst nach mehreren Monaten zu Stande, wobei die Ernährung in Folge der Miterkrankung der Lymph­drüsen nicht selten beeinträchtigt wird. Oft erfolgt aber gerade bei den Sarkomen die Mitnffection der Lymphdrüsen erst nach längerem Bestehen der Geschwülste. Die Fälle, in welchen ein Sarkom selbst nach der Entstehung zahlreicher Secundär-geschwülste die allgemeine Ernährung eines Pferdes viele Monate hindurch nicht be­schränkt, dann aber ein wichtiges Organ in seiner Function stört und hierdurch eine tödtliche Krankheit bedingt, sind bei Pferden nicht seiton. Bei ausgebreiteten sar­komatösen Neubildungen in den serösen Häuten entwickelt sich leicht ein ITydrops mit schweren Störungen der Respiration und Circulation. Weiche Sarkome können, wenn sie eine erhebliche Grosse erlangt haben, nach geringfügigen Veranlassungen bersten und dadurch eine tödtliche Blutung herbeiführen. Solche Pferde haben zu­weilen vor dem Eintritt der Verblutung noch keine Zeichen einer Störung ihres Ge-sammtbefindons zu erkennen gegeben.
Die Diagnose der Sarkomatose ist mit Sicherheit nur in donjonigen Fällen zu ermöglichen, in welchen Geschwülste in der Haut und Unter­haut oder in den Kopfhöhlen entstanden sind und ein Theil dos Tumors zur mikroskopischen Untersuchung exstirpirt werden kann. Mit einiger Wahrscheinlichkeit lässt sich aber eine in der Mastdarmwand odor in der Blase befindliche Geschwulst als eine sarkomatöse ansehen, weil cr-fahrungsgomäss die Sarkome in diesen Organen liäufigor vorkommen, als andere Geschwülste. Dagegen entziehen sich die in den Bauch- und Brustorganen entstehenden sarkomatösen Neubildungen der Erkonntniss fast immer, weil die Symptome der Gesammterkrankung nichts Charak­teristisches haben und die Störungen in der Respiration und Digestion auf die viel häufiger vorkommenden einfachen Entzündungszustände zu­rückgeführt werden können. Die Unheil barkeit eines derartigen Krank­heitsfalles lässt sich zuweilen nur durch die Dauer desselben und durch die Unwirksamkeit der fortgesetzt zur Anwendung gebrachten diätetischen und medicaraontösen Behandlungsmethoden motiviren.
Prognose und Bebaiidlung. Fast ausnahmslos sind die Pferde, bei wel­chen Sarkome in den inneren Organen entstehen, worthies. Nur die in der Haut gelegenen sarkomatösen Geschwülste können exstirpirt werden.
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566nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeine Störungen der Ernährung.
Da indess die weichen Sarkome in der Unterhaut immer nur in Ver­bindung mit einer allgemeinen Sarkomatose vorkommen, so hat die chirurgische Behandlung derselben bei Pferden last niemals einen be­sonderen Werth. Primäre Fibrosarkome In der Haut und Unterbaut lassen sich mit vollständigem Erfolge oporiren. Von den Sarkomen der Kopfhöhlen kenne ich keinen Fall, der eine Heilung durch Exstirpation ermöglicht hätte. Mit Arzneipräparaten kann das Wachsthum der Sar­kome und die Bildung von Metastasen nicht aufgehalten werden. Die vielfach empfohlene Behandlung mit Arsenik und anderen Medicamenten
ist stets erfolglos gewesen. i
C a s u i s t i k.
1) Sarkom in der Pleura und in den Lymphdrüsen. Tod durch
Hydrothorax.
Zehnjähriger brauner Wallach, Arbeitspferd von mittlerem Körpergewicht, war in den letzten 2 Monaten auf den Märkten mehrfach verhandelt gewesen und wurde am 18. Mai 1883 zur Untersuchung wegen eines redhibitorischen Mangels in die Klinik gebracht. Nährzustand dürftig, Appetit gering. Temp. 37,8, Puls 72, Resp. 16, mit erheblicher Bewegung der Flanken und starker Erweiterung der Nase. Peroussions-schall in der unteren Brusthälfte zu beiden Seiten gedämpft. Bei der Auscultation in den oberen Partien beider Lungen gesteigertes in- und exspiratorisches Vesiculär-geräusch, zum Theil Bronchialgeräusch. Hustenreiz fehlt. Beim Druck auf die Luft­röhre einige kurze und matte Hustenstösse, die das Pferd zu unterdrücken sucht. Unter der Brust ausgebreitetes Oedem der Subcutis.
Diagnose: Chronischer Hydrothorax. Die wiederholt ausgeführte Paracentheso hatte keinen günstigen Einfluss auf den Verlauf der Krankheit, die am 23. Mai 1883 mit dem Tode des Pferdes ihren Abschluss fand.
Section im pathologischen Institut. Die Gekrösdrüsen und die Lymphdrüsen im Mediastinum sind zu hühnereigrossen Packeten geschwollen; die Schnittfläche zeigt theils eine hirnmarkähnliche, theils eine graurothe und theils eine gelblich weisse Beschaffenheit, Mit dem Messerrücken lässt sich von der Schnittfläche eine weiche, schmierige Masse abstreifen. Beide Pluurasäoke enthalten 50 Liter einer grau-rothen, trüben, dünnen Flüssigkeit. Die Pleura der Lungen nicht verändert. An den Rippenwandimgen, am Zwerchfell, Herzbeutel und Mittelfell ist die Pleura blass und mit hirnmarkahnlichen, orbsen- bis gnnseeigrossen, schwammigen Neubildungen be­setzt. Am stärksten ist die Pleura auf den Rippen afficirt, während die Intercostal-räumo wenig betroffen sind. Die Geschwülste erscheinen auf dem Durchschnitt theils grauroth, theils gelblich-grau. Beim Druck entleert sich eine eiterähnliche Materie.
2) Allgemeine Sarkomatose der serösen Häute mit zahlreichen Meta­stasen in der Haut und Unterhaut, in der Milz und den Lymphdrüsen. Fuchswallach, Wagenpferd edler Abkunft, hatte sich angeblich seit 4 Wochen im Nährzustand sohlecht gehalten und war wegen multipler Geschwulstbildung in der Haut als rolzvordächtig angesehen worden. Am 30. Januar 1886 fand das Pferd Auf­nahme in der Klinik. Es war noch miltfilmässig genährt, zeigte ein munteres lie-
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Geschwülste.
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nehmen und hatte ziemlich guten Appetit. Resp. 9, Puls 44, Temp, 39,0. Die Lymph­drüsen im Kohlgango, sowie die Bug-, Leisten- und Kniefaltendrüsen sind zu derben Geschwülsten aufgetrieben. In der Haut und Unterhaut liegen am ganzen Körper, mit Ausnahme der Fusswurzeln, Mittelfuss- und Zehenpartien haselnuss- bis gänseoi-grosse derbe Knoten. Zu beiden Seiton neben dem Brustbein finden sich Tumoren von 30 Otm. Länge und 10 Ctm. Breite.
Das Pferd blieb bis zum 12. Februar im Spital. Es hatte in dieser Zeit eine Athemfroquonz von 9—10, eine Pulsfrequenz von 44—52 und eine Bluttemperatur von 38,9—39,6. Ohne Erfolg wurde Acid, arson, pro die 1,0 gereicht. — Da ich nach meinen Befunden den Verdacht der Rotzkrankheit ausschloss, im Uebrigen aber die Geschwulstbildung in den Lymphdrüsen und in der Haut als eine unheilbare Krank­heit bezeichnete, so nahm der Besitzer das Pferd aus der Klinik zurück, um es noch eine Zeit lang auf seinem Gute verpflegen zu lassen. — Auf meine Bitte schenkte der Besitzer am 24. April 1886 das Pferd der Klinik. Es war sehr abgemagert, hatte eine dicke und durch die multiplen Geschwülste verunstaltete Haut, langes rauhes Haar, aber ziemlich guten Appetit. An vielen haselnuss- bis wallnussgrosson Stellen ist die Haut mit grauwoissen Schorfen bedeckt, unter welchen eine geringe Menge zähen gelblichen Eiters liegt. Daneben finden sich zahlreiche fünfpfennig- bis zwei-markstückgrosse derbe Knoten, welche in der Haut sitzen, aber bis in die Unterhaut sich erstrecken. Am meisten tritt die Geschwulstbildung am Halse hervor. Unter der Brust besteht eine diffuse, ziemlich derbe und nur in geringem Grade ödematöse Schwellung. Die Haut und Unterhaut der Gliedmassen elephantiastisch verdickt. Starke Schwellung des Schlauches. Die an der Umfläche des Körpers für die Unter­suchung zugänglichen Lymphdrüsen sind zu derben tauben- bis hühnereigrossen Ge­schwülsten aufgetrieben. Resp. 12, Puls 64, Temp. 38,0. — Aus der Nase entleert sich grauweissos, schleimiges Secret in massiger Quantität. Hustenreiz besteht nicht. — Das nach mehreren Probeaderlässen wiederholt untersuchte Blut zeigte weder in dem Gerinnungsmodus, noch in dem quantitativen Verhältnisse seiner Pormbestand-theilo etwas Abnormes. Das ausgeschiedene Serum war klar und hatte eine helle, strohgelbe Farbe.
Das vorbeschriebene Krankheitsbild änderte sich in den folgenden Tagen nicht. Am 4. Mai 1886 wurde das Pferd getödtet. Die an demselben Tage im pathologiseheu Institut (Sticker) ausgeführte Section ergab, dass die verdickte, stellenweise bis 2 Otm. breite Unterhaut zahlreiche kleine Herde enthielt, deren Inhalt eine gelbe eiterartige Materie darstellte. Die Lymphgcfässe der Suboutis sind geschwollen und enthalten klares, bernsteinfarbenes Serum. Lymphdrüsen des Kehlganges, der Leisten-und Achselgegend zu ansehnlichen Geschwülsten degenerirt, die auf dem Durchschnitt feucht, glänzend und weissgrau erscheinen. In der Portio pylorica dos Magens war die Schleimhaut geschwollen; das Drüsenparenchym braunroth; das interglanduläre Gewebe wulstartig vordickt und von grnuweisser Farbe; unter der Sorosa des Magens zahlreiche gries- bis hirsekorngrosso weisse Knötohen. — Bedeutende Vergrösserung der Milz, welche 49 Ctm. lang, 26 Ctm. breit und 4'/., Ctm. tief ist und in der dem Magen zugewandten Kläche drei haselnussgrosse, weisse, derbe, mit entzündlich go-rötheten Contouren versehene Geschwülste enthält. Die Lymphdrüsen in der Milzrinne sind zu derben Geschwulstpackoten vergrössert, die auf dem Durchschnitt weissgrau erscheinen. — Leber vergrössert; unter der Serosa viele weisse Knötchen; in der Leberpforte eine faustgrossc Lymphdrüseligeschwulst. Am Zwerchfell, unter dem Peritoneum viele hirsekorngrosso weisse Knötchen. — Gleiche Knötchen linden sich
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Allgemeine Störungen der Ernährung.
auch an der Pleura, Die bronchialen, mediastinalen, sowie die unteren Halsdrüsen sind zu faustgrossen Gesohwulstmassen aufgetrieben, auf deren Durchschnitt viele vereinzelte weisse Knötchen hervortreten. — Der Herzbeutel enthält im pmietalon und im visceralen Blatte zahlreiche Knötchen. Das Herz ist vergrössert; das rechte Herz-ehr hat den Umfang eines Kindskopfes, die Substanz desselben enthält durchweg derbe, wallnussgrosse Knoten. In der linken Kammer finden sich an der Scheidewand und besonders an der Mitralis zahlreiche Knötchen; in der linken Vorkammer bilden die Knötchen am Endocardium eine zusammenhängende Schicht. Gleiche Knötchen finden sich auch stellenweise in den Zwischenrippenmuskeln. — Die Nasenschleimhaut enthält im mittleren Nasengange viele hirsekorngrosse weisse Knötchen, die zum Theil zu einer gelben käsigen Masse zerfallen sind.
Bemerkung. Die Geschwülste wurden von Herrn Sticker als Spindelzellen-Sarkome festgestellt.
3) Sarkomatöse Neubildung an der Herzbasis und an den grossen
Gefässstämmen.
Zur Untersuchung auf Gewährfehler wurde am 2. December 1885 ein 20jähriger brauner Wallach (leichtes Arbeitspferd) der Klinik zugeführt, welcher sich matt ge­zeigt und wenig Futter verzehrt hatte. Das Pferd war massig genährt, zeigte aber nur geringe Aufmerksamkeit. Kopf in Folge der Ermüdung gewöhnlich auf die Krippe gestützt. Appetit sehr verringert Die Haut enthält zahlreiche haselnussgrosse, derbe Knötchen. Puls 80, Resp. 28, Temp. 38,8quot; C. An den folgenden Tagen blieb dieser Zustand im Wesentlichen gleich. Die Pulszahl erniedrigte sich aber auf 60. Dor Herz­schlag war schwach fühlbar. Bei der Auscultation der erste Herzton deutlich, der zweite oft aussetzend und zeitweise schwach hörbar. Ich diagnosticirto hiernach eine HerzalTection, ohne über die specielle Bedingung derselben eine ausreichende Klar­heit erlangen zu können.
Am 5. December Puls 84, Resp. 44, Temp. 39,2deg; C. „ 7. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „ 86, „ 30, „ 39,5laquo; 0.
„9. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „ 110, „ 44, „ 40,40 0.
Das Pferd zeigte beim Druck gegen die Brustwandungen Schmerzen. Respira­tion angestrengt. Herzschlag deutlich fühlbar. Von den Herztönen ist der zweite nicht zu vernehmen. Leichte Regurgitation des Blutes in der Jugularvene. Sichtbare Schleimhäute schmutzig-roth.
Die Behandlung hatte keinen Erfolg. Am 10. December war das Pferd unver­mögend, sich vom Boden aufzurichten. Es wurde deshalb mit dem Flaschenzuge in die Höhe gehoben und erholte sich in zwei Stunden soweit, dass die Krankheits-ersoheinungen von dorn Bilde der vorhergehenden Tage nicht mehr differirten. Auf­fallend war im weiteren Verlaufe das zeitweise Auftreten eines stark pochenden und an der ganzen linken Brustwandung fühlbaren Herzschlages. Das knötchenförmige Ex-anthem hatte sich noch mehr verallgemeinert. Am 16. December war die constitutionelle Schwäche sehr erheblich. Das Pferd athmete 40 Mal mit erheblicher Dyspnoe. Puls 90, klein, weich. Temp. 39,0deg; C. Aus beiden NasenöfTnungen entleert sich schleimige Flüssigkeit, welche Futterpartikelchen enthält. Am 17. December war das Pferd unvermögend zu stehen, die Athemboschwerde sehr lästig. Unruhe und Schlagen mit den Füssen. Am folgenden Tage starb der Patient.
Die im pathologischen Institute (Lüpke) ausgeführte Section ergab allgemeine Fettannutli. Die Magen-Darnischleimhaut etwas geschwollen. Leber bedeutend ver-
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Geschwülste.
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grössert, rothtraun, stellenweise etwas gelblich. Milz vorgrössert, blauroth. Nieren geschwollen, graubraun, trübe. Beide Plourasäcke enthalten etwa 2 Liter lackfarbigen Blutes. An der Herzbasis und im Verlaufe der grosson Gefässstämm o befindet sich eine 25 Ctm. lange grauweisse Neubildung, deren Dicke zwischen 2—G Otm. differirt. Der Tumor ist derb, auf der Durch-schnittsfläche grauroth und spiegelnd, an einzelnen Slollon streifig. Das Herz vergrössert; unter dem Endocardium hämorrhagisoho Herde. Ilerz-fteisch trübe. In den Lungen finden sich die Verändorungen einer multiplen katar­rhalischen Uroncliopneumonio, welche in den letzten Tagen dos Lebens in Folge an­haltenden Liegons bei dem Pferde entstanden war.
B. Melanosarkome.
Eine besondere Stellung unter den sarkomatösen Neubildungen haben die mela-notischen Sarkome (schwarze Geschwülste), insofern sie vorwaltend bei Schimmeln zur Entwlckelung kommen und ihre Entstehung nach zahlreichen einwandsfreien Beob­achtungen sehr oft auf einer ererbten Anlage beruht Die Mittheilungen der thier-ärztlichen Schriftsteller über die melanotischen Sarkome der Schimmel sind von Virchow (Geschw., 11., S. 240) kritisch besprochen worden. Auf die Vererbungs­fähigkeit der Prädisposition zu den Melanosen bei Schimmeln hat zuerst Brugnone (1781) aufmerksam gemacht. Abgesehen von der Vererbung sind die Bedingungen für das Zustandekommen der melanotischen Sarkome bisher nicht ergründet worden. Unwahrscheinlich ist aber die ältere Ansicht, dass das schwarze Pigment ein directos Derivat des Hämoglobins sei und aus dem Blute in die Geschwülste abgelagert werde. Annehmbarer erscheint die Hypothese, dass das Pigment sich .erst in dem Gewebe der Geschwülste bildet.
Das Geschlecht der Schimmel-Pferde hat keinen Einfluss auf die Entstehung der Melanosen. Im jugendlichen Alter kommen die Geschwülste nur sehr selten vor. Dagegen entwickeln sie sich vom 10. Lebensjahre an häufig. Die meisten Schimmel­pferde, welche ich mit Melanosen behaftet fand, standen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren. Eine Prädilectionsstelle bildet die Subcutis an den äusseren Geschlechts­organen, am After und an der Schweifrübe. Aber auch an allen anderen Regionen der Haut wird ihre Entstehung beobachtet. Zu wiederholten Malen fand ich bei älteren Schimmeln melanotische Geschwülste in den Kehlgangslymphdrüsen oder in den subparotidealen Lymphdrüsen, ohne dass an anderen Körpertheilen eine Neu­bildung bestand. Nicht minder häufig kann in den Brust - und Bauchorganen der Schimmel ein melanotisches Sarkom primär entstehen, eine sehr bedeutende Grosse erlangen und den Tod der Thiere herbeiführen.
Bei einer 16jährigen Schimmelstute (leichtes Arbeitspferd), welche wegen fort­dauernd schlechter Ernährung alswerthlos getödtet war, fand ich die Milz mit hühnerei-bis faustgrossen harten melanotischen Sarkomknoten vollständig durchwachsen und degenerirt. Die Milz hatte das ungewöhnlich grosso Gewicht von 57 Pfund.
Das Vorkommen melanotischer Sarkome bei Pferden mit dunkler Hautfarbe ist nicht ausgeschlossen, aber im Ganzen selten.
Im Uebrigen stimmen die Melanosarkome in ihrem Verhalten mit den anderen sarkomatösen Neubildungen überein. Bei den weichen Geschwülsten, die sich vor­waltend aus kleinen Rundzellen aufbauen, ist die Neigung zum Zerfall und zu ulco-rösen Gewebsdestructionen sehr bedeutend. Auch wachsen solche Melanosen relativ
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solmell und ihre Tendenz zur Bildung secundärer gleichartiger Geschwülste in den Inneren Organen ist so ausgeprägt, dass die Pferde oft schon wenige Monate nach dem Auftreten des primären Melanosarkoms zu Grunde gehen können. Wenn sich dagegen die pigmentirten Sarkome vorzugsweise aus faserigem Gewebe zusammen­setzen, so können sie mehrere Jahre bestehen, bevor eine erhebliche locale Störung oder eine allgemeine Abmagerung eintritt. Manche alte Schimmel laufen mit mela-notischcn Knoten in der Schweifriibe oder am After und den Geschlechtstheilen 3 bis 4 Jahre, bevor die Geschwulst in die Mastdarmwandung tiefer hineinwächst oder Meta­stasen von erheblicher Bedeutung in den inneren Organen zu Stande kommen.
Diagnose, Prognose und Therapie. Multiple Geschwülste an den äusseren Geschlechtstheilen, am After und an der Schweifrübe sind bei Schiramel-pferden nach der allgemeinen Erfahrung als Melanosarkome anzusehen. Dagegen lassen sich bei den Schimmeln die in den Lymphdrüsen oder in der Subcutis entstehenden Geschwülste nicht ohne Weiteres als Mela-nosen diagnosticiren. In der Regel ist die specielle Diagnose von der Besichtigung der Geschwulst nach einem Einschnitt oder nach der Ex-stirpation abhängig zu halten. Die Haut kann in der Nachbarschaft einer solchen Geschwulst in Folge wiederholter scharfer Einreibungen entzündlich geschwollen sein, so dass die Ermittelung des Tumors hierdurch erschwert wird. — Die in den inneren Organen der ßauch-und Brusthöhle entstehenden Melanosarkome bedingen gewöhnlich erst nach Monaten oder nach Jahren eine krankhafte Abmagerung. Aber eben so wenig wie bei den anderen Sarkomen der inneren Organe kann eine solche Kachexie auf ihre specielle Ursache mit objectiven Gründen zurückgeführt werden. Nur wenn in einem Falle Melanosen der Subcutis nachweisbar und gleichzeitig eine progressiv zunehmende Abmagerung besteht, lässt sich auf das Vorhandensein secundärer Melanosen in den inneren Organen der Bauchhöhle sehliessen.
Wenn die melanotischen Sarkome in den äusseren Organen den Charakter harter Geschwülste haben, so ist ihre operative Behandlung zur Beseitigung localer Störungen oft recht nützlich. So kann die Am­putation der erheblich degenerirten Schweifrübe den Werth und die Brauchbarkeit eines Pferdes noch wesentlich verbessern. Ich habe mehrere Fälle in dieser Weise mit Erfolg behandelt. Es vergingen 1—2 Jahre, bevor die Geschwulst von Neuem bis zu einem erheblichen Umfang ent­wickelt war. Auch die Exstirpation der Sarkomknoten am After kann vortheilhaft sein. Wenn aber die Geschwulst tiefer in die ßeckenhöhle hineinreicht, so ist die operative Behandlung lebensgefährlich, weil ulco-röse Zerstörungen im Bocken nicht verhindert werden können. Der Regel nach werden die weichen Melanosen an den Geschlechtsorganen und am After am besten sich selbst überlassen. Mclanolische Lymphdrüsen des Kohl-
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Geschwülste.
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ganges, welche den Verdacht der Rotzkrankheit erregen können (cf. S. 166), lassen sich relativ leicht exstirpiren, während die melanotische Degene­ration der retropharyngealen Drüsen und der Parotis in der Praxis als ein „noli me tangerequot; zu behandeln ist. Gegen die Geschwulstbiidung in den Organen der Brust- und Bauchhöhle giebt es kein llcmedium.
0 a s u i s t i k.
1) Adam (Wochenschr., 1882, S. 73) fand bei einem 16 Jahre alten, mangel­haft genährten und stark abgenutzten Grauschimmel-Wallach, der äusserlich am Körper keine Geschwülste zeigte, nach dem Schlachten das Peritoneum, die Pleura, das Herz und die Skeletmuskulatur von linsen- bis haselimss-, stellenweise bis gänseei-grossen melanotischen Sarkomen durchsetzt. Lungen, Leber, Milz und Nieren waren gesund.
2) Allgemeines Melanosarkom der Pleura. Miterkrankung der Brust-wandung. Practur einer Rippe. MetastatisoheMelanosen in der Skelet­muskulatur. Exitus letalis durch Hydrothorax.
Eine 13 Jahre alte und 1,55 Meter hohe Schimmolstute (leichtes Arbeitspferd) war angeblich stets gesund gewesen und halte seit 8 Tagen Athombeschworde gezeigt. Die Erkrankung, welche für Lungenentzündung gehalten wurde, war mit Sinapismen auf die Brust, Aderlass und Abführmitteln behandelt worden. Am 3. Februar 1870 brachte der Besitzer das Pferd zur Klinik. Es war munter und gut genährt. Im all­gemeinen Verhalten fand sich ausser dem dyspnoischen Athmen nichts Krankhaftes. Puls 44, Temp. 38,1 0G., Resp. 24, mit starker Ausweitung der Hasenlöclier, doppel-schlägiger Flanken- und exspiratorischer Afterbewegung. Nach Druck am Kehlkopf hustet das Pferd mehrere Male kurz, dumpf und abgebrochen. Bei der Auscultation der Brust ist in den oberen Partien der Lungen verstärktes in- und oxspiratorisches Vesiculärgeräusch, in den unteren Partien kein Athmungsgoräusch zu vernehmen. Der Percussionsschall am Thorax ist in der unteren Hälfte dumpf.
Nach diesem Befunde diagnosticirte ich chronischen Hydrothorax, ohne die ursächlichen Bedingungen desselben mit Sicherheit aufklären zu können.
An den folgenden Tagen blieben sich die Erscheinungen im Ganzen gleich. Das Pferd hatte ziemlich guten Appetit. Puls 48—60, Rosp. 24—46, Temp. 38,2—39,0deg; C. Unter der Brust hatte sich ein ziemlich bedeutendes Oedem gebildet. Am 11. Februar entleerte ich versuchsweise durch Paracenthese des Thorax 2 Liter gelblich klarer Flüssigkeit. Eine Besserung des Befindens trat aber nicht ein. Der Nährznsland ging mehr und mehr zurück. Die Athmungsbesohwerdo steigerte sich und mit jodei' Systole des Herzens zeigte sich im ganzen Verlaufe der Jngularis an beiden Seiten Venenpuls. Bei der Auscultation der Brust ergab sich Bronchialathmen. Die Kopf­schleimhäute cyanotisch und die Episkleralgefässe mit dunklem Blute gefüllt. Trotz dieser Erscheinungen verzehrte das Pferd pro Tag noch 6 Pfund Hafer mit Hiicksel und Kleie neben 8 Pfund Heu.
Ohne wesentliche Aenderungon blieben die Krankheitserscheinungon bestehen. Am 9. März zeigte das Pferd 60 Pulse, 34 Athemzüge und eine Temperatur von 38,8, Mittels Paracenthese wurden der Brusthöhle 5 Liter gelbrother und etwas getrübter Flüssigkeit von alkalischer Reaction entzogen. Das speoilische Gewicht derselben = 1040. Die Flüssigkeit enthielt viel Eiweiss, sowio rolhe und weisseBlutkörperchen,
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An den folgenden Tagen verschlechtertp sich das Befinden des Patienten. Der Nähr-zustand ging immer mehr zurück, das Oedem unter der Brust und am Bauche hatte Zugenommen, Allgemeine Scliwiicho; Unvermögen zu stehen. Tod am 15. März unter dem Bilde der Ersohöpfung.
Bei der im pathologischen Institut ansgoführten Section fanden sich in der Bauchhöhle gegen 15 Liter klarer, bernsteinfarbener Flüssigkeit. Das retroperitoneale Fettgewebe von schleimiger, missfarbener Beschaffenheit. Magendarmschleirahaut geröthet und geschwollen, stollenweise erweicht. Nieren, Lober und Milz nicht wesentlich verändert. In den Pleurasäcken gegen 30 Liter gelblich-trüber Flüssigkeit. Lungen stark collabirt. Auf der Pleura pulmonalis mehrere hühnereigrosse, schwarzbraune, knollige Geschwülste. Herz­beutel mit zahlreichen kleinen und grösseren schwarzbraunen Ge­schwülsten besetzt. Das ganzeOonvolut hat ein Gewicht von 12500 Grm. Auch die Pleura costalis, besonders an der linken Seite und die Pleura diaphragmatica sind mit solchen Geschwülsten besetzt. Stellenweise sind die Melanosen in die muskulösen Thoile der Brustwandung hin­eingewachsen und an der linken Seite ist die 7. Rippe an einer kleinen Partie von dem Tumor durchsetzt und gebrochen. In zahlreichen Muskeln finden sich gleiche Geschwülste von theils dunkelbrauner, thei Is glänzend schwarzer und trockener Beschaffenheit.
3) Melanosarkom der Pleura und der mediastinalen Lymphdrüsen bei einem Pferde mit brauner Hautfarbe. Tod durch Verblutung in die
Brusthöhle.
Am 27. Dooenibor 1884 wurde ein 15 Jahre alter brauner Wallach mit Blässe, beide Hinterfessoln weiss, welcher angeblich seit 8 Tagen hustete und wenig Futter verzehrte, in die Klinik gebracht. Puls 54 voll; Temp. 38,5, Resp. 22, dyspnoisch, mit starker Erweiterung des Thorax. Bei der Percussion und beim Druck auf die Brust zeigt der Patient Schmerz. Percussionsschall In der unteren Hälfte des Thorax gedämpft. Die Auscultation der Lungen erglebt trockene Rasselgeräusche und Bron­chialgeräusch. Husten kurz, kräftig, aber schmerzhaft. Appetit gering.
quot;Nach diesem Befunde, gewann ich die Ansicht, dass das Pford mit einer ver­schleppten bilateralen Pleuritis behaftet sei. Eine Behandlung wurde nicht eingeleitet. Am folgenden Tage starb das Pferd unerwartet.
Section im pathologischen Institut (Lüpko). Die Lymphdrüsen des Mesen-teriums stark geschwollen, die Schnittfläche der Göschwiilste theils in Streifen, theils in der ganzen Ausdehnung schwarz gefärbt. Die Brusthöhle enthält gegen 30 Liter Blut. Am Mediastinum sitzen hirse -körn- bis erbsongrosge, zum Theil auch hühnerei- bis faustgrossff, derbe, seh warz ge färb to Geschwülste. Gleich beschaffene Geschwülste finden sich einzeln und gruppenweise an der Lungen-, Rippen- und Zworchfellspleura. Die Geschwulst charakterisirt sich lii stologisch als ein Molanosarcoma telangiectoides.
C Carcinome.
Hio oaroinomatosen Neubildungen sind hei Pferden seltener als die Sarkome. Den llautkrcbs beobachtete ich einmal bei einem 1.6jährigen braunen Wallach
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Geschwülste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 573
(v. Adam's Wnchenschr., 1881, S. 236). Dor Tumor war in der Bntzündungs-geschwnlst (Stollbenlo) der Ellenbogciigegend entstanden. Nacli mohrwochonllichetn Bestehen zeigten sich seonndäre Krebsknoten in den Bagdrüsen und In der Drossel­rinne am Halse.
In den iiussoren Gesohloohtsorganon bei Stuten, Hengsten und Wallachen sind ausweislich der neueren Literatur mehrere Male carcinomatoso Neubildungen con-statirt worden. Einen Fall von primärem Magenkrebs, der zu Metastasen in den Lungen, in der Pleura und im Peritoneum, sowie zur Kachoxie führte, hat Oilman n (IVeuss. Mitth., 1878) veröffentlicht; die Diagnose wurde von Professor Grobe in Greifswald bestätigt.
Am meisten scheinen dio Nieren durch carcinomatose Neubildungen primär zu oi kranken. Für die Metastasen sind das Bauchfell, das Brustfell, die Lungen und die Leber besonders empfänglich. Fülle von Nierenkrobs bei Pferden sind in der Literatur mehrfach besprochen. Der idiopathische Krebs der Nieren kann bei Pferden in jeder Perm auftreten. Indess scheint ähnlich wie beim Menschen das weiche Carcinom (Modullarkrebs) vorherrschend zu sein. Von Krankheitsfällen dieser Art berichtet Bruckmüller (Path. Zoot., 1868). Auch Johne (Dresd. Ber., 1881, S. 74) hat das primäre Medullarcarcinom der Niere oonstatirt. — Einen Fall yon Carcinoma simplex mit zahlreichen seeundiiren Krebsgeschwülsten habe ich selbst beobachtet: Schimmel-stute, IG—18 Jahre alt, war seit mehreren Monaten abgemagert und werthlos ge­worden. Im September 1877 constatirte ich bei einer gelegentlichen Untersuchung die Symptome der Kachoxie: Puls 64, Resp. 26, Temp. 39,5; langes, glanzloses Deck­haar und mangelhafte Presslust, Hinter dem linken Ohre lagen in der Parotls drei wallnussgrosse, knotige Neubildungen, die sich in eine diffuse Verhärtung der Obr-drüse fortsetzten. Paustgrosse Geschwülste in der Unterrippongegend der rechten Siite und in der Bauchdecke neben der weissen Linie. Diese Geschwülste erstreckten sich in die Bauchmuskulatur. Hiernach constatirte ich eine durch maligne Ge­schwulstbildung bedingte Kachexie, worauf der Besitzer das Pferd tödten Hess. Bei der Section fand sich die linke Niere um das Doppelte ihres normalen Umfanges ver-grössert und von harter Consisten/,, auf der Oberfläche knotig. Die Durchschnitts­flächen zeigten, dass das Parenohym von der grauweissen Oeschwulstmasso ganz durchwachsen war. Rechts neben der Aorta und dem Verlaufe der Cruralis folgend, Ingen haselnuss- und wallnussgrosse Geschwülste von gleicher Farbe und Consistoni'.. In und unter dem Peritoneum an der Bauchwand beider Seiten zahlreiche erbsen-bis hühnereigrosse derbe Neubildungen von rundlicher Form, fester Consistenz und von grauweisser Farbe auf dem Durchschnitt. Der poritonealo Uoberzug der Go­schwülste war entzündlich geröthet. Relativ wenige metastatische Knoten fanden sich in der Leber. In grosser Zahl und Ausdehnung enthielten beide Lungen Geschwulst-Metastasen. Die rechte Lunge war in der vorderen Partie hinter dem zungenfönnigen Lappen in der Ausdehnung eines menschlichen Kopfes von'dem grauweissen Tumor durchwachsen. Die bronchialen und mediastinalen Lymphdrüsen zu wallnuss- bis hühnereigrossen. derben, grauen Knoten degenerirt. Die auf meinen Wunsch von Herrn Prof. Orth in Virchow's Institut ausgeführte mikroskopische Untersuchung ergab, dass der Tumor ein Carcinom war. Chronologisch ist der Fall dahin zu deuten, dass die linke Mere primär erkrankt gewesen ist und dass von dem Nierencarcinom die multiple Bildung der metastatischen Krebsgeschwülste ihren Ausgang ge­il um men hat.
Obschon bei dem Bestehen eines Carcinoms relativ oft auch bei Pferden in den
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Lungen metastatische Krebsknoten zu Stande kommen, so ist doch ein Fall von idio-pathiscliem Lungenkrobs des Pferdes meines Wissens bisher nicht publicirt worden. Ich habe in der hiesigen Klinik nur eine derartige Beobachtung zu machen Gelegen­heit gehabt.
Am 18. Februar 1872 Hess der Graf zu L. eine 8J!ihrigo braune Stute, Reitpferd von edler englischer Abkunft, in die Klinik einstellen, weil dieselbe seit 2 Monaten wenig Appetit gezeigt und schon nach geringer Anstrengung beschwerlich geathmet habe. Befund: Dürftiger Nährzustand; mangelhafter Appetit; Rauhfutter wird lang­sam, aber nur in massiger Quantität verzehrt. In der Ausscheidung der Darmoxcremonte und des Harns nichts Abnormes. Blick stier, klagend. Anhaltendes Stehen mit ge­senktem Kopf. Oft sieht sich das Pferd ängstlich nach der Seite um, oder es schlägt mit einem llintorfusse nach der ünterrippengegond. Krankhafter Hustenreiz, der mög­lichst zu unterdrücken gesucht wird. Der durch Druck an der Luftröhre veranlasste Husten ist rauh und schmerzhaft. Puls GO; Temp. 38,4; Resp. 44 mit in- und exspi-ratorischer üyspnoo (starke Flankenbewegung). Die Auscultation ergiebt zu beiden Seiten der Brust scharfes in- und exspiratorischesVesiculärgeräusch; daneben trockene Rasselgeräusche in mannigfacher Art. Percussionsschall an beiden Thoraxwänden laut und hell. — Am 20. Februar Hess ich das Pferd in leichtem Trabe bewegen. Schon nach 8 Minuten athmete es unter grosser Anstrengung und mit starker Er­weiterung der Nase. Ks musste deshalb angehalten werden. Schwere Dyspnoe. Die Zwischenrippenräumo verkleinern sich bei der Inspiration in hohem Grade. Die Ex-spiration erfolgt doppelschlägig mit Bildung der „Dampfrinnequot;. Exspiratorische Hebung der Wirbelsäule in der Lendenpartie. Starke Aftorbewegung. Die Zahl der Athemzüge betrug 80 in der Minute, verminderte sich aber bei ruhigem Stehen nach einer Viertelstunde auf die gewöhnliche Zahl von 44.
Das vorstehend gezeichnete Krankheitsbild, welches im Ganzen der bis zu einem hohen Grade entwickelten gewöhnlichen Lungendämpfigkeit entspricht und nur inso­fern davon abweicht, als der Patient sehr langsam frisst und im Blick, sowie durch öfteres Umsehen schmerzhafte Empfindungen verräth, blieb gleichmässig bestehen. Am 3. März Puls 60, Resp. 44, Temp. 38,40 C. „ 6. „ „ 64, „ 44, „ 38,5quot; C. „ 10. „ „ 60, „ 40, „ 38,4quot; C. „ 20. „ „ 58, „ 42, „ 38,4laquo; C.
Das Pferd wurde am 5. März im leichten Trabe einige Minuten lang geritten, gerieth aber hierbei in die heftigste Dyspnoe und starken Schweissausbruch. Gleich nach dem Anhalten Puls 110, Resp. 80. Nach halbstündiger Ruhe Puls 84, Kosp. 48, Temp. 38,8deg; C, gesenkte Kopfhaltung, ängstlicher Blick, schwankender Gang. Am folgenden Tage hatte sich die Wirkung dieser relativ starken Anstrengung wieder verloren. Herzschlag regelmässig, schwach fühlbar. Beide Herztöne normal. Schleim­häute anämisch. — Der Besitzer Hess das Pferd am 21. März tödten. Bei der im pathologischen Institut der Thiorarzneischule ausgeführten Obduction fanden sich in beiden Lungen zahlreiche Stellen carcinomatös durchwachsen. Herr Prof. Schütz fasste die Sectionsdiagnose dahin zusammen: Carcinoma fibrosum mit disso-minirton Herden in beiden Lungen; secundäre Erkrankung der bron­chialen Lymphdrüsen.
Für die Diagnose der in den inneren Organen entstandenen oaroi-nomatösen Neubildungen fehlt es bei Pferden an einem entscheidenden
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Constitutionello Knoohenkranlcheiton.
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Merkmal. Es kann daher in derartigen Krankheitsfällen kaum mehr, als eine unheilbare Kachexic festgestellt werden. — Die Behandlung dor Carcinome mit Arzneimitteln ist erfolglos. So gross die Zahl der empfohlenen Medicamonte ist, so hat doch nachweislich keins derselben bei den vielen Versuchen den Erwartungen entsprochen.
Capitel XLI. foiistitiitionelta Knochcnkranklieiteii.
Unter den wild lebenden Tliieron besteht die Uebereinstimraung nicht blos In dor Grosse und Form des Körpers, sondern auch in dem anatomischen Bau, sowie in den histologischon und nutritivon Kinriohtungen dos Knoohensysteins. Die Gleich-tnässigkeit in der Stellung, Dicke und Festigkeit der Knochen beruht einerseits aul der ererbten Anlage und andererseits auf der Gesundheit und naturgeinässen Ernüh-rung der Tlüere im Entwickelungsaltor. Für die Zucht des Pferdes in seinen ver­schiedenen Racen, Stämmen und Schlägen ist eine erhebliche Modilication der Be­dingungen, auf welchen die Erhaltung des ursprünglichen Typus beruht, nothwendig. Jo mehr sich aber hierbei die Thiere in ihrem Entwiokelungsalter von den primitiven Lebensbedingungen entfernen, um so unsicherer wird die gleichmässige Ausbildung des Knochensystems. Es ist eine wichtige Aufgabe in der Landospferdezucht, den Einfluss der vererbbaren Disposition und der naturgoniiissen Ernährung auf die Knochenbildung zu beachten. Soweit die mangelhafte Entwickolung des knöchernen Stützapparates keine erhebliche Veränderung in der Stellung und in der Ernährung der Knochen mit sich bringt, ist es nicht üblich, dieselbe als pathologisch anzusehen. Das Zurückbleiben der öliodmassenknochon im Dickenwachsthum kann zwar das Zu­standekommen krankhafter Zustände (Lahmheiten) erheblich fördern; aber ein solches Verhältniss lässt sich begrilTlich nicht als eine Knochenkrankheit charakterisiren.
Bei unvollständiger Ernährung der Pferde ändert sich auch die Nutrition der Knochen und der dieselben verbindenden Apparate. Damit verringert sich die Wider­standsfähigkeit der Knochen gegen den Druck, den die Last des Körpers ausübt und gegen die Wirkung der Muskelcontractionen. In Folge dessen können an den Glied-massen Deviationen der Gelenke und arthritische Verdickungen entstehen. Analogo Wirkungen machen sich auch in dem Vorhalten der Wirbelsäule geltend. Sehr wahr­scheinlich beruhen diese Vorgänge lediglich in einer mangelhaften Zufuhr der normalen Nährstoffe. Dieser Annahme steht die Thatsache nicht entgegen, dass die Aendorungon in der Lage der Wirbelsäule wegen der ungleichen Belastung und der durch die Muskeln ausgeübton Zugkraft bald den einen, bald den anderen Abschnitt des Kückens betreffen. Es ist bei einer sorgfältigen Beobachtung der Thiere leicht zu erkennen, diiss die besonderen Körperstellungen hierauf einen wesentlichen Einlluss üben. Die hier gedachten Verbiegungen und Krümmungen der Wirbelsäule liegen stets zwischen
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dem Widerrist und dem Kreuzbein. Entsprechend der in der Puthologie des mensch-liohon Körpers üblichen Nomonclatur sind dieselben zu unterscheiden in:
1)nbsp; nbsp;Lordosis, eine Senkung mehrerer Wirbel in der Richtung nach dem Brust­bein resp. dem Nabel (Senkrücken).
2)nbsp; nbsp;Kyphosis, eine abnorme Emporn'chtung mehrerer Wirbel (Karpfen-rückon und Buckel).
3)nbsp; nbsp;Skoliosis, die seitliche Verschiebung einzelner Wirbel.
Die Skoliosis wird bei Pferden in Verbindung mit der Kyphosis beobachtet (Kypho-Skoliosis).
Ä. Lordosis, Senkrücken.
Im jugendlichen Alter bilden sich bei Pferden leichte Senkungen einzelner Wirbel in Folge von Muskelsohwilche und mangelhafter Ernährung #9632; der Knochen sehr oft, namentlich im hintern Abschnitte des Widerristes und in der Lendenpartie. Auch starke Senkungen in der Mitte des Rückens entstehen zuweilen bei Fohlen im Alter von ü Monaten bis 2 Jahren. Sie verringern zwar den Werth und die Brauchbarkeit der Thiere, werden aber im Ganzen wenig beachtet.
Die Beurtheilung der lordotiscben Zustände bei Fohlen ist nicht in allen Fallen ungünstig. Nur bei der abnormen Verschiebung der Lendenwirbel lässt sich die Be-nachtheiligung nicht wieder ausgleichen.
Von günstigem Einflüsse ist die Herstellung eines vollkommen ebenen Fuss-bodons im Fohlenstalle. Zugleich ist dafür zu sorgen, dass das Thier das Futter aus einer auf den Boden gestellten Krippe aufnimmt. Durch diese Haltung des Körpers bebt sich die Wirbelsäule nach oben und wenn das Vorfahren durch eine reichliche und intensive Ernährung des Thiores unterstützt wird, so lässt sich fast immer eine stärkere Senkung der Wirbelsäule verhüten. Unbedeutende Senkrücken verschwinden hierbei sogar nach einigen Monaten vollständig. Während des Sommers empfiehlt sich zur Behandlung der lordotiscben Wirbelsäule bei Fohlen der Weidegang, weil die Thiere den Kopf während des Grasens dauernd gesenkt halten müssen.
Fohlenstuten, die 6—8 Mal oder noch öfter tragend waren, bekommen nicht selten einen Senkrücken. Aber auch bei Hengsten und Wallachen entsteht derselbe im höheren Alter zuweilen. Die Abnormität, deren Ausbildung ebenfalls auf eine nuingelhafto Ernährung der Knochen oder auf eine überstarke Belastung der Wirbel­säule zurückzuführen ist, hat einen Naohtheil für das Allgemeinbefinden der Thiere nicht, ist aber nach ihrer Ausbildung auch nicht zu heilen. Bei der Section von älteren Pferden, die in hohem Grade mit einer Lordose behaftet waren, habe ich mehr­fach chronisch entzündliche Processe an den Wirbelkorpern (Osteomyelitis mit lacu-närer Einschmelzung der Knoohensubstanz und periosteale Wucherungen) constatirt. Es ist mir aber nicht begegnet, dass hierdurch das Allgemeinbefinden und die Brauch­barkeit der Pferde eine erhebliche Einschränkung erfahren hätten.
B. Kyphosis und Kypho-Skoliosis. Karpfenrücken, Buckel.
Von der Verschiebung der Wirbelsäule nach oben im Bereiche des 6.—15. Brust­wirbels kenne ich aus eigener Beobachtung 8 Fälle, deren Entwickelung im jugend­lichen Alter stattgefunden hatte. Später waren die Pferde zu den gewöhnlichen Arbeitsdiensten brauchbar. Eins derselben (Grauschimmelwallach) konnte, nachdem das Geschirr eine passende Einrichtung erhalten hatte, sogar als Karrenpferd mehrere
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Jahre hindurch vortheilhal't l)enulzt werden. Bei demselben waren die kyphotischen Wirbel in einem Winkel nach oben und etwas zur rechten Seite gestellt. Uie Glied-massen hatten eine vollkommen normale Stellung-. Auch bestanden an denselben keine Knochonfohler oder Gallen, liine Section habe ich bei den mit einem Buckel behafteten Pferden nicht vornehmen können. Uobrigens linden sich in den pathologisch-anatomiscbenSammhingen der thieriirztlichen Lehranstalten einige kyijhotisclioFferdo-skelote.
Die als),Karpfenr ückenquot; in derPferdokunde allgemein bekannte Verschiebung der Lendenwirbel nach oben kommt nur selten in einem hohen Grade vor. In ihrer nachtheiligon Wirkung wird die kyphotlsohe Lageveränderung der Lendenwirbel ge­wöhnlich durch eine leichte Einsenkung der hintern Widerrist- und vordem Rücken­wirbel oompensirt. Die Abnormität entsteht bei Sohlen vom 3. Monate bis zum Ab­lauf dos 8. Lebensjahres. Ihre gewöhnliche Veranlassung liegt in der allgemoinon Ab­magerung und in der frühzeitigen Verwendung der Thiere zu anstrengenden Arbeiten. Besonders oft bildet sich der Karpfenrücken im Verlauf der Darrsucht und bei anderen mit Appetitmangel verbundenen chronischen Krankheiten.
Geheilt wird die Kyphose der Lendenwirbel in keinem Falle vollständig. Ihrer Ausbildung zu den höheren Graden lässt sich aber oft dadurch begegnen, dass die Kohlen mehrere Wochen oder Monate im Stalle behalten, dasolbst angebunden und mit dem Vordertheil höher gestellt werden. Preilioh habe ich wiedorholl gesehen, dass hierbei eine iiberstarke Belastung der Sprunggelenke eintritt, so dass dieselben eine gerade Stellung erlangen und auch mit Gallen behaftet worden können, Einige Vortheile gewährt aber die hier angedeutete Behandlung immerhin, namentlich, wenn zugleich für eine reichliche Ernährung der Fohlen gesorgt wird.
G. Rhachitis.
Niemand kann bestreiten, dass es bei dem Mangel an thalsiiclilichen Aufschlüssen zulässig war, eine Reihe von Jugendkrankheiten der llausthiore nach den allgemeinen medicinischen Erfahrungen 7,u beurtheilen. Ich bin daher weit entfernt, gegen die Autoren, welche die mangelhafte Gesammtentwickelung der Fohlenkrankheiten grossen-thoils auf allgemeine rhachitische Affectionen des Knochensystems bezogen haben, zu polemisiren. Seitdem aber der thatsächliche Nachweis geführt ist, dass die als Lähme zusammongefassten Krankheiten auf anderen ursächlichen Bedingungen be­ruhen (vergl, S, 321) kann die Rhachitis als eine häufige und wichtigo Fohlonkrank-heit nicht mehr angesehen werden.
Der Rhachitis liegt eine eigenartige Ernährungsstörung im Knouhensystem zu Grunde, Es fehlt in den Knochen an-der normalen Menge von Kalksalzen, so dass das unvollständig- entwickelte Knochengewebe (osteoides Gewebe) sich als solches eine lange Zeit erhält resp. nicht verknöchert. Demnach beruht der krankhafte Vor­gang darin, dass ein abnorm geringes Quantum von Kalksalzcn in die Knochen ein­gelagert wird. Zugleich (indot aber auch eine partielle Resorption derKnochtmsubstanz aus dem ganzen Skelet statt. Die Rhachitis dauert gewöhnlich mehrere Monate. Dann erlangen die Knochen nach und nach ihre normale nutritive Einrichtung- wieder; zu­weilen worden dieselben nach der vollständigen Ausheilung der Krankheit an den Epiphysen sogar noch härter als in der Norm.
Aetiolugk null 1'ntlurgHicse. Seit längerer Zeit wird in der Medioin allgemein angenommen, dass die Rhachitis dadurch ihre Entstehung lindet, dass im jugendlichen
I) i i1 p, k e rho f f, Spec, Pathologie n. Tliernpie,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2Y
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Alter dem Organismus zu wonig Kalksalze zugeführt werden. Für die Richtigkeit dieser Ansicht sprechen auch die Ergebnisse der von Rolofl' bei jungen Schweinen und Fleischfressern ausgeführten Fütterungsvorsuche (Berl. Arch., I und V). Die Versuohsthioro, denen kalkarme Nahrung gereicht wurde, erkrankten unter den Sym­ptomen der Rhaclütls, während die Controltiiiore, welche Futter mit normalem Gehalt an Kalksalzen erhielten, gesund blieben. Manche Autoren sind trotzdem noch der Ansicht, dass eine bosondore Üyskrasio des Blutes bei der Kntstehung der llhachitis mitwirken soll. Wegner (Virchow's Arch., Bd. 55) hatte durch seine berühmten Versuche nachgewiesen, dass, wenn Thieren neben kalkreichem Futter fortgesetzt kleine Dosen von Phosphor eingegeben worden, an den Diaphysen der Knochen eine Schicht von compacter Substanz sich bildet. Hierdurch wurde die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass mit dem Blute circulirende Substanzen eine specifischo Wirkung auf das Knochenmark ausüben könnten. Kassowitz (Zeitschr. f. klin. Mod., 1884) kam zu der Ansicht, dass der Mangel an Kalksalzen bei der Entstehung der Rhachitis unerhoblich sei. Er fand, dass, wenn bei Thieren grosso Gaben von Phosphor vor­abreicht worden, statt der Sklerosirung der Knochen im Gogentheil eine Resorption von Knochensubstanz in den Diaphysen eintritt. Nach Kassowitz sollen ähnlich wie der Phosphor auch andere reizende Substanzen vom Blute aus eine eigenartige Entzündung dos Markgewebes einleiten und hierdurch die Rhachitis zur Entwickolung bringen. Den Folgerungen von Kassowitz sind indess namhafte Autoren der patlio-logisohen Anatomie ontgegengetroten. Ziogler (Spec. path. Anat., IV., 188(), S. 841) bestätigt zwar, dass das Gewebe in den rhachitisch erkrankten Knochenbezirkon hyperämisch sei. Indess lasse sich dieser Befund noch nicht auf eine Entzündung beziehen.
Die wichtigste Ursache der Rhachitis bei den Saugfohlen würde hiernach ein Mangel an Kalksalzen in der Muttermilch sein und für die Fohlen im 1. und 2. Lebens­jahre käme ein Mangel an kalkhaltigem Futter in Betracht.
Bei der Rhachitis tritt eine Störung in der endochondralen Ossification ein. Die Wucherungszone dos Epiphysonknorpols vorgrössert sich und die Markraumbildung schreitet bis über die Ossificationslinio vor. Dabei erfolgt die Verknöchorung des osteoiden Gewebes nur stellenweise. Auch das Poriost zeigt eine abnorm starke Wucherung. Nach Virchow verdicken sich die Epiphysen der Röhrenknochen in Folge der Compression, welche die anhaltende Körperbelastung mit sich bringt. Der starken Belastung und der einseitigen Wirkung von Muskelcontractionen sind auch die Verbiogungon (Deviationen) und solbst Knickungen (Infractionon) der Röhren­knochen zuzuschreiben, ich bemerke indess, dass mir solbst solche Eflfectc der Rhachitis bei Fohlen nicht vorgekommen sind. Wie mir scheint, sind dieselben auch ander­weitig nicht einwandsfrei diagnosticirt worden.
Wenn die Rhachitis heilt, so tritt eine Verknöchorung in den gewncherten Epi­physen ein. Im Ganzen bleiben aber die Knochen der Gliedimsson kürzer als bei gesunden Thieren.
Syin|itome. unvollkommenes Gedeihen der jungen Fohlen; rauhes Haar; dürftige Enlwiokelung der Halspartie; abschüssige Haltung des Beckens; Schwellung der Gelenke an den Gliedmassen; vorbiegige Stellung der Carpalgolonke; starkes Durchtreten der Fesseln; anhaltendes Liegen und langsame Bewegungen.
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Verlauf und Ausgaiig. Die Rhaohitis hat einen soMeiohenden Verlauf und erreicht gewöhnlich erst nach '2—4 Monaten ihr Ende. In der Regel bleiben*fehlerhafte Stellungen dor Gliodmassen zurück. Durch anhaltende Inanition können die Fohlen auch zu Grunde gehen.
Diagnose. Aus Irrthuni wird das Bestehen dor Rhaohitis zuweilen bei Fohlen angenommen, die mit anderen Krniihrungsstörungen- behaftet sind und eine erhebliche Abmagerung bekunden. Für die Diagnose ist besonders die Darrsucht und das durch anhaltende Verabreichung schlechtor und unzureichender Futterstoffe bedingte mangelhafte Gedeihen der Fohlen zu beachten. Am besten wird ein Irrthuni vermieden durch die Berück­sichtigung der Thatsacho, dass der Störung im Gesammtbefmden bei der Rhaohitis stets eine chronische Krankheit der Knochen zu Grunde liegt.
Auf Irrthum beruht die Annahme der Rhaohitis bei jungen Fohlen, welche einen schwachen Knochenbau besitzen und durch locale Reizung der Synovialapparato mit Gallon behaftet worden; ferner bei solchen Fohlen, welche in Folge einer ororbten Anlage oder durch Vernach­lässigung der Hufpflogo sich eine schiefe Stellung der Gliodmasson zuziehen.
Für nicht annehmbar erachte ich auch die in der Literatur mehr­fach ausgesprochene Ansicht, dass die Verschiebung der Wirbelsäule (Senkrücken; Karpfenrückon) bei Pferden stets durch die Rhaohitis ver-anlasst werde. Ich habe S. 575 erörtert, dass die Beschränkung des Nährzustandos in Verbindung mit der Stellung der Thioro und mit der einseitigen Wirkung der Muskelcontractioncn zur Ausbildung der Lage-voränderungen in der Wirbelsäule vollkommen ausreicht.
Die angeborene Lebensschwäche (allgemeine Muskelschwächo) ist oft unrichtig als Rhaohitis gedeutet worden. Ich habe bei sorgfältiger Prü­fung der literarischen Angaben mich nicht überzeugen können, dass bei den neugeborenen Fohlen die Rhaohitis in der congcnitalen oder in der fötalen Form mit Sicherheit oonstatirt worden ist. Jedenfalls bedarf diese Frage vorerst noch des thatsächlichen Studiums, bevor ( • geborene Rhaohitis der Fohlen erörtert werden kann.
Hiernach ist das Hauptgewicht für die Diagnose darauf zu lege dass die Rhaohitis nur im ersten oder zweiten Lebensjahre, so lange das Knochensystom noch im Warhsthum begriffen ist, vorkommt, dass im Vorlaufe der Krankheit die Fesselgolenke stark durchgedrückt und andere Gelenke in eine dauernde Bougcstellung gebracht werden, endlich, dass sich die Gliedmassenknochon im Ganzen verkürzen, so dass auch nach der Heilung der Krankheit der Abstand zwischen^den Ellenbogen- resp. den Kniegelenken und den Hufen erheblich weniger beträgt, als die Brusttiefe.
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Prognose und Behandlung. Ist die Rhaohitis so vollständig ausgebildet, dass sie festgestellt werden kann, so bleiben auch nach ihrer Heilung bei den Fohlen stets fehlerhafte Stellungen der Gliedmassen zurück, wo­durch sich der Werth der Thiere erheblich verkürzt. Deshalb ist im Ganzen die Prognose ungünstig, obschon durch die Beschaffung von gutem Futter eine Ausheilung der Krankheit wohl erreicht werden kann. Nur bei den Fohlen der scliweren Raccn kann die Behandlung der Krank­heit einen praktischen Vortheil gewähren.
Für die Cur empfiehlt sich vor Allem die Verabreichung von gutem, auf kalkrcichem Boden gewachsenen Heu (Kleeheu, Luzernheu). Das Körnerfutter ist auf ein geringes Quantum zu beschränken. Bei mangel­haftem Appetit kann Kochsalz zum Locken gereicht werden. Aussordem sind bittere Medicamente mit Alkalien zur Förderung der Verdauung indicirt. Am meisten empfehlen sich hierzu Kreide in Verbindung mit Rhabarberwurzel. Ueber den Werth der vielfach empfohlenen Darreichung von Kalkwasser oder des phosphorsauren Kalkes und des aufgeschlossenen Knochenmehls hat die Erfahrung bisher nicht endgültig entschieden. Nach einer in der Medicin gebräuchlichen Behandlungsmethode ist ein Zusatz von Phosphor in Lcborthran zum Kleienfutter empfohlen worden. Sicherer werden intratracheale Injectionen einer Lösung von Phosphor in 01. Oliv. (pro dosi 0,005—0,01 auf 10,0) sein.
D. Knochenbrüchigkeit. Osteopsathyrosis.
Eine Krankheit, welche mit dem bei Rindern als „Knochenbrüchigkeitquot; bezeichneten Leiden identisch vviirc, wird bei Pferden nicht beobachtet. Die Pferde ertragen eine anhaltende Ernährung mit Futterstoffen, deren Gehalt an Kalksalzen zu gering ist, nicht lange. Schon aus diesem Grunde kann sich die Knochenbrüchigkeit, wie sie die Rinder befällt, bei Pferden nicht ausbilden, üazu kommt, dass sich eine solche Ernährung schon aus öoonomischen Kücksichten verbietet, weil die Pferde dabei zur Arbeitsleistung nicht mehr tauglich sein würden.
Nach den Angaben der medicinischen Autoren kommt bei Menschen eine „idio-pathisohe Knochenbrüchigkeitquot; als hereditäre Krankheit in einzelnen Familien vor, wobei eine anatomische Veränderung im Knochensystem nicht nachgewiesen werden kann. Auch die Pferde sind einem solchen abnormen Zustande in den Knochen, allerdings nur in seltenen Fällen, unterworfen. Stockfleth (Chir., (., S. 416) bemerkt, dass in einem Districto Jütlands bei mehreren l^ohlon gelegentlich der Castration Knochenbriicho — bei einem zweijährigen Hengstfohlen sogar an beiden Oberschenkelbeinen und am Armbein der linken Vordergliedmasse gleichzeitig — ent­standen seien, und er ist geneigt, diese Fracturen auf eine constitutionelle Brüchig­keit der Knochen zurückzuführen. Wie weit dies zutrifft, lässt sich nicht mit Be­stimmtheit beurthoilon, weil die Fracturen im Wesentlichen auf einer äusseren Ursache (dem festbinden der Gliedmasson) beruhen konnten.
Im Januar 1887 erhielt ich von der Verwaltung eines Gutes des Grafen v, M. bei
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Bentschen in der Provinz Posen die Mitthoilung, dass in dem Bestände von 16 halb-bis droiviorteljährigen Fohlen seit October 18H6 7 Stück sich bei der gewöhnlichoii ijobenswoise im Stalle (Box) Praoturen eines Oborsolienkolbeins zugezogen hätten. Von 2 [''olilen wurde mir je eine linke Ilintorgliedmasso, an welcher das Ober­schenkelbein frisch gebrochen war, zur Untersuchung zugeschickt. Ich fand an beiden Oberschenkelbeinen unterhalb des Gelenkkopfes in der oberen Epiphyse einen frischen Querbruch. Das Markgewebe war nicht erkennbar verändert. Die Rindenschicht er­schien allerdings sehr dünn! Indess habe ich dies auch bei gesunden Kohlen mehr­fach gefunden. — Im Februar 1887 verunglückton aus dem Bestände durch Ober­schenkel fraoturen noch 2 Fohlen, von welchen eins am Leben blieb. Als nach zwei Monaten die Worthlosigkoit desselben anssor Zweifel stand, wurde es getödtet. Ich erhielt das frische Cadaver zur Untersuchung am (i. April. Im Femur des linken llinterschenkels fand sich ein mit relativ starker Verkürzung des Knochens und Ver­schiebung des Trochanter superior verheilter frischer Quorbruch des Schenkelhalses. Die Markhöhle war viel grosser, als im gesunden Femur der rechten Gliedmasse. Im Uebilgen linden sich keine wesentlichen Veränderungen. Auch Herr Prof. P. Gra-witz, der die Gefälligkeit hatte, die Präparate zu besichtigen, fand in dem Knochen kein erkennbares Motiv der Fractur. Abgesehen von dem Knochenbruch ergab die vollständige Section des Cadavers nichts Krankhaftes.
Sämmtliche 16 Fohlen stammten von einem Liandbeschäler des Zirke'schen Ge­stütes ab, der stets g'esund gewesen ist. — So unvollständig vorstehende Mitthoilung ist, so habe ich doch geglaubt, von derselben hier nicht absehen zu könnon. Die Be­dingungen für das Zustandekommen der Oberschenkelbrüche in so zahlreichen Fällen entziehen sich der Ermittelung noch ganz und gar. Da die Knochenbrücho in einer und derselben Wirthschaft bei 9 halb- resp. dreiviortoljährigen Fohlen, und nur in der oberen Epiphyso des Femur entstanden sind, so muss die nächste Ursache in einer angeerbten Anlage gesucht werden.
E. Allgemeine Osteoporose.
Die seit etwa SO Jahren gebräuchliche Bezeichnung der allgemeinen Osteoporose des Pferdes acceptire ich hier für diejenigen constitutionollen Knochenkrankheiton, bei welchen dio Markräumo durch Wucherung des Markgewebes sich vergrössorn und die harte Knochensubstanz ebenmässig atrophisoh wird. Indess ist eine abnorme Porosität der Knochen intra vitam nicht vorhanden, weil die Lacnaen mit weichem Gewebe gefüllt bleiben. Wohl aber lindet sich diese Erscheinung an den Knochen nach der Maceration.
Die bei den Pferden vorkommende allgemeine Osteoporose verhält sich nach ihrer Pathogonese analog der in dem nosologischen System als „Ostoomalacioquot; beschriebenen allgemeinen Knochenkrankhoit. Wenn ich diesen Namen in der Ueber-schril't nicht wähle, so leitet, mich hierbei lediglich die Thatsache, dass ich in den betreffendon Krankheitsfällen bei Pferden eine Knochenerweichung nicht nachweisen konnte. Mit der Ostoomalacie des Kindes ist, wie ich noch besonders bemerken will, die allgemeine Osteoporose des Pferdes nicht identisch. Indess kommen beide Alfec-tlonen des Knochcnsyslems darin überoin, dass eine Auflösung und Resorption der Kalksalzo (Entkalkung der Knochen, Hallsteresis Cäsium) stattfindet.
In der Aetiologie dor allgemeinen Osteoporose ist noch Vieles unbekannt. Soweit die Thatsachen ein IJrthoil rechtfertigen können, sind die bedingenden Momente der Krankheit nicht immer dieselben. F'ür die Erklärung des anatomischen Kntwickelungs-
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ganges dürfte die Ansicht, welche Virchow von dor Osteomalacie des Menschen auf­gestellt hat, annehmbar sein. Nach derselben entstoht in dem Markgewebo ein par-enchymatöser Knlziindungsprocoss, wodurch sich dasselbe vorgrössert und dioKnochen-substanz zur Binschmelzung bringt (lacuniirer Knochonschwund). Die allgemeine Ostooporose hat einen hämatogenen Ursprung. Aber die Erkrankung stellt sich nicht in allen Knochen gleichzeitig ein. Gewöhnlich worden zuerst die Oberkieferbeine be-trolfen und nach Vorlauf mehrerer Wochen oder Monate erst andere Knochen in Mit­leidenschaft gezogen. Was aber mit der Circulation des Blutes in das Knochotunark gebracht und in welcher Art die Wucherung desselben angeregt wird, das entzieht sich bis jetzt der speoiollen Krkonntniss noch vollkommen. Für einzelne Fälle („Krüsch- oder Kleien krankhoitquot;) erscheint die Annahme begründet, dass in Folge einseitiger Ernährung der Pferde reizende Stolle mit dem Blute circuliren und in das Knochenmark gelangen. Dafür spricht insbesondere die Thatsache, dass die Krankheit nach einem durchgreifenden Wechsel in der Fütterung geheilt worden kann. Diese Ansicht passt aber nicht für die Interpretation der unheilbaren Fälle. Es muss daher als möglich zugegeben werden, dass auch ein spocifisches Ferment resp. ein InfectionsstolT eigener Art die Reizung des Knochenmarks .wird auslösen und unter­halten können.
Bei längerem Bestehen der Krankheit kann sich derKeizungsprocess vom Knochen­mark auf das Periost fortsetzen und entzündliche Neubildungen in demselben herbei­führen.
Wenn ich das relativ geringe Material, welches zur Frage der allgemeinen Osteo­porosis bei Pferden in der Literatur mitgetheilt ist, in Verbindung mit meinen eigenen Beobachtungen einer Prüfung unterziehe, so muss ich zwei ätiologisch verschiedene Arten der Krankheit auseinanderhalten.
1) Kino chronische constitutionellc Wucherung des Knochenmarks mit Schwund der Kalksalze und soeundärer Periostitis ist von einigen schweizerischen Thierärzten nach der anhaltenden, überreichen Fütterung von Kleie (in der Schweiz „Krüschquot; genannt) mehrfach beobachtet worden. Nach dem Vorgänge von Pütz, der die Krankheit als „rotho Osteo­malaciequot; deutet, wird zur Bezeichnung derselben der in der Schweiz übliche Ausdruck der „Krüschkrankheitquot; verwendet, welcher begriff­lich besagt, dass das Leiden die krankhafte Wirkung der fortgesetzten Kleiofütterung darstellt. Pütz (Zeitschr. f. prakt. Veterinär-Wissensch., 1, 11 und III) ist der Ansicht, dass die Knochenkrankheit sich als Ostoo­porose charaklerisirt und aus der Wirkung von Säuren auf die Knochen-substanz hervorgehe, bei frühzeitiger Aenderung der Ernährung aber ge­heilt werde. In einem von Wysmann berichteten Falle hatte der Patient (ein 6jährigcr Wallach) während 2l/2 Jahre täglich 20 Pfund Kleie und 12 Pfund Spreu neben 4—5 Pfund Heu erhalten.
Syniptoim'. Mangelhafter Appetit; steife, schleppende Gangart; Lahra-gehen; Auftroibung der Kopfknochen und der langen Röhrenknochen, besonders an den Gelenkenden. Am meisten treiben die Kiefer- und Schädolknochon auf. Wird die Fütterung nicht geändert, so gehen die
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Constitutionelle Knochenkrankhoiten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;58^
Pferde unter den Symptomen der fortschreitenden Kaehoxie zu Grunde. Zippelius (Deutsch. Zeitschr. f. Thicrmod., II, 1876) vormuthot, dass diese constitutionelle Knochenkrankhoit in dem reichen Phosphorgohalt der Kleie ihre nächste Ursache habe. Ob dies zutrifft, lässt sich in Er­mangelung experimenteller Aufschlüsse nicht entscheiden. In jedem Falle muss aber das Leiden nach der Darstellung von Pütz als eine durch ungeeignete Ernährung bedingte Affection des Knochenmarks angesprochen werden; denn bei frühzeitiger Einstellung der Kleiefütterung wurden die Pferde gesund und vollkommen arbeitsfähig.
2) Abweichend von der vorstehend gedachten „Krüschkrankheitquot; verhält sich eine constitutionelle Osteoporose der Pferde, welche seit etwa 30 Jahren, im Ganzen aber nur selten, beobachtet worden ist. Haubnor (Magaz., 1854) beschreibt einen Fall von einer 8jährigen englischen Halbblutstute (Reitpferd), welche im Ganzen 2 Jahre krank war und marantisch zu Grunde ging. Die Symptome waren: Dürftiger Nährzustand, mangelhafte Verdauung, Verminderung des Appetits, saure Reaction des Harns, Auftreibung der Oberkiefer und Unterkiefer. Respi­ration und Pulsfrequenz normal. — Bei der Section fanden sich am Skelet zahlreiche Knochen, besonders die Kopfknochen, die Schulter­blätter und Rippen stark aufgebläht, porös und mit kleineren oder grösscren periostealen Knochenneubildungen besetzt, üeber die muth-massliche Aeliologie des Krankheitsfalles hat sich Haubner nicht aus­gesprochen.
Ger lach pflegte in seinen Vorlesungen die Krankheitsgoschichte von einem 9jährigen Vollblutlicngst des Fürstlich-Lippc'schcn Senncrgestüls mitzutheilen. Das Pferd war 'lxlt Jahre krank gewesen und unter den Symptomen der Kachexie eingegangen. Nach der allgemeinen Ausbildung des Leidens hatte der Hengst beim Herausführen aus dem Stalle noch das normale lebhafte Temperament gezeigt. Wenn er aber einige hundert Schritte sich bewegt hatte, war er zu jeder stärkeren Muskelanstrengung unfähig geworden. Gerlach meinte, dass die Erkrankung durch den anhaltenden Genuss ungeeigneten und an mineralischen Bestandtheilen armen Trinkwassers verursacht sei.
In den anatomisch-pathologischen Sammlungen der thierärztlichen Lehranstalten finden sich mehrere Skelete von Pferden, die an allgemeiner Osteoporose unheilbar erkrankt gewesen sind. — Siedaragrotzky (Dresd. Ber., XXV, 1881) hat eine kurze Krankheitsgeschichte von einem schlecht entwickelten, dreijährigen Stutfohlen (Landschlag) mitgetheilt, welches vergeblich zuerst mit Phosphor und dann mit Arsenik behandelt wurde. — Ich habe 3 Fälle von allgemeiner Osteoporose bei edlen Reit- und
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584nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgomoino Störungen dor Ernährung.
Wagcnplordon behandelt, aber ebenfalls erfolglos. Die Pferde befanden sich vor dem Beginn und während des Verlaufes dor Krankheit unter
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der denkbar günstigsten Stailpflcgo. Am Futter und Getränk war nichts
1*1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; aufzufinden, was sich als Ursache des Leidens bätte besdiuldigpn lassen.
Auch in diesen 3 Fällen begann die Störung mit wechselndem, im Ganzen aber mangelhaftem Appetit. Der Nährzustand verringerte sich und das Temperament wurde weniger lobhaft. Darauf stellte sich an den Ge­sichtsknochen eine Auftroibung ein, die aber an einer Seite bedeutender, als an der anderen war. Die Region des Oberkieferbeins erschien voller und die Auftreibung war nicht scharf abgesetzt. Bei einem Patienten, einem 6jährigen Vollblutwallacb wurde nach einer Krankheitsdauor von
|si(.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10 Monaten der Gang schleppend. Zeitweise lahmte das Pferd mit einer
Vordergliedmasse. Auch fanden sich neben der fortschreitenden Kachexie
,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; und der Auftreibung an den Oberkieferbeinen deutliche periosteale Vor-
dickungen an den Vorarraknochen. Allgemeine Blutarmuth; Puls klein, in der Frequenz zwischen 45—70 in der Minute wechselnd. Temperatur bis 39,5. Harn von saurer Reaction. Darmausscheidung entsprechend der mangelhaften Futteraufnahmo verringert. — Eine vollständige Section habe ich in den 3 Fällen, weiche ich beobachtete, nicht ausführen können.
; ;.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Dass bei der hier besprochenen allgemeinen Osteoporose des Pferdes
ganz analog wie bei der Osteomalacie des Menschen ein erheblicher Knochenschwund (Auflösung und Resorption der Knochensalze) stattfindet, hat Haubner durch vergleichende Wägungen der Knochen nachgewiesen. Es ist aber in keinem der vorgedachten Krankheitsfälle die Entstehung von Fracturen an den Knochen beobachtet- worden, obwohl mehrere Pa­tienten bis zum tödtlichen Krankheitsausgange am Loben belassen wurden. In ätiologischer Hinsicht ergiobt sich, nach dem bisherigen Erfali-rungsmatcrial, dass die Krankheit bei Pferden im Ganzen selten vor­kommt und dass sie vorzugsweise edle Pferde befällt. Der Verlauf ist chronisch. Gewöhnlich vergeht eine Zeit von mehr als einem Jahre, bevor eine starke Abmagerung eintritt.
Die Diagnose gestaltet sich in den Anfangsstadien der Krankheit schwierig. Als die ersten verdächtigen Zeichen sind neben der allgemeinen Ermüdung und der mangelhaften Futteraufnahme die Auftroibungen ein­zelner Knochen, namentlich der Oberkieferbeine, anzusehen. Charak­teristisch ist aber die letztgedachte Knochenauftreibuug für sich allein nicht. Ganz abgesehen von den Localkrankbeiten der Kieferhöhlen-Schleimhaut, die sich schon durch den Nasenausfluss von dem hier ge­dachton Leiden genügend unterscheiden, so habe ich mehrere Male bei vierjährigen und älteren Pferden eine ganz unschädliche Auftreibung der
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Constitutionelle Knochonkrankheiten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; r)85
Oberkieferbeine gesehen, die an beiden Seiton gleichmassig geformt und ziemlich scharf contourirt war. Diese unorhebliohe Abnormität giebt sich gegenüber der allgemeinen üsteoporoso dadurch zu erkennen, dass die betreffenden Pferde dauernd bei gutem Appetit sind.
Die im weiteren Verlaufe der Krankheit bestehenden Symptome haben viel Aohnlichkeit mit dem Krankheitsbildo der Pseudolcukämic und der pernieiösen Anämie. Gegenüber solchen constitutionellcn AlTectionen liefert die Steifhaltung der Gliedmassen bei der Bewegung und das ab­wechselnde Lahmgohen auf der einen oder der anderen Glicdmasso einigen diagnostischen Anhalt.
Die Behandlnng der Krankheit hat nach der bisherigen Erfahrung keine günstige Aussicht. Erfolglos wurden Phosphor und Arsenik vorsucht. Auch der Wechsel des Futters und die Auswahl der vorzüglichsten Stoffe waren nicht von Vortheil. Am meisten könnte vielleicht neben passender diätetischer Pflege die fortgesetzte intratracheale Behandlung mit Jod-Jodkaliumlösung noch einen Nutzen versprechen. Wenigstens scheint mir nach anderweitigen Erfahrungen ein Vorsuch mit. diesem Mittel indicirt. Rec: Jodi pur! 1,0; Kalii jodati 5,0; Aq. dest. 100,0. M. Hiervon sind zunächst 3—5 Grm. und darauf bis 15 Grm. täglich zu injiciren. Es steht nichts entgegen, nach Verlauf von 8—14 Tagen eine solche Behandlung einige Tage auszusetzen und darauf mit derselben fort­zufahren.
Graf Lohndorf f giebt in seinem „Handbuch für Pferdezüchtcrquot; an, dass in dem Königlichen Hauptgestüt zu Graditz „bei jungen Pferden von 1—3 Jahren, die durch Auftroibung der Gesichtsknochen, Steifigkeit im ganzen Körper, namentlich behindertes Aufstehen etc. sich als knochon-krank erweisenquot;, folgendes diätetisches Regime erfolgreich befunden werde, wählend sonst die Fohlen in Zeit von ca 6 Monaten zu Grunde gegangen seien. Wenn sich das Leiden zeigt, wird den Fohlen der Hafer total entzogen. Die Patienten müssen im Sommer bei dem nothdürftigsten Quantum von grüner Luzerne und im Winter bei Luzern- oder Rothklee-Heu eine Hungerkur durchmachen. Hierbei tritt nach einigen Monaten eine deutliche Besserung ein. Dann wird bis zu 2 Motzen im Gcsammt-volumen an Futter zugelegt, welches aus a/j Weizenkleie und aus ' 3 gequollenem, ungoschällem Reis besteht. 1st die Heilung vollständig erreicht, so erhalten die Fohlen noch ein Jahr hindurch dieselben Futter­mittel in grösseren Mengen und mit Leinkuchentrank angefeuchtet.
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58Rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgemeine Störungen der Ernährung.
F. Toxische Entzündung des Knochenmarks. Chronische Osteomyelitis des Beckens und der Oberschenkel.
Das Knochenmark besitzt gegen eine Reihe von toxischen Substanzen, welche mit der Blutcirculation in dasselbe eingeführt werden, eine grosse Vulnerabilität. Es wird daher bei acuton fieberhaften ßlutkranldioiten und insbesondere bei solchen, welche die Blutmischung erheblich alteriren, oft mit afficirt. Daneben kommen aber noch Krankheitsfälle bei Pferden vor, die sich lediglich dadurch äussern, dass die Thiere wegen schmerzhafter Empfindungen in den Knochen sich vom Boden nicht er­hoben können, sonst aber keine Störung ihrer Gesundheit zum Ausdruck bringen. Ich habe eine derai'tige Beobachtung in Adam's Wochenschrift, 1887, S. 16 erörtert. Es erkrankten im Jahre 1886 vier Arbeitspferde eines Gehöftes, nachdem sie 10—17 Tage hindurch Grünfutter, bestehend aus Erbsen, Wicken und englischem Raygras erhalten hatten. Die Pferde verzehrten während der Krankheit das Futter regelmässig. Hatten sich dieselben aber niedergelegt, so waren sie ausser Stande, ohne Unterstützung wieder aufzustehen. Beim Herausführen aus dem Stalle bewegten sie sich während der ersten Minuten mit etwas gespannter Haltung der Hintorgliodmassen. Ein Pferd war, nachdem es 4 Tage hindurch hilflos am Boden gelegen hatte, verendet. Bei der Section fand ich ausser den Erscheinungen, die mit dem krankhaften Liegen in Ver­bindung stehen, auf dem Durchschnitt der Oberschenkelbeine neben der blutigen In­filtration eine starke Gefässinjection. Die platten Beokenknochen enthielten stark ge-röthetes Mark. Von den übrigen 8 Pferden war eins, welches die Störung nur in einem geringen Grade zeigte, nach Verlauf von 8 Tagen wieder genesen. Die beiden anderen Pferde haben aber 4 Monate hindurch bei zweckmässiger diätetischer Pllego jedesmal emporgerichlet werden müssen, wenn sie sich niedergelegt halten.
Die Veranlassung zu dieser Krankheit mussto nach dem Resultate der Befund-erhobungen auf das grüne Wicken- und Erbsenfutter zurückgeführt worden. Ich halte es wohl für möglich, dass in solchem Futter sich eine giftige Substanz befinden kann, welche durch ihre specilische Affinität eine Entzündung des Knochonmarks herbei­führt. Es schoint, dass die Becken- und Schonkelknochen gegenüber dieser Substanz die grössle Empfänglichkeit besitzen.
Die Viagiiosu dieser Knochenmarkenlzündung lässt sich nur auf dem Wege der Ausscliliossung sicher stellen. Eine Erkrankung des Kückenniarks kommt dabei des­halb nicht in Frage, weil die Pferde beim Stehen und Gehen keine Störung bekunden. Eben so wenig kann das beschriebene Verhalten durch ein Leiden der Muskeln und dor Gelenke bedingt werden, denn auch in einem solchen Falle würde sich bei der Bewegung der Thiere eine erhebliche Störung ausgesprochen haben. Es bleibt daher nur die Annahme übrig, dass das Unvermögen zum Aufstehen durch schmerzhafte Empfindungen In den Knochen des Hintertheils verursacht wird.
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Vierte Classe. Organkrankheiten.
A. Krankheiten des Nervensystems.
Capitel XLII. 4llglaquo;iiifiiiie l(niilaquo;gt;i'kiiiilt;rni über das (ieliirn und Kückciminrk.
Wogen flor grossen Mannigfaltigkeit im anatomisch-histologisohen Hau und in
dou Vorrichtungen dos Norvensystoms sind die l'alliogonese und Symptomatologie dor an den nervösen Organen entstehenden Krankhoitsprooosso zum grossen Thoil nur unvollständig zu ergründen. In keinem anderen Gebiete der Pathologie sind gleich grosso Probleme bezüglich der Localisation der Krankheitsorschoinungon unaufgeklärt geblieben. Entschuldbar ist die Uiivollständigkeit des Wissens im (Jebieto der Norven-krankhoiton durch die Thalsache, dass auch die physiologische Forschung über die Punctionen des Clohirns nicht zum Abschluss gekommen ist.
Das Verständniss der Nervenkrankheiten und ihrer Entwickolung hat von der Konnlniss des anatomischen Baues der nervösen Organe seinen Ausgang zu nehmen. Es mögen daher einige allgemeine anatomische Bemerkungen hier Platz linden.
Gehirn und Rückenmark sind von der Dura mater (Paohymeninx) und von dor Pia mater (Loptomeninx) umschlossen. Die harte Hirnhaut (Dura mater) ist eine von Saflbahnen durchzogene bindegewebige Membran, welche sich im Schädel mit den Knochen direct verbindet resp. die Knochenhaut vertritt. Sie ist an der inneren Fläche mit einem Endothel bekleidet. Mit den Saftbahnen stehen kleine, zwischen der Dura und den Schädelknochon befindliche Lymphräume (Epiduralräumo) in Vorbindung. Die Capillargefässe führen durch ein Venennotz in die Blutleiler. — Die weiche Hirnhaut (Gefässhaut, Pia mater — gütige Ernährerin), welche ein Stütz­organ des Gehirns darstellt, und ihren Namen daher führt, dass sie letzterem durch ihre Gofasse das Ernähningsmaterial zuführt, kann als eine Membran im engeren Sinne nicht angesehen werden. Sie bildet vielmehr mit ihren Fortsetzungen ein förm­liches System von Bindesubstanzen, welche für die Ernährung des Gehirns und für die Integrität seiner Functionen von der äusserston Wichtigkeit sind. Anatomisch worden aus diesem System zwei durch Bindegewebsbälkchen und -lläulchen ver-
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Organkrankhoiten.
oinigte Hüllen unterschieden: die Arachnoides und die eigentliche Pia Erstere liegt dicht an dor Dura,quot;so dass /.wischen boiilon nur ein Capiliarraum (Suhduralraum) bleibt, der die Modeutung eines Lymphsinus hat, Die Pia umkleidet das Gehirn un­mittelbar. Zwischen der Arachnoides und der Pia befindet sich in ungleiclier Aus­dehnung an den einzelnen Theilen des Gehirns das subarachnoideale Gewebe mit relativ grosson, unter einander communicironden Lücken oder Maschen (Subarach-noidealriiunie). In diesen Maschen liegt die „Cerebrospinalfl iissigkeitquot;. l3oini Menschen stehen die Subarachnoidealräumo nicht nur unter sich, sondern auch mit den Ifirnventrikeln in olTenem Zusammenhang. Nach Franck (Anatomie, 2. Auf­lage) fehlt diese Communication bei den Thieren. Die Pia setzt sich in die Ventrikel fort und bildet die in denselben befindlichen, aus feinen Gefässen (hauptsächlich Venen) bestehenden und mit einem eigenartigen polygonalen Epithel bekleideten Ador-geflechte. Die subarachnoidoalen Räume des Gehirns stehen in director Communication mit dem grossen Subarachnoidealraum des Rückenmarks und mit den Scheiden (Arach-noidealscheiden) der aus dem Gehirn austretenden Nerven. Hierdurch erklärt sich, dass bei einem leichten Oedem des Gehirns die Ausgleichung sehr schnell dadurch erfolgen kann, dass die Flüssigkeit aus den Maschen der Arachnoides in den Sub­arachnoidealraum des Rückenmarks ablliesst.
Die Blutgefässe des Gehirns gehen durch die Räume des subarachnoidoalen Ge­webes und erhalten von der Pia noch eine besondere Umhüllung (Piaisoheiden). Es linden sich daher um dieselben auch im Innern des Gehirns adventitielle Lymphräumo, so dass die Substanz des Gehirns und Rückenmarks überall von Lymphe umgeben rosp. von Lymphcanälen durchzogen ist.
Den Stützapparat der Ganglien und Nervenfasern des Gehirns und Rückenmarks bildet die Neuroglia oder das Gliagewebe (Virchow). Als eine Verdichtung des letzteren ist das Ependym zu betrachten, welches die Wandungen der Hirnventrikol bekleidet und in grosser Zahl capillare Blntgofässe enthält, die sich bei entzündlichen Affectionen oft erweitern und dann durch ihre Injection beim Aufschneiden der Ven­trikel augenfällig hervortreten.
Trotz ihrer grossen physiologischen Dignität können die bindegewebigen Appa­rate des Gehirns und Rückenmarks in gleicher Weise wie das Endocardium, die serösen Häute und Synovialmembranen durch abnorme Processe eine Reihe von Veränderungen erleiden, ohne dass hierdurch schon im klinischen Sinne eine Gehirnkrankheit ent­stände. Dies Verhältniss ist besonders zu beachten, wenn es sich darum handelt, nach dem Sectionsbefund die Frage zu beurtheilen, ob eine Geliirnkrankheit vorgelegen hat oder nicht. Recht oft finden sich an dem Ependym Verdickungen oder an den Adergeflechten kleine Geschwülste bei Pferden, die niemals eine Störung der Gehirn-funetionen geäussert haben.
Für das Zustandekommen der Gehirn- und liiiekenmarkskrankhoiton ist im All­gemeinen die Thatsache beachtenswerth, dass das System der weichen Hirnhaut resp. die.Wandungen der Capillargefässo eine relativ grosse Vnlnerabilität besitzen, während die gangliöse Substanz und die Nervenfasern für die directe Wirkung der gewöhnlichen entzündlichen Reize fast unempfänglich sind. — Die Pia mater hat selbständige vaso­motorische Nerven, welche vom Sympathicus stammen, sie enthält ausserdem-sensiMo Nerven vom Gehirn und Rückenmark. Eine Alteration des vasomotorischen Apparates im Gehirn kann ebensowohl durch die directe Einwirkung krankhafter, indemcirculirenden Blute befindlicher Stofl'o, als auf reflectorischoni Woge erfolgen. Die Wirkung einer sol­chen Alteration der Gefässnervon äussert sich zunächst entweder in einer Blutfülle
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Gehirncongestion.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;589
(Hyperämie) oder in einer Blutleere (Anämie). Beide Begriffe werden in der Pathologie auf selbständige Leiden des Gehirns bezogen. Wie weit dies berechtigt ist, soll bei den nachfolgenden speciellen Capiteln zur Erörterung kommen. Hier möge nur die Bemerkung noch Platz greifen, class sich bei Pferden eine „allgemeine Anämie des Gehirnsquot; nach der thatsächliohen Erfahrung als eine selbständige Krankheit nicht aufrecht hallen lässt. Die Reflexerregbarkeit des grosser) Gehirns ist bei Pferden nicht so gross, wie bei Menschen. Von der „Ohnmachtquot;, welche ein wichtiges Capitol für die ärztliche Praxis bildet, werden Pferde nicht befallen, es sei denn unter excoptlonellen Störungen der Blutoiroulation bei chronischen Herzfehlern (Stenose am üstium aorticum). In solchen Fällen ist die „Ohnmachtquot; aber keine selbständige Krankheit des Gehirns, sondern ein Symptom dos Herzfehlers. — Die Anämie des Gehirns, welche schwere und schnell erfolgende Blutungen begleitet, kann ebenfalls als ein besonderes Leiden nicht aufgefasst werden. Ist der Blutverlust bei Wunden oder Rupturen so bedeutend, dass das Bewusstsein schwindet und Krämpfe eintreten, so gehen die Thiere zu Grunde. Die zu ihrer Kettung vielfach empfohlene Blut­transfusion von einem gesunden Pferde ist als Experiment wohl interessant, für die Praxis aber belanglos. — Die mit Verminderung der gesammton Blutmenge im Körper verbundenen Krankheiten (einige toxische und primäre septische Allgemoinleiden) führen auch eine Verringerung der Blutmenge (Anämie) im Gehirn herbei. Es ist nicht unwahrsoheinlich,'class das lustlose Benehmen und die Unaufmerksamkeit solcher Pferde mit einem relativen Mangel an sauerstoffhaltigem Blut in Verbindung steht. Indoss lässt sich das Krankheitsbild bei den gedachten Allgomeinleidon doch nicht ausschliesslioh auf die Gehirnanämie zurückführen. Zweifellos hat die Gesamml-erkrankung dos Stoffwechsels auf die Herabsetzung der Temperatur und auf das müde, schläfrige Verhalten der betreffenden Pferde einen grösseren Einfluss als die Ver­ringerung des Blutes im Gehirn.
Capitel XLIII. Citaliiriicoiigestion. Cicliiriiiitv|raquo;eräinilaquo;.
Begriffshestininiiiii^, Die Ueberfiillung der venösen Gofässe des Gehirns mit Blut kann in Verbindung mit zahlreichen Krankheiten vorkommen und eine grosse symptomatische resp. diagnostische Bedeutung haben. Hiervon abgesehen, wird bei Pferden jeden Alters auch eine selbständige Hirncongestion beobachtet, welche auf Erweiterung der venösen Gefässe und krankhafter Anhäufung von Blut Im Gehirn beruht. Im Sinne der Autoren charakterisirt sich dieser Zustand als „passive Hyperämiequot; des Gehirns. Ob es daneben noch eine active Hyperämie des Gehirns bei Pferden giebt, erscheint fraglich. Es ist nicht einzusehen, dass, so lange die Capillargefässe dos Gehirns ihre normalen Eigenschaften besitzen, das in grössorer Menge nach dorn Gehirn gelangende Blut nicht direct durch die Venen wieder ab-llirssen kann.
Die seit längerer Zeit in der Literatur vertretene Meinung, dass während des
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Organkrankheiten.
Zahnens bei Pferden eine active Congestion nach dem Kopf nnd insbesondere nach dem Oehirn eintreten nnd dass ferner durch die geschlechtliche Erregung oder durch Erschrecken eine krankhafte llirncongestion hervorgerufen werden soll, findet in der thatscäohlichen Erfahrung keine Bestätigung.
Die passive Hyperämie des Gehirns oder, wie ich sie hier schlechthin benenne, die „llirncongestionquot;, wird bei Pferden nur in seltenen Fällen dadurch voranlasst, dass der Rücklluss des Blutes vom Gehirn durch Druck auf die Halsvenen behindert ist. Die Behauptung, dass das feste Anziehen des Kehlriemens oder das Arbeiten im engen Kummet die Symptome einer krankhaften llirncongestion hervorrufe, ist auf thatsächliche Beobachtungen nicht zu begründen. Gewiss wird bei förmlichen Strangulationen des Halses eine Behinderung des Blulabflusses vom Gehirn herbei­geführt. Allein dies Verhältniss lässt sich dem KranltheitsbegrilTe der selbständigen Hirncougestion nicht einverleiben. Grosse subparotidealo Absoesso oder erhebliche Lymphdrüsengeschwülste am Halse können ferner eine Rückstauung des Blutes nach dem Gehirn zur Folge haben. Aber auch dieser Vorgang hat nur eine symptomatische Bedeutung.
Pathogencsc iiikI Adiulogie. Für die Pathogonese der selbständigen Hirn-congestion ist der theoretische Gesichtspunkt massgcbond, dass die physiologische Leistung der vasomotorischen Apparate im Gehirn eine Schädigung erleidet. Dies kann einmal direct vom Blute aus und zweitens indirect auf rellectorischem Wege bewirkt werden.
Die hämatogeno Alteration der Gefässnerven in der Pia findet ihre Veranlassung In einer eigenartigen Wirkung krankhafter Stoffe, die mit dem Blute circuliron. Welche Eigenschaften diese Stoffe haben, ist indess nicht genauer bekannt. Am meisten scheint die llirncongestion aus gastrischen Störungen hervorzugehen. Ins­besondere ist bekannt, dass die Verabreichung von schwerem Körnerl'utter, nament­lich von Mais, Bohnen, Koggen und Erbsen eine llirncongestion veranlassen kann. Von wesentlichem Einflüsse ist ferner der Aufenthalt der Pferde in schlecht ventilirten, niedrigen und ungebührlich warm gehaltenen Stallungen. Kefloctorisch wird die llirn­congestion hervorgerufen in den Sommermonaten durch die anhaltende Wirkung der heissen Witterung. Gefährdet sind die Pferde besonders dann, wenn sie bei der Arbeitsleistung inSchweiss gerathen und keine Gelegenheit bekommen, durch allmälige Beschränkung der anstrengenden Thätigkeit sich langsam abzukühlen.
Relativ oft erkranken Pferde, welche bei anhaltender Ruhe im Stalle oder bei geringer Beschäftigung reichlich ernährt sind und dann in ungewohnter Weise den vorbozeichneten ursächlichen Einflüssen ausgesetzt werden. Die Disposition erhöht sich auch bei Pferden mit mangelhaft gebauter Mittelhand und ungenügendem Appetit.
Die Frage, ob die abnorme Blutfülle in den Gefässen des grossen Gehirns für sich allein einen krankhaften Druck auf die Capillaron und hierdurch eine nutritive Störung in den gangliösen Apparaten der Hirnrinde (Benommenheit des Bewusstseins) hervorbringen kann, oder ob nothwendig neben der Hyperämie eine Transsudation von Serum aus den Capillargefässen erfolgt sein muss, wenn die Verstandesthätigkeit eine Beschränkung erfährt, ist nicht sicher zu entscheiden. Sehr wahrscheinlich besteht aber bei allen schweren Störungen der Hirnfunction, soweit dieselben aus einer krank­haften Füllung der venösen Oefässe und Capillaron hervorgehen, eine Transsudation oder Exsudatiou. Ich rechne daher alle solche Eälle, abweichend von den in den thiorärztlichen Lehrbüchern vertretenen Auffassungen zu dem Gehirnödem und bezw. zu den entzündlichen Gehirnkrankheiten. — Eine massige Eingenommenheit des
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Gehirnoongostion.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 591
Bewusstseins wird zweifellos auch durch eine einfache üborstarke Anfüllung der Blut-gofiisse bedingt. Nicht iinwahrschoinlich ist aber, dass die hier berührte wichtigste Krscheinung der ilirncongestion in manchen Fällen auf der Kmplimlung von Kopf-sohmorz beruht, von welcher die Pferde nicht immer einen deutlichen Ausdruck geben.
Symptome. Herabsetzung dos Tomporamonts. Mangel an Aufmerk­samkeit. Trüber, stierer Blick. Zuweilen Aufstützen des Kopfes auf die Krippe. Manche Pferde stellen die Gliedmasson auseinander oder ungleich neben einander. Langsame Ortsbewegung mit unvollständiger Beachtung der im Wege oder in der Umgebung befindlichen Gegenstände. Tm Dienstgebräuche bekunden die Pferde oft nicht das volle Verständ-niss für die gewöhnlichen Arbeitsleistungen. — Mangelhafte und verlang­samte Futteraufnahme. Verzögerte Darmentleerungcn. Schmutzige llö-tliung der Conjunctiva und zuweilen eine geringe Senkung der oberen Augenlider. — Das Treten auf die Fusskroiren wird in der Regel nur mangelhaft und zuweilen gar nicht empfunden; einzelne Pferde sind aber abnorm reizbar an den Fusskronen. — Pulsfrequenz normal oder nur wenig vermehrt. Respiration nicht beschleunigt, oft aber ungleich in der Ausführung der einzelnen Athemzüge. Bluttemperatur nicht erhöht.
Verlauf unil Ausgang der Hirncongestion sind nicht constant. Oft ge­nesen die Pferde innerhalb einiger Tage vollständig. Nicht selten dauert aber die Krankheit 1—8 Wochen, selbst noch länger, bevor die Heilung erfolgt. Bei manchen Pferden führt die Hirncongestion nach und nach zur Entwickelung des Dummkollers. Der Congestivzustand bleibt dann mit zeitweisen Remissionen in den Symptomen mehrere Monate bestehen, bevor der Dumnikoller objeetiv festgestellt werden kann. Zu diesem ungünstigen Ausgange incliniren am meisten die Pferde, welche ein unruhiges Temperament besitzen und wonig Futter verzehren.
Diagnose. Die Feststellung der selbständigen Hirncongestion setzt eine grosso Umsicht in der Erhebung der Untersuchungsbefunde voraus. Es giebt eine ganze Reihe von normalen und krankhaften Zuständen, welche bei der Diagnose gewürdigt werden müssen. Die wichtigsten davon sind folgende:
1) Pferde mit ungünstig gebautem Kopfe, deren intellectuellc Be­fähigung von Natur gering ist, bekunden oft einen Mangel an Aufmerk­samkeit und eine irreguläre Stellung der Gliedmassen, sowie bei unge­eigneter Behandlung in der Arbeit einen erheblichen Mangel des Ver­standes. Das Ohrenspiel ist unregelmässig und die kleinen, ausdrucks­losen Augen werden oft längere Zeit hindurch unbeweglich in einer Richtung gehalten. Die Unterscheidung dieser unvollkommenen Ent­wickelung des Gehirns von der krankhaften Hirncongestion setzt eine
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Organkrankheiten.
gewisse Erfahrung in der Beurtheilung der Pferde voraus, auf welclie der praktische Thierarzt Werfli legen muss.
2)nbsp; nbsp;Eine Uiuuifmerksamkoit auf die Umgebung, ähnlich derjenigen, welche die Hinicongestion hegleitet, /eigen oft die Pferde von storri-sohena Temperamente, ferner diejenigen Thiere, die sich erheblioho oder unerhebliche Untugenden (Loineweben, Krippensotzen, Schlürfen, Spielen mit der Halftorkette, Schlagen mit den Lippen oder mit derZungo etc.) angeeignet haben. So lange solche Thiere das Futter vollständig und lebhaft verzehren, werden sie von Niemandem für gebirnkrank gehalten. Schwieriger ist aber die Diagnose, wenn sieh bei denselben eine leichte gastrische Störung einstellt.
3)nbsp; nbsp; Schmerzhafte Bntzündungszustände in den Kiefer­knochen oder Zahnschmerz. Die botreffenden Pferde stehen in sich gekehrt, mit halb geschlossenen Augen und haben wenig Appetit.
4)nbsp; nbsp;Rossigkeit der Stuten. In den höheren Graden der Rossiglaquo; keit besteht während mehrerer Tage eine Hirncongestion mit ziemlich erheblicher Eingenommenheit des Bewusstseins. Die Konntniss dieses physiologischen Vorgangs hilft über etwaige diagnostische Schwierigkeiten hinweg.
5)nbsp; nbsp;Narkotische Vergiftungen. Die Pferde erkranken im Ganzen selten in Folge der Einverleibung von narkotischen Arzneipräparaten. Mit der Vergiftung verbindet sich regelmässig eine gesteigerte Puls­frequenz, welche allein schon vor einer Verwechselung mit der einfachen Hirncongestion schützt. Im Uebrigen hat der Thierarzt auf die ana-mnestischen Momente ein besonderes Gewicht zu legen.
6)nbsp; nbsp; Gastrische Krankheiten (einfache Indigestion und Kolik) sind oft von einer Depression des Bewusstseins begleitet. Von der Kolik können nur diejenigen Fälle in Frage kommen, bei welchen die Symptome nach längeren Intervallen auftreten und der Thierarzt die betreffenden Pferde in den Zwischenzeiten untersucht. Durch vollständige Erhebung der Befunde und 'durch ausreichende Beobachtung der Thiere wird eine Verwechselung vermieden. Bei den einfachen Indigestionen ist der Mangel an Appetit auf Körnerfutter das wichtigste Unterscheidungs­merkmal.
7)nbsp; nbsp; Fieberhafte Allgemeinleiden (Brustseucho, Pforde-staupe, Scalma, Sephthämie, Druse, Wundfieber). Fntscheidend für die Diagnose ist in solchen Fällen die Pulsfrequenz und die Tempe-raturorhöhung.
8)nbsp; nbsp; Die als „acute Gohirnwassersuchtquot; zusammengefassten irritati ven und entzündlichen Processe im Gehirn (Gehirnödem,
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Gehirncongestion.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 593
subacute Hirnhautentzündung, acute Encephalitis). Gegenüber den hier gedachten Krankheiten ist die Unterscheidung von der Hirn-congestion deshalb oft schwierig, weil dieselben sich zuweilen langsam, d. h. im Verlauf von 2—5 Tagen ausbilden. In dieser Zeit ist olt nur das Bild der Hirncongestion vorhanden, so dass eine unrichtige Beur-theilung des krankhaften Zustandes leicht stattfinden kann. Im Uebrigen ist zu berücksichtigen, dass bei der Hirncongestion das starke Drängen der Pferde nach vorn und die schweren Störungen in den Bewegungs­vorstellungen fehlen.
ö) Dummkoller. Mit den geringen Graden des Dummkollers hat das Krankheitsbild der Hirncongestion oft eine grosse Aehnlichkeit. Beiden Krankheiten sind gemeinsam: die lustlose Haltung des Körpers, der stiere Blick, das ungleiche Ohrenspiel, die verlangsamten Kau­bewegungen und der Mangel an Reaction beim Treten auf die Fuss-kronen. Die eingehende Untersuchung der an der Hirncongestion er­krankten Pferde ergiebt aber stets, dass dieselben eine gekreuzte Stellung mit vollständiger Belastung der Vordergliedmassen nicht beibehalten. Für die Diagnose ist ausserdem noch zu berücksichtigen, dass der Dumm­koller sich vorübergehend mit einer Hirncongestion verbinden kann.
10) Chronische Herzfehler bedingen in einzelnen Fällen auch eine Benommenheit des Sensoriums ähnlich den Symptomen der selb­ständigen Hirncongestion. Vor einer Verwechselung kann nur die voll­ständige Befunderhebung schützen.
Prognose. Pferde von guter Bauart und reger Fresslust erholen sich von der Hirncongestion der Regel nach innerhalb 10—14 Tage. Bei längerer Dauer ist zu befürchten, dass der Dummkoller sich aus­bildet. Diesen ungünstigen Verlauf nimmt die Krankheit leicht bei Pferden, die rangleibig gebaut sind oder eine mangelhafte Bildung des Kopfes (schmaler Kopf, Ramskopf) besitzen. Beachtung verlangt auch die Thatsache, dass die Hirncongestion bei Pferden, die in engen und dumpfen Ställen angebunden stehen, zu Gehirnödem und zur subacuten Hirnhautentzündung führen kann.
Die Therapie der Hirncongestion erfordert zunächst die Anwendung solcher Mittel, welche von günstigem Einflüsse auf die normale Ver-theilung des Blutes im Körper sind. Dazu gehört die Unterbringung der Pferde in einem kühlen, gut ventilirten Aufenthaltsraumo, womöglich in einem Laufstall. Nothwendig ist ferner die Vermeidung von schwerem Körnerfutter. Erhebliche Vortheile bringt die Verabreichung von schmack­haftem Heu mit sich. Reines, frisches Trinkwasser zur beliebigen Auf­nahme.
Dieckerhoff, Spec. Pathologie u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ga
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594nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Einer arznoilichen Behandlung bedarf es in der Regel nicht. Nütz­lich wirken die leichten Abführmittel. Natr. sulfur, mit dem Trinkwasser. Ferner Tartar, stib. und kleine Dosen Calomel. Kochsalz als Lecke. Hat die Krankheit einen relativ hohen Grad erlangt, so ist die subcutane Application einer Lösung von Pilocarp, hydrochlor. (0,20 — 0,50 auf 10 Aq.) empfehlenswerth. Die hiernach eintretende starke Salivation und der allgemeine Schweissausbruch setzen in der Regel die Symptome innerhalb 20 Stunden augenfällig herab. Von einem Aderlass ist eben­sowenig ein besonderer Vortheil zu erwarten, wie von der Verabreichung drastischer Abführmittel. Wenn der Oongestivzustand im Gehirn länger ^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; als 8 Tage anhält, so wird zweckmässig an jeder Seite des Halses an
der Genickpartie ein Haarseil applicirt. Dasselbe bleibt 6—8 Tage hin­durch bei täglichem umziehen liegen. Die Application geschieht am
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besten im Freien, weil die Pferde sich derselben oft wiedersetzen.
;tiinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Capitel XLIV.
Acute Gehiruwassersucht. Hydrops acutus cerebri. Hydrocephalns acntus.
In der Pia mater, auch im Gehirn selbst, entstehen bei Pferden sehr oft acute irritative und entzündliche Processe, die zwar sehr ungleich verlaufen, in der ana­tomischen Pathogenese und in den Symptomen aber manche Momente gemeinsam haben. Schon im vorigen Jahrhundert (vergl. Kersting, Nachgel. Manuscr., 1792) wurde diese Krankheitsgruppe unter dem Namen der „Gehirnentzündungquot; zu-sammengefasst und vom Dummkoller unterschieden. Indess sind Verwechselungen derselben mit dem Dummkoller sehr oft vorgekommen. Anerkennenswerth ist deshalb das seit mehr als 50 Jahren bekundete Bestreben der thierärztlichen Autoren, die Entwickelungsgeschichte der acuten entzündlichen Gehirnkrankheiten und die Diagnose derselben gegenüber dem Dummkoller möglichst sicher zu stellen. Zu diesem Zwecke wurde zunächst zwischen dem „acutenquot; oder „rasendenquot; und „chronischen Kollerquot; unterschieden. Indess erwiesen sich derartige Namen zur Klarstellung der Sachlage nicht geeignet; sie wurden daher alsbald wieder fallen gelassen. Der Stall­meister Autenrieth (1823), der die acute Gehirnwassersucht als ein endemisches Leiden in Württemberg beobachtete, beschrieb dieselbe als „hitzige Kopfkrank­heit der Pferdequot;. Hering (Spec. Pathol.) fasste die gedachte Krankheitsgruppe als „halbacute Gehirnentzündungquot; zusammen. — Daneben wurden in der Literatur die Namen: „asthenische Gehirnentzündungquot; und „passive Ge­hirnentzündungquot; gebräuchlich. Mit grossem Erfolge hat Gerlach (Ger. Thier-heilkunde. II. 1872. S. 266), welcher die acuten entzündlichen Gehirnkrankheiten
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Acute Gehirnwassersucht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 595
des Pferdes unter dem Namen der „hitzigen Gehirnwassersucht; Hydrops acutus cerebri; Hydrocephalus acutusquot; charakterisirte, die Prinoipien ihrer Diagnose für die praktische Thierarzneikunde erläutert. Zahlreiche Aufsätze in den thierärztlichen Zeitschriften der letzten 3 Docennien zeigen, dass die praktischenThier-ärzte dem Gegenstände eine fortgesetzte Aufmerksamkeit gewidmet hahen.
Der in der Ueberschrift dieses Capitols beibehaltene Name umfasst das „acute Gehirnödemquot;, sowie die „subaoute seröse Hirnhautentzündungquot; (Lepto-meningitis serosa subacuta) und die „acute Gehirn- und Gohirnhaut-entzündung (Encephalo-Meningitis acuta). — Die Gehirnwassersucht hat die begriffliche Voraussetzung, dass die Ausscheidung und Ansammlung von Flüssig­keit in allen Abschnitten der Pia mater (in den subarachnoidealon Geweben, in den Pialschelden und in der Gliasubstanz des Gehirns, sowie in den Plexus) und in den Hohlräumen des Gehirns stattfindet resp. stattfinden kann. Es brauchen aber nicht nothwendig sämmtliche Gebiete der Pia und die Hohlräume in jedem Falle mit Wasser gefüllt zu sein. In der Wissenschaft wird unterschieden zwischen der An­sammlung einer abnormen Menge von Flüssigkeit 1. in dem Subarachnoidealgewebe (Hydrocephalus meningeus) und 2. in den Hirnkammorn (Hirnhöhlen-Wassersucht; Hydrops vontriculorum cerebri; Hydrocephalus in-ternus).
Das Gehirnödem bedeutet nach dem sprachlichen Inhalte des Wortes nur die abnorm starke Durchfeuchtung der grauen und woissen Substanz des Gehirns, wobei die Schnittfläche des letzteren ein glänzendes, spiegelndes Ansehen erhält. Indess wird der Begriff des Gehirnödoms hierauf nicht beschränkt, sondern auch auf die seröse Infiltration der Pialschoidon der Oofässe und des subarachnoidealen Gewebes, sowie auf die Ausscheidung von Serum in die Gehirnkammern erweitert.
Die Anhäufung von Wasser in dem Subduralraum wird als „Hydrocephalus externusquot; bezeichnet. Da aber das Gehirn mit der Arachnoidos der Dura stets eng anliegt, so kann eine erhebliche Ansammlung von Flüssigkeit im Subduralraum nicht eintreten. Von einzelnen Seiten wird das Vorkommen eines Hydrocephalus externus bei irritativen und entzündlichen Krankheiten der weichen Hirnhaut ganz in Abrede gestellt. Ich kann nach der genauen Erhebung vieler Sectionsbefunde dieser Ansicht nicht beitreten. Mehrere Male censtatirte ich nach dem tödtlichen Ausgange der acuten Gehirnwassersucht bei Pferden eine geringe Quantität von oiwoisshaltiger klarer, holler oder leicht gelblich gefärbter Flüssigkeit im Subduralraum. Immerhin ist aber ein solcher Befund nicht häufig.
Das acute Gehirnödem charakterisirt sich als ein irritativor Vorgang und es ist anzunehmen, dass demselben die nachtheilige Wirkung eines entzündlichen Einflusses auf die Wandungen der Gapillargefässe zu Grunde liegt. In der Aotiologie des acuten Oedoms handelt es sich demnach um einen geringen Grad solcher schädlichen Mo­mente, welche die Hirnhautentzündung und dio Hirnentzündung veranlassen können. Theoretisch beruht der Unterschied zwischen Gehirnödem und Hirnhautentzündung darin, dass bei ersterem die Gewebsverändorung in der Pia oder ihren Ausläufern fehlt. Zuweilen ist das Oedem als das erste Stadium der Hirnhautentzündung anzu­sehen, deren vollständige Ausbildung durch zweckentsprechende Haltung und Behand­lung des betreffenden Pferdes inhibirt wird.
Die acute resp. subacute Hirnhautentzündung beschränkt sich bei Pferden stets auf die Pia mater. Eine Mitalfection der Dura (P achymeningitis acuta) habe ich niemals constatirt; sie gehört jedenfalls zu den excoptionellen Ereignissen. Bei
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der acuten Entzündung der weichen Hirnhaut kommt es bei Pferden nur zum Austritt von Serum und einer relativ geringen Menge von weissen Blutkörperchen. Der Pro­cess ist demnach als „Lcptomeningitis aouta serosaquot; zu bezeichnen. Um kein Missverständniss aufkommen zu lassen, will ich ausdrücklich bemerken, dass die Verwundungen des Schädels mit ihren Folgen, sowie die jauchigen Entzündungs-processe der Subcutis am Schädel, welche sich auf das Gehirn fortsetzen können, hier nicht in Frage stehen. Die eiterige und die tuberkulöse Hirnhautentzündung (Leptomeningitis purulenta; L. tuberculosa) werden nach der thatsächlichen Erfahrung bei Pferden nicht beobachtet.
Die acute Gehirnentzündung (Encephalitis acuta) entsteht beiPferden in der Form kleiner, erbsen- bis wallnussgrosser Herde durch Verstopfung (Embolio) der Capillargefässe. Sie führt regelmässig zur Miterkrankung der weichen Hirnhaut (Encephalo-Meningitis).
Die hämatogene seröse Leptomeningitis kann vorwaltend an der Oonvexität des Grosshirns (Meningitis convexitatis) oder an der Basis des Gehirns (Meningitis basilaris serosa) ihren Sitz haben. In einzelnen Fällen setzt sich bei Pferden die Entzündung von der weichen Hirnhaut auf die weiche liückenmarkshaut fort (Meningitis cerebrospinalis serosa acuta).
Gehirnödem.
Patbogeuese. Die histologische Einrichtung der pialen Bindesubstanzen und U,inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; insbesondere der grosso Gehalt an Blut- und Lymphcapillaren begünstigt das Zu-
Wnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; standekommen seröser Transsudationen in hohem Grade. Jeder Abschnitt der Pia
kann bei Pferden der Sitz einer Infiltration sein. In semiologischer Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass oft vorwaltend die Adergeflechto der Seitonvontrikel oder das subarachnoideale Gewebe an der Oonvexität beider Grosshirnlappen oder an der Basis des Gehirns oder an einer Seite des Grosshirns betroffen sind. — Dem Gehirnödem geht eine Blutanhäufung (Congestion) in den venösen Gefässen und Capillaren der Pia voraus. Es stellt demnach einen höheren Grad der Circulationsstörung dar, welche der Hirncongestion zu Grunde liegt. Hierin mag es begründet sein, dass die B|nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Symptome des Gehirnödems vielfach als Ausdruck der Gehirncongestion aufgefasst
werden. Für die klinische Unterscheidung beider Zustände, die allerdings in manchen Fällen nicht scharf auseinander zu halten sind, ist die Thatsache massgobend, dass beim Oedem der Druck auf die Capillaren des Gehirns grosser ist, als bei der ein-inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;fachen Congestion. Bleibt das selbständige Gehirnödem länger, als 3 — 4 Tage be-
stehen, so kommen entzündliche Gewebsvoränderungen an den erkrankten Partien der weichen Hirnhaut (Leptomeningitis) zu Stande. Zuweilen sind beim Gehirnödem vor­waltend die Plexus der Seitenventrikel afficirt. Dann füllen sich die Ventrikel mit
Serum. Wenn hierbei die Störung länger, als einige Tage anhält, so kann die dauernde Verringerung des physiologischen Tonus in den venösen Gefässen der Plexus unabwendbar sein. Damit vollzieht sich der Uebergang des acuten Gehirnödems in den Dummkoller, der in Ausnahmefällen schon in 2—3 Wochen nach dem Beginn der Krankheit erfolgen kann.
Bei starker Infiltration des subarachnoidealen Gewebes in den vorderen Partien des Grosshirns setzt sich das Oedem in die mit dem Subarachnoidealraum unmittelbar zusammenhängende Scheide des Sehnerven fort, so dass eine Stauungspapille im Augenhintergrunde constatirt werden kann. Wenn die eingedrungene Flüssigkeit die
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Eigenschaft einer phlogogenen Substanz hat, so kann eine Neuroretinitis (schwarzer Staar) entstehen.
Die Functionsstörungen des Gehirns, welche das Oedem der Pia herbeiführt, beruhen darauf, dass durch den Druck dos serösen Infiltrates die Capillargefässe ver­engt werden und dass in Folge dessen den gangliöson Apparaten das sauerstoifhaltige Ernährungsmaterial nicht in genügender Menge zugeführt wird. Erkrankt die Pia vorwaltend in den vorderen Partion des Grosshirns und in don Plexus, so ist unter den Symptomen die Botäubung (Sopor) vorhorrscheiul. 1st dagegen die Pia zugleich an der Basis des Gehirns in höherem Grado infiltrirt, so stellen sich neben der schweren Benommenheit dos Bewusstseins unregeimiissigo Bewegungen und Verlust des Gleichgewichts (Ataxie) ein. Das specielle Verhalten der kranken Pferde wird sehr wahrscheinlich auch oft dadurch bestimmt, dass die Gliasubstanz einzelner Tlieile (Vierhiigol, Sehhügel etc.) erheblich infiltrirt sein kann. Es giebt Krankheits­fälle, in welchen die Pferde den Kopf schief hallen und sich beständig in engem Kreise zu drehen suchen. Diesem Benehmen liegt die Erkrankung der weichen Hirn­haut an einer Seite zu Grunde.
Subacute seröse Hirn hautentzü udung. Leptomeningitis serosa subacuta.
Pathogenese, Obwohl äussere Einflüsse (hohe Temperatur der atmosphärischen Luft; die Wirkung heisser Sonnenwärme auf den Kopf der Pferde; enge, schlecht ventilirto Stallung) die Function der vasomotorischen Apparate in der Pia stören und das Zustandekommen einer serösen Leptomeningitis wesentlich ermöglichen können, so ist doch immer noch vorauszusetzen, dass das Blut auf die Capillargefässwandungen eine reizende Wirkung übt. Oft liegt das bedingende Moment der Krankheit ledig­lich im Blute. Indess ist nichts Bestimmtes darüber bekannt, welche Stoffe mit dem Blute cirouliren und die Entzündung der weichen Hirnhaut hervorrufen. Wahrschein­lich sind die hämatogenen Bedingungen der Krankheit nicht in jedem Falle dieselben. Es ist wohl möglich, dass bei einer besonderen Disposition im Gehirn der Pferde schon eine relativ leichte Verunreinigung des Blutes, z. B. bei einem acuten Katarrh der Rachenschleimhaut, zur Herbeiführung der Entzündung ausreicht. Andererseits mag auch eine speeifische Infection die specielle Ursache abgeben können. Hierfür spricht die Thatsache, dass bei der Section der an subacuter Meningitis verendeten Pferde nicht selten sich das Bestehen einer acuten Gastro-Enteritis orgiebt. Als thatsächlich festgestellt ist anzusehen, dass die subacute Leptomeningitis bei Pferden stets einen serösen Charakter hat. Die eiterbildenden Fermente, welche bei der Meningitis des Menschen eine grosse Rolle spielen, sind demnach aus der Pathogenese von vornherein auszuscheiden.
Die Entzündung kann an joder Partie der Pia einsetzen. Wie schon beim Gehirn­ödem besprochen wurde, leidet oft mehr die Convexität und in anderen Fällen mehr die Basis des Gehirns. Sehr häufig ist die entzündliche Erkrankung der Plexus und des Ependyms. Die nächsten Folgen beruhen in der Erweiterung und Füllung der Capillaren und der venösen Gefässe, in der Schwellung des Gewebes und in der Aus­scheidung von Blutsorum durch die Wandungen der Capillargefässe. Die subarach-noidoalen Räume erweitern sich in Folge starker Vermehrung der Cerebrospinal-flüssigkeit, welche oft klar, in anderen Fällen leicht getrübt ist. Besteht die Krank­heit mehrere Wochen, so verdickt sich das Ependym (Ependymsolorose). Ge-
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wohnlich sind aber nur einzelne Abschnitte des Epondyms in den Seitenventrikeln von dor Verdlolcung in der granulären Form betroffen. Die Capillargefässe des Epon­dyms erweitern sich. An einzelnen erbson- oder bohnengrossen Stollen, an welchen die Wandungen dor Ventrikel sich nahe berühren, kann das Vontrikolopithel defect worden, so dass eine Verklobung und schliesslloh eine vollständige Verwachsung zu Stande kommt. Später greift die Wucherung zuweilen an einzelnen Partien auf das subepondymäre Gliagowebo über, so dass eine Schrumpfung dos Epondyms und Atro­phie der betroffenden Partie dos Gehirns sich ausbildet.
Im Beginn der Krankheit entsteht gewöhnlich eine starke Infiltration der Plexus in dem Seitonvontrikel, meist aber in einer Kammer stärker, als in der andern. Oft sind die Plexus zu gelatinösen Wülsten von der Dicke eines kleinen Fingers ge­schwollen. — In die Ventrikel exsudirt klares Serum, dessen Quantität aber grossen Verschiedenheiten unterliegt. Beide Seitenvontrikel, welche in der Regel gleichmässig gefüllt sind, können bis 40 Grm. Serum fassen. Oft finden sich aber — auch bei sehr vorsichtiger Section — nur 15—20 Grm. Zuweilen füllt sich auch die dritte Hirnkammer mit Wasser. Niemals habe ich aber die Fortsetzung des entzündlichen Processes bis in die 4. Hirnkammor nachweisen können. Bei starker Wasserausschei­dung werden die grossen Ganglion an der Basis der Seitonventrikel zusammengedrückt (abgeplattet) und letztere erweitern sich etwas. Durch die Compression der Hirn­substanz wird auch eine Abplattung der Gyri bewirkt, so dass sich die Flüssigkeit in den SubarachnoidenlriUimnn wieder vormindert und auch das Gehirn selbst wasser­arm wird. Die durch Fortsetzung der subarachnoidealen Infiltration auf die Seh-rervenschoiden vermittelte Blutstauung in den Venen der Netzhaut ist nicht constant.
Ueber den Einfluss, welchen die vorwaltende Erkrankung einzelner Partion der Pia auf das Krankhoitsbild hat, konnton sichere Aufschlüsse durch die Beobachtung des Krankhoitsvorlaufs bislang nicht gewonnen werden.
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Gehirnentzündung. Encephalitis. Gehirn- und Gehirnhaut­entzündung. Encephalo-Mcningitis.
Ebenso wonig, wie bei der Loptomeningitis acuta dos Pferdes, sind bei der eigentlichen Gehirnentzündung die speciellen Bedingungen der Krankheitsontstohung bekannt. Der Soctionsbofund ergiobt in den betreffenden Fällen, dass die Krankheit auf der Bildung erbsen- bis wallnussgrossor Herde beruht, welche sich zunächst als hämorrhagische Infarcte charakterisiren. Im Verlaufe weniger Tage erlangen die Herde eine hellere Färbung in Folge der Auflösung und Resorption des Blutfarbstoffs. Eine vollständige Erweichung der Entzündungsherde (Encophalomalacie) tritt aber nur selten ein, weil die betreffenden Pferde fast durchweg früher zu Grunde gehen. Noch seltener ist die Ausbildung eines Abscesses aus solchen Herden, worauf ich in einem besonderen Capitel zurückkommen werde.
Worauf die Embolio der Capillargefässe, welche der Entstehung von encephali-tischon Herden vorangeht, beruht, ist bisher nicht ermittelt worden. Nach dem Charakter der Entzündungsherde kann mit gleichem Rechte eine infectiöse, wie eine toxische hämatogene Entstehungsart vermuthet werden. — Am meisten etabliren sich die hämorrhagisohen Infarcte bei Pferden im Hirnstamm, weniger oft in den Gross-himlappon. Immer entwickelt sich mit den Herdon gleichzeitig eine Loptomeningitis bald in dilTuser Verbreitung, bald mehr auf einzelne Gebiete beschränkt. Das Krank­hoitsbild wird vor\yaltefid von der lolztgcdachten Affection und roüp. von der Wasser-
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ansammlung in den Ventrikeln und in der Pia beherrscht. Bestimmte Symptome, welche auf die Encephalitis als solche bezogen werden könnten, giebt es nach der bisherigen Erfahrung nicht. Ich habe in einer grösseren Reihe von Krankheitsfällen constatirt, dass es nicht begründet ist, die schweren Zufälle mit einer entzündlichen Erkrankung der Gehirnsubstanz in Verbindung zu bringen und die leichten Ealle auf eine einfache Leptomeningitis zu beziehen.
Ob bei Pferden die kleinen hämorrhagischen Entzündungsherde durch Resorption des Exsudats vollständig ausheilen können, ist nicht bekannt. Nach der Erfahrung muss angenommen werden, dass bei der multiplen Entstehung der in Rede stehenden Herde die Pferde unter dem Bilde der acuten Gehirnwassorsucht stets zu Grunde gehen.
Aetiologie. Das selbständige Gehirnodom, die acute, bezw. subacute Hirnhautentzündung und die acute Gehirnentzündung entstehen bei Pferden aus gleichen ursächlichen Einflüssen. Im Allgemeinen haben gut ge­nährte Pferde und namentlich solche, die schweres Futter bekommen, eine grössere Disposition zu diesen Affectionon, als magere Pferde. Hin­sichtlich des Alters habe ich aber keine Unterschiede in der Anlage ge­funden. Die oft aufgestellte Behauptung, dass das Zahnen (der Durch­bruch und resp. der Wechsel der Backenzähne) die Ausbildung einer krankhaften Congestion und Entzündung in der weichen Hirnhaut be­günstigen soll, kann ich auf Grund eines grossen Erfahrungsmaterials nicht für zutreffend halten. Junge Pferde im Alter von 3 — 5 Jahren erkranken nach meinen Beobachtungen im Gegentheil seltener, als ältere Pferde. — Relativ oft entsteht die subacute Leptomeningitis bei Pferden, die an einem Katarrh des Respirationstractus (Rachenkatarrh) leiden. — Häufig ist die Krankheit bei den Pferden der Händler.
Zu den äusseren Ursachen gehören: Warme Witterung; Aufenthalt in dumpfen, engen Stallungen; kurzes Anbinden der Pferde im Stalle, so dass die Bewegung des Kopfes erheblich behindert wird; anhaltende schwere Arbeitsleistung und mangelhafte Verpflegung der Pferde während derselben; anhaltende Einwirkung der Sonnenstrahlen auf den Körper, namentlich auf den Kopf der Pferde*); Eisenbahntransporte, besonders das Stehen im offenen Transportwagen während einer längeren, über einen halben Tag dauernden Fahrt. — Nicht selten entsteht die Krank­heit bei Pferden, die durch anhaltende Stallruhe verweichlicht sind, in Folge der bei ungewohntem Transporte stattfindenden Erkältung.
Inwieweit eine specifische Infection (vergl. S. 597) die acuten ent-
*) Sonnenstich (Lnsolatio) wird die durch Einwirkung warmer Sonnenstrahlen auf den Kopf hervorgerufene GehirnalTection genannt, welche bei Pferden in einer Ilirncongostion oder in einem Gehirnödem oder einer acuten serösen Leptomeningitis bestehen kann.
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zündlichen Gehirnkrankheiten des Pferdes veranlassen kann, bleibt gegen­wärtig noch eine offene Frage.
Symptome. Beim Gehirnödom, wie bei der Leptomeningitis und bei der Encephalo-Meningitis sind die Krankhoitserscheinungen dem Wesen nach nicht von einander verschieden. Die wichtigsten Störungen der Hirnfunctionen gliedern sich in drei Erscheinungsreihen: 1. krankhafte Beschränkung des Verstandes (Apathie, Stupor, Sopor); 2. krankhafte Störung der Gefühlsvorstellungen; 3. krankhafte Störung der Bewegungsvorstellungen. Zwischen diesen Bestand-theilen des Krankheitsbildes besteht aber keine graduelle Gleichmässigkeit.
Oft ist das soporöse Benehmen am meisten in die Augen fallend. Die Pferde stehen in sich gekehrt, die Augen halb geschlossen; stierer Blick; der Kopf wird gesenkt gehalten, auf die Krippe gestützt oder gegen die Wandung des Stalles und sonstige Gegenstände gedrückt. Schreckhaftigkeit bei plötzlichem Geräusch. Der Anregung zum Vor­wärtsgehen und zum Seitwärtstreten wird keine Folge gegeben. Einzelne Pferde müssen förmlich geschoben werden, wenn sie vom Platze oder aus dem Stalle gehen sollen. In seltenen Fällen liegen die Thiere in krankhaftem Schlaf versunken am Boden, als ob sie künstlich narkotisirt wären. Für gewöhnlich legen sich die Pferde freiwillig nicht und wenn sie in den höheren Krankheitsgraden zusammenbrechen, so bekunden sie im Liegen zeitweise förmliche Tobanfälle. Sie heben den Kopf und lassen ihn darauf mit Heftigkeit auf den Boden oder gegen die Stallwand fallen; im Liegen wird der Kopf nach rückwärts gezogen; mit den Vorderfüssen vollführen die Patienten heftige Gehbewegungen, so dass in der Stallstreu oder im sandigen Fussboden des Stalles zuweilen tiefe Gruben entstehen.
Die gewöhnlichen Empfindungsreize (Treten auf die Kronen, Greifen in die Ohren, Schnellen gegen die Oberlippe, Nadelstiche) werden nicht percipirt oder nur ganz unvollkommen erkannt. Zuweilen aber zeigen die Pferde die gewöhnliche oder selbst eine krankhaft erhöhte Reizbar­keit in der Haut, so dass sie sich dem Treten auf die Fusskronen der Vordergliedmassen durch heftige Bewegungen zu entziehen suchen.
In den meisten Fällen drängen die Pferde nach vorn; sie nehmen keine Rücksicht auf die im Wege befindlichen Gegenstände und Hinder­nisse. Kreislauf- oder Manegebewegungen im Stalle oder in der Koppel. Beim Angehen bringen die Thiere zuweilen statt eines Vorderfusses einen Hinterfuss zuerst nach vorn. Werden solche Patienten zurückgehalten, so drängen sie mit Gewalt vorwärts, verlieren hierbei auch wohl das Gleichgewicht und brechen zusammen. Sind die Pferde im Stalle an-
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gebunden, so steigen sie fast bewusstlos gegen die festen Gegenstände drängend mit dem Vordertheil in die Höhe, so dass Krippe und Raute oder auch die Stailwände demolirt werden. Dabei gerathen die Thiere in starken Schweissausbruch. Solche Anfälle wiederholen sich oft nach Intervallen von l/a—1 Stunde, selbst noch häufiger. — Stehen die Pferde ruhig, so geben sie sich zuweilen perverse (besonders gekreuzte) Stellungen der Gliedmasson, in welchen sie relativ lange verharren. — Selten wird Rückwärtsdrängen beobachtet. Bei der Mitaffection der Pia spinalis (Leptomeningitis serosa corebro-spinalis) bekunden die Patienten ge­wöhnlich neben massiger Benommenheit des Bewusstseins einen schwanken­den Gang und breite Stellung der Vordergliedmassen. Starke Anstrengung der Pferde, sich stehend zu erhalten. Zuweilen unvollständige Lähmung in allen Gliedmassen, so dass die Thiere am Boden liegen.
Puls- und Athmungsfrequenz sind beim acuten Gehirnödem oft ver­mindert. Zuweilen sinkt die Pulszahl bis 32 oder 30, selbst bis 26 Schläge und die Athmungsfrequenz bis auf 7, sogar bis auf 5 Züge in der Minute. Wenn sich aber die Pferde bei den Tobanfällen auf­geregt haben oder wenn hierbei starke Quetschungen und Entzündungen an der Aussenfläche des Körpers entstanden sind, so erhöht sich die Puls- und Respirationsfrequenz. — Die ßluttemperatur ist beim Gehirn­ödem nur dann gesteigert, wenn in Folge der Quetschungen erhebliche Entzündungsprocesse in der Haut und Unterhaut zur Ausbildung kommen. — Die subacute Leptomeningitis und die Encephalo-Meningitis sind der Regel nach von einer Steigerung der Pulszahl bis auf 50 Schläge und darüber in der Minute begleitet. Nur selten und im Beginn der Krank­heit ist eine Verminderung der Pulsfrequenz zu constatiren. — Auch die Bluttemperatur ist in den meisten derartigen Fällen über die Norm er­höht; sie beträgt in der Regel zwischen 39,0 und 40,0 Grad. Es kommen aber Fälle vor, in welchen die Temperatur so lange normal bleibt, bis durch die Quetschungen und eiterig-jauchigen Entzündungsprocesse in der äusseren Haut eine fieberhafte Allgemeinaffection bedingt wird. — Die Athmung ist in der Regel auf 16—20 Züge in der Minute erhöht; sie wird mit Anspannung der Bauchwandung und Verlängerung des Exspira-tionsactes ausgeführt.
In den höheren Graden und bei längerer Dauer der Krankheit steigt die Pulsfrequenz bis auf 80 Schläge und darüber; der Puls wird schwach und klein.
Die Futteraufnahme geschieht sehr unvollständig und fehlt in den höheren Krankheitsgraden ganz. In der Regel halten die Pferde von dem Rauffutler einen Thoil des Bissens lange im Maul, ohne zu kauen.
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Kieferbewogungon verlangsamt. Bei den Versuchen zum Trinken stocken die Thierc aus mangelhaftem Verständniss den Kopf zu tief in das Wasser. — Das Krankheitsbild vervollständigt sich gewöhnlich durch starke Quetschungen der Haut an den Augenbogen, sowie an den oberen Augenlidern, der Stirn und den Gliedmassen.
Verlauf und Ausgang. Bei der Verschiedenheit des Grades, Sitzes und Umfanges der entzündlichen Erkrankung in der weichen Hirnhaut ist die grosso Ungleichheit des Krankheitsverlaufes erklärlich. Leichte Fälle von Gehirnödem können schon nach wenigen Stunden resp. innerhalb •nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; eines Tages mit Genesung enden. In der Regel bleibt aber auch dann
für 1—2 Wochen eine abnorme Disposition zu Recidiven, die sich leicht einstellen, wenn das betreffende Pferd in einem engen, dumpfen Stall untergebracht wird. Auf vollständige Heilung ist nur dann zu rechnen,
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wenn die Krankheit sich unter dem Bilde eines fieberlosen Gehirnödems
zu erkennen giebt und nicht über 3 — 4 Tage bestanden hat. In allen
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anderen Fällen ist nach meinen Erfahrungen die Genesung unvollständig. Selbst wenn die Patienten die Krankheit relativ leicht überstanden und wegen des guten Appetits und der Dienstwilligkeit in der Arbeit von den Laien für gesund gehalten wurden, habe ich doch bei sorgfältiger quot;*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Beobachtung später stets eine Herabsetzung des Temperaments resp.
einen niederen Grad des Dummkollers nachweisen können. Sehr oft
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bleibt aber als Folgekrankheit der Dummkoller in einem höheren Grade
zurück, so dass die betreffenden Pferde im Werthe erheblich vermindert werden. — Zum Tode führt die ausgebildete acute seröse Leptomeningitis und die Encephalo-Meningitis nach der bisherigen Erfahrung in zwei Dritttheilen der Krankheitsfälle.
Die Entwickelung der Krankheit erfolgt sehr ungleich, was einer­seits von der Disposition der Pferde und andererseits von dem Grade, in welchem die ursächlichen Einflüsse zur Wirkung kommen, abhängt. In manchen Fällen vollzieht sich die vollständige Ausbildung einer schweren Leptomeningitis so schnell, dass schon 12 Stunden nach der Einwirkung der Ursachen alle wesentlichen Erscheinungen der lebens­gefährlichen und oft tödtlich verlaufenden Krankheit offensichtlich hervor­treten. Nicht selten kommt die Ausbildung langsamer zu Stande, so dass die Erscheinungen 2 — 3 Tage in einem niederen Grade bestehen und dann plötzlich und unerwartet ein tobsüchtiger Anfall sich einstellt. — Es giebt ferner Krankheitsfälle, deren Verlauf dadurch bemerkens-werth ist, dass die Pferde 5—8 Tage hindurch blos die Merkmale einer einfachen Hirncongestion (müdes Verhalten, unaufmerksamer Blick, leichte Senkung der oberen Augenlider und mangelhafter Appetit) bekunden,
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worauf sich dann schnell die Steigerung der Affection und mit derselben die schwere Störung der cerobralen Functionen hervorthut. — Oft er­kranken die Pferde im Stalle zuerst unter den Erscheinungen eines Tob-anfalis, worauf die Störung bei zweckmässiger Haltung der Patienten sich verringert, so dass der weitere Vorlauf für mehrere Tage, zuweilen sogar 1—2 Wochen lang mit dem Verhalten der am Dummkoilcr erkrankten Pferde eine grosse Aehnlichkeit bietet. Wenn solche Pferde zu anstrengen­den Arbeiten benutzt oder in einem dumpfen Stallraum untergebracht werden, so treten die schweren, tobsüchtigen Zufälle von Neuem auf.
Bemerkenswerth ist noch die Thatsache, dass die Symptome nicht fortdauernd in gleichem Grade bestehen. In der Regel beruhigen sich die Pferde, wenn sie im Kreise langsam geführt werden oder wenn sie im runden Laufstalle fortdauernd an der Wand entlang gehen. Einzelne Patienten empfinden aber einen so starken Drang nach vorwärts, dass sie fast unbewusst im Trabe, selbst zeitweise im Galop an den Wandungen eines grösseren Aufenthaltsraums entlang laufen, bis sie zusammenbrechen und dann gewöhnlich erst nach 1—2 Stunden wieder auf die Füsse ge­bracht werden können. Im Uebrigen pflegen die Tobanfälle meist nicht über einige Stunden anzuhalten, worauf eine Remission eintritt, die einen halben bis einen Tag, selbst noch länger dauern kann, bis die Patienten von einem neuen Anfall betroffen werden. — Ein intermittirender Krank­heitsverlauf ist sehr selten. Ich habe nur einen derartigen Krankheits­fall beobachtet.
Neunjähriger Wallach, loiehtos Arbeitspferd in mittlerem Nährzustande, war in Pommern gekauft tind wurde per Eisenbahn nach ßerlin transportirt. Am 21. April 1882 — 8 Tage nach dem Eisenbahntransport — bekundet das Pferd im Stalle einen Tobanfall. Als es 7 Stunden später in die Klinik eingeliefert wurde, fand ich nichts Krankhaftes. Das Pferd wurde am 25. April aus der Klinik zurückgenommen und zur Arbeit in der Droschke benutzt. Am 4. Mai stellte sich wahrend der Arbeit im Droschkendienst plötzlich Mangel an ßewusstsein mit starkem Drängen und taumeln­der Bewegung ein, so dass das Pferd ausgespannt und in die Klinik wieder ein­gestellt worden mussto. Bei meiner Untersuchung fand ich nur noch Spuren der Störung und am folgenden Tage verhielt sich das Pferd ganz normal. Es wurde dem Besitzer deshalb zurückgegeben und bekundete während der folgenden 9 Tage bei der Arbeit und im Stalle nichts Krankhaftes. Am 13. Mai zeigte das Pferd von Neuem die Symptome der acuton Gehirnwassersucht auf dem Droschkenhalteplatz, auf wel­chem es der Einwirkung heisser Sonnenstrahlen ausgesetzt war. Es wurde deshalb wiederum in die Klinik gebracht, woselbst die Untersuchung alle Symptome einer schweren Hirnhautentzündung ergab. Die Krankheit nahm einen ungünstigen Ver­lauf. Decubitale Quotschungon der Haut and Unterhaut an mehreren Kegionen. Tod am 23. Mai, Bei der Section fanden sich seröse Transsudato in beiden Seiten­kammern und im ganzen System der Pia.
Sehr oft steht der Vorlauf unter dem bestimmenden Einflüsse der
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604nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Haltung des kranken Pferdes. Eine geringfügige Affection steigert sich, wenn der Patient im Stalle angebunden wird oder wenn die Luft im Stallraum warm und dunstig ist. Durch ein Versehen in der Aufstellung des Patienten verschlimmert sich ein Krankheitsfall nicht selten noch in der 3. und 4. Woche bis zum tödtlichen Grade. Die Steigerung der Krankliciissymptorae erfolgt auch gewöhnlich, wenn die leicht erkrankten Pferde bis zur Ermüdung oder bis zum Schwoissausbruch angestrengt werden. Auch nach solchen Verschlimmerungen gestaltet sich die Krank­heit in ihrem weiteren Verlauf gewöhnlich schworer, als sie vorher ge­wesen ist.
Bei der unvollständigen Genesung resp. beim Zurückbleiben des Dummkollers erstreckt sich die Gesammtdauer der Krankheit in der Regel auf 4—5 Wochen; zuweilen vergehen 6 Wochen und darüber, bis die abnormen Folgezustände im Bereiche der Pia mater so weit gediehen sind, dass vorübergehende Hirncongestionen einen erheblichen Einfluss auf dieselberaquo; nicht mehr ausüben. In Ausnahmefällen kann der Ausgang in den Dummkoller schon 3 Wochen nach dem Anfange der Hirnhaut-Affoction zu Stande kommen.
Der tödtliche Ausgang ist in der Regel unabwendbar, wenn die furibuntlen Symptome länger als einen Tag dauern oder wenn die Thiere aus Mangel an Bewusstsein einige Tage hindurch weder Futter noch Ge­tränk in nennensvverthor Menge aufnehmen.
Krämpfe compliciren den Krankheitsverlauf nach meinen Erfahrungen nur in sehr seltenen Fällen. Abgesehen von den Zuckungen in den Muskeln des Vordertheils, die nicht von Erheblichkeit sind, habe ich nur das Auftreten des tonischen Kinubackenkrampfs (Trisraus) beobachtet. — Ebenso selten ist die Complication mit Lähmungen im Bereiche des N. facialis. Hering (Spec. Pathol.) betont, dass der schwarze Staar öfter zurückbleibe. Ich habe dies nur bei einem Pferde kennen gelernt. — Schwere Krankheitsfälle behindern die Patienten entweder von vornherein, oder im Verlaufe von 2—8 Tagen, zuweilen auch erst in der 3. Woche und selbst noch später, sich stehend zu erhalten. Es gelingt zwar in einzelnen Fällen, solche Pferde bei zweckmässiger Hülfe zum Aufstehen zu bringen. Aber nur ausnahmsweise mindern sich die Symptome, so dass die Thiere mit dem Leben davon kommen.
Von grosser Bedeutung für den Krankheitsverlauf sind ferner die Complicationen, welche sich die Pferde bei dem tobsüchtigen Benehmen resp. bei dem heftigen Drängen und beim Anstossen an die im Wege befindlichen Hindernisse, sowie bei dem anhaltenden Liegen zuziehen. Hiervon haben die grösste Bedeutung die Quetschungen am Kopfe, be-
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Acute Gehirnwassersuoht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;605
sonders an den Augenbogen und vor der Stirn, die um so leichter zur jauchigen Wundinfection führen, je mehr die lädirten Stellen mit Kalk (von den Staliwänden) oder mit Schmutz verunreinigt werden. Die Verjauchung kann sich durch das oxtraorbitale Fettpolster in die Schädelhöhle fortsetzen und den tödtlichen Ausgang der Krankheit unmittelbar bedingen. — Bei protrahirtem Verlaufe entsteht oft durch Erkältung ein diffuser Rachenkatarrh. — Eine sehr wichtige Complication ist ferner die Pneumonia, welche gewöhnlich bei dem anhaltenden Liegen aus der Hypostase hervorgeht, zuweilen auch bei der Unterbringung der Patienten in einem zugigen Stallraume durch das Einathmen kalter Luft resp. durch Erkältung veranlasst wird und in einzelnen Fällen mit der Aspiration fremdartiger, durch den Kehlkopf eindringender Stoffe in Ver­bindung steht. Erwähnenswerth ist, dass diese Lungenentzündungen ge­wöhnlich in einzelnen Herden sich ausbilden und dass die Herde sehr leicht der gangränösen Zerstörung verfallen.
Der tödtliche Ausgang der Gehirn- und Hirnhautentzündung wird nicht häufig durch allgemeine Lähmung der cerebralen Functionen direct herbeigeführt. Gewöhnlich gehen die Thiere durch die decubitale Gangrän und ihre Folgen (parenchymatöse Myocarditis, colliquativer Durchfall) oder durch die Pneumonie zu Grunde.
Sectionsbefuml. In den Cadavern finden sich oft die Folgen des Erstickungs­todes und der jauchigen Blutvergiftung (Hämorrhagische Herde in verschiedenen Organen und in verschiedener Grosse, Gastro-Enteritis und trübe Schwellung der grossen Parenchyme). Daneben sind oft die decubitalen Zerstörungen der Haut und die pneumonischen Zustände nachzuweisen. — Im Gehirn erscheinen auf der Ober­fläche die subarachnoidealen Räume mit klarer oder weisslich getrübter Flüssigkeit gefüllt. Die Gyri sind abgeplattet und die Sulci leicht verstrichen; die venösen Gefässe des Gehirns oft mit dunHem Blute gefüllt. Auf der Schnittfläche des Ge­hirns blutige Punkte (gefüllte Gefeässe) und minimale Extravasate, vereinzelt Er-weichungsherdo, ferner Gefässinjection oder diffuse Röthung, zuweilen auch kleine hämorrhagische Herde im Ependym der Soitenventrikel. In den letzteren klare, farb­lose Flüssigkeit, deren Quantität 10—40 Grm. betragen kann. Die Plexus oft serös oder gallertartig infiltrirt. Zuweilen geringes eiweisshaltiges Transsudat im Sub-duralraum; nach der Oelfnung des Gehirns kann das Eiwoiss sich stellenweise auf die innere Fläche der Dura in dünnen Gerinnseln niederschlagen und trocknen, was gegenüber der Frage einer Pachymeningitis zu beachten ist. Die Schnittfläche des Gehirns erscheint gewöhnlich feucht und glänzend.
Diagnose. Da das acute Gehirnödem und die seröse Hirnhautentzün­dung die gleichen Erscheinungen bedingen, so kann die Unterscheidung beider Zustände nur nach dem Krankheitsverlaufe bewirkt werden. Vom theoretischen Standpunkte ist ein einfaches Gehirnödem nur dann anzu-
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606nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
nehmen, wenn die Symptome innerhalb 3—4 Tage vollständig abheilen und die Pferde ihr früheres Temperament ohne jede Beschränkung wieder zu erkennen geben. In allen anderen Fällen hat die Krankheit den Charakter der serösen Leptomeningitis. Die Unterscheidung der letzteren von der Encephalo-Meningitis ist nur durch das Ergebniss der Section, nicht aber nach den Krankheitssymptomen zu ermöglichen. — Grosse Schwierigkeiten kann auch die Unterscheidung der subacuton Leptomenin­gitis von der Hirncongestion in denjenigen Fällen mit sich bringen, in welchen die erstgedachte Krankheit sich langsam ausbildet. — Laien verwechseln die Erscheinungen zuweilen mit einer Kolik.
Die grösste Tragweite für die praktische Thierarzneikunde hat die Aehnlichkeit der Krankheitserschoinungen mit den Symptomen des Dumm­kollers. Hierüber sollen in dem folgenden Oapitel die wichtigsten Unter­scheidungsmerkmale hervorgehoben werden.
Gegenüber den mit Benommenheit des Sensoriums verbundenen acuten fieberhaften Krankheiton, von welchen die Scalma die grösste diagnostische Bedeutung hat, ist zu beachten, dass, wenn die acute Gehirnwassersucht von Pulsfrequenz und Fieber begleitet ist, die Symptome des Hirndrucks ungleich grosser sind, als bei den gedachton Krankheiten. Namentlich fehlt bei den letzteren das Drängen nach vorn und die Zwangsbewegung im Kreise.
Prognose. Wiederholt wurde bemerkt, dass auf eine vollständige Heilung der Krankheit nur selten zu rechnen ist. Dauern die Symptome länger als 3—4 Tage, so bleibt auch bei sonst günstigem Krankheits­verlaufe ein abnormer Zustand des Gehirns mit Störung des Bcwusstseins zurück. Letztere kann allerdings in sehr verschiedenem Grade bestehen und so unerheblich sein, dass die betreffenden Pferde sich noch mit gutem Erfolge verwerthen lassen. Die meisten Pferde, welche die acute Gohirnwassersucht überstehen, bleiben mit dem Dummkolier in höherem Grade behaftet und erleiden dadurch eine erhebliche Einbusse ihres Werthes. — In den schweren Krankheitsfällen ist der tödtliche Ausgang oft nicht abzuwenden.
Für die Beurtheilung eines Krankheitsfalles ist besonders zu berück­sichtigen, ob dem Patienten eine zweckmässige Behandlung in einem luftigen und kühlen Aufenthaltsraum während des ganzen Krankheits­verlaufes gegeben werden kann. Fehlt es an einer passenden Stallung hierzu, so erfordert die Prognose eine grosse Vorsicht. Denn die irri-tativen Processe in der Pia erreichen erst nach 4—5 Wochen ihr Ende und innerhalb dieser Zeit kann ein an sich leichter Krankheitsfall durch den Einfluss eines engen, dumpfen Stalles oder durch die Einwirkung
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Acute Gehirnwassersucht.
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warmer Sonnenstrahlen auf die Patienten oder durch anstrengende Arbeits­leistung sich bis zum tödtlichen Grade verschlimmern.
Therapie. Die generelle Aufgabe bei der Behandlung der acuten Gehirnwassersucht ist auf die Herabsetzung des Blutdruckes im Gehirn zu richten. Diesem Zwecke soll der Aderlass dienen, der auch jetzt noch, obschon seltener, als früher, in den Fällen einer frischen Erkran­kung zur Anwendung gebracht wird. Ich habe den Aderlass bei der in Rede stehenden Krankheit oft vorgenommen, aber in keinem Falle einen durchgreifenden Erfolg erzielt. Unrichtig ist aber die vielfach aus­gesprochene Behauptung, dass der Aderlass eine nachtheilige Wirkung habe. Wird derselbe mit einer grossen Fliete ausgeführt, so dass sich relativ schnell eine bedeutende Menge Blut entleert, so erfolgt in der Regel nach einigen Stunden eine graduelle Minderung der schweren Zu­fälle. Gegenüber den neueren Behandlungsmethoden ist aber der Ader­lass entbehrlich. — Mit Vortheil wird die von Klemm zuerst empfohlene subeutane Injection einer Lösung von Pilocarpinum hydrochl. (0,3 bis 0,7 auf 10,0 Aq.) benutzt. Das Mittel kann täglich einmal zur An­wendung kommen, bis die schweren Zufälle beseitigt sind. Ich habe in vielen Fällen auch Tinct. Veratri (6,0—8,0) intravenös injicirt und hier­durch momentan eine bedeutende Erleichterung der Patienten bewirkt. Indess ist die Anwendung des Pilocarpin leichter und deshalb für die. thierärztliche Praxis zweckmässiger. — Von relativ geringem Einflüsse sind nach meiner Erfahrung die drastischen Abführmittel, von welchen die an der Gehirnwassersucht leidenden Pferde ziemlich grosse Dosen vertragen (Aloe 30,0—50,0 mit Natr. sulf. 400,0 in Latworgenform). Bei verzögerter Defäcation eignet sich Natr. sulf. im Trinkwasser. Einigen Nutzen kann auch die Infusion von Wasser oder Mehlwasser in den Mastdarm bewirken.
Zur örtlichen Ableitung sind anhaltende Waschungen des Kopfes mit kaltem Wasser angezeigt. Weniger vortheilhaft fand ich die Appli­cation von Eis auf den Schädel. Hat die Krankheit einige Tage be­standen, so ist die Application eines Haarseils an beiden Seiten des Halses in der oberen Partie empfehlenswerth. Es macht oft viel Mühe, die Haarseile einzuführen. Das Pferd ist zu diesem Zwecke ins Freie zu bringen und mit einer Bremse zu versehen. Der Thierarzt muss bei der Operation den Zwangsbewegungen des Patienten thunlichst folgen. Zu den Haarseilen eignen sich am besten entsprechend breite Streifen von grobem Tuch, die mit Terpentinöl stark zu imprägniren sind. Nach der Application bleiben die Haarseile zunächst 2—3 Tage ruhig liegen, bevor sie zur Entleerung des Eiters hin und her gezogen werden.
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608nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Unumgänglich ist bei der Behandlung ein kühler, gut ventilirter Aufenthaltsraum für die Patienten und die möglichste Verhütung schwerer Verletzungen resp. Quetschungen in der Haut. Wenn es an einem ge­eigneten Laufstall fehlt, so kann ein routinirter Wärter dem Pferde in dieser Hinsicht manche Hautläsionen ersparen. In der kalten Jahreszeit ist die Zugluft, sowie eine starke Abkühlung des Stallraums zu ver­meiden, weil sonst die Krankheit sich leicht mit Angina oder Bronchitis und Pneumonie complicirt.
Die Ernährung der Pferde wird zweckmässig auf Heu und Wasser beschränkt. Erst in den späteren Stadien ist die Verabreichung von Hafer angezeigt. Oft nehmen die Patienten mit Vorliebe Mohrrüben, die in massiger Quantität nützlich sind.
Gegen die Quetschungen der Haut und die entzündliche Schwellung der Subcutis sind Waschungen mit ßurow'scher Mischung (Plumb, acet. und Alumen in Aqua) nachhaltig anzuwenden. — Zur Arbeitsleistung können die Convalescenten erst allmälig herangezogen werden, wenn aus dem Krankheitsverlaufe mit Sicherheit zu schliessen ist, dass die irri-tativen Processo in der weichen Hirnhaut abgeheilt sind.
0 a s u i s t i k. Von den seltener vorkommenden Formen der acuten Gehirnwasser-sucht will ich einige kurz skizzirte Krankheitsgeschichten des wissen­schaftlichen Interesses wegen diesem Capitel anschliessen.
1) Leptomeningitis serosa aouta mit einem dem Dummkoller sehr ähn­lichen Krankheitsbildo. Tödtlicher Ausgang.
Wallach, 11 Jahre alt und 1,74 Meter hoch, wurde am 19. October 1885 in die Klinik zur Untersuchung eingestellt. Der Besitzer hatte das Pferd vor 27 Tagen ge­kauft und will von der Uebergabe an eine erhebliche Trägheit beim Gebrauche des­selben wahrgenommen haben. Befund am 20. October: Im Laufstall steht der Patient gewöhnlich mit etwas gesenktem Kopfe. Augen halb geschlossen. Gegen Tritte auf die Pusskronen und Greifen in die Ohren reagirt das Pferd nicht. Mitunter werden die Füsse schief oder übereinander gestellt. Hesp. 10, Puls 3G, Temp. 37,8. Drängen nach vorwärts fehlt. Zuweilen geht das Pferd aber einige Male im Kreise durch den Stall. Futteraufnahme gering. Heu wird aus der Raufe gezogen und mit Unter­brechungen gekaut. In das Halerfutter greift das Pferd mit den Zähnen; es kaut aber nicht, sondern hält die Lippen eine Zeit lang im Putter.
Ich Hess das Pferd am 20. October eine halbe Stunde lang an der Longe be­wegen. Es war hierbei nicht in den Trab zu bringen, ging aber im Schritt sehr flott. Als es wieder in den Laufstall gebracht war, bekundete es dieselben Symptome, wie vorher. — Am 21. October Hess ich das Pferd in einen gewöhnlichen Kastenstand stellen und anbinden. Eine Stunde später starke Aufregung und Drängen gegen die Krippe oder rückwärts in die Halfterkette. In den Laufstall zurückgeführt, bekundete
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Oehirnwassersucht.
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der Patient förmliche Schlafsucht. Er liegt llaoh auf der Seite. Die Aufrichtung ist unmöglich. Eine Venoninjection von Tinot. Veratri (8,0) hat nur geringe Wirkung. Kesp. 12, Puls G2, Temp. 37,9. In der Nacht vom 21./22. Ootoher erfolgte der Tod, Bei dor Section im pathologischen Institut (Lüpke) fanden sich In relativ starker Entwickelung die Veränderungen, welche der Erstickungstod mit sich bringt. Austritt von dunklem, lackfarbenem Blut in die Lungen und Bronchien. In den meisten Organen, auch im Gehirn zahlreiche hämorrhagische ilordo, welche während der Agone entstanden waren. Starke Füllung der venösen Gefässe in der Pia; auffallende Röthung der Dura und Pia. In den Seitenventrikeln des Grosshirns, die in situ eröffnet wurden, 25 Grm. leicht getrübter, gelblich rother Flüssigkeit. Adergoflechte ödematös geschwollen. In den absteigenden Schenkeln der Hinterhörner drei Adhäsionen von dem Umfange einer Linse bis einer Erbse. Das Ependym der Seiten­ventrikel enthält zahlreiche kleine hämorrhagische Herde.
2) Acute Leptomeningitis mit vorwaltender Affection der Plexus und des Epondyms der Soitenventrikol. Tod am G. Krankheitstage durch
Gehirnlähmung. Fünfjähriger Schimmelwallach wurde wegen einer leichten Quotschwunde in der Kötho des linken Ilinterfusses seit dem 12. März 1883 behandelt und war bereits go-hoilt. Es zeigte in dieser Zeit 40 Pulse, 12 Athomzüge und eine Temperatur von 37,8deg;. Am 26. März stellte sich ganz unerwartet Verringerung des Bewusstseins, Schliessen der Augen, Drängen in die Halfterketto, Verweigerung der Fiitleraufnahme ein. Puls 64, Temp. 39,2, Rosp. 14. In einen freien Stall gebracht, bewegte sich das Pferd an den Stallwänden entlang, verletzte sich dabei die Haut an den Augenbogcn und an der Stirn. — Umschläge von kaltem Wasser auf den Kopf; innerlich: Extr. Aloös mit Natr. sulfuric. — Bis zum 28. März besserte sich der Zustand. Die Zahl der Pulse sank auf 48, Rospiration auf 18, Temperatur auf 38,9. Kopfhaltung ge­senkt, Augen halb geschlossen, Unaufmerksamke'U auf die Umgebung. Das Drängen nach vorn hat nachgelassen. Das Pferd liegt viel, steht freiwillig wieder auf und nimmt etwas Hafer und Heu neben vielem Trinkwasser auf. Bis zum 30. blieben die Symptome günstig. Am folgenden Tage traten von neuem Zwangsbewegungon Im Kreise ein. Das Pferd verletzte sich die Haut am Kopfe mehrfach. Tiefer Sopor. Puls 72, Rosp. 20, Tomp. 37,2. — Tod am 1. April. Bei der Section fanden sich die Maschen der Pia leicht gefüllt, die Gyri dos Gehirns abgeplattet. Die Plexus der beiden Seitenvontrikel durch gelatinöses Infiltrat bis zur Stärke eines kleinen Fingers geschwollen. An der Basilarfläche der Ventrikel er­schien das Ependym in der vorderen Partie mit feinen rothen Strichen und Punkten durchzogen. Beide Ventrikel enthielten 30 Gem. einer hellgelben Flüssigkeit. Die grossen Ganglien waren etwas abgeplattet. In den Arterien des Gehirns war nichts Krankhaftes zu ermitteln.
8) Encephalo-Meningitis acuta mit Erweichung der Entzündungs­herde. Tödtlicher Ausgang. Fuchswallach, 5 Jahre alt und 1,72 Meter hoch, Arbeitsschlag, wurde am 7. Juni 1886 in die Klinik eingestellt. Vorberichtlich war das Pferd seil mehreren Tagen krank. Die Untersuchung am 8. Juni ergab eine rechtsseitige Pnoumonie: am oberen Rande der rechten Lunge compensatorisches Vcsiculärgeräusoh, in der Dtookerhoff, Spec. Praquo;thulogie u. Thempte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;qq
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(110nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkrankheiton.
unteren Partie fehlte das Athomgoräusch; in der vorderen Partie Bronchial­geräusch. Dementsprechend war der Percussionsschall an der rechten Thoraxwand gedämpft. Resp. 24, l'uls 88, Temp. 38,6. Allgemeinbefinden stark belastet; zeit­weise soporösos Benehmen; sonst war das Verhalten apathisch. Das Pferd stand meist, mitten im Stalle mit gesenktem Kopfe und halb geschlossenen Augen. — Am 9. Juni starke Benommenheit des Bowusstseins, Drängen gegen die Stallwandungen, schwerfällige und unsichere Bewegungen; darauf anhaltendes und unruhiges Liegen; gegen Abend erfolgte der Tod.
Bei der am 10. Juni im pathologischen Institut (Sticker) vorgenommenen Section fand sich die rechte Lunge mit Ausnahme des zungenförmigen Lappens und des oberen stumpfen Randes derb und ihre Durchschnittsflächo von kleinen, trockenen, gelblich weissen Herden durchsetzt, deren Nachbarschaft entzündlich geröthet er­schien. — Das Herzfleisch enthielt zahlreiche grössere und kleinere blutige Herde. Milz vergrössert und mit hämorrhagischen Herden durchsetzt. — Leber stark ge­schwollen, auf der Schnittfläche feucht und glänzend, stellenweise icterisch. — Nieren massig vergrössert, auf dem Durchschnitt trübe. — Die Synovialkapseln mehrerer Gelenke (linkes Hüftgelenk, rechtes Sprunggelenk) enthalten eine dunkolrothe, ziem­lich consistente Flüssigkeit.
Beim Abschneiden des Kopfes entleert sich aus dem Wirbelkanal eine klare, gelbliche Flüssigkeit in grosser Menge. Die in situ eröffneten Soitenventrikol des Grosshirns sind mit gelblich klarem Serum gefüllt. Auch zwischen Dura und Pia cerebralis findet sich Flüssigkeit. Pia trübe und injicirt. Gyri abgeplattet. „Am Hintorlappen, im Bereiche dos Gyrus marginalis der linken und rechten Hemisphäre ist die Pia an einer zehnpfennigstückgrossen Stelle weiss-lioh getrübt und mit zahlreichen punktförmigen Blutungen durch­setzt. Die graue Substanz lässt an dieser Stelle auf dem Durchschnitt blutige Herde erkennen; die benachbarte weisse Substanz ist grünlich gefärbt, in der Peripherie gelblich-grün. Im linken oberen Vierhügel findet sich ein linsengrosser Herd mit dunkelrothetn Centrum und grüngelb gefärbter Peripheriequot;.
4) L eptomeningitis serosa im Bereiche der Medulla oblongata. Schnelle Genesung. Von dem Pferdehändler B. wurde am 5. Juli 1886 ein Sjähriger brauner Wallach (leichtes Wagenpferd veredelter Abkunft), der Klinik mit der Angabe zugeführt, dass derselbe am Tage vorher mit der Eisenbahn transportirt sei und sich während der Nacht im Stalle unruhig benommen resp. Kreisbewegungen -ausgeführt habe. Das gut genährte Pferd bekundet eine massige Benommenheit des Bowusstseins. Es horcht aber beim Zurufen oder beim Klatschen mit den Händen auf, erkennt auch das Herannahen von Personen. Puls 42, Resp. II, Temp. 37,9. Schleimhäute normal. In der Reitbahn dreht sich das Pferd beständig in einem kleinen Kreise nach rechts herum, nur ab und zu steht es eine kurze Zeit still. Hals und Kopf werden auch dann stark nach rechts gehalten. Fortwährende Bewegungen mit den Lippen und der 'Zunge, welche aus dem geöffneten Maule nach der rechten Seite hervor­gestreckt wird. Nach dem jedesmaligen Zurückziehen der Zunge werden die Schneide­zähne mit einem laut klappenden Geräusch geschlossen. Zuweilen vollführt das Pferd, wenn es stehen bleibt, Drehbewegungen mit dem schief nach rechts gehaltenem Kopfe. Mit Unterstützung kann es den Kopf nach links wenden, nicht aber den Hals,
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Gehiniwassersuclit.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (511
so class es mit dorn Gebiss die röchle linistwand nicht zu oiToichon vermag-. Als ich dem Pferde in einer Ecke der Reitbahn Qrünfutter vorlegen Hess, vollführte es mit Bowusstsoin nach der rechten Seile eine Bewegung im Kreise, um zu demselben zu gelangen. Es verzehrte das Futter mit Appetit und lebhaften lüuibewegungen, aber mit schiefer Haltung des Kopfes und Halses, wobei es den linken Kuss nach vorn stellte. Es war unfähig, zum zweiten Male nach dein Futter zu greifen und drehte sich deshalb wiederum in einem grösseren Kreise herum, um dasselbe zu erreichen. Dabei scharrte es mit den Vorderfüssen, weil es unmuthig darüber war, dass es zu dem Futter nicht gelangen konnte.
Behandlung: Waschungen des Kopfes mit kaltem Wasser, sorgfältige Ver­pflegung in kühlem Räume. Am folgenden Tage waren sämmtliche Erscheinungen verschwunden. Das Pferd wurde bis zum 8. Juli in der Klinik verpflegt und ist sowohl während dieser Zeit, als auch später gesund geblieben.
5) Leptomeningitis serosa cerebrospinalis.
Am 29. März 188() sandte der Pferdehändler H, eine 10—11 Jahre alte Fuchs-stuto dänischer Abkunft, welche wenige Tage vorher mittels längeren Eisenbahn­transportes nach Berlin gebracht war, in die Klinik. Befund: liei sehr gutem Nähr-zustand starke Eingenommenheit des Bewusstseins. Gesenkte Haltung des Kopfes. Unregelmässigo Stellung der Gliedmassen; schwankende Bewegungen zur Seite und nach vorwärts; zeitweise Anstützen des Kopfes oder dos Beckens gegen die Stall wand. Mitunter schiebt das Pferd seinen Oberkörper nach vorn, vergisst aber die Gliod-inassen vorzustellen und stürzt zu Boden. Es kann nur mit Unterstützung wieder aufstehen. Wendungen zur Seite oder nach rückwärts sind nicht zu ermöglichen. — Resp. 12, Puls 40, Temp. 38,4. — Ord.: Aderlass von 10 Pfund. Kalte Umschläge auf den Kopf. — In der Nacht vom 29. zum 30. März ist das Pferd auf die linke Seite gefallen. Die Aufrichtung desselben ist nicht zu ermöglichen. Im Liegen zieht und streckt es den oberen Hinterfuss abwechselnd. Häufig schnelle Kieforbewegmigen mit hörbarem Gegenschlagen der Schneidezähne (Zähnoklappern). Bei dem unruhigen Vorhalten entstehen starke Quetschungen am Kopfe und an der Schulter. Resp. 20, Puls 52, Temp. 38,7. Am Nachmittag verschlechtert sich durch das unruhige Benehmen das Gesamratbollnden. Temp. 39,2. Ord.: Veratr. sulf. 0,1 in subeutaner Injection. Inhalation von zerstäubter Ammoniaklösung.
Die Symptome sind am 31. März vornehmlich durch das anhaltende Liegen dos Pferdes bestimmt. Vormittags sind die Bewegungen der Gliedmassen und des Unter­kiefers noch zu beobachten. Nachmittags lassen dieselben vollständig nach. Wieder­holte Umwcndungen des Thieros haben keinenEinlluss auf das Befinden. Bxspirations-luft übelriechend. Kesp. 36, Puls 100, Temp. 40,1. Gegen Abend trat der Tod ein.
Section im pathologischen Institut (Sticker). In der rechten Lunge die Zu­stände einer frischen diffusen, eiterig-jauchigen Bronchitis und Broncho-Pneumonio. Die Bauchorgane und das Herz zeigen die gewöhnlichen Veränderungen. Vor der Trennung dos Kopfes vom Halse wurde das Rückenmark mit seinen Häuten unter­bunden. Aus dem Halswirbelkanal resp. den Rücken markshäuten ent­leert sich eine gelbliche, klare Flüssigkeit in grosser Menge. Von der gleichbeschaffenen Flüssigkeit enthalten die deutlich erweiterten Scitenventrikel des Grosshirns, die in situ eröffnet wurden, etwa 20 Grm. Gyri abgeplattet; Hirnsubstanz durchfeuchtet; Plexus der Ventrikel am Rande sulzig geschwollen; Gefässe des Epen-dyms an mehreren Stellen injicirt.
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6)nbsp; nbsp;Leptomeningitis cerebro-spinalis serosa mit Krouzschwiloho und
Facialislähmäng an der linken Seite.
Zehn Jahro alte Fuchsstute (Reitpferd von boshal'tem Temperament) wurde am 19. December 1882 in die Klinik eingeliefert, weil sie seit 3 Tagen unregelmässige Bewegungen und Schwäche im Hinterlheil gezeigt hatte. Das Pferd war gut genährt und bekundete eine ziemlich rege Aufmerksamkeit. Das rechte Ohr wird normal be­wogt, während das linke herabhängt und nur unvollkommen emporgehoben werden kann. Im Gehen stellt das Pford beide Vordorfiisse in kurzen Schritten nach vorn und zieht dann nacheinander den einen und den anderen Hintorfuss langsam nach, schwankt hierbei aber mit dem Hinterlheil und droht umzufallen, Heide Lippen nach rechts verzogen. Linke NasenölTnung unbeweglich, rechte Nase normal. Respiration tief, 8 Mal in der Minute; bei der Exspiration ein brausendos Geräusch. Temperatur wogen dos boshaften Verhaltens bei dem Pforde nicht festzustellen. Puls 40. Appetit gut, Poristaltik lebhaft.
Nach diesem Befunde wurde die in der Ueborschrift priieisirte Diagnose gestellt. Behandlung: Einreibungen von Sonfspiritus auf das Kreuz und am Kopfe. Freie Bewegung im Laufstall. Am folgenden Tage hält das Pferd den Kopf beständig schief nach der linken Seite, drängt nach hinten und fällt um, wenn es festgehalten oder gewendet werden soll. Die Verabreichung drastischer Abführmittel blieb er­folglos. Der Bositzor Hess das Pferd am 2G. December aus der Klinik abholen, so dass die Section vereitelt war.
7)nbsp; nbsp;Leptomeningitis sorosa acuta (Sonnenstich). Trismus. Tödtlicher
Ausgang. Zwölfjähriger, gut genährter und auf den Füssen massig verbrauchter Wallach (schweres Arbeitspferd im Besitze einer Bierbrauerei) hatte am 21. Mai 1886 bei grosser Hitze anstrengend und in langer Trabbewegung gearbeitet. Unterwegs war dem Kuts;her ein tauraolndor Gang und Benommenheit des Bewusstseins aufgefallen. Das Pferd konnte darauf nur mit Mühe im langsamen Schritt noch eine Viertelstunde weit gehen, legte sich im Stalle sogleich nieder und war unvermögend, aufzustehen. Ich fand es in tiefem Sopor. Es lag flach auf der linken Seite mit ausgestreckten Gliedmassen. Die Augen geschlossen. Resp. 17, Puls 62, Temp. 39,3. Conjunctiva leicht geröthet. Die Kiefer krampfhaft geschlossen, so dass kaum ein Strohhalm zwischen das Schneidezahngebiss geschoben worden konnte (vollkommener Trismus). Die Bewusstlosigkoit war so gross, dass das Pferd die Berührung des Augapfels nicht empfand. Im Verlaufe der nächsten Stunde siellto sich allgemeines Zittern am Körper ein. Von einer Behandlung wurde abgesehen. Nach achtstündiger Krankheitsdauer trat der Tod ein. Die von mir ausgeführte Section ergab die gewöhnlichen Befunde des Erstickungstodes. Im Gehirn bestand eine leichte Anfüllung der subarachnoidealen Räume mit Serum. Die Substanz des Gehirns war durchfeuchtet. Anderweitige Ver­änderungen waren nicht zu erkennen.
8) Enoephalo-Moningitis mit zahlreichen minimalen llämorrhagien
und einem kleinen Erweichungsh erde im Gehirn.
Braune Stute, 7 Jahro alt, Reitpferd, wurde am 6. Januar 1884 mit dem Bericht
in die Klinik eingeliefert, dass sie seil einigen Stunden ein unruhiges Benehmen zeige.
Befund: Starkes Drängen nachvorn. Aufstützen des Kopfes, schwankende Bowcgungon.
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Dummkoller.
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Puls 42, Resp. 20, Tomp. 38,3. Bohandlung erfolglos. Am folgenden Tage trat der Tod ein. Die im patliologischon Institut (Liiplce) ausgefülirte Section des Cadavers ergab aussei' den Befunden, welche durch die Quetschung der Haut an zahlreichen Stellen und durch den Erstickungstod herbeigeführt waren, im Gehirn folgende Ver­änderungen : Schiidolknochon ohne Verletzung. Dura mater verhältnissmässig leicht abzutrennen. Die subarachnoidealen Venen stark injicirt. Sulci verstrichen. In der linken Seitenkammer 6 Grm. einer blassrothen, trüben Flüssigkeit. Die Substanz der linken HemispliSre nicht verändert. In der rechten llomisphäro erscheint das Gehirn auf dorn Durchschnitt feucht und schmutzig gelb. Die Substanz enthält zahlreiche stecknadelkopf- bis linsengrossc, scharf umgrenzte röthliche Herde. Neben der Flssura longitudinalis ist die Ilirnsubstanz in dem umfange eines Pfennigstückes zu einer breiigen Masse zerfallen. In den Hirnarterien keine Veränderungen.
Capitel XLV. Dumnikollcr. Morosis E(|uorum.
Der Bedeutung, welche der Dummkoller oder Koller bei Pferden für die thierärztliche Praxis besitzt, entspricht die Beachtung, welche die Autoren seit mehr als 100 Jahren auf die Charakterisirung dieser Krankheit verwendet haben. Offenbar ist die Bezeichnung derselben als „Kollerquot; (altdeutsch „Kolderquot;) aus der Volks­sprache hervorgegangen; sie bedeutet, dass die betroffenden Pferde einen Mangel an Verständniss für die im Wege befindlichen Hindernisse, ein ungeberdiges Benehmen und eine krankhafte Unfolgsamkeit irn Gebrauche bekunden. Hiernach erklärt sich die aus der älteren Literatur ersichtliche Neigung der Fachmänner, zu dem „Kollerquot; der Pferde alle erheblichen Störungen der psychischen Thätigkeit zu rechnen und den­selben als eine Analogie der Geisteskrankheiten des Menschen anzusehen. Vitet (1771) beurtheilt demgemäss den Koller nur als einen Complex von Symptomen ver­schiedener psychischer Störungen. Den älteren französischen Thierärzten (Lafosse u. A.) scheinen als Vorbild für die theoretische Erläuterung des Dummkollers die­jenigen Krankheitsfälle gedient zu haben, in welchen die Pferde sich selbst überlassen, längere Zeit hindurch wie in sich gokehrt stehen bleiben und fast nicht von der Stelle zu bringen sind. Daher die Bezeichnung der Krankheit als „Immobilitöquot;. Das Wesen derselben wurde in einer Versteifung der Skelotmuskeln, besonders am Rücken und Hintertheil vermuthet. Aus dieser Theorie ging der Vergleich des Dummkollers mit der Katalepsie (Starrsucht) des Menschen hervor, womit sich auch die deutschen Thierärzto mehrfach befasst haben.
Im 18. und auch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde irrthümlich von vielen aonten Krankheiten des Pferdes angenommen, dass sie längere Zeit vor ihrem offensichtlichen Ausbruche vorhanden oder in der Ausbildung gewesen seien. Daher erklärt sich, dass die subacute seröse Leptomeningitis in zahlreichen Fällen dem „Kollerquot; zugerechnet wurde. Unrichtig ist aber die Behauptung, dass die alten
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614nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkrankheitpn.
Autoron die flirn- und Hirnhautentzündung überhaupt als eine Art des Kollers be­trachtet hätten. Wolstoin (Innerl. Krankh. d. Füllen, Kriegs- und Bürgerpferde. Wien, 1787) und Kersting (f 1784) unterschieden vielmehr zwischen beiden Krank­heiten sehr klar. Auch die ' pathologisch-anatomische Grundlage des Kollers wurde von Wolstein nach zahlreichen Sectionsbefunden richtig angegeben: „Der Reiz dieser gemeinen und allzeit kronischen Krankheit ist im Gehirn; in den Kammern dieses Kingoweides liabo ich bei allen kollerischen lJferden allzeit eine widernatürliche Menge Wasser angetroffen. Bald strotzen sie davon; bald ist eine mehr, die andere weniger gefüllt; bald findet man mehr, bald weniger von diesem Safte darinnen.quot;
Von den französischen Thierärzten lieferte Chabort (Instruct., VI., 1791) zu­erst eine ausführliche Beschreibung der Krankheit. Er bemerkt, dass bei der Section die llinisubslanz erweicht, die seitlichen Ventrikel. voll Wasser, die Adergeflochte geschwollen und hiiiifig mit Concretionen von verschiedenem Umfange besetzt ge­funden werden.
Indess war im vorigen Jahrhundort schon von dem Laienpublicum zwischen dem „tollen Kollerquot; und dem „stillen Kollerquot; ein Unterschied gemacht worden, wolchon auch Vitet(l. c.) und zahlreiche spätere Autoren aufrecht hielten. Beide Arten dos Kollers sollton chronische Krankheiten sein. Das Motiv für ihre Auseinander-lialtung wurde lediglich in einzelnen Symptomen gefunden. Es ist leicht ersichtlich, dass hierbei diagnostische Irrthünier unterlaufen sind. — In der Folgezeit mehrte sich das Bestreben der Fachmänner, nach der Gestaltung der Krankheitssymptomo be­sondere Formen des Kollers aufzustellen (Toller oder Rasender Koller — Springkollor — Torpider Koller — Dummkoller — Stillkoller — Schiebekoller— Lauschkoller). Dummkollerkranko Pferde, welche den Kopf hoch tragen, erhiolten die Bezeichnung „Stornguckerquot;. Nach der vermeintlichen Kntstchung der Krankheit wurde ferner unlorschiedon zwischen Sonnonkoller — Geschlechtsko Her mit den Unterabthoilungon des Samenkollers und Mutter­kollers — Idiopathischom und C'onsonsuellom Koller (Abdominalkoller odor Magenkoller). Nachdem die DiHforenzirung der Krankheit einmal in die Literatur aufgenommen war, konnten sich die Autoren lange Zeit hindurch von der­selben nicht losmachen. Nach Zipf (Lehrb. d. Krankh. d. Thioro. 1807) sollte der Kollor drei verschiedene Arten: Melancholie, Blödsinn und Raserei umfassen. — Voith trennte den Koller (Vesania, Fatuitas) in folgende Formen: 1. Stiller Kollor (Seh la fk oller); 2. Dummkoller (Schieber) und 3. Rasender Koller (Spring kotier, Tobsucht — Mania). — llertwig (Med. Encyclopäd. Worterb. 1830) erachtete nur 2 Formen für zulässig: 1. D ummkoller (Schlaf­koller, Lauschkoller, Stiller Koller, Schieber) und 2. Rasender Kollor (Springkollor). Obwohl „nicht jede, von Tobsucht bogloitete llirnontzündungquot; dem rasenden Koller zugerechnet worden dürfe, so gehöre doch der letztere, weil er nur eine Form der Kollerkrankheit und meistens nur eine Modification des vorher schon bestandenen Üummkollors sei, in die Kategorie der Rodhibitionsfehler. Aus diesem Satze ergiebt sich schon, dass die Beschreibung des rasenden Kollers im Wesontlichen auf die acute Gehirnwassersucht passt. — Eine zum grösston Thoil sehr getreue Darstellung dos Kollers (Amentia) findet sich bei Hering (Spec. Pathol. 1842), welcher den „torpiden Kollorquot; (Dummkoller, Stiller Kollor, Lauschkoller, Schieber) und den „orethischen Kollerquot; (Rasender Kollor, Springkollor) unter­schieden hat; die Fälle der zweiten Form werden ausdrücklich als seltene bezeichnet. Als dritte Form hobt lloring den „consensuellon Kollorquot; hervor, wozu der
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Dummkpller.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;615
Samenkoller, dor Muttorkollor und vielleicht auch der Sonnonkoller zu rechnen seien. — Funke (Handb. 1852) boschriinkt die Eintheilung dos Kollers auf zwei Formen: a) Stillkollor (Dummkollor, Dummheit, Fatuitas, Amentia) und b) Rasender Koller (Tollkoller, Vosania).
In der späteren Zeit verfolgten viele praktische Thiorärzto mit oingohendom Interesse die Entwiokelung derjenigen acuton Krankheiten, wolcho in ihren Symptomen manche Aehnlichkoit mit dem Diimmkoüor haben. Die Beobachtungen wurden in den Zeitschriften niedergelegt. Aus denselben ergab sich zur Evidenz, dass viele nach der herrschenden Lehre dem „rasenden Kollerquot; zu unterstellende Krankheitsfälle auf einer acuten entzündlichen Affection der Pia mator beruhen und deshalb nicht mit dem redhibitorischen Mangel des Kollers identificirt worden können. Die Fehler, welche bislang in der forensischen Praxis begangen waren, hat Gerlach in seinennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ||
Vorlesungen an der Thierarznoischule zu Berlin und später in seinem Handbuch der gerichtlichen Thierheilkunde 1862 scharf gezeichnet. Derselbe weist dio Unterschei­dung der Krankheit in verschiedene Formen vollständig zurück, weil sie zu Miss-verständnisson führen. Nach seiner Lehre soll der Koller als eine einheitliche Krank­heit angesehen und zur Vermeidung von BogrilTsverwirrungon ausschliosslich mit dem Namen: „Dummkoller oder Blödsinn — Fatuitas, Amentia — der Pferdequot; bezeichnet werden. Die Auffassung Gerlach's hat inzwischen allgemeine Aner­kennung gefunden. Sie ist dahin zu präcisiren, dass aus Gründon der Zweckmässig-keit von der Aufstellung besonderor Formen des Dummkollers abgesehen werden muss. Ausgeschlossen ist aber hierdurch nicht, dass die Krankheit mit dem Charakter der Ohronicität und Unlieilbarkeit in einzelnen Fällen unter den Erscheinungen bestehen kann, welche die älteren Autoren zur Unterscheidung des Tollkollers odor erothischen Kollers veranlassten.
Definition und Pathogcnesc. Der Dummkoller der Pferde charakterisirt sich als eine chronische und unheilbare Krankheit dos Grosshirns, welche oino orheblicho Be­einträchtigung dos Vorstandes mit sich bringt. Der Regel nach liegt demselben dio krankhafte Ansammlung von Serum in den Seitenkammern der Hemisphären zu Grunde. In relativ seltenen Ausnahmefällen können auch Geschwülste in den Adergeflechton oder Knochonanftreibungen an der inneren Fläche dos Schädels die Krankheit ver­anlassen. Wolstoin (1787) erklärte den Vontrikelhydrops für die alleinige Ursache. Auch Gorl ach (1872) hat nach seinen Studien dieselbe Ueborzeugung gewonnen. Indess wurden von Gurlt (Path. Anat., 1831 und Nachträge, 1849), sowie von Bruckmüller (Path. Zoot., 1869) bei der Section Cholesteringeschwülste in den Adergeflechten als bedingendes Moment der Krankheit constatirt. Ich habe zwei der­artige Fälle kennen gelernt.' Dass aber solche Geschwülste bei massiger Grosse be­stehen können, ohne eine Störung zu bedingen, hat schon Gurlt angeführt und ist auch später oft nachgewiesen worden. — Bei einem zwölfjährigen Schimmelwallach belgischer Race, welcher nachweislich 10 Monate lang die Symptome des Dammkollers in hohem Grade gezeigt hatte und schliosslioh wegen des grossen Stupors als werthlos getödtet wurde, fand ich bei vorsichtiger Section kein Serum in den Ventrikeln, da­gegen eine multiple Knochonnoubildung an der inneren Fläche des Schädels. Stollen­weise waren die Knochen bis zur Dicke eines Fingers aufgetrieben. — Roll (Path. u. Thor., 5. Aufl., 1885) hat schon erwähnt, dass Knochonauswiichse an dor inneren Schädeltafel zu den oxceptionellen Ursachen des Dummkollers gehören. — Ob die von Zürn als nachtheilig angesehene Auftreibung des Keilbeins zu den bedingenden Momenten der Krankheit gezählt werden muss, habe ich nicht nachweisen können.
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C16nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organlu'ankhoiten.
Ich fand aber mehrfach eine solche Auftreibung bei alten Pferden, die nicht am Dtimmkoller gelitten hatten. — Magondie (vergl. llurtrol d'Arboval,-Wörterb. Deutsch von Renner; Art. Dummkoller) hatte darauf aufmerksam gemacht, dass Thioro, bei welchen die Corpora striata des Gehirns verletzt wurden, ähnliche Sym­ptome bekunden, wie die dummkollerkranken Pferde und Franck (Thierarztl. Mitth., München 18(!3) sprach sich direct dahin aus, dass die Symptome wohl durch eine materielle Veränderung der Corpora striata herbeigeführt sein könnten. Bis jetzt hat die Erfahrung die Eiohtigkeit dieser Vermuthung indess nicht ergeben. Dass aber in einzelnen Füllen derartige Veränderungen in den Slammganglien oder in der Hirn­rinde (Sklerose des Epondyms und der Nouroglia) eine Rolle spielen mögen, 1st nicht unwalirschcinlieh. — Hiernach besteht, wie ich mit Wol stein, Wagonfeld, Ger­lach und Roll anerkenne, in der überwiegend grö.ssten Mehrzahl der Fälle der Dumm­koller in der Ansammlung von klarem Serum in den Grosshirnventrikeln (Hydro-cephalus internus ohronicus—Hydrops ventriculorum oorobri chro-nicus).
Der Dammkollsr entwickelt sich entweder ganz allraälig und unmerklich (idio-pathischer Dummkoller) oder er bleibt als Nachkrankheit nach der subacuten Hirnhautentzündung oder acuton Gelurnwassersucht zurück (deuteropathischer Dummkoller). Hinsichtlich der letztgedachten Entstehungsart verweise ich auf S. fi02. Der mit dem Charakter der Chronicität einsetzende Venlrikelhydrops geht aus der chronischen llirncongestion hervor, wobei die Gefässe der Adergeflechto in ihrem Tonus geschädigt werden. Hierdurch steigert sich der Blutdruck in den Ader-gellechten, so dass Serum transsudirt und sich in den Ventrikeln anhäuft. Wie Hering zuerst festgestellt hat, ist die Ansammlung einer geringen Menge von Serum — etwa 10 Grm. — in den Ventrikeln bei vielen Pferden nicht nachtheilig. Ver-grössert sich aber die Quantität, so drückt das Serum auf die Wandungen beider Ventrikel. Letztere werden nach Gerlach von 25 Grm. Serum gefüllt; sie können aber bis zu 40 Grm. aufnehmen, indem sie sich in Folge des anhaltenden Druckes erweitern. Die Leistung des erhöhten Blutdruckes in den Capillaron der Plexus findet eine Gegenwirkung nur noch zum Thoil in der Spannkraft der Gefnsswände, zum andern Theil in dem Drucke des Serums und in dem Widerstände der Ventrikel-Waiidungen. Hierauf beruht das Missvorhältniss zwischen der Absonderung und der Resorption des Kamraorwassers. Es muss demnach in Folge des fortdauernd ge­steigerten Blutdruckes in den Plexus eine mehr oder woniger grosso Menge von Wasser in den Seitenkammern verbleiben. In einzelnen Fällen findet auch in der dritten ITirnkammer die Ansammlung von Serum statt. Aber eine Erweiterung der vierten Kammer und des Centralkanals im Bückenmark kommt beim Dummkoller eben so wenig, wie bei der acuten Gohirnwassersucht vor. — Relativ selten entsteht eine lilutunhiiufung in den Gelassen der Retina (Stauungspapille). — Gewöhnlich verdickt sich das Ependym der Seitenventrikel, aber an einzelnen Partien stärker, als an anderen. In kleinen Bezirken des Epondyms fand ich zuweilen eine Injection der er­weiterten Capillargel'iisse und in der hinteren Abtheilnng der Ventrikel verwachsen die Wandungen mitunter an einzelnen Punkten;
Die durch /Vtrophie des Gliagewebos und der nervösen Substanz verursachte Ausweitung der Ventrikel erfolgt nicht gleichmässig. Oft sind die Stammganglien verkleinert; in anderen Fällen erstreckt sich die Ectasie mehr nach vorn und bis in die Riechkolben hinein. Nicht selten kommt die Ausweitung vorwaltend an der Con-vexitiit zu Stande und dann gewöhnlich nicht an beiden Seiton gleichmässig. Es ist
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Dummkoller.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 617
nicht unwahrscheinlich, dass die Retraction des sklerosirten ependymalen und sub-ependymalon Gewebes an der partiellen Erweiterung der Ventrikel einen ursächlichen Antheil hat.
Das Zustandekommen der vorbosohriebenon krankhaften Veränderungen ist bei der idiopathischen Entstehung des Dummkollers an eine bestimmte Zeit nicht gebunden. Oft erfolgt die Entwiokolung in 6—8 Wochen; aber bei manchen Pferden lässt sich durch sorgfältige Würdigung der in dem Temperamente allmälig eintreten­den Veränderungen erkennen, dass die vollständige Ausbildung der Krankheit mehr, als 6 Monate in Anspruch nimmt. — Von den Cholesteringeschwülsten und der Ab­lagerung von Kalksalzen in die Plexus ist das ursächliche Moment nicht genau be­kannt. Soweit diese Geschwülste die Krankheit dos Dummkollers bedingen, erfolgt ihre Ausbildung erst in einerZeit von mindestens 2—SMonaten. Die seltenen Knochen-auftreibungen an der inneren Fläche dos Schädels kommen noch langsamer zu Stande.
Aetlologie. Für die idiopathische Entstehung dos Dummkollers dockt sich die Aetiologie im Ganzen mit den Ursachen, welche die Gehirncongestion herbeiführen (vergl. S. 590). Im Besonderen sind folgende Momente bemerkenswerth.
1) Anlage. Die den edlen Racen angehörenden Pferde erkranken selten am Dummkoller, was schon im vorigen Jahrhundort bekannt war. „Unter den ungarischen, siebenbürgischen und türkischen Racon findet man fast keinen Koller. Ebenso seiton ist die Krankheit unter den polnischen, tartarischen, englischen und anderen Pferden von edler Artquot; (Wolstoin). „Unter warmen Himmelsstrichen wird die Krankheit selten angetroffen.quot; (Kersting). Freilich ist hierbei zu beachten, dass durch die naturgemässo Haltung und Ernährung der edlen Pfordo in den ^Staats- und Privat­gestüten auch die anderen Ursachen fast ausgeschlossen sind. Thatsache ist, dass auch bei edlen Pferden, besonders bei donjenigon, welche mehrere Jahre hindurch in den Städten als Wagenpferde benutzt sind, die Krankheit vorkommt. Immerhin hat aber die Erfahrung orgeben, dass die zu den schworen Racen und zu den wenig ver­edelten Schlägen gehörigen Pferde eine viel grössore Anlage zum Dummkoller haben.
Seit 100 Jahren wird angenommen, dass Wallachen mehr zum Dummkoller incliniren sollen, als Hengste und Stuten. „Past alle Pferde, die ich am Dummkoller leiden sah, waren Wallachen; die Castration giebt also Anlage zu diesem Uebel.quot; (Wolstein). Diese Behauptung ist bis zur Gegenwart von vielen Autoren variirt worden. Bewiesen ist dieselbe aber nicht. In Deutschland werden weit weniger Hengste gehalten, als Wallachen; namentlich gilt dies von den Arbeitspferden. Es ist daher nicht auffallend, dass die Krankheit bei lleiigston nur selten beobachtet wird. Dagegen habe ich aus einem grossen Erfahrungsmaterial nicht entnehmen können, dass die Stuten eine erheblich geringere Anlage zum Dummkoller hätten, als die Wallachen. Vielleicht beruhen die Angaben der Autoren auf der Thatsache, dass in vielen Wirthschaften, in welchen die Arbeitspferde stark gebraucht und schwer gefüttert worden, vorzugsweise Wallachen Vorwondung finden.
Die Vorerbungsfähigkoit dos Dummkollers, welche Wolstein zuerst betont hat, ist mit der Einschränkung als zutreffend anzusehen, dass nicht die Krankheit an sich, sondern eine unvollkommene histologischo Einrichtung dos Gehirns, welche als Causa interna die Entstehung der Krankheit begünstigt, auf die Nachkommenschaft dumm-kollerkranker Stuten übergeht, loh habe aber auch mohrfach constatirt, dass Pferde, welche von notorisch dummkollerkranken Stuten abstammten, 15 Jahre und darüber alt wurden und vollständig gesund blieben. Die Behauptung, dass der Dummkoller auf hereditärer Grundlage sich im Fötus ausbilden und bei den neugeboronen Fohlen
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fi 1 8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkrankheiten.
bestehen oder sich in den ersten Lebenswochen horvorthu'n könne, ist nach meiner Meinung nicht begründet.
Erwiesen ist der Einfluss des Alters bei der idiopathischen Entstehung des Dummkollers. Schon Wolstein kannte, dass die Pferde in den ersten 4—5 Lebens­jahren und im hohen Alter nur selten an demselben erkranken. Gerlach meint, dass die Krankheit bis zum 4. Lebensjahre nur ausnahmsweise in Folge einer Anorbung, dagegen im 5. Jahre sehr selten und in den nächstfolgenden Altersjahren am häufig­sten entstehe. Hierzu soll der Zahnwechsel im 5. Jahre wesentlich beitragen. Ich kann dieser Behauptung nicht beitreten. Nach meinen Erfahrungen entwickelt sich der Dummkoller am häufigsten bei Pferden im Alter von 8—14 Jahren; er kommt nicht selten auch zwischen dem 6.—8. oder zwischen dem 14.—16. Lebensjahr zur Ausbildung. In den jüngeren und resp. höheren Altersjahren gehört die Entstehung der Krankheit zu den exceptionellon Ereignissen. Ich will aber ausdrücklich anführen, dass ich in mehreren Pällen bei Pferden, die im 3., 4. oder 5. Jahre standen, den Dummkoller sicher constatirt habe und dass diese Pferde nicht von dummkollerkranken Eltorthieren abstammten. Dem 'Zahnwechsel kann nach thatsächlichen Feststellungen ein Einfluss auf die Entstehung der Krankheit nicht zugeschrieben werden.
Durch Mängel im Bau des Kopfes resp. durch unvollkommene Ausbildung des Gehirns (schmaler Schädel, langer Kopf, Ramskopf) wird die Entstehung der Krank­heit begünstigt. Es ist anzunehmen, dass unter solchen Verhältnissen das Gefäss-systom der Pia gegenüber der Hirncongestion weniger widerstandsfähig ist, als bei vollkommenem Bau des Kopfes.
Heftiges (nervöses) Temperament kann insofern die Ausbildung der Krankheit begünstigen, als die betreffenden Pferde sich bei der Arbeit übermässig anstrengen. Wenn solche Pferde nur wenig Futter verzehren, so y/iri die normale Vertheilung des Blutes im Körper gestört; es treten Congestivzustände im Gehirn ein, aus welchen im Verlaufe von einem oder mehreren Jahren der Dummkoller hervorgeht.
2)nbsp; nbsp;Aeussere Ursachen. Im Allgemeinen wird der idiopathischo Dummkoller durch dieselben äusseren Einflüsse herbeigeführt, welche die Gehirncongestion (S. 590) und die acute Gehirnwassersucht (S. 599) voranlassen. Erheblich sind als äussere Ursachen: das feste Anziehen des Kopfes mittels des Aufsätzzügel im Wagendienste, so dass die Pferde den Kopf bei der Arbeitsleistung nicht bewegen können; die inten­sive Ernährung mit proteinreichem Futter; der dauernde Aufenthalt in dumpfen Stallungen; die anhaltende schwere Arbeit bei heisser Witterung; die Ueberführung der Pferde aus den gewohnten Verhältnissen einer leichten Ernährung und massigen Anstrengung in Wirthschaften, in welchen die Thiere bei reichlicher Fütterung schwere Arbeiten verrichten müssen; endlich chronisshe Störungen der Verdauung.
3)nbsp; nbsp;Krankhaft gesteigerte Brunst. Bei Stuten kann die übermässige und anhaltende llossigkeit rollectorisch eine Gehirncongestion bedingen und im Verlaufe von 1 — 2 Jahren zur Ausbildung des Dummkollers führen. In der thierärztlichen Literatur ist aber das ursächliche Vorhältniss der Brunst zum Dummkoller weit über­trieben worden. Es darf nicht ausser Acht bleiben, dass in mehreren Fällen die krankhafte Kossigkoit bei Stuten im mittleren Alter mehrere Jahre besteht, ohne dass sich dorDummkoller ausbildet. — Krankhaft gesteigerter Geschlechtstrieb bei Hengsten ist in der Aetiologie des Dummkollers bedeutungslos. Nur dann, wenn die betreffen­den Hengste sehr unruhig und mit einem mangelhaftem Appetit behaftet sind, kann, wie beim heftigen Temperament ein nachtheiligor Einfluss zugegeben werden.
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Dummkoller.
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Symptome. Sämmtliohe Erscheinungen des Duramkollers beziehen sich auf Störungen in den Functionen des Grosshirns. Die wichtigsten derselben beruhen auf einer krankhaften Herabsetzung des Be-wusstseins; sie bekunden sich durch: 1. Doprossion des Tempe­raments; 2. Unvollkommonhoit und Fehler in den Verstandes­operationen; 3. Störungen in den Gefühlsvorstellungen; 4. Fehler in den ßowegungsvorstellungon. — Zu diesen Erschei-nungsreihon gesellt sich oft noch: Verminderung der Pulsfrequenz; Verlangsamung der Rospiration und Verzögerung der Darm-peristaltik.
Beim Dummkoller ist die Fähigkeit der Pferde, die durch die Sinnes­organe aufgenommenen Reize zu bewussten Vorstellungen zu bilden und dementsprechend das psychische Verhalten einzurichten, beeinträchtigt. Im Habitus spricht sich eine Abstumpfung des Gemoingefühls, ferner eine Schwerfälligkeit in dor Action der Skcletmuskulatur und eine ün-voilkommenheit in der Beachtung der Umgebung aus. In der Ruhe stehen die Pferde wie selbstvergessen; der Blick ist stier, oft glotzend; die Augen werden von vielen Pferden weit geöffnet, von anderen mit den oberen Lidern halb verdeckt; die Ohren werden ungleich gestellt und be­wogt, oft wie lauschend nach einer Richtung eine halbe bis eine Minute lang fixirt, ohne dass hierzu eine äussero Veranlassung besteht. Die meisten Patienten halten den Kopf gesenkt und stehen sich selbst über­lassen, zeitweise, als wenn sie halb eingeschlafen wären. Andere halten den Kopf hoch. In den höheren Krankheitsgraden wird der Kopf zeit­weise auf die Krippe oder andere Gegenstände gestützt. — Bei unge­wohnten plötzlichen Geräuschen (Zuschlagen der Stallthür, Klatschen in die Hände etc.) fahren die Pferde schreckhaft zusammen. Der üblichen Anregung zum Seitwärtstreten oder zum Vorwärtsgehen leisten sie nur schwerfällig oder gar nicht Folge. — In der Futtoraufnahmc benehmen sich die dummkollerkrankon Pferde sehr verschieden. Einzelne verzehren nicht mehr, als zur Fristung des Lebens eben hinreicht; andere nehmen das gewöhnliche Futter in massiger Quantität auf und bei einem dritten Theil findet sich ein reger Appetit. Sind die Pferde in der Region der falschen Rippen, unvollkommen gebaut, so ist die hierdurch schon be­einträchtigte Futteraufnahme meist sehr gering. Das Kurzfutter wird am besten aus einer niedrig gestellten Krippe verzehrt; die Kaubewogiingcn sind abnorm verlangsamt (vergl. S. 87); oft unterbrechen die Pferde das Kaugeschäft ohne äussero Veranlassung. In den höheren Graden des Dummkollers nehmen die Pferde von dem Heu in der Raufe oft keine Kenntniss; znwoilon greifen sie auch mit geöffnetem Maul in das auf der
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620nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Orgaiikranldieiten.
Raufe liegende Heu und ziehen einen erheblichen Theil desselben auf den Boden oder in die Krippe. Das auf dem Fussboden befindliche Rauf­futter wird langsam und mit häufigen Unterbrechungen aufgenommen. Beim Verzehren des Heus oder Strohs vergessen sich die Thiero zeit­weise; sie halten mit dem Kauen innc, während einzelne Halme, selbst ganze Bissen aus den Lippenwinkeln hervorragen; nach 1/i—'^ zuweilen erst nach einer vollen Minute wird dann das Kauen fortgesetzt. Sowohl das Heu, wie das Kurzfutter ergreifen die Pferde mitunter nicht mit den Lippen, sondern mit den Schneidezähnen. — Die Aufnahme des Trink­wassers erfolgt in der Regel abnorm langsam; mitunter stecken die Thiere den Kopf tief in den mit Wasser gefüllten Eimer und ziehen ihn erst wieder empor, wenn sie das Bedürfniss der Respiration empfinden.
Künstliche Reizungen der Haut (Treten auf die Fusskronen, Schnellen gegen die Oberlippe und Nase, Greifen in die Ohren) beachten die Thiere meist nur ganz unvollständig. Indess sind diese Erscheinungen sehr in­constant. In manchen Fällen erwehren sich die Pferde solcher Berührungen der Haut im Stande der Ruhe sehr lebhaft. Nach der Anstrengung or-giebt sich aber fast immer, dass das Treten auf die Fusskronen unvoll­kommen oder gar nicht empfunden wird. Die meisten dummkollerkranken Pferde beachten auch im Sommer das Schmarotzen der Fliegen auf der Haut nicht. Reitpferde sind wenig empfänglich gegen Sporen und Peitsche; ebenso haben die gewöhnlichen Mittel der Antreibung bei Wagen- und Arbeitspferden nicht die beabsichtigte Wirkung.
Im Stalle bekunden die leicht erkrankten Pferde keine Abweichung von der normalen Stellung der Gliedmassen. In den höheren Graden werden oft gleichzeitig die Vorderfüsse nach hinten und die Hinterfüsse etwas nach vorn unter den Leib gestellt. Nicht selten stehen solche Pferde auch eine Zeit lang mit gekreuzten Vordergliedmassen.
Beim Führen, sowie beim Reiten und Fahren finden sich theils augenfällige, theils nur geringfügige Störungen in der Bewegung. Fast immer bekunden die Pferde in jeder Gangart ein abnorm langsames Tempo; einzelne gehen im Schritt und im Trabe tappend. Der Kopf wird in den höheren Krankhoitsgraden meist gesenkt gehalten (Schieber), in einzelnen Fällen aber hoch getragen (Storngucker). Mitunter gehen die Thiere aus dem Stande der Ruhe zuerst mit einem Hinterfüsse an. Viele Pferde sind schwer lenksam und oft findet sich ein Drängen nach der einen oder anderen Seite. — Bei fortgesetzter Dienstleistung ver­halten sich die Thiero träge; manche sind kaum aus der Stelle zu bringen. Die im Wege befindlichen Gegenstände oder Vertiefungen (Löcher und Gräben) werden unvollkommen oder gar nicht erkannt. Einzelne
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Üummkoller.
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Pferde bekunden wegen der mangelhaften Vorstellung eine Scheu vor allen nur etwas auffälligen Gegenständen. — Das Zurücktreten ist in der Regel nur bei starkem Anziehen der Zügel zu erzwingen.
Die Frequenz des Herzschlags ist sehr oft auf 33—-30, selbst bis 25 in der Minute verlangsamt, nicht selten aber normal. Zuweilen ist der Herzschlag aussetzend. Arterieupuls voll. — In der Respiration findet sich oft eine Verzögerung bis auf 9, selbst bis auf 7 Athemzüge in der Minute. Exspiration zuweilen verlängert, mitunter „seufzendquot;.. — Darraperistaltik nicht selten träge. Die Entleerung der Darmexcremente gestaltet sich nach Massgabe der Futteraufnahme verschieden.
Die Beschränkung des Bowusstseins und mit derselben die speciellen Symptome des Dummkollers machen sich in höherem Grade geltend, wenn die Pferde durch anhaltende Arbeitsleistung ermüdet sind oder wenn sie bei erheblicher Anstrengung über den ganzen Körper in Schweiss-ausbruch gerathen. Bei der allgemeinen Ermüdung vermindert sich die Aufmerksamkeit auf die äusseren Sinnesreize in Folge der Empfindungen, welche aus den stark in Anspruch genommenen Muskeln, Fascicn, Ge­lenken etc. in das Bewusstsein gelangen. Die Arbeit bis zum Schweiss-ausbruch erschwert die Respiration und die Arterialisirung des Blutes, veranlasst auch eine Erhöhung des Blutdruckes und die Anhäufung von Blut im Gehirn, so dass der Druck gegen die arteriellen Oapillaren grosser und die Zufuhr von Sauerstoff zu den Ganglien des Grosshirns geringer wird. Hierin ist die Erklärung für die momentane Steigerung der Krank­heitssymptome zu finden.
Für die Erscheinungen des Dummkollers ist zu beachten, dass die­selben dem Grade nach in sehr weiten Grenzen differiren können. Modi-ficirt werden die Symptome ausserdem in einzelnen Fällen durch eine Hyperästhesie der Haut (erethischer Dummkoller der älteren Autoren), sowie durch die nebenbei entstehenden Untugenden (Beissen, Schlagen, Scheuen, Unfolgsamkeit und Widersetzlichkeit im Dienstgebräuche). Bos­hafte Pferde mit der Neigung zum Beissen suchen sich, wenn sie am Dumm­koller leiden, gewöhnlich dem Treten auf die Fusskronen, selbst Jeder Berührung der Haut am Rumpfe, sowie dem Greifen in die Ohren und dem Schnellen gegen die Nase zu entziehen. Das Motiv dieser Reaction liegt weniger in einer abnormen Reizbarkeit der Haut, als in dem psychischen Bestreben, die Personen abzuwehren oder anzugreifen.
Verlauf. Als eine unheilbare Krankheit bleibt der Dummkoller nach seiner Ausbildung für die ganze Lebenszeit bei den betreffenden Pferden bestehen. Aber die krankhaften Veränderungen im Gehirn erlangen nur in Ausnahmefällen einen so bedeutenden Grad, dass die Thiore in Folge
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622nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ürgankrankheiten.
von Stupor dio Futteraufnahme versagen und endlich so schwach werden, dass sie nicht mehr stehen können und zu Grunde gehen. Es liegt auch nicht im wirthschaftlichen Interesse der Besitzer, die am Duminkoller schwer erkrankten Pferde so lange am Loben zu lassen, bis sie verenden würden. In den meisten Fällen besteht die Krankheit nicht in einem so hohen Grade, dass die Pferde wegen derselben werthlos sind. Unter den gewohnten Verhältnissen einer gleichmässigen Ernährung und der Beschäftigung in dem einmal erlernten und deshalb bekannten Dienst­gebrauche verbleibt die Krankheit zuweilen mehrere Jahre hindurch auf einem so niedrigen Grade, dass die Symptome derselben von den Laien (Wirthschaftsinspectoren und Knechten oder Kutschern) nicht erkannt werden. Kommen solche Pferde aber in andere Verhältnisse, so dass sie mehr schweres Futter erhalten und stärker zu Arbeitsleistungen herangezogen werden, so erlangt der Dummkoller meist einen höheren Grad. — Bei manchen Pferden, aber nicht bei allen, erfolgt eine gra­duelle Herabsetzung der Symptome mit dem Eintritt kühler Witterung und in den Winterraonaten, während an heissen Tagen und im Sommer die Zufälle sich steigern. Auf den Einfluss der Witterung wird nach dem Vorgange Wolstein's von vielen Seiten ein grösseres Gewicht gelegt, als thatsächlich begründet ist, wie ich an zahlreichen Beispielen habe beobachten können. Auch die Fütterung hat für sich allein nicht die Wirkung auf den Verlauf des Dummkollers, welche allgemein in der Literatur behauptet wird. Magere Ernährung soll einen graduellen Nach-lass der Symptome, die Verabreichung von Körnerfutter dagegen eine Steigerung derselben herbeiführen. Ich habe dies an einem grossen Er­fahrungsmaterial nicht gefunden. Wenn ich von dem schnellen Wechsel in der Fütterung resp. von dem plötzlichen üebergange aus einer „exten­sivenquot; in die „intensivequot; Ernährung absehe, so habe ich immer nach­weisen können, dass die dummkollerkranken Pferde bei guter Ernährung mit Hafer ein lebhafteres Temperament bekommen, die Arbeit besser er­tragen und sich auch in der Führung, sowie gegenüber den sonstigen Anforderungen im Dienstgebräuche verständiger benehmen, als bei dürftiger Fütterung. Bei karger Ernährung und relativ schweren Arbeitsleistungen der Pferde verschlimmert sich die Krankheit oft.
In Folge nervöser Einflüsse stellt sich bei den am Duminkoller leidenden Stuten mit der Brunst eine Steigerung der Symptome ein, die erst mit dem Aufhören der Rossigkeit wieder nachlässt. Ich habe mehrere solche Stuten gekannt und zum Theil selbst im Besitz gehabt, welche nur in geringem Grade krank waren, aber alle drei Wochen mit der regclmässig wiederkehrenden starken Rossigkeit eine so erhebliche
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Dummkollor.
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Benommenheit dos Seusoriums bekundeten, dass das Verhalten derselben an das Bild mancher Fälle von acutor Gehirnwassersucht erinnerte. — Die Trächtigkeit dummkollcrkranker Stuten bewirkt eine graduelle Herab­setzung der Symptome. Gleich stark ist die Verringerung des Stupors in Folge der Milchsecretion während der Saugezeit der neugeborenen Fohlen. Werden die Fohlen-abgesetzt, so erlangt das Krankheitsbild für etwa 8 Tage einen höheren Grad, bis allmälig eine Ausgleichung der Störung in der Blutvertheilung des Körpers zu Stande kommt. — Von den dummkollerkranken Hengsten habe ich eine analoge Rückwirkung der sexuellen Functionen auf die Symptome nicht kennen gelernt.
Durch anderweitige Krankheiten, die indess nach einer alten Er­fahrung bei den mit dem Dummkoller behafteten Pferden im Ganzen nicht oft vorkommen, erfolgt in der Regel eine graduelle Zunahme der Erscheinungen. Besonders wird dies bei acuten und chronischen Katarrhen der Kopfschieimhäute und des Rachens beobachtet, ferner bei Lungen­entzündungen und bei Störungen in der Verdauung.
Eine vorübergehende Steigerung der Krankheit wird nicht selten durch die ungeeignete Behandlung der Pferde im Arbeitsdienste herbei­geführt. Schon die Anstrengung derselben bis zum Schweissausbruch erhöht die Druckphänomene des Gehirns. Wegen des krankhaft ver­ringerten Verständnisses erlangen die Pferde sowohl beim Reiten, wie beim Fahren von der Bestrafung oder von einer heftigen Zerrung der Zügel etc. eine unrichtige Vorstellung. Sie achten dann nicht mehr auf die im Wege befindlichen Hindernisse, gehen vielmehr direct in Hecken oder Gräben, gegen Zäune, Steinhaufen etc. Zuweilen vergehen mehrere Stunden, bis durch die Ruhe der Thiere die Blutcirculation wieder soweit geregelt ist, dass die Erscheinungen der Krankheit auf das gewöhnliche Niveau zurückgehen. Indess ändert ein solcher Paroxysmus (Tnsultus oder Raptus) den Gesammtverlauf des Dummkollers der Regel nach nicht.
Diagnose. Der objective Nachweis von dem Bestehen des Dumm­kollers erfordert eine methodische Untersuchung der betreffenden Pferde. Hierbei hat der Thierarzt zu prüfen:
1)nbsp; Ob das Bewusstsein des Pferdes (das Vermögen desselben, sich von den Sinneseindrücken aus der Umgebung eine zutreffende Vorstellung mit der normalen Sicherheit zu verschaffen) krankhaft verringert und ob in Verbindung hiermit die Fähigkeit zu den gewöhnlichen Verstandes­operationen erheblich beschränkt ist;
2)nbsp; ob cventualiter die Störung in der Function des Grosshirns auf einer selbständigen Erkrankung des letzteren beruht oder ein Symptom (ein Bestandtheil) einer anderen Krankheit ist;
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Organkrankheiten.
3) ob die Gehirnkrankheit für den Fall dos Nachweises ihrer Selb­ständigkeit einen acuten oder einen chronischen Charakter hat.
Ad 1 ist im Allgemeinen zu berücksichtigen, dass die krankhafte Herabsetzung des Verstandes bei Pferden am sichersten durch die gleich-massige Belastung der übereinander gestellten Vordergliedraassen dar-gethan wird. Auch das Aufstützen des Kopfes und die Vergessenheit beim Kauen von Rauffutter sowie der langsame, tappende Gang können der Regel nach als einwandsfreie Merkmale eines krankhaften Zustandes gelten. Von geringerer diagnostischer Bedeutung ist dagegen das man­gelnde Widerstreben gegen Tritte auf die Kronen der Vordorfüsse, so­wie das Schnellen gegen die Nase. Am wenigsten kann das Greifen in die Ohren sicheren Aufschluss geben. Denn auch gesunde Pferde bleiben oft ruhig, wenn der Finger schnell durch die Region der Fühl­haare tief in die Ohrmuschel geführt und dann nicht bewegt wird. Und die gehirnkranken' Pferde widerstreben der Einführung des Fingers nicht selten, wenn die Fühlhaare der Ohrmuschel bewegt oder gezerrt werden.
Folgende Zustände sind für die Diagnose ad 1 besonders zu be­achten :
a. Mangel an Verstand bei gesunden Pferden. Wie schon S. 591 angeführt wurde, ist die intellectuello Befähigung der Pferde nicht blos im Allgemeinen, sondern auch beim Gebrauche zu bestimmten Dienstleistungen verschieden. Pferde mit unvollkommenem Bau des Kopfes (kleine Augen mit tiefen Augengruben, breite und starke Joch-loistcn, langer und schmaler Kopf mit hochgestellten Ohren, Ramskopf, schief gebauter Schädel und abgeflachter Oberkopf) bekunden vielfach ein relativ geringes Verständniss im Stalle und bei der Arbeit. Stierer Blick, ungleiches Ohrenspiel, öfteres Lauschen, incorrecte Stellung der Gliedmassen, mangelhafte Reaction gegen das Treten auf die Fusskronen, langsame Bewegungen und unvollständige Folgsamkeit finden sich bei solchen Pferden, ähnlich wie in den geringen Graden des Dummkollers. Junge Pferde im 3. oder 4. Lebensjahre machen durch ein derartiges Benehmen im Stalle oft den Eindruck, als ob sie am Dummkoller litten. Soweit nicht das Verhalten im Dienstgebrauche schon erkennen lässt, dass dem Mangel an Verstand ein krankhafter Druck auf das Grosshirn nicht zu Grunde liegt, kann nur die Untersuchung des betreffenden Pferdes nach einer bis zum Schweissausbruch fortgesetzten Anstrengung Aufschluss geben. Als massgebenri betrachte ich insbesondere, dass die hier ge­dachten Pferde eine gekreuzte Stellung mit vollständiger Belastung der Vordergliedmassen nicht annehmen resp. nicht eine Zeit lang beibehalten,
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Dumnikollor.
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während beim Dummkollor dies Symptom durch eine sachkundige Prüfung des betreffenden Pferdes immer ermittelt worden kann.
b.nbsp; nbsp; Träges Temperament. Es giobt Pferde, welche, obwohl sie nicht gehirnkrank sind, sich ebenso langsam bewegen und im Reit- oder Arbeitsdienste sich gegen Sporen oder Peitschenhiebe, selbst gegen Stock­schläge gerade so unempfindlich verhalten, wie die in den höheren Krank­heitsgraden mit dem Duramkoller behafteten Pferde. Indess fehlen bei denselben die üruokphänomene des Gehirns, namentlich die Annahme gekreuzter Stellungen der Vordergliedmassen.
c.nbsp; nbsp; Starke Ermüdung. Pferde, welche durch anhaltende schwere Arbeit in hohem ürade ermüden, besonders abgenutzte und chronisch lahme Pferde sind eingenommen und unaufmerksam gegen die Um­gebung; sie bewegen sich langsam und halten auch den Kopf gesenkt. Es fehlen aber hierbei die wichtigsten Merkmale des Dummkollers.
d.nbsp; nbsp; Uebormässige Anstrengung der Pferde bis zur Athem-noth und bis zum allgemeinen starken Schweissaus bruch. Wenn gesunde Pferde (bei der Untersuchung auf Dummkoller) im Reiten oder Fahren so stark angestrengt werden, dass sie am ganzen Körper vor Schwciss triefen und beim Anhalten gegen 100 Mal in der Minute athmen, so beachten sie die gewöhnlichen äusseren Vorgänge nicht. Sie dulden das Treten auf die Fusskronen ohne Widerstreben und nehmen zuweilen auch für kurze Zeit eine unvollständig gekreuzte Stellung der Vordergliedmassen an. Die blosse Kenntniss dieses Verhältnisses liefert dem Thierarzt einen ausreichenden diagnostischen Anhalt.
Gegenüber den ad 2 präcisirten diagnostischen Aufgaben sind die (ür die Feststellung der Gehirncongestion (S. 592) benannten Krankheiten zu beachten. Als Symptom findet sich eine mehr oder minder starke Depression des Sensoriums oft
e.nbsp; nbsp; bei denjenigen acuten fieberhaften Infectionskrank-heiten, welche herkömmlich der Influenzagruppo zugezählt worden. So lange Pulsfrequenz und fieberhafte Erhöhung der ßlutteinperatur be­stehen, ist die Unterscheidung leicht. Schwieriger kann dieselbe im Convalescenzstadium liegen. Es ist dalier festzuhalten, dass, wenn bei einem Pferde auf Grund der ßefunderhebung eine krankhafte Störung des Stoffwechsels nicht ausgeschlossen werden kann, die Symptome des Gehirndrucks für die Diagnose des Dummkollers nicht als ausreichend anzusehen sind. Indess ist hiermit die Schwierigkeit noch nicht für alle Fälle gehoben. Auch die am Dummkoiler leidenden Pferde er­kranken beim Ausbruch der Pferdestaupe oder der Scalma, wenn sie der Infection ausgesetzt sind, zuweilen. Nun kann nach Abheilung der speci-
Dleck or ho I 1, Bpeo. LNUllologtO u. Tliempio.
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Organkranldieitcn.
fischen fieberhaften Krankheit die Frage aufgeworfen wurden, ob der Dummkoller nicht in Folge derselben seine Entstehung gefunden hat. Von der Pferdestaupe habe ich bei einem sebr reichen ßoobachtungs-material keinen Fall kennen gelernt, der zum Dummkollor geführt hätte. Dagegen constatirte ich neuerdings, als die Scalraa in den Pfordebeständen Berlins vielfach auftrat, bei einigen mit dieser Krankheit-behaftet ge­wesenen Pferden mehrere Wochen später den Dummkoller. Obwohl ich dieser Beobachtung keine volle Beweiskraft in einer so wichtigen prak­tischen Frage beilege, so muss ich doch die Möglichkeit einer deute-ropathischen Entstehung dos Dummkollcrs aus der Scalma zugeben.
f.nbsp; nbsp; Verhältnissmässig leicht sind bei vorsichtiger Befunderhebung die Symptome der in der Entwickolung befindlichen Druso und der einfachen Pharyngitis von den Zufällen des Dummkollers zu unter­scheiden (Pulsfrequenz und Temperaturerhöhung).
g.nbsp; nbsp;Geschwülste (Sarkome) in der Oberkieferhöhle oder in der Siebbeinmuschol, ferner chronische Katarrhe der Stirn­höhlen und der Keilbeinhöhle sind gewöhnlich von einer krank­haften Benommenheit des ßewusstsoins begleitet. So lange aber eine Geschwulst in das Gehirn selbst nicht hineinwächst, fehlen hierbei die markanten Symptome des Dummkollcrs. Oft giebt auch der Nasen-ausfluss einen genügenden diagnostischen Anhalt.
h, Erheblicher Zahnschmerz bei einer Periostitis alveo-laris et dontalis an einem Backenzahn (vergl. S. 89), ferner die durch Quetschungen und Wunden entstehenden Entzündungen in den Kopfknochen, besonders im Unterkiefer (Periostitis, Osteomyelitis suppurativa, Cario-Nekrosis). Bei solchen Krank-heitszuständen findet sich auch eine starke Eingenommenheit des Sen-soriums, die an das Bild dos Bummkollers um so mehr erinnern kann, als die betreffenden Pferde das Rauffuttcr unregelmässig und mit ver­langsamten Kaubewegungen verzehren, zuweilen auch mit denselben inne­halten und Heu- resp. Strohhalme aus dem Maul hervorstehen lassen. Die genauere Befunderhebung ergiebt aber stets, dass Störungen in der Empfindung der Hautreize und in der Stellung der Gliedmassen nicht vorhanden sind.
i. Abnorm starke Brunst. Einzelne Stuten bekunden während der Rossigkeit eine augenfällige Depression des Scnsoriums. Vor einer Verwechselung dieser Erscheinung mit dem Dumrakollcr schützt einmal das Vorhandensein der die Rossigkeit begleitenden eigenthümlichen Sym­ptome und zweitens die Thatsache, dass die betreffenden Stuten das Uebereinanderstellen der Vordergliedmassen nicht gestatten oder die
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thimmkoller.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;6'27
gekrouzton Gliedmassen in den CJolenkon nicht fest durchdrücken, in der Regel auch das Betreten und Belasten der Fusskronen nicht leiden. Wenn die letztgodachten Merkmale neben anderen Symptomen des üumm-kollers bestehen, dann hat man es mit Stuten zu thun, welche dumm-kollerkrank sind und nebenbei an einer krankhaften Steigerung der Brunst leiden (vergl. S. 622). — Die in der älteren und neueren Literatur be­liebte Aufstellung eines besonderen und als „Mutterkollerquot; bezeichneten Krankheitsbildes der periodischen Nymphomanie kann ich nicht für be­rechtigt halten. Gewiss giebt es Stuten von krankhaft gereiztem (hyste­rischem) Temperament, welche beim Herannahen von Personen beissen oder mit den Vorder- und Hinterfüssen schlagen. Aber es ist nicht thunlich, diese Merkmale, welche bei der Rossigkeit besonders auffällig sein können, als Tobanfälle (rasende Paroxysmen) zu interpretiren. Das boshafte Verhalten solcher Stuten, sowie ihre Widersetzlichkeit gegen die Beschirrung und den Dienstgebrauch sind auf die Stätigkeit, nicht aber auf den Dummkoller zu beziehen. — Der objeetiven Sicherheit wegen ist die Untersuchung der rossigen Stuten nach 8 und resp. 14 Tagen zu wiederholen. Wenn sich hierbei neben den Symptomen der Rossig­keit oder nach Ablauf derselben die Zeichen des Dummkollers heraus­stellen, so ist das Vorhandensein des letzteren nicht mehr zweifelhaft.
Noch weniger, als die krankhafte Rossigkeit, ist der übermässig starke Geschlechtstrieb der Hengste von Symptomen begleitet, welche bei sachkundiger Prüfung einen Irrthum in der Diagnose des D'umra-kollers herbeilühron könnton. Es lässt sich daher ein besonderes Krank-heltsbild, welches dem von den Autoren geschilderten „Samenkollerquot; zukommen soll, nach der thalsächlichen Erfahrung nicht aufstellen.
k. Gastrische Störungen. Dass durch Indigestion eine Be­lastung des Bewusstseins bedingt werden kann, wurde S. 592 bereits bemerkt. Unrichtig ist aber die Annahme einer besonderen Krankheit der Verdauungsorgano (Magenkoller. Vertigo stomacalis. Vertige symptomatique abdominale), die in ihren Symptomen dem Bilde des Dummkollers ähnlich sein soll. Was Gilbert (1795) und andere französische Autoren des vorigen Jahrhunderts, sowie White in England (1820) beobachtet und unter diesem Namen beschrieben haben, scheint eine zur Influenzagruppe gehörende Seuchenkrankheit der Pferde gewesen zu sein.
Das eingehendste Interesse erfordert die ad 3 angedeutete Unter­scheidung des Dummkollers von den aculen, selbständigen Gehirnkrank-heiten des Pferdes, wobei folgende Gesichtspunkte zu beachten sind.
1. Die einfache Gehirncongestion bedingt in dem Sinne, in
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Organkraiilfheiton.
welchem ich dieselbe S, 589 erläutert habe, die dem Dummkoller m-komraenden Symptome des erheblichen Gchirmlruckes nicht. Nament­lich lassen sich die betreffenden Pferde nach einer Anstrengung bis zum Schweissausbruch keine gekreuzte Stellung der Vordergliedmassen geben. Hiernach ist für die in Rede stehende diagnostische Aufgabe stets ein praktisch verwerthbarer Anhalt zu gewinnen. Dies Symptom ist auch diagnostisch massgebend bei dem chronischen Verlaufe der einfachen Gehirncongestion und ihrem allmäligcn Uebergango in den Dummkoller (idiopathischer D.). Der Tag, mit welchem der letztere beginnt, lässt sich nicht genau feststollen. So lange aber die Pferde im echauffirten Zustande bei der sachkundigen Prüfung eine gekreuzte Stellung mit gleichmässiger Belastung der Vordergliedmasscn nicht annehmen und eine Zeit lang oder bis zum Verluste des Gleichgewichtes beibehalten, kann das Vorhandensein des Dummkollcrs nicht mit Sicherheit dar-gethan werden.
m. Die acute Gehirn Wassersucht hat von allen Krankheiten, deren Symptome dem Bilde des Dummkollers gleichen, für die thierärzt-liche Praxis die bei Weitem grösste i3edeutung. Die pathologischen Grund­lagen, auf welchen die wesentlichsten Symptome beruhen, sind bei beiden Krankheiten gleich. Demnach kann die Unterscheidung nicht durch die einfache Feststellung der Störungen in den physiologischen Functionen des Grosshirns bewirkt werden. Nothwendig ist vielmehr für die Diagnose: das specielle Verhalten der einzelnen Symptome, ihre Beziehungen zu einander, ihren Verlauf und ihre etwaige Verbindung mit Störungen des Stoffwechsels (Fieber) zu be­achten. — Wenn sich bei der acuten Gehirnwassersucht eine fieberhafte Erhöhung der Bluttemperatur findet, so ist die Unterscheidung leicht. Denn der Dummkoller verläuft (ieberlos. Nicht selten besteht aber die erstgedachto Krankheit in einem geringen Grade 1—2 Wochen hindurch, wobei die Pulsfrequenz abnorm verlangsamt und die Temperatur im Uectum normal sein kann. In solchen Fällen liefert die mehrere Tage hindurch fortgesetzte Beobachtung und Untersuchung des betreffenden Pferdes zuweilen kein sicheres Resultat. Der Thierarzt hat hierbei die Vorgeschichte des Krankheitsfalles thunlichst zu eruiren und namentlich zu berücksichtigen, ob das Pferd in den letzten Wochen einen langen Eisenbahntransport überstanden hat oder der ungewohnten Fin-wirkung einer warmen Witterung ausgesetzt resp. von solchen nach­theiligen Einflüssen betroffen gewesen ist, welche die acute Gehirnwassor-sucht zur Entstehung bringen können. 1st über diese diagnostischen Momente eine Kenntniss nicht zu erlangen, so bleibt — wie Gerlach
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Dummkollm-.
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mit Recht urgirt hat — nur die fortgesetzte oder wicdorliolto Unter­suchung des betreffenden Pferdes in Zwischenzeiten von einigen Tagen als ein Hülfsmittel übrig, welches bei richtiger und vollständiger Aus­nutzung die Diagnose sichern kann. Beim Dummkoller können die Pferde Stunden lang arbeiten und die Symptome ändern sich hiernach nicht erheblich, während bei der acuten Grehirnwassersuclit durch eine derartige Leistung stets eine Verschlimmerung der Krankheit eintritt. Schon bei einer massigen Anstrengung der an der acuten Gehirnwasser­sucht erkrankten Pferde, nicht selten auch beim Aufenthalt im Stalle findet sich in dem Grade der Symptome ein Wechsel (Beschleunigung der Pulsfrequenz, verlangsamte Bewegung der Gliedmassen, Sopor, Mangel in der Futteraufnahme), während die dummkollerkrankcn Pferde eine gewisse Gleichmässigkoit in den Symptomen zeigen.
Obschon ein Irrthum in der Diagnose durch die unrichtige An­nahme, dass ein an der acuten Gohirnwassersucht erkranktes Pferd mit dem Dummkoller behaftet sei, am meisten begangen wird, so kann doch auch die Täuschung darin liegen, dass ein am Dummkoller leidendes Pferd für acut gehirnkrank gehalten wird. Bei der Betrachtung des Verlaufes wurde schon erwähnt, dass durch ungeeignete Behandlung eines dummkollerkrankcn Pferdes im Dienstgebrauche sowie durch anhaltende Einwirkung der Sonnenstrahlen die Symptome eine so bedeutende gra­duelle Steigerung erfahren können, dass die Pferde sich ungeberdig be­nehmen, stark nach vorwärts drängen und in allgemeinen Schvveiss-ausbruch gerathen. In der Regel treten diese heftigen Erscheinungen (Paroxysmus, Raptus) bei zweckmässigor Behandlung In einem Tage wieder zurück. Ausnahmsweise kann aber der Congostivzustand im Ge­hirn neben dem Dummkoller so bedeutend sein, dass die Thiere ausscr Stande sind, sich stehend zu erhalten und im Verlaufe woniger Tage eingehen. Dann lässt sich die Diagnose nur auf eine ausreichende Anamnese basiren. 1st die Vorgeschichte des betreffenden Pferdes nicht genügend bekannt, so giebt es kein Mittel, um die Diagnose zu sichern. Denn durch die Section kann bei dem rcgclmässigcn Bestehen der Hirn­höhlenwassersucht ein entscheidendes Factum nicht erbracht werden.
Für die Foststellimg des Dumintollers als Gowahrfehler sind endlich noch fol­gende Thatsachen bemerkonswerth.
Mit Untugenden (Beissen, Schlagen) können einerseits die Pferde schon vor der Entstehung des üummkollers behaftet gewesen sein; andererseits eignen sich die dummkollorkranken Pferde solche Tomperamentsfehlor häufig an. Die Absicht­lichkeit der boshaften Handlungen kann den Schein erwecken, dass das betreffende Pferd einen normalen Verstand und die gewöhnliche Willenskraft besitzt. Gegen eine Täuschung dieser Art schützt nur die vollständige Untersuchung und Befunderhebung.
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Organkrankheiten.
Wegen des krankhaft verringerten Verständnisses begreifen die am Dummkoller leidenden Pferde die Anforderungen im Reit- oder Arbeitsdienst schwer; sie erlangen deshalb oft von denselben, insbesondoro von den Bestrafungen eine unrichtige Vor­stellung und werden dadurch unfolgsam (stätig). Bei der ßourtheilung der Unter­suchungsbefunde sind die Aeusserungen der Stätigkeit von den Symptomen des Dummkollers zu trennen. Denn die Stätigkeit an sich gehört nicht zu den Sym­ptomen des Dummkollers; sie charakterisirt sich vielmehr lediglich als ein absicht­liches, den ordnungsmässigen Gebrauch der Thiere erheblich verringerndes Wider­streben gegen die üblichen Dienstleistungen und kommt bei gesunden Pferden gleich häufig, wie bei dummkollerkranken vor. Laien vorwechseln oft den bei der Wider­setzlichkeit auftretenden stieren, in sich gekehrten Gesichtsausdruck der stätigon Pferde mit einer krankhaften Herabsetzung dos Bowusstseins.
Blinde Pferde können durch ihre langsamen und vorsichtigen Bewegungen sowie durch die Haltung des Kopfes und das lauschende Ohrenspiel den Verdacht des Dummkollers erregen, namentlich wenn dieselben ein unlustiges Temperament be­sitzen und auf den Gliodmassen verbraucht (steif) sind.
Bei den in geringem Grade amDummkoller erkrankten Pferden sind dieSymptome nicht jederzeit gleichmässig ausgeprägt. Oft zeigen solche Patienten im Stalle und bei einer nicht anstrengenden Beschäftigung keine erheblichen Verdachtsmomente. In sol­chen Fällen erfordert die Diagnostik grosso Sorgfalt und Umsicht. Denn die Begut­achtung der betrefTendenPferde hat für denThierarat oft eine gleich grosse Verantwort­lichkeit in negativer, wie in positiver Hinsicht. Verdächtig sind bei derartigen Pferden: der beim Dienstgebrauche allmälig zunehmende Mangel an Energie; die im Verhältniss zur llace und Bauart, sowie zum Alter be­deutende Langsamkeit der Gangart (langsames Tempo); die Abstum­pfung des Gefühls auf den Kinnladen gegen das Gebiss und die un-motivirte Schiefstellung des Unterkiefers; endlich-die ungleiche Stellung der Ohren während der Arbeit, wobei gewöhnlich ein Ohr stark nach hinten gezogen und das andere etwas nach vorn ge­richtet wird.
Unter den Symptomen hat für die Diagnose des Dummkollers die bewusstlose Belastung der übereinander gestellten Vordergliedmassen den grössten Werth, Wenn die Pferde, selbstredend bei sachgemässor technischer Prüfung, diese perverse Stellung eine Zeit lang beibehalten, so ist mit Sicherheit anzunehmen, dass sie an einer Krank­heit des Gehirns leiden. Ich mache die Diagnose des Dummkollers in sonst zweifel­haften Fällen immer davon abhängig, dass das in Rede stehende Symptom nachweis­bar sein muss. Zur sicheren Beurtheilung desselben bei einem geringen Krankheits­grade oder bei den durch ein boshaftes Temperament oder durch Erothismus der Haut („Springkollerquot;) complicirten Fällen gehört, dass das bis zum Sohweissausbruch angestrengte Pferd auf einen ruhigen Platz gestellt wird, woselbst es durch die Um­gebung nicht irritirt sein darf. Personen, namentlich diejenigen, welche sich etwa für den negativen Ausfall der Untersuchung interessiren könnten, sind von dem Pferde fern zu halten. Der Thierarzt hat dann bei dem ruhig stehenden Pferde mit einer Hand am Zügel den Kopf unbeweglich zu halten und mit der zweiten Hand langsam einen Vorderfuss über den anderen zu stellen.
Am Schlüsse dieser diagnostischen Betrachtung will ich noch ausdrücklich hervorheben, dass die Feststellung des Dummkollers in zweifelhaften Fällen nicht lediglich nach der allgemeinen Kenntniss der Krankheitssymptomo bewirkt werden
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Dummkoller.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;631
kann, dass vielmehr hierzu auch eine technische Uebung und Erfahrung in der rich­tigen Beurthoilung des Temperamentes der Pferde und ihres Verhaltens im Stalle und beim Dienstgebräuche erforderlich ist. — Soll die Dauer des Dummkollers auf eine relativ lange Zeit zurückgeführt worden, so ist besonders darauf zu achten, dass die Befunderhebung auch nach der negativen Richtung möglichst vollständig erfolgt und dass die objective Kenntniss von dem Verhalten des betreffenden Pferdes thunlichst durch einwandsfreie Bekundungen von Laien ergänzt wird.
Prognose. Die krankhaften Zustände im Gehirn, welche dem Dumm­koller zu Grunde liegen, lassen sich mit keinem Heilmittel vollständig beseitigen. Andererseits führt die Krankheit nur in Ausnahmefällen direct zum Tode. Demnach beschränkt sich die Prognose in conoreten Fällen auf die Erwägung des Grades, in welchem die betreffenden Pferde für die beabsichtigte Nutzung entwerthet sind. In dieser Hinsicht ist die Beurtheilung eines Falles auf die Feststellung zu basiren: 1. ob das Pferd in dem Gebrauche, zu welchem es sich nach seinem Körperbau eignet, bei ruhiger Führung dienstwillig und folgsam ist; 2. ob dasselbe in der Arbeitsleistung bei Appetit bleibt und von dem Kraftfutter gleich-massig eine reichliche Quantität oder wenigstens so viel verzehrt, dass es sich in guter Condition erhält; 3. ob der Besitzer eine geeignete Be­schäftigung für das dummkollorkranko Pferd hat und ob letzteres dauernd von einem ruhigen Reiter benutzt wird, resp. einem verständigen und besonnenen Kutscher oder Knecht zur Benutzung anvertraut werden kann. ^— Wenn von diesen Voraussetzungen eine fehlt, so verlohnen die Pferde in der Regel die Kosten der Haltung und Verpflegung nicht mehr. — Soweit die dummkollorkranken Pferde hiernach verwendungsfähig sind, arbeiten sie gewöhnlich im langsamen und gleichmässigen Schritt am besten. Sie eignen sich theils zum einspännigen, theils zum zweispännigen Gebrauche. Es giebt aber auch dummkollerkranke Pferde, welche zu jeder Art des Zugdieristes untauglich resp. stätig sind, dagegen zum Reiten mehrere Jahre hindurch sehr gut benutzt werden können. — In den höheren Krankheitsgraden ist der Nutzungswerth gewöhnlich nur gering.
Therapie. Bei der ünheilbarkeit des Dummkollers kann mit der Behandlung eines Krankheitsfalles immer nur die graduelle Herabsetzung der Symptome bezweckt worden (Palliativcur). Seit mehr als 100 Jahren haben sich die Thierärzte um die Auffindung wirksamer Heilmittel be­müht. Die Versuche sind aber grösstentheils erfolglos gewesen. Im Ganzen lag denselben der Plan zu Grunde, die Krankheit vom Gehirn „abzuleitenquot;. Hierzu wurde der altüberlieferten Lehre entsprechend der Aderlass am meisten benutzt und bei den betreffenden Pferden gewöhn­lich in Zwischenzeiten von mehreren Wochen oder Monaton applicirt.
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Organkrnnkhoiten,
Bis vor etwa 20 Jahren trugen viele dummkollerkranke Pferde in der Drosselrinne der linken Seile zahlreiche weisse Flecke (vernarbte Adcr-lasswunden). Vortheile bringt der Adcrlass nicht, wie auch ich mich oft überzeugt habe. Dass or aber nachthoilig werde, habe ich niemals constatirt. Der Ausspruch Woistcin's, dass ein wiederholter Aderlass die dummkollerkranken Pferde umbringen soll, war tendenziös übertrieben.
—nbsp; nbsp;Gleich nutzlos sind die diuretischen Mittel, welche in der Meinung empfohlen wurden, dass mit der künstlich gesteigerten Wasscrausschei-dung durch die Nieron die Resorption des Ventrikelwassers aus dem Gehirn gefördert werden könne. — Auch von den bis in die neueste Zeit empfohlenen drastischen Abführmitteln (Aloe, Oleum Crotonis}, welchen Hertwig seiner Zeit das Wort redete, ist ein Erfolg nicht zu erwarten. Ich habe in zahlreichen Fällen eine wesentliche i3esserung des Zustandes von der Verabreichung dieser und anderer Abführmittel (Natr. sulfuricum
—nbsp; nbsp;Magn. sulfuricum) nicht nachweisen können. — Die in der früheren Zeit als heilsam gepriesene, seit 30 Jahren aber aufgegebene Application von Haarseilen im Genick oder vor der Stirn fand auch ich nicht von besonderem Nutzen. Noch geringer ist der Vorthcil, den Waschungen des Kopfes mit kaltem Wasser, sowie die Anwendung von Fisumschlägen oder Douchen auf den Oberkopf herbeiführen. Wenn aber neben dem Dummkoller eine Hirncongestion entstanden ist, so können kalte Um­schläge oder Haarseile momentan indicirt sein.
Unraotivirt ist ferner die Anwendung von narkotischen Präparaten (Belladonna, Tabak, Aethcrinhalation), denen früher irrthümlich eine speeifische Wirkung auf den krankhaften Zustand des Gehirns zuge­schrieben wurde. — Die von Hayne empfohlene Anbohrung der Riech­nerven behufs director Entleerung des Ventrikolwassers hat Hering zu­treffend dahin bourtheilt, dass sie die Entstehung einer tödtlichen Ge­hirnentzündung veranlassen kann. Ich habe in Uebereinstimmung mit Roll die Operation aus diesem Grunde und weil sie einen durchgreifen­den Erfolg überhaupt nicht haben kann, nie versucht.
Als rationelles Ziel der Behandlung kann nur die Herabsetzung des Blutdruckes im Gehirn und insbesondere in den Plexus angesehen werden. Dies wird zum Theil erreicht durch die Regelung der physiologischen Blutvertheilung im Körper mittels zweck massiger Ernährung und Haltung der Pferde. Schweres Futter (Roggen, Erbsen, Mais), welches leicht zur Indigestion führt, ist zu vermeiden. Dagegen ist die reichliche, aber gleichmässige Ernährung mit gutem Hafer, wodurch die Pferde in den Vollbesitz ihrer Kräfte gelangen, empfehlenswerth. Auch gutes, schmack­haftes Heu und im Sommer Grünfutter haben eine nützliche Wirkung. —
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Duinmkolloir.
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Vor einer anhauenden, übormässigen Anstrengung sind die Pferde zu hüten. — Von den Arzneimitteln können nach der bisherigen Erfahrung nur wenige Präparate eine Verminderung dos Blutdruckes im Gehirn herbeiführen. Obenan steht die Tinct. Voratri, deren Wirkung Viborg zuerst erprobt hat. Die Anwendung der Niesswurztinctur geschieht mittels intravenöser Injection. Unpraktisch und gegenwärtig nicht mehr gebräuchlich ist die Infusion mittels des von Viborg benutzten Helper-schon Trichters. Seitdem an (Jossen Stolle eine passende Hohlnadel Verwendung findet, macht sich die Injection in die V. jugularis mit einer Spritze leicht. Die Dosis der Tinct. Veratri für die einmalige Injection ist nach der Grosse der Pferde auf 6 — 8 Gramm zu bestimmen. Für schwere Pferde ist zwar eine Dosis von 9 Gramm zulässig; ich empfehle aber, zunächst nicht über die Normaldosis hinauszugehen, ßei Ponys sind 4—5 Gramm eine passende Dosis. Die Injection kann am folgen­den Tage wiederholt werden. Es ist dafür zu sorgen, dass das betreffende Pferd so lange, wie die unmittelbare Wirkung dos Mittels (Störung der Respiration mit häufiger exspiratorischer Apnoo, Brechanstrongungen, Schwoissausbruch) dauert — 3 — 4 Stunden — in einem geräumigen Stalle verbleibt und nicht angebunden wird. — Ich habe die Tinctura Veratri in dieser Weise bei vielen Pferden angewandt und die Angabe der älteren Autoren über den Nutzen des Mittels oft bestätigen können. Mehrfach sah ich, dass eine bedeutende graduelle Herabsetzung der Sym­ptome für die Dauer erfolgte, so dass die Pferde l/a — 1 Jahr, selbst 2 Jahre und darüber gebrauchsfähig blieben, bevor die Krankheit wieder einen höheren Grad erlangte. kommen aber Eällo vor, in welchen auch die Tinct, Veratri ebenso, wie alle anderen Mittel nichts fruchten und die Herabsetzung des Gehirndruckes nur wenige Tage oder Wochen anhält. — Die subeutane oder intravenöse Injection einer Lösung von Veratrin resp. Veratr. sulfur. (0,04—0,08) ist zwar nicht ohne Nutzen, kann aber die Wirkung der Tinct. Veratri nicht ersetzen. — In der jüngsten Zeit ist auf die Empfehlung von Klomm die subeutane Injec­tion einer Lösung von Pilocarpinum hydrochloricum (0,2—0,8) vielfach angewendet worden. Das Mittel, welches leicht applicirt werden kann, ist ebenfalls vorthoilhaft. Indess habe ich doch mehrfach constatirt, dass es bei der Behandlung des Dummkollors nicht den gleichen thera­peutischen Worth hat, wie die Tinct. Veratri.
C a s u i s t i k.
Wegen der diagnostischen Zweifel, die in der neueren Literatur vielfach über die Chronicität dor von den ältoron Autoren (Fiering) mit dem Namen des erethischen
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Organkrankheiten.
Kollers oder Springkollers zusammengefassten Symptome ausgesprochen sind, will ich hier eine derartige Beobachtung mittheilen. Aus derselben folgt mit Sicherheit, dass das heftige Gebahron solcher Pferde nicht durch eine accidontelle Gehirncon-gostion bedingt wird.
Dummkoller mit Erethismus.
Rapphengst veredelter Abkunft, 11 Jahre alt, 1,72 Meter hoch, war am 19. Mai 1882 in einer Auction ohne Garantie verkauft worden, und wurde von dem Käufer am 5. Juni 1882 in die Klinik eingeliefert. Das Pferd ist mager und etwas rauh im Haar. Im Stalle sich selbst überlassen, steht es in sich gekehrt mit gesenktem Kopfe. Appetit gering. Im Ganzen verzehrt es nur 6 Liter Hafer und einige Pfund Heu pro Tag. Blick stier. Bei unerwarteter Annäherung von Personen zeigt sich der Hengst schreckhaft und aufgeregt; er springt in die Höhe, oder logt sich in die Halfterkette zurück. Puls 32; Hesp. 12; Temp. 37,8. Wenn sich das Pferd bei der Untersuchung etwas ungebordig benimmt, so steigt die Zahl der Pulse auf 50—55 und selbst noch darüber. Wird es darauf sich selbst überlassen, so beruhigt sich die Pulsfrequenz in wenigen Minuten bis auf 32. Eine Erkrankung der Athmungs- und Digestionsorgane ist nicht vorhanden; Schleimhäute normal. — Rauffutter wird am liebsten auf den Fussboden herabgezogen und dann allmälig mit Unterbrechungen verzehrt. Nur selten ist im Stalle eine ungleiche Stellung der Vordergliodmassen wahrzunehmen. Das Pferd lässt sich aber nicht gefallen, dass eine Vordcrgliedmasse mit der Hand an-gefasst und vor die andere gestellt wird. Beim Berühren der Eusskronon bekundet os eine abnorm gesteigerte Empfindlichkeit, indem es sich bäumt und sehr ungebordig wird. — Das Anspannen vor einen einspännigen Wagen gestattet os; aber gegen die Berührung der Zugstränge und der Fahrleine ist os sehr empfindlich; es wird unruhig und aufgeregt. Beim Anfahren springt os zuerst heftig an und stürmt förmlich vor­wärts, wird aber allmälig träger und muss schliesslich mit der Peitsche getrieben werden. Es drängt dann in die Zügel und kann kaum zum Ausweichen vor Hinder­nissen (Bäumen, Wagen etc.) gebracht werden. Nachdem es 20 Minuten gefahren und in leichten Schweissausbruch gerathen ist, wird es ausgespannt und abgeschirrt. Es lässt sich jetzt das Greifen in die Ohren ruhig gefallen, springt aber beim Schnellen mit dem Finger gegen die Nase lebhaft zurück und reagirt beim Treten auf die Krone mit abnormer Heftigkeit, indem es die Gliedmasse schnell zurückzieht und sich nieder­werfen will. Auch duldet es nicht das Ergreifen einer Vordergliodmasso mit der Hand. Ks widersetzt sich vielmehr, steigt in die Höhe, arbeitet lobhaft mit den Püssen, springt zur Seite oder beugt die Vordorknie, um sich auf die Erde herabzulassen. Wenn man dagegen das Pferd ganz ruhig am Zügel nach vom zieht, so hobt es eine Vordergliedmasse in die Höhe und hält dieselbe längere Zeit gebeugt, ohne den Boden zu berühren. Sobald es bei vorsichtiger und langsamer Führung die Vorderglied­massen übereinander stellt und nun sich frei überlassen bleibt, verharrt es in der gekreuzton Stellung mit gloichmässiger Belastung der Gliedmassen '/.,—1 Minute lang. Puls und Athmen beruhigen sich nach der Anstrengung in kurzer Zeit. Futter wird aber zunächst nur sehr wenig aufgenommen; os vorgingen mehrere Stunden, bevor das Pferd wieder etwas Hafer und Heu verzehrt.
Der Hengst verblieb 8 Tage lang in der Klinik und bekundete boi der täglichen Untersuchung stets dieselben Krankheitssymptome. Ueber die Diagnose des Dumm­kollers war ein Zweifel nicht berechtigt. Auf meine Mitthoilung, dass das Pferd wegen des Dummkollers werthlos sei, hatte der Besitzer es ohne Gewährleistung verkauft.
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Gehirnabscess.
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Am 3. Juli 1882 wurde os von dorn nöuen Käufer wiederum in die Klinik eingestellt. Ich untersuchte os bis zum 6. Juli und fand sowohl im Stalle, als beim Gebrauche das Verhalten des Hengstes in vollständiger Uebereinstimmung mit den Befunden bei der ersten Untersuchung.
Capitel XLVI. Gehirnabscess.
Umschriebene eiterige Entzündungsprocesse im Gehirn sind bei Pferden selten. Die von manchen Seiten vertroteno Ansicht, dass auch bei Pferden (wie bei Menschen) nach Verletzungen des Schädels oder durch Fortsetzung eiteriger Entzündungen aus der Umgebung ein Abscess im Gehirn entstehen könne, ist bisher durch thatsächliche Feststellungen nicht begründet worden. Ich habe stets beobachtet, dass die Pferde nach solchen Läsionen an einer degenerativen Gehirnentzündung schnell zu Grunde gehen, so dass es schon an der erforderlichen Zeit zur Ausbildung eines umgrenzten Eiterherdes fehlt. Die grosso Vnlnerabilität des Pferdes gegenüber den eiterigen und ichorrhösen Entzündungen steht der Entwickelung des traumatischen Hirnabscessos entgegen. — Das Zustandekommen eines Gehirnabscesses erfolgt bei Pferden dem­nach nur durch Vermittelung der ßluteirculation. Am häufigsten entsteht derselbe als eine metastatische Erkrankung bei der Druse (vergl. S. 369). Ein solcher Abscess führt stets nach acutem Krankheitsverlaufe zum Tode. Die Symptome stimmen im Ganzen mit dem Bilde der acuton Encephalitis resp. Encephalo-Meningitis überein. Demnach ist bei der Unterscheidung beider Krankheiten die Vorgeschichte des be­treffenden Falles zu berücksichtigen.
Anders gestaltet sich die Entstehung des selbständigenHirnabscesses beiPferden. Mit dem Blutstrom gelangt ein infectiöses Ferment (wahrscheinlich Mikroorganismen) in das Gehirn, in welchem eine kleine Arterie verlegt wird. Der hierdurch ver­ursachte hämorrhagische Herd unterliegt der Erweichung und Umkapselung mit einer durch Granulation entstehenden Membran. Dementsprechend setzt sich der Inhalt dos Abscesses aus der zerfallenen Hirnsubstanz und dem in der Kapsel gebildeten Eiter zusammen. Er hat eine grünlich-graue Farbe. Der Eiterherd scheint die Grosse eines Hühnereies erlangen zu können, namentlich wenn sich derselbe an der Con-vexität einer Hemisphäre ausbildet.
Der vorbezeichnete Gehirnabscess gehört bei den Pferden zu den seltenen Er­eignissen. Ich habe nur einen derartigen Krankheitsfall beobachtet (vergl. die Be­schreibung in Adam's Woohenschr., 1882, S. 145). Die Entstehung ist auf die gleiche ätiologische Schädlichkeit zu beziehen, welche die herdweise auftretende Encephalitis bedingt (vergl. S. 598). Aber nur unter der Voraussetzung, dass ein einzelner Herd entsteht, wird ein Abscess zu Stande kommen. Sonst erliegen die Pferde bei ihrer grossen Vulnerabilität dor Encephalitis früher.
Die Symptome gestalten sich nach dem Sitze und dem Umfange des Eiterherdes verschieden. Im Allgemeinen gleichen dieselben den Erscheinungen der acuten Oe-
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Organkrankheiton.
hirnwassersuclit. Dor von mir beobachtete Fall entwickelte sich als eine fioberlose Störung im Verlaufe von einigen Tagen. Es bestand eine schwere Eingenommenheit des Sensoriums. Aber das Pferd (ein SV-Jähriger Wallach) drängte nicht so heftig nach vorn, wie die an der acuten llirnhautentzündung leidenden Pferde bei schwerer Erkrankung gewöhnlich thun. Der Abscess lag, wie die Section ergab, in der hinteren Partie dor rechten Hemisphäre, und zwar an der Convexität. Er hatte die Grosse eines Taubonoies. — Dor Krankhoitsvorlauf erstreckte sich auf 3 Wochen. Während desselben wurde das Pferd an einem Tage von Krämpfen in den Halsmuskeln be­fallen , wobei der Unterkiefer mehrere Minuten lang nach der rechten Seite und der Kopf gegen die Vordorgliedmassen verzogen wurde. Der Krankheitsfall führte durch Complication mit einer jauchigen Broncho-Pneumonie zum Tode.
Das Vorhandensein eines Gehirnabscessos von der in Rede stehenden Art giebt sich bei Pferden durch bestimmte Merkmale nicht zu erkennen. Es kann daher das Krankheitsbild nur auf eine Gehirnontzündung bezogen werden. — Da der Gohirn-abscess nach einem acuten Verlaufe stets mit dem Tode endet, so fehlt es auch an einer rationellen Indication zur Behandlung desselben.
Capitel XLVII. Schwiiidci. Vertigo.
Die älteren Definitionen über den BegrilT dos Schwindels umfasston fast alle Krankheiten, bei welchen die Pferde in Folge einer Störung in den Functionen des Gehirns momentan ausserStande sind, sich im Gleichgewicht zu erhalten. Französische Autoren — Gilbert (1795), Gohier (1815), Dupuy (1825) — rechneten zu dem­selben die acute Gehirnentzündung, zum Theil auch den Dummkoller, die Gastro-Enteritis, die Pfordestaupe und andere Krankheiton. Aus dieser Lehre ging die Unter­scheidung zwischen ,,idiopathischomquot; und „symptomatischem Schwindelquot; hervor. Als Symptom betrachtet, beruht der Schwindel (Vertigo — von vertoro, drehen) nach der in der Medicin üblichen Interpretation in einer Störung des Gemein-gofühls, verbunden mit der Empfindung Ton Scheinbowogungen des eigenen Körpers und mit Störungen in den willkürlichen Bewegungen. Derartige Zufälle treten auch bei Pferden in Folge mannigfacher Anlässe auf. Insbesondere lässt das Vorhalten derselben boitödtlichen Blutverlusten, bei narkotischen Vergiftungen, im letzten Stadium mancher letal vorlaufender Fälle von Kolik oder anderen Krankheiton erkennen, dass das Bowusstsein stark belastet ist und dass die Thiore hierdurch der Fähigkeit be­raubt sind, die Bewegungen des Körpers richtig zu ordnen. Indess ist es nicht an­gebracht, derartige Störungen als Formen des Schwindels zu betrachten. Denn in der praktischen Thiorarzneikunde wird als „Schwindel der Pferdequot; eine selbständige Ge­hirnkrankheit untorschiedon. Es liegt kein thatsächlicher Grund vor, letztere, wie mohrfach goschchen, in verschiedene Formen (Hirnschwindel, Congestionsschwindel, Gesichtsschwindel etc.) zu trennen. Zu der Krankheit des Schwindels gehören auch
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Schwindel.
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die gleichartigen Zufälle nicht, welche mitunter bei Abnormitäten dos Herzens und der grossen Gefässe auftreten. Für ganz gegenstandslos erachte ich den seit Gilbort (1795) bis zur Gegenwart in der Literatur beibehaltenen „Abdominalschwindelquot;, welcher consonsuell aus Krankheiten des Magens und Darms, oder der Leber hervor­gehen soll. Ich habe niemals eine Krankheit bei Pferden beobachtet, welche die Auf­stellung einer solchen Form des Schwindels rechtlertigen könnte.
Begrifflich bezeichnet der Schwindel der Pferde eine im Dienst­gebrauche und in ungleichen Zwischenzeiten anfallsweiso eintretende Störung des Gemeingefühls und der Bewegungsvorstellungen, wobei die Thiere die Herrschaft über die Muskelkraft verlieren und aussor Stande sind, sich im Gleichgewicht zu erhalten.
Pathogeum und Actiologie. Der Schwindel wird durch eine ungleiche Ver-theilung des Blutes Im Gehirn herbeigeführt; die Anfälle kommen aber nur dann zu Stande, wenn durch anstrengende Arbeitsleistung der Pferde eine Steigerung dos arteriellen Blutdruckes erfolgt. Genauer ist dio Circulationsstörung im Gehirn nicht bekannt. Nach der Natur der Symptome erklärte Spinola, dass die Affection in den Centren, welche die Coordination der willkürlichen Bewegungen vermitteln (im kleinen Gehirn) localisirt sei. Vormuthet wird ferner, dass im Boreiche der afficirten Partie des Gehirns eine venöse Congestion neben einer arteriollon Anämie eintreten und dass hierdurch die Störung in der Function der Coordinationscentren bedingt werden soll. Es ist demnach der Anfall auf eine vorübergehende Schädigung der Gefässnorven, bezw. auf eine Herabsetzung des Tonus in den Gefässwandungen der motorischen Apparate des Gehirns zurückzuführen. Dass eine materielle Veränderung in den ßlutgefässen bestehe, ist bisher nicht ermittelt worden und auch schon des­halb nicht anzunehmen, weil die betreffenden Pferde meist nur in einer bestimmten Arbeitsleistung von den Schwindelanfällen betroffen werden.
Die Anlage zur Erkrankung am Schwindel ist bei don Arboitsschlägen (dänischen, belgischen Pferden), förner bei den massig veredelten Landschlägon grosser, als bei den edlen Bacen. Fast ausschliosslich sind der Krankheit die in anstrengender Trab-bewogung arbeitenden Pferde (Wagen-, Omnibus-, Droschken- und Arbeitspferde) unterworfen. In der Literatur wird angegeben, dass in einzelnen Fällen auch Reit­pferde am (essentiellen oder habituellen) Schwindel erkranken. Ich habe einen solchen Fall nicht kennen gelernt. — Die landwirthschaftlichen Arbeiten bieten keine Ver­anlassung zur Entstehung der Krankheit, während dieselbe bei den in grossen Städten benutzten Pferden oft vorkommt. Einzelne Pferde besitzen eine besondere Anlage zum Schwindel, die sich dadurch kundgiebt, dass die Anfälle im Frühjahr einige Male eintreten, während des Sommers und Winters aber ausbleiben. — Soweit die Ernährung als Ursache in Betracht kommt, ergiebt die Erfahrung, dass die Krank­heit vorzugsweise bei kräftig gefütterton Pferden vorkommt. Begünstigt wird die Entstehung durch die anhaltende Verabreichung von Mais; aber auch bei ausschliess-licher Haferfütterung ist der Schwindel nicht selten.
Neben don vorbezeichneten allgemeinen ursächlichen Momenten hat den wesent­lichsten Einfluss auf das Zustandekommen der Krankheit überhaupt und auf die Ent­stehung der Anfälle die anhaltende Arbeitsleistung bis zum Schwoissausbruch. Daher spielt die hoho Temperatur der Atmosphäre im Frühjahr und Sommer in der Aetiologio des Schwindels und rosp. der einzelnen Anfälle eine grosse Rolle. Dass die Pferde in grossen Städten vorwaltend erkranken, scheint darin begründet zu sein, dass bei anhaltend heisser Witterung die Temperatur auf den Strasson zwischen den Häusern
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Organkrankheiten.
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einen relativ hohen Grad erreicht und dass die Pferde beim Gebrauche in den langen Strassen dauernd dem Einflusso der Hitze ausgesetzt sind. Endlich ist als Ursache das feste Anziehen des Aufsatzziigols im Wagendienste und resp. die Einschränkung der Kopfbewegung hervorzuheben. Aus diesem Grunde entsteht die Krankheit oft bei Omnibus- und Wagenpferden. — Die Behauptung, dass die Anwendung von Scheu­klappen, deren innere Fläche lackirt ist, ferner die Arbeit auf schneebedeckten Wegen oder mangelhaftes Sehvermögen (Augenfehler) den Schwindel bei Pferden verursachen sollen, beruht auf einem diagnostischen Irrthum (vergl. Epilepsie). Dies ergiebt sich schon aus der Thatsache, dass durch die Abstellung der erwähnten Einflüsse die Wiederkehr der Schwindelanfälle nicht verhindert worden kann.
Symptome und Verlauf. In der Trabbewegung vor dem Wagen stellt sich plötzlich und unerwartet ein schwankender Gang ein. Das Pferd lehnt sich seitwärts oder rückwärts in den Aufhalte-(Deichsel-)Ricmen. Wird es angehalten, was zur Vermeidung des Niederstürzens sich als nothwendig ergiebt, so spreizt es die Gliedmassen auseinander, wankt abwechselnd nach beiden Seiten und bewegt den etwas gesenkten Kopf hin und her. Stierer Gesichtsausdruck, Pulsfrequenz, beschleunigte und dyspnoische Respiration, Zittern der Hautmuskulatur und Schweissaus-bruch. Selten und in der Regel nur dann, wenn es nicht am Kopfe gehalten wird, verliert das Pferd das Gleichgewicht in so hohem Grade, dass es zusammenbricht.
Der Anfall dauert 1—4 Minuten. Unter schnellem Nachlassen sämmtlicher Symptome kommt die vollständige Erholung in wenigen Minuten zu Stande, so dass das Pferd bei einiger Schonung sofort wieder benulzungsfähig ist.
Wenn die mit dem Schwindel behafteten Pferde in demselben Ge­brauche, unter dessen Einfluss die Krankheit entstanden ist, weiter ver­wendet werden, so pflegen sich die Anfälle in unregelmässigen Zwischen­zeiten zu wiederholen. Oft vergehen .wenige Tage, in anderen Fällen, mehrere Wochen oder Monate, bevor ein neuer Anfall eintritt. Leicht erfolgt die Wiederkehr desselben bei anstrengender Arbeit an heissen Tagen. Werden die betreifendon Wagen- oder Arbeitspferde aber zu anderen Dienstleistungen bestimmt, bei welchen sie nur im Schritt gehen, so treten die Anfälle der Regel nach nicht mehr ein.
Diagnose. Der Schwindel kann mit folgenden Zuständen verwechselt werden.
1) Stätigkeit im Wagendienst. Die mit dieser Untugend be­hafteten Pferde versagen mitunter erst während des Gebrauchs plötzlich und mit Absicht die Folgsamkeit. Im Ganzen ist aber leicht zu er­kennen, dass die etwaigen schwankenden Bewegungen nicht unwillkür­lich erfolgen.
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Schwindel.
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2)nbsp; nbsp;Soheu. Ein scheues Wagenpferd weicht zuweilen vor einem ihm auffälligen Gegenstande aus und drängt gegen die Deichsel oder nach rückwärts. Die Berücksichtigung dieses Verhaltens gegenüber den Sym­ptomen des Schwindels ist namentlich bei der Prüfung junger, an den Wagendienst noch nicht gewöhnter Pferde von erheblichem diagnostischem Interesse.
3)nbsp; nbsp;Dummkoller. Werden die am Dummkollor leidenden Pferde bis zum Schweissausbruch angestrengt und in unzweckmässiger Weise bestraft, so kann eine Störung in der Haltung und Bewegung des Körpers hervortreten, welche mit den Symptomen des Schwindels einigermassen übereinstimmt. Gegen eine Verwechselung schützt die vollständige Unter­suchung.
4)nbsp; nbsp;Schütteln mit dem Kopfe. Einzelne Wagenpferde schütteln zeitweise mit dem Kopfe, wenn das Genickstück oder der Stirnriemen des Zaumes unbequem liegt. In solchen Fällen ist die Erkennung des abnormen Verhaltens und seiner Bedingungen leicht. Es giebt aber auch Pferde, welche im Gebrauche ab und zu mit dem Kopfe schütteln, ohne dass sich eine Ursache in der Zäumung oder in anderen Verhältnissen nachweisen lässt. Ob bei diesen Pferden das anfallsweise eintretende Kopfschütteln auf einer üblen'Angewohnheit beruht oder durch schmerz­hafte Empfindungen in den Ohren hervorgerufen wird, ist nicht festzu­stellen. Von dem Schwindel unterscheidet sich der als „habituelles Kopf­schüttelnquot; bezeichnete Fehler durch das Nichtvorhandensein von Gleich­gewichtsstörungen während des Anfalls.
5)nbsp; nbsp;Schiefhalten des Kopfes. Die schiefe Haltung des Kopfes, welche bei Wagen- und Arbeitspferden zuweilen beobachtet wird, kann einerseits auf übler Angewohnheit oder auf einem unvollkommenem Bau des Kopfes und der Genickpartie, beruhen, andererseits aber durch unbe­kannte Ursachen (wahrscheinlich durch einseitige schmerzhafte Empfin­dungen im Bereiche des Schädels) bedingt sein. Auch bei diesem Fehler sind die wesentlichsten Symptome des Schwindels nicht vorhanden.
6)nbsp; nbsp;Mangel an Bcwusstsein und Dyspnoe in Folge von Com­pression der Blutgefässe des Halses durch ein kurzes Kummt oder ein hoch liegendes Blattgeschirr. Das hier gedachte krank­hafte Verhalten wird nur bei Pferden beobachtet, welche in einem nicht passenden Geschirr momentan sehr stark ziehen müssen und sich hierbei zu heftig benehmen. Nicht selten fallen die Pferde, namentlich junge, unbesonnene Thiere, hierbei zu Boden und wenn die Zusammondrückung des Halses nicht durch Lockerung des Geschirrs sofort aufgehoben wird, so kann der Tod durch Suffocation eintreten. Von dem Schwindelanfall,
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Organkraiildieiten.
der unter ganz anderen Verhältnissen entstellt, unterscheidet sich diese Circulationsstörung leicht.
7)nbsp; nbsp;Herz- und Lu ngencongestion. Die anhaltende Anstrengung der Pferde in schneller Gangart und bei grosser Hitze bedingt zuweilen eine momentan eintretende übermässige Belastung des Herzens, welche d,en Thieren die Muskelkraft benimmt, so dass sie aussei' Stande sind, weiter zu gehen. Am meisten sind dieser Erkrankung die „extensivquot; ernährten und an die Arbeitsleistung in der anhaltenden Trab- oder Galopbewegung nicht gewöhnten jungen Pferde unterworfen. In dem Krankheitsbilde, welches dem Schwindel sehr ähnlich sein kann, tehlt das Taumeln resp. das Hin- und Herbewegen des Kopfes und das Schwanken des Körpers auf den gespreizt gestellten Gliedraasson. Auch geht die Herzcongestion nicht so schnell vorüber, wie der Schwindel­anfall.
8)nbsp; nbsp;Chronische Krankheiten des Herzens und der grossen Gefasse. Zu den Symptomen einiger Herzfehler (Stenose des Ostiura aorticum und Insufficienz der Aortenklappen, Perforation der Scheide­wand) gehören auch Schwindelanfälle, die theils während der Arbeits­leistung, theils im Stalle bei den betreifenden Pferden eintreten. S. 637 habe ich schon hervorgehoben, dass diese Störung, deren seit Jahrzehnten in der Literatur unter dem Namen des symptomatischen Schwindels gedacht ist, zu der im engeren Sinne als Schwindel bezeichneten Gehirn­krankheit nicht gerechnet werden kann. Die specielle Unterscheidung ist durch die sachkundige Untersuchung der Herzfunctionen stets zu er­möglichen. Im Uebrigon verweise ich auf das Capitel der chronischen Herzfehler.
9)nbsp; nbsp;Narkotische Vergiftungen, die bei Pferden nur selten vor­kommen, unterscheiden sich dadurch vom Schwindel, dass die Symptome der cerebralen Störung nicht schnell vorübergehen.
Nach vorstehenden diagnostischen Bemerkungen hat die Ifeststellung des Schwindels an sich keine erheblichen Schwierigkeiten. Sie lässt sich schon bei vollständigen Aussagen etwaiger Zeugen möglich machen, ohne dass der Thierarzt selbst den Anfall bei einem Pferde beobachtet hat. Andererseits fehlt es aber für die veterinärgorichtliche Praxis zuweilen an dem erforderlichen Anhalt, um die Zeit, in welcher die Krankheit zuerst entstanden ist, zutreffend beurtheilen zu können. Ich habe mehr­fach beobachtet, dass vier- bis sechsjährige Pferde, welche bisher am Schwindel nicht gelitten hatten und im Frühjahr oder Sommer zum Omnibus- resp. Wagendienst angekauft wurden, bei diesem Gebrauche schon innerhalb der ersten 4 Wochen am Schwindel erkrankten, der sich
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Schwindel.
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nun In Längeren oder kürzeren Zwischenzeiten anfallsweise wiederholte.'
Es lässt sich daher nicht behaupten, dass eine längere Zeit zur Aus­bildung des Schwindels nothwendig vergangen sein muss, bevor ein An­fall hervortritt, Stellen sich die Anfälle bei einem eingeübten AVagen-pferdc in den ersten 14 Tagen nach dem Kaufe resp. der üebergabe ein, ohne dass die heisse Witterung oder eine übermässige Anstrengung im Trabe und bei fester Einzäumung (Haltung) dos Kopfes als ursächliche Momente einwirken, so kann angenommen werden, dass das Pferd auch früher schon mit der Krankheit (dem habituellen Schwindel) behaftet gewesen ist. In zweifelhaften Fällen bleibt aber die ßcurtheilung der Entstehungszeit davon abhängig, dass über das Verhalten des Pferdes vor dem Kaufe durch glaubwürdige Zeugen eine genügende Auskunft er­bracht werden kann. Ist eine derartige Auskunft nicht zu erlangen, so lässt sich ein positives Gutachten über die Dauer der Krankheit nicht abgeben.
Prognose. Der Schwindel ist zwar, soweit es auf den Gebrauch der Pferde in der Trabbewegung vor dem-Wagen oder vor anderen Fuhr­werken ankommt, als eine unheilbare Krankheit anzusehen. Allein die Anfälle führen an sich nicht zum Tode, wiederholen sich auch nicht immer in kurzen Fristen. Hiernach bestimmt sich die Worlbvermindo-rung, welche die Krankheit mit sich bringt. Als Regel ist anzunehmen, dass die betreffenden Pferde sich zum andauernden Trabfahren in den Städten nicht mehr eignen, dass sie aber bei langsamer Gangart und namentlich in der Arbeit auf dem Lande oft von den Anfällen ver­schont bleiben.
Therapie. Da der Schwindclanfall nur wenige Minuten anhält, so ist eine medicamentöso Behandlung desselben nicht indicirt. Beim Eintritt eines Anfalls muss das Gespann sofort zum Stehen gebracht werden. Das betreffende Pferd ist am Kopfe zu halten und thunlichst auch an den Hüften zu stützen, um das Niederfallen zu verhindern. Der Auf­halteriemen wird am besten losgeschnallt. Die Kutscher pflegen den schwindelig gewordenen Pferden eine.Decke über den Kopf zu werfen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass hierdurch die Congestion im Gehirn schneller nachlässt. Einige Vortheile gewährt auch das Waschen des Kopfes mit kaltem Wasser. Ist das Pferd zu Boden gefallen, so muss es während der Dauer des Anfalls am Kopfe gehalten und an der #9632;Schulter unterstützt werden.
Die zur Heilung des Schwindels empfohlenen Mittel (Adcrlass, Haar­selle in der Genickpartie, Kalium bromatum im Trinkwasser und die purgirend wirkenden Medicamente) haben sich nicht bewährt. Auch die
Dicckcrhoff, Spoc. Palhologic u, Tlioropie
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Organkrauldieiton.
Verringerung des schweren Futters verhindert die Wiederkehr der An­fälle nicht; sie verträgt sich ausserdom in der Regel mit der von den betreffenden Pferden beanspruchten Kraftleistung nicht. — Von der An­sicht ausgehend, dass durcli ungleiche oder heftige Liohtempflndung in den Augen die Anfälle hervorgerufen würden, ist einerseits die Anbringung breiter und weit nach vorn reichender Scheuklappen und andererseits die Benutzung eines Zaumes ohne Scheuklappen angeratlien worden. Ich habe oft mit der Aenderung dos Zaumes die verschiedensten Versuche zur Ausführung gebracht, aber in keinem Falle einen durchgreifenden Erfolg erzielt. — Wenn ein mit dem Schwindel behaftetes Pferd ohne starke ßoizäumung resp. ohne feste Haltung des Kopfes gefahren werden kann und nicht bis zum Schweissausbrucb angestrengt zu werden braucht, so bleiben die Anfälle zuweilen aus. Meist ist aber der Besitzer von Wagen-, Omnibus- oder Arbeitspferden nicht in der Lage, eine so vor­sichtige Behandlung im Dienstgebräuche durchzuführen. Es erübrigt daher in der Regel nur, die betreffenden Pferde, die im langsamen Zug­dienste und besonders zu Ackerarbeiten brauchbar sein können, zu ver-äussern.
Capital XLVIII. Fallsucht. Epilqisin. Morbus sacer.
Die Epilepsie oharaktorlsirt sich als eine chronische, nach ungleichen, meist aber wochen- oder monalelangen '/wisclionzeiten anfallswoiso auftretende Gehirn­krankheit mit Krämpfen und Aufhebung dos Bowusstseins. Die Anfälle beruhen nicht ausschlicsslicli auf einer heftigen Erregung der motorisohen Centron (dos Krampf-centrums in der Varolsbrücke und dos vasomotorischen Centrums im vorlängorton Mark). Auch die voriibergehciulo Aufhebung des Bewusslsoins bildet einen wesent­lichen Läestandthcil der Krankheit, üeber die Pathogonese ist bislang eine endgültige Lösung nicht gewonnen. Nach den Untersuchungen von Kussmaul, ISothnagel u. A. wird die Entstellung der Anfälle auf die krankhaft erhöhte Erregbarkeil der motorischen Gontralapparato in der Varolsbrücke und im verlängerten Mark /.uriiek-gofiibrt. Hieran soll sich eine krampfhafte Verengerung der Hirnarterlen schliesson, welche zur Anämie des Grosshims und zum Aufhören des Bowusstseins führe. — In der neueren Zeit wird diese Theorie aber nicht mehr allseitig anerkannt, die primäre Affection vielmehr in die Rindensubstanz des grossen Gehirns vorlegt („Rir.den-epilepsioquot;). Zur Unterstützung dieser Ansicht dient dioThatsaohe, dass beim Menschen
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Fallsucht. Epilepsie.
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die leichteren Formen der Epilepsie sich oft nur in einem vorübergohondon Verluste dos liewusstsoins ausspi'colien, während die krampfhaften Muskolcontractionon aus­bleiben.
Seit langer Zeit ist von der Epilepsie des Menschen bekannt, dass sie durch Vererbung bedingt worden kann. Von den Pferden wird demgemiiss, weil die An­fälle mit den Erscheinungen der menschlichen Epilepsie in allen wesentlichen Punkten übereinstimmen, ebenfalls eine Anerbung der Anlage behauptet. Entsprechend dieser Lehre sind die botreffendon Pferde regelmiissig von der Zucht ausgeschlossen worden. Thatsächliche Nachweise über die Vererbung der Krankheit bei den Fferdon fehlen indess noch. Sicher ist, dass die Epilepsie auch unabhängig von einer ererbten An­lage entstehen kann. Sie kommt im Ganzen bei Pferden nicht oft vor. Im höheren Alter ist sie häufiger, als im jüngeren. Bei der Section der mit der vollständig aus­geprägten Fpilepsie behaftet gewesenen Pferde haben bestimmte Veränderungen im Gehirn oder an den Schädelknochen nicht nachgewiesen werden können.
Wie schon von älteren Autoren hervorgehoben und von Spinola (Spec. Path., 1858), sowie von Gerlach (Gerichtl. Thieiliuilk., 18G2) beschrieben wurde, tritt die Epilepsie bei Fferden theils in unvollstäniliger, tlieils in vollständiger Ausbildung der Symptome auf (Epilepsia inoomplet a s. partial Is und E. corapleta s. u n i-versalis). Als Gclegenhoitsursachen der unvollständigen Rpilepsle sind der schnelle Wechsel von Licht und Schatten, sowie die Einwirkung des grollen Sonnenlichts oder des von Schneellächen und Wasserspiegeln reflectirten Lichts auf die Augen, ferner neuralgische Zustände und traumatische Entzündungen in der Haut mehrfach beob­achtet worden („Reflexepilopsiequot;).
Symptume. In den Erscheinungen ist zwischen der vollständigen und unvollständigen Epilepsie zu trennen.
a. Das Bild eines vollständig ausgeprägten Anfalls setzt sich aus folgenden Symptomen zusammen. Während der Arbeitsleistung, oder beim Führen, auch beim ruhigen Stellen im Freien, weniger oft im Stalle treten plötzlich Zuckungen in den MusUeln des Kopfes und Halses ein; gleich darauf nickende Bewegungen mit dem nach rückwärts gezogenen Kopie, Verdrehen der Augen, Verziehen der Lippen, krampfhaftes Kauen und Schauraschlagen, knirschende Geräusche mit den Zähnen, zuweilen tonische Contractioncn in den Beugern des Halses, Convulsionen in den Muskeln dos Rumpfes und der Gliodmassen, Verlust des Gleichgewichts und Niederstürzen, vollständige Unterdrückung des Bewusstseins, während des Liegcns Zuckungen und anhaltendes Verziehen des Kopfes, klonisohe und tonische Oontractionen in den Streckmuskeln der Gliedmassen. Die Pupillen erweitern sich, die Kopfschleimhäute erblassen, das Athmen wird dyspnoisch und röchelnd, der Puls beschleunigt und unregclmässig. Zuweilen Kothcntleerung und allgemeiner Schwcissausbruch.
Der Anfall dauert 4—8 Minuten. East mit derselben Schnellig­keit, mit welcher die Zufälle eingetreten sind, lassen dieselben wieder nach. Die Thiere heben den Kopf und gewinnen in 1 — 3 Minuten so
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ürganliranldioitcn.
viol Kraft, um sich vom Bodon erheben zu können. Sie stellen ohne Unterstützung auf, benehmen sich, als ob sie aus einem tiefen Schlafe aufgewacht wären, zeigen sich momentan etwas ermattet, erholen sich aber schnell, so dass sie nach 5—10 Minuten wieder arbeitsfäiiig sind.
b. Die Symptome des unvollständigen epileptischen Anfalls bestehen in einem geringeren Grade der vorbenannten Zufälle. Es stellen sich Zuckungen in den Kopf- und Halsmuskeln mit nickenden Kopfbewegungon und Blinzeln der Augen ein. Gewöhnlich wird der Kopf nach oben und hinten verzogen. Zuweilen spreizen die Pferde die Füsse auseinander. Aber sie fallen nicht zu Boden und die Erscheinungen verlieren sich in 1 — 2 Minuten wieder. — Demnach besteht der Unterschied zwischen einem unvollständigen und einem vollständigen Anfall hauptsächlich darin, dass der erstero weniger heftig ist, auch nicht so lange dauert und dass die Pferde sich bei demselben stehend erhalten.
Verlauf. Die Epilepsie hat einen chronischen Verlauf. Inwiefern dem Eintritt des ersten Anfalls ein abnormes Verhältniss von längerer Dauer im Gehirn voraufgeht, ist nicht genau bekannt. Den in allen Einzel­heiten scharf ausgeprägten Charakter und eine graduelle Gleichmässig-keit in den Symptomen erlangen dio Anfälle der Regel nach erst, nach­dem sie sich mehrere Male wiederholt haben. Die Wiederkehr derselben erfolgt bei einem epileptischen Pferde zuweilen in 1 — 3 Wochen, oft aber erst in längeren Zwischenzeiten, die sich auf 8—6 Monate, selbst auf ein Jahr ausdehnen können.
[ch habe einen neunjährigen Wallacli von massig veredeltem Ilalbblutsoblage gekannt, der im schworon Arbeitsdienste alle 3—(5 Woohon in ungleiclion Intervallen von einem vollen opilopUsehen Anfall betroffen wurde. Einmal vergingen aber 9 Mo­nate, bevor der Anfall repotiiie. — Eine zehnjährige Stute (leichtes Wngenpferd), die im einspännigen Wagen benutzt wurde, hatte Jährlioli nur zwei Anfälle: einen im Frühjahr und einen im Herbst. Im dritten Jahre Hess der Hosit/.ef, der bei einem plötzlich während des Fahrens eingetretenem Anfall nur mit genauer Noth einer Lebensgefahr entgangen war, das Pferd tödten.
Sowohl die vollständige, wie die unvollständige Epilepsie ist als unheilbar anzusehen. Wenigstens fehlt es noch an einer gesicherter 'Beobachtung darüber, dass ein mit der Krankheit behaftetes Pferd mehrere Jahre hindurch gesund geblieben wäre. Aber die Anfälle nehmen keinen letalen Ausgang, wenn nicht zufällig beim Niederstürzen eine lödt-üchc Verletzung eintritt.
Diagnose. Bei der Feststellung der Epilepsie ist Rücksicht zu nehmen auf:
1) Den Schwindel der Pferde, bei welchem das unterscheidende Merkmal darin liegt, dass die Anfälle nicht von klonischcn und tonischen
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Fallsucht. Kpilopsio.
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Muskclcontracüoncn begleitet sind, auch das Bewusstsein nicht in dem Grade aufgehoben ist, wie bei einem vollständigen epileptischen Anfall.
2)nbsp; nbsp;Die epileptoiden (epileptiformen) Krämpfe im Verlaufe anderer Krankheiten (symptomatische Epilepsie). Bei der Brust-seuoho und bei der Scalma steilen sich zuweilen Gehirnkrämpfo in An­fällen ein, welche mit den Symptomen der Epilepsie übereinstimmen. Eine Verwechselung lässt sich durch die Beachtung der Hauptkrankheit und ihrer Symptome, mitunter auch schon durch die Wahrnehmung mehrerer Anfälle innerhalb eines oder einiger Tage aussei)Hessen. — Kramp fan fälle, welche von dem Schmarotzortbum der Spulwürmer im Darm hervorgerufen sein können (vcrgl. S. 511), charakterisiren sich durch ihren acuten Vorlauf und durch das Resultat der antiparasitischen Behandlung dos Falles. — Mehr Umsicht erfordert die Unterscheidung der Epilepsie von den bei chronischen Herzkrankheiten vorkommenden epileptoiden Krampfanfällen. Gegenüber dieser Verwechselung ist dio eingehende Prüfung des Herzschlags durch Palpation und Auscultation im Stande der lluho und nach einer Anstrengung der Pferde nothvvendig. Ergiobt sich hierbei eine erhebliche Störung der Herzfunction, so ist dor Regel nach der Anfall als ein Symptom des Herzleidens anzusehen. Zu­weilen entstehen innerhalb einiger Stunden mehrere Anfälle von ver­schiedener Intensität, was bei der Epilepsie nicht vorkommt.
3)nbsp; nbsp;Acute Gehirnkrämpfe (acute Epilepsie, Eklampsie). Eine Verwechselung ist durch die Berücksichtigung des Krankheitsverlaufs meist zu vermeiden. Gewöhnlich dauern die Anfälle länger, als bei der eigentlichen Epilepsie. Auch wiederholen sich dieselben zuweilen inner-halb eines Tages mehrere Male.
4)nbsp; nbsp;Acute klonische Rückenmarkskrämpfe sind nicht mit vor-übergebendem Verlust des Bewusstseins verbunden, dauern auch länger, als die epileptischen Anfälle und machen sich vorwaltend in den Muskeln des Rumpfes, Bauches und Beckens geltend.
I'i'ognusc mill TherapiCi Von der Epilepsie des Pferdes ist der Aus­gang in Genesung nicht mit Sicherheit festgestellt. Die Krankheit gilt daher in jedem Falle, in welchem die Diagnose gesichert ist, als unheil­bar. Aber die Anfälle wiederholen sich nach sehr verschiedenen Zwischen­zeiten. Deshalb gestaltet sich die Entwerthung der betreffenden Pferde nicht immer gleich hoch. Nach der allgemeinen Auffassung der Pferde­besitzer wird aber die vollständige oder allgemeine Epilepsie immer als ein sehr erheblicher Fohler betrachtet, so dass der Kaufworth der be-trolfenden Pferde nur gering ist. Die Verwendung solcher epileptischen Pferde ist nicht ohne Gefahr, namentlich im Wagendienst, weil der Anfall
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Organkranlthoiton,
während des Gebrauches plötzlich eintreten kann. Mir sind mehrere Fälle bekannt, in weichen Wagenpferde während der Schritt- oder Trab-bowegung auf der Chaussee einen vollen epileptischen Anfall bekamen, wobei der Wagen umgeworfen und die Insassen vorletzt wurden. Wenn demnach ein derartiges Pferd benutzt werden soll, so ist eine passende Arbeil für dasselbe zu wählen. — Weniger wird die Leistungsfähigkeit der Pferde bei der unvollständigen Epilepsie beeinträchtigt, bei welcher zuweilen schon durch eine ruhige Behandlung oder durch Aenderung des Zaumes und Beseitigung der Scheuklappen der Wiederkehr der Anfälle vorgebeugt werden kann.
Die Anwendung der vielfach empfohlenen Heilmittel hat nach der bisherigen Erfahrung kein günstiges Ergebniss. Früher wurden nach den altüberlieferten Ansichten Aderlässe und drastische Abführmittel in Ge­brauch gezogen. Obwohl dieselben erfolglos sind, so ist in praxi bei der Beurtheilung dieser, wie aller anderen Mittel zu berücksichtigen, dass die Anfälle aus unbekannten Gründen, zuweilen mehrere Monate, selbst ein volles Jahr ausbleiben, nachdem sie vorher häufiger aufgetreten sind. — In der neueren Zeit wird Kalium bromatum zu 20—50 Grm. pro die im Trinkwassscr oder mit dem Futter gegeben. Ein relativer Erfolg ist aber auch von dieser Medication nur zu erwarten, wenn die Anfälle schnell (in Intervallen von mehreren Tagen oder Wochen) aufeinander folgen. Stellen sich die Anfälle selten ein, so fehlt es an einem sicheren Anhalt, um die passende Zeit für die Anwendung des Kalium bromatum bestimmen zu können. — Mit den sonst seit mehreren Dccennien ange­priesenen Arzneimitteln (Arg. nitricum, Zincum oxydatum, Atropin u. a.) verlohnt sich ein Curversuch bei Pferden nicht. Wenn für die Patienten eine geeignete Beschäftigung (etwa zu Ackerarbeiten oder zu langsamem Fuhrwerk auf ebenen Wegen) nicht angeordnet werden kann, so bleibt meist nur übrig, dieselben als worthies zum Schlachten zu veräussern.
Capitel XLIX. 4ciitc c|gt;ilc|itiforiuc Ocliiriikriinipfc. Acute Kpilcpsic. Kklamitsic.
Anfallsweiso auftretende klonlsohe und ionische Krämpfe von acutem Verlaufe im Bereiche der Gehirn- und Rüclicnmai-ksnervon mit vollsttlndiger Aufhebung des Bewasstseins während dor Anfälle werden unter dem Kamen der „Eklampsioquot; zu-sammengefiisst. Hinsichtlloh der Aetiologle bestehen grosso Verschiedenheiten. Die
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Aculo epiloptiformo Gohirnliriimpfe.
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Eklampsie 1st deshalb keine elnheitlloho Krankheit. Zu derselben gehören gowissor-massen auch die epiloptiformon Krämpfe, die boi caoiiten allgemeinen Infeotlonskrank-lioilen (Brustseuobe, Soalma) vorkommen, Das Krankbeltsbild kann ferner in Folge von aouter Leptomeningitis (Sonnenstich) entstehen, worüber ich S. G12 sub No. 7 einen letal verlaufenen Krankheitsfall mitgetheilt habe Auch die bei Herzfehlern vorkommenden epileptoiden Anfälle äusscrn sieii durch gleiche Symptome. — Nach Ausscheidung dieser Formen (Eklampsia symptomalica), deren Zugehörigkeit zu anderen Krankheilen nachgewiesen werden kann, erübrigt noch das Vorkommen von Füllen, von welchen die Entstehung ganz unbekannt ist (Eklampsia idio-pathica). Die Anfalle unterscheiden sich von der Epilepsie nur dadurch, dass sie sich nicht nach Wochen oder Monaton wiederholen, sondern innerhalb weniger Tage verlaufen und entweder mit vollständiger Genesung oder mit dem Tode enden. — Die weitere Unterscheidung besonderer Formen der Eklampsie ist für die Lehre von den Pferdekrankheiten thatsäohlich nicht zu begründen. Denn eine Analogie der „Ek­lampsia parluriontiumquot; der Frauen ist bei den Stuten nach dem Gebären nie beobachtet worden. Auch über das Vorkommen oklamplischer Krämpfe im jugend­lichen Alter, welche mit der „Eldampsia infanturaquot; in Parallele gestellt werden könnten, ist ein Krankheitsfall bei Fohlen nicht bekannt. Junge Schweine und Hunde worden nicht selten von dieser Form der Eklampsie befallen*).
Die Avtlologic der als idiopalhischo Eklampsie zu betrachtenden acuten Gohirn-krämpfo ist dunkel. Vermulhlich beruht dieselbe in einer Autointoxication eigener Art („Krampfglftequot;). Meist werden ältere Pferde heimgesucht.
Die Syinptoiiic gleichen ganz den Erscheinungen des epileptischen Anfalls. Schwankende Haltung des Körpers, Muskelzuckungen an den Lippen und den Augen, krampfhafte Kaubowegungen, stossweise Contractionon der Rumpf- und Bauchmuskeln, tonische Krämpfe der Halsmuskeln mit llerabziehung des Kopfes gegen eine Vorder-gliedmasse, Eingenoinmcnheit oder vollständige Unterdrückung des Bewnsstseins, Ver­lust dos Gleichgewichts und Niederfallen; frequenter unrogelmässiger Puls und dys-pnoische Llospimtion, — Die Anfälle erreichen zuweilen In 5—10 Minuten ihr Ende. Mitunter dauern dieselben aber 'z^-—' Stunde, wobei zeitweise das Bewusstsoin freier erscheint und die Symptome auf einen niederen Grad zurücktreten. Einzelne Pferde bekunden täglich 2—4 kurze, aber volle Anfälle mehrere Tage nacheinander, Auch bleibt zuweilen ein Tag frei, worauf am folgenden Tage sich von Neuem ein Anfall wiederholt, in den freien Zwischenzeiten zeigen die Pferde ein schreckhaftes Tempe­rament. — Wie bei der Epilepsie, so treten auch bei der idiopathischen Eklampsie die Anfülle in verschiedenen Graden auf. Nicht selten ist die Depression des Be­wußtseins unvollkommen, so dass sich die Patienten stehend erhalten können.
Bei der DlagllOSO sind die symptomatischen Krämpfe (vorgl. S, 646) zu berück­sichtigen.
Die l'rogiKisc ist im Ganzen nicht ungünstig. Schwere Fälle enden aber tödt-
*) Nach den thierärztlichen Lehrbüchern soll auch die „Starrsuoh tquot; (Kata-lopsia) bei Werden beobachtet sein. Gewöhnlich wird zur Bekräftigung dieser An­nahme der von Hering (Spec, l'alhol.) mit wenigen Bemerkungen besprochene Fall citirt. Nach molnor Meinung liefert die Beschreibung der Symptome nicht den Be­weis, dass das betreffende Pferd an der Katalepsie gelitten hat. Es ist sehr unwahr­scheinlich, dass die Katalepsie bei Pferden vorkommt. — Ebensowenig ist bisher ein Fall von „Veitstanzquot; (Chorea) bei Pferden nachgewiesen worden.
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Organkrankhoiton.
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lieh, In don loiohton Krankhoitsgraden slstiren die Anfälle am 2.—C. Tage, worauf die Genesung ohne Nachkrankheiten erfolgt.
Für die Therapie kann die causale Indication keine Handhabe bioton, weil dio Aeliologio unbekannt ist. Gegen dio krankhafte Erregbarkeit der afficirton Oontral-apparate des Gehirns wird zwockmässig Kalium bromatum zu 20,0—50,0 pro die im Trinkwasser vorabreioht, Bei vollstiindigom Koma ist die Inhalation einer Ammoniak­lösung zu vorsuclien. Ein etwaiger Mangel in der Darmperistaltik wird daneben mit Physostigmin behandelt. Aüssordom ist für die sorgfältige Verpflegung in gut venti-lirton kühlen Räumlichkeiten zu sorgen.
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Gas ui s tik.
1)nbsp; nbsp;Ein 9 Jahre alter edler Rapphengst Trakohnor Zucht (Wagenpferd) war zwei Tage hindurch nicht aus dem Stalle gekommen und darauf Vormittags am 11. Juni 1883, als er vor einem leichten Wagen bewegt wurde, ohne Veranlassung nieder­gefallen. Der Hengst wurde mittels Transportwagens Mittags in die Klinik gebracht. Im Laufstall blieb derselbe flach auf der Seite liegen. Die Haut war am Kopf, an der Schulter und an der Hüfte, sowie an den Fusswurzoln gequetscht und von der Epidermis stellenweise entblösst. Blick eingenommen. Peristaltik des Darms normal. Resp. 14, Puls 54, Terap. 39,0. Herztöne normal. Beim Antreiben hobt sich der Hengst mit den Hintorfiisson nur unvollständig; er konnte auch bei sachgemässer Unterstützung nicht aufstehen. Ich Hess den Hengst mit einem Flaschenzug in die Höhe hoben und in einen Ilängeapparat stellen. Nach 10 Minuten konnte er selb­ständig stehen, vermochte aber nicht, vorwärts zu gehen. Grünfutter und Wasser werden in geringen Mengen aufgenommen. Nach 6 Stunden wurde der Hängeapparat entfernt. Am folgenden Tage erhebliche Besserung in den Symptomen. Die Bewegung ist aber noch soliwankend und unsicher. Puls 54, Resp. 15, Tomp. 37,7. Das Pferd hat sich nicht gelegt. — Am 13. Juni Vormittags anscheinend dasselbe günstige Ver­halten. Nur zeigt sich leichtes Zittern in der Haut am Rumpfe und in den Schulter­muskeln. Puls 48, Resp. 18, Tomp. 38,1. Das Pferd legte sich nicht. Mittags fiel 6S plötzlich zu Boden und es stellten sich heftige opiloptiformo Krämpfe ein. Sowohl die Gcsiohtsmuskeln dos Kopfes, als die Hals- und Rumpfmuskeln und die Muskeln der Gliedmassen waren bei den Anfällen bethoiligt. Starker Schweissausbruch und länger anhaltende Conlractionen in den Halsmuskeln. Die Anfälle wiederholen sich alle 10 Minuten, zuweilen noch schnoller. Vorgeblich liess ich mit dem Flaschenzug vorsuchen, das Pferd zum Aufstehen zu bringen. Es stellte sich nicht einmal auf die Füsse und musste wieder herabgelassen werden. — Die Krampfanfälle traten'gegen Abend seltener auf; aber dio RospirationsfrOquenz stieg auf CG in dor Minute. Puls 9G. Blick stier; Getränk und Futter wird nicht mehr angenommen; das Pferd liegt flach auf der Seite. Um 10 Uhr Abends Tod.
Die im pathologischen Institut (Pusch) ausgeführte Section ergab dio Ver­minderungen des Erstickungstodes in don Organen der Brust- und Bauchhöhle. Untor-hautvenen stark gefüllt mit dunklem flüssigem Blut. — Gehirn und Rückenmark zeigten eine starke Injection der venösen Gefässe und überall auf dem Durclischnitl eine glänzende SchnlUfläche (Oedem). Essentielle Veränderungen waren aber nicht nachzuweisen.
2)nbsp; nbsp;Kappwal lach, gegen 15 Jahre alt, Wagonpferd, war am 18. Februar 1879 beim Fahren vor dem Wagen niedergefallen, aber nach wenigen Minuten wieder auf-
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Acuto oplloptifonnß Gohirnkriimpfo.
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gostanrlon. Das Pferd wurde deshalb sofort in die Klinik eingeliefert und zeigte oino leichte Ermüdung und ein schreckliaftes Benehmen. Bei einer unerwarteten Berührung der Haut oder bei geringfügigen Geräuschen fuhr es plötzlich zusammen. Puls 40, Herzschlag normal; Resp. 16, Tenap. 88,5, Blick stier, Kopf gesenkt, Appetit miissig.
Am 14. Februar wurde das Pferd im Laufe des Tages dreimal von epileptiformen Krampfanfällen heimgesucht, die jedesmal 7—10 .Minuten anhielten. Schwindel mit Verlust des Gleichgewichts, darauf tonische Contractionon der Halsmuskeln an der linken .Seite, Zuckon in den Lippen muskeln, Vordrehen derAugen, krampfhaftes Kauen, üomnächst heftige Muskelstösse über den ganzen Körper, Zusammenstürzen und voll­ständige Depression dos Bewusstseins. Das Pferd lag 2—4 Minuten im Koma flach auf der Seite, erwachte dann, hob den Kopf und stand auf. Es zeigte sich etwas er­mattet, verzehrte aber sofort eine geringe Quantität Heu.
Am 15.— 18. Februar stellten sich täglich 2 solche Krampfanfälle ein. Appetit goring. Herzschlag, Respiration und Temperatur waren in den freien Intervallen normal. — Vom 19. Februar an traten keine Anfälle mehr auf. Das Bewusstsein erschien etwas verringert; beim Führen beachtete das Pferd die im Wogo befindlichen Gegenstände nicht vollständig. Im Uobrigen zeigten sich bis zum 27. Februar keine Krankhcitsorscheinungen mehr. — Von dem Besitzer wurde dieSchlachtung des Pferdes veranlasst. Bei der von mir am 28. Februar ausgeführten Section konnte ich im Ge­hirn keine wesentlichen Veränderungen nachweisen. Die Adorgcllcchte in holden Seitcnkammern und auch in der 4. Hirnkammer waren verdickt und mit erbsen- bis bohnengrossen Oholesleriugesohwttlsten besetzt.
3) Kleines Wagonpford — Wallach, Dunkelfuchs, 7 Jahre alt und 1,47 Motor hoch — war seit l1'2 Jahron von dem Besitzer benutzt und angeblich nie krank ge­wesen. Am 11, Hai 1887 Nachmittags hatte das Pferd im Stalle heftiges Zittern, krampfhaftes Verziehen des Kopfes gegen die Vordergliedmassen und Verlust dos Gleichgowichta in mehreren Anfällen gezeigt. Es wurde doshalb am Abend des 11. Mai mittels Transportwagens in die Klinik eingeliefert und in einem runden Laufstall untergebracht. Ich untersuchte das Pferd am 12. Mai Vormittags. Es hält den Kopf tief gesenkt und droht beim Emporrichten desselben zusammonzubrechen. Kauhes Haar; leichtes Erzittern der Haut; schreckhaftes Temperament; Appetit fohlt; Wasser wird langsam und mit Unterbrechungen aufgenommen; üarmpenslallik goring. Temp. ii7,5. Puls 86, Kesp. 20. — Während dor Untersuchung stellt sich plötzlich einKranipf-anfallein: Dyspnoische Athmuvig; schwankende Körperhaltung; gespreizte Stellung dor Gliedmassen; Anlehnen an die Stallwand; (Jonvulsionen in den Muskeln an der Schulter und an den Flanken; öftere stossweisoContractionon derExspirationsmuskeln, wobei der Rücken in der Lendonpartie sichtbar emporgehoben wird; die krampfhaften Ziisammenziehnngen der langen Kückenmuskeln sind bei jedem Slosso zu sohon und zu fühlen; beide Lippon sind nach rechts verzogen; die Zunge wird nach der rechten Seite auf und ab bewegt; Bewusstsein stark deprimirt; vor dem Niederfallen schützt sich das Pford durch Anlehnon an die Stallwand und durch die niedrige Haltung des Kopfes.
Dor eklamptisohe Krampfanfall dauert 5 — (i Minuten; er wiederholt sich allo 2—i! Stunden. Indess besteht, auch in den Intervallen die gesenkte Haltung des Kopfes und eine allgemeine Apathie. Das Eingeben von Medicamenten in Latworgonform war nicht zu ermöglichen. — Ordination: Physostigmin (0,08) suboutau; Kalium broma-tum (30,0) im Trinkwasser. — Reichliche Darmentleorung auf die Wirkung des Physo­stigmin. — Der letzte eklamptisohe Anfall stellte sich Abends 10 Uhr ein. Am 13, Mai
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Organkrankhelten.
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befand sich dor Patient besser; er verzehrt etwas Griinfuttcr und trinkt mit Begierde Wasser. Kopfhaltung freier, Krämpfe treten nicht mehr ein. Tomp. 88,1, Puls 34, Kesji. 10. — Ord,; Kai. brom. in derselben Dosis mit dem Trinkwasser. — Die Con-valescen/, erfolgte solinell, so dass das l'ford am 15. Mai sich erholt hatte und am folgenden Tage wieder zu den gewöhnlichen Arbeiten benutzt werden konnte. Ich habe dasselbe noch weitere 4 Wochen hinduroh im Auge behalten; es ist in dieser Zelt nicht wieder von Krampf anfallen betrolTon gewesen.
Capitel L.
Allgemeine klonischc und klonisch-tonisclie Krämpfe ohne Verlust des Itcwiisstscins.
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Als eine verbreitete Motilitätsneurose charaktorisiron sich die KVankheitsfiüle, bei welchen Convulsionen in zahlreichen Muskeln und zuweilen gleichzeitig locale tonische Oontractlonen (besonders Trismus) entstehen, das Bowusstsein aber nicht aufgehoben oder erheblich herabgesetzt ist. Auch diese Krämpfe können durch ver­schiedene Bedingungen voranlasst sein. Sie stellen demnach keine einheitliche Nerven­krankheit dar. Ihre Aotiologie ist nicht aufgeklärt. In der Mohrzahl der Fälle scheinen im Körper selbst entstandene Toxine (Krampfgifte) die Störung in den motorischen Apparaten des (Jehirns und Rückenmarks auszulösen. Hierfür spricht schon die Tliat-sache, dass im Verlaufe von aculen Infectionskrauldioiton oder von gastrischen Alfec-tionen vorübergehend klonischo Krämpfe (Convulsionen) in einzelnen Muskelgruppen auftreten. So beobachtete ich bei einem llalbblutpfordo, welches an der Scalma litt, drei Tage hindurch Zuckungen in den Muskeln der Lippen und Backen, die zuweilen so heftig waren, dass das Gesicht des Pferdes förmlich vorzerrt wurde. Indess erlitt der günstige Verlauf der Scalma durch die Convulsionen, die ohne weiteres Zuthun am 3. Tage aufhörton, keine Störung. — Mitunter nehmen die klonischen Krämpfe aber einen langsamen Verlauf, indem sie anfallsweise eintreten und mehrere Monate hin­durch sich wiederholen. Ich habe im Herbst 1886 ein Reitpferd (Halbblut-Wallach, 9 Jahre all) drei Wochen lang beobachtet, welches bei ruhigem Stehen im Stalle und nach leichten Bewegungen von Krämpfen verschont blieb, aber jedesmal, wenn os bis zum Schweissausbruoh geritten und dann in den Stall gebracht war, im Verlaufe der nächsten halben Stunde heftige Zuckungen in den Muskeln der Schulter und des Brust­kastens bekundete, die dem Thiero lebhafte Schmerzen verursachten, so dass es mit den Vorderfüssen stampfte, mit den Hinterfüsson nach der Brust schlug und sich zu­weilen niederwarf. Der Krampfanfall dauerte 2—21 ., Stunden, worauf sich das Pferd allinälig beruhigte und In seinem Vorhalten nichts Abnormes mohr zeigte. Durch die tägliche Verabreichung von Arsenik In kleinen Dosen änderten sich die Anfälle nicht. Das Pferd wurde demnächst verkauft, so dass ich don weiteren Vorlauf des Krank­heitsfalles nicht mehr feststellen konnte.
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Allgemeine klonischo Krämpfe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 651
Die klonisclion Krämpfe verlaufen zum Theil aout und mitunter so schnell, class die Dauer (tor Kranliheit sich nicht über 24 Stunden ausdehnt. In anderen Fällen erstreckt sich der Verlauf auf einige Tage und zuweilen wiederholen sich die Anfälle mehrere Wochen und iMonate hindurch, so dass die Besitzer schliesslich die Tliiere als werthlos betrachten und tödtcn lassen
Von der Kldampsie unterscheiden sich die hier gedachten Krämpfe in den acut vorlaufenden Fällen dadurch, dass die Pferde bei Bewusstsein bleiben. Die Ver­wechselung der chronisch verlaufenden Convulsionen mit der Kpilepsie ist durch die Beachtung der Thatsacho zu umgehen, dass das Leiden nicht in kurzen, typischen Anfällen auftritt und sich auch nicht mit einem Verlust des Bewusstseins vorbindet. — Vergiftungen mit Strychnin oder anderen Nervenmitteln (Physostigmin) kommen bei Pferden sehr sollen vor; schon deshalb wird eine Verwechselung nicht leicht be­gangen werden. Im Uebrigen ist die specielle Symptomatologie solcher Vergiftungen zu beachten.
Die Prognose ist unsicher. Je grosser die Verbreitung der klonischon Krämpfe über die Skeletmuskulatur sich gestaltet, desto geringer ist die Aussicht auf einen günstigen Krankheitsverlauf. Mitunter führt die Erkrankung schon innerhalb eines Tages zum Tode. Die im Bereiche der Bauchmuskeln, des Zwerchfells und der Becken­muskulatur auftretenden Zuckungen pllegen in der Regel nach einer Dauer von 1 bis 5 Tagen nachzulassen, so dass die Pferde ihre volle Gesundheit wieder erlangen. Einzelne Fälle trotzen aber joder Behandlung mehrere Wochen hindurch.
In Ermangelung einer genauen Kenntniss der Aotiologie fehlt es für die Itchaml-limg an einer oausalen lleilindication. Die dir ist daher in der Hauptsache auf die Berücksichtigung der Krankheitssymplome zu beschränken. In den acut verlaufenden Fällen erweist sich das Kalium bromatum (im Trinkwasser) zuweilen vorthoilhaft. Auch das Morphium eignet sieh zu einem therapeutischen Vorsuche. Wenn gastrische Störungen zu vormuthen sind, so kann die Verabreichung drastischer Abführmittel (Aloe, Calomel) empfehlrnsworth sein. Für den gleichen Zweck ist auch eine Injec­tion von Physostigmin verwendbar. — Bei den chronisch verlaufenden Fällen ist Arsenik (0,5—1,0 pro die) zu vorsuchen.
Casuist! k.
1) Allgemeine klonisch-tonlscho Krämpfe dor Rumpf- und Bauch­muskeln. Trismus. — Peracutor Vorlauf; tödtlicher Ausgang. Kappwallach, 7 Jahre alt, Wagenpferd, Trakehnor Halbblut, hatte angeblich am 5. April 1888 des Mittags sein gewöhnliches lAitter etwas langsam, aber voll­ständig vorzehrt und war am Nachmittag unter Athembeschwerdo und zitternden Bewegungen der Haut erkrankt. Eine Stunde später fand ich 75 kräftige, gleich-massige Pulse; Art. maxill voll und weich. Herzschlag nicht fühlbar; Herztöne wegen der zitternden Bewegungen in der Haut am Rippenkörper nicht zu boron. Rospira­tion 31, mit starker Erweiterung der Nüstern beim Einathmen. Bewegung der fosl-gestellten Kippen und Flanken kaum bemerkbar. Temp. 40,1deg;. Conjunctiva von normaler Farbe, Nasenschleimhaut venös geröthet, Maulschleimhaut schmutzig woiss, Zunge bläulich. Starkes Speicheln aus dem Maul, welches nicht vollständig geöffnet werden kann (beginnender Trismus). Bewegungen des Halses normal und auch in der Haltung des Körpers findet sich kein Merkmal dos Totamis universalis. Dio Partie
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Organkrankheiten.
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der Lendenwirbel wird 74 Mal in der Minute ein vveniff omporgohoben und mit der jedesmaligen Hebung entstellt ein dumpfes Muskolgeräiiscli, welches auf 'S—4 Schritt deutlich ZU hören ist. Durch Auflegon der Hand am Hiickon, an den Seiten und am Bauche wird das Geräusch noch besser gehört. Es ist nicht isochronisoh mit dem Pulse, Die Hautmuskulatur am ganzen Körper bewegt sieh zitternd. Ausserdera be­stellt in den Schulter- und Halsmuskeln heftiges Zucken. Pupille leicht erweitert.
Therapie! Koben diätetischem Verlialten Aderlass von 10 Pfund.
Drei Stunden später hat sich dor Zustand bedeutend vorschlechtort. Heftige üyspnoe. ,Resp. 40, schnaufend, mit starkem Spiel der Nüstern und krampfhafter Feststellung des Thorax. Bewegung der Bauchwand sehr goring. Puls 85; Art. maxill. loicht zusammengezogen. Tomp. 38,5. Starker Schweissausbruch auf dor ganzen Haut. Vollständiger Trismus. Durstgefühl; Wassoraufnahmo aber gering. Kauen von Stroh nicht mehr möglich. Sichtbare Schleimhäute venös goröthet. Darin-oxeromento worden zweimal mit Mühe entleert. Krampfhaftes Hoben und Senken der Lendenwirbelpartie, '/4 Stunde lang isochronisch mit der Exspiration und Inspiration. In jedem Moment entsteht ein dumpfes, auf 3 Schritt Entfernung hörbares Muskol­geräiiscli. Im weiteren Verlauf lässt sich oonstatiren, dass das Geräusch unabhängig von der in- und Exspiration eintritt. Das krampfhafte Zittern dor Haut besteht ununterbrochen. Blick stior und ängstlich ; abwechselndeEntlastung der Gliodraasson ; 2 Stunden später Tod. — Die Section am 6. April Vormittags orgiobt die Erschei­nungen des Erstickungstodes. Blut schwarzroth, flüssig; in den Herzkammern zähe, schwarzrothe Blutgerinnsel. Starkes Lungenödem. Ecchymoscn und Sugillationen am Peritoneum und der Pleura. Zwerchfellsmuskulatur von graugelbor Farbe. Ge­hirn, verlängertes Mark und Halsmark blutreich, aber ohne erkennbare Voränderungen der Textur.
2) Krampfhaftes 'Zucken der Bauchmuskeln, des Spanners der breiten Schenkelbinde, der Gesässmnskeln und dos langen Rückonmuskols. Chronischer Vorlauf; Ausgang unbekannt. Brauno Stuto, 15 Jahro alt, war am 16. August 1885 oinom Droschkenbesitzer für den Preis von 170 Mark verkauft. Der mittellose Verkäufer wollte das Pferd von einem Unbekannten erworben haben. Da dio Voräussorung fehlerhafter Pferde mit Hülfe vermögensloser Müssiggänger als eine doloso Handhing bekannt ist und da das fragliche Pferd aussor dem Muskelzucken mit keinem Mangel behaftet war, so lässt sich mit 'Wahrscheinlichkeit annehmen, dass die Krankheit invoterirt und dem Vor­besitzer schon bekannt gewesen ist. DieSluto zeigte angeblich täglich früh Morgens mehrere Stunden hindurch krampfhafte Zuckungen am Körper. In der Kegel um 5 Uhr früh, zuweilen schon um 4 oder um 3 Va Uhr traten dieselben ein; sie dauerten drei bis vier Stunden in grosser Stärke, verringerten sich dann allmälig und hörton um 9—10 Uhr Vormittags auf. Das Pferd erschien am Tage etwas ermüdet, ver­richtete aber seine Arbeit in der Droschke ziemlich gut. Wenn es in der Nacht-droschke verwendet wurde, so stellten sich die Zuckungen während des Tages ein; sie dauerten auch dann mehrere Stunden. Vom 27.—31. August und vom 19, bis 26. September 1885 befand sich das Pferd in der Klinik unter meiner Beobachtung, Es verzehrte Hafer und Heu in gewöhnlicher Quantität vollständig und mit Appetit, Durst normal. Temperament träge. Nährzustand mittelraässigj Deokhaar lang und rauh; Darmcxcremonto und Harn normal. Kosp. 11, Puls 37, Tomp. 38,2. Früh Morgens um die angegebene Zoll traten hefligo Zuckungen in den Bauchmuskeln ein.
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Allgomeino Idonische Krämpfe,
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Vorzugswoiso während der Exspiration erfolgten stossweiso und intensive Contrac-tionen, welche in den ersten beiden Stunden des Anfalls so bedeutend waren, dass sich der ganze Körper des Pfordos jedesmal nach vorn schob und die Wirbelsiiulo deutlich einporgehobon wurde. Diese heftigen Zuckungen waren dem Pferde unan­genehm. Denn es stampfte dabei mit den Vordorgllodmasson auf den Pussboden, hielt auch vorübergehend mit der Kutteraufnahme laue. Die Mnskel/.uokungen waren nach Intensität und Aufeinanderfolge nicht gleich. Oft zählte ich 2;-i—27 in dorMlnuto. Nach Verlauf von zwei bis drei Stunden constatirto ich bis 39 in der Minute, die aber von geringerer Intensität waren. Die heftigeren Zuckungen erfolgten stets während der Exspiration, die weniger heftigen auch im Momente der Inspiration. So lange die krampfhaften Muskelstösse sehr heftig waren, athmeto das Pferd 17—24 Mal In der Minute, während die Pulszahl bis 50 sich erhöhte. Dlo Mastilarnitoniperatur änderte sich nicht. Ich konnte die Zuckungen im Verlaufe dos grossen (äusseron) schiefen Bauchmuskols, am langen Riickenmnskel, an den Gcsiissmuskeln und am Spanner der breiten Sohenkelbinde deutlich seilen, viel loiehtor aber durch Palpation constatiren. Ihre Intensität verringerte sich stets zunächst an den Gesässmuskoln und am langen lUickcnmuskel, während an den Bauchmuskeln und ara Spanner der breiten Sohenkelbinde dio Zuckungen erst nach mehreren Stunden so unerheblich wurden, dass sie nicht mehr wahrgenommen werden konnten. Die heftigen Contractionen (starke Stösso) waren mit einem dumpfen Muskelgeräusch verbunden, welches eine gewisse Achnlichlieit mit der undeutlichen, dumpfen Crepitation eines Knochenbruchs hatlo und ebenso, wie diese, beim Auflegen der Hand sich bemerkbar machte. — Die Gcsammtdauer der Zuckungen erstreckte sich gewöhnlich auf 4 — 5 Slunden (früh Morgens von 4—9 Uhr); an einzelnen 'ragen hielten die Erscheinungen aber bis 1 ülir Mittags an. Ausser einem massigen Grade von allgemeiner Ermüdung und dem vor-beraerkten Stampfen mit den Vorderhufen zeigte das Pferd während derselben keine Störung seines Allgemeinbefindens, Sobald die krampfhaften Muskeloontraotlonon ge­ringer wurden, stam|)fte es mit den Vordergliedmassen nicht mehr. — Der Besitzer vertauschte das Pferd an einen Händler, wodurch es der weiteren Beobachtung'ent­zogen wurde.
3) Allgemeine klonische Krämpfe in den Muskeln dos Rumpfes und der Gliedmassen. Subacuter Verlauf. Am 21. Mai 1881 kam ein lö Jahre alter Dnnkell'uchswallach in die Klinik, welcher angeblich llustenboschwerde, Mattigkeit und mangelhafte Kresslust seit 8 Tagen gezeigt hatte. Das Pferd war schlecht genährt; Knipfindliclikcit der Haut verringert, Aufmerksamkeit gering. Kr stand oft mit gekreuzten Vorderfüssen, hatte schwerfälligen Gang und konnlo sich, wenn es lag, ohne Hülfe nicht vom Boden er­heben. Temp. 39,0; Puls 48; Resp. 10. Fresslust gering; im Laufe eines Tages wurden kaum 2 Liter Hafer und etwas Heu verzehrt. Excremento klein geballt, mit übel riechendem Schleim bedeckt. Nach ü Stunden stellten sich Koliksymptome ein; ScliaiTQU mit den Vorderfüssen, Umsehen nach dem Leibe, gestreckte Stellung, un­ruhiges Umhergehen mit gesenktem Kopfe. Gegen Abend Temp. 38,9; Puls 5(1; Resp. 7. Das Pferd blieb mit gesenktem Kopfe auf einer Stolle stehen. An den Vordergliedmassen, namentlich an den Vorarmstreckern und am Rumpfe wurden in .schnell aufeinander folgenden Anfüllen MuskeLcontractionon beobachtet, die sich über den ganzen Körper verbreiteten, so dass der Rumpf förmliclv erschüttert wurde. Die Contractionen waren zu sehen und zu fühlen. Zeitweise bekundete das Pferd Bebborn
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ürKankraukhoiten.
mit dor Oberlippe. — Am 22. Mai Status idem. Ordination: Aloö 30,0 mit Natr. sulfurio. 300,0 in Latworgonform.
Am 23. Mai: Die Unterlippe hängt sclilalT herab, Blick stier. An der Brust, am Bauche und am Widerrist stellen sich in der Minuto 50— 60 Mal und In gloich-miissiger Aufeinanderfolge Muskolzuokungen ein, wobei der ganze Körper ersoliiiUort wird. Bei jeder Zuckung hebt sich die Wirbelsiinle nach oben und die Bauchdocken werden angezogen. Resp. 11, wegen der couvulsivischen Muskolbewegungen schwor festzustellen; Temp. 38,3; Puls 44. Appetit etwas besser. Darmexcremento locker, hollgelb, unverdaute Körner onthaltend. — Am 24. Mai erscheint das Pferd munter, aufmerksam, aber etwas aufgeregt. Das Muskolzuckon an der Brust, an den Schultern und am Bauche ist erheblich geringer, als am Tage zuvor und hört zuweilen ganz auf, — Bei der Untersuchung am 25. Mai wird festgostellt, class Zuckungen am Bauch, an der Brust und an den Schultern nicht mehr eintreten, dagegen zeitweise an den (jesichtsmuskoln sich noch bemorklich inacheu. Temp. 37,8; Puls 38; Rosp. 7.
Am 2ß. Mai sind die Muskolzuckungon in derselben Starke vorhanden, wie früher, auch der Rücken wird gekrümmt und der After nach ausson horvorgepresst. Die ein­zelnen Muskeln contrahiren sich nicht zu gleicher Zeit. Die ErschüUorung des Körpers ist so gross, dass Puls und Athembowegungon nicht festgestellt worden können. Temp. 37,3. — Am 27. Mai treten koino Muskolzuckungon auf. Kresslust gut. — Im Laufe des 28. Mai stellen sich einmal geringe Zuckungen am Bauche und an den Schultorn ein. Am ISachmittago wurde das Pferd unter dem Reiter bewegt. Der Gang war ungcscliickt und das Pferd musste stark angetrieben werden; es gerieth erst nach einer halbstündigen Bewegung inSohweissausbruoh und bekundete nun die der Lungen-diunpflgkcil entsprechenden Symptome. — Dor Besitzer verkaufte das Pferd am 29. Mai zum Schlachten.
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4) Stossweiso Zuckungen der Bauch- und llumpfmuskeln. Subacutor
Verlauf; Genesung.
Dunkelbrauner Wallach, Droschkonpferd, gegen 15 Jahre alt, halte angeblich seil 4 Tagen Muskolzuckungon am Rücken und an der Kruppe gezeigt. Zur Behand­lung war am 21. April 1878 eine Aloopille verabreicht worden. Am folgenden Tage stellte der Besitzer das Pferd in die Klinik. Es zeigte koino Störung dos Allgemein­befindens. Puls 40; Resp. 12; Temp. 38,0. [ndeg; Zwischenzeiten von 4 — 5 Minuten stellen sich nacheinander 3 — 4 stosswoise erfolgende Contractionen der Muskeln am Rumpfe und Bauche ein, wobei sich der Körper in der Partie der letzten Rücken-und ersten Lendenwirbel jedesmal um G—7 Centimeter emporhebt. — Am folgenden Tage waren die Darmexcromcnte wegen dor Aloewirkung diarrhoisch; die krampf­haften Muskelstösse traten etwas häufiger ein, waren aber von ungleicher Intensität. — Kino 10 Minuten lange Trabbewegung dos Pferdes unter dem Roitor hatte keinen Einlluss auf die Zahl und Stärke der Muskelstösse. Patteranfnahme normal. Vom 25. April an minderten sich die krampfhaften Zuckungen allmälig, Ks dauerte aber bis zum 3. Mai, bevor die letzten Spuren der Affection verschwunden waren.
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Starrkrampf,
Capitel LI. Starrkrampf. Tetanus.
Nur wenige Kranldioiton des Pferdes sind so lange gekannt, wie der Starrkrampf. Schon Apsyrtus (im 4. Jahrli. n. Chr.) hat sich in der Behandlung desselben ver­sucht. Seit 150 Jahren fand die räthsclhafte Krankheit in jedem Compendium der praktischen Thieramicikunde und in zahlroiclion jonrnalistischeii Aufsätzen eine nähere Würdigung. Trotzdem ist, wie bei anderen Leiden des Nervensystems die Pathogonese des Tetanus noch wenig aufgeklärt. Dass die Symptome desselben in einer allgemeinen tonischon Contraction der Skeletmuskulatur beruhen und von einer Erkrankung des Kiickonmarks bedingt worden, war schon den Thieriirzten dos vorigen Jahrhunderts bekannt, Korsting (Nachgel. Manuscr., 1792) vormuthete die Causa proxima des Tetanus in einer eigenthiimlichen „Entzündung des Blutesquot;, Er empfahl demgemäss zur Behandlung desselben wiederholte Blutentziehungen, Dagegen meinte Waldinger (Therapie etc., 2, Aufl., 1821), dass die Krankheit durch eine Zerrung des Rückenmarks und Zerreissung einzelner Nervenfasern in demselben herbeigeführt werde; er hatte aber ausserdom die Ansicht, dass Verwundungen, namentlich unvoll­ständige Verletzungen (halbe Trennungen) der Nerven zur Entstehung des Tetanus führen sollten, weil letztere hierbei mit Wasserstoff überladen würden. Als mit­wirkende ursächliche Schädlichkeit dachte sich Waldinger „eine geänderte Be­schaffenheit des elektrischen Zustandos der Atmosphärequot;. — Sieht man von diesen mystischen Hypothesen ab, so bleibt aus der Literatur zu constatiren, dass über das Vorkommen des Tetanns bei den Pferden und den anderen Haustlüoren, sowie über die Symptome und den Verlauf desselben die Thiorärzto des vorigen Jahrhunderts vollständig informirt waren,
Ucfhiitioii, Der Starrkrampf stellt eine acuto Krankheit dos Rücken­marks dar, welche sich durch tonischen und schmerzhaften Krampf der Skoletmuskeln, vornehmlich der Streckmuskeln des Hintorthoils, der llumpf-, lials und Kaumuskeln äussert und in den höheren Graden ihrer Ausbildung von einer erheblichen Steigerung der Refloxerreg-barkeit begleitet wird, — Das Bewusstsein ist während des ganzen Krank hei tsverlauf es nicht gestört.
Aclidlogic mill l'atho^cnrse. Per Erkrankung am Starrkrampf sind alle llaus-siiugethiere und auch der Mensch unterworfen. Am häufigsten werden die Pferde be­fallen. Von den übrigen herbivoren Ilausthioren habe ich die meisten Fälle bei Schweinen (nach der Castration) beobachtet, die wenigsten bei Rindern und Ziegen. Schaflämmer erkranken (nach der Castration) zuweilen in grösserer Zahl. Der mensch­liche Tetanus unterscheidet sich durch die Eigonlhümlichkeit, dass er von klonischen Krämpfen begleitet wird, die beim Starrkrampf des Pferdes nicht auftreten.
Nach der allgemeinen Erfahrung wurde bis in die neueste Zeit eine dreifache Entstehungsart des Starrkrampfes angenommen und durch besondere Unterscheidungen schon in der Krankheitsbezeichnung zum Ausdruck gebracht: I. Wundstarr­krampf — Totanus traumaticus —; 2. Rho u malischer St. — T. rhou-
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Goß
Ornaiiki-anldioiten.
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maticus; 3. aus unbekannten Einflüssen ontstandenor St. —T. idio-pathicus. — Daneben ist seit 50 Jahren auf die Analogie der Kranldieitssymplomo bei aciiten Vergiftungen durch einzelne Älkaloido, unter welchen das Strychnin am meisten hervorragt, hingewiesen und eine besondere Form als „Tetanus toxicusquot; aufgestellt worden. In der Lehre von den menschlichen Krankheiten wird noch der Starrkrampf dor Neugeborenen (Tetanus neonatorura) unterschieden, wel­cher die Kille limfasst, die in den ersten beiden Lobenswochen durch VormiUeluiig der olTonen Wunde des Nabels, selten durch andere Bedingungen enlstoheu. Von den Pferden und auch von den anderen Hausthieren ist meines Wissens der Starrkrampf bei neugehoronen Individuen in den ersten beiden Wochen nach der Geburt nie beob­achtet worden.
Der Name des idiopathischen Starrkrampfes besagt für die Aetiologio nichts weiter, als die Negation bestimmter resp, erkennbarer ursächlicher Kinllüsse. Dagegen liisst sich für die Beschuldigung der Erkältung (rheumatischer St.) die seit jeher bei allen Hausthieren gemachte Wahrnehmung vorwerth'eu, dass die Krankheit zuweilen entsteht, wenn die Thiero der ungewohnten Einwirkung einer nasskalten Witterung ausgesetzt worden. Dass aber die Erkältung mehr, als eine occasionellc Ursache be-doulet, hat sich niemals bei dem Studium eines Krankheitsfalles ergeben. Eine grössere Berechtigung hat die allüberlieferte Annahme, dass der Starrkrampf durch Vermittelung von Wunden (T. tranmatibus) hervorgerufen wird. Tbatsacho ist, dass die durch zufällige Verletzungen oder durch operative Eingriffe verursachten trauma? tischen Zustände, bei welchen die lädiiien Organe eingeklemmt oder zusammen­geschnürt werden, relativ oft.zur Entstehung des Tetanus führen. Am gefährlichsten sind bei Pferden in dieser Hinsicht Verwundungen des Hufes (Nageltrilte, Vernagc-lungen, Kronentritto etc.), ferner die Castration der Hengste und sehr vorwiegend die Ausführung derselben mittels Unterbindung des Samenstranges, endlich das Abbinden (Absohnüron) von Geschwülsten oder bindegewebigeu Neubildungen der Haut und Unterhaut. In Ermangelung positiver Aufschlüsse über die Entwiqkelungsgesohiohte des Tetanus ist vielfach angenommen worden, dass unier den liier angedeuteten ätiologischen Faotoren eine Reizung der sensiblen Nerven in den betreffenden Wundon das bedingende Moment darstelle. Einerseits sollte bei der Castration durch die Ligatur, sowie bei der Abschnürung von Goschwülsten das Band nicht fest genug angezogen sein („unvollständige Ertödtung der Nervenquot;). Andererseits wurde im Gegentheil die unnöthig feste Einschnürung des Organs beschuldigt („heftige Heizung der Nervenquot;). Auch das Anschneiden (die unvollständige Trennung) eines Nerven ist seit Waldinger vielfach als ein erhebliches ursächliches Factum in der Ge­schichte des Wundstarrkrampfs angesehen worden. Entscheidende Thatsachen, welche die Richtigkeit der einen oder anderen dieser Theorien darthun könnten, haben sich indess niemals ergeben. Die Meinung, dass in der Substanz der eingeklemmten Nerven eine entzündliche Ernährungsstörung eintrete, welche sich in der Bahn des betreffenden Nerven fortsetzen und auf das Rückenmark. übertragen soll (Neuritis ascendens), liisst sich durch die anatomische Untersuchung nicht begründen und schon deshalb nicht aufrecht halten.
Bei dieser Sachlage trennten sich die Autoren in ihren theoretischen An­schauungen über die Pathogeneso des Tetanus. Von Einigen wurde angenommen, dass die etwa bestehenden Wunden und ihre Folgen nur eine Prädisposition des Organismus für die Krankheit bewirken sollten, während die wesentlichste Ursache in der Erkältung berulio. Demgegenüber vertraten Andere die lleberzengung, dass
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Starrkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;657
die Witterungseinflüsse nur von untergeordneter Bedeutung seien und dass in allen Fällen, auch dann, wenn keine Wunde naoligewiesen werden könne, eine Trennung in der Continuität eines Organs resp. die Verletzung eines Nerven dor Ausbildung des Starrkrampfs vorhergehe. Der Dissensus liess sich nicht ausgleichen, so lange nicht durch das Experiment ein fassbares Motiv für die Pathogoneso der Krankheit ZU gewinnen war.
Althergebracht ist der Vergleich des Wundstarrkrampfs mit der Tollwuth. Da bei der letzteren eine specifische Infection als Ursache nicht angezweifelt werden kann, so machte sich bei dem negativen Ergebnisse der Section die Ansicht geltend, dass beide Krankheiten auf eigenthümlichen Blutvergiftungon beruhen möchten. Auch Billroth (Allgem. Pathol., 1874) trat der Annahme bei, dass der Tetanus durch eine specifische Intoxication bedingt sein könne. Die nach seiner Anregung von Arloing, Möller, Friedborger u. A. ausgeführten Versuche, mittels Transfusion des Blutes von starrkrampfkrankon Pferden bei gesunden Pferden die Krankheit her­vorzurufen, fielen indess resultatlos aus. Nocard (1882) verimpfte die Cerebrospinal-fliissigkeit Starrkrampf kranker Pferde bei Schafen und Ziegen ohne Erfolg. Da aber andere, notorisch infoctiöse Krankheiten (z. B. die Brustseucho des Pferdes) auch nicht durch Impfung übertragen werden können, so folgt aus diesen Experimenten nor, dass der Tetanus keine sephthämische Krankheit, nicht aber, dass er überhaupt keine Infectionskrankheit ist. Die neueren bakteriologischen Untorsuchungsmethodon haben auch in dieser viel umstrittonon Frage die Aufklärung angebahnt. Nicolaier (Deutsche med. Wochenschr., 1884, S. 842) entdeckte zuerst einen Bacillus, wolchor nach subcutaner. Injection bei Kaninchen die Symptome dos Tetanus hervorruft. Zu demselben Ergebnisse kam Rosenbach (v. Langenbeck's Arch., Bd. 34, Heft 2), obwohl ihm eine absolute Reincultur des Bacillus Totani nicht gelang. Der Krank-heitserzeugor bildet ein chemisches Gift, welches im Nervensystem die schweren an­haltenden Krämpfe auslöst. Brieger (Deutsche mod. Wochenschr., 1887, S. 303) hat den Körper dargestellt und „Tetaninquot; benannt. Auf diese Feststellungen be­gründet sich die neue Lehre, nach welcher der Starrkrampf eine Infectionskranklieit resp. eine durch specifische Infection vermittelte toxische Krankheit ist. Weitere experimentelle Untersuchungen werden die infectiöse Natur dos Tetanus eist klar­stellen können. Gegenwärtig ist noch manches Problem in dor Pathogenose der Krankheit ungelöst. Wenn die Entstehung dos Tetanus dui-oh eine offenkundige Wunde (Nagoltritt, Castration, Englisiren etc.) herbeigeführt wird, so erfolgt der Ausbruch nicht nach einem bestimmten Zeitablauf. Die Frist, welche von der Verletzung bis zum Eintritt der Krankheit vergeht, difforirt zwischen 8—20 Tagen. Ausnahmsweise kann dio Krankheit bei Pferden schon früher oder auch noch später sich einstellen. In den meisten Fällen ist die Wunde bereits in der Heilung begriffen oder sogar ver­narbt, wenn die ersten Erscheinungen sich zeigen. Demnach wäre bei der Infections-theorie zu vonnuthon, dass die Totanusbakterien in der inficirton Wunde eine ver­schieden lange Zeit liegen bleiben, bevor sie in die Circulation gelangen. Das Ver-hältniss erinnert an dio Pathogenose der Tollwuth (vergl. S. 182). — Für die zahl­reichen Fälle des „idiopathischenquot; und des „rheumatischenquot; Tetanus dor Pferde müsste ferner angenommen werden, dass in einer früheren und längst verheilton Wunde der Infectionsstoff (analog wie bei der Tollwuth) eingeschlossen gewesen und durch zufällige Umstände plötzlich vegetationsfähig geworden sei. Oder es wäre vorauszusetzen, dass dio Tetanusbakterien, durch verborgene Defcote in der ausseien
Die ck e r h o f f, Spec, Piuhologie u. Thoi-raquo;pip.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; j .1
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Oi'gankranldioilen.
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Haut (leiohte Quetaohungen, Erosionen) oder in den SohloimMuton ihren Eingang in den Organismus gefunden hätten.
Sehr oft ist seit vielen Jahrzehnten von den Thierärzton beobachtet worden, dass sowohl der „traumatischequot;, wie der „vheuinatischolt;; Tetanus in grosson Städten beim Iferrschen einer besonderen Witterung, namentlich bei nasskiltcr Atmosphäre innerhalb woniger Tage oder Wochen 5—10 Pferde, selbst noch mehr befällt, darauf aber in mehreren Wochen oder Monaten selten oder gar nicht vorkommt. Ich habe in Berlin wahrend einer Zeit von 17 Jahren diese Thatsaohe, auf welche schon Wal­dinger aufmerksam machte, oft bestätigen können. Ein mittelbarer Eihfluss muss demnach auch bei der Infectionstheorie den atmospliärisohen Momenten eingeräumt werden.
Wesentlich unterstützt wird die Infectionstheorie durch die Thatsache, dass der Tetanus bei Pferden in einzelnen Gegenden, besonders in grossen Städten häufig vor­kommt, in anderen umfangreichen Bezirken dagegen nur selten auftritt,, selbst ganz unbekannt ist. Auch in einzelnen Stallungen können die Bestände sehr vorwaltend gefährdet sein. Hierüber habe ich folgende Beobachtungen gemacht: In einem Be­stände von 10 Arbeitspferden erkrankten innerhalb 3 Wochen zwei und nach Ablauf von G Monaten ein drittes Pferd. — Der Besitzer eines Bestandes von 7 Arbeitspferden verlor innerhalb 3 Jahre vier Pferde am Starrkrampf. — Bei einem Üroschkenbesitzor, der gewöhnlich 3, zeitweise nur 2 Pferde hat, kamen innerhalb 2 Jahre zwei Krank-heitslälle vor.
Aufsehen erregt die Ansicht, welche in den Verhandlungen des französischen Chirurgencongrosses 188G über die Aetiologie des menschlichen Tetanus aufgestellt und besprochen wurde. Nach derselben sollen die Menschen durch den unmittelbaren oder mittelbaren Verkehr mit Pferden sich die Infection mit den Totanusbakterien zuziehen. Auch Vernouil (De I'origine equine du tetanos. Gaz. hebd. de möd. et de chir. XXIII. p. 37. 1886) hält sich von dem equinen Ursprung des menschlichen Starrkrampfs überzeugt. — Als ich die Berichte über diese Ansicht der französischen Aerzte las, erinnerte ich mich einer Thatsache, die ich 1885 gemeinsam mit dem jetzigen Kreisthierarzt Feters zu Aschersleben constatirte. Ein Droschkenkutscher hatte das Unglück, dass sein Pferd während des Trabfahrens auf der Strasse ausglitt und niederfiel,- Das Pferd verwundete sich hierbei an den Vordergüedmassen und an der Brust; auch der Kutscher verletzte sich erheblich an einem Arm. Fünf Tage nach diesem Vorfall erkrankte das Pferd am Tetanus. Es wurde zur Behandlung in die Klinik der Thierarzneischule gestellt, ging aber zu Grunde. Drei Tage später wurde auch der Kutscher vom Tetanus befallen und deshalb in die Charite gebracht; die Krankheit endete tödtlich. Ich habe damals die fast gleichzeitige Erkrankung des Pferdes und des Kutschers auf einen nicht erklärbaren Zufall zurückgeführt. Sollte sich aber die Annahme der französischen Autoron bestätigen, so würde diese Beob­achtung einen Beitrag zu ihrer Begründung liefern können.
Die Anlage zur Erkrankung an Tetanus ist bei gut genährten Pferden mittleren Alters am grössten. „Nie habe ich ein junges und nie ein mattes, elendes Pferd mit der Starrsucht behaftet gefundenquot;(Wolstein). Soweit meine Beobachtungen reichen, muss ich diesen Ausspruch bestätigen. Sicher kommt der Tetanus bei mageren, sowie bei alten abgetriebenen Pferden nur ausnahmsweise vor. Dass junge Fohlen erkrankt sind, ist nach der Fachliteratur nur in einigen Fällen constatirt worden.
Die essentiellen Veränderungen, welche im Hückcnmark und im verlängerten Mark entstehen, sind anatomisch nicht nachweisbar. Doshalb wird die Krankheit von
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Starrkrampf.
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manchen Autoren als eine functionelle Reizung in den motorischon Centren des RückemnarliS gedeutet. Andere denken sich eine entzündliche Stoning in den Central-apparaton des Rückenmarks als Grundlage des Tetanus. Die Meinungsverschiedenheit ist gegenwärtig noch nicht gehoben. Für die Ansicht, dass eine, wenngleich mikro­skopisch nicht erkennbare Störung in der Nutrition der motorischen Centren eintritt, scheint die Thatsache zu sprechen, dass bei günstigem Krankhcitsverlaufo die teta-nische Contraction der Muskeln niemals plötzlich naclilässt, sondern immer nach und nach geringer wird, so dass sich die Genesung erst in einer Zeit von 4—5 Wochen vollendet.
In den geringen Entwickelungsgraden dos Tetanus beschränkt sich die Störung auf die motorischen Contralapparate des Kückenmarks und des verlängerton Marks. Die schwere Erkrankung oomplicirt sich dagegen immer in Folge der gesteigerten Kolloxerrcgbarkeit mit einer allgemeinen Hyperästhesie.
Wie schon von Waldinger beobachtet ist, beginnt der Tetanus bei Pferden zuweilen in den Muskeln des Hinterthoils und mitunter in den Kaumuskeln (Trismus) und in den Muskeln des Halses zuerst. In der Regel verallgemeinert sich der tonische Krampf aber auch in solchen Fällen schon nach 1—2 Tagen. Nur ausnahmsweise localisirt sich der Starrkrampf vorwaltend auf die vordere oder auf dio hintere Körper-hälfte. Ich habe 1871 in der hiesigen Klinik ein Pferd behandelt, welches nur im llinlertlioil vom Tetanus affioirt war, während das Vordertheil verschont blieb und insbesondere auch der Kinnbackenkrampf (Trismus) und die allgemeine Hyperästhesie nicht eintraten, Pas Pferd verblieb 5 Wochen in der Klinik und ist vollständig ge­nesen. In welchen Bedingungen diese Modification der Krankheitsentwiokeliing be­ruht, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Ebensowenig ist die Thatsache patho-genetisch klar zu stellen, dass fast immer die Streckmuskeln der Hintergliedmassen viel stärker afficirt sind, als diejenigen der Vordergliedmassen.
Symptome. Der Regel nach besteht eine allgemeine tonische Con­traction der Streckmuskeln des Beckens, Rumpfes, Halses und Kopfes. Daher die Bezeichnung: Mlgcmeinojquot; Starrkrampf — T. univer-salis —. Sehr selten und nur bei unvollständiger Krankhoitsontwickc-lung beschränkt sich der Krampf auf die Muskeln des Hintertheils oder des Vorderthcils (T. partialis).
Die Einsenkung der Wirbelsäule nach unten mit Rückwärtswendung (Kmporhebung) des Kopfes (Opisthoto nus, T. posticus), die beim Starrkrampf des Menschen in der Regel besteht, wird bei Pferden nicht beobachtet. Auch das in der Literatur vielfach erwähnte Bild des Em-prosthotonus oder T. anticus, wobei der Rücken nach oben ge­krümmt ist, kommt bei Pferden nichi vor. Von der Form desPIeuro-thotonus oder T. lateralis, bei welcher der Körper nach einer Seile verkrümmt ist, habe ich keinen Krankheitsfall gesehen. Spinola (Spec. Pathol.) giebt an, bei einem Pferde den T. lateralis beobachtet, zu haben. Auch Fried berger (Deutsche Zeitschr. f. Thiermed., 1880, S. 49, An­merkung) sah einige Male die Seitwärtskrümmung der Halswirbel. — Regelmässig zeigt sich bei Pferden die Erstarrung des Körpers in gerader
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()()0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiton.
Haltung (Orthotonus). Die continuirliche Streckung des Kopfes und Halses verglichen die alten Thierärzto mit der Körperform der Hirsche. Daher der jetzt obsolet gewordene Name: Hirschkrankheit.
•Uynbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Als speciello Symptome sind hervorzuheben: Anspannung und
Derbheit der Streckmuskeln, besonders am Becken, an der Schwoif-iraquo;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;wurzel, am Halse und an den Kiefern; gestreckte Haltung des
Körpers, wobei die Schweifrübe in verschiedenen Graden gehoben, zu­weilen horizontal oder mehr nach einer Seite gerichtet wird; Breit­stellung der Hintergliedmassen (Sägebockstellung nach Tscheulin); schwerfälliger, gespannter Gang mit gespreizter Haltung der Hinter-
|#.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; sohcnkel und vorwaltender Belastung der Hufspitzen, wobei die Vorderglied-
massen in den Carpalgelenken stark flectirt werden; häufiges Vorziehen der Nickhaut (des Blinzknorpels) über den Augapfel, schon im
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Stande der Ruhe bei den Eigenbewegungen, mehr noch beim Emporheben des Kopfes und besonders auffällig beim Führen der Pferde; Unver­mögen zur Oelfnung des Schneidezahngebisses in Folge der tonischen Contraction in den Kaumuskeln (Trismus, Mund­klemme, Maulsperre). In den geringen Krankheitsgraden sind die Kiefer bis auf eine Weite von etwa 4 Ctm. noch auseinander zu bringen, in den höheren Graden lässt sich der Unterkiefer vom Oberkiefer nur so weit entfernen, dass zwischen den Schneidezahnreihen kaum eine Spalte von 0,5—1 Ctm. entsteht; Derbheit der Zunge in Folge der tonischen Contraction in den Zungenmuskeln; leichtes Verziehen der Lippen (eine Analogie des Risus sardonicus beim Menschen), das aber nicht immer vorhanden ist; Geradstellung und gespannte Haltung der Ohren, fehlt bei leichter Erkrankung. — Störung der Respiration: Feststellung des erweiterten Thorax; Emporziehen (Anspannung) der Bauchwand; Erweiterung der Naseneingänge; mehr oder minder starke Frequenz und oberflächliche Ausführung der Athemzüge in Folge der Spannung in den Brust- und Bauchmuskeln, sowie im Zwerchfell; ge­wöhnlich 20—30, bei schwerer Erkrankung 30—50 und ausnahmsweise bis 100 Athemzüge und darüber in der Minute mit heftigem Schnaufen; während des Licgcns oft dumpfes oder brummendes Stöhnen. In ein­zelnen Fällen ist die krampfhafte Spannung der Kehlkopfmuskeln so erheblich, dass die Pferde beim Führen einen pfeifenden Inspirationston bekunden. Häuög bestehen laryngeale und tracheale Rasselgeräusche. — Pulsfrequenz: Unerheblich in den leichten Graden und während der Entwickclung der Krankheit. Bei ungünstigem Verlaufe 50—70 und bei anhaltendem Liegen bis 120 Pulse in der Minute; der Puls ist bei starker Frequenz schwach, in Folge der parenehymatösen Veränderung
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Starrkrampf.
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des Hcrzfloisches. — Tcmporaturorhöhun g: Im ersten Stadium und bei leichtem Vorlaufe verhält sich die Mastdarmtemporatur normal oder sie ist nur zeitweise um einige Decigrado erhöht. Erlangt die Krankheit aber einen lebensgefährlichen Charakter, so steigt die Temperatur auf 39,5—41,5deg;. Manche Fälle enden durch Herzschwäche oder pneumonische Compiicationen tödtiieh, ohne dass während des ganzen Verlaufes oder nach dem Tode die Temperatur über die vorbezeichneten Grade hinaus­geht. Eigenthümlich ist aber, dass zuweilen die Temperatur im Mast­darm kurz vor dem Tode bis über 42,0deg; ansteigt, in den ersten 2 bis 5 Stunden nach dem Tode auch nicht selten eine Höhe von 43,0 selbst bis 45,0deg; erreicht und dann erst mit der allmäligen Erkaltung des Cadavers langsam abnimmt. Diese auffallende Temperatursteigerung wurde zuerst bei Mensehen von Wunderlich beobachtet, darauf bei Pferden von Bayer (Wien), Lustig und Friedberger constatirt. Welche chemischen Processe in den Muskeln die starke Erhitzung des Körpers herbeiführen, ist nicht bekannt. Ich habe die hohen Tomperatur-grado bei der Benutzung eines langen Thermometers tief im Mastdarm noch 6 Stunden nach dem Tode nachweisen können. — Der Appetit ist zunächst nicht vermindert, die Aufnahme von Futter und Getränk aber wegen desTrismus sehr beschränkt. —An den Kopfschleim­häuten besteht bei erheblicher Erkrankung eine cyanotische Färbung.
—nbsp; nbsp;Ansammlung von Speichel in der Maulhöhle, Verzögerung in der Ab­setzung der Darmexcremente und des Harns.
Allgemeine Hyperästhesie; Schreckhaftes Benehmen und Zu­sammenfahren bei plötzlichen Geräuschen, Zurufen oder unerwarteten Berührungen des Körpers, in den höheren Krankheitsgraden auch gegen Lichteindrückc. Zittern. — Schweissausbruch, bei heftiger Dyspnoe und während des anhaltenden Liegens allgemein, sonst nur in den Flanken oder am Halse; bei leichter Erkrankung bleibt die Haut trocken.
—nbsp; nbsp;Convulsionen stellen sich zuweilen ein, wenn die Patienten sich nicht mehr stehend erhalten können. In einigen Fällen sah ich bei den hülflos auf der Seite liegenden tetanischen Pferden die heftigsten klo-nischen Krämpfe in den Gliedmassen anfallswoise eintreten, wobei die Thierc über den ganzen Körper in starken Schweissausbruch geriethen.
Verlauf uiul Ausgang. Die Entwickelung des Tetanus erfolgt meist in 1 — 3 Tagen. Selten erlangen die Symptome nach dem 3. Tage noch einen höheren Grad. Bei günstigem Verlaufe lässt der tonische Muskel­krampf vom 12.—15. Krankheitstage an ganz allmälig nach. Wenn das Leiden nur in geringem Grade besteht, so können die Pferde das Futter ohne Beschwerden aufnehmen, sich auch niederlegen und ohne Hülfe
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Organkrankheiten.
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wieder aufstehen. Bei crlicbliclier lürkrankung logen sich die Patienten aber nicht früher, als bis sie in Folge der Krankheit unfähig geworden sind, sich aufrecht zu erhalten. Oft können die Thicrc auch mit Unter­stützung nicht mehr zum Aufstehen gebracht werden. Sie golion dann stets in Folge des krankhaften Licgens zu Grunde.
Grosso Atlimungsfrequenz ist ein Merkmal des ungcniigeiulcn Gas-Wechsels in den Lungen. Leicht entsteht hierbei eine hypostatisoho Pneu-monie. Die betreffenden Pferde verenden zuweilen schon durch die all-mälig zunehmende Kohlensäureintoxication und die paronehymatöse Dege­neration des Herzlleischcs in wenigen Tagen. Werden dieselben am Leben erhalten, so tritt in den bronchopneumonischen Herden oft ein jauchiger Gewebszerfall ein, so dass sich der tödtliche Ausgang wegen der ichor-rhösen Blutvergiftung nicht abwenden lässt. — Bei erheblichem Trismus können die Pferde das aufgenommene Futter nicht kauen; ein Theil des­selben bleibt hinter den Backzahnreihen oder auch in der llachenhöhle liegen, wodurch die Schleimhaut der letzteren in eine entzündliche Heizung vorsetzt wird. Die mit Speichel vermischten Futterpartikel verfallen der Fäulniss und bei der starken Dyspnoe geräth ein Theil dieser Flüssig­keit in den Respirationstractus, so dass eine multiple jauchige ßroncho-Pncumonie mit letalem Ausgang zur Ausbildung kommt. — Bleiben die Patienten von diesen Complicationen verschont, so kann noch vom 10.—20. Tage eine diffuse ödematöse Schwellung der Subcutis an den Gliedmassen eintreten und dio allgemeine Schwäche so gross werden, dass die Pferde sich auch im üängegurt nicht stehend erhalten und des­halb in Folge von Athmungsinsufficienz und Herzschwäche zu Grunde gehen. — Hiernach wird der tödtliche Ausgang des Starrkrampfs nicht durch die tonische Muskelcontraction an sich, auch nicht durch die excessive Steigerung der Temperatur oder durch die Behinderung in der Aufnahme von Futter und Getränk, sondern stets durch Complicationen herbeigeführt, denen freilich in der Mehrzahl der Fälle nicht mit Erfolg vorgebeugt werden kann. Bei dem letalen Ende der Krankheit erliegen die Pferde nach dem Grade der Krankheitserscheinungen, besonders dor allgemeinen Hyperästhesie und des Trismus am 2.—12. Krankhcitstago, seltener noch in der späteren Zeit. — Leichte Fälle verlaufen günstig. Die vollständige Genesung vollendet sich aber immer erst in 5 bis 6 Wochen.
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Patliulugische Anatomie. In don Cadavern der slarrkranipfkraiilion Pferde ent­wickelt sich rait grosser Schnelligkeit die allgemeine Fäulniss. Starke Auftreibung des Bauches in Folge der Gasentwlökohulg im Darmlraclus. Cadaveröso Erweichung und Anhäufung von Fiiulnissgasen in don Muskoln, der Leber, don Lungen und
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Starrkranipl'.
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andoron Organen. Die Skeletnuiskelii liabon eine loigigo Consiste.nz und eine gelb­lich braune Färbung; das Ilor/.lleisch ist trübe, das Blut flüssig oder theerartig ge­ronnen. Die Bauch-, Brust- und Ilalsorgane sind mit Blut überfüllt. ECkohytnosen und grössoro blutige Unteriaufuugen in den serösen Häuten, am Herzen und in der Rospi-rationsschleimhaut. An den Lungen zeigen sich starke seröse Infiltrationen und in den belrelTenden Fällen die einfachen oder jauchigen Entzündungsherde. — Im Gehirn und Rückenmark enthalten die venösen Gefässo oft viel dunkles Blut; im Subarach-noidealraum findet sich Serum; das Rückenmark ist meist durchfeuchtet. Nach Roll kommen auch oft capillare Blutaustretungen vor.
Diagnose. Die allgemeine Spannung der Streckmuskeln verleiht den starrkrampfkranken Pferden schon im Stehen und mehr noch bei der Bewegung eine so eigenartige Haltung, dass eine Verwechselung der Krankheit fast nie vorkommt. Allerdings giebt es unter den Halbblut­schlägen einzelne Pferde, welche von Natur eine ähnliche Körperhaltung besitzen. Es lässt sich demnach die Krankheit nicht immer mit voller Sicherheit durch die „Angesichtsdiagnosequot; feststellen. Bei der genaueren Untersuchung sind aber stets der Trismus, das Vortreten des ßlinz-knorpels und die Derbheit der Skeletmuskeln nachzuweisen, wodurch sich jeder Zweifel erledigt.
Bei einer diffusen Reizung der Fascien des Hintertheils in Folge übermässiger Anstrengung und bei dem Bestehen leichter Streifwunden geben einige Pferde der Kruppe und den Hintergliedmassen, auch der Schweifrübe bei der Bewegung eine Haltung, die an das Bild des Totanus erinnert. Indess wird durch die vollständige Befunderhebung auch in dieser Hinsicht jode diagnostische Schwierigkeit gehoben.
Obwohl der Trismus eine hervorragende diagnostische Bedeutung beim Starrkrampf hat, so ist doch zu berücksichtigen, dass derselbe auch bei anderen durch „Krampfgiftequot; entstehenden Krankheiten des Gehirns und rosp. der Medulla vorkommt (vergl. die S. 612 unter 7 und S. 651 unter 1 mitgetheilten Fälle).
Verletzungen an den Gliedmassen oder am Widerrist sind zuweilen so schmerzhaft, dass die Pferde eine gestreckte Stellung annehmen, stark zittern und die lädirten Organe steif halten. Irrthümlich ist ein solcher Symptomcncomplex mehrfach mit dem Beginn des Tetanus in Verbindung gebracht worden. Der Thierarzt beseitigt den etwaigen Zweifel leicht durch die Erwägung, dass der Tetanus aus schmerzhaften Empfindungen niemals hervorgeht.
Prognose und Therapielaquo; Durchschnittlich führt der Starrkrampf bei Pferden in 80—85 pCt. der Krankheitsfälle zum Tode. Günstig ist die Prognose nur dann, wenn das Leiden auf einem geringen Grade vorbleibt resp. nicht zur vollständigen Ausbildung gelangt. Der todtlichc Ausgang
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664nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten,
ist immer zu befürchten, wenn die nervöse Aufregung der Patienten sehr gross und der Kinnbackenkrampf so bedeutend ist, dass die Pferde kein Futter mehr verzehren können. Ungünstige Merkmale sind forner: dys-pnoisches Athmen und hohe Pulsfrequenz. Aber auch die in massigem Grade entwickelten Fälle impliciren schon eine erhebliche Lebensgefahr. — Wenn die Patienten ohne Schädigung der Lungen und ohne schwere decubitale Entzündungszuslände den 12. —15. Krankheitstag überleben, so ist meist auf Genesung zu hoffen. „Nach überstandenen 12 Tagen sah ich kein vom Starrkrampf befallenes Pferd sterbenquot; (Waidinger). Indess können die Pferde ausnahmsweise bis zum 20. Krankheitstage und selbst noch später zu Grunde gehen, wenn sie in Folge grosser Ermüdung ausser Stande sind, sich stehend zu erhalten oder wenn die Krankheit sich mit einzelnen broncho-pneumonischen Entzündungsherden complicirt hat, die zuweilen erst nach längerer Zeit zu ulcerösen Destructionen in den Lungen führen.
Die seit alter Zeit in grosser Zahl unternommenen Versuche zur Heilung des Starrkrampfs mittels der Einverleibung von Arzneimitteln haben bisher nicht zum Ziele geführt. Ebensowenig kann der Aderlass, die Application scharfer Einreibungen im Verlaufe der Wirbelsäule, oder die Anwendung von Dampfbädern, sowie das Begiessen des Körpers mit warmem oder kaltem Wasser den Verlauf des Tetanus coupiren. Schon Wolstcin (1787) hat mit Nachdruck hervorgehoben, dass er alle Mittel fruchtlos in Anwendung gebracht habe und die erfahrensten Lehrer der praktischen Thiorarzneikunde haben sich seit 100 Jahren zu demselben ßckenntniss verstehen müssen. Eine vollständige Zusammenstellung aller gegen den Starrkrampf des Pferdes in der Literatur empfohlenen Behand­lungsmethoden hat Fried berger (Deutsche Zeitschr. f. Thiermed., VI., 1880) bearbeitet. Auch er kommt zu dem Schlüsse, dass die Anwendung von Arzneimitteln nicht zu empfehlen sei. Es verlohnt sich nicht, auf eine eingehende Kritik der Behandlungsmethoden hier zurückzukommen. Ich beschränke mich daher auf die Bemerkung, dass das Eingeben von Medicamenten in Latwergen- oder flüssiger Form bei dem Bestehen eines starken Trismus nicht möglich ist. Die mit jedem Versuche dieser Art nothwendig verbundene Aufregung der Pferde hat nur eine nachtheilige Wirkung. Auch bei der intravenösen Injection von Arzneipräparaten gerathen die meisten starrkrarapfkranken Pferde in eine starke und für den Krankheitsverlauf schädliche Erregung. Um alle solche Nachtheilo von den Patienten fern zu halten, rieth Spinola, etwaige Arznei­substanzen lediglich dem Trinkwasser zur Selbstaufnahme beizufügen. — Ich habe in mehreren Fällen die intratracheale Injection von Jod, Kalium
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Starrkrampf.
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arsenioosum, Chinin, Phosphor und anderen Präparaten in den zulässigen Maximaldosen versucht. Die Methode ist an dorn mit einer Nasenbromso vorsohenon Pferde leicht und sicher ausführbar; aber alle von mir ge­prüften Medicamente erwiesen sich als unwirksam.
Durch die in den letzten Decennien vielfach empfohlene Anwen­dung von narkotischen Mitteln (Chloroform, Aether, Chloralhydrat, Mor­phium etc.) lässt sich nach meinen Erfahrungen ein reeller Vorthcil nicht gewinnen. Wohl vorschwindet während der vollständigen Narkose die allgemeine Hyperästhesie und der Trismus wird zwar nicht ganz auf­gehoben, aber doch momentan erheblich verringert. Bei vorurtheilsfroier Beobachtung ergiebt sich indess stets, dass durch die vorübergehende Wirkung solcher Mittel der Krankheitsverlauf im Ganzen nicht erleichtert, sondern im Gegentheil erschwert wird. Die Pferde haben nicht das gleiche physiologische Bedürfniss zum Schlafen, wie die Menschen. Des­halb kann die künstliche Erregung des Schlafes das Gesammtbefindon derselben auch beim Starrkrampf nicht erleichtern.
Einen wesentlichen therapeutischen Werth hat dagegen die zweck-mässige Verpflegung der Pferde in einem kühlen, gut ventilirten und mit weichem Fussboden versehenen Stallraum. Die Abhaltung des Tages­lichtes ist unnöthig; nur das Einfallen des grellen Sonnenlichtes muss verhindert werden. Viele starrkrampfkranke Pferde sind weniger auf­geregt, wenn sie neben anderen Pferden im Stalle stehen; die Isolirung derselben ist daher nicht immer am Platze. Vor jedem unerwarteten Geräusche müssen die Thiere aber bewahrt sein. — Damit die Patienten Gelegenheit finden, das Durstgefühl zu befriedigen und die Maulhöhle von dem Speichel zu befreien, ist ihnen reines Trinkwasser in passenden Gefässen leicht zugänglich zu machen, auch für häufigen Ersatz des ge­wöhnlich bald unrein gewordenen Wassers zu sorgen. Bei starkem Trismus sind vorsichtig zu bewirkende Ausspritzungen des Mauls, am besten mittels eines Irrigators, angezeigt. — So lange die Pferde noch kauen und schlucken können, ist ihnen das gewöhnliche Futter vorzu­legen. In den schweren Fällen wird zur Ernährung blos Mehlwasser zeitweise gereicht; die vergeblichen Versuche zum Kauen von Rauffuttcr oder Hafer wirken nachtheilig auf den Krankhcitsverlauf. — Der etwaigen Anschoppung der Darmexcremento ist mit der Infusion von Wasser in den Mastdarm zu begegnen.
Die Unterstützung der Pferde durch Application eines Hängegurtes hat in den schweren Krankheitsfällen nur den Erfolg, dass die Thiere 2—3 Tage länger am Leben bleiben. Einzelne Pferde dulden den Gurt gar nicht; sie lassen sich in denselben hängen und gehen dann noch
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B6(inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Orgaiikranldieiton,
schneller zu Grunde. Einen reellen Nutzen gewährt der Hängeapparat nur dann, wenn die Plcrdc den 9.—12. Krankhcitstag erreichen und nun so schwach geworden sind, dass sie sieh nicht stehend erhalten können. Wenn solche Patienten unerwartet zusammenbrechen, so müssen dieselben zunächst sorgfältig auf Stroh gebettot, nach einigen Stunden aber durch zweckmässige Unterstützung wieder zum Aufstehen gebracht und durch Application von Bauohgurton am Niederlegen verhindert werden. — In der Convalcscenz sind die Pferde täglich ein bis zwei Mal bei günstiger Witterung \,2 Stunde lang im Freien zu führen. Zu vermeiden ist die Unterbringung in einem Stall mit gepflastertem Fussboden, weil die Pferde bei ihrer Unbeholfenheit leicht ausgleiten und sich hierbei Fracturen, namentlich Oberschenkel- und Beckenbrüche, zuziehen können.
Beim Wundstarrkrampf ist endlich möglichst frühzeitig auf die des-inficirendo Localbehandlung der Wunde Rücksicht zu nehmen. Von der in der Literatur oft (namentlich bei Hufwunden) angerathenen Neurotomio lässt sich indess ein Erfolg nicht erwarten. Ihrer Empfehlung liegt die irrthümlichc Ansicht zu Grunde, class die tetanischen Muskelcontractioncn auf reflectorischem Wege durch die Schmerzempfindung in der Wunde ausgelöst werden sollen.
Capitel LII. Bliitiingcji im tidhini und Uückcjuuark.
llerkömmlioh wird der Name der Apoplexie für die Blutungen im Uohirn und lUiekenmarli vorwaltend benutzt. Eigentlich bedeutet derselbe nur die schnelle Auf­hebung der Function eines wichtigen Organs. Man spricht mit gleichem Kecht von der Apoplexie des Herzens und der Lungen, wie des Gehirns und Rüclienmarkes. Soweit die letzlbezeichnoten Organe in Betracht kommen, ist der Begriff auch nicht einmal auf dieBlutungen beschriinkt. Es wird vielmehr eine Apoploxia sanguinoa. nervosa und serosa der nervösen Centralorgane unterschieden.
im Gehirn kann ein Austritt von Blut aus den Gefässen innerhalb der llirn-substanz (Haemorrhagia intracorebralis) oder in die Hirnhäute (Uaemor-rhagla meningea) erfolgen. Uebereinstimmend hiermit ist auch am Kiickonmark zwischen der Haemorrhagia intraspinalis und der H. meningea spinalis (liaematorrhachis) zu unterscheiden. Alle diese Blutungen werden bei Pferdru nur selten beobachtet, ihre klinische Bedeutung lässt sich daher mit der Gehirn-und Kückenmarksapoplcxie dos Menschen nicht in Vergleich stellen.
Intracorobrale Blutergüsse werden bei Menschen zum grössten Thcil durch iniliarc Ancurysmen bedingt. Von den Pferden ist bisher diese causalo Bedingung
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Blutungen im üohini und llüokenmark.
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niclil nnoligowiosen worden. Dagegen trilTt man nicht selten auf den Befund kleiner Blutanstretungen im Gehirn bei Pferden, die an Knoophalo-Meningitis gelitten haben. Ein solcher Bluterguss ist wosontllon verschieden von dem htoorrhaglsohen tnfarot, mit wolchom die acute Enoepballtls anhebt (vergl. S. 598). Auch bei allgemeinen infectiösen und toxischen Krankheiten, die sioli mit einer Dissolution des Blutes und mit einer llirnuongestion vorbinden, entstehen nicht selten multiple minimale blutige Horde im Gehirn. In ganz vereinzelten Fällen verursacht die embolisohe Verstopfung eines arteriellen Gofässes den Erguss von Blut in dio Substanz des Gehirns.
Die $yiii|)tomc des intracerebralen Blutergusses beruhen in dem Drucke, den das ausgetretene Blut auf die nervöse Substanz rosp. auf die arteriellen Oaplllaren derselben ausübt. Wenn das Grosshirn betroffen ist, so gleichen die Erscheinungen dem Bilde der acuten Gehirnwassersuclit. Mit Wahrscheinlichkeit ist auf die Blutung ZU schliesson, wenn eine unvollständige Lähmung der Skeletmuskulatur an einer Seite (llemiplegio) neben der 'Depression dos Sensoriums besteht. — Die Prognose ist schlecht und die Itelinuilluiig kann nur nach symptomatischen Indioationen versucht werden, wobei in erster Linie für dio Unterbringung des Patienten in einem geraumigen Stalle zu sorgen ist.
Oasuistik. Puchswallach, 8 Jahro alt, stark gebautos Reitpferd, war im ßo-sitzo oinos höheren Offioiors während des Krieges 1870/71 sehr leistungsfähig und stets gesund gewesen. Am 20. November 1872 und an den beiden folgenden Tagen hatte das Pferd wiederholt Anfülle von Tobsucht bekundet. Es wurde am 23. Novbr. In die Klinik eingeliefert. Massig starke Depression des Sensoriums. Gewöhnlich steht das Pford wie in sich gekehrt im Stalle; mitunter fährt es aber ohne äussoro Veranlassung schreckhaft zusammen. Bewegung tappend und schwankend; das Pferd hat Mühe, sich auf den Füssen zu halten. Es drängt stets nach der linken Seite und geht, sich selbst überlassen, im Kreise umher, stösst aber oft mit dem Kopfe gegen dio Stallwand. Puls 33, Resp. 10, Temp, 38,3. Appetit gering. Das Futter wird langsam und in längeren Pausen verzehrt. Poristaltik verringert. Die Behandlung mit drastischen Abführmitteln hatte keinen Einlluss auf den Verlauf. Am 2. Docember war die Bewegung in höherem Grade sohwanko.nd, so dass das Pferd beim Führen zusammen zu stürzen drohte. Der Kopf wird etwas nach links gehalten. Lähmung der Backenmuskeln rechtorseits, so dass das Pferd das Heu nur zu groben Bissen ge­stalten kann, die an der rechten Seite neben den Backzähnon liegen bleiben und mit der Hand aus der Maulhöhle genommen worden müssen. Da dio Hinfälligkeit dos Pferdes sich vorgrösserte, so wurde dasselbe mit Genehmigung des Besitzers am 9. December gotödtet. Bei der Section fand sich die Aorta an ihrem Ursprünge atheromatös degenerirt und stellenweise mit thrombotlschen Auflagerungen bedeckt. Die rechte Hemisphäre des Gehirns enthielt zwei tauben- resp. hühnereigrosse blutige Herde, deren Entstehung auf Embolie durch kleine, von der kranken Aorta gelöste. Pfropfe zurückzuführen war.
Blutu ngen in den Subduralraum und in die Subarachnoidea treten nach Verletzungen des Schädels und starken Erschütterungen des Gehirns ein. Scliädolfraoluren sind aber bei Pferden viel seltener, als bei Menschen. Sie entstellen gewöhnlich nur, wenn die Thiero in schneller Gangart mit dem Vordertheil nieder­stürzen und hierbei den Kopf heftig gegen einen harten Gegenstand slossen. Mitunter kommt bei dem Sturze eine Verwundung der Haut nicht zu Stande; dann kann die Diagnose der Scliädelfractur grosso Schwierigkeiten bieten. In der Kegion der Fraotur orgiesst sicli Blut in die Hirnhäute) aber zuweilen nur in geringer Menge, so dass
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668nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiton.
der Druck auf das Gohirn unerhoblich sein kann, — Die Syni|itonic äussorn sich in mehr oder minder grosser Benommenheit dos Bewusstseins, Steifheit der Gonick-partio, Unvermögen zum Emporheben dos Kopfes, Schiuckbeschwerde und Unvermögen zu kauen, schwankender Haltung des Körpers, Pulsfrequenz und zuweilen fieberhafter Erhöhung der Temperatur. — Wenn sich eine grössere Menge von Blut in die Hirn­häute ergiesst, so entsteht Lähmung des Gehirns, wobei die Thiere flach ausgestreckt im Sopor auf einer Seite liegen. — Neben diesen Symptomen leitet die Anamnese auf die sichere Diagnose dieser Haemorrhagia meningea. Zuweilen wird mit der Schädel-fraotur gleichzeitig durch den Sturz auf den Kopf eine starke Nasenblutung mit hämorrhagischer Infiltration der Nasenschleimhaut und der Muschelcavitäton herbei­geführt, was bei der Diagnose verwerthet werden kann. — Der Krankheitsverlauf einer Sohädelfraotur kann innerhalb eines Tages beendet sein, bei einer einfachen Fissur sich aber auf 4—7 Tage ausdehnen. Der Ausgang ist immer tödtlich.
Die selbständige Blutung in das Subarachnoidealgewebe des Ge­hirns scheint bei Pferden zu den grössten Seltenheiten zu gehören. Ich habe diese Art der Haemorrhagia meningea nur in einem schweren und tödtlich verlaufenen Falle der Pferdestaupe als Complication durch den Sectionsbefund constatirt. Das Zustande­kommen derselben setzt eine schwere venöse Congestion in der weichen Hirnhaut voraus. — Da die Symptome sich mit dem Bilde der acuten Gehirnwassersucht decken, so lässt sich die selbständige Haemorrhagia meningea cerebralis mit Rücksicht auf die Seltenheit ihres Vorkommens intra vitam nicht diagnosticiren.
Die Blutung in die Substanz dos Rückenmarks (Spinalapoplexie) ist bei Pferden eine nicht minder seltene Krankheit. Ihrem Wesen nach beruht' die­selbe in der Ruptur eines Gefässes und der Ausbildung eines hämorrhagischen Herdes im Rückenmark. Zu unterscheiden ist von diesem Zustande die hämorrhagische In­filtration des Markes, welche nach Verletzungen (Fracturon) der Wirbelsäule entsteht. Während des Lebens wird sich indess die Diagnose kaum ermöglichen lassen. Die Symptome dürften mit den Erscheinungen des Wirbelbruchs übereinstimmen (Para-plegie, wobei eine Seite in höherem Grade betroffen sein kann, als die andere). Ge­nauer lassen sich die Kennzeichen nach thatsäohlichen Feststellungen gegenwärtig noch nicht präcisiren. Ich selbst habe die in Rede stehende Blutung bei der Section eines an Rückenmarkslähmung eingegangenen Pferdes nie gefunden.
Auch die Blutungen in die Rückenmarkshäute werden, abgesehen von den äusseren Verletzungen und Fracturen der Wirbel, nur selten beobachtet. Worin das Zustandekommen der selbständigen (idiopathischen) Haemorrhagia meningea spinalis beruht, ist nicht genau bekannt. In Ermangelung bestimmter Aufschlüsse wird eine Erschütterung der Wirbelsäule nach Stössen oder heftigen Dehnungen angenommen.
Geringe Blutergüsse in den Subdural- und Subarachnoidealraum des Rücken­marks können wahrscheinlich mit Genesung enden, selbst ohne in ihrem Verlaufe wesentliche Störungen zu bedingen. Das Blut wird in solchen Fällen durch Resorption bald beseitigt. Bei stärkeren Ansammlungen von Blut erleidet das Rückenmark aber durch den Druck eine schwere Beeinträchtigung seiner Function, welche sich dadurch ausspricht, dass die Skeletmuskulatur von der geschädigten Partie bis zur Schwoif-rübe unvollständig gelähmt ist und die l'forde in Folge dessen hülflos am Boden liegen. Auch die Empfindung der Haut in der hintern Körperhälfte ist zuweilen er­heblich herabgesetzt. Das Bewusstsein bleibt vollständig erhalten. Leidet das ver­längerte Mark, so stellen sich zugleich anhaltende Zwangsbewegungen in den Glied­massen , besonders in den hinteren ein. Die Pferde beugen und strecken die Glied-
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Blutungen im Gehirn und Rückenmark.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;669
massen immerfort. Auch wird hierbei eine dyspnoische Ausführung der Respiration beobachtet. — Bei der DiagHUse ist auf die Fraoturen der Wirbelsäule Rücksicht zu nehmen. Kann eine Fractur nach der Anamnese ausgeschlossen werden, so ist bei sorgfältiger Prüfung des positiven und negativen Befundes die Diagnose der in Hede stehenden Blutung nicht unmöglich. — Die Prognose fällt sehr ungünstig aus. Soweit bekannt ist, lassen sich die hetrefTenden Pferde nicht so lange am Leben erhalten, (lass die Ausgleichung der Störung durch Resorption des Blutes stattfinden könnte.
Casuistik. 1) Blutung in die Pia des Halsmarks. Achtjähriger, kastanienbrauner Wallach (Omnibuspferd dänischer Abkunft), bisher vollständig ge­sund , wurde am 9. Mai 1886 des Morgens liegend im Stalle angetroffen und war un­vermögend, aufzustehen. Ich wurde am folgenden Morgen zur Consultation hinzu-t!' zogen und constatirte bei dem Pferde eine unvollständige Lähmung der Vorder- und llintorschenkel. Dasselbe war durch zwockmässige und nachhaltige Unterstützung nicht empor zu richten. Es lag flach auf einer Seite und konnte sich auch allein nicht umwenden. Puls 42, Resp. 15, Tomp. 38,4. Bewusstsein nicht verringert, lütter und Getränk wurden mit Appetit verzehrt. —• Der Krankheitsznstand änderte sich in den nächsten 2 Tagen nicht. Bei dem krankhaften Liegen trat an zahlreichen Stellen der Haut Decubitus ein. Puls 70, Resp. 18, Temp. 39,0. Das Pferd wurde als unheilbar getödtet. Bei der Section fand ich in der Region des zweiten Hals­wirbels das Subarachnoidealgewebe dos Rückenmarks in der Ausdehnung von 23 Ctm. mit zähflüssigem Blut stark angefüllt. Das Mark selbst war nicht infiltrirt. Dagegen erschien die Dura spinalis an der bezeichneten Stelle blutig imbibirt. — Gehirn und verlängertes Mark normal. Ein Wirbolbruoh war nicht vorhanden.
2) Blutung in die Pia mate r der Medulla oblong ata. Brauner Wallach, 10 Jahre alt, veredelter Wagenschlag, war am 25. Juni 1886 auf der Strasse bei der Arbeit plötzlich niedergefallen und wurde, da er sich nicht wieder aufrichten konnte, auf einem Wagen in die Klinik gebracht. Im Stalle liegt der Patient flach auf der Seite mit ausgestreckten Gliedmassen Das Bewusstsein ist nicht deprimirt, der Blick frei, Pupille von gewöhnlicher Weite, Ohronspiel normal. Aber das Pferd ist ganz hülflos. Auf der linken Seite liegend, macht es beständig mit der rechten (oberen) llintergliedmasse Beuge- und Streckbewegungen nacheinander. Zuweilen bewegt es auch die obere Vordergliedmasse. Liegt das Pferd auf der rechten Seite, so bekundet es diese Bewegungen auch mit der linken Hintergliedmasse, aber nur in geringem Grade. Puls 60, Resp. 28, mit inspiratorischer Erweiterung und auffälligem exspi-ratorischem Einfallen der Naseneingänge. Temp. 37,6. Bei dor Auscultation und Percussion dos Thorax findet sich in den Lungen nichts Regelwidriges. Futter wird nicht verzehrt. Nach Emporrichtung des Kopfes und Widerristes trinkt das Pferd Wasser aus dem Eimer, aber mit Unterbrechungen. — Diagnose: Blutung in die Medulla oblongata oder in das Halsmark. Am 26. Juni besteht im Ganzen dasselbe Krankheitsbild. Puls 64, Resp. 32, Temp. 39,0. Respiration mit massig angestrengter Flankenbewegung; aber bei joder Inspiration wird das Maul geöffnet. Rospiratorische Bewegungen der Nase wie am Tage vorher. Der Zustand des Pferdes änderte sich auch am 27. und 28. Juni nicht. Nur fand sich am letzten Tage noch ein fauliger Goruch der Ausathmungsluft. Puls 88, Resp. 36, Temp. 40,2. Das Pferd verendete am 28. Juni. Die Section im pathologischen Institut (Sticker) ergab an der Basis des verlängerten Markes eine blutige Infiltration der Pia mater in grösserer Aus-di linung. Ausserdem fanden sich nokrotische bronchopneumonischo Herde in der linken Lunge, welche während der Krankheit entstanden waren.
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()70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkranldioiteu.
Capitol till, ^laquo;'sclmiiislc im Bellini iiimI Kiickciiuiai'k.
Im Clehirn, wie im Hiickonmark entstehen Tumoren (Qewäohso) von krankhafter Bedeutung bei Pferden höclist selten. Abgesehen von den in den Adergefleohten vor­kommenden Göschwiilston, deren naolitiieilige Wirkung S. 615 bei der Pathogcnese des Dummkollers angedeutet wurde, onthiilt die Literatur nur wenige wohloonstatlrte Pülle, in welchen durch sarkoinatöse Neubildungen in den Hirn- oder Kückenmarks-häuten eine lödlliolio Krankheit bei Pferden bedingt war. Lydtin (Hadische Mittheil., 1881, S. 20) hat die Krankheitsgosohichte von einem 20 Jahre alten edlen Fuchs­wallach (Reitpferd) beschrieben, welcher seit 10 Jahren eine auffallende und voll­ständige Atrophie des Kaumuskels und des Schliifemuskels der rechten Seite gezeigt, in Folge dessen nur mit den linken Backzähnen gekaut, im Uebrigen aber keine De­pression des Bcwusstseins oder sonstige'Störung in den cerebralen Functionen bo-kundet, sich auch stets in gutem Nährzustamle gehalten hatte. Nachdem das Pferd einige Tage hindurch einen „komatösen Zustandquot; geäussert, auch Futter und Getränk nioht aufgenommen und sich unvermögend zum Scblucken gezeigt hatte, wurde es getödtet, Bei der OolTinmg des Schädels fand sich eine derbe, höckerige Geschwulst, welche halb so gross, wie das Kleinhirn war, an der Basis der Felsenbeinpyramide. Die Geschwulst umfasste den N. trigeminus, erstreckte sich nach vorn bis zur rechten Hemisphäre und nach hinten bis zur Medulla oblongata. Sie charaklerisirto sich als ein Im brosarkom, welches in der Dura entstanden war und bei seinem Wachsthum den Trigeminus thoils durchwuchert, thoils verdrängt und zur Atrophie gebracht hatte.
Die Diagnose der Gehirngoschwülste ist im Allgemeinen unsicher. Die grösseren Cholesteatotne der Adergeflechte bedingen Monate und selbst I—2 Jahre hinduroh die Merkmale des Dummkollers, bei tödtlichom Ausgange des Leidens aber in den letzten Tagen oder Wochen das Bild der acuten Gehirn Wassersucht. — Liegt die Geschwulst in der Dura, so wird in der Kegel zunächst eine Druckatrophie in dem einen oder anderen Nerven entstehen, welche sich durch Lähmung und Inaclivitäts-Atrophie bestimmter Muskeln des Kopfes zu erkennen giebt. Da aber solche Läh­mungen in einzelnen Nerven auch durch selbständige bindegowebigo Wucherungen der Nervenscheide veranlasst sein können, so wird die Diagnose so lange zweifelhaft bleiben, bis in Verbindung mit diesen Lähmungen bestimmte lierdsymptomo hervor­treten.
Geschwülste in den Rückenmarkshäuten geben sich durch eine allmiilig zunehmende Lähmung in der Muskulatur des Hintertheils zu erkennen. Da die Ge­schwulst die Wirbelknochen mit afficirt, so macht sich unter den Symptomen gleich­zeitig eine schmerzhafte chronische Knochonentzündung geltend. Ilertwig (Mag., II., S. 354) constalirte bei der Section einer 14 Jahre alten Sohimmelslule, welche eine nach und nach zunehmende Kreuzlähnumg mit Krkaltung der hinteren Gliedmassen bekundet hatte und unter diesen Symptomen zu Grunde gegangen war, eine niolano-tische Neubildung In den drei letzten Lendenwirbeln und im Wlrbolk^nal. Die Ge­schwulst war in den Lendonlymphdrüson entstanden und allmiilig durch die Wirbel-
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Enlzündiino- der Rückonmarkshiluto.
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knoohen in die lliickenmarkshiiuto luiioingowuchert. — Einen gleiohaitigen Krankhoils-l'all hat Trasbot (Kef. in Anacker's Thierarzt, 1865, S. 13) bescliriobon. Die melanotisclio Geschwulst, welche sich im 2. und 3. Lendenwirbel ausgebildet halte, imifnssie das Rückenmark gürtelfönnig und verursachte in [folge ihres Druckes die Paralyse des llintortheils. — Ich selbst habe nur in einom Falle eine Geschwulst in ilen Kückenmarkshiuiten beobachtet (vcrgl. Adam's Woohonschr., 1881, S. 81). Das Pferd (brauner Wallach, 12 Jahre alt, englisches Halbblut) hatte seil 2 Monaten eine Schwäche im tlinterthoil bekundet und mangelhaft gefressen. Hierauf trat eine Läh­mung der Schweifmuskeln neben starker Atrophie der Kruppen- (Gesäss-) und der langen Kückenmuskeln ein. Bedeutende Sclunerzempfindung in der Wirbelsäule: ge­streckte und gesenkte Haltung des Kopfes, horizontale Stellung des Beckens, an­haltendes Stöhnen, Beschwerde beim Aufstehen und bei dor Bewegung der Hintor-glledmasson. Die Section dos als unheilbar getödteton Pferdes ergab eine knoten* fönnigo, flache Neubildung (Sarkom) in der Dura mater spinalis, welche vom 5. Lendenwirbel bis zum letzten Kreuzwirbel das Rückenmark umfasste und sich auch auf die Nervenscheiden fortsetzte. Im Subduraliaum ungefähr ein Liter klarer, vvassor-heller Flüssigkeit. An den 3 letzten Lendenwirbeln und den 2 ersten Kreuzwirbeln fanden sich die durch chronische entzündliche Ostooporoso bedingten Veränderungen. Bei der Seltenheit des Vorkommens lassen sich für die Diagnose der R ückon -marksgeschwülste keine sicheren Anhaltspunkte aufstellen. Schwierig ist die Unterscheidung von der chronischen Porincuritis, die auch zur Lähmung einzelner Muskeln führt. Eine allgemeine diagnostische Anleitung wird stets in der Inaclivitilts-AU'ophle zahlreicher Muskeln und in der progressiven Steigerung der Krankheils-symptome, sowie in dem ohronischen Verlaufe zu finden sein. — Da die Geschwülste im Gehirn und Rückonmark für die operative Behandlung nicht erreichbar sind und mit ihrer Wachsthumszunahme stets den Tod der betreffenden Pferde herbeiführen müssen, so sind sie für die therapeutische Praxis nicht von Interesse.
Capitel L1V.
Ilnlzumluiiigt; der Kiiclininiarlisliimlc (llniinj-ilis spiiialis) und Kiil/iiiidinii* des Kückemnarks (Myelitis s|iiiialis).
Selbständigo entzündliche Erkrankungon dor Riickenmarkshäute sind bei Pferden sehr selten. Bei den zur Gruppe der „Inlluenzaquot; gerechneten acuteu fieberhaften Infectionskraiikhciten, besonders bei der Pferdestaupe, entsteht in einzelnen Fällen als Complication eine starke Blutstauung mit seröser Infiltration in der Pia mater spinalis. — Dass ferner die seröse Entzündung der weichen Hirnhaut sich zuweilen auf das verlängerte Mark und auf das Rückenmark fortsetzt, wurde S. Gll durch die Skizzi-rung eines besonderen, als ,,Leptomeningitis sernsa corebrospinalisquot; deklan'Hcn Krank-Imitsfallos gewürdigt. — Der in der neueren Literatur mehrfach vertretenen Be­hauptung, dass die Pferde von einer mit der inl'octiösen (epidemischen oder auch
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672nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkrankheiten.
sporadischen) Cerebrospinal-Meningitis dos Menschen übereinstimmenden Krankheit befallen worden sollen, halte ich nicht für tliatsächlich begründet. Meist handelt es sich bei den botrofTonden Beobachtungen um die inthümlicho Deutung einer allgemein verbreiteten und schweren Seuchonkrankheit. Von Apostolides wurde die afrika­nische Pferdepest (vergl. S. 203) für die epidemische Cerebrospinal-Meningitis aus­gegeben. Amerikanische Fachmänner haben mehrfach die acute Oehirnwassersucht der Pferde mit diesem Namen bezeichnet. Denselben verwandte der sächsischeBezirks-thierarzt Hartenstein (vergl. Dresden. Ber. pro 1879, S. 127) für eine schwere, mit Störungen in den cerebralen Functionen verbundene fieberhafte Infectionskrankheit. Lei soring hat bei der Redaction der Berichte noch eine Reihe weiterer Krankheits­fälle, welche die Bezirksthiorärzte Dintor, Ackermann u. A. beobachteten, der Corobrospinal-Meningitis zugerechnet. Ich finde indess bei einer kritischen Würdigung dieser Mittheilungen, dass zunächst die Befundorhebungen nicht vollständig genug sind, um den Charakter der Krankheitsfälle mit einiger Sicherheit beurtheilon und demgomäss die principielle Frage über das Vorkommen der epidemischen Corobro­spinal-Meningitis bei Pferden entscheiden zu können. Ackermann erwähnt aus­drücklich, dass gleichzeitig „nervöses Katarrhalflobor und loiehtero Fälle von Influenza mit unterlaufenquot; seien. Es scheint mir hiernach nicht endgültig ausgeschlossen, dass die vorbenannten Berichterstatter die von mir als Scalma bezeichnete Infections­krankheit beobachtet und behandelt haben. Ich sah im Winter 1886/87, als diese Seuclio in Berlin sehr verbreitet war, eine grössere Zahl von Krankheitsfällen ähn­licher Art. Es kommt hinzu, dass bei der epidemischen Cerebrospinal-Meningitis (Genickkrampf) des Menschen die totanischen Krämpfe der Nackenmuskeln ein wesent­liches Symptom darstellen, das nur in seltenen Fällen fehlt. Die sächsischen Bericht­erstatter haben aber diese Erscheinung bei den botreffenden Pferden nicht beobachtet. Hiernach scheint mir durch die bisherigen Erfahrungen nicht nachgewiesen zu sein, dass der epidemische Genickkrampf bei Pferden vorkommt.
Ob bei Pferden in Folge von irritativen Processen in der weichen Rückonmarks-haut eine dauernde Anhäufung von Serum zwischen dor Dura raater und der Arach-noidea spinalis (Hydrorhachis) als Grundlage einer unvollständigen Lähmung des Rückenmarks mit protrahirtem Vorlaufe und tödtlichom Ausgange sich ausbilden kann, ist bis jetzt nicht sicher bekannt. Einzelne Fälle der l'araplegie bei Fohlen rocht-ferligen mit einiger Wahrscheinliolikeit die Deutung der Pathogoneso in dieser Rich­tung. Bei narkotischen Vergiftungen (vergl. S. 501) und bei den durch toxische Blut-dyskrasie nach oinem langsamen Verlaufe zum Tode führenden Allgemoinkrankheiton findet sich nicht selten eine erhebliche Wasseransammlung im Subduralraum des Rückenmarks. Indess charaktorisirt sich der Befund in solchen Fällen nur als ein Thoil der Gesammtkrankheit.
Heftige und plötzliche Dehnungen dor Wirbelsäule können durch Zerrung eine Entzündung der Rückonmarkshiiuto verursachen. Einen in dieser Art zur Entstehung gelangten Fall von „Arachnitis (Ijoptomoningitis) spinalis chronic a vascu-losaquot; hat C. Hahn (Adam's Wochonschr., 1879, S. 317) publicirt. Das Pferd, eine 18jährige Fuchsstuto, wurde nach einer Springübung „kreuzlahmquot;. Es schwankte im Schritt und im Trabe mit dem Kreuze, schleifte die Hinterhufe beim Gehen leicht über den Boden und knickte beim plötzlichen Pariren und Wenden mit der Lendenpartie ein. Schmerzempfindung beim Druck auf die Lendengegend. Nach 8 Wochen scheinbare Besserung. Als die Stute nun wieder bewegt wurde, trat eine Versclilimmerung des Leidens ein. Lähmung des Afters und der Blase (tropfenweise anhaltende Entleerung
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Entzündung des Rückonmarlifi.
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von stark schleimigem Urin). Später Verlust dor Empfindung in dor Nachhand und Unvermögen zu stehen. In der 9. Woche nach dem Beginn der Krankheit wurde das Pferd als unheilbar gotödtet. Boi der Section wurden im Subduralraum des Rücken­marks vom 1. Lendenwirbel bis zur Cauda equina in der Ausdehnung von 15,5 Ctm. 10—12 Gramm leicht getrübter, mit Blutspuren vermischter, gallertartigelaquo; Flüssigkeit gofundon. Die Venen am Basilartheil dieses Kückenmarksabsclmittes erweitert, in ihren Wandungen verdickt und von geschlängollem Verlaufe. Arachnoidea weiss ge­färbt und deutlich goschwollen. Substanz des Rückenmarks derb, trocken und an­ämisch; an einer 3/4 Ctm. langen Stelle in der Gegend dos 5. Londonwirbels be­ginnende Maceration.
Die eiterige Entzündung der Rückenmarkshäuto (Meningitis spi-nalis purulonta) findet sehr wahrscheinlich ihre Entstehung auf metaslatischom Woge. Von dieser äussorst seltenen Krankheit habe ich nur einen Fall boobachlet bei einem Pferde, welches gleichzeitig mit einem Hirnabscess und in massigem Grade mit einem Ventrikelhydrops behaftet war. Das belroll'ondo Pferd (brauner Wallach, 17—18 Jahre alt, abgetrieben und von geringem Wertho) wurde in die Klinik am G. Pobr. 1884 mit dorn Antrage eingestellt, es auf Duminkollor zu unlorsuchon. Starke Belastung des Bewusstseins, stierer Blick, abnorme Haltung der Ohren und Unauf­merksamkeit. Auf don Zuruf achtet das Pferd gar nicht; es steht mit gesenktem Kopfe und gewöhnlich mit gespreizten Füsson. Mitunter verharrt es in einer gekreuzten Stellung der Vordergliedmassen einige Zeit. Puls 5G, Rosp. 10, Temp. 39,G. Appetit fohlt; Kothabsatz gering. Am folgenden Tage äussert das Pford neben den vor-bozeichneton Symptomen eine erhebliche allgemeine Ermüdung. Boim Antreiben bricht es zusammen; es kann sich nur mit kräftiger Unterstützung wieder aufrichlen. Boim Führen stellt es die Vorder- und Hintorfiisso breit und schwankt mit dem Ubor-körper hin und her, fällt auch wieder zu Boden, so dass es nur mit Mühe in don Stall gebracht werden konnte. Nach 15 Minuten brach es kraftlos zusammen; es lag nun dauernd auf einer Seite und war kaum noch im Stande, don Kopf zu heben. Bei sorgfältiger Verpflegung blieb es bis zum 9. Febr. am Loben. Puls 53 — 70; Rosp. 17—37; Temp. 39,2—40,3. Der Tod erfolgte unter gelinden Sireckkrämpfen. — Bei der Section im pathologischen Institut der Thierarznoischule fand sich das Gehirn anämisch; im Subarachnoidealraum der Hemisphären trübe, weisslioho Flüssig­keit. Beide Seitonventrikel enthielten 30 Gramm einer gleichartigen Flüssigkeit. Corpora striata abgeplattet; Fpendym nicht verändert. Im linken Hinterhauptslappen enthielt die Hirnsubstanz einen hasolnussgrosson, von einer dünnen Membran um­schlossenen Herd, dessen Inhalt aus einer graugelben, eiterigen Masse bestand. Zwischen der Dura mater und der Arachnoidea spinalis, und zwar vor­zugsweise vom 9. Rückenwirbel bis zum 3. Lendenwirbel, findet sich eine grosso Quantität thoils grauwoisser, theils graugelblichor, eite­riger (rahmartigor) Flüssigkeit. Die Arachnoidea ist mit zähem Eiter, stellenweise mit blutigem Exsudat bedeckt und entzündlich goröthet. Auch in dem Subrachnoidoalraum ist eine eiterige Flüssigkeit nach­zuweisen. Im Verlaufe dos Halsmarks sind die Häute nicht erheblich erkrankt. Das Rückenmark selbst ist nicht nachweislich verändert.
Von der Entzündung der Riickonmarkssubstanz (Myelitis spinalis) sind bisher nur wenige Fälle in der Literatur bosprochon worden. Kriedborgor (Pütz' Zeitschr. f. Vet.-Wiss., I, 1873, S. 121) fand bei einem 18-20 Jahre alten
Dlockerhoff, Spec. Pnthologio u. Thlaquo;raple.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; in
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()74nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ürgankrankheiton.
Wallacli, welcher soit mehroron Tagen eine auflallendo Schwache im Hinterthoil zeigte, im Stalle eine gespreizte Stellung der Vorderfüsse annahm, den Kopf gesenkt hielt, daneben einen sohlafsiiohtlgen Zustand mit Aufstützen des Kopfes und am 4.Tage der Beoljaohtung eine Liiliiming in den Muskeln des Gesichts und der Zunge bekundete, darauf am folgenden Tage als unheilbar getödtet wurde — im ßttokenmark, ungefähr handbreit vor der Londenanschwolkmg desselben zwei Envoichungslierdo, welche 1 resp. 2 (Jim. lang und 4 resp. 6 Mm. breit waren. Im Subarachnoidealraum dos Rückenmarks und des Gehirns zeigte sich wasserklare Flüssigkeit. Nach dem Be­funde erklärt Kriedberger indess, dass die Symptome im Wesentlichen durch die Leptomenlngltis, nicht aber durch die entzündlichen Erwelohungsherde verursacht worden seien; er beurtheilt daher den Fall als Myelo-Meningitis spinalis und nimmt als wahrscheinliche Ursache eine durch äussero Momente verftnlassteErschütterung an. Ob bei Pferden auch ,,Systemerkrankungenquot; dos Uiickenmarks (verbreitete nutritive Störungen, die sich nur auf physiologisch zusammengehörige Centrälapparate ausdehnen) zur Entstehung kommen, ist bis jetzt nicht bekannt geworden.
Capitel LV. L ä h tu im g c n.
Der Begriff der Lähmung erstreckt sich nach dem wissenschaftlichen Sprach-gebrauchc nicht auf die Bewegungshindernisse, welche durch Kntzündungsprocosse und Continultätstrennungen in den Knochen, Hufen, Sehnen etc. (Lahmheiten) bedingt werden. Zur Lähmung gehört nur die Vorminderung oder vollständige Aufhobung der Function: 1, sensibler Nerven (Anästhesie), 2. moto­rischer Nerven (neuropathlsohe motorische Lähmung), 3. der Muskeln (myopathischo Lähmung). Der unvollständige Verlust der Leistung dieser Organe wird mit dem Namen dor „Paresisquot; (Schwäche), der vollständige als „Para­lysisquot; oder „Akinesiaquot; bezeichnet. Bei den nervösen (sensiblen und motorischen) Lähmungen besteht ferner nach dem Sitze der Störung ein Unterschied zwischen contralen (corebralen und spinalen) und peripheron oder Leitungs-lii Innung on.
Die allgemeine Herabsetzung der physiologischen Action sensibler oder moto­rischer quot;Nerven (nervöse Schwäche, Neurasthenie) wird auch bei Pferden beob­achtet, obwohl sie bei Weitem nicht die Bedeutung hat, wie bei Menschen. Ich er­innere nur an die Dyspepsie bei gesunden Pferden von nervösem Temperament njich einer ungeeigneten Behandlung, ferner an den Mangel in der Energie der Muskeln resp. die ungenügende Leistungsfähigkeit bei manchen gut gebauton Pferden, bei welchen ausser dem Mangel an Ausdauer keine Störung nachgewiesen werden kann. Derartige Anomalien in der Function der Nerven sind durch eine angeborene Anlage bedingt; sie verringern sich wohl bei zweckmässiger diätetischer Pflege, namentlich bei vorsichtiger Fütterung mit Hafer bester Qualität und mit schmackhaftem Heu, lassen sich aber nicht vollständig beseitigen.
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Lähmungen,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 675
Auf einer Abnahme der speciflschen Energie in den Rückenmarkscentren beruht wahrscheinlich auch die allgemeine Atrophie der Rumpf- und Beckonmus-koln, welche bei älteren Pferden, namentlich bei Hengsten zuweilen ganz allmiilig ent­steht. Aeussorlich giobt sich diese Schwäche durch Anspannen (Aufziehen) der liauoh-wamlung, Verkleinerung des Panniculus adiposus (Atrophie dos Fettgewebes), Zu­sammenschrumpfen der Muskeln am Rücken und Bocken, sowie durch soitlichoScliwan-kungon in der Lendenpartie beim Gehen und mangelhafte Futteraufnahmo zu erkennen. Piilsbeschleunigung und Athmungsfroquenz treten erst nach monate- oder jahrelanger Dauer der Neurasthenie ein. Der Zustand kann 1—2 Jahre bestehen, bevor die Thiere in Folge der krankhaften Schwäche und Abmagerung leisliingsunfähig werden; er ist nicht heilbar und bedingt, wenn er einen höheren Grad erlangt, eine bedeutende Knt-worlhung der Pferde. Zu Curversuchon eignet sich die anhaltende Verabreichung von Arsenik; indess habe ich bisher in mehreren Fällen nur vorübergehend einen Erfolg von dieser Behandlung gesehen.
Auf die an den Organen der Bauch- und Beckenhöhle, sowie am Kehlkopf und anderen inneren Organen vorkommenden paretischon und paralytischen Zustände werde ich der Uebersicht wogen erst bei den Krankheiten der betreffenden Organe eingehen. Hier kann ich nur derjenigen nouropathlschen Lähmungen gedenken, welche, soweit sie nicht direct zum Tode führen, sich durch Verlust der Function und Atrophie der Skeletmuskeln zu erkennen geben. Die Ursachen derselben beruhen theils in Verletzungen, Quetschungen und Erschütterungen (traumatische Läh­mungen), thoils in einer plötzlichen Abkühlung der Haut und hierdurch bedingten entzündlichen Reizung dos Perlneurlum an den oberiläohlloh gelegonon Nerven (rheu­matische Lähmungen), theils in einer durch die lilutcirculatioii vermittelten Ein­wirkung chemischer Substanzen auf die Nerven (toxische Lähmungen). Dazu kommt noch die durch den Blitzstrahl zuweilen herbeigeführte vollständige oder un­vollständige Nervenparalyse, bei welcher eine anatomische Veränderung an den Nerven nicht nachzuweisen ist. Gewöhnlich bleiben bei den nervösen Lähmungen die spe-ciellen Ursachen unerkannt.
a. Rückenmarkslähmung. Dass die Function des Rückenmarks durch Blutungen, Geschwülste und Entzündungsprocesse in den Rückenmarkshäuton krank­haft belastet sein kann, wurde S. G69—G73 erörtert, Danebon giebt es aber (allerlaquo; dings äussorst selten) Krankheitsfälle, In welchen keine von diesen Bedingungen auf­zufinden ist. Es mag daher vorab noch gestattet sein, in diesen Fällen eine nervöse Apoplexie des Rückenmarks für die Grundlage der gefährlichen Krankheit aus­zugeben. Freilich liegt in der Deutung nur das Anerkenntniss, class eine bostinimte ursächliche Schädlichkeit nicht nachzuweisen ist. Walirsohoinlioli beruht dieselbe in einer eigenartigen Infection resp in der Bildung einer toxischen Substanz, die eine spoeiflsche und lähmende Wirkung auf das Rückenmark hat. — Bei der IHagiiose einer solchen Rückonmarksliihmung sind die Blutung im Rückenmark, die Krouzrlieho und die S. 47ö—478 gedachten Krankheltszusländo zu beachten. Die Prognose ist schlecht und die Behtunllung, welche sich nach symptomatischen Indicalionon be­stimmt, kann nur als ein Versuch angesehen werden.
Casuistik. 1) Im Juni 1883 stand eine siebenjährige Rothschimmolstule von schwerem Gewicht, belgischer Abkunft, wegen einer Brustbeule in der Klinik. Die Geschwulst wurde operlrl und die Wunde war fast geheilt, als der Besitzer das im Uebrigen vollkommen gesunde Pferd am 28, Juni abholen Hess. Ks wurde Mittags 12 Uhr bei grosser Hitze aus der Klinik fortgeführt, war aber kaum 10 Minuten weil
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676nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organ krankhei ten.
im Schritt gpgangeri, als es plötzlich eine bedeutende allgemeine Behinderung in der Bewegung bekundete. Es wurde mit grosser Mühe langsam In die Klinik zurück­geführt und in einen Laul'stall gebracht, in welchem es sich sofort niederlegte. All-gomeiiuT Schweissausbruch, Aeusscro Haut kalt. Bowusstsoln nicht gestört; zuweilen helles Wiehern. Das Pferd lag flach am Boden und war unvermögend, sich auf die Brust zu logen. Ich Hess dasselbe wiederholt mittels eines Flaschenzugs in die Höhe ziehen; es vermochte aber nicht, die Gliedmassen zu belasten und mussto deshalb wieder herabgelassen werden. Futteraufnahme verweigert; Wasser wird begehrt, kann aber nicht geschluckt werden (Schlundkopflähmung). Temp, 40,7; Puls 100, kaum fühlbar; Kesp. 33. — Nach 5 Stunden Tod. Bei der Section im pathologischen Institut fanden sich in den inneren Organen nur die Merkmale des Erstickungstodes. Am Kückenmark und am Gehirn war nichts Krankhaftes nachzuweisen.
2) Braune Stute, 12 Jahre alt, leichtes Wagenpferd, seit Jahren stets gesund, halte Vormittags am 11, Juni 1887 im einspännigen Wagen ungefähr 2 Stunden lang auf der Strasse gestanden. Als das Pferd nun weiter gefahren werden sollte, ging es angeblich mit beiden Hinterfüssen steif und knickte mit den Fesselgelenken ein. Nach wenigen Schritten brach es zusammen. Es wurde mittels Transportwagens in die Klinik eingeliefert. Unvermögen, sich zu erheben. Das Pferd liegt andauernd flach auf einer Seite mit Ausstreckung des Kopfes und der Gliedmasson. Es kann sich aus eigener Kraft auch nicht umwenden. Puls 40, kräftig; Rosp. 24, in leichtom tirade dyspnoisch; Temp, 37,9, Bewusstsein normal, Kopfschleimhäute blassrolh, Poristalük schwach. Harn klar, hellgelb, stark fadenziehend, alkalisch, eiweissfrei. Qrünfutter wird mit einigem Appetit verzehrt; Wasser oft getrunken. Am Becken und an den llintorschonkeln ist die Haut gegen Nadelstiche unempfindlich. In den Plankon und am Vordertheil fühlt das Pferd die Nadelstiche. Die Untersuchung der grosson Gefässe per rectum ergab nichts Krankhaftes. Wiederholte Versuche, das Pferd mit dem Flaschenzug aufzurichten, misskngen vollständig. Es konnte keine Glied­masse belasten.
Diagnose: Allgemeine Lähmung des Rückenmarks. Behandlung: Physo-stigmin 0,1 subeutan, Einreibung von Reizmitteln auf die Haut an der Wirbelsäule entlang. Nach 30 Minuten wiederholte Defäcation. Im Uebrigon blieb die Behand­lung erfolglos. — Am 12. Juni: Puls 40; Resp. 20; Temp. 37,8. Zeitweise Unruhe in Folge des anhaltenden hülflosen Biegens. Am 13. Juni: Puls 40; Resp. 32, dys­pnoisch; Temp. 38,5. Die Haut an mehreren Regionen durch Deoubitus goschwollen und exeoriirt. Bewusstsein frei, Aufmerksamkeit aber gering. Futteraufnahmo spär­lich. Harn trübe, fadonziehend, sauer und oiweisshaltig. — In der folgenden Nacht verendete das Pferd. Bei der 10 Stunden nach dem Tode im pathologischen Institut (Buch) ausgeführten Section fanden sich an den inneren Organen die Zeichen dos Krstickungstodes. Im Gehirn und im ganzen Verlaufe des Rückenmarks war aussei' einer Füllung der venösen Gefässe mit Blut, sowie einer geringen Durchfouchtung der Substanz nichts Krankhaftes zu erkennen. Auch die Wirbolknochen zeigten keine Veränderung.
Die Pathogenose der chronischen Krouzlähmung ist in der Literatur oft mit einer Paresis des Rückenmarks oder einzelner Theile desselben in Verbindung gebracht worden. Ich betrachte diese Störung als eine Muskelkrankheit und werde sie deshalb an anderer Stelle erörtern.
b, Lähmung dos N. trigeminus, von Roll (Spec. Pathol., 1885, II, S. 184)
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Lähmungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 677
und von Lydtin (Bad. Mittheil,, 1881) beobachtet, ist sehr selten und stets nur ein­seitig, hat Atrophie der Kaumuskeln zur Kolgo und ist unheilbar.
c. Lähmung des N facialis, wird oft beobachtet und entsteht moist sehr schnell, Innerhalb eines Tages; kommt einseitig und doppelseitig vor, botrilTt aber stets nur einzelne Aeste des 7. Nerven. Nach meinen Erfahrungen ist die Entstehung der Facialisläluming in der Regel auf toxische Substanzen zu beziehen, welche durch die Blutcirculation in den einen oder anderen Zweig des Nerven, vielleicht auch in die ürsprungsstellen desselben innerhalb des Schädels gelangen. Ich habe das Zu­standekommen dieser Lähmung oft bei Pferden, welche wegen anderer Krankheiten in der Klinik behandelt wurden, beobachtet; sie entsteht nicht selten als eine Com­plication bei grössoren Wunden nüt schlechter Eiterung und bei dilTusen ichor-rhösen Entzündungsznständon in der Subcutis, zuweilen auch im Verlaufe von Ver­dauungsstörungen. Von der Facialislähmung können einzeln oder in verschiedener Verbindung miteinander die Muskeln der Ober- und Unterlippe, der Nase, der Hacken (Wangen) und der Augenlider betroffen werden. Hiernach zeigt das Krankheltsbild manche Modificationon. Bei einseitiger Lähmung der Unterlippe oder der Oberlippe werden letztere nach der gesunden Seite verzogen, während sie an der kranken Seile schlaff herabhängen. Die Futteraufnahme ist erschwert. — Die doppelseitige Läh­mung der Lippenmuskoln veranlasst durch die totale Erschlaffung, Verlängerung und dem Willen nicht mehr unterworfene Bewegung der Lippen eine erhebliche Aenderung des Antlitzes; die Nasenlöcher werden lang nach unten gezogen, so dass die Respi­ration erschwert sein kann. Die betreffenden Pferde können das Futter nicht mehrnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; : mit den Lippen, sondern nur noch mit den Schneidezähnen ergreifen und ernähren sich deshalb unvollständig. — Sind die Racken- oder Wangenmuskeln betroffen, so bekunden die Pferde das Einkauen des Futters (Pfropfonkauen), worauf Albort (Adam's Wochenschr., 1877, S. 81) zuerst aufmerksam machte. Ist diese Lähmung doppelseitig, so sind die Pferde ausser Stande, das Futter vollständig zu zerkleinern.
—nbsp; Bei einer Lähmung des Kreismuskels der Augenlider ist die Oeffnung der letzteren beschränkt; das obere Augenlid bedeckt den Augapfel zum Thoil.
Die Facialislähmung ist hiernach in allen Formen als ein erheblicher Krank­heitszustand zu betrachten, welcher die betreffenden Pferde stets in mehr oder minder hohem Grade entwerthet. — Die Diagnose gestaltet sich Im Ganzen leicht. Zu be­rücksichtigen ist aber, dass bei anhaltenden Krankheiten die Lippenmuskeln nicht selten in Folge der allgemeinen Ermüdung erschlaffen und In massigem Grade herab­hängen. Dieser unerhebliche Zustand unterscheidet sich von der Lähmung dadurch, dass die Pferde bei derselben die Lippen auf Nadelstiche oder auf das Schnellen mit dem Finger emporziehen, was bei der Lähmung nicht möglich ist. — Bezüglich der Diagnose einer Lähmung in den Uackcnmuskeln bleibt zu beachten, dass das Pfropfen­kauen auch bei schmerzhaften Zahnfehlern vorkommt. — DieBciirthciliing der Facialis­lähmung gestaltet sich ungünstig; bei doppelseitiger Affection sogar schlecht, weil die Pferde am Ergreifen und Kauen des Futters wesentlich behindert sind und doshalb im Mährzustande zurückgehen. Erfahrungsgemäss erfolgt die Heilung bei älteren Pferden sehr selten und bei jungen Pferden auch nur in einer Minderzahl der Källe.
—nbsp; Zur fteiiaiMiliiii^ eignet sich die Aonpunctur, mit welcher Albert relativ günstige Erfolge erzielte. Empfohlen wird die Einreibung scharfer Arzneipräparate auf die Haut im Verlaufe des Eacialis oder die subeutane Injection von Strychnin. Indess habe ich von diesen Mitteln eine günstige Wirkung nie beobachtet. Bei jungen Pferden kann die methodische Uebung der gelähmten Muskeln erhebliche Vortheile bringen.
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678nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Ich habe eine dreijährige Stute im Frühjahr ]8()1 wogen einer linksseitigen Lähmung der Ober- und ünlorlippo 6 Wochen lang mit scharfen Einreibungen vergeblich be­handelt. Als sie dann 8 Monato lang auf dor Woide belassen wurde, war die liähmung vollständig geheilt.
(1, Lähmung dos N. suprascapularis. VomSuprascapularis können analog, wie vom Faoialis einzelne Aosto functionsunfäliig werden, oder es kann der Nerv in dem grössten Theile seiner Zweige der Lähmung und Degeneration vorfallen. Letzteres geschieht, wenn die Pferde gegen einen harten Gegenstand mit der Schulter anrennen oder niederstürzen. — 1st der Nerv nur in den Aesten betroffen, welche den vorderen oder hinteren Grätonmuskel versorgen, so folgt im Verlaufe von mehreren Monaton die Atrophie derselben resp. ihrer oberen Abtheilungen. Mitunter verschwindet die Substanz der Muskeln am oberen Ende der Schulter. Hierdurch wird die Arboits-leistung dor betroiTenden Pferde nicht wesentlich beschränkt. Wenn aber der Nerv durch äussere Gewalt zertrümmert ist, so stellt sich eine unheilbare Lähmung der Auswnrtszieher des Armbeins (Schulterunidrehermuskeln) ein, welche sich durch Ab­biegen (Abbiaden) des Schultergelenks und Einwärtsstellung des Hufes bei der I5e-lastung der Vordergliedmassen kundgiebt und die betroiTenden Pferde entworthet.
o. Lähmung des N. radialis, ist nicht selten Folge des Ausgleitens mit einer Vordorgliedmasse. Die botreffenden Pferde können die Gliedmasse nach vorn stellen, sind aber unfähig, dieselbe behufs der Belastung zu strecken. Die Lähmung verliert sich bei zweckmässiger Behandlung mit reizenden Einreibungen oder mit der Acnpunctur zuweilen in 2 — 3 Monaton. In anderen Fällen atrophiren die Streck­muskeln des Ellenbogens (M. anconaei); aber die Pferde sind auch dann zu massigen Anstrengungen im Schritt noch verwendbar.
f. Lähmung des N. cruralis, wurde von Albort (Adam's Wochenschr., 1877, S. 82) nach dem Niederstürzen eines an der Dreschmaschine arbeitenden Pferdes beobachtet. Ich habe 3 Fälle behandelt, welche in Folge heftigen Ausgleitens mit einer llintorgliedmasse entstanden waren. Leichte resp. unvollständige Lähmungen dieses Nerven verlieren sich bei passender Behandlung in 2—6 Tagen. Die schworen Fälle führen zur Atrophie der Schenkelmuskeln und machen die betroiTenden Pferde worthlos. Für die Diagnose sind die myopathisohon Lähmungen der Schenkelmuskoln bei der Kreuzrhehe (Windrhohe) zu beachten. Da die lotztgodachto Krankheit sich bei ihrer Entstehung nicht auf die Kniosoheibonstrecker einer Seite beschränkt, so ist am ersten Tage der Erkrankung die Unterscheidung nicht schwer. Bleibt aber die atrophisclie Degeneration der Knloscheibenstrocker auf einer Gliedmasse als Nach-krankhoit der Krcim-hehe bestehen, so lässt sich die Entstehungsart dos Leidens aus den Symptomen nicht mehr erkennen.
Capitel LVI. Blitzschlag.
Durch den Blitzstrahl erfolgt nicht selten die direote Tödtung oder eine in wenigen Stunden vorübergehende Betäubung oder eine Lähmung einzelner Nerven bei Pferden, wie bei anderen Hausthieron. Gleichwohl ist in der Literatur über die Fälle, in welchen eine pathogene Wirkung dos Blitzschlags beobaohtot wurde, nicht häufig
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Blitzschlag.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(179
berichtet worden. In den älteren Zeitschriften finden sich mir fragmentarische Mit-
tlieiliinfrun über die lieschiidigung der Thlero, Die wesentlichsten Wirkungen dos
Blitzstrahls hat Uömer (Anaohor's Thlerarzt, 1878) znsammongestollt, Von all-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ''
n
gemeinem Interesse ist auch die Beobachtung-, weiche Stoinhoff In dein Mocldcn-
bnrglschen Gestüt zu Rodofm 187;-! machte (vorgl. Magaz., 1874, S. 418). Von den
in 2 Stiiilon befindlichen 24 Hengsten wurden durch den Blitz 5 tödtlich getroffen
und 15 beschädigt, darunter 9 in orhebiiehem Grade. — Andere Fälle haben Anaclfer
(Berl. Arch., 1885, S. 229) und Boellmann (lloouoil 1885, p. 734) besprochen.
Häufiger, als in den Stallungen, werden Pferde auf der Weide oder während der Arbeit auf Chausseen, namentlich unter hohen Bäumen, von welchen gleichzeitig einer beschädigt wird, getroffen. Wird das Pford vom Blitzstrahl unmittelbar berührt, so entstellt dem Verlaufe des letzteren entsprochend eine stroifonförmige Linie in der Haut, die sich gewöhnlich nach der einen oder anderen Gliedinasso erstrockt. Bio Linien markiron sich durch das versengte üoekhaar. Köm er fand auch die Suboutis in solchen Streifen geröthet; dio Köthung orstreckle sich bis in die Muskeln, Recht oft findet sich das Haar im Umkreise der Augen und an den Augenlidern, sowie am Schöpfe angebrannt. — Bei der tödtlichen AfTeotion wird nicht selten an der meist-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;quot;#9632;
betroffenen Partie dio Haut, sowie dio unter derselben befindliche Muskulatur auf­gerissen und schwarz gefärbt. Von 2 Pferden, die vor dorn Frachtwagon durch den Blitz auf der Stelle getödtet waren, fand ich bei einem die Kruppenmuskulatur der rechten Seite in grösseron ungleichen Partien zerrissen und sohwarzroth gefärbt; bei dem zweiten waren die Muskeln an der Schulter und am Ilumpfo dor linken Seile in gleicher Art verletzt. — Die Section der durch Blitzschlag getödtoten Pferde orgiobt keine pathognomisohen Veränderungen. UnvollständigeTodtenstarre, Grosse Neigung zur Fäulniss in allen Organen. Starke Gasentwickelung im üigostionstractus. Er­hebliche Anfüllung der vonöson Oefässe mit schwarzem, flüssigem Blut; im Herzen lockere Coagula.
Wenn dor Blitz in der unmittelbaren Nähe eines Pferdes einschlägt, so erfolgt meist nur eine Betäubung, welche i/i—2 Stunden anhält und bei geeigneter Behand­lung sich bald vollständig verliert. — Zuweilen entsteht durch den Blitzschlag eine Lähmung in der einen oder anderen Gliedmasse oder im ganzen lllutertheil (l'ara-plegie), oder in den Ohren. Von besonderem Interesse ist die Beobachtung Siein-hoff's, dass sich die Kreuzlähmung bei einem Hengsto nach 13 Tagen und bei einem anderen erst nach 3 Woohen einstellte. Wenn die Kreuzlähmung einen hohen Gradnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'i
erlangt, so können die Pferde an den Folgen derselben zu Grunde gehen. Im Uebrlgen nehmen dio unvollständigen Lähmungen einen günstigen Verlauf, obwohl sie sich oft erst nach mehreren Monaton vollständig verlieren. Ich constatirte bei einem auf dernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'
Weide vorn Blitzstrahl getroffenen zweijährigen Stutfohlen eine Lähmung In den Streckmuskeln der rechton Vorder- und der linken llintergliedmasso. Erstere ver­schwand nach und nach in 3 Wochen, während dio Erscheinungen im rechten llinter-fusse sich ganz allmälig verringerten, so dass das Pford erst nach 4 Monaten voll­kommen hergestellt war. — Diese Thatsaehen können einen allgemeinen Anhalt für die Prognose gewähren. Stoinhoff sah indess bei 2 durch Blitzschlag kreuzlahm gewordenen Hengsten eine unheilbare Schwäche im llinterthoil zurückbleiben. —- Zur Kchaiiillmig der durch den Blitz betäubten Pferde wird zweckmässig die Haul am Kopf und am Bücken mit kaltem Wasser befouchtet und darauf stark frottirt. Auch spirituöso Waschungen oder Einreibungen mit Terpentinöl eignen sich hierzu, Dasnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; gt; u |
Maul ist mit Essig und Wasser zu befeuchten. Inhalation von Ammoniaklösung. —
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680nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkrankheiten.
Gegen die Lähmungen sind am besten reizende Einreibungen mit 01. Tereb. oder Liq. Aminou. canst, odor Sp. camphor, zu benutzen. Daneben ist die sorgfältige Auf-slellimg der l'alionton in einem grössoren Räume geboten, Sloinhoff sah von der Anwendung der Elektriciliit günstige Krfolge. Ich habe indoss bei diesen, wie bei anderen Kranklioitszuständen stets gefunden, dass die Pferde durch den elektrischen Strom sehr aufgeregt werden, so dass die anhallende Verwendung dieser lloilmothodo unthunlich wird. Vortheilhaft ist dagegen, mit der fortschreitenden Besserung die Patienten täglich im Freien ein wenig führen zu lassen, um die Leistung der pare-tisohen Muskulatur durch die physiologische Uebung nach und nach zu erhöhen.
B. Krankheiten der Respirationsorgane.
Capitel LVII.
Acuter IVascnkatarrh. Catarrhiis nasalis simplex. Rhinitis catarrhosa.
Als acutor diffuser Nasenkatarrh des Pferdes ist die durch Erkältung herbeigeführte entzündliche Reizung der Nasenschieimhaut mit Absonde­rung eines aus Blutserum, Schleim, Epithelien und Exsudatzellen sich zusammensetzenden flüssigen Krankheitsproductes anzusehen. Pferde joden Alters können von diesem Katarrh befallen werden. Indess verringert sich die Disposition zu demselben, wie bei allen Erkältungskrankheiten durch die tägliche Arbeitsleistung und die hiermit verbundene Gewöhnung an die Unbilden der Witterung. In der örtlichen Ausbreitung vorhält sich der acute Nasenkatarrh nicht immer gleich. Zuweilen dehnt sich der Process auf die Schleimhaut in den Oavitäten der Muscheln, in den Oberkiefer- und Stirnhöhlen aus. Man spricht in solchen Fällen wohl von einem diffusen Katarrh der Kopfschloimhäute. Auch^ aut die Schleimhaut der Rachenhöhle, des Kehlkopfes, der Luftröhre und der Bronchien kann sich der katarrhalische Process von der Nasenschleim­haut fortsetzen. Es würde Nichts entgegenstehen, den in dieser Ver­breitung auftretenden Krankheitszustand als diffusen Katarrh dos Respirationstractus zu bezeichnen. Gebräuchlich ist es aber, dem Grundsatze: „Donominatio fit a potioriquot; entsprechend, die speciolle Nomination nach demjenigen Organe zu wählen, dessen Erkrankung in
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Aouter Nasenkatarrh.
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dorn betreffendon Falle die grössto Bedeutung hat (Nasen-, Rachen-, Kehlkopfs- oder Bronchialkatarrh).
Gleich der Druse kommt der einfache Nascnkaiarrh am häufigsten im Frühjahr und bei nasskaller Witterung zur Ausbildung. Im Uobrigcn sind die S. 381 bezeichneten Einflüsse von ursächlicher Bedeutung. Ge­wöhnlich erlangt die Affection 1—3 Tage nach Einwirkung der ätiolo­gischen Momente ihre volle Ausbildung.
Symptome und Verlauf. Leichte Röthung der Nasonschleimhaut und Dejection des katarrhalischen Secretes moist an einer Seite der Nase etwas stärker. Das Deject ist zuerst wässerig und fadenziehond, darauf schleimhaltig und schliesslich eiterig-schleimig, von grauweisser oder schmutzig grauer Farbe. Oft ist der Ausfluss gering, bei schwerer und allgemeiner Affection einor Nasenhälfte aber in der Regel bedeutend. Die Kchlgangsdrüsen schwellen gewöhnlich in leichtem Grade, bleiben aber nicht selten auch ausser Mitleidenschaft. Andererseits giebt es Fälle, in welchen die Nasenschleimhaut sehr geringfügig und kaum nach­weisbar afficirt ist, während in den submaxillaren Lymphdrüsen eine haselnuss- bis wallnussgrosso derbe Schwellung eintritt. — i5ei leichter Erkrankung erreicht dor acute Nasenkatarrh in 10—12 Tagen sein Ende. Erhebliche Störungen im Gesammtbefinden treten dabei nicht ein. Nur der Appetit auf gehaltreiches Körnerfutter verringert sich mehrere Tage hindurch. — Die schwere Erkrankung der Nasonschleimhaut verbindet sich mit Puls- und Athmungsfrequenz, auch mit leichter Erhöhung der Temperatur, Eingenommenheit des ßewusstseins und massiger katar­rhalischer Entzündung der Augenlider. Wenn dor Process in die Cavität der Muscheln übergreift, so schwillt die Schleimhaut zuweilen so be­deutend an, dass die Respiration dyspnoisch und von etwas schniebenden Nasalgeräuschen begleitet wird. Solche Fälle nehmen in der Regel einen protrahirten Verlauf.
Die IMagnosc gestaltet sich im Allgemeinen leicht. Tndess kann die­selbe in denjenigen Fällen, in welchen die Pferde eine Störung in ihrem Allgemeinbefinden bekunden, eine spccielle Erwägung der Frage, ob der Nasenausfluss nicht mit einer Erkrankung dos Sohlundkopfes, der Bron­chien oder der Lungen in Verbindung steht, erforderlich machen. Wegen der Möglichkeit einer Verwechselung mit dem chronischen Rotz verweise ich aul'S. 160 und wegen der Unterschoidung von der Druse auf S. 371.
Die Prognose ist günstig und die RehniMlIuiig lässt sich in den meisten Fällen auf die Anwendung eines zweckmässigen diäletischen Verhaltens beschränken. Vor Wittorungsunbilden sind die Thiere zu schützen. Zur Ernährung empfiehlt sich schmackhaftes Heu, im Sommer Grünfutter,
1
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()8'2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkrankhoiten.
aussordcm Mohrrüben, Kloiotrank odor Lcinkuchonmohl, Wird cine Medi­cation angozoigi gofundon, .so kann zwockmässig Stib. sulfurat. aurant. und Stib. sulfur, nigrnm zur Sclbstaui'nahmo mit dem Futter oder Ge­tränk verordnet werden. Einige Vorllieiie gewähren aueh die bei vielen Besitzern sehr beliebten warmen Dunstbäder.
Capitel LVIII.
4cu(ci* K('lilliO|gt;tliii(iirili. Ijaryngitis acnla. Briunic. Viiraquo;iiia liiivii^ca. lt;vnaiiclic. liaryiigo-PharyiigUi*.
ActluU^ic und l'nlliogcnrsc. Von der ganzen Kospirationssohleimhaut dos Pferdes besitzt der Kehlkopf dio grösste Kmpfilnglichkoit zu der Erkrankung am acuten Katarrh, Die entzündliche AlTeclion otablirt sich vorwaltend am Kehlkopf­eingang, namentlloh an den Qiesskannonknorpeln und den iiig. ary-epiglottloa, Zu­weilen beaohränkt sich dor Process auf diese Gebiete. Häufiger verbreitet sich der­selbe aber nach unten bis in die Luftröhre und nach oben auf die Rachensohlcimhaut, wie auch entgegengesetzt die GesammlatTection oft im Schlundkopf beginnt und sich innerhalb einiger Tage auf den Kohlkopf fortsetzt. Wegen dieser ansserordontlich oft vorkommenden Ausbreitung der Kehlkopfentzündung haben dio älteren Autoren die Krankheit unter demNamen derUachenentzündung (Rachenkatarrh, Rachen-briiune, Halsentzündung, Kohlsucht) zusammongcfassl. Vom Standpunkte der anatomisohen Krankheitsbezeiohnung rechtfertigen sich für viele Fälle die Namen: Laryngo-Pharyngitis und Pharyngo-Laryngitis.
Wie jeder Thcil der Kespirationsschloimhaut durch mancherlei Schädlichkeiten in eine entzündliche Reizung versetzt worden kann, so entsteht insbesondere auch eine acute Laryngitis aus den verschiedensten Ursachen. Dieselbe kann als ein Be-standtheil anderer Krankheiten (Morbus maculosus, Maliasmus, Scalma) vorkommen und wird in dieser Verbindung als symptomatische Bräune bezeichnet. Die Ver­bindung der Laryngitis mit der Druse wurde S. 350 bereits horvorgetioben. Aessor-dem entsteht eine acute Kehlkopfentzündung durch das Eindringen von flüssiger Arzneistoffen (Verschlucken) oder anderer Substanzen in den Kehlkopf (bei Tetanus, Morbus maculosus. Pharyngitis simplex). Bei der jauchigen Broncho-Pnoumonis kann durch die Expulsion dor pernieiösen Kraukheitsproducto eine schwere (diphtherischo) Laryngitis zur Ausbildung kommen. Auch Infoctionsstoffe, deren biologische Perm bis jetzt noch nicht festgestellt ist, bedingen zuweilen eine primäre acute Kntzündung der Larynxsöhlchnhaut (vergl. S. G86). In Ueboreinstimmung mit der conventionollon Begriffsbestimmung sind alle diese Kntzündungszustände von dorn „acuten Kehlkopf­katarrhquot; auszuschliessen. Ks erübrigt dann nur die Krkältung als Ursache der Krank­heit. Wegen der bedeutenden Empfänglichkeit der Kolilkopfschleimhaut entsteht
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Aouter Kehlkopfkatarrh.
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letztere bei Pferden überaus häufig in allen Lebensjahren, am wonigsten aber im höheren Alter. Nasskalte Wittorung und ungewohnte Zugluft rufen dicsolbo leioht hervor.
Lieber die Wirlmngsart der Erkältung habe ich S. 380 bereits angeführt, dass die Vorgänge nicht vollständig bekannt sind. Nach dor thatsächliclion Beobachtung erfährt die Laryngealsohleimhaut theils direct durch die Einathiming kalter Luft, theils indirect durch die Refrigeration der äusseren flaut eine entzündliche Heizung. IMe Capillargefässo füllen sich mit Blut} es tritt Seruni in die Substanz der Muoosa und in die Submucosa. Bei erheblicher Schwellung vorengt sich das Lumen des Kohl­kopfes am Eingange, so dass die Inspiration forcirt werden muss. Hierdurch sind die lauten Laryngealgeräusche bedingt, welche die Krankheit bogleiten. Durch starke Schwellung kann der Introitus laryngis so bedeutend verengt sein, dass die Patienten durch Erstickung zu Grunde gehen, wenn nicht rechtzeitig die Trachea erölfnot wird. Hat der Katarrh die Acme erreicht, so producirt derselbe ein schleimig-eiteriges Secret. Dabei können, wie Bruckmüllor (Path. Zootomio) zuerst besprochen hat, oberlläohliche ulceröso Defecto an den Rändern der Epiglottis, an den Aryknorpeln und an anderen Stellen zu Stande kommen. Die kleinen narbigen Defocio, die sich bei der Section iiltoror Pferde in der Larynxsohloimhaut oft linden, scheinen in dieser Art zu entstehen.
Symptome. Gestreckte Haltung dos Kopfes, Husten, raehr oder minder häufig und lästig; den Reiz suchen die Pferde nicht selten zu unterdrücken. Erhöhte Reizbarkeit gegen Druck am oberen Ende der Luftröhre. Geringer Auslluss von Schleim und Speichel aus der Nase. Zuweilen gelbliche Schwellung der Conjunoliva. Massige Puls- und Athmungsbeschleunigung, gewöhnlich auch Temperaturerhöhung. Bei er­heblicher Erkrankung: Dyspnoe mit hörbaren giemonden oder schlottern­den und in einzelnen Fällen mit gellenden und pfeifenden Laryngeal-geräuschen. Die Verengung dos Kohlkopfes kann einen so hohen Grad erlangen, dass die Patienten neben kreischendem Rohron die Symptome der Asphyxio bekunden: starke Erweiterung der Nüstern, heftige Klanken­bewegung, Ausfluss von schaumigem Speichel aus der Nase, Ausdruck von Angst im Blick; dunkle cyanotischo Färbung der Schleimhäute; be­deutende Pulsfrequenz, Unruhe und Aufstützen des ausgestreckten Kopfes.
Der Verlauf der Kehlkopfentzündung kann sich sehr verschieden ge­stalten. Oft verbleibt der katarrhalische Process auf einem so niedrigen Grade, dass die Pferde die Krankheit in 5—6 Tagen überstehen, ohne ausser der erhöhten Reizbarkeit und einem wonig lästigen Husten offen­kundige Symptome bekundet zu haben. In anderen Fällen entwickelt sich die Krankheit innerhalb 12 Stunden unter den Erscheinungen eines mehr oder minder starken Fiebers mit Horripilationen, selbst mit lörm-lichem Schüttelfrost, bedeutender Schmerzemplindung im Kehlkopf, lästigem Husten, Appetitmangel und hörbaren laryngealen Athmungsgeräuschen. Die Symptome können gleichmässig anhalten oder schon nach 1—2 Tagen
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684nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organlfrankheitoii.
sich so bedeutend verringern, dass nur noch eine geringfügige Störung gestehen bleibt, von weicher dio Thierc in 4—5 Tagen vollkommen ge­nesen. Oft beginnt die Erkrankung mit unerheblichen lärscheinungen, aber im Verlaufe von 5 — 8 Tagen steigert sich dio Schwellung der Kehlkopfschleimliaut, worauf röhrendes Laryngoalgeräusch eintritt. Die Behinderung der Respiration kann die Gefahr der Erstickung mit sich bringen, wenn nicht rechtzeitig die Trachcolomie vorgenommen wird. Das Fieber hat einen continuirlichen Verlauf. Doch sind erhebliche Schwan­kungen der Temperatur nicht ausgeschlossen. — Bleibt die Erkrankung auf den Kehlkopf und das obere Ende der Luftröhre beschränkt, so voll­endet sich der Verlauf in 10—12 Tagen. Ziemlich oft treten aber bei vorzeitiger Verwendung der Patienten zu anstrengenden Arbeiten Reci-dive ein.
Durch die Fortführung des katarrhalischen Secretes mit dem In-und Exspirationsstrom complicirt sich die acute Laryngitis sehr häufig in geringem oder in höhcrem Grade mit Pharyngitis (Schluckbeschwerde) und mit dilTusem Nasenkatarrh (oopiöser Nasenaus(luss), andererseits mit einer diffusen Bronchitis. Neben den Symptomen der Localorkrankung macht sich in solchen Fällen stets eine grössero Belastung des Gesaramt-befindens geltend. — Wenn die Kehlkopfdyspnoe erheblich ist und mehrere Tage anhält, so complicirt sich die Krankheit leicht mit einer katar­rhalischen Pncumonie, die nicht selten zur Entstehung eiteriger oder jauchiger Herde in den Lungen und im weiteren Verlaufe zu einer diffusen pernieiösen Pleuritis führt. — Zu berücksichtigen ist endlich, dass sich aus einem einfachen Kehlkopfkatarrh eine diffuse eiterige Affection der Rachen- und Nasenschleimhaut mit seeundärer abscedirender Lymph­drüsenentzündung (Druse) ausbilden kann. Es ist üblich, solche Krank­heitsfälle dahin zu deuten, dass die Druse mit einem Laryngcalkatarrh eingesetzt habe.
Die IMaguose der Angina laryngoa gehört zu den leichten Aufgaben der thierärztlichcn Praxis. Eine Verwechselung mit der acuten Bronchitis, bei welcher auch Husten und erhöhte Empfindlichkeit des Kehlkopfes auftreten, lässt sich bei einiger Vorsicht umgehen. Von grösserem dia­gnostischem Interesse ist, dass bei einem diffusen Katarrh des llespira-tionslractus die Affection im Kehlkopf geringer, als in den Bronchien und in der Rachenschleimhaut sein kann. — Mitunter wird dio „Angina plilegmonosaquot; mit der Frkältuiigsbräunc verwechselt. Dagegen lässt sich von derselben die bei der Scalma im Beginn oder im Ausgangsstadium zuweilen eintretende Laryngitis durch sorgfältige Prüfung der Befunde stets unterscheiden. Schwierig kann die Diagnose gegenüber der durch
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Aculor Kohlliopfkatai-rh,
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Verschlucken beim Eingeben flüssiger Arzneisubstanzen oder durch das Kingeben scharfer Medicamento entstehenden Laryngitis sein. Von Be­deutung ist hierbei die Kruirung der Vorgeschieh to (Jos Falles.
Prognose. Für die grösstc Mehrzahl der Fälle kann die Kehlkopf­entzündung günstig beurthoilt werden. Erheblich wird die Krankheit aber schon bei der Complication mit einer schworen Entzündung der Rachen-schloimhaut. Ungünstig gestaltet sich dieselbe mit dem Eintritt einer Fneumonie. Indess ist die Hoffnung auf Genesung erst ausgeschlossen, wenn die Pneumonie einen eiterigen oder jauchigen Charakter (fauliger Oeruoh der Exspirationsluft) erlangt.
Die Therapie basirt auf dor Indication, günstige Bedingungen für den regelmässigen und leichten Ablauf des katarrhalischen Processes im Kehl­kopf herzustellen. Dazu dient vor Allem die sorgfältige Verpflogung der Patienten in einem mit guter Athmungsluft versehenen Stalle, sowie die Verabreichung von schmackhaftem Futter unter Beigabo von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln (Mohrrüben). Einigen Nut/.cn gewährt die Einreibung der Kehlkopfregion mit Fett oder reizendem Liniment, sowie die Appli­cation eines Priessnitz'schon Umschlags. Besser wirkt aber die Ein­reibung scharfer Präparate (Oleuni cantharidatum oder Ungt. Cantba-ridum). Zuweilen vermindert sich das röhrende Kchlkopfgeräusch nach der Application von Senfspiritus (01. Sinap. 5 zu Aq. 1U0). Im Ganzen hind dieselben Heilmittel verwendbar, die bei der Complication der Druse mit Angina (vergl. S. 376) benutzt werden. Ist die laryngealo üyspnoo sehr bedeutend, so wird zur Verhütung des Erstickungstodes und der lebensgefährlichen Pneumonie stets die Tracheotomie nothwendig. — Bei protrahirtem Krankheitsverlaufe sind Expectorantien und laxirend wirkende Medicamente indicirt; Stibium sulfuratum aurant. 30, Natr. sulfur. 300, liad. Liquirit. 100, in Latwcrgonform pro die. Während der Convales-cenz sind die Pferde vor einer erneuten Schädigung durch ungeeignete atmosphärische Einflüsse zu schützen.
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(58Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ürganltrankhoiten.
Capitel LIX,
Acute inrccliösr KclilkoiiiV'iitzihidiiiig'. Iiiiniilt;gt;ilis inlVctiusa acuta.
Angina plilcginonosa.
Uio Annahme, dass Katarrho der Keblkopfsohleimhaut bei Pferden durch spe-oiflsohßlhfootlonsstoffo herbeigeführt werden können, Qndet ilire klinische Berechtigung schon in der Tbatsaohe, dass Pferde, die anhaltend im Stalle stehen und von den WitterungseinfKlsseu nicht berührt werden, in voroinzeltcn Fällen unter den Erschei­nungen einer erhebliclien Kohlkopfdyapnoo erkranken, Nicht minder spricht für diese Annahme, dass bei den der Influenza zugerechneten Infectionskrankhelton, insbesondere bei der Scalma, ein dilTuser Katarrh der Larynxschlolmhaut als essontiellor Bestand-theil des Krankhoitsbildes nicht selten auftritt. Genauer ist aber bis jot/.t die Natur der Krankheitserreger nicht ermittelt worden. Seine Bedoulung erhält dor acute in-l'ootiöso Kehlkopfkatarrh durch dlo Thatsache, class dorsolbo die Entstehung des Kehl­kopfpfeif ens (einseitige Kehlkopflähmung) herbeiführen kann. Pathologisch-anatomisch Ist der Process meines Wissens bislang nicht erforscht worden. Zu Sectionon dürfte sich nur selten Gelegenheit finden, da auch bei einer schweren Dyspnoe der unmittel­baren Lebensgefahr (lurch die Trachootomle zunächst begegnet werden kann und in der späteren Zeit, wenn die Thiere wogen des Kohlkopfpfeifons worthies sind, die Section über die Natur dos primären Processes keinen Aufschluss mehr liefern kann. Ich selbst habe eine ganze Kelho von Krankheitsfällen der hier gedachten Art bo-liandclt, aber niemals zur geeigneten Zeit eine Section vornehmen können. Nach der Beobachtung intra vilam vergleiche Ich den Process mit einer einfachen Phlogmono; In der That dürfte es sich dabei um eine speeifische diffuse Entzündung der Schlelm-iiaut und der Submuoosa handeln. Aus diesem Grunde verwende ich zur Unter­scheidung der Krankheit von der Erkältungsbräune den Namen der „Angina plilog-monosaquot;, womit ich indess einer auf besserer Erkenntniss beruhenden anderweitigen Krankheitsbenennung nicht vorgreifen will. Donn die Phlegmone der Schleimhäute mnfasst nach ihrem pathologischon Begriffe mehrere, ätiologisch verschledone Ent-zündungsprooesse.
S_viii|itoiiic und Verlauf. Ohne dass in dem Aufenthalte oder in der Verwendung der Pferde eine ursächliche Schädlichkeit beschuldigt werden kann, stellt sich Athembcschwcrdo mit röhrendem Kohlkopfgcräusch ein. Die Athmungsfrcquen/, steigt auf '20 — 40 pro Minute, die Pulszahl ist nur geringfügig erhöht; Bluttemperatur normal oder vorübergehend etwas gesteigert. Spontaner Husten fehlt. Beim Druck gegen den Kchikopl empfinden die Thiere Schmerzen. Zuweilen tritt auch Schluckbeschwcrdo und Speicheln aus dem Maule ein. Nascnausfluss nicht erheblich, zeit­weise kaum bemerkbar. — Die Keiilkopfvcrcngung bleibt in einzelnen Fällen einige Tage hindurch geringfügig. Gewöhnlich erlangt dieselbe
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Aouto infoctiöso Kohlkoproiit/.ündung-.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 687
aber schon am ersten oder in den folgenden drei Tagen einen so hohen
Grad, dass zur Verhütung der Erstickung die Tracheotomie vorgenommen
werden muss. In der Futteraufnahrae bestellt meist keine Störung. Nur
wenn der Kalarrh die Pharynxschleimhaut tnitergriffen hat, empfindennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; J
die Patienten Schmerzen beim Schlucken, so dass sie zuweilen mit dornnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ',.
Kauen des Futters eine kurze Zeit inne halten, bevor sie den Schluck-
aot unternehmen. — Bei günstigem Verlaufe verliert sich die Störung
in 10—14 Tagen vollständig. Einzelne Pferde behalten dagegen als
Nachkrankheit den Fehler des Kehlkopfpfeifens in massigem Grade und
in seltenen Fällen führt das Leiden direct zu einer bilateralen Lähmung
dos Kehlkopfes, so dass nach der .Entfernung des Tracheotubus die Thiere
kaum wenige Schritte gehen können, zu jeder grösseren Anstrengung
über wegen der starken Kehlkopfdyspnoe unfähig sind, wenn sie nicht
einen Tracheotubus tragen.
Die Diagnose ist beim ersten Auftreten dos rohrenden Athmens zum Thoil auf die Anamnese und auf die relativ geringfügige Allgeraein-affection zu stützen. Dass die Krankheit bei ihrem seltenen Vorkommen oft nicht gleich erkannt wird und namentlich mit der Erkältungsbräuno o ler mit der Scalma verwechselt werden kann, ist begreiflich. — Zu beachten ist ferner, dass bei älteren, am oeculton Rotz erkrankton Pferden in einzelnen Fällen eine erhebliche Kehlkopfdyspnoe mit rohren­den Inspirationsgeräuschen fast als alleiniges Krankheitssymptom vor­kommen kann.
Einen 15jährigen, stark abgenutzten und dürftig genährten Sohlmmelwallaoh
(Arbeitspferd), welcher angebllcli seit 10 Tagen röhrte, hatte ich Gelegenheit, am 8. Novombor 188G zu untersuchen, Puls 47, Resp. 17, mit schwerer Kehlkopfdyspnoe (Rohren). Temp. 38,7. Putteraufnahme gering. Nasenausfluss fehlt. — Trachoo-timüe, worauf die Athomboschwerdo beseitigt war, das Gesammtbefmdon sich aber nur wenig änderte. Nach G Tagen ödoraatöseSchwolluiig der Hintersohenkel, Puls (J7, Tonip. 39,7, llosp. 20. Bei der Entfernung des Tracheotubus trat das Rohron in der früheren Intensität wieder auf. — Das Pferd vciTiel niolir und mehr und wurde des­halb nach weiteren 7 Tagen getödtot. Bei der Section fanden sich ulceröso Kot/.herde in der Kehlkopf- und Trachoalschleimhaut, sowie schwere, dem subaouten Lungen­rotz angehörende bronchopneumonischo Processe.
Für die Prognose lassen sich massgebendo Anhaltspunkte nicht an­geben. Schon eine äusserlich geringfügig erscheinende Affection kann zur Ausbildung des Kehlkopfpfeifens führen. Entgegengesetzt endet ein Fall mit schwerer laryngealer Dyspnoe zuweilen mit vollständiger Gene­sung. Im Ganzen erfordert daher die prognostische Beurtheilung eines Krankheitsfalles Vorsicht.
Therapie. Der durch die Kehlkopfdyspnoe bedingten Erstickungs-
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Organ kranldieiton.
gefahr ist mittels der Tracheotomio zu begegnen. Einigen Nutzen bringen scharfe Einreibungen. Angezeigt ist Corner die Aufsteilung dos Patienten in einem kühlen, mit frischer Luft versehenen Räume. Am meisten be­währt sich nach dor in den letzten Jahren von mir gemachten Erfahrung die desinfleirende Localbohandlung durch intralaryngealo Injection go-eignoter Präparate. Ich benutze hierzu mit Vorliebe die verdünnte Lu-gol'schc Lösung: Poe. Jodi 1,0; Kalii jodati 5,0; Aq. dost. 100,0. Davon sind mehrere Tage nacheinander 20 — 30 Gramm täglich 1 Mal zu injiciren.
Casuistik. 1) Am 29. Januar 1884 wurde ein 10 Jahre alter Wallach, starkes Wagenpferd, weloher auf dem rechten lliniorfnsse niit einer Wunde oberhalb des Kesselgelenkes behaftet war, in die Klinik eingestellt. Abgesehen von der Wunde und der durch dieselbe voranlnssten geringen Lahmheit war das Pferd nicht krank. Oanz unerwartet bekundete dasselbe am 2. Februar früh eine starke Athoinbeschwerde mit lauten, auf 20 Schritt hörbaren inspiratorischen Kehlkopfgeräuschen. Die Ohrdriisen-region ist nicht geschwollen Druck auf den Kehlkopf schmerzhaft; Husten kurz. Geringfügige Dejection von grauwoissem Schleim ans beiden Nasenlöchern. Aufnahme von Fatter und Getränk nicht gestört. Fieber nicht vorhanden. Pulszahl bochnormal. — Ich Hess das Pferd in einen hohen, kühlen Kaum stellen. Die Athembeschwerdo mit dem rohrenden und kreischenden Inspirationsgeräusch nahm aber in wenigen Stunden so bedeutend zu, dass die Tracheotomio ausgeführt werden musste, um dem Krstickungstodo zuvorzukommen. — Am 4. Februar entfernte ich versuchsweise den Traoheotubus; aber am folgenden Morgen bestand dieKehlkopfdyspnoo wieder in einem so hohen Grade, dass sich die erneute Binlegung des Tubus nicht umgehen Hess. Letzterer war erst am II. Februar entbehrlich. Das Pferd wurde bis zum 15. Februar in der Klinik verpflegt. Als der Besitzer mir dasselbe nach 2 Monaten vorfahren Hess, constatirte ich, dass es in massigem Grade mit dem Kehlkopfpfeifen behaftet war.
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P.
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2) Schimmelwallach belgischer Abkunft, starkes Arbeitspferd, 6 Jahre alt, er­krankte im Februar 1887 mit drei anderen Pferden des Bestandes an der Scalma. Das Pferd wurde in die Klinik eingeliefert und im Wesentlichen exspeetativ behandelt. Nach zwolCtägigem Krankheitsverlaufe war es fieberfrei. Futteraul'nahme gut. Kach-dem es noch weitere 5 Tage in der Klinik verpflegt und schon zur Kntlassung be­stimmt war, bekundete es unerwartet eine Kehlkopfdyspnoe mit röhrendem Inspirations-geräusch und krankhafter Empfindlichkeit am Kehlkopfe. Geringer Auslluss aus der Nase von grauwoissem klebrigem Schleim. F'uUeraufnahmo zögernd. — Eine scharfe Finreibung auf die Kehlkopfregion blieb ohne Nutzen. Nach drei Tagen geschah das Athmen in so hohem Grade röhrend, dass die Tracheotomie vorgenommen werden musste. Nach C Tagen wurde der Tubus entfernt und das Pferd, welches wesentlich gebessert schien und im Schritt und leichtem Trabe nicht mehr röhrte, dorn Besitzer
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Glottisödem.
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verabfolgt. Vier Tage später musste das Pford, weil sich wiederum starkes Rohren eingestellt hatte, von Neuem in dor Klinik behandelt werden. Intralaryngoalo Injection von Jod-Jodkaliumlösung, täglich 1 Mal und 4 Tage nach einander. Sofortige Besse­rung, so dass der Patient entlassen werden konnte. — Im Juni 1887 Hess mir der Besitzer das Pferd in der Klinik vorfahren. Die von mir vorgenommene vollständige Untersuchung ergab, dass dasselbe gesund und mit dem Kehlkopfpfeifen nicht be­haftet war.
Capitel LX. Glottisödeni. Laryngitis acutissiina.
Die mit entzündlichen Procossen der Kaohenschleimhaut zusammenhängende oder durch venöse Stauung herbeigeführte Infiltration der Mucosa und Submucosa des Kehlkopfes findet sich bei der Section der an inneren Krankheiten eingegangenen Pferde sehr oft. Die Infiltration entsteht vorwaltend im Kehlkopfeingange (an den Giesskannenknorpeln, den Giesskannen-Kehldeckolbändern und in deren Nachbar­schaft), sowie in den Morgagnisohon Taschen und an den Stimmbändern; sie wird allgemein als „Glottisödemquot; bezeichnet, [rrthiimlioh würde es aber sein, diesem Sectionsbofunde einen Einlluss auf den Krankheitsverlauf in den betreffenden Fällen allgemein beizulegen. Im Gegentbeil entsteht das Glottisödom sehr oft erst in der Agone bei Pferden, die durch Herzschwäche zu Grunde gehen, während ihrer Krank­heit aber nie eine Kehlkopfdyspnoe gezeigt haben. Die mit anderen Krankheiten (Morbus maculosus. Pharyngitis, Laryngitis) sich verbindende seröse oder blutig­seröse Infiltration am Kehlkopfeingange hat lediglich ein symptomatisches Interesse. — Demnach ist es eigentlich nicht angebracht, als Glottisödeni eine besondere Krank­heit zu schildern. Wenn ich trotzdem den Namen beibehalte, so geschieht es deshalb, weil derselbe in der neueren Literatur vielfach benutzt und deshalb den Kachmännern geläulig geworden ist. Begrifflich beschränke ich das „idiopathische Glottis­ödemquot; als selbständige Krankheit der Pferde auf eine peraout entstehende und meist innerhalb eines Tages wieder nachlassende ödematöse Schwellung des Kehlkopl-einganges, welche eine heftige und lebensgefährliche Kehlkopfdyspnoe bedingt. Den pathologisch-anatomischen Befund habe ich nie Gelegenheit gehabt, festzustellen. Ihrem Charakter nach ist die Affection als eine entzündliche anzusehen, weshalb ich dieselbe als Laryngitis definiro. Ihre Ursache ist nicht bekannt, beruht aber wahrscheinlich in einer specifischen Infection.
Symptome uml Verlauf. Plötzliche und innerhalb weniger Minuten oder Stunden bis zu den höchsten Graden zunehmende Behinderung der In­spiration im Kehlkopfe: Starke Dyspnoe mit giemenden oder krci.schen-den Geräuschen; gestreckte Haltung des Kopfes; gespreizte Stellung der Vordergliedmassen; glotzender, ängstlicher i31ick; Beschleunigung der
Dlockerhorf. Spoc. Pathologie u. Therapie.
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Athmung mit Erweiterung der Nüstern und wogender Flankenbewegung; lange Inspirationen und kurze Exspirationen. In einzelnen Fällen Abfluss von Speichel aus Nase und Maul, Pulsfrequenz normal oder beschleunigt. — Der Erstickungsanfall dauert 1—2 Stunden, mitunter l/a—I Tag. In den schwersten Krankheitsgradon kann der Tod durch Suffocation ein­treten, wenn nicht die Tracheotomie vorgenommen wird. Mitunter lässt aber die Dyspnoo ohne Eröffnung der Luftröhre allmälig nach. Die Thiere genesen vollständig. Dass eine Neigung zu Recidiven zurück­bleibe, habe ich nicht beobachtet.
Die Diagnose ist leicht; eine Verwechselung mit anderen Kehlkopf­entzündungen lässt sich bei Beachtung der schnellen Entstehung und der schweren Zufälle wohl vermeiden, irrthüralich worden die Symptome zuweilen als Folgen eines „Kehlkopfkram pfcsquot;*) gedeutet.
Prognose uimI Kehaiullnng. Durch rechtzeitige Eröffnung der Luftröhre und Application eines Tracheotubus ist die Laryngitis acutissima bei Pferden stets zu heilen. Der Tubus kann in der Regel schon nach einem Tage wieder entfernt werden. Wenn die Affection sich nicht bis zu den höheren Graden steigert, so verringern sich die Zufälle mitunter schon, sobald die Patienten eine Zeit lang in der frischen Luft verweilen.
Casuistik. Eine 15 Jahre alte Stute, leichtes Arboitspford, wurde am IGten August 1881 mit dem Bericht in die Klinik eingeliefert, dass dieselbe seit 2 Stunden von einer heftigen Athemboschwerde befallen sei. Das Pferd zeigte grosso Angst und Unruhe, glotzenden Blick und starke Dyspnoe: Weite OelTnung der Nüstern, wogende Bewegungen der Flanken und Rippen; kreischendes und stark giemendes laryngoales Inspirationsgeräusch. Athmungsfrequonz 18; Puls 89; Temp. 38,3. Da die Gefahr
*) Uebor Fälle von „Kehlkopfkrampfquot; (Stinunritzonkrampf, Glottis­krampf) bei Pferden sind einige Beobachtungen publicirt worden, die indess mit Sicherheit nicht darthun, dass die Affection mit dem Spasmus glottidis des Menschen identisch gewesen ist. Die Zufalle gestalten sich ähnlich der bei der Laryngitis acutissima auftretenden Athemnoth. Nur dass noch tonische Contractionen in den die Stimmritze verengenden Muskeln, aber auch in anderen Muskeln des Halses hinzulaquo; kommen. Das Leiden soll reflectorisoh durch Reizung dos oberen Kehlkopfnorven aus­gelöst werden. Bei Menschen wiederholen sich die Paroxysmen oft nach ungleichen Intervallen. Dögive (Annal. belg., 1881, p. 494) hat einen Fall beschrieben, bei welchem aber eine Geschwulst in der Kachenhöhle die Ursache war, der deshalb nach meiner Meinung als selbständiger Stimmritzenlirampf nicht gelten kann. Das Pferd bekundete Angst, Zittern, heftige Dyspnoo und fiel zu Boden. Schloimbäute cyanotisch. Der Anfall dauerte einige Minuten, wiederholte sich aber täglich. Durch die Trachoo-tomio wurde nur ein vorübergehender Erfolg erzielt. Nach 4 Wochen ging das Pferd in oinom Anfall durch Erstickung zu Grunde und bei derSection fand sich eine hühner-eigrosso Geschwulst vor der Basis der Epiglottis. — Zur Behandlung eines etwaigen Anfalls von Spasmus glottidis bei Pferden empfiehlt sich die Tracheolomio.
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Acuter ßronchialkatarrli.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 691
der Erstickung drohte, so vollführte ioh die Tracheotomie, worauf sofort sämmtliche Krankheitsersoheinungen beseitigt waren, üas Pferd athmete nur 10 Mal und ver­zehrte das Futter mit lebhaftem Appetit. Nach 30 Stunden konnte der Tracheotubus entfernt und das Pford wieder zur üblichen Arbeit benutzt werden.
Capitel LXI. Acuter Bronchialkatarrh. Bronchitis catarrhalis acuta.
Die Schleimhaut dor Bronchien gehört zu den Abschnitten des Rospirations-tractus, welche bei Pferden sehr oft erkranken. Indess sind nicht siimmtlicho Affoc-tionen, die sich als oberfliiehliche Entziindungsprocesso (Katarrhe) der Uronohial-schleimhaut charakterisiren, dem conventioneilen klinischen Begriff des acuton Bron­chialkatarrhs einzuverleiben. Bei der Pferdoslaupe und bei der Soalma besteht regolmässig eine nachweisbare oberflächliche Reizung und oft eine anhaltende ent­zündliche Affection 'der Bronchien. Perner verbindet sich fast jode acute Lungen­entzündung bald in geringer, bald in grösseror Ausbreitung mit einem Katarrh der Bronchialschleimhaut. Andererseits setzt sich boi der Druse der Katarrh in vielen Fällen von den oberen Partien der Respirationsschleimhaut auf die Bronchien fort. Endlich erkrankt dio Bronchialschloimhaut an einer acuten Kntzündung nicht selten complicatorisch in Folge der Aspiration roizendor Flüssigkeiten aus der Rachenhöhle oder nach dem Verschlucken beim Eingeben flüssiger Medicamonte (vergl. die Fremd-körperpneumonie).
Die vorstehend angedeuteten acuten Entzündungsprocesse in den Bronohion sind in den betreifenden Capiteln, gewürdigt worden. Hier handelt os sich nur um die nach Erkältungen entstehende kalarrhalischo Erkrankung der Bronchialschloimhaut. Dieselbe kann dadurch zur Ausbildung kommen, dass sich dor im Larynx bestehende Katarrh durch die Trachea auf die Bronchien verbreitet. In solchen Fällen, welche als „diffuser Katarrh dos llespirationstractusquot; (woniger passend als „Ka­tarrh der Luftwegequot;) zu charakterisiren sind, heilt zuweilen der Kohlkopfkatarrh bald ab, während der Bronchialkatarrh länger anhält und den Charakter einer selb­ständigen Krankheit erlangt. Oft entwickelt sich nach Erkältungsroizen aber von vornherein der katarrhalische Process vorwaltend oder aussciiliesslich in dor Bronchial­schleimhaut. Erst im weiteren Verlaufe und veranlasst durch den lästigen Husten, sowie durch die ausgostossenon Secrete, gesellt sich zuweilen die Mitaffection des Kehlkopfes hinzu.
Der Katarrh kann sich in den grossen Bronchien etabliron und mit einer gering­fügigen Reizung der Luftröhrenschleimhaut combiniren (Traoheo-Bronchitis acuta) oder er kann die kleineren und kleinsten Bronchien afficiron (Bronchiolitis; Bronchitis capillaris). Oft verbreitet sich der katarrhalische Process über einen erheblichen Thoil des Bronchialbaums in beiden Lungen (Bronchitis acuta dif-fusa); in anderen Fällen erkrankt die Bronchialschleimhaut nur in einem oder in
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Organkrankheiten.
mehreren kleinen Bezirken (B. aouta ciroumscripta). — Nach dem Charakter des Katarrhs ist zu berücksichtigen, dass die krankhafte Secretion zuweilen spärlich ist und nicht zur Dejection durch die Hase führt (Bronchitis acuta sicca). Die besondere Qualität des Krankheitsproduotes bedingt die Unterscheidung in den se­rösen, schleimigen und eiterigen Bronchialkatarrh, von welchen übrigens in manchen Fällen zwei Arten miteinander zu vereinigen sind (serös-schleimiger oder schleimig-eiteriger Bronchialkatarrh).
Der pathologisoh-analomische Zustand der mit dem acuton Katarrh behafteten Bronchialschleimhaut setzt sich vorzugsweise aus der Blutstauung und Injection der Ca|jillargefässe, Schwellung und Auflockerung der Mucosa, aus der Abscheidung von Serum auf die Oberfläche der letzteren, der reichlichen Desquamation der Epithelien und Umwandlung derselben in Schleimzelleu und der Exsudation von woisson Blut­körperchen zusammen.
Syniptoinc. 1st die Bronohialschloimhaut in geringem Grade und Um­fange erkrankt, so entsteht kaum eine nachweisbare Störung bei den betreffenden Pferden. Bei bedeutender Affection zeigen die Thierc: Husten; massig beschleunigte Respiration; Dejection von katarrhalischem Secret aus der Nase; Rasselgeräusche bei der Auscultation der Tracbea und des Thorax; leichte Pulsfrequenz, Temperaturerhöhung und mangelhafte Futter-aufnahmo. Diese Symptome können aber in erheblichen graduellen Ab­stufungen und sehr ungleichen Verhältnissen vorkommen. Oft ist der Husten kurz und scharf; in anderen Fällen erfolgt derselbe kräftig und rauh, bei mangelhaft geschlossener Stimmritze; häufig suchen die Patienten den Hustenreiz zu unterdrücken. Einzelne Pferde legen den Kopf hierbei zuweilen langgestreckt auf die Krippe oder sie scharren wegen der Schmerzompfindung mit den Vorderfüsscn. Erhöhte Reizbarkeit des Kohl­kopfes und der Luftröhre gegen Druck. Der Husten wiederholt sich zuweilen 'in förmlichen Anfällen. Unter den Rasselgeräuschen sind bei reichlicher Secretion die feuchten, bei der Bronchitis capillaris dagegen die trockenen vorherrschend. Die Alhmungsfrequcnz kann sich bis zu 30 in der Minute steigern. Bei lästigem Husten besteht eine Aufschürzung (Anspannung) der Bauchdecken. Pulsfrequenz gering, selten über 55 pro Minute. Fieber, zuweilen aber nur unerheblich. Nicht selten erhöht sich indess bei einer diffusen eiterigen Bronchitis die Bluttemperatur bis au'quot; 41,0deg;. Der Ausfluss aus der Nase ist in den ersten Tagen geringfügig; in den späteren Stadien der Krankheit aber zuweilen bedeutender, so dass die Ränder der Nasenlöcher sich mit grauweissen, schleimig-eiterigen Krusten bedecken. Appetit auf Futter wechselnd, im Ganzen aber ver­ringert und bei Pferden mit schlecht gebauter Mittelhand oft mehrere Tage hindurch fast ganz aufgehoben.
Wenn vorwaltend die kleinen und kleinsten Bronchien leiden, so bekunden die Pferde beim Gebrauche eine starke Athmungsfrequenz. Im
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Acuter Bronchialkatarrh,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;693
üobrigen sind die Symptome oft wenig auffällig. Auch dor Nasenausfluss ist moist nur gering; Husten kurz und abgebrochen oder etwas scharf.
Die oircumscripte Bronchitis kann vollständig ablaufen, ohne ausser dem massig starken Husten eine erkennbare Störung in dem Allgemein­befinden der Pferdo herbeizuführen.
Der Verlauf der acuten idiopathischen diffusen Bronchitis vollendet sich bei günstigem Ausgange in 2—8 Wochen. In den ersten 4—5 Tagen gestaltet sich das Krankhoitsbild nicht selten unerheblich. Später sind die Thiere durch den quälenden Husten zuweilen in hohem Grade belästigt. Auch nachdem die übrigen Symptome sich bereits ver­loren haben, kann der krankhafte Hustenreiz in geringem oder höhcrem Grade noch mehrere Wochen hindurch andauern. Im Uebrigen endet der acute Bronchialkaüirrh gewöhnlich mit vollständiger Genesung. — Die diffuse acute Bronchiolitis nimmt aber zuweilen einen verschleppten Ver­lauf mit dem Ausgange in unvollständige Genesung. Als Secundäraffection bleibt eine Verdickung der Schleimhaut zurück, wodurch die Pferde kurzathmig (engbrüstig oder dämpfig) werden.
An sich führt der acute Bronchialkatarrh nicht direct zum Tode. Die Patienten stehen aber während des ganzen Krankheitsverlaufes in der Gefahr, dass sich die Localaffection auf die Lungen fortsetzt und die Entstehung einer Lungenentzündung (Broncho-Pneumonie) veranlasst, die einen tödtlichen Verlauf nehmen kann. — Der diffuse eiterige Bronchial­katarrh vermittelt bei protrahirtem Verlaufe oft die Entwickelung der Blutfleckenkrankheit.
Diagnose. Da eine acute Bronchitis, wie bereits angeführt wurde, als Bestandtheil zahlreicher Krankheiten vorkommt, so ist die Diagnose des idiopathischen acuten Bronchialkatarrhs bei Pferden nicht immer leicht. Gegenüber dem in jedem Falle zunächst zu erhobenden Einwände, dass die Affection nur eine symptomatische Bedeutung haben kann, ist die vollständige Erhebung auch der negativen Befunde erforderlich. Zu Zeiten und in Orten, wo die Scalma oder die Pferdestaupe auftritt, ist zu prüfen, ob der Patient sich eine Infection dieser Art zugezogen haben kann. Eine hohe Fiebertemperatur und relativ geringe Localaffection der Bronchien spricht für das Bestehen einer acuten allgemeinen Infoctions-krankheit. — Dass der mangelhafte Appetit der Patienten nicht durch gastrische Störungen bedingt wird, orgiebt sich aus dem Bestehen des krankhaften Hustenreizes. — Die Druse, die acute Laryngitis und Pha­ryngitis sind durch ihre wichtigsten Symptome von der selbständigen Bronchitis leicht zu trennen. — Sehr schwierig kann sich dagegen die Entscheidung der Frage gestalten, ob die Bronchitis mit einer Pneumonic
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verbunden ist. Die graduelle Intensität der Symptome liefert in diesem Betracht keinen massgebenden Anhalt. Breitet sich die Pneumonie über einen grossen Theil einer Lunge aus, so lässt sich die Diagnose nach dem Ergebnisse der Auscultation und Percussion des Thorax sichern. Wenn sich aber die Entzündung auf den unteren Rand oder auf einen wallnuss- bis gänseeigrossen Herd der Lungen beschränkt, so bleibt die physikalische Untersuchung der Brust meist resultatlos. Zu vermuthen ist in solchen Fällen die Complication der Bronchitis mit einer Pneu­monic, wenn der Appetitmangel und die allgemeine Apathie (die con-stitutionolle Ermüdung und die Benommenheit des Bewusstseins) einen höheren Grad erlangen, als dem Umfange der BronchienafFection entspricht. Ich habe bei einer circumscripton Bronchitis mehrfach beobachtet, dass die Krankheit 8 —10 Tage hindurch ausser einem geringen Husten und Appetitmangel keine auffälligen Symptome, auch keine Athmungsfrequenz veranlasste, wohl aber eine erhebliche Apathie im Gesammtbefinden und dass sich dann erst die Zeichen einer einseitigen begrenzten Broncho-Pncumonie von pcrniciösem (jauchigem) Charakter einstellten.
Prognose. Günstig ist im Allgemeinen die acute diffuse Tracheo-Bronchitis zu beurtheilen, während die diffuse Bronchitis capillaris eine vorsichtige Prognose doshalb erheischt, weil zuweilen eine chronische A them besch werde (Dämpfigkeit) als unheilbares Folgeleiden zurückbleibt. Auch darf die Möglichkeit, dass die Bronchitis sich mit einer Pneumonie verbinden kann, nie ausser Acht gelassen werden.
Therapie. Zweckmässige Unterbringung der Patienten und Schutz vor Zugluft und starken Refrigerationen des Körpers sind ein wesentliches Erforderniss für die Behandlung der acuten Bronchitis. Leicht verdau­liches, gutes Futter unter Zusatz von Mohrrüben oder schmackhaftem Grünfutter. Zur inneren Medication eignet sich der Goldschwefel in Dosen von 30—40 Gramm pro die. Passend sind ausserdem Ammon. chloratum und Natrium sulfuricum mit zuckerhaltigen pflanzlichen Substanzen (Rad. Liquir., Sem. Anisi, Sem. Foeniculi) in Latwergenform. Vortheilhaft wirkt auch die subeutan zu injicirende Lösung von Pilocarpinum hydrochlor. Die viclbenutzten Inhalationen von Wasserdämpfen (Dunstbäder) haben nur einen geringen Worth. Nimmt die Krankheit einen verschleppten Verlauf, so ist die Application eines Fontanells angezeigt. — Die intra-tracheale Localbehandlung kann bei der acuten Tracheo-Bronchitis gute Dienste leisten. Levi empfiehlt Olei Tereb. und Olci provincial, ana 5,0. Ich habe dieses Mittel mehrfach versucht, aber weniger erfolgreich befunden, til.s eine 0,5—l,Oproccntige Lösung von Argentum nitricum. — Wenn die diffuse Bronchitis einen eiterigen Charakter hat und die
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Chronische oberflächliche Kehlkopfentzündung.
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Secretion sehr reichlich ist, so gewährt die intratracheale Injection von Jod-Joilkaliumlösung erhebliche Vortheile; das Verfahren ist soweit, als noting erscheint, nach 2 — 3 Tagen zu wiederholen.
Capitel LXII.
Clironisches oberflächlichlaquo; K(;hlko|gt;feiitzüiiiliiiig. Laryngitis super-
ficialis chronica. Chronischer Reizhusten. Chronischer
Kehlkopfhusten.
Nach unvollständiger Abheilung des acuten Laryngealkatarrhs, häufiger aber als Primäraffection in Folge der Einwirkung kalter Athmungsluft entsteht bei Pferden eine chronische Irritation der Kehlkopfschleimhaut mit entzündlicher Röthung und Abstossung des Epithels. In den Buchten und faltenförmigen Vertiefungen der Schleimhaut sammelt sich in geringer Menge schleimiges, zähes Secret. Vorwiegend wird die an sensiblen Nerven sehr reiche hintere Hälfte (Pars respiratoria) des Kohl­kopfs afficirt. Der oberflächliche Entzündungsprocess erhält sich in Folge der Reizung, welche die wechselnde Temperatur der Athmungsluft und die forcirten Hustenstösso mit sich bringen, mehrere Monate, selbst Jahre hindurch.
Syniptonie und Verlauf, Anfallsweise auftretender Husten, der sich vorwiegend einstellt, wenn die Pferde aus dem warmen Stalle in die frische Luft gebracht und wenn sie in schneller Gangart geritten oder gefahren werden. Die unmittelbare Ver­anlassung dos Hustens liegt darin, dass unter den vorbezeichneton Verhältnissen die relativ kalte Luft bei der Inspiration gegen die entzündlich gereizte und deshalb ab­norm empfindliche Schleimhaut dor Pars respiratoria laryngis strömt. Zeitweise er­langt der krankhafte Hustenreiz eine grössero Intensität, als sonst. Im Uobrigen be­kunden die Patienten neben der auch beim Druck gegen den Kehlkopf oder gegen das obere Ende der Luftröhre zu constatirenden abnormen Reizbarkeit nichts Krankhaftes. Der Process hat demnach die Eigenschaften des „Catarrhus siecusquot;.
Der Verlauf ist chronisch. In einzelnen Fällen entwickelt sich nach mehreren Monaton odor Jahren, und wahrscheinlich in Folge der mit dem heftigen Husten ver­bundenen Irritation eine diffuse trockene Entzündung der Bronchialschleimhaut (Bron­chitis chronica sicca) — eine Art der Lungendämpfigkeit —.
Die IMaguose unterliegt keiner besonderen Schwierigkeit. Eine Verwechselung kann vorkommen mit dem krankhaften Husten, welcher sich bei der Abheilung des acuten Laryngeal- oder Bronchialkatarrhs zuweilen noch 2—3 Wochen hindurch be-mcrklich macht, dann aber von selbst aufhört. Beachtung erfordert ausserdem der Husten, welcher die chronische Tracheo-Bronchitis begleitet, Da auch anderen Krankheiten der Respirationsorgane das Symptom des Hustens zukommt, so basirt die Diagnose zu einem wesentlichen Theil auf dem Verfahren der Aussohliessung.
Prognose. Bei der Laryngitis chronica sicca der Pferde ist zwar quoad vitam Nichts zu befürchten. Gleichwohl ist das Leiden erheblich, weil die Patienten beim
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Reiten, wie beim Fahren sich während der Hustenanfiille der Zügelführung entziehen und den Kopf lang nach vorn strecken. Namentlich bourtheilon die Reiter dies Ver­halten der Pferde als eine vordriessliche Belästigung. — Die Affection ist aussordem wegen der Hartnäckigkeit, mit welcher sie der Behandlung trotzt, ungünstig zu heurtheilen,
Therapie. Die früher übliche Behandlung mit scharfen Einreibungen auf die Haut in der Kehlkopfregion oder mit der Inhalation von Wasserdampf ist unwirksam. Auch von dor Inhalation der mit einem Sprayapparat zerstäubten Carbollösung und anderer Mittel habe ich keinen Erfolg gesehen. Nutzlos ist ferner die Verabreichung der Expectorantien (Goldschwefel, Salmiak etc). So lange die Patienten ruhig im Stalle verbleiben, mindert sich die Reizbarkeit des Kohlkopfs mitunter so erheblich, dass der Husten mehrere Tage oder Wochen hindurch ganz ausbleibt. Beim Gebrauch der Pferde stellt sich derselbe aber wieder ein. Gerlach empfahl Morphium zur sub-cutanen Injection am Kohlkopf. Nach meinen Erfahrungen kann indess auch die Wir­kung dieses Mittels keinen erheblichen Vortheil bringen. Von viel grösserem Erfolge ist die von mir angerathene intralaryngeale Injection (vergl. Adam's Wochonschr., 1886, S. 15). Zu dieser Localbehandlung eignet sich Arg. nitr. 1,0 in Aq. 100,0 oder Lugol'sche Lösung (Jod. 1,0, Kal.jod. 5,0, Aq. 200,0) oder Tannin 0,5—1,0 in Aq. 100,0 oder Oleum Terob. mit Oleum provinoiale (ana 5,0 pro dosi). Die Injection ist nach Zwischenzeiten von einigen Tagen zu wiederholen. Gewöhnlich verliert sich hier­nach die entzündliche Reizung der Kehlkopfschloimhaut in 2—3 Wochen vollständig.
Capitel LXIII.
Chronischer Nasenkatarrh. Catarrhus nasalis chronicus. Rhinitis chronica.
Ohne dass in den Symptomen eine Eigenthümlichkeit sich geltend macht, kann bei dem aeuten Nasenkalarrh die Schleimhaut erheblicher erkranken, als für gewöhnlich vorkommt. Dann erlangt die katarrhalische Entzündung zuweilen einen chronischen Charakter. Die Nasenschleimhaut inclinirt hierzu wegen ihrer ungleichen Oberfläche. In den Buchten und Vertiefungen der Muscheln bleibt das Secret längere Zeit liegen. Es zersetzt sich und unterhält eine dauernde Heizung in der Mucosa. Nicht selten dringt der Katarrh in die Cavität der Muscheln. Die spaltförmigen Communicationen der letzteren mit der Nasenhöhle können sich durch Schwellung und Verdickung der Schleimhaut verschliessen, so dass sich das Secret aus der Höhlung der Muschel nicht mehr entleert. Dasselbe besteht gewöhnlich in einer colloiden grauweissen Flüssig­keit, seltener hat es einen eiterigen Charakter. Durch solche Krankhoitszustände der Muscheln wird die benachbarte Schleimhaut der eigentlichen Nasenhöhle beständig gereizt, so dass die Abheilung des Katarrhs nicht erfolgen kann. Im Verlaufe von mehreren Monaten verdickt sich die Schleimhaut durch die entzündliche Neubildung von Bindegewebe. Zuweilen entsteht auch eine Wucherung an den meist betroffenen
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Chronischer Nasonkatarrh.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 697
Partien in den von der Schleimhaut unmittelbar bedecldon Knochen. Wenn die Oavität der vorderen Nasenmuschel im oberen Theil mit Eiter angefüllt ist, so bildet sich im Verlaufe von mehreren Monaten zuweilen eine Abkapselung (abgekapselte Rhi­nitis; Erapyem der Nasenhohle), wobei das Nasenbein in Folge der chronischen Entzündung sich nach aussen etwas hervorwölbt, so dass die Contouren desselben mit den Formen der gesunden Seite nicht mehr übereinstimmen.
Im Grade und Umfange des chronischen Katarrhs der Nasenschleimhaut werden erhebliche DilTerenzen beobachtet. Oft beschränkt sich der Process auf eine Nasen­höhle und nicht selten ist innerhalb derselben nur ein relativ kleiner Theil betroiTen. In anderen Füllen verbreitet sich die Irritation auf die Schleimhaut beider Nasenhöhlen (Khinitis diffusa chronica bilateralis). Der Katarrh kann sich auch auf die Schleimhaut der Highmorshöhlo an einer oder an beiden Seiten fortsetzen.
Durch die Resorption von krankhaftem Secret aus der Nasenschleimhaut werden in der Regel die submaxillaron Lymphdrüsen in eine hyperplastische Schwellung versetzt.
Syniptoine. Nasenausfluss, moist einseitig, seltener doppelseitig. Das Deject hat gewöhnlich einen schleimig-eiterigen Charakter. Hinsichtlich der Quantität differirt der Auslluss in weiten Grenzen. Es giebt Fälle, in welchen derselbe mehrere Wochen hindurch sistirt und zeitweise spärlich oder copiös ist. Bei doppelseitiger aligemeiner Erkrankung der Nase besteht regelmässig und anhaltend eine starke Dejection. Das Secret ist theils wässerig, theils schleimig, aber stets sehr eiweiss-reich, so dass die Nasenränder durch die zu schmutzig grauen, schmierigen Krusten eingetrocknete Materie stark verklebt werden.
Wenn die Nasenschleimhaut in grosser Ausbreitung und in hohem Grade erkrankt ist, so bekunden die Pferde schniebende Nasalgeräusche bei der Athmung und in der Regel auch eine augenfällige Eingenommen­heit dos Kopfes, sowie eine katarrhalische Secretion der Augenlider. Aber nur in seltenen Fällen verringert sich der Appetit und noch seltener complicirt sich die Krankheit mit einer fieberhaften Störung des Allgemein­befindens. — Meist besteht eine derbe Schwellung in einer oder in beiden Kehlgangsdrüscn; die Grosse derselben variirt von dem Umfange einer Haselnuss bis eines Hühnereies and ist zeitweise geringer oder bedeutender.
Von grosser diagnostischer Bedeutung ist die Frage, ob bei dem chronischen Nasenkatarrh Geschwüre auf der Nasenschleimhaut vorkommen. Roll (Spec. Path., 1885) bemerkt, dass bei langer Dauer der Krankheit „stecknadelkopf- bis linsengrosse, seichte, von scharfen, nicht untorminhionRändern umgebene Gesohwürchon (Krosions-gesohwüre)quot; sich entwickeln, die nach diesen Eigenschafton von den Rotzgeschwüren zu unterscheiden seien, ich habe nur einen solchen Krankheitsfall beobachtet. Ein 6jfthriger Schimmelwallaoh, der seit 1'/., Jahren einem grossen Pferdobestande an­gehörte, erkrankte an chronischem doppelseitigem Nasonkatarrh. Nach 2 Monaton wurde das Pferd in die Klinik gebracht. Trepanation beider Nasenhöhlen und Irri­gation mit Tanninlösung. Erheblicho Besserung in G Wochen. Darauf kam das Pferd
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auf die Weide. Nach 3 Monaten Vorschlimmerung dos Leidens und hühnoreigrosse derbe Sohwollung dor submaxillaron Lymphdrüsen. Nochmalige liehandlung in der Klinik 2 Monate lang. Der copiöse Auslluss war nicht zu beseitigen und wurde das als unheilbar botrachtoto Pferd nicht mehr behandelt. Demnächst fanden sich neben den anderen Symptomen in der verdickten Schleimhaut zahlreiche erbsen- bis quot;bohnon-grosso flache Bläschen ohne aufgeworfene Ränder. Das Pferd wurde getödtet und bei dor Section erwies sich die stark vordiokto Nasenschleimhaut in beiden Hälften, be­sonders auf der Scheidewand mit Bläschen von der bezeichneten BeschafTenheit voll­ständig besetzt. In den hyporplastisch goschwollenen Kehlgangslymphdriison fanden sich keine Herde und auch die Lungen waren gesund. — Durch die Bofundorhobungon konnte ich mit Sicherheit ausschliessen, dass das Pferd mit der Rotzkrankheit be­haftet war. Es ist auch bei den violer, Pferden, mit welchen dasselbe während seiner chronischen Krankheit in unmittelbare Berührung kam, kein Fall von Rotz zum Aus­bruch gekommen.
Der Verlauf des chronischen Nasenkatarrhs erstreckt sich über mehrere Monate, zuweilen auf 2 — 3 Jahre. Die Symptome treten bald in höherem, bald in geringerem Grade auf. Bei anhaltender Ruhe ver­mindern sich dieselben, so dass die Affection geheilt zu sein scheint. An­strengende Arbeitsleistung bewirkt der Regel nach eine Steigerung der Symptome. Die Heilung ohne Trepanation ist selten, aber nicht ganz ausgeschlossen. Ich habe mehrere Fälle behandelt, welche nach 4 bis 8 Monaten zur vollständigen Genesung führten.
Bei der Diagimsc hat die Rotzkrankheit die grösste Bedeutung (vcrgl. S. 161). Wenn durch die Trepanation die Natur des chronischen Nason-ausflusses nicht mit Sicherheit aufgeklärt werden kann, so empfiehlt sich für die beamteten Thicrärzte, wegen Rotzverdacht die Anordnung der Tödtung und Section des Patienten bei der zuständigen Behörde zu be­antragen. — Im Uebrigen kann der chronische Nasenkatarrh mit den gleichartigen Krankheitszuständen in den Oberkieferhöhlen und in den Luftsfioken, sowie mit den Folgen krankhafter Geschwülste in den Kopf­höhlen verwechselt werden.
Für die Prognose darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass der chronische Nasenkatarrh schwer heilbar ist. Bei massiger Intensität und Ausbreitung desselben ist das Leben der Thiero nicht gefährdet, l.i schweren Krankheitsfällen sind aber die Thiere unbrauchbar wegen der Athembeschwerdc und der sonstigen Störungen. Zuweilen entsteht hier­bei auch eine tödtlich verlaufende Pneuraonie.
Therapie, In leichten Krankheitsgraden kann einige Wochen hindurch abgewartet worden, ob durch reichliche und intensive Ernährung der Thiere, sowie bei der Anwendung von Schleimliautmitteln (Salmiak, Goldscliwefel, Arsenik etc.) die Abheilung des Katarrhs erfolgt. Ver­ringert sieb die Aussicht hierauf, so ist die von mir (Adam's Wochen-
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Chronischer Katarrh der Kiefer- und Stirnhöhlenschleimhaut.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;699
schrift, 1886, S. 1) empfohlene Trepanation der Nasenhöhle an der kranken resp. an beiden Seiten angezeigt. Die operative Eröffnung er­folgt am oberen Ende der Nase. Demnächst ist die Nasenhöhle täglich einmal und während t8—10 Tage mit warmem Wasser oder mit einer 0,5—l,Oproc. Lösung von Tannin, Arg. nitr., Alura. oder Kai. hyper-manganic. zu irrigiren. -#9632; Wenn die obere Nasenmuschel durch ein Em-pyem stark aufgetrieben ist, so bleibt als letztes Mittel die von Jessen, demnächst von Hering und Haubner mit Erfolg ausgeführte operative Entfernung der kranken Muschel übrig (vergl. Stockfleth, Chirurgie; Deutsche üebersetzung von Steifen, 5. Lief., S. 86).
Capitel LXIV. Chronischer Katarrh der Kieler- und StirnhöhleiiHchleiiuhaiit.
Der physiologischen Bedeutung, welche die Nebenhöhlen der Nase (Lufthöhlon des Kopfes) bei Pferden besitzen, ist bisher ein speoiolles Studium nicht zu Theil ge­worden. Dass diese llohlriiurne aber nicht lediglich zur Verschönerung des Kopfes dienen, dürfte sich schon daraus ergeben, dass bei der Inspiration frische Luft in die­selben strömt und bei jeder Exspiration ein Theil der letzteren sich nach der Nasen­höhle wieder entleert. Ich habe den Vorgang oft nach der Trepanation der Oberldcfer-höhle bei gesunden Pferden constatirt. Der rospiratorischo Luftwechsel in den Neben­höhlen der Nase macht die Thatsaohe verständlich, dass die Schleimhaut durch äussere Ursachen zu einer selbständigen katarrhalischen Erkrankung gebracht werden kann. Der Regel nach steht die All'ection mit dem Katarrh der Nasonschleimhaut in directom Zusammenhango. Wegen der buohtigen Obertliiche, welche die Schleimhaut in den Lufthöhlen des Kopfes besitzt, inolinirt die katarrhalische Erkrankung derselben stets zum chronischen Verlaufe. Dazu kommt, dass die Entzündung mitunter eine Schwol­lung der Schleimhaut und einen Versohluss der OelTnung zur Nasenhöhle herbeiführt. Hierdurch wird die Stagnation dos Secretes verursacht, welchos wogen seiner reizen­den Wirkung den Katarrh nicht zur Abheilung kommen lässt. So lange die Commu­nication mit dor Nase erhalten bleibt, erlangt die Entzündung in den Nebenhöhlen meist keine erhebliche Bedeutung, In geringer Menge findet sich oft ein sohleimigos Secret in denselben bei Pferden, die keine Symptome des Katarrhs bekundet haben.
In den meisten Füllen ist die Schleimhaut der Kopfhöhlen nur an einer Seite und vorwaltend in der Oberkieferhöhlo betrolTen. Daher die in der Literatur vielfach benutzte und besonders durch Haubnor vertretene Bezeichnung: Chronische Kieferhöhlenentzündung — Einseitigor chronischer Kieferhöhlen­katarrh. Mitunter leidet aber vornehmlich die Schleimhaut in der Stirn- oder Keil-
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#9632;
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boinhöhle einer Seite. Bei der chronischen Entzündung der Kieferhöhlensohloimhaut besteht gewöhnlich auch an der betrolTonden Seite ein chronischer Nasenkatarrh.
Als üussere Ursache ist nur die Erkältung bekannt. Indess kann der Nasen-kalarrh sich direct auf die Schleimhaut der Nebenhöhlen fortsetzen. Die durch Ver­wundungen, durch purulente Periostitis in einer Backzalwalveole oder bei der chro­nischen Rotzkrankheit entstehende Entzündung in der Schleimhaut der Oberkioferhöhlo fällt nicht unter den BegriiT des selbständigen chronischen Katarrhs. Im Verlaufe des letzteren verdickt sich die Schleimhaut, deren Gofiis.se stellenweise stark injicirt sind. Das Secret hat zuweilen eine schleimige, in der Mohrzahl der Fälle aber eine eiterige BeschafTenheit. — In der Oberkioforhöhle kann eine Abthoilung sich mit dem eiterigen Secret füllen, wenn die Communication derselben mit der Nasenhöhle verschlossen ist (Empyem der Ilighmorshöhle). Hierbei wölbt sich die knöcherne Umhüllung nach aussen etwas hervor.
Die Symptomlaquo; stimmen im Wesentlichen überein mit den Erscheinungen des einseitigen chronischen Nasenkatarrhs. Das wichtigste Merkmal beruht in dem chro­nischen Schleimllnss aus einem Nasenloch. Oft ist die Dejection lange Zeit hindurch sehr gering; zeitweise wird dieselbe stärker. Die Ausflussmaterie ist meist grauwoiss und eiterig, zuweilen aber dünnflüssig. Wenn die Oberkioferhöhlo vorwiegend leidet, so entsteht durch die MitalToction des Knochens eine leichte Hervorwölbung im Ge­sicht, die bei genauer Vergleichung beider Kopfhälften zu erkennen ist. In solchen Fällen findet sich beim Percutiron, dass der Schall an der kranken Kieferhöhle dumpfer ist, als an der gesunden. Dazu kommt die einseitige Schwellung der Kehlgangslymph-driisen. — Bei erheblicher Erkrankung der Schleimhaut in der Stirn- und Keilbein­höhle besteht auch eine aufTälligo Benommenheit des Sensoriums in Folge des starken Kopfschmerzes. — Der Verlauf kann sich auf mehrere Jahro ausdehnen. Während desselben treten die Symptome vorübergehend in höheren oder geringeren Graden auf. Sie können sich auch für einige Wochen ganz verlieren. In der Regel steigern sich' die Erscheinungen bei anstrengender Arbeit der Pferde.
IMagiiosc. Zu vorwechseln ist die Krankheit mit den Symptomen maligner Ge­schwülste (Sarkom) in der Oberkiefer- oder Stirnhöhle; hierüber liefert indess der Befund nach der Trepanation einen sicheren Aufschluss. Die in der degenerirten Schleimhaut liegende Geschwulst, die stets eine weiche Consistenz hat, kann schon durch das Befühlen mit dem Finger als solche erkannt werden. — Schwieriger ist die Unterscheidung in einzelnen Fällen von dem chronischen Luftsackkatarrh. Einen wesentlichen Anhalt gewährt neben den speciellen Symptomen des letzteren der nega­tive Befund bei der Trepanation. — Die purulente Periostitis in der Alveole des 3. oder 4. Oberkieferbackzahns kann durch die dünne Knochenplatte in die Oberkiefer-hohle penetriren und einen chronischen Katarrh mit mehr oder minder starkem ein­seitigem Nasonausfluss veranlassen. Das Deject hat zeitweise den der Knochencarieii eigenthümlichen fauligen Geruch, der bei dem hier besprochenen Katarrh nicht vorkommt. — Wegen der Achnlichkeit mit den Erscheinungen der chronischen Rotz­krankheit verweise ich auf S. 161. — Endlich ist zu berücksichtigen, dass bei einem eiterigen Katarrh In der Stirn- und Keilboinhöhle die Depression des Sensoriums mit den Symptomen der acuten Gohirnwassersucht und des Dummkollors verwechselt werden kann. — Die l'rugnosc gestaltet sich nicht ungünstig. Bei leichler Erkrankung erfolgt die Heilung wahrscheinlich zuweilen unter günstigen diätetischen Verhältnissen von selbst. Ist aber der Katarrh wogen seiner monatelangon Dauer erheblich, so ist nur durch die Trepanation, die gewöhnlich schon wegen der Diagnose ausgeführt
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Geschwülste in den Kopfhöhlen.
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werden muss, die Heilung zu ormöglichen. — Bei der Behaiidlüng wird zwockmässig auf die in der Literatur mehrfach empfohlenen Dunstbäder und auf die anhaltende Verabreichung von Schleimhautmittein (.Salmiak, Goldschwefel) nicht eingegangen. Sicheren Erfolg gewährt nur die Trepanation, die am besten, wie Haubner zutreffend hervorgehoben hat, zwischen beiden Abtheilimgen der Oberkieforhöhle vorzunehmen ist. Durch die Oeffnung wird die Schleimhaut mit warmem Wasser oder mit einer 0,5—l,Oproc. Lösung von Kochsalz, Cuprum aluminalum, Argentum nitrioum oder Tannin täglich 1 — 2 Mal irrigirt. Zuweilen vergehen 3 — 4 Tage, bevor durch die Irrigation die Communication mit der Nasenhöhle wieder wegsam wird. Nach 8 bis 10 Tagen kann die Our als beendet angesehen worden. Die Heilung der Trepanations­wunde ist nach allgemeinen chirurgischen Hegeln zu überwachen.
Capitel LXV. Geschnulste in den Ko|ifliühleii.
Krankhafte Geschwülste entstehen in der Nason- und Oberkieferhöhle bei Pferden nicht selten. Sie wurden in der früheren Zeit unter dem Oollectivnamen der Polypen (Nasonpolypen) zusammongefasst. In der Naso kommen Fibrome mit stiolförmigor Basis vor, die meist von der mittleren Nasonmuschel ihren Ausgang nehmen und bis zur NasenöfTnung herunter wachsen. Sie haben eine weiche, zuweilen eine gallert­artige Consistenz und bedingen schniebende Geräusche in der kranken NasenhiiH'te bei der In- und Exspiration. ünzweckmässig ist die von älteren Autoren empfohlene Ausroissung des polypösen Fibroms. Dagegen hat die nach vorheriger Trepanation der Nase vorzunehmende und bei einiger Geschicklichkeit des Operateurs auch ohne ausscrgewöhnlicheSohwierigkeiton ausführbare Exstirpation einen vollständigen Erfolg,
Die in der mittleren Nasenmuschel oder in der Oberkieferhöhle oder in der Stirn­höhle entstehenden bösartigen Geschwülste (Sarkome und Carcinome) breiten sich allmiilig in 3—G Monaton über einen grossen Thoil der Kopfhöhlen an einer oder an beiden Seiten aus. Sie führen nach längerem Bestehen zu Metastasen in den sub-maxillaren Lymphdrüsen, in den Lungen und anderen Organen, können auch in das Gehirn wachsen und hierdurch Herdsymptomo verursachen. Auch unterhalten sie einen meist coplösen und zuweilen mit Blut gemischten Nasonausfluss, der bei schwerer Erkrankung zeitweise einen stinkenden Geruch hat, eine Folge der Fäulniss in den zerfallenen Geschwulstmassen. Diese Geschwülste führen stets zum Tode. Auch bei frühzeitiger Ausführung der Operation gelingt die vollständige Ausrottung nicht.
Von besonderem Interesse ist das Rhiiiosklcrom des Pferdes, eine chronische fibröse Entzündung mit Wucherung de r Schleimdrüsen in der Nase und Bildung von derben, flachen, etwas höckerigen oder gelappten Ge­schwülsten auf der Scheidewand und an denMuscheln. Die Krankheit wird bei Pferden im mittleren und höheren Alter zuweilen beobachtet. Es bilden sich im unteren Abschnitt der Nase an der medialen odor auch an der lateralen Seite Hache,
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uneben geformte und meist sehr gefiissroiohe Geschwülste in der Schleimhaut. Lieb­lingssitz ist die Scheidewand und die Sohleimlmutfalte des falschen Nasenloches. Bei jahrelangem Bestehen der Krankheit kommon auch weiter hinauf in der Nase solche (lache, bonlenförmigo odor slielförniigo Geschwülste zur Ausbildung. Die Ent-wickelung der Abnormität scheint auf einer eigenartigen Infection zu beruhen. Zu­nächst gerathen die Schleimdrüsen in eine Wucherung und Vergrösserung. Daran schliesst sich die chronische fibröse Entzündung der Schleimhaut. Der Zustand wurde in der Literatur theils als „Hypertrophie der Nasenschleimhautquot;, thoils als carcinoma-töse Neubildung, theils als ein Fläohenangiom angesehen. P. Grawitz, welcher einen von mir behandelten Krankheitsfall mikroskopisch untersuchte (Virchow's Arch., 1883, üd. 94), fand zuerst in den Geschwülsten die amyloide Entartung der Schleimdrüsen, der Bimlegewebsfasorn und Gofässwandungen. Er machte zugleich darauf aufmerksam, dass durch die ganze Entwiokelung, sowie durch den Mangel einer alveölären Slructur und der Uloeration die Unterscheidung vom Krebs gesichert sei. Die Erkrankung könne dem „llhinoskleromaquot; des Menschen angereiht worden. Habe (Hannov. Jahresbor., pro 1883/84) kam bei seinen Untersuchungen zu einem mit den Befunden von Grawitz übereinstimmenden Kosultate.
Sym|itoiiic uiul Verlauf. Am unteren Ende der Nase, und zwar an einer oder an beiden Seiten finden sich kleine flache Geschwülste von hellrothom Aussehen, die sich nach einigen Monaten mehr ausbreiten. Uemnäohst folgen Verdickungen der Schleimhaut am falschen Nasenloch und zuweilen weiter hinauf an der Scheidewand und an den Muscheln. Auf der Oberlläche der wulstigen Auftreibungon an der Scheide­wand entstehen nicht selten ulceröse Substanzverluste, entzündliche Röthung und bei gegenseitiger Friction leichte Blutungen. Vorübergehende hyperplastische Schwellung der submaxillaren Lymphdrüsen. — Sohniebende Nasalgoräuscho beim Athmen. In den höheren Graden starke Dyspnoe. — Die IMagnosc dos Khinosklerom der Pferde ist bei der Kenntniss der vorbosohriebenen Eigenschaften leicht. Wegen der Möglichkeit einer Verwechselung mit dem Rotz sind S. 165 die unterscheidenden Merkmale hervorgohoben. Irrtlüimlich ist die in der neueren Literatur mehrfach aus­gesprochene pathologisch-anatomische Ansicht, dass die Neubildung ein Carcinom oder ein Angioni darstelle. — Die Prognose ist im Ganzen nicht günstig. Einzelne Geschwülste im Naseneingange lassen sich zuweilen auf operativem Wege vollständig ausrotten. Moist bilden sich aber im Verlaufe von mehreren Monaten neue Ge­schwülste, welche die Nasencavitiilon beengen und die llespiration erschweren. — Die Therapie beruht in der operativen Entfernung dor Geschwülste behufs Herstellung einer für die Athmung ausreichenden Weite der Nasenhöhlen. In mehreren Fällen erreichte ich ein genügendes Resultat dadurch, dass ich (am stehenden Pferde) dio verdickte Schleiinhautfalto des falschen Nasenloches mit der Soheore vollständig ab­trug. Flache Auftroibungen sind durch Ausschaben zu beseitigen oder mit einem Aetzmittel zu behandeln. Lässt sich in dieser Woiso die Verengung der Nase nicht hinreichend beseitigen, so bleibt als letztes Mittel zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit der Pferde nur die Trachootomio übrig.
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Chronischer Luftsackkatarrh.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 703
Capitel LXVI. Chronischer Luftsackkatarrh.
Die beiden Luftsiioko dos I'fordegeschlochts sind beutelförmigo Ausweitungen dos Uospirationstractus und stehen mit der Uachenhöhlo durch die Tuba Eustaohii in director Cominunication. Bei der Einathmung dringt Luft in dieselbe, welche bei der Ausathmung grösstentheils wieder entfernt wird. Günther (Myologio) führt den Luftwechsel auf die respiratorischo Bewegung der hinteren Kachonhöhlonwand zurück. Ans dem Verhalten des Luftsackos in manchen Krankheitsfällen scheint mir aber die Annahme wahrscheinlich, dass die active Erweiterung der Tuba Eustachii, dio eigouo Muskeln besitzt, bei dem Luftwechsel betheiligt ist. — Katarrhalische Processo der Rachonschleimliaut dringen zuweilen in die Eustachische Röhre und weiter in die Scliloimhaut des Luftsackos an einer oder an beiden Seiton. Ein geringfügiger Katarrh des Luftsackos Ilndet sich mitunter bei der Section älterer Pferde, bei welchen intra vitam kein Nasenauslluss bestand. Dio reichliche Abscheidung dos schleimigen Secretes bedingt eine Dejection durch die Nase odor die Anhäufung im Luftsaok und die Erweiterung dos letzteren.
Vorhältnissmässig selten scheint der chronische Luftsackkatarrh als eine Nach-krankheit der Druse zu entstehen. Meist geht derselbe aus dem einfachen Katarrh der Schleimhaut im Nasenrachenraum hervor. Die anatomische Veränderung der Luft­sackwandung verhält sich nicht immer gleich. Zuweilen bildet sich nur eine massige Schwellung und entzündliche Röthung der Schleimhaut, in anderen Fällen aber eine ziemlich starke Verdicknng und Verwachsung derselben mit der Umgebung aus. In der Schleimhaut erhält sich in geringem odor -höherem Grade eine granulirende Entzündung. Das krankhafte Secret kann eine dünnflüssige und klebrige oder eine weissgraue und schleimige oder eine eiterähnlicho Beschaffenheit haben. — Nach jahrelanger Dauer des Processes entstehen in vereinzelten Fällen durch Eimlickung und Eintrocknung dos Secretes harte Körper („Ühondroidoquot;) von der Grosse einer Haselnuss bis eines llülmereios im Luftsack. — Zuweilen ist das katarrhalische Krank-heitsproduet mit Luft vormischt, die durch die Eustachische.Tuba in den Luftsack eindringt. Wenn in dem krankhaften Inhalt sich Eäulniss etablirt, so durchsetzt sich das Secret mit anderen Gasen.
Syniptoinv. So lange der Luftsnckkatarrh auf einem geringen Grade vorbleibt und die muskulösen Apparate der Tuba Eustachii ihre Fnnctionsfähigkeil behalten, hat die Kegion der Ohrdrüsen normale Contonren. Die Pferde zeigen auch keine Be­schränkung ihres Allgemeinbefindens, Als Symptom tritt nur ein moist einseitiger Ausfluss von klebriger, woissgrauor oder glasiger Materie auf. Die Dejection ist zeit­weise stärker, im Ganzen aber nicht bedeutend. Mitunter entsteht in den Kehlgangs-lymphdrüson eine massig starke hyperplastische Schwellung. — Wenn katarrhalisches Secret in massiger Quantität im Luftsack liegen bleibt, so wird die ührdrüse etwas nach aussen gedrängt; auch ist der Nasenauslluss reichlicher. Aber erst bei starker Ausweitung und Verwachsung eines Luftsackos mit der Nachbarschaft erlangt die Ülmlrüsenregion der betrelTondon Seite zuweilen einen augenfällig vergrnsserten Um-
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704nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
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fang. Auch kann durch die bodoutonde Vergrösserung nur eines Luftsackes eine Ge­schwulst an beiden Seiten bedingt sein. Es können aber auch beide Luftsäcke nach innen und unterhalb des ersten Halswirbels sich erweitern, ohne dass eine offensicht­
liche Abdrängung der Parotis nach aussen stattfindet. Zuweilen wird durch den Druck des krankhaft gefüllten Luftsackes auf den Larynx und Pharynx Kohlkopfdyspnoe und Schluckbeschworde herbeigeführt.
Die IMngnosc gestaltet sich in denjenigen Fällen, in welchen die Vergrösserung der Ohrdrüsonregion nicht auf den Sitz des Leidens hindeutet, schwierig. Denn der Nasenausiluss hat nichts Eigonthümlichos. Die in der Literatur vielfach wiederholte Angabe, dass die Dejection bei gesenkter Kopfhaltung stärker sei, als sonst und dass hierin ein diagnostisches Merkmal gefunden werden könne, habe ich nicht bestätigt gefunden. Die Krankheit kann leicht mit anderen chronischen Katarrhen des Respi-rationstractus verwechselt werden. Die Diagnose basirt deshalb zum grossen Theil auf dem Princip der Ausschliessung. — Eine besondere Beachtung erfordert ausser-i |nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;dem der Ketropharyngealabscess. — Schlanipp (Adam's Wochensohr., 1884, S. 21)
behandelte ein Pferd, bei welchem oberhalb dos Kehlkopfes die Pharynxwand mit dem Luftsack durchbrochen war und Futter in den letzteren durch die markstückgrosse OelTnung beim Schlucken hinoingerieth. Das Pferd zeigte erhebliche Dysphagie und Dyspnoe und starb nach 3 Wochen. Bei der Section konnte die Ursache der Luftsack-fistel nicht aufgeklärt werden.
Die Prognose ist nur bei den geringen Krankheitsgraden günstig. In solchen Fällen hat die chirurgische Behandlung einen vollständigen Erfolg. Unerheblich ist dabei, ob die Affection nur in einem oder gleichzeitig in beiden Luftsäcken besteht. — Wenn der Luftsack erheblich erweitert und mit der Nachbarschaft verwachsen ist, so sind die Pferde unheilbar und werthlos.
Therapie. Die Behandlung erfordert die operative Eröffnung eines oder beider Luftsäcke und die Application leicht reizender oder adstringironder Lösungen auf die Schleimhaut. Von den verschiedenen Methoden verdient die von Dioterichs em­pfohlene Durchführung eines Haarseils durch den Luftsack den Vorzug. — Die An­wendung des Gün ther'schen Luftsaokkatheters, der durch den unteren Nasengang #9632;!nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;und die spaltförmige OelTnung an der Tuba Eustachii in den Luftsaok eingeführt
,!fnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;werden soll, ist irrationell und, wie Haubner zeigte, nicht ohne Gefahr. Bei der
mit dem Katheter versuchton Ausspülung dos Luftsackes kann die deletäre Flüssig­keit in den Kehlkopf und in die Bronchien gelangen.
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1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Capitel LXVII.
Ncteorismus des Luftsackes.
In der neueren Literatur ist von Gerlaoh (Gorichtl. Thiorh., 2. Aufl.), Dögivo (Rec. de möd. vet., 188H) u. A. hervorgehoben worden, dass der Luftsack an einer oder an beiden Seiten durch krankhafte Ansammlung von Luft tympanitisch auftreiben kann. Das Zustandekommen des Luflsackmeteorismus ist nicht genau bekannt. Ich
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Meteorismus des Luftsackes.
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habe 3 Fälle (bei einem halbjährigen Fohlen und bei zwei älteren Pferden) beobachtet. Offenbar wird die Luft mit der Inspiration in den Luftsack gepumpt. Das krankhafte Verhältniss besteht demnach darin, dass dem Einströmen der Luft in den Luftsack ein Hinderniss nicht entgegensteht, während bei der Exspiration wegen des ventil-formigon Verschlusses der von der Tuba in den Luftsack führenden Oelfming die ein­gepumpte Luft nicht wieder entweichen kann. Nach Gorlach (vergl. Günther, Myologie, 18GG, S. 75, Anmerkung) liegt die Ursache darin, dass der Grilfolgaumen-segelmuskel an der betreffenden Seite der Atrophie verfällt..
Dass der Luftsack nur durch Luft und nicht durch ein katarrhalisches Secret ausgedehnt ist, kann durch Palpation mit Sicherheit festgestellt werden. Do give fand bei der Percussion einen tympanitischen Ton. Durch Kneten des Luftsackes wird die Luft zum grossen Thoil herausgepresst, so dass sich die Geschwulst ver­kleinert. In wenigen Stunden stellt sich aber die starke Luftansammlung wieder ein.
Bei einem halbjährigen Fohlen constatirte ich 18G3 anhaltendes Rohron in Folge des durch den stark gefüllten Luftsack der linken Seite auf den Giesskannenknorpel ausgeübton Druckes. Die Schluckbeschwerde war gering. Als ich in den Luftsack nach der Viborg'sehen Operationsmethode mit dorn Finger eindrang, entwich die unter starkem Druck stehende Luft mit einem zischenden Geräusch, worauf momentan die Dyspnoe beseitigt war. Nach 10 Tagen hatte sich die Operationswundo wieder geschlossen; aber die Luftansammlung wiederholte sich von Neuem. Die zum zweiten Mal ausgeführte Operation war ebenfalls erfolglos, worauf der Besitzer das Fohlen tödten Hess.
Ein 9 Jahre altes Wagenpferd wurde am 26. Juli 1885 in die Klinik gebracht, weil es seit 2 Monaten eine Anschwellung der Ohrdrüsenregion an beiden Seiten und Schluckboschwerde gezeigt hatte. Die Schwellung fühlte sich weich und elastisch an; sie konnte durch Knoten mit den Fingern erheblich verringert werden, erlangte aber darauf in wenigen Stunden ihren vollen Umfang von Neuem. Appetit gering. Futter und Trinkwasser wurden nicht vollständig verschluckt und entleerten sich zum Tin il aus der Nase. Bei stärkerem Druck auf die Goschwülste trat Schmerzempfindung und Husten ein. Nachdem ich beide Luftsäcke nach Viborg's Methode orölTnot hatte, entwich die Luft durch die Operationswunde fast vollständig. Injection einer Tanniu-lösung täglich einmal. Nach 14 Tagen waren die Wunden verheilt, worauf sich beide Luftsäcke von Neuem bis zum früheren Umfange mit Luft füllten. Das Pferd wurde aus der Klinik abgeholt, so dass die Section nicht vorgenommen werden konnte.
Nach diesen Erfahrungen halte ich den Meteorismus dos Luftsackes für unheil­bar. Degive bemerkt, dass ein Pferd nach Injoctionen einer Lösung von Arg. nitr. im Verlaufe mehrerer Monate hergestellt sei.
Dteokerhoff, Sppc. PatholoKle u. Thflraplo.
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70'gt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkrankheiten,
Capitel LXVIII. Kiiiseitigo Kelilkopfluliuiiing. KclilkopfpfcJfen.
Die oinsoitigo Lähmung dos NervuS rocurrens sinister rosp. dor llinggiess-kannonmuskein an dor linken Seite und des Qiiergiosskannenmuskels in dor linken Portion bildet dio anatoinisoho Grundlage dos Kohlkopfpfolfons (Pfeiferdampf, Giemen, Pfeifen, Rohren). In dor gerichtlichen Thiorarzneikundo wird der krank­hafte Zustand als eine Art der „Hartschnaufigkoitquot; angesehen und dem sehr weit gehenden Bogrilfe der „Dämpfigkeitquot; zugerechnet.
Schon im vorigen Jahrhundert waren dio Erscheinungen dos Kehlkopfpfeifons in der Symptomatologie der Dämpfigkeit des Pferdes bekannt. Aber erst 1830 wurde durch Dupuy im Verein mit den Professoren der Veterinärschule zu Alfort die Vormuthung ausgesprochen, dass der N. recurrens hierbei paralysirt sei. Bis dahin hatte dio Meinung gegolten, dass aussor den Geschwülsten im Kospirationstractus und den Pormveränderungon der Trachea Verdickungon der Schleimhaut in der Rachen-höhlo oder im Kehlkopf das bedingende Moment des Rohrons abgeben miissten. Du­puy glaubte, dass dio Lähmung des Recurrens in einer Compression dos Halses durch den Kehlriomon ihre Ursache finde. Speciellor wurde dio Muslcelatrophio am Kohlkopf von Youatt (Veterin., 1833) studirt. Mit grösserer Vollständigkeit aber ist die pathologische Anatomie des „Pfeiferdampfsquot; erst durch die classischo Abhand­lung von F. Günther (Nebel u. Vix, Zeitschr., I, 1834) nach klinischen und ex-porimentollon Erfahrungen erörtert worden. Seit dieser Zeit sind zwar manche intor-essante Beobachtungen zur Diagnose und Aetiologie des Kehlkopfpfeifons publicirt worden, im Ganzen harren aber heute noch die wichtigsten Problome über die Ent­stehung dor Krankheit ihrer abschliessenden wissenschaftlichen Lösung.
Aetiologie und Pathogeuese. Schon llurtrel d'Arboval (Wörterb., 1830) hat berichtet, dass im nördlichen Frankreich dio Vererbbarkeit des Pfeiferdampfs ange­nommen werde. Später beschuldigten die Autoren allgemein die Vererbung, besonders bei den englischen Pferden als Ursache. Aber erst K. Günther (Myologlo 18G6) und Fürstenborg (vergl. Gorlach, Gerichtliche Thiorhoilkunde, II, S. 244) haben sich präcise über diesen Factor in der Aetiologie des Kehlkopfpfeifons ge-äussorl. Fürstenberg findet dio Anlage in dem langen, aber dünnen Halse mit ausgoschnittener Kehle ausgedrückt. Thatsache ist, dass bei dieser Form dos liaises sich das Leiden oft ausbildet. Tndess vollzieht sich die Pathogonose bei derartigen Pferden in ganz gleicher Weise, wie in der grossen Mohrzahl der Fälle bei Pferden mit kurzem oder mittellangem Halse, welche ebenfalls dio Anlage ver­erben können. Soweit die einseitige Kehlkopflähmung durch Vererbung entsteht, er­folgt die Ausbildung meist mit dem 4.—G. Lebensjahr. In den Staatsgestüten, wie in der Privatzucht hat die Annahme der hereditären Uebortragung des krankhaften Zustandes allseitige Bestätigung gefunden. Irrthümlich ist aber die Meinung, dass die Uebortragung immer stattfinde, wenn der Deckhengst oder die Mutterstute mit dem Fehler behaftet ist. Manche Hengste vererben das Rohren sehr oft, andere dagegen relativ selten. Der Inhalt der hereditären Anlage ist nicht näher bekannt.
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Einseitige Kelükopflähmung. Kohlkopfpfeifen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 707
Beschuldigt wurde zuweilen eine congenitalo Aplasie dos linken Ueourrons und dor zugehörigen Kehlkopfmuskeln. Indess hat eine derartige Hypotliose durch anatomische Feststellungen bislang nicht mit Sicherheit verifioirt werden können.
Die Thatsacho, dass, abgesehen von sehr seltenen Ausnahmefällen, immer die Muskeln der linken Seite dogonoriren, gestattet den Schluss, dass in der Vulnera-bilitiit beider N. N. recurr, eine anatomische Verschiedenheit besteht. Vermuthet wurde mehrfach, dass der Vorlauf dos linken N, recurr. um den Aortenbogen das 'Zu­standekommen des Leidens dadurch bedingen soll, dass der Nerv an dieser Stelle durch den Druck der Pulsation lädirt werde (vorgl. Martin, Oostorr, Monatssciir., 1885). Unwahrscheinlich ist dioso Theorie nicht, weil auch beim Menschen die ein­seitige Recurrenslähmung zum Thoil durch eine chronische Erkrankung der Aorta, besonders durch Aneurysmen verursacht wird. P, Günther (1834) erblickte in der obortlächlichen Lage des Recurrens sinister ein prädisponirendos Moment. Derselbe soll bei dem „epizootischen nervösen Entzündungsfieberquot; (Influenza) leicht mit er­griffen und seiner Leitungsfahigkeit beraubt werden. Auf Grund einer analogen Argumentation urgirt Vaerst (Deutsche Zeitschr. f. Thiermed., 1887, S. 129), „dass der Recurrens sinister auf seinem vorhältnissmässig langen Woge den verschiedensten Insulten ausgesetzt istquot;. — In einzelnen Fällen findet die Lähmung durch Druck von Geschwülsten auf den Recurrens ihre Entstehung. Auch kann oino zufällige Ver­wundung oder eine Zerstörung des Nerven durch Eiterung (Abscess) die Ursache sein. Indess gehört diese Entstohungsart zu don seltenen Ausnahmen. Dass hierbei auch der rechtsseitige Nerv betroffen sein kann, liegt auf dor Hand.
Die Frage, ob der N. rocurr. oder die von ihm versehenen Muskeln primär er­kranken, ist schon von Gerlaoh (Gerichtl. Thierhoilk.) geprüft und dahin boantworlel worden, dass beides vorkomme. Ich kann die Richtigkeit dieser Angabe bestätigen, Aber die von mir als Laryngitis phlegmonosa bezeichnete infectiöse Looalkrankhoit (vergl. S. 686) kann doch nach der gegenwärtigen Erfahrung auch nur als eine oxcop-tionelle Veranlassung des Leidens nachgewiesen werden. Und selbst für diese Fälle bleibt es auffallend, dass die Dilatatoren dos Kehlkopfes an der rechten Seite nur seilen der Lähmung verfallen. Gerlach hat die rechtsseitige Muskollähmung bei einem Pferde, welches nach der „Influenzaquot; erkrankt war, durch die Section oon-statirt. Von mir ist ebenfalls nur in einem Falle eine vollständige Atrophie dos hinteren Ringgiesskannonmuskels der rechten Seite und eine woniger vollständige der linksseitigen Erweiterer des Kehlkopfes gefunden worden. — Hiernach bleibt in der Aetiologie des Kehlkopfpfoifons noch Manches dunkel. Das Zustandekommen der Affection erfolgt in der Regel ganz allmälig. Das ergiebt sich mit Sicherheit aus der Thatsacho, dass, wenn sich der Fehler bei den in schneller Gangart benutzten lioit-und Wagenpferden ausbildet, der pfeifende Kehlkopfston sich nachweislich zunächst in einem sehr geringen Grade und resp. nur bei übormässig starker Anstrengung der Pferde äussert. Erst im Vorlaufe von 2—3 Monaten, zuweilen noch viel später, er­langt die Kehlkopfdyspnoo einen höheren Grad. Die anscheinend schnelle Entstehung violer Fälle erklärt sich meist dadurch, dass die Pferde vorher nicht in dem Masse angestrengt wurden, dass die Symptome sich hätten hervorthun müssen. Nur nach der phlegmonösen Bräune und den Inlluenzakrankheiton, besonders nach der Scalma und der Brustseuche, kommt das Leiden in wenigen Tagen oder Wochen zur Ausbildung.
Toxische Ursachen führen zuweilen eine einseitige Kohlkopflähmung herbei. Am bekanntesten ist die ohronischo Bleivergiftung, über deren Vorlauf bei Pferden in don
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Zeitsoliriften mohrfach berichtet worden ist. Auch nach der anhaltenden Fütterung der Kichererbse (vergl. üorlach, 1. c. 793; Dammann, Gesundheitspflege 804) ist die Entstehung dos Kehlkopfpfoifeus beobachtet worden. Da dio aus dieser Veranlassung auftretende Störung sich aber in vielen Füllen allmälig von selbst wieder ver­liert, während die aus unbekannten Ursachen hervorgehende Kehlkopfsliiliinung nicht heilbar ist, so lassen sich toxische Einlliisse nur in Ausnahmefällen als Ursache beschuldigen.
Die einzelneu Muskeln des Kehlkopfes unterliegen der Atrophie oft in ver­schiedenen Graden. Zuerst wird die Farbe holler; nach einigen Wochen vermindert sich der Umfang; darauf bildet sich Verfettung der fleischigen Substanz und schliess-lich wird dieselbe so vollständig resorbirt, dass kaum mehr, als eine sehnige Membran übrig bleibt. Als der wichtigste Diktator des Kehlkopfes gilt der hintere King-Giesskannenmuskel. Daher wird die Lähmung und Atrophie desselben am meisten als Causa proxima des Rohrens beschuldigt. Indess steht die vollständige Kenntniss von der Wirkung der übrigen Muskeln am Kehlkopf des Pferdes gegenwärtig noch aus. Auch über die Innervation einzelner Muskeln durch Zweige des N. laryngous superior sind die Untersuchungen noch nicht definitiv erledigt.
Sind die Muskeln, welche den Giesskannenknorpel (Stellknorpel des Kehlkopfs) nach oben und hinton ziehen, funolionsunfähig, so sinkt die linke Seite des Larynx allmälig nach Innen, Der Kohlkopf wird schief in Folge der durch dio erscliworte Inspiration ausgeübton Zugkraft. Hierin liegt, wie F. Günther (1. c.) richtig er­kannte, das bedingende Moment des pfeifenden Athmons.
Symptumc. Die einseitige Kohlkopflähmung lässt sich im Stande der Ruhe bei den Pferden nicht mit Sicherheit erkennen. Indess kann doch der „Husten mit, offener Stimmritzequot; (vergl. S. 48), sowie der beim „Gegenstoss des Hustensquot; (vergl. S. 43) entstehende giemende Inspirationston einen erheblichen Verdacht von dem Vorhandensein des Fehlers motiviren. Wenn die in den höheren Graden betroffenen Pferde eine Zeit lang ruhig gestanden haben, so äussern sie oft bei unerwartetem starkem Druck mit der geballten Hand gegen die eine oder andere ßrust-wand brummende, tiefe Brusttöne und den oben bezeichneten Husten. Ist nach dem Befunde auszuschliessen, dass eine acute Krankheit der Rcspirationsorgane den eigenartigen Husten bedingt, so kann der letztere als ein ziemlich sicheres Merkmal betrachtet werden. Zu berücksichtigen ist aber, dass in den geringen Graden des Leidens oft und bei den höheren Graden in einzelnen Fällen die Kehlkopfpfeifer diesen Husten nicht bekunden. Es ist wahrscheinlich, dass die letztgedachten Pferde die Verengung der Stimmritze mit den Schildgiesskannenmuskeln aus­reichend bewirken können, während für gewöhnlich diese Leistung den seitlichen Ringgiesskannenmuskeln obliegt, mit deren Atrophie demnach der Husten die vorbezeiciincte Eigenschaft erhalten muss. — Das Wichern erfolgt mit heiserer Stimme, ist aber nur selten zu hören und für die Diagnose auch nicht erheblich.
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Das wesentlichste Symptom liegt in dem lauton laryngealen Inspirationston, der sich bei der Anstrengung der Pferde hervorthut und in sehr bedeutenden graduellen Abstufungen, aber auch in mannig­fachen Modificationen vorkommt(Pfei fen, Flöten, Gicmcn, Kreischen).
Durch massigen Druck mit dem Zeigefinger auf den linken oder auch auf den rechten Giesskannenknorpel lässt sich der ir.spiratorischc Kehlkopfton bedeutend verstärken resp, leicht hervorrufen. Wenn bei starkem Rohren der angestrengten Pferde beide Nasenlöcher bis auf die Hälfte ihrer normalen Weite zusammengedrückt werden, so dass sich der Inspirationsstrom verringert, so vorschwindet das laute Kehlkopfgeräusch. Es stellt sich aber nach dem Aufhören dor Compression sofort wieder ein. Die Intensität desselben mindert sich beim ruhigen Stehen der Pferde sehr schnell; das Geräusch hört gewöhnlich schon nach 1, sonst nach 2 — 5, selten erst nach 6 — 8 Minuten auf. In den leichtesten Krankheitsgraden sistirt der Ton sofort nach dem Anhalten der in der Anstrengung befindlichen Pferde. — Nur in schweren Fällen findet sich zuweilen bei einer starken Anstrengung der Kehlkopfpfoifer auch im Momente der Kxspiration ein lautes (giemendes) Athmungsgeräusch, wel­ches durch das forcirto Zusammenströmen der Exspirationsluft in den Bronchien entsteht.
Hierzu kommt für dio höheren Krankhoitsgrade die Dyspnoo, die sich bei anstrengender Arbeitsleistung der Pferde bald nur geringfügig, bald sehr schwor gestaltet und selbst zum Erstickungstode führen kann. Oft ist hierbei die Inspiration länger, als die Exspiration (vcrgl. S. 33). In der Regel finden sich aber die Erscheinungen der „in- und exspira-lorischen Dyspnooquot;, wobei die Athmungsbewegungen der ßauchmuskoln (Flanken) in weiten Abständen erfolgen und auch der After bei der Exspiration stark hervorgedrängt wird (vergl. S. 39). Dyspnoisch bleibt die Respiration nur so lange, wie das röhrende Kehlkopfgcräusch besteht. Werden die in der Anstrengung befindlichen Pferde angehalten und in der Ruhe belassen, so mindert sich die Dyspnoo innerhalb 1—5 Minuten, worauf die weitere Beruhigung der Respiration wie bei gesunden Pferden erfolgt.
Verlauf. Abgesehen von den Ausnahmefällen (vergl. S. ß87) voll­zieht sich die Ausbildung der Muskelatrophie ganz allmälig. Demnach macht sich der pfeifende Inspirationston zunächst nur bei sehr starker Anstrengung der Respiration in einem kaum bemerkbaren Grade geltend resp. das Leiden bleibt unerkannt. Hierauf können mehrere Wochen oder Monate, selbst 1—2 Jahre vergehen, bevor sich das Pfeifen so weit steigert, dass bei einer Untersuchung ad hoc das Stenosengeräusch des
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Kohlkopfes relativ leicht ermittelt werden kann. Bei vielen Kehlkopf-pfeifern bleibt die Behinderung der Inspiration so gering, dass die dauernde Nutzung der Pferde zu massig starken Anstrengungen im Arbeits­oder Wagondicnste geschehen kann. Oft eignen sich aber die betreffen­den Pferde nur noch zu leichten Dienstleistungen im Schritt. In den schwersten Graden, bei welchen die Pferde kaum 20—50 Schritt gehen können, ohne in die Gefahr der Erstickung zu gerathen, kommt das Leiden nur bei relativ wenigen Pferden zur Ausbildung.
Diese Verschiedenheiten erklären sich aus zweifachen Gründen. Ein­mal gestaltet sich die Verschiebung des linken Aryknorpels nach dem Centrum des Kehlkopfes nicht immer gleich. Schon deshalb erlangt die Respirationsbehinderung nicht in allen Fällen einen gleich hohen Grad. Ausserdem wird die Beengung des Kehlkopfes durch die Hypertrophie und Functionssteigerung der rechtsseitigen Ringgiesskannenmuskeln bald mehr, bald minder gut compensirt. Die Compensation kann so voll­kommen sein, dass selbst bei totaler Atrophie der linksseitigen Muskulatur die betreffenden Pferde in anhaltendem Trabe oder in schwerem Zug­dienste arbeiten können, ohne dass sich das laute Laryngealgeräusch einstellt. Wenn dagegen die compensatorische Hypertrophie der Muskeln an der rechten Seite ungenügend ist oder ganz fehlt, so erlangt die Stö­rung stets einen höheren Grad.
Durch intercurrente katarrhalische Affectionen des Kehlkopfes von protrahirtera Vorlaufe steigert sich die Respirationsbehinderung, während nach der Abheilung des Katarrhs die Athmung leichter wird. — Kräftige Ernährung mit proteinreichem Futter befähigt die Pferde zu grösseren Kraftleistungen, ohne dass eine schwere Anstrengung der Athetnbowegungen nothwendig ist. Demnach treten auch die Symptome des Kehlkopf-pfeifens bei solchen Pferden nicht in gleich hohem Grade auf, wie bei schwach oder extensiv ernährten Pferden, welche zu denselben Dienst­leistungen Verwendung finden. — Im Uebrigcn ist das Allgemeinbefinden der Pferde nicht gestört. Zum Erstickungstode führt die einseitige Kehl­kopf lähraung nur dann, wenn die Pferde trotz der etwaigen schweren Dyspnoe anhaltend angestrengt werden. Ich habe in 2 Fällen beob­achtet, dass der Tod nach übermässiger Anstrengung beim Reiten ein­trat, aber mehrere Arbeitspferde gekannt, welche durch rücksichtslosen Gebrauch an Asphyxio eingingen.
Diagnose. In den geringen Graden des Rohrens treten auch bei starker Anstrengung der Pferde die Erscheinungen des Pfeifens nicht hervor, so lange der Kopf gestreckt gehalten wird und die Inspiration nicht mit grösserer Intensität ausgeführt zu werden braucht. Denn erst
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der starke Inspirationsstrom veranlasst, wie K. Günther (Myologie S. 98) zutreffend erörtert hat, durch den Druck gegen den linken Giesskannen-knorpei die grössere Beengung des Kehlkopfes. Demnach erfordert die Ermittelung dos Fohlers gewöhnlich die Herbeiführung eines Verhält­nisses, bei welchem das betreffende Pferd die Inspiration mit relativ grosser Intensität bewirken muss. Dies lässt sich erreichen durch das starke Anziehen des Kopfes gegen den Hals und durch die Seitwäiis-stellung des Kopfes beim Reiten, Fahren oder Longiren der Pferde. Hierdurch gerathen, wie F. Günther (1834) schon angedeutet hat, die Kchlkopfmuskcln in eine ungünstige Stellung, welche das Alhmen er­schwert und die Intensität des Inspirationsstroms vergrössert.
Für die Ermittelung der geringsten Grade ist zu beachten, dass das laryngeale Inspirationsgeräusch bei der einseitigen Kehlkopflähmung stets den Charakter eines „lautenquot; oder „hartenquot; Tons erlangt und nicht blos in einem starken Schnaufen beruht (S. 49). Ausserdem sind die willkürlich von vielen Pferden bekundeten Athmungsgeräuschc zu berück­sichtigen (8. 50). An die Production derartiger Töne und Geräusche gewöhnen sich die Reitpferde beim Galopgang sehr leicht, weil sie hier­bei aus physiologischen Gründen mit jedem Galopsprung einen Athem-zug ausführen und stets beim Niedersetzen der Vordergliedmasscn ex-spiriren.
Durch übermässig starkes Anziehen des Kehlriemens oder durch ein kurzes, gegen die Trachea drückendes Kummt kann bei der forcirten Anstrengung gesunder Pferde ein lautes dyspnoisches Geräusch, ähnlich dem Kehlkopfpfeifen, hervorgerufen werden. Dagegen habe ich niemals gefunden, dass bei einem gesunden Pferde, welches bis zum allgemeinen Sehweissausbruch angestrengt wird, durch das starke Emporheben und Herannehmen oder durch die Schiefstellung des Kopfes eine Beengung des Larynx mit der Wirkung herbeigeführt werden kann, dass die In­spiration giemend oder pfeifend wird. Ich höbe dies ausdrücklich hervor, weil manche Interessenten der Diagnose des Kehlkopfpfcifens einen der­artigen Einwand entgegenstellen.
Ein einheitliches Untersuchungsverfahren, welches für alle Pferde zvveckmässig wäre, lässt sich nach der Erfahrung nicht empfehlen. Es giebt Pferde, die beim forcirten Reiten in sehr geringem Grade röhren, aber beim Auftreten des Tones sofort den Kopf strecken, woraui der Ton sich nicht mehr erzeugt. Solche Pferde sind am besten an der Longirleine zu untersuchen, wobei dem Kopfe eine passende Stellung gegeben werden kann. Andererseits habe ich beobachtet, dass einzelne Pferde sich nur im Wagendienst das starke Herannehmen des Kopfes
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gefallen lassen, bei welchem das krankhafte Laryngealgoräusch hervor­zurufen ist.
Die Frage, ob bei dem in hohem Grade auftretenden Rohren nur eine oder gleichzeitig beide Seiten des Kehlkopfes gelähmt sind, lässt sich nach den Erscheinungen resp. ohne Section nicht entscheiden. Ich habe wiederholt Pferde untersucht, welche kaum 10 Schritt gehen konnten, ohne wogen der Kohlkopfdyspnoe in die Gefahr der Erstickung zu ge-rathen, aber — wie die Section ergab — doch nur an der linken Kehl­kopfseite gelähmt waren. Zu beachten ist ausserdem, dass die rechts­seitige ebenso, wie die doppelseitige Lähmung sehr selten vorkommt.
Die Unterscheidung der linksseitigen Kehlkopflähmung von den anderen Arten der Hartschnaufigkeit ist der Regel nach nicht schwierig. Indess kann (aber nur in ganz seltenen Fällen) durch eine Geschwulst vor dem Kehldeckel oder im Kehlkopf ein den höheren Krankheitsgraden ähnliches Symptomenbild bedingt sein. Mitunter haben die Geschwülste eine solche Lage, dass sie nicht beständig auf die Stimmritze drücken und dass deshalb die Dyspnoc mit dem lauten Kehlkopfgeräusch nur zeilweise auftritt (Fricker in Hering's Rep., Jahrg. 27).
Die Diagnose erheischt endlich noch die Berücksichtigung der ent­zündlichen Schwellungen der Kehlkopfschleimhaut (selbständige und sym­ptomatische Angina) und der ulcorösen Rotzherde im Kehlkopf, welche von laryngealen Stenosengeräuschen begleitet sein können.
Prognose und Therapie. Die einseitige Kehlkopf lähmung ist unheilbar. Indess eignen sich die meisten Pferde zu solchen Arbeiten, welche die gestreckte Kopfhaltung gestatten und nur eine massige Anstrengung er­fordern, oft noch viele Jahre hindurch. Reitpferde werden aber in der Regel durch den Fehler erheblich entwerthet. In den hohen Graden macht das Leiden die Thiere zu jedem Gebrauche untauglich, wenn nicht ein Tracheotubus applicirt wird. Bei Arboits- und Wagenpferden lässt sich die Verwendbarkeit oft dadurch noch ermöglichen, dass am Nasenstück des Zaums eine Vorrichtung angebracht wird, welche die .Nasenlöcher auf die Hälfte der normaien Weite comprimirt, so dass nur eine Luftsäule von geringer Stärke inspirirt werden kann. — Levi und v. Chclchowski empfehlen intratracheale Strychnininjectionen, über deren Werth indess die Erfahrung noch nicht entschieden hat. Die An­wendung der Elekiricität, welche bei den Kehlkopflähmungon des Menschen gute Dienste leistet, ist bei dem abwehrenden Verhalten der Pferde nicht ausführbar, Wegen der operativen Behandlung des Krankheitszustandes verweise ich auf Stockflcth, Thierärztliche Chirurgie.
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Blutungen aus dem Respirationstractus.
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Capitcl LXIX. Blutungen aus dein Respirationstractus.
Aus manchorloi krankhaften Veranlassungen und in sehr verschiedenen Graden kann die Entleerung von Blut aus der Nase bei Pferden vorkommen. Dass eine Ruptur kleiner Blutgefässe diesen Hämorrhagien zu Grunde liegt, ergiebt sich schon aus dem in der Kegel langsam erfolgenden Abflüsse des Blutes. Aber die Stelle des Respirationstractus, an welcher die Blutung besteht, lässt sich nicht in allen Fällen mit Sicherheit feststellen. Von praktischem Interesse ist die Unterscheidung der Blutungen aus den Luftwegen in diejenigen, welche aus einer selbständigen Alteration der Gefässwände hervorgehen und diejenigen, welche als Bestandtheile des Sym­ptomenbildes anderer Krankheiten auftreten (selbständige und symptomatische Blutungen).
Nasenbluten — Rhinorrhagia, Epistaxis — kann als Symptom beim Rotz, bei Geschwülsten in der Nase, bei der Blutfleckenkrankheit, bei einer schweren diffusen Entzündung der Nasenschleimhaut, bei ulcorösen Zuständen in der letzteren und bei Verwundungen oder heftigen Erschütterungen des Kopfes eintreten. Hier kommt indess nur die Blutung in Betracht, welche bei sonst ganz gesunden Pferden sich zuweilen einstellt und in dem Abtröpfeln oder Abrieseln von dunklem (venösem) Blut aus einem Nasenloch besteht. Die Causa proxima scheint in einer Blutstauung oder Erweiterung und Borstung kleiner venöser Gefässe an den Muscheln oder in der Gegend der Choanen zu beruhen. Sehr wahrscheinlich ist an dem Auftreten dieser Blutung zuweilen auch eine Alteration des Blutes selbst betheiligt (hämorrhagische Diathese). Ich habe wiederholt beobachtet, dass Pferde, bei denen die Castrationswunden oder Lymphdrüsenabscesse und andere Krankheitsherde mehrere Wochen oder Monate in starker Eiterung verblieben, von einem einmaligen oder öfteren Nasenbluten befallen wurden. — Symptome. Das dunkle Blut entleert sich entweder in dicken Tropfen langsam oder in einem dünnen Strahl aus einem Nasenloch. An den Rändern des letzteren bleiben eingetrocknete Blutkrusten kleben. Zuweilen findet sich im unteren Nasengango etwas Blut auf der Schleimhaut. Bei starkem Blutfluss zeigen die Pferde Eingenommenheit des Bewusstseins und Schwerathmen neben einem kleinen und frequenten Puls. — Die Diagnose hat meist keine Schwierigkeit. Doch ist die Unter­scheidung des Nasenblutens von einer Lungenblutung nicht immer leicht. Die in der Literatur eft wiederholte Bemerkung, dass das Blut, welches aus der Lunge resp. den Bronchien stammt, wegen der Beimischung von Luft schaumig sei, während das aus der Nasenschleimhaut kommende Blut keine Luft enthalte und daher keine schaumige Beschaffenheit besitze, ist nach meinen Erfahrungen nicht zutreffend. Schaumig wird das ausfliessende Blut nur, wenn sich in demselben die Alhmungsluft durch Husten oder durch heftige Respirationsbewegungen fein vertheilt. Dies kann eben so gut bei einer in der Gegend der Choanen oder in den oberen Abschnitten der Nasenmuscholn sitzenden Epistaxis, als bei einer Lungenblutung eintreten. Bei der letzteren entleert sich sogar in den meisten Fällen nicht schaumiges Blut. Demnach lässt sich über den. Sitz der selbständigen Ilämorrhagie aus den Luftwegen zuweilen ein sicherer
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Attfsohlusa aiobt gewinnen. Einen Anhalt kann nur das Ergobniss der an den Lungen und der Luftröhre auszuführenden LocaluMtersuchiing gewähren, — Die Unterschoi-dung der selbständigen von der symptomatisohon Rliinorrhngiu hat gegenüber der latenten chronischen Kotzkrankhoil das grössto diagnoslische Interesse. Es ist aber zuweilen eine wochoulange Beobachtung der betreffenden l'ferde erfordorlioh, bevor die specieile Natur der Blutung mit Sicherheit erkannt worden kann, (Vergl. S. 1G4.) — Die Prognose ist der Kegel nach günstig. Bei ruhigom Vorhalton der Thiero sistirt die Epistaxis fast stets innerhalb einiger Stunden, Zur Behandlung ist seit 100 Jahren die Application von styptischon Mitteln (Einspritzung von Essig resp. einer 'Lösung von Tannin oder Ferrum sesquichlor. etc.) empfohlen worden. Besser ist es, weder solche Mittel, noch die Tamponirung der Nasenhöhle mit desinficirter Baum­wolle oder Werg zu versuchen, sondern die Thiore ruhig zu hallen und den Kopf mit kaltem Wasser oder mit einer Mischung aus Wasser, Essig und Branntwein lloissig waschen zu lassen. Ueborlliissig ist auch die innere Verabreichung von blutstillenden Mitteln (Seeale oornutum, Tannin).
Blutungen aus der Kehlkopf-, Luftröhren- und Bronchlalschloim-haut sind bei Pferden sehr selten. Von den auf traumatischem Wege herbeigeführten liämorrhagien, die der Regel nach keine grosso Bedeutung erlangen, sehe ich hier ab. Bei der seltenen Bluterkrankheit (Hämophilie) kann eine erhebliche Blutung aus der Bronchialsohleinihaut eintreten und zu einer mehr oder minder starken blutigen Dejection aus der Nase, sowie zur Aspiration von Blnt in einen grössoren oder Ideineron Abschnitt der Lungen führen.
Häufiger wird die Lungenblutung (Haemorrhagia pulmonalis, Hae-moptoe. Haemoptysis) beobachtet. Auf die blutigen Infarcte und Dejectionen, welche bei den im engeren Sinne als acute infectiöse Entzündungsprocesse betrachteten Lungenkrankheiton, insbesondere bei der Bruslsouche eintreten (vergl. S. 224 und 282), kann ich hier nicht mehr zurückkommen. Fulmonale Blutungon entstehen ferner beim chronischen Lungenrotz (vergl. S. 139 und 152), bei der Blutfleckenkrankheit (vergl. S. 418 und 427) und bei ulcorösen bronchopneumonischen Herden. Indess sind diese Blutungen fast immer als Theilorscheinungou der betreffenden Krankheiten zu diagnosticiren. — Zuweilen bedingen Herzklapponfehlor, namentlich die Insufficienz der Mitralis, beim Gebrauche der betreffenden Pferde in anstrengendem Arbeitsdienst eine so bedeutende Blutcongestion in'den Lungen, dass kleine Pulmonalgefilsse bersten und ein hiimorrhagischer Infarot, sowie eine Blutung aus einem oder beiden Nasen­löchern entsteht. Das Blut, welches stets eine venöse Farbe hat, entleert sich bald in grösseror, bald In geringerer Menge. Eine schaumige Beschaffenheit besitzt dasselbe nur dann, wenn die Pferde es durch Husten ausstosson, was aber nicht die Regel ist. Bei copiösen Blutungen dieser Art wird ei.i Theil des in die Bronchien gelangenden Blutes in die untersten Partion der Lungen aspirirt. Durch ruhiges Verhalten dequot; l'ferde ist die Blutung in einigen Stunden zum Aufhören zu bringen. Ich habe nie gesehen, dass ein herzkrankes Pferd durch die pulmouale Ilämorrhagie in Folge von allgemeinem Blutverlust zu Grunde gegangen wäre. Demnach richtet sich die Pro­gnose bei solchen Blutungen nach der Bedeutung der chronischen Herzkrankheit.
Circumscripto bindogewebige Kntzündungszustände in den Lungen geben nicht sellon die Veranlassung zum Bersten eines kleinen pulmonalen üefässes und zur Lungenblutung. Sehr wahrscheinlich bestehen hierbei Veränderungen an den Blut-gefässwandungon (kloine Aneurysmen). Die Blutung selbst ist der Kegel nach nur gering. Sie stellt sich bei anstrengendem Gebrauche der betreffenden Pferde ein und
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wiederholt sioh bei demselben Anlass öfter. Percivall (Veterin., 1841) hat den ätiologischen Einfluss dos übormässigen Reitens hervorgehoben und von deutschen Thierärzten ist dasselbe Moment ausweislich der Literatur mohrfach constatirt worden. Ich kann dio KiohUgkoit der Angaben bostätigoii. Bei Rennpferden, die sich im Training befinden, entsteht diese Art der pulraonalen Iliimorrhagio nicht selten, üas aus einer oder beiden Nasonöffnungon in dünnem Strahl oder tropfenweise abfliessonde Blut ist dunkel. In keinem der von mir behandelten Fälle hatte dasselbe eine schau­mige Beschaffenheit. Die Blutung sistirt, wenn das betroffende Pferd aus dem Dienste genommen wird und Ruhe hat, In wenigen Stunden, stellt sich aber selbst nach 2 bis 3 Wochen bei anstrengender Arbeitsleistung in Folge der forcirten Respirations-bewegungon der Lungen und der hierbei unvermeidlichen Zerrungen der kranken Partie von Neuem wieder ein. — Bei der Diagnose ist der negative Befund nach sorgfälliger Untersuchung des Pferdes zu berücksichtigen. Zuweilen liefert die auscultatorisch zu ermittelnde Verringerung des Vesiculargeräuschos in einem kleinen Lungenabschnitt einen diagnostischen Anhalt. — Die Prognose ist im Ganzen günstig. Als Regel ist aber anzusehen, dass der krankhafte Zustand in den Lungen nur bei vollständig ruhigem Verhalten des Pierdes und auch dann erst in 2—3 Monaten ausheilt. Zur Behandlung empfiehlt sich im Sommer die Anordnung des Weideganges. Während des Winters ist eine massige Ernährung im Stalle indicirt, die aus diätetischen Gründen erforderliche Bewegung des Pferdes aber auf das Reiten im Schritt zu beschränken. Arzneimittel haben nach der bisherigen Erfahrung keinen besonderen Vortheil. Zu einem Curversuche empfehle ich die intratracheale Injection einer Jodlösung.
Als Lungenblutsturz (Pneumorrhagia) wird die aus den Lungen durch die Nase und theilweise auch durch das Maul erfolgende abundante Blutentleerung bezeichnet. Die Ursache derselben kann in einer Lungeninduration oder in einem Aneurysma beruhen. Zuweilen ist die Ursache nicht zu ermitteln. Hering (Rep., VI) und Wörz (ibid. IX) beobachteten tödtliche Lungenblutungen bei Pferden; die Section ergab aber keine ätiologische Aufklärung. Ich habe ebenfalls einige solche Fälle behandelt, bei welchen nur eine relativ starke Anstrengung der Thiere als ur­sächliches Moment beschuldigt worden konnte. Bei einem Pferde, welches 4 Wochen vorher von der Druse mit protrahirtem Verlaufe genesen war, constatirte ich zwei wallnussgrosse, in der Heilung begriffene eiterige Herde in den Lungen. Ich kann aber nicht behaupten, dass diese Zustände an der Entstehung der tödtlichen Hämor-rhagie betheiligt gewesen wären. — Die Symptome bestehen in copiöser und unter Hustenanfällen sich stossweise steigernder Expulsion von schaumigem, hellrothem Blut aus der Nase und aus dem Maul, Dyspnoe mit erhöhter Athmungsfrequenz, Rasselgeräuschen in der Luftröhre, pochendem Herzschlag, kleinem frequenten l'uls, Scharren mit den Vordergliedmassen, Ausdruck von Angst im Blick und Anämie der Schleimhäute. — Der Blutsturz lässt entweder Im Vorlaufe von einigen Stunden nach oder die Pferde verenden in kurzer Zeit durch den übergrossen Blutverlust. Er kann sich auch mehrfach, selbst einige Wochen hindurch wiederholen und dann erst einen letalen Ausgang nehmen. — Bei der Section finden sich neben der Anämie aller Organe grosso blutige Infarcte in beiden Lungen, die durch Aspiration des Blutes von den Bronchien aus entstanden sind. Meist sind die mit Blut gofüllten Partien dem Ver­laufe der Bronchien entsprechend von den benachbarten gesunden Lobulis scharf ge­trennt. Auch findet sich an einzelnen Stellen neben dem flüssigen oder schmierig ge­ronnenen Blute Luft in den erweiterten Lobulis. — Wenn die Pferde von dem Blut­sturz genesen, so verschwindet das Blut aus den Lungen durch Resorption innerhalb
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5—6 Tago; eine geringe Quaiitiläl von hämoglobiiihaltigom Sorum enlleort sich wäh­rend dieser Zeit aus der Nase, — Die Prognosis ist ungünstig und die Behandlung
meist auf die zwookmiissige Vorpllogung der Thioro boschriinkt. Es ist nicht erwiesen, dass die Verabreichung von Tannin oder Alaun einen wesentlichen rosp. günstigen Kinfluss auf den Verlauf der l'neumorrhagio hat. Kalte ümschliigo (Waschungen) um den Brustkasten und die ruhige Haltung des Patienten in einem kühlen llaume leisten sicher mehr.
Capitel LXX. Bronchitis chronica. Chronischer Bronchialkatarrh.
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Unter dem Namen der chronischen Bronchienentzündung werden mehrere, sowohl anatomisch, als symptomatologisch verschiedene Krankheitszustände der Bronchien zusammengefasst, welchen neben dem chronischen Verlauf die AlTeotlon der Bronchial­schleimhaut gemeinsam ist. Auf das leizlgcdachte Moment gründet sich die Be­nennung dieser Krankheiten als „chronischer Bronchialkatarrhquot; (Bron-chocatarrhus ohronicus, Bronchitis catarrhalis chronica). Im Wesent­lichen können bei der Bronchitis chronica hotroffen sein: 1. die Schleimhaut an ihrer Oberfläche; 2. die glatte Muskulatur in den Bronchial Wandungen und 3. das peri bronchiale Gewebe. Die chronischen Kntzündungszustände und ihre Folgen können ferner auf einzelne kleine oder grössere Bronchien beschränkt und ganz unerheblich sein oder sie können sich über relativ weite Gebiete dos Bronchial­baums ausdehnen (Bronchitis chronica difTusa). Endlich ist noch der für die klinische Pathologie bedeutsame Unterschied horvemihebon, dass die chronische Schleimhaut-atTection vorwaltend in den grossen oder in den mittelgrossen und kleinen Bronchien oder in den Bronohiolen ihren Sitz haben kann. — Die an einzelnen Bronchien in den unteren Partion oder in den vorderen Lappen der Lungen in Folge von pneumonischen Herdon secundär entstehende chronische Entzündung charakterisirt sich als eine Com­plication der Lungenentzündungen und wird deshalb in den betrelTendon Capiteln be­sprochen worden. An dieser Stelle handelt es sich nur um die primär in der Bron­chialschleimhaut zur Entwickelung gelangenden dilTusen chronischen katarrhalischen und fibrösen Entzündungen, von welchen folgende Zustände zu unterscheiden sind.
a. Der chronische Katarrh in den grösseren Bronchien (Tracheo-Bronchitis chronica) kann eine Folge des acuten Bronchialkatarrhs und der bei der Druse vorkommenden acuten Bronchitis sein oder von vornherein als eine chro­nische AlTection entstehen. In vereinzelten Fällen wird das Uebel durch Verschlucken beim Eingeben flüssiger Arzneien herbeigeführt, Der Regel nach beruht die Ursache in atmosphärischen Einflüssen (Erkältung). Uie Reizung führt zur entzündlicluMi Röthung und Schwellung der Schleimhaut und zu einer geringfügigen Absonderung von zähem Schleim. Oft fehlt die krankhafte Secretion (Catarrhus siccus).
Symptome. Lästiger, gewöhnlich anfallswoiso auftretender und kräftiger, mehr oder woniger rauher Husten. Zuweilen besteht vorübergehend oder anhaltend eine
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Bronchitis chronioa. Chronischer Bronchialkatarrh.
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geringe Pulsfrequenz. Die Zahl dor Athemziigo ist entweder normal oder bis auf 20 pro Minute gesteigert. Mitunter werden die Bauohdecken aufgezogen. Nasenausfluss fehlt oft} zuweilen wird mit dorn Husten eine geringe Quantität grauweisser Schleim ausgestossen. Bluttemperatur normal oder zeitweise hochnormal. KuUeraufnahnie in der Regel gut. Nur bei Pferden mit mangelhaft gebauter Mittelhand mindert sich der Appetit häufig.
Der Verlauf dehnt sich auf mehrere Wochen oder Monate aus. Nicht selten ent­steht bei langer Kranliheitsdauer und vorzugsweise in Folge des heftigen Hustens eine krankhafte Erweiterung der kleinen Bronchien (Bronchiectasie) und alveoläres Lungonomphysem (Dämpfigkeit). Ausgeschlossen ist auch nicht, dass broncho-pneumonisohe Herde zur Ausbildung kommen. Als Regel kann aber gelten, dass die clironische Tracheo-Bronchitis nicht zum Tode führt. — Für die Diagnose liegen die wesentlichsten Beweismomente in der gosnndon BeschatTenheit der Lungen, in dem krankhaften Hustenreiz, in dem kräftigen Hustenstoss und in der Abwesenheit anderer Krankheiten des Respirationstractus, durch welche der Husten bedingt sein könnte. Die Prognose verlangt in einem ooncreten Falle gegenüber der Frage, ob die Affection zur Dämpfigkeit führen wird, eine gewisse Vorsicht. Bei zeitigem Beginn und auf­merksamer Durchführung der Cur gelingt indess die Heilung gewöhnlich. Die Be-iiniullung kann zunächst mit der Verabreichung von Expectorantien (Stib. sulfur, aurant., Ammon. chlorat., Tartar, stib. etc.) versucht werden. Daneben ist die Kr-nährung mit gutem Futter unter Beigabe von Mohrrüben, Kleie, Treber oder Lein-kuchenmehl zu bewirken. Von den Inhalationen mit Wasserdampf oder Carbolspray ist ein erheblicher Vortheil nicht zu erwarten. Günstig wirkt die von Levi empfohlene intratrachealo Injection von adstringirenden oder reizenden Modioamonton. Nach meinen Erfahrungen können ohne Bedenken von einer l,Oproo. Höllensteinlösung 20—50 Orm. täglich oder in Zwischenzeiten von 1—3 Tagen auf einmal injicirt werden. Levi benutzte 01. Tereb. mit 01. provinc. ana 5,0 zur Injection. Vortheilhaft wirkt auch die Injection einer 5proo. Jodkaliumlösung, die von den Pferden ohne Beschwerde er­tragen wird.
b. Der chronische Katarrh und die Ectasie der mittelgrossen und kleinen Bronchien entsteht vorwiegend im höheren Alter und kommt nur relativ selten vor dem 7.—8. Lebensjahr zur Ausbildung. Die Aetiologie ist nicht vollständig bekannt. Am meisten scheint die anhaltende Arbeit in schneller Gangart resp. die mit der anstrengenden Dienstleistung nothwendig verbundene forcirte Respiration die Bedingungen für die Entwickolung dieser chronischen Bronchitis zu bieten. Anderer­seits ist die dauernde Verabreichung grosser Quantitäten von Heu, besonders von feucht eingebrachtem, dumpfigen oder schimmeligen Heu zu beschuldigen. Indess lässt sich die nachtheilige Wirkung dieser durch die Erfahrung als schädlich erkannten Ernährung nicht genau bezeichnen. Es ist nicht wahrscheinlich, dass lediglich die Ausweitung der Bauchoingewoido und die hierdurch unterhaltene Belastung des Zwerchfells durch den übermässigen Genuss des Heues die Athmung beschränkt und den Katarrh der Bronchialschleimhaut zur Entstehung bringt. Denn die Fütterung von Stroh, bei welcher der Digestionstractus sich in gleicher Weise stark erweitert, hat keine nachtheilige Wirkung auf die Bronchien. Ebenso unwahrscheinlich ist die Behauptung, dass mit dem Heu pflanzliche Mikroorganismen ([nfectionskeime) in den Respirationstractus gelangen und die chronische Bronchitis veranlassen sollen. Mehr Berechtigung hat die Hypothese, dass die vorbezeichnete Fütterung von Heu eine schädliche Wirkung auf die nervösen Apparate der Bronchialwandungen hat und
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hierdurch eine Schwäche (Lähmung) in der Muskulatur derselben herbeiführt, mit welcher sich der chronische Bronchialkatarrh und demnächst ein alveoläres Lungen­emphysem verbinden.
Hiernach ist die häufigste Veranlassung der diffusen Bronchitis und Bronchi-octasio in der iibormässigon Belastung der Respiration beim Dienstgebrauch gegeben. Diese Ursache muss auch für diejenigen Fälle angenommen worden, in welchen die Krankheit als eine Complication des Kohlkopfpfeifens nach monate- oder jahrolangor starkor Anstrengung der betreffenden Pferde entsteht. Woniger klar ist die Aetiologio der Krankheitsfälle, bei welchen gleichzeitig ein chronischer Herzfehler vorhanden ist. Denn einerseits kann die durch Störung der Herzfunction bedingte Blutstauung in den Lungen und in der Bronchialschloimhaut die katarrhalische Affection der letzteren herbeiführen. Andererseits kann in Folge der Athemboschwerdo und durch die an­haltende Belastung des kleinen Kreislaufs der Herzfehler (Dilatation und Hypertrophie) entstanden sein.
In der Bronchialschleimhaut sind die Capillaren bald mehr, bald weniger mit Blut gefüllt. Eine erheblich gesteigerte Absonderung von Schleim tritt indess bei Pferden nur in der Minderzahl der Fälle ein. Vorwiegend besteht ein trockener Roi-zungszustand. Stellenweise oder in grösseror Ausbreitung erleidet die Bronchial­schloimhaut eine entzündliche Verdickung (Endobronch itis chronioa fibrosa). Bei der Erweiterung der Bronchien ist die Schleimhaut in einzelnen Partien verdünnt (atrophisch). Nach längerer Krankheitsdauer setzt sich der fibröse Entzündungs-process auf das poribronchiale Gewebe fort, welches an einzelnen Partien zu finger­dicken und stärkeren bindegewebigen Neubildungen degenerirt. In inveterirten Fällen dringt der bindegewebigo Entzüudungsprocess in die Substanz der Lobuli und ihre Interstitien (partiolle Lungeninduration).
Die Erweiterung kann die einzelnen Bronchien gleichmässig betreffen (cylin-drische Bronchi eotasie) oder sie kann partiell bestehen und eine mehr kugelige Form haben (sackigo B.). Perlschnurartigo und cystischo Formen der Bronchi-eetasie habe ich in den Lungen bei Pferden nicht gefunden. (Us bedingende Momente dor Bronchiectasien sind der erhöhte inspiratorische Druck bei der Dyspnoe und die starke Spannung der Bronchienwände beim Husten anzusehen. — Schwere Fälle vor­binden sich in Folge der starken Dyspnoe oft mit Lungonemphysem entweder mehr an einzelnen Stellen, namentlich in den unteren Partien oder allgemein in den Lungen.
Symptome. In der diffusen chronischen Bronchitis und Bronchiectasio findet eine häufig vorkommende Art der Lungendämpfigkeit ihre pathologisch-ana­tomische Grundlage. Die wichtigsten Erscheinungen sind: krankhafter Husten und Athemboschwerdo. Beide kommen In sehr verschiedenen Graden vor. Der Husten kann sogar ausnahmsweise vollständig fehlen und andererseits so lästig sein, dass er an sich schon die Nutzung der Thiero erheblich behindert. Im Uebrigen ist derselbe immer kurz (abgebrochen), weil bei der unvollständigen Ketractions-fähigkeit der Bronchialwandungen nur wenig Luft aus den Lungen ausgestossen werden kann. Hustenstoss kräftig, bei alten und mageren Pferden oft schwach, llustenschall entweder dumpf oder scharf. In vielen Fällen luiston die Pferde häufig beim Gehen, namentlich im Beginn der Arbeit. Zuweilen wird der Husten da­gegen beim Aufenthalt im Stalle, besonders während der Morgenstundon lästig. Der Reiz zum Husten steigert sich bei reichlicher Heufütterung. — Die Athembeschwerde ist durch dio mangelhafte Retraction der Lungen bedingt und daher vorwaltend ex-spiratorisoher Art: doppelscliliigige Flankenbewegung; exspiratorischo Vorschiebung
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dos Afters; iibnormo Erweiterung dor NasonolTnungen (vergl. S. 38). Bei vollständiger Ruhe athmon viele Patienten normalmässig, andere aber IC—24 Mal in der Minute und bei reichlicher Heufüttorung zeigen einzelne Pferde im Stalle eine erhebliche in- und exspiratorische Dyspnoe. Mit der zunehmenden Anstrengung der Pferde steigt die Athembeschwordo in der Regel auch relativ bedeutend und in einzelnen Fällen erlangt dieselbe nach jahrelangem Bestehen dos Leidens einen so hohen Grad, dass die Thiero zu jeder Arbeit unfähig sind. Dagegen kommen auch Fälle vor, in welchen das Athmen bei Beginn der Arbeit olTensichtlich erschwert ist und bald darauf leichter wird. Die Erklärung des letztgedachton Verhaltens ist darin zu finden, dass die chronische Entzündung vorwiegend in den Bronchien 2. und 3. Ordnung besteht und in den Ideinen Bronchien unerheblich ist. Sobald nun der Schleim aus den Bron-rliien sich durch die gesteigerten Athembewegungen entleert, so vormindert sich die krankhafte Belastung der Respiration. — Nicht immer charaktorisirt sich die Dyspnoe durch wogende Bewegungen der Planken. Wenn die Affection vorwaltend in einer diffusen Verdickung dor Schleimhaut besteht, so erfolgt das Athmen bei der an-suengenden Arbeitsleistung der Pferde krankhaft beschleunigt und mit abnormer Er­weiterung der Nasenöffnungon, aber nicht selten nur mit oberflächlicher in- und ox-spiratorisoher Bewegung der Flanken und ohne erhebliche Verschiebung dos Afters. — Ein wichtiges Kriterium der Krankheit besteht darin, dass nach der angestrengten Arbeit das Athmen beim ruhigen Stehen der Pferde erst in einer abnorm langen Zeit wieder auf das gewöhnliche respiratorische Verhältniss herabgoht. Oft vergehen 30—40, zuweilen bis 60 Minuten und darüber, bevor sich die Pferde von der Dyspnoe vollständig erholon. — Schleimfluss aus der Nase bekunden einzelne Pferde, besonders im Beginn der Arbeit (feuchter Dampf, Rieseldampf, Asthma hu­mid um). Wie bereits bemerkt, kann hierdurch die Dyspnoe auf einen niederen Grad herabgehen. Die meisten mit der diffusen chronischen Bronchitis behafteten Pferde zeigen keine Nasendejection (Trockener Dampf, Asthma siccum). — Die krank­haften Athmungsgeräusche verhallen sich sehr ungleich. Bei starker exspiratorischor Dyspnoe der echauffirten Patienten erfolgt in einzelnen Fällen die Ausstossung eines Theils der Lungenluft mit so grosser Intensität, dass in der Luftröhre und im Kehl­kopf ein lauter, giemender, exspiratorischor Ton entsteht. Für gewöhnlich ergiobt die Auscultation der Lungen nur ein gesteigertes in- und exspiratorischos Vesicular-gcräusch und in schweren Fällen finden sich feuchte und trockene Rasselgeräusche.
Verlauf, Die diffuse chronische Bronchitis ist unheilbar, kann aber viele Jahre bestehen, ohne die Ernährungsfähigkeit der Pferde zu beschränken. Gewöhnlich führt dieselbe nach kürzerem oder längerem Bestehen zur Ausbildung des substantiellen Lungenomphysems, in Folge dessen die Dyspnoe sich steigert. Manche Pferde bleiben trotz guter Fütterung mager und in einzelnen Fällen stellt sich eine diffuse, schleimig-eiterige Trachoo-Bronchitis mit Fieber und Abmagerung (Kachexie) ein, wodurch die Tliiero zu Grunde gehen resp. vollkommen werthlos werden.
Casuistik: Bronchitis et Peribronchitis chronica diffusa mit Em­physema pulmonum und diffuser Tracheitis. Am 6. Juni 1882 wurde in die Klinik eine fünfzehnjährige braune Stute, von leichtem Arbeitsschlag und magerer Condition eingeliefert. Sie war vor 8 Tagen gekauft und konnte wegen Athom-beschwerde nicht arbeiten. Das Pferd war fieberfrei, vorzehrte sein Futter lebhaft, hatte nur geringe Pulsfrequenz, athmote aber 40 Mal in der Minute. Häufiger kurzer und zuweilen dumpfer, meist aber hohler und rauher, im Ganzen lästiger Husten. Im Kehlkopf sowohl, wie in dor Luftröhre bestand eine krankhaft erhöhte Keizbarkoit,
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so dass beim Druck mit der Hand an eine beliebige Stelle der Luftröhre das Pferd sofort in Husten gerieth. Goringe Nasendejection von zähem, gelblich grauem, eite­rigem Schleim. 15eim Husten werden oft wallnussgrosso Klumpen von dieser Schleim-masse aus Maul und Nase entleert. Starke Dyspnoe mit klatschendem Nasalton. Kopf nach vorn gestreckt; Vordergliedmassen etwas auseinandorgostclll; die falschen Nasen­löcher aufgeblüht. Die Exspiration dauert etwas länger als die Inspiration. Exspi-ratorisohe Hebung der Wirbelsäule und augenfällige Afterbewegung. Beim Führen im Trabe an der Longe stieg die Zahl der Athemzügo nach 1 Minute auf 58 und die Dyspnoe wurde so heftig, dass das Pferd zu weiteren Anstrengungen unfähig war. Anhaltender Husten. Erst nach 30 Minuten Ruhe minderte sich die Zahl der Athem-ziige wieder auf 40 in der Minute. Percussionsschall an beiden Seiten des Brustkastens überall laut und tief. Bei der Auscultation trockene Rasselgeräusche (Piepen, Pfeifen, Schnurren) in beiden Lungen. Die Exspiration ist von einem giemonden Ton be­gleitet. Herztöne normal. An den folgenden Tagen blieb der Zustand sich wesent­lich gleich. Zuweilen versagte das Pferd die Futteraufnahme. Harn von saurer Reaction, goldgelb, dickflüssig, fadenziehend, spec. Gew. = 1037; viel Chlorver­bindungen und Tripelphosphat, wenig oxalsaurer Kalk, aber kein Eiwoiss. Resp. 40—45; Puls 48—60; Temp. 38,2—38,4; nur an einem Tage 39,2. Nach achttägiger Beobachtung wurde das Pferd getödtet. Die Autopsie der nach dem Schlachten über­sandten Lungen ergab Folgendes: Luftröhrenschleimhaut diffus geröthet und etwas verdickt, mit zähem grauweissem eiterigem Secret belegt, an einzelnen Stollen sehr gefiissreich. Bronchialdrüsen massig vergrössert. Lungen grösstentheils weich und normal contrahirt, aber stellenweise pelzig. Die mittleren und kloinen Bronchien in beiden Lungen erweitert, Schleimhaut leicht vordickt und mit zähem eiterigen Schleim belegt. Im linken vorderen Lungenlappen 2 wallnussgrosso bronchioetatische Höhlen mit zäher, grauweisser, eiteriger Schleimmasse. In der Nachbarschaft dieser Höhlen war das Lungengewebe zum grösseren Theil indurirt und in der weiteren Umgebung fand sich dieLungensubstanz mit den Interstitien gelatinös infiltrirt. In beidenLungen erschien die Durchschnittsfläche mit stecknadelknopf- bis linsengrossen, grauweissen Stellen durchsetzt (verdickte Wandungen kleinster Bronchien). Der mittlere Lappen der rechten Lunge enthielt eine taubeneigrosse bronchioetatische Höhle und war in grössoror Ausdehnung bindewebig degenerirt. Stellenweise fand sich in den Inter­stitien und in den Lobulis dieses Abschnittes eine gelatinöse Infiltration und auf der Durchsohnittsfläche machten sich die stark verdickton Bronchien leicht bemerkbar. Im vorderen Lappen und in der unteren Partie der rechten Lunge waren viele Lobuli stark aufgebläht (emphysematisch).
Selten wird der im Ganzen ziemlich gleichmässige chronische Verlauf der Athembeschwerde durch heftige dyspnoische Anfälle unterbrochen, welche dem Asthma nervosum (A. spasmodicum) des Menschen analog sind. Hering (Spec. Pathol.) ge­denkt unter dem Namen „Brustkrampfquot; des Asthma spasmodicum der P ferde und Spinola (Spec. Pathol.) erörtert in einer allerdings mehr generellen Betrachtung die Symptome und Therapie des angeblich bei allen Hausthieren vorkommenden „Asthma spasmodicum s. convulsivum s. periodicumquot;. Als „nervösequot; oder ,,re-mittirendequot; Dämpfigkeit ist eine angeblich bei sonst gesunden Pferden anfalls-weiso auftretende Dyspnoe seit langer Zeit in der Literatur aufgeführt worden (vergl. 0erlach, Gerichtl. Thierh., 2. Aufl., S. 239). Aber die Darstellung der Autoren ermangelt der objeetiven Beweisführung. Das bedingende Moment der dyspnoischen Anfälle wurde vielfach in einem Krämpfe der Bronchionmuskulatur vermuthet. Roll
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(Pathol., 5. Aufl., 1885, S. 230) spricht sich dahin aus, dass wohl kaum festzustellen sei, ob bei Thleren ein Krampf der Bronchlalmuskeln selbständig oder neben dem Lungenemphysem vorkomme und ob mit ihm die zeitweiligen Versclillmmerungen der Athemnoth dämpfiger Pferde zusammenhängen. Nach meinen Erfahrungen kann die vorübergehende Steigerung der üyspnoe bei der dllTuson chronischen Bronchitis in verschiedenen Ursachen beruhen (Aufnahme von voluminösem Futter, übermässige Anstrengung, acute Katarrhe der Resplrationsschlelmhaut, Einathmen irrespirabeler Gase). Daneben habe ich aber mehrere dämpfige Pferde behandelt, bei welchen der heftige dyspnoische Anfall nicht In dleserArtveranlasst sein konnte. Die Erscheinungen stimmten ganz überein mit den Symptomen des nervösen oder spasmodlschen Bron­chialasthma des Menschen. Des comparativ-wissonschaftllchon Interesses wegen will ich die kurze Geschichte eines Falles hier mitthoilen. — Braune Stute, Wagenpferd edler Abkunft, 11 Jahre alt, war im August 1885 in der Klinik wegen chronischer diffuser Bronchitis und Emphysem (Dämpfigkeit) von mir behandelt worden. Die Dys-pnoe hatte sich auf einem massigen Grade erhalten. Husten nicht überoiässlg lästig. Angeblich war das Pferd im Frühjahr 1886 zwei Tage lang von einer plötzlich einge­tretenen Athemnoth afficirt gewesen. Iinüebrigen wurde dasselbe täglich im Wagen ge­braucht. Am 13. Mai 1887 früh Morgens hatte sich unerwartet eine heftige Dyspnoe mit unruhigem und ängstlichem Benehmen gezeigt. Nachmittags 5 Uhr wurde das Pferd mittels Transportwagens' in die Klinik eingestellt. Nährzustand gut. Temp. 38,5. Heftige in- und oxspiratorischo Dyspnoe mit starker Erweiterung der Nüstern und weit hörbaren schnaufenden Athmungsgeräuschen. 24 Athomzüge in der Minute. Vorderfüsse gespreizt gestellt, Kopf gestreckt, Schweif leicht gehoben, Thorax ad maximum erweitert. Bei der forclrten und langen Inspiration hebt sich die Wider­ristpartie und die Rippen nähern sich aneinander. Die Exspiration erfolgt mit starker Contraction der Bauchmuskeln und weitem Vorschieben dos Afters. Intensiver Reiz zum Husten, der vergeblich zu unterdrücken gesucht wird. Der Husten ist hohl, gellend und zuweilen brüllend; er erfolgt bei starker Kopfstreokung unter Scharren mit den Vorderfüsscn, Drängen nach vorn und würgenden Bewegungen der Rachen­partie. Auf der Zunge und zwischen den Lippen feinblasiger Schaum. Schleimhäute cyanotisch. Aengstlicher, stierer Blick. Percussionsschall am Thorax laut und voll. Bei der Auscultation consonirende Kehlkopfgeräuscho. Puls 48, voll und glelchmässig. Appetit wird bekundet, Futter aber nicht verzehrt; Wasser in kleinen Portionen zeit­weise geschluckt. — Der Anfall dauerte bis 11 Uhr Abends, worauf die üyspnoe sich verringerte, auch Futter und Wasser aufgenommen wurden. Am folgenden Morgen um 6 Uhr waren sämmtlicho dyspnoische Erscheinungen verschwunden. Das Pferd zeigte auch weiterhin die Symptome der Lungendämpflgkoit nur in dem früher constatirton massigen Grade. — Ich muss diesen Krankheitsfall als spasmodisches Asthma deuten. Hinsichtlich der Aotiologle liefert derselbe aber ebensowenig eine bestimmte Aufklärung, wie das Wesen des Bronchialasthma bei Menschen bekannt ist. Letzteres wird von den Autoren theils auf einen tonischen Krampf der Muskeln in den kleinen Bronchien, theils auf eine acute Schwollung der Bronchialschleimhaut, theils auf eine durch primäre Reizung der Nasenschleimhaut reflectorisch hervor­gerufene Verengung der Bronchien zurückgeführt.
Die Diagnose der chronischen diffusen Bronchitis und Bronchiectaslo gestaltet sich bei aufmerksamer und vollständiger Erhebung der Symptome meist nicht schwierig. Zu verwechseln ist das Leiden mit der diffusen chronischen Pcrlbronchitis
D le ck erfaß ff, Spec. Pathologie u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; aq
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und mit dem Substantiven Lungenemphysem. Indess hat die Unterscheidung dieser unheilbaren Zustände kein praktisches Interesse. Im Uebrigen sind die Erscheinungen der acuten Respirationskrankheiten, sowie der chronischen Herzleiden und des Hydro-thorax besonders zu berücksichtigen. — Die Prognose ist hinsichtlich der dauernden Werthverminderung der Pferde ungünstig. Doch führt die unheilbare Krankheit nur in Ausnahmefällen zum Tode. Auch hält sich dieselbe oft Jahre hindurch auf einem massigen Grade und nicht selten lässt sich eine erhebliche Besserung des Zustandes erreichen, so dass die Thiere zu massigen Dienstleistungen im Schritt brauchbar bleiben. Wenn die Athembeschwerdo zum Theil auf die durch reichliche Fütterung mit Heu herbeigeführte starke Ausweitung dos Magens und Dickdarms bezogen werden kann, so ist zu erwarten, dass durch die Verabreichung von Futter mit engem NahrstofTverhältniss eine Beschränkung dos Bauchumfanges und eine erhebliche Er­leichterung der Athembeschwerde ermöglicht werden kann. — Ungünstig für die weitere Verwendung der Pferde sind die Fälle zu beurtheilen, bei welchen ein sehr frequenter und lästiger Husten besteht. — Die Kchandlnng ist im Wesentlichen auf die kräftige und reichliche Ernährung der Patienten zu beschränken. Zuweilen er­weist sich die anhaltende Darreichung von Arsenik (Acid, arsen. 0,5—0,75 mit Stib. sulfur, aurant. und Stib. sulfur, nigr. ana 10 pro die mit dem Futter zur Selbst­aufnahme) nützlich. — Ob durch die intratracheale Behandlungsmethode (Injection einer Lösung von Arg. nitr, oder Jod) ein wesentlicher Erfolg zu erzielen, namentlich der lästige Husten zu beseitigen ist, kann ich in Ermangelung bestimmter Erfahrungen nicht entscheiden.
c. Die Bronchitis chronica capillaris(Bronchiolitis chronica) geht nicht selten aus dem acuten diffusen Bronchialkatarrh hervor, kann aber auch als eine selbständige Krankheit sich ursprünglich entwickeln. Veranlasst wird dieselbe in der Regel durch eine Herz - und Lungencongestion nach übermässiger Anstrengung. Namentlich sind Pferde im Alter von 5—8 Jahren, welche sich an erhebliche Arbeits­leistungen noch nicht gewöhnt und kein Kraftfutter erhalten haben, bei starkem Ge­brauche im Trabe dieser Erkrankung nicht selten unterworfen. Es entsteht zunächst eine Congestion und Schwellung der Schleimhaut in den kleinen und kleinsten Bron­chien, darauf Verdickung der Schleimhaut und in manchen Fällen eine allgemeine fibröse Entzündung des peribronchialen liindegewebes. Die Krankheit ist deshalb von grossem Interesse für die Praxis, weil dieselbe schon 2—3 Wochen nach ihrer Ent­stehung sich als ein chronisches und unheilbares Leiden charakterisiren und eine er­hebliche Athembeschwerdo (Dämpfigkeit) bedingen kann.
Symptome. Kurzer, scharfer, bei längerer Krankheitsdauer oft dumpfer Husten. Zuweilen fehlt aber der Hustenreiz ganz. Abnorm frequentes Athmen bei der An­strengung der Pferde mit dyspnoischer Erweiterung der Nüstern und oberflächlichen in- und exspiratorischen Bewegungen der Bauchwand. Allgemeiner Schweissausbruch nach massiger Arbeitsleistung. Verzögerte Beruhigung des Athmens nach der An­strengung der Pferde. Es vergehen gewöhnlich 35—40, zuweilen 60 Minuten und darüber, bevor die Frequenz des Athmens auf die Norm herabgeht. Bei starker An­strengung tritt mit der tieferen Inspiration eine relativ verlangsamte Respirations­frequenz ein, so dass die bis zum allgemeinen Schweissausbruch angestrengten Pferde gleich nach dem Anhalten etwa G5 —70 Mal unter wogenden Flankenbewegungen, 1—3 Minuten nachher aber 90—100 Mal pro Minute oberflächlich athmen, worauf die Athmungsfrequenz sich alimiilig in 40—GO Minuten auf das gewöhnliche Vorhältniss
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vermindert. Wenn eine allgemeine fibröse Peribronchitis in beiden Lungen an den Bronchiolen besteht, so bekundet sich der krankhafte Athmungsmechanismus in der Form der in- und exspiratorischen Dyspnoe. — Appetit, Puls und Temperatur sind in der Regel normal. — Die Auscultation orgiobt trockene Rasselgeräusche in den Lungen und der Porcussionsscliall am Thorax ist nicht verändert.
Bei der Section fand ich immer, dass die Lungen vollständig zusamtnondelen. An den unleren, stellenweise atrophisch gewordenen Partion bestehen zuweilen atelek-tatischo Zustände. Aber eine Alveolarectasie (Emphysem) habe ich nicht nach­weisen können. Auf den üurchsohniltsflächen erscheint die normal rothe Lungon-substanz der Lobuli mit hanfkorn- bis linsongrosson, zum Theil noch etwas grösseren grauweissen Flecken durchsetzt (fibrös verdicktos, peribronchitisches Gewebe), aus deren Mitte (den kleinsten Bronchien) etwas schleimiges Secret ausgepresst worden kann. Das dogencrirte poribronchiale Gewebe geht ohne scharfe Umgrenzung in die fleischfarbene Lungensubstanz über. Bei jahrelanger Krankheitsdauer sind gewöhn­lich auch die Wandungen der Bronchien 2. und 3. Ordnung stark verdickt. Die Schleimhaut ist geröthet und mit einer dünnen Lage von zähem Schleim bedockt. Meist sind beide Lungen in grosser Ausdehnung, aber nicht gleichmässig von der diffusen fibrösen Peribronchitis betroffen.
Die Diagnose der diffusen chronischen Capillarbronchitis ist gegenüber den anderen Arten der Lungendämpfigkeit schwierig. Am meisten spricht die abnorm frequente, aber oberflächliche Respiration für das Bestehen derselben. In älteren Fällen gestaltet sich die Athmungsmechanik wie beim Substantiven Lungenemphysem. — Die Prognose ist ungünstig und die Behandlung kann wie bei jeder anderen Lungen­dämpfigkeit im Wesentlichen nur darauf gerichtet werden, durch zweckmässige Er­nährung die Kräfte des Thieres zu heben und die Belastung der Lungen durch mög­lichste Beschränkung des llauffutters herabzusetzen.
d. Primäre fötido Bronchitis. Faulige Umsetzungsprocesse in dem Secret der Bronchien mit der Bildung eigenartig übelriechender Oase entstehen oft bei ichor-rhösen und abscedirenden Lungenentzündungen seeundiir. Dagegen gehört die Fäul-niss in dem schleimig-eiterigen Krankheitsproduct der chronischen Bronchiectasie (Bronchitis foetida idiopathica) bei gesunden Lungen zu den seltenen Aus­nahmefällen. Ich habe nur ein Pferd (einen löjiihrigen Wallach von leichtem Arbeits­schlag) wegen dieser Krankheit behandelt, die 2 Jahre lang bestehen blieb, bevor das Thior worthies wurde. Neben den Erschoinnngen der Dyspnoe bestand eine copiöse Entleerung eines eiterig-schleimigen Dejecles von süsslioh-fauligem Geruch aus der Nase. Pulsfrequenz massig beschleunigt; Blultemperatur normal oder in leichtem Grade erhöht. Futteraufnahme nur vorübergehend verringert. Nach 2 — 3 Wochen minderte sich die Dejection der Nase; doch wiederholte sich dieselbe später mehrfach, ohne dass äussero Anlässe (Erkältung) zu beschuldigen waren. — Die Diagnose lässt sich nur unter liorücksichtigung des Krankheitsverlaufes begründen. Eine Ver­wechselung mit Lungenbrand kann leicht vorkommen. Zu beachten ist auch der üble Geruch aus Nase und Maul hei Geschwülsten in den Kopfhöhlen und bei Krank­heiten der Backzähne. — Für die Kehaiuliung lässt sich nur die Aufgabe vorfolgen, die Secretion der krankhaft erweiterton Bronchien zu beschränken. Da das in den Buchten und cylindrischen Ausweitungen stagnirende Secret einen fortdauernden Reiz auf die Schleimhaut übt, so ist möglichst auf die Entfernung dos Secretes und auf die Beschränkung der Umsclzungsprocosse in demselben hinzuwirken. Dies geschieht
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am meisten durch die Inhalation mit Carbolwassei' oder Terpentinöl. Die innere Medication hat keine Vortheile. Ob durch intratracheale Injectionen ein günstiger Einfluss auf den Verlauf der fötiden Bronchitis erreichbar ist, lässt sich gegen­wärtig noch nicht mit Sicherheit entscheiden.
Capitel LXXI. L u n g e n e in igt; h y s e m.
Im weitesten Sinne wird als Lungenemphysom jode anhaltende üborstarke Füllung der Alveolen oder des intorlobulären Gewebes mit Athmungsluft, fernor die durch Zer­setzung von Kntzündungsproducten veranlasste Entwickelung und Anhäufung von Fäulnissgasen in den Lungen bezeichnet. Dass solche Zustände zum grosson Theil keine selbständigen Lungenkrankheiten darstellen, liegt auf der Hand. Ueber die klinische Bedeutung derselben und über ihr Verhältniss zur Lungendämpfigkeit der Pferde habe ich mich in einem orientirenden Aufsatze (Adam's Wochenschr., 1884, S. 357) des Näheren ausgesprochen. — Bei acuten infectiösen und katarrhalischen Entzündungen und bei Blutungen in den Lungen entsteht eine Zersetzung der Krank-heitsproducto mit Gasentwickelung, wobei die Gase sich im interlobulären und sub-pleuralen Gewebe anhäufen, auch über die vordere Brustapertur an der Luftröhre entlang sich im subcutanen Gewebe weiter verbreiten. In solchen vorhältnissmässig seltenen Fällen ist das (septische) Emphysem nur eine ungünstige Complication der Pneumonic oder der Lungenblutung. — Sehr oft endet das Leben der Pferde bei tödl-lich verlaufenden Krankheiten in einem Momente, in welchem die Lungen in Folge abnorm langer Inspirationen eine übermässige Ausweitung erlangen. Dann erscheinen die Lungen bei der Section ungewöhnlich gross und an den Rändern abgerundet. Sie nehmen Fingereindrücke an, die sich langsam wieder ausgleichen. Ihre Consistenz gleicht einem mit Flaumfedern massig gefüllten Kissen. Da die üborgiosse Anfüllung der Lungen mit Athmungsluft aber erst im Todesacte entsteht, so hat sie nur ein Interesse für die Sectionsdiagnose. — Im Verlaufe acuter Krankheiten der Brustorgane tritt eine Ausweitung beider Lungen oder eines Theils derselben dann ein, wenn die Pferde wegen schmerzhafter Empfindungen die Brustwandungon stark erweitern und feststellen. Hierbei erfolgt die dyspnoische und frequente Athmung mit ganz ober­flächlichen Bewegungen der Flanken (vergl. das Capitel der Pleurodynio). Ein der­artiges Verhältniss, bei welchem die Hetractionsfähigkeit der Lungen nicht krankhaft verringert ist, wird als acute Lungenblähung (acutes vesiculäres Emphy­sem) bezeichnet. — Durch starke Inspiration kommt bei schwerer Anstrengung ge­sunder Pferde, aber auch im Verlaufe von Krankheiten zuweilen eine Ruptur der Alveolarwand oder eines Bronchiolus zu Stande, so dass Luft in die Interstitien der Lungen, In das subpleurale Gewebe, zwischen die Blätter des Media­stinum und In das retropleurale Gewebe, zuweilen noch weiter in die Subcutis am Kücken und am Thorax, sowie in das retroperitoneale Gewebe (getrieben wird. Ich
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habe diese Art des Kmphysems nur bei einigen Pferden beobachtet und bin dor Moi-tmng, dass dieselbe nicht so häufig vorkommt, wie in der Literatur behauptet ist. Sofern nicht eine schwere Krankheit besteht, verliert sich das in dieser Art ent­stehende Emphysem durch allmälige Resorption der Luft bei ruhigem Verhalten des betreffenden Pferdes in 8—12 Tagen. Eine Behandlung mit Einschnitten in die Haut oder mit adstringirenden Waschungen kann zur Abkürzung der Zeit Nichts beitragen.
Nach der von Laennec (1819) begründeten und seit dieser Zeit allgemein angenommenen engeren Begriffsbestimmung giebt es zwei Arten von chronischem Lungenemphysem:
1) Die permanente inspiratorische Erweiterung der Alveolen (vesiculäres oder alveoläres Emphysem), welche bei Pferden an einzelnen Partien der Lungen oft zu Stande kommt (vicariirondes oder complementiires Emphysem) und in manchen Fällen von Dämpfigkeit eine grössere Ausbreitung über die Lungen erlangt (diffuses oder substantives-Emphysem). Als ver­anlassendes Moment für die Ausweitung der Alveolen (octatlschos Emphysem) ist der bei anhaltender Anstrengung älterer Pferde und bei heftigen Hustenanfällen theils mit der Inspiration, theils mit der Exspiration sich steigernde Druck der Athmungsluft anzusehen. Bei Menschen werden auch nutritive Anomalien des Lungenparenchyms als Ursache beschuldigt. Von den Pferden hat die-Erfahrung bisher Nichts ergeben, was auf solche Einflüsse zurückgeführt worden müsste. Die Pathogenese des vicariirenden Alveolaremphysems beruht der Regel nach darin, dass bei dem Bestehen einer mangel­haften Athmungsfähigkeit einzelner Lungenpartien die inspirirte Luft ungleich ver-theilt und dass hierbei in den benachbarten Partien eine compensatorische Druok-steigerung eintritt. Hierdurch verlieren die letzteren ihre Elasticität, so dass sie in dem Zustande der grössten Erweiterung verharren. Unerheblich ist das vioariirende Emphysem in hühnerei- bis faustgrosser Ausdehnung bei einer Pneumonic.
Von dem allgemeinen chronischen vesiculären oder Substantiven Emphysem haben Bruckmüller, Roll, Haubner und Gerlach angegeben, dass es die häufigste Grundlage der Dämpfigkeit sei. Genauere Untersuchungen hierüber wurden neuerdings aufVeranlassimg Bollinger's von Stömmer (Deutsche Zeitschr. f. Thiermed., 1887, S. 93) vorgenommen. Hierbei hat sich ergeben, dass sich in vielen Fällen von Lungendämpfigkeit die Pferdelungon anatomisch und histologisch wie menschliche, mit chronischem vosiculärem Emphysem belastete Lungen verhalten. Auch fand Stömmer in solchen emphysematösen Lungen eine bedeutende Rarefication Hos Gefässsystems. Bei längerem Bestehen des Emphysems worden die Alveolen auf Kosten ihrer Septa ausgedehnt. In den letzteren entstehen grössere und kleinere l)e-fecte und die Endotholion unterliegen der Verfettung. Bei gesunden Pferden dilTerirl die Grosse der Alveolen, wie Pranck (Anatomie, 2. Aufl., 1883, S. 621) fostgestolll hat, nach dem Alter. Die Weite beträgt bei frischgoborenon Fohlen 0,06 Mm. und bei erwachsenen Pferden 0,13 Mm. Stömmer fand bei erwachsenen Pferden eine durch­schnittliche Alvoolengrösse von 0,13—0,14 Mm.; dagegen hatten die Alveolen in den liimgen von zwei, in hohem Grade an substantivem Emphysem erkrankten 18 resp. 19 Jahre alten Pferden eine Weile von 1,0—1,5 Mm. Bei anderen dämpfigon Pferden betrug die Alveoiengrösse 0,6 Mm. — Nach längerem Bestehen des niäsohenemphysems worden die Alveolarwatidungen der betroffenen Lobuli atrophisch; os bilden sich durch Conlluenz der erweiterton Alveolen grössere Hohlräume, die sich bis in das sub-pleurale Gewebe erstrecken können. Auch berstet bei dänipligen Pferden, wenn die Dyspnoo durch starke Anstrengung einen hohen Grad erlangt, zuweilen das atro-
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726nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
phisch gewordene Lungenparenchym oder'die Wandung eines Infundibulum, so dass Luft in die Interstitien über einen grösseren Thoil der Lungen eindringt. Bei der Section solcher Pferde erscheinen die Lungen abnorm gross, puffig, an den Rändern abgerundet und an den eetatischen Herdon über die Oberfläche boulenförmig hervor­ragend.
Die Syni|itunic beruhen in der Athombeschwerde, die in der Hegel erst bei an­strengendem Dienstgebrauch sich geltend macht. Vorwaltend treten die Erscheinungen der exspiratorischen Dyspnoe hervor. Bei der häufigen Verbindung des Emphysems mit der chronischen Bronchitis besteht meist auch krankhafter Hustenreiz. Zuweilen fehlt derselbe. Husten kurz und dumpf, nicht selten aber scharf. In der Ernährungs­fähigkeit stellt sich meist erst nach mehreren Jahren eine Beeinträchtigung ein. Prognose quoad vitam günstig; aber eine Restitution der Lungen ad integrum ist ausgeschlossen. Therapie. Ausser mit den beschränkten Hiilfsmitteln, welche bei der diffusen chronischen Bronchitis von einigemNutzen sind (vergl. S. 722), lässt sich gegen das vesiculare Lungenemphysem der Pferde ein directos Ourverfahren nach rationellen Tndicationen nicht zur Anwendung bringen. Die nach übergrosser Anstrengung ein­tretende Steigerung der Athembeschwerde erfordert eine passende Verpflegung, die zuweilen den Erfolg hat, dass die Pferde nach 5—10 Tagen wieder in dem früheren Orade benutzungsfähig werden.
2) Das chronische interstitielle odor interlobuläre Emphysem. Die Extravasation von Athmungsluft in Folge einer minimalen und nicht nachweis­baren Ruptur der Alveolarwand oder eines Bronchiolus in die interlobulären Bindc-gewebszügo und in die Subpleura wurde in der Medicin zuerst von Laönnoc be­schrieben und als „intorlobuläres Emphysemquot; bezeichnet. Im Todesacte entsteht bei Pferden, die an den verschiedensten Krankheiton eingehen oder durch Verblutung ab­ieben, sehr oft und vorwiegend an den vorderen Lappen, sowie an den unteren Rändern der Lungen ein mehr oder minder ausgebreitetes interlobuläres Emphysem als Folge der sufTocatorischen Todesart. — Wie S. 724 angegeben wurde, kann ferner bei starker Dyspnoe, namentlich im Verlaufe von Lungenkrankheiten Luft in das Bindegewebe der Lungen oxtravasiren und bis in die äussere Haut eindringen. Diese abnorme Luftansammlung ist nicht von langer Dauer. Soweit die Pferde nicht an den Lungenkrankheiten vorenden, verliert sich das Emphysem innerhalb 14 Tage wieder. — Nun kommt aber bei Pferden ausserdom noch — wenngleich nur selten — ein intorlobuläres Emphysem zur Entstehung, welches sich bald in höherem, bald in niederem Grade forterhält und nicht zum Verschwinden gebracht werden kann. Wie die Pathogenese dieses Emphysems vor sich gehl, ist nicht vollständig bekannt. Bei schwerer Arbeitsleistung scheint der inspiratorische Uoberdruck oder dor starke Ex-spirationsdruck für sich allein schon auszureichen, um in gesunden Lungen die Ruptur der Wandung eines capillaron Bronchus oder eines Infundibulum und die Fülh.ng der Lungeninterstitien mit Luft herbeizuführen. In anderen Fällen werden wahr­scheinlich nutritive Gowebsanomalicn (atrophischo Zustände) in den Bronohiolen das Zustandekommen der Luftextravasation begünstigen. Hierfür spricht schon die That-sache, dass zuweilen bei den wegen diffuser Bronchiectasie dämpfigen Pferden nach einer übermässigen Anstrengung sich das interstitielle Lungenemphysom ausbildet. F'ür die Thatsache, dass dasselbe dauernd bestehen bleibt und rosp. die Dämpfigkeit bedingt, fehlt es an einer ausreichenden Erklärung. Wahrscheinlich hängt die Un-heilbarkeit mit materiellen Voränderungen einzelner Bronohiolen zusammen, so dass sich die minimalen Rupturen derselben nicht wieder schliessen und das Eindringen
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Lungeninduration und Lungengesohwülste.
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dor Inspirationsluft in die Interstitien nur durch den Gegendruck der Lungensubstanz beschränkt wird.
Die Symptome bestehen einmal in der in- und exspiratorisehen Dyspnoe, die schon im Stande der Ruhe, mehr aber bei anstrengender Arbeitsleistung der betreffen­den Pferde sich geltend macht. Pulsfrequenz normal, oder entsprechend der Dyspnoe massig beschleunigt. Als specielles Merkmal ergiebt die Auscultation des Thorax neben dem gesteigerten in- und exspiratorischen blaschongeräusch trockene Rassel-gerüusche verschiedener Art (Piepen, Zirpen, Flöten, Schnarren, Klingen etc.) und in denjenigen Partien, in welchen die Lobuli durch die extravasirte Luft stark zu­sammengedrückt sind, Bronchialgeräusch. — Die Diagnose verlangt bei dem seltenen Vorkommen des chronischen interstitiellen Lungenemphysems einige Vorsicht. Gegen­über den acuten Entziindungszuständen der Lungen, bei welchen Blut oder Exsudat der Zersetzung und Gasentwickelung unterliegt, ist auf die Allgemeinaffection zu achton. Schwierig kann die Unterscheidung von der diffusen chronischen Bronchiolitis bei einem Pferde sein, welches nach übormässigon Anstrengungen die Symptome einer schweren in- und exspiratorischen Dyspnoe zeigt.' Zu beachten ist ferner, dass bei der gewöhnlichen Lungendämpfigkeit (Bronchiectasie und substantives Emphysem) zuweilen vorübergehend eine Luftextravasation eintritt, die sich nach 2—10 Tagen wieder verliert. In solchem Falle kann die Diagnose nur durch den Krankheitsverlauf oder die Anamnese gesichert werden. Die Prognose ist ungünstig. Durch sorgfältige Krnährung der Patienten gelingt wohl die graduelle Verminderung der Athem-heschwerdo, nicht aber die vollständige Heilung der Krankheit. Zur Behandlung kann die lange fortgesetzte Verabreichung von Arsenik versucht werden.
Capitel LXXII. liiingenindnration und Lnngengeschnttlste.
Indurirondo Entzündungsprocosse im peribronchialen Gewebe, iu den Inter­stitien oder im Parenchym der Lungen entstehen bei Pferden oft, aber meist nur in kloinen Abschnitten der Lungen, so dass sie keine Nachtheilo mit sich bringen. Die bei der chronischen Bronchitis zuweilen eintretende bindegewebige, schwielige Dege­neration einer kleineren oder grösseren Lungenpartie ist bereits S. 718 gewürdigt. Wegen der Pathogenese der beim chronischen Rotz vorkommenden, mehr oder minder umfangreichen Lungeninduration (Kotzgewächse) verweise ich auf S. 138. Jede andere Pneumonie kann an einer kloinen Partie der Lungen zur Gewebsdestruction führen, so dass bei der itellung des Entzündungsherdes sich das interstitielle Bindegewebe der Nachbarschaft fibrös verdickt (Cirrhosis pulmonum). Sehr oft führt bei Pferden, wie bei Menschen, dio Kntzündung in dem zungenförmigen Lungenlappen zur Ateleclaso und demnächst zur bindegowobigen induration (Collapsinduration), wobei sicii die Bronchien erheblich erweitern. Wenn die Lungen an einer kleinen Stelle mit der Pleura verwachsen, so setzt sich der fibröse Entzündungsprocess auf
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728nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
die Lungeninterstitien dor Nachbarschaft fort, welche nicht selten in der Ausdehnung einer menschlichen Hand verdickt erscheinen. Die gleichen Folgezustiindo in der Nachbarschaft verursacht zuweilen die Vernarbung von Abscessen und anderen De-feoten in den Lungen. — Dass die vorbezeichneten cirrhotischen Zustände eine erheb­liche Störung der Respiration herbeiführton, wird nicht beobachtet. Sie haben des­halb vorwiegend nur ein Interesse für die Sectionsdiagnose.
Bei Menschen kommen durch das Einathmen von Staub oft chronische bronchitische und interstitiello, diffuse oder knötchenförmige Verdickungen mit Atrophie der Lungen (Staubinhalationskrankhciton, Pnoumonokoniosen) zur Ausbildung. Nach derAetiologie wird unterschieden zwischen der Erkrankung nach dem Einathmen von Kohlenstaub (Anthrakosis), von Eisonstaub (Siderosis) und von Thonerdestaub (Aluminosis). So­weit die thatsächliche Erfahrung reicht, findet sich bei alten Pferden wohl zuweilen etwas Kohlenstaub in den kleinsten Bronchien; os ist aber nicht bekannt, dass eine erhebliche chronische Lungonkrankheit durch das Einathmen von Staub voranlasst wird.
Als Botriomykose der Lungen deflnirt Bellinger (Deutsche Zeitschr. f. Thierraed., 13. Bd., 1887, S. 176) die in den Lungen eines Pferdes gefundenen hasel-nuss- bis wallnussgrossen Knoten, die ihren Sitz meist in den peripheren Theilen und unter der Pleura hatten. Die Knoten sind derb, von grauweisser Farbe und setzen, sich ohne Abgrenzung strahlenförmig in das umgebende Lungonparonchym fort. Bellinger (Virch. Arch., 49. Bd., 1869, S. 583) fand, dass diese fibromatösen Knoten durch den Parasitismus eines pflanzlichen Organismus entstanden waren, den er zunächst „Zoogloea pulmonis equiquot; benannte, der aber mit dem von Rivolta, .lohne und Rabe in Samenstrangverdickungen und anderen Geschwülsten nachge-wiesenemMikroorganismus identisch ist. Rabe, der den Organismus sorgfältig studirt und seinen pathogenen Charakter experimentell festgestellt hat, gab ihm den Namen: „Micrococcus botryogenusquot;. Im Anschluss an diese Nomination schlägt Bel­linger die Bezeichnung: „Botryom.yoesquot; (Traubenpilz) vor, worauf die Defini­tion des geschwulstbildenden Processes und seiner Folgen als Botryomykosis sich be­gründet. Welche Bedeutung diese Geschwulstbildung in den Lungen nach der grössoren oder geringeren Häufigkeit ihres Vorkommens hat und ob dieselbe für die Diagnose intra vitam ausreichend beurthoilt werden kann, müssen weitere Untersuchungen lehren.
Speckige Pneumonie (Pneumonia lardea) habe ich (Adam's Wochen­schrift, 1884, S. 378) eine Induration des Lungenparenchyms und der Interstitien ge­nannt, welche in multiplen Herdon auftritt, zum Thoil auch im Zusammenhango über relativ grosso Abschnitte der Lungen sich ausbreitet und vorwiegend bei alten Pferden zur Entstehung gelangt. Ihrem Charakter nach beruht diese Induration auf einer chronischen Infection. Indoss Ist bis jetzt nicht festgestellt, ob dieselbe mit der Botryoraykose Bollinger's identisch ist oder durch einen besonderen Mikroorganis­mus verursacht wird. Die Erkrankung orgreift das Lungenparenchym entweder an zahlreichen Stellen gleichzeitig oder sie breitet sich in einzelnen Horden nach und nach über grössere Abschnitte der Lungen aus, welche speckartig degeneriren, eine grauweisso oder gelblich graue Farbe erlangen und für die Athmung untauglich worden. In den späteren Stadien setzt sich der Process auch auf die Wandungen der Bronchioli fort. — Die Symptome bekunden sich in einer Dyspnoo mit erheblich gesteigerter Athmungsfroquenz und oberflächlichen in- und exspiratorischen Flankonbewogungen. Die Ergebnisse dor Auscultation und Percussion sind in den einzelnen Fällen nicht gleich. Bei grosser Ausdehnung der Krankheitsherde fohlt das Athmungsgerilusch an der betreffenden Partie dos Thorax, an welcher auch der Percussionsschall ge-
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Luiigpiiinduration und Lungengeschwiilste.
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dämpft ist. — Fieber und Pulsfrequenz stellen sich erst nach langer Dauer der Krank­heit und hei schwerer Belastung der Respiration ein. Die Dyspnoe hat demnach im Allgemeinen die Eigenschafton der Dämpfigkeit. Nach ',2 —1 Jahr erlangt die Ver­legung des respiratorischen Parenchyms einen so bedeutenden Umfang, dass die Pferde wegen der grossen Athmungsbeschwerde arbeitsunfähig werden. — Die Be­handlung der Krankheit ist aussichtslos.
Casuistik der multiplen speckigen Pneumonic. 1) Leichtes Arbeits­pferd — brauner Wallach, 15 Jahre alt —, welches angeblich seit 5 Tagen oft ge­hustet und weniger Appetit gezeigt hatte, wurde am 5. December 1883 in die Klinik gebracht. Athmen oberflächlich, aber mit ausgesprochener inspiratorischor Dyspnoe. Beim Einathmen werden die NasenöfTnungen stark erweitert; Wirbelsäule in der Widerristpartie gehoben. Afterbewegung unerheblich. Exspiration ohne Boschwerde, zeitweises Husten. Bei der Auscultation verstärktes Vosiculärgeräusoh; an der linken Thoraxsoite stellenweise kein und an anderen Stellen schwaches unbestimmtes Ge­räusch. Percussionsschall nur in der unteren Hälfte der linken Thoraxseito gedämpft, sonst normal. Beim Percutiren der linken Seite hustet das Pferd einige Male. — Nach diesem Befunde vermuthete ich eine diffuse Bronchitis mit linksseitiger subaouter Pneumonie. Einreibung der Brustwandungen mit Senfspiritus und Verabreichung von Excitantien änderten das Krankheitsbild nicht. Futter wurde nur wenig aufgenommen, an einzelnen Tagen mehr, als an anderen. Das Pferd wurde am 22. December als unheilbar durch Verblutung getödtet.
Datum.
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Datum. R.
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5. December
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13. December 66
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39,1
Autopsie: Beide Lungen an der Oberfläche höckerig,-wulstig; Pleura nicht vor­ändert. Die Schnittfläche mit zahlreichen höhnen- bis Inihnereigrosson, grauweisson, hellen und derben, aber leicht biegsamen Herden durchsetzt. Von vielen Lungen-läppchen sind einzelne Partion zu solchen speckig derben, platten, grauweisson Massen entartet. Manche dieser Herde erstrecken sich an den Bronchien entlang über mehrere Lobuli. Nirgends findet sich aber eine Abkapselung derselben, obwohl sie auf dor Schnittfläche scharfrandig erscheinen ; das benachbarte Lungengewobo ist gesund. An mehreren Bronchien lässt sich nachweisen, dass die krankhafte Gewebsmasso der Herde auch das peribronchiale Gewebe durchdringt. Soweit die Lungensubstanz niclit von der Degeneration betroffen ist, hat sie ein normales Ansehen. An vielen Stelion ist das interlobulärc Gewebe mit den angrenzenden Partien der Lobuli dogencrirt, während die kleinen Horde in dem alveolären Paronchym sitzen. Am stärksten ist die untere Hälfte der linken Lunge mit Indurationsherden durchsetzt. Die Broncliion beider Lungen enthalten eine röthliche, schaumige Flüssigkeit; die Bronchialschlcim-haut entzündlich geröthot. An den bronchialen und modiastinalcn Lymphdrüsen er­scheint die Schnittfläche markig; sonst finden sich keine Veränderungen.
2) Zwölfjähriger brauner Wallach, Arbeitspferd, von mittlerer Schwere, wurde am 4. Juli 1881 der Klinik überliefert. Das Pferd war einige Tage vorher ohne Garantie verkauft und konnte wegen grosser Athomboschwerde nicht gebraucht worden. Nährzustand schlecht; Blick gläsern; Schleimhäute anämisch; Kohlgang frei. Herz­schlag in massiger Stärke fülilbar. Herztöne rhythmisch und äqual. Puls 54. Re­spiration 68, mit dyspnoischer Erweiterung der Nase und lautem Stöhnen. Der
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730nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkrankheiten,
künstlich erregte Husten kurz, massig stark und oft wiederholt. Aus beiden Nasen­löchern wird eine schmierige, grauweisse Flüssigkeit in geringer Menge entleert. Die Auscultation ergiobt an beiden Brustseiten verstärktes, sowohl bei der In- als bei der Inspiration hörbares Vesiculärathmen. Percussionsschall an beiden Brustseiteh überall voll und hell. Bluttemperatur 39,0. Appetit sehr gut. Beim Führen im Schritt bewogt sich das Pferd munter und ohne Unbequemlichkeit. Am 5. Juli Puls 48; Resp. G4; Temp. 38,8. In den nächsten Tagen änderte sich das Bild nicht wesent­lich. Puls 40—46, Resp. 60—72, Temp. 37,8—38,2. Dyspnoisohe Erweiterung der ISase, aber oberflächliche Respirationsbewegungon der Bauchmuskeln. Afterbewegung fehlt. — Nach diesem Befunde diagnosticirte ich eine chronische, unheilbare Dege­neration des Lungenparenchyms. Der Besitzer Hess das Pferd am 12. Juli tödten. liei der im pathologischen Institut ausgeführten Section sanken die Lungen nach Er-öfTnung des Brustkastens bis zum mittleren Inspirationszustand zusammen. Im Herz­beutel fand sich ein EsslöiTel voll klarer, hollgelber Flüssigkeit. Am Herzbeutel und am Herzen keine Veränderung. Pleura überall normal. Die Lungen zeigen an ihrer Oberfläche erbsen- bis wallnussgrosse derbe Knoten. Auf dem Durchschnitt finden sich viele Lobuli durch 2 Mm. breite, grauweisse Bindegewebszüge von einander ge­trennt. Im Uebrigen ist die Schnittfläche derb und fest. Die nähere Besichtigung derselben ergiebt, dass sehr viele kleine, etwa zehnpfonnigstückgrosse Stellen des ljungenparonehyms grauweiss gefärbt und speckig degenerirt, während die zwischen den kranken Horden befindlichen Partien luflhaltig sind. Die Wandungen der kleinen Bronchien in den krankhaft verhärteten Lungenpartien sind etwas verdickt, die Bronchialschleimhaut glatt und mit zäher, glasiger Flüssigkeit bedeckt.
Sarkome und Carcinomo der Lungen kommen nurvereinzelt vor und führen im Verlaufe mehrerer Monate stets zum Tode. Sie bedingen eine Dyspnoe mit relativ starker Respirationsfrequonz, aber erst nach längerer Zeit eine erhebliche Störung des Allgemeinbefindens (vergl. den S. 574 mitgetheilten Krankheitsfall).
Capitel LXXIII. Liingendämpfigkeit. \stliiim pnlmonale.
Die „Dämpfigkeitquot; (der „Dampfquot;) umfasst im Sinne der gesetzlichen Bc-slimnuingcn, welche die Gewährleistung beim Kauf und Tausch von Pferden regeln, eine grosse Zahl von krankhaften oder abnormen Zuständen der Kespirationsorgane und dos Herzens, die ihrem Wesen nach ausserordentlich verschieden sind und nur darin übereinkommen, dass sie in irgend einer Art die Respiration erheblich er­schweren, einen chronischen Verlauf nehmen und unheilbar sind, aber der Hegel nach nicht umuittolbar und in Ausnahmofiillen stets erst nach langer Zeit zum Tode führen. Ihrem objecliven Inhalte nach beruht diese Definition auf einem Ueberoinkommen in der velerinär-forensischen Wissenschaft. Sie ist hervorgegangen aus der Unmöglichkeit,
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Lungendämpfigkeit. Asthma pulmonale.
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die pathologisch-anatomischen Zustände bei der chronischen Dyspnoe in allen Fällen intra vitam genau angeben zu können; zum Theil auch aus der Nothwendigkeit, die Erwerber der Pferde beim Handelsverkehr in ziemlich weitem Umfange vor einer Ueber-vortheilung zu schützen, namentlich in denjenigen Staaten, in welchen die Gewähr­leistung beim Viehhandel kraft Gesetzes auf die besonders benannten Krankheiten und Fehler beschränkt ist. Dämpfigkeit oder Dampf wurde die chronische Mhem-beschwerde der l'ferdo schon im vorigen Jährhundert allgemein benannt. Das Wort, welches von „Dumpfquot; abzuleiten ist und seinem sprachlichen Inhalte nach die bei starker Belastung der Respiration in der Brust sich einstellende dumpfe Emplindung bedeutet, ist wahrscheinlich schon in früheren Jahrhunderten gebräuchlich gewesen. Indess wird in den älteren Abhandlungen die Dyspnoe der Pferde meist als,,Keuchenquot; oder „Athemkeuchonquot; oder auch als „Engbrüstigkeitquot;, ferner als Bauch­schlagen, Schlagebauch, Schlebäuchen, Bauchblasen, Bauchblass, llartsohlägigkoit etc. bezeichnet.
Gegen die Definition der Dämpfigkeit, wie sie in der gerichtlichen Thiorarznei-kunde vertreten wird, lässt sich Manches einwenden, Ihre Verwerthung in der Praxis ergiebt leicht, dass sie von Widersprüchen nicht frei ist. Wenn die Dämpfigkeit lediglich eine erhebliche Athembeschwerde bedeutet, so enthält die Ausdehnung des Begriffes auf einzelne Fälle des Kehlkopfpfeifens, bei welchen der giemende Ton sehr geringfügig ist und die Athnmng gar nicht beeinträchtigt wird, eigentlich einen Ver-stoss gegen die Logik. Kechtfortigcn lässt sich die Subsumption solcher Fälle unter die Dämpfigkeit nur dann, wenn angenommen werden kann, dass das Kehlkopfpfeifen sich allmälig steigern und nach einigen Monaten oder nach einem Jahre eine erheb­liche Athembeschwerde bedingen wird. Hiernach würde der gegenwärtige Standpunkt in der Begriffsbestimmung modificirt werden können, wenn die „Hauptmängelquot;, zu welchen auch die Dämpfigkeit gehört, aus den bürgerlichen Gesetzen entfernt und die Verpflichtungen des Verkäufers zur Gewährleistung durch generelle Anordnungen mit thunlichster Abkürzung der Klagefrist festgesetzt wären. Um die bessere ßeurtheilung der Dämpfigkeit hat sich Gerlach (Goriohtl. Thierheilk.) durch die Trennung der Symptomatologie bei den wichtigsten Arten derselben ein Verdienst erworben.
Da die Dämpfigkeit eine grosse Zahl von krankhaften Zuständen verschiedener Organe begrifflich umschliesst, so kann es sich in diesem Lehrbuche nur darum handeln, zur allgemeinen Orientirung die einzelnen Zustände kurz zu bezeichnen. Zweckmässig wird der CnllectivbegrilT in 3 Gruppen getrennt: 1. Hartschnaufig-keit mit den Unterabtheilungen: a) der Nasendämpfigkoit (Asthma nasale) — abnorme Enge der Nasenhöhlen bei excessivor lloclitkopfbildung, bei Impression der Nasenbeine nach verheilten Fracturen und bei don S. 701 angeführten üeschwülslon in der Nase—; b) der Kehlkopfdämptigkeit (Asthma laryngoalo)— beider einseitigen Kehtkopflähmung (S. TOB) und bei den nur selten vorkommenden Ge­schwülsten in der Kachonhölile —; c) der Lu ftröhre ndämpf igk ei t (Asthma trachealo)— abnorme Enge der Luftröhre durch Aonderung ihrer Form, nament­lich Auseinanderweichen der Knorpel, so dass der Durchmesser von vorn nach hinton kleiner und der Querdurchmesser grosser wird; spiralige Verdrehung der Luftröhre und stellenweise Verwachsung derselben mit benachbarten Organen (Schlund)J Ste­nose nach schlecht verheilten Wunden der Luftröhre (Tracheotomie) und durch Ver­dickung der Schleimhaut oder des submucösen Bindegewebes; endlich in seltenen Fällen Geschwülste in der Luftröhre — 2. Herzdämpfigkei t (Asthma cordiale, A. cardiacum) — sämmtliche chronische Herzfehler, bei welchen durch Stauung
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732nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Oi'g'Hiikmnltholten.
dos Blutes nach den Lungen eine Dyspnoo entsteht, am häufigsten Dilatation und Hypertrophie des Herzens mit Insufficienz dor Mitralis — 3. Lungendämpfigkoit (Asthma piilmonale), wozu die chronischen und unheilbaren Krankheiten der Bronchien, der Lungen und der Pleura gehören — diffuse chronische Bronchitis und fibröse Peribronchitis; allgemeines vesiculiires (substantives) und chronisches inter-stitielles Lungenemphysem; speckige Pneumonic, Geschwülste in den Lungen und auf der Pleura. Von Gerlach wird hierzu auch der chronische Hydrothorax ge­rechnet, meiner Meinung nach nicht mit ausreichenden Gründen.
Es ist leicht verständlich, dass im Bereiche der Gesetze, welche die Gewähr­leistung beim Pferdehandel principaliter auf die besonders benannten Krankheiten und Fehler beschränken, von den massgehendon Sachverständigen in concreten Fällen eine möglichst extensive Begriffsbestimmung zugelassen wird. Daher sind ausser den vorbezeiohnoten krankhaften Zuständen von den Autoren mehrfach noch die Lungen-abscesse, die Verwachsungen zwischen Lungen und Pleura, die Zwerchfollshernien mit Darmvorfall in die Brusthöhle, Vergrösserungen der Leber, Milz und anderer Bauchorgane der Dämpfigkeit zugerechnet werden. Mit dem für das deutsche Reich in den nächsten Jahren bevorstehendem Erlasse eines allgemeinen Civilgosetzbuches, in welchem auch die auf die Gewährleistung beim Kauf und Tausch der Hausthiere bezüglichen Vorschriften eine zeitgemässe Regelung finden werden, dürfte jeder An-lass, die Collection derDämpfigkeitskrankheiten zu vergrössern, gegenstandslos werden.
Capitel LXXIV. liUiigencongestion und Lungeiiödeni.
Die krankhafte Anhäufung von Blut in den Lungen (Lungoncongestion oder Lungenhyperämie) stellt sich regclmnssig ein, wenn bei einem Organ- oder All-gemeinleiden ein Mangel an Sauerstoff im Blut entsteht und letzteres eine dunkle (venöse) Beschaffenheit erlangt. Sie ist eine Kolge der Herzinsuffioienz. Zuweilen tritt hierbei Flüssigkeit aus dem Blute in die Interstitien und Alveolcn der Lungen, sowie in die Bronchiolon (Lungenödem). In den Cadavern findet sich das dunkle, zähflüssige Blut vorwiegend in dem Lungenflügel derjenigen Seite, auf welcher das Pferd im Todesaote gelegen hat (Hypostase), — Starke Belastung der Respiration und der Herzfunotion veranlasst im Verlaufe allgemeiner Krankheiten oder bei an­haltendem Liegen der Pferde eine erhebliche Blutanhäufung (Hypostase) in den unteren Partien beider oder in einer Lunge, welche ein wesentliches Causalmoment für die Entwickelung einer Pneumonie (hypostatisohe Pneumonie) sein kann. — End­lich bringen chronische Herzfehler bei bedeutender Oirculationsstörung vorübergehend oder fortdauernd eine Stauung dos Blutes In den Lungen mit sich. — Während unter den vorerwähnten Verhältnissen die Blutanhäufung in den Lungen nur eine sym­ptomatische Bedeutung hat und nach der pathologischen Dignität der dieselbe be­dingenden Störung zu beurtheilen ist, kommt andererseits eine acute Lungen-
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Lungencorigestion und Lungonödem.
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congestion bei Pferden nach starken Anstrengungen, besonders an heissen Sommer­tagen, nicht selten vor. Aber auch hierbei besteht immer eine Insufficienz des Herzens und meist auch eine Blutanhäufung in der Darmschleimhaut. Da dor wichtigste Be-standtheil dieser acuton Erkrankung in der Störung der Herzthätigkeit liegt, so werde ich an anderer Stelle auf dieselbe zurückkommen.
Das Lungenödem (die Infiltration der Lungongewobe und die Fül­lung der Alveolarräumo und Bronchiolen mit Blutserum) kann local oder allgemein vorkommen und durch sehr verschiedene Ursachen bedingt sein. Wie schon angedeutet, werden die Capillargefässwände bei relativ langer Dauer einer passiven Blutstauung in den Lungen durchlässig, so dass Serum vermischt mit rothen und weissen Blutkörperchen austritt. In diesen Fällen liegt die wesentlichste Ursache in der Insufficienz des Herzens. Sehr oft findet sich in den Cadavern der Pferde, welche unter langsam zunohmender Herzschwäche und den Erscheinungen dor Suffocation eingegangen sind, ein mehr oder minder starkes allgemeines Oedem beider Lungen. Aber wie Cohnheim zutreffend gelehrt hat, ist der Tod nicht eine Folge der Vor­legung des respiratorischon Parenchyms, sondern das Lungenödem ist die Folge des hlrstickungstodes. — Partiell entsteht in einer odor gleichzeitig in beiden Lungen mit der Entwickelung broncho-pneumonischer oder embolischer Zustände und in der Um­gebung der Entzündungsherde häufig eine ödematöse Infiltration (collatorales Oedem), In anderer Art kommt bei der Scalma und bei der Pferdestaupe sehr oft in Folge der Blutstauung ein Oedem an einzelnen Abschnitten einer oder beider Lungen zu Stande, ohne dass ein primärer Entzündungsherd nachgewiesen werden kann. Der klinische Verlauf der betreffenden Fälle spricht dafür, dass die ödematöse Infiltration zunächst eintritt und dass sich eine herdweise Pneumonie erst in der inliltrirten Partie aus­bildet. Die Oedemllüssigkeit enthält in mehr oder minder grosser Zahl weisse Blut­körperchen beigemischt. Traube charaktorisirte ein derartiges Lungenödem als „seröse Pneumoniequot;. In geringem Umfange entsteht dasselbe bei der von mir als ephemere Pneumonie bezeichneten speeifischon Infectionskrankheit (vergl. S. 2GS). Die Pathogenese des hier gedachten Lungenödems resp. der Pneumonia serosa ist noch wenig verständlich. Ob eine Reizung der Gefässwände durch die specilischen Infectionsstoffe oder ihre Krankheitsproducte unmittelbar stattfindet oder ob zunächst vom Blute aus eine Lähmung der vasomotorischen Apparate und darauf eine starke Blutstauung mit seröser Infiltration in das betreffende Gebiet der Lungen erfolgt, muss einstweilen dahingestellt bleiben. — Die Thrombose einer Lungenarlerie oder Lungenvene hat stets ein Oedem zur Folge. Doch bildet sich dasselbe in 3—7 Tagen oft wieder zurück, wenn die Störung der Circulation durch die benachbarten Gcfässo oompensirt wird. — Klinisch hemerkenswerth ist das allgemeine Lungenödem, welches durch die Einathmung irrespiraboler Gase (Rauch, schweflige Säure etc.) und bei partieller Verlegung des llespirationstractus entsteht (Asfiirationsödom). Wenn Pferde beim Ausbruch von Feuer nicht schnell genug aus dem Stalle herausgebracht werden, so entsteht durch den Hauch und die Hitze neben einer diffusen acuten Bron­chitis stets ein allgemeines Lungenödem.
Pathologisch-anatomisch giebt sich das Lungenödem dadurch zu erkennen, dass die Lungen vergrössert (aufgedunsen) und an den Rändern abgerundet erscheinen. Aus den Bronchien der oxenterirten Lungen entleert sich eine röthlich gefärbte soliau-mige Flüssigkeit. Ein leinblasiger Schaum füllt oft stundenlang die ganze Trachea. Eingereindrücke worden an solchen Lungen längere Zeit beibehalten. Die Schnitt-
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734nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
fläche ist feucht glänzend und es orgiesst sich auf derselben beim Druck eine gelb liehe oder golbröthliehe Flüssigkeit.' Oft sind sololio Lungen mit Blut überfüllt.
Die Syni|itomc des Lungenödem sind in manchen Fällen ganz gleich den Er­scheinungen einer beginnenden Pnoumonio: Beschränkung des vesiculären Athmungs-geräusches neben trockenen und feuchten Kasselgeräuschon einer oder beider Lungen. Dämpfung des Percussionsschalls am Thorax im Bereiche der inliltrirten Lungen-partio. In schworen Fällen starke Dyspnoe mit 50—80 Athemzügen in der Minute, Pulsfrequenz und oyanotische Färbung der Schleimhäute. Vorübergehend auch lleborliafto Temperatursteigernng. Hustenreiz ist meist gering. Wenn beide Lungen betroffen sind, wird ein schaumiges zähflüssiges Deject mit dem Hustenstoss aus der Nase entleert. Die Prognosis richtet sich wesentlich nach den Ursachen des Lungen­ödems. Soweit nicht eine tödtliche Ilerzinsufticienz demselben zu Grunde liegt, bildet sich das Oedem meist innerhalb weniger Tage wieder zurück. Die Bc-hauilluiig hat die Kntlastung der Kospirationsmuskeln, die Zufuhr reiner und kühler Luft, sowie die Anregung der Ilerzfunction zur Aufgabe. Leichte Abführmittel, Ein­reibung des Thorax mit Senfspiritus, Inhalation von verdünntem Spiritus oder einer Lösung von Liq. Ammon. caust. und gute Ventilation des Stallraums. In schweren Fällen ist der Adorlass indicirt.
Casuistik. I) Allgemeines Lungenödem und oberflächliche dif­fuse Bronchitis nach Kinathmung des Rauches von verbranntem Stroh. Neunjährige braune Stute, hatte in der Nacht vom 20. zum 21. Februar 1882 in einem Stalle gestanden, in welchem die Streu in Brand gerathen war und wurde 6 Stunden später in die Klinik eingestellt. Nährzustand gut. Blick ängstlich, Kopf nach vorn gestreckt. Aus beiden Nasenlöchern lliesst eine gelbliche, fadenziehende, schaumige Masse, welche viel Eiweiss und eine massige Quantität weissor und rothor Blutkörperchen enthält. Am Kopfe, Hals, Bauch und Gliodmassen, ebenso Augen­lidern, Schopf, Mähne und Schweif sind die Haare abgesengt. Sichtbare Schleim­häute dilfus geröthet. Herzschlag pochend, Herztöne rein. Puls 64. Resp. 44. In­spiration kurz, heftig und von einem schlürfenden Ton begleitet. Nüstern weit auf­gerissen. Exspiralion sehr angestrengt, mit doppelschlägigerBewegung derBauchwand und Hebung der Lendenpartie. Häufig entleert das Pferd unter Brechanstrengungen und Husten weisse Schleimklumpcn aus der Nase. Bei der Auscultation in beiden Lungen feuchtes Rasselgeräusch neben schnurrenden und pfeifenden Tönen. Per-cussionsschall an beiden Seiten des Thorax in der unteren Partie gedämpft. Tem­peratur 39,7. Futteraufnahme versagt. — Aderlass von 8 Pfund (das Blut ist zäh­flüssig und dunkel). Innerlich 100,0 Spir. aether, im Trinkwasser, das häufig in kleinen Quantitäten verzehrt wird.
Am folgenden Tage Pulszahl vermehrt, Athemzüge verringert. Breohanstren-gungen und Nasenausfluss geringer. Dyspnoe wie Tags vorher. Appetit fehlt. — Spir. aether, im Trinkwasser; Natr. sulfuric. (100,0, Radix Liquiritiae 7/),0 in Lat­wergenform. — Am dritten Tage Allgemeinbefinden besser, Heu und Stroh wird in geringer Menge aufgenommen. Brechanstrengungen bestehen nicht mehr. Nasen­ausfluss erheblich geringer. Am 24. Februar Temperatur gesteigert. Bei der Inspi­ration werden die falschen Rippen stark eiweitert, so dass bei derselben in der Herz­gegend der Brustumfang 8 Ctm. weniger beträgt, als bei der Kxspiration (vergl. S, 39). In den folgenden Tagen allmiüig fortschreitende Besserung, so dass das Pferd am 6. März von dem Besitzer aus der Klinik zurückgenommen werden konnte.
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Pleurody
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21.
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2) Acutes Lungenödem in Folge der Einathmung von schweflig-sauren Dämpfen bei einem mit Lungendämpfigkeit (chronischer dif­fuser Bronchitis und Lungenemphysem) behafteten Pferde. Schimmel-wallach, 18 Jahre alt, leichtes Arbeitspferd, war nach dem Vorbericht seit mehreren Jahren dämpfig und hatte stets einen kurzen, dumpfen Husten bekundet. Im Novem­ber 1882 hatte sich der Husten gesteigert. Der Besitzer, in dem Vorurtheil befangen, dass das Pferd an einem „veralteten Kropfquot; leide, hatte am 26. und 27. November zur Herstellung eines Dunstbades Schwefel angezündet und das Pferd die hierdurcli erzeugten schwefligsauren Dämpfe einathmen lassen. Am 28. November wurde das Pferd in die Klinik'eingestellt. Schlechter Nährzustand, langes, rauhes Deckhaar. Unaufmerksamkeit. Conjunctiva stark injicirt und gelbroth goschwollen. Augen ein­gefallen. Puls 60. Herzstoss und Herztöne normal. Resp. 36. Temp. 39,0. Häufiger kurzer, scharfer Husten. Aus beiden Nasenlöchern trübe, zähflüssige, schmutzig graue und klebrige Dejection. In dem Dejecte finden sich Futterpartikel. Appetit nur wenig vermindert. Beim Trinken kommt etwas Wasser aus der Nase zurück. Harn fadenziehend, eiwoisshaltig; spec. Gew. 1030. — Starke Dyspnoe mit oxcessiver Erweiterung der Nüstern. Bei der Inspiration nähern sich die einzelnen Rippen dicht aneinander. Inspiratorische Hebung der Widerristpartie. Exspiration doppelschlägig, mit starker Vorschiebung des Afters. Auscultation: In der unteren Hälfte beider Lungen trockene Rasselgeräusche (Piepen, Pfeifen, Zirpen) und emphysematischcs Geräusch, stellenweise Bronchialgeräusch; in der Trachea und im Larynx grossblasigos Rasseln. Percussionsschall an beiden Brustwandungen gedämpft. — Bei sorgfältiger Pflege in einem gut gelüfteten Stalle minderten sich bis zum folgenden Tage die Zu­fälle augenfällig. Puls 47. Resp. 16. Temp. 38,1. Dyspnoe gering. Bei der Be­wegung im Schritt entleert sich noch eine geringe Menge von röthlichem Schaum aus der Nase. Nach 10 Minuten langem Führen steigt die Athmungsfrequenz auf 40. Als das Pferd wieder eingestellt war, boruhigtb sich die Athmung erst nach 50 Minuten. — Am 30. Nov. war das Oedema pulmonum vollständig verschwunden. Die Lungen-dämpfigkeit blieb in dem früheren Grade bestehen.
Capitel LXXV. Pleurody nie.
Dem acuten Lungenödem einigermassen ähnlich, verdient die Pleurodyuie dennoch als eine in symptomatologischor und diagnostischer Hinsicht boachtenswerthe Affection eine gesonderte Betrachtung. Die am meisten hervorragende Erscheinung derselben
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Organkrankhoiten.
besteht in heftigen rheumatischen Schmerzen, welche die Pferde in den Wandungen des Thorax empfinden. Ich habe deshalb auf die Krankheit den Namen der „Pleuro -dyniequot; angewandt und auf die wesontlicbstcn Eigenthiimlichkeiten derselben mit einer kurzen Bemerkung in Adam's Wochenschrift, 1884, S. 369 schon aufmerksam gemacht.
Aetiologie und Pathogenese. Verursacht wird die Pleurodynie durch die Un­bilden langer Eisenbahntransporte. Selten entsteht dieselbe bei anhaltenden An­strengungen durch nachtheilige Wittorungseinlliisse (grosse Hitze). Es ist deshalb die Krankheit von mir sehr vorwiegend bei den aus llussland importirten kleinen Pferden beobachtet worden, welche meist in übervoll besetzten Wagen von der östlichen Landesgrenze in einer Tour bis Berlin transportirt werden. Das gedrängte Stehen, die starke Erhitzung und die nachthoiligo Wirkung der Zugluft sind als die wichtig­sten Ursachen zu betrachten. Hierbei kommt eine Blutstauung in den Lungen, in der Bronchialschleimhaut und am meisten in den Brustwandungen zur Ausbildung. Durch unbekannte Vorgänge in den Fascien und Muskeln der Costalwände worden intensive Sohmerzempfindungen ausgelöst. Da die Athcmbewegungen sehr oberflächlich ge­schehen, so vorzögert sich die Ausscheidung der Darmoxoremonte. In schweren Fällen, die aber zu den Ausnahmen gehören, kann eine Broncho-Pneumonie und eine diffuse exsudative Pleuritis entstehen.
Symptome. Allgemeine Apathie. Gesenkte Haltung des Kopfes. Schmerzhafter Blick. Excessive Ausweitung und Feststellung der Brust­wandungen, in Folge dessen sich die Lungen ad maximum aufblähen (Volumen pulmonum auetum). Schmerzempfindung und Klagelaute (Stöhnen) bei der Exspiration in verschiedenen Graden, am meisten beim Führen des Patienten oder beim Druck auf den Thorax. Athmung mit sehr oberflächlichen Bewegungen der Bauchdecke und massiger Erweite­rung der Nase, aber stark beschleunigt, 30—80 Züge und darüber in einer Minute. Temperatur hochnormal oder vorübergehend bis 39,6, in den meisten Fällen aber nicht erhöht. Pulsfrequenz nur bis etwa 55 pro Minute beschleunigt, gewöhnlich kaum abnorm. Herztöne rein und regel-mässig. Die Auscultation der Lungen ergiebt wegen der inspiratorischen Ausweitung der Alveolen abgeschwächtes oder kurzes und scharfes Vesi-culärgeräusch. Bei der Percussion des Thorax ist überall ein lauter und voller Schall nachzuweisen. — Verminderung der Darmperistaltik und Verzögerung der Defäcation. Appetit fehlt nur in den schweren Fällea vollständig. — Kopfschleimhäute oft anämisch, zuweilen goröthet und inflltrirt. Der Hustenreiz wird unterdrückt; selbst durch Druck am Kehl­kopf sind die Patienten nur selten zum Husten zu zwingen.
Der Verlauf erstreckt sich meist auf 4 — 6 Tage; in den schweren Fällen auf 2—3 Wochen. Ausnahmsweise entsteht eine katarrhalische Broncho-Pneumonie oder zugleich eine diffuse exsudative Pleuritis mit tödtlichem Ausgange.
Die Diagnose hat in der starken Ausweitung und Feststellung des
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Pleurodynie.
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Thorax, der Schmorzempfindung beim Athmen und der grosson llespira-tionsfrequenz gegenüber dem lauten Percussionsscliall, der geringen und bald vorübergehenden Steigerung der Temperatur und der unbedeutenden Herz-schlagfrcquenz genügende Anhaltspunkte. Unterstützt wird die Diagnose durch die Anamnese. Im Uebrigen sind die Symptome der Scalma, der acuten Bronchitis, der katarrhalischen Broncho-Pneumonio und der Pleu­ritis zu beachten.
Die Progiiuse ist im Ganzen günstig. Nur die schweren Fälle, bei weichen die Symptome sich bis zum 6. Krankheitstage nicht erlieblich ver­ringern, motiviren eine ungünstige Bourtheilung.
Tlicraiiic. Einreibung der Brustwandungen mit öproc. Senfspiritus; Physostigmin subeutan zur Entleerung des Darms und Entlastung des Zwerchfells; auch Extr. Aloes mit Natr. sulfur, oder Karlsbader Salz zu demselben Zweck; häufige Darreichung von frischem und kühlem Trinkwasser; Inhalation von Liq. Amraon. caust. in Wasser oder Aether mit dem Trinkwasser zur Selbstaufnahme. In der Convalescenz empfiehlt sich, die Pferde oft in der frischen Luft '^—Va Stunde umhorzuführen.
Casuistik. 1) Rapphongst, G Centner schwor, 7 Jahre alt, war am 3. Novem­ber 1884 aus Russland mittels directon Elsenbahntransports hier eingetrodon, aber krank angekommen und wurde deshalb am 5. quot;November in die Klinik gebracht. Nähr-zustand gut. Körperbewogungon schmerzhaft. Nur auf starke Anregung tritt das Pferd zur Seite. Blick slier. Temp. 39,5; Puls 52; Resp. 35. Conjunctiva anämisch und wässerig infiltrirt. Schleimhaut der Nase und des Maules nicht verändert. Per­cussionsscliall am Thorax zu beiden Seiton normal. Bei der Auscultation der Lungen überall vesiculäres Geräusch. Kohlkopf und obere Luftröhrenpartie zeigen eine leicht erhöhte Reizbarkeit. Nach leichtem Druck gegen die Brustwandungen erfolgt wieder­holtes Stöhnen. Appetit massig gut. — Nach der Anwendung von Physostigmin und bei zweckmässiger Pflege in einem kühlen Stall verminderten sich die Krankheits­erscheinungen bald. Am folgenden Tage Tomp. 38,5; Puls 40; Resp. 26. Das Thier war am 8. November als genesen zu betrachten.
2) Brauner Wallach, 5 Jahre alt, Pony, war am 27. September 1885 von Eydl-kuhnen nach Berlin in einem überfüllton Waggon mit der Eisenbahn transporlirt und wurde am folgenden Tage in die Klinik aufgenommen. Schwerathmon, Kopfhaltung gesenkt. Blick stier, unaufmerksam. Ohren und Gliedmassen kühl. Temp. 39,1. Herzschlag fühlbar, 48; Puls kräftig und voll. Resp. 88, oberflächlich. Beide Thorax­wandungen stark nach aussen gewölbt und vollkommen festgestellt. Bei jeder Ex-spiration leichtes Stöhnen. Conjunctiva anämisch, Nasen- und Maulsohloimhaut blass-roth. Percussionsschall am Thorax beiderseits voll und hell. Die Auscultation orgiebt Vesiculärgeräusch in beiden Lungen. Beim Druck auf die Brustwandungen empfindet das Pferd heftige Schmerzen (Stöhnen). Futter wird gar nicht aufgenommen. Die in geringer Menge entleerten Darmexcremento sind dünnbreiig und hellgelb. — Ein­reibung von 5proo. Senfspiritus auf beide Brustwandungen. Eine Lösung von Spir. aeth. 75,0 in einem Eimer Trinkwasser wird freiwillig genommen. Am folgenden
Dlockcrhoff, Spec. Fathologtc u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 47
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Organkranlihoiton.
Tage Temp. 38,5; Puls 44; Resp. 36. Das Pferd verzehrt 2 Liter Hafer und Heu. Innerlich nochmals 75,0 Spir. aoth. im Trinkwasser zur freiwilligen Aufnahme. — Am 2. Octoher Temperatur 38,1; Puls 40; Kospiration 10; Athembowegungen des Brustkastens normal.
Capitel LXXVI. Lungeiieiitzünduiig. Pncuinonia.
Um die krankhaften oder abnormen Processe, welche der „Pneumonioquot; begriff­lich untergeordnet und als anatomische Formen derselben betrachtet werden, eingehend erörtern zu können, ist der diesem Lehrbuche vorbehaltone Raum nicht ausreichend. Eine derartige Auseinandersetzung fällt in die Aufgaben der pathologischen Anatomie. — Nach dem Krankheitsverlauf ist zwischen acuten (mit Einschluss der typischen) und chronischen Pneumonien zu trennen. Erstere beruhen in exsudativen, zum Theil auch in degenerativen, letztere dagegen vorwiegend in produetiven Fro-cessen. — Die anatomische Entwickelung einer Lungenentzündung kann durch Vor­mittelung der Bronchien (Broncho-Pneumonie) oder der Arterien (Arterio-Pneumonio — embolischo Pn.) sich vollziehen; recht oft setzt sich die Entzün­dung von den Lungen auf die Pleura fort (Pneumo-Pleuresie, Pneumo-Fleu-ritis, Pleuro-Pneumonie). —#9632; Die Entzündungsprocesse etabliren sich zum Theil im interlobulären Bindegewebe (interstitiello oder intorlobulilre Pn.), zum Theil in den Wandungen derAlveolen (parenehymatöse Pn.). Indess ist zu berück­sichtigen, dass das Lungenparenchym selbst bei den exsudativen Frocessen sich so gut wie gar nicht bethoiligt. — Hinsichtlich des Umfanges sind die allgemeine Pneu-monie in einer oder in beiden Lungen (Peripneumonie), die multiple (liord-weise auftretende), die lobuläre (circumscripte) und die diffuse Pneu-monie zu unterscheiden. — Die Art der Entstehung hat zur Aufstellung von zwei Gruppen Veranlassung gegeben: Primiire oder selbst.änd ige Pneumonie, deren llauptforni (bei Pferden die Brustsouche) den Namen der echten oder reinen (ge­nuinen) Pneumonie führt und seeundäre Pneumonie, welche im Verlaufe anderer Krankheiten entsteht (Druse, Rotz, Angina, Tetanus, Morbus maculosus etc.). Zu den seeundäron Pneumonien gehört auch die hypostatische und die metastatisc .ie rosp. embolischo Pneumonie. — Die vorwaltende anatomische Tendenz der ent­zündlichen Processe bedingt die Unterscheidung in: fibrinöso (croupöse), katar­rhalische (zellige), hämorrhagische, eiterige (Eiterinfiltration) nekro-tisironde, käsige, dissecirende, abscodlrende (Lungenabscess) und jauchige (Lungenbrand) oder ichorrhöse Pneumonie. — Von erheblichem klinischen Interesse ist ferner die auf ätiologischer Grundlage bewirkte Eintheilung der acuten Pneumonie in: Fremdkörperpneumonie, Schluckpneumonie, Aspirationspneumonie, traumatische Pneumonie (bei Pferden zuweilen nach Rippenfracturen, sowie nach penetrironden Brustwundon) und einfache Er-
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Lungenentzündung. Pneumonia.
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kältungspneumonie (zum Unlerschicdo von dem oocasionellon Einfhisso dei' Er­kältung bei der Brustseuche und der ephemeren Pnoumonie).
Eine actuelle Bedeutung hat die Scheidung der Lungenentzündungen in „in-fectiösequot; und „nicht infeotiösequot;. Von den chronischen Pneumonion beim Kotz und bei der Tuberculose ist die infectiöse Entstehungswoiso gegenwärtig leicht ver­ständlich. Mehr Schwierigkeiten bietet dagegen die Frage, in weichem Umfange bei der acuten Pneumonic Infectionsstoffo für die Entstehung oder für den ungünstigen Verlauf als Ursachen zu beschuldigen sind. Dass die Brustseuche schon wegen ihres acuten typischen Verlaufs und ihrer Ansteckungsfähigkeit als eine infectiöse Pnoumonie resp. Pneumo-Pleuritis angesehen werden muss, ist S. 208 eingehend erläutert worden. Aber auch bei der einfachen Erkältungspneumonie und bei der Fremdkörper- oder Veischluckungspneumonie bestimmen pathogene und aus der atmosphärischen Luft übertragene Mikroorganismen die Entwickelung und den weiteren Verlauf. Siedam-grotzky (Haubnor's Landwirthsch. Thierheilk., 1884, S. 150), welcher diesen Charakter der sonst als nicht infecliös angesehenen Lungenentzündungen zuerst hervor­gehoben hat, vergleicht die Processe in den Lungen und dor Pleura mit der zu ein­fachen Wunden in der Haut durch Infection hinzutretenden Phlegmone undSephthämie. Ich finde diesen Vergleich vollkommen zutreffend. Bei jeder acuten Pneumonic cr­mangelt die afficirte Partie der Lunge und der Bronchialschleimhaut ihres normalen Schutzes gegen die in der Athmungsluft suspendirten pathogenen Organismen. Sie vorhält sich analog einer frischen Wundflächo. Demgemäss muss sich der Verlauf einer zunächst ganz einfachen Entzündung wesentlich danach richten, ob und welche Mikroorganismen sich in dem Entzündungsherde ansiedeln und ^rvielfältigon. Theoretisch ist die Unterscheidung dieser Infection von derjenigen bei der Brustsouche darauf zurückzuführen, dass dieselbe eine secundäre ist, während sie bei der Brust­seuche eine PrimäralTection darstellt.
Inwieweit die Aetiologie der acuten primären infectiösen Pneumonion des Pferdes in einem speeifischen Mikroorganismus vorausgesetzt werden kann, habe ich schon bei der Brustseuche (S. 209) besprochen und dahin präcisirt, dass die Frage nicht endgültig zu beantworten sei. Auch in der Beurtheilung der croupösen Pnoumonie und Pneumo-Pleuresio des Menschen, mit welcher ich die Brustseuche in Parallele gestellt habe, sind die Ansichten getheilt. Nachdem Fried Hin der die Pnoumonio-kokkon der menschlichen Lunge entdeckt und mit der künstlichen Cultur derselben bei Mäusen durch Impfung eine Pneumonie erzeugt hatte, wird von manchen Seiten die Frage als gelöst angesehen. Andere dagegen halten es noch für zweifelhaft, ob alle fibrinös-pneumonischen Processe ätiologisch als gleiohwerthig zu erachten sind (vergl. Orth, Pathol. Anatomie, 1887, S. 414). — Bei den acut verlaufenden in­fectiösen Pneumonion des Pferdes fand Schütz (Berl. Archiv, 1887, S. 27) ein kleines ovales Bacterium, dessen Beincultur bei drei Vorsuchspferden durch Injection in die Lungen mittels einer Pravaz'schon Spritze verimpft, eine morlificirende Pnoumonie und dilTuse exsudative Pleuritis verursachte. Schütz ist der Ansicht, dass sowohl die diffuse fibrinöse, wie die herdweise auftretende mortificirende Pneumonic des Pferdes durch das von ihm entdeckte ovale Bacterium erzeugt werde und dass nach dem Grade der Virulenz des letzteren bald die eine, bald die andere Art der Pnoumonie entstehen soll. Ob durch die Resultate dieser Versuche die Frage nach der Einheit der acuten primären infectiösen Pneumonie entschieden ist, wird erst in Zukunft auf­geklärt werden müssen.
In meiner ersten Publication über die Scalma dos Pferdes bemerkte ich wörlllch
47*
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Organkrankheiton.
(Adam's Wochensclir., 1885, S. 49): „Es bedarf kaum dor Erwähnung, dass mit don hier boschriobonen Krankheitsfällen die Eigenschaften der Scalma nicht voll­ständig emirt sind. Nach dem Gosammtcharaktor der Krankheit werden höchst wahr­scheinlich noch mohrero Modificationen undComplicationen des Vorlaufs möglich seinquot;. Denselben Vorbehalt sprach ich in diesem Lehrbuch (S, 289) aus. Inzwischen habe ich mehrere Stallopidemion der Scalma beobachtet. Im Winter und Frühjahr 1887 herrschte dio Seuche in Berlin sehr verbreitet, so dass mir ein reiches Untersuchungs­material in der Klinik zur Verfügung stand. Hierbei constatirte ich, dass die Krank­heit oft, aber nicht constant mit einer herdwoisen mortilicirenden Pnoumonie sich ver­bindet und dass die diffuse exsudative Pleuritis nur ausnahmsweise vorkommt. Nur in drei Krankheitsfällen nahm die Krankheit durch die Complication mit acutem Hydro-thorax einen tödtlichen Ausgang. Auch diese herdweise auftretendePneumonie charak-terisirt sich als eine infectiöse Erkrankung. Dass aber die Seuche als solche nicht in einer primären Pneumonie beruht, ergiebt sich daraus, dass in einem grösseren oder kleineren Bestände manche Pferde nur an einem diffusen Katarrh der Bronchial­schleimhaut, zum Theil auch der Rachenschleimhaut erkrankten, während andere Pferde seiton von vornherein, meist erst im Verlaufe der fieberhaften Allgemein-affection von der Pneumonie befallen wurden. Viele Patienten bekundeten ein der Pferdestaupe analoges Krankheitsbild, während bei anderen die Symptome an die Brustseuche (croupöso Pneumonie) erinnerten. Von besonderem diagnostischem Werthe war in der Mehrzahl der Fälle die Anämie der Conjunctiva. Sowohl aus der Zu­gehörigkeit zu dem verseuchten Bestände, als aus dem Verlaufe der Seuche ergab sich zweifellos, dass trotz mancher semiotischer Verschiedenheiten die Erkrankung bei allen Pferden auf derselben Ursache beruhte. Diese Daten beweisen von Neuem, dass die Frage nach der pathologischen Einheit der primären infectiösen Pneumonie schwierig ist und eine umfassende experimentelle Prüfung nothwendig macht.
Für die theoretische Beurtheilung der Infection bei den selbständigen Pneu-monien ist endlich noch zu berücksichtigen, dass sehr wahrscheinlich nach der Ent­stehung einer Bronchitis oder einer Pneumonie verschiedene Arten von pathogenen Mikroben gleichzeitig in den Lungen sich ansiedeln (Mischinfection) und-dass sowohl die Symptome, wie der Krankheitsverlauf einschliosslich der Complicationen sich hiernach wesentlich modifloiren werden.
Capitel LXXVH.
Bronclio-Pneiimoiiie. Katarrhalische Lungenentzündung. Pneumonia catarrhalis.
Gleich der diffusen fibrinösen (croupösen) Lungenentzündung (vergl. das Capitel der Brustseuche, S. 2il) ist dieKatarrhalpneumonio eine oberflächliche exsudative Erkrankung der Lungen. Aber das Exsudat enthält meist nur wenig und sehr oft kein Fibrin. Es besteht vorwaltend aus Blutserum und Leukooyten, Zuweilen.
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Broncho-Pnoumonie.
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treten auch rothe Blutkörperchen aus, deren Farbstoff sich in der Flüssigkeit auflöst. Von dem Vorhalten der katarrhalischen Pneumonie des Menschen, bei welchem die Pathogoneso sich analog gestaltet, wie bei Pferden, hoben die Autoren besonders hervor, dass das Exsudat dem Producto des einfachen Schloimhautkatarrlis gleiche (s, Orth, Pathol. Anat., I, 1887, S. 418). Nur fohlt der Schleim, weil die Alveolar-wände keine Schleimdrüsen besitzen.
Die Eigenschaften des bei der Krankheitsentwickelung gebildeten Exsudates und die immer vorhandene, oft vorausgehende Miterkrankung der Bronchialschleimhaut haben vornehmlich die Veranlassung gegeben, eine Gruppe von Lungenentzündungen, deren Aetiologie sehr vorschieden ist, unter dem gemeinsamen Namen der Katarrhal-pneumonie oder Broncho - Pneumonie zusammenzufassen. Im Speciellen wird die Broncho-Pneumonie verursacht: 1. durch die Fortpflanzung einer katarrhalischen Bronchitis auf die zugehörigen Lungenpartien (katarrhalische Broncho-Pneu­monie im engeren Sinne) und durch den directen Einfluss einer Erkältung (Er-kältungspneumonio); 2. durch die krankhafte Anhäufung von Blut in einer Lunge oder in den unteren Partien beider Lungen (Hypostase) in Verbindung mit der Wirkung dos angestrengten Athmens und des Eindringens von pathogenen Fer­menten in die Bronchiolen (hypostatische Pneumonie); 3. durch das Eindringen von Staub (Sand, Sägemehl etc.) in die Bronchien mit der forcirten Inspiration bei Pferden, die wegen anderweitiger Krankheiten sich nicht aufrichten und im Liegen nicht zweckmässig gebettet werden (Fremdkörper-Pneumonie); 4. durch das Eindringen von Eiter, Schleim, Speichel und Nahrungsmitteln in den Kehlkopf, die Luftröhre und Bronchien (Schluckpneumonie, Verschluckungspneumonie); 5. durch das Eindringen von flüssigen Medioamenten (Schüttelmixturen), welche wegen des ungeeigneten Eingebens nicht vollständig verschluckt werden können, in den Kehl­kopf und die Bronchien (Pneumonia medicamentaria).
1) Die Pathogenese der katarrhalischen Bronch o-Pneumonie und der Erkältungspneuraonie gestaltet sich nicht immer gleich. Eine acute secretorische Bronchitis und Bronchiolitis verläuft meist als eine selbständige Krankheit und führt nur in einer Minderzahl von Fällen zur Pneumonie. Sie kann mehrere Tage, selbst 2—3 Wochen bestehen, ohne dass die betreffende Lungenpartie in Mitleidenschaft gezogen wird. Thcils durch die Schwellung der Schleimhaut, theils durch die Aspiration des Secretes verstopft sich das Lumen einer oder mehrerer kleinster Bronchien. Dann entsteht in der Lungonpartie, welche mit den ver­schlossenen Bronchien zusammenhängen, Atelectase. Auch jetzt noch erfolgt zuweilen die Rückbildung der Störung, ohne dass es zur Ent­zündung kommt. Indess ist die atelectatischo Partie für die entzünd­lichen Processe prädisponirt und da dem krankhaften Inhalte in der Regel pathogene Fermente beigemischt sind, so entwickelt sich oft in dem Bindegewebe um die Bronchiolen und in dem Lungenparenchym eine entzündliche Infiltration. Die Entzündung kann sich auf die benachbarten Alveolen per continuitatem fortsetzen. Für den weiteren anatomischen Verlauf ist dor Charakter des Entzündingsprocesses massgebend. Oft
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742nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkrankheiten,
erfolgt die Rückbildung desselben mit Schrumpfung des Lungenstückes und partieller Bronchiectasie, wobei indess die Pferde keine Störung des Allgomoinbefindens erleiden. Gefährlich ist dagegen die Production einer reichlichen Menge von Eiter. Indess gestaltet sich die Qualität des Lungeneitors nicht immer gleich. Kleine, gutartige, bronchopneumonische Absccsse trocknen oft ein und verheilen durch Vernarbung oder durch Verkalkung. Ist dagegen der im peribronchialen Gewebe gebildete Eiter dünnflüssig, so verbreitet sich die Entzündung gewöhnlich weiter; sie dringt bis in die Pleura und es entwickelt sich eine diffuse eiterige Pleuritis. Andererseits kann der Eiter in die nächstgelegenen Bronchien und durch Vermittelung des In- und Exspirationsstroms in andere, bis dahin noch gesunde Lungenpartien gelangen. Dann verallgemeinert sich die Pneumonie. Endlich kommt in dem entzündeten Lungengewebe durch die Aufnahme von Fäulnissfermenten aus der Athmungsluft sehr leicht eine Fäulniss mit ulcerösor Zerstörung der Nachbarschaft (Lungenbrand) zu Stande.
Wenn sich die katarrhalische Broncho-Pneumonie durch Erkältung direct resp. ohne das Zwischenglied der Atelectase ausbildet, so erfolgt die Exsudation gleichzeitig an der Bronchialschleimhaut und in die Alveolen der betreffenden Lungenabschnitte. Die hierdurch herbeigeführte Hepatisation ist in der Regel weniger derb, als bei der fibrinösen Pneu­monie. Lässt man nach der Section eines solchen Pferdes die kranke Lunge einige Stunden oder einen Tag liegen, so entleert sich viel Flüssig­keit aus den Bronchien und die stark geschwollene kranke Partie ver­mindert sich in Folge dessen auf die Hälfte oder ein Dritttheil ihres ursprünglichen ümfanges. In der Nachbarschaft der Entzündungsherde und zuweilen über einen grossen Theil beider Lungen besteht eine öde-matöse Infiltration. — Der anatomische Verlauf der in Rede stehenden Pneumonie ist verschieden. Bei massigem Grade ihrer Ausbildung er­folgt olt innerhalb 8—10 Tage die vollständige Resolution. Das Exsudat verschwindet durch Resorption. In anderen Fällen setzt sich die Ent­zündung, ähnlich wie bei der Brustseuche, auf die Pleura fort und es complicirt sich die Krankheit mit einer circumscripten oder diffusen Pleuritis. Endlich kann dieselbe zur Vereiterung (Lungenabscess) und Verjauchung (Gangrän) des Lungenparenchyms führen. — Vorwiegend erkranken die vorderen Abschnitte der Lungen, in welche das schleimig­zähe Bronchialsecret leicht aspirirt wird (die zungenförmigen Lappen und mehr noch die unmittelbar hinter denselben befindlichen Partien). Mit­unter erlangt die Entzündung in den unteren Theilen der Lungen eine grössero Ausbreitung.
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Bronoho-Pneumonie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;743
Hinsichtlich der speciellen Aetiologie sind die Bedingungen, unter welchen sich die acute Laryngitis und Bronchitis, das Lungenödem und die Pleurodynie entwickeln, von Bedeutung. Namentlich entsteht die Krankheit in der Form der acuten Erkältungspneumonie leicht bei jungen und älteren Pferden, welche auf Märkten oder bei Eisenbahntransporten längere Zeit von den Unbilden nasskalter Witterung getroffen werden; ferner bei Pferden, die an anderweitigen Krankheiten (Druse, Gehirn­wassersucht) leiden und hierdurch für Erkältungen in höherem Grade empfänglich sind. — Bei der circumscripten katarrhalischen Broncho-Pneumonie beruht die specielle Ursache oft in der unreinen Athmungs-luft des Stalles resp. in der mangelhaften Ventilation. Die in solcher Luft befindlichen pathogenen Organismen dringen mit der Inspiration in die katarrhalischen Secrete der Bronchien.
Symptome. Nach dem Umfange des pneumonischen Zustandes bestehen in den Erscheinungen der einzelnen Fälle ziemlich erhebliche Differenzen. Die wichtigsten Merkmale der über grössero Lungenpartien sich er­streckenden frischen katarrhalischen Entzündung sind: Fieber mit ge­wöhnlich massiger Steigerung der Bluttemperatur (39,0—40,5); in ein­zelnen Fällen Schüttelfrost oder Horripilation; Appetitmangel und ver­zögerte Defäcation; Pulsfrequenz bis 60 und darüber; Athmungsfrequenz (meist 20—35 Athemzüge in der Minute); Hustenreiz, der aber oft unterdrückt wird; schmerzhafte Empfindungen in der Brust, daher ge­senkte Kopfhaltung und Aufziehen der Bauchdecke. Bei der Auscultation der Lungen feuchte Rassolgeräusche und an den kranken Partien kein Athmungsgeräusch oder Bronchialgeräusch. Percussionsschall in der ent­sprechenden Region des Thorax gedämpft. Kopfschleimhäute in der Regel geröthet, Conjunctiva zuweilen infiltrirt, in einzelnen Fällen anämisch.
Bei der Katarrhalpneumonie, welche im Anschlüsse einer schleimig­eiterigen Bronchitis sich ausbildet, fehlen oft die augenfälligen Symptome. Vorwaltend bestehen: Hustenreiz, mangelhafter Appetit, leichte Einge­nommenheit des Bcwusstsoins, Röthung der Kopfschleimhäute und massige Pulsfrequenz. Die Temperatur ist normal oder hochnormal; die Respi­rationsfrequenz oft kaum oder nur um wenige Züge in der Minute be­schleunigt; der Bauch gewöhnlich etwas aufgeschürzt. Zuweilen Rassel­geräusche bei der Auscultation. Erst bei den Folgezuständen (Pleuritis oder Lungenbrand) treten auffälligere Krankheitserscheinungen hervor.
Der Verlauf ist nicht typisch. Wenn die Katarrhalpneumonie in Ver­bindung mit Lungenödem oder mit der Pleurodynie (S. 735) entsteht, so erfolgt die Ausbildung unter den Erscheinungen einer starken Dyspnoo
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Organkrankheiten.
und Pulsfrequenz. Aus der acutcn diffusen Bronchitis und Laryngitis entwickelt sich die Pneuraonie bald in 2—3 Tagen, bald erst in einer längeren Zeit. Zuweilen mindern sich die Krankhoitserscheinungen nach 5—6 Tagen allmälig und die Pferde erholen sich in 10—14 Tagen voll­ständig. Nicht selten aber schleppt sich der Verlauf auch bei günstigem Ausgange 3—4 Wochen hin. — Bei geringem Umfange der Katarrhal-pneumonie kann die Krankheit latent verlaufen und entweder zur Gene­sung führen oder einen ungünstigen Ausgang in eiterige Lungenentzün­dung resp. Lungenbrand und pernieiöse Pleuritis nehmen.
Die Diagnose lässt sich oft nur durch eine umfassende Erhebung der ätiologischen Momente in Verbindung mit den Krankheitsbefunden sicher stellen. Manche Fälle sind von der Brustseuche von vornherein nicht mit Bestimmtheit zu unterscheiden. Eine hohe Fiebertemperatur bei massiger Störung der Respiration spricht gegen die Annahme der Katar-rhalpneuraonie. Auch fehlt bei derselben die blutige Nasendejection im Initialstadium. — Leicht ist bei acutem Lungenödem oder bei der Pleuro-dynio die Existenz der Pneumonie zu übersehen. Leidet der fragliche Patient an einer acuten Bronchitis, so ist die erhebliche Störung des Allgemeinbefindens immer als ein verdächtiges Moment anzusehen. Im Uebrigen sind die Ergebnisse der Auscultation und Percussion mass-gebend. — Die Prognose ist nur bei frischer Erkrankung und bei massiger Pulsfrequenz günstig. Im Allgemeinen bleibt zu berücksichtigen, dass die katarrhalische Broncho-Pneumonie leicht in eiterig-jauchige Folge­zustände übergeht, die fast immer tödtlich enden. — Der Behandlung ist die Aufgabe gestellt, in der Verpflegung des Patienten thunlichst Alles aufzubieten, was dem Ausgang der Katarrhalpneumonie in die pernieiösen Entzündungsprocesse vorbeugen kann: gute Ventilation des Stallraums, leicht verdauliche Nahrungsmittel, Behängung des Körpers mit leichten Decken behufs Erhaltung einer gloichmässigen Wärme und öfteres Frottiren der Gliedmassen. Für die innere Medication eignen sich: Tartarus stibiatus, auch Kai. nitric, in kleinen Dosen und bei Constipation des Darms zu­gleich Natr. sulfuric. (500,0) mit Rad. Gent. (60,0) in Latwergenform. Zwcckraässig erweist sich oft die Application von Ableitungsmitteln (Fontanell) oder die hydropathische Einwickelung des Brustkastens. Bei starkem Hustenreiz ist Stib. sulfurat. aurant. indicirt. Gegen eine er­hebliche Benommenheit des Bewusstseins zeigt sich oft die mittels eines Sprayapparates oder durch Vorhalten eines angefeuchteten Tuches zu bewirkende Inhalation von Aether in Wasser vortheilhaft.
2) Die hypostatische Pneumonie findet bei Pferden, welche wegen Krankheiten der Gliedmassen oder aus anderen Gründen anhaltend
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liegen, aber auch im Verlaufe von sonstigen Athraungsbeschränkungen (Starrkrampf, Kolik, Rheho, Seplithäraio, Herzinsufficienz) nicht selten ihre Entstehung. Da die Blutstauung in den Pulmonalgcfässen ihre hauptsächlichste Ursache ist, so etablirt sich dieselbe vorwaltend in den unteren Partien der Lungen. Ihre Ausbildung erfolgt theils in beiden, theils nur in einem Lungenflügel (derjeuigen Seite, auf welcher dio Thicro längere Zeit liegen). Durch die anhaltende Blutstauung werden das Lungonparenchym und die Schleimhaut der Bronchioli vuincrabcl, so dass die mit der Athmungsluft eingeführten pathogenen Fermente eine exsudativo Entzündung (Hepatisation) herbeiführen. Der weitere anato­mische Verlauf bestimmt sich vorwiegend nach dein Aufhören oder dem Fortbestehen der die Blutstauung veranlassenden Bedingungen. Können die Patienten sich nach wenigen Tagen wieder stehend erhalten, was bei der Kolik oder bei Lahmheiten oft zu erreichen ist, so kommt die Rückbildung der Pneuraonie durch Resorption des Exsudates zu Stande. Nicht selten erliegen die Thiere den primären Krankheiton, ohne dass die einseitige frische hypostatische Pneumonie an dem tödtlichen Aus­gange wesentlich betheiligt wäre. Bei der Section solcher Pferde fällt an dem hepatisirten Lungenabschnitt stets die dunkclrothe Farbe auf. Oft besteht auch blutige Durchtränkung der Lungensubstanz. Die Hepa­tisation charakterisirt sich gewöhnlich als eine schlaffe. — Bei längerer Krankheitsdauor entwickeln sich häufig und meist in grosser Zahl broncho-pneumonische Jaucheherde (Lungenbrand).
Symptome. Neben der Pulsfrequenz und der krankhaft erhöhten Blut­temperatur, die zum Theil durch das Primärleiden bedingt sein können, bildet die Athmungsbeschwerde das wichtigste Merkmal. Ausserdem lässt sich durch Auscultation und Percussion des Thorax oft die ünweg-samkeit der Lungen in ihren unteren Abschnitten nachweisen. — Die Diagnose gründet sich auf die umfassende Erhobung des gesammten Krank­heitsverlaufes. Sie ist beim Starrkrampf und bei der Hufrhehe meist leicht zu stellen. In manchen Fällen lässt sich aber nicht entscheiden, ob eine hypostatische oder eine andere acute Pneumonie besteht und wenn nur ein kleiner Theil einer Lunge betroffen ist, so giebt sich der Zustand überhaupt nicht zu erkennen. — Die Prognose und BehaiHlInng der betreffenden Fälle richten sich nach der primären Krankheit. Soweit hierbei die hypostatische Pneumonie in Betracht kommt, sind die S. 744 hervorgehobenen Hülfsmittel indicirt.
3) Die Fremdkörpor-Pneumonie, welche beim Liegen kranker Pferde auf Sand, Sägemehl etc. dadurch zu Stande kommt, dass die staubförmigen Substanzen in die Bronchien aspirirt werden, ist nicht
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Organkrankhoiten.
häufig. Am meisten findet sich Gelegenheit zu ihrer Entwickelung bei der cicuten Gehirn Wassersucht, Kolik, Windrhehe und Hufrheho. Auch kann bei Pferden, die einen Tubus in der Trachea tragen, ein Stück desselben abbrechen und in einen Bronchus gelangen. Andere Fremd­körper kommen als Krankheitsursache nur ganz ausnahmsweise vor. Die Pathogenese der in dieser Art hervorgerufenen Broncho-Pneumonic ist leicht vorständlich. Schwere, in der Regel hämorrhagische Bronchitis und Exsudation von blutiger Flüssigkeit in die Alvcolen kleiner oder grösserer Gebiete der Lungen. — Die Symptome differiren nach der Quantität und der Verbreitung der Fremdkörper in den i3ronchien. Meist sind die Erscheinungen analog denen der hypostatischen Pneumonic. Da die Ursachen aus den Bronchien nicht entfernt werden können, so sterben die Thiere, soweit sie nicht schon der primären Krankheit erliegen, ge­wöhnlich innerhalb 2—3 Tage unter den Symptomen der langsam zu­nehmenden Asphyxie. In einer Minderzahl der Fälle dauert die Pneu­monic länger und es entwickeln sich dann broncho-pneumonische Jauche-herde (Lungenbrand), an welchen die Thiere zu Grunde gehen. — Die Prognose ist schlecht und die Behaiulinng aussichtslos.
4) Die Schluck-Pnoumonic oder Vorschluckungs-Pneu-monie ist als Complication von Krankheiten der Rachenhöhle (Starr­krampf, ßlutfleckenkrankheit, Druse, Laryngitis, Pharyngitis, Retro-pharyngealabscess, krankhafte Füllung der Luftsäcke und Geschwülste in der Halspartie) nicht selten. Thcils in Folge der krankhaft beengten und deshalb forcirten Inspiration, theils in Folge der Lähmung des Nervus laryngeus superior dringt Speichel, Trinkwasser oder dünnflüssiger Futter­brei in den Kehlkopf und in die Bronchien. Wenn diesen deletären Substanzen keine Fäulnissfermente anhaften, so widersteht die Bronchial­schleimhaut ihrer entzündungserregenden Wirkung ziemlich lange, so dass die an die Bronchitis sich anschliessende Pneumonic, die oft nur einen geringen Umfang erlangt, ganz im Rahmen einer acuten katar­rhalischen Exsudation und collatcralen Infiltration verbleibt. Gelangt nur wenig Flüssigkeit in den Respirationstractus, so beschränkt sich die Broncho-Pneumonic auf den zungenförmigen Lappen und die nächsi-gelegene Partie einer oder beider Lungen. Beim Eindringen einer be­deutenden Quantität der flüssigen Substanzen werden die Bronchien und die zugehörigen Lobuli in grösserer Ausdehnung oder an vielen einzelnen Stellen, aber vorwiegend an den niedrigsten (unteren) Partien der Lungen al'ficirt.
Kleine bronchopneumonische Herde dieser Art lassen sich mit Sicher­heit nicht nachweisen. Bei grösserom Umfange giobt sich der Zustand
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durch die. krankhaft gesteigerte Athmungsfrequenz und die Anspannung der ßauchdecken in Verbindung mit Fieber und Vermehrung der Puls­zahl zu erkennen. Auch ist durch Auscultation und Percussion des Thorax die Verdichtung der Lungen zu ermitteln. — Gelingt es, das Athmungshindorniss oder die Schluckbeschwerde bald zu beseitigen, so kann die in dem vorbezeichneton frischen Stadium befindliche Pneuraonie sich wieder zurückbilden. Sehr oft gelangen aber mit der delotären Flüssigkeit Fäulnissfcrmente in die kleinsten Bronchien und in die Lungen, so dass der üebergang der Krankheit in Lungenbrand unabwendbar ist.
Die Diagnose gestaltet sich bei Berücksichtigung der Vorkrankheit als eine leichte Aufgabe. Die Prognosis' ist im Ganzen ungünstig und wenn das Grundleiden nicht früh genug gehoben oder durch die Tracheo-tomie rechtzeitig behandelt wird, schlecht. Sobald sich die Merkmale der Lungengangrän (übler Geruch der exspirirten Luft und der Nasendojecte) hervorthun, sind die Thiere aufzugeben. — Die Behandlung ist in ihrem wichtigsten Theilo eine prophylaktische. Bei den Halskrankheiten kann durch die frühzeitige Application eines Tracheotubus der Ausbildung der Schluckpneumonie mit Erfolg begegnet werden. Doch ist die täglich zwei­malige Reinigung des Tubus nicht zu verabsäumen. Auch die öftere In­halation der Lugol'schen Lösung (Jod 1, Kai. jod. 2, Aq. 300) in den Tubus mittels eines Sprayapparates fand ich recht nützlich.
5) Der Name der Einguss-Pneumonie — Broncho-Pneumonia medicamentaria — ist in den letzten Jahren derjenigen Broncho-Pneumonie beigelegt worden, welche gelegentlich des fahrlässigen Ein­gehens von flüssigen oder öligen Arzneistoffen durch Verschlucken resp. durch das Eindringen der Flüssigkeit in den Kehlkopf und die Bronchien herbeigeführt wird.
Uralt ist der Aberglaube, dass den Pferden gegen innere Krankheiten (Kolik, llhehe) die Medicamento in flüssiger Form zweclcmässig durch die Nase einzugeben seien. Im 4. Jahrhundert empfahl Apsyrtus hierzu das linke Nasenloch zu wählen. Auch dieser Missbrauch hat sich unter den Besitzern und Empirikern einzelner Gegen­den bis zur Gegenwart durch die Tradition erhalten. Ich habe oft Pferde wegen einer auf diese Art veranlassten Eingusspneumonie behandelt. Es ist klar, dass der Missbrauch leicht und zwar immer, wenn eine grössere Menge der Flüssigkeit schnell eingeschüttet wird, die gefährlichsten Folgen haben kann. Aber auch das Eingeben flüssiger Medicamento durch das Maul führt leicht zum Verschlucken. Denn viele Pferde widerstreben dem Verfahren und Laien suchen mlssbräuchlich zuweilen durch Drücken odor Streichen am Kehlkopf das Schlucken zu erzwingen. Auch das Schief­halten und das überstarko Hochziehen des Kopfes begünstigen das Verschlucken. — Bei der grossen Gefahr, welche die Einverleibung flüssiger Medicamente für die Pferde mit sich bringt, erklärte F. Günther (1831) die Methode schlechthin für verwerflich. In diesem Umfange lässt sich indess die Prophylaxis nicht rechtfertigen. Es giebt
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Fälle genug, in welchen die Modicamente ganz zweckmässig in flüssiger Form ver­abreicht werden, namentlich, wenn die kranken Pferde am Boden liegen. Indoss muss ich Gerlach (Gerichtl, Thierheilk., 2. Aufl., S. 696) Recht geben, wenn er im All­gemeinen verlangt, dass der Thiorarzt das Eingeben selbst besorgen soll. Höchstens kann dasselbe einem kundigen und mit den nachthoiligon Folgen der Fahrlässigkeit vertrauten Gehülfen überlassen werden. — Zu beachten ist, dass, wenn während des Eingehens Etwas in den Kehlkopf geräth und Hustenreiz sich bemerklich macht, der Kopf des Pfeides schleunig freigelassen werden muss, damit die Flüssigkeit durch den Husten wieder eliminirt wird. In dieser Hinsicht begehen Laien oft ein Versehen, weil sie unter allen Umständen bemüht sind, die Mixtur vollständig dem Pferde bei­zubringen.
quot;Wenn von dem flüssigen Medicament wenig in den Kehlkopf gelangt, so entsteht oft nur eine oberfläohliclie Entzündung der Schleimhaut im Larynx und im oberen Ende der Trachea. Bei etwas grösserer Menge bildet sich eine Tracheitis und Bronchitis, an welche sich im weiteren Verlauf erst eine Pncumonie anschliesst. Oft ist aber das eingedrungene Quantum so bedeutend, dass sich die Flüssigkeit im Bronehiensystem einer oder beider Lungen vertheilt und von vornherein eine multiple Broncho-Pncumonie in den vorderen Abschnitten, zuweilen auch in den unteren Partion bis zum hinteren Ende über eine resp. beide Lungen zur Entstehung bringt. Am gefährlichsten sind die Flüssigkeiten von reizender oder scharfer Eigenschaft. Aber auch Ool (Leinöl) und die mit pulverisirten pflanzlichen Arzneistoffen hergestellten Gemische ver­anlassen leicht eine pernieiös verlaufende Lungenentzündung. — In der Pathogenese machen sich zunächst die Vorgänge einer herdwoise auf­tretenden Katarrhalpneumonie geltend. Bei günstigem Vorlaufe können sich die Entzündungsherde nach einigen Tagen wieder zurückbilden. In den meisten Fällen entsteht aber bei der heftigen mechanischen Reizung der Schleimhaut in den respirirenden Bronchien eine eiterige Infiltration-des peribronchialen Bindegewebes und der zugehörigen Theile der Lobuli. Die in dieser Art erkrankten Gewebe bieten einen günstigen Nährboden für die Ansiedelung von Fäulnissfermenten aus der Athmungsluft. Es entwickelt sich daher sehr oft nach einer Krankheitsdauer von 3 bis 6 Tagen eine gangränöse Zerstörung der Entzündungsherde, an welche sich gewöhnlich noch soeundär eine diffuse eiterig-jaucliige Pleuritis anschliesst.
Syniiitomc. Starker Hustenreiz; grosse Empfindlichkeit (Schmerz) bei Druck gegen die Luftröhre; Pulsfrequenz; Fieber, mit gesträubter Stellung des Deckhaars und stierem Blick; beschleunigte Athmung; leichte Schluckbeschwerde, Appetitmangcl und verzögerte Darmcntlcerung. Bei der Auscultation Rasselgeräusche und bei ausgebreiteter Erkrankung
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einer oder beider Lungen Broncliialgcränscli. In den späteren Stadien Dejection von grauweissor, zäher, klebriger oder rnissfarboner und bei Lungenbrand von jauchiger, übelriechender Materie aus der Nase.
Uingiiusc. Wird die Anamnese vorsichtig und mit Berücksichtigung des Umstandes, dass hinsichtlich der Vorschuldung einer Pferdekrankheit sich Niemand will überführen lassen, aufgenommen, so gestaltet sich die Diagnose leicht. Einige Schwierigkeit macht zuweilen die Frage, ob blos eine Laryngo-Tracheitis und Bronchitis oder eine Broncho-Pneumonie ent­standen ist. Indess deutet der Appelitmaugel neben den anderen Sym­ptomen auf die Miterkrankung einer oder beider Lungen. Gegen die Ver­wechselung mit der Erkältungspneumonie schützt die Erhebung der Vor­geschichte und der starke Hustenreiz.
Prognose. In den schweren Fällen führt die Broncho-Pneumonia raedicamentaria fast unabwendbar zur Lungengangrän und zum Tode. Die leichten Fälle nehmen zuweilen einen günstigen Vorlauf, wenn die betreffenden Pferde rechtzeitig und sehr sorgfältig behandelt werden. Es kann aber schon ein kleiner, wallnuss- bis hühnereigrossor Herd im vordem Lappen oder am unteren Rande einer Lunge der Gangrän ver­fallen und den lethalen Krankheitsausgang bedingen. — Die Therapie hat sich nach dem Gesichtspunkte zu richten, dem Uebergange der broncho-pneumonischen Herde in eiterige Einschmelzung und Verjauchung mög­lichst zu begegnen. Zu diesem Zwecke eignet sich die von den älteren Thierärzten (Spinola u. A.) lebhaft empfohlene Application äusserer Ableitungsmittel: scharfe Einreibung im Verlaufe der Luftröhre, Fonlanell. Für den inneren Gebrauch sind Schleimhautmittel in Verbindung mit Laxantien angezeigt: Tart. stib. in kleinen Dosen, Ammon. chlor, mit Natr. sulfuric. und Sem. Anisi. Auch Kai. jodat. (10,0—15,0) in einem Eimer Trinkwasser zur Solbstaufnahme. Schmackhafte, naturgemässe Nahrungsmittel und reine Athmungsluft.
Capitel LXXVIII. Embolischc Pueninonic. Mctastatisclie Pneumoniet
Die schnelle Entwickelung der motastatischon Hordpneumonie bei Pferden wurde durch P, Günther (1834) und Spinola (1839) nachgewiesen. Einen genaueren Einblick in die Pathogenese der metastatischen Lungenentzündung gewannen aber die Thierärzte erst, nachdem Virchow (Ges. Abhandl, 185G) das Zustandekommen
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dor embolischen Entzüiidungshordo klar gestellt hatte. Weitere Aufschlüsse über die Formen der Erkranlmng und ihre Abhiingiglfoit vom anatomischen Verlaufe der l'ulmonalarterien brachten die Exporimento von Cohnheim (18V5),
Die Genesis dor embolischen Pneumonie beruht auf der Einführung von festen Substanzen in den venösen Blutstrom, welche die Capillaron dos Pulmonalkreislaufs nicht passiren können und deshalb in einer Endarterie desselben sitzen bleiben. Da zu jeden Lobulus eine Endarterie führt, so erzeugt die vollständige Obturation der letzteren zunächst eine lobuläro (circumscripte) Pneumonie. Wie bei der Besprechung der Pyämie (S. 318) und der Druse (S. 367) bereits hervorgehoben wurde, können kleine Einboli das Capillarsystem der Lungen passiren und in anderen Organen haften bleiben. Mit der Verstopfung einer Endarterie des Pulmonalkreislaufs entsteht in dem betreffenden Lobulus durch den rückläufigen Blutstrom ein hämorrhagischer In-farct, welcher entsprechend der Verzweigung der Arterie eine keilförmige Gestalt hat, mit der Spitze gegen die Lungenwurzel und mit der Basis gegen die Lungenoberfläche gerichtet ist. Das weitere Verhallen des Entzündungsprocesses in dem infarcirten Gewebe ist aber, wie Virchow zuerst klar gestellt hat, davon abhängig, ob die Em-boli aus reinem Blutgerinnsel bestehen und nur die Gefässverstopfung, aber keine weiteren phlogogenen Wirkungen auf die Lungensubstanz herbeiführen, oder ob den Embolis eiterige resp. septische Fermente anhaften. — Im erslgedachten Falle wird der infarcirte Lobulus luftleer, dunkelroth und derb. Nach einigen Tagen ist der Verdichtungsherd trocken, brüchig. In der Pleura der betreffenden Stelle tritt ent­zündliche Köthung und zuweilen fibrinöso Exsudation ein. Demnächst bildet sich eine demarldrendo Entzündung aus, welche die Resorption des mortificirten Gewebes und die Vernarbung des Defectos vermittelt. — Wenn derEmbolus eitorbildendes Ferment mit sich führt, so entsteht sehr rasch eine eiterige Infiltration des infarcirten Lobulus mit Abscessbildung (metastatisoher Lungenabscess). Bei guter Beschaffenheit des Eiters und bei der Beschränkung des Vorganges auf wenige Herde kann die Heilung durch Resorption und Narbenbildung oder Verkalkung erfolgen. Oft liegt aber der metastatische Herd dicht an der Pleura und es entwickelt sich seeundär eine puru-lento Pleuritis mit tödtlichem Ausgange. — Eine schwere und fast immer letal ver­laufende gangränescirende Entzündung folgt der Embolie, wenn die Pfropfe mit sep­tischen Fermenten (Jauche) verunreinigt sind (metastatische brandige Lungen­entzündung).
Die einfache hiimatogene Herdentzündung, die durch Einführung biander Emboli in die Lungen verursacht wird, ist bei Pferden selten. Sie kann eine Folge throni-botischer Zustände in der rechten Herzkammer sein. Indess entstehen zuweilen mini­male embolische Infarcto innerhalb der Lobuli beim tödllichon Ausgange toxischer Bluldyskrasien. Die Pathogenese dieser Vorgänge, die übrigens nur ein pathologisch­anatomisches Interesse haben, ist noch nicht sicher bekannt. — Metastatische Eiter­herde bilden sich oft bei purulonten Entzündungen der Subcutis (vergl. das Capitel der Pyämie, S. 316), beim Rotz, bei der Druse und bei der eiterigen Nabelvenen­entzündung (Lähme) neugeborener Fohlen. Andere Vorkrankheiten gehören zu den Ausnahmen. — Die gangränescirende metastatische Pneumonie (Lungenbrand) ent­steht bei eiterig-jauchigen Entzündungen der verschiedensten Organe sehr häutig (Decubitalgangrän, septische Wundinfeclion, ichorrhöse Thrombophlebitis an den Gliedmassen, gangränescirende Entzündungsprocesse innerhalb der Ilufkapsel).
Die Symptome einer frisch entstandenen embolischen Pneumonie stimmen mit den Erscheinungen der multiplen katarrhalischen Droncho-Pncumonie überein. Mass-
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Lungenabscoss,
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gebende Anhaltspunkte für die Uiiigiiosc lassen sich nur unter Berücksichtigung der Vorkrankheit gewinnen. Für die Prugnosc ist der Charakter dor Primiirkrankhoit ontschoidond. Ein günstiger Ausgang kann indess kaum anders erholft worden, als wenn muthmasslich nur einzelne relativ gutartige Eiterhorde in den Lungen bestehen. Auch dann dauert das Leiden gewöhnlich mehrere Wochen. Die IteliuiKlliing ist im Wosontlichen auf die diätetische Pflege dos Patienten beschränkt. Bei der metasta-tisohon gangränoscirondenPneumonio lässt sich dor tödtlicheAusgang nichtvorhindern.
Capitel LXXIX. Lungcuabscess.
Mehrfach ist bei den ätiologisch vorschiedonon Formen der Pnoumonie darauf verwiesen worden, dass die Entzündungsprocesso in den Lungen zur Abscessbildung führen können. Einen eiterigen Charakter erlangt die Pnoumonie immer nur dann, wenn oiterbiklendo Formente (Schizomycoton) in die Entzündungsherde gelangen. Dies kann durch die Respiration, die Blutcirculation und durch die Lyniphbahnen vermittelt werden. Hiernach sind die Eiterherde entweder bronohopnoumonischon oder embolischen Ursprungs, oder sie entstohon als Secundärabscesso durch die Ver­schleppung eiteriger Fermente aus einem purulenten pnoumonischen Horde. Da die Bronchioli und die Oberilacho des respiratorischen l'arenchyms in dirocter Communi­cation mit der atmosphärischen Luft stehen, so sind die anatomisohcii Verhältnisse für die Etablirung eiteriger Entzündungsprocesso in den Lungen sehr günstig Das Zustandekommen derselben ist aber davon abhängig, dass die Lungen zuvor an der einen oder anderen Stolle durch entzündliche Veränderungen ihren normalen Schutz verloren haben. Die frisch entzündete Partie ist einer Wimdlläche an der äusseren Haut vergleichbar.
Lungonabscesse entstehen als eine Folgokrankheit der Bruslsoucho (typisch ver­laufende (ibrinöse odor oroupöso Pneumonic), die S. 219 und S. 236 besprochen wurde, ferner In einzelnen Fällen nach der katarrhaiischon Broncho-Pneumonio, häufiger in Folge von Embolie. In den meisten Fällen ist dabei nur eine Lunge betroffen; doch können die Abscesso gleichzeitig in beiden Lungen ihre Enislchung finden. — Soweit das eiterbildende Ferment nicht durch die Blutcirculation in die metastatischen Ent­zündungsherde mit den Embolis importirt wird, nimmt die Entwickelung von einem Bronchiolus ihren Ausgang mit der eiterigen Infiltration dor Bronchialwand und des poribronchialon Gewebes. Die Infiltration setzt sich auf das Lungenparonchym fort, worauf die Dissection der haselnuss- bis gänseeigrossen Eiterherde eintritt. Die mortificirte Substanz des ursprünglichen Entziindungsherdos unterliegt der eiterigen Einschmolzung und die Kapsel erlangt bei wochonlanger Dauer die Dicke eines Stroh­halms und darüber. In den Bronchien entwickelt sich seeundär ein diffusor eiteriger Katarrh. Stossen die Herde dicht an die Pleura, so unterliegt auch die letztere der eiterigen Infiltration und sofern nicht in der Circumferenz dos Herdes die Verwachsung
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der Pulmonalpleura mit dor Costalwand eintritt, ist regolmässig eine diffuse exsudative Pleuritis mit vorwaltend eiterigem, zum Thell aber fibrinösom oder hiimorrhagischem Charakter die Folge. #9632;— Wenn die bronohopneumonisohen Eiterherde gleichzeitig in grosser Zahl und in beiden Lungen entstehen, so gehen die Pferde durch die Resorption des doletären Krankhoitsproductos in der Hegel bald zu Grunde. Sind aber nur wenige Herde vorhanden, so kann sich der Verlauf auf mehrere Wochen oder Monate aus­dehnen. Die Vervielfältigung geschieht thoils durch Aufbrechen eines Abscesses in die Bronchien und Verschleppung des Inhaltes in andere Bronchien mit der Athmung, theils durch die Lymphbahnen. Indess kann sich ein relativ grosser, von einer festen Kapsel umschlossener Eiterherd lange Zeit im Centrum einer Lunge erhalten, ohne dass Secundärherdo entstehen. Mit der Vervielfältigung der Abscesse in einer Lunge bildet sich ein förmliches llöhlensystem, wobei der grössteTheil des Lungenparenchyms durch die Umkapselung der Herde mit fibrösem Bindegewebe respirationsunfähig wird, zwischen den Herden aber ein mehr oder minder grosser Theil lufthaltig bleibt. — Bei der embolischen Entstehung der Eiterherde dringt eiterbildendes Ferment mit dem Embolus in die Lungensubstanz (S. 750). Auch dann erfolgt die eiterige Infiltration der letzteren schnell und man trifft nicht selten in einem Lobulus noch stellenweise die Merkmale des hämorrhagischon Infarctes, an anderen Stellen dagegen die eiterige Auflösung des Gewebes. Die metastatischen Abscesse verhalten sich in ihrem weiteren Verlaufe wie die bronchopneumonischen Eiterherde. Sie erlangen bald mehr, bald minder vollkommen eine kugelige Form, weil die Wandung dem flüssigen Inhalt überall einen gleichmässigen Widerstand entgegensetzt. Häufig erfolgt der Aufbruch in die Bronchien und eine diffuse eiterige Entzündung mit abundanter Absonderung in der Bronchialschleimhaut. Dann complicirt sich der metastatische Lungenabscess mit eiterigen bronchopneumonischen Abscessen, wie bei der purulenten Omphalo-Phle­bitis der Fohlen (vergl. S. 331), aber auch bei anderen purulenten Primärkrankheiten beobachtet wird. Im weiteren Verlaufe bilden sich mehr oder minder dicke fibröse Umkleidungen der Abscesse und nach der Entleerung oder der Resorption des Inhaltes bleiben umfangreiche schwielige Narben bestehen. — Liegen die Abscesse dicht an dor Pleura, so verwächst die betreifende Partie der Lunge nicht selten mit der Costal­wand oder mit dem Zwerchfell. Bei dem Vorhandensein nur eines oder relativ weniger Eiterherde von geringem Umfange kann hiermit die Heilung durch Vernarbung ange­bahnt werden. Zuweilen entstehen aber in der Nachbarschaft des ersten Abscesses neue Eiterherde, so dass die Krankheit nach Verlauf von mehreren Wochen oder Mo­naten doch einen letalen Ausgang nimmt. Die von den Lungenabscessen veranlasste und unterhaltene diffuse Pleuritis hat oft einen chronischen Verlauf und vorwaltend einen granulirenden Charakter (Pleuritis granulans). Es scheiden sich weisse Blutkörperchen, Fibrin und Serum ab, die Pleura verdickt sich und auf der Oberfläche entsteht ein sehr gefässroiches, sammtartiges Granulationsgewebe, dessen Product später die Beschaffenheit dos Exsudates bestimmt. Stellenweise treten Verklebungen und Verwachsungen der Lunge mit der Brustwand, dem Zwerchfell, dem Herzbeutel oder dem Mittelfell ein.
Schliesslich ist noch hervorzuheben, dass die bei chronischen Lungenabscessen entstehenden indurativen Zustände nicht selten zu erheblichen und recidivirendon Blutungen (Lungenblutsturz, Pneumorrhagie) Veranlassung geben und dass durch die Einführung von Fäulnissorganismen in die kranke Bronchialschleimhaut oder in die pneumonischen Herde sich Lungenbrand ausbilden kann (eiterig-jauchige Lungen-abscesse).
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Die Syniptoine gestalten sich nach der Fathogeneso und besonders nach der Aus­breitung der Herde sehr verschieden. Ein central in den Lungen liegender, relativ grosser Herd verursacht zuweilen keine augenfällige Störung in der Rospiration. Da­gegen bestellen bei den periphor gelegenen Herden die Erscheinungen der ohronischon Pleuritis: Athembeschwerde mit verzögerterExspiration, Anspannung der ßauchwand, Schmerzompfindung und zuweilen Hustenreiz beim Druck gegen den Thorax, Reibungs-goräusoho, godilmpfter Peroussionssohall an der kranken Brustwand, Fieberteniperalur, Pulsfrequenz, Appetitmangel und allmiilig zunehmende krankhafte Abmagerung. — Sind die Lungen mit einer grösseren Zahl von Abscessen durchsetzt, so lassen sich feuchte und trockene Rassolgeriiusoho, zuweilen auch amphorisches und bronchiales Geräusch an der betreffenden Brustwand nachweisen. Der Percussionsschall ist ge­dämpft. Stellenweise und vorübergehend metallischerüeiklang (Ton des gesprungenen Topfes). Daneben bestehen die gleichen Störungen der Respiration und dos Allge­meinbefindens, wie bei der chronischen eiterigen Pleuritis. — Bei erheblicher Mit­erkrankung der Bronchien bekunden die Patienten einen lästigen Husten und eine eiterige Dejection aus einem oder aus beiden Nasenlöchern, in letzterem Falle an einer Seite stärker, als an der anderen. Mitunter sammelt sich das eiterige Secret in den Bronchien an, so dass bei der niedrigen Haltung des Kopfes sich momentan eine grosse Quantität des Eiters aus der Nase entleert. Durch den Hustenstoss wird auch zuweilen eiteriges Bronchialsecrot in die Maulhöhle gebracht. Zeitweise haftet an dem Dejeote und an der exspirirton Luft ein übler Geruch.
Der Verlauf ist chronisch, aber nach dem Umfange der Erkrankung in den Brust­organen vorschieden. Meist erstreckt sich derselbe auf 2—4 Wochen, zuweilen aber auf 2—8 Monate. — Die Diagnose kann bei dem Bestehen einzelner Abscesse sehr schwierig sein. Einen wesentlichen Anhalt liefert die Kenntniss der Primärkrankhoit. Wenn diese nicht zu eruiren ist, so lässt sich die Diagnose erst genauer feststellen, sobald an dem Ergebnisse der Auscultation und Percussion oder an der Nasendejeclion ein bestimmtes Beweismoment gewonnen werden kann. Für die Prognose ist die Er­fahrung zu beachten, dass nur relativ wenige oder kleinere, besonders die central ge­legenen und in die Bronchien sich entleerenden Lungenabscesse verheilen, die multiple Abscessbildung und die consecutive diffuse Pleuritis aber stets einen letalen Krank­heitsausgang bedingen. Der Behauilluiig ist im Wesentlichen nur die Anordnung einer sorgfältigen diätetischen Fliege als Aufgabe gestellt. Von der mehrfach em­pfohlenen Inhalation mit Terpentinöl oder Carbolwasser ist ein dauernder Erfolg rieht zu erwarten. Auch die äussoren Ableitungsmittel (Fontanell, Haarseile an der Brust­wand) haben nur bei leichter Erkrankung und bei dem Bestehen einer eiterigen Bron­chitis einen Nutzen.
Capitel LXXX. Liiiigcnbraml. Onngracna piilnionitin.
Begrilflich wird der „Lungonbrandquot; auf die Verflüssigung (Colliquation) ab­gestorbener Partien der Lungen bezogen. Die Zersetzung der flüssig zerfallenen Ge­webe ist aber nicht immer von dor Production übelriechender Gase begleitet. Es
Dieckorhoff, Spec. Pathologic \h Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^3
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kommt auch boi Pferden, und zwar beim Rotz nicht selten und bei einfachen pneu-monischen Herden zuweilen der „aputride feuchte Brandquot; in den Lungen vor, wobei das entzündlich destruirte Gewebe der Erweichung anheimfällt (Pneurao-malacie), ohne dass die verflüssigte Materie einen üblen Geruch besitzt. Vorwaltend wird indess der BogrilT der Lungengangrän auf die durch specilische Mikroorganismen (Fäulnissbaolorion) herbeigeführte Fäulniss und Verflüssigung der pneumonisohen Herde angewandt, wobei sich Gase von unangenehmem süsslich-fauligem Geruch bilden („putrider, feuchter Brandquot; oder „Lungengangrän '). Zur Charak-terisirung der eigenartigen Tendenz, welche die primär oder secundär entstehenden Entzündungsherde haben, sind die Namen „brandige Cavemen der Lungenquot; — „gangränösequot; oder „gangränescirendequot; L. — „jauchigequot; oder „ichor-rhösequot;L. gebräuchlich. Um das ätiologischeVerhältniss auszudrücken, werden oft auch die Termini der „bronohopnoumonischen Jaucheherde und der„embo-lischenquot; oder „metastatisohenquot; Jaucheherde in den Lungenquot; benutzt.
Die in der Modicin von Laennec (1819) begründete Unterscheidung der Lungen-gangi'än in „circumscriptenquot; und „diffusen Lungenbrandquot; passt auch auf die betrell'onden Zustände boi Pferden und besagt, dass der Brandherd entweder gegen die Umgebung scharf abgesetzt ist oder dass die Gangrän sich ausbreitet und ohne scharfe Grenze in die gesunde Lungensubstanz fortsetzt. Orth (Path. Anat., 1877, S. 504) bezeichnet deshalb den dill'usen Lungenbrand als „fortschreitende Lun­gengangränquot;. Indess ist eine scharfe Trennung dieser Erkrankungsformen nicht immer durchführbar. Denn es kann ein zunächst circumscripter Herd sich im weiteren Verlaufe vorgrössern und entgegengesetzt können diffuse Jauchungsprocesso sich später mit einer Demarkation umgrenzen.
Die Aetiologie des Lungenbrandes beruht darin, dass Fäulniss erregende Mi­kroben in einem der Mortification verfallenen Theile der Lungen zur Wirkung gelangen. Dies kann auf zweifache Weise gosohohen, indem entweder gleichzeitig mit einer phlo-gogenen Substanz die Pänlnissmikroben in die Lungen eingeführt werden (primäre Lungengangrän), oder indem ein Kntzündungsherd zuerst der Nekrose verfällt und nachher in demselben die Fäulniss eintritt (secundäre Lungengangriin). In der letztgedachten Art entsteht der Lungonbrand nicht selten als Ausgang der typischen librinösen Pneumonie oder Brustseuche (vergl. S. 220 und S. 2.%; ferner Tappe, Der Lungenbrand der Pferde, Jena, 1883). Aber auch jede andere Pneumonie kann zur Ausbildung der Gangrän Veranlassung geben. Primär kommt die Affection aiii meisten zur Entwickelung bei Schluckpneumonien, bei welchen mit der Bronchial­gangrän fast gleichzeitig oder wenige Tage später die Fäulniss in den Entzündungs­herden der Lungen sich einstellt, und bei der embolischen Pneumonie, wenn den Em-bolis septische Formente (Jauche) anhaften. Für die Pathogenose ist endlich noch zu erwähnen, dass sehr oft eine Verschleppung der Brandjauche von dem zuerst er­krankten Lungentheil durch die Bronchien mit dem In- und Exspirationsstrom in einen gesunden Lungenabschnitt erfolgt, so dass die Vervielfältigung der Jaucheherde sich gewissermassen als eine Selbstinfeclion darstellt. Nicht selten entsteht neben den jauchig ulceröson Herden ein Emphysem in den Lungen.
Die Gefahren des Lungenbrandes beschränken sich nicht auf die in der Form klcinor und grössoror Höhlen (Brandcavernen) erfolgende Zerstörung der Lungen. In den meisten Fällen (ludet auch ein Durchbruch der Jaucheherdo in die Bronchien statt, worauf sich eine dilTuse gangränoscirende Schleimhautontzündung im ganzen Kespirationstractus ausbildet, die zur Abscheidung eines coplösen, blutigen oder
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missfarbenon und zähflüssigen Krankheitsproductes und an einzelnen Stollen, besonders oft im Kehlkopf zu einer ilächenartigen odor hordweison Mortification der Schleimhaut führt. Oder die fortschreitende Gangrän dringt bis in die Nähe der Pleura vor, so dass — obschon zwischen der letzteren und der gangränösen Ulceration noch eine Strohhalm- bis fingerdicke Lage gesunder Lungonsubstanz besteht — eine Infection der Pleura mit jauchigem Kermente eintritt und eine diffuse oxsudative Pleuritis sich anschliosst, deren Product ein missfarbiges Ansehen hat und aus Serum, Eiter, Hämo­globin und Fibrin zusammengesetzt ist. Sehr oft erleidet die Pleura über dem peri-pherisch gelegenen Brandherde eine Nekrose mit oder ohne Perforation, so dass der directe Uebortritt der Jauche In den Pleurasack bei der Section nachgewiesen werden kann. Nicht selten verklebt die Pleura in der Partie eines circumscripten Brand­herdes mit der Costahvand und in einzelnen Fällen kommt eine feste Verwachsung zu Stande. — Das die Brandherde umgebende Lungengewebe verdichtet sich durch entzündliche Infiltration und bei protrahirtem Krankhoitsverlauf kommt eine binde-gewebige Umkapseiung zu Stande, wobei das aus der letzteren hervorgehende eiterige Product sich der Jauche beimengt (eiterig-jauchige Herde).
Immer folgt dem Lungenbrand in Folge von Jaucheresorption eine schwöre Blut­vergiftung, deren Wirkung sich vorwaltend durch Fiobertemperatur, Herzschwäche, Verfall der Kräfte, Zusammenschrumpfen der Skeletmuskulatur und diffuse ohtzünd-licho Reizung der Gastro-Intestinalschleimhaut (Oolliquativer Durchfall) äussert.
Symptunic uml Verlauf. Das wesentlichste Merkmal der Lungengangrän liegt in dem süsslich-fauligen Geruch der Exspirationsluft, wenn gleichzeitig eine Pneu-monie nachgewiesen werden kann. Oft ist der stinkende, unangenehme Geruch nur vorübergehend zu constatiren; er tritt in der Kegel erkennbar hervor, wonn die Thiero zum Husten gereizt worden. Daneben liefert die Dejection von missfarbonor, grau­brauner oder blutiger, oder mehr eiteriger, zuweilen grünlich gefärbter und zäh­flüssiger Materie aus einem oder aus beiden Nasenlöchern den wichtigsten Anhalt. Bei manchen Pferden ist der üble Geruch der ausgeathmeton Luft, bei anderen da­gegen der Nasenausfluss zuerst bemerkbar. Nicht selten tritt eine leichte oder schwere Lungenblutung ein, die sich mitunter im Verlaufe einiger Tage mehrfach wiederholt und direct zum Tode führen kann. Bei oiner ausgebreiteten Pnoumonie und bei dem Bestehen einzelner Brandherde innerhalb derselben kann die Percussion des Thorax neben der Dämpfung den Ton dos gesprungenen Topfes ergeben, der in diesem Falle darauf beruht, dass der Herd mit einem Bronchus communicirt und dass bei der Inspiration Luft in die nur zum Theil mit Jauche gefüllte Caverne eindringt. Dazu kommen bronchiale, tracheale und laryngeale Rasselgeräusche. In den gesunden Lungenabschnitten gesteigertes Vesiculärgeräusch. — Die Complication mit einseitiger oder doppolseitig.or Pleuritis bedingt eine percutorischo Dämpfung in der unteren Brusthälfte und zuweilen Reibungsgoräusche.
Die Allgemeinaffeclion ist in einer bald mehr, bald weniger starken Prostration ausgesprochen. Stierer, apathischer Blick, oft tiefliegende Augen. Venöse Färbung der Schleimhäute. Mangel an Tonus in der Muskulatur des Kopfes. Dyspnoe mit verzögerter Exspiration. Frequenter, kleiner und später drathförmigor Puls. Blut-temporatur zwischen 39,0—41,0, häufig wechselnd. Inappetenz und diarrhoische Knt-leerung bräunlich oder gelblich gefärbter und oft übelriechender Excremonte; zuweilen Tenesmus und Parese des Afters. In den späteren Stadien starke Abmagerung und Verkleinerung der Skelotmuskeln, besonders stark an den langen Rückenmuskoln und an den Muskeln des Beckens. Einzelne Pferde bekunden zeitweise starken Schweiss-
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austruch. Der Tod erfolgt nach einer Krankheitsdauer von 3 Tagen his 5 Wochen unter den Erscheinungen eines progressiven Kriiftoverfalls und der langsam zunelmon-den Asphyxio. — Der Vorlauf kann sich sehr verschieden gestalten, was schon nach der Mannigfaltigkeit der Pathogonose sich erklärt. Ein abgekapselter Brandherd mitten in einer Lunge verursacht erst eine sichtbare Erkrankung des Pferdes, wenn der Durchbruch in den Pleurasaok oder in einen Bronchus erfolgt. Beim seeundiiren Lungcnbrand kann die central gelegene Pneumonie latent bleiben, so dass das Pferd als erstes Merkmal seiner Erkrankung einen fauligen Geruch der Exspirationsluft be­kundet, worauf meist in wenigen Tagen sich die schweren Allgemeinsymptome hervor-thun. In einzelnen Fällen heilen die central gelegenen Brandherde durch Vernarbung. Hierbei bleibt die Bronchitis unerheblich. Beim Auftreten einer trüben, schmierigen und missfarbenon Nasendojection vorläuft der Lungonbrand ausnahmslos und meist innerhalb 8 Tage tödtlich. — Die auf embolischem Wege nach ulcerösen (jauchigen) Entzündungen imUnterhautgewebo, in den Sehnenscheiden, Gelenkon oder Muskeln etc. herbeigeführte Lungengangrän complicirt sich '/.uweilen mit einer durch die Dejecto veranlassten schweren Rachenbrilune, die zur Causa proxima mortis werden kann.
Diagnose. Nicht immer giobt sich der Lungonbrand durch das geschilderte Go-sammtbild zu erkennen. Ein einzelnes Symptom ist nicht charakteristisch. Ins­besondere kann der zeitweise auftretende üble Geruch aus der Nase durch Krankheiten der Maulhöhle und der Backzähne, durch Goschwülste der Kopfhöhion, resp. durch die Regression und Fäulniss in den Zorfallsmassen, sowie durch den Eiiibruch eines Retropbaryngealabscesses in den Luftsack bedingt sein. Im Allgemeinen ist deshalb bei der Diagnose neben dem stinkenden Athom auf die Krschoinungen der Sephthämie Rücksicht zu nehmen.
Die l'rugiiose ist schlecht. Nur in Ausnahmefällen besitzen die Pferde so viel Widerstandsfähigkeit, dass ein circumscripter Brandherd durch Verwachsung der er­krankten Partie mit der Costalwand oder central in der Lunge durch Resorption der Zerfallsproducte und Vornarbung ausheilt. Die diffuse Lungengangrän verläuft immer letal. Insbesondere ist auf Heilung nicht zu rechnen, wenn im Verlaufe der Bräune, des Starrkrampfs, der Blutlleckenkrankheit oder durch Vormittelung einer embolisohen Pneumonie nach jauchigen Entzündungsprocessen in den äusseren Körperthoilen sich die gangränöse Zerstörung in den Lungen einstellt. Die soeundäre Lungengangrän nach der Brustsouche ermöglicht noch am ersten die Ausheilung, obwohl auch sie durchweg ungünstig beurthoilt werden muss.
Für die Tliwupie giebt es nur symptomatische Indicationen. Kräftigung dos Organismus durch sorgfältige Pflege in gut vontilirten Stallräumen. Verabreichung schmackhafter und nalurgemässer Futterstoffe. Häufige Infusionen von warmem Mehl­wasser zur Beschränkung des Darmkatarrls. Beförderung der Verdauung durch toni-sirende Mittel (Cort. Quercus mit Natr. bicarb.). Anregung der Herzfunction duren Camphor. Berieselung des Brustkastens mit warmem Wasser. Die Inhalation von Terpentinöl oder Carbollösung habe ich niemals heilsam befunden. Intratrachoale Injection von Jodlösung oder anderen dosinficirenden Mitteln kann versuchsweise benutzt werden. Ich habe aber bislang einen wesentlichen Erfolg davon nicht gesehen.
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Capitel LXXXI. Kriisli'igt;ll*'ii(/iiiuliiiiraquo;. Pleuritis.
Das Gebiet der Pleuritis umfasst im weitesten Sinne des Wortes alle exsuda-tiven und productiven Entzündungsprocesse an der Pleura. Es versteht sich daher von selbst, dass die pleuritischen AlTectionon nach Aotiologie, Sitz, anatomischer Ausbreitung und Charakter sehr verschieden sind. Aus den engen anatomischen und physiologischen Beziehungen der Pleura zu den Lungen wird die Thatsache vorstünd­lich, dass dio pleuritischon Processe in den meisten Fällen mit einer Pneumonio in ätiologischer und pathogenetischor Verbindung stehen. Indess giebt es aussordom noch manche Möglichkeiten für die Entstehung einer Brustfellentzündung. — Auf hämatogonom Woge kommt, soweit die Erfahrung reicht, eine klinisch bemerkons-werthe entzündliche Affection der Pleura bei Pferden nicht zur Ausbildung. Bei septischen (iohorrhiimischon) Allgemoiiikrankheiton tritt oft bluthaltiges Transsudat in die Pleurasäcke und wenn die Krankheit einen langsamen Vorlauf nimmt, so ent­wickelt sich an den Stollen, an welchen dasselbe liegt (in den unteren Partien der Brusthöhle), eine entzündliche Schwellung mit starker Injectionsröthe, zuweilen selbst mit leichter Granulation. Sieht man von diesem Vorgange ab, weil derselbe keinen Blnfluss auf den Vorlauf der Sephthämie hat, so ist bei Pferden nicht bekannt, dass vom Bluto durch Transsudation in die Brusthöhle phlogogen wirkende StolTe abge­schieden worden, welche an der bis dahin gesund gewesenen Pleura eine Entzündung veranlassen.
Als traumatischo Pleuritis werden die durch penetrirendo Brustwunden und Rippenfracturen entstehenden Entzündungszustände oder dio aus Wundon am Brustkasten sich fortsetzenden Processe dor Pleura zusammengefasst. Obwohl die Störungen in das Gebiet der Chirurgie gehören, so will ich doch mit einigou Bo-merkungon auf dieselben hier zurückkommen. Uie kunstgerechte Ausführung des Bmststichs ist ungefährlich, dagegen erlangt die nach durchdringenden Stichwundon der Costalwand eintretende Pleuritis wegen der Verunreinigung der Wunde in der Kegel einen purulenton oder ichorrhösen Charakter. Nicht selten dringt Luft in den betrell'enden Plourasack. Der Verlauf ist fast immer letal. Grössore Wunden, bei welchen ein Stück Lunge prolabirt, sind, wie gelungene Heilversuche beweisen, günstiger zu beurthoilon. — Wenn bei durchdringenden Brustwunden die Lunge mitverletzt wird, so tritt Blut und Athmungsluft in den Brustraum. Meist worden mit der letzteren Fäulniss erregende Fermente auf die durch die Verwundung ent­zündete Pleura gebracht und es entsteht in Folge dessen gewöhnlich eine eitcrig-Jauchige Entzündung mit tödtlichem Ausgange.
Die einfache Fractur einer oder mehrerer Kippen verheilt oft, ohne die Pleura erheblich zu schädigen. Nicht selten dringen aber Knochensplitter durch die Pleura in die Lunge, worauf in der Kegel die Entleerung von Blut aus der Naso folgt. Dann kann eine letal verlaufende eiterig-jauchige Pleuritis entstehen. In anderen Italien verklebt dio Lunge mit der Pleura und die Entzündung erreicht nach wochenlanger Dauer mit der Herstellung einer festen Verwachsung zwischen dor Lunge und der
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Organkrankheiten.
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Brustwand im Bereiche der Fraotur ihren Absehluss. Mitunter gestaltet sich die mit der Rippenfractur verbundene Verletzung complicirtor. Ich habe einen Fall bei einem achtjährigen Wallach belgischer Race kennen gelernt, in welchem mit der rechtsseitig entstandenen Fraotur gleichzeitig ein Riss im Zwerchfell eingetreten war. Durch letzteren hatte sich ein Theil des grossen Netzes in die Brusthöhle gedrängt und es war zwischen Lunge, Brustwand und Netz eine feste Verwachsung im Umfange von 2 Handflächen zu Stande gekommen. Das Pferd war bei dem letzten Besitzer 2 Jahre hinduroh benutzt worden und sicher schon vor dieser Zeit mit der verheilten Rippen­fractur behaftet gewesen. Es erkrankte an Kolik und ging dadurch zu Grunde, dass eine Dünndarmschiingo an dem Strange des grossen Netzes vorbei durch den mit etwas verdickten Rändern vernarbten Zwerchfellriss in die Brusthöhle eingetreten und incarcerirt war. — Relativ günstig ist die nach Rippenbrüchen sich einstellende Pleuritis zu beurtheilen, wenn nicht gleichzeitig die Lunge schwer verletzt wurde. Die Symptome sind der einseitigen rheumatischen Pleuritis sehr ähnlich. Starke Schmerzempfindung (Stöhnen) mit Ausdehnung und Feststellung des Thorax und ge­streckter Kopfhaltung. Benommenheit des Sensoriums und Nichtbeachtung der Umgebung. Frequentes und dyspnoisches Athmen, Beschleunigung der Pulszahl, Röthung der Schleimhäute, zuweilen fieberhafte Temperaturerhöhung und Retention der Darmexcremente. Die Auscultation und Percussion ergeben die Wegsamkeit der Lungen. — Bei ruhigem Verhalten der Pferde und Bedeckung des Thorax mit feuchten Säcken neben einer nach symptomatischen Indicationen zu bewirkenden inneren Be­handlung mindern sich die Erscheinungen in 5—8 Tagen. Wenn aber 3 — 5 oder selbst noch mehr Rippen auf einmal durch unglückliches Niederstürzen bei einem Pferde gebrochen sind, so vergehen 2—4 Wochen, bevor die Heilungsprocesse so weit fortgeschritten sind, dass die Schmerzempfmdung im Brustkasten unerheblich wird. — Die im Bereiche der Fracturen zwischen der Costalwand und der Lunge zurück­bleibende Verwachsung schädigt die Leistungsfähigkeit der betreffenden Pferde der Regel nach nicht.
Aus Wunden an der vorderen Brustapertur und nach Fracturen des Brustbeins dringen zuweilen traumatische Entzündungsprocesso in die Brusthöhle, worauf sich entweder eine diffuse eiterig-jauchige Pleuritis von acutem resp. peracutem Verlaufe oder im vorderen Brustraum eine circumscripte fibrinöse und in den späteren Stadien sich abkapselnde Entzündung von protrahirtem oder chronischem Verlaufe ausbildet. Mitunter wird auch der Herzbeutel in den Entzündungsprocess hineingezogen. Der Ausgang ist stets tödtlich.
Im Ganzen sind die traumatischen Formen der Pleuritis viel weniger häufig, als die seeundären (durch Lungenkrankheiten vermittelten) und die pri­mären oder selbständigen Pleuritiden. Von den Lungenkrankheiton verbindet sich die typische fibrinöse Pneumonio (ßrustseuche) am meisten mit einer exsudativen Pleuritis, und zwar sowohl im speeifischen Stadium, als durch den Ausgang in Lungenabscesse und Lungenbrand. Dio Vorgänge sind S. 214—221 und 236 be­sprochen worden. Aber auch die unter dem Collectivnamen der Bronchopneumonio oder Katarrhalpneumonie erörterten Lungenentzündungen (vergl. S. 740) und die embolischen Herde (vergl. S. 749) verursachen sehr oft eine plouritischo Erkrankung. Wenn die Entzündungsprocesse in den Lungen dicht an die Pleura reichen oder letztere zur Mortification bringen und förmlich perforiren, so ist das bedingende^Moment der Pleuritis klar. Aber auch in solchen Fällen hat die Reizung der Pleura nicht immer einen gleich starken Elfect. Mehr Schwierigkeit für die Beurtheilung der Pathogenese
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Brustfellentzündung. Pleuritis.
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bietet die Pleuritis beim Bestehen einer einfachen Katarrhalpneumonie resp. beim Nichtvorhandensein einer förmlichen üostruction in den Lungen. Denn die Erfahrung zeigt, dass oft die Pneumonie einen ziemlich grossen Umfang erlangt, ohne dass die Pleura miterkrankt. Man wird daher nicht umhin können, für die Aetiologie mancher Falle von secundärer Pleuritis eine besondere Infection zuzulassen, welche von den Athmungswegen der Lungen ausgehend, durch Vermittelung der Lymphbahnen in der Pleura erfolgen dürfte.
Die anatomische Entwickelung der seoundiiren Pleuritis bietet manche Ver­schiedenheiten. Zunächst entsteht an den erkrankten Partien eine capillare Injection und Durchfeuchtung der Pleura. Das Epithel lockert sich und die Lymphgefässe werden weiter. Daran knüpft sich die Exsudation von Serum, woissen Blutkörperchen und Fibrin. Aber sowohl in der räumlichen Ausbreitung der Entzündung, als in der Quantität der Exsudatbestandtheilo verhält sich dor Process sehr ungleich. Hiernach wird einerseits die locale und circumscripto, andererseits die diffuse Pleu­ritis unterschieden. Zuweilen besteht das Exsudat nur aus Fibrin (Pleuritis sicca); In den meisten Fällen scheidet sich aber eine grosso Quantität von Serum ab (Pleuritis serosa) oder von Serum und Fibrin (Pleuritis soro-fibrinosa). Die Menge der in beide Brustfollsäcko exsudirten Elüssigkoit beträgt oft nur wenige Liter, kann sich aber auf 25—40 Liter vorgrössorn. In vielen Fällen beschränkt sich die diffuse exsudative Pleuritis auf einen Pleurasaok, in welchen bis zu 25 Liter (ibrinhaltiges Serum abgeschieden werden können. Die Ausbreitung des Entzündungs-processes in der Pleura selbst beruht auf der phlogogenen Eigenschaft des Exsudates. Letzteres kann sich durch den durchlässigen Thoil des Mediastinum in don Pleura-sack der arideren Seite schieben,, wodurch in manchen Fällen die bilaterale Erkrankung der Pleura zu Stande kommt. Nicht zu übersehen ist aber, dass die exsudative Pleu­ritis auch von vornherein bilateral sich entwickeln kann. Dass bei einer diffusen sero-fibrinöson Entzündung einer Brusthälfto der andere Pleurasack des betreffenden Pferdes oft ganz intact bleibt, fährte Roll zuerst darauf zurück, dass der durch­lässige Theil des Mediastinum durch flbrinöses Exsudat vorlegt wird. — Das oxsudirte Fibrin legt sich eng an die Pleura, die auf diesen Reiz mit einer starken Vasculari-sation und mit der Bildung einer Granulationsdecko reagirt. Manchmal wachsen die jungen Bindegewebswärzchen ziemlich tief in die Fibrinschicht hinein.
Die Rückbildung des serösen und fibrinösen Processes in der Pleura vollzieht sich dadurch, dass das Wasser direct von den Lymphbahnen aufgenommen und wog­geführt wird. Das fibrinöse Exsudat unterliegt zuerst einer fettig-schleimigen Auf­lösung und gelangt deshalb erst später zur Resorption. Als Rückstände des Zustandes erhalten sich narbige Schwielen in der Pleura, namentlich an dem Ueberzugo der Lungen und bindogewebige Zotten, zuweilen auch sehnige oder häutige Anhängsel. Oft bildet sich an lüihneroi- bis handtellergrosscn Stellen zwischen den Pleura-blättorn, besonders zwischen dem zungenförmigen Lappen oder dem unteren Rande der Lunge und der Krustwand, nicht selten auch zwischen Lunge und Zwerchfell eine feste Verwachsung. — Soweit die Lungen nicht hepatisirt sind, erleiden sie durch den Druck des in grosser Menge abgeschiedenen Serums eine Compression, die an einzelnen Abschnitten, besonders am unteren Rande oder an den Spitzen so bedeutend sein kann, dass die Lobuli luftleer worden (Gompressionsateleotase).
Einen häniorrhagischon Charakter kann das Exsudat entweder von vornherein oder in Folge der starken Vascularisation bei einem vorwiegend purulcnten Processe erlangen. Indess besteht das Product nicht ausschliesslich aus Blut. Es kommen
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0 rgankrankheiten.
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Fälle vor, in welchen die Brusthöhle vorwiegend blutig gefärbtes Serum und nur sehr wonig Fibrin enthält. Oft sind dagegen dem eiterigen oder jauchigen Exsudat alle Bestandtheile des Blutes beigemengt.
Die purulente Pleuritis hat zur Voraussetzung, dass eine Granulation in der entzündeten Pleura zu Stande kommt. Meist ist das Exsudat aus Serum und Eiter zusammengesetzt (serös-purulent) und gewöhnlich enthält dasselbe auch Fibrin in Flocken oder Klumpen beigemengt. Die Abscheidung von welssem oder grauweissem Eiter in die Brusthöhle (Empyom, Pyothorax) kommt bei Pferden nur nach Entstehung einer förmlichen Höhle in Folge Verwachsung der entzündeten Pleurablätter einer ßrusthälfte (abgekapselte Pleuritis) zu Stande. — Jauchig wird das serüs-fibrinöse oder eiterig-seröse Exsudat, wenn Fäulnissbaoterien in den Pleurasack gelangen (ichorrhöse'Pleuritis). In den meisten Fällen entsteht diese Erkrankungsform als Complication des Lungenbrandes.
Hinsichtlich der Diagnose und Behandlung der unter dem Collectivnamen der seeundären Pleuritis zusammengefassten und im Vorstehenden kurz präoisirten Brust­fellentzündungen verweise ich auf die betreifenden Lungenkrankheiten.
Die primäre oder essentielle Pleuritis der Pferde wird herkömmlich bezeichnet als
Rheumatische Brustfellentzündung. Pleuritis rheuraatica
exsudativa.
Unter diesem Namen sind die acuten pleuritisohen Affectionen zu vorstehen, deren Pathogenese nicht mit einer Pneumonic zusammenhängt. Die Aetiologio der exsudativen rheumatischen Pleuritis des Pferdes ist nur unvollständig bekannt. Im Ganzen nicht häufig und vorzugsweise bei 3—Sjährigon Pferden vorkommend, wird dieselbe durch nachtheilige Einflüsse der Witterung bei Transporten und bei längerem Verweilen auf Märkten oder auf ungeeigneten, der Zugluft ausgesetzton Plätzen herbei­geführt. Leicht erkälten sich die Pferde, wenn sie im echauffirten Zu­stande den vorbezeichneten Einflüssen ausgesetzt sind. Eine Prädisposi­tion zur Entwickelung der acuten Pleuritis liefern auch die Katarrhe der Respirationssclileimhaut, mit welchen Handelspferdo oft beiiaftot sind. Man sieht die Krankheit schon innerhalb eines Tages, zuweilen aber erst im Verlaufe mehrerer Tage zur vollen Ausbildung gelangen. Wahrschein­lich sind hierbei neben der Erkältung noch besondere Infectionsstoffe von ätiologischer Bedeutung.
Die vorgedachte Pleuritis kann einseitig und doppelseitig einsetzen. Sie hat einen fibrinösen oder sero-fibrinösen Charakter. Bei schwerer Erkrankung ist die seröse Exsudation so bedeutend, dass 20—30 Liter Flüssigkeit in einen resp. in beiden Brustfellsäcken sich anhäufen. Be­steht die Krankheit länger als 10—12 Tage, so erlangt das plourilische Exsudat nicht selten eine purulente Beschaffenheit.
Eine zweite Art von rheumatischer Pleuritis entsteht bei Pferden
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Brustfollentaiindung. Pleuritis.
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mittleren Alters zuweilen ohne Refrigeration des Körpers durch Infections-stofFe, welche sich in den Ställen anhäufen. Die Pleura erleidet hierbei an einer oder an beiden Seiten eine starke Capillarinjection und es scheidet sich ein serös-hämorrhagisches, leicht flüssiges Exsudat in massiger oder auch in bedeutender Menge ab. Bei ungünstigem Ver­laufe und nach 5—Stägiger Krankheitsdauer werden den Exsudaten zu­weilen eiterige Bestand thoilo beigemengt. Audi kann dasselbe durch die Umwandlung des Blutfarbstoffes eine grünliche Nüancirung besitzen.
Syni|itomc. Eine leichte fibrinöse (trockene) Pleuritis von geringem Umfange kann mehrere Tage bestehen, ohne das Allgemeinbefinden dos Pferdes offensichtlich zu stören. Bei der diffusen Erkrankung der Pleura treten dagegen von vornherein fieberhafte Erscheinungen auf: Steigerung der Innenwärme auf 39,0—41,0; in einzelnen Fällen am ersten Krank-hoitstage Schüttelfrost; apathisches Verhalten. — Pulsfrequenz bei schwerer Erkrankung auf 80 —100 Schläge in der Minute und darüber. Herz­schlag in den ersten Tagen kräftig, später schwach, oft unfühlbar. Durch erhebliche Exsudation an der linken Seite verschiebt sich das Herz, so dass rechtsseitig der Spitzenstoss und bei der Auscultation auch die Herztöne wahrnehmbar werden. — Appetitmangel und verzögerte Darm­entleerung, in den ersten ö — 4 Tagen lebhaftes Durstgefühl. Harn-secretiou vermindert; Harn arm an Chlorverbindungen. — Conjunctiva und Nasenschloimhaut meist abnorm geröthet; mitunter zunächst von normaler Farbe, später dunkelroth und stark injicirt. — Schmerzemplin-dung beim Druck auf den Thorax an der kranken Seite; meist lautes Stöhnen, zuweilen aber blos ein gewisses Unbehagen; bei starkem Wasser-orguss fehlt der plcuritische Schmerz.
Die Respiration ist dyspnoisch und beschleunigt, in leichten Fällen auf 15—20, bei diffuser Pleuritis auf 30—70 Athemzüge in der Minute. In der Athmungsmechanik können aber grosso Differenzen vorkommen. In der Regel wird der Rippenkörper zunächst in massigem Grade er­weitert, an der gesunden Seite gewöhnlich stärker, als an der kranken. In- und exspiratorische Flankenbewegung oberllächlich. Es giebt Fälle, in welchen sich 25—40 Liter Wasser in der Brusthöhle allmälig an­häufen und die Thiero eingehen, ohne dass aussei- der starken Respira-tionsfroquenz und der Erweiterung der Nüstern heftige Athcinbewcgungon der Rippen- und Bauchmuskeln eintreten. — Wenn die pleuritischen Schmerzen erheblich sind und die Entzündung sich steigert, so zeigen die Patienten eine verzögerte Exspiration mit Anspannung der Bauch­decken. — Der bis zu den höheren und lebensgefährlichen Graden zu­nehmende Erguss von serösem Exsudat in die Brusthöhle bedingt in der
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Organkrankheiten.
Regel starke in- und exspiratorische Bewegungen der Rippen und der Bauchdecken, wobei im Ausathmungsacte die Partie der Lendenwirbel gehoben und der After vorgeschoben wird. Dyspnoische Bewegung der Naseneingänge und oft klatschender Nasalton.
Die Auscultation ergiebt beim Bestehen spärlicher fibrinöser Exsudate anfänglich weiche, später harte oder knarrende Reibegeräusche. Bei protrahirtom Verlaufe können gluckende und plätschernde Geräusche vorkommen (vergl. S. 62 und 63). Wie Roll zutreffend angegeben hat, kann auch bei Pferden zuweilen ein starkes Reibungsgeräusch an der Brustwand gefühlt werden. Liegt das pleuritischo Exsudat auf dem Herzbeutel, so macht sich mit jeder Systole das Reibungsgeräusch geltend. — Durch den Druck des Exsudates auf die Lungen vermindert sich das vesiculäre Athmungsgeräusch; bei starkem Druck ist Bronchial­geräusch in den unteren Partien der Lungen zu hören, während in den oberen Partien gesteigertes in- und exspiratorisches Vesiculärgeräusch besteht. Leidet nur eine Brusthälfte, so ist vicariirendes (compensato-risches) Vesiculärgeräusch an der gesunden Seite zu constatiren. — In den letzten Stadien letal verlaufender Fälle kommen auch Rassel­geräusche vor.
Der Percussionsschall ist in der unteren Brustpartie gedämpft, bei starkem serösen törguss an der kranken Seite vollkommen dumpf. Die Dämpfungslinie verläuft horizontal am Rippenkörper. Im Bereiche der athmungsfähig gebliebenen Lungenpartien, welche relativ viel Luft ent­halten, lässt sich zuweilen tympanitischer Schall nachweisen.
Hierzu kommen im Verlaufe schwerer Fälle noch ödematöse An­schwellungen der Subcutis unter der Brust und an den Gliedmassen, sowie die Symptome des diffusen Darmkatarrhs und Abmagerung.
Verlauf untl Ausgang. Die rheumatische exsudative Pleuritis hat keinen typischen Verlauf. Leichte Fälle erreichen am 5. — 9. Krankheitstagc ihre Acme, worauf sich die-Störung nach weiteren 8 Tagen vollständig ausgleicht. Bei umfangreicher Exsudation und bei relativ günstigem Ver­laufe dauert die Krankheit 2—3 Wochen. Die Thiere gehen hierbei im Nälmustande bedeutend zurück und erholen sich erst nach und nach) so dass der Gesaramtverlauf sich aur 5 — 6 Wochen ausdehnt. — Bei doppelseitiger Erkrankung der Pleura macht sich gewöhnlich ein starker Druck des Exsudates auf die Lungen und das Herz geltend. Starke Pulsfrequenz und ängstliches Benehmen der Pferde in Folge des Sauer­stoffmangels. Dor tödtliche Ausgang kann durch die Belastung der Brustorgane per suffocationem erfolgen. In den meisten Fällen erlangt aber die Pleuritis einen purulcnten Charakter und es entwickelt sich in
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Brustfellentzündung. Pleuritis.
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Folge der Resorption des Krankheitsproduutes eine ßlutiutoxication mit consecutivcm Mcigen-Darmkatarrh und parcnchymatöser Entzündung in den Nieron, der Leber und anderen Organen. Bei diesen Oomplicationen bekunden die Patienten diarrhoische Darmentleerungen und Tenosmus, allgemeinen Vorfall der Kräfte, tiefliegende Augen, trockene Haut und unter der Brust, sowie an den Gliedmassen Stauungsödeme. Schliess-lich erlangt die Schwäche einen so hohen Grad, dass die Thiere sich nicht stehend erhalten können und unter den Symptomen der langsam zunehmenden Asphyxie zu Grunde gehen. — Erschwert wird der Krank­heitsverlauf im Sommer durch anhaltende grosso Hitze. In erheblicher Gefahr sind auch- die Pferde, welche wegen Huffehler oder anderer schmerzhafter Zustände nicht ohne erhebliche Anstrengung dauernd stehen können.
Einen chronischen Verlauf, der sich auf 1 — 2 Monate ausdehnen kann, nimmt die rheumatische Pleuritis weit seltener, als die nach Lungenabscessen oft entstehende seeundäre exsudativo Pleuritis. Hierbei verringern sich zeitweise die Symptome auf mehrere Tage, selbst auf 2—3 Wochen, worauf sich die Steigerung der Dyspnoe in Verbindung mit den localen und allgemeinen Krankheitssymptomen von Neuem wieder einstellt. In der Regel führt die chronische Pleuritis zum Tode. Bei Menschen dauern manche Fälle von chronischer Pleuritis viele Monate, selbst ein ganzes Jahr. Ich habe bei Pferden einen analogen Krank­heitsfall nie beobachtet.
Die Diagnose kann gegenüber der mit der Brustseuche in Verbindung stehendon diffusen oxsudativen Brustfellentzündung in Ermangelung einer ausreichenden Anamnese schwierig, selbst unmöglich sein. Denn nicht immer geben die betreffenden brustseuchekrankon Pferde neben der Pleu­ritis das Bestehen der Pncumonie sicher zu erkennen. Gleich schwierig gestaltet sich zuweilen die Frage, ob die diffuse Pleuritis bei einem Pferde durch präexistente eiterige Herde in den Lungen bedingt oder primärer Natur ist. Indess lässt sich in manchen Fällen die Vor­geschichte der Krankheit so vollständig erheben, dass die seeundäre Pleuritis auszuschliessen ist. Dann können endlich noch Zweifel darüber aufgeworfen werden, ob die Pleuritis gleichzeitig mit einer Katarrhal-pneumonie oder für sich allein besteht. Auch dieser Punkt ist oft nicht mit Sicherheit zu entscheiden. Von praktischer Bedeutung ist die Frage, ob die Dyspnoe und der gedämpfte Percussionsschall von einer exsudativon Pleuritis oder von einer Pneumonic bedingt sind, immer, sobald zu therapeutischen Zwecken die Punction des Thorax in Erwägung genommen wird. Bei der diflusen Hepatisalion macht sich das Bronchialgeräusch
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dicht am Thorax bemerkbar, was bei copiösem pleuritischem Erguss nicht vorkommt. Auch gestaltet sich der Porcussionsschall bei der pneu-monischon Hcpatisation am Thorax gewöhnlich nicht überall gleichartig. Indess ist hierauf ebensowenig, wie auf die horizontal verlaufende Däm-pfungslinio ein entscheidendes Gewicht zu legen. Denn bei der Pneu-monie kann auch eine diffuse Hepatisation einer Lunge bis nahe an den stumpfen Rand eintreten und bei der exsudativen Pleuritis ist die Fibrin-schicht zuweilen nicht an allen Stellen der Brustwand gleich breit. Es empfiehlt sich daher, in zweifelhaften Fällen zunächst nach entsprechen­der Desinfection eine Probepunction mit der Pravaz'sehen Spritze vor­zunehmen.
Die Prognose verlangt schon mit Rücksicht auf die Unvollkommcn-heit der Diagnose eine gewisse Vorsicht. Ungünstig gestaltet sich die diffuse doppelseitige Erkrankung der Pleura, sowie die vollständige Füllung eines ßrustfellsackes mit Flüssigkeit. Ferner gehen die Pferde der Regel nach zu Grunde, wenn dem Exsudat eine grosse Quantität von Eiter beigemengt ist. Als schlechte Krankheitszeichen sind die grosse Athmungs- und Pulsfrequenz anzusehen und wenn sich der Verlauf über 14—16 Tage ausdehnt, so ist zu befürchten, dass die Pulmonal- und Costalplcura im unteren Brustraum an mehreren Stellen verwachsen oder dass eine Abkapselung zu Stande kommt. Unter diesen Verliällnissen erliegen die Pferde gewöhnlich nach wochenlangem Hinsiechen. Die reci-divirendo Pleuritis bedingt eine ungünstige Beurtheilung.
Tlicra|iic. In der Wahl der Heilmittel ist der Thierarzt bei der Pleu­ritis auf symptomatische Indicationen beschränkt. Bei frischer Erkran­kung sind innerlich Kai. nitr. und Natr. sulfur. (20 zu 300 pro die) mit Rad. Gent, in Latwergen form, auch Kai. aoet., Tart. stib. oder Natr. nitr. gebräuchlich. Gegen die starke Belastung des Herzens wird von manchen Seiten Digitalis mit Borax empfohlen. Von einigem Vorthoil ist besonders im Sommer die Berieselung des Thorax mit kaltem Wasser und die hydropathische Einwickelung desselben. Nützlich wirkt forner die Einreibung von (5—6 pCt.) Senfspiritus odor dio Application des Sinapismus. Besonderen Werth haben bei protrahirtem Verlaufe auch Haarseile am Thorax und ein Fontanell vor der Brust. Andere scharfe Mittel (01. Crot. gtt. 10 auf 01. Tereb. 30,0 oder Unguentum Cantharid. cum Tart, stib.) sind thunlichst zu vermeiden. — In den späteren Stadien ist Jodkalium (10,0—15,0 pro die im Trinkwasser zur Selbstaufnahmo) angezeigt. Auch erfordert die Inappetenz eine Berücksichtigung durch die Verabreichung von Digostivmitteln.
Gegen den bei copiösem Erguss eintretenden übergrosson Druck auf
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Hydrothorax, ITaematothorax, Pneumothorax und Pyothorax.
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Lungen und Herz ist die Function des Thorax zu versuchen. Es darf aber auf einmal nur eine Quantität von 2—4 Liter entleert werden, weil sonst nach 1—2 Tagen sich eine Lungenlähmung einstellt (vorgl. auch S. 249). Am besten wird die Paracenteso mit einem Trocar ausgeführt und die kleine Wunde nachher mit Theer bepinselt oder mit Jodoform-Collodiüm bestrichen. Nach meinen Erfahrungen hat die Operation bei Pferden nur in wenigen Fällen einen eclatanten Erfolg. Sie ist aber niemals nachtheilig.
Hinsichtlich der diätetischen Pflege ist thunlichst auf die Unter­bringung der Pferde in einem grössoren Raum und auf eine passende Bedeckung und die reichliche Versorgung mit frischem Trinkwasser zu achten.
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Capitel LXXXII.
Hydrothornx (ßrustfcllwassmuclit), Haeinatotliorax (Krguss von Blut in den Pleurasack), Pneiimotliorax (Windbrust) und Pyo­thorax s. Empyema (Eiterbrust).
1) Als „Hydrothoraxquot; wird gegenwärtig in der Medicin die Ansammlung eines Transsudatos (einer hydropisohen Flüssigkeit) im Brustraum betrachtet. Be­grifflich ist hiernach beim Hydrothorax das Bestehen einer pleuritischen Exsudation auszuschliessen. Früher war es üblich, die Pleuritis sero-fibrinosa mit reichlichem Erguss in den Brustraum als „hitzige Brustwassersuchtquot; (Hydrothorax acutus) oder „entzündliche Brustwassersuchtquot;, den eigentlichen Hydrothorax dagegen als „chronische Brustwassersuchtquot; zu bezeichnen.
Pferde, die in Folge hohen Alters oder bei schleichend verlaufenden Krankheiten sich mangelhaft ernähren, leiden oft an Ilydrämie. Mit der Verarmung des Blutes an Eiweiss tritt eine abnorm starke Durchlässigkeit der Capillargefässwandungen in den serösen Häuten ein. Dann transsudirt Serum auch in die Pleurasäcke, aber stets nur in so geringer Menge, dass eine nachthoilige Wirkung auf die Athmungsfähigkeit oder auf das Gesammtbefinden nicht erfolgt. Es 1st auch klinisch nicht gebräuchlich, diesen Zustand als Hydrothorax zu deuten.
Bei der chronischen deformirenden Endocarditis und Schlussunfähigkeit der Atrioventricularklappon bildet sich nach langer Krankheitsdauer auch bei Pferden zuweilen ein allgemeiner Hydrops aus (Ascites, Anasarka etc.), wobei seröses Translaquo; sudat auch in beide Pleurasäcke abgeschieden wird, ohne dass eine Pleuritis besteht. Demnach giebt es beim Pferde, aber nur in sehr seltenen Fällen, einen Hydrothorax, dessen diagnostische Bedeutung gegenüber der chronischen oxsudativen Pleuritis in-dess unerheblich erscheint, weil die primäre Herzkrankheit bei vollständiger Befund-
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erhebung stets nachgewiesen werden kann. Von einer Behandlung dieses Hydrothorax ist ein Erfolg nicht zu erwarten.
2)nbsp; nbsp;Der Hiimatothorax (der Erguss und die Anhäufung von llüssigem Blut in einer oder in beiden Brusthiilfton) entsteht bei Pferden nur, wenn eine allgemeine hämorrhagisohe Diatheso zur Ausbildung gekommen ist, besonders als Complication der Bruslseuche (vergl. S. 232). Die speciolle Ursache liegt in der Borstung eines kleinen Gefässes der Pleura, was ich aber bei den Sectionen niomals habe auffinden können. Die beim Hiimatothorax eintretende Athemnoth ist sehr ähnlich dem Bilde dor soro-fibrinösen Pleuritis oder der Pnourao-Pleuresie. Es kommen hinzu: Er-blassung der Schleimhäute, starke Puistrequotiz und Inappotenz. — Die Qia^uose wird durch eine Probopunction gesichert. Prognose ungünstig und Rehaudluiig im Wesont-licben exspoctativ.
3)nbsp; nbsp;Eiir das Zustandekommen des Pneumothorax muss entweder bei pone-trirenden Brustwunden von aussen oder bei Verletzungen (Rippenbrüchen, Stich­wunden) und ulcerösen Zerstörungen der Lunge in ihrer Peripherie durch Vermitte-lung der Inspiration Luft in den Brustraum eindringen und sich in demselben an­häufen, ich habe file Entstehung des Pnouniothorax bei Pferden nur nach directen Verletzungen der Lunge bei Brustwunden oder bei Kippenfracturen beobachtet. Dass dem Durchbruch eiteriger oder jauchiger Cavernen in den Pluurasack bei Pferden das Eindringen der Athmungsluft nicht folgt, ist darin begründet, dass die kleinen Bron­chien in der nächsten Umgebung des Zerfallsherdes schon vorher vollständig verlegt und deshalb für die Luft nicht mehr permeabel sind. — Erkennbar ist der Zustand an dem tympanitischen Percussionsschall im Bereiche der Lungonwunde, selten in einer grossen Ausdehnung am Thorax. Die anderen Symptome richten sich nach der Primärkrankheit resp. nach der Art der Verwundung. Zur Behandlung des hier ge­dachten Pneumothorax lässt sich nur ein ruhiges Verhalten dos Patienten empfehlen. Im Uebrigen ist dio Cur den anderweitigen krankhaften Zuständen anzupassen.
4)nbsp; nbsp;Dom Empyem der Brust (Pyothorax) liegt die Ansammlung von Eiter in der Brusthöhle zu Grunde. Dass bei Pferden weisser oder grauweisser Eiter sich bei der acuten Pleuritis nicht anhäuft, wurde schon bemerkt. Man sieht vielmehr stets, wenn die dilTuse exsudative Pleuritis einen eiterigen Charakter erlangt, dass das Krankheilsproduot zähflüssig, missfarbon, oft blutig nüancirt ist und dass sich in einem mit demselben gefüllten Gefässe ein grauweisser Bodensatz (Eitorkörperchen) bildet. Bei den Menschen kann der im Brustraum angesammelte Eiter zwischen den Hippen nach aussen durchbrechen (Empyema nocessitatis); oder es kann die Pleura pulmonalis voreitern, so dass der Durchbruch durch die Lunge in die Bronchien er­folgt. Ich habe solche Vorgänge bei Pferden nicht beobachtet. Indoss sah ich in einem Falle, dass durch die zur Entleerung des Empyems gemachte und zuerst ver­heilte Trocarwunde im Intercostalraum nach 10 Tagen der Eiter von selbst durch­brach, so class eine förmliche Brustfistel entstand.
Der im engeren Sinne als Empyem der Brust anzusehende Krankheitszustand beruht bei Pferden stets in einer Abkapselung dor entzündeten Pleura einer Seite und in einer schloichend vorlaufenden granulirendon (eiterigen) Entzündung an der inneren Haut der Kapsel. Ich habe diese Zustände nur als Folgekrankheiten der Brustseuche (vergl. S. 222 und 238) und nach traumatischen Pleuritiden kennen gelernt. Dass ein derartiges Empyem auch bei anderen Brustkrankhoiten des Pferdes zur Entstehung gelangt, scheint mir nicht wahrscheinlich. — Die Verwachsung der Pleura in der Art, dass sich eine grosse oder kloine Kapsel in dem Sacke bildet, findet sich stets nur an
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Empyem.
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einer Seite. Die Lungenoberfläohe verwächst mit dem Zwerchfell oder mit der Costal-wand und inmitten dieser Verwachsung bildet sich eine Eitorhöhle. Eine solche Ilöhlo kann im Bereiche des oberen (stumpfen) Kandes oder am hinteren Ende der Lungo oder im vorderen Brustraum entstehen. Ks kommen Fällo vor, in welchen die ganze äussere Fläche einer Lunge zur Herstellung einer grossen Kapsel beiträgt, deren Wandungen demnach aus der Floiira pulmonalis, Pl. costalis und PL diaphragmatica gebildet werden. Das entzündliche Secret einer solchen Kapsel besteht in einzelnen Fällen eine Zeit lang aus Serum und Fibrin; die Beimischung des Eiters kann uner­heblich sein. Später waltet die Eiterbildung vor und oft kommt schon wenige Tage nach der Abkapselung die Abscheidung von reinem Eiter zur Entwickolung. Gewöhn­lich finden sich aber bei den Sectionen in dem Eiter noch Fibringerinnsol. An der inneren Auskleidung trägt die Kapsel gefässreiches üranulationsgewobe; sie kann eine Dicke von 0,5 Ctm. und darüber erreichen.
Die Syni|itoiiie der liiterbrust werden theils durch die schleichende, aber schmerz­hafte Entzündung der Pleura, theils durch den Druck der mit Eiter gefüllten Höhle auf die Lungen und das Herz und theils durch die Resorption dos zerfallenen Eiters verursacht. Speciell lindet sich: Unterdrückung des Athmungsgeräusches an der kranken Seite und vollkommene Dämpfung dos Percussionsschalls. Starke Dyspnoe vorwaltend exspiratorischor Art und progressive Abmagerung bis zur vollständigon Erschöpfung. Pulsfrequenz massig. Fiebortemperatur wechselnd; oft fehlt dieselbe längere Zeit. — Für die Diugnuse ist die Vorgeschichte des Krankheitsfalles neben den Resultaten der Befunderhebung und der chronische Krankheitsverlauf zu berück­sichtigen. Es ist leicht vorständlich, dass die Pferde exsudative oder degenerative Entzündungszuständo mit fast vollständiger Functionsunfähigkeit einer Lunge nicht Wochen lang aushalten. Schon diese Erwägung kann die Annahme unterstützen, dass eine Abkapselung des Entzündungsherdes vorliegen muss. Im Uebrigon ist die iJrobo-punotion ein entscheidendes Ifülfsmittol. Die Prognose ist schlecht. Für die operative Behaiidliing, die allein in Anwendung gezogen werden kann, liegen die Verhältnisse bei Pferden nicht günstig. Mir ist bei derselben die Heilung bisher nicht geglückt.
Casuistik. Eine siebenjährige Stute, leichtes Arbeitspferd, hatte angeblich Ende September 1881 an der Brustsouche gelitten und wurde, da sie sich nicht voll­ständig erholte, am 30. November 1881 in die Klinik eingeliefert. Dürftiger Nähr-zustand. Allgemeine Ermüdung. Geringer Appetit. Schleimhäute normal gefärbt. Respiration 32 mit exspiratorisober Dyspnoe, starken Flankenbewegungen, Vorschieben des Afters, Hebung der Lendenwirbel und Erweiterung der Naseneingänge. Puls GO, kräftig und rhythmisch. Temp. 39,2. Oedematöse Schwellung der Subcutis unter der Brust und an den Gliedmassen. Harn dunkelbraun, sauer, spec. Gew. 1040. — Am oberen Rande der linken Lunge starkes vesiculäres, fast bronchiales Athmungs-geräusch; in den unteren Partien kein Geräusch. Rechterseits mit Ausnahme des unteren Lungenrandes, in welchem quot;Nichts zu hören ist, verstärktes Vcsiculärgoräusoh. — Porcussionsschall diesem Befunde entsprechend rechterseits und im oberen Brust-theil linkerseits laut (voll), im Uebrigen dumpf. — Am 1. October entnahm ich durch Function mittels eines Trocars dem linken Pleurasack 3 Liter einer gelblich grauen, serös purulenten Flüssigkeit; spec. Gew. 1030. In einem mit dem Krankheitsproduot gefüllten Glascylindcr nahm der am Boden sich anschichtende grauweisso Eiter ein Viorthoil des Kaumes ein. — Die Operationswundo schloss sich bei der Behandlung mit Theor vollständig. Eine Erleichterung des Gesammtbelindens trat aber nicht ein. Auch im Bereiche dos gedämpften Porcusslünssohalls am Thorax änderte sich Nichts.
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Organkraukhelted.
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Bis zum 6. üecombor: Puls 52 — 60. liosp. 28 — 32. Temp. 39,3 — 39,6. — Am 6. December vollführte ich zwischen der 12. und 18, Kippe, 8 Ctm. unterhalb der ersten Pimctionsstelle, nochmals die PanicontliBSO und verschloss die Wunde, nach­dem ich 4 Liter eines gelblich woissen, rahmaiiigon Eiters entleert hatte, mit einem Tliecrverband. — Das Gesammtbofinden verschlechterte sich in den folgenden Tagen. Das l'ferd wurde wegen des Empyems als unheilbar angesehen und nur noch zum Zwecke der Beobachtung vorpflegt. In dor Nacht vom 16. zum IG. December hatte der Eiter an der Stelle, an welcher die zweite Punction ausgeführt war, die Brust­wand durchbrochen. Die Fistel entleerte fortdauernd grauwoissen. dickflüssigen Eiter. Puls CO, Resp. 32, Temp. 39,7. Ich liess hierauf durch den Fistelkanal in die linke Brusthöhle 0,5proc. Carbolwassor injioiren. Dio Minderung dor Allgemeinsym-ptome war nicht erheblich, während dio Athmung freier wurde. Die ödematösen Schwellungen an den Gliedmassen und unter der Brust nahmen zu. Alle 2—3 Tage wurde die Kiterhöhle mit 2proc. Kochsalzlösung ausgespült. Vom 20. December 1881 bis 12. Januar 1882: Puls 48—59; Resp. 16—20; Temp. 37,7—39,1. Demnächst verschlechterte sich das BeCmdon des Patienten. An der linken Brustwand war zeit­weise der Ton des herabfallenden Tropfens neben pliitschernden Geräuschen zu hören. Das Pferd magerte mehr und mehr ab, dio Skeletmuskulatur schrumpfte zusammen und es stellte sich diarrhoische Darmentloorung mit Tonesmus ein. Am 19. Januar konnte sich der Patient nicht mehr aufrecht halten, worauf alsbald unter asphyktischen Erscheinungen der Tod eintrat. — Bei der im pathologischen Institut vorgenommenen Section fand sich im hinteren und unteren Theil der linken Brusthälfte eine grosse Höhle, deren Wandungen durch Verwachsung dor Lungenpleura mit dem Zwerchfell, dem Mediastinum, dem Herzbeutel und der Costalwand gebildet waren. Dicke der Wandung = 0,7 Ctm. Innenfläche granulirt. Die Höhle enthielt noch 7 Liter Eitor, hätte aber im gefüllten Zustande das Doppelte fassen können. — Beide Lungen com-primirt. Diffuse Entzündung der Magon-Darmschleimhaut und Schwellung der Leber, Milz und Nieren.
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C. Krankheiten der Circulationsorgane.
Capitel LXXXIII.
Acute Hcr/iiisufficicn/ nach übennässi^cr Anstrengung der Pferde. Herz- und Lungencongcstioii.
In den Kammern des gesunden resp. nicht mit Klappenfehlern be­hafteten Herzens kann sich eine abnorm grosso Menge von Blut aus mehrfachen Gründen anhäufen. Bei den meisten allgemeinen Infections-und Intoxicationskrankheiten stellt sich häufig eine Schwäche und über­starke Belastung mit Ausdehnung der Wandungen in der rechten Herz-
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Acute Hor/.insufficienz.
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hälfte ein. Es kommt aber ausserdem bei Reit- und Wagenpferdon nach starken Dienstleistungen, besonders in der beissen Jahreszeit eine aouto Insufficienz des Herzens zur Ausbildung, deren unmittelbare Folgen sich in der mehr oder minder starken Lungenhyperämie (passiver Lungon-congestion) ausdrücken. Durch die mit der Anstrengung verbundene Dyspnoe erfolgt die krankhafte Belastung des kleinen Kreislaufs und in Folge derselben eine Rückstauung des Blutes in beide Herzkammern, sowie eine Erweiterung der letzteren. Die gewöhnlichen Ursachen be­ruhen in anhaltenden Trabbewegungen unter dem Reiter oder vor dem Wagen. Nur ausnahmsweise entsteht die acute Herzinsufficienz durch das Ziehen zu schwerer Lasten.
Symptome und Verlauf. Grosse Athrnungsfrequenz (40 — 80 in der Minute) mit dyspnoischer Erweiterung der Nase und oberflächlichen Flankenbewegungen. Allgemeiner Schweissausbruch. Aengstlicher Ge­sichtsausdruck. Prostratio virium. Verminderung der Darmperistaltik, mitunter Diarrhöe. Diffuse Röthung oder cyanotische Färbung der Kopf­schleimhäute. Pulsfrequenz auf 80—120 pro Minute erhöht. Herzschlag gewöhnlich arhythmisoh und inäqual. Spitzenstoss zunächst leicht fühl­bar, später schwach oder unfühlbar. Temperatur normal oder hoch­normal. Herztöne ungleich; der erste Herzton oft gespalten oder schwirrend. — Wenn die Pferde gleich ausser Dienst gestellt und zweck-mässig gepflegt (erfrischt) worden, so mindern sich die Symptome in 'A,—Vs Stunde. Hat aber die Herzschwäche einen hohen Grad erreicht, so vergehen 1 — 2 Tage, bis die Herzcontractionen ihre normale Be­schaffenheit zurückerlangen. In einzelnen Fällen erhält sich die Insuffi­cienz des linken Ventrikels in massigem Grade 4—5 Tage lang. Dann zeigen die Pferde im ausgeruhten Zustande ausser einer leichten An­schwellung der Gliedmassen nichts Krankhaftes. Nach geringer An­strengung stellen sich aber Dyspnoe und arhythmischer, frequenter Puls ein. Selten sohliessen sich weitere und chronische Herzkrankheiten (Dila­tation und Klappenfehler) an die hier gedachte Herzinsufficienz und gleich selten ist der tödtliche Ausgang, der nur dann erfolgt, wenn die Pferde durch die übermässige Anstrengung in hohem Grade ermüden und des­halb sich nicht stehend erhalten können. Bei der Section findet sich die Herzmuskulatur erschlafft und parenehymatös getrübt. Lungenödem. Erstickungsherde in den serösen Häuten und in der Digestionsschloimhaut.
Vom Menschen ist als folge der üeberanstrengung eine Erschöpfung des Herzens mit Verlangsamung dos Pulses bekannt (vorgl. Leydon, Die Herzkrankheiten in Folge von Üeberanstrengung. 188(1. S. 48). Dass dieselbe Herzkrankheit bei Pferden (wenn­gleich sie selten ist) vorkommt, dürfte nachstehende Beobachtung ergeben.
Dlockerhoff, äpec. Puthologio u. Thcrapio,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; in
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Organ krankhoiten.
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Brauner Wallach, gegen 14 Jahre alt und 1,70 Motor hoch, Arbeitspferd, hatte naoli schwerer Dienstleistung am 16. Juni 1886 Abends Putter und Getränk versagt. Am folgenden Vormittag wurde das Fferd mit Mühe zur Klinik geführt. Es hatte nur durch starkes Treiben mit der Peitsche vom Niederleget) abgehalten werden können. Massige Schmerz^mpfindung in den Vorderhufon durch chronische Hufleder­hautentzündung in Folge von Vollhufen und losen Wänden. Gestreckte und gesenkte Haltung des Kopfes und Halses, Erschlaffung der Ohrmuskeln und der Lippenmuskeln. Ober- und Unterlippe erscheinen wie langgezogen. Auffällige oonstitutionelle Ermü­dung; Mangel an Aufmerksamkeit. Bewegung im Stalle schwankend, so dass der Patient nach einigem Taumeln zu Boden fällt. Nach kurzer Zeit steht er ohne Hülfe wieder auf. — Appetit krankhaft verringert. Bei der Erschlaffung der Lippen wird das vorgestreute Kochsalz lediglich mit der Zunge aufgenommen, Wasser kann der Patient nur mit Mühe trinken. Conjunctiva geröthot und leicht infiltrirt.- — Hesp. 24, mit leichter Dyspnoo. Auscultatorisch und percutorisch ist in beiden Lungen überall normaler Luftgehalt und Wegsamkeit festzustellen. — Temp. 39,9. — Puls 18—-.20 in der Minute; Rhythmus und Intensität nicht ganz gleichmässig. Herzschlag deut­lich fühlbar. Bei der Systole zitternde Bewegungen an der linken und wenn das Pferd einige Schritte vorwärts oder zur Seite tritt, auch an der rechten Brustwand (Tremor cordis). Bei der Auscultation auf den Mm. ancon. sind die Herztöne zeit­weise gar nicht und sonst nur sehr schwach vernehmbar. Der Herzstoss ist kaum zu fühlen und äussert sich in 2—3 wellenförmigen Schwingungon resp. Erschütte­rungen. — Ordination: Aether mit dem Trinkwasser. Physostigmin (0,08 subculan). Infusion von warmem Wasser in den Mastdarm. — Am folgenden Tage schien das Fferd etwas erleichtert. Es konnte in einem grossen Laufstall umhergehen. Resp. 20. Puls 23. Temp, 38,9. In den nächsten Tagen weitere Besserung des Zustandes. Es stellte sich massiger Appetit ein, doch stieg die Pulszahl nicht über 80 in der Minute. Am 22, Juni wurde das Pferd aus der Klinik wieder abgeholt.
Die Diagnose ist mit Rücksicht auf die Anamnese stets möglich zu machen. Verwechselungen können vorkommen mit der acuten Gastro-Entoritis und mit der acuten Hufrheho. Prognose günstig. Zur Therapie ist den Patienten ein gut ventilirter und geräumiger Stall zu verschaffen und frisches Trinkwasser in kleinen Mengen öfter zu reichen. Auch der Genuss von ßrod (Klciebrod) und anderen schmackhaften Substanzen be­günstigt die regelmässigc Vertheilung des Blutes und die Entlastung des Herzens. Verwendbar sind ferner: Branntwein in Wasser, schwarzer Kaffee und Inhalationen von erregenden Mitteln (Ammoniak, Aether, Kampferspiritus in Wasser). Bei Verminderung der Darmperistaltik: Physostigmin subeutan oder Extr. Aloes in Latwergenform und Infu­sionen in den Mastdarm. In schweren Fällen passt auch der Aderlass.
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Acute Herzentzündung.
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Capitel LXXXIV. Acute llerzMitzuiMiiing. Myocarditis acnta.
Seitdem die entzündlichen Erkrankungen des Herzens sowohl pathologisch-anatomisch, wie klinisch getrennt worden in die Entzündung des Hovztleischos (Myo­carditis), der inneren Herzhaut (Endocarditis) und des Herzbeutels (Peri­carditis), ist der Collectivname der „Carditisquot; nicht mehr gebräuchlich. Ge­wöhnlich wird unter dem Namen der Herzentzündung die Myocarditis verstanden. Soweit dieselbe einen acuten Verlauf hat, kommen für die klinische Betrachtung zwei difTerente Zustände in Betracht: die paronchymatöse oder degenerative und die embolischo Myocarditis.
1) Die parenchymatöse Herzentzündung ist sehr oft eine Theilorschei-nung acuter infoctiöser und toxischer Krankheiton und als solche in den betreffenden Capiteln berücksichtigt worden. Das Zustandekommen derselben beruht in der Wir­kung der mit dem Blute circulirendon Herzgifte (vergl. S. 72). Hierbei wird das ge-sammte Herzfleisch afflcirt (allgemeine oder diffuse Myocarditis).
Von diesen ätiologisch verschiedenen Vorgängen erfordert eine acute Myocarditis des Pferdes aus klinischen Gründen eine gesonderte Darstellung, weil bei derselben die Degeneration des Herzfleisches ausschliosslich das Krankheitsbild bestimmt. Ich bezeichne diese Affection als „Myocarditis septicaquot;. Wie der Käme schon be­sagt, wird dieselbe durch eine Infection herbeigeführt. Das Miasma selbst ist nicht bekannt. Die Pferde behaften sich mit demselben im Stalle. Wenn die Soalma längere Zeit herrschte, habe ich öfter derartige Patienten behandelt. Zu anderen Zeiten ist die idiopathische oder essentielle septische Herzfleischentzündung selten. — Die Pathogenese ist dahin zu deuten, dass durch die Allgomeiiünfoction sich Herzgifte bilden, welche mit dem Blute in das Herzlloiscli gelangen und die histologische, sowie die nutritive Einrichtung des letzteren beeinträchtigen (körnige Trübung der Muskelfasern, trübe Schwellung). Hierdurch geht die Querstreifung ver­loren und bei schwerer Erkrankung, resp. mehrtägiger Dauer kommt eine fettige Metamorphose in der Muskolsubstanz zur Ausbildung. Letztore erlangt eine weiche, trübe, fahle oder lehmfarbono Beschaffenheit.
Syni|itonM'. Fieber mit bedeutender allgemeiner Schwäche und einer Bluttempe­ratur bis zu 41,0. Resp. 25—50 in der Minute, obdrfläohlich und in massigem Grade dyspnoisch. Herzschlag 80—100 und darüber in der Minute, schwach und fast immer arhythmisch. Artorienpuls klein und kurz. Schleimhäuto vonös geröthet. Appetit fehlt; Wasser wird oft und in kleinen Quantitäten getrunken. — Die idiopathisohe diffuse Myocarditis verläuft peracut und nicht seiton tödtlich. Ueberstohon die Pferde den 5. Krankheitstag, so erfolgt in kurzer Zeit die vollständige Genesung. — Die Diagnose ist auf den Ausschluss anderer Krankheiten, mit welchen eine diffuse Myo­carditis entstehen kann, zu stützen. Insbesondere ist auf den vollständigen Luft­gehalt beider Lungen und auf die Abwosonheit einer schweren Gastro-Enteritis Worth zu legen. — Die Krankheit kann im Verlaufe von 2 — 4 Tagen durch Herzschwäche zum Tode führen. Daher ist für die Prognose eine gewisse Vorsicht geboten. Nur die massigen Krankheitsgrade rechtfertigen eine günstige Beurthoilung. — Bei der Kcliaiiillung ist vor Allem auf die Begünstigung der Kospiration Rücksicht zu nehmen:
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-kühler, gut ventilirter Stall, leichte Bedeckung des Körpers. Daneben Frictionen der Haut und Einreibung von Spiritus. Infusion von kaltem Wasser in den Mastdarm. Innerlich: Aether mit dem Trinkwasser. Inhalation einer Lösung von Ammoniak. Camphor (5,0—10,0 auf 2 Mal in Latwergenform). Bei Constipation dos Darms Extr. Aloes mit Natr. sulfur, oder Physostigmin.
2) Die embolischo oder metastatische Herzfleischentzündung ent­steht bei ichorrhämischen Complicationen verschiedener Krankheiten. Sie wird am häufigsten gefunden bei Pferden, welche an der Blutfleckenkrankheit mit dem Aus­gange in jauchige Fneumonie oder an der Brustseuche oder an einer zur Gangrän führenden Broncho-Pneumonie eingegangen sind, kann aber auch bei umfangreicher Decubitalgangriin und bei ichorrhösen Processen (Thrombo-Phlebitis) in den Sehnen­scheiden und Gelenken vorkommen. — Die embolischon Herde haben der Regel nach eine peripherischo Lage, so dass sie bei der übduotion des Herzens von aussen unter dem Pericardium leicht zu bemerken sind. Ihre Grosse variirt von dem Umfange einer Erbse bis eines Gänseeies. #9632;Wahrscheinlich wird die Verstopfung der kleinen Gefässe vorwaltend durch die Einführung von Mikrokokkenhaufen in die Kranzarterie veranlasst. Mit der Embolie entsteht zunächst ein hämorrhagischer Infarct im Ge­biete der verlegten Arterie. Darauf unterliegt das aus der Nutrition ausgeschaltete Stück der Erblassung; es erlangt eine lehmfarbene Beschaffenheit. Seine Contouren sind ungleich; aber gegen die Umgebung ist es mit scharfem Rande deutlich abge­grenzt. Der Embolie folgt stets eine Myocarditis in der Nachbarschaft des Herdes und wenn die Pferde nicht alsbald eingehen, auch eine Pericarditis mit serös-hämor-rhagischem oder purulentem Erguss in den Herzbeutel. Die Pferde verenden in Folge der Primärkrankheiten, welche die embolische Myocarditis bedingen, fast immer. Nur in sehr seltenen Fällen bildet sich eine exsudative Pericarditis mit sohleichendem Verlaufe als eine selbständige Krankheit nach der Herzembolie aus. — Die Ent­stehung eines grosson embolischen Herdes im Herzfleische oder mehrerer mittelgrosser Herde veranlasst ähnliche Störungen, wie die diffuse Myocarditis. Indess enthalten die Symptome Nichts, was die Unterscheidung beider Krankheitszustände recht­fertigen könnte. Ueberdies wird das Symptomenbild durch das sephthämische Primär-leiden bestimmt. Zur Behandlung der embolischen Herzentzündung können besondere Heilindicationen nicht aufgestellt worden.
Die Entwickelung eines embolischen Eiterherdes im Herzen ist nach meinen Er­fahrungen nicht so häufig, wie in der Literatur zuweilen angedeutet wird. Ich habe ähnliche Herzabscesse, wie sie beim Rinde vorkommen, bei Pferden nie gefunden.
Capitel LXXXV.
Grweitcriiiig und Vvrgntaserung des Herzens. Dilatatio et Hyper-
trophia cordis.
Sowohl die Vergrösserung der Herzhöhlen, wio die Massenzunahmo dos Herz­fleisches kann eine Folge verschiedener ursächlicher Bedingungen sein. Die krankhafte Herzschwäche und die Belastung des Pulmonalkioislaufs bei schweren infectiöson und
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Erweiterung und Vergrösserung des Herzens.
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toxischen Leiden veranlassen oft für eine kurze Zeit die Ausweitung der Ventrikel und Vorhöfe, namentlich in der rechten Herzhälfto. Durch Klappenfehler und abnorme Widerstände im Gebiete der Arterien entsteht eine Dilatation der Höhlen in Ver­bindung mit Hypertrophie dos Horzfleisches, und zwar vorwaltend an der linken Seite. Alle diese Verhältnisse, die als symptomatische oder secundiire Erscheinungen von Interesse sind, haben in den betreffenden Capiteln ihre Würdigung gefunden. An dieser Stolle handelt es sich nur um die idiopathische Hypertrophie und Dilatation des Herzens. — Dass bei der einfachen Herzhypertrophie die Ventrikel kleiner würden (concentrische Hypertrophie) ist bei Pferden klinisch nie zu beob­achten, wird auch für das menschliche Herz als fraglich angesehen. Die Hypertrophie bezeichnet vielmehr stets eine Vergrösserung dos Herzens in der Peripherie (excen-trische Hypertrophie).
Anhaltende üeberanstrengung der Pferde, und zwar vorwiegend der alten Pferde, führt oft zur Erweiterung der linken Kammer. Indess wird in den meisten Fällen die Sohlussunfähigkeit der Mitralis durch die Hypertrophie der linken Herzhälfto wieder compensirt. Nicht selten entsteht im weiteren Verlaufe auch eine relative Hyper­trophie der rechton Herzhälfte, so dass das Herz in toto um 500—1000 Grm. schwerer wird. Hierbei unterliegen die Klappenapparato keinen wesentlichen Veränderungen. Nur verdicken sich die Zipfel dor Mitralis und zuweilen auch der Aortenklappe an der Schliessungslinie. Aber die vorübergehend veranlasste relative Insufficienz ent­zieht sich der Diagnostik, weil die bald eintretende Hypertrophie der Papillarmuskeln die vollkommene Abschliessung der etwas verkürzten Zipfel ermöglicht. — Das Ge­wicht eines auf diese Art vergrösserton Herzens kann 5—6 Kilogrm., bei Vollblut­rennpferden bis 8 Kilogrm. erreichen, ohne dass eine Störung der Blutcirculation ein­zutreten braucht. — Das Zustandekommen der Arbeitshypertrophie des Herzens durch üeberanstrengung der Pferde ist nach einer von Traube in die Medicin eingeführten Hypothese dahin zu erklären, dass theils die verminderte Sauerstoffzufuhr zum Herz­muskel den Verlust seiner Leistungsfähigkeit und Elasticität bedingt, theils die Con­traction der kleinen Arterien die Widerstände vormehrt, welche der linke Ventrikel bei seiner Leistung zu überwinden hat.
Wenn nun hiernach die Herzhypertrophio oft ohne Nachtheil besteht, so giebt es andererseits Krankheitsfälle, bei welchen die Ausweitung des linken Ventrikels und Vorhofes durch die consecutive Hypertrophie nicht vollständig ausgeglichen wird. Dann erfolgt bei der Contraction des linken Ventrikels die Rückstauung des Blutes in die Lungenvenen. Bei anhaltenden Arbeitsleistungen der Pferde und resp. in schweren Fällen treten auch Blutstauungen im ganzen Venensystera ein, namentlich im Bereiche der hinteren Hohlvene. Besonders oft vergrössert sich hierbei die Leber (Muskatnussleber). Schliesslich entstehen auch bei Pferden hydropische Zustände (Anasarka an den Gliedmassen und unter der Brust, Asoites, Hydrothorax und Hydro-pericardium).
Symptome. Frequenter arhythmischer und inäqualer Puls. Der erste Herzton schwach oder gar nicht hörbar resp. von summenden oder brausenden systolischen Geräuschen begleitet. Zweiter Herzton rein, zu­weilen relativ stark. Spitzenstoss oft pochend und an der rechten Brust­seite fühlbar, nicht selten aber normal, mitunter Peotoralfremitus (vergl. S. 76). Herzdämpfung zuweilen etwas umfangreicher. — Die Athmung
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erfolgt in ausgeruhtem Zustande dor Pferde meist nicht abnorm, ist mit­unter aber auf 20—25 Züge pro Minute beschleunigt. Bei anstrengender Arbeitsleistung stellt sich in Folge der Blutstauung in den Lungen eine krankhafte Dyspnoo mit allgemeinem Schweissausbruch ein. In diesem Grade der Ausbildung charakterisirt sich die Krankheit als eine Art der Dämpfigkeit (Herzdäm pfigkoit, Asthma cardiale). Wenn die Pferde trotz der Symptome einer starken Dyspnoe unvorsichtiger Weise noch weiter angestrengt und mit der Peitsche getrieben werden, so können sie zu­sammenbrechen und innerhalb einiger Minuten suifocatorisch verenden. Diagnose. Von der durch Klappenfehler verursachten Dilatation und Hypertrophie unterscheidet sich die gleichartige idiopathische Herzkrank­heit durch das Fehlen von endocardialcn Herzgeräuschen. Geschwülste oberhalb der Herzbasis, die aber sehr selten sind, können ähnliche Stö­rungen herbeiführen (vergl. den S, 568 beschriebenen Krankheitsfall). Auch Entzündungsherde in den Lungen verursachen zuweilen durch den Druck auf das Herz eine krankhafte Aendorung des Herzschlags, was bei der Diagnose berücksichtigt werden muss. — In den geringen Krank­heitsgraden ist die Störung der Blutcirculation nach einer starken An­strengung zuweilen eine Zeit lang grosser, als sonst. Dann bestehen 8—14 Tage hindurch Frequenz und Arhythmie des Pulses, worauf sich nach und nach die Dilatation wieder vermindert und das Gesammt-befinden der Thiere erleichtert. Nach monate- oder jahrelanger Dauer der Krankheit entwickelt sich mitunter chronischer ßronchialkatarrh mit und ohne Alvcolaromphysem, wobei die Pferde im Nährzustande zurück­gehen. — Prognose. Im langsamen Arbeitsdienst können die mit der Herzhypertrophie und massiger Dilatation behafteten Pferde oft noch mehrere Jahre hindurch vortheilhaft benutzt werden. Auch verringert sich eine erhebliche Störung der Herzfunction nicht selten durch die Massenzunahme des Herzfleisches, namentlich durch die Vergrösserung der Papillarmuskeln für längere Zeit. Wenn aber schon bei massiger Arbeit die Symptome einer erheblichen Dyspnoe hervortreten, oder wenn die Merkmale einer krankhaften Blutstauung im Venensystem bei den Patienten schon im Stande der Ruhe sich zeigen, dann sind die Thitre als worthies anzusehen. Bei der stets langsamen Entwickelung besitzt das Leiden alle Eigenschaften eines Gewährfchlers; es ist daher begründet, dasselbe der Dämpfigkeit zuzurechnen. — Für die Behandlung giebt es keine praktisch verwerthbaren Arzneimittel. Gute Pflege, kräftige Er­nährung und Vermeidung einer Ueberanstrengung im Dienstgebrauche, umfassen die therapeutischen Anordnungen, auf welche der praktische Th ierarzt sich einlassen kann.
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Capitel LXXXVI. Endoearditis.
Viel Aufsehen haben die in der thierärztliohen Literatur der letzten 15 Jahre befindlichen Angaben über die acute Endocarditis des Pferdes gemacht. Wenn aber die Mitthoilungen auf ihren thatsächlichen Werth geprüft werden, so lassen sich die­selben mit den daran geknüpften Folgerungen nicht aufrecht halten. Nach Analogie der von der acuten Endocarditis des Menschen ermittelten ätiologischen Einflüsse wurde angenommen, dass auch bei Pferden die acuten fieberhaften Infectionskrank-hoiten, namentlich die zur Gruppe der Influenza gehörenden Seuchen häufig zur Ent­stehung einer endooarditischon Affection führen und dass hiervon die diese Krank­heiten begleitenden Störungen der llerzf'unction abhängig sein sollten. Wenn diese Behauptung richtig wäre, so müsston auch Herzfehler als Nachkrankheiten der er­wähnton infectiösen Leiden bei Pferden in einer entsprechenden Zahl von Fällen auf­treten, was thatsächlich nicht beobachtet wird. Dazu kommt, dass die Pferde dem acuten Gelenkrheumatismus, der bei Menschen eine wichtige Primärkrankheit der Endocarditis darstellt, nicht unterworfen sind.
Bei der Section von Pferden, welche an acuten Infeotionskrankheiton oder an toxischen Blutdyskrasion eingegangen sind, finden sich häufig blutige Extravasate (Ekchymosen oder Suffusionen) im Endocardium, namentlich an den Papillarmuskeln. Sie entstehen im Todesacte und werden daher pathologisch-anatomisch zu den Er-stickungsblutungen oder asphyktischen Horden gerechnet. Unrichtig ist die Deutung dieser Befunde als „hämorrhagische Endocarditisquot;. — Dass bei den mit der Com­plication einer hämorrhagischen Diathese verlaufenden Allgemeinkrankheiten durch Vermittolung einer Blutung in und unter das Endocardium eine locale Entzündung des letzteren veranlasst worden kann, ist nicht unwahrscheinlich. Ich habe oft kleine und frische blutige Herde innerhalb der Zipfel einer Herzklappe gefunden und muss zu­geben, dass hierdurch eine Endocarditis entstehen, resp. der erste Grund zu einem Klappenfehler gelegt werden kann. Auch kleine metastatischo Abscesse können bei pyämischen und pyo-sephthämischen Krankheiten im Endocardium sich etabliren. — Vom 22.-25. Juni 1886 wurde in der Klinik ein fünfjähriger Rappwallach an frisch entstandener Hufrheho sämmtlichor 4 Gliedmassen behandelt, Die Krankheit war in hohem Grade schmerzhaft, so dass das Pferd anhaltend am Boden lag und hierdurch, sowie durch Gegenstemmen des Kopfes und Halses gegen die Krippe sich an zahlreichen Körperpartien tiefgehende decnbitalo Zerstörungen zuzog. Im Krank-hoitsbilde machte sich die fieberhafte, iohorrhöse Blutvergiftung mit schwachem und sehr froquentom Pulse geltend. Der Patient verendete durch progressive Herzschwäche. Die im pathologischen Institut (Sticker) ausgeführte Section ergab die der Rhehe eigenthümliohe entzündliche Schwollung der Hufloderhaut. Aussordem fanden sich zahlreiche kleine und grössero eiterig-jauchige Herde in der Subcutis und in der Körpennuskulatur. Letztere erschien durchweg grauröthlich und mürbe. Schwere Magen-Darmentzündung. Vollständige Abstossung des Epithels von der linken Magen­hälfte. Massige Schwellung deir Leber, Milz und Nieren, Herzmuskulatur grau,
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trocken und mürbe. Auf dem inneren Segel der Mitralis sass eine graue, linsongrosse thrombotische Masse und unter derselben zwischen beiden Blättern des Sogeis ein flacher Herd von dem Umfange eines Zehn-pfonnigstückes, welcher dickflüssigen, gelben Eitor enthielt.
Dass aber durch eiterige Metastasen eine selbständige locale Endocarditis resp. ein Klappenfehler zur Ausbildung kommt, lässt sich nach thatsäohliohen Aufschlüssen nicht feststellen. Es ist auch nicht erwiesen, dass durch die ombolischo Myocarditis (vergl. S. 772), bei welcher das Endocardium in Mitloidenschait treten kann, eine essentielle Endocarditis herbeigeführt wird. — Eine allgemeine Verbreitung in beiden Ventrikeln und in den Vorhöfen erlangt die Endocarditis nie. Immer leiden nur ein­zelne Partien und vorwiegend die Klappen. Schon aus diesem Grunde tendirt die Krankheit stets zum chronischen Verlaufe (Endocarditis chronica partialis). Auch bei Pferden ist, wie bei Menschen die valvuläre Endocarditis viel häufiger, als die parietale. Wie in der Modicin von Virchow zuerst hervorgehoben wurde, ist die Aetiologie dieser Affection auf die Reibung und Zerrung, denen die Klappen bei der gesteigerten flerzaction unterworfen sind, zurückzuführen. Dies trifft für die Herzfehler der oft genug zu den schwersten Leistungen gezwungenen Pferde im ganzen Umfange zu. Ob daneben noch in einzelnen Fällen durch Vermittelung der Circulation speciflsche Entzündungserreger (Mikroorganismen?) in die Ernährungsgefässe des Endocardium gelangen und eine Endocarditis valvularis herbeiführen, ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden.
Bei Menschen wird ein Theil der endocarditischon Affectionen von vielen Autoren auf spocifische Bacterien bezogen. Auch bei Pferden entsteht in einzelnen, allerdings seltenen Eällen eine gleichmässige Entzündung an allen 4 Klappenapparaten beider Ventrikel, die vielleicht auf dem Import eines speci fischen Virus beruht. — Am 9. Juni 1887 wurde eine fünfjährige Fuchsstute (Arbeitsschlag) in die Klinik eingestellt, welche vor 6 Wochen gekauft war und angeblich seit 3 Wochen eine Athembeschwerde beim Gebrauche'bekundet hatte. Befund: liesp. 36. Temp. 39,6. Puls 64, ziemlich kräftig und rhythmisch. Der erste Herzten fehlt; statt desselben ein schwirrendes Geräusch; zweiter Herzton klar. Herzstoss deutlich zu fühlen und oft mit Katzen­schnurren verbunden. Im Verlaufe der langen liüokenmuskeln, an den Kruppen­muskeln und an der Schweifrübe starker Capillarpuls. Futteraufnahme vermindert, Schleimhäute anämisch. Zeitweise Husten. Lungen durchweg lufthaltig und wegsam. — Hiernach diagnosticirte ich einen Herzfehler mit Schlussunfähigkeit der Mitralis. Die Symptome blieben ziemlich gleichmässig bis zum 22. Juni bestehen, an welchem Tage in beiden Lungen Bronchialathmen und linkerseits in der unteren Hälfte des Thorax sich eine Dämpfung fand. Oedem unter der Brust und an den Gliedmassen. In den folgenden Tagen Resp. 26—32, mit activer Betheiligung der Bauchmuskeln; Puls 78—90, ziemlich gleichmässig und kräftig. Temp. 39,9—40,1. In den Lungen trockene Rasselgeräusche. Husten schmerzhaft, wird unterdrückt. Harn enthältSpuren von Eiwelss. Vom 6. Juli an hatte sich die Infiltration der linken Lunge vollständig zuriickgebildot. Puls 98, schwach. In den Kopfschloimhäuten und im Scheidenvorhof Peteohlen. Starkes Oedem unter dem Bauche. Das Pferd legt sich nicht mehr, ver­zehrt aber noch etwas Grünfutter. Erhebliche Abmagerung. Tod am 11. Juli. Bei der Section im pathologischen Institut (Buch) fanden sich die Atrio-Ventricularklappen in beiden Herzhälften, sowie die Semilunarklappen der Aorta und der Lungenarterie stark verdickt, undurchsichtig und trübe, an den Rändern der Zipfel fingerdick und mit derben, brüchigen Thromben besetzt. An einem Zipfel der Tricuspidalis sind die
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Ränder zerfressen und in der Mitte desselben besteht eine Perforation. — In der linken Lunge ist eine grössero Vene thrombotisoh vorlegt. Beide Lungen enthalten viele kleirte und zwei apfol- bis faustgrosse embolische Horde. Intumcscenz der Milz, Muskat-nussleber, hämorrhagischo Magen-Darmentzündung und embolische Herde in den Nieren.
Der vorstehend skizzirto Krankheitsfall von Endocarditis valvularis fibrosa et ulce-rosa lässt sich füglich nicht auf eine Ueboranstrongung beziehen. Worin die Ursache bestanden hat, ist unklar geblieben. Für die Symptomatologie möchte ich noch her­vorheben, dass die Diagnose intra vitam nicht vollständig zu begründen war. Es konnte mit Sicherheit nur die Insufficienz der Mitralis und die Embolie in den Lungen nachgewiesen worden.
Leichter verständlich ist die Zerrung und heftige Erschütterung eines Klappen­apparates bei Ueboranstrengungen der Pferde als ätiologische Grundlage der Endo­carditis. Der Process beschränkt sich meist auf eine Klappe, kann aber auch parietal einsetzen oder durch die anhaltenden Störungen in der Blutcirculation die MitalTection einer anderen Klappe bedingen. Sehr vorwiegend erkrankt bei Pferden, wie bei Menschen die Mitralis, weil die Action des linken Ventrikels bei anstrengenden Dienst­leistungen der Pferde erheblicher ist, als die des rechten. Auch die Sehnenfäden können von einer entzündlichen Ernährungsstörung betroffen werden und sich ver­dicken oder erweichen und auseinanderreissen. Dem Sitze nach ist zu unterscheiden zwischen einer Endocarditis valvularis, E. pariotalis und E. chordalis. Der Charakter der Entzündung ist entweder fibrös - indurativ (E. fibrosa), oder granulirend (E. verrueosa). Ein-atheromatöser Zerfall in der sclerotischen Klappe und Aufbruch des Hordes (E. ulcerosa) ist bei Pferden nicht häufig. Mit der binde-gewebigen Verdickung erfolgt bald in geringem, bald in höherem Grade eine Ver­kürzung (Schrumpfung, Retraction) an einzelnen Partion der Klappe (Endocarditis valvularis retrahons). Dabei können die nicht vordickten Partien atrophisch werden und perforiren (Fonsternng der Klappen zip fei). Nicht selten entstehen auch Risse an der Schliessungslinio oder mitten in einem Zipfel.
Capitel LXXXVII. Klappenfehler des Herzens.
1) Insufficienz der Mitralis. Der bei Pferden am häufigsten vorkommende Klappenfehler. S. 773 ist bereits erörtert, dass an der Mitralis eine relative Insufficienz durch einfache Dilatation des linken Ventrikels vorkommt und durch Hypertrophie des Herzens oft vollständig compensirt wird. In ganz gleicher Art bedingt die durch Endocarditis valvularis retrahens oder durch Perforation herbeigeführte Insufficienz eine Vergrössorung des Herzens. In den höheren Krankheitsgraden ist
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die Compensation ungenügend, so dass sich der linke Ventrikel und dor linke Vorhof erweitern. Auch kann sich mit diesem Zustande eine relative Insufficienz der Tricuspidalis sowie die Erweiterung der rechten Herzhälfte verbinden. Zuweilen reissen einzolnu Sehnenfäden der Mitralis an den Papillarmuskeln oder in der Mitte. Das hypertrophische Herz kann ein Gewicht bis zu 7,50 Kilogrm. und selbst noch darüber er­langen. Gewöhnlich variirt das Gewicht indess von 4—6 Kilogrm. — Symptome. Bei guter Componsafion der Mitralinsuffioienz treten nur nach starken Anstrengungen der Pferde die Erscheinungen der Dyspnoe hervor. Die erhebliche Erweiterung des Herzens bedingt aber schon nach ge­ringer Arbeit eine schwere Beeinträchtigung dos Athmens. Der erste Herzton setzt oft aus oder fehlt ganz. Statt desselben ein systolisches Geräusch. Diastolischcr Ton laut. Zuweilen Katzenschnurren an der linken Brustwand und in den höheren Krankheitsgraden Blutstauung in der Jugularis. Sohliesslich krankhafte Abmagerung und hydropische Zustände. Hinsichtlich der Prognose und Therapie finden auf diesen Herz­fehler die S. 774 zur Dilatation und Hypertrophie des Herzens gemachten Bemerkungen eine analoge Anwendung,
2)nbsp; Stenose am linken Ostium atrio-ventrioulare. Viel seltener, als der sub I) behandelte Klappenfehler. Durch (ibröse und retrahirende Endocarditis im Faserringe der Mitralis oder in der Herzwand verursacht. Hierbei kann das Blut aus dem linken Vorhof nicht in ausreichender Menge in den Ventrikel eintreten. Daher Erweiterung und Hypertrophie des Vorhofs, Stauung des Blutes in den Lungen und in dem rechten Ventrikel, der schliesslieh hypertrophisch wird. — Die Symptome sind in der Regel nicht charakteristisch. Herzdämpfung vergrössert; Puls leer; in klar ausgesprochenen Fällen diastolisches Schwirren. Ausserdom Athembeschwerdc bei erheblichen Anstrengungen der Pferde. — Die Prognose ist schlecht. Meist sind die Patienten zur Arbeitsleistung un­tauglich.
3)nbsp; nbsp;insufficienz der Aortenklappe. Gewöhnlich mit Stenose dos Ost. aort. verbunden. Im höheren Alter der Pferde zuweilen für sich be­stehend. Nach der Diastole strömt ein Thoil des Blutes aus der Aorta in den linken Ventrikel zurück, in Folge dessen der letztere stärker arbeiten muss, sich erweitert und hypertrophisch wird. Syniptome. Pulsus celer, zuweilen auch P. arhythmicus. Vcrgrössertc Ilerzdämpfung. Diastolisches Schwirren, neben welohcni aber bei Erhaltung eines grösseren Theils dor Klappe ein Ton hörbar sein kann. Nicht seiton ist der diastolischc Ton von einem langgezogenen lauten, musikalischen Nachton (Tü-ü-ü) begleitet. Der diastolischc Nachton tritt mitunter nur beim 4.#9632;•-7. Herzschlag
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odor noch seltener hervor, in anderen Fällen aber constant mit jedem Herzschlag. — Dazu kommt bei anstrengender Arbeit die Dyspnoe. — Die Prognose ist bei massigem Grade der Insufficienz nicht ungünstig, weil die Hypertrophie des linken Ventrikels den Defect gut ausgleicht.
Oasuistik. 1) Schwarzbrauner Wallach, 20 Jahre alt, schwerer Halbblut­schlag , Reitpferd im Besitze eines höheren Offlciers, war seit 6 Monaten kurzathmig beim Gebrauch und wurde deshalb zur Feststellung des Krankheitszustandes am 12. Mai 1883 in die Klinik eingestellt. Appetit gering; Hafer wird nicht aufgenommen, Heu in massiger Menge. Aufmerksamkeit fehlt; Blick müde. Temp, 37,8. Resp. 20, gleichmässig. Herzschlag 64, arhythmisch und inäqual; Arterienpuls von mittlerer Stärke, weich. Der erste Herzton normal; statt des zweiten Herztons erfolgt ein schnurrendes Geräusch. Die Percussion ergiebt umfangreiche Herzdämpfung. Vonon-puls. — Nach kurzer Trabbewegung starke in - und exspiratorisohe Dyspnoe. — Section. Herz hypertrophisch, 6123 Grm. schwer. In einem Zipfel der Aortenklappe ein bohnengrosses, rundlich gestaltetes Loch, dessen Ränder narbig verdickt und federkielstark sind.
2) Fuchsstute, 22 Jahr alt; 1,56 Meter hoch, früher als Reitpferd, seit 3 Jahren als Wagenpferd benutzt, wurde am 10. October 1885 in die Klinik zur Untersuchung auf Gewährfehler eingestellt. Das Pferd war sehr gut genährt, hatte normales Tem­perament und bekundete die gewöhnliche Aufmerksamkeit. Futtoraufnahme gut. Resp. 15; Temp. 37,8; Puls 36, deutlich fühlbar und von regelmässiger Stärke. Herz­schlag fühlbar. Bei der Auscultation des Herzens tritt der erste Ton in normaler Stärke klar hervor. Der zweite Herzton ist unklar. Dor Diastole folgt unmittelbar ein langgezogener musikalischer Ton (Tü-ü-ü) mit jedem Herzschlag. — Bei der Bewegung im Trab an der Longirleine stellt sich nach 10 Minuten massiger Schweiss-ausbruch über den ganzen Körper ein. Resp. 78, Puls 72, rogelmässig. Die Respi­ration beruhigt sich in 35 Minuten; die Pulsfrequenz sinkt in 40 Minuten bis auf 36. — Am 17. November 1885 wurde das Pferd, welches inzwischen zweimal veräussert war, von Neuem in die Klinik behufs Feststellung des fehlerhaften Zustandos ein­geliefert. Es verblieb bis zu seiner Tödtung am 3. December in der Anstalt und wurde täglich untersucht. Der Herzfehler manifestirte sich fortdauernd gleichmässig durch die beschriebenen Symptome.
Herr Prof. P. Grawitz hatte auf meinen Wunsch die Güte, das nach der Schlachtung des Pferdes eingesandte Herz zu besichtigen und über seine Befunde mir Felgendes mitzutheilen. „Das Herz wiegt 3630 Grm. incl. eines 25 Ctm. langen, dem Präparate anhängenden Stückes der Aorta. Quer über die Basis misst es 22 Ctm., von der Basis zur Spitze 21 Ctm. Die Oberfläche ist glatt, im Verlaufe der Kranz­arterien befindet sich eine massig entwickelte Schicht normalen Fettgewebes. — Das Herz erscheint im Ganzen ziemlich stark contrahirt, am stärksten der linke Ventrikel, etwas weniger der rechte. Die Vorhöfe sind ziemlich weit, enthalten reichliches Blut­gerinnsel zwischen den Trabokeln. — Der rechte Ventrikel misst nahe der Basis 8 bis 10, an der dicksten Stelle 20—22 Mm Herzlloisch rothbraun, ziemlich derb, trocken; Endocardium parietalo zart, bläulich grau, durchscheinend, an einzelnen Trabekeln schimmert das Herzfleisch leicht gelblich durch. — Die Atriovcntricularklappe rechts ist durchaus zart, ihre Selinonfiiden lang, dünn, zart. —- Das Ostium pulmonale misst 15 Ctm., jede Klappe an der Basis 5, Das Klappengewebe durchaus zart, durch­scheinend. — Links beträgt die Dicke der Herzwand an der Spitze 15, nahe der Basis
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780nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organ Itrankheiten.
46 Mm. Die Länge von der Schliessungslinie der Aorta am Septum bis zur Spitze 20,5 Ctm. Das Ostium aortae 15 Ctm. An der Insertion des Ductus Botalli 11,5 Otm. üie Dicke der Aorta im Anfange 5, im Arcus 8—11 Mm. — Das Herzfleisch braun-roth und derb. Die Mitralis zeigt in dem vorderen Segel eine sehr schwache Ver­dickung dos freien Randes und an der Vorhofsfläche grioskorngrosse, graurothe Excrescenzen. Sehnenfäden intact. — Alle 3 Aortenklappen enthalten flache, fast knorpelharte Verdickungen am freien Rande, am stärksten die rechte, welche gleich­zeitig auch im Ganzen stark verdickt und retrahirt ist. An der am meisten verdickten Stelle beträgt die Verdickung 4—5 Mm. Die beiden anderen Klappen erscheinen nicht sehr stark retrahirt, das hintere Segel enthält nahe dem freien Rande 5, ca. hanf-korngrosso, rundliche Fensterungen. — Die Kranzarterien zeigen glatte Intima, nor­male Weite. — Diagnose: Endocarditis chronica retrahens aortioa. In continentia ostii aortici. Hypertrophia ventriculi sinistri.quot;
4) Stenose des Ostium aorticum. Entweder mit gleichzeitiger Insufficienz der linken Semilunarklappe oder ohne dieselbe. Bei der Systole tritt dem Eindringen des Blutes in die Aorta ein erhöhter Wider­stand entgegen. Daher wird der linke Ventrikel hypertrophisch. In den reinen Fällen verlängert sich die Systole, so dass Verlangsamung des Pulses eintritt. Indess complicirt sich die Erkrankung zuweilen, so dass Pulsfrequenz besteht. Später kann eine Dilatation des linken Vorhofs mit Rückstauung des Blutes in die Lungen hinzukommen. — Symptome. Puls gewöhnlich retardirt (27 — 32 pro Minute). Zuweilen systolischos Aftergeräusch. Durch anstrengende Arbeit wird der Puls beschleunigt, klein und selbst unfühlbar. Bei Insufficienz der Semilunaris stellt sich ein diastolisches Geräusch ein. Da wegen der Stenose nicht immer Blut genug in die vordere Aorta gelangt, so treten beim Dienstgebrauche, oft schon beim Erschrecken oder bei plötzlichem Emporheben des Kopfes Schwindelanfälle und epileptoide Krämpfe ein. Verziehen des Kopfes und besonders des Unterkiefers nach einer Seite; Zuckungen der Gesichts­muskeln; stierer ängstlicher Blick und Benommenheit des Sensoriums. Hierbei schwanken die Thiere nach einer Seite und verletzen sich den Kopf oder andere Körpertheile, halten sich zuweilen mit gesenktem Kopfe und gespreizt gestellten Vordergliedmassen aufrecht, stürzen aber nicht selten zu Boden und erholen sich dann meist in 5—10 Minuten. Wäh­rend des Krampfanfalls ist der Herzschlag sehr frequent, nicht selten arhythmisch; Puls unfühlbar; zuweilen am Rücken und auf der Kruppe Capillarpuls. Die Anfälle treten bei einzelnen Pferden täglich ein oder mehrere Male auf, wiederholen sich in anderen Fällen aber erst nach Zwischenzeiten von mehreren Tagen und bleiben bei anhaltender Ruhe und guter Pflege der Thiere mitunter mehrere Wochen aus.
Eine 15jährige Stute, welche seit mehreren Jahren an diesem Herzfehler litt, wurde öfter bei der Arbeit, aber auch schon im Stalle, wenn ich den Kopf unerwartet
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Thrombenbildung im Herzen.
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schnell in die Höhe schob, von einer plötzlichen Ohnmacht befallen. Sie brach zu­sammen und lag mit ausgestreckten Gliedmassen 1—2 Minuten lang bewusstlos am Boden. Dann hob sie den Kopf langsam empor und stand alsbald wieder auf.
Die Diagnose ist nicht immer leicht, da die Ausdehnung der linken Herzhälfte die Mechanik des Herzens alteriren und auch die physikalischen Symptome compliciren kann. Leicht ist die Stenose des Aortenostium zu verwechseln mit einem einfachen und oylindrischen Aneurysma der Aorta, weil die Erscheinungen beider Zustände auf einem vermehrten arteriellen Widerstände gegen die Systole beruhen und in der That ziem­lich genau übereinstimmen. Die Prognose ist ungünstig, sobald Schwindel­anfälle oder epiloptoide Krämpfe auftreten. Es ist immer unthunlich, solche Thiere auf die Gefahr anzuspannen, dass sie unerwartet von Krämpfen befallen werden. So lange die Complication der Gehirnstörung sich nicht bemerklich macht, ist eine massige Benutzung der Thiere längere Zeit möglich.
5) Insufficienz der Pulmonalklappe. Obwohl die relative In-sufficienz der Tricuspidalis bei Pferden häufig ist, so trifft man auf eine idiopathische Endocarditis valvularis an derselben sehr selten. Ich habe die Insufficienz der Tricuspidalis bei Pferden für sich allein nie beobachtet. In Verbindung mit den übrigen Klappen kann eine Verdickung und Schrumpfung an derselben vorkommen (vergl. den S. 776 skizzirten Fall). Die Symptome werden sich in einer starken Blutstauung und ihren Polgen in den Lungen, der Leber und Nieren äussern, weil bei der Tricuspidalinsufficienz der rechte und linke Ventrikel gcwissermassen gegeneinander arbeiten.
Capitel LXXXVIII. Thrombenbildung im Herzen.
lieber die Unterschiede zwischen Coagulis (falsche Herzpolypen oder Sterbe-geriimsel der älteren Autoren) und Thromben in den Herzhöhlen kann hier hinweg­gegangen werden. Vorbedingung für die Thrombose im Herzen ist, dass das Kndo-cardium an einer kleinen oder grösseren Partie seine histologische Integrität oinge-büsst hat. Daher bilden sich thrombotischo Auflagerungen am häufigsten an den Klappen, namentlich bei der ulcerösen und bei der vermoosen Endocarditis. Aber auch an den Sehnenfäden und an der Herzwand können dieselben unter den gleichen Verhältnissen entstehen. Von ursächlichem Kinflusse ist ferner das abnorm lange
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782nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Stagniren des Blutes im Herzen (Herzschwäche). In denBuchten zwischen denFleisoh-balken und in einer aneurysmatisch erweiterten Stolle dos Herzens finden sich nicht selten kleine Thromben. — Oft bestehen die Thromben in Erbsen- bis Bohnengrösse lange Zeit hindurch, ohne die Horzfunetion zu schädigen. Zuweilen vergrössern sich dieselben durch schichtenweise Ablagerungen von Fibrin bis zu dem Umfange eines Hühnereies und darüber. Aber auch dann acoomodirt sich das Herz an den abnormen Zustand und die betreffenden Pferde zeigen Monate lang keine-Störung der Gesund­heit und der Arbeitsfähigkeit. Erst wenn die Beengung eines Ostium oder die Schluss­unfähigkeit einer Klappe durch thrombotische Massen herbeigeführt wird, stellt sich eine Störung der Circulation ein. Indess sind die Symptome solcher Störungen so wenig significant, dass die Diagnose gegenüber anderen Klappenfehlern nicht mit Sicherheit zu begründen ist. In der Regel werden die Thromben des Herzens nur dadurch zur Todesursache, dass sich kloine Stückchen von denselben ablösen und in die Lungen (aus der rechten Kammer) oder in die Nieren, Milz etc. (aus der linken Kammer) gelangen. Wie leicht verständlich, ist die Embolie der Lungen am bedenk­lichsten. Eine derartige Erkrankung ist von einer acuten Pneumonic nicht sicher zu unterscheiden. Denn die Thromben im Herzen verursachen an sich schon eine Be­schleunigung des Pulsos und mit dem Eintritt der Embolie einer Lungenarterie können innerhalb eines Tages Fieber und Athembeschworde zur Ausbildung kommen. — Die langsam zunehmende Asphyxie vermittelt zuweilen das Zustandekommen einer hämor-rhagischen Diathese mit Blutergüssen in die Körperhöhlen und eine parenehymatöse Trübung der Leber und Nieren. — Für die llehantlliiiig der Thrombose im Herzen lässt sich eine Indication nicht aufstellen. Fast ausnahmslos ist beim Eintritt der bezeichneten Störungen das betreffende Pferd als dem Tode verfallen anzusehen.
Casuistik. Brauner Wallach, 8 Jahre alt, schweres Arbeitspferd von mastigem Nährzustande, angeblich seit 10 Tagen wegen Athembeschworde behandelt, wurde am 29. Juli 1879 in die Klinik eingeliefert. Puls 100, schwach und unregelmässig. llesp. 65, oberflächlich. Temp. 40,3. Blutstauung in der Jugularis. Schleimhäute normal gefärbt. Allgemeine Ermüdung, Inappotenz und Verringerung der Darm-peristaltik. Die Auscultation und Percussion der Brustorgane ergaben bei dem grossen Fettgehalt der Brustwände kein entscheidendos Resultat. — Die Diagnose war zweifel­haft. Durch die Anwendung von Sinapismen und Abführmittel wurde die Fieber-teniporatur zwar verringert. Aber das Pferd starb am 31. Juli früh unter den Zu­fällen der Erstickung. — Bei der im pathologischen Institut ausgeführten Section fanden sich in der Bauchhöhle 15 Liter dunkles, flüssiges Blut. Hämorrhagische Er­stickungsherde im Peritoneum und in der Digestionsschleimhaut; blutige Schwellung der Milz; parenehymatöse Schwellung der Leber und Nieren. — Herz dilatirt und hypertrophisch, besonders in cier rechten Hälfte. Tricuspidalklappe in allen 3 Zipfeln krankhaft vergrössert, 2,50—3 Ctm. dick, auf dem Durchschnitt von speckigem Ansehen. Obere und untere Fläche der Klappenzipfel rauh. Auf der ersteron resp. im rechten Vorhof sitzen zwei thrombotische Geschwülste, von welchen die grössere C Ctm. hoch und 4 Ctm. dick; die kleinere 8 Ctm. hoch und 2 Ctm. dick ist. Die Pul-monalklappe ist in gleicher Weise erkrankt, trägt aber nur kleine Thromben. Die Klappenapparato der linken Herzhälfte erscheinen nicht abnorm. In beiden Lungen sind 1 resp. 2 grössere Venen mit langen, gelblich weissen Thromben gefüllt. Lungensubstanz öde-matös.
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Spontane Ruptur dos Hoj'zons.
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Capitel LXXX1X. Spontane Ruptur des Herzens.
In der Medicin gilt die Annahme, dass bei Menschen eine Ruptur des Herzens nur dann eintreten kann, wenn die Muskulatur desselben erkrankt und abnorm zer-reissbar geworden ist, gegenwärtig als ein wissonsohaftlich gesicherter Lehrsatz. Soweit die Erfahrung orgiebt, vorhält sich dieAotiologie der spontanen llorzzerreissung bei Pferden analog. Dem Zustandekommen einer Herzruptur liegt in den meisten Källen ein partiolles Herzaneurysma zu Grunde. Letzteres entsteht aus ver­schiedenen Veranlassungen, gewöhnlich durch Embolie und Scieroso eines kleinen Zweiges der Coronarartorieii. Dabei wird an der botrolTendonStelle dioHorzmuskulatur durch fibröses Gewebe ersetzt (llerzschwiolo). Die Wandung dos in dieser Art entstehenden „chronischen Herzaneurysmaquot; ist stets dünner, als die normale Herzwand und besteht zuweilen nur aus dem Endocardium, dem Pericardium und dor Herzsclnviole. Boi dem Mangel der Muskulatur kann die aneurysmatisch erweiterte Stelle dem systolischon Innendruck nicht Stand halten, so dass die Borstung erfolgen muss. Indoss ist eine solche Herzruptur doch solton. — Ich habe bei einem 11 Jährigen Pferde oonstatirt, dass durch eine Herzschwielo im Septum ventrioulorum letzteres durchbrochen war und dass die wallnussgrosse Oelfnung eine letal verlaufende Störung dor Circulation horboigefülirl hatte. — In der Regel kommt die spontane Herzruptur dadurch zu Stande, dass eine Partie der Herzwand an den Ventrikeln oder Vorhöfon in Folge looalor Entzündung und Gefässvcrlegung der Erweichung anheimfällt (Myo-malacie). Der systolische Druck bewirkt die Ausdehnung der Partie (acutes Herz­aneurysma) und bei heftigen Erschütterungon dos Körpers (Niederfallen, Springen) odor bei starken Anstrengungen der Pferde führt der Ueberdruok des Blutes zur Berstung der Wand. Auf die Ruptur folgt der ErgUSS von Blut in den Herzbeutel (Haomopericardie). Da das Herz sich nun nicht mehr genügend ausdehnen kann, auch in der gerissenen Partie gelähmt ist, so muss notliwcndig Suffocation eintreten. Tödtlioher Blutverlust erfolgt nur dann, wenn der Herzbeutel mit zerreisst. — Heck­meyer (Magaz., VII, S. 285) oönstatlrte bei oinom Pferde einen 4 Ctm. langen Riss in der Wand dos rechten Ventrikels; das aus demselben entleerte Blut hatte auch den Herzbeutel gesprengt, worauf eine tödtliche Verblutung in die Brusthöhle erfolgt war. Die gleiche Beobachtung machte Munich (Adam's Wochenschr., 1879, S. 129). Häufigor zerreisst die aneurysmatisch erweiterte Wand des rechten Vorhofs (vorgl. Gurlt, Pathologische Anatomie, Nachträge, S. 121). — Die IMagnosc der spontanen Herzruptur ist intra vitam kaum möglich zu machon. Gewöhnlich vorendon die Pferde, ohne vorher eine Störung bekundet zu haben, innerhalb '/j Stunde. In anderen Fällen sind zunächst Athmungsfroquonz; kleiner; schneller Puls; Rrblassung der Schleimhäute; allgemeine Hinfälligkeit und Dämpfung dos Porcussionsschalls im unteren Thcil der Brust nachzuweisen, worauf die Thiere sulfocatorisch verenden. —
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784nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Für die Sectionsdiagnose ist zu beachten, dass ein tödtlichor Bluterguss in den Herz beutel durch Ruptur der Coronarartorio erfolgen kann (vergl. Gurlt, Path. Anat., Nachträge, S. 122); ferner durch Ruptur der Aorta oder der Pulmonalis an ihrer Ursprungsstelle. — Die Herzruptur ist in jedem Falle unheilbar*).
Capitel XC. Neurosen des Herzens.
Einer Alienation der nervösen Apparate des Herzens sind dio Aenderungen in der Frequenz und Intensität des Herzschlags zur Last zu legen, welche bei intacter Beschaffenheit der Klappen und bei normaler Textur dos Horzfleisches auftreten. Die Herzneurosen verlaufen bei Pferden im Ganzen leicht und günstig. Affoctionen, welche mit dem anfallsweiso auftretenden „nervösen Herzklopfenquot; oder mit der „Herzbräune (Angina pectoris, Stenocardie)quot; des Menschen im Vergleich zu stellen wären, kommen beim Pferde nicht vor. Nach der thatsächliohen Erfahrung lassen sich nur folgende Störungen begrilTlich als selbständige nervöse Herzaffootionen deuten.
1) Das Herzklopfen (Palpitatio cordis). Durch Erkältungen und die bei anhaltenden Eisenbahntransporten vorkommenden nachtheiligen Einflüsse, ferner bei acuten Indigestionen und entzündlichen Krankheiten dor Magendarmschleimhaut kommt bei Pferden eine gesteigerte Intensität des Herzschlags zur Ausbildung, die sich mit einer Erhöhung der Pulsfrequenz verbindet, aber innerhalb 1—2 Tage wieder vorübergeht. Die specielle Pathogeneso dieser Störung ist nicht bekannt. Wahrschein­lich beruht dieselbe auf einer eigenartigen Autointoxication des Blutes. Hierfür spricht das Vorkommen der Herzpalpitation im Verlaufe infoctiösor Magendarment­zündungen (vorgl. den S. 306 besprochenen Krankheitsfall).
Symptome und Verlauf. Die Pferde stehen wie in sich gekehrt, mit etwas ge­senktem Kopfe. Temperatur normal, soweit nicht anderweitige Krankheiten bestehen. Respiration meist auf 20—50 Athemzüge in der Minute beschleunigt. Puls 50—70;
*) Angeborene anomale Communicationen im Herzen sind bei Pferden sehr selten. Ein 11 Jahre alter brauner Wallach, Arbeitspferd belgischer Abkunft, starb am 7. Mai 1887 in der Klinik nach eintägiger Krankhoitsdauer an Kolik in Folge Axen-drehung des Grimmdarms. Bei der Section im pathologischen Institut (Buch) fand sich nebenbei eine Oeffnung im Sept. ventr. dicht unter den Pulmonal- und Aorten­klappen. Die Oeffnung war an der ausgebreiteten Scheidewand so gross, dass sie 8 zusammengelegte Finger aufnehmen konnte. Die Pulmonalklappe hat nur 2 Zipfel, die etwas verdickt erscheinen. Aehnlich verdickt sind auch die Segel der Aorten­klappe im linken Herzen. Durch fingerdicke Wülste wird die abnorme Oeffnung so umfasst und verdeckt, dass sie die Blutcirculation nicht hat stören können. Im linken Ventrikel ist das Endocardium stellenweise schwielig verändert.
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Neurosen des Herzens.
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Herzstoss pochend, an beiden Seiten der Brust auffällig stark; Capillarpuls am Rücken und Kreuz fühlbar und noch leichter beim Auflegen des Ohrs bemerkbar. Mit jedem Herzschlag tritt eine fühlbare und sichtbare Vibration in der linken Brustwand ein. Mitunter ist der Herzschlag in der nächsten Nähe des Patienten als ein dumpfes Ge­räusch zu hören. Venenpuls und sichtbare Bewegung der Haut vor der Brust mit jedem Herzschlag. Beide Herztöne lassen sich bei der Auscultation naohwoison; der systolisoho Ton ist meist langgezogen und von accidentellen Tönen bogleitot, der diastolischo abnorm laut. — Appetit in der Regel nicht vermindert oder wenigstens nicht vollständig unterdrückt. Schleimhäute normal. Darmperistaltik verzögert. — Gewöhnlich nach 6—20, in einzelnen Fällen bis 30 Stunden verringern sich die vor­benannten Zufälle, worauf die Pferde nichts Krankhaftes mehr bekunden.
Für die Diagnose ist Rücksicht zu nehmen auf die Erscheinungen der mit llerz-hypertrophie verbundenen Klappenfehler und auf die unabhängig von der Her/.palpi-tation auftretenden nervösen Zuckungen der Bauch- und Rippenmuskeln, sowie des Zwerchfells. Die letztgedachte Affection ist dem Schluchzen (Singultus) des Menschen analog und in der thierärztlichen Literatur nach den bei Pferden gemachton Beobachtungen vielfach als solches bezeichnet worden (vergl. auch den Krankheits­fall S. 654). Von der beim Herzklopfen vorkommenden Capillarpulsation am Rücken und an den Kruppenmuskeln unterscheidet sich das Schluchzen dadurch, dass es nicht isochron mit dem Herzschlag erfolgt. — Die Prognose ist günstig und die Behand­lung kann in der Regel auf ein zweckmässiges diätetisches Verhalten der Pferde be­schränkt werden. Sonst eignet sich Kai. bromatum (10,0—15,0) im Trinkwasser zur Selbstaufnahme; auch Morphium subeutan. Aether mit dem Trinkwasser. Camphor. Der früher gebräuchliche Aderlass ist entbehrlich.
Casuistik. Ponystute, 8 Jahre alt, welche mittels Eisenbahntransportes am 17. October 1884 früh Morgens aus Russland in Berlin angekommen und beim Aus­laden krank befunden war, wurde 4 Stunden nachher in die Klinik gebracht. Befund: Aufmerksamkeit ziemlich rege, Appetit gut. Die Haut an beiden Augenbogen stark gequetscht. An den Schultern leichte Abschürfungen. Temp. 38,3. Conjunctiva in Folge der Quetschungen geröthet; Nasenschleimhaut beiderseits injicirt; Maulschleim­haut schmutzig gelb. Athmung 37, mit etwas gesteigerter in- und exspiratorischor Bewegung der Flanken und der Naseneingänge. Bei der Auscultation der Brust­wandungen, wobei die gesteigerte Herzfunction hinderlich war, Verminderung des Athemgeräusches, besonders in der unteren Hälfte; Percussionsschall in den unteren Partien etwas gedämpft, oben normal. (Lungenödem in der unteren Hälfte beider Lungen). — Herzschlag: 56 Mal in der Minute, stark pochend an der linken und rechten Brustwand; Capillarpuls auf dem Rücken und den Lenden, ebenso an den Flanken beim Auflegen der Hand sehr deutlich zu fühlen; Vibration der linken Bnist-wand. Erster Herzton deutlich hörbar, aber mit leicht schwirrendem Nachion ; zweiter Herzton rein und etwas stärker, als normal. Maxillarpuls deutlich fühlbar, aber schwach, Arterie weich. — Therapie; Abreiben der Haut mit Spiritus; innerlich Aether mit Wasser als Wundflüssigkeit. Nach 4 Stunden: Puls 40; Herzton normal, Athmung 10. Temp. 38,0. Allgemeinbefinden gut, Appetit rege. Bei der Auscul­tation waren zwar an der rechton Brustwand beide Herztöne noch gleich deutlich wio an der linken Seite zu hören. Aber auch dies Symptom verlor sich bis zum folgen­den Tage.
2) Verminderung der Pulsfrequenz. Gleich dunkel, wio das Wesen der selbständigen Herzpalpitation, erscheint die Aetiologie und Pathogenose der abnormen
Dieckerhoff, Spec. Pathologie u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 50
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786nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Verringerung der Herzsohlagfrequenz. Im Ganzen ist dieser Zustand, der am meisten bei Pferden von 6—14 Jahren vorkommt, nicht häufig. Die Thiere bekunden ausser der geringen Pulszahl entweder nichts Abnormes, oder sie zeigen mangelhaften Appetit, Neigung zum Lecken an der Krippe und an den Stallwänden, verzögerte Defäcation und Unlust des Temperamentes. Der Herzschlag ist kräftig, mitunter pochend; ein­zelne Pulse setzen ganz aus. Herztöne klar. Die Schlagzahl mindert sich auf 27—25, zuweilen auf 20 und noch weniger in der Minute. Bei einem 7jährigen Wallach con-statirte ich nur 17 und eine 9jährige Stute hatte 10 Tage hindurch nur 11—13 rhyth­mische Pulse in der Minute. — Die Affection dauert bei zweckmässiger Behandlung 2—5 Wochen, worauf die Herzfunction sich wieder normal gestaltet. Einzelne Pferde bleiben mit chronischem Appetitmangel behaftet. — Bei der Diagnose ist zu erwägen, dass auch beim Dummkoller die Pulsfrequenz bis auf 25 pro Minute verringert sein kann. Der Pulsus tardus findet sich ferner bei Aneurysmen der Aorta und zuweilen bei der mit Insufflcienz der Aortenklappe sich verbindenden Stenose des Ostium aorticum. — Für die Behandlung ist die anhaltende Verabreichung von Arsenik (0,5 bis 0,75 pro die mit dem Futter oder mit Natr. sulfur, und Rad. Gent, in Latwergen­form) vortheilhaft. Kochsalz als Locke. Im Sommer Grünfutter.
Capitel XCI. Ilerzbentelentziindung. Pericarditis.
Aetiologie und Pathogenese. Die Entzündung des Herzbeutels verbindet sich bei Pferden zuweilen mit einer Pleuritis. Hierbei erkrankt gewöhnlich nur das pa-rietale Blatt; nicht selten setzt sich aber der Process auf das viscerale Blatt fort und es entsteht eine serös-fibrinöse Exsudation, weniger oft ein serös-purulenter Erguss in den Herzbeutel. In dieser Art kommt die acute Pericarditis im Verlaufe der ßrust-seuche (Pnoumo-Pleuresie), ferner bei der traumatischen und bei der durch eiterige oder jauchige Lungenherde veranlassten Pleuritis zur Ausbildung. Die Erkrankung des Herzbeutels ist demnach in solchen Fällen mir eine Complication der primären Pleuritis und die klinische Bedeutung der letzteren wird nur in Ausnahmefällen durch dieselbe wesentlich erhöht. — Vom viscoralen Blatte des Herzbeutels nimm), die seeundäre Entzündung ihren Ausgang, welche nach einem embolischen Herde im Ilerzfleisch sich entwickelt. Auch hierbei steht die primäre Krankheit im Vorder­gründe des klinischen Interesses.
In Ausnahmefällen kann bei der Brustseuche die Pleuritis vollständig abheilen und eine exsudative Pericarditis als selbständige Krankheit zurückbleiben. Wahr­scheinlich wird auch die durch Embolie des Herzlleisches herbeigeführte Herzbeutel­entzündung in vereinzelten Fällen einen selbständigen Charakter erlangen. Ob daneben noch aus anderen Ursachen eine selbständige Pericarditis bei Pferden entsteht, ist nicht genau bekannt. Möglich, dass bei vorhandener Prädisposition die Erkältung eine ätiologische Rolle spielt. Verwundungen des Herzbeutels bei Pferden durch
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Herzbeutelentzündung. Pericarditis.
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verschluckte scharfe Körper, welche den Schlund perforiren und nach dem Herzen vordringen, gehören zu den grössten Seltenheiten, Henniges hat im Magazin 1848 S. 514 einen solchen Fall beschrieben. Eine tödtliche Verletzung des Herzbeutels und des Herzens durch Rippenfractur beobachtete Rohlwes (Mag. f. Thierarznoik., I, 1799, S. 309)*).
Die Pathogenese der selbständigen exsudativen Pericarditis verhält sich wie bei der diffusen Pleuritis.. Die Charaktere derselben sind ausgesprochen durch fibrinöse, serös-fibrinöse, purulente, hämorrhagische und ichorrhöse Exsuda­tion in den Herzbeutel. In sehr seltenen Fällen führt eine Pericarditis sicca bei Pferden zur partiellen oder zur allgemeinen Verwachsung des Herzbeutels mit dem Herzeh. Etwas häufiger findet sich ein copiöser Erguss von Serum, dem Fibrin in grösserer oder geringerer Menge und in den späteren Krankheitsstadien als Folge einer granulirenden Entzündung auch Eiter beigemischt ist. Dabei verdickt sich der Herzbeutel im parletalen und im visceralen Blatte. Zuweilen entstehen hanfkorn-grosse Knötchen in kleiner oder grösserer Zahl auf der inneren Fläche des Pericar-diums. Das Herz wird durch das flüssige Exsudat, dessen Menge bis zu 10 Liter und darüber anwachsen kann, stark comprimirt und verkleinert. Gurlt (Nachtr. zur path. Anat., S. 120) fand bei einem an „acuter Herzbeutelwassersuchtquot; gestorbenen Pferde gegen 25 Pfund einer gelben, flockigen Flüssigkeit im Herzbeutel.
Die Symptome der exsudativen Pericarditis stimmen im Ganzen mit den Erscheinungen der diffusen Pleuritis überoin. Charakteristisch ist das pericardiale Reibungsgeräusch, was aber nur im Beginn der Er­krankung und auch dann nicht immer auftritt. Peri-pericardiales (extra-pericardiales oder pleuropericardiales) Reiben, welches bei der Mitaffection des Herzbeutels im Anfangsstadium der ßrustseuche-Pleuritis oft vor­kommt, giebt sich bei jeder Systole zu erkennen. 1st der Erguss in den Herzbeutel reichlich, so entsteht kein Reiben. — Der Herzschlag ist un­fühlbar, schwach und auf 60—70 in der Minute beschleunigt; Maxiilar-puls klein und weich. In den höheren Krankheitsgraden Arhythmie des Herzschlags und Venenpuls. Dämpfung bei der Percussion im unteren Brustraum, links umfangreicher, als rechts. Athmungsgeräusch in den unteren Abschnitten der Lungen unterdrückt. Rcsp. 25—50 und dar­über, dyspnoisch. Temp. 39,0—40,5. Oedematöse Schwellung der Unter­haut am Brustbein und an den Gliedmassen. Inappetenz, Röthung der Schleimhäute, Verfall der Körperkräfte und Abmagerung. Die Pferde legen sich nicht.
*) Geschwülste am Herzbeutel sind bei Pferden sehr selten. Krekeler (Berl. Arch., 1886, S. 283) fand bei einem 18 Jahre alten Schimmel, der an allgemeiner Melanosarkomatose litt und an Herzparalyse einging, das visceralo Blatt des Perl-cardiums durch schwarze Geschwülste degenerirt und das llerzlleisoh des linken Ven­trikels atrophisch. — Gurlt (Nachtr. zur path, Anat., S. 123) sah eine Fottgeschwulsl am visceralen Blatte bei der Section eines Pferdes, welches im Leben keine Störung der Uerzfunction gezeigt hatte.
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788nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Der Verlauf erstreckt sich auf 2—5 Wochen. Von sieben Pferden, welche in der hiesigen Klinik an selbständiger Pericarditis mit copiösem Erguss in den Herzbeutel zu Grunde gingen, lebte nur eins bis zum Ab­lauf der 5. Woche. Gegen Ende des letalen Verlaufs steigen die Puls­frequenz und die Dyspnoe; die Thiere sterben durch die zunehmende Compression des Herzens (Herzschwäche) asphyktisch; sie können beim Umherführen oder im Stalle zusammenbrechen und plötzlich verenden.
Die Diagnose ist schwierig und insbesondere lässt sich die Krankheit von der exsudativen Pleuritis oft nicht unterscheiden, wie Roll mit Recht betont hat. In den späteren Stadien kann die mit Vorsicht zwischen der 5. und 6. Rippe vorgenommene Probopunction einen bestimmten Anhalt gewähren. — Die Prognose ist nach meinen Erfahrungen immer ungünstig resp. schlecht. Nur in den geringen Krankheitsgraden, die kaum je mit Sicherheit erkannt werden, mag die vollkommene Rück­bildung der Entzündung durch Resorption des Exsudates erfolgen. Bei reichlichem Ergüsse in den Herzbeutel sind die Pferde der Regel nach dem Tode verfallen. — Die Therapie rechtfertigt die Anwendung der bei der exsudativen Pleuritis indicirten Heilmittel. Scharfe Einreibungen oder Haarseile an der Brustwand. Berieselung des Thorax mit warmem Wasser und nachfolgende Einwickelung. Innerlich: Jodkalium (10,0 bis 20,0 pro die) im Trinkwasser. Oder Fol. Digitalis (4,0 — 8,0 pro die) mit Borax und Natr. sulf. in Latwergenform. Als letztes Mittel kann die Punction des Herzbeutels mit einem Trocart und die Entleerung des flüssigen Exsudates versucht werden. Ob sich durch diese Operation die Heilung erzwingen lässt, bedarf indess noch der näheren Prüfung. Wenn eine partielle Verwachsung des Herzbeutels mit dem Herzen besteht, so wird die Punction stets erfolglos sein.
Capitel XCII.
Ilydropericardium (Wassersucht des Herzbeutels), Haemopericar-
dium (Bluterguss in den Herzbeutel) und Pneumopericardium
(Gas im Herzbeutel).
1) Die Ansammlung eines serösen Transsudates im Herzbeutel (Hydropericardium) ist als Folge der Blutstauung nach dem tödtliohon Ausgange der mannigfaltigsten Krankheiton oft zu constatiren. Die Quantität beträgt gewöhn­lich nur 10 — 50 Gramm, kann sich aber bis auf 500 Gramm und darüber belaufen.
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Arteriosklerose.
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Bei den durch Blutdissolution zum Tode führenden Krankheiten ist das Transsudat wegen des llämoglobingehaltes röthlich gefärbt und trübe. Zuweilen finden sich gallertige Coagula in demselben. Alte und krankhaft abgemagerte (kachektische) Pferde haben gewöhnlich 30 — 60 Gramm klares, an festen Bestandtheilon armes Serum im Herzbeutel. Auch bei der Insuffloienz der Herzklappen kann neben der Wasseransammlung im Bauch- und Brustfell Serum in den Herzbeutel abgeschieden werden. — Soweit erkennbar ist, hat das llydropericardium bei Pferden keinen wesent­lichen Einfluss auf das Symptomenbild und den Verlauf der Priraärkrankheiton.
2)nbsp; nbsp;Die Blutung in den Herzbeutel (Haomoporicardium) kommt bei spontaner Ruptur des Herzens (vergl. S. 783) und bei Zorroissungen der Ooronar-arterien oder der Aorta in dem vom Herzbeutel umschlossenen Theil vor. Die Pferde sterben hierbei meist schon innerhalb einer Stunde, zuweilen apoplektisch, so dass besondere Krankhoitssymptome, die übrigens auf eine acute Herzinsufficienz hindeuten müssen, nicht wahrgenommen werden. Für die Seotionsdiagnose ist zu beachten, dass das Blut nicht so dünnflüssig ist, wie das hämoglobinhaltigo Blutserum.
3)nbsp; nbsp;Die Anhäufung von Gasen im Herzbeutel (Pneumopericardium) mag bei Pferden ausnahmsweise in Folge einer Zersetzung eiteriger pericardilischer Exsudate vorkommen. Mir ist indess ein solcher Krankheitsfall bisher nicht begegnet.
Capitel XCIII. 4rteriosklerosc.
Die Ueberanstrengung der Pferde kann neben mancherlei anderen Schädigungen auch locale, herdweise auftretende Verdickungen der Arterien herbeiführen. Hierbei handelt es sich zunächst um eine Wucherung der Intima; im weiteren Verlaufe ver­dickt sich auch die Media. Bei langer Dauer kommt es zur atheromatösen Regression und zu Verkalkungen in der Arterienwand. Virchow bezeichnet diesen krankhaften Zustand als „Endarteriitis chronica nodosa s. doformansquot;. Der Process entsteht in zerstreuten Herden (multiple Arteriosklerose), die aber in den späteren Stadien zusammenfliessen können. Anfangs charakterisiren sich die Herde bei der Section der Arterion makroskopisch als fingerbreite Blevationen, die das Lumen des Gefässes verkleinern, wobei dio Oberfläche der Intima glatt erscheint. Die athe-romatöse und fettige Degeneration giebt sich durch eine gelbweisse rauhe Oberfläche zu erkennen. Auch bilden sich gewöhnlich ectatische Zustände an den Arterien und die Intima bedeckt sich bei erheblicher Destruction mit thrombotischenNiederschlägen.
Die durch Druckorhöhung und Spannungszunahme Im Aortensystem (Traube) hervorgerufene Arteriosklerose entwickelt sich bei Pferden im Stamme, sowie in der vorderen und hinteren Aorta, wird aber wahrscheinlich auch in den kleineren Arterien vorkommen*). In der Kegel vergehen mehrere Jahre, bevor die atheromatöse Defor-
*) Die durch den Parasitismus des Sclerostomum armatum bei Pferden ver-
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Orgänkrankhei ton.
mation einen grösseren Umfang erlangt. Wie bei Menschen, so ist auch bei Pferden das höhere Lebensalter ein prädisponirendes Moment für ihre Entstehung. Indess ist die voll entwickelte Atherose der Arterien bei Pferden im Ganzen selten. Ich fand dieselbe im Brusttheil der Aorta in einer Ausdehnung von 36 Ctm. bei einer 20jah-rigen Schimmelstute, ferner bei zwei 21 resp. 24 Jahre alten Deckhengsten im Stamme der Aorta. In den lotztgedachten Fällen hatte sich der Process auf die Semilunar-klappo des linken Herzens fortgesetzt (Insufflcienz der Semilunaris und Herzhyper­trophie). — Wiederholt habe ich dagegen bei Pferden im mittleren Alter die multiple Sklerose der Aorta bei glatter Intima constatirt. Die nachtheiligen Folgen beruhen in dem vergrösserten Widerstände gegen die Blutcirculation und in der verminderten Leistung der Arterie. Nach und nach muss deshalb eine Hypertrophie des linken Ventrikels entstehen. Trotzdem erhalten die hinter der kranken Arterie liegenden Organe das Blut nicht in ausreichender Menge zugeführt. Es ist eigenthümlich und aus den Verdickungen der Arterie allein nicht zu erklären, dass der Mangel an Blut in den betreifenden Organen nur vorübergehend und in sehr ungleichen Zwischen­zeiten sich einstellt. Wahrscheinlich wird die Function des Herzens durch die Circu-lationshindernisse alterirt. Das Herz arbeitet momentan nicht, so dass im Gehirn oder in anderen Organen Anämie eintritt.
Die Symptome gestalten sich nach dem Sitze der Arteriosklerose verschieden. Nach eigenen Erfahrungen kenne ich dieselbe nur von der hinteren und von der vorderen Aorta. — Wenn die hintere Aorta mit einer erheblichen deformirenden Endarteriitis behaftet ist, so bekunden die Pferde beim anstrengenden Gebrauche oft, aber nicht constant, die durch Sauerstoffmangel veranlasste Paralyse der Becken-nmskulatur, wie bei der Thrombose der hinteren Aorta und resp. der Beckenarterien. Die Thiere gerathen im Trabe oder beim Ziehen schwerer Lasten plötzlich mit dem Hintertheil in eine schwankende Bewegung und brechen zusammen, wenn sie nicht früh genug angehalten werden. Dyspnoe, starke Pulsfrequenz und Schweissausbruch. Nach einigen Minuten bis zu ' 4 Stunde erfolgt die Erholung. Diese Anfälle treten aber bei dem gleichen Grade der Anstrengung nicht immer ein, worauf Bayer (Oesterr. Vierteljahrsschr., 1883, S. 51) mit Recht aufmerksam gemacht hat. Ich habe Pferde untersucht, bei welchen dieselben zuweilen mehrere Tage hindurch und selbst 1—2 Wochen lang trotz erheblicher Arbeitsleistung ausblieben und dann in einem Tage zu wiederholten Malen sich einstellten. — Für die Feststellung des Zu-standes ist auf die Thrombose der hinteren Aorta und ihrer Aeste Rücksicht zu nehmen. Eine Heilung ist unmöglich. Die betreffenden Pferde sind als unbrauchbar zu betrachten.
Die Arteriosklerose der vorderen Aorta bedingt die Symptome der Herzhyper- #9632; trophie mit Verlangsamung des Pulsts. Arhythmie des Herzschlags, systolisches Aftorgeräusch und Unklarheit des zweiten Herztones. Pulsation der Jugularis. An­fallsweise bekunden die Pferde Schwindel oder epileptiforme Krämpfe. Die Anfälle treten zuweilen im Stalle oder beim Führen schon ein, oft aber nur bei der Anstren­gung. Auch hierbei habe ich beobachtet, dass die Anfälle mehrere Wochen hindurch ausbleiben und mitunter sich an jedem Tage ein oder mehrere Male wiederholen können. Es scheint, dass durch anhaltende Ruhe und gute Pflege die Blutcirculation bei den betroffenden Pferden erleichtert wird und dass sich die Circulationshindernisse
ursachte chronische Endarteriitis, welche in der Pathologie eine besondere Stellung einnimmt, hat S. 513 ff. ihre Erledigung gefunden.
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Arterlosklerose.
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durch den Einfluss der anstrengenden Arbeit vergrössern. Wenn die Patienten durch die Anfälle oft belästigt werden, so bekunden sie eine Benommenheit des Sensoriums. Verletzungen der Haut beim Niederstürzen. Die Diagnose ist nicht leicht. Bei der Looaluntersuohung des Herzens ergeben sich so zieralfeh die gleichen Symptome, welche bei der Stenose und Insufficienz des Ostium aorticum vorkommen. Hinsicht­lich der Verwechselung mit anderen Schwindel- und Krampfanfällen verweise ich auf S. 645 und 647. — Prognose sehr ungünstig. Wegen der oft ganz unerwartet ein­tretenden Anfälle sind die Thiere werthlos.
Casuistik. Brauner Wallach, 10 Jahre alt, Arbeitspferd mittlerer Schwere, 2 Tage vorher von einem „unbekannten Handelsmannquot; für 200 Mark gekauft, wurde in die Klinik zur Untersuchung eingestellt, weil bei demselben Schwindelanfälle beob­achtet waren. An den Augenbogen, Hüften und Schultern Quetschung der Haut und Unterhaut. Apathie. Futteraufnahme gering. Temp. 38,4. Resp. 12. Puls 22, bei einiger Aufregung des Pferdes bis 28, kräftig. Auf 3—7 ziemlich regolmässige Pulse folgt eine Pause von 5—11 Secunden, in welcher sich die Art. maxill. leer anfühlt. Hin und wieder folgen 2—3 Pulse aber schnell aufeinander. Systolischer Ton über­laut, diastolischer Ton unrein, schwach, zeitweise kaum hörbar. Herzstoss sehr stark, an der linken und rechten Thoraxwand, sowie vor der Brust leicht fühlbar. — In der Box bekundet das Pferd Krampfanfälle, wobei es mit gespreizt gestellten Füssen hin und her schwankt und niederstürzt; Verdrehen der Augen, Streckung des Kopfes, krampfhafte Kaubewegungen, Dyspnoe. Das Pferd liegt hiernach erschöpft am Boden, richtet sich aber nach (5—10 Minuten wieder auf und zeigt Appetit. In einem Tage wiederholten sich die Anfälle 6 Mal. — Bei anhaltender Ruhe und guter Pflege des Pferdes wurden die epileptoiden Erscheinungen mit dem 3. Beobachtungstage seltener und weniger stark. Sie stellten sich stets ein, sobald der Herzschlag 9—11 Secunden lang nicht erfolgte. Das Pferd senkte den Kopf, taumelte hin und her, stiess gegen die Stallwände, konnte sich aber meist aufrecht halten. Nach 14 Tagen Hess ich das Pferd an der Longe im Trabe bis zum Sohweissausbruch bewegen, wobei es keine Störung der Hirnfunctionen zeigte. Temp. 37,9; Resp. 10; Puls 23. Die Unter­suchung des Herzschlags ergiebt stets die vorangofiihrten Symptome. Zuweilen systolisohes Nachgeräusch, worauf gewöhnlich der Herzschlag 4 — 5 Secunden ganz ausfällt. Der diastolische Ton markirt sich als ein langgezogenes Geräusch. — Ich beobachtete das Pferd 7 Wochen lang und Hess es darauf tödten. Bei der Autopsie fand sich eine starke Hypertrophie der linken Herzhälfte; rechter Ventrikel wenig vergrössert. Gewicht des Herzens = 5903 Gramm. Die Ostien und Klappenapparate Hessen nichts Abnormes erkennen; insbesondere war die Aortenklappe in allen Theilen intact. Die Wandung der vorderen und dos Brusttheils der hinteren Aorta erschien an 10 daumenbreiten Stellen verdickt und '/^.Mal stärker, als an den zwischen letzteren befindlichen, etwas erweiterten Partien. Intima an den verdickten Stellen matt, aber nicht rauh. Die Lungenarterie war von normaler Weite.
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Organkrankheiten.
Capitel XCIV. Anenrysmen. Pulsadergeschwttlste.
Partielle Erweiterungen des Arterienrohres werden bei Pferden durch das Schmarotzerthum des Sclerostomum armatum, in einzelnen Fällen auch durch die im vorigen Capitel hesprocheno chronische Endarteriitis verursacht. Neben dem S. 514 gewürdigten Aneurysma verminosum fordert das klinische Interesse nur noch eine kurze Betrachtung der an der Aorta und an der Lungenarterie vorkommenden Ancurysmen. Im Ganzen sind nachtheilige Folgen derselben bei Pferden nicht häufig. Nach ihrer Form werden unterschieden: „gleichmässigequot; (cylindrische und spindelförmige) und „ungleichmässigequot; (sackförmige) Aneurysmen.
Zu den Aortenaneurysmen gehört die bei Pferden nicht seltene Ectasie eines Sinus Valsalvae am Aorten Ursprünge, durch welche eine Ruptur mit tödtlicher Ver­blutung veranlasst werden kann. Im Uebrigen wird die Erweiterung am meisten im Bauchtheil der Aorta gefunden. Auch dies Aneurysma kann zur Ruptur der Arterie und zur Verblutung führen (vergl. S. 521).
Durch bestimmte Symptome geben sich die Aneurysmen bei Pferden nicht zu erkennen. Lustig (Deutsche Zeitschr. f. Thiermed., 1876, S. 383) hat als Folgen eines grossen Aneurysma der hinteren Aorta in einem Krankheitsfalle erhöhte Puls­frequenz, schwankende Bewegung mit dem Hintertheil, Niederstürzen und epilepti-forme Krämpfe nach der Bewegung des Pferdes hervorgehoben. — Eine aneurysma-tische Erweiterung der Lungenarterie in der Gegend des Ductus Botalli fand Lustig (ibid. 1(578, S. 17) in Verbindung mit Hypertrophie des ganzen Herzmuskels und Dilatation des rechten Ventrikels bei einer 12 Jahre alten Stute, welche intra vltara ähnliche Symptome zeigte, wie sie in dem S. 791 skizzirten Krankheitsfall von mir beobachtet wurden.
Capitel XCV. Thrombose und Obliteration der hinteren Aorta und ihrer Aeste.
Die äusserst seltene vollständige Verwachsung der hinteren Aorta constatirte Pirl (Berl. Arch., 1885, S. 4G8) bei einem 15 Jahre alten kleinen Pferde, welches nach einem Marsche von 10 Km. sulTocatorisch verendete. DasHerz war hypertrophisch, die Aorta bis 20 Ctm. von ihrem Ursprünge erweitert. Dieselbe verengte sich von da an und lief in einen fingerdicken soliden Strang aus. Hinter dem letzteren erweiterte sich die Aorta wieder in der Form von 2 Aneurysmen mit verkalkten Wänden und thrombotischen Niederschlägen. Vor der Vorwachsungsstolle entsprangen aus der
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Thrombose und Obliteration der hinteren Aorta und ihrer Aeste.
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Aorta mehrere Gefässe, welche sich bis zur Dicke eines Fingers erweitert hatten und parallel neben der Aorta nach hinten verliefen. Durch die Collateralbahnen war den Bauch- und Brustorganen eine genügende Menge Blut zugeführt worden.
Für die partielle Verlegung der hinteren Aorta an ihrer Theilungsstelle, den Becken- und Darmbeinarterien (an den Vordergliedmassen der Achselarterie) durch wandständige Thromben sind die speciellen Ursachen bis jetzt nicht nachgewiesen worden. Es ist wahrscheinlich, dass die Erkrankung der Intima, welche derThromben-bildung nothwendig vorhergehen muss, oft mit dem Schmarotzerthum desSclerostomum armatum in Verbindung steht. Vielleicht mag in einzelnen Fällen die Ursache auch in Zerrungen des Gefässes beruhen. — Wenn durch die Thrombose nur ein Theil des Lumens verlegt ist, so kann sich das Gefäss etwas erweitern, so dass die Circulation lange Zeit hindurch eine erhebliche Beschränkung nicht erleidet. Mitunter ist aber die Verstopfung des Gefässes so bedeutend, dass nur noch die beim ruhigen Stehen oder beim Führen im Schritt für die Muskeln erforderliche Blutmenge hindurch ge­trieben werden kann, dass aber für anstrengende Muskelleistungen die Blutzufuhr ungenügend bleibt. Dann bekunden die Pferde im Dienstgebrauche eine Schwäche und Lähmung der Muskeln auf einer oder gleichzeitig auf beiden Hintergliodmassen resp. auf einer Vordergliedmasse. Nach 5—15 Minuten Ruhe sind die Muskeln mo­mentan wieder im Besitz ihrer Leistungsfähigkeit.
Die specielle Symptomatologie dieser Lahmheiten gehört zur Veterinär-Chirurgie. Doch will ich darauf aufmerksam machen, dass die Circulationsbehinderung in den durch Thrombose theilweise verlegten Gefässen zuweilen bei einem Pferde nicht zu allen Zeiten gleich gross ist. Bei der Erkrankung der hinteren Aorta oder ihrer Aeste vollführen die Thiere meist 5—20 Minuten die anstrengende Trabbewegung im Wagen oder unter dem Reiter leicht. Dann bewegen sie sich mit gesenkter Kopfhaltung und starker Belastung der Vordergliedmassen. Knickende oder schleppende Haltung einer resp. beider Hintergliedmassen. Dyspnoe mit starker Pulsfrequenz, Schweissausbruch und Ermüdung. Die Pferde brechen entweder zusammen und legen sich erschöpft auf die Seite oder sie erhalten sich stehend, heben dann aber abwechselnd die Hinterfüsso in die Höhe, wahrscheinlich weil sie in denselben das Gefühl des Ein­schlafens (Kriobeln) empfinden. Starke Anspannung der Bauchdocken. Zur voll­ständigen Erholung ist eine Ruhe von 5—20 Minuten erforderlich.
Die IHagnwsc lässt sich in der Regel nach dem Verhalten der Pferde in an­strengendem Dienstgebrauch und durch die Looaluntersuchung per Rectum sicher stellen. Indess kann ein Aneurysma der hinteren Aorta dieselben Symptome ver­ursachen, wie die Parietalthrombose der Aorta an ihrer Theilungsstelle. — Prognose meist ungünstig, in einzelnen Fällen, in welchen Embolie der Schenkelarterien ent­steht (vergl. S. 477) schlecht. Oft können die Pferde aber zu massigen Anstrengungen mehrere Jahre hindurch nutzbar sein. Zuweilen erweitert sich das thrombotisch verengte Lumen nach und nach, so dass die Thiere zu stärkeren Arbeiten im Verlaufe von 4—10 Monaten wieder fähig sind. — Für die Bchanillung kann nur das von Colin (1882) und Bayer (1883) angerathene, per Rectum auszuführende Kneten des thrombosirten Gefässes als rationell bezeichnet werden. Freilich lässt sich diese Massagecur in praxi schwer durchführen. Im Uobrigen sind alle Curversuche bisher erfolglos gewesen.
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Organkrankheiten.
Capitel XCVI. Spontane Ruptur der Arterien und Venen.
Die Zerroissung der Aorta und der Lungenarterie ist mehrfach als Ursache einer schnell erfolgenden Verblutung bei Pferden constatirt worden. Durch Erweiterung und Atrophie der Gefässwände, aber auch bei normaler Beschaffenheit derselben kann in Folge des momentan erhöhten Blutdruckes, besonders bei Erschütterungen des Kör­pers die Zorreissung erfolgen. Die Wandungen der Lungenarterie und der Aorta sind an ihrem Ursprünge in der Nähe des Herzens dünner, als im weiteren Verlaufe. Nach Pranclt (Anat., 2. Aufl., 1883, S. 813) hat die Aorta am.Faserringe der Semilunar-klappe stellenweise nur eine Dicke von l Mm., während die Stärke der Wand in ihrem weiteren Verlaufe 5—7 Mm. beträgt. Aehnlich liegen die Verhältnisse am Ursprünge der Pulmonalartorie. Hinter den 3 Segeln der Aortenklappe finden sich dünne, aus­gebuchtete Stollen in der Aorta (Sinus Valsalvae). In diesen Zuständen liegen begünstigende Momente für das Zustandekommen von Aneurysmen und Rupturen am Ursprünge der Aorta, wie der Lungenarterie.
Prietscli (Dresd. Ber., 1882, S. 85) fand bei der Section eines Pferdes, wel­ches vor einem Rollwagen heftig anziehen musste, hierbei zu Boden stürzte und suffo-catorisch verendete, einen Querriss von 2,5 Ctm. in der Lungenarterie an ihrem Ur­sprünge aus dem Herzen. Herzbeutel strotzend mit geronnenem Blute gefüllt. — Auch Hering hat einen Fall von Ruptur der Lungenarterie beobachtet (Report. 1848). — Von der Zerreissung der Aorta an ihrem Ursprünge und resp. innerhalb des Herz­beutels hat Lustig (Adam's Wochenschr., 1877, S. 241) eine Beobachtung mit-getheilt. Der 2jährige Hengst (Rennpferd) war im Beginn des Rennens zusammen­gebrochen und verendet. Bei dor Section fand sich im Herzbeutel etwa 3 4 Stalleimer voll zum Theil geronnenes Blut. „Der Stamm der Aorta war 2,5 Ctm. von seinem Urspninge entfernt bis auf eine Brücke von 2,1 Ctm. vollständig durchgerissenquot;. In den Lungen ganz frische hämorrhagische Infarcte. — Auch ich habe mehrere Fälle von spontaner Ruptur der Aorta constatirt. Ein 7jähriger Wallach dänischer Abkunft war zur Untersuchung wegen Athembeschwerde in die Klinik gebracht. Als derselbe nach 3 Tagen, in welchen keine Störung der Gesundheit bemerkt werden konnte, an der Longirleine im Trabe angestrengt wurde, stürzte er zusammen und starb inner­halb 3 Minuten durch Suffocation. Die Section im pathologischen Institut (Sticker) ergab einen frischen Riss am Ursprünge der Aorta in einem aneurysmatisch erweiterten Sinus Valsalvae. Herzbeutel strotzend von Blut angefüllt.
Die durch Verblutung stets zum Tode führende Ruptur der Aneurysmen in der hinteren Aorta und ihren visceralen Aesten wurde bereits S. 520 berücksichtigt.
Verblutungen der Pferde durch spontane Ruptur der vorderen oder hinteren Hohl-vone kommen, soweit die Erfahrung ergiebt, nur selten vor. #9632;
Die in Vorstehendem erwähnten Rupturen haben nur ein veterinär-gerichtliches Interesse, weil sie stets und innerhalb weniger Stunden, oft schon in einigen Minuten den Verblutungstod bedingen.
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Katarrh der Maulsohleimhaut.
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D. Krankheiten der Digestionsorgane.
Capitel XCVII.
Katarrh der fflanlschleimhant. Stomatitis simplex. St. erythematosa.
Weniger oft, als die Conjunctiva, wird die Maulsohleimhaut bei den allgemeinen fieberhaften Leiden und bei den diffusen Erkrankungen des Castro - Intestinaltractus mitafficirt. Eine leichte Reizung derselben entsteht bei tagelanger Unterdrückung oder Verminderung der Secretion in den Kopfspeicheldrüsen. Schwerer und von dunkler Röthung der Schleimhaut am Zahnfleisch und an den Seitenflächen der Zunge be­gleitet, markirt sich die Stomatitis, welche die secundäre diffuse Castro-Enteritis (colliquativer Durchfall) und zuweilen auch die Pferdestaupe mit sich bringt. In solchen Fällen bildet sich mitunter ein dicker Epithelbelag auf dem Rücken der Zunge. Es kann ferner ein entzündlicher Process von den Kopfknochen sich auf die Maul­sohleimhaut fortsetzen. — Sieht man indess von den symptomatischen Formen der erythematösen Stomatitis ab, so kann die Veranlassung der letzteren in traumatischen, chemischen oder thermischen Einflüssen ihren Crund haben. Die eigentlichen Ver­wundungen durch scharfe resp. metallische Körper, die Risswunden in der Zunge und die von den Backzähnen ausgehenden Verletzungen fallen in das Gebiet der chirurgischen Pathologie. — Chemische Reize treffen die Maulschleimhaut bei der fahrlässigen Anwendung concentrirter scharfer Solutionen (Brechweinstein, Säuren, Spiritus, Aether, Kreosot etc.). — Auf thermischem Wege wird zuweilen bei Pferden durch die unzweckmässige Application warmer Dunstbäder resp. durch Verbrühen eine Stomatitis in der unteren Partie der Maulhöhle hervorgebracht. Am meisten kommt aber in den Herbst- und Wintermonaten durch die unmittelbare Einwirkung der kalten atmosphärischen Luft eine diOfuse oberflächliche Reizung der Maulschleim­haut an den Backen, am Caumen, an der Zunge und am Gaumensegel zur Ausbildung.
Symptome. Höhere Röthung und Trockenheit der Maulschleimhaut. Leichter Belag der Zunge mit eingetrocknetem zähem Speichel. Bei pro-trahirtera Verlaufe gesteigerte Absonderung des Mundspeichels, der in langen Fäden abfliesst oder beim Dienstgebräuche der Pferde zu Schaum gekaut wird. Ist die Stomatitis durch scharfe Flüssigkeiten hervor­gebracht, so stösst sich das Epithel der Zunge und der Backen in kleinen und grösseren Fetzen ab. Schleimhaut geschwollen und kirschroth ge­färbt. — Verringerung des Appetits und dementsprechend Unlust des Temperamentes. — Der Verlauf umfasst in der Regel 5—8 Tage, kann sich aber auf 2—3 Wochen ausdehnen.
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Organkrankheiten.
Die Diagnose ist zunächst auf das Ergebniss der Localuntersuchung zu stützen. Daneben hat die Eruirung der ätiologischen Momente ein unmittelbares Interesse, wobei zu erwägen ist, ob die entzündliche Affec-lion mit einem Allgemoinleiden in Verbindung steht, oder nicht. Die Prognose ist im Ganzen günstig. Doch erholen sich die wogen hohen Alters oder wegen unvollständigen Körperbaues mit einem mangelhaften Appetit behafteten Pferde langsamer, als die guten Fresser. Zur Bc-liiuulliing ist die locale Application von Mitteln dienlich, welche die Reizung der Schleimhaut herabsetzen. Häufige Verabreichung von klarem Trinkwasser oder Kleienwasser. Ausspülen des Mauls mit einer 1,0 bis 3,0proo. Lösung von Kai. chloricum oder mit einer 0,5proc. Lösung von Kai. carb. Auch Tannin im Trinkwasser (4,0—5,0 auf 10 Liter). Ferner Natr. sulfur. 300,0 rait Had. Liquir. 100,0 pro die in Latwergenform; wovon zweistündlich ein Spatel voll auf die Zunge gestrichen wird.
Capitel XCVIII. Stomatitis vcsicnlaris. Uläschcncxantiieiii der Maiilsclileiinhaiit.
In der nouoren thiorarxtlichon Literatur ist mehrfach behauptet worden, dass die Pferde von der Maul- und Klauenseuche des Rindes angestockt und von dieser Krank­heit in dor Form der Maulseucho befallen wurden. Ich habe schon S. 391 hervor-gohobon, dass diese Annahme nicht zutrifft. Dass die Stomatitis pustulosa contagiosa dos Pferdes als eine spoeifische Krankheit anzusehen und von der Maul­seucho dos Kindes zu trennen ist, wurde S. 385ff. eingehend geschildert. Die von Bolm (G erhardt's llandh. der Kindorkrankh., 18G6) in die Wissenschaft eingeführte und seitdem allseitig aeeeptirto Definition der „Aphthonquot; passt auf die Knötchen bei dor Stomatitis pustulosa, weshalb ich den Namen des Morbus aphthosus in syno­nymer Bedeutung dorsolben beifügte. B ohn vorgleicht die Aphthen der Mundschleim­haut bei Menschen mit den pustulösen Hantau3S0h?%gen und charakterisirt diosolbon als „Impetigoquot;, weil sich unter dorn Epithel ein fibrinöses Exsudat befinde. — Nach der älteren Anschauung doutote man die Aphthen als durch seröse Exsudation be­dingte (blasige) Erhebungen der Kpithelsciiicht. Nun handelt es sich bei dem in der Uoborschrifl gedachten acuton Exanthlaquo;m nur um die Bildung von flachen Bläschen in der Maulschleimhaut, für welche der Terminus dor „Stomatitis aphthosaquot; nach dem angedeuteten neueren Standpunkte der Pathologie nicht mehr geeignet sein dürfte. Aus diesem Gründe betrachte ich die Affection unter dem Namon dor „Sto­matitis vesicularisquot;.
Aetiologic und Patliogoncsc. Dio Krankheit charakterisirt sich als ein acutes,
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Stomatitis vesicularis.
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typisch verlaufendes und anstecltendes Exanthem, für dessen Entwickelung nur die Maulschleimhaut im unteren Abschnitte und resp. bis zum Frenulum vulnerabol ist. Ueber das organische Substrat des Ansteckungsstoffes ist bis jetzt Nichts bekannt. Ich sah die Affection mehrfach bei Pferden, die isolirt gehalten wurden und resp. mit fremden Pferden nicht in Berührung kamen. Es Hess sich auch nach meinen Er­hebungen der Verdacht nicht begründen, dass eine Uebortragung dos Exauthems von anderen Thieren stattgefunden hatte. Neuerdings war mir zufallig eine Gelegenheit gegeben, im Hauptgestüt Trakehnen die Krankheit in allen Stadion zu vorfolgen. In der aus 100 Haupt bestehenden Abtheilung dreijähriger Hengste auf dem Vorwerk Mattischkehmen war im December 1886 die vesiculäre Stomatitis zum Ausbruch ge­kommen. Sie herrschte in dem Bestände bis Ende Januar und befiel nach und nach über 50 Pferde. Die Hengste dieser Abtheilung kommen in der Winterzoil mit keinen anderen Pferden in Berührung. Auch ist das Exanthem in anderen Pferdobostiiiulen dos Trakehner Hauptgestüts zu joner Zeit nicht vorgekommen. — Hiernach dürfte die Affection als eine miasmatisch-contagiöse anzusehen sein. Es ist der Zukunft vor­behalten, zu ermitteln, welche Eigenschaften der Ansteckungsstolf besitzt und wie derselbe ausserhalb dor kranken Pferde vegetirt und sich gelogentlich auf empfäng­liche Pferde überträgt. — S. 391 habe ich schon bemerkt, dass trotz vielfacher Uober-einstimmung beider Krankheiten bis jetzt kein ausreichender Grund vorliegt, dies Exanthem des Pferdes mit dor Maulsouohe des Rindes zu identiüciren.
Die Ansteckung kommt dadurch zu Stande, dass das gesunde Pferd von dem Mundspeichel dos kranken Etwas mit den Lippen aufnimmt. Flüchtig ist der In-fectionsstoff nicht. Aber durch Zwischenträger kann die Uobormittolimg dossolbon geschehen. Von der Infection bis zur Ausbildung der Bläschen vergehen 3—4 Tage. Zuweilen entstehen nur einige Bläschen, oft aber 20—30 und darüber, von welchen einzelne, besonders am Frenulum so dicht nebeneinador liegen, dass sie confluiren.
Symptome und Verlauf. An der hinteren Fläche der Lippen, am Körper des Ober- und Unterkiefers, am Zungenbändchen, an den Lippenwinkeln und auf den Laden kann die Ausbildung der Bläschen vorkommen. Letztere haben eine flache Form und den Umfang einer Erbse bis einer grossen Bohne. Sie enthalten eine helle, seröse Flüssigkeit. An den Lippenwinkeln zerplatzen die Bläschen leicht, so dass Erosionen ent­stehen. Nach 3 — 4 Tagen stösst sich die Epitheldecke der Bläschen ab und die wunde, mit frischem Epithel bedeckte Stelle erscheint noch 4—6 Tage lang entzündlich geröthet. Tiefer greifende Veränderungen in der Maulschleimhaut habe-ich nie beobachtet. Aber die vollständige Abheilung erfordert doch eine Zeit von rund 14 Tagen. — In grösscren Pferdebeständen erfolgt die Ansteckung nicht auf einmal bei allen em­pfänglichen Pferden. Die Uebcrtragung findet nach und nach statt, so dass der Ausschlag erst nach 1 — 2 Monaten zum Aufhören kommt. Ein Theil der Pferde bleibt von demselben ganz verschont. • Diagnose. Die Verwechselung mit der pustulösen, ansteckenden Sto­matitis, bei welcher sich Knötchen bilden (vergl. S. 388), ist durch die Beachtung der Bläschenform des Exanthems zu umgehen. Jode andere
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798nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Form der Maulentzündung kann die Unterscheidung kaum erschweren. — Prognose stets günstig. Eine medicamontöse Behamllnng ist nicht erforder­lich. Es genügt, den Thieren Gelegenheit zur Benetzung der Maul-schloimhaut mit klarem Trinkwasser zu geben. Sonst ist die täglich 1—2 Mal zu wiederholende Application einer Solutio Sublimati (Hydr. bichlor. 1,0; Natrii chlorati 0,5; Aq. 600,0) oder einer 2proc. Solutio Kalii chlorici angezeigt. — Zur Prophylaxis genügl die einfache Reinigung des Stalles, die nach dem Aufhören der Krankheit vorzunehmen ist.
Capitel XCIX. Stomatitis erysipelatosa.
Nach dem Genüsse von „befallenemquot; Klee ist mehrfach bei Pferden die Ent-wickolung einer acuton Maulentzündung beobachtet worden, welche sich durch diffuse Röthung, Hitze und Schmerzempfmdung in der Schleimhaut und starken Speichelfluss charakterisirte. Im Dresdener Bericht pro 1877 S. 101 sind die Angaben der Bezirks-thierärzte Bräuer, Sohleg, Weber und Möbius veröffentlicht. Ein bis zwei Tage nach der Aufnahme des mit Pilzen verunreinigten Klees entstand eine diffuse schmerz­hafte Stomatitis. Weber constatirte die Krankheit auch bei Pferden, die Heu von natürlichem Geruch, aber etwas blasser Färbung, welches mit Raupenhaaren und Pilz­fäden verunreinigt war, verzehrt hatten. Nach einem Berichte Hünerbein's (Preuss. Mitth., Berl. 1877, S. 137) bekundete ein Pferd in Folge der Verabreichung von schimm­ligem Kleeheu krankhafte Kaubewegungen; vermehrte Speichelabsonderung; höhere Temperatur, Schwellung und Röthung der Maulschleimhaut. — Wie Lüthens (Magaz., 16. Bd , 1850, S. 252) experimentell festgestellt hat, erzeugt die Aufnahme des mit den Härchen der Processionsraupe verunreinigten Futters bei Pferden eine diffuse Maulentzündung. — Stoehr (Preuss. Mittheil., Berl. 1869, S. 109) sah eine Stomatitis nach der Fütterung von „geil gewachsenem, wässerigem Grünfutterquot; ent­stehen. Von 14 Pferden eines Gutes erkrankten 13, bei welchen neben der Maul-Schleimhaut auch die Haut am Nasenrücken und an den weissen Fussenden mit einer diffusen, schmerzhaften Entzündung behaftet wurde. — Aehnliche Erscheinungen beobachtete Hackbarth (ibid., S. 111) „bei Pferden, welche auf mit Rost befallenem Kleequot; geweidet waren. Von Hackbarth (ibid., 19. Jahrg., 1872, S. 122) wurde später die Krankheit auch bei Pferden constatirt, „die in blühendem schwedischem Klee geweidet oder mit demselben im Stalle gefüttert warenquot;.
Aus dieser Zusammenstellung erhellt, dass die diffuse oberflächliche Stomatitis durch verschiedene Ursachen herbeigeführt wird. Die Beobachtungen von Hackbarth und Stöhr ergeben, dass das Futter eine phlogogene Substanz enthalten kann, welche die äussere Haut, namentlich an den weissen Partien, und die Darmschleimhaut in gleicher Art, wie die Maulschleimhaut entzündlich afficirt.
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Spelchelfluss. Salivation. Ptyalismus,
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Symptome und Verlauf. Ein bis drei Tage nach Aufnahmo des ver­dorbenen Futters finden sich: Diffuse Rothung, Schwellung und Schmerz-erapflndung in der Maulschleimhaut; vermehrte Salivation und Inappctonz; in einzelnen Fällen Abstossung des Epithels in kloinen oder grössoren Fetzen (Erosionen); entzündliche Schwellung der Lippen (Choilitis phlegmonosa) und Oedem der Zunge am Frenulum. — Die Erschei­nungen bleiben 5—8 Tage bestehen und bilden sich dann allmälig zu­rück, so dass der Gesamratverlauf sich auf 14—16 Tage ausdehnt. Wird die Fütterung bald geändert, so kann der Vorlauf sich um einige Tage verkürzen. — Die Diagnose gestaltet sich bei vollständiger Erhobung der ätiologischen Momente leicht. Die Prognose ist im Ganzen günstig. Aber einzelne Pferde kommen im Nährzustande bedeutend zurück. Auch sind manche Besitzer nicht in der Lage, sofort für die Beschaffung von gutem Futter zu sorgen. Die Behanillung erfordert die Anwendung der S.. 79ß angegebenen Mittel. Als Hausmittel kann eine Mischung von 1 Theil Essig und 10 Theilen Wasser zum Befeuchten des Mauls benutzt werden. Häufige Darreichung von frischem Trinkwasser. Zur Ernährung ist vorab Weizenkleie in Wasser zu geben; demnächst reiner Hafer und gesundes Rauffutter. Von der Verabreichung des verdorbenen Futters ist voll­ständig abzusehen.
Capitel C. Speichelfluss. Salivation. Ptyalismus.
Die krankhaft gesteigerte Absonderung des Secretes der Kopfspcicholdnison kommt als Symptom bei der Pharyngitis und Stomatitis häufig vor. Von der schmerz­haften Empfindung des Reizes in der Maulschleimhaut wird die Hypersecretion rolloc-torisch unterhalten. Ferner kann der Genuss reizender FutterstolTo odor Gewürze, die keine Stomatitis herbeiführen, die Speichelsecretion steigern. — Auf toxischem Woge entsteht eine krankhafte Salivation nach der Anwendung von Pilocarpin und übergrossen Dosen von Quecksilberpräparaton. — Nun giebt es aber einzelne Fälle von chronischem Speichelfluss, in welchen eine Veranlassung nicht nachgewiesen werden kann. Bei älteren Pferden habe ich die Krankheit mehrfach behandelt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass hierbei eine nervöse Störung im Gehirn oder in der Medulla besteht, von welcher die vermehrte Absonderung des Speichels erregt wird.
Symptonie. Anhaltender Abfluss einer abnorm grossen Quantität dos Speichels aus dem Maule in langen Fäden. Zeitweise vermischt sich der Speichel durch die Kaubewegungen mit Luft zu Schaum. Mangelhafter Appetit. Unlust des Tempera-
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Organkrankheiten.
mentes, vielleicht inFolge von schmerzhaften Empfindungen in der Region der Speichel­drüsen. Einer wochenlangen Krankheitsdauer folgt stets allgemeine Abmagerung. — Bei dor IHagnosc ist zunächst zu berücksichtigen, dass der Ptyalismus eine krankhaft vermehrte Secretion des Speichels bedeutet. Das blosse Abfliessen des Speichels aus dem Maul findet sich bei Lähmungszuständon in den Zweigen des N. facialis und bei den mannigfachsten entzündlichen Affectionen der Maul- und Rachenschleimhaut. — Die l'rognusc ist ungünstig. Die Salivation pllegt mehrere Wochen oder Monate an­zuhalten und in einzelnen Fällen kommen die alten Pferde im Nährzustande so be­deutend zurück, dass sie werthlos werden. — Die Bchaniüung ist im Erfolge nicht sicher. Momentan kann der Ptyalismus mit Atropin (0,05—0,10 in wässeriger Lösung subeutan) aufgehoben werden. Da aber nach 10—20 Stunden die vermehrte Speichel-soeretion wieder eintritt, so ist die Benutzung dieses Mittels nicht empfehlonswerth. ich behandelte einen Fall mit Erfolg durch die mehrere Wochen hinduroh fortgesetzte Verabreichung von Acidum arsenioosum (0,5—0,8 pro die mit Stib. sulfur, nigrum dem Futter beigemischt). Auch Jodkalium (10,0—15,0 pro die im Trinkwasser) eignet sich zu einem Curvorsuche.
Capitel CI.
Katarrhalisclie Entzündung der Rachenschleimhaut. Pharyngitis acuta. Kjiclicnbräune. Angina pharyngea. Pharyngo-Laryngitis.
Actiologie und Pathogeuesc. In der Rachenhöhle (Cavum pharyngis) kreuzen sich der Respirations- und Digestionscanal. Schon aus diesem Grunde erlangen die entzündlichen Processe der Rachenschleimhaut eine relativ grosse Gefahr. Es kommt hinzu, dass die Schleimhaut im Bereiche des Pharynx für die verschiedensten Ent­zündungsreize in hohem Grade vulnerabel ist. — Seit mehr, als 100 Jahren wird die Pharyngitis neben der acuten Laryngitis als die wichtigste Art der „Bräunequot; (An­gina) beurtheilt (vergl. S. G82). Wie an den betreffenden Stellen berücksichtigt ist, entsteht dieselbe als Symptom oder Complication bei vielen Krankheiten, besonders häufig bei der Druse, der Blutfleokenkrankheit, der Scalma, dem acuten Rotz, dem Lungenbrand und dem Starrkrampf. Li einzelnen Fällen kommt auch bei Pferden die Verwundung des Schlundkopfes durch spitze Körper vor. Berücksichtigt man hier­neben noch die selbständige Pharyngitis, so ist die Thatsache nicht auffällig, dass die entzündlichen Processe von mannigfacher Tendenz sein können (hyperplastische, phlegmonöse, eiterige, hämorrhagische, ulceröse und diphtherische Pharyngitis). Indess würde es unthunlich sein, hiernach die Krankheitsgruppe der Angina resp. der Rachenbräune eintheilen zu wollen. Denn die Angina ist ein kli­nischer, nicht aber ein pathologisch-anatomischer Bogriff.
Für die Entwickelung der selbständigen Pharyngitis liegt die Veranlassung am häufigsten in einer Erkältung, selten in der reizenden Wirkung chemischer Substanzen (Brechweinstein oder Crotonöl beim Eingeben) und zuweilen in einer speeifischen Infection. Dass sich schon hiernach der Krankheitsverlauf zum Theil bestimmt, bedarf
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Katarrhalische Entzündung dor Rachonschleimhaut.
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keiner besonderen Erläuterung. Von der Entzündung- kann die Rachenschleimhaut in ihrem ganzen Umfange, sowohl im Nasenrachen, wie im Kehlkopfsrachen betroffen werden. Vorzugsweise etablirt sich dor Process aber in den an submucösom Binde­gewebe reichen, lockeren Partien. Er kann in der Schleimhaut des Schlundkopfs direct einsetzen und auf dieselbe beschränkt bleiben oder sich einerseits auf die Nasen-, andererseits auf die Kehlkopfschleimhaut fortsetzen. Nicht minder häufig verbreitet sich die Entzündung von der zuerst afficirten Schleimhaut der Nase (vorgl. S. 350 und S. 680), des Mauls (S. 795) oder des Kehlkopfs (S. G82) auf die Rachenschleim­haut. — Die Erkältung trifft den Sohlundkopf dadurch, dass die empfänglichen Pferde kalte Luft einathmen (dirocte Refrigeration). Daher wird die Krankheit beim Herr­schen rauher Ostwinde oder bei nasskalter Witterung am meisten beobachtet. Die Wirkung mittelbarer Erkältungseinflüsse (allgemeine Erkältung) ist oft bei der Ent­stehung der Laryngo-Pharyngitis zu beschuldigen. — Für die spocifischo Infection als Ursache der Pharyngitis liefert die Scahna, wie ich im letztverflossenon'.Taliru mehrfach beobachtete, manche Beispiele. Ob neben derselben noch andere infectiöse Agentien eine primäre Pharyngitis bei Pferden herbeiführen, lässt sich mit Sicherheit nicht darthun.
In den leichten Krankhoitsgraden bringt die entzündliche Affection eine Schwel­lung und Rötluing der Rachcnschlcimhaut mit sich. Dazu gesellt sich oft die ge­steigerte Absonderung von Schleim und einer geringen Menge von Eiter (oberfläch­licher oder einfacher Rachenkatarrh, Pharyngitis simplex). Bei schwerer Erkrankung erlangt das Entzündungsproduct einen eiterigen Charakter. Dann ent­steht in der Regel auch eine entzündliche Schwellung der Submucosa, namentlich am Gaumensegel und an der unteren (ventralen) Wand des Rachens resp. am oberen Ende der Zunge. In den Buchten und Vertiefungen der Schleimhaut bleibt das eiterige Secret oino Zeil lang liegen, wodurch sich die Reizung steigert. Von den lymphati­schen Apparaten wird oitoi iges Ferment aufgenommen und es können in Folge dessen einerseits kleinere oder grössore Abscesse in der Submucosa, andererseits abscodirendo Kntzündungon in den retropharyngealen Lymphdrüsen zur Ausbildung kommen (vorgl. S. 364). — Durch die Schwellung und schmerzhafte Empfindung in der Rachon-schleimhaut, namentlich in den Pfeilern des Gaumensegels wird das Schlucken in mehr oder minder hohem Grade, selbst bis zur vollständigen Umnöglichkoit lt; rschwort (vergl. S. 90).
Symptome. Das Krankheitsbild der einfachen Pharyngitis ist im Stadium initiale oft nicht auffallend. Meist halten die Thierc den Kopf hoch; sie bekunden wogen der Schmerzen im Sohlundkopf wenig Auf­merksamkeit und Mangel an Appetit. Pulsfrequenz normal oder wenig vermehrt. Respiration normal. Fiebertemperatur fehlt oft; zuweilen ist aber die Blutwärme erhöht. Die Patienten scheuen sich, Futter und Trinkwasser vom Pussboden aufzunehmen. Wird ihnen Wasser im Eimer vorgehallen, so trinken sie kleine Quantitäten, von welchen ein Theil aus der Nase wieder abfliesst. — 1st die Pharyngitis erheblich, so bekundet sich die Dysphagie bei den Schluckversuchen durch die abnorme Haltung der Ohrdrüsenregion, sowie durch Entleerung von schaumigem Speichel, Schleim und Futter oder Getränk aus der Nase, auch durch Salivation
Diecker hof f, Spec. Fatliolo|;ie u. Thoriipie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^J
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802nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
aus dem Maul. Ausserdera besteht Fieber mit Pulsfrequenz und katar­rhalische Affection der Kopfschleimhäute. — Bei der Pharyngo-Laryngitis finden sich daneben noch eine gestreckte Haltung des Kopfes, schmerz­hafte Empfindungen beim Druck am Kehlkopf, Hustenreiz, Dyspnoe und laryngeales Stenosengeräuscli bei der Inspiration. — Der Verlauf ist sehr ungleich. Oft erhält sich die Pharyngitis 3—5 Tage auf einem niederen Grade, worauf die Thiere genesen. Gewöhnlich steigert sich aber nach und nach die Schluckbeschwerde und die Entzündung verbreitet sich auf den Kehlkopf. Es kommen auch Fälle vor, in welchen die Pharyngitis sich am 5. — 6. Tage verringert und demnächst wieder einen höheren Grad erlangt. Bei günstigem Verlaufe mindern sich gewöhnlich die Sym­ptome am 6. — 8. Tage allmälig, so dass mit dem 14.—16. Tage die Genesung vollendet ist. Die schweren Fälle verschleppen sich oft auf 1—2 Monate, wobei die Thiere wenig Futter verzehren, stark abmagern, Schmerzen bei der Bewegung des Unterkiefers und Schluckbeschwcrde bekunden. Die Mitaffection der Nasenschleimhaut führt mitunter zur Entwickelung eines Kehlgangsabscesses. In seltenen Fällen bleibt eine chronische Dysphagie (Schlundkopflähmung) bestehen. Oft com-plicirt sich die Krankheit mit einer Schluckpneumonie (vergl. S. 746), welche gewöhnlich durch den üebergang in Lungenbrand zum Tode führt. Oder es entsteht ein retropharyngealer Abscess, wegen dessen ich auf das folgende Capitel verweise.
Diagnose. Die vollständig entwickelten Krankheitsfälle sind stets mit einer so augenfälligen Dysphagie verbunden, dass die Erkennung leicht ist. Es kann sich hierbei nur darum handeln, die Krankheiten, bei wel­chen sich als Symptom oder als Complication eine Pharyngitis ausbildet, zu berücksichtigen. In den geringen Graden und im Beginn der Er­krankung ist die Verwechselung mit gastrischen Störungen oder mit einer frisch entstandenen Pneumonic möglich. Das einzige Unterscheidungs­merkmal, welchem der Thierarzt eine besondere Prüfung zuwenden muss, liegt in der Schluckbeschwerde bei der Aufnahme von Trinkwasser. — Die Pharyngo-Laryngitis bildet einen wichtigen Bestandtheil der Drase, mit welcher deshalb die Krankheit sehr leicht verwechselt werden kann. Ich habe mich hierüber im Capitel XV, S. 337ff. eingehend verbreitet und verweise, um Wiederholungen zu vermeiden, auf die daselbst befind­lichen Erläuterungen. — Prognose. Die einfache Pharyngitis rechtfertigt zwar eine günstige Beurtheilung. Indess ist dabei zu beachten, dass die Krankheit sich jederzeit auf den Kehlkopf ausdehnen und durch die laryngeale Dyspnoe in Verbindung mit einer Schluckpneumonie lebens­gefährlich werden kann. Auch Retropharyngealabscesso werden leicht
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Hetropharyngoalabsoess.
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tödtlich, wenn ihre Erkennung und operative Behandlung nicht recht­zeitig erfolgt. — Therapie. Als Richtschnur für die Behandlung ist die Herabsetzung des Entzündungsprocesses in der Rachenschleimhaut und die Verhütung der Complicationen anzusehen. Dazu gehört die Unter­bringung des Patienten in einem massig temperirten und luftigen Auf­enthaltsraum. Fortwährende Versorgung desselben mit frischem Trink­wasser. Als Futter Hafer in geringer Quantität, Mohrrüben, reines Heu, im Sommer Grünfutter. — Ausspülen des Mauls mit einer 2 — 3proc. Lösung von Kai. chlor. Manchen Pferden kann dies Mittel oder auch Kai. jodat. zur Selbstaufnahme mit dorn Trinkwasser goreicht werden. . Passend ist ferner Kai. carb. 30,0; Natr. sulfur. 200,0; Rad. Liquir. 100,0 pro die in Schleckenform zweistündlich ein Spatel voll auf die Zunge gestrichen. Bei verschlepptem Verlaufe leistet die intrapharyngeale Injection von der Trachea aus gute Dienste. Ich benutze hierzu eine wässerige Lösung von Arg. nitr. (0,5 auf 100) oder von Jod 1,0, Kali jodat. 3 auf 200 Aq. oder von Tannin 1,0 auf 100 Aq. — Im Stadium initiale ist die Application eines Priessnitz'schen Umschlags um die Ohrdrüseorcgion oder die Einreibung reizender resp. scharfer Mittel (Liq. Aramon. caust. und 01. Rapae ana; oder Ungt. Hydr. einer, für sich allein oder mit Zusatz von Kai. jod.; oder Oleum cantharid.; Collodium cantharid.; Ungt. Cantharidum etc.) vortheilhaft. — Wenn sich dilaquo; Krank­heit zur Pharyngo-Laryngitis ausbildet, so ist die rechtzeitige Application eines Trachcotubus nicht zu versäumen. Gegen die etwa schon bestehende diffuse Bronchitis empfehle ich die Inhalation der Lugol'schen Lösung (1 Jod, 2 Kai. jod., 300 Aq.) mittels eines Sprayapparates durch den Trachcotubus. — Retropharyngealabsccsse erfordern die frühzeitige kunst­gerechte Eröffnung (vergl. S. 377).
Capitel CII. Uctropharyiigftilabscess.
Die eiterige Pharyngitis, wie dieselbe als idiopathische Affection oder in Vor­bindung mit der Druse und bei dor Soalraa vorkommt, führt häufig zur purulenten Entzündung der Rotropharyngcaldrüsen an einer oder gleichzeitig an beiden Seiton. Ob ausserdem durch Verwundung der Kachcnsohleimhaut bei Pferden ein Uetropha-ryngealabscess entstehen kann, ist nach thatsächlichen Feststellungen nicht bekannt.
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Oi'gankrankheiten.
In dem lockeren Bindegewebe zwischen der Parotis und dem Pharynx erfolgt die An-saumilung dos Eiters hordweise oder in grössorer Ausbreitung. Die Symptome und Gefahren dieses Zustandes habe ich bei der Betrachtung der Uruse (S. 35(1 und 362) im Wesentlichen schon hervorgehoben. Der Ketropharyngealabscess kann nach Ab­heilung der Pharyngitis als eine selbständige Krankheit bestehen bleiben. Bei der Lage und Einrichtung der Ohrspeicheldrüse ist der spontane Aufbruch des Eiters durch die Haut nach aussen sehr erschwort. Abgesehen von den S. 356 bezeichneten Fällen eines günstigen Verlaufes hat diese Abscossbildung, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt wird, stets gefährliche Folgen. Aus derselben kann eine purulente Phlegmone mit Pyämie und embolischen Abscesson in den inneren Organen hervorgehen. Häufiger ist der Durchbruch in den Schlundkopf. Wenn der letztere im Umfange einer Hasel-nuss bis eines Daumens ponotrirt wird, so folgt stets eine tödtliche Laryngitis oder Bronclio-Pncumonie. Ich habe aber mehrere Male bei der Section constatirt, dass der Eiter sich durch eine kleine Fistelöffnung, durch welche kaum eine gewöhnliche Sonde zu führen war, in den Pharynx entleert hatte. Dann kann durch die unmittelbare Wirkung des zersetzten Eiters eine Phlegmone am Kehlkopfeingange (Laryngitis acutissima) entstehen und nach kurzer Dauer den Tod des Thieres herbeiführen. Nicht unmöglich ist aber unter solchen Vorhältnissen die Heilung des Abscesses durch vollständige Entleerung seines Inhaltes in den Schlnndkopf. — Zuweilen wird durch die Eiterung der dicht an der Pharynxwand liegende Luftsack an einer Seite, aus­nahmsweise sogar an beiden Seiton durchbrochen (vergl. S. 357). Hierbei entsteht mitunter eine putride Zersetzung dos Eiters und in der Schleimhaut des Luftsackes, zum Theil auch der Nase kommt eine katarrhalische Entzündung zur Entwickelung. Nach vollständigom Ablluss des Eiters kann der Abscess ausheilen.
Casuistik. Braune Stute, 15 Jahre alt, Arbeitspferd, wurde am 16. November 1885 in die Klinik gebracht. Angeblich war dieselbe seit 14 Tagen krank. Nährzu-stand stark reducirt. Allgeineinbofinden getrübt. Fiobertemperatur 40,1; Puls 102, schwach; Resp. 18, oberflächlich. Conjunctiva venös, Nasonschleimhaut diffus ge-rötliet, Maulschleimhaut blassroth; Zunge stark belegt. Aus Nase und Maul ist zeit­weise ein stinkender Geruch der Exspirationsluft bemerkbar. Dickflüssiges, klebriges und missfarbenes Nasendejcct in massiger Quantität. Schluckbeschwerde bei der Auf­nahme des Trinkwassers, das zum Theil aus der Käse ablliesst. Futter wird nicht angenommen. In der Ohrdrüsenrogion beider Seiten besteht keine erkennbare Schwol­lung. — Auf Veranlassung dos Besitzers wurde das Pferd am 17. November durch Verblutung (Bruststioh) getödlot. Section im pathologischen Institut (Lüpko): Abscesso in den retropharyngealen Lymphdrüsen beider Seiten von flacher Gestalt und von dem Umfange eines silbernen Drei- bis Fünf­markstückes. Dieselben enthalten dickflüssigen, mit etwas Blut ver­mischten Eiter. In dem Abscesso der rechten Seite findet sich ein bohnengrosses, grau gelbes, ne kretisches Gewebsstück. Die Wandun­gen beider Abscesshöhlen sind glatt, aber vielfach ausgebuchtot. An der rechten Seite steht der Abscess durch 3 und an der linken durch 2 kleine, runde Oeffnungen mit dem betreffenden Luftsack in Verbin­dung. In beiden Luftsäcken finden sich geringe Quantitäten bräun­lich gefärbton jauchigen Eiters. Im Uobrigen zeigten sich die Folgen der Sephthämie.
Wenn der Ketropharyngealabscess mit dem Luftsack nicht communicirt, so unterliegt der Eiter bei längerer Stagnation einer Umwandlung ohne Production
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Lähmung des Schlundkopfs und Schlundes.
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stinkender Gase. Eine derartige Zersetzung ist nicht selten der Primärherd für die Entwickelung der Blutfleckenkrankheit (vergl. S. 433).
Symptonic. Die Schwellung der Ohrdriisonregion kann nach der Grosse des Eiterherdes und dem Umfange der Entzündung sehr augenfällig, aber auch sehr ge­ring sein. Meist besteht Dysphagio und Dyspnoe mit lautem laryngealem Geräusch. Bei kleinen Abscessen von Haselnussgrösse fehlen diese Erscheinungen. Dazu kommen Fieber, Pulsfrequenz und Appetitmangol. Die Diagnose ist oft nicht leicht. Viele Pferde besitzen de norma weit nach aussen liegende Ohrdrüsen, so dass eine geringe Aenderung in der Form nicht erkennbar wird. Zuweilen besteht nur an einer Seite ein Abscess, durch dessen Druck auf die obere Partie des Schlundkopfs die Parotis der anderen Seite auch eine schwache llervorwölbung erfährt. Unter solchen Um­ständen, lässt sich nicht mit Sicherheit entscheiden, ob die Abscessbildung nur an einer oder an beiden Seiten stattgefunden hat. #9632;— Dass eine Verwechselung mit der Pharyngitis und der Laryngo-Pharyngitis vorkommen kann, ist aus den Symptomen leicht ersichtlich. Prognose. Wird der Retropharyngealabscess nicht erkannt oder nicht frühzeitig geölfnet, so führt derselbe leicht zu tödtlichen Complicationen. Imiess ist selbst bei der Penetration dos Schlundkopfes und beim Eindringen von Futterstoffen in den Abscess die Heilung nicht in jedem Falle ausgeschlossen. — Ein 4jähriger Wallach erkrankte an Pharyngitis mit starkor Schwellung der linken Ohrdriisonregion. Von einem Privatthierarzt war die Oeffnung des verrautheten Abscesses durch Auf­stechen mit der Lanzette vergeblich versucht worden. Als das Pferd hierauf in die Klinik gebracht war, vollführte ich die Eröffnung, worauf sich stinkender Eiter und Futterpartikel entleerten. Durch anhaltende Application von warmen Breiumschlägen und Localbehandlung des Abscesses mit desinficirenden Mitteln gelang die vollständige Heilung in 3 Wochen. — Die Thernpie besteht in der kunstgerechten Eröffnung dos Abscesses, über welche ich S. 377 eine vollständige Anleitung gegeben habe.
Capitel CIII. Lähmung des Schliindkopfs und Schlundes.
Sehr selten entsteht bei Pferden eine selbständige Lähmung des Schlund­kopfs. Die Ursachen sind nicht bekannt. Das Leiden giebt sich dadurch zu er­kennen, dass die sonst gesunden Thiere von dem mit Appetit aufgenommenen Futter und Getränk nur einen kloinen Theil horabschlucken, während der grössere Thoil aus der Nase wieder entleert wird (Dysphagia paralytioa). Nach und nach gehen dieselben im Nährzustande erheblich zurück. Bei der Diagnose ist dio Pharyngitis mit schleichendem Vorlaufe zu berücksichtigen. Prognose ungünstig. Thernpie meist ohne Aussicht und im Ganzen auf die Einreibung scharfer Mittel in die Haut der Schlundkopfregion beschränkt. — loh habe zwei Krankheitsfälle dieser Art behandelt. Der erste betraf einen 6jährigen Wallach, der nach drei Monaten unter den Erschei­nungen der Kachexie zu Grunde ging. Ein anderes Pferd (fünfjährige Stute) behandelte
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Organkrankheiten.
ich im Frühjahr 1872 in der hiesigen Klinik C Wochen hinckirch erfolglos. Ich hielt den Zustand hiernach für unheilbar. Versuchsweise wurde das Pferd noch auf die Weide geschickt und sich selbst überlassen. Nach 2 Monaten war die Lähmung voll­ständig geheilt.
Von einer plötzlich eingetretenen Lähmung dos Schlundes hat Pusch-mann („Thierarztquot;, 1869, S. 210) einen Fall bei einem 4jährigen Wallach beob­achtet. Das Pferd hatte Appetit, bemühte sich aber vergeblich, Futter und Getränk zu verschlucken. Es starb am 3. Krankheitstage durch Schluckpneumonie und bei dor Section fand sich „der Schlund vom Schlundkopf bis etwa 2 Zoll vor der Ein­mündung in den Magen vollgestopft mit zerkautem Heuquot;.
Capitel CIV. Divertikel. Stenosen und Geschwülste des Schlundes.
1)nbsp; nbsp;Die Entstehung der Schlunddivertikel, die auch bei Pferden zuweilen vor­kommen, beruht darin, dass entweder an einer durch unbekannte Einflüsse nach­giebiger gewordenen Stelle von dem Drucke des hinabgeschluckten Bissens allmälig eine Ausweitung herbeigeführt wird (Pulsionsdivertikel), oder dass der an einer umschriebenen Stelle mit der Umgebung verwachsene Schlund durch den Zug von aussen eine Ausstülpung erleidet (Tractionsdivertikel). Die allgemeine Er­weiterung des Schlundes fand Stockfloth (Chirurgie; deutsche Uebersetzung von Steffen, 6. Lief., 1881, S. 303) bei einem Pferde. — Die Diagnose eines Schlund-divertikels ist gewöhnlich nicht leicht. Denn die Abnormität kann lange vorhanden sein, ohne naohtheilig zu werden. Zuweilen tritt eine Anschwellung am Halse ein. Dazu kommen Schluckbeschwerde und Regurgitation des Futters in den Schlundkopf und die Nasenhöhlen. Roll (Spec. Path., 5. Aufl., S. 357) beobachtete bei einem Pferde, welches an der vorderen Brustapertur mit einem Schlunddivertikel behaftet war, dass der Inhalt gewöhnlich innerhalb eines Tages sich theils durch Aufstossen, theils direct in den Magen entleerte. — Die Prognose ist ungünstig. Das innerhalb der Brusthöhle entstandene Divertikel kann zerreissen, so dass Futter in einen Pleura-saok dringt und eine tödtlicho Pleuritis veranlasst. Sonst führt das Divertikel dUrch Beschränkung der Futteraufnahme zur Kachexio. Oder der Zustand coraplioirt sich mit einer tödtlichen Schluckpneumonie.
2)nbsp; nbsp;Die Stenose des Schlundes kommt bei Pferden sehr selten durch narbige Retraction der Schleimhaut in Folge vorausgegangener Quetschung zu Stande. Stock-fleth (1. c. S. 301) hat einen solchen Krankheitsfall boschrieben. Fetisch (Adam's Wochenschr., 1883, S. 345) constatirte bei einer 17jälmgen Schimmelstute eine Ste­nose des Schlundes in der Brustportion. Das sehr abgemagerte Pferd erkrankte an Dysphagie und Schluckpneumonie, welche nach 3 Tagen tödtlich endete. — In Folge der Strictur erweitert sich der Schlund oberhalb derselben. Das Schlucken ist er­schwert und die Thiere gehen nach langem Siechthum oder durch die Complication
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Acute Dyspepsie.
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einer Schluckpneumonie zu Gruride. — Für die Dingnose ist auf die bei Pferden zu­weilen vorkommende Verstopfung dos Schlundes durch ein Ei, sowie durch das Stück einer Rübe oder eines Oelkuchons Rücksicht zu nehmen. — Sehr selten ist bei Pferden die allmälige Verengung des Schlundes durch den Druck einer in der Um­gebung entstandenen Geschwulst (Melanosarkom bei Schimmeln).
3) Tumoren in der Schleimhaut dos Schlundes gehören bei Pferden zu den exceptionellen Vorkommnissen. Ich habe einen achtjährigen Wallach behandelt, bei welchem der Schlund in der oberen Halspartie durch ein Fibrom nach und nach fast vollständig obturirte und oberhalb der Geschwulst eine bedeutende Erweiterung sich entwickelte. Solche Zustände motiviren eine schlechte Prognose. Auch durch die operative Behandlung wird sich die Heilung nicht ermöglichen lassen.
Capitel CV. icnte Dyspepsie, (üastrosis simplex. Oastricisnins. Status gastricus.
Es giebt unter den Organloidon kein zweites Gebiet, welches für die klinische Terminologie gleich grosse Schwierigkeiten mit sich bringt, wie die Krankheiten des Magens und Darms. Während die Nomenclatur der letzteren bis zur Mitte des gegen­wärtigen Jahrhunderts sich im Wesentlichen nach den allerdings unvollkommenen ätiologischen und semiotischen Kenntnissen richtete, wurde mit der herrschenden Stellung, welche die pathologische Anatomie in der Krankheitslehre erreichte, auch der Versuch unternommen, die Krankheiten des Gastro-lntestinaltractus nach dem anatomischen Princip zu benennen. Demgemäss wird die Dyspepsie vielfach als „Magenkatarrhquot; bezeichnet. Da aber bei den fraglichen Störungen der Magon-funetion die materiellen Veränderungen in der Magenschleimhaut nicht nachweisbar und jedenfalls unerheblich sind, so hat sich der Name in der l'raxis nicht allgemein einbürgern können.
Die Ursache der einfachen Gastrose beruht in dem „Ueberfressenquot; resp. in der „Ueberfütterungquot;, d. h. die Pferde verzehren von dem schwer verdaulichen (proteinreichen), schmackhaften F'itter auf einmal oder innerhalb eines Tages so viel, dass dasselbe durch die Wirkung des Magensaftes und der Peristaltik des JVIagens nicht vollständig verarbeitet werden kann (Indigestion, Ueberladung dos Ma­gens). Obwohl dies ursächliche Verhältniss allbekannt ist, so gestaltet sich dasselbe doch nicht ganz so einfach, wie oft angenommen wird. Nicht alle aus Ueberfütterung entstohondon Magenkrankheiten fallen unter den Conventionellen Begriff der acuten Dyspepsie. In den schweren Fällen des Uoborfressons entsteht Kolik oder acute Gastro-Enteritis. Dazu kommt, dass die physiologische Leistungsfähigkeit des Magens schon nach der individuellen Anlage bei den Pferden nicht gleich ist. Auch steigert sich allmälig die secretorische Leistung der Magendrüsen, sowie der Tonus in der Muskulatur des Magens, wenn dio Pferde mehrere Wochen hindurch Körnerfutter täg­lich in geeigneten Quantitäten verzehrt haben. Viele Thiere fressen das Körnerfutter
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Organkrankheiten.
sehr hastig, andere dagegen langsam. Bei den ersteren erfolgt die Uoberladung des Magens leichter. Ferner ist zu berücksichtigen, dass die normalen Magenfunctionen von der Beschaffenheit des Blutes und von der Vertheilung desselben im Körper bo-einflusst werden. Durch Anomalien in diesen Verhältnissen verringern sich die Secre­tion und die Contractionsfähigkeit des Magens, so dass die Dyspepsie leichter zur Ausbildung kommt. Endlich ist auch die besondere Qualität dos protoinroichen Futters auf die Magenverdauung (die Secretion dos Magensaftes) von erheblichem Einfluss.
Hiernach lässt sich die Aetiologie der acuten Dyspepsie für viele Fälle darauf zurückführen, dass die Pferde an den Genuss von Kernfutter nicht gewöhnt und in der Verdauung desselben nicht hinreichend geübt sind. Daher entsteht die Krankheit oft bei Pferden, welche nach dem Weidegange direct mit unvermischtem Hafer oder Schrot gefüttert werden. Auch diejenigen Pferde, welche auf dem Stalle kärglich oder extensiv ernährt sind und nach einem Besitzwechsel in Wirthschaften kommen, in denen schweres Futter verabreicht wird, erkranken leicht. — Andererseits kann die acute Dyspepsie durch den Genuss einer Übergrossen Menge von Hafer oder anderem Körnerfutter (Roggen, Gerste, Mais, Erbsen) bei jedem Pferde zur Ausbildung kommen, besonders wenn die normalen Futterzeiten nicht innegehalten werden. Oft liegt die Veranlassung darin, dass dem schweren Futter zu wenig Häcksel beigemengt ist oder dass bei der Fütterung an einer gemeinsamen Krippe das eine 0(ier andere Pferd aus Futterneid eine relativ grosse Quantität gierig verzehrt. Schwer verdaulich in dem hier gedachten Sinne ist ferner Roggen- und Gerstenschrot, sowie jedes andere Mehl, selbst Biorträber. — Sehr oft habe ich die acute Dyspepsie behandelt nach der Fütte­rung von Hafer, der. frisch nach der Ernte ausgedroschen und schon verabreicht wurde, bevor er „ausgeschwitztquot; war. — Von dem Rauffutter lassen sich: Gersten-kaff; frisches, nicht vollständig getrocknetes (unreifes) Heu resp. Grummet; in Gäh-rung und Erhitzung befindliches Grünfutter und schlecht beschafTenes Bohnen- oder Erbsenstroh für einzelne Fälle als Ursachen nachweisen.
Der pathogenetische Vorgang, welcher der acuten Dyspepsie zu Grunde liegt, ist bei Pferden noch nicht genau erforscht worden. Zweifellos ist, dass das in den Magen gebrachte, mit Speichel vermischte Futter wegen seiner physikalischen Be­schaffenheit und wegen seiner Übergrossen Quantität mit dem vorhandenen Magensaft nicht ausreichend imprägnirt werden kann. Hierdurch entfällt die Wirkung der Salz­säure als Hemmungsmittel gegen die abnormen Gährungen im Futterbrei. Mit der fehlerhaften Umsetzung der Nährstoffe entstehenProducte (wahrscheinlich Fettsäuren), welche die Bildung des Pepsins und der Salzsäure behindern, so dass eine genügende Menge von Nährstoffen momentan nichtverdautwerden kann. Oftwird zugleich durch die im Magen befindlichen fremdartigen Substanzen auf reflectorischem Wege die Secretion der Kopfspeicheldrüsen vermindert. Diese Vorgänge auf einen katarrhalischen Process resp. auf eine materielle Veränderung in der Magenschleimhaut beziehen zu wollen, erscheint deshalb nicht berechtigt, weil dieselben zuweilen nach einem Tage, selbst schon nach 10—20 Stunden sich wieder verlieren, ist aber die Reizung der Digestions­schleimhaut stärker, so tritt allerdings eine entzündliche Schwellung der Schleim­haut ein.
Symptome. Mangel an Appetit auf normales Futter, besonders auf Körner und Schrot. Zuweilen verzehren die Pferde noch etwas Heu mit verlangsamten Kaubewegungen. Oft werden Strohhalme aus der feuchten Streu des Standes aufgesucht. Lecken an kalten Gegenständen. Kopf-
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Acute Dyspepsie.
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Schleimhäute gewöhnlich normal; Zunge zuweilen mit eingetrocknetem (pappigem) Schleim bedeckt. Durstgefühl nicht gesteigert. — Unlust des Temperamentes. Häufiges Gähnen. Bei einzelnen Pferden stierer Blick, Unaufmerksamkeit und mangelhafte Empfindung der Haut (wahr­scheinlich in Folge von Kopfschmerz). — Puls normal, mitunter aus­setzend. In einzelnen Fällen geringe Vermehrung der Frequenz. Resp. normal. Fieber fohlt. — Darmexcremcnto am 1. Tage normal, später in Folge der Inappetenz spärlich. Harnsecretion verringert. — Der Ver­lauf umfasst oft nur 10—20 Stunden, in anderen Fällen mehrere Tage, selbst eine Woche und darüber. Im Wesentlichen bestimmt sich der Verlauf durch die relative Quantität des Futters, mit welcher die Magen­überladung bewirkt wurde. Andererseits erholen sich die Pferde mit günstigem Körporbau (,,gute Fresserquot;) schneller, als flachrippige und hochbeinige Pferde. Die Genesung ist meist eine vollkommene. Doch nimmt das Leiden nicht gerade selten den Ausgang in die chronische Dyspepsie.
Diagnose. Da die meisten allgemeinen Krankheiten von einer Be­schränkung der Magenverdauung und Appetitmangel begleitet sind, so ist die Diagnose oft nicht leicht. Als leitender Gesichtspunkt gilt für dieselbe, dass sich bei vollständiger Erhebung der Anamnese und Sym­ptome ein anderweitiger krankhafter Zustand, der die Inappetenz ver­anlassen könnte, nicht nachweisen lässt. Ausscrdcm hat sich der Thier-arzt bei frisch entstandenen Fällen gegenwärtig zu halten, dass die „Ueberfütterungskolikquot; nicht selten mit den Symptomen der acuten Dys­pepsie eingeleitet wird. — Auch die acute Gohirnwassersucht im Initial­stadium und die Gehirncongestion können während kurzer Zeit ähnliche Symptome bedingen. Mangelhaftes Fressen kann ausserdem durch un­schmackhafte Beschaffenheit dos Futters veranlasst sein. — Die Prognose ist im Ganzen günstig. Doch darf nicht übersehen worden, dass die Krankheit bei einer Vernachlässigung der Patienten, namentlich solcher, die wegen mangelhaften Körperbaues an sich schon minder gut fressen, leicht in die chronische Dyspepsie ausläuft. — Bei der Rchaiullung gilt als wesentlich, dass die physiologische Leistung des Magens dem krank­haften Zustande entsprechend geschont werden muss. Grösstcnthcils wird dieser Zweck schon durch den Widerwillen der Pferde gegen schweres Futter erreicht. Aber es darf auch beim Wiederauftreten des Appetits ungeeignetes Futter zunächst nicht verabreicht werden. Der Genuss von gutem Haferstroh oder Weizenstroh, welches die Pferde gern verzehren, begünstigt die Ausgleichung der Functionsstörung. Auch schmackhaftes Heu, namentlich Klee- und Luzernhcu ist nützlich. Beigabe von Mohr-
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810nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
rüben. In manchen Fällen bringt die Verabreichung von Woizonkleio mit Zusatz von etwas Mehl in der Form eines dünnen Trankes die Heilung bald zu Stande. Während der Sommermonate kann die ganze Behand­lung auf die Fütterung von schmackhaftem, gutem Grünfutter beschränkt werden. — Von Medicamenten empfehlen sich Kochsalz als Lecke, ferner Glaubersalz oder Karlsbader Salz in kleinen Dosen mit dem Trinkwasser. Oder Natr. bicarb 40,0; Natr. sulfur. 25,0; Rad. Gentianae 80,0 pro die in Latwergenform. Oder kleine Dosen Calomel in Kieietrank zur Selbstaufnahme. Bei verzögerter Darmentleerung Physostigmin oder Extr. Aloes 20,0 mit Natr. sulfur. 50,0 als Bolus. — In der Convalescenz ist darauf zu halten, dass die Pferde ganz allmälig an den Genuss des Hafers gewöhnt werden. Alles andere Körnerfutter ist längere Zeit hin­durch thunlichst zu meiden.
Capitel CVI.
Acuter Nngen-Darinkatarrli. Catarrhns intestinalis fcbrilis. Fieberhafte Gastrosis. Febris gastrica.
Dieselben Ursachen, welche bei Pferden die acute Dyspepsie herbeiführen, ver­anlassen bei einem höheren Grade ihrer Wirkung nicht selten eine fieberhafte entzünd­liche AlTection der Magen- und Dünndarmschleimhaut. Unter den in der Ueberschrift dieses Capitels angeführten Namen ist nur diese Erkrankung gemeint. Ausgeschlossen ist der Magen-Darmkatarrh, welcher nach der Einverleibung grosser Dosen scharfer resp. drastischer Medicamento, sowie nach dem Eingeben von Oel (Leinöl, Ricinusöl) sich bei l'ferdou einstellt (toxischer Intestinalkatarrh); ferner dje acute In­fection derMagen-Darmschleimliaut(mykotische Gastro-Enteritis). — Durch die Umsetzungsproducte, welche aus den abnormen Gährungsprocessen im Magen hervor­gehen, wird eine starke Reizung in der Schleimhaut der Portio pylorica gesetzt. Die Reizung pflanzt sich aufdenZwölfnngordarm(Catarrhus gastro-duodenalis) und zuweilen noch weiter in den Dünndarm fort. Unter den hier gedachten delotären Producton spielen wahrscheinlich die Milchsäure, die Buttersäure und die Essigsäure eine Rollo. In der Magen-Darmschleimhaut entsteht Blutcongestion, Röthung und Infiltration. Bei massiger Ausbildung dieses Zustandes und bei der Beschränkung desselben auf den Magen und Zwölffingerdarm ist die Peristaltik verlangsamt. In den höheren Graden entsteht eine krankhaft gesteigerte Bewegung des Digestionstractus mit diarrhoischor Darmentleerung*). — Obgleich in Vorstehendem die fieberhafte
*) Die schwersten Formen der durch Ueberfütterung mit Körnerfutter (Roggen, Gerstenschrol etc.) verursachten Gastro-Enteritis bedingen eine Lähmung des Magen-Darmtractus mit Kolik. Ich werde darauf in dem Capitel der Kolik zurückkommen.
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Acutor Magen-Darmkatarrh.
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Gastrosis vom ätiologischen Standpunkte bogrifTJich eingeengt ist, so bietet dieselbe nach ihrer graduellen Abstufung doch noch manche erhebliche Unterschiede, deren Bedeutung für die Symptome und den Verlauf um so mehr boachtensworth erscheint, als die Fähigkeit in der Ausgleichung der krankhaften Störungen bei den Pferden nach Alter und Körperbau sehr verschieden ist.
Symptome. Mangel an Appetit oder vollständige Inappetenz. Massige Benommenheit des Sonsoriums. Röthung der Kopfschleimhäute, zuweilen icterischc Färbung und Infiltration der Conjunctiva. Darmexcretion ver­schieden: Oft sind die Excremente klein geballt, mit Schleim überzogen und von alkalischer Reaction; in anderen Fällen entleeren die Patienten zeitweise breiige Fäces; seltener findet sich starke Diarrhöe 1—2 Tage hindurch. Hierbei ist der Koth gewöhnlich übelriechend und von saurer Reaction. — Pulsfrequenz auf 50—56 pro Minute beschleunigt. Respi­ration um einige Athemzügo vermehrt. Temperatur fieberhaft, aber nicht constant; gewöhnlich zwischen 38,9—40,0, zeitweise normal. Bei längerer Dauer wird die Bauchdecke angespannt. Aufbürstung des Deckhaars. — Der Verlauf ist sehr ungleich. Manche Pferde genesen nach 2—ß Tagen. Andere erholen sich erst in 2 — 5 Wochen. Der Regel nach heilt der Magen-Darrakatarrh vollkommen. Doch können ältere und verbrauchte Pferde bei langer Krankheitsdauer durch Abmagerung und Erschöpfung der Kräfte am Aufstehen behindert sein und durch die Complication mit decubitalen Destructionen der Haut zu Grunde gehen.
Diagnose. Die fieberhafte Gastrosis ist leicht zu verwechseln mit anderen Magen- oder Darmentzündungen. Indess kann das Auftreten von Kolik­symptomen bei den letzteren ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal liefern. Ferner sind die Symptome anderer Krankheiten: Katarrhal-Pneumonie; Abscesse in der Haut, acutor Bronchialkalarrh, Halsbräune, Druse, Wund­fieber zu beachten. Das „ephemere Fieberquot; (vergl. S. 383) kennzeichnet sich durch seine Erscheinungen leicht. — Unterstützt wird die Diagnose durch die sorgfältige Erhebung der Anamnese. — Die Prognose ist günstig; doch bleibt zu berücksichtigen, dass viele Fälle erst nach langer Con-valescenz vollständig heilen und dass auch Rccidive nicht selten sind. Die nach relativ schwerer Indigestion eintretende Diarrhöe wurde früher als ein heilsamer Naturvorgang („kritischer Du rchfallquot;) interpretirt. In der That erfolgt mit derselben die Elimination der unverdaulichen Stoffe, worauf die Genesung bald zu Stande kommt. Für die Behandlniig bestehen oft die gleichen Indicationen, wie bei der acuten Dyspepsie. Zur Förderung der Verdauung dienen: Natr. bicarb. 30,0, Rad. Rhei 15,0 pro die- als Bolus, auch Aloe (5,0—15,0) oder Calomel in kleinen Dosen (1,0—3,0 pro die); ferner Kochsalz als Lecke. Bei protrahirtem Verlaufe
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Organkrankheiten.
liabe ich Physostigmin In kleinen Dosen (0,3—0,5) oft mit Vortheil be-mitzt. Besteht Diarrhöe, so erweist sich die zwei- bis vierstündlich zu wiederholende Infusion von warmem Mehlwasscr in den Mastdarm sehr vortheilhaft. Hydropathische Einwickelungen des Bauches. — In diäte­tischer Hinsicht ist für die Verabreichung reinen und schmackhaften Futters zu sorgen, namentlich gutes Heu 4—5 Mal pro Tag vorzulegen und reiner Hafer in kleinen Portionen vorzustreuen.
Capitel CVII. Dyspepsia chronica. Chronischer 4ppctitniangel.
Zur „chronischen Dyspepsie der Pferdequot; rechne ich eine Reihe von Stö­rungen in der Magenfunction, die in der neueren thierärztlichen Literatur mohrfach mit dem Terminus des chronischen Magenkatarrhs oder Magen-Darmkatarrhs begriff­lich zusammengefasst worden sind. Wenn auch zugegeben werden muss, dass nicht sollen eine chronische Entzündung mit ihren Folgen in der Magenschleimliaut bei Pferden vorkommt und eine schlechte Verdauung bedingt, so kann doch nach der thatsächlichen Erfahrung ein Zweifel darüber nicht bestehen, dass sehr häufig viele Wochen oder Monate, selbst Jahre hindurch eine ungenügende Magenverdauung (ein schwacher Magen) vorhanden ist, ohne dass bei einer zufälligen Section der Thiere erhebliche Veränderungen in der Magenschleimhaut gefunden werden. Die Unter­scheidung der chronischen Gastritis von der einfachen Verdauungsschwäche ist zwar intra vltam nicht immer durchführbar. Aber pathologisch-anatomisch besteht doch zwischen diesen Zuständen eine so erhebliche Differenz, dass ich die Würdigung der chronischen Magenentzündung einem besonderen Capitel vorbehalte. — Für die Zwecke der praktischen Thlerarzneikunde finde ich es nützlich, folgende Arten dos chronischen Appetitmangels auseinander zu halten.
1) Dyspepsia chronica simplex. Nach der einfachen, wie nach der fieber­haften Gastrosis, nicht minder nach acuten, lieberhaften Allgemeinkrankheiten bleibt eine mangelhafte Magenverdauung oft als selbständige Krankheit zurück. Dieselbe kann aber auch von vornherein mit dem Charakter der Ohronioität zur Ausbildung kommen. Sehr oft habe ich beobachtet, dass die einfache chronische Dyspepsie sich nach der anhaltenden Fütterung von wenig gehaltreichem, unschmackhaftem Hafer und schlechtem Heu allmälig ausbildete. Von den Laien wird die Krankheit mit dem allerdings wenig significativen Torminus des „schlechten Fressensquot; bezeichnet. Pferde, welche in der Mittelhand unvollkommen gebaut sind und solche, die in höherem Alter stehen oder ein schlechtes Backzahngebiss besitzen, erkranken häufiger an der chronischen Dyspepsie, als gut gebaute jüngere Pferde. — Die Störungen, welche die Magenvordauung hierbei erfährt, sind ihrem Wesen nach nicht genau bekannt. Wahr­scheinlich ist die Secretion des Magensaftes vermindert. Oder die Drüsen liefern in
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Dyspepsia chronica. Chronischer Appetitmangel.
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normaler Quantität ein Product, welches nicht die volle physiologische Wirltsamkeit besitzt. Vielleicht ist blos die Bildung des Pepsins oder der Salzsäure krankhaft verringert. Für die Theoria morbi ist ferner von Belang, dass zur Magonverdauung nicht ausschliesslich die Secrete der Magenschleimhaut, sondern auch die mit dem Futter aufgenommenen Fermente dienen. Nach Ellenberger und Hofmeister er­folgt die Bildung von Zucker aus dem Stärkemehl durch ein im Hafer selbst befind­liches specifisches Ferment. Wenn nun die Salzsäure nicht in ausreichender Menge producirt wird, so kann einerseits die Peptonisirung der Albuminate nicht erfolgen und andererseits fohlt das Mittel zur Behinderung der in dem Nahrungsbrei statt­findenden Gährungsprocesse. Die abnormen Produote der letzteren unterhalten durch ihre Wirkung auf die Magenschleimhaut den Appetitmangel. Hierzu kommt, dass, wenn die Menge und Zusammensetzung des normalen Magensaftes eine Beeinträchti­gung erleiden, auch die peristultische Bewegung des Magens mangelhaft wird.
Symptünie. Die Neigung zur Aufnahme von Körnerfutter ist be­schränkt und fehlt vorübergehend oft mehrere Tage hindurch ganz. Auch Heu wird nur in geringer Menge und mit vcrhmgsamten Kaubewegungen verzehrt. Abwechselnd nehmen die Thiere feuchte Strohhalme aus der Stallstreu auf. Durstgefühl nicht verändert. Kopfschloimhäute blass-roth gefärbt, zuweilen mit einem Stich ins Gelbliche. — Circulation, Respiration und Bluttompcratur normal. Die Patienten zeigen auch oft die gewöhnliche Munterkeit. In Folge der mangelhaften Futteraufnahme verringert sich der Nährzustand; der Bauch wird aufgezogen und das Deckhaar glanzlos. Spärliche Dcfäcation in kleinen, festen Bällen. Zu­weilen verzehren die Thiere dauernd so wenig Futter, dass die Skelet-muskeln erheblich kleiner werden und die Knochenvorsprünge am Körper scharf hervortreten. Der Verlauf dehnt sich gewöhnlich über mehrere Wochen oder Monate aus. Wenn die Pferde trolz der Krankheit noch zu anstrengenden Dienstleistungen herangezogen werden, so entstehen leicht als Folge der Ueberanstrengung entzündliche Krankheitszustände in den Synovialapparaten an den Gliedmassen.
Die Diagnose gestaltet sich oft unsicher. Denn der chronische Appelit-mangel begleitet als Symptom fast alle chronischen Allgemeinkrankheiten der Pferde. Nicht minder ist die Futteraufnahme beschränkt bei chro­nischen Nieren-, Leber- und Lungenleiden, sowie bei schmerzhaften chirur­gischen Krankheitszuständen. Es ist daher eine umfassende Befunderhebung und oft eine längere Beobachtung der Thiere erforderlich, um Alles aus-schHessen zu können, was mit dem Bilde der chronischen Dyspepsie Aehn-lichkeit hat. Entschuldbar ist die Vervycchselung mit anderen krankhaften Zuständen des Magens (Geschwülste, Abscesso, chronische Gastritis) oder mit chronischen Darmloiden, deren Symptome nicht selten längere Zeit mit den Erscheinungen der einfachen Dyspepsie übereinstimmen. — Die Prn^mise ist nur dann einigermassen günstig, wenn die Patienten mit
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814nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
besonderer Aufmerksamkeit behandelt werden können. Alte Pferde sind in Folge der einfachen chronischen Dyspepsie oft werthlos. — Für die Therapie besteht die Indication, die Production des normalen Magensaftes thunlichst zu fördern. Dies geschieht am wirksamsten durch die pedan­tische Uebcrwachung der Fütterung. Im Sommer bewährt sich die Ver­abreichung von Grünfutter; im Winter gutes Wiesenheu oder Kleeheu. Reiner und schmackhafter Hafer ist 5—6 Mal täglich in kleinen Portionen vorzustreuen. Bei vielen Pferden ist die Beigabe geringer Mengen von Erbsen zum Hafer ein wirksames Heilmittel. Jo schmackhafter die Nahrungsmittel für die Patienten sind, um so reichlicher erfolgt bei massiger Fütterung die Secretion der Verdauungssäfte. Vor einer Indi­gestion sind die Thiere aber sorgfältig zu hüten. Einzelne Pferde ver­zehren Mohrrüben mit Appetit; aber letztere dürfen nur in geringer Menge dargereicht werden, weil sie sonst einen Widerwillen bei den Thieren verursachen. — Zur medicamentösen Behandlung eignen sich: Kochsalz als Lecke; Karlsbader Salz mit dem Trinkwasser; zeitweise Alkalien mit bitteren Mitteln in Latwergenform (Rp.: Natr. bicarb. 50,0, Natrii sulfur. 300, Rad. Gent. 75,0). Auch kleine Dosen Aloe oder, wenn es auf den Kostenpreis nicht ankommt, Rad. llhci; ferner lassen sich Rhizoma Calami und andere Stomachica mit Nutzen verwenden. Vor­trefflich wirkt in manchen Fällen die arsenige Säure (0,5—1,0 pro die mit Kochsalz in Mehlpillen 2—3 Wochen lang).
2) Dyspepsia aeida. Die mit diesem Namen bezeichnete chronische Störung der Magenverdauung ist bei Pferden viel seltener, als die sub 1 geschilderte Dyspepsie. Ich habe indess in den 12 Jahren, während welcher ich die thierärztliche Praxis aus­übte, mehr als 20 Pferde wegen derselben behandelt, dagegen in der hiesigen Klinik nur wenige Fälle beobachtet. Die Krankheit entwickelt sich nach der andauernden Fütterung von schlecht beschafTonem und unschmackhaftem Hafer, am meisten als Folgeleiden der Harnruhr (vergl. S. .491). Bei derselben besteht eine abnorme Dis­position zur Säurebildung im Magen. Durch thatsächliche Feststellungen ist der Vor­gang bisher nicht aufgeklärt worden. Es lässt sich aber nach der Analogie und nach dem Verhalten der betreffenden Pferde annehmen, dass die Production der Salzsäure bedeutend verringert ist und dass daher sich aus dem genossenen Stärkemehl eine abnorm grosso Menge von Milchsäure im Magen bildet und ansammelt, welche durch ihre Wirkung auf die Magenschleimhaut die Inappetenz bedingt.
Symptoine. Andauernde krankhafte Verringerung des Appetits bei munterem Temperament und Abwesenheit von Fieber. Belecken der Stall wände und Verzehren von Streu, welche mit alkalisch reagirenden Substanzen quot;(Harn) verunreinigt ist. Starke Abmagerung und rauhes, aufgebürstetes Deckhaar. Die Pferde treten zuweilen mit anscheinender Begierde an das vorgeschüttete Kurzfutter; aber nachdem sie zögernd
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Dyspepsia chronica. Chronischer Appetitmangel.
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einige Bissen verzehrt haben, versagen sie die weitere Aufnahme. Auch von dem Heu wird nur wenig verzehrt. laquo;— Der Verlauf ist chronisch. Namentlich kann in den Wintermonaten die vollständige Heilung nicht ermöglicht werden. Für die Diaguose liefert dor krankhafte Hunger auf Alkalien ein massgebendes Merkmal. Die Prognose ist relativ günstig, weil die anhaltende Verabreichung von Alkalien in Verbindung mit einer vorsichtigen Fütterung stets einen palliativen Erfolg hat. Aber die voll­ständige Heilung habe ich in- den meisten Fällen nur im Frühjahr oder Sommer naph einer mehrere Wochen oder Monate hindurch fortgesetzten methodischen Verabreichung von Grünfutter resp. nach dem Weidegang eintreten gesehen. Die medicamentöse Behantllnng kann im Wesentlichen nur eine symptomatische sein und die Neutralisirung der im Magen ent­standenen Säuren bezwecken. Hierzu eignet sich Magnesium carbonicum oder Magnesia usta am besten. Man giebt davon einen Theelöffel voll mit jedem Futter. Es ist zugleich dafür zu sorgen, dass die Patienten nur solches Kurzfutter erhalten, welchem vorher das alkalische Medica­ment beigemischt ist. Vortheilhaft lassen sich wegen ihrer Wirkung als Stomachica Kochsalz und bitteraromatische Mittel (Rhiz. Calami, Herba Absynthii, Rad. Caryophyllatae etc.) mit der Magnesia verbinden. Die Patienten gewöhnen sich bei dem krankhaften Hunger auf Alkalien an den Genuss solcher „Fresspulverquot; so schnell, dass sie, sobald sie nur den Geruch desselben wittern, gleich zur Krippe eilen und mit regem Appetit fressen. Bei diesci' Behandlung lässt sich der Nährzustand be­deutend .verbessern. Aber eine normale Constitution mit weicher und loser Haut bekommen die Pferde nicht. — Auch Aq. Calcis, Natr. bicarb, oder Kai. carb. sind vortheilhaft, aber weniger praktisch, als die Magne­sium präparate. — Im Sommer ist Grünfutter das beste Mittel.
3) Dyspepsia nervösa. Bei Pferden, die mit einer überfeinen Constitution und mit einem abnorm reizbaren Temperament behaftet sind, wird die Magenverdauung oft von nervösen Einflüssen behindert. Namentlich sind Pferde, die in ihrem Körper­bau nicht ausgeglichen sind, dieser Störung unterworfen. Moist verzehren dieselben von Natur schon das Flitter sehr langsam und es ist in der Regel eine besondere Vor­sicht in der Auswahl des besten Hafers und in der Verabreichung desselben erforder­lich, wenn die Thiere dauernd so viel Nährstoffe aufnehmen sollen, wie zur Ermög-lichüng der beanspruchten Arbeit gehört. Oft wird an einzelnen Tagen das Futter mit Appetit verzehrt, während die Thiere an anderen Tagen keine Neigung zum Fressen zeigen. Wenn die hier gedachten Pferde stark angestrengt werden, so vor­sagen sie zuweilen l/.2 — 1 Tag hindurch die Futtoraufnahme. Schon nach einer starken Aufregung dos Temperaments im Stalle durch Bedrohung oder Bestrafung stellt sich der Appetitmangel ein. Die Uingnose ist bei der Kenntniss des hier an­gedeuteten nervösen Einflusses leicht. — Prognose insofern nicht günstig, als stets eine sehr sorgfältige und kostspielige Pflege nothwendig ist, wenn die betrolTendeu
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Ürgankrankhoiton.
Pferde in leistungsfähiger Condition tleiben sollen. Für die Beliamlluiig steht die pedantische Ueberwachung der Fütterung und Verpflegung im Vordergrunde. Heu und Hafer bester Qualität. Beigabe von Mohrrüben. Abends Kleietrank mit Zusatz von etwas Mehl. Arzneimittel sind meist entbolirlich. Einigen Nutzen gewährt die Ver­abreichung von Kochsalz als Lecke. In besonders lästigen Fällen ist Arsenik zu versuchen.
Capitel CVIII. ilnvciteriingen des Naguus und des Darms.
1) Innerhalb normaler Verhältnisse ist die Grosso des Magens bei Pferden nicht ganz gleich. Durch diese Verschiedenheit wird aber die Verdauung in einem nach­weisbaren Grade nicht beeinflusst. — Die elastische Magenwand ist einer so starken Dehnung fähig, dass der nicht krankhaft veränderte Magen durch Futter und Gase um das Doppelte seiner normalen Grosse, selbst noch darüber hinaus sich ausweiten kann, wie bei derUoborfütterungskolik nicht selten vorkommt. Solche momentane Aus­dehnungen des Magens werden nach domconventionellonSprachgobrauoho der,,H agen-erweiterungquot; (Gastrectasie) nicht zugerechnet. Letztere beruht vielmehr auf einer chronischen Pareso oder auf einerVergrösserung des Magens. Neben dorGastri-tis chrdni ca dürfte die mit der mangolhaflon Verdauung in Verbindung stehendeAus-dehnung der Wandung durch Futterstolfc und Gase von wesentlichem Einflüsse sein. Zuweilen hat auch das Bestehen einer festen Verwachsung zwischen dem Magen und dem Zwerchfell oder dem Netz einen ursächlichen Antheil an der Gastrectasie.
Dass die einfache chronische Dyspepsie der Plerde (vergl. S. 812) oder der Gastro-Duodenalkatarrh eine Magenerweiterung herbeiführt, ist zu bezweifeln. Da­gegen dürfte zuweilen eine in multiplen Herden auftretende diphtherische Gastritis an der Portio cardiaca der Magenschleimhaut den Ausgang in die Magenerweiterung nehmen. Ich habe S. 298 diese Erkrankung kurz besprochen und neuerdings mehr­fach bei alten Pferden die Folgen der diphtherischen Herde in der linken Magenhälfte gefunden. Die Krankheit scheint bei der Indolenz der woissen Magenschleimhaut relativ günstig zu vorlaufen und doshalb boi ihrem im Ganzen seltenen Vorkommen intra vitam gegenüber anderen gastrischen Störungen nicht nachweisbar zu sein. Sehr wahrscheinlich wird die Affection auch in dem Drüsenthoil der Magenschleimhaut vorkommen. Nach der Dissection der nekrotisohen Herde füllen sich die Üefecte mit röthlichem Narbengewebe. In der Nachbarschaft verdickt sich zuweilen die Pars papillaris der weisson Magenschleimhaut, was sich bei der Autopsie schon makro­skopisch in den warzigen oder schwartigen Hervorragungen des Epithels ausspricht. In der Portio pylorica erhält sich ein chronischer Katarrh in geringem oder höherem Grade. Hierbei erweitert sich der Magen mitunter erheblich. Die Muskularis wird in Folge der gesteigerten Anforderungen an die Magenperistaltik hypertrophisch. — Ob die chronische Entzündung der Magenschleimhaut, soweit sie zur Gastrectasie führt, auch von anderen ursächlichen Schädlichkeiten bei Pferden bedingt werden kann, ist
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Erweiterungen des Magens und dos Darms.
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in Ermangelung von thatsächlichen Feststellungen nicht mitSioherheit zu entscheiden. Die Verwachsungen dos Magens mit der Nachbarschaft sind das Resultat chronischer peritonitischer Processe, können aber von oinein primären Entzündnngsherdo der Magenschleimhaut ihren Ausgang nehmen.
Symptome iiihI Verlauf. Mit der chronischen Magonerwoitorung verbindet sich ein Magenkatarrh, der eine Dyspepsie mit Verringerung dos allgemeinen Ernähmngs-zustandos zur Folge hat. Die Krankheit kann zweifellos viole Monate, wahrscheinlich noch länger bestehen, ohne die Pferde weiter zu schädigen, als dass sich dieselben nur dürftig nähren und deshalb zu anstrengenden Arbeiten nicht mehr eignen. Nach der Futteraufnahme bilden sich Gase (vorzugsweise KohlenwasserstolT und Kohlen­säure) in abnorm grosser Menge. Aber boi dor vorsteckten Lage des Magens ist der Meteorismus nicht zu erkennen. — lliernach lässt sich die Diagnose intra vitam nicht stellen. Die Symptome decken sich mit dem Zeichen der einfachen chronischen Dys­pepsie (S. 812). Hat die Magenorwoiterung einen hohen Grad erlangt, so ist nicht ausgeschlossen, dass dieselbe durch Ansammlung und Zersetzung dos genossenen Futters ein bedingendes Moment der Uoborfüttorungskolik worden und hierdurch mittelbar einen letalen Ausgang nehmen kann. Weiskopf (Adam's Wochenschr., 1882, S. 29) beobachtete das anfallswoiso Auftreten einer Kolik mit erfolglosen Brech-anstrongungen. Später kam im Verlaufe der Kolik die Ruptur des Magens an der grossen Curvatur, wo die Defocte ihren Sitz hatten, zu Stande. — Für die erfolg­reiche Uchaiiilliins fehlt es boi Pferden an einer praktisch vorwerthbaron Indication, wenn man sich selbst über die Unsichorhoit der Diagnose hinwegsetzen wollte. Es dürfte nur die Palliativcur mit den Mitteln erübrigen, welche bei der chronischen Dyspepsie angezeigt sind.
Casuistik. Chronische Gastritis mit üastreetasio und starker Hypertrophie der Magen wand. Am G. März 188G wurde ein 12 Jahre alter, sehr abgemagerter Wallach wogen Kolik in die Klinik oingostollt. Das Pferd, bei welchem der Bauch meteoristisch aufgetrieben war, starb nach 14Stnnden unter den Symptomen einer schweren Darmentzündung. Bei der Section im pathologischenln.stitLit(Sticker) fand sich als nächste Todesursache eine Umdrehung beider Lagen des Grimmdarms um ihre Längsaxo. Dor ganze Darmtractus war mit Futter überfüllt. Der stark er­weiterte Magen hatte die Form eines mit Kleie gefüllten Sackes. Sein Inhalt bestand aus einer 30 Kilogramm schworen teigigen Masse, die viel Roggenschrot und Häcksel enthielt. Das grosse JS'etz war im Umfange von drei Flandflächen mit dem Magen an der kleinen Curvatur verwachsen; die ganze Aussonfläche dos Magens mit langen, zottigen Excroscenzen besetzt; der peritoneale Ueborzug verdickt. Die Muskularis dos Magens im ganzen Umfange hypertrophisch, stellen weise 1 Ctra. dick. In der Schleim­haut der Portio oosophagoa findet sich an dor Stelle, an welcher das grosso Notz mit dem Magen vorwachsen ist, ein handgrosser verheilter Defect der Schleimhaut. An anderen Partion der weisson Magenschleimhaut bestehen mehrere, mit röthlichem Narbengewebe gofüllto Defocte von länglicher Form. An der Schleimhaut der Portio pylorica waren aussei- einer derben Beschalfonhoit keine Voränderungen zu erkennen.
2) Allgemeine Erweiterungen eines Dannabschnittes sind in der Regel die Folge einer Stenose. Locale Ectasion kommen in der Form von Diver-tikeln, aber nur selten vor. Unter beiden Voraussetzungen wird das Znstandekommen und die häufige Wiederkehr einer Kolik vermittelt. Aber die Diagnose dieser Er­weiterungen kann intra vitam nicht gestellt worden und für die Behandlung sind die­selben auch nicht erreichbar.
Dieckorhoff, Sper. Pftthologle u. Thcrupio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 52
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818nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankhoiten.
Von dor chron ischen Erweiterung des Blinddarms habe ich bei älteren Pferden 'd Fälle beobachtet. Wegen dieser Krankheit wurde auch von Möller (Berl. Arch., 1875) ein Pferd in der Gerlach'schen Klinik behandelt. — Die chronische Erweiterung des Grim mdarms in beiden linken Lagen ist mir nur bei einem 19jährigen Arbeitspferde begegnet. Solche Zustände, die sich der chronischen Un-verdaulichkeit des Kindes (Parese dos Pansens) analog verhalten, sind deshalb als besondere Krankheiten anzusehen, weil sie nicht zur Kolik führen, sondern durch Dyspepsie und progressive Abmagerung die Thiero ontwerthen. Die Dauer derselben kann sich auf 1—2 Jahre ausdehnen. Für die Diagnose gewährt die starke Ausweitung des Bauches einen wichtigen Anhalt. Bei der Percussion dor Bauchwand ergiobt sich ein tympanitischor Schall. Da der chronische Ascites bei Pferden, soweit die that-säohliche Erfahrung reicht, als eine selbständige Krankheit nicht vorkommt, so lässt sich bei wochenlanger Beobachtung des Patienten die Diagnose der Darmorweiterung wohl begründen. Curversuche haben keinen praktischen Erfolg.
Die häufiger zu beobachtende Erweiterung (chronische Entzündung oder Läh­mung) des Mastdarms werde ich in einem besonderen Capitel boschreiben.
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Capitel CIX. Hagen- und Darmgeschwüre.
Ulceröse Substanzvcrlusto in der Castro-Intestinalschleimhaut entstehen bei Pferden aus verschiedenen Veranlassungen öfter. Als specielle Ursachen derselben sind anzusehen:
a.nbsp; nbsp;Die in multiplen Herden auftretende diphtherische Gastritis und Enteritis (vergl. S. 81G und S. 302).
b.nbsp; nbsp;Der hämorrhagische Infarct in Verbindung mit oinerMortification der Schleim­haut (hämorrhagisohe Nekrose).
c.nbsp; nbsp;Eiterige Entzündungsherde, dlo entweder primär oder auf metastatischem Wege in der üarmschleimhaut entstehen (Follicularabscesse oder Enteritis nodularis [follicularis] apostomatosa).
In der Magenschleimhaut füllen sich die durch diphtherische Herde verursachten ulceröscn Defecte der Regel nach mit röthlichem Granulationsgewebe, welches bis in das Niveau der Schleimhaut hervorwächst und eine glatte Oberfläche erlängt. — Hämorrhagische Erosionen finden sich bei Pferden, die an acuten, mit der Tendenz zu Blutungen verlaufenden Krankheiten zu Grunde gehen, in der Schleimhaut der rechten Magenhälfto und im Zwölffingerdarm nicht selten. Kleinero Substanzverluste dieser Art heilen gewöhnlich vollständig, so dass später kaum noch eine kleine glatte Narbe an der betreffenden Stelle erkennbar ist. Grössero hämorrhagische Herde von dem Umfange eines Gänseeies oder eines Handtellers, die bei der Blulfleckonkrankheit vorkommen, führen beim Ausgange in Nekrose so schnell den Tod dos Thieres herbei, dass eine Goschwürsbildung nicht stattfinden kann. — Wenn ausnahmsweise ein Magengeschwür längere Zeit sich erhält, so nimmt dasselbe eine runde Form an und
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Magen- und Darmgeschwüre.
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der Rand verdickt sioli zu einem schwieligen harten Wall. Bei Pferden ist ein solches Geschwür (Ulcusrotundum ventriculi) sehr selten. M ünich (Adam's Wochen­schrift, 1876, S. 385) behandelte ein zweijähriges Fohlen über 4 Monate hindurch wegen einer unmittelbar nach der Futtoraufnahmo eintretenden und 1—2 Mal wöchent­lich sich wiederholenden Kolik. Als das Pferd schliosslich einem heftigen Kolikanfall erlegen war, fand sich bei der Section in der rechten Magenhälfto eine frische Ruptur mit Erguss des Mageninhaltes in die Bauchhöhle als Todesursache. Dem Sitze der Ruptur entsprechend trug die Magenschleimhaut ein thalergrosses Geschwür mit auf­geworfenem, glattem und knorpelhartem Rande. — Die Annahme, dass derartige Magengeschwüre aus einer hiimorrliagisohen Nokrose hervorgehen können, dürfte kaum zu bezweifeln sein. Ob daneben noch bei Pferden eine Geschwürsbildung im Magen vorkommt, die ihren Ausgang in einer umschriebenen Erweichung und Auflösung der Magenschloimhaut durch den Magensaft hat und dem Verzweigungsgebiete eines Artorienastes entspricht (Ulcuspopticum; chronisches, rundes, porforirendes Magen­geschwür des Menschen), ist nach thatsächlichen Feststellungen nicht bekannt.
Darmgeschwüre sind bei Pferden gleich selten von krankhafter Bodeutung, wie die ulcerösen Defecte des Magens. Auf die bei acuten und chronischen Katarrhen derDickdarmsohloimhaut zuweilen erfolgendeEnlwickelungvon primärenFollioular-goschwüren, die weniger passend auch als katarrhalische Darmgeschwüre bezeichnet werden, hat Roll aufmerksam gemacht. Lebor die metastatischo Ent­stehung der Follicularabscesse in der Darmschleimhaut des Pferdes ist nur wenig bekannt. Dass dieselbe aber vorkommt, ergiebt sich aus den S. 3G7 besprochenen Beobachtungen. — llämorrhagische Darmgeschwüre können bei der Blntfleckenkrank-heit, aber auch bei schleichendem Verlaufe anderer Autoinloxicationen entstehen. Ich habe bei einem 14jährigon massig genährten Wallach, welcher an einer schleichenden Kolik litt und am 8. Krankheitstage starb, im Orimmdarfn eine ausgebreitete multiple Geschwürsbildung gefunden, wobei die Entstehung der Defecte aus der hämorrhagi-sohen Infarcirung der Schleimhaut durch alle Entwickelungsphasen gekennzeichnet war: von der frischen Infiltration bis zur vollständigen Dissection und Reinigung der Substanzvcrlusto. Auch im Blinddarm habe ich bei einem an Kolik verendeten Pferde oberflächliche liämorrhagisclio Geschwüre constntirt. In der Grosse differiren die hämorrhagischon Geschwüre von einer llaselnuss bis zur Handfläche. Sie können mit Zurüoklassung flacher oder wulstiger Narben verheilen, mögen aber vielleicht in ein­zelnen Fällen zu narbigen Stricturen (üarmstonose) die Veranlassung abgeben. — Bestimmte Krankheilsorscheinungen, nach welchen eine Diagnose zu ermöglichen wäre, bringen die Darmgeschwüre des Pferdes nicht mit sich.
Capitel CX. Nagen- und Darmblntungcn.
Die hei Verwundungen und Vorlagerungen eines Darmabschnittos, sowie bei embolischen Entzündungen der Darmschleimhaut eintretenden Blutextravasationen haben nicht den Charakter selbständiger Krankheiton und können deshalb an dieser
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Stelle koine Beriicksichtigung finden. Dass beim Niederstürzen durch das Anprallen des Bauches gegen stumpfe Gegenstände eine Magenblutung entstehen könne, ist bis­lang bei Pferden nicht beobachtet worden. Der nach literarischen Angaben in sehr seltenen Fällen beobachteten parenchynifitösen Blutung der Magenschleimhaut und Entleerung einer erheblichen Quantität von flüssigem Blut in den Magen und Darm liegt eine unbekannte hämorrhagischo Diatheso zu Grunde. Der Blutverlust kann so bedeutend sein, dass die Pferde unter den Symptomen der Anämie und Erschöpfung der Kräfte in 1—3 Tagen zu Grunde gehen. Üa aber solche Krankheitserscheinungen bei anderen inneren Blutungen ebenfalls auftreten und mehr oder minder ausgeprägt auch acute und chronische Störungen der Blulmischung charakterisiren, so lässt sich die Diagnose intra vitam nicht stellen. Denn das Erbrechen des Blutes (Haemate-mesis) kann bei Pferden nicht erfolgen. — Für die Scctiuiisiliagiiusc ist zu beachten, dass die Pferde bei Lungenblutungen und bei Verwundungen der Maul- oder Rachen­schleimhaut einen giossen Theil des Blutes vorsohlucken. — Von Empirfkorn wird zuweilen das Aderlassblut den ITerden zur Solbstaufnahme vorgehalten; die Thiere trinken davon 1—2 Liter.
Die spontane Mastdarmblutung ist bei Pferden als eine besondere Krank­heit wohl bekannt. Das Zustandekommen derselben wird auf die Borstung eines oberflächlich gelegenen venösen Blutgefässes der Dickdarmschleimhaut zurückgeführt. Allein in mehreren Fällen, die ich behandelt habe, bestand gleichzeitig eine entzünd­liche Affection der Darmschleimhaut mit Pulsfrequenz, Appetitmangel und verzögerter Defäcation, so dass die Causa essentialis in einer specifischen Blutintoxication und allgemeinen bämorrhagischen Diathese zu vermnthen sein dürfte. Utz (Bad. Mitth,, 1873, S. 116) hat die Mastdarmhämorrhagie bei einem Pferde beobachtet, welches später unter den Erscheinungen der Hämophilie (Blutschwitzen) zu Grunde ging. — Die Diagnose der Mastdarmblutung stützt sich auf den in Zwischenzeiten von einigen Stunden erfolgenden Abgang von theils flüssigem, theils coagulirtem Blut aus dem After. Dabei ist die Neigung zur Fulteraufnahme verringert, selbst ganz aufgehoben. Anämie der Kopfschloimhäute entsprechend dorn Blutverluste. Pulsfrequenz und all­gemeine Apathie. Bei günstigem Verlaufe erfolgt nach 1—2 Tagen Genesung. Der tödtliche Ausgang wird durch den Blutverlust nach einer Krankheitsdauer von 1 bis 4 Tagen herbeigeführt. In diagnostischer Hinsicht ist zu beachten, dass eine geringe Quantität von Blut auch bei frischen Mastdarmverletzungen abfliesst. Die Prognogc erheischt Vorsicht; indess ist bei massigen Blutungen die Genesung nicht ausge­schlossen. Zur BehniMlhing ist Physostigmin (0,06—0,10) angezeigt; die Injection kann nach 6—10 Stunden wiederholt werden. Ferner Kai. jodat. (10,0—20,0) mit dem Trinkwasser zur Selbstaufnahme. Infusionen von kaltem Wasser In den Mastdarm. In den folgenden Tagen bei Inappetenz und verzögerter Darmentleerung Natr. sulfur, mit Borax und bitteren Mitteln. Kochsalz zum Lecken.
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Durchfall. Bauchfluss. Diarrhoea.
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Capitel CXI. Durchfall. Bauchfluss. Diarrhoea.
Es ist als eine Folge der seit 30 Jahren urgirten anatomischen Diagnostik an­zusehen, dass die „Diarrhöequot; nicht mehr, wie in der früheren Krankheitslehre, als eine Gruppe von Darmkrankheiten substanziirt, sondern nur als ein Symptom des acuten oder chronischen Darmkatarrhs betrachtet wird. Hiergegen lässt sich indess mit Recht einwenden, dass auch im Darm funotionelle Störungen vorkommen, bei welchen anatomische Veränderungen in der Schleimhaut nicht nachweisbar sind. Wenn demnach der Durchfall begrifflich durch den „Darmkatarrhquot; substituirt wird, so liegt darin für manche Vorgänge etwas Gezwungenes. Andererseits ist auch die Aetiologie der mit diarrhoisoher Darmentleerung verbundenen Krankheiten so ver­wickelt, dass die einheitliche Bezeichnung derselben als Darmkatarrh die pathologische Erkenntniss nicht wesentlich fördern kann. Aus diesen Gründen hat sich im prak­tischen Leben noch vielfach der Brauch erhalten, eine Reihe von Darmkiankheiten mit dem Namen der Diarrhöe zusammenzufassen.
Für die generelle Pathogenese des Durchfalls ist zu beachten, dass die ver­mehrte Peristaltik mit abnorm schneller Fortbewegung der Oontenta und Entleerung flüssiger Excremente durch Reizung der motorischen Nervonapparate dos Darms ver­mittelt wird. Zweitens kann die gesteigerte Absonderung in der Darmschleimhaut als Folge einer durch Alteration der Darmepithelien bedingten Capillartranssudation an dem Zustandekommen des Durchfalls betheiligt sein. Drittens wird bei entzünd­lichen Darmaffectionen die gesteigerte Transsudation dadurch herbeigeführt, dass die vasomotorischen Nerven der Gefässe in der Darmschleimhaut gelähmt sind.
Die früher gebräuchliche Eintheilung des Durchfalls in eine möglichst grosse Zahl von Formen ist von keinem besonderen Werthe. Von diagnostischem Interesse ist aber, dass der Durchfall oft auf einer selbständigen Affection des Darms beruht und in anderen Fällen mit allgemeinen Krankheiten (acute fieberhafte Infections-krankheiten, ichorrliämische Intoxication, septische Wundinfection etc.) ätiologisch zu­sammenhängt. Es darf indess nicht übersehen werden, dass diese Unterscheidung sich nicht auf einfache Vorgänge, sondern auf zwei Krankheitsgruppen bezieht. So­weit der Durchfall als Symptom bei allgemeinen Krankheiton vorkommt, hat derselbe in den betreffenden Capiteln eine nähere Berücksichtigung gefunden. Von den Arten des Durchfalls, welche auf einer Erkrankung des Darms beruhen, ist zu unterscheiden zwischen: 1, Function eilen Störun gen des Darms (leichte Diarrhöe nach Erkältung, nach der Verabreichung laxirender Medic amente odor Nah­rungsmittel: Grün futter, Kleie etc.); 2. acuten katarrhalischen Affoc -tionen der Magen-Darmschleimhaut nach Diätfehlorn und leichten toxischen oder infoctiösen (?) Ursachen; 3. dem sohl eich end ver laufen­den Katarrh in der Dünn- und Dickdarmschleimhaut (chronischer Darmkatarrh); 4. der circ um Scripten Nek rose der Darmwand durch em-bolische Vorgänge im Dickdarm oder Dünndarm, wenn die geschädigte Darmpartie durch exsudative locale Peritonitis mit der Nachbarschaft
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verklebt ist; ö. der festen Verwachsung einzelner Darmtheile unter­einander oder mit dem Netz, der Bauchwand, der Harnblase, dem Zwerchfell etc.; 6. der schworen toxischen und infectiöson Entzündung der Magen-Darmschloimhaut.
Aus vorstehender Ueborsicht ergiebt sich, wie mannigfaltig bei Pferden die Krankheiten des Darms sein können, bei welchen als wesentlichstes Symptom die Diarrhöe auftritt.
Die zu diagnostischen Zwecken bewirkten Erhebungen sind demnach auf die Aetiologie des betreffenden Falles auszudehnen. Selbst dann ist die Klarstellung der Sachlage nicht immer erreichbar. Denn die Qualität der Fäcalstoffe giebt wohl Auf-schluss über den allgemeinen Charakter der Darmaifection (einfache Steigerung der Peristaltik; seröser, schleimiger und hämorrhagischer Darm­katarrh), lässt aber hinsichtlich des Sitzes und des pathogenetischen Verhältnisses der Krankheit oft im Dunkeln. — Aus der Beschaffenheit der durch Auscultation fest­zustellenden Darmgeräusche (vorgl. S. 94) kann bei entzündlichen Affectionen auch nicht mit Sicherheit auf die Begrenzung des Processes geschlossen werden. Die Ein-theilung der mit Diarrhöe verlaufenden entzündlichen Darmkrankheiten nach dem Sitze in: Magen - Zwölffingerdarm - Entzündung (Gastro - Duodenitis) ; Leerdarmentzündung(Jejunitis); Hüftclarmentzündung(lleitis); Blind­darmentzündung (Typhlitis); Grimmdarmentzündung (Colitis) und Mastdarmentziimlung (Proctitis) hat demnach für die Zwecke der thierärzt-lichen Praxis keinen grossen Werth. Im Uebrigen würde auch die Therapie in einer solchen Diagnose keine bestimmte Indication finden.
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Capitel CXII. Einfacher firkältungsdurclifall. Rheumatische Diarrhöe.
Pferde, welche bei der Stallpflege verweichlicht sind, ziehen sich zuweilen durch den Gebrauch bei nasskalter Witterung eine Refrigeration des Bauches und in Folge derselben eine Diarrhöe zu. Das Zustandekommen der letzteren dürfte auf reflectori-schem Wege erfolgen. Hierfür spricht insbesondere: dass die Affection sich schon während der Dienstleistung bei den Thieren einstellt. Der Vorgang beruht im Wesent­lichen auf krampfhaften Contractionen des Dünndarms, die sich anfallsweise wieder­holen. Daneben tritt eine gesteigerte Peristaltik ein.
Symptome. Unlust des Temperamentes. Zeitweise leichte Koliksym­ptome (Zusammenkauern). Wiederholte Entleerungen flüssiger Darm-exeremente. Zuweilen Drängen auf den Mastdarm. Puls, Respiration und Temperatur bleiben normal. Der Verlauf kann schon in l/2 Stunde beendet sein, erstreckt sich aber mitunter auf 3 — 6 Stunden. Auch bekunden die Pferde oft noch einen Tag hindurch eine massige allgemeine
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Acuter Magen-Darmkatarrh der Fohlen. Acute Diarrhöe.
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Ermüdung. Die Diagnose ist leicht. Die Verwechselung mit der Kolik beruht darauf, dass über den begrifflichen Umfang dieser Krankheits­gruppe die Sachverständigen nicht gleicher Meinung sind. Die Behandlung kann auf die sorgfältige Verpflegung der Thiere beschränkt werden. Ab­reiben und warme Umwickelungcn des Bauches. In heftigen Fällen Ein­reibung der Bauchwand mit Spiritus, 01. Tereb. oder Liq. Ammon. caust., Verabreichung von gutem Heu und warmem Kleietrank.
Capitel CXIII. Acuter Nagen-Darmkatarrh der Fohlen. Acute Diarrhöe.
Den nachtheiligon Wirkungen einer schlechten Beschaffenheit der Nahrungs­mittel sind die Fohlen in den ersten beiden Lebensjahren mehr unterworfen, als die älteren Pferde. Die Ursachen der acuten Diarrhöe können in verschiedenen Eigen­schaften der Nahrungsmittel beruhen.
1) Saugfohlon erleiden oft eine Reizung der Magen-Darmschleimhaut durch die ungeeignete Beschaffenheit der Milch. Allgemein wird das G—8 Stunden lange Stag-niren der Milch im Euter der Mutterstuten als nachtheilig betrachtet. Dass hierdurch der Durchfall oft entstände, ist indess durch thatsächliche Feststellungen nicht dar-gethan. Mehr Wahrscheinlichkeit hat die Hypothese, dass der Milch bei manchen Stuten durch den StofTwechsel reizende Eigenschaften verliehen werden. Nicht ohne Grund beschuldigt man daher die Ernährung der Stuten mit ungeeignetem Futter als Ursache der acuten Diarrhöe der Saugfohlen.
Die Symptome bestehen in mangelhaftem Appetit und Entleerung dünnbreiiger Fäcalstoffe von gelblicher Färbung. Schweif und Hinter­schenkel werden durch die Dejecte beschmutzt. Rückgang des Nähr­zustandes. Die Krankheit dauert 3 — 8 Tage. Zuweilen erfolgt keine vollständige Heilung, so dass der chronische Magen-Darmkatarrh aus der acuten Diarrhöe hervorgeht. Im Ganzen ist die Prognose günstig. Für die Therapie bleibt die Regelung der Ernährung die Hauptsache. Deshalb ist der Mutterstute nur reines und nahrhaftes Futter (Heu und Hafer) zu geben. Manche Praktiker verordnen einem alten Brauche gemäss Alkalien (Magn. carb., Natr. bicarb.) oder Natr. sulfur, mit dem Futter für die Stute. — Bei den Fohlen sind Infusionen von Mehlwasser oder auch von einer 0,5proc. Kochsalzlösung in den Mastdarm empfehlens-werth. Arzneimittel sind in dem jugendlichen Alter der Thiere kaum
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räthlich. Zu einem Versuche eignet sich Calomel in sehr kleinen Gaben (0,006 mit Zucker und Altheewurzol in Schleckenform) 2—3 Mal täglich. 2) Innerhalb der ersten Wochen des Weideganges erkranken Jährlingsfohlen zuweilen an einem fieberhaften acuten Magen-Darmkatarrh, dessen Ursachen nicht genau bekannt sind. Von grösseren Fohlenbeständen werden einzelne, mitunter auch mehrere Fohlen gleichzeitig oder kurz nacheinander betroffen. Ich habe die Krank­heit mehrfach auf Weiden eintreten gesehen, deren Vegetation nichts Nachtheiliges erkennen liess. Auf die seit Jahrzehnten beschuldigte Erkältung kann der pernioiöse Charakter dieser Diarrhöe nicht zurückgeführt werden. Vermuthlich liegt die Ursache in einer besonderen Infection.
Symptome und Verlauf. Trauriges Benehmen. Mattigkeit, Stehen mit gesenktem Kopfe, aufgebürstetes Haar. Ficberterapcratur (40,0--41,0) und Pulsfrequenz. Häufige Ausscheidung dünnflüssiger Excremente von schmutziger oder bräunlicher Färbung. Tencsmus und bei tödtlichem Ausgange schliesslich Lähmung des Sphincter ani mit unwillkürlichem Abfliesscn der diarrhoischen Fäces. Der Bauch fällt zusammen. Futter-aufnahme vollständig vorsagt. Kopfschleimhäute venös geröthet. Am 2.—3. Krankheitstage allgemeiner Kräfteverfall und schliesslich Unver­mögen zu stehen. Der Tod erfolgt unter den Zeichen der Erschöpfung.
Scctionsbcfuiul. In den Cadavorn stellt sich schon nach wenigen Stunden starke Fäulniss ein. Magen- und Darmschleimhaut goschwollen und geröthet; einige Stunden nach dem Tode livide gefärbt. Die epitheliale Decke der Schleimhaut ist erweicht und fohlt stollonwoiso. Das Blut in den venösen Gefässon dunkel und unvollständig geronnen. Herzmuskulatur orweioht, ausgedehnt und auf der Schnittfläche trübe. Rachensohleimhaut dunkelgeröthet oder cyanotisch.
Diagnose. Nur im Beginn der Erkrankung ist eine Verwechselung mit dem durch den Weidegang an sich bedingten gutartigen und vor­übergehenden Durchfall möglich. Im Uebrigcn giebt die fieberhafte Ge-sammtaffection neben der starken Diarrhöe für die Diagnose einen gc-niigenden Anhalt. Prognose ungünstig. Im Beginn und in den geringen Graden lässt sich diesem acuten Magen-Darmkatarrh zuweilen Einhalt thun. Das voll entwickelte Leiden endet der Regel nach tödtlich. Thcraine. Sofortige Unterbringung der kranken Fohlen in einen warmem Stall. Einreibung des Bauches mit Ol. Tereb. oder mit Senfspiritus (Ol. Sinap. 3—4 auf Spirit. 100); darauf eine feuchtwarmc Einwickelung dos Bauches. Infusion von warmem Muhlwasser in den Mastdarm. Innerlich Opium (0,5—2,0 in Laiwergonform) 2 — 3 Mal täglich; oder Tinct. Opii (2,0—5,0 in Schleim); oder Arg. nitric. (0,2—0,5 in Aqua dest. oder Rcgonwasser); später tonisirende Mittel (Rad. Rhei 5,0—10,0 mit Natr. bicarb, in Latwergonform). Zum Getränk verschlagenes Wasser oder Klciewasser. Als Futter reines Heu oder Kleeheu, auch gutes Hafer-
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Chronischer Darmkatarrh.
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stroh. — In prophylaktischer Hinsicht empfiehlt sich die sofortige Entfernung der Fohlen von der Weide, auf welcher die Krankheit ent­steht. Mehrfach sah ich, dass nach 3 — 4 Wochen die Weide von den Fohlen ohne Naelitlieil wieder betrieben werden konnte.
Capitel CXIV.
Chronischer Narmkatarrh. Catarrhus intastinalis chronicus. Diarrhoea chrouica.
Dass in der Darmschleimhaut unter den verschiedensten Veranlassungen eine chronische Blutstauung mit gesteigerter Absonderung, Röthung und leichter Schwel­lung herbeigeführt weiden kann, wurde bereits hervorgehoben. Am häufigsten geht der chronische Darmkatarrh aus dem Genüsse fehlerhaft beschaffener Nahrungs­mittel rosp. aus Diätfehlern hervor. Eine zweite Reihe von ätiologischen Momenten liegt in der bei den allgemeinen fleberliaften Krankheiton fast immer vorhandenen Affection der Digestionsschloimhaut. Es ist nach diesen Entsteluingsarten erklärlich, dass nicht selten neben der üarmsohleimhaut auch dio Magenschleimhaut eine analoge Veränderung erleidet (ch ronischer Magen-Darmkatarrh). Pferde mit schwacher Verdauung, mangelhafter Constitution und fehlerhaftem Backzahngebiss, sowie sehr alte Pferde besitzen eine Prädisposition für den chronischen Darmkatarrh. Wogen der relativ grossen Vulnerabilität der Magen-Darmschlcimhaut sind demselben auch die Fohlen im ersten Lebensjahr häufig unterworfen. — Der Regel nach erkranken einzelne Darmabsohnitto in höherem Grade als andere (Dünndarmkatarrh und Dickdarmkatarrh). Durch die wochen- und monatelange Blutcongestion erweitern sich die (iefässe, so dass die Schleimhaut an den betroffenden Partion höher geröthet ist. Dazu kommt die reichliche Abstossung des Kpithols und die Schwellung der solitiiren Follikel, wie der Poyer'schen Haufen. Zuweilen entstehen kloine folliculäre Geschwüre.
Syniptonie. Mehr oder weniger lliissige Beschaffenheit der Darm-exeremento. Beschmutzung dos Schweifhaares und der Hinterschenkel. Die Mitaffeotion der Mastdarmsohloimhaut bedingt gewöhnlich Tenesmus. Oft haben die Excrcmcnte eine schmutzig-graue, schleimige Beschaffen­heit und eine saure Reaction. — Mangelhafte Futteraufnahme. Durst-golulil etwas gesteigert. Unlust des Temperamentes. Schmutzige, gelb­lich nüancirte Färbung der Conjunctiva. Aufziehen der Bauchdecke. Matte, etwas aufgebürstete Beschaffenheit dos Deckhaars. Pulsfrequenz 40—46 pro Minute. Afhmen gewöhnlich nicht vermehrt. Temperatur normal. — Der Verlauf kann sich auf wenige Wochen beschränken, aber
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auch auf 1 Jahr und darüber ausdehnen. Bei der Verabreichung passen­der Futterstoffe mindern sich die Erscheinungen oft eine Zeit lang. Die Pferde bleiben aber mager und sind deshalb wenig leistungsfähig. Oft gelingt die vollständige Heilung, namentlich bei den Fohlen nach 1 bis 2 Monaten. In anderen Fällen erlangt die Abmagerung des Körpers nach einigen Monaten einen so hohen Grad, dass die Patienten in Kachexie mit tödtlichem Ausgange verfallen.
Die Diagnose ist bei den Fohlen leicht. Bei erwachsenen Pferden kann dagegen die Verwechselung mit einer entzündlichen Verklebung oder Verwachsung zwischen einzelnen Darmtheilen oder zwischen einer Darm­partie mit anderen Organen der Bauchhöhle leicht vorkommen. Denn bei solchen peritonitischen Zuständen entwickelt sich in der Schleimhaut des betreffenden Darmstückes auch ein diffuser Katarrh mit nicht zu stillender Diarrhöe. Eine besondere Vorsicht empfiehlt sich deshalb in der Beuitheilung der schleichenden Diarrhöe bei Pferden, die wenige Wochen vorher castrirt sind oder Quetschungen der Bauchwand erlitten haben oder mit grösseren Eiterherden in der Leistengegend behaftet waren. — Die Prognose hat sich nach der Thatsache zu richten, dass der chronische Darmkatarrh eine schwer heilbare Krankheit ist und dass die Genesung der Patienten in der Regel nur bei durchgreifender Aende-rung in der Ernährung erfolgt. — Die Therapie verlangt die Verabreichung guter und leicht verdaulicher Nahrungsmittel (Heu bester Qualität und reiner Hafer) in relativ kurzen Futterzoiten. Vor einer Indigestion sind die Thiere zu bewahren. Bei alten Pferden bessert sich der Zustand nicht selten, wenn dem Haferfutter kleine Gaben von Erbsen oder Bohnen beigefügt werden. Im Frühjahr sind junge Disteln nützlich. — Zur medicamentösen Behandlung eignen sich die tonisirenden Mittel: Rad. Gent., Semen Strychni, Cortex Quercus mit Natr. bicarbon.; ferner Koch­salz. Die adstringirenden Metallsalze (Arg. nitr., Ferrum sulfur., Alumen) haben in der Regel nur einen vorübergehenden Erfolg. Dagegen führen Carbolsäure (10,0—15,0), Kreosot (3,0—6,0) oder 01. Toreb. (10,0 bis 15,0) in Bolusform zweimal täglich gegeben, mitunter die Heilung herbei. Vortheilhaft wirken auch Infusionen von warmem Meblwasser in den Mastdarm. — Bei den Fohlen ist die Magnesia in Verbindung mit kleinen Dosen von Radix Rhei; ferner Calomel in minimalen Dosen zuweilen wirksam. Das Meiste leistet aber auch bei diesen Patienten die sorg­fältige üeberwachung der Fütterung.
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Diffuse acute Magen-Darmentzündung nach Erkältung.
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Capitel CXV.
DiiTuse acute Nagen-Darmeutziiiidiiiig nach Erkältung. Enteritis rheumatica.
Gastro-
Gut geniilirte Pferde erkranken im Sommer tei hoher Temperatur durch die nachtheiligen Wirkungen der Hitze und der anhaltenden Anstrengung mitunter an einer eigenartigen diffusen Entzündung der Magen-Darmschleimhaut. Die Patho-genese lässt sich nicht vollständig aufklären. Es ist sehr wahrscheinlich, dass unter den angedeuteten Verhältnissen sich in Folge der atmosphärischen Einflüsse toxische Substanzen im Blute bilden, die durch ihre besondere Affinität eine Reizung der Darmschleimhaut auslösen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die ungleiche Blut-vertheilung im Körper resp. die Anhäufung von Blut im Intestinaltractus.
Symptome und Verlauf. Die Ausbildung dieser Gastro-Enteritis erfolgt in 6 — 20 Stunden. Fiebertemperatur von 40,0 — 41,0. Puls 70—90, klein und hart. Respiration 20—30 in der Minute, oberflächlich. Kopf­schleimhäute venös geröthet. Hinterleib gefüllt. Starke Diarrhöe; Excremente übelriechend. Allgemeine Ermüdung; die Pferde stehen mit gesenktem Kopfe und vermeiden die Bewegung; zuweilen liegen sie an­haltend; das Aufstehen macht ihnen Beschwerde. Stöhnen. In einzelnen Fällen leichte Koliksymptome. Der Appetit ist in der Regel vollständig aufgehoben; am 2. oder 3. Tage verzehren die Thiere zuweilen etwas Heu. Auch vom Trinkwasser wird nur wenig aufgenommen. — Die Krankheit verläuft peracut und endet mitunter schon am 2. Tage mit dem Tode des Patienten. In anderen Fällen dauert das Leiden 4 bis 6 Tage. Aber auch dann ist der Ausgang in Genesung nicht gesichert. Denn nicht selten complicirt sich diese Gastro-Enteritis mit der Rhehe in den Vorderhufen oder in allen 4 Hufen. Die Pferde liegen hierbei anhaltend und ziehen sich decubitale Destructiouen der Haut zu, die den tödtlichen Ausgang des Leidens in 5 —15 Tagen vermitteln. Zuweilen gehen die Thioro durch die Complication mit Hcrzinsufficienz und Lungen­ödem zu Grunde.
Sectiunsbefuntl. Neben den durch die SufTocation und durch die bezeichneten Complicationen bedingten Zuständen ergiebt die Autopsie eine dilTuso Schwellung und dunkolrothe Färbung der Magen- und Darmschleimhaut. Stellenweise Blutextravasate in derselben. Das Epithel der Schleimhaut abgestossen. In den venösen Gefässen des Körpers schwarzrothes zähflüssiges Blut.
Bei der Diagnose sind die Rhehe und die acute Herzinsufficienz (vergl. S, 768) zu berücksichtigen. Erleichtert wird die Unterscheidung durch
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828nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
die starke Diarrhöe, die dunkle Färbung der Schleimhäute und den kleinen frequenten Puls. — Prognose ungünstig. Nur in einer Minder­zahl der Fälle und resp. bei verhältnissmässig leichter Erkrankung ist die Genesung zu erreichen. Therapie. Gute Stallpflege. Application von 5proc. Senfspiritus oder von Terpentinöl auf die Bauchwand. Priess-nitz'sche Umschläge oder warme Einwickelungen des Bauches. Inner­lich Opium (4,0—8,0) mit Natr. bicarb, und schleimigen Mitteln in Lat-wergenforra. Oder Calomel (3,0) mit Hb. Hyoscyami und Natr. bicarb, ana 30,0 als Latwerge auf einmal. Am 2. und 3. Tage Ammon. chlorai, auch Natr. sulfur, in kleinen Dosen mit Sem. Papaver. oder Sera. Lini. — In einigen Fällen gab ich Rothwein mit Nutzen. Empfehlenswerth ist ferner Aether mit dem Trinkwasser. — Infusionen von Schleim oder Mehlwasser in den Mastdarm. — Um der Complication mit Rhehe thun-lichst vorzubeugen, sind die Hufeisen rechtzeitig zu entfernen, die Sohlen von dem todten Horn zu befreien und die Hufkapseln mit erwärmtem Holztheer zu bestreichen.
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Capitel CXVI. Toxische Nagen- Darmentzuiidniig.
Der diagnostischen Bedeutung wegen will ich in Kürze auf die durch scharf wirkende Arzneipräparate bei Pferden nicht selten herbeigeführte „Gastro-Ente-ritis toxicaquot; eingehen, obwohl ich, wie schon in der Anmerkung S. 506 hervor­gehoben ist, die systematische Darstellung der „Vergiftungenquot; den Lehrbüchern der Materia medica und Toxicologie überlasse. — Am häufigsten kommt eine diffuse Ent­zündung der Magen-Darmschleimhaut durch die fahrlässige Verabreichung unzulässig grosser Mengen von Aloe oder Calomel zur Ausbildung. Entweder wird die Dosis der drastischen Modicamente aus Versehen auf den Recopten zu hoch gegriffen, oder es wird auf die fahrlässige Entscheidung des Besitzers das zur einmaligen Einverleibung verordnete Mittel wiederholt angefertigt und verabreicht. Die Wirkung dieser Gifte erstreckt sich auf den ganzen Darmkanal. Infiltration und starke Schwellung mit der Bildung von Quorfalton in der Schleimhaut. Reichliche Abstossung des Epithels. Eigenthümlich livide Färbung der Schleimhaut. Stellenweise kleine oder stroifen-förmige hämorrhagische Herde. Bei der heftigen diarrhoischen Wirkung der Mittel wird fast der ganze InliaU des Darms in 20—SO Stunden ausgeschieden.
Syiuptomc uml Verlauf. Abgestumpftheit. Stierer Blick. Venöse Färbung der Schleimhäute. Vollständige Inappetenz. Auch Wasser wird nur zur Ausspülung des Mauls aufgenommen, aber nicht in bemerkonswerther Menge getrunken. Frequenter und gespannter Puls. Leichte Respirationsfrequenz und fieberhafte Temperatur. —
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Acute infectiöse Magen - Darmentzündung.
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Häufige Elimination flüssiger, sclimut/.iger und oft übelriechender Excremente. Te-nesmus. Zuweilen leichle Koliksymptomo. — In den höheren Krankheitsgraden Steige­rung der Erscheinungen in 20 — 50 Stunden. Zunehmender Kräfteverfall und Tod durch Herzschwäche am 2.-5. Tage. — Bei günstigem Verlaufe allmäliger Nachlass der Symptome und Genesung in 6—14 Tagen.
Vergiftungen durch Crotonöl und ßrechweinstein kommen bei Pferden seltener vor, weil die grossen Dosen dieser Mittel in der therapeutischen Praxis gegenwärtig keine allgemeine Verwendung mehr finden. Die hierbei entstehende Castro - Enteritis vorhält sich sonst dem vorstellenden Bilde analog. — Bei der Intoxication durch Arsenik- und Bloipräparato prävaliren neben dor diarrhoischon Entleerung übelriechen­der und blutiger Excremente die Symptome der Kolik und die nervösen Zufälle.
Die Diagnose ist unter Berücksichtigung der Anamnese zu stellen. In Ermange­lung derselben gestaltet sich die Erwägung der Befunde schwierig. Eine besondere Beachtung erfordern die heftigen Diarrhöen, welche bei der Brustseuche und Pferde-staupo nicht selten 1—2 Tage hindurch bestehen, oder die infectiösen Formen der acuten Gastro-Enteritis begleiten. Auch die entzündliche Verklebung und Verwachsung eines Darmstückes mit der Nachbarschaft bedingt nicht selten eine heftige Enteritis mit abundanter Diarrhöe. — Durch den Sectionsbefund kann die Diagnose nach dem Verfahren der Ausschliossung wesentlich gefördert werden. — Die Prognose bestimmt sich nach der Frequenz und Qualität des Pulses. Ungünstig füllt die Beurtheilung aus, wenn die Pulszahl 80 in der Minute übersteigt und der Kräfteverfall erheblich ist. — Therapie. Opium in Verbindung mit schleimigen Mitteln; demnächst Natr. bicarb, mit Rad, Gentianae und Rad. Liquirit. — Zur Anregung der Herzthätigkeit Aether im Trinkwasser oder eine schwache Ammoniaklösung als Inhalation. — In­fusionen von Mehlwasser in den Mastdarm. Reizende Einreibung und feuchtwarme Einhüllung des Bauches. — Als Nahrungsmittel zunächst gutes Heu mit Kleietrank.
Capitel CXVII. Acute intectiüse Magcn-DaruieDtzündung.
Mangel an gesicherten ätiologischen Aufschlüssen über eine Reihe von acuten pernieiösen Entzündungen der Gastro-Intestinalschleimhaut ist das Motiv, nach wel­chem in der praktischen Thierarznoikunde die „infectiöse (mykotische) Magen-Darmentzündungquot; als eine besondere Krankheitsbezeichnung beibehalten wird. Begrifflich wird dabei vorausgesetzt, dass durch pathogene Mikroorganismen eine primäre diffuse Enteritis veranlasst wird. Dass eine derartige Entzündung in der Magen-Darmschleimhaut als Theilerschoinung allgemeiner Infectionskrankhoiten sich entwickelt (Milzbrand, primäre Sephthämie etc.), ist in den betreffenden Capiteln er­örtert worden. Vielfach wird auch die Vergiftung durch verschimmeltes Futter (S. 505) dieser Krankheitsgruppe einverleibt. Zu den Darmmykosen (Intestinalmyko-sen) gehören feiner die S. 302 und 304 besprochenen Formen der diphtherischen
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Organltrankhoiton.
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Enteritis und die S. 81G erwähnte diphtlierische Erkrankung der Magenschleimhaut, sowie das S. 383 erörterte ephemere Fieber.
Nach Ausscheidung dieser Krankheiten erübrigt noch eine schwöre, fast immer tödtlich verlaufende acuto Magen-Darmentzündung, die im Ganzen nicht oft vorkommt und meist nur einzelne, zuweilen aber mehrere Fferde eines Bestandes befällt. Die Entstehung der Krankheit wird auf die Wirkung eines Stallraiasma (daher der Namo „Stalltyphusquot;) oder auf die Verunreinigung des Futters mit pathogenen Mikroben zurückgeführt. In der Magon-Dannschloiinhaut entwickelt sich innerhalb 1—3 Tage eine diffuse entzündliche Schwellung mit Abstossung des Epithels. Vom Darm aus vollzieht sich eine schwere Blutintoxication mit parenehymatöser Trübung des Herzens, der Leber, Milz und Nieren. — Der früheren Lehre entsprechend, wurde die Krank­heit gewöhnlich als „typhöse Magen-Darmentzündung (Darmtyphus, Ab­dominaltyphus) bezeichnet. Es ist nicht mehr angebracht, diese Namen in der wissenschaftlichen Krankheitslehre beizubehalten.
Symptome. Benommenheit des Bcwusstscins. Allgemeine Abspannung der Kräfte. Stierer, gläserner Blick. Frequenter, schwacher Puls. Massige Steigerung und oberflächliche Ausführung der Athemzügo. Ficberterape-ratur bis 41,0deg; und darüber. Zuweilen Horripilationen der Haut und Zuckungen in der Muskulatur. Arersagen des Futters und meist auch des Trinkwassers. Venöse Färbung der Schleimhäute und Füllung der kleinen Gefässe in der Conjunctiva. — Darmexcretion am 1. bis 2. Krankheitstago verzögert; Excromonto zähe, theerartig. Dann starke Diarrhöe mit Entleerung schmutziger oder braun-rother übelriechender Fäcalstoffe. Zeitweise leichte Kolik­erscheinungen. — Mit dem 2.-3. Tage zunehmender Collaps, unter welchem die Pferde bald eingehen. — Die Diagnose der Krankheit als eine tödtliche Darmentzündung ist leicht. Dagegen gestaltet sich die Beurtheilung der Aetiologie sehr schwer. Zu verwechseln sind die ver­einzelt vorkommenden Fälle mit den anderen Arten der primären Gastro-Enteritis und mit der seeundäron Darmentzündung nach septischer Blut­vergiftung. — Prognose schlecht. Zur Kchantllnng kann höchstens ein Versuch mit desinficirenden Mitteln (Jodkaliurn 10,0—15,0 in wässeriger Lösung. Calomel in kleinen Dosen) neben den nach symptomatischen Indicationen zu bewirkenden Hülfeleistungen unternommen werden.
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Capitel CXVIII. Kolik. Colica. Darnmeh. Enteralgia.
Don Kranlthoiten des Menschen und der Hausthiere geeignete Namen zu geben, ist in den medicinischen Wissenschafton seit dem grauen Alterthum als eine ernste Aufgabe betrachtet worden. Dass dieselbe bis zur Gegenwart nicht vollständig ge­löst worden ist, zeigt sich an keinem Beispiel so evident, wio bei der Kolik. Nach der im Alterthum vorherrschenden symptomatischen Krankheitsbenonnung ist es ge-wissermasson selbstverständlich, dass die Kolik der Pferde nur als Schmerz der Bauch-oingoweido von Columella, den griechischen Ilippiatorn und von Vogetius an-gosehon worden ist. Indoss unterschied man diesen Schmerz nach dem vermeintlichen Sitze schon in mehrere Arten und Vogetius (dessen Buch: „Artis voter. Libri quatuorquot; in der 2. Hälfte des IV. Jahrhundorts n. Chr. verfasst ist) bezeichnete als „Ilousquot; (stercoraceus); ,,Dolor vontrisquot;; „Dolor coliquot;; „Dolor vesicaequot;; „Strophnsquot; und „Chordapsusquot; eine ganze Reihe von Pferdekrankheiten, die der Kolik zuzurechnen sind. Der thioiärztlicho Autor dos Mittelalters, Jordan us Ruffus (1250), hat den gonerellon Krankheitsnamon des „Dolorquot; beibehalten und seine An­gaben über die Kolik dor Lehre des Vegotius angepasst. Es kann hiernach keinem Zweifel unterliegen, dass in der alten Zeit unter der Bezeichnung „Dolor ventrisquot; (Kolik) alle mit offenkundiger Schmorzempfindung verbundenen Krankheiten dorBauch-organo („Passiones ventrisquot;) des Pferdes bogrilTen worden sind. Während die Differenzirung der Kolik bei Columella und Vogetius unklar bleibt, hat Jord. Ruffus zwei bestimmte Formen aufgestellt: „Dolor ox vontositatequot; (Wind­kolik) und „Dolor ex suporflua comostionequot; (üeberfiittorungskolik).
Die vorbezeichnoten Anschauungen blieben bis zur Errichtung der thierärztlichen Lehranstalten massgobend. Hinzugenommen wurden aus der Volkssprache die Namen : „Darragichlquot; und „Bauchgrimmenquot;, womit indoss auch nur die Aousserung bestimmter, auf abnorme Zustände der Bauchorgano zu beziehender Schmerzen ge­meint ist. In der Lehre von den menschlichen Krankheiten erlangte zuerst die An­sicht, dass die Enteralgia (das Bauchgrimmen) vornehmlich im Grimmdarm seine Entstehung finde, das ücbergewioht. Damit führte sich die Diagnose des „Dolor coliquot; oder wie man auch zu sagen pflegte, der „Passio colicaquot; und „Neuralgia colicaquot; in die Wissenschaft ein. Aus dieser Terminologie ist der Name der „Kolikquot; hervorgogangon.
Seit mehr als 120 Jahren haben sich die thierärztlichen Sachverständigen mit anerkennensworthem Eifer der Aufgabe unterzogen, ein genaueres Verständniss der Kolik nach Anleitung der thatsächlichen Befunde zu schaffen. Davon giobt die grosse Zahl von Kolikarten, welche nach Aetiologie, Sitz, Pathogenose, Charakter und Ver­lauf der Krankheit in der Literatur besprochen sind, einen vollgültigen Beweis. Aber die Pathologie der Kolik gestaltet sich bei Pferden so complicirt, dass die sichere und vollständige DifTerenzirung der Krankheitsgruppe für die praktische Diagnostik nicht erreichbar ist. So wenig befriedigend diese Thatsache erscheint, so ist es doch in praxi besser, sich von vornherein mit derselben abzufinden, als bei dem Versuche
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832nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; • Organlcrankheiten.
einer speciolleren Diagnose sich durch den Kranldieilsverlauf eines Irrtluims über­führen zu lassen.
Bcfiiiitiun. Im weitesten Sinne wird der Name der Kolik mit allen Krankheilen der Pferde in Verbindung gebracht, bei welchen bestimmte, durch Sclunerzempfmdung im Magen und Uarmkanal, zum Theil auch im Peritoneum bedingte Symptome auf­treten. Bei dem grossen Umfange dieses pathologischen Gebietes ist indess die Ein­schränkung des Kolikbogrill's schon in den ersten Ueoennion des gegenwärtigen Jahr­hundorts für nothwendig erachtet und durch die Unterscheidung von 1. symptoma­tischen; 2. falschen, und 3. wahren Koliken zum Ausdruck gebracht worden. Mit corrocten und den Thatsachen entsprechenden Interpretationen lässt sich aber diese Einthoilung in praxi nicht verwerthen.
Eine symptomatische Kolik wird beim Milzbrand, bei der Blutfleckenkrank­heit, bei septischen und ichorriiiimischen Blutvergiftungen beobachtet. Aber auch der bei Vergiftungen mit scharfen Substanzen (Arsenik, Aloe, Bleizucker etc.) ent­stehenden Kolik pflegt man in der thierärztlichen Praxis meist nur eine symptoma­tische Bedeutung beizulegen, obwohl dieselbe nusschliesslich durch die primär im Darmtractus gesetzte entzündliche Reizung hervorgerufen wird.
Als falsche Kolik wurde früher einelleihe von Krankhoitszuständen betrachtet, welche aussorhalb dos Magen-Darmtractus in den Organen der Bauch- und Becken­höhle vorkommen und von den gedaciiten Symptomen begleitet sein sollen. Indess stehen die in dieser Hinsicht von den Autoren gemachten Angaben mit den That­sachen nicht ganz im Einklänge. Es ist fast ausschiiesslich das Peritoneum, bei dessen Entzündung die Pferde Koliksymptome äussern. Eine „Leberkolik (Gallen­steinkolik)quot; und „Nierenkolik (Nierensteinkolik)quot; kommt bei Pferden nicht vor. Auch die vom Laionpublicum und von den Empirikern viel beschuldigte Harnblase ist bei Pferden sicher nur ganz ausnahmsweise Sitz einer Kolik. Ich habe eine „Blasen­kolikquot; niemals mit Sicherheit nachweisen können. Dagegen wird die nach der Castra­tion oder nach ponetrirenden Bauchwunden, starken Quetschungen der Bauchwand oder nach dem Aufbruch von Abscessen in die Bauohhöhle entstehende Peritonitis fast regelmässig von einer Kolik begleitet. Ebenso verursachen eiterige oder jauchige Entzündungen der Beckenorgane nach penetrirenden Mastdarm-, Gebärmutter- und Scheidenverwundungen durch die MitafTection der benachbarten Partie des Peri-toneums, ferner die relativ selten nach Schwergeburten vorkommende dilTuse Peri-metritis das Auftreten von Koliksymptomen. Hiernach ist es zweifellos zutrefTend, die falschen, oder wie ich lieber sagen möchte, die „Bauchfellkolikenquot; von den eigent­lichen oder wahren Koliken zu trennen. Aber es darf dabei nicht übersehen werden, dass auch nicht selten ein primäres Darmleiden (Nekrose oder Perforation der llagen-und Darmwand) zur Peritonitis führt und dass die hierbei auftretenden Koliksym-ptomo theils vom Darm, thcils vom Peritoneum ausgelöst sein können.
Der Begriff der wahren Kolik bindet sich an die Voraussetzung, dass die Schmerzempfindung von einer selbständigen Störung im Magen oder Darmkanal aus­geht. Indess ist auch diese Definition nicht genau abzurunden. Es giobt bei den Pferden Darmentzündungen, welche mit Koliksymptomen verbunden, aber in ihrem besonderen Charakter so genau ausgeprägt sind, dass ihre Eigenart gewöhnlich diagnosticirt werden kann. Solche Darmkrankheiten worden nach dem herkömm­lichen Verfahren der Kolik nicht mehr subsummirt (vergl. S. 827 ff.). Wenn in jedem Falle das Grumileiden des Magens oder Darmkanals zu erkennen wäre, so würde sich die Kolik begrifflich in eine Reihe von Krankhoitssymptomon auflösen.
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Es ist demnach zunächst die Unzulänglichlieit der Diagnose, welche die Zusammen­fassung einer grösseren Zahl von Magen-Darmlirankheiton zu dem Kolikbegriff noth-wendig macht. Dazu kommt die Thatsacho, dass die Schmerzempfindung im Verlaufe eines concreton Falles oft von sehr verschiedenen Zuständon abhängt. Es kann die Kolik bei einem Pferde zuerst bedingt sein durch Anschoppung und Gasentwickelung im Dickdarm, wenige Stunden nachher durch abnorme Lagerung eines Darmstückes, darauf durch die Entzündung und endlich durch Zorreissung des Darms. Alle diese Zustände können nacheinander bei einem Pferde innerhalb 1 — 2 Tage zu Stande kommen. Nun würde es für die Praxis ganz unzulässig sein, bei der Behandlung der Kolik im Laufe eines Tages den Krankheitsnamon 3 oder 4 Wal abzuändern. Auch aus diesem Grunde lässt sich die Beibehaltung des CollectivbogrilTs der Kolik nicht umgehen. — Eine principielle Umgrenzung dos Begriffs statuirte Spinola (Spec. Path. u. Thor., 1857), welcher die Kolik für gleichbedeutend mit der Darmverstopfung hetrachtot und insbesondere als eine „mangelhafte oder gänzlich aufgehobene Koth-entleerung bezeichnet, die mehr oder weniger von Schmerzen bogleitet istquot;. Auch Hering (Spec. Path. u. Ther.) bemerkt: „Die nächste Ursache der Schmerzen ist allemal ein Ilinderniss in der Bewegung des Patterbreisquot;, Wenn man davon absieht, dass ausnahmsweise eine krankhafte Verzögerung in der Dofäcation ohne Kolik vor­kommt, so lässt sich die Definition für die (wahre) Kolik im Allgemeinen acceptiron.
Hiernach geht der conventioneile Begriff der wahren oder essen­tiellen Kolik dahin, dass dieselbe eine Gruppe von selbständigen krankhaften Zuständen des Magens und Darms umfasst, bei welchen die Pferde durch übereinstimmende Merkmale die Empfindung von Darmschmerz bekunden.
Aetiologic null Pathogciicse. Die seit 100 Jahren in der Literatur wiederholte Behauptung, dass bei dorn Pferde in der Einrichtung des Magen-Darmtractus, be­sonders dos Dickdarms, die Bedingungen einer Prädisposition zur Kolik enthalten seien, entspricht dem häufigen Vorkommen der Krankheit, ist aber nur von rolativer Bedeutung. Denn bei annähernd naturgemässer Lebensweise, wie etwa beim dauern­den Aufenthalle auf geeigneten Weiden, erkranken die Pferde oben so seilen an einer Kolik, wie die übrigen Thiere. Das llauplmoliv der Kolik liegt demnach in dor Er­nährung mit schwer verdaulichen FutlerstoiTen und in denjenigen Einflüssen dor Hal­tung und Benutzung des Pferdes, durch welche Störungen der Verdauung veranlasst werden können. Dass die zunächst wenig erheblichen Arten der Kolik sehr oft im weiteren Vorlaufe eine gefahrvolle oder tödtliche Wondung bekommen, beruht aller­dings in der Grosso des Coocum und Colon, ferner in dem langen Gekröse des Dünn-und Dickdarms und zum Theil auch in der relativen Kleinheit und feston Schlund-insertion dos Magens.
Als specicllo Ursachen der Kolik kommen in Betracht:
1) Atmosphärische Einflüsse. Hoher Druck und möglichste Reinheit der Atmosphäre fürdorn die Erhaltung der normalen Mischung resp. Vortlioilung des Blutes und miltelbar die Function des Magens und Darras. Störungen In diesen physiologischen Verhältnissen bedingen eine Schwächung der Digestion und geben deshalb bei Pferden, deren Verdauungsorgane durch schwöre Fütterung stark in An­spruch genommen sind, nicht selten die erste Anregung zur Anschoppung des Futters. Insbesondere sind die schwüle Luft im Sommer und die regnerische Witterung vor­anlassende Momente der Kolik, in einigen gressen Pf erdebeständen liorlins, in wel­chen Maisfüttorung üblich ist, kommt zuweilen bei hoher Luft mehrere Wochen oder
Dieckerhoff, Spec. Pathologie u. Thorupio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;53
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834nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankhoiten.
Monate lang nur ganz ausnahmsweise eine Kolik vor, worauf mit dem Umschlag der Witterung sich mehrere Krankheitsfälle einstellen. — Directo Refrigeration des Bauches kann ferner bei Pferden, welche in ungewohnter Weise von den Wirkungen der nasskalten Witterung betrolTon werden, eine Kolik zur Folge haben (Rheuma­tische Kolik).
2)nbsp; nbsp;Schwäche und Lähmung des Magens oder Dickdarms. Bei Pferden, die lange gehungert haben, kommt nach der Aufnahme einer nicht ungewöhnlichen Ration von Hafer und Häcksel leicht eine Kolik zur Ausbildung, weil die physiologische Leistung des Magens und Dickdarms zur regelnlässigen Verdauung dos Futters mo­mentan nicht ausreicht. Im Verlaufe der Brustseuche und der Scalma stellt sich zu­weilen ohne sonstigen Anlass ein Kolikanfall ein, welcher nur durch die Voraus­setzung zu erklären ist, dass eine im Blute circulirende Substanz eine Schwäche oder Lähmung in den motorischen Ganglien des Darms herbeiführt.
3)nbsp; nbsp;Ueberfütterung und Indigestion. Seit alter Zeit wird nach der that-sächlichen Beobachtung richtig angenommen, dass die Kolik in der grossen Mehrzahl der Fälle durch ungeeignete Fütterung oder durch die Aufnahme verdorbener und schwer verdaulicher Nahrungsmittel veranlasst wird. (Ueberfütterungs-, An-sohoppungs- oder Indigestionskolik). Insbesondere gehören zu diesen ätiolo­gischen Factoren: a) Die übormässige Aufnahme von Körnerfutter (Roggen, Gerste, Mais, Buchweizen, Erbsen, Bohnen, Hafer). Die grössere oder geringere Ge­fahr der gebräuchlichsten Arten dos Körnerfutters ist in der vorhezeichneton Reihen­folge ausgedrückt. Je bedeutender die Quantität der auf einmal oder innerhalb eines halben Tages verzehrten Körner ist, um so leichter entsteht eine Kolik. Von wesent­lichem Einflüsse ist ausserdem das Verhältniss, in welchem die Körner mit Häcksel vermischt verabreicht werden. Junge Pferde erkranken im Allgemeinen leichter nach dieser Veranlassung an Kolik, als ältere und täglich zur Arbeit benutzte Pferde. Die Gelegenheit zu derartigen Ueberfütterungen bietet sich oft an den Feiertagen, während welcher die Pferde im Stalle stehen; forner in den Wirthschaften, in welchen die Fütterung nicht ausreichend controlirt wird. — b) Verabreichung von schwer verdaulichem Stroh und Heu (Häcksel von durchfouchtotem oder sehr welk ge­wordenem Stroh; KalT; Buchweizonschalon; Abhiirksel; alte Stallstreu (Matratzen­streu); Erbsonstroh; Bohnenstroh; frisches, noch nicht ausgeschwitztes Nachheu (Grummet). Meist stellt sich die nachtheilige Wirkung dieses Futters erst ein, nach­dem dasselbe mehrere Tage, selbst 1—2 Wochen lang in der üblichen Menge ver­wendet ist. Die Causa proxima beruht in einer Schwäche der Dickdarmperistaltik, welche die Anhäufung des unverdauten Rauffutters zur Folge hat. (Anschoppungs-Kolik). — c) Ueberfütterung mit grünem Klee, Esparsette oder Luzern. Wenn derartiges Futter in abgewelkter BeschafTenheit oder nachdem es bei unge­eigneter Aufschichtung in Gährung gerathen und warm geworden ist, von den Pferden in grössorer Menge verzehrt wird, so setzt sich im Magen und Darmkanal, nament­lich im Dickdarm die aus eigenartigen Gährungsprocessen rosultiror.de Entwickolung von Gasen (Kohlenwasserstoff, Wasserstoff, Stickstoff und Kohlensäure) fort, worauf der Gastro-Intostinaltractus meteoristisch auftreibt und Parese der Magen-Darm­muskulatur eintritt (Wind kolik). — 4. Ungeeignetes Trinkwasser. Ob durch eine anomale Beschaffenheit des Wassers bei Pferden die Verdauung geschwächt und die Disposition zur Kolik gesteigert werden kann, ist nicht genau bekannt. Adam (Wochenschr., 1880, S. 373) berichtet nach einer Beobachtung in dem Landgestüt zu Augsburg, dass der Gcnuss des Trinkwassers bei einer Temperatur von 5deg; R. bei
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mohreron Pferden die Kolik zur Folge hatte, während derselbe bei 7 0 R. nicht nach-thoilig war. —5. Vorschlucken atmosphärischer Luft. Nur bei einzelnen von den mit der Untugend des Krippensotfons behafteten Pferden. — 6. Fressen von Sand oder mit Sand verunreinigtem Futter. Bei Fohlen häufiger, als bei älteren Pferden. Die sandigen Massen bleiben im Magen und Dünndarm liegen; ein Theil derselben erreicht zuweilen auch den Blinddarm (Sandkolik). — 7. Ausbildung von Darmsteinen im Grimmdarm, weniger oft im Blind­darm und noch seltener im Magen. Die Concremente entstehen am meisten nach der anhaltenden Verabreichung von Kleie; Fürstenborg (vergl. Gurlt, Path. Anat., Nachtr., S. 17) constatirle zuerst, dass sich dieselben zum grössten Theil aus phosphorsaurem Ammonium-Magnesium zusammensetzen. Als „falsche Darm­steinequot; werden die aus eingetrockneten ptlanzliohen Futterstoffen und zum kleinen Theil aus Tripelphosphat bestehenden (leichten) Concremente bezeichnet, die aber ebenso, wie die echten Darmstoine, die Grosse eines menschlichen Kopfes erreichen können. Zuweilen bildet sich nur 1 Darmstein; in anderen Fällen entstehen 2 — 5. Wenn sie in grösseror Zahl vorkommen, so bleiben sie gewöhnlich wallnuss- bis hühnoreigross resp. so Idein, dass sie keine Störung verursachen. Die durch die Wir­kung der Steine voranlasste resp. mitbodingto Kolik charakterisirt sich als eine Ver­stopfungskolik. — 8. Parasitismus von Spulwürmern im Darm (Wurm­kolik. Vergl. S. 511). — 9. Aufnahme von scharfen Giften (Toxische Kolik. Vergl. die toxische Magen-Darmentzündung S. 828). — 10. Stenosen des Darms durch narbige Stricturon. Meist im Hüftdarm, seltener in den vorderen Partien des Dünndarms und im Grimmdarm. Die allmälig zunehmende Verengerung bedingt die erhöhte Leistung und mit derselben die Hypertrophie der Muskulatur in der nächstgelegonen Darmpartie vor der Stenose. Die durch letztere veraulasste, meist nach kürzeren oder längeren Zwischenzeiten sich wiederholende Kolik beruht darin, dass der Darminhalt durch die verengte Stelle nicht mehr fort-geschalft werden kann (Verstopfungskolik). — 11. Einfache Obturation des Darms durch stagnirondo und eintrocknende Fäcalstoffe. Ziemlich häufig im llüftdarm vor der Mündungsstelle, weniger oft in der Bcckenflexur oder am Ende des Grimnidarms, im Mastdarm und im Leerdarm. Bei neugeborenen Fohlen entsteht am 2. oder 3. Lebenslage oft eine Kolik durch Verstopfung des Mastdarms mit Meconium. — 12. Geschwülste (gewöhnlich Sarkome) in der Wandung dos Dünndarms oder D ickdarms. Durch die Geschwulstbildung wird die Con-tractionsfähigkeit dos botroffenden Uarmabschnittes nach und nach verringert. Oder es bildet sich eine Stenose des Darms. — 13. Verwachsung eines Darm­stückes mit benachbarten Organen. Nach dor Castration nicht selten. Auch constatirto ich in einem Falle, dass eine Schlinge des Leerdarms in dem Sacke eines Flankonbruchs mit der ßauchwand verwachsen war (Verstopfungs-kolik). —~14. Darmeinklommung (Incarceratio et Strang ulatio in tern a). a) Innere Darmbrücho (Herniae internae) bedingen nur zum kleinen Theil die Entstehung der Kolik. Meist kommen sie erst im Verlaufe einer aus anderen Momcnlen hervorgegangenen Kolik zur Ausbildung. Nach der Incarceration führt die innere llernie stets zum Tode (Verstopfungskolik). Am häufigsten findet sich die Einklommung einer Düundarmschlinge in einer frischen oder älteren OelTnung des Zwerchfells (Hernia diaphragmatica) oder imWinslow'schenLoch (durch welches ein Stück des Jejunum oder lleum von dem Hohlraum des Netzbeutels leicht eindringt — Hernia bursae omentalis), oder in einem Riss des Netzes oder
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836nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
in einer Ruptnr des Gekröses*). Durch abnorme Verwachsungen des Netzes wird das Zustandokommen einer Hernia interna begünstigt. Einen anderweitig wohl nie beob­achteten Fall von incarcerirtem inneren ßrufih lernte ich durch Herrn Oberrossarzt Höhnke kennen, der mir das Präparat zuschickte. Die Milz des an Kolik einge­gangenen Pferdes war mit dem Netz verwachsen und in ihrem atrophisch gewordenen mittleren Theil hatte sich ein hühnereigrossos Loch gebildet, durch welches eine Schlinge des Leerdarms getreten und eingeschnürt war. — b) Achsendrehung eines Darmtheils (Volvulus). Entsteht fast immer erst im Verlaufe der aus anderen Bedingungen veranlassten Kolik und am häufigsten an den linken Lagen des Grimmdarms, die sich meist in der Nähe des Blinddarms durch eine Wendung zu '^ — 3/4 um ihre Längsachse drehen und hierdurch unwegsam werden. Bruck-mül.ler führt diese Achsendrehung für alle Fälle auf den Meteorismus und die Ver­schiebung des Blinddarms zurück. Es ist aber wahrscheinlich, dass auch durch starke Füllung und Gascntwickelung in einer der linken Lagen des Colon die Verschiebung veranlasst werden kann. — Viel seltener, als um die Längsachse, schlagen sich beide linken Lagen des Colon mit der Beckonflexur um die Querachse nach vorn. — Nicht selten ist auch das Verschlagen des Blinddarms um die Querachse, so dass die Spitze desselben nach derBeckenhöhlo gerichtetist. — Die Achsendrehung des Mastdarms habe auch ich in Uebereinstimmung mit Hering und Bruckmüller nur wenige Male ge­funden. — c) Knotenbildung des Dünndarms (Darmverschlingung). Häufig ist die Aufdrehung einer Dünndarmschlinge um das Gekröse, besonders in der hinteren Partie des Jejunum, nahe dem lleum. — Gleich oft schlägt sich ferner eine Schlinge des Dünndarms um eine andere, so dass beide durch die Umfassung comprimirt oder sogar zu einem förmlichen Knoten abgeschnürt werden. — Es kann auch ein Theil des Leerdarms über den Grimmdarm verschlagen und unwegsam werden. — Zuweilen schnürt sich eine Schlinge des Leerdarms um eine gestielte Geschwulst (Lipom) am Gekröse. — Ein Theil des Dünndarms dreht sich mitunter um das zusammengeschobene grosse Netz und wird hierdurch abgeschnürt. — Ferner entsteht durch Verwachsung des Netzes mit der Bauchwand oder dem Zwerchfell zuweilen ein Pseudoligament, um welches ein Darmstück'gelagert und strangulirt werden kann. — d) In vagina­tion des Darms (Intussusceptio, Darmeinschiebung). Beruht darin, dass ein Stück des Darms in den zunächst hinter demselben gelegenen Abschnitt wie in eine Scheide sich hineinschiebt. Nach der Genesis der prämortal entstehenden Inva-ginationen, die nur ein Interesse für die Sectionsdiagnose haben, lässt sich an­nehmen, dass das bedingende Moment dieser Einschnürung in der ungleichen Con­traction eines Darmtheils liegt. Die Darmeinschiebung entsteht demnach fast immer erst im Verlaufe einer Kolik. Am meisten finden sich bei den Sectionen: Die Inva-gination einer Partie des Leerdarms in die nächstgelegone; des Hüftdarms in den Blinddarm; der Spitze des Blinddarms in das Mittelstück desselben; des ganzen Blind­darms in den Grimmdarm. — 15. Thrombose undEmbolio der Darmarterien als Folgen der Wurmaneurysmen (vergl. S. 515).
Nach vorstehender Uebersioht bedarf es kaum noch der Bemerkung, dass die Pathogenese der Kolikgruppe sehr erhebliche Verschiedenheiten aufweist. Wenn von den primären Darmeinklemmungen und den vollständigeren Stenosen abgesehen wirdraquo; so lässt sich im Allgemeinen die Entwickelung der Kolik dahin erklären, dass die
*) Hierzu gehört auch die Einklemmung eines Hodensackdarmbruchs, die bei Hengsten, namentlich in höherem Alter, als Ursache der Kolik nicht selten vorkommt.
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Peristaltik des Magens oder des Darms nicht ausreicht, um den Danninhalt weiter zu fördern. Die Schmerzen entstehen grösstentheils durch die auf reflectorischem Wege ausgelösten krampfhaften Conlractionen der in der Wandung des Magens und Darms befindlichen Muskulatur. Daher macht sich die Schmerzempfindung oft nur in längeren oder kürzeren Intervallen geltend. Andererseits verursacht die überstarke Belastung des Magens oder Darms durch den angehäuften Futterbrei, sowie die Aus­weitung und Spannung der Magen-Darmwandung durch die allgemein oder partiell erfolgende Gasentwickelung ein unbehagliches, vielleicht auch direct schmerzhaftes Gefühl. Die gleiche Wirkung hat endlich die entzündliche Affection der Darmschleim­haut. — Anhaltender Moteorismus des Digestionstractus führt theils durch Beschrän­kung der Respirationsbewegungen, vorzugsweise aber durch die Resorption toxischer Substanzen aus der Darmschleimhaut zur Sauerstoffverarmung des Blutes. Wahr­scheinlich treten hierbei Gase, namentlich Schwefelwasserstoff und Kohlensäure aus dem Darm direct in das Blut. Die Pferde können in Folge dieser Blutvergiftung per suffocationem zu Grunde gehen, ohne dass eine Darmentzündung sich ausbildet. In der überwiegend grössten Mehrzahl der Fälle wird aber der tödtliche Ausgang der Kolik durch die Entwickelung einer Darmentzündung vermittelt. Letztere findet oft in der reizenden Wirkung der durch abnorme Gährungsprocesse in dem stagnirenden Futterbrei entstehenden chemischen Producte resp. in der Wirkung pathogener Mikro­organismen ihre Veranlassung. Bei den Darmeinklemmungen und bei der Embolie liegt das bedingende Moment der Entzündung in der Unterbrechung der Circulation.
—nbsp; Auf die Genesis der als Complicationen der Kolik anzusehenden Rupturen werde ich bei der Besprechung des Krankheitsvorlaufes zurückkommen.
Symptome. 1. Darmschmerz, der sich durch Unruhe, Umsehen nach dem Bauche, Scharren mit den Vorderfüsscn, Peitschen mit dem Schweife, gestreckte Stellung des Körpers, Zusammenkauern beim Stehen oder beim Führen, Niederlegen für kurze Zeit, unruhiges Hin- und Her­wälzen, Ueberwälzon über den Rücken, längeres Verharren in der Rücken­lage, bei relativ leichter Ueberfütterung auch in der Seitenlage und ausserdem durch stieren Blick und Benommenheit des Sensoriums kund-giebt. — 2. Versagen des Futters und Trinkwassers. Nur ganz vereinzelt kommen Fälle vor (unvollständige Darm Verlagerungen), bei welchen die Pferde etwas Futter und Wasser verzehren. Von dem Heu nehmen die Thiere wegen der Ungeduld zuweilen einige Halme auf. — 3. Trockenheit der Maulschleimhaut. — 4. Drängen auf die Harnwerkzeuge wegen des durch den Druck der aufgetriebenen oder mit Futterstoffen gefüllten Darmtheile auf die Blase ausgeübten Reizes.
—nbsp; nbsp;5. Drängen auf den Mastdarm, wobei im Anfange einige Male Excremente entleert werden. Bei ungünstigen Zuständen pressen die Pferde die Bauchwand unter heftigem Stöhnen. — 6. Tympanitische Auftreibung des Bauches. — 7. Athmungsfrequenz, im Beginn der Krankheit oft gering, zuweilen aber erheblich. Die Dyspnoe wird theils durch die Schmerzempfindung im Bauche, theils durch den Druck
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838nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkrankheiten.
des meteoristisch aulgetriebonen Darrnkanals gegen das Zwerchfell und vorwaltend durch die Kohlensäurcvergiftung des Blutes (Herzschwäche) bedingt. — 8. Fieber, fehlt in den leichten Fällen stets und bei schweren Erkrankungen anfänglich, ist später eine Folge der Darm­entzündung. Temperaturerhöhung sehr ungleich, meist zwischen 39,0 bis 40,2, zuweilen aber bis 41,0. — 9. Pulsfrequenz, in den ersten Stunden gering, oft kaum bis 50, steigt beim Meteorismus, bei Entzün­dungen und bei Rupturen des Magens oder dos Darms bis 80, zuweilen selbst bis 100 und darüber. Der Maxillarpuls ist bei schwerer Erkran­kung der Pferde gewöhnlich gespannt, schliesslich hart, drahtförmig resp. unfühlbar. — 10. Abnorme Färbung der Kopfschleimhäute. In den leichten und schleichend verlaufenden Fällen unerheblich. Bei der durch Darmentzündung verursachten Herzschwäche besteht eine venöse oder cyanotische Färbung. Metcorismus und starke Blutanhäufung im Darm bedingen zuweilen, aber nicht constant, eine Anämie der Schleim­häute. Die gleiche Folge hat eine Ruptur dos Magens oder Darras mit starker Blutung in die Bauchhöhle. — 11. Beschränkung der Peri-staltik im Dünndarm oder Dickdarm, selbst vollständige Unterdrückung der Darmgeräusche. Bei starker Ausweitung und Spannung eines Darmtheils klingende Geräusche (vcrgl. S. 94). — 12. Schweissausbruch. Sehr inconstant, bei grosser Unruhe gewöhn­lich allgemein. In den tödtlich verlaufenden Fällen oft Ausbruch von kaltem Schweiss über den ganzen Körper. — 13. Allgemeiner Col-laps, am meisten ausgeprägt bei starkem Meteorismus, pornieiöser Ente­ritis und Rupturen mit seeundärer (Perforations-)Peritonitis. — 14. Wie­hern, bei schwerer Enteritis, im Ganzen aber selten. — 15. Erbrechen, in der Regel verbunden mit Magenruptur, ausnahmsweise bei unverletztem Magen. Zuweilen entleert sich ein Theil des sauer reagirenden Magen­inhaltes unter Brechanstrengungen stossweise aus beiden Nasenlöchern; meist aber wird eine kleinere oder grössere Menge des Futterbreies ohne jede Anstrengung aus einem oder beiden Nasenlöchern ausgeworfen.
Das Erbrechen des Pferdes kann nur bei einer krankhaften Erschlaffung (Läh­mung) der Cardia eintreten. Lafosse und Wolstoin ([nnerlicho Krankheiten der Füllen etc., quot;Wien 1787, S. 235) führten dasselbe stets auf eine Magenruptur zurück, während Toegl die Ansicht aufstellte, dass die Pferde nicht mehr erbrechen sollon, wenn der Magen zerrissen, sondern nur in der Zeit, in welohor derselbe übermässig ausgedehnt ist. Toegl meinte, dass nach der Ruptur der Inhalt des Magens noth-wendig in die Bauchhöhle fallen müsse. Diesen Einwand haben auch Hering, Roll u. A. erhoben, während manche Thiorärzte nach dem Verlaufe der betreffenden Fälle annehmen, dass in der Regel erst die Zerroissung der Muskularis des Magens das Er­brechen ermöglichen und dass letzteres so lange anhalten soll, bis in der Magen-
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Schleimhaut ein grösscror Riss entsteht. Ich muss auch nach meinen Erfahrungen anerkennen, dass der Krankhoitsverlauf sehr oft eine andere Deutung des Brechactes nicht zulässt. Denn gewöhnlich setzt sich die Entleerung von Futterstoffen aus der Nase einige Stunden hindurch fort bei den Patienten, bei welchen die Section eine Magenruptnr orgiebt. Es lässt sich aber nicht annehmen, dass der Magen noch bersten soll, nachdem er von einem grossen Theil seines Inhaltes durch das Erbrechen befreit ist. Dagegen dürfte die Theorie acceptabel sein, dass durch die Ruptur der Muskularis die Cardia gelähmt wird und dass, wenn die Mucosa eine Zeit lang widersteht, ein Theil des Mageninhaltes durch die Bauchpresse resp. durch den Druck der Bauch­wand in den Schlund herauf befördert werden muss. Die Erklärung steht mit der physiologischen Deutung des Brechactes nicht im Widerspruch (vergl. Schmidt-Mülheim, Physiologie, 1879, S. 196). In den Fällen, in welchen bei der Ruptur alle drei Häute des Magens zu gleicher Zeit bersten, wird das Erbrechen nicht beob­achtet. — Nur selten tritt Erbrechen bei intacter Erhaltung des Magens ein (Stenose oder einfache Obturation des Ileum, Incarceration des Dünndarms), wie schon Wol-stein angegeben hat und später vielfach constatirt ist. In solchen Fällen wird die Erschlaffung des Sphincter cardiac durch die antiporistaltische Bewegung des Dünn­darms herbeigeführt. — Das Erbrechen ist immer ein Zeichen von lebensgefährlichen Zuständen im Digestionstractus.
Verlauf und Ausgang. In der praktischen Thierarzneikunde wird zwischen der „acutcnquot; und „chronischen Kolikquot; unterschieden. Der erst­gedachte Verlauf umfasst die grosse Mehrzahl der Fälle, von welchen die meisten bei günstigem Ausgange innerhalb 10—20 Stunden ihr Ende erreichen, manche aber bis zum 3. Tage und einzelne 5—6 Tage dauern. — Die „chronische Kolikquot; beruht gewöhnlich auf einer Parese des Blind­darms, seltener des Grimmdarms; sie kann mit freien Intervallen von längerer oder kürzerer Dauer 2—5 Wochen, sogar noch länger anhalten und endet der Regel nach durch Darmruptur tödtlich. — Im Verlaufe der acuten Kolik finden sich sehr grosse Differenzen, wie nach der Mannigfaltigkeit der krankhaften Zustände per so erhellt. Bei einfachen und weniger erheblichen Anschoppungen des Futters im Magen oder in einem Theile des Dickdarms überwindet die abgeschwächte, aber noch langsam fortwirkende Peristaltik das Hinderniss nach und nach und der betreffende Darmabschnitt erholt sich von der Paresis gewöhnlich schnell.
Mit dem Eintritt eines langgedehnten Dickdarmgeräusches, neben welchem sich nicht selten gleichzeitig kollernde und fliessende Geräusche hervorthun, lässt die Schmerzempfindung nach. Die krampfhaften Darm-contractionen wiederholen sich zunächst in längeren Intervallen mit ge­ringerer Intensität und hören bald ganz auf. Am sichersten bekundet sich durch die mit Begierde erfolgende Aufnahme des Trinkwassers und durch die reichliche Entleerung von Darmcxcrementen der Ausgang in Genesung. Ganz untrüglich sind aber beide Symptome nicht. Bei leichten Darmverlagcrungcn trinken die Patienten zuweilen Wasser und bei der
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840nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankhoiten.
Obturation oder Strangulation eines Dünndarrastuokes kann durch Physo-stigmin eine Elimination des Dickdarminhaltes herbeigeführt werden, ob-schon der Darrnverschluss unheilbar ist. Im Verlaufe der chronischen Kolik lässt sich sogar durch Abführmittel eine Diarrhöe herbeiführen, trotzdem der Blinddarm in unheilbarem Grade gelähmt sein kann.
Die bedeutenden Anhäufungen im Magen und Darm führen zu delo-tären Gährungsprocessen und zur krankhaft vermehrten Production von Darmgasen, welche vorwaltend im Blinddarm oder Grimmdarm, zuweilen gleichzeitig in beiden oder auch im ganzen Darmtractus mit Einschluss des Magens sich anhäufen. Hierbei verschieben sich einzelne Darm­abschnitte. Mehrfach fand ich z. B., dass das obere und untere Quer-colon etwas nach der rechten Seite gezogen und dass dementsprechend beide linke Lagen nach vorn gerückt waren. Mit der Verringerung des Meteorismus stellt sich die normale Lage wieder her. Aber die abnorme Verschiebung begünstigt das Zustandekommen von Achsendrehungen und Verschlingungen ausserordentlich. Es liegt auf der Hand, dass zu diesem Momente nur noch der Factor einer ungleichen Contraction in einem Darmabschnitt hinzu zu kommen braucht, um die Lage Veränderung herbei­zuführen. Durch die Drehung oder Verschlingung eines Darmstückes entsteht immer eine schwere Entzündung des betreffenden Abschnittes, wobei die Pulsfrequenz zunimmt und die Schmerzempfindung sich con-tinuirlich geltend macht. Ereignet sich der Verschluss im Dickdarm, so sistirt die Peristaltik. Wenn dagegen der Dünndarm betroffen ist, so können noch einige Stunden hindurch aus dem Dickdarm einige Fäcal-stoffe ausgeschieden werden. Aber sehr bald entsteht eine diffuse schwere Enteritis mit Lähmung der ganzen Darmwand, worauf theils direct, theils durch Verraittelung von Rupturen der Tod des Thieres folgt. — Krank­haft grosse Quantitäten von Kernfutter beschweren den Magen, Blind­darm oder Grimmdarm zuweilen so erheblich, dass die Wandung inner­halb Va—1 Tages mehr oder minder vollständig paralysirt und in eine schwere Entzündung versetzt wird. Auch hierbei tritt leicht eine Ruptur ein. Das Gewicht des bei einer tödtlich verlaufenden Ueberfütterungs-kolik im Blinddarm aufgehäuften Futters beläuft sich bei grossen Pferden zuweilen auf 40—45 Kilogramm.
Von denComplicationen im Krankheitsvorlaufe habenaussor den incarcerirten Hornien, Achsendrehungon und Knotenbildungon die Rupturen des Magens oder Darms ein hervorragendos Interesse. Das Zustandekommen einer spontanen Rup­tur im Blinddarm, Grimmdarm, Mastdarm, Leerdarm oder Zwölf flnger-darm wird vorwaltend durch die starke Expansion des mit Futter und Gasen be­lasteten Darmtheils bedingt. Aber auch die Infiltration der Darmwand, welche der Paralyse und Entzündung alsbald folgt, vermindert die Widerstandsfähigkeit erheb-
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lieh, wie sich an den Stellen, an welchen Concremonte eine schwere Entzündung be­dingen; ferner bei der embolischon Nekroso in der Darmwand; auch bei schworen hämorrhagischen und diplitherischen Zuständen leicht nachweisen lässt. Dass die krampfhaften Muskelcontractionon neben den vorbezeiohneten Momenten eine ursäch­liche Bedeutung für die üarmiupturen haben, ist nicht erwiesen. Das Zustande­kommen der letzteren wird durch das Wälzen der Thiore nicht begünstigt, lässt sich auch nicht auf das heftige Niederwerfen zurückführen. Mitunter findet die Berstung in der Partie statt, an welche das Gekröse sich anheftet. Dann schiebt sich Ktwas von dor Inhaltsmasso zwischen die Gekrösblätter.
Ueberaus häufig ist bei Pferden die Ruptur dos Magens, über deren Be­dingungen die Ansichten indess nicht übereinstimmen. In der grossen Mehrzahl der Fälle berstet der Magen an der grossen Curvatur, an welcher die Muskulatur dünn und die Wandung am wenigsten widerstandsfähig ist. Nur relativ selten erfolgt die Berstung in der Gegend der kleinen Curvatur oder an der vorderen resp. hinteren Fläche. Es ist ferner Thatsacho, dass der Magen des Pferdes nur im Vorlaufe der Kolik und immer nur dann borstet, wenn er mit Futter und Gasen stark gefüllt ist resp. wenn seine Elasticität und Contractilität in Folge der starken Belastung sich verringert haben. Hieraus dürfte zu folgern sein, dass die Sprengung vornehmlich in einer Dehnung der Magenwand ihre Ursache findet. Für die Richtigkeit dieser Folge­rung spricht auch die Genesis der postmortalen Magenruptur bei Pferden, welche immer eine Folge des Meteorismus und resp. der überstarken Ausdehnung dos Magens ist. — Andererseits wird die Magenruptur gewöhnlich darauf zurückgeführt, dass bei Verstopfungen oder Einklemmungon des Dünndarms eine rückläufige Peristaltilt des letzteren und eine krampfhafte Contraction derMagenmuskulatur hervorgerufen werden, deren Wirkung theils in der Brechanstrengung oder in dem wirklichen Erbrechen, theils in der Ruptur des Magens ihren Ausdruck finden sollen („Selbstzerreissung des Magensquot;). Gerlach (Ger. Thierhoilk., 1872, S. 581) bezeichnet die Selbstzerreissung als die am häufigsten vorkommende Art der Magenruptur und auch Rabe (Ilannov. Jahresber., 1875, S. 84) hat nach Anleitung von 2 Krankheitsfällen die Theorie der Selbstzerreissung erläutert. — Weiskopf (Adam's Wochonschr., 1882, S. 29) ist der Ansicht, dass in einzelnen Fällen die wesentlichste Veranlassung der Magen-berstung auf Texturveränderungon (Geschwüren) des Magens beruhe. — Nach der bisherigen Erfahrung lässt sich annehmen, dass die drei vorerwähnten Factoren für die Magenruptur von ursächlicher Bedeutung sind, dass aber hauptsächlich die Uobor-füllung des Magens mit Futter und Gasen dieselbe veranlasst. Die seit 100 Jahren wiederholte Angabe, dass der gefüllte Magen beim Niederfallen der Pferde in Folge der Erschütterung berste, ist nach thatsächlichen Poststellungen nicht zu begründen. Bei der Magenruptur /.erroisst gewöhnlich zuerst die Serosa, darauf die Muskularis und dann die Mucosa. Daher sind die Ränder dos Risses in der Regel sehr ungleich. Es kommen aber Fälle vor, in welchen alle drei Häute glcichmässig getrennt er­scheinen, die ganze Wandung daher auf einmal gesprengt sein muss. Bei dieser Ver­schiedenheit ist leicht verständlich, dass mitunter viel und oft nur wenig Futter aus dem Magen in die Bauchhöhle gelangt. Durch den Riss an der grossen Curvatur tritt der Inhalt zunächst in den Sack des grossen Netzes, welches zuweilen mit zorroisst. — Wenn die OelTnung in der Magensohloimhaut klein ist und von einem benachbarten Organ vorsperrt wird, so kann das betreffende Pferd noch 1—2 Tage am Leben bleiben. Sonst erfolgt der Tod in der Regel innerhalb einiger Standen durch die vom Peri­toneum bewirkte Resorption toxischer Substanzen. — Die Magenruptur setzt sofort
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842nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; tnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
die heftige Schmerzompfmdung herab. Aber die Pationton versagen jede Aufnahme von Flitter und Getränk. Dor Blick wird stier (gläsern), der Puls sehr frequent und klein, schliesslich drahtförmig und die Schleimhäute erscheinen venös goröthet. Nur bei starker Blutung in die Bauchhöhle findet sich eine Anämie dor Conjunctiva. Der Tod erfolgt unter imgonfälligem Verfall der Kräfte. Oft bekunden die Pferde, bei wel­chen später durch dioSection eineMagenruptur ermittelt wird, einige Stunden hindurch Erbrechen. Das Symptom fohlt aber, wenn die ganze Wand des Magens auf einmal gesprengt wird, so dass der Inhalt desselben zum grössten Theil in die Bauch­höhle fällt.
Die Zerreissung des Zwerchfells kommt bei starkem Moteorismus des Magens und Dickdarms dadurch zu Stande, dass das Zwerchfell nach vorn geschoben und übermässig stark angespannt wird. Einen erheblichen Einfluss hat hierbei das im Verlaufe der Kolik oft bcthätigte Drängen mit der Bauchpresse. Auch das heftige Niederfallen der Patienten kann die Zwerchfellsruptur zur Folge haben*). In der Kegel berstet nur der sehnige Theil; aber zuweilen erstreckt sich der Riss in die muskulöso Partie. — Bei einem kleinen Hisse kann eine bedingte Genesung der Pferde dadurch ermöglicht werden, dass sich ein Theil des Netzes in die OofTnung schiebt und dieselbe gowissermassen verstopft (Notzbruch des Zwerchfoils). In den meisten Fällen ist dor Kiss länger, so dass der Magen oder ein Theil des Leerdarms, mitunter auch ein Thoil dos Grimnidarms in die Brusthöhle dringt. Ich habe in einem Falle constatirt, dass der Magen durch den Riss dos Zwerchfells vorgefallen und nun erst gesprengt war, so dass dio Brusthöhle das aus dem Magen ausgetretene Futter enthielt,
Charakteristische Symptome veranlasst die Ruptur dos Zwerchfells nicht. Wenn dor Magen oder ein grosser Thoil dos Darms in dio Brusthöhle prolabirt ist, so tritt starke Athmungsfroqnenz mit oborllächlichen Respirationsbowegungon und Erweite­rung des Brustkastens ein. Daneben macht sich die zunehmende Herzinsufficienz durch starke Pulsfrequenz und venöse oder cyanotische Färbung der Schleimhäute geltend. Dom tödtlichen Ausgange gehen die Symptome der Suffocation vorher.
Der Verlauf der Kolik wird zuweilen durch Decubitus oder anderweitige Quetschungen der Haut und Unterhaut, ferner durch eine Broncho-Pneu-monio (S. 740IT.) und durch die bei der Behandlung auf fahrlässige Art herbei­geführten Boschädigungon (Mastdarmverletzung, Schoidenentzündung oder Harnröhrenentzündung etc.) complicirt.
Diagnose. Wenn auch die Symptome der Kolik so augenfällig sind, dtiss dieselben gewöhnlich schon von den Laien richtig beurtheilt werden, so hat der Thierarzt doch für einzelne Fälle auf die Möglichkeit einer Verwechselung zu achten. Insbesondere sind zu berücksichtigen:
1) Nervöses (überreiztes) Temperament einzelner Pferde, die im Stalle bei der Annäherung von Personen unruhig worden und mit den Vorderlüsscn scharren.
*) Bei den postmortalen Rupturen des Zwerchfells, dio nach dorn tödtlichen Ausgange der Kolik, dos Starrkrampfs, des Milzbrandes und anderen Krankheiton sehr oft beobachtet worden, liegt das bedingende Moment lediglich in dem Drucke dos moteorislisch aufgetriebenen Magen-Darmkanals.
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2)nbsp; nbsp;Hyperästhesie der Harnröhrenschleimhaut, welche zu­weilen einige Tage anhält und die Pferde (Wallachen) öfter veranlasst, eine gespreizte Stellun'g der Hinterfiisse mit gestreckter Haltung des Rumpfes anzunehmen.
3)nbsp; nbsp;Rossigkeit der Stuten.
4)nbsp; nbsp;Hufrhehe, bei welcher die Pferde zuweilen kaum zum Auf­stehen zu bringen sind. Auch darf nicht übersehen werden, dass mit­unter bei einem Pferde, welches an Kolik erkrankt, nach 2 — 3 Tagen die Hufrhehe zur Ausbildung kommt.
5)nbsp; nbsp;Schwere Lahmheiten, welche die Pferde am Aufstehen be­hindern.
6)nbsp; nbsp;Kreuzrhehe (Windrhehe) — vergl. S. 478 —.
7)nbsp; nbsp;Geburtswehen bei Stuten, bei welchen die Trächtigkeit unbe­kannt geblieben ist; ferner bei Abortus und bei einer Zwillingsgeburt, wenn erst einige Stunden nach dem Ausstossen des ersten Fötus der zweite Gebäract beginnt.
8)nbsp; nbsp;Bauchfellentzündung (falsche oder ßauchfellkolik).
9)nbsp; nbsp;Symptomatische Koliken (bei den Influenzakrankheiten, sowie bei septischen und ichorrhämischen Intoxicationen und acuten Magen-Darmentzündungen).
10)nbsp; nbsp;Ruptur der Leber mit erheblicher Blutung in die Bauchhöhle. Die betreffenden Pferde pflegen mit den Vorderfüssen zu scharren und sich nach dem Bauche umzusehen, oder längere Zeit flach auf der Seite zu liegen. Dabei besteht Anämie der Schleimhäute und frequenter, gespannter (drahtförmiger) Puls. Die Unterscheidung kann unmöglich sein, wenn die Kolik zur Zerreissung des Darms oder des Magens mit starkem Blutverlust geführt hat. Vor einer Verwechselung mit Darmentzündung schützt die Anämie der Schleimhäute.
Diagnose einzelner Holikarten. Es wurde bereits liorvorgohobon, dass die pathologiscli-anatomischen Zustände des Digestionstractus bei der Kolik intra vitam nicht mit Sicherheit unterschieden werden können. Wenn es anders wäre, dann müssten logischer Weise die einzelnen Krankheiten des Magens und Darms als solche diagnosticirt -und nicht dem CollectivbegrifT der Kolik unterstellt worden. Ein er­schwerendes Moment liegt auch darin, dass eine einfache (leichte) Kolik sich im weiteren Verlaufe durch Vorlagerung, Einklcmnmng oder Rupturen des Darms etc. zu einer anderen Kolikart umgestalten kann. Wenn über die vorhergegangone Fütte­rung und Benutzung eines an Kolik erkrankten Pferdes vollständige und sichere Auf­schlüsse zu gewinnen sind, so lässt sich die Pathogenese des Krankheitsfalles oft richtig beurthoilen. In den meisten Fällen kommt aber die technische Diagnose über eine Wahrschoinlichkeitsbovochnung nicht hinaus.
In der thiorärztliohen Praxis werden als besondere Kolikarten unterschieden: 1) Rheumatische Kolik (Erkältungskolik, Krampfkolik). Eine der
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844nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkrankheiten.
Regel nach leichte, und in y., — 5 Stunden vorübergehende Affection Im Dünndarm oder Dickdarm, die durch Witterungseinflüsse herbeigeführt wird. Der Darmschmerz tritt anfallswoise und oft nach Zwischenzeiten von 5—15 Minuten auf.
2)nbsp; nbsp;Ueberfütterungs- und Indigestionskolik (Anschoppungskolik). Durch Aufklärung der Aetiologie ist die Diagnose oft zu stellen; indess kann jede Behinderung in der Wegsamkoit des Darms die gleichen Symptome herbeiführen. Ge­wöhnlich ist der Bauch etwas voller; Peristaltik verzögert; Darmgerilusch kurz und zuweilen klingend; Schmerzempfindung ungleich. Diese Kolik complicirt sich sehr leicht mit Lngeverändorungen und Strangulationen des Dickdarms oder Dünndarms, sowie mit Darm- oder Magenruptur.
3)nbsp; nbsp;Windkolik. Charakterisirt sich durch tympanitische Auftreibung des Bauches und entsteht nach dem übermässigen Genüsse von Grünfutter, nicht selten auch nach der Ueberfüttorung mit Körnern oder Schrot und bei Strangulationen, Ste­nosen oder anderen Darmverstopfungen. In relativ seltenen Fällen verschlucken die mit dem Koppen behafteten Pferde so viel Luft, dass sie an Meteorismus des Magen-Darmkanals (Windkolik) erkranken. Die Diagnose ist demnach thunlichst auf die Aetiologie auszudehnen. Unter den Symptomen verdient die Neigung der Pferde, sich in Folge der eigenthümlichen Schmerzempfindung widerstandslos und mit Heftigkeit auf eine Seite fallen zu lassen, eine besondere Berücksichtigung. Dauert diese. Kolik länger als 6 — 8 Stunden, so ist der tödtliche Ausgang durch Darmlähmung und Kohlensäureintoxication zu befürchten. Auch treten leicht Lagoveränderungen im Dickdarm und Rupturen des Magens oder des Zwerchfells ein.
4)nbsp; nbsp;Verstopfungskolik. Der Kothabsatz ist vollständig aufgehoben; höch­stens worden noch wonige Bälle aus dem Mastdarm entleert, l'eristaltisches Geräusch selten und unvollständig, oder ganz aufgehoben. — Die Ursache beruht theils in der Anschoppung und Lähmung eines Darmabschnittes (Blinddarm, Grimmdarm), theils in der Obturation eines üarmstückes (Hüftdarm, Grimmdarm, Leerdarm) mit einer eingetrockneten festen Kothmasse, theils in einer narbigen Darmstrictur (Stenose). Abgesehen von der Mastdarmverstopfung neugeborener Fohlen ist die Diagnose un­sicher, weil jede andere schwere Kolik die gleichen Symptome mit sich bringt.
5)nbsp; nbsp;Incarcerations- und Strangulationskolik. Primäre Darmeinklem-mungen mit Kolik finden durch innere Ilernien ihre Entstehung (Incarceration des Dünndarms im Zwerchfell, im Winslow'schen Loch oder im Netz etc.). Bestimmte Symptome giebt es für diese Kinklemmungon nicht. Meist 1st die Schmerzempfindung sehr gross und die Entwickelung der Krankheitserscheinungen stürmisch. Der Tod lässt sich nicht abwenden.
Die Incarceration eines Hodensack-Darmbruohs veranlasst die an heftigem Darmschmorz erkrankten Hengste zuweilen, in der Rückenlage mit flactirten Hintergliedmassen längere Zeit zu verharren. Auch lässt sich durch örtliche Unter­suchung des Hodensackes resp. des Bauchringes, sowie durch die Exploration des letzteren per rectum die Diagnose sicher stellen. Bei rechtzeitiger Behandlung ist die Beurtheilung der durch Incarceration einer Hernia inguinalis veranlassten Kolik nicht ungünstig. Wenn aber erst eine schwere Entzündung an dem eingeklemmten Darmstiick entstanden ist, so gehen die Thiero zu Grunde.
Alle inneren Lageveränderungen (Achsendrehung, Intussus­ception und Abschnürungen) bedingen eine mehr oder minder vollständige Strangulation dos Darms und mit derselben das Bild der Verstopfungskolik. Die
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Diagnose bleibt stets unsicher. Auch die Exploration des Darmtractus per rectum liefert in den meisten Fällen keinen ausreichenden Anhalt.
6)nbsp; nbsp;Sandkolik. Im einzelnen Falle ist die Unterscheidung von einer durch Indigestion herbeigeführten Vcrstopfungskolik ohne Kenntniss der Aotiologie nicht möglich. Zuweilen kommen aber in grösseren Fohlenbeständen innerhalb weniger Wochen 5—6, selbst noch mehr Krankheitsfälle vor. Dann ergiebt sich aus der Gleich­artigkeit des Krankheitsverlaufos und aus der gemeinsamen Haltung der Thiore ein ausreichender Anhalt für die Diagnose.
7)nbsp; nbsp;Steinkolik. Magen- und Darmsteine bilden sich bei Pferden ganz unmerk­lich aus. Wenn nicht zufällig bekannt ist, dass die Pferde einen fremdartigen Gegen­stand (ein Stückchen vom Waschschwamm oder vom Putzlappen, ein Stückchen Eisen etc.) verschluckt haben, so lässt sich das Vorhandensein der Steinkolik nicht errathen. Mitunter wiederholt sich bei den betreffenden Pferden die Kolik nach un­gleichen Zwischenzeiten von 2—6 Wochen öfter. Die Behauptung, dass die in den Mühlenetablissements gehaltenen Pferde („Müllerpferdequot;) beim Erkranken an Kolik immer verdächtig sein sollen, einen Darm- oder Magenstein bei sich zu tragen, ist nicht zutreffend. Die Müllerpferde leiden oft an Ueberfütterungskolik. Aber die Stein­kolik ist auch bei ihnen selten,
8)nbsp; nbsp;Wurmkolik. Durch das Schmarotzerthum des Spulwurms wird in ver­einzelten Fällen die Erkrankung an Kolik veranlasst (vergl. S. 511). Ob das Schma­rotzen der Bandwürmer eine Kolik herbeiführt, ist nicht mit Sicherheit festgestellt (vergl. S. 507).
9)nbsp; nbsp;Embolische Kolik. Im Allgemeinen ist die vom Parasitismus der Larven des Sclerostomum armatum resp. vom Thrombus in der vorderen Gekrösartorie hervor­gerufene Darmembolie (embolische Kolik) weniger häufig, als nach Bellinger's An­nahme seit 1870 vielfach behauptet wurde (vergl. S. 513 IT.). Es lässt sich auch eine solche Grundlage der Kolik noch nicht voraussetzen, wenn die Erscheinungen ohne eine nachweisbare Krankheitsursache sich einstellen. Dass die Embolie des Darms im Verlaufe allgemeiner fieberhafter (dyskrasischer) Krankheiten leicht zu Stande kommt, wurde S. 522 schon hervorgehoben. Die Complication solcher Allgemeinleiden mit Kolik kann daher sehr wohl den Verdacht der Embolie erregen. Da aber unter den erwähnten Voraussetzungen auch eine nervöse Schwäche (Parese) des Darms als Ur­sache der Kolik nicht selten eintritt, so verlangt die Diagnose eine grosso Vorsicht. — Das Symptomenbild gestaltet sich, wie nach der Mannigfaltigkeit der localen Stö­rungen im Darm (S. 516) nicht anders zu erwarten ist, sehr ungleich. Bei der all­gemeinen embolischen Lähmung des Grimmdarms oder des Blinddarms fehlt gewöhn­lich das Darmgeräusch fast vollständig. Schmerzempfindung gering. Scharren mit den Vorderfüssen selten; dagegen meist anhaltendes Liegen auf einer Seite. Puls frequent, schwach und klein, später drahtförmig. Dunkle Färbung der Schleimhäute. Im Verlaufe von 1—3 Tagen treten die Zufälle einer diffusen schweren Gastro-Ente-ritis auf. — Wenn aber ein kleines Darmstück durch Embolie nekrotisch geworden ist, so giebt sich die Kolik gewöhnlich durch das Bild einer schmerzhaften Darm­verstopfung zu erkennen. Der Thierarzt hat endlich zu berücksichtigen, dass die Darmembolie auch zu bedeutenden Futteranschoppungen und zu Rupturen des Blind­darms oder Grimmdarms führen kann.
10)nbsp; nbsp;Chronische und habituelle Kolik. Anfallsweise auftretende Symptome dor Indigestions- oder Verstopfungskolik. Die kolikfreien Intervalle betragen oft nur einen oder einige Tage, können sich aber bei geeigneter Haltung und Ernährung der
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846nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Patienten auf 1—2 Wochen und darüber erstrecken. Ich bemerkte bereits, dass die chronische Kolik in der Regel auf einer Parcse des Cocum, seltener des Colon beruht. Indess können auch Zwerchfellshernien, Verwachsungen zwischen Darm und Bauchwand, Magenerweiterung und Verwachsung dos Magens mit dem Zwerchfell, Darmstenosen, sowie Magen- oder Darmsteine die öftere Wiederkehr der Kolik ver­anlassen. — Die Diagnose der chronischen und habituellen Kolik ist nur unter Be­rücksichtigung des Krankheitsverlaufes zu stellen. Eine gewisse Vorsicht empfiehlt sich aber in allen Fällen, weil bei manchen Pferden die öfter eintretenden Kolikanfälle lediglich auf einer Schwäche dos sonst nicht veränderten Magens oder Dickdarms be­ruhen und insbesondere bei der fortgesetzten Fütterung mit schwer verdaulichem Material vorkommen. — Die chronische Kolik endet in den meisten Fällen durch Lähmung und Ruptur des Blinddarms, zuweilen des Grimmdarms tödtlich. Nur selten sterben die betreffenden Patienten in Folge einer diffusen Enteritis durch Blutvergiftung per suffocationem.
Scctionsdingnosc. Auch wenn der Krankheitsverlauf bei einem an Kolik ein­gegangenen Pferde nicht beobachtet ist, lässt sich nach den geschilderten patholo­gischen Zuständen im Magen-Darmtractus durch das Seotionsergebniss in der Regel die Natur der tödtlichen Krankheit nachweisen. Indess führen einzelne Fälle (pri­märe Darmlähmung) zum Tode, ohne dass eine entzündliche Erkrankung der Darm-schleimliaut eintritt. — Für die Diagnose der Stricturen, Einklemmungen und Inva-ginalionen des Darms ist zu beachten, dass ganz unabhängig von der Kolik im Todes-acte bei Pferden häufig der Grimmdarm in der Beckenflexur oder der Blinddarm sich umschlagen. Ebenso entsteht durch die ungleiche Contraction des Dünndarms oder Dickdarms nicht selten eine Einschnürung oder eine Invagination. Da die botreffen­den Stellen mit den Fingern auseinander zu ziehen sind, so ist die Unterscheidung der prämortalen von der narbigen Darmstrictur leicht. Die Einklemmungen und Invaginationon können nur dann als krankhaft betrachtet werden, wenn von denselben entzündliche Folgezustände veranlasst und bezw. durch die Section nachzuweisen sind.
Prognose. Die allgemeine Bedeutung der zur Gruppe der Kolik gehörenden Krankheiten hat Veith (Handb., Wien 1842, II., S. 183) dahin präcisirt, dass von 3895 Pferden, welche in die Klinik zu Wien 1838 und 1839 eingestellt waren, 1032 an Kolik litten, von welchen 129 (13 pCt.) zu Grunde gingen. Bollingor, welcher ein grosses statistisches Material der Berechnung unterzog, kam zu demselben Re­sultate, dass im Durchschnitt 13 Procent der an Kolik erkrankten Pferde vorenden. Von Friedbergor wird die durchschnittliche Verlustziffer auf 10,7 pCt. bestimmt. In dem „statistischen Veterinär-Sanitätsbericht über die preussische Armee pro 1886quot; Berlin 1887, S. 31 1st das durchschnittliche Mortalitätsverhältniss bei den in den letztverflossenen (! Jahren an Kolik erkrankten Pferden auf 11,25 pCt. festgestellt worden. — Franque und Spinola behaupteten, dass durch die Kolik allein mehr Pferde, als durch alle anderen inneren Krankheiten zusammen, weggerafft würden. Bollingor berechnet die Häufigkeit der Kolik im Vorhältniss zur Gesammtzahl der inneren Krankheitsfälle bei Pferden auf 40 pCt. und das Vorhältniss der tödtlich ver­laufenden Kolikfälle zur Gesammtzahl der an inneren Krankheiten ablebenden Pferde ebenfalls auf 40 pCt. Die von anderen Fachmännern aufgestellte Statistik enthält nur unerhebliche Abweichungen von diesen Zahlen.
Die Bcurtheilung der speciellen Krankheitsfälle erheischt eine grosse Vorsicht. Selbst wenn als Ursache eine leichte Ueberfüttorung oder eine
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Kolik. Colica. Darmwoli. Enteraleia.
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Erkältung festgestellt ist, bleibt zu berücksichtigen, class im weiteren Verlaufe der Krankheit eine Verlagerung und Einklemmung des Darras oder eine Ruptur im Digcstionstractus eintreten kann. Zum Theil wird die Unsicherheit auch dadurch bedingt, dass die krankhaften Zustände des Magens oder Darms, welche einer Kolik zu Grunde liegen, sehr oft nicht sicher zu beurtheilen sind. Demnach kann die Prognose gar häufig nur einen relativen Werth haben: sie ändert sich im Verlaufe der Krank­heitsfälle nach wenigen Stunden, mitunter schon innerhalb einer Stunde. Mit dieser Einschränkung dos Urthoils liefern der Puls und die Darra-geräusche die wichtigsten Momente für die Prognose. So lange der Maxillarpuls noch weich ist, kann selbst bei grosser Herzschlagfrajuenz ein Krankheitsfall noch nicht als aussichtslos bezeichnet werden. Un­günstig ist die starke Pulsfrequenz immerhin. Aber schlecht wird die Prognose erst, wenn der harte und unfühlbare Maxillarpuls neben der venösen Färbung der Kopfschleimhäute und dem allgemeinen Kräfteverfall das Bestehen einer unheilbaren Magen-Darmentzündung darthun. —#9632; Als ein ungünstiges Zeichen gilt ferner die mehrere Stunden anhaltende Sistirung der Darmgeräuschc. Aber auch die kurzen, abgebrochenen und klingenden Darmgeräusche sind oft ein Merkmal unheilbarer oder schwer heilbarer Verstopfungen. Ungünstig liegen alle Fälle, in welchen aus dem Mangel an Peristaltik, aus der Pulsfrequenz und der dunklen Fär­bung der Conjunctiva eine Lähmung des Darms als Folge der Darm­entzündung diagnosticirt werden kann. — Einen wesentlichen prognosti­schen Anhalt bietet ferner der Blick der Patienten. Ist der Augapfel zurückgezogen und der Blick stier, so handelt es sich gewöhnlich um eine schwere Erkrankung. — Als ungünstige Erscheinung ist auch die fieberhafte Steigerung der Bluttemperatur zu betrachten. — Von den übrigen Symptomen ist auf die grössere oder geringere Intensität des Schmerzes kein entscheidendes Gewicht zu legen, obgleich die anhalten­den heftigen Schmerzen meist mit einem gefährlichen Charakter der Krankheit in Verbindung stehen. Oft geberden sich indess die Pferde 1 — 2 Stunden hindurch sehr heftig und die Genesung erfolgt schnell, wie entgegengesetzt unheilbare Zustände des Darms zuweilen nur eine massig starke Schmerzempfindung mit sich bringen. — Aehnlich verhält es sich mit dem allgemeinen Schweissausbruch. Wenn aber neben den sonstigen schweren Zufällen die Haut kühl und mit Schweiss bedeckt ist, so gehen die Patienten meist schnell ein. #9632;—#9632; Die Symptome, welche auf eine Ruptur des Magens oder Darms schliessen lassen, bedingen selbstredend eine schlechte Prognose.
Die Krankheitsdauer ist für die ßeurtlieilung der acuten Kolik nur
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848nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
dann bestimmend, wenn sich-eine Darmentzündung entwickelt. Dann trifft die Behauptung von Spinola und anderen Autoren zu, dass, wenn die Kolik länger, als 12 Stunden anhält, die Prognose ungünstig wird. Andererseits habe ich oft beobachtet, dass eine durch Ueberfütterung entstandene Kolik trotz der Verabreichung starker Abführmittel 2—3, selbst 4 Tage lang anhielt und dass die Thiere doch vollkommen ge­heilt wurden. Die chronische Kolik (die länger, als 5—6 Tage dauert) lässt sich nur in Ausnahmefällen heilen.
Günstig können im Allgemeinen die Krankheitsfälle beurtheilt werden, bei welchen zeitweise langgedehnte Dickdarmgeräusche durch die Aus­cultation des Bauches festzustellen sind. Ferner zeigt die reichliche Ent­leerung von Excrementen die baldige Genesung an. Doch ist nicht zu übersehen, dass auch bei einer tödtlichen Kolik noch mehrfache Defäca-tionen aus dem Mastdarm und dem Grimmdarm erfolgen können. — Aussicht auf Heilung ist auch vorhanden, wenn die Patienten Durst­gefühl bekunden und 8 —10 Liter Wasser auf einmal mit Begierde trinken; ferner wenn die Schmerzempfindung im Darm nachlässt und gleichzeitig die Pulsfrequenz sich verringert.
Tlif rapic. Vom theoretischen Standpunkte ist zu beachten, dass, wenn die Kolik durch innere Einklemmungen, Invaginationen und sonstige unheilbare Verschliossungon des Darms veranlasst ist, oder wenn eine Ruptur des Zwerchfells, Magens oder Darms eingetreten ist, oder wenn eine embolische Obturation einer grösseren Darmarterie besteht — die Behandlung von vornherein aussichtslos ist. Indess sind solche un­heilbare Zustände in der grossen Mehrzahl der Fälle nicht vorhanden. Da sich die­selben andererseits mit Sicherheit nicht diagnosticiren lassen, so wird seit jeher in der praktischen Thierarzneikunde die Behandlung der Kolik mit Recht in allen Fällen so lange für nothwendig gehalten, bis die Unabwendbarkeit des tödtlichen Ausganges sich durch unzweideutige Merkmale kundgiebt.
Die wesentlichste Indication bei der Kolikbehandlung beruht in der künstlichen Anregung der Darniperistaltik zum Zwecke der Fortbewegung und Entleerung des Magen- und Danninhaltes. Je schneller die Kothentleerung herbeigeführt wird, um so geringer ist die Gefahr einer tödtlichen Complication des Krankheitsfalles. Leichte Erkrankungen heilen zwar sehr oft bei zvveckraässigem Verhalten der Patienten ohne medicamentöses Zuthun. Trotzdem rathe ich, jeden Fall von vornherein ernst zu nehmen und hiernach zu behandeln. Denn gar oft stellt sich erst im Verlaufe eines ursprünglich leichten Krankheitsfalles eine Darmverlagerung ein, die nicht mehr zu corrigiren ist. — Neben der mangelhaften Darniperistaltik verlangen auch einige andere Symptome (Sohmerzdmpflndung — entzündliche Reizung der Digestionsschleim­haut — starke Anfüllung des Dickdarms mit Gasen — Incarceration eines Leisten­bruchs) eine besondere therapeutische Berücksichtigung. — Die früher zur Bekäm­pfung oder Verhütung einer Darmentzündung bei kolikkranken Pferden allgemein übliche Application des Aderlass ist nutzlos und wird doshalb jetzt nicht mehr vor­genommen.
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Als Mittel zur Anregung der Darmperistaltik und resp. zur Förde­rung der Kothcntleerung kommen in Anwendung:
1)nbsp; nbsp;Die Bewegung der Patienten. Zwcckmässig werden die Pferde im Beginn der Erkrankung 1 — 2 Stunden hindurch im Schritt geführt; indess ist es nicht gerade unzulässig, dieselben zu reiten oder vor den Wagen zu spannen. Nutzlos und nicht selten auch nachtheilig ist die von den Laien zuweilen noch angeordnete Bewegung der kolik­kranken Pferde in schneller Gangart, welche schon Kersting im vorigen Jahrhundert getadelt hat. — Das Umherführen der Pferde verhindert am zweckmässigsten das ungestüme Niederwerfen und die hierdurch ermög­lichten Rupturen des Zwerchfells oder Verlagerungen des Darms. Sind die Patienten sehr ermüdet oder schon 6 — 8 Stunden mit der Kolik behaftet, so kann von dem Herumführen abgesehen werden.
2)nbsp; nbsp;Reizende Einreibungen oder warme Ein Wickelungen des Bauches, auch Priessnitz'sche Umschläge. Zu den Einrei­bungen sind 01. Tereb. und Liq. Ammon. c. am meisten im Gebrauche; sie gewähren indess nicht so grosso Vortheile, wie oft behauptet ist. Die schmerzerregende Wirkung derselben erfordert, dass die Patienten vor der Application der Mittel mit einer Trense versehen und aus dem Stalle entfernt, demnächst auch 10—15 Minuten lang geführt werden. Bei der Vernachlässigung dieser Vorsicht ziehen sich die Thiero leicht erhebliche Beschädigungen zu.
8) Infusionen von Wasser in den Mastdarm. Die früher allgemein in Gebrauch gezogenen Klystiere von Wasser, Kochsalzlösung mit Zusatz von Rüböl, Seifenwasser etc. sind nicht praktisch. Bei un­geeigneter Application der Klysticrspritze entsteht auch zuweilen eine Verletzung des Mastdarms. An die Stelle dieses Verfahrens ist die ein­fache Methode des Eingiessens in den Mastdarm getreten, welche bei Menschen zuerst von Hegar und Mosler angewandt wurde und in der Thierarzneikunde zwar schon seit 50 Jahren versucht, aber erst nach Dammann's Empfehlung (1875) allgemein in Gebrauch gekommen ist. Man benutzt zu den Infusionen mittels des Gummischlauches kaltes oder warmes Wasser, auch Mehlwasser oder eine (1 pOt.) Lösung von Koch­salz, Seifenwasser und aromatische Flüssigkeiten. Nur bei denjenigen Koliken, welche durch Anschoppung von Excrementcn im Mastdarm oder in den hinteren Abschnitten des Grimmdarms bedingt sind, bringen die Infusionen erhebliche Vortheile. Die durch Retention des Mcconium am 2.-3. Tage nach der Geburt bei Fohlen oft vorkommende Kolik wird durch dieselben stets geheilt. Sonst sind sie oft ohne Nutzen. Sie haben aber niemals .eine nachtheilige Wirkung.
Dieckerhoff, Spec. Pathologie u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; r i
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4)nbsp; nbsp;Die manuelle Entfernung der Excremente aus dem Mastdarm. Bei Mastdarmverstopfung zuweilen von directem Erfolge, in der Regel aber bei der Anwendung von Piiysostigmin und Infusionen nicht nothwendig. Die Vermeidung einer Mastdarmverletzung ist auch Seitens des Thierarztes nicht unbeachtet zu lassen.
5)nbsp; nbsp;Das Kneten des Bauches von aussen oder des Dick­darms mittels der weit in den Mastdarm eingeführten Hand. Von Diepholz (Nebel und Vix, Zeitschr., 6. Bd.) empfohlen und später oft gepriesen. Nach meinen Erfahrungen hat diese Behandlungsmethode nur geringen Erfolg.
6)nbsp; nbsp;Das Eingeben von Abführmitteln. Nach theoretischen Betrachtungen empfiehlt sich die flüssige Arzneiform und der Thierarzt selbst kann beim Eingeben einer Schüttelmixtur wohl vermeiden, dass der Patient sich verschluckt. Den Laien wird aber zweckmässig die Einverleibung der Medicamente in Latwergenform aufgetragen, wobei wegen der Trockenheit der Maulschleimhaut das Nachschütten einer kleinen Menge Wasser gute Dienste leistet. — Obenan steht unter den Abführ­mitteln bei der Kolik Extractum Aloes (lö,0 — 20,0 mit Natr. sulfur, und Rad. Althaeae, bei stundenlanger Krankheitsdauer 1 — 2 Mal zu wiederholen). Wo es auf den Preis nicht ankommt, kann dem Extr. Aloes die gleiche Dosis Rad. Rhei beigefügt werden. Auch die Aloe selbst zu 25,0—40,0 wird seit vielen Decennien benutzt. Gegen die chronische Kolik ist eine volle Dosis von Extr. Aloes täglich einmal zu geben. Hierdurch gelingt die Heilung zuweilen. — Unsicher ist die Wirkung des Calomel, welches zu 2,0 — 6,0 entweder für sich allein oder in Verbindung mit Aloe Verwendung findet. Bei hartnäckigen Verstopfungen geben manche Thierärzte 01. Crotonis mit 01. Tereb. und 01. Rapae. — Von geringem Nutzen ist bei der Kolik Natr. sulfur., welches in der Regel auch nur als Zusatz zur Aloe genommen wird. — Einzelne Praktiker behandeln die aus üeberfütterung oder Erkältung ent­stehende Kolik regelmässig mit Tartarus stibiatus (2,0—8,0 pro dosi) unter Zusatz von Ncutralsalzen oder auch von Calomel und bitteren Mitteln. Spinola, Gerlach und andere Autoren widerrathen die An­wendung des BrechWeinsteins, weil derselbe die Entstehung einer Magen­ruptur begünstigt. Indess bringen mehr oder weniger alle Drastica diese Gefahr mit sich, am wenigsten freilich die Aloe. Die Ansicht, dass die Drastica wegen ihrer reizenden Wirkung auf die Magen-Darmschleimhaut contraindicirt seien, trifft nicht zu. Aber die bei der Kolik gewöhnlich bestehende Verringerung in der Secretion der Verdauungssäfte behindert das Zustandekommen der Wirkung. Hierdurch und durch die Lähmung
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des Magens oder Dickdarms wird es bedingt, dass übergrosse Dosen der drastischen Mittel oft keinen Erfolg haben.
7)nbsp; nbsp;Die subcutane Application von Abführmitteln. Kaum ein zweites Medicament ist bei der Kolik so schnell in allgemeinen Ge-. brauch gekommen, wie das Physostigmin (Eserin), welches von mir (Adam's Wochenschr., 1882) zuerst versucht und empfohlen wurde. Die Dosis beträgt 0,4 — 0,1; bei schweren Pferden bis 0,15. Be­sonders bewährt sich das Mittel bei einfachen Dickdarm - Verstopfungen, weniger bei starker Magenüberfüllung. Es ist deshalb nicht zweck-mässig, jeden Krankheitsfall ohne weitere Prüfung direct mit grossen Dosen zu behandeln. In manchen Fällen der üeberfütterungskolik empfiehlt sich vielmehr, zunächst Aloe zu versuchen und nach 1 bis 2 Stunden eine Injection von Physostigmin folgen zu lassen. Dass die Empfänglichkeit für die Wirkung des Mittels nicht bei allen Pferden gleich ist und dass bei einer schweren Paralyse der motorischen Darmganglien eine Entleerung des Darras nicht zu erzielen ist, wurde von J. Peters (Adam's Wochenschr., 1883, S. 433) nach den Er­fahrungen der hiesigen Klinik eingehend geschildert. Trotzdem ist das Physostigmin ein vortreffliches Heilmittel bei der Kolik, welches oft allein die Rettung der Patienten ermöglicht. Wenn der ersten Injection keine abführende Wirkung folgt, so kann eine zweite und selbst eine dritte Dosis in Zwischenzeiten von 4—5 Stunden zur Anwendung kommen.
Das von Ellenberger gegen die Kolik empfohlene Pilocarpin ist nach meinen Beobachtungen unsicher im Erfolge. Die grossen Dosen empfehlen sich auch wegen der Wirkung auf das Herz nicht. Der eben­falls von Ellenberger angerathene Zusatz von Pilocarpin zum Physo­stigmin mag für einzelne Fälle indicirt sein.
8)nbsp; nbsp;Das Eingeben von erregenden Mitteln, Branntwein, Ter­pentinöl, Petroleum, Aufgüsse von Baldrian, Kamillen, Pfeffermünze etc. wurden früher vielfach bei der Kolik eingegeben, werden aber wegen der Unzulänglichkeit ihrer Wirkung gegenwärtig, kaum noch benutzt. Fran­zösische Thierärzte empfehlen eine Mischung von Aether (40,0) mit 01. Ricini (500,0).
Gegen die heftige Schmerzempfindung ist die subcutane Injection einer Lösung von Morphinum hydrochloricum (0,2 — 0,5) ein wirksames Mittel. Durch dasselbe wird nicht selten der Krankheitsverlauf er­leichtert. — Die in älterer Zeit vielfach wegen ihrer angeblich schmerz­lindernden oder krampfstillenden Wirkung gepriesenen Mittel (Opium, Hb. Hyoscyami, Fol. Belladonnae, Extr. Hyoscyami, Asa foetida u. a.) sind, entbehrlich.
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852nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Bei der Entwickelung einer entzündlichen Reizung der Magen-Darm Schleimhaut gewährt'die Verabreichung von Schleim oder fettem Oel (Leinöl, Rühöl) einige Voftheile. Einzelne Thierärzte verordnen hierbei mit Vorliebe Oleum Ricini (400,0—500,0).
Der Meteorismus des Magens und Darms (Windkolik) wird zweck-mässig mit Abführmitteln und gleichzeitig durch Eingeben von Aether (quot;20,0 — 40,0 in Rüböl) oder verdünntem Branntwein behandelt. Heu (Rec. de med., 1886) empfiehlt 1 Esslöffel voll Schwefeläther in 1 Liter kalter Milch als Klystier. Zorn (Schneidemühl's Rundschau, 1886/87, S. 277) lässt Aether sulfur. (15,0) mit einer Weinflasche voll kaltem Wasser in den Mastdarm infundiren. Die Infusion kann nach 30 Minuten wiederholt werden. Ich habe in jüngster Zeit auch einige Fälle in dieser Art mit gutem Erfolge behandelt.
Die Function des Dickdarms mit einem Trocart behufs director Ent­leerung der Gase ist zwar zuweilen von grossem Nutzen, nach meinen Beobachtungen indess in einzelnen Fällen trotz der antiseptischen Opera­tionsmethode nicht ohne Gefahr. Es kann sich eine locale Peritonitis mit tödtlichem Verlaufe an der Applicationsstelle ausbilden (vergl. J. Peters in Adam's Wochenschr., 1883, S. 443).
Die Incarceration eines Leistenbruchs bei Hengsten erfordert die schleunige Reposition des Darmstückes. Ich habe dieselbe in zwei Fällen dadurch erreicht, dass ich die Pferde zunächst in die Rückenlage brachte und chloroformirte, darauf beide Hinterfüsse auseinander halten und nach hinten ziehen liess. Hierbei erweitern sich die Bauchringe etwas. — Gelingt die Zurückbringung der Hernic auf diese Art nicht, so ist bald-thunlichst die operative Behandlung derselben vorzunehmen.
Seit 100 Jahren ist in der Literatur die Frage besprochen worden, ob bei der Kolikbehandlung das Niedeilegen und Wälzen der Pferde zu gestatten sei. Unter den Fachmännern besteht darüber auch heute noch keine üebereinstimmung. Spinola meinte, dass nur bei der Windkolik das heftige Niederwerfen zu verhindern, im üebrigen aber den Patienten eine gewisse Freiheit zu gewähren sei. Ich bin mit Roll der Meinung, dass es bei heftigen Schmerzäusserungen besser ist, die Pferde im Schritt zu führen, wenn nicht etwa eine starke Pulsfrequenz besteht. Es ist mir bei einem sehr grossen Beobachtungsmaterial nicht möglich gewesen, mich davon zu überzeugen, dass eine Darmverlagerung durch das Wälzen der Pferde wieder aufgehoben werden könne.
Hinsichtlich der diätetischen Pflege ist die Abreibung und Bedeckung der Haut anzuordnen. Werden die Pferde im Stalle behandelt, so darf
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Einfache Obstipation. Verstopfung ohne Kolik.
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die Verhütung einer Beschädigung derselben beim Niederlegen und Wälzen nicht ausser Acht bleiben.
Die prophylaktische Behandlung der Kolik basirt auf der Regelung der Ernährung. Bei der Neigung zum Sandfressen empfiehlt sich Koch­salz neben Alkalien. Gegen Spulwürmer im Darm ist die Anwendung der Anthelminthica indicirt. Manche Pferde erkranken lediglich deshalb oft an Kolik, weil sie mit schweren Körnern (Roggen, Mais, Erbsen) gefüttert werden. Wenn in den botreffenden Wirthschaften das Kraft­futter nicht ausschliesslich aus Hafer bestehen kann, so empfiehlt sich eine reichliche Vermischung dor Körner mit gutem Häcksel und für die Nacht die Verabreichung von Kleietrank.
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Capitel CXIX. Einfache Obstipatiou. Verstopfung ohne Kolik.
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Schon innerhalb normaler Verhältnisse erfolgt die Entleerung der Darmexore-mente nicht immer gleich häufig (cf. S. 96). Bei der Verabreichung von reizlosem und nährstoffarmom Trockenfuttor ist die Peristaltik stets geringer, als bei gleich-massiger Verwendung von Grünfuttor, Kleie, Mohrrüben etc. Dass die Innervation der Darmmuskulatur beim Uummkollor und bei vielen, mitAppetitmangel verbundenen Krankheiten sich vermindert und dass domgemäss auch die Kothentleerungen weniger oft erfolgen, kann hier nur angedeutet werden. Ganz unabhängig von solchen Ver­anlassungen habe ich in einzelnen Fällen bei volljährigen, resp. älteren Pferden eine vollständige Unterbrechung der Darmausscheidungon behandelt, die keine Kolik im Gefolge hatte. Für diese Fälle verwende ich den Namen der einfachen Obstipation.
Die Aetiologie der Krankheit ist nicht aufgeklärt. Anhaltende Verabreichung von trockenem Rauffutter mit nur geringer Beigabe von Hafer und Ausschliessung anderer Futtermittel scheint ein begünstigendes ursächliches Moment abzugeben. Die Pathogonese ist auf eine functionelle Schwäche der motorischen Ganglien des Magen-Darmtractus und vorzugsweise des Dickdarms zu beziehen. Aus welchen Ein­flüssen aber die mangelhafte Innervation der Darmmüskulatur hervorgeht, ist un­bekannt. Die Magen-Üarmschleimhaut erleidet bei dem Zustande keine erkennbaren Structurveränderungen.
Symptome. Verzögerte Entleerung klein geballter Excremente während 1 bis 2 Tage. Darauf gänzliches Ausbleiben der Abgänge. Darmperistaltik erheblich ver­ringert und zeitweise durch die Auscultation kaum nachweisbar. Aufnahme von Futter und Getränk spärlich. Conjunctiva und Maulschleimhaut schmutzig gelb ge­färbt. Bauchumfang normal. Harnausscheidung vermindert. Herabsetzung des Temperaments und stierer Blick. — Puls, Respiration und Temperatur bleiben
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Organkrankheiten.
normal. — Die Obstipation kann 3—4, seilst bis 6 Tage anhalten. Indess endeten die 5 Fälle, die ich behandelt habe, mit vollständiger Genesung. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass, wenn die Patienten kein Abführmittel bekommen, die Krank­heit sich mit einer Kolik complioiren und zum Tode führen kann. — Die Diagnose bietet keine Schwierigkeiten, weil über den Mangel an Darmausscheidungen dem Thierarzt schon von dem 'Wärter eine bestimmte Auskunft gegeben werden kann. — Hinsichtlich der Beurtheilung ergiebt sich aus meinen bisherigen Beobachtungen kein ungünstiges Moment. — Zur Bcliamllnng habe ich Extr. Aloes 30,0 mit Natr. sulfur. 500,0 pro die angewandt. Das Mittel kann bis zum Eintritt einer diarrhoischen Entleerung ohne Bedenken täglich fortgegeben werden. In einem hartnäckigen Falle setzte ich am 5. Krankheitstage demselben 6,0 Grm. Calomel zu. — Ich hatte bisher keine Gelegenheit, das Physostigmin bei der einfachen Verstopfung zu versuchen, bin aber der Ansicht, dass dasselbe mit Vortheil gegen das Leiden zu gebrauchen ist. — Zur Kachcur ist eine zweckmässige Fütterung des Pferdes anzuordnen.
Capitel CXX. Chronische Mastdarmentziindung. Proktitis chronica.
Während ein acuter Katarrh der Mastdarmschleimhaut bei den mit diarrhoischen Ausscheidungen verlaufenden Krankheiten der Pferde sehr oft vorkommt, wird die chronische Mastdarmontzündung nur selten beobachtet. #9632; Ihre Entwickelung scheint aus der Vernachlässigung in der Behandlung des acuten Mastdarmkatarrhs hervor­zugehen. Die Reizung der Schleimhaut würde demnach zunächst aus dem Säure­gehalt der Excremente originiren. In der Schleimhaut erhält sich die entzündliche Röthung und Schwellung. Die Oberfläche bedeckt sich im Verlaufe von mehreren Wochen mit Granulationsgewebe und die Darmwand verdickt sich. Parese des Sphincter ani und Oeffnung dos Afters, so dass die Luft in den Mastdarm beständig ein- und austreten kann. Die Pferde empfinden einen brennenden Schmerz in der Region des Afters (Tenesmus), der zeitweise sehr lästig wird. Mangelhafter Appetit und unregelmässige Defäcation. — Die Prognose ist ungünstig. Auch wenn die Er­krankung nur in massigem Grade ausgebildet ißt, erfordert die Heilung bei grosser Sorgfalt eine Zeit von mehreren Wochen. Ich konnte bei einem achtjährigen werth-vollen Wallach, bei welchem die Schleimhaut im Endstück des Mastdarms auf eine Länge von 40 Ctm. mit röthlichem, sammotarligem Granulationsgewebe bedeckt und die Darmwand verdickt war, durch eine dreiwöchentliche methodische Behandlung nur einen vorübergehenden Erfolg erreichen. — Die Therapie ist im Wesentlichen eine locale. Zunächst können Infusionen von warmem Wasser, Schleim oder Mehl­wasser vorgenommen und alle 3—5 Stunden wiederholt werden. Nützlich ist ferner die Application von Glycerin oder Lanolinsalbe auf die Schleimhaut des Afters. In schweren Fällen ist die Infusion von adstringirenden Flüssigkeiten (Iproc. Lösung
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Mastdarraverletzung. Paralysis recti.
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von Tannin oder Zincum sulfo-carbolioum) odor von Carbolwassor angezeigt. — Zum Inneren Gebrauche empfiehlt sich Natr. bicarb, 100,0 rait Natr. sulfur. 300,0 und Rad. Gentianao 50,0 in Latwergenform alle 2 — 3 Tage zu geben. Auch Calomel in mittleren Dosen ist zur Herbeiführung einer leichten Defäcation zuweilen indicirt,
Capitel CXXI. Nastdarinlähninng. Paralysis recti.
Die Beckenportion des Mastdarms wird bei Pferden zuweilen von einer unheil­baren Lähmung betroffen, dio sich innerhalb 1 — 3 Wochen ausbildet. Ueber die Pathogenese ist ein sicherer Aufschluss bisher nicht erbracht worden. Wahrschein­lich handelt es sich dabei um eine fibröse Entzündung in dem Bindegewebe der Mast­darmnerven resp. der Beclcengeflechto. Nach einigen Befunden muss ich ferner schliessen, dass fibröse Entzündungsprocesse des Bauchfells und retroperitoneale Ver-dickungen sich auf das Bindegewebe der Mastdarmnorven und der Beckongeflechte fortsetzen können (Neuritis prolifera ascendens).
Syiii|it(ime. Die Entleerung der Excremente 1st beschwerlich und muss anfangs durch Steigerung der Bauchpresse erzwungen werden. Sind die Excremente flüssig oder breiförmig, so erfolgt der Abgang ziemlich leicht resp. von selbst. Dagegen häufen sich später die consistenteren Kothmasson im Beckentheil des Mastdarms an und alles Drängen der Pferde bleibt erfolglos. Wenn 1—2 Tage hindurch keine Ent­leerung stattfindet, dann stellt sich eine Kolik ein, die wieder aufhört, wenn die Excremente mit der Hand oder durch Eingüsse aus dem Mastdarm herausbefördert werden. Letzterer erweitert sich im Verlaufe einiger Wochen und der After steht beständig olTen (Paralyse des Sphincter ani). — So lange für die regelmässige Aus­scheidung der Kothmassen durch die Ilülfeleistung eines kundigen Wärtors gesorgt wird, sind die Pferde arbeitsfähig. Fieber tritt nicht ein. Aber dio Ernährung der Thiero verschlechtert sich in der Regel. Die Vernachlässigung in der Horausbeförde-rung des Mastdarminhaltes hat die öftere Wiederkehr der Verstopfungskolik zur Folge, die beim Ausbleibon der Behandlung einen tödtlichen Verlauf nehmen muss. Mehr­fach constatirte ich, dass selbst bei werthvollen Arbeitspferden die für die regel­mässige Kothentloerung täglich 2—3 Mal erfordorlicho Hülfeleistung im Vorlaufe von einigen Wochen den Besitzern und Wärtern verleidet war und dass darauf die Thiere als werthlos zum Schlachten verkauft wurden.
In einzelnen Fällen complicirt sich die Mastdarmparalyse mit einer Blasenläh­mung, worüber ich eine Beobachtung mittheilen will, welche die Theorie unterstützt, dass die Lähmung durch eine chronische Neuritis und Degeneration der Nervenfasern herbeigeführt wird.
Wallach, 18 Jahre alt, Arbeitspferd, wurde am 1. Juni 1885 behufs Begut­achtung seines fehlerhaften Zustandes in die Klinik eingestellt. Starke Abmagerung; langes, rauhes Haar; matte Haltung und geringe Aufmerksamkeit. P. 36; R. 10,
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Organkrankhoiten,
Appetit mangelhaft; Darmperistaltik massig. After geöffnet und Defäcation nicht ausführbar. Bei der manuellen Untersuchung findet sich das Beckenstück des Mast­darms stark ausgedehnt und mit derben, übelriechenden Kothmassen gefüllt. Der Penis hängt etwas aus dem Schlauche herab. Aus der Harnröhre entleert sich fort­dauernd tropfenweise Urin. — Nachdem der Mastdarm künstlich entleert war, ergiesst sich der Urin in einem dünnen Strahl, worauf der Penis in die Vorhaut zurück­gezogen wurde. Der Harn war dunkel-braunroth gefärbt, stark fadenziehend und trübe. — Nach diesem Befunde diagnosticirte ich eine unheilbare Mastdarm- und Blasenlühmung, worauf der Besitzer sich entschloss, das werthloso Pferd tödten zu lassen. — Section im pathologischen Institut (Lüpko): Aus den Befunderhebungen sind folgende Daten von Interesse. Im Magen, Dünndarm und Blinddarm wenig Futter, aber eine grosse Quantität von Darmgasen. In den oberen Lagen des Grimm­darms eine massige Menge festen Kothes. Im Gekröstheil des Mastdarms geballte Excremente; der Hcckenthcil mit Excrementen angefüllt und bis zum Umfange von 70 Ctm. ausgedehnt. Am hinteren Ende des Gekröstheils vom Mastdarm ist die Üarm-wand augenfällig verdickt. Der seröse Ueberzug trägt stellenweise rothe, ziemlich dicke Zotten. Das grosse Netz ist mehrfach zerrissen. Von demselben gehen zahl­reiche Stränge an die Oberfläche des Magens, an das Zwerchfell, die Leber und die Bauchdecken; sie sind mit diesen Organen verwachsen. Der Magen ist mit dem Zwerchfell und mit der Leber stellenweise fest verbunden. Die grösste dieser Ver­wachsungsstellen hat den Umfang einer halben Handfläche. Leber etwas kleiner als gewöhnlich; ihre vordere Fläche mit dem Zwerchfell an sehr vielen Stellen verwachsen. Die Verbindungen sind theils strangförmig und bilden am rechten Leberlappen ein umfangreiches Balkenwerk; theils sind sie fläohenförmig. Milz nicht verändert. Die Nieren besitzen die normale Grosse. Nachdem die Kapsel, die sich nur schwer und stückweise abziehen lässt, entfernt ist, treten zahlreiche, flache Einziehungen an der Oberfläche der Nieren hervor. Auf der Schnittfläche ergiebt sich, dass diese Ein­ziehungen in rothen oder rothbraunen Streifen sich bis in die Marksubstanz fortsetzen. Das Nierenbecken der linken Niere ist mit einem trüben, zähen, rothen Schleim ge­füllt. Die Schleimhaut des Nierenbeckens ist geröthet und etwas verdickt. Beide Ureteron erweitert; der linke etwas stärker als der rechte; die Wände derselben ver­dickt. Die Blase reicht mit ihrem Grunde weit in die Bauchhöhle hinein und ent­hält 5 Liter eines zähen, fadonziehenden, dunkelrothen, trüben Urins, welcher einen lehmfarbenen Bodensatz bildet. Die Wandung der Blase ist bis zu 8 Mm. verdickt. Die Schleimhaut besonders an der unteren Fläche stark vergrössert und mit der Muskularis verwachsen. An der Oberfläche der Schleimhaut viele ulceröse Stellen von dem Umfange einer Linse bis eines Markstückes. Zum Theil sind die Geschwüre ver­narbt. Ausserdem finden sich in der Blasenschleimhaut viele kleine, blutige Herde zwischen den Geschwüren und Narben. — Nach der Eröffnung des Wirbelkanels er­giebt sich, dass das ausserhalb der Dura befindliche Fettgewebe eine schmierige, wässerige Beschaffenheit hat. In der Nähe der Rückenmarksspitze ist die Pia mater spinalis deutlich vordickt; die Verdickung reicht bis zum 5. Lendennerven. Die Kreuznerven sind sämmtlich mit Ausnahme des ersten Paares strangartig und knotig geschwollen. Sie fühlen sich derb an und erscheinen äusserlich geröthet. Die Dura ist vom letzten Lendenwirbel an verdickt und mit der Pia stellenweise verwachsen. Der Endfaden des Rückenmarks beginnt 2 Ctm. hinter dem 2. Kreuz-nervenpaar, sieht dunkelgrauroth aus und hat etwa 2 Ctm. im Durch-
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Acute Bauchfellentzündung. Peritonitis acuta.
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messor. Auf dem Querschnitt der verdickten Kreuznerven finden sich stecknadelknopfgrosse, rundliche, graue Flecke (Nervenstränge). Das Periost des Wirbelkanals erscheint an der unteren Fläche des Kreuzbeins stark geröthet, etwas verdickt und trübe. Es ist mit den Nervenscheiden fest verwachsen. Die am Kreuzbein haftenden Theile dos M. iliopsoas haben eine gelblichgraue Farbe und sind mit dem Periost des Kreuzbeins stellenweise verwachsen.
Die Diagnose der Mastdarnilähmung ist nach der Anamnese und bei den offen­sichtlichen Symptomen leicht. Auch bezüglich der Koliksymptome ist die unrichtige Deutung bei einiger Umsicht zu vermeiden. Progiiuse sehr ungünstig. Therapie nach meinen Erfahrungen stets erfolglos. Ich habe in mehreren Fällen Strychnin-lösungen subeutan in der Gegend des Mastdarms taglich applicirt und die Cur 2 bis 3 Wochen fortgesetzt, aber ohne jeden Nutzen. Auch durch Eingüsse in den Mast­darm ist nur die FortschafTung der Excremenlo rosp. eine bald vorübergehende Er­leichterung der Patienten zu ermöglichen.
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Capitel CXXII. Acnte Bauchfellentzündung. Peritonitis acuta.
Aeliologie und Pathogeuese. Bis vor zwei Jahrzehnten wurde auch in der Thier-arzneikunde irrthümlich angenommen, dass durch Erkältung eine acute (rheumatische) Peritonitis verursacht werde. Neuere Erfahrungen haben die Unrichtigkeit dieser Ansicht zur Evidenz dargethan. Die Entzündung des Bauchfells ist stets ein soeun-därer Process. Trotzdem bleibt die Aotiologie desselben noch sehr mannigfaltig. Leicht verständlich erscheint die Pathogeuese nach penetrirenden Wunden der Bauch­wand, durch welche eine Infection vermittelt wird. Bei der grosson Vulnerabilität der Pferde sind die operativen Eingriffe in der Bauchhöhle wogen der gewöhnlich nachfolgenden Peritonitis gefürchtet. Die Castration der Hengste, die Operation der Samenstrangflstel und der incarcerirten Hernien führen nicht selten durch Infection zur Entwickelung einer Peritonitis. Ferner kann der Ursprung der Krankheit in pene­trirenden Wunden des Mastdarms, der Scheide und der Gebärmutter liegen. Ebenso können Abscesse in der Leistengegend oder in der Bauchwand das Peritoneum durch­brechen und eine acute Bauchfellentzündung veranlassen.
Zum grossen Theil fallen die vorbezeichneten Ursachen in das Gebiet der chir­urgischen Pathologie. Aber auch von den inneren Organen nimmt die acute Perito­nitis oft ihren Ausgang. Am wichtigsten ist die Vermittelung derselben durch nekro-tische Herde in der Darmwand, wie dieselben häufig durch Emboli von den erweichten Thromben des Stammes oder der Aeste der vorderen Gekrösarterie herbeigeführt werden. Weniger oft bedingen die hämorrhagischen Herde beim Morbus maculosus eine Nekrose der Darmwand mit consecutiver Peritonitis. Dagegen wird durch Rup­turen des Magens oder Darms, wenn dieselben nicht innerhalb woniger Stunden zum Tode führen, gewöhnlich eine acute Peritonitis ausgelöst. Nicht minder ist die feste
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Organkrankheiten.
Obturation dos Darms, sowie die Einldommung desselben nach Lageverändorungen eine nicht seltene Ursache derselben. — Innere Verwundungen, die beim Rinde so ausserordentlich oft vorkommen, gehören beim Pferde zu den grössten Seltenheiton. Häufiger veranlassen Abscesse in der Leber oder Milz, im Gekröse, in der Meren-kapsol, sowie in der Magen- oder Darmwandung beim Aufbruch in die Bauchhöhle eine Peritonitis. — Die acute perniciöse Metritis nach Sohwergeburten bedingt zwar oft eine entzündliche Miterkrankung des Bauchfells. Indess ist dieselbe gegenüber der schworen und tödtlichen Erkrankung der Gebärmutter nicht von erheblichem klinischem Interesse. Ob es bei Pferden eine diffuse Entzündung der Darmschleim­haut giebt, welche sich auf das Bauchfell fortsetzen kann, ist nicht klar ausgemacht. Allgemein bekannt dürfte die Thatsache sein, dass bei den Sectionen der Pferde, die an einfachen schweren Darmentzündungen zu Grunde gegangen sind, der peritoneale Uoberzug des Darms stets intact angetroffen wird. Nun finden sich aber sehr oft in einer kleinen oder grösseren Partie des Bauchfells, und zwar in allen Abtheilungen desselben zottige bindegewebige Excrescenzen und schwartige Verdickungen. Uober die erste Anregung de# entzündlichen Processes, welchem diese Produote ihre Ent­stehung verdanken, ist bislang ein bestimmter Aufschluss nicht erbracht worden (vergl. auch S. 516). Ein Theil der Befunde mag vielleicht mit einer relativ leichten und ohne erhebliche Schädigung der Thiere abheilenden Enteritis in ätiologischer Vorbindung stoben.
Bei Menschen kann nach den medicinischen Handbüchern eine eiterige Pleuritis sich durch die Lymphgefässe des Zwerchfells direct auf das Peritoneum fortsetzen. Mir ist bei Pferden eine derartige acute Peritonitis nie begegnet. Den üebergang der aculen exsudativen Pleuritis auf das Peritoneum habe ich nur in einem Falle bei der Brustseucho (vergl. S. 218) gesehen, in welchem Exsudat am Schlünde entlang in die Bauch höhle gelangt war.
Die acute Bauchfellentzündung des Pferdes umfasst seröse, fibrinöse, eiterige, hämorrhagische und jauchige Processe. Für die Entwickelung dos speciellen Krankheitscharakters ist die Natur der Primäraffection bestimmend. Indess kommen nicht selten zwei oder drei von den bezeichneten Processon gleichzeitig zur Ausbildung (Peritonitis sero-fibrinosa; P. fibrinosa et ichorrhosa etc.). — Die durch Perforation dos Magens oder Darms und Eindringen deletärer Stoffe in die Bauchhöhle hervorgerufenen Arten der Bauchfellentzündung werden auch unter dem Namen dor ,,lJorforationsperitonitisquot; zusammengofasst.
Obwohl die Krankheit stets einen exsudativen Charakter hat, so bestehen doch in der Quantität des Entzündungsproductes und in der Ausbreitung der Processe er­hebliche Unterschiede, welche auf die wichtigsten Symptome einen bestimmenden Kinfluss haben können. In einzelnen Fällen findet man bei dor Section 8 — 4 Stall-eimor voll (35 — 45 Liter) gelblich klarer oder bräunlich gefärbter oder auch trüber, golblich grauer Flüssigkeit neben massigen fihrinöson Ausscheidungen. Zuweilen be­trägt dagegen das Exsudat nur einige Liter und mitunter scheidet sich nur etwas Pibrin ab, welches die betreffenden Organe der Bauchhöhle miteinander verklebt. So­weit die Pferde eine acute Peritonitis überstehen, können Verwachsungen einzelner Darmtheilo oder eines Uarrastüokes mit dem Netz, der Blase, der Bauchwand, der Lober und der Milz oder des Magens mit dem Zwerchfell zurückbleiben.
Symptome. 1. Ausdruck dumpfer Schmerzempfindung im Bauche durch zeitweisos Scharren mit den Vordcrfüssen und Annahme gestreckter
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Acute Bauchfellentzündung. Peritonitis acuta.
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Korperstellungen; 2. Verminderung oder vollständige Sistirung der Futter­aufnahme; 3. Fiebertemperatur, aber nicht constant und bei langsamer Krankheitsentwickelung erst gegen Ende des Lebens; 4. Pulsfrequenz meist zwischen 60 — 80 und bei schnellem Krankheitsverlauf über 100 in der Minute; 5, Beschleunigung der Respiration, sehr ungleich; zuweilen nur 25, mitunter 40—50 Athemzüge in der Minute; 6. Verzögerung oder vollständige Unterdrückung der peristaltischen Darmbewegungen und der Kothentloerung; 7. venöse Färbung der Kopfschleimhäute; 8. Herab­setzung des Temperamentes (stierer Blick); in einzelnen Fällen bekunden die Thiere in den ersten Krankheitstagen nur vorübergehend eine Trübung des Gesammtbefindens.
Der Verlauf erstreckt sich meist auf 3—14 Tage, ist aber, wie sich aus der Mannigfaltigkeit der ursächlichen Bedingungen von selbst ergiobt, sehr ungleich.
Ein vierjähriger englischer Vollbluthengst (Rennpferd) hatte seit 10 Tagen bei jeder erheblichen Anstrengung im Training eine starke Ermüdung bekundet. Zeit­weise Scharren mit den Vorderfüssen. Futteraufnahme ungleich. Am 11. Krank­heitstage: Puls 60, Eesp. 25, Temp. 38,6; Heben des Rückens und Anspannen der Bauchdecke; leichte Koliksymptome; Mangel an Kothentleerung; venöse Röthung der Conjunctiva; Temperament nicht verändert. — Nach diesen Feststellungen dia-gnosticirte ich eine acute Peritonitis. Am folgenden Tage starb der Hengst und die Section ergab eine diffuse fibrinös-hämorrhagische Entzündung des Bauchfells. Am Mittelstück des Blinddarms eine hühnereigrosse Partie der Wandung nekrotisch. Schleimhaut des Dünn- und Dickdarms entzündet.
Die Diagnose gestaltet sich oft nicht leicht. Namentlich kann die acute Peritonitis mit einer Kolik verwechselt werden. Die in der Lite­ratur verbreitete Angabe, dass bei reichlicher Abscheidung von Serum der Bauchumfang sich vergrössere, habe ich in keinem Falle bestätigen können. Nicht selten wird die Bauchdecke zur Verringerung der Schmerz­empfindung leicht emporgezogen. — Die Prognose ist sehr ungünstig. Meist besitzen die Primärkrankheiten schon einen tödtlichen Charakter. Aber auch abgesehen hiervon führt die diffuse exsudative Peritonitis durch sich selbst bei Pferden regelraässig zum Tode. Bei den mehr localen (circurascripten) Formen, die übrigens fast nie zu diagnosticiren sind, ist der Verlauf oft günstig, wie aus der Thatsache erhellt, dass bei der Section älterer Pferde die bindegewebigen Residuen abgelaufener peritonitischer Processe häufig gefunden werden. — Therapie. Zu Cur-versuchen eignet sich innerlich Calomel mit Natr. sulfur.; ferner Mor-phinum hydrochlor. (0,5) subeutan. Infusion von Schleim oder Mehl­wasser in den Mastdarm. Warme Umhüllungen des Bauches.
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860nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Capitel CXXIII. Chronische ßaiichfcllciitzündniig. Peritonitis chronica.
Durch Eigenthümlichkeiten der Wundinfection wird zuweilen bei Pferden eine mit Remissionen vorlaufende Peritonitis unterhalten, deren Dauer sich auf mehrere Wochen erstreolion leann. Nach der Castration und nach der Operation der Samen-strangfistol entsteht mitunter cino Wundinfection, bei welchem haselnuss- bis wall-nussgrosso Abscesso mit dünnflüssigem, missfarbenem Inhalte in dem Reste des Samenstranges und in dem angrenzenden retroperitonealen Gewebe sich bilden. Die durch solche Horde zunächst vermittelte Peritonitis kommt entweder zur Abheilung oder es lloibt eine Verwachsung zwischen Darm und Bauchwand oder zwischen zwei Darmpartion zurück. Darauf erfolgt nach einigen Tagen oder Wochen von einem in­zwischen grosser gewordenen Primärherde eine erneute Infection des Peritoneums, welche unter dem Bilde der acuten Bauchfellentzündung zum Tode führen kann.
Andererseits veranlasst eine vom Darmkanal eingeleitete Perforationsperitonitis nicht selten die Verklebung und Verwachsung des betreffenden Darmstückes mit der Nachbarschaft, wodurch der Austritt der Contenta verhindert wird. — Auch kann die unvollständige Verlagerung eines Darmstückes die nehmlichen Folgen haben. In solchen Fällen stellt sich gewöhnlich anhaltende Diarrhöe mit Appetitmangol ein. Dor Regel nach ist eine derartige Peritonitis nicht heilbar. Ihre Dauer erstreckt sich zuweilen auf 4—6 Wochen.
Ferner können Abscosse in den Bauchorganen, Sarkome und Carcinome eine chronische Peritonitis unterhalten. Die Abscesso bilden sich am häufigsten durch Verwachsung relativ grosser peritonealer Flächen, namentlich zwischen Leber, Magen und Grimmdarm oder zwischen Netz, Magen und Milz oder im Gekröse; sie können aber auch in dem subporitonealen Gewebe eines Bauchorgans (wie Hering im Report., XVII, 1856, S. 11 von einem faustgrossen abgekapselten Eiterherde der Magenwand dargothan hat) entstehen. Ziemlich häufig ist ein solcher Abscess die Folge einer motastatischen Pyämie (cf. S. 319 und 868). Bei einzelnen der betreffenden Pferde führt die in dem Abscesso vor sich gehende Umsetzung dos Eiters resp. die Resorption der toxischen Substanzen zur Entwickelung dos Morbns maculosus. In anderen Fällen kann der Abscess auch mehrere Wochen oder Monate bestehen, ohne eine Störung der Gesundheit zu bewirken. Dann vermittelt derselbe aber gewöhnlich die Aus­bildung einer tödtlich verlaufenden Kolik.
Die Diagnose der vorbezoiehneten chronischen Bauchfelleiitzündungen igt oft ausscrordentlich schwierig. Zuweilen hat dor Thierarzt einen Anhalt in der Ermitte­lung des ungünstigen Vorlaufes etwaiger Operationswunden am Hodensack oder in der Bauchwand. Bei den mit abundanter Diarrhöe vorlaufenden Formen ist auf die Möglichkeit einer Verwechsolung mit dem chronischen Darmkatarrh (S. 825) zu achten. — Die l'rognusc ist schlecht. — Für die BehaiMiliiiig sind die symptomatischen Indi-cationen massgebond. Dass dieselbe fast nie einen guten Erfolg hat, liegt in der Natur der Primärzustände begründet.
Casuistik. 1. Anhaltende Diarrhöe in Folge chronischer, reeidi-virendor Peritonitis. Dislocation und Verwachsung des Blinddarms
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Chronische Bauchfollontzündung. Peritonitis chronica.
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mit der Blase und der Bauchwand. Zwölfjähriger Fuohswallach war im No­vember 1884 an Appetitmangel und Diarrhöe erkrankt und wurde vom 4. — 20. De­cember deshalb in der Klinik behandelt. Massige Pulsfrequenz und zeitweise geringe Erhöhung der Bluttemperatur. Der Zustand hatte sich etwas gebessert, als dor Be­sitzer das Pferd abholen Hess. Sechs Tage später wurde dasselbe von Neuem ein­geliefert, weil es neben dem heftigen Durchfall ein schweres Allgemeinleiden be­kundete. Es starb in der Nacht vom 2G./27. December. Section im pathologischen Institut (Lüpke): Peritoneum trübe und röthlich, mit 3—4 Ctm. langen zottigen Anhängseln besetzt. Darmkanal massig gefüllt, von bläulichem Aussehen. Blind­darm nach rechts verlagert, deformirt und erst nach Entfernung des Colon zu finden; der Grund im Umfange von 3 Handflächen mit der Bauchwand der rechten Leisten­gegend, ferner mit der Harnblase, der Bockenwandung und dem Mastdarm verwachsen. Das zurückgeschlagene vordere Ende des Blinddarms ist mit dem Mittelstück fest vor­einigt. In der rechten Leistengegend umschliesst die verwachsene Partie eine 16 Ctm. lange und 5 Ctm. breite Höhlung, die eine missfarbeno, mürbe Materie und etwas stinkende Flüssigkeit enthält. Die bindegowebige Kapsel dieser Höhle ist 1—3 Ctm. stark; sie steht durch 3 feine und runde Oeffnungen mit der Bauchhöhle in Vor­bindung. — Die Harnblase enthält eine geringe Quantität eiteriger Flüssigkeit. Zwischen der verwachsenen Partie der Blase und der Beckenwand findet sich eine 12 Ctm. lange und 8 Ctm. breite Höhlung mit trübem missfarbenom Inhalt. — Das grosse Netz ist mehrfach zerrissen; die zusammengewickelten dunkelrothon Wülste sind zum Theil untereinander verklebt. — Magen-Darmschleimhaut dilfus entzündet. 2. Abscess am Magon als Ursache einer tödtliohen Gastro-Ento-ritis. Schimmelwallach, 5 Jahre alt, veredelter Abkunft, wurde am 21. Juli 1885 in die Klinik gebracht, weil der Besitzer eine mangelhafte Futteraufnahme bei dem­selben seit zwei Tagen bemerkt hatte. Das Pferd war gut genährt, bewegte sich aber nur schwerfällig. Die Temperatur am Kopf war kühl. Augenlider halb geschlossen. Futteraufnahme verweigert. Peristaltik lebhaft. Puls kräftig, G4; Resp. 18j Temp. 40,1. Sechs Stunden später bekundet das Pferd Symptome von Kolik (Scharren mit den Vordergliedmasson und öfteres Umsehen nach dem Bauche). Peristaltik gering. örd.: Physostigmini sulfur. 0,08 suboutan. Eine halbo Stunde später erfolgte die Entleerung halbflüssiger Excremente. Am 23. Juli fortdauernd Erscheinungen einer geringen Kolik. Puls 74; Resp. 14; Temp. 40,2. Am 24. Juli Darmexcremente dünn­flüssig. Puls 74; Resp. 13; Temp. 39,3. Priesnitz'sche Umschläge um den Bauch. Am 25. Juli Bauch meteoristisch aufgetrieben. Andauernde Kolik in geringem Grade. Puls 62; Resp. 20; Temp. 39,2. Bis zum 26. Juli stellte sich sichtbarer Kräfteverfall ein; unsicherer Gang; dyspnoische Rospiration. Puls 83; Resp. 42; Temp. 40,0. Gegen Abend war das Pferd unfähig aufzustehen; auch nach der mit Unterstützung erwirkten Aufrichtung brach es bald wieder zusammen. Der Tod erfolgte In den Frühstunden des 27. Juli. Section im pathologischen Institut (Lüpke): Schwere Gastro-Enteritis; acute Sohwellung der Leber und der Milz; Hypostase und Oodem beider Lungen; parenehymatöso Myocarditis. Neben diesen in den letzten Lobons-tagen entstandenen Veränderungen fand sich, dass ein erheblicher Theil dos grossen Netzes mit der Serosa des Magens an der kleinen Curvatur auf einer Flächo von 18 Ctm. Länge und 10 Ctm. Breite fest verwachsen war. Inmitten dieser Verwachsung lag eine Geschwulst von der Grosse eines menschlichen Kopfes, welche mit rahm-artigem, weissem, etwas klebrigem Eiter prall angefüllt war. Die Innenfläche des Abscesses erschien glatt; die Kapsel war aber von mehreren Balken und Leisten
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Organkrankheiten.
durchzogen, so dass dieselbe stellenweise eine maschige Einrichtung erkennen liess. Die Wand hatte eine Dicke von durchschniUlich 0,4 Ctm. Mit dem Magen war die Abscesswand fest verwachsen. Ihre Dicke betrug einschliesslich der Magenwand 3,5 Ctm. In der nächsten Umgebung des Abscesses erschien das Peritoneum entzünd­lich getrübt und stark vascularisirt.
E. Krankheiten der Leber.
Capitel CXXIV. Gelbsucht. Icternst
Krankhafte Zustände der Leber oder der Gallenwege, wobei die abgesonderte Galle zum Theil durch Resorption in das Blut zurücktritt und mit der Circulation in die Organe des Körpers gelangt, werden mit dem Namen der Gelbsucht (hepa-togener Icterus, Stauungsicterus) zusammengefasst. — Diagnostisch ist von dieser krankhaften Gelbfärbung der Organe der „hämatogene Icterusquot; zu trennen, welcher als Symptom der Brustseuche und bei anderen Blutintoxioationen des Pferdes häufig vorkommt. Seine Entstehung findet der hämatogene Icterus durch die Um­wandlung von Hämoglobin in Ilämatoidin, welches mit dem Blute circulirt.
Der hepatogene Icterus beruht nicht auf einer bestimmten Leberkrankheit. Man bezeichnet damit eigentlich nur ein Symptom verschiedener Krankheitszustände. Bei der Lupinose (cf. S. 495) kommt der hepatogene Icterus durch eine degenerative Ent­zündung der Leber zu Stande. In ähnlicher Weise lässt sich die Störung künstlich durch eine Vergiftung mit Phosphor und Arsenik herbeiführen. — Ausserdem wird die Behinderung des Gallenabflusses in den Zwölffingerdarm als Ursache des Icterus (katarrhalischer Icterus) angesehen. Soweit die thatsächliche Erfahrung bis­lang ergeben hat, muss aber diese Veranlassung bei Pferden als ein seltenes Ereigniss angesehen werden. Die dritte Entstehungsart liegt nach Freriohs darin, dass der Blutdruck in den Pfortadercapillaren sinkt und dass in Folge dessen Galle durch den stärkeren Seitendruck in den Gallengängen in das Blut gelangt. Mit dieser Voraus­setzung wird nach Naunyn auch die Ausbildung des bei anhaltendem Hungern oder nach erheblichen Blutverlusten eintretenden Icterus erklärt.
1) So häufig eine krankhafte Gelbfärbung der Kopfschleimhäute als Symptom fieberhafter Leiden bei Pferden vorkommt, so selten sind die selbständigen Leber­krankheiten, die in der Gelbfärbung ihre wesentlichste Erscheinung haben und des­halb als Icterus bezeichnet werden. Gallonsteine, die in vereinzelten Fällen bei Pferden entstehen; ferner Leberabscesse und Geschwülste können die Ver­anlassung des Icterus sein. Dass aber diese Zustände nicht nothwendig und jederzeit eine erhebliche Störung der Leberfunction mit sich bringen müssen, ist selbstverständ­lich. Nun giebt es bei Pferden eine Reihe von gutartig verlaufenden Krankheits­fällen, in welchen neben der Gelbfärbung nur eine leichte Affection der Magen-Darm-
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Gelbsucht, [ctorus.
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Schleimhaut angenommen werden kann. Ob hierbei eine Schwellung der Duodenal-schleimhaut im Dlvertloulum Valori den Abfluss der Galle behindert, oder ob eine eigenartige Intoxication dos Blutes vom Darm aus erfolgt und (nach Art der Lupi-nose) eine paronohymatöse Erkrankung der Leber voranlasst — ist bis jetzt noch eine offene Frage.
Symptumc. Mangelhafter Appetit; Trockenheit der Maulschleimhaut und zäher Belag der Zunge; Verzögerung der Dol'äcation; hellere Färbung der Excremente; Gelbfärbung der Conjunctiva und in höherem oder geringerem Grade auch der Maul-und Nasenschleimhaut; massige Benommenheit des ßewusstseins. In der Circulation, Respiration und Körpertemperatur findet sich gewöhnlich keine Veränderung. Ob in diesen Krankheitsfällen Gallenfarbstoffe in den Harn übergehen, habe ich bislang keine Gelegenheit gehabt, festzustellen. Der Verlauf dehnt sich auf 10—20 Tage aus. Unter den Symptomen erhält sich der mangelhafte Appetit neben der allgemeinen Ermüdung am längsten. Für die Diagnose ist auf die Krankheiten der Magen-Darmsohlelmhaut und auf die Allgemoinleiden, woloho von Gelbfärbung der Schleimhäute begleitet werden, Rücksicht zu nehmen. Leicht kann die Verwechselung mit den Folgezuständen starker Blutverluste oder mit den Symptomen einer mangelhaften Blutbildung (An­ämie) vorkommen. — Die Prognose ist günstig. Therapie. Innerlich Calomel in mittleren Dosen; oder Extr. Aloiis mit Natr. chlor, und Natr. bicarbon,; oder 01. Terebinth. (15,0 in grossen Mchlpillen); auch Tart. stib. mit Natr. sulfur, und Rad. Gontianae; ferner Sal Carolin, fact. (200,0—300,0 pro die in Latworgenform). Später Natr. sulfur, im Getränk. — Zur diätetischen Pflege dienen leicht verdauliche Futter­mittel; im Sommer Grünfutter, sonst Mohrrüben neben schmackhaftem Heu.
2) Gelbsucht neugeborener Fohlen (Icterus noonatorum). Unmittel­bar oder '/.,—2 Tage nach der Geburt kann bei den Fohlen eine schwere Infoctions-krankheit unter dem Bilde der Gelbsucht sich entwickeln. Dieselbe wurde früher der „Lähmequot; (Fohlenliihme) zugerechnet (vergl. S. 323). Hartmann (Oostcrreichische Viertoljahrsschrift, 1880) beschrieb die Krankheit als Icterus. Er ist der Meinung, dass sie in den meisten Fällen auf einer durch Nabelvenonentzündung herboigoführten Erkrankung der Lober beruhe. Dieser Theorie kann ich auf Grund eigener Beob­achtungen nicht beitreten. Ich constatirte bei neugeborenen Fohlen schon 3 bis 4 Stunden nach der Geburt die Symptome der AllgemeinafTection. An der Patho-genese kann demnach eine Omphalo-Phlobitis nicht bethoiligt sein. Sehr wahrschein­lich handelt es sich um eine speeifische Infection der Magen-Darmgchleimhaut, analog der „weissen Ruhr der Kälberquot;. — Syin|itoiiic und Verlauf. In der Regel sind die Fohlen gleich nach der Geburt kräftig. Mit dem Beginn der Krankheit stellt sich Fieber ein. Pulsfrequenz. Versagen der Milch (des Saugens) und starker Kräfto-verfall. Krankhafte Gelbfärbung der Kopfschloimhäute. Koliksymptome. Die Fohlen sind unfähig, zu stehen und gehen nach einer Krankheitsdauer von '/j—2 Tagen zu Grunde. — Bei der Section finden sich neben den durch den Erstickungstod bedingten Veränderungen Schwellung der Leber und dilTuse entzündliche Reizung der Magen-und Dünndarmscliloimhaut. In den Organen macht sich übrigens eine starke Tendenz zur Fäulniss geltend, so dass wenige Stunden nach dem Tode die Autopsie fast re­sultatlos ist. — Die Prognose ist schlecht und die Kehaiidliing, soweit meine Erfah­rung reicht, aussichtslos. Nach llartmann soll Magnesium carbon mit Rad. Rhei ompfohlcnsworth sein. Für die Prophylaxis würde nach theoretischen Voraussetzungen in den Stallungen, in welchen die Krankheit öfter vorkommt, auf die Desinfcction des
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864nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organtrankheiten.
Stalles und andererseits der äusseren Geschlechtstheilo bei den gebärenden Stuten Bedacht zu nehmen sein.
Casuistik. Vollbluthongstfohlen, kräftig bei der Geburt, stand nach '/j Stunde auf und trank am Euter. Drei Stunden später Fieber mit starker Pulsfrequenz, auf­fälligem Collaps der Kräfte, Icterus dor Schleimhäute und Kolikzufällen. Geringe Aus­scheidung von Meconium. Unvermögen zum Stehen. Der Tod trat 22 Stunden nach der Gobuit ein. Bei der 5 Stunden später ausgeführten Section erschien die Leber nicht gelb und die Nabelvene war normal. Die Veränderungen der Organe glichen den Befunden bei anderen septischen Allgemeininfectionen.
Capitel CXXV. Entzündung der Leber. Hepatitis.
1)nbsp; nbsp;Die in dem Leberparenohym sich entwickelnden entzündlichen Processe (Hepatitis parenchymatosa) werden nur in Verbindung mit allgemeinen In­fections- und Intoxicationskrankheiten beobachtet. Es fohlt demnach diesen Leber­entzündungen die Eigenschaft selbständiger Krankheiten. Am bekanntosten ist die degenerative parenchymatöse Loberentzündung (acute gelbe Leberatrophie) bei der Lupinose (S. 496).
2)nbsp; nbsp;Eiterige Leberentzündung (Leberabscess; Hepatitis apostema-tosa) kann bei Pferden auf mehrfache Weise entstehen. Im Verlaufe der eiterigen Nabelvenenentzündung junger Fohlen kommen nicht selten Abscesse in der Leber dadurch zur Ausbildung, dass Eitor mit dem Pfortaderblut direct in die Leber gelangt. Zweitens kann eine Pyämie die metastatische Entwickelung von Leberabscessen zur Folge haben. Drittens kommt in vereinzelten Fällen bei der Thrombose der Bauch­schlagader durch Embolie die Nekrose eines kleinen Stückes der Leber mit consecu-tiver Abscessbildung vor (vergl. S. 519). Sehr selten wird bei Pferden nach Ver­wachsungen der Leber mit dem Magen oder — wie ich jüngst bei einem 12jährigen Wallach beobachtete — mit der Blinddarmspitze eine Abscessbildung dadurch ver-anlasst, dass innerhalb der Verwachsungsstelle eine ulcoröse Zerstörung erfolgt und Contonta sich in die Kluft hineinschieben.
Die Symptome des Leberabscesses sind so wenig significativ, dass bei der ver­steckten Lage der Leber die Diagnose nicht gestellt werden kann. Für die Therapie ist der Leberabscess nicht erreichbar.
3)nbsp; nbsp;Multiple nekrotisirende (mykotische) Leberentzündung. Die Aufstellung dieser Form stützt sich auf folgenden Krankheitsfall, welcher deshalb bemerkenswerth ist, weil sehr wahrscheinlich von der Zersetzung des nekrotischen Leberparenchyms die allgemeine Intoxication mit tonisch-klonischen Krämpfen ihren Ausgang genommen hat.
Nekrotische Herde in der Leber. Diffuse hämorrhagisch-fibrinöse
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Entzündung dor Lobor. Hepatitis.
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Bauohfollontzündung. Schmorzhafto Affection der Skoletmuskulatur. Krampfanfälle. Tödtlicher Ausgang. — Am 1. Februar 188G wurde ein zwölfjähriger .Rapphengst (Wagenpford), welcher seit mehreren Tagen einen krankhaft steifen Gang gezeigt und nicht gefressen halte, auf einem Wagen in die Klinik ge­bracht, üas gut genährte Pferd steht im Stalle mit gespreizten Vordergliedmassen, den Hals gerade nach vorn und den Kopf gesenkt. Beim Herantreten oder beim Er­greifen des Halfters erschrickt dasselbe heftig und stellt den Kopf tief gegen die Vorderfüsse. Es widerstrebt der Aufrichtung des Kopfes. Beim Führen verhiilt es sich, als wenn es am Tetanus universalis erkrankt wäre. Besonders werden die Vorder­gliedmassen gestreckt gehalten. Beim Umwenden nach der rechten Seite droht es umzufallen. Kaumuskeln sind gespannt. Kopfschleimhäute venös geröthet. — Vom Kuizfutter und Getränk wird wenig verzehrt. Heu und Stroh in geringer Menge vom Fussboden aufgenommen. Darmausleerungon erfolgen nicht. — Kesp. 20, l'uls 72, Temp. 40,2. Ord.: Physostigm. sulf. 0,08 subcutan. Am 2. Febr. Status idem, liesp. 20, Puls 62, Temp. 40,4. Als dem Pferde die Vordereison abgenommen worden sollten, brach es zusammen und vorfiel in Krämpfe. Die Gliedmussen werden unter Zuckungen gegen den Rumpf und der Kopf nach dem Brustbein verzogen. Aus den Maulwinkeln entleert sich etwas Schaum. — Bis zum 3, Februar halte sich das Be­finden verschlechtert. Vollständige Inappetenz, stierer Blick, Trismus mit starkem Hervortreten der Kaumuskeln. Das Schneidezahngobiss kann nur strohhalmbreit ge­öffnet werden. Dabei ist die Oberlippe nach oben und die Unterlippe nach unten krampfhaft verzogen, so dass die Schneidezähne sichtbar sind. — Alle 2—3 Stunden treten die vorbezeichnoten Krämpfe ein. Ohne Hülfe kann das Pferd nicht wieder aufstehen. Gestreckte und gespannte steife Haltung des Körpers beim Führen. Rosp. 14, Puls 64, Temp. 40,1. — Am 4. Februar waren die Symptome nicht ganz so heftig. Resp. 12, Puls 80, Temp. 39,3. Das Pferd erlag am 5. Februar in den Frühstunden unter den Zufällen der Erstickung. — Die im pathologischen Institut (Lüpke) 6 Stunden nach dem Tode vollführte Section ergab folgendes: Massige Todtenstarre. In der Bauchhöhle etwas blutige Flüssigkeit. Am Peritoneum blutige Schwellung und fibrinöse Exsudation. Leber stark geschwollen; in der Substanz zahl­reiche, haselnuss- bis gänseeigrosse, graugolbe, trübe und scharf umrandete (nekro-tisohe) Horde, von welchen besonders der linke Leborlappen im oberen Theile betroffen ist. In den arteriellen und portalen Gofässen der nekrotischen Partien finden sich Thromben. Die Pfortaderzweige sind von den Thromben vollständig verlegt. An der Glisson'schen Kapsel zeigt der peritoneale Uoberzug die Merkmale der granulirendon Entzündung. In der Nähe der nekrotischen Herde ist das Leborparenohym entzünd­lich geröthet und geschwollen. — Aorta und Bauchschlagader normal. Darmschleim-haut hyperämisch. Im Gehirn und Rückenmark, ebenso in den Lungen und im Herzen fanden sich keine bemerkenswerthen Veränderungen.
4) Entzündung der serösen Umkloidung der Leber (Perihcpatitis), charakterisirt sich als eine locale (circumscripte) Peritonitis. Wie die bei Scctionen oft nachweisbaren bindegewebigen Filamento, schwartigen Verdickungen und haut-artigen Anhängsel erkennen lassen, verläuft eine solche Entzündung meist günstig. Intra vitam wird dieselbe nicht erkannt. Dass die Perihcpatitis durch Verwachsung der Leber mit dem Zwerchfell, dem Netz, dem Magen und Darm und durch Abscoss-bildung innerhalb der Verwachsung die Ursache einer tödtlichen Erkrankung sein kann, wurde bei der chronischen Peritonitis bereits gewürdigt.
ö) Entzündung der Pfortador (Pylephlehitia). Scheint bei Pferden DUekorhoff, Spco. riiilioioijio n. Thompla,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 55
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Organltranlthoiton.
als oino selbständige Krankheit nicht vorzukommen. Wenigstens ist dieselbe bisher in der Literatur nicht beschrieben worden und mir ist auch kein Fall begegnet.
6) Productive Leberentzündung (Hepatitis interstitialis pro­duct! va). Wird bei Sectionon in Verbindung mit Ferihepatitis oder Abscessen an kleinen Abschnitten der Lober, welche atrophisch geworden sind, oft gefunden. Diese Neubildung von Bindegewebe, die auch eine „Cirrhosis hopatisquot; darstellt, ver­breitet sich niemals allgemein über die Leber. Besondere Störungen bedingt die partielle Lebercirrhose nicht, wenn selbst die Hälfte der Leber durch Atrophie leistungsunfähig wird. Der übrig gebliebene Theil des Leberparenchyms kann durch compensatorische Hypertrophie und gesteigerte Secretion den Ausfall docken. — Ein grösseros klinisches Interesse hat die diffuse Leberverhärtung.
Diffuse Lcborverhärtung. Cirrhosis hopatis diffusa. Hyper­trophische Lebercirrhose des Pferdes. Schwoinsborger
Krankheit.
Im Regierungsbezirk Cassel (im Kreise Kirchhain, speciell in der Thalniederung der Ohm), ferner in Bayern (in der Gegend von Aichach, in der Glonniederüng und im Quellengebiete der Maisach) ist seit 50 Jahren eine chronische und stets tödtlich vorlaufende Pferdekrankheit beobachtet worden, welche nach dem am meisten auf­fälligen Befunde zunächst als „Leberverhärtungquot; bezeichnet wurde. Nicklas (Kroutzer's Central-Archiv, II., 184G, S. 490) benannte dieselbe „chronischer Icterusquot;. In Kurhessen ist wogen des häufigen Vorkommens der Krankheit in der Gegend von Schweinsberg (im Ohmthal) der Name „Schweinsberger Krankheitquot; gebräuchlich. Da das Leiden endemisch auftritt, so wurde in den betroffenden Gegen­den von den Thierärzten immer angenommen, dass die Aetiologie in localen Verhält­nissen beruhe — Nicklas (I. c); Doctor (Magaz. 1868); Putscher (Adam's Wochenschr., 1881, S. 437). Roloff (Magaz. 1868, S. 171) ist der Meinung, dass ein im Futter befindlicher reizender Stoff die Ursache sei und Adam (Wochenschr., 1881, S. 440) vermuthet in gleicher Anschauung, dass in den sumpfigen Gegenden und Niederungen, in welchen die Krankheit auftritt, die Pflanzen (ähnlich wie die Lupinen) Stoffe enthalten können, welche eine speeifische, krankmachende Wirkung auf die Leber haben. — Ich habe die Symptome und den Verlauf der Krankheit nie beobachtet. Herr Kreisthierarzt Stamm zu Kirchhain, welcher innerhalb 18 Jahren gegen 100 Pferde wegen derselben behandelte, hatte die Freundlichkeit, mir von einem Pferde die Lober und den Magen zur Untersuchung zu schicken und ausserdem eine ausführliche Beschreibung des Leidens mitzutheilen. Stamm beschuldigt als Ursache die überreiche Ernährung der Pferde mit dem im Ohmthal (bei Kirchhain, Schwoins-berg etc.) gewonnenem saurem Heu bei ungenügender Zugabe von Kraftfutter. Er constatirte, dass in den Beständen, in welchen die Pferde nur massige Heurationen, aber viel Hafer bekommen, die Krankheit nicht vorkommt und dass das im Ohmthal gewonnene Heu in anderen Gegenden resp. bei normaler Ernährung der Pferde ohne Nachtheil zu verwenden ist. Nach Nioklas und Doctor werden in der Regel nur allere Pferde, die das 10. Lebensjahr überschritten haben, befallen. Auch Stamm bohandolte nur ausnahmsweise Pferde zwischen 7 —10 Jahren. Putscher dagegen bemerkt, dass die Pferde vom 2. Jahre an durch alle Lebensalter betroffen würden, am häufigsten aber im mittleren und höheren Alter. Die Krankheit beginnt unmerk-
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Entzündung dor Lober. Hepatitis.
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lieh und Stamm beobachtete, dass anscheinend gesunde Pferde, welche nach Gegen­den verkauft wurden, in denen ias Leiden ganz unbekannt ist, nach Jahr und Tag an demselben noch eingingen.
Symptome und Verlauf. Appetit wechselnd und gegenüber dem Körnerfutter verringert. Lecken und Nagen an Wänden, Krippen und alten Brettern etc. Nach Nicklas verschlingen die Thiere oft Erde, Sand und Koth mit Begierde. Allgemeine Ermüdung und Trägheit in der Arbeit. Dabei ist der Nährzustand ziemlich gut. Häufiges Gähnen. Harn nicht abnorm. Darmoxcremento gelb gefärbt, zeitweise fest und gut verdaut, zeitweise breiförmig und von stark saurem Geruch. — Conjunctiva gelblich gefärbt, später intensiv gelb und schliesslich gelbbraun. Episcloralgefässe stark injicirt. Puls, Athmung und Bluttemperatur sind normal. — Unter diesen Sym­ptomen schleppt sich das Leiden mit zeitweison Besserungen- viele Monate (nach Nicklas 2—3 Jahre) hin. Stamm bemerkt, dass die meisten Pferde schon nach 1—3 Monaten schwerer erkranken. Dann wird der Gang taumelnd. Eingenommen­heit (gesenkte Haltung) des Kopfes, ähnlich dem Bilde des Dummkollers. Stierer Blick. Zeitweise Kolikanfälle. Oder häufiges Stampfen mit den Hinterfüssen. Es stellt sich Fieber mit einer Mastdarmtemperatur bis 39,5; Beschleunigung des Palsos und der Respiration ein. Inappetenz, Verfall der Kräfte und Abmagerung. Knirschen mit den Zähnen. Der Tod erfolgt in diesem Stadium oft unerwartet.
inatomischer Befuml. Magonerweiterung, nach Stamm ganz constant, oft bis zur drei- oder vierfachen Grosso des normalen Magens, lloloff fand in der Portio pylorica die Merkmale einer chronischen Gastritis. Aussei- dem Magen, welcher mit eingetrockneten Futtormasson gefüllt ist; wird nur die Lober krank gefunden. An allen übrigen Organen einschliosslich des Gehirns und Rückenmarks bestehen keine erkennbaren Veränderungen. Indess bemerkt Nicklas, dass die Skelotmusknlatur gelb gefärbt und wie gekocht aussehe. — Die Leber ist hypertrophisch und „oft von unglaublichem Umfangequot; (Nicklas). In anderen Fällen werde die Leber atroplüsch, blass, stollonwoise speckartig gefunden; „dieGallengänge sind zuweilen verwachsenquot;. Putscher giebt an, dass die Leber im Anfange der Krankheit vergrössort, später atrophisch sei. — Die mir von Stamm zugeschickte Leber übertraf die Durchschnitts-grösse einer Pferdoleber um das Dreifache.
Die genauere Betrachtung der Lebeir ergiobt eine entziindlioho Hyporplasio des intorstitiellen und intralobulären Bindegewebes (Friodborgor, Münch. Jahresbor. pro 1880/81). Soweit die Leber stark vergrössort ist, findet sich die Oberlliicho hügelig, das Parenehym derb geschwollen. — Die Lebererkrankung dürfte der „biliären Cirrhosequot; der menschlichen Leber analog sein, weloho auch unter der Bezeichnung: „hypertrophische Cirrhose mit Icterusquot; beschrieben ist. Dem­nach würde die anhaltende Fütterung grosser Mengen von schlechtem (saurem) Heu eine katarrhalische Affection der Gastro-Duodonalschloimhaut veranlassen, die sich auf die Gallenwege fortsetzt und die Erkrankung der Leber herbeiführt.
Die Prognose ist schlecht und die Behaiullung nach allen Angaben aussichts­los. Für die Prophylaxis fordert Stamm die Regulirung dos Flussgcbietos durch Entwässerungsanlagen, wie dieselben für die Gemarkung Schweinsberg neuerdings von dem Proussischcn landwirlhschaftlichon Ministerium angeordnet und (lurch reich­liche Geldbewilligung gefördert sind.
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Organknmklioiton.
Capitcl CXXVI. licberbliitiing. Ruptur der Ldber.
Vor mehr als 50 Jahren wurden in der thierärzllichon Literatur schon Krank-lioitsgeschichton von Pferden mitgolheilt, vvoloho durch Ruptur der Lebor und Vor­blutung eingegangen waren. Da aber die Bedingungen der Loberberstung ganz un­bekannt waren, so beschuldigte man irrthütnlich die grob mechanischen Insulte: Niederstürzen, heftige Stösse gegen den Bauch, schweres Ziehen etc. Adam(Wochon-schrift, 1871) führte dio Entstehung der Ruptur auf eine fettige Entartung dos Lober-paronehyms zurück. Dieselbe Ansicht hat auch Siedamgrotzky (Dresd. Bor., 1872, S. 15 und 1873 S. 45) betont. Durch dio fettige Degeneration sollte eine loiehtoro Zorreissbarkeit dos Paronchyms verursacht sein, so dass zufällig eintretende Blut­stauungen die Borstung zu Stande bringen könnten. Johne (Dresd. Bor., 1878, S. 34) fand zuerst neben der paronohymatöson Trübung und Verfettung die amyloide Dege­neration in der Leber eines durch Leborruptur verendeten Pferdes. Er hob aber zu­gleich mit Rocht hervor, dass eine solche Amyloidleber durch die teigige und schmierige Consislenz sich von der ,,Speckleberquot; des Menschen unterscheide, Den­selben Unterschied constatirten auch Oreste und Armanni in zwei von Oaparini behandelten Fällen (Ref. im „Thierarztquot;, 1880, S. 51). Die amyloide Degeneration charakterisirte sich als ein interstitiollor (interacinöser?) Zustand und war mit einer Erweichung der Lebersubstanz verbunden. In der letzteren erblicken die Verfasser die Prädisposition zur Ruptur. — Dio Amyloidreaction in der Leber dos Pferdes wurde demnächst von Rabe als das bedingende Moment der Leberruptur an einem grössoren Boobachtungsmaterial nachgewiesen. Ich habe mehrfach Gelegenheit genommen, dio Lebern der durch Leberblutung verendeten Pferde zu untersuchen und hierbei dio Amyloidreaction in üeberoinstimmung mit den Befunden Rabe's slots nachweisen können*).
Die Leberruptur beruht hiernach auf einer amyloiden Degeneration, wobei dio Lober sich erheblich vergrössert, so dass die Ränder derselben sich abrunden. Dabei wird das Paronchym blutarm und trocken, leicht zerdrückbar und schliesslich brei­artig. Die Gowobsentartung betrifft vorzugsweise die Wände der Lebercapillaren, während die Leborzollen zum Theil fettig infiitriron. — Die speciollon Bedingungen, welche der amyloiden Degeneration zu Grunde liegen, sind bis jetzt nicht erforscht.
Die Berstung der Leber kann an einer kleinen Stelle inmitten der Substanz or-
*) Die amyloide Entartung der Lober (Amyloidleber) ist als Bestand-theil der Amyloidkrankhoit bei Pferden, die an chronischer Abmagerung leiden, nicht selten. Dieselbe stellt eine soeundäroErnährungsstörung dar und kommt nach Rabo' s Beobachtungen häufig als Polgoleiden der chronischen Pleuritis und Peritonitis vor. Bei 3 alten und abgemagorten Pferden fand ich Lebern von speckartiger Consislonz, deren Schnittfläche dio Amyloidreaction nachweisen Hess. Makroskopisch ist diese Degeneration von dor bei der Loberruptur bostehoridon verschieden.
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Leborblutung. Ruptur dor Leber.
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folgen, so class sich ein linsolnuss- bis faustgrossor blutiger Herd bildet, der koine erkennbare Störung verursacht. Man findet mitunter zufällig bei einem älteren Pferde einen grösseron hämorrhagisohen liord unter dem peritonoalon Uoborziige der Lober, wobei das Blut von einer fibrösen Kapsel umschlossen ist. Rivolla (Oiornalc di mod. vet., 1871) hat ein solches llämatom beschrieben, welches 8 Ctin. dick und 20 Ctm. lang war. — In den meisten Fällen erfolgt aber, wenn das Blut unter den serösen Ueberzug tritt, die Berstung des letzteren und damit zugleich ein Ululorguss in die Bauchhöhle. Ueberstehen die Pferde den Blutverlust, so vernarbt der Kiss. Aber nach Verlauf von mehreren Tagen oder Wochen wiederholt sich die Ruptur an andoron Stellen der Lober, worauf dann meist eine tödtliohe Blutung in die Bauch­höhle eintritt. Zuweilen findet sich eine grössere Zahl von häriiorrhagischcn Horden in der Leber.
Syiuptomo. Dor allgemeine Ernälirungszustand der Pferde giebt keinen diagnostischen Anhalt bei der Lcborblutung. Icii iiabo die Krankheit bei kräftig genährten und bei mageren Pferden beobachtet. Die wichtig­sten Zeichen sind die des schweren Blutverlustes: Starke Anämie der Kopfschleimhäute; Mattigkeit; Inappotonz; grosso Hcrzschlagfrequenz mit drahtförraigem Maxillarpuls; leichte Kolikorsoheinungon (Scharren mit den Vorderfüssen, Umsehen nach den Flanken und anhaltendes Liegen); Verzögerung der Darmausscheidung. — Der Verlauf kann bei tödtlichom Ausgange in 5—10 Stunden beendet sein, aber auch auf mehrere Tage sich ausdehnen. Wird die Blutung nicht tödtlich, so genesen die Thiero in 8—14 Tagen. Aber nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten stellt sich gewöhnlich eine erneute Leberbiutung mit den vorbozeichneten Sym­ptomen ein, an welcher die Thiere zu Grunde gehen. — Bei der Section finden sich neben den allgemeinen Merkmalen des Verblutungstodes (Anämie aller Organe) in der Bauchhöhle 20 — 30 Liter flüssiges oder theilwoiso geronnenes Blut und an der Leber die beschriebenen Ver­änderungen.
Diagnose. Zu verwechseln ist das Krankheitsbild der schweren Leber­blutung mit den Symptomen jeder anderen inneren Blutung (Hämnphilie; Morbus maculosus; innere Verwundungen; Nieren- und niasonblulungon). Nicht selten tritt bei einer Ruptur des Dickdarms eine starke Blutung in die ßauciihöhie ein; die Symptome dieses tödtlichen Leidens können mit den Folgen der Leberruptur vollkommen übereinstimmon. — Die starke Erblassung der Kopfschleimhäute findet sich auch bei der chro­nischen Anämie, Leukämie und Pseudolcukämie, besonders wenn diese Zustände sich mit inlcrcurrcnten Blutungen compliciren. Gewöhnlich ist aber hierbei der Maxillarpuls noch massig voll, was bei der lebens­gefährlichen Leberruptur nicht vorkommt. — Eine Achnlichkeit der Symptome kann sich' auch bei chronischen Dyspepsien alter Pferde er-
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870nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Orgaukrankhoiten.
geben. — Die Prognose ist im Ganzen schlecht. Der Regel' nach sterben die Patienten durch den Blutverlust, Indess habe ich doch in einigen Fällen gesellen, dass die Pferde sich von den Zufällen des Blutverlustes erholten und nach der Vernarbung der Leberruptur noch 3 — 4 Monate arbeitsfähig blieben. Ein elfjähriger Halbblutwaliach wurde nach der glücklich überstandenen Lcborblutung noch ein volles Jahr zum Wagen-dienst benutzt. Als derselbe dann wogen einer traumatischen Gelenk­entzündung getödtet wurde, constatirto ich bei der Section einen ver­narbten Lebcrriss. — Für die Behaiullung giebt es keine erheblichen Hülfsmittel. Am meisten empfiehlt sich ein ruhiges Verhalten der Pferde in kühlen und gut gelüfleten Räumen. Gegen die mangelhafte Defäcation sind Wasserinfusionen in den Mastdarm oder Physostigmin angezeigt. Als Analeptieum Aether im Trinkwasser oder Inhalation von stark ver­dünntem Salmiakgeist.
Capitel CXXVII. Geschwülste iu der Leber und Gallensteine.
1)nbsp; Primäro Neubildungen in der Lobor sind bei Pferden sehr selten. Den Leberkrebs fand Roll einige Male. Mit der Ausbildung desselben verknüpft sich spälor eine schleichende Peritonitis, an welcher die Pferde eingehen. So lange die Geschwulst sich In dieser Art nicht complicirt und nur einen geringen Umfang hat, bekunden die Thiere keine Krankheitssymp'tome. Treten aber Verwachsungen mit benachbarten Organen ein, so finden sich Abmagerung und öfter wiederkehrende Kolikanfälle. — Seoundäre oder raetastatischo Krebsgeschwülste werden boimCarcinom der Nieron odor anderer Organe in der Leber zuweilen angotrofTen. — Melano-Sarkomo der Leber constatirto Bruckmüller. Auch diese Geschwülste (bei Schimmeln) können zur Degeneration der Leber und zur Kachexie führen. — Die IHngnosc der Loborgesohwülste ist nur nach dem Sectionsbofunde zu stellen. Intra vitam liisst sich auch nach längerer Beobachtung des Krankheitsvorlaufes die Kachexie nur auf ein nicht bostimmt charakterisirtes, unheilbares Leiden dor Bauchorgane zu­rückführen. — Für die Therapie fehlt jeder Angriffspunkt.
2)nbsp; nbsp;Gallensteine bilden sich in don Gallongängon bei Pferden nur in ganz vereinzelten Fällen. Dass der Mangel einer Gallenblase hierbei von Einfluss wäre, liisst sich nicht behaupten. Denn auch boi Rindern kommen Gallensteine nicht häufig vor. Nach Pürstenborg (Magaz., 13. Bd., S. 2G]) bestehen die Gallensteine des l'fenlos grösstentheils aus GallcnfarbstolT, Kalk, Schleim und Fett. Sie vergrössorn si ch durch schichtemveise Anlagerung. Die erste Veranlassung ihrer Entstehung scheint in einer katarrhalischen Adootion (krankhafte Schleimabsondoning) der Gallen-
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Nioronontziindung'. Nephritis,
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wego zu bonihen. Gewöhnlich bilden sich mehrere Steine. Birnbaum (Magaz., 1839, S. 301) fand sogar bei einem Pferde gegen 400 Stück von Mohnsamen- bis Erbsengrösso und Köhno (Magaz., 1868, S. 292) constatirlo, dass die Leber bei oinom an Pneumonie eingogangenon Pferde 25 Pfund schwor und mit verkalkten und puriformon Knoten durchsetzt war; die sehr erweiterten und mit dünnflüssiger Oaüu angefüllten Gallengänge onthiolton über 100 Idoino (erbsongrosse) Gallensteine. — Mitunter finden sich nur 2 — 5 und in ganz, seltenen Fällen nur 1 Gallenstein. Ich habe nur bei 2 Pferden als zufälligen und mit der tödtlichen Krankheit in keiner Ver­bindung stehenden Befund 3 resp. 5 Gallonsteino von Hasoluuss- bis Wallnussgrösso und rundlicher Form angotrolTen.
Nur in seltenen Ausnahmefällen mögen Gallensteine eine Störung der Gesund­heit herbeiführen. Ein bestimmtes Krankheitsbild (Cholelithiasis) ist von den Pferden nicht bekannt. Möglich ist aber, dass chronische Verdauungsstörungen mit Icterus eine Polge von Gallensteinen sein können. Die Kehanillung eines solchen Zu-Standes würde den Gebrauch von Abführmitteln (Karlsbader Salz) und Terpentinöl erfordern.
T. Krankheiten der Harnorgane.
Capitel CXXVIII. Mercneiitzündiiiig, IVcphritis.
In den Nieren können das Parenchym und das interstitielle Gewebe von entzünd­lichen Processon befallen werden. Hiernach unterscheidet man eine parenehyma-töse und eine interstitielle Nephritis. — Wenn die Entzündung sich auf das Nierenbecken fortsetzt, so wird der Zustand „Nophro-Pyelitisquot; und wenn in entgegengesetzter Richtung die Entzündung des Nierenbeckens die Niere in Mitleiden­schaft zieht, Pyelo-Nephritis benannt. — Die Entzündung kann die Nieren im Ganzen betreffen (diffuse Nephritis) öder nur in einzelnen Herden entstehen (cir-cumscripte Nephritis). Nach der Aetiologie wird bei Pferden eine infoctiöse, ferner eine toxische und eine ombolische Nephritis unterschieden. Wichtiger für die klinische Pathologie ist die Trennung der Nierenentzündung in eine acute und chron ische.
Die diffusen, acuten und chronischen Entzündungen der Nieren, bei welchen eine krankhafte Ausscheidung von Serumalbuniin in den Harn erfolgt (Albumin-urie), sind in der Thierarzneikundo nach dem Vorgange in der Medicin unter dem Collectivnamen des „Morbus Brightiiquot; (Bright'sche Nioronkrankheit) be­trachtet worden. Indess wird diese Terminologie bei der Bourtheilung der Nieren­krankheiten des Pferdes nicht so allgemein verwendet, wie in der Medicin. Dazu kommt, dass die acuten parenehymalösen Nierenentzündungen dos Pferdes keine selb­ständigen Krankheiten darstellen, sondern nur in Verbindung mit schweren Allgemein-
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Organkrankheiton.
loidon infoctiösor oder toxischer Art vorkommen, während der Morbus Brightii als eine selbständige quot;Nierenentzündung aufgefasst wjrd. — Die chronischen difFuson Er-krankungon der Uieren sind bei Pferden viel seltener, wie bei Menschen. Es würde auch für die klinische Pathologie Nichts damit gewonnen worden, wenn man — wie neuerdings in der Modioin goschioht — die chronische parenehymatöso und die chro­nische intorstitiello Nephritis dem Morbus Brightii zuzählen wollte. Denn wahrschein­lich entstehen dieselben nach dilferenten Einflüssen,
Bei den Pferden werden folgende A'rton der acuten Nephritis beobachtet;
1)nbsp; nbsp;Die acute diffuse Nephritis. Sie entsteht im Verlaufe infectiöser und toxischer fieberhafter Allgemeinkrankheiten, sobald letztere die höheren Entwickelungs-grado erreichen. Insbesondere wird das Nieronparenchym bei der Brustseuche und der Pferdestaupe sehr oft gereizt, wie sich aus dem Gehalte des Harns an Eiweiss orgiobt. Constantor ist die Entwickelung einer acuten diffusen Nephritis in Folge von Jauchointoxication. Daher findet sich dieselbe ziemlich regelmässig bei Pferden, die an ichorrhöson Entzündungszuständen der äusseren oder inneren Organe zu Grunde gehen. — Dass die Krouzrhehe oder Windrhehe in allen schweren Fällen mit einer eigenartigen diffusen Nephritis verbunden ist, wurde S. 466 geschildert, — Eine andere ursächliche Reihe kann in der Einverleibung von diuretisch wirkenden Giften liegen, von welchen indess bei Pferden fast nur die Canthariden ein praktisches Inter­esse haben. Das Terpentinöl kommt kaum jemals in so grossen Dosen zur Einver­leibung, dass durch dasselbe fahrlässiger Weise eine Vergiftung entstände.
Die anatomischen Veränderungen bestehen in Schwollung und Vorgrösserung der Nieren, die sich ödomatös anfühlen und relativ leicht zerreisslich sind, Epithelien der Ifarnkanälchen feinkörnig getrübt und aufgequollen. Nicht seiton finden sich die Nieren in Folge der ödematösen Infiltration erweicht, so dass sie kaum exentorirt werden können. Dieser Veränderung ist besonders die Niere derjenigen Seite, auf welcher das Pferd im Todesacto gelegen hat, unterworfen,
Symptome. Nach der Natur der Allgemeinkrankheiten hat die Störung des Ge-sammtbefindens ihre Eigenthümlichkeiten. Von der acuten diffusen Nephritis wird die Ausscheidung eines eiweisshaltigen Urins bedingt. Danebon finden sich im Harn rothe Blutkörperchen und Ilarncylinder (vergl. S. 102). Oft ist die Harnsecretion ver­mindert (Anurie). Inwieweit durch die Zurückhaltung dos Harns der Collaps der Kräfte und der tödtliohe Ausgang der hier gedachten Krankheiton der Pferde ver­ursacht wird, ist bislang nicht festgestellt worden. — Für die Diagnose ist der Be­fund von Eiweiss im Harn neben den Symptomen der Allgomeinaffoction massgebend. Die in der thierärztlichen Literatur sonst noch angeführten Symptome (Schmorz-erapflndung in der Londenpartie, Kolik, steifer Gang u. s. w.) habe ich nie beob-aohtot. — Die Prognose richtet sich im Wesentlichen nach dem Primärloiden, Bei geringem Eiweissgehalte ist der Nephritis kein grosses Gewicht beizulegen. Längere Anurie, wie dieselbe bei der Krouzrhehe oft vorkommt, gilt als ein übles Symptom, — Zur itchantlliing lässt sich nur wenig thun. Das Meiste ist durch Abführmittel zu erroiehon. Sind die Patienten noch bei Appetit, so kann die Verabreichung von Mohr­rüben, Kleie etc., im Sommer von Grünfutter nützlich sein,
2)nbsp; nbsp;Die circumsoripte hordweiso Nephritis. Bei septischen Infectionon, besonders nach dorn Eindringen von Jauche in die Blutcirculation kommt nicht selten eine auf embolischom Woge entstehende und in multiplen Horden auftretende Nephritis zu Stande. Durch die mikroskopische Untersuchung der Herde sind in der Regel Mikroorganismen nachzuweisen. Es ist deshalb die Pathogonoso auf das Eindringen
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Chronische Niorenontzündung. 'Nephritis chronica.
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von Spaltpilzen in die Nieren zu beziehen. Mit dem Eintritt der Embolie erfolgt im Umfange dos verlegten Gefässgebiotes die hiimorrhagischo Infarcirung und demnächst die Mortification des Herdes, welcher eine gelbe oder gelbgraue Farbe annimmt und durch ungrado, aber scharfe Umrandung sich von der Nachbarschaft abhobt. Dio Ucrdo haben die Form eines Keils, dessen Basis in der Peripherie der Niere liegt und dessen Spitze der Marksubstanz zugewendet ist, zuweilen auch bis in die letztere hineinreicht. — Neben den nekrotisohon Herden, deren Basis den Umfang einer Erbse bis eines silbernen Fünfmarkstüokos erreicht, entsteht in den Nieren regelmässig eine paronchymatöse Trübung und Schwolhmg.
Wenn nur einzelne kleine Herde zur Entstehung kommen und dio Allgcmoih-affection vorübergeht, so können sich Abscosse in den Nieren ausbilden.
Die Bedeutung der hier besprochenen multiplen nekrotisirenden Nephritis richtet sich nach der allgemeinen Infection. Intra vitam ist dieselbe nicht mit Sichorhuit zu diagnosticiren, da die Symptomatologie rosp. die Qualität dos Harns sich ganz so, wie bei der acuten diffusen Nephritis verhält. Auch für die Behandlung lassen sich keine andoien Indioationon aufstellen.
Capitcl CXXIX. Chrouische Niercnciitzümliiug. Nephritis chronica.
Die chronische Nephritis wird in parenehym atöse (intratubul äre) und inlerstitielle (intortubuiäre) Formen getrennt.
1) Die chronische paronchymatöse Nephritis geht wahrscheinlich aus einer relativ leichten acuten Entzündung dos Nierenparenohyms hervor. Welche speciellen Ursachen aber die Erkrankung bei Pferden herbeiführen, ist nicht bekannt. Das Leiden ist sehr selten, so dass die anatomische Entwickelung des Processes nicht vollständig angegeben werden kann. Mikroskopisch findet sich in den Nieren eine starke Desquamation dos geschwollenen und getrübton Epithels, namentlich in den Ilarnkanälchen. An einzelnen Stellen der Niere besteht Infiltration des interstitiollen Gewebes.
Symptome und Verlauf. Anhaltende Albuminurie, zeitweise stärker, als sonst. Nach Verlauf von oinigen Monaten progressive Abmagerung. Wechselndor Appetit und schliesslich das Bild der Kachexio. Zuweilen stellen sich Lähnuingon einzelner Muskeln, besonders der Kopfmuskoln ein. — Die Krankheit ist unheilbar und führt nach einer Dauer von '/•i-! Jahre zum Tode. — Nicht selten wird der Zustand bei der Section alter Pferde nur an einer Niere, die durch ihre Atrophie auffällig er­scheint, gofundon. In solchen Fällen ist die gesunde Niero hypertrophisch, so class bei der Steigerung ihrer Function die Störung für das Loben des Thiores keinen er­heblichen Nachtheil hat. — Die Diagnose der Krankheit als chronische Nephritis ist durch den Nachweis der fortdauernden Albuminurio zu sichern.. Dagegen lässt sich die besondere Form der Nierenentzündung nicht erkennen. Zur exaeton Feststellung des pathologischen Zustandes gehört der Soctionsbefund,
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Organkrankhoiten.
Casuistik. Brauner Wallach, 9 Jahre alt, schweres Arbeitspferd belgischer Race, wurde am 22. Mai 188G dor Klinik mit dem Vorbericht überwiesen, dass der­selbe seit 2 Monaton trotz gutor Pllego mehr und mehr abmagere. Befund: Dürftiger Nälirzustanri, langes Deckliaar, dorbo, schwer verschiebbare Haut. Bewusstsein nicht gestört. Futteraufnahiue lebhaft. Kopfschloimhäuto blassroth und normal feucht. Puls 42, rogelmässig und kräftig; Ilerztone rein und rhythmisch. Rosp.14, Temp. 38,1. Darmoxcromonto locker geballt, von schwach saurer Reaction. — In den folgen­den 10 Tagen trat eine wesentliche Aendorung dieser Symptome nicht ein. Die Harn­menge ist nicht abnorm vermehrt; durchschnittlich werden in 24 Stunden 4 Liter Harn entleert; spec. Gewicht zwischen 1023—1040. Harn schwach getrübt, von bern­steingelber Farbe und saurer Reaction, fadenziehend, enthält viele Gallertklümpchon, etwas Mucin und eine grosso Menge Eiwoiss, welches durch Zusatz von Salpetersäure und Kochen nachgewiesen worden kann. Auch mehrere andere Roagentien, mit wel­chen mein Assistent, Herr Eher, den Harn fast täglich untersuchte, ergaben mit Sicherheit den reichen Eiweissgehalt. Boi der mikroskopischen Besichtigung fanden sich viele Plattenepithelien und in geringer Zahl weisse Blutkörperchen, ferner Kry-stalle von phosphorsaurem und oxalsaurom Kalk, zuweilen auch einzelne Fetttröpfchen.
Ohne dass erhebliche Veränderungen im Appetit, in der Circulation und Respi­ration sich geltend machton, kam das Pferd während der nächsten 14 Tage in der Condition mehr und mehr zurück. Die Skeletmuskeln, besonders am Rücken, Becken und an den Schultern schrumpften zusammen; die Augen lagen tief in den Höhlen; aus den Augenwinkeln und zeitweise auch aus der Nase entleerte sich etwas Schleim. Am 10. Juni konnte das Pferd sich nur noch mit Mühe vom Boden erheben; es lag viel und in den folgenden Tagen stellte sich am Kopfe, am Halse, an den Hüften und Schenkeln Decubitus ein. Dazu trat-am 14. Juni eine doppelseitige Lähmung der Wangen- und Lippenmuskoln, so dass das Kauen des Futters nicht mehr vollständig geschehen konnte. Am 15. Juni zunehmende Inanition, anhaltendes Liegen; Puls 62, Resp. 12, Temp. 39,1. Der Kräftevorfall steigerte sich mehr und mehr. Am 17. Juni wurde dasPferd getödtot. — Section am 18.Juni im pathologischen Institut (St ick er). Aus dem Befunde hebe ich Folgendos hervor: Vollständiger Schwund des Fettgewebes in der Suhcutis. Die Blutgofässe, namentlich die Aorta, stark contrahirt. Magen leer, Darminhalt gering. Milz sehr klein (atrophisch), derb, 700 Grm. schwer. Leber von bräunlicher Farbe, derb und 4200 Grm. schwer. Das Herz hat nur ein Gewicht von 1250 Grm. und eine bräunliche Färbung, zeigt aber sonst keine Veränderungen. Lungen stark retrahirt, im Uobrigon normal. — Das Gesammtgewicht beider Nieren beträgt 1250 Grm. Im Verhältniss zur Körpergrösso dos Pferdes sind die Nieren klein; ihre Oberflächo ist glatt; die Substanz derb; das Bindegewebe im Hilus ist sulzig infdtrirt; dio ülomoruli undeutlich sichtbar. Eine amyloido Veränderung Hess sich nicht nach-woison. In den Ureteron und in der Harnblase bestanden keine Veränderungen. Die Samenblasen hatten dio Grosso eines Taubeneies und enthielten eine gallertartige, aus Zellen, Eiweiss und Mucin bestehende Masse. — Bei der mikroskopischen Unter­suchung fand ich stellenweise das Epithel der Glomoruli und der Harnkanälchen fettig degonorirt.
2) Die chronische interstitielle Nephritis (Schrumpfniere). Uobor die Aetiologie dieser Nierenentzündung, die auch als Nioreninduration, Nieron-skleroso, Granularatrophio der Nieren bezeichnet wird, ist ein sicherer Auf-Schluss bisher nicht geliefert. In den modicinischen Lehrbüchern worden für die gleichartige Nierenkrankhoit dos Menschen chronische infectiöse und toxische AtTec-
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Chronische Nierenontzündung. Nephritis chronica.
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tionon als ursächliche Factoron beschuldigt. Sehr wahrscheinlich sind auch bei Pferden, bei welchen übrigens die Kranlfheit relativ seltener vorlfomnit, als bei Men­schen, analoge Einlliisse wirksam. Dass die acute parenchymatöso Nephritis zur Kni­wickelung der Schrumpfnicro führe, ist nicht nachgewiesen. Bei dor Section von Pferden wird zuweilen der Zustand an einer Niere gefunden, während die andere Niere gesund und in Folge der compensatorischen Leistung vergrössert ist. In sol­chen Fällen erleidet die Gesundheit der Thiere keine Störung. — Dagegen ist die chronische interstitielle Entzündung beider Nieren ein schweres Leiden, wolohcin die Thiere nach monato- oder jahrelanger Krankhoitsdauor stets erliegen. Der Process beginnt in den Lymphräumen des interstitiellen lündegewobes, welche sich mit farb­losen Blutkörperchen füllen. Demnächst folgt die Bildung von fibrösem Gewebe, welches durch seinen Druck das Drüscngowebe zur Atrophie bringt. Die Nieren ver­kleinern sich nach längerem Bestehen der Krankheit orhoblich und in schweren Fällen bis auf die Hälfte ihrer normalen Grosse. Dio Oberfläche nimmt in Folge der nar­bigen Kotractionen des fibrösen Gewebes eine unregolmässig höckerige Gestalt an (granulirte Oberfläche, Granularatrophie). Die Consistenz ist derb und auf dem Durchschnitt erscheint die Certicalsubstanz versclimälert. Dabei sind die Gefäss-schlingen der Glomeruli vielfach vorödet.
Symptome und Verlauf. Das wesentlichste Merltmal der Krankheit liegt in der anhaltenden Albuminurie und der hierdurch bedingten Beschränkung des Nähr­zustandes. Indess ist die Ausscheidung von Eiweiss mit dem Harn nicht fortdauernd gleich. Lustig (Hannov. Jahresber. pro 1877/78, S. 104), der einen Krankheitsfall von einem 16jährigen Wallach ausführlich besprochen hat, fand ferner Rundzellen, Nierenepithelien und Körnchenhaufen im Harn. Die Harnsecretion ist zunächst.ge­steigert, später gewöhnlich verringert; das speeifische Gewicht abnorm niedrig. — Da die Capillargefässe der Nieren zum grossen Theil obliteriren, so steigt der Blut­druck in der Aorta und in Folge dessen wird der linke llorzventrikel hypertrophisch. Der Maxillarpuls ist dementsprechend voll. — Appetit normal; Durstgefühl gewöhn­lich gesteigert. Die Krankheit verläuft fieberlos, soweit nicht zufällig und vorüber­gehend andere Störungen eintreten. Nach einer Dauer von vielen Monaten führt die­selbe zur Kachoxie, durch welche die Thiere zu Grunde gehen. — Dass in den höheren Krankheitsgraden bei Pferden die Erscheinungen der Urämie sich einstollen könnton, ist bisher nicht beobachtet worden.
Für die Behnndliing bieten sich keine Aussichton. Eine Palliativcur, wie sie bei Menschen indicirt ist und mit diurotischen und diaphoretischen Mitteln ausgeführt wird, verlohnt sich bei Pferden nicht.
3) Die chronische parenohyrnatös-interstitielle Nephritis. Auch diese Krankheit, die mit dem Namen des „chronischen Morbus Brightiiquot; belogt wird, befällt die Pferde nach meinen Erfahrungen selten. Lustig (Deutsche Zeitsohr, für Thiermed., 1880, S. 357) hat dieselbe bei einem Jährlingsfohlon(Stuto) beobachtet. Ich hatte Gelegenheit, zwei Fälle bei 20 und resp. 14 Jahre alten Stuten eingehend zu untersuchen. In beiden Fällen bestand gleichzeitig eine chronische Nieren­blutung und amyloide Degeneration in den Nieren.
quot;Wie schon der Namo besagt, entwickelt sich sowohl im Paronchym, wie im interstitiellen Gewebe ein chronischer Ent/.iindungsprocess, Nach und nach werden die Nieren grosser. In einem meiner Fälle, der erst nach 2 Jahren tödtlich endete, war eine Niere nur wenig grosser, als in der Norm, während die andere einen vier­fach grössoren Umfang hatte. Die Vergrösserung beruht thoils auf der Schwellung
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Organltraiikheiton.
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des l'arencliyms, theils auf dor Bildung von Hohlräumen in don llarnkanalohon. Nach liingoror Kranllt;lioilsdauor orliiilt die Oborfliicho dor Nioron eine lappige Anordnung. Die Einschnitte sind zum Tiioil ilnch, zum Thoil tiofor. Steilonwoiso verwächst die Kapsel mit der Niere. Durch Compression der Hlutgolasse kann die Rindensubstanz in einzelnen Partien blutleer worden und eine grauweisso (blasse) oder gelblich weisso Karho annehmen. Das intorstitiollo Bindogowobo vordickt sich und in die llarnkaniil-clion troton Blutkörporchen, hyaline und körnige Massen. Allmiilig erwoitorn sich die llarnkanalohon an zahlreichen Stollen zu kloinonHohlräumen, welche zunächst orbsen-gross worden, nach liingorer Zeit aber zum Thoil die Grosso einer Hasolnuss bis einer Wallnuss erlangen. In einem Falle fand ich neben zahlreichen kloinon blasenförmigon Räumen eine Höhle von dem Umfange eines starken Hühnereies; dieselbe erstrockto sich bis an die Oboriläche der Nioro und bildete daselbst eine flache Wölbung. In die Höhlen ergicsst sich Blut, welches mit dem Harn durch das Merenbockon und den Ureter in die Blase gelangt. Dio Blutung hält zuweilen mehrere Wochen odor Monate an, kann aber auch für kürzere odor längere Zeit nachlassen. — Endlich er­mittelte ich in meinen beiden Fällen oino amyloido Entartung der Nioron an zahl­reichen Stollen auf der Schnittfläche. Herr Dr. Jürgens vom pathologischen Institut dor Universität, welcher auf meinen Wunsch die Giito hatte, die Nieron von einem nioinor Patienten zu besichtigen, constatirto, dass die Veränderungen dorselberi ein-schliosslich der amyloiden Entartung mit den Befunden der chronischen Bright'schon Krankheit des Menschen übereinstimmten.
Symptome mul Verlauf. Der Beginn der Krankheit ist von ofTonkundigon Stö­rungen der Gesundheit nicht bogleitet und bleibt doshalb unerkannt. Im weiteren Vorlaufe gehen die Thiore trotz dos guten Appetits im Nährzustande zurück. Durch dio Harnuntersuchung ist die Albuminurie nachweisbar. Demnächst stellte sich in den von mir beobachtoten Fällen Hämaturio ein. Zeitweise wurde flüssiges Blut von venöser Farbe ausgoschiodon, aus welchem sich am Boden oder in der Streu lockere Gerinnsel bildeten. An anderen Tagen war dor Harn dunkelbraun gefärbt. Starker Verlust an Blut bedingt eine erhebliche Abmagerung und Anämie der Schleimhäute. Doch boobachtoto ich bei einem Pferde, bei welchem die Section später dio schwere Erkrankung einer und relativ geringe Veränderungen an dor anderen Nioro ergab, dass die Blutung nur in Zwischenzeiten von mehreren Wochen odor Monaten sich wiederholte, so dass das Pferd noch ein volles Jahr hindurch trotz der chronischen Haematuria rhenalis im Droschkendienste verwendet werden konnte. — Mit der voll-ontwiokelton Krankheit entsteht Hypertrophie des Herzens und dor Maxillarpuls bleibt daher trotz der massig zunehmenden Frequenz voll. Im letzten Stadium bekunden die Pferde zeitweise Kolik; auch bilden sich schmerzhafte Oedomo in der Subcutis, vorzugsweise an den Hinterschenkeln. Die Blutontleorung aus der Blase verursacht den Patienten erhebliche Schmerzen. Inappolenz und Unvermögen zum Stehen. Wenn die Pferde nicht als werthlos früher getödtot werden, so verenden sie unter den vor­erwähnten Zufällen durch Erschöpfung der Kräfte. Der Verlauf kann sich auf ' '2 bis 2 Jahre und selbst darüber hinaus erstrecken. — Da dio Krankheit unheilbar ist, so lässt sich mit der Beliandluiig höchstens der Zweck verfolgen, für oino kürzere oder längere Zeit die Dionstbrauchbarkeit der Pferde zu erhalten. Aber auch dieser Indi­cation kann nur in einzelnen Fällen mit oinor zweckmässigen diätetischen Pflege oinigormasson entsprochen worden.
4) Die ombolischo Niorenentzündung (Nephritis embolica). Der bei sepiischen Blutinfoctioncn in den Nieren oft entstehenden metastatischon Herde
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Eiterige Nierenentzündung. Nephritis suppimitiva, Niorenabscoss. 877
ist bereits S. 872 gedacht worden. Hier handelt es sich nur um die Einwanderung yon Bmbolis, welche von Thromben in den Nierenarterien oder in der Bauchaorta (vergl. S. 520) oder in der linlcen Herzkammer herrühren. Die in dieser Art vor-anlassten ombolischon Infarcto sind, weil den Pfropfen Itcine delotiir wirkenden Stoffo anhaften, nicht von destruirender Wirkung auf das Nierenparenchym. In der Rinde, in welcher sich diosolben otabliron, entstehen Defeote, welche mit Zurücklassung von Vertiefungen heilen (narbige Retractionen). Dabei verkleinern sich die Nieren im Ganzen.
Die krankhaften Folgen und die Syuiptomc dieses Zustandes vorhalten sich im Allgemeinen, wie bei der chronischen interstitiellen Nephritis. Am meisten sind der Kiweissgehalt des Harns und die mangelhafte Nährfähigkeit der betrefTendon Pfordo zu berücksichtigen. Lustig (Deutsche Zoitschr. für Thiermed., 1875, S. 201) logt ein besonderes Gewicht darauf, dass neben Eiweiss nur Rund- und Epithelzellen, aber koine Cylinder und Blutbostandtheilo im Harn gefunden werden. Der Verlauf dieser ombolischen Nephritis ist grösstentheils von dem Primärleiden des Herzens odor der Aorta resp. der Nierenarterien abhängig, erstreckt sich der Regel nach aber auf viele Monate. Bilden sich nur wenige Herde, so kann eine vollständige Heilung schon in ciuigon Wochen erfolgen. Im Ganzen ist aber die Prognose sehr unsichor. Für dio Kchaiulluiig giebt es aussor der diätetischen Pflege und Schonung der Pationton keine Hülfsmittel,
Capitel CXXX. Kiterigc NiereiientzüiMlung. Ncpliritis sii|gt;|Mirativa. Nicrcuabscess.
Eiterungsprocosse und Absoosse können auf zweifachem Wege in den Nieren zur Eutwickelung kommen.
1)nbsp; nbsp;Bei toxischen und infectiösen Allgemoinkrankhoiton ontstohen nicht selten ombolischo Herde in der Nioronrinde. Wenn mit den Pfropfen eitorbildondo Fermente in die Herde gelangen, so bilden sich kleine oder grössere Abscesso. Man findet bei Pfordon zuweilen solche Eiterherde in der äusseren Schicht einer Niere in grössoror 'Zahl. Die eiterige Entzündung kann auf die Nierenkapsel übergreifen und zur Bil­dung eines grossen abgekapselten Abscesses führen (paranephri tischer Abscess; suppurative Paranephritis). Indess ist diese Complication selten.
2)nbsp; nbsp;Mit der Bildung von Harngrios oder Harnsteinen im Nierenbecken oder in einem Ureter verbindet sich gewöhnlich eine oberflächliche, aber chronisoho und eiterige Entzündung des Nierenbeckens (Pyelitis). Eine derartige Kntzündung setzt sich in die graden Harnkanälchen fort, welche sich herdweise ausbuchton. Durch Confluenz der Herde können grössere Abscesso entstehen. Dio Niorensubstanz wird atrophisch.
Die Symptome der eiterigen Nephritis sind nicht charakteristisch. Oberflächlich gelegene Abscesso bedingen oft keine Krankheitssymptomo und werden, wie Bruck-müllcr (Path. Zoot., S. G48) zutreffend angegeben hat, bei den Seclionon nicht
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0 rgaakrankbeiten •
selten als z.ufiillige Rofundo constatirt. Bei der eiterigen Pyelo-Nephritis bekunden die Pferde Ilarnbeschwerden. Dem Harn ist bald in höherem, bald in geringerem Grade Eiter beigemischt (Pyurie). Indess kann eine solche BoschalTonheit des Harns auch bei der einfachen Pyolitis und bei der eiterigen Cystitis bestehen. Mit einiger Wahrscheinliciikcit liisst sich der Befund auf die suppurative Nephritis zurückführen, wenn das Leiden monatelang forlbostoht. Die betreifendon Pferde haben aussordem mangelhaften Appetit und bleiben in dürftigem Nährzustande. Schliesslich wird die Abmagerung so gross, dass die Thiore keinen Worth mehr besitzen. Die Behaiiilluiig gewährt keine Aussicht auf Erfolg. Durch zwockmässige Ernährung mit ürünfutter oder gutem Heu und Beigabe von Mohrrüben lässt sich die Gobrauohsfähigkeit der betreiTondcn Pferde zuweilen einige Monate länger erhalten.
Capitel CXXXI. II y laquo;1 r o n e p li r o s Ot
Die Compression eines Ureters führt zur Anstauung des Harns gegen die Niere. In Folge dessen erweitert sich der Ureter, sowie das Nierenhecken und die Nioren-substanz wird atrophisch (Druokatrophie). Der hydronephrotische Zustand kommt bei i'forden nicht selten an einer Niere vor, während die andere Niere hypertrophisch wird und den Ausfall der llarnsecrotion vollständig deckt. Die bilaterale Hydro-nophrose habe ich bei Pferden nie beobachtet. Indess ist ihre Entstehung sehr wohl möglich. Die Atrophie der Niere kann so bedeutend sein, dass nur noch eine dünne, mit der verdickten Nierenkapsel verbundene Schicht übrig bleibt. Der Hohlraum stellt einen mit Harn oder mit wässeriger, trüber Flüssigkeit gefüllten, fluetuirendon Beutel dar.
Die Hydronephrose wird hervorgerufen durch fibröse Verdickung des Ureters; ferner durch Verwachsung desselben an der Mündungsstolle, durch einen Harnstein im Ureter und durch Geschwülste in der Umgebung dos letzteren. In zwei Fällen constalirte ich, dass die nach jahrelangem Bestehen einer Samenstrangfistel sich rotroperitonoal fortsetzende chronische bindogewebigo Entzündung bis in die Region des Ureters vorgedrungen war und dass die fibröse Neubildung durch Druck auf den Urolor die Hydronephrose herbeigeführt hatte. — Soweit nicht beide Nieron von der Rückstauung des Harns botrolTen werden, bekunden die Pferde keine Störung in ihrem Befmden. Wenn dagegen sich die Hydronephrose an beiden Seiten bis zu einem höheren Grade ausbilden sollte, so wird zweifellos in Folge der mangelhaften Harn­ausscheidung eine allmälig zunehmende Abmagerung eintreten. Sehr wahrscheinlich gehen solche Thicre schon durch die Kachexie zu Grunde, bevor eine Urämio mit ihren Folgen entstanden ist. — Die curative Behandlung dor Hydronophroso ist bei Pferden nicht von Erfolg. Denn die im Nierenbecken oder in den Ureteron die An­stauung des Harns bedingenden Grundloiden sind für therapeutische Eingriffe nicht erreichbar.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;____________
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Rntziimlung dos Nieronbockcns. Pyolitis. Nioronstoine. Nophvolitliiasis. 87i)
Capitel CXXXII. Iliitzündaiig des Nierenbeckens. Pyelitis.
Leichte katarrhalische AiTectionen der Schleimhaut im Nierenbecken und in den Ureteren bestehen bei allgemeinen fieberhaften Krankheiten der Pferde oft, ohne einen wesentlichen Nachtheil mit sich zu bringen. Von grössorer Bedeutung ist die katar-rhalischePyelitis, welche bei der Anwesenheit von Harnsteinen im Nierenbecken oder in einem Ureter entsteht (Pyelitis calculosa) Sie führt, weil die bedingen­den Momente nicht entfernbar sind, nach längerem Bestehen zur Erweiterung des Nierenbeckens und zur eiterigen Nephritis (cf. S. 877). — Die diphtherische Pye­litis ist bei Pferden sehr selten. Ich habe einen derartigen Fall als Folge von Nierenblutung und Verstopfung beider Ureteren durch Blutgerinnsel resp. als Nach­krankheit der Pferdestaupo beobachtet und in meiner Monographie (Berlin, 1882, S. 172) beschrieben. Die krankhafte Wirkung dieser schweren Veränderung (Pyelo­nephritis ichorrhosa) gehtaus der Zersetzung des Harns im Nierenbecken hervor, wozu die Fermente mit der Blutcirculation in den Ilarn gelangen. Schliesslich stellt sich bei dem Unvermögen zur Ausscheidung des Harns eine urämische Intoxication ein. — Die Symptome bestehen,in starkem Kräftevorfall, Inappetenz und Fieber­temperatur. Oedematose Schwellungen in der Haut, besonders an den Hinterglied­massen. Beschwerdon beim Stehen oder Unvermögen, sich vom Boden zu erhoben. Unruhe und doliriöse Zufälle. — Die Proguose ist schlecht und die Behandlung ohne günstigen Erfolg.
Capitel CXXXIII. Nierensteine. Ncphrolithiasis.
Im Nierenbecken bilden sich bei Pferden zuweilen Ilarnsteine, die meist eine runde Gestalt und eine korallenförmigo Oboriläoho haben. Sie kommen vereinzelt oder in mehreren Exemplaren zur Entstehung. Bei geringer Grosso können sie den Urolor passiren und in die Harnblase gelangen. Mitunter bleibt aber ein Stein im Ureter sitzen, so dass der Harn zurückstaut und eine chronische Entzündung des Ureters und des Nierenbeckens veranlasst wird. — Die Zusammensetzung der Nierensteine ist von Fürstenberg untersucht worden. Gewöhnlich enthalten dieselben zum grössten Theil kohlensauren Kalk (Carbonatsteine). Daneben finden sich als wichtige Bestatul-theilo zuweilen oxalsauror Kalk und Tripolphosphat. — Wenn die Nierensteine nur an einer Seite liegen, so verursachen sie in der Regel längere Zeit hindurch keine ofTensichtlichenKrankheitssymptomo. Später treten die Erscheinungen der chronischen
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Organkrankhoiton.
Pyolitis und Pyelonephritis hervor (vergl. S. 878). Indess bekunden die botrefTonden Pferde zunächst mir in liingoren odor kürzeren Zwischenzeiten eine Harnbeschwordo. Später stellt sich Abmagerung ein, die sich bis zu vollständigem Marasmus steigern kann. — Die Diagnose ist im Wesentlichen auf das Ergebniss der manuellen Unter-suchung per rectum zu stützen. Zu verwechseln ist dio Krankheit mit einer in der Wandung des Ureters zuweilen entstehenden knotenförmigen fibrösen Verdickung. Auch kann sich im Vorlaute derselben ein chronischer Blasenkatarrh ausbilden. — Für die Itchnihlluiig bietet sich bei Pferden nur wenig Aussicht. Vorübergehend liisst sich das Befinden der Thiero durch Verabreichung leicht verdaulicher Futterstoffe verbessern.
Capitcl CXXXIV. Fibrinüsc Eiitzüiidimg des Ureters und des Nierenbeckeus.
Von der in der Ueberschrift bezeichneten eigenthümlichen exsudativen Ent­zündung der Ureteren habe ich nur einen Krankheitsfall behandelt. Das betreffende Pferd (Wallach, 7 Jahre alt, Arbeitsschlag) wurde am 19. Juli 1886 der Klinik mit der Angabe zugeführt, dass es seit einigen Wochen an Harnbeschwerde leide. Es wurde von mir 4 Wochen lang beobachtet. Die Futtoraufnahmo erfolgte regelmässig; auch bestand kein Fieber. Aber der Harn entleerte sich oft tropfenweise oder in dünnem Strahl und unter schmerzhaftem Drängen auf die Blase. Er war von kaffoe-braunor Farbe, reagirto alkalisch und enthielt rundliche, 5—25 Ctm. lange, gänse-kioldicke, bernsteingelbe, elastische und in der Längsrichtung geschichtete Cylinder (Abgüsse der Ureteren), deren Enden vielfach zugespitzt und etwas durchsichtig waren, während der grössere Theil ganz undurchsichtig erschien. Stellenweise hafteten äusserlich an diesen Cylindern, die aus Fibrin bestanden, dünne blutige Streifen. Aussordem enthielt der Harn noch grössere Mengen von nicht cylindorförmig ge­staltetem Fibringerinnsel, llundzellen, rothe Blutkörperchen, viel Sediment von phos-phorsaurom Kalk und Mikrokokken. Bei der von meinem Assistenten, Herrn Eber, ausgeführten chemischen Untersuchung fanden sich als abnorme Bestandtheile ausser den Fibrinmassen im Harn noch grosse Mengen von Serumalbumin, fernerHämoglobin, Muoin und kohlensaures Ammonium. — Zeitweise war der Gehalt des Harns an fest geronnenem Fibrin geringer; aber im Ganzen änderte sich der krankhafte Zustand bis zum 22. August 1886 nicht wesentlich. Der Besitzer Hess das Pferd an diesem Tage wieder abholen, so dass die Section nicht vorgenommen worden konnte. Herr Gebeimrath Loyden, der auf meinen Wunsch zu verschiedenen Malen Proben von dem Harn dieses Pferdes zu untersuchen die Güte hatte, theilto mir mit, dass bei Menschen eine derartige fibrinöse Entzündung der Ureteren mehrfach vorkomme und dass die Krankheit auf einer [nfection durch Mikroorganismen beruhe. — Wenn auch der Krankheitsfall bei dem vorerwähnten Pferde von mir nicht vollständig hat aus­genutzt werden können, so dürfte die Aetiologio desselben doch mit Sicherheit auf eine spocifische Infection zu beziehen sein.
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Entzündung dor Harnblase. Cystitis. Blasenlahmung.
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Capitel CXXXV. Rntzüudnng der Harnblase. Cystitis.
Die entzündliche Affection der Harnblasensohleimhaut ist oft die Folge von krankhaften Zuständen benachbarter Organe. Namentlich entsteht durch Verwachsung der Blase mit einem Darmstiicke rogolmiissig eine chronische Cystitis, wobei sich die Blasenwandung- stark vordickt. Die gleiche Wirkung kann die Anwesenheit eines Blasenstoins oder die Anhäufung von Ilarngries haben. — Die acuten Formen der Cystitis haben theils einen diphtherischen, theils einen fibrinösen oder eite­rigen Charakter. Sie kommen zuweilen im Anschlüsse an schwere, destructive Procosse benachbarter Organe, besonders nach einer ulcorösen oder eiterigen Nephritis, nicht selten aber durch directo Infection nach der Application eines ungenügend des-inficirton Katheters zur Entwiokolung. Demnach fällt die Betrachtung der Cystitis vorwaltend der chirurgischen Pathologie anheim. liier mag die Bemerkung geniigen, dass die diphtherischeCystitis stets eine schwere fieberhafte AllgemeinaiTection bedingt und nach wenigen Tagen tödtlich endet.
Die unabhängig von den vorgedachten Ursachen auftretende Cystitis scheint von einer reizenden Wirkung des Harns bedingt zu werden. Sie verläuft chronisch und führt zur Bildung von Granulationsgowebe in der Schleimhaut, die sich verdickt und eine unebene Oberlläche erlangt. Dabei vergrössert sich die Harnblase. Ihre Wandung wird hypertrophisch. — Die Symptome sind im Ganzen wenig auffällig. Oft findet sich zufällig bei der Section der vorgedachte Zustand einer chronischen Cystitis in massigem Grade bei einem Pferde, welches im Leben keine Störung der Harnentleerung gezeigt hat. In den höheren Krankhoitsgradon aussein die Pferde Schmerzen beim Uriniron. Der Harn enthält Eiweiss, Schleim und Eiter, oft auch Ammoniak. — Die Prognose ist nach dem Grade der Krankheit verschieden; im Ganzen aber insofern ungünstig, als die Normalität der Blase sich nicht wieder her­stellen lässt. Zur Behanillimg erweist sich die Verabreichung von Borax oder Kalium ohloricum mit dem Trinkwasser und die anhaltende Ernährung mit leicht verdaulichen Futterstoffen nützlich. Die Localtherapie durch fortgesetzte Ausspülungen der Blase mit einer 1 proc. Lösung von Argent, nitr. oder einem anderen desinficironden Mittel ist bei Pferden schwer ausführbar.
Capitel CXXXVI. Blasenlahmung.
Aus verschiedenen Ursachen kann die Muskulatur der Harnblase in einen pare-tischon Zustand gerathon. Die ErschlalTung betrilTt entweder den Detrusor oder den Sphincter oder beide zugleich. Eine durch vorübergehende Beschränkung der nervösen
Dlecker liof f, Spec, rathologto u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;56
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882nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankhoiton.
Impulse bedingte Scliwacho des Schliessmusliels wird bei fioborhatten Infections-krankheiten zuweilen beobachtet. Hierbei ist die Blase gefüllt und der Harn tröpfelt anhaltend aus der Urethra. Nach einigen Tagen resp, mit dem Ablaufe des specifi-schen Fiebers stellt sich die normale Harnentleerung wieder ein. — In gleicher Weise kann das Ueboigehen des Urinirens bei den in schneller Gangart anhaltend benutzten Pferden eine Schwäche dos Sphincter veranlassen, so dass der Harn sich tropfenweise entleert. Auch dieser Zustand verschwindet in 1—2 Tagen von selbst wieder. — Mit dem chronischen Blasenkatarrh resp. mit der granulirenden Cystitis verbindet sich gewöhnlich eine Parese des Dotrusors und Erweiterung der Blase, wobei sich die Harnentleerung verzögert und nur durch starke Wirkung der Bauchpresso erzwungen werden kann. — Häufiger kommt bei Pferden die Lähmung des Sphincter mit In-continentia urinae vor, wenn die Blase grössero Harnsteine oder eine erhebliche Quantität von Harnsedime.nt (Gries) enthält. Sowohl die Harnsteine wie der Harn-gries bestehen zum überwiegend grössten Theil aus kohlensaurem Kalk. Tripelphos-phat findet sich in denselben nur wenig. In Folge der durch den Gries continuirlich verursachton Reizung entwickelt sich eine chronische Entzündung der Schleimhaut mit Erweiterung der Blase. — Endlich kann eine Blasenlähmung in Verbindung mit Mastdarmlähmung durch chronische Neuritis bedingt sein (vergl. S. 855).
Symiitome. Die Enlleerung des Harns erfolgt in dünnem Strahl und unvoll­ständig. Oder der Urin tröpfelt mit kurzen Unterbrechungen anhaltend aus der Harn­röhre. Bei Stuten entsteht in der Scham und in der Haut an den Hinterschonkeln durch die fortdauernde Verunreinigung eine oberflächliche Dermatitis mit Erosionen. Gleiche Anätzungen finden sich zuweilen bei Wallachen und Hengsten in der Vor­haut. — Die Untersuchung durch den Mastdarm oder die Scheide ergiebt eine starke Füllung der Blase und eventualiter das Vorhandensein eines Blasensteins. — lieber das Grundloiden liefert die Prüfung des Harns theils positiven, theils negativen Auf-schluss. In jedem Falle aber kann die Harnuntersuchung die diagnostischen Zweifel, welche wegen der Ansammlung von Harnsediment in der Blase bestehen, beseitigen.
—nbsp; nbsp;Die Diagnose ist bei Hengsten und Wallachen auf etwaige Hindernisse in der Harnröhre und in der Vorhaut (Harnröhrensteine und Vorhautsteine, chronische Ent­zündung der Vorhaut und Auflockerung der Ilarnröhrenschleimhaut) zu erstrocken.
—nbsp; Die Prognose richtet sich ganz nach dem Grundloiden. Während Blasensteino oft mit vollem Erfolge auf operativem Wege entfernt werden können, ist die Bildung von Sediment in der Blase unheilbar. — Die Masse selbst hat die Farbe und Consistenz von Lehmkleister und ihre vollständige Entfernung gelingt auch bei methodischer Katheterisirung und Ausspülung der Blase nicht. Der Harn besitzt zeitweise eine chokoladonfarbige Beschaffenheit. Ich habe 2 derartige Krankheitsfälle 4 rosp. G Wochen lang behandelt, aber nur eine Besserung des Zustandos, keine vollständige Heilung erreichen können, — Günstig ist die Parese der Blase zu bcurtheilen, die als Symptom einer allgemeinen Krankheit auftritt. — Die Therapie erstreckt sich grösstentheils auf chirurgische Hülfeloistungcn. Man kann zunächst versuchen, die Harnblase durch langsames Drücken gegen dieselbe vom Mastdarm oder von der Scheide aus zu entleeren. In der Regel gelingt der Vorsuch nicht. Mehr Erfolg hat stets die Application des Katheters, der aber jedesmal vor dem Gebrauche in kochen­des Wasser gelegt oder auf andere Weise vollkommen desinficirt werden muss. — Gegen die einfache Schwäche dos Sphincter lässt sich mit Erfolg das Physostigmin durch subeutane Injection verwerthen.
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Hyperästhesie der Harnröhre. Blutungen aus den Harnwegen. Ilamaturio. 883
Capitel CXXXVII. Hyperästhesie der Harnröhre.
Wallachen und Hengste, weniger die Stuten, bekunden in einzelnen Fällen, ohne sonstige Störungen ihres Allgemeinbefindens, eine schmerzhafte Empfindung in der Harnröhre. Die Thiere stellen sich mit gespreizten Hinterfüssen zum Uriniron und entleeren oft, aber stets nur geringe Mengen von Harn. Ueber die Pathogenose des Zustandes ist nichts Bestimmtes bekannt. Aus dem Verlaufe desselben und dem Be­nehmen der Pferde lässt sich folgern, dass der Harn vorübergehend eine reizende Wirkung auf die Schleimhaut der Urethra in der Region ihrer Mündung hat. Wahr­scheinlich nehmen die Pferde mit dem Futter zuweilen Stoffe auf, welche in den Harn übergehen und demselben die hier gedachte Eigenschaft verleihen. — Die Dia­gnose ist nicht schwierig. Indess kann das Verhalten der Pferde mit den Symptomen einer leichten Kolik verwechselt werden. Zu beachten ist ferner, dass einzelne Arbeits­pferde, besonders nach anstrengenden Dienstleistungen eine gestreckte Stellung der Hintergliedmassen im Stalle annehmen und stundenlang beibehalten. Die Prognose gestaltet sich günstig. Ich habe in allen Fällen gefunden, dass sich die krankhafte Empfindlichkeit der Harnröhre innerhalb 2—3 Tage, gewöhnlich schon in einem Tage wieder verliert. — Zur Behandlung bedarf es kaum mehr, als der diätetischen Pflege, Frisches Trinkwasser zur beliebigen Aufnahme und leicht verdauliches, naturgemässes Futter. Als Arzneimittel passen Natr. ohloratum und Natr. sulfuricum.
Capitel CXXXVIII. Blutiingeu aus den Harimegen. Hämntiirie.
Die krankhaften Zustände der Harnorgane, bei welchen reines Blut oder Blut mit Harn vermischt ausgeschieden wird, können nach Sitz und Pathogonese sehr ver­schieden sein. Diagnostisch ist von der Hämaturie die Häraoglobinurie zu trennen (vcrgl. S. 104). Bei der Hämaturie kann das Blut aus den Nieron, den Ureteren, der Harnblase oder der Harnröhre stammen. — DieNierenblutung(Haematuria renalis) kommt bei Pferden als Complication oder Nachkrankheit der Pferdestaupo und anderer Infectionskrankheiten vor. Ihre Vorbedingung beruht in solchen Fällen auf einer hämorrhagisohen Nephritis. Das mit dem Harn entleerte Blut ist flüssig und von venöser Farbe. In der Stallstrou oder im Harn (wenn derselbe aufgefangen wurde) bildet sich ein Coagulum. Bleibt das Blut längere Zeit in den Ureteren oder in der Blase, so kann auch hier schon ein Gerinnsel entstehen. Der Ausgang dieser
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884nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkranltheiten.
Niorenblutung ist meist günstig. Doch kann bei längerer Stagnation dos i31utes im Nierenbecken oder in der Blase eine Zersetzung eintreten, welcher sich eine diph-therische Entzündung der Harnorgane mit tödtliohem Ausgange anschliesst. — Eine zweite Art der Niorenblutung habe ich bei Pferden in Verbindung mit dem chro­nischen Morbus Brightii beobachtet (vorgl. S. 875). — Sehr selten wird bei Pferden durch die traumatische Wirkung von Harnsteinen im Nierenbecken oder in einem Ureter die Hilmaturie verursacht. — Häufiger veranlasst ein Harnstein in der Blase den Abgang von Blut mit dem Harn (Hacmaturia vesicalis). Die blutige Aus­scheidung tritt hierbei gewöhnlich ein, sobald die betrelfenden Pferde zu anstrengen­den Dienstleistungen, oder in der Trabbewogung gebraucht werden, während sie bei der Ruhe im Stalle wieder nachlässt. — Eine Haematuria vesicalis ist ferner bei schweren ulcerösen oder diphtherischon Entzündungen der Blasonschloimhaut (Urocystitis haemorrhagica) zu beobachten. — Die Blutung aus der Blase kann endlich eine Complication oder Nachkrankheit der Brustseucho sein (vergl.., S. 233 und 249). — Die Haematuria urethralis ist abgesehen von den Verwundungen der Harnröhre, die hier nicht in Frage stehen, bei Pferden sehr selten. Ich habe einen derartigen Krankheitsfall nie beobachtet.
Die Diagnose der Hämaturie gegenüber der Ilämoglobinurie ist bei sorgfältiger Untersuchung des Harns leicht zu stellen. Gewöhnlich wird schon durch die Coagula in dem ausgeschiedenen Blute der Zweifel gehoben. Sehr schwierig kann sich aber die Frage gestalten, ob das Blut aus der Niere, der Blase oder den Uretoren stammt. Wenn ein Harnstein in der Blase liegt, so lässt sich die Natur der Blutung durch die manuelle Untersuchung ermitteln. In anderen Fällen liefert dieBefunderhobung keinen entscheidenden Anhalt. Indcss wird die chronische Hämaturie, die in kürzeren oder längeren Zwischenzeiten mehrere Monate lang auftritt, in den meisten Fällen durch eine Erkrankung der Nieren veranlasst. ~ Für die Itciirthcllung und Keliniitiliiiig der Hämaturie ist auf das Grundleiden Rücksicht zu nehmen.
Gr. Krankheiten der Greschlechtsorgane*).
Capitel CXXXIX.
Acute Gebärnintterentzüuduug. ülctritis acuta. N. peracuta.
AI. septica.
Im Zusammenhang mit einer Schwergeburt kommt bei Stuten sehr leicht die acute Metritis zur Entwiokelung, die den praktischen Thierärzten als eine lebens­gefährliche und der Regel nach tödtlich verlaufende Krankheit wohl bekannt ist. Nach der thatsächlichen Erfahrung entsteht diese Gebärmutterentzündung nur inner-
*) Die Darstellung der krankhaften Vorgänge und Zustände, welche bei der Brunst, Conception, Trächtigkeit und Geburt vorkommen, liegt nicht in der Aufgabe
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Acute Gebärmutterentzündung.
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halb dor ersten 8 Tage nach der Geburt. Zu anderen Zeiten sind die Bedingungen ihrer Entwicltolung im Uterus nicht vorhanden. Für die Actiologic sind zwei Momente erheblich: Die Vulnerabilitiit des Uterus und die Infection. Durch Ver­zögerung der Geburt, mehr noch durch Entfernung eines grossen Theils der Eihäute vor der Extraction des Fötus, sowie durch anhaltende manuelle oder operative Hülfe­leistungen innerhalb der Gobürniutter und durch das Blut, welches bei Operationen am Fötus sich entleert — erleidet die Schleimhaut des Uterus eine entzündliche Rei­zung. Die nächste Folge derselben ist die Paresis der Qebärmuttormuskulatur. In diesem Zustande besitzt der Uterus eine grosse Empfänglichkeit für die Ansiedelung pornieiösor Infeotionsstoffe. Die bei Schwergeburten oft unvermeidlichen Quetschungen und Verwundungen in der Scheide begünstigen die Infection und es ist eine ganz gewöhnliche Erscheinung, dass neben der Metrilis zugleich oder schon einen Tag vorhergehend sich eine schwere Phlegmone der Scheide (Kolpitis phlegmonosa) ausbildet. — Sowohl in der Scheide, wie im Uterus erkrankt hierbei die Schleimhaut stellenweise in höherem Grade. Es giebt aber auch Fälle, in welchen die Schleim­haut in dem Gebärmutterhorn, das den Fötus getragen hat, überall gleiohmässig ent­zündet ist. Dagegen erreichen die anatomischen Veränderungen in dem nicht tragend gewesenen Horn gewöhnlich nicht einen gleich hohen Grad.
Bisher sind die hier in Frage stehenden pathogenon Mikroorganismen nicht iso-lirt und künstlich gezüchtet worden. Ihrer Wirkung nach haben dieselben viel Ueber-cinstimmendes mit dem Bacillus des malignen Oedcms. In der Uterusschleimhaut entwickelt sich mit der Infection eine serös-bämorrhagisclie Infiltration. Die ober­flächliche Schicht mortlficirt stellenweise; sie erlangt hierbei eine aschgraue oder eine schwarzgrüne Färbung (Metritis diphtherica). Die Infection setzt sich durch die Lymplibahnen in die Wandung der Gebärmutter fort, welche eine diffuse Schwel­lung erleidet. Zuweilen entsteht auch an dem Bauchfellüberzug des Uterus eine ent­zündliche Injection der Capillargefässo und hämorrhagische Exsudation (Perime-tritis acuta). In der Gobiirmutterhöhle sammelt sich Blut und Exsudat, welches mit den Kosten der Nachgeburt eine jauchige Zersetzung erfährt. — Durch die Re­sorption der Entzündungsprodncte entwickelt sich nach dem Grade des (Falles in wenigen Stunden, oder am 2. Krankheitstage eine schwere Intoxication des Blutes, welche die Entstehung einer parenehymatösen Entzündung und Lähmung des Herzens, sowie eine diffuse Gastro-Enteritis, trübe Schwellung der Leber und Nieren, hämor­rhagische Intumescenz der Milz, Blutstauung in den Lungen, kleine oder grössere Extravasationen in der Respirationsschloimhaut und blutige Trans'sudation in die Brust- und Bauchhöhle vennitttelt.
Symptome. Oerllich charaktcrisirt sich die Krankheit durch Schwel­lung der Scham und Scheide, deren Schleimhaut oft eine livide Färbung annimmt. Die Gebärmutter ist erweitert. Dazu kommt eine Beschwerde bei den Versuchen zum Aufstehen, theils iii Folge von Sohmer/empfin-dung, tlinils durch roflectorische Lähmung des Rückenmarks. Bei schwerer
dieses Lehrbuches. Ich beschränke das Gebiet der in den weiblichen Geschlechts­organen entstehenden Krankheiten deshalb auf die acute und chronische Gebärmutter-enlzündung und verweise im Uebrigon auf die Lehrbücher der Goburtsluilfe und der Chirurgie.
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886nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Erkrankung sind die Stuten unfähig, sich zu erheben. — Allgemeine Symptome: Fiebertemporatur bis 41,0deg;. Starke Pulsfrequenz bis 90 und darüber in der Minute; Maxillarpuls klein, schliesslich drahtförraig. Re­spirationsfrequenz zunächst gering, später erheblich. Venöse Röthung der Kopfschleimhäute. Vollständige Inappetenz. Wasser wird bis zum Eintritt der Gastro-Enteritis getrunken. Starker Verfall dor Kräfte mit stierem, ängstlichem Blick. — Der Tod erfolgt durch Herzlähtnung.
Die Diagnose ergiebt sich aus der Entwickelung der Krankheit nach der Schwergeburt von selbst. Die Prognose gestaltet sich schlecht. Mit Ausnahme der leichten Erkrankung, die sich im Wesentlichen auf die Scheide beschränkt und die Gebärmutterschleimhaut nur in den hinter­sten Abschnitten erreicht, verläuft die septische Metritis stets tödtlich. In den wenigen Fällen, in welchen die Krankheit einen günstigen Aus­gang nimmt, erfolgt die Genesung meist in 2 — 4 Tagen. Doch bleibt zuweilen eine Schwäche im Hintertheil bestehen, die sich erst in 3 bis 4 Wochen allmälig verliert. — Therapie. Indicirt ist die Localbehand-lung durch Ausspülung und Desinfection des Uterus mit l,5proc. Carbol-lösung oder mit 1 p. M. Sublimatlösung. Die Infusion ist zunächst alle 2—3 Stunden zu wiederholen. Innerlich Leinsamenschleira; auch Magnes. sulfur, oder Natr. sulfur. Zur Belebung der Hcrzfunction können In­halationen von verdünntem Schwefeläther oder Ammoniaklösung benutzt werden. Bei starker Schwellung der Scheide sind häufige Waschungen mit der Burow'schen Lösung (Plumb, acet., Alumen und Aqua) unter Zusatz von Camphor empfehlenswcrth. — Es erklärt sich per se, dass diese Behandlung nur dann einen Erfolg hat, wenn sie frühzeitig ein­geleitet und methodisch durchgeführt wird.
Capitel CXL.
Chronischer Katarrh des Uterus. Chronische katarrhalische Gebiir-miittereiitzilndnng. Endoinetritis catarrhalis chronica.
Dass der chronische eiterige Gebärmutterkatarrh bei Stuten vorkommt, die nie­mals tragend gewesen sind, ist nach der thatsächliohen Erfahrung nicht dargethan. in abstracto lässt sich zwar die Möglichkeit nicht bestreiten, dass eine katarrhalische Affection von der Vagina durch das Orificium auf den Uterus sich fortsetzen und eine
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Chronischer Katarrh des Uterus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;887
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chronische unheilbare Wucherung in der Schleimhaut veranlassen kann. Aber soweit
zu erkennen ist, fehlen die Bedingungen für eine derartige Entwickelung der Krank-
heiit. Ich habe in einer Zeit von 30 Jahren 15 Stuten wegen des chronischen Gebär-
multerkatarrhs behandelt. Das Alter der Thiere betrug 7—15 Jahre. In diesen Fällen
Hess sich aber theils mit Sicherheit, theils mit grosser Wahrscheinlichkeit feststellen,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'| ,
dass die Stuten vor Monaton oder Jahren normal geboren oder abortirt hatten.
Die Pathogenese vollzieht sich sehr langsam und ist auf eine Paresis in der Gebärmutter resp. in einem Theile derselben zurückzuführen. Sehr wahrscheinlich
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bleibt eine unvollständige Contraction des Uterus nach dem Gebären zurück. Das Krankheitsproduct stimmt in den wesentlichsten Eigenschaften mit dem katar­rhalischen Secret in der Respirationsschleimhaut überein. Vorzugsweise besteht das­selbe aus Eiter, Epithelien und Blutbostandtheilcn. Zeitweise öffnet sich der Mutter­mund, worauf sich ein Thoil dos dickflüssigen eiterigen Productes entleert. Zweifellos gelangen hierbei eiterbildende Fermente aus der Luft durch die Scheide in die Gebär­mutter. — Die Uterusschleimhaut wird dicker, die Oberfläche erscheint zottig und vascularisirt.
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Symptome mill Verlauf. Bei den bis dahin gosunfl gewesenen Stuten tritt Ausfluss von grauer oder grauweisser flüssiger Materie aus der Scheide ein. Mitunter liegt etwas von dem Dejecte hinter dem Pferde auf dem Boden. Beim Harnlassen drängen die Thiere relativ lange. Bald lässt die Dejection wieder nach und die Stuten bekunden in ihrem Verhalten nichts Krankhaftes. Nach ungleichen Fristen von einigen Wochen oder Monaten wiederholt sich die eiterige Ausscheidung. Mit der längeren Krankheitsdauer gehen die Stuten im Nährzustande zurück. Appetit wechselnd, im Ganzen aber mangelhaft. Zeitweise leichte Puls­frequenz und schmutzig rothe Färbung der Conjunctiva. — Bei copiösem Scheidenausfluss treten Erosionen an der Scham und den Hinterschenkeln ein. Das Schweif haar wird von der eiterigen Flüssigkeit verklebt. — Durch örtliche Untersuchung lässt sich ermitteln, dass der Muttermund geöffnet ist, so dass 2 — 3 zusammengelegte Finger hindurch geführt werden können. — Die Krankheit hat insofern einen remittirenden Ver­
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lauf, als der Muttermund sich gewöhnlich nur nach der relativ starken Ansammlung von 1 — 3 Liter oder einer noch grösseren Menge des eiterigen Secretes öffnet, und wenn ein grosser Theil desselben eliminirt ist, sich wieder schliesst, so dass eine Zeit lang keine Localsymptome über den Zustand des Uterus Aufschluss geben. — Nach Verlauf von 4 — 8 Monaten oder von 1 — 2 Jahren magern die Stuten mehr und mehr ab. Das Haar wird lang und struppig; die Verdauung mangel­haft. Schliesslich verfallen die Thiere der Kachexie.
Die Diagnose ist leicht zu stellen, wenn Ausfluss aus der Scheide, Vcrklcbung des Schweifhaars und Drängen auf die Geschlechtsorgane bestehen. Fehlen solche Localerscheinungen, so ist die Erkennung des
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888nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Zustandcs kaum möglich. Bei der einmaligen Untersuchung des Patienten kann die Verwechselung der Allgemeinsymptome mit den Merkmalen einer chronischen Dyspepsie entschuldbar sein. Mitunter lässt sich durch Localuntcrsuchung die üefFimng des Orificiums als entscheidendes Moment ermitteln. — Die Prognose ist ungünstig, da nach der Erfahrung die Zurückführung des Uterus in seine normale Beschaffenheit nicht ermög­licht werden kann. Dagegen lässt sich in den meisten Fällen durch rechtzeitiges therapeutisches Eingreifen eine wesentliche Besserung des Zustandes erreichen, so dass die Patienten noch 1—2 Jahre zu massigen Dienstleistungen zu verwenden sind. — Bei der Behandlung besteht die Hauptaufgabe in der täglich 2 Mal zu bewirkenden Ausspülung des Uterus mit warmem Wasser, oder mit einer Lösung von Kai. carbon. (0,3—0,5pCt.), Tanninum (l,0pCt.) oder Acid, carboi. (l,0pOt.) in warmem Wasser mittels eines Irrigators. Die zu den Ausspülungen zu benutzende Flüssigkeit muss ganz allmälig in den Uterus einlaufen. Nach 2 bis 4 Tagen schliesst sich der Muttermund wieder, so dass die Irrigation nicht fortgesetet werden kann. — Daneben ist durch anhaltende Ver­abreichung leicht verdaulicher und schmackhafter Futterstoffe lür die Besserung des Nährzustandes zu sorgen. Von einer innerlichen Medication lässt sich nicht viel erwarten. Einigen Nutzen gewährt das Physostig-min in mittleren Dosen, welches mehrere Tage hindurch täglich einmal subeutan einzuverleiben ist.
Capitel CXLI. Bläschenansscblag. Pliyctänenausschlag der Geschlechtstheile.
Der Bläschenausschlag besteht in einer durch speeifische Infection herbeigeführten exsudativen Entzündung der Scham und des Vorhcfs bei Stuten resp. der Vorhaut und des Penis bei Hengsten. Die Uebertragung des Ansteckungsstoffes geschieht immer nur mittels des Beschälactes. Daher wurde die Affection früher der „ßeschälkrankheitquot; zugezählt und nachdem ihre Verschiedenheit von derselben erkannt war, vielfach als „Beschälausschlagquot; bezeichnet (vergl. die historischen Bemerkungen S. 39.3). Ein Deckhengst, der an dem Ausschlag in leichtem Grade leidet, verbreitet denselben auf die Mehrzahl der gedeckten Stuten. Es kommt aber nicht selten die Uebertragung der Seuche dadurch zu
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Constitutionolle Muskelschwäohe (Lebensschwäche) neugeborener Fohlen. 889
Stande, dass der Hengst selbst nicht erkrankt, sondern dass nach dem Decken einer kranken Stute dor Infectionsstoff bios am Penis eine Zeit lang haften bleibt und dass der Hengst gesunde Stuten durch das bald erfolgende Decken mit dorn Contagium behaftet. Das Exanthem charak-terisirt sich durch Bläschen (Äphthcn), die aber meist bald nach ihrer Entstehung platzen, so dass oberflächliche Erosionen, selbst flache Sub­stanzverluste entstellen. Bei Stuten schwillt die Scham und die Schleim­haut des Scheidcnvorhofs erscheint stark goröthet. Die Entzündung kann sich bis zum Orificiura erstrecken. Die Thiere drängen auf die Scheide und es entleert sich mit dem Harn eine grössere Quantität des entzünd­lichen Secretes, welches die Schweifhaare verklebt und die Haut an den Schenkeln erodirt. In den leichteren Krankheitsgraden ist die Schwellung gering und der Ausfluss kann sogar ganz fehlen. — Bei den Hengsten treten die gleichen Veränderungen an der Vorhaut und am unteren Ende des Penis ein. Aphthen, flache Erosionen und Verschwärungen der Haut mit Schwellung des Schlauches und Abfluss von dünner eiteriger Flüssigkeit. Der Verlauf ist typisch. Drei bis acht Tage nach dor Infection er­langt die Erkrankung einen offensichtlichen Grad. Die vollständige Ab­heilung des Exanthems erfolgt in 2 — 8 Wochen. — Die Prognose kann stets günstig gestellt werden. Aber nach den seuchonpolizeilichon Vor­schriften sind die Stuten sowohl, wie die Hengste bis zur vollständigen Genesung von der Bedeckung auszuschliessen. — Therapie. Warme Bähung der äusseren Gcschlechtstheile mit Housamenbrühe, angebrüllter Kleie oder Schleim. Waschungen mit Bürow'scher Lösung (Plumb, acet., Alum, und Aq.). Bestreichen der wunden Stellen mit Glycerin oder mit Lanolinsalbe.
R, Krankheiten der Skeletmuskulatur.
Capital CXLII.
Constitutioiielle Muskelschnächc (Lebensschwäche) neugeborener Fohlen.
Aus dor Zucht der edlen Pferdeschläge gehen zuweilen Fohlen hervor, die zwar von normaler Grosso sind, aber wogen krankhaft geringer Leistungsfähigkeit der Muskulatur nicht die Kraft haben, sich vom Boden ZU erheben oder sich eine ent­sprechende Zeit stehend zu erhalten und das Euter zum Saugen aufzusuchen. Bei
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890nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
don neugeborenen Fohlen der schweren Arbeitsschläge kommt die Lebonssohwiiohe nur selten vor. Meist erstreckt sich dieselbe gleichmässig auf die gesammteMuskulatur des Körpers. In anderen Fällen sind die Streckmuskeln einer oder mehrerer Glied­massen vorwaltend betroffen, so dass die Fohlen mit den betreffenden Füssen bei den Versuchen zu Stehen „überköthonquot;.
Als anatomischer Befund ergiebt sich bei der Section — wie durch Fürsten­berg (Virchow's Arch., Bd. 29) zuerst nachgewiesen wurde — eine Atrophie der Muskulatur. Stellenweise Verlust der Querstreifung und zahlreiche Fettkörnohen in den Muskelscheiden und im Sarkolemma. Auch an der Herzmuskulatur sind die gleichen Veränderungen anatomisch nachweisbar.
Symptome und Verlauf. Magere Condition. Allgemeine Ermüdung. Mangel an Energie im Blick (schläfriges Aussehen). Unvermögen zum Aufstehen, wenn selbst schon 6—10 Stunden nach der Geburt vergangen sind. Können die Fohlen nicht zum Saugen veranlasst werden, so nimmt die allgemeine Körperschwäche zu. Der Puls wird sehr frequent und klein. Nach 1 — 2 Tagen erliegen die Thiere durch Er­schöpfung. — In den weniger schweren Krankheitsgraden zeigen die neugeborenen Fohlen etwas Appetit zum Saugen und es gelingt dann bei aufmerksamer Haltung und Pflege in wenigen Tagen, die Leistung der Muskulatur so weit zu verbessern, dass die Thiere zunächst für kurze Zeit stehen und nach und nach sich vollständig er­holen. — Ziemlich häufig ist bei edlen Fohlen die krankhafte Schwäche in den Streck­muskeln der Gliedmassen (das Ueberköthen). Auch dieser Zustand führt, wenn die normale Stellung der Fesselgolenke an den betreffenden Gliedmassen durch Ver­bände oder Stützapparate nicht erzwungen wird, in Folge des anhaltenden Liegens zum Tode.
Die Prognose der Lebensschwäche bestimmt sich zwar nach dem Krankheits­grade , ist im Ganzen aber ungünstig. Selbst wenn durch sorgfältige Pflege und Unterstützung der Fohlen eine Besserung des Zustandes bewirkt wird, so bleibt noch zu beachten, dass die Thiere am 2.—5. Lebenstage leicht an einer infectiösen Nabel­venenentzündung erkranken (vergl. S. 323). — Die Behandlung der allgemeinen Körperschwäche kann nur in der sachgemässen Hülfeleistung beim Stehen und Saugen der neugeborenen Fohlen beruhen. Bei dem „Ueberköthenquot; lässt sich durch Gips­oder Wasserglasverbände und durch den von Friebel (cf. Adam's Wochenschr,, 1883, S. 461) empfohlenen Apparat oft die Heilung bewirken.
Capitel CXLIII.
Acute Degeneration der Skeletinusknlatur in Folge krankhafter
Ueberanstrengung.
Durch übermässig lange fortgesetzten Gebrauch der Pferde in schneller Gangart kann als lebensgefährliche oder tödtliche Krankheit eine allgemeine Degeneration der Skoletmuskcln eintreten. Besonders befinden sich Wagenpferde, die in den Glied­massen verbraucht oder wegen ihres Körperbaues zum Laufen nicht geeignet sind.
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Allgemeiner acuter Muskelrheumatismus. Rheumatismus muscularis acutus. 891
bei rücksichtslosen Ansprüchen in der Dienstleistung in der Gefahr dieser peracut verlaufenden Allgemeinkrankheit. Hierbei wird die Muskulatur mürbe, wie gekocht; sie erlangt theils in höherem, thcils in geringerem Grade eine hellere, gelbliche oder auch lehmfarbige Beschnffenlieit. Mikroskopisch finden sich albuminöse, wachsartige und fettige Entartungen in doni Parenchym. Die Pathogenese dieser Veränderungen ist auf die Anhäufung von Umsetzungsproducten (Ermüdungsstoffen) in der Muskel­substanz zurückzuführen, unter welchen wahrscheinlich Milchsäure und saures phos­phorsaures Kalium den hauptsächlichsten Einfluss ausüben. — Mit der Krankheits­entwickelung erlangt das Blut eine venöse Beschaffenheit. Das Herz erweitert sich; seine Substanz degenerirt. Die Lungen füllen sich mit dunklem Blut und gegen Ende des Lebens entsteht eine hämorrhagische Diathese.
Sjuiptomc mill Verlauf. Sobald die allgemeine Ermüdung bei der übermässig lange und unausgesetzt erzwungenen Arbeitsleistung einen krankhaft hohen Grad er­reicht, lassen auch die sonst lebhaften Pferde sich treiben. Schliesslich schleppen sich dieselben kaum über den Boden, bis die Kräfte vollständig erlahmen. Dann legt sich dasThier und versagt das Aufstehen. Pulsfrequenz bis 100 und darüber. Maxillar-puls schwach und klein, drahtförmig. Athmungsfrequenz bis 70 oder noch höher. Die Temperatur im Mastdarm habe ich nie festzustellen Gelegenheit gehabt. Die Kopfschleimliäuto sind goröthet. Starker Verfall der Kräfte im Habitus. — Die Athmungsinsufficienz nimmt in den schweren Fällen innerhalb 1—2 Stunden zu und die Thiere verenden per suffooationom. — Wenn die krankhafte Uebermüdung nur in massigem Grade besteht, so liegen die Thiere flach auf der Seite. Gegen die üblichen Antreibungsmittel sind sie unempfindlich. Sie erholen sich aber bei zweckmässiger Pflege in 1—2 Tagen.
Diagnose. Die Vorgeschichte des Falles hilft unter Berücksichtigung der Sym­ptome über die diagnostischen Zweifel hinweg. Sonst ist Rücksicht zu nehmen auf die acute Herzinsufficienz (vergl. S. 7C8), auf die frisch entstandene Hufrhehe und auf die acute Magen-Darmentzündung nach Erkältung (vergl. S. 827). Hinsichtlich der Unterscheidung von der Kreuzrhehe oder Windrhehe ist S. 475 eine Anleitung gegeben. — Die Prognose richtet sicli nach dem Grade der Uebermüdung (,,Ueber-treibungquot;) des Patienten. In der Regel enden die schweren Fälle tödtlich, während bei leichteren Graden Genesung eintritt. — Zur Behandlung ist die sorgfältigste Pflege mit möglichster Erleichterung der Respiration indicirt. Frische Luft. Abreiben der Haut mit Kampferspiritus oder Terpentinöl. Als Analepticum empfiehlt sich die Inhalation mit Ammoniaklösung; auch Aether mit Wasser zum Befeuchten der Zunge. Frisches Trinkwasser. Öefteres Umwenden und zweckmässige Lagerung auf trockener Streu.
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Capitel CXLIV.
Allgemeiner acuter Nuskelrlieumatismus. Rlieumatismus musciilaris acutus.
Unter dem Namen der „rheumatischen Krankheitenquot; wurde in der älteren Pathologie ganz dilTeretiten Vorgängen und Zuständen eine nosologischo Kinheit zu­gesprochen. Ich habe dies schon S. 450 mit einigen historisch-kritischen Bemerkungen
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892nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
erläutert. Einerseits galten die auf Erkältung zurückgeführton Entzündungen der serösen Häute, der Synovialapparate, der nervösen Organe, der elastischen Membranen und der Muskeln als rheumatische Krankheiten. Andererseits wurde mit der Be­zeichnung der symptomatische Begriff dos Schmerzes verbunden (ziehende, roissendo, stechende Schmorzomplindung). Obwohl der altüborlioforte „rhouniatisohe Charakterquot; in der Fathogoneso und Symptomatologio verschiedener Krankheiten auch gegenwärtig noch eine Kelle spielt und namentlich in der Terminologie nicht fallen gelassen wird, so ist doch die Trennung der sonst unter dem Namen dos „Rheumatismusquot; zusammen­gestellton Krankheiten scharf durchgeführt worden. Die Unterscheidung erstreckt sich zunächst auf den Gelenk- und Muskelrheumati smus. — Dor acute Ge­lenkrheumatismus (Polyarthritis rheumatica acuta) des Menschen (eine allgemeine Infectionskrankheit) wird bei Pferden nicht beobachtet. In der Literatur ist mehrfach bemerkt worden, dass diese Krankheit bei Pferden in seltenen Fällen auftrete. Da sich die kurzen Angaben einzelner Autoren nicht auf tlmtsächliche Fest­stellungen beziehen, so kann ich dieselben nicht für begründet erachten. Ich habe trotz aufmerksamer Verfolgung der Frage niemals eine Krankheit bei Pferden gesehen, welche als eine Analogie dos aouten Gelenkrheumatismus des Menschen zu deuten wäre. Demnach halte ich die Annahme für zutreffend, dass die Pferde dieser Krank­heit nicht unterworfen sind. Die bei septischen Infoctionen entstehende multiple Arthritis, die in einzelnen Fällen mit relativer Genesung der Pferde endet und dann eine Reihe von entzündlichen Veränderungen in den erkrankten Gelenkon zurücklässt, ist von dem Gelenkrheumatismus dos Menschen wesentlich verschieden.
Der acute Muskelrheumatismus dor Pferde entsteht als selbständige Krankheit nur in höchst seltenen Fällen. In der Regel stellt die Affection das erste Stadium der iiufrhehe dar. Für die Aetiologic ist in einer Erkältung das Hauptmotiv dor Krankheit anzunehmen. Prädisponirond wirkt der mastige Nährznstand. — Hinsicht­lich der Pathogcnesc fehlt es an ausreichenden Befunden. Mit Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, dass sich in Folge der Erkältung pathogene Stoffwechselproducte im Blute anhäufen, die eine reizende Wirkung auf die Muskelbiindel ausüben.
Symptome und Verlauf. Steife Haltung dos Körpers. Beschwerde beim Gehen und namentlich beim Aufstehen. Knackende Geräusche bei der Entlastung der Ge­lenke. Starke Spannung der Rumpfmuskeln. Pulsfrequenz bis auf GO und darüber; Athmungsbeschlounigung auf '60—40 in der Minute. Fiobortemperatur von 39,5 bis 40,5. Röthung der Kopfschleimhäate. — üie Erscheinungen entwickeln sich inner­halb 1—2 Tage. Meist sind die Pferde am Abend aus der Dienstleistung gesund in den Stall gekommen und am anderen Morgen ist die Krankheit augenfällig. — Der Verlauf des aouten Muskelrheumatismus vollendet sich in wonigen Tagen. Aber nur in seltenen Fällen genesen die Pferde von demselben direct. Fast immer stellen sich am 2.—3. Tage die Symptome der Iiufrhehe ein, deren Erörterung in die chirurgische Pathologie fällt. — Diagnose. Bei der Feststellung der Krankheit ist vorwaltend das ätiologische Verhällniss zur Hufrheho zu berücksichtigen. Uie Krankheit kann ausser-dem mit der Brustseuche, der rheumatischen Brustfellentzündung (S. 7G0) und dem in der ersten Ausbildung befindlichen Tetanus; forner mit der krankhafter Uebor-müdung steifer resp. in den Gliedmassen abgenutzter Pferde; mit solchen schmerz­haften Lahmheiten, die gleichzeitig an 2 oder 3 Gliedmassen bestehen; endlich mit langsam maturirenden Abscessen der Leistengegend verwechselt werden. — Die Pro­gnose erfordert mit Rücksicht auf die gewöhnliche Verbindung der Krankheit mit Hufrheho eine grosso Vorsicht. Abgesehen hiervon mindert sich die Affection bei
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Progressive Pseudohypertrophio der Skeletmuskeln bei Pferden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;893
zweckmässiger Behandlung der Patienten nach wenigen Tagen und krankhafte Folgen bleiben in der Muskulatur nicht /.urück. Tiicrapie. Vorlheillmft ist die möglichst frühzeitige Application einer ergiebigen Vonäseotion. Entziehung des Kraftfutters. Zur innerlichen Medication Pilocdrplnum liydroohlor. in subcutaner Injection. Auch Tart. stib. (8,0—10,0) mit Natr. sulfur. (500,0) pro die in Latwergen form ist an­gezeigt. — Nicht zu verabsäumen ist die sofortige Behandlung der Hufe gegenüber der Gefahr der Rheho, selbst wenn nocli keine Pulsation der Sclüonbeinarterien und Schmorzempfindung sich bemeiklich machen.
Capitel CXLV. Progressive Pseudoliy(icrtro|gt;liie der Skeletinuskeln bei Pferden.
Als „fibroide Psoudohyportrophiequot; hat Pütz (Virchow's Archiv, Bd. 109, S. 144) eine chronische interstitiolle Biiidegewobsvvuchorung der Skelet-muskeln von einem füiifjiihrigi'ii Wallach beschrieben. Das l'ferd hatte seit ti Monaten auf der rechten und zuletzt auch auf der linken Vordergliedmasse eine Lahmheit unter dem Bilde einer unvollkommenen Lähmung mehrerer Muskelgruppon bekundet. Im Gcsammtbofmden war sonst keine Störung- aufgetreten. Bei der Section fand sich — mit Ausnahme der Gesiissmuskeln und der meisten Muskeln an den Unterschenkeln — die Körpermuskulatur theils in höherem, theils in geringerem Grade gelblich ge­färbt und vergrössort, von weisslichon Concretionen durchsetzt. Rabe, welcher einzelne Stücke der kranken Muskeln untersuchte, bemerkte, dass das gewucherte Bindegewebe zahlreiche kleine Herde enthalten habe, die aus verkalktem Detritus be­standen und auf untergegangene Muskelparasiten zurückzuführen seien. Johne er­klärte in gleicher Bourthoilung der Befunde, dass die Muskelerkrankung in einer chronischen interstiliollon Myositis, hervorgerufen durch Mieschor'sche Schläuche, bestanden habe.
Gleichgeartete Degenerationen der Muskulatur fand Sledamgrotzky (Adam's Wochenschr., 1872) bei einem alten Auatomiepferdo in mehreren Muskeln der Glied­massen. Fast die ganze Körpermuskulatur des Pferdes war in mehr oder minder hohem Grade von Miescher'sehen Schläuchen durchsetzt.
Die vorgedachte chronische Degeneration der Muskulatur hat mehr ein patho­logisch-anatomisches, als ein klinisches Interesse. Für die Therapie bietet sich bei derselben kein Erfolg. Auch in prophylaktischer Hinsicht liisst sich Nichts gegen dieselbe thun. — Ueber die biologische Entwickelung der als ,,Miescher'scho Schläuchequot; bezeichneten Muskelparasiten, die zu den „Sarkosporidienquot; gerechnet worden, ist ein sicherer Aufschluss nicht geliefert. Man nimmt an, dass dieselben mit den Futterstoffen in den Thiorkörper gelangen. Sie finden sich bei Herbivorennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,
und Omnivoren, scheinen aber bei Pferden, bei welchen sie im höheren Alter regel-
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mässlg nachgewiesen werden können, nur sehr selten zu erheblichen Muskeldegenera-tionon Veranlassung zu geben.
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894-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organliranltheiten.
Capitel CXLVI. IÜ i s b a 1 1 e u.
Den aus der Volkssprache in einzelnen Gegenden der Provinz Hannover hervor­gegangenen Krankheitsnamen der „Eishallenquot; hat Günther (ßeurtheilnngslehre, 1859 und Myologie, 1866) zur Bezeichnung einer chronischen Muskeldegeneration ver-werthet, welche bei edlen Pferden im jugendlichen Alter (vom 1.—3. Lebensjahre) beobachtet wird. Das Leiden, welches in Hannover und Mecklenburg nicht selten ist, äussert sich durch Anschwollungen in den Muskeln der Hinterschonkel und verbreitet sich in den höheren Graden auch auf die Muskeln des Beckens und Rückens. Wenn die Fohlen ruhig stehen, so sind die kranken Muskeln weich. Beim Schnellen mit dem Finger gegen die Haut der kranken Partie oder bei plötzlicher Aufregung der Patienten contrahiren sich die Muskeln, so dass die Vergrössorung derselben leicht erkennbar wird. Im weiteren Verlaufe senkt sich das Becken; die Hintergliedmassen erlangen eine säbelbeinige Stellung und die Pferde bleiben in der Gesammtentwicke-lung des Körpers zurück. — Den anatomischen Befund hat Günther dahin ange­geben, dass die degenerirte Muskelsubstanz grauroth, stellenweise durchscheinend ist und wie frisches Fischfloisch aussieht. Er betrachtet das Leiden als eine eigen­artige Muskelerkrankung. Dies ist ohne Zweifel zutroflend. Aber bisher wurde die Pathogenese nicht näher aufgeklärt. Ich habe mehrere mit Eisballen behaftete junge Fohlen zu beobachten Gelegenheit gehabt. AulTallend ist, dass sich das Leiden stets in den correspondirenden Muskeln beider Schenkel und Beckenhälften, wenngleich nicht immer in demselben Grade ausbildet. Diese Thatsache spricht nicht für die von Gerlach aufgestellte Vermuthung, dass die Erkrankung parasitären Ursprungs ist resp. durch Psorospermien bedingt wird.
Die Eisballenkrankheit gestaltet sich dem Grade nach verschieden, beschränkt aber stets das Wachsthum und die Leistung der Thiere. In den höheren Graden werden die Pferde worthies. Von einer curativon Behandlung ist ein Erfolg nicht zu erwarten.
Capitel CXLVII. Entzündung und Retraction der Fascieiii
Die Fascien (Muskelbinden) gehören mit ihren die Muskelpartien durchsetzenden Scheidewänden zur Skeletmuskulatur, obschon ihre physiologische Leistung sich noch nicht mit der Thatsache erschöpft, dass sie die Wirkung der Muskeln unterstützen. Auch die Circulation des Blutes und der Lymphe wird durch die Fascien begünstigt.
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Entzündung und Retraction der Fascien.
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Daneben haben sie vielfach, namentlich an den Gliedmassen, die Wirkung von Hem­mungsbändern. — Den abnoiiuon und krankhaften Zuständen der Fascien bei Pferden ist bisher in der thierärztlichen Literatur nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet worden. Da ihre Darstellung vorwiegend in das Gebiet der chirurgischen Pathologie fällt, so kann ich hier nur mit einer kurzen Uebersicht auf dieselben zurückkommen. Wie ich in meiner Abhandlung über den Spat (Berlin, 1875, S. 1G5(T.) und ferner in dem Aufsatze „über den Hahnentritt und einige andere fehlerhafte Zustände der Fascienquot; (Adam's Wochenschr., 1883, S. 353) erläutert habe, liegen dem „Hahnentrittquot; des Pferdes; ferner der rheumatischen Schulterlahmheit; der krank­haften Kreuzschwäche; der Breitstollung (Auseinanderstellung) der Unterschenkel und der als „Stroukrampfquot; bezeichneten Bewogungs-Anomalie der Hinterschonkel chronische Entzündungszustände und Verkür­zungen der Fascien zu Grunde. Das „Hängen in die Kniequot; an den Vordorgliod-massen wird, soweit diese fehlerhafte Slellung durch anstrengenden Gebrauch herbei­geführt ist, durch eine Verdickung und Retraction der an der hinteren Fläche der Carpalgelenke liegenden Fascie verursacht.
Von den vorbezeichneten Krankheitszuständen der Muskolbinden hat für ein Lehrbuch der speciellon Pathologie das meiste Interesse:
Die Kreuzschwache. Unvollständige rheumatische Lähmung des Kreuzes. Paraplegia muscularis incompleta. Chronische
Kreuzlähmung.
Pferde jeden Alters können von der krankhaften Kreuzschwäche befallen worden. Dieselbe beruht in einer entzündlichen Reizung und Verkürzung der Fascien und der von ihnen ausgehenden Scheidewände in der Muskulatur des Beckens, und zwar vor­zugsweise der Gesäss- oder Kruppenmuskeln, zum Theil auch der Londonmuskoln. Vielfach wird die Affection in der Literatur und mehr noch in der thierärztlichen Praxis als eine unvollständige Lähmung des Rückenmarks gedeutet. Indoss spricht sowohl der Symptomenoomplex, wie der Sectionsbefund gegen diese Theorie. Man findet in den theilweise ausser Function gestellten Muskeln nicht die Degeneration, welche die Paralyse der motorischen Nerven regelmässig erzeugt. Andererseits be­kunden die an der rheumatischen Kreuzlähmung frisch erkrankten odor seit Wochen und Monaten mit derselben (der chronischen Kreuzlähmung) behafteten Pferde in ihrem Gange dasselbe Verhallen, welches die an Thrombose und unvollständiger Obliteration der hinteren Aorta oder der Beckenarterien leidenden Pferde bei einer Anstrengung zeigen. Dass aber die letztgedachte Bewegungsanomalie auf einer Muskollähmung beruht, ist unbestreitbar. Ich meine daher, dass die Ueboreinstim-raung dor Symptome beider Krankheiten in Verbindung mit dem Nichtbestehen einer Verfettung und Atrophie der Muskeln die Annahme unterstützt, dass die chronische rheumatische Kreuzlähmung der Pferde auf einer selbständigen Entzündung der Fascien und Muskeln des Kreuzes beruht.
Die Aetiologie ist nicht vollständig aufgeklärt. Nach vielfachen Beobachtungen bin ich der Ansicht, dass einerseits die übermässige Anstrengung und Deh­nung der Fascien und andererseits die locale Refrigeration der liockon-muskulatur das Leiden zur Entstehung bringen kann. In einzelnen Fällen habe ich' auch gesehen, dass die Affection bei protrahirtem Verlauf der Druse und bei
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Organkrankhoiten.
anderen Allgomeinkrankheiten plötzlich auftrat. Möglich mag os daher sein, dass die entzündliche Reizung der hier gedachten l'ascicu auch auf hämatogenem Wego hervor­gerufen werden kann. — Der übermiissigen Ausdehnung der Fascien, welche dem „Hexenschussquot; — Lumbago rheumatica — dos Menschen zu vergleichen ist, sind Reitpferde am meisten unterworfen. Durch Erkältung kommt dagegen die rheu­matische Kreuzschwäche oft bei Wagen- und Arbeitspferden, sowie bei Fohlen nach ungewohnten Transporten an heissen Tagen zur Ausbildung.
Symptoine und Verlauf. Die Krankheit entsteht fast plötzlich. Die Pferde, welche bisher sich in normaler Haltung bewegt haben, können momentan, oder nach­dem sie kurze Zeit gestanden haben, nur mit Anstrengung und unter Schmorzempfin-dung in der Beckenmuskulatur gehen. Den Thieren fehlt die Fähigkeit, die Hinter­schenkel im Gange sicher und fest auf den Boden zu stützen. Der Rücken wird fest­gestellt, das Becken etwas gesenkt gehalten. Schwanken nach beiden Seiten im Schritt, oft mit einem Hinterschenkol stärker, als mit dem anderen. Beim Stehen be­lasten die Patienten die hinteren Gliedmassen meist vollständig. Aber beim Angehen und bei der weiteren Bewegung ist die Streckwirkung der Gesässmuskeln unvoll­ständig, Namentlich fehlt den Pferden beim Umdrehen die Fähigkeit, das Körper­gewicht auf einem llinterfusse sicher zu tragen. — Nur in der Minderzahl der Fälle verliert sich die Störung nach wenigen Tagen oder in 1—2 Wochen. Die meisten Pferde bleiben mit der krankhaften Kreuzschwächo für immer behaftet. Doch lassen sich dieselben zur langsamen Arbeit in der Schrittbewegung oft noch sehr gut be­nutzen Bei Fohlen habe ich in einzelnen Fällen beobachtet, dass der Zustand sich im Laufe von 4 Wochen verschlimmerte, so dass die Thiere nicht mehr stehen konnten und deshalb zu Grunde gingen. — Die Itcliaiitllung ist lediglich eine chirurgische. Vortheilhaft ist das anhaltende Bedecken der Kruppenmuskeln mit warmer Kleie oder mit erwärmtem Sand, der in einem Beutel aufgelegt wird; ferner eine scharfe Ein­reibung (Collodium cantharidum oder Oleum Crotonis mit Oleum Tereb. (30 Tropfen auf 100 Gramm). Mehrere Male bediente ich mich der Acupunktur mit gutem Erfolg. Oft erweist sich aber jedes Heilverfahren nutzlos. Einige Besserung des Gangwerks ist durch kräftige Ernährung der Pferde und zweckmässigen Hufbeschlag zu erreichen.
I, Hautkrankheiten.
Capitel CXLVIII. Spontane Blutung der Haut. Blutschwitzen.
Die Hautblutungen, welche in Verbindung mit allgemeinen Krankheiten oder bei Verwundungen und Ulcerationen der Haut auftreten, können hier nicht berücksichtigt werden. Eine spontane Blutung (Blutschwitzen) an einzelnen Stellen der Haut findet sich bei edlen, namentlich den orientalischen und den in der Descendenz denselben nahestehenden russischen Pferden nicht selten. Irrthümlich war die ältere Ansteht,
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Ausfallon des Decklianrs und Verlust des llaulpigmenls.
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dass die Blutung eine kritische Bedeutung habe und vor dem Ausbruch einer Krank­heit schützen könne. Am moisten habe ich das Blutschwitzon der Pferde an der Schulter beobachtet. Es kann aber auch am Rippenkörper und am Halso vorkommen. Dor Blutaustritt erfolgt entweder an einzelnen Blinkten oder an zahlreichen Stellen in dorn Umfange von 2 Haudfläclion aus der Haut. Im Sommor ist die Hämorrhagie häufiger, als im Winter. — Das Blut rinnt tropfenweise oder in einem dünnen Strahl auf der Haut herab. An der Stelle, wo es hervorquillt, liegt ein erbson- bis bolmon-grosses Knötchen (hämorrhagisoher Infarct) in der Haut. — Die Affection scheint auf einer localen vasomotorischen Neurose zu beruhon. Die l'roguose ist günstig. Zur BcliitiKllung braucht den Pferden nur während eines Tages Ruhe gegeben zu werden. Bei stärkerer Blutung sind Waschungen mit styptischen Mitteln (Bleizucker­lösung) angezeigt.
Capitel CXLIX. Ausfallen des Deckhaars und Verlust des Hautpigmentes.
1)nbsp; nbsp;In der allgomeinon Diagnostik S. 18 ist schon bemerkt worden, dass der vollständige Mangel des Deckhaars und das Ausfallen dessclbon (Alopecia) über grössere Flächen des Körpers bei Pferden nur sehr selten beobachtet werden. Nau­mann (Pferdewissensch., 2. Aufl.) 1815), welohor ein Pferd untersuchte, bei dem das Ueckhaar fast vollständig fehlte, war der irrthümlichon Ansicht, dass dasselbe einer im mittleren Asien vorkommenden besonderen Varietät — Equus Caballus pilis carens __ angehöre. Das Auftreten einer derartigen Alopecio ist vielmehr auf eine ange­borene Aplasie der Haarpapillen und Haarbälge ziirückzufiibren. Ueber die Ursachen derselben lüsst sich aber nichts Bestimmtos aussagen.
Das abnorme Ausgehen des Deckhaares über grüssero llautabschnitte kommt nur ganz vereinzelt im Convalescenzstadium nach schworen fieberhaften Krankheiten vor. Schon nach wenigen Wochen findet ein vollständiger Ersatz desselben statt. — Häufiger ist der spontane Verlust eines grösseren Theils des Schweif- oder Mähne­haars. Das bedingende Moment diosor Erscheinung liegt in einer Atrophie der Haar­zwiebel. Hinsichtlich der Diagnose sind indess die Pällo auszuscheiden, bei welchen durch Reiben und Scheuern das Schweif- oder Mähnehaar tlieilweise verloren geht und in Folge der oborfiächlichen Dermatitis ein Theil der Haaizwiebeln produetions-unfähig wird. — Soweit es auf die nach Krankheiton entstehende partielle Alopecie der allgemeinen Docte ankommt, ist die Prognose günstig. Dagegen lässt sich bei dem partiellen Verlust dos Schweif- odor Mähnenhaars ein vollständiger Ersatz des­selben gewöhnlich nicht wieder herbeiführen. — Tliei'a|)ie. Reinigung der Haut mit 0,5proc. Kalilauge oder mit angebrüllter Kleie. Waschung mit Spiritus oder mit einem dünnen Üecoctuin Corticis Quercus,
2)nbsp; nbsp;Aus unbekannten Ursachen verliert sich bei Pferden nicht selten diePigmenti-rung der Haut und der Haare an den Lippen und den Nasonoingiingen, sowie am unteren Ende des Gesichts; ferner am After, bei Stuten auch an dor Scham und ond-
Dlockerhoff, Spec. Pntliologic u. Tlwruplo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;57
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898nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkran kheiton.
lieh in seltenen Fällen an kleinen Partien der Pleisohkrono, so dass die Hufe in ein­zelnen Streifen eine lichte oder grauweisse Färbung erlangen. Die Anomalie kommt namentlich bei edlen Pferden vor. An sich ist dieselbe unerheblich. Aber die Re­production des Hautpigments lässt sich nicht ermöglichen.
Capitel CL. Schiniitzflcclitt;. Klcicnflechtc. Pityriasis simplex.
Die Absonderung ücr Talgdrüsen ist bei Pferden, die im Nährzustande sehr zurückgehen, gering, üloiben die Thiore monatelang sehr mager, so wird die Epider­mis brüchig und trocken. Da sich die Haut vielfach dehnt und verzieht, so ont-stohon Einrisse der Oberhaut, so dass sich kleine und grössere Schüppchen bilden, welche die Haut bedecken. Bei den in der Ernährung vernachlässigten Pferden, namentlich bei allen Thieren, wird gewöhnlich auch die Haut gar nicht, oder nur sehr mangelhaft gereinigt, wodurch die durch Anhäufung dor Epidermis schon ver-anlassto juckende Empfindung sich steigert. Bei dem heftigen Scheuern wird die Haut auf grössere Flächen des Deckhaars entkleidet, — Der Ausschlag kann am ganzen Körper vorkommen, tritt aber vorwaltend am Halse und am Thorax auf. — Die Prognose ist davon abhängig zu machen, ob das betroffonde Pferd nach seinem sonstigen Gesundheitszustände und nach den Verhältnissen des Besitzers reichlich und zweckmässig ernährt werden kann. Im Uebrigen ist die AlTeotion der Haut an sich nicht von erheblicher Bedeutung. In der Winterzeit kann aber die Ernährung abgemagerter Pferde nicht so leicht verbessert werden, wie in den Frühjahrs- und Sommermonaten. — Therapie. Reinigung und Pflege der Haut und Verabreichung leicht verdaulicher und gesunder Futterstoffe in genügender Menge.
Capitel CLI. Ilantjncken. Pruritus.
1) Ohne nachweisbare Veränderungen in der Haut kommt bei Pferden zuweilen ein über grössere Partien der Körpordocke verbreiteter Juckreiz zur Ausbildung (Pru­ritus cutaneus universalis), Die juckende Empfindung wird vorwaltend durch das oft wiederholte Scheuern und Bewegen der Haut unterhalten. Von wesentlichem Einfluss ist ferner die mangelhafte Reinigung der Haut. Inwieweit die Ernährung der Tlüere mit aussorgewöhnlichon FuttorstofTen(Mais, Wicken, Klee) eine ätiologische Beziehung zum Prnritus hat, ist nicht mit Sicherheit entschieden. Man findet das
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Sclnvindflechto. Liehen.
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Hautleiden aber am meisten bei gut genährten Thioren. — I.)ie Syinptome bekunden sich durch Scheuern und Reiben. An den affleirton Partien fallen die Ilaare aus und auf der Haut entstehen ganz kleine Knötchen, die sich später mit einem Schorf be­decken. — Bei der Uinguose ist auf die Räude (of. S. 536) und auf die durch Läuse (cf. S. 542) bedingte juckende Empfindung eine besondere Rücksicht zu nehmen. Wenn beim Hautjucken durch starkes Scheuern die Haut blutrünstig wird und sich deshalb mit Krusten bedeckt, so kann die Diagnose schwierig sein. Der Regel nach ist aber der Juckreiz viel geringer, als bei dem Schmarotzerthum thierischer Parasiten, Von den anderen mit starkem Juckreiz verbundenen Hautleiden ist der allgemeine Pruritus leicht zu unterscheiden. — Die Prognose bestimmt sich dahin, dass das Leiden an sich hartnäckig ist, aber eine Gefahr für das Leben des Thieres nicht mit sich bringt. Die Behandlung wird zweckmässig mit täglichen Waschungen von Creolinlösung (5,0 : 100,0 Wasser) oder Carbolwasser oder 0,5proc. Sublimatlösung bewirkt. In hartnäckigen Fällen erweist sich die anhaltende innere Medication mit Arsenik zuweilen vortheilhaft. Versucht wird ferner oft die Aonderung der Ernährung, namentlich die Verabreichung von zuckerhaltigen Stoffen und Grünfutter.
2) Das örtliche Hautjucken (Pruritus localis) kommt bei Pferden sehr oft an der Sclnveifrübe (Schweifjucken) oder am Grunde der Mähne (Mähnen-juoken) und am Schöpfe vor. Für die Aetiologie ist die mangelhafte Pflege der Haut an den benannten Regionen als der wichtigste Factor zu betrachten. Wenn einmal der Juckreiz besteht, so erhält sich derselbe schon als Effect des anhaltenden Scheuerns und Reibens der afficirton Theile dauernd, Dabei wird das Schweif- resp. Mähnonhaar theilweise oder fast vollständig abrasirt. Zuweilen kommt auch eine seröse Exsudation und die Bildung von Schrunden auf der durch das Scheuern irri-tirten Haut zu Stande. In diesem Grade wird dio Affection vielfach als „Grindquot; (Mähnen- resp. Schweifgrind) bezeichnet. Die Haarproduction geht dabei zum Theil verloren (llattenschweif). — Als Schönheitsfehler gestaltet sich der locale Pruritus bei Pferden meist ungünstig. Nur selten und Im Beginn der Krankheit ist der krankhafte Juckreiz vollständig und ohne Zurücklassung eines unersetzbaren Ver­lustes des Schweif- oder Mähnenhaars zu heilen. Wenn erst ein grosser Theil der Haare ausgegangen ist, so lässt sich der Ersatz desselben nicht mehr vollständig er­reichen. Dass hierdurch der Luxusworth der Pferde sich verringert, ergiebt sich von selbst. — Zur Bchaii*lliiiig sind neben der sorgfältigen Reinigung Waschungen mit den gegen den allgemeinen Pruritus empfohlenen Medicamenton angezeigt. Auch Spiritus oder verdünnter Salmiakgeist und nachfolgende Einreibung mit Lanolin-salbo oder Glycerin erweisen sich nützlich.
Capitel CL1I. Scliniiidflechtc. Liehen.
Kleine Hautknötchen mit Abstossung des Haars und Bildung kahler Flecke, an welchen sich die Epidermis abschilfert, stellen die Schwindflechte dar. Die Affection kommt nicht selten am Halse oder Kopfe vor. Zuweilen bedecken sich die
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900nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkranliliciten.
FJecke.mit einem zähen, eiweissroichen Secret. Daneben bekunden die Pferde Juck­reiz. Die Dauer dieses Exanthems erstreckt sich gewöhnlich auf 4—6 Wochen. Dann erfolgt die vollständige Abheilung mit Ersatz des Haars. Zur Cur empfiehlt sich eine 0,5proc. Lösung von Sublimat, mit welcher die Flecke und ihre nächste Umgebung-täglich zweimal zu waschen sind. Auch Hydrarg. oxydat. rubrum mit Adops (1 : 10) als Einreibung kann die schnellere Heilung des Exanthems bewirken.
Capitel CLIII. Hitzknötchen.
Als Hitzknötchen (IIitzpocken, Hitzausschlag, Sommerräudo) wird bei Pferden ein Hautausschlag bezeichnet, der unter dem Einflüsse der höheren Tem­peratur im Sommer auftritt und im Herbst wieder abheilt. Viele Pferde incliniren zu dor Affection in so hohem Grade, dass sie regelmässig von derselben befallen werden. Während des Winters bleibt die Haut gesund und mit vollem Haarkleid be­setzt. Aber im folgenden Sommer wiederholt sich der Ausschlag. Vorzugsweise werden die Bnistwandungcn beider Seiten und der Hals betroffen. — In den Haar-bnlgen und ihrer Umgebung entstehen erbsen- bis bohnengrosse, kegelförmige Knöt-chen, welche nach einigen Wochen abschilfern und eine haarlose Stelle zurücklassen. Meist sitzen die Knötchen in kleinen oder grösseren Gruppen dicht zusammen. Zu­weilen kommt das Exanthcm aber gleichmässig vertheilt über grössero Hautflächen vor. Nach Abheilung der Knötchen treten in der Nachbarschaft neue hervor. Bei heftiger Eruption bildet sich in denselben Eiter (Pusteln), so dass auf der Spitze später ein Schorf entsteht, unter welchem die Abheilung erfolgt. — Die Bedeutung der Hitzknötchen liegt in der theilweisen Enthaarung der erkrankten Partien und in der Wiederkehr des Ausschlags im Sommer. Derselbe lässt sich auch während der heisson Jahreszeit bei den Gebrauchspferden nicht vollständig beseitigen. — Die Dia­gnose ist leicht. Von der Räude unterscheidet sich das Leiden schon durch das er­heblich geringere Juckgefühl und die Gleichmässigkeit der Knötchenbildung. — Zur dir sind Waschungen mit 0,5proc. Kalilauge und dünne Einreibungen von Glycerin oder Lanolinsalbo angezeigt. Vielfach wird Carbolwasser benutzt. Im Ganzer ist aber bei jeder Behandlung der Erfolg nur ein palliativer. Im September oder October verliert sich die Hautallection von selbst.
Mit den Hitzknötchen stimmt der einfache Knotenausschlag (früher als Tuberkelausschlag bezeichnet) in den wesentlichsten pathologisch-anatomischen Zu­ständen iiberein. Derselbe beruht auf einer Entzündung und Infiltration der Haut in der Umgebung der Talgdrüsen. Man beobachtet das Leiden im Sommer und im Winter. Vorwaltend ist dio Haut am Kopf, Hals und Rücken demselben unterworfen. — Die Prognose kann stets günstig gestellt werden. Nach 5—6 Wochen erlangt die Haut ihre normale Beschaffenheit zurück. Aussor der Reinigung und Pflege der Haut sind Mittel nicht erforderlich.
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Intertrigo.
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Lästiger ist die durch Sattel- oder Gösch irr Jiuck bod in gte lino to hen-bildurig in dor Flaut. Einzelne Reitpferde werden nach dem anstrengenden, zum Schweissausbmch führenden Gebrauche durch den Druck des Sattels resp. der Sattel­decke mit flachen haselnuss- bis wallnussgrossen Knötchen behaftet, die sich derb anfühlen und bei der weiteren Verwendung der Reitpferde leicht zu bedeutenden ent­zündlichen Veränderungen der Haut (Druckschaden) Veranlassung geben. Die AfTec-tion wird vielfach mit dem empirischen Namen der „Sattelräudequot; bezeichnet. Da der Druck auf die Haut sich im Reitdienste der Pferde nicht vermeiden lässt und doch die Eruption der Knötchen hei den betrolTenden Reitpferden kaum zu verhindern ist, so wird das Leiden sehr gefürchtet. — Zur Behandlung ist die öftere Waschung der Haut mit kaltem Wasser oder mit gleichen Thoilon Wasser und Spiritus und die Einreibung der Knoten mit Glycerin zu versuchen. Nützlich ist ferner die Application dicker und weicher Satteldecken beim Gebrauche der Pferde.
Die in der Lage des Kummts oder des Sielengeschirrs durch Druck hervorgerufenen Hautknötchen sind nach dem gleichen Gesichtspunkte zu be-urtheilen und zu behandeln. Da sich aber der Druck des Geschirrs leichter abändern lässt, als die Hautcompression durch den Reitsattel, so ist dieser Knötchenausschlag im Ganzen von geringerer Bedeutung.
In der Geschirrlago, mitunter aber auch an anderen Regionen findet sich in ver­einzelten Fällen die Eruption von haselnuss - bis wallnussgrossen Knoten der Haut, welche zur Eiterung tondiren und meist auch in dem benachbarten subeutanen Ge­webe, sowie in den Lymphgefässen eine heftige Kntzündung zur Folge haben (Furun-culosis). Das Leiden, welches gewöhnlich sehr lästig ist und die Anwendung warmer Fomentationen erforderlich macht, fällt in das Gebiet der chirurgischen Pathologie.
Capitel CLIV. Intertrigo.
An den Regionen der Gliedmassen, an welchen die Haut durch die Strockung und Beugung der Gelenke verschoben und gerieben wird (in der Köthe, der Sprung­gelenkbeuge und an der hinteren Fläche der Vorderfusswurzel), ferner im Spalt unter dem Schambein, wo die Hautflächen beider Hintorschenkel nahe mit einander in Be­rührung stehen — tritt zuweilen eine Hautentzündung ein, die sich im weiteren Ver­laufe sehr hartnäckig gestalten kann. Ein Theil der hier gedachten Krankheitsfälle findet seine Ursache in leichten Verletzungen oder in der Verunreinigung durch feuchte Erde, welche nach dem Trocknen fest mit der Haut verklebt resp. nach der Be­schmutzung und ungenügenden Reinigung der Haut. Oft entsteht aber das Leiden ohne erhebliche Mitwirkung äusserer Einflüsse in Folge von inneren Ursachen, welche die gesammte Ernährung des Körpers nachtheilig beeinflussen. So beobachtet man namentlich bei Pferden, die an Katarrhen der Respirationsorgane leiden oder Allge­meinkrankheiten mit Schwellung der Gliodmassen überstanden haben, dass in der
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902nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Köthe einer oder gleichzeitig mehrerer Gliednmssen sich eine trockene oder niissende Hautentzündung hervorthut.
Wenn die Dermatitis sich auf einem niederen Grade erhält und im Wesentlichen nur durch leichte, oberflächliche Schwellung der Haut und Absohilferung der Epider­mis sich charakterisirt, so wird sie als „Erythemquot; (Erythema Intertrigo) be­zeichnet. Kommt es dagegen zur Exsudation von Flüssigkeit auf der entzündeten Haut, wobei stets die Epidermis stellenweise abgestossen wird, so erlangt die Affec­tion die Eigenschaft des „Ekzemsquot; (Ekzema Intertrigo). Soweit die hier ge­dachte Dermatitis in der Köthe oder an der hinteren Fläche des Fesseis bei Pferden vorkommt, wird sie in der praktischen Thierarzneikunde-der „Maukequot; zugerechnet. — Die an der vorderen Fläche des Tarsalgolenks und an der hinteren Fläche des Carpalgelenks zuweilen entstehende Intertrigo wird nach einer aus dem Mittelalter stammenden Nomination als „Raspequot; bezeichnet.
Da die Reibung der Haut an den gedachten Körperstellen sich bei der Bewe­gung der Gliedmassen fortwährend wiederholt, so ist die Alfection immer von erheb­licher Bedeutung. Sehr leicht entwickelt sich aus der nässenden eine eiterige Derma­titis mit üppiger Granulation. Dann bildet sich im Verlaufe von mehreren Wochen eine starke bindegewebige, meist unebene und höckerige Verdickung, bevor die Ent­zündung sistirt. Die Narben sind unförmlich (schwielig) und oft bleibt zugleich eine steile Stellung der Gliedmassen zurück. Am schwierigsten ist die Intertrigo in der Sprunggelerikbeuge und im Spalt unter dem Schambein zu heilen. Im Uebrigen er­klärt sich leicht, dass die Aussicht auf Erfolg der Gur bei dem Erythem günstiger liegt, als beim Ekzem und der granulirenden Dermatitis.
Die Rehauilliing erfordert im Wesentlichen nur die Anwendung chirurgischer Mittel. Warme Bähungen mit angebrüllter Kleie oder Heusamen und Schleim. Waschungen mit Burow'scher Lösung; Einreibung von Glycerin oder reizmildernden Salben. — Bei der ekzematösen Dermatitis leistet mitunter die Application eines Fontanells vor der Brust, welches 10—14 Tage in Eiterung gehalten wird, vortreff­liche Dienste.
Capitel CLV. E r y t h e in a.
lieber grössere Hautstellen verbreitete einfache Reizungszustände mit Blutfülle in der Haut und Verdickung oder Abstossung der Epidermis führen den Namen der Erytheme. Dieselben treten nicht selten in Verbindung mit anderen Exanthemen oder mit Verwundungen und nach reizenden Einreibungen auf (Erythema symptomati-cum), weniger oft als eine selbständige Hautkrankheit (Erythema idiopathicum). An den meisten Körperstellen bildet sich eine diffuse Röthung der Haut, der Papillar-körper erfährt eine geringe Schwellung und nach einigen Tagen löst sich die Epider­mis in Schiippchen oder grössoren Flächen. Bei den moisten Pferden ist wegen der Pigmentirung der Haut die Köthe nicht wahrzunehmen. In den schwereren Fällen
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Ekzema.
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verdickt sich die Haut in dor äussersten Schicht, die poigamontarlig hart wird, worauf nach 10—14 Tagen vielfache Einrisse in derselben entstehen. Die Abstossung der mortiücirten Schicht erfolgt ganz allmälig und zuweilen bleiben haarlose Stellen zurück.
Die Aetiologie des idiopathischen Erythems ist nicht festgestellt. Vermuthlich können im Futter toxische Stoffe enthalten sein, welche auf hämatogenem Wege in die Haut gelangen und die Affection herbeiführen. Man beschuldigt in dieser Hinsicht am meisten befallenen Klee und Wicken. Dass durch den Genuss von Buchweizen­futter auch bei Pferden das vorbeschriebene Erythem (Buchweizenausschlag) an den meisten Körperstellen zur Ausbildung kommt, habe ich nicht beobachtet. In der Literatur findet sich vielfach die Angabe, dass die meisten Abzeichen an den Glied­massen und am Kopfe bei Pferden aus dieser Ursache erkranken sollen. Die Prugnusc ist günstig und die Bchiuiiniing kann auf warme Bähungen der kranken Partien und auf die Einreibung von Glycerin oder milden Fetten beschränkt werden.
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Capitel CLVI. Rk/ema.
Seitdem Hebra den begrifflichen Umfang des Ekzems erweitert hat, werden demselben die wichtigsten exsudativen Hautausschläge zugerechnet. Indess darf hierbei nicht übersehen werden, dass die Aetiologie dieser Exantheme keine Einheit darstellt. Im anatomischen Sinne bedeutet das Ekzem eine Dermatitis mit Aus­schwitzung einer zähen Feuchtigkeit auf die Oberfläche der Haut („Nässende Flechtequot;). Zuweilen scheidet sich Serum in kloinen Bläschen aus (Ekzema vesi-culosum). Meist entstehen kleine Knötchen (Ekzema papulatum) oder Pusteln (Ekzema pustules um). In anderen Fällen bedeckt sich die Haut mit Schuppen (Ekzema squamosum) oder mit Schorfen (Ekzema crustosum). — Wie beim Erythem, so sind auch beim Ekzem symptomatische und idiopathische Formen zu unterscheiden. Aber die als idiopathische Ekzeme zu betrachtenden Ausschläge sind hinsichtlich der Aetiologie und Pathogenese sehr verschieden und wenn dieselben hier in einem Capitel zusammengestellt werden, so geschieht dies nur deshalb, weil die ursächlichen Factoren noch nicht festgestellt worden sind. Dem ganzen Verlaufe nach handelt es sich bei einem Theile der Ekzeme um speeiflsche Mikroorganismen, während bei einem anderen Thoil wahrscheinlich toxische Substanzen auf hämatogenem Wege die Eruption des Ausschlags herbeiführen.
1) Einfaches locales Ekzem. Eine acute Affection mit Bildung kleiner Bläschen und Knötchen auf der Haut. Ist häufig am unteren Ende des Kopfes, an den Lippen und um die Naseneingänge bei Pferden, die an der Druse oder an ein­fachen Katarrhen der Respirationsorgane leiden (vergl. S. 359). Die zahlreichen hirsekorn- bis orbsengrossen Bläschen, welche die Haare verkleben, trocknen ein und werden nach und nach abgestossen, ohne dass eine defecte Stolle zurückbleibt. Der
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904nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Verlauf des sehr gutartigen Exantheras vollendet sich in 2—3 Wochen. Eine medi-camentöse Behandlung ist bei demselben nicht erforderlich.
2)nbsp; nbsp;Einfaches allgemeines Ekzom. Nicht selten ist bei Pferden die über die ganze Haut verbreitete Eruption von erbson- bis bohnengrossen Knötchen, die eine klebrige Feuchtigkeit enthalten und in wenigen Tagen eintrocknen. Die Haare ver­kleben mit den Schorfen. Mitunter ist die ganze Körperdecke mit Knötchen bedeckt, oft leiden vorwaltend nur der Rücken, die llipponwandungen oder der Kopf. — Der Ausschlag entsteht im Verlaufe der Druse oder bei Bronchialkatarrhon und gastrischen Krankheiten. Er veranlasst bald nur in geringem, bald in höherem Grade eine juckende Empfindung, ist aber im Uebrigen gutartig. Der Gesammtverlauf erstreckt sich auf 2—4 Wochen. Zur llclmndlung ist in der Kegel ausser der Reinhaltung der Haut nichts Besonderes zu thun. Die schwer betroffenen Stellen können mit Burow-scher Lösung oder mit 0,3proc. Sublimatlösung gewaschen und darauf mit Glycerin eingerieben werden.
3)nbsp; nbsp;Pustulöses Ekzem. In dem Producte eiternder Hautwunden kann sich ein pathogener Stoff (jedenfalls speeifisch wirkende Mikroben) bilden, welcher in der Nachbarschaft oder an entfernteren Stellen die Haut infleirt und ein sehr lästiges pustulöses Exanthera veranlasst. Der Ausschlag ist im Ganzen selten und kommt vorzugsweise am Rumpfe, an den Schultern und am Halse vor. Die Pusteln stellen erbsen- bis bohnengrosse Knötchen dar, in welchen sich nach 5 — 8 Tagen eine Eite­rung etablirt. Später bedecken sich die Pusteln mit dünnen bräunlichen Schorfen. Durch Aufstreichen des eiterigen Productes auf die Haut eines gesunden Pferdes lässt sich das Leiden übertragen. — Das Exantliem verbreitet sich in 8—15 Tagen über kleinere oder grössere Abtheilungen der Haut. Durch den heftigen Juckreiz und die intensive Dermatitis hat es eine grössere Bedeutung, als die vorher beschriebenen Ekzeme. Indess gelingt die Heilung bei aufmerksamer Behandlung stets. Am meisten empfiehlt sich hierzu die täglich 2—3 Mal zu wiederholende Waschung der Haut mit 0,5proc. Lösung von Kai. carbon, oder von Kleienwasser und die Einreibung von milden Fetten. Indicirt ist ferner die Waschung mit 0,1—0,3proc. Lösung von Su­blimat, in den späteren Stadien mit Decoot. Gort. Quercus oder mit Burow'scher Lösung.
4)nbsp; nbsp;Krustöses Ekzem. Schorf flechte. Dieser offenbar infectiöse Ausschlag, den ich in mehreren Fällen behandelt habe, ist im Ganzen selten, gehört aber zu den schweren Hautleiden, die leicht einen letalen Ausgang nehmen. Durch die tief greifenden eiterigen Entzündungsherde der Haut kommen Fieber mit Pulsfrequenz und Appetitmangel zur Ausbildung. DieGliedmassen, soweit sie von den exanthematischen Herden betroffen sind, schwellen in grossem Umfange und mitunter sind die Thiere behindert, sich niederzulegen. Der Ausschlag selbst bekundet sich in einzelnen und conglomerirten Pusteln, die sich mit einem dicken schwarzbraunen Schorfe (Krusten) bedecken, nach dessen Abhebung die granulirenden Defecte der Haut mit zähem weiss-grauem Eiter bedeckt erscheinen. Der Juckreiz erlangt gewöhnlich nur einen massigen Grad. Aber bei dem Scheuern einzelner Körperstellen bilden sich leicht in der Sub-cutis, in den Fascien und in der Muskulatur umfangreiche eiterige Entzündungs-processe, die selbst metastatische Eiterherde in den Lungen oder anderen Organen nach sich ziehen können. —' Das krustöse Ekzem kann, wenn es nicht durch eine energische Behandlung zum Aufhören gebracht wird, 3—4'Monate fortbestehen. Es verbreitet sich nach und nach in einzelnen Herden über den ganzen Körper (die Glied-raassen, den Kopf, Hals und Rumpf). In einem Falle, den ich in der hiesigen Klinik
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Ekzema.
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unter Assiston?, dos gegenwärtigen Departemontsthierarztes, Herrn Schilling be­handelte, war neben vielen anderen Körperstollen auch die Haut der Schweifrübe in der ganzen Ausdehnung erkrankt. Die nach Abhobung der Krusten hervortretenden Geschwüre produch'ton blutigen, schmierigen Eiter.
Die Dingiutsc des krustösrn Ekzems ist unter Berücksichtigung des sub 2 ge­dachten pustulöson Ausschlags und der Acne contagiosa zu stellen. Da die letztere gewöhnlich nur in der Sattellago auftritt und sich auch weniger leicht ausbreitet, so findet sich für die Erkennung dos Leidens stets ein ausreichender positiver und nega­tiver Anhalt. — Die Prognose ist ungünstig, weil das Leiden nur bei grosser Sorg­falt in dor Behandlung zu heilen ist und sich leicht mit tiefer in dio Unterhaut und in die Muskulatur eindringondonEntzündungsprocesson complioirt, — Für die Therapie stobt dio locale Desinfoction der Haut im Vordergrunde. Täglich 2 Mal zu appli-cirondo Waschungen mit 0,5proc. Pottaschenlösung. Erweichung der Krusten mit Glycerin. Einreibung der Horde mit weissor Priicipitatsalbo (Hydi-. praoeip. alb. 10,0; Adeps oder Ungt, Paraff. 100,0). Indicirt sind ferner Bnrow'scho Lösung mit Zu­satz von Kampher und gegenüber tiefer gehenden Procosson die Bopinsolung mit Theer oder dio Application der gewöhnlichen Wundhoilmittel.
Casuistik. Schwarze Stute edler Abkunft, 7 Jahre alt, hatte seit 4 Wochen zunächst an der Schulter und an den Vordorschenkoln, demnächst auch am Kopfe und Halse ein in Knötchen- und Krustenform auftretendes Exanthem bekundet und wurde deshalb am 7. September 1887 in die Klinik eingestellt. Niihrzustand schlecht, Deck­haar glanzlos, Appetit mangelhaft. Puls 52, Kesp. 17, Temp. 89,7. Von den Lippen und den Nasenlöchern nach den Augen und bis in den Kehlgang ist die Haut mit dicken, schwarzbraunen, unebenen Schorfen bedeckt. Unter denselben liegt eine eiterige, übelriechende Materie, nach deren Entfernung üppige Granulationen hervor­treten. Stellenweise ist die Haut blutrünstig gerieben. Unter den Ohren und in der Gonickpartie trägt dieselbe messorrückenstarke, unebene, trockene Schorfe. Zu beiden Seiten des Halses, am Widerrist und auf der Kruppe zahlreiche Knötchon und Pusteln, welche stellenweise so dicht neben einander sitzen, dass auf dio Grosse einer Hand­fläche 15—20 Stück von dem Umfange je eines Zehnpfennigstüokes kommen. An den Vordergliedmasson ist die Haut blutrünstig, von Haaren ontblössf und entzündlich verdickt. Gleiche Veränderungen finden sich auch an beiden Hinterschenkeln, an welchen die Haut in Folge der multiplen pustulöson und mit Schorfen bedeckten Herde entzündlich geschwollen ist und sich derb anfühlt. — Das Pferd zeigt im Ganzen nur massig starken Juckreiz und am meisten an don Stellen, an welchen frische Pusteln hervortreten. — Die Behandlung wurde 3 Wochen hindurch, auch nicht ohne Erfolg, fortgesetzt. Der Besitzer nahm aber das Pferd nach seinem Gute zurück, um es dort hoilon zu lassen, so dass der weitere Vorlauf der Krankheit von mir nicht beobachtet worden konnte.
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906nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organltrankheiten.
Capitel CLVII. N a u k et
Im weitesten Sinne des Wortes umfasst die Mauke alle entzündlichen Processe und Zustände in der Haut an dor hinteren Fläche der Köthe und des Fesselgolenkes. Mit Rücksicht auf die Mannigfaltigkeit dieser Hautleiden ist indess stets die Gruppe der acuten Entzündungen von derjenigen der chronischen und unheilbaren Folge­zustände getrennt worden (acute und chronische Mauke). Zweokmässiger ist es, den Begriff der Mauke enger zu interpretiren und lediglich auf die acuten diffusen Formen der Dermatitis an den unteren Fussenden zu beschränken.
Die Aetiolugic der Mauke stellt keine Einheit dar. Wie bei der Intertrigo schon erörtert ist, kann in Folge von Allgemeinkrankheiten die Ernährung der Haut zeit­weise mangelhaft sein, so dass die Vulnerahilität derselben an den unteren Fussenden grosser ist, als sonst. Der lange Behang, wie derselbe als Raceeigonthümlichkeit beim Clydosdaler Pferde vorkommt, begünstigt die Verunreinigung der Haut und hierdurch die Entstehung der Mauke (engl. „Greasequot;). — Im Uobrigen sind zunächst alle Einflüsse, welche die Haut reizen oder verwunden, geeignet, eine diffuse Dermatitis herbeizuführen. Namentlich wird die Region der Köthe an den Ilintorsohenkeln durch Harn oder feuchte Excremente oft irritirt. Deshalb kommt die Mauke an den hinteren Gliedmassen häufiger vor, als an den vorderen. Auch jede andere Verunreinigung durch Feuchtigkeit, Erde oder Sand kann die Dermatitis veranlassen. Mannigfach sind die Verletzungen der Haut in der Köthe (durch Halfterketton oder -Stricke, Stroh-hinden, Streifbänder und andere Gegenstände, sowie durch Verwundungen beim Scheeren der Haare). Im Vorlaufe dos Morbus maculosus führen die blutigen ender-matischen oder subcutanen Horde zuweilen zu einer diffusen Dermatitis in der Köthe. Im Winter ist die locale Refrigeration durch Schnee oder Schneewasser eine häufige Ursache. Durch Wundinfoction geht aus leichten oder penetrirenden Läsionon oft eine schwere diffuse Entzündung der Haut hervor. Bei der infectiösen Dermatitis ent­steht nicht selten, besonders im Winter, eine umschriebene Hautnekrose, wobei ein Stück von dem Umfange einer Haselnuss bis eines Gänseeies abstirbt und durch Dissection von der gesunden Partie getrennt wird (Brandmauke). Endlich kann in vereinzelten Fällen durch eigenartige Infection eine progressive Gangrän an einem oder an mehreren Fassen sich im Bereiche der Krone oder der Ballen etabliron (aus­fallende oder fressende Mauke).
Hiernach sind aus der Gruppe der Mauke folgende Formen der Dermatitis für die klinische Pathologie zu unterscheiden: 1. Die erythomatöse Mauke; 2. die okzematöse M, (Schrundenmauke der Autoren); 3. die phlegmonöse M.; #9632;1. die Brandmauke und 5. die ausfallende odor fressende M.
Die Bedeutung dieser Zustände richtet sich im Wesentlichen nach dem Grade dor Entzündung und nach dor Zahl der Gliedmassen, welche gleichzeitig erkranken. Bei der oberlläciilichon oder erythcmatöson Mauke ist die vollständige Restitution der Haut erreichbar. Dagegen bleiben bei der secrotorischon oder ekzematösen Dermatitis in der Regel Verdickungen und chronische Untzündungsprocosse zurück. Wenn ein
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Mauke.
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Substanzvorlust der Haut eintritt, so kann die Heilung nur durch Narbenbildung er­folgen, welche sehr oft mehr oder minder orhebliolie Deformationen in der Köthe mit sich bringt.
Als Folgezustiinde dor Manko (chronische Mauke) sind hervorzu­heben: 1. Dio aus üppiger Granulation hervorgehenden narbigen Wülste und Schwielen in der Köthe; 2. die chronische eiterige Haut­entzündung am Fessel mit Querfalton oder in dor Querrichtung ver­laufenden unförmigen Narben, Atrophie und gesträubter Stellung des Haarbesatzes (Igelfuss, Straubfuss); 3. die steile Stellung des Pessels in Folge tiefgehender Narbenbildung in der Subcutis und 4. dio Ele­phantiasis der Gliedmassen.
Hinsichtlich der Bcurtheiliiiig und Iteiiuiidluiig der Mauke verweise ich auf die Handbücher der Chirurgie. Im Allgomeinon ist der Erfolg der Cur wesentlich davon beeinflusst, ob dieselbe frühzeitig und sorgfältig eingeleitet wird. Täglich 2—3 Mal zu wiederholende Reinigung der Haut. Häufige Waschungen mit Burow'scher Lösung und Entfernung der durch entzündliche Exsudation odor Eiterung entstehen­den Krusten. In schworen Fällen Bähungen mit i,Oproc. Lösung von Kai. carb. und Verbinden mit Digestivsalbe. Bei der gangränescirenden oder ausfallenden Manko Kamphor mit Spiritus in Form eines Breies oder Burow'sclio Lösung mit Zusatz von Kampher, als Hausmittel auch Sauerkohl. Zum Verband Jodoformsalbe, auch Ungt. Terebinth, oder andere Digestivmittel.
Von historischem Interesse ist in der Pathologie der Mauke dio seit Ende des vorigen Jahrhunderts viel besprochene
Schutzmauke. Kxanthematischo Mauke. Jenner'sche Mauke. Pferdepockon. Variola oquina. Horso-pox.
Unter den vorstehend angeführton Krankhoitsnamen wird in der Literatur eine angeblich an den unteren Pussenden dos Pferdes auftretende und deshalb als eine Art der „Maukequot; (ongl. „ Grease quot;) betrachtete oxanthematisoho Krankheit boschrie­ben, welche mit der Kulipocko (Variola vaccitioa) identisch sein soll, und dieser An­sicht gemäss den Namen der Pferdepocken erhalten hat. Im Verein mit Professor Grawitz habe ich (Virchow's Arch,, 1885, Bd. 102, S. 149) früher schon erklärt, dass ich das Vorkommen dor echten Variola beim Pferde nicht für nachgowiosen er­achten kann (vergl. auch S. 392). Von Ed. Jonner (1798) wurden die Mauke des Pferdes und die Pocken der Kühe als identisch betrachtet. Dio Kühe sollton sich an maukekranken Pferden inficiren. Anfangs des gegenwärtigen Jahrhunderts veröffent­lichte Loy 7 Versucho, nach welchen die Ueberinipfnng der Pferdepocken auf Men­schen und auf Rinder gelungen war. indoss haben beide Autoren das Exanthom der Pferde nicht näher beschrieben, und ich muss mit Hertwig (Chirurgie, 3. Aufl., S. 184, Anmerk.) hervorheben, dass in diesem wichtigen Punkte eine Aufklärung fehlt. Spätere Autoren (Bassi, Chauveau) behaupteten, dass der Ausschlagsich über den ganzen Körper verbreite und nur in seltenen Fällen an den Fesseln (Köthen) auftrete. Sehr ausführlich hat sich Bouloy (Logons do pathologio comparoo. l'aris, 1882) über dio Frage der Pferdepockon in einem historischen Rückblick ausgesprochen. Derselbe hatte 1843 die Stomatitis ot Dermatitis pustolosa contagiosa der Pferde als „Herpos phlyetaenoides-' boschrieben (vergl. S. 38C) und 1863 mit dem Pustelinhalt desselben Ausschlags Impfversucho angestellt. Er ist mit Chauveau der Ansicht,
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908nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkrankheitßn.
dass die Pfordoiiocken und die Kuhpockon identisch seien und dass der in Frankreich mehrfach beobachtete Pnstclausschlag im Maul und in der Haut mit derJenner-schcn Mauko oder der Loy'sehen Krankheit vollkommen übereinstimme. Die ge­nauere Prüfung der Bouley'schen Angaben lässt aber erkennen, dass das beob­achtete Exantiicm die pustulöso Stomatitis und Dermatitis des Pferdes ist. Von dieser Krankheit wurde S. 387 schon angeführt, dass sie nicht blos auf Pferde, sondern auoh auf Kühe, Schafe und Schweine, sowie auf den Menschen über­geimpft werden kann. Da dieser acute Ausschlag aber von der Variola verschieden ist, so darf derselbe auch nicht für die Pferdepocko ausgegeben werden. Es ist nie beobachtet worden, dass beim allgemeinen Herrschen der menschlichen Pocken oder der Schafpooken Pferde inficirt wurden. Die deutschen Thierärzte haben auch nie­mals den als Schutzmauko beschriebenen specifischen Ausschlag an den unteren Fass­enden der Pferde oonstaliren können. Dass die Produkte der okzematösen oder eiterigen Entzündung in dor Kothe cine Infection an der menschlichen Haut mit Pustelbildung veranlassen kann, lässt sich nicht als ein Beweis für die variolöse Natur der Mauke verwertlion. Ich bin hiernach der Meinung, dass die ganze Lehre von der Schutz-mauke oder Equine auf einer nicht annehmbaren Hypothese beruht.
Durch künstliche Ucbertragung der Lymphe aus Variola- und Vaccinepocken haben Chauveau und Numann die Variola auf Pferde übertragen. Indess kamen Warlotnont und Hugues (Annal. belg. 1886, S. 501) bei ihren Experimenten zu dem Resultate, dass das Pferd sich zur Cultur der Vaccine nicht eigne. Wenn hier­nach auch zugegeben werden muss, dass sich die Variola und die Vaccine auf Pferde überimpfen lassen, so ist doch über eine durch „natürlichequot; Infection vermittelte Pockenkrankhoit dos Pferdes nichts bekannt.
Capitel CLVIII.
Nessclaiisschlag. Nesselfieber. Nesselsucht. Nesselbeulen.
Urticaria.
Der Nesselnusschlag des Pferdes characterisirt sich durch haselnuss- bis faust-grosse, scharf abgesetzte, beulenförmige Erhebungen der Haut (Quaddeln, Pomphi). Ueber die Actiologie hat eine vollständige Erkenntniss bisher nicht erlangt werden können. Hei Menschen wird unterschieden zwischen der „Urticaria ab irritamentis externisquot; (die durch Heizung der Haut mit Breunnesseln, Raupenhaaren etc. oder durch Fliegen- resp. Mückenstiche veranlasst wird) und der „Urticaria ab ingestisquot; (die nach reichlichem Genüsse von Erdbeeren, Krebsen und anderen Speisen entsteht). Für die BcibehnUung der erstgedachten Form des Nesselausschlags giobt es bei Pferden keine ausreichenden Gründe. Ob nach dem Genuss besonderer Futtermittel die Urticaria des Pferdes sich einstellt, ist nicht sicher erwiesen. Man beschuldigt zuweilen Klee, Buchweizen und saures Futter.
Oft entstellt die Urticaria im Vorlaufe der Pferdestaupe, der Druse, der ein­fachen Katarrhe der Respirationsschleimhaut und bei gastrischen Leiden. Es ist anzu-
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Nessolaussohlag. Nessolfuibor. Ncssolsueht. Nesselbeulen. Urlioaria. 909
nehmen, class unter solchen Verhältnissen das Blut bestimmte Toxine enthält, welche mit der Circulation in die Haut gelangen und die Eruption der Nesselbeulcn be­wirken. In anderen Fällen stellt sich die Affection bei sonst ganz gesunden Pferden ein, so dass die Ursache ganz unaufgeklärt bleibt.
Den Nesselgeschwülsten liegt eine Infiltraiion der Haut mit Blutserum in um­grenzten Gefässgebieten zu Grunde. Obschon für die Pathogeneso ausreichende ob­jective Erhebungen noch ausstehen, so wird doch allgemein die Theorie acceptirt, dass auf hämatogenem Woge die vasomotorischen Apparate kleiner llautgofässe vor­übergehend gelähmt werden, so dass Erweiterung der Capillaren mit Transsudation von Serum in die Substanz der Haut folgt. Da die hier vorausgesetzten Stoffe nur vorübergehend im Blute sind und die Störung in den capillaren Stromgehioton daher innerhalb eines oder weniger Tage wieder aufhört, so müssen die Beulen durch Re­sorption des Transsudates schnell verschwinden.
Ausser dem „acuton Nesselausschlagquot; kommt bei Pferden in vereinzelten Fällen auch die „chronische Nesselsuchtquot; vor. Hierbei erhalten sich die kleinen und grösseren Beulen 1—2 Wochen hindurch. Sie verschwinden nach und nach durch Resorption des Inhaltes, aber inzwischen treten neue Beulen auf, so dass die Haut des Patienten fast zu keiner Zeit von denselben vollständig befreit ist. Die Ursachen des chronischen Nessclausschlags sind ganz unbekannt. Aus dem Ver­halten der botrelTenden fferde lässt sich nicht einmal eine ätiologische Vermuthung begründen.
Symptome uiiil Verlauf. Der Ncssolausschlag kann sich über die ganze Haut verbreiten, findet sich aber oft nur an einzelnen Regionen. Lieb­lingssitze sind Kopf, Hals und innere Fläche der Hinlcrschcnkel. Oft sind aber der Brustkorb und Rücken am meisten betroffen. Die Beulen variiren von Haselnuss- bis Paustgrösse. Sie stehen in einzelnen Fällen so dicht neben einander, dass sie confluiren. Um die Augen sitzen die Schwellungen nicht selten so dicht, dass die Lidspalte nicht geöffnet werden kann. An den grösseren Nesseibeulen ist der ödomatöse Charakter leicht nachzuweisen. — Die Eruption erfolgt innerhalb eines Tages, so dass der Körper des Pferdes ganz unerwartet mit kleinen und grösseren Geschwülsten bedeckt erscheint. Gewöhnlich treten dieselben in 1 bis 2 Tagen vollständig zurück. Zuweilen bilden sicii aber in den nächsten Tagen mit dem Verschwinden der erst entstandenen Beulen weitere Nach­schübe, so dass sich der Vorlauf auf 5—10 Tage hinzieht. — Juckreiz in geringem oder höhcrem Grade an den Nosselbeulen. Sitzen letztere an der Schweifrübe, so reiben sich die Pferde das Schweif haar ab. Aber auch an anderen Stellen wird die Haut zuweilen wund gerieben. Leichte Pulsfrequenz und hochnormalo Temperatur oder geringes Fieber, — Der Verlauf der acuten Urticaria endet stets mit vollständiger Genesung.
Die chronische Nesselsucht kann mehrere Monate, selbst 1 Jahr und darüber fortbestehen. Ich habe wiederholt Pferde behandelt, die bereits 6—10 Monate mit der Krankheit behaftet waren. Die Thiere
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910nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkranklioiten.
leiden durch don anhaltenden Juckreiz. Auch verringert sich zuweilen der Appetit etwas. Im Uebrigen finden sich keine Krankheitszeichen.
Diagnose. Zu verwechseln ist die Urticaria im Entwickelungsstadium mit dem Morbus maculosus (vergl. S. 428). Aeltere Autoren (Spinola, Haubner) behaupteten, dass auch bei der Urticaria dos Pferdes blutige Tupfen (Petechien) in der Nasenschleimhaut sich zeigen sollen. Ich kann diese Annahme nicht für zutreffend erachten. In den gedachten Fällen handelt es sich um die Blutileckonkrankheit,- die sich indoss auf einem niedrigen Grade erhalten kann. — Eine diagnostische Berücksichtigung erheischt ferner das allgemeine Ekzem (Ekzema papulatum), bei welchem indess die Grosse der Knötchen dem Umfange eines Theils der Nessel­beulen nicht gleich kommt. Ausserdcm stösst sich auf der Spitze der Knötchen das Deckhaar mit einem Schorfe ab, was bei den Nesselbeulen nicht vorkommt. — Wegen der Aehnlichkeit einzelner Fälle mit dem endermatischen Rotz (fliegender Wurm) verweise ich auf S. 171. — Der acute Nesselausschlag verschwindet oft in 1 Tage, mitunter jedoch erst in 2—10 Tagen, ohne dass eine medicamentöse Behandlung der Pferde nothwendig ist. Gegen den Juckreiz empfiehlt sich die Abreibung der Haut mit kaltem Wasser, verdünntem Spiritus oder einer Lösung von Salmiakgeist in Wasser. Uationell ist ferner die vorübergehende Ent­ziehung des Körnerfutters oder die Darreichung eines Abführmittels.
Bei der chronischen Nesselsucht ist die Prognosis ungünstig, weil die Beendigung des Ausschlags nicht im Voraus bestimmt werden kann. Zur inneren Behandlung dienen: Arsenik in mittleren Dosen mehrere Wochen hindurch; Kalium jodatum (10,0—15,0 pro die) oder Kai. bromatum in denselben Dosen mit dem Trinkwasser. Acusserlich sind Waschungen mit Carbolwasser oder Creolinlösung gegen den Juckreiz nützlich.
Capitel CLIX. Acnter allgemeiner Blasciiiiussclilag. Pcni|ilngus acutiis.
In den letzten 10 Jahren habe ich bei 5 Pferden, deren Alter 6—14 Jahro betrug, das in der Ueberschrift bozoiclinete allgemeine Exanthem beobachtet. Von diesen Patienten wurden 3 zu schweren Arbeiten verwendet; dor 4. war ein Reitpferd edlen Ilalbblutschlags und der 5., den ich vor Kurzem gemeinschaftlich mit dem Thierarzt Herrn Nagler hehandelte, war ein Omnibuspferd diinischor Abltunft.
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Acuter allgemeiner Blasenausschlag. Pemphigus acutus.
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Pathugeuese. Die Entwickclang dos acuten Pemphigus der Pferde vollzieht sich innerhalb eines Tages. Empfänglich für denselben ist die ganze Haut. Es bleiben aber stets ziemlich grosse Körperstellen vorschont. Am Bauche, Kopfe, Halse oder Thorax, auch zwischen den Ilinterschonkoln hebt sich dio Oberhaut ab und es schei­det sich aus den wallnuss- bis faustgrosson Partion eine wässerige Elüssigkeit ab. Bei einem meiner Patienten war dio seröse Exsudation der Haut am Bauche so be­deutend, dass die Flüssigkeit tropfenweise von der unteren Bauchfläohe herunterfiel. Nach 2—4 Tagen stösst sich die emporgehobene Epidermis mit den Haaren ab. Doch bildet sich sehr schnell eine neue Epidermis, so dass der Haarverlust sich später wieder ersetzt. Indess fand ich bei einem Patienten, dass an der Schulter und am Kopfe in Folge des Reibens einzelne Stellen der Haut in höherem Grade entzündet waren.
Ueber die Aetiologic kann ich keine vollständige Auskunft geben. Der Krank-heitsverlanf lässt sich mit gleichem Recht auf einen mykotisohen Ursprung, wie auf die toxische Wirkung besonderer Schürfen des Blutes beziehen. In keinem dor von mir behandelten Fälle hat sich das Bxanthem auf benachbarte Pferde übertragen, obwohl die Patienten mit denselben 1—2 Tage in naher Berührung gewesen waren. Ich habe auch nicht nachweisen können, dass der Ausschlag durch Infection von einem anderen Thiero hervorgorufen war.
Symptome und Verlauf. Intensiver Juckreiz, durch welchen empflndliohe Pferde ungewöhnlich stark beunruhigt und zum Reiben und Benagen der Haut veranlassl werden. Eruption von wallnuss- bis handlellergrossen, flachen oder wonig erhabenen Blasen auf der Haut, die mit klarer, wasserheller oder gelblich gefärbter Flüssigkeit gefüllt sind. Die Epidermis zerreisst, so dass das seröse Exsudat abfliosst und die Epidermis wie nach Verbrennungen sich in Falten der Lederhaut anlegt. Vollstän­dige Abstossung des Deckhaares an den kranken Stellen. — Eine Störung des Allge­meinbefindens tritt, abgesehen von dem heftigen Juckgofühl, nicht ein. Dor Vorlauf ist in 7—9 Tagen beendet. — Bei der Diagnose hat der Thierarzt wegen des starken Juckreizes den Merkmalen der Räude eine Berücksichtigung zu widmen (vorgl. S. 53C). Dio Prognose ist günstig und bei der Itehainllniig kann durch dio Application von desinfleirenden Mitteln der Verlauf coupirt werden. Ich Hess mit bestem Erfolge täglich 2 Mal Waschungen mit folgender Mischung anwenden: Kec. Camphorao 10,0; Plvs rad. Althaeao 15,0; Sulfuris dopurati 40,0; Aq. Calcariae 500,0. Nützlich sind ferner Waschungen mit Aq. carbolisata oder einer 3proo. Lösung von Croolin. Soweit die Haut an den afficirten Partien spröde und rissig wird, ist die Einreibung von Glycerin angezeigt.
Gasuistik. Brauner Wallach, Reitpferd veredelter Abkunft, wurde am 17. August 1882 mit dem Bericht in die Klinik gestallt, dass derselbe am Tage vor­her geritten sei und eine Stunde nach dem Absatteln sich mit nässenden Beulen am Körper behaftet gezeigt habe. Am unteren Ende des Kopfes, unterhalb dos rechten Auges, und an den Kaumuskeln ist die Haut fleckweise leicht geschwollen. Die Herde dilferiren von dem Umfange eines Zehnpfonnigstückos bis einer Handflächo. Auf denselben secornirt die Haut eine klebrige Feuchtigkeit. Thoils sind dio Haare ausgefallen, theils lassen sich dieselben leicht ausziehen. Gleiche Entzündungsherde sind am Halse und an den Schultern, sowie am Bauche nachzuweisen. An denselben fühlt sich die Haut uneben, wellig an. Nach Entfernung der Oberhaut entleert sich sich aus den Herdon eine klare, etwas gelbliche, zähe Flüssigkeit. An den Vorarmen und am Schaufelknorpel bis zum Schlauch ist die Haut dilfus goschwollen. Dieselbe
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Orgaiild'iiiiklioitcit.
socernirt an kleinen odor grösseron, blasig liorvorgowolbton Stollen cinei golblioh klare Flüssigkeit in reichlicher Menge, Die Haut fühlt sich sehr nass an und das Transsudat fliesst ununterbrochen in grossen Tropfen ab. Beide Hintergliedmassen leicht geschwollen. — Puls, Temp, und llesp normal. Appetit gut. Starker Juck­reiz in dor ganzen Haut, besonders an den afficirten Kegionen. — In dem llüssigen Exsudat der Haut, welches im Glase zu einer gallertartigon Consistenz coagulirte, wurden: Eiwoiss, Chlorverbindungen, weisse Blutkörperchen und Epithelien nachge­wiesen. — Ord.: Waschung der ganzen Haut mit: Camphorae 10,0; Gi Arabici 7,50; Sulfuris depurati 30,0; Aq. Calcariae 500,0 täglich 2 Mal. — Bis zum 23. August verringerte sich die secretorischo Hautentzündung mehr und mehr. Aber das Haar war an den kranken Stellen ausgefallen. Der Besitzer licss das Pferd am 27. August aus der Klinik wieder abholen. Der Haarverlust ergänzto sich in wenigen Wochen vollständig. — Zwei Kaninchen, bei welchen ich die Haut am Bauche und an den Schenkeln mit dem llüssigen Exsudat reichlich einrieb, blieben vollständig gesund.
Capitel CLX. Glatzflechte. Schecrflechte. Herpes tonsnraiis.
Dor Herpes tonsurans (kahlnjuiohende Flechte, Kingllechte) stellt eine eigenartige Hautmykose dar, die ausser dem Pferde auch beim Menschen, ferner beim Rinde und Hunde vorkommt und künstlich auf Ziegen, Schafe, Katzen und Kaninchen tibertragen werden kann. Verursacht wird der Ausschlag durch das Trichophyton tonsu­rans (Gruby). Der Pilz wurde beim Menschen 1845 gefunden und von Gerlach (Maga-z. 1857) als Ursache der Flechten des Kindes eingehend studirt. Die Sporen des Pilzes sind 0,004—0,01 Mm. gross. Die Entwickelung erfolgt in der Haarwurzel. Von hier aus vegetirt der Trichophyton in den Haarschaft, welcher völlig zerstört wird und abbricht. Der Pilz findet sich auch in den Haarwurzelscheiden und in der angrenzenden Epidermis.
Die Ansteckung der Pferde wird wahrscheinlich öfter-durch flechtenkranke Kinder bewirkt. Ich habe den Ausschlag mohrfach bei Woidepferden constatirt. Er verbreitet sich auf gesunde Pferde eines Bestandes durch Vermittelung der Striegel und Kartätsche, des Sattelzeuges oder des Arboitsgeschirrs, kann aber auch durch enge Berührung direct übertragen werden. In den Borken des Ausschlags existirt der Pilz lange Zeit. Nach Siedamgrotzky kann sich die Keimfähigkeit bis 3 Jahre erhalten. Durch die Vegetation desselben in der Haut wird eine entzünd-, liehe Exsudation mit Borkenbildung veranlasst.
Symptome und Verlauf. Enthaarte Flecke in der Haut am Rücken, Thorax, Halse oder Kopfe von der Grosse eines Zohnpfcnnigstückes bis eines silbernen Fünfmarkstückes. Die Herde haben eine rundliche oder längliche Form. An denselben ist die Haut zunächst feucht und
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Aono contagiosa Equorum. Englische Pocken.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;913
fettig. Allmälig bedeckt sich dieselbe aber mit einer asbestartigen Borke. Durch das Putzzeug verbreitet sich das Exanthem über weite Gebiete der Haut. An einzelnen Stellen fliesson die Herde zusammen. Be­günstigt wird die Ausbreitung durch langes Deckhaar. Magere Pferde sind der Ansteckung leichter unterworfen, als gutgenährte. — Nach 3—6 Wochen fällt die Borke ab, nachdem die Haut sich unter derselben regenerirt hat.
Die Diagnose findet in der fleckweisen Eruption des Ausschlags, in dem Abbrechen des Deckhaars an den Herden, sowie in der fettigen Exsudation und ßorkenbildung einen ausreichenden Anhalt. Der mikro­skopische Nachweis des Trichophyton in der Borke resp. den abge­brochenen Haaren ist nicht immer leicht. Durch die sorgfältige Durch­musterung des zuvor mit Kalilauge aufgeweichten Präparates gelingt indess die Auffindung desselben oft. — Die Prognose kann zwar günstig gestellt werden. Aber die Behandlung ist immerhin lästig. Auch über­trägt sich das Exanthem verhältnissmässig leicht auf die Personen, welche die kranken Pferde verpflegen. — Wenn die dir einen schnellen Erfolg haben soll, so empfiehlt sich, die Patienten vollständig scheeren zu lassen. Dadurch erleichtert sich die Auffindung der kranken Stellen. Die Borken sind durch Pottaschcnlösung oder durch Einreibung mit Gly­cerin zu erweichen und thunlichst zu entfernen. Darauf werden die Herde mit antiparasitischen Mitteln eingerieben. Von den zur Auswahl stehenden vielen Präparaten fand ich eine Salbe aus Hydr. oxydatum rubrum (1) und Adeps (8) am wirksamsten. Ausscrdem eignet sich Kampfer mit Spiritus in Form eines Breies oder Acid, salicyl. 2,0 mit Adeps 10,0 zum Einreiben. Bepinselung der Herde mit Theer oder Naphthalinsalbc. Vielfach wird auch Jodtinctur empfohlen.
Capitel CLXI. Acne contagiosa Equorum. Englische Pocken.
Mit dem Ankauf von edlen Pferden aus England wird nicht selten das vorbe-zeichneto eigenartige Exanthem der Pferde nach Deutschland verschleppt. Axo (Ref. in der Österreich. Monatsschr. 1879) hemerkt, dass der durch Ansteckung sich ver­breitende Ausschlag zuerst 1877 aus Canada mit kranken Pferden nach England ge­bracht sei. Er bezeichnet denselben als „Dermatitis contagiosa oanadensis
Dieck or hoff, Spec. Pathologie u. Therapie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;kq
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914nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Organkrankheiten.
pustulosaquot;. Schindelka (Oesterr. Viorteljahrsschr. 1883, S. 61) verglich das Exanthem mit der „Impetigo contagiosa^ des Menschen und ist der Ansicht, dass beide AiToctionon identisch seien. Von Siedamgrotzky (Dresd. Bor. 1884, S. 18) wurde das eiterige Secret der Pusteln eines mit der Acno behafteten Pferdes auf 2 Kaninchen und 2 Meerschweinchen mittels Lanzettstiche vorimpft. Vom 3 Tage an entstand bei den Versuchsthieren ein progressives malignes Oedem an der Impf­stolle und bis zum G. Tage gingen die Versuchsthiero unter den Erscheinungen der Septicämio ein. Im Jahre 1885 haben Grawitz und ich (vorgl. Virchow's Archiv, Bd. 102, S. 148) das Exanthem eingehend studirt. Grawitz, welcher die bacterio-logischen Untersuchungen und dioCulturversucho anstellte, fand in den eingetrockneten Schorfen den specifischen Krankheitserreger. Derselbe gedeiht am besten auf er­starrtem Rinder- und Pfordeblutserum bei 37deg; C. Schon nach 24 Stunden sieht man in und neben dem Impfstrich zahlreiche weisse Pünktchen auftreten. Die Ilauptform des Acnebacillus bilden kurze Stäbchen, neben, welchen kleine ovoide oder kugelige Körperchen vorkommen, die durch Theilung der Stäbchen entstehen. Bei ca. 37deg; 0. wachsen die Stäbchen am schnellsten. Unter 17deg; C. hört die Vegetation auf. Fäul-niss wird durch die Bacillen nicht erregt. In trocken aufbewahrten Eiterschorfen bleiben dieselben lange keimfähig. Nach 4 'Wochen gehen sie noch ebenso gut auf, als zu Anfang. Wird die Cultur 30 Minuten lang auf 80—90deg; C. erhalten, so sterben alle Bacillen sicher.
Dass der Grawitz'sche Bacillus die ansteckende Acne des Pferdes ausschliess-lich verursacht, wurde von uns durch eine grosserlaquo; Reihe von Uebertragungsver-suchen mit künstlichen Culluren an Pferden direct nachgewiesen. Wicht nur an ge­schorenen und durch Abschaben von der Epidermis abgelösten, sondern an allen ganz normalen Hautstellen genügt das Einroibon einiger Tropfen bacülenhaltigen Wassers, um das typische Exanthem hervorzurufen. — Auch Kälber, Schafe und Hunde er­weisen sich für die Uebertragung des Acnebacillus empfänglich. Allein der Verlauf des Exanthems ist bei diesen Thieren viel milder, als bei Pferden. — Bei Kaninchen ist die reactive Hautentzündung nach der Verreibung der Bacillen in die Haut noch intensiver als bei Pferden. — Werden die Bacillen in die Subcutis bei Hunden und Kaninchen injicirt, so erfolgt leicht eine tödtlicho Allgemeinintoxication durch Gifte, welche von den Acnebacillen aus Eiweisskörporn abgespalten worden. Oder die Haut mit der Subcutis verfällt der Nekrose und wird durch dissecirende Eiterung losge­trennt. — Am empfindlichsten sind Meerschweinchen gogonüber der pathogonen Wir­kung des Grawitz'schon Bacillus. Schon das blosso Einroiben der in Wasser vor-theilten Bacillen auf die unverletzte Haut bringt bei diesen Thieron in der Kegel eine hämorrhagisch-erysipelatöse Schwellung im subeutanen Gewebe hervor, worauf nach 48 Stunden der Tod unter den Zufällen der allgemeinen Intoxication eintritt. — Bei Hausmäusen verhält sich die Haut gegen das blosso Auftragen der Bacillen refraetär. Nach subeutaner Injection gehen die Mäuse an Pyämio zu Grunde.
Die Patliogenese ist durch Versuche und klinische Beobachtungen vollständig nachgewiesen. 2—3 Tage nach der wirksamen Uebertragung dos Acnoorganismus erfolgt die in multiplen Herden auftretende Pustelbildung. Es entsteht an der infl-cirten Stelle ein ringförmiger oder mehr ovaler, unregelmässig contourirter Entzün­dungsherd. Zuweilen findet die erste Infection gleichzeitig an mohroron Stellen statt. Das Deckhaar an den Horden wird feucht und richtet sich etwas empor. Aus der Haut dringt ein seröses, klebriges Exsudat. In den kleinsten Herden kommen 1—3 und in den grössten 10—20 Pusteln zur Ausbildung. Am 5.—8. Tage trocknet das
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Acne contagiosft Equorum. Englisoho Poolten.
915
Exsudat allmälig zu einer dicken, mit Haaren durchsetzten Kruste, nach deren Lösung die Granulation froiliegt, während die Haut zwischen den Pusteln glatt erscheint. Wenn die Pusteln in der Mitte des Herdes nahe zusammensitzen, so wird die Haut in Form eines dicken Pfropfes durch Eiterung dissecirt. Oft dringen die Herde in die Subcutis, wodurch lebhafte Schmorzen und cnlzünfUiche Anschwellungen der Lymphgefässe veranlagst werden,
• Symptome und Verlauf. Die Eruption der Acnepusteln beschränkt sich in der Regel auf die Region des Rückens in der Sattellage, weil die Schabracke eines mit dem Ausschlage behafteten Pferdes die Ucber-tragung des Exanthems vermittelt. Zuweilen entstehen die Pusteln aber auch am Rippenkörper, in den Flanken und an der Schulter. An den afficirten Stellen schwillt die Haut bis zur Dicke eines kleinen Fingers. Oft bilden sich nur 1 — 3, häufiger 4—8 und in einzelnen Füllen bis zu 30 haselnuss- bis hühnoreigrosse Pusteln. Mit der ersten Infection er­schöpft sich die Empfänglichkeit der Haut nicht. Bis zur 4. und selbst bis zur 6. Woche entstehen zuweilen Nachscliübc einzelner Pusteln in Folge der erneuten Infection beim Striegeln oder Bürsten der Haut oder durch die sich verschiebende Decke. — Meist vergehen 4 — 6 Wochen, bis die Krusten an den exanthematischen Herden vollständig abheilen. In einzelnen Fällen können die Thiere erst nach 2 Monaten wieder in Gebrauch genommen werden. Grössere Herde hinterlassen Narben. — Zuweilen werden die kranken Pferde von einem heftigen Juckreiz in der nächsten Umgebung der Pusteln belästigt.
Bei sorgfältiger Berücksichtigung der vorbeschriebenen Merkmale ist die Diagnose leicht. Schon das begrenzte Auftreten der Pusteln leitet auf die richtige Erkennung. Der in der Sattellago bei Reitpferden vor­kommende Knötchenausschlag ist nicht pustulöser Natur und deshalb von der Acne leicht zu unterscheiden. — Für die Prognose ist zu er­wägen, dass die Acne ein lästiges Exanthem darstellt, welches nicht direct coupirt werden kann. Indess führt die Krankheit niemals zum Tode. Therapie. Waschungen mit Burew'scher Lösung, in schworen Fällen unter Zusatz von Kampfer, 2 — 3 Mal täglich. Auch warme Bähungen mit angebrühter Kleie und Bepinselung mit Carbolwassor, Theer oder Naphthalinsalbe. Von der anderweitig empfohlenen 1 proc. Sublimat­lösung habe ich in keinem Falle eine hervorragende Wirkung beobachtet. Tiefer gehende Eiterungen werden mit den gewöhnlichen Wundheilmitteln behandelt. — Für die Prophylaxis ist der gemeinsame Gebrauch des Reit- oder Wagengeschirrs und der Stalldecken, sowie der Striegel und Kartätschen für die kranken und gesunden Pferde sorgfältig zu meiden.
58* •
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916nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
Am besten werden die mit der Acne behafteten Pferde isolirt. Decken und Geschirr derselben sind vor der anderweitigen Verwendung genügend zu desinficiren.
Capitel CLXII. Progressivlaquo; llaiitgangrän.
Aehnlich dorn Hospitalbrand (Gangraena nosocomialis) des Menschen gestaltet sich bei Pferden die aus einer speeifischen Infection hervorgehende „progressive Ilautgangriinquot;. Die pathogenen Mikroorganismen sind bisher nicht isolirt und künstlich eultivirt worden. Dass die schwere Erkrankung aber infectiösen Ursprungs ist, orgiebt sich mit Sicherheit aus der l'athogcnese und dorn Verlaufe. Am häufigsten entsteht diese Gangrän am Ballen und an den Fusskronen. Wahrscheinlich wurde für diese Region die Aflection, auf welche der Name der „fressenden Maukequot; (vgl. S. 906) beschränkt werden kann, von den älteren Antoren dem Collectivbegriff der bösartigen Mauke einverleibt. In grösseren Pfordobeständen erkranken an der fressenden Mauke (Paronychia exedons) zuweilen innerhalb weniger Wochen mehrere Thiere nacheinander, was auf die Entstehung und Verbreitung des Leidens durch ein Stallmiasma schliesson lässt. Ueber die Behandlung desselben habe ich S. 907 schon eine Anleitung gegeben.
In seltenen Fällen tritt die progressive Hautgangrän als Wirkung einer eigen­artigen Wundinfcction in weiter Verbreitung über die Körperdecke auf. Von einer kloinen Wunde aus schwillt die Haut in der ganzen Umgehung oder mehr nach einer Richtung an und in wenigen Tagen mortificirt dieselbe in grosser Ausdehnung. Das abgestorbene Stück ist weich und schmierig, von schwarzbrauner Farbe. Unter der abgestossenen Hautpartie bildet sich eine schlaffe Granulation. Aber vom Rande aus setzt sich die Gangränescirung fort. Odor die Gangrän stellt sich unerwartet an einer entfernten Körperstelle ein, an welcher ein kleiner oder grösserer Theil der Haut abstirbt. — Als eine speeifische Wundinfection gehört die specielle Beschreibung der Krankheit in das Gebiet der Chirurgie. Ich beschränke mich deshalb hier auf die Angabe, dass dieselbe schwer heilbar ist, insbesondere leicht zu umfangreichen gan­gränösen Zerstörungen mit septischer Infection führt und hierdurch tödtlich endet. — Bei der Itchandluiig ist auf die sorgfältige Ausschneidung der mortificirten Haut­partien mit energischer Application desinfleirender Mittel (Kampferbrei, Sublimat­lösung, Carbolwasser, Lugol'sohe Jodlösung) Bedacht zu nehmen.
Casuistik. Eine braune, elfjährige Stute (Reitpferd) wurde in der Klinik wegen Starrkrampf seit dem 23. März 188G behandelt und musste 14 Tage lang mit einem llängegurt unterstützt werden. Am 24. April trat zu beiden Seiten des Wider­ristes in der Länge von 15 resp. 25 Ctm. eine flache, fluetuirendo Anschwellung auf, deren Entwickelung von einem durch den Druck des Hängeapparates nekrotisch ge­wordenen kleinen llautstiick vor dem Widerrist nachgewiesen werden konnte. An den
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Pachydermio.
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geschwollenen Partien war die Haut abgestorben und unter derselben fand sich eine schmierige, eitrig jauchige Flüssigkeit. — Geringes Fieber mit leichter Pulsfrequenz und wechselndem Appetit. — Therapie: Abtragung der mortiflcirten Haut und Waschung mit Sublimatwasser (1 : 500). Auf der rechten Seite sistirte nach einigen Tagen die Gangrän. Dagegen setzte sich dieselbe an der linken Seite nach dem Halse fort, so dass die Haut an derselben auf 35 Ctm. Länge und 15 Ctm. Breite entfernt werden musste. Stellenweise war auch die Pasoie zerstört. Am 11. Mai, als die grossen Defecte der Haut in dor Heilung begriffen waren, fand sich unerwartet die Gangrän zwischen beiden Vordorgliodmasson unter der Brust entlang bis zum Sohaufelknorpel. Trotz der chirurgischen Entfernung der in dieser grossen Ausdeh­nung abgestorbenen Haut und energischer Behandlung mit Sublimatlösung verbreitete sich der mortificirende Process nach beiden Seiten über die Schultorgolenke. — Schweres Allgemeinleiden. — Endlich zeigte sich am 19. Mai dilTuse llautgangrän vom Nabel bis zum Euter. Die Zerstörung der Haut erreichte in wenigen Tagen nach beiden Seiten des Bauches eine Ausdehnung von 40 Ctm. Die abgestorbenen llaut-stücke vorbreiteten einen sehr üblen Geruch. Am 27. Mai ging das Pferd unter den Erscheinungen der septischen Intoxication zu Grunde.
Capitel CLXIII. P a c h y d e r m i e.
Durch chronische Entzündungen dor Haut und der Subcutis entsteht nicht selten bei Pferden in grosser Ausdehnung eine monströse Verdickung der Haut und des Unterhautbindegewebes. Wegen der Missgestaltung, welche an den betrelTenden Re­gionen entsteht, führt das Leiden den Namen der Elephantiasis ((elephan­tiasis Arabum). Bei vorwaltender Erkrankung der Haut wird die Oberlläche un­gleich und höckerig (Elephantiasis papillaris seu verrueosa. E. nodosa). Hat dagegen die Bindegewobsneubildung ihren Sitz in der Suboutis, so wird sie als Elephantiasis laevis seu glabra bezeichnet (vgl. Virchow, Geschwülste. I. S. 308). Bei Pferden ist die Pachyderinie an den Gliedmassen als Folge der Mauke oder nacli Streifwunden nicht seiton. Der Zustand beschränkt sich oft auf die Re­gionen der Köthe, des Fessols und des Mittelfusses. Zuweilen setzt sich die Hyper-plasie aber an einem Hinterfusse über das Sprunggelenk und den Unterschenkel hinauf bis zum Kniegelenk fort, so dass die ganze Gliedmasse zu einer dicken und in den unteren Gelenken kaum noch beweglichen Stütze verunstaltet wird. Nach der BoschafTonheit dos neugobildeton Bindegewebes lassen sich auch beim Pferde wie beim Menschen die Elephantiasis dura und die Elephantiasis mollis unter­scheiden. — Das Leiden ist unheilbar, doch können die betrelTenden Pferde im lang­samen Zugdienste und bei roichlioher Ernährung gewöhnlich noch 1—2 Jahre mit Vertheil benutzt werden. Schwierig wird aber die regelmässige Erneuerung des Iluf-beschlags, weil die kranke Gliedmasse nur wonig emporgehoben und in den Gelenken
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918nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Organkrankheiten.
gebeugt werden kann. Die betreffenden Pferde legen sich auch gewöhnlich nicht mehr und wenn sie zum Liegen kommen, so vermögen sie sich nicht ohne Hülfe wieder emporzurichten.
Eine chronische diffuse Entzündung der Subcutis mit Pachydermie beobachtete Köhno (Magaz. 1862) bei einem Pferde an der Luftröhre und an den Schultern. Die Erkrankung, welche ihren Ausgang von einer Fontanellwunde nahm, war unheilbar. — Ich habe einen ganz ähnlichen Fall im Jahre 1864 beobachtet. Bei einem 5jäh-rigen Fuchswallach (Arbeitssclilag) hatte ich zur Behandlung eines diffusen Bron­chialkatarrhs ein Fontanell vor der Brust applicirt. Als dasselbe 14 Tage später ent­fernt wurde, blieb eine derbe Goschwulst im subcutanen Bindegewebe bestehen. Im Laufe von 6 Wochen setzte sich die Schwellung zwischen beiden Vordergliodmassen bis zum Sohaufelknorpel und nach beiden Seiten auf die inneren Flüchen der Vor­arme fort, so dass das Pferd sich nur noch mit Mühe fortbewegen konnte. Durch starke Einschnitte und Application von Aetzmittoln war das Fortschreiten der Binde-gewobshypertrophie nicht aufzuhalten, so dass das Pferd als unheilbar getödtet werden musste. — Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese chronische Entzündung und Verdiokung des Unterhautgewebes durch den von Rivolta, Johne und Rabe gefundenen und von Letzterem eingehend studirten pflanzlichen Organismus voran-lasst wird, für welchen Bollinger den Namen „Botryomycesquot; (Traubenpilz) vorgeschlagen hat (vorgl. S. 728).
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A.
Abdominaltypus der llespiration 30.
Abortus bei Pferdcstaupo 283.
Abscesse der Darmschloimhaut 818; — bei Druse 351, 355, 3G0, 3ß2 ff.; — des Gehirns 635; — der Leber 864; — der Lungen (metastatischo) 750, 751; — der Nieren 877; — paranopbritischo 877; — bei Pferdestaupo 284; — bei Pharyngitis simplex 801; — der Retro-pharyngealdrüsen 803; — in der Sub-cutis 170.
Aehillessehnen-fiuptur 476.
Aone oontagiosa Equ. 391, 913.
Acnebacillus 914.
Acupunctur bei Faoialislähmung 677.
Aechzen 42, 63; — diagnostische Bedeu­tung dess. 43.
Aftererschlaffung 98, 99.
Afterzwang 99; — bei Mastdarmentzün­dung 854.
Agrostemma Githago 498.
Akinesia 674.
Albuminurie 871; — bei Kreuzrhehe 468.
Alopecia 897.
Amentia 615; s. Dummkoller.
Amyloidleber 868.
Anämie, chronische 550; — essentielle 650; — bei Harnruhr 490; — der Kopf-schleimhiiute (bei chronischer Anämie) 551; — (bei Leukämie) 553; — (bei Leberblutung) 869; — (bei Pseudoleuk-ämie) 554; — progressive pornieiöse 550.
Anästhesie 674.
Aneuiysma 792; — dos Herzens 783; — verminosum 514.
Ankon 43.
Annelides 509.
Ansohoppungskolilc 834, 844.
Antholmintica 513.
Anthrax 191; — erysipelatöse Geschwülste
dess. 198; s. Milzbrand. Aorta, Thrombose und Obliteration der
hinteren A. 476, 792. Aortenklappon-Insufficienz 778. Appetit in diagnostischer Beziehung 85;
auf Futter 83; — (Verschiedenheit
dess.) 83, 84; — auf Gewürze 85; -
— auf
in prognostischer Beziehung 85;
Wasser 86.
Appetitmangel, chronischer 812;
— Ur-
sachon des^. 5. Aphthenkrankheit 164, 385. Aphthenoonfagiutn 387. Ajoneurosen-Verküizung der Lenden- und
Beckenmuskeln 478. Apoplexia nervosa 666; — sanguinea 666;
—nbsp; serosa 666.
Apoplexie des Gehirns 666; — des Rücken­marks 668
Arachnitis spinalis chronica vasculosa 672.
Araohnoides 588.
Artorienruptur, spontane 794.
Arteriosklerose 789.
Arthritis multiplex metastatioa 333.
Arundo Phragraites 504.
Ascaris megaloeephala 509.
Aspergillus im Hafer 486.
Aspirationsödera 733.
Asthma bei chronischer Bronchitis 719;
—nbsp; cardiale 731, 774; — humidum 719;
—nbsp; laryngealo 731; — nasale 731; — pulmonale 29, 730, 732; — siecum 719; — spasmodicum 720; — trachealo 731.
Ataxie bei Gehirnödem 597. Atelectase der Lungen 727.
#9632;ti
der Nasensohleimhaut
Angiom, Flächen-165, 702.
Angina laryngea 6S2; -— pharyngea 800; — phlegmonosa 686; — Steigerung des Inspirationstones bei ders. 43.
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Register.
Athmen, doppelschlägiges 39; — Frequenz und Intensität dess. 29; — Modifloa-tionen dess. 30; — Rhythmus dess. 36; s. auch Respiration.
Athmungsgeräusch, amphorisches 59; — bronchiales 53,58; — emphysematisches 62; — tracheales 58; — unbestimmtes 60; — vesiouläres 56.
Atrophie der Kehlkopfmuskeln 708; — der Leber (acute gelbe) 495; — der Nieren 874, 878; — der Rumpf- und Beckenmuskeln 675.
Augen-Ausflüsse 26.
Augenentzündung, innere, nach Brust-seucho 240; — metastatische 332.
Augenschleimhaut, diphtherische Herde fers. 302.
Auscultation 91; — der Brustorgane 54; — mittelbare 55; — unmittelbare 54.
Auspruston 50.
Blutflecke in der Haut 419; — in den Kopfschleimhäuten 23, 418.
Blutfleokenkrankheit 370, 410; — Com-plicationen und Folgekrankheiten ders. 423; — idiopathische 414; — in der Haut 172; — in derRespiratiunsschleim-haut 165.
Blutgeschwülste bei Blutfleckenkrankheit 416ff.; — multiple der Nasensohleim-haut 164.
Blutkörperchen im Harn 402, 403.
Blutschwitzen 896.
Blutungen aus der Bronchialschleimhaut 714; — bei Brustseuche 232, 233; — aus dem Darm 98, 819; — im Gehirn 666; — der Haut (spontane) 896; — aus den Harnwegen 883; — aus der Kehlkopfschleimhaut 714; — der Leber 868; — aus der Luftröhrenschleimhaut 714; — aus der Lunge 714; — des Magens 819; — des Mastdarms (spon­tane) 820; —der Nieren 883, 884; — aus dem Respirationstractus 713; — im Rückenmark 666.
Blutvergiftung bei Bluterkrankheit 443; — septische. 330.
Botryomykose der Lungen 728.
Botryomyces 728, 918.
Bräune 161, 682; — bei Brustseuche 234;
—nbsp; symptomatische 682.
Brand, aputrider, feuchter 754; — putri-der, feuchter 754.
Brandmauke 906.
Brausen 50.
ßremsenlarven 524; — im Gehirn 527.
Bremsiliege 524.
Bright'sche Nierenkrankheit 871; — chro­nische 875.
Bronchialathmcn 38.
Bronehialblutungen 714.
Bronchialkatarrh, acuter 691; — chroni­scher 716.
Bronchicctasie 174, 717; — nach Brust­seuche 234; — cylindrische 718; — sackige 718.
Bronchiectatische Herde, chronische 177;
—nbsp; käsige bei Brustseuche 220. Bronchien, Athmungsgeräusche ders. 54. Bronchienrotz 127.
Bronchiolitis 691; — chronica 722.
Bronchitis bei Brustseucho 234 ; — capil-laris 691, (chronica) 722; — catarrhalis acuta 691, (chronica) 716; — circura-scripte 692; — diffuse acute 691, (chro­nische) 174; — Dyspnoe bei ders. 35;
—nbsp; fötide 723, (Geruch der Exspirations-luft bei ders) 27.
Bronchocatarrhus chronicus 716.
Bronchophonio 63.
Broncho-Pneumonia 740; — catarrhalis
B.
Bandwürmer 607.
Bauart 7) — Einfluss ders. auf die Re­spiration 34; — Unterscheidung der­selben 8.
Bauch, Auscultation dess. 93; — Um-fangsveränderung dess. 91, 92.
Bauehdeoken - Ruptur, Erweiterung des Brustkastens bei ders. 29.
Bauchfellentzündung, acute 857; — chro­nische 860.
Bauchfellkoliken 832.
Bauohfluss 821.
Beckonknochen-iVactur 477.
Beschälausschlag 395, 888.
Besohälkrankhcit 393; — Symptome ders. bei Hengsten 399; — bei Stuten 401.
Beschälseuche 393.
Beschälseuohcnconlagium 397.
Beulensouche, sibirische 201.
Bliischenausschlag der Geschlechtstheile 395, 888; — der Maulschleimhaut 796.
Bläschengeräusch 56; — schwaches, un­deutliches 60.
Blascnausschiag, aoutor, allgemeiner 910.
Blasonlähraung 881.
Blascnschwanz, röhrenförmiger 508.
Blasenstoine 882.
Blasenwürmer 608.
Biatterdruse 359.
Bleivergiftung hei Kehlkopflähmung 707.
Blinddarm-Ruptur 840.
Blitzschlag 678.
Blutbeulcn bei Pseudoleukämie 555.
üluldyskrasio, fieberhafte 14; — Trocken­heit der Schleimhäulc bei ders. 25.
Bluterkrankheit 443, 714.
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Register.
921
741; — medicanaentaria 747; — mul­tiplex (bei Brustseucho) 212.
Broncho-pneumonische Eiterhorrle nach Brustseuohe 219.
Bruit de pot 1616 67,
Brustfellentzündung 757; — rheumatische 760.
Brustfellwassersucht 765,
Brustkrampf 720,
Brustorgane, Auscultation ders, 54.
Brustseuohe 207fr,; — ieterische Färbung der Schleimhäute bei ders. 21; — Nach­krankheiten ders. 21911., 234 ff.
Buchweizenausschlag 903.
Buckel 576.
Bulimic 85.
Convulsionen bei Epilepsie 643; — Eklamp­sie 647; — Tetanus 661. Coryza contagiosa 837. Costaltypus der Respiration 30. Croup 297,
Cyanose bei Darmmeteorismus 22. Cynanohe 682. Cysticercus flstularis 508. Cystisohe Herde in der Leber 178. Cystitis 881.
D.
Dämpfigkeit 706, 730; — der Lungen 732; — nervöse, remittirende 720.
Dampf 730; — feuchter 719; — trocke­ner 719,
Dampfrinno 39.
Darm, Achsendrehung eines Theils dess. 836, 844; Invagination, Intussusception dess. 836; — Obturation dess, 835; — Ruptur dess. 840; — Stenosen dess. 835.
Darmblutungen 98, 819.
Dartnbrüohe, innere 835.
Darraeinklemmung 835.
Darmeinschiebung 836.
Darmentzündung, acute (nach Erkältung) 827; — infectiöse 829; — bei Blut-lleckenkrankheit 426; — diphtherische 304; — toxische 828.
Darmerweiterung 816.
Darmexcremente, Beschaffenheit ders. 95;
—nbsp; nbsp;chemische Reaction ders. 97; — diagnostische Bedeutung ders. 97.
Darragase 93. Darmgeräusehe 55, 93, Darmgeschwüre 818, 819. Darmkatarrh, acuter (der Fohlen) 823,
824; — chronischer 825. Darra-Meteorismus, s. Windkolik. Darmmykosen 829. Darmperistaltik 92. Darrasteine 835. Darmverschlingung 836. Darmweh 831. Darrsucht 546. Dasielbeulen 171, Dasselfliege 524,
Deckhaar 17; — Ausfallen dess. 897. Decubitus bei Blulfleckenkrankheit 424; —
hei Kreuzrhehe 469. Degeneration der Leber (amyloide) 868;
—nbsp; der Muskeln bei Kreuzrhehe 460; — der Skeletmuskulatur (acute) 890.
Dermanyssus avium 535, 543. Dermatitis pustulosa contagiosa 385. Dermatocoptes 530. Dormatocoptesräude 533. üormatophagus 530.
c.
Carbonatsteine 879. Carbunkel bei Milzbrand 194. Carcinome 572;—der Lungen 178,730;
—nbsp; der Nasenhöhle 166; — der Ober-kieferböhle 166,701; — d Stirnhöhle701.
Caries der Oberkieferhöhle 162.
Castration gegen Beschälkrankheit 404,
Catarrhus (febrilis) 810; — gastro-duo-denalis 810; — intestinalis (chronious) 825; — (simplex) 680; — nasalis chre-nicus, s. Katarrh,
Cavemen der Lungen, brandige 764.
Cerebrospinalflüssigkeit 588.
Cerebrospinalmeningitis 329.
Cestodes 507.
Cheilitis phlegmonosa 799,
Chlornatrium im Harn 104, 105.
Cholesteringeschwülste bei Dummkolkr 615.
Chorioiditis bei Fohlenlähme 326, 332.
Chondroide im Luttsaok 703,
Cirrhosis hepatis (diffnsa) 866; — pulmo-num 727.
Circulationsapparat 68; — Krankheiten dess. 768.
Classification der Krankheiten 1,
Coenurus cerebralis 508.
Colchioin 806.
Colohicura autumnale 505.
Colica 831.
Collapsinduratlon der Lungen 727.
Congestion des Gehirns 589; — des Her­zens 768; — der Lungen 732, 708, (Dyspnou bei ders.) 34.
Conjunctiva, Anämie ders. 21 j — abnorme Färbung ders, 4; — Röthung ders. 20, (bei Endometritis) 887;— Secret ders. bei Druse 355,
Conjunctivitis diphtherica 302.
Constitution 8; — Schwächung ders. 9;
—nbsp; Unterscheidung ders. 9.
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Register.
Dermatophagusräude 540.
Diabetes insipidus 484.
Diagnostik, allgemeine ä.
Diaphragma-Geschwülste, Dyspnoe durch dies. 35.
Diarrhöe 821; — acute 823: — bei Brust­seuche (profuse) 244; — chronische 825;
—nbsp; bei Gastro-Enteritis 827, 829, 830;
—nbsp;bei Gelbsucht 496; — kritüche (bei Magen-Darmkatarrh) 811; — bei chro­nischer Peritonitis 860; — bei Pferde­staupe 282; — rheumatische 822.
Diathese, hämorrhagisohe 443; — bei Na­senbluten 713; — purulente 317.
Dickdarmgeriiusche 93.
Dickdarmkafarrh 825.
Digestionsapparat 83.
Digestionskrankheiten 795.
Dilatatio cordis 772.
Diphtherie 297.
Diphthcritis 297.
Diphtherisehe Herde der Conjunctiva 302; — der Darmschleimhat 302; — der Nasonsohleimhaut 299.
Divertikel des Schlundes 806.
Druekatrophie der Nierensubstanz 878.
Dourine 396.
Druse 163, 337; — brandige 361; — eon-tagiöso 352; — gutartige 357; — me-taslasironde 361;— miasmatische 352;
—nbsp; Nachkrankheiten ders. 358. Drusencontagium 346. Drusenkatarrh 345. Drusenmatcrie 373. Drusenpulver 373. Dünndarmgeräusohe 93. Dünndarmkatarrh 825.
Dummkollcr 613; — deuteropathischor 616; — errethischer 621; — idiopa-thischer 616.
Dura mater 587.
Durchfall, s. Diarrhöe.
Durst, Verschiedenheit dess. 86.
Dyspepsia aeida 819; — acuta 807; — chronica simplex 812; — durch ver­dorbenen Hafer 488; — norvosa 815.
Dysphagia paralytica 805; — bei Pharyn­gitis simplex 802; — bei Retropharyn-goalabscess 805.
Dyspnoe 29, 31; — laryngealis 32; — nasalis 32; — pulmonalis 32; — tra-chealis 32; — nach schwerer Anstren­gung 36; — bei Blutllecken-Krankheit 419; — bei lirustseuohe 225; — bei chron. Bronchitis 718; — bei Druse 355; — bei Kohlkopfpfeifen 709; — bei Kreuzrhehe 468; — bei Rotz 147;
—nbsp; bei Scalma 290; — bei Pleuritis 761; — bei Totanus 961.
E.
Ecchymosen 23.
Echinokokken 508.
Eclampsia s. Eklampsia.
Ectasie des Darms 816; — des Magens 816.
Eczema s. Ekzema.
Eigenwärme 1,2; — diagnostische Bedeu­tung ders. 13; — Steigerung ders. 14;
—nbsp; (postmortale) 16, Einfüttern 88. Binguss-Pneumonie 747. Eisballen 894. Eiterbrust 766. Eiterfleber 317.
Eiterinfeotion 317; — bei Druse 360.
Eitersucht 317.
Eiweiss im Harn 103.
Eklampsia 646; — idiopathica 647; — symptomatica 647.
Ekzema 903; — einfaches allgemeines 536, 904; — einfaches locales 903; — Inter-trigo 902; — krustöses 904; — pustu-löses 904.
Elephantiasis 168, 917.
Embolie der Eingeweidcarterien 515; — der Lungenarterion 750.
Kmbolische Herde der Lungen 176.
Emphysem der Haut 19; — (septisches) 19; — der Lunge 724; — alveoläves 725; — diffuses 725; — eotatisches 725; — interlobuläres 726; — inter-stitiellos (chronisches) 726; — substan­tives 725; — vesieuläres (acutes) 724;
—nbsp; vicariirendes 725.
Empyem der Brust 766; — bei Brust-seuehe 222, 238; — der Highmors­höhle 700; — dlaquo; Nasenhöhle 697.
Encephalitis 598; — acute 596.
Encephaloraalacie 598.
Encephalo-Meningitis 598.
Endarteriitis chronica nodosa s. defor-mans 789.
Endobronehitis chronica fibrosa 718.
Endocarditis 775; — partialis (chronica) 776; — ulcorosa 777; — verruoosa 777.
Endometritis catarrhalis chronica 886.
Enteralgia 831.
Enteritis diphtherica diffusa 304; — mul­tiplex 302; — nodularis (follioularis) aposteraatosa 818.
Entzündung des Bauchfells (acute) 857;
—nbsp; nbsp;(chronische) 860; — der Fascien 894; — der Gebärmutter (acute) 884;
—nbsp; des Gehirns 596, 598; — der Harn­blase 881; — des Herzens (acute) 771; —• (embolisohe) 772; — (paron-
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Register.
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chymatöse) 771; — des Herzbeutels 786; — der Hirnhaut (subaoute seröse) 595, 597; — des Kehlkopfs fi86; — (chronische) 695; — der Kieferhöhle 699; — des Knochenmarks (toxische) 586; — der Lungen 207, 738; — der Leber 864; — (der serösen Urakleidung ders.) 865, 866; — der Magen Darm-Schleimhaut (acute, diffuse, nach Er­kältung) 827; — (acute infectiöse, my-kotischo) 829; — toxische 828; — der Nieren 871; — (chronische) 873; — (eiterige) 877; — des Nierenbeckens 879; — (flbrinöse) 880; — der Pforl-ader 865; — des Ureters (flbrinöse) 880.
Ependyrascloroso 597.
Ephemera 380.
Epidermis 18.
Epidemia pectoralis Equ. 207.
Epilepsia 642; — acuta 646; — partialis 643; — Reflex- 643; — Binden- 642; — symptomatica 645; — universalis 643.
Epistaxis 713.
Equisetum, Vergiftung durch dass. 502.
Erbrechen 27, 838.
Erkältungsfleber 380.
Erkältungskolik 843.
Erkältungspneumonio 741.
Ermüdung, krankhafte 475, 891.
Ernährung, mangelhafte, Einlluss ders. auf den Haarwechsel 17; — auf die Leder­haut 19; — auf die Respiration 34.
Ernährungsstörungen, allgemeine 544.
Erythema 902; — idiopathicum 902; — Intertrigo 902; — symptomaticum 902.
Plächenangiom der Nasenschleimhaut 165,
702. Flechte 898 ff.; — kahlmachende 912;
— nässende 903. Flehmen 510. Fohlenlähme 320. Follioularabseesse der Darmschleimhaut
818. Fraotur der ßeckenknochen 477; — der
Wirbelsäule 477. Fremdkörper-Pneumonie 745; — bei Blut-
fleokenkrankheit 425; — bei Druse 366. Frömissement cataire 76; — endocardiales
76; — pericardiales 76. Froschgeschwulst 24. Füllondruse 348, Furunkulose 172, 901. Fassräude 540.
G.
Gähnen 31.
Gallonsteine 870.
Gangraena pulmonum 753.
Gangrän der Haut (progressive) 916; —
der Lun^e 753; — bei Brustseuohe 235. Gaslrcetasio 816. Gastricismus 807. Gastrisehe Störungen, Einlluss ders. auf
die Athmungsfrequonz 29. Gastro-Entoritis, thrombotisch-embolische,
hämorrhagisoho 516; — mykotischo 810;
— rheumatische 827; — toxische 828. Gastrophilus 624.
Gastrosis, fieberhafte 810; — simplex 807. Gastruslarvcn 524, Gaumensegel, Absoosso dess, hei Druse
363; — Verwundung dess. 162. Gobärmutterentzündung, acute 884; —
chronische katarrhalische 886. Gehirn, allgemeine Bemerkungen über
dass. 587; — Geschwülste in dems, 670. Qehirnabsooss 635, Gehirnapoplexio 666. Gehirnblutungen 666, Gehirncongestion 589, Gehirnentzündung, acute 596, 598. Gehirnhäute, Blutungen in dies. 667. Gohirnhyperämic 589. Gehirnkämpfe bei Brustseuche 232; —
acute epileptiforme 646; — idiopathischc
647; — symptomatische 647. Gehirnödem 595. 596. Gehirnwassersucht, acute 594, Gelbfärbung der Schleimhäute 21. Gelbsucht 862; — bösartige 21, 495; —
neugeborener Fohlen 863. Gelenkentzündung, multiple, seröse und
purulonte 333,
Padenwurm, warziger 509.
Fäces 95.
Fallsucht 642.
Fasoien, übermässige Anstrengung und Dehnung ders 895, 896; — Entzün­dung und Retraction ders. 894.
Faulflebor 308; — bei Druse 370.
Pebricula 380
Febris diaria 380; — gastrica 810; — hectica 545; — putrida 308; — sop-tioa 308.
Fibrome der Nasenhöhlen 165, 701,
Fibro-Sarkomo 564.
Fieber 13; — ephemeres 383; — durch Erkältung 380; — gastrisches 810; — purulentes 317; — pyämisches 316; — septisches 308.
Filaria megastoma 509; — papillosa 509.
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Register.
Gelenkkrankheit rlor Fohlen 333. Gelenkrheumatismus, acuter 892. Genickkrampf 672; — l)eiFohleiiläliine326. Geschlechtsorgane, Krankheiten ders. 884;
—nbsp; nbsp;Phyotiinenausschlag ders. 888. Geschwülste 563; — abscodirende 171;
—nbsp; bösartige 564; — bei Dummkolkr (in den Adergellechten des Schädels) 615;
—nbsp; im Gehirn 670; — gutartige 564;
—nbsp;am Herzbeutel 787; — in den Kopf­höhlen 701; — in der Leber 870; — der Lungen 727; — der Lymphdrüsen (bei Druse) 355, (bei Rotz) 147; — der Nasenhöhle 165; — der Oberkiefer­höhle 165; — der Pulsadern 792; — im Rückenmark 670; — in den Rücken-markshäuten 670; — des Schlundes 806;
—nbsp; schwarze 569.
Geschwüre des Darms 818, 819'; — des Magens 818; — der Nasensehleirahaut (bei ehr. Nasenkatarrh) 697, (bei Rotz) 121.
Giemen 62, 709.
Githagin 498.
Glatzflechte 912.
Glottiskrampf 690.
Glottisödem 689,
Grabmilbe 529, 532.
Granularatrophie der Nieren 874.
Grease 906, 907.
Grimmdarmruptur 840.
Grind 899.
Harn 100; - blutiger 104; — Eitcr-körperchen in dems. 102; — Eiweiss in dems. 103; — Hämoglobin in dvras. 104.
Harnapparat 99; — Krankheiten dess. 871.
Harnblasenentzündung 881.
Harncylinder 102.
Harnentleerung 99; — Störungen ders. bei Blasenlähmung 882; — bei Harn­ruhr 490.
Harngries S82.
Harnmenge 100.
Harnröhre, Hyperästhesie ders. 883.
Harmuhr 484.
Harnsediment 882.
Harnwinde, schwarze 449.
Hartschnaufigkeit 706, 731.
Haut, äussere 16; — Blutflecke in ders. bei Blulllockonkrankheit 172, 419; — spontane Blutung ders. 896; — Con-stitutionsstörungen durch dies. 9; — Exanthem ders. (pustulöses) 172; — bei Druse 359; — Mortification ders. bei Blutfleckenkrankheit 423; — Quet­schungen ders. 169; — Retentions-geschwülste ders. (knötohenförtnige) 173; — Röthung ders. (diffuse) bei Erythema 902; — Veränderungen ders. bei Harnruhr 490; — Zittern ders. 5.
Hautfarbe 18.
Hautgangrän, progressive 916.
Hautjucken 536, 898.
Hautkrankheiten 896.
Hautpigment, Verlust dess. 897.
Haulrotz 141; — chronischer 148; — metastatischer 141 ; — subacuter 142.
lloisshungor 85.
Hemiplegie 667.
Hepatitis 864; — apostematosa 864; — intcrstitialis produoliva 866; — mul­tiple nekrotisirendc (mykotische) 864; — parenehymatosa 864.
Hepatogener Icterus 862.
Herbstzeitlose, Vergiftung durch dies. 505.
Hernia bursae omentalis 835; — dia-phragmatica 835; — interim 836.
Herpes tonsurans 912.
Herz 68; — Auscultation dess. 77.
Herzaneurysma 783.
Herzbeutel, Bluterguss in dens 789; — Gas in dems. 789.
Herzbeutelentzündung 786.
Ilerzboutelgcschwülste 787.
Herzbeutel Wassersucht 788.
Herzcongtstion 768.
Hcrzcontrnctionen, frustrane 73.
Uerzflämpfung 69.
ilerzdämpfigkeit 731, 774.
llerzdilatation, s. Herzerweiterung.
H.
Haar 16.
llaarlingo 542.
Habitus 7.
Ilämatogenor Icterus 862.
Uäniatopinus macroeephalus 542.
llämatorrhaehis 666.
Hümatothonx 766; — bei Brustseuehe
232. Haematuria 104, 883; — renalis 883; —
urethralis 884; — vesicalis 884. Hämoglobin bei Kreuzrhehe (im Blut)
461, (im Harn) 462. Hämoglobinurie 104, 453. Uämopfricardium 789. Hämophilio 443, 714. Hämoptoc 714. Hiünoptysis 714. Hämorrhagia inlracerebralis 666; — intra
spinalis 666; — raeningea 666; —
raeningea spinalis 666; — pulmonalis
714. llämorrhagisthe Herde 23, 24. Ilämorrhagische Schwellung 23 Ualistcre'is Ossium 581.
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Register.
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nerzentaiindung, acute 771; — ombo-
lischc 772; — paronchymalöso 771. Ucrzersohöpfung 769. Herzerweitonmg 772. Horzfremitus 76. Ilerzgeräusche, endocardialo 78; — pcri-
cardiale 79; — tastbare (bei Herzfehlern)
76. Herzhypertrophie, s. Herzvergrösserung. Horzinsufficienz, acute 768. Herzklappen fehler 777. Herzklopfen 784. Herzneuroson 784. Herzpalpitationen, s. Herzklopfen. Herzruptur, spontane, bei Herzaneurysraa
783. Herzschlag 69; — Arhythmie dess. 74;
—nbsp; in diagnostischer Beziehung 73; — inäqualor 74; — in prognostischer Be­ziehung 73
Herzsohwiele 783.
Ilerzstoss 74; — Abschwächung dess. 75;
—nbsp; nbsp;Palpation dess. 76.
Herztöne 76; — Klangfarbe und Stärke
ders. 78. Herzvergrösserung 772; — excontrische
773; — idiopalhische 773. Houbauch 91. Hiemen, s. Giemen. Hirn, s. Gehirn. Hirnfunctionsstörungen 600. Hirnhaut, weiche, entzündliehe Reizung
ders. 329. Hirnhautentzündung, subacute seröse 597. Hirnhöhlcnwassersucht 595. Hirschkiankheit 660. Hitzausschlag 900. Hitzknötohcn 536, 900. llitzpccken 536, 900. Hodenrotz 144. Hodgkin'sohe Krankheit 554. llorse-pox 907. Hufgolenklahmheit, chronische, bei Brust-
seuebe 240. Hufrhehe 478. JJungcr-Kachexie 544. Husten 43; — bei Bronchialkatarrh 692;
—nbsp; bei chronischer Bronchitis 718; — in diagnostischer Hinsieht 45; — Kigen-schaften dess. 47; — Knlstehung dess. 44; — künstliche Krrcgung dess. 44;
—nbsp; nbsp;bei Kehlkopflähmung 708; — bei Laryngitis chronica 695; — bei Rotz 146; — mit offener Stimmritze 48, 708;
—nbsp; Ursachen dess. 46. Hustenreiz, bei Krkältungsfleber 382. Hustensto.ss 47.
Hydrämie 765.
Hydroccphalus acutus 594; — externus
595; — internus 595, (chronicus) 616;
— meningeus 595. Hydronephrose 878. llydropericardiura 788. Hydrops aoutns cerebri 594; — ventri-
culorum cerebri 595, (chronicus) 616. Hydrorhachis 672.
Hydrothorax 765; — bei Druse 366. Hydruria 485. Hyperämie des Gehirns (passive) 589; —
der Lungen 732 Hyperästhesie, allgemeine, bei Totanus
661; — der Harnröhre 883. Hyperuresis 485. Hypostase der Lungen 732, 741.
I.
Jaswa 201.
Icterus gravis 495, 862; — haematogener 862; — hepatogener 862; — katar­rhalischer 862; — neonatorum 863.
Ictrogen 495.
Jenner'sche Mauke 907.
[ncarcoiatio interna 835.
Incarcorationskolik 844.
Fncontinentia urinae 100, 882.
Indigestion 807.
Indigestionskolik 834, 844.
Induration der Lungen 727; — der Nieren 874.
Infection, septische 308; — primäre all­gemeine 810.
Infections- und Intoxioationskrankheiten 106.
Influenza 204;
pectoralis 207.
Insolatio 599.
Insufficienz der Aortenklappe 778; — des Herzens (acute) 768; — der Mitralis 777; — der Bulmonalklappe 781.
Integmentum commune 16.
Intertrigo 901; — (Erythema, Kkzema J.) 902.
Intestinalkatarrb, toxischer 810.
Intestinalmykosen, s. Darmmykosen.
Iritis bei Fohlenlähme 326, 332.
Juckkrankheit 400.
K.
Kachoxien 544.
Karpfenrücken 576.
Katarrh der Bronchialschleimhaut (acutor) 691; — (chronischer) 716; — der Ge­bärmuttor (chi'ünischer) 886; — des Kehlkopfs (acuter) 682; — der Kiefer* und Stirnhöhlensehleimhaut (chroni­scher) 699; — der Kopfschleimhäute (diffuser) 080; — der Luftsäcke (chro­nischer) 703; — der Magen - Darra-
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Rogistor.
Schleimhaut (acuter bei Fohlen) 823, 824; — (chronischer) 825; — der Maul­schleimhaut 795; — der Nase (aoutor) 680; — (chronischer) 690; — der Nasen-und ihrer Nebenhöhlen (chronischer) 161,699; — der Eaohenseh leim haut 800;
—nbsp; nbsp; des Respirationstractus (diffuser) 691; — (chronischer bei Druse) 358.
Katarrhalischor Icterus 862.
Katarrhalpneumonie 740.
Kaubewegungen 87; — Ungleichmässig-keit ders, 88; — Retardation ders. 89.
Kehlkopf, Athembewcgungen dess. 30j — AthmungBgeriiusohe dess. 51; — Blu­tungen aus der Schleimhaut dess. 714.
Kehlkopfdämpfigkeit 731.
Kchlkopfdyspnoe 32; — bei Druse 355.
Kehlkopfentzündung, acute infectiöse 686;
—nbsp; chronische oberflächliche 095. Kehlkopfhusten, chronischer 095. Kehlkopfkatarrh, aouter 682. Kehlkopfkrampf 690. Kehlkopflähmung, linksseitige 706; —
nach Brustseuche 240; — giemender Inspirationston bei ders. 43; — Modi-lication der Stimme bei ders. 42; — Respirationsstörungen bei ders. 33, 52.
Kcblkopfpfeifen, s. Kohlkopflähmung.
Kehlkopfrasseln 52
Kchlkopfrotz 124.
Kieferhöblenentzündurig, chronische 699.
Kiefcrhöhlenkatarrh, chronischer 161; — (einseitiger) 699.
Klagelaute 42.
Klappenfehler desHerzcnz 777; — Dyspnoe bei dens. 34.
Klappenzipfel, Kenstorung ders. 777.
Kleienllechte 898.
Kleienkrankheit 582.
Knochonbrüchigkeit, idiopathischo 580.
Knochenkrankheiton, oonstitutioncllo 575.
Knochenmark-Kntzündung, toxische 580.
Knochenmark - Infiltration, blutige, bei Krcuzrhehe 461.
Knochenrotz 144
Knochenschwund, lacunärer 582.
Knötohenhildung, multiple, in der Haut 530; — (bei lliiude) 533; — in der Leber 178; — in den Lungen 175; — in der Milz 179.
Knötchenrotz 119.
Knotenaussohlag, einfacher 900.
Kolik 478, 831; — Bauchfell- 832; — bei Brustseuche 223; — Complicalioncn bei ders. 840; — chronische 845; — embolische 845; — falsche 832; — habituelle 845; — bei Milzbrand 190;
—nbsp; rheumatische 834, 843; — sympto­matische 832; — wahre 832.
Koller, s. Dummkoller.
Kolpitis phlegmonosa 885.
Koplkrankhoit 424.
Kopfrose 424.
Kopl'schleirahäute, Anämie ders. (bei ehro-nisehcr Anämie) 551; — (bei houlcämie) 553; — (bei Leberblutung) 869; — (bei Pseudoleukämie) 554.
Kornrade, Vergiftung durch dies. 498.
Koryza, s. Coryza.
Krämpfe, epileptoide 645; — klonisohe 650; — klonisoh-tonische 650; — des Gehirns (acute epileptiforme) 646; — des Rückenmarks (acute klonischo) 645.
Krätze 530.
Krätzmilben 529.
Krampfgifte 647, 650.
Krampfkolik 843.
Krankheiten der Circulationsorgane 768;
—nbsp; nbsp;der Digestionsorgane 795; — der Geschlechtsorgane 884; — der Ilarn-organo 871; — der Haut 896; — der Leber 862; #9632;— des Nervensystems 587 ;
—nbsp; nbsp;durch thierische Parasiten 507; — der Respirationsorgane 680; — der Skeletrauskulatur 889; — Infoctions-krankheiten 106.
Krebs, s. Garcinome.
Kreisehen 52.
Kreuzlähmung, acute rheumatische 449;
—nbsp;durch Blitzschlag 679; — bei Brust­seuche 231; — chronische 895; — bei Pferdestaupe 283.
Kreuzrhcho 449; — Complicationon und Nachkrankheiten ders. 473; — Patho-genese ders. 460; — Rocidive ders. 471.
Krcuzschwäche 895.
Kropf 343.
Krötenlleeke 398.
Krüsohkrankheit 582.
Krugblasen 59.
Kyphosis 576.
Kypho-Skoliosis 576.
Lähme der Fohlen 333.
Lähmungen 674; — centralo (cerebralo und spinale) 674; — der Harnblase 881; — dos Kehlkopfs (einseitige) 706;
—nbsp; nbsp;des Kreuzes (unvollständige rheu­matische) 895; — des Mastdarms 855;
—nbsp; myopathischo 674; — neuropatlüsohc motorische 074i — periphore 074; — rhoumatischo 675; — deä Rückenmarks 675; — des Schlundes und Sohlund­kopfes 805; — des Sphincter ani 855;
—nbsp; sensible 674; — toxische 675; — traumatische 675.
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Register.
927
liiihmung dos Nervus cruralis 475, 678;
—nbsp; facialis 677; — rartialis 678; — recarrens sinister 706; — suprascajpu-laris 678; — trigerainus 676.
Laryngitis acuta 682; — aoutissima 689;
—nbsp; nbsp;(bei Retropharyngcalabscess) 804;
—nbsp; bei Blutfleckenkrankheit 424; — infeetiosa (aeuta) 686; — superficialis (chronica) 695.
Laryngo-Pharyngitis 683.
Läuse 535, 542.
Lauterstall 484.
Leber, cystische Herde in ders. 178; — Entzündung der serösen Umkleidung ders. 865; — KnStchenhildung in ders. (multiple) 178; — nekrotischo Herde in ders. 864.
Leberabsoess 864.
Leberatrophie, aeute, gelbe 495.
Leberblutung 868.
Lebercirrhose, hypertrophische 8G6.
Leberentzündung 864; — eitrige 864; — multiple, nekrotisirondo (mykotischo) 864; — parenchymatöse 864; — pro­ductive 866.
Lebergeschwülste 870.
Leberkrankheiten 862.
Leberrolz 143.
Leberruptur 868.
Leberverhärtiuig, diffuse 866.
Leerdarmruptur 840.
Leptomoningitis serosa acuta 596; — sub-aeuta 597.
Leukaemio 552; — gemischte 553; — lienalo 553; — lymphatische 167, 553;
—nbsp; myelogeno 553. Leukocytose 552. Leuma Equorum 272. Lieben 536, 899. Lordosis 576.
Lues venerea Equi 393. Luftsaokkatarrh, chronischer 166, 703. Luftsack-Meteorismus 704. Luftröhre, Athmungsgeräusche ders. 52;
—nbsp; Blutungen aus ders. 714; — Ver­engerung ders. 53.
Luftröhrendämpfigkeit 731.
Luffröhren-Dyspnoe 32.
Luftröhren-Rohren 53.
Luftröhrenrotz 125.
Lumbago gravis Equ. 449.
Lungen, Athmungsgeräusche ders. 54; — Auscultation ders. 54;— Dyspnoo ders. 33, (exspiratorische) 38; — embolische Herde ders. 176; — Jauchehorde in dens. bei Brustseuche 220; — Knöt-chonbildung multiple in dens. 175.
Lungenabseesse, metastatisohe750, 751; — nach Brustsouehe 219, 236.
Lungenblähung, acute 724.
Lungenblutsturz 715,
Lungenblutung 164, 714; — bei Brust­seuche 232.
Lungenbrand 753; — aputrider, feuchter 754; — bei ßrustsoucbo 235; — elr-cumscripter 754; — diffuser 754; — piimärer 764; — putrider, feuchter 754;
—nbsp; Sooundärer 754.
Lungen-Brustfellentzündung der Pferde,
ansteckende 207, Lungenearcinome 178, 730. Lungencongestion 732, 768; — acute 733;
—nbsp; passive 769. Lungendämpfigkeit 29, 174, 730, 732; —
bei chronischer Bronchitis 718; — bei
Rotz 147. Lungonemphysera 724; — Erweiterung
des Brustkastens bei dems. 29, Lungenentzündung 738; — bei Druse 365;
—nbsp; fibiinöse (oroupöse) 207; — infec-tiöse 739, (typische) 207; — katarrha­lische 740; — metastatische (abscodi-rende) 331, (brandige) 750; — bei Pferdestaupe 282; speckige 175.
Lungengangrän, s. Lungenbrand. Lungengoschwülste 727. Lungenhyperämie 732. Lungenhypostaso 732, 741. Lungeninduration 727; — bei chronischer
Bronchitis 718; — bei Rotz 138. Lungeninfaret, hämorrhagischor 176. Lungenödem 732;— collaterales 733; —
Costaltypus der Respiration bei dems.
30. Lungenrotz 127; —acuter 141; — chro­nischer 135; — subaouter 140. Lungensarkome 178, 730. Lupinenkrankheit 495. Lupinosis 495; — ictorische Färbung der
Schleimhäute bei ders. 21. Lupinotoxin 495. Lymphadenom, aloukämisches 555; — leu-
kämisches 555; — malignes 554. Lymphangitis, eiterige des Kopfes bei
Druse 360. Lymphdrüsen, Fettablagerung um dies.
167. Lymphdrüsengeschwülste555; — bei Druse
355; — bei Rotz (submaxillare) 147. Lymphom, malignes 554. Lymphomsarkora 555. Lyssa 179.
M.
Mähnengrind 899. Mähnenjucken 899.
Magen, Entzündung doss, acute (diffuse nach Erkältung) 827, (infectiöse) 829,
ocr page 946
928
Register.
(bei Blutlleckcnkrankheit) 426, (toxische)
828 i — Ruptur dess. 841. Magenblutungen 819. Magcn-Darmaffeetion bei Brustseuoho 231. Magen-Darmentzündung, acute (diffuse
nach Erkältung) 827; — infectiöse 829;
—nbsp; nbsp;toxische 828 ; — bei Blutllecken-krankheit 426.
Magen-Darmkatarrh, acutor 810, (der Foh­len) 823, 824; -- chronischer 825. Magenerweiteruug 816. Magengeschwür 818; — rundes 819. Magenkatarrh 807. Magenkoller 627. Magentiberladung 807. Maiiasmus 106.
Malleus 106; — oceultus 150. Mastdarm, Ruptur dess. 840. Mastdarmblutung, spontane 820. Mastdarmentzündung, chronische 854. Mastdarmlähmung 865. Mauke 902, 906; — exanthematische 907;
—nbsp; nbsp; fressende 916; — Folgezustände ders. 907; — Jenner'sche 907.
Maulhöhle, Ausflüsse aus ders. 26, (krank­hafte) 27.
Maulschloimhaut, Bläschenexanthem ders. 796; — Katarrh ders. 795; -- Schwel­lung ders. 24.
Maulsperre 660.
Melano-Sarkome 569; — der Kehlgangs-lyraphdriiseu 166; — Empfänglichkeit der Schimmelpferde für dies. 17.
Melanosen, s. Melano-Sarkome.
Meningitis basilaris serosa 596; — cere-brospinalis 329, (serosa acuta) 596; — convexitatis 596; — purulenta 673; — spinalis 671, (diffusa bei Brustseuche) 239.
Meteorismus des Darms 834, 844; — des Luftsaeks 704.
Metritis acuta, peracuti, septica 884; — diphtherica 885.
Miescher'sche Schläuche 893.
Milben 529.
Milbenwidrige Mittel 538.
Mikrocoecus botryogenus 728.
Milz, Knötehenbildung in ders. (multiple) 179.
Milzbrand 191; — acuter 195; — origi­närer 193; — subacuter 195.
Milzbrandbacterien 193.
Milzbrandfieber 195.
Milzbrandkarbunkel 195.
Milzbrandkolik 196.
Milzrotz 143.
Mitralinsuffloienz 777.
Mitralstenose 778.
Mondblindheit nach Brustseuche 240.
Morbus aphthosus 164, 385; — Bright!i
871, (chronieus) 875; — maculosus 410;
— sacer 642. Musk lanspannung bei Tetanus 660. Muskeldegeneration bei Krouzrhche 460. Muskelkrankheiten 889. Muskcllähmungen consecutive bei Kreuz-.
rhehe 473. Muskelrheumatismus, acuter allgemeiner
891. Muskelrotz 144. Muskelschwäche 544; — constitutionelle
neugeborener Fohlen 889. Muskelsteifheit des Hinterthoils bei Kreuz-
rhehe 467. Mutterkoller 627. Myelitis spinalis 671. Myocarditis acuta 771; —bei Brustseuche
231; — diffusa 771; — septica 771. Myomalaeie des Herzens 783.
N.
Nabelentzündung 327.
Nabelvenenenfzündung 327.
Narben auf der Nasonscheidewand 159.
Narkotische Vergiftungen 478.
Nasalton, klattschendor 51.
Nasenausllüsse 26;— blutige 26; — bei chronischer Bronchitis 719; — bei Druse 354; — eitrig-jauchige 27; — bei Rotz 145.
Nasenbluten 164, 713.
Naserdärapfigkeit 731.
Nasenontzündung, traumatische chronische 161.
Nasenfibrome 701.
Nasengeräusche 49; — krankhafte 51.
Nasengeschwüre bei chronischem Nasen­katarrh 697; — bei Rotz 146.
Nasenhöhlen, Athmungsgeräusche ders. 49; — Geschwülste in dens. 165.
Nasenkatarrh, acuter 160, 168; — bei Brustseuche 234; — chronischer 696, (doppelseitiger) 697.
Nasenlöcher, Verhalten ders. beiDvspnoe 37.
Nasenpolypen 701.
Nasenronchen 50.
Nasenrotz 120; — acuter 123; — sub-• acuter 123.
Nasenscheidewand, Narben auf ders. 159
Nasenschleimhaut, Blutgeschwülste in ders 164; — Croup ders. 164; — Flächen angiom ders. 165; — Geschwüre ders 24; — Hypertrophie ders. 702; — Knöt ehenbildung in ders. 159; — Schwel lung dors. 24; — Verätzungen ders, (oberflächliche) 161; — brandige Zer-
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Register.
929
Störungen in ders. bei Blutfleckenkrank­heit 424.
Nemathelmintha 509.
Nephritis 871; — acute diffuse 872; — chronische 873, (interstiticlle) 874, (par-enchymatöse) 873, (parenchymatös-interstitielle) 875; — circumscripte, herdweise 872; — eiterige (suppurative) 877; — cmbolisohe 520, 87G.
Nephrolithiasis 879.
Nephropyelitis 871.
Nervensystem, Krankheiten dess. 587.
Nervenlähmungen 676.
Nesselaosschlag 908; — aouter 909.
Nesselbeulen 908.
Nesselfieber 908; — Geschwülste dess. 19.
Nesselsucht 908; — chronische 909.
Netzbruch des Zwerchfells 842.
Neuleder-Goräusch 63.
Neurasthenie 674.
Neuritis prolifera ascendens bei Mastdarm­lähmung 855.
Neuroglia 588.
Neurosen des Herzens 784.
Nieren, Granularatrophie ders. 874.
Nierenabscesse 877; — embolische (bei Druse) 367.
Nierenbecken, Entzündung dess. (eiterige) 877, 879, (flbrinöse) 880, s. auch Pye-litis.
Nieronblutung 883, 884.
Nierenentzündung 871; — chronische 873; — eiterige 877; embolische 875; — parenohymatöso (bei Kreuzrhehe) 462.
Niereninduration 874.
Nierenkrankheit, Bright'sche 871.
Nierenrotz 144.
Nierenskleroso 874.
Nierensteine 879.
Nodi (Noduli) malleosi 120.
Ostheopsathyrosis 580. Oxyuris curvula 509.
P.
Pachydermie 917.
Pachymeningitis acuta 595.
Pallisadenwurm, bewaffneter 513.
Pallisadeuwürmer im Gehirn 523.
Palpitatio oordis 784.
Paraoentose des Thorax (bei Brustseuche)
249, (bei Pleuritis) 765. Paralysis 674; — recti 855; — s. Läh­mung. Paranephritis suppurativa 877. Paraplegia 668; — durch Blitzschlag 679;
muscularis incompleta 895; — rheuma-
tica acuta 449. Parasiten, thierische 507. Paresis 674.
Paronychia oxedens 916. Pasteur'sche Impfung gegen Tollwuth 191. Pectoralfremitus 63. Pediculus equi 542. Pemphigus acutus 536, 910. Percussion 64. Percussionsschall 65; — Klangfarbe dess.
66; — leerer 66; — metallischer 66;
— tympanitisoher 66; — voller 66. Perforationsperitonitis 858. Peribronchitis fibrosa diffusa 174, (Dys-
pnoe bei ders.) 35; #9632;— nodosa simplex
175. Pericarditis 786. Perihepatitis 865. Perimetrifis acuta 885. Peritoneum, Abscesse in dems. bei Druse
367. Peritonitis acuta 857; — chronische 860. Perlsueht 177. Pestis africana Equ. 203. Petechien 23; — der Maulschleimhaut
25; — der Nasenschleimhaut 24. Pfeifen 52, 706, 709. Pfeiferdampf 706. Pferdohaarling 543. Pferdelaus 642. Pferdopest, afrikanische 203. Pferdepocken 207, 907. Pferdestaupo 163, 272; — Complicationen
und Nachkrankheiten ders. 282; —
Diagnose und Prognose ders. 284. Pfortader-Entzündung 865. Pfriemensohwanz 509. Pfropfenkauen 677. Pharyngitis acuta 800; — bei Blutllecken-
krankheit 424; — simplex 801. Pharyngo-Laryngitis 682, 800. Pharynxabscesse bei Druse 364. 59
0.
Oberkieferhöhlengeschwülste 165. Obliteration der hinteren Aorta 792. Obstipation, einfache 853. Oedem des Gehirns 595, 596; — der
Glottis 689; — der Lungen 732; —
der Zunge nach Druse 361. 01 la rupta 67. Omphalitis 327. Omphalo-Phlebitis 327. Organkrankheiten 587. Orthothonus 660. Osteomalacie 581; — rothe 582. Osteomyelitis, chronische des Beckens und
der Oberschenkel 586. Osteoporose, allgemeine 581.
Dieckerhoff, Spec. Pathologie u. Therapie.
ocr page 948
930
Register.
Phlebitis umbilicalis 327.
Phlegmone— malleosa 125; — der Scheide
885; — der Subcutis (erysipelatöse)
169; — (purulente) 170. Phyotanenausschlag der Geschlcchstheilc
888. Pityriasis simplex 898. Plessimeter, Coaptation dess. G4. Pleurageräusche 53, 63. Pleurageschwülste, Dyspnoe bei dens. 35. Pleuritis 757; — abgekapselte 760; —
bilaterale (Erweiterung des Brustkastens
bei ders.) 29; — bei Brustseuohe 236;
—nbsp; nbsp;(eitrige) 221; — (granulans) 221;
—nbsp; (universalis) 231; — circumscripte, diffuse, locale, serosa, sicca, sero-fibri-nosa759i — granulans 752; — ichor-rhöso 760; — primäre 758; — rheu-matica exsudativa 760; — secundäre 758; — serös-purulente 760; — trau­matische 757.
Pleurodynie 735; — Erweiterung des Brust­kastens bei ders. 29.
Pleurothotonus 659.
Pneumonie 164, 738; — katarrhalische 740; — chronisch-eitrige (bei Brust­seuche) 236; — gesträubte Stellung des Deckhaars bei ders. 17; — embo-lische 749; — ephemere (infectiöse) 267; — fibrinöse (bei Blutfleckenkrank-heitj 425; — hypostatische 732, 744;
—nbsp; nbsp;iehorrhöse (bei Brustseuche) 235;
—nbsp; indurirendo 175; — lardea 728; — lobuläre 176; — raetastatioa 749, (apostomatosa) 331; — seröse 733; — speckige 728.
Pneumomalacie 754.
Pneumoperioardium 789.
Pneurao-Pleuresia contagiosa Equ. 207,
PneumoPleuritis contagiosa Equ. 207.
Pneumorrhagia 715.
Pneumothorax 766.
Pocken, canadischo 391; — englische 173,
391 913. Pocken derquot; Pferde 392, 007. Poikilocytose bei Anämie 551. Polyarthritis rheumatica aeuta 892. Polydipsie 488, 490. Polypen der Nasenhöhlen 165, 701. Polyurie 485.
Pomphi der Haut bei Nesselfleber 908. Progressive pernieiöse Anämie 550. Proktitis chronica 854. Pruritus cutaneus 898; — localis 899;
—nbsp; nbsp;universalis 898. Prusten 50.
Pseudohypertrophie der Skeletmuskeln
(progressive) 893. l'seudoleukämie 554. Psora 530.
Ptyalismus 799.
Pulmonalklappen-Insufficienz 781.
Puls, Eigenschafton dess. 80; — Unter­suchung dess. 79.
Pulsadergeschwülste 792,
Pulsionsdivertikol des Schlundes 806.
Function des Thorax bei Pleuritis 765.
Pyämie 316; — einfache 317; — meta­statische 318; — Dei Druse 366.
Pyohämie 317.
Pyelitis 877, 879; — diphlherische 879; — katarrhalische (calculosa) 879.
Pyelo-Nephritis 871; — ichorrhosa 879.
Pylephlebitis 865.
Pyo-Sephthämic 320.
Pyothorax 766.
Pyuric 878.
Quaddeln bei Nesselfieber 908.
R.
Rabies 179.
Rachenbräune SO).
Rachenkatarrh 160; — oberflächlicher (einfacher) 801.
Raohenschleirahaut, Entzündung dors, (katarrhalische) 800; — brandige Zer­störungen in ders. bei Blutflecken­krankheit 424.
Räude 530; — Sarcoptes 532; — Ueber-tragbarkeit ders. auf den Menschen 537; — Dermatoeoptes 533; — Der-matophagas 540.
Rana (Banula) 24.
Raspe 902.
Rasselgeräusch 52, 60; — feuchtes (grob­blasiges) 61; — trockenes 61, 62.
Rectum, Paralyse dess. 855; s. Mastdarm.
Reflexepilepsie 643.
Reibungsgeräusch 62; — hartes 62; — pericardiales 76; — weiches 62.
Reizhusten, chronischer 46, 695.
Respiration, beschleunigte 34; — Fre­quenz ders. bei Dyspnoe 36; — nor­male 30; — Verlangsamnng dew. 33; s. auch Athmen.
Respirationsorgane, Krankheiten ders. 680.
Respirationstractus, Blutungen aus dems. 713; — Katarrh dess. (chronischer nach Druse) 358; — (diffuser) 680; — Ver­engerung dess. 33.
Retentionsgeschwülste der Haut, knötchen-förmige 173.
Retraction der Fascien 894.
Retropharyngealabscess 803; — bei Druse 356.
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Register.
931
Bhachilis 577.
Rheho bei Pferdestaupe 283.
Rheumatismus bei Brkältungsfteber 382;
—nbsp; muscularis acutus 891. Rheumatische Kolik 884, 843. Rheumatische Kreuzlähmung, acute 449. Rhinitis, abgekapselte 697 ; — catanhosa
680; — chronica 696; — (bilateralis) 697; — diphtherica multiplex 299.
Rhinorrhagia 713.
Rhinosklerom 701.
Rhoncbi 60.
Rieseldampf 61; — bei chronischer Bron­chitis 719.
Riesenzellen-Sarkome 564.
Rindenepilepsie 642.
Ringfleohte 912.
Röhrenathmen 52, 53.
Rohr, Vergiftung durch dass. 504.
Rohren 52, 706.
Rollschwanz 509.
Ronchen 50.
Rotz 106; — Aetiologie dess. HO; — Blutdyskrasie bei dems. 144; — Dia­gnose dess. bei lebenden Pferden 155;
—nbsp; Kmpfängliehkeit für dens. Ill; — Geschichte dess. 106; — Sections-diagnose dess 173; — Symptome dess. 145; — Uebertragbarkeit dess. 112; — Unheilbarkeit dess. 154; — Vergleich dess. mit anderen Krankheiten 159; — Verlauf dess. 148; — acuter 154; — chronischer 153; — circumscripter 119;
—nbsp;diffuser 119; — endermatisoher 148;
—nbsp; infiltrirter 119) — subacuter 153;
—nbsp; nbsp;verborgener 150; — der Bronchien 127; — in der Haut und im Unter­hautgewebe 141; — in den Hoden 144;
—nbsp;des Kehlkopfs 124; — in den Knochen 144; — in der Leber 143; — der Luft­röhre 125; — der Lungen 127; — (chronischer) 135; — (mit diffuser ehr. Pleuritis und Hydro thorax) 140;
—nbsp; in den Lymphgefässen und Lymph­drüsen 142; — in der Milz 143; — in den Muskeln 144; — in der Nasen-schleimhaut 120; — in den Neben­höhlen der Nase 124; — in den Nieren 144; — des Schlundkopfs 126.
Rotzbacillus 110.
Rotzbubo 147.
Rotzdyskrasie 127, 144.
Rolzgosehwülste 120; — in den Lungen 138.
Rotzgeschwüre in der Nasensehleimhaut 24, 121; — (in diagnostischer Be­ziehung) 155.
Rotzgewächse 120; — in den Lungen 127;
—nbsp;(sarcomähnliohe, fibromähnliehe) 138. Rotzgranulom 119.
Rotzin filtration 119.
Rotzherde 120; — hämorrhagisohe 137;
—nbsp; in der Nasenschleimhaut 121. Rotzkatarrh der Lungen 139; — der
Nasenschleimhaut 122.
Rotzknoten 120.
Rotzknütchen 120; — in den Lungen 127.
Rotzneubildung, s. Rotzgranulom.
Rotzpapel 121.
Rückenmark, Blutungen dess. 666; — Ent­zündung dess. 671, 673; — Gesehwülste in dems. 670; — Lähmung desselben 675; — Systemerkrankungen dess. (570.
Rückenmarkshäute, Blutungen in dies. 668; — Entzündung ders. 671; — Ge­schwülste in dens. 670.
Rüokenmarkslähmung, durch Equisetum 503; — traumatische, rheumatische, toxische 675
Rundwürmer 509.
Rundzellensarkomo 564.
Ruptur der Achillessehne 476; — der Arterien und Venen (spontane) 794;
—nbsp; des Darms 840; — des Magens 841;
—nbsp; der Leber 868.
S.
Salivation 799; — bei Pharyngitis simplex 801; — bei Stomatitis 795; — bei Tollwuth 184.
Sandkolik 835, 845.
Sarcoptes 529.
Sarooptcsräudo 532.
Sarkome 564; — harte 564; — der Lun­gen 178, 730; — melanotische 569; — in der Nasenhöhle 166; — in der Ober­kieferhöhle 166, 701; — in der Stirn­höhle 701; — weiche 564.
Sattclräude 901.
Saugmilbe 533.
Scabies 530; — dermatocoptica 533; — dermatopliagica 540; — sarcoptiea 532.
Scalraa 287; — abnorm helle Färbung der Schleimhäute bei ders. 20.
Schachtelhalm 502, 503; — s. Equisetum.
Scheerflechte 912.
Schimmelpilze 505.
Schleimhäute 20; — Färbung ders. 20, (blasse, anämische) 20; — Feuchtig­keitsgehalt ders. 25; — Gelbfärbung ders. 21, (bei Gelbsucht) 496; — Rö-thung ders. (dunkle) 21; — Schwellung ders, 23; — Trockenheit ders. 25.
Sehluckbeschwerden 90; — bei Druse 355; — bei Pharyngitis simplex 801; — bei Schlundstenose 806.
Schluckpneumonie 746; — beiBluttlecken-Icrankheit 425; — bei Druse 366; —
59*
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932
Register.
Complication ders. mit Pharyngitis simplex 802.
Schlunddivertikel 806.
Schlunderweiterung, allgemeine 806.
Schlundgesohwülste 807.
Schlundkopfabscesso bei Druse 362.
Schlundkopfentzündung, oberflächliche 160; — s. Pharyngitis.
Schlundkopflähmung 805; — bei Pharyn­gitis simplex 802.
Schlundkopfrotz 125.
Schlundlähmung 805.
Schlundstenose 806.
Schmutzflechte 898.
Schnauben 50.
Schnaufen 49; — übermässiges 50.
Schnieben 51.
Schnüffeln 50.
Schorffleehte 904.
Schrumpfniero 874.
Schrundenmauke 906.
Schüttelfrost 17.
Schutzmauke 392, 907.
Schwäche, constitutionelle 544; — ner­vöse 674; — Lebensschwäche neuge­borener Fohlen 889.
Schweifgrind 899.
SchweifJQcken 899.
Schweinsberger Krankheit 866.
Schwindel 636; — idiopathischer, sym­ptomatischer 636.
Schwindflechte 536, 899.
Solerostomum armatum 513.
Scrofula Equi maligna 127.
Senkrücken 576.
Sephthämie 308; — primäre 310.
Seufzen 31.
Skeletmuskulatur,Degenerationders.(acute) 890; — Krankheiten ders. 889; — Pseudohypertrophie ders. (progressive) 893.
Sommerräude 900.
Sonnenstich 599.
Spasmus glottidis 690.
Speichelfluss 799; — s. Salivation.
Speichclsecretion, verstärkte 25.
Spei-eröhre s. Schlund.
Sphincter ani, Erschlaffung dess. 99; — Paralyse dess. 855.
Spinalapoplexie 668.
Spinalmeningitis 673.
Spindelzellensarkome 564.
Spiroptera megastoma 509.
Spitzenstoss des Herzens 74.
Springkoller 630.
Spulwurm 509.
Spulwurmkolik 511.
Sprunggelenkgalle, rheumatische 336.
Stalltyphus 274, 308, 830.
Starrkrampf 655; — allgemeiner 659; —
brummendes Klagen während dess. 42;
—nbsp; rheumatischer 666; — postmortale Temperatursteigerung bei dems. 16; — s. auch Tetanus.
Status gastricus 807.
Staupe, s. Pferdestaupe.
Stauungsicterus 862.
Steinkolik 845.
Stenose des Darms 835; — des Ostium aortioum 780; — am linken Ostium atrio-ventriculare 778; — des Schlun­des 80G.
Stenson'soher Speichelgang, Verwachsung dess. 167.
Stimme 41; — heisere 42; — Modification ders. 42.
Stimmritzenkrampf 690.
Stirnhöhlenkatarrh 699.
Stirnhöhlensarkome 701.
Stöhnen 42, 63; — diagnostische Bedeu­tung dess. 43.
Stomatitis aphthosa 391; — erysipelatosa 798; — erythematosa 795; — pustu-losa (contagiosa) 385; — simplex 795;
—nbsp; vesieularis 796. Strangulatio interna 835. Strangulationskolik 844. Strengel 344. Strongylus armatus 513.
Subcutis, Abscesse in ders. 170; — ery-sipelatöse Entzündung ders. bei Druse 361; — Phlegmene ders. (erysipelatöse) 169, (purulente) 170; — bei Druse 366.
Suflusionen 23.
Sugillationen 23; — der Nasenschleim­haut 24.
Synovitis suppurativabei Eohlenlähme 326.
Systemerkrankungen des Rückenmarks 674.
T.
Tabes intestinalis 546.
Taeniadae 507.
Tastwahrnehmungen 67.
Taumelkrankheit 503.
Temperament 10.
Temperatur, s. Eigenwärme.
Tenesmus 99; — bei Mastdarraentzün-dung 854.
Tetanin 657.
Tetanus 655; — idiopatbicus 656; — partialis 659; — rheumaticus 656; — toxicus 656; — traumaticus 655; — universalis 659; — s. auch Starrkrampf.
Tetanusbacillus 657.
Thalerfleoke 399, 400.
Thermometrie 14, 15.
Thorax, Blutanhäufungen in dems. und da-
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Register.
933
durch bedingte Dyspnoo 35; — Erwei­terung dess. bei Dyspnoo 37; — Func­tion dess. bei Pleuritis 765.
Thrombenbildung im Herzen 781.
Thromboso der hinteren Aorta und ihrer Aeste 476, 792; — der Eingoweide-artericn 515.
Ton des gesprungenen Topfes 66, 67.
Tollwuth 179; — Pathogeneso ders. 181; — Symptome ders, 183; — häufigos Wiehern bei ders. 42.
Toxische Kolik 835.
Trachea, s. Luftröhre.
Trachealgesohwüro bei Rotz 126.
Tracheo-Bronchitis acuta 691; — ehro-nica 716.
Traotionsdivertiltel des Schlundes 806.
Traubenpilz 728, 918.
Trichodectes pilosus 543.
Trichophyton tonsurans 912.
Trinkwasser, Vorschiedonheit der Auf­nahme dess. 86, 87.
Trismus 660.
Tuberkelbaoillen 504.
Tuberkulose 177, 405; — Symptome und Verlauf ders. 407.
Tumores malleosi 120.
Tujfin 418.
u.
Ueberfressen 807.
Ueberfütterung 807.
Ueberfütterungskolik 809, 834, 844.
Ueberköthcn 890.
Ulcus rotundum vontriculi 819; — s. Ge­schwüre.
Ureter, Entzündung dess. (flbrinöse) 880.
Urin, s. Harn.
Uriniren, kaltes 486.
Urocystitis haemorrhagica 884.
Urticaria 171, 908; — bei Pferdestaupe 283.
Uterus, s. Gebärmutter.
V.
Variola equina 392, 907. Venenpuls 82. Venenruptur, spontane 794. Verengerung, s. Stenose. Verfang 450.
Vergiftung durch Equisetum 502; — durch verschimmeltes Putter 506; —
durch Herbstzeitlose 505; — durch Kornrade 498; — durch Lupinenfuttor 495; — narkotische 478; — durch Rohr 504.
Verschlag 450.
Verschluckungspneumonie 746.
Verstopfuiigskolik 835, 844.
Verstopfung ohne Kolik 853.
Vertigo 637; — stomacalis 627.
Vesioulärgeräuseh 56; — abgeschwächtes 57; — in diagnostischer Beziehung 58; — sacoadirtes 58;— verstärktes (schar­fes) 58.
Vibices 23.
Vogolmilbon 535, 542.
Volvulus 836.
Vulva, Schwellung ders. bei Beschälkrank­heit 401.
w.
Wassersucht, s. Hydrops.
Weissblut 552.
Werlhof'sohe Krankheit 413.
Wiehern 41.
Widerstand unter dem Hammer 67.
Wildmilzbrand 193-
Wildseuohe 193.
Windbrust 766.
Windkolik 20, 834, 844; — Cyanose der Maulsohleimhaut bei ders. 20, 22; — Costaltypus der Respiration bei ders. 31.
Windrhehe 449.
Wirbelsäulenfraotur 477.
Wittern 60.
Wolfshunger 85.
Wundstarrkrampf 655.
Wurm, s. Hautrotz.
Wurm-Aneurysmen der Eingeweidearte­rien 515.
Wurmkolik 835, 845.
Wuthkrankheit 179.
z.
Zähneknirschen 89.
Zehrfieber 545.
Zucker im Harn 105.
Zunge, epithelialor Belag auf ders. 25; — Oedem ders. bei Druse 316; — Schwel­lung ders. 24.
Zwerchfell, Netzbruch dess. 842; — Zer-reissung dess. 842.
Zwölffingerdarm, Ruptur dess. 840.
CJednickt bei L. Schumaciier in Berlin.
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