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l/er zweite Band der speciellen Pathologie und Therapie, welcher in 4 Lieferungen ausgegeben werden soll, hat nicht so schnell, als in der Absicht des Verfassers lag, fertig gestellt werden können. Wir bemerken indess, zu der hiermit erfolgenden Voröd'cntlichung der ersten Lieferung, dass die weiteren Abtheilungen dos Buches nunmehr in kurzen Fristen zur Ausgabe kommen sollen.
Berlin, im October 1891.
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Dieckerhoff.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;August Hirschwald,
Verlagshandlung.
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BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
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LEHRBUCH
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DER
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SPECIELLEN
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PATHOLOGIE UND THERAPIE
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THIERARZTE.
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NACH KLINISCHEN ERFAHRUNGEN BEARBEITET
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W. DIECKERHOFF Dr. mbd. h. o.
PROFESSOR AN DER THIERÄHZTLICHEN HOCHSCHULE ZU BBBLIN,
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Zweiter I Siind.
Die Krankheiten der Wiederkäuer und Schweine.
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Allgemeine Diagnostik der Rindviehkrankheiten.
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Uie Diagnostik der inneren Krankheiton beim Rinde basirt auf den gleichen allgemeinen Regeln, wie beim Pferde (vorgi. Bd. I, S. 3). Gleichwohl erfordert dieselbe wegen der Verschiedenheit in der Individualität beider Thiergattungen ein besonderes Studium. Für die Ermittelung der Krankheiten, deren Charakter nicht ofFensichtlich ist, hat der Thierarzt im Allgemeinen zu berücksichtigen, dass einfache und begrenzte Ent-zündungsprocesse in den inneren Organen das Gesamratbcfinden des Rindes sehr oft nur wenig alteriren, dass ferner die Respirationsscbleim-haut gegenüber den Erkältungsreizen relativ wenig empfänglich ist und dass bei der in der Haltung des Rindviehs fast allgemein üblichen Abweichung von der naturgemässen Ernährung die sporadischen Krankheitsfälle in der grösseren Zahl aus Störungen in den Digestionsorganen hervorgehen.
Als Richtschnur ist auch für die speciello Diagnostik der Rindviehkrankheiten zu beachten, dass alle Thatsachen, welche über die Natur des Leidens Aufschluss geben können, sorgfältig eruirt und nach ihrer ätiologischen und pathogenetischen Bedeutung geprüft werden müssen. Dass bei einigen Krankheiten (acute Blähsucht, Kalbeficber, ferner ansteckende Krankheiten nach ihrer Feststellung in einem Viehbestande etc.) manche Fälle auf den ersten Blickquot; erkennbar sind (Angesichtsdiagnose), kann den Worth dieses Grundsatzes nicht wesentlich beeinflussen. Denn sehr oft sind die Symptome nicht so pathognomisch, dass sich ihr Zusammenhang mit einer bestimmten ursächlichen Schädlichkeit schon per Distanz ergeben könnte. Genaue objective Erhebungen aus der Anamnese sind für die Diagnose bei ansteckenden Krankheiten, Vergiftungen, gastrischen Leiden, entzündlichen Affectionon der Gebärmutter etc. unerlässlich. Wenn unter Berücksichtigung dieser Fcst-
O i er k r ih n 11 , 8\tcc. Pathologie u. Therapie. IJ. Bd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i
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Habitus Acs Rindes.
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Stellungen aus den Symptomen ein oder mehrere Organe als Sitz der krankhaften Störung ermittelt sind, so ist nach Massgabe der pathologischen Erfahrung zu prüfen, auf welches concrete Leiden die specieilen Befunde in ihrer Gesammtheit sich zurückführen lassen. Von grossem Werthe ist hierbei die Methode der Ausschliossung von bestimmten Krankheiten wegen des Fehlens einzelner Symptome (Diagnostik nach dem positiven und negativen Befunde).
Das Studium der Symptomatologie und Diagnostik der Rindviehkrankheiten ist auf die Aneignung gesicherter Kenntnisse über die nachstehend geschilderten Zustände und Functionsanomalien zu richten.
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I. Habitus des Rindes.
Aenderungen im Habitus treten bei allgemeinen Krankheiten des Rindes zwar in der Regel hervor. Sie sind aber zum Theil, namentlich bei chronischen Leiden in den Initialstadien und bei geringem Umfange der pathologischen Proccsse so wenig in die Augen fallend, dass sie nur von geübten und mit den Lebensäusserungcn der Thiere ziemlich genau vertrauten Sachverständigen bei sorgfältiger Beobachtung erkannt und beurtheilt werden können.
Bauart. Die gleichmässigo Ernährung des Rindes ist nicht blos bei Störungen in der physiologischen Leistung der Verdauungsor^ano, sondern oft lediglich dadurch verringert, dass die Thiere einen mangelhaften Körperbau resp. eine unvollkommene Entvvickelung der Mittelhand besitzen. Flache Stellung und abnorme Kürze der falschen Rippen, sowie mangelhafte Ausbildung der Lendenwirbel sind immer mit einer relativ geringen Leistungsfähigkeit der Verdauungsorgane verbunden. Bei den betr. Rindern bleibt oft trotz guter Fütterung der Nährzustand dürftig und die aus allgemeinen Krankheiten resultirende Körperschwäche erreicht einen aussergewöhnlich hohen Grad, so dass die Thiere sich entweder gar nicht oder nur bei zweckmässigor Hülfe vom Boden erhoben können. Auch erfolgt die Genesung von krankhaften Störungen weniger schnell, als bei den besser gebauten Thieren.
Milchkühen und Arbeitsochsen wird bei mangelhaftem Bau der Hintergliedmassen, namentlich bei sprunggclcnkenger (kuhhessiger) Stellung, sowie bei abnormem Eesselstand und langen Klauen das Aufstehen im Stalle beschwerlich. Durch massige Fasstransporte ermüden solche Thiere nicht selten in einem krankhaften Grade, so dass sie sich nur langsam bewegen können, oder die Kraft einbüssen, um sich vom Boden zu erheben (Kreuzschwächo).
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Habitus dos Rindes.
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Constitution. Aus wirthsohaftlichon Gründon wird bei Rindern die Unterscheidung einer groben und feinen Constitution mehr gewürdigt, als bei Pferden. Solche Versohiodcnhciton, die für die Diagnostik der Krankheiten kein unmittelbares Interesse haben, beruhen auf einer angeborenen Anlage und gelten als besondere Eigenschaften bestimmter Racen, Schläge oder Familien. Von grösserer semiotischer Bedeutung ist die schlaffe (lymphatische) Constitution, die bei Milchkühen, Kälbern und Färsen nicht selten vorkommt und die Ernährung, bezw. die Milchsecretion beeinträchtigt, auch den Verlauf der gastrischen Störungen (Indigestion) erschwert. Dass solche Thiere bei Transporten leichter ermüden, als die Rinder mit robuster Constitution, erklärt sich von selbst. Die schlaffe Constitution giebt sicli durch Mangel an Geschmeidigkeit und Elasticität der Haut am Rippcnkörpor und an den Schultern, ungleiche Abschilferung der Epidermis, rauhes, glanzloses Haai und zuweilen durch juckende Empfindung in der Haut zu erkennen. Ein Merkmal der gesunden Constitution ist das Ausrecken der Wirbelsäule bei Thieren, die nach längerem Liegen aufstehen. Kälber, die an septischer Infection leiden, bekunden aber ein häufiges Recken der Wirbelsäule als Krankheitssymptom. Wie sich die grobe und auch die schlaffe Constitution beim Rinde durch naturgemässe Ernährung verbessern (verfeinern) lassen, so benachtheiligt andererseits eine allgemeine Nutritions-anomalie sehr oft die Constitution auf eine längere Zeit. Diese Beschränkung in der physiologischen Assimilation der Nährstoffe beim Rinde ist seit dem Alterthum unter dem Namen der Harthäutigkeit (Coriago) bekannt. In der That liegt in der abnormen Beschaffenheit der Haut das wesentlichste Moment für die Diagnose des Zustandes. Die Haut ist trocken, derb, zuweilen lederhart und am Rippenkörper in der Subcutis schwer oder gar nicht verschiebbar. Wird die Haut schnell zu einer Falte zusammengefasst, so lässt sich mitunter ein leicht knarrendes Geräusch vernehmen. Die Epidermis ist rauh und schilferig; das struppige Haar wird nicht erneuert. Selbst bei relativ reichlicher Futtcraufnahme ist die Ausnutzung der Nährstoffe ungenügend. Diese Constitutionsanomalie kann aus einer quantitativ oder qualitativ mangelhaften Ernährung hervorgehen und mit dem Charakter einer selbständigen Krankheit, besonders im Winter, mehrere Monate lang fortbestehen. Erst im Frühjahr und bei anhaltender naturgemässer Ernährung mit gutem Grünfuttcr stellt sich die normale Constitution wieder ein. Andererseits steht die hier besprochene Alienation in der Constitution sehr oft mit allgemeinen Störungen der Ernährung (kachektischen Krankheiten) in Verbindung. Namentlich gehört dieselbe zu den Symptomen der allgemeinen Tuberkulose,
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Habitus dos Rindes.
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sowie der Lecksucht, Knochenbrüchigkeit, Leukämie, chronischen Unver-daulichkeit und anderer zur krankhaften Abmagerung führender Leiden.
Tciii|ieranicnt. Hinsichtlich der Definition des Temperamentes verweise ich auf ßd. I, S. 10. Abhängig von der Organisation des Gehirns, sowie von der Lebensweise der Thiere und resp. von den durch die Viehhaltung bedingten äusseren Eindrücken lässt sich im Allgemeinen das natürliche Temperament des Rindes leicht dahin dirigiren, dass die Thiere folgsam und zu den üblichen wirthschaftlichen Nutzungen geeignet werden. Indess ist die Rückkehr zu dem den wildlebenden Wiederkäuern eigenen Temperament bei den im Freien (im Walde oder auf entlegener Weide) belassenen Rindern nicht selten. Mir sind mehrere Fälle bekannt, in welchen Bullen und Färsen in grössoren Forsten wochenlang sich aufhielten und vollständig verwilderten, so dass die Thiere auf einer förmlichen Jagd getödtet werden mussten, um die Gefährdung von Personen zu verhindern.
Durchschnittlich ist auch bei Rindern im jugendlichen Alter das lebhafte Temperament (die Lust) vorherrschend, während die Thiere in den höheren Lebensjahren ruhig und gleichgültig gegen die Umgebung werden. Nicht selten findet sich bei Ochsen, aber auch bei Kühen und Stieren das träge Temperament. Es erklärt sich von selbst, dass dasselbe den Worth der Arbeitsthiere erheblich vermindorn kann. Abnorm reizbar wird das Temperament bei vielen Bullen, weniger oft bei weiblichen Rindern. Sprüchwörtlich ist die Erregung der Thiere durch Necken mit rothem Tuch.
Ein boshaftes Temperament (die Neigung, Menschen mit den Hörnern anzugreifen und zu verletzen), welches sich bei Bullen leicht ausbildet, wird auch bei Ochsen in einzelnen Fällen beobachtet, aber nur selten bei Kühen. Ein im Stalle angebundener Bulle von boshaftem Temperament widerstrebt den fremden Personen, die in die Nähe kommen, indem er laut brüllt und mit den Vorderfüssen scharrt, auch im Blick und in der Haltung die Tendenz zum Angreifen bekundet. Furchtsam ist das Temperament bei fast allen weiblichen Rindern, die sich an Personen noch nicht gewöhnt haben. Die Thiere suchen sich der Annäherung des Menschen zu entziehen. In eigenthüralicher Art äussert sich nicht selten bei den im Stalle stehenden und fortdauernd nur von einem bestimmten Wärter verpflegten Kühen und Ochsen das ängstliche Temperament. Sobald eine oder mehrere Personen in den Stall kommen und ein Thier aus geringer Entfernung betrachten, so zeigt dasselbe ein Unbehagen. Es frisst hastig von dem in der Krippe befindlichen Futter, oder es dreht den Kopf zur Seite und beobachtet die Personen mit stierem, unstäten Blick. Zuweilen brüllt es wiederholt
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Habitus des Rindes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
oder es wird unruhig und scharrt mit einem Vorderfusso. Solche Erscheinungen sind ausweislich der Literatur schon öfter auf eine krankhafte Erregung des Nervensystems bezogen und mit der Tollwuth oder der Rinderpest in Verbindung gebracht worden. Das schreckhafte Temperament kommt nicht selten bei Kühen vor. Die fraglichen Thiere zeigen im Stalle beim Herantreten von Personen eine grosso Unruhe und springen fortdauernd von einer Seite zur anderen. Sie gestatten das Melken gewöhnlich nur einer bestimmten Person, an die sie sich einmal gewöhnt haben. Widersetzlich ist das Temperament zuweilen bei Milchkühen. Die Thiere dulden das Melken nicht, springen vielmehr nach der Seite und schlagen auch wohl mit den Hinterfüssen absichtlich gegen den Milcheimer oder die betr. Person.
Bei vielen Krankheiten ändert sich das normale ruhige Temperament des Rindes in einer auch für die Diagnostik bemerkenswerthon Art. Die Tollwuth bedingt stets ein ängstliches und unruhiges Benehmen der Thiere, welche anhaltend brüllen und besonders durch die Wahrnehmung eines noch relativ weit entfernten Hundes in starke Aufregung gerathen. Krankheiten des Gehirns veranlassen in ganz vereinzelten Fällen neben knbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; anderen Hcrdsymptomon Unruhe und Brüllen. Eine krankhafte Er-
regung des Temperaments wird ferner regelmässig im Initialstadium bei Vergiftungen durch Spiritus, Opium (Klatschrosen) und andere Exci-tantien hervorgerufen.
Die Herabsetzung des Temperaments (Unlust) tritt bei den meisten, namentlich bei allen schmerzhaften Krankheiton ein. Hierbei beachten die Thiere die Umgebung fast gar nicht und wenn sie im Stalle liegen, so leisten sie dem Antreiben zum Aufstehen nur ungern Folge. Der Blick ist stier; das Bewusstsein von dem aus den inneren Organen entstammenden Unbehagen oder von der Schmerzempfindung ganz in Anspruch genommen. Ochsen, in einzelnen Fällen auch Kühe, zeigen bei relativ geringfügigen Krankheiton neben der Unlust des Temperamentes nicht selten einen Eigenwillen. Wenn solche Thiere im Stalle liegen, so lassen sie sich nicht zum Aufstehen bewegen, reagiren insbesondere nicht auf die gewöhnlichen Antreibungsmittel (Anrufen, Schlagen, Treten gegen die Schultermuskeln oder Drehen der Schwanzrübe), dagegen stehen sie wenige Minuten nachher oder im Laufe einiger Stunden zuweilen aus eigenem Antriebe auf.
Die vollständige Aufhobung des Temperamentes deckt sich semio-tisch mit dem soporösen Zustande, der als Symptom der Gebärparcse (Kalbfieber), der acuten diffusen Entero-Peritonitis, einzelner septischer Infectioncn und schwerer narkotischer Vergiftungen vorkommt.
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6nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Eigenwärme des Rindes.
2. Eigenwärme des Rindes.
Zu diagnostischen Zwecken wurde die Thermometrie beim Rinde während des Horrschens der Rinderpest in England 1865 zuerst mit Erfolg ausgeführt. Seit dieser Zeit hat sich die genaue Ermittelung der ßluttemperatur bei der Untersuchung von Rindern wegen einer Krankheit in der thierärztlichcn Praxis verallgemeinert. Wie beim Pferde (vergl. Bd. I, S. 13), so wird auch beim Rinde zweckmässig die Temperatur im Mastdarm festgestellt. Nur wenn der Sphincter ani nicht vollkommen schliesst, ist bei Kühen die Temperatur der Vagina zu ermitteln. Für die Praxis eignet sich ein Maximumthermometor von 20 bis 30 cm Länge am besten. Dass die Uebereinstimmung des Instrumentes mit einem Normalthermometer controlirt werden muss, ist selbstverständlich.
Zur Erlangung eines sicheren Resultates ist das Thermometer 5 bis 6 Minuten im Mastdarm zu belassen.
Bei gesunden Rindern liegt die Temperatur zwischen 37,6 bis 39,60 C. In einzelnen Fällen kann dieselbe aber um einige Decigrade höher oder niedriger sein. Des Morgens beträgt sie gewöhnlich, aber nicht constant, 0,2 bis 0,4deg; C. weniger als am Abend. Kälber und Färsen haben im Allgemeinen eine etwas höhere Blutwärrae, als alte Kühe. Nach den zahlreichen Messungen, die von Peters, Flernming, Gerlach, Stock-fleth, Siedamgrotzky, Robertson u. A. vorgenommen sind, berechnet sich die Durchscluiittstempcratur gesunder Rinder auf 38,8deg; C.
Die Frage, ob bei einem Rinde Fieber in geringem Grade besteht, lässt sich zuweilen durch die Thermometrie bei der ersten Untersuchung nicht mit Sicherheit entscheiden. Eine Rectumtemperatur von 39,6deg; ist bei solchen Rindern, deren Blutwärme in der Norm 37,5 oder bis 38,5quot; beträgt, fieberhaft, während bei anderen Rindern der Nachweis einer Tomperaturhöhe von 39,6 und ausnahmsweise selbst von 40,0deg; sich noch nicht auf eine Krankheit bezichen lässt. Indess ist für die Praxis auf die seltenen Ausnahmefälle kein entscheidendes Gewicht zu legen. Eine Rectumtemperatur von 40,0deg; und darüber gilt danach als Symptom einer fieberhaften Erkrankung. Ueber42,00 steigtauch bei Rindern die Eigenwärme nur in sehr seltenen Fällen. Zur frühzeitigen Erkennung acuter fieberhafter Infections- und Intoxicationskrankheitcn (Rinderpest, Lungenseuche, Milzbrand, Ruhr, Pyosephthämie etc.) bietet die Ermittelung der fieberhaften Erhitzung des Körpers grosse Vorthcilo, Denn bei der relativ geringen Vulncrabilität in der Constitution des Rindes veranlasst die Steigerung der Eigenwärme um 2,0 bis 3,0deg; für sich allein gewöhnlich noch keine augenfällige Störung des Gesammtbofindens. üas Ansteigen
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Haut.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
der Fiebertemperatur über 41,0deg; beruht auf einer schweren Intoxication des Blutes mit pyrogcncn Stoffen. Auf eine Gefahr für das Leben der betr. Rinder ist aber aus dieser hohen Temperatur nur dann zu schliessen, wenn dieselbe mehrere Tage hindurch anhält, oder wenn sie mit schweren Entzündungsprocesscn an den inneren Organen in Verbindung steht. Dagegen würde es irrthümlich sein, bei ephemerem infectiösem Nasenkatarrh oder bei einer parenchyraatösen Mastitis wegen einer hohen Fiebertemperatur eine Gefährdung des Lebens bei den erkrankten Thieren anzunehmen.
Die fieberhaften Krankheiten der Rinder besitzen im Allgemeinen den Charakter der Febris continua, wobei aber nach dem Verhalten der Locaiprocesse kürzere oder längere Remissionen nicht ausgeschlossen sind. Im Verlaufe einer schweren Gastroenteritis, der Rinderpest, acuter und tödtlicher Vergiftungen etc. sinkt die Eigenwärme des Körpers vor dem Ableben der Thiere zuweilen bis auf 35,0deg; und selbst noch tiefer. Die krankhafte Erniedrigung (bis zu 35,0deg;) kommt auch im Initialstadium der Gebärparese (Kalbfieber) vor, wie Adam zuerst constatirt hat.
Die erhebliche fieberhafte Erhitzung des Körpers bedingt eine an der Dorsaltiäche der Hand nachweisbare höhere Temperatur der Maulhöhle, der Oberlippe (Flotzmaul) und der Ausathmungsluft. Dieselbe ist ferner am Grunde der Ohren und der Hörner, sowie am Euter und wenngleich weniger deutlich, auch durch Auflegen der flachen Hand auf dem Rippenkörper zu fühlen. Dem Grade nach durch den grösseren oder geringeren Blutgehalt der Hautgefässe bestimmt, erhält sich die krankhaft erhöhte Wärme der Haut nicht fortdauernd auf gleicher Höhe. Die Haut wird vielmehr zeilweise heiss und zu anderen Zeiten kühl. Zu berücksichtigen ist, dass die Gliedmassen, der Schwanz mit Ausnahme des Anfangstheils, die oberen Partien der Ohren und Hörner stets weniger warm sind, als die übrigen Körpertheile. Violfach sind die fieberhaften Krankheiten, besonders in den ersten Stadien, von einer ungleichen Vertheilung des Blutes in der Haut begleitet, so dass sich letztere an einzelnen Regionen warm, an anderen kühl anfühlt. Am besten kann die ungleiche Erwärmung der Haut am Grunde der Ohren und der Hörncr von dem Thierarzt ermittelt werden, wenn derselbe gleichzeitig mit dor linken und rechten Hand je ein Ohr oder Horn umfasst.
3. Haut.
Die durch exanthematische Krankheiton (Scabies, Herpes, Eczema, Erysipelas etc.) bedingten Veränderungen derHautwcrden im speciellenTheil dieses Lohrbuchsihre Besprechung finden und deshalb hier nicht.borücksichtigt.
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Zwischen der Dicke und Elasticität der Haut einerseits und der Beschaffenheit des Deckhaars andererseits besteht bei Rindern, wie bei anderen Thieren üobereinstimmung. Nach der ererbten Anlage und dem Nährzustande erscheint daS Haar mehr grob oder fein (vergl. S. 3). Bei anhaltend dürftiger Fütterung und bei chronischen, mit mangelhaftem Stoffumsatz verbundenen Krankheiten wird das Deckhaar nicht erneuert; es bleibt lang, rauh und glanzlos. Eine gesträubte Stellung erlangt das Haar bei fieberhaften Affectionen. Partieller Verlust des Haares findet sich, abgesehen von den Hautkrankheiten, als eine Folge des Scheuerns und Leckens, wenn durch Verunreinigung der Haut ein erheblicher Juckreiz entsteht.
In der Farbe der Haut treten diagnostisch verwerthbare Aenderungen nur bei weissen Thieren resp. an den weissen Partien des Körpers ein. Bei chronischen Krankheiton verliert die Hautfarbe ihren Glanz; sie wird matt, schmutzig gelb und nicht selten strohgelb. Die Bedingungen der Gelbfärbung bestehen, vorzüglich bei chronischen Darmkrankheiten, aber auch bei der Lupinosis, sowie bei der allgemeinen Tuberkulose und bei anderen kachektischen Leiden. Früher wurde die Pathogenese der gelblichen Farbe in allen Fällen auf die Einlagerung von Gallenfarbstoff in die Haut bezogen (hepatogener oder Resorptions-Icterus). Soweit die Erscheinung bei Krankheiten der Leber' und der Gallenwege vorkommt, lässt sich gegen diese Deutung ein begründeter Einwand nicht erheben. Da aber auch bei intacter Beschaffenheit der Leber die Haut der krankhaft abgemagerten Thicre sich an den meisten Körperstellen oft gelblich färbt, so ist anzunehmen, dass die Veränderung auch durch die beim hämatogenen Icterus sich vollziehende Umwandlung von Hämoglobin in Hämatoidin, welches mit dem Bilirubin übereinstimmt resp. durch die Einlagerung von Hämatoidin in die Haut herbeigeführt werden kann.
Die Epidermis besitzt bei gut genährten und gepflegten Rindern eine weiche, zarte Beschaffenheit'; sie wird fortdauernd ergänzt, so dass das verhornte Material nicht haften bleibt. Jede allgemeine Krankheit bedingt bei längerer Dauer eine Verzögerung in der Abstossung der Epidermis; letztere wird rauh und schilferig. Hierbei erscheint die Haut, namentlich am Halse, am Rippenkörper und auf dem Kreuz wie mit Staub bedeckt. Eine ähnliche Beschaffenheit erlangt die Haut durch die bei Unterlassung der Hautpflege oft vorkommende Anhäufung von Staub. Nicht selten bewirken die Staubpartikelchen eine Reizung, wodurch sich die Haut (in der Steissgrubo, in der Genickgrube, zwischen den Hörnern und am Halse) verdickt.
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Die allgemeine Beschränkung des Stoffwechsels in der Haut ist ein wichtiges Symptom bei constitutionellen Störungen (vergl. S. 3). Selbst wenn die Thiero hierbei nicht im gewöhniiehon Sinne an einer Krankheit leiden, so ist doch die Gesundheit resp. die wirthschaftliche Ertragsfähigkeit keine vollkommene. Hierdurch rechtfertigt sich der allgemein bekannte Brauch, bei der ßcurtheilung eines grösseren Rindes auf seine Gesundheit und seinen Werth die Elasticität und Weichheit der Haut einschliesslich des Unterhautgewebes zu prüfen. Zwcckmässig geschieht die Untersuchung durch Verschieben der Haut auf den Rippen mittels der Fingerspitzen oder durch die Bildung von Falten am Halse und auf dem Rippenkörper.
Die bei Rindern oft und an den verschiedensten Körperstellon auftretende Schwellung der Subeutis hat zum Theil einen acuten entzündlichen Charakter und kann durch Quetschungen oder Verwundungen bedingt sein. An den Hintergliedmassen entsteht bei der Mauke eine diffuse ödematöse Schwellung. Zuweilen haben die entzündlichen Oedeme einen infectiösen Ursprung. In den ersten Tagen nach dem Gebären, besonders wenn die Nachgeburt nicht rechtzeitig abgegangen und der Fäulniss verfallen ist, stellen sich bei Kühen mitunter phleg-monöso Processe mit erheblicher und schmerzhafter Schwellung in der Subeutis an der inneren Fläche eines oder beider Hinterschonkel ein. Durch Wundinfection kommt im Kehlgange und seiner nächsten Umgebung zuweilen eine starke Entzündungsgeschwulst zur Ausbildung. Auch bei der Wildseuche entstehen Exsudate in der Subeutis, namentlich im Kehlgange, um den Kehlkopf und am Halse. Einen infectiösen Ursprung haben ferner die blutigen Oedemequot;, welche an den Hintergliedmassen, am Bauche und unter der Brust, wie vor der Luftröhre und am Kehlkopfe sich entwickeln können.
Die Anfüllung der Subeutis mit Serum (Hydrops der Haut, Ana-sarka) wird nur in vereinzelten Fällen als Folge dürftiger Ernährung (chronische Hydräraie) bei Kühen beobachtet. Häufigor ist die ödematöse Schwellung der Gliedmassen, des Bauches und der Brust (Zellgewebs-wassersucht) in den Fabrikwirlhschafton bei Ochsen, die fast ausschliess-lich mit den Pressrückständen der Zuckerfabrication ernährt werden und hiernach eine schwere Ernährungsanomalie durch Verarmung des Blutes an Eiweiss (Hydrämie) erleiden. Stauungsödem in der Subeutis an den Gliedmassen ist ein Symptom der chronischen fibrösen oder ulceröscn Endocarditis, wenn die belrolfendcn Rinder den Krankheitsverlauf bis zu Ende durchmachen. Ziemlich constant entsteht bei der traumatischen Pericarditis ein Stauungsödem im Kehlgange und an der Luftröhre in
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Lymphdrüsen.
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der als Trielquot; oder Wammequot; bezeichneten lockeren Hautpartie, sowie vor und unter dem Brustbein. Die Transsudation ist oft nur gering, erreicht aber zuweilen einen relativ grosson Umfang, so dass die Haut sich stark anspannt und ein glänzendes Ansehen erlangt. In Ausnahmefällen kann bei der Porlsucht eine gänseei- bis faustgrosse Lyraphdrüsen-gcschwulst unmittelbar oberhalb dos Herzens entstehen und durch Behinderung der Circulation ein Stauungsödem im Kehlgange und am Halse herbeiführen.
Das Eindringen von Luft in das ünterhautgewebo (Hautemphysem) giebt sich beim Betasten der geschwollenen Partie mit den Fingern durch ein eigenthümliches Knisternquot; zu erkennen. In der grössten Mehrzahl der Fälle wird die Luft von den Lungen durch die Athem-bewegungen in die Unterhaut getrieben. Das Hautemphysem kann bei sonst gesunden Ochsen und Kühen eintreten; es beschränkt sich zuweilen auf die untere Region des Halses, verbreitet sich aber nicht selten über grosso Partien des Brustkastens an einer oder an beiden Seiten. Seine Entstehung ist auf die Zerreissung von Lungenalveolen nach heftigen Athembewegungen oder bei starken Hustenanfällen zurückzuführen. Im Vorlaufe der Rinderpest, bei welcher das Hautemphysem am Brustkasten und am Rücken oft zu constatiron ist, scheinen die Lungenalveolen durch die eigenthümliche Störung des Stoffwechsels zu Rupturen besonders zu incliniren.
Derbe Geschwülste (Sarkome) von Hühnerei- bis Handtellergrösse bilden sich allerdings nur selten in der Unterhaut bei der allgemeinen Sarkomatoso. Häufiger sind die nicht nachtheiligen Fett-goschwülstc in der Subcutis bei fetten, namentlich bei übermässig gemästeten Rindern der Shorthorn-Race, auf dem Kreuz, dem Rücken und am unteren Rande der falschen Rippen,
Die Sklerose des Unterhautgewebes (Sklorodermic) ist bei Rindern sehr selten. Ich habe nur einen solchen Krankheitsfall bei einer ostfriesischen Milchkuh beobachtet, bei welcher die entzündliche Verdickung der Subcutis an der linken Schulter begann und sich im Verlaufe von 6 Wochen auf den Thorax der linken Seite, sowie über den Hals verbreitete. Die Genesis dieser Krankheit ist ganz unbekannt, scheint aber auf einer cigenthümlichen Infection zu beruhen.
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4. Lymphdrüsen.
Obgleich schwere Veränderungen der grösseren Lymphdrüsen bei Rindern in Verbindung mit aeuten und namentlich chronischen Infcclionskrankheiten
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Schleimhäute.
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sehr oft eintreten, so liegen diese Organe doch zum überwiegend grössten Theil in den Körperhöhlen, in welchen sie für die Untersuchung der Thiere intra vitam nicht zu erreichen sind. Nur im Kchlgange, am Halse, in den Kniefaltcn, in der Leistengegend und am Euter oberhalb der hinteren Viertel befinden sich grössero Lymphdrüsenpacketo, welche bei einer Schwellung durch die Haut gefühlt werden können. Auftreibungen und Verhärtungen dieser Lymphdrüsen kommen zuweilen bei der allgemeinen Tuberkulose vor. Die actinomykotische Neubildung in den retropharyngcalen Lymphdrüsen bedingt eine derbe Geschwulst in der Ohrdrüsenregion. In der Subcutis der Flanken finden sich oft ein oder mehrere bohnen- bis haselnussgrosse, verschiebbare Knoten, welche zuweilen irrthümlich mit der Tuberkulose (Perlsucht) in ursächliche Verbindung gebracht werden. Diese Knoten beruhen auf einer einfachen Hyperplasie kleiner Lymphdrüsen; ihre Entstehung erfolgt unabhängig von einer Krankheit und eine nachtheiligo Bedeutung haben sie überhaupt nicht.
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5. Sclileimhnute.
Leicht ausführbar ist die Betrachtung der Maulschleimhaut, während von der Nasenschleimhaut nur ein relativ kleiner Theil gesehen werden kann. Von der Conjunctiva lässt sich durch Druck mit dem Daumen und Zeigefinger der den Blinzknorpcl an der vorderen Fläche bedeckende Theil leicht sichtbar machen. Dagegen erfordert die Umwendung des oberen Augenlides bei Rindern einige Gewandheit. Die Sclera tritt an dem hochgehaltenen Kopfe beim Emporheben des oberen Augenlides hervor. Zur vollständigen Befunderhebung bei allgemeinen Infectionskrankheiten (Rinderpest, Sephthämie, Milzbrand etc.) dient endlich die Besichtigung der Schleimhaut im Scheidenvorhof.
Die Färbung der Schleimhäute ist de norma nach individuellen Figen-thümlichkeiten verschieden. Im unteren Theile der Maulhöhle findet sich bei den Rindern der grauen, der algäuer und anderer einfarbiger Racen die Schleimhaut dunkel pigmentirt, während die Rinder der nord- und mitteldeutschen Racen keine pigmentirte Maulschleimhaut besitzen. Die Conjunctiva erscheint bei gesunden Thicren zuweilen hell-oder lichtroth, oft aber mattroth oder fahlroth. An der Sclera ist in Folge einer leichten Pigraentirung die weisse Farbe weniger klar, als bei Pferden.
Die blasse (anämische) Färbung kommt als Symptom vieler Krankheiten vor. Derselben liegt stets eine Veränderung des Blutgehaltes in den Gefässen der Schleimhäute zu Grunde. Bei der Rinder-
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Schleimhäute.
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post ist das Blut, abgesehen von der Verringerung seiner Gesammtmenge, der Regel nach im Körper nicht gleichmässig vertheilt und in einzelnen Fällen erscheint bei dieser Krankheit die Conjunctiva blutleer (blaas). Eine geringe Erblassung der Kopfschlcimhäuto tritt in Folge Verarmung dos Blutes an Hämoglobin im Verlaufe der Abmagerung bei gastrischen Störungen und noch auffälliger bei chronischen infectiöson und consti-tutionellon Krankheiten ein. Mohr oder minder vollkommen erblassen die Schleimhäute beim Blutharnen (Hämoglobinurie), sowie bei schweren Verlusten von Blut in tote (innere Verblutungen in Bauch- und Brusthöhle).
Die Gelbfärbung der Schleimhäute ist bei Rindern im Allgemeinen nicht häufig. In diagnostischer Hinsicht darf nicht übersehen werden, dass auf der oberen Fläche der Zunge das Epithel bei älteren Rindern fast immer mit Farbstoff aus dem Futter imprägnirt ist, wodurch die Farbe mehr oder weniger dunkelgrün und zuweilen auch graugelb erscheint. Schmutzig gelblich wird die Maulschleimhaut bei chronischen Krankheiten des Magens und Darmkanals. Die chronischen, mit erheblicher Behinderung der Secretion und Entleerung der Galle verbundenen Krankheiten der Leber und der Gallenwege verursachen auch bei Rindern eine Gelbfärbung der Schleimhäute (Resorptionsicterus, hepatogener Icterus).
Die dunkle Röthung der Schleimhäute ist ein Symptom bei acuten fieberhaften oder toxischen Allgemeinkrankheiten, bei welchen das Blut an Sauerstoff verarmt und die arteriellen Capillaren sich dementsprechend mit dunkelrothem Blut füllen. Für die Diagnostik be-merkenswerth ist die Röthung des an Capillargefässen reichen Zahnfleisches der Unterkieferschneidezähno bei fieberhaften Krankheiten (Rinderpest im Initialstadium, Lungenseuche, Milzbrand, bösartiges Katarrhalfieber etc.). Im Uebrigen ist die Wirkung der pathogenen Mikroben und der Toxine auf die rothen Blutkörperchen nicht bei allen fieberhaften Krankheiten gleich. Demgcmäss erscheint auch die dunkle Röthung der Schleimhäute verschieden. Beim Milzbrand und bei schweren diffusen Darmentzündungen sind die Schleimhäute, besonders die Conjunctiva dunkclbraunrolh (diffuse venöse Färbung). Andere acute fieberhafte Krankheiten (Lungenseuche, Rinderpest, parenehymatöso Eutcr-entzündung, acute Bauchfellentzündung otc), sowie die chronischen fieberhaften Zustände bedingen eine diffuse mattrothe oder fahlrothe Färbung (ziegelfarbeno Röthung). In den letzton Stadien tödtlich verlaufender Allgemcinkrankheiten, in welchen oft eine Darmentzündung besteht, wird die Maulschleimhaut zuweilen blauroth (cyanotisch).
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Ausfluss aus Augon, Nase, Maulhöhle und Scheide.
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Die entzündlichen Aft'ectionen des Respirationstractus, bei welchen die Nasensclileimhaut mitleidet (bösartiges Katarrhalfieber, ephemerer infectiöser Nasenkatarrh), bedingen eine stärkere, aber mehr arterielle (entzündliche) Röthung der Schleimhaut.
Die Schwellung der Schleimhäute ist als Symptom allgemeiner Krankheiten nur selten zu beobachten. Die Conjunctiva inclinirt bei Rindern zur Infiltration mit Blutserum viel weniger, als bei Pferden. Blutige Schwellung und hämorrhagische Herde (Ecchymosen, Pe-techien, Extravasate) in der Conjunctiva und in der Maulschleimhaut kommen bei Milzbrand, Scphthämie, Rinderpest und beim bösartigen Katarrhalfieber vor. Die ödematöse Schwellung der Zunge wird bei der Wildsouche zuweilen beobachtet.
Erosionen (herdweise Abstossung des Epithels) entstehen in der Maulschleimhaut und auch am unteren Ende der Nasenschleimhaut bei der Rinderpest und beim bösartigen Katarrhalfieber; Aphthen und in Folge derselben oberflächliche Defecte des Epithels bei der Maulseuche in der Maulschleimhaut und beim Bläschenausschlag der Kühe im Scheidenvorliof.
Die Trockenheit der Maulschleimhaut ist ein Merkmal der höheren Grade einer fieberhaften Erkrankung. Augenfällig findet sich dieselbe an der äusseron Fläche der Oberlippe (Flotzmaul, Nasenspiegel). Da in Folge des fieberhaften Processes die Secretion der Flotzmauldrüsen aufhört, so trocknet das Epithel ein und es entstehen in demselben seichte Risse (trockenes und rissiges Flotzmaul). Auch die Maulschleimhaut wird bei schweren Entzündungen der Magen-Darmschleimhaut durch die Beschränkung der Speichelabsonderung trocken.
Die Erhöhung des Feuchtigkeitsgehaltes auf den Schleimhäuten ist als Symptom einiger Krankheiten von Bedeutung. Zu den Erscheinungen der Rinderpest, des bösartigen Katarrhalfiebers und des ephemeren infectiösen Nasenkatarrhs gehört die gesteigerte Secretion der Thränendrüscn. Infolgedessen sammelt sich Thränenflüssigkeit im Con-junctivalsack. Bei der Aphthenseuche behalten die Thiere zur Linderung der Schmerzempfindung den Speichel eine Zeit lang im Maul zurück.
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6. Ausfluss ans Angeii, Nase, Maulhöhle hihI Scheide.
Ausfluss aus den Augen. Thränenflüssigkeit entleert sich aus dem inneren Augenwinkel bei der contagiösen Conjunctivitis und bei traumatischen Augenentzündungen; ferner bei der Rinderpest und dem bösartigen Katarrhalfieber, in geringem Grade auch bei dem ephemeren
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Atisfluss aus Augen, Nase, Maulhölile und Scheide.
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infectiösen Nasenkatarrh. Ist der Thränenerguss stark, so markirt sich derselbe auf der Haut am äusseren Kaumuskel in einer schnurförmigon Linie, auf der die Thränen tropfenweise herabfliessen. Durch erheblichen Kräfteverfall und Abmagerung im Verlaufe acuter oder chronischer Krankheiten wird das permanente Zurückziehen des Augapfels in die Orbita bedingt. Die hierbei in den Lidsack eindringende Luft reizt die Conjunctiva und verursacht infolge dessen eine krankhafte Secretion der in derselben gelegenen Schleimdrüsen, deren Product (eine grauweisse oder schmutzig graue Materie) die inneren Augenwinkel verklebt. Dieselbe Erscheinung findet sich aber auch bei jeder anderen schleimigen oder eiterigen Blepharitis.
Anslliiss aus der Nase stellt sich bei den mit Reizung oder exsudativer Entzündung der Nasenschleimhaut verbundenen Krankheiten ein (Rinderpest, bösartiges Katarrhalfieber). Das Deject besieht aus Schleim, ab-gestossenem zerfallenem Epithel und serösem Transsudat. Beim bösartigen Katarrhalfieber entleeren sich zuweilen faulig zersetzte Fibrinfetzen von üblem Geruch. Eiterige Proccsse in der Bronchialschleimhaut, die im Verlaufe der multiplen bronchieetatischon Herde, ferner bei der Lungentuberkulose einschliesslich der käsigen Pneumonie und als Folge-leiden der Lungenseuche entstehen, führen in den vorgeschrittenen Krankheitsstadien mitunter zum Ausfluss einer grauweissen, dickflüssigen, faulig riechenden Materie aus den Nasenlöchern.
Blutige Ausflüsse aus der Nase, welche bei Rindern seltener beobachtet werden, als bei Pferden, finden ihren Ursprung in der Ruptur kleiner Blutgefässe der Schleimhaut in der Nase, der Luftröhre oder der Bronchien.
Ausfluss aus dem Maul. Die Entleerung von Speichel aus der Maulhölile (Geifern) ist ein Symptom jeder schmerzhaften Reizung der Maulschleimhaut, entsteht aber ausserdera auch durch speeifische (toxische) Erregung der Secretion in den Speicheldrüsen. Das Geifern kommt dementsprechend bei vielen Krankheiten vor. Jede Stomatitis, besonders die aphthöse und die ulceröse, steigert die Speichelsecrction. Eine Ueberproduction und Abfluss von Maulspeichel mit und ohne Kaubewegungen finden sich ferner bei Intoxicationen durch Brechwcinstein, Blei- und Quecksilberpräparate, Salpeter, Tabak und andere scharfe Gifte. Das Geifern wird auch bei den von Lähmung des Schlundkopfes begleiteten toxischen Krankheiten beobachtet. Die Rinderpest und das bösartige Katarrhalfieber verursachen in den letzten Krankheitsstadien übol-riechendeMauldejectionen von zersetztem Epithel, Blutllüssigkeit und Speichel.
Beim Erbrechen entleeren sich Futterstoffe aus dem Maul, welche
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Respirationsapparat.
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dem Inhalte des Pansens und der Haube entstammen. Das Erbrechen des Rindes beruht in einzelnen Fällen auf einer selbständigen Magen-affection. Häufiger kommt dasselbe als Symptom einer Vergiftung durch metallische oder pflanzliche Substanzen vor.
Ausflugs aus der Scheidelaquo; Geringfügige Entleerungen von Blut stehen bei Färsen mit der Brunst in Verbindung und sind nicht von krankhafter Bedeutung. Der Auslluss eines Gemisch's von frischem oder zersetztem Blut mit serösem Exsudat wird während der ersten Tage nach der Geburt, namentlich nach Schwergeburten und Aborten oft beobachtet. Bei der chronischen Gebärmutterentzündung (Endometritis purulenta) entleert sich zeitweise eiterig-schleimiges Deject von grau-weisser Farbe und zähflüssiger oder gallertartiger Consistenz. Da ein Theil des Dejectes mit den Haaren des Schwanzes verklebt, so kann der Befund einer schmierigen, missfarbenon Masse an dem letzteren ein wichtiges Moment für die Erkennung der Endometritis abgeben.
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7. Rcspirationsapparat.
Form, Umfang und Durchincsscr des Thorax unterliegen bei gesunden Rindern nach den allgemeinen Eigenschaften der Racen und Schläge, sowie nach dem besonderen Bau des Körpers einigen Verschiedenheiten. Bei geringer Tiefe dos Rumpfes und schmaler Brust sind auch die Lungen unvollkommen; sie besitzen demnach nicht die normale Festigkeit und Widerstandsfähigkeit. In diesem Verhältnisse berulit die Erklärung für die bekannte Thatsache, dass gute Milchkühe, bei wefchen sich sehr oft der vorgedachto Bau des Brustkastens findet, eine Prädisposition für chronische Katarrhe der Bronchien und ihre Folgen besitzen.
Mit der erheblichen Abmagerung des Körpers bei chronischen All-gemeinkrankheiten vermindert sich der Brustumfang im Ganzen. Die für gewöhnlicb nicht nachtheiligo Impression einzelner Rippen an einer Seite bleibt nach der Verheilung von Rippenbrüchen zurück. Eine Erweiterung des Thorax wird durch schmerzhafte Entzündungen des Zwerchfells, des Herzbeutels und der Brustwand (traumatische Pericarditis, Lungenseuche) oft bedingt. Die Thiere sind hierbei bemüht, durch möglichste Beschränkung der Verschiebungen des Rippenkörpers und des Zwerchfells die Schmerzerapfindung zu mildern. Aussordem wird die Erweiterung der Rippenwandungen bei übermässiger Füllung, besonders bei starkem Metcorismus der Vormagen, beobachtet; mit derselben verschaffen sich die Thiere eine Erleichterung der durch Belastung des Zwerclifella bewirkten Üyspnoe.
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Die Frequenz des Athmens ist bei gesunden Rindern sehr ungleich; sie schwankt gewöhnlich zwischen 1625 Athcrazügcn in der Minute, geht aber in einzelnen Fällen bis auf 14 herunter und steigert sich bei manchen Thieren bis auf 30 in der Minute. Nach den Untersuchungen Fürstenberg's athmen die Kühe durchschnittlich 21 Mal, Bullen und Ochsen dagegen 24 Mal in der Minute. Physiologisch erhöht sich die Zahl der Athcmzüge durch den Einfluss heisser Witterung und hoher Temperatur der Luft in den Ställen; ferner durch reichliche Aufnahme von Rauffutter und bei hochtragenden Kühen durch die Belastung des Zwerchfells. Unter solchen Einwirkungen kann die Zahl der Alherazüge bei gesunden Thieren auf 50 bis 60 pro Minute steigen. Mit der Beschleunigung des Athmens verändert sich stets die Tiefe der Inspiration und die Ergiebigkeit der Exspiration; das Athmen geschieht oberflächlichraquo;.
In der normalen Athmungsmechanik dauert auch bei vielen Rindern, aber nicht constant, die Inspiration nicht ganz so lange, als die Exspiration. Indcss ist der Unterschied so geringfügig, dass er für die Zwecke der Diagnostik nicht berücksichtigt zu werden braucht. Tn zahlreichen Fällen fand ich bei Ochsen, sowie bei tragenden und nichttragenden Kühen die Dauer beider Athmungsmomente gleich. Nach dem Oostal-typus erfolgt die Rospiration bei hochtragenden Kühen und bei Milchkühen mit grossem Bauche. Im Uebrigcn athmen die gesunden Rinder unter gleirhmässigcr Hebung und Senkung der Bauchwandung und der Rippen (costo - abdominaler Typus). Der Vollständigkeit wegen will ich noch anfiThren, dass die Rinder zum Zwecke des Wiederkauens zunächst tief inspiriren, wobei sie den Brustkasten erweitern, den Rücken etwas emporheben und den Bauch anspannen. Dann tritt eine kurze Sistirung der Athembewegungen ein, während welcher der Bissen in den Schlund befördert wird und nun erfolgt durch Entspannung der Inspirationsmuskcln die Ausathmung.
nyspiioc. Die Rinder werden für gewöhnlich nicht in dem Grade angestrengt, dass eine Athemnoth entsteht. Im Uebrigen veranlasst die anhaltende Bewegung der Thiero im Trabe oder Galop wegen der schwerfälligen Gangart noch schneller, als bei Pferden die Beschleunigung der Respiration um 20 bis 30 Athcmzüge in der Minute (In- und ex-spiratorische Dyspnoe, Lungendyspnoe). Die Minderung der dyspnoisohen Athmungsfrcquenz gesunder Rinder erfolgt bei ruhigem Verhalten in 512 Minuten.
Nasendyspnoe (Dyspnoea nasalis) in Folge Beengung der Nasencavitäten ist ein regelmässiges Symptom des bösartigen Katarrhal-
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fiebers und wird aussordem, aber nur selten, durch Geschwülste und traumatische Entzündungszuständc der Nase verursacht.
Kelilkopfdyspnoo (Dyspnoea laryngealis) bei partieller Verlegung des Introitus laryngis kann durch entzündliche Schwellung der Kehlkopfschleimhaut (Bräune) und durch einen im Gaumensegel oder dessen Nachbarschaft festsitzenden Fremdkörper veranlasst sein. Soviel ich nach eigenen Erfahrungen beurthoilen kann, werden Rinder von der einfachen Bräune nur sehr selten befallen. Dagegen bedingen actinomy-kotische Geschwülste in den Lymphdrüsen dos Rachens (Rachenlymphome) häufig eine laryngoale Dyspnoe. Die hierbei auftretenden lauten Geräusche besitzen den Charakter des Giemensquot;; doch ist demselben in der Regel ein schlotterndesquot; Geräusch beigemischt.
Luftröhrendyspnoe (Dyspnoea trachealis) stellt sich bei der Compression der Trachea durch Abscesse und Geschwülste ein und kann auch eine Folge von erheblicher Einknickung mehrerer Tracheairinge sein.
Lungendyspnoe (Dyspnoea pulmonalis) begleitet viele und nach Sitz und Charakter sehr verschiedene Krankheiten des Rindes. Starker Meteorismus, der Vormagen bedingt eine erhebliche Beengung der Respirationsbewegungen. Die Thiere athmen abnorm schnell und stöhnen im Momente der Exspiration. Durch gleiche Erscheinungen kennzeichnet sich das Schwerathmen beim Lungenödem (Herz- und Lun-goncongestion), an welchem die Rinder erkranken, die auf langen, bozw. schnellen Eusstransporten übertrieben werden. Grosse Herzschwäche bei fieberhaften und toxischen Allgemeinkrankheitcn und die Circulations-störung bei der chronischen Endocarditis veranlassen stets eine Lungendyspnoe. Die hierbei eintretende starke Füllung der Capillaren des functionellcn Kreislaufes bewirkt eine erhebliche Verkleinerung der Al-veolen. In Folge dessen steigert sich die Intensität der Einathmung; die Lungen vergrössern sich durch Ausdehnung (Starre) des respirato-rischen Parenchyms. dessen Rotractionsfähigkeit sich ebenmässig verringert. Dementsprechend mindert sich die Grosse des Gaswechsels in den Lungen beim Athmen.
Schmerzhafte Krankheiten der Bauchorgane, dos Luters und der Gliedmassen behindern die Freiheit der Athembewegungen. In höherem Grade beschränken die oberflächlichen exsudativen und granulirenden Lntzündungsprocesse in der Pleura (Lungenseuche, traumatische Zwerchfell-Herzbeutelentzündung) durch Schmerzempfindung die Respiration. Die betr. Thiere vollführen die Ausathmung abnorm langsam und bekunden gewöhnlich stöhnende Klagelaute. Die Bauchwand wird angespannt (aufgezogen).
D ieckorhof f, Spec. PntlioloKic u. Therapie. II. lid.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;n
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UmfangroicJic Vorlegungen der rcspiratorisclicn Obcrfläeho durch entzundlioho Exsudate (JDungenseuohe und iindoro cxsudativo Lungenentzündungen) verringern die Ergiebigkeit der Inspiration und führen hierdurch zur Dyspnoe. Dieselbe Beointrächtigung der Respiration vermitteln durch Degeneration oder Compression des Limgenparonchyms: umfangreiche bronchieetatische Herde und induiironde. Pneumonic, Lungentuberkulose, sowie ausgobreitotes intcrstitiellos Lungonomphysem. Endlich wird wegen erheblicher Compression der Lungen Schwerathmen herbeigeführt durch grosse Perlsuchtgcschwülste auf der Pleura oder am Diaphragma; bedeutende Abscesse im Mediastinum; Hydrops Pericardii bei traumatischer Pericarditis; Hydrothorax bei der Lungenseuche oder bei der chronischen Endocarditis und in seltenen Fällen durch Haeraato-thorax.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,
Für die Symptomatologie der Dyspnoe ist zu berücksichtigen, dass die Störung vorwaltend die Inspiration oder die Exspiration oder beide Athmungsmomente betreffen kann. In allen erheblichen Fällen ist die Athmung beschleunigt und mit einer leicht erkennbaren Bewegung der Naseneingänge verbunden, deren obere Winkel im Momente der Inspiration emporgezogen werden und bei der Exspiration wieder zurücktreten. Die Bedeutung dieses Symptoms für die Feststellung des Lungenseuchen Verdachts ist schon von Spinola u. A. betont worden.
Bei der Verengerung der Nasencavitäten oder des Kehlkopfs und der Luftröhre ist das Moment der Inspiration verlängert. Hierbei er-1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; weitert sich der Brustkorb in der hinteren Abtheilung und die falschen
Rippen worden oft unter drehenden Bewegungen gegeneinander gezogen, so dass sich die Intercostalräume verkleinern und vertiefen. Nach der kurzen Athmungspause sinken die Brustwandungen wieder nach innen. Wenn die Exspiration dyspnoisch ist, so dauert dieselbe länger, als in der Norm. Die Thiere bekunden gewöhnlich stöhnende Klage-laute und inspiriren oft stossweiso. Bei der in- und exspiratorischen Dyspnoe ist die Dauer beider Athmungsmomente gleich.
Starke Prostration in den letzten Stadien schwerer fieberhafter Krankheiten, besonders bei der Gebärparalyse (Kalbefiebfcr) und bei narkotischen Vergiftungen, bedingt eine heftige Erregung des Athmungs-centrums. Die betr. Thiere zeigen dann neben den gewöhnlichen Erscheinungen der Dyspnoe noch in- und exspiratorisohe Bewegungen mit den Backen bei geöffnetem Maul. Sie athmen durch das Maulquot;.
Auscultation, An der Stimme und am Husten, sowie an den, die In-oder Exspiration begleitenden Tönen und Geräuschen lassen sich bei
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Kospiralionsapparat.
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Rindern oft werthvollo Beiträge für die Feststellung concreter Krankheiten sowohl in positiver, wie in negativer Hinsicht gewinnen.
Stimme. Nicht allen Affccten des Gemüthes (Temperamentes) geben die Rinder durch die Stimme einen vernehmbaren Ausdruck. In der Stimmbildung des Rindes wird das Blökenquot; bei Kälbern, ferner das Brüllenquot; und Brummenquot;, sowie das Stöhnenquot;, Aechzenquot; und Ankenquot; bei älteren Thicren unterschieden. Indess dürfte kaum zu bestreiten sein, dass der begriffliche Inhalt dieser Termini nicht ausreicht, um die Gemüthsaffecte, welche sich durch die Stimme und ihre Modificationen beim Rinde äussern, genau zu deuten.
Brüllen, Brummen, Blöken. Die Sehnsucht nach anderen Rindern oder nach Futter veranlasst die Thiere am meisten zum Ausstossen blökender, brüllender oder brummender Laute. Bei Kühen ist ferner die Brunst oft ein Motiv zu häufigem Brüllen. Wenn gleich nach der Geburt, oder auch später das Kalb von der Kuh entfernt wird, so giebt letztere in der Regel einige Stunden, zuweilen selbst einen ganzen Tag hindurch das Verlangen nach dem Kalbe durch Brummen oder Brüllen zu erkennen.
Aus zorniger Gemüthsorrogung brüllen die Bullen auf der Weide, seltener im Stalle, thcils mit tiefen, theils mit hohen (geilenden) Tönen. Ochsen und Kühe gorathen bei der Annäherung fremder Personen oft-in eine eigonthümliche Aufregung, die theils durch Furcht, theils durch die Geneigtheit zur Widersctzung hervorgerufen wird. Die Thiere geben diesem Affect Ausdruck durch brüllende Laute, die dem Schreien ähnlich sind. Dabei halten sie den Kopf gesenkt und ein wenig zur Seite; auch scharren sie oft zugleich mit einem Vordorfusso. Von gleicher Art sind die Laute, welche Rinder zuweilen beim Anblick eines fremden Thieres (besonders eines Hundes), sowie eines auffälligen oder ungewöhnlich riechenden Gegenstandes (Blut, frische Eingeweide grosser Thiere) äussern.
Kühe, die ein sehr ängstliches Temperament haben (vergl. S. 4), brüllen häutig und schon nach relativ geringfügigen Anlässen. Es giebt ferner Kühe, welche sich bei der Unterbringung in fremden Stallungen einige Tage hindurch beunruhigt und unbehaglich fühlen (nach der Volkssprache sich bangenquot;) und in Folge dessen aus Sehnsucht nach den gewohnten Verhältnissen brüllen. Dabei ist die Neigung zur Futteraufnahme verringert. Am häufigsten wird dies Benehmen beobachtet bei Kühen, welche sich In einem grösseren Bestände befunden haben und nach dem Besitzwochsel isolirt aufgestellt werden.
Zu den constanten Symptomen der Tollwuth bei Rindern gehört
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20nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Resplratlons'apparat.
eine krankhafte AuCrcgung, bei welcher die Thioro anhaltend brüllen. SchmerÄempfindungen bei Verletzungen und Operationen bekunden die Rinder der Regel nach nicht durch Klagelaute. Eine Ausnahme hiervon findet sich heim Gebären, namentlich bei Sohwergeburten. Wenn sich heftige Wehen einstellen und der Fötus durch das Becken gedrängt oder
Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gezogen wird, so brüllen manche Thiere stark und bisweilen mit gellen-
:inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;den Lauton.
Stöhnen, Aechzcn, Anken. Das Stöhnenquot; bezeichnet einen dumpfen und langgezogenen exspiratorischen Laut. Aechzenquot; wird der Laut genannt, wenn er kurz (abgebrochen) ist. Das Stöhnen oder Aechzen kann sowohl physiologisch, wie pathologisch sein. Nach reichlicher Aufnahme von voluminösem Futter (Klee, Rübenblätter) stöhnen die Rinder oft, namentlich wenn sie liegen und besonder sbeim Wiederkäuen. Sie werden hierzu veranlasst durch die Belastung des Zwerchfelles resp. durch Beengung der Athembewegungen. Aus demselben Grunde stöhnen viele hochtragende Färsen und Kühe. Pathologisch ist das Stöhnen bei der Ueberfütterung und namentlich beim Meteorismus der Vormagen (acute und chronische Indigestion, Tympanitis). Auch hierbei liegt das bedingende Moment in der Belastung des Zwerchfells. Dyspnoea pulmonalis bedingt das Stöhnen bei der Herz- und Lungen-congestion, welche den Charakter eines selbständigen Leidens haben oder in Verbindung mit schweren fieberhaften Krankheiten (Vergiftungen, bösartiges Katarrhalfiober, Rinderpest, Pyo-Sephthämie) bestehen kann. Durch nervöse Abspannung (Muskclschwäche) wird das bei der Gebär-parese (Kalbefieber) rogelmässig und in hohem Grade auftretende Stöhnen bedingt. Auch äussere Krankheiten, durch welche die Thiere gezwungen werden, anhaltend zu liegen, verursachen das Stöhnen oft, besonders wenn die Thiere auf der linken Seite liegen und in Folge des Druckes auf den Pansen ein starkes Unbehagen empfinden. Andererseits kann das Motiv des Stölinens in schmerzhaften Entzündungen der Bauch- und Brustorgane beruhen (acute Metritis, Gastro-Enteritis, traumatische Zwerchfell- und Herzbeutelentzündung, Hydrops Pericardii, ex-sudative oder tuberkulöse Pleuritis, Lungenseuche und andere Lungenentzündungen). Bei sehr heftigen Schmerzempfindungen, namentlich bei der die Rinderpest constant begleitenden Gastro-Enteritis, bekunden die Thiere langgezogene Klagelaute (Anken).
Husten. Die allgemeinen Bedingungen und Eigenschaften des Hustens habe ich Band I, S. 43 erörtert. Indem ich auf diese Darstellung verweise, will ich hier nur noch einige für die Beurtheilung des Hustens beim Rinde wichtige Thatsachen hervorheben. Die Rinder können die
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Glottis nicht so vollständig verschliossen, wio dio Pferde; sie husten daher stets mit unvollkommenem Verschluss der Stimmritzequot; rcsp. raquo;mit offener Stimmritzequot;. Dies Vorhältniss bedingt den cigou-thümliehon Hustcnschall bei Rindern.
Obgleich durch Reizung der Rcspirationsschleimhaut vom Kohlkopf bis zu den kleinen Bronchien der Husten erregt werden kann, so liisst sich derselbe doch bei gesunden Rindern nur relativ schwer und in manchen Fällen gar nicht durch Druck auf den Kehlkopf oder an dor Luftröhre hervorrufen. Am besten gelingt noch die Auslösung des Hustens durch wiederholten stossweisen Druck gegen die Luftröhre in der Mitte des Halses oder durch energische und wiederholte Compression der oberston Luftröhrenringe. Principicll ist der spontanequot; Husten auch beim Rinde immer als eine abnorme Erscheinung aufzufassen. Allein bei der ausschliess-lichen Stallfütterung und besonders bei der Verabreichung von Schlempe, Bierträber, Rübenblätter etc. behaften sicli die Rinder sehr oft mit einem oberflächlichen trockenen Reizungszustande in der Kehlkopf- und Bronchialschleimhaut. Da diese Affection, bei welcher ab und zu ein Husten-stoss erfolgt, die wirthschaftliche Nutzung und das Gesammtbefinden der Thiero nicht beeinträchtigt, so wird dem relativ seltenen Husten in praxi keine besondere Beachtung geschenkt. Als Zeichen einer die Verwer-thung der Thiere beschränkenden Störung gilt der Husten nur dann, wenn derselbe ungewöhnlich häufig erfolgt oder anfallswcise auftritt, oder für die Thiere schmerzhaft (lästig, quälend) ist. Der Thier-arzt hat besonders zu erwägen, ob der spontane Husten mit der Lungentuberkulose oder der Lungenseuche in Verbindung stehen kann.
Die gewöhnlichste Ursache des Hustens bei Kälbern, Färsen und alten Rindern beruht in der selbständigen trockenen Reizung der Laryn-geal- oder ßronchialschleimhaut. Als chronische Krankheiten sind ferner vom Husten begleitet: die Lungenwurrakrankheit, der schleimige und eiterige Bronchialkatarrh, die Lungentuberkulose, der Lungenabscess und die indurirende Pneumonic, sowie die Echinokokkenkrankheit der Lungen. Die acuten Krankheiten, mit welchen Husten sich verbindet, sind: die Rinderpest, die Lungonseuche, die Fremdkörper-, katarrhalische und my kotische Pneumonie, sowie obgleich nicht constant das bösartige Katarrhalfieber. Hustenanfälle werden endlich bei der Dys-phagie (actinomykotische Geschwülste des Rachens, traumatische Pharyngitis) oder beim Erbrechen durch das Eindringen von heterogenen Stoffen in den Kehlkopf hervorgerufen.
Von den Eigenschaften des Hustens, welche bei Rindern ebenso bezeichnet werden wie bei Pferden (vergl. Bd. I, S. 47), will ich hier
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22nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Respirationsapparat.
die liir die Diagnostik verwendbaren Termini anführen, ohne indess ihre Definition zu wiederholen. Der Husten ist häufig oder selten; anhaltend oder vorübergehend; heftig oder nicht heftig; lästig (quälend) oder nicht lästig (nicht quälend); schmerzhaft oder schmerzlos; kräftig (stark) oder kraftlos (schwach); lang oder kurz (abgebrochen); locker (feucht) oder fest (trocken). Er kann ferner röchelnd, keuchend, rauh, heiser, scharf und pfeifend sein. Bei chronischen Krankheiten der Respirationsorgano sind am
I,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Husten oft mehrere der genannten Eigenschaften nachzuweisen.
Athmungsgeräusche der Nasenhöhlen. Das Prusten aus der Nasequot; oder Schnäuzenquot; charakterisirt sich als eine Modification des Exspirationsactes und wird durch die Reizung fremdartiger Stoffe auf die oberen Partien der Nasenschleimhaut veranlasst. Als Krankheitssymptom kommt das Ausprusten bei der Rinderpest vor. Die betreffenden Thiere bekunden durch den Blick und durch Seitenbewegungen des Kopfes, dass sie einen prickelnden Reiz in der Nase empfinden. Andererseits entsteht das Ausprusten bei gesunden Rindern nicht selten dadurch, dass reizende Substanzen aus der Raehcnhöhlc in die Ohoanen gelangen.
linbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Schnicbendes Nasalgeräusch bei der Inspiration und wenn-
gleich schwächer auch bei der Exspiration ist ein constantes Symptom der Rhinitis fibrinosa beim bösartigen Katarrhalfieber. Inspiratorisches Schnieben kann auch bei starker Prostration der Kräfte, namentlich bei den von schwerer Benommenheit des Bcwusstseins begleiteten Krankheiten (Kalbefieber, narkotische Vergiftungen), dadurch entstehen, dass die Rinder den Kopf mit der Oberlippe auf den Boden stützen und hierbei die Nasenlöcher comprimiren. In ganz vereinzelten Fällen kommt es vor, dass Stallküho sich als eine Spielerei angewöhnen, zeitweise die Nasonöffnungen gegen den inneren Rand der Futterkrippe zu drücken und hierdurch schniebende Inspirationsgeräuschc zu erzeugen. Ich habe diese unerhebliche Untugend bei zwei Kühen beobachtet.
Athmungsgeräusche des Kehlkopfs. Die Steigerung des normalen in- und exspiratorischen Laryngealgeräusches ist ohne semioti-sches Interesse. Rasselgeräusche des Kehlkopfs kommen bei acuten und chronischen Krankheiten vor, wenn das Secret der entzündeten Rc-spirationsschleimhaut (Schleim, Eiter) oder das Product einer jauchigen Pneumonie im Kehlkopf haften bleibt und durch die Luftströmung beim Ein- und Ausathmcn bewegt wird, In der Agonie entstehen bei Rindern sehr oft röchelnde Kehlkopfgcräusche. Tumoren in der Rachenhöhle bedingen röhrende oder giemendc, schlotternde Laryngcal-
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gorftusohe von grösserer odor geringerer Intensität. Sind die Tumoren noch relativ klein, so treten diese Geräusche nur während der Futteraufnahme beim Schlucken ein.
Athmungsgeräusche der Luftröhre. Das durch Auscultation der Luftröhre bei der In- und Exspiration zu vernehmende Geräusch (Trachealgeräusch) ist acustisch dem Bronchialgeräusch gleich. Obschon an der Luftröhre über den Rhythmus dos Athmens, wie über die Dauer der In- oder Exspiration und über dcis Auftreten von Rasselgeräuschen bestimmte Thatsachen ermittelt werden können, so ist die Auscultation an derselben doch nur wenig gebräuchlich. Denn die fraglichen Erscheinungen sind durch anderweitige und bequemere Erhebungen nachzuweisen. Tracheales Rasseln entsteht bei der in- und exspiratorischen Bewegung von mit Luftblasen durchsetzter Flüssigkeit (Schleim, Eitor, Serum, Blut, Jauche) in der Luftröhre. Einige Aehnlichkeit mit dem Trachealrasseln hat das bei der Regurgitation im Schlünde ab und zu erzeugte Geräusch.
Athmungsgeräusche der Lungen. Für die Auscultation der Lungen bei Rindern liegen die Verhältnisse relativ günstig, weil die Schulter durch einen Gehülfen ziemlich weit nach vorn gezogen und demnach der grösste Theil der Lungen für die Ermittelung der Athmungsgeräusche erreichbar ist. Im Uebrigen beschränken das Brustbein und die Wirbelsäule mit ihrer Muskulatur die Exploration der Lungengeräusche.
Die Eigenschaften und die lüntstehungsbedingungen der Athmungsgeräusche in den Lungen verhalten sich beim Rinde wie beim Pferde. Ich beziehe mich deshalb in diesem Betracht auf die Erörterung Bd. I, S. 5563. Die mittelbare Auscultation der Lungen (Benutzung eines Stethoskop) ist beim Rinde nicht üblich und wegen der störenden Wirkung der stark entwickelten Hautmuskulatur auch nicht zweckmässig. Für die unmittelbare Auscultation hat der Thierarzt zu beachten, dass die Haut an den Brustwandungen oft mit Staub und Epidermis-schüppchen reich bedeckt ist und dass die mangolhafi ernährten und schlecht gepflegten Rinder nicht soltQn mit Läusen behaftet sind. Es empfiehlt sich daher, die Brustwandung zum Zwecke der Auscultation mit einem grösseren Tuche zu bedecken.
Vesiculäres oder alveolärcs Athmungsgeräusch (Bläschon-geräusch). In der Norm ist das Bläschengeräusoh bei den ausgeruhten Rindern nur während der Inspiration zu vernehmen. Wenn aber die Athmungsiiequcn/, erheblich zunimmt (vergl. S. 16), so lässt sich durch die Auscultation auch bei der Exspiration ein hauchendes Geräusch fest-
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stellen. Durch die Verlegung des respiratorischen Parenchyms in relativ kleinem Umfange (Atelectasc oder käsige Pneumonic in ein oder zwei Lobulis, contral gelogono bronohiectatisolie Herde, isoiirte Echinokokken, kleine Entzündungsherde bei der Lungensoucho und anderen Lungenentzündungen) wird eine erkennbare Aenderung des normalen Bläschengeräuschos nicht bedingt. Verstärktes (gesteigertos, vicariirendes, compensatorisches oder supplementäres) Vesi-oulärgcräusch, welches bei der In- und Exspiration auftritt, findet sich in den gesunden Lungenpartien bei umfangreicher Atelectasc in Folge ohronischor Bronchitis und Bronchiectasien, bei der Hepatisation eines grösseren Abschnittes der Lungen (Lungenseuche), bei grossen Eiterhöhlen, bei der Lungentuberkulose und zuweilen auch bei der Echinokokkenkrankheit, sowie bei der Compression der unteren Lungenpartien durch copiöse pieuritische und pericarditische Exsudate. Abgeschwächtes (schwaches) Vesiculärgeräusch macht sich normal-massig bei Rindern mit fleischigem und rundem Thorax, sowie bei der Beengung der Athembewegungen durch den Druck der stark gefüllten Vormagen auf das Zwerchfell in den unteren Partien der Lungen bemerklich. Pathologisch ist das Bläschengeräusch schwach beim Lungenemphysem und bei unvollständiger Verlegung des respiratorischen Parenchyms in grösseren Lungenpartien durch Compression oder durch Exsudate und Transsudatc (umfangreiche Tuberkelgeschwülste der Pleura, Hydrops Pericardii, manche Fälle von Lungensoucho im Initialstadiura, Lungenödem). Häufig hat das Athmungsgeräusch in den unteren und mittleren (selten in den oberen) Partien der Lungen den Charakter dos rauhen (scharfen oder verschärfton) Vesiculärgeräusches, welches durch Schwellung der Bronchialschleimhaut verursacht wird (diffuse Bronchitis, käsige Pneumonie). Das Vesiculärgeräusch fehlt in grösseren Lungenpartien ganz, wenn die Alveolarräume in denselben durch Exsudat (Lungensoucho und andere exsudative Lungenentzündungen) oder durch Compression (Hydrops Pericardii, Hydrothorax) vollständig verlegt sind.
Abgesetztes (saccadirtes) Vesiculärgeräusch kommt bei gesunden Thieren in Folge Unterbrechung oder ungleichmässiger Intensität der Einalhmung vor. Pathologisch entsteht diese Gehörswahrnehmung, wenn einzelne Bronchien durch Compression vorengt sind und die Inspirationsluft deshalb weniger schnell in dieselben gelangt, als in die be-naohbarten Bronchien.
Bronch iaios A thmungsgeräusch. Die Entstehung des Bronchial-geräusches in einer oder gleichzeitig in beiden Lungen ist im Wesent-
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liehen darauf zu beziehen, dass im Bereiche der erkrankten Partie die Alvcoicn mit entzündlichem Exsudat gülüllt oder durch Induration obli-tcrirt oder durch Compression des respiralorischen Parenohyms verlegt sind. Wenn hierbei die kleinen Bronchien lufthaltig bleiben, so überträgt sich das Trachealgeräusch durch die verdichtete Lungensubstanz, bezw. durch das pleuritische Exsudat auf die Brustwand, an welcher es sich dem Ohr mittheilt. Unter den vorgedachten Zuständen tritt Bronchialgeräusch bei der In- und Exspiration auf. Häufig ist es bei der orsteren stärker als bei der letzteren. Es kommt aber auch das umgekehrte Verhältniss oft vor. Vorzugsweise ist die grössere Intensität des Bronchialgeräusches bei der Inspiration, bezw. bei der Exspiration von der Athmungsmechanik abhängig. Wenn die mit den betreffenden Krankheitszuständeu behafteten Rinder tief und mit Vohemenz einathmon, so macht sich hierbei das bronchiale Geräusch in hohem Grade geltend, während es im Momente der Ausathmung weniger stark oder kaum erkennbar auftritt. Dagegen veranlasst die mit Heftigkeit vollzogene Exspiration in Folge des starken Druckes, unter welchem die Luft in den grösseren Bronchien und in der Trachea zusammenströmt, das relativ starke exspiratorische Bronchialgeräusch. In einzelnen Fällen von Lungentuberkulose und Echinokokkonkrankheit entsteht neben den Rasselgeräuschen hörbares Bronchialgeräusch nur während der Exspiration. Wenn die Thiere im Uebrigen bei den betieffenden Krankheiten der Brustorgane mit gleicher Intensität ein- und ausathraen, so ist auch die Stärke des Bronchialgeräusches in beiden Athmungsphasen annähernd gleich.
Die wichtigsten Krankheiten, bei welchen Bronchialgeräusch auftritt, sind: die Lungenseuche, die katarrhalische Pneumonie, die Fremdkörper-Pneumonie, die Aspiration von Blut in die Lungen, die jauchige Pneumonie, erhebliche bronchieetatische Herde mit Atelectase der betreffenden Lungenpartie, käsige Pneumonie, Lungentuberkeln und einzelne Fälle von Echinokokkenkrankheit der Lungen.
Amphorisches Athm ungsgoräusch (Krugblason) charakteri-sirt sich als Bronchialgeräusch mit metallischem Klange, ist aber bei Rindern sehr selten. Es entsteht, wenn bei jauchigem Zerfall grösserer Entzündungsherde in den Lungen ein Bronchus durchbrochen wird, so dass ein Theil des llüssigen Inhalts sich entleert und Luft bei der Inspiration in die Höhle gelangt. Aus dem Charakter der hier gedachten Cavernen orgiebt sich schon, dass dieselben nur kurze Zeit bestehen, resp. für den Ein- und Austritt der Athmungsluft zugänglich bleiben. Demnach ist auch das amphorischc Athemgoräusch kaum anders als in'den
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26nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hcspivation.snppai'nt.
letzton Tagen vor dem letalen Ausgange einer jauchigen Pnoumonie zu beobachten.
Unbestimmte Athmungsgeräusche werden die Modificationcn des vesiculären oder bronchialen Geräusches genannt, für welche eine genaue Bezeichnung nicht möglich ist. Zur Vermeidung von Irrthümern ist bei der Erhebung der Auscultationsbefunde die Praxis zu befolgen, die unbestimmbaren Gehörswahrnehraungen als Aenderungen entweder des vesiculären oder des bronchialen Geräusches zu characterisiren. Das verschärfte, rauhe Vesicuiärgeräusch ist oft in unbestimmbarer Art modi-ficirt. Auch können Rasseigeräusche in einer begrenzten Lungenpartie dem in der nächsten Umgebung erzeugten Bläschengeräusch eine unbestimmbare Modification mittheilen.
Andererseits hat das Vesicuiärgeräusch in den unteren Lungenpartien bei gesunden Rindern mit dickem, fleischigem Brustkorb, namentlich wenn die Thiere oberflächlich athmen, oft den Charakter einer unbestimmten Gehörswahrnehmung.
Rasselgeräusche (Rhonchi) finden ihre Entstehung in den Bronchien und werden nach dem Gehörseindruck in feuchte und trockene unterschieden. Dass im Kehlkopf oder in der Luftröhre oft feuchte Rasselgeräusche vorkommen, wurde bereits S. 22 angetührt. Diese Geräusche sind auch an den Brustwandungen zu hören (fortgeleitete Rasselgeräusche).
Feuchte Rasselgeräusche finden ihre Ursache darin, dass Elüssig-keit (Schleim, Eiter, Jauche, Blut) in den Bronchien durch den In- und Exspirationsstrom mit Luft vermischt und bewegt wird. Nach der Menge und Ausbreitung des flüssigen Materials in den Bronchien und nach der Intensität der Athmung treten die feuchten Rasselgeräusche entweder reichlich oder spärlich, stark oder schwach auf. Durch energisches Husten wird das flüssige Krankheitsproduct zum Theil aus den Bronchien in die Rachenhöhle gebracht, worauf die Geräusche vorübergehend aufhören oder sich wenigstens verringern. Von feuchten Rasselgeräuschen begleitet sind die eiterige Lungeninfiltration, die Schluck-pneumonic und die Jauchige Pneumonic. Weit häufiger bilden dieselben aber ein Symptom des diffusen Bronchialkatarrhs. Dabei ist für die Diagnostik beachtenswerth, dass der chronische Bronchialkatarrh oft in Verbindung steht mit bronchicctatischcn oder pneumonischen käsigen Herden. Nur in seltenen Fällen kommen nach der Angabc der Autoren in der phthisischen Lunge des Rindes Höhlen zur Ausbildung, welche mit einem offenen Bronchus communiciren. Die unter diesen Verhältnissen auftretenden feuchten Rasselgeräusche haben einen hohlen Klang
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llespirationsappai'at.
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(Höhlcnrassoln). Ich will aber ausdrücklich bemerken, dass ich selbst solche Höhlen in keinem Fall constatirt habe.
Ausser mit den aus dem Kehlkopf oder der Luftröhre stamraendon Geräuschen, kann bei oberflächlicher Untersuchung der Rinder das ßronchialrassein (Schleimrasseln) mit den im ersten Magen oder im Schlünde normaltnässig ab und zu auftretenden Geräuschen verwechselt werden.
Trockene Rasselgeräusche werden bei der In- und Exspiration hervorgerufen, wenn in einer Lungenpartic die kleinen Bronchien durch Schwellung der Schleimhaut oder durch eine dünne Auflagerung von Schleim oder durch Compression unvollständig geschlossen (verklebt) sind und die Luftströmung den Verschluss aufhebt. Diese Geräusche äussern sich als Knistern, Piepen, Klingen, Pfeifen, Zischen, Schnurren und Zirpen. Vorzugsweise kommen dieselben bei chronischen Lungenkrankheiten vor (Lungenphthise, diffuse Bronchitis und ßronchi-cetasien, traumatische Pneumonic, Lungenemphysom, Echinokokkenkrankheit). Oft finden sich bei diesen Krankheiten trockene Rasselgeräusche der verschiedensten Art nebeneinander.
Reibungsgeräusche (weichequot; oder hartequot;, letztere auch als Neuledergeräuschoquot; bekannt) kommen nur bei entzündlichen Pro-cessen der Pleura vor. Sie treten sowohl bei der Inspiration, wie bei der Exspiration auf. Da aber die entzündliche Affection der Pleura in der Regel schmerzhaft ist und eine Verlängerung der Exspiration bedingt, so machen sich die Reibungsgeräuscho vorwaltend in diesem Athmungsacte bomerklich. Mit der Tuberkulose (Perlsueht) der Pleura verbindet sich nur in der Minderzahl bei den betr. Thiorcn eine entzündliche Erkrankung in grösserer oder geringerer Intensität (tuberkulöse Pleuritis). In diesen Fällen wird auch die Tuberkulose von Reibungsgeräusch begleitet. Vogel (Physik. Diagn. 1874 S. 331) hat dasselbe Perlonstrcifenquot; genannt. Ich finde indess diesen Ausdruck nicht zutreffend, weil die Knoten für sich allein, d. h. ohne eine oberflächliche entzündliche Erkrankung der Pleura das streuende Geräusch nicht hervorrufen.
Die Reibungsgeräusche der Pleura können mit perikarditischen Geräuschen, ferner mit fortgcleitetcn trachealen oder laryngoalen Geräuschen (Stöhnen, Aechzen, Rasseln) und mit trockenen oder feuchten Bronchial-geräuschen verwechselt werden.
Percussion. Die allgemeinen Voraussetzungen für die Percussion des Thorax und für die Gewinnung diagnostisch verworthbarer Resultate durch dieselbe bei Pferden (vorgl, Bd. I. S. 6467) sind auch für die Rinder
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28nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Respirationsapparat.
massgebend. Unontbohrlich ist hierbei die genaue Kenntniss der normalen Lungengrenzen. Auch hat der Thiorarzt die Thatsaohe zu beachten, dass durch die Percussion am Thorax nur der grössere oder geringere Luft-gehait in don Lungen resp. in einem Tlieilc derselben festgestellt werden kann. Alle weiteren Folgerungen beruhen auf einer wissonschaftlichon Begutachtung der Zustände, welche dem Percussionsschail die ermittelte Eigenschaft verleihen können. Nun ist normal massig die Menge der Residuallul't in don Lungen innerhalb nicht unbedeutender Grenzen von der grösseron oder geringeren Geräumigkeit der beiden ßrustfellsäcke abhängig. Schon bei einem einzelnen Thiere verhält sich die inspiratorischo Expansion und mit derselben der Luftgehalt der Lungen zu verschiedenen ZeUen nicht, ganz gleich. Annähernd richtig lässt sich dies Verhältniss nach der Weite des Brustkastens beurtheilcn. Die Residualluft kann sich auch durch don zufällig das gewöhnliche Mass überschreitenden Blutgehalt der Lungen etwas vermindern. Mehr, als durch die vorgedachten Zustände wird das Ergebniss der Percussion von der grösseren oder geringeren Dicke der Brustwandung beeinflusst. Aus leicht erklärlichen Gründen lässt sich am mageren Thorax durch die Percussion ein grösseres Quantum von Lungenluft in Schwingung vorsetzen, als an einem fleischigen, mit starkem Fettpolster bedeckten Thorax.
Die unmittelbare Percussion (Digitalpercussion) ist auch beim Rinde nicht ausreichend, um eine relativ geringe Abnahme des normalen Luftgehaltes in den Lungen nachzuweisen. Für die mittelbare Percussion eignet sich am besten der Gebrauch eines relativ schweren Hammers und eines mit leicht fassbaren Randleisten versehenen Elfenbein-Plessi meters.
Nach der üblichen Terminologie ist der Percussionsschail entweder lautquot; (starkquot;) und hellquot; oder dumpfquot; (Schenkelschallquot;). Zwischen diesen Gegensätzen liegt der gedämpftequot; Schall. Ferner lassen sich die Eigenschaften: hochquot; und tiefquot;, tympanitischquot; und nicht tympanitischquot; unterscheiden. Wegen der in der thier-ärztlichen Praxis allgemein verwendeten Begriffe des vollenquot; und leerenquot; Schalls wiederhole ich die Band I. S. 66 angeführte Definition, dass der erstere die Qualität des lauten und tiefenquot;, der zweite diejenige des gedämpften und hohenquot; Schalles bedeutet.
Der gedämpfte Schallquot; findet sich einerseits bei exsudativen Pneumonien, andererseits bei der Compression der Lungen durch grosse Mengen von Flüssigkeit im Herzbeutel oder in den Brustfellsäcken und drittens bei der Luftleere einer grösseron Lungenpartie durch Degeneration des respiratorischen Parenchyms. Da bei den vorgodachten Krankheits-
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Oiroulatlonsapparat,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 29nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; /'
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zuständon die betroffene Lungenpartie oft noch eine geringe Menge vonnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;{n
Luft enthält, so ist die Dämpfung des Schalls nicht immer so bedeutend,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; r
dass derselben ein pathognomischor Werth beigelegt werden könnte. Der Thierarzt hat für die Diagnose einer der hier in Frage kommenden Lungenkrankhoiten insbesondere zu beachten, dass schon unter normalen Verhältnissen der Percussionsscliall in der unteren Hälfte des Thorax sehr oft wenig laut ist. In jedem nicht klar ausgesprochenen Falle sind demnach auch die übrigen Krankheitssymptome sorgfältig zu prüfen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;U
Wenn eine Lunge in der unteren Hälfte resp. in einer grösseron Partie vollkommen luftleer ist, was bei der Lungenseuche und auch bei starkem Erguss von Flüssigkeit in einen Brustfellsack oder in den Herzbeutel vorkommt, so liefert die Percussion einen dumpfen Schallquot;. Die Krankheitszuständo, bei welchen der Percussionsschall einen tympaniti-schen Beiklang hat, sind beim Rinde nicht selten. Wenn im Verlaufe der Lungenphlhisis die Thiere stark abmagern, so ist der Schall oft tyrapanitisch. Die Ursache beruht in solchen Fällen auf der veränderten Spannung des Lungenparenchyms in Folge von käsigen Herdennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;;f oder bindegewebigen peribronchitischen Schwielen. Lufthaltige Höhlen, welche dem Percussionsschall einen tympanitischen Charakter verleihen,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;li
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kommen bei Rindern nur ganz ausnahmsweise vor. Gleich selten ist
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der Pneumothorax als Folge penetrirender Brustwunden, wobei sich der tympanitische Schall findet.
Den metallischen Percussionsklang (Ton des gesprungenen Topfes) beobachtet man in ganz vereinzelten Fällen bei der ichorrhösen Pneumonic. Nach dem Durchbruch einer jauchigen Caverne in den zugehörigen Bronchus kann Luft mit der Inspiration in die Höhle gelangen. Hierdurch werden die Bedingungen geschaffen, durch welche der Percussionsschall in der betreffenden Region des Thorax einen metallischen Beiklang erlangt. Dass auch bei der multiplen exsudativen Pneumonic (Lungenseuche) des Rindes ähnlich wie bei der Brustseuche des Pferdes sich im Resolutionsstadium der Ton des gesprungenen Topfes hervorthun kann, habe ich nie beobachtet.
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8. Circulationsapparat.
a. Herz. Die anatomische Lage des Herzens setzt der Ermittelung seiner Functionsstörungen beim Rinde ziemlich enge Grenzen. Zu beiden Seiten wird das Herz, dessen Spitze 6 Ctra. vom Zwerchfell entfernt ist, von den Lungen bedeckt. Mittelbar beschränkt sich seine 13e-
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weglichkeit durch flie Befestigungen des Herzbeutels an das Zwerchfell und das Brustbein.
Eine geringe Aenderung in der Luge des Herzens wird bei Rindern durch starken Meteorismus der Vormagen und den hierbei voranlassten Druck auf die Herzbasis herbeigeführt. Von grösscrer Tragweite ist die durch Verwachsung des Herzbeutels mit dem Zwerchfell oder den Lungen (traumatische Pericarditis, Tuborkuiosis) bedingte Verschiebung. Das Herz entfernt, sich von der Brustwand in Folge umfangreicher Hepati-sation der linken Lunge oder bei der exsudativen Pleuritis (Lungenseuche) und bei dicken Perlsuchtgesnhwüisten an der Pleura und am Herzbeutel. Beengt wird die Lage dos Herzens ferner, wenn der Herzbeutel durch Verwachsung seiner beiden Blätter obliterirt, was bei der traumatischen Pericarditis und bei der Tuberkulosis in einzelnen Fällen vorkommt. Die vorgedachten Aenderungcn der Lage des Herzens bewirken Abschwächung, Beschleunigung und Arhythmie des Herzschlages. In den höheren Krankheitsgraden tritt auch Blutstauung in den Venen ein.
Die Grosse und das Gewicht des Herzens sind beim Rinde von 0. Günther (Situs des Rindes, Hannover 1875) untersucht worden. Das Herz ist durchschnittlich 2-2,50 Kilogramm schwer, etwa 17 Ctm. lang und an der Basis 12 15 Ctm. breit. Da das Herz von der linken Lunge bedeckt ist, so lässt sich de norma durch die Percussion eine deutliche Herzdämpfung gewöhnlich nicht nachweisen.
Klar ausgesprochene Dämpfung kann durch Hypertrophie des Herzens bei chronischer fibröser oder ulcerirender Endocarditis bedingt sein. Indess ist für die Diagnose dieses Zustandes auf die Dämpfung des Forcussionsschalls nur dann ein besonderes Gewicht zu legen, wenn sich gleichzeitig andere Krankheitserscheinungen mit, dem fehlerhaften Zustande in Verbindung bringen lassen. Denn hei dicken Brustwandungen und grossem Fettroichthum in denselben ist der Percussionsschall schon unter normalen Verhältnissen in der Herzgegend matt. Auch kann der Schall durch Krguss von flüssigem Exsudat in den Herzbeutel oder durch Porlsuchtgeschwülsto der Pleura gedämpft sein.
Die Frequenz des Herzschlags (Pulsus cordis) ist ebenso, wie die Athmungsfreijuenz bei Rindern sehr ungleich. Neugeborene Kälber haben nach Hering und Fürstonborg in den beiden ersten Lobenswochen 90 bis 130 Herzschläge in der Minute. Im Alter von 2 Wochen bis 2 Jahren differirt die Frequenz zwischen 70 bis 80. Bei volljährigen gesunden Thieren berechnet sich die Durchschnittszahl auf 60. Alte Kühe haben mitunter nur 50 bis 55 Pulse in der Minute. Dass die Pulsfre-
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quenz, wio in dor Literatur molirfacli angegeben ist, bei Kühen bis auf 40 herabgeht, habe ich bei zahlreichen Untersuchungen nicht gefunden. Jede Aufregung steigert die Frequenz des Herzschlags um 10 bis 40 Pulse in der Minute. Bei ängstlichen Thieren, die sich der Berührung von Personen zu entziehen bemüht sind, ist demnach die genaue Feststellung der richtigen Pulsfrequenz schwierig. Unter den psychischen Kindrücken, welche schwere und schmerzhafte Krankheiten stets mit sich bringen, treten indess keine heftigen Gemüthsaffecte mehr ein. In allen diesen Fällen wird daher die Ermittelung der Pulszahl nicht gestört. Nach anstrengender Bewegung oder bei anderen Arbeitsleistungen der Thiere nimmt die Pulszahl um 20 bis 30 pro Minute zu. Gleiche Folgen können schmerzhafte Zustände der Gliedmassen und die aus äusseren Krankheiten resultirende Unfähigkeit zum Stehen herbeiführen. Pathologisch erhöht sich die Herzschlagfrequen/ durch denDruck der raeteo-ristisch aufgetriebenen Vormagen auf das Zwerchfell und resp. auf die Herzbasis. Wenn das Herz durch Obliteration des Herzbeutels oder durch perikarditische Exsudate oder durch tuberkulöse Erkrankung des Herzbeutels in seiner Ausdehnung gehemmt ist, so steigt die Pulsfrequenz um 20 bis 40 Schläge in der Minute. Bei der chronischen Endocarditis erhöht sich die Pulszahl in Folge von Kiappeninsufficienz und Störung der Blutciroulation zuweilen bis auf 120 in der Minute. Die Gebärparalyse (Kalbofieber) bedingt eine Beschleunigung des Herzschlags bis auf 100 und mehr Pulse, durch Herabsetzung der Energie in den moderirenden Herznerven. Am häufigsten wird aber auch beim Rinde die Vergrösscrung der Herzschlagfrequenz durch die fieberhafte Verunreinigung des Blutes mit toxischen Substanzen herbeigeführt, Die Wirkung der letzteren auf die intracardialen Ganglien und das Herz-parenehym macht sich bei vielen fieberhaften Krankheiten schon im Initialstadium, bei anderen erst mit der weiteren Ausbildung des Leidens bemerklich. Wenn bei fieberhaften Entziindungskrankheiten der Rinder mehr als 100 bis HO Herzschläge in der Minute auftreten, so ist die Prognose schlecht.
Der aussetzende Herzschlag (Fulsus intermittens resp. Pulsus doficiens) wird bei Rindern viel seltener beobachtet, als bei Pferden. Dagegen kommt der arhythmische und inäquale Herzschlag bei fieberhaften Krankheiten, bei Klappenfehlern und namentlich bei der Pericarditis traumatica häufig vor.
Der Herzstoss (Spitzenstoss) erfolgt gegen die linke Lunge und mittelbar gegen die Brustwand zwischen der ö. und 6. Rippe. Er ist nach dem Bau und dem Fettreichthum des Thorax bei einzelnen
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Rindern stark, bei den meisten aber nur schwach und bei vielen gar nicht zu fühlen. Am besten empfindet man ihn gewöhnlich an der Dorsalfläche der Hand. Die abnorme Verstärkung des Her/stosses (der starke, prellende, pochende Herzschlag) ist das Resultat einer Leistungszunahme des Herzens resp. dos linken Ventrikels und kommt am meisten bei starken Blutverlusten, sowie bei der Hämoglo-binurie vor. Die Abschwächung des Horzstosses entsteht durch Compression des Herzens und durch Verwachsung des Herzbeutels mit der Nachbarschaft, ferner durch nervöse Einflüsse (Kalbeüeber, manche Vergiftungen) am meisten aber durch die Wirkung der mit dem Blute circu-lirenden Herzgifte bei fieberhaften Krankheiten.
Da durch die Palpation der Rhythmus und die Intensität des Herz-stosses oft nicht oder wenigstens nicht hinreichend klar ermittelt werden können, so hat die Untersuchung des Herzens durch die Auscultation für die Diagnostik eine grössere Bedeutung. Man auscultirt das Herz zur Eruirung der Herztöne und -Geräusche auch beim Rinde in der Gegend der Mm. anconaei oder unmittelbar an der Brustwand auf der 5. und 6. Rippe. Die Herztöne sind normalmässig nicht ganz so deutlich zu hören wie bei Pferden. Namentlich hat der zweite (diastolische) Ton eine geringere Intensität. Bei starker Beschleunigung des Pulses kann derselbe gewöhnlich nicht vernommen werden. Die Abschwächung beider Herztöne entsteht entweder durch Verschiebung oder durch Leistungsabnahme des Herzens. Sie ist daher einerseits bei Ent-zündungszuständen und bei dicken Perlsuchtgeschwülsten der Pleura und des Herzbeutels, andererseits bei der durch lieberhafte Krankheiten und Intoxicationen entstehenden Herabsetzung der Herzenergie zu beobachten. Arhythmie der Herztöne kann durch starke Blutstauung im rechten Herzen (Herz- und Lungencongestion, schwere fieberhafte Blutdyskrasie) bedingt sein, wird aber auch oft durch Druck auf die Herzbasis (Geschwülste und Exsudate) herbeigeführt und ist namentlich ein wichtiges Symptom im Anfangsstadium der Pericarditis traumatica.
Pericarditische Geräusche charakterisiren sich als Reibungsgeräusche des Herzbeutels (Schaben, Streifen, Quatschen). Sie machen sich zuweilen bei pleuritischen Exsudaten auf dem Herzbeutel (peripericarditisches Reibungsgeräusch), besonders bei der Lungenseuche bemerklich. Das Zustandekommen derselben beruht in diesen Fällen auf der Verschiebung des Exsudats durch den Herzschlag. Das grösste diagnostische Interesse hat aber das Vorkommen der in Rede stehenden Geräusche bei der traumatischen Pericarditis. Wenn bei dieser Krankheit in dem eiterigen Produkte des Herzbeutels sich Gase bilden, so
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verursacht der Herzschlag plätschernde, gluckende oder klingende pericarditische Geräusche.
b.nbsp; Arterien. Die am meisten geeignete Arterie für die Untersuchung des Pulses (Pulsus arteriarum) ist beim Rinde wie beim Pferde die Maxillaris extenia rosp. die Facialis an der Stelle, an welcher dieselbe um den Unterkiefer nach dem Gesicht vorläuft. Für die einfache Kr-mittelung der Pulsfrequenz kann zwar auch die Brachialis oder die Oarotis am unteren Ende der Drosselrinne benutzt worden. Handelt es sich aber um die speciellen Eigenschaften des Pulses, so ist die Untersuchung stets an der Maxillaris zu bewirken. Unter den Thierärzten besteht auch ein allgemeines Einverständnis darüber, dass, wenn die Qualität des Pulses beim Rinde ohne besondere Bezeichnung der Arteric angegeben wird, immer der Maxillarpuls gemeint ist.
Die Frequenz des Arterienpulses ist gleich der Frequenz des Herzpulses. Nach der allgemein gebräuchlichen Berechnung gilt bei der Bestimmung der Pulsfrequenz die Zahl der innerhalb 1 Minute erfolgenden Herzschläge. Neben der gesteigerten Zahl (frequenter Puls), der Arhythmie (arhythmischer Puls) und der ungleichen Stärke (inäqualer Puls), deren Bedingungen S. 32 besprochen sind, haben folgende Eigenschaften des Maxillarpulses eine erhebliche Bedeutung: der starke oder kräftige gegenüber dem schwachen Puls; der harte (gespannte, drahtförmige und fadenförmige) gegenüber dem weichen Puls; der volle (grosso) gegenüber dem leeren (kleinen) Puls. Diese Bezeichnungen, über deren begriffliche Erklärung ich auf Bd. 1., S. 80 verweise, sind für die Diagnostik der Rindviehkranlcheilon der Regel nach ausreichend.
c.nbsp; nbsp;Venen. Für die Inspection und Palpation liefern zu diagnostischen Zwecken nur die Jugularvenen einen Anhalt. Schon eine geringfügige Beengung der Respiration hatBlutstauung in denselben zur Folge. Daher finden sich regurgitirendeBlutwellen(undulatorische Bewegungen) in den Jugularvenen sehr oft bei ganz gesunden Rindern am unteren Ende des Halses. Sie steigern sich nach reichlicher Futteraufnahme, bei vorgeschrittener Trächtigkeil und bei Meteorismus der Vormagen. Nicht selten erstrecken sich hierbei die äusserlich sichtbaren Blutbewegungen in den Jugularvenen bis zur Mitte des Halses. Die Vene selbst erlangt aber durch die Undulation niemals eine derbe Beschaffenheit.
Die stärkere Füllung der Jugularvenen und pulsatorische Bewegungen des Blutes in denselben (Venenpuls) treten bei erheblicher Behinderung des Blutabflusses in den rechten Vorhof auf. Hierbei setzt die Vene dem betastenden Finger einen mehr oder minder grossen Widerstand
Di eckerh off, Spec. Puthologie u. Therapie. II. Bd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; j^
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34nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Digestionsapparat.
entgegen. In den höchsten Graden der Stauung haben die stark gefüllten Jugularvenen am ganzen Halse entlang das Ansehen dicker Stränge. Diese Blutstauung ist ein wichtiges Symptom bei der traumatischen Pericarditis. Sie wird ausserdem in einzelnen Fällen durch tuberkulöse Geschwülste des Herzbeutels und abgekapselte Abscesse an der Herzbasis im Mediastinum verursacht. Selten liegt dem Venenpuls ein Thrombus an der Tricuspidalklappe zu Grunde.
9. Digestionsapparat.
Appetit auf Futter. Gegenüber der grösseren oder geringeren Schmackhaftigkeit der Nahrungsmittel modificirt sich auch bei Rindern der Grad (die Lebhaftigkeit) des Appetits, obwohl dieselben in grösserem Umfange, als die übrigen Hausthiere, Futterstoffe aufnehmen, welche nicht naturgemäss sind. Ist der Hunger gross, so greifen die Rinder schnell nach dem Futter; in dorn Grade, in welchem das Gefühl der Sättigung sich geltend macht, verlangsamt sich die Aufnahme. Sowohl im Stalle, wie bei zeitwoisem Betreiben einer Klceweide erhöht sich die Begierde des Fressens durch den Affect der Missgunst (Futterneid), wenn mehrere Rinder beisammen sind. Mit Vorliebe wird gutes Grünfutter, reines Heu, namentlich Klee- oder Luzernheu, sowie ein Gemenge von Kleie, Schrot und Wasser verzehrt. Der Appetit auf Rüben und Kartoffeln bleibt gewöhnlich nur so lange rege, wie den Thieren relativ geringe Quantitäten dieser Nahrungsmittel gereicht werden. Im üebermass genossen, verursachen dieselben einen Widerwillen. Dass gegenüber vielen anderen Nahrungsmitteln bei sonst normalem Befinden der Thiere ein relativ geringer Appetit besteht, zeigt sich an der zögernden Aufnahme und an den verlangsamten Kaubewegungen. Bei den auf ausschliess-licher Stallfütterung stehenden Rindern kann sich der Appetit in Folge der anhaltenden Entziehung des Rauffutters vermindern. Die durch intensive Ernährung oder Mästung fett gewordenen Thiere begnügen sich mit einem relativ kleinen Quantum von Futter, Endlich ist noch daran zu erinnern, dass Rinder mit unvollständigem Bau der Mittelhand (Verkürzung der falschen Rippen und geringer Bauchumfang) wohl bei lebhaftem Hungergefühl momentan mit einiger Begierde fressen, im Ganzen aber erheblich weniger Futter verzehren, als gut gebaute Rinder.
Nicht unwesentlich für die Beurtheilung des Appetits ist die Qualität der Nahrungsmittel. Rauffutter von geringem Nährwerth, namentlich saures Heu und Stroh von schlecht geerntetem Getreide oder Hülsenfrüchten fressen die Rinder nur zögernd und in ungenügender Menge.
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Gegenüber verdorbenen, besonders gefrorenen und angefaulten Wurzelgewächsen (Rüben, Kartoffeln) bekunden die besser genährten Rinder nur geringen Appetit. An viele andere nicht naturgemässe Futterstoffe müssen sich die Thiere erst allmälig gewöhnen, bevor sie sich mit denselben vollständig sättigen.
Abgesehen von den vorgedachten physiologischen Gründen, aus welchen sich die Futteraufnahmo verringern kann, ist der Mangel an Appetit stets ein Merkmal von der krankhaft beschränkten Leistung der Verdauungsorgane. Die Störung kann in selbständigen (acuten oder chronischen) Leiden des Gastro-Intestinaltractus beruhen oder eine symptomatische Bedeutung haben und auf hämatogenem Wege herbeigeführt sein. Unter beiden Voraussetzungen nehmen die Thiere in den geringen Graden der Störung gewöhnlich noch etwas von dem naturgemässeu Futter (frisches Grünfutter, reines und schmackhaftes Stroh, gutes Wiesenoder Kleeheu) an, während sie Kleie- und Mehltränke, Schlempe, Traber etc. verschmähen. Von den jungen Kälbern sind einzelne mit einer krankhaften Schwäche der Verdauung behaftet. Solche Thiere verzehren nur wenig Milch und bleiben deshalb in der Körperentwiokelung zurück, so dass sie die Aufzucht nicht vorlohnen.
Appetit auf Gewürze. Allgemein bekannt ist der lebhafte Appetit auf Kochsalz. In den zulässigen grösseren Dosen genossen, steigert dasselbe die Secretion in den Drüsen des Digestionsapparates und vornehmlich in den Pepsindrüsen. Den lebhaften Begehr nach Kochsalz hat Bunge damit begründet, dass das Futter der herbivoren Thiere einen roichen Gehalt an Kaliumsalzen besitzt. Aus der Vereinigung der letzteren mit dem Kochsalz sollen im Blute Natriumsalze und Cblorkalium entstehen. (Vergl. Dammann, Gesundheitspflege, S. 380.) Obschon diese Theorie nicht vollständig ersichtlich macht, weshalb die Pferde als Herbivoren bei Weitem nicht so allgemein, wie die Rinder der Kochsalzlecken bedürfen, so ist doch die Thatsache nicht in Abrede zu stellen, dass, wenn Rinder mit grossen Mengen von Kartoffeln oder anderen an Kaliumsalzon reichen Nahrungsmitteln gefüttert werden, die Verabreichung von Kochsalz nicht blos zweckmässig, sondern oft ganz unentbehrlich ist.
Der Hunger auf Alkalien (laugenhaft schmeckende Gegenstände: Kalk, Lehm, altes Leder oder Tuch, faules Holz etc.) ist ein Symptom der Lecksucht.
Appetit auf Wasser (Durst). Den Rindern, welche auf Stallfütterung stehen, wird das zur Ernährung erforderliche Wasser der Regel nach mit Kleie, Schrot, Oelkuchen oder anderen festen Nahrungsmitteln gemengt resp. in der Form des Getränkes verabreicht. Auf der Weide
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oder nach der Rückkehr von der Hütung trinken die Thiere zur Befriedigung dos Durstgefähls das Wasser, wie sie es finden. Sie verzehren mit gleichem Behagen das mit Lehm verunreinigte Regenwasser oder das durch seinen Gehalt an Salzen pikant schmeckende Wasser, welches sich neben einem Düngerhaufen sammelt, wie klares Brunnen- und Flusswasser. Es bedarf kaum der Bemerkung, dass in den heissen Sommertagen auch bei Rindern der Appetit auf Wasser grosser ist, als bei kalter Witterung. Die vollständige Entziehung des Getränks während eines längeren Eisenbahn- oder Fusstransportes erhöht die Empfindung des Durstes so bedeutend, dass die Thiere die erste sich bietende Gelegenheit (Rinnsteine, Pfützen etc.) benutzen, um in langen Zügen 10 bis 20 Liter Wasser schnell zu trinken. Unter diesen Verhältnissen kann die Aufnahme von kaltem oder verunreinigtem Wasser nachtheilig wirken und eine acute Gastro-Enteritis in mehr oder minder hohem Grade hervorrufen. Durch Zusatz von Kleie, Schrot, gekochten Kartoffeln oder Rüben etc. gewinnt das Getränk für gesunde Rinder an Schmackhattig-keit. Von einem solchen Gemenge werden daher grössere Quantitäten verzehrt, als zur Befriedigung des Durstgefühls nothwendig ist.
Im Verlaufe der inneren Krankheiton geben die Rinder im Allgemeinen dem klaren, kühlen und reinen Brunnenwasser den Vorzug vor anderen Getränken; sie nehmen dasselbe im Laufe eines Tages öfter an, trinken aber selten mehr, als 36 Liter auf einmal. Relativ stark ist das Durstgefühl bei der einfachen Indigestion. Rinder, die an einer selbständigen oder in Verbindung mit fieberhaften Allgemeinkrankheiten (Milzbrand, Sephthäraie, Rinderpest, Pneumonie, Metritis etc.) entstandenen Gastro-Enteritis leiden, verschmähen die Aufnahme von Getränk vollständig. Krankheiten, die eine schwere Benommenheit des Bewusst-seins (Sopor) mit sich bringen (Gebärparalyse, narkotische Vergiftungen, diffuse Entero-Peritonitis) heben die Durstempfindung auf. Soweit die betreffenden Krankheitsfälle heilbar sind, erfolgt die Aufnahme von Getränk erst mit dem Beginn der Genesung. Krankhaft gesteigertes Durstgefühl mit vermehrter Aufnahme von Wasser findet sich bei der nur selten vorkommenden und durch chronische Nephritis bedington Hydrurie.
Kauen und Wiederkauen. Beim Weiden bedienen sich die Rinder der Schneidezähne des Unterkiefers zum Abstossen des mit der Zunge fixirten Futters. Für die Aufnahme von geschnittenem Futter resp. bei der Stallhaltung werden die Schneidezähne nicht gebraucht. Letztere sitzen normalmässig nur locker in ihren Alveolen. Sie erlangen die Festigkeit ihrer Stellung durch das straffe Zahnfleisch, von welchem sie
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eng umschlossen sind. Wenn die Futteraufnahmo in Folge von Krankheiten nachlässt oder ganz aufhört, so verringert sich die straffe Beschaffenheit des Zahnfleisches. Die Schneidezähne werden dadurch so lose, dass sie mit dem Kinger leicht nach beiden Seiten bewegt worden können. Von Laien wird aus Irrthum oft angenommen, dass die betreffenden Rinder die Futteraufnahmo wegen dor losen Zähne vorweigern. Die zur Beseitigung des vermeintlichen Fehlers vielfach benutzte Einreibung des Zahnfleisches mit Kochsalz, Ofenruss etc ist überflüssig und zwecklos. Wenn die Krankheiten heilbar sind und die Thiere wieder Fresslust zeigen, so stellt sich auch die normale Befestigung der Schneidezähne wieder ein.
Zur Aufnahme des Futters können die Rinder von den Lippen keinen Gebrauch machen. Deshalb und weil das Futter zunächst mit den Backzähnen nur grob zerquetscht und dann in grossen Bissen verschluckt wird, nehmen die Rinder sehr leicht fremdartige scharfe Gegenstände (Nägel, Nadeln, Drahtstücke etc.) auf, die nach längerem oder kürzerem Verweilen im Pansen und der Haube zu inneren Verwundungen führen können.
Alle Bedingungen, welche den Appetit auf Futter schmälern (vergl. S. 34), bringen auch eine Verlangsamung der Kaubewegungen mit sich. Namentlich erfolgt bei den an inneren Krankheiten leidenden Rindern, welche nur wenig Rauffutter in einzelnen Halmen oder kleinen Bissen verzehren, das Kaugeschäft zögernd. Hierbei wird sehr oft ein hartes, knirschendes Reibungsgeräusch mit den Backzähnen (Zähneknirschcn) erzeugt. Die von acuten odor chronischen Krankheiten befallenen Rinder vollführen aber auch nicht selten Kaubowegungen mit Knirschen auf den Backzähnen, ohne Futter im Maul zu haben. Das Zähneknirschon deutet immer auf eine erhebliche Frkrankung (Abnahme der constitu-tionellen Energie) hin.
Das Wiederkauen stellt gowissermassen den zweiten Theil der Futteraufnahmo dar. Es wird von gesunden Rindern während des Liegens oder im Stehen, von den Arbcitsochson oder -Kühen auch in der langsamen Schrittbowcgung ausgeführt. Für die semiologische Bedeutung der Rumination und ihrer Störungen ist zu beachten, dass der Pansen bei gesunden Rindern von starkem Körporbau durchschnittlich 60 Kilogramm Futter fasst. Von dieser Masse geht der flüssige resp. brei-l'örmige Theil direct in den Psalter über, ohne vorher wiedergekäut zu sein. Die mit Speichel und Gasen (Pansengasen) vermischten festen Ingesta des Pansens werden in 34 Terminen während 24 Stunden der Rumination unterzogen. Bei regelmässiger Ernährung der Rinder wird
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nach jedem Termin des Wiederkauens ein entsprechendes Quantum von Futter wieder aufgenommen. Demnach berechnet sich das durchschnittliche Gewicht des Panseninhaltes im Beginn der Ruminations/.eit auf ungefähr 60 Kilogramm und nach Beendigung derselben auf etwa 40 bis 45 Kilogramm. Dass diese Berechnung nur annähernd zutreffen kann, ergiebt sich schon aus den allbekannten Thatsachen, dass nach der Grosse der Rinder die Menge des aufgenommenen Futters in ziemlich weiten Grenzen differirt und dass nach dem Appetit der Thiere und der Schmackhaftigkeit des Futters bald mehr, bald weniger verzehrt wird.
nbsp; Die beinahe vollständige krankhafte Ausleerung des Pansens (Pansenleere) constatirte Voigtländer (Dresd. Ber. pro 1878 S. 88 und 1879 S. 133) bei hochtragenden, mit Gras ernährten Kühen, welche nach einem Eisenbahntransport von 26 28 Stunden unter den Symptomen einer allgemeinen Lähmung erkrankt und deshalb geschlachtet waren.
nbsp; Zur Rumination kommt stets derjenige Theil des Futters, welcher am längsten im Pansen verweilt hat. Das bedingende Moment dieser physiologischen Thatsache liegt in den Eigenbewegungen des Pansens. Bei der Rumination gelangt der Bissen vom 2, Magen in den Magenschlundkopf und aus letzterem durch den Schlund in die Maulhöhle. Da nun die in dem Fulterbrei des Pansens sich vollziehenden Gährungs-processe zum Theil den Charakter der Fäulniss besitzen, so haften an dem Bissen bisweilen Fäulnissgase, woraus der in geringem Grade an der Exspirationsluft oder aus dem Maule bemerkbare üble Geruch bei sonst gesunden Rindern entspringt. Die Rumination ist unter normalen Verhältnissen mit einem gewissen Wohlbehagen verbunden. Junge Rinder vollführen dieselbe etwas lebhafter, als ältere. Durchschnittlich wird jeder Bissen in 50 Secunden mit 60 Kieferbewegungen gekaut und darauf verschluckt.
Alle Krankheiten, bei welchen die Verdauung leidet, sind von einer Verzögerung oder vollständigen Sistirung des Wiederkauens begleitet. Die Verzögerung bekundet sich sowohl durch die abnorm seltene Ausführung des Wiederkauens, wie durch verlangsamte Kaubewegungen. Bei der acuten Indigestion bedingt die leichte Erkrankung nur eine vorübergehende Sistirung des Wiederkauens für einen Tag. In den schweren Fällen hört dasselbe ganz auf. Relativ selten und langsam geschieht das Wiederkauen bei der chronischen Indigestion (Parese des Pansens) und bei anderen chronischen Krankheiten des Gastro-lntestinaliractus. Die gleiche Wirkung haben die langsam verlaufenden Allgemeinkrankheiten. Bei den acuten fieberhaften Infections- und Intoxicationskrank-heiten ist das Ausbleiben der Rumination abhängig von der Affection
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der Schleimhaut im 4. Magen und im Darmkanal. Nach dem Grade dieser Affection erfolgt das Wiederkauen entweder selten und mit verzögerten Kaubewegungen oder gar nicht mehr. Das Wiederkauen fehlt bei denjenigen Krankheiten, welche von schwerer Benommenheit des Be-wusstseins begleitet sind (Gebärparalyse, narkotische Vergiftungen), weil bei der allgemeinen Lähmung die Muskulatur des Pansens und der Haube nicht mit ausreichenden motorischen Impulsen versehen wird. Die traumatische Zwerchfell-Herzbeutelentzündung, sowie die schweren Fälle der traumatischen Peritonitis bedingen oft eine Verzögerung und Verlangsamung, mitunter selbst eine vollständige Sistirung der Rumination, weil die betreffenden Rinder durch den Druck gegen die kranken Organe oder durch die Verschiebung des scharfen Körpers Schmerzen empfinden.
Schlucken. Eine krankhafte Störung erfährt das Schlucken bei der traumatischen Pharyngitis und bei actinomykotischen Geschwülsten in der Pharynxwand. Rinder, die an einer diphtherischen Pharyngitis (beim bösartigen Katarrhalfieber), oder an Lähmung des Schlundkopfs (beim Kalbefieber) leiden, können zwar auch nicht schlucken. Aber hierbei nehmen die Thiere aus anderen Gründen weder Futter, noch Getränk an, so dass die Dysphagic ohne diagnostisches Interesse ist. Porl-suchtgeschwülste im Mediastinum können durch Druck auf den Schlund das Schlucken erschweren. Am häufigsten findet aber das Unvermögen des Schluckens seine Veranlassung in der Verstopfung des Schlundes durch relativ grosse Körper (Kartoffel, Birne, Apfel, Rübe oder Rübenstück etc.). Das hierbei gewöhnlich von den Rindern noch in geringer Menge verzehrte Futter oder Getränk füllt die Partie des Schlundes oberhalb der Verstopfung und wird alsbald durch antiperistaltische Schlundbewegungen unter Erscheinungen, die dem Erbrechen sehr ähnlich sind, aus dem Maul wieder entleert. Da die Thiere, so lange die Schlundverstopfung anhält, auch den Maulspeichel nicht herabschlucken, so geifern sie bald mehr, bald weniger stark.
Bauchumfang. Im Allgemeinen ist der Bauch bei weiblichen Rindern grosser, als bei Bullen und Ochsen. Aber auch nach der Race und Bauart gestaltet sich der Bauchumfang verschieden gross. Als bekannt kann hier vorausgesetzt werden, dass sich der Bauch durch die Anfüllung des Pansens mit Futter ausweitet und nach der Rumination wieder verkleinert. Durch anhaltend reichlichen Genuss von voluminösem Futter erweitert sich der Magen-Darmtractus, wodurch der Bauchumfang zunimmt. Den bedeutendsten physiologischen Einfluss auf die Grosse des Bauches hat bei Kühen und Färsen die Trächtigkeit. Doch ist auch hierbei die Vergrösserung nicht gleichmässig. Bei den meisten Thioren
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wird ilicyelbc nach dem 5., bei anderen erst nach dem 6. Monat der Trächtigkeit erkennbar. Die Zwillings-Trächtigkoit verursacht in der Regel eine erhebliche, aber gleichwohl für die sichere Diagnose gegenüber der Trächtigkeit mit einem Fötus nicht significativcZunahme desBauchumfangos.
Eine abnorme Ausweitung des Bauches nach unten entsteht in den letzten Monaten der Trächtigkeit zuweilen durch Zerreissung der Bauchmuskeln (Fruchthälterbruch, Hysterocele). Der Zustand kann die Kühe beim Stehen und Gehen erheblich behindern und auch die Geburt erschweren. Nach der letzteren verkleinert sich der Bauch, aber nicht bis zur Norm. Die häufigste Veranlassung der krankhaften Ausweitung des Bauches liegt in der Ueberfüllung des Pansens mit Futter und Gasen (acute Blähsucht, Schlundverstopfung, Compression des Schlundes durch Geschwülste im Mediastinum, acute und chronische Indigestion, Vergiftung durch Salpeter, Blei, wilden Mohn etc.). Bedeutende Vergrösserungen der Leber oder der Milz können eine für die Diagnostik verwerthbare Vergrösserung des Bauchumfanges nicht herbeiführen, weil diese Organe im vorderen Theil der Bauchhöhle liegen.
Bei der Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle vergrössert sich der Bauchumfang gewöhnlich nicht in einem erkennbaren Grade. Insbesondere führen die kachectischen Krankheiton nicht zu einer so erheblichen Transsudation aus dem Peritoneum, dass der Bauch dadurch grosser würde. Die Blutstauung nach der hinteren Hohlvene und ihren Gebieten bei der traumatischen Pericarditis oder bei der chronischen Endocarditis bewirkt nur selten die Abscheidung von mehr als 10 bis 12 Liter Flüssigkeit in die Bauchhöhle. Auch diese Quantität bedingt keine sichtbare Erweiterung des Bauches. Letztere tritt aber ein bei der diffusen acuten Peritonitis, wenn SO40 Liter Flüssigkeit sich in die Bauchhöhle ergiesson. Hierbei vermögen die kranken Rinder in der Regel nicht mehr aufzustehen und da sie meist auf dem Brustbein liegen, so kann die Vergrösserung des Bauchumfanges für die Diagnose keinen bemerkenswerthen Gewinn bringen.
Die krankhafte Verkleinerung des Bauches findet sich stets beim protrahirten Vorlaufe der fieberhaften Allgemeinkrankheiten, welche die Futtcraufnahmo erheblich beschränken. In augenfälligem Grade verringert sich der Bauchumfang bei Rindern, die an der chronischen puru-lenten Endomctritis oder am chronischen Darmkatarrh (Diarrhöe) leiden.
Pcristaltik. Die Bewegungen des Pansens geschehen normal-massig von vorn nach hinten, darauf von unten nach oben und endlich von hinten nach vorn. Man kann diese Peristaltik an der Flanken-gegond der linken Seite deutlich verfolgen. Durch die krankhafte Füllung
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des Pansens mit Futter und Gasen wird die Contractionsfähigkeit seiner Muskulatur geschwächt. Es mindern sich daher bei den gedachten Krankheiten die Eigenbcwegungen des Pansens. Starker Metcorismus bringt dieselben vollständig /um Aulhöron. 1st die Rumination verzögert oder unterdrückt, so erfolgen die Bewegungen dos Pansens unvollkommen.
Die Geräusche, welche die Peristaltik dos Pansens verursacht (Pansengoräusche), lassen sich durch Auscultation an der Bauchwand der linken Seite leicht ermitteln, haben aber nur insofern ein diagnostisches Interesse, als dieselben auch an der Brustwand sich beraerk-lich machen und die Unterscheidung der Athmungsgeräusche stören können. Da aber die Beschränkung in dor Function des Pansens leicht an der Verzögerung oder Sistirung der Rumination zu erkennen ist, so erübrigt sich der Regel nach die Auscultation der Pansengoräusche behufs Gewinnung von diagnostischen Aufschlüssen.
Die Peristaltik des Darms wird de norma erheblich beeinflusst von der Qualität des Futters. Junges Grünfutter, Rübenblätter, Schlempe, Kleie, rohe Kartoffeln, Rüben etc. bewirken eine Beschleunigung der Darmperistaltik, während die ausschliesslicbe Verabreichung von Trockenfutter dieselbe vermindert. Es bedarf kaum einer Andeutung, class auch die Einverleibung von Abführmitteln die Peristaltik des Darms anregt. Trägequot; wird die Peristaltik bei krankhafter Anschoppung von Futter in den Vormagen, im Labmagen oder im Darm (Verstopfung). Ferner bedingen schwere Magen-Darmentzündungen, soweit dieselben nach ihrer besonderen Entstellungsart nicht von Diarrhöe begleitet sind, stets eine Herabsetzung und oft die vollständige Sistirung der Peristaltik.
Darmgeräusche (Guiron, Knurren, Poltern, Fliessen und Plätschern) sind mittels Auscultation an der rechten Bauchwand zu ermitteln und machen sich bei grosser Intensität schon in der Entfernung von einigen Schritten bei den Thieren bemorklich. Sie entstehen in auffälligem Grade und Umfange nur, wenn eine reichliche Menge von Gasen mit dem Futterbrei im Darm fortbewegt wird. Heftige, mit diarrhoischer Entleerung verbundene Darmentzündungen (Rinderpest, Ruhr, Vergiftung durch Drastika) sind in den vorgerückten Stadien trotz der gesteigerten Peristaltik von erheblichen Darmgeräuschen deshalb nicht begleitet, weil es in dem Darminhalt an Gasen fohlt.
Darmexcremente. Da die Rinder nach den wirthschaftliehen Zwecken ihrer Haltung mit sehr verschiedenen Futtermitteln ernährt werden, so differiren schon bei sonst normalem Befinden der Thicre die Excremente in der Quantität und Qualität erheblich. Nach Siedam-grotzky-Hofmeister beträgt die Menge der innerhalb quot;24 Stunden ent-
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leerten Excremeate bei massiger Ernährung 15 35 Kilo und bei der Verabreichung von Mastfutter 40 45 Kilo und darüber. Wenn viel Heu oder Stroh neben einer geringen Menge von Beifutter gereicht wird, so fand ich, dass die Ausscheidung von Exorementen aus dem Mastdarm 1215 Mal in 24 Slunden erfolgte. Etwas häufiger ist dieselbe beim Weidegange und bei der Ernährung mit jungem Grünfutter, Schlempe, Rübenblättern und cinderen abführenden Futterstoffen findet die Koth-entloerung innerhalb eines Tages 2025 Mal statt.
Die Excremente junger, ausschliesslich oder vornehmlich mit Milch ernährter Kälber haben eine breiartige Consistenz und graubraune Farbe. Bei älteren Rindern erlangt der Koth durch reichlichen Genuss von Heu, Erbsen- oder Bohnenstroh eine dunkelbraune, steife, teigige Beschaffenheit, so dass sich an demselben die im Mastdarm entstandenen ringförmigen Eindrücke eine Zeit lang erhalten. Die Thiere, welche dauernd auf der Weide bleiben oder auf dem Stalle viel Grünfutter bekommen oder neben dem trockenen Rauffutter in geringer Menge abführende Substanzen verzehren, entleeren braungrüne Excremente von breiiger Consistenz. Durch reichlichen Genuss von Schlempe, Rüben, Rübenblättern oder jungem Grunfutter wird der Koth dünnflüssig; die Farbe ist nach Art des Futters theils grün, theils mehr grau.
Die Verzögerung in der Ausscheidung von Excrementen (Verstopfung) ist sehr oft durch selbständige Störungen der Verdauung bedingt (acute und chronische Indigestion, Dyspepsie, traumatische Peritonitis etc.). Hierbei kann die Kothentleerung 24 Tage und darüber aussetzen. In dem Masse, in welchem die Thiere die Futteraufnahme versagen, mindert sich auch die Quantität der Excremente. Letztere haben bei den fieberhaften Allgemeinkrankheiten, bei welchen die Magen-Darmschleimhaut mit afficirt ist. oft eine schwarzbraune, verbackene, theerartige Beschaffenheit und zuweilen sind dieselben auch mit, Darmschleim reichlich vermengt. Ist die Fiebertemperatur des Körpers bedeutend, so lässt sich an dem frisch ausgeschiedenen Koth eine abnorm starke Verdunstung des Wassers wahrnehmen.
Als Krankheitserschoinung wird die Entleerung von breiigem oder dünntlüssigem Koth beobachtet: beim acuten und beim chronischen Darmkatarrh, bei der eiterigen Endometritis und bei anderen schweren Entzündungen innerer oder äusserer Organe, bei welchen eiterig-jauchige Stoffe resorbirt werden und auf hämalogenom Wege eine diffuse Gastro-Enteritis veranlassen. Wenn solche Krankheiten relativ lange anhalten, so erscheint die Schwanzrübe regeimässig mit Excrementen verklebt. Bei der Rinderpest, der Ruhr und einigen toxischen Darmentzündungen
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ist die diarrhoische Entleerung des Darms eines der wichtigsten Symptome. Sind die flüssigen Excremonto reichlich mit abgestossenem Darmepithel vermengt, so haben sie eine schmutzig-graue oder graubraune Farbe und zuweilen in Folge der Fäulniss einen stinkenden, penetranten Geruch. Die diffuse Enteritis hat mitunter einen hämorrhagischen Charakter; dann enthalten die in breiiger oder flüssiger Oonsistenz entleerten Excremente neben den anderen Blutbestandthcilen gelöstes Hämoglobin, so dass sie eine mehr oder minder dunkelbraune Farbe erlangen.
Die Ausscheidung von flüssigem oder coagulirtem Blut aus dem Mastdarm wird bei starkem Blutandrang durch die Ruptur kleiner Blut-gefässe in der Dickdarmschlcimhaut verursacht. Solche blutige Entleerungen kommen zuweilen bei der Rinderpest und bei septischen All-gemoininfectionen vor. Fibrinöso Exsudate von zusammenhängenden Strängen oder Platten, zum Theil auch in cylindorförmigen Stücken (Pseudomembran14 oder Croupmembranquot;) werden bei der diffusen fibrinösen Enteritis im Convalescenzstadium entleert.
Die Parcse (Schwäche und unvollständige oder zeitweise Oeffnung) des Afters mit Eintritt von Luft in den hinteren Abschnitt des Mastdarms ist bei Krankheiten der Rinder häufig. Im Verlaufe schwerer Diarrhöen hat dieselbe das unwillkürliche Abfliessen der Excremente zur Folge. In solchen Fällen deutet die Parese stets auf den allgemeinen Kräfteverfall des Körpers. Dagegen ist der mangelfiafte Verschluss des Afters bei älteren Kühen oft unerheblich. Die üebärparalyse bedingt regelmässig eine Erschlaffung und Oeffnung des Afters, die sich aber im Falle der Genesung bei den betreffenden Kühen schnell wieder verliert.
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10. Harnapparat.
Für eine Reihe von Krankheiten des Rindes (Hämoglobinurie, acute und chronische Nephritis, Pyelo-Nephritis, Uro-Cystitis, Goncremcnte in den Harnwegen) ist die Diagnose von der Untersuchung des Harns und von der Ermittelung besonderer Eigenschaften an demselben abhängig. Demgeraäss wird die Prüfung des Harns auch für die Befunderhebung bei denjenigen Thicrcn erforderlich, bei welchen die vorgedachten Krankheiton für die Diagnose ausgeschlossen werden sollen. Im Uebrigen hat die Untersuchung des Harns bei den am häufigsten vorkommenden Krankheiten des Rindes kein unmittelbares Interesse für die Diagnostik. Mit der Betonung dieser Thatsache soll selbstredend der wissenschaftliche Worth der Harnuntersuchungen für die Erkenntniss des krankhaften Stoffwechsels nicht herabgesetzt werden.
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In diesem Lehrbuch können nur die für die allgemeine Diagnostik wesentlichsten Eigenschaften des Rinderharns Erwähnung finden. Ich verweise hinsichtlich der physiologischen Zusammensetzung desselben auf die Lehrbücher der Physiologie und hinsichtlich der Methoden für die specielle Untersuchung des Harns auf die Mikroskopische und chemische Diagnostik von Siedamgrotzky-Holmeister, 2. Aufl., 1884quot;.
Von den Bullen und Ochsen wird der Harn immer und von den weiblichen Rindern der Regel nach im Stehen entleert. Bei Stallkühen erfolgt aber die Ausscheidung auch oft während des Liegens. Im Durchschnitt erfolgt die Entleerung der Blase 67 Mal innerhalb 24 Stunden. Die Menge des Harns ist. schon in der Norm sehr ungleich und vorzugsweise von dem grösseren oder geringeren Wassergehalt des verabreichten Futters abhängig. Nach den Bestimmungen von Henneberg und Stohmann schwankt die innerhalb 24 Stunden von grösseren Ochsen ausgeschiedene Harnmenge in runden Zahlen zwischen 4 bis 12 Liter. Die wichtigsten Einflüsse, welche die Menge des Harns bei gesunden Thieren verringern, sind: Ernährung mit trockenem Rauffutter, hohe Temperatur der Atmosphäre, anstrengende Körperbewegung oder Arbeitsleistung und reichliche Wassorausscheidung durch den Darm (Diarrhöe). Entgegengesetzt steigt die Harnmenge bei starkem Durstgefühl nach dem Genüsse von Kochsalz und entsprechender Aufnahme von Trinkwasser, sowie bei der Fütterung wasserreicher Nahrungsmittel (Junges Grünfutter, Schlempe, rohe Kartoffeln, Rüben etc.). Krankhaft gesteigert ist die Quantität des (wasserreichen) Harns bei der chronischen Nephritis. Das specifische Gewicht des Rinderharns differirt nach dem Wassergehalt. Fürstenberg (Anat. und Physiol. des Rindes, 2. Aufl., bearbeitet von Müller, Berlin 1876) bestimmt dasselbe auf 1,021 1,046. Nach Sicdamgrotzky-Hofracister beträgt das speeifische Gewicht 1,030 1,045. Die Farbe ist in der Regel wasserhell, zuweilen hellgelb und im Verlaufe fieberhafter Krankheiten bei relativ geringem Wassergehalt oft gelblich braun. Dass aus den genossenen Nahrungsmitteln Farbstoffe in den Harn übergehen, hat für die praktische Diagnostik keinen Belang. Wichtig ist dagegen die durch Beimengung von Hämoglobin bedingte rothe (mattrothe bis dunkel-rothe) Farbe. Die Reaction ist in der Norm alkalisch, bei Saugkälbern aber sauer (Harnsäure). Durch reichen Gehalt an Hippursäure kann nach Fürstenberg auch bei älteren Rindern, die viel Grünfutter verzehren, der Harn sauer roagiren. Unter krankhaften Störungen der Ernährung (Osteomalacio, chronische Darraleiden) wird durch die Ausscheidung von Phosphaten eine saure Reaction bedingt. Zucker
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soll der Rinderharn in geringer Menge normalmässig enthalten. Aber an dor Zuckerharnruhr (Meliluria) erkranken die Rinder nach den bisherigen Boobaohtungen nicht. Biweiss (Serumalbumin) wird dem Harn beigemengt bei der acut.en diffusen Nephritis, welche im Verlaufe fieberhafter Infectionskrankheilen entsteht. Von grösserem diagnostischennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;f
Interesse ist die Ermittelung des Eiweissharncns bei der chronischen interstitiellen (bindcgcwebigon) Nephritis und bei der Pyelo-Nephritis. Das bedingende Moment der Aibuminurie liegt hierbei in der Structur-veränderung an den Wandungen der Giomoruli und ihres Epithels.
Harnoylindcr (Abgüsse aus den Niorenkanälchen) finden sich hei Rindern seltener im Harn als bei Pferden. Blutbeimischung (Hämat-urie) wird durch Ruptur kleiner ßlutgelässe in den Nieren oder den
Harnwegen verursacht; Hämoglobin enthält der Harn bei dem ende-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ü}
mischen Blutharnenquot; (Häraoglobinurie). Zur Erkennung des Hämoglobinharns ist in der Regel die makroskopische Besichtigung des Urins ausreichend. Letzterer hat eine gleichmässig rothe, in den höheren Krankheitsgraden dunkelrothe Farbe. An den längeren Haaren in der unteren Commissur der Scham kleben Krusten von eingetrocknetem Hämoglobin. Der spectroskopischo Nachweis des Hämoglobins ist für die Zwecke der thierärztlichcn Praxis entbehrlich. Eiter enthält der Harn bei dem chronischen Katarrh der Harnblase, der Ureteren oder des Nierenbeckens resp. der Pyelo-Nephritis; ferner bei der purulenten chronischen Vaginitis und Endometritis. Die Vermengung des Harns mit Schleim, welcher von der Scheide socernirt wird und sich vorübergehend im Vorhof sammelt, findet sich bei Kühen oft, ist aber in der Regel unerheblich. Indcss kann eine reichliche Abscheidung von Schleim und Epithelien beim chronischen Blasenkatarrh vorkommen.
Anorganische Stoffe (Magnesium- und Calciumcarbonat, Chlornatrium, hippursaurc Salze etc.) finden sich normalmässig im Rinderharn. Die Menge der Chloride verringert sich bei Entzündungen der Brust-organo mit der reichlichen Abscheidung von Exsudaten. In abnorm grosser Menge sind kohlensaure Alkalien im Harn bei chronischen Katarrhen und bei der Bildung von Gries oder Steinen in den Harnwegen. Das milchige (grauwoisse) Aussehen des Harns, welches früher irr-thümlich auf eine Milchmetastasequot; bezogen wurde, ist wahrscheinlich nur durch roichen Gehalt an mineralischen Bestandtheilen bedingt. Doch fehlen zur Zeit noch genaue Analysen von solchem Harn. Eine krankhafte Bedeutung kann, soweit die Beobachtung der betreffenden Thiere bislang ergeben hat, dem milchigen Harn nicht beigelegt werden.
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Erste Classe. Infections- und liitoxicationslcrankheiten.
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Capitel I. Rinderpest. Pestis boiim.
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Von den Krankheiten der Rinder ist die Rinderpest seit jeher für die europäischen Culturstaaten die wichtigste gewesen. Bei der Leichtigkeit, mit welcher sich dieselbe durch Ansteckung verbreitet, kann ihre Verallgemeinerung in einem Lande nur durch Eingreifen der Staatsbehörden bezw. mittels energischer Anwendung von Abwehr- und Tilgungsmassregeln verhindert werden. Der pernieiöse Charakter der Seuche spottet jeder Behandlung der erkrankten Thiere. Nur in Ausnahmefällen erfolgt die Genesung. Da die Rinderpest bei ihrer allgemeinen Verbreitung die Viehstände grösserer Ortschaften fast vollständig aufreibt, so ist sie in früheren Zeiten oft eine allgemeine Landplage gewesen. Mit der häufigen Vernichtung zahlreicher Viehwirthsohaften verringerte sich der Nationalwohlstand in den betreffenden Staaten oder Provinzen sehr erheblich.
Die Geschichte der Rinderpest und ihrer Literatur kritisch darzustellen, ist in dem Rahmen dieses Lehrbuchs nicht ausführbar. Ich beschränke mich deshalb auf einige allgemeine Bemerkungen. Zweifellos hat die Seuche schon in der grauen Vorzeit unter den Viehherden der asiatischen und osteuropäischen Länder geherrscht. Geschichtlich nachweisbar ist das Vorkommen derselben zur Zeit des Aristoteles (im 4. Jahrh. vor Chr.). Auch Columella (im 1, Jahrh. nach Chr.) hat neben einigen wichtigen Symptomen die verheerende Wirkung der Seuche hervorgehoben. Ihre eigentliche Heimath waren seit jeher die Länder am
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schwarzen Meer und an der Wolga. Mit den Kriegszügen der asiatischen Völker erfolgten die Invasionen nach dem wostlichen Europa. Aber auch mit dem Handelsvieh aus Russland und den Donauländern, welches die westeuropäischen Staaten während des Mittelalters und zum Theil bis in die neueste Zeit nicht entbehren zu können glaubten, hat sich die Einschleppung oft vollzogen.
Genauere Schilderungen der Seuche und ihrer verheerenden Folgen datiren erst aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts. Von 17091711 wurde die Seuche von den Ländern der Wolga einerseits nach Proussen und einigen anderen norddeutschen Staaten, andererseits nach den Donaustaaten, sowie nach Ungarn und Kroatien und demnächst nach Italien eingeschleppt. Da zu jener Zeit die polizeilichen Hülfskräfte zur schnellen Tilgung der Seucheeruptionen noch nicht in genügendem Umfange zu Gebote standen, auch der Charakter der Rinderpest nicht ausreichend bekannt war, so Hess sich die weitere Ausbreitung der Krankheit nach der Schweiz, Frankreich, Holland und England nicht verhindern. Die zahlreichen Kriege im westlichen Europa während des 18. Jahrhunderts vermittelten immer neue Invasionen aus Russland und den Donauländern, aus welchen grosse Viehtransporte zur Versorgung der Kriegsheero bezogen wurden. Mit Recht ist daher in der Literatur oft betont worden, dass die Seuche während des vorigen Jahrhunderts im westlichen Europa niemals vollständig zum Erlöschen kam.
Im 19. Jahrhundert wurden an der östlichen Landesgrenze des Preussischen Staates die Einbrüche der Seuche stets localisirt. Bis zum Ausbau der Eisenbahnen, welcher den schnellen Transport von Vieh auf weite Entfernungen ermöglicht hat, waren auch die übrigen deutschen Staaten durch die Energie, mit welcher die Schutzmassregeln in Preussen zur Anwendung kamen, geschützt. Dagegen hatte die österreichischungarische Monarchie weit mehr von den Invasionen der Rinderpest zu leiden. In der neuesten Zeit ist durch die Reform der Gesetze zur Abwehr und Unterdrückung der Rinderpest die Gefahr der Invasionen wesentlich vermindert worden. Dass aber der Handel mit russischem Vieh und die zu Kriegszeiten eintretenden Verhältnisse auch jetzt noch die Einschleppung der Seuche mit sich bringen, haben die schweren Invasionen in England (1865), sowie in Deutschland und Frankreich (1870) bewiesen.
Die Ansichten über den Charakter, die Entstehung und Behandlung der Rinderpest haben im Laufe der Zeiten bei den Sachverständigen oft gewechselt. Fast 2000 Jahre'lang und bis zum Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts waren für die Theorie der Rinderpest die Lehren
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der grieohlsohen Medioin niassgebend. Nach denselben wurden die acuten floberhaften [nfeotionskrankhoiten der Menschen und Thiere schlechthin als raquo;Fieber* doflnirt. Eine in allgemeiner Verbreitung auftretende und wegen ihres meist tödtlichon Verlaufs besonders gefürchtete, ansteckende Krankheit galt als Seuche (Febris pestifora, Pestis, Pestilentia). Der Rinderpest ist schon von Columella der Charakter eines pesti-len/ialischcn Fiebers (..Pestilentia boumquot;) beigelegt worden. Auch ihre grosse Ansteckungsfähigkoit war im Altcrlhum bekannt. Als das beste Mittel zur Bekämpfung der Krankheit wurde die Absonderung der gesunden Thiere von den kranken und die Trennung einer grösseren Heerde in kleine Haufen empfohlen. Ramazzini (1712) betrachtet die .Rinderpest als ein pestilenzialisches, ansteckendes Fieberquot; und erblickt in der die Krankheit zuweilen begleitenden Hautaffection, die eine kritisclie Bedeutung haben sollte, eine Aohnlichkeit mit der menschlichen Variola. Den Krankheitsverlauf interpretirte er als boum febris continua et acutaquot;. Wenige Jahre später (1715) sprach sich ein Collegium von Aerzten zu Genf dahin aus, dass die Rinderpest die Pockenseuche der Rinderquot; sei. In dieser Erklärung liegt der Ursprung zu dem späterhin und bis in die neuere Zeit oft wiederholten Irrthum von der Identität oder der Aehnlichkeit zwischen der Rinderpest und der menschlichen Variola.
Neben der Ansicht, dass die Rinderpest ein ansteckendes seuchenartiges Fieber sei, hat man im vorigen Jahrhundert auch oft den entzündlichen Charakter als das wesentlichste Moment der Krankheit hervorgehoben (bösartiges, ansteckendes Entzündungsfieberquot; oder entzündliches, pestilenzialisches Fieberquot;). Von französischen Autoren wurden die wichtigsten Symptome mit einer Lungenafifection in Verbindung gebracht, was in dem Namen der Pulmoniequot; (Lungensucht, Lungen fiebor) seinen Ausdruck fand. Unter derselben Bezeichnung erörterte auch A. von Haller (1772) die Rinderpest, die zu jener Zeit in der Schweiz herrschte. Dagegen dcfinirte Wolstcin (1790) die Krankheit als Magenseuchequot;. Die Theorie, dass die Rinderpest der Ruhr (Dysenterie) des Menschen gleiche, fand in Schröckh, Sau-vages, Salchow u. A. ihre Vertreter. Als eine eigenartige ansteckende Krankheit schilderte Camper (17(19) zutreffend die Seuche.
Der Einlluss des unter dem Namen des Brownianismusquot; bekannten medicinischen Systems in Deutschland hatte zur Folge, dass eine Reihe von Aorzten die Rinderpest mit dem Typhus (Abdominaltyphus) des Menschen verglichen und die Krankheit für wahren Typhusquot; oder echtes Faulfieberquot; ausgaben. Zuerst von den süddeutschen Aerzten
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Rinderpest.
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von Schallern (1797) und Mezlei' (1798) vertreten, wurde die Deutung der Seuche als Typhus (Rindertyphusquot;) später von Hilden brand, Veith, Spinola und vielen anderen einflussreichen Autoren aeeeptirt. Die nebeneinander in der Literatur vertretene Charakterisirung dor Rinderpest als Typhus und als Ruhr zusammenfassend meinte Lorinser (1831) das Ens raorbi mit dem Namen Typhus dysentcricus boum (typhöse Ruhrseuche dos Rindviehs)quot; ausdrücken zu können. Er stellte die Krankheit dem Typhus dysontericusquot; des Menschen an die Seite. Indoss hat Lorinser 1845 in einem amtlichen Beridite die Seuche als ein eigenartiges Leiden betrachtet, welches weder mit einer anderen Krankheit der Thiere, noch mit einer Krankheit des Menschen zu vergleichen sei.
Noch im Jahre 1845 wurde die Rinderpest von Bochdalek und Franz Müller mit dem Abdominaltyphus des Menschen identificirt. Roll beurtheilte 1850 den pathologisch wichtigsten Theil der Krankheit (die Gastro-Enteritis) als einen croupos-exsudativenquot; und für manche Fälle als einen diphtheritischenquot; Process, während Brauoll (1862) und auch Rawitsch (1864) die Affection der Darmschloimhaut als eine Zellenwucherung schilderten. Von den englischen Autoren legen Sanderson und Murchison (1866) für die Theorie der Rinderpest das Hauptgewicht auf die Abstossung und Erweichung des Epithels in der Darmschleimhaut und in der Haut. Sie wiederholen imüebrigen den alten Vorgleich derKrank-heit mit der Variola des Menschen. Gerlach (1867) erklärt die Seuche für ein speeifisches Leiden, bei welchem durch Vermittelung dos inficirten Blutes eine diffuse Affection in den Schleimhäuten und in der Haut mit luxuriöser Bildung von lebensunfähigen, durch Fettmetamorphose und Erweichung zerfallenden Zellen eintrete.
Obwohl die Verbreitung der Rinderpest durch Ansteckung seit dem grauen Alterthum bekannt gewesen ist, so haben sich doch bis über die Mitte des gegenwärtigen Jahrhunderts hinaus die Aerzte und Thierärzte von der irrthümlichen Annahme einer spontanen Entstehung nicht losmachen können. Durch atmosphärisch-tellurische Einflüsse (Erdbeben, Sonnenfinsterniss, schneller Wechsel von Kälte und Wärme, starke Nebel, Thau, anhaltender Regen) sollte sich eine ansteckende Substanz (Miasma pestilentiale) bilden, welchem die Fähigkeit des Uebergangs von den ersterkrankten Thieren auf gesunde Rinder beigelegt wurde. Im 18. Jahrhundert galten die Unbilden langer und ermüdender Fusstransporte ein-schliesslich der Aufnahme verdorbener Nahrungsmittel und schlechten Trinkwassers als Ursachen für die primäre Entstehung der Krankheit. Die Frage, wie die Bildung des Contägiums vor sich gehe, Hessen die
D leckei-lio ff, Spec. PatUoiogie u. Therapie. II. Bd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;a
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50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationslu'ankheiten.
älteren Autoren unberührt. Im vorigen Jahrhundort fand die Hypothese, dass bei den aus allgeniRinon Ursachen zuerst erkrankten Thieren das Contagium durch den krankhaften Stofl'wechsel erzeugt werde und dass in dieser Art eine Krankheit die Ansteckungsfähigkeit erlange, viele Anhänger. Unter dem Einflüsse der grossen Entdeckungen in der Chemie behaupteten Sprengel u. A., dass der Wasserstoff das hauptsächlichste Princip aller Infectionsstoffe sei, während der englische Arzt Mitohili das Substrat derselben in dem Stickstoff erblickte, dessen verschiedene Oxydationsstufen die besonderen Eigenschaften der einzelnen Oontagien begründen sollten. Die letztgedachte Ansicht wurde für die Rinderpest von Frank (1802) vertreten. Indess hat die Hypothese von der chemischen Composition der Contagion sich nicht allgemein einbürgern können; auch die Pathologie der Rinderpest wurde von derselben nur unerheblich beeinflusst. Im Allgemeinen dachte man sich den Infections-stoff als ein saures corrosivisches Principquot; oder als ein Acre causticuraquot; oder als ein scharfes Alkaliquot;. Ohne auf das Wesen des Contagiurns näher einzugehen, legten Oamper(1770) und andereAutoren für die Theorie der Seuche den Schwerpunkt in die individuelle Anlage der Rinder. Denn es galt nach vielseitigen Beobachtungen als festgestellt, dass bei anderen Thiergattungcn das Conlagium unwirksam sei. Die Empfänglichkeit des Rindes wurde auf den anatomischen Bau der Digestionsorgane, insbesondere auf die Einrichtung des Magens zurückgeführt. Mit Rücksicht auf die oft beobachtete Einschloppung der Seuche aus den asiatischen Steppenländern entstand die Lehre, dass nur in Asien die Bedingungen für die ursprüngliche Entstehung der Krankheit vorhanden seien und dass die im westlichen Europa einheimischen Racen ausschliess-lich durch Ansteckung von der Seuche befallen würden. Diese Meinung wurde in einer anonymen Abhandlung (Beitrag zur Geschichte der allgemeinen Viehseuche in der Mark Brandenburg, 1767) dahin modificirt, dass das Steppenvieh (die Schläge der weitverbreiteten grauen Racequot;) eine eigenthümliche Anlage für die Rinderpest hätte und dass bei demselben auch noch ausserhalb der Stcppenlande resp. nach dem Eintrieb in die westeuropäischen Staaten die Seuche spontan entstehen könne. Lorinser (1831) hat sich auf den gleichen Standpunkt gestellt und seiner Autorität ist es zuzuschreiben, dass diese Lehre bis in die neuere Zeit massgebend geblieben ist. Nachdem die russischen Autoren (Jessen, Rawitsch, Unterberger, Schmulewitsch) betont hatten, dass auch im asiatischen Russland die Rinderpest nicht spontan entsteht, geht die wissenschaftliche Uebcrzeugung im Einklänge mit einer schon von Sick (1807) ausgesprochenen Annahme gegenwärtig dahin, dass
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Rinderpest.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 51
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die Seuche sich auch in Asien nur durch Ansteckung erhält und einenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; w
echio Contagion ist.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; |{:
Für die Behandlung der Rinderpest ist schon im Anfange des 18. Jahrhunderts der grosse Vortheü, welchen die schnelle Tödlung der verseuchten Vielistände mit sich bringt, erkannt. Nach diesem Grundsatz wurde 1711 auf das Gutachten Lancisi's die Ausrottung der Seuche im Kirchenstaat bewirkt. In Preussen gab 1717 König Friedrich Wilhelm 1. die Anweisung, die Seuchenausbrüche im Inlande durch Töd-tung der betreffenden Viehbestände zu tilgen und die Verschleppung des Ansteckungsstoffes für die Dauer der Gefahr durch Zuziehung militärischer Hülfe zu verhindern. Allein solche Anordnungen konnten bei der damals noch mangelhaften Organisation der unteren Polizeibehörden und da den Besitzern der Worth der auf obrigkeitliche Anordnung getödteten Thiore nicht ersetzt wurde, wesentliche und allgemeine Vortheile nicht herbeiführen, insbesondere die Besitzer zur schleunigen Anzeige von dem ersten Auftreten der Seuche nicht veranlassen. In allen westeuropäischen Staaten häuften sich deshalb die Versuche, rinderpestkranke Thiere durch Anwendung von diätetischen und pharmaceutischen Mitteln zu heilen. Neben der fieberwidrigen Chinarinde standen die Mineralsäuren (Schwefelsäure, Salzsäure), ferner Neutralsalze. Chlor, Schwefel, Kampfer, Eisen, Quecksilberpräparate und viele pflanzliche Arzneistoffe zeitweise in besonderem Ansehen. Bei jeder Invasion der Seuche fanden sich Personen, welche vorgaben, sicher wirkende Mittel zur Heilung rinderpestkranker Thiere zu kennen. Nach 1865 und 1866 wurden in England zahlreiche Cur-versuche unternommen. Immer hat sich aber gezeigt, dass der Verlauf der Krankheit trotz einzelner erheblicher Abstufungen, deren Bedingungen noch unbekannt sind, von der Behandlung der Thiere mit Arzneimitteln nicht abhängig ist. In Preussen war nach dem Viehseuchen-Patent vom 2. April 1803 die Behandlung der kranken Thiere noch gestaltet. Dagegen verbot schon das Ministerialrescript vom 8. November 1813 aus veterinärpolizeilichen Gründen sowohl die Anwendung von Präservativmitteln, wie jeden Ourversuch.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;\*
Die Tilgung der Empfänglichkeit für das Rinderpest-Contagiumnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;.
mittels der Impfung wurde zuerst von Dodson in England 1744 ein-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; l|
pfohlen und während der folgenden Deccnnicn in Norddeutsch land oftnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,
versucht. Das Verfahren bestand darin, dass ein mit der Thränenflüssig-keit oder dem Nasendeject von einem an der Seuche leicht erkrankten Thiere getränkter Wollfaden bei einem gesunden Rinde nach Art eines Haarseils durch die Unterbaut applicirt wurde. Obschon die Impfung in einzelnen Viehbeständen keine grossen Verluste herbeiführte, so ver-
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5-2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- unrl Intoxioiitionski'anlchoiten.
lief doch in vielen anderen Fallen die Impfrinderpest gleich bösartig, wie die nach der gewöhnlichen Ansteckung entstehenden Seuchenausbrüohe. Abgesehen hiervon wurde die Impfung schon deshalb als ein ungeeignetes Verfahren erkannt, weil dieselbe ähnlich wie die Schutzpockenimpfung der Schafe, die Ausrottung der Seuche im Inlande wesentlich erschwert. Auch in Oesterreich kam die Impfung nur versuchsweise zur Anwendung, Selbst in Russland, wo M und K. Raupach mit der Impfung im Grossen exporimentirten und nur 5,9 pCt. der Impflinge verloren, musste aus den angeführten Gründen das Verfahren, für dessen allgemeine Einführung sich Jessen und Halicki lebhaft interessirt hatten, wieder eingestellt werden.
Die oft ausgeführten Versuche, durch üebertragung der Kuhpocken den Rindern eine Immunität gegen die Rinderpest zu verschaffen, wurden zuletzt 1866 in England vergeblich wiederholt. Schon Pessina (1802) hatte experimentell festgestellt, dass die Erkrankung der Rinder an den Pocken die Empfänglichkeit für die Rinderpest nicht aufhebt.
Bei der Unzulänglichkeit der polizeilichen Schutzmassregeln im 18. Jahrhundert haben im westlichen Europa Grossgutsbesitzer, sowie Dorf- und städtische Gemeinden die Einschlcppung der Rinderpest in ihre Viehbestände oft dadurch verhindert, dass sie ihre Gehöfte für die Dauot der Gefahr resp. mehrere Monate hindurch von jedem Verkehr mit fremdem Vieh absperrten oder dass sie das gesammte Rindvieh während der Sommerzeit in abgelegenen Waldungen isolirten und erst mit dem Beginn des Winters, nachdem die Gefahr beseitigt war, wieder in die Gehöfte zurücknahmen. Andererseits suchten die Behörden, welche die Vielieinfuhr aus dem östlichen Auslande über bestimmte Einlassorte gestatteten, unter Anordnung einer amtlichen Begleitung der Viehtransporte beim Ausbruche der Seuche durch schleunige Isolirung der ersterkrankten Rinder die Gefahr zu bekämpfen. Nachdem sich auch dies Verfahren als ungenügend erwiesen hatte, wurde in Preussen an der östlichen Landesgrenze die Contumacirung der russischen Viehtransporte auf die Dauer von 21 Tagen und bei grösserer Gefahr das Einfuhrverbot angeordnet. An Stelle dieser Schutzmassregel ist in der neuesten Zeit für das deutsche Reich die Einfuhr von Rindvieh aus dem östlichen Auslande ganz untersagt worden.
Definition. Mit dem uralten Namen der Rinderpestquot; (Pestilentia boum, Pestis bovilla, auch P. peeudum, P. animalium, P. jumentorum, Febris pestifera) verknüpft sich schon nach der wissenschaftlichen Ueberlieferung die richtige Ansicht von dem Gesammtcharakter der Krankheit. Die in gleichem Sinne verwendeten deutschen Namen: Vieh-
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storbon oder gemeines Viehslerben (Mortaiitas bourn) Viehseuche, Rind viehstaupe, Viehfall oder in der älteren Version Vieh-umbfall, sind nicht mehr gebräuchlich. Ebenso sind die im vorigen Jahrhundert üblichen Bezeichnungen der Rinderpest nach den augenfällig erkrankton Organen als: Lungen fieber, Magenseuche, Löserdürro (Löserseucho), Gallenseuche (Grossgallo, üebergallo) und Viehbräune obsolet geworden. Ungeeignet ist die bis in die neueste Zeit beibehaltene Bezeichnung der Rinderpest als Typhus (Typhus boum contagiosus). In Frankreich heisst die Krankheit Typhus contagieux des botes ä comesquot; und Feste bovinequot;; in England Cattle Plaguequot;; in Italien Tifo contagioso esotico doi rumi-nantiquot; oder Feste bovillaquot;.
Din Rinderpest ist eine speeifische fieberhafte Infectionskrankheit von acutem und typischem Verlaufe, die sich nur durch Ansteckung verbreitet und für welche vorwaltend die Rinder, in geringerem Grade auch Schafe, Ziegen und andere Wiederkäuer empfänglich sind.
Aetlologie. Dass die Seuche nur durch die wirksame Uebertragung des Ansteckungsstoffes entsteht, wurde schon seit mehreren Decennien behauptet. Die früher allgemein angenommene Selbstentwickolung der Seuche ist unbegründet. Weder kosmische Einflüsse, noch ermüdende lange Märsche und die Aufnahme verdorbenen Futters oder die Individualität des russischen Steppenrindes können die spontane Entstehung des Ansteckungsstoffes bedingen. Die Krankheit erhält sich vielmehr in den asiatischen Ländern, wie früher in den östlichen Donaustaaten lediglich durch Ansteckung. Sie würde vollständig erlöschen, wenn die Tilgung der Seuchenherde in Asien allgemein mit der Energie und Umsicht erfolgen könnte, wie im westlichen Europa.
Nach den neueren bakteriologischen Forschungen kann ein Zweifel darüber nicht mehr zulässig sein, dass das Wesen des Rinderpestconta-giums in einem pflanzlichen Mikroorganismus beruht. Obgleich die Iso-lirung und künstliche Züchtung des letzteren vielfach und angeblich mit Erfolg versucht worden ist, so sind die betreffenden Mittheilungen doch zunächst noch mit einiger Vorsicht aufzunehmen. Von den älteren Fublicationen absehend, will ich hier nur anführen, dass Semmer (1883) einen Mikrocomis, Metschnikoff und Gamaleia (Revue fürThierh., Wien 1887, S. HO) einen Bacillus isolirt haben, mit dessen Reinculturen die Krankheit durch Impfungauf Kälber und Meerschweinchen übertragen werden konnte.
Das Oontagium ist bei den pestkranken Rindern in der ausgeathmoton Luft, den Dejccten der Nase und des Mauls, dem Harn, den Darm-exerementen, sowie in allen Organen des Körpers, namentlich in den
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erkrankten Digestions- und Respirationsschleirahäuten enthalten. Es bewahrt seine Keimfähigkeit ausserhalb des erkrankten Thieres auf feuchten und von der atmosphärischen Luft abgeschlossenen Vehikeln viele Monate, nach einigen älteren Angaben selbst ein Jahr und darüber. Am meisten wird die Ansteckung durch kranke resp. infioirto und demnächst in die Krankheit vorfallende Rinder vermittelt. Nach vielen und zuverlässigen Beobachtungen von Sick, Bruckmüller u. A. erfolgt die Ansteckung von den inficirlen Thicron erst mit dem offenkundigen Auftreten der Krankhoitserscheinungen. In grösseron Viehbeständen konnte die Seuche oft schon im Beginn durch sofortige Tödtung und Beseitigung der ersterkrankten Thiero, sowie durch eine ausreichende Desinfection getilgt werden. Die nomadisirenden Völker in den russischen Stoppen retten nach Raupach und Schmulewitsch im Sommer ihre Heerden nicht selten dadurch, dass sie die an der Pest erkrankten Thiere sofort tödten und liegen lassen oder abschlachten, mit den übrigen Thieren aber eine entfernte Weide aufsuchen. Indess wird das Contagium schon während des Entwickelungsstadiums der Krankheit resp. bei den noch nicht offenkundig erkrankton Thieren producirt, wie 0. Raupach (1875) durch impfungsvorsuchc nachgewiesen hat. Demselben gelang die üebertragung der Krankheit mit dem Nasenschleim eines Rindes, welches 24 Stunden vorher durch Impfung inficirt war.
Uebor die Flüchtigkeit des Contagiuras haben die Autoren des 18. Jahrhunderts oft unrichtige Angaben gemacht. Von einem kranken Thiere kann der Ansteckungsstoff nach vielen zuverlässigen Beobachtungen nur etwa 510 Meter durch die atmosphärische Luft auf gesunde Thiere wirksam übertragen werden. Abildgaard, Jossen, Roll und Ger-laoh nehmen an, dass bei starkem Luftzug die Infection auch in grösserer Entfernung, aber nicht über 100 Schritt erfolgen könne. Ich habe 1870 constatirt, dass 2 junge Färsen sich die Seuche dadurch zuzogen, dass sie zwei Tage hindurch in einer Bucht standen, deren Umzäunung 4,50 Meter von den pestkranken Thieren entfernt war.
Durch Eintrocknung der Vehikel verliert das Contagium seine Keimfähigkeit in 1^2 Tagen. Dagegen kann dasselbe in dem Dünger der Seuchenställe mehrere Monate lang wirksam bleiben. Ebenso ist die Krankheit oft dadurch zum Ausbruch gekommen, dass Rauffutter, besonders Heu an gesunde Thiere verabreicht wurde, weiches einige Tage, Wochen oder Monate vorher durch die Nascndejecte oder Darmexcremonte pestkranker Thiere verunreinigt war. Die Literatur des vorigen Jahrhunderts enthält viele gut constatirte Beobachtungen über die Ver-mittolung der Infection durch Heu, welches den Ansteckungsstoff enthielt.
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Haubnor (Voter.-Polizei, S. 191) erwähnt, dass Heu, welches auf Stangen über dera Seuohonstall gelegen hatte und 3 4 Monate später an die zugekauften Rinder verfüttert wurde, den Ausbruch der Rinderpest zur Folge hatte. Ich habe 1870 zu Löwenberg, im Kreise Neu-ruppin die gleiche Beobachtung gemacht. Bei der nach Tödtung des verseuchten Bestandes vorgenommenen Desinfection war das Heu auf dem Bodenraum belassen, weil der letztere von dem Seuchenstall durch die luftdichte Stalldecke getrennt war. Als nun 3 Monate später wieder frisches Vieh beschallt und mit dem Heu gefüttert wurde, brach die Seuche von Neuem aus. In der Regel gelangt das Contagium dadurch in das Heu, dass die Wärter, welche ihre Schuhe mit den Excrementen oder den Nasendejecten kranker Thiere verunreinigt haben, auf den Heuboden gehen, um Futter zu holen.
Leicht verbreitet sich die Seuche durch den Transport und die Zubereitung von Fleisch kranker Thiere. In den Annal. Vratislav. An. 1718quot; p. 184 wird berichtet, dass die Seucho durch den Kopf eines geschlachteten pestkranken Thieres aus Breslau nach Oels und weiter verschleppt wurde. Die Kühe, welche die Stellen berochen, worauf das Abwaschwasser gegossen, verfielen in die Krankheit. Später und bis in die neueste Zeit sind viele Fälle publicirt worden, in welchen Rinder sich dadurch inficirten, dass sie das von kranken Thieren herrührende Fleisch berochen oder das von letzterem verunreinigte Heu oder das zum Abspülen des Fleisches benutzte Wasser verzehrton. Die russischen Veterinäre Medweski und Woronzow fanden bei Ansteckungsversuchen, dass auch die Lake des eingepökelten Fleisches kranker Thiere noch eine Infection herbeiführt. An den von kranken Thieren stammenden Häuten verliert das Contagium seine Wirksamkeit mit der vollständigen Eintrocknung.
Die für die Vctorinärpolizoi wichtige Frage, wie lange in den vergrabenen Cadavern pestkranker Rinder sich die Keimfähigkeit des Con-tagiuma erhalten kann, ist bisher nicht gelöst worden. Sicher wird das Contagium erst durch die Fäulniss der Cadaver zerstört. Sehr oft ist die Verschleppung der Seuche durch Personen, an deren Kleidern zufällig Contagium haftet, auf kleine und grösscre Entfernungen bewirkt worden. Gerlach (Rinderpost, S. 122) hat eine Reihe solcher B'älle angeführt. Ich hatte ebenfalls Gelegenheit zu einer solchen Beobachtung. In einem Dorfe war eine Frau vcranlasst worden, zwei erkrankte Kühe eines 200 Schritt entfernt wohnenden Besitzers zu besprechenquot;; nach der Rückkehr hatte die Frau ihre eigene Kuh besichtigt und hierbei die Infection der letzteren herbeigeführt. Beim Herrschen der Seuche in
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56nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
einem Orte sind Katzen, welche sich bekanntlich während der Nacht gern im Kuhstall aufhalten, gefährliche Zwischenträger des Contagiums. Dass auch Ratten die Seuche auf benachbarte Gehöfte verbreiten können, hat schon Faust (1799) angenommen. Weniger gefährlich sind nach allen Erfahrungen Hunde, Schweine, Pferde und Geflügel.
Hiernach ist die Gelegenheit zur Ansteckung der Rinder und Ausbreitung der Seuche ausserordentlich mannigfach, sobald letztere aus dem Auslande eingeschleppt ist und bei den ersterkrankten Thieren nicht erkannt wird.
Die Empfänglichkeit für das Contagium ist bei dem Rinde unbeschränkt. Wahrscheinlich stehen alle zur Gattung raquo;Bosquot; gehörenden Wiederkäuer in dieser Hinsicht dem Rinde gleich. Vom Büffel kann dies als erfahrungsgemäss angenommen werden. Gerlach bemerkt in üebereinstimmung mit vielen Beobachtungen aus dem vorigen Jahrhundert, dass in Europa alle Rinder, die der Ansteckung ausgesetzt sind, auch in die Krankheit verfallen. Jessen (1834) fand in Russland, dass nur höchst selten ein Rind unempfänglich sei. Dagegen führen andere russische Veterinäre an, dass die in den Steppen gehaltenen Rinder weniger empfänglich seien, als andere Racen. Im Widerspruch hiermit steht Haupt (Seuchenkrankheiten in Sibirien, S. '272): Die Race der Thiere, ob kalmückisches, kirgisisches oder sibirisches Rindvieh, ob durch Paarung vermischtes oder einheimisches Vieh, liess keine Grade der Anlage für die Pest wahrnehmen. Alle Erfahrungen zeugten für gleiche Empfänglichkeit. Man sah rein kirgisische und kalmückische Heerden so gut und so schnell, wie sibirische erkranken und unter allen die gleiche Sterblichkeit.quot; Indess stimmen ältere und neuere Beobachtungen darin überein, dass das Steppenvieh häufig in relativ geringem Grade erkrankt und die Seuche übersteht. Freilich kann diese That-sache ebensogut auf eine zufällige Herabsetzung der Virulenz des Contagiums zurückgeführt werden, wie auf eine geringe Disposition der Steppenrace. Denn 1866 wurde auch in England und Holland beobachtet, dass die Rinderpest in einigen Viehbeständen verhältnissmässig geringe Verluste veranlasste, obschon alle Thiere erkrankten.
Eine Immunität erlangen die Thiere, welche die Seuche nach der natürlichen Ansteckung oder nach der mit Erfolg ausgeführten Impfung überötanden haben. Soweit die Erfahrung reicht, ist anzunehmen, dass der Regel nach die Immunität die ganze Lebenszeit der betreffenden Thiere um-fasst. Camperund Reinders beobachteten im 18.Jahrhundert, dass, wenn Kühe die Rinderpest während der Trächtigkeit überstanden, die später geborenen Kälber zum grossen Theil entweder immun waren, oder doch
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nur in geringem Grade erkrankten. Bei der Impfung ging von solchen Kälbern indoss mehr, als ein Vierthoil zu ürunde. Nach der Meinung Gerlach's sollen die betreffenden Kälber nur dann mit der Immunität geboren werden, wenn bei der Durchseuchung die Trächtigkeit der Kühe bereits weit vorgeschritten war.
In viel geringerem Grade, als das Rind, sind das Schaf und die Ziege für das Contagium der Rinderpest empfänglich. Die einwandsfreie Feststellung der Thatsache, dass diese Thiere an der Pest erkranken, verdanken wir M are seh (Wiener Vierteljahrsschrift, Bd. 19). Durch Roll (1864) wurde nachgewiesen, dass eine Mitigation des Oontagiuras bei den durch Impfung erkrankten Schafen und Ziegen nicht stattfindet. In Rotterdam und Paris fand 1865 eine üebertragung der Seuche durch Ansteckung auch bei Gazellen, Antilopen und Hirschen statt. Ob die Rinderpest auch auf das Kameel übergeht, halte ich noch nicht für endgültig ausgemacht. Pallas (Reisen im Russischen Reiche, 2. Theil, S. 381) berichtet von der isetzkischen Provinz: Mit der Rindviehseuche ist die Provinz am meisten in den Jahren 1755 und 1767 heimgesucht gewesen, wobei auch Kameele angegriffen wurdenquot;. Seit dieser Zeit ist in der Literatur öfter vermerkt worden, dass eine seuchenartige Diarrhöe bei Kameelen beobachtet sei und in Egypten soll 1864 die Rinderpest bei Kameelen constatirt sein. Mir scheinen indess die Mittheilungen nicht ausreichend, um die Identität dieser Seuche mit der Rinderpest sicher nachweisen zu können. Pferde, Schweine und Fleischfresser sind ebenso wie der Mensch für das Rinderpest-Contagium unempfänglich.
Pathogenese und pathologische Anatomie. Gleich nach der Aufnahme des Contagiums beginnen die krankhaften Processe bei den inficirten Thieren. Aber es vergehen durchschnittlich 7, häufig nur 6, gleich oft aber auch 8 9 Tage, bevor die Affection der Organe so weit gediehen ist, dass die Thiere in ihrem Gesammtbefinden augenfällige Krankheitssyraptorae bekunden. Beispiele einer längeren Dauer des Incubationsstadiumsquot; hat Gerlach (Rinderpest, 1867, S. 127) gesammelt. Hiernach kann die Entwickelungszeit des Contagiums sich bis auf 20 Tage ausdehnen. Ich selbst habe 1879 auf dem Vorwerk Bergthal im Kreise Oberbarnim bei einem Ochsen sicher festgestellt, dass der offenkundige Ausbruch der Krankheit erst am 17. Tage nach der Ansteckung erfolgte. Wodurch die exceptionelle Verzögerung der Krankheitsentwickelung bedingt ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Vielleicht wird in den betreffenden Fällen nur sehr wenig Contagium aufgenommen oder es erfolgt die Verviellältigung desselben nach der ersten Ansiedelung in der Respira-tionsschleimhaut unter zufällig ungünstigen Bedingungen. Sanderson
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(1866) und Sommer (1875) fanden schon 36 48 Stunden nach Einimpfung des Contagiums eine fieberhafte Steigerung der Bluttemperatur resp, den Beginn der Erkrankung, Indess erfolgt die Aushildung dejr l,1iebcrtomperatur bei der gewöhnlichen Ansteckung erst l2 Tage vor dem offonkundigen Ausbruch anderer Symptome und in einigen oxcep-lionellon Fällen habe ich sogar constatirt, dass die Mastdarmtemperatur erst 12 resp. 20 Stunden nach dem Hervortreten anderer Symptome einen fieberhaften Grad erlangt hatte.
Seit mehr als 100 Jahren ist nach den Irapfungsversuchen bekannt, dass das Contagium auch von dem Unterhautgewebe in den Organismus eindringen und die speeifische Erkrankung herbeiführen kann. Bei der gewöhnlichen Ansteckung gelangt aber das Contagium zunächst in die liespirationsschleimhaut. Von hier aus wird es in die Blutcirculation aufgenommen. Dass auch eine primäre Infection der Magen-Darmschleimhaut durch Contagium stattfinden kann, welches mit dem Futter verschluckt ist, lässt sich nicht mit Sicherheit darthun. in Uebereinstim-mung mit älteren Autoren behauptet Gcrlaoh, dass das Contagium nur im Blute der inficirton Thiere sich vervielfältige und dass auch in der Rospirationsschleimhaut sich erst auf hämatogenem Wege der Rinder-pestprocoss etablire. Hiergegen spricht aber, wie ich bei Kühen mehrfach zu constatiren Gelegenheit hatte, dass oft schon am 2. oder 3. Tage nach der Infection sich ein starker Hustenreiz neben Appetitmangel und leichtem Fieber einstellt und dass diese Zufälle sich nach einem Tage wieder verlieren, worauf am 7. Tage das volle Krankheitsbild hervortritt. Mir scheint daher die Ansicht, dass die Vermehrung des Rinderpest-orgauismus im Blute erfolge, nicht vollkommen gesichert zu sein. Sehr wahrscheinlich findet zunächst eine Vegetation der speeifischen Mikroorganismen in der Respirationsschleimhaut statt. Zweifellos verbreitet sich aber das Contagium durch Vermittclung des Blutes im Körper. Denn mit dem Blute der kranken Thiere kann die Seuche übertragen werden. Bei der subeutanen Verirapfung wird das Contagium durch Resorption aufgenommen und durch das Blut in die inneren Organe (die Schleimhäute) transportirt, in welchen es einen günstigen Nährboden für seine Vervielfältigung findet. Es ist anzunehmen, dass durch die Vegetation des Contagiums speeifische pyrogene Toxine erzeugt werden, welche in das Blut gelangen und die fieberhafte Störung unterhalten. Durch die Wirkung der vorgedachten Toxine auf die motorischen und vasomotorischen Nervencentren entstehen: Herabsetzung des Tonus in der Skeletmuskulatur, Zittern, Schüttelfrost, Herzschwäche mit Verminderung des Blutdrucks in den Arterien und ungleiche Vertheilung des
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Blutes in den Golassbahnen. Da die Wirkung auf die Gcfäasccutren sehr ungleich sein kann und auch nicht alle empfänglichen Organe in jedem Falle von derselben tangirt sind, so wird die seit dem Anlange des 18. Jahrhunderts bekannte Thatsache erklärlich, class das Krankheitsbild sich nicht immer aus denselben Symptomen /usammensotzt. Namentlich zeigt sich im Blutgehalt einzelner Organe ein erheblicher Wechsel. Interessant ist die oft eintretende erhebliche Minderung der Gesammt-menge des Blutes, die zwar schon von Ramazzini unter den Sections-ergebnissen notirt wurde, später aber meist unbeachtet blieb. Ich habe bei den Sectionen der nach dem gewöhnlichen Verlaufe gestorbenen Thiere mehrfach constatirt, dass die Gofässe nur eine sehr geringe Menge Blut enthielten. Die Zahl der Leukocyton vergrössert sich, wie bei anderen fieberhaften Krankheiten. Dagegen verringert sich nach den Untersuchungen Marcet's der Wassergehalt des Blutes. In den Cadavern enthalten das Herz und die grossen Blutgefässe zuweilen lockere Coagula. Meist aber ist das dunkle Blut flüssig; es gerinnt indess beim Abiliessen durch die Einwirkung der atmosphärischen Luft. In den Cadavern diffundirt der Blutfarbstoff sehr schnell. Von wesentlicher Bedeutung ist die mit dem Rinderpostfieber sich constant ausbildende hämorrhagische Diathese, auf welcher die in den Schleimhäuten und im Endocardium, sowie in der äusseren Haut entstehenden blutigen Herde (Petechion von Hanfkorn- bis Bohnengrösse, Vibices und Suffusionen) beruhen.
Die Veränderungen in den Schleimhäuten werden sehr wahrscheinlich dadurch verursacht, dass die speeifischen Mikroorganismen sich in der epithelialen Schicht ansiedeln. Im Labmagen und Dünndarm, besonders im Zwölffingerdarm und im Hüftdarm entwickelt sich neben zahlreichen kleinen und grösseren blutigen Herden eine oberflächliche diffuse Entzündung und Schwellung der Schleimhaut. Das Epithel erweicht und wird abgestossen; die blutigen Horde verfallen der Mortification und Dissection (hämorrhagische Erosionen). Die grösseren Herde erweichen zwar auch zu einer schmierigen Masse, werden aber oft nicht vollständig abgestossen. In der Labmagenschleimhaut fand ich zuweilen noch zahlreiche kleine grauweisse Herde, welche durch oberflächliche Mortification des Epithels in den Pepsindrüson entstehen. An den Zotten des Dünndarms bildet sich nicht selten eine hämorrhagische Entzündung; die Zotten selbst erlangen hierbei zuweilen eine schwarze Farbe. Wenn nun das Epithel nicht vollständig abgestossen wird, so erlangt die Dünndarm-Schleimhaut ein eigenthümlich gesprenkeltes Ansohen, welches mit der Haut eines gekochten Aals verglichen wird (Aalhaut1'). In den grösseren Extravasaten der Darmschleimhaut nimmt das Blut oft eine schwarz-
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rotlic Parbo an. Sonst erscheint die von Epithel entblösste und oft in Falten gelegte entzündete Schleimhaut kirschroth. Die Peyer'sehen Hauten und die solitären Follikel erkranken häufig in der Form einer entzündlichen Schwellung, so dass sie auf der Schleimhaut prominiren. Mitunter entsteht an denselben eine oberflächliche Verschorfung. Bri-stowo und Murchison fanden die Miterkrankung der Peyer'sehen Haufen nicht constant und betrachten dieselbe deshalb nicht als wesentlich, während Gerlach angiebt, dass die Erkrankung stets erfolge. Ich muss auf Grund vieler Sectionen die Aussage der englischen Autoren als richtig bezeichnen. Durch die Abscheidung von bluthaltigem Serum aus der entzündeten Schleimhaut des Labmagens und Dünndarms erlangen die Contenta eine braune oder röthlich braune Farbe. In der Dickdarmschleimhaut erreicht die Entzündung der Regel nach nicht einen gleich hohen Grad. Indess entsteht im Blinddarm und im Endstück des Mastdarms oft eine schwere Erkrankung (Schwellung, Abstossung des Epithels, blutige Herde von dunkelrother oder schwarzer Farbe). Bei starker Blutcongestion im Griramdarm und Mastdarm füllen sich die auf den Bandstreifen (Tänien) in der Querrichtung verlaufenden kleinsten Gefässe mit Blut, was sich bei der Obduction als eine quergestreifte Röthungquot; der Schleimhaut zu erkennen giebt (Zebra-Markingsquot; der englischen Autoren). In der Schleimhaut der Vormagen führt die Entzündung nicht zu einer starken Schwellung; doch ist eine krankhafte Röthung oft deutliqh ausgesprochen. An den Zotten des Pansens lässt sich zuweilen eine hämorrhagische Entzündung nachweisen. Das Epithel lockert sich und pflegt deshalb schon bei den gleich nach dem Tode secirten Thieren in kleinen oder grösseren Platten am Futter haften zu bleiben. An den Blättern des Psalters entsteht eine starke Injection der Gefässe und zuweilen wird in einem der grösseren Blätter ein Stück von dem Umfange einer Wallnuss oder eines Hühnereies nekrotisch Die Parese des Psalters führt zur Anhäufung einer grossen Menge von gekautem Futter in demselben. Durch die Resorption des Wassers trocknen die Ingesta ein (Löserdürre). Die Schleimhaut des Schlundes ist oft nicht verändert. In manchen Fällen bilden sich aber in derselben einzelne hanf-korn- bis erbsengrosse Entzündungsherde mit Trübung und Erweichung dos Epithels. Im Schlundkopf und am Grunde der Zunge kommt rogelmässig eine entzündliche Schwellung und Röthung mit kloinen und grösseren Blutextravasaten zur Ausbildung. Die miterkrankten Schleimdrüsen des Schlundkopfes scheiden oft ein weissgraucs, trübes Secret ab, welches in reichlicher Menge die fettig metamorphosirten Epithelien enthält. Das Secret, welches tropfenweise auf die Schleimhaut tritt, kann
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bei der Obduction durch Druck mit den Fingern gegen die Schiundkopfwand ausgeprcsst werden. Im Maul entsteht an der hinleren Fläche der Lippen, am Zahnfleisch, an den Lippen winkein, den Backen, unter und zu beiden Seiten der Zunge, sowie am Gaumensegel, selten an der Zungenspitze und am harten Gaumen eine entzündliche Wucherung und stellenweise Abstossung des Epithels (Erosionenquot; oder Bxooria-tionenquot;). Auf dem Rücken, von der Spitze bis zum Grunde dor Zunge erkrankt die Maulschleimhaut nicht. Die vom Epithel befreiten kleinen oder grösseren Stellen sind stark entzündet, braunroth und etwas geschwollen. Zuweilen tritt diese Affection schon am 1. oder 2., gleich häufig aber erst am 3. oder 4. Tage der offenkundigen Krankheit und mitunter erst wenige Stunden vor dem Tode ein. Es giebt Fälle, in welchen die Backenschleimhaut in grösseren Partien das Epithel vollständig abstösst, so dass die Papillen sich stark entzünden und ein dunkelrothes oder hämorrhagisches Ansehen erlangen.
Gleichartige Processe und Zustände bilden sich im Rospirations-tractus, in dessen Schleimhäuten sich neben zahlreichen kleinen Ekchy-inosen und blutigen Streifen eine entzündliche Schwellung und Röthang etablirt. Demnächst folgt die Abstossung dos krankhaft erweichten Epithels an den Entzündungsherden, besonders an den Nasenöffnungon, im Kehlkopf und der Luftröhre. In einzelnen Fällen worden kleinere Partien der Kehlkopfschleiinhaut nckrotisch. Ott entsteht in der Luftröhre und in den grösseren Bronchien durch starke Wucherung des Epithels auf grösseren Schleimhautpartien eine messerrückondicke Auflagerung (käsiger Beschlagquot; nach Gerlach). Dieselbe wurde vielfach, besonders von Roll als croupöses Exsudatquot; gedeutet. Gegen Ende der Krankheit treten gewöhnlich grössere ßlutunterlaufungen in der Trachoal-schleimhaut ein, namentlich am oberen Ende. Die Lymphdrüsen am Halse und im Mediastinum erleiden ausser einer serösen Durchfeuchtung und unerheblichen Schwellung keine Veränderungen. In der Schleimhaut der Scheide kommen Blutextravasate neben der entzündlichen Schwellung und hordwoisen Abstossung des Epithels zur Entwickelung. #9632; Sehr inconstant ist die Miterkrankung der Haut. Bei manchen Invasionen wurde dieselbe häufig, bei anderen sehr selten oder gar nicht beobachtet. Relativ oft wird die Haut am Vorderkopf vom Flotz-maul über die Nasenfiiste bis zur Stirn oder am Euter und am Milchspiegel um die Scham betroffen. Es kann aber die Affection, wie in der Literatur seit langer Zeit angegeben ist, auch am Rumpfe eintreten und ich habe selbst bei einer Kuh beobachtet, dass das Rinderpest Exanthemquot; sich über das Kreuz und zu beiden Seiten der Wirbel-
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säule bis zum Widerrist verbreitete. Der Process, welcher im Stratum Maipighi vorläuft (Gerlaoh), äussert sich durch herdweise Erweichung und Abstossung dor Epidermis, entziindliohe Röthang und Schwellung, zuweilen auch knotige Ansohwellungen der Cutis. Bei starker Erkrankung gewfihrl die Haul' das Bild, als wenn eine Verbrennung durch heisses Wasser stattgefunden hätte. Auf der Nasonfirsto bilden sich massig starke Krusten (Grindquot; der älteren Autoren) und um das l^lotz-maul Excoriationon. Ob bei der Hautaffection das Contagium auf hämatogenem Wege oder von aussen in die Haut gelangt, ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden. Vielleicht kommt beides vor. Da aber die Haut gewöhnlich nur an den Regionen erkrankt, welche mit den das Contagium enthaltenden Dejeoten (Nasenschleim, Darmexcremeute) verunreinigt werden, so ist das Eindringen der speeifischen Mikroben von aussen zu vermuthon.
Die Gowebsorkrankungen in den Lungen sind nicht bedeutend. Oft tritt eine starke Blutcongostion ein und wahrscheinlich begünstigt die Nutritionsstörung in den Wandungen der respirirenden Bronchien das Zustandekommen kleiner Rupturen, deren äussere Veranlassung in der stossweißen Inspiration beruht. Dio durch die minimalen und nicht nachweisbaren Rupturen extravasirte Athmungsluft dringt auf eine bald nur geringe, bald erhebliche Ausdehnung in das interlobuläre und sub-pleurale Bindegewebe (in terstitielles Lungenemphysem), zuweilen auch bis in das Mediastinum und an der Luftröhre entlang bis zur Mitte des Halses, ausnahmsweise über den ganzen Rumpf bis zum Becken (Hautemphysem). Die Skeletmuskulatur erkrankt nicht erheblich. Durch Herabsetzung der Energie in den muskulo-motorischen Centren erschlafft das Herz. Im üebrigen fand ich im Gegensatz zu vielen Autoren, welche von einer lehmfarbenen und fettig degenerirten Beschaffenheit des Herzparenchyms sprechen, bei den gleich nach dem Verenden resp. der Tödtung schwer erkrankter Thiere vorgenommenen Sec-tionon das Herzfleisch rothbraun und mitunter schwarzbraun; an dem visceralen Blatte des Pericardiums, vornehmlich an der Herzbasis, sowie am Endocardium, besonders an den Papillarmuskeln entstehen blutige Herde von kleinem und grossem Umfange. Die Leber erlangt eine derbe Beschaffenheit, aber keine erhebliche Vergrösserung. Bei der Section verendeter Thiere ist dieselbe oft bluthaltig (dunkel), nicht selten aber anämisch (hell- oder lehmgelb). Constant füllt sich die ausgedehnte Gallenblase (Grossgallequot;, Gallenseuchequot;), was von vielen Autoren darauf zurückgeführt wird, dass die entzündliche Schwellung der Duodenal-schleimhaut den Abfluss der Galle in den Dünndarm behindere. Schon
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Dr. Kunst, Landphysikus in Zeit/-, hat 1763 diese Theorie aufgestellt. Gegen dieselbe spricht aber, dass die Rinderpest nicht von Icterus begleitet wird. Es scheint daher, dass das bedingende Moment in einer Parese der Gallenblase beruht. Die Schleimhaut der letzteren erleidet rogclmässig eine entzündliche Erkrankung mit starker Oiofässinjection. In der Milz treten keine erheblichen Veränderungen ein. Dagegen unterliegen die Nieren stets einer Blutcongestion, aber ohne sich zu ver-grössern. Nach Gamgee kommt bei der Rinderpest immer Albuminurie vor. In der Harnblase entsteht eine katarrhalische Entzündung mit Abscheidung von Epithelion und weissen Blutkörperchen.
Dio Frage, ob die Rinderpestprocesse in der Digestions- und Respirationsschleimhaut den Charakter der Diphtherie besitzen, ist in der neueren Literatur ofl erörtert worden (vergl. Gerlach, 1. c. S. 69). Dass es hierbei auf die allgemeine Definition der Diphtheriequot; wesentlich ankommt, ist zuzugeben. Indess lassen sich doch nach der gegenwärtigen medicinischen Lehre die epithelialen Processe in den Schleimhäuten nicht als diphtherische deuten. Demnach ist die von Braueli (1862) präcisirte Theorie, nach welcher croupöse Exsudate und diphtherische Mortification bei der Rinderpest nicht vorkommen, als zutreffend zu betrachten. Auch Rawitsoh (1864), Bealo (1866) und Gerlach (1867) sind dieser Theorie beigetreten.
Symptome. Die Mannigfaltigkeit der zahlreichen Erscheinungen lässt sich nur bei einer gesonderten Berücksichtigung der Functionsstörungen richtig beurtheilen.
1)nbsp; nbsp;Fiebertemperatur, welche in der Regel schon 1 2 Tage vor den übrigen allgemeinen Erscheinungen, zuweilen aber gleichzeitig mit den letzteren und ausnahmsweise einen Tag später sich einstellt. Am 1. und 2. Krankheitstage steigt die Mastdarmtemperatur auf 40,5 bis 42,0deg;, nach Gerlach in einzelnen Fällen bis 42,2deg;. Sie mindert sich während der folgenden Tage gewöhnlich etwas und fällt kurz vor dem tödtlichen Ausgange durch allgemeinen Collaps bisweilen auf 36,0deg; und selbst noch tiefer. Dann sind Nasenfirste und Gliedmassen kalt. Am Grunde der Ohren und Hörncr, sowie im Maul kann die Fieberhitze gefühlt werden. Wegen der ungleichen Vertheilung des Blutes ist die Haut mitunter an einer Seite heisser, als an der anderen.
2)nbsp; nbsp;Allgemeine Ermüdung und Erschlaffung der Muskulatur. Gestreckte Haltung und später Aufstützen des Kopfes auf den Boden oder auf den Rand der Futterkrippe. Herabhängen der Ohren, bald nur einseitig, bald doppelseitig. Erschlaffung und Zurückziehen des Augapfels, besonders vom 2. Krankheitstage an. Unaufmerksamkeit gegenüber
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64nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxieationskrankheiton.
der Umgebung (Apathie). Allgemeine Mattigkeit; häußges Liegen. Beim Stehen leichtes Ueberknickcn mit den Fesseln der Hinterglied laquo;lassen; auf der Höhe und gegen Ende der Krankheit stellen die Thiere alle 4 Füsse mehr unter den Leib.
3)nbsp; nbsp; Gesträubte Stellung des Deokhaars. Unwillkürliches, krampfhaftes Zittern der Haut, besonders am Kopfe, an den Schultern und Flanken. Zuckungen (Muskelhiipfen). häufig an den Flanken und am Halse; zuweilen Klappern mit den Ohren. Mehrfach sah ich auch förmliches Schluchzen (Schluckauf), wobei die Brustmuskeln sich krampfhaft contrahiren und der Thorax etwas gehoben wird.
4)nbsp; nbsp;Schüttelfrost, wobei die Thiere in Zwischenzeiten von 5 bis 20 Minuten den ganzen Körper einmal heftig durchschütteln. Ich habe bei keiner anderen Krankheit des Rindes solche Anfälle von Schüttelfrost gesehen.
5)nbsp; nbsp;Allgemeines Unbehagen und im Beginn der Krankheit ängstliches Benehmen bei längerer Beobachtung durch fremde Personen; Scharren mit den Vorderfüssen, öfteres Umsehen und hastige Aufnahme des Rau ff utters.
6)nbsp; nbsp;Nicken mit dem Kopfe (Auf- und Abwärtsbewegung des Kopfes). In den meisten Fällen auch anhaltende Seitwärtsbewegungen des Kopfes, so dass die Thiere, welche mittels Halsketten befestigt sind, mit letzteren ein Geräusch erzeugen (Kettenrasselnquot;). Als Ursache des Schüttelns mit dem Kopfe ist das Gefühl des Ekels in der erkrankten Maulschleimhaut oder eine stechende (prickelnde) Empfindung in der Nase zu erkennen. Oft bewegen die Thiere den Kopf hin und her gleich nach der Bekundung des Schüttelfrost, oft aber unabhängig von letzterem. Auch prusten (schnauzen) sie zuweilen und schütteln dann mit dem Kopfe.
7)nbsp; nbsp; Versiegen der Milch bei Milchkühen, auf dessen frühzeitiges Eintreten von Fischer (1753) schon die Aufmerksamkeit lenkte und in der neueren Zeit Bruckmüller und Gerlach hingewiesen haben. Innerhalb 12 20 Stunden nach dem Beginn der Krankheit verringert sich das bisher gelieferte Milchquantum um die Hälfte bis zwei Dritt-theile. Das Euter wird welk und klein.
8)nbsp; nbsp;Schneller Kräfteverfall und Abmagerung, so dass die im Bauche zusammengefallenen und vor Schmerzen klagenden Thiere am 4.-5. Krankheitstage ein Bild grossen Elends darstellen.
9)nbsp; nbsp;Oirculationsapparat. Die ungleiche Vertheilung des Blutes giebt sich zuweilen an den Schleimhäuten (Anämie oder Röthung) zu erkennen. Dagegen entzieht sich der Wechsel im Blutgehalt der inneren
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Rinderpost.
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Organe der Wahrnehmung. Schwacher Herzschlag; der Blutdruck in den Arterien sinkt, aber die Pulsfrequenz verhält sich sehr ungleich. Meist finden sich im Beginn der Krankheit nur 50 bis 60 Pulse, oft steigt die Frequenz auf 80 bis 90. Bei schwerer Erkrankung erhöht sich die Zahl auf 100 und darüber. Maxillarpuls schwach, weich und leer, gegen Ende der Krankheit aber in Folge der schweren Darmentzündung drahtförmig.
10)nbsp; nbsp;Respirationsapparat. Eins der constanten und ersten Symptome ist der krankhafte Hustenreiz. Ich habe mehrfach im In-cubationsstadium häufigen und lästigen Husten beobachtet (cf. S. 58). Schon 1753 constatirto von Fischer in Livland, dass der Husten dem Ausbruch anderer Erscheinungen vorhergeht. Am 1. bis 3. Krankheits-tage husten die Thiere in der Regel in kurzen Zwischenpausen ein- oder mehrere Male. Nach vollständiger Ausbildung der schweren Gastro-Enteritis wird der Hustenreiz unterdrückt. Der Huston an sich hat nichts Charakteristisches. Die Frequenz der Athemzüge unterliegt grossen Schwankungen. Oft athmen die pestkranken Thiere während der ersten beiden Krankhoitstage nur 20 bis 25, nicht selten aber 40 bis 60 Mal und selbst noch öfter in der Minute. Die grössere Frequenz wird durch starke Blutcongestion in den Costalwandungen oder in den Lungen, später gewöhnlich durch das allgemeine interstitielle Lungenemphysem bedingt. Oofteres Schnäuzen (Prusten in die Nase), durch prickelnde Empfindung in der Gegend der Ghoanen veranlasst. Stöhnen, im Initialstadium selten und dann durch die Congestion der Brustorgane veranlasst, später in der Form langgezogener Klagelautc (Anken, Jammern) durch die heftige Schmcrzempfindung in Folge der schweren Gastro-Enteritis hervorgerufen. Die auscultatorischon Befunde sind in der Regel unerheblich (feuchte Rasselgeräusche in der Luftröhre; bei ausgebreitetem interlobulärem Lungenemphysem trockene Rasselgeräusche). Die Nasenschleimhaut, deren Besichtigung schwierig ist und deshalb gewöhnlich unterbleibt, ist meist geröthot und mit Ekchymosen von verschiedener Form besetzt, zuweilen aber anämisch. Aus der Nase entleeren sich vom 2. Krankheitstage an Dejecte, die zuerst durchsichtig und speichelhaltig, später dickflüssig trübe und eitor-ähnlich sind. Excoriationen der Haut an den Naseneingängen.
11)nbsp; Augen. Conjunctiva oft anämisch, in anderen Fällen fahlroth, selten venös geröthet. Anhäufung von Thränenflüssigkeit im Conjunc-tivalsack, später fast immer Abfluss von Thränen über die Backen und Verklebung der inneren Augenwinkel mit trübem, schleimig-eitrigem
Diockerhoff, Spoc. Pathologie u. Therapie. II. Bd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
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Secret. Durch die Erschlaffung der Augenmuskeln verliert die Cornoa ihren Glanz; sie erlangt ein mattes Ansehen.
12) Digestionsapparat. Im Beginn der Krankheit verringert sich der Appetit auf proteinreiches Futter, während Heu und Stroh noch aufgenommen und auch wiedergekaut wird. Oft verzehren die Thiere in dieser Zeit das Heu mit einer gewissen Hast. In einzelnen Fällen leichte Koliksymptomo (Unruhe, schnelles Niederlegen für kurze Zeit, häufiges Wedeln mit dem Schwänze). Bei vielen Thieren beobachtete ich öfteres Gähnen und Lecken an den Wänden des Stalles oder Futterganges, wobei Sand und kleine Steinchen in grosser Menge verschluckt wurden. Auffallender Weise wird dies Symptom auch von den Autoren der neueren Zeit nicht erwähnt. Ich lege auf dasselbe deshalb ein besonderes Gewicht, weil sich bei den betr. Thieren eine relativ grosso Quantität von Sand im 3. und 4. Magen findet und der Krankheitsfall irrthümlich auf die Wirkung des verschluckten Sandes zurückgeführt werden kann. Schon am 2., spätestens am 3. Krankheitstage, sistiren Futteraufnahme und Wiederkauen in der Regel vollständig. Nur die leicht erkrankten und später genesenden Thiere verzehren noch etwas Futter. Das Durstgefühl ist nicht gesteigert. Anfänglich trinken die Thiere noch klares Wasser in kleinen Portionen. Vom 2. oder 3. Tage an wird in Folge der schweren Gastro-Enteritis jedes Getränk verschmäht.
Die Ausscheidung der Darmexcremente verzögert sich zuerst. Der in geringer Menge entleerte Koth hat eine compacte Beschaffenheit und dunkle Farbe. Am 2. Krankheitstage ist der Koth gewöhnlich theerartig, verbacken und mit Schleim vermischt. Mehrfach constatirtc ich in Bestätigung älterer Angaben, dass am 1, Krankheitstage 'Z, bis 72 Liter flüssiges Blut oder Blutgerinnsel mit den Excrementen ausgeschieden wurden. Gewöhnlich am 3., selten schon am 2. Tage, tritt Durchfall ein, das constanteste und am längsten bekannte Symptom der Seuche. Nur ausnahmsweise und bei sehr leichter Erkrankung haben die Excremente eine breiige Consistenz. Der Regel nach sind dieselben vom 3. Tage bis zum Tode dünnflüssig. Genesen die Thiere, so bleibt die Diarrhöe 23 Wochen bestehen. Die Farbe der Excremente entspricht zunächst dem genossenen Futter, später aber dem Charakter und.dem Grade des enteritischen Processes. Oft sind die Dejecte missfarben, oder von dem reichen Gehalte an gelöstem Hämoglobin graubraun. Manche Thiere entleeren viel gallertartigen, gelblich braunen Schleim (galliger Durchfallquot;) und nicht selten sind die Excremente lehmfarben, trübe und von stinkendem Geruch. Die Reaction ist nach Gerlach stets neutral oder schwach alkalisch. Hinterschenkel und
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Rinderpest.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;67
Schwanzrübo werden von den klebrigen Dejooten verunreinigt. Am 4. bis 5, Krankheitstago stellt sich Erschlaffung des Afters ein, so dass die Excremente unwillkürlich abfliessen. Aus dem geöffneten After drängt sich zeitweise ein Theil der entzündlich geschwollenen und dunkel gerötheten Mastdarraschleirnhaut hervor.
In der Maulschleimhaut ist beim Beginn der Krankheit die ringförmige Wulst des Zahnfleisches stark geröthet und leicht geschwollen. Backenschleimhaut mitunter bläulich oder schmutzig roth. Arn 2. oder 3. Krankheitstage fand ich die Schleimhaut oft anämisch; in anderen Fällen aber diffus geröthet. Die Schleimhaut der Unterlippe besitzt zuweilen eine flammige Röthe. Dass die Trübung und Abstossung des Epithels (das Auftreten von Erosionenquot;) an den Lippen, dem Zahnfleisch und den Backen nicht gleichmässig vorkommt, wurde S. 61 bereits hervorgehoben. Oft erscheint die Schleimhaut am Körper des Unterkiefers und am zahnlosen Rande des Oberkiefers schon am 2. Krank-
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heitstage wie mit Mehl bestäubt. An den folgenden Tagen löst sich an zahlreichen hanfkorn- bis erbsengrossen Herden, die später vielfach con-fluiren, das getrübte und erweichte Epithel von der entzündeten dunkel-rothen Schleimlederhaut in der Form einer weichen Materie (käsige Plattenquot; nach Gerlach). Die Papillon der Backenschleimhaut sind oft in grösserer Zahl von Epithel entblösst. Es giebt aber viele Krankheitsfälle, in welchen die Affection der Maulschleimhaut erst kurz vor dem Tode eintritt und so geringfügig ist, dass bei den verendeten Thicren nur kleine hanfkorngrosse Erosionen an den Lippenwinkeln und am Zahnfleisch vor und zwischen den Schneidezähnen nachgewiesen werden können. Bei manchen Invasionen der Rinderpest ist die vorgedachte Erkrankung der Maulschleimhaut fast allgemein unerheblich . gewesen, während dieselbe zu anderen Zeiten als ein wesentliches diagnostisches Moment angesehen wurde. Den Namen der Erosionenquot; hat Kausch (1811) für die herdweise Abstossung des Epithels in der Maulschleimhaut zuerst gebraucht. Aus dem Maul entleert sich Speichel in langen Fäden (Geifern) und kurz vor dem Tode macht sich ein übler Geruch aus demselben bemerklich.
13)nbsp; nbsp;Die Scham lässt auf der Schleimhaut im Vorhof entzündliche Schwellung und gleichmässige oder streifige Röthung, in den späteren Stadien der Krankheit auch flache hämorrhagische Herde und Erosionen, sowie geringen Ausfluss eines schmutzigen, schleimig-eiterigen Dejectes erkennen.
14)nbsp; nbsp;Die Haut erkrankt bei manchen Pestinvasionen regelmässig, bei anderen sehr selten. Früher wurde dieser Affection aus Irrthum
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eine kritische und salutäro Bedeutung beigelegt. Am Euter oder am Skrotum, an den inneren Schenkelflächen, um die Scham und auf dem Nasenrücken, seltener an anderen Regionen stellt sich am 3.-5. Krankheitstage Entzündung und Schorfbildung ein. Zuweilen entstehen kleine und grössere Excoriationen, welche heftige Schmerzen verursachen. Das Hautemphysem kommt nur selten vor. Es wurde schon im vorigen Jahrhundert beobachtet und beschrieben, 18651867 auch in England mehrfach constatirt. Nach Gerlach findet sich die subcutane Luftansammlung auf dem Rücken, arn Halse, den Schultern und am Thorax, und zwar meist an beiden Seiten, aber nur selten über den ganzen Körper verbreitet. Das charakteristische Merkmal des Hautemphysems beruht in der rauschenden Gehörswahrnehmung beim Druck mit der Hand auf die geschwollene Partie.
Verlauf. Im Krankheitsverlaufe lassen sich drei Modificationen unter-
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iinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; scheiden.
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1)nbsp; nbsp;Der Abortivverlauf, welcher bei den im westlichen Europa einheimischen Racen nur selten, beim Steppenvieh nach Jessen aber häufig beobachtet wird. Die Bedingungen des Abortivvorlaufs sind noch ganz unbekannt. Gerlach (1. c. S. 25) sah in Holland sämmtliche 8 Kühe eines Stalles nach kurzer Krankheit genesen, ohne dass Diarrhöe eintrat. Ich habe den Abortivverlauf 1877 in Stahnsdorf (Kreis Teltow) bei einer Kuh beobachtet, welche unter Fieber und heftigem Hustenreiz erkrankte. Die Milchproduction Hess erheblich nach und die Futteraufnahme wurde versagt. Am 2. Krankheitstage bildeten sich die Symptome zurück, ohne dass Durchfall eingetreten war. Bis zum 3. Tage vollständige Erholung. Des wissenschaftlichen Interesses wegen Hess ich die Kuh, welche noch 10 Tage hindurch zwischen pestkranken Rindern stand, nicht tödten. Sie war gegen eine zweite Ansteckung unempfänglich.
2)nbsp; nbsp; Der regelraässige milde Verlauf, der nach den Beobachtungen von Lorinser, Jessen u. A., auch nach neueren Angaben russischer Veterinäre beim Steppenvieh häufig vorkommt. Hierbei bleiben alle Krankheitssymptome auf einem niedrigen Grade der Ausbildung. Früher wurde angenommen, dass das Auftreten der Hautaffcction, die nach einer vorgefassten Meinung irrthümlich als kritisch galt, den Verlauf milder gestalten solle. Aus der Literatur ergiebt sich, dass die Krankheit in manchen Viehständen und in einzelnen Jahren nicht so pernieiös aufgetreten ist, als zu anderen Zeiten. Im Ganzen hat sich aber immer und auch bei den denkwürdigen Invasionen in England und Holland (1866) herausgestellt, dass die Rinderpest bei den Thieren, welche von den milde erkrankten angesteckt waren, oft, einen pernieiösen
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Rinderpest.
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und todtlichon Vorlauf nahm. Die Dauer der Krankheit erstreckt sich bei dem milden Verlaufe auf 810 Tage, worauf die Genesung schnell erfolgt.
3) Der regolmässige schwere Vorlauf, bei welchem die grosse Mehrzahl der Thiere dem Tode verfallen ist, beginnt in der Regel mit Temperaturerhöhung und oft mit lästigem Husten, worauf bei Milchkühen die Milch versiegt. Einen halben bis einen Tag später folgen die übrigen Symptome des Fiebers, sowie Mangel an Appetit auf schweres Futter, Ausfluss aus der Nase, Thränen der Augen. Mit dem 3. und 4. Tage documentirt sich die Krankheit in ihrem perniciöson Charakter: Schnelle Abmagerung, struppiges Haar, Zusammenfallen des Bauches, gehobene Haltung des Rückens, Zusammenstellen der Füsse, Zähne-knirschen, anhaltendes Liegen und starker Verfall der Körperkraft. Dazu die exspiratorischen Klagelaute und die Dejectionen des Darms, der Nase und Augen. Es giebt keine zweite Krankheit der Rinder, welche in gleichem Grade das Mitleid des Menschen erregen könnte.
Der tödtliche Ausgang erfolgt am 4.-7. Tage nach dem offenkundigen Krankheitsanfang. Die Thiere gehen unter den Symptomen der vollständigen Erschöpfung durch Gehirnlähmung ohne Todeskampf ein. Einzelne Rinder sterben schon am 2. Krankheitstage, ohne dass sich der sonst nie ausbleibende Durchfall einstellt. Zuweilen tritt der Tod erst am 10.15. Tage ein. Die wenigen Thiere, welche nach der vollen Entwickelung der Krankheit genesen, erholen sich ganz all-mälig in 23 Wochen. Ich hatte keine Gelegenheit, diesen Verlauf zu beobachten. Ger lach führt an, dass Athembesch werde (wegen des interlobulären Lungenemphysems) und Verdauungsschwächo für längere Zeit zurückbleiben.
Complicationen. Durch andere fieberhafte Krankheiten sind die Rinder vor der Ansteckung nicht geschützt. Die Complication der Lungenseucho oder der Maul- und Klauenseuche (Jessen) mit der Rinderpest ist vielfach beobachtet. Bei hochtragenden Kühen complicirt sich dio Krankheit kurz vor dem tödtlichen Ausgange oft mit Abortus. Im vorigen Jahrhundert ist auch nicht selten nach dem Abortus noch die Genesung der Kühe beobachtet worden. Gerlach giebt an, dass die Kälber theils todt, theils schwach und lebensunfähig geboren werden.
Erschwert wird der Krankheitsverlauf durch regnerische Witterung bei den im Freien gehaltenen Rindern, sowie mangelhafte Pflege der Thiere in feuchten Stallungen, während entgegengesetzt bei guter Witterung, roiner Luft und Verabreichung leicht verdaulichen Futtors dio Krankheit sich zuweilen milder gestaltet.
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70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
Der Vorlauf dor Rinderpest als Seuche in grosson Viehbeständen ist naturgomäss von der unmittelbaren oder mittelbaren Berührung der kranken und gesunden Thiero abhängig. Wenn ein zugekauftes infloirtes Stück neben oder zwischen den gesunden Rindern aufgestellt wird, so ziehen sich gewöhnlich zunächst nur die benachbarten Thiere (1 oder 2 Stück) die Ansteckung zu. Letztere erkranken offenkundig nach etwa 7 Tagen. Darauf finden sich nach einer Frist von rund 7 Tagen wiederum einige Thiere mit der Krankheit behaftet. Inzwischen hat aber die Ansteckung mehrerer Thiere an verschiedenen Tagen stattgefunden, so dass sich die Krankheitsfälle schneller zeigen.
Seetionsbefund. Indem ich auf die pathologisch-anatomische Darstellung (S. 57) verweise, sollen hier nur noch einige wichtige Merkmale an den inneren Organen bei der Section von Rindern, welche nach dem regelmässigen schweren Verlaufe gestorben sind, hervorgehoben werden. Die Cadaver widersiehen der Fäulniss relativ lange. Nach Eröffnung der Bauchhöhle lassen Magen- und Darmcanal gewöhnlich eine eigenthümliche blaurothe Färbung durchschimmern, welche von der Füllung der venösen Gefässe mit flüssigem, dem Safte schwarzer Kirschen ähnlichem Blut verursacht wird. Psalter abnorm gross und mit trockenem Futter gefüllt, an welchem das Epithel plattenartig haftet. Der Labmagen enthält eine trübe, braunrothe, flüssige Masse, zuweilen auch einen Theil des beim Leoken verschluckten Sandes; Schleimhaut kirschroth mit hämorrhagischen Herden und Erosionen besetzt. Dünndarmschleimhaut dunkelroth, stellenweise schwarzroth; Erosionen; Peyer-sche Haufen oft geschwollen; grössere und kleinere blutige Herde. Gekrösdrüsen feucht und leicht geschwollen. Schleimhaut in Blind-und Grimmdarm entzündlich geröthet; im vorderen Theile des Mastdarms an den Tänien gestreifte Röthung, im Endstück schwarzrothe Färbung der Schleimhaut. Gallenblase erweitert und mit Galle gefüllt, die meist eine gelbe, mitunter aber eine grüne Farbe hat. Herz welk, braunroth, im Endocardium blutige Herde. Lungen durch reichen Blutgehalt in Form von Streifen geröthet; daneben interstitielles Emphysem. Rachenschleiraliaut entzündlich geschwollen und mit schwarz-rothen Extravasaten durchsetzt. In der Luftröhronschloimhaut oft umfangreiche blutige ünterlaufungen. Maulschleimhaut gewöhnlich erodirt. Nasenschlcimhaut diffus geröthet, stellenweise mit Petechicn' besetzt. Schleimhaut der Scheide blutig gestreift; an einzelnen Stellen hämorrhagische Erosionen.
Iliaguosc. Die Gesammtheit der Symptome, welche der Rinderpest eigen sind, wird niemals bei oinom einzigen kranken Thiere, kaum in
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Rinderpest,
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einer kranken Heerde wahrgenommenquot; (Lorinser). In dieser Thatsacho liegt eine ernste Mahnung für die Thierärzte, alle Hülfsmittol, welche zur Begründung der Diagnose in zweifelhaften Fällen beitragen können, zu beachten. Nächst der sorgfältigen Erhebung dos Krankheitsverlaufs, der Symptome und Sectionsorgebnisse ist die Wahrscheinlichkeit oder doch die Möglichkeit der Ansteckung darzuthun. Die erste Peststellung der Rinderpest ist immer eine sehr bedenkliche Sachequot; (Gerlach). In Prousson wurde deshalb aus veterinärpolizeilichen Gründen angeordnet, dass bei der ersten Ermittelung eines verdächtigen Krankheitsfalles der Departementsthierarzt zugezogen werden muss. Am meisten kann die Erkrankung an der Ruhrquot; die irrthümliche Annahme der Rinderpest veranlassen. Wenn aber die Seuche im Inlande herrscht, so können auch viele andere Krankheiton den Verdacht erregen. Gegenüber der gesetzlichen Vorschrift, dass in einem zweifelhaften Falle die Tödtung und Section des erkrankten Thieres zur Gewinnung einer sichern Diagnose angeordnet werden soll, hat der beamtete Thierarzt zu berücksichtigen, dass die pathologisch-anatomischen Befunde erst eine mass-gobende Bedeutung erlangen, wenn die Krankheit nach regelmässigem Vorlaufe zum Tode geführt, oder doch mindestens 34 Tage bestanden hat. Von den Krankheiten, deren Symptome dem Bilde der Rinderpest ähnlich sind, kommen folgende am meisten in Betracht.
1) Ruhr. Die Erscheinungen und der Verlauf gestalten sich in den einzelnen Krankheitsfällen wie bei der Rinderpest. Seit mehr als 50 Jahren wird deshalb das Vorhältniss beider Krankheiten theoretisch verglichen mit der Aehnlichkeit der Cholera asiatica und dor Cholera nostras des Menschen. Abweichend von dem Verlaufe der Pest besteht bei der Ruhr schon im Anfang neben der Fiebertemperatur Inappotenz. Der Durchfall tritt früher ein und der Kräfteverfall erreicht bis zum 3. Krankheitstage gewöhnlich noch keinen hohen Grad. An den flüssigen Darmexcrementcn erhält sich der Regel nach die dem genossenen Futter entsprechende Farbe länger; auch tritt die Lähmung des Afters später ein. Schüttclfrostanfälle, die freilich bei der Rinderpest auch nicht constant sind, habe ich bei der Ruhr nicht gesehen. Bei der Section der am 5. 7. Krankheitstago eingehenden Rinder ergeben sich die mit den Rinderpestbefunden im Ganzen übereinstimmenden pathologischen Veränderungen dos Gastro-Intestinaltractus. Ich fand aber nicht den durch die Farbe des Blutes in den Venen bedingten bläulich-rothen Schimmer äussorlioh an den Magen- und Darmwandungen. In der Schleimhaut des Labmagens constatirto ich mehrfach neben der diffusen Entzündungsrötho kleine Extravasato und in grosser Zahl die fünf- bis zohnpfennigstückgrosson
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72nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
grauen Herde (oberflächliche Mortification an den Pepsindrüsen); aber es fehlen die bei der Rinderpest oft vorkommenden, durch hämorrhagischo Nekrosc und Abstossung der Horde entstehenden grösseron Defocte. Im Uebrigen vorweise ich auf das Capitol der Ruhr. Worthvoll für dio Unterscheidung beider Krankheiten ist die Thatsacho, dass die Ruhr sich nicht durch dirocto Ansteckung verbreitet, sondern aus dem Genüsse von Putter hervorgeht, welches mit dem spoeifischen Infoctionsstoff verunreinigt ist, und dass daher die Krankheitsfälle nicht mit einer gewissen Regel-mässigkeit aufeinander folgen.
2)nbsp; Ephemerer infectiösor Nasenkatarrh. Die Krankheit verbreitet sich durch Ansteckung oft über kleine Viehbestände innerhalb weniger Tage, kommt aber nicht molten auch sporadisch vor, ohne auf andere Rinder des Stalles überzugehen. Mit dor Entwickelung derselben treten Nasenausfluss und Conjunctivitis ein. Die Symptome haben eine grosse Aehnlichkeit mit den Erscheinungen der Pest am 2. Krankheitstage. Wesentlich ist der kurze günstige Verlauf und besonders das Ausbleiben der heftigen Diarrhöe.
3)nbsp; Paronchymatöso Euterentzündung. Zuweilen unterliegt der Entzündung nur ein Euterviertel mit massiger Schwellung des Paren-chyms, die der Wahrnehmung entgeht, wenn das Euter nicht sachgemäss untersucht wird. Dabei kann heftiges Fieber mit Horripilationen und Muskelhüpfen, sowie bedeutende Verringerung der Milchsecretion auftreten. Selbstredend ist ein solcher Krankheitsfall in diagnostischer Hinsicht nur dann erheblich, wenn die Möglichkeit des Rinderpestausbruchs besteht. Im Uebrigen hebt sich jeder Zweifel durch den Verlauf schon nach einem Tage.
4)nbsp; Maul- und Klauenseuche. Den Thierärzten, welche die Natur der Krankheitsprocesse in der Maulschleimhaut bei der Aphthenseuche und bei der Rinderpest richtig beurtheilcn, ist die Unterscheidung leicht. Einen bestimmten Anhalt gewährt die hohe Temperatur und die schwere constitutionolle Ermüdung, die regelmässig bei der Pest vorhanden sind, wenn die Erosionen im vorderen Theil der Maulschleimhaut sich einstellen. In einzelnen Fällen ist die Aphthenseuche bei Kühen von einem erheblichen Fieber mit gesträubter Stellung des Deckhaars und Abnahme der Milchsecretion begleitet. Aber dio durch Zerplatzen der Bläschen im Maul erzeugten Defectc sind auch dann oberflächlich und es fohlt der käsige Beschlagquot;.
5)nbsp; Lungonseuche. Nur in den letzten Tagen vor dem tödtlichon Ausgange der Lungonseuche kann die augenblickliche Unterscheidung von dem Bilde eines im vorgeschritlenen Stadium an der Pest erkrankten
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Rinderpest.
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Rindes einige Schwierigkeit mit sich bringen, weil die Thiero nicht mehr aufstehen können. Im üebrigon liefert die Section stets einen entscheidenden Aufschluss.
6) Bösartiges Katarrhalfieber. Die Unterscheidung ist in den vollständig ausgebildeten Krankheitsfällen viel leichter, als in der Literatur oft behauptet wurde. Am 2. 3. Krankheitstago macht sich schniebondes Nasalgeräusch bemerklich, was bei der Pest ebensowenig vorkommt, wie die schwere Belastung des Sensoriums, welche das bösartige Katarrhalfieber charakterisirt. Dazu kommt die fibrinöse Iritis, welche zur Trübung der Augen führt. Bei der Section finden sich reichliche fibrinöse Exsudate auf der Schleimhaut der Nase, des Rachens, des Kehlkopfs und der Luftröhre, die bei der Pest fehlen.
Prognose und Behandlung. Dass der Verlauf der Pest nicht immer in gleichem Grade bösartig ist, wurde Seite 68 schon erörtert. Indess besitzen die mit der guten Haltung und Pflege der kranken Rinder verbundenen günstigen Einflüsse nicht einen solchen Werth, dass von ihrer Zuwendung in concreten Fällen eine wesentliche Erleichterung der Gefahr in Aussicht gestellt werden könnte. Im 18. Jahrhundert wurde vielfach behauptet, dass, ähnlich wie andere Seuchen, die Rinderpest nach jahrelangem Herrschen allmälig einen milderen Charakter erlangen soll. Aus demselben Grunde soll die Seuche beim Steppenvieh in Russland weniger lebensgefährlich sein. Die in England und Holland von 18651867 gemachten Erfahrungen sprechen indess nicht für die Richtigkeit der Ansicht, dass der Krankheitscharakter sich in einer Gegend mit der Zeit wesentlich ändert. Nach allen Erfahrungen erliegen durchschnittlich 75 pCt. der erkrankten Thiero. Ist der Verlauf milder, so kann der Verlust auf 50 pOt. und in einzelnen Heerden noch tiefer sinken. Bei schwerem Verlaufe sterben 9095 pOt. Nach Gorlach (l. c. S. 25) wurde mehrfach constatirt, dass die Vermeidung fester Futterstoffe, ferner schleimiges, nahrhaftes Getränk, frische Luft und massige Wärme eine günstige Wirkung auf die kranken Thiere ausüben. Für die veto-rinärpolizeiliche Behandlung der Seuche ist aber der Nutzen dieser Heilmittel gegenstandslos. Gleich worthies haben sich die zur Heilung der kranken Thiere angewandten Medicamente erwiesen. Während Jm vorigen Jahrhundert vorzugsweise fieberwidrige und antiphlogistische Arzneimittel vorgeblich versucht wurden, dachten russische Veterinäre in der neueren Zeit, durch die Verabreichung desinficirender Stoffe (Carbol-säure) die schwere Erkrankung der Magen-Darmschieimhaut heilen zu können. Soweit sich indess nach den Angaben in der Literatur urtheilen lässt, ist das Ergobniss dieser Versuche nicht errauthigond. Die seit
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74nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiton.
der Mitto dos 18. Jahrhunderts im westlichen Europa vielfach ausgeführte Impfung der Rinderpest ist längst als ein ungeeignetes Verfahren zur Bekämpfung der Seuche erkannt worden. In Russland hat die an mehreren tausend Rindern ausgeführte Impfung eine ausreichende Gelegenheit geboten, um die Tragweite des Verfahrens begutachten zu können (vergi. S. 52). Wenn es selbst gelingen sollte, das Postcontagium künstlich zu eultiviron und zu mitigiron, so könnte doch die Impfung keine brauchbare voterinärpolizeiiiehe Massregel sein. Denn die Impfung würde die Tilgung der Rinderpost verhindern.
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Capitel II. Ruhr. Dysenteria bouni.
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In den ersten Decennien des gegenwärtigen Jahrhunderts ist die mit einem milden Vorlaufe auftretende Rinderpest oft irrthüralich als Ruhrquot; (Magenseuche. Magen-Ruhrseuche, typhöse Ruhr, Gedärmseuche) ausgegeben worden. Waldinger (Krankheiten des Rindviehs, 1810) trennte die zu joner Zeit angeblich in Ungarn als selbstständige Krankheit beobachtete Ruhr von der Pest. Hiergegen wandte Lorinscr (1831) nicht ohne Grund ein, dass die Pest in Ungarn oft unter denselben Symptomen herrsche; er glaubte aber irrthümlich, dass die Ruhr die ursprüngliche resp. durch Selbstentwickelung entstandene Form der Rinderpest sei. Spätere Autoren haben die Krankheit vorwaltend nach Analogieschlüssen auf Grund der bei der Ruhr des Menschen vorkommenden Symptome beschrieben. Da die Ruhr des Rindes nicht genau bekannt war, so ist dieselbe ausweislich der Literatur noch bis vor wenigen Decennien zuweilen als Rinderpest diagnosticirt oder doch mit gleichen veterinärpolizeilichen Schutzmassregehi behandelt worden.
Nach einem Bericht in Adam's Wochenschr. 1865, S. 105, herrschte die Ruhr im Winter 1865 in einem Orte Tyrols. Mitto Januar erkrankten von 5 Rindern eines Stalles 3, wovon '2 starben und 1 gesund wurde. Am '20. Februar trat die Ruhr in einem anderen Gehöfte desselben Ortes auf, dessen 4 Rinder innerhalb 1'2 Tagen sämmtlich eingingen. In einem dritten Gehöfte des Ortes, in welchem 3 Rinder standen, erkrankte am 14. März ein Kalb, welches 7 Tage später ver-
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Ruhr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;75
endete. Gorlacli (Hiiulorpost 1867, S. 61) bcobauhtoto die Ruhr des Rindes 1867 in zwei Orten der Provinz Hannover. In einem Orte cr-kninkten vom 25. Februar bis 19. März 6 Rinder aus drei Gehöften Aus dem zweiten Orte verendeten in einem Bestände von 17 Haupt 4 Stück an der Ruhr. Oemler (ßerl. Archiv 1882, S. 241) con-statirto in 4 nahe bei einander liegenden Gehöften 15 Krankheitsfälle, von welchen 3 mit Genesung endeten. Die Diagnose gegenüber der Rinderpost wird als zweifelhaft hingestellt. Es sprechen aber nach meiner Ansicht gegen die Annahme, dass die 15 Rinder an der Pest, gelitten haben, durchschlagende Gründe, am meisten die Thatsache, dass in einem Stalle, in welchem 5 Rinder standen, 1 tödtlich erkrankte, 2 von der Krankheit sich erholteu, 2 dagegen ganz gesund blieben, obwohl letztere mit den kranken Thieren in Berührung gekommen waren. Im Uobrigen bestätigen die Befundberichte Oemler's im Einklänge mit den Erfahrungen G o rl a c h' s, dass die Kiankheitserscheinungen und Sections-ergebnisso bei der Ruhr in einzelnen Fällen dem Charakter der Rinderpest sehr ähnlich sein können.
Definition. Nach der allgemein anerkannten Begriffsbestimmung wird als Ruhrquot; eine speeifische, acute und fieberhafte Infectionskrankheit der Magen-Darmschleimhaut bezeichnet, welche eine profuse Diarrhöe veranlasst. In der Theorie gelten demnach andere Darmentzündungen mit diarrhoischcr Dejection nicht als Ruhr, obschon in der Praxis bei dem Mangel ausreichender Feststellungen die Unterscheidung nicht immer möglich ist. Von der Ruhr neugeborener Kälber (weisse Ruhr) ist die Ruhr des (erwachsenen) Rindes wesentlich verschieden. In der Literatur wurde die Krankheit mit Rücksicht darauf, dass den Dejecten des Darm,s zuweilen Blut beigemischt ist, mohrfach rothe Ruhr* benannt.
Aetiologic und Pathogenuse. Der oft beschuldigten Erkältung ist eine ätiologische Bedeutung nicht bqizulegen. Eine directe Uebertragung der Ruhr von den kranken Thieren auf gesunde hat bisher nicht nachgewiesen werden können. Gerlach (1. c. S. 63) sah wohl mehrere Erkrankungen in einem Stalle; niemals aber waren dieselben von einander abhängig. Impfungsversuche, welche Gerlach mit erweichter Darmschleimhaut anstellte, waren erfolglos. Da nun die in grösseron Beständen auftretenden Krankheitsfälle, abgesehen von graduellen Verschiedenheiten der Symptome, übereinstimmen, so kann die Ursache nur in einem speeifischen Infectionsstoff beruhen, welcher an dem Futter haften muss. Bis jetzt ist der Jnfectionserreger aber noch nicht ermittelt. Auch habe ich in mehreren Fällen bei sorgfältiger Untersuchung
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76nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankhoiton.
des verabreichten Futters nichts Abnormes finden könnenx Aber diese Thatsache steht der Annahme nicht entgegen, dass ein specifischor Mikroorganismus mit dem Futter aufgenommen wird. Kreisthierarzt Frauon-holz (vergl. Adam's Wochenschr. 1881, S. 284) beobachtete die Krankheit in verschiedenen Gehöften nach der Fütterung von Rübenschnitzeln. Dass die Rübenschnitzel an sich nicht die Ursache waren, bewies die Thatsache, dass trotz ihrer Verabreichung in vielen Viehbeständen die Krankheit nicht auftrat.
Die Ausbildung der Magen-Darmentzündung vollzieht sich nicht typisch. Wenigstens sprechen die sich in ungleichen Zwischenzeiten von mehreren Tagen folgenden Krankheitsfälle dafür, dass die Vervielfältigung des Infcctionsstoffes nach der Aufnahme des schädlichen Futters bald schneller, bald langsamer erfolgt. Der Krankheitsprocess selbst charakteri-sirt sich als eine diffuse oberflächliche Schloimhautentzündung mit Erweichung und Abstossung des Epithels. Auf die Peyer'schen Haufen und auf die solitären Lyraphfollikel setzt sich der infectiöse Entzündungsprocess nicht fort. Im weiteren Verlaufe erlangt die Enteritis oft einen hämor-rhagischen Charakter. Nicht selten ist die Congestion im Darm, besonders im Dickdarm, so bedeutend, dass sich durch ßerstung einer oberflächlich liegenden kleinen Vene Blut in den Darm ergiesst und mit den Excrementen ausgeschieden wird. Gewöhnlich entstehen auch kleine punktförmige oder streifige Extravasate in der Magen-Darmschleimhaut. In manchen Fällen wird der Dickdarm schwerer betroffen, als der Dünndarm und der Labmagen. Indess ist, wie Gerlach zutreffend bemerkt hat, die Annahme, dass die Ruhr des Rindes ihren Sitz constant im Dickdarm habe, nicht richtig. Durch reichliche Abscheidung von Blutflüssigkeit in den Darm erlangen die Oontenta eine dünnflüssige Con-sistenz. Die Resorption pathogener Stoffe aus der Magen-Darmschleimhaut bewirkt eine fieberhafte Störung des Allgemeinbefindens mit Beschränkung der Secretion in den Drüsen (Verringerung der Milch bei Kühen). Dabei verarmt das Blut an Sauerstoff. Die Respirationsschleimhaut im Rachen und in der Luftröhre unterliegt einer starken Blutcongestion und zuweilen entstehen Extravasate in derselben. In der Rachenschleimhaut, namentlich am Grunde der Zunge und am Gaumensegel, kommen auch entzündliche Processo mit Erweichung und Abstossung des Epithels (Erosionen) vor.
Symptomci 1) Das auflälligste Merkmal der Ruhr ist die Diarrhöe, welche der Regel nach schon am 1., mitunter erst am 2. 'Page der offenkundigen Erkrankung sich einstellt. Excremente dünnflüssig, bei verzögertem Krankheitsvcrlaufe zeitweise von breiartiger Consistenz, meist
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Ruhr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 77
dunkel gefärbt, in einzelnen Fällen heller. Mit den Dejecten entleeren sich zuweilen blutige oder entfärbte Coagula oder auch flüssiges Blut. Die Exoremente werden häufig und in grosson Bogen (spritzend) entleert, verbreiten auch nicht selten einen üblen Geruch. In der Literatur ist oft angeführt, dass fibrinöse Exsudate (Croupmembran), oder sogar abgestossene Fetzen der Darm schleim haut ausgeschieden seien. Ich habe diese Erscheinung nicht beobachtet. Wahrscheinlich wurden entfärbte Blutgerinnsel und dicker Schleim, die zuweilen mit der Dejection aus-treten, irrthümlioh als Croupmembran'' gedeutet.
2) Inappetenz und Sistirung der Rumination. Speicheln und häufiges Lecken in der Krippe. Der Bauch fällt zusammen.
8) Erhöhung der Bluttemperatur; Anfangs meist gering, später bis auf 40,0deg;, selten höher; am letzten Tage vor dem tödtlichen Ausgange sinkt die Mastdarmtemperatur zuweilen bis unter die Norm. Zittern in der Hautmusculatur, nicht constant, am meisten nach plötzlicher Einwirkung von frischer (kalter) Luft auf die Haut. Gesträubte Stellung des Deckhaars. Kräfteverfall gewöhnlich gering, bei heftigem Schmerz im Magen und Darm aber auffällig. Im letzten Stadium Unvermögen zum Aufstehen und Aufstützen des Kopfes; die Augen treten in die Höhion zurück.
4) Pulsfrequenz. Anfänglich gering, am 2. Tage bis zu 70 und höher, später zuweilen bis über 100 Schläge in der Minute.
5} Dyspnoe und Zunahme der Athraungsfrequonz. Zahl der Athemzüge meist zwischen 2035 in der Minute. Bei schwerer Erkrankung exspiratorischo Klagelaute (Stöhnen).
6)nbsp; Röthung der sichtbaren Schleimhäute. Nicht constant. In der Conjunctiva fand ich mehrfach kleine Petechien; Muulschleiruhaut zuweilen anämisch. Gerlach und Oemler sahen in einigen Fällen Excoriationen am Zahnfleisch.
7)nbsp; Vermehrte Thränenabsondorung und mitunter Abfluss von Thränen über die Backen. Die inneren Augenwinkel verkleben später mit einer eitrig-schleimigen Materie. Ausfluss von Speichel und Schleim aus der Nase. Geifern aus dem Maul.
Verlauf. Ais Seuche befällt die Ruhr in einem kleinen Viehbestände zuweilen alle Rinder des Stalles, häufiger aber nur einen Theil derselben. Sie tritt auch mitunter innerhalb einiger Wochen in mehreren Gehöften eines Ortes auf. Das sporadische Vorkommen bei einzelnen Rindern kleiner oder grösserer Bestände ist indess nicht ausgeschlossen. Die Krankheit hebt mit Appetitmangcl und Diarrhöe an und erlangt mitunter schon am 2.3 Tage, in anderen Fällen erst nach 45 Tagen
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78nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
ihre Acme. Mehrfach habe ich beobachtet, dass die erheblichsten Symptome (Durchfall, Fieber) am 3. Tage zurückgingen, worauf vom 4. oder 5. Tage wieder eine Verschlechterung des Zustandes eintrat. In der Mehrzahl der Fälle führt die Krankheit zum Tode. Ihre Dauer schwankt von 35 Tagen, kann sich aber auf 7 10 Tage ausdehnen. Das Ableben erfolgt unter dem Bilde des starken Kräfteverfalls; einzelne Thierc gehen schon früher durch progressive Herzschwäche zu Grunde, Wenn die Ruhr mit Genesung endet, so nimmt der Appetit gegen den 5. bis 7. Krankheitstag etwas zu. Aber es vergehen doch meist 23 Wochen, bis die Thiere sich vollständig erholen. Einzelne Rinder erkranken nur in geringem Grade und genesen schon nach 35 Tagen.
Sectionsbcfund. In den Cadavern entwickeln sich sehr bald Fcäulniss-processe. Bei frühzeitig ausgeführten Sectionen findet sich das dunkel-rothe Blut im Herzen unvollständig geronnen. In den venösen Gefässen zähflüssiges Blut. Die Subcutis schmutzig roth gefärbt; ebenso ist die Schleimhaut der 3 Vormagen durch den reichen Blutgehalt geröthet. Die Schleimhaut im Labmagen bald in niederem, bald in hohem Grade entzündlich geschwollen, oft mit punktförmigen oder grösseren Extra-vasaten durchsetzt; das Epithel erweicht. Schleimhaut des Dünn- und Dickdarms in verschiedenem Grade und in den einzelnen Abschnitten unglcichmässig entzündet; das Darmepithel stellenweise abgestossen oder zu einer schleimigen, leicht abstreifbaren Masse erweicht. Die Peyer-schen Haufen sind nicht geschwollen. Im Grimmdarm und Mastdarm oft capillare (gestreifte) Röthung. An den Nieren Blutstauung und trübe Schwellung. Leber und Milz von weicher Consistenz; letztere enthält zuweilen einige hämorrhagische Herde. Herzfleisch schlaff, auf der Schnittfläche getrübt; im Endocardium oft Imbibitionsröthe. Lungen blutreich; Trachealsohleimhaut oft blutig imbibirt. Rachenschleimhaut cyanotisch, nicht selten entzündlich geschwollen. Am Grunde der Zunge und am Gaumensegel Erweichung des Epithels, oft auch kleine oder grössere Erosionen.
Diagnose. Auf die Aehnlichkeit der Symptome mit den Krankheitserscheinungen und Sectionsbcfunden bei der Rinderpest wurde schon S. 71 hingewiesen. In zweifelhaften Fällen ist ein erheblicher Worth darauf zu legen, ob die Einschleppung der Pest erfolgt sein kann oder wahrscheinlich stattgefunden hat. Bei längerer Beobachtung entscheidet bisweilen die Thatsache, dass Rinder, welche in einem grösseren Bestände mit den kranken Thieren in Berührung standen, gesund bleiben. Gegenüber der enteritischon Form des bösartigen Katarrhalfiebors ist neben der Verschiedenheit im Krankheitsverlauf das soporöso Vor-
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Ruhr.
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halten der kranken Thiore, welches bei der Ruhr fehlt, massgebend. Bei den durch Vergiftung mit drastischen Abführmitteln verursachten schweren Darmentzündungen kann die üntersohoidung unmöglich sein, wenn die Anamnese keinen Anhalt bietet. Ebenso bieten die durch den Genuss verdorbener Nahrungsmittel entstehenden Darmentzündungen, soweit sie von starkem Durchfall begleitet sind, grosso Schwierigkeiten in der Diagnose. Gewöhnlich lässt sich indess die Aufnahme dos schädlichen Futters eruiren. In grösseren Viehbeständen tritt eine solche Darmentzündung gleichzeitig bei mehreren Thieron ein. Im üebrigon ist der Verlauf der Ruhr zu beachten.
Prognose und Therapie. Die Ruhr ist in allen Fällen als eine heimtückische Krankheit ungünstig zu beurtheilen. Selbst wenn die Symptome keinen hohen Grad der Erkrankung darthun, lässt sich die Genesung der Thiere nicht mit Sicherheit in Aussicht stellen. Nach den bisherigen Beobachtungen endet die Krankheit in etwa 70 pCt. der Fälle tödtlich. Günstig wird die Prognose erst, wenn die Thiere am 5. bis 7. Krankheitstage etwas Appetit zeigen und die Excreraente eine dünnbreiige Consistenz annehmen. Für die arzneiliche Behandlung passt die Verabreichung kleiner Dosen (0,51,0) Calomel in Verbindung mit Natrium bicarbonicum und bitteren oder erregenden Medicamenten. Vor-theilhaft wirkt auch Decoctum Corticis Quercus 3 Mal täglich I Weinflasche voll, oder Acidum tannicum 10,0 pro die in Wasser gelöst auf 2 Mal. Daneben sind schleimige Mittel (Semen Lini, Semen Papaveris) in entsprechend grosson Doson täglich 4 bis 5 Mal einzugeben. Infusion in den Mastdarm von warmem Mehlwasser oder einer Lösung von Stärkemehl in Wasser täglich 4 bis 5 Mal. Zur Befriedigung des Durstgefühls ist frisches Wasser öfter anzubieten. Als Nahrungsmittel zunächst gutes Heu, besonders Klecheu oder Haferstroh, später leicht verdauliche, schleimige Tränke, im Sommer schmackhaftes Grünfutter.
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C as u i s t i k.
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1) Ende Juni und Anfangs Juli 1880 wurden nach dem Gute Priort im Kreise Osthavelland 1lt;gt; Kiilic aus Holland mittels Elsenbahntransportes in 2 Wagenladungen gebracht, [n jedem Waggon waren 8 Kühe versandt; die zweite Sendung folgte der ersten nach (i Tagen. Alle Thiere wurden in einer grossen Stallung untergebracht, in welcher sich noch 60 Haupt Kindvieh befanden. Von dor ersten Sendung erkrankte am 8. Tage nach der Ankunft eine Kuh an der Ruhr, Darauf folgton nach weiteren 25 Tagen noch sechs Krankheitsfälle. Zwei Kiillo führten zur Genesung, während fünf Kühe theils verendeten, thcil.s gotödtet wurden. Unter den Kühen der zweiten Sendung und unter den im Stalle seit langer Zeit stehenden 50 Kindern kam die
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80nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankhciten.
Krankheit nicht zum Ausbruch, trotzdom fliese Tliioro zum Thoil in der Nachbarschaft der kranken Kühe standen.
Die Erscheinungen, der Vorlauf und der Soctionsbefimd entsprachen dorn S. 77 entworfenen Bilde.
2) Der zoologische Garten ZU Berlin besass im Herbst 1882 sieben Rinder der Sunda-Race, welche in 2 Bostiinrlon getrennt aufgestellt waren. Von denselben erkrankte :
a.nbsp; nbsp;am 31. October 1882 aus dem ersten Bestände eine dreijährige Kuh unter: Speicheln, Schäumen, Schlagen mit der Zunge, Appetitmangol, Sisti-rung der Rumination, leichtem Thränen der Augen und Durchfall. Ex-cremente von grüner Farbe, aber dünnflüssig. Die Höhe der Pulszahl und der Blutlomperatur konnte ich bei der Wildheit des Thieres nicht ermitteln. Resp. 22. Ordination: Tannin (5,0) im Trinkwasser. Am 1. November starker Durchfall, vollständige Inappetenz; Bauch zusammengefallen; Deokhaar etwas aufgebürstet; Kriifteverfall gering. Am 2. November ging das Thier zu Grunde. Die 7 Stunden nach dem Tode von mir ausgeführte Section ergab Folgendos: Sclmmtzig rothe Färbung der inneren Organe. Im 1., 2. und 3. Magon keine wesentliche Veränderung. Der Inhalt des Labmagens graubraun und von breiiger Consistenz; in der entzündlich gesohwollonon Labmagenschleimhaut zahlreiche hämorrhaglsche Herde von dem Umfange eines Stocknadelknopfes bis eines silbernen Fünfmarkstiickos; das Epithel stellenweise abgestossen. Die Diinndarmschleimhaut zeigt leichte Schwellung und Röthung mit zahlreichen kleinen hämorrhagisohen Herden. Im Dickdarm übelriechender Inhalt und einzelne graurotho (entfärbte) Blutgerinnsel; Schleimhaut des Blinddarms geschwollen und stark geröthet, an der Spitze mit hämorrhagischen Herden besetzt. Schleimhaut des Grimmdarms blauroth. Im Mastdarm sind die Falten der Schleimhaut theils roth, theils grau; daneben findet sich stellenweise eine starke Röthung in parallel verlaufenden Längsstreifen. Milz nicht geschwollen, weich. Leber derb, auf dem Durchschnitt glänzend; Gallonblase massig gefüllt. Nieren blutreich, aber nicht vergrössert. Herz schlaff, auf dem Durchschnitt grauroth und brüchig. Lungen mit Blut gefüllt, sonst nicht verändert. Rachenschleimhaut leicht geschwollen und cyanotisch,
b.nbsp; nbsp;Ein achtjähriger Sunda-Bulle des zweiten Bestandes erkrankte am 7. November 1882. Symptome: Speicheln und Lecken, Appotitmangel, Durchfall.' Am 8. November Vormittags: Versagen dos Futters, Wasser wird nur wenig getrunken; Thränen des linken Auges. Massig starkor Durchfall und Ausscheidung von einigen Klumpen Blutgerinnsel aus dem Mastdarm. Nachmittags: Kräfteverfall und schleimige Dejection aus der Nase. Tod gegen Abend. Section 14 Stunden später: Skelelmusknlalur von normaler Farbe und ohne erkennbare Veränderung. Blut in den Venen dunkel und flüssig, im Herzen unvollständig geronnen. Bauch- und Brustorgane haben ein schmutziges, verwaschenes Ansehen. In den 3 ersten Magen Nichts Krankhaftes. Im Labmagen dicktliissiger, brauner Inhalt; die Schleimhaut dunkclroth, an vielen Stellen von Epithel cntblösst. Dünndamischleimhaut in leichtem Grado onl/.ündlich geröthet. Im Dickdarm einige entfärbte lockere Blutgerinnsel. Schleimhaut im Cöcum auffallend, im Colon und Rectum weniger geröthet. Nieron, Milz und Leber wie ad a, angegeben. Die Lungen enthalten viel dunkles Blut; Herz schlaff, rechter Vorhof und Ventrikel ausgedehnt. Bronchialschloimhaut blutig imbibirt. Im Kohlkopf und
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Ruhr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 81
in dor Luftröhre findet sich Mageninhalt (vom Erbrochen in der Agonie). Kohlkopt-und Rachensclilehnhaut geschwollen und cyanotisch. Am Grunde dor Zunge und am Gtaumenscgol zahlreiche Erosionen; das Epithel sieiit wie zerfressen aus und die zwischen den Fetzen sichtbare Schleimlederhaut ist stark goröthet und geschwollen. Im vorderen Abschnitt des Mauls ist die Schleimhaut nicht krankhaft verändert.
c. Eine vierjährige Sundakuh aus dem ersten Bestände wurde am 9. November 1882 von den anderen Thieren getrennt und mit 2 Kälbern in einem warmen Stall untergebracht. Am 11. November Vormittags stellte sich Durchfall ein. Aufgebürstetes Haar, Thränen der Augen. Speicheln wurde bei dieser Kuh weniger wahrgenommen, wie bei den anderen Thieren. Die Krankheitserschoinungen waren am Abend heftiger und die dünnflüssigen Excremente wurden im grossen Bogen entleert. Am 12, November Vormittags trat eine leichte Besserung ein; auch erschien das Thier ziemlich munter. Leib eingefallen. Haar aufgebürstet, Excremente flüssig, aber in geringen Quantitäten. Ordination: Üpiumtinctur. Klystierc von Mehlwasser. Am 13. November Vormittags trat der Tod ein. Section 24 Stunden nach dem Tode: Skeletmuskulalur wenig verändert, durch massigen Blutreichthum dunkel. In der Bauchhöhle keine Flüssigkeit. Erster und zweiter Magen mit Futter gefüllt. Dritter Magen massig gefüllt, Schleimhaut abnorm geröthet, sonst intact. Im vierten Magen ist das. Futter reichlich mit Blut gemischt, von bräunlicher Farbe. Die Sohloimhaul intensiv dunkelroth und mit kleinen, grauweissen, runden Herden von dem Umfange eines Hirsekornes bis einer Erbse wie besäet (Trübung der Pepsin-drüsen). Daneben blutige Herde; stellenweise ist das Epithel an kleinen, unregol-massig contourirten Flächen abgestossen. Schleimhaut des Zwölffingerdarms von derselben Beschaffenheit. Weiter hinab in den Loordarm wird die Röthe geringer. Die Peyer'schon Haufen sind nicht verändert. Im Blinddarm und Grimmdarm miissigo entzündliche Röthe der Schleimhaut. Im Endstück des Mastdarms sind die Längsfalten intensiv roth und das letzte Stück des Mastdarms erscheint blutig unterlaufen. Nierenparenchym getrübt. Milz nicht geschwollen; auf der Durchschnittslläche finden sich einige kleine hämorrhagischc Infarctc, in welchen das Blut unter Einwirkung der atmosphärischen Luft sich heller färbt. Leber fettig infiltrirt and etwas ver-grössert. Lungen zusammengefallen und bei massiger Blutanhäufung sohmutzig-roth, sonst nicht verändert. Herzlleisch welk, auf der Schnittfläche wenig abnorm. In den Kammern leicht coagulirtes Blut. Schleimhaut der Luftröhre geröthet, im Kohlkopf und Schlundkopf cyanotisch. Auf dem Grunde der Zunge ist das Epithel leicht abstreifbar.
Bemerkung. Von den VSundarindern erkrankten nur die vorgedachten 3Stiick. Zwei Kälber und zwei Färsen blieben verschont. Den Thieren war seit Wochen Heu und Kloie als Futter verabreicht. Ich konnte an demselben eine schädliche Eigen-, schaft nicht ermitteln. Die Ursache des Ausbruchs der Ruhr Hess sich demnach nicht aufklären. Obschon bei dem scheuen Temperament der Thiere die Symptome nicht vollständig zu conslatiren waren, so liefert die Beschreibung der Fälle doch für die Beurtheilung des Charakters der Ruhr einen ausreichenden Anhalt.
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Diookorhoff, Spoo, Pathologie u. Thoraplo. 11. Bd.
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82nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infoctions- und Intoxioationsliranlilioilen.
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Capitel III. Kälberruhr. Dyseuteria vitulorum. Weisse Ruhr. Dyseutcria alba.
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Definition. Die Ruhr der neugeborenen Kälber ist eine peracut verlaufende speeifische Infektionskrankheit, welche ihren Sitz in der Magon-Darmschleimhaut hat und die Kälber nur innerhalb der drei ersten Lebenstage, selten noch an einem der folgenden Tage befällt.
Aetioiogie und Pathogencse. Kaum 15 Jahre sind verflossen, seit die Kälberruhr als eine Infeotionskrankheit angesehen wird. Früher galt als ursächliches Moment die reichliche Ernährung der hochtragenden Kühe, resp. der Gonuss gehaltreicher und deshalb unzuträglicher Milch bei den neugeborenen Kälbern. Ferner wurde die Fütterung ungeeigneter Nahrungsmittel (Schlempe, gefrorenes und saures Futter) beschuldigt, weil hierbei die Milch der Kühe scharfe Eigenschaften erlangen und nacb dem Genüsse eine reizende Wirkung auf die Magcn-Darmschloimhaut der Kälber ausüben sollte. Endlich wurde angenommen, dass der Aufentbalt in sohlechten Stallungen durch Erkältung der Kälber die Ruhr erzeugen könne. Obich (Adam's Wochenschr. 1865, S. 101) machte zuerst auf das seuchenartige Vorkommen der weissen Ruhr aufmerksam; er fügte hinzu, dass dieselbe durch die kranken Kälber von einem Stalle in einen anderen verschleppt werden könne. Demnächst führte Roloff (Prouss. Mittheil. 1875, S. 119) die Aetioiogie der weissen Ruhr auf ein Stallmiasma zurück. Diese Ansicht hat auch Franck (Geburtshülfe 1870, S. 589) vertreten; derselbe vermuthet (Deutsche Zeitschr. für Thicrmed. 1877, S. 379), dass die Infection der Kälber mit dem speeifisohen Stallmiasma schon vor der Geburt durch Vermittolung des Vaginalscbleims erfolgen könne.
So sicher aus dem Verlaufe und dem Fortbestehen der Ruhr in einer Zuchtheerde der Zusammenhang der Krankheit mit einer Infection hervorgeht, so ist doch der speeifische Mikroparasit bislang nicht aufgefunden und künstlich eultivirt worden. Indoss sprechen die Thatsachen dafür, dass es sich nicht um einen obligaten Parasiten handelt. Denn die Ansteckung eines gesunden Kalbes von einem kranken wird nicht beobachtet. Sehr wahrscheinlich entsteht die weisso Ruhr immer durch die Aufnahme eines facultativen Parasiten, der in unreinen Stallungen vorkommt, sich in denselben viele Jahre erhalten und sehr leicht im
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Kälberruhr. Welsse Ruhr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8.^
Körper der neugeborenen Kälber sich ansiedeln kann. Franck (1. c.) ist der Meinung, dass der Infedionsstoff in dem verunreinigten Fuss-bodon dos Stalles die Bedingungen seiner Entwickclung finde. Unterstützt wird diese Annahme durch die Thatsache, dass dio weisso Ruhr nicht selten 23, selbst 5 Jahre lang als Seuche in einem Stalle sich forterhält, trotzdem in demselben mitunter sechs Monate hindurch kein Kalb geboren wird. Andererseits scheint der Ansteckungsstoff an der Haut oder in dem Vaginalschloim der Kühe längere Zeit haften zu können. Hierfür spricht die Beobachtung, dass, wenn hochtragendenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; A
Kühe 814 Tage vor dem Kalben aus dem Seuchenstalle entfernt undnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; f
durch besondere Wärter verpflegt werden, die neugeborenen Kälber dennoch an der Ruhr erkranken können, dass dagegen die Kälber gesund bleiben, wenn die Kühe 12 Monate vor dem Kalben dem Seuchenstalle fernbleiben. #9632; Wie Roloff festgestellt hat, kann die Ursache der Kälberruhr in einer abnormen Beschaffenheit der Milch nicht beruhen. Denn die Krankheit stellte sich auch bei Kälbern ein, welche statt der Milch Haferschleim mit Eiern erhielten. Auch ist die Aenderung des Futters bei den Stallkühen ohne Einfluss auf den Ausbruch der Krankheit bei den neugeborenen Kälbern. Dagegen bleiben die Kälber gesund, welche während des Sommers von Weidekühen im Freien geboren werden. Mit dem Beginn des Weidebetriebes hört das Erkranken grösstcntheils auf, und zwar um so mehr, je weniger die trächtigen Kühe beim Weidegang in den Stall kommenquot; (Franck). Zur Annahme einer intra-uterinen Erkrankung der Kälber liegt nach meiner Meinung ein ausreichender Grund nicht vor. Dagegen mag während des Gebäractes die Aufnahme des Infectionsstoffes geschehen können. Denn Franck und Roloff beobachteten den Eintritt der Diarrhöe schon unmittelbar nach der Geburt und vor dem ersten Milchgenusso bei den Kälbern. Indess findet die Infection in der Regel am 1. oder 2. Lebenstage der Kälber statt.
Wie die speeifischon Mikroorganismen aufgenommen werden, ist nicht bekannt. Vermuthen lässt sich, dass dieselben mit dem verschluckton Maulschleim oder mit den Nahrungsmitteln In die Labmagen-Schleimhaut gelangen, sich daselbst vorvielfältigen und auf die Darm-sohleimhaut verbreiten. Die Entwickelung der Krankheit von der Infection bis zum offenkundigen Hervortreten der ersten Erscheinungen er
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folgt innerhalb eines Tages, vielleicht oft schon in wenigen Stunden.
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Es entsteht eine diffuse Entzündung und seröse Infiltration der Magon-Darmschleimhaut mit vermehrter Peristaltik und Abscheidung einer trüben Flüssigkeit in den Darm. An den Foyer'schen Haufen und
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84nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;In foot ions- und [nloxionUonsliranldicilon.
den solitären Follikeln tritt Roi/ung und Schwellung ein. Das Blut findet sich nicht verändert; doch lässt sich aus den Allgemeinsymptomen der Krankheit mit Wahrscheinliclikeit schliessen, dass demselben toxische Stoffe aus der entzündeten Magen-Darmschleimhaut zugeführt werden. Die Secretion der Galle wird geringer. Auf der Höhe der Krankheit entstehen kleine hämorrhagische Herde in der Magen-Darmsehleimhaut und im Endocardium.
Syiii|ituidc und Verlauf. Gleich nach der Geburt erscheinen die Kälber gesund. Die Erkrankung bekundet sich selten schon am 1,, in der Regel am 2. oder 8. und ausnahmsweise am 4. oder 5. Lebenstage, Zunächst zeigen die Thiere: allgemeine Unlust, Ermüdung, anhaltendes Liegen und Inappetenz. Gleichzeitig erfolgen diarrhoi-sohe Entleerungen, die sich in kurzen Intervallen wiederholen. Die Dcjecte sind anfänglich noch von normaler gelber Farbe, später aber stets in Folge der Ach olle grauweiss; sie haben einen unangenehmen, fauligen Geruch. An der Schwanzrübe und den Schenkeln wird die Haut durch die Excremente verunreinigt. Herzschlag schwach, Respiration etwas beschleunigt. Trockene Haut mit Aufbürstutig des Deckhaars. Die Aufnahme von Milch wird vollständig verweigert.
Unter diesen Symtomen steigert sich nach einer Krankhoitsdauer von 2030 Stunden der allgemeine Kräfteverfall. Die kranken Kälber liegen flach auf einer Seite, die Augen sind zurückgezogen und zäher Speichel fliesst aus dem Maul. Die Schwäche nimmt bis zur vollständigen Erschöpfung zu und die Thiere verenden ohne Todeskampf am 2. oder 3. Krankheitstage.
Scctiunsbefund. Cadaver zusammengefallen. Bauchorgane anämisch. Im Labmagen oft geronnene Milch von saurer Reaction; Schleimhaut erweicht und serös infiltrirt, an einzelnen Stellen mehr als an anderen. Abgeblasste blutige Herde von Linsen- bis Erbsengrösse in der Schleimhaut. Dünndarm und Dickdarm leer; die Schleimhaut ist mit zäher, schmieriger, grauweisser Materie bedeckt. Teyer'schc Haufen etwas geschwollen. Die Leber fand ich bei den durch Verblutung getödtefen und frisch secirten schwerkranken Kälbern gelblich roth und von normaler Grosse. Wenn die Cadaver 1020 Stunden nach dem Tode secirt werden, so ist die Leber blass. Milz und Nieren nicht verändert. Lungen blutreich. Herz schlaff, am Endocardium blutige Herde. Schleimhaut der Luftröhre und des Rachens normal.
ftiagnose. Die augenfälligen Merkmale (diarrhoische Dejectionon und schweres Allgemeinleiden) lassen die Verwechselung der weissen Ruhr mit einer anderen Krankheit der neugeborenen Kälber leicht vermeiden.
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Kälbornilii-, Welsse Ruhr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 85
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Irrthünilich wird zuweilen der Magen-Darmkatarrh (Diarrhöe) und die septische Infection durch Nabel-Venenentzündung bei älteren Kälbern der
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4,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; woissen Ruhr zugerechnet. Für die Diagnose ist zu berücksichtigen,
dass die Krankheit nur in den ersten Lobenstagen die Kälber befällt.
Prognose. Bei dem pornieiösen Verlaufe der Kälberruhr ist die Prognose schlecht. Nach den Angaben Franck's sollen einzelne Thiore genesen. Ich habe nie gesehen, dass ein Kalb die Ruhr überstanden hätte. Die in der Literatur oft wiederkehrende Behauptung, dass ein kleiner oder grösserer Theil der Krankheitsfälle mit Erfolg behandeltnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nJ
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sei, erfordert eine roservirte ßeurtheilung, weil der acute Labmagen-Katarrh bei den im Alter von 1 4 Wochen befindlichen Kälbern oft mit der Ruhr verwechselt worden ist.
Auch die Beurtheilung der weissen Ruhr als Seuche (Stallseucho) gestaltet sich ungünstig. Meist sterben sämmtliche Kälber, die während der Winter- oder Frühjahrsmonatc in dem Seuchcnstalie geboren werden. Mitunter bleiben aber einige Thiere verschont. Es kommt nur selten vor, dass die Krankheitsfälle nach 2 3 Monaten von selbst in demnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'j|
Bestände aufhören. In einer grösseren Zuchtheerde Wcstpreussens gingen drei Jahre nach einander fast sämmtliche Kälber an der Seuche zu Grunde. Auf meine Empfehlung entschloss sich der Besitzer, die Zucht aufzugeben; er kehrte aber nach einem Jahre zu derselben wieder zurück. Die im folgenden Jahr geborenen Kälber wurden ebenfalls durch die
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Ruhr hiiuveggeralTt. Alle Erfahrungen der Neuzeit haben dargethan, dass der Infectionsstoff sich nur schwer in einem Stalle vernichten lässt und dass die neugeborenen Kälber eine sehr grosso Empfänglichkeit für
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denselben besitzen.
Therapie. Die Behandlung der Krankheitsfälle ist fast immer ohne Erfolg. Von den bisher versuchten Arzneipräparaten besitzt das von Hortwig erapfohlone Mittel (Rad. Rhei 4,0, Magncs. carb. 1,0, Opii puri 0,3 in Kamillcntheo oder verdünntem Branntwein als Schiittelmixtur zweimal pro die) seit vielen Jahren einen gewissen Ruf. Ich habe diese Medication stets vorgeblich angewandt; da dieselbe beim acuten Magen-Darmkatarrh der Kälber sehr günstig wirkt, so dürfte ihrer Empfehlung als Spccificum eine irrthümliche Diagnose zu Grunde liegen. Die bayerischen Thierärzte rühmten mehrfach Ferruin sulfur. (1,0 in Aqua 100,0) dreimal täglich. Ferner wurden Acidum tannicum (1,0); Argen-tum nitricum (0,5); Acid, salicylicum (3,0) täglich 8 Mal angewandt. Imminger (Adam's Wochenschrift, 1888, S. 54) verwendet Rcsorcin (8,0 1'2,0 in ' 2 Liter warmem Wasser auf 2 Mal in 8 4 Stunden). Mehrfach wurden Ichthyol (1,0) oder Creolin (1,0) in wässeriger Lösung
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[nfodions- und Intoxicationskranlfhoilon.
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crapfohlen. Nützlich soll sich auch Tinct. Opii (5.,0 mit Wasser täglich 34 Mal) erwiesen haben. Endlich sind auch Infusionen von Schleim odor warmem Mehlwasscr in den Mastdarm indicirt.
Wenn ich die grosse Zahl der Arznoipräparate, welche bei der weissen Ruhr nützlich sein sollen, nach der thatsächlichon Erfahrung prüfe, so möchte ich mit Franck sagen: Es ist ein schlimmes Zeichen, wenn gegen eine Krankheit so vielerlei Mittel angewendet werdenquot;.
Prophylaxis. Nach dem von Roloff zuerst empfohlenen Verfahren sind die tragenden Kühe 46 Wochen vor dem Kalben aus dem verseuchten Stalle zu entfernen und anderweitig aufzustellen, so dass die neugeborenen Kälber weder direct noch indirect mit den Vehikeln des Infectionsstoffcs in Berührung kommen. Wird die Dislocation erst 1 bis 2 Wochen vor dem Kalben bewirkt, so ist der Erfolg unsicher. Em-pfohlcnswerth ist die Anordnung, bei den tragenden Kühen gelegentlich der Dislocation die Regionen, an welchen der Infectionsstoff haften kann (Scham, After, Schwanz, Hinterschenkel und Euter) mit Carbolwasscr oder mit Sublimatlösung (1 : 1000) wiederholt und sorgfältig zu des-inficiren. Vielfach wird auch ein Wechsel in der Ernährung, namentlich die Vermeidung von Schlempe für nothwendig erachtet.
Bei der Desinfection des Seuchenstalles ist der Fussboden zu erneuern. Wenn der Kostenaufwand nicht entgegensteht, so wird zweck-mässig ein cementirter Fussboden, dor sich durch Abspülen leicht reinigen lässt, angelegt. Ausserdcm sind die Futtergänge, Decken und Wände des Stalles nach vorheriger Waschung mit Kalkmilch frisch zu übertünchen.
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Capitel IV.
K|ililaquo;iiHgt;n;r iulVdiöscr IVasciikatarrh.
benlgnalaquo;
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Uliiiiitis conta^iosa
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Die leichte Erkrankung dos Rindes, welche ich als gutartigen infectiösen oder contagiösen Nasenkatarrh bezeichne, ist bisher in der Literatur nicht berücksichtigt worden. Aus dem Vorlaufe der Affection, wie aus ihrer Ucbertragung auf andere Rinder des botrciTenden Bestandes ergiebt sich, dass dieselbe durch die Aufnahme eines in den Ställen vorkommenden speeifischen Infcctionsstoffes in die Nasenschleim-haut entsteht und dass die directe Ansteckung gesunder Rinder durch
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Ephemerer Infeotiöser Nasenkatarrh.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;87
die von den Kranken ausgealhmoto Luft vermittelt wird. Demnach muss die Krankheit ätiolosisoh als eine miasmatisch-conlagiöse betrachtet werden. Im Uebrigen ist das biologische Substrat des pathogenen Mikroorganismus noch nicht bekannt. Die Rhinitis contagiosa kommt vorzugsweise bei volljährigen Kühen und Ochsen vor; Kälber erkranken an derselben, soweit ich nach meinen Beobachtungen schliossen kann, nur ausnahmsweise.
Die Incubationszeit ist nicht genau bekannt. Es scheint, dass in der Regel nur 2 Tage nach der Ansteckung vergehen, bis die Krank-hoitssymptorne offenkundig werden.
Sym|)toiiic. Verminderung des Appetits, mitunter vollständige In-appetenz. Bei Milchkühen sinkt die Production der Milch um 1 bis
2nbsp; nbsp;Liter, selbst um die Hälfte des bisherigen Ertrages. Schwellung dernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Jj Augenlider und gesteigerte Secretion der Thränen, die über die Backen 'i in einer schnurförmigen Linie abfliessen. Oft erkrankt ein Auge stärker,
als das andere. Ausfluss von wässerig-schleimigem Secret aus der Nase.
Im Allgemeinbefinden prägt sich Unlust und Mattigkeit aus. Deck-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;h
haar gesträubt, namentlich am Kopf. Die Temperatur im Mastdarm ist
bis auf 40,0deg; und darüber, in leichten Fällen aber nur wenig erhöht.
Puls und Respiration nicht abnorm beschleunigt. Darmausscheidung
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etwas verzögert. Conjunctiva palpebrarum und Nasenschleimhaut ge-
röthet.
Verlauf. Die vorbeschriebonon Symptome dauern gewöhnlich 24 bis 30 Stunden, worauf vollständige Genesung innerhalb eines Tages erfolgt. Der regelmässige Verlauf der Krankheit findet dementsprechend in demnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;IJ
Namen des ephemeren Nasenkatarrhs seinen Ausdruck. In einzelnen Fällen erstreckt sich aber die Störung des Allgemcinbefindons auf 2 bisnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; jpi,
3nbsp; nbsp;Tage. Bei volljährigen Rindern führt die Krankheit immer zur
(jenesung. Don Ausgang in den Tod habe ich nur bei einem 10 Wochennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^
alten Kalbe beobachtet.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;£,
Der contagiöse Nasenkatarrh des Rindes ist eine Stailsouchequot;.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; /i
Häufig erkrankt aber an demselben in einem grössoren Bestände nurnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; #9632;i.l
1 Stück; oder es werden 2^ Thiere innerhalb 8 Teige befallen. Ichnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;j
habe indess mehrfach beobachtet, dass in kleinen 1015 Haupt zählen-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'
den Beständen sämmtliche Rinder innerhalb einer Woche afficirt wurden.
Diagnose. Nach den mitgetheilton Krankheitserschoinungen lässt sich der gutartige infectiöse Nasenkatarrh leicht erkennen. Wenn aber die Rinderpest im In lande herrscht, so ist bei der ersten Untersuchung eines
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Krankheitsfalles mit Vorsicht zu verfahren (vergl. S. 72) und eventua-litor der Verlauf abzuwarten. Vom dem bösartigen Katarrhalfiober
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[nfoctions- and Intoxicutionsliriinkhoiton.
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untorschoidot sich das Symptomonbild dadurch, dass die Gosumrat-Aifection des erkrankten Thicres auf einem geringen Grade verbleibt und dass namentlich die Benommenheit des Sensoriums, wie das schnic-bende Nasalgoräusch bei der Athmung fehlt.
Prognose und Behandlung. Bei jungen Kälbern kann die Krankheit zum Tode führen; sonst ist die Prognose günstig, Zur Behandlung genügt ein zwockmässiges diätetisches Verhalten: Verabreichung von gutem Heu oder schmackhaftem Stroh und Kleietrank. Reichliche Streu. Ist die Darraausscheidung verzögert, so können salinische Abführmittel (Natr. bicarb., Natr. sulfur.) angezeigt sein.
Oasuistilc. Während des Herrschons dor Rinderpest zu Straussborg 1879 or-krankto in dorn Violistande eines grössoren, 5 Kilometer vom Seuohenort entfernten Gutes am 24. Januar ein 10 Wochen altes Kalb. Angeblich hatte dasselbe Appetitmangel und Thränen der Augen bekundet, weshalb es sofort von den übrigen Kälbern getrennt wurde. Am 25. Januar Vormittags ging das Kalb oin. Bei dor Section fand sich in der MastdarmsQhleünhaut Blatoongestion und Röthung, Sonst zeigton die Vordauungs- und Harnorgano Nichts Abnormes. Lungen gesund. Herz erschlafft und ausgedehnt, Schleimhaut in der Luftröhre normal, im Kachon geröthet, im Maul schmutzig-roth; am Zahnfleisch erschien das Epithel gelockert.
Bei den anderen 10 Kälbern dos Bestandes kam ein Krankheitsfall nicht vor. Dagegen zeigte sich am 27. Januar eine Milchkuh mit Schwellung der Augenlider, roiehlicher Thränonabsondorung, IMasonaustluss, Verminderung der Milohsecretion und Appetitmangel behaftet. Heu wurde aber noch verzehrt; auch die nomination sistirlo nicht. Temp. 39,,r)0, Puls 56, Rosp. 22. Am 28. Januar war die Kuh wieder gesund. Aber inzwischen erkrankte an diesem Tage eine zweite und am 30. Januar eino dritte Kuh unter denselben Symptomen. Auch diese Thioro erholten sich am 2. Krankheilstage vollständig. Weitere Erkrankungen traten in dem 65 Milchkühe zählenden Bestände nicht ein.
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Capitol V.
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Bösartiges Katarrlmltiebcr. IVhiis catarrhalis inaligna bomu. Kopfkranklieit des Rindes.
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Das Vorkommen des bösartigen Katarrhaifiebcrs ist erst seit 1820 in der Literatur genauer besprochen worden. Nach einer Mitlheilung von Alb. Frank (Deutsche Zeitschr. f. Thiormed., 1885) soll die Krankheit 1777 in der Gegend von Aisenz (Pfalz) als Ortsseuche aufgetreten sein. Anker hebt aus schriftlichen Urkunden hervor, dass dieselbe in
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Bösartiges Katarrhalfleber.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;89
der Schweiz schon 1760 und 1770 boobachtot- ist. Eine Schilderung der Symptome und des Verlaufs findet sich in dorn Handbuch der Vieh-arzneikunde von Chabcrt, Flaudrin und Huzard (1798). Nachdem der schweizerische Thiorarzt Meier (1820) eine kurze Abhandlung über die Krankheit veröffentlicht hatte, erschien 1832 die wegen ihres reichen Inhaltes in der späteren Zeit vielfach berücksichtigte Preisschrift Uobor die sogenannte Kopfkrankheit des Rindviehesquot; von Anker (Schweiz. Arch., Bd. VI., S. 81). In dieser Arbeit ist der Charakter der Krankheit getreu dargestellt, wenngleich die Sectionsbefunde entsprechend dem damaligen Standpunkte der Wissenschaft nicht vollständig beschrieben sind und die Aetiologie nur auf allgemeine Einflüsse bezogen wird. Be-merkensworth ist aber, dass Anker zuerst das bösartige Katarrhalfieber als eine dem Rinde eigenthümliche Krankheit erkannt und mit der Rinderpest verglichen hat. Er betonte auch, dass dasselbe sich nicht durch Ansteckung verbreitet. Für die schweren Fälle vermuthet er eine essentielle Verwandtschaft mit dem Milzbrande. Anker war der Ansicht, dass die Kopfkrankheit ein katarrhalisch-gastrisch-nervöses Leidenquot; (Typhus mit. katarrhalisch-gastrischer Complicationquot;; nicht ansteckender sporadischer Typhus dos Rindviehsquot;) sei. Die französischen Thierärzte Labord und Crouzel (1830), sowie Berl holet (1840) legten den Schwerpunkt auf die per-nieiöse katarrhalische Affection der Kopfschleimhäute, während Rychner (Bujatrik 1851) neben der entzündlichen Erkrankung der Nasenschleimhaut das Mitleiden dos Nervensystems urgirte und danach die nervöse Nasenschleimhautentzündungquot; in die Krankheitsfamilie der Nourophlogosenquot; stellte. In den Handbüchern der Pathologie von Voith, Hering und Spinola wird im Wesentlichen die Auffassung Anker's vortreten. Dagegen lehrte Haubnor (Landwirthschaftliche Thiorheilkundo, 5. Auflage, 1867), dass die hitzige Kopfkrankhoitquot; oder der bösartige brandige Katarrhquot; neben dem Rinde auch bei Pferden vorkomme. Andererseits beschreibt aber Haubner die Symptome der Krankheit richtig; ihm war auch die fibrinöse Exsudation auf der Schleimhaut der Nase, des Larynx und der Trachea bekannt. Den Gesammt-charakter der Schleimhautcntzündung betrachtet er als einen diphthe-rischon. In gleicher Wciso haben Roll (Spec. Path.), Saakc (Magaz., 1869) und Zürn (Pllanzliche Parasiten, 1874) die brandige Kopfkrank-heitquot; des Rindes als eine primäre Diphtherie angesehen. Abweichend hiervon delinirt Bugnion (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin, 1877, S. 86) das bösartige Katarrhalfieber als eine spoeifische, infectiösc (miasmatische) Krankheit des Rindviehs; die diphtherischen oder ähnlichen
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Infections- und Intoxicalionskranldioiten.
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Proccsso sollen erst im Verlaufe dor Krankheit sich ausbilden. Im Wesentlichen zu derselben Ansicht bekennt sich auch Alb. Frank (Deutsche Zeitschrift für Thicnnedicin, 1885, S. 153 und Adam's Wochenschrift, 1885, S. 190). Derselbe unterscheidet: 1. die respira-torische (nasale); 2. die digostiaie (intestinalo, abdominale) und 3. die exanthematische Form des Katarrhalfiobors. Die zahlreichen kleineren Abhandlungen und therapeutischen Notizen, welcho seit '20 Jahren in den Zeitschriften veröffentlicht wurden, beweisen, dass die praktischen Thierärzte der interessanten Krankheit fortgesetzt eine grosso Aufmerksamkeit zuwenden.
Definition. Schon der Name des bösartigen Katarrhalfiebers enthält die Anerkennung der Thatsache, dass die Aetiologio der Krankheit nicht genügend erforscht ist, um eine präcise Definition formuliren zu können. Dass das Leiden nicht in einem einfachen Erkältungskatarrh besteht, hat bereits Anker zum Ausdruck gebracht, indem er allerdings irrthüm-lich die Bösartigkeit des Verlaufes auf eine Form des Milzbrandes beziehen zu müssen glaubte. Ebenso dachte Spinola, dass sporadisch auftretende Katarrhalficber unter dem Einflüsse der Milzbrandconstitution zum bösartigen Katarrhalfieber werdenquot;. Von dieser Hypothese nicht weit entfernt liegt die Ansicht Veith's, dass die Krankheit ein durch Erkältung entstandener Katarrh der Kopfschloimhäute sei, welcher einen fauligen (typhösen) Charakter annehme. Der Name der Kopfkrankheitquot;, der eine symptomatische Bedeutung hat und nach Anker in der Schweiz zuerst benutzt wurde, bezieht sich auf die schwere Depression des Bewusstseins, von welcher das bösartige Katarrhalfieber constant begleitet wird.
Nach den Erfahrungen der thierärztlichen Praxis ist, wie ßugnion zutreffend erläutert hat, das bösartige Katarrhalfieber als eine spoci-fischc, acut verlaufende, fieberhafte Infectionskrankhoit zu definiren, bei welcher vorzugsweise die Respirations- und die Digestionsschleimhäuto afficirt worden und eine schwere Blutvergiftung mit consecutiver Erkrankung des Gehirns entsteht. Die Localaffcction kann vorherrschend in der Respirationsschlcimhaut oder in der Digestionsschleimhaut verlaufen. Hierdurch rechtfertigt sich die Unterscheidung einer respiratorischen und einer enteritischen oder intestinalen Form des bösartigen Katarrhalfiebers. Beiden formen gemeinsam ist der Krankhcitsvorlauf und namentlich die schwere Benommenheit des Bewusstseins. Aus diesem Grunde betrachte ich dieselben als zusammengehörend. Ich halte es aber nicht für unmöglich, dass die entoritischo Form des bösartigen Katarrhalfiebers eine eigenartige
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Bösaiiift'os Katarrhalfleber,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;91
Krankheit sein kann. Jedenfalls zähle ich zu derselben nicht die diffuse fibrinöse Enteritis, die Frank zum bösartigen Katarrhalfieber gerechnet hat. Die dritte, von Frank aufgestellte (die exanthematischequot;)
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Form lässt sich nach meiner Ansicht nicht bogrüiulcn, weil das in ein-
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zelnen Fällen vorkommende allgcraoino Ekzem unerheblich ist.
Das bösartige Katarrhalfieber ist dem Rinde eigenthümlich. Wenigstens ist von den übrigen Hausthieren keine mit demselben identische Krankheit bekannt. Bei den in den zoologischen Gärten gehaltenen Giraffen kommt aber zuweilen eine Infectionskrankhoit vor, welche im Wesentlichen mit dem bösartigen Katarrhalfieber übereinstimmt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;||
Aetiologie. Zutreffend hat schon Anker angegeben, dass das bösartige Katarrhalfieber im Allgemeinen nur sporadisch erscheint, zuweilen auch als Enzootie auftritt, niemals aber ansteckend istquot;. An eine be-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i
stimmte Jahreszeit bindet sich die Krankheit nicht; indess ist mit Alb. Frank anzuerkennen, dass sie häufiger im Frühjahr, Sommer und Herbst vorkommt, als im Winter. Sporadische Fälle habe ich indess im Winter oft behandelt. Violfach wurde das endemische Auftreten im Frühjahr beobachtet. Daher entstand die aus der Abhandlung Anker's oft wiederholte Meinung, dass die Rinder sich zur Zeit des Haarwechsels und lioi der unbeständigen Witterung der Frühjahrsmonato mit einer Erkältung bohaften sollten, aus welcher die Krankheit hervorgehe. Mit der Anerkennung dos infectiöson Ursprungs lässt sich die Erkältung als Ursache des bösartigen Katarrhalfiebers nicht mehr aufrechthalten. Es kann auch nach thatsächlichen Feststellungen nicht behauptet werden, dass in der Erkältung ein prädisponirendes Moment liegt. Das Zustandekommen der Krankheit setzt die Aufnahme eines speeifischen Stallmiasma voraus, über dessen Eigenschafton aber Nichts Näheres bekannt ist. Vielfach wird angenommen, dass die niedrige Lage, ein feuchter Fussboden, die Nähe von Jauchestätten oder eine mangelhafte Reinigung des Stalles die Entwickelung des AnsteckungsstofTcs wesentlich fördern sollen. Insbesondere hat Frank die Meinung vertreten, dass das Miasma sich vorzugsweise im Fussboden dos Stalles conservirt und vervielfältigt. Diese Theorie macht das endemische Auftreten der Krankheit am besten verständlich.
Das bösartige Katarrhalfieber kommt in oinzclnon Stallungen resp. Gemeinden häufiger vor, als in anderen, Boi Kälbern im ersten Lebensjahre habe ich dasselbe nicht beobachtet, ich kann auch aus der Literatur nur cntiichnicn, dass die Krankheit in diesem Alter sehr selten aultritt. Im Uebrigen ist die Disposition in jedem Lebensalter dos
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Infections- und Intoxioationskrankhoiton,
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Rindes gleich gross. Auch nach dem Geschlecht modificirt sich die Empfänglichkeit nicht.
Impfungsversucho mit dem Nasondeject krankor Thioro, welche Hübscher (vergl. ßugnion 1. c.) bei Kälbern und Essor (Preuss. Mittheil. 1882, S. 23) bei Rindern vornahm, blieben erfolglos. In der Praxis wird beim sporadischen Auftreten der Krankheit sehr oft beobachtet, dass das kranke Thier während des ganzen Verlaufes in enger Berührung mit gesunden verbleibt, ohne dass letztere später von der Krankheit befallen werden. Hiernach ist anzunehmen, dass der Infoctions-stoff die Eigenschaft eines facultativen Parasiten resp. dass die Krankheit stets einen miasmatischen Ursprung hat.
Pathogenese und pathologische Anatomie. Bei der respiratorischen Form spricht die Entwickelung des Leidens dafür, dass die Aufnahme des Infec-tionsstoffes mitteis der Athmung in die Nasen- oder Raclienschleimhaut erfolgt und dass die Mikroparasiten sieb von hier aus in der Continuität oder durch nachbarliche Uebertragung in den anderen Abthoilungen derRe-spirationsschieimhaut ansiedeln. Allein bei der onteritischen Form erkrankt die Respirationsschleimhaut oft nur in relativ geringem Grade und soweit sich erkennen lässt, erst verhältnissmässig spät, während die Darmschleimhaut von vornherein schwor affioirt ist. Es lässt. sich in Ermangelung thatsächlicher Aufschlüsse nicht entscheiden, ob hierbei der Infectionsstoff mit dem verschluckten Futter resp. Speichel, oder auf hämatogenem Wege in die Gastro-Intostinalschlcimhaut gelangt und hl derselben die entzündlichen Processe hervorruft, oder ob beidos vorkommt. Eine offene Frage bleibt auch gegenwärtig noch, inwieweit die durch den Infectionsstoff producirten und in das Blut gelangenden Toxine die entzündlichen Processe in den Organen voranlassen. Bevor nicht der Infectionsstoff ermittelt und experimentell geprüft ist, wird die Pathogenese der Localprocesse in den vorbozeichneten Punctcn nicht klarzustellen sein.
Heber die Incubationszeit haben Bugnion und Frank einige bemer-kenswerthe Beobachtungen mitgcthcilt, nach welchen die Rinder erst 34 Wochen, nachdem sie aus dem verseuchten Stalle entfernt waren, in die Krankheit verfielen. Ob aber regelmässig eine so langsame Entwickelung des pathogenen Agens stattfindet, ist noch nicht entschieden. Die Ausbildung der Krankhcitsprocesse vollzieht sieb gewöhnlich in 2 3 Tagen. Indess erlangen dieselben nicht immer einen gloichmässig hohen Grad. Namentlich findet sich nicht in allen Fällen eine fibrinöse Exsudation auf der Nasen- und Luftröhrenschleimhaut. Auch die Augen-affection zeigt graduelle Verschiedenheiten. Bei der inspiratorischen
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Bösartiges Katarrhalflober,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;93
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Form entsteht in dor Sohleimhaut der Raohonhöhle, der Naso, des Kolil-kopfs, der Luflröhre und der Bronchien eine starke Blutstauung und entzündliche Schwellung, zuweilen auch an einzelnen Stollen eine leichte Blutung; ferner Erweichung und herdweise Abstossung des Epithels, sowie fibriaöse Exsudation (Group). Sehr oft wird im letzten Stadium der Krankheit die äussere Schicht der Schleimhaut im Rachen und in der Nase ertödtet; sie erscheint dann von sohwarzgrauer Farbe (Diphtherie). In diesem Entwickelungsgrado (fibrinöso Exsudation und tlächon-artigo Mortification der Schleimhaut) bietet die Krankheit eine Analogienbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; J
mit der Ilachendiphtherie des Menschen. Indess habe ich tiefer gehende Substanzvcrluste der Schleimhaut (diphthorische Geschwüre) nie gefunden. In der Maulschleimhaut treten starke Röthung und zuweilen Erweichung, sowie an einzelnen Stollen, namentlich am Zahnfleisch, an den Lippen und am harten Gaumen Abstossung des Epithels ein. Auch die Schleimhaut in den Nebenhöhlen des Kopfes bis in die Horn-zapfen erleidet eine diffuse entzündliche Schwellung, mitunter auch stellenweise eine fibrinöse Exsudation. Die Erkrankung der Magen-Darmschleimhaut ist sehr ungleich. Gewöhnlich entsteht im Labmagen eine diffuse oberflächliche Entzündung ohne Abstossung des Epithels. Bisweilen kommen auch kleine und grössere blutige Herde in der Schleimhaut zur Ausbildung. Im Dünndarm ist die Entzündung in der Regel gering, ebenso im Blind- und Grimmdarm. Dagegen unterliegt die Mastdarmschleimhaut gewöhnlich einer stärkeren Röthung und Schwellung. Die Beyer'schon Haufen sind oft geschwollen und die Dünndarmschlcim-haut enthält mitunter blutige Herde, in welchen das Gewebe nokrotisch werden kann. Die oigenthümlicho Blutvergiftung veranlasst eine starke
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Blutstauung und trübe Schwellung in den Nieren mit Abscheidung von Eiweiss oder Blut in den Harn. Auch die Schleimhaut der Scheide und des Uterus erfährt eine starke Congestion und oberflächliche Entzündung. Am Herzen entsteht eine parenehymatöso Trübung und Erschlaffung der Ventrikel. Constant ist Mitaffection der weichen Hirnhaut: Lepto-meningitis serosa mit starker Blutstauung und Erguss von Blutflüssigkeit in die Ventrikel. An den Augen entwickelt sich eine diffuse Conjunctivitis mit reichlicher Thränenabsonderung, ferner eine entzündliche Trübung der Cornea und fibrinöse Iritis, zuweilen auch eine leichte Blutung in die vordere Augenkammer. Mohrfach constatirte ich indess durch genaue Obductionen, dass die Cornea nicht getrübt war, obwohl eine erhebliche fibrinöse Iritis bestand. Auch Bugnion hat solche Befunde beschrieben. Zuweilen fand ich die Iris intact, während die Cornea entzündlich aflicirt war.
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Infections- unrl TntoxiciUonslii-imlilioiton.
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Bei der enteritischen Form fehlt die Exsudation von Fibrin (Croup-mombran) in dor Kcspirationssohleirnhaut, während die Entzündung dor Raohensohleimhaut mit oberflächlicher Mortification (Diplithcrie) oder Erweichung, Lockerung und Sprengung resp. herdweiser Abstossung des Epithels auf dem Grunde der Zunge und am Gaumensegel sich ausbildet. Dagegen erlangt die Entzündung der Magen-Darmschleimhaut einen höheren Grad und regolmässig einen hämorrhagischen Character, so dass sich eine blutige Flüssigkeit im 4. Magen und im Dünndarm abscheidet. Auch entstehen in der Magen-Darmschleimhaut zahlreiche kleine und grössere hämorrhagischc Herde, in welchen zuweilen das Gewebe raorti-ficirt. Die Affection der weichen Hirnhaut entwickelt sich in gleicher Art, wie bei der respiratorischen Form.
Symptome: 1) Fieber mit Steigerung der Bluttemperatur auf 40,0deg; bis 41,5deg;. Kurz vor dem Tode sinkt die Temperatur unter die Norm. Haut ungleich temperirt. Flotzmaul trocken und oft rissig. Zittern in der Haut und leichter Schüttelfrost. Das Haar ist rauh; die Haut wird hart und trocken; das Gesicht erscheint aufgedunsen.
2)nbsp; nbsp;Benommenheit dos Bewusstseins (gesenkte Haltung oder Aufstützen des Kopfes) und oft schon am 2., zuweilen aber erst am 3. oder 4. Krankheitstage förmliche Betäubung. Einzelne Thierc bewegen den Kopf zeitweise hin und her (Kopfschütteln). Daneben treten Krämpfe auf: Zuckungen der Muskeln am Bauche und am Halse; zeitweise heftige Contraotionen der Rumpfmuskeln, wobei der Thorax gehoben und der Rücken gekrümmt wird. Anker beobachtete bei einem jährigen Stierkalbe opileptiformo Krämpfe nach der Einwirkung des hellen Sonnenlichtes auf die Augen. Die Thierc liegen anhaltend; das Aufstehen ist mühsam; der Rücken wird leicht gehoben; der Gang ist schwankend und bei starker Depression des Scnsoriums und Beschränkung des Sehvermögens taumelnd. Auf der Höhe der Krankheit liegen viele Thierc beständig; sie können auch nicht durch geeigaete Hülfe zum Aufstehen gebracht werden.
3)nbsp; Bei Milchkühen versiegt die Milchsecretion schon im Beginn der Erkrankung.
4)nbsp; nbsp;Augen: Starke Empfindlichkeit gegen Lichteindrücke; Schwellung der Augenlider und Röthung der Conjunctiva; reichlicher Abfluss der Thräncnflüssigkeit über die Backen; Ansammlung von grauweissem oder missfarbenem Secret in den inneren Augenwinkeln. Der Bulbus erschlafft, die Cornea erscheint grauweiss getrübt. Hei starker fibrinösor iritis Beschränkung oder vollständige Aufhobung des Sehvermögens.
5)nbsp; nbsp;Oirculationsapparat: Zunahme der Herzschlagfroquenz auf
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Bösartiges Katarrhalfiobor.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 95
6070, im weiteren Vorlaufe der Krankheit bis 100 Schläge und darüber in der Minute. Arterienpuls schwach, weich, später gespannt und zuleizt unfühlbar.
G) Ilespirationsapparat: Die Zahl der Athemzüge steigert sich auf 3060 In der Minute. In- und Exspirution schnaufend. Bei Laryngitis fibrinosa inspiratorische Kehlkopfgoräusche (Giemen); das Lumen des Kehlkopfes ist zuweilen so stark verlegt, dass Erstickungszufälle eintreten. Die Rhinitis fibrinosa bedingt schniobondo Nasalgeräusohe. Aus der Nase entleeren sich zähflüssige, eiweissreiche Dejecte, oftnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,7
auch Fibrinfetzen mit zersetztem Ulut. In den späteren Stadien ist die Dejection missfarben und übelriechend. An den Nasenöft'nungen erscheint die Schleimhaut dunkelroth und orodirt. Einzelne Thiere bekunden einen lästigen Husten.
7)nbsp; nbsp;Digestionsapparat: Der Appetit ist gering. Anfangs wird noch etwas Heu oder Stroh vorzehrt, In schweren Fällen vollständige Inappetenz. Wasser wird oft, aber meist nur in kleinen Quantitäten
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getrunken. Das Schlucken ist erschwert, zuletzt unmöglich. Schwerkranke Thiere knirschen zuweilen mit den Zähnen. Maulschlcimhaut
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geröthet, im weiteren Verlaufe, namentlich am Zahnfleisch, an den Lippen und am harten Gaumen oft erodirt. Aus dem Maul entleert sich Speichel und gegen Ende der Krankheit ein Theil des abgestossenen und faulig riechenden Epithels.
Darmausscheidung Anfangs verzögert. Excremonto theerartig, im
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weiteren Verlaufe zuweilen diarrhoisch.
8)nbsp; Der Harn ist trübe, eiweisshaltig und nicht selten blutig.
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9)nbsp; nbsp;Auf der Haut um die Nasonöffnungen und oft am ganzen Vorkopf entsteht ein Eczom mit Eintrocknung des Exsudates zu Krusten. In einzelnen Fällen kommt ein allgemeines Eczem vor.
Das Abfallen eines oder beider Hörncr, welches nach Anker's Vorgang allgemein zu den Symptomen der Krankheit gerechnet wird, tritt nach meinen Beobachtungen nur dann ein, wenn die im betäubten Zustande befindlichen und wahrscheinlich auch mit Kopfschmerz behafteten Thiere mit dem Kopfe hin- und hersehlagen. Dann wird nichtnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;: seiton das eine oder andere Horn locker, so dass es abfällt. Zuweilen entsteht hierbei auch eine Fractur des Hornzapfens. Als zufällige Complication sah ich einige Male eine parenehymatöso Euterentzündung an einem Euterviertel.
Verlauf. Das bösartige Katarrhalfleber-ist eine fieberhafte Allgemoin-krank heil von acutem und pernieiösem Verlauf. Gewöhnlich bestehen die InitlaiersoheinUDgen nur 1 Tilg, worauf sich die schwere Erkrankung
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Infoctions- und Inloxioiilionskranlilipitcn.
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(lurch Fieber, Beschränkung oder Aufhebung des Bowusstseins, scliiüebendes Atlimen. ünsiohorheil der Haltung beim Stellen und Gehen und Lichtscheu mit Beeinträchtigung des Sch-vermögons zu erkennen giebt. Bis /.um 3. oder 4. Tage sind die Symptome der Regel nach vollständig ausgebildet. Nacb den Angaben von Frank (1. c.) und König (üresd. Bor. 1887, S. 106) verzögert sich in einzelnen Fällen die Ausbildung der Krankheit, so dass die schweren Zufälle erst nach 812 Tagen hervortreten. Die kranken Thiere magern schnell ab und erliegen in völlig soporösom Zustande meist zwischen dem 4.-7. Tage. Bisweilen erstreckt sich der Verlauf mit zeitvveiser Steigerung und Verringerung der Symptome auf 1014 Tage und in den seltenen Fällen, in welchen Genesung erfolgt, zieht sich die Krankheit 34 Wochen hin.
Als Stallscuche tritt die Krankheit in kleinen oder grössoren Viehbeständen oft innerhalb Jahresfrist nur in 12 Fällen, zuweilen aber bei mehreren Thieren auf. Fentzling (Bad. Mittheil. 1887, S. 150) berichtet, dass im Verlaufe von 1'/., Jahren in einem Stalle 32 Rinder der Krankbeit erlagen. Mitunter wird in wenigen Wochen ein kleiner oder grösscrer Theil des Bestandes befallen, worauf die Seuche zum Aufhören kommt. loh beobachtete 1881 gemeinschaftlich mit dem Kreis-(hicrarzt Junkers zu Angermünde, dass in einem Bestände von 15 Haupt innerhalb 17 Tagen 8 Stück erkrankten; die übrigen Thiere blieben verschont. In einem anderen Falle constatirto ich, dass in 3 Wochen von den 7 Rindern eines Stalles 5 in die Krankheit verfielen.
Sectioiisbefnnd. Kaum bedarf es der Bemerkung, dass bei einer im Initialstadium vorgenommenen Sohlachtang die Sectionsergobnisso unvollständig und dass auch bei den nach regclmässigem Verlaufe vorendeten Thieren die krankhaften Zustände nicht in allen empfänglichen Organen entwickelt sind. Namentlich fohlen die fibrinösen Exsudate in einzelnen Abschnitten des Rcspirationstractus oft. In den Cadavern finden sich die Merkmale der Fäulniss schon bald nach dem Tode. Zu den wesentlichsten Befunden gehören: Dccubitalc Quetschungen; Erosionen und bluthaltigc Dejccte im Maul und in der Nase. Subcutis fettarm, Muskulatur mattroth. Psalter stark gofülll mit teigigen oder trockenen Futtermassen; das Epithel leicht abziehbar. Magen-Darmschleimhaut entzündet und mit kleinen oder grösseron blutigen Herden besetzt. Leber nicht vergrössert; in der Milz zuweilen blutige Infarcte, Milzpulpa weich. Nieren parenehymatös entzündet. Harn bluthallig. Harnblasen- und Schcidenschloimhaut entzündlich geröthet und sehr blutreich. Herz welk, Parcnchym getrübt, im Endocardium zahlreiche blutige Herde.
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Bösartiges KnlaiThalfiobcr.
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Lungen blutroich; intcrlobulärcs Emphysem; nicht selten frische broncho-pneumonische Herde. Bronchien und Luftröhre enthalten gewöhnlich fibrinöses Exsudat in Form grauwoisser, derber, leicht abziehbaror Platten; Schleimhaut entzündlich geröthet, oft aber diffus imbibirt und meist mit blutigen Herden besetzt. Im Kehlkopf und der ßachenhöhle Erosionen, fibrinöses Exsudat, nicht selten auch diphtherische Mortification der Schleimhaut. Die Nasenhöhlen enthalten gelbliches fibrinöses Exsudat; die Schleimhaut ist geschwollen, dunkelroth und saftreich; das Epithel oft in kleinen dünnen Platten abgelöst. An den Augen besteht entzündliche Trübung der Cornea, besonders am Rande; Iris an der vorderen Fläche oder ein Theil derselben mit gelblichem oder gelbgrauem fibri-nösen Exsudat bedeckt; mitunter enthält die vordere Augenkammer Blut-coagulum. Gehirn gewöhnlich blutreich; subarachnoidealo Räume mit weisslich trübem Serum gefüllt; Schnittiläche des Gehirns feucht; beide Scitenventrikel enthalten eine meist bedeutende, zuweilen aber nur geringe Quantität von Serum, welches bald klar, bald getrübt erscheint. Auch im Subduralraum fand ich oft Serum.
Diaguose. 1) Das Allgomeinlciden beim bösartigen Katarrhalfiebor hat eine grosse Aehnlichkeit mit den wichtigsten Symptomen der Rinderpest. Beiden Krankheiton gemeinsam sind das anhaltende Fieber, der Schüttelfrost, die Muskelzuckungen, die zeitweise eintretenden krampfhaften Contractionen des Thorax und die Herzschwäche. Es ist daher zu vermuthen, dass bei der Rinderpest und beim bösartigen Katarrhalfiebor die durch den Parasitismus der Infectionsstoffe erzeugten Toxinc, welche mit dem Blute circuliren und eine Reihe von nervösen Apparaten afficiren, zum Theil identisch sind. In praxi dient als Anhalt, dass die schwere Depression des Bewusstseins, sowie das schniebende Ath-mungsgeräusch bei der Rinderpest fehlen, dass bei der letzteren dagegen die allgemeine Schwäche grosser ist, als beim bösartigen Katarrhalfieber. Auch ist der Krankheitsvcrlauf bei der Pest in der Regel schneller. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal liegt in der Trübung der Cornea beim bösartigen Katarrhalfieber, worauf Gorlach, Prietsch und Pflug 1867 aufmerksam gemacht haben. Von den Sectionsergebnissen ist das differentielle Hauptgewicht auf die fibrinöse Iritis und auf die fibri-nösen Exsudate im Hespirationstractus zu legen, welche bei der Rinderpest nicht vorkommen.
2)nbsp; nbsp;Gegenüber der Ruhr sind im Wesentlichen dieselben Thatsachen, wie bei der Unterscheidung von der Rinderpost zu berücksichtigen.
3)nbsp; nbsp;Die diffuse fibrinöse (croupöso) Darmentzündung ist nicht von schweren Allgemeinleiden begleitet und es fehlen insbesondere
Dlcckcrliol'f, Spco. Pathologlo u. Xhoraplo, II. lid.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
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98nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
die beim bösartigen Katarrhalfieber constant auftretenden nervösen Symptome. Auoh genesen die von dieser Darmentzündung befallenen Rinder fast ohne Ausnahme.
4)nbsp; nbsp;Acute inl'cetiöso (mykotische) und toxische Darmentzündungen sind oft mit der cnteritischen Form des bösartigen Katarrhalfiebers verwechselt worden. In vielen Fällen kann die sorgfältige Berücksichtigung des verabreichton Futters Aufschluss geben. Sonst muss das speoielle Symptomenbild des bösartigen Katarrhalfiebers in Verbindung mit dem Sectionsbcfunde entscheiden.
5)nbsp; nbsp;Aus einer irrthümlichen Ansicht über die Ausbildung gutartiger katarrhalischer Affectionen zu typhösenquot; Allgemeinkrankheiten sind inhaltlich der alleren Literatur manche Verwechselungen vorgekommen. Der ephemere infoctiöse Nasenkatarrh (vergl. S. 87) konnte als ein leichter Anfall von bösartigem Katarrhalficbor angeschen werden. Mehrfach wurde auch die Augenseuche (Conjunctivitis epidomica) des Rindes mit der Krankheit verwechselt.
Prognose. Bislang hat sich die curative Behandlung des bösartigen Katarrhalfiebers unzulänglich erwiesen; die Prognose ist deshalb in der Regel schlecht. Wenn das Gchirnleiden (die Betäubung) vollständig entwickelt ist, so sind die Thiere dem Tode verfallen. Die statistischen Mittheilungon über den Ausgang der Krankheit geben nur einen allgemeinen Anhalt; denn die meisten Thiere werden geschlachtet, sobald die Diagnose gesichert ist. Bugnion sammelte 76 Fälle, von welchen 7 mit Genesung endeten. Nach der sich auf 135 Fälle erstreckenden Berechnung von Frank überstanden 6 pCt. die Krankheit. Ich habe keinen Fall mit günstigem Erfolge behandelt.
Das Fleisch der am bösartigen Katarrhalficbor erkrankten und zeitig geschlachteten Rinder ist für Menschen nicht gesundheitsschädlich, wie schon Anker und Rychner auf Grund zahlreicher Beobachtungen angegeben haben. Im Sinne des Nahrungsmittelgesetzos gilt aber das Fleisch als verdorbenquot;; es kann daher nur als minderwerthige VVaare feilgeboten werden.
Therapie. Die curative Behandlung, welche nach den bisherigen Erfahrungen nur bei den in geringem Grado erkrankten Thiercn einige Aussicht bietet, ist nach symptomatischen Indicationen zu bewirken. Innerlich kann die Salzsäure zu 15,0 mit 500,0 Wasser mehrmals täglich versucht werden, so lange die Thiere noch zu schlucken vermögen. Besieht Diarrhöe, so sind Infusionen von warmem Mehlwasser in den Mastdarm angezeigt. Die von Fsscr empfohlenen Dunslbäder von Carbol-wasser wurden von F'rank und auch von mir vergeblich angewandt.
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Bösartiges Katarrhalfiobor.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;99
Einigen Erfolg dürfte die traoheale resp. laryngoalo Injection von Lugol-soher Jodlösuug versproohon (Jodi 1.0, Kaiii jodati 5,0, Atj, 400,0), vonnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .i:
welcher täglich 12 Mal 15,0 25,0 Grm. kunstgerecht eingespritzt werden. Nach mündlicher Mittheilung haben die Herren Prof. Egge-ling und Prof. Esser einige Fälle durch diese Behandlung geheilt. Inwieweit andere desinficirende Mittel (Acid, salicyl. 5,0 in Schüttelmixtur oder Emulsion) für die Einspritzung in den Kohlkopf und die Rachenhöhle nützlich sein mögen, iässt sich in Ermangelung thatsäch-licher Beobachtungen nicht angeben. Die äusserc Behandlung durch Waschen des Kopfes mit kaltem Wasser oder Lehmanstrich (Anker) habe ich erfolglos versucht. Auch von der Irrigation dos Mauls und der Nasenhöhlen mit warmem Wasser oder mit Lösungen desinficirender Mittel ist ein wesentlicher Vortheil nicht zu erwarten; das Verfahren erfordert auch einige Vorsicht, weil sonst grössere Quantitäten des Mittels durch Fehlschlucken in die Lungen gelangen können.
Zur Prophylaxis sind beim Auftreten mehrerer Krankheitsfälle die gesunden Thiere ohne Verzug zu dislociren. Der Stall rauss sorgfältig desinficirt, der Fussbodcn ausgegraben und erneuert und wenn die Trockenhaltung nicht anders zu erreichen ist, drainirt werden. Hat die Stallung, in welcher die Krankheit mehrere Jahre hindurch sich zeigt, eine tiefe Lage, so kann der Bau eines thunlichst hoch gelegenen neuen Stalles geboten sein.
0 a s u i s t i k,
1) Rospiratorischo Form. Während dos Herrsohens der Hinderpest im Otlorbruoli erkrankte auf dem Gute Beauregard bei Wriezen am 8. December 1878 ein fünfjährigor Arboitsochse unter folgenden, vom 'i'hierarzt Stempel festgestellten Symptomen: Kospiration 26 Mal mit sohnlebenden inspiratorisohen Nasalgeräuschen; Gesicht aufgedunsen, Augenlider geschwollen; Auslluss von dünner, sclileimig-zähor Flüssigkeit aus der Nase. Futteraufnahme wenig boeintriiohtigt. Puls 63; Temp, 39,7. Am 10. December erhob ich folgenden Befund: Anhaltendes Liegen; beim Antreiben erhebt sich das Thior sofort und ohne Beschwerde. Massige, aber deutlicli erkennbare Benommenheit dos Sensoriums. Haut lieberliaft warm. Temp, im Rectum 4i,50. Allgemeine MusKelschwäclie gering; dio Ohren werden normal gehalten. Bauchumfang wie gewöhnlich. Zittern und lebhaftere Zuckungen an den Flanken und in den Halsmuskeln. Häufiges Micken mit dem Kopfe. Zeilweise krampfhafte Contractioncn tier Muskeln des Rumpfes, wobei der Thorax in dor hinteren Partie gehoben wird. Appetit sehr gering; das Thior verzehrt nur ein wenig Heu und Stroh, trinkt aber ziemlich viel Kleienwasser, Puls 87, klein und schwach, aber regel-miissig; Herzschlag nicht fühlbar. Dejection von zähflüssiger, gelblich klarer Materie aus der Nase in massiger Menge. Aus beiden Conjunotivalsaekon starker Ablluss von Thränen, die sich in mehreren Strängen über beide Backen ergiesson. Augenlider geschwollen, Conjunctiva gleichmässig faldroth. Kesp. 31, dyspnoisch; die Inspiration, dio unter starkem nasalem Schniebon erfolgt, dauert etwas länger, als dio Exspiration. Oberlippe (Plotzmaul) und Maulschleimhaut leicht geröthet; die
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100nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxioationskrankhoiton,
ringförmige Wulst dos Zalinfloisches hyperiimisch; dicht an don Sciineidoziilinen quot;ist das Epithel der Schleimhaut in kloinen grauweisscn Fetzen abgotitossen. An der Schleinihaut der Unterlippe Erosionen.
Nach den Angaben des Wärters hatte sich am 11. Uocembor eine leichte Trübung beider Augon bomerklich gemacht. Ich fand am 12. December folgende Erscheinungen': Temp. 40,9; Puls 91, schwach; Eosp. 39, mit starkem Schnieben bei jeder Inspiration. Das Bewusstsein ist augenfällig verringert. Trotzdom erscheint bei der schweren Erkrankung die allgemeine Schwäche noch nicht sehr gross; die Ohren hängen niciit herab. Fatter wird vollständig vorsagt, Wasser dagegen öfter in kleinen Mengen getrunken. Darmexcromente von dünnbreiiger Consistenz, aber nicht übelriechend. Harn war nicht zu erlangen. Thränonllüssigkeit orgiosst sich in reichlicher Menge aus beiden Augen über die Backen. Kasenauslluss dickschleimig-, gelblich. Am Flotzmaul ist das Epithel abgestossen; ebenso an zahlreichen Stollen der Maulschleimhaut, insbesondere auch an den GaumenstalTeln; auf anderen Stellen der Maulschloimhaut haftet das krankhaft erweichte Epithel noch in der Form eines schmierigen Belags; die von Epithel entblösston Stollen der Schleimhaut sind stark entzündet und kupferroth. Der Ochso liegt meist und kann sich nur mit Mühe vom Boden erhoben. Durch die Schwellung der Augenlider und des Flotzmauls, sowie dor Haut um die Kaseneingänge erscheint der Kopf wie aufgedunsen. Der Gang dos Thiores, sowohl mit den Vorder- als mit den llintergliodmassen, ist schwankend, fast taumelnd. Da das Sehvermögen durch die Aiigenaffoction aufgehoben ist, so stösst das Thior beim Gehen mit dem Kopfe an die verschiedonsten Gegenstände. An beiden Augen erscheint die Cornea grauvveiss getrübt. Wie die genaue Besichtigung erkennen lässt, ist an beiden Augen die Iris in der lateralen Hälfte mit fibrinösem Exsudat bedeckt und die Pupille verschlossen.
Am 13. December Mittags hatte der Ochse nicht mehr aufstehen können und im Liegen oft mit dem Kopfe um sich geschlagen, wobei das rechte Horn abgestossen und ein 3 Ctm. langes Stück des Hornzapfens abgebrochen war. In der folgenden Nacht trat der Tod ein. Die von mir am 14. December, etwa 8 Stunden nach dem Ableben ausgeluhrlc Section hatte folgendos Ergobniss: Cadaver nicht aufgetrieben. Flotzmaul von Epithel ganz entblösst, kupferroth. In beiden Nasenlöchern ist eine blutig durchtränkte, fibrinöse Masse sichtbar. Skoletmuskeln auf der Schnittlliicho mattrotb, getrübt. Zahnfleisch erodirt; Maulschleimliaut an der Ober- und Unterlippe, am Körper des Unterkiefers und an den Staffeln des harten Gaumens durch die Lockerung und Abstossung des Epithels rissig; die durchscheinenden Stellen kupferroth. Die Umgebung der llungcrwärzchen ist mit erweichtem Epithel bedeckt. Backen-schleimhaut cyanotisch. In der Rachcnhöhlo ist die Schleimhaut stark geschwollen und mit hämorrhagischen Horden durchsetzt. An zahlreichen Stollen ist das Epithel grauweiss getrübt oder abgestossen. Die submaxi Ilaren und retropharyngealon Lymphdrüsen entzündlich geschwollen und auf dem Durchschnitt hämorrhagisch. In beiden Nasenhälften erscheint die Schleimhaut stark geschwollen, dunkelroth und von häniorrhagiseben Herden durchsetzt; die Muscheln sind mit einer dünnen Schicht von gelbweissem Fibrin bedeckt, welches sich leicht abziehen lässt. Gleichartiges llbrinöses Exsudat findet sich an einem Theilo der Schleimhaut in der linken Obor-kleferhöhle; die ganze Schleimhaut beider Oberkiefer- und Stirnhöhlen hämorrhagisch entzündet, Kehlkopfschlcimliaut geschwollen, auf den Giesskannenknorpeln von Epithel entblösst. Schleimhaut der Trachea dunkelroth und vor dor Bifurcation mit einer (1 Ctm. langen, 2Ctin. breiten und 8 Mm. dicken Fibrinplatte bedeckt. Bronchial-
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Bösartiges Katanhalfieber.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 101
sclileimhaut hämorrhagiscli entzündet. Die Lungen enllialten viel dunkles, Hüssigos Blut uml zeigen auf den Schnittflächen zahlreiche hiimorrhagischo Herde von dem Umfange einer Ilasclnuss bis zu einer Wallnuss. Die bronchialen und mediastinalen Lymphdrüsen entzündlich geschwollen, auf den Schnittlläohen hämorrhagisch. Der Herzbeutel enthält eine geringe Menge gelbliches Serum. Herz schlaff, dilatirt, auf dem Durchschnitt getrübt. #9632; Im Oesophagus ist das Epithel gelockert und rissig; die Sehleimlederbaut intensiv gcrölhet. Pansen und TIaubo enthaltou eine massige Quantität Patter. Inhalt dos Psalters festweich; Schleimhaut hyperämisoh. Im Labmagen fliissigor Inhalt; Schleimhaut diffus goröthet, aber an keiner Stelle vom Epithel ontblösst; im Antruni pyloricum mehrere Stellen von Erbsen- bisWallnussgrösse blutig gesprenkelt; wie sich beim Durchschneiden ergiebt, liegt das Blut in der oberen Schicht der Schleimhaut. Gleiche hämorrhagische Herde finden sich im Leordarm; im Uebrigen zeigt die Diinndarmschleimhaut nur in einzelnen Partien eine durch Blut-congestion bedingte stärkere Röthung. Cocum, Colon und Koctum enthalten weiche Fäcalmasson; Schleimhaut normal. Leber braunroth, derb, Gallenblase massig angefüllt mit gelber, klarer Galle. Milz nicht geschwollen, Pulpa weich. ISioren
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blutreich, auf dor Schnittlläche leicht getrübt. Harnblase mit gelblichem Urin gefüllt, der einen geringen Gehalt an Eiweiss hat. Blasenschloimhaut nicht erkrankt. An beiden Augen ist die Conjunctiva stark geschwollen und geröthet. Cornea nur am
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Rande leicht getrübt, sonst normal. An der vorderen Fläche der Iris in der lateralen Hälfte und am meisten im oberen Abschnitt haftet eine dicke Schicht grauweisses Fibrin, welche sich im Zusammenhange mit der Pincette leicht abziehen lässt, Gehirn blutreich; im Subduralraum etwas gelblich klares Serum; subarachnoideale Maschen mit weisslich trübem Serum, beide Seitenventrikel mit gelblich klarem Serum gefüllt,
2) Enteritische Form. Eine sechsjährige Kuh, welche 7 Wochen vorher leicht gekalbt hatte und stets gesund gewesen war, erkrankte am 10. Mär/, 1870. Die Behandlung wurde von dem verewigten Thierarzt Herrns geleitet, welcher mir über
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die Symptome folgendes mittheilte. Am 10. März liatte die Kuh Mangel an Appetit,
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Aufhören der Rumination, steife Haltung, vorzögerte Darmentloerung, stieren Blick, Schwellung der Augenlider, beschleunigte Athmung (25 pro Minute) und eine Pulsfrequenz von 61 in der Minute gezeigt. Am 11. März: Starke Bingenommonhoit des Bewusstseins; Augonlitler entzündet; Entleerung von Thräncn; Abfluss von Speichel aus dem Maul; gesträubtes Deckhaar; Zittern; beschwerliches Aufstehen. Vollständige Inappetenz, nur kaltes Wasser war in geringen Mengen öfter aufgenommen; dys-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; K
pnoisohos Athmon; schwacher und frequenter Puls; Darmexcremento von broiförmigernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; gt;'
Consistonz. Am 13. und 14. März: Unvermögen zum Aufstellen; Sopor mit Aufstützen des Kopfes; schmaufonde Inspiration; reichliche Entleerung von Speichel aus dem Maul; 100 Pulse und 35 Athomzüge in der Minute; vollständiges Versagen von Futter und Getränk. Diarrhöe. In der Nacht vom 14. auf den 15. März ging die Kuh zu Grunde. Die Section wurde von mir am KS. März ausgeführt: Cadaver massig aufgetrieben; das rechte ilintcrviertol des Euters zeigt eine frische parenehymatöso Entzündung. Muskulatur getrübt; Psalter abnorm gross und mit trockenem Futter gefüllt; das Epithel in grössoren Platten leicht abzustreifen; .Sohleimhaut stark in-jicirt und mit violou punktforinigon blutigen Herden durchsetzt, Inhalt des Lab-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i
magens dünnbreiig, von brauner Färbung; in der entzündeten und gerötheteu Sohleimhaut zahlreiche orbsen- bis bohnengrosse hämorrliagische Herde; in den grössoren Horden ist das Centrum nekrotisch. Im ganzen Dünndarm flüssiger, blutig gefärbter
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Infections- und Intoxicationskrankheiton.
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[nlialt; in dor Snbniiioosa findet sich an mehreren Stellen ein Ergnss von dunklem lliissigon Blut; die Herde geben sich an dem peritonoalen Uobor/.ug dos Darms durch eine bläuliohe Färbung zu erkennen, Auch im Blind- und Orimmdarm sind einzelne blutige Herde naclizuwcison. Mastdarmsclileimliaut entzündet und stollenwoisc streifig gerötlict. Mosentcrialdriison hyperplastisch gesohwollen. Uterus nicht abnorm; Schoidenschloiinhaut streifig goröthot. Siercn etwas vorgrössert, auf der Schnitt-lliicho getrübt. Harnblase leer; Schloimhaut normal. Leber und Milz nicht krankhaft. Lungen blutreich; ausgebreitetes interlobuläres Emphysem. Trachealschleim-haut hyperiimisch. Kachcnschleimhaut gesclnvollcn und in der oberen Schicht morti-ficirt (Diphtherie). Am Grunde der Zunge zahlreiche Defocte der Epitlielschioht (Erosionen). Am Eingange des Kehlkopfes Köthung und Schwollung. Schleimhaut der Nasen- und Kopfhöhlen entzündlich geschwollen und oyanotisch. Gehirn nicht blutreich; Subarachnoidealräumc mit Serum gefüllt; Seitenventrikel prall angefüllt mit klarem wasserhellen Serum, welches beim Einschneiden in den rechton Ventrikel hervorspritzto.
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Capitel VI.
Kälbcnliphthcm. Diphtherischc Herde der Maiilselileiinliaut (Stomatitis diphtherica multiplex) bei Saugkälbern.
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Die Kälbordiphtherie wurde zuerst von Dammann beschrieben, dessen interessante und durch die Beigabo eolorirter Abbildungen vervollständigte Abhandlung (Deutsche Zoitschr. f. Thierraed., 1875) so ziemlich Alles enthält, was von den Symptomen und dem Verlaufe der Krankheit bis jetzt bekannt geworden ist. Blazokowic (Deutsche Zeitschrift für Thiermod., 1878) beobachtete die Diphtherie in Slavonien bei 16 Kälbern einer Uutswirthschaft und Völlers zu Wesselburen (Adam's Wochenschr., 1879, S. 432) in Holstein boi 4 Kälbern eines Gehöftes. In Vorpommern ist die Krankheit nicht selten; Departementsthierarzt Ollmann, der mir diese Thatsachc mitthcilte, hatte 1877 die Güte, ein an der Diphtherie erkranktes Saugkalb in die hiesige Klinik zu schicken. Bei der Beobachtung des Thicrcs konnte ich die Angaben Dammann's über den Verlauf und die Seclionsrosultate bestätigen.
Actiologic. Die Verbreitung der Diphtherie unter den Saugkälbern eines Stalles erfolgt durch Ansteckung. Nach den Ermittelungen Dam-ni'amrs werden die Kälber nur in den ersten Lebenswochen befallen. Aeltere Rinder besitzen keine Empfängliohkeit für die Krankheit. Mit welchen Vehikeln der AnsteckungsstoIF sich auf das in einer Wirthschalt
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KalberdipliUioi'ie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10^
zuerst von der DiphÜicrio befallene Kalb überträgt, ist nicht bekannt. Vielfach wird der mangelhaft eingerichtete Fussbodon des Stalles für geeignet gehalten, das Contagium lange zu conserviren. Indess sind die Eigenschaften des letzteren bisher nicht vollständig und endgültig ermittelt worden. Die Ansicht Dam mann's datirt aus der Zeit, als die neueren bakteriologischen üntersuchungsmothoden noch nicht bekannt waren. Nach derselben sollten die in den oberflächlichen Schichten der Mortifieationsherde sich findenden Mikrokokken das Contagium darstellen. Dagegen fand Löffler (Die Diphtherie beim Kalbequot;; Mittheil, aus dem Kaiserl. Gesundheitsamte, 1884, S. 489). welcher von 7 Krankheitsfällen die Rachen- und Halsorgane und von einem Thiere auch die Lungen untersuchte, dass die Infection durch oigenthümlicho Bacillen bewirkt wird, welche sich zu langen Fäden vereinigen. Die an der Oberfläche der diphtherischen Herde sich findenden Mikrokokken sind nach Löffler nur rein zufällige, von aussen eindringende Begleiter des Processes, welche in den nekrotischen Geweben einen günstigen Boden für ihre Weiterentwickelung finden. Indess erachtet Löffler selbst den vollgültigen Nachweis, dass der von ihm entdeckte Bacillus die Ursache der Kälberdiphtherie ist, noch nicht für erbracht. Es fehlt noch die That-sache, dass durch Verimpfung künstlicher Culturcn desselben die spoci-fischo Krankheit bei Kälbern hervorgerufen werden kann.
Die Krankheit wurde von Dammann durch Einführung kleiner Partikel aus den diphtherischen Herden in die Maul- und Nasenhöhle auf ein 4 Tage altes Schaflamm übertragen. Nach der Impfung in die Bindehaut bei 2 Jährlingslämmern entstand In 12 Tagen eine schwerenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;y1
Conjunctivitis. Die geimpften Kaninchen starben unter den Erscheinungen der Sephthäraie. Die von Löffler bei Mäusen vorgenommene Impfung voranlasste eine mit der Kälbordiphthorie identische Erkrankung. Da-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ',
gegen entwickelte sich bei Meerschweinchen an der Impfstelle nur einnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i
Abscess.
Obwohl die Thatsache, dass die Kälberdiphtherio auf Schaflämmornbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ri
übertragen werden kann, nach Dammann's Versuchen feststeht, so bin ich doch der Meinung, dass die Krankheit mit der epidemischen Rachen-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,.;
diphtheric der Schaflämmer nicht identisch ist. Denn die Localaffec-tionen der Schloimhäuto und der Verlauf gestalten sich bei beiden Krankheiten ungleich. Dass die Kälberdiphtherie von der bösartigen Rachen-diphlhorie dos Menschen wesentlich verschieden ist, hat Löffler nachgewiesen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I
PiUhogeiiesc und patliolugischc Anatomie. Nach der Aufnahme des An-steckungsstoffes vorgehen etwa 5 Tage, bis die Krankhoitserscheinungen
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Infections- und Intoxicationskrankheitcn.
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sich horvorthun. Die locale Erkrankung betrifft in erster Linie und zunächst immer die Maulhöhlo, in zweiter Linie die Nasenhöhle, den Kehlkopf, die Luftröhre, die Lungen, den Darmkanal und den Klauenspaltquot; (Dammann). Bei dem von mir beobachteten Kalbe beschränkte sich die Localaffection auf die Maulschieimhaut. In der Maulhöhle dringt der Ansteckungsstoff an den Backen, der Zunge und am harten Gaumen in die Schleimhaut; er verursacht eine Exsudation (Schwellung) und Mortification der Schleimhaut und des submueösen Gewebes (Diph-thoritis pro fun da). Die diphtherischon Horde haben eine gelbe oder gelbgraue Farbe und erscheinen an der Oberfläche etwas zerklüftet; sie erreichen eine Dicke von 11,50 Otra. Von der Maulhöhle kann durch nachbarliche Infection die herdweise Miterkrankung der Nasen-, Rachen-und Luftröhrenschleimhaut, sowie der Lungen herbeigeführt werden. Durch Gewebszerfall in den pneumonischen Herden wird zuweilen eine schwere Pneumo-Pleuritis von eiterig-jauchigem Charakter veranlasst. Bei unvollständiger Entwickelung des Local processes entsteht an den afficirten Stellen eine fibrinöse Exsudation und oberflächliche Ertödtung der Schleimhaut. In der Umgebung der Herde entwickelt sich eine entzündliche Schwellung und Röthung der Schleimhaut.
Das Allgemeinleiden geht aus der Resorption der in den diphthe-rischen Herden sich bildenden Toxine hervor. Neben dem Fieber, welches einen continuirlichen Verlauf mit zeitweisen Remissionen hat, entsteht eine oberflächliche Entzündung in der Magen-Darmschleimhaut. Dammann fand in einem Falle auch diphtherische Horde in der Schleimhaut des Hüftdarms und Dickdarms, deren Entstehung darauf zurückgeführt wird, dass Partikel der diphtherischen Herde von der Maulschieimhaut verschluckt sein konnten. Beim tödtlichen Ausgange entstehen auch in den Schleimhäuten und im Herzen blutige Herde.
Symptome und Verlauf. Fieber mit einer Mastdarmtemperatur von 40,0 41,5quot;. Krankhafte Ermüdung; anhaltendes Liegen und beschwerliches A ufstehon. Appeti tmangol. Speicheln aus dem Maul und Schluckbeschwerde. Anschwellung der äusseren Haut an den Backen als Folge der diphtherischen Herde in der Backenschleimhaut; die Schwellung ist derb und beim Druck schmerzhaft. Die Kälber gestatten wegen der Schmcr/.cmpfindung die Oeffnung des Mauls nur mit Widerstreben. In der Maulhöhlo sind die Herde als gelbe oder gelbgrauo Einlagerungen in die Schleimhautquot; an den Backen, der Zunge und am harten Gaumen zu sehen. Schwellung der Backen oder der Zunge. Geringer Ausfluss von gelber oder gelb-grünlicher klebriger Materie aus der Nase und wenn der Kehlkopf afficirt
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Diplitlioii.sclio Herde fies Schlunrlos, rlos Pansens und der Haube.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 105
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ist, öftoros Huston. Die Mitaffeetion des Magon-Darmtractus äussertnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;j,
sich durch diarrhoische Entleerungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i
Beim tödtlichen Ausgange dauert die Krankheit gewöhnlich nurnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i
58 Tage. Der Verlauf kann sich aber auf 45 Wochen ausdehnen.
Die Diagnose begegnet nach der vollständigen ßofunderhebung keinen Schwierigkeiten, weil die tiefen diphtherischen Herde der Maulschloim-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; l
haut bei keiner anderen Krankheit der Kälber vorkoinraen. Die Pro-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
gnosc ist sehr ungünstig. In den meisten Fällen endet die Krankheitnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;quot;
tödtlich. Von den 4 Kälbern, weiche Vo llors behandelte, starben 2 amnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; quot;
achten Krankheitstago; 1 wurde gesund und das 4. war überhaupt nur in geringem Grade erkrankt. Nur eine früli/eitige und energische Local-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; n
behandlung, die sich in praxi kaum durchführen lässt, kann die Heilung ermöglichen. Die Convalescenz zieht sich -mehrere Wochen hin. Zur Behandlung sind ßepinselungen der diphtherischen Herde in der Maulschleimhaut mit Acidura salicylicum in Aqua (1 : 10) oder mit Lugol-scher Jodlösung (Jodi 1,0; Kaiii jodati 5,0; Aq. 200,0) oder mit Carbol-wasscr angezeigt. Solche Mittel sind täglich 8 4 Mal zu appliciren. Zweckmässig erscheint auch die Irrigation der Maulschleimhaut mit warmem Wasser. Als Nahrungsmittel ist süsse Milch zu reichen. Die Prophylaxis erfordert eine Trennung der kranken Kälber von den gesunden und die Dosinfection des verseuchten Stalles.
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Capitel VII.
Diplithcrisclilaquo; Herde des Schlundes, des Pansens und der llnube. Oesophagitis, Rumenitis et Reticulitis diphtherica multiplex.
Aetiologie und Patliogencse. In der Schleimhaut des Schlundes und dor beiden ersten Magen des Rindes können diphtherischc Herde zur Ausbildung kommen, wie ich bei einer Jahrlingsfärse und bei einer siebenjährigen Kuh kennen lernte, bei einer elfjährigen Kuh auch genauer zu beobachten Gelegenheit hatte. Die Krankheit, welche sehr seilen vorzukommen scheint und bisher in der Literatur eine Beschreibung nicht gefunden hat, charakterisirt sich als eine Mykose, für deren Entwlcke-lung die Digcstionsschleimhaut, soweit sie eine cutano Einrichtung besitzt
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Infections- und Intoxicationskrankhoiton.
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(Maulhöhle, Rachen, Schlund und die drei Vormagen), einen günstigen Boden bieten dürfte. Indcss habe ich die diphtherischen Herde nur im Schlünde, im Pansen und in der Haube gefunden, daher auch in der Ueberschrift des Capitols nur dieser Organe gedacht. Es ist aber anzunehmen, dass in anderen Fällen eine weitere Verbreitung der Herde in der Digestionsschleimhaut stattfinden wird. Die Herde haben eine gewisse Aehnlichkeit mit den durch die Krusten- oder Borkenfleohte des Rindes in der äusseren Haut verursachten krankhaften Zuständen. Nicht unmöglich ist daher, dass die Rinder durch Belecken der mit einem solchen Exanthem behafteten Haut und durch Hinabschlucken der an dem Maulspeichoi haftenden pathogenen Organismen sich die Infection zuziehen. Indess lege ich auf diese Hypothese kein Gewicht. Zur Zeit fehlt noch jede nähere Kenntniss des Infectionsstoffes. Eine Analogie findet die hier gedachte Krankheit des Rindes in den diphtherischen Herden der weissen Magenschleimhaut des Pferdes (cf. Bd. I., S. 298 und 816). Bei den anderen Uausthieren habe ich eine ähnliche Krankheit nicht kennen gelernt.
Im Initialstadium kennzeichnet sich die Diphtherie als eine hirse-korngrosse Trübung und Verdickung der Schleimhaut; von diesem Centrum erfolgt die Ausbreitung gleichmässig in die Umgebung. Daher besitzen die Herde durchweg eine runde Gestalt. Doch ist eine ungleiche und zackige Umrandung nicht ausgeschlossen. Die Ausbildung dürfte sich in 810 Tagen vollenden. In der Grosse variiren die Herde von dem Umfange einer Erbse bis eines silbernen Fünfmarkstückes. Wenn sie dicht nebeneinander entstehen, so treten sie zusammen. Hierdurch kann die Schleimhaut stellenweise in dem Umfange einer Faust absterben. Das nekrotisi'he Gewebe ist von dunkelgrauer Farbe und zottigem Ansehen. An den Herden durchdringt die Mortification die ganze Schleimhaut. Nach etwa '23 Wochen löst sich das nekrotische Stück in der Circumfcrenz durch dissecirende Entzündung. Wird dasselbe vollständig abgestossen, so füllt sich der Defect mit Narbengewebe. In der Umgebung unterliegt die Schleimhaut einer entzündlichen Röthung.
Symptome und Verlauf. Die Erkrankung an der multiplen Diplilherie gestaltet sich für die Rinder schmerzhaft. Ist der Schlund betroffen, so zeigt sich Dysphagie. Die Herde des ersten und zweiten Magens können vorübergehend Erbrechen verursachen. Die Futterautnahmo ist beschränkt und die Rumination verzögert, zuletzt, vollständig unterdrückt. Speicheln aus dem Maul. Nach 814 Tagen krankhafte Abmagerung: struppiges Haar; harte, trockene Haut; tiefliegende Augen. Darm-exeretion anfangs verzögert, später breilörmig oder diarrhoisch. Tenesraus.
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Diphtherisclio Herflo dos Sclilundos, des Pansens und der Haube.
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Die Pulszahl steigt auf 80100 in der Minute; das Athmcn ist nicht beschleunigt. Fiebertemperatur fehlt in der ersten Zeit und scheint auch später nicht erheblich zu sein. Nach 28 Wochen gehen die Thicre an Erschöpfung zu Grunde.
Bei der Section finden sich neben den vorbeschriebenen Horden die Merkmale der starken Abmagerung, ferner Blutcongostion, sowie zahlreiche punktförmige und grössere Hämorrhagien in der Schleimhaut des Labmagens, des Dünndarms und Dickdarms.
Die Diagnose ist bei dem seltenen Vorkommen der Krankheit intra vitam nicht mit Sicherheit zu stellen. Wenn bei einer Kuh Erbrechen eintritt und demnächst starke Abmagerung mit dünnbroiigon Darm-entloerungen und Tenesmus folgt, so dürfte vielleicht an das Vorhandensein diphtherischer Herde im I. und 2, Magen zu denken sein. Im Uebrigen kann bei einigen durch innere Verwundung entstehenden Formen der Peritonitis, sowie bei schweren Erkrankungen der Leber und im letzten Stadium des chronischen Durchfalls ein ähnliches Symptomon-bild vorkommen. Die einwandsfreie Feststellung eines Krankheitsfalles wird ohne Erhebung des Scctionsbefundes nicht zu ermöglichen sein.
Prognose, Die drei Krankheilsfälle, welche ich kennen lernte, vorliefen tödtlich. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass zuweilen nur wenige und kleine diphthorische Herde in der Schleimhaut des Pansens entstehen werden. In solchen Fällen, die sich freilich der Diagnose entziehen dürften, wird durch Dissection der mortificirten Horde und Vernarbung der Defecto eine vollständige Genesung der Thiere erfolgen können. Die medicamentöse Behandlung kann einen wesentlichen Erfolg nicht haben. Insbesondere ist nicht anzunehmen, dass durch die Einverleibung desinficirender Mittel die diphtherischen Herde unschädlich gemacht werden können. Die Verabreichung leicht verdaulicher, schmackhafter Nahrungsmittel gebietet sich nach allgemeinen Regeln.
0 a s u i s t i k.
Anfangs Mai 187() war eine elfjährige Kuh, wolcho zwei Monate früher gekalbt liatto, von einem Händler gekauft und nach einigen Tagen weiter veräussert worden. In dem Rechtsstreite, der sich wegen der Krankheit der Kuh entspann, wurde zeugeneidlich festgestellt, dass die Kuh am 6. Mai, als sie bei dem letzten Erwerber in den Stall gebracht war, sich krank gezeigt hat, Sie frass wenig und brach das genossene Futter bald nachher zum Theil wieder aus. Speicheln aus dem Maul und anhaltendes Liegen. Aufstehen mühsam. Die Kuh hat matt und trübe in den Augen ausgesehen. Auch am folgenden Tage fand dor letzte Besitzer dieselben Erscheinungen, weshalb er den Kaufhandel rückgängig machte. Die. Kuh hat in der folgenden Zeit wohl noch Getränk, aber nur wonig Rauffutter verzehrt, zeitweise dünnbreiige Ex-
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cremonto entleert, Auslluss aus Maul und Nase, tiefliegende Augen und zunehmende Abmagerung bekundet. Vom 19. Mai an hatten sich die Futteraufnahme und das Wiederkauen noch mehr vormindert.
loh untersuchte die Kuh in der ambulatorischen Klinik am 22. Mai, Sie war in hohem Grade abgemagert. Im Habitus sprach sich eine schwöre Erkrankung aus. Bauch zusammengefallen, Haar struppig und glanzlos. Die Kuh stand anhaltend mit gekrümmtem Kücken und gesenktem Kopfe. Blick matt; Augen in die Höhlen zurückgezogen. Appetit sehr gering; etwas Heu und Stroh wurde zeitweise aufgenommen; Klelenwasser verzehrte die Kuh in geringer Menge. Die Darmexcromonto waren schleimlialtig, zamp;bflüssig und dunkel gefärbt; die Kuh drängte oft auf den Mastdarm und entleerte zeitweilig etwas Schleim. Aus der Maulhöhle Hess viel Speichel. Die Nasoneingänge waren mit einem schmutzigen Deject verklebt. Auf dem Fussboden vor der Kuh fanden sich zähflüssige, blutig tingirto Materien, die augenscheinlich aus dor Nase abgeflossen waren. Temperatur 39,0. Puls 9G, klein und schwach. Respiration 16. Lungen und Herz erwiesen sich gesund.
Auf Grund dieser Befunderhebung diagnosticirte ich eine chronische Magen-Darmentzündung. Die bereits vollständig ausgebildete Kachoxie Hess den tödtlichon Charakter der Krankheit mit Sicherheit erkennen. Die Kuh starb am 26. Mai und die Section wurde von mir am folgenden Tage vorgenommen: Cadaver sehr stark abgemagert. Der Pansen und die Haube enthielten wenig, aus grob zerkleinertem Heu und Stroh bestehendes Futter. Die Schleimhaut des Pansens war in der Gegend der Pfeiler und an denjenigen Abschnitten, wo die Zotten sehr klein sind oder ganz fehlen, nicht verändert. Dagegen erschien der übrige Theil mit zahlreichen nekro-tischen Horden von kreisrunder Beschaffenheit besetzt. Die Grosse derselben variirto sehr beträchtlich; die kleinsten waren hirsekorngross. Daneben erreichten viele Horde die Grosse einer Erbse, eines Markstückes und darüber. Die grösston nekro-tischen Stücke hatten einen Durchmesser von 4 Centimeter. Ich zählte im Pansen 85 kleinere und grössoro runde Horde. An einigen war das nekrotischo Stück vollständig herausgefallen. Bei einer grossen Zahl war dasselbe mit dem Finger oder mit der Pincette leicht abzuheben. In vielen Herden bestand aber noch ein fester Zusammenhang mit der Schleimhaut. An den kleineren Defecten waren die Ränder der Schleimhaut aufgownlstet, aber glatt. Die nekrotischon Stellen hatten eine graubraune Farbe. In der Umgebung dor grösseren Defecto erschienen die Schleimhaut-papillen geröthet. Kinige der grösseren kreisrunden Herde waren zusammengetreten.
In der Haube war nahe der Schliindmündung die Schleimhaut an einer unregel-mässig contourlrten, 10 Clm. langen und 6 Gtm. breiten Partie nekrotisch, stellenweise eingerissen und von zottigem Ansehen. Ein zweiter, aber nur halb so grosser iliphtherischer Herd fand sich 3 Ctm. entfernt an der oberen Wand der Haube. An beiden Herden war das nokrotische Stück noch in fester Verbindung mit der Schleim-haut. Der Psalter enthielt eine massige Quantität Futterbrei. An den Blättern ist die Schleimhaut geröthet. Im Labmagen flüssiger, blutig gefärbter Inhalt; Schleimhaut entzündlich geröthet und geschwollen, mit einigen fünf- bis zelinpfennigstück-grossen häniorrhagischen Herden besetzt. Beim Aufschneidon des Dünndarms fand sich zäher, theerartiger Futterbrei, die Schleimhaut mit einem schmierigen Belag bedeckt und unter demselben leicht geröthet, stellenweise auch mit hiimorrhagischen Herden besetzt. Der geringe Dickdarminhalt war von schmieriger, stark klebriger Consistenz. Mastdarmschloimhaut entzündet.
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Tollwuth. Wuthkrankheit,
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Nioren, Utoms, Leber und Milz zeigten koino wcsontlichon Veränderungen. In den Lungen inlerstitiolles Emphysem. Herz normal. Nasen- und Traoliealschloimhaut blutig imbibirt. Kachensolüoimhaut cyanotisch.
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Capitcl VIU. Tollwuth. Wuthkrankheit. Lyssa. Rabies.
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Durch die gesetzliclien Schutzraassrcgcln der neueren Zeit wird das Vorkommon der Tollwutli bei den herbivoren Hausthioreu erheblich beschränkt. Vorzugsweise ist dieser Erfolg durch die Bestimmung erreicht worden, dass alle Hunde, die der Infection durch den Biss eines wuth-kranken Hundes verdächtig sind, getödtet werden müssen und dass, wenn ein wuthkranker oder verdächtiger Hund frei umhergelaufen ist, sämmt-liche Hunde des gefährdeten Bezirks 3 Monate lang anzulegen sind. (Vergl. die zum deutschen Reichsgesetz vom 23. Juni 1880 erlassene Instruction des Bundesraths vom 2i. Februar 1881.)
In Preussen erkrankten nach den statistischen Jahresberichten der technischen Deputation für das Veterinärweson während 9 Jahre (von 1876 1886) jährlich: 139 132 _ 43 97 162 87 154 178 89 Rinder an der Tollwuth. Nach den im Kaiserlichen Gesundheitsamte bearbeiteten Jahresberichten sind im deutschen Reiche 1886 und 1887 nur 92 resp. 99 Stück Rindvieh der Tollwuth zum Opfer gefallen. Im Ganzen wird die Tollwuth bei Rindern öfter beobachtet, als bei den anderen herbivoren Hausthicren. Denn zwischen dem Hunde und dem Rinde besteht von Natur eine relativ grosse Abneigung und bei der Tollwuth beissen die Hunde mit Vorliebe diejenigen Thiero, an deren Nähe sie sich in gesundem Zustande nur schwor gewöhnen.
Aetiologie. Soweit die Tollwuth für die thierärztliche Praxis in Betracht kommt, erfolgt ihre Ausbildung nur nach dem Bisse eines wuth-kranken Hundes, in den osteuropäischen Ländern zuweilen durch wuth-kranke Wölfe. Michel (Schw. Arch., VI., S. 249) constatirte die Ueber-tragung von einem wuthkranken Fuchs. Es kann aber die Tollwuth durch Impfung mit Speichel von anderen wuthkranken Thicrcn auch beim Rinde erzeugt werden. Seramcr (Deutsche Zeitschrift lür Thiormedicin, III., Seite 288) entnahm einer an der Wuth verendeten Kuh 24 Stunden
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Infections- und Intoxioationskrankhoitcn.
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nach firm Tode ein wenig' Maulschleim und impfte mit demselben ein Kalb; letzteres erkrankte 5 Wochen nachher an der Wuth. Auf der Weide und bei der Hütung sind die Rinder dem Bisse vvuthkranker Hunde am meisten ausgesetzt. Die Literatur enthält viele Berichte, nach welchen von den Woidevichbeständen 1020 Stück gebissen und angesteckt wurden. Dass die Rinder auch in den Ställen gebissen werden können, ist solbstvcrständlich. In einem von mir constatirten Falle hatte der Besitzer den durch sein Benehmen wuthverdächtig gewordenen und am folgenden Tage getödteten Hund aus Fahrlässigkeit während einer Nacht in dem Futtergang vor dem Kuhstall abgesperrt. Von den 4 Kühen des Stalles gingen drei im 2. resp. 3. Monat nachher an der Toilwuth zu Grunde. Wuthkranke Hunde beissen die Rinder gewöhnlich in die Lippen oder am Unterkiefer, weniger oft an den Gliedmassen und vorwiegend an den Hinterfüssen. Die Erklärung dieser Thatsache liegt in der Neigung der Rinder, durch Stossen mit dem Gehörn die Hunde zu verjagen oder sich derselben zu erwehren. Nicht alle Rinder, welche von wuthkrankon Hunden gebissen werden, verfallen in die Toilwuth. Nach einer Berechnung von Zündel sollen sich nur 25 pOt. die Infection zuziehen. Geschlecht und Alter haben auf die Ansteckung keinen nachweisbaren Einfluss. Mehrfach wird aber angenommen, dass das Contagium bei Kälbern leichter haften soll, als bei älteren Thieren. Aus Analogieschlüssen lässt sich vermuthen, dass die Empfänglichkeit der Rinder auch gegenüber der Toilwuth graduell verschieden ist und in seltenen Fällen vielleicht ganz fohlen kann. Andererseits kommt aber in Betracht, dass die Menge, sowie die Intensität des mit dem Speichel durch den Biss eines wuthkranken Hundes übertragenen Ansteckungsstoffes nicht immer gleich gross ist. Nach der vollständigen Ausbildung der Wuth ist der Speichel der Hunde virulenter, als im Beginn der Krankheit. Ferner sind die bis in die Subcutis dringenden kleinen Wunden gefährlicher, als grosso Risswunden, in denen wegen der starken Blutung das Contagium woniger leicht haftet. Bei der Mannigfaltigkeit dieser Verhältnisse lässt sich auf Grund der statistischen Erfahrungen in einem concroten Falle die Frage, ob das Contagium mit dem Bisse einverleibt ist, nicht entscheiden. Wenn ein wuthkranker Hund innerhalb eines Tages 5 20 Rinder gebissen hat, so kommt die Krankheit später zuweilen bei sämmtlichen Thieren, der Regel nach aber nur bei einem Bruchtheil derselben zum Ausbruch.
Obwohl das Contagium der Toilwuth bislang noch nicht künstlieh eultivirt und in allen Einzelheiten studirt werden konnte, so steht doch nach den Erfahrungen der thierär/tliehen Praxis und den Resultaten
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Tollwuth. Wuthkrankhoit.
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wissenschiiftlicher Experimente soit langer Zeit ansser Zweifel, (lass dasselbe nicht flüchtig ist. Es wird nur im Körper der. inficirten Thiere resp. des Menschen produoirt (endogenes Contagium, obligater Parasit). Eine indircoto üebertragung desselben duruli Zwischenträger findet nicht statt. Zweifelhaft ist gegenwärtig noch, ob das Contagium bei tragenden Thieron sich dem Fötus mittheilt, die Tollwuth demnach in einzelnen Fällen eine angeborene Krankheit sein kann. Spinola (Spec. Path. u. Ther.) hat angegeben, dass eine tragende Kuh von einem wuthkranken Hunde gebissen und gesund geblieben sei, während das Kalb derselben 14 Tage nach der Geburt in die Tollwuth verfiel. Da aber die Symptome der angeblichen Tollwuth bei dem Kalbe nicht mit-getheilt sind, so kann nach meiner Meinung die Diagnose nicht als gesichert betrachtet werden. Callinac (vergl. ßollinger, Handb. der spec. Path. u. Ther. von Ziemsscn, 111. Bd., S. 511) erzählt, dass eine tragende Kuh, welche von einem wuthkranken Hunde gebissen war, 40 Tage später an der Tollwuth erkrankte und während der Krankheit kalbte; das Kalb soll am .3. Tage nach der Geburt ebenfalls wuthkrank geworden sein. Auch in diesem Falle dürften der Diagnose erhebliche Bedenken entgegenstehen. Gibier (Referat in Ellenberger-Schütz, Jahresber., III,, 1884, S. 38) fand bei seinen Impfungsvorsuchen, dass bei tragenden Kaninchen, welche nach der Impfung wuthkrank wurden, auch der Fötus im Gehirn das Wuthgift enthielt. Andere Forscher haben indess bei ihren Experimenten die Angaben Gibier's nicht bestätigen können.
Pathogenese. Ueber das Verhalten des Ansteckungsstoffs in den vernarbten Bisswundun und resp. bis zum Ausbruch der Krankheit ist bisher Nichts Bestimmtes ermittelt worden, (Vergl. Bd. I, S. 181.) Pasteur (Ref. in Ellenberger-Schütz, Jahresber, IV, 1885, S. 34) spricht sich dahin aus, dass das Virus theils von den peripheren Nerven auf das Gehirn und Rückenmark sich fortpflanze, theils durch Resorption in die Blutcirculation gelange. Bei Kaninchen injicirten Galtier und Pasteur Wuthgift in die Ohrvenc und schnitten darauf unterhalb der Injectionsstolle das ganze Ohr weg. Trotzdem verfielen sämmtliche Impfkaninchen nach Ablauf der typischen Incubationszeit in die Wuth.
Das Stadium ineubationis contagii ist sehr unbestimmt und lässt sich nur im Allgemeinen für die Mehrzahl der Tollwuthfälle beim Rinde auf 13 Monate angeben. Relativ oft kommt die Krankheit auch noch im 4. Monat nach dem Bisse zum Ausbruch. Nach einer von Gerlach (Preuss. Mittheil., VI, 1859, S. 73) entworfenen Tabelle diffe-rirtc die Incubationszeit bei 133 Rindern von 14-285 Tagen. Die von
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Haubner, Bouloy, Zündel u. A. ormittolton Fristen stimmen mit diesen Angaben überein. Kürzer, als 14 Tage und länger, als 9 Monate nach dem Bisse dauert die Incubation nur sehr selten. Loiport (Wien. Vierteljahrsohr., Bd. 42) constatirte bei einer Kuh 19 Monate und 21 Tage, Kalt (Schweizer Arch., Bd. X) 1 Jahr und 11 Monate. Morro (Preuss. Mitth., 1882, S. G und Berl. Arch., 1885, S. 91) machte folgende Beobachtung. In eine ßinderheerde von 26 Haupt war 1880 der wuthkranke Hirtenhund gekommen. Es erkrankten hierauf an der Tollwuth 16 Thiere nach Ablauf von 22144 Tagen. Eine Färse, weiche 1880 im Alter von l'/j Jahren stand, verfiel erst nach 2 Jahren und 4 Monaten in die Tollwuth.
Mit der Ansiedelung und Vervielfältigung des Contagiums im Gehirn und Rückenmark kommt die Tollwuth zur Eruption. Es werden sowohl die sensiblen, wie die motorischen Oentralapparate afficirt: Allgemeine Hyperästhesie, klonischo Krämpfe und Lähmungen. Auch die psychische Thätigkeit erleidet eine Alienation. Benommenheit des Be-wusstseins tritt aber erst im letzten Stadium ein. Demnach charak-terisirt sich die Tollwuth durch schwere Störungen in den nervösen Functionon, wie seit alter Zeit bekannt ist. Aber nicht in jedem Falle sind sämmtliche nervöse Apparate gleichmässig afficirt. Daher treten einige Erscheinungen nicht beständig auf. Dass bei Hindern ähnlich wie bei Hunden oft das Rückenmark vorherrschend leiden (stille Wuth) und im anderen Falle eine stärkere Affection des Kopfmarks und des Gehirns (rasende Wuth) bestehen soll, halte ich nicht für ausgemacht. Ich habe 21 wuthkranke Rinder beobachtet. Bei denselben war der Vorlauf ziemlich gleichmässig; ich kann daher die Unterscheidung der stillen und rasenden Wuth beim Rinde nicht begründen. Fieberhaft ist der Krankhcitsverlauf nicht. Indess constatirte Harms (Hannov. Jahresb., VIII, 1875, S. 64) in einem Falle eine geringe Erhöhung der Temperatur im Mastdarm. Im Verlaufe der Krankheit tritt aber immer eine erhebliche Störung des Stoffwechsels ein, wie aus der schnell zunehmenden allgemeinen Abmagerung und aus der dunklen Farbe des arteriellen Blutes zu schliessen ist. Aus welchem Grunde die wuthkranken Rinder die Aufnahme von Futter und Getränk vollständig versagen, ist nicht genau bekannt. In der Schleimhaut der Rachenhöhlc entsteht anatomisch nachweisbar nur eine Blutcongestion und oberllächliche Reizung. Aber Schlingkrämpfe werden nicht beobachtet und die mehrfach behauptete Lähmung des Schlundkopfes lässt sich aus den Krankheitssymptomen nicht erkennen. Wahrscheinlich besteht eine Neuralgie im Schlundkopf. Da die Thiere nicht schlucken, so flicsst der Speichel aus der Maulhöhle ab.
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Tollwiitli. Wulhkranlilioit.
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Die Poristttltik des Darmkanals wird durch Sclnväclie und Lähmung der nervösen Apparate erheblich vormindert und oft ganz aufgehoben, wie Harms (1. c.) constatirte und wie ich nach eigenen Beobachtungen bestätigen kann. Sander (Vorm. Beiträge, 1810) hat indess bei der Tollwuth der Rinder mehrfach auch eine starke Peristaltik (polternde Geräusche) des Darms constatirt. Häufig sinkt im Vorlaufe der Krankheit auch die Leistung des Herzens, so dass die Frequenz des Herzschlags sich auf 80 Schläge in der Minute erhöht. Gegen Ende des Krankhoits-verlaufs wird die Respiration insufficient. Hierbei kommt regelmässig eine hämorrhagische Diathese zur Ausbildung, deren Folgen sich bei der Section dor Thiere in zahlreichen blutigen Herden der Schleimhäute und des Endokardiums bekunden.
Symptuine. 1) Alienation des Bewusstseins und des Temperaments. Die Thiere ändern ihr bisheriges Benehmen und bekunden ungewöhnliche Willensacte. Wenn sie liegen, so wollen sie auf die übliche Anregung nicht aufstehen; sie springen aber von selbst und mit Vehemenz auf, sobald sie nur von Weitem einen Hund wahrnehmen. Einzelne Thiere logen sich oft, aber nur für kurze Zeit nieder; sie lassen sich plötzlich niedortallen und stehen bald wieder auf. Stierer (glotzender, finsterer) Blick. Flohraen mit der Oberlippe. Aufregung. Unruhe. Aengstlichkeit und Schreckhaftigkeit. Häufiges Brüllen, in der Gegenwart von Personen aber geringer, als sonst. Gegen Ende des Krankhcitsverlaufs erfolgt das Brüllen wegen der zunehmenden Muskeischwache matt, abgebrochen und dumpf. Die Behauptung Grove's (Erf. und Beob., 1, 1818, S. 133)/ dass wuthkranke Stiere dumpf und hohl, dagegen Kühe mit heiserer Stimme brüllen sollen, ist nicht zutreffend. Die Aufregung und das Brüllen werden heftiger, wenn die kranken Rinder in einiger Entfernung einen Hund oder eine Katze wahrnehmen; sie bekunden dann einen wilden Blick, reissen an der Halskette, springen nach vorn oder zur Seite, scharren mit einer Vordergliedmasse und stosson mit den Hörnern auf die im Wege befindlichen Gegenstände. Von Hildebrandt (Magaz. 1849, XV, S. 504) und Harms (I. c.) wurde die heftigere Erregung beim Anblick von Hunden in einigen Fällen nicht beobachtet. Hildebrandt ist der Ansicht, dass nur diejenigen wuthkranken Rinder von Hunden beunruhigt würden, welche auch vor der Krankheit die Annäherung derselben nicht hätten ertragen können. In sämmtlichen, von mir beobachteten Fällen fehlte die starke Aufregung der Thiere beim Anblick von Hunden nicht. Stossen mit den Hörnern gegen die Krippe oder die Stallwand und andere Gegenstände. Auch Bohren mit dem Gehörn in den Fussbodon kommt
Dieckcrhoff, Spec. Pathologio u. Thcrapio. II. Bd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; o
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114nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infectionsquot; und Intoxioatiotislü'ankheiten,
am 3.4. Krankheitstago vor, fehlt aber nicht selten. Gegenüber fremden Personen sind die Thiero aufgeregt und ängstlich; sieberuhigen sich aber bald und gestatten die Berührung des Körpers ohne Widerstreben. Die auf der Weide befindlichen oder aus dem Stalle entkommenen wuth-kranken Rinder sind um quot;2. und 3. Krankheitstago zeitweise gegen andere Thiero, besonders Hunde, aber auch gegen Menschen aggressiv. Sander (Beiträge, 1810, S. 455) bemerkt, dass eine wuthkranke Kuh im Dunklen vortiehmlich Personen, welche Laternen hielten, angegriffen habe. Von einer ßoisssucht wuthkranker Rinder haben einzelne Thierärzte berichtet. Den meisten Beobachtern und auch mir selbst ist dies Symptom indess nicht begegnet.
2)nbsp; nbsp;Juckreiz in der Haut. Nicht constant. Sind die Thiero an den Hinterschenkeln gebissen, so lecken sie gewöhnlich die Haut an den vernarbten Wunden blutrünstig.
3)nbsp; nbsp;Verminderung oder vollständiges Erlöschen der Milch-secrotion bei railchgebendon Kühen.
4)nbsp; nbsp;Inappetenz und Aufhören der Rumination. Nur am 1. Tage nehmen die Rinder noch etwas Futter und Getränk auf. Nachher fohlt der Appetit vollständig. Die Thicre zeigen keine Scheu vor dem klaren Wasser, trinken aber Nichts davon. Zähneknirschon.
5)nbsp; nbsp;Verstopfung. Bei dem anfallsweise erfolgenden heftigen Drängen mit der Bauchpresse wird am ersten Tage zuweilen noch etwas breiiger Koth, später aber nur Schleim oder Nichts mehr entleert. Darm-peristaltik vermindert oder vollständig unterdrückt.
6)nbsp; nbsp;Speicholfluss. Eine constante Erscheinung, welche während des ganzen Verlaufs sich bemerklich macht. Mitunter bildet sich Schaum vor den Lippen.
7)nbsp; nbsp;Krämpfe. Im Beginn Horripilationen mit Aufbürstung des Deckhaars; demnächst Zuckungen (Sehnenhüpfenquot; der Autoren) an der Ober- und Unterlippe, an den Backen, am Halse, in den Flanken und an den Hinterschenkeln. Vom 2. Tage an krampfhafte Oontractionen der Rumpf- und Bauchmuskeln mit Hebung des Rückens und starkem Drängen auf den Mastdarm (Tenesmus). Diese in Anfällen oder stoss-weiso erfolgenden Krämpfe wiederholen sich zunächst in halbstündigen Intervallen, später öfter und schliesslich alle 3 5 Minuten. Während des krampfhaften Drängens mit der Bauchpresse stöhnen die Thiere. Sander (1. c. S. 452) constatirtc bei denselben auch Brüllen und Kopfschütteln.
8)nbsp; nbsp;Paretische Zustände im Bereiche einzelner Muskeln; constant in den Kaumuskeln (häufiges Oeffnon des Mauls, schliesslich Herabhängen
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Tollwuth. Wuthkninkheil.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 115
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des üntcrkiofors), von Sander auch in einem Hinterschonkcl beobachtet, Am 3. und 4. Tage Schwäche in den Muskeln dor Hinterhand, deshalb unsichere, steife Haltung auf den Füsscn (häufiges Trippeln mit den Hinterfüssen oder auch Schwanken zur Seite) und im letzten Stadium Paraplegic, so dass die Thiore auf einer Seite liegen und nicht mehr aufstehen können.
10)nbsp; nbsp;Beschleunigung des Pulses. Im Ganzen gering, meist nur 4050, später mehr Pulse in einer Minute. Puls schwach, zuletzt leer und gespannt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gt;
11)nbsp; nbsp;Mastdarm-Temperatur normal, gegen Ende des Krankhoits-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1| Verlaufs unter die Norm erniedrigt. jl
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12)nbsp; nbsp;Rospiration nicht beschleunigt, aber durch das häufige Auftreten krampfhafter Contractionen der Rumpf- und Bauchmuskeln modificirt.
13)nbsp; Röthung der Kopfschleimhäute, namentlich der Conjunctiva und der Maulschleimhaut.
14)nbsp; Zunehmende Ab magerung und Ve r kleine rung des Bauch-umfanges (Einfallen der Elanken).
Verlauf und Ausgang. Das Stadium initiale seu Prodromorum dauert 12 Tage, das Stadium Acmes seu furibundum 23 Tage und das Stadium Paralyseos 12 Tage. In jedem Falle nimmt die Tollwuth einen tödtlichen Ausgang. Der Gesammtverlauf umfasst gewöhnlich 56 Tage. Ausnahmsweise verzögert sich das Initialstadium um 1 2 Tage, so dass die Tliiere erst am 7. 8. Tage zu Grunde gehen. Es kann aber der Tod auch schon am 3. 4. Tage eintreten. Die Symptome dos ersten Krankhoitstagos sind: Appetitmangel, Verzögerung oder Sistirung der Rumination, Aenderung des Temperaments, öfteres Niederlegen und ohne erkennbare Veranlassung erfolgendes Aufspringen, ängstliches und schreckhaftes Verhalten, stierer Blick und zeitweises Brüllen. Dazu kommen am 2. 3. Tage: Geifern aus dem Maul, grosso Unruhe, anhaltendes Brüllen, klonischc Krämpfe besonders an den Lippenmuskeln, häufiges stossweises Drängen mit der Bauchpresse, Darmverstopfung, Pulsfrequenz. Demnächst machen sich noch die starke Abmagerung, der elende Habitus, die Schwäche und Lähmung im Hinterthoil und schliesslich ein soporöser Zustand neben zeitweiser Unruhe bemerklich. Der Tod erfolgt unter asphyktischen Krämpfen.
Die Section der Cadaver ergiebt keine bestimmten Merkmale, oll aber die mit einzelnen Krankheitssymptomon und mit der asphyUtischen Todesart in Verbindung stehenden Veränderungen: Dunkle Färbung und unvollständige Gerinnung des Blutes im Herzen und in den Gefässen;
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Infections- und [ntoxicationskrankheilen.
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Stauungsrötho in der Schleimliaut dos Rachens und in der Region des Zungonbändchens; geringfügiger Inhalt im Labmagen und Darmkanal; stellenweise Stauungsrötho, sowie kleine und grössere Petechicn in der Magon-Darmschleimhaut; blutige (schwarzrothe) Infarcte in der Milz. Jn den Cadavern, welche der Todtenstarre sehr schnell unterliegen, entwickelt sich sohon innerhalb 24 Stunden eine erhebliche Fäulniss.
Diagnose. Das scmiotische Bild der Tollwuth bei Rindern hat mit den Erscheinungen anderer Krankheiten nur wenig Achnlichkoit. Deshalb ist dio Krankheit im Stadium Acmes leicht zu diagnosticiren. Unterstützt wird die Aufgabe des Thierarztes, wenn sich eruiren lässt, dass das betreffende Rind innerhalb Jahresfrist von einem wuthkranken Hunde gebissen ist. Da es aber kein pathognomisches Merkmal der Tollwuth giebt, so sind irrthümlicho Deutungen einzelner Fälle nicht ausgeschlossen.
1)nbsp; nbsp;Im Beginn der Erkrankung kann eine Verwechselung mit der Kreuzschwäche (Krouzlähmung) vorkommen, weil in einzelnen Fällen die wuthkranken Rinder aus krankhaftem Eigenwillen am Boden liegen bleiben und sich beim Antreiben nicht erheben.
Eine zweijährige Färse, die ich im Juni 18G3 zu untersuchen hatte, wurde von dem Besitzer für magenkrank gehalten, weil sie seit 18 Stunden Mangel an Appetit gezeigt halte. Als ich hinzukam, lag dieselbe im Stalle. Sie war wohl in die normale Lage, aber trotz energischen Antreibcns nicht zum Aufstehen zu bringen. Sobald die Färse aber durch die offene Stallthür in ziemlich weiter Entfernung einen Hund gewahrte, sprang sie von selbst mit Vchomenz auf. üio genauere Untersuchung Hess nun Muskclzuckungen, Dejection von Maulspeichel und Unruhe erkennen. Am folgenden Tage waren die Erscheinungen der Tollwuth vollständig ausgebildet. Nachträglich wurde mit Wahrscheinlichkeit ermittelt, dass die Färse von einem wuthkranken Hunde 2 Monate vorher gebissen war.
2)nbsp; nbsp;Eine abnorme Unruhe zeigen Färsen und Kühe mitunter beim Wechsel des gewohnten Standortes (vergl. S. 19). Sie bangen sichquot; und bekunden: Aufregung, wilden Blick, häufiges Brummen und Brüllen, Stossen gegen die Futterkrippe, Zerren an der Halfterkette und häufiges Herumtreten mit den Hintcrfüssen bald nach der einen, bald nach der anderen Seite. Auch die Futteraufnahme und die Milchsecretion verringern sich. Von der Tollwuth unterscheidet sich dies auf Angst beruhende unruhige Verhalten dadurch, dass das Geifern, die klonischen Krämpfe und die Obstipation des Darms fehlen.
3)nbsp; nbsp;In den Lehrbüchern der speciellen Pathologie ist angegeben, dass bei der Tollwuth der Kühe sich oft eine Aufregung des Geschlechtstriebes einstolle. Die Angabo lässt sich in der Literatur bis auf Grevo (Erf. und Beob., II, 1821, S. 50) zurückführen. Derselbe berichtet, dass
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Tollwuth. Wutlilcrankhoit.
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eine auf der Weide befindliche Kuli sich unter einem steten Gobrüli gerade so gebährdete, als hätte sie den heftigsten Begattungstrieb'', dass aber zwei Stiere sich von derselben abgewandt hätten. Daraufhat Veith (Handb. der Vetorinärk.) die krankhaft erregte Brunst unter die Symptome der Tollwuth bei Rindern eingereiht. Die späteren Autoron (Körbor, Haubnor, Spinola, Hering u. A.) führen dieselbe allgemein an. Ich will deshalb ausdrücklich bemerken, dass ich eine Aufregung des Geschlechtstriebes in keinem Falle beobachtet habe. Auch Grevo schreibt an einer anderen Stelle seiner Erf. und Beob. (I, 1818, S. 135): Nie habe ich beim Rindvieh in der Wuth eine vorzügliche Affection der Geschlechtstheile bemerktquot;. Nach thatsächlichen Erfahrungen können die Symptome der übermässigen Brunst bei Kühen für die Diagnose der Tollwuth nicht in Frage kommen.
4)nbsp; nbsp;Die acute Bleivergiftung hat mit den Symptomen der Tollwuth bei Rindern gemeinsam: Zuckungen der Muskeln am Halse und an den Flanken, allgemeine Hyperästhesie, Geifern aus dem Maul, Te-nesmus, schnelle Abmagerung und Paraplogie. Indess sind die Symptome und besonders die Zuckungen heftiger, während der Krankheitsverlauf sich gewöhnlich etwas länger hinzieht. Namentlich aber fehlt die wilde Aufregung und das anhaltende Biüllen, welches die Tollwuth begleitet.
5)nbsp; nbsp;Eine Vergiftung durch Mohn (Klatsohrose), Spiritus oder andere Narkotica wird von Laien mitunter für die Tollwuth gehalten. Bei solchen Vergiftungen entwickeln sich die Symptome (Brüllen, Geifern, Zuckungen, grosso Unruhe und zuweilen Betäubung) schon innerhalb 12 Stunden. Die leicht erkrankten Thiere erholen sich aber schon nach einem Tage und die schweren Fälle sind von Moteorismus des Magens und Sopor begleitet. Im Uebrigen worden von der Vergiftung auch fast immer mehrere Rinder zu gleicher Zeit betroffen, was bei der Tollwuth nicht vorkommt.
6)nbsp; nbsp;Fälle von Tobsucht des Rindes durch Einnisten von Milben im inneren Ohrquot; haben Stadler (Badische Mittheil., 1885, S. 20) und Sohueiruichcr (ibidem, 1886, S. 204) boschrieben. Die Milben (Dcrraanyssus avium) hatten das Paukenfell im inneren Ohr perforirl. Gegenüber dieser schweren Affection ist zu beachten, dass bei der Tollwuth neben der starken Aufregung sich stets eine Reihe von anderen Symptomen ausbildet.
7)nbsp; nbsp;Bei Gehirnkrankheiten kommt in sehr seltenen Fällen eine starke Unruhe mit öfterem Brüllen und Schicfhalten des Kopfes vor Indess fehlen die Zuckungen und das Geifern.
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118nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
8)nbsp; nbsp;Wenn früher die Tollwuth mit der Rinderpest verwechselt wurde, so mag die Unerfahrenheit in der Beurtheilung beider Krankheiten die Veranlassung gewesen sein. Schon Sander (1810) und Grevo (1818) haben die Unterscheidung nicht für schwierig gehalten.
9)nbsp; nbsp;Der Diagnose der Tollwulh gegenüber dem Milzbrand ist aus Irrthura eine besondere Wichtigkeit beigelegt worden. Beim Milzbrand kommt eine Aufregung, wie sie die Wuth beständig begleitet, überhaupt nicht vor; das Bild der Milz brand wuthquot; ist niemals thatsächlich begründet gewesen.
Prognose imtl Behandlung. Da die Tollwuth nicht mit günstigem Erfolge behandelt werden kann, so bestimmen die neueren Seuchengesetze, dass nach ihrer amtlichen Feststellung die kranken Thiere zu tödten sind. Der prophylaktischen Behandlung lässt sich aber nicht jeder Nutzen absprechen. Für dieselbe ist die Ausschneidung der Bisswunden und die wiederholte Anwendung von Aetzmitteln (Acidum nitricum fu-mans; Hydrarg. bichloratum) oder die energische Application des Glüheisens auf die Wunden oder deren Narben angezeigt. Indoss hat schon Sander (1810) mit Recht hervorgehoben, dass sich die Bisswunden schwer auffinden lassen. Eine Sicherheit kann deshalb der Versuch einer Präventivbehandlung nicht bieten. Der Thierarzt hat dementsprechend zu berücksichtigen, dass die Verwerthung der ansteckungsverdächtigen Rinder zum Schlachten veterinärpolizeilich gestattet ist.
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Capitel IX. Milzbrand. Anthrax.
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Nur wenige Krankheiten der Hausthiere haben für die vergleichende Pathologie eine so grosse Bedeutung, wie der Milzbrand. Im Princip ist die Frage nach dem Wesen desselben, welche seit mehr als 100 Jahren im Vordergrunde der pathologischen Discussion stand, Jetzt gelöst. Die Entstehung der Seuche ist in Jedem Falle gebunden an die Aufnahme des Mil/brand-Bacillus (Bacillus Antliracis), der die Eigenschaften eines lacullativen Parasiten hat und ausserhalb des Thierkörpers auf pflanzlichen Substraten vegolirt. Durch die bakteriologischen Unlersuchungen
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Milzbrand. Anthrax.
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und Experimente von R. Koch (Beiträge zur Biologie der Pflanzen von Oohn, II, 1877 und Mittheil, aus dem kaiserl. Gesundheitsamtc, I, 1881) wurde die begriffliche Umgrenzung dos Milzbrandes gesichert. Zu demselben gehören nur die von dem Parasitismus dos Bacillus Anlhracis verursachten Krankheitsfälle.
So lange die Erde ihre gegenwärtige Gestalt besitzt, werden die Bedingungen für die Vegetation dos Milzbrand-Bacillus vorhanden gewesen sein. Nichts steht demnach der Annahme entgegen, dass die Seuche in der vorhistorischen Zeit eben so gut vorgekommen ist, wie später und resp. in der Gegenwart. Gleichwohl dürfte es sehr gewagt erscheinen, die Uebcrliefcrnngen des Altcrthums von dem Auftreten tödt-licher Krankheiten bei Thicren und Menschen auf den Milzbrand beziehen zu wollen. Durch die Thatsache, dass für denselben viele Thiergattungon und auch der Mensch empfänglich sind, wurden die Autoren des 18. und 19. Jahrhunderts zu der Annahme bestimmt, dass die im Alton Testament (2. Buch Moses, Cap. 9, V. 310), in den griechischen und römischen Schriften des Alterlhums und in den Chroniken des Mittelalters verzeichneten Angaben über tödtlicho Seuchen bei Thieren und Menschen die allgemeine Verbreitung des Milzbrandes erkennen Hessen. Soweit ich aus den Geschichtsquellen zu entnehmen vermag, war im Alterthuro nur bekannt, dass die Menschen und die Hausthierc in manchen Jahren von Seuchen (pestartigen, fieberhaften Krankheiten) heimgesucht wurden und in grosser Zahl zu Grunde gingen. Es dürfte nicht zweifelhaft sein, dass hierbei verschiedene Seuchen betheiligt waren. Unter denselben mag der Milzbrand immerhin vorgekommen sein. Bezüglich der historischen Forschungen verweise ich auf Faulet (Gesch. der Viehseuchen, 1776); Laubender (Milzbrand der Hausthiere, 1815) und Heusinger (Rechcr-ches de Pathol. comp., Vol. II, Cassel 1846 und Milzbrandkrankheiten der Thiere und des Menschen, Erlangen, 1850). Auf welche menschliche Krankheiten Lucretius und andere Autoren des römischen Alter-thums den Namen des Ignis sacerquot; angewandt haben, lässt sich nicht entscheiden. Ebensowenig ist die Behauptung zutreffend, dass Colu-mella (de re rustica, Lib. Vil) den Milzbrand der Schafe Ignis sacerquot; benannt habe. Die kurze Boschreibung deutet nach meiner Meinung mehr auf die Pocken, als auf den Milzbrand.
Die aus dein Mittelalter bekannt gewordenen Seuchenausbrüche bei Thieren und Menschen hat Heusinger (I. c.) mit einem ausserordentlichen Aufwände von Gelehrsamkeit gesammelt. Ich verkenne gewiss nicht, dass, wenn zahlreiche Todesfälle in den hoissen Sommermonaten vorgekommen und neben den Hausthicren auch die Hirsche, Rehe und
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120nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskranldieiten.
Wildschweine haufenweise zu Grunde gegangen sind, die Annahme des Milzbrandes bczw. der Wildseuohe berechtigt ist. Aber zweifellos haben die Chrunisten bei ihren kurzen Aufzeichnungen oft übertrieben, insbesondere ist es nicht mehr zulässig, das zeilweise beobachtete aligemeine Sterbenlaquo; bei Schweinen, Geflügel, Hunden, Katzen, Bären, Fischen und Krebsen mit dem Milzbrand in Verbindung zu bringen. Die Meinung Spinola's und anderer Autoren, dass der Milzbrand in früheren Jahrhunderten eine grössere Mannigfaltigkeit der Formen und einen mehr bösartigen Charakter, als in der Gegenwart gehabt habe, lässt sich ebensowenig aufrecht halten. Zweifellos sind seit jeher nach verschieden langen Zwischenzeiten resp. in einzelnen Jahren (Milzbrandjahrequot;) bei den herbivoren Hausthieren und beim Wilde grosse Verluste durch den Milzbrand herbeigeführt worden. Diese Angabe findet ihre Erklärung darin, dass bei anhaltender Dürre im Sommer die sumpfigen Districte in den Niederungen, sowie an den Ufern mancher Flüsse und Seen austrocknen und dass sich die Rinder und Schafe beim Weidegang, die Hirsche und Rehe bei der Aesung unter solchen Verhältnissen mit dem speeifischen Infectionsstoff behaften. Durch wesentliche Aenderungen im Betriebe der Land-wirthschaft, namentlich durch die in grossem Umfange vollzogene Aufhebung der Gemeinde-Hütungen, Einführung der Stalifütterung, Drainirung des Bodens, Regulirung der Flüsse und Beackerung oder Beforstung der Weiden hat sich im gegenwärtigen Jahrhundort die Gelegenheit zur Infection bei Rindern und Schafen vermindert. Insoweit ist mit Spinola (Spec. Path, und Thor.) anzuerkennen, dass der Milzbrand im westlichen Europa nicht mehr so allgemeine Verheerungen herbeiführt, als früher. Irrthümlich werden aber in der Geschichte der Seuchen die bei Rindern und Schafen in grosser Verbreitung aufgetretenen Krankheiten deshalb dem Milzbrand zugerechnet, weil die Verluste als sehr bedeutend geschildert sind. Bei der kritischen Durchmusterung der historischen üeber-liefcrungen darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass die genaue Diagnose des Milzbrandes (rüher unmöglich gewesen ist. Ich will hier nicht auf die Verwechselung der Seuche mit den Wundinfectionskrankheiten eingehen, sondern nur auf die Folgen hinweisen, welche die Zurechnung der Maul-und Klauenseuche zum Milzbrand für die wissenschaftliche Krankheitsbeschreibung gehabt hat. Die Jahre 1682 und 1732 sind durch die allgemeine Verbreitung der Aphthenseuche im westlichen Europa, besonders in Frankreich und der Schweiz, sowie in West- und Süddeutschland ausgezeichnet. Die Krankheit war zu jener Zeit unter dem Namen fliegender Zungenkrebsquot; bekannt und sehr gefürchtet. Sauvages (Ref. bei Heusinger, Milzbrandkrankheiten, S. 103), der die Maul-
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Milzbrand. Anthrax.
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seuche als eine Form des Milzbrandes ansah und deshalb Glossaiilhraxquot; nannte, bemerkt, dass Rinder, Pferde, MauKhiere und Menschen 1731 an derselben zu Grunde gegangen seien. Es ist evident, dass in dieser Schilderung eine starke ücbertreibung liegt. Der Milzbrand kann sich nach der Natur seines InfeotiOQSStoffs nie in einem Staate oder gar in mehreren Ländern allgemein verbreiten Aber in Folge der irrthümliohen Behauptung von Sau vages wurde der Zungenanthrax bis in die neueste Zeit als eine wichtige Form des Milzbrandes in der Literatur beibehalten. Veith, Körber und Hering sind viele Decennien hindurch die Stützen dieser unrichtigen Lehre gewesen.
Die französischen Aerzte widmeten im vorigen Jahrhundert dem Milzbrand (Charbon) viel Aufmerksamkeit, weil die Ansteckung von Personen durch kranke oder verendete Thiere häufig beobachtet wurde. Nicolau (Ref. bei Heusinger, Milzbrandkrankheiten. S, 117) beschrieb 1763 die Symptome ziemlich genau. Bei Rindern und Pferden war am meisten die Entstehung des Karbunkels vor der Brust (Avantcoeur, Anti-coeur, Anticardia pestis) aufgefallen. Die Aetiologie sollte in atmosphärischen Einflüssen (Gewitter, anhaltende Hitze) und in dem Genüsse befallenen Futters, andererseits auch in der Ansteckung liegen. Indess war die Diagnose sehr unsicher; namentlich wurden bei Pferden und Rindern alle gangränösen Entzündungen und septischen Infectionen, bei Schafen und Schweinen fast alle Seuchenkrankheiten dem Milzbrand irrthümlich unterstellt.
In Franken und Thüringen haben im vorigen Jahrhundert Schmie-del, Wagner und Glaser (Ref. bei Heusinger, 1. c, S 108) den Milzbrand bei Rothhirschen und Wildschweinen, sowie den karbunkulöson Anthrax bei Menschen, Rindern und Pferden beobachtet. Die Erkrankung der Menschen und Hausthiere wurde auf Stiche von Fliegen zurückgeführt. Dieselbe Ansicht war zu jener Zeit auch in Lappland verbreitet, wo die Rennthiere oft in grosser Zahl am Milzbrand eingingen. Der grosse schwedische Naturforscher Linne (Ref. bei Heusinger, 1. c, S. 220) schenkte den Mittheilungen über das alljährliche Erscheinen einer fremdländischen giftigen Fliege, welche durch ihren Stich den Milzbrand bei Menschen und Thieron hervorbringen sollte, so viel Glauben, dass er das räthselhafte Thier unter dem Namen Furia infornalisquot; in das zoologische System aufnahm.
Die in der Geschichte des Milzbrandes bemerkensworthe und später viel citirte Abhandlung von Chabort (Traitö du Charbon ou Anthrax 1786; auch abgedruckt in: Jnstr. et Observ. sur les Malad, des Anim. domest. und deutsch publicirt von Ribbe; Anthraxkrankheiten, 1813)
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122nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
fasst dio Erfahrungen aus dem 18, Jahrhundort zusammen. Chabert unterschied folgende Formen: 1. Eigentlicher Milzbrand (Charbon ossentiel), die Karbunkel- odor Anthraxgeschwulst mit folgenden Unterarten: a) der Karbunkel an der Brust, Schulter und am Rippen-Uörper; b) der Karbunkel im Maul oder Glossanthrax; c) schwarze Goschwülste in dor Haut; d) Karbunkel am Kopfe; e) Karbunkel an den Gliedmassen; f) weissor Karbunkel (Oharbon blanc); letzterem scheint auch der Rauschbrand zugezählt zu sein, denn unter den Symptomen ist die Crepitation de la peauquot; an der Geschwulst vermerkt. 2. Symptomatischer Milzbrand (Oharbon symptomatique), bei welchem die Karbunkeln erst 6 48 Stunden nach dem Beginn der fieberhaften Erkrankung auftreten sollen. 3. Milzbrandfieber (Ficvre char-bonneuse. Charbon intcrieur), welches ohne äusscre Karbunkeln verlaufen und fast immer seuchenartig vorkommen soll. Diese Formen wurden später in der französischen Literatur mehrfach ergänzt, im Princip aber beibehalten. Chabert dachte, dass beim Milzbrand ein eigen-thiimiiehes Gift (Humour charbonneusequot;) den Körper der Thiero durchdringe und an dem Orte seiner Ablagerung eine Gangrän erzeuge. Guorsant (1815) definirte die Seuche als einen Typhus mit Karbunkeln (Typhus charbonneuxquot;). Ad ami (Viehs, in den K. K. Erblauden, Wien 1782) erblickte dagegen das Wesen der Krankheit in einer erysipelatösen Entzündung der Milz, welche eine reine Epizootic darstelle und nicht ansteckend sei. Nach der Ansicht von Kau seh (Milzbrand des Rindviehs, 1805) sollte die Krankheit eine Lähmung der Lunge, verbunden mit Karbunkeln unter dem Fellequot; sein und deshalb Lungenbrandquot; genannt werden können. Ein wesentliches Gewicht für die Diagnose legte Kausch auf den Befund von gel bem Wasserlaquo; in den Karbunkeln. Zu den contagiöson Krankheiten im gewöhnlichen Sinne rechnete er den Milzbrand nicht, obwohl ihm die üebertragbarkeit desselben vom Rinde auf andere Thicre und Menschen bekannt war. Er meinte, dass der Milzbrand im raedicinischen Sinne ansteckend sei, aber nicht im Kameral-sinnc und dass demnach Sperrmassregeln gegen denselben nicht noth-wendig seien. Das grosso Erfahrungsmaterial, welches nach den Berichten der Modicinalbeamten verötfcntlicht war, unterzog Laubendor (1815) einer eingehenden Kritik, deren Resultat er dahin präcisirt, dass beim Milzbrand die Säfte nicht als chemische Schädlichkeit wirken, sondern dass in ihnon ein wahres Contagium verborgen liegequot;. Die Definition von Ribbe (Seuchen und ansteckende Krankheiten, 1816) besagt, dass als Milzbrandquot; zuuäclisi eine für sich bestehende Krankheitquot;, dann aber das Grundprincip mehrerer aus ein und derselben Quollt
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hervorgehender, aber in ihren Wirkungen verschiedener Krankheiton bezeichnet werde. Das Wesen des Anthrax beruhe in einer äusserst scharfen, fressenden und wirklich giftigen Materie, die sowohl durch Nahrung und Getränk, als durch Einwirkungen der Atmosphäre in dem Körper der Thiere erzeugt worden kannquot;.
Eine zusammenfassende Darstellung der früheren Lehre vom Milzbrand hat Veith (Handb. der Vct.-Kundo) mitgetheiit, der eine Reihe von Seuchenquot; dem Anthraxfieber unterstellt und dasselbe definirt: als eine ursprünglich epizootischo oder enzootischo, unter gewissen Verhältnissen auch contagiöse hitzige Krankheit, die vom Pfortadersystem aus das ganze Blutgofässsystem ergreift, die Säftemasso krankhaft verändert, durch Stockungen in den grossen blutreichen Eingeweiden, durch heftige Entzündungen, durch Neigung zu fauliger Zersetzung, Uebergang in Brand und durch Auffahren von Anschwollungen unter der Haut ausgezeichnet istquot;. In der Aetiologio wird Witterungseinfiüssen (grosso Hitze), starker Anstrengung der Thiere und dem Genüsse verdorbenen Futters oder Getränkes die grösste Bedeutung zugeschrieben. Die schon von Grove (1818) beschuldigte Sumpfluft sollte nach Veith, wie auch Hayno angenommen hatte, bei den Thicren eine besondere Diathesc (Milzbrand-Constitutionquot;) veranlassen und den Ausbruch der Krankheit begünstigen. Aus den ursächlichen Einflüssen müsse eine Mischungsänderung mit grösserer Venosität und Verdichtung des Blutes entstehen, worin das Wesen des Milzbrandes beruhe. Gegenüber der Ansicht, dass sich im Blute ein besonderer Stoff (Anthraxmateriequot;) bilde, spricht sich Veith sehr reservirt aus. Zu den raquo;Anthraxfiebernquot; rechnet derselbe: 1. den gemeinen Anthrax oder Milzbrand mit den Unterarten a) dos Anthrax-fiebers; b) der Anthraxkarbunkcln und c) anderweitiger Karbunkelerscheinungen (fliegendes Feuer oder weisser Karbunkel, brandiger Rothlauf etc.); 2. den Zungenanthrax; 8. den Halsanthrax (Bräune) der Schweine; 4. den Rothlauf (das heilige Feuer) bei Schafen und Schweinen; 5. das Rückenblut oder Lendenblut. - Ohne erhebliche Abweichungen von dem Standpunkte, welchen Veith in der Milzbrandfrage vertreten hatte, nahmen die einflussreichston Autoren der folgenden Jahrzehnte eine eigenthümlichc Mischungsänderung des Blutes (Milzbranddyskrasie) als das Wesen der Krankheit an, deren erkennbarer Ausdruck die Hyper-oarbonisatlon des Blutes und das Abscheiden gelblicher Exsudate und Trans-sudate (Milzbrandmaterioquot;) waren. Hering (Spec Path, und Ther.) trennt das Anthraxfieberquot; in: 1. Milzbrandficber; 2. rothiautärtige-, 3. tuberkulöse und pustulöso-, 4. minder bekannte Formen (sibirische Beulcnseuche, Hühnerpest). Von Körber (Seuchen, 1835) werden beim
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
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Milzbrand des Rindes untersohiedon: 1. Anthrax acutissimus; 2. Milz-brandfieber mit mehr langsamem Verlauf und 3. der Milzbrand mit Karbunkeln. Dieselbe Eintheilung hat auch Haubner aeeeptirt. Spinn la (Spec. Path, und Ther., I. 1855) beschränkt die Form Verschiedenheiten auf: 1. das Milzbrandfieher, 2. den Milzbrandrothlauf, 3. die Milzbrandpustel und 4. die Milzbrandbeule. Das Rind soll nur in zwei Hauptformen (Milzbrandfieber und -karbunkeln) erkranken, unter welche alle Modificationen der Symptome und des Verlaufes zu subsummiren seien.
In der Aetiologie und Pathogenose des spontanen Milzbrandes waren die Autoren bis zur Mitte des gegenwärtigen Jahrhunderts kaum über speculative Betrachtungen hinausgekommen. Nur von der Ansteckung hatten die seit 100 Jahren in grosser Zahl gesammelten Krankheitsfälle eine gute Kenntniss der Pathogenese ermöglicht, obgleich die Ueber-tragung durch Insectonstiche als zweifelhaft hingestellt oder gänzlich negirt wurde. Dressier (Mag, III, 1834) beschuldigte die chemischen und dynamischen Wirkungenlaquo; der atmosphärischen Elektricität; er hatte aber mit seiner Hypothese keinen nennenswerthen Erfolg, obwohl nicht verkannt wurde, dass beim Tode durch Blitzschlag das Blut dieselbe Beschaffenheit hat, wie beim Milzbrand. Körber (1. c.) dachte sich, dass die anhaltende Hitze im Sommer theils direct durch Erschlaffung der thierischen Functiononquot; beim Rinde nachtheilig werden, theils indirect dem Futter, dem Getränk und der Luft krankmachende Eigenschaften mittheilen könne. Ausserdem sollte aus der Athmung von Sumpfluft und dem Gonuss von befallenem Futter oder mit faulenden vegetabilischen Substanzen verunreinigtem Wasser der idiopathische Milzbrand hervorgehen. Den Grundsätzen der Pathologie jener Zeit entsprechend hat GerUch (Blutseuche der Schafe, 1846) das Wesen der Seuche in einer primären Veränderung des Blutes vorausgesetzt, die bei idiopathischer Entwickelung vom Darmkanal ausgehe und durch Zuführung sehr differenter pathischor Stoffe bewirkt, bei der Ansteckung aber durch Aufnahme des Ansteckungsstoffes auf verschiedenen Wegen herbeigeführt werden könne. Der damals in der Wissenschaft massgebende Standpunkt wird durch folgenden Passus (1. c., S. 39) veranschaulicht. Das Blut wird wie bei der Melanosität entartet, die Blutkügclchen verlieren ihre lebendige tonische Kraft, Faserstoff und Eiwcissstoff werden vermindert; statt dessen bildet sich eine oigenthümliche gelbe, sulzige Materie (Anthraxmalcrie); die Gerinnungsfähigkeit geht gradatim verloren, die Vitalität wird beeinträchtigt und gänzlich aufgehoben, Kohlon-und Wasserstoff werden vorherrschend, ein Contagium wird entwickelt;
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das Blut neigt zur Dissolution und dor Chemismus überhaupt tritt hervor.quot; Als wesentliche Ursache betrachtete Gerlach, der die Seuche im Mans-felder Gebirgskreiso viele Jahre hindurch boobachtoto, den Genuss dos auf humusreichem kalkhaltigem Boden mit hochstehender Dammorde und durchlassendem Untergründe wachsenden Futters, in welchem die den Milzbrand erzeugenden Schädlichkeiten zu präsumiren seien. Auch das Getränk könne, wenn es vegetabilische Stoffe enthalte und durch die Wirkung der Sonnenhitze eine schädliche ßeschalfenhoit bekommen habe, den Anthrax hervorbringen.
Einen Umschwung in der ätiologischen Beurtheilung des Milzbrandes brachte Heusinger (Milzbrandkrankheiten, 1850), der als generelle Ursache die Malaria betrachtete, im Uebrigen aber die Ansteckungs-fähigkoit in jedem Krankheitsfall voraussetzte. Es ist keinem Zweifel unterworfen, dass die allgemeinste und wesentlichste Schädlichkeit, welche
den Milzbrand erzeugt, in dem MalariastolT bestehtquot;..... Nach den
vorliegenden Erfahrungen ist jeder Milzbrand und so auch der ursprüngliche, durch miasmatische Infection entstandene, contagiös.quot; Heusinger ist demnach der erste gewesen, der den Milzbrand als eine miasmatisch-contagiösc Krankheit erörtert hat. Mit grösseror Schärfe präcisirte Virchow (Handb. der spec. Path., II, 1855) die Malariatheorie. Entsprechend der Entstehung aus einem septischen Ferment, als welches wir am Ende die Malaria doch auffassen müssen, trägt auch die ganze Krankheit den eminent septischen Charakter.laquo; Zugleich urgirte Virchow zutreffend, dass mit der Diagnose des Milzbrandes zu wenig vorsichtig verfahren werde.
Die bakteriologische Erforschung der Aetiologie beginnt mit der Auffindung der stäbchenförmigen Körper im Blute milzbrandkranker Thiere durch Pol lend er (1855) and Brauell (1867). Letzter fand die Stäbchen schon vor dem Ableben der Thiere im Blute. Davaine (1863), welcher dieselben zur Unterscheidung von den Fäulnissbakterien Milzbrand-Bakteridienquot; nannte, behauptete ihre Identität mit dem In-foctionsstoff. Auch Bellinger (Zur Pathol. des Milzbrandes, München, 1872) sprach sich für die pathogenc Natur der Bakterien aus. Auf Grund der von Davaine und Bellinger beschriebenen Eigenschaften benannte Cohn (1872) den Milzbrandorganismus Bacillus Anthracisquot;. Die wegen der krankmachenden Wirkung desselben erhobenen Zweifel wurden endgültig beseitigt durch R. Koch (in Cohn's Beiträge zur Biologie der Pflanzen, 1877 und Mittheil, aus dem K. Gesundheitsamte, 1, 1881), welcher zuerst die künstliche Cultur des Anthraxbacillus lehrte und den Nachweis erbrachte, dass derselbe ausserhalb des Thierkörpers
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i'iünbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infoditms- and Intoxioatiouslcrankheiten.
Sporen bildet, welche auf geeigneten pflanzlichen Nährsubstraten oder im Körper der empfänglichen Thiorc wieder zu Baoillcn auswachsen.
Aetioiogie. Die Ursachen des Milzbrandes sind nur durch das biologische Verhalten des Milzbrand-i3acillus zu verstehen. Derselbe gehört zu den Spaltpilzen und im Sinne Pasteur's zu den aeroben Parasiten. In der Vegetationsform, in welcher die ßacillen das Wesen der Milz-brandkrankheit darstellen, erreichen sie eine Länge von 9 11 fi, Sie sind geradlinig, zum Theil auch etwas geknickt (die Andeutung einer Quertheilung) oder leicht gebogen, von cylindrischor Gestalt und an den Enden scharf zugestutzt. Wie R. Koch erwiesen hat, wachsen die Milz-brandbacillen ausserhalb der lebenden Thiere auf günstigen Nährböden zu langen Fäden (sporogene Bacillen), in welchen die Sporen (die Fruchtform des Bacillus Anthracis) entstehen. Aus den Sporen entwickeln sich unter geeigneten Bedingungen wieder Bacillen.
Die Sporenbildung ist nach R. Koch an eine Temperatur von 18,0 42,0deg; C. gebunden; das Temperatur-Optimum liegt bei 35,0deg;. Dieselbe erfordert ausserdem die Gegenwart von Sauerstoff und geeignetem Nährmaterial. Im Blute und in den Geweben lebender Thiere können sieh keine Sporen bilden, weil es in denselben an der nothwendigen Menge von Sauerstoff fohlt, resp. weil der vorhandene Sauerstoff zu anderen Zwecken verbraucht wird. Auch im Innern der Cadaver erfolgt die Sporenbildung nicht, weil nach Koch die äussere Haut das Eindringen der atmosphärischen Luft verhindert. Nach Johne's Angaben sollen auch im Fleische geschlachteter milzbrandkranker Thiere keine Sporen entstehen können. Indess constatirte Schmidt-Mülheim (Arch, für animal. Nahrungsmittelk., 1889, Bd. IV., No. 7), dass an der Oberfläche des Fleisches die Sporenbildung möglich ist.
Günstige Nährstoffe für die Vegetation des Milzbrandorganismus ausserhalb des lebenden empfänglichen Thieres sind Blut, Blutserum, thierische Secrete und die verschiedensten künstlichen Nährlösungen; ferner Kartoffeln, namentlich gekochte, schwach alkalisches Infus von Heu oder Erbsenstroh, der Saft von rohen Kartoffeln, Mohrrüben, Futterrüben und rothen Rüben, sowie gequetschte stärkemehlhaltige Sämereien. Aus diesen Feststellungen zieht Koch (Mittheil, aus dem Kaiserl. Gesundheitsamt, I, S. 78) die wichtige Folgerung, dass es zahlreiche Pilanzenstoffe giebt, welche den Milzbrandbacillen einen zu ihrer Ent-wickelung und Sporenbildung ausreichenden Nährboden gewähren. Als Nährmaterial eignet sich aber nur abgestorbenes oder in seiner Con-tinuität gestörtes Pilanzengewebe.
Die Dauersporen des Bacillus Anthracis besitzen eine ausserordentlich
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grosso Tonacität und Widerstandsfähigkeit gegen thormische und ohemisoho Einflüsse. Sie behalten ihre Keimfähigkeit bei einer Temperatur von 6080deg; C, werden selbst durch die Siedehitze, wenn dieselbe nicht über 10 Minuten lang einwirkt, nicht zerstört. Durch die niedrige Temperatur des Winters (Frost und Schnee), auch durch Eintrocknung ihrer Vehikel gehen die Sporen nicht zu Grunde; dagegen werden sie durch Fäulniss zerstört, aber erst relativ langsam. Ausser dem Sublimat, Jod, Brom und Chlor können die sonst gebräuchlichen Desinfectionsmittel die Sporen nur nach längerer Einwirkung vernichten.
Seit langer Zeit ist bekannt, dass Rinder und andere Thiero durch den Genuss des Futters von sumpfigen, im Frühjahr überschwemmten Weiden oder durch die Aufnahme von Nahrungsmitteln, die auf bestimmtem Boden in den Milzbranddistrictenquot; gewonnen sind, am Milzbrand erkranken (spontaner oder genuiner Milzbrand). Wie II. Koch zuerst ausgesprochen hat, enthält der Boden in solchen Gegenden von jeher die Milzbrandsporen, die sich in den heissen Monaten auf ihnen zusagenden Nährsubstraten zu Bacillen entwickeln, aus welchen von Neuem Sporen hervorgehen. Mit dem Futter werden Sporen aufgenommen. Dieselben widerstehen der Einwirkung des sauren Magensaftes und gelangen in den alkalisch reagironden Inhalt des Dünndarms, in welchem sie die Bedingungen zum Aufkeimen finden. #9632; Dass auch die fahrlässige Behandlung der Milzbrandcadaver die Aussaat der Bacillen auf pflanzliche Nährstoffe ermöglichen kann, wurde von Koch näher begründet. Mit Bollinger und Ocmler ist daher anzuerkennen, dass die oberflächliche Vergrabung der Cadaver milzbrandkrankor Thiere eine ätiologische Bedeutung hat. Allein andererseits erklärt die von Koch ermittelte Vegetation des Bacillus Anthracis auf pflanzlichem Material für sich allein schon das Auftreten der Seuche in bestimmten Gegenden, so dass in zweifelhaften Fällen nicht auf die Vcrmuthung einer fahrlässigen Behandlung von Milzbrandcadavern zurückgegriflon zu werden braucht.
Aus den im Thierkörpor zur Keimung gelangenden Sporen des Milzbrandorganismus entstehen Bacillen, die sich am Orte ihrer Ansiedelung im Gewebe vermehren. Von hier aus erfolgt die Aufnahme der Bacillen in das Blut, in wclchera sich die Vervielfältigung durch Quertheilung schnell vollzieht. Daher finden sich im Blute eines am Milzbrand erkrankten Thiercs ausgewachsene und kurze Bacillen; letztere sind als die eben aus der Quertheilung hervorgegangene junge Exemplare anzusehen. (Vergl. W. Koch, Milzbrand und Rauschbrand, in Billroth-Lücke, Deutsche Chir., Lief. 9, 1886.) Bei dieser Vegetationsform des Bacillus Anthracis entstehen keine Sporen (asporogene Bacillen).
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128nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxloatlonskranlcholten,
Nach den Versuchen von R. Kooh können die Milzbraudstäbchon, welche mit dem Futter iiufgenommen werden, die Krankheit nicht hervorbringen, weil sie durch den sauren Magensaft zerstört werden. Bei Hunden und Katzen sollen nach der Aufnahme grosser Quantitäten von Fleisch eines niilzbrandkranken Thieres lebende und wachsthumsfähige Bacillen in den Dann gelangen. Wenn bacillenhaltiges Blut in die Subcutis oder in die Schleimhäute eingeimpft resp. durch Insecten in die Haut gebracht wird, so können sich die Bacillen an der Impfstelle im Gewebe vermehren (Anthraxkarbunkel). Ein Theil derselben gelangt in das Blut, welches die günstigsten Bedingungen für ihre rapide Vermehrung bietet.
Der Bacillus Anthracis erhält sich hiernach auf pflanzlichem Nährmaterial in beiden Vegetationsformen (Dauersporen und Bacillen), während er im lebenden Thier nur in der Form der Bacillen vegetirt. Für die pathologische Betrachtung repräsentiren die Sporen den ectogonen Infectionsstoff (das Milzbrandmiasma), die asporogenen Bacillen den endogenen Infectionsstoff (das Milzbrandcontagium im engeren Sinne).
üeber die Bodenbeschaffenheit, welche die Conservirung des Milzbrandorganismus begünstigt resp. die Eruption der Seuche vermittelt, finden sich in der Literatur seit 100 Jahren zahlreiche Mittheilungen. Allgemein bekannt ist, dass das Futter in vielen, der üeberschweramung ausgesetzten Niederungsgegonden an den Ufern der Flüsse, sowie in Sümpfen und Vertiefungen (Tümpeln), in welchen sich die atmosphärischen Niederschläge während des Winters und Frühjahrs ansammeln, mit dem Milzbrandinfectionsstoff (den Sporen des Bacillus Anthracis) behaftet ist. Auf grösseren Weidellächen sind es oft nur kleine Gebiete, auf welchen sich die Rinder die Krankheit zuziehen. Bei anhaltend trockener Witterung und deshalb vorwaltend in den Monaten Juli und August sinkt das Grundwasser, so dass die oberen Schichten des Bodens austrocknen. Sehr wahrscheinlich gelangen nun durch die Luftströmung im Boden die Sporen des Anthraxbacillus an die Oberfläche, wo sie an den Pflanzen haften bleiben. Der von Pasteur aufgestellten Theorie, dass die Regenwürraer den Infectionsstoff aus den tieferen Schichten des Bodens auf die Oberfläche bringen sollen, wird von Koch widersprochen. Andererseits kommt der Milzbrandorganismus in humusreichem Ackerboden, dessen Untergrund aus Lehm, Kalk oder Schiefer besteht und nicht durchlassend ist, oft vor. Lange Zeit vor der Entdeckung des Bacillus Anthracis haben Hildebrandt, Körber und Gerlach in der Provinz Sachsen constatirt, dass die Milzbrandgüterquot; zum Theil solchen Boden besitzen. Beobachtungen von Bollinger, Oemler und Roloff beweisen, dass bei ungeeigneter Behandlung der Milzbrandcadaver sich
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der Infcctionsstoff an den Verscharrungsplätzen im Boden viele Jahre erhält. Das an solehen Stellen gewonnene oder in Mieten einige Zeit gelagerte Futter kann nach der Verabreichung bei Rindern den Ausbruch der Seuche veranlassen, Endlich enthält auch das Trinkwasser aus Sümpfen, Lachen und Gräben, besonders wenn dasselbe durch Abfälle von Milzbrandcadavern verunreinigt wurde, den Infcctionsstoff nicht selten.
Von dem Grünfutter, welches in den Milzbranddistricten auf dem Felde gebaut wird, gelten die üppig gewachsenen Leguminosen (rother und weisser Klee, Esparsette, Wicken und Erbsen) als besonders gelähr-lich. Audi am Trockenfutter kann der Infectionsstoff haften und auf den Milzbrandgüternquot; kommt die Seuche bei Rindern nicht selten während der Wintermonate nach dem Genüsse solchen Futters zum Ausbruch. Gerlach (ßlutseuche, 1846) beschuldigt am meisten das KaiT von Gerste, Weizen, Roggen und Erbsen. Die Stallstreu oder der Boden im Stalle ist oft als Träger des Infectionsstoffes ermittelt worden (Stallmilz brandquot;).
Die Anlage zur Erkrankung am Milzbrand erhöht sich nach vielseitigen Erfahrungen durch die intensive Ernährung der Rinder. In den Milzbranddistricten werden die frisch zugekauften Thiere in grössercr Zahl von der Seuche befallen, als die von Jugend auf an die localen Verhältnisse gewöhnten oder aeclimatisirtenquot; Rinder.
Pathogeiicse. Auf den in der Regel sehr stürmischen Verlauf, den ausgesprochen fieberhaften Charakter und den Verlust der Gerinnungsfähigkeit des Blutes beim Milzbrand suchten die älteren Autoren die Ansicht zu begründen, dass die Krankheit von einer eigenartigen Mischungsanomalie des Blutes ausgehen müsse. Mit dieser Vorstellung stehen die Jetzt obsolet gewordenen Krankhcitsnamen: Wildes Geblüt; Blutkrankhoit; Blutstaupe; Blutseuche und Brandblut in Vorbindung. Dem sich zuweilen apoplektisch vollziehenden tödllichen Vorlaufe entspricht die ältere Bezeichnung des Anthrax als.: Blutschlag, Teufelsschuss und Erdsturz. Die Namen: Milzbrand, Milzseucho, Milzfieber und brandige Milzentzündung verdanken ihre Entstehung den augenfälligen krankhaften Veränderungen der Milz bei den am Anthrax gefallenen Rindern. Nach dem Befunde der gelblichen Exsudate und Transsudate sind die Ausdrücke: Gelbes Wasser und gelber Schelm gewählt worden. Endlich gab das Auftreten der Milzbrandgeschwülste in der äusseren Haut die Veranlassung zu den Namen: Karbunkelkrankheit und Knotenkrankheit.
Die Eingangspforte für den Milzbrandinfectionsstolf bilden entweder Dicckcriioff, Spec. Pathologlt a. Therapie, n. nil.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; g
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130nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und tntoxloatiönskrankheiten.
die inneren Organe (innerer Milzbrand) oder die äussere Haut (äusse-rer Milzbrand).
Der innere Milzbrand (genuiner M.; Darmmilzbrand; Eingeweidemilzbrand; Milzbrandfieber; Füttorungs-M. früher auch spontaner M. und M. ohne Localisationen genannt) beginnt mit der Infection der Darmschleimhaut. Dass beim inneren Milzbrand der Rinder der Infectionsstoff durch die Lungen in den Körper gelangt, ist nach den Erfahrungen der Praxis unwahrscheinlich, obschon Peser, Lemke und Buchner auf experimentellem Wege durch Einverleibung der Bacillen in den Respirationstractus den Ausbruch der Krankheit bei den Versuchsthieren herbeiführen konnten (Inhalations-Milzbiand). Enderion (D. Zeitschr. f. Thiermed., XV) fand, dass die Milzbrand-sporon nach der Inhalation sehr leicht durch die Lungen in das Blut gelangen und schon in relativ geringer Menge eine tödtliohe Erkrankung der Versuchsthiere bedingen. Die im Darm aus den vorschluckten Sporen sich entwickelnden Bacillen dringen in die Schleimhaut und verursachen eine schwere Entzündung mit blutiger Infiltration. Innerhalb einiger Stunden erfolgt nun die Aufnahme von Bacillen aus der Darm-schleirahaut in das Blut, in welchem sich dieselben ungemein schnell vermehren. In grosser Zahl werden die Stäbchen mit der Circulation in die Capillaron zahlreicher Organe, besonders der Milz, dor Magen-Darmschleimhaut, der Respirationsschleimhaut, der Lungen, Leber und Nieren gebracht. Sie verursachen bei starker Anhäufung oft die Zer-reissung einzelner Capillaren und den Austritt von Blut in die betreffenden Organe. Wie schon von Braueil ermittelt und von Davaine und Bellinger bestätigt wurde, dringen die Bacillen des Milzbrandes bei tragenden Thieren nicht in den Kreislauf des Fötus. Die Placenta ist für dieselben ein natürlicher Filtrirapparat. Im Blute der grossen Ge-fässe und des Herzens finden sich die Bacillen gewöhnlich nur vereinzelt. Das Blut selbst wird dunkel und zähflüssig. In Folge irritativer Erkrankung der Lymphdrüsen vergrössert sich die Production der weissen Blutkörperchen (Leukocytose). An den rothen Blutkörperchen sollen in schworen Krankheitsfällen Gestaltveränderungen eintreten (Poikilocytose). In den Capillaron und venösen Gefässen der Milz, der Lungen und der Magen-Darmschloirahaut häuft sich das Blut an. Schon im Beginn der Erkrankung entsteht Fieber mit einer Erhöhung der Temperatur bis auf 42,0deg;. Die Energie des Herzens nimmt ab und die Secretion der grossen drüsigen Apparate verringert sich. Weiterhin bildet sich rcgelmässig eine hämorrhagische Diathose mit Blutungen in zahlreichen Organen aus. Die Bluistauung bedingt eine Transsudation von Liquor sanguinis zwischen
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die Blätter des Mesenteriums und des Mediastinums, sowie eine ödema-töse Infiltration der Lungen und der Darmschloirahaut. Blutergüsse in die Subcutis (metastatische Karbunkeln der Haut) werden beim genuinen oder Darm-Milzbrand des Rindes nicht häufig beobachtet.
Ob die Anthraxbacillen die vorbezeichneten Wirkungen lediglich dadurch zu Stande bringen, dass sie den rothon Blutkörperchen Sauerstofl' entziehen (Bollinger), oder ob ihre Producte (Toxine, Milzbrandalka-loide) die Function der wichtigen Organe schwächen resp. vernichten, ist nicht mit Sicherheit ausgemacht.
Bei dem äusseren Milzbrand (Hautanthrax; Impfmilzbrand; früher auch Karbunkolmiizbrand oder M. mit Localisationen genannt) erfolgt die Uebortragung des Infectionsstoffes durch Insectcn. Schon Glaser (Tödtliche Knotenkrankheit unterm Rindvieh, 1780) war überzeugt, dass die Entstehung der Hautkarbunkeln auf der Uebermitte-lung des Milzbrandvirus durch Insecten beruht. Obschon diese Annahme oft bezweifelt wurde, weil die gefährlichen Insecten selbst nicht genau bezeichnet worden konnten, so führte die Beobachtuug der betreffenden Krankheitsfälle doch immer wieder auf dieselbe zurück. Hintermayer, dessen Wahrnehmungen aus dem Jahre 1846 datiren und in Kreutzor's Centralarchiv, III, S. 441 niedergelegt sind, beschuldigt die Bremsfliege (Tabanus). In der neueren Zeit haben Davainc, Raimbert und besonders Bollinger die Uebortragung des Mitzbraiidbacillus durch Insecten an der Hand cinwandsfreier Thatsachcn demonstrirt. Indess sind die hierbei in Betracht kommenden Insectenarten nicht vollständig bekannt. Als gefährlich gelten die Haus- und Schmeissfliege, die Bremsfliege und die fliegenartigen Mücken. Ich habe den äusseren* Milzbrand beim Rinde mehrfach beobachtet, aber stets nur im Sommer beim Weidegang. Als J874 der Anthrax unter den Hirschen im Grunewald bei Berlin herrschte, erkrankten ausser mehreren Personen auch Pferde und Kühe in der Nähe der verseuchten Wildstände. Die Ansteckung konnte nur durch Insecten, welche auf den Cadavern der gefallenen Thiere schmarotzt hatten, bewirkt sein.
Dass sich die Rinder auf der Weide die Haut an den unteren Pussenden einritzen und darauf mit den an pflanzlichen Gegenständen haftenden Milzbrandbacillen oder -sporen inficiren sollen, ist in der Literatur oft behauptet worden, nach thatsächlichen Feststellungen aber nicht zu begründen. An den unteren Fussenden kommen die Karbunkeln nicht vor. Ebensowenig ist die Annahme berechtigt, dass die Maulschlcimhaut bei zufälligen Verletzungen das Atrium morbi sei. Die von den Autoren als Zungenmilzbrand (Glossanthrax) beschriebene Anthraxform wird über-
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haupt nicht beobachtet, Die Thatsacho, dass durch absichtlicho Impfung mit ßacillen in der Maulschlcimhaut oder in der Haut an den Fussenden die Kiankheit beim Rinde hervorgebracht werden kann, beweist selbstrodend nicht, dass diese Organe bei der gewöhnlichen Ansteckung betheiligt sind.
Der primäre Hautkarbunkel kommt an der inneren Fläche der Hinterschenkel, am Bauche, Thorax, Hals und Kehlgang am meisten vor, kann aber auch an anderen Regionen entstehen. Durch die Stiebe der mit dem Milzbrandvirus behafteten Insecten gelangen Bacillen unter die Epidermis. Sie dringen in die Haut, vegetiren daselbst und vermehren sich. Durch ihre phlogogeue Wirkung entsteht eine erysipelatöse Entzündung mit reichlicher serös-fibrinöser Exsudation und multiplen Extra-vasaten (Karbunkel). Die Geschwülste erlangen in 1 3 Tagen eine relativ grosso Ausbreitung und einen ödematösen Charakter. Durch die Resorption von Entzündungsproducten und durch den üebertritt von ßacillen in das Blut kommt die fieberhafte Allgemeinaffectiön zu Stande. Dass die Ausbildung der letzteren nicht so schnell erfolgt, als beim Darmmilzbrand, erklärt sich dadurch, dass nur wenige Bacillen durch Insectenstiche übertragen werden, oder dass dieselben zunächst nur in die Haut und erst später in die Subcutis gelangen und endlich, dass wie R. Koch gezeigt hat auch andere phlogogene Mikroorganismen gleichzeitig in die geschwollene Partie der Haut und Unterhaut eindringen, welche die Vegetation der Milzbrandbacillen behindern. Der infectiöse Charakter der Hautkarbunkeln bedingt stets die Mitaffection der regionären Lymphdrüsen, welche eine hämorrhagischo Infiltration erleiden. Die inneren Organe erkranken in gleicher Art, wie beim Darmmilzbrand. Indeslaquo; wird die Gastro-Intestinalschleimhaut nicht regel-raässig und oft nur in geringem Grade afficirt. Dagegen entsteht, soweit der äussere Milzbrand tödtlich verläuft, stets eine starke Schwellung der Milz und eine parenehymatöse Trübung des Herzens.
Syniptome. Es bedarf kaum der Angabe, dass die verschiedene Dauer der Krankheitsfälle und die besonderen Localaffectionen die Symptome erheblich modificiren können. Wesentlich für die Gesammtbotrachtung sind:
1) Fieber mit Erhöhung der Bluttemperatur bis zu 41,5deg; und darüber.
quot;2) Allgemeine M uskelsch wache, Beschwerde beim Aufstehen, Mattigkeit, Eingenommenheit des Bowusstseins, stierer Blick und mitunter Erweiterung der Pupille, gesenkte Haltung des Kopfes und schwankender Gang.
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3)nbsp; nbsp;Zittern der Haut und Zuckungen in den oberflächlich liegenden Muskeln der Schulter, des Halses und der Flanken; rauhe, aufgebürstete Beschaffenheit dos Deckhaars.
4)nbsp; nbsp;Sistirung der Futteraufnahme und der Rumination; Verzögerung der Dartnentleerungen und leichter Meteorismus (Anschoppung) des ersten Magens.
5)nbsp; nbsp;Versiegen der Milchsecretion bei Kühen.
6)nbsp; nbsp;Pulsfrequenz bis zu 100 und mehr Schlägen in der Minute; Puls klein, schwach, oft ungleich und zuletzt drahtförmig.
7)nbsp; nbsp;Beschleunigte und dyspnoische Respiration mit stöhnenden Lauten, besonders in don letzten Stunden vor dem Tode.
8)nbsp; nbsp;Venöse Röthung, später cyanotische Färbung der Kopfschleimhäute, zuweilen auch kleine blutige Herde in der Conjunctiva.
9)nbsp; nbsp;Karbunkulöso Goschwülste in der Subcutis; bei der Entstehung der Krankheit durch Infection in der Haut constant; beim Darmmilzbrand nicht häufig.
Verlauf und Ausgang. Die Erscheinungen dos genuinen oder spontanen Milzbrandes stellen sich innerhalb 2 Tage, oft schon 10 30 Stunden, in einzelnen Fällen aber erst 3 5 Tage nach der Aufnahme des In-fectionsstoffes ein. Nach der Dauer der Krankheitsfälle wird ein per-acuter, acutor und subacuter Verlauf dos Milzbrandes bei Rindern unterschieden. (Vergl. Hertwig im Art. Milzbrandquot; des Enoyclop. Wörterb. der med. Wiss., Berlin 1840 und Bellinger, Zur Pathologie des Milzbrandes, München 1872).
1) Der peracute Verlauf (apoplektischer Milzbrand, Anthrax acutissimus) kommt in einzelnen Gegenden häufiger vor, als in anderen und wird sehr wahrscheinlich durch die Aufnahme einer relativ bedeutenden Menge des InfectionsstofFos, vielleicht auch durch eine grosso Virulenz des letzteren bedingt. Hierbei kann sich die Dauer der offenkundigen Krankheit auf 530 Minuten beschränken. Die betreffenden Thiero gehen ausnahmslos zu Grunde. Ob dem augenfälligen Ausbruch der Symptome eine fieberhafte Steigerung der Körpertemperatur vorausgeht, ist nicht bekannt. Kaum, dass die Thiere dyspnoisches Athmen, Taumeln, allgemeine Schwäche, ängstlichen, stieren Blick, Aus-stossen brüllender Klagelaute mit Vorstrecken der Zunge und cyanotische Färbung der Maulschleimhaut bekunden, so brechen sie machtlos zusammen und verenden unter asphyktischen Krämpfen. Gleich nach dem Tode entleeren sich blutlialtige Ausflüsse aus Maul, Nase und After. Solche Krankheitsfälle können sich bei Rindern auf der Weide, im Stalle oder bei der Arbeitsleistung ereignen. Im Stalle orkrankon die Thioro
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mitunter während der Fiittoraufnahme, so dass bei der Obduction der Cadaver noch ein halb zerkauter Bissen im Maul wahrzunehmen ist.
2)nbsp; nbsp;Der acute Verlauf (Anthrax acutus), welcher die grosse Mehrzahl der Krankheitsfälle umfasst, dehnt sich auf 10 50 Stunden aus. Mitquot; Fieber, gesträubter Stellung des Deckhaars, Horripilationon, grosser Herzschwäche, starker Pulsbeschleunigung und Dyspnoe beginnend, bedingt die Krankheit nach wenigen Stunden einen allgemeinen Verfall der Kräfte. Die Thiore können sich nur mit Mühe oder gar nicht mehr vom Boden erheben. Starke Apathie, stierer Blick, Cyanose der Lippon-schleimhaut und Arhythmie des Pulses. Demnächst die Merkmale der Gastro-Enteritis: Stöhnen, drahtförmiger, sehr frequenter Puls und venöse Färbung der Kopfschleimhäute. Zuweilen bilden sich Karbunkelgeschwülste an den Gliedmassen oder am Rumpfe aus. Die Krankheit endet regelmässig mit .dem Tode; die Genesung ereignet sich nur ausnahmsweise, und dann stets unter raschem Abfall der Krankheitserscheinungen innerhalb 12 Tage.
3)nbsp; nbsp;Der subacute Verlauf (Anthrax subacutus), bei welchem sich die Krankheitsfälle auf 36 Tage hinziehen können, ist beim Rinde selten. Fieberhafte Steigerung der Blutwärme, Mangel an Appetit und Verzögerung der Rumination neben häufiger Aufnahme von Trinkwasser in kleinen Mengen begleiten die Krankheit im Initialstadium. An den beiden folgenden Tagen entwickelt sich daneben die mehr augenfällige Störung des Allgemeinbefindens: Aufbürstung des Haars; Schüttelfrost; Pulsfrequenz; constilutionelle Ermüdung und bei Kühen Aufhören der Milchsecretion; schmutzig rothe Färbung der Schleimhäute; Ausscheidung von dunklen, klebrigen Darmexcremcnten; schnelle Abmagerung; Zusammenfallen des Bauches und Zurücktreten des Augapfels. Durch die zunehmende allgemeine Schwäche verlieren die Thiere bis zum 3. oder 4. Krankheitstage die Fähigkeit, sich vom Boden zu erheben. Der Tod erfolgt unter dem Bilde der Entkräftung.
Einen intermittirenden Verlauf des Milzbrandes (Anthrax intormittens), von welchem in der älteren Literatur Hertwig u. A. berichten, hat Bellinger (1. o.) bei einigen Rindern beobachtet. In den Intervallen zeigten die Thiore keine Krankheitssymptome.
Der Verlauf des primären Hautmilzbrand (Karbunkel-Anthrax im Sinne der älteren Autoren) erstreckt sich auf 27 Tage. Am meisten findet die Infection mit nachfolgender Karbunkelbildung in der Haut der Unterschenkel, sowie unter dem Bauche, an den Vorarmen, vor der Luftröhre und am Unterkiefer statt. Anfänglich hat ein solcher Karbunkel die Form einer kleinen flachen Anschwellung oder Beule (Knoten); er
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vergrössert sich aber innerhalb eines Tages zu einer umfangreichen, derben und in geringem Grade ödemalösen Geschwulst. Wegen der Schmerz-emplindung sind die Thiero gewöhnlich am Aufstehen behindert. Nach Einschnitten entleert sich aus den Karbunkeln röthliches Serum, gewöhnlich nur in geringer Quantität. Die Geschwulst enthält gelb-sulziges, gallertartig geronnenes ßlutfibrin, welches stellenweise mit Blutstriemen durchsetzt ist. Die allgemeinen Krankheitssymptome bestehen in: Fieber, Appetitmangcl, Sistirung des Wiederkauens und Verzögerung der Darmausschoidungen. Wenn die Krankheit zum Tode führt, so liegen die Thiero hülflos auf einer Seite und stöhnen fast bei jedem Athem-zuge. Nach zeitig ausgeführten längeren Schnitten durch die Karbunkel und passender Localbehandlung sind manche Fälle zu heilen. Die Genesung kommt nach 8 14 Tagen zu Stande.
Als Ortsseuche nimmt der Milzbrand einen sehr verschiedenen Verlauf, weil die Zahl und Aufeinanderfolge der Krankheitsfälle in kleinen und grösseren Rindviehbeständen von der Gelegenheit zur Aufnahme des Infectionsstoffes abhängig ist. Oft erkranken nur einzelne Thiere innerhalb mehrerer Monate oder eines Jahres. Es vergehen auch zuweilen einige Jahre, bis in den betreflenden Gutswirthschaften oder Gemeinden ein zweiter Krankheitsfall sich ereignet. Andererseits werden aber nicht selten von grösseren Beständen 10 20 Stück innerhalb weniger Tage hingerafft. Das Viehseuchen-Gesetz für das deutsche Reich unterscheidet hiernach für Gegenden, in welchen sich die Seuche ständig zeigt (Milzbrand-Districte), zwischen sporadischem und seuchonartigera Auftreten des Milzbrandes.
Sectionsergebniss. Nach kurzer und unvollständiger Todtcnstarre erkalten die Cadaver langsam. In wenigen Stunden entsteht starkor Me-tcorisraus des Magens und Darmkanals. Schnelle Fäulniss mit Gas-entwiekelung in der Muskulatur und in den inneren Organen. Aus der Nase entleert sich schaumiges Blut und aus dorn After, wie aus dem Maul oft eine geringe Menge schwarzrothen oder schmutzigen flüssigen Blutes. In Folge des Meteorismus entsteht Prolapsus recti. An der inneren Fläche der Haul, sind die Venen und Capillaren mit dunklem Blut gefüllt; das subeutane Gewebe ist stellenweise mit I5lutcxtravasaten und gelbsulzigon Ergüssen durchsetzt. Skeletmuskulatur weich, mürbe, wie gekocht, von gelbrothcr oder brauner Farbe, an manchen Stellen auch mit Blut infiltrirt. Bauchhöhle, Brusthöhle, Herzbeutel und Gallenblase enthalten gewöhnlich eine geringe Menge blutiger Flüssigkeit. Hämorrhagische Herde in den serösen Häuten. Milz vergrössert, oft 45 Mal die normalen Dimensionen übersteigend, von schwarzrother
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186nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiton.
Farbe und zuweilen durch blutige Herde von höckeriger Gestalt. Beim Einschneiden quillt die erweichte Milzpulpa hervor und von den Schnittflächen entleert sich theerartig geronnenes Blut. Leber und Nieren durch trübe Schwellung des Parenchyms vergrössert. Die grossen venösen Gefässo sind mit schwarzrothem, schmierig geronnenem Blut gefüllt. In der Schleimhaut des Labmagens und Dünndarms hämor-rhagischo Herde und diffuse entzündliche Schwellung mit dunkclrother Färbung. Beim primären Hautmilzbrand wird indess die Magen-Darm-schloimhaut oft normal befunden. Die grössoren Lymphdrüsen sind durchfeuchtet, geschwollen und oft mit blutigen Herden durchsetzt. Das Herz ist ausgedehnt und enthält in den Kammern unvollständig geronnenes, schwarzrothes Blut. Herzfleisch erweicht, auf der Schnittfläche trübe und mit kleinen blutigen Herdon durchsetzt. Lungen mit dunklem Blut gefüllt und ödematös infiltrirt. Bronchien und Luftröhre enthalten blutigen Schaum. In der Rachenschleirahaut braunrothe Schwellung und kleine oder grössere hämorrhagische Herde.
Diagnose. Die Symptome dos Milzbrandes sind an sich nicht patho-gnomisch. Vereinzelte Krankheitsfälle können daher intra vitam meist nicht mit voller Sicherheit diagnosticirt werden. Wenn aber die Seuche eine grössere Zahl von Rindern innerhalb weniger Wochen befällt, so sichert die Gleichartigkeit der Symptome die Diagnose. Durch die bald nach dem Tode erfolgende Erhebung des Sectionsbefundes lässt sich die Krankheit in der Regel feststellen. Von wesentlicher Bedeutung ist hierbei neben den übrigen Befunden die in hohem Grade entwickelte parenehymatöse und hämorrhagische Milzschwellung. Tndess kommen Fälle vor, welche sich ohne eine mikroskopische Untersuchung auf Milz-brandbacillen oder ohne Probeimpfung bei empfänglichen Thieren (Kaninchen, Meerschweinchen, Schafe) nicht mit Sicherheit diagnostioiren lassen. Wenn die Cadaver oder die denselben entnommenen Organe resp. die Blutproben durch Fäulniss erheblich verändert sind, so kann die mikroskopische Untersuchung ein bestimmtes Ergobniss nicht mehr liefern. Zur Untersuchung eignet sich eine Probe Blut aus dem Herzen oder ein Abstrich von der Schnittfläche der Milz. Die auf dem Objectträger dünn ausgebreiteten und angetrockneten Präparate werden mit Methylenblau oder Gentianaviolett getränkt und darauf abgespült. Wegen der Eigenschaften der Milzbrandbaoillen verweise ich auf die S. 126 angegebenen Merkmale. Dass zur Vermeidung einer Verwechselung mit anderen Ba-cillen grosse Aufmerksamkeit erforderlich ist, bedarf kaum einer Andeutung. In allen zweifelhaften Fällen kann nur die Impfung von Ver-suchsthieren mit Blut, besonders Milzblut oder mit dem Exsudat eines
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Milzbrand. Anthrax.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 137
Karbunkels Aufschlags geben. Liegt Milzbrand vor, so gehen die Impf-thiere nach 23 Tagen zu Grunde. Auch sind in den Blutproben derselben fiie Milzbrandbacillon mikroskopisch nachzuweisen.
Aus Irrthum werden die anderen, noch nicht genau bekannten septischen Infectionskrankheiten von perniciösem Verlaufe zuweilen für Milzbrand ausgegeben (vergl. das Capitel der Sophthämie). Apoplektische Todesfälle, welche wahrscheinlich auf einer Autointoxication beruhen, aber mit dem Milzbrand Nichts gemein haben, kommen beim Rinde oft vor. Indess bietet hierbei der Sectionsbefund, namentlich das Fehlen der Milzschwollung schon einen ausreichenden diagnostischen Anhalt. Der Verwechselung des Milzbrandes, mit den durch acute Vergiftungen oder durch Blähsucht und durch acute Castro-Enteritis in Folge der Aufnahme von verdorbenem Futter herbeigeführten Todesfällen lässt sich durch sorgfältige Erhebung des Thatbestandes iu der Regel begegnen. Sonst würde die mikroskopische Untersuchung auf Milzbrandbacillen oder die Probeimpfung entscheiden müssen.
Prognose. Der genuine Milzbrand erheischt regelmässig eine schlechte Prognose. Bei den relativ wenigen Krankheitsfällen, welche zur Genesung führen, stellt sich der günstige Ausgang unerwartet am 2. oder 3. Krankheitstage ein. Die frühzeitig unternommene Behandlung des primären Hautmilzbrand hat oft einen guten Erfolg. Unsicher ist beim genuinen Milzbrand ferner die Entscheidung der Frage, wie viel Opfer die Seuche aus dem betreffenden Viehstande in den nächsten Tagen, Wochen oder Monaten wegraffen wird. Nur in denjenigen Fällen, in welchen das Betreiben eines bestimmten Woideterrains oder die Verabreichung besonderer Futtermittel nachweislich zur Infection geführt hat, lässt sich durch Abwendung der ursächlichen Schädlichkeiten der Entstehung neuer Krankheitsfälle mit Sicherheit zuvorkommen.
Kchandlung. Trotz aller Versuche ist es bis jetzt nicht gelungen, ein erfolgreiches Heilmittel gegen den inneren oder genuinen Milzbrand aufzufinden. Die Thatsaohe der ausnahmsweisen Genesung eines Rindes giebt der Vermuthung Raum, dass sich lösliche chemische Stoffe im Körper der kranken Thiere bilden können, welche die Bacillen tödten oder doch ihre weitere Vegetation hemmen. Ueber die Natur solcher Stoffe ist aber Nichts bekannt. Die Darreichung von Desinfections-mitteln bleibt bei der Behandlung kranker Thicro wirkungslos. Versucht sind seit langer Zeit: Carbolsäute, Salicylsäure, Alaun, Eisenvitriol und in neuerer Zeit Sublimat (0,5 in Aq. 200 dreimal pro die). Auf die Empfehlung von Davaine ist die Lugol'sohe Lösung (Jod 1, Kai.
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138nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- unH Intoxicationskrankheiten.
jod. 2, Aq. 12, davon 2 Esslöffel in 1 Liter Wasser zweistündlich) oft, aber nicht mit erkennbarem Vortheil innerlich gereicht worden.
Nach symptomatischen Indicationen wurden früher: Rogiessungen des Körpers mit kaltem Wasser, die Application eines Aderlass und innerlich Kampfer, Salmiakgeist, Aether und andere erregende Modica-mentc in Anwendung gebracht. Ihre Wirksamkeit ist eben so fraglich, wie diejenige der viel gerühmten Abführmittel (Calomel, Neutralsalzo). Sehr wahrscheinlich beruhten die mit diesen Arzneisubstanzen erfolgreich behandelten Krankheitsfälle nicht auf Milzbrand,
Beim primären Hautmilzbrand (Karbunkelanthrax) empfiehlt sich die Application langer Einschnitte in die Geschwulst. Zur Behandlung der Schnittwunden: Carbolsäure, Creolin, Holzessig, Terpentinöl oder sonstige desinficirende Präparate. Dazu täglich 23 Mal warme Bähungen der gespaltenen Karbunkel mit Seifenwasser, Eichenrindendecoct oder Heusamenbrühe unter Zusatz von Chlorkalk. Nach dem Eintritt der Eiterung die gewöhnlichen Wundheilmittel.
ProphylaxU. Obschon die modicamentöse Präventivbehandlung der Kind Viehbestände in vielen Wirthschaften üblich ist, so lässt sich doch ein Erfolg derselben nicht beweisen. Am meisten in Gebrauch ist die tägliche Verabreichung einer Dosis von Salzsäure oder Karbolsäure, Salicylsäure, Creolin oder Jod.
Die diätetische Präventivcur basirt auf der Ermittelung der ursächlichen Schädlichkeit und erfordert demgemäss im Allgemeinen eine möglichst vollständige Aenderung in der Fütterung oder Haltung des Viehbestandes. Vermeidung der bisherigen Weiden oder des Futters, welchem muthmasslich der Infectionsstoff anhaftet. Wechsel des Trinkwassers. Herabsetzung des feisten Nährzustandes durch Verabreichung von abführend wirkenden Futtermitteln. Anderweitige Unterbringung der Thiere in unverdächtigen Stallungen. Desinfection der verseuchton Ställe. Wenn anzunehmen ist, dass der Infectionsstoff aus der Nachbarschaft in den Viehstall dringt und dass auf dieser Thatsache die sich oft wiederholenden Seuchenausbrücho beruhen, so kann die Errichtung eines neuen Viehstalls auf einem möglichst hoch gelegenen Terrain angezeigt sein.
Wegen der veterinärpolizeilichen Vorbeugung (Beseitigung der Cadaver, Desinfection der Standorte etc.) verweise ich auf das Seuchengesetz und die zu demselben erlassene Instruction.
Die Schutzimpfung gegen Milzbrand stützt sich auf die wissenschaftliche Thatsache, dass die Virulenz des Infectionsstod'es in dem Grade künstlich abgeschwächt werden kann, dass nach der Verimpfung
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desselben cine tödtlichc Erkrankung nicht eintritt. Schon 1862 versuchte der Thierarzt van Seramorn in Halberstadt (Zeitschr. dos landw. Cen-tralveroins für Sachsen, 1862, S. 28), einen brauchbaren Impfstoff durch Verdünnung von Blut eines milzbrandkranken Thicres mit Wasser (1 : 10) herzustellen. Die Versuche misslangen. Von Toussaint wurde 1880 erwiesen^ dass die 1015 Minuten unterhaltene Erwärmung des dofibri-nirten Milzbrandblutes auf 5055quot; C. die Energie des Infectionsstoffes wesentlich mildert. Demnächst hat Pasteur die Mitigation dadurch bewirkt, dass er eine künstliche Cultur des Milzbrandorganismus unter Zutritt von Sauerstoff längere Zeit auf einer Temperatur von 42 bis 43 0 C. erhielt. Der 24 Tage in dieser Art fortgezüchtete Infectionsstoff (Premier Vaccin) ist so schwach, dass nach seiner Verimpfung die Rinder nicht ernstlich erkranken, aber trotzdem weniger empfänglich werden. Der blos 10 14 Tage fortgozüchtote Impfstoff (Second Vaccin) wirkt heftiger und erzeugt bei den geimpften Rindern eine Immunität gegen die natürliche Infection auf die Dauer von etwa einem Jahr. Um durch das Verfahren directe Verluste möglichst zu vermeiden, sind die Thierc einer Vorimpfung mit dem ersten Impfstoff zu unterziehen. Als geschützt sind dieselben aber erst zu betrachten, wenn sie durch Einverleibung des zweiten Impfstoffs die in geringem Grade erzeugte Milzbrandkrankheit überstanden haben. Die in grossem Umfange in Frankreich, Italien und Ungarn nach dem Pasteur'schen Verfahren vollführte Präventiv-Impfung wird zwar vielfach empfohlen, dürfte aber kaum einen allgemeinen Worth für die Praxis beanspruchen können. Bei den durch Oemler auf der Domäne Packisch (Provinz Sachsen) seit 1882 vorgenommenen Impfungen zeigte sich, dass das Pasteur'sche Verfahren nicht ganz gefahrlos ist, indem der directe Verlust durchschnittlich 1,4 pCt. betrug, und dass auch bei einzelnen geimpften Thiercn später der Milzbrand zum Ausbruch kam.
So interessant die Ergebnisse der Impfung für die Biologie des Bacillus Anthracis sind, so liefern dieselben doch nach den bis jetzt bekannt gewordenen Methoden noch keine geeignete Grundlage für die Präventivbehandlung der Seuche.
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Capitel X. Texasfieber, Texassenche.
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Seit 1871 ist durch die Berichte amerikanischer Sachverständiger eine in den südlichen Staaten (Texas, Kansas, Tenessee etc.) der nordamerikanischen Union seuchenartig vorkommende pernieiöso Krankheit des Rindes bekannt geworden. Dieselbe wird in Amerika als Texas feverquot; oder Spanish feverlaquo; bezeichnet und von Billings*) neuerdings Southern Cattle Plague of the United Stateslaquo; (südliche Rinderpest der vereinigten Staaten) benannt.
Aus der Verbreitung der Krankheit resp. ihrem localen Auftreten rechtfertigt sich die Vermuthung, dass die Aetiologie auf einer miasmatischen Infection beruht. Gamgee (1871) ist der Ansicht, dass die Krankheit am Mexikanischen Meerbusen entstehe und im Futter oder Trinkwasser ihre Ursache habe. Auf speeifische Mikroorganismen als Erreger des Texasfiebers machten Salmon (1883) und Detmers (1884) aufmerksam. Billings betrachtet die Seuche als eine Septicämio, die sich zwar als eine örtliche Bodenkrankheit charakterisire, aber von den kranken Tliioren durch den Harn und die Darmexcremente auf gesunde Thiere sich verbreiten soll. Als die speeifische Ursache bezeichnet er ein ovoides Bakterium, welches dem Organismus der amerikanischen Schweineseuche sehr ähnlich ist und mit dem Krankheitserreger des Gelbfiebers (Yellow fever) bei Menschen übereinstimmen soll.
Das Texasfieber hat einen acuten Verlauf, der sich auf 23 Tage erstreckt. Als Symptome werden angegeben: Aufhören dos Fressens und Wiederkauens; Fieber mit einer Mastdarmtemperatur bis zu 42,5deg;; Sistirung der Miichsecretion bei Kühen; allgemeine Schwäche; Geifern aus dem Maul; Athemfrequenz und Zunahme der Pulszahl; Entleerung diarrhoischer, mit Blut vermengter Darmexcremente.
Bei der Autopsie finden sich: Dunkles, an der Luft langsam gerinnendos Blut in den grossen Gefässen; starke Schwellung der Leber, Milz und Nieren; Gallenblase ausgedehnt und mit gelber oder grünlichgelber Galle gefüllt; Harn röthlich-klar oder weingelb; Pansen, Haube und Psalter normal; die Schleimhaut des Labmagens und Dünndarms
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*) Frank S. Billings, The southern Catllo Plague etc. Lincoln, Nob, 1888.
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Rauschbrand.
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entzündlich geschwollen und von tiefrother Farbe, mit hämorrhagischen Herden durchsetzt; solitäre Follikel und Peyor'sche Haufen vergrössert. Lungen normal, Herzfloisch mürbe und trocken. Lymphdrüsen geschwollen und serös durchfeuchtet. Skeletmuskulatur welk.
Nach der Aufnahme des Infectionsstoffs vergehen 515 Tage bis zum Ausbruch der Krankheit. Die Annahme einer Incubationszeit von 56 Wochen hält Billings für irrthümlich. Die Prognose ist ungünstig. Von den erkrankten Rindern gehen 80 90 pCt. zu Grunde. Dass der Krankheitsverlauf durch raedicamcntöse Behandlung der Thiere günstig beeinflusst werden könne, lässt sich aus den Angaben der amerikanischen Thierärzte nicht schliessen.
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Capitel XI. Rausclibrand.
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Bis in die neuere Zeit wurde nach der von Chabert in die Literatur eingeführten Lehre die als: Rauschbrand, Geräusch, fliegendes Feuer, Antoniusfeuer, kalter Brand, Plage und mehreren anderen empirischen Namen bezeichnete Krankheit für eine Form des Milzbrandes gehalten. Nachdem Pfistorer (Bad. Mitthcil., 1870) auf einige Unterscheidungsmerkmale die Aufmerksamkeit gelenkt und Bellinger (Deutsche Zeitschr. f. Thiermed., 1875, S. 297) auf die Eigen-thütnlichkeiten des Rauschbrandes gegenüber dem Milzbrand hingewiesen hatte, wurde die essentielle Verschiedenheit beider Krankheiten durch Feser (Zeitschr. f. prakt. Vet., Bern, 1876 und Milzbrand auf den oberbaier. Alpenquot;, 1876) dargethan. Um die weitere Erforschung des Rauschbrand haben sich Arloing, Cornevin und Thomas seit 1881 namhafte Verdienste erworben.
Der Rauschbrand ist eine in bestimmten Gegenden vorkommende Infcctionskrankheit des Rindes, die sich zwar durch Impfung auf gesunde Thiere übertragen lässt, aber durch Ansteckung nicht verbreitet. Seil vielen Jahrzehnten ist derselbe im südlichen Frankreich, sowie auf den Alpen der Schweiz, Baierns, Tyrols und Steiermarks als eine bösartige Krankheit bekannt. Auch in Baden, Württemberg, Franken, Nassau, der Rheinprovinz, Ostfriesland und Schleswig-Holstein wird fast alljährlich
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in einzelnen Districten eine nicht unerhebliche Zahl von Rindern durch den Rauschbrand woggerafTt. Ebenso ist derselbe in Holland, Belgien, Italien und Algier als eine endemische Krankheit dos Rindes bekannt.
Aetiologic. Die Entwickelung des Rauschbrand ist von der Aufnahme eines specifischen Infectionsstoffs abhängig, welcher vorzugsweise in dem subcutanen und intermuskulären Bindegewebe seine pathogenen Wirkungen entfaltet. Fesor, welcher den Mikroorganismus aus den Muskeln und der Milz kranker Thiere isolirte, beschreibt denselben als 0,001 bis 0,005 Mm. lange, zarte und sehr bewegliche Stäbchen. Nach Bollinger kennzeichnet sich der Rauschbrandbacillus durch eine Länge von 0,005 Mm. und durch eine eigenthiimliche, rotircndo Bewegung. Kitt (Bakteriol. Ueb., 1889, S. 184) bemerkt, dass der feine Stäbchenmikroorganismus 0,0100,015 Mm. lang und durch Doppelfärbung mit Eosin und Gen-tiana leicht kenntlich zu machen sei. Von Ailoing, Cornevin und Thomas wurde derselbe in Hühnerbouillon künstlich cultivirt. Zahlreiche, von den genannten französischen Autoren angestellte Versuche ergaben, dass die Widerstandsfähigkeit des Rauschbrandbacillus sehr bedeutend ist. Wilh. Koch (Milzbrand und Rauschbrandquot;, in Deutsche Chirurgie, Stuttgart 1886) fand für denselben als künstliche Nährböden Gelatine und Kartoffeln besonders geeignet.
Ucber die Vegetation des Rauschbrandbacillus ausserhalb der Thiere sind die Bedingungen noch nicht ermittelt. Strebol (Schweiz. Arch., 1880) ist der Ansicht, dass derselbe auf lehmigem, feuchtem Boden gedeihen könne, wenn der Untergrund aus Mergel oder Sandstein bestehe und nur wenig durchlässig sei.
Die Impfung haftet bei Rindern, Schafen, Ziegen und Meerschweinchen. Nach Arloing, dessen Angaben durch die Beobachtungen von Hess bestätigt werden, erkranken Schafe und Ziegen auch spontan am Rauschbrand. Bei Pferden entsteht nach der Impfung mit dem Virus (Muskelsaft aus den Geschwülsten) nur eine unerhebliche locale Anschwellung. Schweine und Fleischfresser besitzen für den Infeclionsstoff keine Receptivität. Auch der Mensch ist gegen eine Uebertragung immun.
Die Anlage bei Rindern beschränkt sich auf das jugendliche Alter von 1/2^ Jahren. Kälber unter 6 Monaten erkranken nicht und ältere Thiere werden nur dann inficirt, wenn sie an die Ortsverhältnisse der Rauschbranddistricte sich noch nicht gewöhnt haben (Arloing). Die Krankheit entsteht meist beim VVeidegang der Rinder, kann aber auch bei Stallfütterung auftreten. Rinder, welche den Rauschbrand (nach der Impfung) überstanden haben, sind vor einer zweiten Erkrankung geschützt.
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Rausohbrand,
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Pathogencse. Nach den Forschungen Bollinger's, mit welchen W. Koch übereinstimmt, entwickelt sich der Rauschbrandbacillus bei den inficirten Thieren nur in den Geweben und nicht im Blute, obwohl derselbe im Blute zuweilen nachgewiesen werden kann, üemgemäss steht das Eindringen des Bacillus in den Körper der Wundinfection parallel. Der In-fectionsstoff vegetirt nicht in der Substanz der Haut, sondern nur im sub-cutanen Gewebe. Es wird angenommen, dass der Bacillus nach zufälligen penetrirenden Hautwunden in die Unterbaut gelangt und sich dann schnell vervielfältigt. Andererseits soll auch die Infection bei der Futteraufnahmo durch Verwundung der Schleimhaut des Mauls und des Rachens zu Stande kommen. Nach der Verabreichung von Futter und Getränk, welches mit Rauschbrand-Virus verunreinigt war, sahen Arloing, Cor-nevin und Thomas die Krankheit niemals entstehen. Es ist daher anzunehmen, dass die Infection durch die Darmschleimhaut nicht staltfindet. Wird das Virus durch die Jugularvcnc direct in das Blut in-Jicirt, so erlangen die Impfthiere zwar eine Immunität, aber sie erkranken nicht unter den Symptomen des Rauschbrand.
In der Subcutis und in der nächstgelegenen Muskulatur vermehrt sich der Bacillus schnell; die Entwickelungszeit der Krankheit bis zum Auflreten sichtbarer Störungen im Allgemeinbefinden beträgt 13 Tage, selten bis zu 5 Tagen. Die Bacillcn verursachen an den afficirten Theilen eine schwere Entzündung, welche die Tendenz zur Gewcbsmortification hat, wobei die äussere Haut auf den Entzündungsgeschwülsten die Empfindung einbüsst. Mit der Vegetation der Bacillen bilden sich Gase, welche die kranken Gewebstheilo durchsetzen. Bollinger fand hauptsächlich Sumpfgas, während Arloing, Cornevin und Thomas der Ansicht sind, dass vorzugsweise Kohlensäure producirt werde. Nach den Angaben der letztgenannten Forscher gelangen die Bacillen von dem Primärhorde in das Blut und in die inneren Organe, bei tragenden Thieren auch durch die Circulation in den Fötus, so dass letzterer intra-uterin der Rauschbranderkrankung unterliegt. Das Gesammtleiden hat den Charakter einer schweren fieberhaften Blutintoxication, die durch progressive Herzschwäche zum asphyktischen Tode führt.
Syni)itome und Verlauf. Wie aus den Impfversuchen zu folgern ist, treten innerhalb eines Tages oder am 2. Tage nach der Infection Fieber, Inappetenz und Sistirung der Rumination ein. Wenige Stunden später zeigt sich eine Schwellung der Subcutis an den Gliedmassen oder am Bauche, auf dem Kreuz, an der Schulter oder am Halse. Seltener entwickelt sich die Rauschbrandgeschwulst in der Submucosa des Rachens.
Nach Arloing, Cornevin und Thomas entsteht die Schwellung
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unterhalb der Carpal- und Tarsalgolonkc, sowie am Schwänze niemals. Zunächst als eine kleine schmerzhafte Beule sich raarkirond, vergrössert sich die Rauschbrandgeschwulst in 610 Stunden sowohl in der Fläche, wie in der Tiefe, Die Anschwellung erreicht eine grosse Ausdehnung; sie wird unempfindlich, trocken, kühl und zuweilen pergamentartig. Beim Betaston und Streichen mit der Hand entsteht inmitten der Geschwulst ein knisterndes (emphysematisches) Geräusch. Einschnitte verursachen keine Schmerzempfindung. Aus der Schnittfläche entleert sich schaumiges Blut von dunkelrolher Farbe und eigenthümlichem, süsslich-widerlichora Geruch. Die mit dem Krankheitsherde in Verbindung stehenden Lymphdrüsen vergrössern sich durch Schwollung.
Die Rinder erscheinen matt, hinfällig und können sich nur mit Mühe stehend erhalten. Sie sind ausser Stande, die kranke Gliedmasse zu belasten und bleiben alsbald am Boden liegen. Im Beginn der Krankheit nicht selten Koliksymptomo. Die Mastdarmtcmperatur steigt Anfangs bis zu 41,0deg;, zuweilen bis 41,9deg;, sinkt aber gegen Ende oft unter die Norm. i5eschleunigte und erschwerte, unter Stöhnen ausgeführte Respiration. Pulsfrequenz bis 100 Schläge in der Minute und darüber.
Die voll entwickelte Krankheit endet nach l1,^3 Tagen tödtlich. Nach den Mittheilungen Feser's und der französischen Forscher verlaufen manche Fälle bei älteren Thieren ohne therapeutisches Zuthun günstig. Hierbei bekunden die Thicrc nur eine allgemeine Ermüdung, Mangel an Appetit, leichtes Fieber und geringe Kolikerscheinungen. In den tiefer gelegenen Muskeln entsteht zuweilen eine geringe Schwellung. Nach 13 Tagen erholen sich die Thiere, welche später vor einer zweiten Rauschbrand-Erkrankung geschützt sind.
Pathologische Anatomie. An den Rauschbrand-Geschwülsten ist die Haut derb und zum Theil abgestorben; die nächstgologenen Muskeln erscheinen dunkelroth und in der Umgebung gelblich oder hämorrhagisch infiltrirt. Starke Gasentwickelung in der Geschwulst. Muskulatur par-enehymatös degenerirt. Die von der Geschwulst ausgehenden Lymph-gefässe sind oft vergrössert und die Lymphdrüsen geschwollen, dunkel und auf dem Durchschnitt feucht. In der Bauch- und Brusthöhle blutige Transsudate. Magen-Darmschleimhaut zuweilen entzündlich geröthol. Herzfleisch trübe. Das Blut dunkel, in den grossen Gefässen und im Herzen geronnen. Im Ucbrigen sind die Symptome der As-phyxie nachzuweisen: Ekchyniosen und Sugillationen oder blutige Im-bibitionen in den Schleimhäuten, am Bauch- und Brustfell, sowie im Heizen. Leier und Nieren oft blutreich. Milz nicht vergrössert.
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(lauschbrand.
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Diagnose. Gegenüber dem mit Karbunkelbildung in der Haut auftretenden Milzbrand sichert schon die emphyscrnatöse Boschaffonheit der Goschwülste die Diagnose. Weitere üntersoheidungsmorkmalo sind die Gerinnungsfähigkeit des Blutes und dio normale Beschaffenheit dos Milzparenchyms beim Rauschbrand. Bei der mikroskopischen Untersuchung erscheinen die Rauschbrandbacillen beweglich, während dio Milz-brandbacillcu unbeweglich und an den Enden scharf abgeschnitten sind. Die Impfung mit Rauschbrandvirus haftet bei Kaninchen niciit.
Die durch Wundinfection im Kehlgang oder am Baucho, auch an den Schenkeln bei Rindern oft entstehende Phlcgmone verläuft woniger stürmisch, als dor Rauschbrand; auch ist die Geschwulst nicht emphy-sematisch.
Die Prognose ist schlecht. Für die curative Behandlung der Krankheitsfälle lässt sich nach der Erfahrung ein günstiger Erfolg nicht in Aussicht stellen. Zu Curversuchen ist die Scarification der Geschwulst mit nachfolgender Application von Dosinfectionsraitteln (schweflige Säure) empfohlen worden.
Die Prophylaxis wurde in der neueren Zeit durch dio Rausch-brand-Schutzimpfungquot; ermöglicht. Arloing, Gornevin und Thomas haben zahlreiche Experimente behufs Auffindung eines durchführbaren Impfverfahrens angestellt. Die erkrankten Muskeln eines am Impfrausch brand eingegangenen Meerschweinchens wurden unter Zusatz von Wasser (1 Wasser zu 2 Muskelsubstanz) zerrieben und ausgeprosst. Wenn von dieser Flüssigkeit 23 Gem. in die Jugularvene eines jungen Rindes injicirt wird, so erkrankt das Thior nur in geringem Grade unter den Symptomen eines leichten Fiebers mit Appotitmangel. Nach 2 Tagen sind die Symptome verschwunden und das betreffende Thior ist für den Rauschbrand nicht mehr empfänglich. Von dem Impfstoff darf aber bei der Operation Nichts in das Bindegewebe der Subcutis gelangen, weil sonst eine lebensgefährliche Rausohbrandgeschwulst am Halse sich entwickeln würde (vergl. das Ref. in Elton berger-Schütz, Jahresbericht 1882). Hiernach ist die intravenöse Impfung schwer ausführbar und zur allgemeinen Anwendung in den Rauschbrand-Distiicten nicht geeignet. Die genannten französischen Forscher haben deshalb ein Vorfahren mit abgeschwächtem Virus ermittelt und empfohlen. Das Serum der Rauschbrandgeschwulst wird bei 32deg; C. unter Einwirkung eines Luftstroms eingetrocknet. Die Trockensubstanz ist mit 2 Gewichtstheilon Wasser 6 Stunden lang auf einer Temperatur von 85100deg; zu halten. Der bei 100deg; gewonnene Impfstoff, welcher eine schwache Wirkung hat, dient zur Vorirnpfung, während der bei 85deg; bereitete Impfstoff, welcher stärker
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Dleokerhoff, Spec. Pathologie u. Theraplo. 11. Bd.
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Infeotions- und [ntoxicalionskranldieiton.
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wirkt, erst 14 Tage später applioirt worden darf (1. o. 1883). Die Operation ist am unteren Ende des Schwanzes, etwa 10 Ctm. von der Sohwanzspitze entfernt, vorzunehmen, woselbst mit einem Trocart die Haut durchstochen und die Subcutis 8 Ctm. lang getrennt, wird. In diesen Kanal ist der Impfstoff mit einer Pravaz'schen Spritze zu in-jiciren. Die 14 Tage später auszuführende zweite Impfung wird einige Centimeter unterhalb der ersten Impfstelle in gleicher Weise bewirkt. Nach der Injection ist die Stichwunde 1 2 Stunden lang durch eine Eadenschlingo zu schlicssen, damit der Impfstoff nicht ausfliesst (vergl. Wolff im Berl. Arch., 1888).
Neuerdings hat Kitt (München. Jahresbor,, 1888) einen geeigneten Impfstoff durch die Ein Wirkung strömender Wasscrdämpfo auf Rausch-brandlleisch hergestellt. Das Contagium wird hierhoi durch die Erhitzung des Fleisches auf 100deg; 0, in 6 Stunden abgeschwächt. Von dem hiernach getrockneten und pulverisirten Fleische werden kleine Proben durch Verreiben mit sterilisirtem Wasser zur Impfflüssigkeit bereitet. Die einmalige subeutane Injection von 0,05 0,10 Grm. dieses Impfstoffs soll bei Kindern die Immunität erzeugen resp. die zweite Impfung entbehrlich machen. Das Vorfahren ist in der Praxis noch nicht geprüft, verdient aber wegen seiner Einfachheit alle Beachtung.
Nach der französischen Methode haben Strebet (Schweiz. Arch., 1885 und 1888) und Hess (Bericht über die Schutzimpfung gegen Rauschbrand, Bern 1889), sowie Hafner (Bad. Mittheil., 1888), Wolff (Cleve) und Schmitt (Geldorn) die Impfung bei Rindern im Grossen und mit gutem Erfolge ausgeführt. Die Iraplzufälle waren geringfügig. Einige Male fiel ein Stück des Schwanzes brandig ab; in anderen Fällen entstanden Abscosse, die aber leicht verheilten; einzelne Thiere gingen an der Impfkrankheit zu Grunde. Hess bemerkt, dass junge und schwächliche Thiere, besonders solche mit Magen- und Darmkatarrh sehr leicht und rasch nach der l. oder 2. Impfung dem Impfrauschbrand erliegen, während Thiere in höherem Alter verschont lleiben. Abgesehen davon, dass die Impfung an Thicren, deren Hauptnahrungsmittel noch die Milch ist, nicht ausgeführt werden sollte und überhaupt auf die ersten drei Lebensjahre zu beschränken ist, sollten zu derselben nur gesunde Stücke bestimmt werden.
Für die veterinärpolizeiliche Behandlung ist zu beachten, dass in dem Reichs-Viehseuchengesetz vom 23. Juni 1880 der Rauschbrand dem Milzbrand zugerechnet ist, weil zu jener Zeit die Unterscheidung beider Seuchen noch nicht wissenschaftlich gesichert war. Es sind dabei' die gegen den Milzbrand angeordneten Ma88regeln auf den Kauschbrnnd zu beziehen.
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Wildseuche.
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Capitel XII.
Wildsciiclic. Wild- und Riiulcrscuclic (Itollinger). -Septicaemia haeniorrliagica (Hiiiipe).
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In der Abhandlung Ueber eine neue Wild- und Rindorseuchelaquo; etc., München 1878, hat Bellinger nachgewiesen, dass Hirsche und Wildschweine zuweilen in grosser Zahl durch eine peracut verlaufende spo-eiflsche Infectionskrankheit, welche früher irrthümlich dem Milzbrand zugerechnet wurde, woggerafft werden, dass diese Krankheit auch das Rind befällt und durch Impfung auf die anderen Hausthiere übertragen werden kann. Es wäre wünsclionswerth gewesen, wenn ßollingcr der eigenartigen Krankheit zugleich eine geeignete Bezeichnung gegeben hätte. Nach seinem Vorgange gebrauchen die Thierärztc als gleichbedeutend die Namen Wildsouche1' und Rinderseuche'', deren Unzwcckmässig-keit auf der Hand liegt. Auch die von Hüppe (1886) eingeführte Nomination der Septicaemia haemorrhagicaquot; dürfte den Anforderungen der Praxis kaum genügen.
In den Wildparks bei München gingen 1878 im Sommer 234 Wildschweine und 153 Hirsche an der Wildseuche ein. Die Krankheit trat auch beim Rindvieh in den benachbarten Gegenden auf. Putscher (Adam's Wochenschr., 1879, S. 190 und 1880, S. 15) beobachtete die Seuche im Amtsbezirk Brück (Bayern) während der Sommer-Monate 1878 und 1879 bei Rindern und Schweinen. Von 21 erkrankten Rindern kamen 6 mit .dem Leben davon, während die Schweine sämmtlich eingingen. Friedberger und Hahn (Münch. Jahresb. 1880-1881) konnten die Seuche vom Rinde auf Pferde und Rindvieh durch Impfung übertragen.
Aussei- in Bayern ist die Wildseucho beim Rindvieh im Kreise Schlüchtcrn (Reg.-Bez. Kassel) beobachtet worden. Es erkrankten 1885 aus 7 Beständen 11 Haupt (vergl. Ellenberger-Schütz, Jahresber., 1887). Kroisthierarzt Tappe (Privatmittheilungen) constatirtc im September und October 1883 auf einem Gute in Oberschlesien, dass innerhalb 8 Tage 14 Stück Jungvieh im Alter von l'/j2 Jahren an der Seuche fielen. Auf einem anderen Gute in Oberschlesion gingen 1884 im Januar innerhalb 8 Tage 2 sechsjährige Ochsen, 1 Kuh und 2 Stück
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148nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Tntoxicationslu'ankhoiton,
Jungvieh an der Wildseuche zu Grunde. Die von Tappe ermittelten Symptome und Sectionsbefundo stimmen mit der Beschreibung Bellinger's überein. Von zwei Thicron konnte ich an den mir übersandten Lungen die Angaben Tappe's bestätigen. Im Februar, März und April 1889 herrschte die Seuche in einem Rehwild-Bestände unweit Berlin. Kreisthierarzt Klein Hess mir die Cadaver von 3 Thieren zuschicken, bei deren Section ich die pectorale Form der Wildseuche con-statirto. Es sind im Ganzen 5U Rehe aus dem verseuchten Bestände zu Grunde gegangen. Engel beobachtete die Seuche in zahlreichen Fällen beim Rindvieh in Oberfranken (vergl. Kitt in Miinch. Jahresb., 1888).
Ausführliche bactcriologische Untersuchungen und zahlreiche Irapf-versuchc über die Wildseucho haben Kitt (Koch's Revue für Thierhoilk., 1885 und Miinch. Jahresb. pro 1885 1886) und Hüppe(Berl. klinische Wochenschr., 1886) angestellt.
Actiologic. Wie schon von Bellinger, Franck und Fricdberger angenommen, aber erst von Kitt und Hüppe endgültig nachgewiesen wurde, beruht die Wildseucho auf der Ansiedelung eines facultativen Parasiten im Körper der empfänglichen Thierspecies. Die Mikroorganismen, kurze unbewegliche Bakterien mit stark abgerundeten Enden und hellem Centrum, sind nach Kitt 46 Mal kürzer, als der Durchmesser eines rothen Blutkörperchens und identisch mit den Bakterien der Kaninchensepticämie. Nach ihrer Gestalt und ihrem biologischen Verhalten in künstlichen Culturen stimmen sie ferner überein mit den Bakterien der Hühnercholera und der Schweineseuche. Hüppe betrachtet diese Krankheiten und auch die Brustseuche des Pferdes mit der Wildseuche nur als verschiedene Erscheinungsformen einer einzigen Infections-krankheit. ludess wird von Kitt (Bakteriol. Ueb., 1889, S. 234) mit Recht hervorgehoben, dass in den Symptomen dieser Seuchen erhebliche Unterschiede bestehen. Wenn demnach auch die Bakterien derselben in letzter Linie zusammengehören sollten, so müssen die genannten Krankheiten doch aus thierärztlioh-praktischen Gründen auseinander gehalten werden. Die Bakterien der Wildsouche sind im Blute und in den blutgemischten Gewebssäften der gefallenen Rinder regelrnässig zu finden. Sie färben sich mit Fuchsin und Methylenblau. Nach Hüppe sterben die Bakterien durch Sublimatlösung (1 : 5000) in 1 Minute und durch Carbolwasser in 6 Stunden. Sie wachsen auf Gelatine und Agar zu weisslichen Tröpfchen und bilden auf Kartoffeln graugelblicho Rasen. Auch im Wasser, welches organische Substanzen und Nitrate enthielt, sowie in feuchter, bewachsener Gartenerde wurde von Hüppe die Vor-
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Wildseuohe.
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mohrung derselben beobachtet. Das Temperaturoptimum liegt bei -f- 37 bis 38deg; C, das Minimum bei 1213deg; C,
Für den Infectionsstoff der Wildsoucho sind aussor dem Wild (Hirsch, Wildschwein, Reh) das Rind, die Ziege, das Haasschwein und das Pferd empfänglich. Doch erkranken Schweine und Pferde nach der natürlichen Infection nur selten. Bei den Schafen, bei welchen die Impfung nach Bellinger nur schwer haftet, kommt eine genuine Erkrankung sehr wahrscheinlich nicht vor. Durch Impfung oder durch die Fütterung von Blut, Fleisch und anderen Organen kranker Thicre ist die Seuche auf Kaninchen, Meerschweinchen, Mäuse, Tauben und andere Vögel, sowie auf Hunde zu übertragen. Der Mensch besitzt keine Roccptivität für den Infectionsstoff der Wildseuche.
Die Pathogenese gestaltet sich insofern ähnlich dem Milzbrand, als die Ansteckung gesunder Thicre, die durch Impfung herbeigeführt werden kann, durch eine directe Uebertragung von dem kranken Thiere nicht stattfindet. Gewöhnlich gelangt der Infectionsstoff mit dem Futter in den Gastro-Intestinaltractus. Er vermehrt sich in der Darmschleimhaut, dringt in das Blut und mit dor Circulation in fast alle Organe des Körpers. Die Erkrankung des Unterhautgewebes (exantheraatische Form) soll auch durch Fliegen und Bremsen (Pranok) vermittelt werden. Auch soll der Infectionsstoff in der Maulschleimhaut haften, wenn an derselben oberflächliche Verletzungen bestehen. Nach den Versuchen Hüppe's hat die Wildseuche den Charakter einer peracut verlaufenden Sephthämic. Die Localaffectionen entwickeln sich theils in der Haut (oxanthema-tisohe Form), theils in den Lungen und am Brustfell (pectorale Form), theils in der Magen-Darmschleimhaut (intostinale Form), ludess betrachtet Bollinger die von Hüppo als besondere Krankheitsform anerkannte Darmaffection (hämorrhagische Enteritis) nur als eine Begleiterscheinung der orstbozeichneten beiden Formen. Beim Wilde wird fast nur die pectorale Form beobachtet, während beim Rindvieh die exanthematischo Form nicht selten ist.
Symptome iinil Verlauf. Die Dauer des Incubationsstadiums, welche bei den geimpften Thioren nur wenige Stunden bis zu einem Tage beträgt, ist bei der spontanen Erkrankung des Rindes nicht genau bekannt, aber mit Wahrscheinlichkeit auf 12 Tage zu schätzen. Die Wildseuche bedingt das I5ild einer peracut verlaufenden allgemeinen Scphth-ämie. Die entzündlichen Localaffectionen etabliren sich theils in der Haut und in den Schloimbäuten des Kopfes, theils in den Lungen und der Pleura. Demgemäss ist nach Bollingor's Vorgang die exanthematischo und die pectorale Form zu unterscheiden. Unter beiden
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150nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten.
Formen wird die Krankheit regelmässig von einer diffusen hämorrhagi-schen Gastro-Enteritis begleitet.
quot;Als allgemeine Erscheinungen sind bemerkenswerth:
1)nbsp; nbsp;Fieber mit einer Mastdarmtemperatur von 39,8 42,0deg; 0., allgemeiner Ermüdung, stierem, ängstlichem Blick und Zurücktreten des Augapfels, Horripilationen und Muskolhüpfen. Die Temperatur der Haut am Grunde der Ohren und Hörner ist ungleich. Flotzmaul kalt und trocken;
2)nbsp; nbsp;Inappetenz und Sistirung der Rumination;
3)nbsp; nbsp;Versiegen der Milch bei Milchkühen;
4)nbsp; nbsp;Pulsfrequenz bis zu 100 Schlägen und darüber in der Minute;
5)nbsp; nbsp;Entleerung von Thränen aus den Augen und von zäher Flüssigkeit aus der Nase (nicht constant); Geifern aus dem Maul;
6)nbsp; nbsp;Venöse oder cyanotischo Färbung der Kopfschleim-häuto, in welchen sich zuweilen auch kleinere hämorrhagische Herde finden;
7)nbsp; nbsp; Verminderung der Peristaltik im Pansen und im Darm-kanai. Zunächst besteht Verstopfung, in einzelnen Fällen mit Meteorismus des Pansens. Bei längerer Krankheitsdaucr Entleerung breiiger, verbackener Excremente von dunkler Farbe, zuweilen unter Beimengung von Blut;
8)nbsp; nbsp;Anhaltendes Stöhnen.
Hierzu kommt bei der exanthematischen Form:
Entzü ndliches Oedem an den Weichtheilen des Kopfes, besonders im Kehlgang, in der Zunge und im Gesicht, sowie am Halse bis zum Triel. Die Schwollung ist oft sehr umfangreich. Auf derselben fühlt sich die Haut derb an; beim Druck auf die Geschwulst äussert das Thiet Schmerzemplindung. Die geschwollene Zunge hatte in einem von Friod-berger beobaciiteten Falle ein Gewicht von 8 Pfund. Auf der Höhe der Krankheit bekunden die Thiere starke Dyspnoe.
In der pcctoralen Form wird die Wildseuche neben den Aligc-meinsyraptomen von den Merkmalen einer exsudativen Pneumo-Pleuritis begleitet:
Steife Haltung des Rumpfes mit massiger Aufwärtskrümmung des Rückens. Dämpfung des Percussionssohalls am Thorax im unteren Bereiche einer oder beider Lungen. Bei der Auscultation fohlendes Athemgcräusch oder verschärftes Vesicular- oder Bronchialgeräusch in der kranken Lungenpartie; daneben consonirendo Geräusche und zuweilen Trachealrasseln; ferner plcuritisches und poricarditisches Reibungsgeräusch.
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Wüdseuche.
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Starke Athomfrcqucnz bis zu 70 und darüber in der Minute; Stöhnen oder Aechzen.
Die intestinalo Form (Htippe) spricht sich durch die Erscheinungen der Sephthämic und der schweren Darmentzündung aus.
Der Verlauf erstreckt sich nach Bellinger's Beobachtungen auf 12 Stunden bis 5 Tage. Putscher constatirte in einem Falle eine Dauer von 8 Tagen. Bei letalem Ausgange finden sich zuletzt: Unfühl-barer Maxillarpuls, Unvermögen zum Stehen, grosso Unruhe und Con-vulsionen. Der Tod erfolgt durch Horzliihmung, bei der exanthematischen Form zuweilen in Folge starker Schwellung der Rachenschleimhaut durch Erstickung.
Sectionsbefnnd. Die Skeletmuskulatur ist mitunter von einzelnen blutigen Herden durchsetzt, sonst nicht wesentlich verändert. Das Blut in den grossen Gefässen und im Herzen in Folge der asphyktischen Todesart dunkel, im Uebrigen von gewöhnlicher Beschaffenheit. Die Bauchhöhle enthält zuweilen mehrere Liter gelblichen oder gelbröthlichen Transsudats. Schwere hämorrhagische Gastro-Entcritis; Danninhalt blutig gefärbt. In der Submucosa dos Darras und im Gekröse stellenweise gelbsulziges Transsudat. Die Milz ist gewöhnlich nicht abnorm, in einzelnen Fällen aber mit kleinen häraorrhagischen Herden besetzt. Leber und Nieren parenehymatös getrübt. Asphyktischc Herde in den serösen Häuten, der Digestions- und Rcspirationsschleimhaut. Herz schlalf, dilatirt. Gehirn sehr blutreich. Im Subduralraum des Rückenmarks seröses Transsudat von gelblicher Farbe.
Dazu kommen bei der exanthematischen Form hämorrhagische Herde und gelbliches gallertartiges Serum in den geschwollenen Partien der Haut, der Maul- und Raclienschleimhaul, sowie in der Substanz der Zunge. Die submaxillaren und retropharyngealen Lymphdrüsen sind geschwollen.
Sind die Rinder der pectoralen Form erlegen, so enthalten die Lungen neben der ödematöson Infiltration frische, hämorrhagische In-farote von Wallnuss- bis Gänseeigrösse. Die Interstitien der erkrankten Lungenpartien sind zuweilen durch gelbsulziges Exsudat geschwollen. Im Bereiche des entzündeten Lungcnabsclmittes, oft aber in grösserem Umfange, ist die Pleura pulmonalis mit (ibrinösein Exsudal bedeckt. Häufig findet sich eine ausgebreitete, serös-fibrinöse Pleuritis und Pericarditis mit reichlichem Erguss von Serum in den Brustfellsack der kranken Seite.
Diagnose. Vor einer Verwechselung mit dem Milzbrand schützt der Scclionsbefund, namentlich die BoschalFenheit der Milz und des Blutes.
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Infections- und Intoxiccitionskrankheiton.
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In einem zweifelhaften Falle ist die Untersuchung auf Milzbrandbakterien oder ein Impfungsversuch anzustellen, Schwieriger kann sich die Unterscheidung des Sectionsbefundes bei der Wildsouche in der pectoralcn Form von der Lungenseucho bei dor frischen Erkrankung einer Lunge gestalten. Indess ist bei der Wildsouche das infarcirto Lungenstück weniger schwer, auch nicht so scharf uragronzt, wie bei der Lungenseuche. Bei der letzteren, die übrigens keinen poracuten Krankheitsvorlauf hat, ergiobt ferner die sorgfältige Obduction der Lunge krankhafte Veränderungen von verschiedcnem Alter, die bei der Wildseuche fohlen. Endlich wird die Lungenseucho nicht von einer hämorrhagischen Darmentzündung begleitet. Die im Kehlgang und in der Ohrdrüsengegend beim Rinde nach einer Wundinfection oft entstehende Entzündungsgoschwulst bedingt in der Hegel einen weniger stürmischen Krankheitsverlauf, als dio Wildsouche in der exanthematischen Form.
Prognose und ItchaiHlliing. Gleich dem Milzbrand erheischt dio Wildsouche eine schlechte Prognose. Nur ausnahmsweise und wenn die Erscheinungen keinen hohen Grad nrlangon, kommen die Rinder mit dom Loben davon. Dio Krankheit endet insbesondere stets tödtlich, wenn die Gastro-Enteritis deutlich ausgesprochen ist oder wenn umfangreiche Geschwülste am Kopfe entstanden sind. Eine geringe therapeutische Aussicht gewährt demnach nur die peotorale Form der Krankheit, zu deren Behandlung die Application einer scharfen Einreibung am Thorax angezeigt ist (01. Grotonis 1,0 mit 01. Toreb. 10,0 oder Tart. stib. 1,0 mit Ungt. Cantharid. acre 10,0). Innerlich zweistündlich eine Dosis Acid, hydrochlor. in Wasser; bei träger Darmentlcorung oder Verstopfung Natr. sulfuricum, Dazu zweckmässige Pflege und öfteres Anbieten leicht verdaulicher EutterstolTo (Sauerteig, Kleietrank).
Für die Veterinärpolizei ist zu beachten, dass im Sinne des Vieh-seuchengesetzes die Wildsouche zum Milzbrand gehört und dass demnach auch die zur Bekämpfung des letzteren vorgescliricbenon Massregeln in Anwendung zu bringen sind. Indess ist die Gesundheit der Personen durch die Wildsouche nicht gefährdet, weil der Mensch für den l.nfections-stolf koine Empfänglichkeit besitzt. Je vollständiger für die Prophylaxis die bisherige Haltung der Rinder, insbesondere die Ernährung geändert werden kann, um so sicherer wird sich in den betroffenen Viehbeständen dem Auftreten weiterer Krankheitsfälle begegnen lassen. Unumgänglich erscheint neben sorgfältiger Beseitigung der Cadaver und ihrer Abfälle die vollständige Desinfection der Standorte krankor Thicre.
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Lungenseuche.
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Capitel XIII.
liiingensciiclie. Pneumonia contagiosa boum Pnciimonia contagiosa.
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Geschichtlich läsüt sich das Auftreten der Lungenseuche in Europa nur bis in die letzten Decennien des 18. Jahrhunderts verfolgen. Ohne ausreichende Gründe wird in der Literatur die Angabe Laubonder's (Seuchen der landw. Hausthiere, 1811, S. 23), nach welcher Hessen 1693 von einer Lungensouche heimgesucht wurde, wodurch es des grössten Theils seines Hornviehes, vorzüglich der Ochsen beraubt wurdequot;, mit der ansteckenden Pnoumonie in Vorbindung gebracht. Ebensowenig erscheint die Ansicht von Faulet und Laubender stichhaltig, dass die 1769 in Krankreich beobachtete und als Muricquot; (Murena, Seuche) bezeichnete Krankheit des llindviehs die Lungenseuchc gewesen sei. Denn die Beschreibung der Symptome und Sectionsbefunde ist so unvollständig, dass die Unterscheidung der Seuche von der Rinderpest, welche zu jener Zeit in Frankreich vielfach als Pulmoniequot; (Lungensucht) gedeutet wurde, in die Willkür gestellt wird. Auch die schweizerischen Urkunden aus der ersten Hiilfte des 18. Jahrhunderts, nach welchen wegen des mörderischen Vorlaufs der Rinderseuche von einer arzneilichen Behandlung der Thicrc abgorathen wurde, beziehen sich sehr wahrscheinlich auf die Rinderpest. Mit Unrecht wird ferner in der thicrärztlichen Literatur bis zur Gegenwart nachgeschrieben, dass A. von Haller die Lungonseuche beobachtet und abgehandelt habe. Denn die 1773 veröffentlichte Schrift desselben handelt nicht von der Lungenseuche, sondern von der Rinderpest*).
Von 17781790 herrschte die Lungenseuchc in Schlesien (Rausch, Original-Bemerkungen über die beiden Rindviehsterben 1790). Unter den Milchkühen in der Umgegend von Paris war die Seuche nach Hazard und Chabert von 17901794 verbreitet. Aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts enthält die Literatur wohlbegründete thierärztliche Mit-thoilungen über das Vorkommen der Lungenseuchc und über behördliche Anordnungen gegen ihre Verschleppung. Seit dieser Zeit beginnt unter den Fachmännern die Discussion über die Natur der Seuche, insbesondere
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*) Vorgl. Dieckorhoff, Goschichtc der Rinderpest. Berlin 1890. S. 117,
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Infections- und Intoxicationskrankheiton.
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über die Sclbstentwickelung und die Frage der Ansteckungsfähigkeit, sowie über die zweokmässigste Behandlung rosp. Bekämpfung derselben.
Dass die Lungenseuche während der ersten drei Docennicn des 19. Jahrhunderts in Deutschland vorzugsweise auf die Umgebung grösserer Städte beschränkt blieb, in den abgelegenen Gutsbezirken und Ortschaften aber weniger aligemoin bekannt und gefürchtet war, als später, erklärt sich aus der Thatsache, dass in der neueren Zeit auf zahlreichen Gütern die Fabrikwirthschaft eingerichtet und dass demgemäss der Bedarf an Arbeits- und Milchvieh nicht mehr durch Zuzucht, sondern durch Ankauf ergänzt wurde. Der bei diesem Wirthschaftsbetrieb erforderliche öftere Wechsel des Viehstandes verallgemeinerte den Viehhandel, mit welchem nach dem Ausbau der Eisenbahnen die Rinder auf weite Entfernungen verschickt werden konnten. Der Handelsverkehr mit Rindvieh ist die wesentlichste Bedingung für die Verbreitung der Seuche in die meisten Staaten und Provinzen des deutschen Reiches und nach den überseeischen Ländern gewesen.
Nach Anleitung der Symptome und Sectionsbefunde wurden für die Krankheit die Namen Lungenfäulequot; und Lungenseuchequot; gewählt. Geraäss den herrschenden Lehren in der Pathologie galt die spontane Ent-wickelung derselben durch Erkältung und mangelhafte Ernährung mit verdorbenem oder durch erdige Bestandtheile verunreinigtem Futter als zweifellos. Indess drängte die thatsächlich beobachtete Verschleppung der Seuche durch kranke Thiere schon im vorigen Jahrhundert (Gha-bert) zu der Ansicht, dass mit der vollkommenen Ausbildung dei; Krankheit ein Contagium erzeugt werde, welches ohne wesentliche Mitwirkung anderer Ursachen die Seuche bei gesunden Thieren hervorrufen könne (vergl. Rudolphi, Bemerkungen aus dem Gebiete der Naturgeschichte, Mcdicin und Thierarzneikunde, 1., Berlin 1804).
Bojanus (1820) sprach sich gegen die contagiöse Natur der Lungenseuche aus. Auch Dieterichs (1821), welcher die Krankheit als Pleuro-pneumonia pecorum enzooticaquot; deCnirte, negirto die Ansteckungsfähigkeit. Letzterer hat zuerst die später oft wiederholte Hypothese aufgestellt, dass die auf der Schnittfläche der hepatisirten Longenpartien zu con-statirenden pathologisch-anatomischen Eigenthümlichkeitcn lediglich durch den Bau der Lungen, insbesondere durch die Breite der inlerlobulären Bindegewebszüge bedingt seien. Der Ansicht von Dieterichs steht die durch Wagenfeld (1832) vertretene Theorie nahe, nach welcher die Krankheit in einer aus Erkältung hervorgegangenen Brustfellentzündung beruhen und deshalb als Pleuritis rheumatica exsudativaquot; bezeichnet werden sollte. Tscheulin (1813) vermutheto eine durch äusscro Ein-
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Lungenseuche.
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flüssc verursachte Lungonlähmungquot; als wesentliche Bedingung der Krankheit, während Veith (1818) die Krankheit als typhöse Lungenseuche des Hornviehs1' erörtert und von der vermeintlichen rheumatischen Lungenentzündung unterscheidet. Schon Sander (1810) hatte die Namen Lungentyphusquot; und Lungenfaulfieberquot; verwendet. Beide Autoren lehrten, dass die Krankheit zwar spontan entstehen solle, in den späteren Perioden ihrer Ausbildung aber ansteckend sei. Dagegen beriefen sich die Autoren, welche die Contagiosität der Seuche in Abrede stellten, auf die von Sick (1804), Havemann (1819) und Dieterichs (1821) angestellten Versuche, bei welchen gesunden Rindern die Nasendejecte kranker Thiere eingeimpft und gesundes Vieh mit krankem zusammengestellt wurde, ohne dass eine Ansteckung erfolgte.
Manche Thicrärzte meinten, dass eine ansteckende und eine nicht ansteckende Lungenseuche beim Rindvieh vorkomme. Da die Frage, ob zur Bekämpfung der Krankheit die polizeiliche Anordnung von Verkehrsbeschränkungen nothwendig ist, auf Grund der Aetiologie entschieden werden muss, so vertheidigten die Interessenten, welche die freie Ver-äusserung der ansteckungsverdächtigen Rinder aufrecht zu halten wünschten, die Selbstentwickelung der Krankheit aus den Schädlichkeiten, die in den landwirthschaftlichon Verhältnissen eines Ortes oder eines Bezirkes liegen sollten. Hiergegen wandte sich mit einer heute noch losenswerthen Kritik Franque (Gesch. der Seuchen in Nassau, 1834), welcher die Ansteckungsfähigkeit der Seuche nach thatsächlichen Beobachtungen bewies, gleichzeitig aber meinte, dass sich der ansteckende Stoff nicht gleich im Anfange, sondern erst im Verlaufe der Krankheit entwickele.quot; Dass die Seuche nach bestimmten Ortschaften durch angekaufte Rinder eingeschleppt war und sich in denselben lediglich durch Ansteckung verbreitet hatte, wurde in der Literatur mehrfach constatirt. In einer 1835 herausgegebenen Abhandlung erklärte Sauter, dass die Lungenseuchc im Badischen Seckreise nie von selbst, sondern immer nach der Einschleppung durch kranke Rinder aus Württemberg und der Schweiz entstehe. Gleichwohl verblieb Kuers (Mag. von Gurlt und Hertwig, 1 und II) bei der spontanen Kntwickolung durch plötzlichen Futterwechsel, Fütterung von Kartoirelschlempo und durch den Genuss des auf feuchten Weiden wachsenden Polygonum Hydropiper. Scor (1842) beschuldigte gehaltreiches Futter, nach dessen Verabreichung das Blut mit Eiweissstoffen überladen und zur Abscheidung derselben in die Lungen prädisponirt sein sollte.
Eine treffliche Monographie über die Lungenseuchc bearbeitete Sau-borg (1846), welcher den Nachweis führte, dass die Krankheit im Reg.-
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156nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationsltrankheiten.
Bezirk Düsseldorf sich eine Reihe von Jahren hindurch ausschliesslich durch Ansteckung verbreitet und erhalten hatte.
Um dieselbe Zeit Hessen die landwirthschaftlichen Interessenten im Kreise Oborbarnim (Reg.-ßez. Potsdam) Fütterungsversuche mit modrigem Heu, verdorbenen Kartoffeln und Schlempe bei Kindern anstellen, wodurch die Frage, ob die monatelang fortgesetzte Verabreichung von mangelhaft beschaffonom Futter die Seuche hervorbringen könne, entschieden werden sollte. Die Versuche hatten zwar kein entscheidendes, im Ganzen aber ein negatives Ergebniss (vergl. Ulrich, General-Bericht etc., Berlin 1852).
Dass die vielbeschuldigte Schlempefütterung nicht die Ursache der [jungenseuche sein könne, wurde von Spinola (Gutachten, 2. Auflage, 1849) an einem grösseren Beobachtungsmaterial dargethau. Derselbe erörterte auch zutreffend, dass der für die Brennereiwirtlischaften noth-wendige häufige Wechsel des Viehstandes durch Zukauf die Ansteckung begünstige und die Seuche zu einer stationären Krankheit werden lasse. Im Uebrigen lehrte Spinola (Spec. Path., II. Abth., 1856), dass die Seuche zwar manchen Orts und in der grössten Mehrzahl der Fälle nur durch Ansteckung entstehe, daneben aber auch ursprünglich durch einen Conflict von Ursachenquot;, worunter besonders atmosphärische und teliu-rische Verhältnisse gedacht werden sollten, sich entwickeln könne.
Gerlach (Mag. von Gurlt und Hertvvig, 1853) hat am nachhaltigsten und mit dem grössten Erfolge die Thatsache vertreten, dass die Lungenseuche eine Contagion ist. Er stützt diese Lehre (Gerichtl. Thierhcilk., 1862) mit Recht auf die thatsächliche Erfahrung, nach welcher alle schädlichen Einflüsse, die bislang als ursächliche Momente für die Selbsterzeugung angegeben waren, sich als unschuldig erwiesen hatten, sowie auf den wichtigen Umstand, dass die Einschleppung des Contagiums in die Viehstände durch den Handelsverkehr leicht und unmerklich geschehe. Auch Haubner (Landwirthsch. Thierhcilk., 5. Auflage, 1867) schränkte die ältere Lehre insoweit ein, als er zugab, dass die Selbstentwickelung der Krankheit mit Sicherheit nicht nachzuweisen sei. Dagegen hielt Hering (Spec. Pathol.) die irrthümliche Ansicht aufrecht, dass die Lungenseuche auch originär erzeugt werde. Nichtsdestoweniger befestigte sich unter dem Einflüsse der von Gerlach vertheidigten Lehrsätze die Ueberzeugung von der Unmöglichkeit einer spontanen Entstehung der Krankheit mehr und mehr und seit dem Jahre 1870 ist von den deutschen Thierärzten kaum noch eine andere Ursache, als die Ansteckung beschuldigt worden.
|n Belgien und Holland hat die Lungenseuche seit 1830 allgemeiner
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Lungenseuolie.
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geherrscht. Von dort erfolgte 1841 die Verschleppung nach England, wo die Krankheit bis dahin nicht vorgekommen war. Mit der Uober-führung kranker Rinder von England wurde die Lungenseuche 1843 nach Nordamerika, 1854 nach Südafrika und 1858 nach Australien gebracht. Dagegen ist Russland, abgesehen von den westlichen Gouvernements, in welche die Krankheit öfter eingeschleppt wurde, nach den in der Literatur bekannt gewordenen Nachrichten verschont geblieben.
Durch die rationellen Tilgungsmassregeln, welche die neuen Viehseuchengesetze vorschreiben, haben die Ausbrüche der Lungenseuche im deutschen Reiche während der letzten 10 Jahre eine wesentliche Einschränkung erfahren. Als stationäre Krankheit kommt die Lungensouche gegenwärtig nur noch in relativ kleinen Bezirken Bayerns und der Provinz Sachsen vqr. Vereinzelte Ausbrüche ereignen sich aber durch den Handel mit inficirtem Vieh zuweilen in Gegenden, die für gewöhnlich seuchefrei sind.
Die Impfung der Lungensouche wurde in Belgien von Willems (1852) und De Saive (1852) zuerst versucht und als Schutzmassregel empfohlen, üober ihren prophylaktischen Werth haben die Thierärzte und Landwirthe die Discussion bis zur Gegenwart fortgesetzt. Sowohl in Belgien, Prankreich und Holland, wie auch in Deutschland wurde durch die Erfahrungen der praktischen Thierärzte, zum Theil auch durch Versuche dargothan, duss die rechtzeitig ausgeführte Impfung geeignet ist, die Empfänglichkeit der Rinder für die gewöhnliche Lungenseuche-Infection aufzuheben und demnach die sonst in grösseren Viehbeständen eintretenden Verluste erheblich zu verringern. Von den deutschen Thier-ärzten haben nach eigenem Erfahrungsmaterial besonders Haubner und Gerlach die Impfung als wirksames Schutzmittel vertheidigt, während Roloff (1868) dieselbe abfällig kritisirte und ihre wissenschaftliche Berechtigung in Abrede stellte. Die Ansicht Roloff's hat zwar zunächst bei vielen Thierärzten Zustimmung gefunden, ist aber von anderen Seiton mit Erfolg bekämpft und vollkommen widerlegt worden. Trotzdem hat das Bestreben, im deutschen Reiche die Lungenseuche-Impfung als eine polizeiliche Schutzmassregel gesetzlich einzuführen, nicht reüssiron können, weil sich die Lymphe immer nur von geschlachteten oder gestorbenen kranken Thicren gewinnen und nicht auf längere Zeit conserviren lässt.
letiologie. Das Contagium der Lungenseuche ist nach den Erfahrungen der thierärztlichen Praxis als ein obligater Parasit des Rindes anzusehen. Eine Selbstentwickelung der Krankheit, wie dieselbe früher irrthümlich mit Erkältung oder Verabreichung des in Bronnerei- und Zuckcrwirthschafton geworfnonen Futters in Verbindung gebracht wurde,
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158nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskvanliheilen.
findet nicht statt. Es ist auch nicht begründet, dass die Fütterung der landwirthschaftliehon Fabrik-Rückstände (Schlempe, Melasse) die Empfänglichkeit für das Oontagium bei den Rindern vergrössert.
Auf andere Thiergattungen oder auf den Menschen ist die Lungen-seuoho nicht übertragbar. Im zoologischen Garton zu Brüssel verbreitete sich dieselbe 1877 auf 2 Yaks, 8 Bisons und 1 Büffel. Der Büffel wurdo getödtet, die übrigen 5 Tliiore starben. Bei dor Section fanden sich die für die Diagnose charakteristischen Veränderungen der Lungen (Ref. von ßollinger in Virchow-Hirsch: Jahresbericht 1879). Obwohl diese Beobachtung vereinzelt dasteht, so liegt doch kein Grund vor, ihre Richtigkeit zu bestreiten. Dagegen lässt sich die Vormuthung Spi-nola's, dass die Ziegenböcke, welche nach einem abergläubischen Brauche oft als Schutzmittel in den Viehställen gehalten wurden, nach 1 bis IVa Jahren an den Folgen einer Lungenseuche-Infection eingegangen seien, nicht aufrecht halten. Auch die Mittheilung von Koppitz (Wien. Vierteljahrsschr., Bd. 33), dass Ziegen an der Seuche erkrankt sein sollen, halte ich nicht für cinwandsfrei. Die bei Menschen, wie bei Pferden und Schweinen vorkommenden eigenartigen Lungenentzündungen bieten zwar manche Analogien mit der Lungensouche des Rindes, können aber nach allen Erfahrungen ätiologisch nicht mit derselben identificirt werden.
Mit Sicherheit hat der Mikroorganismus der Lungenseuche bisher nicht nachgewiesen werden können. Pasteur, R. Koch, Gafky u. A. bemühten sich vergeblich, diese Aufgabe zu lösen. Dagegen sind Poels und Nolen der Ansicht, dass ein von ihnen künstlich gezüchteter Organismus, welcher den bei der menschlichen Pneumonic von Friedländer gefundenen Kokken ähnlich ist, der speeifische Infectionsstoff der Lungenseuche sei. Derselbe kommt als Mono-, Diplo- und Triplococcus vor und hat eine Durchschniltsgrösse von 0,9 ,u. Auf der Innenwand der Kapseln alter Lungensouche-Sequester fanden die genannten Forscher diese Kokken neben zahlreichen anderen Mikroorganismen, während dieselben in den Lungen gesunder Rinder nicht nachgewiesen werden konnten. Von den mit stcrilisirtem Wasser verflüssigten Culturen wurden Proben bei Kaninchen, Meerschweinchen und Hunden durch die Brustwand in die Lungen injicirt, worauf sich kleine oder grössere pneumonische Herde ausbildeten. Auch soll in derselben Weise bei einem Rinde der Lungen-seucheprocess hervorgerufen sein, obschon die Lunge bei der Section nicht deutlich marmorirt aussah. Die Trachcalinjection der Cultur ver-anlasste bei Hunden pneumonische Herde und bei Mäusen entstand nach der Inhalation einer Reincultur eine lobäre Pneumonie mit rothor Hepa-
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tisation. Die Schwanzimpfung mit den Culturen wurde an 100 Rindern vorgenommen, welche später trotz anhaltender Berührung mit lungen-seuchekranken Rindern nicht angesteckt wurden (Ref. von Wirtz in Ellenberger-Schiitz, Jahresber. 1887).
Mit den Ergebnissen dieser bakteriologischen Untersuchungen stimmen indess die Versuche, welche van Klcef und Jannö 1884 und 1885 anstellten, nicht überein. Letztore fanden constant in den kranken Lungen kleine runde Kokken, an welchen eine Hülle nicht nachzuweisen war. Mit der auf Nährgelatine bereiteten Cultur konnte durch directe Injection in die Lungen bei älteren Kälbern das typische Bild der Lungenseuohe herbeigeführt werden. Nach den Angaben dieser Forscher soll der von Pools und Nolen gefundene Coccus nicht das speeifische Contagium darstellen.
Bei dieser Sachlage kann der bakteriologische Theil in der Lehre von der Contagiosität der Seuche noch nicht als spruchreif betrachtet werden. Die Eigenschaften und Wirkungen des Contagiums sind daher einstweilen noch auf Grund der in der thierärztlichen Praxis über die Entwickelung und Verbreitung der Lungenseuche gemachten Erfahrungen zu bourtheilen.
Das Contagium findet in den Lungen dos Rindes die Bodinguugen zu seiner Vegetation und erhält sich in den pneumonischon Herden, von welchen es mit der Exspirationsluft ausgehaucht wird und bei den in der Nähe der kranken Thiere befindlichen gesunden und empfänglichen Rindern durch Eindringen in die Luftwege die Ansteckung vermittelt. Die Berührung der kranken mit den gesunden Rindern braucht hierbei nur wenige Minuten zu dauern. Ansteckungsfähig sind die kranken Rinder schon im Beginn der speeifischen Lungenentzündung, am meisten aber, wenn die Krankheit einige Wochen bestanden hat, Auch in den nekro-tisch gewordenen pneumonischon Partien erhält sich das Contagium noch eine relativ lange Zeit keimfähig. Die Ansicht Spinola's, dass dasselbe den von der Lungenseuche genesenden Rindern so lange anhafte, bis die Einkapselung des hepatisirten Lungentheils vollständig erfolgt sei, ist durch neuere Erfahrungen bestätigt worden.
Der Umfang der speeifischen Entzündung in den Lungen hat auf die Ansteckungsfähigkeit der kranken Thiere keinen nachweisbaren Ein-fluss. Nicht selten geschieht die üebertragung der Seuche von Thicren, welche nur mit einem kleinen pneumonischon Herde behaftet sind und keine Störung ihrer Gesundheit bekunden. Kühe werden zuweilen infi-cirt, wenn sie dem scheinbar gesunden Bullen eines verseuchten Bestandes ausscrhalh des Stalles zur Bedeckung zugeführt werden.
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160nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicatlonslu-ankheiton.
Flüchtig im Sinne der älteren Autoren ist das Contagium nicht. Es kann aber mit der exhalirten Luft der kranken Thiere sich im Stallraum verbreiten und bei den nicht in unmittelbarer Nähe der letzteren stehenden Rindern haften. Im Freien überträgt sich dasselbe leicht, wenn gesunde Rinder mit den kranken in enge Berührung kommen und von der ausgeathmeten Luft der letzteren etwas mit der Respiration aufnehmen.
Gelegenheit zur Ansteckung giobt ferner im Stalle oder im Freien der Platz, an welchem ein krankes Thior gestanden hat. Das Contagium wird hierbei von den zurückgebliebenen Dojecten des Mauls und der Nase mit der Athmungsluft in die Lungen gebracht. Ausserdem kann durch Personen, welche mit den kranken Thiercn in unmittelbare Berührung kommen, das Contagium in die den verseuchten Gehöften benachbarten Viehbestände verschleppt und mittelbar auf gesunde Thiere übertragen werden. Auch das mit der Ausathmungsluft oder mit den Dejecten aus der Nase oder dem Maul kranker Thiere verunreiffigte llauffutter, sowie der Dünger aus verseuchten Stallungen sind als Zwischenträger des AnsteckungsstolTes bekannt. Während das Contagium im Freien durch die atmosphärische Luft ziemlich leicht vernichtet wird, kann dasselbe in nicht desinficirten Seucheställen viele Monate hindurch sich keimfähig erhalten.
Bei niedriger Temperatur der Vehikel mindert sich die Virulenz des Contagiums sehr bedeutend. Durch die vollständig erkalteten Lungen oder durch das kalt gewordene Fleisch kranker Thiere dürfte die Seuche nur in seltenen Ausnahmefällen verschleppt werden. Lydtin hat eine Beobachtung mitgetheilt, nach welcher die Infection durch die Lungtfh und das Fleisch eines vor 8 Tagen geschlachteten kranken Rindes vermittelt war. Andererseits ist aber seit vielen Jahrzehnten das Fleisch lungenseuchekranker Thiere in den Handel gekommen, ohne dass eine Gefahr desselben für die Verbreitung der Seuche sich ergeben hätte. Auch die den kranken Lungen entnommene und kalt gewordene Lymphe, welche zur Impfung gesunder Thiere verwendet und hierbei oft zwischen den letzteren umhergetragen wird, vermittelt erfahrungsgereäss eine Ansteckung nicht.
Die Intensität des Contagiums ist bei den kranken Thieren sehr ungleich. Nicht selten ergreift der Ansteokangsstoff innerhalb zwei Monate 80 pCt. eines verseuchten Bestandes. Auch erfolgt die Ueber-tragung der Seuche auf Thiere benachbarter Gehöfio oder Bestände oft relativ leicht. In anderen Fällen erkranken dagegen von grösseren Beständen nur 1020 pCt. der Thiere offenkundig, obschon die Gelegenheit
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zur Ansteckung wochenlang bestanden hat. Gar nicht selten kommt die Seuche nur bei einem Thiere zum Ausbruch, während alle übrigen Rinder des betreffenden Stalles gesund bleiben, wenigstens nicht offenkundig in die Seuche verfallen.
Inwieweit bei diesen Differenzen in der Ansteckungsfähigkeit der Lungensouche auch die grössere oder geringere Empfänglichkeit der Rinder für das Contagium eine Rolle spielt, lässt sich nicht genau feststellen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Thiere, bei denen die Pneumonie sich auf einen kleinen Herd beschränkt, nur eine geringe Disposition zur Erkrankung haben. Dagegen wird aber nicht selten beobachtet, dass Thiere, welche in einem verseuchten Bestände trotz aller Gelegenheit viele Monate der Ansteckung entgingen, später noch inficirt und in schwererem Grade mit der Krankheit behaftet werden. Nach den bei der Absohlachtung verseuchter Viehbestände seit vielen Jahren durch die Obduction der Lungen gewonnenen Thatsachen kann als ausgemacht gelten, dass in der Regel ein kleinerer oder grösserer Theil (durchschnittlich 20 pCt.) der Thiere von der Ansteckung nicht betroffen ist, wenn auch die Seuche in dem Bestände schon mehrere Monate, selbst ein halbes Jahr und darüber, geherrscht hat. Sind aber nach dem Ausbruch der Seuche in einem grösseren Bestände erst vier Wochen vergangen, so finden sich gewöhnlich bei der Abschlachtung 70 bis 90 pOt. der Thiere, welche der Ansteckung verdächtig waren, noch gesund. Nach diesen Thatsachen ist anzunehmen, dass die mehr oder minder schnelle Ausbreitung der Seuche in einem Bestände von manchen Zufälligkeiten bei der Ansteckung bedingt sein kann und dass die individuelle Anlage der Rinder hierbei nicht immer von entscheidender Bedeutung ist.
Die Rinder, welche die Lungenseuche überstanden haben, erkranken, abgesehen von Ausnahmefällen, zum zweiten Male an derselben nicht. Auch durch die mit Erfolg ausgeführte Impfung wird die Empfänglichkeit für das Contagium getilgt. Wie lange aber die nach der Impfung eintretende Immunität dauert, ist nicht genau bekannt.
Pathogciiesc iiml pathologische Anatomie. Bis in die neuere /oit ist die Frage,
ob der Ansteckungsstoff mit dor Atiimungslul't direct in die Lungen gebracht wird und die Entzündung voraniasst, oder ob derselbe zunächst in das Blut gelangt und auf hiimatogenem Wege die Looalkranldieit der Lungen herbeilulirt, besprochen, aber nicht endgültig erledigt worden. Aus dem anatomischen Entwickelungsgange der die Lungenseuche oliaraktorisireiulen Pneumonie ist zu schliessen, dass das Contagium mit der Athmung direct in die Lungen kommt. Dass dasselbe aber von der kranken Lunge auch in die Blutcirculation gelaugt, beweist am besten die schon von Hübner und Dieterichs (1836), sowie von Gerlach (1839), üe Saive (1852), Delat'ond
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Dieckerhoff, Spec. PnlholoKie u. Therapie. II. Bd.
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162nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
(1844), Oemlor (1884) und anderen Autoron beobacliteto Thatsache, dass, wenn Kühe bei vorgeschrittener Tiächtigkeil in die Lungenseuche verfallen, im Fötus zuweilen auch die der .Seuche eigenthünillchon entzündlichen Zustünde an den Lungen nachzuweisen sind. Es stellt hiernach aussei- Zweifel, dass die Lungen eine besondere Empfiinglichkeit für das Contagium besitzen und dass dem Blute durch den Eintritt des Contagiums phlogogeno Eigenschaften verliehen werden. Trotzdem besteilt aber nach der thatsächlichen Erfahrung kein Grund zu der Annahme, dass bei der gewöhnlichenAnsteckung zuerst das Blut inficirt und darauf die Lungenentzündung durch Vermittelung des letzteren in die speoiflsche Entzündung versetzt werden soll.
Der Ansteckungsstoff, welcher mit der Inspirationsluft in die feinsten Bronchien gelangt, veranlasst daselbst an einer oder gleichzeitig an zwei, ausnahmsweise an drei Stellen durch seine Vegetation eine erysipelatöse Entzündung, die von der Schleimhaut des Bronchiolus sich auf das peribronchiale und interstitielle Bindegewebe, sowie auf die Gefässe in den zugehörigen Lobulis und in den meisten Fällen auch auf die Pleura ausbreitet. Der sich hiernach entwickelnde Entzündungsherd erreicht den Umfang einer Wallnuss bis eines Kindskopfes. Derselbe etablirt sich gewöhnlich in den unteren Partien der Lunge und nahe der Pleura, nicht selten aber auch im Centrum oder im zungenförmigen Lappen. Die weitere Ausbreitung der Entzündung kann sich nach der grösseren oder geringeren Virulenz des Contagiums und nach der Empfänglichkeit des betreffenden Rindes sehr verschieden gestalten. Häufig ist das Zustandekommen neuer Herde die Folge der Selbstinfection, indem von dem erstentstandenen Herde bald früher, bald später sich Contagium der Lungenluft mittheilt und mit dem Inspirationsstrom in gesunde Abschnitte der kranken, oder in die noch nicht affleirte andere Lunge gelangt und daselbst seine phlogogene Wirkung bethätigt.
Nach Hering, Haubner u, A. soll die Lungensouche vorwaltend die linke und nur höchst selten beide Lungen ergreifen. Ich kann diese Angabe nach meinen Feststollungen nicht bestätigen, habe vielmehr bei der Section sehr oft die der Seuche eigenthümliche Erkrankung in beiden Lungen constatirt. In solchen Fällen ist allerdings der Regel nach eine Lunge in grösserem Umfange erkrankt, als die andere. Auf eine grosso Zahl von Rindviehstücken berechnet, leiden bei einseitiger Erkrankung nach meiner Erfahrung durchschnittlich beide Lungen gleich oft. Ausgeschlossen ist aber nicht, dass in einem grösseren Viehbestande zufällig die Krankheit in der Mehrzahl der Fälle linksseitig oder auch rechtsseitig besteht. Ich fand einmal, dass von 9 mit der Seuche behafteten Kühen 7 nur rechtsseitig und 2 nur linksseitig erkrankt waren.
In der kranken Lungenpartie wird auf der Schleimhaut der Bron-chiolen ein fibrinöses Exsudat abgeschieden. Darauf kommt sehr oft eine
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diffuse Irritation mit spärlicher Schloirasecretion in den anscliliessenden grösseren Bronchien zu Stande. Ausnahmsweise erlangt die diffuse Bronchitis einen höheren Grad und einen grösseren Umfang, so dass sich auch die Schleimhaut der grosseu Bronchien mit einer dicken hautartigen, gelblich-weissen Fibrinschicht bedeckt.
Dor pneumonische Herd beginnt mit der Exsudation von Liquor sanguinis in das peribronchiale und interstitielle Gewebe, sowie in die Alveolen der Lobuli. Die Bindogewebszüge zwischen den Lobulis, welche sich mit gelblichem, eiweissreichom und vorab nur unvollständig gerinnendem Exsudat füllen werden 4 bis 8 mm breit. Gewöhnlich tritt in den entzündlich afficirten Capillargefässen der erkrankten Lobuli eine Thrombose ein, mit welcher durch arteriellen Ueberdruck des Blutes die betreffenden Lungenläppchen hämorrhagisoh infarcirt werden. Ob der Blutaustritt aus den Capillargefässen durch Rhexis oder durch Diapedese zu Stande kommt, ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden. In den Alveolen gerinnt das Blut alsbald (rotho Hepatisation). Zwischen den dunkelrothen hepatisirten Lobulis befinden sich demnach die abnorm breiten, mit gelblichem Exsudat gefüllten Bindegowebszüge (marmorirte Hepatisation, marmorirte Schnittfläche). Wegen der phlegtno-nösen Erkrankung des interlobulären Bindegewebes ist die Lungenseucho oft eine interstitielle exsudative Pneumonicquot; benannt worden. Die hepatisirte Lunge ist derb, nicht elastisch und bei Druck mit dem Finger leicht zerreissbar (brüchig). In den gelblich geschwollenen Interstitien beginnt nach 5 8 Tagen an den Rändern die Einlagerung von Leukocyten und demnächst, soweit nicht eine Nckrose eintritt, die Neubildung von derbem, weissem oder grauweissem Bindegewebe.
Haubner, Hering, Gerlach u. A. haben die Ansicht vertreten, dass die durch entzündliche Infiltration breiter gewordenen Interstitien die Lobuli comprimiren und in Folge dessen eine Blutstauung mit Austritt von Blut bewirken sollen. Ich kann diese Ansicht, die zuerst von Ginge in Brüssel (1844) aufgestellt wurde, nicht für zutreffend halten. Denn abgesehen davon, dass die mit zähflüssigem Exsudat gefüllten Interstitien eine Compression des elastischen Lungenparenchyms nicht bewirken können, so habe ich auch sehr oft constatirt, dass im Verlaute des Lungenseucheprocesscs durch Thrombose einer grossen oder kleineren Lungenvene ein hämorrhagischer Infarct mit nachfolgender Sequestration entsteht, ohne dass eine acute Phlegmone der Interstitien (marmorirte Hepatisation) vorhanden gewesen war. Demnach ist die Genesis des In-faretes auf die Thrombose und letztere auf die von dem erysipelatöson Entzündungsproccss afficirte Intima der Gcfässe zurückzuführen.
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164nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxieationslcrankheiten.
Durch Lösung des Blutfarbstoffs in dem Serum, welches alsbald resorbirt wird, vollzieht sich in dem Entzündungsherde der Uebergang von der rothen zur grauen und graugelblichen Hepatisation.
In der Nachbarschaft des erstentstandenen Hepatisationsherdes breitet sich der erysipelatöso Process (entzündliche Infiltration der Interstitien und der Lobuli) sehr häufig auf eine faust- bis kopfgrosse oder noch umfangreichere Lungenpartie weiter aus, in welcher die Lobuli wiederum infarcirt werden können. Auf diese Weise entstehen in einer Lunge oft 2 4 nebeneinander liegende Hepatisationsherde, deren verschiedenes Alter auf der Schnittfläche durch die Farbe der Lobuli (rothe oder graue Hepatisation) und durch die frischen oder älteren Entzündungs-zustände der Interstitien, weiterhin auch in den ältesten Herden durch die Nekrose und ihre Folgen sich kund giebt. Nicht selten bildet sich aber die entzündliche Infiltration in der Umgebung des ersten Herdes nach 510 Tagen wieder zurück, ohne dass in der betreffenden Lungenpartie ein hämorrhagischer Infarct (rothe Hepatisation und brüchige Beschaffenheit des Lungenparonchyms) entsteht.
Constant ist, wie Fürsten borg (Magazin 1867) zuerst nachgewiesen und Sussdorf (Deutsche Zeitschr. f. Thiermed,, 1879) eingehend geschildert hat, die Miterkrankung der Lymphgefässe. Die mit der erkrankten Lungenpartie in Verbindung stehenden, in dem interlobulären und subpleuralen Bindegewebe befindlichen, sowie die den Bronchien entlang verlaufenden Lymphgefässe erweitern und füllen sich mit zclligem und fibrinösem Exsudat. Ferner erleiden die zugehörigen bronchialen und mediastinalen Lymphdrüsen durch die Wirkung des mit der Lymphe eingeführten Contagiums eine entzündliche Schwellung; nicht selten wird die Drüse an einzelnen Stellen hämorrhagisch infarcirt. Ich fand in 2 Fällen, dass eine Bronchial- resp. Mediastinaldrüse von dunklem Blute vollständig durchsetzt war und eine schwarzbraune Farbe hatte.
Sehr häufig kommt in einer oder in zwei bis drei grösscren Lungenvenen, auf deren Wandungen der Entzündungsprocess sich fortsetzt, eine Thrombose zur Ausbildung, worauf die zu dem Bereiche der vorlegten Vene gehörige Lungenpartie (ein Dritttheil oder die Hälfte, selbst zwei Dritttheile einer Lunge) dem hämorrhagischen Infarct und der Hepatisation anheimfallen. Ich bemerkte schon, dass in solchen Fällen nicht selten an einer kleinen oder grösseren hepatisirten Partie die Miterkrankung der Interstitien fehlt und die Schnittfläche daher das gewöhnliche Bild der marmorirton Hepatisation nicht besitzt.
Nach ÜBiiach (Gericlill. Tliiorh.. 2. Aull., 1872, S. 402) werden bei der Thrombose der grösseren Gelasse namentlich die Venen betroffen, während Suss-
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dorf (1. c, S. 372) angiebt, class er stets die Arterien verlegt und in den Venen keine Thromben gefunden habe. Zur Entscheidung der Frage, welche Gofiisse hierbei betroffen sind, habe ich 27 Fälle genau untersucht, wobei die Lungen mit dem Herzen in Verbindung gelassen wurden. Nachdem Ich das thrombotisch verlegte Oefass präparirt hatte, konnte ich in allen Fällen eine lange .Sonde durch dasselbe in den linken Vorhof fuhren. Es besteht demnach die Thrombose immer in den Lungenvenen und niemals in den -Arterien.
Die Hepatisation in den Lungen kann nicht dauernd bestehen; sie verliert sich in 24 Wochen, wobei folgende Vorgänge zu unterscheiden sind:
1)nbsp; nbsp;Wenn in einer Lunge blos eine schlaffe Hepatisationquot; sich ausbildet, so wird das Exsudat nach 3 4 Wochen vollständig resorbirt. Nach meinen Erfahrungen ist dieser Ausgang nicht so häufig, wie manche Autoren angenommen haben. Die vollkommene Restitution der Lunge habe ich vorzugsweise in den Fällen constatirt, in welchen sich der pneumonische Process im vorderen Lungenlappen etablirt und darauf die Pleura in Mitleidenschaft gezogen, aber sich in der Lunge nicht weiter verbreitet hatte.
2)nbsp; nbsp;Trotz der nach der Infarcirung entstehenden derben Hepatisationquot; kann sich die Nutrition des Lungenparenchyms erhalten. Dann tritt eine bindegewcbigo Degeneration der kranken Lobuli ein. Theils von den Interstitien, theils von dem peribronchialen Gewebe und von den Arterienwänden, bei den peripherisch gelegenen Herden auch von der Pleura ausgehend, durchwächst das neu entstehende Bindegewebe die Lobuli, die bei der Section an ihrer braunrothen Farbe kenntlich nach und nach sich verkleinern. Bleiben die Thiere am Leben, so können hand-tellcr- bis kopfgrosse Hepatisationsherde auf diese Weise allmälig in schwieliges Bindegewebe umgewandelt werden. Am meisten kommt dieser anatomische Ausgang bei der Erkrankung der unteren und hinteren Lungenpartien vor. Seine Genesis ist auf den Reiz zurückzuführen, welchen das fest geronnene Blutfibrin der Alveolen an dem Lungenparenchym erzeugt.
3)nbsp; nbsp;Durch die thrombotischc Verstopfung der nutritiven Capillar-gefässc wird die Ernährung des hepatisirten Lungensiückcs unierbrochen. Dasselbe verfällt darauf der Nekroso. Dieser Ausgang, dessen Folgen in der Hauptsache die lebensgefährliche Bedeutung der Lungenseucho erklären, ist der häufigste, während die unter 1 und 2 erwähnten Veränderungen weniger oft beobachtet werden. Das nokrotische Stück verursacht eine dissecirende Entzündung (Pneumonia dissecans). Kleine Stücke werden hierdurch allmälig vollständig umkapselt (sequestrirt). Soweit dieselben peripherisch liegen, erfolgt immer in ihrer nächsten
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166nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Umgebung die Verwachsung der Lunge mit der Nachbarschaft (Rippenwand, Zwerchfell, Herzbeutel). Wenn mehr als ein Dritttheil der Lunge der Nekrose unterliegt, so entsteht zwar auch die Dissection; aber die Thiere gehen oft zu Grunde, bevor die Einkapselung vollendet ist. Ich habe nur einmal bei einer zweijährigen lrärse, welche 15 Monate nach der Genesung geschlachtet wurde, constatirt, dass die Hälfte einer Lunge durch Nekrose untergegangen und das Thier doch noch mit dem Leben davon gekommen war.
Die Kapselbildung nimmt ihren Ausgang von der Pleura und den Interstitien, sowie von den Wandungen der Bronchien und Arterien in den Lobulis. Den Vorgang selbst haben schon Spinola und Gerlach richtig geschildert. Durch Granulation und Absonderung eines dünnen, graubraunen, eiterigen Secretes an der inneren Fläche der Kapsel löst sich dor trockene, zusammengezogene, derbe Sequester. Doch persistiren die denselben durchziehenden Bronchien und Arterien, an deren Aussen-flächo auch zuweilen eine granulirende Entzündung entsteht, noch mehrere Wochen länger. Demnächst zerfallen die Bronchien und Arterien und es 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; bleiben als Reste derselben kleine Stümpfe, die sich späterhin auch all-
mälig verlieren, so dass die innere Wand der Kapsel eine buchtige oder glatte, secernirende Granulationsmembran darstellt. In den kleinen Sequestern erhalten sich noch mehrere Wochen, in den grösseren mehrere Monate, selbst ein halbes Jahr und darüber die wesentlichsten anatomi-sehen Merkmale der Lungenseuche, so dass auf der Schnittfläche die mar-morirte Hepatisationquot; noch deutlich zu erkennen ist. Doch schrumpfen die Interstitien stark zusammen und die dichter gewordenen hepatisirten Lobuli erlangen eine graumelirtc Färbung. Späterhin wird der Sequester durch das eiterige Secret der Kapsel erweicht, in mehrere Stücke oder Fetzen getrennt und vollständig verflüssigt. Der flüssige Inhalt verliert sich durch Resorption. In dem Masse, als der Inhalt sich nach und nach verringert, rücken die Wandungen der Kapsel näher aneinander. Schlicsslich verwachsen dieselben zu einer grauweissen, bindegewebigen, schwieligen Narbe. War der Sequester nur wallnuss- bis hühnereigross, so bleibt nur eine kleine Narbe zurück. Bei umfangreicher Nekrose wird das untergegangene Lungenstück durch sträng- oder schwarten-förmige, bindegewebige Neubildungen ersetzt, welche den Rest der Lunge mit der Rippenwand oder mit dem Zwerchfell fest verbinden.
Nur in einer Minderzahl der Fälle hat der Hcpatisationsherd im Centrum der Lunge seine Lage. Meist erreicht derselbe die Pleura, welche dementsprechend in der Regel mitafficirt wird. Hierbei kommen folgende Unterschiede in Betracht:
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1)nbsp; nbsp;Der Entzündungsprocess setzt sich zuweilen, besonders, wenn derselbe im vorderen Lappen oder am unteren Rande der Lunge entstanden ist, gleich im Beginn auf die Pleura fort (Pleuritis diffusa sero-fibrinosa). Hierbei können neben dicken Fibrinschichten 15 30 Liter serösen Exsudates in den Brustfellsack abgeschieden werden. Solche Fälle, in welchen die Lungenerkrankung unerheblich ist, charakterisirten ältere Autoren als feuchte Lungenseuchequot;, während das häufiger bestehende Verhältniss, bei welchem die Pneumonie eine grössere Bedeutung hat, mit dem Namen der trockenen Lungenseuchequot; ausgedrückt wurde. Bei starkor Miterkrankung des Herzbeutels häuft sich Serum in demselben an. Wenn die betreffenden Thiere die Krankheit überstehen, so bleiben bindegewebige Anhängsel und Verdickungen der Pleura an der Ripponwand, dem Herzbeutel und dem Zwerchfell, zuweilen auch an einzelnen Stellen Verwachsungen mit der Rippenwand oder dem Zwerchfell zurück, während an der Lunge selbst nichts Abnormes mehr besteht.
2)nbsp; nbsp;In dem hepatisirten Lungcntheil kommt eine bindegewebige Degeneration zur Ausbildung (vergl. S. 165). Dann verdickt sich die Pleura in der ganzen Ausbreitung des Hepatisationsherdes und auf der Oberfläche derselben entstehen flache bindegewebige Schwarten.
3)nbsp; nbsp; Mit der Nekrose des peripherisch gelegenen Hepatisationsherdes erstirbt auch der pleuralo Ueberzug desselben. Hierdurch entsteht immer eine exsudative Pleuritis, die sich an der kranken Seite entweder allgemein verbreitet oder auf die nächste Umgebung des Herdes beschränkt. Im erstgedachten Falle, der bei umfangreicher Lungennekrose die Regel bildet, scheiden sich serös-fibrinöse Exsudate in grosser Menge aus. Wenn dagegen der nekrotisch gewordene Hepatisationsherd die Grosse eines menschlichen Kopfes nicht überragt, so führt die Pleuritis in der nächsten Umgebung desselben zwischen der Lunge und der Rippenwand zu einer festen Verwachsung, welche einen Theil der das sequestrirto Lungenstück umgebenden Kapsel bildet, die sich später zu einer festen Schwiele umwandelt. Je grosser das nekrotische Lungenstück war, um so bedeutender ist die Neubildung von Bindegewebe, welches in Form von Leisten und Membranen zwischen dem Reste der Lunge und der Rippenwand eine feste Verbindung herstellt.
Vor der Brust und im Triol, seltener am Ifodensack und unter dem After oder der Scham.entsteht Im Verlaufe der Krankheit zuweilen eine entzündliche .Schwellung durch serös-fibrinnso Exsudation in das subontane Bindegowoho. Solche Geschwülste, welche die Grosse einer Faust bis eines Kopfes erlangen , sind dadurch eigenthüm-lich, dass in dem Exsudat das Fibrin nicht als eine zusarnmenhängendo gestaltlose
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168nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Infoxioationslfrankheiten.
Masse, sondern in Abtheilungen rosp. herdweise gerinnt und dass die Herde sich ans einzelnen, 23 Mm. dicken Fibrinschichton zusammensetzen. Am meisten bildet sich eine derartige Fibringeschwulst nach der Lungensouche-Impfung neben der Schwanzwurzel. Ich fand dieselbe bei den Scctionen auch zweimal im Mediastinum. An den einzelnen Herden oder Abtheilungon erfolgt die Gerinnung zuerst im Centrum, worauf sich nacheinander um dasselbe die Fibrinschichton ansetzen. Die Herde sind von rundlicher Form und wallnuss- bis hiihnereigross. Die ganze Geschwulst erscheint daher auf dem Durchschnitt in einzelne Felder abgetlieilt (geädert oder marmorirt). Da die Felder oder Herde in der Grosso und Form ungefähr mit den Lobulis der Lungen übereinstimmen, so bietet die Geschwulst auf dem Durchschnitt eine Aehn-lichkeit mit der marmorirten Schnittfläche der durch den Lungenseucheprocess hepa-tisirten Lunge. Von Willems u. A. sind hiernach die Geschwülste, namentlich soweit sie in Folge der Impfung entstehen, als speeiflsche Producte und bezüglich der Erzeugung einer Immunität der Thiere gegen die Ansteckung als gleichbedeutend mit der Lungenaffection betrachtet worden. Dieser Annahme wird zwar vielfach widersprochen. Jedenfalls muss aber zugegeben werden, dass nur die speeiflsche Blut-dyskrasie, durch welche die Gerinnungsfähigkeit des Fibrins erhöht wird, das Zustandekommen solcher Entzündungsgeschwülste ermöglicht.
Mitunter entsteht auch in der Leber, namentlich in der Region der Pfortader, eine exsudative, flbrinöse Entzündung, wie von Willems, Bouley und Zündol beobachtet und erörtert worden ist. Die genannten Autoren führen die Hepatitis auf eine Localisation der Lungenseuchequot; zurück. Ich kann dieser Ansicht nur beitreten. Auch nach meiner Meinung beruht das Zustandekommen des Entzündungsherdes darin, dass der Infectionsstoff aus der kranken Lunge in das Blut und mit der Blutcirculation in die Leber gelangt.
Symptome. Art und Umfang dor entzündlichen Localprocesse in den Lungen und der Pleura bestimmen das Symptomenbild, Dasselbe ist daher in den einzelnen Krankheitsfällen sehr ungleich. Gewöhnlich beginnt die Störung der Gesundheit bei den inficirten Thieren 4 Wochen nach der Ansteckung. Die Symptome entwickeln sich meist langsam (erstes Stadium); zuweilen bedingt die Seuche überhaupt keine schwere Erkrankung. In der Mehrzahl der Fälle stellen sich aber nach dem langsam verlaufenden ersten Stadium die lebensgefährlichen Zufälle einer intensiven Pneumo-Pleuritis ein (zweites Stadium).
Allgemeinerscheinungen. Das durch Resorption pyrogener Stoffe aus den Lungen und der Pleura verursachte Fieber ist im ersten Stadium gering. Doch steigt die Mastdarm-Temperatur, wie 1879 durch Lydtin und Dele gezeigt wurde, nicht selten auf 40,0deg;. Im zweiten Stadium schweres Fieber: gesträubte Stellung des Deckhaars; trockenes Flotzmaul; matte Haltung des Körpers, Stehen mit gekrümmtem Rücken; trauriger Blick; anhaltendes Liegen; höhere Temperatur am Grunde der Ohren und Hörner; Steigerung der Blutwärme bis 41,9deg;. Appetitmangel, im zweiten Stadium erheblich. Die in hohem Grade kranken Thiere fressen und wiederkäuen nicht mehr. Kaltes Wasser wird mit
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Vorliebe getrunken. Mit der Beschränkung der Futteraufnahme vermindert und verzögert sich auch die Ausscheidung der Darmexcremente. Abnahme der Milchsecretion bei Kühen, im ersten Stadium oft nur gering. Bei schwerer Erkrankung liefern die Thiere wenig oder keine Milch mehr. Pulsfrequenz im zweiten Stadium auf 80100 Schläge in der Minute und darüber beschleunigt. Röthung des Zahnfleisches; in den höheren Krankheitsgraden auch verwaschene Röthung der Conjunctiva.
Localerscheinungen. Unmittelbar durch die Pneumonie und Pneumo-Plcuritis entstehen: Husten, im ersten Stadium das am meisten verdächtige Symptom. Der Husten stellt sich zwar häufig ein, hat aber im Uebrigen keine ungewöhnlichen Eigenschaften; bei schwerer Erkrankung wird derselbe kurz, abgebrochen, schmerzhaft. Dyspnoe, schon im ersten Stadium zuweilen an den gesteigerten Respirationsbewegungen der Naseneingänge erkennbar, später in der Regel sehr bedeutend, besonders, wenn in der gesunden Lungenpartie interstitielles Emphysem entstanden ist. Die Athmungsfrequenz ist oft gering; selten über 40 Athemzüge in der Minute. Die Athembewegungen sind im zweiten Stadium anfangs bisweilen oberflächlich; bei zunehmender schmerzhafter Pleuritis verzögert sich die Exspiration (Stöhnen) und die Bauchdecken werden emporgezogen. Klagelauto, entweder kurz oder langgezogen und besonders stark, wenn die Thiere liegen. Beim Stehen suchen die schwerkranken Thiere durch gestreckte Kopfhaltung und Abbiegen der Ellenbogen die Athmung zu erleichtern. Sie legen sich aus denselben Gründen mit Vorliebe auf die kranke Seite oder auf das Brustbein. Nasenausfluss meist gering; das Deject ist eiweissreich und schleimig, zuweilen bluthaltig; bei den Nachkrankheiten oft schleimig-eiterig.
Die Auscultation der Lungen ergiebt bei vereinzelten Hepatisa-tionsherden von Hühnereigrösse, sowie bei der Erkrankung des vorderen Lappens oder des hinteren Endes einer Lunge keine bestimmten Abweichungen von den normalen Athmungsgeräuschen. Sonst bringt die Pneumonie im Anfang abgeschwächtes Vesiculärgeräusch und bei umfangreicher Hepatisation entweder das NichtVorhandensein eines Geräusches oder ßronchialgeräusch mit sich. In der gesunden Lunge und in der nicht afficirten oberen Partie der kranken Lunge lässt sich gewöhnlich verstärktes, bei der In- und Exspiration hörbares Vesiculärgeräusch nachweisen. Hat sich die Pleura mit einer dünnen Schicht fibrinösen Exsudates bedeckt, so tritt Reibungsgeräusch hervor, aber nur, wenn die nächstgelegene Lungenpartic wegsam ist. Das Exsudat auf stark hopa-tisirten Lungen verursacht kein Reibegeräuschquot; (Gerlach). Bei copiösem
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1 70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Erguss von Serum in den ßrustfellsack findet sich an der betreffenden Brustwand entweder Bronchialgeräusch oder es entsteht kein hörbares Athmungsgeräusch mehr in der Lunge. Die Klagelaute der schwer erkrankten Thiere machen sich am Brustkasten als consonirende Geräusche bemerklich.
Die Percussion des Thorax lässt bei einseitiger schwerer Erkrankung gewöhnlich einen gedämpftenquot; und oft einen dumpfen Schallquot; nachweisen. In leichteren Fällen und bei doppelseitiger Erkrankung ist das Resultat der Percussion bisweilen trügerisch, namentlich wenn die kranken Thiere gut genährt sind (vergl. S. 28). Gegenüber einer durch Hepatisation oder pleuritisches Exsudat luftleer gewordenen Lungenpartie ist der Schall in geringem oder höherem Grade gedämpft. Liegt aber der Hepatisationsherd am Mediastinum, so dass zwischen demselben und der Brustwand eine Lungenpartie für die Respiration wegsam bleibt, so giebt die Percussion keinen Aufschluss.
Verlauf. Seit langer Zeit wird der Verlauf der Lungenseuche ein-gethoilt in: das erste oder das Stadium der fieberlosen, chronischen, verborgenen Erkrankung und das zweite oder das Stadium der fieberhaften, acuten, offenen Erkrankung.
Indess macht die Thatsache, dass auch schon im ersten Stadium die ßlutwärme fieberhaft erhöht ist, die Trennung zwischen fieberloser und fieberhafter Zeit unthunlich. Ebensowenig lässt sich nach den pathologisch-anatomischen Zuständen der Brustorgane die Entwickelungszeit als chronisches Stadium bezeichnen und dem acuten Verlaufe gegenüberstellen. Zweckraässig wird die Kennzeichnung des in der Mehrzahl der Fälle vorkommenden Verlaufs lediglich durch die Worte: erstes und zweites Stadiumquot; ausgedrückt, wie Haubner und Gerlach schon vor 30 Jahren gethan haben. Wird das Verständniss für den Verlauf der Lungenseuche an die krankhaften Processe und Zustände in den Lungen und der Pleura angeknüpft, so orgiebt sich leicht, dass das erste Stadium nicht immer von gleicher Dauer und dass das zweite Stadium nicht immer von den gleichen pathologisch-anatomischen Zuständen bedingt ist. Nach der Infection vergeht eine Zeit von 3 4 Wochen, bevor in den Lungen ein Hepatisationsherd zu Stande gekommen ist. Darauf entwickeln sich die weiteren Veränderungen bald schnell, bald langsam, bis die schwere und augenfällige Störung im Befinden des Thieres (das zweite Stadium) sich einstellt. Meist vergeht hierüber eine Frist von 16, ausnahmsweise sogar von 810 Wochen. Dem zweiton Stadium liegen folgende Erkrankungen der Brustorgano zu Grunde: 1. die pneu-monische Affection setzt sich nach ihrer Entstehung direct auf die Pleura
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Lungenseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 171
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fort und es entsteht eine diffuse exsudative Pleuritis (nicht häufig);
2.nbsp; nbsp; von dem ersten Hepatisationsherd verbreitet sich die Entzündung kriechend oder sprungweise weiter, so dass ein relativ grosser Theil der Lungen afficirt wird; 3. es kann in der Nachbarschaft des ersten oder eines später entstandenen Hepatisationsherdos eine grössere Lungenveno throrabotisch verlegt und in Folge dessen sehr schnell eine umfangreiche Lungenpartie hopatisirt werden; 4. der erste oder einer der folgenden Hepatisationsherde wird nekrotisch und führt zur Mortification der Pleura und zur diffusen exsudativen Pleuritis. Die ad 2 und 4 gedachten krankhaften Zustände kommen am häufigsten vor.
Abweichend von der Regel kann die Ausbildung einer umfangreichen Pneumo-Pleuritis sich nach der Ansteckung sehr schnell vollziehen, so dass das erste Stadium vollständig fehlt oder nur wenige Tage dauert. In den Fällen, welche ich nach dieser Richtung festgestellt habe, trat die schwere und tödtliche Erkrankung einmal am 14. Tage nach der Ansteckung hervor, häufiger aber in der 4. Woche. Die Literatur enthält gleiche Beobachtungen in grosser Zahl; selbst schon am 8. oder 10. Tage nach der Infection wurde constatirt, dass die Thiere innerhalb eines Tages schwer erkrankten.
Im ersten Stadium zeigen die Thiere nur häufigen Husten, leichte Dyspnoe und Erhöhung der Bluttemperatur. Mit der Erkrankung im
zweiten Stadium verbinden sich folgende Symptome: Das Thier wirdnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Üi,
mager; Haar struppig, stierer Blick, Zurücktreten des Augapfels, Stehen mit aufwärts gekrümmtem Rücken, Verminderung der Milchsecretion bei Kühen, dyspnoische Respiration, Pulsfrequenz, Fiebertemperatur und Appetitraangel. Die schwere Erkrankung ist gekennzeichnet durch: Allgemeine Ermüdung, anhaltendos Liegen, hohes Fieber und starke Pulsfrequenz, Röthung des Zahnfleisches am Körper des Unterkiefers, Versagen der Futteraufnahme, Stöhnen, starke Dyspnoe und die spe-ciellen Erscheinungen bei der Auscultation und Percussion.
Ausgang. Die Krankheit endet entweder tödtlich oder mit vollständiger oder mit unvollständiger Genesung. Der tödtliche Ausgang kann bedingt sein: 1, durch eine diffuse Pleuritis mit entzündlichem Hydrothorax, und zuweilen mit einer starken Ausscheidung und Ansammlung von Fibrin auf dem Herzbeutel; oder 2. durch eine umfangreiche Hepatisation mit theilweiser Nekrose in den Lungen; oder
3.nbsp; nbsp;durch dissecirende Entzündung in der Umgebung eines der Nekrose verfallenen Lungenstückos mit consecutiver Pleuritis.
Die Genesung ist nur dann vollständig, wenn das Lungengewebe nicht, oder nur in Herden von geringem Umfange nekrotisch geworden ist. Schon
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im Entwickelungsstadium und ohne dass die Thiere erkennbare Krank-hoitssymptome gezeigt haben, kann der Verlauf abschliessen. Gleich oft erholen sich die Thiere vollständig im ersten Stadium. Unter beiden Voraussetzungen sind die genesenen Rinder vor einer nochmaligen Infection gesichert. Aus dem zweiten Stadium erfolgt die vollständige Genesung nicht häufig und immer nur ganz allmälig, indem die schweren Zufälle sich nach ein- bis zweiwöchentlicher Dauer verringern, namentlich der Appetit und die Rumination wiederkehren, auch die Dyspnoe nachlässt.
Unvollständig ist die Genesung, wenn ein grosses, nekrotisch gewordenes Lungenstück oder mehrere sequestrirte Herde durch Resorption beseitigt werden müssen. In solchen Fällen bleiben die Thiere nicht selten asthmatisch, ohne aber gerade wirthschaftlich werthlos zu sein. Häufiger erhalten sich chronische und unheilbare Entzündungszustände in den Lungen und an der Pleura als Nachkrankheiten, so dass die Thiere der Kachexie verfallen und nach mehreren Monaten durch Erschöpfung eingehen.
Nach den auf grosse Zahlen sich beziehenden Durchschnittsberechnungen gehen an der Lungenseuche in grösseren Viehbeständen 40 Procent der kranken Thiere direct zu Grunde; 20 Procent werden durch die Nachkrankheiten wirthschaftlich werthlos; 20 Procont genesen vollständig und 20 Procent bleiben von der Krankheit verschont, weil die betreffenden Thiere für die Ansteckung nicht empfänglich sind.
In den einzelnen Beständen weicht aber der Krankheitsverlauf von dieser allgemeinen Norm oft wesentlich ab, was auf die beiden noch wenig bekannten Factoren die Intensität des Oontagiums und die Empfänglichkeit der Rinder zurückgeführt wird. Ob die von Gerlach ausgesprochene Meinung zutrifft, dass, wenn eine grössere Menge des Oontagiums aufgenommen sei, die Krankheit heftiger auftreten solle lässt sich nicht entscheiden. Nach Haubner, Gerlach u. A. sollen junge Thiere die Lungenseuche relativ leicht überstehen und fette Thiere schwerer erkranken, als magere. Ich kann indess nach eigenen Erfahrungen versichern, dass magere und ältere Thiere sehr oft eben so heftig leiden, als Fettvieh. Einen günstigen Einfluss auf den Verlauf im ersten Stadium hat zuweilen ein gut ventilirter Krankenstall und bei Ochsen die tägliche Verwendung zur Arbeit im Freien. Nach den Angaben der Autoren soll bei der Ernährung mit wasserreichem Futter, besonders mit Branntweinschlempe, die entzündliche Brustwassersucht (die feuchte Lungenseuchequot;) und bei der Verabreichung von Trockenfutter die Pneumonic (die trockene Lungenseuchcquot;) vorherrschend sein, Ich
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Lungensoucho.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 173
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habe aber oit beobachtet, dass in bäuerlichen Stallungen während der Winterraonate das Verhältniss der exsudativen Pleuritis zur Pneumonia nicht anders war, als in Ställen mit Schlempefütterung und bei der Verabreichung von Grünfutter.
Als Seuche verläuft die Krankheit in grösseren Viehbeständen, in welchen die Ansteckung der Thiere bald früher, bald später erfolgt, ungleich. Gewöhnlich machen sich zunächst nur einzelne Krankheitsfälle bemerklich, worauf nach 4 6 Wochen eine grössere Zahl von Thierennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;|
innerhalb 814 Tagen offenkundig erkrankt. Späterhin treten die Krankheitsfälle vereinzelt auf und nach 4 Monaten hören sie gewöhnlich ganz auf. Ausnahmsweise erkranken auch 12 Monate nach dieser Zeitnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'
noch einzelne Thiere. Indoss kann bei den durchgeseuchten Rindern, weil die sequestrirten Lungenstücke noch nicht vollständig beseitigt sind,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I,
die Ansteckungsfähigkeit sich bis zu einem Jahre erhalten.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;|
Oft ist beobachtet worden, dass von kleinen oder grösseren Beständen nur ein oder einige Thiere offenkundig befallen werden. Auch ich habe diesen Verlauf der Seuche wiederholt in kleinen Beständen bäuerlicher Besitzer constatirt. Aus welchen Gründen die Ansteckungsfähigkeit der Seuche sich in den hier gedachten Fällen so wesentlich verringert, ist nicht bekannt.
Complicationen. Neben der Lungenseuche werden sehr oft bei Rindernnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
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jeden Alters die Producte der Tuberkulose in den Lungen und in
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anderen Organen gefunden. Wenn die Lungentuberkulose so weit ausgebildet ist, dass sie die Respiration behindert, so erlangt der Krankheitsfall bei dem betreffenden Thiere einen ungünstigen Charakter. In den geringeren Graden haben die an der Pleura, in den Lungen und den Lymphdrüsen des Thorax vorkommenden tuberkulösen Zustände aber auf den Verlauf der Seuche keinen erkennbaren Einfluss. Dass die lungen-seuchekranken Rinder gleichzeitig von der A phthcnseuche, der Rinderpest, dem Milzbrand und einigen anderen Krankheiten befallen werden können, oder mit der Knochenbrüchigkeit, mit Leberegeln, Echino -kokken etc. zuweilen nebenbei behaftet sind, ist bei der gegenwärtigen veterinärpolizeilichen Praxis belanglos.
Diagnose. Der erste Krankheitsfall in einem Viehbestände lässt sich nach den Symptomen allein nicht mit Sicherheit feststellen. Massgebend für die Diagnose ist aber der Sectionsbefund.
Bei der Annahme des Lungenseucheverdachts hat der Thierarzt vorab zu erwägen, ob das erkrankte Thier der Ansteckung ausgesetzt gewesen sein kann. Als verdächtig der Lungenseucho-Erkrankung im ersten Stadium sind der häufige Husten und das dyspnoischc Athmonnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,
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anzusehen. Für den Uebergang in das zweite Stadium begründen neben dem Husten besonders die Fiebertemperatur, die Verringerung der Milchsecretion bei Kühen, der Appetitmangel, die Dyspnoe und die Pulsbesohleunigung den Verdacht. Dazu kommen die Ergebnisse der Auscultation und Percussion der Brustorgane. Die nach der Sequestration von nekrotischen Lungenstücken zuweilen eintretenden Krankheitssymptome sind nur dann verdächtig, wenn nach der Vorgeschichte des betreffenden Viehstandes die firkiankung an der Seuche wahrscheinlich ist.
Anlass zur Verwechselung mit der Seuche resp. zur Annahme des Lungenseuche-Verdachts geben nicht selten: die traumatische Herzbeutelentzündung, die traumatische Pneumonie und die Lungentuberkulose, letztere besonders in der Form der käsigen Pneumonie.
Sectionsdiagnose. Uebereinstimmend mit der von Gerlach vertretenen Forderung, dass nach dem Befunde in den Lungen die Seuche stets mit Sicherheit diagnosticirt werden müsse, stellt auch die neuere Viehseuchen-Gesetzgebung den beamteten Sachverständigen mit Recht die Aufgabe, bei der Section eines gefallenen oder getödteten verdächtigen Rindes die Frage nach dem Bestehen der Lungenseuche mit Bestimmtheit zu entscheiden. Zur sachgemässen Erledigung dieser Aufgabe gehört, dass dem Thierarzt die eigenthümliehe Pathogonese der Lungenseucheproccsso (ery-sipelatöse Pneumonie und ihre Folgen) bekannt sein müssen. Mit fibri-nösem Exsudat gefüllte Lobuli resp. frische hämorrhagische Infarcte in kleinen oder grösseren Lungenstücken, in welchen die Bindegewebszüge krankhaft verbreitert und mit gelblichem, gelatinösem Exsudat infiltrirt sind, kommen nach der Erfahrung nur bei der Lungenseuche vor. Auf diese Zustände war nach der Forderung von Spinola und Gerlach die marmorirte Hepatisation' begrifflich zu beschränken. Demnach stellt die marmorirto Hepatisation unter dem Vorbehalt ihrer restrictiven Definition eine Eigenthüralichkeit der Lungenseuche dar.
Aus dem Befunde der nekrotisch gewordenen und vollkommen abgekapselten kranken Lungenstücke ist die Seuche mit gleicher Sicherheit zu diagnosticiren, so lange die dissecirten Stücke noch nicht vollkommen eingeschmolzen sind.
Mit der Lungenseuche kann nach dem Soctionscrgebniss verwechselt werden:
1) Die traumatische Pneumonie, bei welcher sich nach wochon-oder monatelangem Bestehen in der Umgebung dos Eiterherdes oft eine chronische, interstitielle Pneumonie mit bindegewebiger Verdickung und Verbreiterung der interlobulären Bindegewebszüge ausbildet. Hierbei
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Lungensouche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 175
sind aber die Lobuli nicht mit Exsudat gefüllt. Auch hat das kranke Lungenstück ein geringeres Gewicht, als bei der Lungenseuche.
2)nbsp; Die im Anschlüsse an eingekapselte bronchiektatische oder broncho-pneumonische Käseherde (Tuberkulose) zuweilen entstehende und über eine kopfgrosse Lungenpartie sich erstreckende chronische interstitiolle Pneutnonie mit denselben Eigenthümlichkeiten, die sub 1 angeführt sind.
Oft kommt bei der Tuberkulose am vorderen Lappen oder am unteren Rande und am hinteren Ende der Lungen eine Atelcctase vor. Indess fehlt hierbei stets das plastische Infiltrat der Interstitien und die differente Färbung der Schnittfläche.
3)nbsp; nbsp;Die diffuse katarrhalische Pneumonie, bei welcher starkes Lungenödem gefunden wird und die Lungen in Folge der Entleerung des Serums durch die Bronchien nach 24 Stunden zusammenfallen. Es fohlt auch hier die plastische Infiltration der Interstitien.
4)nbsp; nbsp;Die sporadische infectiöse und fibrinöse Pneumonie, welche sich dadurch auszeichnet, dass die Interstitien nur unerheblich betheiligt sind und dass die hepatisirten Lungenpartien auf dem Durchschnitt ein gleichmässiges Ansehen zeigen.
5)nbsp; nbsp;Die Wildseuche.
6)nbsp; nbsp;Die infectiöse Pneumonie der Kälber.
Prognose und Behandlung, Da die gegenwärtige Seuchengesetzgebung eine Behandlung der lungenseuchekranken Rinder zum Zwecke der Heilung nicht gestattet, so ist die Abwägung der Gefahren, welche der oin/olnc Krankheitsfall mit sich bringt, gegenstandslos. Die früher aller Orten, sowohl in Europa, wie in den überseeischen Staaten versuchte curative Behandlung der Thiere hat den beabsichtigten Erfolg nicht gehabt. Neuere Erfahrungen stellten als zweifellos heraus, dass die Meinung von dem Nutzen einzelner Heilmittel irrthümlich war. Die Krankheit vorläuft günstig und führt häufiger, als sonst zur Genesung, wenn das Con-tagium aus zufälligen und noch nicht bekannten Gründen eine relativ geringe Virulenz besitzt. Je heftiger dagegen die pathogene Wirkung des Contagiums auf die Lungen und das Brustfell ist, um so grosser sind die Verluste. Hieran kann die vor mehreren Jahrzehnten üblich gewesene Anwendung der antiphlogistischen Curmethode (Aderlass, Haarseile am Brustkasten oder im Triel und innerlich Salpeter oder Glaubersalz) Nichts ändern. Gleich nutzlos war die Verabreichung adstringiren-der Metallsalze (Ferrum sulfuricum; Cuprum aluminatum). Unerwiesen ist auch die Behauptung, dass durch anhaltende Trockenfütterung der Krankheit bei den einzelnen Thieren des verseuchten Bestandes ein gün-
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176nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskranklioiton.
stiger Verlauf gegeben werden könne. Es gelingt wohl bisweilen, wie ich in Bestätigung älterer literarischer Angaben oft beobachtet habe, bei der Aufstellung der kranken Thiere in gut ventilirten und massig temperirten Räumlichkeiten, sowie bei guter Pflege und Verabreichung schmackhafter, leicht verdaulicher Nahrungsmittel auch einige schwere Krankheitsfälle zur Genesung zu bringen, aber erheblich ist dieser Erfolg nicht. Denn bei der Sequestration eines umfangreichen Lungen-stückes können die Thiere der Regel nach nicht mehr mit dem Leben davon kommen. Die seit 1875 für Preussen und seit 1880 für das ganze Deutsche Reich in Kraft befindliche Vorschrift, dass die lungen-seuchekranken Rinder nicht behandelt, sondern gegen Entschädigung ge-tödtet werden sollen, bezeichnet daher einen wesentlichen Gewinn für die Landwirthschaft.
Die veterinärpolizeiliche Behandlung, auf die in diesem Lehrbuch nicht spcciell eingegangen werden kann, hat die Isolirung der verseuchten Viehbestände für die Dauer der Gefahr zu bewirken. Für kranke und seucheverdächtige Rinder ist die Schlachtung anzuordnen. Im Interesse der sicheren Ausrottung des Seuchenherdes liegt auch die möglichst schnelle Schlachtung aller ansteckungsverdächtigen Thiere. Obschon in der Regel mit Ablauf einer sechsmonatlichen Frist nach dem letzten Krankheitsfall in dem verseuchten Bestände die Ansteckungsfähigkeit der unmerklich erkrankt gewesenen Thiere erloschen ist, so sind doch die Ausnahmen von dieser Regel nicht selten. Um eine volle Sicherheit für die neu zugekauften Thiere zu erlangen, müsste die Observation der ansteckungsverdächtigen Rinder auf mindestens ein Jahr verlängert werden, was sich indess mit den landwirthschaftlichen Interessen der betreffenden Wirthschaften nicht immer verträgt. Bei der Handhabung des Viehseuchengesetzes in der Praxis (vergl. Beyer, Reichsgesetze etc., Berl. 1886) hat sich als zweckmässig herausgestellt, die in einem verseuchten Vieh bestände nicht offenkundig erkrankenden Thiere nur in den Gegenden oder grösseren Gutswirthschaften am Leben zu erhalten, in welche mit den frisch zugekauften Rindern die Seuche leicht von Neuem eingeschleppt werden kann. Im Uebrigen liegt in der, nach dem Ausbruch der Seuche alsbald anzuordnenden Abschlachtung aller der Ansteckung verdächtigen Thiere die beste Schutzmassregel. Soweit die Besitzer für ihre Wirthschaftsbetriebe die unter Observation gestellten ansteckungsverdächtigen Thiere nicht entbehren können, empfiehlt sich zur prophylaktischen Behandlung die Impfung, welche aber nur dann einen wesentlichen Erfolg gewährt, wenn die meisten Rinder des verseuchten Gehöftes der natürlichen Ansteckung noch nicht verfallen sind.
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Lungonseuche.
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Lungenseuche#9632; Impfung.
In allen europäischen Staaten, wie in Amerika, Südafrika und Australien liaben viele competente Thiorärzto und die zum Studium des Impfverfahrens berufenen technischen Commissionen anerkannt, dass die Impfung bei rechtzeitiger Ausführung den Rindern einen wirksamen Schutz, gegen die natürliche Ansteckung verleiht und dass sie ein werthvolles Mittel zur Bekämpfung der Seuche ist. Gleichwohl wurde die Richtigkeit dieser Folgerungen von anderen Thierärzten in Abrede gestellt. Gegen die Impfung ist insbesondere eingewendet worden:
1)nbsp; nbsp;Dass die nach der Impfoperation eintretende diffuse Entzündung des sub-cutanen Bindegewebes nicht durch den specifisohen Infectionsstoff der Seuche, sondern durch putride Kerraentequot; veranlasst werde;
2)nbsp; nbsp;dass die Impfung eine Schutzwirkung auch deshalb nicht haben könne, weil durch dieselbe die specifische Ijungenkrankheit nicht herbeigeführt werde;
3)nbsp; nbsp;dass dieselbe mit der Beseitigung der occult erkrankten Kinder nicht vereinbar sei und deshalb der erfolgreichen polizeilichen Bekämpfung der Seuche entgegenstehe.
Bei der kritischen Prüfung der gegen die Impfung geltend gemachten Gründe sind diese Gesichtspunkte auseinander zu halten.
ad 1) Die Beobachtung einer grossen Zahl von geimpften Hindern resp. Rindviehbeständen hat ergeben, dass die Uebertragung reiner Lymphe aus einem frisch erkrankten Lungenstück oder aus dem frischen pleuritischen Exsudat stets eine ery-sipelatöse Phlegmone hervorruft, deren Charakter im Wesentlichen mit der frischen Pneumonie lungenseuchekranker Thiere übereinstimmt. Wenn aber gleichzeitig eiterige oder septische Infectionsstoffe eingeimpft werden, so entsteht eine gangränes-cirende Entzündung, welche die specifische erysipelatöse Phlegmone nicht aufkommen lässt. Nach dieserThatsaohe haben Haubner, Gerlach, Degive, Bouloy, Pütz und viele andere Thierärzte die specifische [mpfkrankheit mit Hecht auf die wirksame Uebertragung des Lungenseuchc-Infcctionsstoffes zurückgeführt. Die Gegner sind den Beweis schuldig geblieben, dass die bei sorgfältiger Impfung am Schwanz oder am Triel stets eintretende erysipelatöse Phlegmone durch putride Fermentequot; bedingt sei.
ad 2) Die Thiere, welche die Lungenseuche überstanden haben, sind vor einer nochmaligen Ansteckung geschützt. Hiernach ist anzunehmen, dass bei der Lungenseuche die Immunität in ähnlicher Art zu Stande kommt, wie bei den Pocken, der Rinderpest und anderen acuton Infeotionskrankheiten. Wird dies aber concedirt, so fehlt jeder plausible Grund, aus welchem bestritten werden könnte, dass die Herstellung der Immunität auch durch den speeifischen phlegmonösen Process am Schwänze möglich ist.
Die Thatsache, dass bei der Schlachtung der Kinder, welche einige Monate vorher nach dem Ausbruch der Seuche in den betrolTenden Viehbeständen der Noth-impfung unterzogen waren, oft kleine oder grössore Hepatisationsherde resp. seque-strirte Lungenstückc gefunden werden, spricht nicht gegen die Schutzkraft der Impfung. Denn die Thiere konnten in dem Seuchenstalle schon vor der Impfung inficirt sein; oder die Impfung hatte wogen der Mitübertragung septischer Mikroorganismen nicht gehaftet, bezw. die hierdurch herbeigeführte gangränescirende Entzündung war irrthümlich als die specifische [mpfkrankheit angesehen worden.
Dass bei der frühzeitig ausgeführten Nothimpfung in grössoren Viehbeständen viel weniger Thiere der natürlichen Ansteckung verfallen, als beim Unterbleiben der
Dieckerhoff, Spec. PatliologiG u. Tlioraple. II. Bd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; in
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178nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationsltrankheiten.
Impfung, ist in allen Ländern, in Deutschland besonders durch Haubner und Gerlach an einem grossen Beobachtungsmaterial festgestellt worden. Die Bedeutung dieses Krfolges lässt sich nicht in Abrede stellen und auch dadurch nicht entkräften, dass bei der natürlichen Ansteckung zuweilen nur wenige Thiere des betroffenen Viehbestandes offenkundig erkranken. Aus der vergleichenden Berücksichtigung des Impferfolges bei einer grossen Zahl von Viehbeständen ergiebt sich zur Evidenz, wie schon Willems 1852 richtig erkannt hat, dass nach regelmässigem Ablauf der Impfkrankheit die Kinder vor der natürlichen Ansteckung geschützt sind. Diese im Gegensatz zu den erfahrensten Thierärzten von Roloff u. A. bestrittene Thatsache hat Pasteur in der neueren Zeit durch exact ausgeführte Versuche einwandsfrei festgestellt. Auf Anordnung des Königlichen landwirthschaftlichon Ministeriums in Preussen haben demnächst Schütz und Steffen (Berl. Arch., 1889) nach einem sorgfältig aufgestellten Plan an einem grosseren Versuchsmaterial Impfungen vorgenommen; auch diese Versuche haben orgeben, dass die Impflinge späterhin von lungenseuchekranken Rindern nicht angesteckt werden.
ad 3) Mit Recht betrachten Adam, Wehenkel, Lydtin u. A. die Impfung für diejenigen Staaten oder Provinzen, in welchen die Lungenseuche vollständig getilgt werden soll, als ein ungeeignetes Schutzmittel. Denn die Inipfllüssigkeit kann, wenn die Impfung als eine allgemeine Massregel sich auf grössere Seucheugebiete erstrecken soll, nur aus den Brustorganon eines frisch erkrankten Thieros beschafft werden. Sie bleibt auch bei der von Pasteur vorgeschlagenen sorgfältigen Aufbewahrung in Sammelröhrchon nur 3 Wochen wirksam. Ob das von Germont und Loir den Assistenten Pasteur's empfohlene Verfahren, junge Kälber im Triel oder hinter der Schulter zu impfen und aus dem hiernach eintretenden Üedem eine wirksame Lymphe zu gewinnen, mit welcher jedesmal nach 8 Wochen weiter zu impfen wäre sich bewähren wird, ist noch nicht abzusehen. Einstweilen setzt die Ausführbarkeit der Impfung das Vorhandensein eines gestorbenen bezw. geschlachteten lungenseuchekranken Rindes behufs Beschallung der ImpfllüssigKeit voraus. Es kann daher in den verseucht gewesenen Gehöften bei den zugekauften gesunden Rindern die Impfung nur dann vorgenommen werden, wenn die Lungenseuche in der betreffenden Gegend sich forterhält. Wird min der Ausbruch der Seuche in einem Viehbestande constatirt, so ist von den noch gesund scheinenden Thieren, welche geimpft werden, der Regel nach ein kleiner oder grösserer Theil bereits infleirt resp. mit der occulten Lungenseuche schon behaftet. Oder die Infection erfolgt später bei einzelnen, der Impfoperation unterzogenen Thieren deshalb, weil die Impfung bei denselben nicht gehaftet hat. Bei den inzwischen zugekauften Rindern kommt daher nicht selten die Seuche zum Ausbruch. Auch können nach Aufhebung der Schutzmassregeln einzelne unverdächtig erscheinomlo, aber occult erkrankte und deshalb ansteckungsfällige Thiere in den Handel gelangen und die Seuche verschleppen.
Hiernach kann im Geltungsbereiche des deutschen Reichs-Viehseuchengosetzes die Lungenseuche-Impfung ganz allgemein als eine nützliche veterinärpolizeiliche Massrogel nicht betrachtet werden. Ihre praktische Bedeutung beruht lediglich darin, dass bei ihrer frühzeitigen Anwendung in denjenigen verseuchten Viehbeständen, deren Gesammttödtung nach Massgabe der wirthsohaftlichen Betriebsverhältnisse oder wegen der grossen Verbreitung der Seuche in der betreffenden Gegend nicht zweck-miissig ist, die Krankheitsfälle auf eine relativ gelinge Zaiil beschränkt bleiben. Im veterinärpolizoilichen Interesse sollte aber, wenn die Lungenseucho-Impfung in don hier gedachten grosseren Viehbeständen nach dem Ausbruch der Seuche ausgeführt
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ist, die Bestimmung getroffen worden, dass die der Ansteckung verdächtigen Th-iere eine hinreichend lange Zeit isolirt bleiben, damit die Verschleppung dos Ansteckungs-stoffes durch den Viohhandol nicht stattfinden kann.
Zur Gowinnung der Impfflüssigkeit (Lungoiiscuchelymphe) wird von einem geschlachteten kranken Rinde ein frisch afficirtes, mit allen Eigenschaften der erysipelatöson Fneumonie behaftetes Lungenstück mehrfach durchgeschnitten. Die Stückchen sind auf dünne Stäbe oder auf grobe Leinwand über einer Glas- oder Porzellanschale zu legen, worauf in 1015 Stunden eine reichliche Menge des flüssigen Exsudats in die Schale abträufelt. Auch aus dem frischen, fibrinösen Exsudat dor Pleura lässt sich in gleicher Weise geeignete Lymphe beschaffen. Auf dem Boden der Schale sammelt sich das etwa mitabgeflossene Blut und in der Impfflüssigkeit bildet sich stets ein lockeres Fibringerinnsel. Die abgegossene oder (iltrirto klare, gelblich gefärbte Flüssigkeit stellt die Lungenseuchelymphe dar. Aus den Lungen der bereits in Fäulniss übergegangenen Cadaver, sowie aus den älteren Hepatisationshcrdon, welche Eitcikokken oder Fäulnissbaklerien enthalten, darf die Lymphe nicht bereitet werden, weil sonst nach der Jmplung eine gangränescirende Entzündung entsteht. Mehrfach ist auch das aus dem Aderlassblut eines lungenseuchekranken Rindes gewonnene Blutserum zur Impfung benutzt und angerathen worden. Ich habe mit demselben 1874 zwei grosse Viehbestände geimpft, mich hierbei aber überzeugt, dass die Wirkung unsicher ist.
Die Impfoperation besteht in der Einbringung von 0,51,0 Gramm der Lymphe in die Subcutis, und zwar am zweckmässigsten an der Dorsalfläche des Schwänzendes (Schwanzimpfungquot;). Nachdem 58 Ctm. von der Schwanzspitzc entfernt das Haar auf einer kleinen Fläche glatt abgeschoren und die Haut desinficirt ist, wird mit einer besonderen Impfnadel, wie sie von Sticker, Oemler u. A. construirt ist, die Lymphe in die Subcutis injicirt. Manche Praktiker appliciron die Lymphe mittels eines leinenen oder wollenen Bandes, das nach Art eines Haarseils auf 34 Ctm. Länge an der vorgodachten Stelle durch die Subcutis gezogen wird und 81'2 Tage liegen bleibt, während dieser Zeit auch wiederholt mit Lymphe getränkt werden kann. Das früher zuweilen angewandte Vorfahren, die Haut mit einer Lanzette zu durchstechen odor mit dem geballten Bistouri zu durchschneiden und nach dem Aufhören der Blutung die Lymphe in die Subcutis zu streichen, ist nicht empfchlenswerth.
Wenn die Impfung gehaftet hat, so entwickelt sich nach 2 bis 4 Wochen, in seltenen Fällen schon nach 812 Tagen eine entzündliche
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180nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
und beim Druck schmerzhafte Anschwellung der Haut an der Impfstelle und oberhalb derselben an der Schwanzrübe. Wegen der Schmerzempfindung halten die Thiere den Schwanz in leichtem Grade gekrümmt. Die Phlegmone heilt gewöhnlich nach 12 Wochen wieder ab; sie führt aber bei manchen Thieren zur Nekrose oder zur Ulceration, worauf in 35 Wochen das mortificirte kleine oder grössere Endstück dos Schwanzes durch dissecirende Entzündung vollständig abgestossen wird. Häufig schwillt die Haut an der Impfstelle nur wenig an; aber der Infections-stoff gelangt durch die Lymphbahnen bis in die Subcutis am After und neben der Schwanzwurzel, woselbst eine umfangreiche, derbe, phlegmonöse Geschwulst zur Ausbildung kommt. Von der letzteren kann sich, wenn die rechtzeitige Behandlung verabsäumt wird, der entzündliche Process auf das Peritoneum fortsetzen, so dass eine exsudative Peritonitis mit tödtlichem Ausgang entsteht. Oder es kann die neben der Schwanzwurzel sich bildende Geschwulst zur Mortification des Bindegewebes und eines Theils der Beckenmuskeln führen, an welcher die Thiere durch septische Blutvergiftung eingehen.
Die Impfung am Triel vor der Brust (Trielimpfungquot;) bewirkt in der Regel eine umfangreiche phlegmonöse Geschwulst und gefährdet hierdurch das Leben der Impflinge in höherem Grade, als die Schwanzimpfung. Mit angeblich gutem Erfolge haben belgische Autoren (Thiernesse und Degive) eine intravenöse Impfungquot; ausgeführt, indem sie 2 Ccm. der Lymphe direct in die Jugularvone injicirten. In-dess hat das Verfahren bisher keine allgemeinere Nachahmung gefunden, so dass sich der praktische Werth desselben nicht mit Sicherheit be-urtheilen lässt. Schütz und Steffen fanden, dass die den Lungen frisch geschlachteter kranker Rinder entnommene, noch warme Lymphe nach der Injection eine weit heftigere Phlegmone am Schwänze resp. neben der Schwanzwurzel hervorruft, als kalte Lymphe. Die Verwendung frischer warmer Lymphe, die übrigens niemals üblich war, ist deshalb zu widerrathen.
Zur Behandlung der am Schwänze geimpften Rinder ist für eine reichliche Einstreu im Stalle zu sorgen, damit die Irapfwunde möglichst wenig verunreinigt und der Schwanz nicht feucht und kalt wird. Eine starke Anschwellung des Schwanzes erfordert die Application langer Schnitte durch die Haut und die Anwendung von Oreolinlösung, Carbol-wasser oder einem anderen desinficirenden Mittel. Zeigen sich Erscheinungen der Nekrose oder der Ulceration (Unempfindlichkeit beim Druck) am Schwanzende, so ist das abgestorbene Stück zu amputiren. Die grösste Sorgfalt ist der Impfgeschwulst am After und an der Schwanz-
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Infectiöse Lungonentzündung der Kälber.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;181
wurzcl (der Impfkrankheit,quot; im engeren Sinne) zuzuwenden. Durch dieselbe sind lange und tiefe Schnitte zu legen; die Schnittwunden werden täglich 2 Mal mit warmem Seifenwasser gebäht und mit Carbol-wasser, Creoiinwasser, Holzessig oder einem anderen geeigneten Wundheilmittel behandelt.
Auch bei vorsichtiger Ausführung haftet die erste Impfung durchschnittlich bei 1520 pCt. der Impflinge nicht. Diese Thiere sind nach Ablauf von 4 Wochen zum zweiten Mal zu impfen. Nach Haubner's Erfahrungen, die später allgemein bestätigt worden sind, erlangt bei der Verwendung guter, reiner Lymphe und bei sorgfältiger Nachbehandlung die Irapfkrankheit nur bei 12 pCt. der Fälle durch die Phlegmone in den Weichtheilen des Beckens eine lebensgefährliche Bedeutung, so dass die Nothschlachtung der Thiere geboten ist. Wirthschaftlich belanglos ist der durchschnittlich bei 10 pCt. der Impflinge eintretende Verlust eines Stückes vom Schwänze.
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Capitel XIV.
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Infectiöse Lungenentüündung (liUngen-BrustfellentKüiidung) der Kälber. Pneumo-Pleuritis vitulorum infectiosa.
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Der als Stallseuche unter grossen oder kleinen Beständen von Kälbern auftretenden infectiösen Lungenentzündung ist erst in der neueren Literatur ein erhöhtes Interesse zugewandt worden. Die Kälber sind dieser Pneumonic im Alter von wenigen Wochen bis zu etwa 5 Monaten unterworfen. Bisher wurde der Infectionsstoff bakteriologisch nicht mit Sicherheit ermittelt. Nach Perroncito (1885) soll die Krankheit, welche in Italien als eine sporadisch und seuchenartig bei jungen Schweinen und Kälbern auftretende Affection seit 20 Jahren bekannt sei, durch einen als Micrococous ambratusquot; bezeichneten Spaltpilz bedingt werden. Poels (1887) vertritt die Ansicht, dass der Infectionsstoff wahrscheinlich mit den Bakterien der Wildseuche (der Kaninchen-septicämie und der Schweineseuche) identisch sei und dass die Kälber sich die Infection durch die Respirationsschleimhaut, die Magen-Darmschleimhaut und durch Hautwunden zuziehen könnten. In Holland soll
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182nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiton.
die Krankheit besonders während der Frühlingsmonate vorkommen. Nach Stöhr (Berl. Arch., 1887, S. 360) herrschte dieselbe im Kreise Thorn auf zwei Gütern 8 Jahre hindurch; es wurden nicht blos die selbst gezüchteten, sondern auch die angekaufton Kälber ergriffen. Hürlimann (Schweiz. Arch., 1889, S. 137) berichtet, dass von 16 Kälbern eines Gehöftes innerhalb 4 Wochen 9 gestorben seien. In Baiern hat Itn-minger (Göring's Wochenschr., 1891, S. 213) die Krankheit seit 1883 mehrfach behandelt.
Nach eigenen Beobachtungen muss ich den Ansichten von Perron-cito und Pools darin beitreten, dass die Krankheit eine grosso Aehn-liohkeit mit der endemischen Pneumonic der jungen Schweine hat. Der Infectionsmodus und die Pathogenese sind nicht genau bekannt; doch sprechen die Sectionsbefunde dafür, dass der Tnfectionsstoff mit der Ath-mungsiuft in die Lungen gelangt und innerhalb weniger Tage den entzündlichen Process in den Lungen und der Brusthaut verursacht.
Symptome. Fieber mit einer Bluttemporatur bis zu 42,0deg; (nach Hürlimann bis 42,7deg;); gesträubtes Deckhaar und müde Körperhaltung. Pulsfrequenz bis 100 und darüber. Husten. Dyspnoe mit 30 bis 60 Athemzügen in der Minute, gestreckter Haltung des Körpers, Broit-stellung der Gliedmassen und exspiratorischen Klagelauten; die schwerkranken Kälber athmen mit geöffnetem Maul. Schmerzempfindung beim Druck gegen den Brustkasten. Bei der Auscultation kein Ath-mungsgoräusch in den kranken Lungenpartien. Percussionsschall am Brustkasten im Bereiche der Lungen-Brustfellentzündung gedämpft. Appetit gering, in schweren Fällen ganz aufgehoben. Darmexcremente spärlich; bei tödtHohem Ausgang im letzten Stadium Entleerung diar-rhoischer und übelriechender Excremente,
Der Verlauf erstreckt sich auf 2 Tage bis 6 Wochen. Bei erheblichem Fieber und grosser Herzschwäche sterben die Kälber schnell; in den geringeren Krankheitsgraden erhalten sich dieselben mehrere Wochen unter zunehmender Schwäche und Abmagerung am Leben. Die Genesung ist nicht häufig und kommt stets erst nach einer Krankheitsdauer von 34 Wochen zu Stande.
Sectionsbefuntl. Serös-fibrinöses Exsudat in verschiedener Stärke und Ausdehnung auf der entzündlich geröthelen und goschwollenen Pleura. Hopatisation kleiner oder grössorer Partion in einer oder beiden Lungen, auf deren Schnittfläche die Lobuli gloichmässig dorb und dunkelroth oder braunroth, und die intcrlobulärcn Bindegcwebszüge mit Serum leicht gefüllt erscheinen. Mitunter leiden nur die vorderen Lungenlappon. Hat die Krankheit mehrere Wochen gedauert, so sind die haselnuss- bis
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Maul- und Klauenseuche.
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hühneroigrossen Entzündungsherde der Lungen zu eiterig-käsigen Massen umgewandelt. Markige Schwellung der bronchialen und mediastinalen Lymphdrüsen.
Diagnose. Zur Unterscheidung der Krankheit von der Lungenseuche dient als Anhalt, dass die hepatisirten Abschnitte der Lungen auf der Schnittfläche keine Farbenverschiedenheit der Lobuli zeigen und dass eine Sequesterbildung nicht vorkommt. Auch ist das interlobuläre Bindegewebe der kranken Partien wohl mit Serum gefüllt, nicht aber, wie bei der Lungenseuche durch gelbliches, plastisches Exsudat verbreitert.
Prognose. Aus dem Charakter der Krankheit ergiebt sich schon, dass die schweren Fälle unheilbar sind. Aber auch in den weniger heftigen Graden, in welchen sich der Verlauf auf einige Wochen hinzieht, endet die Krankheit meist tödtlich. Die medicamentöse Behandlung der Kälber hat nach den bisherigen Erfahrungen keine günstige Wirkung auf den Krankheitsverlauf. In diätetischer Hinsicht rechtfertigt sich nach allgemeinen Indicationen die Empfehlung eines massig temperirten, mit guter Athmungsluft versehenen Raums zur Unterbringung der Thiere. Bessere Erfolge gewährt die prophylaktische Behandlung: Sofortige Trennung der gesunden von den erkrankten Kälbern; ausreichende Desinfec-tion des verseuchten Stalles, insbesondere frische Uebertünchung der Stallwände mit Kalkmilch und Reinigung der Tränkeimer mit heisser Lauge.
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Capitel XV.
Naul- und Klanenseuche. Aphthenseuche Rpidemia aphthosa (Apthae epizooticae). Blasenseuche. Plärre.
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Fast bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts haben sich in der Charakteristik der Maul- und Klauenseuche wesentliche Irrthümer forterhalten. Schon während des 17. Jahrhunderts war im westlichen Europa beobachtet, dass sich die Seuche bei Rindern auf dem Wege der Ansteckung verbreitet. Aliein es fehlte in dieser Zeit noch an jeder Konntniss über die Eigenschaften des Contagiums. Fracas tori (1514) hatte angenommen, dass die Blasen im Maul und an den Füssen aus der Ablagerung
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einer Schärfe des Blutes entständen und dass die Genesung der in die Seuche verfallenden Rinder nur mit dem Zustandekommen der Blasen erfolgen könne, üeborboten wurde diese irrthütnliohe Meinung 1682 und 1683, als die Seuche im westlichen Europa allgemein verbreitet war, durch die therapeutische Vorschrift, dass bei den raaulseuchekranken Rindern die Blasen und die in denselben befindliche Flüssigkeit mit einem silbernen Löffel sorgfältig abzuschaben und zu beseitigen seien, weil sonst die Thiere durch die Resorption des vermeintlichen scharfen und giftigen Stoffes zu Grunde gehen müssten. Jener Zeit entstammt wahrscheinlich schon die unrichtige Vorstellung, dass die Blasen auf der Zunge der Rinder den Charakter der Milzbrandcarbunkeln besitzen sollten. Mit grösserer Bestimmtheit machte sich dieselbe 1731 geltend, als in Frankreich die Seuche allgemein herrschte. Sauvages (1734) bezeichnete die Krankheit dieser Ansicht gemäss als Glossanthraxquot; und Scheuchzer (1732) als fliegenden Zungenkrebs des Rindviehsquot;. Daneben benutzte man in der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts die Namen: Zungenkrebs, Zungencarbunkel und epizoo-tischen Zungenbrand.
Sagar (de Aphthis pecorinis 1764), der die Seuche in Mähren beobachtete, hat zuerst constatirt, dass dieselbe sich durch Ansteckung auf Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine verbreitet und nach dem Genüsse der Milch von kranken Kühen auch den Menschen, sowie den Hunden, Katzen und Hühnern mittheilen kann. Auf die erste Entstehung der Krankheit beim Rinde sollte nach Sagar's Meinung der Genuss von befallenem Futter (Mohlthau) einen wesentlichen Einfluss haben. Adami (1778) erwähnt, dass bei den maulseuchekranken Rindern sich vielfach auch Aphthen an den Klauen ausgebildet hätten. In-doss hat er die pathologische Identität beider Affectionen nicht erkannt.
In den ersten Decennicn des 19. Jahrhunderts wurden in der französischen, wie in der deutschen Literatur die Maulseuche, die Klauenseuche (Fussseuche) und der Zungenkrebs (Zangenanthrax) als drei selbständige Krankheiten unterschieden. Die Verwirrung, welche diese Lehre mit sich brachte, ergiebt sich aus den viel gelesenen Plandbüchern von Veith (3. Aufl. 1840), Körber (1835) und Anderen. Ohne thatsäch-lichen Hintergrund haben viele Autoren (Hering, Spinola, Rychner, Heusinger) nach den literarischen üeberlieferungen das Bild einer bösartigen Maulseuche (Aphthae malignae) bei Rindern construirt, welche eine Form des Milzbrandes darstellen sollte. Die leichte oder gutartige Maulseuche (Aphthae benignae) wurde dagegen als ßlasenfieberquot; oder als fieberhaftes Blasenexanthomquot; (Fieber mit metastatischem
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Maul- und Klauenseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;185
Bläschenausschlag) gedeutet. Die Klauenseuche des Rindes sollte nach Hofacker (1820) dem Panaritium des Menschen analog sein. Pes-sina und Waldinger (Therapie 1813) betrachteten die Maulseuche als eine gelinde Form des Milzbrandes. So auffallend dieser Irrthum erscheint, so lässt sich doch der Einfluss desselben auf die Literatur bis zur Mitte des gegenwärtigen Jahrhunderts verfolgen. Selbst Spinola (Spec. Pathol, 2. Aufl., 1863) dachte sich noch, dass die Aphthen-seuche und der Milzbrand in gewissem Sinne einige Verwandtschaft besitzenquot; sollten.
Den älteren medicinischen Lehren entsprechend, galt den thierärzt-lichen Autoren die Selbstentwickelung der Aphthenseuche als zweifellos. Indess wurde nach den Feststellungen von Sagar (1764), Tscheulin (1811) und Waldinger (1813) der einmal entstandenen Krankheit die Leistung zugesehrieben, im Thierkörper ein specifisches Contagium zu produciren. Wenn sich hiernach die Ansteckungsfähigkeit der kranken Thiere grundsätzlich nicht bestreiten Hess, so sollte doch der innerhalb weniger Wochen oder Monate erfolgende Ausbruch in umfangreichen Gegenden auf allgemein wirkenden atmosphärischen Einflüssen resp. auf einer spontanen Entstehung der Krankheit beruhen. Geläufig war ferner die Hypothese, dass der Seuche die Verbreitung in einer bestimmten Richtung eigenthümlich sei (geographischer Zug von Osten nach Westen).
Als eine einheitliche Krankheit wurde die Maul- und Klauenseuchequot; von Prof. Brosche in Dresden 1820 nach Beobachtungen bei Rindern, Ziegen, Schafen und Schweinen dargestellt. Doch erscheint ihm irrthüm-lich die Selbstentwickeiung der Seuche durch grosse Nässe, kalte Temperatur, befallenes Futter und Unreinlichkeit in den Viehställen in so hohem Masse annehmbar, dass er der Ansteckung nur eine Nebenrolle bei der Verbreitung der Seuche zuweist. Mit zutreffender Kritik hat der Badische Medicinalrath Sauter (vergl. Henke;s Zeitschr., 1822, S. 312) die bis dahin beschuldigten allgemeinen Ursachen des Putters und der Viehhaltung zurückgewiesen. Aber er kam nicht dazu, die Contagiosität der Seuche als das bedingende Moment ihrer Verbreitung zu erkennen. Ihre Ursache liegt in den uns grösstentheils unbekannten klimatischen und atmosphärischen Einflüssen auf die thierischen Körper. Sowie die Influenz oder Grippe und die Cholera von Zeit zu Zeit ganze Länder überfällt und von einer Weltgegend zur anderen zieht, ebenso thut es die Maul- und Klauenseuchequot;. Der Irrthum Sauter's hat sich fast 50 Jahre hindurch behauptet.
Die Identität der Maulseuche und der Klauenseuche wurde auch von
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186nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Franque (Geschichte der Seuchen im Herzogthum Nassau, 1834) und von Prof. Anker in Bern (Maul- und Klauenseuche, 1839) anerkannt. Letzterer hat zwar die Lehre, dass die Krankheit mit ihrer ersten Ausbildung den Ansteckungsstoff producire, nicht direct abgelehnt; er bemerkt aber, dass er über die Selbstentwickelung Nichts Bestimmtes angeben könne. Dagegen sei das Contagium sowohl fixer, als flüchtiger Natur. Anker erwähnt auch, dass sich bei den von der Seuche befallenen Ziegen und Kühen Aphthen am Euter ausbilden und dass hierdurch eine Euterentzündung entstehen könne.
Seit dieser Zeit sind die Symptome und der Krankheitsverlauf im Wesentlichen richtig beschrieben worden. Dass die Behauptung einer miasmatischen Entstehung der Seuche nicht zutreffend, dass vielmehr jeder Krankheitsfall auf die Uebertragung des Contagiums von einem kranken Thiere zurückzuführen ist, wird erst seit 20 Jahren gelehrt und ist namentlich von Bellinger (v. Ziemssen's Handb., 111., 1874, S. 574) mit Erfolg vortreten worden.
Definition. Die Aphthenseuche charakterisirt sich als ein acutes ßlasenexanthem, welches durch ein specifisches Contagium verursacht wird. Demnach ist der Ausbruch der Seuche in allen Fällen von der eigenartigen Ansteckung abhängig.
Die Empfänglichkeit für das Contagium besteht beim Rinde und Schweine in gleichem Grade. Weniger leicht erkranken Schafe und Ziegen an der Seuche. Nicht zu bezweifeln ist, dass auch alle wild lebenden Wiederkäuer und Schweine die Disposition für die Krankheit besitzen, obschon die Gelegenheit zur Ansteckung beim Wilde nur selten gegeben ist. Nachdem Sagar (1764) angegeben hatte, dass neben den Hausthieren auch Hirsche und Rehe von der Aphthenseuche befallen worden seien, wird in der Literatur allgemein behauptet, dass die Krankheit bei Hirschen und Rehen, selbst bei Gemsen zuweilen in seuchenartiger Verbreitung vorkommen soll. Die Aphthenseuche wird ferner beim Kameel beobachtet.
Dass die aphthösen Exantheme im Maul bei Pferden nicht mit der Maul- und Klauenseuche identisch sind, ist im I. Bande dieses Lehrbuchs erörtert worden. Indess inficiren sich Pferde in einzelnen seltenen Fällen, wie Bräuer (Dresd. Jahresber., 1876, S, 84) und Woestendiek (Preuss. Mittheil., 1883, S. 9) beobachtet haben. Gleich selten ist die Infection bei fleischfressenden Thieren. Wachenfeld (vergl. Schneider, Maul- und Klauenseuche, 1840, S. 26) beobachtete die Erkrankung einer Katze nach dem Genüsse der rohen Milch von einer auch am Euter afficirten Kuh. Auch üblich (Dresd. Der., 1875) und Esser (Preuss.
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Maul- und Klauenseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 187
Mitth., 1882) haben die Ansteckung im Maul bei Katzen constatirt. nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i
Schneider berichtet, dass 2 Hunde sich durch Milch im Maul inficirton; die gleiche Beobachtung bei Hunden machten Adam (Wochenschr., 1872) und Lukas (Preuss. Mittheil., 1882).
Nicht unbedeutend ist die Gelegenheit zur Ansteckung und die Em-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; j
pfänglichkeit für das Contagium bei Menschen. Durch den Genuss von roher, ungekochter Milch einer mit Aphthen am Euter behafteten Kuh kann die Ansteckung bei Kindern und Erwachsenen erfolgen. Weibliche Personen inficiren sich, wie seit langer Zeit bekannt und auch von mir mehrfach beobachtet ist, beim Melken der am Euter erkrankten Kühenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; j' j
nicht selten an den Händen zwischen den Fingern oder an den Armen. Die in der Literatur mitgetheilten zahlreichen Beobachtungen über die Ansteckung bei Menschen hat ßollingei in Ziemssen's Handbuch,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; | j
III. Band, besprochen. Die Angaben Schneider's (Maul- und Klauen-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; | 1
souche, 1840, S. 28 und 29), dass durch den Genuss von Butter undnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ]; I
Käse, die aus der Milch aphthenseuchokranker Kühe bereitet waren, ganze Familien an dem speeifischen Ausschlag erkrankt seien, erachte ich nicht für einwandsfrei. In jüngster Zeit hat Fröhner über einen Krankheitsfall von aphthöser Mundentzündung berichtet, der durch den Genuss von Butter herbeigeführt war. Zweifellos gehört diese Ansteckung von Personen zu den seltenen Vorkommnissen. Eine wesentliche Gefahr besteht daher in dem Genüsse der Butter von aphthenseuchokranken Kühennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;[
für die menschliche Gesundheit nicht.
Aetiologic. Die alleinige Ursache der Seuche liegt in der Ansteckung mit dem speeifischen Contagium, dessen Isolirung und künstliche Oultur indess noch nicht gelungen ist. Nach den Erfahrungen der praktischen Thierarzncikunde stellt das Contagium einen obligaten Parasiten dar. Es ist in dem serösen Exsudate der aphthösen Entzündungsherde enthalten und haftet an dorn Speichel der maulscuchekrankon Thiere. Wie weit das Contagium sich von den Vehikeln abheben und mit Beibehal
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tung seiner Keimkraft von der atmosphärischen Luft getragen werden
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kann, ist nicht genau bekannt. Indess sind die älteren Angaben über die grosso Flüchtigkeit desselben zweifellos incorrect. Das Contagium ist wesentlich fixer Natur und mit Recht bemerkt Roll, dass die Ueber-tragung desselben durch die Luft nur auf eine unbedeutende Entfernung möglich sei. Maulseuchekrankc Rinder können den Ansteckungsstoff mit der ausgeathmeten Luft den in unmittelbarer Nähe befindlichen gesunden Rindern mitthcilen. Viel häufiger ist aber die mittelbare Ansteckung in den Ställen, auf Transporten, Viehmärkten oder auf der Weide. In den Stallungen wird der Ansteckungsstoff bei der Wartung und Pflege
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188nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
dor Rinder, sowie beim Melken der Kühe leicht übertragen. Auf Märkten, Wegen, Weiden und Triften, welche von kranken Rindern, Schafen oder Schweinen passirt wurden, inficiren sich gesunde Rinder leicht, wenn sie an demselben Tage über die betreffenden Wege etc. getrieben werden. Hierbei erfolgt die Uebertragung des mit dem Vehikel auf dem Boden liegenden Ansteckungsstoffs gewöhnlich zunächst auf die Haut im Klauenspalt, weniger oft auf die Schleimhaut der Maulhöhle. Viehhändler, Fleischer und andere Personen verbreiten nicht selten die Krankheit, wenn sie bei der Untersuchung aphthenseuchekranker Thiere ihre Kleider verunreinigt haben und innerhalb der nächsten Stunden mit gesunden und empfänglichen Rindern in nahe Berührung kommen. Ich habe mehrfach beobachtet, dass in dieser Art die Seuche auf eine Entfernung bis zu 15 Kilometer verschleppt wurde. Leicht kommt die Ansteckung zu Stande bei Rindern, welche in verseucht gewesene und nicht des-inficirte Räumlichkeiten (Ställe, Transportwagen) gestellt werden, weil in den lockeren Materialien (Dünger, Streu etc.) die Vehikel des Oon-tagiums nur langsam eintrocknen. Hat sich bei Kühen der aphthöse Ausschlag am Euter (an den Zitzen) ausgebildet, so gelangt das Con-tagium beim Melken in die Milch. Durch die Fütterung solcher Milch im rohen, ungekochten Zustande resp. nach Abscheidung der Butter (Magermilch) kann die Uebertragung der Seuche vermittelt werden.
Im Allgemeinen ist das Oontagium der Aphthenseuche leicht zerstörbar. Bei vollständiger Reinigung eines verseuchten Stalles geht dasselbe schon durch die Wirkung der atmosphärischen Luft zu Grunde. Die Behauptung, dass sich der Ansteckungsstoff mehrere Monate in einem Stalle keimfähig erhalten könne, ist nicht als gesichert anzusehen. Wohl wird zuweilen der Ausbruch der Seuche in einem Rindviehbestande beobachtet, von welchem die directe oder indirecte Berührung mit dem Oontagium auch durch sorgfältige Erhebungen nicht zu erweisen ist. Ich habe selbst mehrere solche Fälle kennen gelernt.
Unter den 7 Milchkühen eines hiesigen Krankenhauses kam 1877 die Aphthen-seuciie mit einem gutartigen Charakter zum Ausbruch; es erkrankten nur 4 Kühe, die 8 anderen wurden nicht angesteckt, trotzdein sie in demselben Stalle standen. Seit 9 Monaten war keine Kuh zugekauft. Die Seuche herrschte auch zu jener Zeit nicht in der Nähe. Auch hatte seit vielen Wochen kein Händler den Stall betreten. Ueber die Einschleppung des Ansteckungsstoffs in diesen Bestand habe ich mir nicht einmal eine Vermuthung bilden können.
So lange die Lebensbedingungen des Aphthenseuche-Contagiums durch die bakteriologische Forschung nicht aufgeschlossen sind, wird sich für die Aetiologie des Krankheitsausbruchs in den hier gedachten B'ällen eine befriedigende Erklärung nicht geben lassen. Aber ich kann
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Maul- und Klauenseuche.
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nach der allgemeinen Erfahrung die in der Literatur vertretene Ansicht nicht für begründet erachten, dass in solchen Bellen das aus etwaigen früheren Invasionen der Seuche zurückgebliebene Contagium sich mehrere Monate oder Jahre hindurch in dem Stalle keimfähig erhalten habe.
Alle Rinder, die an der Seuche noch nicht gelitten haben junge Kälber sowohl, wie ältere Thiere sind für das Contagium empfänglich. Daher erkranken, soweit diese Immunität nicht besteht, die Rinder, die der Ansteckung ausgesetzt sind, in der Regel sämmtlich. Indess ist die Virulenz des Contagiuras zuweilen relativ gering, so dass ein kleiner Theil des Viehbestandes in einem verseuchten Stalle nicht inficirt wird. Mitunter blieben 2030 Procent der Rinder eines grösseren Bestandes verschont, trotzdem dieselben nachweislich früher mit der Krankheit noch nicht behaftet waren.
Mit dem vollständigen Ausbruch des Ausschlags an einer Stelle erlischt die Empfänglichkeit der Thiere noch nicht momentan. Vielmehr überträgt sich das Contagium von den kranken Klauen oft erst nach 23 Tagen auf die Maulschleimhaut und gleich häufig wird die Haut an den Klauen nach derselben Zeit durch den Maulspeichel des kranken Rindes inficirt. Das aphthöse Exanthem des Euters entsteht oft dadurch, dass die Kühe beim Liegen die Zitzen mit dem kranken Klauenspalt in directe Berührung bringen.
Die Rinder, welche die Seuche überstanden haben, sind zunächst für eine zweite Ansteckung nicht empfänglich. Aber die Dauer der Immunität ist sehr ungleich. Nach meinen Beobachtungen erstreckt sich dieselbe gewöhnlich auf 1 2 Jahre, zuweilen aber nur auf '/., Jahr und mitunter wieder auf 3 Jahre und darüber. In grösseren Viehbeständen, in welchen vor der hier gedachten Zeit die Seuche geherrscht hat, wird oft beobachtet, dass bei einem neuen Ausbruch der Krankheit nur die inzwischen zugekauften Thiere angesteckt werden, während die zwischen denselben aufgestellten und früher erkrankt gewesenen Rinder gesund bleiben. Die Literatur enthält aber einige Mittheilungen, nach welchen die durchgeseuchten Rinder schon vor Ablauf eines halben Jahres von Neuem erkrankten. Strebel (Schweiz. Arch., 1881, S. 144) beobachtete, dass Rinder schon 6 10 Wochen nach überstandener Krankheit von Neuem angesteckt wurden.
Pathogenese. Für die Entwickelung des Ausschlags ist beim Rinde die Schleimhaut im unteren Theil der Maulhöhlo, sowie die Haut im Klauenspalt, an den Ballen und den Kronen der Füsse und bei Kühen auch am Euter empfänglich. Die in der Literatur bis zur Gegenwart fortgeführte Annahme, dass die Haut am Grunde der Hörner zuweilen
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190nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankholten.
von dem aphthösen Exanthem botroffon sei, habe ich in keinem Palle bestätigen können. Auch viele erfahrene Thierärztc, die ich befragte, haben mir mitgetheilt, dass sie die Miterkrankung der Haut am Grunde der Hörner nie gesehen hätten. Ich halle demnach diese Behauptung nicht für gesichert. Es ist mir auch nie begegnet, dass bei Rindern die Haut an den Hinterschenkeln, am Schwänze und am Becken von dem Aphthenausschlag betroffen gewesen wäre, während bei den Schweinen das Exanthem auf diese Partien der Haut sich nicht selten überträgt.
Aus den Beobachtungen in der thierärztlichen Praxis und aus der Wirksamkeit dos auf die Maulschieimhaut oder in den Klauenspalt absichtlich gestrichenen inficirten Speichels rechtfertigt sich die Annahme, dass bei der Ansteckung das Contagium von aussen direct auf die Stollen gelangt, an welchen die Aphthen entstehen. Sehr oft genügt hierzu schon eine äusserst geringe Menge des Ansteckungsstoffs. Das Stadium ineubationis, welches nach der herkömmlichen Deutung die Zeit von der Ansteckung bis zum offenkundigen Auftreten der Krankheitserscheinungen umfasst, erstreckt sich in den meisten Fällen auf 36 Tage, wie Roll zutreffend gelehrt hat. Doch sind Abweichungen von dieser Regel nicht selten. Bei aufmerksamer Untersuchung kann zuweilen schon am 2. Tage nach der Infection der Ausbruch der Krankheit festgestellt werden. Harms (Rinderkrankh., 1890, S. 240) fand bei einem Rinde schon 36 Stunden nach der Ansteckung Entzündung mit Abhebung der Epidermis, aber noch keine vollständig entwickelten Blasen an den Füssen. Andererseits verzögert sich die Eruption des Ausschlags mitunter. Eine Incubationszeit von 7 14 Tagen constatirton Schrader, Lies und Saake (ßerl. th. Wochenschr., 1890, No. 48).
Das Contagium vcranlasst zunächst eine leichte Schwellung und entzündliche Röthung, worauf 12 Tage später Exsudation von Serum unter die Epithelschicht resp. die Epidermis folgt. Das Serum bewirkt die Erhebung des Epithels oder der Epidermis in der Form von erbsen-bis wallnussgrosscn Blasen, die aber an den Stellen, an welchen die Schleimhaut resp. die Epidermis eine straffe Einrichtung besitzt oder gedrückt und gezerrt wird, schon am Tage ihrer Entstehung oder an den beiden folgenden Tagen platzen. An den vom Epithel oder der Epidermis entblösstcn Stellen steigern sich die schon von der spoeifischen Entzündung bedingten Schmerzerapfindungcn durch die Einwirkung der Luft und durch die Verunreinigung mit festen Substanzen, sowie durch die Reibung mit den Lippen resp. durch die Verschiebung der Klauen.
Die pathogenen Eigenschaften des Contagiums erlöschen an den erkrankten Stellen 46 Tage nach der sichtbaren Eruption des aphthösen
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Ausschlags. Es kann aber an den entzündeten und ihres natürlichen Schutzes beraubten Organen eine weitere Schädigung durch die Infection mit fiiterkokken und anderen Mikroben eintreten. Hierauf beruht das Zustandekommen der als Complicationen oder Nachkrankheiten der Aph-thenseuche gefürchteten schweren Entzündungsprocesse.
In den meisten Fällen verläuft die specifische Entzündung fieberlos. Zuweilen verursacht der Ausschlag aber eine fieberhafte Störung des Ge-sammtbefindens, welche auf der Resorption der Entzündungsproducte beruht und bei einer schweren Klauenaffection auch mit den krankhaften Folgen des anhaltenden Liogens in ursächlichem Zusammenhang steht.
Für die Ansicht, dass das Contagium selbst in das Blut gelangen und in demselben seine Keimfähigkeit beibehalten soll, fehlt der objective Beweis.
Bei jungen Kälbern entsteht mit der Ausbildung der Aphthen oft gleichzeitig eine Gastro-Enteritis. Aeltere Rinder sind dieser Complication nur sehr selten unterworfen. Doch wird dieselbe in einzelnen Jahren öfter, als gewöhnlich beobachtet. Dass die entzündliche Erkrankung der Magen-Darmschleimhaut mit der Aphthenseuche in director Verbindung steht und deshalb, wie Harms mit Recht angenommen hat, eine specifische Bedeutung besitzt, ergiebt sich schon aus der directcn Beobachtung. Nicht bekannt ist aber die specielle Pathogenese derselben. Die gewöhnliche Annahme, dass bei den betreffenden Thieren das Contagium mit dem Speichel verschluckt werde und darauf in der Magen-Darmschleimhaut eine entzündliche Reizung herbeiführe, halte ich nicht für einwandsfrei. Mir scheint, dass, wenn diese Ansicht richtig wäre, auch bei den älteren Rindern sich häufiger die Gastro-Enteritis in geringem Grade zeigen müsste. Bei dem gegenwärtigen Standpunkte der Forschung dürfte daher die Theorie noch zulässig sein, dass aus den aphthös erkrankten Partien der Maulschleimhaut resorbirte toxische Stoffe, vielleicht das Contagium selbst, auf hämatogenem Wege die Entzündung in der Magen-Darmschleimhaut verursachen.
Symptome. 1) Im Maul empfinden die Thiere an den aphthös erkrankten Stellen der Schleimhaut, besonders am Körper des Oberkiefers mehr oder minder heftige Schmerzen. Durch dieselben wird eine vermehrte Absonderung des Speichels hervorgerufen, der sich im Maul ansammelt und mitunter in längeren Strähnen aus den Lippenwinkeln entleert. Viele Thiere halten das Maul meist geschlossen und vorsuchen beständig, den Speichel mit der Unterlippe auf die entzündeten Stellen am Körper des Oberkiefers zu bringen; hierbei wird ein in der nächsten Umgebung hörbares schmackendes oder schnalzendes oder schlürfendes
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192nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Geräusch erzeugt. Die Thiere halten den Kopf massig hoch und bekunden durch stieren und unaufmerksamen Blick die Schmerzempfindung.
nbsp; nbsp;Fieber, nur in der Minderzahl der Fälle und während 12 Tage, mit Steigerung der Bluttemperatur bis 41,0 und darüber; gesträubte Stellung des Deckhaars; Pulsfrequenz gering, Athmung nicht beschleunigt.
nbsp; nbsp;Versagen der Futteraufnahme und der Rumination wegen der Schmerzen im Maul; auch Wasser wird nur ungern und in geringer Menge getrunken. Das zwischen die Backzähne geschobene und entsprechend geformte Langfutter wird gewöhnlich gekaut und verschluckt. Ist durch das Kauen der heftige Schmerz momentan überwunden, so verzehren die Thiere ein wenig Futter unter langsamen und zeitweise unterbrochenen Kaubewegungon. An der Maulschloimhaut sind nicht in jedem Falle sämmtliche, für das Contagium empfängliche Stellen erkrankt. Regelmässig entstehen am Körper des Oberkiefers, sowie an der Lipponschleimhaut, am Zahnfleisch und an der Kinnfläche des Unterkiefers aphthöse Erhebungen im Umfange einer Erbse bis einer Wallnuss. Die grösseren Blasen platzen schon am 1. Tage und hinterlassen exco-riirte Stellen von braunrother Färbung, auf welchen zum Theil noch mattgraue Epithelfetzen haften; kleine und flache Blasen von mattgrauem Ansehen erhalten sich zuweilen l3 Tage. In manchen Fällen finden sich auch an den Rändern der Zunge und am Zungenbändchen die nach dem Bersten der Aphthen entstandenen Excoriationen der Schleimhaut. Auf dem Zungenrücken, aber nur von der Spitze bis zur Region des Zungenbändohens, kommen mitunter 13 wallnuss- bis hühnereigrosse Blasen zur Entwickelung. Da die Thiere hierbei eine Bewegung der Zunge möglichst vermeiden, so persistiren diese Blasen nicht selten 2 bis 3 Tage hindurch. Nach dem Platzen derselben haftet das weissgraue, höckerige oder faltige Epithel oft noch 12 Tage an der entzündeten Schleimhaut. Im Stadium der Heilung erscheinen die mit einer neuen, zarton Epithelschicht bedeckten Stellen der Maulschleimhaut geröthet.
2) Die Affection der Klauen bedingt eine Lahmheit der betreffenden Gliedmassen. Auf hartem Boden ist der Gang der Thiere in höherem Grade schmerzhaft, üeberknickende Stellung der Fesselgelenke. Wenn zwei oder drei Füsse erkranken, so liegen die Thiere anhaltend. Auch sind dieselben nur schwer zum Aufstehen zu bringen. Entzündliche Schwellung der Haut an der Krone, besonders im Vordertheil und zwischen den Ballen; in den höheren Krankhoitsgraden Schwellung des ganzen Fesseis bis zur Mitte des Schienbeins. Zuweilen lassen sich am 2. bis 3. Krankheitstage einige flache erbsen- bis bohnengrosse Aphthen an den erkrankten Stellen der Krone erkennen. In den meisten Fällen platzen
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aber die Aphthen schon im Beginn der Entwickelung, so dass die Stellen excoriirt und mit einem zähen, eiweisshaltigen Exsudat bedeckt sind.
3) Am Euter erfolgt der Infection entsprechend der Ausbruch des Exanthems vorwaltend an den Zitzen. Erbsen- bis bohnengrosse Aphthen zeigen sich zuweilen nur an einer, oft aber an zwei oder drei Zitzen. Beim Melken platzen die Aphthen der Regel nach schon am Tage ihrer Entstehung, so dass entsprechend grosso Entzündungsherde sich durch das Fehlen der Epidermis und die entzündliche Röthung bemerklich machen. An den erkrankten Zitzen und in der Nachbarschaft ist die Haut geschwollen. Bei einem leichten Druck mit den Fingern auf die Zitzen und besonders beim Melken äussern die Thiere heftige Schmerzempfindungen. In den späteren Stadien bedecken sich die excoriirten Stellen mit Krusten, nach deren Abheilung die Haut zunächst noch eine leichte Röthung zeigt.
Verlauf. Von der Entwicklung bis zur Abheilung der Aphthen vergeht eine Frist von rund 6 Tagen. Da aber die Eruption der Aphthen, sowie überhaupt die Erkrankung des Mauls, der Fusskronen und des Euters oft nacheinander erfolgt, so kann sich der Krankheitsverlauf um mehrere Tage verzögern.
Die Affection des Mauls bedingt in der grossen Mehrzahl der Fälle nur auf 3 bis 4 Tage eine erhebliche Störung der Gesundheit. Nach dieser Zeit sind die Futteraufnahme und Rumination wieder möglich. Demgemäss ist die Abmagerung der Rinder, bei welchen sich die Erkrankung auf die Maulschleimhaut beschränkt, bei dem regelmässigen Krankheitsverlauf nicht erheblich. Die Thiere erholen sich nach einer Gesammtdauer der Krankheit von 8 bis 10 Tagen vollständig.
Das Klauenleiden ist im Allgemeinen für die Thiere viel lästiger, als das Exanthem im Maul. Nur selten verläuft dasselbe so milde, dass die Nutzung der Thiere nicht beeinträchtigt wird. In der Regel gehen die klauenkranken Rinder im Nährzustande erheblich zurück. Die specifische Krankheit dauert an den Klauen nur 8 Tage. Aber die vollständige Abheilung der Entzündung erfordert auch bei regelmässigem Verlaufe und unter günstigen Verhältnissen eine weitere Frist von 1 bis 2 Wochen.
Lästig gestaltet sich gewöhnlich der Verlauf des aphthösen Exanthems an den Zitzen des Euters. Durch das Melken wird an den excoriirten Stellen eine heftige Entzündung verursacht. Es entstehen oft Risse und Schrunden, deren Abheilung erst nach 2 bis 3 Wochen sich vollendet.
Einen tödtlichen Krankheitslauf nimmt die Aphthcnseuohe im spe-
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Dleckorhoff, Spec. Patliologie 11. Thertple. II. 11,1
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cifischen Stadium bei älteren Thieren selten, und zwar durch die Ausbildung eines Katarrhs der Respirationsschleimhaut oder einer diffusen Magendarraentzündung. Hierbei bekunden die Thiere eine fieberhafte Erhöhung der Mastdarmteraperatur bis 41,0deg; und darüber, starke Pulsfrequenz bis 100 und 120 pro Minute, Husten, Inappetenz und Verzögerung der Darraausscheidung. Harms constatirte auch eine gesteigerte Empfindlichkeit beim Druck auf die ßauchwandung. Nach Entwicke-lung der Gastro-Enteritis vergehen nur 1 bis 3 Tage bis zum Tode der Thiere. Doch kann der Tod auch unerwartet schnell durch Herzschwäche eintreten. Junge Kälber unter 2 Monaten erliegen in den meisten Fällen der Seuche durch Darmentzündung.
Als Complicationen oder Folgekrankheiten sind folgende zu berücksichtigen:
1)nbsp; nbsp; Die durch Wundinfection veranlasste Klauenentzündung mit Bildung von Abscessen und Fistelgeschwüren an der Krone oder den Ballen. Von dieser schweren Erkrankung ist oft nur eine Klaue afficirt. Mitunter erlangt die Entzündung einen ichorrhösen Charakter; sie dringt dann in das Klauengelenk und in die Sehnenscheiden, wobei eine starke Anschwellung der Haut am Kesselgelcnk und Mittelfusse entsteht. Wegen der heftigen Schmerzempfindung liegen die Thiere anhaltend. Decubitus, geringe Kutteraufiuihme. Versiegen der Milch bei Milchkühen, Fiebertemperatur und Pulslrrquenz Wenn beide Hinterfüsse leiden, so können die Thiere nicht mehr stehen, so dass der tödtliche Ausgang unabwendbar ist. Es vergehen aber oft noch 1 bis 2 Wochen, bevor die Thiere abieben.
2)nbsp; nbsp; Die durch Quetschung herbeigeführte diffuse Entzündung der Fleischsohle und das Ausschuhen. Nach längeren Fusstransporten auf harten Wegen bei den an der Klauenseuche frisch erkrankten Thieren nicht seilen. Das Ausschuhen erfolgt vorwaltend an den Hinterfüssen. Am 3. bis 5. Tage nach dem Transport stösst sich der Hornschuh einer, in seltenen Fällen beider Klauen eines Fusses, oder auch noch von einer Klaue des anderen Fusses ab. Die Heilung dieser Complication gelingt nicht oft. Gewöhnlich erliegen die Thiere nach 2 bis 3 Wochen, wenn sie nicht vorher aus wirthschaftlichen Gründen geschlachtet werden.
3)nbsp; nbsp; Die Euterentzündung. Wegen der heftigen Schmerzen an den aphthös erkrankten Zitzen widersetzen sich die Kühe dem Melken, Wenn hierbei die Milch aus dem Euter nicht, entleert wird, so können in dieselbe durch den Zitzenkanal Bakterien gelangen und eine Zersetzung herbeiführen. Die hiernach sich ausbildende Mastitis hat die Verödung des betreffenden Euterviertels zur Folge. Mitunter kommt nur eine Verwachsung des Strichkanals an der Mündung der Zitze zu Stande. Ist
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Maul- und Klauenseuche,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;195
die entzündliche Schwellung in hohem Grade entwickelt oder leiden gleichzeitig zwei Euterviertel, so bekunden die Thiere auch eine bedeutende Störung des Allgemeinbefindens. Aber sie erholen sich mit der Rückbildung der Entzündung fast immer in einer Zeit von 3 Wochen.
Seuchenrerianf. Seit langer Zeit ist bekannt, dass der Krankheitscharakter der Aphthenseuche sich bei der einzelnen Invasion ungleich gestaltet. Diese Differenzen sind von der grösseren oder geringeren Virulenz des AnsteckungsstofFs abhängig. Im crsteren Falle erlangen die aphthösen Entzündungsprocesse eine grössere Intensität, so dass die erkrankten Thiere schwerer ergriffen werden und im Nährzustande erheblich zurückgehen. Mit der grösseren Virulenz des Contagiums dürfte auch die Entwickelung der speeifischen Gastro-Enteritis in Verbindung stehen, von welcher Schrader (Magaz. 39. Band. S. 149) und Harms (Rindcr-krankh. S. 240) im Jahre 1872 eine erhebliche Zahl von Fällen beobachtet haben.
Als Stallseuche nimmt die Krankheit oft einen ungünstigen Verlauf, wenn die Thiere mit Schlempe gefüttert werden und die aphthös erkrankten Klauen durch den feuchten und kalten Schmutz dos Stalles dauernd verunreinigt sind.
Die Dauer der Seuche erstreckt sich in grösseren Beständen auf 4 bis 5 Wochen. Wenn in dieser Zeit einzelne Thiere nicht ergriffen sein sollten, so erkranken dieselben wegen mangelnder Empfänglichkeit überhaupt nicht.
Diagnose. Die Erkennung der Seuche ist im Ganzen leicht. Nur bei den ersterkrankten Thieren eines Bestandes und wenn die Affection noch auf das Maul oder auf die Klauen beschränkt ist, kann die Diagnose unsicher sein. Für dieselbe sind folgende Krankheiten besonders zu berücksichtigen:
1)nbsp; nbsp;Die sporadischen Aphthen im Maul. Bei dieser Affection finden sich erbsengrosso Bläschen oder exeoriirte Stellen in dor Schleimhaut am Lippenrande des Oberkiefeis, zuweilen auch des Unterkiefers. Die Entzündung ist woniger schmerzhaft; auch confluiren die Aphthen nicht und nach dem Platzen bilden sich keine ausgebreiteten exeoriirton Herde von rother Farbe. Solche Aphthen kommen beim Rinde oft vor; sie werden offenbar durch einen Infectionsstoff verursacht, haben aber mit der Alaulseuche nichts gemein. Iwersen (Berl. thierärztl. Woch. 1890. S. 73) hat jüngst eine interessante Beobachtung über die sporadische Maulseuchequot; beschrieben.
2)nbsp; Das Panaritium, eine infectiöse Entzündung der Haut und Unterbaut im Klauenspalt, an den Ballon oder im Bereich der vorderen
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196nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskiankhcilcn.
Partie an der Krone. Im Klauenspalt führt diese Phlegraone gewöhnlich zur Nekrose der Haut. Das mortiflcirto Stück wird alsbald disse-cirt und kann nach 10 bis 14 Tagen mit der Pincette von der granu-lirenden Subcutis leicht abgetrennt werden. An der Krone und den Ballen entstehen nicht selten tiefe Geschwüre und eiterige Processe, welche auf die Knochen oder in die Gelenke eindringen. Das Panari-tium kann mit dem Charakter einer Herdenkrankheit auftreten und sowohl in den Ställen, wie auf der Weide eine grössere Zahl von Thieren befallen. Die für die Infection vorauszusetzenden Läsionen der Haut im Klauenspalt, namentlich im Vordertheil desselben, sind oft so minimal, dass sie auch bei sorgfältiger Untersuchung sich nicht nachweisen lassen. Oft beruht die äussere Veranlassung der Krankheit in dem Treiben der Thiere über harte (steinige) Wege. Besonders leicht entsteht dieselbe, wenn die von den Rindern zu passirenden Wege mit Kohlasche bestreut sind. Hierbei wird die Haut an den Klauen durch kleine scharfe Gegenstände verletzt. Beim Stallvieh begünstigt ein harter, rauher Fussboden die Entstehung der Infection an den Klauen. Von gleicher Wirkung ist beim Rindvieh der bei anhaltender Dürre im Sommer ausgetrocknete Boden.
Obschon die Symptome des Panaritium im Beginn der Krankheit den Zufällen der Klauenaffection bei der Aphthenseuche sehr ähnlich sein können, so lässt sich doch bei näherer Berücksichtigung der vorbezeichneten Thatsachen die Diagnose möglich machen. Es kommt hinzu, dass bei der Aphthenseuche in grösseren oder kleineren Viehbeständen die Affection der Maulschleimhaut niemals bei allen kranken Thieren fehlt.
3) Verbällung (Quetschung der Sohle und der Ballen) an einer oder mehren Klauen. Entsteht beim Transport von Stallvieh sehr häufig, kommt aber auch beim Arbeitsvieh und bei Milchkühen vor, welche harte steinige Wege beim Treiben nach der Weide passiren. Mit der frisch entstandenen aphthösen Klauenentzündung hat die Verbällung das Lahmgehen gemeinsam. Die Unterscheidung beider Krankheiten ist im ersten Stadium zuweilen kaum möglich. Im Verlaufe von 2 bis 3 Tagen ergeben sich beim Vorhandensein der Aphthenseuche durch die Erkrankung mehrerer Thiere, sowie durch die Mitaffection der Maulschleimhaut entscheidende Beweismomente.
Prognose. Nur selten hat die Aphthenseuche an sich einen perni-ciösen Krankheitscharakter, so dass in einzelnen Herden 4 bis 6 pCt. der Fälle tödlich verlaufen. Der regelmässige Verlauf ist gutartig. Trotzdem sind die wirthschaftlichen Verluste nach dem Ausbruch der
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Maullt; und Klauenseuche.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;197
Seuche in den Viehbeständen wegen erheblicher Minderung der Milch-production bei Kühen und wegen der relativ langen Dauer der Lahmheit bei der Klauonerkrankung des Arbeitsviehs gewöhnlich bedeutend.
Wenn die kranken Thiere auf dem Stalle mit Futtermitteln ernährt werden, welche andauernd eine diarrhoische Darmentleerung bewirken (Schlempe, Rübenblätter etc.), so lässt sich die Verunreinigung der Klauen nicht verhindern. Hierbei bilden sich relativ oft die schweren Entzündungsprocesse an den Klauen aus. In solchen Ställen gehen nicht selten 3 bis 5 pCt. der erkrankten Thiere ein. Gleich ungünstig wird der Krankheitsverlauf bei der KlauenafFection durch die Unterbringung der Thiere in Ställen mit gepflastertem Fussboden beeinflusst.
Dagegen ist die Prognose günstig, wenn die kranken Thiere im Stalle auf reiner und weicher Streu stehen können und sorgfältig gepflegt werden.
Von wesentlicher Bedeutung für die Prognose ist endlich die That-sache, dass wenn sich durch rechtzeitige und sorgfältige Behandlung die Miterkrankung der Klauen verhindern lässt, die Thiere schnell und ohne erhebliche Schädigung durchseuuhen.
Therapie. 1) Gegen die Affection im Maul läsßt sich zweckmässig nur ein einfaches Heilverfahren in Anwendung bringen. In den meisten Fällen kann die Behandlung auf die entsprechende Pflege der Thiere beschränkt bleiben. Die im vorigen Jahrhundert allgemein ausgeführte und trotz aller Warnungen von unkundigen Besitzern zuweilen noch gegenwärtig in Gebrauch gezogene Reinigung der Zunge führt zu einer sehr schmerzhaften Zungenentzündung, welche die Genesung der Thiere um 1 bis 2 Wochen verzögert und dementsprechend den wirthschaft-lichcn Verlust des Besitzers verzögert.
Mit einigem Vortheil werden die seit mehreren Jahrzehnten gebräuchlichen Maulwässer aus Essig oder Salzsäure, Honig, Mehl und Wasser angewandt. Von dieser Flüssigkeit ist täglich 2 bis 3 mal y4 Liter mittels einer Spritze oder eines Irrigators oder einer Flasche in das Maul zu bringen, so dass die excoiirten Stellen von derselben berührt werden. Die Anwendung desinficirender Mittel (einer 2 bis 4proc. Lösung von chlorsaurem Kalium, Alaun oder Borsäure in Wasser; Carbolwasser, Creolinwasser etc.) ist umständlich und nicht von wesentlichem Nutzen. In der neueren Zeit wird aber die von Prof. Stilling in die Therapie eingeführte Solution von Pyoktanin in Wasser (1 : 1000) als wirksam gerühmt. Das Mittel, welches täglich einmal mit einer Spritze oder einem Irrigator auf die aphthös erkrankten Stellen der Maulschleimhaut zu appliciren ist, bedingt eine Abkürzung des Krank-
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hcitsverlaufs und verhindert durch seine desinficirende Wirkung die Uobor-tragung des Oontagiums von dem erkrankten Maul auf die Klauen.
Zur diätetischen Behandlung ist den Thieren oft reines Trinkwasser oder Mehlwassor anzubieten. Da dieselben wegen der schmerzhaften Aifec-tion der Zunge am 2. bis 4. Krankhoitstago kein Futter aufnehmen, so werden zweckmässig zuweilen lange Brodschnitten (Kleiebrod, Schwarz-brod) in das Maul bis auf den Grund der Zunge gebracht. Die meisten Patienten zerkleinern das Brod mit den Backzähnen und verschlucken es mit Appetit. Mit Ablauf des 4. Krankheitstages, bei leichter Erkrankung auch schon vorher, bevorzugen die Thiere gewöhnlich langes Heu, weil sie dasselbe relativ leicht über die exeoriirten Stellen in die obere Partie des Mauls befördern können.
Zuweilen besteht bei den kranken Rindern, welche mehrere Tage nicht gefressen und wiedergekaut haben, eine verzögerte Darmentleerung. Hiergegen empfieht sich die Verabreichung eines milden Abführmittels (Natrium sulfur. 500,0).
2)nbsp; Die aphthöse Klauenentzündung erfordert, dass der Stall, in welchen die Thiere stehen, bestmöglichst rein gehalten und und mit weicher Einstreu vorsehen wird. Wenn die auf der Weide befindlichen Rinder nicht bequem aufzustauen sind, so werden sie am besten auf der Weide belassen. In den geringeren Graden heilt die Entzündung zwar ohne medicamentöses Zuthun. Um aber der Ausbildung einer schweren Klauenentzündung zuvorzukommen, ist die frühzeitige Application desinficirender Heilmittel auf die Krone angezeigt: Pyoktanin in Wasser (1:500 bis 1500), Burow'sche Lösung, Alaunlösung. Bei Ochsen und Jungvieh können die Kronen der kranken Püsse mit Holz-theer oder mit einem Liniment aus gleichen Theilon Theer und Baumöl (Harms) bepinselt werden. Da der Geruch dieser Mittel sich der Milch mittheilen würde, so lässt sich bei Milchkühen von den Theerpräparaten ebenso wie vom Carbolwasser oder Creolinwasser keine Anwendung machen. Das am Saum resp. der Krone von der Matrix sich lösende Horn wird mit dem Rinnmesser abgetragen. Die als Complication oft entstehende schwere Klauenentzündung ist nach den allgemeinen chirurgischen Regeln zu behandeln (warme Bähungen, Verband mit desinfi-cirenden Heilmitteln und bei penetrirenden Gelenkfisteln die Aputation der Klaue). Don decubitalen Zerstörungen der Haut ist durch sorgfältige Lagerung der Thiere möglichst zuvorzukommen.
3)nbsp; nbsp;Bei der Behandlung dos aphthösen Exanthems am Euter empfiehlt sich die 2 bis 3 mal täglich zu wiederholende Application von Glycerin oder von reizmildernden Mitteln in Salbenforra (Unguent. Zinci
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Maul- und Klauensouche.
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für sich allein oder mit Tinct. Opii 30 Tropfen zu 30 Gramm Salbe; ferner Unguent. Plumbi, Unguent. Paraffini, Unguent, bacilicum, Adeps, Lanolinum). Vorthoilhaft fand ich auch das Betupfen der excoriirten Stellen mit ßismuthum subnitricum in Wasser (5 bis 10 : 100) oder mit Burow'scher Lösung. Ein wesentlicher Werth ist auf das regelmässige Ausmelken der kranken Euterviertel zu legen. Sind die Zitzen geschwollen und sehr schmerzhaft, so leistet die Bähung mit warmem Kleiewasser gute Dienste. In besonders schweren Fällen kann die Katheterisirung der Milchcysternc indicirt sein.
Vorbeugung. Mit der Durchführung der veterinärpolizeilichen Schutzmassregeln ist für den Besitzer die Möglichkeit der Abwehr des durch die Seuche bedingten Nachtheils noch nicht erschöpft. Durch strenge Isolirung seines Viehstandes kann der Besitzer beim Herrschen der Seuche wesentlich dazu beitragen, dass der Ansteckungsstoff nicht eingeschleppt wird (Selbstschutz).
Nach dem Ausbruch der Krankheit in einem kleinen oder grösseren Viehbestande liegt für die ordnungsmässige Behandlung der Thiere eine wesentliche Aufgabe darin, die Fusskronen vor der Miterkrankung zu schützen resp. die Affection auf die Maulschleimhaut zu beschränken. Dies lässt sich sehr oft durch Bepinselung oder Waschung der Klauen (Kronen) mit desinficironden Mitteln erreichen. Bei Milchkühen sind aber solche Desinficientien nicht anzuordnen, die der Milch einen auffallenden oder unangenehmen Geruch mittheilen. Am meisten empfiehlt sich die Anwendung einer Pyoktanin-Lösung. Auch eine Auflösung von Borax oder Alaun oder Eisenvitriol lässt sich benutzen. Bei Arbeits-ochson Bepinselung der Kronen mit Holzthcer oder Holzessig.
Impfung. Nach dem Ausbruch der Seuche lässt sich die Dauer derselben in einem Viehstand dadurch abkürzen, dass sämmtlicho Rinder auf einmal durch Uebertragung des Maulspcichels von einem kranken Thier inficirt werden. Grosse Vortheile sind indess, wie ich mich in praxi oft überzeugt habe, mit dieser Impfung nicht zu erreichen. Da die nach derselben sich im Maul entwickelnde Affection auf die Klauen übertragen werden kann, so ist der Schutz der letzteren bei der Impfung ebenso geboten, wie bei dem gewöhnlichen Seuchenausbruch.
Als Impfstoff ist der Maulspeichel eines kranken Thieres, welcher in ein Schälchen aufgefangen wird, zu benutzen. Von demselben wird entweder mit dem Finger oder mit einem Läppchen eine kleine Quantität auf die Schleimhaut der Oberlippe (zwischen dem Flotzmaul und dem Körper des Oberkiefers) gestrichen. Es ist thunliclist zu beachten, dass der Impfstoff frisch nach der Gewinnung und vor dem Erkalten
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200nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhciten.
verwondet worden muss. Bei vorsichtiger Ausführung haftet die Impfung durchschnittlich bei 3/4 der Rinder. Nicht selten ist aber die Zahl der Fohllinge grosser. Ich constatirto einmal, dass von 12 Kühen, die ich vorsichtig in der vorbeschriebenen Art geimpft hatte, nur 5 angesteckt wurden. Bezüglich der Beurtheilung und Behandlung verhält sich die Impfkrankheit den gewöhnlichen Fällen der Aphthenseuche vollkommen gleich.
Die in der neueren Zeit versuchte und mehrfach angerathene Ver-impfung des Ansteckungsstolfs in die Unterbaut (Application von Fäden, wolehe mit dem Maulspeichol eines kranken Thieres durchtränkt sind, in der Form eines Haarseils am Ohr oder am Schwänze) hat sich bisher nicht in dem Grade nützlich erwiesen, dass dieselbe empfohlen werden könnte.
Während des Herrschens der Seuche einen noch nicht infleirten Viehbestand blos deshalb zu impfen, weil in denselben der Ansteckungsstoff leicht eingeschleppt werden könnte (Präcautionsimpfungquot;), ist schon deshalb nicht anzurathen, weil die Vortheile der Impfung zu gering sind. Noch weniger ist die Schutzimpfungquot; berechtigt; denn die durch die Impfkrankheit wie mit der Durchseuchung in den gewöhnlichen Fällen momentan herbeigeführte Immunität dauert nur ein Jahr und zuweilen nicht einmal so lange.
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Capitel XVI.
Ansteckender Bläschenausschlag (Phlyctänenansschlag) der äusseren Geschlechtstheile.
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Der besseren Erkenntniss des ansteckenden Bläsehenausschlags an den Geschlechtstheilen haben zwei irrthümliche Meinungen der älteren Thierärzte im Wege gestanden. Nach einer vielfach angenommenen Deutung sollte die Krankheit als ein aphthöses Exanthem von acutem Verlauf mit der Maul- und Klauenseuche übereinstimmen und demnach nur eine besondere Form derselben darstellen. Wie die Maul- und Klauenseuche auf die Localisation eines eigenartigen fieberhaften Leidens
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Ansteckender Bläschenansschlag.
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zurückgeführt wurde, so sollte auch der Bläschenausschlag dieselbe Entstehung haben. Diese Ansicht fand besonders in Spinola einen einflussreichen Anhänger. Der zweite Irrthura liegt in der Annahme, dass die Krankheit sich ursprünglich aus einer unreinen Begattungquot; entwickeln sollte. Ausser den älteren Autoren hat auch Haubnor gelehrt, dass wenn Kühe an einem eitrigen Katarrh der Geschlechtsorgane oder an den Folgen der zurückgebliebenen Nachgeburt litten und in dieser Zeit gedeckt würden, der betreffende Bulle sich durch eine Schärfequot; mit dem ansteckenden Bläschenausschlag behaften könne. In dieser Auffassung wurde die Krankheit mit der Gonorrhoe des Menschen vorglichen und lange Zeit hindurch als Pseudosyphilisquot; oder Lustseuchequot; der Rinder bezeichnet (Vgl. Ryohner, Bujatrik 1851).
Obwohl die Ansteckungsfähigkeit des Bläschenausschlags seit vielen Decennien feststand, so hat doch Roll zuerst den speeifischen Charakter desselben urgirt und dementsprechend mit Recht angenommen, dass eiterige oder jauchige Entzündungsprocesse an den Geschlechtsorganen bei männlichen oder weiblichen Rindern die Entstehung der Krankheit nicht bedingen. Dass der Bläschenausschlag bei Rindern und Pferden in den wesentlichsten Eigenschaften übereinstimmt, ist in der älteren und neueren Literatur zum Ausdruck gekommen. Gleichwohl steht der Nachweis der Uebertragbarkeit des Contagiums von einer Thiergattung auf die andere noch aus.
Aetiologie und Pathogcnese. Der spoeiilsche Infectionsstoff, dessen Einbringung in die äusseren Geschlechtstheile jedem Erkrankungsfall zu Grunde liegt, ist bisher noch nicht bacteriologisch ermittelt. Nach der praktischen Erfahrung lässt sich auch die Frage nicht endgültig entscheiden, ob derselbe ein obligater oder facultativer Parasit ist. Die Krankheit tritt in einzelnen Gegenden nach Zwischenzeiten von einem oder einigen Jahren wiederholt auf, während sie in vielen anderen Gegenden ganz unbekannt bleibt. Diese Thatsache legt die Vermuthung nahe, dass der Ansteckungsstoff sich in den Gehöften oder Ortschaften, in welchen die Seuche einmal zum Ausbruch kommt, leicht forterhält. Denn es ist kein Grund zu der Annahme vorhanden, dass äussere Einflüsse (Witterung und Bodenbeschaffenheit einer Gegend) an der Entstehung der Krankheit irgendwie betheiligt sind.
Nach dem Jahresbericht über die Verbreitung von Thierseuchen im Deutschen Reiche; Berlin 1890quot; sind 1888 vom Bläschenausschlag 6874und 1889 von demselben 5224 Haupt Rindvieh in Deutschland befallen gewesen.
Das Contagium ist in den Entzündungsproducten der Scheide resp. der Vorhaut kranker TMerc enthalten. Es wird gelegentlich der Begat-
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202nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
lung übertragen. Hierdurch erklärt sich die Thatsacho, dass weit mehr Kühe als Bullen am ßläschenausschlag erkranken. Eine relativ starke Verbreitung erlangt die Seuche in einer Gegend nur dann, wenn einem kranken Bullen viel Kühe zur Bedeckung zugeführt werden. Deshalb kommen die meisten Krankheitsfälle im Frühjahr vor.
Selbstverständlich kann die Seuche durch künstliche Uebertragung dos Scheiden- resp. Vorhautdejectes kranker Thiere bei gesunden Rindern hervorgerufen werden. Allein diese Möglichkeit hat für die Beurtheilung der Krankheitsentwickelung kaum ein praktisches Interesse. Wie bei Pferden, so wird auch bei Rindern zuweilen beobachtet, dass die männlichen Thiere nicht erkennbar erkranken und trotzdem bei der Begattung die Seuche auf Kühe übertragen. Solche Fälle erklären sich dadurch, dass bei dem nicht empfänglichen Bullen durch die Bedeckung eines kranken Thieres der Ansteckungsstoff mit dem Vehikel an den Geschlechtstheilen haften bleibt und dass letzterer bei den innerhalb der nächsten 2 Tage erfolgenden weiteren Bedeckungen auf gesunde Thiere übergeht. In den meisten Fällen wird aber der Bulle inficirt, wenn er eine kranke Kuh oder Färse deckt. Ich habe oft beobachtet, dass von den einem kranken Bullen zugeführten Kühen einzelne nicht erkranken. Entweder besitzen solche Thiere keine genügende Empfänglichkeit, oder es ist zufällig bei der Bedeckung kein Contagium in die Geschlechtstheile gebracht worden. Ansteckungsfähig sind die kranken Thiere während der ganzen Dauer des Leidens. Die Ausbildung des letzteren erfolgt bei weiblichen Rindern nur in der Schleimhaut der Scham, des Vorhofs und der eigentlichen Scheide. In manchen Fällen erkrankt die letztere nicht oder nur unerheblich. Bei den Bullen wird nur die Vorhaut, und zwar sowohl in dem parietalen, wie in dem visceralen Blatt afficirt. Die in der Literatur vielfach wiederholte Angabe, dass der Bläschcnausschlag resp. Bläschen oder Pusteln auch in der äusseren Haut an den Hintcrschen-keln, am Bauche oder am Euter und am Hodensack auftreten sollen, habe ich in keinem Falle bestätigen können.
Das Contagium erzeugt an den bezeichneten Stellen der äusseren Geschlechtstheile eine heftige Entzündung mit Schwellung und copiöser Absonderung der Schleimhaut. Das seröse Exsudat, welches zunächst entsteht, hebt das Epithel in Form kleiner Bläschen empor, die aber alsbald bersten und deshalb in der Regel nicht gesehen werden. An der Schleimhaut bilden sich in manchen Fällen leichte Excoriationen und ausnahmsweise tiefere Ulcerationen. Nach der Ansteckung vollzieht sich die Ausbildung dieser speeifischen Entzündung meist in 3 bis (5 Tagen so weit, dass die Symptome der Krankheit augenfällig hervor-
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Ansteckender Bläsohonaussohlag.
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treten. Das Incubationsstadium dauert aber zuweilen nur 1 bis 2 Tage, kann sich andererseits auch bis auf 11 Tage ausdehnen.
Symptome. A. Die Bullen bekunden die Krankheit durch eine flache, ödematöse, massig warme und beim Druck schmerzhafte Anschwellung der Vorhaut (des Schlauches). In schweren Fällen erstreckt sich die entzündliche Schwellung bis zum Hodensack und zu beiden Seiten dos Schlauches bis an die Bauchdecke. Aus der Vorhautöffnung (Schlauoh-mündung) entleert sich in geringer Menge eiweisshaltiges Sekret, welches zum Theil an dem Haarbüschel hängen bleibt und zu braunen, schmierigen Krusten eintrocknet. Bei der etwaigen Erection erscheint der Penis entzündlich geröthet. Ist die Erkrankung noch frisch, so mögen auch Bläschen auf dem Penis (dem visceralen Blatt der Vorhaut) sitzen, wie in der Literatur angegeben wird; ich habe indess einen solchen Fall nicht kennen gelernt. Die entzündliche Affection an dem parietalen Blatt der Vorhaut ist der unmittelbaren Untersuchung nicht zugänglich.
B. Bei den Kühen und Färsen macht sich die Erkrankung durch ödematöse Schwellung der Scham, entzündliche Röthung und Excoriationen der Schleimhaut im Vorhof, besonders in der Umgebung der Clitoris sowie durch Schmerzempfindung in den äusseren Geschlechtstheilen (Drängen auf die Harnentleerung) und Ausscheidung eines eiweissreichen oder schleimig-eiterigen Sekretes aus der Schamspalte bemerklich. Die Schwanzrübe ist oft mit eingetrocknetem schmutzigem Scheidendeject verklebt.
Verlauf. Der Bläschcnausschlag vorläuft im wesentlichen unter dem Krankheitsbilde einer gutartigen und typischen Entzündung der äusseren Geschlechtstheile. Gewöhnlich wird das Allgemeinbefinden nicht oder doch nur in unerheblichem Grade gestört. Wenn aber die Schmerzem-pfindung in der Scheide sehr stark ist, so verringert sich die Futtcrauf-nahme und dementsprechend auch die Milchsecrction an 2 bis 4 Tagen. Die Krankheit endet nach einer Gesammtdauer von 24 Wochen stets mit Genesung. Die heftigen Erscheinungen lassen schon am 4. bis 5. Krankheitstage nach; doch erfolgt die vollständige Abheilung der Entzündung stets ganz allmälig.
Diagnose. Bullen erkranken zuweilen an einer einfachen Entzündung der Vorhaut, welche durch Stauchung des erigirten Penis bei den Versuchen zum Decken der Kühe entsteht. Die Symptome dieser Krankheit sind den äusseren Merkmalen des Bläschenausschlags sehr ähnlich; doch verläuft das Leiden etwas langsamer. In den meisten Fällen lässt sich auch durch eine sorgfältige Anamnese die Ursache dieser Entzündung ermitteln, womit die Diagnose gesichert wird.
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204nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskranlfhciten,
Bei Kühon können irrthüralich die in der Vorhofsschleimhaut normal-massig vorkommenden und in unregelmässigon Gruppen liegenden Hervorragungen (die Ausführungsgängo kleiner Schlauchdrüsen) für Symptome des Bläschonauschlags angesehen worden, wie ich in der veterinärpolizeilichen Praxis kennen gelernt habe.
Prognose und Therapie. Den günstigen Ausgang des Bläschenausschlags kann der Thicrarzt in allen Fällen voraussagen. Bei leichter Affection ist eine medicaraontöse Behandlung entbehrlich. Sonst sind warme Bähungen der Scham mit Chamillcninfusum oder Kleienwasser, sowie Waschungen mit Burow'scher Lösung und Bestreichen der Scham und der Vorhofsschleimhaut mit Parafßnsalbe oder Glycerin angezeigt. Vielfach werden auch desinlicirende Mittel (Carbolwasser, Oreolinwasser etc.) zum Waschen der Scham und zum Ausspritzen der Scheide ange-rathen. Gewöhnlich sind dieselben indess zu entbehren.
Prophylaxis. Die Verhütung der Ansteckung wird durch die gesetzliche Pflicht zur Anzeige aller Krankheitsfälle und durch die veterinärpolizeiliche Schutzmassregel erreicht, nach welcher die betreffenden Thiere für die Dauer der Krankheit zur Begattung nicht zugelassen werden dürfen.
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Capitel XVII. Kuhpocken. Variola vaccina.
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Die in den ostasiatischen Staaten seit uralter Zeit bekannton, aber auch in Europa seit mehr als 1000 Jahren als eine der gefährlichsten Seuchen gefürchteten Pocken odor Blattern des Menschen (Variolae humanae) werden durch ein speeifisches Contagium verursacht, welches nach allseitigen Erfahrungen als ein obligater Parasit betrachtet werden muss, dessen künstliche Cuitur aber trotz der von den ersten Autoritäten der bakteriologischen Wissenschaft ausgeführton Untersuchungen bis jetzt nicht gelungen ist. Neben den menschlichen Pocken stellen die Schafpocken (Variolae ovinae), wie Bollinger (Vortrag No. 116 in Volkmann's Sammlung) erläutert hat, die zweite Hauptart der Pockenseuche dar. Bcmerkenswerth ist, dass trotz der Uebereinstimmung dieser
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Kuhpocken.
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beiden, typisch verlaufenden Seuchenkrankheiten weder eine üebertra-gung von kranken Menschen auf Schafe, noch umgekehrt von kranken Schafen auf Menschen vorkommt. Die von Laubender mitgetheilto Wahrnehmung, dass in einem Falle die Erkrankung des Menschen an den Blattern auf die Ansteckung durch pockenkranke Schafe zurückzuführen gewesen sei, halte ich nicht für gesichert. Wenn hiernach auch eine Identität des Contagiums der menschlichen Pocken mit demjenigen der Schafpocken nicht annehmbar ist, so lässt sich doch die Ansicht nicht ablehnen, dass beide Contagien nur Arten eines mikroparasitären Organismus sein werden. Es ist auch möglich, dass die Differenzirung des Pockencontagiums lediglich auf der besonderen Accommodation des specifisohen Organismus beruht, bezw. dass letzerer sich einerseits dem menschlichen Körper und andererseits dem Körper des Schafes derartig anpasst, dass die Keimfähigkeit desselben auf Menschen rosp. Schafe beschränkt wird.
Die Kuhpocken, welche sich ausschliesslich am Euter der Kühe, und zwar vorwaltend an den Zitzen ausbilden, betrachtet Bellinger nicht als eine selbständige Krankheit, sondern als Abkömmling von den menschlichen oder von den Schafpocken. Durch die üebertragung auf das Rind erfährt das Contagium der menschlichen Pocken eine wesentliche Abschwächung seiner Virulenz. Hierdurch erlangt die Kuhpockenlymphe die Eigenschaft, dass sie nach der Einimpfung bei Menschen, welche noch nicht an den Pocken gelitten haben, eine ungefährliche locale Pockenkrankheit erzeugt, nach deren Abheilung die Personen eine kürzere oder längere Zeit (durchschnittlich 12 Jahre) gegen die Variola immun sind. Diese Schutzkraft verleiht den Kuhpoken einen grossartigen Werth für die menschliche Gesundheitspflege.
Schon im vorigen Jahrhundert kannte man das Vorkommen der Kuhpocken in den nördlichen europäischen Staaten. Auch war bereits die schützende Wirkung der Kuhpockenlymphe (Lympha vaccina) gegen die menschlichen Pocken gelegentlich in Holstein und Hannover beobachtet, aber nicht genügend gewürdigt worden. Erst Dr. Jenner in England constatirte 1776, dass Personen, welche sich beim Melken pockenkranker Kühe inficirt hatten und mit Blattern an den Fingern behaftet gewesen waren, späterhin trotz naher Berührung mit pockenkranken Menschen nicht mehr angesteckt wurden. Nach dieser Beobachtung in der ärztlichen Paxis unternahm Jenner die künstliche Einimpfung der Kuhpockenlymphe bei Menschen, die an den Blattern noch nicht gelitten hatten. Der Versuch gelang vollkommen; die betretfonden Personen konnten auch durch die Impfung mit menschlicher Pocken-
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206nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxioationskranklioitcn.
lymphe nicht mehr angesteckt werden. Mit dor Feststellung dieser Thatsacho war eine der grössten und segensreichsten Entdeckungen gesichert, welche jemals in der Medicin gemacht worden sind. Während vorher zum Schütze der Menschen vor der verderblichen Pockenseucho die Präventivimpfung mit menschlicher Pockenlymphe (Variolation), die oft einen allgemeinen und zuweilen tödlich verlaufenden Pockenaus-schiag zur Folge hatte, versucht war, konnte jetzt der gleiche Schutz mit der ungefährlichen Verimpfung der Kuhpockenlyraphe (Vaccination) erreicht werden. Jenner hat seine Entdeckung in einem besonderen Werke veröffentlicht: Inquiry into the causes and effects of the variolao vaccinae. London 1798; deutsche Uebersetzung von Ballhorn, Hannover 1799. Es ist hier nicht am Platze, eine Geschichte der Vaccination darzustellen. Wie bei allen wichtigen Errungenschaften in der Medicin, so ist auch der Werth der Pockenimpfung bei Menschen oft und nicht blos von Laien bestritten worden. Mehrere Jahrzehnte hindurch wurde die Kuhpockenlymphe (Vaccine) von den Impflingen direct weiter verimpft (humanisirte Vaccine). Seit 3 Jahrzehnten wurde aber zunächst in Neapel, ferner in Paris (1864), Brüssel (1868) und bald darauf in allen europäischen Staaten die Gewinnung der Vaccine durch fortgesetzte Kälberimpfung und die Impfung des Menschen mit dieser Lymphe (animate Impfung) angeordnet. Das Verfahren hat den Zweck, die Menschen vor der Uebertragung ansteckender Krankheiten (Syphilis) zu schützen. Wenn auch diese Gefahr beim Gebrauche der humanisirten Vaccine gering und die mit der Vaccination zugleich stattfindende Uebertragung des Virus syphiliticum überhaupt nur ausserordont-lich selten vorgekommen ist, so erscheint doch die Vorschrift der raquo;ani-malcn Impfungquot; schon durch die Beruhigung der Familien begründet. Ausgeschlossen wird durch dieselbe aber nicht, dass mit der Lymphe zugleich der Infcctionsstoff eines zwar nicht gefährlichen, aber lästigen Exanthems (Impetigo contagiosa) übertragen werden kann. Indess ereignet sich bei der grossen Sorgfalt, mit welcher die Gewinnung der Kälberpockenlymphe bewirkt und, diese Schädigung der Impflinge nur selten.
Actiulogie. Nachdem Jonner die Vortheile der Vaccination festgestellt hatte, stand die Entstehung der Kuhpocken im Vordergründe der wissenschaftlichen Discussion. Den früheren medicinischen Ansichten entsprach die vielfach gehegte Vorstellung, dass durch Witterungsund Ernährungscinflüsse eine spontane Entwickelung erfolgen könne. Indess ist die Ansteckung der Kühe in der Aetiologie die Pocken niemals streitig gewesen. .lenncr selbst folgerte aus den Mittheilungen der
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Kulipocken,
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Landwirthe, dass das Contagium von den Pferden, welche an der Mauke litten (Schutzraauko, Horse-pox), durch das Wärterpersonal auf das Euter der Kühe übertragen würde. Diese Ansicht haben schon Hering u. A. als unhaltbar bezeichnet. Ich habe im I. Bande dieses Lehrbuches ausgeführt, dass die Annahme der Schutzraaukequot; bei Pferden überhaupt nicht berechtigt ist. Correct war dagegen die Ansicht, dass Kühe sich mit dem Oontagiura der menschlichen Pockenseuche zuweilen infi-ciren sollten. Gegen diese Folgerung streitet die Beobachtung nicht, dass bei der Eruption der Kuhpocken oft ein Zusammenhang mit den menschlichen Pocken nicht nachweisbar gewesen sei. Unterstützt wird dieselbe wesentlich durch die Thatsache, dass die menschliche Pockenlymphe auf Kühe künstlich zu übertragen ist, wenn auch die Impfversuche nicht immer diesen Erfolg gehabt haben. Ferner spricht für dieselbe, dass die Pocken stets nur bei Kühen zum Ausbruch kommen, ob-schon Bullen und Ochsen für die Wirkung des übergeimpften Contagiums die gleiche Empfänglichkeit qesitzen. Die Ansteckung der Kühe erfolgt beim Melken, wie sich schon aus der Thatsache ergiobt, dass der Ausschlag an den Zitzen und deren nächster Umgebung sich ausbildet. Bollinger (1. c.) schliesst, und sicher mit Recht, dass die Ansteckung einer Kuh resp. die Entstehung des ersten Krankheitsfalls in einem Viehbestände gegenwärtig wohl ausschliesslich auf vaccinirte Personen und auf die Uebertragung des den Vaccine-Pusteln entstammenden Contagiums zurückzuführen ist. Damit erklärt sich die seit vielen Decennien in der thierärztlichen Literatur besprochene Beobachtung, dass im Frühjahr die Eruption der Kuhpocken am moisten beobachtet worden ist. Denn in dieser Zeit wurde die Vaccination der Kinder am häufigsten vorgenommen.
Die Kuhpocken charakterisiren sich als eine Stallseuche. Von der ersterkrankten Kuh erfolgt die Uebertragung des Ansteckungsstoffes auf die übrigen Kühe durch das Melken. Doshalb wird die Krankheit bei Bullen, Ochsen und Jungvieh nicht beobachtet. Dass die Stallstreu den Ansteckungsstoff enthalten und dass die Kühe sich hierdurch beim Liegen am Euter inficiren sollen, ist zwar möglich, aber nicht wahrscheinlich.
In allen Theilen der Pocken (Pusteln) ist das Contagium enthalten. Am leichtesten wird dasselbe beim Melken verschleppt, wenn die Pusteln das Stadium der Reife erlangt haben, Durch Verimpfung der Lymphe lässt sich bei jungen und älteren, weiblichen und männlichen oder castrirten Rindern die Pokcnbildung an allen feineren Hautpartien künstlich herbeiführen und frische Lymphe produciron. Prinz (1839) empfahl hierzu die Haut am Hodensack männlicher Thiore. Sonst wurde
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208nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und IntoxicationsKranlilioitcn.
auch in der Nähe der Scham bei weiblichen Thieren geimptt. Gegenwärtig wird bei Kälbern im Alter von 1 bis 2 Monaten gewöhnlich eine kleine Partie der Haut am Bauche für die Gewinnung von animaler Lymphe benutzt.
Pathogenese. Das Contagium gelangt beim Melken auf die Haut der Zitzen oder des Euters und dringt durch die Epidermis. Es erzeugt durch seine phlogogene Wirkung auf den Papillarkörper eine Exsudation von Serum und Leukocyten. Die Zellen des Rote Malpighii quellen auf und gehen zum Theil zu Grunde. Ein anderer Theil wird zu Fäden und Balken gedehnt, welche das die Pocken durchziehende Balkennetz bilden. Da die entzündliche Exsudation in den peripheren Schichten der Pocke am stärksten ist, so entsteht in der Mitte durch das Einsinken der Ge-websbalken eine Vertiefung (Delle). Mit der Eiterbildung in der Pocke wird ein Theil des Papillarkörpers zerstört, so dass die Verheilung nur mit Zurücklassung einer Narbe erfolgen kann.
Symptome und Verlauf. Am 2. bis 3. Tage nach der Ansteckung tritt in der Haut an einer oder mehreren Zitzen und in der nächsten Umgebung, selten auch an anderen Stellen des Euters eine leichte entzündliche Anschwellung und Empfindlichkeit ein. Gegen den 3. bis 4. Tag entstehen hirsekorn- bis erbsengrosse Knötchen, die sich in den folgenden 3 Tagen zu Pusteln von der Grosse bis zu einer kleinen Bohne ausbilden. Ihre vollständige Ausbildung erlangt die Pocke mit dem 8. bis 10. Tage; sie hat in der Mitte eine rundliche Vertiefung (Delle), deren Entstehung darauf beruht, dass an den Rändern eine stärkere entzündliche Exsudation erfolgt. Bei vielen Pocken, namentlich den kleineren fehlt die Delle oft. Im ersten Stadium erscheinen die Pocken rosenroth; später erlangen sie durch die Bildung der Lymphe ein bläuliches Ansehen. Nach dem 10. Tage entsteht Eiterung in der Pocke, die nun eintrocknet und sich nach weiteren 4 bis 5 Tagen mit einer dunkelbraunen dicken Kruste bedeckt, unter welcher die Vernarbung erfolgt. Die Dauer der Pockenkrankheit erstreckt sich auf rund 21 Tage.
Der vorbeschriebene Verlauf ändert sich zuweilen dadurch, dass die Pocken dicht nebeneinander entstehen und zu Conglomeraten zusammentreten (Variola confluens). Auch entwickeln sich nicht selten die Pocken nur unvollständig, wenn sie beim Melken gezerrt oder zerissen werden, so dass die Eiter- und Krustenbildung früher eintritt. Die Eruption erfolgt auch mitunter nicht gleichzeitig; zwischen der Entstehung der ersten und der letzten Pocken kann eine Frist von 8 Tagen liegen.
Eine Störung des Allgemeinbefindens bekunden die Kühe gewöhnlich nicht. Doch kann die mit einer reichlichen Pockenbildung verbundene
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LEHRBUCH
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DEB
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SPECIELLEN
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PATHOLOGIE UND THERAPIE
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THIERÄRZTE.
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NACH KLINISCHEN ERFAHRUNGEN BEARBEITET
von
Dn. med. W. DIECKERHOFF
PROFESSOR AN DEH THIERÄRZTLIOHEN IIOCHSlilUI.K ZU lilOHMN.
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i wwar rraquo;.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; rv
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2. Lieferung.
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Berlin 1894. Verlag von August Hirschwald
NW. Unter (Ion I.imlon 118.
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Inhalts -Verzeiehniss
der 1. und 2. Lieferung.
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Allgemeine Diagnostik der 11 i ndviohli i'a n k hoi ten.
1.nbsp; nbsp; ir:il)itus des Rindes...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2
Biuiart.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2
Constitution...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;?
Temperament...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4
2.nbsp; nbsp; EjigonwKme des Rindes.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 6
3.nbsp; nbsp; Haut........................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
Haar......................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8
Farbe......................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8
Epidermis....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8
Suboutis.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(.t
4.nbsp; nbsp;Lymphdrüsen.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; II)
5.nbsp; nbsp; Sohleimhtiate.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; II
Färbung.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; II
Schwellung...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18
Trockenheit...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18
Peuchtigkeitsgehali ................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18
6.nbsp; nbsp; Auslluss aus Ann-en, Maulhöhie und Scheide.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18
7.nbsp; nbsp; Respirationsapparai...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15
Form, Umfang und Durchmesser des Thorax.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15
DyspnoB.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ili
Auscultation...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18
Stimme.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I',)
Husten.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2t)
AthmungsgerRusche der Nasenhöhlen..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 22
/Uhmungsgorftusche des Ifchllfopfs...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 22
A.thmnngsgeräusohe der Luftröhre...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 28
Äihmungsgerftusche der Lungen............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 28
Heibungsgeräusohe der Pleura............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 27
Percussion....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 27
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#9632; J
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h
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IV Inhalts-Voi'zpioliiiiss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'
Seitlaquo;
is. Ciroolatlonsapparat...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;29
a)nbsp; Herz.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;29
b)nbsp; Arterien....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;33
o) Venen....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;33
9. Dlgestionsappafat....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;34
Apppetit.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;34
Durst......................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;35
Kauen und Wiederkauon...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;36
Schlucken....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;39
liaucliutnl'ang...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;39
Peristaltic....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;40
Darmcxcrcmonto..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;41
10. Ilarnapimrat......................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;43
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Erste Klasse.
Infections- und In toxicationslirankhei ten.
Rinderpest. I'ostls boiun.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;46
Knlir. Dysenlorla honni.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;74
Kiillicrruhr. Dysentorla vihilonnn. Welsse Ruhr, Dysenteria alba ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;82
Ephomoror infeotiöser Naaenoatarrh. iiiiiniiis oontagiosa benlgna.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;86
Bösartiges Catarrhalfleber. Pebrls oatarrhalis maligna bonum. Kopfkranlthelt
dos Rindes.......................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;88
Kälberdiphtherie, Diphthoriscbo Herde der Maalsohleimhaut (Stomatitis diph-
therioa multiplex) bei Säugkälbern..............nbsp; nbsp; nbsp;102
Diphtherisohe Herde des Schlundes, des Pansens und der Haube. Oesophagitis,
Rumenitis et Rotloulitls dlphtherlca multiplix..........nbsp; nbsp; nbsp;105
Tollwuth. Wuthtoankheit, Lyssa. Rabies..............nbsp; nbsp; nbsp;109
Milzbrand. Anthrax......................nbsp; nbsp; nbsp;118
Texasfieber. Texasseuclie....................nbsp; nbsp; nbsp;140
Rausohbrand.........................nbsp; nbsp; nbsp;141
Wildseuche. Wild- und Rinderseuohe (Bollinger). Septicaemia liaemor-
rhagioa (Hüppe).....................nbsp; nbsp; nbsp;147
Lungenseuohe. Pneumonia oontagiosa boum. Pleuro-Pneumonia oontagiosa .nbsp; nbsp; nbsp;153 [nfoctiöse Lungenentzündung(Lungon-Brustfell6ntzündung) der Kälber. Pneumo-
Pleuritis vitulonnn infecliosa ................nbsp; nbsp; nbsp;181
Maul- und Klauenseuche. Aphthenseuohe. Epidemia aphthosa (Aphthae epi-
zootioae). Blasenseuche. Plärre...............nbsp; nbsp; nbsp;183
Anstecken der B18aoh6nausschlag(Phlyotän6naussohlag) der äusseren Geschlechts-
theile.........................nbsp; nbsp; nbsp;200
Kuhpooken. Variola vaeoina...................nbsp; nbsp; nbsp;204
Spontane Sephthämie. Septioaemio. Pebris septioa. Sepsis.......nbsp; nbsp; nbsp;209
Pyo-Söphthaemie neugeborener Kälber durch Phlebitis umbilioalis. Kälberlähmenbsp; nbsp; nbsp;213
Blutfleckenkrankheit. Morbus raaculosus...............nbsp; nbsp; nbsp;218
Ansteckende bösartige Scheidonentzündung. Kolpitis porniciosa......nbsp; nbsp; nbsp;222
Endemische Sohlundkopflähmung. yVcutc endemische Bnlbiirparalysc , . . ,nbsp; nbsp; nbsp;225
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Inhalts-Vorzeicliniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;V
Seitlaquo;
Starrkrampf, Tetanus......................nbsp; nbsp; nbsp;229
Leichte Beberhafte Affeotionen. Fobrloula. Ephemera. Pebrls diaria ....nbsp; nbsp; nbsp;282
Tuberoulose. Perlsuoht.....................nbsp; nbsp; nbsp;234
E)rsoheinungen der tuberoulösen Erlcrankung einzelner Organe.......nbsp; nbsp; nbsp;#9632;2M
Ä.ctlnomycosis. Strahlenpilzlaankheit................nbsp; nbsp; nbsp;257
Aouter Gelenkrheumatismus. Rheumatismus artioulorum aoutus. Polyarthritis
rheumatioa bonin.....................nbsp; nbsp; nbsp;2()l
Blutharnen. Miptus cruentus. Rothharnen. Haomoglobinuria......nbsp; nbsp; nbsp;2(i(l
Vergiftung durch Kornrade (Agrvstemma Githago)...........nbsp; nbsp; nbsp;27(i
Vergiftung chiroli Pilze (Brandpilze, Rostpilzo, Sohimmelpilzo)......nbsp; nbsp; nbsp;278
Vergiftung duroh Kartoffeln....................nbsp; nbsp; nbsp;280
Vergiftung durch Herbstzeitlose..................nbsp; nbsp; nbsp;282
Vergiftung duroh Iflatsohrosen ..................nbsp; nbsp; nbsp;283
Zweite Classe. Duroh thiorischo Parasiten verursachte Krankheiten.
Rundwürmer. Costodcs.....................nbsp; nbsp; 285
Ooonurus-Krankheii des Gehirns. Drehkrankheil............nbsp; nbsp; 28(i
Eohlnooocous-Krankheit.....................nbsp; nbsp; 288
1.nbsp; nbsp; Echinococcus-Krankhoit der Leber.............nbsp; nbsp; nbsp;290
2.nbsp; nbsp;Echlnococous-Krankheit der Lungen............nbsp; nbsp; 291
8. Echinooooous-Krankheit dos Herzens............nbsp; nbsp; 292
Rundwürmer. Annelides. Nemathelmintha..............nbsp; nbsp; 293
Strongylus-Krankheit der Lungen, Lungonwurmkrankheil ....nbsp; nbsp; 293
Strongylus-ICrankheit dos Magens. Magenwurmkrankhoit.....nbsp; nbsp; 29(5
Saugwürmer. Trematodes....................nbsp; nbsp; 297
Distonum-Krankheit. Leberegella'ankheit. Tabes distomatosa . . .nbsp; nbsp; 298
Inseclon. Insecta. Iloxapoda...................nbsp; nbsp; 301
Hypoderma-Larven in der Haut. Dasselbeulen ........nbsp; nbsp; 301
Läuse. Pediouli....................nbsp; nbsp; 302
Haarling (Trichodectes soalaris)..............nbsp; nbsp; 304
Oohsonzccke (Ixodes retioulatus)..............nbsp; nbsp; 304
Rinderzecke in Amerika. Catllo Tick (i?oopliiliis sou Ixodes aunu-
latus).......................nbsp; nbsp; 304
Fliegen und Mücken ..................nbsp; nbsp; 304
Kolumbaozer Mücke...................nbsp; nbsp; 304
Milbon. Aoarina........................nbsp; nbsp; 806
Dermatocoptes-Riludo dos Rindes. Scabies bovis dermatoooptica . .nbsp; nbsp; 300
Dermatophagus-Bäudo lies Rindes. Soabies bovis derraatephagioa .nbsp; nbsp; 307
Dritte Classe.
Allgemeine Störungen der Brnilhrung.
OonstitutloneUe Schwilohe. Muskelsohwäohe.............nbsp; nbsp; 310
Darrsucht. Tabes inlcstinaiis...................nbsp; nbsp; 313
Chronische Anämie. Blutarmuth..................nbsp; nbsp; 315
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VInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; liilialts-Vorzoicliniss.
Seite
Leultaomio..........................nbsp; nbsp; nbsp;317
Fseiuloleukaemio. Hodgkin'sclic KrankliiMl,. Malignes Lymphom. Malignes
Lympbadenom.......................nbsp; nbsp; nbsp;319
Geschwülste.........................nbsp; nbsp; nbsp;320
Sarkome.......................nbsp; nbsp; nbsp;320
Carcinomc......................nbsp; nbsp; nbsp;322
Allgemeine Wassersucht. Cachexia hydracmica. liydrops intercus. llydrops
anasarca........................nbsp; nbsp; nbsp;323
Lecksucht-Kachexie.......................nbsp; nbsp; nbsp;32G
Rhacliilis...........................nbsp; nbsp; nbsp;330
Knochenbriichigkeit. Cachexia ossifraga. Osteopsathyrosls........nbsp; nbsp; nbsp;332
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Kuhpocken.
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Hautentzündung am Euter sehr schmerzhaft sein, so class die Thiere sich mit Gewalt dem Ausmelken zu entziehen suchen. Hierdurch wird zuweilen die Milchlieferung der kranken Thiere beeinträchtigt. Die unvollständige Entleerung eines Euterviertels kann auch das Zustandekommen einer Euterentzündung begünstigen.
Diagnose. Es kommen zwar am Euter der Milchkühe zuweilen oberflächliche Excoriationen vor, die auch schmerzhaft sein können, aber bei einiger Aufmerksamkeit von dem Pockenexanthem wohl zu unterscheiden sind. Leichter können die Pocken mit dem aphthösen Exanthem am Euter bei der Maul- und Klauenseuche verwechselt werden. Wenn bei der letztgenannten Seuche gleichzeitig Aphthen in der Maulschleimhaut oder an den Klauen zum Ausbruch gekommen sind, so ist allerdings die Diagnose nicht schwierig. Aber es kann in einzelnen Fällen das aphthöse Euterexanthem sich mit dem Melken innerhalb weniger Tage dem grössten Theil eines Milchviehbestandes mittheilen. Da nun beim Melken die Aphthen ebenso wie die Pocken aufgerissen werden und sich mit Krusten bedecken, so kann die Diagnose eine sorgfältige Feststellung des technischen Thatbestandes nothwendig machen.
Prognose. Die Kuhpocken haben zwar als typische Localkrankhcit des Euters einen gutartigen Verlauf. Die Abheilung des Exanthems erfolgt in der Regel, ohne dass eine Schädigung des Euters zurückbleibt. Indess ist bei der ßeurtheilung der Krankheit von dem Thierarzte doch zu berücksichtigen, dass bei mangelhafter Pflege des Euters der railch-gebenden Kühe eine Mastitis eintreten kann, welche den Werth der Thiere wesentlich schädigt.
Therapie. Das Euter dor pockenkranken Kühe ist sauber und trocken zu halten. Zur Milderung des Schmerzes dient das Bestreichen mit Glycerin oder Unguent. Paraffini oder mit einem Liniment aus Zincum oxydatum und Oleum Rapae (1 : 10). Die Beeinträchtigung der Milch-production bezw. eine Euterentzündung ist durch regelmässiges und vollständiges Ausmelken zu verhüten. Wenn sich die Kühe wegen starkor Schmerzempfindung an den Zitzen dem Melken widersetzen, so ist die Kathoterisirung der kranken Euterviortel empfehlenswerth.
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Capital XVIII. Spontane Sephthiimie. Scptikämie. Febris septica. Sepsis.
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Die Sephthamie stellt eine Gruppe von acut verlaufenden allgemeinen Int'octions-krankheiton dar, bei welchen die pathogenen Mikroorganismen in das Blut eindringen.
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Diockcrhofi, Hpec Pathologie u. Therapie. 11. üd.
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14
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[nfections- und Intoxicationskrankheiten.
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Aus dieser Giuppe habe ich von den Rinderkrankheiten den Milzbrand, den Rausoh-brand und die Wildseuche in besonderen Capiteln behandelt, weil diese Krankheiten nach Aetiologie und Pathogonese genauer bekannt sind.
Wie Bd. I. dies. Lehrb. in dem Oapitel der Sephthämie des Pferdes geschildert ist, so führt auch beim Rinde die häufig vorkommende eigenartige (septische) Entzündung der äusseron Haut (Decubitns), der Gebärmutter, des Euters und anderer Organe zur septischen Infection. Ebenso kann durch Wunden der Haut, Gelenke oder Muskeln die Sephthämie veranlasst werden. Zu unterscheiden ist im engeren wissenschaftlichen Sinne von der septischen Wnndinfection die putride Blutvergiftung (Saprämio), welche durch Fäulnissbakterien (Saprophyten), die sich in den Wund-secreten oder in abgestorbenen Geweben ansiedeln, hervorgerufen werden kann. Die Saprophyten dringen nicht in das Blut, produciron aber in den Wunden oder bei brandigen Entzündungen innerer Organe in den gangränösen Gewebstheilen resp, in den Flüssigkeiten giftige Stoffe (Toxine, Toxalbumine), welche durch Resorption in das Blut übergehen und eine fieberhafte Allgemoinkrankhoit veranlassen.
Die durch Wundinfection herbeigeführte Sephthämie ist oft combinirt mit Pyämie (Pyo-Septhämie). Bei den Menschen wurden als Krankheitserreger der durch Wundinfection entstehenden Sephthämie die gewöhnlichen pyogenen Mikroorganismen (Staphylococcns aureus, Staph. albus und Streptococcus pyogenes) nachgewiesen. Diese Schmarotzer finden sich besonders in der Leber, der Milz und den Nieren; im Blute sind sie oft nur wenig /.ahlreich und schwer zu finden. Es wird angenommen, dass die Eiterkokken bei manchen Mischinfectionen eine grössere Virulenz erlangen und hierdurch abweichend von dem Krankheitsbilde der Pyämie die schweren Symptome, welche die Sephthämie oharacterisiren, hervorrufen. Wahrscheinlich wird auch bei den Thieren und insbesondere bei Rindern die septische Wundinfection durch dieselben Krankheitserreger, wie bei Menschen verursacht.
Aussei' den vorgedachten septischen Infectionen wird bei Rindern noch eine kryptogenetisch entstehende Sephthämie beobachtet, die im Ganzen wenig erforscht ist und nach Massgabe der Thatsache, dass sich das Atrium tnorbi nicht mit Sicherheit feststellen lässt, in Uebereinstimmung mit der gebräuchlichen medicinischen Nomenclatur als idiopathische oder spontane Sephthämiequot; oder als ,,Sepsis mit unbekannter Eintrittsstellequot; zu bezeiehnen ist.
Aetiologie und Ptithogenese. Mit dem Futter oder mit dem Trinkwasser erfolgt sehr wahrscheinlich die Aufnahme des eigenartigen Infec-tionsstoffes, der zweifellos ein Mikroparasit, aber noch nicht aufgefunden und künstlich eultivirt ist. Am meisten scheint verdorbenes Rauffutter und Trinkwasser aus einzelnen ungünstig gelegenen Brunnen der Träger des Infectionsstoffes zu sein. Die Frage, ob der Krankheitserreger der hier geraeinten Sephthämie in unreinen Stallungen sich erhalten und gelegentlich in die Magen-Darmschleimhaut oder in die Athmungsorgane gelangen kann, lässt sich in Ermangelung ausreichender Beobachtungs-rosultate zur Zeit nicht entscheiden. Eine direetc Ansteckung der neben den kranken stehenden gesunden Rinder findet nicht statt. Beim Weido-vieh ist die hier gedachte Sephthämie bisher weniger oft beobachtet worden, als bei den im Stalle gehaltenen Rindviehbeständen, von welchen
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Spontane Sephthämie.
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zuweilen nur ein Stück, nicht selten aber mehrere und mitunter die meisten mit demselben Futter und Getränk ernährten Ochsen und Kühe befallen werden.
An den Futterstoffen oder am Trinkwasser habe ich in mehreren Fällen eine ahnorme Beschaffenheit nicht ermitteln können. In der Literatur wird aber mitgetheilt, dass das Trinkwasser aus einzelnen Brunnen die Krankheit herbeigeführt habe. Selbstverständlich kann am Futter oder Getränk ein septischer Infectionsstoff haften, ohne dass dasselbe eine augenfällige Eigenschaft an sich trägt.
Es ist mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass der Infectionsstoff zunächst in die Magen-Darmschleimhaut und aus der letzteren in das Blut gelangt. Die von ihm producirten Toxine verursachen heftiges Fieber mit schwerer Herzaffection, paronehymatöse Entzündung der Leber und Nieren, hämorrhagische Entzündung dei- Magen-Darmschleimhaut, Benommenheit des Sensoriums und starken Kräfteverfall. Ob diese Sephthämie ein Incubationsstadium von mehr als 12 Tagen haben kann, ist nicht bekannt.
Symptome. Verminderung des Appetits, Aufhören der Rumination, Verzögerung der Darmausscheidungon, späterhin Entleerung theerartiger Excremente oder heftige Diarrhöe. Gesträubtes Deckhaar; Fiobertem-peratur von 40,0 bis 42,0deg;. Starke Benommenheit des Sensoriums; allgemeiner Kräfteverfall, anhaltendes Liegen und Unvermögen zu stehen. Venöse Färbung der Kopfschleimhäute; Pulsfrequenz 60 bis 80, später bis 100 Pulse in der Minute und darüber; Arterienpuls klein, gespannt, zuletzt drahtförmig. Athmung zunächst unerheblich beschleunigt, auf der Höhe der Krankheit beschwerlich, mit verlangsamter Exspiration und stöhnenden Klagelauten.
Die Krankheit hat einen acuten Verlauf und endet fast in allen Fällen innerhalb 2 bis 3 Tagen tödtlich.
Sectionsbcfiind. Schnell eintretende Fäulniss mit Gasentwicklung in den Organen und zuweilen meteoristische Auftreibung dos Bauches in 10 bis 20 Stunden. Blut unvollständig geronnen und lackfarben. Paronehymatöse Trübung und Degeneration des Herzfleisches. Schwellung der Leber und Nieren. Milz gewöhnlich von normaler Grosse; Pulpa weich. Entzündung der Magen-Darmschleimhaut: Ekchymosen und grösserc blutige Herde in den Schleimhäuten, wie in den serösen Häuten.
Die Diagnose der Sephthämie stützt sich auf den Gesaramtcharacter der schweren Allgemeinkrankheit und auf die Abwesenheit eines erkennbaren primären Leidens. Besonders zu berücksichtigen ist hierbei der Milzbrand (vgl. S. 136), dessen Unterscheidung von der Sephthämie in allen zwoi-
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212nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiten.
feihaften Fällen auf den mikroskopischen Nachweis der Anthraxbacillen oder auf Impfversuche zu begründen ist.
Leicht zu verwechseln ist die Krankheit mit scharf-narkotischen Vergiftungen, namentlich mit den toxischen Magen-Darmentzündungen.
Die Sephthämie erheischt nach der bisherigen Erfahrung stets eine schlechte Prognose. Wahrscheinlich mag es leichte Krankheitsfälle gehen, die mit Genesung enden, aber wegen des nicht deutlich ausgeprägten Symptomenbildes unerkannt bleiben.
Therapie. Empfehlonswerth erscheint die frühzeitige und häufige Verabreichung von desinficironden Mitteln: Creolin, zweistündlich 1 Esslöffel voll mit einer Flasche Wasser; oder Ichthyol, auch Carbolsäure in wässeriger Lösung. Aus allgemeinen therapeutischen Gründen sind ferner angezeigt: Kampfer, Alkohol oder Aether.
In diätetischer Hinsicht ist für frisches Trinkwasser zu sorgen und wenn sich etwas Appetit zeigt, gutes Stroh und schmackhaftes Heu den Thieren zeitweise anzubieten.
Für die Prophylaxis darf nicht ausser Acht bleiben, dass die Sephthämie zuweilen die meisten Thiere eines Rindviehbestandes innerhalb einer Woche wegraift. Es ist daher, wenn der Verdacht vorliegt, dass mehr als ein Rind von der Krankheit befallen werden kann, ohne Verzug auf die Beschaffung anderen bezw. unverdächtigen Futters und Getränkes zu dringen. Zweckmässig wird den noch gesunden Thieron solcher Bestände täglich mehrere Male eine Dosis Creolin oder Ichthyol in Wasser eingegeben. 1st das Vehikel des Infectionsstoffs in dem Wasser eines bestimmten Brunnens zu vermuthen, so sollte dasselbe niemals mehr zum Tränken des Rindviehs benutzt werden.
Casuistik. Dep.-Thierarzt Müller (Preuss. Mitthell. 1876 S. 82) berichtet, dass im Juni 1875 auf einer Zuckerfabrik in einem mit 40 Haupt-Ochsen besetzten Maststalle 30 Thiere innerhalb 2 Tagen erkrankten. Hinfälligkeit; Unvermögen aufzustehen; Auslluss von Schleim aus Maul und Nase; Muskelzittern; zeitweise Bauchschmerz, starkes Fieber und angestrengtes Athmen. Alle 30 Ochsen starben \nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;innerhalb des ersten Krankheitstagos. Die auf demselben Gehöft in anderen
Ställen befindlichen 180 Ochsen blieben gesund, obschon sie dasselbe Futter (Press-
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rückstände mit Strohhäcksel und Luzernheu) erhalten hatten.
Autopsie: Keine Auftreibung der Cadaver, Muskolfleisch von gelblicher bis zie-gelrother Farbe. Magen nicht verändert; die ganze Darmschleimhaut ,,typhös ge-röthet und entzündetquot;. Peyer'sche Haufen geschwollen. In der ganzen Darmschleimhaut nadelknopfgrosse Blutextravasate. Blut schwarz, klümporig geronnen. Milz nicht geschwollen, Pulpa weich, dunkelschwarz und mürbe.
Die erkrankten Ochsen waren mit dem Wasser eines in dem betreft'endon Stalle befindlichen Brunnens getränkt worden, während die in den anderen Ställen befindlichen Ochsen von diesem Trinkwasser Nichts erhalten hatten. Der Brunnen im
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Kalborlahme.
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Krankenstalle war bis 4 Wochen vor dem Eintritt der Krankheit verschlossen gewesen, weil das Tränken aus demselben 5 Jahre früher angeblich eine ähnliche Krankheit bei Rindern herbeigeführt hatte.
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Capitel XIX.
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Pyo-Sephthaeinie neugeborener Kälber durch Phlebitis umbili-calis. Kälberlähme.
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Bis zur Publication dor Studien Bellinger's über die Infection des Nabels und der Nabelvene neugeborener Fohlen (1873) und Kälber (1875) sind in der Literatur unter dem Namen der Lähmequot; irrthümlich die verschiedensten Krankheiten neugeborener Kälber zusammengestellt worden. Wie bei der ,,Füllenlähmequot;, so sollte auch bei der Kälberlähmequot; die Erkrankung der Thiere im Wesentlichen auf Grund einer angeborenen Anlage zur Entstehung kommen. Namentlich sollte eine mangelhafte Ernährung (schlechtes Futter) der Kühe während der Trächtigkeit das wichtigste ätiologische Moment darstellen, wozu als eine weitere und äussere Ursache die Erkältung (der Aufenthalt in schlecht eingerichteten Stallungen) hinzutreten sollte. Den älteren Beobachtern und den Autoren, welche selbst keine Krankheitsfälle gesehen hatten, stand das Bild der multiplen eiterigen und septischen Gelenkentzündung bei den erkrankten Kälbern im Vordergrunde der Betrachtung. Jak. Wirth (Arch, Schweiz. Thierärzte, Bd. IV, 1829) auf dessen Krankheitsbeschreibung später oft zurückgegriffen ist, fasste die Lähme der Kälber als wandernde, schnell verlaufende Gichtquot; auf, während Veith dieselbe als Rhachitis vitulorumquot; definirte. Dagegen folgte Rycliner im Wesentlichen der Theorie von Wirth, indem er die Kälberlähme unter dem Namen der Gicht der Kälber (Arthritis vitulorum)quot; erörtert. Der Definition Heusinger's liegt die Meinung zu Grunde, dass das bedingende Moment der Lähmequot; eine skrophulöse Diathese der jungen Thiere sei. Bei dieser Verschiedenheit in der priucipiellon Beurtheilung der Lähmequot; und bei dem Mangel eines einheitlichen Symptomonbildes in dem Auftreten der zur Lähme gerechneten Krankheitsfälle wird die Thatsache erklärlich, dass die Autoren sich bemühten, durch Aufstellung besonderer Krankheitsformen die Natur der vermeintlich einheitlichen Kälberkrankheit dem Verständniss näher zu bringen (nervöse oder spasmo-dische, rheumatische, gastrische und arthritisohe Lähme). Hering meinte, dass die Kälberlähme arthritischer Natur sei. wie die Füllenlähme, während Haubner die Lähme, den Rheumatismus und die Gelenkentzündung bei jungen Thieren als besondere Krankheiten unterschied. Dagegen dachte Spinola, daes die Lähme in ihrer Formverschiedenheit ein auf skrophulösem Boden wurzelnder Rheumatismus sei und dass nach dem Grad der skrophulösen Diathese und der Mächtigkeit der rheumatischen und einiger anderen mehr zufälligen Einflüsse die Krankheit sich verschieden gestalten könnequot;.
So befremdlich diese Ansichten der älteren Autoren über die Lähme der neu
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#9632;#9632;
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214nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und [ntoxicationskiankheiton.
geborenen Thiere gegenwärtig orscheinon, so basirten dieselben doch auf den zu den betreffenden Zeiten massgebenden Lehren der medicinisohen Wissenschaft. Auch wurde allseitig hervorgehoben, dass das Wesen der Lähme nicht genau bekannt sei.
Nachdem B o Uingor die Infection der Nabelvone und die hierdurch veranlassten Krankheiten der Organe bei den Fohlen boschriebon hatte, ergab die sorgfältige Untersuchung der Krankheitsfälle bei Kälbern in der thierärztliohen Praxis und in den Schlachthäusern die Uebereinstimmung in der Aetiologie und Pathogenese der Füllen- und Kälberlähme. Danach sind der ,,Lähme der Kälberquot; nur diejenigen Krankheiten begrifflich zu unterstellen, welche aus einer eiterigen oder septischen Infection der Nabelvene hervorgehen.
Dagegen können zur Lähme nicht mehr gerechnet werden: die constitutionello Schwäche (Lobonsschwäche) der neugeborenen Kälber und der Magen-Dannkatarrh.
Aetiologie. Obgleich die Mikroorganismen, welche die Infection des Nabels und der Naboivcnc bei Kälbern verursachen, noch nicht speciell studirt sind, so ist doch mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass die gewöhnlichen Eitererreger (Staphylokokkcn und Streptokokken) die Erkrankung herbeil'ühron. Ohne die Ansiedelung der Infectionsstoffe in der Nabelwunde kann demnach die Krankheit nicht entstehen. Es dürfte aber kaum zweifelhaft sein, dass die Virulenz des Tnfectionsstoffes nicht immer gleich ist. Inwieweit hierbei andere Mikroorganismen ausser den Eitererregern mitwirken, lässt sich nicht mit Bestimmtheit entscheiden.
Begünstigt wird die Infection, wenn die Nabelstrangscheide bei der Geburt der Kälber dicht an dor Bauohwand abgerissen ist. Dazu kommt als weiteres ätiologisches Moment die Conservirung der Infectionsstoffe in den Kuhställen, welche neben anderen Umständen, besonders durch das Zurückbleiben und Abfaulen der Eihäute, sowie durch die katarrhalischen Scheidcndejecte bei Kühen, die frisch gekalbt haben, bedingt wird. Schon Wirth hat beobachtet, dass in einzelnen Ställen mehrere Jahre hintereinander die neugeborenen Kälber von der Lähme befallen wurden und dass die Krankheit sich nicht mehr zeigte, als durch vollständige Erneuerung des Fussbodens für eine grösscro Reinlichkeit und Trockenheit der Ställe gesorgt war.
Die Empfänglichkeit für die Infection vergrössort sich durch die constitutionello Schwäche mancher Kälber. Indess entsteht die Krank-gt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; heit aber auch nicht selten bei Kälbern, die gleich nach der Geburt
gesund und kraftvoll erscheinen.
Pathogenese. Die wesentliche und nächste Ursache der eiterig-septischen Nabelvcnenentzündung liegt in der Infection der Nabelwunde. Es entsteht eine eiterige oder septische Omphalitis, welche auf das perivasculärc Bindegewebe und von hier aus auf die Nabelvone übergreift. Der Prozess setzt sich zuweilen von der Nabelvene auch auf
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Kälberlähme.
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die nächstgelegene Bauchfellportion fort, welche mit den Eingeweiden verklebt. In der Nabelvene kann sich vor der Einmündung in die Pfortader ein Thrombus bilden, so dass die Phlebitis umbilicalis lokal bleibt und zur Eiterung bezw. zur Entstehung von Eiterabscessen in der Vene führt. Oft gelangen aber die pyogenen Mikroorganismen aus der Nabelvene in die Lebercapillaren und nicht selten in die hintere Hohlvene. Durch den mit der Blutcirculation bewirkten Transport derselben entstehen in den Lungen metastatische Eiterherde. Wenn die Eitererreger mit dem Blutstrora die Lungencapillaren passiren, so können dieselben in den Gelenken, Sehnenscheiden und ßursen, sowie in anderen Organen mehr oder minder schwere metastatische Entzündungsprocesse hervorrufen.
Mit der eiterigen ist oft die septische Infection verbunden. Dann kommen in der Regel gleichzeitig an mehreren Gelenken septische Entzündungsprozesse und daneben in zahlreichen Organen die Folgezuständo der allgemeinen Sepsis zur Ausbildung.
An den mannigfachen LocalafFectionen coneurriren demnach die eiterigen und die septischen Prozesse. Je mehr der septische Character der Infection prävalirt, um so schneller und gefährlicher gestaltet sich der Krankheitsverlauf. Dagegen kann beim Vorherrschen der eiterigen Infection die Krankheit mehrere Wochen, selbst l bis 2 Monate lang dauern und durch Abkapselung der metastatischen Eiterherde zur Genesung führen.
Seetionsbefund. Bei der Mannigfaltigkeit der Folgen, welche die Nabelvenen-Infection haben kann, liefert, die Autopsie sehr ungleiche Ergebnisse. Die Haut am Nabel erscheint gewöhnlich beuteiförmig erweitert; in der Subcutis entzündliche Schwellung oder Eiterung. Nabelvene finger- bis daumendick vergrössert, stellenweise oder in der ganzen Ausdehnung eine eitrige oder missfarbige Materie enthaltend. Letztere hat in manchen Fällen einen üblen Geruch. Die Nabelvene ist oft durch einen Thrombus von der Pfortader abgeschlossen. Mitunter sind Harnblase und Nabelarterie im Nabel mit der Nabelvene verklebt.
In der Leber mitunter ein oder mehrere Abscosse mit schmutzigem Eiter. Auch die Lungen enthalten nicht selten Abscesse und zuweilen werden daneben die Veränderungen einer diffusen eiterigen Bronchitis gefunden. Hat die Krankheit längere Zeit bestanden oder sind die Kälber genesen, so finden sich die Abscesse in der Leber, in den Lungen oder auch in anderen Organen mit einer Kapsel umkleidet.
Bei metastatischer multipler Gelenkentzündung sind die betreffenden Synovialsäcke (Sprunggelenk, Knieschoibenbursa, Sehnenscheiden an den
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216nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections-und Intoxicatlonskrankheiten,
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Fesselgelenken) erweitert und mit eiterigem oder jauchigem Entzündungs-product gefüllt. Zuweilen Abscesse und jauchige Zerstörungen in der Muskulatur.
Verläuft die Krankheit innerhalb weniger Tage tödtlich, so zeigen die Organe die Folgen der aligemeinen Sepsis. Wirth constatirte hierbei im Gehirn eine Leptomeningitis serosa.
Synptome. Schwellung des Nabels, aus welchem zuweilen eine geringe Menge eiteriger oder missfarbener Flüssigkeit sich entleert. Allgemeine Ermüdung, Mangel an Appetit und in schweren Fällen vollständiges Verweigern des Saugens oder des Trinkens der Milch. Schmerzhafte Schwellung der Gelenke (Fessel-, Vorderfusswurzel-, Knie-, Sprunggelenke etc.) an einer oder an mehreren Gliedmassen. Die Thiere können sich nur mit Mühe stehend erhalten oder gar nicht vom Boden erheben. Bei der Erkrankung der Gelenke oder Sehnenscheiden halten die Kälber die betreffenden Gliedmassen steif. Benommenheit des Sen-soriums; vermehrte Herzschlagfrequenz; Fiebertemperatur und dyspnoi-sches Athmen mit Klagelauten. Verzögerte Darmentleerung; mitunter Diarrhöe. Bei tödtlichem Ausgang zuletzt allgemeiner Collaps.
Die eiterige Infection mit Abscessbildung bedingt weniger schwere Symptome, als die allgemeine Sepsis. Nicht selten zeigen sich zunächst ausser der Schwellung und Eiterung am Nabel keine erhebliche Störungen des Allgemeinbefindens. Indess gedeihen die Kälber weniger gut und der Appetit ist gering. Beim Aufstehen strecken dieselben den Körper oder einzelne Gliedmassen.
Verlauf: Dem geschwollenen und nässenden Nabel wird oft keine besondere Bedeutung beigelegt. Die Störung im allgemeinen Verhalten der Thiere beginnt innerhalb der ersten beiden Lebenswochen. Die septische Infection führt meist schon nach 1 bis 2 Tagen zum Tode. Dagegen kann bei der Ausbildung von Abscessen in der Leber oder in den Lungen die Krankheit sich auf 1 bis 2 Wochen ausdehnen. In einzelnen Fällen schleppt sich die Krankheit mit unrcgelraässigom Verlaufe 1 bis 2 Monate hin. Durch Abkapselung der Eiterabscesse erfolgt nicht selten die Heilung. Jedoch bleiben solche Kälber oft eine Zeitlang im Nährzustande zurück. Später erholen sich dieselben vollständig und es werden oft bei der Schlachtung gut genährter Kälber abgekapselte Abscesse in der Leber und in den Lungen als Folgezustände eines Eiterherdes in der Nabelvene gefunden.
Diagnose. Von den Wirkungen der eiterigen und septischen Infection der Nabelvene ist zu unterscheiden die einfache Nabelentzündung (Omphalitis), die von den Laien gewöhnlich als feuchter, nässender
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Kälberlähme.
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oder hohler Nabel bezeichnet wird. Hierbei besteht lediglich eine Schwellung des Nabels mit Entleerung einer eiterigen Flüssigkeit, welche besonders beim Druck gegen den Nabel hervortritt. Die Nabelentzündung heilt sehr oft, ohne dass eine Infection der Nabelveno erfolgt ist. Das wichtigste Merkmal für die Diagnose liegt darin, dass bei der Nabelentzündung keine erhebliche Störung im Allgemeinbefinden der Kälber eintritt.
Die Schwellung der Gelenke kann leicht verwechselt werden mit den Beschädigungen, welche die Kälber bei Schwergeburten an den Gliedmassen erleiden, oder mit Quetschungen durch Treten der Kühe. Aber auch bei solchen Beschädigungen, die übrigens in wenigen Tagen heilen, fehlt der Appetitmangel.
Endlich ist bei der Diagnose auf das Vorkommen des einfachen Magenkatarrhs bei jungen Kälbern Rücksicht zu nehmen. Wenn aber kein nachweisbarer Grund vorliegt zur Annahme dieser Erkrankung, so erregt der mangelhafte Appetit mit der allgemeinen Ermüdung bei Kälbern in den ersten Lebenswochen stets den Verdacht, dass ein Eiterherd in der Nabelvene besteht. Dabei kann der Nabel vernarbt oder eiterig entzündet sein.
Prognosis. Dass die septische Infection gefährlicher verläuft, als die eiterige Nabel Venenentzündung, wurde schon wiederholt bemerkt. Wenn die Kälber innerhalb der ersten 5 Lebenstage unter Appetitmangel, allgemeiner Ermüdung und Schwellung der Gelenke (Polyarthritis septica) erkranken, so gehen sie gewöhnlich zu Grunde. Bei langsamer Entwickelung und späterem offensichtlichen Eintritt der Krankheitserscheinungen erfolgt oft durch Abkapselung des Eiterherdos in der Nabelvene oder der seeundären Abscesse in der Leber und in den Lungen die Heilung. Im Allgemeinen ist aber jeder Krankheitsfall von vornherein ungünstig zu beurtheilen. Von den septisch inficirten Thieren kann das Schlachtfleisch nicht verwerthet werden.
Therapie. Die Behandlung schwerer Krankheitsfälle ist erfolglos, wie sich aus der Pathogeuese von selbst ergiebt. Wirth empfahl den kranken Kälbern alle '23 Stunden 30 Tropfen Salzsäure in Chamillen-infusum zu geben. Auch Spirit, sulfur, aether, und Kampfer (Oleum camphoratum 3,0 bis 5,0 subeutan) sind für die innere Medication geeignet.
Wirksamer ist die Localbehandlung des Nabels. Dieselbe verspricht um so mehr, je früher sie eingeleitet wird. Zweckmässig ist die zweistündlich zu wiederholende Waschung der Nabelgeschwulst mit Burow-scher Lösung unter Zusatz von Kampfer (Plumb, acet, crud. 200,0, Alumen crud. 100,0, Camphor 20,0. Davon 1 Esslöffel voll in einer Weinflasche Wasser). Daneben 3mal täglich die Ausspritzung des
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218nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
feuchten Nabels mit Carbolwasser, Lysol-, Ichthyol- oder Creolinlösung (5: 100) oder mit einem anderen desinficirenden Medicament.
Fluctuirende Geschwülste an den Gelenken sind zu öffnen und ebenso wie die etwa spontan aufgebrochenen Sehnenscheiden- und Ge-lenkabscesse mit desinficirenden Mitteln zu behandeln.
Den grössten Werth hat die Prophylaxis, für welche sich die thun-liche Reinhaltung des Kuhstalls, Uebertünchung der Stall wände mit Kalkmilch und Erneuerung des Pussbodens, soweit derselbe nicht aus dichtem Pflaster besteht, empfiehlt. Anderseits ist darauf zu halten, dass bei der Geburt der Kälber der Nabelstrang sachgemäss abgebunden wird. In der ersten Lebensvvoche des Kalbes soll ausserdom der Nabel, der gewissermasson eine offene Wunde darstellt, durch eine geeignete aseptische Behandlung vor der Infection geschützt werden. Zu diesem Zwecke erscheinen die ßepinselung des Nabelstranges mit Sulfo-Carbol-säüre und Waschungen des Nabels mit Decoctum Gort. Quercus oder Bu row'scher Lösung unter Zusatz von Kampfer passend.
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Capitel XX.
Blutfleckciikrankheit. Morbus maculosus.
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Erst in den letzten Jahren sind in der Fachliteratur einige genauer festgestellte Krankheitsfälle über das Vorkommen des Morbus maculosus beim Rinde mitgetheilt worden. Früher wurde die Krankheit als eine Art des Typhusquot; oder des typhösen Fiebersquot; gedeutet. Dass diese Bezeichnung un/.utreffend ist, habe ich Bd. I. zweite Aufl. S. 418 eingehend motivirt. Gerlach (Magazin von Gurlt und Hertwig XX. S. 276) gedenkt der Krankheit unter dem Namen: spontane Blutgesohwülsto von ödematösem Characterquot;.
Ob der Morbus maculosus des Rindes mit der gloichbenannten Krankheit des Pferdes identisch ist, lässt sich gegenwärtig noch nicht mit objeetiver Sicherheit entscheiden. Jedoch sprechen viele Gründe dafür, dass das bedingende Moment beider Krankheiton wesentlich gleich ist. Im Ganzen scheint das Leiden nicht häufig vorzukommen. Das Rind ist auch den zahlreichen protopathischen LocalafTectionon, welche beim Pferde zur Entwiokelung des Morbus maculosus führen, weniger unterworfen. Soweit die Symptome und Sectionsbefundo ergeben, scheint beim Rinde die idiopatlüsche Entstehung der Krankheit die Regel zu sein. Nach dem Character des Morbus maculosus ist anzunehmen, dass die Ausbildung desselben auf einer speeifi-schen Infection beruht, mit welcher eine toxische Substanz erzeugt wird, die nach ihrer Resorption durch die Wirkung auf die Capillargefässe das Zustandekommen der
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Blutfleckenkrankheit.
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kleinen oder grösseren blutigen Herde (Blutflecke, Petechien, Sugillationen, Extra-vasate) bedingt. Indess ist der Infectionsstoff noch nicht isolirt und künstlich cultivirt worden, so dass sich eine wissenschaftlich erschöpfende Darstellung der Theoria morbi nicht ermöglichen lässt.
Beim Morbus maculosus des Menschen fand Kolb (Arb. aus dem Kaiserl. Gesundheitsamt 1891. Bd. VII; Ref. von Kitt, Monatsh. für prakt. Thierh. 111. 1892. S, 275) einen als Bacillus haemorrhagicusquot; bezeichneten Mikroben von l2fiu Länge und 0,8 /i Breite, mit abgerundeten Enden, meist zu zweien aneinander hängend und oft längere Scheinfäden bildend. Der Bacillus war nachweisbar mit Methylenblaufärbung in Schnitten aus der Milz, den blutig infiltrirten Lymphdrüsen, der Leber, den Nieren und den Blutflecken der Haut. Das Blut dor Kranken enthielt die Bacillen nicht. In Gelatineplattencultur bildeten sich bei Zimmortomperatur schon am 2. Tage hyaline Pünktchen, deren Wachsthum am 6. bis 7. Tage sistirte. Auch auf Kartoffeln, in Agar und Blutserum wächst der Bacillus. Temperatur-Optimum zwischen 30 und 36deg; C. Sporen und Dauerformen wurden nicht beobachtet. Die Verimpfung von frischem Material aus Leber, Milz und Herzblut gestorbener Personen hatte bei weissen Mäusen und Kaninchen eine tödtliche Erkrankung zur Folge. Auch nach der Injection flltrirter und sterilisirter Culturen gingen Mäuse unter dem Bilde der Blutfleckenkrankheit zu Grunde. Kaninchen starben nach der Einverleibung relativ grosser Dosen (über 1 com Bouilloncultur).
Gleichbedeutend dem Morbus maculosusquot; sind die in der Modicin neben demselben verwendeten Termini Purpuraquot; und Poliosisquot;. Indess umfasst der Begriff derPurpuia (von ijiroQifvon, die Purpurschnecke) alle Arten und Formen der Blutflecke bei den verschiedensten toxischen und infectiösen Krankheiten, so dass als ein Synonymum des Morbus maculosus nur die Purpura haemorrhagicaquot; betrachtet wird. Da aber jode Purpura hämorrhagisch ist, so ist diese Krankheitsbezeichnung, wie Strümpell bemerkt, eigentlich unpassend.
Aetiologta und Pathogenesc. Das Atrium dor Infection ist bisher nicht festgestellt worden. Es scheint, dass der Infectionsstoff in die Schleimhäute und in die äussere Haut eindringen kann und dass entzündliche Zustände in diesen Organen die Ansiedelang der speeifischen Mikroben begünstigen. Die Krankheit wird bei jungen und älteren Thieren, vorwaltend aber bei Kühen beobachtet, und zwar sowohl während der Trächtigkeit als nach dem Abkalben.
Sehr wahrscheinlich wird durch die Vegetation des Infectionsstoffs eine toxische Substanz erzeugt, welche durch Resorption in die Blut-circulation gelangt und bald in wenigen, bald in zahlreichen Organen durch eine Läsion der Capillargefässe die Ausbildung kleiner oder grösserer blutiger Horde veranlagst. Vorwaltend entstehen die blutigen Horde in der Schleimhaut der Luftröhre und der Rachenhöhle, ferner in der Unterhaut an den Gliedmassen und unter dem Bauche, am Flotz-raäul, in der Nasenschleimhaut, der Conjunctiva, der Skeletmuskulatur, der Magen-Darmschleimhaut, in der Wandung des Uterus und in den serösen Häuten. Nicht selten kommen auch stärkere Blutungen in den
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220nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxioationskrankheiten.
Darm, in den Bauchfell- oder Brustfellsack und in den Herzbeutel vor. Wie beim Morbus maculosus der Pferde, sind aber auch beim Rinde nicht in jedem Falle sämmtliche empfängliche Körpertheile von den Blutungen betroffen.
Symptome. Die Ansiedelung des Infectionsstoffes an sich scheint keine Krankheitserscheinungen zu veranlassen. Mit dem Eintritt der Blutflecke zeigen die Thiore eine allgemeine Ermüdung, wechselnde Fresslust und in schweren Fällen vollständigen Appetitmangel. Die Bluttemperatur im Mastdarm ist gewöhnlich normal, im weiteren Verlauf der Krankheit zuweilen um 1,01,5quot; erhöht. Pulsfrequenz von 80 bis 100 Schlägen, Dyspnoe mit 25 bis 40 Athemzügen in der Minute. Blutflecke (hanf-korn- bis erbsengrosse Petechien) in der Schleimhaut der Nase und der Augen, sowie an den Lippen. Blutextravasatc im Euter oder in der Subcutis (ödematöse Geschwülste), an den Gliedmassen, unter dem Bauche und am Halse. Wenn blutige Herde in den Muskeln entstehen, so bekunden die Thiere beim Gehen und Stehen heftige Schmerzen. Frank (Spoyer) hat einen Krankheitsfall beschrieben (Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. XVI. S. 136), bei welchem die hochtragende Kuh als erstes Symptom eine Lahmheit auf dem linken Hinterfusse in Folge des am Hüftgelenk entstandenen blutigen Herdes bekundete. Nach Einstichen in die Hautgeschwulst entleert sich flüssiges Blut, welches an der Luft gerinnt. Frank beobachtete, dass Fliegenstiohe am Euter stark nachbluteten. Bei anhaltendem Liegen wird die Haut an den Blutdecken nekrotisch.
Serös-hämorrhagischo Dejection aus der Nase, in einzelnen Fällen Hustenreiz und zuweilen Entleerung von diarrhoischen und blutigen Darm-exerementen. Den Harn fand Robert (Dresd. Bericht 1891, S. 76) eiweisshaltig und sauer reagirend. Das Bewusstsein ist nicht herabgesetzt; aber manche Thiore bekunden in Folge des Blutverlustes starken Verfall der Kräfte.
Verlauf. Der Regel naeh beendet der Morbus maculosus des Rindes seinen Verlauf innerhalb 8 bis 12 Tagen. Mitunter gehen die Thiere durch grosso Blutverluste, insbesondere durch eine Blutung in den Darm aber schon in den ersten Krankheitstagen schnell zu Grunde. Oft ist der Verlauf unregelmässig; die Blutflecke in der Unterhaut und in den Schleimhäuten können zurücktreten und sich nach 1 bis 3 Tagen von Neuem wieder einstellen. An der äussoren Haut treten in einzelnen Fällen keine Schwellungen ein; trotzdem kann das Leiden in hohem Grade bestehen. Der tödtliche Ausgang ist eine Folge des Blutverlustes, Bei anhaltendem Liegen der Thiere wird derselbe durch die
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Blutfleokenkrankheit.
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Insufficienz der Athmung und durch Docubitus beschleunigt. Die Genesung erfolgt ohne Nachkrankheit meist innerhalb weniger Tage.
Seetionsbcfund. Serös-blutige Transsudate in der Bauch- und Brusthöhle, zuweilen auch im Herzbeutel. Kleinere und grössere Petechien im Peritoneum und in der Pleura, in der Schleimhaut der Nase, besonders in den unteren Partien, in der Rachenhöhle, der Luftröhre, der Magendarm Schleimhaut, der Gallenblase, im Uterus und in der Harnblase. Blutergüsse resp. blutige Herde in der Subcutis, im Euter, im intermuskulären Bindegowebe von geringer bis sehr grosser Ausdehnung. Im Darmkanal zuweilen dünnflüssiger, blutiger Inhalt. An den Lippen können die Blutflecke durch Mortification der Schleimhaut ulcerös sein.
Diagnose. Die Feststellung des Morbus maculosus ist von dem Befunde blutiger Herde (Petechien, Vibices, Ecchymosen, Tupfen, Sugilla-tionen und grösserer ßlutgeschwülste) abhängig. Soweit diese Erscheinung bei lebenden Rindern nicht bemerkbar ist, kann demnach nur der Sectionsbefund die Diagnose sicher stellen.
Es ist daher bei der Peststellung dor Krankheit auf diejenigen Affectionen Rücksicht zu nehmen, welche Blutgeschwülste in der Unterhaut und in dem Zwischenbindegewebe der Muskeln, sowie Petechien in den Schleimhäuten und an den serösen Häuten herbeiführen können.
Vom Milzbrand unterscheidet sich der Morbus maculosus durch das Fehlen des Fiebers im Initialstadium und durch den weniger schnellen Verfall der Kräfte. Bei der Section wird auch keine Milzschwellung gefunden. Entscheidend ist ausserdem das Ergebniss der bakteriologischen Untersuchung bezw. der Impfversuohe.
Petechien und blutige Unterlaufungen in der Luftröhrenschleimhaut und an den serösen Häuten worden bei der Section von Rindern gefunden, welche an Hcrzapoplexie, an der spontanen oder consecutiven Sophthämie oder an narkotischen Vergiftungen zu Grunde gegangen sind. Man trifft ausserdem kleinere und grössere Petechien (asphyktische Flecke) an den serösen Häuten bei der Section von Rindern, welche an den verschiedensten Krankheiten gelitten haben und suffocatorisch verendet sind. Nichtsdestoweniger ist das Zusarcmentrefl'en von Petechien in der Nasen- und Luftröhrenschleimhaut mit zahlreichen blutigen Herden in mehreren anderen Organen, besonders in der Unterhaut, bei der Abwesenheit einer anderen selbständigen Krankheit für die Diagnose ausreichend.
Prognose. Im Voraus ist der Ausgang eines Krankheitsfalles mit Sicherheit nicht zu bestimmen. Leichte Fälle können sich innerhalb eines Tages verschlimmern und in schweren Fällen tritt zuweilen schnell ein Nachlass der bedenklichen Symptome ein. Nach ihrem Gesammt-
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222nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten.
character ist aber die Krankheit der Regel nach ungünstig zu heurtheilen. Als Norm für die Prognose der einzelnen Fälle ist die Frequenz und Qualität des Pulses zu beachten. Zunehmende Herzschwäche (frequenter, kleiner Puls) deutet auf das Bestehen einer grossen Lebensgefahr, besonders wenn der Patient zugleich beschwerlich athmet und Schmerz-erapfindung äussert.
Therapie. Nach der Erfahrung bei der Behandlung der am Morbus maculosus leidenden Pferde ist die intratracheale Injection von Lugol-scher Jodlösung empfehlonswcrth (vgl. Bd. T. 2. Aufl. S. 439). Von dem Präparat (Jodum 1, Kalium jodatum 5, Aqua destill. 100 bis 200) sind täglich 1 bis 2 mal 30 Gramm zu injiciron. Leicht ist die Injection, wenn vorher durch die Haut vor der Luftröhre ein Schnitt von 2 Otm. Länge applicirt wird. Huber (Göring's Wochenschr. f. Thierh. 1891) fand die Jodbehandlung wirksam. Im Uebrigen lässt sich nur eine symptomatische Our einleiten, für welche Schwefelsäure oder Salzsäure (1 Esslöffel voll in 1 Flasche Wasser mehrmals täglich) sich empfehlen. Gegen die Diarrhöe ist innerlich Decoctum Oort. Quercus oder Tannin (5,0 in einer Flasche Wasser) zu versuchen; ausserdem empfehlen sich Eingüsse in den Mastdarm von warmem Mehlwasser. Die Blutgeschwülste der Unterhaut werden mit adstringirenden Waschungen (Burow'sche Ijösung oder Essig und Wasser oder Alaunlösung) behandelt.
Daneben ist die zweckmässige Unterbringung der kranken Thiere, sowie die häuOge Verabreichung von frischem Trinkwasser und schmackhaften Futtermitteln anzuordnen.
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Capital XXI. Ansteckendlaquo; bösartige Seheidcnciitzüiuluiig. Kolpitis perniciosa.
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Wie häufig die als Stallsenche auftretende bösartige Schoidenentziindungquot; der Külie vorkommt, lässt sicli aus der Fachliteratur nicht nachweisen. Ausser der von mir veröffentlioliten Beobachtung (Berl. thierärztl, Wochenschr. 1891. S. 347) ist bisher von dem Auftreten dieser gefährlichen und sehr ansteckenden Krankheit Nichts bekannt geworden. Im Frühjahr 1891 constatirte 'ich, dass in dem Gehöfte eines Bauerngutsbesitzers im Kreise Osthavelland der vorhandene Viehstand (14 Kühe) und 4 Wochen später auch die neu angekauften 7 Kühe durch die bösartige Scheiden-
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Ansteckende bösartige SoheidenentÄündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'223
entzündung vollständig aufgerieben wurden. Die Krankheit übertrug sich auch auf 3 Stutpferde, von welchen eins zu Grunde ging und zwei genesen sind; das auf dem verseuchten Gehöfte befindliche zweijährige Hengstfohlen wurde nicht angesteckt. Die nachstehende gedrängte Darstellung der Krankheit basirt auf den hierbei von mir bewirkten Feststollungen. Hinsichtlich der Verbreitung der Seuche auf die einzelnen Thiere des Viehbestandes verweise ich auf meinen Bericht (1. c), in welchem die üebertragung des AnsteckungsstofFes ausführlich geschildert ist.
Aetiologie und Pathogenese. Die Ursache der Krankheit beruht aus-schliesslich in der Ansteckung. Es werden tragende und nicht tragende, frischmiiehende und altmilchende Kühe gleich leicht inficirt. Dass auch Bullen oder Ochsen von der Krankheit befallen werden, ist nicht bekannt, aber unwahrscheinlich. Denn der pernieiöse Krankheitsprocess kommt nur in der Scheide resp. dem Scheidevorhof, niemals im Mastdarm zur Entwickelung. Auch blieb in dem von mir beobachteten Falle das Hengstfohlen gesund, obwohl es der Ansteckung ebenso, wie die erkrankten Stuten ausgesetzt war. Vielleicht besitzen junge Kälber auch keine Empfänglichkeit für das Contagium.
Der Ansteckungsstoff ist nicht bekannt, dürfte aber zu den facul-tativen Parasiten gehören. Wahrscheinlich findet derselbe im Streumaterial günstige Bedingungen zu seiner Vegetation. In dem erwähnten Falle habe ich angenommen, dass das Seggeheu (Heu von Halb- oder Riedgräsern), welches zum Theil verschimmelt und deshalb als Einstreu vorwendet war, den AnsteckungsstolF enthalten hat. Von einem kranken Thier überträgt sich das Contagium auf die Scham gesunder Kühe durch nahe Berührung oder mittelbar durch das Putzgeschirr sehr leicht.
Vulnerabei für das Contagium ist die Schleimhaut der Scheide. Die Incubationszeit desselben dauert nur 1 bis 2 Tage, vielleicht in einzelnen Fällen etwas länger. An den Stellen der Vorhof- und Scheidenschleimhaut, wo sich das Contagium ansiedelt, entstehen Entzündungsherde von dem Umfang einer Haselnuss bis eines Hühnereis. Daneben entwickelt sich ein hämorrhagischer Katarrh in der Scheide und bei tragenden Kühen auch im hinteren Abschnitt des Uterus. Der Ansteckungsstolf gelangt durcli die Lymphbahnen in das umgebende Bindegewebe der Scheide und in die Wandung des Uterus, sowie in das Peritoneum und erzeugt durch seine speci-fischo Wirkung auf die Capillargefässe eine mehr oder minder schwere und oft tödtliche Blutung. 1st die Blutung in die Bauchhöhle nicht erheblich, so kommt nach wenigen Tagen eine exsudative, (ibrinöse Peritonitis zur Ausbildung. An den Entzündungsherden der Vaginalschleimhaut tritt im Vorlaufe weniger Tage Necrose ein, worauf die Herde durch dissociremlo Eiterung abgestossen werden.
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224nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Inloxicationskrankheiten.
Symptome und Verlauf:
1)nbsp; Oertliche Erscheinungen: Schwellung der Scham; Stehen mit gekrümmtem Rücken und häufiges Drängen auf die Gehurtswege; blutige Scheidendejection; der Schwanz wird vom After entfernt gehalten; die Schwanzrübe kann mit schmutzig gefärbten Blutkrusten verklebt sein; streifige oder fleckige und punktförmige, sowie fahlrothe Färbung der Schleimhaut des Scheidenvorhofs. In Folge starker Schmerzempfindung in den Geburtswegen oder im Peritoneum zeigt sich Drängen mit der Bauchpresse und dumpfes Stöhnen oder lautes Klagen bei jeder Exspiration.
2)nbsp; Allgemeine Symptome: Muskelzittern an den Flanken und an der Schulter; Abnahme der Milchsecretion bei Milchkühen; Appetitmangel und Verlangsamung oder Sistirung der Rumination. Puls 60 bis 70, Respiration 18 bis 25mal in der Minute; Temperatur 39,5 bis 40,5.
3)nbsp; Complication mit Blutung in die Bauchöhle: Frequenter, leerer Puls, lOOmal und darüber in der Minute; Anämie der Kopfschleimhäute; Versiegen der Milch bei Milchkühen; Verweigerung der Futieraufnahme; anhaltendes Liegen und Unvermögen aufzustehen; dys-pnoisches Athmen mit starken Klagelauten; Verfall der Kräfte.
Der Verlauf erstreckt sich auf 2 bis 10 Tage. Bestimmend für die Dauer der Krankheit innerhalb dieser Frist ist die geringe oder grössere Blutung in die Bauchhöhle. Bei den Kühen, welche erst am 4. bis 10. Tage zu Grunde gehen, ist das Befinden an einzelnen Tagen besser, als an anderen. Sind die erkrankten Kühe hochtragend, so erfolgt durch das anhaltende Drängen auf die Geschlechtstheile die Geburt des Kalbes.
Autopsie. Ausser den in der Pathogeneso hervorgehobenen Zuständen in der Schleimhaut der Scheide und des Vorhofs gehört zu den con-stantcn Befuiulen eine geringe oder grössere Quantität von Blut in der Bauchhöhle. Dasselbe ist thoils llüssig; theils haften Blutgerinnsel an der Gebärmutter, dem Magen, dem Darm oder dem Netz. Beim Verblutungstod findet sich daneben die Anämie in allen Organen. In der Umgebung der Scheide und der Wandung der Gebärmutter kleinere oder grössere Blutextravasate. Plat neben einer relativ geringen Blutung in die Bauchhöhle eine Peritonitis bestanden, so wird bei der Section der gestorbenen Kühe die Gebärmutter mit einzelnen Theilen des Dünndarms verklebt gefunden; ausserdem enthält die Digestionsschleimhaut asphyk-tisohe Flecke.
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Ansteckondo bösartige Schoidonent'/.iinduiig.
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Prognose. Durch die bei Kühen ziemlich constante Complication mit einer Blutung in die Bauchhöhle hat die pernieiöse Kolpitis in den meisten Fällen einen tödtlichen Verlauf. Bei der Leichtigkeit, mit welcher sich die Krankheit auf gesunde Kühe überträgt, wird dieselbe nach ihrer Eruption aber auch für den ganzen Viehstand des Gehöftes gefährlich.
Therapie. Da nach der Entstehung der Krankheit bis zum Eintritt der Symptome der Ansteckungsstoff von den Lymphgefässen der Vorhofsschleimhaut bereits resorbirt und in die Wandung der Scheide und der Gebärmutter, auch in das umgebende Bindegewebe und auf die Bauchhaut gelangt ist, so kann die desinficirende Localbehandlung der Scheide keinen Vortheil bringen. Auch die Allgemeinbehandlung mit Schwefelsäure und Salzsäure habe ich erfolglos angewandt. Nach dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft erübrigt daher nur die Präven-tiveur. Zu diesem Zwecke sind die nach dem Ausbruche der Seuche noch nicht erkrankten Kühe des Stalles thunlichst bald in einem abgelegenen Raum zu isoliren und mit desinficirenden Waschungen der Scham und Infusionen in die Scheide (Burow'sche Lösung, Carbolwasser) zu behandeln. Unerlässlich ist ferner nach dem Aufhören der Krankheit eine vollständige und sehr gründliche Desinfection des Seuchengehöftes.
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Capital XXII.
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paralyse.
Nur wenige Mittheilungen in der Literatur beziehen sich auf die in der Ueber-schrift bezeichnete Krankheit des Rindes, bei welcher die Lähmung des Schlundkopfes den wichtigsten Theil ausmacht. Daneben besteht eine Paresis der Vormagen. Es ist anzunehmen, dass die Lähmung, welche vorzugsweise den Nervus glossopharyn-geus und den Nervus vagus betrifft, von einer Erkrankung der Medulla oblongata ausgeht. Deshalb lässt sich die Krankheit als Bulbärparalysequot; bezeichnen, obwohl dieselbe nicht identisch ist mit den unter diesem Namen bekannten Krankheiten dos verlängerten Marks bei Menschen (acute, chronische und progressive Bnlbärparalyse).
Der Name der Bulbärparalysis wird in der medicinischen Wissenschaft für die Paralysis glosso-pharyngo-laryngo-labialisquot; dosMenschengebrauchtundauf eine Lähmung der betreffenden Nervenkerne bezogen. Bulbus rachidicusquot; seu Bulbus me-dullaequot; wurde von den älteren Anatomen die Modulla oblongata benannt. Demnach ist unter Bnlbärparalyse eigentlich jede vom verlängerten Mark ausgehende Lähmung zu verstehen.
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Infections- und Intoxicationskrankheiten.
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Als endemische Bulbärparalysequot; bezeichne ich die Krankheit deshalb, weil dieselbe regelmässig bei allen oder doch bei fast allen Thieren eines Stalles auftritt. Vogel(Hering'sRepert. 1869,S. 106)hat die von M aye r in Rottenburg beobachteten Krankheitsfälle beschrieben und als Meningitis boum enzooticaquot; gedeutet. Unter Bezugnahme auf die Abhandlung Vogel's haben Utz (Fuchs thierärztl. Mittheil., 1869, S. 89), Mayor (Repert. 1876, S. 327), Zipperlen (Report. 1877, S. 277) und Deigendesch (Ropert. 1879, S. 268) denselben Namen zurCharacterisirung der von ihnen geschilderten Krankheit verwendet.
Im Dezember 1867 und im März 1868 habe ich in Westfalen Gelegenheit gehabt, die Krankheit zu hehandeln. In einem Stalle befanden sich 11 Kühe, von welchen 10 Stück erkrankten. Bei 4 Kühen verlief die Krankheit tödtlich, die anderen erholten sich. Zur Beurtheilung des damals noch nicht bekannten Leidens wurden auch die benachbarten Kreisthierärzte Bombach (Dortmund) und Woestendick (Witten) zugezogen. Der zweite Fall betraf einen Bestand von 4 Kühen, welche innerhalb 2 Tagen in die Krankheit verfielen und sämmtlich genesen sind.
Aetioiogie und Pathogenese. Die Ursachen der endemischen Bulbärparalyse des Rindes sind vollständig unbekannt. Ebenso, wie Vogel, Mayer, Utz u. A., habe auch ich am Futter, welches die Thiere genossen hatten, keine nachtheiligen oder verdächtigen Eigenschaften finden können. Dass ein erkranktes Rind auf die anderen Rinder des Stalles die Krankheit direct übertragen könne, lässt sich nach den thatsäch-lichen Beobachtungen nicht behaupten, wie ich in Uebereinstimmung mit Vogel anerkenne. Trotzdem ist zu vermuthen, dass in dem Stalle oder im Futter sich ein eigenartiger Infectionsstoff entwickelt, welcher ausserordentlich leicht bei den Rindern haftet. Denn die Krankheitsfälle treten in dem Viehbestände entweder gleichzeitig oder doch innerhalb 2 bis 3 Tagen in die Erscheinung. Bisher ist nicht beobachtet, dass die Krankheit aus einem Stalle in benachbarte Gehöfte verschleppt wird.
So lange die Aetioiogie nicht genauer aufzuklären ist, erscheint die Hypothese der Infection durch eine miasmatische Substanz annehmbar. Für dieselbe spricht die Specifltät und die Uebereinstimmung der Erscheinungen bei allen erkrankten Thieren. Auf welchen Wegen aber der Infectionsstoff in den Körper gelangt und ob derselbe zunächst eine giftige Substanz producirt, welche die Störung bewirkt, lässt sich in Ermangelung einer thatsächlichen Feststellung nicht entscheiden.
Gleich dunkel, wie die Aetioiogie ist die Pathogenese. Muthmass-lich beruht die Causa proxima morbi in einem Toxin, welches in die Blutcirculation gelangt und durch seine specifische Wirkung eine Lähmung des Nervus hypoglossus herbeiführt. Bei der Bildung einer relativ grossen Quantität des Toxins würde die Krankheit einen höheren Grad erreichen können. Thatsächlich ist die Lebensgefahr in den einzelnen
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Endemische Sohlundkopflähmung.
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Fällen sehr ungleich. Manche Thiere erkranken nur leicht, andere dagegen in tödtlichem Grade.
Symptome. Erschwerung des Kauens und Schluckens, Verzögerung der Rumination. Kaumuskeln schlaff, so dass sich das Maul leicht öffnen lässt. Sowohl beim Fressen, wie beim Wiederkäuen werden die Kaubewegungen abnorm langsam vollführt. Auf der Höhe der Krankheit sind die Thiere unfähig zu schlacken (Schlundkopflähmung); die unvollständig gekauten Futterbissen schieben sich neben die Backzähne. Zunge schlaff, paretisch, lässt sich leicht aus dem Maul herausziehen. Trinkwasser vermögen die Thiere zunächst noch in geringer Menge zu verschlucken; vom 8. Krankheitstage an ist in schweren Fällen auch die Aufnahme des Getränkes unmöglich. Starkes Speicheln aus dem Maule. Unruhe, trippelnde Bewegungen mit den Vorder- und zuweilen auch mit den Hintergliodmassen. Später stellt sich allgemeine Schwäche ein, die Thiere erscheinen in den Flanken zusammengefallen. Die Schleimhäute sind blass; Darmexeremente werden nicht mehr entleert. Unvermögen zu stehen; im Liegen wird der Kopf zur Seite oder nach rückwärts gehalten.
Fieber, Pulsfrequenz und Athembeschwerde sind in der Regel nicht vorhanden. Nur in schweren Fällen wird eine Steigerung der Ath-mungsfrequenz beobachtet.
Der Kraukhcitsrerlanf vollendet sich bei den Thieren, die in tödtlichem Grade erkranken, gewöhnlich in 3 bis 5 Tagen. Der Tod tritt unter den Symptomen der Erschöpfung ein. Dauert die Krankheit länger als 5 Tage, so genesen die Thiere allmälig; die volle Gesundung erfordert aber eine Frist von 2 bis 3 Wochen.
Bei der Section finden sich in den Organen nur die Veränderungen, welche den allmälig eintretenden Suffocationstod regelmässig begleiten.
Die Diagnose konnte in der Zeit, in welcher die Krankheit noch unbekannt war, kaum zu ermöglichen sein. Begreiflich ist daher, dass die Thierärzte geneigt waren, die Symptome auf eine Vergiftung zurückzuführen. Durch die sorgfältige Erhebung der Befunde im Beihalt der Thatsache, dass mehrere oder fast alle Thiere desselben Viehbestandes unter gleichen Erscheinungen betrollen sind, wird aber die Erkennung der Krankheit leicht.
Die Prognose ist ungünstig. Schwere Fälle nehmen einen letalen Ausgang. Wenn aber die Thiere sich einige Tage hindurch erhalten, so ist auf einen günstigen Ausgang zu hoffen. Im Wesentlichen hat sich die Prognose nach dem Grade der paralytischen Dysphagie und der allgemeinen Schwäche zu richten. So lange die Patienten noch Brod oder
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Infections- und fntoxicationskrankhoiten.
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Mehltränke schlucken, kann auf ihre Wiederherstellung gehofft werden. Mayer berichtet, dass von 7Kühen eines Bestandes 6 eingingen und die letzte geschlachtet wurde. Nach der Mittheilung von Utz erkrankten von 7 Haupt Rindvieh in einem Gehöfte 3 Kühe, welche in 12 bezw. 14 Tagen gesund wurden, und 1 Ochse, welcher sich erst im Verlaufe von 6 Wochen vollständig erholte. Unter den 11 Kühen eines Bestandes, in welchem ich die Krankheit beobachtete, wurden 10 Stück befallen, von welchen 4 verendet und 6 in 2 bis 3 Wochen genesen sind. Bei den 4 Kühen eines anderen Bestandes trat ein Todesfall nicht ein.
Nach den Berichten von Mayer nnd Deigendesch ist das Schlachtfleisch schwer erkrankter Kühe mehrfach verzehrt worden. Es ist bis jetzt nicht beobachtet, dass solches Fleisch nach dem Genüsse bei Menschen die Gesundheit schädigt.
Therapie. Für die Behandlung der Krankheit lassen sich nach dem gegenwärtigen Stande unseres Wissens nur symptomatische Indicationen befolgen. Tch fand die Application von Brechweinsteinsalbe (Tart. stib. 1 mit Unguent. Cantharidum acre 8 bis 10) auf die Haut der Parotis-gegend an beiden Seiten wirksam; die Dysphagie verringerte sich nach dieser scharfen Einreibung wesentlich. Da den kranken Thieren Medicamente wegen der Schlundkopfparalyse nicht eingegeben werden können, so erscheint zur Förderung der Darmexcretion die subeutane Injection von Physostigmin empfehlenswerth. Gegen die allgemeine Körperschwäche dürfte ferner die subeutane Application von Oleum camphora-tum oder Spt. camphoratus oder Aether angebracht sein.
Zur diätetischen Behandlung empfiehlt sich die öftere Darreichung von Schwarzbrod (Kleiebrod) in Schnitten und Mehlwasser oder anderem schmackhaftem Getränk.
Bei der Unbekanntschaft mit der Aetiologie lässt sich für die Prophylatis eine erfolgreiche Massregel nicht angeben. Mayer hat nach dem Berichte Vogel's (1. c.) beobachtet, dass die Krankheit in einem Gehöfte alle Thiere wegraffte und ein halbes Jahr darauf die neu beschafften und in demselben Stalle untergebrachten Thiere ebenfalls befiel. Mit Rücksicht auf diese Beobachtung dürfte nach dem Aufhören der Krankheit eine Desinfection des Stalles vortheilhaft sein.
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Starrkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;229
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Capitel XXIII.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,.|
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Starrkrampf, Tetanns.
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Aetiologie und Pathogenese. Nachdem Nicolaier (1884) und Rosenbach (1886) experimentell ermittelt batten, dass der Starrkrampf auf einer Infection durch specifische Spaltpilze (Starrkrampfbacillen) beruht, ist die Deutung seines Wesens der hypothetischen Erörterung entrückt. Die historisch interessanten älteren Ansichten über die Entstehung desselben habe ich im I. Bande dieses Lehrb. mitgetheilt. Für die thier-ärztliche Praxis wird dem Tetanus bei Rindern eine geringere Bedeutung beigelegt, als bei Pferden, weil er verhältnissmässig selten vorkommt und die rechtzeitige Schlachtung der kranken Thiere die Verwerthung des Fleisches zulässt. Friedberger (Deutsche Zeitschr. für Thiermed., X. 27) hat die in der Literatur bis 1884 besprochenen Beobachtungen zusammengestellt. Wie bei Pferden der raquo;traumatischelaquo; und der rheumatischelaquo; Tetanus seit langer Zeit auseinander gehalten wurden, so sindnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; !$ auch bei Rindern die Krankheitsfälle theils auf Verwundung, theils aufnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; gt; Erkältung bezogen worden. Eigenartig ist aber die Thatsache, dass beinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;c Kühen in der grossen Mehrzahl der Fälle die Krankheit nach dem Kalben und vielfach bei Thieren, bei welchen die Nachgeburt nicht abge- quot;f gangen ist, ihre Entstehung findet. Ausserdem kann unabhängig vom | Geschlecht und Alter der Rinder die Infection durch Wunden, insbesondere bei der Castration mittels Abbindung der Hodonsäckes oder mittels Ligatur der Saamenstränge herbeigeführt werden. Es sind ferner vereinzelte Beobachtungen darüber gemacht, dass nach Verbrennung der Haut, sowie nach einer Hautverletzung durch den um das Gehörn oder um den Hals gelegten Strick der Starrkrampf entstanden ist. Für wenig glaubwürdig erachte ich aber die Ansicht von Hengst (Dresd. Ber. pro 1885, S. 82), dass die innere Verwundung des Pansens durch einen ^ Drahtnagel die Ausbildung eines Krankheitsfalles vermittelt habe. t
Der Starrkrampf bacillus ist ein ubiquitärer Parasit, der in der Gartenerde und im Fussboden der Ställe vegetirt, in sandigem Boden aber nicht die Bedingungen seines Fortkommens finden soll. Er besitztnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^
eine grosse Tenacität; seine Virulenz soll durch den gleichzeitigen Parasitismus von Eiterkokken in den Wunden noch erhöht werden können.
Mit der Ansiedelung in einer Wunde der Haut oder des Goschlechts-tractus erzeugen die Tetanusbacillen eigenartige Gifte (Krampfgifte), die nach ihrer Resorption durch das Blut in das Rückenmark gebracht wer-
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230nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoilen.
den und den tonischen Krampf der Skeletmuskulatur hervorrufen, von welchem der Starrkrampf seinen Namen hat. Ob diese Gifte, welche ßrieger zuerst dargestellt hat (Tetanin, Tetanotoxin, Spasmotoxin) bei den einzelnen Thiergattungen, die der Erkrankung am Starrkrampf unterworfen sind, in ihrer chemischen Constitution vollkommen übereinstimmen und ob nur eins derselben oder mehrere an der Erzeugung der Krankheit betheiligt sind, ist noch nicht ausgemittelt. Jedenfalls ist aber schon eine äusserst geringe Quantität der giftigen Substanz ausreichend, um den Starrkrampf hervorzubringen. Nach den gegenwärtigen Kenntnissen über das Zustandekommen der Krankheit müssen wir auch in den Fällen, in welchen sich dieselbe bei Kühen nach dem Gebären einstellt, annehmen, dass die Tetanusbacillen in kleine oder grössere Wunden der Scheide oder des Uterus gelangen. Entweder erfolgt die Verunreinigung solcher Läsionen im Geschlechtstractus unmittelbar heim Liegen der Thiere, oder die Bacillen werden mit den verunreinigten Händen der Geburtshelfer übertragen.
Eine wichtige Gelegenheitsursache für den Tetanus liegt auch beim Rinde in der Erkältung. Ich kann nach zwei selbst beobachteten Fällen die Angaben von Voigtländer, Schell und Harms bestätigen, dass der Ausbruch der Krankheit durch den Einfluss der Erkältung wesentlich gefördert wird. Insbesondere ist in dieser Hinsicht eine nasskalte Witterung bei schlecht beschaffenen Stallungen oder auf längeren Transporten in den ersten 10 Tagen nach dem Kalben der Kühe als ein occasioneller Factor in der Aetiologio des Tetanus beizubehalten.
Die Ausbildung des Starrkrampfes bei Kühen, die gekalbt haben, erfolgt innerhalb der ersten 10 Tage, selten vor 4 bis 5 Tagen nach dem Gebäract. Es soll aber noch in der dritten Woche nach der Geburt die Krankheit sich hervorthun können. Bei der Infection von Hautwunden treten die Symptome der Krankheit in einer verschieden langen Zeit (8 Tage bis 4 Wochen) nach der Verwundung hervor. Die Entwicke-lungszeit des traumatischen Tetanus verhält sich demnach beim Rinde nicht anders, als beim Pferde.
Symptome. Gestreckte Haltung des Körpers mit Breitstellung der Gliedmassen, besonders der hinteren, und Aufrichtung oder massiger Seitwärtsstellung der Schwanzrübe; Streckung des Kopfes und Zurückziehen der Unterlippe oder auch des Flotzmauls; brettharte Beschaffenheit der Streckmuskeln am Rücken, Halse und Kopfe; Unvermögen zum vollständigen Ooffnen des Mauls (Trismus), in den höheren Krankheitsgraden förmliche raquo;Maulsperrelaquo;; Derbheit der Zunge; Ab-(liessen des Speichels aus dem Maul; Zurückziehen des Augapfels
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Starrkrampf.
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und Bedeckung desselben mit dem Blinzknorpel beim Emporheben des Kopfes; steife und gespannte Haltung der Ohren.
Pulsfrequenz im Anfange und bei langsamer Ausbildung der Krankkeit mehrere Tage hindurch nur wenig, bei schwerer Affection erheblich beschleunigt; Maxillarpuls schwer fühlbar. Respiration nur bei schwerkranken Thieren beschleunigt, oberflächlich mit Erweiterung der Nasenlöcher und Anspannung der Bauchwand. Temperatur in den ersten Tagen nicht erhöht, später fieberhaft.
Die allgemeine Hyperästhesie zeigt sich nicht im gleich hohen Grade, wie bei den meisten starrkrampfkrankon Pferden; oft fehlt dieselbe ganz.
Magen- und Darmparistaltik verringert, Darmexcremente spärlich. Eutteraufnahme wegen des Trismus sehr erschwert oder unmöglich. Bei schwerer Erkrankung kann auch Getränk nicht mehr verschluckt werden. Wiederkauen erfolgt nur selten oder gar nicht; in Eolge dessen tritt Meteorismus des Pansens ein.
Starrkrampfkranke Rinder können sich auf Antreiben nur mit Beschwerde bewegen und beim Liegen nur mühsam vom Boden erheben, schwerkranke Thiere stehen zuletzt nicht mehr auf.
Der Verlauf ist wie bei Pferden wesentlich abhängig von dem Grade des Trismus; in schweren Fällen gehen die Thiere nach einer Krankheitsdauer von 5 bis 9 Tagen asphyktisch zu Grunde. Die Causa proxima mortis liegt in der Herzschwäche (Trübung und Degeneration des Herzfleisches). Bei leichter Erkrankung genesen die Thiere allmälig in 2 bis 3 Wochen.
Die Obduction der gestorbenen Thiere ergiebt nur die Veränderungen, welche durch die parenehymatöse Erkrankung des Herzens und die Ath-mungsinsufficienz verursacht werden. Bei frühzeitiger Schlachtung der Thiere ist die Substanz der Skeletmuskeln nicht abnorm.
Auch beim Rinde ist die Diagnose des Tetanus universalis leicht; jeder Zweifel bei der Feststellung der Krankheit wird durch die Ermittelung des Trismus beseitigt.
Für die Prognose bleibt die Erfahrung zu beachten, dass die Krankheit bei Rinflern häufiger zur Genesung führt, als bei Pferden. Die Ausbildung des Tetanus bei Kühen nach der Geburt und bei der Retention der Eihäute bringt aber eine grössere Gefahr mit sich, als die Entstehung desselben aus Hautwunden. Friedberger hat bezüglich der erstgedachten Pathogenese aus der Literatur 21 Fälle zusammengestellt, von welchen 4 mit Genesung, 16 mit dem Tode und 1 durch Noth-schlachtung endeten. Dagegen wurden an 14 Rindern, bei welchen der
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Infections- und Intoxioationsltrankheiton.
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Starrkrampf durch die Infection von Hautwunden entstanden war, 10 hergestellt, während 2 starben und 2 geschlachtet wurden.
Therapie. Ein Heilmittel gegen den Starrkrampf giobt es bis jetzt noch nicht. Auch die im letzten Jahre empfohlene Anwendung des Blutserums immunisirtor Thiere hat keinen praktischen Worth für die Behandlung der zum Ausbruch gekommenen Krankheit. Einigen Nutzen kann die desinficirendc Localbehandlung der inficirten Wunden bzw. des Uterus und der Scheide haben. Je schneller beim Hervortreten der Tetanussymptome diese Kur eingeleitet wird, um so mehr ist von derselben zu erwarten. Hautwunden werden zweckmässig mit leichten Aetzmitteln (Sulfo-Carbolsäurc, rauchende Salpetersäure etc.) und demnächst mit Oarbolwasser oder Creolinlösung behandelt. Ist die Krankheit nach dem Kalben entstanden, so erscheint die wiederholte Ausspülung dos Uterus und der Scheide mit warmem Wasser und hierauf die Irrigation mit Creolinlösung oder mit der verdünnten Bu row'sehen Lösung oder einem anderen desinficirenden Präparat angezeigt.
Die aligemeine Behandlung ist auf eine sachgemässe diätetische Pflege zu beschränken; bequemer kühler Standort; häufige Darreichung von frischem Wasser, mit welchem sich die Thiere das Maul ausspülen; Bedecken des Körpers; Eingüsse von warmem Wasser in den Mastdarm zur Förderung der Peristaltik. Die oft versuchte scharfe Einreibung auf den Kücken tetanuskranker Kinder ist ebensowenig berechtigt, wie die Anwendung narkotischer Mittel (Morphium, Chloroform, Aether, Chloralhydrat, Bromkalium), nach welcher das Gesammtbefinden der Thiere sich gewöhnlich verschlechtert.
In den Fällen, in welchen der Trismus einen hohen Grad erreicht oder die Thiere sich nicht stehend erhalten können, ist die zeitige Schlachtung behufs Ausnützung des zwar minderwerthigen aber nicht gesundheitsschädlichen Fleisches anzurathen.
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Capitel XXIV.
Leichte fielierhafte Affcctionen. Febricula. K|ilicmcra. Fcbris diaria.
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Aetiologie. Schnell vorübergehende und unerhebliche fieberhafte Störungen im Gesammtbefinden entstehen bei Kühen und Ochsen nicht ganz selten. Ihre gewöhnlichste Ursache liegt in der Erkältung. Ob-
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Leichte fieberhafte AlTectionennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 233
wohl die Rinder im Allgemeinen gegen die thermischen Einflüsse der Atmosphäre in höherem Grade widerstandsfähig sind, als die Pferde, so reagiren sie doch zuweilen auf dieselben unter den Merkmalen einer fieberhaften Allgemeinkrankheit (raquo;Erkältungsfieberlaquo;), wenn sie im Frühjahr aus einem warmen Stalle auf die Weide getrieben und auf der letzteren auch während der Nächte belassen werden. Bei frisch milchenden Kühen, die durch Stallpllege verweichlicht sind, stellt sich das Erkältungsfieber mitunter ein, wenn dieselben bei nasskalter Witterung einige Stunden im Freien zugebracht haben. Aehnliche Beobachtungen sind auch von Harms (Hinderkrankh. 18(.)0, S. 189) gemacht worden.
Nur in vereinzelten Fällen habe ich bei gut milchenden Stallkühen in den ersten Tagen nach der Geburt eine vorübergehende fieberhafte Gesammtad'ection beobachtet, die sehr wahrscheinlich mit einer Störung der Milchsecretion im Zusammenhang stand, obwohl eine entzündliche Erkrankung des Euters nicht nachweisbar war.
Endlich giebt es auch bei Hindern eine leichte Infection durch Aufnahme von pathogenen Mikroben mit dem Futter, wobei sich Fieber mit Appetitmangel einstellt, ohne dass aus den Symptomen eine materielle Erkrankung der Gastro-lntestinalschleimhaut nachgewiesen werden kann.
Demnach haben die leichten fieberhaften Erkrankungen beim Rinde ebenso, wie beim Pferde einen mehrfachen Ursprung. Ihre Zusammenstellung entspricht lediglich einer Notwendigkeit für die thierärztliche
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Praxis und der Thatsache, dass sich mit den gegenwärtigen Hülfsmitteln
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der Wissenschaft die dill'erente Aetiologie der einzelnen Fälle oft nicht ermitteln lässt,
Symptome und Verlauf. Appetitmangel und Verzögerung oder vollständige Sistirung der Rumination. Stehen mit gekrümmtem Rücken. Rauhes Haar. Muskelzittern an den Flanken und an der Schulter. Abkühlung der Haut. Leichte Röthung dor Conjunctiva Ausfluss von Speichel aus dem Maul. Bei Kühen vermindert sich die Milchsecretion entsprechend dem Appetitmangel. Athmung nicht beschleunigt. Puls-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '*'
zahl massig gesteigert, meist zwischen 5565 in der Minute. Mastdarmtemperatur um 0,5 1,0quot; erhöht. Diese Symptome bleiben 10 bis 20 Stunden, in einzelnen Fällen 2 Tage bestehen, worauf die Thiere wieder Futter annehmen und innerhalb eines Tages vollständig gesunden.
Diagnose. Die Erkennung des einfachen Erkältungsfiebers ist bei Berücksichtigung der Aetiologie nicht schwierig. Als wesentliche Sym-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; [
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234nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
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ptome sind das allgemeine Unbehagen, das Stehen mit gekrümmtem Rücken und das Muskelzittern zu beachten. Weniger leicht ist die Diagnose der aus unbekannten Ursachen entstehenden leichten fieberhaften Affectionen beim Stallvieh.
Zu verwechseln ist die Krankheit mit der einfachen Gastrosis nach dem Genüsse verdorbenen Futters und bei Milchkühen mit einer acuten Enterentzündung. In erstgedaehter Hinsicht entscheidet der Verlauf und gegenüber der Euterentziindung liefert die Localuntersuchung einen genügenden Anhalt. Für die Diagnose sind ferner zu berücksichtigen: der ephemere Nasenkatarrh (Vgl. S. 86) und die Symptome des bösartigen Katarrhalfiebers im ersten Stadium (Vgl. S. 94.).
Prognose und Behandlung. So geringfügig die Febricula beim Rinde ist, so verlangt dieselbe doch zur baldigen Wiederherstellung der wirth-schaftlichen Leistungsfähigkeit der Thiere eine Behandlung. Im Uebri-gen ist die Prognose günstig. Durch sorgfältige Pflege im Stalle, Darreichung von warmem und leicht verdaulichem Getränk, sowie von gutem Heu oder Stroh, Abreiben der Haut mit Spiritus oder Terpentinöl und Bedecken der Thiere wird die Genesung beschleunigt. Wenn daneben eine medicamentöse Behandlung eingeleitet werden soll, so sind erregende und herzstärkende Mittel (schwarzer Kalte mit etwas Rum oder Branntwein, Chamilleninfusum) und beim Bestehen einer verzögerten Darmausscheidung die Neutralsalze (Natr. sulfuricum) angezeigt.
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Capital XXV. Tuberkulose. Perlsucht.
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Bei keiner zweiten Krankheit der Hausthierc sind in der Beurtheilung ihres Wesens und ihrer Beziehungen zu den Krankheiten des Menschen grössere Irr-thümer und Meinungsverschiedenheiten hervorgetreten, wie bei der Tuberkulose des Rindes. Dass dieselbe seit jeher und insbesondere schon im Alterthum beim Hausrinde vorgekommen ist, kann nach ihrer Natur nicht in Abrede gestellt werden. Gleichwohl lässt sich aus den literarischen Quellen nicht schliessen, dass im Alterthum eine Schädlichkeit des Fleisches der kranken Rinder beobachtet worden ist. Der jüdische Gesetzgeber Moses hat im 3. Buche des Pentateuch mancherlei Fleisch, welches ganz unschädlich ist, für ,,unreinquot; erklärt und seinem Volke verboten. Es waren aber nicht blos hygienische, sondern auch politische und religiöse Motive, nach welchen die mosaischen Speisegesetze vorgeschrieben wurden. Wahrscheinlich ist immerhin, dass bei den alten Culturvölkern des Orients neben dem Aussatz und anderen Hautleiden auch die venerischen Krankheiten sehr entwickelt waren und dass die Entstehung derselben in mancherlei Verunreinigungenquot;, namentlich in dem Genüsse des Fleisches kranker Thiere vermuthet worden ist.
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Tuberkulose.
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Offenbar haben die mosaischen Verbote des Genusses von unreinemquot; Fleisch die Beurtheilung der bei den Schlachtthieren vorkommenden Krankheiten, besonders der Tuberkulose des Rindes und der Finnigkeit des Schweines während des Mittelalters wesentlich beeinflusst. In den breiteren Schichten des Volkes fehlte bis vor wenigen Decennien das Verständniss für die Aetiologie der Krankheiten. Deshalb vermochte sich die Ansicht, dass die gonorrhoischen und syphilitischen Affectionen aus der Berührung mit unreinen Thieren hervorgehen könnten, um so leichter einzubürgern, als dieselbe sich der biblischen Ueberlieferung anpassen Hess.
Uralt ist der Volksglaube, dass die widernatürliche Unzucht zwischen Menschen und Thieren (Sodomiequot;) Krankheiten veranlassen soll. Zu Moses' Zeiten scheint das Laster weit verbreitet gewesen zu sein. Denn im 2. Buch Moses Kap. 22, V. 19 und im 3. Buch Kap. 18, V. 23 und Kap. 20, V. 15 und 16 wird für diese bei den Heiden übliche Verunreinigungquot; den Angehörigen des jüdischen Volkes die Strafe der Verfluchung, Ausstossung und Tödtung angedroht.
Unter den christlichen Culturvölkern wurde während des 16., 17. und 18. Jahrhunderts die Syphilis vielfach auf eine Ansteckung der Menschen durch tuberkulöse Rinder zurückgeführt. Bei der Belagerung von Neapel durch Karl VIII. von Frankreich (1494) verallgemeinerte sich dieselbe in den zügellosen Horden des französischen Heeres; die Krankheit erhielt den Namen der neapolitanischen Seuchequot; und die zu ihrer Heilung gebrauchte graue Quecksilbersalbe die bis zur Gegenwart fortgeführte Bezeichnung Unguentum neapolitanumquot;. Die Seuche kam von Italien nach Frankreich und von da allmälig über ganz Europa. Sie wurde schon von den Neapolitanern und demnächst auch von den Deutschen Morbus gallicusquot; (Franzosenkrankheit) oder auch schlechtweg Franzosenquot; benannt.
Das Wort Syphilisquot; ist zuerst von Fracastori (1521) gebraucht worden, der sich wahrscheinlich nach eigener Erfindung auf die Sage bezieht, dass der im Dienste des Königs Alkithous stehende Hirt Syphilusquot; (von avd, Schwein und cplXog, Freund) von Apollo mit der Krankheit bestraft sei. Seit dieser Zeit ist der Name Syphilis, unter welchem früher die Gonorrhoe, der weiche Schanker und die eigentliche Syphilis, demnach alle 3 Arten der Lues venereaquot; oder des Morbus venereusquot; oder der Lustseuohequot; des Menschen verstanden sind, in der medicin. Wissenschaft bei allen Nationen eingebürgert. Schon bei der Belagerung von Neapel (1494) wurde irrthüm-lioh angenommen, dass die Krankheit durch widernatürliche Unzucht der Soldaten mit kranken Pferden entstanden sei. Während der folgenden Zeiten sind aus dem gleichen Irrthum auch die unreinenquot; Rinder und Schweine als Ursprung der Seuche beschuldigt worden. Die Perlsucht des Rindes und die Finnigkoit des Schweines galten als unrein machende Krankheiten, welche finnigquot; oder in der älteren Version pfindigquot; benannt wurden. Diese Krankheitshezeichnung hat sich für die Perlsucht in manchen Gegenden Deutschlands bis in die neuere Zeit bei den Landleuten erhalten. Es wurde angenommen, dass die Perlsucht mit der im 16. und 17. Jahrhundert vielfach als Franzosenkrankheitquot; oder Franzosenquot; bezeichneten Lues venereaquot; des Menschen im Causalnexus stehe. Insbesondere sollte dieselbe auch von einer Ueberreizung des Geschlechtstriebes und unreinen Begattung in gleicher Weise hervorgerufen werden, wie von der Lues des Menschen behauptet wurde. Dieser irrthümliohen Ansicht verdanken die synonymen aber jetzt veralteten Namen der Rindstuberkulose: Franzosenkrankheit, Lustseuche, Venerie, Geilsucht, Stiersucht, Unreinigkeit, Monatsreiterei ihre Entstehung. Im 17. Jahrhundert, für die alten preussischen Landestheile durch das Edict vom 18. Mai 1667
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und durch spätere Abdeckorei-Edicte ist die Verwendung dos Fleisches franzosenkrankerquot; Rinder zum menschlichen Genuss verboten worden. Das compilatorische Werk der kluge und rechtsverständigo Hausvatter,quot; 1702 vom Buchhändler Riegel unter Plorini's Namen edirt, erwähnt die Tuberkulose des Rindes als Franzosenquot; und Franzosenkrankheitquot;. Auch der westfälische Arzt Fürstenau deutete dieselbe als Veneriequot;. Im Volke befestigte sich obenmässig die Ansicht, dass die vermeintliche Venerie durch widernatürliche Unzucht von goschlechtskranken Menschen auf die Kühe übertragen werde. Literarisch soll diese irrthümliohe Meinung zuerst von dem hervorragenden niederländischen Arzte van Helmont (15771644) ausgesprochen worden sein.
Auf die für die alten Provinzen des Preussischen Staates im 18. Jahrhundert erlassenen Abdeckerei-Edicte, insbesondere auf das Edict vom 29. April 1772 hat die Meinung, dass bei den Rindern und Schweinen die venerische Seuchequot; vorkomme, welche sich durch den Genuss und sogar durch die blosse Berührung des Fleisches den Menschen mittheilen könne, einen bestimmenden Einfluss gehabt. Beim Rinde wurden namentlich die tuberkulösen Producte an den serösen Häuten (Perlsucht in engerem Sinne) als Kriterien der Veneriequot; oder Franzosenkrankheitquot; angesehen. Derartige Thiere galten als unreinquot;. Offenbar ist dieser Ausdruck dem Pentateuch (Vergl. S. 235) entlehnt. Da das Fleisch der unreinenquot; Thiere dem Abdecker ausgeliefert werden musste, so hatten die Verkäufer von Schlachtvieh oft empfindliche Verluste. Ribbe (Krankh. des Rindviehs 1822, S. 206) bemerkt, dass wenn beim Aufhauen der Höhlen sich die Auswüchse fanden, der Schlachter sogleich das Beil auf den unreinen Thierkörper legte, welches ihm vom Eigenthümer bezahlt werden musstequot;.
Die den Abdeckerei-Edicten unvermeidlich folgende Entwerthung einer grossen Zahl geschlachteter Rinder wurde indess die Veranlassung zur wissenschaftlichen Prüfung der Frage, ob die Franzosenkrankheitquot; dos Rindviehs mit der Lues vene-rea des Menschen identisch sei. Die Frage wurde von den Aerzten Prof. Grau-mann in Mecklenburg (1784) und Heim in Spandau (1782) unter sachlicher Würdigung zahlreicher Beobachtungen über die Unschädlichkeit des Fleisches der betr. Rinder verneint. Dem Standpuncte, welchen beide Autoren vertraten, entspricht das Publicandum der Preussischen Regierung vom 26. Juli 1785, welches bestimmt: dass Rindvieh, welches beim Schlachten mit der Franzosenkrankheit behaftet gefanden wird, nicht unreinquot; sei und nicht dem Abdecker übergeben werden brauche, dass vielmehr das Fleisch solcher Thiere nach Entfernung der krankhaften Stellen ohne Schaden für die Gesundheit des Menschen genossen werden könne. Ueberein-stimmend mit diesem Erlasse erfolgte wenige Jahre später auch in den anderen deutschen Staaten, in Oesterreich durch die Verordnung vom 11. Juli 1788 (Auserlesene Beytr. zur Thierarzn. Leipzig. 1788. IV. 249), die Freigabe des Genusses bezw. des Verkaufs des Fleisches tuberkelkranker Rinder. Gleichwohl blieb in Deutschland, wie in den anderen europäischen Staaten die Volksmeinung von der Veneriequot; des Rindes und ihrer Gefahr für den Menschen noch viele Decennien hindurch bestehen. Spuren dieses Irrthums machen sich gelegentlich heute noch bemerkbar.
Die technischen Gutachten, welche die Redactions-Commission des Preass. Allg. Landrechts über die in Rede stehende Frage einholte, standen unter der gleichen irrthümliohen Ansicht. Deshalb ist im Preuss. Landreoht durch die Einreihung der sogenannten französischen Krankheit beim Rindviehquot; und der Finnigkeit der
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Schweine unter die Hauptmängel dem Käufer von Schlaohtvieh ein besonderer Schutz gewährt worden.
Dass die allgemein beim Volke eingewurzelte ältere Lehre nicht leicht auszurotten war, ergiebt sioh aus der Ansicht Frenzejl's (1799), welcher die Krankheit nach ihrer Ausbildung zur Kachexie als identisch mit der Venerie des Menschen betrachtet und deshalb für die Beurtheilung des Fleisches zwischen den gutgenährten und abgemagerten tuberkelkranken Rindern (fette Franzosenquot; und magere oder Hunger-Franzosenquot;) einen wesentlichen Unterschied statuirt. Das Fleisch der mageren oder kaohektisch gewordenen Thiere sollte als gesundheitsschädlich gelten. Diese Ansicht wurde modiflcirt durch Tscheulin in Karlsrahe (1821), welcher für die Beurtheilung der Verwendbarkeit des Fleisches zum menschlichen Genuss drei Grade der Franzosenkrankheit des Rindes zu unterscheiden lehrt. Das Fleisch der Thiere, bei welchen sich nur einige Knoten an den serösen Häuten zeigen, soll nach Entfernung der Knoten als taugliche Verkaufsware gelten. Ferner sollen bei massigem Umfang der knotigen Neubildungen die kranken Körpertheile beseitigt werden und das Fleisch selbst als minderworthig zu verkaufen sein. In den höheren Krankheitsgraden soll dagegen das ganze Fleisch der Thiere zum menschlichen Genüsse untauglich resp. gesundheitsschädlich sein. Nach dieser Richtschnur erfolgte die Begutachtung des Fleisches perlsüchtiger Rinder in den meisten europäischen Staaten bis in die neuere Zeit, trotzdem in der Wissenschaft seit dem vorigen Jahrhundert Niemand mehr bezweifelte, dass die Franzosenkrankheit des Rindes mit der Lues venerea des Menschen Nichts gemein hat.
Als nach Errichtung der thierärztlichen Lehranstalten die Krankheiten der Hausthiere eine medicinisch-wissenschaftliche Erklärung ihrer Aetiologie und Patho-genese erheischten, wurden in der Literatur auch neue Theorien über die Entstehung der Tuberkulose bezw. über ihre Stellung im nosologischen System besprochen. Graumann (1784) hatte angenommen, dass die Perlknoten der serösen Häute aus Hydatiden (Echinokokken) entstehen sollten. Dieselbe Ansicht wurde von Viborg und nach seinem Vorgange auch von mehreren deutschen Autoren getheilt. Der Irrthum erklärt sich aus der Thatsache, dass bei manchen tuberkulösen Rindern sich auch Echinokokken in den inneren Organen finden. Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders von den deutschen Autoren eultivirte Lehre von den Dyskrasien zeitigte die Meinung, dass die Perlsucht auf einer lymphatischen Dys-krasiequot; beruhe (Veith, Dietrichs u. Ä.). Man dachte sioh, dass durch die Vermehrung und dickflüssige Beschaffenheit der Lymphe, welche in den serösen Häuten stagniren sollte, eine Wucherung des Gewebes zu knotenförmigen Neubildungen ver-anlasst werde. Unterstützt wurde die irrthümliche Hypothese durch den bei der Porlsucht constanten Befund der Miterkrankung in den Lymphdrusen. Abweichend von dieser speculativen Betrachtung ist in Frankreich ein massgobender Werth auf die anatomische Gestalt der Perlknoten gelegt und die Krankheit deshalb schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts als Tuberkulose deflnirt worden. Die menschliche Tuberkulose war durch Bayle (1810) anatomisch studirt und eingehend geschildert. Als alleinige Ursache derselben galt diesem Autor die tuberkulöse Anlagequot;, welche bei jedem Phthisiker vorauszusetzen war. Mit Konntniss der Arbeit von Bayle erörterte Dupuy (de l'Affection tuberculeuse 1817 de la Pommöliere im Journal pratique 1830) die Perlsucht des Rindes als eine Tuberkulose. An die Spitze der tuberkulösen Affection bei den Hausthioren stellte er freilich den Rotz, mit welchem er die Hydatiden (Echinokokken) und die Tuberkeln des Rindes (Affection tubercu-
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238nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationslirankheiten,
louse et hydatideuse), ausserdem die thierisoh parasitären Krankheiten der Schweine und Schafe parallelisirte. Trotz dieser Irrthümer ist herTorzuheben, dass Dupuy zuerst correcte klinische und anatomische Befunde toh der Rindstuberkulose mitge-theilt hat. Von ihm ist auch schon das gleichzeitige Vorkommen und der Zusammenhang der Perlknoten an den serösen Häuten (Pomraeliere von Pomme, Apfel) und der Tuberkeln in den Lungen, der tuberkulösen Geschwüre in der Bronchial- und Kehlkopfschleimhant festgestellt worden. Er betont auch die erbliche Uebertragbar-
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keit der Krankheit. Nach dem Vorgange Dupuy's wurde die Deutung der Perlsucht als Tuberkulose in Frankreich bald allgemein. Auch in Deutschland befestigte sich dieselbe, besonders nachdem Gurlt (Pathol. Anal. 1831) die Krankheit unter dem Namen der Tuberkeln, Skropheln, Knoten und Knotenschwindsucht besprochen hatte. Später (Nachtrüge zum Lehrb. der path. Anat. 1849. S. G6) äusserte sich Gurlt über die Natur der Perlknoten dahin, dass dieselben von den eigentlichen Tuberkeln verschieden seien und mehr den Sarkomen glichen, weil sie aus Fasern und Zellen zusammengesetzt wären und nicht von innen heraus erweichten. Entgegen dieser
|jjnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Aenderung der Theorie haben Hering, Chr. J. Fuchs, Haubner, Gerlach,
Spinola u. A. die Ansicht von der Ueboreinstitnmung der Perlsucht bozw. der Kindstuberkulose mit der menschlichen Tuberkulose nach dem klinischen Krankheitsverlaufe und den Sectionsbefunden nachhaltig vertreten. Am sorgfältigsten wurde die tuberkulöse Natur der Krankheit von Gerlach motivirt. Nichtsdestoweniger erhielt sich in der deutschen Literatur noch der Irrthum, dass die Perlsucht eine Folge der Nymphomanie sei, obwohl zwei erfahrene Kenner der Rindviehkrankheiten, Rychner und Im-Thurn (Encyklopädie 1837. IV. Bujatrik 3. Aufl. 1851) die Zugehörigkeit der Stiersucht zur Perlsucht entschieden in Abrede gestellt hatten. Eine neue Ansicht über die Natur der Perknoten hatte Virchow (Geschwülste, II. 738), welcher sich dahin aussprach, dass die Krankheit sich den Lymphosarkomen des Menschen anschliesse. Virchow übersah zwar nicht die grosse Aehnlichkeit
m,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;derselben mit der menschlichen Tuberkulose, lehnte aber den essentiellen Zusam-
menhang beider Krankheiten ab. Der Lehre Vircho w's folgten Fürstenberg u. A., welche die Krankheit als eine Lymphosarkomatose des Rindes beurtheilt haben. In Uebereinstimmung mit Gurlt vertrat Roll in den ersten Aullagen seines Lehrb. der Pathol. die Meinung, dass die Perlknoten sarkomatöser Natur seien. Auch Bruckmüller (Pathol. Zoot. 1869) rechnete die Perlgeschwülste zu den Zellensarkomenquot;.
Durch die Arbeiten des französischen Arztes Villemin (Etudes sur la tuber-culose, Paris 1868), welcher 1865 auf Grund von Impfversuchen bei Kaninchen die Tuberkulose des Menschen als eine speeifische Infectionskrankheit dofinirte, erhielt die Theorie von der tuberkulösen Natur der Perlsucht eine wesentliche Stütze. Aber die Gegner derselben verzichteten nicht ohne Weiteres auf ihren Widerspruch und Johne (Geschichte der Tuberkulose, Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. 1883. S. 22) bemerkt sehr richtig, dass wohl niemals die wissenschaftliche Kritik mit einem grösseren Skeptioismus an die Prüfung einer neuen Theorie herangetreten sei, als an diejenige Villemin's über die Tuberkulose. Allerorten wurden in den folgenden 15 Jahren Versuche an Thieren angestellt, um darch Verimpfung, Fütterung oder Inhalation tuberkulöser Krankhoitsproducte von Menschen oder von Thieren die An-stockungsfähigkeit der Tuberkulose zu prüfen. Es würde mich zu weit fähren, eingehend über diese Versuche zu berichten, ich beschränke mich daher auf einige Bemerkungen.
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Tuberkulose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 239
Chauveau (1868), welcher mit den Producten der Rindstuberkulose oxperi-mentirte, bewies, dass die Krankheit durch den Digestionsapparat übertragen werden kann. Klebs CVirchow's Arch. Bd. 44. S. 242) fand, dass nach Ver-impfung von tuberlösem Sputum kranker Menschen in die Bauchhöhle eines Kalbes die Perlsucht zu erzeugen ist. Durch Cohnheim (1879) wurde gezeigt, dass die Impfung von Tuberkelvirus bei Thieren in der vorderen Augenkammer am leichtesten haftet und sichere Resultate liefert. Fütterungsversuche mit Krankheitsproducten, mit Fleisch und Milch von Rindern, die an der Tuberkulose litten, vollführte zuerst Gerlach (1869); die Versuche wurden demnächst in grosser Zahl von anderen Autoren wiederholt. Erfolgreiche Inhalationsversuche bei Hunden mit in Wasser verriebenen und zerstäubten tuberkulösen Krankheitsproducten unternahm Tappeiner (1879).
Zur Klärung der Zweifel über die tuberkulöse Natur der Perlsucht bezog sich Schüppel (1873) auf die Thatsache, dass auch in den Tuberkeln (Perlknoten) des Rindes bei der mikroskopischen Untersuchung Riesenzellen gefunden werden, wie dieselben von Viroliow (Geschwülste, II. 037) in den menschlichen Tuberkeln nachgewiesen sind. Schüppel acceptirte die Unterscheidung Virchow's in zelligequot; und fibrösequot; Tuberkeln und meinte, dass durch die letzteren die weitere Ausbildung der ersteren repräsentirt werde. Indess zeigten Orth, Baumgarten u. A., dass den Riesenzellen in den Tuberkeln die Bedeutung eines speoiflschen Merkmals nicht beigelegt werden kann.
Die Ergebnisse der zahlreichen Uebertragungs-Versuche hatten die Deutung der Perlsucht als eine Infectionskrankheit gesichert. Aber manche Autoren, untor ihnen namentlich Chauveau, Gerlach, Klebs u. A. vindicirten ihren Versuchen eine das engere wissenschaftliche Interesse weit überragende Bedeutung, indem sie als bewiesen annahmen, dass der Genuss des Fleisches und der Milch tuberkulöser Rinder bei Menschen die Tuberkulose herbeiführe und desshalb durch polizeiliche Vorschriften verhindert werden müsse. Bei der grossen Verbreitung der Perlsacht unter den Rindern stiess diese Forderung schon deshalb auf entschiedenen Widerspruch, weil in den letzten 100 Jahren das Fleisch der betr. Thiere zum menschlichen Genüsse allgemein zugelassen war, ohne dass nach demselben jemals die Erkrankung der Personen an der Tuberkulose constatirt wäre. Dazu kam, dass die vollständige oder fast vollständige Entwerthung aller in geringem Grade tuberkulösen Rinder die Landwirthschaft in unerträglicher Weise geschädigt haben würde. Endlich blieb auch unter Berücksichtigung der experimentell ermittelten Thatsache, dass die Milch tuberkulöser Kühe leichter, als das Fleisch inflcirt, zu berücksichtigen, dass die Perlsucht bei lebenden Kühen nicht mit Sicherheit festzustellen war und dass deshalb für die Polizeibehörden die wichtigste Grundlage fehlte, um den Verkauf der Milch solcher Thiere untersagen zu können. Bei dieser Sachlage mussto es allgemein auffallen, dass Gerlach (Gerichtl. Thierheilk. 2. Aufl. 1872. S. 393) mit einer jedes Missverständniss ausschliessendon Deutlichkeit erklärte: Die Perlsucht ist nicht allein unheilbar, sie macht die Thiere auch vollkommen werthlos; Fleisch und Milch von solchen kranken Thieren sind mindestens in rohem und nicht vollkommen durchgekochtem Zustande gemeingefährliche Nahrungsmittel für die Menschenquot;. Da dieser Ausspruch einer so bedeutenden Autorität die praktischen Thierärzte zu irrthüniliohon Gutachten über den Werth dos Fleisches der mit der Perlsuoht behaftet befundenen Rinder veranlassen musste und deshalb dem öffentlichen Ansehen dos thierärztlichen Berufes wesentliche Nachtheile zufügen konnte,
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so bekannte sich der Deutsche Veterinärrathquot; 1875 öffentlich zu folgender Kesolu-tion: Die über die Perlsucht und die käsige Lungenentzündung des Rindviehs bezw. über die behauptete Uebertragbarkeit derselben auf Menschen bis jetzt vorliegenden Erfahrungen können als abgeschlossen nicht betrachtet werden. Insbesondere sind dieselben nicht ausreichend, die Annahme einer Ansteckungsgefahr für Menschen und aus diesem Grunde das Verbot dos Verkaufs von Fleisch und Milch der betr. Thiere zu rechtfertigen. Der ständige Ausschuss wird beauftragt, dem Reichskanzleramt die Bitte um Bereitstellung der Mittel vorzulegen, mit welchen die Frage: Ob und inwieweit der Genuss von Fleisch und Milch perlsüchtigor Rinder für den Menschen nachtheilig ist? entschieden werden kannquot;. Diese Resolution, die von Lustig und Schell redigirt war, ist mohrfach, aber ganz mit Unrecht bemängelt worden. Trotzdem seit 1875 dio Kenntniss der tuberkulösen Krankheiten bei Menschen und Thieren eine wesentliche Erweiterung und Vervollständigung erfahren hat, kann auch gegenwärtig ein allgemeines Verbot des Verkaufs von Fleisch und Milch perlsüchtigor Kühe noch nicht angeordnet werden (Vgl. die Preuss. Ministerial-Verf. vom 26. März 1892 und die Bayerische Verordn. vom 25. Juni 1892). Bei allen derartigen Forderungen wird verkannt, dass wenn zur Ausrottung der Tuberkulose des Menschen in einem Lande mittels polizeilicher Vorschriften die Vernichtung der Tuborkelbacillen angestrebt werden soll, zunächst die phthisisoh erkrankten Menschen als die vornchmlichsten Erzeuger der Bacillen in Betracht hommen. Der Verkauf der Milch von Kühen, welche mit der Porlsucht behaftet sind, lässt sich aber auch deshalb nicht polizeilich untersagen, weil es bis jetzt für die latenten Krankkeitsfälle noch an einem sicheren Kennzeichen der Krankheit fehlt. Wer diese Verhältnisse nicht genauer berücksichtigt, kann leicht zu unerfüllbaren Forderungen verleitet werden. Die Aeusserung von Klebs (Tuberkulose in Eulenburg's Real-Encyclop. 1890. Bd. XX. S. 293): Eine ernsthafte Hygiene (bei Menschen) wird nicht anders können, als das Uebel an seiner Wurzel anzugreifen und die Vernichtung der] die tuberkulöse Milch liefernden Thiere mit allen Mitteln anzustreben suchen' verlangt eine polizeiliche Massrogel, deren Ausführung in der Praxis schon wogen der Unmöglichkeit einer sicheren Diagnose nicht zu überwindende Hindernisse entgegenstehen würden. Viel näher liegt es, den Menschen und insbesondere den Kindern einen Schutz vor der möglichen Infection durch Tuberkelbacillen, die in der Kuhmilch enthalten sein können, dadurch zu verschaffen, dass der Genuss von ungekochter oder nicht sterilisirter Milch untersagt wird.
Den wichtigsten Fortschritt in der Lehre von der Tuberkulose erbrachte Robert Koch (1882) durch die Entdeckung des Tuberkelbacillus und seiner pathoge-nen Wirkungen bei Menschen und Thieren. M;t dieser hochbedeutsamen wissenschaftlichen Leistung ist die Einheit der tuberkulösen Krankheiten bei Menschen und Thieren bewiesen worden. Allein trotz der ätiologischen Einheit verhält sich die Vulnerabilität der Organe beim Rinde für die Vegetation der Tuberkelbacillen im grossen Durchschnitt der Krankheitsfälle nicht, wie beim Menschen. Wenn auch ein Zweifel an der Identität der Perlsucht mit der menschlichen Tuberkulose nicht mehr berechtigt ist, so hat doch die von Virchow urgirte Verschiedenheit in den Wirkungen des Infectionsstoffs bei Menschen und bei Rindern vor wie nach ein grosses Interesse für die medicinische Wissenschaft, Es ist auch noch eine offene Frage, ob durch den Genuss des Fleisches von perlsiichtigen Rindern die Tuberkulose bei Menschen thatsächlich verursacht wird und wie gross der Prooentsatz der Krank-
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heitsfälle ist, welcher sich mit wissenschaftlicher Sicherheit auf den Genuas von Milch perlsüchtiger Kühe zurückführen lässt.
Durch Robert Koch wurde auch die Darstellung und die diagnostische Ver werthung des Tuberkulinsquot; (1890) gelehrt, welches sich in latenten Krankheitsfällen bei Rindern sehr oft für die Ermittelung der Tuberkulose mit Vortheil benutzen lässt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ' ,
Aetiologie. Begrifflich umfasst die Tuberkulose alle krankhaften Zustände, welche durch den Parasitismus der Tuberkelbacillen hervor
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gerufen werden. Demnach ist dieselbe als eine specifische Infections-krankheit aufzufassen. Indess ist bei dieser Definition nicht zu übersehen, dass auf die Ansiedelung des Tuberkel bacillus im Thierkörpernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;!|^ einige Hülfsursachon von bedeutendem Einflüsse sind.
Der Tuberkelbacillus (Bacillus Tuberculosis Kochii) ist ein schlankes, meist leicht gekrümmtes, 34 p langes Stäbchen mit abge
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rundeten Enden. In manchen Stäbchen, besonders in denjenigen aus älteren Culturen finden sich runde oder ovale Stellen (Lücken), welche von Koch als Sporen angesehen wurden. Von Baumgarten, Klebs u. A. wird indess die Sporennatur der fraglichen Stellen bestritten. Mit den gewöhnlichen Anilinfarbstoffon färben sich die Tuberkelbacillen schwerer, als andere Bacillen, was Ehrlich darauf zurückführt, dass dieselben eine Hülle besitzen, welche das Eindringen der Farbstoffe in das Protoplasma erschwert. Nach der Methode von Ehrlich wird die Färbung mit Fuchsin- oder Gentiana- oder Methylviolett-Lösüng bewirkt; nach Ziehl-Neelsen geschieht dieselbe in einer Lösung von 100 Theilen Wasser, 5 Theilen Oarbolsäure, 1 Theil Fuchsin und 10 Theilen Alcohol, worauf die Entfärbung der Objecte durch 5 pOt. Schwefel- oder Salpetersäure stattfindet.
Von den biologischen Verhältnissen, den Wachsthumsvorgängen und der Vermehrung der Tuberkelbacillen ist bis jetzt nur wenig bekannt. Sie sind unbeweglich und entwickeln sich auf Blutserum (Koch) und auf Glycerin-Agar (Nocard und Roux). Auch auf Kartoffelscheiben gelingt die Cultur (Pawlowski), namentlich wenn dieselben vor der Einsaat mit 5 pCt. Glycerinlösung angefeuchtet werden.
Die Tuberkelbacillen sind obligate Parasiten. Sie wachsen uur bei einer Temperatur zwischen 30 bis 410 G., am leichtesten bei 37 bis 38deg; C. Ihre Widerstandsfähigkeit gegen äussere Einflüsse ist relativ gross. Nach Oadcac und Mallot soll die Abtödtung derselben durch die Fäulniss oder durch das Gefrieren der tuberkulösen Organe erst in 45 Monaten erfolgen.
Nicht vollständig aufgeklärt ist bis jetzt die Frage, in welchem
Bieckorhoff, .Spec. Patiiolo^ic u. Therapie. II. Bd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; jß
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Grade sich die Virulenz der Tuberkelbacillen bei der üebertragung auf Thiere verschiedener Gattungen modificirt. Neben den Menschen besitzen die Affen eine grosse Vulnerabilität für die pathogenen Wirkungen der Tuberkelbacillen. Wesentlich geringer ist im Allgemeinen beim Kinde trotz der relativ leichten Ansiedelung die zerstörende Wirkung derselben in den Organen. Noch weniger inclinirt das Pferd für die Erkrankung an der Tuberkulose. Auch Schafe und Hunde besitzen eine geringe, Schweine und Ziegen dagegen eine grössere Empfänglichkeit. Dass im Uebrigen die Zahl der Krankheitsfälle bei den einzelnen Thiergattungen durch die häufigere oder seltene Gelegenheit zur Aufnahme von Tuberkelbacillen wesentlich mitbedingt wird, braucht kaum erwähnt zu werden. Bemerkenswerth ist die erst in den letzten Jahren durch die Forschungen von Nocard, Rivolta, Baumgarten u. A. ermittelte That-sache, dass die Tuberkulose des Menschen und der Säugethiere auf Hühner nicht übertragen und dass anderseits die Hühnortuberkulose bei Meerschweinchen und Kaninehen nicht mit Erfolg verimpft werden kann. Vermuthlich ändert sich die Wachsthumsfähigkeit der Tuberkelbacillen dadurch, dass sich dieselben der hohen Körpertemparatur der Hühner (4142deg; C.) anpassen. Jedenfalls charakterisiren sich die ßacillen der Hühnertuberkulose inFolge einerErnährungs-Modification als eine besondere Form der Tuberkelbacillen. Frühere Behauptungen, dass die Hühner sich durch das Verzehren des Sputums phthisischer Menschen mit der Tuberkulose behaften sollten, beruhen demnach auf Irrthum.
Ohne die Einführung von keimfähigen Tuberkelbacillen in den Körper der Rinder kann die Tuberkulose nicht entstehen. Gleichwohl gestaltet sich die Aetiologie nicht so einfach, wie bei anderen speeifischen Infec-tionskrankheiten. Als eine häufige Bedingung der Tuberkulose gilt seit fast 100 Jahren die Vererbung bezw. die üebertragung der Krankheitsursache von den Elterthieren auf den Fötus. Obschon diese Entstehungsart eine wissenschaftlich gesicherte Deutung noch nicht gefunden hat, so wurde derselben doch mit Unrecht in der neueren Zeit von einigen Autoren die Bedeutung abgesprochen. Seit vielen Decennien ist beobachtet, dass die Nachkommenschaft eines an der Tuberkulose leidenden Zuchtbullen sich späterhin mit der Kränkelt behaftet zeigte. Ich habe selbst mehrere Fälle kennen gelernt, in welchen durch den angekauften Zuchtbullen der bis dahin gesunde Viehstand allmälig verseuchte. Ebenso stellt sich die Krankheit sehr oft bei den von tuberkulösen Kühen gefallenen Thieren ein. Diese Thatsachen werden entsprechend der vor Kenntniss der Tuberkelbacillen massgebenden Theorie auch jetzt noch von manchen Autoren mit der Annahme erklärt, dass die Nachkommen
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tuberkulöser Individuen mit einer constitutionellon Schwäche und hierdurch mit einer Prädisposition für die Ansiedelung der Tuberkelbaoillennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1$ und für die Ausbildung der tuberkulösen Krankheitsprozesse behaftet seien. Seitdem aber die Vegetation der Tuberkel bacillen bekannt ist, findet die Lehre viel Zustimmung, dass bei tuberkelkranken Zuchtstieren das Sperma und bei weiblichen Thieren das Ovulum zur Zeit der Zeugung Bacillen enthält und dass hierdurch der Embryo mit dem Krankheitskeim behaftet wird (germinale Infection). Bei tuberkelkranken
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Kühen können die Bacillen auch durch die Placenta in den Fötus ge-
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langen (fötale Infection). Von Johne und demnächst auch von anderen Forschern wurde die Tuberkulose beim Kalbsfötus nachgewiesen.
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Indess wird die Krankheit beim Fötus und auch bei neugeborenen Kälbern doch im Ganzen nur selten gefunden. Mit Wahrscheinlichkeit lässt sich daher annehmen, dass die von den Elterthieren bei der Zeugung oder in der fötalen Zeit übertragenen Tuberkelbacillen gewöhnlich in den Organen des jungen Thieres eine längere Zeit liegen bleiben und erst später unter günstigen Bedingungen sich vervielfältigen und eine patho-gene Wirkung vollbringen.
Die Aufnahme des Infectionsstoffs (der Tuberkelbacillen) kann 1. mit der Einathmungsluft, 2. mit dem Futter und 3. durch Wunden der Haut oder der Schleimhäute geschehen. Am häufigsten erfolgt die Ansteckung durch die Respirationsorgane, seltener dagegen durcli die Digestionsorgane. Dass dieselbe auch durch Wunden ermöglicht ist, lehrt die künstliche üebertragung der Krankheit durch
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Impfung. Gleichwohl kommt die Infection durch die Haut für gewöhnlich nicht vor. Wunden in der Zunge begünstigen aber bei tuberkelkranken Rindern die Ansiedelung der Bacillen; bei den Sectionen solcher Thiere ergiebt sich nicht selten, dass die Zungentuberkeln durch eine specifische Wundinfection entstanden sind.
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In welchen Umständen die grössero Leichtigkeit der Erkrankung
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bei Rindern gegenüber anderen Thiergattungen beruht, ist nicht vollständig bekannt. Vielleicht dürfte aber die relativ bedeutende Zahl der Krankheitsfälle neben der besonders grossen Empfänglichkeit des Rindes zum Theil darauf zurückzuführen sein, dass sich bei der Rindviehhaltungnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i
mehr Gelegenheit zur Aufnahme des Infectionsstoffes bietet und dass die Züchter die erbliche üebertragung der Krankheit bisher zu wenig berücksichtigt haben. Denn in manchen Ländern oder Gegenden zeigt sich die Tuberkulose auch beim Rinde nur selten. Die in Russland gezüchteten Schläge der grauen Race sollen nach den Beobachtungen Spinola's (1845) frei von der Krankheit sein. Auch in Island (Krabbe) und in den nörd-
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244nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiton.
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lichen Gebieten von Schweden und Norwegen wird dieselbe beim Rindvieh inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; selten beobachtet. Dagegen erkranken die wilden Rinder der zoologischen
Gärten an der Tuberkulose öfter.
Empfänglich für die Ansteckung sind im Allgemeinen die Rinder jeden Alters und jeder Race. Grosser, als bei jungen und kräftig gebauten Thieren ist aber die Disposition zur Erkrankung bei schwacher, verfeinerter Constitution, bei eng gebautem Brustkasten und in höherem Lebensalter, sowie nach jahrelanger ergiebiger Milchsecretion der alten Milchkühe. Als eine wichtige Hülfsursache für die Infection gilt nach alten Erfahrungen der dauernde Aufenthalt des Rindviehs in warmen, mangelhaft ventilirten Stallungen und die Verabreichug trockener, staubiger Futterstoffe. Weidevieh erkrankt seltener, als Stallvioh. Erleichtert wird die Ansteckung (Ansiedelung der Tuberkelbacillen) ferner beim Bestehen eines Brochialkatarrhs, weil in dem Sekret der Broohialschleim-haut die Bacillen, die sich nur langsam entwickeln, längere Zeit hindurch ihre Keimfähigkeit bewahren. Es ist anzunehmen, dass häufig bei Thieren mit gesunden Lungen und Bronchien die in die Luftwege gelangten Bacillen mit der Exspiration wieder eliminirt werden.
Pathogencse und pathologische Anatomie. Die Vegetation der Tuberkelbacillen in den Organen veranlasst geschwulstbildende Entzündungsherde (Tuberkeln, Perlknoton), welche sich entweder an der Stelle ausbilden, die zuerst inficirt wird (primäre Tuberkulose) oder in Folge nachbarlicher Uebertragung dos Infectionsstoffs oder durch Vermittelung der Lymphgefässe oder der Blutcirculation an anderen Organen entstehen (secundäre Tuberkulose).
Die Entstehung der Tuberkeln vollzieht sich nach den von der Mehrzahl der Pathologen anerkannten Untersuchungen Baumgarton's in der Weise, dass unter dem Einflüsse der in die Gewebe eingedrungener Tuberkelbacillen eine Wucherung der fixen Bindegewebs- oder Epithelzollen stattfindet, wodurch die sogenannten epithelioiden Zellen gebildet werden. In diesen vermehren sich die Kerne, ohne dass der Zcllleib an der Thoilung participirt, wodurch die Riesenzellen entstehen. Bei Gegenwart vieler Bacillen wird auf die Gefässwand ein Reiz ausgeübt; in Folge dessen kommt es zur Auswanderung weissor Blutkörperchen, welche die epithelioiden Zellen vordrängen oder von vornherein an der Bildung des Tuberkels theilnehmen.
Am häufigsten erkranken beim Rindo die Lungen und die Pleura, die Lymphdrüsen an der Lungenwurzol und im Mediastinum, sowie des Pericardium; demnächst die Gebärmutter, das Peritoneum, die Gekrös-drüsen und das Euter. Nicht selten werden die Lymphdrüsen am
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Halse, der Brust und der Leistengegend, sowie die Respirations- und Digestionsschleitnhaut, weniger oft die Pia Mater des Gehirns und Rückenmarks, Leber, Milz, Nieren und Hoden befallen. Seltener finden sich beim Rinde tuberkulöse Erkrankungen der Knochen, Gelenke und der Skeletmuskulatur.
Die Tuberkulose der Lungen manifostirt sich in der Form hirse-korngrosser (Miliartuberkeln), oder häufiger erbsen- bis haselnussgrosscr gelber oder gelbweisser Knoten, welche alsbald vom Centrum aus nach der Peripherie fortschreitend erweichen (vorkäsen) und schliesslich theil-weiso oder vollständig verkalken. An den Stollen, an denen sich die Knötchen bilden, geht die Lungensubstanz zu Grunde. Mitunter veranlassen die Bacillon einen käsigen Entzündungsprozess, von welchem nach und nach eine grössere Zahl von Lungenläppchen in Folge nachbarlicher Infection ergriffen wird (Pneumonia caseosa circum-scripta).
Wenn sich in den tuberkulös erkrankten Partien der Lungen gleichzeitig Eiterkokkon ansiedeln (Mischinfection), so bildet sich ein kleinerer oder grössorer Abscess mit bindegewebiger Umkapselung und grau-weissem, schmierigem, zuweilen bröckeligem, eiterigem Inhalt. In manchen Fällen entwickeln sich bindegewebige (indurirende) Entzündungsprozesse in den Lungen. In dem neugebildeten fibrösen Bindegewebe, besonders in den Wandungen der tuberkulösen Höhlen entstehen nicht selten miliare Tuberkeln von gelber Farbe.
Schon im Beginn der Erkrankung gelangen Bacillon aus den tuberkulösen Herden der Lungen mit der Lymphe nach den bronchialen oder mediastinalen Lymphdrüsen. Selbst ohne dass das Lungengewebe betroffen wird, können die Bacillon durch Resorption in die Lymphdrüsen gebracht werden. In den letzteren wird eine herdweise oder allgemeine Entzündung mit Schwellung, Verkäsung und Verkalkung herbeigeführt. Ein in diesen Erkrankungsformon degenerirtes Lymphdrüsenpacket kann die Grosse einer Faust und darüber erlangen. Mitunter entsteht in den bronchialen oder mediastinalen Lymphdrüsen ein umkapselter hühnerei-bis kopfgrosser Abscess mit zähflüssigem, eiterigem Inhalt.
In der Bronchialschloimhaut können die Bacillon einen chronischen Katarrh mit Erweiterung dor Bronchien (cylindrische oder sackförmige Bronchiektasion) veranlassen. Die sackförmigen Räume füllen sich nicht selten mit einem schleimigen oder käsigen Product (käsige bronchickta-tische Herde). Mitunter kommen die Tuberkeln der Bronchialschleimhaut zum Zerfall, woraus die tuberkulösen Geschwüre hervorgehen. Selten entstehen solche Geschwüre beim Rinde auch in der Luftröhren-
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246nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
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schloitnhaut. Häufiger ist dagegen die Ausbildung tuberkulöser Gellnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; schwüre in der Kehlkopfschleimhaut, in welcher weiterhin auch eine
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chronische, bindegewebige, geschwulstartige Verdickung entsteht, wodurch sich das Lumen des Kehlkopfs mehr oder minder erheblich verengert. Inmitten dieser Geschwulst finden sich gewöhniich kleine graue oder gelbgraue Tuberkeln.
Die Bildung von Tuberkeln (Perlknoten) in der Pleura nimmt oft von den Primärherden der Lungen ihren Ausgang. Es kann aber auch der mit der Inspiration aufgenommene Infectionsstoff direct in die Pleura gelangen, ohne dass in den Lungen vorher eine bei der Obduction erkennbare tuberkulöse Veränderung entsteht. An einer kleinen Stelle der Pulmonal- oder Costalploura bilden sich gelblichgraue durchscheinende Knötchen (Perlen), die bald conglomeriren. Die chronische productive Entzündung bewirkt darauf das Zustandekommen erbsen- bis haselnussgrosser rundlicher Knoten von weissgrauem, aschfarbenem Aussehen (fibröse Tuberkeln). Oft verwachsen beide Pleurablätter und die Krankheitsproducte können in einem beschränkten Umfange jahrelang verbleiben. Gleich häufig verbreitet sich indess der Process über einen grösseren Theil der Pleura. Auf den älteren wachsen neue Knoten, die sich traubenförmig über einander lagern oder eine gestielte Form erlangen und bluraenkohlartige Gewächse darstellen. Sowohl auf der Oostalpleura, wie auf der Pulmonalpleüra können umfangreiche Geschwülste von 15 bis 20 cm Länge und 3 bis 6 cm Dicke zu Stande kommen. In den fibrösen Knoten entstehen oft kleine Herde, und späterhin die Regression durch Pettmetamorphose. Auf dem Durchschnitt erscheinen solche Knoten gelblich; sie verkalken demnächst stellenweise oder vollständig. Die Tuberkelbildung auf der Pleura führt ebenso, wie die Lungentuberkulose zur Infection der bronchialen und mediasti-nalen Lymphdrüsen. Mit der Ausbildung der Pleuratuberkulose verbindet sich in einzelnen Fällen eine chronische granulirende und schmerzhafte Entzündung der Pleura (Pleuritis tuberculosa).
In gleicher Art, wie die Pleura erkrankt auch oft der Herzbeutel im parietalen und visceralen Blatt unter der Bildung zahlreicher kleiner Knoten. Häufig wird die Verwachsung beider Blätter in kleinerem oder grösserem Umfange gefunden. Das Peritoneum ist zwar oft, im Ganzen aber seltener als die Pleura mit Perlknoten behaftet. Meist wird das parietale Blatt und das Netz betroffen. Wie an der Pleura, so lässt sich auch an verschiedenen Abschnitten des Peritoneums die nachbarliche Infection bei den Sectionen häufig constatiren. Hinsichlich des Zusammenhanges der Tuberkeln im Peritoneum und in der Pleura
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vortrat Schmidt-Mülheim die Ansicht, dass der Infectionsstoff aus der Brusthöhle durch die Lymphbahnen des Zwerchfells in die Bauchhöhle gelangen und daselbst die Bildung der Perlknoten herbeiführen kann. Dagegen hat Ostertag geltend gemacht, dass die Lymphbahnen von der Bauchhöhle durch das Zwerchfell in die Brusthöhle führen und dass von den Peritonealtuberkeln zunächst die Mediastinal- und Bronchialdrüsen inficirt würden. Von den letzteren übertrage sich die Infection auf die Pleura, Nach den Untersuchungen Ostertag's wird die Infection des Peritoneums oft von dem tuberkulös erkrankten Uterus durch Vermittolung der Tuben herbeigeführt. Primär erkrankt das Peritoneum dadurch, dass die mit dem Futter verschluckten Bacillen den Darm durchdringen, ohne in demselben krankhafte Veränderungen zu bewirken. Sehr häufig kommt die Tuberkulose der Mesenterialdrüsen zur Ausbildung, ohne dass der Darm nachweisbar afficirt ist. In den Drüsen entstehen zunächst kleine käsige Herde; im weiteren Verlaufe tritt eine umfangreiche Verkäsung und Verkalkung ein. Die Tuberkulose der Gebärmutter kennzeichnet sich durch ungleichförmige Knoten in der Wandung und ulceröse Herde in der Schleimhaut. Auch die Tuben und Ovarien sind zuweilen Sitz der Tuberkelbildung.
Mit der Ausbildung der (seeundären) Tuberkulose in den Nieren entstehen hirsekorn- bis erbsengrosse Knötchen, und zwar gewöhnlich in der Rindensubstanz; indess habe ich auch in einigen Fällen stecknadel-kopfgrosse tuberkulöse Herde in der Marksubstanz gefunden. In der Regel entwickelt sich zugleich eine parenehymatöse Entzündung der Nieren (Nephritis tuberculosa). In der Leber und in der Milz können sich kleinere oder grössere Herde mit käsiger Erweichung bilden. Die Digestionsschleimhaut wird nicht so oft durch tuberkulöse Krankheitsprocesse verändert, als nach der Leichtigkeit, mit welcher die Aufnahme der am Futter haftenden Bacillen erfolgen kann, zu erwarten wäre. In der Schleimhaut des Dickdarms oder des Dünndarms entstehen zuweilen kleine oder grössere tuberkulöse Geschwüre. Weit häufiger ist die tuberkulöse Erkrankung der Lymphdrüsen des Digestionstractus, welche ohne nachweisbare Primärerkrankung der Schleimhaut zu Stande kommt. Nicht so oft, wie die Mesenterialdrüsen erkranken indess die Retropharyngealdrüsen. Auf hämatogenem Wege wird bei tuberkulösen Kühen oft die Ausbildung von Tuberkeln im Euter herbeigeführt. Dasselbe erkrankt in der Form einer diffusen Vergrüsserung und Verhärtung des Drüsenparenchyms mit Einsprengung zahlreicher kleiner hirsekorn- bis erbsongrosser gelblicher Herde. Oft bestehen im Euter wallnuss- bis hühnereigrosse Entzündungsknoten.
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248nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Stets werden hierbei die Lymphdrüsen des Euters inficirt. Bei den Bullen kommen auch in den Hoden kleine und grössere Tuberkeln mit käsiger Regression vor. Verhältnissmässig nicht häufig ist die Entwickelung miliarer oder grösserer Knötchen in der Pia Mater, welcher der Infectionsstoff durch das Blut zugeführt wird. Eine secundäro Erkrankung ist auch die Tuberkulose der Knochen und der Gelenke. In den Knochen tritt die Affection zuerst im Markgewebo ein; die sich bildenden Tuberkeln unterliegen der Verkäsung. Bei der Affection der Gelenke entsteht mit der Tuberkelentwickelung eine Entzündung der Gelenkhaut (Synovitis tuberculosa).
Dass auch andere Organe, welche vorstehend nicht erwähnt sind, von der Infection durch Tuberkelbacillon und von der Ausbildung tuberkulöser Krankheitsherde betroffen werden können, ist in der neueren Zeit, nachdem der Nachweis der Bacillen die Diagnose ermöglicht hat, mehrfach constatirt worden. Die eingehende Schilderung aller tuberkulösen Erkrankungs-Möglichkeiten ist indess bei den einem klinischen Lehrbuch gesteckten räumlichen Grenzen nicht ausführbar.
Die schleichend und oft relativ günstig verlaufende Tuberkulose der Lymphdrüsen am Kopfe und Halse bei jungen Thieren, besonders bei Schweinen, weniger bei Rindern, ist früher ebenso, wie in der Lehre von den Krankheiten des Menschen geschah, mit dem Namen der Skrofulöse, Skrofeln oder Skrofelkrankheit bezeichnet werden. Da sich in den betreffenden Krankheitsfällen später oft die Tuberkelschwindsucht nachweisen liess, so wurde von manchen Seiten und in der Thierarzneikunde besonders von Spinola die nahe Verwaudschaft zwischen der Skrofulöse und Tuberkulose ausdrücklich hervorgehoben. Andererseits galt die Skrofulöse als eine durch Anerbung oder durch chronische Krankheiten des Stoffwechsels herbeigeführte allgemeine Schwäche der Constitution junger Thiere, wobei die Lymphdrüsen schon nach geringfügigen äusseren Reizen in eine relativ starke, dege-nerirende Entzündung versetzt werden sollten. Dass bei dieser Theorie in der Praxis differente chronische Krankheiten zur Skrofulöse gerechnet worden sind, kann nicht befremden. Erst Robert Koch hat das Ens morbi der Skrofulösequot; aufgeklärt, indem er zeigte, dass die derselben angereihten Erkrankungen der Lymphdrüsen durch die Infection mit Tuberkelbacillen verursacht werden. Demnach stellt die Skrofulöse nur eine Form der Tuberkulose dar und es erübrigt ihre Beibehaltung als eine besondere Krankheit.
Den einer Infection mit Tuberkelbacillen folgenden Erkrankungen bei Rindern ist der Regel nach eine chronische Entwickelung eigenthüm-lich. In den Organen, besonders in den serösen Häuten finden die Bacillen sehr wahrscheinlich nicht die Bedingungen zur vollen Ausbildung ihrer zerstörenden Wirkungen. Ihre Virulenz ist beim Rinde wesentlich schwächer, als bei anderen Thieren (Affen, Schweinen) oder beim Menschen. Damit dürfte die Thatsache zusammenhängen, dass beim Rinde vorwaltend fibröse Tuberkeln entstehen, welche eine grosse Neigung zur Verkalkung besitzen, aber in den meisten Krankheitsfällen
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Tuberkulose.
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keine Gewebsulceration herbeiführen. Die raquo;Phthisis ulcorosalaquo;, welche den tuberkelkranken Menschen so verderblich wird, ist beim Rinde eine seltene Krankheit. Indess ist dieselbe nicht ganz auszuschliessen. In der Literatur sind manche Fälle beschrieben; auch habe ich selbst mehrere Kühe behandelt, welche in Folge tuberkulöser Ulceration der Lungen, der Bronchial- und Trachealschleimhaut zu Grunde gingen. Im üebrigen erklärt sich die Thatsache, dass die tuberkulösen Krankheits-zustände in den Brust- oder Bauchorganen beim Rinde viele Monate, selbst mehrere Jahre den Charakter einer unerheblichen Localaffection behalten, zum Theil auch dadurch, dass die zu der betreffenden Region gehörenden Lymphdrüsen den Durchgang der Bacillen und ihren Ueber-tritt in die Blutcirculation nicht zulassen. Wenn aber mit der all-mäligen Ausbreitung der Lymphdrüsen-Erkrankung das infectiöse Material in den Milch brustgang gelangt oder wenn die Wandungen kleiner Blutgefässe in den tuberkulösen Krankheitsherden lädirt werden, so dringen Bacillen in die Blutcirculation und mit derselben in entfernte Organe. Hiernach wird eine locale und eine generalisirte oder allgemeine Tuberkulose unterschieden. Auf motastatischem Wege erkranken nicht selten die Lungen, weniger oft die Nieren, die Pia Mater des Gehirns, das Euter und andere Organe in der Form einer multiplen Entwickelung kleiner Knötchen (Miliartuberkulose). Wenn aber nur wenige Bacillen in das Blut übergeführt werden, so kann die secundäre Erkrankung der Organe so geringfügig sein, dass die allgemeine Ernährung des Thieres eine Beeinträchtigung nicht erfährt. Es würde demnach nicht zutreffen, die raquo;generalisirte Tuberkuloselaquo; ohne Weiteres als eine constitutionelle oder Allgemeinkrankheit anzusehen. Der Entwickelung des Allgemeinleidens liegen vielmehr andere Bedingungen zu Grunde. Einmal kann durch die tuberkulösen Krankheitsproducte die Function eines für die Ernährung des Thieres wichtigen Organs derartig beschränkt sein, dass die Nahrungsmittel nicht mehr in genügender Menge verzehrt werden und eine allgemeine Abmagerung durch Inanition eintritt. Ausserdem aber kann aus den tuberkulös erkrankten Organen toxisch wirkendes Material resorbirt werden, wodurch das seit langer Zeit bekannte raquo;hektische Fieberlaquo;, die raquo;tuberkulöse Schwindsuchtlaquo; verursacht und unterhalten wird. Bei den Menschen sind die unter solchen Verhältnissen am Blute eintretenden Anomalien genauer verfolgt worden (vergl. von Noorden, Path. d. Stoffwechsels, Berl. 1893). Dr. Ernst Grawitz, der diese Vorgänge im Blute experimentell studirte, kam zu folgenden Ergebnissen (Deutsche Med. Woch. 1893 No. 51): Bei chronischer Lungentuberkulose
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zeigt sich im ersten Beginn der Erkrankung im Blute eine Veränderung der rothen Blutkörperchen und der Trockensubstanz, im zweiton Stadium dagegen trotz bestehender hochgradiger Blässe und Abmagerung, trotz nachweisbarer Oavernen annähernd normale, manchmal übernormale Zahlen der rothen Blutkörperchen mit normalen, in einigen Fällen massig herabgesetzten Werthen für die Trockensubstanz. Bei vorgeschrittener Phthise, zu der sich Fieber stärkeren Grades hinzugesellt hat, ganz besonders bei den acuten Formen entzündlicher Lungentuberkulose finden sich für alle erwähnten Bestandtheile des ßluthes niedrige Werthe. Grawitz fand auch, dass das Tuberkulin einen lymphtreibenden Einfluss im Blute ausübt, bezw. dass durch Tuberkulin ein Uebertritt von Flüssigkeit aus dem Blute in die Gewebe erfolgt. Bei Versuchen an Kaninchen zeigte sich, dass das Extract aus tuberkulösen Massen menschlicher Lungen eine deutliche bluteindickende Wirkung besitzt. Wenn sich aber zu der Tuberkulose in Folge der Ansiedelung von Eiterbacterien in den ulceröson Lungen ein hektisches Fieber gesellt, so ist die häufig ganz erhebliche Abnahme der festen Bestandtheile des Blutes und der Zahl der rothen Blutkörperchen als Einwirkung septischer Stoffe auf das Blut aufzufassen, welche eine entgegengesetzte Wirkung ausüben, wie die Tuberkelextracte.
Diagnose. Bevor das Tuberkulin bekannt war, fehlte in den zahlreichen Fällen, in welchen die tuberkulösen Herde innerer Organe lange Zeit bestehen, ohne Krankheitssymptome herbeizuführen, jeder objective Anhalt, um auch nur den Verdacht der Krankheit festzustellen. Selbst die nicht selten in langsamer Entwickelung sich einstellende allgemeine Abmagerung der Rinder ist noch kein wesentliches Verdachtsmoment. Nur die etwaigen Störungen in den von der Tuberkulose befallenen Organen lassen sich mit geringer oder grösserer Wahrscheinlichkeit auf die Krankheit beziehen.
Der Nachweis von Tubcrkelbacillen, welcher für die Feststellung der Phthisis pulmonum bei Menschen eine hervorragende Bedeutung besitzt, ist bei Rindern für die Diagnose so gut wie gegenstandslos, weil bei denselben die Lungentuberkulose der Regel nach keine Dejection aus den Respirationswegen bewirkt. In den wenigen Fällen aber, in welchen die Lungentuberkulose des Rindes nach langem Bestehen von Ausduss aus der Nase begleitet ist, lassen sich in demselben auch Ba-cillen nachweisen. Praktisch nicht verwerthbar ist der Vorschlag von Pools, nach Ausführung der Tracheotomie etwas Schleim zur mikroskopischen Untersuchung aus der Luftröhre zu holen, sowie die Empfehlung No card's, durch eine subcutane Anwendung von Pilocarpinum
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Tuberkulose.
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hydrochloricum einen Ausiluss aus den llespirationswegen zu veranlassen und das Deject zu untersuchen. Wenn sich bei diesem Vorfahren auch keine Tnberkelbacillen finden, so lässt sich deshalb doch nicht behaupten, dass das Thier frei von der Tuberkulose sei. Aus demselben Grunde ist auch der Vorschlag von Peuch belanglos, nach welchem bei den Rindern ein Pontanell am Triel applicirt werden sollte, um Eiter für die Untersuchung auf Tuberkelbacillen zu gewinnen. Es gelingt auch bei tuberkelkranken Rindern, bei welchen das Euter noch gesund ist, nur selten, in der Milch die Bacillen mikroskopisch nachzuweisen, wie aus den Versuchen Bellinger's hervorgeht.
Ein besseres Resultat können Impf versuche liefern. Schmidt-Mülheim injicirte eine geringe Quantität der Milch von Kühen in die Bauchhöhle bei Kaninchen. Enthält die Milch Tuberkelbacillen, so entsteht bei den Versuchsthieren in der Regel die durch die Obduction leicht festzustellende Miliartuberkulose. Mit grösserer Sicherheit des Erfolges können zu den diagnostischen Irapfversuchen Meerschweinchen benutzt werden, wie Bellinger u. A. gezeigt haben. Indess sind alle solche Impfversuche, deren Ausführung in pathologischen oder hygienischen Instituten leicht ist, in der gewöhnlichen Praxis der Thierärzte zu umständlich.
Es war daher ein grosser Gewinn für die Praxis, als R. Koch an Versuchsthieren zeigte, dass das Extract einer Tuberkelbacillen-Cultur (das Tuberkulin) ein ausserordentlich feines Reagens auf die tuberkulösen Krankheitsherde bei lebenden Thieren ist. Die hiernach allerorten angestellten Versuche haben ergeben, dass das Tuberkulin zwar kein absolut sicheres, aber doch ein sehr wichtiges Mittel für die Diagnostik ist. Bei den von Röckl und Schütz, sowie von Lydtin ausgeführten Versuchen (Arbeiten aus d. Kaiserl. Gesundheitsamte 1893) wurden von den Kühen, welche auf die Injection des Mittels mit einer Steigerung der Temperatur reagirten, 86,20 pOt. tuberkulös befunden. Zu ähnlichen Resultaten gelangten Siedamgrotzki und Johne (Ref. B. T. W. 1892 S. 31), welche constatirten, dass von 23 tuberkelkranken Rindern nach der Tuberkulin-Injection 21 eine wesentliche Temperaturerhöhung zeigten. In Dänemark ermittelte Jensen, dass von 277 tuberkulösen Rindern 241 (87 pOt.) reagirten. Auch Guttmann (Dorpat) und Bang (Kopenhagen) erhielten bei ihren Versuchen gleiche Resultate (B. T. W. 1891).
Von den Kühen und anderen Rindern, welche auf die Injection nicht reagirten, haben sich bei den sorgfältig ausgeführten Sectionen verschiedener Beobachter 91 bis 97 pOt. nicht tuberkulös gefunden. Bei
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252nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
denselben war die nach der Injection von Tuberkulin ermittelte Steigerung der Temperatur durch Abscesse der Leber, Aktinomykose, Lungengeschwüre, verkäste Echinokokken oder Lymphdrüsen-Schwellung verursacht worden.
Für erwachsene Rinder beträgt die durchschnittliche Dosis des Tuberkulins 0,50 g; kleinere Thiere reagiren schon auf 0,4 g ausreichend. Die Grosse der Dosis ist vom Körpergewicht der Thiere nicht abhängig zu machen. Bei Kälbern sind 0,100,20 g anzuwenden. Das Mittel wird zweckmässig nach Zusatz von 2,05,0 g einer VaProc. wässerigen Car-bollösung subcutan am Halse injicirt. Die Injectionsspritze muss vorher sorgfältig desinficirt sein. Die Erhöhung der im Mastdarm festzustellenden Körpertemperatur um 0,51,5deg; C. beginnt 615 Standen nach der Injection und hält 315 Stunden an. Tu den meisten Fällen ist der Beginn der Temperatursteigerung 910 Stunden nach der Injection constatirt; im Verlaufe weiterer 5 6 Stunden erreicht dieselbe den höchsten Stand, um dann innerhalb mehrerer Stunden langsam auf das gewöhnliche Verhältniss zu sinken. Indess kommen mannigfache Abweichungen von diesem typischen Verlaufe des durch Tuberkulin herbeigeführten Fieberanfalls vor.
Aus dorn bisherigen Erfahrungsmaterial ist noch bemerkenswerth, dass das Tuberkulin schon bei Vorhandensein eines einzelnen tuberkulösen Herdes in einer Lymphdrüse die relativ bedeutendste Temperatur-stoigerung bedingen kann und dass in manchen Fällen von ausgebreiteter Perlsucht an den serösen Häuten die Körperwärme nur um etwa 0,50 ansteigt. Das Präparat verursacht oft eine Reizung des Bindegewebes an der Applicationsstelle, an der nicht selten eine starke Schwellung eintritt. Bei manchen Kühen veranlasst das Mittel auch allgemeines Zittern (Schüttelfrost), Trockenheit des Flotzmauls, Appetitmangel, Puls- und Athemfrequenz. Indess gehen diese Zufälle in 610 Stunden vorüber. Eine wesentliche Schädigung der Thiere hat demnach die Injection des Tuberkulins nicht.
Zweckmässig wird die Injection in den Abendstunden ausgeführt, nachdem vorher die Mastdarmtemperatur genau festgestellt war. Etwa 8 Stunden später hat dann die in Zwischenzeiten von 3 Stunden zu wiederholende Temperaturmessung zu beginnen. Das Ergebniss einer wesentlichen Erhöhung der Körperwärme nach der Injection begründet stets den Verdacht der Tuberkulose. Indess darf nicht übersehen werden, dass auch bei einigen anderen Krankheiten (Actinomykose, entzündliche Schwellung der Lymphdrüsen) eine ähnliche Wirkung des Tuberkulins beobachtet ist. Bei den fleberhaft erkrankten Thieren hat
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die Injection sehr oft kein klares Resultat. In zweifelhaften Fällen ist die Wiederholung des Verfahrens nach 8 Tagen empfehlenswerth.
Da die Erfahrung gezeigt hat, dass hei einem gesunden, wohlgenährtem Rinde ein relativ kleiner tuberkulöser Krankheitsherd schon eine erhebliche Reaction nach der Tuberkulin-Injection hervorrufen kann, so ist in den betreffenden Fällen eine vorsichtige Diagnose geboten. Denn es hält oft schwer, bei der Section einen solchen Herd zu finden. Derselbe kann auch vielleicht lange bestehen, ohne die Nutzung des Thieres zu schädigen.
Prognose und Tilgung. Bei der Unheilbarkeit der Tuberkulose ist eine Behandlung der erkrankten Thiere nutzlos. Die von älteren Autoren empfohlene Verabreichung von Kalksalzen (Kalkwasser, Knochenmehl), mit welcher die schnellere Verkalkung der tuberkulösen Herde erstrebt werden sollte, hat keine Vortheile. In den meisten Fällen vergrössern und vervielfältigen sich die Tuberkelgeschwülste der inneren Organe im Verlaufe mehrerer Monate oder Jahre, worauf die Thiere das Futter nicht mehr verwertlien und abmagern. Mit der Ausbildung des Allgomeinleidens (tuberkulöse Kachexie) werden die Rinder werth-los. Aber auch bei gesund aussehenden Thieren kann durch eine grössere Verbreitung der Tuberkelgeschwülste nach den Grundsätzen der wissenschaftlichen Fleischschau das Schlachtfleisch in so hohem Grade verdorben sein, dass es für die Veräusserung zum menschlichen Consum mehr oder weniger entwerthet ist. Hierzu kommt, dass die Milch der an allgemeiner Tuberkulose oder an Eutertuberkulose leidenden Kühe als gesundheitsschädlich zu beträchten ist.
Demnach liegt es im Interesse der Besitzer, durch eine probeweise auszuführende Tuberkulin-Injection alle verdächtigen Rinder zu ermitteln, die Aufstellung derselben getrennt von den gesunden Thieren bezw. in einem besonderen Stalle zu bewirken und ihre baldthunlichste Veräusserung zum Schlachten in Aussicht zu nehmen. Die von tuberkulösen Bullen oder Kühen gefallenen Kälber sind von der Zucht aus-zuschliessen. Wird diese prophylaktische Massregel ausser Acht gelassen, so können, wie sich oft gezeigt hat, grössere Viehbestände vollständig entwerthet werden.
Bei Berücksichtigung vorstehender Grundsätze in der landwirth-schaftlichen Viehhaltung lässt sich die Zahl der tuberkulösen Rinder allmälig verringern. Rigorose Polizoimassregeln zur schnellen Ausrottung der Krankheit sind gegenüber der starken Verbreitung derselben gegenwärtig noch nicht empfehlenswerth. Auch würde, da der Besitzer bei lebenden Thieren keine Verdachtsmerkmale hat, die Anzeigepflicht
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254nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
nicht vorgeschrieben werden können. Die statistischen Erhebungen in den Schlachthäusern haben zwar ein allgemeines Interesse, liefern aber für die Bestimmung der Zahl aller mit der Tuberkulose behafteten Rinder keine genaue Grundlage. In Baiern (Göring), Baden (Lydtin) und Sachsen (Siedamgrotzki) kommen nach ungefährer Schätzung von dem gesammten Rindviehbestand auf 1000 Haupt annähernd 2 tuberkulöse Thiere. In manchen Gegenden Norddeutschlands ist die Zahl der in geringem oder höherem Grade mit Tuberkeln behafteten Rinder weit grosser; sie soll nach der Meinung der betreffenden Thierärzte sich auf 515 Procent belaufen. Durch die Pleischschau in grossen Schlachthäusern ist festgestellt worden, dass von den geschlachteten Rindern 1 bis 4 Procent, an manchen Orten noch mehr Thiere mit Tuberkeln behaftet sind. Auf dem Schlachthofe zu Berlin wurde im Berichtsjahr vom 1. April 189192 die Tuberkulose bei 21181 Stück Rindvieh 15,5 pCt. der überhaupt geschlachteten Rinder festgestellt.
Die Gründung von Versicherungsverbänden zur Beförderung der Schlachtung verdächtiger Rinder bozw. zur Vergütung des durch die Tuberkulose bedingten Minderwerthes der Schlachtthiere würde die Ausrottung der Krankheit beschleunigen können. Allein der durch den Viehhandel bedingte häufige Besitzwechsel der zur Schlachtung bestimmton Rinder erschwert die Aufgabe, die Verpflichtung der Interessenten zur Entschädigung zu ordnen. Wesentliche Vortheile bringt schon die Versicherung der in grossen Schlachthäusern abzuschlachtenden Rinder durch Privatgesellschaften. Den Besitzern wird hierdurch die Möglichkeit verschafft, die gemästeten Thiere unter Ausschluss der Garantie für die Brauchbarkeit des Fleisches zu verkaufen.
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Capitel XXVI. Krsclidiiiingcii dor tuberkulösen Krkrankung einzelner Organe.
Tuberkulöse Krankheitszustände von geringer Intensität sind, abgesehen von der Wirkung einer Tuberkulin-Injection, von bestimmten Symptomen nicht begleitet. Hinsichtlich der Erscheinungen, welche die Tuberkulose der Organe herbeiführen kann, enthält die Literatur ein reiches casuistisches Material. Eine übersichtliche Zusammenstellung der Symptome hat Hess (Schweizer Arch. 1889 S. 153) nach eigenen Erfahrungen mitgetheilt.
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Ersoteinungen der tuberkulösen Erkrankung einzelner Organe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 255nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; jA'
%#9632; Für die Lungentuberkulose sind nachstehende Symptome beach tens-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; r
werth: dumpfer, matter, trockener Husten, anfangs spärlich, nach einigen Monaten häufiger, späterhin quälende Hustenanfälle. Nasen-ausfluss von Schleim und Eiter, fehlt in den ersten Stadien der Krankheit, ist nach mehreren Monaten gering und erst bei bedeutender Erkrankung der Bronchialschleimhaut reichlich; in dem Dejecte lassen sich Bacillen nachweisen. Dyspnoe, in der Regel erst bei vorge-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; f'
schrittener Krankheit; 2565 Athemzüge in der Minute; erhebliche Athembewegungen der Flanken und zuweilen exspiratorische Klagelauto (Stöhnen). Pulsfrequenz, nach dem Grade der Allgemeinkrankheitnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.K
5090 Schläge in der Minute. Fiebertemperatur, fehlt anfangs, demnächst gering und mit kürzeren oder längeren Remissionen; später findet sich eine ßectaltemperatur von 40,0deg; bis 41,7deg;. Verminderung der Futteraufnahme und Abmagerung, allmälig zunehmend; Nachlass der Milchproduction bei Kühen. Die Haut ist derb,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i
trocken, dem Rippenkörper fest anliegend; der Gang der Thiere wirdnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; |
schleppend und schwankend; das Aufstehen geschieht zögernd und be-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;£raquo;
schwerlich. Später anhaltendes Liegen und diarrhoischo Darmeutleorung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;wS
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Der Percussionsschall am Thorax ist in der Regel nicht abnorm. Bei
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der Auscultation der Lungen gesteigertes in- und exspiratorisches Bläschengeräusch, im Bereiche der erkrankten Partien zuweilen feuchte, meist aber trockene Rassolgeräusche (Pfeifen, Piepen Schnurren).
Der Verlauf erstreckt sich in der Regel auf viele Monate, selbst auf 12 Jahre. Zeitweise kann sich das Allgemeinleiden bessern, so dass die Thiere einige Wochen hindurch einen verhältnissmässig guten Eindruck machen. Indess erholen sich dieselben im Nährzustande nicht vollständig. Späterhin führt die allmälig fortschreitende Kachexie zur vollständigen Entkräftung der Thiore.
Bei der Diagnose sind besonders die Echinokokken-Krankheit der Lungen, die Lungenabscesse, die Lungenseuche und die katarrhalische Broncho-Pneumonie zu berücksichtigen.
Die Tuberkulose der Pleura bedingt in der Regel keine Krankheitserscheinungen; bei umfangreicher Erkrankung kann dieselbe aber zur Kacbexie führen. Relativ selten wird durch die Bildung dicker und umfangreicher Perlgcschwülste der Pleura eine grössero Partie der Lunge comprimirt. Dann fehlt im Bereiche dieses Lungenabschnittes das Respirationsgoräusch und an der Brustwand ist ein gedämpfter Percussionsschall nachweisbar. Bei der tuberkulösen Pleuritis finden sich harte Reibungsgoräusche, dyspnoische Athembewegungen und zuweilen auch Stöhnen beim Druck gegen die Brustwandung.
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256nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten,
Tuberkulose der IHediastinaldräsen. Ist eine regelmässigo Folge der Lungen- oder Pleuratuberkulose. Wenn die degenerirten Lymphdrüsen im Mittelfell eine beträchtliche Grosse erreichen, so drücken sie auf den Schlund und verhindern das Rülpsen (Tympanitis des Pansens). Die Futterbissen überwinden wegen ihrer Oonsistonz das Hinderniss beim Schlucken, während die Gase im Pansen und in der Haube sich anhäufen und eine chronische Unvordaulichkeit mit zeitweise auftretendem Mateorismus veranlassen können.
Die Unterscheidung der Krankheit von der selbständigen chronischen Unverdaulichkeit orgiebt sich oft schon aus der gleichzeitig nachweisbaren Lungenerkrankung, im Uebrigen aus der Reaction der Thiere auf Tü-berkulin-Injectionen.
Die Tuberkulose des Kehlkopfs bedingt Dyspnoe mit giemenden Laryngealgeräuschen, mangelhafte Futteraufnahme und Abmagerung. Die Stenose des Kehlkopfs kann nach mehreren Monaten so bedeutend werden, dass die Thiere suffocatorisch eingehen.
Beieinor neunjährigenKuh, welche an derLaryngealtuberkulosetödtlich erkrankt war, constatirte ich 1889 bei der Section folgende Veränderungen: Im Kehlkopf eine blassröthliche, höckerige, durch 4 ungleich tiefe Längsfurohen in 6 finger- bis daumendicke Partien getheilte Geschwulst, welche die vordere Wand und beide Seiten des Kehlkopfs umfasste, so dass an der hinteren Wand nur noch eine Oeff-nung von der Weite eines kleinen Fingers verblieben war. Nach unten erstreckte sich die Geschwulst über den ersten Luftröhrenring. Dieselbe war durch das Ringluftröhrenband gewachsen, wodurch sich ausserhalb dos Kehlkopfes drei pflaumen-grosse Geschwülste gebildet hatten. Die Geschwulst enthielt zahlreiche verkäste und verkalkte orbsen- bis bohnengrosse Herde. Auch auf der Schleimhaut der Epiglottis fanden sich linsengrosse gelbliche und kalkige Knötchen. In der Tracheal-schleimhaut traubige Gesohwulstconglomerate. Der vordere Lappen der linken Lunge enthielt eine handtellergrosse derbe und knotige Partie, in welcher käsige und kalkige, von fibrösen Kapseln umgebene Knoten sassen. Die Lymphdrüsen am Halse, an der Lungenwurzol und im Mediastinum waren tuberkulös degenerirt und zum Theil verkalkt.
Tuberkulose des Pcritoneums, besteht oft ohne Krankheitserscheinungen. Durch tuberkulöse Entzündung und Verwachsung einzelner Bauchorgane oder durch erhebliche Miterkrankung der Gekrösdrüsen wird Appetitmangel und Abmagerung verursacht.
Tuberkulose des Darms und der Gekrösdrüsen: Mangelhaftes Fressen, allmälig zunehmende Abmagerung, zeitweise Verstopfung und oft leichte Diarrhöe; später das Krankheitsbild der Kachexie.
Tuberkulose der Nieren und der Harnblase. Neben den Allgemeinsymptomen zeigt sich Albuminurie und Hämaturie.
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Actinomycosis. Strahlenpilzkrankheit.
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Bei der Diagnose ist Rücksicht zu nehmen auf die chronische Nephritis und auf die Pyelonephritis.
Tuberkulose der Orarien und des Uterus. Oft keine wesentlichen Krankhoitserschoinungen. In anderen Fällen bleiben die Kühe trotz guter Pflege mager; sie werden brünstig, coneipiren aber in der Regel nicht. Bei einzelnen Thieron katarrhalische Dejection aus der Scheide.
Tuberkulose des Gehirns. Die Leptomeningitis tuberculosa wird nach ihrem Sitze von verschiedenen Symptomen begleitet. Häufig sind olonischo Krämpfe oder Lähmung einzelner Muskeln am Kopfo, Halse und Rumpfe; Unruhe oder ängstliches Benehmen, auch schreiendes Brüllen. Schiefhalten des Kopfes; beim Gehen Drängen nach einer Seite oder im Kreise. Daneben mangelhafte Futtoraufnahme und bei längerer Krank-heitsdauor auch Abmagerung.
Der Verlauf ist in der Regel acut, zuweilen aber chronisch.
Zwei Jahre alter Stier, welcher in den ersten Wochen nach der Geburt an Nabel-venen-Entziindung gelitten hatte und in Folge dessen imWachsthum zurückgeblieben, sonst aber bis zum 9. August 1882 scheinbar gesund gewesen war, erkrankte am 10.August unter folgenden Symptomen: Puls 55, normal; Resp. 25 mit Anspannung der ßauchwand; Temperatur normal. Unvermögen zum Kauen und Schlucken von Rauffutter; der Stier nahm Heu und Stroh in'sMaul, speichelte viel und brachte die ganz unvollständig gekauten Bissen hinter die Backzahnreihen, konnte dieselben aber nicht herabschlucken. Vom Trinkwasser wurde noch etwas geschluckt. In den folgenden Tagen steigerte sich die Dysphagie und der Stier bekundete allgemeinen Verfall der Kräfta; am 16. August wurde derselbe wegen Unheilbarkeit getödtet. Section: Einige Liter Serum in der Bauchhöhle, diffuse tuberkulöse Peritonitis mit starker Vascularisation. An mehreren Stellen ist das Peritoneum mit verkalkten Knötchon besetzt. Ausgebreitete tuberkulöse Entzündung am Pericardium, der Lungen- und Zwerchfellspleura. Am Endocardium dos linken Ventrikels ein haselnusss-grosser Knoten mit geringem Kalkgehalt. Die vorderen Lappen beider Lungen enthalten traubenförmige Auflagerungen ('Perlknoten). Untere Halsdrüsen, Bronchial- und Mediastinaldrüsen faustgross und kalkig dogenerirt. Pia Mater im Bereiche der Medulla oblongata und an der Basis des Mittclhirns tuberkulös entzündet und mit zahlreichen kloinen Knötchon besetzt. An den Grosshirnlappen war die Pia nicht erkrankt.
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Capitel XXVII. Actinomycosis. Stialilcnpilzkranklicil.
Die Verdickung der Zunge (llolzzunge), die chronisch-entzündliche Auftreibung der Kieferknochen (Winddorn, Spina ventosa, Knochenwurm) und die Geschwülste (Lymphome) im Radien bei Bindern sind seit mehr als 50 Jahren
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258nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
in dor thiorarztlichon Literatur besprochen worden. Aber die Aotiologio dieser Zustände wurde erst 1877 bekannt, als Bollinger darlegte, dass die vorgedachten Krankheiten durch die Vegetation eines pflanzlichen Organismus voranlasst worden, welchen Harz untersuchte und Actinomyces (Strahlenpilz) benannte. Hiernach bezeichnete Bollinger die krankhaften Veränderungen, welche der pflanzliche Schmarotzer herbeiführt, als Actinomycosis. Nach Johne's Vorschlag werden die hierbei entstehenden Goschwülste ,,Actinomycomequot; genannt.
Die älteren Ansichten über die Natur dieser Krankheit haben gegenwärtig nur noch ein geringes Interesse. Gurlt (Pathol. Anat. Nachträge S. 54) meinte, dass bei dem 'Winddornquot; der Kinder eine der häufigsten Gelegenheitsursachen das An-stossen des Unterkiefers an scharfkantige und hoho Krippen, sei, dass aber auch wohl eine scrophulöse Dyskrasio zur Entstehung desselben beitragen möge,
Aetiologie und Pathogenese. Nach Boström ist der Actinomyces der Cladothrixgruppe der Spaltpilze zuzurechnen. Fr lässt sich auf erstarrtem Blutserum, Agar und Gelatine eultiviren und bildet drusenförmige Vegetationen (Actinomyccsdrusen). Wie Brazzola zuerst erkannte, kommt der Parasit sehr häufig auf der Mauergerste (Hordeum murinum) vor. Nach der Darstellung Boström's ist anzunehmen, dass derselbe aus-schliesslich auf Getreide und vorzugsweise auf Gerstengrannon wuchert, auch nur in diesem Entwickelungsstadium nach dem Eindringen der Grannen in die Organe empfänglicher Thiere eine pathogone Wirkung hat. Hierdurch wird die Thatsache verständlich, dass eine dircete Uober-tragung der Actinomycosis von einem Thicr auf ein anderes oder auf den Menschen nicht erfolgt.
Die Actinomycosis kommt vorzugsweise bei Hindern vor, wird nicht selten auch bei Schweinen, aber nur in vereinzelten Fällen bei Pferden beobachtet. Ausserdem ist derselben der Mensch unterworfen.
Die Untersuchungen von Johne und besonders von Boström ergaben schon, dass der Parasit mit der Aufnahme von Getreidegrannen oder Futterpartikeln in die Organe der Maulhöhle oder des ßachens gelangt und durch seine Vegetation eine productive Entzündung bedingt. P, Grawitz konnte diese Entstehungswciso der Krankheit im Kiefer'eines Kalbes direct feststellen. Ferner haben Henschol und Falk die Erkrankung der Zunge bei Rindern als Folge des Eindringens von Grannen oder Strohpartikeln nachgewiesen.
Gewöhnlich tritt die Actinomycose sporadisch auf; zuweilen erkranken aber innerhalb eines Jahres in einem Stalle oder in einer Landschaft viele Thiere. Ein endemisches Vorkommen beobachteten Tmminger in Bayern und Preusse in der AVcichsclniedcrung (im Kreise Marienburg), Welche Hilfsursachen das häufige Auftreten der Krankheit ermöglichen, ist nicht genau bekannt.
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Actinomycosis, Strahlonp ilzkrankheit.
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Der Parasitismus des Actinomyces bewirkt eine bindegewebige Entzündung der Gewebe und in Folge derselben die Bildung von Goschwülsten (Granulationsgeschwülste, Actinomycome). Letztere gleichen den Sarcomen und enthalten zahlreiche hirsekorn- bis erbsengrosse Knötchen, in welchen sich die oigenthümlichen Drusenquot; mikroskopisch nachweisen lassen. Durch Eegression und puriformen Zerfall des Gewebes in den Geschwülsten können Abscosse entstehen. Die Erkrankung der Zunge erfolgt gewöhnlich in der Form der bindegewebigen Verdickung und Vergrösserung (Makroglossie). Indess haben Henschel und Falk mit Recht darauf aufmerksam gemacht, dass zuweilen nur knotige Auftreibungen auf dem llücken der Zunge entstehen. Daneben bilden sich mitunter Erosionen auf der Schleimhaut der Zunge, der Backen oder des Gaumens. Nicht selten ist auch die Erkrankung des Zahnfleisches und des Gaumens. Schmidt-Mülheim (Handb. der Pleischk. 1884. S. 141) fand bei einem zweijährigen Rinde eine kindskopfgrosse Geschwulst im Winkel des Unterkiefers; der Knochen war nicht mitbo-troffen. Die Neubildung hatte sieh dagegen im submucösen Gewebe über das Zahnfleisch auf die Backen und den Gaumen verbreitet und bohnen- bis wallnussgrosse Tumoren erzeugt. Am Unterkiefer und mitunter auch am Oberkiefer können umfangreiche Auftreibungen durch die bindegewebige Wucherung in Markgewebe entstehen. Die Erkrankung beginnt mit einer granulirenden Entzündung dos Zahnfleisches an einem Backzahn und breitet sich nach und nach auf das Periost und das Markgewebe aus. Durch die Wucherung des letzteren entstehen im Knochen kleine und grössere, mit schwammigem Gewebe gefüllte Hohlräume (Lacuncn). Dagegen hat die Periostitis den Character eines ossi-ficirenden Prozesses, dessen Folge sich durch Knochennoubildung und Umfangsvermehrung des Kiefers kennzeichnet. In der Rachenschleimhaut veranlasst die Ansiedelung des Actinomyces das Zustandekommen von gestielten oder breiten fungösen Geschwülsten, die haselnuss- bis höhnereigross werden. Nicht selten ist hierbei die seoundäre Erkrankung der neben dem Schlundkopf gelegenen Lymphdrüsen. Es kann ferner eine actinomycotischo Neubildung am Schlünde und an der Haube sich bilden; an anderen Partien des Digostionstractus scheint die Erkrankung sehr selten zu sein. Die äussere Haut ist oft am Kopfe und Halse, selten an anderen Stellen Sitz der Actinomycome. Auch im Euter kommt die Infection vor; die in demselben veranlassto Erkrankung wird als Mastitis chronica actinomycotica bezeichnet.
Von besonderem Interesse ist endlich das Zustandekommen von kleinen oder grösseren Actinomycomcn in den Lungen. Pflüg hat einen
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260nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheitcn.
Fall besohrioben, welcher eine äussere Aehnlichkoit mit der acuton Miliartuberkulose zeigte. Andere Fälle sind von Ponfick, Hink, Pusch und Schmidt-Mülheim besprochen worden. Es entstehen in den Lungen in Folge der Aspiration von Actinomyces durch die Athembewogungen entweder viele hirsokorn- bis wallnussgrosse gelbwoisse Knötchcn oder grössere Knoten. Dio Pleura pulmonalis wird durch solche Knoten hervorgewölbt. In anderen Fällen bilden sich grössore Krankheisherde, welche durch Erweichung des Gewebes abscediren.
Eine metaststische Verbreitung der Actinomycose auf entfernte Organe durch Vermittelung des Blutes kommt nur sehr selten vor. Oster-tag (llandb. d. Fleischbeschau S, 425) fand bei zwei Ochsen, welche mit Actinomycomcn am Kopfe behaftet waren, embolischo actinomycotische Herde in den Lungen und der Leber bezw. auch neben den Nieren.
Sym|)tomc. Nach dem Sitze der Actinomycome gestalten sich die Krankheitszufälle sehr verschieden. In der äusseren Haut, an den Kieferknochen und den Organen der Maulhöhle sind die Geschwülste leicht wahrzunehmen. Ist die Zunge bedeutend erkrankt, so zeigen die Thiere Geifern aus dem Maul und Behinderung des Kauens. Ebenso wird durch die starke Auftroibung dos Kiefers die Futteraufnahme und die Rumination erheblich erschwert. Die Actinomycome der Rachenhöhle bedingen Dysphagie und röchelnde, später giemende Kehlkopfgeräusche beimAthmen. Bei umfangreicher Lungenactinomycose bekunden die Thiere eine allmälig zunehmende Abmagerung (Kachexie) und Dyspnoe.
Der Verlauf ist stets chronisch. Der Regel nach vorgeht schon eine Zeit von einigen Monaten, bevor die Actinomycome einen so grossen Umfang erreichen, dass die Function der betroffenen Organe gestört wird. Die Geschwülste in den äusseren Weichtheilcn des Gesichts und der Halsgegond werden meist gut ertragen und Bang (Deutsche Zeitschr. für Thiermed. 1884) constatirto mehrfach nach längerer Dauer die spontane Heilung derselben. Ungünstig verlaufen in der Regel die grösseren Neubildungen in der Rachenschleimhaut. Dagegen ist die Umkapselung der Actinomycome in der Ohrdrüsengegend nicht selten.
Die Diagnose der für die äussere Untersuchung zugänglichen Krankheitsherde ist im Ganzen leicht. Verwechselt wird die Krankheit zuweilen mit der Tuberkulose. Sind die Geschwülste erreichbar, so kann aus derselben ein kleines Stückchen zur mikroskopischen Untersuchung exstirpirt werden, durch welche die Diagnose stets zu begründen ist. Die actinomycotische Zungenentzündung unterscheidet sich von der traumatischen Glossitis durch die derbe Beschaffenheit bezw. durch das Fehlen einer ödematösen Schwellung.
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Acuter Gelenkrheumatismus.
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Prognose und Therapie. Abgesehen von den Actinomycomen, die auf operativem Wege leicht entfernt worden können, ist die Krankheit nicht günstig zu beurthoilen. In der neueren Zeit wurde die innere Behandlung der an der Actinomycose leidenden Hinder mit Jodpräparaton mehrfach gerühmt, die 1885 zuerst von Nocard und Thomassen empfohlen ist. Den kranken Thioren wird Kalium jodatum in täglichen Dosen von 4,0 bis 6,0 g zwei bis vier Wochen lang verabreicht. Sind die actiuo-mycotisch erkrankten Organe für die Scarification erreichbar, so liefern nach alten Erfahrungen tiefe Einschnitte in dieselben die besten Resultate. Gerlach (Allg. Ther., 2. Aufl., S. 407) bemerkt hierüber: raquo;Ohne tiefe und wiederholte Incision habe ich veritabele Zungenentzündungen niemals heilen können.laquo; Ich habe die chronische Glossitis mehrfach bei jungen und älteren Kühen mit langen Einschnitten in die Zunge behandelt und in den meisten Fällen eine wesentliche Besserung des Leidens erzielt, so dass die Thiere keine Beschwerden beim Kauen mehr hatten. Nach 2 bis 3 Monaten erreichte aber die Krankheit wieder einen erheblichen Grad; eine vollständige Heilung sah ich hierbei in keinem Falle. Ostertag empfiehlt die Application eines Kreuzschnitts durch die erreichbaren Actinomycome und die Einpinselung von Jodtinctur in die Schnittwunden. Mehrfach wurden parenchymatöse Injectionen von Jodtinctur oder Lugol'scher Lösung versucht und gerühmt. Früher galt das raquo;Ausbrennenlaquo; der Geschwülste, namentlich der Kiefergeschwulst, mit dem glühenden Eisen als ein wirksames Heilmittel. Das Verfahren wird auch jetzt noch von Esser u. A. empfehlen.
Bei den im Ganzen wonig günstigen Aussichten für die Heilung schwerer Krankheitsfälle ist auf die frühzeitige Schlachtung Bedacht zu nehmen, da das Fleisch der gut genährten Thiere durch die Actionomycose zum menschlichen Genüsse nicht untauglich wird.
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Capitel XXVIII.
Acnter Gelciikrlicmuatisuiiis. Ulicuiiiatisniiis articulornm nciitas; Polyarthritis rheumatica boiim.
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Aetiologie und Pathogciiesc. Analog der Lehre vom acuten Gelenkrheumatismus des Menschen ist auch von der gleichbonanntcn Krankheit des Kindes anzunehmen, dass dieselbe durch eine eigenartige Infection
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262nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten,
ihre Entstehung findet. Indess ist der Krankheitserreger bisher bacterio-logisch nicht nachgewiesen, wie auch vom aouten Gelenkrheumatismus des Menschen der pathogene Mikroorganismus noch nicht entdeckt wurde. Auch ist bis jetzt die Frage noch nicht entschieden, ob die gleich-benannte Krankheit beim Menschen und beim Rinde auf einer ursächlichen Einheit beruht.
Bei der Voraussetzung einer specifischen Infection als bedingendes Moment der Krankheit ist nach der praktischen Erfahrung anzunehmen, dass der Krankheitskeim ohne vorherige Läsion eines Organs in den Thierkörper eindringen kann. Denn die Krankheit stellt sich oft schnell inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; und unerwartet bei Kühen ein, die bis dahin weder krank noch ver-
wundet waren, oder frisch gekalbt hatten. In einer älteren Publication von Auer (Thierärztl. Mittheil., München 1863) wird die Ansicht vertreten, dass der acute Gelenkrheumatismus oft mit der Retention und fauligen Zersetzung von Rosten der Eihäute nach Abortus oder Frühgeburt in ursächlicher Verbindung stehe. Obgleich ich diese Meinung, die auch von anderen Thierärzten getheilt wird, nicht mit objectiver Bestimmtheit zurückweisen kann, so habe ich doch oft gesehen, dass die subeutane und periarticuläre Phlegmone, die sich zuweilen an die Retention und Fäulniss von Nachgeburtstheilen bei Kühen anschliesst, einen anderen Verlauf nimmt, als die Polyarthritis rheumatica. Deshalb scheint mir die Aetiologie beider Krankheiten nicht übereinzustimmen. Möglich ist aber, dass das eine wie das andere Leiden durch Strepto-kokken-Infection herbeigeführt wird.
Auch bei der Theorie von der specifischen Infection hat die ungünstige Haltung der Kühe und Ochsen, sowie die Schädigung der Thiere durch Witterungs- und Erkältungseinflüsse als Hauptursache in der Aetiologie der Krankheit eine wesentliche Bedeutung. Ich habe das Leiden nur beobachtet in solchen Viehbeständen, die nicht naturgemäss ernährt wurden, sondern Treber, Schlampe und sonstige Wirthschafts-abfälle neben wenig RaufFutter erhielten, nicht mit reichlicher Einstreu versehen und der Einwirkung einer niedrig temperirten und zugigen Luft ausgesetzt waren. Bei der früher auf dorn Lande üblichen Viehhaltung die sich weniger von den naturgemässen Ernährungsbedingungen des Rindes entfernte, kommt, soweit weine Beobachtung reicht, die Krankheit nicht vor. Dieselbe Erfahrung hat Harms (Rindorkrankheiten, Berlin 1890. S. 209) gemacht, welcher die Krankheit nur in der Nähe der Stadt Hannover bei Milchkühen gesehen hat, die auf der Mast standen und vor der Aufstellung normal abgekalbt hatten.
Der acute Gelenkrheumatismus scheint nur bei erwachsenen Rindern
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sich auszubildon. Küho und insbesondere Milchkühe werden am meisten betroffen. Bei Ochsen ist das Leiden seltener und bei den Bullen scheint keine Gelegenheit zu seiner Entstehung gegeben zu sein.
Ohne dass eine Gefährdung der Gesundheit bei den betreffenden Thieren zu vermuthen war, entsteht im Fessolgelolenk einer Vorder-oder Hintergliedmasse oder im Sprunggelenk, Kniegelenk oder Vorder-fusswurzelgelenk eine entzündliche Reizung der Synovialis in der Gelenkkapsel und den benachbarten Sehnenscheiden und Bursen. Die Entzündung setzt sich auf das Bindegewebe in der Umgebung des Gelenks fort und verursacht die Durchtränkung desselben mit Blutserum (peri-artikuläres Oedem). Zuweilen entstehen auch blutige Extravasate in die Synovialkapseln oder es bilden sich flockige Gerinnsel in der exsu-dirten Flüssigkeit, die eine blutige Färbung erlangt. Tm weiteren Verlaufe breitet sich die Entzündung auf den Gelenkknorpel aus, der stellenweise einer Erweichung unterliegt. Es können auch die dem Gelenk angehörenden Endstücke der Knochen afficirt werden, in welchen bei der Section sich zuweilen eine Hyperämie und Wucherung des Markgewebes nachweisen lässt.
Symptome: Das wichtigste Merkmal der Krankheit liegt in der schmerzhaften Schwellung der Gelenke bezw. ihrer Umgebung. Ich fand am häufigsten die Eesselgelenko der Vorder- oder Hintergliedmassen betroffen. Oft zeigt sich die Erkrankung auch zunächst an einem oder beiden Sprungelenken. Harms (1. c.) hat einen Fall beschrieben, in welchen ein Kniegelenk schwer afficirt war. Die periarthri-tische Schwellung ist vermehrt warm und ödematös, beim leichten Druck mit den Fingern für die Thiere sehr schmerzhaft. Die in geringem Grade afficirten Hintergliedmassen werden mehr nach vorn gestellt. Dabei zeigt sich die Erscheinung des Ueberköthonsquot;. Beschränkt sich das Leiden auf eine Gliedmasse, so wird dieselbe wegen der Schmerzempfindung in Beugestellung gehalten und oft für kurze Zeit emporgezogen. Bei der Erkrankung mehrerer Gelenke an verschiedenen Glied-masson liegen die Thiere anhaltend; sie können nur schwer oder gar nicht mehr aufstehen.
Die Störung des Allgemeinbefindens konnzeichnet sich durch Steigerung der Rectum-Temperatur um 1,0 bis 1,5deg;; Beschleunigung der Respiration und exspiratorischo Klagelaute; Pulsfrequenz bis 90 oder 100 Schläge in der Minute; Aufhören der Futteraufnahme und der Rumination; geringe Harnausscheidung und seltene Entleerung trockener Darmexcremente. Bei Milchkühen erhebliche Abnahme der Milch-produetion.
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Verlauf. Gewöhnlich entwichelt sich innerhalb eines Tages die Entzündung an einem oder zwei Gelenken. Wegen der starken Schmerz-crapfindung liegen die Thiere meist. Ist die Erkrankung nur in mittlerem Grade ausgebildet, so erholen sich die Patienten in 13 quot;Wochen. Bei schwerer Gelenkentzündung ist die Genesung nicht selten unvollständig. Dann bleibt als Nachkrankheit eine schmerzhafte chronische Arthritis (Arthritis deformans) zurück, welche Lahmheit und mangelhafte Ernährung der Thiere bedingt.
Eigenthümlich ist die Flüchtigkeit der Gelenkerkrankungquot;: An einem Gelenk besteht die Entzündung 6 bis 10 Tage, um dann schnell nachzulassen, worauf einige Tage später an einem anderen bis dahin verschont gewesenen Gelenk die Krankheitsorscheinungen hervortreten. Eine Complication der Sprunggelenkentzündung mit periartikulären erbsen- bis haselnussgrosson Abscossen beobachtete Harms in zwei Fällen. Selten wird eine Endocarditis mit oder ohne Bildung von Thromben an den erkrankten Stellen des Endocardiums bei acutem Gelenkrheumatismus des Rindes gesehen. Harms hat in allen Fällen
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bei den geschlachteten kranken Thieren das Herz gesund gefunden; ich kenne aus eigener Erfahrung auch keinen Fall, bestreite aber das von Anderen constatirte Vorkommen der Endocarditis als eine Folge der Krankheit beim Kinde nicht. Die Affection giebt sich durch Unregel-mässigkeit des Herzschlags und accessorische Herzgoräuscho zu erkennen.
Ungünstig wird der Verlauf beeinflusst durch decubitale Zerstörungen der Haut nach dem anhaltenden Liegen. Allerdings ist in der thierärztlichen Praxis gewöhnlich geboten, die Patienten schon abschlachten zu lassen, bevor diese Complication sich ausbildet. Der sonst bei schwerer Erkrankung nicht zu verhindernde tödtlicbe Ausgang erfolgt meist in der 2. his 3. Woche nach Beginn der Krankheit. Die Endocarditis kann in 2 bis 4 Wochen oder auch erst nach monatelanger Daner zum Tode führen, wobei die Störungen der Circulation zeitweise stärker, als sonst hervortreten.
Wenn die Krankheit nicht schnell abheilt, so bilden sich an den Gelenken die chronischen Entzündungsproducte, welche als Arthritis deformans zusammengefasst worden. Die Thiere sind hierbei oft dauernd mit erheblichen Gelenkschmerzen behaftet und deshalb wirthschaftlich werthlos.
Massgebend für die Diagnose ist die gleichzeitig oder nacheinander erfolgende Erkrankung von zwei oder mehreren Gelenken unter dem Bilde einer frischen, mit ödematöser Schwellung verbundenen schmerzhaften Entzündung. Wenigstens lässt sich die Annahme der Krankheit
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Acuter Gelenkrheumatismus.
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nicht mit Sicherheit motiviren, so lange nur ein Gelenk leidet, weil hierbei die Erscheinungen sich durch Nichts von einer durch Distorsion oder andere Ursachen bedingten acuten Gelenkentzündung unterscheiden, üebrigens bieten der Regel nach das Fieber, die starke Pulsfrequenz und die heftigen Schmerzen an dem kranken Gelenke einen diagnostischen Anhalt. Zur Verwechselung kann die Phlegraone an den Hinterschenkeln Anlass geben bei Kühen, welche nach der Geburt in Folge Zurückbleibens der Eihäute oder durch anderweitige Infection an einer eitrigen Endometritis erkrankt sind. Indess deutet in solchen Fällen schon der zeitliche Zusammenhang der Phlegmone mit der Erkrankung des Uterus darauf, dass die phlegmonöse Schwellung an der inneren Seite der Hintorschenkel einen anderen Ursprung hat.
Die Prognose ist nach meinen Beobachtungen im Beginn und bei massigem Grade der Krankheit ziemlich günstig. Durch sorgfältige Behandlung gelingt die Herstellung der Thiere oft in 1 bis 2 Wochen. Wenn aber die Patienten schon seit 2 bis 3 Tagen hülflos am Boden liegen und kein Futter mehr annehmen wollen, so lässt sich eine Heilung der Krankheit nicht mehr erwarten. Der Ausgang in eine Arthritis deformans ist nach dem Sitze und Grade des Leidens zu be-urtheilen. An einem Sprunggelenk oder Kniegelenk gestaltet sich dieser chronische Zustand weit bedenklicher, als an einem Fossolgelenk oder Oarpalgelenk. Die Complication mit einer erheblichen Endocarditis rechtfertigt der Regel nach eine ungünstige Prognose.
Therapie. Früher kannten wir gegen den acuten Gelenkrheumatismus des Rindes nuj Heilmittel zur Erfüllung symptomatischer Aufgaben. Gebräuchlich war Tartarus stibiatus (pro die 10,0 bis 20,0) mit Kalium nitricum und Natrium sulfuricum. Ich verordnete regelmässig Natrium bicarbonicum (täglich 150,0 bis 200,0) mit Natrium sulfuricum (500,0) in wässeriger Lösung. Nach meinen Beobachtungen ist diese mehrere Tage hindurch fortzusetzenden Medication, die nur einen geringen Kostenaufwand erfordert, sehr nützlich. Gegenwärtig wird aber nach den Erfahrungen in der Behandlung des acuten Gelenkrheumatismus bei Menschen von der Salicylsäure Gebrauch gemacht, der eine speeifischo Wirkung gegen den Infectionsstoff der Krankheit zuzuschreiben ist. Vom Natrium salicylicum sind einer Kuh 2 bis 3 mal täglich 30 bis 40 g in Wasser gelöst zu geben. Bei längerer Behandlung darf der relativ theuere Preis des Mittels nicht ausser Acht gelassen werden. Gegen den acuten Gelenkrheumatismus des Menschen werden ausser der Salicylsäure bezw. dem Natriumsalioylat auch Antipyrin, Antifebrin und
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Salol angewandt. Ueber die Wirkung dieser Mittel bei Kühen liegen noch keine genügenden Beobachtungen vor.
Zur äusseren Behandlung empfehle ich, die geschwollenen Gelenke zweistündlich mit Burow'scher Lösung, welcher Kampfer zuzusetzen ist, waschen zu lassen (Oamphorae 15,0, Plumbi acet. 200,0, Alum. 100,0 M. f. p. Davon 1 Esslöffel voll zu einer Weinflasche voll Wasser). Das Mittel wirkt in frischen Fällen und bei nachhaltigem Gebrauche sehr günstig. Bei protrahirtem Verlaufe sind warme Bähungen der Gelenke mit einem Infusum von Heusamen oder Kleie angezeigt. Nach dem Aufhören der Bähung wird die kranke Partie zweckmässig mit Brannt-
raquo;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; wein, Kampferspiritus oder Aether eingerieben und massirt, darauf mit
Watte umhüllt. Gegen die spröde Beschaffenheit der Haut an den geschwollenen Gelenken ist die Anwendung von Glycerin und eine warme Einhüllung empfehlenswerth. Für die diätetische Therapie besteht die Aufgabe, den kranken Thieren einen geräumigen trockenen Stall mit reichlicher Einstreu zu gewähren und durch sorgfältige Lagerung dorsel-
'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ben dem Aufliegen der Haut zuvorzukommen. Als Futter ist reines
Heu oder Kleeheu und Stroh, im Sommer gutes Grünfuttor den Thieren häufig anzubieten.
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Capitel XXIX.
Blutharuen, Nictus crueiitus. Kotliliarncii, ilaemoglobimiria,
Gosiohert gegen eine wissenschaftlich unrichtige Deutung ist zwar der Name des Blutharnens nicht, weil bei der Krankheit nicht Blut in toto, sondern nur das im Blute schon aufgelöste Hämoglobin dem Harn beigemischt wird. Die demnach nur mit einer begrifflichen Einschränkung zuzulassende Bezeichnung ist indess bis zur Gegenwart in Deutschland üblich geblieben. Vielfach sind auch die weniger präjudicirliohen Worte: das Roth oder Rothen, Weidoroth, rothes Wasser ;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; zur Benennung der Krankheit gebräuchlich.
Aus der Geschichte der Thierarzneikunde ergiebt sich, dass das Blutharnen in der früheren Zeit, als die Waldgrundstücke und die Gemeinde-Ilütungen noch einen grösseren Umfang hatten, mehr verbreitet war, als gegenwärtig. Für die Behandlung desselben standen die mannigfachsten Heilmittel, und unter diesen auch rein abergläubische Handlungen, sowie der Aderlass in grossem Kufe bei den Land-wirthen. (Vergl. Frenzel: Prakt. Handb. für Thierärzte und Oekonomen, 1795.) Nach der im vorigen Jahrhundort verbreiteten Ansicht sollte das Blutharnen bei allen pflanzenfressenden Hausthieren durch den Genuss der Blätter von Eichen, Rüstern oder Weissdorn, sowie von vielen giftig und scharf wirkenden Pflanzen
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Blutharnen. Rothliarnen.
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erzeugt werden. Man dachte sich, dass die Tliiere durch Hunger zur Aufnahme solcher Substanzen voranlasst würden. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war den Autoren die Theorie geläufig, dass der Gehalt der genossenen Pflanzen an Gerbstoff oder harzigen und scharfen Bostandtheilen eine entzündliche Reizung der Nieren oder der Harnblase mit Austritt von Blut hervorrufe. Ohne jede praktische Erfahrung hielten die Schriftsteller trotz des Widerspruchs von Dietrichs (spec. Pathol.) den Irrthum aufrecht, dass gelegentlich auch spanische Fliegen mit dem Futter vorzehrt würden, deren Wirkung auf die Nieren hei Pferden und llindorn das Blutharnen bedingen müsse. Tscheulin (1810) meinte allen Ernstes, dass die Krankheit dann entstände, wenn die Rinder Maikäfer mit dem Futter aufnähmen und verschluckten. Daneben galten als Ursachen: verdorbenes Trinkwasser und Witterungseinflusse, durch welche eine Erschlaffung der Nieren und der Harnwege entstellen sollte. Die Differenzen im Charakter der Krankheit wurden durch die den herrschenden medi-cinischen Lehrsystemen angepasste Aufstellung besonderer Formen anschaulich gemacht; sthenisches (entzündliches) und asthenisohes, typhöses, anthraxartiges, acutes und chronisches Blutharnen (Vorgl. Blaser im Archiv Schweiz. Thiorärzto. 1834. S. 284).
Hertwig (Art. Blutharnen im Wörterb. d. med. Wissensoh. Berl. 1831) unterschied ein idiopathisches und symptomatisches Blutharnen. Das orstere sollte entweder den Charakter der Entzündung oder der Schwäche und Atonie an sich tragen. Die abstrusen Vorstellungen jener Zeit über die Aetiologie der Krankheit ergeben sich aus der von Hertwig bewirkten Zusammenstellung der Ursachen: 1. giftige, scharfe, stark aromatische und scharfe Pflanzen (Ranunkeln; Euphorbien; Colchioum; Ledum; Clematis; die Knospen, Blätter und Zweige der Eichen, Esclien und Ulmen; der Weissdorn und der Ginster); 2. der Blüthenstaub von Eichen, Eschen, Kiefern und dergl. Bäumen, wenn er auf das Futter fällt; 3. der Genuss von Kanthariden, Maikäfern und mehreren Raupen; 4. das Weiden auf nassen, sumpfigen Wiesen; der Genuss verschimmelten oder dumpfigen Futters, von Wasser auf Sumpf- und Torfwiesen, selbst die aus dem Boden erfolgenden Ausdünstungen (Sumpfluft); 5. Erkältungen; 6. übermässige Anstrengung; 7. mechanische Einwirkungen auf die Lenden- und Nierengegond.
Die Ansicht Franquc's (Gesch. der Seuchen in Nassau 1834. S. 192) die sich als eine Umschreibung der Hypothese vom entzündlichen und asthenischen Blutharnen kennzeichnet, geht dahin: Die nächste Ursache des Blutharnens besteht in einer entzündlichen Reizung der Nieren, durch welche die Harnsocretion vermindert und zugleich so umgeändert wird, dass nur ein rother, mit Blut gemischter Harn abgeht; nur selten mag das Blutharnen aus Zerreissung oder Erschlaffung der Blutgefässo der Nieren entstehen.quot; Veith (Handb. der Vet.) führte mit grösster Sorgfalt alle bis dahin beschuldigten Ursachen vor und brachte das Blutharnen aussordem noch in Verbindung mit der von Ohabert unter dem Namen Maladie de boisquot; (Waldkrankheit, Holzkrankhoit bei den deutschen Uebersetzern) beschriebenen Gastro-Enteritis haomorrhagica des Rindes.
Dass das seuchonartig auftretende Blutharnen des Rindes,,milhrandigerNaturquot; sei, hatte Adamowioz (1824) behauptet. Mit einer bei dem Mangel bakteriologischer Kenntnisse erklärlichen Vorliebe bezogen viele Thierärzte diese Hypothese auf den bösartigen Verlauf dos Blutharnens, während der gutartige Verlauf nicht mit dem Milzbrand in Verbindung zu bringen sei. In der Literatur hat aber der Irrthum keine allgemeine Annahme gefunden. Hering (spec. Pathol.) lehnte donsei-
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268nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoiten.
ben zwar nicht vollständig ab, bemerkte aber, dass die Krankheit in der Mehrzahl der Fälle mit dem Milzbrande nichts zu schaffen habe. Der thatsächlichen Erfah
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rung entsprechend verlangte Gerlach (Mag. XX. 280) mit Recht, dass die auch bezüglich der schweren Krankheitsfälle irrthümliche Annahme des Milzbrandes ausgemerzt werden müsse.
Gelegentlich einer Versammlung des Vereins mecklenburgischer Thierärzte 1853 wurde (Bericht von Flemming. Laage 1854. S. 19) die Meinung vertreten, dass beim asthenischen Blutharnen das Hauptleiden in der Blutbesohaffenheit zu suchen sei, was daraus hervorgehe, dass die Blutkörperchen zerfielen und deshalb im Harn mit dem Mikroskop nicht aufzufinden seien. Mit grösserer Klarheit definirte aber zuerst Gerlach (Magazin 1854. Bd. 20. S. 278) das Wesen der Krankheit: Dieses (das enzootisohe) Blutharnen des Rindviehs ist keine locale Krankheit der Nieren; es ist
!nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; vielmehr eine Blutkrankheit; denn die Nieren selbst erscheinen nicht krank und in
den Harn tritt nicht wirkliches Blut, sondern mit gelöstem Blutfarbstoff versehenes Serum über.quot; An anderer Stelle (Preuss. Mitlheil. 1855. S. 91 Anmerk.) hat Ger-
fnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; lach die zutreffende Beurtheilung der Krankheit dahin erweitert, dass die Erkran-
kung des Blutes nicht nothwendig durch scharfe Substanzen bedingt sein müsse, dass dieselbe vielmehr vorwaltend durch den Genuss der auf feuchtem Boden und im Schatten gewachsenen sauren Grasen hervorgerufen werde. Das Blutharnen ent
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stehe durch das Putter auf Weiden zwischen Erlen und anderem Gebüsch, überhaupt
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auf llolzweidon. Auch die Stallfütterung mit dem auf solchen Stellen gewachsenen Grase können das Blutharnen herbeiführen. Der Krankheit liege kein scharfes Gift, sondern höchst wahrscheinlich ein saures Princip zu Grunde. Spinola (spec. Path. 3. Abth. 1857) schloss sich im Wesentlichen der Gerlach'schen Lehre an; er sieht als wichtigste Ursache des Blutharnens den Genuss von Carex, Scirpus, Juncus und Equisetum an und meint, dass die mit dem Futter in grosser Menge aufgenommenen Pflanzonsäuren im Darm resorbirt und in das Blut gebracht würden, in welchem sie einen Theil der rothen Blutkörperchen auflösten. Später hat auch Stockfleth (Zeitschr. für Thiermed. 1875) den Standpunkt vertreten, dass die ursächlichen Schädlichkeiten beim Blutharnen eine echte Ilämoglobinurie erzeugen. Das Resultat seiner kurzen Kritik der lltoratischen Angaben stellte Bellinger (Zeitschr. für Thiermed. 1877. S. 178) dahin zusammen: Aus allen Erfahrungen ergiebt sich, dass das Blutharnen der Rinder wohl meistens auf einer Blutvergiftung mit Auflösung des Hämoglobins und consecutiver Hämoglobinurie beruht.quot; Nach Friedberger und Fröhner (spec. Path, und Ther.) soll das Wesen der Krankheit
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dahin aufzufassen sein: Dass das Blutharnen in der Hauptsache eine durch toxische
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resp. infectiöse Stoffe hervorgerufene Blutzersotzung (toxische und infectiöse Ilä,mo-globinämie), sowie zum Theil auch eine myogene, d. h. rheumatische Hämoglobin-
l Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ämie darstellt.quot; Die irrthümliche Meinung, dass das Blutharnen durch Erkältung
verursacht werde, ist schon in der älteren Literatur (vgl. Busch, System der Thierh. 181G) ausgesprochen, aber auch in der neueren Zeit noch von einigen Badischen Thierärzten (Utz, Hink in Adam's Woch. 1888. S. 273) geäussert worden.
Die Theorie, dass das Blutharnen auf einer Infection beruhe, hat in Babcs einen überzeugten Anhänger gefunden. Derselbe veröffentlichte 1889 in Virchow's Archiv (Bd. 115) ref. B. T. W. 1889. S. 244 eine Abhandlung über die in den sumpfigen Danau-Niederungen Rumäniens unter den Rinderheerden endemisch auftretende Gastro-Entero-Nephritis, die von Hämoglobinurie begleitet wird. Babes macht das Blutharnen von eigenartigen Mikroben abhängig. In den rothen Blut-
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körperchen fanden sich Diplokokken, die mit concontrirter Löffler'scher Methylenblaulösung gefärbt werden konnten. Die Mikroorganismen, welche in den aus dor Milz hergestellten Präparaten zahlreich ermittelt werden konnten und in den Nieren massenweise enthalten waren, Hessen sich auch in den Capillaren der Körpermuskulatur nachweisen. Nach den Mittheilungen von Babos erholt sich die Hälfte der Thiere gegen den 2. bis 3. Tag; die übrigen Thiero gehen etwa am 7. Tage zu Grunde. Boi der Section wird die Milz um das Doppelte vergrössert, schwarzroth, die Pulpa zerfliessend gefunden. Labmagen mit hämorrhagischon Erosionen und grössoren Verschorfungen behaftet. Auch der Dünn- und Dickdarm enthalten neben der Hyperämie kloine und grössere hämorrhagische Herde. Die Nieren sind ganz constant von hämorrhagischem Gewebe umgeben, welches oft 20 cm lang ist und schwarzroth erscheint. Streifige Blutunterlaufungen in der Nierenbeckenschleimhaut. Die Nieren bedeutend vergrössert; Rindensubstanz verbreitert, schwarzroth. Babos nimmt an, dass eine Infection vom Verdauungskanal ausgehe und auf das Bauchfell, darauf in das Pfortadersystom, das Herz und den grossen Kreislauf gelange. Das krankhaft veränderte Blut verursache eine Milzsohwellung und schwere Schädigungen des complicirten Gefässapparates der Nieren, In einer späteren Arbeit (Ref B. T. W. 1890. S. 391) wiederholt Babos, dass die in den rothon Blutkörperchen gefundenen Mikroben einen pathogenon Charakten besiissen, bezw. die mit Hämoglobinurie auftretende hämorrhagisclie Darmentzündung der Binder verursachten.
Obgleich gegen die Zurechnung der von Babes beschriebenen acuton Infec-tionskrankheit der Rinder in Rumänien zu der hier zu erläuternden selbständigen Krankheit des Blutharnens die wichtigsten Gründe (hämorrhagische Magen-Darmentzündung und schwarzrothe Schwellung der Milz) sprechen, so haben doch in den letzten Jahren auch einige deutsche Thierärzte (Reuter in Adam's Woch. 1888. S. 178 u. A.) sich die Theorie angeignet, dass das ondomisciie Blutharnen des Rindes eine Infectionskrankheit sei und durch niedere pflanzliche Organismen zur Entstehung gebracht werde.
Definition. Vom Blutharnen (Hämoglobinurie) auszuschliesson ist die stets aus einer localen Erkrankung der Nieren oder der Harnwego entstehende Hämaturio, boi welcher der Harn Erythrocyten in grösserer Menge enthält. Aber auch die Hämoglobinurie kann als Symptom einer allgemeinen infectiösen oder toxischen Krankheit vorkommen. Freilich zeigt sich dieselbe nicht beim Milzbrand des Rindes, während die miz-braadkranken Schafe fast constant einen hämoglobinhaltigen dunklen Urin häufig und in geringen Mengen entleeren. Schon in der älteren Literatur hat die diagnostische Schwierigkeit, welche der Name des Blutharnens mit sich bringt, Beachtung gefunden. Die Krankheit wurde doshalb als idiopathischesquot; oder essentielles Blutharnenquot; boschrieben und wegen ihrer Bedingtheit von ortseigenen Verhältnissen auch ,,enzootisches Blutharnenquot; genannt. Begrifflich ist demnach für das Blutharnen vorauszusetzen, dass durch die Aufnahme zon Blutgiften mit den Nahrungsmitteln, aber ohne wesentliche Mitorkrankung
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anderer Orgcine, eine relativ grosse Menge von Hämoglobin aus aufgelösten rothon Blutkörperchen frei wird (Hämocytolyse, Erythrocyto-lyso) und zum grossen Theil durch die Nieren in den Harn übergeht (Hämoglobinurie).
Physiologisch ist bekannt, dass die Auflösung von Hämoglobin innerhalb der Gefässe durch eine grosse Zahl von Blutgiften bewirkt werden kann (Gällensäurcn, Arsenwasserstoff, chlorsaures Kalium, Chloral, Aether, Phosphor, Oarbolsäure etc.). Nicht ermittelt wurde aber bislang der Giftstoff, welchen die Rinder mit dem in dem hier gedachton Sinne schädlichen Futter aufnehmen. Es bleibt daher zweifelhaft, ob in den Pflanzen und verdordenen Futterstoffen, welche das Blutharnen hervorbringen, immer das nehmliche Gift enthalten ist, bezw. ob bei der unter verschiedenen Verhältnissen auftretenden Kränkelt die Auflösung von rothen Blutkörperchen durch mehrere Blutgifte bewirkt wird.
Aetiologtc. Nach den thatsächlichen Feststellungen der thierärzt-lichen Praxis sind folgende Ursachen der essentiellen Hämoglobinurie des Eindos bekannt:
1. Das Betreiben von Weiden (Bruchweiden, Sumpfweiden, Moorweiden, Laubholzweiden), welche einen hohen Grundwasserstand haben und mit Sträuchern oder belaubten Bäumen bestanden sind. Es sind besonders Ginster- und Wachholdersträucher, Erlen und andere Laubbäume, welche die betreffenden Weiden reichlich beschatten. Der Ge-nuss der unter solchen Vorhältnissen wachsenden Gräser und anderen
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Futterpflanzen ist als die Ursache des Blutharnens anzusehen (Gerlach). Wegen des relativ spärlichen Wachsthums wird das Futter von den Hindern nur beim Hüten verzehrt; es ist nirgend üblich, das Gras auf solchen Weiden zu mähen und auf dem Stalle zu füttern oder zu Heu zu machen. Hieraus erklärt sich das ausschliessliche Vorkommen der Krankheit beim Weidegang des Rindviehs. Am meisten zeigt sich dieselbe im Mai und Juni; sie kann aber jederzeit in den Sommermonaton und im Herbst entstehen. Ger lach constatirte, dass, wenn das Gras von solchen Weiden im Stalle gefüttert wurde, das Blutharnen sich ebenfalls ausbildete.
Die vorgodachten Weidegründstücke finden sich in manchen Gegenden nicht mehr, nachdem die gemeinschaftlichen Hütungen städtischer oder ländlicher Gemeinden aufgethoilt und grosso Waldgrundstücke oder Sümpfe mit hohem Grundwasserstand abgeholzt und trocken gelegt sind. Den Förstern und Oberförstern stehen aber auch jetzt noch in vielen Bezirken zeitweise nur Sumpf- oder Laubholz-Weiden für die Kühe zur Verfügung. Ebenso giebt es grosse und kleine Güter, deren Viehbestände
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bei anhaltender Dürre wegen Futtermangel auf Laubholzweiden ernährt werden raiissen. Daher das häufige Vorkommen der Krankheit unter solchen Verhältnissen. In vielen landwirthschaftlichen Besitzungen sind es nur kleine Parzellen, deren Beweidung die Krankheit herbeiführt.
Die Möglichkeit der Erkrankung bösteht bei Rindern jeder Race und jeden Alters. Indess wird überall beobachtet, dass die auf den betreffenden Besitzungen aufgezogenen Färsen, Kühe, Ochsen und Bullen von dem schädlichen Futter grössere Mengen ohne Nachtheil verzehren, als die aus anderen Gegenden zugekauften Thiere. Offenbar liegt hier eine Gewöhnung an das im Futter enthaltene Blutgift vor. Die Rinder, welche das essentielle Blutharnen einmal überstanden haben, sind vor der wiederholten Erkrankung nicht geschützt. Ich habe in Ueberein-stimmung mit älteren Angaben in der Literatur mehrfach beobachtet, dass Kühe innerhalb eines halben Jahres zweimal, selbst dreimal von der Krankheit befallen wurden. Dieselbe Beobachtung hat Reutor (Adam's Woch. 1888) gemacht.
2.nbsp; nbsp;Das Betreiben von Klee weiden (Kleedresch), welche mit scharfen Pflanzen (Ranunculaceen) verunreinigt sind. Seit mehr als 50 Jahren werden Ranunculus amnsis und R. acris als Ursachen des Blutharnens angegeben und in Abrede gestellt. Ich habe indess in 2 Fällen beobachtet, dass das Beweiden der mit Klee und den genannten Ranunkel-pflanzon bestandenen Ackergrundstücko von sonst guter Qualität nach zwei bis drei Tagen die Krankheit bei 5 bezw. 3 Kühen veranlasste. Wenigstens konnte ich bei genauer Untersuchung keine andere Schädlichkeit der Kleeweide auffinden.
3.nbsp; nbsp;Die Fütterung von befallenem, durch Honigthau verunreinigtem Grünfutter. Auf dem Gute Wassmannsdorf bei Berlin machte ich 1876 die Beobachtung, dass auf einem grösseren Plan die Luzerne vom Honigthau befallen wurde. Die Kühe erhielten das frisch geschnittene Luzernfutter auf dem Stalle. Von 27 Haupt erkrankten zwei Tage später 8, von welchen 6 sich erholten und 2 nothgeschlachtet werden mussten. Nachdem am 4. Tage reichlicher Regen gefallen war, der den Honigthau von der Luzerne im Felde abgespült hatte, konnte dieselbe wieder ohne Nachtheil an die Kühe verfüttert werden.
Pathogenese. Das Futter, durch dessen Genuss das essentielle Blutharnen der Rinder hervorgerufen wird, enthält eine toxische Substanz, welche aus dem Darm resorbirt wird und im Blute eine grössere Zahl von Erythrocyton zur Einschmolzung bringt. Das hierdurch frei gewordene und im Blutserum gelöste Hämoglobin geht ohne wesentliche Schädigung der Nieren in den Harn über und verleiht demselben die
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blutig rotho Farbe. Oft enthält der Harn Cylinderquot; von geronnener, durch Blutfarbstoff gelblich tingirtor, globulinartiger Substanz, die aus den Harnkanälchen der Nieren stammen. Fürstenberg (Preuss. Mit-thcil. XVil. 1870. S. 124) fand den Harn auch reich an Gallensäuren. Bislang ist die toxische Substanz noch nicht isolirt und nach ihren chemischen Eigenschaften untersucht worden. Gerlach und nach seinem
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Vorgange Spinola (lachten, dass der reiche Gehalt des Futters an vegetabilischen Säuren das bedingende Moment der Krankheit sei. Indess sprechen hiergegen manche Gründe. Da alle Gifte, welche einen Zerfall rother Blutkörperchen bewirken, die Alkalescenz des Blutes verringern, so ist anzunehmen, dass die alkalische Reaction dos Blutes bei den am Blutharnen erkrankten Thieren an Intensität abnimmt.
Durch die Einschmelzung eines relativ grossen Theils der Erythro-cyten im Blute wird eine allgemeine Anämie und wenn die Krankheit 8 bis 10 Tage anhält, auch Icterus herbeiführt. Auf welchen Vorgängen der letztere beruht, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Wahrscheinlich erfolgt nach der Einströmung einer grossen Menge des gelösten Hämoglobins in die Leber eine so reichliche Sekretion von Galle, dass letztere in der Lebor stagnirt und zum Theil resorbirt wird. Jedenfalls kommen dieselben Bedingungen in Betracht, wie beim Icterus nach starken Blutverlusten. Constant verbindet sich mit dem essentiellen Blutharnen der Rinder eine Fäcalstase im Darmkanal, welcher eine graduelle Herabsetzung der Darmperistaltik zu Grunde liegt. Dieselbe kommt wahrscheinlich dadurch zu Stande, dass die Verarmung des Blutes an Nährstoffen die Energie der motorischen Darmganglien abschwächt. In manchen Fällen stellt sich zunächst eine diarrhoischo Därmentleerung ein, worauf am 2. oder 3. Krankheitstage die Obstipation folgt. Zum tödtlichen Ausgange führt die Krankheit in Folge allgemeiner Erschöpfung des Ernährungsmaterials im Körper.
Symptome: 1. Anfangs reichliche, später öftere aber spärliche Entleerung von blutig gefärbtem, meist dunkel- bis schwarz-rothem Harn, welcher wegen seines Gehaltes an Albuminaten beim Fallen auf den Boden stark schäumt. Beim Aufstellen von Harn in einem Glase zeigt sich nach einem Tage auf dem Grunde des Gefässes ein geringer, schwarzrother Bodensatz. Nach Reuter (1. c.) reagirt der Harn in den ersten 35 Krankheitstagen sauer, später alkalischh. Die an der unteren Oommissur der Scham bezw. an der Vorhaut befindlichen Haare sind gewöhnlich durch missfarbene oder gelbröthliche Krusten (eingetrocknetes Hämoglobin) verklebt. 2. Allgemeine Körperschwäche. Die Thiero bewegen sich langsam, schleppend, erheben sich
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nur mit Mühe vom Boden und können in den höheren Krankhoitsgraden nicht mehr zum Aufstehen gebracht werden. 3. Trockenheit und grössere Empfindlichkeit der Haut, besonders am Rücken. 4. Anämie der Schleimhäute, namentlich der Conjunctiva, im weiteren Krankhoitsverlaufe Icterus. 5. Appetitmangel gegenüber gehaltreichen Nahrungsmitteln, bei erheblicher Erkrankung vollständiges Versagen der Futteraufnahme. Von klarem Trinkwasser wird dagegen ab und zu eine geringe Menge verzehrt. 6. Pulsfrequenz meist 70 bis 120 pro Minute; Puls klein, gespannt, in schweren Fällen draht-förrnig; Herzschlag pochend. 7. Spärliche Entleerung von Darm-exeromenton, die im Beginn der Krankheit weich, selbst diarrhoisch, später trocken und von schwarzer Farbe sind. Im weiteren Verlaufe Verstopfung. 8. Abnahme der Milchsecrction bis zum vollständigen Vorsiegen der Milch bei Melkkühen.
Verlauf: Nach der Menge des genossenen schädlichen Futters entwickelt sich die Störung im Allgomoinbefinden der Thiere innerhalb 1 bis 3 Tagen bis zu einem auch den Laien augenfälligen Grade. Gewöhnlich wird am ersten Krankheitstago mehr blutiger Harn entleert, als später. Die nicht schwer erkrankten Thiere liegen zwar auch anhaltend, erhalten sich aber so weit bei Kräften, dass sie ohne Hülfe aufstehen können. Schwor kranke Thiere liegen meist schon am 2. oder 3. Krankheitstage hülflos am Boden. Die Krankheit verursacht stets eine allgemeine Körperschwäche und Abmagerung der Rinder: die Haut wird trocken, die Augen sinken in ihre Höhlen zurück; Eingenommenheit des Bowusstseins, dauerndes Liegen und exspiratorische Klagelauto. Endet die Krankheit mit Genesung, so erholen sich die Thiere in 4 bis 10 Tagen allmälig. Dass das essentielle Blutharnen zuweilen schon innerhalb des ersten Krankheitstages zum Tode führt, ist in der Literatur von mehreren Beobachtern angegeben worden; ich habe keinen derartig schnell verlaufenden Krankheitsfall kennen gelernt. Meist vollendet sich der tödtliche Verlauf am 3. bis 8. Krankheitstage. Die eigentliche Todesursache ist die Anämie; eine wesentliche Hülfsursache beim tögtlichen Ausgange der Krankheit liegt aber in der Darmverstopfung, durch welche die Nahrungsmittelzufuhr behindert wird.
Seetiongbefuml. Grösstentheils zeigen die inneren Organe der eingegangenen Rinder dieselbe Beschaffenheit, wie beim Verblutungstode. Skeletmuskulatur mattroth oder gelblich. In den Bauch- und Brustorganen oft die Merkmale des Icterus. Milz nicht wesentlich verändert, Leber mitunter etwas vergrössert. Nieren von gewöhnlicher Grosse und derber Beschaffenheit. Harnblase meist leer; auf dem Grunde derselben
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nicht seiton ein dunkelrothes Sediment (Spinola). In den venösen Gefässen und im rechten Herzen findet sich nur wenig dunkelrothes, flüssiges oder mangelhaft geronnenes Blut.
Diagnose. So schnell die Erkrankung eines Rindes am Blutharnon sich feststellen lässt, wenn die Entleerung von blutig rothem Harn wahrgenommen und auf die Aetiologie geachtet wird, so schwierig kann sich die Diagnose gestalten, wenn die Anamnese keinen Aufschluss giebt und die pathognomische Erscheinung der Hämoglobinurie noch nicht bemerkt wurde. Verdachtsmomente sind die Anämie dor Conjunctiva und die Verklebung der Haare an der Scham bezw. an der Vorhaut mit röthlichen oder missfarbenen Krusten. Durch Reiben der Haut unterhalb der Scham können manche Kühe zur Entleerung der Harnblase veranlasst werden, wobei sich die blutige Färbung des auf der flachen Hand oder in einem kleinen Gefässe aufgefangenen Urins zeigt.
Zu verwechseln ist das essentielle Blutharnen mit denjenigen Krankheiten des Rindes, bei welchen Hämoglobinurie oder Hämaturie symptomatisch auftritt. Indess kommt der oft beschuldigte Milzbrand hierbei nicht in Betracht. Ich habe nie einen Fall von Milzbrand bei Rindern gesehen, bei welchen blutiger Urin entleert wurde. Dagegen können andere infectiöse oder toxische Krankheiten (Blutvergiftungen) eine Hämoglobinurie mit sich bringen. Dahin rechne ich die von Babös (Vergl. S. 269) in Rumänien untersuchte Rinderseuche. Stockfleth (Deutsche Zeitschr. für Thiermed. 1875 S. 125) beobachtete eine Hämoglobinurie bei Kühen nach der Fütterung von gefaulten und gefrorenen Rübenblättern, faulen Kohlrüben und von Branntweinschlämpe. Dass diese Krankheitsfälle, die zweifellos auch auf einer Blutintoxication beruhten, dem essentiellen Blutharnen des Rindes ursächlich anzureihen sind, wie Stockfeth gethan hat, erachte ich für fraglich.
Ein wissenschaftliches Interesse für die Diagnose hat die Mittheilung von Albert über Blutharnen der Kälberquot; (Magazin 1862 S. 249). Durch sehr gieriges Trinken aus dem Eimer verschluckten sich die Kälber; einzelne starben gleich durch Erstickung, andere lebton noch 1 bis 3 Stunden und starben dann unter den Zufällen der Suffocation; die übrigen, namentlich die älteren Kälber erholten sich von der durch das Fehlschlucken herbeigeführten schweren Dyspnoe nach 5 bis 8 Stunden. Nach dem Eintritt des Fehlschluckens und der Dyspnoe vergingen nur 1 bis l'/j Stunden, worauf hämoglobinhaltiger Urin entleert wurde. Schmerzhaftes Drängen auf die Harnwege (Trippeln mit den Hinter-füssen. Senken des Hinterthoils und Heben des Schwanzes). Geringe Mengen blutigen Harns wurden in viertelstündigen Zwischenzeiten ent-
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leort. Bei dor Section der gestorbenen Kälber fand sich das fehlgc-schluckte Getränk in den Bronchien und starke Blutfüllo der Lungen und des rechten Herzens. Nieron normal; in der Blase grössere oder kleinere Mengen blutigen, sehr dunklen Urins, in welchem bei der mikroskopischen Untersuchung keine rothen Blutkörperchen nachzuweisen waren.
Prognose. Jeder Krankheitsfall ist nach dem Grade und der Dauer zu beurtheilen. Bei massiger Störung des Allgemeinbefindens und bei zeitiger Durchführung der diätetischen und medicamentösen Behandlung genesen die Rinder in der Regel. Ungünstig wird aber die Prognose, wenn sich bei den kranken Thieron eine hartnäckige Verstopfung des Darms ausgebildet hat und wenn die Körperschwäche so gross ist, dass die Thiere nicht mehr stehen können. Als Hoerdekrankheit wird das Blutharnen nach den wirthschaftlichen Verhältnissen beurtheilt. In futterarmen Jahren lässt sich in manchen Wirthschaften die Benutzung der Waldweiden für die Kühe nicht umgehen. Beachtenswerth ist unter solchen Umständen die Erfahrung, dass bei regnerischer Witterung die Laubholzweiden oder Sumpfweiden gefährlicher sind, als bei trockener Witterung.
Therapie. Die kranken Thiere müssen ohne Verzug von der Weide entfernt und in einen kühlen, gut ventilirten und mit reicher Einstreu versehenen Raum untergebracht werden. Zur Selbstaufnahme ist gutes Wiesenheu oder Kleehcu, auch schmackhaftes Stroh und schleimiges Getränk mit Zusatz von Brod oder Roggenschrot öfter anzubieten.
Mit den seit langer Zeit gebräuchlichen styptischen Mitteln (Plumbum aceticum, Fcrrum sulfuricum, Perrum pulveratum, Cuprum sulfuricum, Tanninum etc.) habe ich keine therapeutischen Erfolge erreichen können. Wirksamer sind die zuerst von Gerlach empfohlenen alkalischen Mittel und die Neutralsake: Natrium bicarb. 100,0 bis 200,0 mit Natr. sulfuricum 400,0 bis 600,0 pro die in Leinsamenschleim oder in warmem Wasser. Wesentliche Vortheile bringt ferner die Verabreichung erregender Medicamente: Oleum Terebinth. 30,0 in einer Weinllasche voll AVasser oder Chamillenthee 4 bis 5mal täglich. Aeltere Thierärzte bevorzugen Oleum animale foetidum, welches in gleichen Dosen, wie das Terpenthinöl gereicht wird. Versagen die Thiere die Selbstaufnahmo nährender Getränke, so erweist sich das Eingeben von süsser Milch, Brodsuppe oder Mehlsuppe mit Branntwein, Rum, Cognac oder Wein, sowie von Biersuppe sehr nützlich. Von solchem Mittel worden täglich 4 bis 6mal je zwei bis drei Weinflaschen voll eingegeben. Demnächst
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276nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationsld'anklioiton,
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',:,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ist dio Magcnvordauung durch öftere Gaben von Salzsäure (5,0 bis 10,0)
in Wasser, Chamillenthee oder saurer Milch zu bessern.
Prophylaxis: Thunlichste Vermeidung der als nachtheilig bekannten
)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Weiden ist leicht zu empfehlen, aber in vielen Gegenden schwer auszu-
iühren. Einigen Nutzen gewährt die Verabreichung von Heu und nahrhaftem Getränk an die Hinder vor dem Botreiben der Wald- oder Sumpf-
quot;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; weiden. Ein sicheres Mittel zur Verhütung des Blutharnens liegt in
der Abholzung der Weiden bezw. in der Entfernung der Sträucher, welche die Grasilächen beschatten. In landwirthschaftlicher Hinsicht ist ferner zu prüfen, ob die Woidellächen durch Drainage oder durch An-
#9632; anbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;legen von Abzugsgräben ausgetrocknet werden können, womit dem Vor-
kommen des Blutharnens erfolgreich begegnet wird. Empfohlenswerth
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ist auch die Stallfütterung des Rindviehs, soweit sich dieselbe durchführen lässt.
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Capital XXX.*) Vergiftung durch Kornrade (Agrostemma Githago)'
Die Aufnahme von nassem Futter, welches grössere Mengen von Radesamen enthält und eine Zeit lang in Bottichen aufbewahrt ist, verursacht beim Rinde eine narkotische Vergiftung mit vorwaltender Affection des Rückenmarks. Worin die giftige Substanz besteht, ist bisher nicht ermittelt worden. Bei der Besprechung dieser Vergiftung im ]. Bande des Lehrbuchs habe ich ausgeführt, dass das Gift sich in Folge einer besonderen Gährung des mit Radesamen vermengten Futters bildet, weil dio Samen für sich allein in relativ grosser Menge von den Hausthicren ohne Nachtheil verzehrt werden. In geringen Quantitäten kann das Futter, in welchem sich die giftige Substanz befindet, 1 bis 2 Wochen lang täglich verabreicht werden, bevor die Symptome der Vergiftung sich zeigen. Kleine Gaben des fraglichen Futters' in Verbindung mit Nahrungsmitteln von guter Beschaffenheit wirken überhaupt nicht nachtheilig.
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*) In den nachstoliondcii Capiteln sollen nur einige wichligo Vergiftungen kurz besprochen worden, welche mit der Ernährung dos Rindes im Zusammenhang stehen. Wegen dor sonstigen Vergiftungen vorweise ich auf die Ilandbüchor der Toxikologie und Materia medica und auf Gerlach's gcrichtl. Thierhcilk. Absclin. Vergiftungen.
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Symptome: Allgemoino Schwäche; ängstliches Benehmen beim Herantreten von Personen; anhaltendes Liegen mit Aufstützen des Kopfes;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; p,, Minderung des Appetits und der llumination; verzögerte Ausscheidung der Darmexcremento; bei Kühen Abnahme der Milchsccretion; Puls 50 bis 65, bei schwerer Erkrankung 80 bis 90 Mal und darüber in dor Minute; Athemzüge 20 bis 50; Temperatur normal, bei schworer Erkrankung subnormal und kurz vor dem Tode zuweilen nur 35,0 und noch woniger. Langsames Kauen des Raulfutters und erschwertes Schlucken in Folge unvollständiger Lähmung des Schlundkopfs; Erweiterung der Pupille. Beim Stehen öfteres Zucken und Aufheben der Hintorgliedmassen. Später anhaltendes Liegen auf einer Seite in Eolge allgemeiner Lähmung.
Autopsie. In den Putterstoffon in den Vormagen und im Labmagen
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lässt sich der Radesamen in grosser Menge nachweisen. Wird der
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Mageninhalt in ein Gefäss mit Wasser geschüttet, so schwimmen die Radesamen auf dorn Wasser. Labmagenschleimhaut geröthet. Sonst fand ich keine wesentlichen anatomischen Veränderungen der Organe.
Die Prognose ist bei schweren Krankheitsfällen schlecht. Eine leichte Erkrankung endet mit Genesung in 1 bis 2 Wochen. Die schwerkranken Thiore werden zweckmässig geschlachtet; in den von mir beobachteten Fällen war der Genuss des Fleisches für Menschen nicht nachtheilig.
Therapie. Vollständige Aenderung des Futters und ausschliesslicho Darreichung von gutem Heu und Stroh mit reinem Trinkwasser oder Kleietrank. Ausserdem Natrium bicarbonicum und Natrium sulfuricum in abführenden Dosen. Wiederholtes Bürsten der Haut am Rumpfe und Auflegen von Decken. Gute Ventilation des Stallraums.
Casuistik. 1. Der Viohhalter H. hatte Ende September 1874 zur Fütterung von 5 Milchkühen aus einer Bierbrauerei Malzkeime beschafft, welche eine grosso Quantität Radesamen enthielten. Von diesem Puttor bekamen die Kühe in den ersten 8 Tagen nur wenig, demnächst aber eine grössore Menge und ohne Beigabe von Kloie und Häcksel. 14 Tage nach Beginn dieser Fütterung stellten sich bei finer Kuh die Symptome einer narkotischen Vergiftung ein; am folgenden Tage erkrankte die zweite Kuh und in der nächsten Woche wurden auch dio anderen Kühe von der Krankheit befallen. Eine Kuh erholte sich; die anderen mussten nothgoschlachtet werden. Als erste Symptome hatten sich geringer Nachlass des Appetits und häufiges zuckendes Emporheben der Hintergliedmaassen gezeigt. Bei meinor Untersuchung einer vor 2 Tagen erkrankton sechsjährigen Milchkuh constatirte ich folgende Zufälle: das Thior lag auf der Streu und erhob sich beim Antreiben langsam und mit Boschwerden. Beim Stehen zuckte es abwechselnd beide llinterfüsso hah-nontrittartig empor, trat aber jedesmal auf dieselbe Stelle nieder. 'Zum Vorwärtsgehen war die Kuh nicht zu bringen. Beim Stehen war die Halskette straff angezogen (Drängen nach rückwärts). Blick stier; Pupille erweitert. Die Kuh frass nur
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(inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;278nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten.
wenig Hou und Strob, welches langsam gekaut wurde. Schlucken erschwert. Aengst-liches Verhalten bei der Annäherung von Personen. Puls 58, Kesp. 22, Temp. 38,1. Darmexcretion verzögert, Koth weich. Trotzdem auf meine Anordnung nur reines Heu und Strob gefuttert wurde, steigerte sich die Krankheit. Ich fand am folgenden Tage, dass die Kuh anhaltend lag und sich kaum noch vom Boden zu erheben vermochte. Puls 05, Resp. 20, Temp. 37,9. Appetit fohlt; allgemeine Muskelschwäche. Am 3. Tage meiner Besichtigung lag das Tbier hülflos am Boden. Starkes Stöhnen und Verweigerung der Aufnahme von Futter oder Getränk. Nach der Nothschlach-tung constatirte ich in dem Vormagen und im Labmagen eine grosse Menge von Kadesamen. An der difTus gerötheten Labmagen-Schleimhaut hafteten viele Samenkörner; aber die Röthung war an diesen Stollen nicht stärker, als in der ganzen Schleimhaut. Bei den drei anderen in tödtlichera Grade erkrankten Kühen waren die '''nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Symptome im Wesentlichen dieselben; der Krankheitsverlauf erstreckte sich auf 4
;laquo;jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; bis 5 Tage. Die leichter erkrankte Kuh bekundete zunächst eine grosse Schreck-
;,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;haftigkeit, lag im Stalle längere Zeit, sprang aber bei der Annäherung von Personen
sofort auf. Zucken mit den llinterfüssen. Glotzender Blick. Puls 58, Resp, 15, Temp. 37,9. Milchprcduction verringert. Futteraufnahme massig gut. Die Symptome, insbesondere das krampfartige Emporheben der Elinterfüsse dauerten 5 Tage, worauf die vollständige Genesung innerhalb woniger Tage ei folgte.
2.nbsp; Im October 187C erkrankte der aus 5 Milchkühen bestehende Viehstand des Milchhändlers K., nachdem die Thiero 14 Tage hindurch Malzkeime, die aus einer Brauerei bezogen und mit Radesamen stark verunreinigt waren, bekommen hatten. Symptome und Krankheitsverlauf verhielten sich übereinstimmend mit der Beobachtung sub 1. Eine Kuh musste wegen schwerer Erkrankung geschlachtet werden; die anderen Thiero sind bei zweckmässiger Fütterung in 14 Tagen genesen.
3.nbsp; Der Landwirth W. hatte aus derselben Brauerei, wie der ad 2 gedachte Besitzer, im October 187G Malzkeime als Futtermittel für seine 4 Kühe gekauft. Den Malzkeimen war viel Radesamen beigemengt. Nachdem dies Futter 12 Tage hindurch verabreicht war, stellten sich die Vergiftungssymptome ein (Trippeln mit den Hinteifüssen und allgemeine Muskelschwächo). Als auf meine Empfehlung die Fütterung der Malzkeime inhibitt und gutes Rauffutter gegeben war, erholton sich sämmtiiehe Thiere in 8 Tagen.
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Vergiftung durch Pilze (Brandpilze, Kostpilze, Schimmelpilzlaquo;').
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Zu den pathogenetisch noch wenig bekanaten Allgemcinkvankheiten des Rindes gehören die Vergiftungen, die durch die Aufnahme von Futter entstehen, welches mit Brand-, Rost- und Schimmelpilzen erheblich verunreinigt ist. Die krankmachende Wirkung dieser Pilze wird dadurch bedingt, dass dieselben bei dem Schmarotzerthum auf den
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Vergiftung durch Pilze.
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Nahrungsmitteln eigenartige Gifte (Toxine) erzeugen, die theils durch ihre reizenden Eigenschafton eine entzündliche Erkrankung der Digestions-schleirnhaut, vorzugsweise aber nach ihrer Ueberführung in die Blut-circulation eine Schädigung entfernter Organe (Herz, Gehirn, Rückenmark, Uterus, Nieren) herbeiführen.
A. Von den Brandpilzen (üstilagineae) erzeugen die Gattungen Ustilago (Russbrand, Staubbrand) und Tilletia (Steinbrand) nicht selten schwere und lebensgefährliche Vergiftungen beim Rinde. Das mit Russbrand (Ustilago Oarbo und Ustilago Maydis) verunreinigte Futter veranlasst nach reichlicher Aufnahme: Allgemeine Schwäche, Appetitmangel, Unvermögen zu stehen, Unruhe und Kolik, starke Pulsfrequenz und bei tragenden Kühen, soweit die Erkrankung nicht zum Tode führt, sehr oft Abortus. Bei der Section finden sich: Dunklos, halbflüssiges Blut in den Gofässen, Blutergüsse in den Darm und in die Körperhöhlen, asphyktische Flecke in den serösen Häuten, sowie in der Digestions- und Respirationsschleimhaut, Schwellung und Trübung der grossen Parenchyme.
Bei tödtlichem Verlaufe dauert die Krankheit oft nur wenige Stunden oder einen Tag. Die Prognose ist schlecht. Für die Therapie empfiehlt sich nach allgemeinen Grundsätzen die Verabreichung von Neutralsalzen (Glaubersalz) und Excitantien (Alkohol, Aether, schwarzer Kaffee). Die Prophylaxis erfordert, dass den Rindern jede Gelegenheit entzogen wird, das mit Russbrand verunreinigte Futter (Aehren und Rispen des Getreides) zu verzehren.
Das Futter, welches durch Steinbrand (Tilletia Caries) verdorben ist, veranlasst nach dem Genüsse bei Rindern: Appetitmangel, Fieber mit starker Pulsfrequenz, Lähmung des Schlundkopfes, zuweilen Lähmung des Hintertheils (Unfähigkeit aufzustehen), allgemeine Schwäche, Benommenheit des Sensoriums und Diarrhöe. Bei schwerer Intoxikation liegen die Thiere hülflos am Boden, mit krampfhaft nach rückwärts gezogenem Kopfe. Der Verlauf umfasst in der Regel nur 2 bis 3 Tage; mitunter gehen die Thiere noch früher ein. Die Section ergiebt: entzündliche Röthung, Schwellung, hämorrhagische Herde und Erosionen in der Magen-Darmschlcimhaut; im Uebrigen die Zeichen der asphyktischcn Todesart. Bei dorn acuten Verlaufe ist die Aussicht auf Heilung dor schwer erkrankten Thiere sehr gering. Zu versuchen wäre die Verabreichung von Excitantien und grossen Dosen salinischer Abführmittel.
B. Von den Rostpilzen (Uredineae) kommt die Gattung Uro-myces auf Klee, Erbsen, Wicken und anderen Futtermitteln vor. Die
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280nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoitcn,
Pilzo haben eine reizende Wirkung auf die Kopfscliloimhäute bei Pferden und bedingen Schwellung und Exsudation. Dass aber durch dieselben beim Rindo eine allgemeine Krankheit verursacht wird, ist nicht bekannt. Dagegen kann die Gattung Puccinia, welche auf Getreide und anderen Gräsern schmarozt (Puccinia Graminis, Getreiderost, Grasrost) bei Hindern, die solches Futter in grösseror Menge verzehren, eine narkotische Vergiftung herbeiführen. Die Symptome dieser Intoxikation gleichen den Zufällen der acuten Bulbärparalyse (Vgl. S. 227). Die Prognose ist ungünstig und die Behandlung, für welche Abführmittel und Excitantien angezeigt sind, meist erfolglos.
C. Schimmelpilze (Aspergillus und Penicillium) können dem Mehl, Heu und Stroh eine giftige Beschaffenheit verleihen und bei Bindern nach Verabreichung solchen Putters eine eigenartige Lungenentzündung (Pneumonia asporgillina) hervorrufen. Häufiger entsteht aber eine schwere und tödtlich verlaufende Darmentzündung mit sopo-rösen Zufällen (Gastro-Enteritis typhosa im Sinne älterer Autoren). Für die Beurtheilung solcher Vergiftungen ist der Grad des Allgemein-Jeidens raassgebend. Bei grosser Pulsfrequenz und starkem Sopor kann auf einen günstigen Vorlauf nicht mehr gerechnet werden.
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Capitel XXXII. Vergiftung durch Kartoffeln.
Der hier ganannten Vergiftung sind die Störungen der Verdauung, welche die Fütterung von Kartoffeln, insbesondere von solchen, die gefroren waren oder angefault sind, beim Rinde herbeiführen können, nicht zururechnen. Diese Wirkungen der Kartoffelfütterung werden bei den Krankheiten der Digestionsorgane Erwähnung finden.
In kleinen Quantitäten, etwa 15 bis 20 Pfund pro Haupt, werden die Kartoffeln, roh oder gedämpft mit Häcksel und Kleie vermengt, als Nahrungsmittel den Kühen und Ochsen ohne Nachtheil verabreicht. Massige Gaben roher Kartoffeln lassen sich auch als diätetisches Heilmittel bei Magen- oder Darmverstopfung der Rinder mit Vortheil verwenden. Wenn aber pro Haupt täglich 30 bis 40 Pfund, oder wie ich einige Male kennen gelernt habe, bis 100 Pfund verfüttert werden, so stellt sich eine allgemeine Intoxikation ein, die auf den reichen Gehalt
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Vergiftung durch KartolToln,
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an Kaliumverbindungen in den Kartoffeln zurückzuführen ist. Die Kaliumverbindungen schädigen nach ihrer üeberführung in die Blutcir-culation besonders das Herz und die Skeletmuskulatur, wodurch der Vergiftung ein besonderes Gepräge verliehen wird.
Die Erkrankung stellt sich meist 2 bei 3 Tage nach der über-mässigon Fütterung der Kartoffeln ein. Die Thiere zeigen eine aligemeine Muskelschwäche beim Stehen und Gehen; sie können sich nur mühsam und bei kräftiger Unterstützung vom Boden erheben. Appetit fehlt; selbst gutes Rauffutter wird nar in einzelnen Halmen oder gar nicht angenommen. Häuffges Knirschen mit den Backzähnen. Darm-exeremente dunkel, zähe und klebrig, mitunter diarrhoisch. Bei Milchkühen mindert sich die Milchproduction erheblich. Puls schwach, 80 bis 90 Mal in der Minute. Athmung nicht wesentlich beschleunigt. Bluttemperatur um 0,5 bis 1,0 Grad erhöht. Der Gang ist steif und unsicher; Schwanken mit dem Hintertheil. Die Thiere bekunden im Habitus eine starke Ermüdung, einzelne Patienten stehen auf den Hintcr-füssen mit Einknikung der Fesseln. Bei Kühen stellt sich ein katarrhalischer, dickschleimiger Ausfluss aus der Scheide ein. In schweren Fällen liegen die Thiere anhallend; sie können auch mit Unterstützung nicht zum Aufstehen gebracht werden.
Der Verlauf ist acut uud vollendet sich innerhalb 8 Tage. Nur bei schwerer Vergiftung und bei Vernachlässigung einer rationellen Behandlung gehen die Thiere zu Grunde. Als wesentliches Ergebniss der Section findet sich eine trübe, lohmfarbene Beschaffenheit der Skeletmuskulatur, deren Substanz vielfach mit blutigen Herden durchsetzt ist. Herzfleisch trübe, graubraun, enthält ebenfalls kleine, blutige Herde. Reicher Blutgehalt in der Leber und in der Magen-Darmschleimhaut. Die grosse Mehrzahl der Patienten übersteht die Vergiftung ohne Nachtheil; die Genesung erfolgt in 2 bis 3 Tagen. Bei Milchkühen stellt sich aber für die ganze Lactationszeit die vorher bestandene grössere Milchergiebigkeit nicht wieder ein.
Die Prognose ist im Ganzen günstig. Nur bei einer Pulsfrequenz von mehr als 100 Schlägen in der Minute und bei grosser Hülflosigkoit der Thiere lässt sich der tödtliche Ausgang zuweilen nicht mehr abwenden. Ich behandelte im Juni 1886 in einem Viehstand von 30 Milchkühen, an welchen seit 6 Tagen grosse Quantitäten von Kartoffelsuppen verfüttert waren, 15 Kühe wegen dieser Vergiftung. Eine Kuh, die nicht mehr stehen konnte, wurde auf dem Düngerhaufen im Freien gebettet und im Uebrigen gleich den anderen Kühen behandelt; nach 3 Tagen konnte sie von selbst aufstehen und in den Stall geführt
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282nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankbeiten.
werden. Sie erholte sich schnell; aber die Milchsecretion war vollständig versiegt.
Behandlung: Als Heilmittel gegen diese Vergiftung bewährt sich Kochsalz zur Selbstaufnahme als Lecke, nach welcher die Patienten eine grosso Begierde zeigen. Daneben ist gutes Rauflutter (Heu, Kleeheu, Stroh) in kleinen Portionen und Weizenkleietrank anzubieten. Abreibung der Haut mit Spiritus. In schworen Fällen ausserdem innerlich erregende Mittel (Branntwein, Rum, schwarzer Kaffee stündlich in kleinen Dosen). Wenn aus wirthschaftlichen Gründen die Kartoffelfütterung nothwendig ist, so hat der Thierarzt darauf zu halten, dass täglich pro Haupt nicht über 20 Pfund verabreicht werden. Am besten werden die Kartoffeln zunächst grob geschnitten und 5 bis 6 Stunden lang in kaltem Wasser ausgelaugt, bevor sie reichlich mit Häcksel vermengt den Thieren zu reichen sind.
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Capitel XXXIII. Vergittmig durch Herbstzeitlose.
Im mittleren und südlichen Deuschland, in der Schweiz und in allen südeuropäischen Ländern gedeiht die Herbstzeitlose (Herbstblume, Oolchicum antumnale) auf manchen Wiesen und Weiden so üppig, dass sie nicht ausgerottet werden kann. Gewöhnlich im Mai und Juni, seltener zu anderen Zeiten, entsteht bei Rindern durch die Aufnahme einer grösseren Menge der Pflanze eine Vergiftung. Seit langer Zeit ist bekannt, dass das Colchicin, welches vorzugsweise in den Blättern und Samenkapseln der frischen Pflanzen enthalten ist, im Wesentlichen die Erkrankung der Thiere bedingt. Der Genuss der Herbstzeitlose verursacht zunächst eine schwere hämorrhagische Gastro-Enteritis, daneben aber auch die Zufälle eines Allgemeinleidens.
Symptome: Appetitmangel und Sistirung der Rumination; bei Milchkühen Versiegen dor Milch; Metoorismus des Pansens; leichte Kolik Trippeln mit den Füssen und öfteres Umsehen nach dem Bauche; Athmung nur wenig beschleunigt, aber dyspnoisch, mit exspiratorischen Klagelauten (Stöhnen, Aechzen, Anken); fieberhafte Steigerung der Temperatur und Pulsfrequenz, Puls klein und hart; Diarrhöe mit Tenes-mus; Auftreibung des Pansens. Bei schwerer Vergiftung ausserdem
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Vergiftung durch Klatschroson.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 283
zunehmender Kräfte verfall; stierer, gläserner Blick; anhaltendes Liegen und Unvermögen zum Aufstehen.
Der Verlauf erstreckt sich auf 1 bis 3 Tage. Leichte Fälle enden mit vollständiger Genesung, während die schwere Erkrankung entweder zum Tode führt oder eine so bedeutende Entkräftung bedingt, dass sicli die Thiere bei sorgfältiger Behandlung erst allmälig in 14 Tagen erholen.
Bei der Autopsie gestorbener Thiere ergiebt sich eine schwere Entzündung mit Blutaustritt in die Magon-Darmschleimhaut, starke Blutfülle in den Bauchorganen und blutiges Transsudat in der Bauchhöhle;
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Ekchymosen in den Wandungen des Magens und Darms, sowie im Gekröse, in den Nieren und der Harnblase; Lungen und Herz mit dunklem Blute gefüllt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;!
Durch sorgfältige Feststellung des Krankheitsbildes und der Anaraneso ist die Diagnose zu sichern; die Prognose richtet sich nach dem Grade der Krankheit. Zur Behandlung der Patienten ist zweistündlich Decoctum Corticis Quercus oder eine Lösung von Tannin in Wasser (5,0 : 300,0) zu geben. Daneben Natrium bicarbonicum mit Leinsamenschleim in grossen Dosen. Bei starkem Collaps sind Exci-tantien angezeigt. Die Erholung der Thiere wird durch häufige Darreichung von gutem Rauffutter gefördert.
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Capitel XXXIV. Vergiftung durch Klatschrosen.
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Nach der Blüthe und vor der Ausreifung der Samenkapseln bewirkt der Genuss grösserer Quantitäten der Klatschrose (wilder Mohn, Papaver Rhoeas) bei Rindern eine zwar in der Regel nicht tödtliche, gleichwohl aber erhebliche Vergiftung. Die meisten Fälle werden im Juni und Juli beobachtet, in welcher Zeit die Pflanze abgeblüht und die Kapseln noch nicht reif geworden sind. Mit zunehmender Reife verringert sich der Gehalt der Samenkapseln an giftig wirkenden Alkaloiden, welche grösstontheils mit den Opiumalkaloiden identisch sind. Wenn zur Sommerzeit im Roggen viel Klatschrosen gewachsen sind, so kannnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; L
auch im Winter das beim Dreschen des Getreides gewonnene Kaff innbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;j
grosser Menge die getrockneten unreifen Kapseln enthalten, in welchen
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284nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Tntoxicationskrankhoiten.
sich dio giftigen Alkaloide befinden. Durch die Fütterung von solchem Kaff wird ebenfalls dio Vergiftung herbeigeführt, wie Woestendiek (Preuss. Mitth. VI. S. 185) constatirte und wie ich selbst in 2 Fällen beobachtet habe. Bis zur Blüthezeit des wilden Mohn wird dagegen der Gonuss desselben den Hausthieren nicht naclitheilig.
Etwa 2 bis 5 Stunden nach der Aufnahme der Klatschrosen bezw. der Kapseln treten die Zufälle der Vergiftung hervor: Aufgeregtes, unruhiges Benehmen; Hochhalten des Kopfes; stierer, glotzender Blick; häufiges Brüllen; Stossen und Bohren mit den Hörnern im Stroh oder im Dünger; unsicherer, schwankender Gang; leichte Auftreibung des Pansens; Verstopfung; bei Milchkühen Abnahme der Milchsecretion; starke Pulsfrequenz; Röthung der Kopfschleimhäute. In den höheren Graden der Intoxikation kommen noch hinzu: epileptiforme und soporöse Erscheinungen.
Der Verlauf umfasst gewöhnlich nur 3 bis 5 Stunden, in schweren Fällen aber bis zu einem halben Tag, worauf die vollständige Genesung der Thiere schnell erfolgt. Für die Behandlung empfiehlt sich, die erkrankten Thiere in's Freie zu bringen und bis zur Abnahme der Symptome der frischen Luft auszusetzen. Innerlich wirkt schwarzer Kaffee oder eine Gabe Tannin (5,0) in kaltem Wasser nützlich. Dazu Waschungen des Kopfes mit Wasser und Essig.
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Zweite Olasse. Durch thierische Parasiten verursachte Krankheiten.
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Capitel XXXV. Itandnüniicr. Ccstodcs.
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Von den eigentlichen Bandwürmern (Taeniadao) lebt als Schmarotzer im Darm des Rindes der goziihnelto Bandwurmquot; (Taenla denticulata). Indess scheint dieser Parasit nur in sehr seltenen Fällen eine wesentliche Störung der Gesundheit (die Bandwurmkrankheit) bei Hindern zu verursachen. Truolsen (B.T.W. 1891 S. 179) behandelte eine 3 Jahre alte Kuh, welche seit 4 Wochen an Verdauungsstörungen litt und in der Milchlieforung bedeutend nachgelassen hatte. Zeitweise war eine Auftreibung an der linken Seite des Bauches beobachtet. Die Kuh war abgemagert, Pansen mit Gasen gefüllt; geringe Kothentlcerung; bei der Untersuchung des Mastdarms wurden übelriechende Oase ausgeschieden; Athmung erschwert; Puls 70; Temp. 38,7deg;. Nach Anwendung von 0,1 Gramm Physostigminum sulf. erfolgte reichliche, zulct/.t dünnflüssige Dofiication. Im Kothe fanden sich Exemplare von Taenia denticulata. Am folgenden Tage erhielt die Kuh 12 Gramm Tartarus stibiatus in Lcinsamenschleim. Nach weiteren 3 Tagen hatte sich dieselbe wieder erholt; sie genas vollständig.
Wichtiger sind für die thierärztliche Praxis die beim Rinde schmarotzenden Larven von Bandwürmern (Blasenwiirmcr). Die Rinderfinne, die Larve der im Danncanal bei Menschen lebenden und eine Länge von 45 Meter erreichenden Taenia saginata findet sich in den Muskeln und hat nach den Feststellungen von Hugo Hertwig ihren Lieblingssitz in den Kaumuskeln des Rindes. Wenn die Finne in nicht abgetödtetem Zustande vom Menschen mit dem Fleische genossen wird, so erfolgt im Darm die Ausbildung derselben zum Bandwurm, der nach den Erfahrungen der ärztlichen Praxis schwerer abzutreiben ist, als die Taenia solium bei Menschen. Bei den Versuchen von Mosler und von Zürn wurden die Proglottiden der Taenia saginata an Kälber vorfüttert, welche nach 1 Woche fieberhaft erkrankten und sehr matt wurden. Bei der Section fanden sich zu vielen Tausenden in der Skelet-
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286nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicalionskrankhoiton,
inuskulalur und im Ilorzlloisoh 1 bis 3 ram dicke, rundliche Knötchen, welche die jungen Finnen enthielten. Dieser Erkrankung wird in der Literatur der ungeeignete Name acute Oestodentubcrkulosequot; beigelegt.
Als Ursachen bestimmter Krankheiten erfordern die Larven vonTaeniaCoenurus und Taenia Echinococcus eine gesonderte Betrachtung.
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Capilel XXXVI. (Wmiriis-Ki'iuiklugt;ii des Oelkirus. Drehkrankheit.
Detinition. Dio Ucbereinstimmung der Drehkrankheit des Rindes mit dem gleichbonannten parasitären Leiden des Schafes ist seit mehr als 100 Jahren bekannt. Dass der im Gehirn sich entwickelnde Parasit die Larve der im Darm bei Hunden und Füchsen schmarotzenden Taenia Coenurus darstellt, wurde durch Küchenmeister 1853 erwiesen. Bei jungen Schafen kommt die Drehkrankheit in Deutschland überall vor, dagegen wird die Drehkrankheit des Rindes in Norddeutschland nur selten beobachtet. Sie findet sich häufiger in Mittel- und Süddeutschland, sowie in der Schweiz und wird dort in der Volkssprache auch mit den Namen: Wurmschwindel, Taumelkrankheit, Tippel oder Dippel, Umlauf, ümgänger oder Seitenfällig bezeichnet. Auch in Oestorrcich-Ungarn und in den Balkanländern ist die Coenurus-Krankheit beim Rinde nicht selten.
Die Krankheit wird durch den Parasitismus des Gehirnblasenwurms, Gohirnquese, Drehwurm, Quesenwurm (Coenurus cere-bralis Rad.), insbesondere duich den Druck der im Gehirn befindlichen und nach und nach bis zu Hühnereigrösse wachsenden Wurmblase auf die Oapillargefässe des Gehirns bedingt.
Actiologie und Pathogencse. Die Eier der Taenia Coenurus werden von den Rindern :auf der Weide mit dem Grünfutter aufgenommen. Im 4, Magen erfolgt durch die Salzsäure des Magensaftes die Auflösung ihrer Schale, worauf die Embryonen frei werden. Dieselben gelangen wahrscheinlich mit der Blutcirculation in die verschiedensten Organe des Rindes. Nur diejenigen Embryonen, welche in das Gehirn oder Rückenmark gelangen, entwickeln sich zu Blasenwürmern, während die nach anderen Organen transportirten Embryonen der Regel nach zu Grunde gehen. Die ältere Meinung, dass die Embryonen die Wandung des 4. Magens oder des Dünndarms durchbohren, instinetiv nach dem Gehirn
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Coenurus-Krankheit dos Gehirns. Drehkrankheit.
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wandern und in dasselbe durch das gerissene Loch gelangen sollen, findet gegenwärtig nur noch wenige Anhänger. Zuweilen und namentlich bei der experimentellen Erzeugung der Krankheit kommen im Gehirn des Wohnthieres 2 oder mehrere Blasen zur Ausbildung; gewöhnlich wird aber die Krankheit nur durch eine Blase bedingt. Nach den Versuchen von Küchenmeister, Haubner, Gorlach, Leuckart, Roll u. A. erfolgt die Ansiedelung der Bandwurm-Embryonen im Gehirn 14 bis 19 Tage nach der Aufnahme der Eier; etwa 3040 Tage nach dieser Zeit sind die Blasenwürraer erbsengross. Im Ganzen gehört eine Frist von 3 bis 4 Monate dazu, bis die Blase die Grosso einer Wallnuss oder eines Hühnereies erlangt und nun durch ihren Druck eine Lähmung der betreffenden Oentralapparate des Gehirns herbeiführt.
Aehnlich wie bei Schafen sind für die Ansiedelung der Bandwurm-Embryonen im Gehirn vorwaltend die jungen Rinder empfänglich. Im Alter von 1 bis 3 Jahren werden die Thiere am meisten befallen. Indess ist die Krankheit ausnahmsweise auch bei älteren Kühen beobachtet worden.
Symptome und Verlauf. Meist hat der Oeenurus seinen Sitz in einer der Hemisphären, deren Function nach und nach, in augenfälligem Grade aber erst beinträchtigt. wird, wenn die Wurmblaso die Grosse einer Wallnuss und darüber erlangt hat. Die bei Schafen mit der Einwanderung der Embryonen regclmässig eintretende Reizung dor Pia mater ist beim Rinde so unbedeutend, dass sie meist keine erkennbaren Erscheinungen hervorruft. Die Rinder halten den Kopf gesenkt und nach einer Seite, drängen gegen die Stallwand mit den Hörnern. Unvermögen zum Rückwärtstreten. Taumeln auf den Füssen und Niederstürzen. Bewusstsein vermindert. Im Freien bewegen sich dio Thiere in kleinem oder grösserem Kreise und immer nach derselben Seite, mit gesenkt und schief gehaltenem Kopfe, bis sie zusammenbrechen.
Diese Symptome treten zunächst anfallsweise täglich oder in mehrtägigen Zwischenzeiten auf, in welchen übrigens noch Futter und Getränk angenommen wird. Nach mehreren Tagen oder auch erst nach 2 bis 3 Wochen zeigt sich das Sensorium stärker benommen, mangelhafte Futteraufnahme mit Verringerung der Milchsecretion bei Kühen, Schliesslich Unvermögen zu stehen. Am Schädel ist die Haut höher temperirt und bei der Percussion desselben findet sich im Bereich der kranken Hemisphäre ein dumpferer Schall, als an der gesunden Seite.
Die Krankheit dauert gewöhnlich mehrere Wochen, soll sich aber auch, wie bei Schafen, auf einige Monate ausdehnen können.
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288nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankbeiton.
üio Diagnoie ist bei sorgfältiger Beachtung der Symptome nicht schwierig. Mit der subacuton Gohirnwassersucht können nur diejenigen Krankheitsfälle verwechselt werden, bei welchen die Wurmblaso gleich-massig auf beide Hemisphären drückt. Zuweilen findet die Diagnose eine Unterstützung in dor gleichzeitigen Erkrankung von zwei jungen Kühen eines Bestandes. Johow (Preuss. Mitthcil. 1870 S. 126) hat eine solche Beobachtung mitgothoilt.
Prognose und Therapie. Wenngleich der Coenurus cerobralis in einzelnen Fällen aus unbekannten Ursachen abstirbt und darauf eine spontane Heilung der Krankheit eintritt, so ist doch im Allgemeinen die Prognose schlecht. Kino Heilung ist nur durch die Trepanation zu erreichen. Hierbei wird an dem niedergelegten Thior das Stirnbein und die Schädeldecko auf der kranken Seite angebohrt und die Blase ganz oder zum Theil mit ihrem flüssigen Inhalt durch Ansaugen mittels einer sorgfältig desinficirten Wundspritze extrahirt. Da aber dio Operation eine tödtlicho Gehirnentzündung herbeiführen kann, so hat der Thierarzt in allen Fällen zu erwägen, ob nicht die Schlachtung dos Thicrcs dem Ungewissen Heilverfahren vorzuziehen ist.
Prophylaxis. Der Coenurus-Krankheit lässt sich nur dadurch vorbeugen, dass bei don Hunden der betreffenden Güter oder Gemeinden, mindestens bei den Hirtonhunden, welche am meisten auf die Viehweiden gelangen, während der Wintermonato durch geeignete Arzneimittel die Bandwürmer abgetrieben worden.
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Capital XXXVII. Ilcliinococciis-Kraiiklicit
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Neben dem Schafe, der Ziego, den wild lebenden Wiederkäuern und dem Schweine ist das Rind der wichtigste Träger der Larven von Taenia Echinococcus, welche im Dünndarm des Hundes oft in vielen Exemplaren lebt und nur eine Länge von etwa 4,0 mm erreicht, demnach der kleinste von den Bandwürmern dor Haussäugethiero ist. Wenn das Rind eine reife Proglottide dieses Bandwurms oder Eier aus derselben mit dem Futter verschluckt, so erfolgt im Labmagen die Auflösung der harten Eischalen, worauf die [Embryonen frei werden. Dieselben können nun
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Eohinococcus-Krankheit,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 289
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entweder die Magen- oder Dünndarmwandung durchdringen und in ihre Wohnsitze einwandern, oder in die Blutgefässe gelangen und mit dem
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circulirenden Blute in die zu ihrer Entwickelung geeigneten Organe gebracht werden. Zürn (Thiorische Parasiten) vertritt die Ansicht, dass für die Embryonen beide Wege gangbar sind. Mehrfach wird auch, aber ohne thatsächliche Begründung behauptet, dass die Embryonen vom Duodenum durch die Gallenwege in die Leber einwandern sollen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; k
Am häufigsten entwickelt sich der Hülsenwurm in den Lungen, innbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;p
der Leber und im Herzen. In diesen Organen können die Schmarotzer wesentliche Störungen voranlassen. Die Echinokokken worden aber vereinzelt auch in vielen andern Organen (Milz, Nieren, Auge, Muskeln, Subcutis, Knochen) gefunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^
Der Hülsenwurm der Hausthiere erhielt von Rudolphi den Namennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; gt;
Echinococcus vetorinorumquot;. Später wurde allgemein die von Diesing eingeführte Bezeichnung Echinococcus polymorphusquot;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
(vielgestaltiger Hülsenwurm) angenommen. Die Wurmblasen sindnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^
boi den Hausthieren in der Regel einfachquot; gestaltet und enthalten dann neben der Flüssigkeit nur die Brutkapseln. Oder sie sind, wie der Echinococcus bei Menschen gewöhnlich ist, zusammengesetztquot;, d. h. mit Tochter- und Enkelblasen versehen. Drittens findet sich in der Leber auch beim Rinde (Huber, Harms, Bollinger) der Echinococcus multilocularisquot;, dessen Vorkommen in der Leber dos Menschen Virchow zuerst beschrieben hat. Endlich viertens kommen beim Rinde häufig die kopflosen Hydatidonquot; (Akephalocyston) vor.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,#9632;
Die Zeit für die Entwickelung der Echinokokken ist von Leuckartnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;#9632;,
dahin festgestellt worden, dass die Wurmblasen 4 Wochen nach dernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; |
Invasion der Embryonen 1 mm, 8 Wochen nach der Invasion 1,5 mm gross und 19 Wochen nach derselben nussgross werden. Sie wachsen demnach nur langsam, können aber die Grosse eines Gänseeies bis eines Kindskopfes erreichen. In der Leber und in den Lungen, aber auch in anderen Organen gehen viele Echinokokken durch unbekannte Einflüsse, wahrscheinlich durch Entzündung ihrer Wandungen zu Grunde. Dann wird der wässerige Inhalt der Blase rosorbirt und es entsteht in dem umkapselten, wallnuss- oder haselnussgrossen Herde eine röthlich gelbe oder schmutzig gelbe, fettige Materie, die späterhin einer weiteren Schrumpfung und Verkalkung unterliegen kann.
Eine curative Behandlung der Echinokokken in den Organen ist bei den Hausthieren nutzlös. Es giobt kein Mittel, mit welchem die all-mälige Vergrösserung der Blasen verhindert werden könnte und ein
Dieckerhoff, Spec. Pathologie n, Tticrnpic. II. Bd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; in
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290nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhoiton,
operatives Eingreifen würde beim Rinde keinen Vortheil bringen können. Die Prophylaxis erfordert die gleiche Massnahme, wie bei der Coe-nurus-Krankheit (vgl. S. 288).
1. Echinococcns-Krankheit der Leber.
Das Vorhandensein woniger Echinokokken in der Leber beeinträchtigt die Gesundheit der Rinder nicht. Mit jungen Blasen von Erbsen-bis Wallnussgrösse kann die Lober auch vollständig durchsetzt sein, ohne dass ihre Function in einem für das botreffende Thier erheblichen Grade gestört wird. Wenn aber bei einer derartigen allgemeinen Invasion in die Leber die Blasen grosser werden, so verdrängen sie das Leberparonchym, welches der Atrophie verfällt. Dann erlangt die kranke Leber zuweilen ein Gewicht von 50 bis 80 Pfund. In der Umgebung der grösseren Blasen entsteht eine chronische Entzündung und es bilden sich bindogewebigo Verdickungen; mitunter verwächst der peri-toneale Uebcrzug der Leber stellenweise mit benachbarten Organen.
Bei der vorbezeichneton allgemeinen Degeneration der Leber sistirt einerseits die Sekretion der Gallo und anderseits beschränkt sich die Circulation des Blutes, dessen Rückstauung in die Pfortaderwurzeln einen oberflächlichen, chronischen Magen-Darmkatarrh bedingt. Hierdurch wird die Verdauung, sowie die Futteraufnahme bald mehr, bald weniger beeinträchtigt.
Symptome und Verlauf. Nur bei erheblicher Verödung der Leber bekunden die Thiero mangelhaften Appetit und allgemeine Abmagerung mit rauher Beschalfenheit des Dockhaars, Trockenheit der Haut, Schrumpfung der Muskulatur und Versiegen der Milch. Nach vielen Wochen oder Monaten erfolgt die vollständige Ausbildung der Kachexie und wenn die Thiere nicht getödtot werden, so gehen sie durch Inanition zu Grunde. Schneller entwickelt sich gewöhnlich die allgemeine Ernährungsstörung bei gleichzeitiger Invasion zahlreicher Echinokokken in die Lungen. Als besonderes Merkmal ergiebt die Percussion der rechten Unterrippengegend (II. und 12. Rippe) eine Dämpfung (Leberdämpfung) in abnorm grossetn Umfange (Harms). Auf Druck in der Leborgegend äussern die Thiero zuweilen Schmerzempfindung.
Diagnose. Die Echinokokken-Krankheit der Leber verläuft fieborlos und chronisch, worauf bei der diagnostischen Erwägung des positiven und negativen Untersuchungsbefundes Gewicht zu logen ist. Nichtsdestoweniger lässt sich bei den Patienten während dos Lebens die Diagnose nicht mit Sicherheit stellen. Denn auch andere chronische und kachektischo Krankheiton der Bauchorgane (Perlsucht, Labmagen-
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Eohinocoocus-Krankheit.
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sarkom, grössero Abscesse, Verwachsung von Eingeweiden) können ähnliche Erscheinungen bedingen. Es lässt sich daher aus den Symptomen und dem Verlaufe nur mit Wahrscheinlichkeit auf das Bestehen einer umfassenden Degeneration der Leber durch Echinokokken schliessen. Bestimmten Aufschluss kann nur die Section ergeben.
2. Echinococcus-Krankheit der Langen.
Eine geringe Zahl von kleinen oder grossen Echinokokken in den Lungen verursacht beim Eindo keinen Nachtheil. Es werden auch sehr oft bei der Schlachtung gesunder Kühe und Ochsen oder bei dor Section der durch andere Ursachen zu Tode gekommenen Binder die Lungen mit Echinokokken vollständig durchsetzt gefunden, ohne dass die be-treifendon Thiere durch dieselben während des Lebens geschädigt worden sind. Nicht selten beeinträchtigen aber nach einer reichlichen Invasion in die Lungen die bis zur Grosse eines Hühnereies und darüber entwickelten Blasen die Athmung. Einerseits beruht dieser Nachtheil darin, dass die Blasen auf die kleinsten Bronchien drücken und die Permeabilität derselben für die Luft erschweren. Anderseits kommt es in der Umgebung der Blasen zur Atrophie des Lungenparenchyms und zur Neubildung von Bindegewebe. Auch entsteht oft in einer grösseren Lungenpartie ein substantives Emphysem. In solchen Fällen ist die Blutcirculation in den Lungen erschwert und es entwickelt sich als Folge der Rückstauung des Blutes in die Bronchien eine chronische Reizung der Bronchialschleimhaut (Bronchitis suporficialis chronica sicca).
Symptome und Verlauf. Etwa ein halbes Jahr nach der Invasion der Embryonen entsteht entweder ganz allmälig, oder auch innerhalb weniger Tage bei den Rindern eine erhebliche Dyspnoe mit 40 bis 80 Athemzügen in der Minute, lebhaftem Nasenspiel und starken Flankenbewegungen. Häufiger, kurzer und scharfer, schliesslich keuchender Husten. In einzelnen Fällen besteht kein Hustenreiz (Harms, Rinderkrankheiten 1890). Der Appetit verringert sich erst im weiteren Krankheitsverlaufe mit der zunehmenden Athmungsinsufficienz. Pulsfrequenz massig erhöht; oft Venenpuls an den Jugularen. Fiebertemperatur fehlt. Allgemeinbefinden im Uebrigen wenig gestört. Weiterhin wird die Athembeschwerde zuweilen stärker; in manchen Fällen erhält sich dieselbe aber monatelang auf einem massigen Grade. Abmagerung und Verringerung der Milchsccretion. Nach mehreren Wochen, zuweilen aber erst viel später stellt sich allgemeiner Marasmus ein, welchem die Patienten schliesslich erliegen.
Die Auscultation der Lungen ergiebt trockene Rasselgeräusche
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292nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankhoiten.
(Piepen, Pfeifen, Schnurren), daneben verstärktes Blascliengeräusch bei der In- und Exspiration. Gewöhnlich sind die Geräusche in einer Lunge stärker, als in der anderen. In einzelnen Fällen findet sich saccadirtes Vesiculärgeräusch bei der Inspiration. Percussionsschall am Thorax normal oder stellenweise mit metallischem Beiklang. Beim Drücken gegen die Brustwand zeigen die Thiere Schmerzempfindung.
Für die Diagnose ist bei der Beurtheilung der vorbezeichneten Symptome in Rechnung zu ziehen, dass die Echinokokkenkrankheit der Lungen der Charakter eines Localleidens besitzt. Trotz der schweren Dyspnoe wird das Gosammtverhalten des Thieres meist erst nach längerer Zeit und viel woniger beeinträchtigt, als bei der Lungentuberkulose, bei der Lungenseuche und bei der Katarrhalpneumonie. Die sorgfältige Berücksichtigung dieses Momentes und des Untersuchungsbefundes, insbesondere des Percussionsergebnisses giebt dem Thierarzt einen ausreichenden Anhalt, um mit grosser Wahrscheinlichkeit auf das Bestehen der Krankheit zu schliesscn. Für die Feststellung der Echinokokkenkrankheit zur Begründung eines Gewähranspruchs ist aber die Erhebung des Sectionsbefundes unerlässlich,
3. Echinococons-Krinkheit des Herzens.
Im Muskelfleisch des Herzens, gewöhnlich im Septum der Kammern und nahe der Herzspitze kommt beim Rinde nicht selten ein Echino-coecus zur Ausbildung, welcher die Grosse eines Hühnereies bis einer Faust erreichen kann. Die mit Herz-Echinokokken behafteten Kühe oder Ochsen sterben gewöhnlich plötzlich (apoplektisch), ohne vorher augenfällige Zeichen einer Erkrankung bekundet zu haben. Gerlach (gerichtl. Thierheilk. 2. Aufl. S. 647) hat eine grössere Zahl von solchen Todesfällen aus der Literatur zusammengestellt. In einzelnen Fällen werden die Thiere anfallsweise von epileptiformen Krämpfen betroffen; die Attaquen wjederholen sich zwei- bis dreimal in Zwischenzeiten von einigen Tagen oder Wochen, worauf der Tod apoplektisch erfolgt.
Die unmittelbaren Bedingungen des Todes sind für den Echinococcus des Herzens bislang nicht aufgeklärt worden. Nach den bei Menschen, bei welchen der Echinococcus des Herzens übrigens selten ist, gemachten Beobachtungen wird von vielen Thierärzten angenommen, dass sich nach Berstung der Blase der Inhalt in eine der Herzkammern er-giesso und dass darauf eine Embolie und Thrombose in den Lungen oder im Gehirn das schnelle Abloben der Thiere herbeiführe. Indess fehlt für diese Deutung beim Rinde der thatsächliche Nachweis. Gerlach bestreitet deshalb die Berechtigung derselben. Mir scheint, dass durch
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Strongylus-Krankheit der Lungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;293
einen grösseren Echinococcus im Septum cordis beim Rinde die Mechanik des Herzens zeitweise gestört und die Beförderung des Blutes aus dem linken oder rechten Ventrikel momentan behindert werden kann. Hierdurch entsteht eine Anämie dos Gehirns oder einzelner Theile desselben, oder die Sistirung des kleinen Kreislaufs, unter Voraussetzung solcher Complicationen lässt sich sowohl das anfallsweise Auftreten von epi-leptoiden Krämpfen, wie der apoplektische Tod der Thiere erklären.
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Capitel XXXVIII. Rundwürmer. Annclides. IVemathelmintha.
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Keine Erkrankung beim Rinde verursacht nach den bisherigen Erfahrungen das Schmarotzerthum von Ascaris lumbricoides (regenwurmähnlicher Spulwurm) im Dünndarm, von Spiroptera scu-tata oesophagea (Schlundfadenwurm des Rindes) in der Speiseröhre, von Filaria papillosa (warziger Eadenwurm) in der Bauchhöhle, von Stongylus inflatus (breiter Palisadenwurm) im Grimmdarm und von Strongylus ventricosus (kantiger Palisadenwurm) im Dünndarm. Von den Rundwürmern bedingt nur der Strongylus micrurus (kleinschwänziger Palisadenwurm) in den Bronchien und der Strongylus convolutus im Labmagen eine Erkrankung.
Strongylus-Krankheit der Langen. Lnngenwarmkrankbeit.
AetUIogle und Pathogeuese. Der als Strongylus micrurusquot; bezeichnete Rundwurm findet seine naturgemässo Entwickelung zur Geschlechtsreife in den Bronchien des Rindes und kommt vorzugsweise beim Jungvieh im Alter von 1 bis 2 Jahren, mitunter auch bei älteren Thioren vor. Die lebendig geborenen Embryonen vegetiren auf feuchten oder sumpfigen Weiden im Wasser, um später während des Weideganges aufgenommen und verschluckt zu werden. Darauf wandern sie vom Magen instinetiv durch den Schlund in die Rachenhöhle und von hier durch die Luftröhre in die Bronchien, wo sie sich ansiedeln und zur Geschlechtsreife ausbilden.
Die Aufnahme der Embryonen geschieht der Regel nach von Anfang Juli bis Ende October auf feuchten Weiden, vielleicht kann die Invasion auch früher erfolgen. Erst nach Entwickelung der Parasiten
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294nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
zu einer gewissen Grosse beginnt die erhebliche pathogene Wirkung, die sich zuweilen schon während des Weidoganges, gewöhnlich aber erst nach der Aufstauung bei den Thieren bomerklioh macht. Als wesentliche Hilfsursache der Krankheit ist eine anhaltend regnerische Witterung während der vorbezeichneten Monate anzusehen. Ich habe die Entstehung der Krankheit auf den Weiden mit hohem Grundwasserstand an der Emscher in Westfalen mehrfach beobachtet, aber stets nur in nassen Jahren. Bei anhaltend trockener Witterung konnten die betreffenden Weiden ohne Nachtheil mit Jungvieh oder Kühen betrieben werden.
Durch die Reizung, welche die Embryonen nach ihrer Ansiedelung in den kleinsten Bronchien erzeugen, entsteht eine reichliche Schleimabsonderung, welche den Zugang der Athmungsluft zu den Alveolen absperrt (atelectatische Herde). Nach ihrer weiteren Entwickelung liegen die Palisadenwürmer in den Bronchien dritter Ordnung einzeln oder zu Knäueln verwickelt in dem schleimigen Sekret; später werden sie auch in den grossen Bronchien gefunden. Sie unterhalten einen Katarrh in der Bronchialschleimhaut mit reichlicher Absonderung eines grauweissen, wässerigen, eiweissreichen Productes.
Nur bei der Invasion einer grösseren Zahl von Embryonen entsteht eine ausgebreitete katarrhalische Bronchitis: die Lungenwurmkrank-heit'* oder Lungenwurmseuchequot;. In geringer Zahl bedingen die Palisadenwürmer keine erhebliche Störung bei dem Wohnthier. Nach der Zahl der Parasiten bezw. der Bronchien, welche von denselben oecu-pirt sind, kommt die Krankheit in leichtem oder höherem und bis zum tödtlichen Grade zur Ausbildung. Das sporadische oder endemische Auftreten der Krankheit richtet sich lediglich nach der Zahl der Rinder, besonders der Kälber und Jährlinge, welche auf den vorgedachten Weiden während der Herbstmonate belassen werden.
Symptome.*) Trockener, kurzer, scharfer, zuletzt kraftloser und immer sehr lästiger Husten. Gestreckte Haltung des Kopfes, auch beim Liegen. Dyspnoe mit starker inspiratorischer Erweiterung des Nasen-oinganges und weiten Elankenbewegungen. Stöhnen bei der Exspira-
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*) Der berühmte Mediciner P. Camper zu Groningen (üeber das Anstecken der Viehseuche etc. gekrönte Preisschrift von Camper und Weiss. Greifswald 1783) hat die Lungenwurmseuche dos Rindes zuerst beschrieben und auf ihre Unterscheidung von der Rinderpest aufmerksam gemacht. Späterhin wurde die Krankheit in den thierärztliohon Handbüchern nur gelegentlich bei der Lungenwurmkrankheit der Schafe erwähnt. Eine knappe, aber zutreffende Boschreibung der Symptome lieferte Kreisthierarzt Demme (Mittheil, aus der thiorärztl. Praxis in Kurhessen von Schmidt, 18G3 S. 49).
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Strongylus-Krankheit der Lungen.
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tion. Feuchte und trockene Rasselgeräusche bei der Auscultation dor Lungen. Percussionsschall am Thorax voll. Pulsfrequenz entsprechend der Dyspnoe. Reichliche Speichelabsonderung. Die leicht betroffenen Thiere bleiben bei gutem Appetit. Bei schwerer Erkrankung zeigt sich Verminderung des Appetits und Seltenheit des Wiederkauens. Anämie der Schleimhäute. Abmagerung mit stark gesträubter Stellung des Ueckhaars, Trockenheit und Derbheit der Haut. Tiefliegende Augen. Bei Melkkühen Versiegen der Milch.
Verlauf. Die Krankheit hat einen fieberlosen Verlauf nnd dauert vom Auftreten der augenfälligen Symptome bis zur Genesung der Thiere rund 2 Monate. Abhängig ist die Genesung von der naturgomäss erfolgenden Auswanderung der Parasiten. In schweren Fällen endet die Krankheit nicht selten in 3 bis 4 Wochen mit dem Tode der Thiere, welche vorher nur sehr wenig Futter verzehren, mit gestreckter Kopfhaltung liegen, ein kaohektisches Aussehen erlangen und durch den häufigen Husten bedeutend belästigt werden. Verläuft die Krankheit günstig, so nimmt der Husten nach 4 bis 6 Wochen mehr und mehr ab. Die Genesung ist in allen Fällen vollständig.
Bei der Autopsie der gestorbenen oder als unheilbar getödtoten Rinder findet sich neben den Veränderungen, welche die asphyktische Todesart mit sich bringt, eine starke Aufblähung der Lungen und in den Bronchien oder auch in der Luftröhre ein zähes, grauweisses, katarrhalisches Sekret, in welchem die Palisadenwürmer einzeln oder knäuelförmig liegen.
Die Diagnose ist bei sorgfältiger Erwägung der Symtome und des fieborlosen Krankheitscharacters nicht schwierig zu stellen. Sind mehrere Thiere, welche dieselbe Weide besucht haben, erkrankt, so erleichtert sich die Feststellung des Leidens. Beim Handelsvieh können aber die Symptome, wenn die Herkunft des Thieres nicht bekannt ist, den Verdacht der Lungenseuche erregen. Für die Prognose giobt der Grad der Dyspnoe und des Appetitmangels den Anhalt. Sind die Thiere stark abgemagert, so besitzen sie gegenüber den nachtheiligen Wirkungen der schweren Dyspnoe und des quälenden Hustens nicht mehr die genügende Widerstandskraft. Im Allgemeinen überstehen ältere Thiere die Krankheit leichter, als Kälber. Nach den Beobachtungen Demme's mussten indess von 40 Haupt (Kühe und Jungvieh) eine Kuh; von 12 Zugochsen 3 Haupt geschlachtet werden. In meinen Fällen starb von 8 gemeinsam geweideten Kälbern im Alter von 10 Monaton ein Stück und zwei andere wurden als wahrscheinlich unheilbar geschlachtet. Von 11 ein- bis zweijährigen Färsen
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29Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxioationskrankhoiten,
ging kein Stück zu Grunde. Bei ältoron Kühen habe ich selbst niemals einen tödtlichen Krankheitsfall beobachtet. Die Itehanillung beruht in der Erfüllung symptomatischer Indicationen, wobei die zeitige Anordnung einer kräftigen Ernährung mit proteinreichem Futter den grössten Werth hat. Danebon diätetische Mittel zur Förderung der Verdauung und gute Ventilation des Stalles zur Erleichterung der Dyspnoe. Werden die Thiere reichlich ernährt, so überstehen sie die Krankheit in der Regel. Die allgemein empfohlenen Inhalationen von Theerdämpfen oder von Terpenthinöl fand ich ganz nutzlos. Nach den Erfahrungen bei der Behandlung von Schafen, die mit Lungenwürmern behaftet sind, kann ich auch die Anwendung von antiparasitisch wirkenden Arzneipräparaten durch trachealo Injection nicht als wirksam empfehlen.
Bei dieser Sachlage ist die Prophylaxis von grosser Bedeutung; sie verlangt in nassen Jahren die thunlichste Vermeidung solcher Weiden, auf welchen erfahrungsgemäss die Embryonen von den Rindern aufgenommen werden. Die sicherste Präventivmassnahme liegt in der Stallfütterung der Thiere, wenn sich dieselbe in den betreffenden Wirth-schaften durchführen lässt.
Strongylus-Krankheit des Magens. Magenwurmkrankheit.
Unter dem Epithel im Labmagen des Rindes schmarotzt der Stron-gylus convolutusquot;, den Ostertag (Zeitschr. für Fleisch- und Milchhygiene 1891 S. 4) zuerst beschrieben und benannt hat. Derselbe wird häufig im 4. Magen bei jungen und älteren Rindern gefunden, ohne den Wohnthieren nachtheilig gewesen zu sein. Eine starke Invasion, die aber nur selten vorzukommen scheint, veranlasst mangelhaften Appetit und die übrigen Zufälle, welche die hydrämische Kachoxie begleiten. Bei der Obduction solcher Thiere findet sich die Schleimhaut entzündlich geröthet, geschwollen und mit linsengrossen, trüben, grauen Flecken besetzt, welche die zusammen gerollten Nematoden enthalten. Ostertag ist der Ansicht, dass der in der thierärztlichen Praxis bekannte Labmagenkatarrh mit folliculären Geschwürenquot; dem Sohmarotzerthum des Strongylus convolutus angehört.
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Saugwürmer. Trematodes.
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Capitel XXXIX. Saugwttrmer. Trcmatodcs.
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Zu einer wesentlichen Störung des Gesaramtbefindens beim Rindo giebt von den Saugwürmem nur das Distomum hepaticum (grosser Leberegel) und das Distomum lanceolatum (lanzettförmiger Leberegel) Veranlassung, aber auch nur in seltenen Fällen. Für die Schafe hat das Schmarotzerthum dieser Saugwürmer sehr grosse Nachtheile; ^beim Rinde verursacht dasselbe nur ausnahmsweise eine erhebliche resp. tödtliche Leberkranlcheit. Der Grund dieser Verschiedenheit dürfte darin zu suchen sein, dass die Constitution des Rindes einen ziemlich bedeutenden Ausfall der Function des Leberparenchyms erträgt, ohne dass die Verdauung beeinträchtigt wird, während die Widerstandskraft des Schafes in dieser Hinsicht weit geringer ist.
In manchen Gutswirthschaften werden die Schafe fast alljährlich verhütetquot;, weshalb die Schafzucht wegen der grossen Verluste durch die Leberegelkrankheit nicht beibehalten werden kann. Dagegen sind die feuchten Weiden solcher Güter bei einiger Vorsicht durch Rinder auszunutzen, bei welchen zwar eine geringe oder massig grosse Zahl von Distomen sehr oft in der Leber schmarotzt, die Leberegel-Krankheitquot; aber nur selten vorkommt. Entgegenstehende Mittheilungen in der Literatur aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts über das seuchen-hafte Vorkommen der Egelseuchequot; (Fäule, Anbrüchigkeit) beim Rindvieh in Niederungarn (Veith), in Baden (Tscheulin) und in Nassau (Pranque) sind mit Vorsicht aufzunehmen. Denn zu jener Zeit wurde die in nassen Jahren durch mangelhafte Ernährung bedingte Abmagerung (Bleichsucht) des Rindviehs mit dem Schmarotzerthum von Eingeweidewürmern unter dem Namen der .,Fäulequot; zusammengefasst. Die Parasiten sollten hierbei durch Urzeugung (Generatio spontanea) entstehen. Wenn nun in nassen Jahren die Rinder durch mangelhafte Ernährung auf ungeeigneten Weiden oder im Winter mit schlecht eingebrachtem Putter in grösserer Zahl eingingen und bei der Section der Leber Distomen gefunden wurden, so galt die Fäulequot; oder Egelfäulequot; als die tödtlich gewordene Krankheit. Auch viele neuere Angaben über grosse Verluste an Rindvieh durch das Schmarotzerthum der Distomen sind nicht einwandsfrei. Am lebenden Rinde lässt sich die Distomumkrankheit nicht sicher diagnosticiren und eine Erkrankung der Rinder unter den Symptomen der Kachexie kann in den Winter- und Prühjahrsmonaten
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298nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
aus ungenügender Ernährung entstehen, ohne dass dabei die in massiger Zahl bezw. in einem kleinen oder grösseren Theil der Leber schmarotzenden Distomen botheiligt sind.
Der Generationswechsel der Distomen wird bei der Leberegolkrank-heit der Schafe besprochen werden. Gerlaoh constatirte für Norddeutschland zutred'end, dass in der Mehrzahl der Fälle der grosso Leberegel (Distomum hopaticum) angetroffen wird, während Zürn bemerkt, dass in Thüringen das Distomum lanceolatum häufiger sei.
Distomum-Krankheit. Leberegelkrankheit. Tabes distomatosa.
Aetiologie und Pathogeoesc. Die Embryonen der Leberegeln werden vom llindo, wie vom Schafe im Sommer und Herbst beim Beweiden von feuchten Wiesen oder Weidegrundstücken aufgenommen. Dass die Aufnahme auch bei der Verabreichung des Grünfutters auf dem Stalle erfolgen soll, mag für Ausnahmefälle zugestanden werden. Aus dem Zwölffingerdarm wandern die Embryonen in die Gallenwege (Leuckart), um sich in denselben anzusiedeln und zur Geschlechtsreife auszubilden. Ihre Eier werden mit der Galle in den Darm fortgeführt. Die Ansicht Gerlach's, dass die Distomen die Wandung des Magens oder Dünndarms durchbohren und darauf durch den peritonealen Ueberzug in die Leber an der hinteren Fläche und in die Gallenwoge eindringen sollen, ist jetzt allgemein fallen gelassen. Eigenthümlich ist die Thatsache, dass regel-raässig beim Rinde die Distomen sich nur in den Gallenwegen des linken Lcberlappens finden, während der rechte Lappen nicht betroffen, das Parenchym desselben vielmehr durch compensatorische Hypertrophie vergrössert ist. Eine Erklärung dieser Eigenthümlichkeit, vermag ich nicht anzugeben. Da der rechte Lappen genügend Galle secernirt, so bleiben die betr. Rinder gesund. Naturgemäss wohnen die Distomen in den Gallenwegen; ein Theil derselben dringt zunächst bis dicht unter die Leberoberlläche, an welcher in Folge der Retraction des neugebildeten fibrösen Gewebes kleine Einschnürungen entstehen. Zuweilen bohren sich einzelne Distomen in die Pfortader, in welcher sich darauf eine Thrombose ausbildet, oder in die Lebervonen, von wo sie mit dem venösen Blutstrom in die Lunge gelangen und embolische Entzündungsherde von Haselnuss- bis Hühnereigrösse erzeugen. Einzelne Distomen können die Lungencapillaren passiren, durch die Lungenvenen in das linke Herz gelangen und mit dem arteriellen Blutstrom in verschiedene Körper-theile transportirt werden. In den Gallon wogen bedingt das Schma-rotzerthum der Egeln eine chronische, productive Entzündung mit Erweiterung und Verdickung der Wandungen, welche 1 bis 2 cm stark
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Saugwürmer. Tromatodos.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;299
werden können. Der chronische Entzündungsprocess setzt sich auf das portale Bindegowebe fort, so dass in dorn betroffenden Leberabschnitto des Parenchyra atrophisch wird und die erweiterton und verdickten Gallengewege strangförmig hervortreten. Der in der Schleimhaut der Gallengängo etablirte katarrhalische Entzündungsprocess führt zur Ablagerung von phosphorsaurem und kohlensaurem Kalk (Inkrustation). Hierbei bilden sich allmälig förmliche Kalkcylinder. Bei reichlicher Invasion der Distomen und Schädigung der Leber in ihrem ganzen Umfange ist die Zubildung von Bindegewebe mitunter so bedeutend, dass die kranke Leber einen das normale Maass 2 bis 3 Mal überschreitenden Umfang erreicht.
Symptome und Verlauf. Nur die entweder innerhalb weniger Tage oder in längeren Zwischenzeiten stattfindende allgemeine Invasion von Distomen in alle Thoile der Leber hat eine so bedeutende Beschränkung der Gallensecretion zur Folge, dass die Kinder unter den Symptomen einer allmälig zunehmenden Verdauungsstörung erkranken und die Merkmale der Kachexio bekunden. Meist entwickelt sich die Krankheit im Spätherbst oder im Winter und erlangt im Frühjahr einen so hohen Grad, dass die Thiere am Marasmus zu Grunde gehen. Local-erscheinungen fehlen. Die wesentlichsten Allgemeinsymptome sind: Mangelhafter Appetit, geringe Darmexcretion, zeitweise Diarrhöe; häufiges Knirschen mit den Backzähnen, Versiegen dor Milch, Derbheit der Haut mit rauhem Haar, Schrumpfung der Skcletmuskulatur, beschwerlicher Gang und später Unvermögen zu stehen. Die Krankheit dauert 3 bis 4 Monate, zuweilen noch länger.
Diagnose. Die Anwesenheit von Distomen in der Leber lässt sich zwar durch die mikroskopische Untersuchung der Darmexcremonte, welche die fraglichen Rinder entleeren, ermitteln. In den Excremonten sind nehmlich die Distomeneier nachzuweisen. Aber die Leberegelkrankheitquot; kann mit Sicherheit nur durch den Sectionsbefund in Verbindung mit der Feststellung des chronischen Verlaufs und des kachektischen Characters des Allgemeinleidens festgestellt werden. Bei der Section . finden sich die zur Pathogenese hervorgehobenen abnormen Zustände der Leber, und in der Gallenblase, sowie in den Gallongängen die Distomen in geringer oder grösserer Zahl. Indess ist bei der Diagnose stets Rücksicht darauf zu nehmen, dass das Schmarotzorthum der Distomen vielleicht ohne Nachtheil war und dass eine andere chronische oder acute Krankheit von tödtlichem Charakter bestanden haben kann. Oft sind auch neben den cylindrisch oder buchtig erweiterten und inkru-stirten Gallengängon noch Echinokokken oder tuberkulöse Herde in der
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300nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhelten.
Leber, Abscesse oder Tumoren in den Bauch- oder Brustorganen aufzufinden, wodurch sich die kachektische Erkrankung der Thiere erklärt. Insbesondere ist aus dem Sectionsbefunde die Diagnose der Leberegelkrankheit nicht zu motiviren, wenn die Folgen des Distomenparasitismus sich nur in einem Theil der Leber zeigen, in dem anderen Theil aber die normale braunrothe Schnittfläche nachgewiesen wird. In den Schlachthäusern ist während des letzten Decenniums die ältere Erfahrung der praktischen Thierärzte bestätigt worden, dass auch bei gut genährten Rindern in Folge des Distomenparasitismus eine bedeutende Degeneration der Leber entstanden sein kann, ohne dass die Thiere während des Lebens von einer Verdauüngs- oder Ernährungsstörung afficirt worden sind. Wenn demnach die Leber nicht vollständig entartet ist, so kann der minder gute Nährzustand junger oder älterer Rinder auf das Schma-rotzerthum der Leberegeln nicht zurückgeführt werden. Es ist vielmehr anzunehmen, dass der mangelhafte Nährzustand bei den betreifenden Thieren durch die Verabreichung von gehaltlosem Futter oder durch eine anderweitige Krankheit bedingt war.
Eine Behandlang der von der Distomumkrankheit befallenen Rinder würde nutzlos sein. Denn das durch die verdickten Wandungen der Gallenwege und die Cirrhosis hepatis zur Atrophie gebrachte Leberpar-enchym lässt sich nicht wieder herstellen. Wie bei allen kachektischen Krankheiten, so ist auch hier die Abschlachtung der Thiere vor der vollständigen Ausbildung des Leidens aus wirthschaftlichen Gründen anzu-rathen. '
Casuittik. Departementsthierarzt Sohell in Bonn hat (Preuss. Mitthell. Berlin 1857 S. 143) folgenden Krankheitsfall publicirt: Die Kuh zeigte seit längerer Zeit Abmagerung, wechselnde Fresslust etc.; sie war Object eines Rechtsstreites und wurde zur Aufklärung der Experten geschlachtet. Die Section, welche von mir in Gegenwart des Kreisthierarztes Drosse und des Thierarztes Huland vorgenommen wurde, ergab Folgendes: 1. Die Leber war um das Drei- bis Vierfache vergrössert, von graubräunlicher Farbe. Sämmtliche Gallengänge aufgetrieben, im Innern in-krustirt und in solcher Menge mit Leberegeln angefüllt, wie ich es noch nie bei ogelkranken Schafen gefunden habe. Die Egeln alle von gleicher Form, zeigten sich durch ihre sehr verschiedene Grosse als verschiedenen Altersperioden angehörend. Die Knoten auf der Oberfläche der Leber hatten alle auf ihrer Spitze eine kleine Geffnung von der Qrösse eines Nadelknopfes, woraus sich beim Drucke zuerst eine krümlige, schwärzlichbraune Masse und dann ein junger Egel entleerte. Die Lymphdrüsen der Leber durch seröse Infiltration bedeutend vergrössert, enthielten ebenfalls kleine Knoten, die je einen jungen Egel beherbergten.
2. Viele Gekrösdrüsen, die Bronchialdrüsen und beide Lungen zeigten an vielen Stellen dieselben beulenartigen Erhabenheiten, die sich alle, wie angegeben, verhielten und gleichsam Egelnester darstellten. Auch hier enthielt jede Beule nur
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Inseoten. Inseota. Hexapoda.
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einen kleinen Egel. Im Darmkanal war keine Egelbrut zu bemerken. Es hatte also eine Einwanderung der Egelbrut in verschiedenen Organen stattgefunden. Nach Drosse's Bericht sollen sich bei dieser Kuh dergleichen Cavernen auch an der Bauchhaut gefunden haben.quot;
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Capitel XL. Insecten. insectraquo;. Hexapoda.
Aus der zoologischen Klasse der Insecten ist die Entwickelung einzelner Species in einer bestimmten Periode oder für die Dauer des Lebens an das Scmarotzorthum in bezw. auf der Haut des Rindes gebunden. Andere Insecten verletzen gelegentlich die Haut, ohne als Schmarotzer auf derselben zu leben.
Hypoderma-Larven in der Hant. Dasselbeulen.
Die Rinderbremsfliege, Biesfliege Hypoderraa bovis. Oestrus bovis schwärmt vom Juni bis September, vornehmlich an schwülen Tagen, und legt hierbei ihre Eier auf die Haut am Becken, am Rücken, an der Schulter und am llippenkörper junger oder älterer Rinder. Aus den Eiern gehen Larven hervor, welche bis in die Unterhaut dringen und daselbst von dem Exsudate leben, welches sie durch ihren Reiz auf die Haut und Unterbaut hervorrufen. Das Schmarotzer-tbum der Larven dauert im Ganzen etwa 9 Monate. Nach ihrer Reife durchbrechen sie die Haut und verpuppen sich darauf, soweit sie nicht zu Grunde gehen, im Erdboden.
Das Schwärmen der Fliege dauert jedesmal nur eine kurze Zeit; aber junge und ältere auf der Weide befindliche Rinder gerathen durch dasselbe in eine bedeutende Aufregung. Sie laufen heftig und mit emporgerichtetem Schwänze (biesenquot;) nach schattigen Plätzen oder in erreichbare Flüsse und Teiche.
Durch die fortschreitende Entwickelung der Larven, die in der Volkssprache Engerlingoquot; genannt werden, entstehen in der Haut kleine Beulen (Dassolbeulonquot;), welche gegen Ende des Schmarotzerthums im April oder Mai durch zunehmende Eiterproduction eine fluktuirende Beschaffenheit erlangen und demnächst aufbrechen.
Die Nachtheile der Larven für die Gesundheit der Rinder sind unwesentlich, Da sich die Dasselbeulen vorzugsweise bei Kühen mit feiner
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Haut finden, so gelten dieselben als ein Merkmal guter Milchergiebigkeit. Oft ist in der Literatur behauptet worden, dass bei einer grösseren Zahl, etwa mehr, als 20 bis 25 schmarotzender Larven die Ernährung und die Milchproduction der Kühe beeinträchtigt werden. Thatsächlich begründet ist aber diese Ansicht nicht. Zutreffend ist dagegen, dass die in den Dasselbeulon entstehende Eiterung, welche nach aussen aufbricht, eine erhebliche Entwerthung der Häute von den späterhin geschlachte-Thieren herbeiführt. Denn die Narben, durch welche die Dofecte verheilten, fallen beim Gerben der Häute aus, so dass sich in dem Leder eine kleine oder grössere Zahl von Löchern als Merkmale ehemaliger Dasselbeulen findet. Aus diesem Grunde erscheint es gewiss berechtigt, Massnahmen vorzuschlagen, um das Schmarotzorthum der Hypodorma-Larven zu ve^aion. Anerkennung hat indess keine der bisherigen Emhfehlungcn gefunden. Ganz unausführbar ist das Abwaschen der Thiore an schwülen Sommertagen mit bitteren, empyreumatischen oder anderen Präparaten, um die Bioslliege abzuhalten. Anderseits ist auch die Einreibung der Dasselbeulen im Winter mit Terpenthinöl, Benzin, Fischthran oder Theer nutzlos. Den meisten Erfolg verspricht vielleicht noch der Vorschlag von Schmidt-Mülheim (Zeitschr. für Fleischschau HI. 1888 S. 32), nach welchem alljährlich im Frühjahr, etwa im April die Kindviehbestände einer Gegend besichtigt (Dasselschauquot;), die Beulen soweit erforderlich nach Durchschneidung der Haut aufgedrückt und die Larven vernichtet werden sollen (Abdasselnquot;). Eine solche Massnahme Hesse sich vielleicht von landwirthschaftlichen Locäl-vereinen zur Ausführung bringen. Bisher hat aber auch dieser Vorschlag noch keine Beachtung bei den Viehbesitzern gefunden.
Wenn eine thiorärztliche Behandlung der Dasselbeulen im Frühjahr verlangt wird, so empfehle ich, in das Centrum derselben, in welchem die Larve ihren Sitz hat, Jodtinctur oder Tchthyol-Lösung oder ein anderes antiparasitäros Präparat zu injicireu.
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Läuse. Pediculi.
Sehr lästig für die Viehhaltung ist das Schmarotzorthum der llinderlaus (Pcdiculus sou Haematopinus eurysternus) und der Kälberlaus (P. sou H. vituli). Diese Schmarotzer nähren sich auf der Haut vom Blut der Wohnthiere. Ihre Fortpflanzung geschieht durch Eier (Nisse), welche wegen ihrer klebrigen Hülle an den Haaren haften. Gewöhnlich werden die Läuse in die Viehbestände durch den Ankauf eines mit den Parasiten behafteten fremden Kindes eingeschleppt;
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Inseoton. Inseota. Hoxapoda,
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sie verbreiten sich allmälig durch die Berührung des kranken und der gesunden Thiero.
Symptome und Diagnose. Lieblingssitze der Läuse sind die Steiss-grube und die Genickgrube, demnächst der Hals, der Nacken, die Flanken und die innere Fläche der Hinterschenkel. An den afficirten Hautpartien und ihrer Umgebung besteht ein starkes Juckgefühl, in Folge dessen die Thiere die Haut scheuern oder mit der scharfen Zunge reiben. Theilweises Ausfallen der Haare und als Folge dos Schouorns blutrünstige Beschaffenheit der Haut. Bei monatolangem Schmarotzer-thum der Läuse magern die Kühe ab und geben weniger Milch.
Leicht zu verwechseln ist die durch Läuse verursachte Hautaffection mit der Räude, weil beiden Krankheiten ein gleich starkes Juckgefühl gemeinsam ist. Oft wird die Unterscheidung dadurch erschwert, dass die Thiere mit scharf wirkenden Mitteln (ranzig gewordener Fischthran) behandelt sind. Bei aufmerksamer Besichtigung der Haut finden sich aber noch Eier an den Haaren oder auch einzelne kleine oder grössere Läuse zwischen denselben.
Prognose und Therapie. Soll dio vollständige Ausrottung der Läuse erreicht worden, so darf der Viehwärter die Mühen einer anhaltenden Behandlung der Thiero nicht scheuen. Wie beim Pferde, so habe ich auch beim ßinde oft beobachtet, dass im Sommer die Haut von den Schmarotzern befreit schien, dass aber nach der Aufstauung der Heerde im Winter die Ausbreitung der Läuse über die Haut von Neuem erfolgte, weil sich in der Genickgrube, neben der Schwanzwurzel oder an anderen Regionen eine kloine Zahl der Schmarotzer erhalten hatte. Die Cur hat gewöhnlich nur dann einen durchgreifenden Erfolg, wenn das Deckhaar bei allen kranken oder verdächtigen Thieren vorher abgeschoren wird. Von den vielen läusetödtenden Mitteln sind dio Tabak- und Quecksilberpräparate nicht zu verwenden, weil durch dieselben beim Rinde sehr leicht eine Vergiftung stattfindet. Indes habe ich oft eine Salbe aus gleichen Theilen Unguent. Hydr. einer., 01. animate foetidum und Sapo viridis in dor Genickgrube, am Halskamm oder in der Stoiss-grube mit gutem Erfolge einreiben lassen. Auch andere Mittel werden zweckmässig nicht mit einem Male über dio ganze Haut aufgetragen; die Rinder ertragen die Cur besser, wenn täglich nur der 4. oder der 3. Theil der Haut behandelt wird. Zu den wirksamsten Mitteln gehören: Petroleum, wässerige Creolinlösung (3 pOt.), Carbolwassor, Bonzin in Spiritus (10 pCt.), Essigdekokt von Semen Staphisagriao (l; 20). Wird die Haut durch solche Mittel spröde, so sind Waschungen mit 1 pCt. Pottaschenlösung oder Kleiowasser und die nachherige Einreibung mit
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304nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankheiten.
Fett am Platze. Eins der wirksamsten Mittel gegen die Läuse iat die Arseniklösung, die in gleicher Weise, wie bei der Räude anzuwenden ist. Nach Ablauf von 2 bis 3 Wochen müssen die Mittel zur Abtödtung der inzwischen ausgebrüteten jungen Läuse von Neuem applicirt werden.
DerHaarling des Rindes (Trichodectes scalaris) lebt auf der Haut von feinen Haaren und Epidermisschuppen, ist aber für die Gesundheit des Wohn-tliiers nicht von wesentlichem Nachtheil. Zur Beseitigung der Haarlinge können dieselben Mittel angewandt werden, welche die Abtödtung der Läuse bewirken.
Die Ochsenzocko (Ixodes reticulatus) schmarotzt beim Schaf und Rind, ist aber kaum jemals Gegenstand der Behandlung. Sonst lassen sich die Zecken beim Rinde durch Waschungen mit Petroleum oder Torpenthinöl und Wasser (1 : 3) vertreiben. Zürn widerräth das gewaltsame Abreisson, empfiehlt dagegen das Bestreichen der Schmarotzer mit Ool oder Benzin.
Für die Vereinigten Staaten in Nordamerika hat der daselbst als Rinderzecke (Cattle Tick) bezeichnete Schmarotzer (Boophilus bovis seu Ixodes annu-latus) ein besonderes Interesse erlangt, weil nach der Ansicht von Professor Salmon und Dr. Theobald Smith zu Washington bei den Rindern in Texas durch den Stich dieser Zecke die Texassouoho (Southern Cattle Fever), welche S. 140 kurz geschildert ist, verursacht werden soll. Auch Professor Dr. Francis vom Agricultural College of Texasquot; ist dieser Ansicht. Naoh einer mündlichen Mittheilung des letzteren sollen Waschungen mit Tabaksabkochung oder rohem Petroleum oder Schwefelpräparaten als Vorbeugungsmittel gegen die Uehertragung der Texasseuche durch Zecken sich bewähren. Indess mochte Professor Dr. Detmers in Oolumbus-Ohio der Rinderzecke eine ätiologische Bedeutung beim Texasfieber nicht zuschreiben.
Fliegen und Mücken belästigen die Rinder während dos Sommers vielfach, besonders bei der Futteraufnahme in vielen Ställen. Es ist indess nicht üblich, Mittel zu ihrer Abwehr zu benutzen. Sonst würden sich hierzu Waschungen mit einer Mischung von Petroleum und Wasser zu gleichen Theilen oder mit dem oon-centrirten Decret eines bitteren pflanzlichen Mittels eignen.
Kolumbaczcr Mücke. Seit 100 Jahren ist in der Literatur die Gefahr besprochen worden, welche die Kolumbaczor Mücke (Simulia maculata) für die Rin-dorheerden in den östlichen Donauländern, weniger oft in Oesterreich und Deutschland hat. Die Mücke ist nach dem alten Schlosse Kolum-baez in Serbien benannt, in dessen Nähe Kalksteinhöhlen liegen, die den Insecton bei ungünstiger Witterung eine Zuflucht gewähren. Durch ihre Stiche erzeugen die Mücken eine brennende Empfindung in der Haut. Bei zahlreichen Stichen entsteht eine schmerzhafte, derbe Geschwulst mit heftigem Entzündungsfieber. Mitunter werden die Heerden von ganzen Schwärmen dieser Insecten angefallen. Hierbei kriechen die Mücken den Rindern in den After, das Maul, die Nasen und Ohren, selbst durch die Rachenhöhle in die Luftröhre (Schönbauer). Junge
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Rinder erliegen den Läsionen leichter, als ältere. In den östlichen Donauländern erfolgt die Abwehr der Kolumbaczer Mücken durch den Rauch brennender Feuer, welche die Hirten unterhalten. Schönbauer empfiehlt ausserdem (vgl. Zürn, Thierische Parasiren) als Priiventiv-mittel das Bestreichen der Haut mit einer Salbe aus Tabaksdekokt, Fett und Steinöl. Wahrscheinlich würde eine concentrirte Creolinlösung die gleiche Wirkung haben.
Darvas berichtet (Jahresb. über das Vet. Wesen in Ungarn. Erster Jahrg. S. 98), dass zwischen dem 6. und 8. Mai 1889 an mehreren Orten viele Rinder und Pferde plötzlich umgestandon seien. Die Thiere wurden vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang von unzähligen kleinen Fliegen, welche gelbliche Flügel und einen glänzenden schwarzen Rücken besitzen, überfallen. Auf dem Kopfe, am Untor-bauche, an der Innenfläche der Schenkel, im Kehlgange und um die Geschlechts-theile waren sie so massenhaft, dass man sie handvollweise greifen konnte. Stellenweise hafteten sie aber so fest an der Haut, dass sie mit dem Messer entfernt werden mussten. Die Rinder wurden sehr aufgeregt und ergriffen die Flucht. Die Thiere, die von sehr vielen Fliegen angegriffen wurden, sind binnen kurzer Zeit umgestanden. In den Cadavern fanden sich ähnliche Veränderungen, wie beim Milzbrand. Während des Lebens: Oedematöse Schwellungen; Bluttemperatur 40,0 bis 41,0; Inappetenz während einiger Stunden. Genesung nach 24 Stunden. Es soll sich hierbei nicht um die echte Kolumbaczer Fliege, sondern um eine verwandte Species (Simulia reptans) handeln.
In den Preuss. Mittheil. IV 1857 S. 104 hat Kreisthierarzt Dominick seine Beobachtungen über Verletzung von Kühen durch die Kolumbaczer Mücke beschrieben. Nahe bei Rathenow und Brandenburg, wo sich Erlenbrüche befanden, kamen im Jahre 1839 und 1840, seitdem aber erst 1855 die Krankheitsfälle beim Rindvieh vor. Mitte Mai Nachmittags zwischen 5 und G Uhr wurden 5 Kühe eines Besitzers von der Fliege gestochen; 3 derselben gingen in der folgenden Nacht zu Grunde, 2 wurden hergestellt. Bei den letzteren stellte Dominick Folgendos fest: Die Tiere waren unruhig, warfen sich stöhnend zu Boden, wie bei der Kolik. Aengst-liches Brüllen; schwankender Gang; Knicken in den Gelenken. Starke Puls- und Athmungsfrcquenz; glotzender Blick, gerötheto Scmloimhäute, trockenes Flotzmaul. Oedematöse, schmerzhafte Anschwollungen Im Kehlgange, unter den Augen, hinter den Blättern, unter der Brust, am Bauche und am Euter. Behandlung: Scarification und Waschung der Oedome mit verdünntem Salmiakgeist. Innerlich süsse Milch.
Ergebniss der Section bei den 3 gestorbenen Thioron: Oedeme der Subcutis, nach deren Durchschneidung klares Wasser aus dem sulzig aufgelockerten Bindegewebe abfloss. An den Stellen, wo die ,,Kankerfliegequot; gestochen hatte, erschien die Haut beim Abhäuten wie marmorirt. Die Stiche der Fliegen markirten sich an der inneren Hautlläche als kleine rothe Flecke. In den grossen Gofässen und inneren Organen merklicher Blutmangelquot;. Muskellleisch ziegelroth. ,,Von der angeschwollenen Zunge, dorn Schlünde entlang bis zum Magen, sowie an der Schleimhaut der Luflröhrc begrenzte, entzündete Stellen, wie mit Bolus bestreut.quot; Dieselbe Beschaffenheit hatten die Magen-Darmsohleimhaut, Blase und Uterus.
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Dieckcriioff, laquo;pec. Pktbologlo u. Therapilaquo;. II. H(I.
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306nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxieationslirankhelten.
Capitel XLI. llilln'ii. Acarina.
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Auf die zoologische Charakteristik der Milben kann ich hier nicht näher eingehen. Ich verweise in dieser Hinsicht auf Bd. I. 2. Aufl. S. 537 und auf die daselbst citirto Literatur. Von den Milben kommen als Parasiten beim Rinde nur die Gattungen Dermatocoptes Fürstenborg (Dermatodectes Gorlach) und Dermatophagus Fürstenberg (Symbiotos Gorlach) in Betracht. Die von beiden Milben verursachten Hautkrankheiten gehören zur Gruppe der
Rande. Krätze. Scabies. Fsora.
1. Dermatocoptos-Räude des Rindes. Scabies bovis dermatocoptica.
Aetiologie und Pathogenesc. Verursacht wird diese Räude durch den Dermatocoptes communis F., welcher auch bei Pferden und Schafen auf der Haut schmarotzt, indess ist nie beobachtet, dass die Räude dos Rindes für Pferdo oder Schafe ansteckend sei. Auch Versuche zur Uebertragung der Milben blieben erfolglos, wie umgekehrt die Derma-tocoptes-Räude der Pferde und Schafe nicht auf Rinder übergeht. Es müssen sich daher durch das Schmarotzerthum bei den einzelnen Haus-thiergattungen allmälig gewisse Ernährungs-Bedingungen der Milben ausbilden, welche ihre Ansiedelung auf der Haut anderer Thiergattungen unmöglich machen.
Gesunde Rinder ziehen sich die Ansteckung meist durch unmittelbare Berührung mit einem kranken Rinde zu. Es kann aber die Uebertragung der Räude auch durch Zwischenträger (Putzgeschirr, Dünger) erfolgen. Die Milben verletzen die Haut und saugen aus derselben Blut und Lymphe. Durch die minimalen Verletzungen wird eine leichte Hautentzündung mit Exsudation bewirkt; das Exsudat trocknet mit den reichlich producirten Epidermisschuppen zu Krusten ein und die Haare fallen aus. Bei längerer Dauer der Krankheit, besonders am Halse bilden sich dorbo Falten in der Haut, welche sich mit Borkon bedecken.
Symptome und Verlauf. Seinen Anfang nimmt der Räude-Ausschlag am Halse, Rippenkörper, in den Flanken oder in den Steiss-gruben; er verbreitet sich in einigen Monaten über den ganzen Körper nnd erhält sich, wenn die Heilung unvollständig erfolgt, an einzelnen Stellen,
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besonders in der Gonickgrube und am Grunde der Hörner mit grosser Hartnäckigkeit. Starkes Juckgefühl, Knötchen und trockene Krusten auf der Haut an den kranken Partien; Verdickung und Sprödigkeit der Haut; Ausfallen der Haare; Schrunden und Excoriationen in Folge des starken Scheuerns; später Faltenbildung und Bedeckung der Haut mit Schuppen und Borken. Wenn die Thiere einige Monate hindurch mit dem Räudeausschlag behaftet sind, so zeigt sich heftigster Juckreiz, mangelhafter Appetit, Abmagerung, Versiegen der Milch, steifer Gang und schwerfälliges Aufstehen. Schliesslich können die Thiere, wenn die Our zu spät oder gar nicht zur Ausführung kommt, durch Kachexie zu Grunde gehen.
2. Dermatophagus-Räude des Rindes. Scabies bovis derma-
tophagica.
Die Milbe, welche diese Räude verursacht, (Dermatophagus bovis Fürstenberg) schmarotzt mit Vorliebe auf der Haut in der Steissgrube, wosshalb der Ausschlag auch Steissräude des Rindesquot; genannt wird. Sie lebt in Colonien (Gerlach) der Regel nach in der Steissgrube und nährt sich von jungen Epidermiszellen, verbreitet sich aber bei grosser Vermehrung auch auf die Haut an den Hinterschenkeln und am Euter, am Bauche und Thorax. Auf andere Rinder überträgt sich diese Räude nicht leicht. Nur wenn dieselbe in einem Viehstande viele Monate oder mehrere Jahre bestanden hat, sind gewöhnlich mehrere Thiere betroffen. Meist geschieht die Uebertragung mit dem Putzgeschirr.
Symptome. Durch das Schmarotzerthum der Dermatophagi wird eine oberflächliche Reizung der Haut mit gesteigerter Production von Epidermisschuppen unterhalten. Juckgefühl in der Steisspartio und an den Hinterschenkeln; heftiges Scheuern und in Folge dessen blutrünstige Beschaffenheit der Haut an den Sitzboin-höckern und an der Schwanzrübe. Ausfall der Haare und schuppiger Belag der Haut.
Diagnose. Mit dem Schmarotzerthum der Läuse, bei welchem oft die gleichen Stollen der Haut oecupirt worden, hat sowohl die Dorma-tocoptes-Räude, wie die Dermatophagus-Räude viel Aehnlichkeit. Namentlich ist das Juckgofühl gleich stark; auch finden sich als Folgen des Scheuerns und scharfen Boleckens Erosionen der Haut und blutrünstige Stellen. Zu erwägon ist aber, dass die Räude jeder Art beim
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308nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten,
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Rinde viel seltener vorkommt, als der Parasitismus dor Läuse. Bei letzterem sind auch meist einige Läuse oder zahlreiche Nisse aufzufinden. Ferner lassen sich bei der Räude durch die mikroskopische Untersuchung der Borken Milben oder Körpertheile von Milben nachweisen.
Ein massiges Juckgefühl zeigen Kühe und Ochsen in manchen ungünstig liegenden Ställen während des Winters als Folge einer Verunreinigung der Haut durch Staub, Kaff oder Gerstengrannen. Indess lassen sich in dieser Hinsicht etwaige diagnostische Zweifel durch eine sorgfältige Ermittelung des technischen Thatbestandes beheben. Eine Verwechselung der Räude mit einem Ekzem ist durch Beachtung des Sitzes und der Ausbreitung des Ausschlags zu umgehen.
Die Unterscheidung der beiden Arten der Rinder-Räude Derma-tocoptes-Räude gegenüber Dermatophagus-Räude hat lediglich einen wissenschaftlichen Zweck und lässt sich mit Sicherheit nur durch die mikroskopische Untersuchung der Milben und Feststellung ihrer zoologischen Eigenschaften bewirken,
Prognose und Behandlung, Wegen ihres seltenen Vorkommens und ihrer bei rechtzeitiger Behandlung geringen Beschränkung der Nutzungen des Rindes ist für keine von beiden Arten der Rinder-Räude die Anzeigepflicht im Reichs-Viehseuchengesetz angeordnet worden. Schon durch gute Hautpflege kann die Krankheit auf einem niedrigen Grade bezw. auf einer geringen Ausdehnung erhalten werden. Auch beschränkt sich in den Sommermonaten beim Weidegang der Ausschlag von selbst, während er sich im Winter bei der Stallfütteruug wieder mehr ausbreitet. Die Behandlung der Dermatocoptes-Räudo erfordert zuweilen das Abschoeren des Deckhaars, was bei der Steissräude sich erübrigt. Als Heilmittel können benutzt worden: 1. Oreolin mit Wasser (5:100); 2. Lysol mit Wasser (3: 100); 3. Kaliseife; 4. eine Salbe aus gleichen Theilen Unyt. Hydr. cinereum, 01. animale foet. und Sapo virid.; 5. Kreosotum (1), Spiritus (10) und Aqua (15); 6. Kreosotum (1), Oleum Rapae (15); 7. Benzinum (1), Sapo viridis (5); 8. Petroleum mit Wasser (1: 3). Im Allgemeinen sind die flüssigen Lösungen der Salbenform vorzuziehen. Wurden die Mittel in Salbenform applicirt, so ist es zweckmässig, die afficirten Partien der Haut nach 56 Tagen mit einer Iproc. Pottaschenlösung oder mit Spiritus abzuwaschen. Bei inveteterirter Dermatocoptes-Räude lässt sich mit vielem Vortheil ein geeignetes Arsenikpräparat anwenden. Indess hat die Anordnung desselben eine sehr genaue Vorschrift des Thierarztes zur Voraussetzung, damit einerseits jede Schädigung der menschlichen Gesundheit und anderseits auch eine Vergiftung des kranken Thieres durch Ablecken des
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Milben. Acarina.
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Mittels vermieden wird. Solutio Powleri lässt sich unter Beifügung schlecht schmeckender und auffällig riechender Stoffe sehr gut benutzen. (Acidum arsenicosum, Kalium carbonicum ana 1; Aq. fervida 100,0; Acetum, Oleum animale foetidum ana 20,0).
Zweckmässig ist in allen Fällen, in welchen eine Allgemoinbehand-lung der Dermatocoptes-Räude geboten erscheint, täglich nur den 4. Theil des Körpers mit den antiparasitischen Medicament einzureiben. Schon oft sind Kühe und Ochsen dadurch vergiftet worden, dass sie wegen Hautschmarotzer über den ganzen Körper auf einmal mit Petroleum, Carbolwasser, Tabaksdekokt oder Sublimatlösung gewaschen wurden.
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Dritte Classe. Allgemeine Störungen der Ernährung.
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Capitel XLII. Coiistitiitioncllc Schwäche. Dluskclschniiche.
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Die allgemeine Verkleinerung der Skeletmuskeln, die als Folge und Ausdruck einer dürftigen Ernährung sich geltend macht, ist noch kein Symptom einer Krankheit. Erst wenn die Beschränkung der Muskel-thätigkeit einen so hohen Grad erreicht, dass den Thieren die Ortsbewegung wesentlich erschwert wird, lässt sich im pathologischen Sinne das Vorhandensein einer krankhaften constitutionellen Muskelschwäche annehmen. Nun erfolgt aber die Ernährung bei älteren Rindern, namentlich auch bei tragenden Kühen sehr häufig in nicht naturgemässer Weise. Es ist in manchen Wirthschaften üblich, alle Substanzen, denen noch irgend ein Nährwerth zugeschrieben werden kann, an die Rinder zu verabreichen, selbst wenn das Futter den Thieren kaum bekömmlich ist und einen nennenswerthen nutritiven Effect nicht hat. Dass hierbei die physiologische Leistung der Organe und insbesondere der Skeletmuskeln unvollständig wird, auch wenn die allgemeine Condition der Thiere sich noch nicht in augenfälligem Grade verschlechtert hat, ist leicht verständlich. Unter der hier gedachten Voraussetzung lässt sich die Schädigung der Körper-Oonstitution auf die ungenügende Zufuhr geeigneter stickstoffhaltiger Nährstoffe zurückführen, wobei nach und nach eine wesentliche Abnahme des Organeiweiss in der Skeletmuskulatur zu Stande kommt. Weitaus am häufigsten sind dieser Allgemeinkrankheit die tragenden Kühe, besonders in den letzten Monaten der Trächtigkeit unterworfen, weil der Fötus einen grossen Thoil der Nährstoffe aus der an sich schon ungenügenden Fütterung der Kühe verbraucht, das Leiden gehört zu der Gruppe von krankhaften Zuständen, welche nach ihrem
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Milben. Acarina.
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wichtigsten Symptom mit dem ompirischen Namen: Festliegenquot; oder Festliegen vor der Geburtquot; zusammengofasst wird. Da die kranken Thiere sich nicht vom Boden erheben können, so betrachten manche praktische Thierärzte die Krankheit als eine Art der Krouzlähmungquot; (Paraplegia incompleta). Indess ist die Zahl der abnormen Zustände, welche als Kreuzlähmungquot; angesehen werden, noch so gross, dass genügende Gründe bestehen, um die allgemeine Muskelschwäche von derselben zu trennen.
Die Ursache liegt in der qualitativ oder quantitativ mangelhaften Ernährung. In zahlreichen Fällen wird das Leiden während der Wintermonate durch die anhaltende Verabreichung von gehaltlosem, schlecht eingeerntetem Rauffutter hervorgerufen, wenn die erforderliche Beigabo von proteinreichen Nahrungsmitteln unterbleibt. Ich habe auch oft constatirt, dass einzelne Thiere eine grössere Disposition zu der Erkrankung besitzen und demnach bei gleicher Fütterung leichter von derselben betroffen werden, als andere.
Symptome. Magerer Nährzustand; unreine, derbe Haut; rauhes Haar; erschwertes Aufstehen; köthenschüssige Stellung einer oder beider Hintergliedmassen; später dauerndes Liegen, Appetitmangel und Verzögerung der Darraexcretion. Demnächst auch Pulsfrequenz, Erhöhung der Bluttemperatur und Stöhnen bei der Exstirpation. Verlauf. Die hier gemeinte constitutionelle Schwäche bildet sich ganz allmälig in 2 bis 3 Wochen aus. Die Thiere liegen oft, können sich nur mit Mühe vom Boden erheben und knicken beim Aufstehen in den Fesseln. Nach weiteren 1 bis 2 Wochen ist eine starke Hülfeleistung durch Heben an der Schwanzwurzel nothwendig, wenn die Thiere überhaupt noch aufstehen sollen. Später liegen dieselben dauernd, wodurch die Futterauf-nahmo in der Regel eine erhebliche Beeinträchtigung erfährt. In diesem Stadium lässt sich die Krankheit auch bei der sorgfältigsten Behandlung sehr oft nicht mehr zum Guten wenden. Die Patienten gehen unter den Erscheinungen der Kachexie durch Erschöpfung der Körperkräfte ein. Bei hochtragenden Kühen, welche nicht mehr stehen können, stellen sich zuweilen Geburtswehen ein, wodurch der Fötus, namentlich bei geeigneter Hülfeleistung ausgetrieben wird. Aber ich habe nur in Ausnahmefällen gesehen, dass in Folge der Geburt die Muskelschwäche allmälig geringer und das Thier wiederhergestellt wird.
Diaguose. Ergiebt sich bei der thierärztlichen Untersuchung eines Falles der vorbeschriebene Entwickelungsgang der Krankheit, so ist die Unterscheidung von anderen Bedingungen der constitutionellen Schwäche
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312nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationskrankheiton.
sicher zu bewirken. Sonst bleibt zu berücksichtigen, dass manche Krankheiten der Bauchorgane bei Rindern ähnliche Zufälle mit sich bringen (Perlsucht, eine grössere Verwachsung zwisehon Haube und Zwerchfell oder zwischen Haube und Leber, Abscess in den Bauchorganen, Leberentartung, Labmagensarköm etc.).
Prognose und Therapie. Im ersten Stadium bezw. so lange die Kühe noch mit Unterstützung durch 1 oder 2 kräftige Personen sich vom Boden erheben können, ist die Krankheit günstig zu beurtheilen, weil bei reichlicher Zuwendung proteinreichen Futters die Herstellung der Thiere immer gelingt. Lässt sich aber nach den bestehenden Vorhältnissen die Ernährung der Thiere nicht wesentlich verbessern, so ist die Prognose schlecht. Für die Behandlung kommt zunächst in Betracht, dass die Thiere thunlichst in einen bequemen Raum gebracht und gut verpflegt, namentlich auch oft umgelagert werden müssen, damit sie der Einwirkung des Harns und der Darmexcremente auf die Haut entzogen bleiben und sich nicht durchliegen. Soweit als möglich ist, sind die Patienten täglich 3 bis 4mal zum Aufstehen anzutreiben und hierbei sachgemäss zu unterstützen. Geholfen wird am besten, wenn die Kuh zuvor in die geeignete Lage gebrabht ist, darauf zwei kräftige Personen zum Heben des Hintertheils an der Schwanzwurzel placirt werden und die Kuh gleichzeitig durch wiederholte Tritte gegen die Schultermuskeln oder durch das Vorhalten eines Hundes zum Aufstehen angeregt wird. Ein wesentlicher Nutzen liegt darin, dass die Unterstützung mit der eigenen Kraftanstrengung des Thieres zeitlich zusammenfällt. Manche Patienten können die Muskeln auf einem Hinterfusse stärker anstrengen, als auf dem anderen. In solchen Fällen ist dafür zu sorgen, dass die Thiere auf der Seite der kräftigeren Gliedmasse liegen, wenn sie emporgerichtet werden sollen. Die Benutzung von Apparaten zum Aufheben der Thiere empfiehlt sich höchstens für einzelne Fälle.
Durchaus nothwendig ist die kräftige Ernährung der Kühe mit gutem Rauffutter unter Beigabe von Tränken aus Roggen- oder Hafor-schrot. Eine innere Medication kann nur ausnahmsweise angezeigt sein, wenn es sich darum handelt, die wegen des anhaltenden Lie-gens der Thiere herabgesetzte Verdauung zu bessern. Hierzu wird zweckmässig Salzsäure zu einem Theelöifel voll in '/a Liter Wasser zweimal täglich gereicht. Auch Natrium sulfuricum mit bitteren Mitteln lässt sich zur Behebung einer Verzögerung in der Darmausscheidung benutzen. Im Wesentlichen kommt es aber stets darauf an, dass die Muskeln des Körpers durch reichliche Gaben von gutem
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Darrsucht. Tabes intestinalis.
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Futter und durch Uebung Vorsuche zum Aufheben gekräftigt werden. Gelingt die Our nach dieser llichtung nicht in zwei bis drei Wochen, so ist kaum noch eine Aussicht auf Heilung vorhanden.
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Capitel XLIII. Darrsucht. Tabes intestinalis.
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Aetiologie imil Pathogenesc. Kälber im 1. und 2. Lebensjahr erkranken an der Darrsucht, wenn sie viel saure Milch oder, wie ich einmal beobachtete, Schlampe mehrere Wochen hindurch zur Nahrung erhalten. Indess kommt es doch nur selten vor, dass die Besitzer solche Futtermittel für die Kälber verwenden. Ob ausserdem noch andere Substanzen bei anhaltender Darreichung die Krankheit herbeiführen, ist nicht genau bekannt. Sehr wahrscheinlich entsteht die Darrsucht durch die Einwirkung der in den Nahrungsmitteln enthaltenen Säuren durch die Magen-Darmschleimhaut. Doch sind die muthmasslich eintretenden Veränderungen des Epithels, durch welche die Absonderung der Verdauungssäfte eingeschränkt wird, bisher nicht ermittelt worden (vgl. Bd. 1 Oap. Darrsucht). Wegen der mangelhaften Verdauung nehmen die Thiere nur sehr wenig Futter auf und es entwickelt sich allmälig eine Kachexie.
Symptome und Verlauf. Abmagerung bis zur allgemeinen Entkräftung; kachektischer Habitus; Verkleinerung des Bauchumfangs; geringfügige Darmausscheidungen. Die Krankheit verläuft fieberlos; ihre Dauer erstreckt sich auf 2 bis 5 Monate. Wie bei anderen kachek-tischen Leiden, so zeigen auch bei der Darrsucht die Rinder eine grosse Empfänglichkeit für Hautausschläge, insbesondere für den Herpes tonsurans, der sich in grösseren Jungviehbeständen allmälig auf die Hälfte bis Zweidrittheile derselben durch Ansteckung verbreitet. Wird der Darrsucht nicht frühzeitig und zweckentsprechend begegnet, so gehen die Thiere in Folge des fortschreitenden Siechthums ein.
Die Autopsie ergiebt bei den Thieren, welche in höherem Grade mit der Darrsucht behaftet waren, an den Bauch- und Brustorganen lediglich die Veränderungen, welche die Kachexie mit sich bringt. In den Körperhöhlen eine geringe Menge klarer seröser Flüssigkeit. Das Blut ist dünnflüssig und hellroth. In der Magen- und Darmschleimhaut fand
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314nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und lutoxioationskrankhoiten.
ich koine Veränderungen. Die Skelotmuskeln sind von geringem Umfang, auf dem Durchschnitt feucht. Sowohl aus dor Subcutis, wie aus den inneren Organen ist das Fett verschwunden; in den Duplicaturen des Peritoneums wässerig-sulzigo Ausscheidungen. Die Lymphdrüsen des Mesenteriums erscheinen vergrössert und markiren sich wegen der aschgrauen Färbung leicht als walinussdicko Knoten im Gekröse bei der Fxenteration des Darms. Auf dem Durchschnitt zeigt sich, dass die Lymphdrüsen stark durchfeuchtet sind.
Die Diagnose erleichtert sich durch die Beachtung der Thatsache, dass die unter der gleichen Fütterung gehaltenen jungen Rinder sämmtlich in mehr oder minder hohem Grade erkrankt sind und die Merkmale einer progressiven Abmagerung bekunden. Einen weiteren Anhalt giebt der negative Befund bei der Section eines Thieres. Dem etwaigen Zweifel, ob die chronische Ernährungsanomalie nicht durch die Tuberkulose (Skrofulöse) bedingt wird, lässt sich auch schon mittels Anwendung von Tuborkulin und nachheriger sachgomässer Feststellung der Temperatur begegnen.
Prognose und Therapie. Nach der vollständigen Ausbildung der Kachexie ist die Prognose ungünstig. Im ersten Krankheitsstadium lässt sich zuweilen durch vollständige Aenderung der Nahrungsmittel noch eine Heilung allmälig erreichen. Demnach hat der Thierarzt die Gefahren der Darrsucht zum grössten Theil nach der Natur der Krankheit, zum anderen Theil aber auch nach der Frage zu beurtheilen, ob unter den gegebenen Wirthschaftsverhältnissen den jungen Hindern Futter von tadelloser Beschaffenheit in genügender Menge gegeben werden kann. Bei der Behandlung ist davon auszugehen, dass an Stelle der bisherigen ungeeigneten Nahrungsmittel im Sommer nur gutes Grünfutter, im Winter reines Heu unter Beigabe von Getreideschrot verabreicht werden darf. Mit Arzneimitteln lässt sich nicht viel erreichen. Ich benutzte Magnesium carbonicum oder Natrium bicarbonicum im Getränk zur Selbstaufnahme. Die Prophylaxis erfordert, dass bei den Kälbern und Jährlingen die Ernährung naturgemäss geregelt, und dass insbesondere die Verabreichung von sauren oder der sauren Gährung leicht unterworfenen Substanzen (saure Milch, Schlampe) vermieden wird.
Casuistik, Im Juli 1888 besichtigte ich gemeinschaftlich mit Herrn Kreisthierarzt Kieckhaofor auf einem grösseren Gute in der Prignitz die Jährlingsrindcr, welche im Mai nach der Fütterung von saurer Milch an der Darrsucht erkrankt waren. Ursprünglich hatte der Bestand 68 Haupt gezählt; zur Zeit meiner Untersuchung waren bereits 13 Thiore an der Krankheit eingegangen. Die vorhandenen 55 Jährlinge zeigten in verschiedenen Graden die Symptome der Kachexie: Tiefliegende Augen, magerer dünner Hals; trockene, derbe Haut mit rauhem Haar; keine Temperatur-
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Chronische Anämie. Blutarmuth.
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Erhöhung. Bei 23 Thieren fanden sich am oberen Augenlid, oder am Halse, Thorax und Kücken die Horde der kahlmachenden Flechte (Herpos tonsurans). Zwei Stück wurden auf mein Ersuchen getiidtet und von mir und Kieckhaefor secirt, wobei sich nur die durch die Kachexio bedingten Voränderungen in den Organen nachweisen Hessen. Bei dem hohen Grade der Krankheit war die Prognose ungünstig. Da der Besitzer die empfohlene durchgreifende Besserung der Ernährungsverhältnisse bei dem Jungvieh nicht bewirken mochte, so ist der ganze Bestand im Verlaufe von weiteren 2 Monaten zu Grunde gegangen.
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Capitel XLIV. Chronische Anämie. Blutarmuth.
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In der thierärztlichen Praxis wird die mit Blutleere der Schleim-liäute verbundene mangelhafte Ernährung vielfach als Bleichsuchtquot; bezeichnet. Allein diese Nomination ist nicht correct. Denn die Bleichsucht (Chlorosis, Chlorämio) gilt in der Lehre von den menschlichen Krankheiten als ein exquisit hereditäres und congenitales Leiden, welches nach Virchow auf einer mangelhaften Entwickelung des Gefäss-apparates beruht. Dass die Hausthiere und insbesondere die Binder von einer gleichartigen Störung der blutbildenden Organe betroffen würden, ist nicht erwiesen. Dagegen wird oft beim Rinde eine erhebliche Blutverarmung beobachtet. Als ein Symptom oder Folgeleiden macht sich die chronische Blutarmuth (chronische Anämie) bei vielen Krankheiten bemerklich (Tuberkulose, thierisch parasitäre Leiden, Ab-scesse, recurrirende Blutungen). Andererseits kommen aber Fälle von chronischer Anämie vor, bei welchen weder während des Lebens, noch bei der Section der Thiere ein abnormer Zustand zu ermitteln ist, der als Bedingung der allgemeinen Störung gelten könnte. Es ist daher üblich, die selbständige oder idiopathische chronische Anämie von der symptomatischen oder deuteropathischen Anämie zu trennen.
Ob die idiopathische Anämie beim Rinde ihrem Wesen nach identisch ist mit der progressiven pernieiöson Anämiequot;, welche beim Menschen vorkommt und in vereinzelten Fällen auch beim Pferde von mir beobachtet ist (vgl. Bd. 1 2. Aufl. S. 559), lässt sich nicht mit Sicherheit aussagen. Ich kann daher die Krankheit nur nach meinen Beobachtungen in der Praxis beschreiben.
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816nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxicationslcranldioiton.
Die Ursachen der idiopathischen Anämie sind nicht bekannt. Wahrscheinlich handelt es sich um die Einwirkung toxischer Stoffe auf die blutbildenden Organe, wodurch die Production der Blutzellen sich verringert. Mit der Verarmung des Blutes erfährt auch die Secretion der Verdauungsdrüsen eine Abnahme, so dass die Thiere im Nährzustande zurückgehen.
Symptome und Verlauf. Der Futteraufnahme entspricht der Nähr-;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;zustand nicht. Die Thiere magern ab und haben blasse Schleimhäute.
Aeussere Haut rauh und derb. Puls beschleunigt und klein. Körpertemperatur normal. Versiegen der Milch. Verzögerte Entleerung von Darmexcrementen. Oefteres Liegen der Patienten. Bewusstsein frei. Appetit verringert. irnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Diese Erscheinungen bleiben mehrere Wochen oder Monate be-
#9632;,%nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; stehen. Bei zwockmässiger Behandlung bessert sich das Leiden zu-
weilen; aber die Thiere erholen sich stets erst nach einigen Wochen. 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Meist ist die wirthschaftliche Leistung derselben durch die Krankheit
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so sehr geschädigt, dass eine längere Pilege und Behandlung sich nicht
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verlohnt.
Anatomische Veränderungen finden sich ausser den Zuständen, welche sich auf die hydrämische Kachexio beziehen, bei der Section nicht. Die Diagnose ist intra vitam schwierig zu stellen, weil die Symptome im Wesentlichen mit den meisten chronischen Krankheitsfällen übereinstimmen, in welchen die Blutarmuth nur eine symptomatische Bedeutung hat. Als allgemeine Richtschnur für die Diagnose ist im ersten Stadium der Krankheit das Bestehen einer starken Anämie bei massiger Verringerung des Nährzustandes anzusehen. Prognose und Therapie. Die chronische Anämie ist immer lebensgefährlich. Indess gelingt die Cur zuweilen durch die Verabreichung leicht verdaulichen und schmackhaften Rauffutters unter Beigaben von Roggenschrot zum Getränk. Als Arzneipräparat kann Arsenik in kleinen Dosen (täglich: Acidum arsenicosum 0,5 bis 1,0; Stibium sulfaratum crudum 30,0 m. f. p.) mit Kleietrank zur Selbstaufnahme gegeben werden. Gerlach empfahl Eisenpräparate (Ferrum sulfuricum oder Ferrum pulveratum) in kleinen Dosen.
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Leukämie.
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Capitel XLV. lienkacniic.
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Vor 50 Jahren wurde die Krankheit der Leukämie beim Menschen von Virchow entdeckt und nach ihrer Genesis als eigenartige Erkrankung der Milz (lienale Leukämie) oder der Lymphdrüsen (lymphatische Leukämie) beschrieben. Hierzu kommt die von E. Neumann 1869 gemachte Entdeckung, dass die Leukämie auchquot; durch die eigenartige Affection des Knochenmarks (myelogene Leukämie) entsteht. Beim Kinde wird die Krankheit häufiger, als beim Pferde, aber in den meisten Fällen erst bei der Section bezw. bei der Schlachtung festgestellt. Nach den literarischen Mittheilungen und nach eigenen Wahrnehmungen halte ich dafür, dass beim Rinde die Leukämie vorwaltend lienalen Ursprungs ist. Indess lässt sich vermuthen, dass wie beim Menschen, zuweilen alle drei blutbildenden Organe betheiligt sind und dass Mischformen zwischen der lienalen, lymphatischen und myelo-genen Leukämie vorkommen. Die Kranhkeit kann die Kälber schon im Alter von x/2 bis 1 Jahre befallen, ist aber häufiger bei älteren Kühen und Ochsen. Einen Fall von gemischter, aber vorwaltend lymphatischer Leukämie von einem Kalbe hat Wolff-Cleve beschrieben (B. T. W. 1092 S, 121).
Die Ursachen sind noch nicht bekannt. Viel Wahrscheinlichkeit hat die Hypothese, dass die durch eine specifische Infection producirten Gifte die eigenartige, dauernde Schädigung der blutbildenden Organe herbeiführen. Die anatomische Eutwiekelung der Krankheit bedingt an der Milz eine Vergrösserung um das Doppolte bis Sechsfache (leukä-mischer Milztumorquot;); das Gewicht einer leukämischen Milz kann bis 7 Kilo betragen, ihre Länge 78 cm, ihre Breite 32 cm erreichen (vgl. Dresd. Ber. 1891 S. 77). Die Milzkapsel verdickt sich und wird zuweilen mit zottenförmigen Anhängseln besetzt gefunden; in frischen Fällen ist die Milz weicher, als in älteren; Hyperplasie der Milzpulpa, oft auch der Milzfollikel, welche erbsengross werden. Gewöhnlich hat die vergrösserte Milz ein gesprenkeltes, granitförmiges Ansehen. An den Lymphdrüsen entwickelt sich eine Hyperplasie; nicht selten ist die Vergrösserung der Mesenterial- oder der Mediastinaldrüsen zu mächtigen Packeten, deren Durchschnittsfläche markig oder grauröthlich gesprenkelt erscheint. Das Knochenmark wird sowohl in den spongiösen, wie in den röhrenförmigen Knochen gallertig goröthet und erscheint zuweilen
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Infections- und Intoxioationskrankheitcn.
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mit Blutextravasatcn durchsetzt. Voränderungen (leukämischo Tumoren in Form grauweissor Knötchen) an der Leber, am Herzen, den Nieron und anderen Organen sind nicht constant. Als nothwendige Folge der specifischon Voränderungen in der Milz, den Lymphdrüsen oder im Knochenmark entsteht die Vermehrung der weisson Blutkörperchen im Blute (Weissblut), welche zur Krankheitsbenennung Anlass gegeben hat. Von gesunden Thloren wird nach den beim Menschen gefundenen Verhältnissen angenommen, dass im Blute auf 350 bis 500 rothe Blutkörperchen 1 farbloses Blutkörperchen kommt. Bei der Leukämie kann die Vermehrung der weissen Blutkörperchen so bedeutend sein, dass in den mikroskopischen Präparaten die Zahl derselben annähernd so gross erscheint, wie diejenige der rothen. Das im Blute leukämisoher Menschen festgestellte Auftreten besonderer Fombestandtheile (mononucleäre und eosinophile Zellen) hat Wolff (1. c.) auch bei einem 8 Monate alten Kalbe constatirt.
Symptome und Verlauf. Die allgemeinen Erscheinungen sind nicht pathognomisch. Schwerfällige Bewegung; häufiges Liegen; Verringerung der Milchproduction und Abmagerung; Frblassung der sichtbaren Schleimhäute; kleiner, frequenter Puls und zuweilen hyporplastische Vorgrösse-rung der äusserlich erreichbaren Lymphdrüsen. Das Bewusstsein ist nicht verringert und bis zu den höheren Krankheitsgraden ist auch keine Temporatursteigerung zugegen. Bestimmte Aufschlüsse liefert die mikroskopische Blutuntersuchung, bei welcher sich die starke Vermehrung dor Leukocyten ergiebt. Der Verlauf erstreckt sich bei älteren Thieren auf V2 bis 1 Jahr; Kälber gehen schneller zu Grunde. Der tödtlichc Ausgang ist meist die Folge des Marasmus. Mitunter verenden die Thiere unerwartet schnell und plötzlich durch Milzruptur und erheblichen Blutverlust oder durch intercurrente Entzündungen innerer Organe.
Diagnose. Vor dem Ableben des Thiercs und der Erhebung des Sectionsbefundes lässt sich nur aus dem mikroskopischen Blutbefunde im Beihalt der progressiven Abmagerung und der blassen Färbung dor Schleimhäute auf das Bestehen der Leukämie schliessen. Unberücksichtigt darf aber nicht bleiben, dass chronische fieberhafte Krankheiten (Tuberkulose, Geschwülste, chronische Darmleiden) eine mehr oder minder starke Vermehrung der weissen Blutkörperchen (Leukocytosequot;) mit sich bringen. Die Prognose ist schlecht. Eine Behandlung der Thiere ist als aussichtslos nicht zu unternehmen. Es bleibt daher nur
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übrig, eventualiter dieselben frühzeitig durch Abschlachtung zu vor-werthen, da das Schlachtfleisch zwar minderwerthig, aber nach allen bisherigen Erfahrungen für den Menschen nicht gesundheitsschädlich ist.
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Capital XLVI.
Pscudolciikaeiiiie. Ilodgkiirschc Krankheit. Naligiivs Lym|ilioni. Iflaligncs Lympliadciiom.
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Soweit sich aus dem bisherigen Erfahrungsmatorial schliessen lässt, ist die Pseudoleukjimie beim Rinde viel seltener, als die Leukämie. Beide Krankheiten stimmen in vielen Momenten überoin; der Unterschied besteht nur darin, dass bei der Pseudoleukämie eine Vermehrung der Leukooyten im Blute nicht eintritt. Indess hat Mosler beim Menschen constatirt, dass die Pseudoleukämie in die echte Leukämie übergehen kann
üeber die Ursachen ist nichts Bestimmtes bekannt. Für den Menschen werden als vorausgehende Krankheiten, Syphilis, Rhachitis, chronische Diarrhöe, Coryza u. a. beschuldigt. Von einer an malignen Lymphomen erkrankten Kuh hat Hingst (Bad. Mittheil. 1891 S. 139) die Entstehung auf eine septische Vaginitisquot; zurückzuführen gesucht. Der Krankheitsverlauf vollendet sich bei der Pseudoleukämie meist etwas schneller, als bei der Leukämie. Die Section ergiebt zahlreiche Lymphombildungen in den verschiedensten Regionen und Organen des Körpers. Theils setzen sich die Geschwülste vorwaltend aus Rundzellen zusammen (weiche Lymphome), theils mehr aus fibrösem Bindegewebe (harte Lymphome).
Diagnose. Einen thatsächlichen Anhalt geben die etwaigen hypor-plastischen Schwellungen der äusserlich gelegenen und für die Untersuchung erreichbaren Lymphdrüsen, später auch die Abmagerung und Blutarmuth. Beim Menschen sind zuweilen durch die mikroskopische Untersuchung von Blutproben Poikilocytose, Mikrocythämie und zahlreiche Elementarkörperchen nachzuweisen. Das Vorkommen solcher Zustände bei der Pseudoleukämie des Rindes wurde bisher noch nicht ermittelt. Wenn die intumescirten Lymphdrüsen auf benachbarte Organe drücken, so können verschiedene Störungen hinzukommen: Angina, Oedcm, Nieren-, Leber- oder Darmleidon. Zu verwechseln sind die
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320nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskranliholton.
Symptome mit den Erscheinungen bei manchen Fällen von Tuberculose, bösartigen Geschwülsten oder Abscessen in den inneren Organen. Die Prognose ist schlecht und für die Therapie erübrigt nach der bisherigen Erfahrung nur, eventualiter mit Arsenik einen Versuch zu machen.
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Capitel XLVH; üctscliwülstc.
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#9632;
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Aus der Gruppe der Geschwülste können hier nur diejenigen Tumoren berücksichtigt werden, welche sich in den inneren Organen eta-bliren und zuweilen zur Bildung von Metastasen führen. Im weitesten Sinne gehören hierzu auch die Tuberculose und die Actinomycose. Bei denselben ist aber die infeotiöse Entstehung mit Sicherheit festgestellt, weshalb sie an anderer Stelle beschrieben sind. Es verbleiben demnach nur das Sarkom und das Garcinom. Nach Analogieschlüssen wird vielfach vermuthet, dass auch das Sarkom und der Krebs aus einer spe-cifischen Infection hervorgehen. Aber bislang konnte weder für die eine, noch für die andere Art dieser bösartigen Geschwülstequot; der Infections-erregor aufgefunden werden. Gleichwohl ist wenigstens für das Sarkom als höchst wahrscheinlich zu erachten, dass eine specifische Infection der Geschwulstbildung zu Grunde liegt. Zur Unterstützung dieser Ansicht will ich bemerken, dass ich in den Viehbeständen von drei Gehöften des Dorfes Schönwalde bei Berlin mehrere Jahre hindurch das Vorkommen von jährlich 2 bis 4 Krankheitsfällen beobachtet habe. Diese Thatsache entspricht dem Verhalten der chronischen Infectionskrankhoiten.
A. Sarkome.
Sarkomatöse Neubildungen geben beim Kinde relativ oft Veranlassung zu Krankheiten, welche zunächst nach dem Sitze der Geschwulst den Charakter eines Organleidens haben, späterhin aber auf hämato-genem Wege zuweilen in anderen Organen Metastasen herbeiführen und hierdurch sich verallgemeinern.
In Uebereinstimmung mit den Angaben Gerlach's (Gerichtl. Thierh. 2. Aull. S. 628) habe ich das Rundzellensarkom (Sarcoma molle) beim Rinde viel häufiger gefunden, als das Spindelzellensarkom (Sarcoma durum). Prädilectionsorgane für die Etablirung primärer sarkomatöser
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Geschwülste.
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Neubildungen sind der Labmagen, der Uterus, das Herz und die Nieren. Es können aber auch viele andere Organe vom Sarkom betroffen worden. Metastasen entstehen zuweilen in der Subcutis oder im subfascialen Gewebe an der Schulter, am Thorax und in den Flanken. Die medicamentöse oder operative Behandlung der Sarkome hat beim Rinde keinen ökonomischen Vortheil. Es ist daher in den Fällen, in welchen sich der goschwulstbildendo Krankhoitsprocoss durch Metastasen im Unterhaut-gewobo zu erkennen giobt, die Tödtung des Thieres anzurathen.
1.nbsp; nbsp;Das Sarkom des Labmagens entwickelt sich gewöhnlich zuerst am Pylorus und durchwächst allraälig die Magenwand, deren Serosa ziemlich intact bleibt, während die Schleimhaut in haselnuss- bis faust-grossen knolligen Wülsten hervorragt. Hierbei erlangt die Wandung des Labmagens eine Dicke von 2 bis 4 Cm. und darüber. Nach 4 bis 5 Monaten kommen zuweilen Metastasen in den Lungen, im Herzen oder in anderen Organen zur Ausbildung. Symptome: Mangelhafter Appetit und Abmagerung; Beeinträchtigung der Milchproduction; allgemeine Schwäche; Verzögerung der Darmausscheidungen, zeitweise Diarrhöe; später das Bild der Kaohexie. Eine genaue Diagnose lässt sich während des Lebens nicht ermöglichen, weil eine Localuntersuchung bei der versteckten Lage des Labmagens nicht ausführbar ist und die Allgemeinsymptome sich nicht von anderen Arten der Kachexie unterscheiden. Erst durch die Section ist das Labmagensarkom mit Sicherheit festzustellen.
2.nbsp; nbsp;Das Sarkom des Uterus setzt gewöhnlich an einer der Tuben ein und wächst in einigen Monaten allmälig durch die ganze Utorus-wand. Meist ist aber die Ausbildung an einer Seite bozw. an einem Horn stärker, als an dem anderen. Wenn die Kuh zur Zeit der ersten Entwickelung des Tumors tragend ist, so erfolgt später Abortus. Das Sarkom kann einen sehr bedeutenden Umfang erreichen. Ich habe eine 7jährige Kuh zwei Monate hindurch beobachtet und nach der Tödtung festgestellt, dass das Uterussarkom ein Gewicht von 59 Pfund erreicht hatte. Die Diagnose ist meist nicht schwierig. Durch die starke Belastung des Uterus wird die Scheide mit der Scham gewöhnlich schief nach einer Seite in die Bcckenhöhlo gezogen, was äusserlich an der Scham zu sehen ist. Auch lässt sich die Geschwulst bei der Untersuchung durch den Mastdarm feststellen. Die tuborculöso Neubildung am Uterus erlangt der Regel nach eine so bedeutende Dicke nicht, wie das Sarkom.
8. Das Sarkom des Herzens beginnt nach meinen Beobachtungen meist in der Wandung eines Vorhofs, breitet sich aber später auf die
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Di oc k or ho IT, Spec. Pflthotogl6 u. Thorapie. II. lid.
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Infections- und Intoxicationslirankhoiton,
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Kammcrwandungen aus. Es kann das Herz an den Vorhöfen und an der Basis der Kammern zu einem Drittheil mit Sarkomzellen durchwachsen sein und grösstentheils ein grauweisses oder gesprenkeltes Ansehen erlangen, bevor wesentliche Störungen in der Function des Herzens hervortreten. Später zeigt sich bei dem betreffenden Thier eine grössere Frequenz und Arythmio des Herzschlages, auch Athemfrequenz und mangelhafter Appetit. Hiernach lässt sich ein unheilbares Herzleiden diagnosticiren. Die Thiere werden dann gewöhnlich geschlachtet. Ich habe den tödtlichen Ausgang des Herzsarkoms nur in einem Falle beobachtet: die 7 Jahre alte Kuh war apoplektisch verendet, bevor noch eine stärkere Abmagerung sich entwickelt hatte.
4.nbsp; nbsp;Die Durchwachsung der Nieren mit Sarkomgowebe verursacht dieselben Erscheinungen, wie die chronische interstitielle Nephritis.
5.nbsp; Metastatische Sarkome in der Subcutis kennzeichnen sich als wallnuss- bis kopfgrosse und noch umfangreichere, massig derbe, umgrenzte Geschwülste (Beulen) unter der Haut. Ich fand dieselben in einigen Fäilen am Thorax, an den Flanken oder am Becken; sie können aber selbstredend auch in anderen Regionen hervortreten. Die Beulen sind nach einem Schnitt durch die Haut gewöhnlich leicht auszuschälen. Die Diagnose lässt sich durch die mikroskopische Untersuchung feststellen. Eine Behandlung würde zwecklos sein, weil durch dieselbe das Gesammtleiden nicht aufzuhalten ist.
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B. Oarcinome. Von dem Vorkommen carcinomatöser Neubildungen in den inneren Organen beim Binde sind nur wenige Angaben in der Literatur veröffentlicht worden. Hiernach und nach eigenen Erfahrungen bin ich der Meinung, dass das Rind nur selten von einer Krebsgeschwulst befallen wird. Ich habe einen Fall im Jahre 1876 constatirt, bei welchem die Leber betroffen war. Die 10 Jahre alte Kuh hatte mehrere Wochen hindurch Verdauungsstörungen bekundet, wie sie zuweilen die traumatische Magcn-Zwerchfellentzündung begleiten. Der Besitzer Hess die Kuh tödten und übersandte mir die kranken Organe. Es fand sich eine Verwachsung zwischen Haube und Leber; letztere war zu fast einem Dritt-theil von einer speckigen Geschwulstmasse durchwachsen. Prof. Orth vom pathologischen Institut der hiesigen Universität diagnosticirto den Tumor als Loberkrebs. Da die Section nicht vollständig ausgeführt werden konnte, so kann ich nicht angeben, ob es sich in diesem Fall um ein primäres oder um ein metastatisches Oarcinom handelte.
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Allgomoiuo Wassorsuolit, Cachoxia hydracniica.
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Capitel XLVIII.
Allgcincine Wassersucht. Cachcxia hydracniica. Ilaiitwasscrsiicht. Ilydrops iiitcrciis ). Hydrops anasnrca.
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Uralt ist in der Medicin die Vorstollung, dass die Wassersucht mit einer fehlerhaften Mischung der Säfte (Dyskrasie) zusammenhängt. Allein der BogrilT der Wassersucht umschliesst sowohl die ödematöse oder hydropische Infiltration (Oedema, Anasarca, Aqua intercus), wie die Wasseransammlung in einer Höhle (Hydrops). Nach der Pathogenese werden folgende Arten unterschieden:
1.nbsp; nbsp;entzündliche Wassersucht (Hydrops inflammatorius), wozu a) der acute entzündliche Hydrops und b) der chronische entzündliche Hydrops gehören;
2.nbsp; nbsp;die aus mechanischer Behinderung des venösen Rückflusses und der Lymphströmung entstehende Wassersucht (Stauungshy drops, Stauungsödom, mechanische Wassersucht); 3. die durch Hydrämie (hydrämische Kachcxie) verursachte Wassersucht (kaehektisoher Hydrops).
Manche Autoren stellen indess die sub 1. gedachte Wasseransammlung in einer Höhle oder in den Geweben eines Organs unter den Begriff der Entzündung und rechnen zur eigentlichen Wassersucht nur die ad 2. und 3. angedeuteten Zustände.
Die in der üeberschrift bezeichnete Allgemeinkrankheit des Rindes fällt unter den Begriff der kachektischen Wassersucht. Nach ihrem auffälligsten Symptom (den Oedemen der Subcutis) ist dieselbe auch unter dem Namen der allgemeinen Zellgewebswassersuchtquot; beschrieben worden (Pütz). Sie ist die Folge einer eigenartigen abnormen Ernährung der Arbeitsochsen in den Zuckerfabrik-Wirtli-schaften und wurde bisher vorwaltend in der Provinz Sachsen beobachtet. Auch die Kühe werden bei gleicher Ernährung wie die Ochsen von der Krankheit befallen. Sie zeigte sich zuerst 1857 und wurde doshalb oft schlechthin die neue Krankheitquot; benannt.
Die Veterinärberichte des Kreisthierarztes Jost zu Aschersleben und dos Do-partements-Thierarztes Hildebrandt zu Magdeburg (Preuss. Mitth. 1859 S. 114 und 1860 S. 120) enthalten zur Charakteristik der Krankheit folgende Angaben:
Unter den Ochsen der Zuckerfabriken hat sich eine früher selten wahrgenommene Krankheit gezeigt, welche dem Viehbestand dieser Fabriken schädlicher zu werden scheint, als Milzbrand und Lungenseuche. Auf mehreren Fabriken griff diese Krankheit so um sich, dass sie in kurzer Zeit 5060 Ochsen beliel und selbst bis in die Kuhställe eindrang, wodurch sich die erschreckten Eigenthümer veranlasst fanden, ihren ganzen Bestand an Rindvieh so schnell als möglich nach Berlin oder Hamburg mit einem Verluste von 3050 pCt. des Werthes zur Schlachtbank zu verkaufen, so dass aut manchen Fabriken zur Zeit gar keine oder nur einige neu angekaufte Ochsen existiren. Die Krankheit tritt gewöhnlich bei den Mastochsen zuerst mit Schwindel und Kreuzlähme auf, so dass anscheinend ganz gesunde Ochsen bei dem Herausführen aus dem Stalle auf einer kurzen Strecke mehrfach zusammenbrechen oder doch mit dorn Hintertheil schwankend hin und her taumeln. In an-
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*) Aelteror medioinlscher Terminus aus inter und cutis gebildet.
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324nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankholton.
deren Fällen, besonders bei Zugochsen, beobachtet man ein successives Sinken dor Nervenkraft; die Thiere ermüden leicht bei massiger Arbeit, lassen etwas vom Fressen ab und bekommen ein gesträubtos Haar. Diese Vorboten des Erkrankens werden in vielen Fällen übersehen und es scheint alsdann, als wenn die Krankheit plötzlich in Form eines acuten Rheumatismus auftrete, indem dem Ochsen ein oder mehrere Füsse bis an die Knie anschwellen und das Thier nun einen steifen oder gespannten Gang bekommt, Mattigkeit und bei heisser Luft kurzes, schnelles Athmon zeigt. Jetzt tritt Fieber hinzu; die Frosslust nimmt nach und nach immer mehr ab, die Geschwulst an den Füssen steigt nach oben und verbreitet sich nicht selten bis über die Schulterblätter oder über die eine Seite dos Rückens. Den Thieren wird das Aufstehen sehr schwer; geführt wanken sie mit dem Hinterthoil oder sie setzen beim Gange die Hinterfüsse über Kreuz und brechen oft plötzlich zusammen. Manche vermögen nach einiger Zeit der Ruhe mühsam wieder aufzustehen; andere müssen, wenn das Zusammenbrechen aussorhalb dos Stalles erfolgte, vermittelst einer Schleife in denselben zurückgebracht werden, woselbst sie dann in wonigen Tagen verenden. Andere fallen nach mehrtägiger Dauer der Krankheit plötzlich, wie vom Schlage gerührt, vor der Krippe um und sterben nach kürzerer oder längerer Zeit, mitunter nach wenigen Stunden. Bei mehreren Ochsen kündigte sich der Eintritt der Krankheit dadurch an, dass sie beim Misten den zähen Klumpen Mist von dunkler Farbe nicht aus dem After drängen können. Bei solchen Ochsen tritt auch bald ein Unvermögen, den Schwanz beim Misten zu heben, ein, und der aus dem After getretene Mist häuft sich in Klumpen unter dem Schwänze an und muss vom Wärter entfernt werden. Die Dauer dor Krankheit ist sehr verschieden, von 68 Tagen bis ebensoviel Wochen. Bei kürzerem Verlaufe macht ein plötzlich eintretender Sohlagfluss dem Leben des Thicres oft unvermuthet schnell ein Ende. Bei der Section der Kadaver findet sich das Blut dünn, von bräunlicher Farbe; an den Schenkeln, den Schulterblättern, am Halse und am Rücken oft mehrere zollstarke sulzige Ablagerungen, aus welchen beim Einschneiden ein bräunliches Wasser abfliesst. Das Fleisch ist von etwas dunkelrother Farbe, wenig derb und elastisch, etwas wässrig auf der Schnittfläche; in anderen Fällen von fast normaler Beschaffenheit. Die Organe der Brust-und Bauchhöhle schlaff, sonst normal; der Nierentalg mitunter wässrig; die Nieren welk, mitunter erweicht; im Kanal der Wirbelsäule etwas blutiges Wasser; das Rückenmark in der Kreuzgegend hin und wieder mit gelblicher Sülze umgeben oder geschwunden und weicher als im Normalzustande. Da dio Krankheit sich bis jetzt nur unter den Ochsen auf den Zuckerfabriken und den wenigen dort gehaltenen Kühen gezeigt hat, so muss sie in der eigenthiimlichen Lebens- und Ernährungsweise dieser Thiere begründet sein. Dom Vieh fehlte das aromatische Heu; man sucht dies durch Oelkuchen, Schrot und Pressrückstände zu ersetzen.
Erkältung bei der rauhen Winter- und Frühjahrswitterung brachte dio Krankheit zum Ausbruch. Bei Mastvieh zeigte sie sich mehr und bösartiger, als bei dem Zugvieh. Sie hat den Thioriirzten dadurch viel Vordruss gemacht, dass sie bisher fast allen angewandten Mitteln trotzte.quot;
Die Pressrückstände sind reich an Kohlenstoff und Kalisalzen; sie befördern daher vorherrschend die Fettbildung. Ungleich mehr Stickstoff enthält der Syrup, aber auch unverhältnissmässig mehr Kalisalze. In der Meinung, den Ochsen viel stickstoffhaltige Substanz als Krsatz des fehlenden Heus beibringen zu müssen, hat
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Allgemeine Wassersucht. Caohoxia hydraemica.
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man den Syrup täglich zu 2 bis 6 Pfund pro Stück verfüttert und dadurch jedem Ochsen durchschnittlich '/a bis 1 Pfund Kalisalz verabreicht.quot;
In der Generalversammlung dos thierärztlichen Voreins für die Provinz Sachsen, Thüringen und Anhalt 1879 wurde die Krankheit nach Erstattung eines lloforats vom Kroisthiorarzt König (Neuhaldonslebon) besprochen. Eine zusammen fassende Darstellung derselben hat hiernach Pütz (Seuchen und Hordokrankheiten 1882 S. 541) entworfen. Endlich ist der Verlauf der Pressokrankheitquot; oder Ilautwassor-suchtquot; des Rindes noch vom Kreisthierarzt Dralle-Einbock (Arch, f. wissensohafll. u. prakt. Thierh., Berlin 1886, S. 71) beschrieben worden.
Aetiologic und Pathogcnese. Die nach Einführung des DifTusious-verfahrons bei der Zuckerfabrikation verbleibenden Rübonrückständo haben nur geringen Nährwerth. Bei reichlicher Fütterung derselben müssen die Thiere grosse Mengen Wasser aufnehmen. Wenn nun gutes Rauffutter (Heu und Stroh) in ausreichender Menge nicht verabreicht wird, so kommt die hydrämischo Kachexie zur Ausbildung. Es entsteht die Krankheit durch Intoxication und es ist sehr wahrscheinlich, dass der grosse Gehalt an Kaliumverbindungon in den Diffusionsrück-ständen an dem Zustandekommen der Transsudationsprocesso im Thior-körper wesentlich botheiligt ist. Durch die den Tliiorcn mit der abnormen Ernährung einverleibten Gifte wird die Herzkraft herabgesetzt. Dazu kommt die Verarmung des Blutes an Erythrocyten bezw. der grosse Wassergehalt des Blutes, durch welchen die Transsudation von Serum durch die Capillargcfässe des Bindegewebes und der serösen Auskleidungen der Körpcrhöhlon begünstigt wird. Auf den Nachlass der Herzkraft lässt sich auch die Thatsache zurückführen, dass die Oedeme gewöhnlich zuerst an den Gliedmasson sich zeigen, in welchen die Blut-circulation am meisten erschwert ist.
Symptome und Verlauf. Die Ausbildung der Krankheitserschoinungen erfolgt langsam. An der Lustlosigkeit und matten Bewegung der Arbeitsochsen und der gesträubten Stellung des Deckhaares lässt sich bei aufmerksamer Beobachtung der Beginn der Wassersucht erkennen. Demnächst verringert sich der Nährzustand, obschon die Thiere noch bei Appetit bleiben; zuweilen Lecksucht; Harn reichlich, klar, von geringem speeifischem Gewicht. Anämie der sichtbaren Schleimhäute, Schwellung der Subcutis an den Gliedmassen. Oft werden die allgemeinen Symptome übersehen und die goschwollenen Füssequot; zuerst als Merkmal der Krankheit wahrgenommen, Mit der weiteren Ausbildung kennzeichnet sich die Wassersucht durch progressive Abmagerung; trockene, harte Haut; schwankende Körperhaltung, matter Gang, Krouzschwache; Appclit-mangel; Ausiluss von Speichel aus dem Maul. Darmexcremento zähe, pech-arlig; zeitweise Durchfall; ödomatöse Schwellungen der Haut an den
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irnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 326nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxioationskrankhoiton.
;'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gliedmassen und unter dem Bauche. Späterhin anhaltende Diarrhöe,
mitunter hämorrhagischo Excretion. Verfall der Kräfte, grosse Pulsfrequenz und Unvermögen zu stehen. Unter diesen Erscheinungen endet die Krankheit immer tödtlich. Der gesammto Verlauf umfasst eine Frist von 3 bis 6 Monaten.
Bei der Obduction der Cadaver treten die Merkmale der Kachexie hervor. Todtenstarro besteht nicht oder nur in unvollständigem Grade
,'[*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (Pütz). Blut dünnflüssig und relativ wonig roth. Das subeutane, sub-
fasciale und intermusculäre Bindegewebe an den Gliodmassen, unter dem Bauche und der Brust mit wässerigem Infiltrat gefüllt. In der Bauch-und Brusthöhle reichliche Wasseransammlung. Im Labmagen zuweilen Sand, der beim Belecken der Krippe oder des Patterganges verschluckt war. Darmschleimhaut serös durchtränkt und mit übelriechendem Schleim bedeckt.
Prognose. Die Krankheit erfordert schon in den ersten Stadien eine vorsichtige Beurtheilung. Sie ist nur dann heilbar, wenn rechtzeitig die Fütterung der Thiero geändert und ihre Benutzung zu anstrengenden Arbeiten vermieden wird. Nach Ausbildung umfangreicher Hautödeme und Anämie gilt das Leiden als unheilbar. Bei der Therapie ist auf die Beschaffung von gutem Rauffutter für die kranken Thiere thun-lichst Bedacht zu nehmen. Die Verordnung von Mitteln, welche die Verdauung fördern, kann nur geringe Vortheilo bringen. Eigentliche Aufgabe der Cur ist die Regelung der Ernährung. Lässt sich dieselbe nach den wirthschaftlichen Verhältnissen nicht günstig gestalten und ist die Krankheit schon vollständig ausgebildet, so muss die Abschlachtung der Thiere einem im Erfolge sehr zweifelhaften Heilversuoho vorgezogen worden.
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Capitel XLIX. liecksiicht-Kaclicxic.
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Klar ist die BogrilTsbostiramung dor Leoksucht boi don älteren Autoren der Tliiorarzneikundo nicht. Der althergebrachte Name wurde nach dem Symptom des lielockens und Bekauons heterogener Gegorstände gewählt. Dementsprechond hatte das Symptom im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für dio Diagnose der Krankheit eine maassgobende Bedeutung. Nun wird aber dio abnorme Neigung j ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;zum Lecken an kaiton oder eigenartig schmookonden Gegenständen bei allen Haus-
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Locksucht-Kachoxie.
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thieren und oft beobachtet, ohne dass sie mit einer Krankheit in Vorbindung steht. Vielfach beruht dieselbe lediglich auf einer üblen Gewohnheit. Das Lecken von Sand in der Futterkrippe oder von Kalk an den Wänden zeigt sich ferner bei Rindern und Pferden als Symptom einer einfachen Gastrosis oder verschiedener acuter und chronischer Allgemeinkrankholton. Dieses Lecken ist aber nicht Identisch mit der Krankheit dor Locksuchtquot;, wie irrthiimlich von vielen Autoren angenommen wurde. Letztere hat vielmehr den Charakter einer endemischen Krankheit und steht immer mit der Ernährung des Rindes in ursächlichem Zusammenhang.
Nicht annehmbar sind die älteren Krankheitsnamen Malaciaquot; und Rosioquot;. Denn in einer Lüsternheit odor einem Gelüste (Malakia) beruht die Lecksuchtquot; ebensowenig, wie in dem Benagen von Gegenständen (Rosio). Aus demselben Grunde können auch die Tormini Picaquot; (symbolische Bezeichnung von Pica-Elster) oder Kittaquot; (Ekel, Gelüste) nicht beibehalten werden. Die Verwendung solcher Krank-hoitsnamon haben nicht zum geringsten Theil den Irrthum conservirt, dass die Krankheit auf einer Verstimmung der Magennerven (Rychner) beruhe und durch mancherlei Ursachen herbeigeführt werden könne. Einerseits sollte dieselbe durch Ansteckung (Wahrnehmung und Nachahmnng dos Lockens) und durch Vererbung vcranlasst sein, andererseits eine rein nervöse Affection darstellen oder durch den Aufenthalt der Rinder in unreinen Stallungen hervorgerufen worden. Roloff (Virchow's Archiv 186()) hat in Anlehnung an die Ansichten älterer Autoren die irrthümliohe Meinung vortreten, dass die Lecksueht als erstes Stadium der Knochon-brüchigkeit des Rindes aufzufassen sei. Gegen diese Hypothese, die übrigens schon von Rychner u. A. negirt war, wandte sich mit zutreiTondon Gründen Lemke (Deutsche Zeitschr. für Thiormed. 188G S. 101), der die Krankheit nach eigenen Beobachtungen und Versuchen beschrieben und die in der Literatur fortgeführten unrichtigen Ansichten über das Wesen der Krankheit zurückgewiesen hat.
Acliologie und l'athogeucse. Die Lecksucht ist eine endemischo Krankheit des llindcs, welche durch die Ernährung mit Grünfutter oder Heu mancher Torf- und Moorwiesen entsteht. Die von Kuers und Haubner vertretene Ansicht, dass die Fütterung des Rindes mit Pllanzon aus den Gattungen Juncus, Equisetum, llumex, Meum etc. die Ursache sei, hat-keine Berechtigung; zu dem Irrthum gab die Thatsache Anlass, dass diese Pflanzen oft auf Torf- oder Moorweiden vorkommen. Ich habe wiederholt constatirt, dass auch relativ gute Gräser, wenn sie auf dem bezeichneten Boden wachsen und den Thieren beim Weidogange ausschliesslich zu Gebote stehen, die Erkrankung herbeiführen. Welcher Mangel in dem Nährmaterial der Pflanzen die Lecksucht veranlasst, wurde bis jetzt nicht nachgewiesen. Lemke ist der Ansicht, dass ein Defect an Alkalien, namentlich an Phosphorsäurc-Verbindungen,quot; das bedingende Moment sei. Indoss ist diese Meinung durch Thatsachen noch nicht bewiesen worden. Das quot;Verhalten der kranken Thiere spricht dafür, dass es dem fraglichen Putter an Gewürzen fehlt und dass die Thiore deshalb dasselbe anf die Dauer nicht rcgelmässig verdauen und auch nicht in ausreichender Menge verzehren können. Es mag sein, dass hierbei
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328nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankhciten.
dio mineralischen StolTo cine wesentliche Rolle spielen. Jedenfalls ist anzunehmen, dass das Futter nicht in normaler Weise die Sekretion der Vordauungssäfto anregt und dass hierdurch sich der Appetit auf Gegenstände richtet, welche laugenhaft oder erdig schmecken. Mit dieser Theorie vereint sich dio Thatsache, dass die Rinder, welche noch nicht der vollsiändigen Kachexie verfallen sind, bei zweckmässiger Ernährung in relativ kurzer Zeit genesen.
In vielen Provinzen oder Kreisen giebt es einzelne Distrikte, in welchen die Krankheit stationär vorkommt und einen grossen Theil des Rindviehbestandes im Sommer und Winter bald mehr, bald weniger afficirt, sofern die Besitzer neben dem auf Moor- oder Torfwiesen gewachsenen Futter gehaltreiches Beifutter nicht in genügender Menge verabreichen. Ich kenne im Regierungsbezirk Potsdam einige grosso Gemeinden, in welchen die Viehbesitzer alljährlich durch die Krankheit geschädigt werden. Dieselbe zeigt sich in futterarmen Jahren häufiger als sonst. Am schwersten erkranken Kühe, besonders die hochtragenden und milchrcichen (Spinola); diese Prädisposition erklärt sich durch den stärkeren Verbrauch von Nährstoffen. Lemke beobachtete die Krankheit auch bei Absatzkälbern. Dass die Arbeitsochsen weniger oft als Kühe erkranken, wird lediglich dadurch bedingt, dass dieselben zur Erhaltung ihrer Brauchbarbeit proteinreiches Beifutter bekommen. Mohrfach habe ich constatirt, dass die aus besseren Gegenden zugekaufton Rinder heftiger erkrankten, als die in den betreffenden Ortschafton geborenen Thiere, welche von Jugend auf an das minderwerthigo Futter gewöhnt waren.
Symptome und Verlauf. Der Lecksucht ist eine langsame Ausbildung eigen. Als erste Symptome bekunden die Thiere eine mangelhafte Ernährung; ungleichen, im Ganzen aber verringerten Appetit; trockene Haut mit rauhem Haar; Empfindlichkeit beim Druck auf die Lendenregion; Minderung der Milchproduction und baldige Ermüdung beim Treiben über kurze Wegestrecken. Daneben zeigen die Thiere eine unwiderstehliche Neigung, perverse Gegenstände von laugenhafter Beschaffenheit zu verzehren oder in das Maul zu bringen und auf denselben zu kauen: angefaultes Holz, altes Leder, Theile von verbrauchten Schuhen oder Stiefeln, die längere Zeit im Freien lagen, alte Lumpen, vermodertes Gras oder Stroh und viele andere Substanzen, die dem Geschmack normalmässig zuwider sind. Schutthaufen sind ihre Wonnequot; (Spinola). Mehrfach habe ich gesehen, dass die Kühe auf einer gut bewachsenen Torfweide eine morsch gewordene Holzplanko erhascht hatten und länffer als eine Stunde an derselben kauten. Kommen die
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Lecksucht-Kachexie.
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Thiero von der Weido oder aus dem Stalle auf den Hofraum, so eilen sie nach den Plätzen, wo vermodertes Holz oder altes Schuhwerk liegt, um dasselbe zu kauen. Je stärker der Appetit auf perverse Dinge gerichtet ist, um so mehr nimmt die Futteraufnahme ab; die Abmagerung wird stärker; die Milch bei Kühen versiegt vollständig; frequenter, kleiner Puls; keine oder nur geringe Steigerung der Temperatur; die Haut liegt dem Rippenkörper fest an (Harthäutigkeit); zum Gehen und Stehen sind die Thiere unfähig und schliesslich erlangt die Kachexie nach monate- selbst jahrelanger Dauer der Krankheit einen so hohen Grad, dass die Thiere durch Erschöpfung der Kräfte eingehen. Tragende Kühe sterben oft unter den Symptomen der constitutionellen Muskelschwächo (vgl. S. 311); in anderen Fällen werden gesunde und ausgewachsene Kälber geboren, worauf bei den Kühen die Abmagerung bis zum tödtlichen Grade zunimmt.
Diagnose. Zu verwechseln ist die Lecksucht-Kachexie bei vollständiger Beobachtung der Thiere nicht leicht mit einer anderen Krankheit. Es ist aber auf diejenigen Zustände zu achten, bei welchen das Lecken an den Wänden oder an alten Lumpen als Symptom auftritt. Auf einem Irrlhum beruht die Ansicht, dass Lecksucht und Knochen-brüchigkeit zusammengehören. Beide sind als besondere Krankheiten zu unterscheiden. Mir sind Gegenden bekannt, in welchen die Lecksucht ein stationäres Leiden ist, die Knochenbrüchigkeit aber nie vorkommt. Die sorgfältige Anamnese und die Wahrnehmung des gierigen Fressens von vermodertem Holz oder altem Leder stützen die Diagnose der Lecksucht,
Prognose. Wo die Kapitalkraft der Viehbesitzer ausreicht und die in leichtem Grade erkrankten Thiere auf dem Stalle mit gutem Futter nebenbei versorgt werden können, hat die Lecksucht keine Gefahr. Mit Unrecht legen die Besitzer aber den Erscheinungen gewöhnlich erst eine wesentliche Bedeutung bei, wenn dieselben, wie in futterarmen Jahren, sich in höheren Graden hervorthun. Die vollständig entwickelte Kachexie ist nur bei durchgreifender Aenderung der Nahrungsmittel zu heilen, worüber eine Frist von 1 bis 3 Monaten vergeht. Die Bcurtheilung der Lecksucht richtet sich im üebrigen wesentlich nach den wirthschaftlichen Verhältnissen der Besitzer.
Therapie. Da das Vorkommen der Lecksucht-Kachexie in den betreffenden Gegenden seit vielen Dccennien den Besitzern bekannt ist, so sollte die prophylaktische Behandlung der llindviehbeständo nicht verabsäumt werden. Die praktischen Thiorärzte können in dieser Hinsicht durch Einwirkung auf die Besitzer grossen Nutzen schalTen.
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330nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationskrankheiten.
Wesentlich ist, dass die Thiero, welche auf den Moor- oder Torfwiesen bezw. mit dem auf denselben gewonnenen Heu ernährt worden müssen, auf dem Stalle noch gutes Beifutter erhalten. Einige Vorthoile hat auch das präparirte Knochenmehl, welches den Thioren täglich zu 30 bis 50 g zur Selbstaufnahmo im Futter gereicht wird. Empfohlen sind seit langer Zeit ferner die Alkalien (Kalkwasser, Pottasche, Natrium bicarbonicum). Die in der Entwickelung begriffene Lecksucht wird in derselben Weise, insbesondere mit der Verabreichung von präparirten Knochenmehl behandelt. Aeltero Praktiker benutzen vielfach Kochsalz oder Salzsäure, auch Terpentinöl und Petroleum. Indcss ist nicht ersichtlich, dass diese Medicamente mehr als einen palliativen Erfolg haben. Eesor machte 1875 bekannt, dass das Apomorphin die Lecksucht heile und Lemke, der das Mittel sehr wirksam fand, empfiehlt, vom Apomorphinum hydrochloricum bei Thieren, welche schon lange krank sind, 0,1 g in Lösung täglich einmal und an 3 auf einander folgenden Tagen subeutan zu injiciren. Besteht die Krankheit erst kurze Zeit, so soll die Dosis auf 0,2 g erhöht werden. Die so behandelten Thiere zeigen 8 bis 14 Tage lang woniger Appetit, bessern sich dann aber. Bei diesem Heilverfahren und bei Aendcrung des Futters verschwindet nach Lemke's Beobachtungen die Krankheit in einigen Tagen. Bleiben die Thiere unter dem Einllusse der ungeeigneten Ernährung, so soll die gute Wirkung des Mittels dennoch 3 bis 5 Monate anhalten. Obschon mehrere Beobachter den Angaben Lemke's über die heilkräftige Wirkung des Apomorphin beigetreten sind, so bin ich doch der Ansicht, dass mit dem Mittel nur das Symptom dos Lockens, nicht aber das Grundleiden erfolgreich bekämpft werden kann. Ohne zweckmässige Ernährung der kranken Thiero wird jede Behandlung keinen nachhaltigen Erfolg haben können.
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Capitel L. llhacliitis.
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Der als Rhachitis, Zwiewuchs (doppelte Glieder) und Knochen weiche benannton constitutionollon Knochonkrankheit liegt eine Wucherung der knorpeligen und periostealen Theile des Knochens in Folge mangelhafter Kalkanoignung zu Grunde. Dio Krankheit kommt
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Rhaohitis,
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nur im ersten Lebensjahr, besonders bei Schweinen und Hunden vor, ist aber bei jungen Kälbern ebenso wie bei Fohlen sehr selten. Für die thierärztlicho Praxis hat die llhachitis der Kälber nur wenig Interesse, weil die mit derselben behafteten Thicre im Wachsthum unvollkommen bleiben und deshalb schon im ersten Stadium der Krankheit abgeschlachtet werden.
Hinsichtlich der Theorie der Rhachitis vorweise ich auf die Mittheilung in Bd. I 2. Aufl. S. 587. Der in den Knochen sich etablirende irritative Process hat eine beträchtliche Wucherung des Poriostes und der Epiphysenknorpel, sowie eine Weichheit und Biegsamkeit der Knochen, besonders der langen Röhrenknochen zur Folge. Es entstehen Infractionen und durch dieselben Verschiebungen (Deviationen) in der Stellung der Knochen, sowie Verdickungen an den Gelenkenden der Gliedmassenknochen; die Wirbelsäule verbiegt sich nach oben (Kyphosis) und die ganze Entwickelung des Skelets bleibt unvollkommen.
Symptome und Verlauf. Habitus der unvollkommenen Gesundheit; Erblassung der Schleimhäute; aufgetriebener Bauch (Hängebauch); fettarme Haut; mangelhafter Appetit; Zurückbleiben im Wachsthum des Körpers; häufiges Liegen; beschwerliches Aufstehen; Vcrbiegung und Verkürzung der Vorder- und Hintergliedmassen. Der Vorlauf ist chronisch; es vergehen 3 bis 4 Monate, bevor die Ernährungsstörung in den Knochen sich vollständig ausgeglichen hat. Dann aber ist die Genesung, abgesehen von den abnormen Stellungen einzelner Knochen, vollständig.
Mit der Diagnose findet sich der Sachkenner leicht ah. Zu erwägen bleibt aber, dass die Tuberkulose viel häufiger bei Kälbern im ersten Lebensjahr vorkommt und zuweilen ähnliche Erscheinungen mit sich bringt, wie die Rhachitis im ersten Stadium, Vor einer Verwechselung mit den allgemeinen Infoctionskrankheiten (Pyaemie und Sephthaemie) schützt die Beachtung des fieberloson Verlaufs. Die Prognose ist quoad vitam nicht ungünstig. Aber die Kälber sind der Regel nach als wirthschaftlich werthlos zu begutachten. Eine Behandlung kann eventualiter versucht werden mit Leberthran, von welchem zwei bis vier Wochen lang täglich zweimal ein Esslöffel voll einzugeben ist. Sonst empfehlen sich Eisenpräparate in Vorbindung mit phosphorsaurem Kalk (präparirtem Knochenmehl) und Kochsalz. Auch Phosphor in kleinen Dosen als Zusatz zum Leberthran oder Arsenik sind angezeigt. Wesentlich bleibt aber daneben die Fürsorge für normale und leicht verdauliche Nahrungsmittel und für einen gut vontilirten Stall.
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332nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Infections- und Intoxicationslcrankhoitcn.
Capitel LI. Kiiochcnbriicliigkcit. Cachcxia ossifniga, Osieopsathyrosis.
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Dio violo Jahrzohnto hindurch in der Literatur fortgosotzto Polemik über die Aotiologio und Pathogonese der Knochenbriichigkoit dos Rindes hat einen befriedigenden Abschluss bis jetzt nicht gefunden, Vielfach wird die Krankheit als eine üstoomalacio (Knochenweiche erwachsener Thiore) bemtheilt und mit der Rhachitis junger Thiore in Parallele gestellt. Nach meiner Ansicht liegt kein Grund vor, den Namen der Osteomalacie für die hier gemeinte Krankheit aufrecht zu halten. Denn unter dieser Bezeichnung wird eine sehr selten vorkommende con-stitutionelle Knochenkrankheit des Menschen verstanden, bei welcher die Knochen in der That eine grosse Weichheit und Biegsamkeit erlangen, Dass aber eine solche Osteomalacie, welche bei Menschen fast ausnahmslos unheilbar ist, auch bei Rindern vorkäme, kann ich weder aus der Literatur ersehen, noch nach eigenen Erfahrungen annehmen. Obgleich sich gegen den Namen der Knochenbrüchigkeit, der nach einem Symptom des Leidens gewählt ist, llanches einwenden lässt, so hat sich derselbe doch einmal eingebürgert; es erscheint mir daher empfehlenswerth, ihn einstweilen beizubehalten.
Die Knochenbrüchigkeit ist jedenfalls so lange bekannt, wie die Rinderheerden auf den Wiesen und Weiden, auf welchen sie entstobt, ernährt worden sind. Aber ich kann doch die Behauptung älterer Autoren (vgl. Spinola, Spec. Pathol.), dass Vogotius (Artis veter. Lib. Ill Cap. 55) derselben unter dem Namen Syntexisquot; gedacht habe, nicht aufrecht halten. Denn Syntexisquot; heisst das Zusammen-schirclzen der Kräfte (Auszehrung). Aus dem citirten Capitel geht aber nicht hervor, dass Vegotius an etwas Anderes, als an die Kaohexie bei Menschen und Thieren gedacht hat. Erkannt wurde die Krankheit von Kyllings (Thilo's Kräutcrloxikon 1728). Seit dieser Zeit wird dieselbe in der Literatur oft erwähnt. Es bedarf kaum dor Andeutung, dass die Knochenbrüchigkeit seit Begründung der wissenschaftlichen Tbierarzneikunde sehr oft besprochen wurde. Sie ist in dürren, futterarmen Jahren für viele Gegenden eine landwirthschaftliche Calamität gewesen und herrschte in grösserer Verbreitung in der Provinz Brandenburg von 1778 bis 1783, in Baden von 18161817, in Anhalt 1820-1822, in der Schweiz 1828, in Rheinhessen 18321837, in den Regierungsbezirken Coblenz, Trier und Aachen 18331834, in Böhmen 1863-1866. Neuerdings hat sie während des Winters 1893/94 in der Rhoinprovinz und im südwestlichen Deutschland den Besitzern zahlreicher Rindviohbostände grosse Nachtheilo gebracht.
Ueber das Wesen der Krankheit kamen die Autoren zu keiner klaren Ansicht. Es lag nahe, einzelne Pflanzen von vermointlicb giftigen Eigenschaften zu beschuldigen. Unter diesen sollte namentlich Anthericum ossifragum (Beinbrechgrasquot;) nach dem Oonusse bei Kühen dio Krankheit hervorrufen (Hinken, Oekonom. Lexikon 1780 S. 279). Später standen besonders die Gattungen Carex und Juncus im Verdacht. Kuers und Haubner meinten, dass Molinia coeruloa die schädliche Substanz enthalte. Demnächst machte sich die Hypothese geltend, dass Säuren aus dem Magen und Darm in das Blut resorbirt wurden. Auch eine allgemeine Schwäche
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Knochonbriiohigkeit. Caohoxia ossifraga. Osteopsathyrosis,
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dor Verdauung sollte die Ursache sein (vgl. Bopp, Stimmen über die Knochen-brüchigkeit in Rheinhessen (Magazin IV Berlin 1838 S. 322). Die grössto Verwirrung entstand aus der Annahme, dass die Knochenbrüchigkoit und die Lock-sucht mehr oder weniger zusammengehörton (Voith, Körber), Man zweifelte nicht, dass die mangelhafte Ernährung dor Kühe bezw. dor Futtermangel schädlich wirke; aber daneben sollte die Erkältung, der Rheumatismus das wesentlichste causale Moment darstellen. Hering, Spinola u. A. sehen als hauptsächlichste Ursache den Mangel an Kalksalzen im Futter an. Dagegen vortritt An acker (Thierarztquot; 1865 S. 232) wieder den Standpunkt, dass die Krankheit aus rheumatischen Eindüssen hervorgehe, gewissermassen ein Osteorheumaquot; sei und dass bei derselben ein activer Reizungszustand des Knochengewebes bestehe. Gerlach (Gerichtl. Thierh. I. Aufl. 1862 S. 434) lieferte eine kurze, summarische Kritik der bisherigen Meinungen und gelangte zu dem Schlüsse, dass Mangel an phosphorsaurem Kalk für sich allein die Krankheit nicht hervorrufe, dass vielmehr eine Minderung aller Bestandtheile in den Knochen stattfände. Entgegen dieser Annahme sprach sich Roloff (Virchow's Arch. Bd. 37) dahin aus, dass eine fortschreitende Verminderung der Kalksalzo in den Knochen, eine Umänderung der Knochensubstanz in osteoides Gewebe und endlich in Markgewebe eintreten soll.
Actiologie und Pathogenese. Die Knochenbruchigkeit des Rindes ist eine endemische, fieberlose, chronische Ernährungsanomalio des Knochon-systems, wobei die Knochen mürbe und zerbrechlich werden. Nach meinen Erfahrungen ist die bei den anderen Hausthiergattungen vorkommende Brüchigkeit der Knochen ätiologisch und pathogenetisch nicht identisch mit der hier fraglichen Krankheit des Rindes. Ich trete in dieser Hinsicht Spinola bei, der auch das Vorkommen der Krankheit bei Ziegen in Zweifel zieht. Es werden nur erwachsene Rinder befallen, und fast ausnahmslos Kühe, namentlich trächtige und milchreiche Kühe, bei welchen der Verbrauch an Nährmaterial für den Fötus bezw. für die Milchproduction die Prädisposition motivirt. Die Krankheit, welche den Charakter einer Ortsseuche besitzt, findet ihre Ursache in dem mangelhaften Gehalt dos Futters an assimilirbaren mineralischen Nährstoffen. Stationär ist dieselbe in manchen Gegenden mit Weiden und Wiesen auf Moor- und Torfboden, aber auch in vielen hochgelegenen Districten. Ihr Causalnexus mit einer eigenthümlich mangelhaften Ernährung ergiebt sich aus der Thatsache, dass sie bei anhaltender Dürre während der Frühjahrs- und Sommermonate in den vorgedachten Gegenden eine grössero Zahl der Thiere befällt, als in feuchten und fruchtbaren Jahren, in welchen das Futter eine bessere Qualität besitzt. Es wird angenommen (Spinola), das bei anhaltend trockener Witterung die mineralischen Bestandtheile des Bodens nicht ausreichend aufgelöst werden und deshalb nicht in genügender Menge in die Eutterpllanzen übergehen. Nach Roloff soll auch Gras und Heu von einem Boden,
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334.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Infections- und Intoxioationsltrankholten.
der zwar reich an Kalk, aber arm an Phosphorsäure ist, dio Krankheit verursachen. Wenn die Sommerzeit sehr trocken war und nur wenig Heu den Thieren gegeben werden kann, so entwickelt sich dieselbe auch bei der Stallfütterung im Herbst und erreicht dann gewöhnlich erst ihr Ende im nächsten Frühjahr bezw. bei besserer Ernährung der Thiere. ,Es giebt Orte, wo die Rinder nothwendig nach 12 Jahren abgeschlachtet werden müssen, wenn sie nicht an der Knochenbrüchigkeit zu Grunde gehen sollen.quot; (Gerlach.)
Eine beifällige Beurtheilung findet ziemlich allgemein die Ansicht, dass bei der vorgedachten mangelhaften Ernährung das Blut an Kalksalzen verarmt und deshalb zu wenig mineralisches Material den Knochen zuführt. Indess scheint mir doch die Meinung Gerlach's insoweit zutreffend, dass die anorganischen Nährstoffe nur in Verbindung mit Albu-minaten für die Ernährung der Knochen tauglich sind und dass demnach auch der mangelhafte Gehalt des Futters an Proteinsubstanzen bei der Aetiologie der Krankheit in Rechnung zu bringen ist.
Pathologische Anatomie. Die Knochen werden speeifisch leichter, als in der Norm, erscheinen aber im Uebrigen zunächst noch wenig verändert; später sind sie spröde und zerbrechen leicht, ohne dabei zu zersplittern. Das Periost ist von bläulicher Farbe. An den Bruchenden der Knochen bildet sich kein Callus osseus. Das Knochenmark erscheint dünnflüssig und gelbröthlich (Markflüssigkeit). Oft erfolgt eine reichliche Exsudation von Synovia in die Gelenke, welche zum Theil auch geschwulstartig auftreiben.
Eine chemische Untersuchung kranker Knochen ist von Kre us eher (1853), Reichardt (1870) und Anderen ausgeführt worden. Reichardt (vgl. das Referat von Zürn im Thierarztquot;, 1871, S. 13) fand eine bedeutende Abnahme des absoluten Gewichts; erhebliche Zunahme von Fett; Abnahme der Aschonbestandtheile und Gleichbleiben der leim-gobenden Substanz.
Symptome und Verlauf. In den ersten Wochen ist die Entvvickelung der Krankheit nicht von significanten Symptomen begleitet. Die Thiere bekunden demnächst einen steifen Gang und Schmerzempfindung in einer oder mehreren Gliedmassen, beschwerliches Aufstehen und knarrende Geräusche in den Gelenken beim Gehen (Rackscuchcquot;). Sie ziehen bei der Bewegung den einen oder anderen Fuss nach oder bekunden eine deutliche Lahmheit. Mitunter stellt sich unvermuthet beim Aufstehen oder beim Springen im Freien auf einem Fusse eine so starke Lahmheit ein, dass die Thiere sich nicht mehr vom Boden zu erheben vermögen. Lecken an den Wänden des Stalles oder an der Krippe und Kauen an Knochen, wenn
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Knochonbrüchigkoit. Caohexia osslfraga. Osteopsathyrosis.
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dieselben für die Pcitienten erreichbar sind. Im weiteren Verlaufe von 1 bis 2 Monaten steigert sich die Abmagerung. Harthäutigkeit; Stehen mit gespreizten Füssen oder gekrümmtem Rücken; Appetitmangel; Versiegen der Milch und anhaltendes Liegen. Während des Liegens oder beim etwaigen Gobäract, zuweilen auch gelegentlich des Aufstehens, wenn die Thiere sich nur halb vom Boden erheben und darauf wieder fallen lassen, treten Fracturen an den Knochen ein, vorwaltend an den Rippen und Beckenknochen. Die Knochenbrüche sind für die Patienten nicht schmerzhaft und bleiben in der Regel ohne Oallusbildung. Unter zunehmendem Marasmus erfolgt der Tod. Der Gesammtverlauf der Krankheit kann sich auf 4 bis 6 Monate und darüber ausdehnen.
Diagnose. Die Knochenbrüchigkeit ist kaum mit einer anderen Krankheit zu verwechseln, wenn die Symptome im Beihalt der örtlichen Verhältnisse und der Anamnese mit Sorgfalt erhoben wurden. Einige Vorsicht kann wegen des Leokens mancher Patienten geboten sein, damit der betreffende Fall nicht irrthümlich der Lecksucht-Kachexie zugerechnet wird.
Prognose. Soweit es zunächst auf die Krankheit an sich ankommt, ist bei den kranken Thieren, die erst in massigem Grade aufficirt sind und noch Appetit bekunden, ein günstiger Veilauf in Aussicht zu nehmen. Dagegen ist die Krankheit als unheilbar in allen Fällen zu begutachten, in welchen eine starke Abmagerung und Unvermögen zum Stehen oder eine Fractur einzelner Knochen festgestellt wurden. Andererseits hat sich aber die Beurtheilung der Krankheit wesentlich zu richten nach der Möglichkeit, den Viehstand mit gutem Futter und zweckmässigor Pflege zu versehen. Wo sich diese Verhältnisse nicht ausreichend vorbessern lassen, ist die baldige Abschlachtung der schwer erkrankten Thiere an-zurathen.
Therapie. Die wichtigste Aufgabe liegt in der prophylaktischen Cur. Spinola bemerkt sehr richtig, dass gutes Futter mit Futterordnung das sicherste Präservativmittel sei. Nur lässt sich der wohlgemeinte Rath nicht überall durchführen, weil ausser den vorhandenen Wiesen und Weiden oft kein Futter zu beschaffen ist. Jedenfalls kann aber in den Gegenden, in welchen die Krankheit stationär vorkommt, rechtzeitig auf die Beigabe von proteinreichen Substanzen Bedacht genommen werden (Getreide, Hülsenfrucht Erbsensuppen gutes Heu). Vor-theilhaft ist auch die Anwendung von präparirtem (durch Säuren aufgeschlossenem) Knochenmehl oder phosphorsaurom Kalk, von welchen Mitteln bei jedem Thior täglich 30 bis 50 Gramm mit dem Futter zu verabreichen sind. Auch Kalkwasser oder Kreide wurde früher em-
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InfootioDS- und Intoxioationskrankheiten.
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pfohlon. Dio Cur dor kranken Thiero hat im Wesontlichon diätetische Aufgaben zu erfüllen. Schmackhaftes Futter, welches reich an mineralischen Nährstoffen ist (Hülsenfrüchte). Gute Hautpflege und Einstollen der Thiero in luftige Räume. Innerlich präparirtes Knochonraohl. Zur Förderung der Verdauung Salzsäure (Harms), von welcher 3 bis 6 mal täglich 5,010,0 g in Wasser zu geben sind. Johow rühmt folgende Mischung: Natr. phosphor. 60,0; Greta 360,0; Natr. chloratum 200,0; Natr. bicarb. 30,0; Horba Absynthii 120,0 M. f. p, davon täglich für jedes kranke Thier 6 Löffel voll.
Bei der grossen Bedeutung, welche die Knochenbrüchigkeit dos Bindes für einzelne Gegenden hat, liegt den Besitzern oder den land-wirthschaftlichcn Vereinen die Prüfung nahe, ob nicht durch Düngung dos Bodens mit Knochenmehl, Supcrphosphat etc. die Gewinnung besseren Futters zu ermöglichen ist.
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Gedruckt iici h. Schumacher In Hcrlin.
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S/-2Z,
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LEHRBUCH
DER
SPECIELLEN
PATHOLOGIE UND THEEAP1E
FÜR
THIERÄRZTE.
NACH KLINISCHEN ERFAHRUNGEN BEARBEITET
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Dr. mbd. W. DIECKERHOFF
GKHUIMIÜ! KI'XJlUHUNdSHATIl UND PKOFE880B AN DUR THIIOHÄUZTI-ICIIKN UOOHSCHULB
ZU BEKLIN.
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Erste Ablheilung.
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Die Krankheiten des Rindes, 3. Lieferung.
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Berlin 1902.
Verlag von August Hirschwald.
NW. Unter den Linden 68,
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Inhalts-Verzeichniss
der 3. Lieferung:.
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Vierte Classe.
Organkrankheiten. A. Krankheiten des Nervensystems.
Seite
Gehirnanätnio und Gehirnhyperiimie............nbsp; nbsp; nbsp;337
Acute Gehirnwassorsucht. Ilydrops acutus cerebri. Ifydrocephalus aoutus .nbsp; nbsp; nbsp;339
Geniokkrampf. Meningitis cerebro-spinalis serosa........nbsp; nbsp; nbsp;342
Entzündung der Rückemnarkshäute. Meningitis spinalis. Leptomeningitis
spinalis..................nbsp; nbsp; nbsp;345
Gebärparesis. Gebärparalysis. Kalbeticber. Milchlieber. Gobiirfieber . .nbsp; nbsp; nbsp;348
Blitzschlag...................nbsp; nbsp; nbsp;361
B. Krankheiten der Respirationsorgano.
Bräune. Angina..................nbsp; nbsp; nbsp;362
Aouter Bronchialkatarrh. Bronchitis oatarrhalis acuta.......nbsp; nbsp; nbsp;364
Chronische oberflächliche Kehlkopfentzündung, Laryngitis superficialis chronioa.
Chronischer Reizhusten. Chronischer Kehlkopfhusten.....nbsp; nbsp; nbsp;365
Acute infectiöso Bronchitis. Tracheo-Bronohitls diphtherica superficialis . .nbsp; nbsp; nbsp;367
Chronischer Bronchialkatarrh. Hronohitis chronica........nbsp; nbsp; nbsp;368
'rracheo-Broncliitis chronica...............nbsp; nbsp; nbsp;370
Bronchiektatische käsige Herde..............nbsp; nbsp; nbsp;371
Lungenemphysem..................nbsp; nbsp; nbsp;373
Lungencongestion und Lungenödem............nbsp; nbsp; nbsp;376
Sporadische fibrinöse Lungenentzündung. Pneumonia acuta fibrinosa . . .nbsp; nbsp; nbsp;377
Broncho-Pneumonie. Katarrhalische Lungenentzündung. Pneumonia catarrhalisnbsp; nbsp; nbsp;380
Fremdkörper-Lungenentzündung. Pneumonia traumatica......nbsp; nbsp; nbsp;384
Lungenabscess..................nbsp; nbsp; nbsp;385
Lungenbrand. Gangraena pulmonum............nbsp; nbsp; nbsp;387
Brustfellentzündung. Pleuritis..............nbsp; nbsp; 387
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IVnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Inhalts-Verzeichniss.
Ncito
C. Krankheiten der Circulationsorgane.
Acute Herzinsuffloienz nach Ueberanstrongung.........nbsp; nbsp; nbsp;389
Herzlähmung (Paralysis cordis) durch Autointoxication. Herzschlag Apo-
I ' 'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; plexia cordis.................nbsp; nbsp; nbsp;392
Klappenfehler des Herzens...............nbsp; nbsp; nbsp;394
Goschwülste im Herzen................nbsp; nbsp; nbsp;397
Spontane Ruptur des Herzens..............nbsp; nbsp; nbsp;398
Spontane Ruptur der Venen und Arterion...........nbsp; nbsp; nbsp;399
Herzabscess...................nbsp; nbsp; nbsp;401
Heuzbeutelentzündung. Pericarditis............nbsp; nbsp; nbsp;403
D. Krankheiten der Digestionsorgane und des Herzens infolge Verwundung durch verschluckte Gegenstände.
Traumatische Entzündung der Zunge, dos Rachens und dor Speiseröhre . .nbsp; nbsp; nbsp;405
Traumatische Entzündung dos Pansens...........nbsp; nbsp; nbsp;407
Traumatische Hauben-Zwerchfellentzündung..........nbsp; nbsp; nbsp;410
Chronische Entzündung der Haube und des Zwerchfells mit strangförmiger
Verwachsung beider Organe.............nbsp; nbsp; nbsp;411
i ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Chronische Entzündung der Haube und des Zworchfelis mit umfangreicher
Verwachsung beider Organe.............nbsp; nbsp; nbsp;412
Abscossbildung zwischen Haube und Zwerchfell.........nbsp; nbsp; nbsp;413
Verwundung des Psalters, des Labmagens und des Zwölflingerdarms , . .nbsp; nbsp; nbsp;414
Trauniatisclior Leberabscess..............nbsp; nbsp; nbsp;416
Traumatischer Milzabscess...............nbsp; nbsp; nbsp;416
Üurchbruch des Fremdkörpers durch die Brustwand........nbsp; nbsp; nbsp;417
Traumatische Perforation des Zwerchfells und Vorfall der Haube in die Brusthöhle ...................nbsp; nbsp; nbsp;418
Traumatische Bauchfellentzündung.............nbsp; nbsp; nbsp;419
Diffuse acute Peritonitis und entzündliche Bauchwassersucht.....nbsp; nbsp; nbsp;420
i !nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Chronische Bauchfollontzündung.............nbsp; nbsp; nbsp;421
Traumatische Herzbeutelentzündung. Pericarditis traumatioa.....nbsp; nbsp; nbsp;422
E. Krankheiten der Digestionsorgane.
Verstopfung der Speiseröhre..............nbsp; nbsp; nbsp;429
Acute Blähsucht. Acuter Meteorismus des Pansens. Aufblähen ....nbsp; nbsp; nbsp;432
Acute Indigestion. Acuto Dyspepsie............nbsp; nbsp; nbsp;436
Chronische Indigestion. Chronische Dyspepsie. Paresis des Pansens ...nbsp; nbsp; nbsp;441
Magengeschwür. Labmagengeschwür. Ulcus ventriculi.......nbsp; nbsp; nbsp;444
liabmagenvorstopfung. Gastricismus. Gastrosis. Status gastricus ....nbsp; nbsp; nbsp;447
Anhäufung von Sand im Psalter, Labmagen und Dünndarm .....nbsp; nbsp; nbsp;449
Diokdarmverstopfung. Paresis des Dickdarms..........nbsp; nbsp; nbsp;450
Kolik.....................nbsp; nbsp; nbsp;451
Magen-Darmentzündung. Gastro-Entoritis..........nbsp; nbsp; nbsp;452
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Inhalts-Verzeichniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; V
Seite
Acute Magen-Darmeutzündang infolge Ueberfütterung mit schwer reidaalioben
Nahrungsmitteln................nbsp; nbsp; nbsp;454
Äoute Magendarmentzündung infolge Genusses verdorbener Nahrungsmittel .nbsp; nbsp; nbsp;45(5 Acute Magen-Darmentzündung infolge einer Infection. Mykotische Magen-Darmentzündung .................nbsp; nbsp; nbsp;457
Acute Magen-Darmentzündung infolge Aufnahme scharfer Gifte. Gastro-
Knteritis toxica................nbsp; nbsp; nbsp;4()0
Diffuse fibrinöse Darmentzündung. Darmcroup. Crovipöse Darmentzündung.
Enteritis pseudomembranaoea............nbsp; nbsp; nbsp;462
Mastdarmentzündung. Proctilis. Darmblutung.........nbsp; nbsp; nbsp;463
Acutev Magen-Darmkatarrh. Acutor Durchfall. Diarrhoea acuta ....nbsp; nbsp; nbsp;4(54
Chronischer Magen-Darmkatarrh. Chronischer Durchfall. Diarrhoea clironica .nbsp; nbsp; nbsp;46G
Durchfall der Kälber. Diarrhoea vitulorum..........nbsp; nbsp; nbsp;468
Erbrechen. Vomitus. Emesis..............nbsp; nbsp; nbsp;470
Darmeinsohiebung. Invaginatio, Intussusceptio.........nbsp; nbsp; nbsp;471
Ueborwurf. .-....#9632;.............nbsp; nbsp; nbsp;473
Acute Bauchfellentzündung, Peritonitis acuta..........nbsp; nbsp; nbsp;474
Chronische Bauchfellentzündung, Peritonitis clironica........nbsp; nbsp; nbsp;47(i
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P, Krankhoitcn der Leber.
Gelbsucht, icterus.................nbsp; nbsp; nbsp;478
Multiple nekrotisirendo Leberentzündung, Necrosis hopatis multiplex . . .nbsp; nbsp; nbsp;470
Thrombose und Entzündung der Pfortader. Pylethrotnbosis et Pylephlebitis .nbsp; nbsp; nbsp;481
Leberabsooss, Hepatitis apostematosa............nbsp; nbsp; nbsp;482
Gosohvvülsto der Leber................nbsp; nbsp; nbsp;483
Gallensteine...................nbsp; nbsp; nbsp;48.'i
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G. Krankheiten dor Milz.
Eiterige absoedirende Mllzentzündnng, Splenitis apostematosa Milzruptur..............
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485 488
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II. Krankheiten der Ilarnorgane.
Acute Nierenentzündung. Nephritis aouta.......
Nierenabsoess; Nephritis apostematosa........
Woisso Pleckniere dos Kalbes. Multiple ombolische Nephritis Chronische bindegewebige Nierenentzündung, Nephritis Rbrosa .
Nierenbeokenentzündung, Pyelltis.........
Nierenbeoken-Nierenentzündung, Pyelonephritis. Nephropyolltis
Harnsteine...............
Lähmung der Harnblase............
Entzündung der Harnblase. Urocystitis.......
Geschwülste in der Blase...........
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489 401 4,.)2 493 405 496 502 50;i 504 504
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VInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Inhalts-Vorzeiohniss.
Nl'itr
I. Kranltliciton dor Gesell lech tsor^iiiiü.
Sliorsuolil....................nbsp; nbsp; nbsp;505
Soheidenentzündung', Kolpitis..............nbsp; nbsp; nbsp;507
Traumatlsobe Soheldeneutzündung. Kolpitis traumatioa.......nbsp; nbsp; nbsp;508
Ohronisolier ansteokendev Scheidenliatarrh. Kolpitis catanlialis contagiosa .nbsp; nbsp; nbsp;509
Weisser Flnss, Fluor albus. Louoorrhoea ohronioa........nbsp; nbsp; nbsp;512
Acute Gobariiiuttcrent'/.ündung. Metritis acuta.........nbsp; nbsp; nbsp;514
Chroiiischo (.lebiiniiutterontziindung-. Kndomotritis chronica cutanhulis . . .nbsp; nbsp; nbsp;517
K. Krankheiten dor Sltoletmusldilatur.
Krcuzschwächü. l'araparesis. Myasthenisclie Kreuzliiliniung. Paraplegia myas-
thenica..................nbsp; nbsp; nbsp;519
Klienniatisnius..................nbsp; nbsp; nbsp;b'2'd
\i, Kranliheiton der Haut.
Ilaiitonipliysoui. Emphysoma snbcutaiiciim..........nbsp; nbsp; nbsp;525
Harthftutiglcelt. Ooriago................nbsp; nbsp; nbsp;527
FischscIuippoiiKranliheit. Ichthyosis............nbsp; nbsp; nbsp;52.S
Kcratonosis. Kcratosis................nbsp; nbsp; nbsp;528
Hautjucken. Pruritus................nbsp; nbsp; nbsp;529
Erythema exsudatlram................nbsp; nbsp; nbsp;5;i0
Oberflächliche chronische Ibuitnekrose. BIrythoma chrouicuni inortilicaiis.
Trockenes Absterben der weissen Hautstellen........nbsp; nbsp; nbsp;531
Ekzema. Nässende Flechte...............nbsp; nbsp; nbsp;533
Allgemeines papulöses und orustöses Ekzem..........nbsp; nbsp; nbsp;584
Sclilenipeinaiiko. Sohlempegrind, Fussgrind, Ekzema impotiginosum extremi-
tatum...................nbsp; nbsp; nbsp;5.S()
Treberaussohlag. Traubenkammltrankheii...........nbsp; nbsp; nbsp;539
Urticaria. Nesselaussohlag, Nosselliebor...........nbsp; nbsp; nbsp;540
Qlatzfleohte, Herpes tonsnrans..............nbsp; nbsp; nbsp;541
Hautwurm dos Kindes. Farolnosis Bovis...........nbsp; nbsp; nbsp;542
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Vierte Classe.
Organkrankheiten.
A. Krankheiten des Nervensystems.
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Capitol LTI. Gehirnanämie und Gehirnhyperämie.
Leichter, aJs in vielen anderen Organen wechselt der Fiilinngszustand der Blutgefässe im Gehirn, Bei chronischen Krankheiten und in auffallendem Grade bei starken Blutverlusten vermindert sich der Blutgehalt des Gehirns (Gehirnanäinie, Anaemia cerehri). Aber dies Ver-hältniss ist nur von symptomatischer Bedeutung. #9632; Gleich nach der Geburt kann auch bei Kühen der Shockquot; eintreten, wenn durch plötzlich erfolgende Lähmung des Bauchsympathicus die Abdominalgefasso sich übermässig mit Blut füllen und hierdurch das Gehirn an Blut eiu-einbüsst. Diese Gcliirnanämie bei Kühen geht meist schnell vorüber, ist aber mitunter tödtlich. Die in Folge chronischer Allgemeinkrankheiten des Kindes (Tuberkulose, Leukämie u. a.) als Symptom vorkommende Gehirnanämie hat deshalb keine erhebliche Tragweite für die thierärzliche Praxis, weil die betreffenden Thieve gewöhnlich schon beseitigt, werden, bevor die Blutleere des Gehirns einen höheren Grad erlangt. Psychische Erregungen (Schreck) und körperliche Anstrengungen dürften heim Rinde kaum jemals als Ursache einer Gehirnanämie in Anspruch zu nehmen sein.
Ebensowenig wie bei der Anämie die Leerheit, lässl. sich bei der Hyperämie des Gehirns (G ehirnconges tion) die Füllung der Ge-fässe in der llirnsubstanz und in den llirnhäulen nach den Krankhcils-symptomen auseinanderhallen. Abgesehen von den Krankheiten des Herzens und der Blutgefässe, die eine venöse Stauung des Blutes im
DiiTkcihuff. Spec. Pathologie u, Thoraplo. 11. Bd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 22
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338nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dos Nervensystems.
Gehirn bedingen können, Ist die Gehirnoongestion abhängig von der Lähmung der vasomotorischen Nerven, wodurch sich die G-ehirngefässe
erweitern. Wie Bei, 1. 2. Aufl. S. 600 erörtert wurde, entsteht die Lähmung der Vasomotoren des Gehirns entweder auf hämatogenem Wege nach der Resorption toxischer Stoffe aus dem Darm oder in der heisson Jahreszeit reflektorisch durch anhaltende Einwirkung der Sonnenwärme auf den Kopf der Thicre. Am meisten kommt die Gehirn-oongestion zur Ausbildung, wenn die Rinder an heissen Tagen während der Mittagsstunden auf einer Weide bleiben, die keinen Schutz gegen die Sonne bietet und kein Wasser hat, in welchem sicli die Thier abkühlen können.
Die anatomischen Veränderungen des Gehirns bestehen hauptsächlich in einer Erweiterung und Füllung der venösen Gefässe in der Pia mater. Auf der Schnittfläche markirt sich der Blutgehalt durch blutige Puncte oder strichfönnige Röthung (quer oder schräg durchgeschnittene 'Blutgefässe). Mit Wasser lassen sich die Puncte oder Striche wegspülen; doch wiederholt, sich auf der Schnittfläche die Erscheinung sehr bald wieder. #9632; Bei der Gebimhyperämie des Menschen wurden durch mikroskopische Untersuchung in den adventitiellen Lymphscheiden der Blutgefässe Anhäufungen von rotben Blutkörperchen ermittelt. Auch soll hierdurch eine Verdrängung der Cerebrospinalfliissigkeit in den Rückenmarkskanal erfolgen können. Von den Haustbieren und insbesondere vom Rinde sind in dieser Hinsieht nocli keine genauen Beobachtungen gemacht worden.
Symptome und Verlauf: Eingenommenheit des Bewusstseins. Eigen-thümlich stierer Blick. Schreckhaftes Benehmen. Zeitweise gespreizte Stellung der Gliedmassen, Röthung der Kopfschleimhäutc, besonders der Conjunctiva. Mangelhafte Futteraiifnahme, seltene .und verlangsamte Rumination mit verzögerter Darmentleerung. Respiration, Puls und Temperatur weichen von der Norm nicht wesentlich ab. Der Krankheitsverlauf vollendet sich in wenigen Tagen. In der Regel tritt Genesung ein. Bei längerer Dauer entwickelt sich die Gehirnwassersucht, welche in den meisten Fällen tödtlich endet.
Diaguese. Durch genaue Beachtung der Symptome und der Ursachen wird die Diagnose der selbständigen Gehirncongestion gesichert. Indess mag eine Verwehselung der Krankheit mit der Vergiftung durch Klatschrosen (vgl. S. 283) oder andere Narkotika zuweilen begangen sein. Darauf dürfte die in der Literatur fortgeführte unrichtige Angabe beruhen, dass die Rinder bei der selbständigen Gebirnhyperämie brüllen, in Raserei verfallen und mit den Hörnern stossen sollen. Dass im üebrigen
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Acuto Goliirnwassoisuclit. Ilydrops acutus corebri.
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vielo Kranklieiten, namentlich die entzündlichen Leiden des Dannkanals von einer durch symptomatische Gehirncongestion bedingten erheblichen Eingenommenheit des Sensoriums begleitet werden und dass der Thier-arzt auch in dieser Hinsicht sich vor einem diagnostischen Irrthum zu hüten hat, bedarf kaum einer Bemerkung.
Die Prognose ist gewöhnlich günstig. Zur Behandlung sind ein ergiebiger Aderlass, die subeutane Injection einer Dosis von Pilocarp. hydrochlor. in wässeriger Lösung, die innerliche Verabreichung von Abführmitteln, die Application von Eis oder kaltem Wasser auf den Kopf, die Unterbringung der Thierc in einem kühlen gut ventilirten Eaum und die Darreichung leicht verdaulicher Nahrungsmittel empfelilenswerth.
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Capitel LI1I.
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Acute Gehirnwassersucht. Hydrops acutus cerebri. Ilydrocephalus acutus.
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Aus der älteren Literatur ergiebt sich nicht, dass die acute Gehirnwassersucht (subeutane Hirnhautentzündung) des Rindes früher richtig beurtheilt worden ist. Jedenfalls wird aber das Vorkommen der Krankheit beobachtet sein. Nach den massgebenden medicinisclien Systemen erfolgte die Einreibung derselben in den allerdings unklaren Begriff des Nervenfiebersquot; (asihenisches oder torpides Nervenfieberquot;) und ich habe selbst ältere Tlüerärzte gekannt, welche das Leiden unter diesem Namen diagnosticirten. Genauer ist die acute Gehirnwassersucht des Kindes erst bekannt geworden durch Harms, welcher einige Krankheitsfälle beschrieben hat (Binderkrankheitenquot; 2. Aufl. S. 135). Im Ganzen ist die Krankheit nicht häufig; ich habe dieselbe aber mehrfach in kleinen und grossen Viehbeständen beobachtet, indess nie bei Eindern unter 2 Jahren. Hauptsächlich werden Thiere im mittleren Lebensalter befallen. Harms beobachtete die Krankheit auch bei einem Bullen.
Das Leiden hat den Charakter des Gehirnödems oder der acuten serösen Hirnhautentzündung (Leptomcningitis serosa acuta). Die eigentliche acute Gehirnentzündung (Encephalo-Meningitis acuta) in der Eorm, die sich mitunter bei Pferden zeigt (vgl. Bd. I, 2. Aufl.
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34:0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiion des Nervensystems.
S. 609) habe icli in koinem Falle bei der See! #9632; a der Binder nachweisen können.
Die individuelle Anlage zur aouten Gehirnwassersucht ist gegenüber dem Pferde beim Rinde sehr gering. Ohne Einfluss auf die Entstehung der Krankheit ist die TrächtigUcit. Harms behandelte 4 Kühe, die nicht tragend waren. Ich hahe aber die Krankheit auch bei Kühen, die in der ersten Hälfte der Trächtigkoitszeit standen, beobachtet. Ostcrmann-Herford hat einen Fall besprochen, der 3 Wochen nach dem Kalben eintrat.
Als Ursachen sind die intensive Ernährung mit gehaltreichein Futter, der Aufenthalt in dumpfen Stallungen und die anhaltende Einwirkung hoher Wärme, namentlich der heissen Sonnenstrahlen auf den Körper der Thiere zu beschuldigen. Die meisten Fälle ereignen sich im Sommer. Ich habe in den Wintermonaten die Krankheit nicht beobachtet. Weit seltener, als bei Pferden sind bei Rindern die Unbilden des Eisenbahntransportes als Ursachen der acuten Gehirnwassersucht zu beschuldigen.
Eingeleitet wird die Erkrankung mit einer starken Blutcongestion in den Gefässen der weichen Hirnhaut, in deren Folge alsbald Blutserum in den Subduralraum, in das subarachnoideale Maschengewebe und in die Ventrikel des Grosshirns sich abscheidet. Die Ansammlung von seröser Flüssigkeit zwischen Dura und Pia (Hydroceplialus externus) ist zwar oft bestritten. Ich muss aber auf Grund eigener Feststellungen die Angabe von Harms als richtig anerkennen, dass sich bei der in Rede stehenden Krankheit im Subduralraum gelbliche oder wasserklare Flüssigkeit befindet und dass sich dieselbe bei vorsichtiger Eröffnung der Dura auch nachweisen lässt. Die Substanz des Gehirns ist blass (anämisch), auf der Schnittfläche feucht. Bei der Section der an der Krankheit verendeten Thiere werden ausserdem am Herzen, in den Lungen und den grossen Drüsen der Bauchhöhle, die durch Blutstauung bei der asphyktiseben Todesart bedingten Zustände gefunden.
Symptome und Verlauf. Die Ausbildung der acuten Gehirnwasser-sucht erfolgt beim Rinde schnell und meist innerhalb eines Tages, die Thiere zeigen einen schwankenden oder taumelnden, stolpernden Gang, legen sich nieder und können dann nur mit kräftiger Unterstützung oder gar nicht mehr zum Aufstehen gebracht werden. Wenn sie auch zunächst noch aufstehen, so brechen sie doch alsbald wieder zusammen. Starke Eingenommenheit des Bewusstseins. Liegen die Thiere mit (lektirten Gliedmassen, so stützen sie den Kopl nach hinten neben den Rippenkörper, wie bei der Gobärpare.se (Kalbelleber). Oder der Kopf wird auf
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Aoute rioliimwasscrsuclil. Hydi'OpS aciilus oerobrl,
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den Boden gestützt. Zuweilen liegen die Patienten flach auf einer Seite mit ausgestrecktem Kopfe. Die Augen treten in die Höhlen zurück, Augenlider geschlossen. Mitunter Speicheln und Geifern aus dem Maul, auch reichliche Abscheidung von Thrfinenflüssigkeit. Das Gefühl in der äusseren Haut gegen Nadelstiche ist verringert. Pulsfrequnz beschleunigt, zuweilen 80 Schläge und mehr in der Minute. Athmung zunächst nicht schneller, selbst verlangsamt und tief; oft aber beschleunigt und mit exspiratorischem Stöhnen. Mastdarmlcmperatur meist normal, selbst subnormal, zuweilen aber bis 40,0deg; und darüber. Darmperistaltik verringert; Appetit und Rumination sistirl. Bei Melkkühen versiegt die Milch.
Diagnose. Mit Recht hat Harms hervorgehoben, dass das Krank-beitsbild an die Erscheinungen der Gebärparese (Milchfieber) erinnert. Nach meinen Beobachtungen ist die Uebereinstimimuig der Symptome aber nur bei der noch nicht zu den höheren Graden entwickelten Gebärparese gegeben. Im llcbrigen wird die Unterscheidung beider Krankheiten in praxi schon dadurch erleichtert, dass die Gebärparese stets innerhalb der ersten 4 Tage nach dem Kalben und mir ausnahmsweise vor dem Kalben sich einstellt.
Schwieriger ist die Diagnose gegenüber der acuten Enteritis und Enterö-Peritonitis, weil sich hierbei auch soporöse Erscheinungen hervorthun. Einen wesentlichen Anhalt gewähren aber in solchen Fällen der freqnente, harte Puls, die gerolbeten Schleimhäute und die heftigen exspiratorischen Klagelaute (Stöhnen, Jammern), welche sich bei der schweren diffusen Darmentzündung in auffälliger Weise bemerklich machen.
Prognose: Die Krankheit endet meist in 8 bis 5 Tagen tödtlicb. Doch erfolgt in den leichteren Fällen zuweilen in derselben Zeit hei allniäligem Nachlassen des Sopors und Bekundung von Appetit die Genesung. Hiernach ist die Prognose im Ganzen ungünstig. Da die Aufhebung des Bewusstseins, das Unvermögen zum Aufstellen und der Appetitmangel auch für die Besitzer als bedenkliche Erscheinungen gelten, so werden die Patienten gewöhnlich bald geschlachtet, zumal das Fleisch für den menschlichen Consum tauglich ist.
Therapie. Waschungen des Kopfes mit kaltem Wasser oder Auflegen von Eis. Innerlich Abführmittel (Natr. bicarb, mit Nalr. sulfur, in grossen Dosen), auch Pilocarpinum hydrochlor. 0,2 bis 0,3 subeutan; grössere Dosen erfordern eine vorsichtige Prüfung der Herzschwäche. Unterstützt wird die Our durch Mastdarm-Infusionen (Kochsalz in warmem Wasser). Auch können erregende Mittel, besonders schwarzer
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342nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten des Nervensystems.
Kaffe innerlich gereicht werden. Indess bleibt bei dem heutigen Stande der Therapie zu erwägen, oh nicht die alsbaldige Abschlachtung des Patienten den Ungewissen Aussichten der Behandlung vorzuziehen ist.
Ostormann-JIerforcl (B. T. W. 1892. S. 310) untersuchte am 11. April 1892 eine Kuh, welche 3 Wochen vorher gekalbt hatte und seit einem halben Tage krank war. Vom Besitzer war eine auffiillige Schwäche, Verlust der Milchsccrotion und Hin- und Hertrippeln beobaohtet, worauf die Kuh zusammenbrach und nicht wieder emporgerichtet werden konnte. Auch hatte die Kuh zeitweise Unruhe bekundet und mit den Beinen geschlagen. 0. fand, dass die Kuh im Stalle mit untergeschlagenen Fiisson lag, den Kopf zur Seite gekehrt und auf die Rippenwand gestützt. Wurde der Kopf gehoben und dann wieder frei gelassen, so fiel er in dieselbe Lage zurück. Das Aufstehen der Kuh Hess sich nicht ermöglichen. Flolzmal feucht. Conjunctiva blassroth. Blick stier. Haut gleichmässig kühl, Mastdarmtemperatur 36,3deg; C. Puls etwa 100 pro Min. massig voll. Respiration langsam ziehend; stöhnende baute nicht beineiiilich. Appetit fehlt, auch Wasser wurde nicht aufgenommen. Pansengcriiusche unterdrückt, Bauch massig aufgetrieben; Verstopfung.
Am 12. April Morgens zeigte die Kuh im Allgemeinen dieselben Symptome. Nur war die Lähmung etwas geringer. Bei passender Unterstützung stand die Kuh auf; sie vermochte sich etwa 5 Minuten stehend zu erhalten und legte sich darauf in gewöhnlicher Weise nieder. Appetit fehlt. Puls 120. Unwillkürliche diarrhoischo Kothentleorungon, Eine halbe Stunde nachher Exitus. Section am Nachmittag des J2. April. Todtenstarre fehlt. Peritoneum platt. Magen und Barmkanal nicht abnorm; Ijabinagonschleimhaut aber in Folge der gereichten Arzneimittel (Aloii) geschwollen und punetformig geröthet. Leber, Milz, Nieren und Uterus, abgesehen von der Blutstauung, nicht verändert. Auch an den Lungen, der Brusthaut und dem Herzen fand sieh Nichts Ungewöhnliches. Heim Abschneiden des Kopfes entleert sich eine bedeutende Menge etwa ein halbes Weinglas voll - schwachrötblicher Flüssigkeit. Dura mater leicht abzuheben. Die venösen Gefässe der Pia sind sehr stark gefällt. Die Uyri erscheinen abgeplattet. In den Seitenkammern des (Irosshirns linden sich noch etwa 15 Gramm einer gleichbeschalTenen Flüssigkeit, wie sie beim Abschneiden des Kopfes ahlloss. Die Hirnsubstanz ist durchfeuchtet und zeigt viele kleine rothe Pünktchen.quot;
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Capitol L1V. Grnickkranipf. Neningitis cerebo-spinalis serosa.
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In der thierärztliclien Literatur ist zwar oft behauptet worden, dass bei den Haustbieren und insbesondere auch beim Rinde der Genick-krampfquot; als eine infectiöse Entzündung der Hirn- und Rückenmarksbäute
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seudienart
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auftreten und dass derselbe in seinen wesentlichsten Eigen-
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G en ich li ramp f. Meningitis cerebi-o-spinalis sernsu.
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schaften mit der epidemischen Oerebro-Spinal-Moningitisquot; (Geniokkrarapf) des Menschen übereinstimmen soll. Aber abgesehen davon, dass der epidemische Geniokkrampf des Menschen vorzugsweise das jugendliche Alter und das niännlicho Geschlecht häufiger, als das weibliche betrifft, so hat bei derselben die Leptomeningitis auch einen eitrig-übrinösen Charakter, während bei der hier gedachton Leptomeningitis des Rindes stets eine seröse, wasserklare, gelatinöse oder blutig gefärbte Flüssigkeit im Go-liirn und im Anfangstheil des Rückenmarks gefunden wird, loh halte daher nicht für wahrscheinlich, class beide Krankheiten auf gleicher ursächlicher Grundlage beruhen. Meyer-Birkenfeld (Magaz. 1867. S. 57 und 24!)) .stellte nach eigenen Beobachhmgen die Krankheit in Parallele mit dem epidemischen Genickkrampf des Menschen, Die Symptome und der Sectionsbefund sind auch von Schmidt-Aachen (Berl. Arcb. 1887) beschrieben worden, febereinstiinmend mit Harms (Rinderkrankheitenquot;), der die Oerehrospinalmeningitis nur in Einzelfällen beobachtete, habe auch ich die allgemeine Verbreitung der Krankheit nicht gesehen. Sporadische Fälle sind aber nicht selten.
lieber die Ursachen hat sich bisher nichts ermitteln lassen. Nach der Analogie des Genickkrampfs bei Menschen wird auch vom Binde angenommen, dass eine speeiflsche Infection das bedingende Moment der Krankheit sein soll. Mit gleichem Recht lässt sich aber auch die Ansicht aufstellen, dass durch ein speciliscb wirkendes Gift, eine Chornische Substanz, welche mit der Blutcirculation in die Pia inater des verlängerten Marks und des Anfanstheils vom Rückenmark gelangt, eine cut-zündliche Reizung und seröse Infiltration veranlasst werden kann. Ansteckend ist die Oerehrospinalmeningitis des Rindes nicht. Sie kommt auch In jeder Jahreszeit vor. Bei Kälbern und Färsen unter 2 Jahren habe ich dieselbe nicht beobachtet. Im Uebrigen können junge mul alte Rinder betroffen werden. Meyer sah die Meningitis cerehrospinalis nur bei mageren Kühen, niemals bei fettem Vieh oder bei Ochsen.
Pathologische Anatomie. Für die Rathogenose lassen sich folgende anatomische Momente feststellen: 1, starke Blutfülle in den Gefässen der Pia mater, und zwar im Gehirn, im verlängerten Mark und im Anfangstheil des Rückenmarks; 2. seröse, gallertartige Infiltration von klarer, gelblihher oder auch röthlich gefärbter Flüssigkeit in das maschenreiche Gewebe der Pia bezw. in das Gehirn oder Rückenmark (üodem); 8, geringe Ausscheidung von Flüssigkeit in die llirnkaininern; 4. kleine Blutextravasate in den Hirnhäuten.
Bei der Section von Thieren, welche nicht geschlachtet) sondern zu Grunde gegangen sind, linden sich ansserdem in den Organen die Merk-
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344nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kvanldicilen des Nervensystems.
male des Erstickungstodes; eine welke, sohlaffe Beschaffenheit des Herzens; in dessen Kammern, sowie in den Venen anvollständig geronnenes Blut; endlich die Zeichen einer Blutstauung in der Magen-Darmschleimhaut.
Symptome. Nach den Angaben von Schmidt soll in der Krank-lieiisenlwickolmig ein Stadium der Erregung von 12 bis 30 Stunden Dauer mit unruhigem Benehmen und Kopfsohtitteln der erkrankten Thiere zu unterscheiden sein. Die wichtigsten Merkmale sind: 1. gestreckte oder nach rückwärts gerichtete Kopfhaltung (Opisthotonus) und Unvermögen der Thiere den Kopf gegen die Vordergliedmassen zn beugen;
2.nbsp; nbsp;anhaltendes Liegen auf der Seite mit ausgestreckten Schenkeln;
3.nbsp; Trismus in leichtem Grade und Verdrehen des Augapfels; 4. Trockenheit der Haut und rauhes Haar. Die Heizung der Haut mit Nadeloder Messerstichen wird von den Patienten empfunden; 5. Futter-aufnahme und Wiederkauen vermindern sich und hören später ganz auf, doch können die Thiere noch das in die Maulhöhle eingetlösste Wasser verschlucken; 6. Darmexcremente spärlich, dunkel, thecrartig; 7. Respiration und Bluttemperatur weichen nur unerheblich von der Norm ah; die Pulsfrequenz wird erst in Folge des anhaltenden Liegens beschleunigt. Meyer beobachtete clonische Krämpfe (con-vulsivische Bewegungen) der Schenkel und Schmidt giebt an, dass am 2. Krankheitstage und später sich Zuckungen in den langen lliicken-muskoln bemerklich machen.
Der Verlauf wickelt sich in 5 bis 7 Tagen ab; die Krankheit endet in der Regel tödtlich. Zuweilen erhalten sich die Patienten einige Tage länger am Leben. Schon am ersten Krankheitstage vermögen die Thiere ohne kunstgerechte [Interstiitzung nicht aufzustehen; später liegen sie dauernd am Boden mit nach rückwärts gezogenem Kopfe. Die Körperkräfte verfallen schnell, die Augen treten in ihre Höhlen zurück und die Haut fühlt sich kühl an. Da das Bcwusstsein nicht aufgehoben ist, so macht die hülflose Lage der Patienten auf die anwesenden Personen einen sehr ungünstigen Lindruck. Bei einer Vernachlässsigung der Thiere im Stalle wird in Folge des anhaltenden Liegens das Lager feucht und warm, so dass die Haut an den stark gedrückten Stellen (äusserer Darmbeinwinkcl, Schulter, Thorax und Kniegegend) durch Decubitus erkrankt. In den ganz exccptionellen Fällen von Genesung lassen die Symptome allmälig an Heftigkeit nach und die Thiere bekunden wieder Appetit. Die vollständige Heilung erfolgt nach einer Beobachtung von Meyer in etwa 15 Tagen.
Diagnose. Auf eine Störung in den motorischen Central-Apparaten, speciell in der Medulla oblongala, lassen sich die Symptome leicht zu-
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#9632;
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Entzündung dev MokeninfU'kshäute. Meningitis spinalis.
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riickfülireii, wodurch unter gleiolizeitiger Berücksichtigung des Krankheitsverlaufes die Diagnose schon ziemlich gesichert wird. Mit dor Krankheit kann aber des Verhalten abgemagerter oder kachektisoher Kiilie \rcr-wochselt werden, welche in Folge allgemeiner Schwäche sich gegen Ende des Lebens nicht mehr vom Boden erheben können, sondern flach auf der Seite liegen und den Kopf in gestreckter oder krampfhall mich rückwärts gezogener Lage halten.
Prognose and Behaiulluug. Die Cerebros|)iiialnieningitis des Rindes bedingt eine schlechte Prognose. Past ausnahmslos endet dieselbe tödt-lich. Meyer berichtet über einen günstig verlaufenen Fall, der innerlich mit Abführmitteln und ftusserlioh am Genick und Halse mit Einreibungen von 01. Orotonis 12,0 und 01. Terebinth. 110,0 behandelt wurde. Harms ist der Ansicht, dass die subeutane Anwendung von Pilocarpi-num hydrocldor. vorlheilhaft sein könne. Berechtigt ist auch die Application von Haarsellen oder scharren Einreibungen (Breohweinsteinsalbe) in der Genick- und oberen Halsgegend. Da die Krankheit in den Anfangsstadien das Fleisch der Thiere nicht genussuntauglich macht, so 1st bei dem verderblichen Charakter derselben auf die Möglichkeit einer Verwerthung des Fleisches durch frühzeitige Abschlachlung der Thiere Rücksicht zu nehmen.
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Oapitel LV.
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Iliit/üiniiinraquo; thr Itiickemnarkshäiitc. Nciiingitis spiualis. Lcptomeiiingitis spinalis.
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irritative Prozesse In der Pia mater spinalis verursachen durch die starke Blutstauung In den Oaplllargefässon oder durch minimale Blut-extravasate oder durch seröse Ergüsse in den Subduralraum des Rückenmarks und in das Gewebe der Pia eine unvollständige Lähmung der motorischen und oft auch der sensiblen Functionen des Rückenmarks. Die schnelle Entstehung der Krankheit und das erhebliche Symptom des Festliegens der Hinder bestimmten die älteren Autoren dazu, die Leptomeningitis spinalis als .Nervenschlagquot; oder Rückenmarks-schlagquot; (Apoplexia spinalis), insbesondere als Apoplexia spinalis so rosaquot; zu deuten.
Die Ilrsaclicii der selbständigen Entzündung der weichen Bücken-
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346nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dos Nervensystems.
raarkshaut boi Rindern sind nicht genau bekannt. Gewöhnlich wird in Ermangelung bestimmter Aufscliliis.se eine Erkältung, besonders die nach-theilige Wirkung einer niedrigen Temperatur im Stalle beschuldigt. Ich habe auch beobachtet, dass die Krankheit an warmen Sommertagen bei Kühen entstand, weiche des Vormittags und Nachmittags auf der Weide verbleiben. Ob nicht auch toxische Ursachen die Krankheit hervorzurufen vermögen, lässL sich noch nicht entscheiden,
Pntholugisehe Anatomie. Füllung der Venen und Capiilargefässe mit dunklem Blut in der Pia spinalis an den hinteren Abschnitten des Rückenmarks. Letzteres erscheint auf dem Durchschnitt gelblich gefärbt; aus den Capillaren treten kleine Blutpunote hervor. Im Subduralraum wasserklares oder röthlich gefärbtes, seröses Exsudat, bald in geringer bald in grösserer Menge. An den Organen der Bauch- und Brusthöhle finden sich bei den gestorbenen Thieren die Merkmale der asphyktischen Todesart.
Symptome und Verlauf. Ohne dass Vorboten wahrgenommen sind, zeigt sich die Kuh unvermögend, mit dem llintertheil aufzustehen. Sie liegt ruhig am Boden mit untergeschlagenen Gliedmassen und versucht zuweilen vergeblich, sich emporzurichten. Zeitweise bekunden die Tbicre durch Brummen und einen eigenthümlichen, stieren Blick ein unbehagliches Gefühl, besonders wenn sie auf der linken Seite liegen. Die Empfindung gegen Nadel- oder Messerstiche ist in der Haut des liinter-theils verringert und fehlt mitunter vollständig. Meist wird der Kopf umgewendet und gegen die Rippen gelegt; aber die Eingenommenheit des Bewusstseins ist nur gering und die Thicre richten den Kopf empor, wenn sie angetrieben werden. Alhnuingsfretjuenz nicht wesentlich erhöht; Pulsfrequenz in Folge des krankhaften Liegens auf 100 bis 120 Schläge in der Minute gesteigert; Mastdarmtemperatur normal, bei längerer Krankheitsdauer hochnormal oder fieberhaft. Appetit verringert; verzögerte Darmentleerungen; Versiegen der JMilch bei Milchkühen.
Harms gedenkt eines Falles, in welchem die Ausbildung bis zum Festliegen des Thieres nach und nach erfolgte; Regel ist sonst der schnelle Eintritt der Paraplegic. Die Dauer der Krankheit erstreckt sich zuweilen nur auf 2 bis 3 Tage, oft aber auf mehrere Wochen, selbst auf 2 bis 3 Monate.
Diagnose. Nach den Beobachtungen von Harms ist bei der Krankheit die Paresis der Muskulatur zuweilen in der Vorhand stärker, als in der Hinterhand der Thiere, Indess kann in diesem Umstände kaum eine diagnostische Schwierigkeit liegen. Die grösste Beachtung erfordern dagegen alle anderen Krankheiten, bei welchen die Thiere sich mit dem
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Entzündung dor Rüokenmarkshäate. Meningitis spinalis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;347
Hintertheil nicht vom Boden erhoben können: insbesondere die durch ermüdende Fusstransporte oder durch Erkältung bedingte Kreuzschwäche, ferner die frisch entstandenen schmerzhaften Klauonentziiiuiungen, sowie die Entzündung des Darms oder des Bauchfells. Von der acuten Gehirnwassersucht, unterscheidet sich die acute Meningitis spinalis durch das Fehlen des Sopors. Acute Vergiftungen, welche die Kinder am Auf-stchen behindern, kennzeichnen sich durch die neben der Paraplegie bestehenden Allgemeinsymptome. #9632; Das Kalbefieber (Milchfiobcr, Gebär-paralysis), ferner das durch Muskclschwäche bedingte Unvermögen zum Stehen bei hochtragenden Kühen und die in Folge von schweren Geburten oft eintretenden Läsionen in der Beckenregion (Quetschungen, Muskeldehnungen, Ruptur eines Kreuzdarmbeinbandes), bei welchen die Eüho sich nicht vom Boden erheben können, lassen sich bei einer umfassenden Würdigung der Sachlage leicht erkennen.
Prognose. Im ganzen verläuft die selbständige Meningitis spinalis beim Rinde nicht ungünstig. Einzelne Fälle enden schon innerhalb weniger Tage mit Genesung der Thiere. Oft dauert aber die Krankheit mehrere Wochen, bevor sich die Thiere soweit erholen, class sie sich ohne Hülfe vom Boden aufrichten können. In einigen Fällen hallen die Kühe das andauernde Liegen nicht aus; es entwickelt sich dann das Bild des allgemeinen Kräfteverfalls und daneben eine Dyspepsie, so dass die Thiere nur noch wenig Futter annehmen und allmälig der vollständigen Erschöpfung mit tödtlichem Ausgange verfallen.
Die Therapie ist aus wirthschaftlichen Gründen nur dann einzuleiten, wenn die Patienten nicht zu einem angemessenen Preise durch die Schlachtung verwerthet werden können. Denn das Fleisch wird durch die Krankheit an sich nicht genussuntauglich. Zur Behandlung ist zunächst die grösste Sorgfalt in der Lagerung und Kopflegung der Patienten zu bethätigen; die Thiere müssen täglich 2 bis 3mal umgewendet werden und immer trocken zu liegen kommen, innerlich Natr. bicarb, mit Natr. sulfuricum in grossen Dosen. Aeusserlich Einreibungen mit erregenden Mitteln (Spiritus oder Oleum Tereb. in Aq. 1 : 4). Verabreichung von weichem, leicht verdaulichem Futter. Täglich mehrere Male zu wiederholendes Ausmelken des Euters bei Melkkühen. Dazu sind die kranken Thiere in zweckmässiger Weise und mit geeigneter Unterstützung zum Aufstehen anzuregen. Nichts kann die Genesung mehr beschleunigen, als die bei solchen Anstrengungen erforderliche Hebung der Muskeln. Nachdem die kranken Thiere auf ebenem oder etwas nach vorn geneigtem Boden in die für das Aufstehen günstige Lage mit untergeschlagen Beinen gebracht sind, werden dieselben durch
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848nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kranldioitcn dos Nervciisystoms.
Treten gegen die Sclnillcnmiskohi oder Drehen der Schwan/rübe oder am zweökroässigsten durch das Vorha-Ilen eines fremden Hundes aufgelegt und bei dem Versuche /um Aufstehen durch '2 kräftige Personen an der Schwanzrübe hochgehoben. Kine gewisse Gewandtheit in der Leitung dieses wichtigen therapeutischen liiilfsmitlels muss sich der praktische Thierarzt zu eigen machen.
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Capitel LVI.
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(#9632;ebürparesis. liebiirparalysis Kalbcticber. JMilchiinber.
(raquo;cbär lieber.
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Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde in Deutschland die reichliche Ernährung der Milchkühe zur Steigerung ihrer wirthsohaftlichen Ertragsfähigkeit üblich. Seit dieser Zeit wird die Gcbärparesis beobachtet. In dem Maassc, in welchem die intensive Fütterung der Kühe sieh verallgemeinert hat, ist die Krankheit häufiger aufgetreten. Die Empiriker stellten sicli vor, dass derselben eine Versetzungquot; (Matastasis) der Milch auf die inneren Organe zu Grunde liegt. Fr. Günther (Ge-burtshülfe, 1880) begnügte sich mit der Hypothese, dass wenn gut genährte Kühe rasch und leicht gebären, die erhöhte Thätigkeit im Sexual-system nicht durch die Milchsecretion ersetzt werden könne und dass hierdurch die thierischen Functionen eine allgemeine Störung erleiden sollten. Von andern Seiten (Hoffmann in Busch; Zeitschr. I. 1829) wurde die bei den Viehbesitzern jener Zeit verbreitete Meinung wiederholt, dass eine Kuh, welche schnell und leicht gekalbt habe, sich alsbald überfresse und hierdurch in die Krankheit verfalle. Die Ansicht fand schon deshalb Billigung, weil thatsächlich bei der Geburtsparesis eine Obstipation des Darmes vorkommt.
Binz (Gcburtshülfe, 1830) nahm als Wesen der Krankheit eine Entzündung des Ganglicnsystems an, während Haubner (Landwirthsch. Thierheilk.) die Bathogenesc in einer nach der scbnellen Ausstossung des Fötus eintretenden Stauung des Blutes in den Gelassen des Rückenmarks vermuthete.
Franck (Geburtsh., 1876) betrachtet das Kalbefieber als im Wesentlichen identisch mit der Eklampsie des Menschenquot;. Nach seiner Theorie
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Oebärpavesls. GebSrparalyBls. Kalbeflebev. Mllohfleber, Qebärfleber. 34!)
soll eine acute ATiämio und infolgedessen eine plötzliche Ernährungsstörung des Gehirns eintreten. Auch Friedberger erblickte die nächste Ursache der Krankheit in einer arteriellen Gehirnanäraie. Entgegengesetzt ist die Hypothese von Violet (1896) und Anackcr, welche die Erkrankung auf eine Gehirn- und Riickonmarkshypcrämie zurückführen. Hierzu bemerkt Strebe! (Schweizer Archiv. 1897. S. 62), dass die bekannt gewordenen Scctionsrosultate die Theorie nicht unterstützen könnten.
Eine gute Beschreibung der Krankheitssymptome hat Köhne im Magazin etc. Berlin. 1855. XXL S. 16 geliefert; keine Zustimmung konnte dagegen seine Erklärung finden, dass durch das Gcburtsgcsohäft eine Lähmung des Ganglicnncrvensystems veranlasst werde, welche sich im weiteren Verlaufe auf das Rückenmark und Gehirn ausdehnequot;.
Harms leitete seine Theorie des Milohfiobers von der Thatsache ab, dass bei dor Section der von der Krankheit befallenen Kühe sich Gase im Blute und besonders auch in den Capillargelässen des Gehirns finden. Er Hess sich durch diese Wahrnehmung zu der irrthümlichen Annahme verleiten, class nach dem schnellen Geluiract und der schnellen Aus-stossung der Nachgeburt atmosphärische Luft in die Blutgefässo des Uterus dringe (Aeraomiequot;) und mit der Blutcirculation in das Gehirn und Rückenmark gelange.
Die Bezeichnung der Krankheit als Gebärparesisquot; hat Schmidt-Mülheim (Zeitschr. f. Thiermed. 1885) eingeführt. Wie er meinte, stellt die Krankheit eine eigenartige Selbstvergiftung dar. Nach einer leichten und raschen Geburt sollen in der eiweisshaltigen Lochienllüssigkeit des blutleeren Uterus eigenthümlicho, von der Eäulniss völlig unabhängige, Zorsetzungsvorgänge entstehen, bei welchen nach Analogie der Entwicke-lung des Wurstgiftes ein Muskelgift producirt werde. Dies Muskelgift sollte durch Resorption in das Blut gelangen und die das Kalbefieber kennzeichnende lähmungsartigo Schwäche (Paresis) sowohl der willkürlichen wie der unwillkürlichen Muskeln verursachen.
Dass die Gebärparesis auf einer Autointoxication beruht, wurde auch von Kaiser-Hannover (1892) anerkannt, der das speeifische Gift aber nicht im Uterus, sondern in der Darmschleimhaut der Kühe aus den mit dem Futter aufgenommenen pflanzlichen Organismen entstellen liess. Unklar war die von Ehrhardt-Zürich (1896) aufgestelle Hypothese, nach welcher die Pbatliogenese von einer chronischen Autointoxication ausgehen soll, die durch die Vorgänge bei der Geburt zu acuten klinischen Erscheinungen führe. Guillebeau und Hess (Schweizer Arch.
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350nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dos Nervensystems.
1895) beschuldigten als Ursache eine Infection kleiner, in den Geburts--wegen entstandener Risswunden. #9632;
No card (1896) lässt die Krankheit aus einer uterinen Infection hervorgehen und neigt sich zu der Annahme, dass Staphylokokken eine wichtige Rolle bei derselben spielen.
Diese kurze historische Uebersicht ergiebt, dass die Gebärparosis seit '25 Jahren als eine acute Intoxicationskrankheit gedeutet ist, bei welcher das speeifische Gift im Thierkörper selbst entsteht (Autointoxication). In der Beurlhoilung des Organs und der chemischen Vorgänge, welche in demselben die Bildung des Giftes vermitteln, konnte aber keine der von den Autoren aufgestellten Hypothesen befriedigen. Wie so oft in der Pathologie, so hat auch bei der Gebärparese die Praxis der theoretischen Forschung die Wege ebnen müssen. Eine neue und besser begründete Theorie über die Entstehung des Kalbefiebers stellte der dänische Thicrarzt Schmidt zu Kolding (1897) auf. Derselbe vertritt die Ansicht, dass die Krankheit im Zusammenhange steht mit der Bildung des Oolostrums und der Milch im Euter. Bei der Production des Oolostrums zerfallen sehr viele Zellen, wobei sich giftige Stoffe (Toxine) bilden, die zur Resorption gelangen und die Lähmung der nervösen Oentralapparate hervorrufen sollen. Obschon die Ent-sehung und die chemischen Eigenschaften dieser Gifte noch nicht bekannt sind, so findet die Theorie von Schmidt-Kolding doch eine wesentliche Unterstützung in der Thatsache, dass die von dem Autor empfohlene Behandlung der Krankheit mit Infusionen in das Euter der Kuh sich erfolgreich erwiesen hat.
Definition. Die Gebärparese ist eine infolge eigenartiger Autointoxication herbeigeführte, durch Lähmung des Rückenmarks und des Gehirns charakterisirte Krankheit der Kühe, welche in der Regel vom 1. bis 3. Tage nach dem Gebären, ausnahmsweise schon einen oder einige Tage vor dem Gebären sich einstellt.
Die Gebärparese ist dem Rindvieh eigenthümlich. Die bei Mutter-schweinen innerhalb der ersten 4 Tage nach dem Gebären zuweilen eintretende diffuse Affection des Euters mit erheblicher Verringerung der JMilchsecretion und allgemeiner Apathie hat zwar einige Aehnlichkeit, ist aber nach meiner Ansicht mit derselben nicht identisch. Die viel verbreitete Behauptung, dass auch bei weiblichen Ziegen nach dem Gehären eine mit der Gebärparese der Kühe identische Krankheit vorkomme, kann ich nicht als begründet ansehen. Auch bei Mutter-stuten und -Schafen wird dieselbe nicht gesehen.
Das einmalige Uebcrstehen der Gebärparese schliesst nicht aus, dass
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Oobiirparosis. Clobärpiiralysis, Kalbodobor. Milclificbor. Gobiirficbor. 351
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die Kuli späterhin beim Gebären von Neuem von der Krankheit befallen wird.
Pathogenese. Aus den günstigen Ergebnissen der von Schmidt-Kolding eingeführten Therapie (Infusion von Jodkaliumiösung in das Euter) ist zu schlicssen, dass das die Gcbiirpareso bedingende Gift im Purcnohym des Euters erzeugt und aus dem Euter resorbirt wird. Schon vor dorn Behanntwcrdcn der Schmidt'schon Therapie hat Oberrossarzt Walthor-Leipzig (Sachs. Bericht 1896. S. 97) angenommen, dass die Bildung des Giftes im Euter stattfinde, weil die Präventivem', bei welcher die Kühe drei Wochen lang vor dem Gebären rcgelmässig ausgemolkcn werden, von sicherem Erfolge sei. Die chemische Natur des Giftes ist noch nicht festgestellt; dasselbe verursacht eine bedeutende Herabsetzung der Energie im gesammten Nervensystem der Kuh. Die allgemeine Lähmung oder lähmungsartige Schwäche (Paresis) des Rückenmarks, des Gehirns und des sympathischen Nervensystems entwickelt sich in der Regel innerhalb einiger Stunden, woraus zu schliessen ist, dass die Production des speeifischen Giftes im Euter sich sehr schnell vollzieht.
Von besonderem Interesse ist die Tbatsache, dass das Toxin im Blute der erkrankten Kühe eine Gasentwickelung herbeiführt, worauf Harms-Hannover zuerst aufmerksam gemacht hat (1876). Vielfach wurde bestritten, dass die Gasbildung im Blute vor sich gehe. Ich kann aber in Uebereinstimmung mit Bormann u. A. aus den von mir selbst mit aller Vorsicht erhobenen Sectionsbefunden die Richtigkeit der von Harms mitgetheilten Thatsachen bestätigen. Irrthiimlich war nur die Ansicht, dass atmosphärische Luft durch die Utorusgefässe in das Blut gelangt sei.
Aetiologie. Veranlagt zur Gobärparcse sind zwar die Kühe aller Rassen und Schläge. Indcss werden die milchergiebigon Kühe der Niederungsrassen von derselben am häufigsten befallen. Bei orstgebären-den Kühen (Färsen) wird die Krankheit nicht beobachtet; vielleicht mages vereinzelte Ausnahmeu von dieser sonst allgemein anerkannten Er-fahrungsthatsache geben, die wahrscheinlich mit der bei den Färsen noch unvollständigen Milohprodnotion in ursächlicher Verbindung steht. Am meisten erkranken 49 Jahre alte Kühe, wobei aber zu beachten bleibt, dass in der grossen Mehrzahl die zur Milchgewinnung gehaltenen Kühe in diesem Alter stehen.
Kräftige und reichliche Ernährung der hochtragenden Kühe stellt die erste und wesentlichste Ursache der Krankheit dar. Seit vielen Jahrzehnten ist bekannt, dass das Kalbedeber nur gut genährte oder diejenigen mageren Kühe befällt, welche in der letzten Zeit vor dein Gc-
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352nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dos Nervensystems,
bärcn proteinrelohos Futtor in grösseron Mengen erhalten haben. Von laiulwirthschaftliclieii Besitzern wird (leshalb die Krankheit den Protei'n-vergiftungenquot; zugerechnet. Köhne hat schon 1855 liervorgehoben: das Kalbeliober kommt am häufigsten bei solchen Kühen vor, welche kurze Zeit vor dem Gebären von magerer auf kräftige Kost, vom Weidegange auf Stallfütterung gesetzt und in dieser Zeit sichtbar fetter geworden sindquot;. In denjenigen Gegenden oder Wirthschaftcn, in welchen der Vieh-stand dürftig ernährt wird, ist das Kalbefiebcr ganz unbekannt. Die in den fruchtbaren Marschen an der Nordsee weidenden hochtragenden Kühe können nach dem Gebären von der Krankheit befallen werden, auch wenn ihnen kein gehaltreiches Beifutter gegeben wird (Harms). Sonst ist die einige Zeit fortgesetzte Verabreichung nicht naturgemässcr kräftiger Nahrungsmittel, besonders der Cerealien, die gewöhnliche Ursache.
Die zweite wesentliche Ursache der Gebärparese liegt in der Schnelligkeit und Leichtigkeit des Gcbäractcs. Wie man schon seit 50 Jahren weiss, entsteht die Krankheit nach erheblich verzögertem Verlaufe des Gebarens und nach einer Schwergeburt der Kühe nicht. In den meisten Fällen ist auch die Nachgeburt bereits ausgestossen, bevor die Krankheit beginnt; zuweilen haftet dieselbe aber noch an der Gebärmutter.
Hohe Temperatur und mangelhafte Ventilation des Stalles scheinen das Auftreten der Krankheit zu begünstigen. Eine grosse Bedeutung möchte ich aber diesen Momenten nicht beilegen.
Erscheinungen. Abgesehen von Ausnahmefällen stellt sich die Krankheit immer nach dem Kalben ein; letzteres erfolgte leicht und relativ schnell; das Euter war vor und am ersten Tage nach dem Gebären voll, gross und zuweilen ödematös durchtränkt. Im Jnitialstadium der Gebärparese wird der Kuh das Aufstehen beschwerlich; sie bleibt gewöhnlich nur 5 bis 15 Minuten stehen und bekundet die Merkmale der allgemeinen Ermüdung: Abwechselnde Entlastung dor Pässe und öfteres lieberknicken der Fesselgelenke an den llintergliedmaasscn. Ausserdcm machen sich bemeiklich: Verringerung der Futteraufnahme und Aufhören der Rumination; Abnahme der Milchsccretion und welke Beschaffenheit des Euters sowie Erschlaffung der Skcletmvisculatnr. Während des Liegens vermag die Kuh den Kopf nicht aufrecht zu halten; sie streckt ihn nach vorn und legt ihn auf den Fussboden oder auf den Rand der Futterkrippe!. In manchen Fällen wendet die Kuh von vornherein den Hals nach einer Seite und legt, den Kopf gegen den llippenkörper: später fehlt diese Erscheinung fast niemals. Puls schwach und weich, zunächst wenig vermehrt. Athmungsfrequenz anfangs nicht gesteigert; mit-
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Qebärparesis, Oebärparalysis, Kalbeflebev. Miloliflober. Oobärliobor. 353
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unter exspiratorisohes Stöhnen. Die Körperwärme sinkt unter die Norm; die Haut ist kühl, an den Glicdmaasson, am Flotzmaul und auf dem Kreuz gewöhnlich eiskalt. Wie Harms 1809 ermittelte und demnächst allseitig bestätigt werden konnte, sinkt die Mastdarmtemperatur unter die Norm.
Zwei bis drei Stunden nach dem Beginn der Krankheit, hat die Lähmung der Skeletmusculatur einen höheren Grad erreicht; die Wurzel der Schwanzrübo lässt sich leicht nach beiden Seiten verschieben. Die Kuh kann sich nicht mehr vom Boden erheben; sie stemmt sich in kurzen Zwischenzeiten gegen die Piisso und schiebt sich nach vorn, wobei der Kopf unter den Hals gerathen kann. Die Haut zeigt sich unempfindlich gegen Jlesserstichc. Thränen der Augen; gebrochener Blick; Pupille erweitert; Augenlider halb geschlossen. Wenn die Kuh nicht flach auf der Seite liegt, so stützt sie anhaltend den umgewandten Kopf gegen die .Rippenwand.
Appetit und Rumination fehlen vollständig; die Kuh trinkt auch kein Wasser. Das Wiederkauen findet nicht mehr statt. Lähmung des Sohlundkopfes und infolgedessen Fehlschlucken beim Eingeben flüssiger Mcdicumente. Puls leer und stark beschleunigt. Athmungsfreqnenz verschieden, in den meisten Fällen aber erhöht; exspiratorisches Stöhnen; zuletzt ächzende Klagelaute; mitunter Athmungsbowegungen des Mauls mit Aufblähen der Backen. Starke Pulsbeschleunigung mit: Verringerung des Blutdruckes in den Arterien. Rectaltcmperatur 35,536,5deg;.
Die Milchseoretion ist versiegt oder auf ein Minimum beschränkt, Euter zusammengefallen und weich. Darmperistaltik nicht nachweisbar; Verstopfung in der Regel vollständig; die im Mastdarm angehäuften Excremcnte werden nicht entleert. Der Harn sammelt sich in der Blase, die sich infolgedessen stark ausdehnt.
Verlauf. Aeltere Autoren, welche die Gebärpareso als ein Ncrvcn-fieberquot; delinirtcn, unterschieden im Krankheitsverlauf das Coma oder die Betäubung (febris nervosa stupida sen torpidaquot;) und die Aufregung (febris nervosa versatilisquot;). Mit Unrecht ist in der neueren Zeit die Berechtigung dieser unterschiede vollständig negirt worden. Ich habe selbst zwei Fälle von echter Gebärpareso mit den Symptomen der Aufregung beobachtet und nuss deshalb den Angaben von Kühne (I. o. S. 24) beitreten: Einige Patienten zeigen eine grosse Unruhe und machen heftige aber vergebliche Anstrengungen zum Aufstehen, rutschen auf den Vorderknieon und das Hintertheil nachschleppend immer vorwärts, wälzen sich, schlagen mit den Beinen und dem Kopfe um sichquot;. Im Uebrigen hat Köhnc zutreffend hervorgehoben, dass diese Krankheitsform bei Uicckcihoff, Siioc. Pnthologio u. Therapie. II. Bd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;23
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354nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten des Nervensystems.
Weitem seltener ist, als die soporöse. Der Regel nach verläuft die Krankheit unter dem Bilde der allgemeinen Lähmung des Gehirns und Rückenmarks. Die Kuh ompfmdet eine grosso Schwere im Kopf und verbleibt während des ganzen Krankheitsverlaufs ruhig und hülflos liegen; sie streckt und beugt nur zeitweise und unvollkommen die Beine und behält den Kopf neben der Brustwand. Zieht man den Kopf nach vorn, so schnellt er beim Loslassen in diese Lage zurück. Sehr oft erlangt das Schwerathmen mit stöhnenden und jammernden. Klagolauten einen hohen Grad, namentlich wenn die Kuh auf der linken Seite liegt und den Druck gegen den Pansen lästig empfindet. Liegt die Kuh ilach auf der Seite, so stellt sich Moteorismus des Pansens infolge Zurückhaltung der Magengasc ein.
Die Krankheit, welche gewöhnlich am 1. oder 2., seltener am 3. Tage nach dem Kalben beginnt, dauert einen bis fünf Tage und endet mit dem Tode oder mit Genesung. Als Nachkrankheit wurde in einzelnen Fällen eine unheilbare Rückenmarkslähmung beobachtet (Köhno). Ich sah in einem Falle die schwere Benommenheit des Bewusstseins erst in 6 Tagen sieh allmälig verlieren, nachdem alle übrigen Erscheinungen vollständig beseitigt waren.
In den letzten Stunden vor dem Tode ist der Maxillarpuls draht-förmig und unfühlbar; nach und nach verlangsamt sich die Athmung, die schliesslich nur unvollsländig und mit Oeffnung der Maulhöhle statt-lindet. Auf Berührung des Augapfels zeigt sich keine Reaction. Die Kuh stirbt infolge von Gehirnlähmung ruhig und ohne Todeskampf.
Die Genesung vollzieht sich in den betreuenden Fällen schnell. i5cvor die von Schmidt-Kolding angerathenc Behandlung mit Infusionen in das Euter bekannt war, trat die Genesung der Kuh gewöhnlich nicht vor dem 3. und oft erst am 4., sehr selten aber noch am 5. Krankheitstage ein. Hierbei machen sich folgende Erscheinungen bemerklich: Die Musoulatur erlangt eine gewisse Spannkraft; der Kopf fällt nach dem Hervorziehen nicht mehr wie ein lebloser Gegenstand zurück; Abnahme der Dyspnoe; Entleerung von Darmexcrcmenten und Harn; Aufnahme von Getränk. Die Versuche zum Aufstehen misslingen zuerst; aber in ein bis zwei Stunden kann die Kuh mit Unterstützung sich aufrichten und stehend erhalten. Die normale Milchproduction tritt im Verlaufe von 12 Tagen wieder ein.
In Ausnahmefällen stellt sich die Gcbärparese schon einen bis fünf Tage vor dem Kalben ein.
Scetiousbefund. Die wesentlichsten Symptome, insbesondere dor comatose Zustand, die allgemeine Lähmung und das Zustandekommen einer
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Gebärpavesis. Gebärpavalysis. Kalbefieber. Milchfleber. Gobärfleber. 355
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vollständigen Genesung innerhalb eines Tages unterstützen die Theorie, dass die Erkrankung auf einer Autointoxication beruht, dass das mit dem Blute oirculirende Gift aber keine materiellen Schädigungen an den Organen des Körpers herbeiführt. In der That wird schon seit langer Zeit von den erfahrenen Thicrär/teu anerkannt, dass sich bei der Section der gestorbenen oder wegen schwerer Erkrankung an Gebärparcse geschlachteten Kühe die inneren Organe nicht krankhaft verändert finden. Dass infolge der Schlundkopflähmung die eingegebenen Medicamente in die Bronchien gcrathon und eine Bronchitis mit Lungenödem hervorrufen können, ist nur von symptomatischer Bedeutung. Mitunter findet sicii in den Bronchien gekautes Futter, was durch Regurgitation aus den ersten beiden Magen während der Agonie in den Schlundkopf gelangte und aus demselben in die Luftröhre herabglitt.
Das in den Gefässen stagnirende Blut enthält Gase; im Blute der Herzkammern sowie der kleinen Venen vieler Organe findet man Blasen oder Schaum (Harms). Welche Gase sich bei der Gcbärparese der Kuh im Blute bilden, ist bisher noch nicht festgestellt worden.
Bei vorsichtiger Oeffmmg der Schädelhöhle ist im Subduralraum wasserklares Serum nachzuweisen. Dem Blute in den kleinen Arterien und Venen des Gehirns sind Gase beigemengt, wie Harms zuerst ermittelt hat. In üebereinstimmung mit seinen Angaben habe ich in zwei Fällen eine Extravasation von Gasen aus den Capillargefässen In das raaschenreiche Gewebe der Subpia constatirt; als ich mit dem Messer die blasig abgehobene und straff gespannte weiche Hirnhaut durchstach, entströmten die Gase mit zischendem Geräusch. Die Grosshirkammern enthalten regelmässig eine abnorm grosse Menge von klarem Serum. Zwischen der Dura und Pia des Rückenmarks findet sich klares Serum.
Ana Uterus, sowie am Magen- und Darmtractus entstehen keine wesentlichen Veränderungen. Das Herz ist schlaff und zeigt im Parenchym, am Endocardium und am Pericardium oft kleine blutige Herde (Ekchymosen).
Diagnose. Durch die Beachtung der Thatsache, dass die von tiefem Koma, von allgemeiner motorischer und sensibler Paresis begleitete eigenartige Krankheit der Kühe stets in den ersten vier Tagen nach dem Gebären und in Ausnahmefällen innerhalb weniger Tage vor dem Gebären entsteht, wird die Diagnose erleichtert. Besonderen Werth für dieselbe hat ausserdem die Anamnese über die schnelle Entwickelung der schweren Symptome bei der Kuh, die kurz zuvor noch ganz gesund ausgesehen und leicht gekalbt hat. Dazu kommt das Sinken der Mast-
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356nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kranklieiton des Nervensystems.
(larmteraperatur unicr die Norm und das schnelle Versiegen der Milch-secretion mit Erschlaffung des Euters.
Der Gobärparcse Ähnliche Symptome beobachtet man bei folgenden Krankheiten:
1.nbsp; nbsp;Septische Gebärmutter-Bauchfellentzündung (Metro-peritonitis soptica). Ist die hier gedachte, bei und am ersten Tage nach dem Kalben entstehende Entzündung des Genitaltractus von Schwellung und diffuser maltrother Färbung der Vorhofschleimhaut baglcitet, so hat der Thierai/t hinreichenden Anhalt für die Diagnose. Die Aehnlichkcit mit dem Krankheitsbilde der Gebärparese spricht sich sonst in dem tiefen Sopor mit Umwcndung des Kopfes gegen die Rippenwand, dem Unvermögen zum Aufstehen und der starken Pulsfrequenz 'aus. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal liegt nach Harms in der fieberhaften Steigerung der Kcctaltcmperatur, die bei der Gebärparese immer fehlt.
Irrthümlich war die Behauptung vieler Autoren, dass die Metro-peritonitis septica als entzündliches Kalbef'ieberquot; und die Gebärparese als paralytisches Kalbefiebcrquot; anzusehen und dass beide Krankheiten nur der Form nach verschieden seien. Solche Meinungen, denen sieh Harms (Goburtshüife) noch bemüssigt sah, mit Entschiedenheit entgegen zu treten, werden gegenüber der erfolgreichen neuen Behandlung der Gebärparese wohl keine Vertreter mehr finden.
2.nbsp; nbsp;Die Kreuzlähmung (das Festliegen) nach dem Gebären. Diesem Krankheitszustande liegt entweder eine allgemeine Muskclschwäche oder eine beim Gebäract stattgel'undene überstarke Dehnung der Muskelbinden des Kreuzes oder die Ruptur des unteren Kreuz-Darmbcinbandes einer oder beider Seiten zu Grunde. Bei demselben kann die Kuh gleich nach dem Gebären oder einen halben his einen Tag später nicht aufstehen ; sie ist im Uebrigen nicht wesentlich krank, verzehrt Futter und vermag den Kopf aufzurichten, was bei der Gebärparese nicht vorkommt.
8, Diffuse exsudative Bauchfellentzündung Peritonitis serofibrinosa a cut a . Dass eine Kuh in den ersten 3 Tagen nach dem Gebären von dieser Bauchfellentzündung befallen wird, Ist nach allen Erfahrungen der Thierärzto sehr selten. Unter den Symptomen derselben haben die Benommenheit dos Bcwusstseins, die Unfähigkeit zum Aufstehen, die Verstopfung und die Dyspnoo mit stöhnenden Klagciauten ein diagnostisches Interesse gegenüber der Gebärparese. Zur Unterscheidung genügt aber die vollständige Befunderhebung mit dem Nachweise der fieberhaft erhöhten Rectaltemperatur.
4. Acute Gehirnwassersucht (Hydrocephalus acutus). Das Krankheitsbild stimmt mit den wichtigsten Symptomen der Gebärparese
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Öebftrpavesls. öebftrparalysls, Kalbeflober. Mllohflober. Qebllrflebar, 357
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übereiu (vgl. S. 340). Docli fehlt in demselben gewöhnlich der abnorm niedrige Grad der Mastdarmtomperatur. Dazu kommt als maassgebendes Moment, dass die Gebärpareso innerhalb der ersten 3 Tage nach dem Kalben eintritt. Vor 40 Jahren und noch früher, als sämmtliohe mit nervösen Störungen verbundenen Allgemcinkrankheiten der Thiero dem Nervcnfieborquot; zugerechnet wurden, hielten viele Autoren dafür, dass beide Krankheiten dem Wesen nach gleich seien. Harms-Hannover trat diesem Irrthum zuerst mit tliatsächlichcn Gründen entgegen. Für die Theorie beider Krankheiten ist aber bemerkenswerth, dass auch bei den an der Gebärpareso erkrankten Kühen eine Wasseransammlung im Sub-duralraum und in den Grosshirnventrikeln vorkommt.
Prognose. Durch die rechtzeitige Behandlung mit Infusionen in das Euter hat sich die Aussicht auf Heilung der Gebärpareso bedeutend gebessert. Bis dahin galt die Prognose in jedem Falle als unsicher und schlecht. Es war deshalb allgemein üblich, die an der Gebärpareso erkrankten gut genährten Kühe alsbald schlachten zu lassen. Indcss wurden zu allen Zeiten manche Krankheitsfälle nach symptomatischen tndi-cationen mit Erfolg behandelt.
Ungünstige Erscheinungen, welche das Ableben der Kuh befürchten lassen, sind: Unruhiges Verhalten der am Boden liegenden Kuh; starke Abkühlung der Haut am Rücken und an den Extremitäten; Rückgang der Mastdai'mtemperatur um 2 Grad oder noch mehr; unfühlbarer und sehr frequenter Puls; grosse Dyspnoc; Aufblähen des Magendarmtractus; Schlundkopflähmung; vollständige Sistirnng der Darmperistaltik.
Günstig sind die Fälle zu beurtheilen, in welchen die Kuh andauernd ruhig liegen bleibt und eine graduelle Uebcreinstimmung sämnitlioher Symptome besteht. Die Krankheit kann aber bei scheinbar leicht befallenen Kühen schon innerhalb weniger Stunden einen lebensgefährlichen Charakter annehmen und tödtlich ausgehen. Anderseits ist oft beobachtet worden, dass eine schwer erkrankte Kuh, die bereits aufgegeben war, sich bei guter Pflege und Behandlung wieder erholte.
Bei günstigem Verlaufe Hessen früher die Symptome erst am zweiten oder dritten Krankheitstage nach. Ich habe aber auch wiederholt beobachtet, dass eine Kuh sich erst am 4. und in einem Falle erst am 5. Krankheitstage erholte und vollständig gesund wurde.
Behandlung. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die Therapie vorzugsweise gegen die allgemeine Lähmung und das comatose Verhalten der Kuh gerichtet worden durch innere und äussere Anwendung von erregenden Mitteln: Terpentinöl, Wachholdcröl, Salmiakgeist, Kampher, Kaffee, Baldrian, Pfefferminz, Aether, Spirituosen etc. Ferner
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wurde auf den Kopf eine Eisblase oder ein in kaltes Wasser getauchtes Stück Leinwand applicirt. Dazu kamen Eingüsse von kaltem Wasser in den Mastdarm.
Wirksamer war die Verabreichung von 2530 Tropfen Oleum Orotonis in Terpentinöl gelöst und mit Schleim gegeben. Diese Our sollte die Lähmung des Darms und die durch dieselbe bedingte Verstopfung beseitigen. Zu demselben Zwecke empfahl AVannovius, eine grosso Dosis Aloe (70,0-90,0 g) zu geben und Köhne fügte diesem Mittel Tartarus stibiatus und Semen Strychni hinzu. Aeltere Thierärzte gaben wegen der schweren Atonic des Darms die Aloe in einer Gesammt-dosis bis zu 150 g. Zur ausschlicsslichen Behandlung der Krankheit mit Tartarus stibiatus rieth Harms, der zuerst 8,0, darauf stündlich 4,0 später stündlich 3,0 g des Mittels eingeben licss. Nachdem Schmidt-Mülheim die Hypothese publicirt hatte, dass die Krankheit auf die Resorption eines Virus aus der Gebärmutter zurückzuführen sei, hat man oft dosiniieirende Ausspülungen des Genitaltractus mit 1 proc. Creolin-wasser oder mit Cacbolwasser vornehmen lassen. Eggeling widerräth diese Behandlung, weil infolge derselben die Gebärmutter sich umstülpen und vorfallen könne. Breckorhohm (Berl. thierärztl. Wochschr. 21, 1889) licss in die Scheide und in den Mastdarm je 20 Liter warmen Wassers alle zwei Stunden, im Ganzen aber nur viermal infundiren und den Körper der Kuh mit feuchtwarmen Decken umhüllen.
Zur Anregung der Herzthätigkeit wird die Darreichung von ColTe'inum natriobenzoieum (0,510,0) in schwarzem Kaffee (Kaiser-Hannover) bevorzugt. Nicht bewährt hat sich dagegen die subeutane Anwendung von l'hysostigmin, Pylocarpin und Vcratrin, um die Darmperistaltik anzuregen.
Grössere Mengen llüssiger Medicamente sind zweckmässig nur im ersten Stadium der Krankheit einzugeben. Auch dann muss der Kopf der Kuh bei der Darreichung dos Mittels in grader Richtung gehalten werden, um das Schlucken zu erleichtern. Später dürfen flüssige Arzneipräparate nur in kleinen Mengen zwei bis drei Esslöffel voll auf einmal gegeben werden, weil sonst infolge der Paresis des Schlundkopfes durch Fehlsohluoken das Mittel in die Luftröhre und in die Lungen gelangen kann.
Schmidt-Kolding hat 1897 auf Grund der von ihm aufgestellten, Theorie, nach welcher die Krankheit durch die Resorption eines im Euter der Kuh entstehenden Toxins hervorgerufen wird, die Infusion von Jod-kaliuralösung in das Euter verwendet. Es sind 710 g Jodkalium in einem Liter gekochten und auf -lO0 0. wieder abgekühlten Wassers zu
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Goblirparcsis. Qebfti'paralysis, Kalbefleber. Milohfleber. Qobärfleber, ;}5S)
lösen und mittels eines besonderen Apparates durcli die Canäle sämmt-licher vier Zitzen in die Milchcisterncn und Milohgänge einzulassen, nachdem das Euter vorher rein ausgemolken und mit Seifenwasser gereinigt war. Hierauf ist das Euter zu massiren, damit die Lösung in alle Milchgänge gelangt. Nach 1012 Stunden kann die Jodkalium-Infusion wiederholt werden. Die Wirkung derselben auf die Drüsensubstanz des Euters beschränkt zunächst die Milohsooretion, die aber in der Regel nach wenigen Tagen die Norm wieder erreicht.
Nach einer in Dänemark aufgemachten Statistik genasen bei dieser Behandlung über 90 pCt. der an Gebärparoso erkrankton Kühe. Inzwischen ist das Verfahren aller Orten mit gleich gutem Erfolge zur Anwendung gekommen. Wie viele andere Beobachter, so habe auch ich die Krankheit seit dem Jahre 1857 sehr olt nach den älteren Methoden, besonders mit grosscu Dosen Aloe erfolgreich behandelt. Aber schon der erste Fall, bei dem ich die Jodkalium-Infusion in das Euter anordnete, musste mich durch die bedeutende Abkürzung des Krankheitsverlaufs von der Berechtigung der neuen Theorie und von der Wirksamkeit des neuen Heilverfahrens überzeugen. Schmidt-Kolding hat durch seine Studien die Kenntniss der räthselhaftcn Krankheit wesentlich gefördert und durch die Entdeckung des einfachen und wirksamen Heilverfahrens sich ein grosses Verdienst erworben. Die Genesung der Kuh erfolgt meist schon 612 Stunden nach der ausgiebigen Localbehandlung des Euters, mitunter aber erst in 20 30 Stunden. #9632; Unterstützt wird die Cur durch die Anwendung von Coffei'num (C. natrio-benzoieum oder C. natrio-salicylicum) welches in Dosen von 5,0 bis 8,0 g subeutan oder innerlich zu geben ist. Gleich geeignet zur Behebung der Herzschwäche ist die in Zwischenzeiten von 23 Stunden zu wiederholende subeutane Injection von 10 g Spiritus camphoratus oder Oleuni camphoratum oder Aether oder Spiritus dilutus.
Neuerdings hat Aronsohn (Berl. thierärztl. Wochenschr. 19. 1900) mitgetheilt, dass er durch die Infusion von abgekochtem Wasser oder physiologischer Kochsalzlösung in die vier Eutorviertel denselben prompten Heilerfolg erzielt habe, wie bei der Schmidt'schen Therapie. Das Wasser bleibt nach seiner Empfehlung bis zum Eintritt der Genesung (6 bis 24 Stunden) im Euter. Von 14 an Gebärparese erkrankten und rail Wasserinfusion in das Euter behandelten Kühen wurden 13 hergestellt, Aronsohn zieht aus seinen Beobachtungen den Schluss, dass die Krankheit nicht auf einer Autointoxication, sondern auf einer durch starke Blutableitung nach dem Euter bedingten arteriellen Anämie des Gehirns beruhe. Ich bin aber in Uebereinstimimmg mit Witt-Sonderburg der
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I'
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860nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kvanlthelton des Nerveasystems,
Ansicht, class der gute Erfolg des Wassereinlaufs mit der Theorie von Schmidt-Kolding nicht im Widerspruch steht. Es ist sehr wohl denkbar, dass das s|)eci(isclio Gift ein Stolfwcchselproduct des Euters, demnach ein chemischer Körper ist, den das Wasser aus dem Euter aufnehmen kann.
Audi bei der neuen Behandlung mit Eingüssen in das Euter ist der Pflege der hülflos und im tiefen Sopor befindlichen Kuh eine grosso Sorgfalt zu widmen. Zweckmässig ist für die Kuh die ßrustbeinlage mit Umwendung des Kopfes nach der linken Brustwand. Hat sich die Kuh flach auf die linke Seite gelegt, so ist sie alsbald umzuwenden, damit die l'ansengaso durch Aufstossen ejitweichon. Oel'teres Abreiben der Haut mit Spiritus und warme Bedeckung des Thicres. Bequeme Lagerung auf Stroh. Bei den Versuchen /um Aufstehen ist die Kuh zweckmässig zu unterstützen und vor einer Bescliädigiing der Gliedmassen zu bewahren. Mit dem Eintritt der Genesung erhält das Thier zur Erfrischung warmes Getränk und ein Stück Kleiebrod. Die Darreichung grösserer Mengen von schwer verdaulichen Futtermitteln ist unthunlich, weil sonst leicht eine lebensgefährliche Indigestion entstehen kann.
Prophylaxis. Milchkühe, welche in den letzton drei Wochen vor dem Gebären nicht mit gehaltreichem Futter, namentlich mit Koggen- oder anderem Mehl, Schrot, Kleie, Bicrtreber etc. ernährt werden, erkranken nicht an der Gebärparesc. Aus dieser Erfahrung ergiebt sich schon, dass die Vermeidung von solchem Futter in der angegebenen Zeit die Erkrankung der Kuh verhindert. Künstlich zubereitetes Futter darf in den letzten Wochen vor dem Gebären gar nicht oder doch nur in möglichst geringer Quantität gegeben werdenquot; (Harms). In der Praxis stösst die sichere Hebcrwachung der in Rede stehenden Anordnung in-(less auf einige wirthschal'tliche Schwierigkeiten. Der Regel nach erübrigt für den Besitzer des Milchviehbestandes nur, die hochtragenden Kühe etwa 3 Wochen vor dem Kalben in einem besonderen Stalle unterzubringen, in welchem sie bis zum 3. oder 4. Tage nach dem Kalben verbleiben und nur naturgemäss ernährt werden mit gutem Heu Wiesenheu oder Kleelieu Stroh, Getränk mit gekochten Kartoffeln oder . Rüben. In üebercinstimmung mit Anderen habe ich seit 40 Jahren oft constatirt, dass durch die vorbezeichnete Praxis die Krankheit sicher verhütet wird. Dieselbe empfiehlt sich aus mehrfachen Gründen der allgemeinen Beachtung.
Wenn eine hochtragende Kuh, welche sich bisher dauernd auf der Weide befand, im Stalle kalben soll, so ist dieselbe in einem kühlen Kaum unterzubringen und sowohl bis zum Kalben, wie einige Tage nach-
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Blitzsolilaff.
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her naturgemiissquot;, d. h. inraquo; Wesentlichen mit Heu odor nicht zu fettem Gras zu ernähren.
Oberrossarzt Walther-Leipzig (1896) Hess die hochtragenden Kühe vor dem Kalben 23 Wochen hindurch täglich ausmeikon. Allein dieses Fräventivbehandlung, die bei exaeter Befolgung gewiss wirksam ist, dürften die Besitzer kaum allgemein billigen. Die von Köhnc (1855) gepriesene Schüttelinixtur aus Seinen Strychni, Tart. stib., Natr. chloratum und Aqua, welche 8 Tage vor dem Kalben jeden Morgen der Kuh eingegeben werden sollte, hat bei den Thierärzteu keinen Anklang gefunden. Ebensowenig hat sich die von llarms-Hannover angerathenc Bräventiv-behandlung mit Tartarus stibiatus, womit gleich nach dem (lebären der Kuh begonnen werden sollte, einbürgern können. In der Mute des 19, Jahrhunderts wurde der bei der hochtragenden Kuh wöchentlich einmal zu applicirende Aderlass gerühmt, dem aber schon seit längerer Zeit mit Recht kein Werth mehr beigelegt wird.
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Oapitel LVIL Blitzschlag.
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Auf der Weide, weniger im Stalle wird das Rind nicht selten durch den Blitzstrahl mehr oder weniger schwer verletzt oder auch sofort ge-tödtot. Der Blitz führt an den getroffenen Körpertheilcn eine unvollständige oder vollständige Lähmung herbei; seine nachtheiligen Wirkungen sind von den Symptomen bei Pferden nicht wesentlich verschieden (vgl. Bd. I. Zweite Aufl. S. 699). Das Deokhaar ist entsprechend dem Verlaufe des Strahles in Form von Linien versengt. Bei schwerer Verletzung wird die Haut mit den Skeletmuskeln an dem getroffenen Körportheil aufgerissen.
Symptome. In den leichteren Graden äussert sich die Schädigung durch Lähmung einer Gliedmasse oder einer grösseren Muskelgruppe oder durch Kreuzlähmung, wobei die Thiere sich nicht vom Boden erheben können. Das Cadaver des durch Blitzschlag getödteten Thieres geht schnell in Fäulniss über und lässt bei der Obduction die Merkmale der asphyktisehon Todesart erkennen: Meteorismus des Magens; unvollständige Todtenstarre; dunkles, flüssiges Blut in den venösen (lefässen.
Die Prognose ist nur bei einer geringfügigen Lähmung giinstig. Für
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362nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kraulraquo; hoi ten der Elespiratlonsoi'gane.
die KehantUung passen die nacli allgemeinen Indicationcn zu wählenden medloamentösen und diätetischen Mittel: Bequeme Lagerung des Thieres; Fiottiren und Einreiben der Haut an den gelähmten Körperpartien mit Spiritus, Salmiakgeist oder Terpentinöl; Verabreichung leicht verdaulichen Futters und Unterstützung des Thieres bei den Versuchen zum Aufstellen.
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B. Krankheiten der Respirationsorgane.
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Capitel LV1II. Brauue. Angina.
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Wegen ihres seltenen Vorkommens nur wenig bekannt ist die selbständige Entzündung der Rachenschlcimhaut des Kindes, für welche auch die Namen: Rachenbräune, Rachenkatarrh, Pharyngitis, Pharyngo-Laryngilis, La ryn go-Pharyngitis gebräuchlich sind.
Die Aetiologie ist auf Erkältung und Infection zurückzuführen, im Allgemeinen ist die Rachcnschleimhaut beim Rinde gegen Erkältungsreize wenig empfänglich. Es kann aber der Einfluss kalter und rauher Witterung auf das aus dem warmen Stall ins Freie gelangende Thier eine Reizung der Kehlkopf- und Schlundkopfschleimhaut herbeiführen. Die hierauf in der Schleimhaut sich ansiedelnden pathogenen Mikroben --wahrscheinlich Streptococcus pyogenes #9632; veranlassen: Blutoongestion, Schwellung und Abscheidung von Serum und Schleim (Bachenkatarrh, Angina catarrhalis) und mitunter eine erhebliche Exsudation von Blutflüssigkeit in das submueöse Bindegewebe (Angina phlegmonosa).
Symptome der Pharyngitis: Verringerung oder vollständiges Aufhörer des Appetites und dementsprechend Verzögerung oder Sistirung der Rumination; Speicheln aus dem Maul; Schluckbeschworde; gestreckte Kopfhaltung; Schmerzemplindung beim Druck gegen die Ohrdrüsenpartie; massige Pulsfrequenz.
Symptome der Laryngitis: Giemcndcs laryngeales Stenosengcräusch beim Einathmen, weniger stark beim Ausathmen; daneben die durch Schmerzempfindung in der Rachenschlcimhaut bedingten Merkmale wie bei der Pharyngitis.
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Bräune, Anuina.
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Verlauf. Die Krankheit entwickelt sieh meist in zwei bis drei Tagen, mitunter aber schon innerhalb eines Tages; ihre Dauer erstreckt sich auf vier bis zehn Tage. Die Heilung erfolgt in einigen Tagen. Bei den wenigen von mir beobachteten Krankheitsfällen erholten sich die Thierc in der angegebenen Zeit vollständig. Harms (Hinderkrankh. 2. Aufl. S. 129) beobachtete eine CompJication der Bräune durch die Ausbildung eines retropharyngealen Acscesses; letzterer kann nach der Rachenhöhle durchbrechen und eine tödtliche Lungenentzündung veranlassen.
Diagnose. Die Halsbräune, insbesondere die phlegmonöse Form derselben wird beim Rinde sehr selten beobachtet, was bei der Diagnose zu beachten ist. Eine Verwechselung derselben mit der vermeintlichen librinöscn (membranosen) Bräune kann dem Thierarzt kaum begegnen. Denn als selbständige Krankheit kommt eine fibrinösc Laryngitis oder Laryngo-Pharyngitis beim Rinde nicht vor. Das Krankheitsbild des bösartigen Katarrhailiebers (vgl. S. 94) ist aber bei einiger Sachkenntniss unschwer von den Symptomen der Bräune zu unterscheiden.
Aehnlich der selbständigen Bräune sind die Erscheinungen der durch Verwundung herbeigeführten schweren Rachenentzündung. ich habe mehrere Fälle behandelt, in welchen die Kuh ein spitzes Stückchen Holz aufgenommen hatte, welches beim Kauen zwischen die letzten Backenzähne gerathen und förmlich eingekeilt war. Zur Diagnose ist in einem zweifelhaft erscheinenden Falle bei dem Thiere ein Maulgatter zu appli-ciren und die Rachenhöhlc durch Besichtigung und Betastung zu untersuchen.
In diagnostischer Hinsicht ist ferner auf die Dyspnoe bei dem Vorhandensein von aktinomykotischen Geschwülsten in der Rachenhöhle zu achten. Hierbei sind die durch Scmerzempfmdung in der Rachenschleimhaut bedingten Symptome geringer, als bei der Bräune; auch haben die lauten laryngealen Inspirationsgeräusche, die sich ganz allmäiig zu den höheren Graden entwickeln und vorzugsweise bei der Futteraufnahme des Thieres bemerklich machen, längere Zeit hindurch den Charakter des Röcheins.
Die Prognose ist günstig. Abgesehen von der seltenen Complication durch einen Retropharyngealabscess enden die Krankheilsfälle mit Genesung.
Behandlung: Zwcckmässige Unterbringung des kranken Thieres in einem gut ventilirten, massig warmen Stall; häufige Verabreichung von frischem Trinkwasser mit einer kleinen Dosis Schwefelsäure oder Salzsäure; später schleimiges Getränk von abgekochten Kartoffeln mit Zusatz von Mehl, Application einer scharfen Salbe auf die Haut der Schlund-
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H64nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Respirationsorgune.
und Kehlkopfgogeiul: Rp. Tattari .stibiati 5,0 Unguenti Canlliaricluni ad usmn veterinarian) 50,0. M. d. S. auf zweimal innerhalb eines Tages einzureiben.
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Oapitel LJX. Aciiter Broncliialkatarrli. Bronchitis catarrhalis acuta.
Der acute Bronohialkatarrh beruht auf Hyperämie und Schwellung der Bronciiialschlcimhaut, gesteigerter Absonderung von Schleim und Exsudation von Serum. Erkrankt die Sohleinahaut in höherem Grade, so erlangt das Sekret einen eiterigen Charakter. Sowohl die Bronchitis catarrhalis wie die 15. purulenta entsteht in kleinen Gebieten der Lungen beim Rinde sehr oft, ohne dass sich hierdurch irgend welche Störungen im Befinden des Thieros bemerklich machen. Nicht selten werden die kleinsten Bronchien mitergriffen (Bronchitis capillaris), was gewöhnlich auch die Mitbetheiligung eines kleinen Stückes der Lunge zur Folge hat. Häufiger entwickelt sich aus dem acuten Bron-ohialkatarrh die chronische Bronchitis mit Ektasie der Bronchien. Aber auch diese Abnormität erstreckt sich verhältnissmässig selten über einen grösseren Theil der Bronchien; das Bestehen derselben in einzelnen Bronchien ist für die Gesundheit des Thieves unerheblich.
Hiernach gilt die acute Bronchitis beim Rinde nur dann als eine Krankheit, wenn dieselbe eine grössere Ausbreitung in dem Bronchialsystem einer oder beider Lungen erlangt, was nach der thierärztliohen Erfahrung sich nur selten ereignet. Rinder, welche ständig auf der Weide verbleiben, scheinen an der acuten Bronchitis nicht zu erkranken. Die wenigen Fälle, die ich selbst behandelt habe, betrafen milchreiche Stallkühe und beschränkten sich vorwaltend auf die Bronchien einer Lunge.
Symptume. Mangel an Appetit und bei Melkkühen Verringerung der Milchproduction| Erhöhung der Mastdarmtemperatur um 1,02,0deg;; geringe Vermehrung der Puls- und Athmungsfrcquenz; abnormer Hustenreiz beim Druck gegen das obere Ende der Luftröhre, auch spontaner Husten. Bei der Auscultation der Lungen sind neben gesteigertem Bläschengeräusch trockene und feuchte Rasselgeräusche, letztere in verschiedener Art auch an der Luftröhre vernehmbar. Die Percussion der Brustwand im Bereiche der Lungen ergiebt keinen abnormen Schall.
Die Diagnose ist auf die vorbeschriebenen Symptome und auf die
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OhronJsohe oberfläohliohe Kehlkopfentztlndung. Laryngitis superflolalis ohronioa. 3(i5
Aussohliessung anderer Krankheiten nacli Massgabe des Befundes zu basiren. Vorzugsweise kommt hierbei die Tuberkulose der Lungen in Betracht. Oft wird die Impfung mit Tubcrkulin einen Anbalt geben können. Indess sind in dieser Hinsicht voreilige Schlüsse zu vormeiden. Kann die Lungentuberkulose nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, so ist die Diagnose von dem Krankhcitsverlaufe und von dem Ergebnisse einer nach mehreren Tagen zu wiederholenden Untersuchung abhängig zu machen. Die durch den einfachen Bronchialkatarrh verursachten Symptome bilden sich gewöhnlich in vier bis sechs Tagen wieder zurück. Die diffuse katarrhalische Lungenentzündung ist zwar stets mit einer Bronchitis capillaris verbunden. Trotzdem reicht die erhebliche Athembeschwerde bei der hier gedachten Pneumonic aus, um dieselbe von der einfachen Bronchitis zu unterscheiden.
Prognose. Die acute Bronchitis ist eine ungefährliche Krankheit, die innerhalb ein bis zwei Tage entsteht. In weiteren vier Tagen ihre Höhe erreicht und nach einer Gcsammtdauer von acht bis neun Tagen in Genesung ausgeht. -- Zur Behandlung empfiehlt sich, das kranke Thicr in einem zweckmässig ventilirten Stall unterzubringen und für eine bequeme, trockene Lagerstätte zu sorgen. Im Uebrigen ist die Verabreichung schmackhafter Futterstoffe dienlich: Warmes Getränk mit gekochten Kartoffeln oder Mohrrüben und Zusatz von Mehl, Kleie, getrockneten Schnitzeln oder Biertreber. Daneben gutes Wiesen- oder Kleeheu, im Sommer Grünfuttcr. Soll eine mcdicamcntösc Behandlung eingeleitet werden, so eignen sich: Goldschwefel oder Salmiak in Verbindung mit Neutralsalzen.
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Gapitel LX.
Chronische oberflächliche Kehlkopfentzündung. Laryngitis snperficialis chronica. Chronischer Reizhiisten. Chronischer
Kehlkopfhnsten.
Der durch oberflächliche chronische Reizung der K'ehlkopfschleim-haut verursachte Husten des Kindes ist als eine unerhebliche Affection allgemein bekannt. Für die thierärztliche Praxis hat derselbe lediglich ein diagnostisches Interesse.
AnatomUchcr Befunil: Entzündliche Höthung und Injection der kleinsten Blutgeffisse in der Schleimhaut an den Giesskannenknorpel, den Giess-
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366nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiton der Respirationsorgane.
kannen-Kehldeokelbfindern, oft auch an den Morgagni'sehen Tasohen und in der oberen Partie der Luftröhre.
Ein 4 Monate altes Färsenkalb war seit 8 Wochen mit lästigem, la'iich/.onriein Huston bchaftot, halte aber guten Appetit, auch koine Dyspnoo. Da dasselbe einem wegen Lungcnseuclio gesperrten Viehstande angehörte, so wurde es geschlachtet. Bei der Obtluotion fand ich In den Lungen, den Bronchien und der Lttftrühre nichts Krankhaftes. Die Schleimhaut dos Kohlkopfes, namentlich an den Giesskannon-knorpeln zeigte die Merkmale der chronischen granulireiulen Entzündung.
llmehcn. Dor chronische Kehlkopfhusten linclet sich ain häufigsten bei Kühen tincl Arbeitsochsen, weiche auf Stallfütterung stehen und kein (imnfuiter erhalten. Seit langer Zeit ist die anhaltende Verabreichung von Schlempe oder von Biert.reber als Ursache bekannt (Schlempe-husten, Treberhusten). Indess kommt die Affection auch bei Kälbern in den ersten Lebensmonaten vor; in diesen Fällen dürfte dieselbe durch Erkältung oder durch Infection bedingt sein.
Symptome. Der Kehlkopf husten ist nicht lästig, auch nicht, besonders stark und in der Regel so wenig auffällig, dass die Viehwärter kaum von demselben Notiz nehmen. In einem grösseren Bestände von Stallvioh hört man das eine oder andere Thier ab und zu einmal husten; der Husten erfolgt mit unvollkommenem Verschluss der Stimmritze (vgl. S. 21). Beim Druck am Kehlkopf oder am oberen Ende der Luftröhre hustet das Thier leicht und zuweilen etwas stärker als sonst.
Diagnose. Da eine Reihe von Krankheiten der Respirationsorgane heim Rinde von Husten begleitet wird, so ist die Annahme des chro-nichen Kehlkopfhustens davon abhängig zu machen, dass die Bekundung desselben nicht schmerzhaft ist und dass das Thier keine Störung in seinem Gesammtbelinden, insbesondere in der Futteraufnahmc und der Ernährung zu erkennen giebt. Im Uebrigen ist zu erwägen, dass der Husten ein Symptom folgender Krankheiten sein kann: Lungentuberkulose; Lungensouche; Lungenwurmkrankheit; acute oder chronische Bronchitis, chronische Pneumonie, Eehinococcuskrankheit der Lungen.
Die Prognose des chronischen Kehlkopfhustens ist günstig; sowohl die Kühe wie die Arbeitsochsen werden durch (Umseihen in der Nutzung nicht beeinträchtigt. Wenn eine Behaniilniig verlangl werden sollte, so würde dieselbe zweckmässig nur durch diätetische Anordnungen, insbesondere durch die Ernährung mit naturgeinässen Futtermitteln zu versuchen sein.
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Acute inl'ectiöso Bronchitis. Traeheo-Bronohitis diphtherica superlicialis. 367
Capitel LXI.
Aento iufcctiösc Itroiicliitis. Trachco-Kronehitis (ii|gt;litliericraquo; superficialis.
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Junge Kälber im Alter von 1 bis 6 Wochen erkranken /iiweileu infolge einer eigenartigen Infection an einer diffusen Bronchitis, die als eine Stallsouclie und vorwaltend im Frühjahr vorkommt. Den Erreger der im Ganzen nicht oft beobachteten Krankheit hat man bislang noch nicht festgestellt. Ich beobachtete dieselbe mehrfach in grösseren Wirth-schaften, in welchen die tragenden Kühe mit ScHempe, Palmkern laichen, eingesäuerten Rübenblättern oder anderen nicht naturgemässen Futtermitteln ernährt wurden. Indess kommt die Krankheit auch bei normaler Ernährung der Kühe vor. Soweit ich mir aus eigenen Wahrnehmungen eine Meinung habe bilden können, verbreitet sich die acute infectiose Bronchitis nicht unmittelbar von einem kranken auf ein gesundes Kalb; es scheint vielmehr, dass der lufectionsstolf an den Gegenständen oder Materialien des Stalles hallet und von den empfänglichen Kälbern durch Inhalation aufgenommen wird. Vielleicht mag auch das eine oder andere Futtermittel dem Infectioiisstoff als Vehikel dienen können. Aeltere Rinder sah ich in die Krankheit nicht verfallen.
Die Incubationszeit des Ansteckungsstoffes ist nicht bekannt, dürfte sich aber auf wenige Tage beschränken.
Symptome und Verlauf. Die Kälber erscheinen bei der Geburt und in den ersten 8 bis 14 Tagen vollkommen gesund. Dann macht sich unerwartet die Erkrankung bemerklich durch: Appetitmangel, Büsten und AusJluss eines graugelblichen oder röthlichen Dejectes aus der Nase. Die Darraexcremente sind zuweilen während eines Tages von dünner Oonsisteuz, später dickbreiig, blebrig, hell und mitunter grauwoiss. Pulsfrequenz vermehrt.
Im Verlaufe von 4 bis 5 Tagen gehen die kranken Kälber im Nähr-
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zuslande zurück.
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Dann bessern sich in manchen Fällen die Thiere, um
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in weiteren 5 bis 6 Tagen vollkommen zu genesen. Oft ist aber die fieberhafte Krankheit schwerer und die Kälber, welche schnell verfallen, gehen nach eine Krankheitsdauer von 8 bis 14 Tagen zu Grunde.
Anatomischer Befuinl. Die der Krankheit erlogenen Kälber lassen bei dor Section in den inneren Organen die Merkmale der asphyktischen Todesart erkennen; in der Skeletmuskulatur zahlreiche punktförmige blutige Herde; Magen-Darmschleimhaut geröthet. Die Bronchial-
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H(18nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dor Respirationsorgane.
Schleimhaut ist ontzändlioh geschwollen; auf derselben findet sich in den vollständig ausgebildeten Krankheitsfällen ein dünner, grauer, ziemlich schwer entfernbarer Belag (oberflächliche Diphtherie), Gleiche Veränderungen zeigt die Schleimhaut in der Luftröhre und zuweilen auch im Kehlkopf, besonders an den Giesskannenknorpeln.
Die Proguoso richtet sieh vorzugsweise nacli der Schwere der Erkrankung. Mitunter und besonders in kleinen Viehbeständen ist die Affection gutartig, so dass die Kälber bei zweckmässigor diätetischer Pflege sämmtlich genesen. Es kommt aber vor, dass von den innerhalb zwei bis drei Monate geborenen Kälbern eines grossen Viehstandes 50 Procent der Krankheit erliegen.
Für die Behandlung sind die prophylaktischen und diätetischen Anordnungen die wichtigsten. Mit Arzneipräparaten lässt sich bei den jungen Thieren nur wenig erreichen. Die Prophylaxis ist in weitem Umfange zu berücksichtigen. Den tragenden Kühen dürfen angesäuertos Futter, sowie Oelkuchen, Erdnusskuchen etc. nicht verabfolgt werden; die Fütterung soll vielmehr Ihunlichst naturgemäss sein. Peinigung der Haut, bei den kurz vor dem Gebären stehenden Kühen mit 2 proc. Crooiinlösung oder 1 proc. Lysollösung. Zweckinässig ist auch, die hochtragenden Kühe in einem besonderen und vorher ausreichend des-inficirten Baume unterzubringen und in dem für die Kälber bestimmten Stalle die Wände, Krippen und Decken, sowie den Fussboden mit heisser Sodalauge abwaschen und darauf mit Kalkmilch frisch übertünchen zu lassen. Der Stall muss gut ventilirt, massig warm und trocken sein.
Bei den kranken Kälbern ist die äusscre Haut täglich zweimal mit verdünntem Spiritus zu besprengen und mit einer Bürste zu frottiren.
Innerlich: Liipior Ammonii anisatus 15 bis 20 Tropfen in 150 g warmen Zuckerwasser zweistündlich einzugeben.
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Oapitel LXII, (liroiiisclicr Broiichialkatarrh. Bronchitis chronica.
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Die chronische Entzündung der Brouohialsohleimhaut Bronoho-catarrhus ohronious kommt häufig bei älteren Kühen und Arbeitsoohsen zur Ausbildung. Dire Entwiokelung erfolgt allmälig und hängt gewöhnlich zusammen mit tuberkulösen Zuständen oder mit der Echinococcuskrankheit der Lungen. Sie findet sieh aber auch als eine
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Chronischer Bronohialkalcirrh. Bronchitis ottl'Ontoa.
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selbständige Krankheit. Im Verlaufe mehrerer Monate führt die chronische Schleimhautentzündung regelmässig zur Ausweitung der betroffenen Bronchien (Bronchiektasie). Die Erweiterung ties Bronchus kann total oder partiell sein. Am häufigsten findet sich dieselbe an den kleinen und mittelgrossen Bronchien. Die Bronchiektasie ist von cylin-drischcr oder sackiger, an den kleinen Bronchien der vorderen Lungenlappen auch mitunter von cystischer oder pcrlschnurartiger Form.
Bei der Ektasie wird die Wandung des Bronchus atrophisch. Am frühesten schwindet das elastische Gewebe, darauf die Muskularis und endlich der Knorpel. Intakt bleibt die Schleimhaut; aber die in derselben befindlichen Schleimdrüsen unterliegen auch der Atrophie.
Eine besondere Bedeutung erlangen die sackförmigen oder buchtigen Ausweitungen der Bronchien dadurch, dass die chronisch entzündete Schleimhaut ein Flächensecrct liefert, welches sich in denselben ansammelt und liegen bleibt. Mitunter enthält der cktatische Thcil dos Bronchus zähen, milchigen Schleim und in demselben liegend ausnahmsweise einen oder mehrere kleine aus kohlensaurem Kalk bestehende Steine (Calculi bronchieetatici).
Zu einem kleinen Viehbestände, welcher wegen Lungenseuche-Ansteckungs-verdacht auf obrigkeitliche Anordnung getödtet wurde, gehörte eine siebenjährige Kuh, die stets gesund gewesen war. Nachdem die Lungen exenterirt waren, fand ich in der mittleren Partie der linken lAinge einen giinseelgrossen derben Herd, der sich nach dem Aufschneiden als eine sackförmige Bronchiektasie darstellte und neben weiss-lichom zähem Schleim drei weisse Steine von Hasclnuss- bis Wallnussgrösso entliicU.
Das in den erweiterten Bronchien retinirte Material setzt sich vorwaltend aus Blutserum und Eiter zusammen. Oft habe ich gefunden, dass Blut aus der Schleimhaut offenbar infolge Berstung eines kleineu Blutgefässes in den Bronchus gelangt und daselbst geronnen war. Es können demnach auch Fibrin und Blutzellen in dem erweiterten Bronchus stagniren. Infolge der Retention kommt der Inhalt der Bronchiektasien zur Eindickung oder zur Verkäsung; oft finden sich in demselben Krümeln von Kalksalzen. Selten entstehen beim Rinde in den Retentionssubstanzen der erweiterten Bronchien faulige Veränderungen. Nach der Verkäsung verkleb! die Masse so fest mit der Bronchienwand, dass die innere Schicht der letzteren sich kaum noch nachweisen lässt. Es entstehen förmliche Knoten und um dieselben nicht selten dicke Kapseln, die aus einer chronischen fibrösen Peribronchitis hervorgehen. Liegen die Knoten nahe der Pleura, so entstehen in der letzteren und im interlobuläreu Bindegewehe Verdickungen und Einschnürungen.
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Dieckerliuff. Spec. Pathologie n. Therapie. 11. Bd.
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370nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Respirationsorgane.
Beschränkt sich die obrouisohe Bronchitis mit den vorgedaohten
Folgezuständcn auf einzelne kleine und mittelgrosse Bronchien, so hat dieselbe keinen Nachtheil für die Gesundheit der Thiere. Eine All-gemeinkrankheit (Kaohexie) bedingt die chronische Bronchitis nur dann, wenn sie sich auf die grüsseren Bronchien beider Lungen und die Luftröhre erstreckt (Tracheobronohitis chronica) oder wenn sie in grösscren Abthcilen der Lungen zur Ausbildung zahlreicher bronchiektatischer eiteriger oder käsiger Herde führt.
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A. Tracheobronchitis chronica.
An der Bifurcation der Luftröhre und in den grösseren Bronchien beider Lungen entsteht beim Rinde zuweilen eine chronische Entzündung und Verdickung der Schleimhaut. Das Leiden kann für sich allein oder in Verbindung mit vereinzelten bronchiektatischen Herden und mit substantivem Lungencmphysein auftreten. ich habe diese Krankheit zu wiederholten Malen als die Ursache einer unheilbaren Kachexic bei 7 bis 10 Jahre alten Kühen constatirt. Im Ganzen dürfte dieselbe indess nicht oft vorkommen.
Symptome und Verlauf. Häufiger, lästiger, später kurzer und schwacher, auch schmerzhafter Husten, den das Thier zu unterdrücken sich bemüht. Durch Druck gegen die Luftröhre und auch schon durch Beklopfen (Percussion) der Brustwandung ist der Husten leicht hervorzurufen. Geringer Auslluss eines klaren, zähen Dejectcs aus der Nase; Austritt von seröser Flüssigkeit aus den inneren Augenwinkeln. #9632; Futteraufnahme und Wiederkauen sind nur wenig gestört. Aber das Thier ernährt sich ungenügend, wird nach und nach im Verlauf einiger Monate magerer und hat rauhes Haar sowie eine fest anliegende trockene Haut. Die Kopfschleimhäute erblassen. Pulsfrequenz 5565, Athmungs-frequenz 2540 in der Minute; Mastdarmtemperatur normal oder hochnormal. Die Auscultation der Lungen ergiebt scharfes Bläschengeräusch bei der In- und Exspiration; bei der Percussion der Brustwandung zeigt sich kein abnormer Schall. Milchkühe verlieren an der Milchsecre-tion erheblich.
Die Krankheit hat stets einen sehr langsamen Verlauf und führt in 26 Monaten, mitunter noch später zur allgemeinen Abmagerung des Thiercs. Letzteres wird am meisten durch den quälenden Husten und die Athembeschwerde (Lungenemphysem) belästigt. Infolge der zunehmenden Abmagerung (Kachexie) kann sich das Thier nach dem Niederlegen nur mit Mühe vom Boden erheben. Zuletzt vermag es nicht mehr aufzustehen,
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Clii'onisohor BronchialldUiiiTli. Hi'onchitis clironica.
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Autopsie. Die Schleimhaut: der Luftröhre urul der Bronchien ist
verdickt, allgemein oder fleckwoise geröthet, zum Theil graublau oder grauroth und mit zähem Sekret bedeckt, welches sich aus Serumeiweiss, Eiter und Epithelion zusammensetzt.
Daneben finden sich zuweilen an einzelnen Stellen in den Lungen orbsen- bis wallnussgrossc Knoten (bronchiektatische Horde), die beim Aufschneidon eine gelbliche eiterige oder mehr trockene und mit Kalkkriimeln durchsetzte Masse enthalten. Von den aufgeschnittenen Herden lässt sich eine Sonde in den zugehörigen Bronchus führen. Es giebt auch Fälle, in welchen ein grösserer bronchicklatischor Herd nach und nach die Miterkrankung der benachbarten Lungenpartie und die Ausbildung einer kindskopfgrossen, mit grauweissom eiterigem, trübem Material gefüllte Höhle herbeigeführt hat. Oft sind die Lymphdrüsen an der Lungenwurzel oder im Mediastinum vergrössert; auf der Schnittlaquo; , fläche derselben zeigen sich mitunter stecknadelkopf- bis erbsengrosse Knötchen.
Diagnose. Aus dem häufigen und lästigen Husten und der beim Druck mit der Hand sich zeigenden krankhaften Reizbarkeit der Tracheal-schleimhaut ist das Vorhandensein der chronischen Traoheobronchitis leicht clarzuthmi. Unsicher bleibt: aber die Entscheidung der Frage, ob die Krankheit sich selbständig oder infolge der Tuberkulose entwickelt hat. Hierüber kann nur der Sccüonsbefund Aufschluss geben. - Für die Prognose ist die Unterscheidung zwischen einfacher und tuberkulöser Tracheobronchitis belanglos. Denn in dem einen wie in dem anderen Falle ist die Krankheit unheilbar und das Thier für die gewöhnlichen wirthschaftlichen Nutzungen nicht mehr tauglich. Von erheblicher Tragweite kann aber die Unterscheidung gegenüber der gesetzlichen Mängelgewähr beim Rindviehkauf im Deutschen Reiche sein. .Denn dem gesetzlichen Hauptmangel der tuberkulösen Erkrankung ist die chronische Tracheobronchitis nur dann zuzurechnen, wenn dieselbe nachweislich einen tuberkulösen Ursprung hat. Der Versuch einer Behandlung der Krankheit ist nicht anzurathen. Soweit thunlich erscheint, kann das kranke Thier zur Schlachtung verwerthet werden.
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B. Bronchiektatische käsige Horde. In den sackförmigen Ektasien der Bronchien kann das angesammelte zellige Material der Verkäsung anheimfallen, wie bereits S. 369 hervorgehoben wurde. Diese Herde entstehen theils in kleinen etwa f'aust-grossen Partien der Lungen, oder sie treten in allgemeiner Verbreitung auf. In der erstgedacliten Beschränkung sind die Herde meist ohne
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872nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dor Respirationsorgane.
Naclitlicil für die Gesundheit des Thieres; man constatirt dieselben oft; als zufällige Befunde bei geschlachteten fetten liindern. Wenn aber in einer grösscren Zahl der Bronchien beider Lungen bronchiektatische käsige Herde entstanden sind, so erkrankt das Thier an Dyspnoe und allgemeiner Abmagerimg.
Es sind vorwaltend die kleinen Bronchien, in welchen sich bei dem chronischen Katarrh der Schleimhaut die sackförmigen Ausweitungen bilden; weniger oft sind die mittleren Bronchien betroffen. Die Retention des katarrhalischen Sekretes in den Bronchien wird wesentlich begünstigt durch die oberilächliche Respiration des Thieres. Daher findet man die Herde am meisten beim Stallvich und besonders bei Milchkühen mit weitem Bauche und schmalem, engem Thorax. In der Grosso verhalten sich die käsigen Herde der Bronchien sehr verschieden; man findet hirsekorn-, erbsen- bis wallnussgrosse, selbst noch grössere. Sie bilden sich sowohl in den peripherischen, wie in. den contralcn Theiien der Lungen, am meisten im Bereiche des unteren Randes und des vorderen Lappens, weil daselbst die in- und exspirato-rische Bewegung der Lungenluft am geringsten ist.
Der Bronchialkatarrh, welcher die sackigen Ektasien und in denselben die käsigen Herde verursacht, kann eine tuberkulöse Erkrankung sein. Es giebt aber viele Fälle, die nicht tuberkulösen Ursprungs sind.
Im Verlaufe von mehreren Monaten compliciren sich die in grösserer Verbreitung entstandenen bronchiektatischen Käseherde gewöhnlich mit alvcolärom Lungonemphysem. Oft wird auch die Pleura in Mitleidenschaft gezogen und es finden sich an derselben bei der Section die Produkte der chronischen fibrösen Entzündung. Die Ausbildung zahlreicher Herde in einem relativ kleinen Abtheil der Lungen hat stets die Miterkrankung der Lungensubstanz zur Folge, welche mitunter in erheblichem Grade zusammenschrumpft.
Casuistik. Bronchitis chronic a diffus a mit zahlreich en bronchia kta-tischen Herden in beiden Lungon. Eine als gesund gekaufte 7 Jahre alte Milchkuh, welche von mir mit einer chronischen und unheilbaren Lungenkrankheit behaftet gefunden war, wurde nach vorheriger Bonachrichtigung des Verkäufers geschlachtet. |nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Obducüon ergab : Beide Lungen enthalten eine grosso Zahl vereinzelter oder in
Gruppen zusammenliegender hirsekorn- bis erbsengrossor, harter Knötchen. In der rechten Lunge Anden sich mehrere Knoten von Haselnuss- bis Wallnussgrosse und darüber. Die Knötchen sitzen innerhalb der Lungenläppchen und sind mit einer festen grauweissen Kapsel umkleidet. Beim Aufschneiden ergiebt sich, dass dieselben einen hockenen Kern enthalten, der sich ausheben liisst; der Zusammenhang derselben mit kleinen Uronchien ist bei vorsichtigem Aufschneiden mit der Scheere leicht festzustellen. Die hintere Hälfte der rechten Lunge fühlt sich hart und knotig an. Auf (jom DurchschniU zeigen sich zahlreiche hasolnussgrosse ein-
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Imngenempliysüm.
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gekapselte Herde mit käsigem Inhalt. In einem Theil der Herde ist dor Inlialt mit Kalksalzen untermischt. Nach Aushebung des käsigen Inhaltes ist leicht nachzuweisen, dass die Herde aus buchtigen oder sackigen Ausweitungen der kleinen Bronchien entstanden sind.
In den mittleren und grossen Bronchien findet sich zähes, trübes, stellenweise blutiges Sekret. Die meisten Bronchien sind erweitert, die Schleimhaut anämisch.
Bronchialdrüsen vergrössert, enthalten mehrere kirschkerngrosse umkapselte Knötchen mit graugelbem ziemlich derbem Inhalt.
Symptome. Athembeschwcrcle; häufiger und lästiger Husten, der später schwach und beschwerlich wird; Minderung des Appetites; Abnahme der Milchsecrction bei Kühen; Abmagerung' mit Schwund der Skeletmuskulatur, besonders am Rücken und am Becken. Die Auscultation der Lungen ergiebt verstärktes Bläschengeräusch neben feuchten und trockenen Rasselgeräuschen; der Porcussionsschall am Thorax ist nicht abnorm. In den späteren Stadien der Krankheit sind Pulsfrequenz und Mastdarmtemperatur fieberhaft erhöht.
Die Krankheit hat einen sehr langsamen Verlauf, der sich über 1 bis 2 Jahre ausdehnen kann.
Eine chronische und unheilbare Lungenkrankheit ist aus den Symptomen und dem Verlaufe der durch die bronchiektatischen käsigen Herde bedingten Störung der Gesundheit bei einem Rinde leicht zu erweisen. Aber die specielle Diagnose der in Rede stehenden Krankheit lässt sich am lebenden Thiere nicht begründen. Aehnlichc Erscheinungen finden sich bei der Lungentuberkulose, der Echinococcus-krankheit der Lungen und der traumatischen Pneumonie. Mit Sicherheit sind die bronchiektatischen Herde erst durch die Section festzustellen. Aber auch dann lässt sich ihre Verwechselung mit der multiplen käsigen Pneumonie nur durch die sorgfältige Aufschneidung der Bronchien umgehen.
Von einer thierärztlichen Rehandlung der unheilbaren Krankheit wird zweckmässig abgesehen.
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Oapitcl LXIU. Lungeneniphyseni.
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Beide Arten des Lungcnemphysems Emphysema alveolare (vesiculare) und E. interstitiale (interlobularo) kommen beim Rinde vor. Nur selten wird aber das durch Fäulniss von Entzündungs-
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;-574nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten tier Respirationsorgane^
produoton odor abgestorbeheni Gewebe verursachte septische Lungen-emphysem beobaehtei.
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A. Emphysema alveolare. Chronisches Lungoncmphysem.
Das aiveoläre, vesiculärc, substantielle oder primäre Lungen* emphysem entsteht mitunter im Anschluss an eine chronische Bronchitis oder bei der Lungentuberkulose oder bei der Echinokokkenkrankheit der Lungen. Aclterc Arbeitsochsen und -Kühe leiden auch zuweilen am selbständigen chronischen Limgeiiemphysom.
Das in der Nachbarschaft eines unwegsam gewordenen kleinen Ah-thcils der Lungen entstehende consecutive, opllaterale oder vica-riirende, vesiculärc Emphysem ist für die Gesundheit des Rindes unerheblich.
Das chronische Emphysem (die chronische Alveolarektasie) beruht auf einer Atrophie des Lungenparenchyms. Den Anlass zu derselben giebt die Minderung der Elasticität der Alveolenwände durch Lungenödem (hydropisohes Emphysemquot; nach P. Grawitz) oder beim chro-niseben Bronchialkatarrh durch erhöhten Exspirationsdruck oder durch Dyspnöe infolge anhaltender, anstrengender Arbeit.
Bei der Section erscheint das Lungonparenchym ausgedehnt, wie aufgebläht. Die mikroskopische Untersuchung ergiebt, dass in den Al-veolen zahlreiche Capillargefässe zu Grunde gegangen sind (hyaline Degeneration); das Epithel der Alveolen ist fettig degenerirt; die Alveolar-septa sind geschwunden und in den höheren Krankheitsgraden sind auch die Wände zwischen den Acini zu Grunde gegangen.
Symptume. Schworathmen bei anstrengender Bewegung oder beim Arbeiten des Thieres; starke Erweiterung der Naseneingänge bei der Inspiration sowie in- und exspiratorische Flankenbewegung. Gesteigerte Athmungsfrequenz: im ausgeruhten Zustande der Kuh oder des Ochsen 20 bis 30, nach anstrengender Arbeit 50 bis 70 Athemzüge in
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der Minute. Häufiger, matter Husten. Stierer Bück.
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In einzelnen Partien der Lungen ist bei der Auscultation ein kurzes, kräftiges, aber unbestimmtes Geräusch zu vernehmen; im Allgemeinen ist sonst das vesiculärc Geräusch abgeschwächt. Der Percussions-schall am Thorax ist voll, an einzelnen Stellen übervoll. #9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Der Diagnose stehen keine Schwierigkeiten im Wege. Neben den
vorgedachien Symptomen ist aber auf das längere Bestehen des Schwcr-athmena llücksicht zu nehmen. Zur Unterscheidung des selbständigen, chronischen Luugencmphyscms von der bei der Lungentuberkulose und
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Lungenompliyscm.
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bei der Ecliinokokkenkrankheit vorkommenden diffusen Alveolarektasie sind die speciellen Erscheinungen dieser Kranklieit zu beachten.
Da das chronische Lungenemphysem unheilbar ist, so empfioit sich eine therapeutische Anordnung nicht. Das Thier ist vielmehr so weit, als thunlich zu mästen und durch Ahschlachtung zu verwertiien.
B. Emphysema interlobulare. Acutes .Lungenompiiysem.
Durch Zerreissung der Alveolarwände, viellciciit auch der kleinsten Bronchiolen erfolgt die Extravasation der Athmungsluft. in das interlobulare (interstitielle) und in das subpleurale Bindegewebe. Diese Luftansammlung führt den Namen des intcrlobulären oder interstitiellcn Emphysems. Gleich oft wie beim Pferde entstellt dasselbe auch beim Rinde infolge tödtlich ausgehender Krankheiten während der Agonie. Es wurde bei der Rinderpest zuerst von de Sauvages 1745 nachgewiesen, der auch schon die Ansammlung von Luft unter der Haut (Hautemphysem) bei den Kühen gesehen hat (vgl. Dieckcrhoff, Geschichte d. Rinderpest etc. 1890. S. 74).
Mitunter kommt die Extravasation von Athmungsluft in den Lungen bei gesunden Kühen oder Ochsen durch heftige Athembewegungen zu Stande. In den schweren Graden dieses Emphysems dringt die Luft in das Mediastinum, sowie in die Subcutis an der Luftröhre, zu beiden Seiten des Halses, am Rücken und am Bauche entlang (allgemeines Hautemphysem). Zuweilen breitet sich dasselbe nur an einer Seite des Körpers aus; meist sind aber beide Seiten betroffen.
Symptome und Verlauf. Die Haut erscheint in geringerer oder grösserer Ausdehnung geschwollen, besonders am Rücken; beim Druck mit den Fingerspitzen oder mit der flachen Hand gegen die geschwollenen Partien entseht im l/nterhautgewebe eine rauschende Gehörswahrnehmung. Schwacher Husten; bei der Auscultation der Lungen trockene Rasselgeräusche. Pereussionsschall am Thorax tympanitisch. In einzelnen Fällen verbleibt das Hautemphysem auf einem so niedrigen Grade, dass das Allgemeinbefinden des Thieres keine wesentliche Störung erfährt. Gewöhnlich findet sich aber eine mehr oder minder heftige Dyspnoe mit starker Action der Rippenmuskeln. Pulsfrequenz mit Rückstauung des Blutes in die Venen (Füllung der Jugularis). Sisti-rung der Futteraufnahme.
Bei dem Hautemphysem erfolgt die Resorption der Luft aus der Subcutis ganz allmälig im Verlaufe einiger Wochen.
Die Diagnose ist leicht. Ein diffuses Hautemphysem kann aber auch ohne Betheiligung der Lungen durch eine klaffende Hautwunde
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^TT)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Hespirationsorgunc.
herboigefttbrt werden, narnentHoh durch eine frische, penetrirendc Hautwunde vor oder unter dem Schulterblatt, wobei durch die Bewegung der Gliedmasse atmosphärische Luft in die Subcutis förmlich eingepumpt wird. Die Proguosc richtet sich vorwaltend nach der Ausbreitung des llautemphysems und nach dem Grade der Dyspnoc. Die schweren Fälle führen gewöhnlich zum Ableben des Thieres in 1 bis 2 Tagen. Ueberstehen die Thiere diese Zeit, so bessert sich nach und nach das Gesammtbelinden, so dass die vollständige Genesung in Aussicht gestellt weiden kann. Soweit nicht wegen der Dyspnoe die Abschlachtung des Thieres angezeigt erscheint, ist dasselbe zur Behandlung in einem kühlen Raum zu belassen. Das Hautemphysem lässt sich durch Skari-fication der Haut und Massiren verkleinern. Auch häufige Waschungen mit Bürow'scher Mischung oder mit verdünntem Spiritus sind empfehlen swerth.
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Capitel LXIV. Lungencongestion und Lungenödem.
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Unabhängig von anderen krankhaften Zuständen (Herzschwäche) kommt die iibergrosse Blutanhäufung mit ödematöser Durchtränkung der Lungen meist als erstes Stadium der acuten katarrhalischen Pneumonic des Rindes vor. Man ist zur Diagnose der in Rede stehenden Lungenaffection berechtigt, wenn die acute katarrhalische Bronchopneu-monie nicht zur vollständigen Ausbildung gelangt.
Beim Ausbruch von Feuer im Stallgebäude ziehen die Rinder nicht selten irrespirabele Gase in die Athmungswege, worauf gewöhnlich neben der acuten diffusen Bronchitis zugleich ein allgemeines Lungenödem entsteht.
Anatomischer Befund. Beide Lungen oder die unteren Partien derselben sind abnorm schwer und consistent. Auf der Schnittfläche entleert sieh, besonders wenn man mit der Hand auf die Lungen drückt, schaumige, gelbliche oder durch Beimischung von Blut roth gefärbte Flüssigkeit. Dieselbe kommt theils aus den Alveolen (Alveolarhydrops), theils aus dem intcrlobulären Bindegewebe (interlobuläres Oedem).
Symptome. Beschleunigte und .erschwerte Athmung, erhöhte Pulsfrequenz und Fiehertemperatur. Hustenreiz. Geringe Dejection von zäher, eiweisshaltiger Flüssigkeit aus der Nase. Bei der Auscultation
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#9632;
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Sporadische fibrinöso Lungenentzündvmg, Pneumonia aouta fibrinosa. 877
der Lungen feuchte llassclgeräuschc. Matter PecussionsschaJl am Thorax im mittleren und unteren Bereiche der Lungen.
Die Prognose richtet sich nach dem Umfange der ödematösen Infiltration. Sind beide Lungen in grösserer Ausdehnung betroffen, so kann das Thier durch Asphyxio schnell eingehen oder durch die Ausbildung einer schweren Pneumonie gefährdet sein. In den leichten Graden der Erkrankung bildet sich der Zustand in 1 bis 2 Tagen zurück,
Therapie. Unterbringung des Thieres in einen kühlen gut ventilirten Raum. Häufige Darreichung von frischem Trinkwasser und leicht verdaulichen Nahrungsmitteln. Erregende Medicamente in kleinen Mengen: schwarzer Kaffee (ein Tassenkopf voll) oder Spirit, sulfur, aeth. mit Wasser. Abreiben der Haut mit Spiritus. Priessnitz-Umschlag. Aderlass.
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Oapitel LXV.
Sporadische fibrinöse Lungenentzündung. Pneumonia acuta
fibrinosa.
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Die vor mehr als 50 Jahren von Rokitansky in die Mcdicin eingeführte und vielfach gebrauchte Bezeichnung croupöso Lungenentzündungquot; ist gleichbedeutend mit dem in der Ueberschrift gewählten Krankheitsnamen. Virchow (Charite-Annalen 1877, S. 744) beurtheilt die Benennung der Lungenentzündung des Menschen dahin: Die genuine oder legitime Pneumonie charakterisirt sich durch den Absatz fibrinösen Exsudats in die Alveolen. Die Bezeichnung croupöse Pneumonicquot; ist eigentlich falsch. Die bei Group auftretende Form gehört der katarrhalischen Pneumonie an. Die gewöhnliche Pneumonie der Erwachsenen unterscheidet sich von dem Group durch den sehr wichtigen umstand, dass die fibrinöse Exsudation nicht rein ist, dass der Initialvorgang vielmehr ein hämorrhagischer ist. Die Anfangshepatisation ist roth d. h. blutig; das spätere fibrinöse Material ist also kein reines Product der Exsudation, sondern es wird erst gelb und nimmt erst nach und nach den rein fibrinösen Gharakter in der eigentlichen (gelben) Hepati-sation an, indem die Blutkörperchen sich auflösen und der Blutfarbstoff sich metaraorphosirt.quot;
Die Aetiologie der hier gemeinten Pneumonie ist an die Einführung palhoge-ner Mikroorganismen in die Lungen gebunden, unterscheidet sich aber wesentlich von derjenigen bei der ansteckenden Lungenseuche (vorgi. S, IfS). Bcnierkons-
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378nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der llospinitionsorgane.
worth für die Theorie der Lungonscuoho ist die Thatsaohe, dass dieselbe auch sporadisch vorkommt und dass die Frage nach ihrer Ursache noch nicht vollständig gelöst ist. In kleinen und grossen Viehbestiindcn wird zuweilen ein sporadischer Fall von genuiner l'neumonie beobachtet, bei welchen] sich durch die Section die für die Diagnose der Lungensoucho massgebenden Zustände in einer oder in beiden Lungen nachweisen lassen. Insbesondore zeigt die Sclinittfläche der erkrankten Lungenabschnitte die marmorirte ilepatisation. Auch die strengsten veterinär-polizei-liolion Erhebungen geben in den hier gedachten Fällen keinen Aufschluss über die Möglichkeit einer Einschlcppung der iScuchc. Es erkrankt auch kein anderes Thier des Bestandes, obschon in der Aufstellung des gestorbenen oder getödteton lungenkranken Rindes die Gelegenheit zur Uebertragung des InfektionsstotTes ausreichend ( |nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gegeben war. In der Praxis wird eine solche (ibrinüse Pneumonie gemäss dem bei
Krlass der souohenpoli/.eilichcn Vorschriften massgebend gewesenen wissenschaftlichen Standpunkte der Lungenseuche zugerechnet. Selbstredend erledigt sich dadurch die Frage nicht, ob der Erreger der Krankheit in solchen Fällen mit dem speciflsclion Infcktionsstoir der Lungenseuche identisch ist oder ob bei dor Lungonseuche nobeu dorn die Phlegmone der Lungen horbeiführendon Organismus noch ein besonderes vegetationsfähiges Agens mitwirken muss, um die Krankheit ansteckungsfähig zu machen.
Sehr vereinzelt ist das Vorkommen einer ohne Exsudation von Li-(juor Sanguinis in die interlobuiären Bindegewcbsziigc verlaufenden acuten infeoüösen und fibrinüsen Pneumonie des Rindes. Der InfcctionsstofT ist nicht bekannt. Es lässt sich auch nichts darüber aussagen, ob Bakterien verschiedener Art eine solche Lungenontzündung herbeiführen können.
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Einige Male habe ich beobachtet, dass ein infectiösor Katarrh der Respirationsschleimhaut der Entwickejung dieser Pneumonie vorausging. Auf gesunde Rinder verbreitet sich diese Lungentzündung durch direote Ansteckung nach den bisherigen Erfahrungen nicht.
Symptome: Hochnormale oder fieberhabft gesteigerte Temperatur des Körpers; im Mastdarm 40,0deg; und darüber. Allgemeine Muskelschwache. Gesträubtes Deckhaar. Pulsfrequenz zwischen 60 und 140 in der Minute. Athmung erschwert, mit Aeusserung von Klagelauten 3050mal in der Minute. Futteraufnahme gering, Wiederkauen selten; Tenesmus; im weiteren Verlaufe diarrhoischo Darmentlcerungen. Trinkwasser verzehrt das Thier nur in den ersten Tagen der Krankheit und in geringer Menge. Versiegen der Milchsekretion.
Bei der Auskultation der Lungen fehlt in den erkrankten Partien das Bläschengeräusch. Dagegen lässt sich mitunter ein pleuritisches Reibegeräusch nachweisen. Percussionsschall an der Brustwand im Bereiche der Lungenerkrankung gedämpft.
Der Verlauf erstreckt sich auf 13 Wochen. Eine schwere Pneumonie der hier gedachten Art ist der Regel nach tödtlich. In der zweiten Krankheitswoche verfallen die Kräfte mehr und mehr. Dünnflüssige
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Sporadische flbrinöse Lungenentzündung. Pneumonia acuta (Ibrinosa. 879
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und übelncchoiule Darmaussclieiduiigcn lassen den baldigen Eintritt des Todes voraussehen.
Die Diagnoslaquo; der fibrinüsen Pneumonie lässt sich bei dem seltenen Vorkommen der Krankheit erst nach dem Ableben des Thieres durch die Sektion mit Sicherheit begründen. Für die Bourthcilung des Krankheitsbildes kommt zunächst die Wildseuohe in Betracht. Indess werden von dieser Krankheit gewöhnlich mehrere Thiere des Bestandes bctroll'en. Massgebend für die Diagnose aus dem Sectionsbefund ist, dass die Lungen in der pectoralcn Form der Wildseuche herdweise entzündet sind, während die sporadische librinöse Pneumonie eine diffuse Verbreitung in den Lungen erlangt. Von der Lungenseuche unterscheidet sich die Krankheit dadurch, dass die Interstiticn nicht mit gerinnbarem Exsudat gefüllt sind, dass vicinichr die Durolischnittslläche der hepatisirten Lungenpartie eine gieichmässige Beschaffenheit hat. Das Krankheitsbild des bösartigen Katarrhalfiebers hat mit den Symptomen der fibrinösen Pneumonie manebe Aehnlichkcit. Indess kommt das durch die fibrinöse Rhinitis bedingte schniebende Nasalgeräusch, sowie die Conjunctivitis, die fibrinöse Tritis und die schwere Tierabsetzung des Bcwusstseins bei der Pneumonie nicht vor.
Die Prognose ist im Aligemeinen ungünstig. Schwer erkrankte Binder gehen vegelmässig zu Grunde. Bei leichter Affection genesen die Thiere in der 2.3. Woche.
Therapie. Die aus der älteren Medicin übernommene Behandlung mit antiphlogistischcn Mitteln hat keinen Erfolg. Vortheilhaft ist dagegen die Verabreichung erregender Medikamente; täglich 4mal eine Flasche Milch mit 2 Esslöffol voll Branntwein oder Cognac. Oder zweistündlich eine Flasche erwärmtes Bier mit Zucker. Oder ein Esslöffel voll Salmiakgeist in einer Flasche Zuckerwasser mehrmals täglich. Oder Spiritus sulfurico-aethorous theelöffelweise mit Wasser. Bei protrahirtem Krankheitsverlauf kann vielleicht die innere Behandlung mit Jod nützlich sein. Indess habe ich in einem Falle das Mittel vergeblich versucht.
Dass dem kranken Thiere eine sorgfältige Pflöge zugewendet werden muss, bedarf kaum der Erwähnung.
Kasuistik. In einer kleinen Molkerei war am 3. Januar 1877 eine 6jährige nicht tragende Milclikuh unter den Krscheinungon von Appotitmangel und allgemeiner .Schwäche erkrankt. Ich fand am 6. Januar; Puls 94, Athmung 24 mit leichtem Stöhnen; geringer Ausllnss aus der Naso; Temperatur 39,9deg;. Bauch eingefallen-. Tenos-mns. Uebelriechende, verbackene Darmexkremente in geringer Menge. Harn niclil eiweisshaltig. Milchsekretion verringert. Husten selten. Dio Auscultation der Lungen ergab abgcschwäcMes und stellenweise fehlendes Geräusch in den unteren Partien an beiden Seiten, Percussionsschall am Thorax im unteren Theil gedämpft, oben
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Krankheiten der Hespirationsorgane.
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voll. Die Krankheit nahm trotz sorgfältiger Pflege und Behandlung allmälig zu und endete am 20. Januar mit dem Ableben des Thieres. Während des Verlaufs schwankte die Pulsfrequenz zwischen 94 bis 140, die Zahl der Athemzügo zwischen 22 bis 36 in der Minute. Temperatur 39,940,3deg;. Die Kräfte verfielen mehr und mehr; die Bewegung wurde dem Thiere lästig und vom 15. Krankheitstage an konnte dasselbe überhaupt nicht mehr aufstehen. Darmausscheidungen dünnflüssig, lehmfarbig und stinkend. Das Thior stöhnte bei jedem Athemzuge, erhielt sich aber bei ungetrübtem Bewusstsein. Tod am 17. Krankheitstage.
Autopsie: In beiden Brustfellsäcken keine Flüssigkeit. Pleura im Bereiche des mittleren und unteren Thoils beider Lungen mit fibrinösem, leicht abziehbarem Belag bedeckt. Beide Lungen fühlen sich in der unteren Partie derb an infolge fibrinöser llepatisalion. Die Schnittfläche ist trocken, körnig und grauroth, während die gesunden Abschnitte der Lungen auf der Schnittfläche hellroth, glatt und glänzend erscheinen. Interstitiolles Lungenemphysem, aber kein Exsudat oder Transsudat in den interlobulären Bindegewebszügen. Bronchiale Lymphdrüsen vergrössert, derb, auf der Sclmittlläche glänzend. Aus den Bronchien entleert sich ein gelbliches zähflüssiges schmutziges Material. Schleimhaut der Bronchien, der Luftröhre und des Kohlkopfes entzündlich geschwollen. Herzfleisch trübe und trocken, grauroth. Hämor-rhagische Entzündung der Darmschleimhaut. Schwollung der Nieren, der Milz und der Leber.
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Oapitel LXVI.
Broncho-Pneumonie Katarrhalische Lungenentzüudun Pneumonia catarrhnlis.
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Wie Band I erläutert ist, besteht die Eigenthümlichkeit der katarrhalischen Lungenentzündung darin, dass sich weiches, an Flüssigkeit reiches, /eiliges Exsudat in den Alveolen eines kleineren oder grösseren Theils der Lungen anhäuft. Die Krankheit tritt herdweise auf und ist mit einer Entzündung der kleinen Bronchien verbunden. Häufig wird beim Rinde nur ein Lobulus oder ein Theil desselben von der katarrhalischen Lungenentzündung betroffen. In solchen Fällen bedingt die Affection keine Störung des Allgemeinbefindens bei dem Thiere.
Mit der umfangreichen Erkrankung einer oder beider Lungen sind auch die Bronchien in grosser Zahl und Ausdehnung ergriffen, wie zuweilen bei der Erkältungs-Pneumoniequot; durch die Section zu ermitteln ist. Hierbei entsteht neben der Exsudation (katarrhalische Hepa-tisation) eine starke ödematöse Durchtränkung der Lungen. Die Section lässt auf der Schnittfläche der hepatisirten Partien graue oder grau-gelbe Flecken (durchgeschnittene kleine Bronchien) nachweisen. Bleiben
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Bioncho-Pnoumonio. ICafarrhalisohe Lungenentzünclunfr. Pneumoniacatanhalis. 38 1
die exentorirton Lungün einige Stunden liegen, so fallen sie stark zusammen, weil sich der flüssige Inhalt derselben aus den Bronchien und der Luftröhre entleert.
Aetiwloftie und Pathogenese. Die katarrhalische Pneumonie kann beim Rinde verschiedene Ursachen haben. Vorwaltend kommen dabei 8 Momente in Betracht:
1.nbsp; nbsp;Lange, ermüdende Fusstransporte unter Mitwirkung nachtheiliger atmosphärischer Einflüsse: Schnelles Treiben über weite Wegestrecken, wobei die Thiere im Trabe oder im beschleunigten Schritt sich bewegen müssen und in eine erhebliche Athcmbeschwerde gerathen. Heisse Witterung, Zugluft und liegen bei längeren Fuss-märschen. Aus diesen Ursachen entsteht zunächst eine starke Blutfülle in den Lungen und Transsudation von Blutflüssigkeit in die kleinen Bronchien und in die Lungenalveolen. Hieran schliesst sich eine entzündliche Infiltration der Bronchialwandungen und die Exsudation von zelligem Material in die Alveolen. Soweit die entzündliche Infiltration der Lungen reicht, verringert sich die Elasticitat derselben wesentlich. Die Krankheit wird in der Praxis Erkältungs-Pncumoniequot; genannt.
2.nbsp; Hypostase übergrosse Anhäufung von Blut in den Lungen. Gewöhnlich eine Complication chronischer Krankheiten, welche die Rinder oft wochenlang am Aufstehen behindern. Hierbei füllt sich die Lunge derjenigen Seite, auf der das Thier längere Zeit liegt, mit Blut, worauf Blutflüssigkeit in die Alveolen und Bronchien transsudirt und eine katarrhalische Entzündung zu Stande kommt (hypostatischc Pneumoniequot;).
3.nbsp; Fchlschlucken. Auc^ beim Rinde können Medicamente oder Nahrungsmittel oder Mageninhalt, der beim Erbrechen in die Rachenhöhle befördert wurde, durch den Kehlkopf und die Luftröhre in die Bronchien und Alveolen aspirirt werden. Die hierdurch veranlassto Entzündung der Lungen führt den Namen der Aspirationspneumoniequot; oder Schluck-pneumoniequot;. Es giebt eine Reihe von Krankheiten, Gebärparese, endemische Schlundkopflähraung, bösartiges Katarrhalfieber, acute Gehirnwassersucht u. a. die in schweren Fällen eine Dysphagie mit sich bringen und dadurch Anlass zum Fehlschlucken geben können. Die hierbei in die Luftröhre und Bronchien dringenden heterogenen Substanzen gelangen gewöhnlich nur in einen kleinen Theil einer oder beider Lungen. Doch nimmt die infolge dieser Schädigung eintretende Pneumonie unter dem Einflüsse der Allgemeinkrankheit gewöhnlich einen schweren Verlauf. Das Eingeben grössercr Mengen flüssiger Arzneistoffe bei den vorgedachten Krankheiten giebt oft Veranlassung zum Fehl-
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380nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Respirationsorgane.
voll. Die Krankheit, nahm trotz sorgfältiger Pflege und Behandlung allmälig zu und endete am 20. Januar mit dem Ableben des Thiores. Während des Verlaufs schwankte die Pulsfrequenz zwischen 94 bis 140, die Zahl der Athemxiigo zwischen 22 bis 36 in der Minute. Temperatur 39,940,3quot;. Die Kräfte verfielen mehr und mehr; die Bewegung wurde dem 'Phiere lästig und vom 15. Krankheitstage an konnte dasselbe überhaupt nicht mehr aufstehen. Darmausscheidungen dünnflüssig, lehmfarbig und stinkend. Das 'Phier stöhnte bei jedem Athemzuge, erhielt sich aber bei ungetrübtem ßewusstsein. Tod am 17, Krankheitstage.
Autopsie: In beiden Brustfellsäcken keine Flüssigkeit. Pleura im Bereiche des mittleren und unteren Theils beider Lungen mit fibrinöscm, leicht abziohbarem Belag bedeckt. Beide Lungen fühlen sich in der unteren Partie derb an infolge fibrinöser llepatisation. Die Schnittfiäche ist trocken, körnig und grauroth, während die gesunden Abschnitte der Lungen auf der Schnittfläche hellroth, glatt und glänzend erscheinen. Intorstitielles Lungonoraphysem, aber kein Exsudat oder Transsudat in den interlobulären Bindegewebszügcn. Bronchiale Lymphdrüsen vorgrössert, derb, auf der Schnittlläche glänzend. Aus den Bronchien entleert sich ein gelbliches zähflüssiges schmutziges Material. Schleimhaut der Bronchien, der Luftröhre und des Kehlkopfes entzündlich geschwollen. Herzfleisch trübe und trocken, grauroth. Hämor-rhagische Entzündung der Darmschleimhaut. Schwellung der Nieren, der Milz und der Leber.
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Capitei LXVI.
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Broncho-Pnenmonie Katarrhalische Lungenentzttudun Pneumonia catarrhalis
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or
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Wie Band I erläutert ist, besteht die Eigcntlmmlichkeit der katarrhalischen Lungenentzündung darin, dass sich weiches, an Flüssigkeit reiches, zelliges Exsudat in den Alveolen eines kleineren oder grösseren Theils der Lungen anhäuft. Die Krankheit tritt herdweise auf und ist
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mit einer Entzündung der kleinen Bronchien verbunden. Häufig wird beim Rinde nur ein Lobulus oder ein Theil desselben von der katarrhalischen Lungenentzündung betroffen. In solchen Fällen bedingt die Affection keine Störung des Allgemeinbefindens bei dem Thiere. innbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mit der umfangreichen Erkrankung einer oder beider Lungen sind
auch die Bronchien in grosser Zahl und Ausdehnung ergriffen, wie zuweilen bei der Erkältungs-Pneumoniequot; durch die Section zu ermitteln ist. Hierbei entsteht neben der Exsudation (katarrhalische Hepa-tisation) eine starke ödematösc Durchtränkung der Lungen. Die Section lässt auf der Schnittfläche der hepatisirten Partien graue oder grau-gelbe Flecken (durchgeschnittene kleine Bronchien) nachweisen. Bleiben
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Broncho-Pnoumonic. IfataiThaUscheLungenontziindung'. Pneumoniacatairhalis. 381
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die exenterirten Lungen einige Stunden liegen, so fallen sie stark zusammen, weil sich der flüssige Inhalt derselben aus den Bronchien und der Luftröhre entleert.
Aetiologie und Pathogenese. Die katarrhalische Pneumonic kann beim Rinde verschiedene Ursachen haben. Vorwaltend kommen dabei 8 Momente in Betracht:
1.nbsp; nbsp;Lange, ermüdende Fusstransporte unter Mitwirkung nachtheiliger atmosphärischer Einflüsse: Schnelles Treiben über weite Wegestrecken, wobei die Thiere im Trabe oder im beschleunigten Schritt sich bewegen müssen und in eine erhebliche Athembcschwerde gerathen. Heisse Witterung, Zugluft und Regen bei längeren Fuss-märschen. Aus diesen Ursachen entsteht zunächst eine starke Blutfüllo in den Lungen und Transsudation von Blutflüssigkeit in die kleinen Bronchien und in die Lungcnalveolen. Hieran schliesst sich eine entzündliche Infdtration der Bronchialwandungen und die Exsudation von zelligem Material in die Alveolen. Soweit die entzündliche Infiltration der Lungen reicht, verringert sich die Elasticität derselben wesentlich. Die Krankheit wird in der Praxis Erkältungs-Pncumoniequot; genannt.
2.nbsp; Hypostase übergrosse Anhäufung von Blut in den Lungen. Gewöhnlich eine Complication chronischer Krankheiten, welche die Rinder oft wochenlang am Aufstehen behindern. Hierbei füllt sich die Lunge derjenigen Seite, auf der das Thier längere Zeit liegt, mit Blut, worauf Blutflüssigkeit in die Alveolen und Bronchien transsudirt und eine katarrhalische Entzündung zu Stande kommt (hypostatischc Pneumonicquot;).
3.nbsp; Fehlschlucken. Auch, beim Rinde können Medicamento oder Nahrungsmittel oder Mageninhalt, der beim Erbrochen in die Rachenhöhle befördert wurde, durch den Kehlkopf und die Luftröhre in die Bronchien und Alveolen aspirirt werden. Die hierdurch veranlasste Entzündung der Lungen führt den Namen der Aspirationspneumoniequot; oder Schluck-pneumonicquot;. Es giebt eine Reihe von Krankheiten, Gobärparese, endemische Schlundkopflähraung, bösartiges Katarrhalfiebcr, acute Gehirnwassersucht u. a. die in schweren Fällen eine Dysphagie mit sich bringen und dadurch Anlass zum Fehlschlucken geben können. Die hierbei in die Luftröhre und Bronchien dringenden heterogenen Substanzen gelangen gewöhnlich nur in einen kleinen Theil einer oder beider Lungen. Doch nimmt die infolge dieser Schädigung eintretende Pneumonic unter dem Einflüsse der Allgemeinkrankheit gewöhnlich einen schweren Verlauf. Das Eingeben grösscrer Mengen flüssiger Arzneistoffc bei den vorgedachten Krankheiten giebt oft Veranlassung zum Fehl-
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382nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Kespiratioiisorgaue.
schlucken und /ur Entstehung einer Lungeriehtzündung. Sind aber die
Rinder nur unerheblich erkrankt und ist die Fähiekeit des Schluckens
ii inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,
nicht beeinträchtigt, so wird bei der Darreichung von Sohüttelmixturen ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;das Verscliluckcn nur seilen beobachtet. Auch erkranken die Thiere in-
folge dieser Ursache nicht oft an einer erheblichen Lungenentzündung. Vielmehr beschränkt sich clio Folge des PehlsohluckenS beim Eingeben von Medicamenten meist auf die Entwickelung einer acuten Bronchitis. 'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Symiitomc. Gestreckte Kopfhaltung. Trüber Blick. Appetit mangel-
haft. Bauch eingefallen. Körper fieberhaft temperirt; Rcctaltcraperatur i,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; /wischen 3i),7 und 41,0deg;. Schwerfälligkeit der Bewegung. Dyspnoe mit
exspiratorischem Stöhnen; '20 40 Athemziige in der Minute mit Erweiterung des Brustkastens und lebhafter Bewegung der Naseneingänge; häufiger und lästiger Husten. Bei der Auskultation der Lungen sind in feinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;den unteren Partien abgeschwächtes Alveolargeräusch und Rasselgeräusche
verschiedener Art, in den oberen Lungenpartien gewöhnlich gesteigertes Bläschengeräusch zu vernehmen. An der Luftröhre Rasselgeräusche. Percussionsschall am Brustkasten im Bereiche der kranken Lungen matt. #9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Puls 6590 in der Minute, schwach.
Der Verlauf der katarrhalischen Pneumonie richtet sich zwar im Wesentlichen nach dem Grade der Erkrankung. Sind die Thiere schwer al'ficirt und nimmt die Körperkraft zusehends ab, so endet der Krankheitsfall nach 3 (i Tagen todtlicli. Aber auch später kann die Krankheit noch dadurch zum Tode führen, dass der erkrankte Lungenabschnitt stellenweise brandig abstirbt, oder dass eine jauchige Pleuritis sich als Folge der Pneumonie ausbildet. Wenn aber die Dyspnoe gering ist und die Futteraufnahme nicht vollständig sistirt, so ist auf einen günstigen Vorlauf zu hoffen, der sich auf 515 Tage erstrecken kann.
Diagnose. Eine nicht zu unterschätzende Beihülfe kann die Diagnose der katarrhalischen Pneumonie in der sorgfältigen Ermittelung der Lr-^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;sachen finden. Lässt sich /. B. feststellen, dass das Thicr während
eines längeren Fusstransportes schnell und ohne Rücksicht auf seine Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Körperkräfte getrieben worden ist, so reichen der Husten und das Schwer-
innbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;athmen neben den sonstigen Zufällen für den Nachweis der Krankheit
Iinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; aus. Desgleichen kann die bekannt gewordene Thatsachc, dass das
Thier beim Fingeben von flüssigen Arzneisubstanzen sich heftig gesträubt hat und in einen Hustenanfall gerathen ist, die Diagnose wesentlich
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nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;unterstützen. Sonst hat aber der Thicrarzt zu beachten, dass eine
Athembeschwerde mit erheblicher Beschleunigung der Athemziige für sich allein das Vorhandensein der Pneumonie noch nicht beweist. Denn die Hinder athmen auch bei gastrischen Zuständen oft angestrengt. Der
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SJi;
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Bronrho-I'iieiimonio. KatarrlialisRhc LangenentKÜndung. Pnoiiiiionia catari'halis. 383
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matte Pevoussionssohall im unteren Bereiche des Brustkastens ist für die Diagnose nicht besonders werthvoll, weil sich bei manchen Kühen und Ochsen, die nicht lungenkrank sind, dieser Pcrcussionsschail auch findet. Von den Krankheiten, welche mit der katarrhalischen Pnoumonie vorwechselt werden können, hat die acute Bronchitis die grösste Bedeutung, namentlich dann, wenn eine ödematöse Infiltration der Lungen mit derselben verbunden ist. Eine solche Erkrankung kann das erste Stadium der Katarrhalpneumonie ausmachen. Massgebend für die Diagnose sind die Erscheinungen der erheblichen Dyspnoo, und der grösseren Athem-frequenz, welche dem acuten Bronchialkatarrh nicht, zukommen.
Prognose. Einen Anhalt für die Beurtheilung der Krankheit gicbl: der Grad der Dyspnoo, der Pulsfrequenz und des Kräftcverfalls. So wenig lebensgefährlich ein kleiner durch katarrhalische Entzündung de-generirtcr Herd in den Lungen ist, so bedenklich gestaltet sich die Krankheit, wenn sie bei schneller Entwickelung beide Lungen in grösserer Ausdehnung ergriffen hat. Solche Fälle werden am besten soweit als thunlich erscheint, zu Schlachtung bestimmt. Schlecht ist die Prognose auch, wenn die Katarrhalpneumonie zum Lungenbrand oder zur diffusen jauchigen Pleuritis führt. Günstiger ist gewöhnlich der Ausgang in Eiterung (Lungenabscess) zu bcurthcilen, wenn die betroffene Lungenpartie mit der Brustwand fest verwächst. Durch Minderung der Dyspnoo und Zunahme des Appetits giebt sich die beginnende Genesung zu erkennen.
Behanilluii?. Den wichtigsten therapeutischen Gesichtspunkt bildet die möglichste Erleichterung der belasteten Respiration. Daher: Unterbringung des Thiercs in einem kühlen, gut ventilirten Raum; Aderlass; Entleerung des üarms durch Wasserinfusionen in den Mastdarm und Darreichung milder Abführmittel: Natrium sulfuricum 500,0 bis 1000,0 mit Beigabe von Natr. chlor, und bitteren Mitteln. Zur Solbstaufnahme sind dem Thiere zerschnittene rohe Kartoffeln vorzulegen. Subcutanc Injectionen von Kampferspiritus. Abreiben der Haut mit Spiritus; Priessnitz'schcr Umsehlag um den Brustkorb. Häufige Darreichung von frischem Trinkwasser oder einer Abkochung von Kartoffeln, Mohrrüben etc. mit Zusatz von Mehl; schmackhaftes Raulfutter: gutes Klec-heu oder bestes Wiesenheu, auch trocken geerntetes Stroh und im Sommer Grünfutter.
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384nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; KntnklioiliMi dor Respirationsoi'gano.
Oapitel LXVII. Fremdkörper-Lungenontzünilung. Pneumonia tranmatica.
Ein verschluckter metallischer spitzer Körper (Haarnadel, Stopfnadel, Drahtnagel etc.) dringt zwar in den meisten Fällen vom zweiten Magen aus durch das Zwerchfell in den Herzbeutel. Zu den exceptio-nclien Folgen der inneren Verwundung beim Kinde gehört aber auch das
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! ',
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Eindringen in die Lungen. Ich habe wiederholt gefunden, dass der
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Fremdkörper in den mittleren oder vorderen Theil der rechten Lunge gelangt war. Indess ergiebt die Literatur, dass auch die linke Lunge
fc1'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;von der Verwundung betroffen sein kann.
Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Dass eine andere traumatische Pneumonic beim Rinde vorkäme,
ist nicht bekannt. Es wird auch beim Kinde nicht beobachtet, dass durch Eindringen von Kohlenstaub oder Sandstaub oder anderen Staubarten in die Luftwege eine Lungenerkrankung herbeigeführt würde. Beim Menschen ist als eine solche Krankheit (Pneumonokoniosis, Staub-inhalationskrankheit) bekannt: Die Anthracosis (Kohlenstauboder Steinstaubkrankhoit), die Siderosis (Metallstaubkrank-heit), die Aluminosis (Thonerdestaubkran kheit) und die Cha-licosis (Kieselstaubkrankheit).
Bei der tranmatischen Lungentzündung schiebt sich der Fremdkörper in eine Lunge und erzeugt daselbst eine Eiterung und Umkapselung. Bei relativ günstiger Lage kommt durch die Umkapselung des Fremdkörpers die Pneumonic zum Aufhören. Der bindegewebige Process setzt
'v'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;sich aber auf die Insterstitien fort, welche sich auf die Länge einer
menschlichen Hand zu strohhalmbreiten grauweissen Strängen verdicken und die normal roth erscheinenden Lobuli umschliessen. Hierdurch er-
$
nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; innert die Schnittfläche einer solchen Lungenpartio an die raarmorirte
li'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;llepatisationquot; bei der Lungenseuche. Das betroffene Lungenstück hat
|J:nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;aber ein wesentlich geringeres Gewicht, als ein durch die Lungenseuche
1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; erkrankter gleich grosser Theil der Lungen.
Hlnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; In den meisten Fällen verbindet sich mit der traumatischen Pneu-
monie eine chronische Bronchitis, durch welche das Thier erheblich belästigt und in der Ernährung beeinträchtigt wird.
Syaptonic: Schwerathmcn, mangelhafte Futteraufnahme, lästiger Husten trnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;und Abmagerung, gesteigerte Pulsfrequenz. Kectaltemperatur hochnor-
'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; mal oder in geringem (Trade fieberhaft. Bei der Auskultation der Lungen
'-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;und der Luftröhre finden sich feuchte Rasselgeräusche.
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LiuiK'oiiabscess.
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Diagnose, Es ist zwar leicht, in (ion hier gedachten Krankheitsfällen das
Vorhandensein einer chronisohcn Entzündung der Lungen und der Bronchien zu omiittcln. Aber die Annahme eines Fremdkörper-Abscesses lässl sich nur bei sorgfältiger Yorgieichung der Erscheinungen mit den Symptomen und dem Verlaufe anderer Lungenkrankheiteil rechtfertigen. Dabei sind besonders in Betracht zu ziehen: die Tuberkulose, die chronische Bronchitis und der gewöhnliche Lungenabsoess. Durch wochenlange Beobachtung des Krankheitsfalles lässl sich die Diagnose wesentlich unterstützen.
Prognose. Ist mit der Verwundung und eitrigen Entzündung der Lungen eine chronische, eitrige Bronchitis verbunden, was sich durch die Abmagerung des Thieres und den quälenden Husten kundgiebt, so ist der Zustand als unheilbar anzusehen. Die weitere Beobachtung eines solchen Thieres lässt sich daher nicht empfehlen. Soweit das Fleisch noch als genusstauglich gelten kann, ist die Schlachtung des Thieres anzu-rathen.
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Oapitel LXVIII. Liingenabscess.
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Die eiterige Entzündung der Lungen mil l.'mkapselimg des Eiterherdes gelit aus der Einführung und pathogenen Wirkung von Eiterbakterien hervor, wird aber im l'ebrigen durch verschiedene Krankheitszu-stiinde bedingt. Sie kann insbesondere hei der Krkältungspnoumonie, sowie bei dcrSchluck- oder Aspirationspneumonie In einem oder mehreren broncho-pneumonischen Herden zustande kommen. Oder sie complicirt sich mit einem tuberkulösen Entzündungsherde in den Lungen, wobei nach der gewöhnlichen Annahme neben den Tuberkelbacillcn auch Eiterbakterien nachtheilig einwirken (Mischinfection). Auch entsteht der Lungenabscess mitunter aus einer embolischen (metastatischen) Bneumonie, wenn dem mit dem Blutstrom in die Lungenartcrien transportirten EmbolüS Literbakterien anhaften. Die ombollsche Pneumonic, die übrigens beim Rinde nicht oft beobachtet wird, ist eine umschriebene (lobuläre) Lungenentzündung; der in die Arterien des Lobulus eindringende Pfropf hemmt den Blutstrom und führt zum hiimorrhagischen Infarkt, welcher der Nckrose anheimfällt, worauf in der Nachbarschaft eine dissecirende (eiterige) Entzündung sich entwickelt. Der Eiterherd unagiebt sich hierdurch mit einer bindegewebigon Kapsel.
Dleokorhoff, Speo, Pathologlo u. Thoraple. II. IM.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; -r.
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3S(!nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Respirationsorgane,
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I
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Dor Lungenabsoess (sölitamp;rer Eiterherd) hat beim Rinde oft nur die Grosse einer WaUüuSS, kann aber den Umfang eines menschlichen Kopfes erreichen. Liegt derselbe in der Peripherie der Lunge, so tritt gewöhnlich eine Verwachsung der kranken Partie mit der Nachbarschaft ein. Sehr häufig findet sich die Verwachsung mit der Brustwand im Umfang eines Hühnereies bis zu einer menschlichen Hand. Weniger oft ist die Lunge mit dem Zwerchfell oder mit dem Mittelfell ver
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II
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wachsen. Ich constalirte bei der Section einer 7 Jahre alten und
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seit 8 Tagen offenkundig kranken Kuh einen grossen Lungenabsoess, der zur Verwachsung mit dem Schlünde geführt hatte; die Wandung des vnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Schlundes war in dem verwachsenen Theilo atrophirt und durchbrochen
worden, so dass durch die Öffnung abgeschluckter Futterbrei in die 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Abscesshohle gelangen konnte. Durch diese Complication war die Kuh
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kgt;''
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in tödtlichem Grade erkrankt.
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Aus einem Lungenabscess kann sich die eitrige Infection durch die Lymph bahnen auf die Nachbarschaft fortsetzen und daselbst eine weitere il*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Absccssbildung zur Folge haben (multipler Eiterherd). Indess ist
eine solche Absccssbildung in den Lungen beim Rinde nicht häufig. Zuweilen kommt die seeundäre Absccssbildung in den Bronchialdrüsen oder in einer Mittelfelldrüse zustande. i3ei erheblicher Grosse kann ein Mittel-
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#9632;lt;#9632;
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fcliabscess eine chronische Pleuritis in der Nachbarschaft unterhalten.
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Die Diagnose des Lungenabscess ist beim Rinde intra vitam nicht zu ermöglichen, da die Tuberkulose, die traumatische Pneumonic und die bronohicktatischen käsigen Herde die gleichen Störungen in dem Verhalten des Thicres veranlassen. Auch hat der Thierarzt zu beachten, dass der Lungenabscess nur in verhältnissmässig seltenen Fällen beim Rinde eine erhebliche Bedeutung erlangt und eine Allgemein-Krankheit, hervorruft. Die Annahme seines Vorhandenseins ist schon aus diesem Grunde unsicher. Dagegen lässt sich aus dem Verlauf der Krankheit die Unheil-fi*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;barkeit des Thiercs nach allgemeinen diagnostischen Gesichtspunkten mit
ji1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;genügender Sicherheit darthun. Der Lungenabscess selbst wird erst durch
die Section nachgewiesen. r,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Prognose. Fest umkapselte eitrige Absccsse in den Lungen haben
inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gewöhnlich keinen Nachtheil für das Thicr. Ist aber durch den Abscess
^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;eine schwere Pleuritis oder ein Durchbrach in die Bronchien oder eine
Communication mit dem Schlünde herbeigeführt, so rechtfertigt der ullnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheitsfall eine schlechte Prognose.
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fnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;----------
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liiingcnbiaml. (langTacna pulmoiuim. BruslfellentzOndung. 1'loiuilis. 387
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Capitol LX1X. Lnngeubraiid. Gangraena puluionum.
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Das.s der Lungonbrand beim Rinde niollt so häufig wie beim Pferde beobachtet wird, dürfte zum Tiieil auf der giüsseren Widorstandfäbig-keit der Organe des Rindes gegen entzündliche Destructionen beruhen. Anderseits ist auch zu beachten, dass die Rinder bei einer entzündlichen Erkrankung der Lungen meist schon geschlachtet werden, bevor der gangränöse Gewebszerfall in den Lungen sich ausbilden konnte.
Wogen der Unterscheidung zwischen oircumscripter und diffuser Lungengangrän verweise ich auf Band I. Die Krankheit entsteht beim Rinde am meisten ira Zusammenhang mit einer enibolisclien l'neumome. Im Verlaufe einer schweren eitrig-jauchigoii Entzündung des Dnterhaut-gewebes oder der Gelenke an den Gliodmassen, ferner im Verlaufe der putridon Nabolvencncntzündung und der eitrig-septischen Gebärmutter-entzündung gelangen feste i'artikelchen, weichen Fäulnissorganismen anhaften, nicht seiton in die Blutcirculation, Die Bnaboli bleiben in den Arterien der Lungenläppchen stecken und erzeugen einen Lungeninfarkt, in welchem alsbald die Käulniss mit Verflüssigung des Gewebes zustande kommt. Die Zerfallsmasse lieg! gewissermassen in einem Hohlraum (Brandcavcrncquot;). Die brandigen Herde können in Communication mit den Bronchien treten und eine diffuse jauchige Bronchitis veranlassen. Anderseits kann der Jaucheherd zur Infection der Pleura und zur Entwicklung einer Jauchigen Pleuritis Veranlassung geben.
Symptome. Allgemeiner Kräfte verfall; anhaltendes Liegen. AppctiL-mangel und fehlende Rumination. Starke Pulsfrequenz. Diarrhoische üarmentleerungen mit Tcnesmus. Dehler Geruch der Exspirationsluft. Dyspnoe. Temperatur zunächst fieberhaft, später subnormal.
Die diffuse Lungengangrän, welche sich durch die vorbezeichneten Symptome; kundgiebt, rechtfertigt immer eine sohlechte Prognose. Die Behandlung des Thieres wird am besten nicht mehr versucht.
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Gapitel LXX. Briistfellentzündung. Pleuritis.
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Eine acute exsudative Pleuritis wird beim Rinde als folge von Lungenkrankheiten oder nach einer Verwundung durch spitze metallische
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Krankheiten (ior Respirationsorgane.
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Gegenstände, welche den zweiten Magen und das Zwerchfell durchdringen, oder nach einer llippenfractur beobachtet. Aber nur in einzelnen Fällen ist bei diesen Erkrankungen die exsudative Pleuritis so stark entwickelt, dass ihre nachtheiiigen Wirkungen den Mittelpunkt des Krankheitsbildes ausmachen. Führt die Lungenentzündung zur Pleuritis, so ist gewöhnlich die Lungenkrankheit der wichtigere Thcil. Von dieser Kegel macht selbst die Lungensoucho nur selten eine Ausnahme. Die beim Uippenbruch oft eintretende Verletzung der Pleura veranlasst eine exsudative Pleuritis nur in geringem Umfange. Gewöhnlich bildet sich alsbald im Bereiche der gebrochenen Hippe eine fibröse Verdiekung mit Verwachsung der Pleurablälter aus, welche keine nachtheiligen Folgen für das Thier hat.
In Ausnahmefällen habe ich kennen gelernt, dass die Penetration des Zwerchfells durch einen scharfen stechenden Körper eine diffuse fibri-nösc Pleuritis zur Folge hatte. Hierbei fanden sich nach der Schlachtung der Thiere dicke Fibrinauflagerungen auf der Pleura und eine ver-hältnissmässig geringe Menge von serösem Exsudat in der Brusthöhle.
Das Krankheitsbild der fibrinösen Pleuritis setzt sich aus folgenden Symptomen zusammen; Dyspnoe, steife Haltung des Körpers; verzögerte Entleerung der Darmexkremente und des Harns; Verminderung des Appetits und Verlangsamung der Rumination. Bei der Auskultation der Lungen findet sich Reibungsgeräusoh der Pleura theils weich, Iheils hart oder knarrend. Pcrcussionsschall am Thorax im Bereiche des pleuritischen Exsudates leer und gedämpft.
Diagnose. Die Erkrankung der Pleura ist in den hier gedachten Fällen leicht nachzuweisen. Grösscre Schwierigkeiten bringt aber die Frage mit sich, durch welche ursächlichen Momente der Krankheitsfall seine Entstehung gefunden hat. In dieser Hinsicht sind zunächst die Lungenseuche und die Wildseuche in Betracht zu ziehen. Dazu kommt noch die Erwägung, dass die Pleura-Tuberkulose zuweilen eine chronisch verlaufende tuberkulöse Pleuritis mit sich bringt, wobei auch Reibungs-geräusohe der Pleura nachzuweisen sind. Soweit sich nach dem Er-gebniss der Erhebungen auf den causalen Zusammenhang der Pleuritis mit einer Lungenkrankheit nicht, schliesscn lässt, ist der traumatische Ursprung des Falles als wahrscheinlich anzusehen.
Für die Prognose ist zu beachten, dass eine auf traumatischem Wege entstandene exsudative Pleuritis nicht nothwendig zum Tode des Thieres führen muss. Es kann ein spitzer Fremdkörper in der Wandung der Haube und im Zwerchfell liegen und dann wieder in den Hohlraum der Haube zurücktreteni Denkbar ist daher, dass eine exsudative Pleuritis
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Acute HcrziusiilTioieii/. nach Ueberanstrenffunff,
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wieder abheilt und dass bei diesem Krankheitsvcrkmf das Thiei1 genesen und zur wirthschaftlichcn Verwerthung wieder geeignet werden kann. Indess hat der Thierarzt doch bei der Bcurtheilung des Krankheitsfalles auf den Kräftczustand des Thicres zu achten. Spricht das Symptomen-bild für das Vorhandensein einer schweren Erkrankung, so muss auf die alsbaldige Schlachtung des Thicres Bedacht genommen werden.
Therapie. Nur als Versuch lässl sich die Behandlung der exsuda-tiven akuten Pleuritis beim Rinde rechtfertigen. Angezeigt sind nach allgemeinen Indikationen: Die Unterbringung des kranken Thieres auf einem warmen Standorte; das Behängen des Rumpfes mit Decken; die Darreichung von Getränk aus abgekochten Kartoffeln oder Mohrrüben, sowie von gutem Rauffutter. Innerlich Neutralsalze in abführenden Dosen zur Entleerung des Darras und Entlastung des Zwerchfells. Bei vergögertera Verlaufe Kalium Jodatum im Getränk.
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C. Krankheiten der Circulationsorgane.
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Capitel LXXI. Acntc Hminsiifficicnz nach llcbcrnnstrengnng.
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Lange und schnelle Pusstransporte können auch beim Rinde die Herzkraft beeinträchtigen und selbst im tödtlichen Grade belasten. Den Interessenten des Viehhandels ist allgemein bekannt, dass gut genährte Kühe und Ochsen bei vorsichtiger Behandlung einen weiten Fusstrans-port ohne Nachtheil aushalten. Magere und ältere Thiero, namentlich solche mit mangelhaft gestellton Gliedmassen kommen dagegen beim Treiben über weite Wegestrecken leicht von Kräften. Aber auch die besser ernährten und fetten Ochsen oder Kühe erfordern, wenn sie 6 bis 10 km oder noch weiter getrieben werden sollen, eine vorsichtige Behandlung, weil sonst infolge der Anstrengung eine schwere Hcrzinsuffi-cienz bei denselben eintreten kann. Die mit ermüdenden Transporten verbundene übermässige Leistung der Körpermuskulatur steigert den Gehalt des Blutes an Kohlensäure. Hieraus geht die abnorm starke Belastung des kleinen Kreislaufs und die parenchvmatöse Degeneration des Herzfleisohes hervor.
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IjOOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dor Oiroulationsoi'gnne.
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Bei warmer Witterung in den Somincrmonaten kommt die Ueber-treibungquot; der Kinder auf einem langen Fusstransporte leichter zustande, als in der kühleren Jahreszeit. Wohlgenährte oder fette Ochsen oder Kühe, sowie junge Thierc haben oft mehrere Wochen oder Monate hindurch im Stalle gestanden, bevor sie zum Transport bestimmt werden. Solche Thiere vollführen nach dem Verlassen des Stalles zunächst durch 1^1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Debermnth lebhafte Bewegungen; sie springen umher und suchen nach
inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;den Seiten zu entweichen. Auch gehen dieselben, ohne angetrieben zu
werden, im Beginn des Transportes sehr schnell. Darauf werden die (,tnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Thierc durch rasches Führen oder Treiben bald abgearbeitet und müde;
sie können durch Erschöpfung der Herzkraft eingehen.
Symptome und Verlauf. Während des Treibens oder luihrens wollen k'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;die Thierc nicht, mehr vorwärts und werden deshalb gewöhnlich mit
kilaquo;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Schlägen bestraft. Trotzdem legen sich dieselben unterwegs nieder; sie
stehen nur ungern und langsam wieder auf. Dyspnoe mit auffälliger Bewegung der Bauchwandung und der Naseneingäuge. Pulsfrequenz gesteigert. Wenn trotz dieser Erscheinungen der Transport fortgesetzt
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wird, so treten die Merkmale der vollständigen Erschöpfung hervor:
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Anhaltendes Liegen und Unvermögen zum Aufstehen, Benommenheit
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des Bowusstseins mit mattem Blick und halb geschlossenen Augen. Starke Dyspnoe mit exspiratorischem Stöhnen. Puls 80 bis 100 in der Minute, klein und schliesslich unfühlbar. Kopfschleimhäutc venös geröthet und im letzten Stadium cyanotisch. Mastdarmtemperatur fieberhaft; erhöht.
Hat die Herzschwäche den vorbezeichneten hohen Grad erreicht, so geht das Thier unter den Erscheinungen der Asphyxie zu Grunde. Zuweilen erfolgt das Ableben schon, nachdem das Thier einige Minuten hülflos auf dem Boden gelegen hat. In anderen Fällen sterben die Thiere nach Verlauf von einer Viertelstunde bis zu einem halben Tage,
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ohne sich vorher vom Boden emporgehoben zu haben.
Section. In den Organen des Kadavers entwickelt sich die Fäulniss I Jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; schnell. Wenige Stunden nach dem Ableben des Thicres ist der Bauch
klUnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; aufgetrieben. An den serösen Häuten, sowie am Endocardium linden
Hlnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; sich als Ergcbniss der asphyktischen Todesart punktförmige und grösserc
blutige Unterlau fangen, Skeletmuskulatur mürbe, von trüber lichtrother *nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Farbe, nach der älteren Sprechweise wie gekochtquot;. In der Digcstions-
schlcimhaut Stauungsröthe. Leber, Milz, Nieren parenehymatös gell!nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;schwollen, blutreich und von weicher Konsistenz, Herz ausgedehnt, auf ^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;der Sehnittlläche trübe, grauroth und weich. In den Hohlräumen dos Herzens und in den Venen unvollständig geronnenes, schwarzrothes Blut. 11
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Acute Herzinsufficien/ nacli Ueberansti'engung.
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Lungen ödematös und blutreich. Die Schleimhaut der Bronchien und Luftröhre durch Blutcongestion geröthet, mit kleinen oder grösseren blutigen Herden besetzt. Raohonschleimhaut l)raunroth.
Diagnose. Die Erscheiiuingen der acuten Herzin.suf/icienz durch Leberanstrengung sind den Symptomen ähnlich, welche die Rinder zuweilen auf dem Transporte infolge von Schmerzerapfindung in den ölied-massen (Lahmgohen) bekunden. Besonders behindert die Verbällungquot; die durch Quetschung entstandene Entzündung der Klaiienmatrix an den Ballen und in der Sohle die Thiere oft am Weitergehen. Magere Kühe, namentlich hochtragende, erlahmen bei weiten Fusstrans-porten oft in der Muskulatur des Hintertheils (Kreuzschwäche) und können dann nur mit Mühe noch eine kurze Strecke weit langsam fortgetrieben werden. Alle Kinder, die eine mangelhafte Stellung in den Vorderoder Hintergliedmassen besitzen, besonders Thiere mit fehlerhaft geformten oder zu langen Klauen ermüden auf einem grösseren Fusstransporte meist in dem Grade, dass sie nicht mehr stehen und goheu können, sondern gefahren werden müssen. Kühe oder Ochsen, welche auf einem langen Transporte an diffuser Gastro-Knteritis oder an Lungenentzündung (Lrkältungspncumome) erkranken, zeigen sich zum Weitergehen unfähig. Auch diejenigen Kühe und Ochsen, welche im hohen Grade abgemagert oder mit einer chronischen inneren Krankheit behaftet sind, können einen langen Fusstransport nicht aushalten.
Durch die umfassende Erhebung der Anamnese und des Thatbe-standes lassen sich in concrete die vorgedachten Anlasse des Unvermögens zum Weitergehen aufklären. Dann ergieht sich auch die Diagnose der acuten llerzinsufficienz leicht.
Prognose. Nur im Beginn dor Erkrankung erholen sich die Thiere bei zweckmässigor Fliege von der acuten Herzschwäche wieder. 1st die Erkrankung dagegen so weit vorgeschritten, dass die Thiere starke Ermüdung, Depression des Bowusstseins und erhebliche Dyspnoe bekunden, so geht dieselbe tödtlich aus.
Behaiiilluag. In prophylaktischer Hinsicht empfiehlt sich, fette und halbfette Rinder, welche sich nach dem Verlassen des Stalles übermülhig zeigen und hin und herlaufen, auch beim Führen oder Treiben zu rasch gehen, in Zwischenzeiten von einer Stunde etwas ausruhen und dann langsam weiter gehen zu lassen. Diese Vorsicht ist namentlich angezeigt, wenn die Thiere 5 bis 10 km weit oder noch darüber hinaus innerhalb eines Tages getrieben werden müssen; ferner auch bei kurzen Fusstrans-porten an heissen Sommertagen. Während der kleinen Ruhepausen kann denThicren zweckmässig ein wonig Heu oder anderesPutter gereich! werden.
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;:gt;)i)2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dor Ciroalationaorgane,
Sobald sich die Merkmale der Aihembescliwcrde hervortliun, ist dor Transport mindestens eine halbe bis eine Stunde zu unterbrochen, damit die Thici'o sich erholen. Zur thierärztliclien Behandlung eignen sich Waschungen des Kopfes und des Rumpfes mit kaltem Wasser oder mit Wasser und Kssig. Adcrlass; innerlich Branntwein oder Cognac (ein Esslöflel voll in einer Flasche Wasser) oder schwarzer Kaffee (alle 10 Minuten einen Tassenkopf voll) oder Kampherspiritus in subeutanen Injectionen. Das erkrankte Thier ist in einem gut ventilirton Stall auf Stroh zu betten und häufig mit Trinkwasser zu versehen. Wenn dasselbe Appetit zeigt, so wird zwockmiissig gutes Heu oder Stroh vorgelegt.
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III III
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Oapitel LXXII.
j'inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; llerzlähinimg Paralysis conlis durch Autointoxication.
Herzschlag Apoplcxia conlis.
;#9632;#9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;#9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;#9632; #9632;
Aus mehrfachen Anlässen kann die Function des Herzens beim Kinde schnell zum Stillstand kommen. Man bezeichnet, das hierdurch bedingte plötzliche Ableben der Thicre allgemein als Apoplexia 11nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;cordisquot; oder Herzschlag.
Zum Theil ist der plötzliche Herztod (Synkope) beim Rinde die Folge von spocicllcn Herzkrankheiten: Eiterabsecss; Echinokokken im Herzfleisoh; Thrombenbildung auf den Herzklappen; Herzruptur; Verblu-Inili!!nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;tung nach Zcrreissung eines grösseren lUutgclasses. Es können ferner
schwere infectiöse Allgemeinkrankheiten das Herzfleisoh erheblich alte-riren und durch Erschöpfung der Herzkraft bald mehr bald minder unerwartet zum Tode des erkrankten Thieres führen. Zu diesen Allgemein-
#9632;Ü I 'hl
Krankheiten gehören: der Milzbrand, die allgemeine septische Infection, die Maul- und Klauenseuche, die acute infectiöse Gastro-Enteritis etc.
Eine grössere Zahl von Giften (Herzgifte) verursacht nach der Einverleibung entsprechend grosser Dosen mitunter den Tod des Thieres äj|||nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;durch Herzlämung.
$;!',nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Neben den vorgedachten Ursachen der Herzlähmung, welche als
ijlnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;bedingende Momente des tödtlichen Ausganges bei den betreffenden
Lnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten in Betracht kommen, wird zuweilen bei Kühen und Ochsen
aber nur in Ausnahmefällen bei Bullen und beim Jungvieh das unerwartete und schnelle, schlagartige Ableben durch Herzparalyse beob-
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Horaliihmung' Paralysis oordis dnrcli Antointoxloation.
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;iclitet. J'Js isl nicht selten, dass das Thier, welches sich nicht krank gezeigt und am Abend noch gut gefressen hat, am folgenden Morgen todt im Stall liegt. Aber nicht bios in der Nacht, sondern auch am Tage kann das Abieben einer Kuh durch Herzlähmung apoplektisoh erfolgen.
Die Aetiologie der hier in Rede stehenden selbstständigen llorzpara-lysis ist dunkel. Auf dem Wege dor Ausschliessung gelangt man nach sorgfältigen Erhebungen zu der Annahme, dass die physiologische Function des Herzens durch Gifte, welche aus den Organen des Körpers, violleicht aus der Darmschleimhaut stammen, zur Sistirung gebracht wird. Das schnelle Ableben des Thieres lässt sich demnach auf eine giftige Substanz beziehen, welche aus den Organen des Körpers in die ßlut-circulation gelangt und die luncrvation des Herzens vernichtet.
Symptome. Unfähigkeit zu stehen; Taumeln; Niederfallen. Krankhaftes Verdrehen der Augäpfel. Klonische Muskelcontractionen. Starke Benommenheit des Sensoriums. Erschwerte und verlangsamte Respiralaquo; tion. Unter solchen Erscheinungen sterben die Thierc innerhalb weniger Minuten und ohne erheblichen Todeskampf.
Autopsie. Der Bauch treibt nach einigen Stunden durch Gasentwicklung aus dem Futterbrei im Magen und Darm meteoristisch auf, Das Blut in den venösen Gefässen und im Herzen dunkel und unvollständig geronnen. Blutige Herde In den serösen Häuten. Blutstauung und infolgedessen geröthete Schleimhaut in einzelnen Darmabtheilen; die hyper-ämische Partie ist von der blutleren gewöhnlich scharf abgegrenzt. Leber, Milz und Nieren ohne erhebliche Veränderungen. Am Herzen findet sich ansser punktförmigen und grösseren bämorrhagischen Herden keine erhebliche Veränderung. Die Lungen enthalten viel Blut. In der Schleimhaut der Luftröhre fand ich kloine und grösscre, sogar handlange blutige Unterlaufungen. Auch die Rachenschleimhaut enthält zuweilen neben der Stauungsröthc kleine blutige Herde.
Diagnose. Bei dem durch eine selbstständige Herzparalysis apoplektisoh verendeten Rinde kann die Todesursache irrthümlich auf Milzbrand oder auf die acute Blähsucht des Pansens oder auf eine Vergiftung durch narkotische Substanzen zurückgeführt werden. Gegen diese Verwechslung schützt nur die vollständige Erhebung des technischen Thatbestandes. - Nicht begründet ist auch die Meinung, dass eine Blut-extravation im Gehirn das plötzliche Ableben des Rindes bewirkt habe. Wenigstens habe ich selbst in 8 Fällen das Gehirn mil aller Vorsicht exenterirt und untersucht, aber kein Extravat in demselben ermitteln können. Zu beachten ist bei dor Section, dass Kühe und Ochsen,
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394nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankliciten dor OlroalationsorgatlOi
auch Kftlber clurcli Strangnlatioii mittels des Halftcrstvickes unerwartet
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zu Grunde gehen können. Gegen eine Verwechselung mit dieser Todes-
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fc irnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; art schützt die genaue Erhebung der Section; es ist nicht schwierig bei
einiger Sachkenntniss die Strangulationsmarke am Halse in den be-1 #9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;treffenden Fällen nachzuweisen. Endlich ist das Herz auf das etwaige
l ;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vorhandensein eines Abscesses, einer Echinokokken-Blase, einer Ruptur
odor eines Thrombus zu untersuchen.
Pro|iliyliuis. Da bei der Schnelligkeit des tödtlichen Verlaufes eine
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kurative Behandlung der acuten Herzparalyse nicht in Frage kommen
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kann, so erübrigt grundsätzlich nur die Präventivbehandlung. Aber auch in dieser Hinsicht lässt sich keine bestimmte Aufgabe präcisiren, weil über die Natur und die Bildungsstätte des im Körper entstehenden Giftes nichts bekannt ist. Es kann daher nur im Allgemeinen empfohlen werden, die Thiere nalurgcmäss zu füttern und für die Erhaltung guter Athmungsluft in den Ställen zu sorgen.
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Capitol LXXIII. Klappenfehler des Herzens.
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Angeborene Herzfehler kommen beim Rinde oft vor. Mit denselben steht die Ausbildung einer chronischen Entzündung der Klappenapparate des Herzens (Endocarditis chronica valvularis) mitunter in Verbindung. jjiji1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Das Foramen ovale bleibt nicht selten nach der Geburt offen und zu-
weilen ist die Scheidewand der Kammern oder der Vorhöfe nicht vollständig geschlossen. Veranlagst werden solche Defekte durch die ge-^inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;hemmte Entwickelung des Herzens. Es kann aber auch während des
l|i!'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; embryonalen Lehens eine chronische Endocarditis entstehen, in deren
Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Folge Klappenfehler auftreten. Diese Zustände finden sich beim Kinde
häufiger in der rechten als in der linken Herzhälfte.
Die Insufficienz der rechten Atrio-Ventrikularklappe (Valvula tricus-pidalis) bewirkt hei jungen Kälbern in den ersten Eebenswochcn sehr oft beschleunigtes und erschwertes Athmen, wobei sicli die Munterkeit der jungen Thiere erhält. Durch die Dyspnoc kann der Verdacht entstehen, dass das Kalb an einer i'neumonie erkrankt sei. Wenn der Klappenfehler keinen hohen Grad erreicht, so kommt im Verlaufe von einigen i;.lt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wochen eine genügende Compcnsalion der Functionsstörung zu Stande.
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Klapponfolilm- dos llor/ons.
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Dagegen verlaufen die schweren Fälle tödtiioh, .sofern die Kälber nicht früh zeitig geschlachtet werden.
Kasuistik. Gorlacli (Gorichtlicho Tlüerlicilk. II. Aufl. S. 239) erwähnt einen Pali von schwerer Insaffiolenz dor Tricuspidalklappc, bei weloher das jungo Kalb munter umher sprang, aber 120 Atliom/.iigo und 180 Pulse in der Minute hatte; erster Ilcr/ton metallisch; zweiter Herzton fehlt; Venenpuls, Section: Rechte Herz-luilfte ausgedehnt. Von den Zipfeln der Tricuspidalklappe war nur einer normal, einer zu klein und der dritte bestand aus einem Netz von Sehnenladenquot;.
Chronische Endocarditis an der S emil unarklap pe des rechten Herzens mit Stenose des Ostiums pulmonale und Thrombose bei einem apoplektisch verendeten Kalbe fand Glocke-Falkenberg bei der Section (Preuss. Mitth. Neue folge. IV. Jahrg. 1879. S. 48): In der Lungenpartie an der Grenze der Somihinarklappe fand sich ein fester Thrombus, der das Lumen der Arterie bis auf eine giinsekielstarke Oeffmmg ausfüllte. Nach dem Herzen zu war die Verbindung des Thrombus mit der Arterienwand sehr innig, nach den Lungen zu da-
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Beim erwachsenen Rinde entsteht chronische Endocarditis auf häma-togenom Wege in Folge eiteriger Infection. Aber nur in vereinzelten Fällen ist der Klappenfehler so bedeutend, dass derselbe eine erhebliche Störung der Blntcirculation und eine allgemeine Erkrankung des Thicrcs herbeiführt. Audi dieser Klappenfehler entwickelt sich in der rechten Hafte des Herzens häufiger als in der linken. Pathologisch-anatoraisch ist dabei zu unterscheiden zwischen der Endocarditis valvularis verrueosa und dor Endocarditis valvularis ulcerosa. Durch beide Frocesse verliert das Endocardium seine normalen Eigenschafton. Es kann sich deshalb auf der erkrankten Klappe ein Thrombus bilden, welcher mitunter durch Behinderung der lUutcirculation eine tödtlichc Erkrankung des Thieres verursacht.
1. Insufl'icienz und Stenose am Ostiura venosum des linken Herzens. Die Entstehung dieses Klappenfehlers beruht auf einer Endocarditis valvularis chronica und erfolgt ganz allmählich. Die Zipfel und der Ring der Valvnla mitralis verdicken sich und das Heiz wird hypertrophisch.
Symptome und Verlauf. Das Thier bekundet in seinen Bewegungen eine gewisse Mattigkeit, die allmälig stärker hervortritt. Dyspnoe (Knrz-athmigkeit). Unregelmässiger und beschleunigter Puls. Blutstauung in der Jugularis. Häufiges Zähnoknirschcn. Anhaltendes Liegen. Mangelhafte Futteraufnahme und verzögerte Rumination. Darmexkremente spärlich und derb. Späterhin die Symptome der Kachexic mit (idematöser Schwellung der Suhcutis an den Gliedmassen. Die Abmagerung erlang! nach einem Krankheitsverlauf von 5 bis 10 Wochen einen so hohen
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Krankheiten der Ciroalationsovgane.
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Grad, class die Thicrc nicht mehr aufstehen können vmd zu Grunde gehen.
Kasuistik. Von Medov (Preuss. Mltth. Berlin 1879. S. 15!)) wird nutgethollt; Sechsjähriger Oclise war in 8 Wochen stark abgemagert und konnte schliessllch niolit inchr aufstehen. Kury.atlimigkeit. Nach der Tüdt\ing fanden sich Im Herzen an Stelle der Mllralklappe unförmliche Wulste, so dass die Üoffnung zwischen der Kammer und Vorkammer nur noch oino Spalte darstellte. Die wulstförmigon Auftreibungen der Klappe erschienen auf dem Durchschnitt speckig glänzend, an der Oberfläche uneben, mit koagulirlom Blut bedeckt und leicht zerreiblich.
2. Tnsufficien/ und Stenose der Klappenapparate des rechten Herzens. Viele Monate können über die Ausbildung der Endocarditis chronica valvularis in der rechten Herzhafte vergehen, bevor die betreffenden Thicre sich krank zeigen. Nicht selten findet man abnorme Zustände erst nach dem Schlachten einer älteren Kuh oder eines Ochsen, bei welchen während des Lebens keine Störung der Gesundheit gesehen war. Im Uebrigen beruht die Beeinträchtigung der Gesundheit bei den betreffenden Thiercn auf einer Beschränkung des Blutumlaufes, durch welche die Verdauung und Ernährung beeinträchtigt, Hautwassersuoht und Wasseransammlung in den Körperhöhlen (Stauungs-hydrops) herbeigeführt werden.
Als Synptome niachen sich bemerklieh: Beschleunigter arhythmischer Herzschlag; der erste Herzton ist vernehmbar, während der zweite fehlt oder durch ein unbestimmtes schwirrendos Geräusch ersetzt wird, ungenügende Fnlteraufnahme. Athembeschwerdc. Progressive Abmagerung. Struppiges Haar; harte Haut. Oedematöse Schwellung der Subcutis am Brustbein und an den Gliedmassen. Schliessllch sind die Thicrc aussei-Stande sich vom Boden zn erheben.
Bei sorgfältiger Befunderhebung ist die Diagnose dieses Herzfehlers nicht besonders schwer. Wenn derselbe zur Athembeschwerdc und Ah-magerung geführt hat, so verlohnt sich die weitere Verpflegung des Thleres nicht mehr.
Casulstik. Kad6lbaoh-Eberswalde(Beil. Th. W. 189laquo;. S. 111) hat folgenden Fall mitgctheilt. Kino Kuh zeigte im Stalle keine aiill'iilligen Kranklicitserscheimingcn, verhielt sich aber, als sie aus dem Stall geführt wurde und beim Aufladen auf einen Wagen träge und störrisch; sie spoiohello, konnte sich kaum auf den Beinen halten und taumelte hin und her. Sichtbare Schlelmhäuie stark injiotrt. Puls kaum zu fühlen. Starkes Herzklopfen und gurgelndes diastolisches Cleräusch. Am Triol, an der Brust und am Bauche ödematöse Schwellung der Subcutis. Sichtbare Venen stark gefüllt. Manchmal erfolgt Vcnonpuls. In den Stall gebracht legte sich die Kuh sofort hin und stand nicht wieder auf. Stöhnen; grosso Unruhe; Ausdruck von Angst, Mastdarmteraperatur 38,(1. Während der nächsten Stunde änderte sich dor Zustand nicht, weshalb Kadelbach die Kuh schlachten Hess.
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Geschwülste im Herzen.
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Autopsie. Die Venen der Haut mit schwarzem Blut gefttll(, Das l.interliaiil-bmdogowebo ist überall, besonders am Hals, an der Brust, am Bauch und an den Fassen mit wässerig-salzigen Massen gefüllt Bei Eriill'iumg der Korperhöhlcn ergiosst sich ungefähr l1/raquo; Eimer wässeriger, rülhlichtriiber Flüssigkeit. Der Herzbeutel mit gelblicher Flüssigkeit ziemlich gelullt. Lungen sehr blutreich, mit vielen hiimorrha-glsohen Horden durchsetzt; an einzelnen .Stollen eitrige und käsige Herde. Am Herzen eine aul'fal londo Ausbuch tung der rechten Hälfte; durch die dilatirten Wände fühlt mail eine etwa l'austgrosse Goschwulst. Nach dem Aufschneidon findet sich eine bl umonkohlartige W ucherung der Tricuspidalis, welche d as Ostinm venosum soweit verschliess t, dass nur eine spaltförmigo Ocffnnng übrig ist, in welche 2 Pingcr eingeführt werden können. Leber vergrössert, sehr blutreich; 57,5 cm lang, iiö cm breit und 10,30 kg schwer; auf dem Durchschnitt lindet sich die Muskatnusszoiclinung. Milz wenig geschwollen und olutreich. Darm blass. Netz und Gekröse mit Flüssigkeit gefüllt. Der Talg sieht weiss und schmierig aus. Die Nierenkapseln wässerig und stellenwoiso blutig inültrirt. Nieren etwas vergrössert.
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Oapitel LXXIV. Geschwülste im Herzen.
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Eine Neubildung, von welcher das Herz häufig betroffen wird, gehört zur Tuberkulose (Perlsucht). Die knotenlonnigen Krankheitsprodukte sind nach Form und Grosse verschieden. Mitunter umfassen dieselben das Herz panzerartig. Wie Schütz (Prenss. Mitth. Neue Folge. IV. Jahrg. 1879. S. 44) hervorhebt, findet die Neubildung zwischen beiden Pcricardialblättern statt. Man kann demnach an dein durchgeschnittenen Herzen folgende 4 Schichten erkennen: a) innen die Muskelmasse; b) eine gelbweisse Fettschicht (su[)rapericardiale.s Fett); c) eine dicke Lage, welche aus dem visccralcn Blatte des Herzbeutels und der Geschwulstmasse besteht; d) das parietale Blatt des Herzbeutels. Im ersten Stadium hat die tuberkulöse Neubildung am Herzen ein driisen-artiges Aussehen, später tritt stellenweise eine Vcrkäsung oder Verkalkung ein. Heide Blätter des Herzbeutels verwachsen zuweilen miteinander vollständig, sind aber gewöhnlich mir durch fibröse Stränge (Pseudo-ligamente) miteinander vereinigt.
Das Sarkom und insbesondere das Rundzcllensarkoin entsteht im Herzen beim Rinde oft, erlangt aber nach den Erfahrungen der praktischen Thiei'heilkundc selten einen so hohen Grad, dass es die Gesundheit des Tbieres beeinträchtigt. Ich seihst habe 6 Fälle kennen gelernl
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MiJHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dor Circulationsorgano.
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bei Kühen, welche nicht krank waren und wegen Lungenseucheverdacht gesohlaohtet wurden. In sämtutliohen Fällen oonstatirte ich das klein-/eilige Sarkom. Die Geschwulst fand sich zum Theil an einem der Vor
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liefe, zum Thoil auch in der Wandung der Ventrikel. Es licss sich
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nachweisen, dass die Entwicklung derselben an der ilerzbasis ihren An-
i inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;fang genommen hatte.
i,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Aetiologie der Sarkome ist bislang nicht sicher aufgeklärt worden.
1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vieles spricht aber dafür, dass diese Geschwulst auf dein Wege der In-
fection ihre Entstehung findet. (Vcrgl. S. 320.)
[ , Symptome. Es ist wahrscheinlich, dass, wenn das Sarkom allmälig
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einen grösseren Theil der Herzmukulatur ergriffen hat, die Blutcircula-tion behindert wird und üyspnoe mit Abmagerung bei dem betreffenden Tiiiere eintritt. Indessen habe ich einen solchen Krankheitsfall nicht sebst beobachtet, auch fand ich in der Literatur keine speciellen Mittheilungen darüber. Die Diagnose des Herzsarkoras dürfte aber auch in den vorgedachten schweren Fällen am lebenden Thicre nicht zu stellen sein. Es würde sich höchstens ein chronisches und unheilbares Herz-iri leiden nachweisen und erst durch die Section die Natur des Leidens feststellen lassen...... In oinoiu Falle constatirte ich das Herzsarkom bei einer
f Tnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;apoplektisch verendeten Kuh. (Vergl, S. 322.)
I 1
; i|nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;-------------
Oapitel LXXV. #9632;,,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Spontane Ruptur des Herzens.
inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;----------
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Eine selbständige Zeneissung der Wandung einer Herzkammer oder eines Vorhofes mit Erguss von Bluu in den Herzbeutel tritt ein, wenn
f*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ein Theil der lierzwand durch eine chronische, fibröse Entzündung de-
ii quot;#9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; struirt ist. Hierdurch entsteht eine Verdünnung und Aussackung der
k^jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; betreffenden Partie (Aneurysma cordis partiale), so dass die Wand dem
lii^lnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Innendruck des Blutes keinen genügenden Widerstand mehr entgegen-
setzt. Dieselbe Wirkung kommt auch dadurch zu Stande, dass ein Theil
f;:jjlnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;der Herzwand der Erweichung (Myomalacie) anheimfällt. Ebenso kann
die Entwicklung eines Echinococcus im Herzen eine Atrophie und dem-
|i'|inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nächst eine Ruptur der lierzwand verursachen.
1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Das aus dem Kiss in der Herzwand oder im Vorhol' sich ergiessende
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-'#9632;#9632;!
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Blut füllt den llerzbeulel vollständig. Der Blutverlust Ist aber nicht so
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.Spontane Huphir der Venen oder Arterien.
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gross, (lass das Thier deshalb zu Grunde ginge. Der Tod, dor inurior schlagartig (apoplccktisch) erfolgt, muss vielmehr darauf zurückgeführt worden, dass das Herz in Folge der Ruptur gelähmt und funetions-unfähig wird.
Die Diagnose der in jedem Falle tödtlich ausgehenden spontanen Herzruptur ist nur durch die Section festzustellen. Dabei kommt aber in .Betracht, dass eine tödtliche Blutung in den Herzbeutel auch zuweilen dadurch entsteht, dass ein scharfer Körper von der Haube durch das Zwerchfell und den Herzbeutel in die Wandung einer Herzhammer oder Vorkammer dringt oder die Kranzarterie verletzt. Diese traumatische Blutung aus dorn Herzen wird in den Kapitel der inneren Verwundungen eine Erwähnung finden.
Kasuistik. 1, Kruokow (Treuss. MiUli. Berlin 1897. S, 47) seoh'te eine Kuh, welche sich während des Lebens etwas karzathmlg gezeigt halte und plötzlich gestörten war. Der Herzbentel enthielt 4 bis 5 Liter Blut. In der Seitenwand der rechton Kammer befand sich ein Iliss, durch den Blnt in den Herzbeutel gelangt war.
-2. Eine Kuh starb plötzlich auf der Weide, ohne vorher Krankhcitserscheinun-gen gezeigt zu haben. Bei der Section fand Ilathke-Pyritz (Prcuss, Mitth. Berlin 1879. S. 4(1) in der Seitonwand dos linken Ventrikels eine Echinococcusblase von IHihnereigrösse, neben wolchor die Wandung dos Herzens mir noch die Dicke einer stumpfen Messerschneidequot; besass und zerrissen war.
;i. Drosse (Preuss. Mitth. 1868. S. 156) ermiitolto bei einer zwei Tage nach dem Kalben verendeten Kuh eine Blutung in den Herzbeutel, welche durch Erweichung und Ruptur der rechton Ventrikelwand herbeigeführt war. Auf der Mitte der rochton Kammer war die Wand im Umfange von etwa einer Wallnuss in eine amorphe, krümelige, gelblich braune Masse verwandelt. Die Degeneration erstreckte sich bis zum Endocardium, welches eine federkiclstarke üeffnung enthielt. Durch letztere hatte sich das Blut in don Herzbeutel ergossen.
4. Spontane Ruptur der Arteria coronaria. Ein hochtragendes Kind ging nach kurzen Krankheitsorscheinungen plötzlich zu Grunde. Section: Pralle Füllung des Herzbeutels mit geronuonem Blut. Der Ast der linken Kranzarterie, welcher in der linken Liingsfurche verläuft, zeigte eine kauirr für die Sonde passir-barc Ruptur (Müller-Diirkhoim: Woch. für Thierh. und Viehz. 1900. S. 166).
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Capitol LXXVI. S|raquo;ontane Ruptur der Venen und Arterien.
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Seltener als das Pferd geht das Rind durch Verblutung aus einem spontan zerrissenen grösseren ßlutgefässc zu Grunde. Gewöhnlich handelt es sich um die Ruptur einer grösseren Vene oder Arterie in der
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Krankheiten der Ciroulationsoi'gane,
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Bauchhöhle. Von fiussoron Ursachen kommen vorzugsweise das Niederstürzen der Thiere sowie der Druck des Fötus beim Gebären der Kühe in ßetraclit.
In der Literatur sind mehrere durcli Verblutung in die Bauchhöhle
bewirkte Tudesfälle bei Oc.iisen und Kühen mitgotlieiit worden, wobei durch die Section das zerrissene Gefäss nicht zu ermitteln war.
Oasuislik. Kine vlorjtlhl'igo Kuli korinle nicht gebären, weil das Kalb mit seitwärts gcballenom Kopf in den Geburlsweg godrängl war. Ich enUvickeltc die Gebart leiclit. (Ileich darauf zeigte die Kuh noch niclils Krankhaftes. Aber eine Viertelstunde später traten die Merkmale der Vorblutung ein; Die Kopf-sclileiiubäute erblassten. Puls uululilbar. Unvermögen zu stehen. Futter und Getränk wird versagt, Nach weiteren 7 Minuten verendete die Kuh. Bei der von mir eine halbe Stunde später ausgeführten Section fanden sich gegen 12 Liter geronnenen dunkelrotlieu Blutes in der Bauchhöhle. Ks gelang mir aber nicht, das zerrissene Gefiiss aufzufinden, ans welchem sich die Kuli verblutet hatte.
bandel (llering's Kep. Bd. 15) sah in einem Falle eine Kuh nach der mit Krfolg behandelten Scliwcrgeburt zu Grunde gehen. Es fand sich eine grosse Menge Blut in der Bauchhöhle, aber das zerrissene Gefäss Hess sich nicht ermitteln. Dagegen oonstatirte So3'bold (llering's llep. Bd.47) bei einer Kuh, welche eine Viertelstunde nach der Geburt durch Verblutung einging, einen Kiss in der hinteren Ilohl-vene.
Werner-Ottweiler (Preuss. Mitth. 1854. S. 86) berichtet, dass bei einer während der Geburt durch Verblutung eingegangenen Kuh die linke innere Samenarterie zerrissen war.
Die spontane Ruptur der hinteren Aorta mit Verblutung in die Bauchhöhle ist, soweit leb der Literatur entnehmen konnte, bisher nur in wenigen Fällen constalirt worden. Sie findet ihre Ursache darin, dass die Aorta atheromatös erkrankt oder durch die Entwickcinng einer Geschwulst in ihrer Wandung degenerirt ist.
Symptome. Der hier gedachte Verblntungstod kommt sehr schnell zu Stande. Das Thier, welches sich bis dahin nicht krank gezeigt hat, bekundet: Allgemeine Schwäche; Anämie der Kopfsclilcimhäute; harter und unfüiilbarcr Puls: pochender Herzschlag; Dyspnoc; Unvormögcn zu sieben und klonisehe Krämpfe in den Streckmuskeln mil Verdrehen der Augen.
Für die Sections-Diagnose ist zu berücksichtigen, dass eine lödtlichc Blutung in die Bauchhöhle auch durch Verwundung oder durch Ruptur eines Organs erfolgen kann, und dass bei erwachsenen Rindern die Verblutung in den Herzbeutel und in die Brusthöhle zuweilen durch eine innere Verwundung entsteht.
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Herzabsoess,
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Oapitel LXXVH. Herzabscess,
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Die akute Ent/.ütidung- des Herzmuskels erstreckt sich auf alle Abtheile dos Hersstleisohes und wird bei manchen Vergiftungen, sowie bei schweren Infektionskrankheiten dos Kindes beobachtet, Sie kennzeichnet sich als Myocarditis paren-chymatosa s. degenerativa. im ersten Stadium dieser Herzkrankheit ist das Herzfleisch von schlaffer Consistenz und auf der Schnittfläche trübe und graurolh. Später tritt Verfettung ein, aber niemals eine Eiterung.
Aussor dieser pareiichyiiaatöseii Erkrankung des iler/ons koraml beim Kinde eine tlieilweise Entzündung des Ilerztioisches (Myocarditis partialis) vor als Folge der Embolie eines Capiliargciässcs der Kranzarterie. Die der partiellen Herzentzündung vorhergehende Allgeinein-krankheit Ist pyämischer oder septischer Natur. Die Verstopfung des kleinen arteriellen üofässes verursacht einen liämorrhagisclicn Infarkt, welcher die Nekrotisirung des betroffenen Herzstückes herbeiführt. Wenn das Thiel' nicht infolge der primären pyämisclien oder septischen Allgemeinkrankheit (septische Gebärmutterontzüiulung gangränescirende Phlegmone der Unterhaut etc.) zu Grunde geht, so entsteht in der Umgebung des nekrotischon Herdes eine dissecirende Entzündung mit Eiterung und Abkapselung.
In vereinzelten Fällen entwickelt sich aus dem embolischen Entzündungsherde im Herzen eine diffuse Herzbeutelentzündung,
Die hier gedachten embolischen Herde im Herzen erreichen gewöhnlich nur den Umfang einer Hasel- bis Wallnuss. Mitunter entstehen auch mehrere erbsen- bis bohnengrosse Abscesse, oder es kommt an zwei Stellen (gewöhnlich in der Wand des linken Ventrikels) je ein Eiterherd zur Ausbildung.
Die Herkunft des mit der Blutoiroulation in das Ueiv, gedrungenen Eitererregers ist nicht immer zu ermitteln. Gewöhnlich liegt zwischen dem ursprünglichen Eindringen von Eiter in die Blutcirculaüon und der Feststellung eines Horzabscesses eine so lange Zeit, dass sich über das primäre Leiden nichl einmal eine Vermulhung aufstellen lässt. Auffallend ist auch nicht, dass ein kleiner Eiterherd in den inneren Organen beim Rinde keine Störung der Gesundheit bedingt.
licini Kinde findet sicii nicht selten, dass durch die Haube und das '/weichloll, sowie durch den llorzbeutel ein spitzer Körper eingedrungen, und dass durch diese Verwimdang neben sonstigen Veründernngen auch ein E/iterabsoess im Herzen zur Ausbildung gelangt ist. Diese Ait der Abscossbiltlung soll Im Zusammenhange mil der inneren Verwundung bosproohen werden.
Diookorlioff, Spec Patliologie u, Xhocaple. II, minbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; gt;{
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402nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten ilor Oii'onlatlonsorgane.
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Symptome. Kleine Eiterherde von Bohnen- bis Wallnussgrösso im licrzen werden zuweilen nacli dem Schlachten von Kühen oder Ochsen gefunden, welche sich nicht krank gezeigt haben. Auch ein wallnuss-grosser Herzabsoess bedingt nicht immer eine augenfällige Störung der
nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gesundheit bei dem Thicrc. Wenn aber der Herzabsoess diesen Umfang
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überragt, dann kann die Blutcirculation eine Schädigung erleiden. Meist,
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erfolgen die Erkrankung des Thieres und der todtliclie Ausgang des Leidens schnell und zwar innerhalb eines Tages. Als Erscheinungen finden sich: Blutstauung in den Venen mit krankhaftem Venenpuls in der Jugularis; Dyspnoe; frequenter und arhythmisolier Puls; Appetitmangel und allgemeine Ermüdung; exspiratorischc Klagelaute (Stöhnen).
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Soweit nicht die Schlachtung des Thieres stattfindet, geht dasselbe durch Asphyxie zu Grunde.
Section. Bei dem selbständigen Herzabscess ist der Herzbeutel ge-
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wöhnlich nicht miterkrailkt. im Stadium seiner Entstehung hat der embo-
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141nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; lische Entzündungsherd im Herzlleisch unregelraässige Conturen und eine
*nbsp; nbsp;i it
lquot;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;scharfe Abgrenzung von der gesunden Umgebung. Durch die matte ver-
,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; waschene, graurotheFärbung giebt sich die Mortification des ilerzlleisches an
I1';nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; dem Herde zu erkennen. Nach einer bis zwei Wochen lindot sieh der nekro-
' tj,
raquo; '#9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;tische Herd noch mit der gesunden l.'nigebung im Zusammenhang. Da-
^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;bei ist aber die in der- Ausbildung befindliche Uinkapselung deutlich er-
kennbar. In den späteren Stadien enthält der Abscess inir weissen,
| l|nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;rahmartigen Eiter und im weiteren Verlaufe kann die Kapsel verkalken.
Eine grössere Zahl von kleinen Eiterherden im Herzfleisch wird in vereinzelten Eäilen zufällig bei Kühen ermittelt, bei welchen mehrere Monate oder ein Jahr vorher eine pyämische Allgeincinkrankheil, beson-
iii*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;dors eine decubitale Zerstörung der Subeutis an einzelnen Körperstellen
''!#9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;iinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;#9632; t
[,l!nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; vorhanden gewesen ist.
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Die Diagnose des tlerzabscesses lässt sich am lebenden Thiere nicht
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begründen. Selbst in den Fällen, in welchen sich eine schwere Störung der Blutcirculation mit Lungenödem einstellt, gestattet das Symptomenbild nur die Schltissfolgerting auf das Vorhandensein einer tödtlichen Herzkrankheil.
raquo;it'jj'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kasuistik. 1. hn Jahre 1885 seoirte ich oino soohstjährigo Kuh, welche uner-
wartet unter rlon Zufällen einer starken Dyspnoe erkrankt und deshalb geschlachtet war. Ich land einen Abscess von der Grosso eines IHnteneies In dor Wandung der Unken llor/karmner. Dersolbo war aus einem embolisolion Infarkt entstanden. Das infarcirto und nekrotisch gewordono Stück dos I-Ierzfleisohes stand mil der gesunden Umgebung an mehreren Stellen nooh In Verbindung. Im Uobrigon war die Entwicklung der bindegewebigen Kapsel dos Abscesses doutlieh erkennbar. Düngen öde-malös inliltrirl.
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Hoi'übeutelentztlndunu;. Pericarditis,
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2. Uoesenrotli-Gulirau (Preuss. JMUii. 1854. S. 79) fand bei der Soctiüii oinor Kuli, welche nie krank gowosen und plötzlich gestorben war, oinon gänsoci-grossen Abscess in cler Wand der linken Ilerzkainnier. Der Abscess füllte den Ifolil-raum der linken Kammer zum grossten Tlieil aus; er war niclit vollständig geschlossen lind enthielt, wie sich beim Aufschneiden ergab, einen dicken, milchweisson, geruoli-losen Eiter. An der ausseien Fläche des linken Ventrikels halte der Abscess eine runde Form und einen Durolimossor von etwa 8 cm. Audi ragte derselbe über die rmgobung etwas hervor.
13. Von Lebnhardt-Bolzig (Treuss. Alitth. I860. S. 168) ist folgender Fall mitgetheilt worden. Eine zum vierten Male (ragende Kuh Oldonbiirger Hasse hatte seit 3 Monaton sich schlecht genährt, wonig gefressen and gehustet. Darauf plötzlich heftige Erkrankung mit, Unruhe und sehr beschwerlichem Athem. Tod an demselben Tage. Autopsie: In der Scheidewand dos Herzens ein grosser mit dickem, geruch-losom Eiter gefüllter Abscess. Der Eitersack hatte die Grosse einer kleinen Kegelkugel. Die Scheidewand der Kammern war bis auf eine seh wache Haut geschwunden. Ilevzumfang etwas vcrgrösserl.
4. Roll (Lehrb. der Path. u. Ther. ,r). Aufl. Bd. II. S, 307) hat angegeben, dass in der Sammlung zu Wien ein Kindorhcrz mit einem etwa hülineroigrosson, in die Herzhöhle hinein geborstenen Abscess der Scheidewand der linken Kammerquot; auf-ifestellt sei.
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Oapitel LXXVUl. Herzbeutelentzündung. Pericarditis.
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Immer mehr hat seit einigen Jahrzehnten die Meinung der älteren Autoren, dass beim Rind die exsiuladve Entzündung des Herzbeutels durch Erkältung verursacht werden soll (Fericarditis r/ieumafica), an Anhängern eingebtisst, Es ist auch niclit gut einzusehen, dass heim Rind die Wirkung der allgemeinen atmosphärischen Einflüsse oder die Zugluft im Stalle eine Herzbeutelentzündung hervorrufen soll. Die genaue Ob-duotion solcher Rinder, die an acuter oder chronischer Pericarditis erkrankt und gestorben oder als unheilbar getödtet sind, hat ergeben, dass fast immer die Verwundung des Herzbeutels durch einen von der Haube in die Brusthöhle geschobenen Gegenstand die Krankheit zur Folge hat (Pericarditis fraumatica).
Nicht ausgeschlossen ist aber, dass ein embolischer Herd im Herz-(leisch der eiterigen Einsehmelzutig anheimfällt und dass hierdurch eine diffuse Entzündung beider Blätter des Herzbeutels mit Anhäufung von trüber eiteriger Flüssigkeit in letzterem zur lintwickekmg komm!. Dabei vergrossert sich der Herzbeutel durch Zubildung von Bindegewebe und
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404 Krankheiten dot Digestionsovgane und dos Herzens infolge Verwundung,
das Hoi'/ bedeokt siali an der Obcrlläoho mit knotigen und warzigen Vordickungen.
Die Symptome stimmen mil dem gewöhnlichen Krankheitsbild der Lraumatischen Pericarditis und entzündlichen Horzbeutolwassersucht überein. Demnach lässt sich am lebenden Thiere wohl der Hydrops -peri-cardii inftammatorms diagnosticiren; aber es kann erst bei der Obduc-tion entschieden werden, dass die Herzbeutelentzünnung nicht traumatischen Ursprungs ist. Auch darf in dieser Hinsicht nicht aussei- Acht bleiben, dass als Merkmal der inneren Verwundung sich mitunter nur die Verwachsung zwischen Haube und Zwerchfell findet, während der scharfe Körper zurückgetreten und nicht zu linden ist.
Die Prognose ist ungünstig.
(asiiistik. In den Preuss. Mltth, XX. Jahrg. 1873. S. 156 findet sich folgender Bericht: Eine gut geniihrte hochtragende Kuh liolüindischer Rasse erkrankte plötzlich sehr heftig. Starkes Fieber. Puls klein, hart, aussetzend. Zittern an der Schultor. Kespiration wenig vermehrt. Oedomatöso Schwollung im Kehlgang und am Triel. Später beschleunigte Respiration mit leichtem Stöhnen. Plätschernde Ilerzgoräusche. Tod am 15. Krankheitstage,
Section: Herzbeutel mit trüber, llockiger, gelblicher, übelriechender Flüssigkeit vollständig gefüllt. Pas Herz durch lingordicke bindegewebige Entartung des serösen Ueberzuges vorändert und an der ganzen Oberfläche rauh wie Wollequot;. Bei der gonauesten Untersuchung sowohl aller Brustorgane und dos Zwerchfells, wie auch der Magonabtheilungen waren nirgends Spuren eines Fremdkörpers zu entdecken.
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D. Krankheiten der Digestionsorgane und des Herzens infolge Verwundung durch verschluckte
Gegenstände.
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Capitol LXXIX.
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Seiner Organisation entsprechend orgreift das Rind sowohl im Stalle wie aul der Weide mit der Zunge das Futter in grössoren Bissen, welche nacli unvollständigem Zerkauen horabgescliluckl, werden. Sobald der Bissen bis zum Grunde der Zunge gelang! ist, erfolgt das Schlucken autonoatisoh, Die (Jeberführung eines mit dem Bissen orfassten scharfen motallischon Gegenstandes in die Speiseröhre und weiter bis In die Haube
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Traumatisoho ISnteiindnng oler Zungo, dos Rachens und dor Speiseröhre, 406
kann (lemnadi erfolgen, ohne class diu Sohloirahaut der Maul- oder Raohenhöhlo vorletzt wird. Selten verursacht der scharfe Körper eine Verwundung der Zunge, der Backe oder des Rachens und noch seltener ereignet sich die Verletzung der Speiseröhre.
Begiinsigt wird das Verschlucken des scharfen Fremdkörpers durch die Gier, mit welcher gesunde Kinder das Fuder zu ergreifen pflegen. Die Thiere fressen oft aus Futterneid mit iihergrosser Hast, wenn sie mit anderen Hindern auf einer üppigen Kleeweide sich belinden, oder wenn ihnen in einer gemeinsamen Krippe das Futter vorgelegt wird. Am hantigsten werden verschluckI: Haarnadeln oder ein abgebrochener Schenkel derselben (halbe Haarnadelquot;), Stopfnadeln, Stricknadeln, Nähnadeln, grosse Knopfnadeln, ferner Dralitni'igel oder flugerlange Stücke von Eisenblech. Es können aber auch kurze Nadeln und Nägel, sowie kurze oder lange Messer, Fssgabeln, ilolzsplittei, Fischbeinsonden und sonstige Gegenstände mit dem Futter in die Haube und in den Pansen gelangen. In den grösseren WirthschaCtcn, in welchen die Kühe und Ochsen durch männliches Personal gewartet werden, ist die Gefahr, dass scharfe Fremdkörper in das Futter gerathen, weit geringer, als in den kleineren Gehöften, in welchen die Fütterung der Thiere durch Frauen oder Mägde geschieht.
Die Verwundung durch einen mit dem Futter aufgenommenen scharfen Körper verursacht beim Rinde selten eine acut verlaufende Entzündung des verletzten Organs. In der grossen Mehrzahl der Fälle hat die traumatische Entzündung der inneren Organe einen chronischen Verlauf. Wesentlich ist hierbei, dass in dem verletzten Organ sich um den Fremdkörper eine derbe, bindegewebige Kapsel bildet. Wenn eine solche Dissection des Fremdkörpers oder des durch ihn verursachten Eiterherdes nicht erfolgt, so kann eiterig-jauchiges Krankheitsproduct zur Resorption gelangen und zur metastatischen Erkrankung entfernter Organe An lass geben.
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Capitel LXXX.
Traumatische Entzündung der Zunge, des Rachens und der
Speiseröhre.
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I. Verletzungen der Zunge durch eine mit dem Futter aufgenommene Stopfnadel oder Nähnadel oder Knopfnadel kommen beim Rind nur selten vor. Die mit dem Bissen aufgenommene Nadel muss beim
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406 Krankheiten der Digeslionsorgane unH Hes Herzens infolge Verwundung,
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Kauen mit der Spitze iiacli iiiilen und gegen die Seitonwand der Zunge geriobtot sein, wenn sie eine Verletzung hervorbringen soll.
Symptome. Putteraufnahvne ersohwort oder ganz unterbroohen infolge der Schtnerzempflndung in der Zunge. Das Thier zeigt Appetit, und ergreift auch woid ein wonig Fuller, um es nach geringfügigem Kauen liinalizuseidiicken. Meist aber lässt es dasselbe wieder aus dem Maule fallen, Speicheln aus dem Maul; Widerstreben gegen die Untersuchung
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desselben, so dass zur Auffindung des Fremdkörpers die Application
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eines Maulgatters erforderlich wird. I.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rehamlluiig. Nach zweckmässiger Fixirung des Kopfes gelingt es
meist ohne Schwierigkeit, den spitzen Gegenstand mit den Fingern zu ergreifen und zu entfernen. Nur selten wird der Thicrarzt die Stichwunde erweitern müssen, um die Nadel mit einer Kornzange hervorzuholen,
H
|inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 11. Der Verwundung des Rachens durch einen scharfen Körper
iiunbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; wurde bereits Seite 363 bei der Diagnose der Halsbräune gedacht. Es
ist gewöhnlich eine lange Nadel oder ein Stück Draht mit scharfer raquo;i*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Spitze, oder ein Holzsplitter, seltener ein anderer Gegenstand, der beim
Schluckacl sich in die Kachenwand einbohrt und eine heftige Entzündung des Rachens und der umgebenden Theile veranlasst.
Symptome. Aongstlicher Habitus; gestreckte Kopfhaltung; öfteres
Husten, besonders nach dem Versuche der Futteraufnahme. Angestrengtes
#9632; 'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Athnien mit giemenden inspiratorischen Geräuschen. Schmerzhafte und
öderaatöse Schwellung der Haut und Unterbaut in der oberen Halspartie, t lt;,;,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Unvermögen zur Futteraufnahme und Rumination, Einfallen des Bauches.
raquo;tinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pulsfrequenz,
Der Verlauf dieser Erscheinungen ist ungleich. An einzelnen Tagen
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kann das Thier etwas (Jetrank aufnehmon, an anderen nicht. Nach 68 Tagen wird die Geschwulst unterhalb oder neben dem Kehlkopf grosser.
Zur Behantllung ist die Geschwulst mit einem langen und tiefen Schnitt zu öffnen und die Wunde mit dem Finger zu untersuchen. Dabei raquo;njnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; findet sich der scharfe Körper, welcher verhältnissinässig leicht mit einer
raquo;rraquo;'.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pincette hervorgeholt werden kann. Die weitere Behandlung der Wunde
geschieht nach allgemeinen chirurgischen Regeln.
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(asnistik. 1. Borgemami (Mettmann) Mag. f. d. ges. Thierheilk. 21). Jahrg. S. 40!) behandelte eine 7 Jahre alle Kuh, welche Husten, Athembescliwevdo und
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starke Anschwollung am Ifalso zeigte. Am 13. Krauldieitstage schnitt B. die köpf-i^ross gosclnvoller.o Partie des Halses an der rechten Seile unterhalb der Schilddrüse auf. Aus dor Tiefe der Wunde wurde eine lange Nahnadel (Sacknadel) mit Faden hervorgezogen. Die Wunde verheilte in 10 Tagen,
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I $..lt;gt;!
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Trumatisohu Knl/iiiulniig des Pansens
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2. Schell (Prouss. Millheil. Horl. 180!). S. la.V) berichtet über einen Fall, In welchem sich an der rechten Ohrdrüse eine Geschwulst bildete, die nach 3 bis 4 Wochen aufkam, worauf eine Stopfnadel aus der Höhle hervorgezogen wurde. -Bei einem anderen Kinde, welches infolge Hachenaffection geschlnchtet wurde, fand Schell (ibidem S. 130) eine grosse Nähnadel im Sohlundkopl',
8. Von Sehrador (lJr. Mitllieil. 185!). S. 186) ist berichtet worden, dass bei einem Rinde etwa 3 Monate nach der Verwundung unter der Unken Ohrdriiso eine Gescliwulst entstand, die nach einiger Zeit gcölfnet werden konnte. Nach Kntleorung dos Eiters wurde eine dicke Stopfnadel hervorgeholt. (.Hatte Heilung.
4. Sauberg (Cievc) Prenss. Mitth. Berlin. 1808. S. L08 enviilmt einen Fall, in welchem der verscliluckte Fremdkörper in der Nähe des Kehlkopfes zum Vorschein kamquot;.
III, Eine \ crwuiulung der Speiseröhre durch einen verschluckten scharfen metallischen Körper ereignet sich sehr selten. Ich habe nur einen Fall beobachtet, in welchem eine alte Kuh eine scharfen Holzsplitter aufficnommen hatte, der in der Mitte des Haisos in der Speiseröhre stecken blieb und eine penetrirende Wunde derselben verursachte. Die Kuh, welche die Symptome der Verstopfung der Speiseröhre äusserte, musste als unheilbar getödtet werden. Gurlt (Path. Anatomie S. 138) citirt eine Mittheilung aus der dänischen Literatur, nach welcher bei einer Kuh ein Stück Kisendraht im Schlünde stecken geblieben war. Die Kuh litt an Tympanitis, welche aufhörte, als der Schlundschnitt gemacht und der eiserne Draht entfernt war.
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Capitel LXXXI. Traumatische Giitzunduiiquot; des Pansens.
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In den Pansenmagen gelangen die verschluckten Freindkörger nicht immer; meist bleiben dieselben im Hanbenmagen liegen. Sie schieben sich aber zuweilen auch in den Pansen und verbleiben daselbst längere Zeit. Nägel, die eine Verletzung nicht bewirkten, habe ich in manchen Fällen bei der Durchsuchung des Panseninhaltes gefunden.
Bergemann (Mettmann) berichtet im Mag. f. d. gcs. Thierheilk. Jahrg. 2f). S. 405, dass bei einer zum Sehlachten verkauften und geschlachteten Kuh iin Magen ein Tranchirmesser sich gefunden habe, welches der Besitzerin 3 Monate vorher abhanden gekommen war. Die Kuh hatte von dem Tranchirmesser keinen Nachtheil gehabt.
Kleine Verletzungen, welche durch den Frempkörper in der Schleimhaus dos Pansenmagens entstehen können, sind nicht nachthoiliff für die
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4()H lirankheiton der Dig'estlonsot'g'ane und Hos Mei'isens infolge Verwundung.
LTOsuiidheit des Tbieros. Eine penotril'onde Wunde führt abci' zur Entzündung des Bauchfells und meist auch zur Verwachsung des Pansens mit der Bauchwand. Die Verwachsung kann sich auf eine Länge von 3040 cm und eine Breite von 1525 cm erstrecken. In der verwachsenen Parlie kommt zuweilen ein Eiterabscess von Faustgrösse und darüber zur Ausbildung; oder es entstellen mehrere Abscesse neben-oinander. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass aus dieser Verletzung eine diffuse chronische Bauchfellentzündung hervorgeht.
Der Fremdkörper kann aus der verletzten und entzündeten Partie des Pansens zurücktreten und bei der etwaigen Section des Thieies unauffindbar sein.
Sympiome. Mangelhafte Futtoraufnahme und häufiges Aufblähen des Pansenraagens. Erschwertes Athmen mit Aeusserung von Schmerzempfin-dnng (Stöhnen). Verzögerte Darmentleerung; zeitweise Ausscheidung von breiförmigen Excrementcn. Zunehmende Abmagerung, struppiges Haar und harte Beschaffenheit der Haut. Das Thier liegt viel und kann sich nur schwer vom Boden erheben. Puls beschleunigt, später klein und hart. Mastdarmteinperatnr zeilweise fieberhaft erhöht. Zuletzt ist das Thier unvermögend zu stehen.
Der Verlauf erstreckt sich auf 12 Monate. Die Krankheit kann noch länger dauern, aber in der Hegel wird das Thier früher als unheilbar erachtet und getödtet.
Die Diagnose ist vor dem Ableben des Thicres nicht zu motiviren. In dem von mir selbst beobachteten Krankheitsfalle konnte ich nur auf das Vorhandensein einer unheilbaren Krankheit des Pansens oder der Haube 'schliessen. Sicheren Aufschluss kann erst der Sectionsbefund geben.
('asulstik. 1. Unter den Ersohoinungen einer Dyspepsie mit liäufigcm Auf-Miilicn war eine siebenjährige Kuh seil 4 Wochen krank. Dieselbe wurde mager und hinfällig, lieferte llt;eine Milch mehr und war schliesslich aussei- Stande zu stehen. Der Besitzer überwies das Thier als abständig der Abdeckerei. Bei der von mir ausgeführten Section fand sich der Pansenmagen hinter dem Zwerchfell mit der Bauob-wand fest verwachsen. Die verwachsene Partie war 31 cm lang und 17 cm breit, die Wand des Pansens stark verdickt. In der nächsten Umgebung erschien das Peritoneum verdickt und entzündlich gerotbet.
2. Aus Prozessacten habe ich folgenden Fall kennengelernt. Eine sechsjährige Kuh erkrankte nach dem Kalben. Abmagerung. Verringerung der Milchsecretion. Erschwertes Aufstehen. Schliesslich das Bild der Kachexie. Das Thier starb nach 2 Monaten. - Autopsie; Grosse Abmagerung. Zwischen dem Pansen und der Bauchwand an der linken Seite fanden sich mehrere kopfgrosse Höhlen mit eiterigem Inhalt. Die Wandung der Abscesse war 0,11,5 cm dick. Daneben bestanden perl-toncale Verdickungen am Zwerchfell, an der Leber und Milz.
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TrauniatiscliR Enlzündnn;;' Hos Pansens.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 400
3.nbsp; nbsp;Faller (Preuss. Mlttli. Berl. !laquo;;)'.. S, 183) boriolilet: Gine Kuli erkrankte
naeli dorn ersten Kalben üeberlial'i; sie wledoi'kauto unvollstftildlg und war etwas aurgetrieben. Nach melirwochontlicher Behandlung erfolgte die Seh lach lung. Bei der Autopsie fanden sich äussorlich am Pansen und an dor Haube (i Kilersilclie von der Grosse einer Faust bis zu der eines Kindskopfesquot;.
4.nbsp; nbsp;Oeinlor (Preuss. Mitth, \H7(gt;. ü. 105) fand bei der Section eines Ochsen, welcher seit (i Monaton an Verdauungsstörung gelitten und wegen zuneluuender Abmagerung geschlachtet war, die ganze linke Bauchwandquot; mit dorn Pansen durch straffes Bindegewebe fest verwachsen. In Her rcrwachsenou Partie wurde ein grosser vielfach gclhoilter und mil dünnflüssigem übelriechendem Hiter gefüllter Abscess nachgewiesen. Die Wandung des Abscesses war knorpelluirt unH ungleich, bis y.u lö cm dick.
Dass diese Verwachsung durch innere Verwundung bedingt gewesen sei, hat Oemler /.war nicht angegeben, scheint mir aber sehr wahrscheinlich.
Nur wenige Fülle sind über eine penetrircmlc Verwundung des Pansens und der Bauohwaud in der Literatur mitgethoilt. Dass ein spitzer und langer Fremdkörper nacli der Lunge und ausnahmsweise nach der rechten Seile durch das Zwerchfell und die Rippenwanduag nach aussei! vordringen kann, ist oft beschrieben und von den meisten in vieljähriger Landpraxis beschäftigten Tliierärzten einige Male gesehen werden. Wenn aber schon das Verschlucken eines 80 ein langen Gegenstandes nicht: oft vorkommen dürfte, so ist die Gegend der Bauchwand, an welcher die pene-trirende Wunde entsteht, nicht minder von dem /ufälligen Verhalten des Fremdkörpers im Pansen abhängig.
Kasuistik. 1. Moytet (Journ. de Veterin. du Midi. 1865. Ref. Hering: Ke-pert. Bd. 20. S. 2/57) hat folgende Beobachtung mitgetheilt: Zwei durch Bindfaden mit einander vereinigte Nadeln, eine 45 cm, die andere ii4 om lang, waren in einer Garbo stecken geblieben. Die Garbe wurde der Kuh vorgelegt, welche die Nadeln mit vorschluckte. Achtzehn Tage später wurde M. hinzugezogen, welcher bei der Kuh in der rechton Flanke eine hervorragende Stelle constatirte und aufschnitt. Mit einer Zange konnte die in die Haut eingedrungene Nadel hervorgezogen werden. Ulcselbe war etwas verbogen. Die Schnittwunde heilte bald.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Acht Tage später
machte sich die zweite Nadel an der unteren Bauchwand durch eine starke Anschwellung bemerkbar. Diese Nadel nahm ihre Richtung gegen dio linke Rippenwand nach oben und wurde nach Aufschneiden der Cieschwulst entfernt. Die Kuh hatte von diesen Verwundungen keinen wesentlichen Naohtlieil.
2. Bergemann (Mettiuann) berichtet im Mag. Bd. 29. S. 40(), dass ein 3 Jahre alter Zuchtstier seit einiger Zeit nach der Futteraufnahme jedesmal sich im Pansen aufblähte. Demnächst drohte das Thiel' infolge des Aufblühens zu verenden. Bei der Untersuchung verletzte sich B., als er über die Bauchwand strich, hinter der letzten Rippe die Hand an einem spitzen, scharfen Gegenstand. Nachdem die Hautwunde erweitert war, förderte B. ein langes Tischmesser zu Tage, worauf das Thier sich von der Krankheit vollständig erholte.
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410 Kninldioiten clot' Digestionsorg'aiio mnl dos [loraBns Infolge Vonvundung,
Oapite] LXXX.11. TrauniKtisclic HaiiWii-Kwercbfellcutüündiiiig.
Dio durch penetrirende Verletzung des zweiten Vormagens entstehende Entzündung hal Carsten Harms (Mag. f, lt;l. ixe*. Thierheik. 87. Jahrg. S. 458. Binderkrankheiten. 2. Aufl. 1895. 8.92) unter dein Namen Traumatische Magen-Zvveroht'ellentziindungquot; erörtert. Die verschluckten Nadeln, Nägel etc. fallen in die Haube und verbleiben in derselben der Regel nach eine kürzere oder längere, Zeil, bevor die penetrirende Verletzung der Magenwand sich ereignet. Nicht selten trifft man bei einem geschlachteten gesunden Rinde in dor Haube einen scharfen Gegenstand, der schon einige Monate vorher verschluckt ist, aber bis dahin keine nachtheilige Wirkung gehabt hat. üass die spitzen Körper fast immer in der Haube liegen bleiben und nicht über den Hauben-Pansenpfeiler in den Pansen befördert werden sollen, wie Schmaltz (B. T, W. 1894. No. 27) aus anatomischen Gründen folgert, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Meiner Meinung nach sieht nichts der Annahme entgegen, dass der Fremdkörper zuweilen auch in den Pansen gelangt und darauf mit dem Futter in die Haube zurückgebracht wird. his mag sich diese Wanderung auch einige Male wiederholen können, bevor sich der Fremdkörper in die Schleimhaut der Haube einbohrt. Richtig ist aber, dass die verschluckten .scharfen Körper sich häufiger in der Haube als im Pansen finden.
Kleine Gegenstände (Knopfnadeln, Schuhnfigel oder andere kurze Nägel), dringen mitunter in die Schleimhaut mit ihrer Spitze oder sie durchbohren die Scheidewand der Fächer in der Haube. Diese Verletzungen sind belanglos; man findet: sie oft hei der Section von Kühen, welche niemals krank waren.
Durch die Contractionen der Haube dringt der Fremdkörper gelegentlich mit seiner Spitze in die Schleimhaut, und zwar rogelmässig an der vorderen Fläche und unterhalb der Stelle, an welcher die Speiseröhre endigt. Der Körper wird nun bei der Rumination, demnach durch die Kraft der Bauchpresse in Verbindung mit der Contraction der Haube, allmälig weiter geschoben; er gelangt durch die Magenwand in das Zwerchfell. Der Verwundung folgt mit Nothwendigkeit eine Entzündung des Peritoneum, deren Ausbreitung sich aber nicht immer gleich gestaltet. Oft tritt der Fremdkörper hierauf in die Haube zurück, um demnächst von Neuem, und zwar gewöhnlich neben der ersten Verwun-
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Traumatische Hauben-Zworohfollontzünthins
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dung die Wund der Haube zu durchbohren. Er kann iü)or auch in der Haube odor im Pansen liegen bleiben und eine zweite oder dritte Verwundung nicht mehr bewirken.
Wenn der fremclkörpei' In ilen tlorzboutel oder In andere Organe dringt, oder wenn an die Durobbohrnng des llaubennmgens sieb eine dilVnso Bauchfellentzündung ansohliesst, so ist die Magengt;Zwerohfellentzündang als das erste Sladiuni des erheb-Hohen Kranicheitsfalles anzuseilen. In diesem Capitel soll nur die umschriebene ohronisch-produotlve Magen-Zwerohfellentzündung besprochen werden. Indoss will ioli doch schon bemerken, dass lici der diffusen Peritonitis, sowie bei der Verwundung des Herzbeutels, der Lobor oder Milz das erste Stadium der Krankheit (die Magen-Zwerchfellentzündnng) bald nur 1 bis 2 Wochen, bald viele Monate dauert.
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I. Chronische Entzündung der Haube und des Zwerchfells mit straugförniiger Verwachsung heider Organe.
Eine Haarnadel dringt mit ihren beiden Schenkeln durch die ilauhen-wand zuweilen nicht weiter als in das Zwerchfell; ebenso können andere Fremdkörper ein am umgebogenen Ende abgebrochener Schenkel einer Haarnadel (halbe Haarnadelquot;), Drahtnagel. Drahlstück, verbogene Stricknadel, Stopfnadel oder lange Knopfnadoi - - eine Verwundung herbeiführen, welche sich mehrere Wochen oder Monate, selbst noch länger. auf die Haubenwand und das Zwerchfell beschränkt.
Die nach dieser Verletzung am peritoneaJen Ueberzuge der Haube und dos Zwerchfells entstehende oxsudative Entzündung veranlassl zunächst die Verklebung beider Organe und erlangt demnächst einen gra-nulircnden Charakter. Die Granulation vermittelt die feste Verwachsung durch neugebildetes Bindegewebe, welches nach und nach eine schwielige Beschaffenheit und die Dicke eines menschlichen Daumens oder die Stärke von drei zusammengelegten Fingern erreicht. In der Mitte dieses Stranges befindet sicli der von dem Fremdkörper erzeugte Canal, weicher eine geringe Quantität Eiter enthält. Fine dünne Schicht des umgebenden Bindegewebes sieht gewöhnlich grauschwarz aus (Pigment). Oft liegt der Fremdkörper noch in dem Kanal. Zuweilen linden sich 2 oder 15 solcher Kanäle nebeneinander; dieselben kommen dadurch zu Stande, dass der Fremdkörper nach der ersten Verwundung in den lianbenmagen zurückgetreten und darauf von Neuem in die vordere Wand desselben vorgeschoben ist.
Symptume. In der hier gedachten geringfügigen Ausbildung hat die Peritonitis der Haube und des Zwerchfells oft keine Verdauungsstörung zur Folge. Die strangförraige Verwachsung lindet sich häufig bei Kühen, welche zu keiner Zeit Symptome von Indigestion bekundet haben. I5ei einzelnen Thieren ruft die penetrirende Verwundung der Haube aber
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41'i Krankheiten der Digestionsorgano üncl Hos Herisens infolge Vonvundung.
gastrisohe Brsohoinungen hervoi', die sloh duroli aufblähen dos Pansens
äussorn und in J bis li Tagen gowöhnlioll vorübergehen, aber nacli kürzeren oder Ifingeren Zwisohonzeiton sich wiederholen. Bei solchen Thieren Ifisst .sioli auch eine fieberhafte Steigerung dov Mastdarintemperatur und Pulsfrequenz nachweisen.
Von Bedeutung für die thierftrztliolie Praxis sind die vorgedachten Erscheinungen nur dadurch, dass sie der Entwicklung der traumatischen Herzbeutelentzündung vorhergehen. Indess bloibl die Diagnose einer strangfoi'inigen Verwachsung zwischen Haube und Zwerchfell stets unsicher, denn die nicht durch Verwundung bedingte Indigestion verursacht dieselben Symptome. Wenn der Fremdkörper nicht durch das Zwerchfell in die Brustorgane (Herzbeutel) vordringt und wenn kein grösserer Eiterabscess in der verwachsenen Stelle sich ausbildet, so erholt sich das Thier von der traumatischen Indigestion vollständig.
Für die Bchaiullung hat Schöberl, um das Zurücktreten des Fremdkörpers in die Haube herbeizuführen, folgendes Heilverfahren empfohlen : Das Thier wird auf den Rücken gelegt und und der Operateur drückt nachhaltig und einige Male wiederholt mit dem Fusse in die linke (Jnterrippengegend hinter dem Sohaufelknorpel gegen die Haube. In der Literatur ist auch angerathen worden, das Thier mit dem Vordertheil ziemlieh hoch zu stellen, wodurch der- Fremdkörper in den Magen zurücktreten soll. Ich kann diesen beiden Mcthüdcn keinen besonderen Werth für die Praxis beilegen. Die operative Eröffnung des Pansens zu dem Zwecke, den Fremdkörper aus der Hauben wand hervorzuholen, wird in dem Capitel der traumatischen Pericarditis besprochen werden.
11. Chronische Entzündung der Haube und des Zwerchfells mit umfangreicher Verwachsung beider Organe.
Nach den anatomischen Ermittelungen von Schmaltz (B. T. W. 1894. S. 318) ist die Hauhe, welche mit ihrer ganzen vorderen Fläche unmittelbar am Zwerchfell liegt, fast genau so breit als hoch (33 cm :35 cm); dagegen ist dieselbe von vorn nach hinten stark (auf 8 bis 9 cm Weite) zusammen gedrückt. Demnach ist die Vorbedingung für eine umfangreiche Verwachsung der Haube mit dem Zwerchfell gegeben. Hierbei vollzieht sich die Verwundung in derselben Weise wie zu I. in diesem Capitel erläutert wurde. Es kann der Fremdkörper auch einige Zeit in der verdickten Magenwandung vorbleiben und dann wieder zurücktreten.
Wenn die granulirende Entzündung am peritonealen Ueberzuge der Haube und des Zwerchfells sich über die nächste Umgebung der Wunde
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Traumatisohe Hauben-ZwerohtellentzUndunir,
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ausdehnt, su erfolgt üunäohst die Verklobung' und darauf die teste Verwachsung im Umfange einer HamKläclie und dariibor. Im Entwickelungs-stadium einer .solchen Magen-Zwerchfelientziindung kann die oxsudative Peritonitis sich auch über die Grenzen der Haube ausbreiten und hierdurch den Tod des Thieres herbeiführen. Ich habe einen solchen Fall in der Gerichtlichen Thierarzncikundequot; 2. Auflage 1899 S. 556 beschrieben.
Symptome. Die umfangreiche Verwachsung der Haube mit dem Zwerchfell beeinträchtigt, den Tonus und die peristaltisohe Leistung der Haubenwand erheblich. Hierdurch leidet die Verdauung. Das Thier frisst wenig und bekundet zeitweise die Merkmale der Indigestion. Vorwaltend macht sich eine allmälig zunehmende Abmagerung bemerklich. Anhaltendes Liegen: Unlust und Beschwerden beim Aufstehen, Athmung angestrengt und zeitweise stöhnend. Pulsfrequenz im weiteren Vorlauf der Krankheit beschleunigt. Mastdarmtemperatur nur wenig gesteigert. Der Verlauf kann sich über mehrere Monate erstrecken.
Die Krankheit ist unheilbar. Selbst wenn der Fremdkörper aus der verwachsenen Partie in die Haube oder in den Pansen zurückge-getreten ist, bessert sich das Befinden des Thieres nicht. Die Diagnose lässt sich erst durch die Erhebung des Sectionsbefundcs klarstellen, da die Symptome und der Verlauf des Leidens mit den Merkmalen anderer unheilbarer Krankheiten der Bauchorgane übereinstimmen. Bei der Un-heilbarkeit des Thieres ist thunlichst die Schlachtung frühzeitig anzn-rathen.
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III. Abscessbildung zwischen Haube und Zwerchfell.
An dem verwundenden Fremdkörper haften gewöhnlich Eiterbakterien, was schon aus der Thatsache folgt, class der in der verwachsenen Partie befindliche Kanal ein eiteriges Krankhoitsproduot in geringer Menge enthält. Nicht selten kommt ein Kiterabsccss von Hühnerei- bis Faust-grösse, selbst bis zur Kopfgrösse zwischen Haube und Zwerchfell zur Ausbildung. Es können auch mehrere Eiterabsccsse von llascinuss- bis Wallnussgrösse entstehen.
Kleine Abscesse dieser Art linden sich mitunter bei der Section von Kühen oder Ochsen, die während des Lebens sich nicht krank gezeigt haben. Ein grosser Eiterherd kann aber eine tödtiiehe Erkrankung mit denselben Symptomen herbeiführen, welche durch die umfangreiche Verwachsung zwischen Haube und Zwerchfell verursacht werden.
Die Abscesso können auch dadurch naohtheiling sein, dass sie am Zwerchfell oder au der Leber und anderen Bauchorganen eine diffuse
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414 Krankheiten der Digestionsorgane und des Herzens infolge Verwundung.
rlironiscii-pi'oduolivo Entzündung des Bauchfells veranlassen. In vereinzelten Fällen Iftsst .sich auch nachweisen, dass aus den nicht vollständig urakapselton Eiterherden eine Pyämie mit metastatischcr Abscess-bildung in entfernten Organen hervorgegangen ist.
Da die hier besprochenen Eitcrabscesse sich vor dem Ableben des Thieres nicht diagnosticiren lassen, so 1st die ünheilbarkeit der Krankheil: ans der Natur ihrer Erscheinungen, insbesondere aus der fortschreitenden Abmagerung abzuleiten.
Kasuistik. Weinberg (l'rouss. Mitlh. 1858. S, 180) behandelte eine friseh-milohendo Kuli, welche immer mohr abmagerte und an Milch verlor. Flin und wieder Ztthneknirsohen. Appetit und Darnaausscheidung rogolmiissig. Zunehmende Abmago-rung; bcscliweriiciies Aufstehen. Nach 7 Wochen Tod durch Ersohöpl'ung. Autopsie: An der Haube zwei giinseeigrosso Abscosse mit verdicklem Eiter; in der Magenwand steolcton noch zwei Nähnadeln und eine Haarnadel.
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Capitel LXXXIH
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Verwiindiing des Psalters, des Labmagens und des Kwölflinger-
darmes.
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I. Sehr vereinzelt ereignet sich, dass ein grösserer Fremdkörper beim Verschlucken in den Psalter gelangt. Aus l'rocessacteii habe ich kennen gelernt, dass bei einer Kuh ein beinahe handlanges Stück Holz mit scharfen Spitzen und Kanten beim Verschlucken in den Psalter gelangt war, sich daselbst festgeset/l und eine unheilbare acute Krankheit verursacht hatte.
Casuistik. 1. Hanns (Rindoi'kranldi. i. Aufl. 1895. S. 73) oonstatirte bei zwei Kühen, dass ein langer Nagel mit dein einen Ende von der Rückonwand de;; zweiten Magens In den dritten Magen hinoingetreten und in beiden Alagenabtheilen sitzen gebliehen war. Die Thiere zeigten lieber, leichlcs Aufblühen, Verstopfung, Stöhnen und DruokempflndlichkeH in der Gegend dos Psaltersquot;.
i. Knhlmann (Freuss. Alitth. ISäti. S. 109) behandelte die Kuli eines Mühlen-besitzers 14 Tage lang wegen gastrischer Krscheinungen. Völliges Versagen der Kutteraufnalime uml des Wiederkauens. Nach dem Schlachten fanden sich in der Sohlundrinno und im Lösor eine Menge Nägel und einige andere kleine Eisonstück-chen, welche znsammon ein halbes Pfund (260 gr.) wogenquot;. Hie Kuh war Jahre hindurch mil znsammengofegteni Slaubmehl und Strohhiicksel gefüttert worden, halte sich aber vorher nie krank gezeigt.
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Verwundung ilos Psalters, dos Labmagens und di^s Zwölfflngerdames, 415
II. Noch seltener als in den dritten Magen gerätii der Frenidkörper in den vierten Magen.
1.nbsp; nbsp; Aus Prooessaoten habe ich folgende; BeoVaohtv^ng des Kreistbierarztes Warnoke ersehen: Bulle, ein .fahr alt, Holländer Hasse, hatte sich 4 bis 5 Wochen hinduroll weniger lebhaft gezeigt. Am 12. December 1889 fanden sich gastrische Störungen: Aufblühen, Appetitniangcl, Stöbnen, übler Geruch beim Rülpsen. Tod am 18. December 1889. Autopsie: Kadaver mittcliuässig genährt, lioi Eröffnung der Bauchhöhle zeigt sich das grosso quot;Netz als ein fast prall mit Flüssigkeit gefüllter Sacllt;. Nach dem Aufschneiden desselben strömt eine gelbbraune, widerlich sauer riechende Flüssigkeit, etwa drei Viertel Stalleimer voll, heraus. Der übrige Inhalt bestand aus festem Putter, Das Netz selbst hat eine Stärke von 1 bis 2 cm. Beim Durchschneiden lassen sich an der Wandung unterscheiden! die nunnale Fottlago, dann eine 2 mm starke hellgraue und eine 2 min starke dunkelgraue Schicht. An der Stelle, wo sich das Netz an die Magenwand befestigt, linden sich liugerdickp Lagen von gelben h'bringerinnseln. Stollenweise ist das Netz mit der Magenwanduug durch derbes Bindegewebe fosl vereinigt. Auch an der Stelle, wo der grogs') Netz-bontel sich nach der Bauchhöhle öflnet, lindet sich feste Verwachsung, in welche eine Haarnadel hineinragt, deren linden in der Mitte kreuzweise übereinander gebogen sind. Die Haarnadel war an der inneren Seile des Netzes befestigt und zwar in der Weise, dass eine fcderkielstarke 1 cm lange Brücke die Ifaarnadelkrümmung nach Art einer Klammer umfasste. An dieser Stelle ist das Netz mit der Haube fest verwachsen. An der Schleimhaut der Haube lindet sich ein kleiner schwarzer Punkt, der den Weg anzeigt, den die Haarnadel genommen hat. Der Haarnadel gegenüber hat der Labmagen eine faustgrosse Oeffnung, deren Uiinder vollständig vernarbt sind. An dieser Stolle golii die Schleimhaut des Labmagens fast unmerklich in die innere Auskleidung des grossen Netzbeutels über.
2.nbsp; nbsp;Des vergleichenden Interesses wegen führe ich folgende Beobachtung au: Krüger (Prenss. Mitth. 54, S, 83) fand bei der Section eines Ochsen, der 10 'Lage vorher kastrirl war und rbronisches Aufblähen gezeigt hatte, dass der sich im Labmagen befindliche Kiessand die Pföi'tnoröffnnng so vollständig verstopft hatte, dass die Fortschalfmig des Kmicrbreics in den Darm unmöglich war-.
8, Harms (Rinderkrankh, 2. Aufl, S. 74) gedenkt eines vom Thierarzt Buch
erhobenen Sectionsbefundes: Verwachsung des Labmagens mit der Bauchwand durch einen armdicken Strang. Letzterer war li) cm lang und 9 cm dick, bestand aus glänzend weissein, schwer sohneidbarem Bindegewebe und enthielt im Innern eine 9 cm lange, ziemlloh breite Messerklinge, welche mit der umgebogenen Spitze nach der Bauch wand zeigte.
111. Einen traumatischen Abscess im Zwölffingerdarm constatirto Kiiese (PreilSS, Mitth, 56. S. 105) bei einer an Tympanitis gestorbenen Kuli, Der Abscess lag drei Kinger breil hinter dem Pylorus, war kinds-kopfgross, mil einer dicken spockartigen Kapsel umgehen und enthiell dünnflüssigo übelriochenrle Jauche, in welohoi' sich eine Nähnadel fand.
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Uli lu'anldioiten der Digüstionsorgano und des Herzens infolge Verwundung.
OapiteJ LXXXIV. Traumatischer Leberabscess.
Dass der Fremdkörper von der Haube in die Lober gelangt und daselbst, einen oder melirerc Absoesse herbeiführt, wird nicht gerade selten eonstatirl. Vollständig nmkapseltc Leberabsccssc bedingen oft keine Erkrankung des Rindes. Zuweilen besteht aber eine chronische Indigestion mit Aufblähen, Appetitmangel und allmälig zunehmender Ab-inagerung. Diese Erkrankung ist unheilbar.
Casuislik. 1. Schütz-Bielefeld (Preuss. Mitlli. 58. S. 171) berichtet von einer Kuh, die seit langer Zeit Verstopfung und wechselnden Appetit, später Aufblühen und Durchfall gezeigt halte und darauf geschlachtet wurde, dass eine lange Stopfnadel von der Haube in die Leber gedrungen war und die Verwachsung beider Organe herbeigeführt hatte. In der Leber war ein hühnercigrosser Abscess von der Nadel verursacht wordenquot;.
'2. Thierry (Hoc. de Möd. vet. 186.'). lief, von Schmidt-Aachen, Vorträge für Thierärzte. I. Serie. Ilol't 5) fand bei einer Kuh, die drei Monate hindurch sich darmkraivk gezeigt hatte, in der Leber einen Abscess, welcher durch zwei von der Haube eingedrungene Tlsohlernägel verursacht war.
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Oapitel LXXXV. Traumatischer Milzabscess.
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Ein scharfer Körper kann von der Haube in die Milz dringen und daselbst eine chronische Entzündung mit Bildung von Eiterabscessen hervorrufen, Aehnlioh der Verwundung anderer Organe besteht der traumatische Mllzabscess beim Rjnde zuweilen mehrere Monate hindurch, ohne das Allgemeinbefinden des Thieres zu stören. Die später eintretende Peritonitis giebt sich aber stets durch eine schwere Störung des Allgemeinbefindens zu erkennen, die ineist in einigen Tagen tödtlich ausgeht. Es giebt auch Fälle, in welchen zuerst nur eine geringe Herabsetzung des Appetits und nach und nach die krankhafte Abmagerung des Thieres sich mehr bervorlhnl, welche im Verlaufe einiger Wochen zum Tode führt.
fasnisllk. I. In der ambulatorlsohen Klinik zu Berlin behandelte loh 1877 eine achtjährige Kuh 10 Tage hindurch. Dieselbe war unter den Symptomen einer Gaslro-ISntoritis erkrank! und wurde, als sie sich nicht mehr vom Boden erheben konnte, ge-
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Durobbruoli dos Fremcllföi'pors duroh ilie Brnstwand.
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liiiilot. Autopsie! IFaubo mit der Milz vci'waohson. In letzterer ein kopfgrosser Eiterabsoess, in wolchem eine Stopfnadel steckte. Neben diesem grossen fanden sioli nooli drei kleine Eiterherde in dor Milz.
2. Ellenborger (Preuss. Milth. 187G. S.87) ermittelte bei einer Kuh, welche sich nur zwei Stunden krank gezeigt hatte und hiernach gestorben war, dass ein scharfer Körper (Pfcifenriiumei'quot;) von der Haube In die Milz gedrungen war. Grössere und kleinere, thoils dick-, theils dünnwandige Abscesso mit verschieden beschaffenem Eiter, bezeichneten den Wog, welchen der vorletzende Körper genommen hatte. Von dem eigentlichen Milzgewebe fand sich nur wenig. An der Leber bestanden die Veränderungen der Muskatnusslebor.
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Oapitel LXXXVI. Hure lib null des Fmiilt;lkör|tcrs durch die Brnstwand.
Das Vordringen dos Fremdkörpers aus der Haube durch die iinko oder rechte üuterrippongegoncl wird zuweilen beobachtet. Gewöhnlich ist es eine lange Stopfnadel, oder eine Packnadol, welche sich nach dem Durchbohren der Haube in schräger Richtung durch den muskulösen Theil des Zwerchfells gegen die linke llippenwand vorschiebt und zwischen zwei Rippen hindurch bis in die Subcutis dringt. Regelmässig entsteht hierbei die Verwachsung eines Theiis des Zwerchfellmuskels mit der Rippenwand. Tritt die Spitze des Fremdkörpers durch die Zwischen-rippenmuskeln, so kommt im Untcrluuitgewebo der Brustwandung eine entzündliche Schwellung von dem Umfange eines menschlichen Kopfes zur Aushildung. Die Geschwulst ist zunächt ödomatös und erlangt erst im Verlaufe einiger Wochen eine lluctuirende Beschaffenheit. Nach dem Aufschneiden des Abscesses findet sich der Fremdkörper, welcher in der Regel leicht hervorgezogen werden kann. Kine grössere Zahl von Beobachtungen dieser Art hat Sclimidt-Aachen (Vorträge für Thicrärzte, I. Serie, lieft 5, S. 86) zusammengestellt. Ich habe nur beobachtet, dass der Durchbruch des Fremdkörpers an der linken Seite der Brust-wamlung erfolgte. In der Literatur sind aber mehrere Beobachtungen über die traumatische AbscessbiIdling an der rechten Brustseite mitge-theilt worden.
1. Ilaiin-Züllichau (I'ronss. Milth. 1854. S. 81) berichtet: Kino Kuh war seil mehreren Wochen mit einer Geschwulst an der Unken unteren Seile der ünist dicht hinter dein Ellenbogen behaftet. Die lieschwnlst, welche allmälig den Umfang einer Kegelkugel erreichte aber das Belinden der Kuh nicht beeiutriieh-tigte, fühlte sich kalt und hart an, als oh gutartiger Eiter darin enthalten sei. I)iockerhoff, Spec. Pathologie u. Thoraple. II. Dd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;07
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üoim Kinsolmeiden fanden sicli drei Hände voll erdiger Sand, Kies, Sanionkörnev und Obelrieohende Flüssigkeit, Durohdle Untersuchung mit der Sonde liest sich i'eslstellon, dass der Fistelkanal bis in die Haube reiclitc. In kurzer Zeit lieillo die Fistel. Die Kuh blieb hiernach zwei Jahre gesund und wurde wegen einer Scliwergoburl ge-sohlaohtet, Uio eingesandten Präparate hat Leisering beschrieben: Ein Theil der llaubo war durch eine etwa zwei Zoll Durchmesser haltende Oeffnnng des Zwerchfells, an welcher sie adbiirirte, in die Brusthöhle getreten und lagerte auf dem Brustbein, welches an dieser Stelle kailös war. In dem Brustbein hatte sich für den durchgo-tretenen Haubentheil eine gänseeigrosse Höhlung gebildet. Der in der Brusthöhle lagernde Theil der Haube, an welchem die normale Schleimhaut nicht mehr wahrgenommen werden konnte, stand noch mit dem in der Bauchhöhle befindlichen Theil durch eine Ocll'nung, in welche man bequem mit zwei Fingern eindringen konnte, in Verbindung und enthielt Sand, Steinchen, aber auch einige Futterstoffe. Das Brustbein zeigte nach unten und zur Seite einige Perforationen, die zu der Haube führten, jetzt aber durch Membranen geschlossen waren, durch welche Verbindungen auch die sandigen Massen getreten waren.
2. Dotto (Preuss. Mitlh. 1876. S. 99) fand bei einer Kuh ein Fistolgcschwür unter der Brust. Aus der Öffnung entleerte sich tropfenweise, zuweilen auch in dünnem Strahl eine reichlich mit feinem und gröberen Sande vermischte Flüssigkeit, Die Kuh frass gut, und die Fistelöffnung verhellte nach 5 Monaten. Bei der demnächst geschlachteten Kuh ergab sich durch die Section, dass hinter dem Sitze der verheilten Fistel und dicht vor dem Ansatz dos Schaufelknorpels das Brustbein perforirt war. An der oberen Fläche des Brustbeins bestand eine halbkugelförmigo Vertiefung von dem Umfange einer grossen Wallnusschale. In dieser Vertiefung und mit der äussoren Haut verwachsen, lag ein Theil der Haube, welcher einen bohnengrossen Stein, mehrere Qlassplitter und eine verbogene Stecknadel enthielt.
.'5. Stolz (Preuss. Mitlh. 1865. 8.136) beobachtete eine Kuh, welche eine Indigestion in 6 Wochen überstand. Nach einem Jahre zeigte sich bei derselben dicht hinler dem Schaufelknorpel eine abscessarlige Geschwulst, auf welcher die Haut von den Zinken einer Tischgabel durchbohrt war, Das Ausziehen der Gabel gelang unter vorsichtiger Erweiterung der Wunde, worauf die Kuh vollständig gesund wurde.
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Oapitel LXXXVII.
Traumatische Perforation des Zwerchfells und Vorfall der Haube
in die Brusthöhle.
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In seltenen Fällen wird das Zwerchfell in der verwachsenen Partie durchbrochen, SO dass ein Theil der Haube in die Brusthöhle prolabirt.
Casiiislik. 1. Der Milchhändlcr II. Stellte am '24. Juli 1894 ein 6 Jahre alte Kuh in meine Klinik. Das Thier war 4 Wochen vorher für 'Ml Mark gekauft und biilte sich sehr nft einige Stunden nach dem Fressen im Pansen aufgebläht, auch im Ganzen nur wenig gefressen, Befund; Nährzusland dürftig; Bewegung matt; Auf-
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Traumatisohe Bauohfellentettndunff,
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stellen soluver. Dcdduur gesträubt. Kopfsolilelmliäute blasSi Puls 68j Uesp. 20 In der Minute, Mastdarmtemperatui 38,6deg;. Appetit auf llcu gering-, Wiederkauen verzögert. Pansen duroh Case massig gefüllt. Am folgenden Morgen hatte sich das Aufblähen verloren; dasselbe trat aber von Neuem hervor, als die Kuh des Millags
etwas Heu und Kleienlranlc verzehrt hatte. -..... In den nächsten Tagen verlicl die Kuh
mehr und mehr; am 28. Juli war sie aussei'Stande, sich vom Boden zu erhoben. Am 29. Juli wurde die Kuh getödlot.
Section im pathol. Institut: In der Uauchhühlo gegen 2 Liter klarer, gelblicher Flüssigkeit, Darm leer; Pansen moteoristisch aufgetrieben, tlaube mit dem /worch feil vorwachsen. An der Grenze des muskulösen und sehnigen Thoils des Zwerchfells findet sich ein 12 cm im Durchmesser grosses Loch, durch welches ein Thoil der Haube vorgefallen war. Der vorgefallene Theil, der mit dem Zworchfoll fest verwachsen war, fassto 3 Liter Wasser. Die Verwachsung konnte nur mit dem Messer getrennt worden. An der Innenfliicho derlfaube fand sich oi ne Ooffnung v on 1 cm Durchmesser, welche In einen Kanal führt, der auf 2 cm Länge schräg innerhalb der Haube und des die Verwachsung bildenden Go-wobos verläuft. Die Wandung des Kanals, welcher blind in der verwachsenen Fartio endet, ist gr auwei SS und glatt. An den übrigen Organen der Bauch- und Brusthöhle fand sich nichts Abnormes.
2. In der Literatur ist der nachstehende Krankheitsfall milgotheill, bei welchem nach meiner Ansicht die OelTnung im Zwerchfell mit dem Vorfall der Haube in die Brusthöhle sehr wahrscheinlich auch durch eine Verwundung verursacht gewesen ist. Pierz (Schweiz. Arch. Erste Reihe. Bd. VI. 1832. S. 49) behandelte eine unter den Symptomen der Indigestion erkrankte Kuh 6 Wochen lang vergeblich. Nach der Schlachtung ergab sich bei der Obduction, dass die Haube durch den muskulösen Theil dos Zwerchfells fast ganz in die Brusthöhle vorgefallen war. In der Brusthöhle war dieselbe mit der linken Lunge an zwei Stellen verwachsen. Die Oetl'nung im Zwerchfell erschien rund und hatte einen Durchmesser von etwa 5 Zoll (13 cm). Die in die Brusthöhle vorgefallene Haube stellte einen Sack dar, welcher durch die Oelf-nung im Zwerchfell so 'zusammengeschnürt war, dass nur llüssige Masse in den vorgefallenen Theil gelangen konnte. Die Wand der Haube war sehr verdickt.
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Capitol LXXXVm.
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Traiimutisclic Itaiiclifdlentziiiidimquot;.
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Nach der Penetration eines Magentheils erleidet das Peritoneum in der nächsten Umgebung der Wunde vStcts eine entzündliche Erkrankung) die sieh in der grossen Mohrzahl der Fälle auf einen geringen Ihn-l'ang beschränkt. Us kann aber die innere Verwundung auch zu einer diffusen Peritonitis Anlass geben, Welche entweder als cine acute oder als eine chronische Krankheit verläuft.
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420 Krankheiten der Digestionsorgane und des Herzens infoige Verwundung.
I, Diffuse acute Peritonitis und entzündliche Bauchwassersucht.
Die Entzündung entstellt zunächst in der Umgebung der SteJIo, an welcher der Fremdkörper die Magenwand durchbohrt und das Zwerchfell oder ein anderes Organ der Bauchhöhle verletzt. Das hierdurch vcranlasste fibrinöse Exsudat verklebt die benachbarten Organe. Alsbald folgt die Ausbreitung der Entzündung auf einen grösscren Abschnitt des Peritoneums und zwar sowohl an der Bauch wand, wie am Netz und an verschiedenen Dannthcilen. Die Affection führt zur starken Röthang der Bauchhaut, zuweilen auch zu kleinen Hämorrhagicn und Exsudation von Fibrin und Serum. Gewöhnlich überwiegt das seröse Entzündungspro-duet (acute Bauchwassersucht).
Die Aetioln^ie ist darauf zurückzuführen, dass virulente phlogogene Mikroorganismen mit der penetrirenden Wunde auf das Peritoneum gelangen.
Symptome: Im Habitus kommt die schwere Störung des Allgemeinbefindens zum Ausdruck. Das Steilen wird dem Thiere beschwerlich; es liegt viel und kann sich nur mit Mühe erheben. Am 2. bis 3. Krank-heitstagc ist das Aufstehen gewöhnlich nicht nielir möglich. Das Thier liegt auf dem Brustbein, oder bei sehr starkem Kräfteverfall flach auf einer Seite. Ihnfangsvergrösserung des Bauches. Futteraufnahmo versagt. Wasser wird nur in geringen Mengen getrunken. Verstopfung. Versiegen der Milchsecretion bei Milchkühen. Der Blutdruck in den Arterien sinkt; Puls 80 bis 100 und darüber in der Minute, klein, hart, in den späteren Krankheitsstadien drahtförmig. Mastdarnitempcratur bis auf 11,0deg; und darüber erhöht. Athmcn beschwerlich und schmerzlhaft (anhaltendes lautes Stöhnen).
Der Verlauf erstreckt sich auf 4 bis 8 Tage. Sobald das Thier sich nicht mehr vom Boden eiiieben kann, verfällt es mehr und mehr und stirbt dann unter den Erscheinungen der Asphyxie.
Section. Ansammlung hellgelber oder dunkelgelber, klarer, oder getrübter Flüssigkeit in der Bauchhöhle bis zu 4 Stalleimern voll. In der Flüssigkeit schwimmen kleinere und grössere Fibriugerinnsel. An einzelnen Organen der Bauchhöhle ist das Bauchfell mit Fibrinplatten bedeckt, nach deren Abhebung sich neben starker Füllung der Capillar-gefässc mit Blut nicht selten Ekchymosen finden. Verklebung der Haube oder des Pansens mit, den benachbarten Organen durch entzündliches Exsudat. Bei vorsichtiger Untersuchung finden sich auch die penetri-rende Wunde und der Fremdkörper.
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Traunialisclie ikuoliIVlIontziinciuiiquot;-.
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hiitsiidsp. Die Krankheitsersoheinungen sind denjenigen einer aouten cliffuscn Darmentzüiulung sehr äluilich. Harms legt Gewicht darauf, dass die obere Flankengegend der linken Seite bei der Bauohfelientzün-dung durch Ansammlung von freien, nicht mit dem Futterbrei vermischten Gasen im Pansen aufgetrieben sei, dass dagegen bei der phlegmonüsen Magen-Darmentzündung die obere Flankengegend beifalle.
Die Frage, ob die diffuse acute Peritonitis durch eine Verwundung oder durch eine andere Krankheit hervorgerufen sei, lässt sich am lebenden Thier nicht entscheiden. Durch eine vorsichtig ausgeführte Section ist der Zusammenhang der Krankheit mit einer inneren Verwundung aber gewöhnlich nachzuweisen.
Die Prognose ist schlecht, da sich eine Bückbildung der entzündlichen Veränderungen nicht erreichen lässt.
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11. Chronische Bauchfellentzündung.
Die Forterhaltung der durch Perforation der Haube oder des Pansens eintretenden granulircnden Peritonitis wird nicht oft constatirt. Es entstehen hierbei schwartenförmigo Verdickungen der Bauchhaut und gewöhnlich auch partielle Verwachsungen einzelner nebeneinander liegender Organe der Bauchhöhle. Weiterhin erkrankt das Peritoneum an einzelnen Partien, namentlich am Pansen und an der Bauchwandung. Die Entzüdung führt thcils zu Verdiokungon der Bauchhaut, theils zur Abscheidung eines serösen oder eitrigen und (ibrinösen Exsudates (Peritonitis fibrino-pundenta). In seltenen Fällen kommt eine feste Verwachsung mehrerer Dünndarmschlingen untereinander oder einzelner Darm-abtheile mit der Bauchwand zur Ausbildung (Peritonitis chronica adhac-siva).
Symptome: Rückgang im Nährzustando. Trauriges Benehmen. Abnahme der Milchsecretion bei Milchkühen. Grosse Empfindlichkeit beim Drücken gegen einzelne Stellen des Bauches (Harms). Mastdarmtemperatur meist normal. Pulsfrequenz wenig erhöht. Athembeschwerde in den höheren Krankheitsgraden. Zunehmende Abmagerung.
Der Verlauf ist nicht gleichmässig. Gewöhnlich wird ein vorübergehender Nachlass der Krankheitserscheinungen beobachtet; aber vollständig gesund verhält sich das Thier auch in den Zwischenzeiten nicht. Die Dauer erstreckt sich meist auf 2 bis 4 Monate, kann aber ein Jahr und darüber betragen. Wird das Thier nicht vorher getödtet, so geht es durch Kachexie zu Grunde.
CasuUtik. Naohstehender Fall von Peritonitis adhaesiva ot oxsudativa habe ich in der ambulatorischen Klinik zu Berlin beobachtet. Ende April 188;') halte
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422 Krankheiten der Digestionsorgane und des Herzens infolge Verwundung^
der Sohläohter N. zu 0. eine unter den Erscheinungen der Indigestion erkrankte
elfjilhrigo Kuli mit dem Vorbehalte gekauft, daas dieselbe in kurzer Zeit genesen solle, üie Kuh, welche am Tage vordem Kaufe gekalbt hatte, besserte sich nicht und ging im Niihr/.ustande zurück. Meine Untersuchung am 20, Mai 1885 ergab! Müde Haltung, dürftiger Nährzustand, trockene Haut mit aufgebürstetem Haar. Bauch eingefallen. Appetit fehlt, Darmexkremente spärlich, Milohseoretlon versiegt. Puls (30. Eesp, 28, dyspnoisch.
Schlachtung am 24. Mai. Autopsie; In der Bauchhöhle etwa ein Eimer voll gelblicher trüber, mil Fibrinllockon durchsetzter Flüssigkeit. Mehrere Dümularm-sohlingon untereinander verwachsen. In gleicher Weise zeigt sich die Haube mit dem Zwerchfell, das Netz mit dem Psalter und Labmagen und die Milz mit dem Pansen verwachsen. Zwischen den verwachsenen Organen fanden sich haselnuss- bis luihncr-oigrosse Abscesse. Das Peritoneum an einzelnen Stellen der Bauchwand und an der Gebärmutter stark geröthet. Inmitten des neugebildeten Bindegewebes, welches die Haube an das Zwerchfell heftet, steckt eine Haarnadel, deren Spitzen in das Zwerchfell reichen. Eine Nähnadel und ein Drahtnagel halten die Haube in der Richtung nach der Leber und nach der Milz perforirt.
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Capitel LXXXIX.
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Trnmiiatisclie llcr/bcutclciitzuudiiiiquot;. Pericarditis tranmatica.
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Das Vordringen des spitzen metallischen Gegenstandes durch das Zwerohfell in die Brusthöhle erfolgt in der Regel allmäiig. Hierbei entstellt an der Pleura diaphrfigtnatica in der Umgebung der Perforation eine flbrinöse Entzündung, Das Fibrin, welches den Herzbeutel mit dem Zwerchfell verklebt, trügt den in horizontaler Richtung liegenden Fremdkörper, der nun gewöhnlich innerhalb einiger Tage in den Herzbeutel gelangt. Ks giebt auch Fälle, in welchen der spitze Körper den Herzbeutel schneller erreicht.
Nicht bäuflg schiebt sich der Fremdkörper neben dem Herzbeutel vorbei in einen Lungenflügel, wodurch die traumatische Pneumonic herbeigeführt wird (vergl. S. 384). Hierbei verdickt sich gewöhnlich die Pleura, und es kann in dem neugebildeten Bindegewebe ein Eiterabsecss seine Entstehung linden.
1.nbsp; nbsp;Schmidt-Aachen (Vorträge für Thierärzte, 1. Serie, HeflV, S.44) berichtet; Kine Kuh zeigte wochenlang malten schmerzhaften Husten und beschwerliche Respiration. Nach einer Krankheilsdauer von 8 Tagen erfolgte die Tödtung. Autopsie: Im hinteren Ende der rechton Lunge ein beinahe kopfgrosser Abscess mit bindege-webiger IJmkapselung. In dem Abscess ein Drahlslück. Lunge mit dem Zwerchfell, und dieses mit der Haube verwachsen.
2.nbsp; nbsp;Schmidt-Mülheim (Preuss. Milth. 1809. S. 158) secirte eine Kuh, welche nach dem Kalben olfenkundig erkrankt und zwei Monate später verendet war: Pansen
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Traumatlsohe HerabeutelentzUndang, Povloarditls ti'aroatioa,
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an seiner unteren Fliiclie mit der Baiiclnvaml mul rlcm Zwcrclifell Test verwachsen. Vom Pansen zur Milz führte ein langer Fistelkanal, der neben troolionem verkästen Kiter ein langes Stück llollmulerholz enthielt. Dieser hölzerne Stocli war durch das Zwerchfell und den hinteren Lappen der iiinigo gedrungen und hatte dieselbe durchbohrt, war aber in der Nähe der Wirhelsiiulo zwischen 2 Kippen stecken geblieben. Zwerchfell und linke Lunge fest verwachsen.
Die pathologischraquo;anatoraisohon Folgen, welche am Herzbeutel und Herzen nach der inneren Verwuiulun^ eintreten, sind verschieden.
I. Chr on is oh-entzündliche Herzbeutel Wassersucht.
In der Mehrzahl der Källe voranlasst die Verwundung des Herzbeutels zunächst eine serös-fibrinöse Exsudation. Das Serum ist klar und behält diese Beschaffenheit ein bis zwei Wochen lang. Darauf erlangt die Entzündung einen granulirciKlcn Charakter und das Krankhoits-produet eine eiterige Beschaffenheit. Der Eiter ist grauweiss oder miss-farben. Der Herzbeutel verdickt sieb. Die Oberfläche des Herzens erlangt ein rauhes, zottiges Ansehen. In dem Maassc, in welchem die Ansammlung der serös-eitrigen Flüssigkeit zunimmt, vergrössert sich der Herzbeutel, dessen Wandung auf dorn Durchschnitt eine Stärke von 1 bis 2 cm erlangt. Das viscerale Blatt, von welchem das Herz unmittelbar umkleidet ist, erscheint auf dem Durchschnitt oft daumendick infolge der Zubildung von saftreiohera, speckigen Bindegewebe. Das Herz-fleisch ist welk und atrophirt. Sowohl in dem verdickten parictalen, wie im viscoralen Blatte kann sich ein Eiterabscess bilden. In dem eitrigen Entzündungsproduct des Horzbcutsls entstellt gewöhnlich Fäul-niss mit CJascntwickelung. Oft beträgt die eiterige oder eiterig-jauchige Flüssigkeit im Herzbeutel 8 bis 10 Liter, mitunter aber weniger. Harms fand in einem Falle 12 Liter.
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II. Partielle oder totale Verwachsung des parictalen und vis-ceralen Blattes des Herzbeutels.
Die theilweise Verwachsung beider Blätter des Herzbeutels kann neben der chronisch-entzündlichen Herzbeutelwassersucht besteben. Dieselbe kommt, dadurch zu Stande, dass nach der Verwundung sich an beiden Blättern des Herzbeutels eine granuliremle Entzündung ausbildet, welche die bindegewebige feste Vereinigung herbeiführt.
Die vollständige Verwachsung (Obliteration) des Herzbeutels wird nur in seltenen Fällen constatirt.
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424 Krankheiten der Digestlonsorgane und dos Herzens infolge Verwundung.
III. Traumatischor Herzabsccss.
Da dem Fremdkörper eiterbildende Bakterien anhaften, so kommt es mitunter in dem verdickten visceralen Blatte des Herzbeutels zur Bildung von einem oder mehreren Kiterabscesscn, welche die Grosse einer liasclnuss bis zu einem Hühnerei erreichen können. Kleine Ab-secsse sind oft nicht naohtheilig. Dagegen stört ein grössercr Abscess die Blutoircuktion. Sitz eines solchen Abscesses ist in den meisten Fallen der linke Ventrikel. Selten findet sich der Abscess in einem der Vorhöfe.
(lasuistik. Lehnhardt (Preuss. Mitth, 1855. S. 98) fand bei der Section einer Kuh, welclio plötzlich erltrankte und nach 7 Stunden einging, einen liühnereigrossen Abscess am linken Herzohr, der neben trookenem, zwiebelartig über einander geschichteten Eiter auch etwas flüssigen Kiter enthielt. Von letzterem hatte sich ein Theil in die Ventrikel ergossenquot;. In der mit dem Zwerchfell verwachsenen Haube fand sich eine Narbe, aus welcher Lehnhardt mit Hecht auf den traumatischen Ursprung des Abscesses schloss.
IV. Benetrirende Verletzung einer Herzhöhle oder einer Kranz-arterie und Blutung in den Herzbeutel.
Wenn der spitze Körper direct in einen Ventrikel oder in einen Vorhof oder in eine Kranzarterie dringt und hiernach die Blutung in den Herzbeutel herbeiführt, so verendet das Thier schnell und gewöhnlich innerhalb einer Stunde. Der Tod ist darauf zurückzuführen, dass die ponetrirendo Verletzung eine Lähmung des betreffenden Herzabtheils zur Folge hat. Auch kann zu dem schnellen Ableben beitragen, dass die starke Füllung des Herzbeutels mit Blut die Diastole des Herzens behindert.
Ciisuistik. 1. Uie Verletzung einer Kranzarterie des Herzens als Todesursache haben Bluhm-Klalow und Schmidt-Aachen (Preuss. Mitth. 1879. S. 4G) gefunden.
2.nbsp; nbsp;Sipp (Preuss. Mitth. 1862. S. 172) seolrte eine während der Nacht unerwartet eingegangene Kuh und fand den Herzbeutel durch Biutcoagnla so enorm ausgedehnt, dass derselbe einen grossen Theil der Brusthöhle ausfüllte. An der Herzspitze war der linke Ventrikel durch eine 3 Zoll lange Packnadel vielfach durchlöchert, wodurch das Blut in den Herzbeutel gedrungen war.
3.nbsp; nbsp;.lohow (Preuss. Mitth. 1874) constatirto bei einem zweijährigen Kinde, welches 6 Stunden nach dem Auftreten von Krankheitsersoheinungon einging, dass das Herz verletzt war und dass der Herzbeutel geronnenes Blut enthielt.
4.nbsp; nbsp;Igel (Bering's Report. 1870) fand bei einer bis dahin gesund gewesenen Kuh, welche innerhalb einer Viertelstunde nach der sichtbaren Erkrankung verendete, dass ein längerer Draht in die rechte Herzkammer eingedrungen und dass durch die Wunde viel lilut in den Herzbeutel gelangt war.
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Traumatisolie Herzbeutelentetindung, Perioarditis traumatica,
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5. üio gleiche Beobachtung haben Peiiett (Preuss. Milth. 18G2. S. 174), Ber-telt und Fischbach (ibidem 1879. S. 45) veröffentlicht,
G. ifarms (Mag. 1871, S, 491) fand bei einer 18 Stunden nach der sichtbaren Erkrankung gestorbenen Kuh, dass der Herzbeutel mit geronnenem Blut strotzend go-fiillt und dass ein langer Nagel von der Haube vorgedrungen war und das Herz durchbohrt halte.
7. Soh mid t-Aachen (l'rouss. Milth. 1879. 8.45) sail bei der Section einer plül/lich unter Brüllen und Niederstürzen verendeten Kuh, duss ein Brotmesser in die Seitenwand des linken Ventrikels gedrungen war. Füllung des Herzbeutels mit koa-gulirtem Blut. Verwachsung /.wischen Herzbeutel, Zwerchfell und Pansen.
Symptome. Die Krsclicinungon, welche die l.riiumatisclic Herzbeutelentzündung begleiten, .sind .seit mehr als 50 Jahren von den Tliior-firzten in der Literatur besprochen worden. Umfassende Darstellungen haben Seholl (Mag. 1849, S. 147), Carsten Harms (Mag. 1871, S. 449), Schmidt-Aachen (Vorträge für Thierfirzte, I. Serie, 1878, Heft V) und de Bruin (Monatshefte für pract. Thierärzte, XI. Jahrg. 1900) veröffentlicht.
Die traumatische Hauben-Zwerchfellentzündung, welche das erste Stadium der Pericarditis darstellt (vergl. S. 410), bedingt oft keine Krankeitsevscheinungen, Dagegen erzeugt die mit dem Vordringen des Fremdkörpers durch das Zwerchfell in den Herzbeutel verursachte umschriebene flbrinöse Pleuritis stets die Symptome der Indigestion Dabei empfindet das Thier durch Verschiebung des Thorax lebhafte Schmerzen, die es durch Stellung und Haltung des Körpers nach Möglichkeit zu mindern sucht. Die Verletzung des Herzbeutels verursacht die Unregel-mässigkeit und Ungleichheit des Pulses; durch das Exsudat, sowie durch die entzündlichen Veränderungen am Herzbeutel werden die Störungen in der JBlutcirculation bedingt.
Die wichtigsten Erscheinungen sind: Erschwerte und verzögerte Rumination. Aufblähen des Pansens. Mangelhafter Appetit. Verringerung der Milchseoretion bei Milchkühen. Puls beschleunigt, arhythmisoh und inäqual. Dyspnoe mit exspiratorischem Stöhnen. Mastdarintemperatur meist unerheblich, zuweilen aber um 1deg; gesteigert.
Nach 2 bis 8 Tagen verliert sich die Aufblähung des Pansens; aber das Thier bekundet grosse Vorsicht bei der Bewegung des Rumpfes: Steife Haltung der Wirbelsäule. Beschwerliche Ausscheidung der spärlichen Dannexcremente und des Urins mit längerer Beibehaltung der Riickcnkriimmung. Breite Stellung der Vordergliedmassen mit Abbie-gung der Ellenbogen, Das Thier empfindet beim Niederlegen Schmerzen, welche es dadurch kunclgicht, dass es nach Beugung der Vorderfuss-wurzeln sich wieder emporhebt und erst nach mehrfachen Versuchen
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42(5 Kranklioiteii der Dlgestlonsorgane und rlcs Herzons infolso Verwundung.
sloh sohliesslloh unter stöhnenden Klagelauten auf den Boden hcrablässt. In manohen Fällen Qxirt das Thier den Rumpf beim Aufstehen dadurch, dass es die Vordcrgiiedmasscn vollständig nach vorn streckt und sich dann langsam vom Boden erhebt. Auf starken Druck gegen die Brust oder gegen den Schaufelknorpel des Brustbeins äussert das Thier Stöhnen (Schell, Harms). Kückstauung des Blutes in die Venen. Die Drosselvenen füllen sich mit Blut; später sind dieselben infolge der starken Blutfüllung derb und strangförmig. Mitunter ist die Stauung so bedeutend, dass beide Drossclvencn am Halse als dicke Stränge erscheinen. Stauungsödem im Kehlgang und am Brustbein, in schweren Fällen am ganzen Triel entlang.
Herzschlag schwach, gewöhnlich unfühlbar. In der Literatur ist oft angegeben, dass der Herzschlag pochend oder prellend sei. Ich habe ein solches Symptom in keinem Falle gesehen und befinde mich hierbei in Uebereinstimraung mit Schmidt-Aachen. Mich will bedünken, dass die Angabe des pochenden oder prellenden Herzschlages auf einem Irr-thum beruht, der in der Literatur ohne Berechtigung fortgeführt wird.
Bei der Auscultation des Herzens findet sich gewöhnlich pericardi-tisches Reibungsgeräusch, dessen Entstehung durch das flbrinöse Exsudat und durch die Bewegung des Herzens veranlasst wird. Entwickeln sich in dem Krankheitsproducte des Herzbeutels Fäulnissgase, so machen sich klingende (Tropfengeräusch) oder plätschernde oder gluckende Geräusche bemorklich. Pcrcussionsschall an beiden Seiten des Thorax dumpf.
Verlauf. Nach der Lage und Beschaffenheit des Fremdkörpers gestaltet sich der Krankheitsverlauf verschieden. Die erfahrenen Thierärzte haben immer darauf hingewiesen, dass nach dem Verschlucken des scharfen Körpers in den meisten Fällen 2 bis 3 Monate, mitunter selbst bis ß Monate vergehen, bevor die Symptome der Pericarditis sich kund thun. Selten sind die Fälle, in welchen schon 2 bis 8 Wochen nach dem Verschlucken des Fremdkörpers sich die Pericarditis bemerklich macht.
Von wesentlicher Bedeutung für die Praxis ist die Thatsacho, dass bei längerem Pusstransporte des Thieres der Fremdkörper innerhalb #9632;weniger Stunden aus dem Zwerchfell in den Herzbeutel vorgeschoben werden kann. Dasselbe beobachtet man bei Kühen als eine Folge des Kalbens. Hierbei verursacht die starke Wirkung der Bauchprcsse, dass der Fremdkörper aus seiner Lage zwischen Haube und Zwerchfell schnell in die Brusthöhle und in den Herzbeutel gelangt.
Oft kennzeichnet sich der Verlauf dadurch, dass nach einer mehr-
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Traumatlsohe BerKbeutelentzttndanff. Perioarditls traumatioa.
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tfigigen crheblifilicn Unpüssliolikoit (Aufblähen, mangelhafte Futterauf-nalime und verzögerte Rumination) einige Wochen, selbst mehrere Monate das Befinden des Thieres relativ gut ist. Dann wiederholen sieb die Zufälic der Indigestion.
In der Mehrzahl der Fälle endet die Krankheit 1 bis 8 Monate nach ihrem erkennbaren Anfange mit dem Tode. Wird der Fremdkörper aber im Herzbeutel oder im Herzen gut eingekapselt, so bessert sich das All-gemeinbclindon des Thieres. Ich habe wiederholt gesehen, (lass solcbe Thiere in massigem Grade angemästet und dann mit Vorthcil noch durch Schlachtung verwerthet werden konnten.
ßei der selten vorkommenden vollständigen Obliteration des Herzbeutels finden sich längere Zeit hindurch keine erheblichen Störungen der Gesundheit. Ich habe einen solchen Fall beobachtet, in welcheni das Thicr nach dem ersten Auftreten der Krankhcitserscheinungcn sich erholte und 2 Jahre lang gesund war, darauf apoploktisch zu Grunde ging. #9632; Der Herzschlag ist unfühlbar, Puls schwach, beschleunigt und arhythmisch. Das Thicr stirbt unerwartet und erst die Section giebt über die totale Verwachsung des Herzbeutels mit dem Herzen näheren Aufsohluss.
Die Rinder, bei welchen das Herz durch den Fremdkörper porforirl wird, so dass der Herzbeutel sich mit Blut vollständig anfüllt, sterben regelmässig, in kurzer Zeit, ohne vorher nachweisbare Krankheitserscheinungen bekundet zu haben.
Section. Die Untersuchung des gestorbenen oder getödteten Rindes ergiebt die bei der Pathogenese bereits hervorgehobenen anatomischen Folgezustände der Verwundung: Verwachsung zwischen Haube und Zwerchfell und in derselben ein oder mehrere Wundkanäle mit eiterigem Inhalte und graublauen Wandungen. Fibrinöses Exsudat oder bindege-webige Verwachsung zwischen Zwerchfell und Herzbeutel. Verdiokung und Vergrösscrung des Herzbeutels, welcher serös-fibrinöse oder eiterigjauchige Flüssigkeit enthält. Das Herz ist klein. Verdickung des peri-cardialen Ucbcrzuges bis zu 2 cm. Ilerzoberlläche rauh, uneben. Mitunter Elterabsoesse unter dem verdickten Pericardium oder auch partielle Verwachsung des Herzbeutels mit dem Herzen.
Der Fremdkörper liegt oft in der bindegowebigen Verwachsung zwischen Haube und Herzbeutel, zuweilen auch im freien Raum des Herzbeutels. Eine scharfe Nähnadel findet sich mitunter im Herzlleisch. Zahlreich sind aber die Fälle, in welchen trotz genauer Durchsuchung der Organe sich der scharfe Körper nicht auffinden lässt, weil derselbe entweder in den Mageninhalt zurückgetreten oder beim Herausnehmen
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428 Kraiililieilon dor Digestionsorgune und des Herzens infolge Verwundung.
der Eingeweide sieh verloren hat. Die ältere Ansieht, class ein ver-sohluokter raetallisoher Fremdkörper (Eisen) sich im Körper des Tliieres oxydiren und auflösen könne, ist unrichtig und wurde von Harms mit Recht zurückgewiesen.
Uiaguose. Die traumatische Hauben-Zwerohfellentzündung bedingt mitunter eine Reihe von Erscheinungen, welche mit den Zufällen der durch üeberftitterung verursachten acnten Indigestion übereinstimmen. Demnach ist im ersten Stadium der traumatischen Pericarditis die Diagnose unsicher. Nach Eintritt des Fremdkörpers in die Brusthöhle folgt neben den anderen Symptomen der für die Diagnose wichtige arhyth-mischc, inäquale und beschleunigte Puls. Dazu kommt die starke Füllung der Drosselvenen, die bei einiger Uebung des Sachverständigen schon frühzeitig als Merkmal der Pericarditis zu erkennen ist. Späterhin hat das Symptomenbild der chronisch-entzündlichen Jlerzbcuteiwasser-sucht ein so bestimmtes Gepräge, dass die Krankheit auch ohne Erhebung des Sectionsbefundcs mit Sicherheit zu diagnosticiron ist.
Die Prognose ist in jedem durch die Erscheinungen klar ausgesprochenen Falle ungünstig. Man beobachtet zwar zuweilen, dass die Symptome auf einen niedrigeren Grad zurückgehen. Aber ich habe doch stets gesehen, dass das Thier sich nicht so vollständig ernährte, wie ein gesundes Rind. Auch kann das Thier, nachdem es scheinbar 4 bis 8 Monate lang in gebessertem Zustande verblieb, unerwartet und zwar infolge einer Störung der Blutzirculation verenden. Aus diesen Gründen empfiehlt sich, nach der sicheren Festcllung der Krankheit baldtlumlichst die Schlachtung zur Verwerthung des Fleisches herbeizuführen.
Therapie. Zur Heilung der traumatischen llcrzbeutelwassersucht ist vonObich-Straubing (Adam's Wochenschrift 1863) empfohlen worden, nach operativer Eröffnung des Pansens die Hand bis zur vorderen Wand der Haube zu führen, den Fremdkörper daselbst zu suchen und hervorzuziehen. Obich konnte aber in 13 Fällen nur 4 Thiere wieder herstellen. Meyer-ßirkenfeld (Mag. 1864. S. 257) operirte eine Kuh mit gutem Erfolge; bei einer anderen Kuh war das Verfahren nutzlos. Johow (Preuss. Mitth. 1869. S. 124) entfernte zwar bei einer Kuh durch die Obich'scho Operation den Fremdkörper (ein langes Stück Eisendraht) aus der Haube; aber die entzündlichen Veränderungen in den Brustorganen waren bereits so erheblich vorgeschritten, dass der Besitzer die Kuh 5 Tage später schlachten Hess.
übschon die Operation am stehenden Thier leicht ausgeführt werden kann, so ist dieselbe doch für die Praxis auf exceptionelle Fälle zu beschränken. Denn in den meisten Krankheitsfällen ist der scharfe Körper
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Verstopfung ilor Speiseröhre.
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sohon in die Brusthöhle gelaugt und deshalb für den Operateur unerreichbar, bevor die innere Verwundung sich mit der erforderlichen Siclier-hoit diagnostircn lässt. Dazu kommt, dass der relativ lange Schnitt durch die Bauohdeoken und den Pansen eine längere Zeit zur Ausheilung gebraucht und dass in dieser Zeit das Thier erheblich abmagert. Schon aus diesem Grunde kann die Operation bei den gewöhnlichen Nutzkühen keinen erbeblichen wirthscbal'tiichen Vortheil haben.
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E. Krankheiten der Digestionsorgane.
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Oapitel XC. VcrstopfHiig der Speiseröhre.
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Der Regel nach gehört der verschluckte Gegenstand, welcher in der oberen oder in der mittleren Halspartie oder im Brusttheil der Speiseröhre beim Rinde stecken bleibt, zu den Nahrungs- oder Genussmitteln. Sehr selten wird beobachtet, dass ein Holzstab oder Metall-stäck sieb in der Speiseröhre festsetzt (vcrgl. S. 407).
Kühe und Ochsen fressen aus Hunger oder aus Neid oft sehr gierig. Wenn nun das Futter einen relativ grossen Gegenstand (Kartoffel, Apfel, Birne etc.) enthält, so wird derselbe ohne gekaut zu sein, in die Kachenhöhle befördert und verschluckt. Infolgedessen verstopfl sich die Speiseröhre (SchlundVerstopfungquot;). Meist ist der Körper von runder Beschaffenheit; es kann deshalb nicht einmal Wasser an demselben vorbeilaufen und in den Magen gelangen. Ebensowenig ist das Ausstossen der l'ansengase (Rülpsen) möglich. Wenn aber der obtui'i-rende Körper eine kantige Komi bat, wie bei zerkleinerten Kuben oder Kartoffeln mitunter vorkommt, so ist die Obturation der Speiseröhre nicht vollständig.
Die Aufnahme von Gegenständen, welche zu gross sind, um die Speiseröhre passiven zu können, erfolgt zuweilen bei der Stallfütterung, öfter aber im Freien. Werden Kühe oder Färsen über freie Plätze oder durch einen Obstgarten getrieben, so ergreifen sie die etwa auf dem
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Kranliiioiteii der Dlgestionsoi'gano.
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Boden liegenden Gcmissmittcl (Kartoffel, Hübe, Apfel, Hirne) in der Schritt- oder in der Trabbewegung und befördern dieselben gierig in die Maul- und Rachcnliöhle, worauf das Schlucken autonmtiscli erfolgt,
Symptome. Das mit der Sohlundverstopfung behaftete Rind zeigt Appetit auf Futter und Getränk. Es kann aber nur soviel herab-sohluoken, als die Speiseröhre oberhalb der Verstopfung aufzunehmen vermag. Ist diese Füllung erreicht, was sich äusserlich in der Drossel-rinno bemerklioh macht, so wird das verschluckte Futter und Getränk unter Urccbanstrengungen wieder ausgestossen. Man kann auch zu diagnostischen Zwecken dem Thicr eine Flasche voll Wasser eingeben, worauf sich die Speiseröhre im oberen Abthcil füllt und demnächst die Aus-stossung des mit Speichel vermengten Wassers eintritt. Speicheln aus dorn Maul. Gestreckte Kopfhaltung. Füllung des Pansens mit Gasen, weil die Verstopfung der Speiseröhre das Rülpsen nicht zulässt; ist die Obturation unvollständig, so fehlt die Erscheinung. Da das Thicr vor Eintritt des Krankheitszustandes kein blühendes Futter genossen hat, SO erlangt der Meteorismus des Pansens keinen lebensgefährlichen Grad. Die dieser Erfahrung entgegen stehenden Angaben in der Literatur sind nicht begründet.
Bei der Belastung der Speiseröhre giebt sich der Fremdkörper in der .Halspartie durch eine dicke, derb anzufühlende Stelle zu erkennen. Sitzt derselbe unweit der Rachenhöhlc, so lässt sich auch seine Form einigermassen beurtheilen. Die Obturation der Speiseröhre in der Brustpartie ist äusserlich nicht zu erkennen, sondern nur aus der Regurgita-tion des genossenen Futters und Getränkes zu erschliesscn.
Die l'rogiuKsc ist in den meisten Fällen günstig. Nur darf die operative Entfernung des Körpers aus der Speiseröhre nicht überstürzt werden.
Zur Behandlung sind folgende Methoden am meisten zu empfehlen:
1. Wenn ein nur massig grosser Körper in der Ualsportion der Speiseröhre steckt, so lässt man den Kopf des Thieres durch einen Gehilfen hoch halten und nach vorn strecken. Der Thiörarzt stellt sich an die linke Seite und legt den rechten Arm über den Hals des Thieres. Darauf setzt er die Daumen oder die Fingerspitzen beider Hände unter den Körper und schiebt denselben in der Speiseröhre 20 bis 30 cm weit nach oben, was sich leicht ausführen lässt. Nun werden die Finger oder die Daumen beider Hände oberhalb des Körpers angesetzt und letzterer kräftig die Speiseröhre herab nach unten geschoben. Durch einen solchen Druck gelingt es sehr oft, den Körper über die enge Stelle hinweg zu schieben, worauf derselbe von selbst in den Magen hinabgleitet.
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Verstopfung dor Speiseröhre.
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loh habe dieses einl'acho Verfahren vielfach mit bestem Erfolg ausgeführt. Es ^iebt aber Fälle, in welchen der Körper zu gross ist und an der engen Stelle der Speiseröhre stets von Neuem sitzen bleibt.
2.nbsp; nbsp;Man lässt den Kopf dos Thieres strecken und ein Maulgatter in das Maul legen. Hierauf wird der Fremdkörper nach dein zu 1 vorstehend bezeichneten Verfahren bis dicht vor die Rachenhöhle nach oben geschoben und daselbst von einem Gehilfen (ixirt. Der Thierarzt dringt dann mit der Hand durch das Maulgatter in die Rachen höhle und zieht mit den Fingern den Körper aus dem Schlünde hervor.
Ich habe nur in einem Falle den Körper (eine Birne) aus der Speiseröhre bis in die Raohenhöhle befördern können, worauf derselbe in die Maulhöhle gelangte und von der Kuh sofort zerkaut wurde. Sonst beobachtet man stets, dass, wenn der Körper den Schlundkopf erreicht, das Thier mit aller Gewalt den Kopf in der Genickpartie emporzieht und Sohluckbewegungon ausführt, worauf der Fremdkörper in die Speiseröhre zurückgeht. Deshalb ist bei diesem Verfahren das Hervorholen des Körpers aus der Raohenhöhle nicht zu umgehen.
3.nbsp; nbsp; nbsp;Seit vielen Docennien ist bekannt, dass die meisten Körper durch den herabgeschluckten Speichel allmälig erweichen und dann von selbst weiter gleiten. Nach dieser Erfahrung empfahl .Birrcnbach (Preuss. Mitth. 1867. S. lli)) schleimig-ölige Mittel einzugiessen und das Thier ruhig stehen zu lassen, worauf der Körper gewöhnlich nach mehreren Stunden in den Magen hinabgleitet. Das Verfahren wurde später von vielen Praktikern nachgeprüft und bewährt gefunden. Nicht begründet ist aber die vielfach geäusserte Ansicht, dass ein Troikar in den Pansen geführt und zur beständigen Entleerung der Gase liegen bleiben müsse. Ich habe eine Reihe von Fällen behandelt und dabei stets beobachtet, dass der Meteorismus des Pansens für das Thier nicht lebensgefährlich wird. Der Sicherheit wegen pflegte ich einen Gehilfen bei dem Thiere zu lassen, damit derselbe im Nothfalle den Pansen eröffnen könne. In-dess war die Operation in keinem Falle nothwendig. Nach 614 Stunden wird der Körper von selbst in den Magen befördert. In der Literatur sind aber Fälle initgetheilt, in welchen das Hinabgleiten des Fremdkörpers erst nach 24 Stunden und noch später erfolgte.
Michalski injicirtc bei einem Bullen snbeutan Verairin. 0,1 in Spiritus 10,0 und beobachtete nach 15 Minuten heftiges Würgen, worauf die Verstopfung beseitigt war. Ob Pilocarpin und Arecolin die gleiche Wirkung haben, ist nicht genügend bekannt.
4.nbsp; nbsp; Das gewaltsame Iferabstossen des Körpers mit einem langen glatten Stab oder mit der Sclilundröhre ist nicht ohne Gefahr. Ich habe
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luaiikhciten dor Dig'estlonsovgane.
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in raohreren Fällen kennen gelernt, class hierbei die Speiseröhre cine erheblioho Verletzung erlitt, wogen deren die Schlachtung des Thieres nothwendig wurde.
Die operative Eröffnung der Speiseröhre ist in den Lehrbüchern der Chirurgie beschrieben.
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Capitol XOI. Acute Bliilisuclit. initcr Neteorisinus des Pansens. Auflilähen.
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Gegen linde des 18. Jahrhunderts hat sich in Deutschland der Anbau dos Klees, insbesondere dos rotheu Klees (Trifolium pratense L.) verallgemeinert, Mit dieser Neuerung im Futterbau wurde das acute Aufblähen beim Kindvioli eine häufige und gefürchtete Krankheit. Aussor dem rothen Klee kommt in einzelnen Fallen als Ursache dos Aufblähens in Betracht: dor weissc Klee, der schwedische Klee, die Luzerne und dio Esparsette. In den Marschen der norddeutschen Tiefebene sind nach einigen Mittheilungen die Grusweiden sehr üppig und es kann daselbst auch beim Weidegange, demnach durch Gras das Aufblähen veranlasst werden.
Aetiologic. Die wesentliche Ursache liegt in dor reichlichen Auf-nalimc von grünem Klee. Das Futter unterliegt innerhalb weniger Stunden im Pansen und in der Haube einer abnorm starken Gährung mit Gasentwicklung. Die Gase sind mit dem Futterbrei vermischt. Sie bestellen aus Kohlenwasserstoffgas (Sumpfgas), Kohlensäure und Wasserstoffgas. Einen Theil derselben bildet die mitversebluckte athmosphärische Luft. Die grössto Bedeutung dürfte aber das Kolilenwasserstoffgas haben. Zu der Gährung, durch welche letzteres producirt wird, inklinirt das grüne Kleefutter nicht gleiohmässlg. Der junge Klee ist gefährlicher als der alte. Ferner entsteht das Aufblähen leicht, wenn der Klee auf dem Acker eine welke Beschaffenheit besitzt, namentlich infolge der Sonnenhitze des Mittags, wobei sich das Kleefeld mit Spinngewebe bedeckt; ferner infolge von Regen. Dagegen verfällt der Klee, der vom Thau dufohnässt ist, nach dorn Genüsse weniger leicht der Gährung. Das Be-weiden des Klees bei windigem Wetter erhöht die Gefahr. Lagert der geschnittene Klee auf der Futtcrteime in einem grossen Haufen, so ent-
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wickelt sich in demselben
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'inigen Stunden eine Gährung mit starkor
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Erhitzung (der Klee ist beiss geworden1'). In diesem Zustande genossen
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Acute Blälisucht. Aculev Moteorismus dos Pansens. Aufblühen.
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veranlasst das Kleefuttor gewöhnlich naoh kurzer Zeit erhebliches Aufblähen.
Die Anlage zum acuten Aufblähen besteht bei Rindern jeden Alters und Geschlechts. Einzelne Kühe besitzen aber, wie ich oft constatirtc, eine geringere Spannkraft in der Muskulatur des Pansens und erkranken deshalb leichter als andere. Es giebt auch Kühe, welche sich täglich vom frischen Klee auf dem Felde oder im Stalle satt fressen können, ohne aufzublähen. Im Allgemeinen fördert das gierige Fressen des grünet) Klees das Zustandekommen der Blähsucht. Wenn Kühe oder Färsen hungerig auf den mit jungem, üppigem Klee bewachsenen Acker-plan getrieben werden, so tritt das Aufblähen schon nach kurzer Zeit und schneller ein, als wenn die Thiere vorher Gras gefressen und ihren Hunger zum Theil befriedigt haben.
Symptome. Ausgedehnt sind von der abnorm starken Gasentwicklung der Pansen und die Haube. Frsterer verdrängt im aufgeblähten Zustande den Darm nach vorn und unten und nimmt daher den ganzen hinteren Raum der Bauchhöhle ein, liegt deshalb auch der rechten Seite des Bauches unmittelbar an. Aber die Aufblähung erreicht an der rechten Seite niemals den hohen Grad als an der linken. Oft steigert sich der Meteorismus des Pansens so bedeutend, dass an der linken Seite die Querfortsätze der Lendenwirbel und der äussere Darmbeinwinkel (Hüfte), sowie die letzten falschen Rippen nicht mehr gefühlt werden können. Das Thier erscheint trommelsüchtigquot;. Daher die ungeeignete Bezeichnung der Krankheit als .,Tympanitisquot;.
Weitere Symptome sind: Aufkrümmen des Rückens, Dyspnoe mit exspiratorischem Stöhnen; Pulsfrequenz; allgemeine Ermüdung und unruhiges Verhalten.
Verlauf, 1st das Aufblähen nur in massigem Grade vorhanden, so verliert sich dasselbe mitunter in einer halben bis einer Stunde von selbst. Sonst wird das Thier dadurch gefährdet, dass der stark erweiterte Pansen auf das Zwerchfell und das Herz drückt, wodurch die Blutcirculation in den Lungen so wesentlich beschränkt werden kann, dass das Thier an Erstickung eingeht. Es stirbt unter den Erscheinungen der asphyetischen TodesarL Laien gebrauchen oft den Ausdruck, dass das Rind infolge des Aufblähens geborstenquot; sei. Indess habe ich nie gefunden, dass bei dem betreffenden Thier ein Organ zerrissen war. Bei der Section einer solchen Kuh oder eines Ochsen ist zuweilen eine posl-mortal entstandene Ruptur des Zwerchfells zu constatiren, was selbstredend die Theorie des Berstens nicht unterstützen kann. Oft. erreicht das Aufblähen schon 1620 Minuten nach dem Beginn des Verzehrens Dloc kcrhoif. Speo. Pnthologlo ti, Thernplo. II. Bd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 28
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Krankheiten der Digestionsorgane.
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\ron Kleefutter einen lebensgeffihrliohon Grad. In anderen Fällen ver-gclien darüber eine bis zwei Stunden. Man beobachtet auch zuweilen, das.s die starke Füllung dos Pansens mit Gasen sich nach kurzer Zeit vermindert, und daS8 dann bei dem ruhig im Stalle stehenden Thier eine halbe Stunde später der Meteorismus von Neuem einen höheren Grad erreicht.
Diagnose. Das acute Aufblühen ist allgemein bekannt und für Jedermann augenfällig. In diagnostischer Hinsicht dürfte aber die Bemerkung nicht überflüssig sein, dass dasselbe stets innerhalb der ersten 4 Stunden nach der Aufnahme des blähenden Kleefuttcrs entsteht und sich hierdurch von dem nicht lebensgefährlichen Aufblähen, welches die acute Indigestion begleitet, unterscheidet.
Prognose. Bei rechtzeitiger Behandlung wird das Aufblähen des Kindes stets geheilt. Gefährlich ist aber der sehr schnelle Verlauf. Hat der Meteorismus einen hohen Grad erreicht, so darf die operative Eröffnung des Pansens nicht unterbleiben; denn sonst geht das Thier zu Grunde. Die gieichzeiligc Erkrankung mehrerer Milchkühe oder Färsen ersehwert unter den gegebenen Verhältnissen die Behandlung. Auch
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kommt in Betracl
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dass
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eine thierärztliche Hilfeleistung sich häuf
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nicht schnell genug beschaffen lässt und dass daher die Behandlung des Thieres den Laien anheimgegeben ist.
Therapie. Voll den seit 100 Jahren in Vorschlag gebrachten Heilmitteln sind nur wenige von practischem Worth. Die Selbsthilfe dos Kindes liegt in der Ausstossung eines grösseren Theils der Gase durch die Speiseröhre (Rülpsen). Da aber im Pansen und in der Haube die Gase mit dem Futterbrei (Wasser und gekautes Kloefutter) vermengt sind, so gelingt dem Thiere die Entfernung derselben beim Külpsen oft nicht oder nur unvollständig.
Mittel, mit welchen die Gase durch chemische Wirkung gebunden worden könnten, giebt es nicht, insbesondere nicht für den Hauptbestand-theil derselben: das KohlenwasserstolTgas. Der Vorschlag, Kalkvvasser oder gebranntes Magnesium zu geben, um die Kohlensäure zu binden, hat keinen Werth.
Die Beförderung der Gase aus dem Pansen und aus der Haube in den Labmagen und in den Darm ist unerheblich und kann deshalb kein Beweggrund für die Behandlung des Thieres sein.
Das Külpsen oder Aufstossen lässt sich befördern durch die Ver-abrMchung von Arzneimitteln. Am wirksamsten ist die weisse Kieswurzel (Pulv. Khizomat. Veiatri albi 5,010,0 in einer Flasche kalten Wassers als Schüttelmixtur; erforderlichen Falles nach 1520 Minuten
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Acuto Bliihsucht. Acutcr Motoorismus dos Pansens. Aufblähen.
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zu wicdorliolon). Ferner: Liquor Ammon. caust. oder Oleum Therebinth. oder Petroleum: löffelweise in einer Flasche kalten Wassers alle 10 Minuten. Einigen Vorlheil hat auch Branntwein oder schwarzer Kaffee, üeblich und rationell ist das Kaueidassen auf einem in das Maul gelegten und hinter den Hörnern zusammengoknoteten Strohseil. Den meisten Nutzen hat aber das anhaltende Massiren dos Pansens an beiden Seiten des Bauches.
Wird die vorbezeiclmete Behandlung mit Sachkunde und Energie durchgeführt, so pflegt das Thier durch Rülpsen in kürzeren oder längeren Zwisclienzcilen Gase und mit denselben oft eine geringe oder grösscre Menge des Futterbreies durch das Maul zu entleeren.
Erfolgt die Gasentwicklung im Pansen stürmisch, so entsteht neben dem starken Meteorismus des Bauches zugleich eine Athemnoth. In solchen Fällen muss die operative Eröffnung des Pansens unverzüglich erfolgen, um denselben von einem Theil seines Inhalts zu befreien. Die Eröffnung Ist an der linken Seite des Bauches und zwar in der eine Hand breit von den Lendenwirbeln und von der Hüfte entfernten Partie, entweder mit einem spitzen Messer oder mit einem grösseren Troicart zu bewirken. Ein Besitzer, bei welchem 5 Milchkühe gleichzeitig aufgebläht waren, hatte versehentlich bei 2 Kühen die Function des Pansens an der rechten Bauchwand mit einem Messer vorgenommen. Ich habe hierauf beide Thieve behandelt; sie wurden ebenso schnell gesund, wie die 'an der linken Seite operirten Kühe. Diese Beobachtung beweist, dass der aufgeblähte Pansen sich bis unmittelbar an die rechte Bauchwandung eistreckt. Gleichwohl bielct die linke Seite des Bauches das allein geeignete Operationsfeld. Nach meiner Erfahrung ist das Messer zur Eröffnung des Pansens gleich gut geeignet, wie der Troicart. Es ist allgemein üblich, nach der Operation mit dem Messer ein langes Holzstäbchen durch die Wunde in den Pansen zu führen und mit demselben das Heraustreten der Gase zu fördern. Hierdurch wird auch die Communication der Pansenwunde mit der Wunde in der Bauchwand gesichert. Bei der Function mit dem Troicart lässt sich die Wegsamkcit der Hülse und das Ausströmen des mit Gasen vermischten Panseninhaltes auch nur durch andauernde Benutzung eines langen Holzstäbchcus bewirken. Die Entleerung des Pansens ist so lange fortzusetzen, bis das Thier im Bauch genügend beigcfallen ist, was gewöhnlich nach 30 bis 40 Minuten sich erreichen lässt. In vereinzelten Fällen kann nach einer Vitulindicatiou ein fingerlanger Schnitt, durch die Bauchwand und den Pansen erforderlich sein. Aus dieser grossen Oeffnung lässt sich mit der Hand in kurzer Zeit ein erheblicher Theil des mit Oasen ver-
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misclitcn Futterbreies aus dem Pansen entfernen, worauf die Bewegung dos Zwerchfells und mit derselben die Athmung eine wesentliche Erleichterung erfährt.
In jedem Falle, namentlich auch bei der Benutzung des Troicars, versagt das Rind am ersten Tage nach der Operation die Aufnahme von Futter. Ebenso unterbleibt die Rumination. Bei Milchkühen verringert sich die Secretion des Euters bedeutend. Nach und nach kehrt das Wohlbefinden dos Thieres zurück. Die Wunde wird am besten nicht geheftet, im Ucbrigcn mit flüssigem Holztheer oder mit einem anderen desinficirenden Mittel behandelt. Bis zur Heilung derselben vergehen rcgelmässig mehrere Wochen.
Prophylaxis. Wenn aus wirthsohaftlichen Gründen auf den mit Klee, Luzerne oder Esparsette bebauten Aeckern die Kühe geweidet werden sollen, so ist darauf zu halten, dass die Thiere das Futter nicht gierig verzehren. Sehr zweckmässig wird jede Kuh an der Tiider festgelegt, damit dieselbe für eine bestimmte Zeit nur das genau bemessene Quantum des Futters abweiden kann. Sonst darf den Thieren zum Abweiden des üppig gewachsenen jungen Klees nur eine kurze Frist gewährt werden. Nützlich ist auch, die Rinderheerde vorher Gras oder anderes nicht blähendes Futter verzehren zu lassen, weil dann der Klee weniger gierig gefressen wird. Bei der Stall füttern ng ist zweckmässig, das grüne Klecfutter zerkleinert und im Gemenge mit Stroh oder Heu' zu reichen.
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Gapitcl XC1L Acute Indigestion. Acute Dyspepsie.
Obschon die Dyspepsie oder Indigestion .....- SchwerverdaU'
lichkeit, Unverdaulichkeil alle Störungen im Chemismus der Verdauung umfasst, so wird mit diesem Namen in der Lehre von den Krankheiten des Rindes doch seit langer Zeit nur die durch überreiche Aufnahme von schwer verdaulichen Futterstoffen herbeigeführte Störung der Pansenverdauung bezeichnet. Es mag sein, dass hierbei auch die Spannkraft der Haube beeinträchtigt ist.
Begrifflich erstreckt sich hiernach die Dyspepsie oder Indigestion beim Kinde nicht auf die selbstständige Störung der Verdauung im Labmagen. Für diese Erkrankung benutze ich den Namen Gastri-
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Acute Indigestioili Acute Dyspepsie
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oismusquot; odor Status gaslricusquot;, und zwar deshalb, weil bei den Wiederkäuern nur im Labmagen der Magensaft sccomirl wird und deshalb In diesen) nur eine vollständige Magenverdauung stattfindet. Die drei ersten Magen oder Vormagen sind als Ausbuchtungen der Speiseröhre anzusehen, in welcher die Ausnutzung des an Cellulose reichen Futters vorbereitet wird.
Das grobgekauto Futter verbleibt im Pansen ungefähr 24 Stunden und wird in dieser Zeit macerirt. Auch hat der mit verschluck to Speichel die Wirkung, dass ein Theil der Kohlenhydrate in Dextrine übergeführt wird. Wesentlich für diese Verdauung ist die Eigenbewegung des Pansens. Demnach beruht die acute Indigestion anatomisch auf einer krankhaften Herabsetzung des Tonus in der Pansenwandung. Dazu kommt die sich in Folge der Paresis ausbildende abnorme Gälming des Futterbreies im Pansen.
Aetlologie. üebergrosse Aufnahme von schwer verdaulichem Futter: Kartoffeln, Rüben, Mehltränke, Küchenabfälle, Rübcnlaub, Kartoffellaub, verschimmeltes oder verfilztes Rauffutter. Besonders oft entsteht die Krankheit auch nach dem Genuss von gefrorenen und wieder aufgethauten Futtermitteln.
Schwer verdaulich kann das in grosser Menge vor/ehrte Futter in Folge des concentrirten Nährstoffverhältnisses sein. Denn die Proteinstoffe in dem genossenen Futter werden durch die Pansenverdauung wohl macerirt aber sonst nicht beeinllusst.
Anderseits beruht die Schwerverdaulichkcit in einer abnormen physikalischen Eigenschaft des Futters. Multriges Heu sowie verschimmelte und gefrorene Substanzen wiederstehen der vollständigen Erweichung, wirken daher reizend auf die Schleimhaut des Pansens und unterliegen weiterhin der fauligen Zersetzung.
Symptome. Minderung oder vollständige Sistirung der Futteraufnahme; seltene und verlangsamte Rumination; bei schwerer Erkrankung unterbleibt das Wiederkauen vollständig. Füllung des Pansens und massige Auftreibung desselben an der linken Seite des Bauches. Durch die Bauchwand fühlt sich der Panseninhalt teigig an. Pansenbewegungen fehlen oder treten nur langsam und unvollständig hervor. Darmausscheidung am ersten Page normal, später verzögert. Pulsfrequenz gesteigert. Mastdarmtemperatur nicht erhöht. Athmung nicht beschleunigt, in den höheren Krankheitsgraden aber stets von exspiratorischem Stöhnen begleitet. Bei Kühen vermindert sich die Milchsecretion erheblich.
Der Verlauf richtet sich nach dem Grade der Kränkelt. Meist vor-
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Kntnldioiion dor Digestionsorgane,
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gehen 10 bis 20 StuiKlon nach der Sättigung dos Thieros mit schwer verdaulichem Futter, bis die Krankheit sielraquo; bcmerklicli macht. Leichte Fälle enden schon in einem Tage und oft ohne medicamentöse Behandlung mit Genesung. Gewöhnlich dauern aber auch bei relativ geringer Erkrankung die Erscheinungen '2 bis 3 Tage, worauf sich die Rumination wieder einstellt und das Thicr Appetit auf leicht verdauliches Kauffutter zu erkennen giobt. Die Normalität der Pansen-Verdauung tritt aber erst nach mehreren Tagen wieder ein.
In vereinzelten Fällen ist die Heilung unvollständig. Es bleibt eine Schwäche (Farese) des Pansens zurück chronische UnVerdaulichkeit.quot;
Bei schwerer Erkrankung, namentlich oft nach der Aufnahme einer grösseren Menge von Getreide (Roggenschrot oder Gerstenschrot), erzeugt die abnorme Gährung des Futters reizende Stoffe, durch welche die Schleimhaut des Pansens besonders in dem unteren, zottentragenden Abtheil sich entzündet. Harms constatirte in einem Falle, dass die entzündliche Erkrankung sich nicht bloss auf die Muscularis, sondern auch auf die Serosa des Pansens fortgesetzt hatte (circumscripte Rauchfellentzündung).
Aus dem Pansen können die reizenden Gälmmgsproducte mit dem flüssigen Futterbrei direct in den Labmagen und Dünndarm übergeleitet werden, weil der flüssige oder breiige Inhalt des Pansens der Rumination nicht unterliegt. Durch die Wirkung dieser Stoffe kommt eine acute Labmagen-Dünndarmentzündung zu Stande, die immer lebensgefährlich ist und oft tödtlich ausgeht.
Eine schwere Indigestion führt in der Regel und besonders wenn
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die Behandlung nicht rechtzeitig orfol
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zur
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Entwickeluna einer acuten
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Gastro-Enteritis mit folgenden Erscheinungen: Darmverstopfung und starke Aiifüllung des Pansens. Allgemeine Ermüdung und Unvermögen zu stehen. Schwerathmen mit Klagelauten. Fiebertemperatur. Beschleunigter, kleiner oder drahtförmiger Puls. Eingenommenheil: des Bewusstseins. Gyanotische Färbung der Kopfschleimhäute.
Die Dauer der Krankheit erstreckt sich auf 28 Tage. Die schweren Fälle führen gewöhnlich nach 34 Tagen zum Tode.
Sectionsbefuml. Das in Folge Erkrankung an der acuten Dyspepsie gefallene Rind lässt beim Aufschneiden des Pansens an der Schleimhaut, namentlich an dem zottentragenden Abthcil, ferner im Labmagen und im Dünndarm eine entzündliche Rötlumg und Schwellung erkennen. In der Haube findet sich nach Harms keine Veränderung.
Diagnose. Die starke Füllung des Pansens mit Futter und die massige Auftreibung desselben durch Gasentwicklung ergeben gewöhn-
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lieh mit Bestimmtheit, dass die Erkrankung des Thieres auf dor acuteraquo; Indigestion beruht. Vervollständigt wird die Befunderhebung durch die Anamnese, aus welcher in der Kegel zu constatiren ist, dass das Tluer eine iibergrosse Menge .schweren Futters oder ungewöhnliche schwer verdauliche Nahrungsmittel verzehrt hat. Der Thierarzt hat auch zu beachten, dass die acute Indigestion die häufigste Krankheit des Kindes ist.
Aehnliohkeit hat das Krankheitsbild mit den Symptomen der traumatischen Herzbeutelentzündung im ersten Stadium. Es fehlt aber der arhythmische, infiquale Puls. (Vorgl, Seite 425).
Die chronische Indigestion (Parese des Pansens) unterscheidet sich von der acuten Krankheit dadurch, dass das Thicr nur nach dem Genüsse von Futtor im Pansen aufbläht und nach Verlauf von einigen Stunden wieder beiCällt.
Prognose. Gegenüber der in der Landwirthschaft üblich gewordenen intensiven Ernährung des Kindes stellt, die acute Indigestion immer eine bedeutende Krankheit dar. Kühe erleiden durch dieselbe auch bei günstigem Verlaufe stets eine Einbusse in der Milchlieferung. Bei den meisten Thieren mindert sich das Körpergewicht in Folge des Appetitmangels schon in wenigen Tagen erheblich. Da die auf der Mast stehenden Kühe, Ochsen oder Bullen sich von der Indigestion nicht in S bis 14 Tagen vollständig erholen können, so empfiehlt sich in jedem bedeutenden Krankheitsfälle die alsbaldige Schlachtung des Thieres. Es kommt hin/u, das das Schlachtlleiscli der hier gedachten Kinder mir dann voll-werthig oder bankwürdig ist, wenn das Thier im ersten Stadium der Krankheit geschlachtet wird. 1st aus der Indigestion eine schwere Magen-Darmentzündung zur Ausbildung gelangt, so kann das Fleisch nicht mehr als gen asstauglich gelten.
in den geringen Graden der Indigestion lässt sich die schnelle Genesung des Thieres in Aussicht stellen. Dagegen hat bei schwerer üeberladung des Pansens die Behandlung nicht immer einen günstigen Erfolg.
Die in der neueren Literatur verbreitete Meinung, dass bei der acuten Indigestion die Aufblähung lebensgefährlich sei, ist nach meinen Erfahrungen nicht begründet. Ich habe die Krankheit in einer grosson Zahl von Fällen behandelt, aber niemals die operative Eröffnung des Pansens noting gefunden.
BehandluDg. In den geringen Graden der Indigestion erholen sich die Thierc bei vollständiger Entziehung des Kraftfutters in 1 bis 2 Tagen. Ueblich ist, in solchen Fällen die Verabreichung von Salzsäure in kleinen
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Knmklieilon dor Digestionsoi^iuic.
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Dosen. Aeltoic schweizorisclic Tliicrärzte erepfehlen gogon die schwöre Erkrankung Salzsäure 30,0 g in einem Liter Kamilleninfusuin
dreimal täglich zu geben. Es genügen aber schon 10,0 pro dosi in oiner Weinflasche voll Wasser. Allgemein üblich Ist seit, vielen Jahrzehnten die Verordnung von Brechweinstein mit Neutralsal/en Rp. Tart. stib, 15,0, ISatr. suifurici, Magnes. sull'uriei ana 500,0. M. f. pulv. D. S. in Wasser gelöst auf zweimal innerhalb 4 Stunden zu geben oder: Rp, Aloes 40,0, Natr. suifurici (500,0 auf einmal mit einer Flasche voll Wasser zu geben. Schwere Fälle habe ich oft mit Frfolg behandelt durch die Verabreichung von Tart. stib. 15,0, Aloes 50,0, Natr. sulfuric. 500,0. Es ist aber zu berücksichtigen, dass die Thiere durch diese Medication einige Stunden lang sich schwerer krank zeigen wie vorher. Sehr wirksam ist folgende Verordnung: Rhizom. Vcratii 10,0 bis 15,0; Natr. chlorat. 100,0; Rad. Althaeac 30,0. M. f. pulv. I). S. auf zweimal in Wasser als Schüttelmixtur. Vielfach wird in der Praxis Rhizom. Veratri (10,020,0) mit grossen Dosen Natr. sulfuric. (400,0600,0) auf zweimal in einem Tage als Schüttelmixtur gereicht. Weniger geeignet erscheint die von Harms empfohlene sub-cutano Injection von Vcratrinum sulfuric. (0,1 auf 10,0 Aq.). Denn hiernach entsteht zuweilen Erbrechen, wobei das Thier durch Fehlschlucken sich eine Lungenentzündung zuziehen kann. Auf Grund eigener Versuche kann ich auch Tinct. Veratr. nicht für empfehlenswerth halten. Die Wirkung derselben ist unsicher und bleibt in der Regel ganz aus. Hertwig erachtete die intravenöse Injection der Nieswurz-tinetur vortheilhaft; indess ist die Empfehlung von den praktischen Thierärzten nicht befolgt worden.
Physostrygmin und Pylocarpin sind gegen die acute Indigestion nicht empfehlenswerth; denn kleine Dosen dieser Präparate haben keine genügende Wirkung, und die grösseren Dosen veranlassen oft nachtheilige Nebenwirkungen. Erfolgreich hat sich dagegen das Chlorbariuin erwiesen. Als ich dies Heilmittel 1896 in die thierärztlichc Praxis einführte, habe ich bereits angegeben, dass sich die Dosis desselben beim Kinde nicht von vorn herein genau bestimmen lässt, weil der Futterbrei im Pansen und in der Haube, auch im Labmagen schwefelsaure und andere Salze enthält, welche mit dem Barium nach Abspaltung dos Chlors unlösliche Niederschläge bilden. Wenn das Chlorbarium zur Wirkung kommen soll, so muss dasselbe in kurzen Zwischenzeiten so lange weiter gegeben werden, bis sich die laxirende Wirkung bemerklich macht. Zweckmässig werden nach der Grössc des Thieres Dosen von 10,0 bis 20,0 g des Mittels, mit Kochsalz in einer Flasche Wasser zwei-
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Chronische IndigostloDi Cbronisoho Dyspepsie. Paresis dos Pansens, 44 l
bis dreimal täglioh verabreicht, bis die Exkremente eine breiige Consi-stenz zeigen. Nacb zahlreichen Versuchen an gesunden Rindern luillc ich diese Dosirung des Ciilorbariums einstweilen für zutreffend. Mit grösserer Sicherheit werden sich die Gaben erst auf Grund weiterer Erfahrungen der Praxis bestimmen lassen.
Oft ist von durchgreifendem Erfolge die Darreichung diätetischer Abführmittel zur Selbstaufnahme: Rohe KartolTeln in Scheiben geschnitten oder Grünfutter, insbesondere Rübenblätter. Das kranke Thier hat leider nicht immer Appetit auf derartige Futtermittel. Ich habe aber in solchen Fällen oft gesehen, dass zerkleinerte Kartoffeln verzehrt wurden, nachdem sie mit Kochsalz dünn bestreut waren. Schwor erkrankte Thiere zeigen 15 bis 20 Stunden später diarrhoischc Darmentleeningen. Wiederholt behandelte ich Thiere, bei welchen nur durch die Verabreichung solcher diätetischer Mittel dem tödtlichen Ausgange der Krankheit begegnet werden konnte.
Die vorgeschlagene Eröffnung des Pansens mit einem Troicart und die Einführung grösserer Mengen Wasser in denselben habe ich in zwei Krankheitsfällen geprüft aber nicht zweckmässig gefunden.
Im Stadium der Convaleszenz, das sich auf 8 bis 10 Tage ausdehnen kann, ist darauf zu halten, dass das Tbier nicht auf einmal zu viel Futter verzehrt. Zunächst wird zweckmässig die Verdauung angeregt durch Darreichung von gutem Heu oder schmackhaftem Stroh, sowie von dünnen Getränken aus Kleie und gekochten Kartoffeln. Futtermittel mit engem Nährstoflverhältniss sind erst nach und nach in grösse-ren Mengen den Thieren wieder vorzulegen. Von Nutzen ist, täglich zweimal Kochsalz mit doppelkohlensaurem Natrium als Lecke vorzu-streuen.
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Capitel XClli.
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Chronische Indigestion. Chronische Uys|iepsie. Paresis des Pansens.
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Die in massigem Grade entwickelte acute Dyspepsie kann zur unvollständigen Lähmung des Pansens führen und hierdurch die als chronische Lnverdaulichkeiiquot; seit fast 100 Jahren in der Literatur besprochene Krankheil des Rindes veranlassen. Mitunter sind die
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Krankheiten der DigostlonsQrgane.
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Erscheinungen der iicuten Dyspepsie so wenig auffallend, dass die Erkrankung von vorn herein den Carakler der Clironizität an sich trägt.
üeber die Pathogenm der clironisclien Indigestion lässt sich eine bestimmte Auskunft zwar nicht geben; es scheint indess, dass die Aufnahme einer relativ grossen Alengo schwer verdaulichen Futters zunächst eine entzündliche Reizung der Pansonschlcimhaut herbeiführt und dass hierdurch der Muskelapparat des Pansens eine Einbusse seiner Spannkraft erleidet. Die Energie der Pansenmuskulatur mindert sich so bedeutend, dass die durch die Gährung des Futterbreis erzeugten Gase (Kohlenwasserstoff, Wasserstoff, Kohlensäure etc.) sich im Pansen anhäufen. Die Gase sind bei dieser Krankheit nicht mit dem Futterbrei vermengt, können deshalb durch Application der Sohlundröhre oder durch Eröffnung des Pansens mit einem Troicart momentan entfernt werden. Erst nach einer Frist von mehreren Stunden werden die Gase auf natürlichem Wege durch Eructation oder durch Ueberleitung in den Labmagen aus dem Pansen und der Haube entfernt. Da die Aufblähung sich bei der üblichen Ernährung des Rindes oft wiederholt, sogar nach dem Genüsse von Heu oder Stroh schon eintritt, so leidet die Verdauung. Das Thier kann sich daher nur unvollkommen ernähren.
Synitomc. Das wichtigste Merkmal der chronischen Dyspepsie besteht darin, dass das Rind kurze Zeit nach dem Genuss des Futters im Pansen aufbläht. Der' Meteorismus hält gewöhnlich mehrere Stunden an und verliert sich dann so vollständig, dass die Flanken des Thieres erheblich beifallen. Oft ist das Thier in dem Grade aufgebläht, dass es mil gehobenem Rücken und gesenktem Kopf längere Zeit stehen bleibt und beim Ausathmon stöhnende Klagelaute bekundet. Aber ich habe in keinem Falle beobachtet, dass die Aufblähung eine dircote Lebensge-i'ahr für das Thier gehabt oder den Tod verursacht hätte.
Die Futteraufnahme verringert sich erheblich. Das Rind frisst langsam und verschmäht gehaltreihe Nahrungsmittel, Wiederkauen verzögert. Darmausscheidung selten; Excremente trocken. Allmälig zunehmende Abmagerung und kachektischer Habitus: harte Haut, struppiges Haar, tief liegende Augen, trockener Nasenspiegel. Versiegender .Milch bei Melkkühen.
Der Verlauf ist chronisch, wie schon der Krankheilsname besagt.
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Wenn die acute Indigestion länger als i)10 Tage anhält, so entwickelt sich das Leiden, welches sich gewöhnlich auf viele Monate ausdehnt, sogar 1 bis 2 Jahre lang bestehen kann.
Das nach dem Verzehren des Futters eintretende Aufblähen hält mehrere Stunden an, bildet sich darauf zurück, zeigt sich aber an dein-
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Chronisobo Indigestion. Chronischo Dyspepsie. Paresis dos Pansens. 44^
selben odor am folgenden Tage naoli der Futteraufnalime von Neuem. Gchaltreiciies Futter wird weniger gut vertragen als lieu oder Stroh. Aber auch nach dem Genuss des Rauhfutters stellt sieh vorübergehend das Aufblähen des Pansens ein.
Selbst bei sorgfältiger Pilcge bleibt das an der Paresis des Pansens leidende Rind nicht bei Kräften; es besitzt auch keinen wil'thschaft-liehen Wertb mehr. Meist vergehen aber viele Monate, bevor durch die Kachexie das Thicr so vollständig entkräftet ist, dass es nicht mehr aufstehen kann und durch Erschöpfung eingeht.
Diagnose. Die chrnoischc ünVerdaulichkeit wird gegenwärtig nicht mein- so oft beobachtet wie früher. In den Wirthscliaften mit grossen Viehbeständen werden die betreffenden Rinder schon im ersten Krank-heitsstadium geschlachtet. Die Besitzer einzelner Kühe lassen zuweilen ein solches Thicr längere Zeit am Leben, weil sie glauben, dass sich dasselbe noch erholen könne.
Die Erkennung ist für den geübten Praktiker leicht. Wichtig bleibt aber der diagnostische Gesichtspunkt, dass das Vorhandensein der Krankheit sich erst annehmen lässt, wenn man sicher ist, dass das Thier nicht mehr an der acuton Indigestion leidet.
Mit Vorsicht ist die in der Literatur verbreitete Ansicht zu beur-theilen, dass tuberkulöse Neubildungen in der Brusthöhle eine Compression des Schlundes und hierdurch die chronische IJnverdaulichkeil häufig zur Folge haben sollen. (Vgl. S. 256.) Zuzugeben ist, dass die Tuberkulose des Mediastinum das Aufblähen des Pansens wird bedingen können. Aber ich meine, dass derartige Krankheitsfälle die Diagnose der tuberkulösen Erkrankung der Brustorganc nicht unmöglich machen. Harms (Rinderkrankheiten 1895. S. 69) erklärt: Bei tuberkulösen Kühen, die ich in ziemlich grosser Zahl gesehen, habe ich niemals eine Compression des Schlundes nachweisen können, trotzdem ich die Pron-chialdrüsen bis zu 0,5 m Länge und 0,15 m Dicke gefunden habe.quot;
Mehr Schwierigkeiten für die Diagnose bringen die Symptome mit sich, welche die Verwachsung des Pansens mit der Bauchwand begleiten. (Vgl. S. 408.) Auch die traumatische Hauben-Zwerchfellentzündung vcranlasst oft, dass das Rind nach kürzeren oder längeren Zwischenzeiten aufbläht. Aber ich habe stets gefunden, dass bei der selbständigen Paresis des Pansens das Aufblähen sich mit grösserer Regol-mässigkeit nach der Futtoraufnähme wiederholt, was bei den trau malischen Krankheitszustänclcn des Bauchfells nicht beobachtet wird.
Prognose und Behandlung. Die der chronischen Unverdaulichkcit zu Grunde liegende Paresis des Pansens ist nach meinen Erfahrungen im-
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Kranlthoiten ilor Disestionsorffane.
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heilbar. Selbst wenn es bei einer fortgesetzten sorgfältigen Behandlung gelingt, (las Allgemeinbefinden des Tbicrcs günstiger zu gestalten, so Ifisst sich doch unter dem Binfluss der üblichen Ernährung des Rindes nicht verhindern, dass die Krankheit sich alsbald wieder durch das regelmässigc Aufblähen des Pansens bemerklich macht. Die in der Literatur mitgcthcilten Beobachtungen, dass die Krankheit durch starke Abführmittel oder durch lirechmittel geheilt sei, sind nicht einwandfrei. Zum Theil mag es sich hierbei um die acute Indigestion mit protra-hirtem Verlauf gehandelt haben. Ich habe oft Tart. stib. und Aloö in grösseren Dosen verabreicht, auch BrcclimitteJ aus Rhiz. Voratri und Tart. stib. angewandt, aber in keinem Falle einen durchgreifenden Erfolg erzielt. Die Eröffnung des Pansens mittels Trocart und die täglich zweimal wiederholte KinUihrung grösscrer Mengen von Wasser zur Ausspülung dos Pansens habe ich nicht vortheilhaft gefunden.
Aeltere Thierärztc benutzten grosso Gaben von saurer Milch (Buttermilch), täglich drei- bis viermal eine Weinflasche voll. Später wurde die Salzsäure empfohlen, und Harms meint, dass das Karlsbader Salz nützlich sein könne.
Durch die Application des Magenkatheters (Sohlundröhre) lässt sich wohl das Aufblähen momentan beseitigen. Aber die Krankheit ändert sich deshalb nicht zum Guten und nach der erneuten Kutteraufnabmc erscheint auch das Aufblähen wieder. Einen Heilerfolg hat demnach die Kathe-terisirung des Pansens nicht.
Aus wirthscliaftlichen Gründen wird der Hegel nach die frühzeitige Schlachtung des nachweislich an der chronischen Indigestion leidenden Thieves jedem Curversuohe vorzuziehen sein.
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Capitol XCIV. Magengesclmnr. Labmagengeschnür. Ulcus vcntriculi.
Das Vorkommen einer selbständigen Geschwürsbildung im Labmagen bei Kälbern ist von Ostortag (Zcitsclir. f. Thiermod. 1888) u. A,. besprochen worden. Bei älteren Rindern finden sich solche Geschwüre sehr selten. Doch sind einige Fälle in der Literatur mitgetheilt worden.
Oberflächliche Geschwüre in der Labmagenschleimhaut gehen aus einer Blutung hervor. (Ulcus liaemorrhaylcKin.) An der blutig infiltrirten
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Mngongoschwür. Labtnagengosohwdi'. Ulcus ventrloali,
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Partie wird die Schleimhaut durch die Wirkung des Magensaftes verdaut. (Ulcus pepticimi.) Kleine Substanzverliiste der hier gedachten Art führen den Namen Erosionenquot;.
In der Lehre von den Magenkrankheiton des Menschen ist das einfache, runde oder perforlrcnde Magengeschwür Ulcus ventricult simplex. U. rotundum. U. perforans) von weittragender Bedeutung. Dasselbe erlangt die Grosso eines Zwanzigpfennigstückes bis zu einem silbernen Fiinfinarkstück. Seine Entstehung führt Virchow auf Eml)olie oder Thrombose zurück. Andere Autoren vertreten die Ansicht, dass ausserdem durch Verwundung und Wundinfection das Magengeschwür verursacht worden könne.
Der von mir untersuchte Fall macht es wahrscheinlich, dass beim Rind durch eine speoiflscho Infection ein kleines Stückchen der Lab-inagenschioimhaut zunächst nekrotisirt und dann ausfüllt. Die Entstehung des Ulcus ventriculi beim Kind würde demnach eine Analogie finden in der Pathogenese der nekrotischen Herde in der Schleimhaut des Schlundes, des Pansens und der Haube. (Vgl. S. 105.)
Kleine Labmagengeschwüre bei Kälbern oder bei erwachsenen Hindern, welche nicht in die Muscularis der Magenwand dringen, scheinen keine erhebliche Störung zu veranlassen. Bei tieferem Eindringen kann das Geschwür aber eine Blutung in das Lumen des Magens hervorrufen. Auch durchbricht dasselbe die Magenwand bisweilen vollständig, worauf das Thier sich in die Bauchhöhle verblutet.
Es ist auch nicht unmöglich, dass infolge des Durchbruchs eine diffuse acute Peritonitis mit tödtlichom Ausgange sich ausbildet. Nach Ostortag kommt es bei Kälbern hin und wieder zur Heilung der Perforation durch bindegewebige Verwachsung der Durchbruchstcllc mit dem Netz und der Bauchwand. In den medicinischen Lehrbüchern wird angegeben, dass beim Menschen die Anlothung eines Bauchorgans an den perforirten Magenabtheil sich öfter ereignet. Aber in solchen Fällen dringt das Geschwür in das betr. Organ, sodass eine Heilung nicht erfolgt. Nur bei der Verwachsung des Magens mit der Bauchspeicheldrüse bildet sich eine beträchtliche Induration, welche das Fortschreiton des Geschwürs verhindert.
Beim Rind entsteht zuweilen nur ein Geschwür, in anderen Fällen finden sich mehrere ulccröse Defecte.
Diagnose. Aus den Krankheitserscheinungen dürfte sich das Lab-magengeschwür am lebenden Thier kaum feststellen lassen. Wenn sich eine grössere Menge von Blut in den Magen und Darm entleert, so entwickelt sich tune Gastro-Enteritis; die Exkremente erlangen
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Krankheiten dor Digestionsorgano.
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infolge der Blutung eine schwarze, schmierige, thecrartige Beschaffenheit, Puls klein, frequent, Herzschlag pochend. Grosse Hinfälligkeit und tödtlicher Ausgang der Krankheit unter den Symptomen der zunehmenden Schwäche.
Nach Durchbruch der Magenwand tritt entweder ein erheblicher Bluterguss in die Bauchhöhle ein, welchem das Thicr erliegt. Oder es entwickelt sich cine diffuse Peritonitis.
Hiernach ist die Geschwürsbildung im Labmagen, soweit sie eine wesentliche Störung der Gesundheit zur Folge hat, einerseits von den Symptomen der Verblutung und anderseits von den Erscheinungen der diffusen Peritonitis begleitet. Dass beide Erscheinungsreihen eine genaue Diagnose am lebenden Thiere nicht ermöglichen, bedarf keines Com-montars.
Die Prognose hat bei dem gegenwärtigen Standpunkt der klinischen Pathologie nur eine theoretische Bedeutung. Die Perforation der Magon-wand dürfte bei erwachsenen Rindern in jedem Falle tödllich verlaufen, während das oborllächlicho Labmagengeschwiir durch Vernarbung ausheilt.
Kasuistik. Eine Kuh von etwa 10 Centner Lebendgewicht, 7 Jahre alt, hatte am 1. März 1876 gekalbt, war am 14. März an einen Händler und von letzterem am 19, März 187() an eine Milclnvirthschaft verkauft. Der letzte Besitzer thcilto mir mit, dass die Kuh seit dem 20. März 187(1 nur wenig Futter (Uiertrebor, Heu, Stroh) verzehrt und Darmexkremente von weicher Consistent in geringer (Quantität abgesetzt habe. Sonstige Krankhcitsersclieinungcn seien nicht hervorgetreten. In den letzten Tagen vor dem Tode hätte man keine Danuausscheidung mehr wahrgenommen. Am 28. März habe sich der Krankhcitszustaud verschlimmert und in der lolgenden Nacht sei das Thler verendet. Bei der von mir am 2',). März ausgeführten Section des Kadavers ermittelte ich: Auflreibung des Magens und Darms durch Gasentwicklung, lioi Kröll'nung der Bauchhöhle entleerte sich eine grosse Menge von Gasen mit heftigem Geräusch. Unter dem Netz fand sich eine ooagulirte missfarbeno und beim Betasten mit der Hand knisterne Masse von der Grosse und dem Ansehen der Milz. Die Masse setzte sich zusammen aus geronnenem Blut, Futterbrei und Gasen. An der serösen Auskleidung der Uauchwand haften Putterpartilieln. In der Bauchhöhle drei Stalleimer voll blutiger, trüber, schlammiger und mit Gerinnseln durchsetzter Flüssigkeit. Pansen und Haube normal. Psalter und Labmagen durch Gasentwicklung ausgeweitet. Inhalt des Psalters llüssig und bluthaliig. Desgleichen war der Inhalt des Labmagens breilormlg und blutig. An der unteren gewölbten Krümmung dos Labmagens findet sich ein zackig gerissenes Loch, aus welchem bei der vorsiehtigen Herausnahme des Magens Gase entweichen. Der Rand dos Risses ist in der Sero:; a und Muscular Is zackig und go f ranzt, 1 n der Schlei mhau t biIdet der Riss eine kreisrunde Oeffnung mit glatter Umrandung von der Grosso eines Markstückes. Die Schleimhaut des Labmagens ist geröthet lind geschwollen; an der unteren gewölbten Krümmung linden sich in derselben
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Labmagonverstopfmig. Gaslncisnius. Gastrosis. Status gastn'ons.
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nocli 5 runde Dofoote von ilor Grosso eines Zelinpfennigstüoltes. Zwei von diesen Gesclnviiron sind nocli mit einem nckrotisclien Sohleimiuiulstiicliclien bedeckt, welches mit der Pinootlo loiclit lieravisgelioben worden konnte. Diinndarmsclilcimhaul ontzündlicli gerötiiel. An allen übrigen Organen ergab die Obduetion nur aeeidon-telle Veränderungen der Todosliranldieil.
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Capitol XCV. Labniagciiversto|gt;fiing. (iastricismus. Gastrosis. Status gastricus.
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T3io Vormagen und iliro physiologische Function maolicn die Tliat-sacho verständlich, dass die als Gastrosisquot; zu bezoiohnondo krankhafte Belastung dos eigentlichen Magens (Labmagen) beim Kinde nur selten vorkommt. Denn das scliwcr verdauliche Futter wird uunäohst vom Pansen und der Haube angehalten. Daher die Häufigkeit der Störung in der Function dieser Vormagen. Der in der Literatur seit mehr als 50 Jahren aufgestellten Ansicht, dass die Verstopfung des dritten Magens Psalterverstopfungquot; oder Löserverstopfungquot; eine luiuligc und selbständige Krankheit sei, stellt Hanns mit Recht entgegen, dass fast bei sämmtlichen Allgemeinkrankheiten des Rindes der Inhalts des Psalters fester wird als in der Norm. Auch bei der als acute Indigestionquot; beschriebenen lleberladung des Pansens trocknet der Inhalt des Psalters zu einer festen Masse ein und bei der Obduetion solcher Thicre ergiobt sich, dass das Epithel der Psalter-Schleimhaut in kleinen oder grösscren Partien dem trocknen Futterbrei anhaftet.
Die Aetiologie des Gastricismus beim Rind beruht in dem überreichen Gemisse von zähem verfilztem oder verdorbenem Rauhfutter (Kaff, besonders Gerslenkaff und verschlammtes Heu) neben proteinreiehen Nahrungsmitteln. Derartiges Material bleibt auch nach der Zerkleinerung durch die Rumination im Labmagen liegen und gerätb liier in abnorme Gährung. Die Producte einer solchen Zersetzung bewirken eine oberflächliche Reizung der Schleimhaut und eine wesenllielie Verringerung der Spannkraft der .Magenwand. Die nächste Folge der Herabsetzung des Tonus ist die starke Ausweitung des Labmagens, in welchem sich die aus den Vormagen eintretenden llieils zerkleinerten (wiedergekauten), theils nicht zerkleinerten Futtermittel anhäufen. Die Paresis des Labmagens hat auch zur Folge, dass der Mageninhalt nicht in den Dünn-
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dann befördert wird und dass zugleich eine Verstopfung des Psalters zur Ausbildung kommt.
Symptome. In den leichteren Graden ihrer Entwickelung macht sicii die Labmagen-Verstopfung durch auffällige Symptome nicht bemerklich. Das Thier frisst weniger und verweigert besonders die Aufnahme gehaltreichen Futters. Aber bei zweckmässiger Ernährung erfolgt schon nach %2 bis 3 Tagen die Genesung.
Schwere Krankheitsfalle verlaufen fieberhaft! Steigerung der Mastdarmtemperatur. Aufhören des Appetits und der Rumination. Darmverstopfung. Ausweichen und Stöhnen beim Druck mit der Hand auf die Bauchwand in der Gegend des Labmagens. Aufhören der Milch-produetion bei Kühen. Harms beobachtete ferner Speicheln, Rülpsen, Würgen und Erbrechen.
Am /weiten und dritten Krankheitstage findet sich gesteigerte Puls-frequen/ neben Dyspnoc mit exspiratorischem Stöhnen. Dcmniichst Knifteverfali und anhaltendes Liegen. Das Thier vermag nicht mehr aufzustehen oder kann sich wenigstens nur kurze Zeit stehend erhalten. Zunehmende Herzschwäche, welche zum Ableben des Thicres führt.
Der Verlauf erstreckt sich auf 4 bis 8 Tage.
Seetiuiisbefuntl. Labmagen stark ausgedclmt. In einem der von mir behandelten Fälle erreichte der Labmagen fast den Umfang des Pansens. In der Wandung des Labmagens stärkere Blutfülle. Inhalt desselben ziemlich trocken. Auch der Psalter ist mit compactem Futterbrei angefüllt. Labmagen- und Düimdarmschleimhaut entzündlich geröthet.
Diagnose. Von der acuten Indigestionquot; unterscheidet sich die Labmagenverstopfung schon dadurch, dass der Metcorismus des Pansens fehlt. Schwieriger und zuweilen unmöglich ist die Unterscheidung der Krankheitssymptome von den Merkmalen einer in geringem Grade auftretenden diffusen Gastro-Enteritis. Dagegen hat die schwere Darmentzündung einen viel stürmischeren Verlauf als die Labmagenverstopfung.
Prognose und Rehaniliung. Die Gastrosis des Rindes ist in jedem höheren Lrkrankungsgrade lebensgefährlich und endet tödtlich sofern das Thier nicht geschlachtet wird. Die Behandlung ist nur dann von Erfolg, wenn sie frühzeitig unternommen wird.
Angezeigt, sind Abführmittel in grossen Dosen. Harms empfiehlt Neutralsalze mit Wasser und mit einem Zusatz von Oel. Die Lösung soll durch einen hartwandigen Gummischlauch nach Application eines .Maulgaliers dem Magen infundirt werden. Empfehlenswerth erscheint, nach den älteren Erfahrungen der thierärztlicher Praxis: 01. Therebinth. 80,0 bis 50,0 in einer Flasche Wasser zweimal täglich. Oder; Pulv.
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Anhäufung von Sand im Psalter, Labmagen im Dünndarm.
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fol. Nicotian. 40,0 bis 80,0 mit Magnes. sulf'uric. und Wasser als Sohüttelmixtur, Oder: Branntwein 50,0 mit Wasser alle 3 Stunden. Oder; Karlsbader Salz in grosson Dosen. Auch für Clilorbarium dürften die Indicationen bestehen (vgl. S. 440). Indess besitze ich keine Erfahrung über den Erfolg seiner Anwendung bei der in Rede stehenden Krankheit.
Bei schwerer Erkrankung dürfte ein Versuch mit der Einführung grosser Mengen von Wasser angebracht sein. Physiologische Kochsalzlösung (0,75 : 100,0 Wasser). Davon zweimal bis dreimal täglich 1 Liter subeutan. Die Lösung wird schnell resorbirt. Im üebrigen dürfte auch angängig sein, eine grosse Menge von Wasser, 20 bis 30 Liter nach Applicaton der Schlundröhre in den Magen zu infundiren. Einigen Nutzen vermag ferner die ergiebige Wassereinführung in den Mastdarm herbeizuführen.
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Capitel XOVI. Anhäufung von Sand im Psalter, Labmagen und Dünndarm.
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Als die Folge einer qualitativ mangelhaften Ernährung ist das Ablecken und Verschlucken von Sand bei dem Rinde anzusehen. Das Thier beleckt gewöhnlich die Futterkrippe oder die Stallwand, oder es nimmt auf trocknen Weiden mit dem abgegrasten Grünfutter eine grössere Menge von Sand auf. In der Maulhöhle erfolgt die Durchtränkung des Sandes mit Speichel, worauf derselbe nach dem Ab-schlucken zum kleineren Thoil in den Psalter, zum grösseren Theil in den Labmagen und Zwölffingerdarm gelangt.
Naohtheilig wird der Sand in den ersten Wegen nur dann, wenn das Rind viel davon verschluckt hat. Kleinere Mengen verursachen keine Störung.
Symptome. Nachlassen des Appetits und der Rumination. Zuweilen Aufblähen, Verstopfung. Abnahme des Nährzustandes und bei Kühen Verringerung der Milchproduction.
Der Verlauf ist chronisch. Es kann zur Entzündung des Labmagens oder des Zwölffingerdarms und zu vollständiger Darmverstopfung kommen. Die Diagnose lässt sich nur auf Grund einer ausreichenden Anamnese stellen. Für sich allein genügen die Symptome nicht. Denn auch an-
Diocke rho ff, Spoc. Pathologio u. Tliürapie. II. Bil.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 29
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Krankheiten der Digestionsorgano.
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(lere Erkrankungen der Vormagen sowie des Labmagens bedingen ziemlich dieselben Ersehcimingen.
Prognose und Behaiidlüng. Das im Psalter, Labmagen oder Zwölf-lingerdarm angehäufte sandige Material kann nur durch die Peristaltik des Darms aus dem Körper ausgeschieden werden. Die Herbeiführung einer für diesen /weck ausreichenden Steigerung des Motus peristalticus ist schwer zu erreichen. Es empfiehlt sich die Einführung grosser Mengen von Wasser (20 bis 80 1) durch die Schlundröhre in den Magen. Angezeigt sind ausserdem Laxantien in grossen Dosen, namentlich die zu diarrhoischer Darmentleerung führenden Nahrungmittel: Rohe Kartoffeln, junges Grün Cutter, ßrantwcinschlempe. In geeigneten Fällen mag auch Chlorbarium mit Nutzen zu verwenden sein. (Vgl. S. 440).
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Capitel XOV1I. IHckdarmverstopfung. Paresis des Dickdarms.
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In der praktischen Thierarzneikunde ist schon seit vielen Jahrzehnten bekannt, dass auch beim Rinde eine Darmverstopfung vorkommt, welche sich nicht unter dem Krankheitsbilde der Kolik zu erkennen giebt. Fälle dieser Art sind in der Literatur als Verstopfung ohne Kolikquot; oder als Psalterverstopl'ungquot; (Löserverstopfung) beschrieben.
Aetiologie. Wodurch die Herabsetzung der Peristaltik im Dickdarm herbeigeführt wird, hat sich bisher nicht genau ermitteln lassen. Es scheint, dass die anhaltende Verabreichung schwer verdaulichen Rauhfutters (Laub, verfilztes Heu, feuchtes und verschimmeltes Stroh etc.) die wichtigste Ursache ist.
Symptome. Appetitmangel und Aulhöhren des Wiederkauens. Trock-nes Flotzmaul. Massige Pulsfrequenz. Temperatur des Körpers normal. Allgemeine Schwäche und anhaltendes Liegen. Verzögerte l'mtllee-rung von geringelten, derben Darmexkrementen. Demnächst vollständige Verstopfung. Leichte Füllung des Pansens mit Futter und Gasen. Erhebliche Herabsetzung der Darmperistaltik. Bei Melkkühen versiegt die Milch.
Die Krankheit dauert 8 bis 10 Tage und ist bei zweckmässiger Behandlung in der Regel vollständig zu heilen. Wird aber die Behandlung vernachlässigt, so kann sich eine Entzündung der Dickdarmschleim-
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üickdarmverstopfung. Paresis des Dickdarms,
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haut ausbilden, die nach 1 bis 2 Wochen zum Ableben des Thieres führt.
Die Diagnose stützt sich im Wesentlichen auf das Unterbleiben der Darmausscheidungen und auf das Niehtvorhandcnsoin peristaltischer Geräusche bei der Auscultation des Darms. Im Uebrigen sind sämmtliche Krankheiten zu beachten, welche von einer Darmverstopfung begleitet werden: Invagination und Incarceration, Geschwülste und Abscesse des Darms, Kolik.
Behandlung. Leichte Fälle heilen nach der Darreichung von Brcoh-weinstein und Neutralsalzen: Tart. stib. 15,0, Natr. sulfuric, Magnes. sulfuric. ana 500,0 auf dreimal in einem Tage zu geben. Manche Praktiker benutzen Rhiz. Veratri 10,0 mit Natr. chlorat. 100,0. Oder: Aloe 30,0 bis 40,0 in Verbindung mit Natr. sulluric. Auch Physostygmin 0,10 bis 0,15 in wässriger Lösung subeutan wird vielfach angewandt. Nützlich dürfte Chlorbarium sein. (Vgl. S. 440.) Harms empfiehlt neben der inneren Behandlung nachhaltiges Massiren des Bauches.
Sobald sich der Appetit des Thieres wieder zeigt, ist gutes Heu und Stroh, im Sommer Grünfutter zu reichen. Auch rohe Kartoffeln, Mohrrüben und Kleietrank unterstützen die Genesung.
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Oapitel XCVHI. Kolik.
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Fütterungsfehler veranlassen beim Rinde sehr oft die Pansenüberladung oder acute Indigestionquot;. Dagegen ist die Ueberladung des Dickdarms durch die Anschoppung von leicht blähendem Futter, worin die Ursache der Kolik beruht, beim Rinde selten.
Aetiologie. Meist kommt die Gasentwicklung im Dickdarm zustande nach dem Genuss von Rübenlaub und Kohl (Grünkohl, Braunkohl). Aus solchem Futterberei entwickeln sich in übergrosser Menge Kohlenwasscr-stoffgas, Kohlensäure und Wasserstoffgas. Die durch die Gasanhäufung bewirkte Spannung der Darmwand ist das bedingende Jioment der Kolik.
Symptome. Unruhiges Benehmen; das Thier legt sich oft für kurze Zeit nieder und schlägt mit den Hinterbeinen um sich. Versagen des Futters und Verminderung der Milchsekretion bei Kühen. Stehen mit gekrümmtem Rücken. Oefteres Schlagen mit einem Hinterfusse gegen
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Krankheiten der Digestionsorgane.
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#9632;
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den Bauch. Darmverstopfung. I5ei der Auscultation klingende Geräusche im Pansen und im Dickdarm.
Diagnose. Die Erkrankung charaktorisirt sich nach ihren Merkmalen und ihrem Verlaufe als eine Anschoppungskolik, indess ist die Schmerz-äusserung ähnlich den Symptomen der Invagination des Darmes und der inneren llcrnie (l'eherwurf). Manns giebt an, dass bei der Anschoppungskolik im Pansen ein Krampt'gctonquot; durch die Auscultation zu ermitteln sei, was als Anhalt für die Diagnose dienen könne.
Prognose: günstig. Therapie: Abführmittel, insbesondere Natr. sulfuric. 500,0 mit Natr. bicarb. 50,0; nach 5 Stunden zu wiederholen. Daneben Terpentinöl 30,0 in einer Flasche Wasser. Oder: Branntwein mit Wasser. In hartnäckigen Fällen Aloe mit Neutralsalzen. Ausser-dem nachhaltiges Massiren des Bauches.
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Capitol IC. Magen-Darinentziinduiig. Gastro-Enteritis.
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Die Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut ist beim Rinde der Regel nach eine acut verlaufende Krankheit, welche sich in zweifacher Art ausbilden kann. Einerseits vollzieht sich das Zustandekommen dadurch, das die Tngesta des Magens und Darms oder die Producte ihrer Zersetzung eine reizende Wirkung unmittelbar auf die Schleimhaut ausüben. Anderseits entsteht die Krankheit auf hämatogenem Wege, indem toxische Stoffe (die Absondenmgsproducte pathogener Bakterien) mit der Blutcirculation in die Magen-Darm.schleimhaui, gelangen und die Entzündung derselben herbeiführen. Die in ietztgedachter Art erzeugte Magen-Darmentzündung kennzeichnet sich als ein Bestandtheil mancher infectiöser Allgemeinkrankheiten: Milzbrand, Rinderpest, bösartiges Ka-tarrhalfieber, Wildseuche, Ruhr, Kälberruhr, septische Infection. Bei der Maul- und Klauenseuche erkrankt die Magen-Darmschlcimhaut nicht oft. Es ist aber in mehreren Gegenden des Deutschen Reiches wiederholt beobachtet worden, dass ein grösserer Thoil der von der Maul- und Klauenseuche befallenen Rinder durch die als Complication eintretende Gastro-Enteritis zu Grunde ging.
Soweit die acute Magcndarmentziindung ein Bestandtheil schwerer infectiöser AHgcmeinkrankheiten ist, wurde dieselbe an den betreffenden
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Alagen-Darmentzündung. Gaslro-Kntoritis.
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Stellen bereits gewürdigt. Hier soll daher mir die ent'/üiulliclie Erkrankung der Magen-Darmsehleimliaut besprochen werden, welche durch die reizende Wirkung der genossenen Futtermittel oder durch die Producte ihrer Zersetzung entstehen. Am meisten ist dieser Erkrankung die Schleimhaut im Labmagen und Dünndarm unterworfen. Aber auch die Vormagen und der Dickdarm, besonders der Mastdarm werden zuweilen mit betroffen.
Eine einheitliche Actiologie liegt der hier gedachten Gastro-Enteritis nicht zu Grunde. Annehmbar ist die Vcrmuthung, dass durch die Verschiedenheit der Ursachen der Charakter der Krankheit beeinllusst wird. Aus den Symptomen Iftsst sich aber nur selten eine genauere Einsicht in die Aetiologie und Pathogenesc gewinnen. Gewöhnlich sieht sich der Thierarzt in der Praxis auf die sorgfältige Erhebung der Anamnese angewiesen, wenn die Ursachen der Erkrankung ausfindig gemacht werden sollen.
Jede acute diffuse Gastro-Enteritis ist, wenn sie einen höheren Grad und Umfang erreicht, eine lebensgefährliche und meist tödtliche Krankheit. In der entzündeten Darmschleimhaut bilden sich toxische Stoffe, welche durch Resorption in das Blut übergehen und eine schwere Schädigung fast sämmtlicher Organe insbesondere auch des Herzfleisches hervorbringen. Dazu kommt, dass die schwere entzündliche Erkrankung die Spannkraft der Magen- und Darmwandung lähmt und dass hierdurch das leidende Organ einer wesentlichen Schutzkraft gegen die Schädigung beraubt wird. Aus diesen Gründen wird die allgemein bekannte Thatsache verständlich, dass die Behandlung der schworen aeuten Gasto-Enteritis keinen günstigen Erfolg hat.
In zahlreichen Fällen gelangen bei der Gastro-Enteritis krankmachende Mikroorganismen in die Plutcirculation und in die Organe des Thieres. Dieselben können sich nacii der Schlachtung in dem Fleische vermehren. Hierdurch wird dem Schlachtfleisch des an einer diffusen Magen-Darmentzündung erkrankten Thieres oft eine gesundheitsschädliche Beschaffenheit verliehen, so dass Menschen nach dem Genüsse desselben erkranken. Aus welchem Grunde das Fleisch in manchen der hier gedachten Fälle nach dem Genüsse keine Erkrankung beim Menschen hervorruft und in anderen Fällen schwerwiegende Folgen hat, ist bis jetzt noch nicht genau ermittelt. Immerhin gebietet aber die Begutachtung des Fleisches von einer Kuh, welche an acuter Magen-Darmentzündung im erheblichen Grade gelitten hat, für den Thierarzt die grösste Vorsicht. Zahlreiche Beobachtungen über die krankmachenden Wirkungen solchen Fleisches rechtfertigen die Forderung, das Fleisch des an einer schweren Magen-
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-1:54nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kranldit'itfiii der Digestionsorgane.
Darmentzündung fieberhaft erkrankten Thieres als eine gesundheitssohäd-
liehe Waarc zu begutachten und vom Genüsse für Menschen auszu-schliesscn.
Die acute Magen-Darmentzündung stellt eine grössore Gruppe von ätiologisch verschiedenen Krankheiten dar. Aus den Symptomen ist zwar auch beim Rinde oft zu erkennen, dass eine entzündliche Erkrankung des lutestinaltractus besteht. Aber darüber hinaus lässt sich die speciellc IMnsnuse nur noch einer thatsäehlichen Würdigung der Ursachen des Krankheitsfalles begründen.
Für die Sectioiisiliagnose ist zu beachten, dass eine Röthung der üarmsehlcimhaut schon durch die blosse Ansammlung von ßlu't in den Oa pillarge fassen bedingt sein kann. Man findet bei gestorbenen Rindern, welche nicht an Darmentzündung gelitten haben, sehr oft, dass die Schleimhaut in einem scharf abgegrenzten Thcil des Dünndarms stark geröthet und in dem folgenden Theil normal oder anämisch ist. Eine derartige Röthung wird dadurch bedingt, dass beim Ableben des Thieres die Blutoirculation in einem Thcil dos Darms früher aufhört als im dem andern. Die Erscheinung darf demnach nicht als Merkmal einer Entzündung angesehen werden.
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Capitel C.
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Acute nagcii-Darmeiitzuiidung infolge llebeHiitteriiDg mit schwer verdaulichen IValmmgsmitkln.
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Der Ausbildung einer aeuten Gastro-Enteritis bei einer schweren Indigestion wurde bereits S. 438 gedacht. Nach dem Verzehren grössc-rer Mengen proteinreichen Futters oder von solchen Nahrungsmitteln, .[nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; welche nach ihrer physikalischen Beschaffenheit schwer löslich sind, zer-
setzen sich die Ingesta des Pansens und der Haube sowie des Labmagens, und es entstehen hierbei chemische Stoffe, welche die Schleimhaut des Labmagens und Dünndarms reizen und in Entzündung versetzen. Sehr oft erkranken die Thiere an dieser Magen-Darmentzündung im hohen Grade. Mit derselben mindert sich der Tonus in der Magen-und Darmwandmig. in der Schleimhaut entstehen Toxine, welche nach ihrer Resorption die Athmungsfähigkeit der rolhen Blutkörperchen herab-
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Acuto Miig'i'n-Dariiioiitziiiuliing infolge üoborfütterung eto,
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absetzen m](\ neben anderen Störungen eine fieberhafte .Steigerung der Körpertemperatur verursaehon.
Symptome. Aniialteiulcs Liegen; stöhnende Klagelaute; gi'osse Beschwerde beim Aufstehen. Schwankender Gang; nach einigen Stunden vermag das Tliier nicht mehr zu stehen. Temperatur des Körpers un-
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gleich vcrthcilt:
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Grunde der Ohren ist die Haut an einer Seite warm
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und an der anderen Seite kalt; wenige Stunden später verhalten sieh die Ohrmuscheln umgekehrt, indem das kalt gewesene Ohr sich heiss und das vorher warme Ohr sich kalt anfühlt. Kopfsohleimhäule venös gc-röthet. Flotzmaul (Nasenspiegel) trocken, rissig. Augapfel zurückgezogen. Darmexkremente trocken; später Darmverstopfung, Vollständiges Versagen des Appetits. Anfüllung des Pansens, Aufhören der Milohsekretion bei Melkkühen. Puls i)ü120 in der Minute, an der Maxillaris hart, spater clrahtförmig und unfühlbar, Dyspnoo,
Der Verlauf erstreckt sich selten auf mehr als 3 Tage, .Mitunter endet die Krankheit schon am zweiten Tage tödtlich.
Bei dor Section linden sich an den inneren Organen des Körpers die Voränderungen, welche das asphyktisohe Ableben mit sich bringt. Schnelle Fäulniss des Cadavers, so dass sich schon 4 bis H Stunden nach dem Tode des Thieres die krankhaften Zustände der Organe nicht mehr mit voller Sicherheit; erkennen lassen. Die Wandungen der Vormagen, des Labmagens und des Darms sind durch Blutanhäufung ge-röthet. Das Epithel im Pansen und Psalter ist erweicht; nach Abstrei-fung desselben erscheint die Schleimhaut oft dunkelroth und saftig. Im Labmagen und Dünndarm ist der Inhalt blutig, die Schleimhaut entzündlich geröthet und geschwollen.
Die Diagnose stützt sich einerseits auf die nicht leicht zu verkennenden Symptome und anderseits auf die durch die Anamnese zu ermittelnde Thatsache, dass das Thier infolge des Genusses schwer verdaulicher Futtermittel erkrankt 1st,
Die Behantilung vollständig ausgebildeter Krankheitsfälle ist fruchtlos. Im Beginn der Krankheit, können die Seite 440 angegebenen Heilmittel versucht werden. Am meisten empfiehlt sich die Verabreichung grosser Mengen von Schleim oder eines Aufgusses von Weizenmehl. Ferner Magnesium sulfuricum mit Natrium sulfuricum und Natrium bi-oarbonicum. Im Beginn der Genesung Salzsäure. Vorsichtige Ernäh-rung mit reinem Heu oder Stroh oder schmackhaftem Grünfutter,
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Krankheiten der Digestionsorganc.
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Capitcl 01.
Acutlaquo; Magcii-Uarmeiitzüiuliing infolge Genusses verdorbener
Nnlirungsinittel.
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Getreidesohrot oder Mehl, welches einige Wochen odei noch länger an einem dumpfen Orte lagert, erleidet eine eigenthümliche Zersetzung, durch welche giftige Ötofle erzeugt werden. Ihrem Wesen nach ist diese Zersetzung noch unbekannt; sie dürfte aber als eine besondere Gährung aufzufassen sein. Ihre giftigen Produete gehören muthmasslich zu den Kiweisskörpern. Wenn eine grössoro Quantität von solchem verdorbenem Mehl einem Rinde als Fnttcr gereicht wird, so erkrankt dasselbe nach 15 bis 30 Stunden an einer aeuten Magen-Darmentzündung, die in den höheren Graden ihrer Ausbildung stets zum Tode fuhrt.
In gleicher Weise wirken verdorbene Presskuchen: Rapskuchen, Palmkern kuchen, Erdnusskuchen, Senfkuchen, Baumwollcn-samenkuchen, sowie verdorbenes Baumwollensamenmehl,
Die Production der Giftstoffe kann nur auf einer eigentluiinlichen Zersetzung (Gährung) beruhen, welche in den Nahrungsmitteln bei längerer Aufbewahrung entsteht. In grösseren Vichwirthschaften werden die oben bezeichneten Futtermittel (Kraftfutter) gewöhnlich in Säcken bezogen. Man beobachtet mitunter, dass die Verabreichung der Kuchen aus einem bestimmten Sacke die schwere Magen-Darmentzündung zur Folge hat, während die in den anderen Säcken befindlichen Kuchen von den Thieren ohne Nachthel verzehrt werden können.
Sftmmtliohe Hausthiore können nach dem Genüsse des hier gedachten verdorbenen Mehls an der aeuten Magen-Darmentzündung erkranken. Am meisten habe ich das Leiden bei Schweinen beobachtet. Auch beim Menschen kommt zuweilen eine Vergiftung vor nach dem Genüsse von Speisen aus verdorbenem Mehl oder Fleisch bezw. Flcisch-#9632;waaren. Diese Speisevergiftungquot; beruht ebenfalls auf der Ueberfübrung giftig wirkender iMwcissverbindungeii in das Blut und in die Organe dos menschlichen Körpers. Die Entstehung derselben stimmt im Wesentlichen iiberein mit dem Zustandekommen der beim Kinde oft zu beobachtenden .giftigen Wirkung verdorbener Nahrungsmittel.
Die Syni|)tonic sind dieselben wie bei jeder anderen diffusen Magen-Darmentzündung: Aechzen und Stöhnen infolge der Schmcruempfindung
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Aculo Magen-Bartneutzündung Infolge cinoi- Infection.
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im Darm. Schneller Kräfteverfall. Schwankender (lang und Unvermögen zu stehen. Fiebertemperatur. Frequenter harter (Irahtförmiger Puls. Dunkle Färbung der Schleimhäute. Darmverstopfung; später diarrhoischc Entleerungen. Sistirung der Futteraufnahmc und des Wiederkauens. Versiegen der Milch. Sohneller Kräfte verfall.
IMagnuse. Die Zurückführuug der Magen-Darmentzündung auf den Genuss verdorbenen Futters beruht im Wesentlichen auf der Anamnese. Mitunter findet sich Gelegenheit zur experimentellen Begründung der Diagnose, ist von dem als Ursache beschuldigten verdorbenen Futter noch eine genügende Quantität vorhanden, so lässt sieb dasselbe einem Versuchsthier geben, bei welchem die krank machende Wirkung des fraglichen Futters sich in der Regel am folgenden oder am zweiten Tage zeigt.
Die chemische Untersuchung der in der hier gedachten Art verdorbenen Futtermittel bleibt resultaÜOS. Denn die organische Chemie kennt bis jetzt noch kein Verfahren und kein Reagenz, mit wehdien das Vorhandensein der giftigen Eiwcisskörper nachgewiesen werden könnte.
Prognose. Nur im ersten Anfang der Krankheit und in den niedrigen Graden ihrer Entwicklung ist bei sorgfältiger Durchführung einer geeigneten Kur auf die Genesung des Thieres zu rechnen. Sonst geht die Krankheit immer tödtlich aus.
Kehandlung: Abführmittel besonders Neutralsalze in grossen Dosen. Ausserdem Spiritus oder Branntwein 100,0 mit Wasser 2stündlich, Dazu Leinsamendekoct literweise alle 8 bis 4 Stunden: demnächst Salzsäure mit Wasser. - Einlaufe von warmem Mehlwasser in den Mastdarm 8 bis 4mal täglich.
Wenn die Symptome sich mindern, so ist dem Thier schmackhaftes Heu oder Stroh vorzulegen. Gehaltreiches Futter darf erst nach und nach in geringen Mengen gegeben werden.
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Capitel OH.
Acute IHagcii-Darineiitzündung infolglaquo; einer Infection. Nykotische IMngcn-Unrinentzüiidiing.
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Dass mehrere acute infeotiöse Ällgomeinkrankheiten des Kindes regclmässig von einer schweren Gastroenteritis begleitet sind, wurde be-
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458nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Diffestionsorsane,
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foils S, 452 erwähnt. Solche Mugen-Oamicntzüiuliuigcii blcihen an dieser Stelle unberührt. Ausgeschlossen 1st auch die als spontane Scphthäraic (Septikämio) S. 209 beschriebene perniciöse Gastroenteritis.
Die nach dieser Auslese noch verbleibende mykotische Gastroenteritis ist als eine einheitliche speoiflsohe Affection nicht anzusehen. Die Eigenthümliohkeiten der einzelnen Krankheitsfälle rechtfertigen vielmehr die Annahme, dass mehrere und besonders geartete infeotiöse Keime eine acute Entzündung der Magen-Üannschleinihaut herbeizuführen im Stande sind. Die palhogenen Mikroben gelangen mit dem Futter auf
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die Magen- und Darmschleimhaut, vegetiren in derselben und erzeugen
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reizende Stoffe, welche die entzündliche Erkrankung durch ihre unmittelbare Wirkung hervorrufen. Aus der Magen-Darmschleinihaut gelangen Toxino durch Resorption in das Blut. Dieselbe bewirken die schwere Allgemeinkrankheit und Insbesondere die parenehymatöse Degeneration des Herzfleisches. Neben den Toxinen können auch die pathogenen Organismen direct in die Blutcirculation und mit derselben in die Organe des Körpers gelangen. Sie vegetiren in den letzteren und vermögen auch Toxino zu erzeugen. Für die Richtigkeit dieser Annahme spricht der Umstand, dass in manchen Fallen das Fleisch des kranken Thieres Toxine enthält und nach dem Genüsse beim Menschen eine schwere Er-krankung verursacht. Durch Kochen wird solches Fleisch nicht unschädlich, woraus mit Recht gefolgert wird, dass es nicht die Mikroben selbst, sondern deren giftige Absonderungsproducle sind, welche die hier gedachte Fleischvergiftung beim Menschen hervorrufen.
Von manchen Arten der mykotischen Gastroenteritis kennt man die pathogenen Mikroben noch nicht. Auch die Organismen, welche dem
Fleische eine gcsundhcitschädliche Beschaffenheit verleihen, sind in ihrem i
biologischen Verhalten noch nicht genügend erforscht. Was darüber bekannt ist, hat Ostertag in seinem Handbuch der Fleischbeschau 8. Auflage, 189i), S. 7B4 zusammengestellt, worauf ich hier verweise.
Aeltere Autoren der praktischen Thicrarzneikunde haben die mykotische Darmentzündung unter dem Namen der typhösen Darmentzündungquot; oder auch als Darmtyphusquot; bezeichnet. Die Entstehung wurde vorzugsweise auf den Genuss von verschimmeltem und verfaultem Futter zurückgeführt. Demgcmäss ist die Vegetation von Schimmelpilzen, Roslpilzen und Brandpilzen auf Heu, Stroh und Hackfrüchten am meisten als Ursache beschuldigt worden. Indess hat der reichliche Genuss des durch Schimmel-Vegetation oder durch Fäulniss verdorbenen Futters beim Rinde nicht immer schädliche Folgen. Wie
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Aciito Magon-Davmenlziimlunraquo;- infolge einer rnfoclion.
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Harms und andere Kenner der thierärztlichen Praxis, so liabc auch ich oft beobachtet, dass Kühe und Ochsen verschimmeltes oder gefaultes Futter ohne jeden Nachtheil verzehrt haben.
Zuweilen iässt sich trotz sorgfältiger Erhebungen kein Aufschluss darüber gewinnen, mit welchem Futter die pathogenen Mikroorganismen in den Körper des kranken Thieres gelangt sind. Solche Fälle lenken von selbst die Aufmerksamkeit auf das Trinkwasser und es bleibt mitunter nach eingehender Erwägung der Sachlage nur die Vermuthung übrig, dass das Virus von den Thieren mit dem Trinkwasser aufgenommen wurde.
Symptome. Aufhören des Appetits auf Futter und Getränk, Scbmerz-empfindung beim Druck gegen die Bauchwand. Verstopfung; bei pro-trahirtem Krankheitsverlauf werden die Exkremente weich, theerartig und übelriechend. Speicheln aus dem Maul. Starke Pulsfrequenz und Verminderung des arteriellen Blutdruckes. Rektaltemperatur fieberhaft; im letzten Stadium tödtlich verlaufender Fälle subnormal (Harms). Starke Benommenheit des Sensoriums. Zittern der oberflächlichen Körpermuskulatur. Zähneknirschen. Schliesslich macht sich ein soporöses Verhalten bemerklich.
Der Verlauf der Krankheit ist ungleich. Einzelne Arten der myko-tischen Gastro-Enteritis enden schon nach einer Krankheitsdauer von 2 bis 3 Tagen tödtlich. Bei anderen Arten erstreckt sich der Vorauf auf 4 bis 8 Tage.
Section. An den inneren Organen des gestorbenen Thieres linden sich die Merkmale der asphyktischen Todesart. Magen- und Darminhalt breiig und bluthaltig; die Schleimhaut entzündlich geröthet, geschwollen und von hämorragischen Herden durchsetzt, im Mastdarm zeigt sich entzündliche Röthung auf den Schleimhautfalten. Herzilcisch auf dem Durchschnitt lehmfarben. Muskelllcisch welk; beim Kochen desselben tritt ein unangenehmer Gerach auf. Das in den venösen (iefässen angesammelte Blut ist kirschroth oder braunroth.
Die Diagnose verlangt die Ausschlicssung der beim Rinde oft vorkommenden Fälle von nicht mykotischer Gastroenteritis, was gewöhnlich nur durch die sorgfältige Erhebung der ursächlichen Verhältnisse zu ermöglichen ist.
Die Prognose ist ungünstig und die Behandlung nur von Erfolg, wenn die Krankheit sich noch in ihren ersten Anfängen befindet. Am meisten empfehle ich die nachhaltige Anwendung von Kreolin: einen Esslöffel voll in einer Weinflasche Wasser zuerst halbstündlich, später stündlich. Nützlich ist auch die häufige Verabreichung
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Krankheiten der Digestionsorgane.
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von Spiritus oder Branntwein in Wasser.nbsp; nbsp; Ferner schwarzer Kaffc in
Kressen Mengen oder ein schwaches Dckoctnbsp; nbsp;von Eichenrinde. Einige
Vortheilc gewähren wiederholte Infusionennbsp; nbsp;von warmem Mehlwasser in den Mastdarm.
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Capitel Olli.
Acute Nflgen-Marmentzüiiduiig infolge Aufnahme scharfer (iifte. (iastro-Enteritis toxica.
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Besser bekannt als die in den letzten dreiCapiteln besprochenen Gruppen sind die durch eine scharfe Vergiftung herbeigeführten Erkrankungen des Kindes an der acuten Magen-Darmentzündung. Die Literatur enthält zahlreiche Mittheilungen über die krankmachende und tödtliche Wirkung ar/neilicher und anderer chemischer Gifte beim Rinde. In der neueren Zeit wird auf die Auswahl der Arzneimittel zur Behandlung der Krankheiten des Kindes eine grössere Sorgfalt verwendet als früher. Deshalb ist die in Rede stehende Vergiftung seltener geworden. Die am häufigsten vorkommenden Krankheitsfälle beruhen auf der Einverleibung grosser Gaben von Tartarus stibiatus, 01. Orotonis, 01. Therebint., Cantharides, Rhizoma Veralri und einigen metallischen Verbindungen. Auch Natr. nitricum, welches dem Rinde zuweilen versehentlich statt Kochsalz zum Locken vorgestreut wird, verursacht in grösseren Gaben eine schwere Gastritis. Im Uebrigen muss ich bezüglich der Mannigfaltigkeit der Gifte auf die Handbücher der Materia medioa und Toxikologie verweisen.
Ein nicht begründetes Ansehen hat die als Waldkrankheitquot; (Maladie des bois) zuerst von Chabert 1787 beschriebene toxische Magen-Darmentzündung in der thierärztlichen Literatur gefunden. Die mit diesem Namen bezeichneten Krankheitsfälle werden in der Frühjahrs-zeit beobachtet, wenn die Rindvichheerden auf schattige Waldweiden ge-getrieben werden und daselbst Gelegenheit finden, scharfe Pflanzen, insbesondere Anemoneen und Ranunculaceen sowie die Jungen terpentinhal-tigen Zweige mancher Sträucher oder Bäume fressen. Wegen der Erkrankung einer grösseren Zahl von Thieren einer AVirthschaft hat, die Affection mit Unrecht den Namen der enzootischen Darmentzündungquot; erhalten. Es liegt auch kein Anlass vor, die Nomination der Waldkrankheitquot; oder llolzkrankheitquot; in der wissenschaftlichen Literatur fortzuführen. In Deutschland wird die in Rede stehende Ga-
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Aouto Magen-Darmentzündung infolge Aufnahme scharfer Gifte.
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strltis oder Gastro-Entoritls nur .selten heim Rinde beobachtet. Aeltere Beobachter haben auch mehrfach die Waldkrankheitquot; diagnosticirt, wenn bei den Hindern andere Krankheiten (Anthrax, sporadische septische Infection, Blulharnen) entstanden waren.
Syiu|it(iiiic. Gegenüber der grossen Zahl von scharfen Giften, welche eine acute Gastritis und Enteritis herbeiführen können, ergiebt sich von selbst, dass die Erscheinungen der Krankheil; nicht in allen Fällen übereinstimmen können. Am häufigsten macht sich die Erkrankung bemerk-lich durch: Kolikschmer/.en; Speicheln aus dem Alaul: Athembeschwerdc; Zusammenfallen des Bauches; Entleerung breiiger oder halbflüssiger und bluthaltiger Dannexkromento; Tenesraus; Zittern und stärkere Zuckungen in den Muskeln am liaise, an der Schulter und am Hintcrtlicil; beschleunigten und später drahll'örmigen Puls und Fiebertemperatur.
Der Verlauf vollendet sich gewöhnlich in einigen Tagen; mitunter dehnt sich aber die Krankheit bis zu 8 Tagen und darüber aus.
Die Diagnoüe beruht im Wesentlichen auf den wahrnehmbaren Krank-heitserscheinungen und auf der Ermittelung des Giftes, nach dessen Aufnahme die Erkrankung eingetreten ist. Für die Prognose müssen im Einzelfall die Zahl und Eigenschaften des Pulses, sowie der geringere oder grössere Kräfteverfall des Thieroa als Richtschnur dienen. Lässt sich die Menge des einverleibten Giftes feststellen, so kann auch diese Thatsacbe der Bourtheilung des Krankheitsfalles als Anhalt dienen.
Der Behandlung sind die Aufgaben gestellt: 1. die giftigen Substanzen durch Verabreichung von chemischen Antidoten in unlösliche, unschädliche Verbindungen überzuführen; 2. das Gift thunlichst bald aus dem Darmkanal zu entfernen; 8, die Darmschleimhaut zu decken und die reizenden Eigenschaften des Giftes durch schleimige und ölige Umhüllungen möglichst zu verringern. Der ersten Heilindication sind nur einige scharfe Gifte zugänglich, deren Besprechung der Materia medioa und Toxikologie anheimfällt. Für die zweite und dritte Aufgabe der Therapie erscheinen grosso Gaben von Schleim am meisten geeignet. Die durch Brechweinstein erzeugte Magen-Darmentzündung einer Kuh behandelte Harms dadurch mit Erfolg, dass er dem Tluer 70 kg Leinlaquo; samenschleim innerhalb '2 Stunden eingeben liess. Am besten wird die Einführung grosser Mengen einer schleimigen Flüssigkeit in den Magen mittels eines Gummischlauches bewirkt, nachdem bei dem Thier ein Maulgatter applizirt ist; sonst muss das Eingeben mit der Flasche erfolgen. Zweistündlich Einlaufe von dünnem Schleim oder .Mehlwasser in den Mastdarm. Später kann schwarzer Kaffe in grossen Mengen oder eine Lösung von Tannin in Wasser (1 : 100) eingegeben werden.
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Audi Branntwein und andere Exoitantien in kleinen Dosen sind angebracht. Die Ernährung in der Konvaleszenszeit ist nach allgemeinen Grundsätzen zu überwachen.
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Capitel CIV.
IMIlute fibrinösc narmoiitzüiidiing. l)arincroii|). Croupöse Uarui-entzüniliing. Iliiti ritis pseiidoineinbranacea.
Gieichwic über viele andere Krankheiten des Rindes, so sind auch über die fibrinöse oder oroupöse Darmentzündung manche unrichtige Ansichten in der Literatur mitgetheilt und immer von neuem niedergeschrieben worden. Die Krankheit, weiche bei Kälbern und Jährlingen selten, bei Kühen, Bullen und Ochsen dagegen oft beobachtet wird, entsteht durch die Wirkung einer eigenartigen Infection der Diinndarm-Sohleimhaut. In ätiologischer Hinsicht unterscheidet sich dieselbe wesentlich von der in seltenen Fällen beim Pferde vorkommenden diffusen Enteritis. (Vgl. Bd. 1, 2. Aufl. S. 887.)
Die anatomische Entwiokehing der Enteritis pseiulomembrana-cea beim Rinde ist nicht genau bekannt. Insbesondere steht auch der bakteriologische Nachweis des Infectionsstoffes noch aus. Die i3cobach-tung der Krankheitsfälle ergiebt indess, dass im Dünndarm die Schleimhaut in grosser Ausdehnung oberflächlich erkrankt und dass sich auf derselben ein (ibrinöses Exsudat niederschlägt. Das Fibrin haftet zunächst an der Schleimhaut und bildet oft einen förmlichen Abdruck des Darmrohrs. Zuweilen bedeckt sich die Schleimhaut mit grösseren und kleineren Schollen von Fibrin. Vom Beginn der Krankheit vergehen 47 Tage, bis sich das Fibrin von dor Darm Schleimhaut allmälig ablöst und mit den Exkrementen aus (lern Mastdarm ausgeschieden wird. Die Entleerung von fibrinösem Gerinnsel dauert nur 1 bis 2 Tage. Nach Abstossung des (ibrinösen Exsudats ergänzt sich das Epithel der Schleimhaut in kurzer Frist. Die Genesung des Thiores ist vollkommen.
Die Krankheit zeigt sich sporadisch in kleineren oder grösseren Viehbeständen. An dem Futter oder am Trinkwasser habe ich in keinem Falle abnorme Eigenschaften gefunden. Viele Kühe und Ochsen waren in den Fällen, die ich selbst beobachtete, in gleicher Weise ernährt worden wie das erkrankte Thier; sie blieben aber gesund.
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Mastdarmentzündung. Prootltis. Darmblutung,
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Syiniitomc und Verlauf. Appetitmaiigel und Verzögerung der Humi-imtion. Darmaussoheidung selten; Exercmeiito weich, Puls normal oder massig beschleunigt. Mastdarmteraporatur nicht erhöht.
Diese wenig auffälligen Erscheinungen erhalten sich 2 bis 3 Tage, Einige Beobachter haben in der Literatur mitgetbeilt, dass die Thiure in dieser Zeil Kolikschmerzen bekundet hätten. Daraul' werden mit den Darmexkrementen theils finger- theils hand- odor fusslange strangförmige Fetzen von gelbgrauem geronnenem Fibrin ausgeschieden. Zuweilen schieben sich auch röhrenförmige librinöso Exsudate aus dem Mastdarm.
Es sind dünne Häute, 1 lohlcylinder von verschiedener Länge und ungefähr von dem Durchmesser des Dünndarms des Rindes; die liincn-lläche dieser llohlcylinder enthält Futterreste.M (Gurlt, Magazin etc. 18-17. S. 80.) Bei vorsichtigem Ziehen lassen sich zuweilen längere Röhren oder Fetzen und Stränge von Fibrin aus dem Alter entfernen.
Hierauf bessert, sich das Gcsämmtbefmden des Thieres in einigen Tagen; der Appetit stellt sich wieder ein und die Verdauung regelt sich gewöhnlich ohne medikamentöses Zuthun,
Die Diagnose kann erst gestellt werden, nachdem das Abgehen von geronnenem Fibrin aus dem Mastdarm constatirt worden Ist. Vorher sind die Symptome nicht von den Erscheinungen einer leichten Gaslrosis zu unterscheiden.
Die Prognose ist günstig. Zur Behaiullnng genügt die Darreichung von Natr. bicarb. 50,0 mil Natr. sulfuric. '200,0 in Wasser fünfstmullich während 1 bis 2 Tage. Zeigt sich Appetit, so sind leicht verdauliche Getränke von gekochten Kartoffeln oder Runkelrüben mit gutem Heu und Stroh zunächst zu geben. In einigen Tagen hat sieh das Thicr so weit erholt, dass die Verpflegung in der gewöhnlichen Weise geschehen kann.
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Gapitel OV. inast(laniilaquo;iilziin(iiiiilt;r. Proctitis.
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Mnrnibliitiin^.
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Jede schwere und allgemeine Darmentzündung bedingt die Miterkrankung der Mastdarmschleimhaut. Daneben kommt aber beim Rindvieh eine locale Entzündung des Mastdarms vor, die regelmässig von blutigen Ausscheidungen begleitet wird. Die Bedeutung dieser Krankheit ist in der älteren Literatur weit übertrieben worden. Die Laien be-
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Krankheiten der Digestionsorgane.
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zeichneten dieselbe vor 100 Jahren mit dem Namen Rückcnblntquot; oder Lendenblutquot;, Missbrftuohlioh war der Versuch bei einer kranken und vormeintlioh am Rückenblut leidenden Kuh durch Eindringen mit der Hand in den Mastdarm das Hückenblut zum Durohbruch zu bringen oder wie der voikstiuimliche Ausdruck lautete zu brechenquot;. Bis zur Mitte des 19. .Jahrhunderts hat man das vermeitliche Rückenblutquot; als eine Form des Milzbrandes hingestellt, im Gegensatz hierzu betrachtete Byohner dasselbe als eine Form der Hämorrhoiden. üass das Rückenblutquot; nicht zum Milzbrand gehört und auch nicht als ein Hämorrhoidal-leiden angesehen werden kann, wurde zutreffend von Haubner (Landwirt hscha I'll. Thierheilk.) hervorgehoben, der aber das Leiden irrtlüimlich als eine häufige und enzootische Krankheit des Rindes charakterisirt.
Ursachen. Die Krankheit, die sich als eine oberilächliche Entzündung und Blutung der Mastdarmschleimhaut kennzeichnet, scheint durch eine locale Blutcongestion eingeleitet zu werden. Eine bestimmte Ursache ist aber nicht bekannt.
Symptome: Abgang von flüssigem oder geronnenem Blut aus dem Mastdarm. Gewöhnlich sind die Darmexkremente trocken; die Entleerung verursacht den Thieren Schmerzen (Tenesmus) und wird mitunter von stöhnenden Klagelauten begleitet. Im Uebrigen verläuft die Mastdarmblutung lieberlos. Auch zeigen die erkrankten Rinder keine Beschränkung der Putteraufnahme und der Rumination.
Der Verlanf vollendet sich gewöhnlich in 2 bis 4 Tagen. Ich habe in keinem Falle gesehen, dass die Krankheit tödtlich ausgegangen wäre. Auch die von Harms behandelten Fälle endeten sämmtlich mit Genesung. Die Prognose ist daher günstig.
Tlienipic. Einlaufe von warmem Mehlwasser oder von dünnem Schleim in den Mastdarm. Ausserdem innerlich Natrium bicarbonicum und Natrium sulfuricum in grösseren Dosen.
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Capitel ('VI. iciiter Nagen-Darinkatarrh. Acuter Durchfall. IMarrhoea ariita.
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Im Alterthum beschränkte sich der Bogriff des Katarrhs auf die sekretorische Entzündung der Nasenschieimhaut. Seit der Mitte des 11). Jahrhunderts wird aber unter missbräuchlicher Verallgemeinerung des Wortes die entzündliche Erkrankung aller Schleimhäute dem Katarrh
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Aouter Magon-Darmkatarrh, Aouter Durohfall. Diarrhoea aoula,
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zugoscilhlt, Aus praktlsohen Gründen dürfte sieh empfehlen, dem Magon-DarmkiitaiThquot; nur die oberflftohliohe Affection der Schleimhaut dos Labmagens and des Darmkanals zu unterstellen, wobei eine massige ent/ündiiclie Schwellung der Schleimhaut, Absonderung von Serum, vermehrte Sehlcimproduntion und reichliche Abstossung von Epithelzellen eintreten. Ist das Leiden vollständig entwickelt, so findet sich bei der Section gleich nach dem Ableben der Thiere eine starke Köihung und saftige Beschaffenheit der Labmagen- und der Dtinndarmsohleirahaut.
Actiologic. Die häufigste Ursache liegt in dem Genüsse verdorbenen Putters: gefrorene und wieder aufgethaulo Rüben oder Kartoffeln; angefaultes Laub, verdorbene Schlempe, lange Zeit gelagertes Mehl. Nicht selten ist während der Herbstmonate die Beweidung der mit Reif bedeckten Klee- oder Grasllächen die Ursache. Wahrscheinlich entsteht die Krankheit auch in manchen Fällen durch eine Infection; indess fehlt es bis jetzt noch an bestimmten Ermittelungen über diese Ansieht.
Symptome. Die Krankheit entwickelt sich schnell, oft In 12 bis 18 Stunden. Eamp;uflge und diarrhoische Darmentleerungen; Fxcremente schleimig, klebrig, von alkalischer Reaction und gewöhnlich nicht übelriechend. Massige Erhöhung der Bluttemperatur; keineAthembeschwerde. Aber starke Pulsfrequenz; Maxillarpuls klein, hart, in höheren Krank-heitsgradon unfühlbar. Kopfschleimhäute geröthet. Appetit fehlt zuweilen ganz und ist in den leichten Krankheitsfällen gering; einzelne wohlschmeckende Futtermittel verzehrt das Thier noch. Die Rumination erfolgt selten oder gar nicht.
infolge der den Labmagen betreffenden Affection mindert sich auch die Spannkraft in den Vormagen; im Pansen kommt es daher zur Anhäufung von Gasen (leichtes Aufblähen).
Bei den Milchkühen versiegt die Milch innerhalb 1 bis 2 Tagen fast vollständig.
Der Verlauf erstreckt sich auf 5 bis 8 Tage. In einem schweren Falle kann die entzündliche Erkrankung der Labmagen- und Dünndarm-sehleimhaul einen höheren Grad erreichen und eine starke Herzschwäche, Verfall der Kräfte sowie eine heftige Sehmerzemplindung im Darm herbeiführen und innerhall) weniger Tage tödllich ausgehen. Bei rechtzeitiger Behandhing erfolgt aber gewöhnlich die Genesung des Thieres.
Der Diagnose dienl zum hauptsächlichen Anhall neben der Schnelligkeit der Krankheitsausbildung die dünnflüssige Beschaffenheit der Darra-exeremente. Im Uebrigen hal der Thierarzi zu berücksichtigen, dass der Durchfall heim Rinde auch durch manche Nahrungsmittel, sowie durch eine grös.sere Zahl von Medieamenlen und Giften veranlasst sein kann.
Diockorhorf, Spoo, Pathotoglii n, Thranplo. II, Bd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; an
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Kniiiklioiion der Dlgestionsorgano.
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II
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I'rugnose. Die Krankheit isi in den meisten Fällen günstig zu be-
url heilen, fiuless bleibt bei frisciimilchenclen Kühen die Milchproduotlon in der Hegel aueh nach frühzeitiger Genesung um 2 bis 3 Liter täglich hinler der früheren Leistung zurück.
Therapie. Unterbringung des kranken Thieres in einen trockenen massig wannen Stall mit reichlicher Einstreu. Bedeckung des Thieres mit einer warmen Decke und Abbürsten nach üesprengung der Haut mit Spiritus oder Terpentinöl. Als Futter ist dem Thier schleimhaltiges, warmes Getränk, sowie reines schmackhaftes Heu und Stroh zu reichen.
Innerlich Natrium bicarbonic. 100,0 bis 200,0 pro die; ferner Decoct. Cortic, Querous oder Decoct. Oortic. Salicis täglich 8 bis 4 Weinflaschen voll. Oder Acidum tannicum 5,0 bis 10,0 pro die in Wasser. Oder Tannalbinum 20,0 in Leinsaraenschleim 2 mal täglich. Am 2. und 3. Krankheitstage Acid, hydrochloricura 10,015,0 in Wasser 3 mal täglich.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Harms emplichlt Cuprum sull'uricum 25,0 in zwei
Eimer Wasser gelost mittelsl hartwandigen Garamischlauches nach Application eines Maulgatters auf einmal zu geben.
Im Stadium der Genesung, die sich durch allmälig zunehmenden Appelil und bei Melkkühen durch Wiederkehren der Milchproducüon zu erkennen (riebt, ist das Thier mit Vorsicht zu füttern.
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Oapitel CVII.
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Chronischer Na^en-Uarmkatarrh. Chronischer Durchfall. Diarrhoea chronica.
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Die als chronischer Durchfall bezeichnete erhebliche Krankheit des Rindes ist seit mehr als hundert Jahren in Deutschland bekannt. Im 18. Jahrhundert bestand die Gepflogenheit, eine schwere Krankheit der Hausthiere als Fäulequot; oder auch als Fäu Inissquot; zu benennen. Daher rührt der in der ehemaligen Nassauischen Verordnung der Viehgewähr-schafl \om 2-1. October 1791 gewählte Namen Darm lau Inissquot;, welchem als synonyme Benennung beigefügt sind: Durchfall, Dünnmistor, Spritzer, Säbler. Aellere Autoren der Thierarzneikunde bezeichnen die Krank-heil mil dein Namen kachektischer Durchfallquot;.
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Dem chronischen Magen-Darmkatarrh lieg! eine
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katarrhalische
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Heizung der Magen- und Dünndarmschleirahaul zu Grande. Hanns land bei den Sectionen die Schloimhaul verdickt, Im üebrigen orgiobl
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Clu'onisolier Mturdiidarmkatarrh. Chronisohor Dui'obfall, Dlarrhooa ohi'onloa. Ili?
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die Sootion, wie ioh mich oft iiborzougt habe, keine wesentlichen Ver-findorungen der Magen- und Darmschleimhaut. Häufig ist dieselbe in Falten gelegt und geröthet oder auch nut punktförmigen Flecken besetzt.
Aetiologie. (iewöhnlich entsteht der chronische Durchfall in den Wintermonaten, wenn die Thiore im Stalle gehalten werden. So weit ich habe ermitteln können, sind öfter wiederkehrende Anfälle von Dyspepsie in der Kegel das bedingende Moment seiner Ausbildung. Dass der chronische Durchfall aus dem acnlen Magen-Darmkalarrh direkt hervorgehe wie Hanns angiebt, habe ich nicht beobachtet. Die Krankheit zeigt sich vorwaltend bei älteren Kühen, besonders bei solchen, die von Kleingrundbesitzen!, Handwerkern etc, gehalten werden. Ich habe aber auch bei Rindern, welche im 4. und 5. Lebensjahr standen, den chronischen Durchfall behandelt.
Symiitoine und Verhtuf. Mangelhafte Futteraufnahme, verzögertes Wiederkauen und Störungen in der Üarmausschoidung sind die ersten Merkmale der Krankheit. Das Thier Crisst weniger als in der Norm, und der in geringen Mengen entleerte Koth ist gewöhnlich von theer-artiger Consistenz. Der Verlauf ist unregelmässig. Mitunter sieht man, dass die Thicro mehrere Tage, selbst einige Wochen hindurch keine dünnflüssigen Exkremente entleeren. Im Debrigen hat die bessere diä-
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tetische F
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sowie die arzneiliche Behandlung des Thieres auf den
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Verlauf keinen wesentlichen Einfluss.
Nach einer Krankheitsdauer von einigen Wochen steht die
diarrhoische Dannentlccrung im Vordergrunde der Symptome. Vorübergehend können zwar, wenn den Thioren nur gutes Den und Stroh gereicht wird, die Fxcremeute eine dickbreiige Beschaffenheit erlangen. Aber unerwartet stellt sich dann der Durchfall von Neuem wieder ein. An den Haaren der Schwanzrnbc und an der Haut der llinterschenkel besonders der Sprunggelenke haften klebrige, zähe Fäoalstoffe.
Der Appetit bleibt gering. Bei Milchkühen versiegt die Milch voll-sländig und das Euter i'rscheint klein, welk und schlaff. Allgemeine Abmagerung und beschwerlicher, schleppender (Jang mit steifer Haltung der Wirbelsäule. Harte, dem Rippenkörper fest anliegende Hani; langes struppiges Haar und Einsinken der Augengruben.
Auf der Weide sondert sich das kranke Thier gewöhnlich von der Heerdo ab; es liegt anhaltend. Ofi frisst dasselbe aber noch viele Monate hindurch so viel Putter, dass es trotz auffälliger Abmagerung nicht zu Grunde geht. Ich habe wiedorholl beobachtet, dass der chronische Durchfall 1 bis 1'/^ Jahre selbsl 2 Jahre lang andauerte, bevor
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lü'ankheltoti der Dlareslionsoricane.
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das Rind in .so hohem Grade kaohektisoh war, dass es sich nicht mehr vom Boden erheben konnte.
Fieberhaft verläuft die Krankheit nicht. Wenn die Kräfte in Folge der progredienton Abmagerung melir und mehr schwinden, so nimmt die Pulsfrequenü zu.
Die Diagnose begegnet keinen Schwierigkeiten; die Prognose ist ungünstig.
Itchandlung. Mit der früher üblichen Ordination pflanzlicher und metallischer Adslringentien (Cortex Quercus, Ferrum sulfuricum, Cuprum aluminatum) habe ich zahlreiche Fälle vergeblich behandelt. Saako (Arch. f. Thierhlk. Berlin 187!). S. 232) empfiehlt als wirksamstes Mittel Tannin täglich in Dosen bis zu 50 g zu reichen. Harms hat durch methodische Anwendung von künsUichem Karlsbader Salz die Krankheit mit gutem Erfolge behandelt. Für die Our sollen 3 bis C) Wochen in Anspruch genommen werden. Zunächst erhält das Thier täglich 50 g Sal carolinum darauf allmälig zunehmend pro Tag 150 g. Die Thiere nehmen das in einem grossen Stalleimor voll Wasser gelöste Karlsbader Salz freiwillig. Daneben wird während der Cur nur wenig und leicht verdauliches Futter gereicht.
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Capitel CV1I1. Durcht'all der Kälber. Diarrhöen vitiilorum.
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In den AVirthschalten, in welchen die Kälber während der ersten Lebonswoohen und -Monate die zu ihrer Ernährung und Entwickelung erforderliche Milch aus dem Euter der Kuh saugen (Saugkälberquot;), kommt der Durchfall nur selten vor. Dagegen ist derselbe eine häufige Krankheit der jungen Kälber, welche nach der Geburt von der Kuli getrennt und an die Selbstaufnahmc von reiner Milch oder von einem aus Grütze und anderen Nahrungsmitteln hergestellten Getränk gewöhnt werden. Diese Art der Ernährung des Kalbes wird in Holstein und Hannover Bornenquot; genannt; solche Kälber heissen Börnkälberquot;.
Die Ursachen beruhen in einer nicht naturgemässen Ernährung der Kälber, denen ein Gemisch von Vollmilch und Magermilch mit einer Abkochung von Mehl oder Grütze gereicht wird. Derartige Ersatzmittel sind für die Kälber nicht so leicht verdaulich wie die frische warme Milch des Euters. Fine abnorm starke Gährung der genossenen Surro-
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Üurclifall dor Kälber. Diarrlioea vitulormu.
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gate im Labmagen und Dünndarm führt zur Bildung reizender Stoffe (Säuren), die eine katarrhalische Affection der Darrasohleimhaut hervorrufen.
Symptome und Verlauf. Absetzung von gelblichen oder grünlichen, flüssigen oder schäumenden Darniexcrementen, durch welche die Haare an dor Schwanzrübe und den ] Unterschenkeln verklebt werden. Starkes Drängen auf die Kothentlcerung (Tenesmus). Anhaltendes Liegen. Appetit in den höheren Krankheitsgraden verringert, bei leichter Affection normal. In manchen Fällen zeigt sich Aufblähung des Magens und Darms.
Die Krankheit ist nicht fieberhaft; ihre Dauer kann sich über mehrere Wochen erstrecken, dann tritt Abmagerung ein; die Haut liegt dem Kippenkörper fest an und das Haar wird struppig.
Die Prognose ist günstig, wenn die kranken Kälber sorgfältig gepflegt werden können.
Die Behandlung erfordert, dass vorab nur gute Milch und erst nach ü10 Tagen Ersatzmittel von reiner Qualität gereicht werden. Ein wirksames Palliativmittel, welches allmälig auch die Ausgleichung der krankhaften Störung vermittelt, ist: Magncs. ustuin oder Magnes. carbo-nicum. Von einem dieser Mittel wird ein Theelöffel voll mil Wasser gemischt viermal täglich dem kranken Thiere eingegeben. C. H. Ilert-wig empfahl: Rad. Rhei 4,0; Opii puri 0,3; Magnes. carbonic. 1,0 in Kamillenthee oder verdünntem Branntwein zweimal täglich zu geben. ich habe das Hcrtwig'sche Mittel vielfach geprüft und auch wirksam befunden, zugleich aber beobachtet, dass das Opium in demselben entbehrlich ist. Im Wesentlichen hat die Therapie nur die Aufgabe, den im Magen befindlichen üeberschuss an Säuren zu neutralisiren, wozu das Magnesium ustum geeignet ist. Ein Zusatz von Rad. Rhei mag immerhin angebracht sein.
Nach der von Hanns vorgeschlagenen Our wird den Kälbern für die ersten Futterzeiten die Ernährung entzogen. Sie erhalten auch später keine Surrogate mehr. Tritt die Krankheit heftig auf, so soll Opiumtinotur und Salzsäure in einer hinreichenden Quantität Wasser gereicht und der Bauch eingehüllt werden.
In der neueren Zeit ist auch Tannalbin empfohlen worden zu .quot;^O bis 5,0 in schleimiger Flüssigkeit dreimal täglich; ferner Tannoform: ein Theelöffel voll in Wasser zweistündlich zu geben.
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470nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ICvankheiten ilor Digestionsorgane.
Oapitel CiX. Krhm-lini. Voiiiitus Kinesis.
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Das Erbrechen beim Rinde beruht auf einer abnormen Entleerung der: genossenen Futters durch die Speiseröhre, den Sohlundkopf und die Maulhöhle, zuweilen auch gleichzeitig durch die Nase. Dasselbe kann ein Symptom bei narkotischen Vergiftungen sein, besonders nach überreicher Aufnahme von alkoholhaltiger Braimtweinscblempe oder von verdorbenem Bier. Ferner entsteht Erbrochen beim Kinde nach der Anwendung einer grösseren Dosis von Rhi/oma Veratri oder von Vora-tiinum.
Das als eine selbstständige Krankheit in vereinzelten Fällen auftretende Erbrechen ist gewöhnlich die Folge von einer Pansenüberladung und von abnormen Gährungsprocesscn in dem genossenen Futterbrei. Bestimmte anatomische Veränderungen in den Vormagen oder im Labmagen und Darm lassen sich zuweilen nach der Schlachtung des am selbstständigen Erbrechen erkrankten Rindes durch die Obduotion nicht ermitteln. Fine 5 Jahre alte Kuh, welche ich 16 Tage hindurch vergeblich behandelte, wurde geschlachtet. Ich konnte bei der Besichti
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ung der Vormagen und des Labmagens, sowie des Darmcanals nichts
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Krankhaftes finden. Auch Harms (Rinderkrankheiten, 2. Aufl., S. 78) bemerkt, das.s sich mitunter die veranlassende Ursache nicht ermitteln lässt. Es ist demnach zuzugeben, dass das Erbrechen des Rindes zuweilen auf einer eigcnthümlichen Reizung der Emplindungsnervea in den Vormagen beruhen mag.
Seit der Mitte des li). Jahrhunderts wird in der Literatur angegeben, dass beim Rinde das ausgebrochene Futtermaterial zuweilen aus dem Pansen und der Haube und in anderen Fällen aus dem Psalter und dem Labmagen herrühren soll. Ich habe die Krankheit bei vier Kühen beobachtet, bei welchen nur von dem Inhalte des Pansens and der Haube ein kleinerer oder grösserer Theil ausgebrochen wurde. Man erkennt dies leicht an dem Gerüche des aus dein Maul entleerten Materials. Der von Ellenberger im Magazin, 38. Jahrgang, S. 434 mit-
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ctheilte Krankheitsfall bei einer Kuh ist nach den hervorgetretenen Sym-
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ptomen auch auf die Entleerung von Futterbrei aus dem Pansen und der Haube zu beziehen. Nach meiner Meinung lässt sich die Behauptung nicht begründen, dass bei erwachsenen Rindern ans dem Labmagen ein Theil des Inhaltes erbrochen werden kann. Violleicht hat das Erbrechen bei Kälbern, wovon in der Literatur einige Beobachtungen milgetheilt
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Darmelnsohiebnng. Invaglncitio s. [ntussasceptlo.
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sind, seinen Ursprung in einer üeberladung des Labmagens. Doch lässt sich hierüber nichts Bestimmtes aussagen.
Symptume. Gewöhnlich ohne besondere Brocbaiistreiigungen, zuweilen aber mit unwillkürlichen starken Contractionen der Halsmuskeln und der Bauohwandung entleert das Thier anfallsweise aus dem Maul brei-förmige Futterstoffe, welchen meist ein übler Geruch anhaftet. Wird eine grossere Menge des Panseninhalts ausgebrochen, so ergiesst sieb ein Theil desselben auch wohl durch die Nase nach aussen.
Verlauf. Das Erbrechen wiederholt sich an einem Tage ein- bis zweimal, zuweilen auch öfter. Ks kann 36 Tage anhalten und hört dann wieder auf, bleibt aber mitunter auch länger bestehen und isl in einzelnen Fällen unheilbar. Man unterscheidet hiernach das acute und das chronische Erbrechen.
Die Diagnose eigiebt sieh von selbst. Von dem bei der Sc.hlimd-verstopfung (vgl. S. 430) vorkommenden Erbrechen des verschluckten Futters oder Getränkes lässt sich das selbstsländige Erbrechen leicht unterscheiden.
Die Prognose ist nur günstig, wenn eine üeberladung des Pansens und der Haube mit unverdaulichen, faulenden oder in saurer Gähning befindlichen Substanzen die Erkrankung nachweislich bedingt. Sonstige Fälle sind im Allgemeinen ungünstig zu beurlbeilen, namentlich wenn das Uebel nach Verlauf von 8 Tagen nicht naohlässi oder wenn sich dasselbe später wieder einstellt, ohne class in der Verabreichung des Futters ein ursächliches Moment zu linden ist.
Therapie. Am meisten sind die kohlensauren Alkalien gerühmt worden: Natrium carbonicum oder Kalium oarbonioum zu 1520 g, auch Magnes. ust. und Magnes. carbonic. 1020 g in Wasser alle 2 bis 3 Stunden. Aeltere Thicrärztc verordneten narkotische Mittel: Opium, Folia Hyoscyami. Einige Praktiker geben Tartarus stibialus zu 5,010,0 zweimal täglich. Zuweilen erweisen sich starke Abführmittel erfolgreich. Nach theoretischen Gründen ist auch Kalium bromatum anwendbar.
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Capitel CX. Darnicinscliicbiiiig. Iiiva^iiiiitio s. liitiis$iiscv|itio.
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Die Einstülpung eines Darmabtheils in die zunächsi folgende Partie wird als Darmeinschiebung bezeichnet. Sie kommt beim Kinde verhäll-nissmässig seilen und nur im Dünndarm zur Ausbildung. Der Entstehung
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472nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Dlgestlonsofgatie.
dieser Dannkninklicit liegt die ungleiche Peristaltik zu Grunde, wobei ein Abtheil dos Dünndarms sieh oontrahirt, während das hinter demselben beflndüche Darmstück, cliiatiri ist. Es sind demnach die Ursachen, welche eine heftige Peristaltik herbeiführen, auch die veranlassenden Momente der Intussusception. Durch die Peristaltik wird die contralürto Partie bis zu Handlange und darüber in das dilatirte Stück gedrängt. Die Einstülpung besteht hiernach aus drei von aussen nach innen aufeinander folgenden .Schichten, von (Ionen die äussere und mittlere ihre Sohleimhautflächen, die mittlere und innere ihre Poritoncailläche sich zukehren. Die äussere Schicht hat Kokitansky die Scheide oder das [ntussusoipiens, die innerste das eintretende, die mittlere das austretende Rohr und beide zusammen das Intussusceptum genannt.
Die Invagination hat eine Lähmung des betroffenen Darmabtheils zur Folge. Da die Circulation des Blutes in demselben schwer geschädigt ist, so entwickelt sich alsbald eine Kntero-Peritonitis. Man findet bei der Section den Bauchfellüberzug an dem von der Intussusception betroffenen Dannabtheil dunkelroth und mit librinösem Exsudat belegt. Die Schleimhaut ist Schwarzroth gelärbt und blutig in-liltrirt.
Symptome. Die Darmeinschiebimg entsteht unmerklich und ihre Symptome sind nicht charakteristisch. Das Thier verweigert die Futteraufnahme und die Rumination hört auf. Darmverstopfung und Kolik mit Drängen auf den Mastdarm und Entleerung geringer Mengen von Schleim, welchem Blut in Form von Flecken oder Striemen beigemischt ist. Nach der Ausbildung der Bauchfellentzündung linden sich auch die Merkmale des Fiebers: erhöhte Mastdarmtemperatur und starke Pulsfrequenz. Daneben anhaltendos exspiratorisches Stöhnen; allgemeiner Kräfteverfall und Unfähigkeit zum Aufstehen. Der Verlauf kann sich auf eine Woche ausdehnen.
Die Diagnose ist unsicher, da die Symptome mit den Erscheinungen des lieberwurfquot; und anderer cine Occlusion des Darms bedingender Krankheitszustände übereinstimmen. In der Praxis wird das Aufhören der Kolik bei der Fortdauer der Darmverstopfung als ein diagnostisches Moment angeschen.
Therapie. In den meisten Fällen wird die frühzeitige Schlachtung des kranken Rindes einem Heilversuche aus wirthsohaftlichen Gründen vorgezogen. Im Uebrigcn kann die Behandlung nur eine operative sein, ihre Darstellung gehört deshalb zur Chirurgie. Es wird die Bauchhöhle an der rechten Seite des Thieres geöffnet, der invaginirte Darmabschnitt aufgesuohl und hervorgeholt. Durch Ziehen an dem eingestülpten Stück
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Ueberwurf.
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lässt sioh die Inui^ination gewöhnlich wieder aufheben. Wenn dies Verfahren nicht /um Ziele führt, so wird die kunstgerechte Resection des kranken Darmstückes empfohlen.
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Oapitel 0X1. Heberwurf.
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Eii\e innere llernie kann bei Ochsen eintreten, wenn eine Dünndarmschlinge sich zufällig durch einen in der Bauchfellfalte des Samenstranges entstandenen Riss schiebt. Wird das Darmslilck in diesem Risse incarcerirt, so erkrankt der Ochse unter den Symptomen der Kolik. Diesen krankhaften Zustand bezeichnet man mit dem empirischen Namen IJcberwurfquot;. Die Thierär/te in Mittel- und Süddeutschland sowie in der Schweiz führen die Entstellung dieser incarcerirten llernie (Cebcr-wurf oder innerer Bruch) darauf zurück, dass die Stierkälber durch Abreissen der Samenstränge kastrirt werden. In Norddeutschland ist der Ueberwurf bei den Arbeitsochsen den Viehbesitzern kaum bekannt. Jedenfalls dürfte die Krankheit in den norddeutschen Viehbeständen zu den grossen Seltenheiten gehören.
Als Hülfsursacho kommt die Arbeitsleistung auf steilen Gebirgswegen in Betracht, wobei die Thiore mit dem Hintertheil tiefer stehen als mit dem Vordcrtheil.
Bei Bullen kommt der Ueberwurfquot; nicht vor.
Sym|)toiiie. Der bisher gesund gewesene Ochse versagt die Futter-aufnahme und bekundet auch kein Wiederkauen mehr. Unruhe und Drängen auf den Darm; gestreckte Stellung der Hinterschenkel (Kolik).
Wird der krankhafte Zustand durch kunstgerechte Behandlung nicht gehoben, so entwickelt sich im Verlaufe eines Tages an der incarcerirten Partie des Darms eine hämorrliagische Entzündung. Dann pflegen die Thiore ruhig am Boden zu liegen und nur ab und zu durch Bewegung der llinterschenkel die Schmerzemplindung zu äussern.
Diagnose. Die angegebenen Symptome begründen den Verdacht des Vorhandenseins einer Darnoinoaroeration. Nähere Aufklärung ergiebt erst die Untersuchung mittels der in den .Mastdarm eingeführten Hand. Hierbei findet sich am Eingang des Beckens die incarcerirtc Partie in der Form einer fauslgrossen, etwas teigig sich anfühlenden Geschwulst, welche beim Druck für das Thicr schmerzhafl ist. Oft lässt sieh auch ermitteln, dass der Samenstrang abnorm stark angespannt ist.
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KraiiK'i'itcii dor Diffestionsoi'ffano.
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llt'lnuKllmir
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Nach lt;lor Mitthoilunff in dor Fachliteratur wird
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möglich betrachtet, dass die in Rede stehende Hernie wieder verschwindet, wenn der erkrankte Ochse schnell bergab getrieben wird. Rationell ist .sonst, die Reposition derselben mittels der in den Mastdarm eingerührten Hand. Lässl, sieh auf diesem Wege die Heilung nicht erreichen, so erübrigt nur die Laparotomio, welche an der rechten Seite des Bauches vor/nnehinen ist.
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Capitol 0X11
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Ariitr ßauclifclientzüiMliiiig. Peritonitis acuta.
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Weniger leicht als andere seröse Häute erkrankt das Bauchfell beim Rinde durch Reize, welche auf dasselbe mit der Blutcirculation gelangen. Ebenso wenig lässt sich nach der Erfahrung annehmen, da.ss die Entzündung des Bauchfells durch Erkältung verursacht wird. Vielleicht ist man zu weit gegangen mit der Behauptung, dass eine pri-iTiiire Peritonitisquot; oder, wie man früher sagte, eine rheumatische Peritonitisquot; überhaupt nicht, vorkomme. Jedenfalls dürfte aber eine derartige Entstehung sehr selten sein. In derllegel entwickelt sich die .Bauchfellentzündung als eine seeundäre oder consecutive Krankheit. Sie finde! ihre Ursache, in der penetrirenden Verwundung der Vormagen durch vorschluckte scharfe Körper (vgl. S. 420), oder sie steht im Zusammenhange mit einer acuten Gebärmutter-Entzündung oder mit einer' schweren Darmentzündung, tndess breitet sieb die acute Entzündung des Uterus nicht oft auf das Bauchfell aus. Die Metroperitonitis acuta ist viel seltener als die auf die Utcruswandungen sich beschränkende schwere Entzündung. Auch bei der acuten diffusen Darmentzündung wird die Miterkrankung eines grösseren Theils des Bauchfells (Enteroporito-nitis acuta) nicht oft beobachtet. Die Motive für das Uebergreifen des schweren Untzündungsprocesses von der Uterussehleimhaut oder von der Darmsohloimhaut auf das Peritoneum sind bislang noch nicht aufgeklärt. Vermuthet wird, dass sowohl bei der Gehännutler- wie bei der Darmentzündung reizende Stoffe besonderer AH durch die Lymphbahnen auf das Bauchfell gelangen.
Die allgemeine acute Peritonitis kommt mitunter dadurch zu Stande, dass die Gebärmutter im Verlaufe einer unregelmflssigen Geburt entweder spontan zerreissl, oder bei ungeschickter llüll'eleisltmg durchslossen wird.
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AfMito BaaobfoUentzUndnngi Pei'itonitls aoata.
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Forner kann ein Eiterabsoess in einem Organ der Bauchhöhle aufbrechen und einen Theil seines Inhalts in die Bauchhöhle entleeren, worauf sieh die Krankheit ausbildet. Ich habe in einem Falle bei einer Kuh cou-stalirt, dass durch Gallensteine eine Ruptur der Gallenblase verursacht und dass hierdurch eine allgemeine sero-librinösc Peritonitis entstanden war. Die nach der penetrirenden Verwundung eines Organs und Austritt heterogener Substanzen (Darminhall, (lalle, Harn, Eiter), sowie durch eine penetrirendo Verletzung der Hauchdecke erzeugte allgemeine Bauchfellentzündung wird als Perforativ-Peritonitisquot; bezeichnet.
Am meisten habe ich die acute exsudative Bauchfellentzündung beobachtet bei Kühen in den ersten Tagen nach dein Gebaren und zwar ohne dass eine erkennbare Entzündung in der Gcbärmutterschleimhaut entstanden war.
Die Krankheil entwickell sich innerhalb eines Tages. Am Peritoneum entsteht zuerst Röthung und Schwellung, daranI' die Exsudation von Serum und Fibrin, Mitunter liegt auf der entzündeten Fläche ein dünner unvollständiger Belag von Fibrin. Meist ist aber das Peritoneum nur an einzelnen Stellen mit; Fibrinschollen bedeckt, oder das librinöse Exsudat führt zur Verklebung von Darmschlingen mit anderen Organen und mit der Hauchwandung. In den sich hierbei oft bildenden llohl-räiunen liegt seröses Kxsudal. Iläuliger wird aber eine grosse .Menge (iü-50 li seröses Exsudat in den freien Kaum der Hauchhöhlc abgeschieden. In dieser Flüssigkeit schwimmen Flocken und klumpen von geronnenem Fibrin. Harms giebt an, bis 100 I Flüssigkeit in der Bauchhöhle gefnnden zu haben. Durch die Beimischung von Blut kann das seröse Exsudat eine röthliohe Farbe annehmen. Sonst ist dasselbe, wie ich stets gerunden habe, klar und gelblich gefärbt. Es mag sein, dass es in einzelnen Fällen und besonders bei protrahirtem Krankheitsverlauf trübe wird.
Symiituinc. Die Störung des Allgemeinbefindens setzt schnell ein. Appetit man gel. Verzögerte Darmausscheidung, demnächst Verstopfung. .Mastdarmtemperatur 40,0deg; bis dl,5deg;. Frequenter kleiner, später draht-fönniger Puls, 80lOUmal in der Minute. Versiegen der Milch bei Kühen. Massig starkes Aufblähen durch Gasentwicklung im Pansen, im Labmagen und im Darm. Respiration 'M .'Jamal in der Minute mil stöhnenden Klagelauten. Schmerzemplindung beim Druck gegen die Hauch-Wandung. Starker Kräfteverfall mit ängstlichem, stierem Gesichtsaus-druck.
Der Verlauf vollendet sich in 45 Tagen. Ich habe keinen Fall behandelt, dessen Dauer über diese /eil hinausging. Von Harms wird
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Imiililieilen dor Dlffesttonsorffane.
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angegeben, dass .sich die Krankheit auf 14 Tage erstrecken könne. Am dritten Tage nach dem Beginn der Krankheit ragt unter den Symptomen der allgemeine Oollaps besonders hervor. Das Thier liegt auf dem Brustbein mit nach vorn gestrecktem oder leicht zur Seite gehaltenem Kopfe, ist unfähig, sich vom Boden zu erheben und alhmet beschwerlich und unter beständigem Ausstossen von Klagelauten,
Die Diagmtse ist nach den vorbezeiclinoten Symptomen ziemlicli sicher zu stellen. Höchstens kann dabei eine schwere Darmentzündung und bei Kühen, die frisch geboren haben, die acute Metritis sowie die Metro-Peritonitis in Betracht kommen. Die Darmentzündung führt in der Hegel nicht so schnell zum allgemeinen Kräfteverfall wie die Peritonitis. Gegenüber der Gebfirmutterentzündung liegt in der Anamnese und in der entzündlichen Schwellung der äusseren Geschlechtsorgane ein ausreichender diagnostischer Anhalt.
Prognose und BehaiKlInng. In den meisten Fällen lässt sich der tödt-liohe Ausgang der Krankheit nicht abwenden. Die gebräuchlichen anti-phlogistischen Mittel habe ich stets vergeblich angewandt. Harms (Kinderkrankheiten) empfiehlt in den ersten 24 Stunden 200 g Borax auf dreimal und darauf 25 g desselben Mittels 3mal täglich zu geben. Daneben Einreibungen des Bauches mit Terpentinöl und Priessnitz'sohe Umschlüge. Gegen die Herzschwäche sind erregende iMittel angezeigt, besonders schwarzer Kaffee in grossen Dosen, auch Ooffeinum, sowie Alkohol mit Wasser verdünnt.
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Oapitel CXIII. Chronische BanchfcllcntziiiKluiilaquo;;.
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Peritonitis chronica.
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Aus der acuten allgemeinen Peritonitis geht die chronische Bauchfellentzündung beim Kinde nicht hervor. Dagegen kann, namentlich nach einer inneren Verwundung, eine acute, cireuniscripte, fibri-nöse Peritonitis entstehen, welche nach 12 Wochen sich zurückbildet und eine bindegewebige Vordickung, mitunter auch eine partielle Verwachsung der betroffenen Organe zurücklässt. Solche Residuen geben Anlass zu erneuter Steigerung der Entzündung, welche vorwaltend einen chronisch produetiven Charakter behält, zugleich aber auch eine seröse und (ibrinöse Exsudation bewirkt. Die Entzündung verringert sich nach 1015 Tagen und das sero-fibrinöse Exsudat wird durch Resorption
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Chronische BauohfellBntzundunffi Peritonitis ohronioa.
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entfernt. Im Verlaufe einiger Monate stellen sich aber neue Nachschübe der Entzündung ein, welche sich auch allmälig ausbreitet und nun den Charakter einer diffusen chronischen Peritonitis erlangt. Mehrfache Schwankungen von Besserung und Verschlimmerung der Krankheit ereignen sich in ungleichen Zwischenzeiten von einigen Wochen oder Monaten.
Symptome. Lustlose und langsame Körperbewegung. Mangel an Appetit. Verzögerte Rumination. Seltene Ausscheidung von Darm-oxerementen in geringen Mengen. Verringerung der Milchsecrction bei Melkkühen. Abmagerung. Struppiges Deokhaar. Ilartc Haut. Eingefallene Augen. Innere Temperatur nicht erhöht. Pulsfrequenz 6080 in der Minute. Athmung erschwert und bei erneutem Ansteigen der Peritonitis stöhnend.
Verlauf. Der chronischen Peritonitis ist ein langsamer Verfaul mit kürzeren oder längeren Remissionen eigen. Nach einer oder einigen Wochen tritt im Belinden des erkrankten Thieres nicht selten eine sichtliche Besserung ein, welche einen oder einige Monate anhalten kann, worauf sieb die Krankheitssymptoine von Neuem hervortlum. Durch Verwachsung der Baiichorgane untereinander verschlechtert sich die Verdauung erheblich und die Thiere geben unter dem Bilde der Ka-chexie zu Grunde, nachdem die Krankheit mehrere Monate, mitunter länger als 1 Jahr gedauert hat.
In einzelnen Fällen kommt es zur Ansammlung einer erheblichen Menge von seröser Flüssigkeit in der Bauchhöhle: Ascites. Chronische Bauchwassersucht. Ich habe eine Kuh secirt, welche nach fünfmonatlicher Dauer der chronischen Peritonitis in hohem Grade abgemagert war und als unheilbar getödtel wurde. Bei der Section fanden sich gegen drei Stalleimer voll klarer Flüssigkeil in der Bauchhöhle. Nach allen Erfahrungen dürfte aber die chronische Bauchwassersucht beim Rinde eine sehr seltene Krankheit sein. Vielleicht deshalb, weil die an der chronischen Peritonitis in erheblichem Grade erkrankten Thiere der Regel nach frühzeitig geschlachtet werden.
Die Diagnose ist oft schwierig. Bei derselben sind besonders in Betracht zu ziehen: die durch Geschvvulstbildung im Labmagen und Darm oder durch eine chronische Loberkrankheit oder durch innere Verwundung veranlassten Krankheitserscheinungen. Meist orgiebt erst die Section des gestorbenen oder geschlachteten Thieres einen genauen Auf-schluss über die bedingenden l'rsachen der Krankheil.
Auf das Vorhandensein der chronischen Bauchwassersucht lässt sich mil einiger Wahrscheinlichkeit sohliessen, wenn die Krankheit mehrere
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Krankheilen del' Leber.
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Monate godauort und dor Bauoh an der fechten Seile einen grösseron Umfang erlangt hat, das Tliier auch im hohen Grade abgemagert ist. Vorsieht hat aber der Thierarzt auch dann noch bei dor Diagnose zu üben, besonders bei tragenden Kühen.
Die l'rugiiosc ist schlecht;. Alan beobachtet wohl, dass eine Kuh oder ein Ochse sich von der durch chronische Bauchfellentzündung bedingten Krankheit etwas erholt. Aber die Besserung ist nur scheinbar und die Nutzungsffthigkeit lässt sich nicht, wieder herstellen, Dass der Krankheitsfall hoffnungslos ist, ergiebt sich auch schon aus der zunehmenden Abmagerung des Thiores.
Der Therairaquo;ilaquo; lassen sich keine berechtigten Aufgaben stellen. .Die in der Literatur vorgeschlagene Anwendung von harntreibenden Mitteln bewährt sich nicht. Ebensowenig haben die Abführmittel sowie die reizenden Einreibungen der Haut am Bauche einen heilsamen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Selbst; die beste Pflege und die Darreichung leicht verdaulicher und schmackhafter Futtermittel ändern an dem Verlauf der Krankheit so gut; wie nichts.
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F. Krankheiten der Leber.
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Capitel CX.IV. (iclbsiicht. Icterus.
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Mine Allgemeinkrankhcil. bei welcher die Schleimhäute der Augen, der Nase, des Maules und der Scheide, auch die äusserc Haut, soweit sie von weisser Farbe ist, eine ausgesprochen gelbliche Färbung annehmen, wird als Gelbsucht (Icterus) bezeichnet. Die krankhafte Gelbfärbung entsteht beim Rinde in Folge der Aufnahme von Gallen-farbstoff in das Blut: Stau u ngsict erus, katarrhalischer Icterus. Beschuldigt, wird auch die Verringerung des Blutes in den Pfortador-capillaron bei relativer Steigerung des Seitendruckes in den Gallen-capillaren (vergl. Bd. I., 2. Aufl., S. 929).
Auch eine schwere degenerative Leberentztindung kann dem Zustandekommen der Gelbsucht zu Grunde liegen (Icterus gravis). In-dess kommt die Gelbsucht nach der Aufnahme verdorbenen Lupinen-
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Multiple iiold'otisironde Loboi'entzünclung, Noorosis liopatis multiplex, 470
futters (Lupinosis) beim Uindc nicht vor. Denn solches Futter hat keinen Nahrworth und wird deshalb in grösseren Mengen an die Rinder nicht verabreicht. Die Aufnahme relativ kleiner Mengen von verdorbenem laipinenfutter iiat aber beim Rinde eine Erkrankung nicht zur
Folge.
Katarrhalische Gelbsucht. Icterus gastro-duodenalis.
Wenn von den Fällen abgesehen wird, in welchen der icterus /.u den Symptomen einer septischen Infectionskrankheit oder zu den krankhaften Folgen von Lebergeschwülsten oder Gallensteinen gehört, SO kommt bei den Krankheiten des Rindes nur die Gelbsucht in Betracht, welche die oberflächliche Affection der /wolfliiigerdarmschleimhaut mitunter begleitet. Hierbei setzt sich der Katarrh des Duocienums auf die (lallenwoge fort. Durch die Schwellung der Schleimhaut in den letzteren wird die Ausscheidung der Galle nicht unwesentlich behindert. Die Resorption derselben bedingt die gelbliche Färbung der Schleimhäute und der äusseren Haut (Resorptions-lcterus).
Symplome. Matte Körperhaltung. Mangelhafte Futteraufnahme. Verzögertes Wiederkauen. Verringerung der Milohsecretion bei Kühen. Darmausscheidung entsprechend dem mangelhaften Appetit gering. Pulszahl, Athmungsfrequenz und Körperwärme nicht wesentlich verändert.
Der Verlauf erstreckt sich bei dem vom (lastro-Duodonalkatarrh abhängigen icterus auf 12 Wochen.
Für die Diagnose sind die chronischen Krnährungskrankheiten, sowie die durch Lebergeschwülste und Gallensteine bedingten schweren Störungen der Gesundheit zu berücksichtigen.
Zur Kehantllung ist die Verabreichung grosser (iahen von Natrium bicarbonicum und Natrium sulfuricum oder von Karlsbader Salz zu empfehlen. Auch Salzsäure is( angezeigt. Unterstützt wird die Kur durch zweckmässige Ernährung mit leicht verdaulichen Futterstoffen,
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Oapitel OXV.
UiiKipIc iickrotisireiidc lielieiriitzümliiiig. iMccrosis hqiatis
iimitiplex.
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Gesehen sind die in der Leber der Kühe zuweilen entstehenden nekrotischen Herde schon seit langer Zeil. Es war auch bekannt, dass dieselben nicht, wie mitunter behauptet war, tuberculösen Ursprunges
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480nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dev Leber.
sind, Aber erst Bang-Kopenhagen war dio Klarstellung ihres Zustando Icoinmens vorbehalten. Er zeigte, dass ein anaerober pflanzlicher Mikroorganismus, welchem er den Namen Nekro.scbacillusquot; gegeben hat, im Darm aufgenommen wird, durch die Pfortader in die Leber gelangt und in Folge seiner Ansiedelung das Leberparencliym in kleinen oder etwas grösseren Stücken ertödtet. Die Mortification erfolgt in der Form der Nekrose. Daher die Bezeichnung bacilläre Lcbernekrosequot;.
Nach dem Eindringen der Bacillen in die Pfortadercapillarcn entsteht an haselnuss- bis hühnereigrossen Stellen der Leber zunächst eine Verfärbung des farcncbyms, indem die Substanz die leberbraime Farbe verliert und ein graubraunes gesprenkeltes Ansehen erlangt. Die Con-touren solcher Herde grenzen sieh von der Umgebung scharf ab, sind aber von vornherein nicht immer rund, sondern oft zackig und winklig verzogen. Im Verlauf einiger Wochen erlangen die mortificirten Stellen eine gesprenkelte graugelbe Farbe, welche Bern dt (Bcrl. Arch. 1895. S. 194) mit den periphoren Schichten eines stark geräucherten Speckes vergleicht. Als todte Substanz wirken sie wie ein fremder Körper auf die Umgebung, von welcher eine dissecirende Entzündung ausgeht, die zur Umkapselung des Herdes führt. Das mortificirte Leberparenchym erweicht und wandelt sich nach Ostertag (llandb. der Fleischbeschau) in grünlich gefärbten, bröckligen und sauer roagirenden Eiterquot; um. Die peripher gelegenen Herde veranlassen eine cirenmscripte fibröse Peritonitis.
Entstehen die Herde in bedeutender Zahl, so vergrössert sieb die Leber. Man lindet mitunter, dass dieselbe 84raal so gross ist wie die gesunde Leber von gleich schweren Rindern.
Oft ist bei dor Section von Kühen, welche in Folge anderer Krankheiten ubleben oder geschlachtet wurden, das Vorhandensein nekrotisoher Herde in der Leber zu constaliren, von welchen die Gesundheit des Thiores nicht beschädigt worden ist. Wird aber die Leber von einer grösseren Zahl oekrotischer Herde durchsetzt,, so erkrankt das Thier in schwerem Grade; die Krankheil führt stets zum Tode.
Berndt (I. c.) beobachtete das Leiden bei 15 hochtragenden Kühen. Patschke (!gt;. th. W. 1899. S. 578) constatirte dasselbe bei einer nicht tragenden Kuh. Ich habe die Krankheit auch nur bei Kühen gefunden. Ob Bullen und Ochsen sowie Kälber im ersten Lebensjahr auch von derselben betroffen werden, lässt. sich mit Sicherheit nicht aussagen.
Symptome. Verringerung der Futteraufnahme, Müdes, lustloses Benehmen. Steife Haltung des Körpers. Erschwertes und beschleunigtes Athmen. Fiebertemperatur und starke Pulsfrequenz. Beim Druck gegen
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Thrombose und ESnlziinclung clor Pfoctadoi^ Pylollu'ombosis et Pylephlebitis, 481
die Bauohwand In der Loborgogond äussort das Thicr ünbohagen und Sohmorzonipflndung, wobei es den Rücken empovzieht. In den späteren Stiidien stellt sich allgemeine Abmagerung und starker Kräfteverfall ein. Das kranke Tiiicr kann sieh nicht vom Boden erheben. Futter wird nicht mehr verzehrt und das Wiederkauen unterbleibt. Diarrhoisohe Darmentleerung, Frequenter, leerer und drahtförmiger Puls. Subnormale Mastdarmtemperatur. Schliesslich krankhaftes Verziehen des Kopfes nach hinten (Geniokkrampf). Unter diesen Erscheinungen geht das Thier nach einer Krankheitsdauer von mehreren Wochen ein.
Die Diagnose lässt sich am lebenden Thier mit Bestimmtheit nichl ermöglichen. Wenn eine chronische Peritonitis besteht, so linde! sich stets die erbebliche Druckemplindlichkeil bei der Betastung der Banch-docken. Aber es fehlt im Krankheitsbilde an einem bestimmten Merkmal, mit welchem die Erscheinungen und der Verlauf des Leidens auf die nckrotischen Herde in der Leber zurückgeführt werden könnten. Daher erübrigt aus dein vollständig zu erbebenden Untersuchungsbefunde lediglich, den Charakter der Krankheit dahin zu begutachten, dass das Thier unheilbar ist und durch rechtzeitige Schlachtung bestmöglichst, verwertbet werden muss.
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Oapitel CXVI.
Thrombose und Kiit/üiuliiiig ihr Pfortader. Pvletliroinbosis
et Pylephlebitis.
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Die in der Ucberschrift bezeichnete Leberkrankheit habe ich beim Rinde nicht, beobachtet. Hanns (Rinderkrankheiten) hat zwei Fälle derselben unter dem Namen ernbolische keberen tzündungquot; beschrieben.
Die Aetiologic ist nicht genau bekannt. Möglich, dass wie beim Menschen eine Entzündung des l'eritoneums sich auf die Pfortader mitunter fortsetzt und eine Thrombose derselben herbeiführt. Der Thrombus kann der puriformen Frweichung anheimfallen, worauf kleine Partikelchen sich lösen und in die (apillareii gelangen.
Symptoiiw und Soetioiisliefiiml. Ictcrische Färbung der Schleimhäute; Conjunctiva oitronengelb. Aufhlähen des Pansens. Verzögerte Darmentleerung.
AntO|gt;gte. Im Herzbeutel eine reichliche .Menge (ir)0 g) Flüssigkeit von tiefgelber Farbe. In der Brusthöhle gegen quot;200 g und in der Bauch-
Dieckerhaff, 8|...... Fathologllaquo; u. Tliera;to. II. IM.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;;i
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ICrankheiteQ der Lebei'lt;
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höhle gogon 700 g nioht ganz klarer golbliohor Flüssigkeit, Lungenödem. Schleimhäute des Verdauungstraotus fleckig und streifig geröthet-Darmwanduug mit gelblicher Flüssigkeit inflltrirt und auf dem Dwoh-sohnitt 2 om dick. Leber vergvössert mit reichlich erbsengrossen, runden, auf dorn Durchschnitt graugelblich erscheinenden Herden in iin-üähliger Menge durchsetzt. In der Pfortader findet sich ein Thrombus von solchem Umfange, dass der Durchtritl des Blutes sehr erschwert oder fast ganz aufgehoben war oder von solcher Beschaffenheit, dass kleine Stückchen desselben fortgeschwemmt werden konnten.quot; (Harms.)
Eine genaue Wiasnosc lässt sich erst durch die Erhobung des Sec-tionsbefundes ermöglichen. Die Krankheit ist unheilbar; eine Behandlung des Thieres deshalb aussichtslos.
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Capitol CXV1I. liHMTabscrss Ile|)!ititis a|Mgt;st(tgt;iiiatosa.
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Entzündung mit Production von Eiter setzt die locale pathogeno Einwirkung von Eiterbakterien voraus. Dieselben können bei Kälbern, die an der Lähme erkrankt sind, aus der Nahelvene in die Pfortader und deren OapilJaren transporlirt werden (vergl. S. 216). Ansserdem können sich Fremdkörper vom Zwölffingerdarm in die Gallenwege schieben oder es kann ein scharfer metallischer Gegenstand in die Leber dringen (vergl. S, Jlß) und durch traumatische Wirkungen eine abscedirende Entzündung der Leber hervorrufen.
Bestimmte Symptome des beim erwachsenen Binde nur seilen vorkommenden Leberabscesses sind nicht bekannt. Im Allgemeinen ist anzunehmen, dass hierbei die Erscheinungen der dreumscripten Bauchfellentzündung auftreten. Demnach: Appetitmange] mit Auftreibung des Pansens; Aufhören der Rumination; Druckempflndlichkoit in der Gegend des Schaufelknorpels; Pulsfrequenz und Fiebertemperatur. Im weiteren Verlauf Abmagerung und Verfall der Kräfte.
Für die Kchaiulluiig giebt es keine berechtigte Indication.
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Qosohwlllate del' Leber. Gallensteine,
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4 S3
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Oapitel CWIII. (icsdiwulste der lieber.
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Häufig fiiulcn sich am senison Uoberzugo dor Lober und in der Leborpforte tuboroulöso Gosohwulste.
Aucli wird bei der Section von Rindern oft die multiple Bildung von Aiifiiomen constatirt. Es ist; aber nicht bekannt, da.ss die An-giomatosisquot; (Kitt) bestimmte Kranklieitssymptomc bei dem von derselben betroffenen Thier hervorbringt. Soweit die Angiomatosis ein Interesse für die Fleischbeschau besitzt, verweise ich auf Ostortag, Jlaiulb. der Floischbesoh., 3. Aufl.
Selten ist der Leberkrebs beim Rinde (vcrgl. S. 822).
Die ISyin|itoiiic der Lebergescliwülste sind weder einzeln noch in ihrer liesainmtheit pathognoinonisch. Da eine physikalische Untersuchung zum Nachweis der Leborvorgrössorung beim Kinde nicht ausführbar ist, so bleibt die IHagnosc in allen Fällen unsicher. Gewöhnlich worden die Kraukheitserscheinungen auf einen chronischen Magen-Darm-Katarrh bezogen, welcher auch die erhebliche- (leschwulstbildung in der Leber regelmässig begleitet. Erst die Section kann einen genauen Auf-sohluss über die Art der Erkrankung liefern.
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Oapitel GX1X. Gallcnstciiic.
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Ebensowenig wie beim Pferde (vergl. Bd. I. S. 942) ist auch beim Rind ein bestimmtes Krankheitsbild von den nachtheiligen Wirkungen der Gallensteine (Cholelithiasis) bekannt. Man trifft bei den gestorbenen oder geschlachteten Kindern Concremcnte in der Gallenblase oder in den Gallengängen nur in verhältnissmässig seltenen Fällen.
Die Bildung der Gallensteine wird durch einen Katarrh der Gallen-vvege eingeleitet, wobei der reichlich secernirle Schleim eine saure Reaction erlangt und das gallensaure Natron zersetzt. Es entstehen dabei Gholesteariu und rigmentkalk. Die Gallensteine des Rindes haben einen moschusähnlichen Geruch, welcher sich bei ihrer Behandlung mit Aelz-kali bemerklioh macht,
Die Zusammensetzung der Gallensteine des Kindes ist nicht in in allen Fällen gleich. Dunkelgrüne Concremente, die in der Gallen-
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\H4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Leber.
blase sich bilden, bestehen aus Galle, Gallenharz, Galienfarbstoff, Wasser und Gallenfett. Dagegen enthalten die gelbgrau aussehenden Concremcntc kein Fett und die in den (iallengängen sich entwickelnden Concrementc setzen sich aus Oaloinmphosphat, Calciumcarbonai und Magnesiumoarbonat zusammen.
Durch die Gallensteine wird eine Erweiterung der Gallenblase oder der betreffenden Gallengänge hervorgerufen. In der Wandung der Gallenblase entsteht mitunter eine Entzündung oder auch Ulceration und Zer-relssung. An die Ruptur schliesst sich der Austritt von Galle in die Bauchhöhle und die Entwiokelung einer diffusen serös-flbrinöson Peritonitis (vergl. S. 475). Wo es zu dieser Complication nicht kommt, veranlasst der krankhafte Zustand mitunter allgemeinen Icterus, wovon Hanns 2 Fälle beobachtet hat.
Symptome. Abnahme des Nährzustandes. Beschränkte Futteraufnahine. Seltenes Wiederkauen. Verzögerte üarmausscheidung. Abnahme der Miloh-secretion bei Melkkühen. Gelb gefärbte Schleimhäute der Augen, des Mauls und der Scheide. Pulsfrequenz und massige Erhöhung der Körperwärme.
Der Verlauf ist chronisch.
Diagnose. Aus den Symptomen ergiebt sich wohl das Vorhandensein einer Leberkrankheil. Dass aber das Allgemeinleiden durch Gallensteine bedingt wird, lässt sich am lebenden Thiere mit objeetiver Sicherheit nicht darthun. Denn es können traumatische Krankheitszustände der Bauchorgane sowie Geschwülste der Leber ähnliche Erscheinungen mit sieh bringen.
So lange keine schweren Symptome sich bei dem Thiere bemerklich machen, ist eine Besserung des Zustandes in Aussicht zu nehmen. Zur Bchaniliung empfiehlt sich die Verabreichung von Karlsbader Salz in grösseren Mengen. Daneben ist dem Thiere leicht verdauliches und abführend wirkendes Futter zu geben, insbesondere junges Grünfuttcr oder in der Winterzeit rohe Kartoffeln und Hüben.
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Eiterige absoedirende Milzentzttndnng, Splenitls apostematosa.
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G. Krankheiten der Milz.
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Oapitel OXX. Eiteriglaquo; absccdirende itlilzentzüiHliiiig. Spkiiitis apostematosa.
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Ein Eiterabscess oder eine Gruppe von eiterigen Herden in der Milz wird zuweilen durch Innere Verwundung veranlasst, indem ein ver-sohluokter scharfer metallischer Körper von der Haube .sich in die Milz schiebt. (Vgl. S. 416.)
Anderseits kann die Abscessbiklnng in der Milz durch Embolie veranlasst werden, worauf Anacker (Spec. Path. u. Thor. 187!)) schon aufmerksam gemacht hat insbesondere sollen wie beim Menschen von den durch Endocarditis im linken Herzen bedingten Thromben kleine Stückchen in die Milz gelangen. Solche Emboli erzeugen keilförmige Herde, welche zuerst blutig sind und spater durch Mortification des Milzparenohyms eine grauweisse Farbe erlangen. Die Form der Herde bestimmt sich durch die von Oohnheim festgestellte Thatsacho, dass die Milzarterien keine Anastomosen besitzen, sondern Endarte-rien sind.
Bei der Section erkennt man die Ihfarote leicht an den geschwnlst-förmigen Knoten, welche auf der Überdache der Milz hervortreten.
Durch Verlegung zahlreicher kleinerer oder einiger grösserer befasse kann es zur doppelten, drei- und mehrfachen Vergrösserung der Milz kommen (Ostertag).
Die nekrotisoh gewordenen kleineren Herde verfallen der Erweichung und Resorption, worauf die Defecte durch Narbengewebe verheilen und die Milz sich gewöhnlich durch Schrumpfung verkleinert.
Metastatische Eiterherde bei pyäraischen und septischen Krankheiten insbesondere bei pernieiösen Entzündungen der Lungen oder des Uterus finden sich beim Kinde nicht oft und kennzeichnen sich auch nicht als selbstständige Krankheiten.
Von Arndt (B. th. W. 1889) und Imminger (Wooh. f. Thierheilk. u. Vieh/,. 1892. S. 280) sind auch die durch verschluckte metallische Körper in der Haube bedingten Abscesse als Ursache der motastatisohen Eitorhordo der Milz boschuldigl worden.
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Krankheiten der Milz.
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In vereinzelten Fällen koraraen in der Mil/ beim Kinde Eiterabsoosse zur Ausbildung, ohne dass sich durch lt;lio genaueste Obduction eine Vorkrankboil ermitteln Ifisst, in dieser Hinsieht muss loh auf Grund eigener Feststollungen der Angabe Imrainger's beitreten, welcher in manchen Fällen eiterige Processe in der Milz bei Kühen gefunden hat, bei welchen in keinem anderen Organ Veränderungen bestanden.
Das Zustandekommen des hier gedachton selbständigen Milzah-scesses lässt sieh nur mit der Voraussetzung erklären, dass bei dem betreffendem Kinde Eiterbakterieh in das Blut gelangt sind. Wahrscheinlich bildet hierfür die Rachenhöhle die Eingangspforte der liiter-bacterien, deren Aufnahme ohne eine erkennbare Läsion der Schleimhaut stattfinden kann.
Symptumc. Immingcr unterscheidet die Fälle, in welchen der Kiter in den Milzabscessen geruchlos ist, von den eiterig-jauchigen Herden mit übelriechendem Inhalt. Bei den erst, gedachten Thieren soll der Nährzustand sich allmälig verringern und das Haar glanzlos und struppig werden. Das Vorhandensein jauchiger Milzabsoesse soll dagegen in kurzer Zeit eine starke Abmagerung, schwankenden Dang und hohes Fieber hervorrufen.
Im Uebrigen linden sich bei den kranken Thieren: Mastdarmtcin-peralur 40,041,0deg;. Starke Pulsfrequenz und Aufhören des Appetits. Versiegen der Milch bei Kühen. Der Harn enthält viel Eiweiss.
Scctioiisbefuutl. Abgesehen von den Veränderungen verschiedener Organe, welche die längere Dauer der Krankheit und die Todesart mil sich bringen, treten in der Milz |Abscesse mit schmutzigem, eiterigem Inhalt hervor. Die Herde sind zuweilen nur haseluuss- bis wallnuss-gross; oft enthält aber die Milz einen oder zwei grössere und mehrere kleinere Abscesse.
Bührmann (Berl. Arch. 1886. S. 287) secirte eine Kuh, die während des Lebens Fieberanfälle von mehrstündiger Dauer gezeigt haile und allmälig abgemagert war. Die Milz wog -iii'ZO g; ihre Rämler waren abgerundet; die Oberfläche uneben und mit zottigen .Anhängseln besetzt. Sie enthielt sieben faustgrosse, halbrund umschriebene und lluctuirende, graurothe bis graubraune Auftreibungen, auf welchen die Milzkapsel verdickt war. Diese Auftreibungen bezeichneten die eiterigen Herde, welche eine dickflüssige, schwarzbraune, übelriechende Masse enthielten.
Gmeiner (Monatsh. f. praot. Thierheilk. VIH. 1896. S. 518) fand nach einem chronischen Krankheitsverlaufe bei einer ii1/;,jährigen Kuh: Milz bodoutend vorgrössort, 65 cm lang, 29 cm breit und 101-1 cm
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Eiterige abcedirende Milüentzflndttng. Splenitls apostematosa,
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dink. Gewicht nahezu lt;i kg. Die Oberfläche war bucklig an reichlich über '2 Dutzend Stellen. Diese halbkugeligen Prominenzen waren lluc-tuireiui, linsen- bis wallnussgross. Die ganze Milz war dui'ohspiokt von meist rundlichen odor länglichen Absoesson, welche von einer weissen, his zu lA em starken Kapsel umschlossen waren. Die Absccsso enthielten thoils gelbweissen dickflüssigen Eiter, theils griinsohimmernden und bräunlichen liiter. In manchen Herden hatte der Abscessinhalt einen üblen Geruch.
Auf Grund eines beim Landgericht zu Lüneburg verhandelten Gewähranspruchs entnehme ich den Gerichtsaoten folgenden Befund des Kreisthiorarztes Dr. liehme zu Oebisfelde: Die 10 Jahre alte abgemagerte Kuh, welche am 9, November 1890 leicht gekalbt hatte und am 22. December 1890 gestorben war, socirie ich. Die Milz war enorm vergrössert, 7 kg schwer und im Innern von zahlreichen grossen und kleinen Zerfallsherden durchsetzt. Milzkapsel stark vordickt. Im Mittelstück der Milz fand sich dicht unter der Kapsel ein 24 cm langer und 20 cm breiter, mit trüber Zerfallsmasse gefüllter Abscess. An allen anderen Organen der Bauch- und Brusthöhle bestanden keine Veränderungen.
Uingnose. Charakteristische Krankheitserscheinungen bedingt die multiple abscodironde Milzenlzündung heim Rinde nicht. Man kann aus dem Kraukheilsbilde nur mit Wahrscheinlichkeil ableiten, dass die schwere und lieberhafte Allgemeinkrankheit des Thieres von einem Organ des Bauches verursacht ist.
Wenn nicht ermittelt wurde, dass das Thier während des Lebens erheblich erkrankt war, so ist auch bezüglich der Sectionsdiagnose Vorsicht geboten. Denn in der Praxis constatirt man nicht selten, dass ein fest umschlossener Eiterherd der Milz eine beträchtliche Grosse erreicht haben kann, ohne dass das Kind während des Lebens sich krank gezeigt bat. Möhius (Dresdener Bericht. 1888. S. 71) fand bei der Schlachtung einer vollkommen gesund aussehenden, lieherfreien und gut genährten Kuh die Milz im hohen (Irade verändert. An Stolle des normalen Gewebes enthielt dieselbe einen grossen Abscess mit mehreren Liter Liter. Aus dem Befunde eingekapselter Herde in der Milz folgt demnach für sich allein noch nicht, dass die Kuh mit einer erheblichen Störung ihrer Gesnndheil behaftet gewesen ist.
Line itehaDilliing der ahscedirenden Milzenlzündung würde zwecklos sein, selbst wenn die Krankheit frühzeitig zu erkennen wäre.
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#9632;J
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[ten dor Mil/.
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Oapltol OXXI. 91ilzruptiir.
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Die tödtliohe Verblutung in die Bauchhöhle aus einem in der krankhaft vergrösserten Milz entstehenden Riss wird bei der Leukämie des Rindes nicht selten beobachtet (vergl. S. 318). Man beobachtet aber auch die Milzruptur bei Kühen, welche nicht an der lienalen Leukämie leiden, ich habe selbst mehrere derartige Fälle kennen gelernt. IDs scheint, dass die Milz aus unbekannten Ursachen mitunter von einer schweren Blutcongestion betroffen sein kann. Unter solchen Umständen mag ein Blutgefäss der Milz zerreissen und eine starke Blutextravasation eintreten können. Das hämorrhagisohe Extravasat erlangt aber erst eine Gefahr für das Leben des Thieres, wenn die Milzkapsel gesprengt wird. Dann ergiesst sich flüssiges Blut aus den zerrissenen Aesten der Mil/.-arterie in die Bauchhöhle.
Die Blutung hört mitunter von selbst auf, worauf die Milzruptur durch Vernarbung verheilt. Grosse Blutverluste führen aber zum Tode des Thieres.
Symptome. Allgemeine Anämie. Blasse Schleimhäute des Auges, der Xase, des Maules und der Scheide. Aufgebürstetes Saar. Versiegen der Milchsecretion bei Kühen. Grosse Pulsfrequenz. Maxillarpuls hart, leer, später unfühlbar. Herzschlag pochend.
Verlauf. Die krankhaften Folgen einer erheblichen Blutung durch Milzruptur bestehen gewöhnlich ein bis drei Tage, bevor das Thier durch Erschöpfung eingeht oder aus Aidass bedrohlicher Krankheitserscheinungen geschlachtet wird. Drei von mir behandelte Fälle verliefen in der vorbezeichneten Art. Es wird aber auch behauptet, dass die Milzruptur plötzlich durch Blutverlust das Ableben des .Kindes herbeiführen soll. Die Möglichkeit eines solchen peracuten Verlaufes ist zwar aus theoretischen Gründen anzuerkennen. Indess dürfte der langsame Verlauf der Vorblutung doch die Regel sein.
Die Diagnuse ist am lebenden Kinde nicht genau zu stellen. Aus der Erwägung des positiven und des negativen Symptomenbefundes ergiebt sich nur, dass ein erheblicher Blutverlust in die Bauchhöhle stattgefunden hat. Das von der Ruptur und der Blutung ergriffene Organ lässt sich aber erst durch die Ohduction ermitteln. Wobei zu beachten bleibt, dass die meisten Fälle von Milzruptur bei der lienalen Leukämie des Rindes gefunden werden.
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Aoiito Nicreiiiiiitziirulung. Nephritis acula,
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Zur Behandlung giebt es keine berechtigten Indioationen. Dass die oft empfohlene Verabreichung blutstillender Mittel Tannin, Elsenpräparate, Kupfersulfat, Mutterkorn eine günstige Wirkung haben könne, ist nicht anximehiuen.
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H. Krankheiten der Harnorgane.
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Capitel (JXXII. Vciilc iV'tarciieiitzumliiiig. IMlaquo;|raquo;liritis acuta.
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Die acuten entzündlichen Zustände der Niereu werden seit längerer Zeit in der medicinischen Literatur nach ätiologischen Einflüssen sowie nach pathogenetischen Motiven und nach pathologisch-anatomischen Befunden classifleirt. Die gleichnamigen Unterscheidungen sind auch in die thierärztliohe Literatur übergegangen.
Nach ätiologischen Gesichtspunkten wird eine toxische, infec-tiose, traumatische und rheumatische Nierenentzündung von acutem Verlauf beschrieben. Zweifellos ist, dass toxische und iufectiöse Ursachen eine acute Nephritis auch beim Kinde herbeiführen können. Dagegen sind nach meiner Meinung die traumatischen (Verwundung oder Quetschung) und rheumatischen Ursachen (Erkältung) bei den) Zustandekommen der Nierenkrankheiteu des Rindes nicht betheiligt.
.Vnlangeud die i'athogciiese, so iässt sich auch beim Rinde die hiiniatogene und die urogenc Nierenentzündung auseinanderhalten.
Pathologisch-anatomisch unterscheidet Virchow (1852) drei Grade der acuten entzündlichen Nierenerkrankung: I. die katarrhalische, 2. die l'ibrinöso und 3, die paronchyniatöso Nephritis.
Die acute parenohymatöse Nephritis beschränkt sich auf Veränderungen an den Epithelien tier llarnkanälchen und der Glomeruli. Wenn die Nieren in höherem Grade gereizt werden, so treten daneben noch Veränderungen am interstitiellen Gewebe ein. (Acule diffuse N ephritis).
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Krank Ihm ton der Hcivnovffano.
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RegeJmässig ontstoht bei einer schworen aouton Nierenentzündung Blutextravasation in das Nieronparenchyra (hftraorrhagische Nierenentzündung).
Der englische Arzl lt. Bright in London hat von 1827 bis 1843 in einer Reihe von Abhandlungen viele Fälle der Wassersucht beim Menschen auf Erkrankungen der Nieren zurückgeführt, wobei der Harn stets Biweiss enthält, Nach dieser Entdeckung wurden In der medici-nisohen Literatur sowohl die acuten wie die chronischen Niereukrank-heiten, bei welchen Eiweiss in den Harn übergeht, unter dem Namen des Itlürlius Itriglitii zusammengefasst. Erst später ist eine genauere Classification der Niorenkrankhoiten bewirkt, worden. Auch die ihior-ärztliohen Autoren haben von sämmtliohen Hausthieren eine acute und eine chronische Bright'sohe Nierenkrankheit beschrieben.
Im Zusanamenhange mit aJIgeroeinen Infectionskrankheiten (ludet sich auch heim Rinde die acuto parenehymatöse Nierontzündung. Indess ist die Bedeutung derselben in allen solchen Fällen von der Gründkrankheit abhängig. Das Zustandekommen dieser Nephritis wird auf die Einführung des [nfectionsstoffes oder der von demselben produoirten Toxino in die Nieren bezogen.
Als eine zweite Krankheitsursache kommt für die acute parenehy-matöse sowie für die diffuse Nephritis die Wirkung von (linen im engeren Sinne in Betracht; 01. Thorebinthinae, Oantharides, Tinct. Oan-tharidum, Acid, carbolicum u. a.
Einzelne Gifte, wie Kali chloricum bewirken im Blute eine Auflösung von Blutkörperchen (Cythacniolyso) und infolge derselben eine llämoglobinurie. Die hierbei durch die Wirkung des Giftes am Paren-chyin der Nieren auftretende Entzündung bezeichnet Senator als Nephritis haemogiobinnricaquot;.
Die entzündlichen Veränderungen bei der paronehymatösen Nephritis betreffen entweder mehr die llarnkanälchcn (tubuläre Nephritis) oder mehr die Glomeruli (G lomerulo-Nephri tis).
Symptome. Das massgebende Merkmal, von welchem die acute Nierenentzündung begleitet wird, beruht in der spärlichen Ausscheidung von Harn, in welchem sich ein geringer Gehalt von Eiweiss nachweisen lässt.
Der Verlauf wird durch die Allgemeinkrankheit bedingt. Mit dem günstigen Ausgange der letzteren heilt die Nierenentzündung ab: der Eiweissgehalt des Harns verliert sich schnell.
Eine Behautllung der Krankheil ist demnach nicht geboten. Nach allgemeinen Indicalionen empliehll sich, den Thieren warmes, schleimiges
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Niorcnabscess. Nephritis aposloiiiatosn.
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Getränk in grosser Menge zu verabreichen. Arzneimittel, mit weichen die Nierenentzündung günstig zu beeinflussen wäre, .sind nicht bekannt. Die Erfolge, die man dem Gebrauche adstringirender oder anderer Me-dieamente nachriilimt, sind der gleichzeitig befolgten diätetischen Bcluuid-luiig zuzuschreiben.
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Capitel OXXUI. Mierenabscess. Nephritis apostematosa.
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Die zur Eiterbildung führende Entzündung der Nieren (Nephritis suppurativa) wird entweder auf dem Wege der Blutoirculation (mela-statisohe, embolisohe Nierenentzündung) oder durch Rückstauung des Harns sowie durch Concremente im Nierenbecken (urogene Nierenentzündung) veranlasst. liier kommt nur die erstgedachte Pathoge-nese in Betracht, da die Nierenbecken-Nierenentzündung (Pyelonephritis) in einem besonderen Capitel besprochen werden soll.
Eine Embolie veranlasst beim Rinde nicht häufig eine eiterige Nierenentzündung. (.Jutartige Emboli, welche von den Thromben des Herzens bei Herzklappenfehlern weggespült werden, verursachen keine eiterige Entzündung, sondern nur keilförmige entzündliche Infarcte in den Nieren. Wenn aber den Kmbolis Eiterbakterien anhaften, so bewirken dieselben eine destructive, rasch zur Eiterung führende Entzündung. Aus einem solchen inetaslalischen Entzündungsherde kann der Nierenabscess hervorgehen.
Durch die Einführung von Eiterbakterien bei einer pyämischen oder septicopyfimisohen Allgemeinkrankheit, entstehen: Schwellung, kleine blasse Flecke an der Oberfläche und vereinzelte oder disseminirle Herde inmitten der Nicro. Vorwaltend wird bei dieser multiplen metastatischen Erkrankung die Rindensubstanz der Nieren betroffen. Kitt (Mtsh. f. prkt. Tli. 1898. IV. S. 446) bemerkt, dass die purnlente oder suppu-rativo Nierenentzündung bei Kälbern an beiden Nieren in ganz typischer Entwickelung vorkomme.
Mitunter wird eine Niere vollständig durchsetzt von kleinen Ab-scessen, welche später confluiren und sich zu einem grossen umkapselten Eiterherde umgestalten (i'yonephrose). Auch kann der Abscess sich in die Harnwege öffnen und eine Entzündung des Nierenbeckens herbeiführen (N ephro py elitis).
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4ij2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten ilor Harnorgane.
Als wesentliche Sym|itonie kommen nur die abnormen Bigensohaften des Harns in Betracht! Albuininurie, Pyurie und niorphotisclie Bestand-thcile des Blutes im Harn. Dazu sind heaohtenswerlli die Störungen des Allgeineinbelindeiis: Fieber mit Appetitmangel, Pulsfrequenz und später Ausbildung der Kachexic.
lici der Untersuchung mit der in den Mastdarm eingeführten Hand lässt sich die Vergrösscrung einer Niere gewöhnlich ermitteln. In Verbindung mil diesem Nachweise kann man aus den übrigen Erscheinungen auf das Bestehen eines grosson Nicrcnabscesses (Pyonephrose) schliessen.
Die Bekaiidlung ist fruchtlos. Munich (Adam's Woohensohr. 1878. S. 17) ist der Ansicht, dass durch operative Entfernung der vereiterten Niere ein Erfolg /u erzielen sei, selbstredend nur in denjenigen Fällen, in welchen die andere Niere gesund geblieben ist.
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Oapitel OXXIV. Wvissc Flccknicrc des Kalbes. Multiple embulisclie iVepliritis.
In den Nieren geschlachteter oder gestorbener Kälber linden sich oft erbsen- bis haselnussgrosse weisse Herde, welche die Gesundheit des Thieres nicht benachtheiligt haben. Rieck hat diese Befunde zuerst genauer beschrieben (ßerl. Arch. 1871. S. 119) und dieselben als multiple metastatische Nierenentzündungquot; gedeutet. Kitt (Mtsh. f. prakt. Th. IV. S. 481) bezeichnet die Herde als Nephritis fibro-plastica Nephritis maculosa alba (weisse Fleckniere). Gleich Rieck ist Kitt der Ansicht, dass eigenartige Mikroorganismen, deren Herkunft aber nicht zu ermitteln war, die weissen Herde der Nieren veranlassen sollen. Dagegen land Wilhich (Dlsch. thierarztl. Wochschr. IV. S. 159), welcher zwei Fälle untersuchte, in den kleinsten Herden geschlechtslose Distomen. Er glaubt, dass die Einwanderung derselben vom Darm in die Blutbahn und mil der Blutcirculation in die Nieren erfolge, dass demnach die Herde durch thierische Parasiten verursacht werden.
Section. Nach Entfernung der Nierenkapsel sieht man die gewöhnlich erbsen- bis hassclnussgrossen weissen oder bellgrauen Herde durch die Membrana propria durchscheinen. Es kommen auch noch kleinere Herde vor. Auf dem Durcbschnill der Niere ersohoinctl die fTcrdo in
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Ghronisobo blndügewobige Niovenenlzilndung. NephriUs ftbrosa.
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der Mohmh] rundlich. Nach Kitt sind dieselben zum Theil keilförmig. Eine Vergrösserung der Niere wird durch die Herde nicht veranlagst.
Die mikroskopische Untersuchung ergiebt, dass die Herde aus weissen Blutkörperchen bestehen. In mehreren Fällen, die ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, fand ich nichts weiter wie Leukocytcn. Merkmale einer entzündlichen Erkrankung des umgebenden Gewebes fehlten vollständig. Nach Kitt ist in den späteren Stadien der Uebergang der Entzündung zur Bindegewebsproduotion ganz klar erkenntlichquot;.
Soweit ich nach eigenen Befunderhebungen annehmen muss, ist die Reaction der Naehbarsehaft auf die weissen Herde unwesentlich. Im Minklange hiermit sieht die Thatsacho, dass die weissc Flecknierequot; die Gesundheit der Kälber nicht nachtheilig beeiullusst. Deshalb kann die Reizung der Oapillargefftsswände, welcher die Ausscheidung der Leukocytcn folgt, nur sehr gering sein. Fraglich ist, ob die auf dem Blutwege in die Nieren gelangenden Reize pllanzliche .Mikroorganismen oder thierischc Parasiten sind. Xach dorn ganzen Verhalten der Herde und insbesondere nach ihrem gutartigen Charakter hat die Theorie Wil-lach's, dass eingeschleppte Distomenembryonen die Erreger sind, .Manches für sich.
Die weisse Fleckniore findet sich nur bei Kälbern in den ersten Lebcnsmonalen und in einzelnen Gegenden sehr oft, in anderen selten oder gar nicht. Bei älteren Rindern scheint die Abnormität nicht vorzukommen. Kill bemerkt, dass die Abnormität im ersten Lebensjahre bei den Kälbern zur Ausgleichung komme. Dass aus den weissen Heiden in einzelnen Fällen eine chronische bindegewobige Nierenentzündung hervorgehen soll, halte ich nicht für nachgewiesen.
Nachtheile bringt die weisse Fleckniere der Regel nach für das Kalb nicht, Auch das Fleisch desselben erlangt durch die Abnormität keine Werthminderunar.
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Capitel OXXV.
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Clirouisclit' biiulennvclnijlaquo;' IVicrtMK'iitziinduiiii
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Nephritis librosa.
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Bindegewebige Wucherungen, bei welchen das Parenchym untergehl und eine Eiterung nicht entsteht, kommen In den Nieren des Windes nicht ofl zu Staude. Die Ursachen sind unbekannt. Wahrscheinlich beruhen dieselben ähnlich wie beim Menschen in dem anhaltenden Genüsse
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Krankheiten dev llariioiyaiio.
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von Nahrungsmitteln, in wolohon .sich Stnllc beflndon, die eine reizende Wirkung auf die Nieren ausüben.
I5ei der (ibrösen Nierenenlziiiulung des Rindes sind zwei Erkran-kungsformon zu unterscheiden!
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1. Die nicht, indurative bindogewebige Nierenentzündung (Nephritis ohronioa diffusa).
Diese Krankheit ist dadurch ausgezeichnet, dass die Nieren grosser werden und mitunter sehr bedeutend an Umfang zunehmen.
Thorn sen-Flensburg (B. T. W. 1891. S. 27) untersuchte im Juli 1890 eine Kuh, welche seit einem halben Jahre krank und stark abgemagert war Resp. 24, Puls 74, Temp. 38,8. Bauch eingefallen. Oede-raatöso Schwellung im Kohlgang. Autopsie: Die Nieren wiegen 65.0 resp. 800 g; sie sind abnorm fest, derb, in der Rindensubstanz und in dem diese begrenzenden Theil der Jlarksubstanz blass und speckähnlich. Jedoch sind einzelne Abtheile derselben roth gesprenkelt.
Im Jahre 1877 erhielt ich von dem verstorbenen Thierarzt Beckmann in Baruth die stark vergrösserten beiden Nieren einer nach langer Krankheit als unheilbar getödteten Kuh. Die linke Nioro hatte ein Gewicht von 9,8 kg, die rechte wog 7,6 kg. Beide waren gleichmässig verändert, auf der Schnittfläche grauweiss. Auf meinen Wunsch untersuchte Geheimrath Rudolf Virchow die Nieren, welcher feststellte, dass die Vergrösserung durch Zubildung von Bindegewebe verursacht war.
Symptome. Vermehrte Ausscheidung von klarem eiweisshaltigem Harn. Mangelhaftes Fressen. Zunehmende Abmagerung. Wassersüchtige Anschwellung der Unterbaut an den Gliedmassen, unter dem Bauche und im Kehlgange. Später die Merkmale der Kachoxie. Hess-Bern giebt an, dass bei einigen Kühen ab und zu Anfälle von Kolik aufgetreten seien.
Diagnose. Die anormale Diuresc und der Eiweissgehalt des llarns ergehen mit Bestimmtheit, dass das Thier an einer erheblichen Nierenkrankheit leidet. Durch die Untersuchung mit der in den Mastdarm eingeführten Hand lässt sich die Vergrösserung und die derbe Geschwulst der Nieren zuweilen ermitteln. Doch ist hierbei zu beachten, dass beim Rinde sehr oft eine Niere mit der Hand nicht zu erreichen ist. Eine UiliiiiullmiK der unheilbaren Krankheit ist aus wirthsebaltlicben Gründen nicht em p fehl ens wert h.
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Niex'fnbookenentelindungi Pyelllls,
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2. l*io ohvonisoho intorstitiollo Nioronontzündung mit Vor-kloinerung (Sohrutnpfuug) der Niere (Nephritis indurativa).
Noch seller als bei Pferden (Vgl. Bd. I. 8.951) scheint die indu-raiivo Nierenentzündung Sohrumpfniere, Granularatrophie, Nierensklerose beim Rinde zu sein. loh habe diese Degeneration der Nieren beim Rinde nicht beobachtet. Bei Pferden findet sich mitunter, dass nur eine Niere durch die chronische interstitielle Entzündung eine höckerige Form erlangt hat und bedeutend verkleinert ist. Hierbei überninmil; die gesunde Niere den Ausfall in der Harnsecrction; sie wird infolge dessen hypertrophisch, Ob beim Rinde sich die Sklerose auch zuweilen auf eine Niere beschränkt, vermag ich nicht anzugehen.
Als Syniptume der Nierensohrumpfung würden in Betracht kommen: Eiweissgehalt des Harns und die mit der progressiven Abmagerung des Körpers in Verbindung stehenden Erscheinungen.
Die Uchanilluiii; kann einen wirthschal'lfichen Erfolg nicht haben. Aus allgemeinen Indicathmen ist dem Thiere leicht verdauliches wasserreiches Putter zu geben. Im übrigen bat man in den hier gedachten Krankheitsfällen mit llumlicbsler Beschleunigung auf die Schlachtung und möglichste Verwertlumg des Schlachtfleisches zu dringen.
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Capitol GXXV1. \uT('iilMTk('iu'ii(ziiiidiirilaquo;gt; Fyclitis.
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Als selbständigo Krankbeil; tritt die Entzündung des Nierenbeckens nicht auf. Sie kann im Anschluss an eine Nierenentzündung zu Stande kommen (absteigende Nierenentzündung. Nephropyelitis). Häufiger beruht dieselbe aber auf einer Portsetzung der eiterigen Entzündung der Harnleiter. Die In dieser An veranlassie Pyelitis verbreitet sich bei längerem Bestehen auch auf die Nieren (aufsteigende Nierenentzündung. Pyelonophrii Is).
Nicht seilen geben Harnsteine im Nierenbecken den Anlass zur Pyelitis ab. Meist entwickeil sich die Krankheil aber dadurch, dass infolge entzündlicher Schwellung des Ureters oder einer Verstopfung desselben duroll einen Harnstein der Urin an seinem freien Ahlluss behindert ist und nach rückwärts bis in tins Nierenbecken und in die Harn-
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Kraiikliciton der llanioi^ano.
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kanälohon hinoin gestaut wird. Durch atninoiiiakalischo Zorsotzung erlangt der stagnirende Harn eine reizende Eigenschaft gegenüber der
Soli leim haut des Nierenbeckens.
Endlioh soll durch das Schniarot/erthum des Riesenpallisadenwunns Eustrongylus gigas im Nierenbecken eine häniorrhiigischo Myelitis verursacht worden.
Pur sich allein bedingt die Pyelitis beim Rinde keine erkennbaren Symptome. Ihre Bedeutung liegt demnach in der pathogenctisclien Verbindung mit den krankhaften Zuständen der Uretercn und mit der Nierenentzündung,
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Capitel CXXV1I. Nicmiliccken-IViemicntzuiidiing. I'voloiicplnitis. Xculiiopvclifis.
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Der Zusammenhang der Nierenbeckenentzündung mit der Entzündung der Harnblase und der Harnleiter einerseits sowie mit der Nierenentzündung anderseits war schon Eberhard-Fulda (Magaz. 1855) bekannt. Seit jener Zeit ist die Krankheit in der thierärztlichcn Literatur nach zahlreichen Beobachtungen beschrieben worden.
Die Aetiologie gehl aul eine vereinzelte specilischo Ursache nicht zurück, wie aus den von Hess-Bern im Schweizer Archiv 1888, 1891 und 18U-2 mitgetheilten Krankheitsfällen hervorgeht und inzwischen auch allgemeine Anerkennung gefunden hat.
Die Krankheit entsteht sowohl auf häinatogenem wie auf urogenom Wege. Aus den pathologisch-anatomischen Befunden ergeben sich indess nach dem Charakter und dein Grade sowie nach dem Sitze und der Ausbreitung der entzündlichen Veränderungen manche Verschiedenheiten. Gleichwohl erachte ich als zweckmässig für die klinische Pathologie die Erkrankungsmöglichkeiten in zwei Formen zusammenzufassen.
I. Pyelonephritis bacillosa. Von Enderlen (Dtsch. Zeitschr. f. Thiermed. 18i)l) wurden im Eiter aus dem Nierenbecken bei den an chronischer Pyelonephritis erkrankten Hindern eigenartige Bakterien von 2,1 ,quot; bis 2,8 ii Länge und 0,7 ji Breite mit abgerundeten etwas verdickten Händern gerunden. Enderlen stellte auch von dem Bacillus Reinculturen dar und bewies durch Experimente seine speeiflsche pathogene Wirkung. Bellinger,
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Niorcnbeekou-Niorcnentziinciiing-. Pyelonephritis, Nephi'opyelltis, 4i)7
in dessen Institut rlie Versuche angestellt wurden, fügt der Abhandlung hinzu, class sich die in Rede siehende Nierenkrankheit des Rindes als eine Mykose von aasgesprochen chronischem Verlauf cliarakterisire. Er nannte den Erreger Bacillus renalis Bovisquot; Niorenbacillus des Rindes und bemerkt weiter, dass dieser Organismus nur loca-lisirt auftrete und seine Wirkung regelmässig auf das Nierenbecken und Nicrenparenchym beschränke. Nach den Ermittlungen Bellinger's wird in den meisten Krankheitsfällen nur eine Niere ergriffen. Gewöhnlich soll auch eine Mischinfeetion vorliegen, indem neben dem specilischen Nierenbaoillus noch Eiterbakterien an der Erzeugung und Unterhaltung der Pyelonephritis betbeiligt sind.
In demselben Jahre wurde der Bacillus der Pyelonephritis auch von Höflich (Mtsh. f. prakt, Th. II. 1891) nachgewiesen.
Vorwaltend wird die Krankheit bei Kühen beobachtet, was mit dorn Gebäractc und der durch denselben oft herbeigeführten Entzündung des Uterus und der Scheide in Vorbindung steht. Doch können auch Bullen und Ochsen in die Krankheit verfallen.
Pathogenese. Die urogeno Entstehung vollzieht sich meist im Anschluss an die nach dem Gebäracte in der Scheide auftretende und demnächst auf die Blase und auf einen oder beide Harnleiter sich verbreitende eiterige Entzündung. Dabei verdicken sich die Wandungen der Blase und der Harnleiter sowie des Nierenbeckens. Letzteres vergrössert sich und die Entzündung verbreitet, sich fortkriechend auf die Harnka-nälchen, deren Wandungen induriren. Die hierdurch miterkrankte Niere nimmt an Umfang erheblich zu und erlangt ein Gewicht von 1000 g bis 1500 g, während eine normale Niere bei mitteJgrossen Kühen 500 g wiegt.
Bei der hämatogenen Entstehung gelangt der specilische Niorenbacillus mit der Blutcirculation in die Niere. Er verursacht am Paron-chym und am Bindegewebe entzündliche Reizungen oder Nekrose. Die Entzündung setzt sich von der Niere auf das Nierenbecken fort.
Wenn von der Krankheit nur eine Niere betroffen wird und die andere gar nicht oder nur unerheblich erkrankt, so kommt, eine erkennbare Störung im Allgemeinbefinden des Thieres nicht zu Stande. Der Krankheitserreger erzeugt in der Niere theils eiterige, theils nekrotisirende Herde, die sich mit bindegewebigen Kapseln umkleiden. Von den letzteren breitet sich die Wucherung auf das Bindegewebe der Niere aus, welches zu skierotischen Strängen entarte!. Die erkrankte Niere bekommt ein höckeriges Ansehen. Schnittfläche gefleckt, graugelb oder wcissgelb.
Dleekorhoff, Spoo, Patliologle n. ThorapU. M. im.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;(._gt;
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498nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kranldieilen der Harnorgane,
Nierenbecken and Nierenkeloho erweitert, ihre Wandungen verdickt. Der Inhalt bestellt aus einem eiterigen, .schleimigen und gclblichbraunen Ent-zündungsproduot.
Hat die Krankheit von einer eiterigen Scheidcnent/ündung ihren Ausgang genommen, so besteht in der Scheidenschleimhaut und in der Blase eine intensive, mitunter uleerösc Entzündung. Auch erweitern sich die üreteren, deren Wandung in Folge einer chronischen fibrösen Entzündung zu dicken Strängen degenerirt;.
Symplome und VcrUuf. im Beginn der bacillären Pyelonephritis zeigt die Kuh gewöhnlich noch keine Krankheitserscheinungen. Im Verlaufe einiger Wochen, zuweilen erst nach 3 bis 6 Monaten machen sich mangelhafter Appetit und Abmagerung bemerklich. Dazu kommt, die Aeusscrung von Schmerz in den Harn wegen: Stehen mit gekrümmtem Rücken, Drängen auf die Harnentleerung und vorübergehende Ausschei-dung von eiteriger, braungelbor oder missfarbener Materie mit dem Urin. In manchen Fällen wird aus der Harnblase zeitweise Blut entleert. Bei der Aufstellung des Harns im Glase schlägt sich ein Bodensatz nieder (Eiweiss, Eeukocyten, Erythrocytcn, Tripelphosphat, Epithel, Schleim) Linbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Verklebung der Haare an der Schwanzrübe durch das mit dem Harn ent-
i|nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;leerte eiweisshaltige Krankheitsproduct.
Die Störung des Allgemeinbefindens verläuft unter dem Bilde der Kachexie. Mastdarmtemperatur bald mehr, bald weniger gesteigert, doch selten über 41,0deg;. Puls 60 bis 90 in der Minute. Athmung mit angespannter Bauchwand, zunächst wenig, später bis auf 50 Züge in der Minute beschleunigt.
Der Verlauf kann sich auf mehrere Monate erstrecken. Doch giebt es auch Fälle, welche schon nach wenigen Wochen tödtlich ausgehen, Gewöhnlich wird die LJnheilbarkeit des Leidens erkannt und das Thier '.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; alsbald gotödtet.
quot;,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; IMatiiose. In den meisten Fällen liefert die Untersuchung des Harns
unter Berücksichtigung der übrigen Symptome einen ausreichenden diagnostischen Anhalt. Zur Vervollständigung dient das Ergebniss einer Untersuchung durch den Mastdarm. Doch sind die Nieren nicht bei allen Thieren mit der Hand zu erreichen. Oft findet sich eine Niere vergrössert und beim Druck schmerzhaft, während die andere nicht zu fühlen ist. Die Uroteren geben sich als fingerdicke oder noch stärkere Stränge zu erkennen.
l'roziuise. Relativ günstig ist ein Krankheitsfall, bei welchem nur eine Niere leidet und die llarnsecretion von der gesund gebliebenen
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Nioroiibockoii-Niorniiüiii/iiiidimg. Pyelonophvltis. Noplu'opyelltls.
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Niero vollständig bewirkt werden kann. Bei doppelseitiger Pyelonephritis btisst Jodes Kind seinen wirlhsoiiaflliclicn Wcrdi ein. Die Be-handlung mit Arzneimitteln ist hoffnungslos.
2. Nicht bacilläre Nicrcnbcckoii-Nierenentzüiuiüng. Schon Bellinger h.at 18!)1 hervorgehoben, dass neben dem speci-flschon Nierenbaoillus auch die gewöhnlichen Eiterbaktorien bei dem Zu-
standekommen der Pyelonephritis des lÄindes beliiciligl sein können. Seitdem haben sich die Fälle vermehrt, In welchen auch bei genauer Untersuchung der Objecte die von Enderlen und Bellinger gekennzeichneten Bacillen nicht zu linden waren. Albrecht-Jliinchen (Woch. f. Th. u. Viehz. 1900. S. 40!)) hat einen solchen Fall eingehend beschrieben.
Aeliulogisch kommen die bereits S. 4i)5 hervorgehobenen Einflüsse in Betracht und zwar für die urogene Entstehung: Eiteriger oder hä-morrhagischer Katarrh der Harnblase; Entzündung eines oder beider Harnleiter; Rückstauung und ammoniakalische Zersetzung des Urins; Harnsteine oder Uarngries im Nierenbecken oder in einem Ureter. Für die hämatogene Entstehung: Einführung von Eiterbakterien oder von infeoten Embolis in die Nieren und hierdurch bedingte suppurative Nierenentzündung. Die Eiterung setzt sich auf das Nierenbecken fort und ver-anlasst in demselben eine chronische eiterige Entzündung mit Erweiterung des Lumens. Auch die Ureteren gerathen hierbei zuweilen in Mitleidenschaft. Sie verdicken sich infolge der chronisch-prüduetiven Entzündung ihrer Wand.
Diagnose. Die nach und nach hervortretenden allgemeinen Krank-heltssymptome; Nachlassen in der Futteraufnahme, Abmagerung und Drängen auf den Harn rechtfertigen die Vcrmuthung, dass das Thier an einer Krankheit der Harnorgane leidet. Bei der Untersuchung des Harns finden sich Epithelien aus dem Nierenbecken, oft auch Fibrin, Eiter und Schleim. In manchen Fällen lässt sich das Ergebniss einer durch den Mastdarm vollführten Untersuchung zur Sicherung der Diagnose ver-werthen: Erhebliche Vcrgrösserung einer oder beider Niere und Verdickung der Ureteren. Indess ist für diese Untersuchung zu beachten, dass die Nieren nicht immer mit der Hand zu erreichen sind oder dass eine Niere weiter nach vorn licgi als die andere.
Die Prognose ist schlecht, da es kein brauchbares Heilmittel zur Bekämpfung der Krankheit giebt.
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Krankheiten der Iliirnorgane.
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Gasulstik dor Pyelonephritis.
1. Eiterige En dometritis und l'arametri tis; eiteriger Soheiden-katarrh; eiterige Knt/.ündung der Harnblase und Harnleiter; eiterige Pyelonep lirit is.
Eine gegen 18 Jahre alte Kuh, welche 5 Tage vorher gekalbt hatte, war am
27.nbsp; Oktober 1895 aus der üegend von Landsbevg a. W. per Eisenbahn nach Berlin befördert und wurde am 28. Oktober nach Charlottenbvirg verkauft. Am Abend des
28.nbsp; Oktober stellte sicli eine reichliche Blulung ans der Scheide ein. Die Kuh verzehrte nur wenig Futter. Als sich die lilulung am 30. October wiederholte, Hess der Käufer die Kuh am 1. November in meine Klinik einliefern. Ich constatirte bei derselben : Näbrzustand mangelhaft, Mi Ich secretion 1 bis 2 Eiter täglich. Futteranfnahme sehr dürftig; die Kuh frass nur Heu und trank klares Wasser, verweigerte aber Kleientrank. Puls 04. Temp. 89,9, an einzelnen Tagen auch weniger. Darmexcre-monio spärlich, theerarlig. Athmung normal.
im Verlaufe von 14 Tagen magerte die Kuh mehr und mehr ab. Die Flanken waren an beiden Seiten zusammengefallen. Starker Kräfteverl'all. Erblassen der Schleimhäute. Das Thier konnte sich schliesslich vom Boden nicht mehr erhoben. Exitus am 20. November.
Section im pathologischen Institut: Bauchfell glatt von graugelber Farbe. Im C'avum peritoneale keine Flüssigkeit. Die drei ersten Magenabtheilungen enthalten trockene Engesta. Im vierten Magen und im Darm ist das Contentum flüssig und graubraun, .Magen- und Darraschloimhaut gesund. Milz 52 cm lang, 11 cm breit und 1,60 cm dick; Pulpa gelbbraun etwas weich. Leber vergrossert, dunkelbraun. Gallenblase kindskopfgross mit dickflüssigem, gelbbraunem Inhalt.
Gebärmuttcrh örner zusamnunengezogen, ihre Wandung verdickt. Stellenweise ist die Wand auf dorn Durchschnitt 1 cm und darüber stark. Beide llörner sind aussen grauroth und an mehreren Stellen mit trüben , marksl ückgrossen Flecken besetzt. Schleimhaut entz üncl-1 ic h geröthet. Kotyledonen graugelb, trübe und wie angefressen, in der U ter usschlei nihant viele graue Herde von dem Um fange einer Erbse bis einer Boli ne. An diesen Herden, die tiefer liegen als die Umgebung, findet sich in der Schleimhaut Gran uIationsgewebe.
Die Seh eide enthält etwa Ya^'*-61' grau we is sen rah mart i gen Eilers, nach dessen Entfernung die Sohleimhaat entzündlich geröthet und etwas geschwollen erscheint. An der Harnröhre, der Harnblase und dein Harnleiter ist die Wandung stark verdickt. Der Inhalt der Harnblase besieht aus etwa 1 Liter schmutzigbrauuer mit nekrotischen Gcwebs-felzen vermischter Flüssigkeit. Stellenweise enthält die Schleimhaut der Ulase und der Urotoren graue trübe Entzündungsherde, auch Blut-exlravasale. Beide U reteren erweitert und von der Stärke eines Daumens; sie enthalten eine trübe Flüssigkeit in spärlicher Menge. Roclitc Niere 24 cm lang, 11 cm breit und 4,5 cm dick. Linke Niere 29 cm lang, 16 cm breit und 5,5 cm dick. Die Aussenfläche fast siiinmt-lich er Ni even läppen , besonders an der linken N lore sin d mit erbsen-grosson, golbgrauon über d ie Oborfläclio hervorragenden Pünktchen besetzt, von welchen zahlreiche gelbgraue Streifen sich durch die Nieren bis zum N ieron Wärzchen erstrecken. Im Nierenbecken der lin-
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Niorenbcckcn-Nicrenont/.ümlung. Pyeloneplu'itis. Nepliropyelilis.
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Icon Ni ero gegen lA Lltor grauer, dlokflüsslger, eiteriger Materie^ Fast siimmtliche N iorenkelch o sind gofiilll mit soli mu tziggnvuon oder gelblichen nekrotisch en G evvobspartikoln.
üie Bmstorgane ersoheinen nicht wesentlich verändert. Doch ist das Herz auf der Schnitlfliiche trübe und am Endocardium linden sich asphyktischo Klocke.
2. Hess-Bern (Schweizer Arch. Bd, 82) fand bei einer Kuh, welche tragend war und bei der Benutzung im Zugdienste röthlichen Harn und vor dem Gebären stark blutigen Urinquot; entleert hatte, nach dem Kalben im Harn rothe Blutkörperchen, viel Kiweiss, Tripelphosphat, Schleimkorpercbon, lilutklümpclien, keine Kpilhelion. Bei der Untersuchung per Rectum'erwies sich die linke Niere scheinbar etwas grosser; die rechte Niere war nicht zu fühlen. Sohmerziiusserung beim Druck gegen die rechte Flanke. Harncylindor und Nierenepithel waren auch später im Harn nicht nachzuweisen. Kndlich zeigte die Kuh nach dem Füttern anhaltende Kolik, welche nach Darreichung von lauwarmen Tränken wieder aufhörte.
Schlachtung. Autopsie: In der Harnblase ein apfelgrosser, schleimiger Bacilleuklnmpcnquot;; Schleimhaut geschwollen. Die Harnleiter bilden derbe, finger-dicke Bohren. Beide Nieren sehr gross, je 4 Pfund schwer. Nierenbecken ausgedehnt und mit grauweisser schleimiger Materie gefüllt. In der Rindcnsubstanz der Nieren viele kleine, bis zu 1 cm breite weisso Flecke. An den l'apillen fanden sich Geschwüre mit blutigem Grunde.
M. Hess-Bern (1. o. Bd. 33): Ein 7Monate altes Stierkalb halte am Fräpulium einen kleinen Schorf. Zwei Monate später fand sich: Dürftiger Nährzusland, Mattigkeit, gespannter Gang in der Nachhand. Puls KIG. Temp. ;i!),4. Appetit und Wiederkauen aufgehoben. Planken aufgetrieben, besonders an der reohleu Seite, an welcher der Druck dem Thier Schmerzen verursachte. Diagnose: Pyelonephritis und Peritonitis.
Schlachtung. Autopsie: In der Bauchhöhle lö Liter eiteriges Fxsudat. Linke Niere normal gross. Kochte Niere vergrössert; die Rindensubstanz oberflächlich und in grösserem Umfange nekrotisch. Schleimhaut des Nierenbeckens verdickt. Papillen verfärbt und oberflächlich zerrallen. Der Harnleiter ist an der Kinmündnug in die Harnblase apl'elgross erweitert; die Schleimhaut höckerig, mit Gries belegt. Die Harnröhre bis zur Symphyse mit librinösem Exsudat bedeckt; 5 cm vor der Um-biegung in das Becken bclindet sich ein apfelgrossor, mit dünnem blutigem Kitor gefüllter Hohlraum, der bis unter die Ruthonfascio reicht.
4. Hess-Bern (1. c): Bei einem Rinde war infolge Zurückbleibens der Nachgeburt eitie eiterige Melritls entstanden, die in 8 Wochen abheilte. Nach 4 Monaten mangelhafter Appetit, Abmagerung und Husten. Flanken eingefallen. Harnentleerung normal. Vom Mastdarm aus war an der Symphysis Puliis eine harte Geschwulst nachzuweisen (Hilerabscess im Ovarium); linke Niere vergrössert und knollig; rechte Niere nicht erreichbar.
Schlachtung. Section: [-Tarnblase normal. Linker Ureter am vorderen Ende stark verdickt, dicken Eiter enthaltend Nierenbecken der linken Niere kinds-kopfgross, mit stinkendem Liter gefüllt. Nierenkelcho stark erweitert. Nierengewebo alrophisch.
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Kriinkheilon dor llanioifiiino.
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Capitol CXXAMU. Harnsteine.
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Harnniederschlftge kommen beim Rinde in manohen Gegenden oft, in anderen dagegen selten oder gar nicht vor. Dieselben sind in regnerischen Jahren häufiger als in trockenen (immingor). Auf die Bildung der Harnconcremente hat das Aller des Rindes keinen Einfluss. Ks werden sowohl bei Kälbern in den ersten Lebensmonaten wie bei Kühen und Ochsen des höheren Alters Harnsteine beobachtet. Man findet dieselben in allen Abtheilen der Harnwege; in den Harnkanälchen, im Nierenbecken, im Ureter, in der Blase und in der Harnröhre (Nierensteine, ilam leitersteine, Blasensteine, Harnröhrensteine), Das Ooncrement ist nicht immer an den Orten entstanden, an denen es gefunden wird. In die Ureteren gelangen die Steine regelmässig ans dem Nierenbecken. Auch der Blusenstein ist oft aus der Niere und der Harnröhrenstein stets aus der Blase eingewandert.
Die Harnniederschläge haben entweder die Form von Grios (Harn-gries, Harnsand) oder von compaoten Massen (eigentliche Harnsteine).
An chemischen Bestandthcilcn können dieselben enthalten: plios-phorsaures Ammonium-Magnesium sowie phosphorsauren Kalk (Phos-phatsteine); Oxalsäuren Kalk (Oxalatsteino); kieselsaure Salze (Silikatsteine); kohlensauren Kalk (Carbonatsteine). Den Hauptbe-standtheil bildet in den meisten Fällen der kohlensaure Kalk.
Im Nierenbecken kann der Harnstein eine chronische Entzündung veranlassen, die sich auf die Niere fortsetzt. Kleinere Nierensteine gelangen mitunter in den Harnleiter und verbleiben in demselben, oder sie gleiten in die Blase hinab und vergrössern sich dort oder sie werden in die Harnröhre übergeführt und setzen sich dann in der Regel an der sigmaförmigen Krümmung der Ruthe fest.
Die Miagiiose der Harncüncremente im Nierenbecken oder im Harnleiter gestaltet sich oft unsicher, weil dieselben lange Zeit hindurch keine Störung der Gesundheit verursachen. Hat eine Pyelonephritis sich ausgebildet, so lässt sich die Möglichkeil, erwägen, dass die Erkrankung durch einen Harnstein verursacht wird. Auch die öftere Entleerung von Blut oder blutigem Harn (Blasenblutung, Hamaturiraquo; micalis) kann einen Anhalt für die Diagnose gewähren.
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Lamp;htnung der Efarnblase.
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Die Symptome dor duroh Conoremenlc bewirkten Harnstauung in
der Blase und bei Ochsen oder Stieren auch in der Urethra werden in den Handbüchern der Chirurgie erläutert. Die Anstauung des Harns in der Blase ist durch die Untersuchung per Rectum nachzuweisen. Solange die Blase nicht gesprengt ist, giebt sich der Zustand durch eine übermässig starke Füllung derselben zu erkennen. Ausserdem isl das vergebliche Drangen auf die Harnentleerung von diagnostischem Werlhe. Wenn bei Ochsen oder Stieren dein in der Blase angestauten Harn kein Ablluss auf operativem Wege verschafft wird, so berstet die Blase nach 1 bis 3 Tagen, worauf der Harn sich in die Bauchhöhle ergiesst. Nach Imminger erfolgt die Ruptur stets an der dorsalen Fläche der Blase. Der Harn sammelt sich in der Bauchhöhle und verursacht eine allgemeine Bauchfellentzündung (Perforativ-Perito n i t is. U ri n öse Bauchfellentzündung). Das Thier erkrankt hierbei unter Fieber und allgemeiner Schwäche mit Abmagerung und .stierem Blick. Die ausge-
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athmete Luft hat einen urinösen Geruch. Der Tod erfolgt 810
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mitunter bis 18 Tage (Haubner) nach der Blasemuptnr.
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Capitel CXX1X. Lnliniinig der Harnblase.
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Eine erhebliche Minderung in der Contractilität der Blasenmuskulatur entsteht bei Ochsen, wenn die Harnröhre durch einen Harnstein verlegt ist und die vollständige Zurückhaltung des Urins in der Blase mehr als einen Tag anhält. Auch bei Kühen kann durch einen Druck auf die Harnröhre und Ansammlung des Harns die Blasenwand sich übermässig ausdehnen, so dass nach der Behebung dos Hindernisses die spontane Entleerung des Harns nicht stattfindet. Symptomatisch kommt die Blasenlähmung bei der Gebärparalyse (Kalbelieber) vor.
Zur lUhiiiiilliiiiK dieses Zuslandes empfiehlt sich eine Infusion von warmem Wasser oder einer Lösung von Schleim in die Scheide, In Zwischenzeiten von einigen Stunden kann mit der in die Scheide eingeführten Hand ein massig starker Druck auf die Blase vollführt werden. Bei Kühen ist auch die Application des von Imminger empfohlenen Blasenkatheters angebracht.
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Krankheiten der Hiirnorganp.
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Capitol CXXX. Enfzüiidiiiig ihr Harnblase. Urocystitis.
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Weder die Ochsen nocli die Kühe ziehen sich eine Blasencntziindung durcli Erkältung zu. Vielmehr entsteht die entzi'mdlielie Erkrankung der Blasenschlcimhaut (Urocystitis catarrhalis) bei Kühen gewöhnlich in Verbindung mit einer Schcidcnonizündung und vorwaltend in den ersten Tagen oder Wochen nach dem Gebären. Ausserdcm kann die Blasenentzündung auf dor naohtheiligen Wirkung eines Blasensteins oder eines die Entleerung des Harns durch die Harnröhre behindernden krankhaften Zustandes der benachbarten Organe beruhen. Auch Tumoren der Blase führen zur Kntziindung der Schleimhaut.
Bei den hier gedachten chronischen Entziindungsprocessen erlangt die Blasenschlcimhaut eine unebene Gestalt und eine starke Vasculari-sation. Die Wand der Blase verdickt sich und mitunter entstehen in der Schleimhaut ulceröse Zustände. Der entleerte Harn ist oft durch Blutbeimischung geröthot oder von schimitzigcr, dunkelgrauer Be-sohaffenheit.
Die Behandlung der Blasenentzündung bestimmt sich im Wesentlichen nach dem Grundloidon. Bei Kühen kann die Schmcrzempfindung durch Eingüsse von warmem Wasser oder von schleimigen Mitteln in die Scheide gemildert werden. Empfohlen wird auch die Ausspülung der Blase mit einem dosinficirendon .Mitlei nach Application des Katheters.
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Capitol GXXXI. Geschwülste in der Blase.
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Tumoren der Blase werden bei Rindern nicht selten beobachtet. Sie entstehen am meisten am Gollum. Gewöhnlich handelt es sich um eine sareomatöso oder um eine carcinomatöse Neubildung. Eine Folge derselben ist die entzündliche Miterkrankung der Blasenschleimhaut (granu lirende, hämorrhagischc Cystitis). Zottige Excrcscenzen auf der Schleimhaut. Starke Verdickung der Blase.
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Stlersuoht.
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Symptome. Schmerzompfiiidung im Blasen lull.so und im Schoidenvor-hof mit starkem Drängen auf die Harnentleerung. Ausscheidung von Blut, welclies zum Theil siel) in der Scheide ansammelt und daselbst gerinnt, zum andern Theile aus der Scham entleert wird (ßlasenblutung). .Mangelhafte Futteraufnahme. Erhebliche Verminderung der Milchpro-duction bei Kühen. Allmälig zunehmende Abmagerung bis zur Kachexie. Tod durch Erschöpfung.
Der Verlauf ist chronisch und kann sich über mehrere Monate ausdehnen.
Da die Blasciigeschwülste beim Rinde unheilbar sind und die Bo-handlnng eines Kalles sich deshalb aus wirthschaftlichen Gründen nicht verlohnt, so ist die Frühdiagnose von besonderem Werthe Nach Feststellung der Diagnuse empfiehlt sich die alsbaldige Schlachtung des Thieres zum Zwecke der Floischverwerthung. Erleichtert wird die Diagnose durch vollständige Erhebung des Befundes und besonders durch die umsichtige Untersuchung mittels der bei Kühen in die Scheide oder bei Ochsen in den Mastdarm eingeführten Hand.
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I. Krankheiten der Geschlechtsorgane.
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Capitel (JXXXII. Stiersucht.
Der auf einer nervösen Affection beruhenden übermässig starken Brunst bei Kühen wird seit mehr als hundert Jahren in der thierär/t-lichen Literatur gedacht. Allgemein war früher der Irrthum verbreitet, dass die anhaltende geschlechtliche Reizung bei Kühen die Ausbildung der Franzosenkrankheit (Fcrlsucht, Tuberkulose) zur Folge haben solle (Vergl. S. 2-10). In Deutschland wird die Stiersuchl: llriillcrkraiik-heit oder Brummerkrankheit oder Nymphomanie der Kühe genannt.
Aetiologie und Pathogcnese. Dass die Tuberkulose (l'erlsucht) mit der Stiersuoht in keinem causalcn Zusammenhang steht, wurde schon von Rychner und Im-Tluirn 1837 gelehrt. Auch Schünhoff, Harms und andere Autoren der praktischen Thierarzneikunde haben nach zahlreichen Befunderhebungen Jede Verbindung der Tuberkulose mit der Steigerung des sexuellen Triebes in Abrede gestellt.
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506nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;[Crankbeiten dor Qesohleohtsorgane.
Ich habe die Krankheit nur bei Kühen beobachtet, woloiio das dritte Lebensjahr vollendet hatten oder im höheren Alter standen. Es scheint, dass bei jungen Färsen dio Entwiokclung der Krankheit nicht stattfindet.
Nicht selten lindet sich bei der Section der Kühe, welche an der Stiersucht gelitten haben, die cystische Degeneration eines oder beider Ovarien. Gleich oft ist aber an den Eierstöcken nichts Krankhaftes zu .erkennen. Schon nach diesem Ergebnisse der Section liess sich die Krankheit nicht auf die Bildung von Kierstockscysten zurückführen. Schünhoff (Bed. Tb. Woch. 1893. S. 817), welcher bei den secirten Kühen an den Ovarien nichts Abnormes fand, giebt an, dass die Kinder, bei welchen Cysten, Tuberkeln oder andere Neubildungen in den Ova
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rien nachzuweisen waren, während des Lebens keine Stiersucht geäussert hätten. Das ursächliche Moment der Krankheit erblickt Schünhoff in einer Reizung und abnormen Contraction des Orificium exlernum. Vom Muttermund soll auf rellectorischem Wege die Erregung des Geschlechtstriebes erfolgen. Durch die Verengerung und dauernde Verschliessung des Oervicalkanals erklärt sich demnach die Unfruchtbarkeit der Kühe. Es lässt sich nicht bestreiten, dass diese Theorie die Entwickelung und das Wesen der Stiersucht verständlich macht.
Syniptome uiul Verlauf. Die Krankheit macht sich dadurch bemerklich, \}nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;dass die Kuh in verhältnissmässig kurzen Zwischenzeiten heftige Anfälle
der Brunst bekundet, welche 58 Tage anhalten. im Verlaufe der nächsten Monate zeigt sich eine häufige Wiederkehr der Brustanfälle. Darauf bleibt die Brunst anhaltend besteben. Die Kuh ist unruhig und belästigt beim Weidegange die anderen Kühe der Herde. Sie brüllt oder brummt fortdauernd, springt auf andere Kühe und verhält sich auch im übrigen wie ein aufgeregter Stier. Die Bedeckung wird zugelassen, aber eine Conception erfolgt nicht.
Das Kreuz-Sitzbeinband erschlafft in der Regel an beiden Seiten
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der Schwanzwurzel. Die Kuh ist bandlosquot; geworden, wie die Laien
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sagen.
Nach Verlauf von ß8 Monaten, zuweilen erst nach 1 bis 2 Jahren mindert sich der Appetit mehr und mehr und die Kuh bleibt im Nährzustande zurück. Schliesslich erliegt das Thier unter den Symptomen der Kachexie.
Uiagniise. Die anhaltende geschlechtliche Aufregung und das Ausbleiben der Befruchtung nach dem Decken sind für die Feststellung der Krankheit massgebend.
Von geringer diagnostischer Bedeutung ist die infolge einer Lähmung des breiten Beckenbandes eintretende Vertiefung neben der
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Soheldenentztltidungi Kolpltls,
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Scliwanzwurzel. Denn diese Abnormität ßndet .sicii auch an einer oder an beiden Seiten nicht selten bei gesunden und mangelfreien Milchkühen. Anderseits ist dieselbe auch nicht in jedem Falle von Stiersucht vollständig' ausgebildet.
Prognose und Therapie. Im Allgemeinen galt bisher die baldnuig-licliste Schlachtung der mit der Stiersucht behafteten Kühe aus wirth-schaftliohen Gründen als zweckmfissig, Die in den Lehrbüchern oft empfohlene Anwendung von beruhigenden Mitteln (Opium, Fol, Hyoscyami, Kai. broniatum) ist nutzlos. Schünhoff empfiehlt den Cervikalkanal mit einem von ihm erdachten Instrument (Mut terinunderweiterer) zu öflnen und thunlichst. unmittelbar darauf, jedenfalls in den ersten 3 bis 4 Stunden nachher, die Kuh vom Bullen decken lassen. Dies Verfahren soll die Befruchtung und vollständige Heilung der Kühe herbeiführen.
Von vielen Autoren wird die Castration der stiersüohtigen Kühe empfohlen. Die Operation bringt bei vorsichtiger Ausführung in der Kegel keine Lebensgefahr mit sich. Nach den Beobachtungen von Harms erfolgt aber die Beruhigung der stiersüchtigen Kühe nach der Castration mitunter erst ganz allmälig.
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Capitol CXXXIII. Scheideiicntzundung. Kolpitis
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Weit häufiger als bei nichttragenden Färsen und Kühen kommt eine Entzündung der Scheide infolge von Quetschung und eiterig-jauchiger Infection beim Gebärakte zu Stande. Trotzdem besitzen die bei nicht-tragenden Thieren auftretenden entzündlichen Erkrankungen der Scheide ein erhebliches Interesse für die thierärztlicho Praxis.
Die Ausbildung und der Verlauf der nach dem Gebärakte entstehenden Kolpitis beruhen gewöhnlich, besonders bei den schweren Er-krankungsformen, auf einer Infection. Die Krankheit hängt auch sehr oft zusammen mit einer infectiösen Entzündung des Uterus. Es ist daher in der neueren Literatur üblich geworden, die nach dem Gebären eintretende Entzündung des Geschlechtstraotus unter dem Namen der pucrperalen Infectionquot; zu betrachten.
Zu dieser Gruppe von Krankheiten rechnen Harms und Fggeling (Geburtshülfe 3. Auflage 1896) folgende Formen: 1. Vulvitis, 2. Kol-
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508nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten dw Gcsohleclilsorgane.
pitis, 3. Endometrilis, 4. I'crimetritis, 5. Paramotritis, 6. Septicaemia puevperalis.
Von do Bruin (Geburtshilfe 18(,)7) wird die pucrperale Infectionquot; eingethellt in:
1.nbsp; nbsp;Septische Infection: a) puerperalo Phlegmone, b) septische Metritis, 0) acute pucrperale Septicaemie.
2.nbsp; nbsp;Pyäniische Infection: a) pyiimische Polyarthritis, b) me-tastatisohe Sehnensoheidetientzündung, o) chronische Para-inetritis.
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Capitel CXXXIV. Traimiatisclic Sclicidencntzüiuluiig. Kolpitis trauuiatica.
Nicht in Vorbindung mit dem (Jcbärakto steht die hier gemeinte Schcidencnt/.iindung, welche eine Folge der bei der Bedeckung zuweilen eintretenden Läsion ist und vielfach als Anreitenquot; bezeichnet wird. Die Verletzung bedingt in den meisten Fällen eine unerhebliche entzündliche Reizung, Die Thiere drängen zeitweise unter Krümmung des Rückens auf die Harnwege. Gewöhnlich verlieren sich im Verlaufe von 1 bis 3 Tagen diese Symptome wieder.
Mitunter verursacht die Bedeckung einer Färse (Kalbin) durch den Bullen eine schwere Entzündung der Scheide. Im Grenzgebiete zwischen Vorhof und Scheide erfolgt die Verletzung der Schleimhaut, welche in diesem Bereiche zur entzündlichen Verwachsung der Scheide mit der Umgebung Veranlassung giebt.
Das in dieser Art erkrankte Thicr bekundet die Reizung im Geni-taltraotus durch anhaltendes Drängen auf die Harnentleerung unter Auf-wärtskrümmung des Rückens, Trippeln mit den llinterfüssen und vorübergehender Entleerang von Blut aus der Scheide. Der Appetit ist mangelhaft.
Die Erscheinungen erhalten sich 2 bis 3 Wochen hindurch.
Zwischen dem äussoren Muttermund und der verwachsenen Partie der Scheide kommt es zur Ansammlung von übelriechendem Fiter. Zuweilen entsteht auch ein grösscrer Abscess in dem Gewebe zwischen der Scheide und dem Mastdarm.
Die Prognose ist nur Im Beginn der Erkrankung günstig. Im weiteren Verlaufe kann eine eiterig-Jauchige Peritonitis entstehen, welche immer todtlich ausgeht.
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Chronischer anfleckpnder Scheid en katarrh. Kolpilis catarrlialis conlngiosa. 50!)
Therapie. Irrigation der Scheide mit warmem Wasser oder mit Sclileim in Zwischenzeiten von 2 bis 8 Stunden. Ist die Scheide verwachsen oder ein Abscess in ihrer [Jmgebimg zu Stande gekommen, so hat eine chirurgische Behandlung einzutreten. Der Abscess wird mit dem Messer oder mit dem Troikar geöffnet, worauf die Abscesshöhlc mit einer schwachen wässerigen Lösung von Creolin oder Lysol täglich mehrere Male auszuspülen ist.
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Capitel CXXXV.
Chronischer ansteckender Sclieidcnkatarrh. Kolpitis cafarrhaiis
contagiosa.
Sehr wahrscheinlich ist der ansteckende chronische Scheidenkatarrh in den westeuropäischen Staaten früher nicht aufgetreten oder eine seltene Krankheit des Rindes gewesen. Wenn es anders wäre, so würden sich in der älteren Literatur Mittheilungen über die Krankheit finden müssen.
Nach einer Notiz von Harms (Geburtshiilfe 3. Anil. S. 28) ist Ende der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts im östlichen Eiderstodt (Schleswig) das seuchenartige Auftreten einer durch die Bullen übertragenen, also infectiösen Scheidenentzündungquot; gesehen worden.
Williams (The Veterinarian 1887) beobachtete in einer Herde Shorthorn-Rindcr eine Gonorrhoequot; in grosser Verbreitung. Die Kühe waren bei der Bedeckung von einem kranken Bullen angesteckt.
Während der letzten 10 Jahre hat sich die Krankheit in Mitteldeutschland, besonders in den Breussischen Regierungsbezirken Merse-burg, Erfurt und Cassel sowie in Sachsen-Weimar-Eisenach, in Sachsen-Meiningen, in den Altenburgischen und Schwarzburgischen Landen oft gezeigt. Sie wurde vielfach mit dem ansteckenden Bläschenausschlag identificirt und als die vermeintlich chronische Form dieser Seuche beurtheilt. Ich erhielt 1894 vom Eandwirthschaftlichen Ministerium den Auftrag, wegen der Krankheit einige Viehbestände des Kreises Weissensee (Bez. Erfurt) zu untersuchen. Hierbei stellte ich fest, dass die Krankheit ein eigenartiges nur durch Ansteckung entstehendes Leiden ist, welches ich mit dem Namen chronische, ansteckende Schciden-e n tz ü n d u n gquot; bezeichnete.
Kreisthierarzt Trommsdorff in Weissensee hat hierauf (B, T. W. 1894. S. 595) über das Vorkommen der Krankheit berichtet und dieselbe als eine Vaginitis verrueosaquot; gedeutet.
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Uhrhardl (Sohweizer Archiv. 1896. Bd. 38) maoht zur üntor-soheidung der Krankheit von der ßläschenscnohcquot; (I5iäschenausschlag) besonders auf den chronischen Verlauf aufmerksam und kennzeichnet dieselbe als infectiösen Knötchenaussclilag der Scheide.quot;
Frühner-llünfeld (15. T. W. 1895. S. 81) beohachtele, das.s die kranken Kühe oft unfruchtbar waren. Er macht ebenso wie später Martens (B. T. W. 1898. S. 145) auf die schwere Heilbarkeit der Krankheit aufmerksam. Martens benennt das Leiden: Ansteckender Scheiden- und Gebärmutterkatarrh beim Bindvieh,quot;
Demnächst hat Ellingei' (B. T. W. 1899. S. 25) die Krankheit eingehend beschrieben und als eine Kolpitis granuiaris infectiosa gedeutet.
Ailiolosif. Dass der ansteckende chronische Scheidenkatarrh ein eigenartiges durch einen speeifischen Infeotionsstoff bedingtes Leiden des Kindes ist, konnte schon nach den Beobachtungen in der thierärztlichen Praxis nicht zweifehaft sein. Ilecker (B. T. W. 1900. S. 445) fand im Deject der Scheide den Krankheitserreger, welchen er als Mikrocoecus des infectiösen Schcidenkatarrhesquot; bezeichnet. Er erwähnt, dass diese Mikroorganismen oft die Diplokokkenform zeigen und bemerkt weiter: Einspritzung von Reinkulturen dieses Mikrocoecus in die Scheide von Kühen führte zu dem speci(ischen Scheidenkatarrh. Man könnte den Erreger daher vergleichen mit dem Gonococcus bei Menschen.quot;
Ostertag (Monatsh. für prakt. Thierheilk. 1901. S, 533) oonsta-tirte, dass sich der Mikroorganismus im Eiter und in den specilisch veränderten Theilen der Scheidenschleimhaut als Diplococcus und als kurzer Streptococcus findet. Schafe, Ziegen, Schweine und Pferde sind nach Ostertag für die Infection nicht empfänglich. Auch bei Kaninchen und Meerschweinchen haftet die Impfung nicht.
Die Ansteckung ist die alleinige Ursache des Leidens; sie erfolgt in der Regel gelegentlich der Begattung. Die Zuchtbullen können sich von den Kühen inficiren und an der Vorhaut sowie am Penis mit dem speeifischen Krankheitsprocess behaften. Gewöhnlich erkrankt aber der Bulle nicht. Indess bleibt bei demselben nach der unreinen Bedeckung einer kranken Kuh der Ansteckungsstoff an den Genitalien haften. Es überträgt demnach ein solcher Bulle den Infectionsstoff auf gesunde Kühe, ohne dass er selbst an der Krankheit leidet.
Nicht oft vollzieht sich die Ansteckung durch die Berührung gesunder und kranker Kühe oder durch die Benutzung des mit dem Scheidendeject kranker Thiere verunreinigten Striegels oder durch die Bände des Melkers.
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Symptome und Verlauf. Nach der Ansiedelang des Conlagiums in der Schleimhaut des Scheidenvorhofes vergeben nur 2 bis .'5 Tage bis /um Auftreten der ersten Kninkhcitscrscheiiuingon: Schwellung der Scham und entzündliche Röthung in der Schleimhaut des Scheidenvorhofes. Die Schleimhaut bedeckt sich mit einem schleimig eiterigen Belag. Kleine knötchenl'örmigo Erhöhungen und Längsfalten in der Schleimhaut. Die hanfkorngrossen Knütchen stellen geschwollene Lymphfollikel dar und liegen in Gruppen oder in Reihen nebeneinander. Eiterige oder schleimig eiterige Scheidendcjection. Verklebung der Ilaare an der Schwanzrübe und an den Unterschenkeln mit der ausgeschiedenen Materie.
Der Auslluss aus der Scheide ist oft gering und zu anderen /eilen stärker. Martens beobachtete, dass durch die Bewegung der kranken Kühe sich die Scheidcndejection vorübergehend steigert.
Die entzündliche Schwelhing der Schleimhaut im Scheidenvorhof mindert sicii in 3 bis 4 Wochen. Auch der Auslluss lässt mehr und mehr nach. Das Allgemeinbefinden des Tlueres wird nicht gestört. Die Krankheit dauert 2 bis 3 Monate und kommt nicht selten ohne künstliches Zuthun zur Heilung.
Bei den Bullen entsteht eine Entzündung des Penis im sorderen Theile mit starker Röthung und Erosionen. Indess bleiben die Bullen meist: gesund, obschon sie bei der Bedeckung kranker Kühe die Ge-schlechtstheile mit dem Ansteckungstoffe verunreinigen.
Comiilii'ationen. Der speeifische Krankhcitsprocess kann sich von der Scheide durch den Cervicalkanal auf die Ulerusschleimhaut fortsetzen. (Ansteckender Scheiden- und Gebärmutterkatarrh). Indess ist ist diese Complication nicht so häufig, als einzelne Beobachter annehmen.
Bei tragenden Kühen führt die Erkrankung zuweilen den Abortus herbei. Nicht tragende Kühe coneipiren oft, trotz häufiger Bedeckung nicht. Indess stimmen die Berichte über das Ausbleiben der Befruchtung nicht überein. Khrhardt, Marten u. A. erwähnen, dass die kranken Kühe häufig umrindern und nicht empfangen. Nach Kl linger sollen dagegen 75 pCt. der erkrankten Kühe und 50 pCt. der erkrankten Färsen durch die Bedeckung befruchtet werden.
Prognose. Obschon der chronische ansteckende Scheidenkatarrh an sich gutartig verläuft und nicht zu einer erheblichen Störung dos Ge-sammtbefindens führt, so sind doch die wirtbschaftlichen Nachtheile, welche die Krankheit mit sich bringt, nicht zu unterschätzen.
Rehaiullnng. Auf Grund einer experimentellen Prüfung vieler Medikamente hält Ostertag die Irrigation des Genitallraclus mit einer 2 bis öproc, Milchsäurelösung oder einer 2,5proc. Pysol- oder Creolin-
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Krankheiten rlor Qesobleohtsorgane,
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lösung für zweokmussig. Die praktischen Thierärzte bedienten sich früher schon einer schwachen Oreolinlösung zur Ausspülung des Genitaltractus. ich liess bei mehreren kranken Kühen die Scheide mit Wasser ausspülen und darauf eine Lösung von Glycerin in Wasser (5 : 100) anwenden. Wesentlich ist, dass die Irrigation /.nnächst täglich ' ,J darauf in Zwischenräumen von einigen Tagen erfolgt. Die Silberpivparatc (Argentum ni-trl.oum, Protargol), deren Wirksamkeit auf der Hand liegt, lassen sich wegen des theuren Preises nicht, benutzen.
Da die Krankheit, sich auf gesunde Kühe leicht übertrügt, so ist die Anordnung veterinär-polizeilicher Massnahmen begründet: Anzeigc-pflioht; Observation der verseuchten Bestände; Beschränkung der Ausfuhr kranker Thiere aus dein Seuchenortc auf die sofortige Schlachtung derselben; curalive Behandlung der kranken Thiere und Desinf'ection der Seuchenställe nach ihrer Heilung.
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Capilel OXXXVI. Weisser Flnss. Fluor albiis. Leucorrhoca chronica.
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Nicht häufig ist bei Kühen derjenige chronische Katarrh der Gebärmutter, mit welchen ein schleimig-eiteriges rahmartiges oder glasiges Produkt von der Gcbärmuttcrschleimhaut abgesondert wird. Mit Unrecht haben ältere Autoren Jeden Ausfluss von Schleim oder Eiter aus dem Genitaltractus dem weissen Flussquot; begrifflich beigeordnet und neben der chronischen cine acute Leucorrhoe besehrieben. Indess wurde die Krankheit von Rychner (Bujatrik. 8. Aufl. S. 4lt;,)6) unter dem Namen Ulennorrhoe der Pruch thälterschleimhautquot; nach ihren wesentlichsten Eigenschaften zutreffend beurtheilt. In der neueren Literatur ist über den weissen Fluss bei Kühen mehrfach berichtet worden.
Aetiologic. Die chronische Entwiokelung und der ungleichmässlge Verlauf sowie die längere Dauer der Krankheit ergeben schon, dass dieselbe durch eine geringfügige Infection der Gebärmutterschleimhaut im Anschlüsse an den Gebärakt zunächst verursacht wird. Der weisse Fluss kommt nur bei Kühen vor, welche nach normaler Trächtigkeitsdauer geboren oder vorher abortirt haben. Demnach steht die Ausbildung des Leidens mit einer beim Gebärakte oder in den ersten Tagen nachher eingetretenen infecliösrn Schädigung der Uterusschleimbaut im Zusammenhange.
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Woissor ['quot;lass. I'Muor alhus. Leuoon'boea dironica.
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Syiu|raquo;toiiic und Verlauf. Mehrcrc AVochcn oder Monate nacli dem Gebären zeigt sich ein Deject von eitcrithnlichcr, schleimiger, geruchloser Materie aus der Scheide, besonders gelegentlich der Harnentleerung oder während des Liegens der Kuh. Im Uebrigens bekundet das Thicr keine Störung des Allgemeinbefindens.
Mitunter sistirt der Ausfluss mehrere Wochen oder Monate, um darauf wieder hervorzutreten, i'ls entleeren sich zunächst 2 bis 4 Liter mit einem Male, in der Folgezeit aber weniger. Die Ursache des aussetzenden Verlaufes liegt darin, dass der Ccrvicalkanal sich schliesst und erst nach kürzerer oder längerer Zeit von Neuem wieder öffnet.
Die an dieser Uteruskrankheit leidenden Kühe zeigen sich nicht seilen in verschieden langen Zwischenzeiten brünstig und nehmen die Bedeckung des Bullen an. Aber die Conception erfolgt nicht.
Tu einzelnen Fällen bleibt der Ccrvicalkanal viele Monate lang geschlossen. Dann erweitert sich der Uterus so bedeutend, dass sich bis zu 30 Liter des schleimig eiterigen Krankheitsproductes, selbst noch mehr in demselben ansammeln.
Der weisse Fluss kann 1 bis 2 Jahre hinduroh bestehen. Wird die Kuh nicht geschlachtet, so führt derselbe nach einer Dauer von mehreren Monaten oder nach längerer Zeil zur allgemeinen Abmagerung und Entkräftung (Kachexie), Die langsame Fntwickelung und don chronischen Verlauf habe ich in einem Obergutachten (B. T. W. 181)1. S. 2G7) erläutert.
Die Diagnose stützt sich auf die Feststellung des Ausflusses aus dem Genitaltractus. Nicht verwechseln darf man die Krankheit mit folgenden selbständigen 'Leiden: I. Die chronische (Icbärmutterent-zündung (Endornctritis ohronica catarrhosa). 2. Der nach dem Zurückbleiben der Nachgeburt zuweilen entstehende chron is ehe Gebärmutterkatarrh. 3. Der chronische ansteckende Scheidenkatarrh. 4. Die traumatische Vaginitis.
Prognose. Die chronische Lcuc.orrhoe kann wohl mil pallialivem Erfolge behandelt werden, dürfte aber grundsätzlich für die Praxis der Thierärzle als unheilbar anzusehen sein. Nach der Ausbildung der Krankheit ist die Kuh zur Zucht nicht mehr geeignet.
Indess gelingt es meist durch locale Behandlung des Uterus der nachtlioiligen Rückwirkung der Krankheit auf die Constitution des Thicres zuvorzukommen, so dass die Mästung und Vervverthung des letzteren zum Schlachten geschehen kann.
Behanillung. Ar/neipräparate innerlich bei der kranken Kuh an/,u-
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wenden, ist nichl ramp;thlioh,
Dlookorhofft Siioc. PathoUigiü u. Tkoraplo
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Kranklieiten der Oesohleobtsoi'iraDei
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des Uterus mil warmem Wasser. Es ist zwar zulässig aber niolit geboten, eine schwache Lösung von Creolin, Lysol, Carbolsäuro oder Tannin zur Anspülung des Uterus zu benutzen. Die Irrigationen sind täglich zweimal vorzunehmen und mehrere Tage hindurch fortzusetzen. Gewöhnlich verkleinert sich hiernach der Cervicalkanal so bedeutend, dass der Gummischlauch nicht mehr in die Gebärmutter eingeführt werden kann,
Lösungen adstringironder Metallsalze sind nicht erforderlich. Mehrfach wird aber eine schwache Lösung von Alaun empfohlen.
Mit Erfolg lässt sich eine dünne Lösung von Glycerin in Wasser (3 bis 5:100) benutzen, nachdem vorher durch den Hinlauf einer grössc-ren Menge von einfachem Wasser die Gebärmutter ausgespült und gereinigt worden ist.
Selten entsteht im Verlaufe von 1 bis 2 Jahren ein fester Vcrschluss des Muttermundes und die Erweiterung dos Uterus mit Ansammlung einer grossen Quantität des kalaniialischen Krankheitsproductcs. i5ei einer solchen Kuh ist der Versuch berechtigt, den Uterus mit einem Trocar zu pimcürcn und durch letzteren das Krankheilsproduct abzulassen.
Aus wirthseluftliehen Gründen ist in jedem Falle auf die baldthun-liche Absohlaohtung des Thieros Bedacht zu nehmen.
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Oapitel CXXXVII. Acute (laquo;laquo;'biinmitlTiTiitziiiulmifr. Netritis acuta.
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Ausführlicher als in einem Lehrbuche der speoiellen Pathologie angebracht ist, wird die acute Gebärmullerentzinulung in den geburtshilflichen Werken behandelt. Ihre Berechtigung (indet diese literarische Gepflogenheit in der Thatsaohe, dass die Krankheit direct oder indirect mil dem Gebärvorgange in ursächlichem Zusammenhange steht..
Für die Actiolugic und Pathugenese kommen die gleichen Gesichtspunkte in Betracht, welche die Lehre von der aeuten Mctritis des Pferdes bestimmen. Mit der verzögerten Geburt und deren Behandlung ereignen sich oft, Quetschungen und oberflächliche Verletzungen der Schleimhaut in der Scheide und im Uterus. Eine solche Läsion ermöglicht die Infection der Schleimhaut. Letztere erkrankt bald an einer oberflächlichen bald an einer tiefer eindringenden Entzündung (Phlegmone).
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Aciiif Gebärmutterent'/iiinclunfl
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ieti'itis aouta.
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In sohworon Fällen wird auch mitunter beobaohtot, dass die Sohloim-haut an kleineren oder grösseren Partien eine Ertödtung dos Gewebes erleidet. (Metritis s. Endometritis diphtherioa.)
Zuweilen entstehen im Uterus missfarbene, bluthaltige, dünnbreiige Bntzündungsproducte (Metritis septioa. M. gangraenosa).
Die Phlegmone kann innerhalb einiger Tage zur Ausbildung von walliiu.ss- bis taubeneigrossen, gelblichgrauen, eiterartigen Herden in der Wandung der Gebärmutter führen. (Metritis apostematosa.) loh habe diese Form der Gobärmutterentzündung aber nur einmal constatirl; die dreijährige Kuh, welche ich zu obdudren halte, war am 6. Tage nach der Geburt verendet. Die Bildung von Kiterahscessen in der phlegmonös crkraiiKten Gebärmutterwandung dürfte bei Kühen selten sein.
Häufiger kommen bei der Gebärmutterentziindung in den venösen Gelassen Thromben zu Stande, welche die Tendenz zu eiterigem Zerfall besitzen. (Thrombophlebitis.) Von den Gerinnseln lösen .sich mit-
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unter kleine Stückchen
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welche in den Blutstrom gelangen und in
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den Lungen oder in der Leber, den Nieren und anderen Organen eine raetastatische Entzündung herbeiführen.
Nicht selten greift die Entzündung der Gebärmutterschleimhaut auf das submueöse Bindegewebe und weiterhin auf die peritonealo Bekleidung dos Uterus über. Die Krankheit kann sich hiernach auf einen grösseren Theil des Bauohfalls ausbreiten (Metroperitonitis septioa). Zuweilen beschränkt sicli das Leiden auf den Bauchl'ellüberzug der Bcckenorgaue (Pelveoperitonitis),
Die Bauchfellentzündung, welche von der Gebärmuüer ihren Ausgang nimmt, bat in der Rege] einen tödlliehen Vorlauf. Es giobt aber Fälle, in welchen die Entzündung zur Verklebung oder Verwachsung einzelner Bauchoingewoide und zu Eiterabscossen in den verwachsenen Partien führt. Nach Eggeling ((Ichurlshülle II. 1896. S. 224) bilden sich grosso und kleine Abscessc mil Vorliebe an der llaiihc, dem Bansen, dem Zwerchfell, der Lober und .Milz. Ein grössorcr Abscess entsteht zuweilen zwischen Mastdarm und l'lerus.
Syiii|raquo;t(raquo;iiic. Schwellung der Scham. Entzündliche Röthung der Schleirahaul im Scheidenvorhof. Ausscheidung einer blutigen oder miss-farbenon Materie aus der Scheide. Erschwertes Aufstehen oder Unvermögen sich vom Boden zu erheben. Anhaltendos oxspiratorisches Stöhnen als Ausdruck der Schmerzempflndung.
Starke Benommenheit des Bewusstseiiis. In schweren Fällen tiefes Koma und Unvermögen zu stehen. Stellung des Kopfes gegen die Uippeuwaud. Starker Kräfteverfall. Fieberhafte Steigerung der Mast-
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[{rankheiten der Qesohldobtsoi'gano,
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darmtemperatur bis auf 41,0deg; und höher. Dyspnoo mil verzögerter Ex-spiration. Pulsfrequenz 80 bis 100 i. d. Min. und darüber. Massige Auftreibung des Pansens. Verzögerte Kothontloovung; bei längerer Dauer sind die Damiexkremente mituntei' breiförmig.
Verlauf. Die Krankheit beginnt innerhalb der ersten Tage nach dem Gebären und hat in der Mehrzahl der Fälle einen schnellen Verlauf. Nach einer Dauer von 8 bis 5 'ragen gehen die Thiere unter den Er-soheinungen des starken Kräfteverfalles zu Grunde,
Wenn im Bereiche der Bauchorgane Verwachsungen oder Eiterab-scesse entstehen, so kann sich der Verlauf mehrere Wochen oder Monate ausdehnen.
Mit der Entwiokelung der Thrombophlebitis in der Gcbärmutterwan-dung verbindet sich oft eine purulente oder ichorrhöso Allgcineininfection, wobei es zu metastalischcn Eiter- oder Jauchcherdon in den inneren Organen kommt: Lungen, Leber, Milz, Nieren. Nicht selten wird auch in solchen Fällen eine multiple mctaslatische Gelenkentzündung herbeigeführt. Von dieser seeundären Erkrankung werden nach Eggeling vorwaltend die Knie-, Sprung- und Ellenbogengelenke befallen.
Bei längerer Dauer der Metritis oder Metroperitonitis gehen die Thioro im Nährzuslande zurück. Appetitmangel. Anhaltendes Liegen mit deoubitalon Zerstörungen der Haut an den äusseren Darmbeinwinkeln, an der Schulter, auf den Rippen sowie an den Knie- und Sprunggelenken.
Diagnose. Zur Erkennung der acuten Gebärmutterentzündung dienen die Symptome der schweren fieberhaften Allgemeinerkrankung neben der enlzündlichen Schwellung der (ieschlechtstheilc bei einer Kuh, welche 1 bis 4 Tage vorher eine verzögerte oder künstlich entwickelte Geburt (Normalgeburt oder Fehlgeburt) überstanden bat. Das Bild der septischen Gebärmutter-Bauchfellentzündung ist sehr ähnlich den Symptomen der Gobärparosis (Kalbelieber). Wegen der IJebereinstimmung der Erscheinungen wurde die Krankheit früher in ungeeigneter Weise als entzündliches Kalbefieberquot; bezeichnet. (Vgl. S. 8Ö0.) In der neueren Zeit ist der Name der puerperalen Septicacmic für dieselbe in Aufnahme gekommen.
Von der Gebärparesis, bei welcher die Bluttemperatur erst, im wei-toron Krankheitsverlaufe ansteigt, unterscheidet sich die Metroperitonitis durch die schon im Iniüalsüidiuin vorhandene fieberhafte Erhöhung der Temperatur.
rrognosc. Die acute Gebärmutterentzündung ist; in jedem Falle als eine schwere Krankheit zu beutiheilen, deren Behandlung nur dann noch einen guten Erfolg verspricht, wenn die geeigneten lleilniil.tel frühzeitig zur An-
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Chronlsohe Gobiirniuttereiüy.iiiiiliiiiquot;-. lündometritis ohronioa.
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Wendung kommen. Sind (schon schwere entzündliche Veränderungen der Uterusschleimhiiui entstanden, so ist die Behandlung aussichtslos.
Für die Frage der Schlachtung ist /.u beachten, dass das Fleisch einer an septischer oder pyämischer Allgeraeinkrankhcit leidenden Kuh eine gesundheitsschädliche Eigenschaft besitzt. Der Genuss des Fleisches von einer Kuh, welche an der Metritis septica schwer erkrankt ist und nothgeschlachtet wird, hat schon oft eine tödtlichc Erkrankung der Personen verursacht.
Die seeundäro ßauchfellentziindung mit Verwachsung und Absoess-bildung im Bereiche der Bauchorgane ist in der Regel auch unheilbar. Ihre Beurtheilung richtet sich nach den bei der chronischen Bauchfellentzündung S. (574: besprochenen Gesichtspunkten.
Kehandlung. Am meisten bewähren sich anhaltende Berieselungen der Gebärmutterschleimhaut mit Iproc. warmer Kreolinlösung. Daneben kann die Schleimhaut des Vorhofes und der Scheide täglich zweimal rail Glycerin bepinselt werden.
Innerlich; Kampfer (5,0 bis 10,0) mit Magnesium sulfuricum (500,0) in Leinsamenschleim oder Altheeschleiin. Später Decoct. Cort. Quere. Trinkwasser zur beliebigen Aufnahme. Als Futter ist versuchsweise schmackhaftes Stroh oder Heu vorzulegen, später leicht verdauliches Getränk.
Zur Verhütung der Krankheit is( die (Jeberwachung der Geburt und soweit es auf die Behandlung von Schwergelnirten ankommt, die (hunlichste Vermeidung jeder überflüssigen Manipulation in der Gebärmutter von Interesse.
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Oapitel OXXXVUl.
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(liroiiisdilaquo;' (icbiiriiiiittcrcntzüiidiiiig. Iliuioiuctrhis clironica
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catarrhulis.
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Nach dem Gebären (Normalgeburt, Frühgeburt, Fehlgeburt) ontstohl bei den Kühen zuweilen durch Infection eine entzündliche Reizung der Gebärmutterschleimhaut. Die nach ihrem Charakter als katarrhalischequot; und nach ihrem Vorlaufe als chronische Fndomotril isquot; bezeichnete Krankheit tritt in verschiedenen Graden auf. Mitunter heilt dieselbe nach 1 bis 2 Wochen ohne künstliches Zllthun ab, so dass die Nutzung
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518nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kriinkheilen der Qesohleohtsorgane,
der Kuli keine nonncnswcrtlio Beeinträchtigung erleidet. Nicht seilen ist aber die Krankheit schwer heilbar oder auch unheilbar.
in nieineni Lehrhuche der gerichtlichen Thicrarzneiknnde 3. Aull. 1902 habe ich erläutert, dass eine chronische Endomotriüs zuweilen infolge des Zurückbleibens der Nachgeburt entsteht, andererseits aber durch eine Infection hei solchen Kühen zu Stande kommt, die sich in normaler Weise von der Nachgeburt gereinigt haben.
Die Krankheit wird stets in den ersten Tagen nach dem Gebären vcranlasst, bedingt aber ol'l erst im Verlaufe von 8 bis 14 Tagen und selbst noch später eine offensichtliche Erkrankung der Kuh. Als Hilfsursachen sind bekannt: Mangelhafte Contraction der Uterusmuskulatur; ausserdem ein längerer Fuss- oder Eisenbahntransport, besonders bei ungünstiger Witterung.
Der krankhafte Process in der Gebürmutterschleimhaut hat don Charakter eines eiterigen Katarrhs, wobei gewöhnlich auch Blut ausgeschieden wird, welches sich in dem Krankheitsproduete auflöst und demselben eine niissfarbenc Beschaffenheit verleiht.
Syniptomc. Entleerung von schleimig-eiteriger oder missfarbener und übelriechender Materie aus der Scheide. Die Dejection findet nicht con-tinuirlich statt und erfolgt am meisten, wenn die Kuh liegt oder bei der Entleerung von Harn und üarmexerementen. Verklebung der Haare an der Schwanzrübe und an der Scham mit dem Scheidendcject. Durch die Schmerzcmpfindung im Geschlcchtstractus wird die Kuh veranlassl, die Schwanzrübe vom After entfernt zu halten. Bei der Entleerung des Harns oder der Darmexcremente bleibt die Kuh längere Zeit mit gekrümmtem Kücken stehen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fieber mit gesträubtem Deckhaar und mangelhaftem Appetit. Rückgang der Milohsecretion. Zunehmende Abmagerung.
Verlauf. Leichte Fälle heilen in 3 bis 4 Wochen. Bei schwerer Erkrankung erstreckt sich der Verlauf auf 3 bis 4 Monate und in einzelnen Fällen auf eine noch längere Zeit.
Die Diagnose ist bei sorgfältiger Befunderhebung nicht schwierig. Soweit für die Minderung der Futteraufnahme und der Milohsecretion bei einer Kuh, welche innerhalb der letzten 3 Wochen gekalbt hat, keine anderweitige Ursache besteht, hat der Thierarzt stets an das Vorhandensein der chronischen Fndometritis zu denken und mit Sorgfalt zu prüfen, ob aus der Scheide ein krankhaftes Fntzündiingsproduct ausgeschieden wird. Die letztgedachte Feststellung entscheidet die Diagnose.
I'rugnosis. Die chronische Gebärrnutterentzündung geht bei rechtzeitiger und saehgemässer Behandlung nur selten tödtlich aus. Die
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Krouzscluviiclie Paraparesis, Myastbenisolie Kreuzlähtnung',
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Tliiero sterben infolge des erschöpfenden Fiebers unter den Zoiohen der Kachexie. Schwere Fälle enden erst nach 3 bis 4 Monaten mit Genesung.
Therapie. Ausspülung des Uterus mit warmem Wasser, oder mit einer 1 proo. wässerigen Lösung von Kreolin oder mil 1 proc. Lösung von Alaun, oder mit 0,5proc. Lösung von Tannin, oder nach älterer Praxis mit Decoct. Cort. Quere. Die Irrigation Ist täglich dreimal in ausgiebiger Art zu bewirken. Gewöhnlich zieht sich aber die Cervix nach 8 Tagen so eng zusammen, dass dem Gummischlauch eine Horn-kaniile angesetzt werden muss, um durch die Cervix in die Gebärmutter zu gelangen. Rationell ist, die 3 Tage hinduroh fortgesetzte nachhaltige Spülung zunächst abzubrechen und den Erfolg abzuwarten.
Als Futter ist schmackhaftes Heu und Stroh neben warmem Getränk zu reichen. Dazu zeitweise kleine Mengen von Hafer oder einem anderen Kraftmittel.
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K. Krankheiten der Skeletmuskulatur.
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Capitel OXXXIX.
Krenzscliwäclie Furapamis NyasthwiiiscIieKmizliiliiiiimg Paraplegia iiivasthenira.
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Schwäche im Kreuz und Unvermögen zum Aufstehen kommen als krankhafte Zustände beim Kinde und insbesondere bei Kühen oft vor. Sie sind nach den Bedingungen ihres Zustandekommens verschieden. Demnach stellt die myasthenisohe Kreuzlähmung eine Gruppe von Krankheiten dar.
Soweit das Unvermögen zum Aufstehen auf einer Meningitis spinal is (Rückenmarksschlag, Nervenschlag) beruht, habe ich S. 846ff das Nähere angegeben.
1. In zahlreichen Fällen wird die Schwäche in der Skelelmuskula-tur mit vorwaltender Affection der .Muskeln in der Hinterhand durch eine qualitativ mangelhafte Ernährung veranlasse Man beobachtet diese Krankheil bei Kühen, Ochsen und Jungvieh nach der Verabreichung einer grösseren Menge von Futter, welches reich an Kaliunisalzen ist. Dass tue l'aresis der Muskeln durch die fortgesetzte iibermässige Fütterung
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Kranlilieilen dor SkoleünusliiilaUir.
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von KartoU'dii zuweilen bedingt wird, ist S, 280ff. besohrioben worden.
2.nbsp; nbsp;Aohnlioh gestaltet sich die myastheniscbo Lähmung der Skeletlaquo; muskulatur nach der fortdauernden iiberiuässigen Füttorujig von Melasse, Rübensohnitzel oder Paimkuchen. Nacli solclien Einwirkungen erkranken nicht selten Milchkühe, besonders in den Wintcnnoiuiten. Die Thiere bekunden zunächst einen steifen Gang und vermögen nach Verlauf von mehreren Tagen oder einigen Wochen sich ohne Unterstützung nicht mehr vom Boden zu erheben. Minderung des Appetites. Zunahme der Pulsfrequenz. Muskelziltern. Bekundung von Unbehagen durch bestandiges Brummen. Späterhin anhaltendes Liegen und Unvermögen zum Aufstehen. Worden die Thiere nicht behandelt oder nicht durch Abschlachten verwerthet, so gehen sie durch Erschöpfung ein.
3.nbsp; nbsp; Häufiger wird die myasthenische Kreuzlähmung bei tragenden Kühen beobachtet, welchen längere Zeit hindurch verhältnissmässig wenig Kraftfutter gegeben war. (Vergl. die Beschreibung S. 310.) in diesen Krankheilsfällen erscheinen die Thiere oft verhältnissmässig gut genährt. Die Krankheit macht sich zuerst dadurch bemerklich, dass die Kuh weniger lange stehen bleibt und nach dem Liegen sich nur mühsam mit dem Hintertheil vom Boden erheben kann. Nach Verlauf von einigen Tagen oder Wochen lässt sich das Thicr nur bei kräftiger Unterstützung zum Aufstehen bringen, üeborkniokende Stellung der Hintorfosseln. Demnächst dauerndes Liegen und Unvermögen zum Aufstehen. Appetit, Wiederkauen und Verdauung sind anfangs nicht gestört, weiterhin aber deshalb mangel halt, weil das Thier (lauernd liegt. Eine schwere Complication kann durch das Aufliegen der Haut herbeiführt werden. Harms hat die hier gedachte Krankheit bei Kühen das Festliegen vor dem Gebärenquot; benannt.
Wenn die Kreuzlähmung mehrere Wochen vor dem Gebäract entstanden ist, so lässt sich der Krankheitsfall gewöhnlich nicht heilen. Besser gestaltet sich die Prognose, wenn das Unvermögen zum Aufstehen sich erst in den letzten 4 bis 6 Tagen vor dem Abkalben hcr-vorthut.
4.nbsp; nbsp; Ermüdende längere Pusstransporte veranlassen beim Kinde und vorwaltend bei Kühen recht oft eine erhebliche Kreuzschwächc mit Unfähigkeit zum Aufstehen (rheumatische Kreuzlähmungquot;). Die gleiche Folge kann ein längerer Eisenbahntransport haben. Kerner wird die Kreuzlähmung durch die nachtheilige Einwirkung kalter Zugluft und namentlich bei kalter regnerischer Witterung während eines Transportes verursacht. (Paraplegia a frigore. Refrigeral ionslähmung).
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Kren/.schwäeho Paiuparosis. Myasthenisohe Krou/.lälimun^.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 521
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Die in dieser Art entstehende nayopathlsohe Kreuzlähraung verliert sieh bei sorgfältiger Pflege des Thieres mitunter in 2 bis 8 Tagen. Zuweilen ist dieselbe aber unheilbar, loh habe auch bei boehtragendon Kühen nicht immer durch die Einleitung der künstlichen Frühgeburt eine günstige Wendung im Krankheitsverlaufe herbeiführen können.
5, Die durch krankhafte Abmagerung (Kachcxie) bedingte Muskcl-schwäche giebt sich dadurch /.u erkennen, dass das Thicr zunächst nur mit grosser Anstrengung aufstellen kann. Ueberknicken der Hinterfesseln beim Stehen. Leicht gekrümmte Haltung der Wirbelsäule. Schrumpfung der Skelottmuskulatur besonders am Rücken und Bocken. Daneben die Symptome der Kaehexic: harte, fest anliegende Haut, gesträubtes Deckhaar, tief liegende Augen, kraftloser steifer Gang, vollständiges Versiegen der Milch bei Milchkühen. Später ist das Thier ausscr Staude vom Boden aufzustehen. Wird dasselbe bis zu dieser Hilflosigkeit vernachlässigt, so stellen sich auch noch decubitale Zerstörungen der Haut und unterbaut ein.
Die Unterscheidung der vorgedachten Arten der myasthenischen Kreuzlähmung stützt sich im Wesentlichen auf die Ermittelung der ursächlichen Einflüsse. Dass Kühe, Ochsen und Jungvieh durch mehrere innere Krankheiten sowie durch Verletzung insbesondere durch Klauen-leiden am Aufstellen behindert sein können, bedarf keiner Erläuterung und ist selbstredend für die Diagnose zu berücksichtigen. übler (Wochenschr. f. Thierheilk. und Viehz. 1902 No. 18 und 1!)) maclil darauf aufinerksam, dass nicht bloss nach der Geburt, sondern auch schon in den letzton Wochen vor derselben die traumatische Magen-Zwerchfellontzündung in der Bayerischen Pfalz ziemlich oft das Festliegen (Unvermögen zum Aufstehen) bei Kühen bedingt.
In den Kreisen der kleinen landwirthschaftlichen Besitzer bin ich oft der aus dem Mittelalter durch Tradition fortgeführten Meinung begegnet, dass die Kreuzschwäche bei Kühen durch eine Erkrankung der Schwanzriibe bedingt sei. Aeltere thierärztliche Schriftsteller haben sich diesen Irrthum der Laien angeeignet und den Storzwurmquot; oder die Stcrzseuchc, Sterzfäule, Wolfquot; etc. als eine gefährliche Krankheit . des Kindes erwähnt. Bei vielen Kühen und Ochsen findet sich normal-massig die Schwanzrühe an einer oder mehreren Stellen etwas weicher als an anderen Partien. Wenn nun solche Thiere infolge mangelhafter Ernährung nicht die Kraft besitzen, sich mit der gewöhnlichen Schnelligkeit vom Boden zu erheben, so glauben die Laien, dass die Muskelkraft des HinterÜieils durch eine Krankheit der Schwanzriibe geschwächt sei. Viele Autoren ans dem 18. und aus der ersten Hälfte des lit. Jahr-
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522nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kranklioiten 'lor SkelelnuiskuliiUir.
hunderts haben angenoraraon, (lass der Sterzwurmquot; souohenartigund
sporadisch vorkonime. Alh^ dorartigen Angabon beruhen auf Täuschung. Mine historisch interessante literarische Ueborsicht über den Sterzwurm der Rinder hat Kaiser im Magazinquot; von Gurlt und llert-wig 18(55 S. 436 veröffentlicht. Ich habe stets gefunden, dass die von den Laien als Sterzwurmquot; gedeutete Krankheit auf einer nervösen oder muskulösen Lähmung des liinlertheils und in den meisten Fällen auf einer aus mangelhafter Ernährung des Thieres entstandenen Körper-schwäche beruhte.
Thernpie. Die unter 1, 2 und 8 iu diesem Capitel gedachten
,,11nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Arten der Kreuzschwäche und der Kreuzlähmung erfordern die Abstellung
des bisher gegebenen Futters und eine gesunde Ernährung der Thiere mit gehaltreichen Mitteln. Thunlioh sind die Thiere schon im Beginn der Erkrankung gemäss der causalen Heilindication zu behandeln. An Stelle der Kartoffeln, Schnitzeln, Melasse, Palmkuchen etc. ist gute Kleie oder Roggenschrot oder noch besser Hafer zu 5 bis (! Liter pro Tag als Beifutter zu geben. Ausserdem empfiehlt sich Kochsalz (Viehsalz) oder noch besser Buchenholzasche täglich 120 g in Mehltränken zur
£nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Selbsiaufnahme zu geben. Bequeme Lagerung des kranken Thieres.
j';'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wiederholte und sachkundige Anregung zum Aufstehen nach dem S. 312,
847 und 348 angedeuteten Verfahren.
Bei der unter 4 gedachten Kreuzlähmung, ist das Thier in warmem Stalle unterzubringen und bequem zu betten. Innerlich: Rhiz. Veratri
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4,015,0 mit Nalr. sulfuric. 500,0 in Wasser . Abbürsten der Haut; Einreibung von Spiritus. Sehr vertheilhaft wirkt mitunter eine
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suboutane injection von Pilocarp. hydrochlor. 0,5 in Aqua 15,0; oder von Veralrinum 0,05 bis 0,08 in Spiritus 10,0. Oefteres Antreiben zum Aufstehen mit sachgemässer Unterstützung bei der Erhebung des Thieres. (Vergl. S. 312 und 347.)
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Die Behandlung einer mit der rheumatischen Kreuzlähmung behafteten und hochtragenden Kuh lässt sich mitunter durch Einleitung einer Frühgeburt mit Erfolg bewirken. In schweren Fällen bleibt aber zu erwägen, ob nichl die rechtzeitige Schlachtung des Thieres behufs Verwerthung des Fleisches der im Resultat unsicheren Behandlung vorzuziehen ist.
Die unter 5, besprochene, durch Abmagerung infolge mangelhafter Ernährung und Verpflegung verursachte allgemeine Muskelschwäche isl durch bessere Versorgung des Thieres zu beseitigen. Doch ist dabei
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IInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nicht zu übersehen
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dass mit der diätetischen Hehandlung schon be-
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UhPiimalismus.
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gönnen worden muss, bevor die Krankheit einen so hohen Grad erreicht hat, (lass das Thier niciit mehr aufstehen kann; sonst verlohnt sich die Behandlung nicht mehr.
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Capitel OXL. Uhciiinatisiniis.
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Von den Allgemeinkrankheiton, weiche seit alter Zeit dorn Rheumatismus zugezählt worden sind, iässt sicli hier nur der JVInskclrlicnma-Lismus (Rheumatismus musoularis) und der Gelenkrheumatismus (Rheumatismus articulorum Polyarthritis rheurnatica) aufrecht halten.
1. Die dem Ithcumatisiiius musculaiis untergeordneten schmerzhaften Affedionen erstrecken sich weniger auf das Muskellleisch als auf die Pasoien und Muskolscheiden. Man unterscheidet den acuten und den chronischen Muskelrhcumatismus. Beim Rinde hat die Krankheit, die übrigens nur selten beobachtet wird, vorwaltend einen chronischen Vollauf.
Die Obduction ergiobt an den Muskeln keine erkennbare Veränderungen. Daher ist die Krankheit wie bei Menschen so auch bei den llausthieren von manchen Autoren auf eine schmerzhafte Erregung der Nervenendigungen in den Muskeln zurückgeführt worden.
Für die Aetiologie des Muskelrheumatismus wird die Erkältung in Anspruch genommen, Indes sind die Rinder den nachtheiligon Einflüssen der Erkältung nur im geringen Grade unterworfen. Daher dürfte sich die Seltenheit der rheumatischen Muskelafiectionen bei denselben erklären.
Ob die Wochen und Monate hinduroh fortgesetzte übermässige Anstrengung der Arbeitsrinder eine rheumatische Steifheit in der Muskulatur hervorrufen kann, ist nicht vollständig aufgeklärt. Gewöhnlich (Mitspringt die Steifheit der Gliodmaasson bei solchen Thieren aus der chronischen bindegewebigon Entzündung der Haftapparate an den Gelenkon.
Syni|itome und Verlauf. Steife Körperhaltung; gespannter schmerzhafter Gang. Nach mehreren Wochen wird die Haut hart, fest anliegend. Mangelhafter Appetit und Abmagerung. Aufgezogene Flanken. Gesteigerte Pulsfrequenz und Piebertemporatur. Allgemeine Schwäche und sohliesslich Unvermögen zum Aufstehen.
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Krankheiten der Skeletmuslmlatur.
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Bei der Diagnose sind die ohronisohon Infectionskrankiieiten, besonders die Tuberkulose, ferner die durch (ieschwülste bedingten clironi-sciien Störungen des Allgemeinbeflndens und die chronischen constilutio-nelien Krankheiten /u berücksichtigen.
Die Prognosis ist ungünstig.
Zur Therapie wird auf die sorgfältige Ernährung des Thieres mit leicht verdaulichem und schmackhaftem Rauffutlor und auf die Zugabe von Getroidesohrot als Kraftfutter Bedacht zu nehmen sein. Aeusserlich Einreibung mit Spiritus oder Terpentinöl. Innerlich: Natr. salicyl. 100,0 täglich oder Tartar, stibiat. mit Natr. sulfuricum.
'2. Oelciikrheuniatisinus. Dass das Rind sich eine mit dem acuten Gelenkrheumatismus dos Menschen identische Krankheit zuzieht, lässt sich auf Grund thatsächlicher Erhebungen nicht annehmen. (Vgl. die Darstellung S. 261). Die meisten thicrär/tlichen Autoren haben bei der Beschreibung dieser Krankheit Bezug genommen auf die Fälle, bei welchen die aus einem kranken Organe resorhirten pathogenen Bakterien auf dem Blutwege in die Gelenke gelangen und daselbst eine schmerzhafte Knt-zündung mit Schwellung der umgebenden Gewebe hervorrufen. Zweifellos hat diese Krankheit manche Analogie mit dem acuten Gelenkrheumatismus dos Menschen. Sie kennzeichnet sich als eine multiple Erkrankung der Gelenke und wird am häufigsten als eine Complication der acuten Gebärmutterentzündung beobachtet. (Vergl. S. 516).
Die rheumatische oder metastatische Gelenkentzündung des Rindes ist demnach eine acute infoctionskrankheit. Sie befällt im Verlaufe einiger Tage der Regel nach mehrere Gelenke, und am meisten das Kniegelenk, das Tibio-Astragalgelenk und das Ellenbogengelenk. Niemals aber werden sämintliche Körpergelenke afiicirt. In Ausnahmefällen beschränkt sicli das Leiden auf ein Gelenk (Munarthritis).
Die pathogenen Mikroorganismen sind noch nicht isolirt und cin-wandsfrei festgestellt worden. Verbreitet ist die Annahme, dass dieselben der Gattung Streptoccus angehören.
Symptome. Schmerzemplindung in den kranken Gelenken, deren nächste Umgebung ödematös geschwollen erscheint. Entlastung der affleirten Gliedmaassen beim Stehen und hei der Bewegung. Anhaltendes Liegen. Brummen und Stöhnen bei der Kxspiration als Merkmal der Schmerzemplindung. Gesteigerte Pulsfrequenz. Fieber. Unterdrückung des Wiederkauens. Mangelhafter Appetit und verzögerte Ausscheidung der Darmcxcremcntc.
Verlauf, infolge des anhaltenden Licgons kann die Krankheit tödl-lich ausgehen. Meist heilt dieselbe aber unter Rückbildung der Gelenk-
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tlaulempbysetn. Emphysoraa suboulaneui
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ontssündung im Verlaufe von einigen Wochen ab. Zuweilen bleibt die Genesung an vollständig, indem nach einigen Monaten oder selbst noch spater eine chronische Endocarditis als Nachkrankheit sich hervorthut.
Im Ganzen ist demnach die Beurtheilung nur im Beginn der Krankheit günstig.
Therapie. Angezeigt ist zur Behandlung der Krankheit Jodkalinm 1015 g täglich in Wasser zu geben. Forner Natr. salicyl., auch Natr. snlfuric. mit erregenden Mitteln in Schüttelmixtur. Acusserlich: Häufige Waschungen der Gelenke mit concentrirter Bu row'scher Lösung unter Zusatz von Kampfer. Später Einreibungen von warmem Oel oder Vaselinsalbe. (Vgl. S. 265.)
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L. Krankheiten der Haut.
Oapitel CXLI. Ilaukiupliysciii. Kniphysciua siilu iitaiinmi
Das Emphyseni die Windgosohwulst der Haut beruht auf der Ansammlung von athiviosphäfischer Luft oder anderen (lasen in den bindegewobigen Räumen der iJnterhaut. Es kommt nach drei verschiedenen Veranlassungen zu Stande.
1.nbsp; nbsp; Die äussere Luft dringt durch eine Hautwunde in das suboutane Gewebe und verbreitet sich in demselben auf die nächste Umgebung der Wunde, mituntov auch über den grössten Theil des Rumpfes (Aspirai ions-Emphysora). Leicht wird in dieser Art bei einer penetrirenden Wunde vor dem Schulterarmbeingeknk oder am Brustbein athmosphärische Luft durch die Bewegung des Thieres in die Subcutis gel rieben.
2.nbsp; nbsp; nbsp;Aus den Respiralionsorganen kann die Athmungslul'l in das ünterhautgewebe eines grösseren Körpertheiles gelangen. Insbesondere ist durch Borstung eines Alveolus in den Lungen oder durch /erreissung eines Bronchiolns die Möglichkeit gegeben, dass die Luft in das intor-lobuläre Bindegewebe der Lunge (hJmphysema interlobulare sen interstitiale) und ans den Interslition längs der Lungenwurzel bis zum Halse oder durch das Mediastinum bis zum Rücken sich verbreitet. Nicht selten dringt hierbei die Luft in die Subcutis fast des ganzen Rippen-körpers an einer oder an beiden Seiten.
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Kraiikhcili'ii der Haul.
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iiiil1
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Suboutano Zerroissung des Rlng-Luftröhrenbandos odor dor Traohoa bedingt In jedem Falle das Zustandekommen eines ausgebreiteten liaut-empiiysems.
3. Das Gas entsteht im Uiiterhautgewcbe infoige einer brandigen Entzündung innerer oder äusserer Organe des Thicres (Emphysema septicum).
Symptome. Das characteristischo Merkmal liegt in der knisternden Empfindung unter den Fingern beim Betasten der Haut. Das Knistern entsteht durch die Verdrängung der Luft aus den Maschen des Untcr-hautbindegewebes. Enthält die Suboutis viel Gas, so kommt es zu einer mehr oder weniger umfangreichen Auftreibung oder Spannung der Haut. Kopf, Hals und Rumpf des Thiercs können infolgedessen eine unförmige Gestalt erhalten.
Ausgebreitet über den grössten Theil des Körpers 1st gewöhnlich das durch Einrisse des Lungenparcnchyms entstandene Tlautemphysem. #9632; Schrader-Wioden brück (Magazin 184quot;2, S. 77) constatirte: Die Kuh war über den ganzen Körper, Kopf und Extremitäten ausgenommen, stark geschwollen und hatte das Ansehen, als wenn .sie ausgestopft wäre.quot; Heilung erfolgte in 3 Wochen. Gerlach (Magazin 1851, S. 200) beobachtete 2 Fälle. Die Luftansammlung unter der Haut hat in 24 bis 36 Stunden einen so hohen Grad erreicht, dass die ganze Körperfläche vom Kopf bis zu den Füssen eine Luftgeschwulst darstellt, die an einzelnen Stellen namentlich auf den Schulterblättern, auf den Rippen und in den Flanken 23 Zoll (68 cm) hoch war, sodass die Thiere wie ausgepolsterte Monstra dastanden.quot; Besserung trat nach 34 Tagen, Heilung nach 3 Wochen ein.
Uiagnuse. Schwierigkeilen hat die Feststellung dos llautemphysems nicht. Doch ist zur Beurthoilung eines Falles die, Herkunft der Gase llmnliclist zu ermitteln.
Prugnusc. Die Beurthoilung einer ponetrirenden Hautwunde mit nachfolgendem subeutanem Emphysem hängt davon ab, ob die Wunde an sich eine Gefahr für das Leben des Thieres mit sich bringt. Das Emphysem selbst führt auch bei starker Verbreitung über den Körper des Thieres ebensowenig zum Tode wie das nach einer Luftextravasation ans den. Lungen sich bildende begrenzt oder diffus auftretende Hautemphysem.
Das septische oder brandige Lungonemphysem bedingt als Bostand-theil einer durch gangränescirende Entzündung innere oder äusserer Organe verursachten schweren Allgemeinkrankheit in jedem Falle eine schlechte Prognose.
Zur Behandlung des llautemphysems sind Waschungen mit adstrin-
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Iliii'tliiiuligkoii. Ooriago,
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girondon MiUdn angezeigt: Burow'sohe Mischung; Essigwasser und Branntwein. Gerlaoh empfiehlt don Aderlass, um die Lungen zu entlasten. Lange Einschnitte durch die Haut in die Subcutis, um die Gase direkt zu beseitigen, können angebracht werden, sind aber nicht noth-wendig. Die Gase verschwinden im Verlaufe von 23 Wochen durch Resorption.
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Oapitel CXLII. Ilarthäiitigkcit. Coriago.
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Die im Allerthum von Columclla und Vegetius Ronatus als Coriagoquot; bezeichnete und bis tief in das 1!). Jahrhundort als eine selbständige Krankheit angesehene harte und derbe Beschaffenheit der Maut kennzeichnet sich als ein Symptom verschiedener mit Beeinträchtigung des allgemeinen Nähmislandes verbundener Krankheiion. Diese Definition ist bereits S. 8 besprochen. Daselbst wurde auch angeführt, dass die Harlhäutigkcit regelmässig bei den kachectischen Krankheiten des Rindes, insbesondere bei Tuberkulose, Looksucht, Knochenbrüchig-keit, chronischer Unverdaulichkeit, chronischem Durchfall vorkommt.
Anderseits wird der Stoffwechsel beim Rinde aber oft ohne Mitwirkung einer allgemeinen oder lokalen Krankheil lediglich durch die qualitativ ungenügende Ernährung gestört. Diese selbstständige Ernäh-rungsanomalie giobt sich vorzugsweise! durch die harte, dicke und trockene nicht verschiebbare Haut zu erkennen.
Das in dieser Art erkrankte Thier vermag das ihm gereichte Futter nicht vollständig auszunutzen, seine wirthschaftlicho Leistung ist daher verringert.
Symptonic. Deckhaar gesträubt, Epidermis schilfrig, rauh. Haul trocken, abnorm dick und am Hippcnkörprr iVsl anliegend. Mitunter l'iihll sich die Haut hart an. Fulteraufnahmc unvollständig; das nicht besonders schmackhafte Material wird versag!. Milchproduklion bei Milchkühen gering.
Der Verlauf ist chronisch. Während der Winlermonale sind die Thiere in der Regel nicht vollständig zu heilen. Im Frühjahr bei reichlicher Ernährung mit Grönfuttor verliert sich die Ernamp;hrungsanoinalio in wenigen Wochen vollständig. Im Ganzen ist deshalb die Prognose nichi uu-
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Kianlilieilen dor Haut.
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Diagnostisoho Sohwisrigkoiton maohen sich nur insofern gelraquo;
tend, als die CoriagO ein Symptom von chronischen und unheilbaren Krankheiten sein kann.
Therapie. Reichliche Ernährung mit gutem Futter. Neben geeignetem Rauhfutter kann als Beigabo Gctroideschrot oder gute Kleie gegeben werden. Mitunter ist die Verabreichung von Viehsalz oder Buclicn-holzasche oder von aufgeschlossenem Knochenmehl angebracht. Beim Eintritt der Frühjahrs vegetation Grünfütter in kleinen Zugaben /um Trockenl'uttcr. Unterbringung des Thieres in einem warmem Stalle. Sorgfältige Hautpflege.
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Capitel OXLlIi, Fiscli8chii|ipciikraiikhcit. Ichtliyosis.
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Den Namen der Ichthyo.sis führt eine krankhafte Anomalie der Haut, bei welcher epidermoidale Produkte entstehen, die mit der Lederhaut fest verbunden und von Furchen durchkreuzt sind. Die Krankheit wird im Ganzen selten und ausschliesslich bei Kälbern als eine angeborene Anomalie beobachtet. (Ichthyosis congenita.)
In der Pathologie der menschlichen Krankheiten werden ausser der congenitalcn Ichthyosis noch 8 Formen (Ichthoysis ditTusa; T. cornea und I. follicularis) beschrieben, welche meines Wissens beim Rinde nicht, vorkommen, loh habe die Ichthyosis neugeborener Kälber nur an den Präparaten in den pathologisch-anatomischen Museen kennen gelernt. Sie entsteht während der fötalen Kntwickclungszcit. Das Kalb geht immer in den ersten Lebenstagen zu Grunde. Ueber die Ursachen ist nichts Bestimmtes bekannt.
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Capitol OXL1V. Keratonosis. Keratosis.
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Der in der Ueberschrift gebrauchte Terminus bezieht sich auf die Anomalie des Verhornungsprocesses, bei welcher sich an abnormen Stellen des Körpers Horn bildet. Die Hauthörner Gornua cutis haben mehr Interesse für die pathologische Anatomie und für die Chirurgie als für die speciclle Krankheitslehre, Gurlt (Magazin III. 1837. S. 352)
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Flauljuckcn. Primus.
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hat einen Fall veröffentlicht, in wolcliom bei einem 7 jährigen Ochsen das Horn an der linken Seite des Halses seinen Sitz hatte. Derselbe Autor gedenkt auch eines von Voss-RccldinghausoM gesehenen Falles, in welchem das abnorme Horn zwischen dem linken Auge und dem gewöhnlichen linken Horn entstanden war und eine Länge von 9 Zoll (28 cm) erlangt hatte. in den Nachträgen zur pathologischen Anatomie 184!) S. 40 hat Gurlt angegeben, dass das abnorme Hauthorn entweder in ähnlicher Weise entstehe wie die Kastanien oder Hornwarzen bei Pferden, oder dass dasselbe sich aus Ralggeschwiilsten entwickele.
Frank-Kuscl (Wochonschr. für Thierh. und Vichz. 1902. S. 270) behandelte eine Kuh, bei der sich in der Mitte des Stirnwulstes zwischen beiden Hörnern eine bindegowebige Neubildung befand, welcher ein 10 cm grosses Horngebilde aufsass. Die Abnormität wurde auf operativem Wege beseitigt.
Zuweilen entstehen bei Kühen oder Ochsen die mit breiler Basis in der Haut sitzenden Hürnmassen am Rücken oder zu beiden Seiten des Rippenkörpers. F. Mcyer-Iierno (Magazin 1851. XVII. S. 715) fand bei einer Kuh, welche wegen llautparasiton mit Acid, arsenicosum behandelt war, die Hauthörner in Flächen von 4--G Quadratzoll (10 16 qcm) und 1 Zoll (2,53,0 cm) hoch.
Ich selbst habe mehrere Fälle behandelt, in welchen hornige Massen von lamellöscr Struktur in der Haut des Rückens und des Bauches entstanden waren.
Die Beliaii*llung ist lediglich durch die Exstirpation der Hauthörner zu bewirken, deren Beschreibung zum Bereiche der Chirurgie gehört.
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Capitel OXLV. Hautjucken. Pruritus.
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Die andauernde Empfindung des Juckens zeigt sich beim Rinde zuweilen an einzelnen Partien der Haut (Pruritus localis). Dass die Haut in ihrer ganzen Ausdehnung oder auch nur in grösseren Abtheilungen von dieser Affection betroffen würde (Pruritus univcrsalis), wird nicht beobachtet.
Aetiolo^ie. Verursacht wird das örtliche Hautjucken durch die An-saintnlimg von Staub, Kaff oder Grannen im Deckhaar und durch die
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Dicckcrhufi', Spec, Pathologie laquo;. Xheiapls. II. Bd.
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Kranklieiton der ITiuit.
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Vernachlässigung cler Hautpflege. Deshalb entsteht, das Leiden vorzugsweise in den Wintermonaten, in welchen die Thiere im Stalle verbleiben. Jst die Decke des Stalles undicht, so fällt der Staub auf den Körper des Thieres. Am meisten wird die Haut in der Steissgrube, am Becken, auf dem Rücken, am Halse und in der Genickgrubc von der juckenden Empfindung betroffen.
Symptome. Anhaltendes Scheuern und Ablecken der erreichbaren Stellen, wodurch die Haut blutrünstig wird und sich mit Schrunden bedeckt. 1st. die Steissgrube betroffen, so stützt sich das Thicr mit dem llintertheil gegen einen festen Gegenstand, um die Schwanzwurzel und die Sitzbeinhöcker zu reiben. Durch anhaltendos Scheuern wird die Haut am Halse oder an anderen Körportheilen von Haaren entblösst, blutrünstig, verdickt und rissig.
Diagnose. Nicht leicht ist mitunter die Entscheidung der Frage, ob das örtliche Hautjucken eine selbständige Affection oder ein Symptom des Schmarotzertliums thierischer Parasiten ist. Man hat deshalb zunächst mit der Möglichkeit des Vorhandenseins von Läusen oder Krätzmilben (Steissräude) zu rechnen (Vgl. S. 303, 308).
Die Unterscheidung des hier gedachten selbständigen Hautjuckens von der Glatzflechte begegnet bei sorgfältiger Befunderhebung keiner Schwierigkeit.
Die Prognose ist günstig und die Behandluni; verlangt nur die Abstellung der Ursachen neben saohgemässer Hautpflege. Soweit sich die gesteigerte Sensibilität nicht, auf eine kleine Stelle der Haut (Genickgrubc, Steissgrube) beschränkt, ist das Abscheeren des Deckhaares an-zurathen. Reinigung der Haut mit verdünntem Spiritus und Bestreichen derselben mit einer Lösung von Glycerin in Wasser (5 bis 10 : 100). Statt des Spiritus lässt sich auch verdünnter Salmiakgeist oder gebrühte Kleie zum Reinigen der Haut benutzen. Nicht empfehlenswcrth ist das von den Empirikern of(, bewirkte Einreiben der Maut mit Rüböl oder mit Thran. Denn dass Fett wird auf der Haut ranzig und bewirkt, nun das Ausfallen des Deckhaares.
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Capitol GXLVL Erythema exsudativum.
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Nach dem sprachlichen Inhalte des Wortes bedeutet das Erythem eine abnorme Hautröthe. Indess hat man seit langer Zeit schon in der
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Obei'Mohliohe obronisohe Hautnokroso. Krylliema chronioum mortiRoans, ,r)3l
Lehre von den Hautkrankheiten des Menschen mit diesem Namen verschiedene Exantheme zusammengefasst, welche theils auf einfacher Blutraquo; congestion, theils auf nutritiven Veränderungen der Haut beruhen.
Das exsudative Erythcm des Rindes wurde von Ifaubner und Kychner als Knötclienausschiagquot; und als Frühlingsausschlag11 beschrieben. Jlan kann diesen gutartigen Hautausschlag auch den \ik-zemen zuzählen (likzema orythematosuni; Ekzema .simplex). Die Charakterisirung desselben als Erythemquot; empfiehlt sich aus conipa-rativ-pathologisohen Gründen, weil mehrere unter analogen Symptomen auftretende Hautausschlage des Menschen auch als Krythmequot; delinirt werden.
Die Ursachen sind nicht bekannt. Nach dem Charakter des Ausschlages ist anzunehmen, dass demselben eine, eigenartige Intoxication zu Grunde liegt, dass demnach die Veränderung der Haut auf dem Blut-wege herbeigeführt wird.
Symptonie und Verlauf. Vorwaltend in der Frühjahroszeit entstehen bei gut genährten Thiercn kleine hanfsainen- bis erbsengrosse Knötchen in der Haut am Halse und am Rumpfe, zuweilen am Kopfe. Dieser Ausschlag bringt ein massig starkes Juckgefiihl mit sieh, wodurch das Thier zum Ablecken und Reiben der Haut veranlasst wird. Die Knötchen trocknen ein und heilen in 10 bis 14 Tagen ab.
Die Prognose ist günstig; der Ausschlag belästigt das Thier nicht erheblich und fordert keine curative Behandlung.
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Oapitel CXLVn.
Obcrfläcliliclie chronische lluiitnckrose. Ilrvtlicma cliroiiicinu mortificans. Trockenes Absterben der weisseu llaiitstellen.
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Die trockene Mortification der weissen Ihuitst.cllen bei scheckigen Hindern (trockener Hautbraml) wird in den Sommermonaten nicht selten beobachtet. Brunswig (Magazin, 1836. S. 441), Ollmann (ibidem, 1857, S. 127) u. A. haben einige Fälle boschrieben. Uebcreinstimmend mit den älteren Autoren habe ich die Krankheit, nur im Sommer bei den ständig auf der Weide befindlichen Kühen oder Ochsen gesehen. Beim Stallvieh ist meines Wissens die Krankheit nicht beobachtet, worden. Ich kenne auch keinen Fall, in welchem bei einem Rinde, dessen
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532nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Haut.
Haut, am ganzen Körper weiss gefärbt ist, der trockene IJautbrand eingetreten wäre.
Vorzugsweise erkranken die weissen Hautpartien am Rumpfe und am Becken. Dass die weisso Maut am Kopfe oder unter der Brust oder unter dem Bauche von dorn nckrotisirenden Erythem befallen würde, habe ich in keinem Falle gesehen.
Die Aetiulogie des mortificirenden Erytheras ist dunkel. Dass die Einwirkung der Sonnenstrahlen das Zustandekommen desselben an den weissen Hautstellen ermöglicht, ist schon Hering (Spec. Path, und Ther. 1858) und anderen Autoren durch die Thatsache aufgefallen, dass die schwarzen Hautpartien immer verschont bleiben. Der nachtheiligeEinlluss des Sonnenlichtes wird ferner dadurch bewiesen, dass die Krankheit bei den. im Stalle gehaltenen Rindern nicht vorkommt. Für sich allein kann aber das Licht die Krankheit nicht hervorrufen. Es muss noch eine chemisch wirkende Schädlichkeit hinzukommen, welche die Thiero mit dem Putter aufnehmen. Mehrfach wurde der trockene Hautbrand mit dem Buchweizenaussehlagquot; (Fagopyrismus) bei Schweinen, Schafen und Ziegen verglichen. Aber sämmtliche Fälle, die ich gesehen habe, ereigneten sich beim Weidevich, welches keine Gelegenheit hatte, Buchweizen-, Wicken- oder Erbsenfutter aufzunehmen. Anderseits ist auch der (lenuss befallenen Futters beschuldigt worden.
Von dem nekrotisirenden Process wird das Rete Malpighii der Haut betroffen. Die Affection stimmt in ihren anatomischen Merkmalen mit der nekrotisirenden Dermatitis iiberein, welche nach der Einreibung scharfer Medicamente (Salbe oder Lösung von Tart, stib., Kai. arsenic, Hydr. bichlorat.) oder nach dem oberflächlichen Verbrennen der Haut beim Rinde entsteht.
Symptome und Verlauf. Der trockene Hautbrand entwickelt sich mitunter innerhalb eines Tages, meist aber allmälig. Bei den erstgedachten Thieren zeigt sich 1 bis 2 Tage hindurch eine Störung des Allgemeinbefindens mit mangelhafter Futteraufnahme und krankhafter Emfindlich-keit der betroffenen Hautabtheile. Nachlassen der Milchsccretion bei Melkkühen. Geschieht die Ausbildung langsam, so lässt sich im Anfangsstadium wohl ein geringes Unbehagen des Thieres erkennen, aber keine wesentliche Beeinträchtigung der Gesundheit.
An den den Lichtstrahlen direct ausgesetzten weissen Abtheilen kann die Haut innerhalb 1 bis quot;2 Tage allgemein affleirt werden. Doch wird, wie ich öfter gesehen habe, gewöhnlich zunächst nur eine kleinere Fläche am Rumpfe oder an der Schulter betroffen. In den (olgenden 8 Tagen breitet sich der Ausschlag auf andere weiss gefärbte Partien
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Kkzema. Nässendo Flechte.
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der Haut aus. Die dunkel gefärbten Körperstellen bleiben vollständig verschont. Brunswig sah, dass selbst ganz feine weisse Streifen, welche sieh in die schwarzen Stellen erstreckten, brandig wurden. Mehrfach habe ich beobachtet, dass nicht sämmtliche weisse Hautpartien erkrankten.
Im ersten Stadium stellt sich eine leichte Schwellung ein; das Haar erscheint aufgebürstet und auf der Haut befindet sich eine geringe Menge von exsudirtem Serum, in 1 bis 2 Wochen trocknet die Epidermis zu einer pergamontartigen harten Platte ein, welche mit dem Corium fest zusammenhängt. Während der nächsten 4 bis 6 Wochen löst sich die nekrotisirte Schicht an der Peripherie und nach und nach in ihrer ganzen Ausdehnung von der Loderhaut los, zum Theil durch Eiterung. Das Deckhaar ergänzt sich nur spärlich und einzelne Stellen der weissen Hautpartie bleiben kahl.
Das Gesammtbeflnden des Thieres wird in den späteren Krankheitsstadien nicht wesentlich gestört, Futteraufnahme und Wiederkauen geschehen rcgelmässig. Sind aber umfangreiche weisse Hautstellen betroffen, so ernährt sich das Thicr nicht vollständig. Auf Weidemast gestellte Rinder nehmen in diesen Fällen verhältnissnuissig wenig an Gewicht zu.
Diagnostische Schwierigkeiten bietet der trockene Hautbrand nicht. Auch der Verlauf ist günstig. Nur hat die Haut später, wenn das Thier geschlachtet wird, für die Lederfabrikation nicht den vollen Werth.
Die curative Behandlung der Krankheit erübrigt sich der Regel nach. Aeltere Thicrärzte haben im ersten Krankheitsstadium Antiphlogistica angewandt: Adcrlass, Salpeter. Nothwendig ist diese Therapie nicht. Die nokrotisirten Partien der Haut können im Verlaufe der Demarkationslinie mit 01. Rapac oder Adeps suillus oder mit einer Lösung von Glycerin in Wasser bestrichen werden, um die Schmerzempfindung für das Thier zu erleichtern und die Abstossung der mortificirten Hautschicht zu fördern.
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Capitel CXLVHL Kkznna. Nässende Flechte.
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Als Ekzemquot; wird eine eigenartige Hautkrankheit nicht bezeichnet. Dieser Name wird vielmehr auf eine Gruppe von Exanthemen bezogen. Die einfachste Form des Ekzems (Ekzema erythematosum) kenn-
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534nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Haut.
zeichnet sich als eine diffus.o Röthung und Schwellung dor Haut, Zuweilen entstehen durch die Hautentzündung kloine Knötoheu (E. papu-losum). Ist die Entzündung heftiger, so bilden sich Bläschen (E. ve-siculosum). Bei reichlichem lliissigcm Exsudate zerreisst das Bläschen und das entzündete Oorium bedeckt sich Mit einer klebrigen Flüssigkeit (E. mad id ans). Das durch Pustolbildung charakterisirte Ikanthem führt den Namen Ekzema impctiginosuin s. pustulosum. Im letzten Stadium des Ausschlages entstehen zuweilen krustenförmige Aullagerungen der Haut (E. crustosum), oder förmliche Schuppen (E. squa-mosum), oder Risse (E. rhagadiforme).
Nach dem Verlaute sind zu unterscheiden: Das acute und das chronische Ekzem.
In der Lehre von den Hautkrankheiten des Menschen wird auch eine Unterscheidung nach dem Sitze des Ekzems durchgeführt: Ekzem des behaarten Kopfes, des Hartes, der Augenlider, der Nase, des Rumpfes, der Extremitäten. Die thicrärztliche Praxis hat seit längerer Zeit auch für die Ekzeme des Kindes eine ähnliche, wenn gleich weniger mannigfaltige Eintheilung vertreten.
Für die Aetiologic der Ekzeme beim Kinde kommen verschiedene Einwirkungen in Betracht. An kleineren Hautstellen (hinter den Ohren, am Euter) kann bei längerem Fussinarsch durch Reibung benachbarter Körpertheile ein nässender Hautausschlag entstehen: Ekzema Intcr-trigo. Bei den meisten ekzematösen Ausschlägen muss aber aut die Hypothese zurückgegriffen werden, dass eine toxische Substanz oder ein infectionsstoff in den Körper und auf dem Blutwege in die Haut gelangt. Solchen Substanzen ist die Eigenschaft zuzuschreiben, dass sie durch Reizung der tiefässschicht In der Haut die entzündliche Eftlorescenz hervorrufen.
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Capitel OXLIX. Allgcjuioincs papulöscs und crustöses Kkzem.
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Das allgemeine Kkzem des Rindes ist von den älteren Autoren als Schorfflechte1' und als tirindquot; bezeichnet worden. Ms befällt die Haut am Rumpfe, Rücken und Halse und zwar der Regel nach zu beiden Seiten des Körpers. Das Kxanthem beginnt, an einer kleinen Stelle und breitet sieh nach und nach aus. Im ersten Stadium findet sich eine knötchenfönnige Hautentzündung mit seröser Exsudation. Die Knötchen
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Allgemeines patialöaes und orttstöses Kkzem.
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entwickeln sich zu Pusteln von Erbsen- bi.s llaseliuissgrösso und llies.son zu grösseren Herden zusammen. Letztere bedecken sich später mit harten und dicken Krusten (Schorfflechte), welche nach Verlauf einiger Wochen durch dissecirende Eiterung abgestossen worden.
Die Ursache des Ausschlages beruht wahrscheinlich auf einer eigenartigen Infection. Es ist aber auch möglich, dass derselbe durch eine Autointoxication zu Stande kommt.
Syui|itoiue. Am Kücken oder an der Rippenwandung treten auf der Haut kleine nässende Knötchen hervor. Stellenweise ist das Haar aufgebürstet und die Haut mit serösem Exsudat belegt. Die Knötchen con-lluiren und bedecken sich im Verlaufe von 3 bis 4 Wochen mit harten Krusten, welche dem Corium fest anhaften und später durch Granulation und Eiterung sich loslösen. Die Empfindung des Juckens ist nicht so bedeutend, wie man nach der Gestaltung des Ausschlages annehmen könnte.
Die grössere Verbreitung des crustösen Ekzems auf der Haut hat mangelhaflcn Appetit des Thioros und bei Melkkühen einen Rückgang in der Milchsecretion zur Folge. Weiterhin mindert sich auch der Nährzustand,
Diagnose. Die Verwechselung mit der Glatzflechte (Herpes tonsu-rans) ist leicht zu vermeiden.
Prognose. Ich habe 2 Kühe und 1 Ochsen wegen dos allgemeinen crustösen Ekzems behandelt und hierbei gesehen, dass der Verlauf sich auf 4 bis !) Wochen ausdehnt. Alle 8 Fälle wurden geheilt. Immerhin dürfte der Ausschlag als eine ernste Krankheit zu beurtheilon sein. Ausgeschlossen ist auch nicht, dass derselbe bei allgemeiner Verbreitung über die Haut tödtlich ausgeht.
Tlicrapie. Bähung der ekzematös erkrankten Hautpartien mit gebrühter warmer Kleie zweimal täglich. Waschung mit Kummerfeld-schem Wasser: Camphor 3; Gummi Arab. 8; Sulfur, praeeipitat. 20; A(|. Calcis 100. Zur Verbilligung des Präparates lässt sich das Waschwasser anstelle des Gummi Arab, mit Fulv. Rad. Althaeae herstellen. Auch kann statt dos Kalkwassers eine Lösung von Nalr. carbonic. (1 : 100) genommen werden. Sind die ekzematösen Hautstellen mit dicken Borken bedeckt, so empfiehlt sich, dieselben mit rohem Glycerin zu erweichen. Vortheilhaft ist auch die Waschung mit Seifenspiritus: Sapo kaiin. ve-nalis 300 in Spiritus 1000. Aeltcre Praktiker benutzten bei diesen wie bei anderen chronischen Exanthemen die Bepinselung der erkrankten IIautstelle mit Theer.
Eine innere Behandlung des Tbieres ist nicht vollständig unbereoh-
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tigt, wie in der Literatur mehrfach behauptet wurde. Am ineisten hat; der Schwefel den Ruf, nach seiner inneren Anwendung die schweren Ekzeme günstig zu beeinflussen. 13a derselbe unlöslicli ist, so erscheint der Zusatz eines alkalischen Mittels räthlich: Sulfur, subliimit. 30,0 bis 50,0; Natr. bicarbon. 60,0, Rad. Althaeae 20,0. M. f. F. D. S. Auf 2mal in einem Tage mit einer Flasche Wasser zu geben. Oder: Sulfur, sublimat. mit Magn. ust. zur Selbstaufnahmc im Getränk.
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Capitcl OL
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Sclilcuipemauke. Schlcinpegrind. Fussgriml. Kkzeina impetigi-
iiosiiih extrcinitatuni.
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Im Brennereigewerbe ist die Verwendung der Kartoffeln zur Spiritusfabrikation seit dem dritten Decennium des 19. Jahrhunderts gebräuchlich geworden. Die hiernach in zahlreichen Wirthschaften eingeführte Ernährung des Rindviehes mit KartofTelsclilcmpe hat das in der ücber-schrift erwähnte Kxantbem zur Folge, welches bis dahin nicht bekannt war. Zur Bezeichnung des Ausschlages wurden die Namen: Mauke, Rindermauke, Schorfmauke, Fussgrind, Fussräudc vielfach benutzt.
Die Geschichte und die Aetiologie der Schlempomauke hat Johne (Dresdener Bericht für das Jahr 1877) in einer bemerkenswerthen Abhandlung kritisch besprochen. Die Krankheit wurde zuerst von Otto im Herzogthuin Braunschweig bei Mastvieh beobachtet und 1834 beschrieben. Spinola (Sammlung von Gutachten etc. 1836) erblickte die Ursache in der reichlichen Kartoffolfütterung; sowohl rohe, wie gekochte Kartoffeln und KartofTelschlempe sollen den speeifischen Ausschlag hervorrufen. Nach seinem Vorgange beschuldigen Kuers, Funke und Haubnor neben der Schlempe die übermässige Verabreichung von Kartoffeln und Kartoffelkraut. Obschon diese Meinung in der Literatur vielfach wiederholt ist, so kann dieselbe doch nicht als gesichert gelten. In Wirklichkeit dürfte für die Aetiologie der Schlcmpe-rnauke nur die Fütterung der Kartoffclschlempe in Betracht kommen. IMahrungsgemäss wird die Krankheit durch Getrcitleschlempc nicht hervorgerufen.
Die Verabreichung kleiner Quantitäten von Kartoffelschlempe ist unschädlich. Je grosser die Menge ist, welche die Rinder von derselben verzehren, um so heftiger gestaltet sich der Regel nach das Exanthem. Man
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Sohlcmpoinauko. SchlempogTirul.
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beobachtet die Krank licit, am meisten im Frühjahr, naraontlioh wenn go-keimte oder balbverfaulte Kartoffeln zum Binmeisohen verwendet werden.
Die Kartoffelschlempe enthält hiernach einen Stoff, welcher aus dem Darm resorbirt wird, durch Vermitteiung des lUutos in die Haut gelangt und in derselben die ekzomatüsc Entzündung zur Ausbildung bringt. Es ist bisher nicht gelungen, den toxischen Stoß zu isoliren und auf seine Eigenschaften zu untersuchen.
Die von Otto und Quidde-Braunsohweig 1884 zuerst ausgesprochene Meinung, class das Solanin in den Kartoffeln die Ursache der Mauke sei, lässt: sich nicht aufrecht halten. Kuers, sowie Walcb (Zeitschr. f. Thierh. 1837) und llcrt\vig(Chir. 3. Aufl. 1874) haben schon die Mitwirkung desselben in Abrede gestellt. Unbegründet ist ferner die von Zürn 1871 vertretene Ansicht, dass die Schlempemaukc eine durch pflanzliche Mikroorganismen bedingte Krankheit (Mycoso) der Haut sei. Dieselbe wurde von Rabe und demnächst auch von Johne widerlegt. Uabe (Hannoverscher Jahresbericht 1875) fand in den Krusten des Ausschlags zahlreiche Milben der Gattung Dermalophagus und vermuthete hierauf, dass die Rindermauke eine Form der Räude sei (Milbenräude). Durch Johne u. A. wurde indess erwiesen, dass die Milben mit der Mauke nicht im causalen Zusammenhange stehen und nur als zufällige Befunde gelten können.
Bcnierkcnswerth ist, dass nach allseitigen Erfahrungen üchsen in grösserer Zahl befallen werden als Melkkühe. Johne führt diese Tbat-sache darauf zurück, dass die mit dem Blute circnlirenden pathogenen Substanzen bei Melkkühen zum Theil durch die Milch ausgeschieden werden, dass demnach bei den Ochsen ein verhältnissinässig grösseres Quantum der Substanz in die Haut gelangt als bei milchgebenden Kühen. Schon früher hatten landwirthsebaftliche Autoren darauf hingewiesen, dass die Milch von Kühen, welche mit Kartoffelschlempe ernährt werden, für die Kälber schädlich ist.
Die in der Schlempe befindlichen Säuren insbesondere Milchsäure und Essigsäure sind von Kucrs 1834 und von Waloh 1837 als das die Krankheit, bedingende Agens angesehen; aber diese Vcrmuthung hat der abweisenden Kritik nicht Stand halten können.
Obschon die spoeifisch auf die Haut wirkende schädliche Substanz der Kartoffelschlempc nicht bekannt ist, so lässt sich doch als erfah-rungsgemäss ansehen, dass der Ausschlag nur nach der Fütterung grosser Mengen von Schlempe entsteht. Nach Maercker-Halle können zur Ernährung eines Mastochsen täglich 60 Liter und einer Melkkuh täglich 40 bis 45 Liter Kartoffelschlempe ohne Nachtheil gereicht werden.
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Krankheiten lt;lor Haut.
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Jolmc berichtet über eine Beobachtung-, nach welcher die Kühe bei 40 Liter pro Tag und Haupt mehr als 4 Wochen gesund blieben, bei 80 Liter alsbald heftig an der Mauke erkrankten.
Symptome und Verlauf. Der Verabreichung grosser Mengen von Kartoffel seh lempe folgt in wenigen Tagen die Eruption der ekzemalösen Hautentzündung an den Hlntersohenkeln und zwar vom Fessel bis über das Sprunggelenk hinauf. Nicht häufig ist die Miterkrankung der Haut an den Vordersehenkeln, sowie die Verbreitung des Ausschlags auf die ifaut am Bauche (Euter, 1 lodensack) und an den beiden Seiten des Rumpfes. Auf der entzündlich geschwollenen Haut zeigen sich Bläschen, welche innerhalb einiger Tage platzen. Das abfliessende seröse Exsudat hat einen eigenartigen Geruch. Im Verlaufe einiger Wochen entstehen an den aflicirten Partien der Haut Krusten und Borken. Die Haut wird hart und spröde; in derselben bilden sich Risse (Kkzcma rhagadi forme).
Die Hautaffcction ist schmerzhaft und bedingt die Empfindung des Juckens. Beschwerden beim Stehen und Gehen; steife Haltung der Gliedraassen, das Thier legt sich in der Regel nicht; wenn es vor Ermüdung hingefallen ist, so kann es gewöhnlich ohne Hülfe sich nicht wieder vom Boden erheben.
Im Beginn der Erkrankung zeigt sich mitunter eine fieberhafte Störung des Allgemeinbelindens; später verläuft die Sehlempemauke fieber-los. Nach und nach gewöhnen sich die Ochsen und Kühe an die Krankheitsursache, sodass sie die Schlempe in massig grossen Mengen ohne Naohtheil verzehren können. Die mehrere Wochen hindurch oder noch länger andauernde Erkrankung der Haut beschränkt die Ernährung und bei Melkkühen die Milchproduction. Wird die Behandlung des Thiercs vernachlässigt, so können in den Bissen der verdickten und mit Borken bedeckten Hautpartien besonders am Sprunggelenke tiefe und ulceröse Zerstörungen der Haut eintreten, in deren Folge das Thier am Aufstehen behindert 1st und durch Decubitus zu Grunde geht.
Die Prognose ist im Ganzen günstig, im Einzelnen aber davon abhängig, ob die Kartoffelschlempe dem Rindviehbestande nicht im üeber-mass als Nahrungsmittel zugeführt zu werden braucht.
Therapie. Der eausalen Indication lässt sich zweckmässig dadurch begegnen, dass den kranken Tbieren weniger Schlempe und ausserdem geeignetes Beifutter gegeben wird. Namentlich darf die aus der Ein* maischung gekeimler oder angefaulter Kartoffeln gewonnene Schlempe nur in geringer Menge zur Verwendung kommen. Von gutem Erfolge ist auch die starke Verdünnung der Schlempe durch Zusatz von Wasser.
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Trcboraussclilaff. TraubonliammKraukhoil.
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Zur Noutralisirung der Säuren in der Schlempe setzt man in vielen Wirth-sohaften phosphorsaureu Kalk oder auch gebrannten Kalk, täglich 15 bis 30 g pro Haupt zu. Indess Jässt sich nicht annehmen, dass das Verfahren gegenüber der Mauke eine Heilwirkung besitzt.
Dass für die Verpflegung der Thiere ein trockener und bequemer Standort auszuwählen ist, bedarf keiner Erläuterung.
Die curative Behandlung des Ausschlags wird durch die Verwendung eintrocknender Mittel in flüssiger Form bewirkt: ßurow'scher Mischung; Kalkwasser; Theer; Oarbol-, Kreolin- oder Lysollösungj Oupr. sulfuric. in Iproo. Lösung; Aqua Gonlardi.
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Capitel OLL Treberausschlag. Traiibciiknmnikrankheit.
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Unter dem Namen Träberausschlagquot; hat Rychner (Bujatrik, 3. Aul!. 1851. S. 543) ein Ekzem des Rindes beschrieben, dessen angebliche Erscheinungen aber mit den Merkmalen der Sclilempcmaukc vollständig übereinstimmen. Die Darstellung, auf welche in der Folgezeit die thierärztliohen Autoren zurückgegriffen haben, scheint mir auf einem Versehen llychner's zu beruhen. Offenbar hat derselbe das Wort Traberquot; als gleichbedeutend mit Schlempequot; angesehen. Hierfür spricht, dass das Wort Schlempequot; von Rychner nicht gebraucht wird und dass derselbe auch die Scblempemauke in seinem Lehrbuch nicht besonders beschrieben hat, obwohl ihm diese Krankheit aus der Literatur zweifellos bekannt gewesen ist. Hering (Spec. Path. u. Therap. 1858) meint, dass die Mauke des Rindviehes eine Wirkung des Träberfutters von der Branntwein- und Bilaquo;rfabricationquot; sei. Demnach hat auch Hering den Trcberausschlag mit der Schlempemauke identificirt.
Ein nach der Fütterung von Weintrebern (Trcster) oder von Rebenlaub beim Kinde an den Hintergliedmasscn beobachtetes Ekzem ist \ or mehr als 100 Jahren von den französischen Autoren Chabort und Flau drin beschrieben worden. Das ITautleidcn wird als ein pustu-löser Ausschlag bezeichnet. Hering (I. c. S. 3!J4) bemerkt hierzu: In Württemberg werden die Trester der Trauben, sowie Rebenlaub allgemein dem Rindvieh gefüttert; ich habe nie einen solchen Ausschlag entstehen sehen.quot;
Neuere Erfahrungen über das als Trcberausschlag und als Trauben-
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#9632;
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540nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiton dor Flaut.
kämm krank hoi t gedachte Elxanthem liegen in der Literatur nicht vor. luh selbst habe diese Krankheit nie gesehen. Es mag sein, dass durch die Einwirkung der Nässe und des Schmutzes sowie der Kälte an den unteren Pussenden zuweilen ein Erythem oder ein Ekzem der Haut zur Ausbildung gelangt. Zur Bezeichnung dieser angeblich vorkommenden Hautentzündung ist in der Literatur der Name Schmutzmaukequot; gewählt worden. Die Affection würde bei Berücksichtigung der Actiologie leicht von der Schlempemauke zu unterscheiden sein. Wie bei dieser, so könnte auch hier die Behandlung mit austrocknenden Waschungen und erweichenden Einreibungen, insbesondere durch Bepinselung mit Glycerin bewirkt werden.
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Capitel CL1I. Urticaria IS'esselausschlag NcsscHieber.
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Einigkeit bestellt darüber, dass die bei der Urticaria in kleinen Herden auftretende ödematöse Schwellung der Haut auf dem Blutwege durch eine in das Blut, gelangte fremdartige Substanz herzorgebracht wird. Doch ist bislang weder bei der Urticaria des Menschen, noch bei dem gleichartigen Hautausschlage des Pferdes, des Rindes und des Schweines der vorübergehend mit dem Blute circulirendo krankhafte Stoff Isolirt werden. Am meisten wird die Ansicht gebilligt, dass die gedachten Substanzen vom Rinde mit dem Futter aufgenommen werden (Urticaria ab ingestis). Man vermuthet, dass der Stoff eine vorübergehende Lähmung kleiner Arterien der Haut verursacht und dass hierdurch die Exsudation von Serum ans den Capillaren des Gefässgebiotes herbeigeführt wird.
Symptoine und Verlauf. Mit der Entwiokelung der Nosselbeulon entstehen in kleinen, genau umgrenzten Gefässgcbieten der Haut beuien-förmige Herde von dem Umfange einer Haselnuss bis eines Hühnereies und von der Dicke eines Daumens, Man bezeichnet die auf ödematöser Schwellung der Haut beruhenden Herde als Quaddelnquot;. Sie verursachen die Empfindung des Juckens.
Innerhalb 1 bis 2 Tagen erfolgt der Ausbruch der vorbezeichneten Herde auf der Haut, auf welcher sie leicht wahrgenommen werden können. Vorzugsweise ist die Haut der Hinterschenkel und des Rumpfes, weniger oft die Kopfhaut betroffen. Die Herde bleiben nur einen
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Glatxflechte. Herpes tonsurans.
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Tug bestehen, selten bis zu 4 Tagen; sie verschwinden durch die Resorption des serösen Exsudates.
Diagnostische Schwierigkeiten hat die Feststellung der Urticaria nicht. Die Prognose ist günstig. Zur Behauillung können salinische Abführmittel eingegeben werden: Natr. suifuric. oder Magn. sulfuric. Die Empfindung des Juckens liisst sich durch Einreibung der Beulen mit verdünntem Glycerin mildern.
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Capitcl CLIII. dlatzfleclitc. Herpes tonsurans.
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Die Glatzflechte oder Scheerflech te wird beim Kinde häufiger beobachtet als beim Pferde (vgl. ßd. I, S. 1005). Die alleinige Ursache des Ausschlages ist das Sohmarotzerthuni des Trichophyton tonsurans. Demnach entsteht und erhält sich die Krankheit ausschliesslich durch Ansteckung. Mit dem Putzgeschirr oder durch gegenseitiges Scheuern oder durch das Reiben der Haut an der Wand, an welcher vorher ein krankes Thier sich wegen des Juckreizes gerieben hat, wird beim Stallvieh die Ansteckung gesunder Rinder vermittelt. Beim Weidc-vich geschieht die ücbertragung durch unmittelbare Berührung des kranken und gesunden Thiores. Kälber und Färsen sind für das Schmarotzer-thum des Trichophyton tonsurans in höherem Grade empfänglich als ältere Kühe und Ochsen. Auch erfolgt die Ansiedelung des Pilzes leichter bei mageren als bei gut genährten Thieren. (Vgl. S. 31H.)
Symptome und Verlauf. Am Rücken oder am Rumpfe oder am Kopfe, bei Kälbern auch an den Lippen (Teigmaulquot;) entstehen haarlose Herde von dem Umfange eines Markstückes bis eines Gänseeies. An denselben zeigt sich ein seröses Exsudat auf der Haut, welches sich in 2 bis 3 Wochen zu einer asbestartigen Borke verdickt. Im Verlaufe der nächsten Wochen stösst sich die Borke ab, mitunter im Centrum zuerst (Herpes circinatus. Herpes Iris) und darauf auch der peri-phorisoho Theil. Die Haut erlangt nun an dem abgeheilten Herde ihre normale Beschaffenheit zurück. Inzwischen haben sich in der Umgebung dieser Herde oder in grüsserer Entfernung neue Herde etablirt, welche den gleichen Verlauf nehmen. Beim Jungvieh entstehen die Herde oft am Kopfe und insbesondere an den Augenlidern, wobei sich mitunter eine leichte Conjunctivitis mit reichlicher Thränenabsonderung ausbildet. Kälber erkranken zuweilen an den Lippen.
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Krankheiten tier Haut.
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Die Diagnose dieses Ausschlags begegnet keinen Schwierigkeiten.
Sollte der Tliicrarzt im Zweifel darüber bleiben, ,so kann die mikrosko-pisohe Untersuchung der Borken den Befund erweitern. (Vgl. Bd. I, S. 1005.)
Prognose. Da der Herpes tonsuraus beim Rinde sich von selbst nicht /urückbildet,, vielmehr mehrere Monate hindurch und noch länger bestehen bleibt, so kann derselbe nicht als ein unwesentliches Hautleiden gelten. Heilbar ist das Kxanthem wohl, aber die Behandlung erfordert doch viel Aufmerksamkeit.
Hierzu kommt, dass die Glatzflechte sich auf Pferde und auch auf den Menschen verbreiten kann. Hering (Spec. Path, und Ther. 1858. S. 237) sah als eine Folge der Behandlung des Teigmaulsquot; beim Menschen Herpes circinatus an der Hand und im Gesicht entstehen,
Therapie. Abschccren des Deckhaarcs am ganzen Körper, um sämmt-liclic Herde freizulegen. Bepinseln der letzteren mit Theer wöchentlich 23mal. Hierauf Abwaschung mit gebrühter Kleie. Einreibung der Herde mit Naphthalinsalbe oder mit rother Präciptatsalbe (Hydr. oxydat. rubr. 1, Adeps 8). Baranski (B. T. W. 1901. S. 275) empfiehlt die Einreibung mit einer Salbe aus roher Salpetersäure 1 und Adeps 5. Die Salbe wird täglich einmal eingerieben, wobei sieh etwas Rauch zeigt. Meist, genügt eine dreimalige Einreibung.
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Capitel OLIV. Ilautwurm des Rindes. Farcinosis Bovls.
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Als Karein de boeufquot; Hautwurm des Rindes haben französische Autoren die übrigens auch in Deutschland sporadisch vorkommende chronische Hautkrankheit beschrieben, welche sich durch wall-nuss- bis hühneroigrosse A bscesse in der Haut und entzündliche Anschwellung der oberflächlichen Lympfgefässe und Lymphdrüsen kennzeichnet. Die in Frankreich gemachten Beobachtungen über den Wurmquot; haben Nocard et Leclainche (Maladies microbiennes, 1876) raitge-theilt. Den Erreger der Krankheit hat Nocard 1888 gefunden und Streptothrix du farcin de boeufquot; genannt. Durch Verimpfung des Ansteckungsstoffs lässt sich der Wurmquot; auch auf Schafe übertragen. Aber der Hund, die Katze und das Pferd sind für denselben nicht empfänglich.
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Ilautwurm des Rindes. Farcinosis hovis.
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543
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Wie der palliogcne Organismus der Farcinosis in die Haut des Rindes Soiangt, ist nicht genau bekannt. Französische Forscher geben an, dass sich die Affection von einem kranken auf die gesunden Thicre direct verbreite. Für leicht übertragbar halte ich dieselbe aber nach eigenen Heobachtungen nicht. Ich habe zwei Fälle beobachtet, bei welchen die kranke Kuh mehrere .Monate hindurch zwischen gesunden Kühen stand, aber keine der letzteren angesteckt worden ist. In einzelnen Gegenden Frankreichs ist der Wurm des Rindes als Herdenkrankheit beobachtet worden.
Symptome. Vorwaltend wird die Haut an den Glicdnuiassen und besonders an den Vorderglicdmaassen Vordermittel fuss und Vorarm betroffen. Wallnuss- bis bühnereigrosse Beulen, welche in l2 Wochen lluctuircn und nach ihrem Aufbruch oder nach der chirurgischen Eröffnung ein dickflüssiges, glasiges eiterartiges Product entleeren. Fntziind-liche Schwellung der von den Abscesscn nach oben bis zu den Lymphdrüsen am Schulter-Armbeingelenk verlaufenden Lymphgefässe. Um die Abscesse verdickt sich das subeutano Bindegewebe.
Die Krankheit verläuft langsam und stört das Allgemeinbefinden des Thicres nur wenig; sie kann viele Monate bestehen.
Die Diagnose ist aus dem Untersuchungsbefunde leicht zu begründen. Man hat gemeint, dass der Wurm des Rindes mit der Tuberkulose zu verwechseln sei. Soweit ich aber nach den von mir beobachteten beiden Fällen beurtheilen kann, ist die Unterscheidung der Symptome beider Krankheiten leicht.
Die Behamllung hat keinen durchgreifenden Erfolg, Empfehlenswerth ist, die aufgebrochenen oder mit dem Messer gespaltenen Abscesse mit Höllenstein oder mit rauchender Salpetersäure zu ätzen. Dass durch die innere Behandlung des Thieres die Kränkelt zu heilen sei, ist bisher nicht bewiesen worden. Aus wirthschaftlichen Gründen ist demnach zu erwägen, inwieweit die rechtzeitige Schlachtung einem Curversuche vorzuziehen ist. In der französischen Literatur wird die Isolirung des kranken Thieres empfohlen, um einer Verbreitung der Farcinosis in dem Rindviehbestande vorzubeugen.
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Register.
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A.
Abdasselo 802.
Äbgesohwäohtea Vesioulärgeramp;usoh '24.
Abgesciztos (sacoadirtes) Vesioulftrgo-
räuscli 'H.
Absoessblldung zwischen Haube und Zwerchfell 413,
Absteigende Nierenentzündung 49.r).
Absterben der weissen Bautstellen. Trockenes 581.
Acnrina ;}()().
Acute Bauchfellentziimlung 474.
Acute Bliihsucht 4i{2.
Aouter Bronohlalkatarrh 864.
Acutcr Durchfall 4ö4.
Acute Dyspepsie 436.
Acute Gebiimiiittorentziindung 514.
Acute Gehimwassersuoht 339, 856.
Acuter Gelonkrheumatismus 261.
Acute llerzinsufficien/, nach (Jeboran-strengung 389.
Acute Indigestion 436.
Acute infectiöse Bronchitis 367.
Aculeinfectiöse (mykotische) und toxische Darmentzündung 98.
Acutes Lungeneniphysem .'575.
Acuter Magen-Darmkatarrh 464.
Acute Magen-Darmentzündung infolge Ueberfültcrung mit schwer verdaulichen Nahrungsmitteln 454.
----------- infolge Genusses verdorbener
Nahrungsmittel 456.
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Acule Magen-Darmentzündung infolge einer Infection 457.
-----------infolge Aufnahme scharfer Gifte
460. Acuter Meteorismus des Pansens 432. Acute Nierenentzündung 489. Acute parenehymatöse Nephritis 489. Acute Peritonitis 470. Actinomycosis 257. Aechzen 19, 20. Aengstlichos Temperament 4. Aeusserer Milzbrand 180) 181. Affeotionon. Leiolilo fieberhafte 232. Akejihalocystcn quot;289. Allgemeine Diagnostik der Rind viehkrank-
heiten 1. Allgemeines papulöses und orustöses Kk-
zem 534. Allgemeine Störungen der Ernährung
310.
Allgemeine Tuberkulose 249. Allgemeine Wassersucht 323. Allgemeine Zellgewebswassersucht 23.'5. Aluminosis 384.
Alveoliires Athmungsgeräusch 23. Amphorisches Athmungsgeräusch 25. Anaemia cerebri 337. Anasarka 9, Angesichtsdiagnose 1. Angina 362.
Anhäufung von Sand im Psalter, Labmagen und Dünndarm 449.
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Register.
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546
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Aniiniilc [tnpfang 2()(!.
Anken 19, 20.
Annelides 2()l{.
Anreiten 508.
Ansteokoiidcr Uliisclionaiisscliliig (l'lilyc-
tänenaussohlag) der ftusseren (lo-
sohleohtstheile 200. Ansteckende bösartige Solieidenentzün-
dung 222. Ansteckender Scheiden- and Qebamp;rmutterlaquo;
catarrh 510, 511. Anthracosis 384. Anthrax 118. Anthrax aoutisslmus 133.
nbsp; acutus 134.
nbsp; subaoutus 134.
nbsp; intertnittens 134.
nbsp; Karbunkel 134. Antoninsfeuer 141. Aphthensonohe IS.'gt;. Apoplexia spinalis 345.
nbsp; cordis :Ji)2. Appetit auf Futter 34.
nbsp; #9632; Gewürze 85,
#9632; - Wasser (Durst) 35,
Apthae eplzcotioao IS.'t.
Arliythniischor mid iniiqiialer Fferaschlag
31, Arhythmie der Herztöne 32, Arhythmlscher Puls 33, Arterien 33.
Ascaris lombriooldes 293, Asoites 477.
Aspirations-l'lmpliy.seni .r)plusmn;'). Asllienisclies oder torpides Nervenflebor
339. Athmungsfrnqaenz ilt;gt;. Athmungsgertlusohe der Nasenhöhle 22.
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Aufsteigende N'ierenenlzitiulung 4(J,r). Augenseuche (Conjunctivitis epideuiica)
98. Auslluss aus Augen, Nase, Maulhölde und
Scheide 13.
-------den Augen 13.
-------der Nase 14.
-------dem Maul 14.
-------der Scheide 15,
Auskultation 18.
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B.
Baoilläre Lebernokroso 480.
Bacillus renalis liovis 497.
Bacillus Tuberculosis Kochii 241.
Bandlos 506.
Bandwürmer 285.
Bauart 2.
Bauchfellentzündung, Acute 474.
nbsp; Septische Gebännuller 356,
nbsp; Diffuse exsudalivo 356. - Traumatische 419.
#9632; Urinöse 503. Bauchumfang 39, Bauchwassersucht, Chronische 477.
nbsp; Diffuse acute Peritonitis und Biesfliege 301,
Blälisncht. Acute 4;{2. Bläschonausschlag (Phlyolänonausscl
der iiusseren Qeschlochtstheile.
steckender 200. liliisehengeräusoh 23, Blasenblutung 502, 505. BlasongeschwUlste 504, lilascnsouche 1SI5. Blasensteine 502.
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120.
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ilag) An-
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Blöken 19.
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'quot;ruciitliiillersciileindiaul
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nbsp; des Kehlkopfes 22.
nbsp; der Luftröhre 23.
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Biennorriioe der
512. Bleichsucht 815,
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der Lungen 23.
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Athmungsgeräusch,
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vesiculäros oder al
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Blitzschlag 861.
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veoliires 23,
bronchiales 24. - amphorisohes 26,
anbestimmtes 2(i. Atliinungsinechanik 16. Aufblähen 4152.
Dleoksrbotf, Spos. Fntkolog
|
Blutarmuth 816, Blutfleckenkrankheil 218. Blutgeschwülste von ödomatöseinCliai
ter. Spontane - - 2.18. Blutharnen 45, 266i - der Kälber 274.' TUoraplo, II, Bd,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;$raquo;
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646
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Kpfiislor.
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Brandblut 129.
Brandoarerne 887.
Brandige Milzentzttndung 129.
Breiter Palisadenwarm 298.
Bright'sohe Nierenltrankhelt 490.
Bronchiales AthmungsgerSrUsoh 24.
Bronohialkatarrh. Aouter i$()4.
nbsp; Chronischer i{(raquo;S. HronoliickUiMc 369. Bronchiel(tatisohe Herde 37.1.
nbsp; käsige Horde 371. Blutige üodoino 9, Blutkrankhelt 129. Blutseuohe 129. Bktstaupe 129.
Bösartiges ivatarrhiiilipbcr 73, 8S.
Boopbilus bovis 304.
Boshaftes Temperament 4.
Bräune ii()2.
Bronchitis. Aouto infeotiöse i{t)7.
nbsp; catarrhalis acuta .'{()4.
nbsp; clironica i5(tS.
nbsp; #9632; dilTusa 372. Brondio-catarrluis ohronioas 368. Bronoho-Pneumonie 880i Bruch. Innerer - 473. Brüllen 19. Brtlllerkrankheit 505. Brummen 19. Brummerkrankheit 505. Brustfellentzündung ;{S7.
..... Chronische 421. 476.
Buohweizenauasohlag 532. Bulbiirparalyse. Endemische 225
c.
Caohexia hydraemioa lt;\'i',i.
nbsp;- ossifraga 832gt; Calculi bronohieotatici 869, Carbonatsteine 502. Cai'oinome 322.
Cattle plague 53. Cattle 'rick 304. Cestodcs 2S5. Chalioosis 384. Chloraiiiio 815. Chlorosis 315.
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Cholelithiasis 483.
Chronische Anämie 1515.
Chronisclio ansteckende Soheidenentzttn-
dung 509. Chronischer ansteckender Schcideuka-
tarrh 509. Chronische Bauchfellentzündung 421,
47laquo;.
Chronische Bauchwassersucht 477. Chronische bindegewebige Nierenentzündung 4!gt;!J.
nbsp; intcrstitielle Nierenentzündung mit Verkleinerung (Schrumpfung) der Niere 495.
Chronische Blutarmuth 315.
Chronischer Bronchiakatarrh 3()H.
Chronischer Durchfall 4()().
Chronische Dyspepsie 441.
Chronische Endometritis 517.
Chronisch-entzündliche Herzboutelwasserraquo; sucht 423.
Chronische Entzündung der Haube und des Zwerchfells mit strangförmiger Verwachsung beider Organe 411.
nbsp; mit umfangreicher Verwachsung beider Organe 412.
Chronische Ocbänmittorentzündmig 517.
Chronische Indigestion 439, 441.
Chronische intcrstietielle Pneumonic 175.
Chronischer Kehlkopf husten !J(raquo;5.
Chronisclics Lungenemphysem 374.
Chronischer Magen-Darmkalarrh 4()(i.
Chronische oberflächliche Kehlkopfentzündung 3Ö5laquo;
Chronischer Eleizhusten 865i
Circulationsapparat 29.
Circulationsorgane. Krankheiten der 889.
Circumsoripte Peritonitis 470. Coenums oerebralis Rud. 280. Ocenurus-Krankheit des Gehirns 28(1. Conjunctivitis epidemica 98. Constitution 3.
Constitutionelle Schwäche J{|(). Coriago (llarthäutigkeit) 3, 527. Cornua cutis 528. Croupöse Darmentzündung 4(12. Crouposo Lungenentzündung 377.
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Ileii'ister.
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547
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Ci'oupöso l'neimioniü .'i77. Cystitis, lliiniorrhiigisclio 504.
D.
Darmoroup 4(i'2. Darmblutung 4()i{. Darmelnsohiebung 471. Darmentzündung. Acute infootiöso (my-
kotisohe) und tuxischo 98, 458, Croupöse 4(i2.
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Distoinnm licpalicuni !2(J7.
nbsp; lancoolatum 2!)7. i)istoimim-Kraiiklioit 2!)8. Doppelte Glieder 3'M). Drahtfüriiiiger l'uis 33. Drehkrankheit 286. Drehwurm 286. Dünnmister 400.
Durchbruoh dos Fremdkörpers durch dio
Brustwand 417. Durchfall. Acuter 4(i4.
nbsp; Chronischer 4C(').
nbsp; Kaohektisoher 466.
nbsp; der Kälber 468. Durst 80. Dysenteria boam 74.
nbsp; vitulorum S2.
nbsp; alba 82. Dyspepsie 4IMraquo;.
nbsp; chronische 441. Dyspnoe 16. Dyspnoea luisaiis 16.
nbsp; laryngoalis 17. traohealis 17.
nbsp; pulmonalis 17.
E.
Koliinucocciis-Kraiiklieil 2SS.
-------der Leber 290.
-------der Lungen 29 I.
-------dos Herzens 202.
ISohinocooons veterinorum 28(J.
nbsp; polymorphus 28'.), Blcchymosen 13.
1 Echtes KauUlohor 48.
i Eigentlicher Milzbrand 122.
1 Eigenwärme 6.
Einfache Nabolentzündung 216.
Eiterige abscedirendeMilzentzündung486.
Eiterige Endometrilis und Paramotritis 500.
nbsp; Pyelonephritis 500.
Ekzem. Allgemeines papulöses und orus-
toses i)i{4. Ekzema 5i{i$.
nbsp; erythematosum 583.
nbsp; papalosum 534.
;!5*
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Diffuse fibrinüsc
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4(gt;
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nbsp; Enzootisohe 4()0.
nbsp; Typhöse 458. DannoxcromoiUo 41. Darmgeräusohe 41. DarmfiiuIniss 46(). Darmmilzbrand loO. Darmtyphus 45M. Darrsucht IJl 15. Dasselbeulen 301. Dasselsohau 302. Deokhaar 8.
Donnatocoplcs-Kündü 306. Dermatophagus-Mudo 307.
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all-
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Diagnostik tierUiiulvielikninklieiton-
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gemeine 1. Diarrhoea aouta 4(raquo;4.
nbsp; ohronioa 4()(raquo;.
nbsp; vitulorum 4(raquo;S. Dickdarm Verstopfung 450.
DifTuse acute Peritonitis und ontzündliohe Bauchwassersucht 42(1.
Diffuse oxsudative Bauolifellentzündung 356.
Diffuse nbrinöse Darmentzündung 4()2.
Digestionsapparat 34.
Digestionsorgano. Krankheiten ilor 42,.).
Krankheiten der infoige Verwundung durch verschluckte Gegenstände 404.
Digitalperoussion 28.
Diphtherisohe llenlo der Maulsohleimhaui bei Saugkälbern 102.
------desSchlundes, dosPansens und tier
Haube 105.
Dippel 280.
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54S
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KeftisltT.
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Kli/.onia vesieiilosiiiu 534,
nbsp; madidans 534.
nbsp; impotig'iiiosum s, pustulosum 5.'i4.
nbsp; cnistosum r).'i4.
nbsp; squiunosniii 5.')4.
nbsp; rhagadiforme 634. impetiginosum extroniitatum ölJO.
Erabollsche Leberentztindung 481.
nbsp; Nierenentzündung 491. Kinesis 470. Kinpliysema alveolare .'i74.
nbsp; alveolare (vcsicularo) iSTii.
nbsp; interstitiale (interlobalare) Ö73.
nbsp; iiiterlobulare 375. -------sou interstitiale 025.
nbsp; subcntanenni 525.
nbsp; septioutn 52(1. Enoephalo-Moningitis aoula 839. Endemisohes Blutharnen 45. Endemisohe BulbKrparalys 225.
Imi de mi so he Sohlnndkopfldhmung 225. Endooarditis ohronioa vaivularis 304. Endomotritis ohronioa oatarrhalis 517.
nbsp; dipbtherioa - 515.
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Erdsturz 129. Erkältuugsfleber 233. Erkältungs-Pneumonie 380. Ernährangsstörnngen. Allgemeine 810. Erythema exsudativnin 580, ohronioura mortifloans 581. Erythrooytolyse 270. Eustrongylus gigaa 49G. Euterentzündung, parenohymatöse 72. Extrarasate 13.
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F.
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Fadenförmiger Puls 83.
Pagepyrismus 532.
Färbung der Schleimhäute 11.
Farbe der Haut 8.
Farcin de boeuf 542.
Farcinosis Bovls 542.
Faulfieber, ecides 4H.
Pebricula 282.
Fobris catarrhalis maligna boom 88.
nbsp; postifera 48.
nbsp; septioa 200.
nbsp; diaria 2152. Festliegen 311.
Festliegen vor der Qobuii 311, 520. Festliegen nach dem Gebären 35(1. Fette Franzosen 237. Fettgesohwülsto in der Subcntis 10. Feuchtigkeitsgehalt auf den Schleimhäuten
13. Feuer. Fliegendes 141. Fibrinöse Peritonitis 476. Fisohsohuppenkrankheit 528. Flechte, Nässende - 5i5iJ.
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Eiteri
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5(10.
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- Chronisolie 517.
Engerlinge 301.
Enteritis pseudomernbranaoea 4(raquo;2.
Bnteroperitonitis aouta 474.
Entzündliches Kalbeflobor 3Ö6, 516.
Entzündung der Haube und des Zwerchfells mit strangförmlger Verwachsung beider Organe 411.
------ mit amfangroioher Verwachsung beider Organe 412. der Harnblase 504. der Plbrtador 4SI.
nbsp; der Kiiokeiiiiiarksliäute .'$45.
nbsp; derZunge, desEaohens und der Speiseröhre. Traumatische-----105.
nbsp; des Pansens. Traumatische 407. ------Mastdarms 4(),'{.
Enzootisohe Darmentzflndung 41)0.
Ephemera 232.
Ephemerer infeotiösor Nasenkatavrh 72,
86, 98. Epidermis 8. Ei-breulien 14, 470.
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Fleckniore des Kalbes. Weisso -
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402.
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Fliegendes Feuer 141. Fliegender Zungen Krebs 120. Fliossen 41. Fluor albns 512. Pranzosenkrankheit 235.
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.'584.
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Fremdkörper-Lungenentzündung
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Frequenter Puls 88. Frequenz, dos Atiimens IG. Frequenz dos Herzschlags 80. Fniclitliiillersolileimlianl. Blennorrlioeder
- 512.
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Kogister.
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649
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FiiUcmnii'snülzbniiHl 130, Furclilsamos Toiujieramonl 4. Pussgrlnd 586i Passräude 530.
(i.
Gallenseuclio 58, Clallenstoiiio 4Sii. Gangraena pulmonnm I5S7. Gastrioistnus 436/7, 447. Qasiro-Enterltis 452.
-------toxica 4(raquo;0.
Gaslrosis 447.
(jubärcn. Pestliegen vor dein .'111,530,
nbsp; Pestliegon nach dorn .'gt;).quot;)(i. Gebftrfleber i{4lt;S.
Gebärmuttor-BauchfeUentzündung, Septische #9632; - 350.
GübarmuUci-katanii. AnslecKomier Scliei-
ilcn- und 510, 511. Gebärnuitteventzündung. Äoute - 514.
nbsp; Chronisohe 517. Gebärparalysis J{4S. Gebttrparesis .'{48, 349. Gedarmsenolio 74,
Gcliirnanamii' und Gehivnhypevämie l{,'{7. Gehirnblasenwurm 2)S0. Geliinioongoslioii 337.
|
Gespanntor l'uls 33. Glatzflechte 541. Glomerulo-Nephrltis 490. Glossantbrax. 121. Gonorrhoe 509, Grannlaratrophie 495. Grind 531. Grosser Puls 33. Grossgalle 58. G urron 41.
H.
llaarling 304. Habitus des Kindes 2. Häraatogener lolerus 8. Ilaoniatopinus ourysternus 302. Ilaematuria vosicalis 502. Ilaeniocylolysü 270. llaeniügbibiiiui'ia 266. tlaemoglobinurie 45, 270. Qämorrhagische Nierenentzündung 490. - - Pyelltis 49(5. Cystitis 504. Harnapparal 4I{. Harnblasenentzündung 504. llarnblasonlaliMiung 508. Ilarncylinilcr 45. Harnleitersteine 502. Harnorgane. Krankheiten der 489. Harnröhrensteine 502 Harnsteine 502. Harthäutigkeit 3, 329, 527. Harter Puls 38.
Hanbenzwerohfellentzündung. Traumatische 410*
Haut 7.
Hautanllirax 131. Hantbrand. Trockener 531. Hautemphysem 10, 375, 525. Hautjucken 520. Hautkrankheiten 525. Hautneorose. Oberiltlohliohe chronische - 531.
1 lauUvasserauelil 828. llantwunn des Kindes 542. Hepatitis apostematosa 4S2. Hepatogener odor Kesorptions-Ioterns 8.
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Gehirnwassersuoht. Acute
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389, 356.
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Qehirnquese 280. Geifern 14. Geilsuoht 235. Gelbes Wasser 129.
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12.
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Gelbfärbung der Solileiruhänli
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Gelbsucht 478.
nbsp; Katarrhalische 479. Gelenkentzündung. Rrhenmatisohe oder
metastatisohe 524. Gelenkrheumatismus, Acuter 261)
523. Generalisirle Tuberkulose 219. Geniokkrampf .'142. Geramp;usoh 141. Geschwülste .'{20.
In der lilasc 504.
im Heizen ){!I7.
der Leber 488.
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Register.
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Herbstzeitlose, Vargiflung duroli 'iS2. Herpes tonsurans 541.
nbsp; oircinatus 541.
nbsp; - Iris 541. Herz 29.
nbsp; Sarkom dos 321.
Herzabsoess 401.
nbsp; Tranmatisoher 424. Herzbeatelentzündung 408.
nbsp; Traumatisoho 422. Herzbeatelwassersaoht, Ghronisoh - ent-
zändliohe 4215. HerzinsafAolonz nucli Ueboranstrengnng,
Acute 889. Herzlähmuug 392. Herzschlag. Aussetzender 81. Herzschlag .'{92. Ilerzstoss (Spitzenstoss) 81. Hei'ztöne. Arhythmie ilcr 32, Hexapoda 801. Hirnhautentzttndutig 339, Hodgktn'sohe Krankheit ill!). Holzlcrankheit 400. Iliilsenwurm. Vielgestaltiger 'iSD. Hanger-Franzosen 2'M. linsten 20.
Ilydatiiien. Kopflose - 289. Hydrooephalus aoutus 889) 356. - extoi'nns 340. ETydrops aoutus oorebrl 889.
nbsp; anasaroa 828.
nbsp; der Haut, Anasarka !).
nbsp; interoas 828. Hyperämie des Qehirns 387, Hypoderma bovis 301. Hypoderma-Larven in der Kaut 801.
|
[mpfang. Animate '20('). Impfung --- Fjungenseuche 177. Lnttqualer Herzschlag 31. iuäiHiaior Puls 33. Indigestion 4.'l(), 439.
nbsp; ohronlsohe 441. Indurativo Nierenentzündung 4!)5. Infection. Puerperale 507. infections- und Intoxloationskrankheiton
40. Infectiöso Darmentzündung 98. Infectlöse Lungenentzündung 181. Infeotiöser Knötchenaussohlag d. Scheide
510. Inhalationsmilzbrand 180. innerer iinicii 47.'!. Innerer Milzbrand 180. Jnsecten 801.
Inspiratorisohes Sohnieben 22. Interstitielle Nieronontzündung mil Vor-
klelnerung (Schrumpfung) der Niere
4! 15. Intussusoeptio 471. [nvaginatio 471.
nbsp; ixodes reticulatus 304.
nbsp; annuhitus 304.
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K.
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Kälberdiphtherie 102. Kälberlähme 218. Kälberlaus 802. Kälberruhr 82. Kalbefleber 348.
nbsp; Entzündliches 856, 510.
nbsp; Paralytisches 356. Kalter Brand 141. Kantiger Palisadenwurm 293. Karbunkelkrankheii 129. Karbankelmilzbrand 131. Katarrhalflober, bösartiges 7;!, SS. Katarrhalische Gelbsucht 479. Katarrhalische Lungenentzündung I{SO. Katarrhalischer icterus 478, Kartoffeln. Vergiftung durch 'JSO. Kauen und Wiederkauen 86. Kehlkepfdyspnoe 17.
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[ohthyosis 628.
icterus gastro-duodonaiis 470.
icterus, iiäinutogcncr 8,
nbsp; hepatogoner oder Hesorptions 8, Icterus 478,
nbsp; Katarrhalischer 17s. [diepathisohe oder spontane Sephthtimio
#9632;210. [mpfmilzbrand 131,
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llegistcr.
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551
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[Ceblkopfentzündung. Ohronisohe oberlaquo;
iiüciiiiciio ;i(gt;r),
Kehlkopf husten, Chronischer 866,
Kcralonosis 528.
Keratosis 528.
KieseIstmibkranIllicit .'!84.
Kitta 327.
IClappenfebler dos Honens I{94.
Klatsobrosen, Vergiftung durch 288.
Klauenseuche, Maul- und 72, 1S!{.
Kleiner Pols 33.
Kleinscluvän/igcr Palisadenwarm 29H.
Knoohenbrüohigkeit 388.
Knoobenweiche 330.
Knötohenaussohlag der Scheide, Infcc-
tiöser - - 510, Knotenhrankheit 129. Knurren 41.
Kohlenstaubkrankbeit 384, Kolik 451. Kolpltls 507.
nbsp; traumatioa 508.
nbsp; catarrhalis oontagiosa 509.
nbsp; granularis infeolinsa 510.
nbsp; pornicinsa 222. Kolumbaozer Mücke 304. Kopfkranklieil lt;los llindos SS. Kopflose llydatidcn 289. Kornrade. Vergiftung durch 27(gt;. Krfttzo .'J(Mgt;.
Krankheiten dor Ciroulationsorganc ÜS9.
nbsp; der Digestionsorgano 4-2*).
nbsp; der Digestionsorgane und dos Herzens infolge Verwandung durch vorschluckte Gegenstände 404.
- der Qesohleohtsorgane 505
nbsp; der Harnorgane 4SI).
nbsp; der Haut 525.
nbsp; der Leber 478.
nbsp; der Milz 485.
nbsp; des Nervensystems JW*.
nbsp; der Respirationsorgane 86raquo;.
nbsp; #9632; der Skolotniuskulalur 519laquo; Krankheiten, durch thierisohe Parasiten
verursachte 285. Krugblascn 25. Kreu/liihmung 116, 311, 356.
nbsp; Myasthemisohe 519.
|
KroiizliUnnung. Rheumatische 520. Kreuzschwäche 2, 116, 511). Kuhpocken 204.
li.
Labmagengesobwür 444. Labmagenverstopfung 447.
Labmagen. Sarkom des 321. Labmagen. Verwundung des 414. Lähmung der Harnblase 503lt; Läuse 808.
Laryngitis supcrlicialis chmnica gt;Higt;}, Laryngo-I'haryngitis 3ü2. Lecksncht-Gachexie 886. Leberabsecss 482.
Leberabsoess. Traumatisober 410, Leberegelkrankhoit 208. Leberentzündung. Multiple aekrotisirende - 470.
nbsp; nbsp; Kmbolischc 481. Lebergesohwülste 483. Leborkrankbeilen 478. Leberkrebs 483. Lebernekrose, baoilläre 480. Lebhaftes Temperament 4. Leerer Puls 33,
Leichte fieberhafte Aifeotionen 232. Lendenblut 4(14.
Leplomeningitis serosa acuta 339, #9632; spinalis 345. Leuoorrhoea ohronioa 512, Leukämie 317, 488.
nbsp; lienale 317.
nbsp; lymphatische 317.
nbsp; myologono 317. Leukämisoher Milztumor 317. Löserdürre .r)3. Löserseuche 53. Lüserverstopl'ung 447. 450. Lose Zähne 37.
Lucs vonerea 265, Luftröhrendyspnoe 17. Lungenabscoss 385, Lungenbrand 122, 3S7, Lnngenbrustfolientziindnng der Kälber
181, Lungenoongestion und Lungenödem 370.
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KeKister.
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Ijungendyspnoe 17. Lungenompliysem 37JJ. Lungenentzündung dor Kälbei'. Inl'cc-
liüso - 181. Lungenentzündung. Sporadische flbrl-
nose gt;ii t,
-nbsp; Croupöse 377.
-nbsp; Oatarrhalisohe SSO.
-nbsp; Freindliörper 3S . Lungenfäule 154. Lungenflobei' oH. Lungensonohe 72, 153. Lungonseuolie-Impfang 177, Lungentuberkulose 255. Lungenwurrakrankhetl S08, 294. [iungenwnrmsenobe 2(.)4. Lustseuohe dor Kinder 201, 235. Lymphdrüsen 10.
Lvssn 109.
|
Markflüssigkeit 3'M.
Mastdarmentzündung 4(raquo;.'{.
Manko 536.
Maulausfluss 14.
Maul- und lüauonseuche 72, 183.
Maulschloimhaut. Diphtherisohe Herde
der 102. .Meningitis cereliro-spinalis serosa 342.
nbsp; spinalis 345, 519. Motallisolier Perousslonsklang 29. Metallstaubkrankheit 384. Metastatisohe Gelenkentzündung 524. Meteorismus des Pansens. Acuter 432, Metritls acuta 514.
nbsp; seplica 515.
nbsp; apostematosa 515.
nbsp; gangraonosa 515.
-nbsp; diplitherica 515. Metroperitonitls acuta 474.
-nbsp; septica 356. 515. Micrococcus ambratus 181,
des infectiösen Scheidenkatarrhs 510. IM ictus eruentus 2lt;l(gt;. Milben 806, Milchflober 34H. Miliartuberculoso 241raquo;. Milzabsoess, Traumatischer 4I(raquo;. Milzbrand IIS.
Eigentliolier 122.
nbsp; Symptomatischer 122.
nbsp; Innerer 180.
nbsp; Aeussorcr J30, 131.
nbsp; Darm 130. Eingeweide 130.
nbsp; Fütterungs - #9632; 130.
-nbsp; Inhalations - 130,
nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Impf 131,
nbsp; Karbunkel 131. Milzbrandfleber 122. Milzbrandjahre 120. Mllzbrandwuth 11laquo;.
Milzbrand. Schutzimpfung gegen 138, Milzentzttndung, Brandige 129.
Eiterige abscedirende 485. Milzfleber 129, 130. Milzkrankheiton 485. Milzruptur 488. Milzlumor. Loukämischer - 317.
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M.
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Magon-Darmenlzündung 462.
Infolge üeberfüttevung mit sohwor verdaulichen Nahrungsmitteln. Acute 454.
infolge üomissns verdorbener Nahrungsmittel 45(). - infolge einer Infection 457.
------infolge Aufnahme scharfer Gifte
4(gt;0.
-------Mycotische 457.
Magendarmkatarrh. Aontor 4(gt;4.
-nbsp; - Chronischer 4(gt;(gt;. Magengeschwür 444.
nbsp; Kinfaclies, rundes laquo;der perforirendes - 415.
Magenruhrseuohe 74.
Magenseucho 4H, 53, 74.
Magenwnrrokrankheit 296.
Magen Zwerchfellentzündung. Traumalaquo;
tische ~ 410. Magere Franzosen 2.'J7. Malaria 327. Maladio de bois 460. Malignes Lymphom 819.
Lymphadenom III*).
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Register.
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553
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Monarthvitis 524. Monulsroiteroi 285. Morbus maoulosus 818.
nbsp; veiicrous 285.
Multiple cmbolisolie Nephritis 4(gt;!i.
nbsp; necfotisiremle Leberantzündung 4-71). Muskelrheumatismus 623, Muskelsohwamp;ohe JJIO. Muttermunderweiterer 507. Myastheiiisclie Kroii/.iäluuung 519. Myelogene Leukdmie 317. Mykotisohe Mageu-Dai'menteündung 457,
458. Myocarditis parenofaymatosa s. degenera-tivu 401.
nbsp; partialis 401.
N.
Nabelentziindung. Hlinfaohe 216.
Nässende Pleohte 53a.
Nasenausiluss 14.
Naseiuiyspnoo 16.
Kasenkatarrh, ephemerer Infeotiöser 72,
86, 98. Nec'rosis hepatls multiplex 470. Neorosebaoillus 480. NeinaUieliniiiUm 208. Nephritis tuberonlosa 247.
nbsp; aouta 48raquo;.
nbsp; acute parenohymatöse 480.
nbsp; haemoglobinurloa 490.
nbsp; tubuliiro 490.
nbsp; apostematosa 41gt;1.
nbsp; suppurativa 491,
nbsp; Multiple embolisohe 4{)3.
nbsp; Qbroplastica 4!)2.
nbsp; maoulosa alba (weisse Pleoknlere) 41)2.
nbsp; Qbrosa 4t);i.
nbsp; ohronica dilfusa 4*gt;4.
nbsp; induraliva 495. Nephropyelitia 491, 41Xraquo;. Nervenfleber 339, 353.
nbsp; astheiiisches odor torpides 339. Nervenschlag 345. Nesselaussohlag 540. Nosselliebor 540. Neuledergeräusohe 27.
|
i Niohtbaoilläre Nierenbecken-Nierenent'
ziiiidiiiig 499. iSlioromibsooss 41)1. Nlerenbaoillus des Kindes 497. NiereubeckenentzUndung 405. Nierenbeckengt;Nierenentz(lndung 40(gt;.
-------nicht bacilliire 499.
Nierenentzündung. Acute 48S.
Hämorrhagisohe 490.
nbsp; Embolisohe 491. Urogene 491.
nbsp; Chronische bindegewebige 4911.
nbsp; nbsp; nicht indnrative bindegewebige 494, 495.
nbsp; nbsp; nbsp;chronische interstitielle - mit Verkleinerung (Schruinpl'ung) der Niere (Nephritis indurativa 495.
nbsp; absteigende, aufsteigende 4'.)5. Nieren, Durch wachsungmitSarkomgowebe
322. Nierensklerose 495. Nierenkrankheit. Bright'sohe 490. Nierensteine 5U2. Nymphomanie 505.
0.
Uberlläch liehe ohronisohe llaulnecrose
681.
Ochsen/.eekc 304.
Oedeme, blutige 9,
Oesophagitis, lluraenitis et iietioulitis
diphtherioa multiplex 105. Oestrus bovis 301. Omphalitls 2,1(1. Organkrankheiten li'-iT. Osteomalacie 332. Osteopsathyrosis 38laquo;. Oxalatsteine 502.
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Palisaden wurm. Breiter 293.
Kantiger 293. kleinschwänziger - - 2ii3. Pansengeräusohe 41. Pansenleero 38. Pausen. Traumatische JüntzUndunir des
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4(gt;lt;
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554
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Reffister.
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Pansen, Verwachsung des mit iler Baaohwand 408.
nbsp; Aouter Meteorismus des 4IJ2. Papaver Lihoeas 28.'!.
Paralysis oordls lt;i\)2. Paralytlsohe's Kalbefleber 356. Parametritis, Eiterige 600, Paraparesis 519, Paraplegia incompleta 311.
nbsp; myasthenioa 519,
nbsp; a l'rigore 5'i().
Parasiten. Durch P. verursachte Krankheiten 285.
farenehymatöse Enterentzündnng 72.
Paresis des Dickdarms 4-50.
Dareso des Pansens 489, 441.
Partielle oder totale Verwachsung des parietalen und visceralen Ulattos des Herzbeutels 4-2Ü.
Pedlouli 'H)'i.
Deliosis 21',).
Pelveoperitonitis 516.
Penetrirende Verletzung oiiier Flerzhöhle oder einer Kranzarterie und Blutung in den Herzbeutel 4-24.
Percussion 27.
nbsp; Unmittelbare 28.
Perforation des Zwerohfolls und Vorfall der Haube in die Brusthöhle, Trau-malische 41S.
Perforativ-Perltonitis 608.
Pericarditis 403.
nbsp; traumatica 403, 422. l'ericardilischo Geriiuscho 32. Perlstaltlk 40.
Peritonitis acuta 474.
nbsp; ohrouioa 47().
nbsp; nbsp;Acute, circumscripte, fibriniiso 470.
nbsp; und entzündliche Bauchwassersucht. Diffuse acute 420.
nbsp; serofibrinosa acuta 3.r)(i. l'ercussionslilang. Metallisoher 29. Perlenstreifen 27.
Perlsuclit 234. Pestis bovilla .r)3.
nbsp; bovine 68, i'estis boum 4(raquo;, 48. Pestilentia, Peslilentia boum 48.
|
Peteohien 18,
Pfortader, Thrombose und Entzündung
der - 481. Pharyngitis 862,
Dharyngo-Laryngitis 3G2. Dhlyctäiienausschlag der äusseren Oe-
sohleohtstheile 800. Phosphatsteine 502. Pica 327.
Pilze. Vergiftung durch 278. Plätschern 41. Plage 141. Plärre 183. Pleuritis 387.
nbsp; tubercalosa 246, Pleuro-Pneumonia contagiosa 153. I'neumo-Plcuritis viluloruni infecliosa
181. Pneumonia acuta librinosa 377.
nbsp; contagiosa boum 153.
nbsp; oatarrhalis 380. traumatica 384.
Pneumonic. Chronische interstitielle 175.
nbsp; Diffuse katarrhalische 175.
nbsp; Sporadische, infectiöse und librinöse 175.
nbsp; croupüse 377. Pneumonoconiosis 384. l'ockenseuche der Kinder 48. Dollern 41.
Polyarthritis rhouniatioa boum 361.
nbsp; rheumatica 523. Primäre Tuborculoso 244. Proctitis 403. Pruritus 529.
nbsp; local is 529.
nbsp; universalis 529. Prusten aus der Nase 22. Psalterverstopfung 447, 450. Psalter, Verwundung des 414. Pseudoleukftmie 310. Psoudosyphilis 201.
Psora 300.
Duerporale Infection 507.
nbsp; Sepliciimie 616.
Puls. Arhylhmiscber 33.
nbsp; Frequenter 33.
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Register.
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I'nls. [nüqualer 88.
.....Sohwacher 88.
- Harter 38.
nbsp; Gespannter gt;i.
nbsp; UniliUumiigor 33.
nbsp; Padenförmiger - gt;quot;gt;.
nbsp; Welcher 38.
nbsp; Voller 38.
nbsp; Grosser 33.
nbsp; Leerer 88.
nbsp; Kleiner 83.
Pulsatorlsohe Bewegungen des Ijlules .'i.'5. l'iilsus arteriarum ;i.'i. J'ulsus oordis 30.
Intermlttens resp. J'ulsus rlefioiensSl. Purpura 219.
nbsp; haetnorrhagica 219, Pyelitis 4-1)5.
nbsp; Hamp;morrhagische 496. Pyelonephritis 4:96.
nbsp; baoillosa 41i().
nbsp; Eiterige 500. Fylethronibosis et Pylephlebitis 4SI. Pyo-Sophthftmie 210.
nbsp; nbsp; nongeborener Kälber 313. Pyonephroso #9632;l'.U.
|
Heizbares Temperament 4, Helzhnsten. Ohronischer !{lt;)5. Resor|itioiis-,lcleriis 479. llesplrationsapparat 15. Resplratlonsorgane. Krankheiten lt;lor
868. Rhachltis 880. Rheumatismus 538. Rheumatismus artioulorum aoutus 2(gt;1,
528.
nbsp; muscularis .02.'). Rheumatische Kreuzlühmung .r)20. Rheumatische oder raetastatlsche Gelenkentzündung .r)24.
liliinitls contagiosa beiiiji'iiii 86.
Rhonchl 2(1.
Rinderbremsillege 801.
Rindermauke rgt;;!(gt;.
Rinderpest 4(5.
Rinderseuche WJ.
Rindertyphus 4',).
Rinderzecke 304.
Rindviehstaupe 58.
Robuste Constitution 3.
Röthung der Sohlelmhiiato 12.
Rosio 327.
Rothharnen 2(iG.
Rückenblut 4(')4.
Rllckenmarkshtiute. lüntzündung der
846. Rückonmarkssohlag 345. Ruhr 71, 74. Rnhrseuche, typhöse, 49. Rundwürmer 298. Ruptur des Herzens. Spontane raquo;{OS.
nbsp;dor Venen und Arterien. Spotane lt;{iM(.
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Quaddeln 540. Quatschen .'12. Quesenwurm 2(S(i.
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Q.
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R,
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Rabies 109.
Rachen. Traumatische Entzilndung des -
405. Verwundung des 406. Raohenbrftune 302. Rachenkatarrh 362. Raolcseuohe .'!lt;!4. lliiu.le :{()(raquo;. Rasselgeräusche 26. Rausohbrand 141. - Schutzimpfung 145. llofrigorationslUhmung 520. lleibuna'sireräusche 27.
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s.
Sablor 466.
Sand im Psalter, Labmagen und Dünndarm 449. Sarkom 10, 320, 31)7. Sarkom des Labmagens 821. Uterus 321.
-------Herzens 321.
in der Snbcntis 322. Saugwürmer raquo;97
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556
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Eleglsteri
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Scabies 5{(Mgt;.
nbsp; bovis (lonuiitooopdVa 300,
nbsp; dermatophagloa HOT. Sohaben 32. Sobeerfleohte 641.
Soheido. Infeotiöser [{nötohonaussohlag
dor 510. Soheidenausfluss 15.
Scheidenlaquo; unrt Qebahrmatterlcatarr]). Ansteckender 510, 511. Soheidenentzündang. Ansteckende bös-
avtige 888. Soheidenentzündung 507.
nbsp; traumatische 508.
nbsp; chronische ansteckende 509. Soheidenkatarrh. Chronischer ansteckender - - 500.
nbsp; Microeoccus des infectiösen 510, SchlalTc (lymphatische) Constitution 'gt;. Sobleimhänte. Färbung 11, 12.
-- Kötlumg 12. #9632; - Schwellung 13.
nbsp;#9632; Trockenheit 13.
nbsp; Feuchtigkeitsgehalt 13. Soblempegrind 5;{(gt;. Soblempehusten 366. Schlempemauke 5Ii(gt;. Soblucken 39. Schlundfadenwurm 293. Schlnndlcopflähmnng, Elndemische
Schmutzmanke 540.
Schnäuzen 22.
Sohniebendes Nasalgeräusoh 22.
Sohorffleohte 534.
Sohorftnauke 536.
Schreckhaftes Temperament ;'gt;.
Sohrumpfniere 495.
Schutzimpfung gegen Milzbrand 138.
Schutzimpfung gegen ßauschbrand 145.
Schwacher Puls 33.
Schwäche. Constitutionolle JJ10.
Schwellung der Suboutis 9.
Sohwerverdaullohkeit 436.
Schwindsucht. Tuberkulöse 249.
Socundiire Tuberkulose 244.
Seiten lallig 286.
Sepsis 809.
|
Sepsis mit unbekannter Eintrittsstelle 210, Septicaemia haemorrliagioa 1 7. Septikaemio l!j(Mgt;.
nbsp; puerpernle 51(1.
Septische Gebärmutter-Bauchfellentzündung 356.
Siderosis 384.
Silikatsteine 502.
Skelettmuskulatnr. Krankheiten der 519.
Sklerodermie 10.
Sklerose dos Unterhautgewebes 10.
Southern Cattle Plague of the United States 140.
Speiseröhre. Traumatische Entzündung der 405.
nbsp; Verwundung der 407.
nbsp; Verstopfung der 420. Spiroptera scutata oesophagea 293. Splenitis apostematosa 485. Spontane Ijlutgescinvülste von ödematösem Charakter 218.
Spontane Ruptur dos Herzens HOS.
-------der Venen und Arterien IJOO
Spontane Sophthämie '200, 210. Sporadische fibrinüse Lungenentzündung
877. Spritzer 460. Stallmilzbrand 129. Starrkrampf 220. Status gaslricus 437, 447. Stau bin halalionskrank heil 384. Stauungsicterns 478. Sl eins taub krank licit 384. Sterzfaule 521. Sterzseuche 521. Sterzwurm 521. Stiersucht 235, 505. Stimme 19. Stöhnen 19, 20. Störungen der Ernährung. Allgemeine
810.
Stomatitis diphtheriea multiplex 108. Strahlenpilzkrankheit 257.
Streifen 32
Strongylus inllatus 293.
nbsp; convoluUis 296. ventricosus 293.
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Reffister.
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557
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SU'ongylus micrunis 3Ö8, Strongylusltrankhelt der Lunge 21KJ.
nbsp; dos Magens 21)(gt;.
Suboutane Hirnhautentzünclung H.'S!). Syraptomatisohet Milzbrand 122. Synkope 392,
T.
Tabes disloniatosa *2US.
nbsp; iiilestinalis t{13. Tauinolliranldioit 28C. Teigmanl 541. Temperament 4.
nbsp; lebhaftes 4.
nbsp; träges 4.
nbsp; reizbares 4.
nbsp; boshaftes 4.
nbsp; furchtsames 4.
nbsp; nbsp; ängstliches 4. schreckhaftes 5.
nbsp; widersetzliches 5. 'Totanus 889. Toulelssclmss 120. Texasfieber, Texasseuohe 140. T h o n erdest au likra n k heil .'iM4. Thorax 15,
Throraboseund Enlzilndung der Pfovtador
SI. Tifo oontagloso osotioo dei ruminanli 53, Tippol 28G. Tobsucht dos [lindes durch Einnisten von
Milben im inneren Ohr 117. Tollwuth KMraquo;.
Ton des gesprungenen Topfes 29. Toxisohe Darmentzündung 98, Traohoobronohitis chrpnica .quot;nO. Tracheo-Bronohitis diphtherloa superflei-
alls ')()7. Traubenkammkrankheit 589. Traumatische Entzündung der Zunge, dos
Rachens und der Speiseröhre 405. dos Pansens 407.
nbsp; Flauben-Zwerchfellontziindung 410. - Magen-Zwerchfellentzündung 410.
nbsp; Soheidenentzündung 5()S.
nbsp; Perforation dos Zwerchfells und Vorfall der Haube in die Brusthöhle 44S.
|
Traumatische Bauchfellentzündung 410.
nbsp; Herzbeutelentzündung 42quot;'. Traum at! seh er Lcberabseess 41().
- Herzabsoess 424.
nbsp; Mllzabsoess 41(gt;. Treberaussohlag 589. Treberhusten 3GG. Trematodes 207. Trichodectos scalavis H04. Trockenheit der Maulschleimhaut 18, Trockenes Abstorben der weisson Haul-
stellen 531.
Trockener llantbrand 581.
Tubularo Nephritis 400.
Tuborknlin 250.
Tuberkulöse Erkrankung einzelner Organe 254.
Tuberkulöse .Schwindsucht 249.
Tuberkulose 234.
nbsp; primäre 244. sooundäre 244.
_ generalisirte 24'.).
nbsp; allgemeine 249.
nbsp; der Pleura 255.
-------Mediastinaldrüsen 256,
nbsp; des Kohlkopfes 256,
nbsp; des Pcriloncums 25().
nbsp; des Darms und der Oekrösdrüscn 256.
nbsp; der Nieren und der Harnblase 256,
nbsp; der üvarien und dos Uterus 257.
nbsp; dos Gehirns 257. Tympanitis 433.
Typhöse Darmentzündung 458. Typhöse Ruhr 74. Typhus bniim cnnlagiosus 58, Typhus contagieux dos bötos a cornos 53. Typhus disenterious boum (typhöse Ruhr-seuohe dos Rindviehs) 49.
U.
üebergalle 53. üeberwurf 472, 473. Ulms haemorrhagionm 444.
nbsp; perl'orans 445.
nbsp; rotumduni 445.
nbsp; ventriculi 444.
nbsp; simplex 445.
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Uingängei' 281).
Umlauf 280.
Unduliitorisclio Bewegungen 88.
Unmittelbare Percussion 2M.
(Jnreiuigkeit 235.
IJnvorcliiulichkeit 4;i{),
l'rinöso Badohfellentzündung 50.'}.
Urocystilis 504-,
oatarrhalis 504.
ürogene Nierenentzündung 491.
Urticaria 5-tO.
Uterus. Sarltom des.....- 321.
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Verwachsung des Pansens mit derBauch-
wand 408. Verwundung dos Psalters, des Labmagens
und des Zwölffingerdarms 4-14-.
nbsp; dos Rachens 400.
nbsp; der Speiseröhre 407. Vosikuläres Athmungsgeränsöh 23. \'iohseiiclio 5;!.
Viehsterben 53.
Vielgestaltiger lliilscnwunn 280. Voller Puls 33. Voimtas 4-70.
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V.
Vaccination 20().
Vaccine 206.
Vaginitis verruoosa 500.
Variola vaooina '201.
Variolation 206.
Venen 33.
Vcnenpuls 3.').
Venerie 235.
Vergiftung cluicli ICornrado 270laquo;
-------Pilze (Brandpilze, Roslpilze^ohimquot;
melpilze) 378.
-------Kartoffeln 28raquo;.
-------Herbstzeitlose 282.
nbsp; Klatehrosen 28;{.
durch Mohr., Spiritus oder andere Narkotica 117.
Verletzung einer Herzhöhle oder einer Kranzarterie und Blutung In den Herzbeutel 4-24.
Verletzungen der Zunge 405.
Verstärktes Vesikulamp;rgeräusoh 24.
Verstopfung der Speiseröhre 425gt;.
nbsp; des Psalters 447, 450. -------Lösers 447, 450.
nbsp; des Dickdarms 4-50,
nbsp; oiinc Kolik 450.
Verwachsung des parietaien und visce-ralen Blattes dos Herzbeutels, l'arti-plle oder totale - 4-2;{.
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w.
Wahrer Typhus 48.
Waldkranlchoit 460.
Wassersucht. Allgemeine t{2l{.
Weicher Puls 33.
Weissblut 318.
Wcissc Fleckniere des Kalbes -102.
Weisser Pluss 512.
Widersetzliches Temperament 5.
Wiederkauen 30, 37, 39.
Wildes Geblüt 129.
Wilder Mohn 283.
Wild- und Kimlerseuchc 147.
Wildseaohe 147.
Wolf 521.
Wutliki-ankheil 109.
Wurmsohwindel 281).
Z.
/.iilmeknirschen 37. Zellgowobswassersuoht. Allgemeine -
323. Zungenkrebs. Pliogender - 130. Zunge. Traumatische Entzündung der
- 405.
#9632; Verletzung der 405. Zwiewuolis 330. Zwölfflngordarm. Verwundung des - -
414.
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