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BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
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KLINISCHE DIAGNOSTIK
iüSSEEEN KEAMHEITES DER HAÏÏSTHIE1
MIT
BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG DER LAHMHEITEN DES PFERDES.
VON
Prop. Dr. E MÖLLER,
DmiGENT DER CHIRURGISCHEN KLINK AN DER TI1IERÄRZTL. HOCHSCHULE
ZU BERLIN.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,.rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ..
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STUTTGART. quot;' -, - -VERLAG VON FERDINAND ENKE.
1887.
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Druck von Gebrüder Kröner in Stuttgart.
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Vorwort.
Den Praktikanten der Klinik und jüngeren Thierärzten als Wegweiser bei der Diagnose chirurgischer Krankheiten zu dienen, ist der Zweck des vorliegenden Werkchens. Liegt in der Feststellung des Sitzes und der Natur der Krankheit die schwerste Aufgabe des Arztes, so bietet die Aufstellung leitender Grundsätze zur Erleichterung dieser Aufgabe nicht minder grosse Schwierigkeiten. Auf der einen Seite sollen wichtige Gesichtspunkte nicht unberücksichtigt bleiben, auf der anderen verlangt die übersichtliche Darstellung eine er­hebliche Beschränkung des Stoffes. Weit entfernt von der Annahme, den richtigen Mittelweg gefunden zu haben, eut-schloss ich mich zu der Arbeit, weil es an einem derartigen Hülfsmittel fehlt.
Für nächstliegende praktische Bedürfnisse berechnet, Hess sich eine gewisse Willkür bei der Auswahl und Anordnung des Stoffes kaum vermeiden. Eingehender als die übrigen Kapitel sind diejenigen behandelt worden, welche die Unter­suchung der Augen und der Lahmheiten betreffen. Die Augenleiden haben neuerdings in der Thierarzneikunde mit Recht immer mehr Beachtung gefunden, wodurch die Be-
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arbeitung dieses Abschnittes wesentlich erleichtert wurde. In Bezug auf die Lahmheiten war dies leider nicht der Fall. Alle bisherigen Versuche, die als Lahmheiten bezeichneten Bewegungsstörungen für die Zwecke der Diagnose zu ordnen und systematisch zu behandeln, haben wenig Anerkennung gefunden. Auch ich bin mir wohl bewusst, in dem unter­nommenen Versuche nicht etwas Vollkommenes und Ab­geschlossenes zu bringen. Es ist dies zur Zeit noch unmöglich. Denn abgesehen von der grossen Mannigfaltigkeit in der Coordination der Muskelthätigkeit, wird dieses Ziel so lange nicht erreicht werden, als es an einer genauen Einsicht und klaren Darstellung der Schenkelfunctionen fehlt. Hat unsere Wissenschaft in dieser Frage neuerdings auch manche schätzens-werthe Bereicherungen aufzuweisen, so dürfen wir uns doch nach den Erfahrungen über diesen Punkt beim Menschen kaum der Hoffnung hingeben, hier sobald eine vollständige Aufklärung zu erlangen. Und doch lassen sich die Lahm­heiten nur an der Hand der Physiologie der Bewegung be-urtheilen. Viele Vorfragen müssen daher noch gelöst werden, bevor eine erschöpfende Darstellung dieser Leiden möglich sein wird. Diese Lücke auszufüllen, muss aber als ein dringendes Bedürfniss erachtet werden, und zwar um so mehr, als die Bcurtheilung und Behandlung von Lahmheiten zu den täglichen Aufgaben des Praktikers gehört. Sehr natürlich, dass in Ermangelung einer besseren Einsicht hierbei oft das Gefühl entscheidet.
Unter solchen Umständen blieb nur übrig, an der Hand der bisherigen Kenntnisse und eigener Beobachtungen eine
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Darstellung der Schenkelfimetionen und ihrer Störungen zu versuchen, soweit der Zweck der vorliegenden Arbeit dies verlangt. Werden doch manche Eigenthümlichkeiten der normalen Bewegung erst durch die Krankheitszustände in das richtige Licht gestellt.
Dass sich gegen Einzelheiten der Arbeit Einwendungen werden erheben lassen, ist mir nicht zweifeliaft, allein ich hoffe, dass das Ganze dazu beitragen wird, den Studirenden wie den angehenden Praktikern die an sie herantretende Aufgabe zu erleichtern.
Berlin, 29. Juni 1887.
H. Möller.
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Inhalt.
Seite
Einleitung.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
I. Behandlung der Thiere bei der Untersuchung ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4
II. Klinische üntersuchungsmethoden ........nbsp; nbsp; nbsp; 11
III.nbsp; Entzündung................nbsp; nbsp; nbsp;24
IV.nbsp; Wunden und Geschwüre............nbsp; nbsp; nbsp;32
V. Fieher..................nbsp; nbsp; nbsp;41
VI. Krankheiten des Kopfes............nbsp; nbsp; nbsp;44
Untersuchung der Augen...........nbsp; nbsp; nbsp;60
VII. Krankheiten des Halses............nbsp; nbsp; nbsp;92
V1I1. Krankheiten der Brust............nbsp; nbsp; 100
IX. Krankheiten des Bauches...........nbsp; nbsp; HO
X. Lahmheiten................nbsp; nbsp; 132
A.nbsp; Lahmheiten des Vorderschenkels.......nbsp; nbsp; 155
B.nbsp; Lahmheiten des Hinterschenkels.......nbsp; nbsp; 201
Analyse der Lahmheiten des Pferdes.......nbsp; nbsp; 243
Sachregister................nbsp; nbsp; 250
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I
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Einleitung.
Obgleich die klinische Diagnose der chirurgischen Krank­heiten im Allgemeinen weniger Schwierigkeiten bietet als die innerer Leiden, so erfordert dieselbe doch stets eine ein­gehende und sachgemässe Untersuchung. Denn nicht auf den Namen der Krankheit kommt es an, sondern auf die Ermittelung ihrer Ursachen, ihrer Bedeutung und zweck-mässigen Behandlung; eine Aufgabe, die oft keineswegs leicht ist. Mit welchen Schwierigkeiten aber selbst die anatomische Diagnose verbunden sein kann, dafür liefern die Lahmheiten die besten Beweise. In Ermangelung der subjectiven Sym­ptome bedarf es in der Regel einer genauen Prüfung aller objectiv nachweisbaren Störungen, um zu einem richtigen Urtheil über die Natur, den Sitz und die Bedeutung des Leidens zu gelangen. Dieses zu üben ist die Aufgabe des Praktikanten in der Klinik, in welche derselbe mit dem freudigen Bewusstsein eintritt, sich nunmehr mit Fragen be­schäftigen zu können, die seinem späteren Lebensberufe näher liegen. Sein Interesse für die ihm gestellten neuen Aufgaben wird um so grosser, je mehr er sich mit denselben vertraut gemacht und ein richtiges Verständniss für die Beziehungen zwischen Theorie und Praxis gewonnen • hat. Denn hier soll er die Lehren der Wissenschaft praktisch verwerthen lernen. Dazu genügt allerdings nicht, den Patienten von Weitem zu betrachten und den klinischen Vorträgen mit Aufmerksamkeit
Möller, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
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zu folgen, sondern der Praktikant muss am Patienten die Krankheit studiren, durch eingehende Untersuchungen des­selben eine klare Vorstellung von den Symptomen, dem Wesen, den Ursachen, der Bedeutung und Heilung des Leidens zu er­langen suchen; er soll endlich auch die zweckentsprechenden Mittel richtig anwenden lernen. Wenn der Student die Zeit seiner klinischen Thätigkeit in dieser Weise auszunutzen versteht, dann sammelt er sich ein reichhaltiges Erfahrungsmaterial für seinen späteren Beruf, Erfahrungen im wahren Sinne des Wortes, nämlich mit klarem Verständniss angestellte Beobachtungen.
Die Chirurgie ist indess nicht bloss eine Wissenschaft, sondern zugleich eine Kirnst; sie verlangt nicht allein ein eingehendes Verständniss für die Lehren der Wissenschaft sondern sie setzt zugleich Geschicklichkeit in der Anwendung aller Sinne sowie im Gebrauche der Hände voraus.
Ohne längeres Suchen das zu sehen, was gesehen werden muss, und nur das zu sehen, was vorhanden ist, gestaltet sich oft viel schwieriger, als es erscheint; denn es handelt sich hierbei nicht allein um das sinnliche Wahrnehmen, sondern zugleich um die richtige Beurtheilung des Gesehenen. Der Ungeübte steht vor der Wunde, ohne die Eigenthümlichkeiten derselben zu erkennen, welche der Praktiker mit einem Blick überschaut. Der Anfänger sieht vielleicht die Anschwellung, über ihren Sitz, ihre Ausdehnung und sonstige Beschaffenheit aber bleibt er im Unklaren; und doch kommt es hierauf in der Regel gerade an. Man muss eben als Sachverständiger sehen. Dazu gehört vor Allem, dass das geistige Auge mit dem richtigen Verständniss für die Lehren der Chirurgie ausgestattet ist. Die Grundlage zu diesem Verständniss wird zwar in der Beschäftigung mit der Wissenschaft, also in den Vorlesungen und durch Selbststudium gewonnen, allein die richtige Anwendung der so erworbenen Kenntnisse muss durch Uebung gelernt werden; dazu dient die Klinik.
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Das Gesehene ruft Vorstellungen hervor, die sich nach den Erfahrungen und der Combinationsgahe des Betreffenden mehr oder weniger vollständig erweisen, d. h. mit den that-sächlichen Verhältnissen in Uebereinstimmung stehen. Je öfter solche Vorstellungen aber in uns erweckt werden, desto flüchtiger können sich die Eindrücke, kann das Sehen sich gestalten, ohne dass die Vollkommenheit der daraus gezogenen Urtheile darunter leidet. Das lehrt die tägliche Erfahrung. In der immer von Neuem wiederholten Beobachtung eines Gegenstandes schärft sich unser Blick für denselben. Und das ist es, was wir als ^praktischen Blickquot; bezeichnen. Hilft auch persönliche Befähigung zur Erlangung dieser viel beneideten Gabe beschäftigter Praktiker, so ist sie im Grunde doch nur die Frucht rastloser Uebung im Sehen und Er­kennen, einer Uebung, mit der der Praktikant in der Klinik beginnt, die er als Thierarzt fortsetzt, so lange er in seinem Berufe thätig ist.
Die Chirurgie verlangt endlich Umsicht und Energie, die der angehende Thierarzt gleichfalls nur allein durch anhaltende Beschäftigung mit dem Gegenstande seiner Thätigkeit er­werben kann. Auf der einen Seite gilt es, den Patienten eingehend zu untersuchen und sorgfältig zu behandeln, auf der anderen, sich selbst und seine Gehülfen vor Beschädi­gungen zu schützen. Gerade in der Ausübung der chirurgischen Praxis liegt gar zu oft eine Gefahr für beide Theile. In dem Moment, wo das Messer in das Fleisch des Patienten gedrückt wird, laufen beide oft in hohem Grade Gefahr, be­schädigt zu werden. Und diese Gefahr zu umgehen, das Gelingen der Operation zu sichern und sich selbst vor Be­schädigungen zu schützen, ist oft keine leichte Aufgabe des Veterinärchirurgen. Sie verlangt nicht allein Kenntnisse und Geschicklichkeit, sondern auch Vorsicht und Entschlossenheit zu gleicher Zeit.
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Behandlung der Thiere bei der Untersuchung.
Das erste, womit der Praktikant sich vertraut machen muss, ist der Umgang mit den Thieren. Wer auf dem Lande gelebt hat, bringt diese Kenntnisse und Fertigkeit in der Regel mit; anders derjenige, welcher vielleicht noch nie ein Pferd angefasst hat. Auf die Einzelheiten dieser Frage hier einzugehen, würde indess zu weit führen und gehört in das Gebiet der Operationslehre; doch sei hierüber folgendes bemerkt:
1.nbsp; nbsp;Im Stalle trete man nie an ein Pferd heran, ohne dasselbe vorher anzurufen. Man achte auf die Haltung der Ohren und den Ausdruck der Augen, um noch rechtzeitig zu erkennen, ob dasselbe bösartig ist oder nicht.
2.nbsp; nbsp;Man berühre das Pferd nie in einer Stellung, in der man von demselben geschlagen werden könnte. Beim An­fassen desselben sind sowohl hastige, wie auch zögernde, ängstliche Bewegungen zu vermeiden. Die ersteren ängstigen das Thier, die letzteren veranlassen dasselbe zu Widersetz­lichkeiten. Je ruhiger und dreister man dem Pferde entgegen­tritt, desto weniger läuft man Gefahr, von demselben be­schädigt zu werden. Auch bei dem Thiere gilt der Grundsatz: „Vertrauen erweckt Vertrauenquot;. Die meisten Verletzungen werden durch Furcht und Erschrecken seitens des Pferdes veranlasst, nur selten durch Bösartigkeit, und auch diese wird
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am sichersten durch vorsichtige Dreistigkeit überwunden. Diese Vorsichtsmassregeln sind ganz besonders bei warm­blütigen (edlen) Pferden zu beachten. Im Allgemeinen halte man den Grundsatz fest, je unruhiger das Thier sich zeigt, desto ruhiger sei man selbst und hüte sich namentlich vor unberechtigten Strafen.
3. Bei der Untersuchung der Gliedmassen, namentlich der Hinterfüsse, vermeidet man die unteren Theile derselben zuerst zu berühren. Man lege vielmehr unter Anrufen des Thieres die Hand zunächst auf die Schulter, bezw. die Kruppe und lasse sie langsam nach unten gleiten, um zu dem zu unter­suchenden Theile des Schenkels zu gelangen, ünvermuthete Berührungen der unteren Abschnitte der Füsse veranlassen manche Pferde, zu schlagen, andere zeigen sich hierbei un­ruhig und erschweren so die Untersuchung. — Wird die Unter­suchung des Hinterfusses durch wiederholtes Aufheben desselben gestört, so lasse man den Vorderfuss derselben Seite auf­heben. Die Gegenwart schmerzhafter Zustände an den unteren Theilen der Gliedmassen wird am sichersten an dem auf­gehobenen Fusse ermittelt.
4.nbsp; nbsp; Alle Manipulationen an den unteren Abschnitten des Pferdekörpers nehme man in gebückter, nicht in hockender Stellung vor, um im Nothfalle leicht ausweichen zu können. Auch stelle man sich hierbei niemals hinter das Pferd, sondern verbleibe an der Seite desselben, um vor dem Schlagen des Thieres geschützt zu sein. Sehlagen mit den Vorderfüssen gehört bei Pferden zu den Seltenheiten; doch übe man auch in dieser Hinsicht Vorsicht und achte auf Auge und Ohr des Thieres, vor dem man steht.
5.nbsp; nbsp; Ausserhalb des Standes wird das Pferd zum Zwecke der Untersuchung mit der Trense an einen freien Platz oder in einen grosseren gut beleuchteten Raum gebracht Man trete hier stets von vorn an das Pferd heran und nehme die
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Untersuchung wiederum soweit möglich neben dem Thiere stehend vor. Erfolgt diese am Vordertheile des Körpers, so lasse man Kopf und Hals gesenkt halten, während bei der Untersuchung am Hintertheile Kopf und Hals aufgerichtet werden. Bei der Untersuchung am Rumpfe suche man mit der einen Hand einen Stützpunkt am Körper des Pferdes, um leichter ausweichen zu können, wenn dasselbe gegen den Untersuchenden andrängt. An den vorderen Abschnitten des Rumpfes wird die Untersuchung am zweckmässigsten unter Erfassen der Mähne vorgenommen, um den etwaigen Be­wegungen des Pferdes leicht folgen zu können. In jedem Falle lasse man das Pferd so stellen, dass man dem an­drängenden Thiere auszuweichen in der Lage ist; man halte sich sets den Rücken frei.
Der Gehülfe, welcher das Pferd hält, muss angewiesen werden, den Kopf und Hals desselben stets nach der Seite zu bewegen, wohin das Pferd mit dem Hintertheile drängt. Gegen das Beissen der Pferde schützt man sich bei Unter­suchungen am Halse und Rumpfe am besten dadurch, dass man mit einer Hand die Seitentheile der Trense in der Höhe der Backe erfasst und mit gestrecktem Arme den Kopf des Pferdes von sich abhält.
6.nbsp; nbsp;Bei allen Manipulationen am Pferde suche man das­selbe durch gütliches Zureden zu beruhigen; auch der Ge-liiilfe, welcher das Pferd am Kopf hält, soll durch beruhigende Worte die Aufmerksamkeit des Pferdes von dem Unter­suchenden abzulenken suchen.
7.nbsp; nbsp;Man versäume nie, das Temperament und den Charakter des Pferdes zu beobachten, bevor man an die Untersuchung geht, um hierdurch sein Verhalten einzurichten, namentlich seine Vorsiohtsmassregeln treffen zu können. Der Ausdruck des Auges und die Stellung der Ohren trügen den Geübten selten. Doch mache man es sich zur Regel, auch bei den
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ruhigsten Pferden während der Untersuchung stets einen Standort zu wählen, an dem man bei etwaigem Schlagen nicht getroffen werden kann, z. B. auch das frommste Pferd niemals von hinten zu berühren.
Die zur Befestigung des Pferdes dienenden Hülfsmittel zu besprechen ist Aufgabe der Operationslehre. Die bei der Untersuchung einzelner Körpertheile in Anwendung kommenden Massnahmen sollen an geeigneter Stelle Berück­sichtigung finden.
Rind. Obgleich das Rind weniger geneigt ist dem Menschen gegenüber aggressiv zu werden, so empfiehlt sich doch auch hier, namentlich bei Bullen mit Vorsicht vorzu­gehen. Man lasse unruhige oder bösartige Thiere während der Untersuchung durch einen kräftigen Mann, der neben dem Halse des Thieres Aufstellung nimmt, am Kopfe fest­halten oder, wo es nothwendig erscheint, zugleich kurz anbinden. Untersuchungen am Kopfe werden am besten vor dem Thiere stehend vorgenommen. Bei Manipulationen an der vorderen Hälfte des Rumpfes stelle man die Person, welche den Kopf hält, an jene Seite, wo diese vorgenommen werden sollen, um gegen das Schlagen mit den Hörnern ge-scbützt zu sein. Am Hintertheile wird der Untersuchende durch das Schlagen mit den Hinterfüssen gefährdet, die hierbei nach vorn und in einem Bogen nach der Seite bewegt werden. Deshalb stelle man sich entweder unmittelbar hinter das Thier, oder man lasse, wenn die Untersuchung von der Seite vorgenommen werden soll, einen Baum in der Längsrichtung des Thieres und zwar in der Höhe des Sprunggelenkes so gegen den betreffenden Hinterschenkel halten, dass das Schlagen nach aussen verhindert wird. Sehr unruhige und bösartige Thiere stellt man hierbei zweekmässig an die Wand des Stalles, um das Ausweichen nach der entgegengesetzten Seite zu verhindern.
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Ein ebenso einfaches wie sicheres Verfahren, um sich bei diesen Untersuchungen gegen das Schlagen der Hinterfüsse zu schützen, besteht darin, dass man dicht über den Sprung­gelenken um beide Hinterfüsse einen Strick schlingen und von einem Gehülfen so halten lässt, dass die Schlinge leicht ge­löst werden kann, wenn das Thier unruhig werden sollte.
Bei der Untersuchung der unteren Theile der Glied­massen, besonders der Klauen, werden die Vorderfüsse wie beim Pferde von einem Gehülfen gehalten. Ruhige Thiere lassen sich dasselbe auch an den Hinterfüssen gefallen, was daher zunächst zu versuchen ist; dabei ist noch mehr als beim Pferde zu beachten, dass der Fuss nicht zu hoch gehoben wird. Durch Zureden, Kratzen im Genick und Klopfen mit einem Stock gegen die Hörner lassen sich die Thiere be­ruhigen. Wo dies nicht gelingt, lässt man einen Strick um die Fessel oder den Unterschenkel des aufzuhebenden Fusses schlingen, denselben durch einen über und hinter dem Thiere angebrachten Ring ziehen und von einer oder zwei Per­sonen halten. Auch kann durch eine solche Schleife eine Stange geschoben und der Fuss von zwei kräftigen Männern gehalten werden. Im Nothfalle kommt die Stockbremse in Anwendung, oder es wird der Fuss mit einem Strick an einen Baum, z. B. an die Deichsel eines Wagens geschleift.
Bei ruhigen Kühen sind derartige Gewaltmassregeln nur geeignet die Thiere zu ängstigen und störrisch zu machen; daher lasse man als Regel gelten, solche Massregeln nur da anzuwenden, wo sie nothwendig erscheinen.
Schaf. Zum Zwecke der Untersuchung lässt man Schafe in der Weise befestigen, dass ein Mann mit seinen Händen den Kopf, bezw. die Hörner erfasst und, mit ausgespreizten Beinen den Rumpf des Thieres umfassend, das Ausweichen nach der Seite verhindert. Unter Umständen kann es zweck-
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massig werden, das Thier auf einen Tisch oder einen anderen erhabenen Gegenstand zu legen.
Schwein. Mit Gewalt lässt sich bei Schweinen zum Zwecke der Untersuchung in der Regel nicht viel erreichen, namentlich da nicht, wo das Schreien des Thieres stört. Es empfiehlt sich daher, das Schwein durch eine Person erfassen und beruhigen zu lassen, dann langsam an dasselbe her­anzutreten und durch Reiben des Bauches zur Beruhigung desselben beizutragen. Besondere Vorsicht ist bei alten Ebern und säugenden Säuen erforderlich.
Fleischfresser. Bei Hunden beachte man zunächst das Temperament derselben. Die einzelnen Rassen zeigen hierin grosse Verschiedenheiten. Die meiste Vorsicht ist bei den Doggen, besonders Bulldoggen geboten, während Jagdhunde, Spitze und Pudel im Allgemeinen gutmüthig sind. Windhunde und Möpse werden in der Regel nur durch Angst zum Beissen veranlasst, sind deshalb aber nicht minder gefährlich.
Hunde, die an gute Behandlung gewöhnt sind, zeigen sich dem Fremden gegenüber meist gutartig, während die Hunde von Proletariern stets vorsichtig behandelt werden müssen.
Bösartigen Hunden lässt man das Maul zubinden, indem eine Schlinge um dasselbe gelegt und im Genick zusammen­geknotet wird. Bei Untersuchungen am Rumpfe und den Gliedmassen wird der Kopf des Thieres festgehalten. Im Allgemeinen ist zu empfehlen, den Hund von einer fremden Person und nicht von dem Besitzer halten zu lassen; das gilt namentlich von Schosshündchen und Möpsen, welche man am besten in Abwesenheit des Besitzers untersucht. Auch ist es vortheilhaft, den Hund auf einen Tisch oder Stuhl zu stellen; hier zeigen sie sich stets ruhiger und folgsamer. Im Uebrigen beachte man dieselbe Regel wie beim Pferde: alle Be­wegungen ruhig, langsam, weder hastig noch ängst­lich zögernd auszuführen. Durch Klopfen auf den Kopf,
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Streichen über den Rücken und freundliches Zureden erweckt man bald das Vertrauen des Thieres und läuft selten Ge­fahr, von demselben gebissen zu werden. Auf diese Weise habe ich viele Tausende von Hunden untersucht und bin nur einmal gebissen worden, und zwar auch in Folge Nichtbeachtung der angegebenen Massregeln.
Schwieriger sind Katzen zu behandeln. So lange es sich indess um nicht schmerzhafte Manipulationen handelt, lässt man das Thier am besten von dem Besitzer selbst halten und auf einen Tisch stellen. Ist vorauszusehen, dass die Untersuchung mit Schmerzen verbunden sein wird, so wird das Thier zweckmässig in einen Sack oder Stiefel ge­steckt, so dass der betreffende Körpertheil frei bleibt, der Untersuchende aber sowohl vor den Zähnen wie auch Krallen des Thieres geschützt wird.
Fast noch schwieriger sind Papageie zu untersuchen. Wird ein solcher von einer weiblichen Person überbracht, so schenke man den Angaben über das Fromm- oder Bösesein des Thieres keinen Grlauben, sondern nehme im Allgemeinen gerade das Gegentheil an; denn es ist eine oft zu beobachtende Thatsache, dass Papageie sich den Geschlechtern gegenüber verschieden verhalten. Während der eine sein Vertrauen dem weiblichen schenkt, bekundet ein anderer dies dem männ­lichen Geschlechte gegenüber.
Ohne besondere Schutzvorrichtung fasse man die Papa­geie überhaupt nicht an, und wo man glaubt, dies zu können, vermeide man ebenfalls jede hastige Bewegung.
Am besten legt man ein Tuch über das Thier und er-fasst sodann von hinten den Kopf desselben, während der Besitzer das Thier hält und das Tuch um die Füsse schlägt; denn vor dem Schnabel und den scharfen Krallen des Thieres hat man sich zu schützen. Bei Operationen lässt man den Körper des Thieres in das Tuch so weit einwickeln, als diese es gestatten.
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Untersuchungsmethoden.
Die erste Untersuchung des Patienten bezweckt die Fest­stellung der Art der Erkrankung (Diagnosis), ferner die Er­langung eines Urtheils über die Ursachen (Aetiologie) und Bedeutung derselben (Prognosis) und den Beschluss über die zweckmässige Behandlung des Leidens (Therapie). Auf Grund des Ergebnisses dieser Untersuchung gelangt der Arzt zur Erkenntniss der ihm gestellten Aufgaben. Somit bildet die­selbe den wichtigsten Theil seiner Thätigkeit. Von der richtigen Erkennung der Natur der Krankheit, ihres Grades, Sitzes, ihrer Ausdehnung und ihrer Ursachen hängt nicht nur das Urtheil über die Bedeutung, d. h. über den voraussicht­lichen Verlauf und Ausgang desselben ab, sondern auch die richtige Wahl der gegen die Krankheit in Anwendung zu bringenden Heilmittel. Es darf daher kein Hülfsmittel un­benutzt bleiben, welches Aufschluss über diese Fragen zu liefern im Stande ist.
Man unterscheidet eine „mittelbarequot; Untersuchung, welche in der Feststellung der bisher an dem kranken Thiere gemachten Beobachtungen besteht. Fragen an den Besitzer, bezw. den Ueberbringer des Thieres geben hierüber Auf­schluss (Vorbericht, Anamnese). Ueber den Gang und die Bedeutung derselben vergleiche man die Lehrbücher der allgemeinen Therapie. Soweit der Vorbericht bei den einzelnen
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Leideu von besonderem Interesse ist, soll derselbe an ge­eigneter Stelle Berücksichtigung finden.
Die ^unmittelbarequot; Untersuchung bezieht sich auf die genaue Prüfung des kranken Thieres und der an demselben bestehenden Krankheitserscheinungen. Da für den Thierarzt die subjectiven Symptome nicht zu verwerthen sind, so be­schränkt sich diese Untersuchung auf eine genaue Feststellung der am Patienten objectiv wahrnehmbaren Veränderungen (Status praesens). Für die Diagnostik der chirurgischen Krankheiten dienen als Hülfsmittel in erster Linie das Ge­sicht und Gefühl, ferner das Gehör und unter Umständen auch der Geruch.
A. Die Inspection.
Durch den Gesichtssinn suchen wir uns zunächst über den körperlichen Zustand des Patienten im Allgemeinen, über den Nährzustand, den Bau, das Temperament und die Haltung des Thieres ein Urtheil zu verschaffen. Sodann richte man den Blick auf den leidenden Körpertheil und die an demselben bestehenden Veränderungen. Wir suchen den Sitz, die Aus­dehnung und das Aussehen etwa vorhandener Wunden, Ge­schwüre, Anschwellungen u. s. w. zu ermitteln. Wir prüfen die Menge und Beschaffenheit der entzündlichen Secrete oder des aus der Wunde abfliessenden Blutes; durch den Gesichts­sinn suchen wir festzustellen, ob Lahmheit vorhanden ist und wo die Ursache derselben ihren Sitz hat. Setzt die richtige Beurtheilung und Behandlung derartiger Krankheitszustände genaue Kenntnisse über die Natur und Bedeutung derselben voraus, so muss das Auge geübt werden, um das Gesehene richtig zu schätzen. Den Umfang eines Gelenkes im Vergleich zu dem des anderen Fusses mit dem Auge zu beurtheilen, gestaltet sich oft recht schwierig. Aber durch Uebung
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erlangt maa auch darin mit der Zeit grosse Sicherheit. Wie anders wäre es zu erklären, wenn ein Laie in der Be-urtheilung der Configuration eines Gelenkes, wie z. B. des Sprunggelenkes beim Spat, oft eine grössere Sicherheit erlangt als der wenig geübte Sachverständige. Es liegt dies vor­nehmlich in der Schärfung seines Blickes für solche Ah-weichungen, zuweilen auch in einer besseren Vorstellung von den normalen Formen des Gelenkes. Der Praktikant muss sich daher bemühen: 1. eine klare Vorstellung von den normalen Formen und 2. einen Scharfblick für die Ab­weichungen von der Norm zu erwerben.
Zur Erlangung einer richtigen Vorstellung von den Normalformen sind namentlich Versuche, die Körperformen zu zeichnen, von ausserordentlichem Nutzen. Bei diesem Versuche wird das Auge gezwungen, die Contouren des be­treffenden Theils genau zu fixiren, und darauf kommt es gerade an. Nachdem man sich an einem Modell oder auch einer guten Zeichnung hierin geübt hat, versuche man die Formen ohne Vorlage zu reproduciren. Ist eine richtige Vor­stellung für die normalen Formen erst gewonnen, so gelangt man bald dahin, auch die Abweichungen von der Norm zu erkennen. Sind diese wenig auffällig, so dient zu ihrem Nachweise die Vergleichung der gleichnamigen Körpertheile. Die Feststellung des Umfanges der Muskulatur, der Anschwel­lungen oder Vertiefungen lässt sich so am sichersten bewirken. Hierbei ist indess darauf zu sehen, dass die zu vergleichenden Theile sich genau in derselben Lage und Haltung befinden. Das Thier muss zu diesem Zweck so aufgestellt werden, dass die Gliedmassen gleichmässig belastet sind; das Pferd muss, wie es wohl heisst, „grade stehenquot;.
Es kommt ferner in Betracht, dass die einzelnen Körper­theile in der gleichen Richtung gesehen und beurtheiit werden. Bei der meist unebenen Oberfläche erscheint ihr Umfang, sowie
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die Configuration ihres Profils, von verschiedenen Punkten aus betrachtet, ausserordentlich verschieden. Es ist dies namentlich bei der Inspection der Gelenke an den Gliedmassen zu be­achten, wenn man sich nicht täuschen will. Daher empfiehlt sich hierbei, genau von der Sagittalebene des betreffenden Gelenkes ausgehend die Besichtigung anzustellen.
Bei der Beurtheilung von Flüssigkeiten durch Inspection achte man auf ihre Menge, Farbe, Consistenz und etwaige Beimischungen. Unter Umständen kann auch die Ermittelung der Reaction derselben wünschenswerth sein. Bemerkt sei hier, dass man die Menge des abgeflossenen Blutes, welches sich auf dem Boden ausgebreitet findet, in der Regel über­schätzt. Die von Laien hierüber gemachten Mittheilungen sind daher ebenso mit Rücksicht auf diese Thatsache zu be-urtheilen, wie solche über noch fortbestehende Blutungen, welche von denselben ebenfalls regelmässig überschätzt werden.
Bei der Besichtigung von Wunden und Geschwüren suche man sich zunächst über die Ausdehnung, Richtung, den Sitz, über die Beschaffenheit der Wund- bezw. Geschwürs­fläche und deren Ränder, sowie über die Eigenschaften der Secrete derselben klar zu werden.
Bei der Inspection von Körperhöhlen bedient man sich unter Umständen besonderer Hülfsmittel, eines Spiegels zur Untersuchung der Nasenhöhlen und der Augen. Auch die Maulhöhle wird zuweilen zweckmässig mit Hülfe eines Spiegels oder Reflectors beleuchtet. Die Anwendung solcher Hülfs­mittel soll an geeigneter Stelle Besprechung finden.
Schliesslich sei noch erwähnt, dass Kurzsichtige sich mit einem Glase versehen müssen, welches die Refraction ihrer Augen compensirt, so dass sie auch auf weitere Entfernung gehörig sehen können.
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B. Die Palpation.
Unter Palpation (palpare = streicheln, sanft klopfen) versteht man die Untersuchung durch den Gefühlssinn. Hier­bei kommt sowohl die Berührungsempfindung wie auch der Temperatursinn in Betracht. Während der letztere über den Wärmegrad des untersuchten Theiles Auskunft giebt, dient der Tastsinn zur Ermittelung der Consistenz, Grosse, Form und Lage desselben.
Das Tastvermögen ist am vollkommensten an den Fingern ausgebildet, und da diese durch ihre Beweglichkeit besonders zum Tasten geeignet sind, so benutzen wir soweit möglich diese („unmittelbare Palpationquot;). Die „mittelbarePal-pationquot; besteht in der Anwendung von Instrumenten, Sonden, Zangen u. s. w. Man halte indess den Grundsatz fest, diese Hülfsmittel nur da in Anwendung zu bringen, wo man mit den Fingern nicht auskommt; „der Finger ist die beste Sondequot;, heisst eine alte chirurgische Regel.
Die Berührungs- oder Drnckempfindung ist an der Volar-fläche der Finger am vollkommensten entwickelt, weshalb diese soweit möglich benutzt wird, wo die Consistenz, Form und Grosse eines Theiles festgestellt werden soll. Der Temperatursinn ist an der Dorsalfläche der Hand feiner aus­gebildet, zumal die grössere Dicke der Epidermis an der Volarfläche für denselben ungünstig ist. Wenn wir aber dennoch in der Regel bei derartiger Untersuchung die Volar­fläche der Hand anwenden, so geschieht dies, um eine grössere und innigere Berührungsfläche zu erlangen. Bei zweifelhaften Resultaten empfiehlt sich jedoch, auch die Dorsalfläche anzu­wenden. Die Hand ist immer nur ein relativer Wärmemesser; sie lässt uns nur den Unterschied in der Temperatur des untersuchten Gegenstandes mit der Hand erkennen. Je grosser die Berührungsfläche ist, desto deutlicher macht sich
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-le­der Temperaturunterschied bemerkbar. Daraus ergiebt sich der Grundsatz, dass bei der Vergleichung des Wärmegrades verschiedener Körpertheile grosse, aber stets möglichst gleich grosse Berührungsflächen anzuwenden sind. Die Sicherheit des Urtheils hängt ferner von der Temperatur der unter­suchenden Hand ab; eine stark abgekühlte Hand ist hierzu am wenigsten geeignet.
Da die Temperaturempfindung von dem Austausch der Wärme zwischen dem untersuchten Theile und der Hand ab­hängig ist, so empfiehlt sich, die Hand massig fest aufzulegen und in dieser Lage einige Sekunden zu belassen. Drückt man die Hand sehr fest gegen den Theil, so wird das Em­pfindungsvermögen derselben herabgesetzt, ein Umstand, der den Personen, welche oft Gelegenheit haben, sehr heisse Gegenstände anfassen zu müssen, wesentlich zur Hülfe kommt. Bei zu geringem Drucke findet der Austausch der Wärme nur langsam und unvollkommen statt.
Zur Beurtheilung der Temperatur eines Köipertheiles wird es in der Regel nothwendig, eine Vergleichung mit anderen vorzunehmen. Hierbei ist nicht zu übersehen, dass die normale Eigenwärme der einzelnen Theile verschieden ist. Dieselbe richtet sich einerseits nach der Menge ihres Blutgehaltes und der Schnelligkeit der Blutcirculation in denselben, andererseits nach der Grosse des Wärmeverlustes. Da die Körperwärme der Warmblüter höher ist als die Temperatur der sie umgebenden Luft, so findet an der Ober­fläche der Thiere ein fortwährender Wärmeverlust statt. Zwar wird der Verlust durch das Deckhaar erheblich be­schränkt, aber nicht aufgehoben. Indem das im Inneren des Körpers erwärmte Blut der Haut immer neue Wärme zuführt, bleibt die Temperatur derselben einigermassen constant. Je grosser indess die Oberfläche, also auch der Wärmeverlust, und je geringer der Blutgehalt und Blutwechsel in dem
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betreffenden Theile, #9632;um so niedriger temperirt ist derselbe. Daraus erklärt sich, dass die Extremitäten (Beiue, Ohren) sich stets kühler anfühlen als der Rumpf des Thieres. Bei der Beurtheilung der Temperatur ist hierauf Rücksicht zu nehmen, indem man nur die gleichen Theile des Körpers mit einander vergleichen darf. Streng genommen ist daher auch die übliche Angabe, dass die Temperatur der Aussen-fläche des Körpers „gleichmässigquot; verbreitet sei, nicht zu­treffend, man würde richtiger „regelmässigquot; sagen. Am sichersten erfolgt die Prüfung der Temperatur in der Weise, dass man die gleich warmen Hände auf den kranken und den correspondirenden Theil des Körpers legt. Wo dies nicht angeht, betaste man mit derselben Hand abwechselnd beide in gleicher Weise.
Eine krankhafte Steigerung der Hauttemperatur deutet auf acut entzündliche Vorgänge in oder unterhalb derselben. Die Höhe der Steigerung steht in der Regel in gradem Ver-hältniss zur Höhe der Erkrankung. Die Bestimmung der­selben bietet daher für die Diagnose wie auch Prognose wichtigen Anhalt. Bemerkt sei noch, dass bei phlegmonöser (eitriger) Entzündung der Subcutis die Temperatursteigerung den höchsten Grad zu erlangen pflegt.
Die beim Menschen wohl versuchte Anwendung der Thermosäule und des Galvanometers zur genaueren Bestimmung der Temperatur ist bei Thieren mit grossen Schwierigkeiten verknüpft und für die Praxis entbehrlich.
Die Palpati on zur Feststellung der Grosse, Gestalt, Consistenz, Lage eines Theiles beruht auf der Wahrnehmung verschiedener Druckwirkungen. Indem wir den Widerstand, der sich beim Betasten geltend macht, an verschiedenen Stellen vergleichen, schliessen wir auf jene Eigenschaften; „Abtastenquot; nennt man diese Prüfung. Hierdurch wird z.B. bei einer Anschwellung festgestellt, ob dieselbe in Bezug auf
Möller, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2
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Consistenz hart oder weich, fest oder elastisch, oder fluctuirend, ob sie eine teigichte Beschaffenheit hat, Fingereindriicke an­nimmt oder nicht. Diese Eigenschaften zu bestimmen ist in der Regel nicht schwierig. Die Feststellung der Fluctuation verlangt jedoch einige Uebung und Vorsicht.
Die Fluctuation im eigentlichen Sinne des Wortes, d. h. eine Wellenbewegung wird im Ganzen nur selten be­obachtet, und zwar nur dann, wenn die durch die Gegen­wart einer Flüssigkeit veranlasste Anschwellung eine grössere Ausdehnung besitzt und die Spannung in der Wand der Ge­schwulst nur gering ist. Die Fluctuation wird dann aber ge­wöhnlich nicht gefühlt, sondern gesehen. Wir pflegen indess auch von einer Fluctuation zu sprechen, wenn die nnter der betasteten Haut befindliche Flüssigkeit durch den Druck nach allen Seiten fortbewegt werden kann. Zur Feststellung eines solchen Zustandes übt man an zwei verschiedenen Stellen der Geschwulst abwechselnd einen Druck aus. Während die eine Hand (oder Finger) den Druck ausführt, fühlt die andere das Anströmen der Flüssigkeit an der Hebung der Unterlage. Eine dicke oder stark gespannte Wand der Höhle erschwert diese Untersuchung. In solchem Falle ist folgendes Verfahren zu empfehlen: Man setzt die Finger der linken Hand nicht weit vom Rande der Anschwellung auf und übt mit denselben einen constanten, aber massigen Druck aus. Hierauf lässt man die Finger der rechten Hand abwechselnd auf die Ge­schwulst drücken. Im Falle Flüssigkeit zugegen ist, wird bei jeder Drucksteigerung die linke Hand durch die an­strömende Flüssigkeit gehoben. Dasselbe Verfahren eignet sich auch da, wo die Flüssigkeit in mehreren mit einander communicirenden Höhlen enthalten ist. Flüssigkeiten in einer von starren Wandungen umgebenen Höhle, z. B. Stirn­höhle, lassen sich daher überhaupt nicht durch Palpation nachweisen. Andererseits können die Erscheinungen der
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Fluctuation vorgetäuscht werden. Man spricht alsdann von einer Pseudofluctuation, wie sie zuweilen au sehr wasser­reichen Geweben, z. B. an Neubildungen, Sarkomen, Myxomen auftritt. Sie erklärt sich dadurch, dass das Gewebe ähnlich wie eine Gallerte leicht beweglich, also auch leicht verschiebbar ist. Selbst dicke Muskelwülste können im erschlafften Zu­stande Pseudofluctuation zeigen. Wenn auf einer Anschwellung eine umschriebene Stelle auffallend grössere Nachgiebigkeit und geringere Spannung zeigt, so liegt die Vermuthung nahe, dass hier eine Perforation erfolgen wird.
Bei der sog. „teigichtenquot; Beschaffenheit einer An­schwellung handelt es sich um allmäliges Verdrängen von Flüssigkeit durch Druck; sie unterscheidet sich von der Fluctuation dadurch, dass die aus den Gewebsmaschen in die Nachbarschaft verdrängte Flüssigkeit erst allmälig wieder zurückfliessen kann, dass also zunächst eine Lücke an der gedrückten Stelle, ein „Fingereindruckquot; zurückbleibt. Am deutlichsten tritt diese Eigenschaft bei Anhäufung von Flüssig­keiten in lockerem Bindegewebe auf (Oedeme). Ist der Flüssigkeit festes Material (Zellen) beigemischt, so tritt an Stelle der teigichten eine mehr harte Beschaffenheit, weil diese Massen sich nicht so leicht verdrängen lassen. Da nun sehr häufig Flüssigkeit und zellige Elemente zu gleicher Zeit in den Geweben vorkommen, so finden sich auch die verschiedensten Abstufungen in der Beschaffenheit der An­schwellung. Je weicher dieselbe ist, je leichter ihr Finger­eindrücke beizubi-ingen sind, um so flüssiger ist das in den Gewebsmaschen angesammelte Material. Auf diese Weise lässt sich über die Art der krankhaften Vorgänge durch Palpation ein ürtheil gewinnen.
Durch Betasten stellen wir ferner fest, ob sich die Geschwulst von der Nachbarschaft scharf absetzt, circumscript ist, oder ob sie ohne bestimmte Grenzen in diese übergeht,
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eine „diffusequot; Beschaffenheit hesitzt. Wir überzeugen uns, ob die Haut auf der Geschwulst und ob diese wiederum auf ihrer Unterlage verschiebbar ist, und ermitteln so den Sitz derselben genauer.
Die palpirende Hand hat ferner festzustellen, ob die Geschwulst eine pulsirende Beschaffenheit besitzt, wie sie z. B. Aneurysmen oder Geschwülste zeigen, welche in nächster Nähe grösserer Arterien liegen.
Einige Uebung verlangt der Nachweis von Nekrose durch Palpation. Am leichtesten lernt man trockenen Brand in der äusseren Haut an der harten, lederartigen Beschaffenheit der­selben erkennen, wie solcher beim sog. Satteldruck oft be­obachtet wird.
Feuchter Brand der äusseren Haut (Brandmauke) verleiht derselben eine eigenthümlich weiche, schlaffe Beschaffenheit. Ebenso fühlen sich nekrotisirte Sehnen und Bänder an. Wer dies Gefühl einmal kennt, unterscheidet z. B. in einer Abscess-höhle (Widerristfistel) mit dem Finger das Necrotische von dem Lebendigen sehr leicht. Die abgestorbenen Gewebe haben ihre natürliche Spannung und Eiasticität eingebüsst, fühlen sich etwa wie verfaultes Holz (mulmig) an. Nekrotische Bindegewebsmassen nehmen oft ein gelbröthliches Aussehen und klümprige Beschaffenheit an, besonders in Wunden und Abscessen. Muskeln erscheinen bei der Nekrose trocken, weich und mürbe, so dass man den Finger leicht in die Masse einbohren und sie zwischen denselben zerdrücken kann.
Wir prüfen ferner mit der Hand die Beschaffenheit des Pulses an verschiedenen Kürperstellen. Beim Pferde am besten an der Kinnbacken- oder an der Braehialarterie, beim Rind an der Art. temporalis, beim Hunde am zweckmässigsten au der Art. femoralis.
Es werden ferner durch Palpation sogen. „Reibe-geräuschequot; (Crepitation) nachgewiesen. An dem fracturirten
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Knochen fühlen wir das Reiben der Bruchstücke an einander. Bei entzündlichen Leiden an Sehneuseheideii und Gelenken kann zuweilen durch Rauhigkeiten oder Entzündungsexsudate in denselben gleichfalls ein Reibegeräusch nachgewiesen werden (Tendovaginitis crepitans), welches jedoch viel weicher ist als jenes, und mit dem Reiben von neuem Leder zu vergleichen ist. Werden Blutgerinnsel oder Fibrinmassen zerdrückt, so entsteht oft ein Geräusch, welches an das Knirschen des Schnees erinnert und deshalb auch als „Schneeballen-knirschenquot; bezeichnet wird.
Diesem nicht ganz unähnlich ist das Geräusch, welches durch Verschiebung von Gasen in lockerem Gewebe entsteht (Emphysem). Das emphysematische Knistern tritt am deut­lichsten beim Bestreichen des betreffenden Theiles hervor. Im Uebrigen zeichnet sich das Emphysem noch durch eine „puffigequot; Beschaffenheit beim Beklopfen der Stellen aus. Bei Vögeln, namentlich Papageien kommen zuweilen bis hühnereigrosse Luftgeschwülste in der Unterhaut vor, welche durch dieselbe Eigenschaft ausgezeichnet sind.
Unter Berücksichtigung der verschiedenen Druckwirkung beim Abtasten stellen wir Grosse, Gestalt und Beschaffenheit der Oberfläche einer Anschwellung fest. Zuweilen empfiehlt sich, zu diesem Zwecke streichende Bewegungen auszuführen, wie beispielsweise bei der Untersuchung von Muskeln und Sehnen auf die Gegenwart entzündlicher Veränderungen.
Endlich dient die Palpation zum Nachweise schmerz­hafter Zustände. Durch den Druck von aussen werden die vorhandenen Schmerzen in der Regel gesteigert und geben sich durch zuckende (reflectorische) Bewegungen in den be­nachbarten Muskeln zu erkennen, oder aber dadurch, dass das Thier sich bemüht, der Untersuchung sich zu entziehen. Bei derartigen Untersuchungen vergesse man indess nicht, dass auch an gesunden Körpertheilen unter Umständen der
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Palpationsdruck so gesteigert werden kann, dass die Thiere Schmerzen äussern. Die Schmerzempfindlichkeit zeigt sich an den verschiedenen Stellen des Körpers nicht überall gleich, sondern richtet sich theils nach dem Nervenreichthum der-solben, theils hängt sie von der Dicke der Hautbedeckung, von der Festigkeit der Organtheile und ihrer Umgebung ab. In Bezug auf Schmerzensäusserung zeigen ausserdem die Thiere grosse Verschiedenheit. Es giebt empfindliche 'Pferde wie auch Hunde, die jedem einigermassen energischen Drucke ausweichen, und solche, die auf Schmerzgefühl wenig reagiren. Das Rind besitzt überhaupt eine viel geringere Empfindlichkeit als diese Thiere. Will man daher bei dieser Untersuchung ganz sicher gehen, so vergleiche man die symmetrischen Körpertheile mit einander. Die bei der Palpation zur Feststellung der Schraerzhaftigkeit in Anwendung kommen­den Hülfsmittel, wie die Hufzange, sollen an geeigneter Stelle Besprechung finden.
Man vermeide bei dieser Prüfung ruckweise, stossende Bewegungen, wodurch die Thiere beunruhigt und ihre Be­wegungen irrthümlich als Schmerzensäusserungen gedeutet werden können. Zwar verlangen die einzelnen Körpertheile bei dieser Untersuchung eine verschiedene Behandlung, im Allgemeinen beginne man jedoch mit einem leichten Druck und lasse denselben allmälig und gleichmässig ansteigen.
Endlich lasse man sich nicht durch Bewegungen seitens der Thiere täuschen, welche durch anderweitige Umstände veranlasst werden. Erfasst man z. B. die unteren Theile der Gliedmassen, so heben die meisten Thiere diese auf. Als ein Zeichen des Schmerzes darf eine solche Bewegung niemals angesehen werden. Will man diese Körpertheile auf etwaige Schraerzhaftigkeit prüfen, so muss die Pal­pation an dem aufgehobenen Fusse erfolgen.
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— 23 — C. Gehör und Geruch.
Das Gehör kommt zwar in der Chirurgie nicht in dem Masse zur Anwendung wie bei den inneren Krankheiten, doch dient es nicht selten zur Unterstützung der Diagnose. Wir erkennen durch das Ohr die Verschiedenheit der Hufschläge und stellen auf diese Weise eine Lahmheit fest. Die Gegen­wart eines Knocheubruches lässt sich oft* durch das Hören der Crepitation erkennen. Finden sich Flüssigkeiten und Luft, bezw. Gase in einer Höhle (Luftsack), so wird bei Bewegungen des Thieres nicht selten ein hörbares Geräusch vernehmbar. Gewisse Störungen in der Athmung geben sich zuweilen in gleicher Weise zu erkennen. In Verbindung mit der Per­cussion werden bestimmte Körperhöhlen (z. B. Stirn-, Ober­kieferhöhle) durch das Gehör auf ihren Inhalt geprüft.
Soweit das Gehör bei der Untersuchung einzelner Körper-theile noch besonders in Betracht kommt, soll dies bei der Besprechung derselben erörtert werden.
Das Geruchsvermögen ist bei der Untersuchung nnter Umständen fast unentbehrlich. Mit Leichtigkeit erkennen wir z. B. durch den Geruch die Gegenwart eines kranken Zahnes. Wir prüfen durch den Geruch Secrete, Eiter aus Abscessen, Wunden, Geschwüren oder aus natürlichen Körper­höhlen (Nasenfluss) und stellen fest, ob Fäulnissvorgänge in denselben bestehen oder nicht.
Die mikroskopische und chemische Untersuchung für die Zwecke der Chirurgie ist bereits anderweitig (Siedam-grotzky*) behandelt worden und muss hierauf verwiesen werden.
*) Siedamgrotzky und Hofmeister: Anleitung zur mikro­skopischen und chemischen Diagnostik. Dresden. II. Auflage 1884. Schönfeld.
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111.
Entzündung.
Die klinischen Erscheinungen der Entzündung bieten so grosse Verschiedenheiten, dass eine eingehende Besprechung hier zu weit führen würde. Auch stehen dieselben in so enger Beziehung zu den p.athologischen Vorgängen in den entzündeten Organen, dass eine solche Besprechung in das Gebiet der pathologischen Anatomie übergreifen müsste. Mehrere derselben, wie Anschwellung, Schmerz und Functions-störung werden noch bei anderen Leiden beobachtet. Diese Umstände rechtfertigen es, die Betrachtung des als Entzün­dung bezeichneten Symptomencomplexes hier auf einige Be­merkungen zu beschränken.
Die Cardinalsymptome der Entzündung: Röthe, Hitze, Geschwulst, Schmerz und Functionsstörung bieten mannichfaltigen Wechsel je nach dem Grade, dem Charakter und dem Stadium des entzündlichen Processes. Nur selten werden alle zugleich an demselben Organe beobachtet; bald fehlt die eine, bald die andere Erscheinung.
a) Die Röthung, bedingt durch Erweiterung der Blut-gefässe, Störung der Circulation in denselben, zuweilen auch durch Hämorrhagien und Gefässneubildung, wechselt dem Grade nach zwischen einer schwachen Steigerung der normalen Röthe der Organe bis zu einer dunkelblaurothen Färbung derselben. Je intensiver die Röthung, namentlich der dunkle
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Ton derselben, desto grosser ist die Störung der Circulation, welche endlich zum Stillstand der Ernährungsvorgänge (Brand) führt. Die durch abnorme Füllung der Blutgefässe be­dingte Röthung (Injectionsröthe) verschwindet auf Druck mit dem Finger; nach Aufhebung des Druckes erscheint sie je­doch alsbald wieder; durch HämorrhagienveranlassteEöthungen verschwinden nicht auf Druck, erscheinen meist fleckig, streifig und schärfer begrenzt.
Die pigmentirte Haut der Hansthiere lässt die entzünd­liche Röthung nur selten genauer erkennen. Bei Entzündung gcfässloser Theile fehlt dieses Symptom ganz.
b)nbsp; Die Temperatursteigerung ist sowohl durch die grössere Blutmenge, welche die entzündeten Organe durch­strömt, als auch durch Steigerung der chemischen Processe und Bewegungsvorgänge in denselben bedingt. Bei chroni­schen Entzündungen fehlt dies Symptom, während es bei den acuten im Allgemeinen mit der Höhe der Entzündung in gradem Verhältnisse steht. Am auffälligsten pflegt die ent­zündliche Temperatursteigerung bei eitrigen Entzündungen hervorzutreten, daher auch bei der Phlegmone. Ueber die Untersuchung der Temperatur siehe Seite 15.
c)nbsp; Der Schmerz, bestehend in Reizung sensibler Nerven, wird vornehmlich durch den Druck der angeschwollenen Ge webe auf diese veranlasst. Der Grad der Schmerzhaftigkeit wird eines Theils von dem Nervenreichthum des leidenden Organs bestimmt, anderen Theils ist er vom Grade der Druck­steigerung abhängig. Die letztere hängt wiederum von dem Masse der Schwellung und von der Dehnbarkeit des erkrankten Theiles und seiner Nachbarschaft (Gegendruck) ab. Sehr schmerzhaft sind z. B. acute Schwellungen in der Hufleder­haut, weil der Gegendruck der Hornkapsel und des Huf­beines der Ausdehnung hinderlich ist. Wir benutzen daher
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auch künstliche Drucksteigerung (Palpation), um den Sitz und Grad des Schmerzes zu ermitteln (Seite 21).
d)nbsp; Die Funetionsstörung hängt in erster Linie von der Fimction des erkrankten Organs, dann aber auch von dem Grade und der Ausbreitung des entzündlichen Processes und der Schmerzhaftigkeit desselben ab.
e)nbsp; Die Anschwellung ist entschieden das wichtigste und zugleich vielseitigste Symptom. Hervorgerufen durch Erweiterung der Gefässe, Austritt von Bluthestandtheilen aus denselben in die Gewebe, Wucherung der Gewebselemente, unter Umständen auch noch durch Fremdkörper, zeigt sich die entzündliche Anschwellung ausserordentlich verschieden, und zwar sowohl in dem Grade, in Ausbreitung, Begrenzung und sonstiger Beschaffenheit. Unter Umständen ist es schwer zu entscheiden, ob eine Anschwellung entzündlicher Natur ist, oder durch anderweitige Krankheitsprocesse bedingt wird. Aus diesem Umstände erscheint eine nähere Betrachtung dieses uns so häufig begegnenden Symptoms gerechtfertigt.
Die Anschwellung.
Bei der Untersuchung einer Anschwellung kommt es vornehmlich auf folgende Punkte an:
1. Sitz, Ausdehnung und Art der Begrenzung. Ueber den Sitz gieht die Berücksichtigung der anatomischen Verhältnisse und eine eingehende Untersuchung durch In­spection und Palpation Aufschluss. Nachdem durch das Auge über die Lage der Geschwulst ein oberflächliches Urtheil ge­wonnen ist, lässt sich durch sorgfältige Palpation die Grenze derselben feststellen. Dabei beachte man sowohl die Aus­breitung unter der Haut, wie auch in der Tiefe.
Um die Ausdehnung in der Tiefe zu ermitteln, umfasse man die Geschwulst xmd suche diese auf ihrer Unterlage zu
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verschieben. Dadurch erlangt man einigermassen ein Ur-theil darüber, ob sich die Geschwulst in die Tiefe er­streckt, ob sie mit festen Organen (Knochen) verbunden ist, ob sie von diesem oder jenem Theile ausgeht. Durch die Verschiedenheit ihrer Consistenz im Vergleich zur Umgebung kann die Art der Begrenzung festgestellt werden. Dabei ist zu beachten, ob diese scharf von der Umgebung abgesetzt ist, oder allmälig in dieselbe übergeht. Ersteres deutet auf selbstständige Neubildungen (Tumoren), letzteres auf entzünd­lichen Ursprung der Geschwulst.
Bei dieser Untersuchung überzeugt man sich zugleich:
2.nbsp; nbsp;Von der Schmerzhaftigkeit der Geschwulst. Hier­bei darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Empfind­lichkeit der Thiere ausserordentlich verschieden ist. In vielen Fällen erscheint diese durch bereits eingeleitete Behandlung (scharfe Einreibung) gesteigert. Wo solches vermuthet wird, suche man das Thier zunächst zu beruhigen, indem man zu­erst entferntere Theile des Körpers unter streichenden Be­wegungen betastet und allmälig zur Untersuchung der er­krankten Stelle übergeht. Man beginne hier mit Anwendung eines leichten Druckes und lasse denselben ansteigen, bis das Thier auf denselben deutlich reagirt. Erforderlichenfalls müssen Vergleichungen mit den korrespondirenden gesunden Theilea angestellt werden. Zu leise Berührungen erregen bei manchen Thieren Kitzelgefühl, sind daher zu vermeiden. Besondere Vorsicht ist in dieser Beziehung bei Pferden und Hunden geboten.
3.nbsp; nbsp; Ferner ist die physikalische Beschaffenheit der Geschwulst zu ermitteln und zwar namentlich Farbe, Con­sistenz und Temperatur.
a) Farbe. Bei der in der Regel pigmentirten Haut unserer Thiere bietet die Farbe wenige Verschiedenheiten, doch beobachtet man beim Uebergang in Nekrose oder bei
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Abscessen, die bald durchbrechen, eine dunkle, oft glänzende Beschaffenheit der äuaseren Haut. Melanotische Geschwülste lassen namentlich bei Schimmeln ihre intensiv schwarze Farbe in der Eegel nicht verkennen. Ist die Haut frei von Pigment, so tritt bei entzündlichen Anschwellungen eine mehr oder weniger intensive Eöthung derselben hervor, deren Nüan-cirung zwischen einem leichten rötblichen Anflug bis zur dunklen, blauschwarzen Färbung wechselt. Man beachte, ob die Röthung gleichmässig, diffus, oder ob sie punktförmig, fleckig oder in Streifen auftritt. Erweiterte Blutgefässe lassen sich zuweilen direct erkennen. Haarlose, nicht pigmentirto Flecke in pigmentirter Haut sind in der Regel durch Narben bedingt, die sich ausserdem bei der Palpation durch grösserc Härte auszeichnen.
b) Consistenz. lieber die Consistenz der Anschwellung giebt die Palpation Aufschluss. „Knochenhartquot; erscheinen Geschwülste, die aus Knochen, verkalkten Massen oder Stein-bildungen (z. B. Speichel- oder Harnstein) bestehen. „Hartquot; zeigen sich manche Tumoren (Fibrome, Enchondrome, zu­weilen auch Carcinome), ferner chronische entzündliche Neu­bildungen. „Weichquot; erscheinen acut entzündliche Anschwel­lungen, andere Tumoren (Sarkome, Lipome, Myxome) und in der Regel auch Hernien, Blutgeschwülste und Abscesse.
Es ist ferner der Spannungszustand der Geschwulst zu beachten. Am grössten pflegt dieser bei Abscessen kurz vor der Perforation zu sein; erheblich ferner bei schnell ent­standenen Tumoren (Sarkomen). Am geringsten zeigt sich die Spannung der Haut bei Hämatomen in der Subcutis, die bereits in der Resorption begriffen sind, sowie bei Hernien und Varicen.
Luftgeschwülste besitzen eine eigenthümliche „puffigequot; Weichheit und knistern beim Ueberstreichen (Seite 21).
„Compressibel,quot; d. h, durch Druck zu verkleinern, sind
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Hernien, Varicen und Aneurysmen sowie Geschwülste, deren flüssiger Inhalt mit grosseren Höhlen in Verbindung steht.
Ueber ödematöse Beschaffenheit der Anschwellung vgl. Seite 19.
Fluctuation erfolgt durch Anhäufung von Flüssigkeit in einer grossen oder kleinen Höhle mit elastischer Wandung; durch Abscesse, Hämatome, Füllungen von Gelenken und Sehnenscheiden (Gallen) mit Flüssigkeit, sowie durch Hernien, Aneurysmen und Varicen (Seite 18).
Abscesse sind stets von einem entzündlich infiltrirten, also bei der Palpation mehr oder weniger derb erscheinenden Gewebe umgeben. Extravasate zeigen diese Eigenschaften erst nach längerem Bestehen; das plötzliche Auftreten zeichnet die letzteren wiederum vor den Abscessen aus. Gallen lassen bei Berücksichtigung des Sitzes in der Regel keinen Zweifel über ihre Natur. Die drei letzten: Hernien, Aneurysmen und Varicen zeichnen sich durch Zusammendrückbarkeit aus. Geben sich Hernien meist schon durch ihren Sitz, Ausbreitung und den Nachweis des Bruchringes zu erkennen, so sind Aneurysmen durch Pulsation wiederum vor den Varicen ge­kennzeichnet.
Zur Diagnose der Anschwellung dient ferner die Be­schaffenheit ihrer Oberfläche. Hierbei kommt in Be­tracht, ob diese eben und glatt, wie bei den meisten ent­zündlichen Schwellungen und gutartigen Neubildungen, oder ob sie uneben, höckrig ist, eine Eigenschaft, welche nament­lich die malignen Neubildungen auszeichnet.
c) Temperatur. Ueber die bei der Untersuchung der Temperatur erforderlichen Rücksichten (vgl. Seite 15).
Temperatursteigerung beweist im Allgemeinen den ent­zündlichen Charakter der Anschwellung. Doch vergesse man nicht, dass auch solche, die anderweitigen Processen ihre Ent­stehung verdanken, in Entzündung versetzt werden können
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(incarcerirter Bruch). Nicht vermehrt warm zeigen sich An­schwellungen, die durch chronische Entzündungen entstanden sind (Induration, kalte Abscesse), sowie alle Tumoren, Hernien (nicht incarcerirt), Hämatome, Aneurysmen, Varicen und chronische Gallen, sofern nicht zufällig eine acute Entzün­dung in ihnen besteht.
4.nbsp; nbsp;Man beachte ferner den Zustand der die Anschwellung bekleidenden äusseren Haut: ob dieselbe an der Oberfläche feucht ist, ob Epidermismassen auf derselben angehäuft sind, ob ein Ausfall von Haaren stattgefunden hat. Ist die Haut auf der Anschwellung verschiebbar, so darf angenommen werden, dass dieselbe nicht mit erkrankt ist. Starke Desqua-mation weist auf einen chronischen Reizungsprocess hin, Haar­ausfall in der Regel auf acute Entzündungsvorgänge in der Haut. Feucht wird die Oberfläche durch exsudative Vor­gänge (Ekzem), wie sie auch, verbunden mit Haarausfall, der Perforation von Abscessen vorangehen. In solchem Falle zeigt sich die Haut meist stark glänzend und bei der Pal­pation an der betreffenden Stelle abnorm weich, wenn die­selbe bereits durch eitrige Einschmelzung von unten verdünnt ist. Fluctuation und sichtbares Hervorwölben der äusseren Haut lassen auf baldigen Durchbruch des Eiters schliessen.
5.nbsp; nbsp;Für die Beurtheilung der Anschwellung kommt auch die Schnelligkeit der Entwicklung derselben in Betracht. Am schnellsten entstehen Hämatome und Hernien, langsamer ent­zündliche Anschwellungen, doch können, namentlich in weichen, lockeren Geweben, in kurzer Zeit solche von erheblichem Umfange entstehen (Stollbeule). Von den Tumoren pflegen Sarkome sich schnell zu entwickeln, während Carcinome lang­sam entstehen; weiche Fibrome wachsen schneller als harte; im Allgemeinen wird der Charakter der Anschwellung als „Tumorquot; durch langsame Entwicklung von Anfang an ge­kennzeichnet.
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a-
snnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 6. Von Wichtigkeit ist endlich das Verhalten der
nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; regionären Lymphdrüsen. Einfach entzündliche An-
tdnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Schwellungen rufen in der Regel solche nur dann hervor,
i-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;wenn faulige Zersetzungen und brandige Zerstörungen in dem
Herde stattgefunden haben, oder wenn specifische, die Lymph­drüsen reizende Substanzen (Infectionsstoffe, Rotz, Druse enbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;u. s. w.) in denselben enthalten sind; daher auch bei der
1,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Phlegmone Anschwellung der Lymphdrüsen mit Stauung,
itnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;später Gerinnung in den Lymphgefiissen, welche dann als
nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;strangförmige Anschwellungen hervortreten.
Von den Tumoren pflegen Carcinome, zuweilen auch Enchondrome mit Anschwellung der regionären Lymphdrüsen verbunden zu sein, während diese bei Sarkomen in der Regel fehlt, r o
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IV.
Wunden und (jeschwüre.
Zwei Symptome kennzeichnen die Wunde in erster Linie, nämlich die Blutung und das Klaffen; dazu kommt später das Wundsecret.
Bei capillaren und parenchymatösen Blutungen quillt das Blut gleichmässig aus den Wündflächen hervor; aus den venösen Gefässen fliesst dunkelrothes Blut in gleich-massigem Strahl, bei der arteriellen Blutung erfolgt der Ausfluss stossweise \md in hellrother Farbe. Das erste Kriterium der arteriellen Blutung kann fehlen, z. B. wenn sich das Blut zuerst in eine grössere Höhle ergiesst und aus dieser nach aussen abfliesst. Der kräftige Strahl und die hellrothe Farbe des Blutes weisen indess auf die Verletzung eines arteriellen Gefässes hin.
Die Wundränder erscheinen nach der Blutstillung in der Regel roth, tragen die Farbe der getrennten Gewebe. In Folge Störung der Blutcirculation pflegt diese Röthung in den nächsten Stunden noch zuzunehmen; zugleich tritt mehr oder weniger Schwellung und Sehmerz ein. Bald darauf nehmen die Wundränder eine mehr graue Farbe an, und zwar durch Gerinnung von Blutplasma und Gewebssaft an ihrer Oberfläche. Nach der Blutstillung fliesst aus der Wunde eine röthliche Flüssigkeit ab, das sog. primäre Wundsecret. Dasselbe besteht aus Gewebspaft, der sich aus den Ge-
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webslücken entleert, aus Lymplie der getrennten Lymphgefässe und aus dem Blutplasma, welches durcli die Gefasswände an die Oberfläche der Wunde gelangt und hier zum Theil gerinnt, zum Theil in flüssiger Form sich anhäuft, bezw. abfliesst. Ist die Oberfläche der Wunde ganz und gar der Luft ausgesetzt und die Absonderung nicht sehr lebhaft, so trocknet die Flüssigkeit vollständig ein (Schorfbildung). Wo dies nicht der Fall ist, erscheint das Wundsecret vom dritten Tage ab dickflüssig und von mehr gelber Farbe, während die Wundränder eine gleichmässig rothe Farbe annehmen. Bei genauer Betrachtung finden sich an der Wundoberfläche kleine, rothgefarbte Körnchen (Granulationen), welche sich alhnälig und so lange vermehren, bis die Lücke zwischen den Wundrändern ausgefüllt ist. Sowie dies erreicht ist, zeigt sich an den Rändern der Granulationsfläche ein nur wenige Millimeter breiter, rother Saum, an dem die Oberfläche trocken erscheint. Allmälig wird derselbe breiter, indem er gegen das Centrum der Granulationsfläche vorschreitet. Diese rötbliche Farbe wechselt an Stellen, wo die Haut pigmentirt ist, nach einigen Tagen mit einer bläulichen, die gleichsam wie eine zweite Zone auf die erste folgt. Bis zu dieser „Vernarbungquot; bleibt die Oberfläche der Granulation feucht, indem sie von Eiter, oder bei vollständig aseptischen Wunden von einer serösen Flüssigkeit bedeckt ist. „Asep­tische Granulationenquot; zeichnen sich durch eine blass-rothe Farbe und das Fehlen des Eiters aus; die Ober­fläche ist auch hier gekörnt.
Bei der wuchernden, fungösen Granulation (Caro luxurians) wuchert entweder die ganze Granulationsfläche über die Wundränder hinaus, oder es erheben sich einzelne Stellen über ihre Nachbarschaft, schiessen gleichsam wie die Pilze aus der Erde schnell hervor. Die Consistenz der so gewucherten Massen ist weicher als normal, zuweilen erscheinen
Möller, Klinische Diagnostili.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; g
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sie ungewöhnlich blass, glasig, schleimähnlieh; sie bluten bei der leisesten Berührung. Auf der Höhe oder am Grunde der pilzförmig gewucherten Massen entleert sich in der Regel auf Druck ein Tröpfchen Eiter, und wenn hier die Sonde angesetzt wird, gelangt dieselbe in einen Kanal und am Ende desselben auf einen Fremdkörper als Ursache der Wuche­rung.
Als „Collapsquot; der Granulation bezeichnet man das Auf­hören der Neubildung, wie es häufig bei Pferden und Hunden während der Heilung grösserer Wunden beobachtet wird. Nachdem die Granulation eine Zeit lang regelmässige Fort­schritte gemacht hat, hört die Neubildung ziemlich plötzlich auf. Die Körnchen an der Oberfläche verschwinden, diese wandelt sich in eine ebene und deshalb glänzende, spiegelnde Fläche von blassrother Farbe um. Dabei pflegt der Eiter wässrige, dünnflüssige Beschaffenheit anzunehmen, oder er verschwindet ganz, und statt seiner findet sich an der Ober­fläche der Granulation trübes Serum. Eine oberflächliche Aetzung der Wunde schafft hier Abhülfe, sofern nicht allge­meiner Collaps die Ursache war.
Zuweilen zeigt die Granulation grosse Empfindlichkeit, so dass die Thiere bei der leisesten Berührung derselben heftige Schmerzen äussern. Diese sog. erethische Granu­lation ist in der Regel mit einer schlaffen, leicht blutenden Beschaffenheit derselben verbunden. Austrocknende und anti­septische Mittel (Jodoform) führen am sichersten zur Be­seitigung dieses in Bezug auf Aetiologie noch räthselhaften Zustandes, der bei Thieren nicht häufig ist, bei Hunden indess beobachtet weiden kann.
„Diphtherie der Granulationquot; zeichnet sich durch das Auftreten grauer, scharf umschriebener Flecke auf der Granu­lation aus und wird zuweilen beim Rind gesehen. Aber auch einfache Entzündung kann ähnliche Veränderungen an der
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Granulation hervorrufen. Die Diphtherie ist in der Regel mit mehr oder weniger schweren allgemeinen Störungen (Fieber u. s. w.) verbunden.
Bei der Untersuchung von Wunden ist namentlich auf folgende Punkte zu achten:
1.nbsp; nbsp; Auf den Sitz und die Ausdehnung derselben. Welche Theile und in welcher Ausdehnung dieselben be­troffen sind, ist durch Inspection, Palpation mit Anwendung der Sonde unter Berücksichtigung sonstiger Erscheinungen zu ermitteln. Die anatomische Lage der Organe und die Grosse der Wunde giebt hierüber schon einigen Aufschluss. Das so gewonnene Urtheil wird durch Anwendung des Fingers bezw. einer Sonde vervollständigt. Bei Wunden in der Nähn der Gelenke, Sehnenscheiden und der Körperhöhlen muss die Sonde mit Vorsicht benutzt werden. Copiöser Ausfluss von Wnndsecret im Verhältniss zur Grosse der Wunde, lässt auf eine grössere Ausdehnung derselben schliessen. Dafür spricht auch Steigerung des Ausflusses bei der Bewegung des Thieres oder auf einen in der Umgebung derselben ausgeübten Druck. Hierdurch erlangt man zugleich ein Urtheil darüber, in welcher Richtung die Trennung sich fortsetzt. Ein gleicher Schlnss ergiebt sich aus der Anschwellung in der Umgebung der Wunde. Erhebliche Lahmheit findet sich bei Wunden, welche in Ge­lenke oder Sehnenscheiden eindringen; Athembeschwerden bei Wunden am Thorax, und Kolikerscheinungen bei solchen an der Bauchhöhle lassen vermuthen, dass diese Höhlen ver­letzt sind. Grosse Schmerzhaftigkeit erweckt den Verdacht, dass die Wunde eine grössere Ausdehnung in die Tiefe be­sitzt, oder dass besonders empfindliche Organe verletzt sind.
2.nbsp; nbsp;Die Beschaffenheit der Wundränder und ihre Umgebung. Diese hängt in erster Linie von der Art der Verletzung ab. Schnitt- und Hiebwunden sind an ihrer Ober­fläche glatt und eben, die Umgebung ist in der Regel wenig
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oder gar nicht geschwollen. Stumpfe Instrumente führen erst zu einer Trennung in der Haut, wenn sie mit grösserer Gewalt auf den Theil einwirken. Die Folge davon ist eine Quetschung der Wundränder und ihrer Umgebung, die sich durch grössere Anschwellung zu erkennen giebt (Quetschwunde). Da bei ihrer verschiedenen Wider­standsfähigkeit die einzelnen Gewehe nicht gleichmässig zer-reissen, erscheinen die Wundränder uneben, lappig und von Blutunterlaufungen oft dunkelroth gefärbt.
Bei „Stichwundenquot; ist die Continuitätstrennung klein, und im Verhältniss zu dieser geringen Ausdehnung erscheint sowohl Blutung wie auch Schmerz und Anschwellung gross. Die Sonde giebt über ihre Ausdehnung näheren Aufschluss. B^-i der Verschiebbarkeit der einzelnen Theile, namentlich der Muskeln und Fascien über einander, darf dem negativen Er-gebniss der Sondirung jedoch keine grössere Bedeutung bei­gelegt werden, namentlich dann nicht, wenn die Blutung, Schmerzen und Anschwellung hiermit nicht übereinstimmen. Nicht selten erlangt man erst nach Spaltung der Wunde Aufschluss über ihre Ausdehnung, und da die Heilung ein derartiges Eingreifen in der Regel erforderlich macht, so ist dasselbe oft geboten.
„Schusswundenquot; durch Sprengstücke grösserer Ge­schosse stellen Quetschwunden dar. Kleinere Geschosse geben eine röhrenförmige Wunde (Schusskanal). Bleibt das Ge-schoss im Körper stecken, so findet sich nur eine Oeffnung, andernfalls spricht man von einem „Haarseilschussquot;. Die Ein­gangsöffnung ist in der Regel grosser, rundlich, ihre Ränder nach innen eingebogen, die Ausgangsöffnung kleiner, ihre Ränder nach aussen gewendet. Zu beachten ist, dass der Schusskanal oft einen gekrümmten Verlauf hat. Beim „Streif-schussquot; hat das Geschoss den Körper nur gestreift.
Blutung und Schmerz pflegen bei Schusswunden anfangs
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nur gering zu sein, doch geben diese Erscheinungen später oft einen genaueren Anhalt über den Grad und Sitz der Ver­letzung. Die Bedeutung der Farbe der Wundränder ist bereits erwähnt.
3.nbsp; nbsp; Ein wichtiger Punkt ist die Frage, ob Fremdkörper in der Wunde noch vorhanden sind. Die Untersuchung mit dem Finger und bei tiefen Wunden mit der Sonde beantwortet diese in der Regel. Erhebliche Anschwellung und grössere Schmerzen lassen Fremdkörper vermuthen, wenn nicht ein anderer Grund für diese Erscheinungen auffindbar ist.
4.nbsp; nbsp;Die Beschaffenheit des Wundsecrets und der Abfluss desselben. Das primäre Wundsecret stellt der Regel nach eine röthliche Flüssigkeit dar, die in den nächsten Tagen durch Beimischung der abgestossenen nekrotischen Gewebsmassen und vom Eiter eine graue bezw. gelbe Farbe annimmt. Wenn nicht besondere Umstände vorliegen, stellt sich am 4. bis 5. Tage Eiterung ein. Der Eiter zeigt sowohl in Bezug auf Menge, wie auch Beschaffenheit manche Ver­schiedenheiten. In der Regel erscheint er als eine gelblich-weisse, dickflüssige Masse ohne besonderen Geruch. (Pus bonum et laudabile.) Durch längeres Stagniren in Abscesse wird der Eiter noch dickflüssiger, zuweilen sogar klümprig.
Eiter aus dem Retegewebe der Huflederhaut besitzt eine graue, fast schwarze Farbe und dünnflüssige Beschaffenheit.
Eiter aus der Subcutis des Hundes ist ebenfalls dünn­flüssig und rothbraun gefärbt. Irrig ist jedoch die bisher all­gemein verbreitete Annahme, dass der Eiter beim Hunde über­haupt diese Beschaffenheit besitze. Abscesse in tiefer ge­legenen Theilen z. B. im Euter geben auch bei diesen Thieren gelblichweissen, dickflüssigen Eiter.
Dünnflüssig zeigt sich der Eiter, so lange demselben noch viel primäres Wundsecret beigemischt ist, ferner wenn durch entzündliche Zustände in der Wunde die transsudativen
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Vorgänge stark angeregt sind. Die dem Eiter beigemischte Flüssigkeit enthält meist Blutfarbstoff, wodurch derselbe zu­gleich eine mehr röthliche Farbe annimmt.
Der Eiter kann ferner durch die Zerfallsproducte ab­gestorbener Gewebsmassen (Brandjauche) verdünnt werden. Sofern diese Beimischung in reichlicher Menge erfolgt ist, pflegt man nicht mehr von Eiter, sondern von „Jauchequot; zu sprechen. Beimischung von Gewebsmassen in Form kleiner Flocken kennzeichnen die Entstehung dieser Veränderung. Knocheneiter besitzt eine eigenthümlich graue, opake Farbe. Ist dem Eiter in Folge Oeffnung der Gelenke oder Sehnen­scheiden Synovia beigemischt, so nimmt er eine klümprige Beschaffenheit und gelbe Farbe an. Klumpen von gelee­artiger Consistenz und strohgelber Farbe lassen auf die Beimischung von Synovia schliessen. Zuweilen zeigt der Eiter eine deutliche Grünfärbung, welche wahrscheinlich von der Vegetation bestimmter Organismen in demselben herrührt; für die Beurtheilung hat diese Farbe keine be­sondere Bedeutung.
Zur Prüfung des Eiters dient ferner der Geruch. Im Allgemeinen ist guter Eiter geruchlos. Bei Entleerung grösserer Mengen Eiters kann man sich jedoch von einem schwach süss-lichen, kleisterähnlichen Geruch desselben überzeugen.
„Stagnirenderquot; Eiter zersetzt sich oft, d. h. es ent­wickeln sich in ihm Fäulnissvorgänge und er nimmt einea üblen, sog. Fäulnissgeruch an.
Von intensiv üblem Geruch ist ferner Knocheneiter, z. B. bei Brustbeinfisteln der Pferde. Ebenso wird der Eiter durch Beimischung von Speichel übelriechend. Daher stellt sich bei grosseren Verletzungen in der Maulhöhle, so­wie namentlich bei Zahnkrankheiten (Alveolarperiostitis) übler Geruch aus dem Maule ein. Bei Pferden dient dieser eigen­thümlich „cariösequot; Geruch als significantes Symptom für
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derartige Zahnleiden. Ein Gleiches wird bei der sog. Zahn­fäule des Hundes beobachtet. Von sehr üblem Geruch ist aus demselben Grunde der aus Parotisabscessen stammende Eiter.
Obgleich Geruchlosigkeit zu den Eigenschaften des gut­artigen Eiters gehört, so wird hierdurch doch ebensowenig die Gutartigkeit desselben bewiesen, wie ein übler Geruch stets auf nachtheilige Wirkungen schliessen lässt. Wenn aber der Eiter an sich schon einen septischen Zustand der Wunde beweist, so wird dieser Schluss durch die Anwesenheit eines Päulnissgeruches noch bestätigt, und der Therapeut gemahnt, ernsthaft mit Desinficientien vorzugehen.
Bedenklicher sind Beimischungen von nekrotischen Ge-websmassen zum Eiter und zwar einerseits weil die Um-setzungsproducte derselben dem Organismus schädlich werden können, andererseits weil das Auftreten von nekrotischen Massen meist- die Folge der Einwirkung heftig wirkender Noxen ist, also als Beweis einer schweren localen Infection angesehen werden muss. Doppelt bedenklich wird der Zu­stand, wenn Symptome der Sephthämie zugegen sind (Seite 42).
Jedes Wundsecret muss auf dem kürzesten Wege aus der Wunde entfernt werden. Retentionen desselben sind um so bedenklicher, jemehr der Verdacht begründet erscheint, dass es sich um ein intensiv schädlich wirkendes Secret handelt. Gerade das primäre Wundsecret ist neben der Jauche am gefährlichsten, am wenigsten gefährlich gutartiger Eiter.
Ob ausreichender Abfluss für das Wundsecret besteht, ergiebt zunächst die Untersuchung der Wunde. Ist die Haut nach unten abgelöst, oder haben sich hier Taschen gebildet, so muss nothwendig eine Stagnation und Zersetzung des Wundsecrets in der Wunde eintreten. Durch Spaltung der Haut oder Anlegung eines Drainrohres muss hier Hülfe ge­schaffen werden. Für Retention spricht ferner Steigerung
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des Abflusses bei der Körperbewegung oder auf einen in der Umgebung der Wunde ausgeübten Druck sowie stärkere An­schwellung in der Umgebung derselben. Die beiden letzten Umstände weisen zugleich auf den Ort der Retention hin.
5. Endlich ist das Allgemeinbefinden des Patienten zu beachten, insbesondere ob Fieber zugegen ist. Die Unter­suchung der Körpertemperatur giebt hierüber Aufschluss. Auch die Art des Fiebers kommt in Betracht (Seite 41).
Das G-eschwur (Ulcus) unterscheidet sich von der Wunde durch seine Tendenz zu fortschreitender Zerstörung, welche sich in der allmäligen Ausbreitung desselben zu erkennen giebt. Der „Grundquot; des Geschwürs erscheint meist von graugelblicher Farbe (speckig), ist entweder flach oder ver­tieft oder erhaben, zuweilen pilzförmig hervorragend (U. fun-gosum). Die „Geschwürsränderquot; zeigen sich infiltrirt, zu­weilen inducirt (callös), flach, erhaben, aufgeworfen oder aus­gebuchtet (sinuös), zuweilen unterminirt. Die Absonderung des Geschwürs besteht aus den zerfallenen Gewebsmassen unter Beimischung von seröser Flüssigkeit oder auch Eiter. In Consistenz, Farbe und sonstiger Beschaffenheit zeigt diese sog. „Gesehwürsjauchequot; mannigfaltige Verschiedenheit.
Ein in der Heilung begriffenes Geschwür kann unter Umständen ganz und gar die Eigenschaften einer heilenden Wunde annehmen. Der langsame Verlauf und die spontane Entstehung charakterisirt dasselbe auch in diesem Zustande noch.
Im Allgemeinen sind Geschwüre bei den Hausthieren selten, wenn man von den auf dem Boden specifischer Neu­bildungen entstandenen absieht. Von diesen ist beim Pferde der Rotz, bei Hunden das Carcinom und Sarkom zu nennen. Beim Rinde und Hunde werden auch Ulcerationen in der Cornea beobachtet (Staupe).
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V.
Das Fieber.
Das Fieber und seine Erscheinungen interessirt zwar mehr bei inneren Krankheiten, doch hat dasselbe auch für den Chirurgen ein hohes Interesse, sofern es in Folge von Wunden und anderen Verletzungen auftritt. Die Erschei­nungen desselben: Steigung der Körperwärme, Unregelmässig-keit der Vertheilung derselben in der äusseren Haut, zuweilen Schüttelfröste, Pulsfrequenz, Appetitmangel, Abgeschlagenheit u. s. w. seien hier nur kurz genannt. Wo auch immer chirur­gische Leiden von Fieber begleitet werden, stets ist der Schluss berechtigt, dass irgendwo schädliche Stoffe ins Blut gelangt sind. Tritt im Verlaufe einer Wundheilung Fieber auf, so ist nachzuforschen, von wo dasselbe ausgeht. Man suche nach retinirtem Wundsecret, sorge für einen regel-mässigen Abfluss desselben und suche die Wunde sorgfältig zu desinficiren. Occlusivverbände müssen abgenommen und eventuell erneuert werden, sobald sich erhebliches Fieber ein­stellt, d. h. die Blutwärme um mehr als 1deg; steigt. Die täg­liche Controlle des Pulses und der Körpertemperatur ist da­her sowohl bei derartigen Verbänden, wie auch bei grosseren Wunden und nach eingreifenden Operationen dringend zu empfehlen. So lange z. B. nach der Castration oder nach der Operation von Samenstrangfisteln kein Fieber eintritt, lässt man die Behandlung der Wunde auf oberflächliche
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Reinigung der Nachbarschaft beschränken; sobald sich aber Fieber bemerkbar macht, muss die Wunde genauer unter­sucht und sorgfältig mit desinficirenden Flüssigkeiten aus­gespült werden. Die Folge davon ist in der Regel, dass die Temperatur oft schon in Zeit von 1—2 Stunden auf die Norm zurückgeht oder doch erheblich fallt.
Dient also der Nachweis der Gegenwart oder Abwesen­heit des Fiebers zur Beurtheilung der Vorgänge bei der Wundheilung, so führt diese Untersuchung unter Umständen auch zur Erkennung der Natur von Anschwellungen. Ist man im Zweifel, ob man es bei ausgebreiteten Anschwellungen mit Eiterung in denselben zu thun hat, so messe mau die Körpertemperatur; fieberhafte Steigerung derselben lässt die Gegenwart von Abscessen vermuthen.
Von besonderer Bedeutung sind die bei der Sephthämie und Pyämie auftretenden Fiebererscheinungen; sie bilden eben den Mittelpunkt dieser Erkrankungen.
Ist auch die Trennung dieser Zustände unter einander und vom Wundfieber oft nicht leicht, so gelingt sie doch in der Regel. In dieser Hinsicht sei Folgendes bemerkt:
Beim Wundfieber bleibt die Steigerung der Temperatur für gewöhnlich über die Norm auf 1—2deg; beschränkt; die allgemeinen Störungen sind nicht hochgradig. Appetit zu­weilen herabgesetzt aber selten vollständig aufgehoben. Die Pulsfrequenz massig, der Puls wohl etwas schwächer, aber noch leicht zu fühlen.
Die Sephthämie setzt namentlich bei Pferden in der Regel plötzlich ein, und alle Erscheinungen des Fiebers er­langen von vorn herein eine hochgradige Ausbildung.
Der Appetit fehlt ganz, Wasser wird zuweilen auf­genommen, oft aber auch verschmäht. Die Temperatur­steigerung beträgt 2—4deg;; Puls sehr frequent und klein, kaum fühlbar, zuweilen aussetzend. Die Respiration ist oft be-
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schleiinigt, die Schleimhäute zeigen eine verwaschene Röthung. Grosse Eingenommenheit des Kopfes, Abgeschlageaheit, Schwäche sehr gross; der Blick stier, theilnahmlos. Bei Pferden und Hunden läast sich oft aus diesem letzten Symptom allein schon auf den septischen Zustand schliessen. Zuweilen besteht Durchfall. Der Verlauf des septischen Fiebers ist meist continuirlich, ohne erhebliche Remissionen kann dasselbe schon nach 24 Stunden zum Tode führen, aber auch mehrere Tage anhalten.
Die Pyämie pflegt im späteren Stadium des Wundver­laufs aufzutreten. Während Wundfieber und Sephthämie oft schon in den ersten 24 Stunden nach der Verletzung oder Operation sich einstellen, wird die Pyämie selten vor dem 4. bis 5. Tage beobachtet, also zu einer Zeit, in der die ersteren in der Regel nicht mehr vorkommen. Die Temperatursteigerung ist bei der Pyämie ebenfalls plötzlich und hochgradig, doch geht dieselbe zeitweise wieder zurück, wenn auch nicht immer bis auf die Norm. Schüttelfröste werden bei Pyämie häufiger beobachtet als bei Sephthämie, kommen aber auch bei der letzteren vor. Im Ganzen spricht sich die Pyämie durch grosseren Wechsel in den Erschei­nungen aus; das Fieber sowohl wie die übrigen Symptome zeigen Remission. Bei der Pyämie multiplex stellen sich oft auffällige Respirationsstörungen, angestrengtes und stark be­schleunigtes Athmen ein. Stinkender Athem lässt embolische Processe in den Lungen annehmen. Zuweilen ergiebt auch die Auscultation und Percussion Zeichen der Lungenerkrankung. Unter Umständen ist es geradezu unmöglich die Frage zu entscheiden, ob es sich in dem gegebenen Falle um Sepht­hämie oder Pyämie handelt, wie dann auch Mischformen vorkommen, die als Sephto-Pyämie bezeichnet werden.
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VI.
Krankheiten des Kopfes.
Allgemeines. Die Haltung und Bewegung des Kopfes lenkt oft die Aufmerksamkeit auf bestimmte Krankheits-zustände, die jedoch nur zum Theil in das Gebiet der Chirurgie fallen. Weist das Hängenlassen des Kopfes auf schwere Erkrankung hin, so deutet das namentlich bei der Bewegung ungewöhnliche Hochheben des Kopfes auf Krankheitszustände in der Schädelhöhle. Abnorme Streckung des Kopfes und Halses lässt Starrkrampf vermuthen. Aber auch bei der Bräune, bei starker Anschwellung der submaxillaren Lymph­drüsen (Druse) wird der Kopf in der Regel gestreckt gehalten. Bei acut entzündlichen Leiden der Halswirbel, deren Gelenke, bei der sog. Genickbeule und anderen schmerzhaften Leiden in der Nähe des Nackenbandes pflegt das Pferd den Kopf und Hals zu strecken und Bewegungen mit denselben zu vermeiden; dies gilt namentlich von den Entzündungen an den Halswirbeln und deren Gelenken (vgl. diese).
Schief wird der Kopf gehalten bei einseitiger Parotitis mit starker Schwellung, bei starker Füllung eines Luftsackes; vorübergehend geben hierzu namentlich beim Kauen Krank­heiten der Zähne und Verletzungen im Maule Veranlassung. Hunde halten bei Ohrenleiden den Kopf schief; Schafe zu­weilen bei der Drehkrankheit.
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1. Lippen. Anatomie: dünne Haut mit feinen Haaren, reich an sensiblen Nerven, Muskeln und Schleimhaut mit cutanem Bau und zahlreichen Schleimdrüsen.
a)nbsp; Pferd. Verletzungen und Quetschungen der Lippen sind in der Regel ebenso leicht zu erkennen wie zu heilen. An der Schleimhaut derselben finden sich beim Pferde zu­weilen Retentionsgeschwülste (Balggescbwülste) und entzündliche Erkrankungen der Schleimdrüsen. Indem man den Daumen auf die äussere, den Zeigefinger auf die Schleimhaut legt und so die Lippen zwischen die Finger gleiten lässt, über­zeugt man sich von der Gegenwart derartiger Abnormitäten. Oft sind diese mit Anschwellung der submaxillaren Lymph­drüsen, zuweilen auch mit Störungen in der Futteraufnahme verbunden. Grleichzeitige Erkrankung der iiusseren wie der Schleimhaut der Lippen wird bei der Stomatitis pustulosa beobachtet. Auch treten rotzige Processe an den Lippen auf, die in der Regel mit starkem Oedem und Anschwellung der submaxillaren Lymphdrüsen verbunden aber auf die äussere Haut beschränkt sind. Anätzungen der Lippen durch Abwischen von Scharfsalben, traumatische Entzündungen derselben nach heftiger Anwendung der Bremse oder Aufnahme von stacblichem Futter; durch Anschwellung, Schiefstellung der Lippen, mangel­hafte Fresslust, Salivation und zuweilen Anschwellung der Kehlgangsdrüsen geben sich diese Zustände zu erkennen.
Schiefstellung der Lippen bei Lähmung des N. facialis. Herabhängen der Unterlippe bei alten, abgetriebenen Pferden, sowie bei doppelseitiger Facialislähmung. Bei letzerem Zu­stande sind die Thiere unfähig, das Futter mit den Lippen aufzunehmen und ergreifen dasselbe mit den Zähnen.
b)nbsp; Beim Rinde wird das kalte, feuchte Flotzmaul bei fieberhaften Krankheiten trocken nnd warm, nach längerem Bestehen derselben rissig gefunden. Im Uebrigen gilt hier dasselbe wie beim Pferde.
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c) Bei Fleischfressern, namentlich beim Hunde, treten an den Lippen oft Exantheme auf, am häufigsten durch Uebertragung beim Belecken derselben an anderen Körper­stellen.
2. Backen. Anatomie: Aeussere Haut dünn und straff mit kurzem Haar; Backenmuskeln und Schleimhaut, unter der Cutis Nervus fascialis und Ductus Stenoniaaus.
a)nbsp; nbsp;Pferd. Entzündliche Anschwellungen durch Ver­letzungen von aussen oder durch die Zähne. Anhäufung von Futter zwischen Backen und Zähnen bei Zahnleiden und Paralysen des Nervus fascialis kann eine Anschwellung vor­täuschen.
Wunden an der Backe sind in der Regel nur dann von besonderer Bedeutung, wenn sie mit Verletzung des Speichel­gangs oder des Nervus fascialis complicirt sind. Durch Aus-fluss von Speichel beim Fressen, zuweilen schon beim Anblick von Futter, bezw. durch Schiefstellung der Lippe geben sich diese Complicationen zu erkennen. Zuweilen sind Wunden der Backen mit Eraphysembildung in der Subcutis verbunden. Vom Maulwinkel ausgehende Wunden bieten bei der Heilung oft Schwierigkeiten (umschlungene Naht).
„Speichelsteinequot; zeigen sich als harte, schmerzlose, leicht verschiebbare, knotenförmige Anschwellungen meist in der Höhe des 3. oder 4. Backenzahnes.
b)nbsp; Wiederkäuer. Im Allgemeinen wie beim Pferde. Der Stenson'sche Gang nimmt hier namentlich beim Schaf einen mehr geraden Verlauf, wird von Fascialiszweigen be­gleitet und mündet in der Höbe des 5. Backenzahnes, beim Schaf am 4. Stockfleth will bei gastrischen Fiebern (?) des Rindes umschriebene Nekrose der Backenschleimhaut beobachtet haben, welche sich durch Beschwerden beim Fressen und Ernährungsstörungen zu erkennen gab. Die Maulhöble wird dabei mit halbgekautem Futter gefüllt angetroffen, welches
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sich zwischen Zähnen und Backen anhäuft. Bei der Unter­suchung der Maulhöhle zeigte sich an einer oder an beiden Backen die Schleimhaut stellenweise weiss gefärbt und am Rande gelöst.
c) Bei Hunden läuft der Stenson'sche Gang quer über den Masseter und mündet am 3. Backenzahn. Es kommt bei Hunden ein spontanes Gangrän der Backen vor, das dem Noma des Menschen entspricht und sich zunächst durch Speicheln, mangelhaftes Fressen, Fieber und Hautnekrose am Maulwinkel zu erkennen giebt. Dasselbe kann sich über die ganze Backe ausdehnen.
3. Maulhöhle, a) Pferd. Die Untersuchung derselben wird am bequemsten mit Hülfe des Maulgatters ausgeführt. In Ermanglung eines solchen erfasst man mit der einen Hand die Zunge von oben und wendet die Hand so, dass Daumen und Zeigefinger mit der Zungenspitze nach oben gegen den harten Gaumen gerichtet sind. Soll die andere Hand in die Maulhöhle eingeführt werden, so rückt man mit der ersten bei Seite und setzt den Daumen gegen den Gaumen; zwischen den Backzähnen sei man indess mit den Fingern vorsichtig. Ist ein Maulgatter zur Hand, so lässt sich auch mittelst eines Reflectors die Maulhöhle beleuchten, am be­quemsten allerdings am liegenden Pferde.
Lässt sich das Maul nicht öffnen, so besteht Trismus oder Verwachsung eines Kiefergelenks (Kieferklemme). Diese Er­krankung des Kiefergelenks ist mit Anschwellung desselben und meist auch mit Schiefstellung des Kiefers verbunden, die sich an den Schneidezähnen zeigt; hierbei findet sich auch mehr oder weniger hochgradige Abmagerung.
Unvermögen, das Maul zu schliessen findet sich bei Lähmung des Unterkiefers (Hundswuth), Luxationen des Kiefergelenks und Fremdkörpern zwischen den Zähnen.
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Bei letzteren beiden Zuständen lässt sich das Maul auch nicht passiv schliessen, was bei der Lähmung der Fall ist.
Das Schliessen des Maules ist von der Thätigkeit einer Anzahl Muskeln, namentlich der Schläfen- und Kaumuskeln abhängig. Diese werden sämmtlich vom Trigeminus mit motorischen Nerven versehen. Doppel­seitige Lähmung derselben raubt dem Thiere das Vermögen das Maul zu schliessen, ein Zustand, der in der Thierhcilknnde als Unterkiefer-lälmmng, besser als Kaumuskelläliraung oder wie beim Menschen als masticatorische Gesichtslähmung bezeichnet wird. Das Leiden ist bei Thieren im Ganzen selten, kommt indess bei Hunden sowohl als Sym­ptom der Hundswuth wie auch als selbständige Krankheit vor. Aus praktischen Gründen muss eine solche Lähmung bei Hunden zunächst als verdächtig betrachtet werden, bis man die Ueberzeugung gewonnen hat, dass sie nicht der Wuthkrankheit angehört, was sich in der Regel schon aus dem sonstigen Verhalten oder aus dem Verlaufe des Leidens ergiebt. Ist der Hund eingeschlossen , so lässt sich durch Vorhalten eines Stockes bald entscheiden, ob man es mit einer eini'achcn Läh­mung oder mit der Wuthkrankheit zu thun hat.
Auf Verletzungen, Entzündungen und Fremdkörper in der ITaulhöhle ist zunächst zu achten; Speicheln und Kau-bewegungen weisen auf solche hin. An der Zunge findet man oft Wunden und Anschwellungen (Grlossitis), zuweilen erscheint dieselbe dunkeiblauroth und hängt aus dem Maule heraus. Strangulation der Zunge durch ein Pferdehaar (Stock-fleth) oder Bindfaden; die dem Thiere in böswilliger Absicht oder um dasselbe beim Putzen zu beruhigen, angelegt werden.
4. Laden. Quetschungen und Verletzungen, besonders bei Reitpferden (Ladendrnck). Zuweilen einfache Esco-riationen der Schleimhaut, oft aber tiefergehende Continuitäts-trennungen und in Folge dessen Periostitis. Letztere äussert sich durch lebhafte Schmerzen auf Druck. Anschwellung des Unterkiefers durch Mitleidenschaft des Knochens (Osteomye­litis), zuweilen mit Perforation quot;am hinteren Rande desselben und Knochennekrose. Anschwellung des Knochens weist auf diesen Zustand hin.
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5. Zähne. Die Mehrzahl der Zahnleiden besteht in eitriger Alveolarperiostitis. Ob ächte Caries bei den Haus-thieren vorkommt? Dagegen sind oft Unregelmässigkeiten in der Abreibung der Zähne mit Störung des Kauens ver­bunden. Das Thier gebt mit sichtlichem Appetit an das Futter, frisst aber langsam, mit Unterbrechung und schiefer Haltung des Kopfes, lässt Futter aus dem Maule fallen (Priemen). Allmälig tritt Abmagerimg und Schwäche ein. Zuweilen findet Speicheln, Wühlen mit der Zunge im Maule, Kaubewegung ohne Futteraufnahme statt. Oft lassen sich bei der Palpation der Backen Unregelmässigkeiten in der Stellung oder Länge der Zähne nachweisen (Lücken im Gebiss, zu lange Zähne). Nicht selten findet sich auch Knochenauftreibung mit oder ohne Perforation (Zahnfistel) vom Grunde der Zahnwurzel ausgehend.
Die nähere Untersuchung der Zähne findet mit Hülfe des Maulgatters, bei ruhigen Pferden in der oben beschriebenen Haltung statt. Indem man die Volarfläche der Finger über die Zahnreihen von hinten nach vorn gleiten lässt, achte man:
a)nbsp; nbsp;auf die Stellung der Zähne, ob sich die Reibeflächen in einer Reihe und in gleicher Höhe befinden;
b)nbsp; nbsp;ob Futter zwischen Zähnen und Backen oder unan­genehmer Geruch aus dem Maule zugegen ist, welches am besten an der zur Untersuchung benutzten Hand geprüft wird. Wo diese Erscheinungen vorhanden sind, darf man auf eine Alveolarperiostitis schliessen, und zwar an dem Zahne, der aus der Reihe der übrigen gewichen ist oder zu tief steht. Oft ist der Zahn gelockert, zuweilen so, dass man ihn mit den Fingern ausziehen kann. Auch kommen Spal­tungen der Zähne vor. Zu lange Zähne stören das Kauen, indem sie in die ihnen gegenüber befindlichen Lücken des
Gebisses vorwachsen und so entweder ein mechanisches Hin-Möller, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4
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derniss für die Kaubewegung abgeben oder das Zahnfleisch verletzen. In solchen Fällen kann der Foetor ex ore fehlen.
Man prüfe ferner die Richtung der Zahnreibeflächen (Treppen- oder Scheerengebiss, Schieferzähne) und die Schleim­haut der Backen auf etwaige Verletzungen. Bei der Alveolar-periostitis lässt sich oft am Zahnfleisch eine Lücke nach­weisen, aus der auf Druck eine sehr übel riechende Flüssig­keit entleert wird; oft sind diese mit Zahnfisteln verbunden. Schwierig ist zuweilen die Ermittlung des Zahnes, von dem die Fistel ausgeht. Topographisch ist zu bemerken, dass das untere Ende der Jochleiste bei horizontaler Kopfstellung etwa senkrecht über der Grenze zwischen dem dritten und vierten Backzahn liegt.
Knochenauftreibungen in der Nähe des Alveolarrandes gelten als Zeichen einer Alveolarperiostitis. Am Unterkiefer reicht die Anschwellung bis auf den unteren Rand desselben und lässt sich sowohl an der inneren wie äusseren Fläche des Kieferastes nachweisen. Im Gegensatze hierzu sind die durch äussere Einflüsse (Stossen an der Krippe) entstandenen Ex-ostosen auf den unteren Rand des Kiefers beschränkt.' Selten bricht die Alveolarperiostitis in die Nasenhöhle durch, dann tritt Nasenausfluss mit dem specifischen cariösen Geruch auf.
c) Wiederkäuer. Hier liegen die Verhältnisse nicht wesentlich verschieden. Beim Einde wird das Maul dadurch geöffnet, dass ein kräftiger Mann den Kopf des Thieres von hinten umfasst und die Zunge ergreift. In Bezug auf Zähne gilt dasselbe, was vom Pferde gesagt ist,
Dagegen kommt beim Rinde eine chronische Glossitis vor, welche sich zuerst durch Schluck- und Athembeschwerden (namentlich beim Fressen) zu erkennen giebt. Bei der Unter­suchung zeigt sich der Grund der Zunge oft bedeutend ver­dickt (Makroglossie, Actinoraycose).
Fremdkörper zwischen den Zähnen rufen beim Rinde
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zuweilen epileptiforme Krämpfe hervor. Man denke ferner an Rinderpest und Aphthenseuche.
Beim Schafe sind Zahnleiden nicht selten und gestalten sich'ähnlich wie beim Rinde.
d) Beim Schweine bietet die Untersuchung des Maules grössere Schwierigkeiten, gelingt jedoch, indem ein Strick durch das Maul gelegt wird, in Folge dessen das Thier das Maul öffnet und schreit. Man muss sich durch Inspection von der Beschaffenheit der Maulhöhle, soweit dies überhaupt möglich ist, überzeugen.
Fleischfresser. Um den Ober- und Unterkiefer wird je eine Schlinge gelegt, und während das Thier in der Seiten­lage auf einem Tische an den Füssen gehalten und der Kopf gegen die Unterlage gedrückt wird, lässt man durch Anziehen der Schlingen das Maul öffnen; durch Herabdrücken der Zunge kann hier selbst die Rachenhöhle und der Kehlkopf gesehen werden. Sollen Manipulationen im Maule vorgenommen wer­den, oder will man den Grund der Zunge oder den Kehlkopf besichtigen, so erfasst man die Zunge zunächst mit einer Kornzange, zieht sie vor und hält sie mit zwei Fingern fest. Um das Abgleiten derselben zu verhindern, umfasst man sie mit einem Tuch.
In erster Linie sehe man auf Fremdkörper im Maule am Grunde der Zunge oder in der Rachenhöhle, besonders wenn Salivation vorhanden ist. Ein Faden im Maule führt zuweilen zum Auffinden von Nähnadeln. Alveolarperiostitis ist bei alten Hunden in Verbindung mit Zahnsteinbildung häufig. Lockerwerden der Zähne und eigenartig penetranter Geruch aus dem Maule weisen auf dieses Leiden. Caries kommt (in Berlin) bei Hunden nicht vor. Zuweilen finden Verschiebungen der gelockerten Zähne statt, so dass die Thiere das Maul nicht schliessen können.
Entzündungen der Zunge durch Ablecken scharfer Sub-
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stanzen (Salben), auch Strangulation der Zunge (dunkelblau-rothe Farbe der Spitze, die hinten plötzlich aufhört) durch Einge von Gummi oder Querschnitten von Blutgefässen, welche bei der Futteraufnahme auf die Zunge gelangen.
Froschgeschwulst (Ranula) zeigt sich als eine längliche bis fingerdicke, weiche, gelbrothgefärbte Anschwellung unter der Zunge.
Bei Hunden kommen nicht selten Tumoren (Fibrome, Sarkome, Carcinome) vor, welche meist von der Alveole der Schneidezähne ausgehen (Epulis). Ihre Erkennung ist leicht, ihre Heilung um so schwerer. Fibrome erscheinen hart, Sarkome weicher, Carcinome sind mit Anschwellung der Sub-maxillardrüsen verbunden. Seltener werden solche bei Pferden und den übrigen Thieren angetroffen.
6. Die Nase. Die dünne Cutis ist reich an Talgdrüsen und bildet mit dem x-förmigen Knorpel die Nasenflügel, welche das Nasenloch umschliessen.
Beim Pferde gehören Verwundungen der Nasenflügel zu den häufigen Vorkommnissen. Sofern die Nasenknorpel nicht mit betroffen sind, heilen diese leicht und schnell. Stärkere Anschwellung und reichliche Eiterproduction lassen auf Mit­leidenschaft der Knorpel schliessen, welche in einer Parachon-dritis mit oder ohne Knorpelnekrose besteht. Nasenaus-fluss gehört zwar in der Regel inneren Krankheiten an, kommt indess auch bei chirurgischen Leiden vor. Einseitiges Auftreten lässt die Entstehung desselben durch locale Krank-heitsprocesse in den oberen Luftwegen vermuthen. Abgesehen von der Rotzkrankheit gehört einseitiger Nasenausfluss in der Regel in das Gebiet der Chirurgie. Hierher sind als Ursachen zu zählen:
a) Erkrankung der Nasenschleimhaut; chronische Ent­zündung durch die Gegenwart von Fremdkörpern oder Tu­moren in der Nase.
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b)nbsp; Erkrankungen der Nebenhöhlen derselben, der Stirn­oder Oberkieferhöhle.
c)nbsp; Leiden der Luftsäcke.
d)nbsp; nbsp;Perforation einer von den drei ersten Backzähnen ausgehenden Alveolarperiostitis in die Nasenhöhle.
Nach der Qualität sind zu trennen: seröse, sehleimige, eitrige, fibrinöse und blutige Dejeetionen; doch besteht der Ausfluss meist aus einem Gemisch verschiedener Flüssigkeiten, nicht selten unter Beimisclmng anderer Substanzen, wie Futterstoffe, Speichel u. s. w. Stammt der Ausfluss von der Nasenschleimhaut, so tritt eine Zersetzung in derselben nicht ein, ein übler Geruch fehlt daher meist. Fremdkörper und Tumoren in der Nasenhöhle lassen sich zuweilen durch In­spection eventuell mit Hülfe des Spiegels direct nachweisen oder künden sich durch Abschwächung des Luftstromes aus dem betreffenden Nasenloche bei der Exspiration an. Letztere Erscheinung kann indess auch durch starke Schwellung der Nasenschleimhaut, sowie bei Fracturen der Nasenbeine ent­stehen. Durch Erkrankung der Nebenhöhlen (Sinus frontalis und Antrum Highmori) bedingter Nasenausfluss ist fast immer einseitig, chronisch und von schleimig-eitriger Beschaffenheit; auch besteht derselbe, abgesehen von einer geringfügigen Ver­stärkung im Anfange der Bewegung des Thieres, gleichmässig fort. In Folge der Anhäufung des Secretes in den Kopf­höhlen tritt eine Zersetzung und übler Geruch desselben und Anschwellung der Kehlgangsdrüsen ein. Die Füllung der Stirn- bezw. Oberkieferhöhle ist ausserdem durch Percussion nachzuweisen. Hierzu eignet sich ein starker Schlüssel oder das dem Gummi gegenüber liegende Ende eines Percussions-hammers. Bei leichten Schlägen gegen die correspondirenden Stellen der beiden Stirn- oder Oberkieferhöhlen treten Unter­schiede in dem Percussionsschall hervor. Täuschungen können hierbei jedoch vorkommen, wenn nicht genau dieselbe Stelle
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bei der Percussion gewählt wird. Bei längerem Bestehen des Leidens treibt die Knochendecke der Höhle auf und erlangt zuweilen eine bei der Palpation deutlich erkennbare Nach­giebigkeit.
Nasenausfluss, aus den Luftsäcken stammend, zeigt ähn­liche Beschaifenheit, kann zeitweise Terschwinden und perio­disch reichlicher hervortreten; so durch Druck auf den Luft­sack beim Kauen, beim Reiten und bei gesenkter Haltung des Kopfes. Besteht der Inhalt vornehmlich aus festem Material (Chondroide), so ist der Ausfluss sowohl wie auch die Anschwellung oft nur gering und kann der üble Geruch des Ausflusses ganz fehlen. Bei flüssigem Inhalt entwickeln sich in den Luftsäcken zuweilen Grase. In solchem Falle tritt bei Bewegungen des Kopfes oft ein kluckerndes Geräusch und bei der Percussion ein tympanitischer Schall hervor. Auch pflegt alsdann die Anschwellung hochgradig und mit Athembeschwerden verbunden zu sein. Selbst die Füllung des Luftsackes einer Seite kann zu einer bedeutenden An­schwellung der anderen Seite führen. An der erkrankten Seite pflegt dieselbe jedoch stärker hervorzutreten.
Eine seltene Erscheinung ist die Anhäufung von Luft in den Luftsäcken, wodurch Athembeschwerden hervorgerufen werden können. Die Percussion giebt über den Zustand Aufschluss.
Mit der Erkrankung des Luftsackes können entzündliche Anschwellungen der Parotis oder der subparotidealen Lymph­drüsen leicht verwechselt werden. Die Beschränkung der Anschwellung auf die Drüse und die regelmässig hiermit ver­bundene entzündliche Erkrankung der äusseren Haut, das Auftreten der Fluctuation und eventuell das Fehlen des Nasenausflusses sichern hier die Diagnose. Durch Einführen des Günther'schen Luftsackkatheters lässt sich auch der letzte Zweifel beseitigen. Blut im Nasenausfluss rührt in der Regel
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von ulcerösen Processen her und erweckt zunächst den Ver­dacht auf Rotz. Dieser Verdacht bleibt bestehen, wenn nicht eine Ursache nachgewiesen werden kann. Dasselbe gilt vom Nasenhluten.
Fibrinöse Entzündung der Nasenschleimhaut kommt selten zur Beobachtung und ist als Diphtherie der Nase beschrieben worden. Aber auch durch scharfe Substanzen wie durch Chloroform (beim Narkotisiren) können fibrinöse Exsudate auf der Nasenschleimhaut hervorgerufen werden, die sich später abstossen und dem Ausflusse beimischen.
Rind. Nasenlöcher klein, Nasenflügel dick. Zwischen beiden das Flotzmaul, welches unten in die Oberlippe über­geht.
Beim Rinde gilt im Allgemeinen dasselbe. Lebhafte Bewegungen der Nasenflügel erinnern an Lungenkrankheiten (Lungenseuche).
Bei Fleischfressern sind acute Katarrhe der Nasen­schleimhaut (Schnupfen) häufig und zeigen sich durch Niesen und Schniefen. Einzelne Rassen (Möpse) neigen besonders dazu und sind dann oft ausser Stande, durch die Nase zu athmen, was bei der Vornahme von Operationen zu beachten ist, die ein Zubinden des Maules erforderlich oder wünschens-werth machen. Es kann in Folge dessen Erstickungsgefahr eintreten. Die feuchte und kalte Nase wird wohl als sicheres Zeichen der Fieberlosigkeit bei Hunden angesehen; von dieser alten Regel kommen aber oft Abweichungen vor.
7. Gesicht. Wir fassen mit der Bezeichnung Gesicht jene Theile des Kopfes zusammen, welche die Gesiehtsknochen (Nasenbeine, Ober- und Zwischenkieferbeine, Thränen- und Jochbeine) als Grundlage haben und die Nasen- und Ober­kieferhöhle umschliessen. Die äussere Haut ist hier straff ausgespannt und auf ihrer Unterlage wenig verschiebbar.
Pferd. Entzündliche Anschwellungen in Folge von
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Quetschungen an der Nase sind zuweilen mit Fractur der Nasenbeine verbunden. Der Knochen erscheint dann oft ein­gedrückt, und aus der Nase besteht blutiger Ausfluss. Zuweilen ist der Luftstrom bei der Respiration verringert und selbst Athemnoth vorhanden. Brüche am Jochbein sind mit Stö­rungen des Kauens verbunden. Am Oberkieferbein treten Brüche während der Zahnextraction ein (Anschwellung, Störung des Kauens, zuweilen Crepitation). Knochenauf-treibung im Gesicht kann durch chronische Erkrankung der Oberkieferhöhle veranlasst werden, die ihre Entstehung oft Tumoren verdankt.
Auch Zahn fist ein, vom dritten oder vierten Backenzahn ausgehend, führen zu solchen Auftreibungen in der Höhe des unteren Endes der Jochleiste. Thränenfisteln zeigen sich als enge Oeffnungen in der Haut unter dem inneren Augen­winkel, aus der sich eine klare Flüssigkeit entleert, welche die Haare unterhalb der OefFnung verklebt und zum Aus­fall bringt. Die eingeführte Sonde dringt gegen die Nasen­höhle vor.
Wiederkäuer im Ganzen wie beim Pferde. Sarkome und Carcinome am Oberkieferbein kommen häufiger vor.
Fleischfresser. Bei Hunden Brüche der Oberkiefer-bezw. Zwischenkieferbeine durch heftiges Beissen. Zahn­fisteln treten meist 2—3 Ctm. unter dem unteren Augenlide auf und sind den Thränenfisteln sehr ähnlich. Die Sonde giebt hier Aufschluss.
8. Stirn. Grundlage bilden die Stirnbeine mit den Stirnhöhlen.
Pferd. Anschwellungen durch Quetschungen mit oder ohne Fractur der Stirnbeine, ferner durch Auftreibung der Knochen in Folge chronischer Erkrankung der Stirnhöhlen (Katarrhe, Tumoren) (Seite 53).
Rind. Fractur des Hornfortsatzes: Beweglichkeit des
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Homes, zuweilen mit epileptiformen Krämpfen verbunden. Bei Zugthieren kommen Quetschungen durch das Stirnjoch vor, die sich unter Umständen auf den Hornfortsatz erstrecken und selbst Abfallen des Hornes zur Folge haben. Anschwel­lung und andere entzündliche Zustände oder Nekrose lassen keinen Zweifel über den Zustand. Sonst wie beim Pferde. Fleischfresser. Krankheitszustände sind hier im Ganzen selten.
9.nbsp; nbsp;Schädel. Grundlage: Scheitelbeine, Schläfenbeine und Hinterhauptsbein.
Pferd. Wunden und Quetschungen zuweilen mit Frac­turen der Schädeldecke verbunden. Betäubung, Zwangs­bewegungen, Tobsucht und andere Symptome acuter Gebirn-erkranknngen lassen auf einen solchen Zustand schliessen. Doch vergesse man nicht, dass die Verletzungen auch die Folge einer Gehirnkrankheit sein können.
Verletzungen in der Nähe des Kiefergelenkes führen leicht zur Entzündung mit Synostosenbildung in demselben (Seite 47). Ablösungen der Haut mit dem Schöpfe heilen schlecht.
10.nbsp; nbsp;Parotisgegend. Pferd. Wunden, mit Verletzung der Ohrspeicheldrüse verbunden, geben Veranlassung zu Speichel­fisteln, welche sich durch Ausfluss einer klaren Flüssigkeit besonders beim Fressen zu erkennen geben.
Anschwellungen in der Parotisgegend können bedingt sein:
a)nbsp; Durch Parotitis. Die Schwellung entspricht der Lage der Drüse, zeigt vermehrte Wärme und Schmerzhaftigkeit. Der Kopf wird in der Regel schief getragen.
b)nbsp; Erkrankung der subparotidealen Lymphdrüsen. In diesem Falle tritt die Anschwellung vornehmlich an den unteren Abtheilungen der Parotis hervor. Acute Entzündungs-symptorae in der Haut fehlen meist. Dieselbe ist auf der Unter-
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lage verschiebbar. Später kommt zuweilen Durchbruch zu Stande. Nicht selten bestehen auch Athembeschwerden.
c)nbsp; Füllung der Luftsäcke mit Secret oder Luft. Die Anschwellung geht bei erheblicher Ausbildung über die Grenzen der Drüse hinaus, oft bis zur anderen Seite des Halses. Auch besteht Nasenausfluss (Seite 54).
d)nbsp; Entzündliche Erkrankung der Rachenschleim­haut (Bräune). Athembeschwerden, Nasenausfluss, Anschwel­lung sind an beiden Seiten mehr gleichmässig ausgebildet.
e)nbsp; Tumoren in der Parotis oder deren Umgebung (Melanosen). Langsames Auftreten, circumscript, Fehlen von Entzündung. Wenn dieselben unter der Parotis ihren Sitz haben, sind sie wohl mit Füllung der Luftsäcke zu ver­wechseln; es fehlt indess der Nasenausfluss.
Wiederkäuer. Beim Rinde sind gerade hier Tumoren häufig, welche entweder von der Parotis oder von den sub-parotidealen Lymphdrüsen oder von der Rachenhöhle aus­gehen (Lymphome, Tuberculose, Actinomycose). Sie haben Athmungs- wie Schlingbeschwerden und nach dem Schlucken Husten zur Folge. Bei gestrecktem Kopfe sind sie oft deut­lich zu fühlen.
Fleischfresser. Parotitis ist bei Katzen und Hunden nicht selten; Ekzeme der äusseren Haut in Folge Erkran­kungen am Ohr ebenfalls häufig.
11. Ohren. Die Ohrmuschel ist von einer dünnen, fest anliegenden Cutis überzogen; der äussere Gehörgang von der mit vielen Talgdrüsen versehenen Cutis bekleidet.
Bei Pferden kommen Verwundungen am äusseren Ohr vor, welche nach sorgfältiger Vereinigung ihrer Ränder meist gut heilen.
Am Grunde des Ohres findet sich zuweilen Fistelbildung (Zahnbalggeschwulst).
Für Wiederkäuer gilt dasselbe. Beim Rinde hat man
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zuweilen tobsüchtige Anfälle durch die Gegenwart von Fremd­körpern (Milben) im Ohre entstehen sehen.
Fleischfresser. Beim Hunde sind Krankheiten der Ohren häufig. Entzündung des äusseren Gehörganges giebt sich durch Schütteln mit dem Kopfe, Kratzen, Scheuern des Ohres, Schiefhalten des Kopfes, Juckgefühl oder Schmerzen zu erkennen. Auf Druck am Grunde des Ohres entsteht zu­weilen ein quatschendes Geräusch und intensives Juckgefühl. Eöthung der Haut des äusseren Gehörganges, Excoriationen derselben, Anhäufung einer schwarzen, schmierigen Masse oder einer stinkenden, eitrigen Flüssigkeit (sog. innerer Ohr­wurm); nicht selten ist das Leiden mit Ekzem der äusseren Haut unter dem Ohre verbunden.
An der Ohrmuschel sind Hämatome und Ulcerationen häufig (äusserer Ohrwurm). Beide Zustände treten fast immer in Folge des Schütteins mit dem Kopfe bei Entzündung des äusseren Gehörganges auf. Hämatome zeigen sich als fluc-tuirende Anschwellungen an der Innenfläche der Ohrmuschel, bei heller Haut mit Röthung derselben verbunden. Ulcera­tionen finden sich am Rande, meist an der Spitze der Ohrmuschel. Es wird hierbei eine röthliche Flüssigkeit ab­gesondert, welche, an der Oberfläche zu braunschwarzen Krusten eintrocknet. An der schiefen Haltung des Kopfes und der Gegenwart von Blut am Maulkorbe erkennt man das Leiden schon von weitem. Zuweilen treten heftige Blutungen ein. Man untersuche bei diesen Leiden stets den äusseren Gehörgang, der mit seltenen Ausnahmen entzündet angetroffen wird. Zu dieser Untersuchung genügt in der Regel einfaches Tageslicht. Indem die Ohrmuschel mit beiden Händen erfasst und eine leichte Drehbewegung mit derselben gemacht wird, gewinnt man einen Einblick in den äusseren Gehör­gang. Die Anwendung des Ohrenspiegels bietet keinen er­heblichen Vortheil und ist bei unruhigen, ängstlichen Thieren,
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sowie bei schmerzhaften Leiden sclrwierig. Nicht selten werden im äusseren Gehörgange papilläre Neubildungen an­getroffen, die denselben zuweilen ganz ausfüllen.
12. Kehlgang. Der zwischen den leiden Unterkiefer­ästen befindliche Raum. Unter der äusseren Haut liegen die Kehlgangslymphdrüsen, darüber die Zunge mit den Ueber-zungendrüsen.
Pferd. Anschwellungen der Kehlgangsdrüsen hei Rotz, Druse, Wunden und Geschwüre in der Nase oder am Ge-sichtstheile des Kopfes haben meist keia chirurgisches Inter­esse. Auch Tumoren (Carcinome) werien hier angetroffen.
Bei Schweinen werden eitrige Erkrankungen der sub-maxillaren Lymphdrüsen (Tuberculose?) teobachtet, welche zuweilen durch einen Einstich geöffnet werden müssen.
Beim Hunde trifft man nicht selten Balggeschwülste im Kehlgange an, die einen synoviaähnliclen Inhalt haben und oft bis in das Zungenbein reichen. Die Resection derselben ist mit Schwierigkeiten verbunden.
Hämatome an dieser Stelle (Folge vom Beissen) zeichnen sich von den vorigen durch entzündliche Erscheinungen und Oedem in der Nachbarschaft aus; zuweilen vereitern die­selben.
Die Untersuchung der Augen.
Die Diagnostik der Augenkrankheiten hat nicht nur in wissenschaftlicher und therapeutischer, sondern auch in foren­sischer Hinsicht eine besondere Bedeutung. Dies gilt nament­lich für das Pferd, weshalb auf dieses hier in erster Linie Rücksicht genommen werden soll. In dem Nachstehenden wird auf diese Fragen indess nur so weit eingegangen wer­den, als dieselben für den praktischen Thierarzt ein Interesse haben. Der besseren Uebersicht wegen wollen wir zuerst
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die Untersuchung mit dem unbewaffneten Auge besprechen, sodann die Anwendung besonderer Hülfsmittel (Augenspiegel u. s. w.) folgen lassen. Man halte den Grundsatz fest, dass, je complicirter die zur Untersuchung in Anwendung ge­brachten Hülfsmittel sind, um so leichter Täuschungen entstehen. Was also mit dem blossen Auge erkannt werden kann, soll zunächst mit diesem festgestellt werden, und erst da, wo dieses nicht ausreicht, oder der Befund einer Controlle unter­zogen werden soll, greife man zu den Hülfsmitteln, insbesondere zum Augenspiegel. Wichtig ist ferner bei der Untersuchung dieses complicirten Organes streng systematisch vorzugehen, um nichts zu übersehen. Ferner ist auf eine zweckent­sprechende Haltung und Stellung des Untersuchenden wie des Thieres, sowie auf eine möglichst vortheilhafte Beleuch­tung Werth zu legen. Bei der Kleinheit der einzelnen Theile des Auges ist recht viel Licht erforderlich, ganz besonders aber, wenn die durchsichtigen und die im Inneren des Bulbus gelegenen Theile untersucht werden sollen. Man stelle das Pferd so auf, dass das Licht möglichst senkrecht auf das Auge fällt, während dasselbe von ' der Seite und von hinten von Lichtstrahlen nicht getroffen wird. Unter Um­ständen empfiehlt es sich, die Beleuchtung von der Schläfen­seite eintreten zu lassen. Es eignet sich zu dieser Unter­suchung am meisten die Thür eines dunklen Stalles, vor dem sich ein möglichst freier Platz befindet. Durch Grehäude oder Bäume findet nicht nur eine Abschwächimg der Beleuchtung statt, sondern es werden auch durch die Spiegelbilder der­selben auf der Cornea und der Linse leicht Täuschungen bei der Untersuchung hervorgerufen. Das eigene Auge muss mit dem entsprechenden Correctionsglase versehen sein, wie es für den Betreffenden zum Lesen einer Schrift erforderlich ist.
Man trete sodann an das Pferd heran, nehme die Zügel selbst in die Hand und betrachte das Auge, ohne das Thier
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zu berühren. Ist das zu untersuchende Auge geschlossen, so rufe man das Pferd laut an, und falls dies nicht wirkt, führe man mit der Hand oder einer Gerte einige leichte Schläge gegen die Schulter oder die unteren Theile des Halses aus. Sofern nicht ein erheblicher Luftreiz besteht, wird das Auge alsdann geöffnet.
Man betrachte zunächst die Augenlider, ihre Lage, Gestalt und Umfang; Schwellungen, Verletzungen, Ab­weichungen in der Form lassen sich durch Vergleichung beider Augen leicht erkennen, ebenso die Weite der Lidspalte be-urtheilen.
Sodann achte man auf etwa vorhandene krankhafte Secrete im inneren Augenwinkel. Schleim zeigt sich in grauen, glasigen, flockigen Massen; Eiter mischt sich im Gegensatze zum Schleim mit der Thränenflüssigkeit und stellt mit der­selben ein gelbes, trübes Secret dar. Ist der Schleim mit Eiter gemischt, so nehmen die Flocken eine der Menge des Eiters entsprechende gelbe Farbe an. Grössere Mengen der Secrete fliessen über den Rand des inneren Augenwinkels und benetzen die Haare unter demselben. Nach längerem Bestehen des Ausflusses fallen die Haare aus. Diese Er­scheinung lässt auf ein Leiden der Binnenorgane des Auges schliessen, zumal wenn äussere Verletzungen fehlen, grosser Lichtreiz besteht und das Auge geschlossen wird. Aber auch durch Fremdkörper im Conjunctivalsack treten diese Symptome hervor; Röthung und Schwellung der Conjunctiva weisen auf die Gegenwart derselben hin. Bei dieser Besichtigung lassen sich ferner Schwellungen der im Augenwinkel gelegenen Thränenorgane erkennen.
Nunmehr richte man seine Aufmerksamkeit auf den ßulbus, beurtheile dessen Grosse, Form und Lage, indem man beide Augen mit einander vergleicht; suche ferner festzustellen, ob der Bulbus hervorgedrängt oder zurückgezogen ist, und wie
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sich die Richtung der Sehaxe verhält. Hiernach prüfe man die Durchsichtigkeit der Cornea, ihre Wölbung, die Be­schaffenheit ihrer Oberfläche auf etwa vorhandene Defecte, Schwellungen und Neubildungen. Man betrachte die Cornea von verschiedenen Seiten, um die Beschaffenheit ihrer Ober­fläche genauer beurtheilen zu können. Defecte wie auch Schwellungen in dem Cornealepithel lassen sich auf diese Weise erst nachweisen. Etwa vorhandene Trübungen werden auf Stärke, Sitz, Farbe und Begrenzung geprüft. Je schwächer die Trübung, um so mehr tritt dieselbe in bläulicher Farbe hervor; mit der Intensität nimmt dieselbe eine mehr weisse Farbe an. Doch kommen auch schwarze Trübungen in der Cornea (häufig bei Hunden) vor, die durch Pigmentablage­rung in Folge von Blutungen entstanden sind. Nach starker Vascularisation der Cornea bleiben solche pigmentirten Flecke öfter zurück. Streifige, atlasglänzende Trübungen mit scharfer Begrenzung lassen auf chronische Veränderungen (Narben) in der Cornea schliessen; kreideartige Trübungen rühren oft von der Anwendung von Bleisalzen bei Wunden oder Geschwüren der Cornea und lassen sich selten wieder beseitigen. Trübungen, die mit Reizerscheinungen verbunden sind und eine diffuse Ausbreitung besitzen, gehören in der Regel acuten Entzündungsprocessen der Cornea an und pflegen einer entsprechenden Behandlung zu weichen. Im Allgemeinen besitzt die Cornea des Pferdes bei Weitem nicht das Regene­rationsvermögen wie die des Hundes.
Durch Betrachtung der Cornea von der Seite lässt sich oft ein genaueres Urtheil über den Sitz der Trübung ge­winnen; zugleich überzeugt man sich, ob Krümmungsabnormi­täten an der Cornea bestehen (Astigmatismus). Diese letzteren werden am besten durch Spiegelbilder, z. B. von einem Fenster oder mit Hülfe des Keratoskops erkannt, indem diese Bilder Verzerrungen zeigen, wo eine nnregelmässige Krümmung der
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Cornea besteht. Bemerkt sei indess, dass die Cornea, sowie die Linse bei unseren Hausthieren physiologischen Astig­matismus zeigt.
Nunmehr geht die Untersuchung auf die Binnenorgane über, und zwar zunächst auf Gestalt und Inhalt der vorderen Augenkammer. Durch Betrachtung von der Seite (im Profil der Augen) tiberzeugt man sich von dem Stand der Iris. Die Kammerflüssigkeit soll absolut klar und durchsichtig sein. Fibriuöse Ausscheidungen zeigen sich in der vorderen Augen­kammer in Gestalt grauer Flocken, die oft der Iris aufliegen; eitrige treten als gelbes Sediment auf dem Boden der vor­deren Augenkammer auf; nicht selten sind die Exsudate in Folge hämorrhagischer Beimischung mehr oder weniger roth gefärbt. Bestehen neben eitrigen Exsudaten in der vorderen Augenkammer Trübungen in den gegenüber liegenden Bezirken der Cornea, so nimmt die letztere zuweilen einen grünlichen Farbenton an; so bei der traumatischen Iritis der Pferde.
An der Iris ist Farbe, Beschaffenheit der Oberfläche und der Stand derselben festzustellen. Bei entzündlichen Processen nimmt dieselbe durch Ein- und Auflagerung von Exsudaten eine hellere Farbe und rauhe Beschaffenheit, durch grossen Blutgehalt eine dunklere Färbung an. Zuweilen lassen sich die stark injicirten Gefässe derselben deutlich erkennen. Durch Schwellungen im Ciliarkörper (Mondblindheit) oder Auf­quellen der Linse wird die Iris nach vorn gegen die Cornea gedrängt; beim Leucoma adhaerens ist sie mit dieser ver­klebt oder verwachsen. An linsenlosen Augen oder bei Luxatio lentis rückt sie nach hinten und zeigt eine flottirende Beweglichkeit.
Man beachte ferner die Weite und Form der Pupille. Abnorme Weite derselben lässt Amaurosis vermuthen, abnorme Enge entzündliche Processe im Uvealtractus. Eine unregel-mässige Gestalt der Pupille deutet auf hintere Synechie
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(Mondblindheit). (Die Traubenkörner dürfen indess nicht mit Unregelmässigkeit des Pupillarrandes verwechselt werden.) Bemerkt sei noch, dass die Gestalt der Pupille am Pferde­auge mit der Weite derselben sich verändert. Bei maximaler Verengung bildet dieselbe einen schmalen Spalt, der unter Umständen von den Traubenkörnern fast ganz geschlossen erscheinen kann. Bei mittlerer Weite (massiger Beleuchtung) besitzt dieselbe eine länglich ovale Gestalt; bei maximaler Er­weiterung wird sie endlich vollständig rund.
Mangelhafte Reaction auf verschiedene Lichtreize kann durch entzündliche Erkrankung der Iris, durch Ver­klebung oder Verwachsung mit der Linse (hintere Synechie) oder durch Amaurosis bedingt sein. In letzterem Falle be­steht bei maximaler Erweiterung der Pupille vollständige Unbeweglichkeit derselben, weil durch die vom Opticus ausgehende und durch die Vierhügel auf den Oculomotorius und den Sphincter pupillae übertragene Reflexwirkung wegen der Lähmung des Sehnerven ausfällt. Dabei ist indess zu berücksichtigen, dass auch von dem anderen, gesunden Auge Reflexe auf das amaurotische übertragen werden können. Es muss daher das nicht zu untersuchende Auge bei dieser Prüfung vollständig verdeckt werden. Am zweck-mässigsten legt man auf jedes Auge eine Hand, und indem diese von dem zu untersuchenden Auge entfernt wird, beob­achtet man sofort das Verhalten der Pupille desselben. Täu­schungen können alsdann nur durch pupillenerweiternde Mittel (Atropin) veranlasst werden, die ebenfalls Unbeweglichkeit bei maximaler Erweiterung der Pupille bewirken. Bei entzünd­lichen Erkrankungen der Iris wird die Functionsthätigkeit ihrer Muskelfasern abgeschwächt; auf intensive Lichtreize erfolgen zwar noch Bewegungen, aber sie verlaufen langsam, „trägequot;.
Bei der hinteren Synechie endlich besteht ein mechanisches Hinderniss für die Irisbewegung, indem die mit der Linsen-
Moller, Klinisclie Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
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kapsel verbundenen Abschnitte der Iris den übrigen nicht folgen können. Dadurch bilden sich Unregelmässigkeiten in der Form der Pupille, sog. Verzerrungen. Verklebungen zwischen Iris und Linse werden zuweilen durch energische Irisbewegung gesprengt, wobei Theile des stark pigmentirten Epithels der hinteren Irisfläche an der Vorderkapsel der Linse haften bleiben und in späterer Zeit noch Zeugniss von diesem Vor­gange ablegen. Dieser Zustand ist somit für die Beurtbeilung in Bezug auf periodische Augenentzündung ausserordentlich wichtig.
Nunmehr geht die Untersuchung auf die hintere Augen­kammer über. Ohne künstliche Beleuchtung erscheint die­selbe in der Regel dunkel. Je nach dem Stande der Pupille zeigt sich der Pupillarreflex, d. h. der Lichtreflex aus dem Augenhintergrunde verschieden. Bei maximaler Ver­engerung erscheint derselbe schwarz, bei mittlerer Pupillen­weite schwarzblau; bei maximaler Erweiterung endlich nimmt der Pupillarreflex eine blaugraae Farbe an. Bei der Unter­suchung des Pferdeauges ist dies wohl zu beachten, namentlich wenn durch Atropin eine maximale Erweiterung der Pupille hervorgerufen ist. Das Ergebniss einer Vergleichung mit dem anderen Auge darf alsdann nicht als massgebend angesehen werden. Bei Amaurosis kann daher regelmässig ein hellerer Lichtreflex beobachtet werden, ohne dass eine Abnahme des Pigmentgehaltes der Chorioidea hierfür verantwortlich zu machen ist. Doch soll nicht behauptet werden, dass durch Schwinden des Pigments diese Erscheinung nicht verstärkt werden kann. Treffen in einem lichtschwachen Räume von einer bestimmten Stelle aus mehr Lichtstrahlen das Auge, und befindet sich der Beobachter in der Richtung der aus demselben reflectirten Strahlen, so „leuchtetquot; das Auge. Da nun in der Regel die Reflexion von dem grünen Tapetum er­folgt, so erscheint der Hintergrund grün; findet diese von der
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Papilla statt, dann bekommt die Pupille ein weissröthliches Aussehen. Deutlicher als beim Pferd wird dies Leuchten der Augen bei den Fleischfressern beobachtet.
Bei der Beurtheilung des Pupillarreflexes kommt ferner die Pellucidität der Linse und des Glaskörpers in Betracht; Trübungen in diesen lichtbrechenden Medien rufen Ab­änderungen desselben hervor. Bei totaler Katarakt erhält der Pupillarreflex ein helleres, graueres, unter Umständen selbst weisses oder gelbes Aussehen; bei der Verflüssigung des Glaskörpers wird derselbe mehr oder weniger deutlich grün (grüner Staar); bei partiellem grauen Staar ist die Unter­brechung auf einzelne Bezirke des Pupillargebietes beschränkt (Staarpunkt, Staarbalken).
Die Untersuchung dieser Zustände verlangt eine zweck-mässige Beleuchtung, einige Uebung und die Beachtung der Zustände des normalen Auges. In Bezug auf Beleuchtung gilt im Allgemeinen das vorhin Gesagte. Dieselbe lässt sich jedoch dadurch noch verbessern, dass von der einen oder anderen Seite zeitweise das Licht abgesperrt wird, indem man einen dunkleren Gegenstand (Hut, Mütze) gegen das zu unter­suchende Auge hält. Hierdurch treten die in der Linse be­stehenden Trübungen schärfer hervor. Andererseits werden auf diese Weise Täuschungen ausgeschlossen, wie sie durch das Auftreten von Spiegelbildern auf der Linse entstehen können. Bei Untersuchung einer grosseren Zahl von Pferden lässt sich für diesen Zweck ein etwa 15 Ctm. langes und 10 Ctm. breites Stück Pappe verwenden, welches mit schwarzem Tuch überzogen ist. Man betrachte den Augenhintergrund von verschiedenen Seiten und achte auf etwa vorhandene Unter­brechungen in der Färbung des Pupillarreflexes, welche sich in der Regel als graue Flecke oder Streifen zu erkennen geben (Katarakt).
Bei maximaler Pupillenweite erlangt man unter Um-
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ständen sogar einen Einblick in den Augengrund, und werden selbst Trübungen im Glaskörper, Ablösungen der Netzhaut ohne Anwendung besonderer Hülfsmittel sichtbar. Verflüssigungen des Glaskörpers geben sich durch eine gleichmässig über die ganze Pupille ausgebreitete, mehr oder weniger deutlich grüne Farbe zu erkennen. Der Ton derselben ist matt, und dadurch unterscheidet sich der Zustand von der bei maximaler Pupillen­erweiterung zuweilen sichtbaren, mehr glänzend grünen Licht-wirkuug des Tapetums.
Trübungen in der Linse können mit Spiegelbildern sowie mit dem grauen Schimmer der Papilla optici verwechselt werden. Die ersteren lassen sich dadurch ausschliessen, dass man auf ihre Verschiebung bei Bewegungen des Kopfes des Pferdes achtet; durch Vorhalten eines dunklen Gegenstandes werden sie zum Verschwinden gebracht. Endlich zeigt sich ihnen gegenüber auf der Cornea die gleiche Erscheinung. Die Papilla optici giebt sich bei dieser Betrachtung des Auges als ein etwa linsengrosser grauer Fleck zu erkennen, der tief im Hintergründe des Auges liegt und eine diffuse Begrenzung zeigt. Die Vergieichung mit dem anderen Auge sichert auf jeden Fall die Diagnose.
Eine Erscheinung, welche bei dieser Untersuchung des Auges, namentlich beim Pferde und Hunde oft hervortritt, ist Luxation der Linse. Durch Schrumpfung der Linse, welche meist mit Trübung begleitet ist, trennt sich dieselbe zuweilen entweder ganz oder theilweise von der Zonula Zinnii. In dem ersteren Falle senkt sich die Linse entweder in den Glaskörper oder in die vordere Augenkammer und ist hier in der Regel leicht erkennbar. Die Iris hat alsdann ihre feste Unterlage verloren und flottirt in Folge dessen bei Bewegungen des Kopfes in der Augenflüssigkeit.
Ist der Glaskörper durchsichtig, so erkennt man hierbei auch ohne Anwendung des Spiegels den Augenhintergrund.
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Die Papilla optici erscheint alsdann aber kleiner als bei der Untersuchung mit dem Spiegel und bei erhaltener Linse. Ist die Linse nur theilweise von dem Ciliarkörper getrennt, so macht dieselbe beim Heben und Senken des Kopfes des Pferdes im Innern des Auges oft deutlich erkennbare Be­wegungen.
Eei einiger Uebung nimmt diese Untersuchung nur wenige Augenblicke in Anspruch; daher empfiehlt es sich, dieselbe stets vollständig auszuführen, bevor man das Auge berührt. Denn viele Pferde pflegen nach der Anlegung der Hand an das Auge, namentlich bei Entzündungen desselben, die Lider zu schliessen, so däss ein freier Einblick in das Innere des Auges nicht mehr erlangt werden kann.
Erst nach dieser Inspection setzt man die Untersuchung mit Hülfe der Hand fort. Zur Prüfung der Beschaffenheit der Conjunctiva ist in der Regel das Aufheben eines Augen­lides erforderlich. Hierzu erfasst man mit dem Zeigefinger und Daumen den Ciliarrand des oheren Augenlides etwa in der Mitte und hebt denselben etwas vom Augapfel nach unten ab. Während der vierte und fünfte Finger oder ein Finger der anderen Hand einen Druck auf den Bulbus nach unten ausübt, drängt man das Augenlid nach oben. Auf diese Weise wird die Conjunctiva palpebrarum nach aussen ge­wendet und mit ihrem Uebergangstheile sichtbar. Handelt es sich um die Beschaffenheit der Conjunctiva im Allgemeinen, so genügt folgendes leichter ausführbare Verfahren:
Bei der Prüfung des linken Auges legt man den Zeige­finger der rechten Hand gegen den Lidrand des oberen, den Daumen gegen den des unteren Augenlides und drängt mit einem massigen Druck den Bulbus in die Augenhöhle zurück. Hierdurch tritt das dritte Augenlid so weit auf die vordere Fläche der Cornea, dass sich der Zustand der Conjunctiva an demselben deutlich erkennen lässt. Die Conjunctiva des
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unteren Augenlides wird schon durch das Herabdrücken des­selben sichtbar. Wir achten auf die Farbe, auf etwa vor­handene SchwelluDg, Verletzungen, Geschwülste oder Secrete. Störungen der Blutcirculation machen sich an der Conjunctiva deutlich bemerkbar, weshalb die Beurtheilung derselben bei Krankheiten innerer OrganeVon Wichtigkeit ist. Entzündliche Vorgänge an der Conjunctiva zeigen sich in erster Linie durch mehr oder weniger starke Injectionsröthe, und kann aus der Verbreitung derselben oft auf ihre ursächlichen Momente geschlossen werden.
Von besonderem Interesse ist die sog. „pericorneale Injection*, eine stärkere Füllung der Episkleralgefässe. Am Cornearande breitet sich ein feines Gefässnetz in den tiefsten Schichten der Conjunctiva und an der Oberfläche der Sklerotica aus, welches aus den vorderen Ciliararterien hervorgeht und mit den Gefässen des Uvealtractus im Zu­sammenhange steht. Am gesunden Pferdeauge sind diese Ge-fässe um so weniger deutlich sichtbar, als die Conjunctiva in der Umgebung der Cornea in der Eegel pigmentirt ist. So­bald aber am Uvealtractus, namentlich am Ciliarkörper, ent­zündliche Vorgänge auftreten, stellt sich eine stärkere Injection dieser Gefässe ein und zeigt sich als ein etwa 5 Mm. breiter rosarother King um die Cornea. Diese pericorneale Injection bildet somit ein wichtiges Symptom der entzündlichen Er­krankungen am Uvealtractus, speciell des Ciliarkörpers. Man beobachtet diese Erscheinung auch bei entzündlichen Processen in der Iris des Pferdes, welche regelmässig mit Circulations-störungen in dem Ciliarkörper verbunden sind.
Wir untersuchen ferner den Bulbus auf Grosse, Füllung und Lage. Eine Verkleinerung des Bulbus (Phthisis bulbi) wird nach schweren Erkrankungen des Uvealtractus (Mond­blindheit) beobachtet. Der Augapfel scheint tiefer in seiner Höhle zu liegen, während das obere Augenlid auf der kleineren
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Unterlage in der Nähe des inneren Augenwinkels eine deut­liche Knickung (Faltenbildung) zeigt. Uebermässige Grosse wird als Buphthalinus oder Hydrophthalmus bezeichnet und bei Pferden und den Wiederkäuern beobachtet. Der Zustand ist oft mit Trübung der Cornea verbunden und kann sich in wenigen Tagen in dem Grade entwickeln, dass der Bulbus mehr als um die Hälfte vergrössert erscheint. Bei Hunden bildet sich in Folge von Glaukom eine übermässige Grosse des Bulbus aus.
Zur Prüfung des Füllungszustandes des Bulbus legt man die Hände auf die beiden Augen des Pferdes, und indem man vom oberen Augenlide den Bulbus betastet, lässt sich durch Vergleichung beider Augen feststellen, ob die Füllung gleich-massig oder verschieden ist. Abnahme des Füllungszustandes zeigt sich bei der Phthisis bulbi, während eine abnorme pralle Füllung bei acuten Entzündungen des Uvealtractus constatirt werden kann.
Abweichungen von der normalen Lage des Bulbus werden zuweilen bei inneren Krankheiten beobachtet; so tritt im Stadium der Agonie der Augapfel zurück. Aehnliches wird bei Trismus beobachtet und hat das Vortreten des dritten Augen­lides zur Folge.
Die Untersuchung bei focaler Beleuchtung.
Werden durch eine Convexlinse oder einen Hohlspiegel die Lichtstrahlen einer Gas- oder Kerzenflamme gesammelt und auf die einzelnen Theile des Auges geworfen, so findet natürlich eine hellere Beleuchtung derselben statt. Im Brenn­punkte der Linse oder des Hohlspiegels treten also krank­hafte Veränderungen an den einzelnen Theilen, namentlich den Binnenorganen des Auges deutlicher hervor. Während beim Hunde hierzu eine Sammellinse von 5—8 Ctm. Brennweite
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zweckmässig benutzt wird, verdient beim Pferde ein Hohl­spiegel den Vorzug, weil die Anwendung desselben be­quemer ist. Die Untersuchung muss in einem dunklen Räume stattfinden. Der Untersuchende stellt sich dem Thiere gegen­über und richtet sein Auge auf die mit dem Lichtkegel be­leuchteten Theile. Durch Hin- und Herbewegung, Annäherung und Entfernung des Reflectors werden die einzelnen Theile des Auges in zweckmässiger Weise beleuchtet.
Die focale Beleuchtung dient in erster Linie zur Unter­suchung der durchsichtigen Medien, namentlich der Cornea, der Linse und des Humor aqueus der vorderen 'Augenkammer. Aber auch die vordere Fläche der Iris kann auf diese Weise intensiv beleuchtet werden, und lassen sich oft Veränderungen, Unebenheiten, Färbungen, Exsudate an derselben erkennen, welche bei einfachem Tageslichte nicht nachweisbar sind. An der Cornea treten Unebenheiten der vorderen Fläche, Epithel-defecte, Schwellungen hierbei deutlich hervor. Auch giebt diese Untersuchung über den Sitz von Trübungen in der Cornea leicht Aufschluss, während die Frage, ob eine Trübung derselben besteht oder nicht, hei einfachem Tageslicht oft leichter zu beurtheilen ist als bei focaler Beleuchtung; denn es zeigt bei der letzteren auch die vollständig pellucide Cornea zuweilen einen grauen Schimmer. Dagegen werden patho­logische Producte im Humor aqueus bei der focalen Be­leuchtung deutlicher.
Besonderen Vortheil bietet die focale Beleuchtung bei der Untersuchung der Linse. Sowohl über die Gegenwart wie auch über den Sitz von Trübungen in derselben (grauer Staar) erlangt man hierdurch genaueren Aufschluss. Dies gilt namentlich von partiellen Trübungen, während für diffuse Staarbildung diese Untersuchung um so weniger geeignet ist, als auch die normale Linse bei derartiger Beleuchtung oft etwas grau erscheint.
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Die Bestimmung des Sitzes von Linsentrübungen kann direkt erfolgen, indem man durch Bewegung des Lichtes die einzelnen Schichten derselben beleuchtet. Auch geben bei dieser Beurtheilung die sog. Purkinge-Sanson'schen Bildchen einigen Anhalt. Von dem vor das Auge gehaltenen Reflector entsteht sowohl auf der Cornea wie auch auf der vorderen und hinteren Fläche der Linse je ein Spiegelbild. An der Cornea ist dasselbe deutlich sichtbar und erscheint aufrecht, an der Vorderkapsel ebenfalls aufrecht, aber weniger deutlich; an der hinteren Fläche der Linse erkennt man bei genauer Betrachtung em umgekehrtes kleineres Bild. Diese beiden letzten Bildchen können also für die Beurtheilung des Sitzes von Linsentrübungen verwendet werden.
Bei maximaler Pupillenweite lässt sich auch der Glas­körper auf diese Weise beleuchten, und treten hierbei Trübungen in demselben, sowie Ablösungen der Netzhaut deutlich hervor.
Die Untersuchung mit dem Augenspiegel.
Literatur. 1. Bayer, Oosterreich. Vierteljahrsschrift für wissenschaftl. Veterinärkunde, 1881. 2. Foringer, Vorträge für Thierärzte, 1881 Serie IV Heft 4. 3. Eversbusch, Kurze Anleitung zu den verschiedenen klinischen Untersuchungsmethoden des Auges, Leipzig 1882, Hirschfeld. 4. Wolfskehl, Zeitschrift für vergl. Augenheilkunde, 1882. 5. Berlin, daselbst Heft 1. 6. Berlin, daselbst Heft 2. 7. Hirschberg, Zur vergleichenden Ophthal-mologie. 8. Koschel, Ueber Form, Lage und Grössenverhältniss der Orbita, des Bulbus und der Krystalllinse unserer Hausthiere (Zeitschrift für vergl. Augenheilkunde, 1883). 9. Heyne, Ueber den normalen Augenhintergrund des Pferdes u. s. w. (Adam's Wochenschrift 1883, S. 141). 10. Peters, Der schwarze Staar des Pferdes, Berlin 1886, Hirschwald. 11. Berlin, Tageblatt der 59. Naturforscherversammlung zu Berlin, S. 387. 12. Bayer, Lehrbuch der Veterinärchirurgie, 1887.
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Die Anwendung des Augenspiegels bei Pferden hat zwar erst in neuerer Zeit Aufnahme gefunden; doch sind sowohl die Methoden wie auch die Ergebnisse dieser Untersuchung schon von verschiedenen Seiten eingehend beschrieben worden. Unter Hinweis auf jene Arbeiten soll diese Untersuchung hier nur insoweit Berücksichtigung finden, als sie für die Veterinär-ophthalmologie eine praktische Bedeutung hat.
Der Hauptzweck der Anwendung des Augenspiegels be­steht in der Beurtheilung des Augenhintergrundes, namentlich der Papilla optici und der Retina, welche in anderer Weise nur unvollkommen oder gar nicht zu erkennen sind; in zweiter Linie kann die Feststellung des Brechungsvermögens, der Refraction des Auges zuweilen eine praktische Bedeutung erlangen; endlich lassen sich unter Umständen auch Trübungen in den lichtbrechenden Medien mit dem Augenspiegel er­mitteln.
In Folge der Brechung des Lichtes durch die Cornea, den Humor aqueus, die Linse und den Glaskörper, die mehr oder weniger wie Sammellinsen wirken, werden die das Auge treffenden Lichtstrahlen auf einen bestimmten Punkt des Augenhintergrundes vereinigt, so dass sich an dieser Stelle ein deutliches Bild der vor dem Auge befindlichen Gegen­stände bildet. Wird ein brennendes Licht vor das Auge ge­halten, so muss der demselben gegenüber liegende Abschnitt des Augenhintergrundes also intensiv beleuchtet werden. Sobald nun der Beobachter die Sehaxe seines Auges mit den in das zu untersuchende Auge eindringenden Lichtstrahlen in dieselbe Richtung bringt, ist er im Stande, die beleuchtete Stelle des Augenhintergrundes zu erkennen. Er sieht diese um so deutlicher, da die lichtbrechenden Medien des Auges als Ver-grösserungsgläser wirken. Man erlangt diese Einsicht, indem man mittelst eines Spiegels Lichtstrahlen in das zu unter­suchende Auge schickt und gleichzeitig durch die im Centrum
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dieses Spiegels befindliche Oeffnung in das Auge sieht. Die betreffende Stelle des Augenhintergrundes erscheint also hell beleuchtet und vergrössert. Zweierlei wird hierbei jedoch vorausgesetzt:
1.nbsp; nbsp; dass der Untersuchende auf diese Entfernung normal sieht; nöthigenfalls muss sich derselbe mit einem Augenglase versehen, wie es zum Lesen einer gewöhnlichen Schrift von ihm benutzt wird;
2.nbsp; nbsp; dass das Auge des Thieres die Lichtstrahlen durch-lässt und diese regelmässig bricht. Hängt doch das normale Sehen überhaupt von drei Umständen ab: a) von der Pellucidität derjenigen Theile des Auges, welche das Licht fortleiten;
b)nbsp; von der regelmässigen Brechung des Lichtes im Auge, und
c)nbsp; von der Functionsfähigkeit der Retina. Der erste Punkt bedarf hier keiner Erklärung, dagegen ist in Bezug auf den zweiten folgendes zu bemerken:
Normalsichtig (emmetropisch) heisst ein Auge, das sowohl in weiter Entfernung wie auch in der Nähe, etwa bis zu einer Annäherung von 25 Ctm., noch deutlich sieht. An dem emmetropischen Auge ist die Brennweite des dioptrischen Apparates (besonders der Cornea und der Linse) gleich der Länge der Sehaxe desselben. Die aus grösserer Entfernung, also nahezu parallel das Auge treffenden Lichtstrahlen werden so gebrochen, dass sie auf dem Augenhintergrunde, bezw. auf der Netzhaut ein deutliches Bild geben. Um aber auch die von kleinen Gegenständen aus der Nähe, also in divergirender Richtung das Auge treffenden Lichtstrahlen auf der Netzhaut zu vereinen, tritt der Accomodationsapparat in Thätigkeit. In Folge der Contraction im Ciliarmuskel nimmt die Linse eine stärkere Wölbung an und sammelt auch die divergirenden Lichtstrahlen zu einem deutlichen Bilde auf dem Augenhinter­grunde. Bei der Emmetropie liegt also der Fernpunkt in un­endlicher Weite, der Nahepunkt hängt von der Leistungs-
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fahigkeit des Accomodationsapparates ab. Derselbe kann beim Menschen sogar bis auf 10 Ctm. heranrücken.
Als Knrzsichtigkeit (Myopie, Hypometropie) wird ein Zustand bezeichnet, hei dem die Lichthrechung des Auges zu stark ist, so dass die parallelen Lichtstrahlen bereits vor dem Augenhintergrunde -vereint werden. An dem kurzsichtigen Auge werden nur die divergirenden, also aus der Nähe kommenden Strahlen zum Netzhautbilde vereint; der Fern­punkt liegt also zu nahe. Das kurzsichtige Auge bedarf daher zum Sehen in die Ferne einer Zerstreuungslinse, um den parallelen Lichtstrahlen eine divergirende Richtung zu geben. Um deutliches Sehen zu erzielen, muss eine Concav-linse gewählt werden, welche dem Grade der Myopie entspricht.
Bei der Weitsichtigkeit (Hypeimetropie) werden die parallel oder divergent auffallenden Lichtstrahlen erst hinter der Netzhaut vereint, weil entweder die Sehaxe des Auges verkürzt oder das Brechungsvermögen desselben zu gering ist. Durch Anwendung einer Sammellinse, welche die parallelen Strahlen in convergireBde verwandelt, wird das Sehen deutlich.
Diese Abweichungen in der Refraction des Auges haben in der Thierheilkunde erst neuerdings ein grösseres Interesse erlangt, nämlich seitdem man im Stande ist, dieselben objectiv nachzuweisen. Es erklärt sich diese Möglichkeit aus folgender Erwägung:
An dem normalsichtigen Auge -werden die parallel ein­fallenden Lichtstrahlen so gebrochen, dass sie zu einem deut­lichen Bilde auf der Netzhaut vereinigt werden. Die von einem beleuchteten Punkte des Augenhintergrundes kommenden Strahlen müssen also von der vorderen Fläche der Cornea aus ebenfalls parallel verlaufen und demnach, in ein zweites normalsichtiges Auge dringend, hier wiederum ein deutliches
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Bild auf der Netzhaut erzeugen. Mit anderen Worten: wenn ein normalsichtiges Auge mit Hülfe des Spiegels in ein anderes, ebenfalls normalsichtiges Auge sieht, muss es den Hinter­grund desselben deutlich erkennen. Denken wir nun aber, das zu untersuchende Auge sei weitsichtig. Die aus dem er­leuchteten Hintergrunde desselben kommenden Lichtstrahlen verlassen die vordere Fläche der Cornea in divergenter Richtung, können also in dem normalsiehtigen Auge des Untersuchenden nicht ohne weiteres zu einem klaren Bilde vereint, d. h. deutlich gesehen werden. Dies wird erst möglich, wenn die diver-girenden Strahlen durch eine Sammellinse in eine parallele Richtung gebracht worden sind. Je nach dem Grade der Divergenz wird die hierzu erforderliche Convexlinse eine ver­schiedene Wirkung besitzen müssen. Es ist hierzu eine Convex­linse erforderlich, welche gerade ausreicht, die aus dem Auge stammenden, divergenten Strahlen in parallele zu verwandeln. Indem ich eine Anzahl von Linsen daraufhin prüfe, d. h. ver­suche, mit welcher derselben der Augenhintergrund deutlich wird, habe ich in der Brennweite dieser Linse den Massstab für die Divergenz der aus dem untersuchten Auge stammenden Lichtätrahlen, also auch für den Grad der Hypermetropie desselben. Eins wird hierbei vorausgesetzt, dass an dem normal­sichtigen oder durch Gläser corrigirten Auge des Unter­suchenden die Accommodation ausser Thätigkeit tritt; dazu gehört allerdings einige Uebung.
Die von Hirschberg und Anderen construirten Augen­spiegel bieten zur Prüfung der Refraction des Auges eine grosse Bequemlichkeit. In einer drehbaren Scheibe sind kleine Linsen angebracht, welche sich leicht vor die centrale Oeffnung des Spiegels bewegen lassen, um zu prüfen, mit welcher der­selben der Hintergrund des Auges deutlich sichtbar wird. Nachdem man diese gefunden hat, ist der Grad der Hyper­metropie auf der Drehscheibe abzulesen.
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Ebenso liegt es bei der Myopie, nur dass die convergirend aus dem myopischen Auge kommenden Strablen durcb eine Zerstreuungslinse parallel gemacht werden müssen. Der Grad der Convergenz, d. h. der Myopie, entspricht dem Brechungszustande der zur Zerstreuung bis zum Parallelsein erforderlichen biconcaven Linse. Es versteht sich von selbst, dass das Auge des Untersuchenden durch eigene Refraction die eine oder andere Linse ersetzen kann. Ist das eigene Auge z. B. myopisch, so kann dasselbe die aus dem hyper-metropischen Auge stammenden Strahlen gerade so brechen, dass dieselben in ihm selbst ein deutliches Bild geben. Mit anderen Worten: entspricht der Grad der Myopie des einen Auges dem Grade der Hypermetropie des anderen, so ge­staltet sich das Verhältniss, als wenn zwei normalsichtige Augen sich gegenüber stehen.
Für den Grad der Refractionsstörung hat man zwei ver­schiedene Bezeichnungen eingeführt. Abgesehen von ver­schiedenen, zur Bestimmung des optischen Zustandes des Auges dienenden Instrumenten (Optometer), welche bei Thieren bisher keine Anwendung gefunden haben und auch beim Menschen nur selten benutzt werden, bestimmt der Augenarzt diesen Zustand in der Regel unter Benutzung verschiedener Linsen von bestimmtem Brechungsvermögen, mit welchen er den Kranken versuchen lässt, zu sehen. Nun ist es üblich, eine Linse von 1 Zoll Brennweite (Normallinse) als Grundlage für die Bestimmung der Abweichung zu benutzen, indem die Brennweite der für das betreffende Auge passenden Linse, in einem Bruche ausgedrückt, dessen Zähler eins, dessen Nenner die Brennweite der für das Auge passenden Linse angiebt. Braucht der Kranke z. B. eine Linse von 10 Zoll Brenn­weite, welche also nur den zehnten Theil der Brechkraft der Normallinse besitzt, so bezeichnet man den Brechungszustand mit ^io. Gewöhnlich wird der Zähler ganz fortgelassen und
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der Linse einfach die Nummer des Nenners beigelegt, z. B. Nr. 10, d. h. eine Linse von 10 Zoll Brennweite ist für das Auge erforderlich. Einer anderen Methode liegt das Meter-mass zu Grunde. Eine Linse von 1 Meter Brennweite nennt man eine Dioptrie, eine solche von 2 Metern, also von der halben Stärke, = ^s Dioptrie, während eine Linse von 0,5 Meter Brennweite = 2 Dioptrien ist. Berechnet man den Meter gleich 40 Zoll, so würde also
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Messungen des Index und Feststellung der Cardinalp unkte des Pferdeauges, welche von Mathiesen und Berlin angestellt wurden, haben ergeben, dass dasselbe in der Regel schwach hypermetropisch ist. Mathiesen fand eine geringe Hyper-metropie, Berlin eine solche von etwa 1—2 Dioptrien. Zu­weilen wird auch Emmetropie gefunden, selten Myopie. Die stärkste Myopie, welche Berlin fand, betrug 3 Dioptrien.
Das Verhalten der Pferde z. B. vor der Krippe lässt keinen Zweifel darüber bestehen, dass viele derselben hyper­metropisch sind. Bei Hunden und den übrigen Hausthieren scheint es ähnlich zu liegen; auch bei ihnen will Berlin meist Weitsichtigkeit gefunden haben.
Die genaueErmittelung des Brechungszustandes des Pferde­auges wird durch den Astigmatismus desselben erschwert, und zwar sowohl durch den der Hornhaut wie auch der Linse. Dieser Zustand giebt sich schon durch die inproportionale Yer-schiebung der Theile des Augenhintergrundes bei Bewegungen des untersuchenden wie des untersuchten Auges während der Untersuchung mit dem Augenspiegel zu erkennen. Auch lässt sich der Astigmatismus am Pferde dadurch nachweisen, dass man mit dem Spiegel rotirende Bewegungen ausführt. Hierbei
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zeigen sich unregelmässige, bald schmälere, bald breitere, striehförmige Reflexe in der Linse, und zwar meist in den vorderen Abschnitten derselben. Zuweilen geben sich auch breitere, radiär angeordnete, beim Wechsel der Beleuchtung glänzend oder dunkel erscheinende Linien zu erkennen. In anderen Fällen werden hierbei concentrisch geordnete, stark glänzende Ringe beobachtet, welche den Linsenkern umgeben. Dieser Befund ist indess nicht zu verwechseln mit kata-raktösen Veiänderungen in der Linse des Pferdeauges, welche bei älteren Thieren (nach dem 14. Lebensjahre) regelmässig ge­funden werden. Auch hier zeigen sich ringförmige Trübungen, welche jedoch viel feiner sind und niemals einen vollständigen Ring bilden, auch mehr excentrisch liegen, nämlich an der Grenze des durch die Altersveränderung vergrösserten Linseu-kerns (Berlin).
Die störende Wirkung des Astigmatismus auf das Seh­vermögen des Pferdes wird nach Wolfskehl u. A. durch die spaltförmige Pupille sowie durch die Grosse des Netz­hautbildes zum Theil aufgehoben. Das letztere soll doppelt so gross sein wie beim Menschen (Berlin).
In Bezug auf die Bedeutung des Linsenastigmatismus hat Berlin neuerdings behauptet, dass hierdurch das Netzhaut­bild vergrössert und durch die Schnelligkeit der Bewegung desselben die Empfindlichkeit für kleinste Bewegungen erhöht werde.
Als Lichtquelle für die Untersuchung mit dem Augen­spiegel genügt bei der weiten Pupille der meisten unserer Thiere das Tageslicht; doch kann auch Lampen- oder Gas­licht benutzt werden. Nach meinem Dafürhalten verdient das erstere den Vorzug, namentlich schon deshalb, weil es fast in jedem Stalle zur Verfügung steht und die Thiere bei der Anwendung desselben am wenigsten beunruhigt werden. Zu beachten ist, dass bei der Benutzung von Tageslicht die
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Farbentöne im Auge stets heller ausfallen, als bei künstlicher Beleuchtung, weil die farbigen Lichtstrahlen hier zur Geltung kommen.
Soll ein grösseres Thier, z. B. ein Pferd untersucht werden, so stellt man dasselbe so auf, dass es mit dem Hintertheil gegen die Lichtquelle (Thür, Fenster) gewendet ist. Bei An­wendung von künstlichem Licht ist ein dunkler Raum (Stall) erforderlich. Das Licht wird alsdann zur Seite des Halses und zwar in der Höhe des Auges gehalten. Der Unter­suchende stellt sich sodann dem von einem Manne an der Trense gehaltenen Pferde gegenüber auf, hält mit der rechten Hand den Spiegel so vor das eigene Auge, dass er durch die centrale Oeffnung desselben das Auge des Thieres erblickt. Sodann sucht er durch Bewegungen des Spiegels oder seines eigenen Körpers die von dem Spiegel reflectirten Lichtstrahlen in das zu untersuchende Auge zu werfen. Dem Anfänger macht dies in der Regel einige Schwierigkeit, welche indess durch Uebung bald überwunden wird.
Hunde stellt man am besten in der Nähe eines Fensters auf einen Tisch, so dass die Augen des Thieres von dem Fenster abgewendet sind. Der Untersuchende nimmt mit dem Gesicht gegen das Fenster Aufstellung und wirft die von diesem oder von einer Lampe auf den Spiegel fallende Licht­strahlen in das Auge des Thieres. Durch gütliches Zureden lassen sich die meisten Hunde leicht beruhigen und ohne Schwierigkeiten untersuchen.
Betrachten wir zunächst, was in dem normalen, mit voll­ständig durchsichtigen und regelmässig lichtbrechenden Medien versehenen Auge hierbei gesehen wird.
Beim Pferde fällt dem Untersuchenden zuerst eine grüne, selten bläuliche, bei Schimmeln auch wohl röthliche Färbung auf, welche in der Tiefe des Auges sichtbar wird. Nachdem man die Stelle genauer fixirt hat, zeigt sich, dass dieses Grün
Möller, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; g
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aus kleinen, unregelmässig gestalteten Feldern besteht, welche von schmalen, dunklen, selten violett oder röthlich gefärbten Streifen und Punkten begrenzt sind, deren Ränder in der Regel etwas heller erscheinen. Es ist das Tapetum, welches den über dem Sehnerveneintritt gelegenen Abschnitt des Augenhintergrundes grösstentheils einnimmt. Die Färbung des Tapetums ist eine Interferenzerscheinung, während die dunklen Unterbrechungen in demselben von den das Tapetum durchbohrenden Blutgefässen der Aderhaut veranlasst werden. An Augen, die kein Tapetum besitzen (weissgeborne Schimmel), erscheinen diese Punkte und Streifen deutlich roth.
Durch Heben des Spiegels oder Senken des Pferdekopfes erlangt man einen Einblick in die unteren Abschnitte des Augengrundes. Hier erscheint auf den ersten Blick alles gleichmässig dunkel, und zwar durch das braunrothe oder schwarze Pigment der Chorioides. Sucht man nun die Grenze zwischen diesen beiden Abschnitten auf, so stösst man dicht unter derselben auf eine röthlich, „orangerothquot;, gefärbte, länglich oval geformte und scharf begrenzte Stelle, auf die Ein­trittstelle des Sehnerven (Papilla optici). Dieselbe erscheint dem Untersuchenden in horizontaler Lage, etwa 15 Mm. lang und 10 Mm. breit, ist unten etwas mehr abgeflacht als oben; zeigt sich also als eine ovale Scheide. Der Grundton ist gelblich weiss, mit mehr oder weniger deutlicher Röthung, welche in Form unregelmässiger Flecke hervortritt. Der weisse Grundton zeigt sich am deutlichsten an der Peri­pherie in Gestalt eines weissen Ringes, welcher unten am reinsten, etwas schmäler und zuweilen von einem bläu­lichen Rande umgrenzt erscheint. Unregelmässigkeit an diesem sog. „Scleroticalringequot;, welcher der Nervenscheidc des Opticus entspricht, gehören zu den nicht seltenen nor­malen Vorkommnissen und dürfen daher nicht ohne Weiteres als Zeichen von Augenleiden angesehen werden. So trifft
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man den Ring an normalen Augen zuweilen unvollständig ge­schlossen an.
Die Färbung der Papilla optici zeigt bei Pferden manche Verschiedenheiten, bald ist dieselbe intensiv roth, orangeroth, bald heller, zuweilen gelblichroth. Nach der Bewegung bis zum Schweissausbruch erscheint die Papilla 10—12 Minuten lang intensiver geröthet. Die beiden Augen desselben Pferdes lassen in dieser Beziehung oft deutliche Verschiedenheiten er­kennen (Heyne). Stets finden sich in der Papilla optici und zwar in der Nähe des Centrums rothe Flecken von verschiedener Grrösse und Form, welche durch Unregelmässigkeiten in der Gi-efässvertheilung bedingt werden. Auch die Beleuchtung ist nicht ohne Einfluss auf die Färbung der Papille, bei Tageslicht erscheint dieselbe weniger intensiv geröthet als bei künstlichem Licht.
Von den peripheren Abschnitten der Papilla optici strahlen die Netzhautgefasse nach allen Seiten aus und lassen sich etwa 1—1,5 Papillendurchmesaer weit verfolgen. Auf dem schwarzen Pigment unterhalb der Papilla werden sie früher unsichtbar und treten hier überhaupt nicht so deutlich hervor, wie über derselben. Am weitesten sind sie an den Seiten der Papilla zu verfolgen. Die weiteren Venen lassen sich von den engen, mit stärkeren Wandungen versehenen Arterien deutlich unterscheiden. In der Anordnung dieser Gefässe besteht eine grosse Mannigfaltigkeit.
Abweichungen im Bereiche des Tapetums sowie des Pigments in Form von Unterbrechungen der Färbung des Augenhintergrundes werden beobachtet, ohne dass denselben eine pathologische Bedeutung beizulegen ist. So treten zu­weilen Defecte in dem Tapetum smi (Coloboma), welche die Chorioidalgefasse durchschimmern lassen und in Folge dessen roth erscheinen. Ebenso werden weisse oder gelblich gefärbte Stellen in demselben beobachtet, die nach Berlin durch das
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Tapetum fibrosum bedingt werden, hinter dem das Pigment der Chorioides fehlt. Das an seiner Peripherie dünnere Tapetum lässt oft den Gefässreichthum der Chorioides durch­schimmern und nimmt eine mehr röthliche Färbung an. Aehn-licbe Abweichungen werden an den nicht tapetirten Abschnitten des Augenhintergrundes beobachtet. So finden sich neben und unter der Papilla optici oft zahlreiche, inselförmige, helle Flecken von unregelmässiger Form (Berlin), welche dasselbe Grün zeigen, wie das benachbarte Tapetum. Auch in der Nähe der Papilla werden Pigmentirungen in Form von Strichen, Eingabschnitten und selbst Ringen beobachtet. Es ist ferner bekannt, dass das Tapetum bei Pferden in Beziehung zur Hautfarbe steht, bei Schimmeln meist röthlich, bei Füchsen oft gelbbräunlich, bei Rappen bläulich auftritt. Bemerkt sei noch, dass das Tapetum fibrosum seine Färbung dem unter ihm gelegenen Chorioidespigment verdankt (Berlin).
Der Augenhintergrund der Wiederkäuer bietet einige Abweichungen von dem des Pferdes. Die Papilla optici stellt einen unregelmässigen und nicht scharf begrenzten, etwa erbsengross erscheinenden Fleck dar, aus dem die starken Centralgefasse der Netzhaut entspringen und sich nach allen Seiten ausbreiten. Das Tapetum zeigt keine erheblichen Verschiedenheiten, wenn von dem Farbentone abgesehen wird.
Die grössten Verschiedenheiten bietet die Papilla beim Hunde, sowohl in Bezug auf Farbe wie auch Form. Bald erscheint dieselbe rundlich, bald oval, bald fast dreieckig, die Färbung bald gelblichweiss, bald ganz blassbläulich, bald blau­schwarz (Papilla nigra). Aus dem Centrum derselben, nicht selten aber auch aus den peripheren Abschnitten der Papilla, treten starke Venen und Arterien hervor, die in verschiedenen Windungen und radiärer Richtung verlaufen. Zuweilen zeigt sich auf der Papilla des Hundes ein deutlicher Venenbogen mit arhythmischer Pulsation, d. h. die weder mit der Herz-
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action, noch auch mit der Respiration in Verbindung steht (Hirschberg). Das Tapetum tritt schläfenwärts in goldgrün schimmernder, oft glitzernder Farbe hervor. Nasenwärts fehlt es in der Regel über der Papilla, wo in Folge dessen die Aderhautgefässe sichtbar werden. Diese Eigenschaft des Augenhintergrundes ist oft auch schläfenwärts weiter aus­gebreitet, so dass ein eigentliches Tapetum fast ganz fehlt. Unterhalb der Papilla, welche an der unteren Grenze des Tapetums liegt, giebt sich schwarzes Pigment zu erkennen. Was nun die Bedeutung des Augenspiegels zur Fest­stellung von Krankheitszuständen betrifft, so sei darüber kurz Folgendes bemerkt:
1.nbsp; nbsp; Zunächst wird es mit Hülfe desselben möglich, den Refractionszustand des Auges festzustellen; aus dem Ein­gangs Besprochenen ergiebt sich, wie hierbei zu verfahren ist.
2.nbsp; nbsp; Lassen sich Ablösungen der Netzhaut, wie solche in Folge von Chorioiditis (Mondblindheit) nicht selten vorkommen, ophthalmoscopisch nachweisen. Hierbei erscheint die Papilla und die in der nächsten Umgebung verlaufenden Blutgefässe undeutlich oder sie sind ganz unsichtbar. Zuweilen beobachtet man — am besten bei seitlicher Beleuchtung — Züge von grauer Farbe, welche von der Papilla ausgehen und nicht selten wellenförmige Bewegungen machen. Der Augenhinter-grund ist an diesen Stellen meist unsichtbar, und die Papilla optici erscheint hierbei verkleinert und namentlich in ihren unteren Abschnitten undeutlich sichtbar; oft sind die Gefässe derselben mit abgelöst. So lange die Retina noch durch­sichtig ist, bleiben auch die Gefässe der Chorioides erkennbar, später aber pflegt dieselbe mit ihren Gefässen undurchsichtig zu Werden (Peters).
3.nbsp; nbsp; Einen wichtigen, nur mit dem Spiegel nachweisbaren Zustand bildet die Atrophie des Sehnerven. Durch den Unter­gang der nervösen Elemente in der Papilla und Retraction
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des gewucherten Bindegewebes, werden die Gefasse derselben comprimirt, und die Papilla erscheint blass, oft fast vollständig weiss. Meist betrifft diese Veränderung die ganze Papilla, selten ist dieselbe auf einzelne Abschnitte beschränkt, so dass helle Streifen oder Flecken an derselben bemerklich werden. Im ersten Falle erlangt die Papilla oft das Aussehen eines durchschnittenen Rettigs (Berlin). Gleichzeitig pflegt die Papilla kleiner und ihre Gestalt unregelmässig zu werden. Dabei nimmt sie in der Regel eine mehr runde Form an. Peters will diese Form oft bei älteren Pferden angetroffen haben. Bei der Beurtheilung der Grosse der Papilla darf ein Umstand nicht übersehen werden, nämlich, wenn dem Auge die Linse fehlt (Aphakie), oder wenn diese aus der Augen-axe entfernt ist (Cataracta natans, Luxatio lentis). Hierbei erscheint die Papilla optici kleiner als normal, weil die durch die Linse bewirkte Vergrösserung derselben fehlt. Solche Zustände sind am Auge des Pferdes keine Selten­heiten und bei einiger Aufmerksamkeit kaum zu übersehen. Wenn an einem solchen Auge die Pupille z. B. nach An­wendung von Atropin stark erweitert ist, so kann die Papilla optici zuweilen schon mit unbewaffnetem Auge deutlich ge­sehen werden. — Auch bei Hunden werden amaurotische Zustände mit den gleichen Veränderungen häufig angetroffen. Hier ist die Diagnose indess schwieriger, weil die Papilla optici sowohl in Bezug auf Farbe wie auch auf Gestalt und Grosse schon physiologisch erhebliche Verschiedenheiten bietet. Nur durch Vergleiche des kranken mit dem gesunden Auge und dem Nachweis der Sehstörungen kann hier die Diagnose gesichert werden.
4. Ebenso werden akute entzündliche Veränderungen an der Papilla (Papillitis) mit dem Spiegel ermittelt. Dieselbe erscheint in diesem Zustande abnorm geröthet, ihre Gefässe sind erweitert, mehr dunkelroth und verlaufen stärker ge-
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schlängelt. Nicht selten zeigen sich deutliche Anastomosen derselben auf der Papilla. Zuweilen erscheint die Papilla geschwollen, so dass der Scleroticalring von derselben über­ragt wird; sie tritt alsdann in Form einer verschwommenen röthlichen Scheibe hervor (Peters). Aus diesem Zustand entwickelt sich später oft die vorhin beschriebene Atrophie.
5.nbsp; nbsp;Ein ähnliches Bild kennzeichnet die Entzündung des Sehnerven, welche in der Regel auf die Netzhaut übergreift, daher als Neuroretinitis bezeichnet wird.
6.nbsp; nbsp;Hierher müssen auch die ursprünglich als Stauungs-papille bezeichneten Veränderungen gezählt werden, welche in Folge von Gehirnleiden an der Papilla auftreten. Diesen von Esberg und Lustig als Begleiterscheinung der Ge­hirnkrankheiten und zur Diagnose derselben hervorgehobenen Veränderungen ist neuerdings eine derartige Bedeutung ab­gesprochen worden. Auch nach meinen Beobachtungen muss man jedenfalls bei der Beurtheilung dieser Frage vorsichtig sein. Die Färbung der Papilla unterliegt hei Pferden so er­heblichen Schwankungen, dass es schwer fällt zu entscheiden, ob die intensive Röthung als Symptom eines Gehirnleidens anzusehen ist.
7.nbsp; nbsp;Endlich lassen sich auch Trübungen des Glaskörpers wie der Linse mit Hülfe des Spiegels nicht nur nachweisen; sondern auch der Sitz derselben näher bestimmen. Für den Anfänger ist jedoch auch hier Vorsicht geboten; so können selbst Schleimflocken auf der Cornea mit solchen Trübungen verwechselt werden. Auch ist zu beachten, dass zur Ermitt­lung von Trübungen in der Linse ein lichtschwacher (planer) Spiegel verwendet werden muss. Möglicherweise kann die Untersuchung der Retina bei tuberculösen Kühen zur Siche­rung der Diagnose beitragen.
Es ist nicht zu leugnen, dass unter Anwendung dieser Untersuchungsmethode eine bei weitem grössere Sicherheit
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in der Beurtheilung des Auges und seines Gesundheitszu­standes erlangt wird, doch muss es als ein Fehler angesehen werden, wenn Jemand gleich zum Augenspiegel greift, um damit die Untersuchung zu beginnen, und glaubt, mit diesem Instrumente alles feststellen zu können, was an Krankheits-zuständen an dem Auge besteht. Man halte stets an der Kegel fest, je einfacher die Hülfsmittel, um so weniger leicht treten Täuschungen ein. Schon aus diesem Grunde kann auch die Untersuchung im umgekehrten Bilde bei unseren Thieren nicht empfohlen werden.
Diese besteht darin, dass die aus dem beleuchteten Augen-hintergrunde stammenden Lichtstrahlen mittelst einer Convex-linse gesammelt werden, so dass ein virtuelles Bild derselben entsteht, das also an der dem untersuchten Auge gegenüber liegenden Seite dieser Linse sich befindet. In diesem Bilde müssen die Theile des Augenhintergrundes umgekehrt (daher die Bezeichnung) und zugleich kleiner erscheinen, als im auf­rechten Bilde. Dafür aber bietet diese Methode den Nutzen, dass man einen grosseren Abschnitt des Augenhintergrundes mit einem Male übersehen kann. Darin liegt vornehmlich auch der Grund, weshalb bei Menschen von der Untersuchung mit dem umgekehrten Bilde in der Kegel Gebrauch gemacht wird. Bei der weiten Papille unserer Thiere und der Möglichkeit, diese jederzeit durch Mydriatika (Atropin) zu erweitern, liegt für diese Untersuchungsmethode selten ein Bedürfniss vor. Dazu kommt noch ein wichtiger Punkt, nämlich, dass sich die Thiere diese Untersuchung weniger leicht gefallen lassen. Es ist hierzu nothwendig, dass man die letzten Finger der linken Hand auf den Augenbogen des betreffenden Thieres legt und die zwischen Daumen und Zeigefinger gehaltene Linse allmälig auf 5—8 Ctm. von dem Auge entfernt und nun den Brennpunkt der Linse mit dem eigenen Auge fixirt, dessen Gesichtslinie mit der Linsenaxe zusammenfallen muss.
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Bei ruhigen Thieren und einiger Uebung lässt sich mittelst dieser Methode der Augenhintergrund allerdings schnell durchmustern; manche Thiere aber lassen sich das Auflegen der Hand auf den Augenbogen nicht gefallen oder schliessen das betreffende Auge und stellen so der Untersuchung er­hebliche Schwierigkeiten entgegen.
Die angeführten Untersuchungsmethoden geben, soweit möglich, über den anatomischen Zustand des Auges Aufschluss, nicht aber über die physiologischen Functionen desselben. Die Sehkraft ist zwar in erster Linie von der Schärfe des auf der Netzhaut entstandenen Bildes abhängig, doch hat auch die Empfindlichkeit dieses Organes (Sehschärfe) hieran einen wesentlichen Antheil. Diese letztere lässt sich aber nicht anatomisch, also auch nicht mit dem Augenspiegel nachweisen, sondern kann nur mit Sicherheit aus dem subjectiven An­gaben des Patienten erkannt werden. Aus diesem Grunde sind wir bei den Thieren nicht im Stande, ein genaueres Urtheil über diese Frage abzugeben. Wir können nur indirect aus dem Verhalten derselben auf die Sehschärfe des Auges schliessen und grobe Störungen (Erblindung) erkennen. Auf Sehschwäche würde man schliessen müssen, wenn auf Grund einer eingehenden Untersuchung pathologische Zustände am Auge als ausgeschlossen zu betrachten sind, und trotzdem das Sehen unvollkommen ist. Diese Frage hat nur selten eine praktische Bedeutung, wohl aber ist es oft höchst wichtig, zu ermitteln, in wie weit die vorhandenen pathologischen Veränderungen eine Sehstörung veranlassen, d. h. festzustellen, ob das Thier ganz oder theilweise erblindet ist.
Schon das Verhalten des Thieres giebt darüber einiger-massen Aufschluss. Erblindete Thiere zeigen sich bei Be­wegungen ängstlich und vorsichtig, heben die Füsse beim Gehen ungewöhnlich hoch, um etwaige Unebenheiten des Bodens sicher zu überwinden. Durch ein lebhaftes Ohren-
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spiel suchen sie ihr Gehörvermögen an Stelle des gestörten Sehens zu benutzen, um sich von ihrer Umgebung zu überzeugen. Gegenstände, die ihnen in den Weg kommen, werden entweder gar nicht erkannt, das erblindete Thier stösst gegen solche an, oder beriecht, beschnuppert dieselben. (Hund.) Blinde Pferde drängen zuweilen ohne Grund scheu zur Seite, oder weichen in der Ansicht zurück, dass sich ihnen ein Hinderniss entgegenstellt oder Gefahr droht. Manche beben den Kopf ungewöhnlich hoch. Thiere, die erst vor kurzer Zeit erblindet sind, zeigen oft Spuren von Ver­letzungen am Kopfe, welche sie sich in Folge der Erblindung zugezogen haben.
Das Sehvermögen lässt sich ferner dadurch beurtheilea, dass man die Thiere gegen Hindernisse führt und ihr Ver­halten hierbei beobachtet. Man lässt das Pferd gegen einen Baum oder einen in den Weg gelegten Gegenstand führen, um zu sehen, ob es denselben erkennt. Man hüte sich jedoch, durch eigene Bewegungen beim Führen das Vorbandensein solcher Hindernisse anzudeuten, und lasse deshalb das Thier am langen Zügel gehen. Handelt es sich um die Unter­suchung des einen Auges, so wird das andere während der Zeit mit einem Tuche vorsichtig verbunden.
Zur Beurtheilung des Sehvermögens dient ferner das Verhalten des Thieres gegen Drohungen. Diese letzteren müssen jedoch in zweckmässiger Weise ausgeführt werden. Fehlerhaft ist es, Bewegungen zu machen, als wolle man mit dem Finger ins Auge stossen, oder mit der Hand gegen das Auge schlagen. Abgesehen davon, dass hierdurch leicht Luft­bewegungen zu Stande kommen, welche das erblindete Thier auf diese Vorgänge aufmerksam machen, reagiren ruhige Thiere, namentlich Pferde und Hunde auf solche Bewegungen oft gar nicht, wenn auch ihr Sehvermögen keine Störungen erlitten hat; sie sind davon überzeugt, dass man sie auf
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diese Weise nicht verletzen wird. Aus demselben Grunde sind Drohungen mit dicken Knütteln ungeeignet. Soll diese Unter­suchung ein zuverlässiges Resultat ergeben, so müssen die Drohungen in der Weise ausgeführt werden, wie Bestrafungen der Thiere in der Regel stattfinden. Zu dem Zwecke ver­wende man einen Stock oder Peitsche, indem man, zur Seite oder hinter dem Thiere stehend, mit einem solchen Gegen­stande einen Schlag auszuführen droht und zwar gegen den Rumpf oder die Beine des Thieres. Dabei muss beobachtet werden, dass die Bewegungen nicht zu schnell erfolgen, so dass ein Geräusch entsteht. Reagirt das Thier auf diese Be­wegungen nicht, so führe man einen leichten Schlag mit dem Stocke oder der Peitsche aus und hole nun von neuem zum Schlage aus. Hierbei weichen die Thiere sofort aus, sobald das Sehvermögen nicht erheblich gelitten hat.
Einfacher und ebenso sicher ist ein anderes Verfahren. Man stelle sich dem Thiere gegenüber, halte mit der linken Hand die Trense oder Halfter und hole nun mit der rechten Hand zum Schlage gegen das Maul des Pferdes aus. Bleibt diese Bewegung unbeachtet, so versetze man dem Thiere einen Schlag gegen das Maul und hole bald danach von Neuem zum Schlagen aus. Wird auf diese Bewegung nicht reagirt, so kann man annehmen, dass die Sehkraft des linken Auges erheblich gelitten hat. Um die des rechten Auges zu prüfen, wechsele man die Thätigkeit der Hände. Das Verfahren ist einfach und bei geschickter Ausführung ebenso sicher, wie die Prüfung mit der Peitsche.
Aehnlich kann bei den übrigen Thieren vorgegangen werden. Bei Hunden prüft man das Sehvermögen am besten durch Bewegungen mit der Hand oder mit einem Stöckchen, als wolle man das Thier schlagen. Weniger sicher ist das Vorhalten von Nahrung, weil das stark entwickelte Geruchs­vermögen der Hunde leicht täuschen kann.
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vn. Krankheiten des Halses.
Obgleich die sieben Halswirbel innig mit einander ver­bunden sind, so bleibt doch eine ausgiebige Beweglichkeit des Halses bestehen. Muskeln umschliessen die Wirbel und nehmen den oberen Theil des Halses ein, welcher in dem sog. Kamm abschliesst, der den runden Theil des Nackenbandes als Grundlage hat. Von hier aus setzt sich der platte Theil des Nackenbandes in der Mittelebene des Halses gegen die Hals­wirbel nach unten fort. Zwischen den Halsmuskeln finden sich mehrere Fascien. Starke sehnige Platten, Fortsetzungen der Rückenbinde, stehen mit dem Nackenband in Verbindung und schliessen die Muskeln des Halses zum Theil ein.
Vor bezw. unter den Halswirbeln liegt der Schlund und die Luftröhre, oben an der Luftröhre die Schilddrüse, in der Drosselrinne die grossen Halsgefässe.
Wunden am Halse sind ohne besondere Bedeutung, sobald sie sich auf die Haut beschränken; tiefer gehende können mancherlei Störungen veranlassen:
a)nbsp; nbsp; Verletzung der grosseren Blutgefässe, Carotis, Jugu-laris, wodurch nicht nur die Gefahr einer Verblutung, sondern bei Venenverletzung auch noch die des Luft­eintritts in die Vene kommt.
b)nbsp; nbsp; Verletzungen der Luftröhre können durch Einfliessen von Blut in das Lumen derselben lebensgefährlich
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werden; oft wird Emphysenbildiing am Halse durch solche veranlasst.
c)nbsp; nbsp; Schlund Verletzungen (von aussen) sind selten und zeigen sich durch Auftreten von Futter und Speichel in der Wunde.
d)nbsp; nbsp; Verletzungen des N. recurrens hat Kehlkopfpfeifen zur Folge.
Verkrümmung desHalses, Caput ohstipum, Torti­collis. Am häufigsten bei Fleischfressern (und Geflügel). Bald ist der Hals nach einer Seite gebogen (Verkrümmung) bald gleichzeitig um seine Längsaxe gedreht (Verdrehung). Der Grad der Abweichung ist verschieden. In der Regel machen die Thiere Manegebewegungen nach der Seite, wohin der Hals verbogen ist. Bei Verdrehungen sind dieselben oft ausser Stande zu gehen, stürzen nieder und wälzen sich.
Ursachen: a) Subluxationen oder Fracturen der Hals­wirbel, wobei durch Verschiebung der Querfortsätze eine an­dauernde schiefe Haltung des Halses bewirkt wird, bis eventuell eine Reposition stattgefunden hat. Der Versuch, den Hals gerade zu richten, gelingt erst mit grösserer Kraftanwendung, derselbe verbleibt dann meist in der normalen Lage.
b)nbsp; nbsp; Lähmungen der Halsmuskeln oder der Nerven. Hierbei lässt sich der Hals in seine normale Lage bringen, fällt aber sofort in die abnorme zurück, sobald diese Hülfe aufhört.
c)nbsp; nbsp;Endzündliche Zustände in den Muskeln durch Dehnungen, Quetschungen u. s. w. Anschwellung und Schmerzen auf Druck oder beim Versuch, den Hals gerade zu richten, kennzeichnen diese Art des Torticollis.
Beim Pferde kommen zuweilen rheumatische Erkrankungen der Muskulatur vor, wobei Dehnungen derselben mit Schmerzen verbunden sind; so im gemeinschaftlichen Kopf-Hals-Arm­muskel. Das Pferd hält dabei den Kopf gesenkt und nach
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der kranken Seite gewendet; leichtes Gegenschnellen mit einem Finger veraalasst oft ausgebreitete Zuckungen in dem erkrankten Muskel; auch wird hierbei zuweilen spontanes Muskelzittern beobachtet.
1. Genick. Feine Haut, Unterbaut, Fascien, runder Theil des Nackenbandes mit einem Schleimbeutel auf dem ersten und zweiten Halswirbel.
Pferd. Entzündung (chronische und akute), der Bursa (Genickbeule, Talpa), zuweilen mit Perforation und Fistel­bildung (Genickfistel). Längliche, halbrunde Geschwulst an einer oder beiden Seiten der Mittellinie des Genicks. Bei akuter Entzündung erhebliche Schmerzen, steife, gestreckte Haltung des Kopfes. Bei der Genickfistel kleine Oefinung, aus der sich eine eitrige Flüssigkeit entleert. In der Um­gebung häufig ausgedehnte Anschwellung (Phlegmone).
Beim Pferde werden Fisteln im Genick beobachtet, welchen Nekrose am Hinterhauptbein zu Grunde liegt. Hierbei pflegt die Anschwellung bei höherem Sitze nur gering zu sein, die eingeführte Sonde gelangt auf den Knochen.
Entzündliche Erkrankungen der Gelenke der Halswirbel (meist von der Rachenhöhle aus eingeleitet) geben die Thiere durch excessive Senkung des Kopfes und Halses und steifer Haltung desselben zu erkennen. Beim Ver­suche den Kopf aufzurichten, zeigen sie grosse Schmerzen und drohen zuweilen umzufallen.
Beim Rinde kommen am obern Halsrande in Folge von Quetschungen durch das Joch oder durch unzweck-mässig eingerichtete Stände (Riegel) entzündliche Anschwel­lungen vor, welche die Grosse eines Menschenkopfes erreichen können. Sie stellen bald Verdickungen in der Haut und' Unterhaut dar, und erscheinen dann fest und derb; bald liegen denselben Extravasate zu Grunde; dann zeigen sie mehr oder weniger deutliche Fluctuation. Ebensolche Häma-
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tome werden in der lockern Unterhaut des Hundes häufig beobachtet und können bei praller Füllung selbst den Ver­dacht auf Tumorenbildung erwecken. Ein kräftiger Druck bringt sie oft zum Platzen und schnellen Verschwinden.
2.nbsp; nbsp; Die Schilddrüse. Anschwellung derselben durch Ent­zündung oder Struma. Beim Pferde ist Struma seltener, von beschränkter Ausdehnung (etwa Faustgrösse) und an beiden Seiten der Luftröhre, seltener an einer. Entzündung ist mit Schmerzen und Oedem der Umgebung verbunden, bei Struma besteht die Anschwellung ohne diese. Langsame Entwickelung der Anschwellung spricht für Struma.
Bei Rindern will man endemische Verbreitung des Struma gefunden haben (Wörz).
Bei Hunden ist Struma häufig, besonders in der Jugend. Die Schilddrüse senkt sich hierbei bis zum Brusteingange nach unten und erzeugt durch Druck auf die Trachea Athem-beschwerden, die den Thieren das Liegen oft unmöglich machen.
Bei älteren Hunden werden nicht selten Carcinome und Sarkome in der Schilddrüse angetroffen. Die Oberfläche der­selben erscheint dann oft uneben, während diese bei der echten Struma glatt bleibt.
3.nbsp; An den Seiten des Halses: „Aderfistelquot; (Phlebitis), ist gegenwärtig nur noch selten, weil Aderlässe weniger oft ge­macht werden; feste, strangförmige Anschwellung im Verlaufe der Jugularis; auf Druck keine Füllung der Vene; aus der Aderlasswunde fliesst anfangs eine röthliche, wässerige oder blutige, später eine eitrige oder jauchige Flüssigkeit, nicht selten in grosser Menge. Zuweilen bilden sich Abscesse im Verlaufe der Anschwellung, auch Gehirnsymptome und Er­scheinungen der Pyämie können sich hierbei einstellen. Die Sonde giebt näheren Aufschluss.
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4. Schlund. Schleimhaut mit mehrschichtigem Platten-epithel7 von cutanem Bau und mit mikroskopischem Papillar-körper. Die Muskelhaut hesteht aus einer doppelten Schicht, innen aus kreisförmigen, aussen aus Längsfasern. Muskeln mit Querstreifung.
Verletzungen des Schlundes. Zerreissung (Oeso­phagus yentriculosus). Am häufigsten beim Pferde, selten beim Rinde und anderen Thieren. Meist in der Halsportion. In Folge starker Dehnung (grosse Bissen, grobstenglicbes Rauhfutter oder ungeschickte Sondirung des Schlundes) zerreisst die Muscularis, während die Mucosa bei ihrer grosseren Dehn­barkeit durch den Riss der Muscularis geschoben wird, so­bald Futteraufnahme stattfindet. In der so entstandenen Tasche häuft sich das Futter an. Während des Fressens entsteht allnaälig eine band- bis kopfgrosse Anschwellung an der linken Seite des Halses im Verlaufe des Schlundes; die Thiere hören endlich mit dem Fressen auf, und es treten Würg­anstrengungen ein, nicht selten mit Schweissausbruch ver­
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bunden. Beim Pferde kommen zuweilen Futtermassen aus
der Nase zurück. Nach etwa einer Stunde ist die Geschwulst Terschwunden, welche sich wenig schmerzhaft und ohne sonstige Erscheinungen einer Entzündung zeigt, kehrt aber bei der nächsten Futteraufnahme wieder.
Selten findet zugleich eine Zerreissung der Mucosa statt; dann entstehen entzündliche Veränderungen am Halse im Verlauf des Schlundes.
Dagegen kommen Verwundungen des Schlundes von innen durch scharfe Gegenstände vor, namentlich bei Fleisch­fressern durch Nadeln oder Knochen. Unvermögen zu schlucken und entzündliche Anschwellung an der Seite des Halses, be­sonders der linken, oft mit Fieber verbunden, machen auf solche Verletzungen aufmerksam. Besteht eine solche in der Brustportion des Schlundes, so tritt Pleuritis und Tod ein.
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Fremdkörper im Schlund e. Am häufigsten beim Rinde, selten bei Pferd und Fleischfressern. Aufhören mit dem Fressen, Unvermögen zu schlucken. Speicheln, Brech­anstrengungen, dazu bei Wiederkaaern allmälig Tympanitis und Dyspnoe, selbst bis zur Erstickungsgefahr (Rind). Aengst-licher Blick, gestreckte Haltung des Kopfes. Bei der Pal­pation lässt sich der Fremdkörper in der Halsportion des Schlundes zuweilen nachweisen, wo nicht, durch Anwendung der Schlundsonde (Hund). Die Palpation des Schlundes ge­schieht am zweckmässigsten in der Weise, dass man die Hände in die Drosselrinne legt und die Fingerspitzen vom oberen zum unteren Halsende gleiten lässt. Beim Rinde stellt man sich an die linke Seite des Halses und umfasst mit dem rechten Arm den Hals von oben. Diese Stellung eignet sich auch bei dem Versuche, den Fremdkörper in die Rachenhöhle zurückzudrängen.
Die Anwendung der Schlundsonde (beim Rinde im Noth-falle ein Strick oder Peitschenstock) bietet keine grossen Schwierigkeiten. Bei der Application ist der Kopf der Thiere zu strecken, während die Sonde am Gaumen entlang in die Rachenhöhle eindringt und von da in den Schlund gleitet. Nur wenn sich Husten oder Athembeschwerden bei dem Ein­führen zeigen, ziehe man die Sonde sofort zurück. Am leichtesten ist die Application beim Hunde und Wiederkäuern, schwieriger beim Pferde, bei letzterem in der Regel nur am liegenden Thiere.
Aehnliche Symptome können bei Compression des Schlundes durch Tumoren, z. B. von den Bronchialdrüsen ausgebend (Rind), bei Stenosen des Schlundes (Pferd, Hund) und Tu­moren im Schlünde beobachtet werden. Die Scblundsonde giebt hierüber, sowie über den Sitz des Fremdkörpers meist Auskunft.
Beim Pferde liegt dem Steckenbleiben von Futter (be-
Möller, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
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sonders Heu) zuweilen eine Erweiterung, bezw. Lähmung des Schlundes zu Grunde, wodurch periodisch wiederkehrende Ver­stopfungen desselben veranlasst werden, die mit den beschrie­benen Erscheinungen verbunden sind.
Auch beim Rinde werden Erweiterungen des Schlundes, zuweilen in sackförmiger Gestalt vor dem Durchtritt durch das Zwerchfell beobachtet, welche sich durch Unruhe, Würgen und selbst Erbrechen der Thiere nach der Putteraufnahme zu erkennen geben.
5. Die Luftröhre. Die Luftröhrenringe sind durch fibröse Bandmassen mit einander verbunden. Ihre Schleimhaut trägt Flimmerepithel und enthält zahlreiche Schleimdrüsen. Die Trachea des Pferdes ist in der Mitte etwa 6 Ctm. breit und 4—5 Ctm. tief, beim Rinde ist der Breitendurchmesser kleiner als der der Tiefe; bei den Fleischfressern ist sie fast cylindrisch.
Abweichungen von dieser Gestalt kommen nicht häufig vor, und sind nur selten mit Störungen im Athmen ver­bunden.
Stricturen werden zuweilen nach längerem Tragen eines Tracheotubus beobachtet und lassen sich durch Palpation leicht feststellen; Athembeschwerden werden auch hierdurch selten veranlasst.
Beim Rinde kommen Brüche der Luftröhrenringe vor, zuweilen durch den Versuch, Fremdkörper im Schlünde durch Zerschlagen zu beseitigen. Hierdurch tritt nicht selten starke Dyspnoë ein, die sich durch ein brummendes, schnarchendes Geräusch äussert, welches durch Druck auf den betreffenden Abschnitt der Trachea verstärkt wird.
Wunden der Trachea geben sich durch mehr oder weniger starke Emphysembildung am Halse zu erkennen, sind in der Regel auch mit Anfangs blutigem, später eitrigem Nasenausfluss verbunden (Seite 93).
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Subcutane Zerreissungen der Trachea erfolgen beim Pferde meist in den Zwisehenriagbändern und führen, falls die Schleimhaut hierbei Continuitätstrennungen erfahren hat, zu Emphysembildung am Halse, das sich über den ganzen Rumpf des Thieres ausbreiten kann.
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vm. Krankheiten des Thorax.
Anatomisches. Grundlage des Thorax bilden die Rippen mit ihren Knorpeln, die Rückenwirbel und das Brustbein. Die von diesem Knochengerüst eingeschlossene Brusthöhle wird hinten durch das Zwerchfell von der Bauchhöhle ge­trennt. Dieses geht beim Pferde mit seinen Pfeilern von den ersten 4 Lenden- und 2 letzten Rückenwirbeln aus, während der „Rippentheilquot; sich an den Verbindungsstellen der Rippen mit ihren Knorpeln anheftet. An der 10. bis 18. Rippe reicht das Zwerchfell jedoch nicht soweit nach hinten und unten, sondern ist hier mit den Rippen selbst verbunden. Der Brust-beintheil entspringt von der oberen Fläche des Schaufel­knorpels.
Beim Rinde verläuft das Zwerchfell nach Günther vom oberen Ende bis zum 2. Viertheil der 12. Rippe, steigt dann in einem, nach rückwärts convexen Bogen bis in das untere Drittheil der 9. Rippe hinab, wendet sich hier zum Knorpel der G., um sich mit dem Brustbein zu verbinden. Eine Ver­längerung des unteren Endes der 7. Rippe trifft das freie Ende des Schaufelknorpels, welcher etwa 10 Ctm. hinter der Anheftung des Zwerchfells liegt. Die Spannung des von der 12. bis 0. Rippe vom Zwerchfell beschriebenen Bogens be­trägt 6—10 Ctm.
Beim Hunde entspringen die Pfeiler schräg am 3. bis
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4. Lendenwirbel, während der Rippentheil an die Inuenfläche der 13. Rippe und von da an die Verbindungsstelle der Rippen mit ihren Knorpeln geht. An der 8. Rippe erreicht das Zwerchfell jedoch den Knorpel, und der Brustbeintheil legt sich auf die Mitte des Processus xyphoïdes. Zu bemerken ist, dass in dem hinteren Brustraum das Zwerchfell sich auf' 1,5—2 Ctm. an die Rippenwand anlegt (Eichbaum).
Die Innenfläche der Brusthöhle ist von der Pleura aus­gekleidet, unter welcher sich die aus fibrösem Gewebe be­stehende (innere Brustbinde, Fascia endothoracica) befindet. Während die Zwischenrippenmuskeln die Räume zwischen den Rippen füllen, liegen auf letzteren die der Respiration und der Bewegung der Vorderschenkel dienenden Muskeln. Die grössten Muskelmassen bilden die zur Seite der Mittellinie gelagerten Rückenstrecker (M. longissimus dorai u. A.) und die Schultermuskeln. Fast alle diese Muskeln sind von mehr oder weniger derben Bindegewebsmassen (Fascien) umgeben. Von diesen sind besonders bezeichnet:
a)nbsp; Die unter dem Schulterblatt und den hier gelegenen Muskeln befindliche „ün t er schult e r blat t b ind equot; oder „innere Schulterbindequot; (inneres Widerristschulterband). Sie hat chirurgisch keine besondere Bedeutung.
b)nbsp; nbsp;Aeussere Schulterbindequot; oder „Schulterarm-beinfasciequot; (äusseres Widerristschulterband) liegt unter dem Hautmuskel, überzieht die Schultermuskeln, bildet auf der Grätenbeule der Scapula eine Bursa und geht vorn in die Halsmuskulatur sowie unten in die Vorarmfascie über.
c)nbsp; Die Fascie des Hautmuskels umkleidet das Ganze und breitet sich nach vorn auf den Hals und unten auf' den Vorder­schenkel aus.
Die äussere Haut ist auf den Rippen mit einer stark­entwickelten Subcutis versehen und deshalb hier leicht ver-
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schiebbar, am Rücken ist sie fester mit ihrer Unterlage (Fascien und Dornfortsätze) verbunden.
1. Rücken und Widerrist. Während die Dornfort­sätze der ersten 4 Rückenwirbel in der Halsmuskulatur liegen, tritt der 5. und 6. am weitesten nach oben und bildet den Anfang des Widerristes, d. h. desjenigen Abschnitts des Rückens, an dem die Dornfortsätze der Wirbel von ungleicher Länge sind, indem dieselben in der Richtung nach hinten allmälig kürzer werden. Hier legt sich die äussere Haut fest auf ihre Unterlage, die Fascien, welche über die Dornfort­sätze hinweggehen. Unter diesen befindet sieh das hier all­mälig endende Nackenband, welches sich an die überknorpelten Enden der Dornfortsätze heftet.
Die zu beiden Seiten des Widerristes gelegene Partie des Rückens wird als „Sattellagequot; bezeichnet. Hier findet sich unter der äusseren Haut und den Fascien ein kräftig entwickeltes Muskelpolster (Kappenmuskel, langer und breiter Rückenrauskel, Stachelmuskel, gemeinschaftlicher Rippen­muskel, hinterer gezahnter Muskel). Durch die Umkleidung mit den stratf angespannten Fascien wird diese Muskelmasse in hohem Masse geeignet, den Druck des Sattels aufzunehmen, während in der Mittellinie des Rückens und am Widerrist jeder Druck auf die äussere Haut, selbst von einem weichen Gegenstande ausgehend (Decke), Quetschung derselben zur Folge hat. Man bezeichnet die auf solche Weise entstehenden Quetschungen oder Verletzungen als „D r u c k s c h ä d e n, Sattel- oder Geschirrdruckquot; und unterscheidet aus prakti­schen Gründen solche, die in der Sattellage und solche, die am Widerrist vorkommen.
a) Quetschungen in der Sattellage. Durch un-gleichmässige Belastung entstehen Störungen in der Circulation, Dehnungen, Zerreissung von Gefässen und des Gewebes der Cutis. So lange der von dem Sattel ausgehende Druck fort-
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dauert, sind Exsudationen imd Extravasationen nicht möglich; nicht selten werden sogar die flüssigen Bestandtheile der Haut herausgepresst, so dass hei der Abnahme des Sattels die ver­letzte Stelle sogar vertieft erscheinen kann. Bald aher, schon 1J4, bis fy Stunde nach Aufhebung des Druckes tritt eine umschriebene, scharf begrenzte, derbe Anschwellung ein, welche die grösste Aehnlichkeit mit einer Nesselbeule be­sitzt. Von der Grosse einer kleinen Bohne bis zu der eines Fünfmarkstückes zeigt die Schwellung etwas Temperatur­steigerung und geringe Schmerzhaftigkeit. Kleine ^Schwel­lungen* besitzen eine halbrunde Gestalt, grössere sind flach.
Zuweilen wird vor dem Auftreten der Anschwellung ein Juckgefühl an der betreffenden Stelle beobachtet, welches die Thiere veranlasst, sich hier zu beissen. War das Haar in der Sattellage durchfeuchtet, so bewirkt die Temperatur­steigerung an der Stelle wohl ein schnelleres Abtrocknen desselben. Beide Erscheinungen deuten daher auf derartige Leiden hin.
Mit Anschwellungen, die durch Stiche von Insecten ver­anlasst sind, können diese Druckschäden wohl verwechselt werden, nicht selten aber lässt sich hierbei noch die Stich­verletzung nachweisen.
In der Subcutis und unter den Fascien zerreissen zu­weilen grössere Gefässe, in Folge dessen Extravasate ent­stehen , die sich durch fluctuirende Beschaffenheit der An­schwellung zu erkennen geben. Liegen diese unter den Fascien, so erscheint die Anschwellung stärker gespannt. Nekrose der Cutis kennzeichnet sich durch eine trockene, lederartige Beschaffenheit der Haut; die Haare stehen an der Stelle gesträubt.
b) Quetschungen am Widerrist werden am häufigsten durch die weichen Unterlagen des Sattels bewirkt. Die Cutis wird gegen die Dornfortsätze gedrückt, daher geht die
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quetschende Wirkung von der unteren Fläche der Haut aus und trifft in erster Linie die Subcutis. Die Anschwellung erscheint in Folge dessen nicht scharf begrenzt, lässt im Uebrigen die Erscheinungen der Entzündung nachweisen.
Die Untersuchung auf Druckschäden muss einige Zeit nach dem Absatteln erfolgen und geschieht in der Weise, dass man die Hand über den Widerrist und durch die Sattel­lage gleiten lässt. Am Widerrist verräth Schmerzhaftigkeit auf Druck die Gegenwart derartiger Verletzungen, während diese in der Sattellage durch die Anschwellung und grössere Derbheit der Haut sich zu erkennen geben.
Es empfiehlt sich nicht, den Sattel nach Beendigung der Arbeit sofort abzunehmen, sondern man lässt denselben, nament­lich nach grosseren Anstrengungen, längerem Reiten noch ^ bis 1 Stunde auf dem Pferde liegen, damit etwa eingetretene Störungen der Circulation allmälig ausgeglichen werden. Durch sofortige Abnahme des Sattels hört der Gegendruck plötzlich auf, das Blut stürzt mit Gewalt in die durch Compression entleerten Gefässe, wodurch Zerreissungen der­selben begünstigt werden.
Quetschungen am Widerrist (der Subcutis) führen nicht selten zur Eiterung. Damit ist eine gefährliche Complication geschaffen, weil die unter der Haut gelegenen Fascien sowohl, wie das Nackenband und selbst die Dornfortsätze dadurch in die Gefahr kommen, nekrotisirt zu werden; sobald diese von dem Eiter umspült werden, sterben sie ab. Das abgestorbene Stück Fascie aber veranlasst wieder Eiterung, und so ent­steht ein Circulus vitiosus und eine sog. „Widerristfistelquot;. Aus einer oft nur kleinen Oeffnung entleert sich der Eiter zuweilen in grosser Menge, Durch Druck auf die Nachbar­schaft der Fistelöffnung lässt sich die Ausbreitung der Er­krankung einigermassen feststellen, indem an den Stellen der Druck den Eiterabfluss vermehrt. Im Allgemeinen gilt hier
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der Grundsatz, je grosser die Anschwellung und der Eiterabfluss, um so weiter ist der Process ausgebreitet, und um so bedenklicher der Zustand.
Mit der Sonde, oder besser noch mit dem Finger lässt sich feststellen, ob die Dornfortsätze miterkrankt sind; das nekrotische Nackenband fühlt sich eigenthümlich weich und schlaff an, ähnlich wie die Cutis bei der Nekrose (Seite 20).
Quetschungen durch das Kummet kommen bei Pferden nicht selten an der unteren Abtheilung des Halskammes vor: Schmerz beim Befühlen und Anschwellung kennzeichnen sie. Eiterversenkungen zwischen der Halsmuskulatur künden sich durch steife und gesenkte Haltung des Halses, starke An­schwellung und Abfluss grosser Mengen Eiter an.
Hygrome am Widerrist. Nach Satteldruck sowohl wie auch ohne solchen werden an den Seiten des Widerristes, da wo der Hals in diesen übergeht, mit Serum gefüllte und zuweilen bis zur Grosse einer Mannesfaust ausgedehnte sub-cutane Schleimbeutel angetroffen. Ihre langsame Entwicklung unterscheidet sie von Hämatomen, während das Fehlen ent­zündlicher Veränderungen sie von Abscessen trennen lässt. Meist treten sie gleichzeitig auf beiden Seiten auf. Man hüte sich vor dem einfachen Oeffnen derselben.
c) Auf den Rippen, wie an anderen Körperstellen wird nicht selten die Oberhaut in Folge loser Lage des Geschirrs abgescheuert; es entstehen so Excoriationen der Haut, die jedoch leicht erkennbar sind.
Beim Rinde werden am oberen Halsrande ähnliche Ver­änderungen durch Druck vom Joch beobachtet. Dieselben gestalten sich im Ganzen wie beim Pferde (Seite 94).
Am Widerrist des Rindes wird der Schulterblattknorpel leicht in Mitleidenschaft gezogen, weil dieser höher hinauf­reicht als beim Pferde. Entzündliche Anschwellungen an der Stelle werden durch traumatische Einwirkungen oder nach
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Stock tl eth durch andauerndes Stehen bei schmerzhaften Leiden der Hinterfüsse (besonders des Sprunggelenks) hervorgerufen, indem der obere Rand des Schulterblattes gegen die Haut gequetscht wird. Die Thiere liegen in diesem Zustande viel, weigern sich aufzustehen, und bald tritt am Widerrist eine grosse, abgerundete Anschwellung ein, die sehr schmerzhaft und gespannt ist und nach 2—3 Wochen perforirt oder auf Einstich Eiter entleert. Bei der nunmehr angestellten Unter­suchung gelangt man mit dem Finger in eine Abscesshöhle, in welcher der Schulterblattknorpel oft nekrotisch angetroffen wird.
2. Die vordere Brustfläche wird an den Seiten von den beiden Buggelenken begrenzt, geht oben in den Hals, unten in die untere Fläche der Brust über; die dünne Haut liegt mit reichlicher Subcutis auf den Brust- und Schulter­muskeln. Bei mageren Pferden tritt das Manubrium sterni oft bis unter die Haut hervor.
Quetschungen und Excoriationen der Haut sind hier bei Zugpferden nicht selten und geben sich durch Anschwel­lung und andere entzündliche Erscheinungen zu erkennen. Zuweilen leidet die auf' der Brustbeinspitze gelegene Abthei­lung der Haut.
Dicht über den Buggelenken entwickelt sich beim Pferd nicht selten eine typische Geschwulst, die sog. „Brustbeulequot;. Dieselbe liegt in oder unter dem gemeinschaftlichen Kopf-, Hals- und Armmuskel, zeigt sich als eine derbe, bis kinds-kopfgrosse Anschwellung, die ziemlich scharf begrenzt, An­fangs vermehrt warm aber wenig schmerzhaft ist. Die Haut ist auf derselben verschiebbar. Frisch entstanden, findet sich unterhalb derselben wohl Oedem, auch sind Anschwellungen der Lymphgefässe und der Bugdrüsen zuweilen dabei nach­weisbar. Lahmheit besteht hierbei in der Regel nicht. Aeltere Brustbeulen zeichnen sich durch grössere Härte und das Fehlen
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von Entzündungssymptomen ans; sie erscheinen noch schärfer begrenzt. Zuweilen lassen dieselben Fluctuation nachweisen. Obgleich dies erst in späteren Stadien der Fall ist, so ent­halten doch alle einen Eiterherd, auch die frisch entstandenen, ein Umstand, der auf die Entstehung sowie auf die Behand­lung derselben hinweist.
Kaum zu verwechseln ist das Leiden mit den entzünd­lichen Anschwellungen in der äusseren Haut an dieser Stelle. Schon der Umstand, dass die Haut auf denselben nicht ver­schiebbar ist, die Geschwulst selbst aber auf ihrer Unterlage leicht verschoben werden kann, kennzeichnet diese.
Wunden an der vorderen Brustfläche treffen leicht die Trachea (Seite 92).
Beim Rinde gestaltet sich dieser Abschnitt des Rumpfes anders, indem der Triel hier seine Lage hat. In demselben kommen durch Quetschungen im Stalle oder durch das Joch Hämatome vor, die später induriren und dann oft eine, von verdicktem Bindegewebe umschlossene, umfangreiche Höhle darstellen, welche eine seröse Flüssigkeit enthält, daher wohl alsBalggeschwulst bezeichnet werden. Wahrscheinlich handelt es sich zuweilen auch um Lymphorrhagien.
3. Die untere Fläche der Brust hat das Brustbein als Grundlage, welches mit den voluminösen Brustmuskeln bedeckt ist. Beim Pferde werden hier oft Verwundungen beobachtet, die nicht selten tief in die Muskulatur, zuweilen bis an das Brustbein reichen. Zur Feststellung ihrer Aus­dehnung ist eine eingehende Untersuchung mit dem Finger oder der Sonde erforderlich. Es kommt hier wesentlich dar­auf an, ob eine Verletzung des Brustbeins stattgefunden hat. Wo dies nicht der Fall ist, haben die Wunden meist keine besondere Bedeutung und heilen in der Regel ohne Schwierig­keiten. Da beim Gehen des Thieres Luft in der Wunde ab­gesperrt wird, so entsteht zuweilen ein über den ganzen
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Rumpf sich erstreckendes, aber meist bedeutungsloses Em­physem.
Reicht die Wunde bis an das Brustbein, oder handelt es sich um eine solche, die mit starker Quetschung verbunden ist, so liegt die Gefahr der Bildung einer „Brustbeinfistelquot; vor. Der schwammige Knochen wird durch Eiterung nekro-tisirt, und indem sich hierdurch die Eiterung über grössere Abschnitte des Brustbeins ausbreitet, entsteht das genannte Leiden, welches in der Regel als unheilbar betrachtet werden muss. Die Muskelwunde schliesst sich allmälig bis auf einen engen Kanal, der bis zum Brustbein reicht. Wird man schon durch eine diffuse, derbe, feste Anschwellung an der unteren Brustfläche auf dieses Leiden aufmerksam, so lässt die Unter­suchung mit einer langen Metallsonde, welche bis an das Brustbein reicht, über die Diagnose keinen Zweifel. Nicht selten treten Abscedirungen ein, wobei sich ein äusserst übel­riechender Eiter entleert. Sobald der Eiter aus einer Wunde oder Fistelöffnung an dieser Stelle den specifisch üblen Ge­ruch des Knocheneiters annimmt, darf man auf die Mitleiden­schaft des Brustbeins rechnen; ebenso wenn an der äusseren FistelöfFnung die Haut stark trichterförmig eingestülpt ist.
Oedematöse Anschwellungen an der unteren Fläche der Brust kommen durch zu festes Anlegen des Gurtes, wie auch bei Brustwassersucht vor und sind von den genannten Leiden leicht zu trennen.
Abgesehen von den eben besprochenen haben Wunden am Thorax in der Regel nur dann eine grössere Bedeutung, wenn diese die Brustwand durchdringen (penetrirende Brust­wunden), oder wenn dieselben mit Fracturen an den Rippen verbunden sind.
„Penetrirende Brust wundenquot; werden durch septische Pleuritis leicht tödtlich. Wo die Erscheinungen dieser Com­plication bereits vorhanden sind, kann selten noch über die
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Diagnose Zweifel bestehen. Schaumiges Blut in der Wunde lässt eine Verletzung der Lunge vermÄthen, ebenso Emphysem in der Nachbarschaft der Wunde. Letzteres kann jedoch auch bei einfachen Muskelwunden hier vorkommen. Im Uebrigen muss die locale Untersuchung und die Berück­sichtigung des Vorberichtes in Betracht gezogen werden. Bei frischen Wunden sei man mit der Anwendung der Sonde vorsichtig. Denn es kann bei kräftigem Drucke mit derselben oder durch die Unruhe des ïhieres die Wunde erst mit der Sonde zu einer penetrirenden gemacht werden. Auch durch Verschleppung des Wundsecretes in die Brusthöhle würde man die Gefahr der Pleuritis noch vergrössern. Daher gilt hier derselbe Grundsatz, wie an der Bauchhöhle und den Ge­lenken, dass man in zweifelhaften Fällen das Schlimmste an­nimmt und die Behandlung so einrichtet, wie bei einer pene­trirenden Wunde, vor Allem also Antisepsis.
Fracturen der Rippen ohne Verwundung kommen besonders bei Schweinen oft vor, werden aber meist über­sehen. Störungen der Respiration, Husten, Schmerzen beim Druck und bei Bewegungen des Thieres weisen auf eine solche hin. Zuweilen ist auch Crepitation und eine Abweichung in dem Verlauf der Rippen nachweisbar. Besteht gleichzeitig blutiger Ansfluss aus der Nase oder dem Maul, so muss auf eine stattgehabte Verletzung der Lunge geschlossen werden.
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IX.
Die Krankheiten des Bauches.
Die flächenartig ausgebreiteten Bauchmuskeln bilden mit ihren sehnigen Ausbreitungen die Baachdecken. Die sog. „gelbe Bauchhautquot; (Tunica abdominalis) überzieht den äusseren schiefen Bauchmuskel und hilft namentlich bei den Pflanzenfressern die stark gefüllten Baiicheingeweide tragen, während der Querbauchmuskel zu demselben Zwecke an seiner inneren Fläche mit der Querbauchbinde (Fascia transversa abdominalis) bekleidet ist. Als eine Fortsetzung der ersteren ist das sog. Poupart'sche Band anzusehen, welches die gelbe Bauchhaut mit der Schenkelfascie verbindet. Während die äussere Haut durch lockeres, oft viel Fett enthaltendes Bindegewebe mit dem Bauchhautmuskel verbunden die Aussen-fläche der Bauchdecken umgiebt, wird die innere durch das parietale Blatt des Peritoneum ausgekleidet. Die Linea alba grenzt die beiden Hälften des Bauches von einander ab.
Die Bauchdecken werden von den vorderen und hinteren Bauchdeckengefässen mit Blut versorgt, die vordere Bauch­deckenarterie, eine Fortsetzung der inneren Brustarterie, läuft zwischen dem Schaufelknorpel und der 9. Rippe aus der Brusthöhle tretend in dem geraden Bauchmuskel nach hinten, verzweigt sich in diesem sowie in dem Querbauchmuskel und anastomosirt mit der hinteren Bauchdeckenarterie. Die letztere entspringt in Gemeinschaft mit der äusseren Schamarterie
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aus der tiefen. Oberschenkelarterie, läuft unter dem Peritoneum und auf dem geraden Bauchmuskel nach vorn und verzweigt sich in diesem sowie im inneren schiefen Bauchmuskel. Sie verlaufen etwa 2 Ctm. vom hinteren Winkel des inneren Bauch­ringes entfernt, ein Umstand, der bei der Operation incar-cerirter Leistenbrüche beachtenswerth ist. Die Arterien sind von den gleichnamigen Venen begleitet.
Die von den Bauchdecken und oben von den Lenden­wirbeln abgeschlossene Bauchhöhle wird vorn durch das Zwerchfell von der Brusthöhle getrennt und geht hinten in die Beckenhöhle über.
um die einzelnen Abschnitte der Bauchhöhle und ihren Inhalt genauer bezeichnen zu können, hat man dieselben wie folgt eingetheilt:
1.nbsp; nbsp;Vordere Bauchgegend (Regio epigastrica) = der Abschnitt zwischen zwei senkrechten Ebenen, von denen die eine am Schaufelknorpel, die andere in der Höhe der letzten Rippe gedacht wird. Dieselbe stellt einen dreieckigen Raum dar, dessen unterer Abschnitt als „Brustbeingegendquot;, dessen oberer als linke und rechte Unterrippengegend (Hypo-' chondrium sin. e. dext.) bezeichnet werden.
2.nbsp; nbsp;Die mittlere Bauchgegend (Regio mesogastrica) reicht von der vorigen bis zu einer am vorderen Rande des Darmbeins in der Frontalebene gefällten senkrechten Linie und zerfällt in die Nabelgegend, linke und rechte Flanken­gegend und linke und rechte Lenden oder Nierengegend.
3.nbsp; nbsp; Die hintere Bauchgegend (Regio hypogastrica) reicht von der vorigen bis zu einer am vorderen Rande der Scham­beine gezogenen senkrechten; ihre mittlere Abtheilung heisst „Schamgegendquot; (Regio pubis), die beiden seitlichen „Leisten­gegendquot; (Regio inguinalis).
Ueber die Lage der Eingeweide vergleiche nachstehende Tabelle.
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Vordere Bauchgegend.
Schaufelknorpel­gegend.
Linke Rechte ünterrippengegend.
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Hechtes Magenende,
Leerdarmschlingen
und Colon transver-
sum. Mittlerer Theil
der Leber.
Magen, Leerdarm, Co­lon ascendens, linker Abschnitt der Leber und linker Lappen des Pancreas.
Anfang des Duode­num, Leerdarm, Colon
ascendens, rechter Theil der Leber, rech­ter Lappen des Pan­creas.
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Pylorustheil des Ma­gens, die mittleren Leberlappen. Mittlerer Lappen des Pancreas.
Linke Magenhälfte, linker Leberlappen. Milz, linker Lappen des Pancreas. Leer- und Hüftdarmsclilingen. Ende des Grimm­darms.
Rechter Lappen der
Leber und Bauch-
speicheldrn8e,Pylonis-
tieil des Magens und
Duodenum, Hüft- und
Leerdarmschlingen.
Haube mit einem Theil des Pansens und dem vorderenEnde des Lab­magens.
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Dritter und vierter
Magen. Duodenum,
Leerdarm, Leber,
Bauchspeicheldrüse.
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Spitze des Blinddarms, Quercolon, Anfang der linken unteren Grimm­darmlage, Magen im lee­ren oder rechtes Ende im gefüllten Zustande, mittlerer Leberlappen.
Magen im gefüllten Zu­stande, Milz, linker Lappen der Leber und Bauchspeicheldrüse, Leerdarmschlingen, linke untere und obere Grimmdarmlage.
Grössere Hälfte der Le­ber, rechter Lappen des Pancreas, Anfang des Duodenum, rechte un­tere und obere Grimm­darmlage, Grund- und Mittelstück des Blind­darms.
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Mittlere Bauchgegend.
Hintere Bauchgegend.
Nabel­gegend.
Linke Hechte Flankengegend.
Scham-gegend.
Linke 'Rechte Leistengegend.
Leerdarm, Blinddarm.
Mediale Lage des Grimmdarms. Vorde­rer Abschnitt der ge­füllten Harnblase.
Leerdarm, Hüftdarm,
Anfang des Mast­darms, hinterer Rand der Milz.
Zwölffingerdarm und Leerdarm.
Leerdarm, Mastdarm,
Harnblase im leeren
Zustand.
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Anfang des Blind­darms, Windungen des Grimmdarms, Umbie-gungsstück des Duo­denum.
Grimmdarm und Mast­darm , Harnblase in gefülltem Zustande.
Windungen des Grimmdarms.
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Duodenum, Leerdarra,
Blinddarm, Grimm­darmlabyrinth.
Pansen, Mastdarm.
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Linke untere Lage des Grimmdarms (Suss­dorf), Leerdarm­sehlingen.
Leerdarmsehlingen, Hüftdarm, linke obere Grimmdarmlage, Ende des Duodenum, Mast-darraschllngen (Grimm­darm ist bei Punctionen hier nicht zu treffen [Sussdorf]).
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Ende der linken unteren Grimmdarmlage (Suss­dorf), Harnblase im gefüllten Zustande.
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Möller, Klinische Diagnostik.
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Obgleich die Bauchhöhle von allen Seiten geschlossen ist, besitzt sie doch Ausstülpungen; so stellt bei männlichen Thieren (und weiblichen Fleischfressern) der Leistenkanal mit dem Proccssus vaginalis eine solche Ausstülpung dar; zu­weilen erscheint auch der Nabelring unvollständig geschlossen (Nabelbruch); auch kommen Zerreissungen der Bauchdecken mit Erhaltung der Continuität der äusseren Haut vor, wobei Baucheingeweide durch die Bauchdecken unter die äussere Haut treten (Hernien)*).
Wunden der Bauchdecken. So lange diese ober­flächlich sind, d. h. nicht bis in die Bauchhöhle oder bis auf die Querbauchbinde reichen, haben sie keine besondere Bedeutung; durchdringende werden durch septische Peri­tonitis leicht tödtlich. Directes Eindringen in die Bauchhöhle beim Sondiren, Vorfall von Darm, Netz oder anderer Bauch­eingeweide und Hervortreten von Darminhalt lassen keinen Zweifel über die Gegenwart einer durchdringenden Bauch-wunde. Die Peritonitis kündet sich durch hohes Fieber, frequenten, schwachen Puls, Appetitlosigkeit, gespannte und aufgezogene Bauchdecken, kurzes, oberflächliches Athmen an. Bei der Anwendung der Sonde ist auch hier Vorsicht zu empfehlen, da mit derselben das noch unverletzte Peritoneum leicht durchstosseu oder septische Substanzen in die Bauch­höhle verschleppt werden. Ein negatives Resultat der Unter­suchung mit derselben verbürgt andererseits nicht die Ab­wesenheit einer durchdringenden Bauchwunde, namentlich kleiner Stichwunden, weil die Bauchmuskeln sich oft so ver­schieben, dass die getrennten Stellen nicht über einander
*) Die Angaben der Anatomen über die Lage der Baucheingeweide sowie auch über andere Einrichtungen weichen oft erheblich von ein­ander ab. Es möge daher entschuldigt werden, wenn sich hier Irr-thümer eingeschlichen haben.
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liegen. Höchst verdächtig sind kleine Wunden, welche mit starker Anschwellung, Fieber und Erscheinungen der Peri­tonitis verbunden sind. Wo Zweifel bestehen, ob die Wunde eine durchdringende ist oder nicht, leite man die Therapie so ein, als ob ersteres der Fall wäre, also soweit möglich Antisepsis. Am bedenklichsten sind perforirende Bauchwunden bei Pferden, weniger bei Wiederkäuern und noch weniger bei Fleischfressern; bei allen Thieren aber müssen sie als lebensgefährlich betrachtet werden.
Quetschungen der Bauchdecken. Am häufigsten beim Rinde durch Horustösse. Extravasatc und Entzündung bedingen hierbei Anschwellungen, welche leicht mit Erüchen verwechselt werden können (vergleiche diese). Beim Rinde kommen kalte Abscesse in den Baiichdecken vor.
Hcrnien. Der Austritt von Baucheingeweiden aus der Bauchhöhle unter die äussere Haut kann durch, die natür­lichen Oeft'nungen (Nabelring, Bauchring und Schenkelkanal) erfolgen, oder durch Zerreissungen in den Bauchdecken quot;ver-anlasst werden. Hiernach hat man Nabel-, Leisten-, Schenkel- und Bauchbrüche unterschieden. Allgemeine Kennzeichen der Hernien sind:
a)nbsp; Geschwul st, meist plötzlich entstanden und schmerz­los, weich, ohne entzündliche Erscheinungen; bei frisch ent­standenen Bauchbrüchen Oedembildung, namentlich unterhalb des Bruches.
b)nbsp; Geschwulst scharf abgegrenzt, zuweilen gestielt.
c)nbsp; Geschwulst durch Reposition des Brachinhaltes (Rücken­lage, so dass der Bruch oben liegt) zu beseitigen. Eine Aus­nahme hiervon findet durch Einklemmung des Bruches oder Verwachsen des Inhaltes mit dem Bruchsacke statt (unbeweg­licher Bruch).
d)nbsp; In der Tiefe der Geschwulst ist in der Regel der Bruchring durch Palpation festzustellen.
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Die grösste Aehnüchkeit besitzt ein Extravasat oder ein Abscess mit dem frisch entstandenen oder unbeweglichen Bruch. Gelingt in zweifelhaften Fällen die Reposition nicht, und ist ein Bruchring nicht zu fühlen, so kann eventuell der Probetroikar Aufschluss geben. Im Allgemeinen ist jedoch Vorsicht zu empfehlen und an dem Grundsatze festzuhalten, dass man sich von der Abwesenheit eines Bruches über­zeugen muss, bevor man zum Messer greift.
Incarcerationen geben sich durch Koliksymptome, Schmerzhaftigkcit und Vergrösserung des Bruches mit An­nahme einer stärker gespannten Beschaffenheit zu erkennen. Bei Fleischfressern tritt hierbei oft Erbrechen ein.
1.nbsp; nbsp; Der Nabelbruch (Hernia umbillicalis) zeigt sich als eine Geschwulst von der beschriebenen Beschaffenheit unter dem Nabelringe. Seine Grosse schwankt zwischen der einer Haselnuss bis zu der eines Menschenkopfes. Der Bruchring ist stets zu fühlen, auch die Reposition in der Rückenlage zu bewirken. Entzündliche Veränderungen am Nabel bei jungen Thieren, zuweilen mit Abscedirung, können hier zu Verwechselungen führen. Sobald der Verschluss des Nabel­ringes nicht, direct nachgewiesen werden kann, darf ein Nabel­bruch nicht ausgeschlossen werden. Nabelbrüche werden am häufigsten beim Pferde und Hunde, seltener bei den übrigen Thieren angetroffen. Diese Thatsache mag zum Theil in der Lagerung der Eingeweide ihre Erklärung finden: Während beim Pferde und Hunde Dünndarmschlingen in der Nabel­gegend liegen, nimmt beim Wiederkäuer der Pansen und Mastdarm, beim Schwein der Grimmdarm und Mastdarm diesen Platz ein.
2.nbsp; nbsp; Leistenbruch (Hernia inguinalis). Eintritt von Baucheingeweiden (Darm, Netz) in den Leistenkanal; sind diese bis in den Hodensack vorgetreten, so bezeichnet man den Zustand auch als Hodensackbruch. Am häufigsten beim
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Pferde und Schwein, bei den Fleischfressern leiden auch weibliche, weil der Bauchring bei ihnen offen ist.
a) Pferd. Der äussere Bauchring (Ann. inguinalis), eine spaltförmige Oeffnung zwischen der Bauchsehne des äusseren schiefen Bauchmuskels und dem Schenkelbogen von 6—8 Ctm. Länge, die oft erheblich überschritten ist, liegt ca. 5 Ctm. von der Linea alba entfernt und ebenso weit vor dem Scham­bein. Bei Riickwärtsstellung des gleichseitigen Hinterschenkels öffnet sich die Spalte und nimmt eine mehr ovale bis runde Gestalt an.
Der innere Bauchring (Ann. abdominalis) stellt eine spaltförmige Oeffnung im inneren schiefen und Qnerbauch-muskel von 3 Ctm. Länge dar, welcher 5 Ctm. von dem Querast des Schambeins und ca. 8 Ctm. von der Mittellinie des Bauches entfernt liegt. Beide Bauchringe liegen in schräger Richtung und zwar von vorn und aussen nach hinten und innen. 2 Ctm. medial vom hinteren Winkel des inneren Bauchringes ver­laufen die hinteren Bauchdeckengefässe, deren Stamm (tiefe Oberschenkelarterie) in der Nähe des hinteren Winkels vom äusseren Bauchringe sich befindet. Der innere Bauchring liegt etwa senkrecht über den vorderen Winkel des äusseren Bauchringes und kann von hier aus gefühlt werden, wenn man den Finger am vorderen Rande des Samenstranges auf­wärts führt (Günther).
Der die beiden Bauchringe verbindende, trichterförmige aber abgeplattete Raum, „Leistenkanalquot; genannt, besitzt eine Länge von ca. 10 Ctm. und bietet dem Samenstrange einen Durchgang zum Hodensack.
Der Leistenbruch äussert sich durch stärkere Füllung des Hodensackes, in der Regel einer Seite. Die Anschwel­lung erscheint weich, elastisch, schmerzlos (wenn nicht incar-cerirt). Liegt Netz im Hodensacke, so fühlt sich der Bruch fester an. Der Umfang des Hodensackes wechselt: in der
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Rückenlage verschwindet die Anschwellung ganz, bei der Baucbpresse und in schwerem Zugdienst findet ein Zunehmen derselben statt. Bei sehr umfangreichen Hodensackbrüchen gehen die Thiere mit dem Hinterfusse der betreffenden Seite schleppend und halten dieselbe in Abductionsstellung. Liegt ein .einfacherquot; Leistenbruch vor, so fehlt die Anschwellung des Scrotum, doch zeigt sich meist eine grössere Stärke des Samenstranges. In Folge der Circulationsstörung findet Oedombildung statt, wobei sich der Samenstrang teigicht an­fühlt. Im Uebngen beruht die grössere Stärke des Samen­stranges auf functioncller Hypertrophie des Cremaster.
Bei frisch entstandenen Leistenbrüchen werden in der Regel schleppender Gang, zuweilen auch Appetitlosigkeit, Be­schleunigung der Respiration, öfteres Strecken der Thiere, selbst leichte Kolikerscheinungen beobachtet. Oeftercs Heben und Senken des Hodens lässt diesen Zustand vermuthcn. In­carceration des Leistenbruches giebt sich durch Kolik und die oben angeführten Störungen zu erkennen.
Leistenbrüche können verwechselt werden:
1.nbsp; nbsp;mit hypertrophischen Zuständen in den Hoden;
2.nbsp; nbsp;mit krankhaften Neubildungen in denselben. Eine sorgfältige Untersuchung mit der Hand giebt hier leicht Auf-schluss, die grössere Festigkeit der Anschwellung bei natür­licher Stärke des Samenstranges weist auf diese Zustände hin.
3.nbsp; nbsp;Mit Hämatocele und Hydrocele, Anhäufung von Blut bezüglich Serum im Processus vaginalis oder im Samenstrange. Beide Zustände pflegen mit Oedembildung an den unteren Abschnitten des Scrotum verbunden zu sein. Das im freien Raum des Processus vaginalis befindliche Serum fliesst bei der Rücken- und Seitenlage in die Bauchhöhle ab. Ansammlung von Flüssigkeit ausserlialb des Processus vagi­nalis unter der Tunica dartos giebt sich durch teigichte Be­schaffenheit der Anschwellung zu erkennen. Die durch Oedem
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des Samen Stranges bedingte Geschwulst verliert sich in der Kückenlage nicht und kann am leichtesten mit einem unbe­weglichen Leistenbruch verwechselt werden.
4. Eiteransammlung im Hodensack oder in der Umgebung desselben kann bei sorgfältiger Untersuchung ebensowenig mit dem Leistenbruch verwechselt werden, wie eine Samen­strangfistel. Wo Zweifel besteht, muss die Untersuchung per anum entscheiden. Zu diesem Zwecke sucht man den vorderen Rand des Schambeins auf und gelangt von hier leicht zum inneren Bauchring.
Der sogenannte falscheHodensackbruch (interstitieller Leistenbruch, Peritoneal-Scrotal-Bruch) unterscheidet sich von dem vorigen dadurch, dass die Baucheingeweide nicht durch den inneren Bauchring, sondern durch eine Oeffnung in der Bauchdecke in den Hodensack eindringen, also ausserhalb des Processus vaginalis liegen(Stockfleth, Hildach). Die Unter­scheidung dieses Zustandes von dem echten Leistenbruch ist oft schwer, doch erscheint die Bruchgeschwulst (Hodensack) hierbei in den oberen Abtheilungen breiter, und die Reposition gelingt am stehenden Thiere schwerer als beim Leisten­bruch. Während bei letzterem der Hoden stets auf dem Grunde der Bruchgeschwulst liegt, findet sich derselbe bei dem falschen Leistenbruch meist höher. Zuweilen lässt sich der Bruchring vor dem Leistenringe direct nachweisen; besser gelingt dies am liegenden Thiere.
b)nbsp; Bei Wiederkäuern sind Leistenbrüche ausserordentlich selten und verhalten sich im Allgemeinen wie beim Pferde.
c)nbsp; Beim männlichen Schwein tritt der Leistenbruch meist einseitig auf und ist in der Regel angeboren, von der Grosse eines Hühnereies bis zu der einer starken Mannesfaust. Durch Aufheben an den Hinterfüsaen wird die Anschwellung des Scrotum zum Verschwinden gebracht, welche beim Aufheben
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an den Vorderfiissen und beim Schreien, der Thiere stärker wird. In der Regel lässt sich der Bauchring deutlich fühlen.
d) Bei Hunden gehört der Leistenbruch zu den Selten­heiten, gestaltet sich aber bei männlichen ähnlich wie bei den übrigen Thieren.
Bei Hündinnen dagegen stellt der Leistenbruch eine elastische, schmerzlose Anschwellung an den hinteren Ab­schnitten des Euters dar, welche in der Rückenlage ver­schwindet. Bei Incarceration oder Unbeweglichkeit kann der­selbe mit hypertrophischen Zuständen am runden Mutterbande verwechselt werden. Bei dem letzteren bildet die Anschwel­lung einen festeren, cylindrischen Strang, welcher scheinbar mit dem vorderen Schambeinrande in Verbindung steht und in Folge dessen weniger verschiebbar ist.
3. Der Schenkelbruch. Der Schenkelkanal (Canalis cruralis) stellt einen dreieckigen Raum dar, welcher zwischen dem breiten und langen Einwärtszieher des Oberschenkels, dicht hinter dem inneren Bauchringe und etwas medianwärts von demselben liegt und vorn von dem Poupart'schen Bande begrenzt wird. In diesem Raum befinden sich Lymphdrüsen, Blutgefässe und Bindegewebe bezw. Fett; für gewöhnlich ist derselbe von der Querbauchbinde bedeckt. Zuweilen stülpt sich bei männlichen Pferden und Hunden das Peritoneum in diesen Raum aus, und es treten Darmabschnitte oder Netz-theile in denselben ein, ein Zustand, der als Schenkelbruch bezeichnet wird. Die äussere Mündung des Schenkelkanals wird durch eine schlitzförmige üeffnung in der Schenkelfascie gebildet, welche da zu suchen ist, wo die Vena saphena in die Tiefe tritt. Das Leiden ist bei Pferden, Eseln und Hunden beobachtet.
Die Erkennung des Schenkelbruches ist in der Regel nicht leicht. Kolikerscheinungen (beim Hunde Erbrechen) und eine mit schleppender Bewegung und Abductionsstellung
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des Schenkels verbundene Lahmheit machen in der Regel auf denselben aufmerksam. Bei derartigen Erscheinungen ver­säume man nie, eine hierauf gerichtete Localuntersuchung vorzunehmen. An der inneren Fläche des Oberschenkels, hoch oben findet man eine weiche Anschwellung, welche sich im frischen Zustande oder bei Incarceration schmerzhaft zeigt. In zweifelhaften Fällen bringt man das Thier in die Rücken­lage oder untersucht per anum.
4.nbsp; nbsp; Mittelfleischbruch (Hernia perinealis) am meisten beim Rinde und Hunde, selten bei Schafen und Hündinnen. Beim männlichen Hunde handelt es sich um eine Ausstülpung der Excavatio recto-vesicalis, die sich neben und über dem After, zwischen Schwanzwurzel und dem Sitzbeinhöcker als eine weiche, etwa faustgrosse Anschwellung zu erkennen giebt, in welcher sich meist Dünndarm oder Mastdarm, zuweilen jedoch die Harnblase befindet. Bei der Kuh und der Hündin stellt das Leiden eine Erweiterung der Excavatio vesico-uterina dar, enthält in der Regel Dünndarm oder Mastdarm und kanu selbst die Grosse eines Kindskopfs erreichen. Hier tritt die Geschwulst unmittelbar unter der Vulva hervor, so dass die unteren Lippen der letzteren oft mit vorgedrängt werden. Beim Schafe liegt sie meist neben der Vulva. Durch Berg­aufführen und Heben des Vordertheils kleiner Thiere wächst die Anschwellung, während Bergabführen und Hochheben des Hintertheils in der Regel mit einer schnellen und vollständigen Reposition, also mit Verschwinden der Anschwellung ver­bunden ist. Es kommen Verwachsungen des Bruches vor, in Folge dessen die Stelle beim Hochheben des Hintertheils einsinkt.
5.nbsp; nbsp; Bauchbrüche tragen die allgemeinen Kennzeichen des Bruches (Seite 115), nur wenn sie frisch oder zufällig mit entzündlichen Veränderungen in der Nachbarschaft ver­bunden sind, zeigt sich die Geschwulst oft so wesentlich ver-
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ändert, dass die Diagnose schwer fallen kann. Die dort mit-getheilten Anhaltspunkte müssen auch hier entscheiden.
6.nbsp; nbsp; Der innere Bauchbruch (Hernia interna abdomi-nalis, Ueberwurf) stellt die Einschnürung eines Darmtheils durch den Samen sträng dar. Zerreisst die Bauchfellduplicatur, welche den Samenstrang bilden hilft, so schlüpft durch diese Oeffnung sehr leicht ein Stück Darm oder Netz und wird hier incarcerirt. Das Leiden wird nur beim Rinde beob­achtet. Bei der Lage des Pansens auf der linken Seite der Bauchhöhle kommt das Leiden meist rechts vor und zwar in der Nähe des Kreuzbeins. Wenn Kolik, besonders Schlagen mit den Füssen nach dem Bauche, zuweilen mit blutigen Entleerungen und Aufblähen verbunden, auf dieses Leiden aufmerksam gemacht haben, so lässt sich bei der Unter­suchung per anum eine geschwulstähnliche, aber weichere Anschwellung bis zu Kopfgrösse nachweisen, indem man mit der (linken) Hand an der rechten Wand der Beckenhöhle ent­lang bis in die Bauchhöhle vordringt. Medianwärts von dieser Anschwellung fühlt man den straff angespannten Saraenstrang.
7.nbsp; nbsp; Der Zwerchfellsbruch gehört kaum noch in das Gebiet der Veterinärchirurgie. Die Diagnose stützt, sich vor­nehmlich auf die Gegenwart von Athembeschwerden und den Nachweis von Darmtheilen in der Brusthöhle. Man lasse sich jedoch nicht durch laute, peristaltische Geräusche täuschen, die oft den Anschein erwecken, als ob sie aus der Brust­höhle stammen. Bei der Percussion findet man in der Regel Dämpfung oder tympanitischen Schall, Erscheinungen, die bei der Abwesenheit von Fieber und anderen Symptomen der Pneumonie oder des Hydrothorax auf dieses Leiden hin­weisen.
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— 123 — Chirurgische Leiden des Darmkanals.
1. Fremdkörper im Darm haben nur bei Fleisch­fressern eine chirurgische Bedeutung, weil sie bei diesen allein intra vitam mit Sicherheit nachgewiesen und auf operativem Wege entfernt werden können. Es sind vornehmlich Hunde, die Gummibälle, Steine, Korkpfropfen, Glas- und Bleikugeln, mit denen sie spielen, verschlucken. In der Regel bleiben die Fremdkörper vor der Iliocöcalklappe stecken und er­zeugen Fäcalstase mit Darmentzündung, an welcher die durch längeres Hungern während der Krankheit bereits geschwäch­ten Thiere in 2 bis 3 Wochen zu Grunde gehen. Scharfe Gegenstände, welche in den Magen und Darm dieser Thiere gelangen, perforiren zuweilen die Wandung und führen durch Peritonitis zum Tode, bevor die Gegenwart derselben nach­gewiesen wird. Es sind daher nur die ersteren hier von Interesse.
Die Gegenwart eines Fremdkörpers im Darme des Hundes giebt sich durch absolute Appetitlosigkeit und Er­brechen zu erkennen. Jede Aufnahme von Nahrung wird verschmäht, und sobald das Thier auch nur Wasser nimmt, erfolgt Erbrechen. Dabei fehlen schwere fieberhafte Er­scheinungen, sowie die Symptome eines acuten Magen-und Darmleidens. Als Grundsatz muss gelten, dass solches Erbrechen im fieberlosen Zustande bei Hunden stets auf die Gegenwart von Fremdkörpern im Darm schliessen lässt. Durch Palpation sind dieselben nachzuweisen. Kleine Hunde stellt man zu diesem Zwecke auf einen Tisch oder Stuhl, grosse werden am besten an der Erde stehend untersucht. Man legt die Hände gegen die Bauchwandung und streicht mit denselben unter leichtem Druck von unten nach oben, so dass die Ein­geweide gleichsam durch die beiden Hände gleiten. Dabei sucht man bald mehr nach vorn in die Unterrippengegend,
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bald mehr nach hinten vorzudringen. Der Fremdkörper giebt sich hierbei durch seine Härte und scharf abgegrenzte Form, oft auch durch Schmerzensäusserungen seitens des Thieres beim Druck auf denselben zu erkennen. Bei der sich fort­während verändernden Lage des Darmes kann es nicht be­fremden, wenn der Fremdkörper zeitweise nicht zu fühlen ist, bald darauf, oft schon nach einer halben Stunde, wieder deutlich nachweisbar wird.
Zu verwechseln ist der Zustand mit Tumoren in der Bauchhöhle, besonders am Darm; ferner mit festen Fäcal-m as sen im Mastdarm und mit den Nieren. Ist die Gegen­wart der ersteren mit den oben genannten Erscheinungen (Appetitlosigkeit und Erbrechen, ohne sonstige, schwere Störungen) verbunden, so lässt sich die Diagnose unter Um­ständen nicht mit absoluter Sicherheit stellen. Inhaltsmassen des Mastdarms werden leicht daran erkannt, dass sie weiter nach hinten und oben liegen und Fingereindrücke annehmen. Sehr harte und feste Kothmassen trifft man nur in längerer, wurstförmiger Gestalt an.
Der Ungeübte kann sich durch die Nieren täuschen lassen. Die Unmöglichkeit, die verdächtige Geschwulst gegen die untere Bauchwand zu drängen, giebt hierbei den Ausschlag.
Beim Rinde dringen die mit der Nahrung aufgenomme­nen scharfen Fremdkörper mit seltenen Ausnahmen gegen das Herz vor und führen durch traumatische Peri- und Myo­carditis zum Tode. In der Regel wird die Gegenwart des Fremdkörpers erst erkannt, wenn diese Leiden bereits ein­getreten sind. Nur selten ist hierbei Gelegenheit geboten, in der von Meyer und Anderen empfohlenen Weise operativ vorzugehen. Dagegen trifft man ausnahmsweise wohl die Fremdkörper in den Rippenwandungen an, wo sie eine ab-scedirende Entzündung hervorrufen und dann mit Leichtig­keit beseitigt werden.
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2. Verwuiidiiugen des Darmes oder Magens von aussen geben sich durch das Auftreten von Darminhalt in der Wunde und die Erscheinungen der Peritonitis zu er­kennen. Sie sind meist tödtlich, doch hat man auch Heilungen beobachtet. Zuweilen schliesst sich die Wunde bis auf eine kleine Oeffnung, welche das Ende eines Kanals darstellt, der bis in den Darm oder Magen führt. Diese sog. Darm-oder Magenfisteln hat man bei den verschiedenen Thier-arten beobachtet; sie sind im Ganzen jedoch selten. Die Untersuchung mit der Sonde, wobei man bis in den Darm oder Magen vordringt, und der Nachweis von Magen- oder Darm-inhalt in dem Ausflusse begründen die Diagnose.
Mastdarm. Chirurgische Eingriffe gestattet für gewöhn­lich nur das hintere Ende des Mastdarms, welches bereits ausserhalb der Bauchhöhle liegt. Der aus Mucosa und Mus-cularis bestehende Darm ist hier von lockerem Bindegewebe umgeben und liegt dicht unter dem Kreuzbein.
1.nbsp; nbsp; Verwundungen des Mastdarms werden bei Stuten durch Eindringen des männlichen Gliedes beim Decken, oder durch ungeschickte Untersuchung des Mastdarms mit der Hand und eben solcher Anwendung der Klystirspritze beobachtet. Beim Rinde treten solche nicht selten während des Gebär-actes ein.
Kolikerscheinungen, zuweilen blutige Entleerungen weisen auf die Gegenwart derartiger Verletzungen hin, welche, wenn sie nicht sehr klein sind, bei der Untersuchung per anum, leicht nachgewiesen werden.
2.nbsp; nbsp; Vorfall des Mastdarms. Da der hintere Abschnitt (Endstück) des Mastdarms mit der Umgebung durch Binde­gewebe verbunden ist, so kann dieser nicht vorfallen. Ein Mastdarmvorfall kann nur dadurch zu Stande kommen, dass sich derselbe vor diesem Endstück einstülpt; dem Vorfall geht also eine Invagination nothwendig voraus, und es tritt
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sodann ein cylindcrförmiges Stück des Darmes durch den After, welches in der Mitte eine Oeffuung besitzt, anfangs rotli, später grau, braun, selbst schwarz erscheint. An der Peripherie der vorgefallenen Masse kann der Finger oder die Sonde mehrere Zoll weit eindringen. Durch den letzteren Umstand unterscheitlet sich dieses Leiden von dem sog.
3.nbsp; nbsp; Prolapsus ani, welcher in einer Umstülpung der angeschwollenen Schleimhaut des Endstücks des Mastdarms durch den After besteht. Da die Beurtheilung dieser beiden Leiden sehr verschieden ausfällt, so ist die Trennung der­selben höchst wichtig. Beide Zustände kommen am häufigsten bei Hunden und Schweinen, selten beim Pferde und den Wiederkäuern vor.
4.nbsp; nbsp; Atresia ani. Verschluss des Afters wird als an­geborenes Leiden bei Schweinen und Hunden, selten bei Wieder­käuern beobachtet. Zuweilen erstreckt sich die Verwachsung auch noch auf einen Abschnitt des Mastdarmes. Ausserdem kann der After im extrauterinen Leben wieder verwachsen. Bei beiden Zuständen ist die Defäcation unmöglich, in Folge dessen Tympanitis, Appetitlosigkeit, bei Jungen Nach­lassen im Saugen und Kolikerscheinungen entstehen. Die Localuntersuchung ergiebt das Nähere. Ist nur der After verwachsen, so wölbt sich derselbe hervor, wo dies nicht beob­achtet wird, muss auf eine gleichzeitige Atresie des Mast­darmes geschlossen werden.
5.nbsp; nbsp; Der After ist endlieh nicht selten Sitz von Tumoren, besonders bei Pferden und Hunden; bei ersteren meist als Melanome (Sarkome, Carcinome), bei Hunden werden Adenome der Perianaldrüsen, aber auch Sarkome und Carcinome beob­achtet. Während das schwarze Pigment bei Pferden (Schim­meln) über die Gegenwart eines Tumors in der Regel keinen Zweifel lässt, beweist bei Hunden die Abwesenheit entzünd-
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lieber Erscheinungen den Charakter der Neubildung, an welcher jedoch häufig Ulceration auftritt.
6. Bei Hunden sind auch acute Entzündungen mit Abscedirung in den Perianaldrüsen nicht selten, welche Störung ia der Defacation mit ihren Folgen (Appetitlosigkeit u. s. w.) herbeiführen. Durch die Eiterung sowie durch die Schmerz-haftigkeit bei der Palpation unterscheiden sie sich von den Tumoren. Recidive dieser entzündlichen Leiden sind recht häufig.
Harn- und Geschlechtsorgane.
Zu den chirurgischen Leiden dieser Organe gehören: 1. Harnsteine und zwar in der Blase oder Harnröhre. Sie werden bei allen Thieren beobachtet, am häufigsten jedoch bei Hunden und Wiederkäuern.
a)nbsp; nbsp;Blasensteine geben sich durch häufiges Drängen und Entleerung von mit Blut untermischtem Harn zu er­kennen, welches besonders nach angestrengter und schneller Bewegung des Thieres hervortritt. Bei Wiederkäuern stellt sich auch wohl Harnverhaltung ein. Bei grosseren Thieren giebt die Untersuchung per anum, bei kleineren Thieren durch die Bauchdecken Aufschluss über die Gegenwart grösserer Blasensteine. Kleinere können namentlich bei weiblichen Thieren mit der Sonde ermittelt werden. Harngries tritt zu­weilen in dem entleerten Harn auf.
b)nbsp; Harnröhrensteine bewirken Harnverhaltung, wobei der Urin nur tropfenweise, unter häufigem Drängen entleert wird. Grössere Thiere bekunden hierbei oft Koliksymptome; bei den kleineren lässt sich durch die Bauchdecken eine starke Füllung der Harnblase nachweisen; am sichersten erfolgt diese Untersuchung in der Rückenlage. Bei den Fleischfressern und dem Pferde kann zur Feststellung von
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Harnröhrensteinen die Sonde angewendet werden, während die S-förmige Krümmung der Harnröhre bei Wiederkäuern diese Untersuchung ausschliesst. Dafür lässt sich bei ihnen der Stein oft direct fühlen und eine starke Füllung der Harn­röhre über demselben nachweisen. Bei Hunden liegen die Harnsteine stets in der Rinne des Ruthenknochens; oft sind deren mehrere vorhanden und gleichzeitig Gries in der Harn­blase. Die Sonde giebt hier über den Sitz der Steine leicht Aufschluss. Beim Pferde bestehen die Harnsteine grössten-theüs aus Calciumcarbonat mit Einmischung von Calcium-phosphat und zeigen eine graue, glatte, oder warzige Oberfläche; nicht selten erscheinen sie durch Auflagerung von kleesaurera Kalk braun und an der Oberfläche rauh; endlich kommen bei diesen Thieren grosse, sedimentartige Steine vor.
Aehnlich bei den Wiederkäuern, doch enthalten diese Harnsteine oft Tripelphosphat und sind nicht selten durch Niederschläge von Eisensaizen gelb oder grün gefärbt oder durch Auflagerung von kleesaurem Kalk an der Oberfläche rauh.
Bei Fleischfressern bestehen die grosseren, weissen aus Calciumphosphat und Carbonat und harnsaurem Ammoniak, die gelben, maulbeerförmigen aus kleesaurem Kalk, die weissen oder gelblichen, fettig sich anfühlenden, weichen, brüchigen aus Cystin.
2. Penis. Catarrhe der Harnröhre sind bei Thieren selten; der sog. Tripper der Hunde stellt in der Regel nur einen Catarrh des Präputiums dar. Streicht man mit einer Sonde oder einem anderen Instrument in der Richtung gegen die Mündung über die Harnröhre, so entleert sich beim ein­fachen Präputialtripper kein Eiter, was beim echten Harn­röhrentripper der Fall ist.
Bei grosseren Thieren (Pferd) hat man zuweilen Fremd-
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körper (Roggenähre) in der Harnröhre gefunden, welche Harnverhaltung veranlassten.
Stricturen der Harnröhre werden hei männlichen Hunden angetroffen und zwar meist in Folge von Harnröhren­steinen. Die Untersuchung mit der Sonde giebt hierüber Auskunft.
Tumoren am Penis werden bei allen Thierarten be­obachtet, insbesondere Carcinome und Sarkome, am meisten beim Pferde und Hunde. Ebenso werden Tumoren (Fibrome, Carcinome und Sarkome) an der Vorhaut gefunden.
3.nbsp; nbsp;Scrotum. Der Hodensack ist bei Fleischfressern nicht selten Sitz von Ekzemen, welche zuweilen mit starker Anschwellung und grossen Schmerzen verbunden sind und den Thieren zum Lecken Veranlassung geben. Beim Hunde wurden von mir serpentine Varicen mit Ulceration und öfter wiederkehrenden profusen Blutungen beobachtet. Verwun­dungen des Scrotums kommen ebenfalls häufig bei Hunden vor; ihre Erkennung bietet keine Schwierigkeiten.
4.nbsp; nbsp; Hoden. Entzündung des Hodens durch Verletzung von aussen oder secundär bei Pyämie und Rotz. Schleppender breiter Gang, auffallend schmerzhafte Anschwellung und häufiges Aufziehen des Hodens weisen auf dieses Leiden hin.
5.nbsp; „Sarcocelequot; ist ein Sammelname für verschiedenartige Tumoren im Hoden, besonders Sarkome, Carcinome, Enchon-drome und Dermoidcysten, zuweilen mit Haar- oder Zahn­bildung verbunden. Kennzeichen: mehr oder weniger feste Anschwellung oft bis zu einer bedeutenden Grosse mit ge­ringen Schmerzen oder vollständiger Schmerzlosigkeit.
6.nbsp; nbsp; Hydrocele. Ansammlung von Serum im freien Raum des Processus vaginalis oder im Samenstrange. Aus dem ersteren fliesst die Flüssigkeit bei der Rückenlage in die Bauch­höhle ab, bei letzterem Zustande nicht; beide können mit
Leistenbrüchen verwechselt werden (vgl. Seite 116). Möller, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9
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7. Samenstrangfistel. Chronische Entzündung des Samenstranges nach dor Castration. Die meist schmerzlose Anschwellung kann sich verschieden weit über den Samen­strang ausdehnen, worüber die manuelle Untersuchung Auf-schluss giebt. Reicht die Anschwellung bis in die Bauch­höhle, so muss die Grenze derselben bei der Untersuchung per anum festgestellt werden.
Von der Castrationswunde aus erstreckt sich ein 10 bis 20 Ctm. langer Fistelkanal nach oben. Ist die Anschwellung sehr stark, so zeigt sieh auch wohl ein breiter, schleppender Gang, zuweilen selbst Lahmheit. Von Zeit zu Zeit entwickelt sich in der Umgebung des so erkrankten Samenstranges eine Phlegmone, wodurch die Anschwellung unter Umständen sehr gross wird.
Zu verwechseln ist die Samenstrangfistel mit Abscessen im Hodonsack, wie sie in den ersten Wochen nach der Castration vorkommen, sowie mit dem sog. Champignon, d. i. einer Wucherung des unteren Endes des Samenstranges ausserhalb des Scrotum. Der Nachweis einer strangför-migen Anschwellung im Samenstrange und des Fistelkanals sichern die Diagnose der Samenstrangfistel.
Der Schweif.
Beim Pferde ist der sog. Rattenschweif zu erwähnen, welcher sich durch allmäliges Ausfallen des Schweifhaarcs kennzeichnet, so dass die Schweifrübe schliesslich nur noch von wenigen, einzeln stehenden Haaren besetzt ist.
Lähmungen der Schweifmuskeln werden bei Para-plegien, aber auch ohne solche bei Pferden beobachtet. Der Schweif hängt schlaff herab, baumelt beim Gehen hin und her (Hammelschwanz) und wird von dem abgesetzten Mist und bei Stuten auch vom Urin beschmutzt. Bei dem Ver-
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such, den Schweif aufzuheben, äussert das Thier weder Wider­stand noch Schmerz.
Verwundungen des Schweifes führen zuweilen zu Nekrose der Schweifwirbel, und so entwickeln sich die sog-. Schweiffisteln. Beim Rinde entstehen aus örtlichen Ver­letzungen und anderen Ursachen zuweilen umfangreiche An­schwellungen mit Eiterung und Verjauchungen am Schweif (Sterzwurm). Nach der Impfung von Lungenseuche kommen phlegmonöse Entzündungen des Schweifes vor, welche sich oft bis auf das Kreuz ausdehnen und nicht selten Nekrose des Schweifes zur Folge haben.
Bei Hunden, vornehmlich bei den grosseren Rassen werden häufig an der Schweifspitze Ulcerationen der Haut und der Schweifwirbel beobachtet, welche entweder durch Schlagen mit dem Schweife oder durch Beissen in Folge von Jucken veranlasst werden. Wo letzteres vorhanden ist, setzt sich der Zustand in der Regel nach der Amputation des erkrankten Endes auf den noch erhaltenen Theil des Schwanzes fort.
Fracturen der Schweifwirbel (Hund), die nicht selten mit Perforation der Haut verbunden sind, führen bei diesen Thieren oft zur Nekrose des Schwanzes. Die Erkennung bietet keine Schwierigkeiten. Die subnormale Temperatur an dem Schweifende weist mit Sicherheit auf Nekrose hin. So lange die normale Temperatur den Beweis liefert, dass die Blutcirculation in dem Schweife fortbesteht, ist die Mög­lichkeit vorhanden, den Theil zu erhalten.
Nicht geringelter Schwanz beweist bei Schweinen einen krankhaften Zustand. Hunde tragen bei Verstopfungen im Mastdarm den Anfangstheil des Schwanzes in einem vom Körper abgewendeten Bogen.
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Die Lahmheiten.
Allgemeine Betrachtung.
Als Lahmheiten bezeichnet man Störungen in dem regelmässigen Gebrauche der Gliedmassen, welche durch Krankheitszustände oder durch schmerzhafte Empfindungen hervorgerufen werden. Die durch andere Umstände, z. B. falsche Zügelführung, unzweckmässige Lage und Beschaffen­heit des Geschirrs bedingten Bewegungsstörungen gehören nicht hierher, obgleich hierfür wohl ähnliche Bezeichnungen wie „zugellahmquot; benutzt werden. Ebenso pflegt man die im fehlerhaften Bau der Gliedmassen begründeten abnormen Bewegungen, sowie in Folge hohen Alters auftretenden Ein­schränkungen der freien Bewegung so lange nicht als Lahm­heit zu bezeichnen, als dieselben an beiden Vorder- bezw. Hinterschenkeln in gleichem Grade bestehen.
Mit dieser Einschränkung des Begriffs Lahmheit sind in Rücksicht auf die Aetiologie folgende Gruppen zu trennen: 1. Lahmheiten, welche durch schmerzhafte Em­pfindungen an den Gliedmassen oder deren Umgebung hervorgerufen werden, z. B. Druck des Eisens gegen die Sohle, Zwanghuf, entzündliche Processe an den ver­schiedenen Schenkeltheilen oder deren Nachbarschaft, Anschwellung der Bugdrüsen.
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2.nbsp; nbsp;Lahmheiten ia Folge mechanischer Hindernisse für die freie Schenkelbewegung, z. B. Synostosen, Ver­kürzung der Muskeln, Sehnen oder Bänder.
3.nbsp; nbsp;Lahmheiten, bedingt durch Lähmungen.
Die bei weitem grösste Zahl aller Lahmheiten gehört der ersten Gruppe an, denn fast alle entzündlichen Verände rungen an den einzelnen Abschnitten der Schenkel rufen auf diese Weise Lahmheit hervor. Doch gehören Lahmheiten, durch Lähmungen oder mechanische Hindernisse (Synostosen, Exostosen) veranlasst, nicht zu den Seltenheiten. Zuweilen tragen gleichzeitig mehrere Umstände zur Entstehung der Lahmheit bei: An chronisch erkrankten Gelenken bestehen sowohl Schmerzen bei der Bewegung, als auch Schrumpfung in den Bandapparaten.
„Die Diagnose der Lahmheiten stellt ein drei­faches Problem darquot;, sagt Bouley, nämlich: 1. Die Feststellung des lahmen Fusses, 2. des Sitzes der Ursache, 3. die Natur derselben. Die Entscheidung der Frage, welcher Fuss der lahme ist, bietet dem Anfänger oft schon Schwierig­keiten. Bei hochgradiger Lahmheit ist dies zwar leicht, bei geringgradiger Bewegungsstörung aber verlangt die Unter­suchung ein geübtes Auge zur Betrachtung des Ganges und eine genaue Vergleichung der Actionen der Gliedmassen. Diese Vergleichung muss stets an den gleichnamigen Glied­massen angestellt werden, denn da die Functionen der Vorder-füsse andere sind als die der Hinterfüsse, so können diese nicht mit einander verglichen werden. Aus demselben Grande ist nur der Schritt- und Trabgang geeignet, eine Lahmheit festzustellen, da in der Galoppbewegung die Action der gleich­namigen Gliedmassen eine verschiedene ist.
Ein stärkere Lahmheit macht sich in der Regel schon im Stande der Ruhe durch unvollständige Belastung des lahmen Fusses oder schmerzhaftes Hochheben desselben be-
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merkbar. Weniger starke Lahmheiten zeigen sich erst bei der Bewegung im Sehritt; noch geringgradigere treten erst bei der Trabbewegung hervor. In der letzteren Gangart folgen die Bewegungen der Füsse schneller auf einander; auch sind die Erschütterungen, welche beim Auftreten den labmen Fuss treffen, grosser, weshalb weniger schmerzhafte Zustünde erst im Trabe erkennbare Bewegungsstörungen hervorrufen.
Ist also der Trabgang des Pferdes vornehmlich geeignet, die Frage zu entscheiden, ob überhaupt eine Lahmheit be­steht , so lässt sich in der Schrittbewegung mit grösserer Sicherheit auf die Art der Bewegungsstörung und somit auf den Sitz bezw. die Ursache der Lahmheit schliessen.
Zur Ermittelung des lahmen Fusses wird das Pferd im Trabe vorgeführt, geritten oder gefahren und zwar womög­lich auf ebenem, festen Boden. Machen sich auf hartem Boden durch die stärkeren Erschütterungen geringfügige Lahmheiten eher bemerkbar, als auf weichem, so trägt der hörbare Unterschied in der Stärke der Hufschläge auf solchen zur leichteren Erkennung der Lahmheit bei.
Man vergleiche die Bewegungen der beiden Vorder-schenkel mit einander, sodann auch die der Hinterschenkel. Tritt auf den ersten Blick eine auffällige Störung in der Bewegung derselben nicht hervor, so achte man auf die Stärke der Hufschläge. Der weniger laute Hufschlag rührt von dem lahmen Schenkel her. Derselbe bleibt in der Regel auch zeitig hinter dem des gesunden Schenkels zurück. Denn, da die Mehrzahl der Lahmheiten durch Schmerzen bei der Belastung des Fusses veranlasst werden, so wird dieser Moment abzukürzen gesucht, indem der gesunde Fuss schneller vorgeführt und aufgesetzt wird.
Störungen in den regelmässigen Bewegungen der Vorder-füsse beeinträchtigen zugleich die Functionen der Hinterfüsse.
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Es Hegt auf der Haud, dass hierdurch leicht Irrthümer her­vorgerufen werden können. Man muss daher bei weniger auffälligen Lahmheiten auch die Bewegungen der anderen beiden Füsse in Betracht ziehen und vergleichen, an welchen sich die Bewegungsstörung am deutlichsten ausspricht. Schon zu diesem Zwecke ist es erforderlich, den Gang des Pferdes sowohl von hinten, wie auch von vorn zu betrachten. Bei manchen Lahmheiten der Vorderfüsse macht das Pferd nickende Bewegungen mit dem Kopf, während solche an den Hinter-füssen oft mit Hebung und Senkung der Kruppe verbun­den sind.
Einige Lahmheiten treten nur im Anfange der Bewegung hervor und verschwinden, nachdem das Pferd eine kürzere oder längere Strecke gegangen ist, wie es z. B. beim Spat und anderen chronischen Gelenkkrankheiten beobachtet wird: andere zeigen sich erst während der Bewegung, z. B die durch Verlegung von Arterienstäramen hervorgerufenen. Eben­so ist zu beachten, dass einzelne Lahmheiten ohne nachweis­bare äussere Einflüsse remittirend oder intermittirend auf­treten. Manche verschwinden nach längerer Ruhe und treten nach stärkeren Anstrengungen von Neuem auf. Diese Um­stände kommen namentlich dann in Betracht, wenn es sich darum handelt, die Abwesenheit einer Lahmheit festzustellen.
Einzelne Lahmheiten zeigen sich bei der Bewegung im Kreise deutlicher und zwar bald mehr auf dem inneren, bald mehr auf dem äusseren Fusse. Andererseits beobachtet man bei Pferden, welche andauernd auf dem Zirkel gearbeitet haben, wie z. B. Kunstreiterpferde, zuweilen unregelmässige Bewegungen, wenn sie geradeaus gehen. Auch durch un-zweckmässiges Vorführen kann eine Lahmheit vorgetäuscht werden; bewegt sich der Vorführende bei heftigen Pferden zu langsam und mit kurzer Haltung der Zügel, so tritt das Pferd oft mit einem Fuss kürzer, ohne lahm zu sein. Um
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dies zu entacheiden, lässt man das Pferd entweder mit der anderen Hand führen, noch besser aber reiten.
Die durch fehlerhafte Zügelführung bedingten Bewegungs­störungen (zügellahm, bridle lameness) werden durch Wechsel der Gangart und schärferes Herannehmen des Pferdes be­seitigt.
Besteht Lahmheit auf beiden Vorderfüssen, so wird die Zeit der Einzelbelastung der Füsse abzukürzen gesucht, in­dem das Pferd den nicht belasteten Schenkel ungewöhnlich schnell vorführt. Hierdurch entsteht der sog. „gespannte* Gang. Selten ist die doppelseitige Lahmheit durch eine auf­fällige Verlangsamung in der Bewegung (Steifigkeit), ver­bunden mit kurzen Schritten, gekennzeichnet („klammerquot; Gang). Dem Ungeübten fällt es oft schwer, derartige Stö­rungen zu erkennen und richtig zu beurtheilen. Der ge­spannte Gang zeigt sich am auffälligsten auf hartem, nament­lich unebenem Boden, da alsdann einzelne Schritte un­gewöhnlich kurz ausfallen, weil die Ursache des gespannten Ganges am häufigsten in schmerzhaften Zuständen in den Hufen ihren Grund hat. Im Uebrigen sei bemerkt, dass ge­ringe Grade des sog. gespannten oder klammen Ganges zu­weilen nur von dem mit Sicherheit erkannt werden, der mit den normalen Bewegungen des Pferdes vertraut ist. Es fällt in der Regel auf, dass das Pferd beim Gehen nicht recht vorwärts kommt, leicht schwitzt und frühzeitig ermüdet.
Besteht Lahmheit auf beiden Hinterfüssen, so werden dieselben entweder ungewöhnlich weit nach vorn gesetzt, namentlich wenn schmerzhafte Zustände in den Hufen die Veranlassung sind, oder die Schritte werden abnorm kurz, wie bei chronischen Erkrankungen der Gelenke (Kniegelenke). In dem ersten Falle stellt sich eine schwankende Bewegung im Kreuze ein, die nicht für Kreuzlahmheit gehalten werden darf. Auch ist zu bemerken, dass eine fast gleiche Bewegung
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der Hinterfüsse in Folge schmerzhafter Leiden in den Vor de r-füssen beobachtet wird. Um die Last mehr mit den Hinter-füssen aufzunehmen und die Vorhand zu entlasten, stellt das Pferd die ersten unter den Leib und geht in Folge dessen mit dem Hintertheile schwankend.
Die grössten Schwierigkeiten ergeben sich, wenn ein Vorderfuss und zugleich der diagonale Hinterfuss lahm ist, weil die Bewegungsstörung des Vorderfusses sich zugleich au dem Hinterfuss der entgegengesetzten Seite, und umgekehrt, bemerklich macht. Nur wenn die Action des diagonalen Fusses in auffälliger Weise gestört ist und objectiv nach­weisbare Krankheitserscheinungen zeigt, kann eine solche Lahmheit mit Sicherheit nachgewiesen werden.
Aehnliche Schwierigkeiten treten ein, wenn die Füsse einer Seite gleichzeitig lahm sind, oder wenn das Pferd auf drei oder allen vier Füssen lahmt. Eine eingehende Local-untersuchung muss hier Aufschlug s geben.
Einige Lahmheiten, namentlich die durch chronische Krankheitszustände in den Gelenken bedingten treten deut­licher hervor, wena der betreffende Fuss einige Zeit (etwa 1—2 Minuten) in stark gebeugter Stellung gehalten war, und unmittelbar darauf das Pferd zui* Trabbewegung veranlasati wird (Spatprobe). Hierbei ist indess Vorsicht geboten, denn . auch ohne Lahmheit machen namentlich ältere, verbrauchte Pferde nach einem solchen Versuche einige kürzere, mit steifer Haltung des Schenkels ausgeführte Tritte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;— j
Es liegt auf der Hand, dass diese Untersuchung am zwekmässigsten auf einem freien Platze oder in einem ge­nügend grossen und gut beleuchteten Räume, z. B. Reitbahn, vorgenommen wird. Vortheilhaft ist es ferner, wenn hierbei sowohl weicher, sowie auch harter Boden (Pflaster) zur Verfü­gung steht; zur Ermittelung gewisser Lahmheiten ist dies sogar nothwendig. Am zuverlässigsten gestaltet sich die
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Untersuchung bei der Bewegung unter dem Reiter oder im Gespann, besonders wenn die Lahmheit geringgradig ist. Je­doch genügt in der Regel das Vorführen am Zügel, wobei das Pferd nicht zu kurz gehalten und durch Anwendung der Peitsche und anderer Mittel aufgeregt werden darf. Durch derartige, künstliche Aufregung können unter Umständen Lahmheiten verdeckt werden, wie es beim Mustern der Pferde im Handel zuweilen versucht wird.
Beim Vorführen, wie auch beim Reiten und Fahren muss das Pferd zunächst in gerader Richtung oder in einem grossen Kreise bewegt werden, weil im kleineren Kreise die Actionen der Füsse ungleichmässig ausfallen und somit einen zuver­lässigen Vergleich nicht zulassen.
Die Frage, ob Lahmheit vorhanden ist, oder nicht, lässt sich bei einiger Uebung leicht entscheiden. Um so schwie­riger gestaltet sich die eigentliche Diagnose der Lahmheit, d. h. der Nachweis ihrer Ursache, oder wie es gewöhnlich heisst: des Sitzes derselben. Bei geringgradigen Lahmheiten ist hierzu in der Regel eine mit Umsicht und genauer Kennt-niss der anatomisch-physiologischen Verhältnisse angestellte, eingehende Prüfung erforderlich. Dass Uebung und eine gut entwickelte Beobachtungsgabe daïïeï quot;von ausserordent-lichem Nutzen ist, steht zweifellos fest. Daher befindet sich der Anfanger dem praktisch durchgebildeten Thierarzt gegen­über hierbei oft in einer schwierigen Lage. Doch auch dem letzteren begegnen Fälle, die eine sofortige Entscheidung der Frage geradezu unmöglich machen. Selbst der sog. „prak­tische Blickquot; lässt hier nicht selten im Stich. Glücklicher­weise verlaufen derartige Lahmheiten in den meisten Fällen günstig, so dass auch die irrthümliche Diagnose des Praktikers der Heilung kein Hinderniss bietet und seinem Rufe keinen Abbruch thut. So lange es sich daher um Zustände dieser Art handelt, darf der Untersuchende nach einer sorgfältigen
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Prüfung des Zustandes nicht engherzig in der Beurth eilung des Falles sein und dadurch bei dem Besitzer den Verdacht der Unsicherheit aufkommen lassen. Andererseits gebietet die Vorsicht, dass man bei langwierigen Leiden und schmerz­haften Zuständen in der Beurtheilung des Zustandes sich nicht zu weit vorwagt; denn in solchen Fällen ergiebt sich nicht selten aus dem weiteren Verlaufe des Leidens die Unrichtig­keit der gestellten Diagnose, für welche der Besitzer in der Regel keine Entschuldigung findet. Da ist es zuweilen an­gezeigt, die Entscheidung der Frage, worin die Lahmheit ihren Grund habe, hinauszuschieben. Dass die persönliche Stellung des Sachverständigen zu dem Besitzer hierbei in Erwägung gezogen werden muss, liegt auf der Hand.
Ohne eingehende Untersuchung des kranken Zustandes ist eine einigermassen sichere Diagnose meist nicht möglich. Den Gang einer solchen Untersuchung und die hierbei in Anwendung kommenden Hülfsmittel zu besprechen, ist der Zweck des Nachstehenden. Für die Diagnose der Lahmheiten stehen folgende Hülfsmittel zu Gebote:
1. Die Anamnese und 2. die Untersuchung des Patienten.-
Die Anamnese soll über das Verhalten des lahmen Pferdes bis zum Zeitpunkt der eigenen Beobachtung Aus­kunft geben. Die erste und wichtigste Frage an den Ueberbringer ist daher nach der Dauer der Lahmheit. Die Beantwortung derselben ist von ausserordentlicher Wichtig­keit, weil sich hieraus schon Anhaltspunkte für den Gang der Untersuchung und die Beurtheilung des Zustandes ergeben. Sodann forsche man nach den Umständen, unter denen die Lahmheit hervorgetreten ist, ob dieselbe nach der Arbeit oder nach der Ruhe zuerst beobachtet wurde; ob das Pferd ge­fallen oder frisch beschlagen war. Andererseits erkundige man sich bei Lahmheiten, welche längere Zeit bestehen, ob An-
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Schwellungen oder Verletzungen an dem lahmen Schenkel vorhanden waren. Für die Diagnose wie auch namentlich für die Prognose ist ferner von grossem Werthe zu wissen, wie sich die Lahmheit dem Grade nach seit ihrer Entstehung verhalten hat: ob dieselbe stärker oder geringer gewesen ist, als zur Zeit der Untersuchung; ob das Lahmen bei und nach der Arbeit oder im Anfange der Bewegung stärker hervor­getreten ist. Endlich empfiehlt sich auch, bei alten Leiden zu ermitteln, ob und welche Behandlung etwa schon statt­gefunden hat.
Man frage indess in dem einzelnen Falle nicht mehr als nothwendig- ist, hüte sich namentlich Fragen zu stellen, die man selbst beantworten kann und drücke sich stets in einer für Laien verständlichen Sprache aus. Dass unter Um­ständen dem Vorbericht kein Vertrauen geschenkt werden darf, ist genügend bekannt. Das gilt namentlich dem Kutscher gegenüber und zwar um so mehr, als der Besitzer stets ge­neigt ist, diesem die Schuld für die Entstehung des Leidens beizumessen.
Die Krankenuntersuchung beginnt mit der Besichti­gung desJThieres im Stande der Ruhe; wenn die Gelegenheit geboten ist im Stalle. Man beachte, ob die Füsse regelmässig belastet werden, oder ob der eine oder andere nach vorn gesetzt wird. Sodann lasse man das Pferd vorführen und zwar zuerst im Schritt, und wenn die Lahmheit nicht hoch­gradig ist, auch im Trabe. Nachdem hierbei festgestellt ist, auf welchem Fuss die Lahmheit besteht, fasse man die Art der Bewegungsstörung näher ins Auge und zwar im Schritt, wie im Trabe. Man gewinnt auf diese Weise genaueren Anhalt darüber, wo die Ursache der Lahmheit zu finden ist. Namentlich suche man zunächst zu ermitteln, ob die Störung der Function vornehmlich bei der Belastung oder bei der Bewegung des Schenkels hervortritt. Auch empfiehlt sich,
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das Pferd zuerst auf weichem, dann auf hartem Boden (Pflaster) vorführen zu lassen.
Hierauf lasse man das Pferd, soweit der Zustand es ge­stattet, gerade, d, h. so hinstellen, dass alle vier Füsse gleich-massig belastet sind und betrachte die einzelnen Theile des lahmeiTFusses unter Vergleichung mit denen des gesunden. Man beginnt mit dieser Untersuchung am Hufe. Es kommt darauf an festzustellen, ob Veränderungen in der Form, Grosse, Lage und sonstigen Beschaffenheit der Hornwand, der Krone, der Ballen bestehen, welche auf die bestehende Lahmheit einen Einfluss auszuüben im Stande sind. Dabei ist auf die Gegen­wart von Hornspalten, von ßingbildung, auf den Sitz der Nägel und die Lage des Eisens zu achten. Sodann gehe man zur Inspection des Kronen- und Fesselgelenks sowie der Fessel über, und suche festzustellen, ob diese Theile stärker sind als an dem gegenüberstehenden Fusse. Dieselbe Ver­gleichung stelle man mit dem Vordermittelfuss, der Vorder-fusswurzel, dem Vorarme und der Schulter an. An letzterer prüfe man namentlich die Stärke der Muskulatur, um Atrophie derselben zu erkennen. Wo solche vorhanden ist, darFmcht gleich geschlossen werden, dass hier die Ursache der Lahmheit besteht, denn bei allen chronischen und einiger-massen stärkeren Lahmheiten stellt sich mit der Zeit Atrophie der Schultermuskeln ein. Dagegen spricht die auf einzelne Muskelgruppen beschränkte Atrophie für den Sitz des Leidens in diesen, bezw. in deren Nerven; man prüfe hierauf nament­lich die Anconäengruppe und die Grätenmuskeln. Nicht zu übersehen ist ferner der Umstand, dass bei allgemeiner Atro­phie der Muskeln die Verminderung des Umfanges um so deutlicher an den einzelnen Muskeln hervortreten muss, je dicker diese im physiologischen Zustande sind. Um sich nicht Täuschungen auszusetzen, muss das Pferd bei dieser Untersuchung die beiden Vorderfüsse gleichmässig belasten.
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In gleicher Weise erfolgt die Untersuchung der Hinter-f'üsse. Man betrachtet dieselben zunächst von vorn, fixirt den Huf, die Krone, Fessel, das Fesselgelenk und Schien­bein unter Vergleichung mit dem gegenüberstehenden Fasse. Besondere Aufmerksamkeit verdient die innere Fläche der Sprunggelenke mit Rücksicht auf Spat. Es kann nicht im Rahmen dieser Arbeit liegen, auf die Diagnose des Spat näher einzugehen, doch sei bemerkt, dass der Beobachter genau in derselben Richtung zu den Gelenken stehend diese mit ein­ander vergleichen muss. Es empfiehlt sich zunächst, in der Verlängerung der Medianebene dieser Gelenke die Innen­fläche derselben zu vergleichen, sodann sich nach der Mittel­linie des Pferdekörpers zu neigen, um so die vorderen Ab­theilungen der Sprunggelenke in gleicher Weise beurtheilen zu können. Dieselbe Untersuchung wird darauf von vorn vorgenommen, indem man etwa in der Höhe des Kopfes neben dem Pferde Aufstellung nimmt. Bei der Besichtigung der Kruppe achte man auf etwaige Atrophie, auf die Lage der äusseren Darmbeinwinkel und die Wölbung der Hüft­gelenkspartie.
Sofern keine Zeichen einer Huflahmheit vorliegen, lassen sich in der Regel bei dieser Untersuchung schon pathologische Veränderungen, namentlich Anschwellungen nachweisen, die nun einer genaueren Prüfung durch Palpation unterworfen werden. Hierbei handelt es sich um Feststellung:
1.nbsp; nbsp; Der Festigkeit, Härte, Form, Lage und Aus­breitung der Anschwellung (vgl. Seite 26).
2.nbsp; Der Schmerzhaftigkeit. Grosse Vorsicht ist nament­lich bei der Palpation der Beugesehnen geboten, besonders des Fesselbeinbeugers. Ein einigermassen energischer Druck auf diese Sehne, zuweilen auch auf den Huf- und Kronbein­beuger erweckt bei vielen Pferden schmerzhafte Empfin­dungen. Grössere Sicherheit gewährt die Untersuchung, wenn
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man den Fesselbeinbeuger gegen den Vordermittelfuss presst. Die Beschaffenheit des Huf- und Kronbeinbeugers ist am besten in der Weise durch das Gefühl zu beurtheilon, dass man den Daumen und Zeigefinger bei belastetem Schenkel an den­selben nach unten gleiten lässt. Verdickuugen und Tren­nungen können auf diese Weise leicht ermittelt werden. Bei der Untersuchung durch Palpation auf Schmerz-haftigkeit muss der Schenkel stets aufgehoben wer­den (Seite 22).
Den Mittelfuss untersucht man am besten so, dass der Daumen an der äusseren, die übrigen Finger an der inneren Seite desselben liegen, während die andere Hand die Fessel umfasst und den Fuss hält. Aehnliche Vorsicht ist bei der Untersuchung an der Schulter zu üben. Einem massigen Drucke mit der Hand gegen einzelne Muskeln oder Muskel­gruppen der Schulter suchen die meisten Pferde auszuweichen. Will man daher durch Palpation schmerzhafte Zustände in denselben nachweisen, so ist dazu stets ein VergleieL-mit denselben Theilen der anderen Seite erforderlich. Am besten benutzt man hierbei beide Hände abwechselnd, indem mit der linken die rechte, mit der rechten die linke Schulter des Pferdes geprüft wird.
3.nbsp; nbsp; Die Untersuchung der Temperatur muss nach den im allgemeinen Theil erörterten Grundsätzen erfolgen. Täu­schungen können besonders an der Fessel dadurch hervor­gerufen werden, dass die von den Händen des Aufhaltenden erwärmte Oberfläche als Zeichen entzündlicher Veränderung angesehen wird. Man urtheile auch über die Temperatur-Verhältnisse erst nach genauer Vergleichung der correspon-direnden Abschnitte des anderen Schenkels.
4.nbsp; nbsp; Durch die Palpation werden endlich auch Reibe­geräusche festgestellt; so bei Fracturen. Zum Nachweise derselben legt man die Hand da auf den zu untersuchenden
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Knochen, wo derselbe am wenigsten von Weichtheilen bedeckt ist, und sucht mit der anderen Hand Bewegungen der be­treffenden Schenkelabtheilungen auszuführen oder lässt dies durch einen Gehülfen bewirken. Zur Ermittelung von Becken­brüchen legt man die eine Hand auf den äusseren Darmbein­winkel, die andere auf das Sitzbein und sucht den Rumpf des Pferdes von einer zur anderen Seite zu bewegen, oder veranlasst dasselbe, einige Schritte zu gehen. Die bei Er­krankung der Bursa trochanterica auftretende Crepitation lässt sich von dem dürclT Fracturen bedingten RerbegeräüscEi' an der geringeren Härte des Reibens unteracheiden und wird am besten wahrgenommen, wenn man die Hand auf die Umdreher des Oberschenkels legt und das Pferd einige Schritte führen lässt.
In Bezug auf das an den Phalangen zuweilen bei pas­siven Bewegungen derselben auftretende Reibegeräusch muss Vorsicht empfohlen werden. Es stammt solches meist aus den Sehnenscheiden und wird auch bei Pferden beobachtet, welche nicht lahm sind.
Dagegen dienen passive Bewegungen der Phalangen, namentlich Drehbewegungen zur Ermittelung von Erkran­kungen ihrer Gelenke. Zu diesem Zwecke lässt man durch den Gehülfen das Fesselbein oder den Mittelfuss durch Auf­halten wie beim Beschlagen fixiren und umfasst den Huf bezw. das Fesselbein, um durch kräftige, nicht ruckweise, sondern langsam und gleichmässig ausgeführte Drehbewe­gungen der Zehenknochen Schmerzen in den Gelenken, nament­lich im Bandapparat derselben festzustellen. Bemerkt sei jedoch, dass ein negatives Resultat die Abwesenheit einer Erkrankung nicht beweisen kann, da bei geringfügigen Schmerzen manche Pferde hierauf nicht reagiren. Dagegen lassen bei dieser Untersuchung hervortretende Schmerzens-
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äusserungen mit Sicherheit auf die Gegenwart solcher Leiden schliessen.
Von geringerem Werthe für die Diagnose sind passive Bewegungen in den oberen Gelenken. Einschränkungen der freien Bewegung derselben durch mechanische Hindernisse lassen sich indess auch hier feststellen. Das gilt nament­lich vom Carpalgelenke. Wenn die Vorsicht gebraucht wird, diese Untersuchung bei gleicher Winkelstellung im Ellbogen- und Schultergelenk vorzunehmen und das Ergebniss an beiden Füssen zu vergleichen, so ist der sichere Nachweis einer Beschränkung in der Beweglichkeit des Carpal-gelenkes, welche bei chronischer Arthritis und Exostosen in der Nähe dieses Gelenkes beobachtet wird, in der Regel zu führen. Ob aber die Lahmheit hiermit in Verbindung zu bringen ist, muss die weitere Untersuchung ergeben; noth-wendig ist eine solche Wirkung nicht.
Welche von diesen Untersuchungsmethoden zunächst in Anwendung gebracht werden soll, muss von dem Ergebniss der Inspection abhängig gemacht werden. Hat diese ein negatives Resultat geliefert, so thut man gut, seine Aufmerk­samkeit zunächst dem Hufe zuzuwenden, weil in solchem Falle die Vermuthung begründet ist, dass hier das Leiden seinen Sitz hat.
Diese Untersuchung verlangt von dem Sachverständigen nicht allein eine genaue Kenntniss der Anatomie des Hufes und der Hufkrankheiten, sondern auch der Grundsätze des Hufbeschlages. Die letzteren sind sogar in erster Linie erforderlich, denn sehr häufig liegt in der fehlerhaften Be­schaffenheit des Beschlages der Grund zur Lahmheit.
Nachdem man sich durch Inspection von der Grosse und Form des Hufes und von der Beschaffenheit der Hornwand Ueberzeugung verschafft hat, muss der vorhandene Huf­beschlag beurtheilt werden. Doppelt wichtig wird dies,
Möller, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ]Q
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wenn der Beschlag kurz vorher eingeführt oder erneuert war, und die Lahmheit erst nachher aufgetreten ist. Man beachte die Lage des Eisens, die Länge desselben, den Sitz der Nägel an der Aussenfläche der Hornwand. Sodann untersuche man die Pulsation der Schienbein- bez. Fesselarterien.
Die Verstärkung der Pulswelle ist das Ergebniss einer Stauung des Blutes in den genannten Gefassen. Bei der unnachgiebigen Beschaffenheit des Hufes sind Circulations-störungen in der Huf lederhaut am meisten geeignet, ein Stauen des Blutes in der zuführenden Arterie zu veranlassen. Die entzündliche Schwellung in dem blutgefässreichen Gewebe derselben kommt fast nur allein durch gleichzeitige Compression ihrer Gefasse zu Stande. Es tritt also zu der mit jeder akuten Entzündung verbundenen Circulationsstörung noch ein weiteres Hinderniss für die Circulation hinzu, und es kann daher nicht befremden, wenn bei akuten entzündlichen Vor­gängen in der Huf lederhaut, namentlich sobald dieselben ausgebreitet oder mit Eiterung verbunden sind, eine Ver­stärkung der Pulswelie in der zuführenden Arterie auftritt wie bei keinem anderen Leiden. Eine sehr starke Pul­sation der Schienbeinarterie spricht stets für das Bestehen einer akuten Entzündung in der Hufleder-hant.
Stauung in den Fessel- bezw. Schienbeinarterien kann jedoch auch durch anderweitige Erkrankungen veranlasst werden. Ist z. B. an der Krone eine scharfe Einreibung applicirt, so tritt mit der Anschwellung zugleich eine ver­stärkte Pulsation der Schienbeinarterie auf. Die Erklärung liegt auf der Hand: Durch die entzündliche Schwellung in der Cutis der Hufkrone wird eine Compression namentlich der hier gelegenen venösen Gefasse bewirkt, und so entsteht ein Hinderniss für den freien Durchfluss des Blutes. Eine
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gleiche Wirkung haben daher alle mit stärkerer Schwellung verbundenen Entzündungen der Haut und Unterhaut an der Huf krone oder Fessel, an den Phalangen und deren Gelenken, namentlich wenn diese im Verlaufe der Blutgefässe auftreten. Einen so hohen Grad, wie bei der Hufentzündung erlangt indess die Circulationsatörung und Pulsation hierbei in der Regel nicht.
Andererseits ist zu beachten, dass nicht alle Huflahm-heiten mit verstärkter Pulsation verbunden sind. So fehlt dieselbe bei allen schmerzhaften Zuständen ohne Entzün­dung, z. B. beim Druck des Eisens auf die Sohle.
So grossen Werth die Pulsation für die Diagnose der Huflahmheit daher auch hat, so kann doch weder die Gegen­wart noch auch die Abwesenheit derselben als ein significantes Symptom angesehen werden. Fehlen dagegen entzündliche Schwellungen an den Phalangen, und ist die Pulsation sehr stark, so kann mit fast absoluter Sicherheit auf ein entzünd­liches Leiden im Hufe geschlossen werden.
Schon unter normalen Verhältnissen zeigt die Stärke des Pulses an den Schienbein- bezw. Fesselarterien bei Pferden erhebliche Verschiedenheiten. Man versäume daher nie, die Untersuchung an beiden Füssen anzustellen, um durch Ver-gleichung ein sicheres Urtheil zu gewinnen.
Ein weiteres Hülfsmittel zur Ermittelung einer Huf lahm­heit bezw. Hufentzündung bildet die Feststellung der Tempe-.. raturverhältnisse wie auch schmerzhafter Zustände und anderer Abnormitäten; an der Krone lässt sich erkennen, ob etwa ein Durchbruch von Eiter stattgefunden hat.
Bei der Prüfung der Temperatur des Hufes ist zu be­achten, dass die hinteren Abschnitte desselben (Trachten) in Folge des grosseren Blutreichthums und der geringeren Stärke des Horns stets einen höheren Wärmegrad besitzen als die Zehen- und Seiten wand. Man vergleiche daher nicht nur
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dieselben Hufabschnitte mit einander, sondern benutze auch dieselbe Handfläche und in gleicher Ausdehnung zu diesem Zwecke. Mit der Volarfläche der Hand wird zuerst der kranke Huf von vorn (an der Zehe) umfasst, und die Tempe­ratur in derselben Weise an dem anderen Hufe festgestellt; sodann dieselbe Manipulation an der Trachtenwand vor­genommen. Auffällige Temperatursteigerung iässt auf das Bestehen einer akuten Entzündung an der betreffenden Stelle schliessen.
Wichtig ist ferner die Palpation zur Ermittelung schmerz­hafter Zustände. Bei der Festigkeit des Hufhorns ist hierzu eine Hebelvorrichtung erforderlich. Als solche dient die Huf­untersuchungszange. Ihre Anwendung verlangt indess einige Umsicht und Uebung, um sich vor Trugschlüssen zu schützen. Denn durch einen heftigen Druck mit der Zange können auch an einem gesunden Hufe Schmerzen hervorgerufen werden, wie umgekehrt bei zu gelindem Druck vorhandene Schmerzen verborgen bleiben. Es kommt vor Allem darauf an, die Grosse des mit der Zange ausgeübten Druckes richtig ab­zumessen. Hierbei muss die Nachgiebigkeit des Hufhorns berücksichtigt werden. Man drücke die Schenkel der Zange unter kurzer Bewegung so fest zusammen, dass das Hufhorn ein wenig nachgiebt. Aeussert der Patient hierbei keine Schmerzen durch zuckende Bewegungen der Muskeln, so darf man überzeugt sein, dass an dieser Stelle schmerzhafte Zu­stände nicht bestehen. Finden solche Aeusserungen statt, so setze man die Zange an einer anderen, entfernt gelegenen Stelle in gleicher Weise an, um über die Wirkung derselben Vergleiche anstellen zu können. Für Anfänger empfiehlt sich, mit der Anwendung der Zange stets da zu beginnen, wo der Sitz des Leidens nicht vermuthet wird. Hier findet er Gelegenheit die Festigkeit des Hufes sowie die Empfind­lichkeit des Pferdes zu prüfen, um sodann die verdächtige
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Stelle zu untersuchen. In zweifelhaften Fällen muss das Ver­fahren wiederholt werden. So werthvoll also die Unter­suchungszange in der Hand eines mit der Anwendung der­selben Vertrauten ist, so kann sie doch keineswegs als ein unfehlbares Hülfsmittel für die Untersuchung des Hufes an­gesehen werden. Liegen z. B. in Folge loser Wand Zerrungen der Fleischwand vor, so giebt die Untersuchung mit der Zange oft ein negatives Resultat. Daher sollte namentlich der weniger Geübte nicht gleich so vertrauensvoll zu diesem Instrumente greifen und bei jeder Lahmheit mit demselben eine Untersuchung des Hufes einleiten. Wenn mit Hülfe der Zange etwas Positives gefunden ist, so empfiehlt sich, durch Percussion des Hufes eine Controlle auszuüben. Hierzu lässt sich ebenfalls die Zange benutzen, indem mit derselben die einzelnen Abschnitte des Hufes, insbesondere die vermuthlich erkrankten beklopft werden. An Stelle der Zange kann ein leichter Hammer, ein starker Schlüssel oder das Heft eines Hufmessers, im Nothfalle selbst ein Stein verwendet werden. Wenn nicht verabsäumt wird, das Resultat dieser Exploration an den einzelnen Hufabschnitten zu ver­gleichen, so ist das so erlangte Urtheil in der Regel ebenso sicher, als das mit Hülfe der Zange erworbene.
Schliesslich sei noch auf eine Erscheinung aufmerksam gemacht, welche den Ungeübten leicht täuscht, nämlich die bei entzündlichen Processen im Hufe im Bereiche der Beuge­sehne auftretenden Anschwellungen der Subcutis. Als Folge der Circulationsstörungen im Hufe können sie doch für Ent­zündungen bezw. entzündliche Verdickungen in den Sehnen der Zehenbeuger gehalten werden. Die Berücksichtigung der ödematösen Beschaffenheit der Geschwulst, sowie die Schmerz-losigkeit derselben schützen vor solchem Irrthum.
Ergiebt sich aus der angestellten Untersuchung der Ver­dacht, dass im Hufe die Ursache der Lahmheit zu suchen
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ist, so lässt man zunächst das etwa noch vorhandene Eisen abnehmen. Die Lage und Beschaffenheit des Beschlages und Hufes zu prüfen, ist nun die nächste Aufgabe. Insbesondere richte, man seine Aufmerksamkeit auf die Abdachung und Richtung des Eisens, sowie auf den Sitz der Nagellöcher. Erscheint die Abdachung mit Rücksicht auf die Gestalt der Hornsohle zu schwach, so suche man festzustellen, ob und wo das Eisen der Sohle aufgelegen hat. Die hiermit ver­bundene Quetschung der Fleischsohle bildet eine häufige Ur­sache von Lahmheiten, namentlich in neuerer Zeit bei der Anwendung gewisser sog. Kunsteisen, wie solche mit Tauein­lagen, an denen eine genügende Abdachung oft fehlt. Nur durch diese rechtzeitige Besichtigung wird die Diagnose ge­sichert, während nach dem Ausschneiden des Hufes die Be-urtheilnng schon schwieriger ist.
Sodann ist der Huf soweit auszuschneiden, dass ein Urtheil über den Sitz der Nagellöcher und über die Beschaffen­heit der weissen Linie und Sohle erlangt werden kann. Hierzu wird mit dem Rinnmesser die ganze Bodenfläche des Hufes freigelegt und der Strahl von zerfallenem Horn befreit. Auf diese Weise erlangt man einen Einblick in die Beschaffenheit des Horns, namentlich der weissen Linie. Fremdkörper wer­den schon beim Ausschneiden in der Regel aufgefunden. Man untersuche sodann den Sitz der'Nagellöcher (Vernagelung), die Beschaffenheit des Horns in der weissen Linie (lose Wand) und der Sohle. Giebt sich an irgend einer Stelle der Hornsohle durch dunklere Färbung und bröcklige Beschaffen­heit Zerfall des Horns zu erkennen, so schneide man mit dem Rinnmesser hier nach. Befindet sich an der Stelle, wo mit der Zange Schmerzen nachgewiesen wurden, ein Nagel­loch in der Hornsohle, so nehme man hier das Horn mit dem Rinnmesser fort. Dabei schone man stets das Wandhorn, welches zum Anheften des Eisens und Tragen der Last noth-
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wendig ist, nehme dagegen das Sohlenhorn fort, bis man auf einen Abscess stösst, oder bis da, wo der Nagel durch die weisse Linie in die Hornhaut eingedrungen ist. Machen be­sondere Umstände das Abtragen der Hornwand nothwendig, so beschränke man dies in horizontaler Richtung so weit möglich, um für den Beschlag genügend Wandhorn zu erhalten.
Es empfiehlt sich, bei der Untersuchung auf Lahmheit eine bestimmte Reihenfolge inne zu halten. Wenngleich die meisten Lahmheiten im Hufe zu suchen sind, so kann ich doch nicht jenen beipflichten, die unter allen Umständen mit der Untersuchung des Hufes beginnen. In vielen Fällen lässt sich die Ursache der Lahmheit auch ohne Untersuchung des Hufes feststellen. Will man aber aus der letzteren ein einigermassen gesichertes Urtheil gewinnen, namentlich bei einem negativen Ergebniss derselben, so muss die Untersuchung eingehend ausgeführt werden, womit nicht geringer Zeitver­lust verbunden ist. Daher kommt es, dass diejenigen, welche sogleich zur Hufzange greifen, in der Regel nur einen sehr unvollkommenen Gebrauch von diesem Instrumente machen. Am zweckmässigsten erscheint folgende Reihenfolge:
1.nbsp; Betrachtung des Pferdes im Stande der Ruhe in Bezug auf Belastung der einzelnen Füsse.
2.nbsp; Vorführen desselben, um die Gegenwart einer Lahmheit sowie den leidenden Schenkel zu ermitteln, um ferner aus der Art der Bewegungsstörung ein Urtheil darüber zu gewinnen, wo etwa die Ursache der Lahmheit zu suchen ist.
3.nbsp; nbsp;Genauere Inspection des lahmen Fusses unter Ver-gleichung mit dem gesunden. Die hierbei etwa ermit­telten Abweichungen werden durch Palpation näher geprüft; sind solche nicht nachweisbar, so gehe man an die Untersuchung des Hufes. Besteht eine vermehrte
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Pulsation der Arterie, so muss die Untersuchung des
Hufes unter allen Umständen erfolgen. Eine wichtige und oft schwer zu entscheidende Frage ist die, ob eine bei der Untersuchung ermittelte Abnormität als Ursache der Lahmheit anzusehen ist. Hierbei kommen folgende Gesichtspunkte in Betracht:
1.nbsp; Der Grad der Lahmheit im Vergleiche zu der durch Palpation nachweisbaren localen Schmerzhaftigkeit. Liegt zwischen beiden ein Missverhältniss vor, so ist Vorsicht geboten. Man setze die Untersuchung fort, um noch eine andere Ursache der Lahmheit zu ermitteln oder die Abwesenheit solcher festzustellen.
2.nbsp; nbsp;Die Zeit des Bestehens der Lahmheit in Be­ziehung zur Natur der vorgefundenen anatomischen Ver­änderung. Lässt die letztere auf ein längeres Bestehen schliessen, während die Lahmheit erst vor kurzer Zeit entstanden war, oder ist die Lahmheit eine chronische, die pathologische Veränderung nachweislich jüngeren Datums, so können beide nicht ohne Weiteres als von einander abhängig betrachtet werden.
3.nbsp; Die Art der bestehenden Funktionsstörung im Vergleiche zu dem Einfluss, welchen die vorhandene Abnormität auf die physiologischen Functionen des Schenkels auszuüben vermag.
Zwei Punkte mögen hier noch besonders hervorgehoben werden, weil sie den Anfänger leicht zu irrthümlichen Schluss­folgerungen veranlassen, nämlich die am Metacarpus vor­kommenden Ueberbeine und die Strahlfäule. Beide werden oft mit Unrecht als Ursache der Lahmheit angesehen. Solche Exostosen dürfen nur dann mit der Lahmheit in Verbindung gebracht werden, wenn noch Periostitis besteht, die sich bei der Palpation durch Schmerzhaftigkeit zu erkennen giebt, oder wenn eine starke Knochenauftreibung die freie Bewegung
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der Vorderfusswurzel beschränkt. Letzteres lässt sich durch passive Bewegung dieses Gelenkes nachweisen und zeigt sich im Gange des Pferdes durch unvollständige Beugung desselben. Durch Vergleichung mit der Bewegung des anderen Fusses ist dieser Einfluss in der Regel leicht zu erkennen. In Bezug auf den directen Nachweis der beschränkten Beweglichkeit der Vorderfusswurzel vgl. S. 145.
Bei der Strahlfäule wird ebenfalls nur ausnahmsweise Lahmheit beobachtet; am häufigsten, wenn dieselbe mit Zwang­hufbildung verbunden ist. Die Lahmheit ist in solchen Fällen aber vornehmlich von dem letzteren Leiden abhängig. Eine direkte Veranlassung zur Lahmheit giebt die Strahlfäule nur dann, wenn der Hornstrahl grösstentheils zerstört, und der Fleischstrahl nicht mehr genügend gegen den Druck des Bodens geschützt ist. In diesem Falle pflegt die Lahmheit auf weichem oder unebenem Boden mehr hervorzutreten als auf festem, ebenem Pflaster.
Beim Rinde ist die Untersuchung auf Lahmheit im Ganzen nach denselben Prinzipien auszuführen. Bei der ge­ringeren Empfindlichkeit dieser Thiere treten Schmerzen in der Regel nicht so lebhaft zu Tage; das gilt besonders von den Lahmheiten der Hinterfüsse, die durch Klauenleiden bedingt sind, weil das Klauenhorn wie auch der Stand der Thiere in der Regel weicher ist. Bei entzündlichen Leiden der Klauen macht sich über denselben nicht nur Anschwellung, sondern bei pigmentfreier Haut zugleich eine deutliche Röthung derselben oft bemerkbar.
Schwierig gestaltet sich die Ermittelung der Ursache einer Lahmheit beim Hunde. Unter Berücksichtigung der Art der Bewegungsstörung, die jedoch keine grossen Ver­schiedenheiten bietet, weil diese Thiere den lahmen Fuss in der Regel gar nicht aufsetzen, und nach genauer Betrachtung des lahmen Schenkels unter Vergleichung mit dem gesundeni
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suche man durch Drücken der einzelnen Schenkeltheile fest­zustellen, wo sich etwa Schmerzen finden. Mit Vortheil erfasst man zu diesem Zwecke die breiten Vorder- bezw. Hinterfüsse und übt an denselben Stellen abwechselnd einen gleichen Druck aus. Ist Schmerzhaftigkeit an dem Unterfusse ermittelt, so prüfe man durch Inspection und Palpation die einzelnen Theile desselben, z. B. der Zehenglieder.
Wenngleich es bei den meisten Lahmheiten gelingt, be­stimmte anatomische Veränderungen als Ursache derselben zu ermitteln, so giebt es doch auch solche, bei denen dies nicht möglich ist. Es darf nur auf jene verwiesen werden, denen Lähmungen zu Grunde liegen. Bei diesen lassen sich in der ersten Zeit ihres Bestehens keinerlei anatomische Ver­änderungen nachweisen. Die Diagnose muss sich daher auf die functionellen Störungen in der Bewegung und auf die Abwesenheit von schmerzhaften Veränderungen stützen. Auch bei anderen Lahmheiten gewährt die Functio laesa oft einen wesentlichen, zuweilen sogar entscheidenden Anhalt für die Diagnose. Welcher Art die Lahmheit also auch sei, die ge­naue Berücksichtigung der mit derselben verbundenen Stö­rungen im Gange des Thieres bietet stets ein wichtiges Hülfsmittel für den Nachweis ihrer ursächlichen Momente. In der richtigen Erkennung und Würdigung dieser Störungen liegt eben „der praktische Blickquot; begründet. Der Geübte sieht Abweichungen in der Bewegung, die dem Anfänger entgehen. Der „Praktikerquot; stellt unter Berücksichtigung der beobachteten Functionsstörungen die Ursache der Lahmheit bezw. die Stelle fest, wo diese ihren Sitz hat, während der Anfänger darauf angewiesen ist, durch eine sorgsame und umfassende Untersuchung den Sitz des Leidens aufzufinden. In dem Nachstehenden soll deshalb versucht werden, die für die Lahmheiten des Pferdes in dieser Frage wichtigsten Ge­sichtspunkte zu besprechen.
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A. Die LahmMten des Vorderschenkels.
Beim Stehen des Pferdes in der Ruhe fällt dem Vorder­schenkel nur die Aufgabe zu die Körperlast zu stützen. Während der Bewegung des Thieres wechselt die stützende Function je nach der Gangart mehr oder weniger schnell mit einer Vorwärtsbewegung des Schenkels ab, wobei derselbe eine Art Pendelbewegung ausführt, deren Schwingungsbogen vom Hufe des betreffenden Fusses zurückgelegt wird*). Wäh­rend in dem einen Zeitabschnitte der Schenkel stützend unter dem Rumpfe steht, hängt er in dem anderen gleichsam an demselben, um in der verticalen Projectionsebene die Pendel­schwingung nach vorn auszuführen. Der Kürze wegen wollen wir für diese beiden Actionen der Schenkel die in der Physio­logie gebräuchlichen Bezeichnungen „Stützbeinquot; und „Hang­beinquot; wählen.
Betrachten wir zuerst die anatomisch-physiologische Seite der Schenkelfunction. Schulterblatt und Armbein werden durch Muskeln, die reichlich von Sehnengewebe durchsetzt sind, mit dem Rumpfe verbunden. Unter diesen ist der breite gezahnte (M. serratus anticus major) einer der wichtigsten. Durch ihn wird der Rumpf zwischen den beiden Vorder­schenkeln wie in einem Gurt getragen, indem das untere, breitere Ende dieses fächerförmigen Muskels am Rippenkörper, das obere schmälere an der medialen Fläche des Schulter­blattes befestigt ist. Nicht umsonst ist die mittlere, senkrecht aufsteigende Abtheilung desselben am meisten entwickelt.
*) Da beim Ausschreiten des Schenkels die Gelenke desselben gebeugt werden, so durchläuft der Huf nicht genau den Schwingungs­bogen des pendelnden Schenkels; auch stellt die Schenkelbewegung streng genommen keine Pendelschwingung dar, sondern erfolgt unter dem Einflüsse der Muskelwirkung. Um die Darstellung zu vereinfachen, ist diese bisher übliche Bezeichnung beibehalten worden.
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Fig. 1
-V.G.
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Vorderschenkel des Pferdes von aussen gesehen. V.G. = Vorderer Gräten-muskei. H.G. = Hinterer Grätenmuskel. L.St. = Ijanger Strecker. D.St. = Dicker Strecker. A.St. = Aeussere Strecker. L.A. = Langer Auswärtszieher. L.B. = Langer Beuger. K.B. = Kurzer Beuger. G.M. = GemeiSschaftlicher Kopf-, Hals- und Arm­muskel (abgeschnitten). St.d.S. = Strecker des Schienbeins. St.d.H. = Strecker des Hufbcins. St.d.F. = Strecker des Fesselbeins. St.d.V. = Strecker der Vorderfusswurzel. t4..B.d.V. = Aeussere Beuger der Vorderfusswurzel. B.d.F. = Beuger des Fesselbeins.
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Fig. 2.
Vorderschenkel des Pferdes von innen gesehen.. Br.R. = Breiter Ruckeii-muskel. U.S. = Untersclmltermuskel. V.G. = Vorderer Grätenmuskel. Kl.Br. = Kleiner Brustniuskel. G.Br. = Grosser Brustmuskel. H.d.A. = Heber des Annbeins. N.d.A. = Niederzieher des Armbeins. D.St. = Dicker Strecker. L.St. = Langer Strecker. J.St. = Innere Strecker. L.B. — Langer Beuger des Voranns. K.B. = Kurzer Beuger des Vorarms. St.d.S. = Strecker des Schienbeins. St.d.V. — Strecker der Vorderfuss-wurzel. B.d.S. = Beuger des Schienbeins. J.B.d.V. - InnereBeugerderVorderfusswurzcl.
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Seine Anhaftungsstelle am Schulterblatt bildet zugleich den Drehpunkt dieses Knochens bei der Schenkelbewegung. Schon dieser Umstand weist auf die Thätigkeit des genannten Muskels hin, welcher am Stützbein noch durch die sehnige Aponeu-rose, die ihn bekleidet, und durch reichhaltiges Sehnengewebe, welches ihn durchsetzt, unterstiizt wird. Hierdurch vertritt der Muskel zugleich die Stelle eines breiten Sehnenbandes: Wenn seine Muskelelemente auch ausser Thätigkeit treten, so besteht die feste Verbindung des Rumpfes mit dem Schenkel doch in wirksamer Weise fort. Als zweiter verdient der eben­falls stark mit Sehnengewebe durchsetzte und mit einer Sehnen­platte bekleidete, hintere rautenförmige Muskel (M. rhoin-boideus major) genannt zu werden, welcher im Verein mit dem M. cucularis und dem breiten Rückenmuskel (M. latissi-mus dorsi) das obere Ende des Schulterblattes an den Rumpf befestigt und sowohl den freien Schenkel, wie auch den Rumpf tragen hilft. Das untere Ende des Schulterblattes wird zu­gleich mit dem Armbein durch die Brustmuskeln an den Rumpf geheftet. Zur festen Verbindung des Schenkels mit dem Rumpfe dienen ferner die Fascien der Schulter, und zwar sowohl die dem Hautmuskel angehörige, sehnige Ausbreitung, wie auch die äussere und innere Schulterbinde. Ohne Zweifel sind diese für die Schenkelfunction von grösserer Bedeutung als man bisher angenommen hat.
Es besteht also eine unabhängig von der Muskel­wirkung functionirende, feste Verbindung des Schenkels mit dem Rumpfe, wodurch nicht nur ein vortheilhafter Einfluss auf die Brechung des Stosses ausgeübt und die Körperlast getragen, sondern auch die Feststellung der Schulter am be­lasteten Schenkel erreicht wird.
Während des Stehens übt die Körperlast von den An-heftungspunkten der genannten Muskeln, also vornehmlich von der oberen Hälfte der medialen Fläche des Schulterblattes
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aus einen Druck auf den Schenkel aus. Diese Last zu stützen ist seine Aufgabe. Bei der beweglichen Verbindung der
Schematische Darstellunj; des Trageapparates am Vorderschenkel des Pferdes, a Drehpunlit des Schulterblattes, b Obere Insertion des M. biceps brachii. c Untere Insertion des M. biceps brachii. d Achse des Ellbogengelenkes, e Beugeknorren des Armbeins (Anheftung des Beugeapparates), f Untere Insertion des langen Zellenbeugers, g g Unterstützungsbänder, h Lage der Zehenbeuger an den Sesambeinen, i Obere Insertion der Streckmuskeln (Streckknorren d. A.), k Untere Insertion des langen Zehenstreckers.
Schenkelknochen ist hierzu vor Allem erforderlich, dass die Gelenke desselben festgestellt werden. Erfolgte die Fest-
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Stellung durch Muskelwirkung, so würde das Thier in Folge des Stehens bald ermüden. Beim Pferde ist dies bekanntlich nicht der Fall; dasselbe kann andauernd, selbst Jahr und Tag ununterbrochen stehen. Hemtnungsvorrichtungen an den Gelenken, wie sie anderswo vorkommen, würden hier den Gesundheitszustand derselben im höchsten Masse gefährden. Daher bleibt nur ein Hülfsmittel übrig, nämlich die Fest­stellung der Gelenke durch einen Bandapparat; ein solches ist hier wirksam.
Bei der schrägen Lage des Schulterblattes und Arm-beines befindet sich der Ausgangspunkt der Lastwirkung etwa senkrecht über dem Ellbogengelenke und kann in dieser Lage leicht auf demselben balancirt werden, da das Schultergelenk durch die sehnigen Einlagerungen des M. biceps brachii fixirt wird (Fig. 1, L. B). Durch die Sehnen- und Knorpelmassen dieses Muskels wird der Beugebewegung in dem Schulter­gelenk eine Grenze gesetzt, welche bei der Belastung des senk­recht stehenden Schenkels erreicht ist. Auf diese Weise steht das Schultergelenk am belasteten Schenkel ohne Mitwirkung von Muskelarbeit fest. Ebenso werden die unter dem Ellbogen liegenden Gelenke durch einen Bandapparat festgestellt. Die Gelenke der Phalangen ruhen gleichsam auf ihren Beugesehnen, welche unten an diese geheftet sind und oben in ihre Muskeln übergehen, zugleich aber mit den Schenkelknochen abermals in Verbindung treten, indem die sog. Unterstützungsbänder des Krön- und Huf beinbengers sich direct an den Vorarm bezw. an die Vorderfusswurzelknochen heften (Fig. 3, gg). Wäh­rend der Belastung des Schenkels neigt sich das Fesselgelenk nach hinten und unten und versetzt die Sehnen der Zehen­beuger in Spannung, wodurch nicht nur die Gelenke der Phalangen, sondern auch die Fusswurzel in Folge einer Zug­wirkung der Unterstützungsbänder nach hinten und unten festgestellt wird. Bei der schrägen Fessellage ist auf diese
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Weise nicht nur eine vollständige Fixirung der Zehengelenke erreicht, sondern auch die Fusswurzel festgestellt. Während die letztere durch die Vorarinfascie mit der sog. Kniebinde und durch ihre hinteren Bänder verhindert wird, aus der Normallage (senkrecht unter dem Elloogengelenk) nach hinten auszuweichen, lässt die Sehnenspannung in den Zehenbeugern ein Ausweichen nach vorn nicht zu. Einschliesslich der Vorder-fusswurzel sind auf diese Weise alle unteren Gelenke bei der Belastung des Schenkels festgestellt und zwar ohne jeden Aufwand von Muskelarbeit*).
Es bleibt somit nur noch das Ellbogengelenk zu im-mobilisiren. Dies erfolgt in ähnlicher Weise und zwar vor­nehmlich durch die sehnigen Einlagerungen der Beugemuskeln. Sowohl die beiden Beuger der Vorderfusswurzel, wie auch die Zehenbeuger sind reichlich mit Sehnengewebe durchsetzt, das gleichsam als eine unmittelbare Fortsetzung ihrer Sehnen anzusehen ist und sich durch die Muskelbäuche bis zum oberen Anheftungspunkte derselben erstreckt. Ausserdem sind diese Muskeln von starken Aponeurosen überzogen. Hierdurch er­langen dieselben zugleich die Eigenschaften langer Sehnen, die bei dem Mangel an Elasticität geeignet sind, Bewegungen in den Gelenken einzuschränken. Bei der Anheftung dieser Sehnenmassen am Beugeknorren des Armbeines, und zwar
*) Von den Anatomen werden die in Rede stellenden Verbindnng-cn der Bengesehnen mit den Schenkelknochen mit Unrecht als Unler-stützungsbänder der Sehnen bezeichnet. Nicht den Sehnen, sondern den Muskeln dienen sie zur Unterstützung, denn durch die directe Verbindung der Sehnen mit den Knochen wird nicht den Beuge-Sehnen ein Theil der Spannung abgenommen, wie man sich vorstellt, wohl aber werden die Muskelelemente der Benger durch diese vor Ueberdehnungen geschützt und in die Möglichkeit versetzt, am be­lasteten Schenkel ihre Thätigkeit einzustellen. Man würde sie daher besser als Unterstütziingsbänder der Muskeln bezeichnen. Möller, Kliniselie Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; jj
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an einer Stelle, die um ein Erhebliches hinter der Axe des Ellbogengelenkes liegt, übt ihre Anspannung bei der Be­lastung des Schenkels eine streckende Wirkung auf das Ell­bogengelenk aus (Fig. 3e). Da die Last fast senkrecht über dem Ellbogengelenke liegt, so bedarf es keines grossen Kraft­aufwandes, um dieses Gelenk festzustellen, d. h. die vom Schulterblatt aus wirkende Last auf dem Ellbogengelenke zu balanciren. Durch die Belastung des Schenkels und die hier­durch veranlasste Spannung in den sehnigen Bestandtheilen des Beugeapparates werden also auch im Ellbogengelenk Beugebewegungen verhindert. Seitwärtsbewegungen sind in den sämmtlichen Gelenken vom Ellbogen abwärts sowohl durch die Gestalt der Gelenkflächen, wie auch durch die starken Seitenbänder ausgeschlossen; sie alle stellen mehr oder weniger vollkommene Wechselgelenke dar. Nur das Schulter­gelenk macht hiervon eine Ausnahme. An ihm wirken indess die als elastische Seitenbänder zu betrachtenden Muskeln, nämlich: lateral der hintere Grätenmuskel, unterstützt vom M. deltoideus und teres minor, medial der M. subscapularis mit dem M. teres major. Schon die Elasticität dieser Muskeln im Verein mit ihren aponeurotischen Umhüllungen genügen beim ruhigen Stehen, das Schultergelenk so zu fixiren, dass Seitwärtsbewegungen in demselben nicht eintreten. In dieser Wirkung werden die genannten Muskeln durch die Fascien der Schulter noch unterstüzt. Bei Lähmungen jener Muskeln, z. B. durch Paralyse des N. suprascapularis, der die lateral gelegenen versorgt, kommen daher abnorme Abductions-bewegungen im Schultergelenk zu Stande (Abbiaden).
Es kann also die Fixirung sämmtlicher Gelenke des Vorderschenkels stattfinden, ohne dass Muskelelemente dabei betheiligt sind. Daher tritt in Folge des Stehens beim Pferde in den Muskeln des Vorderschenkels keine Ermüdung ein, so länge dieser Trageapparat genügend functionirt.
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Die besprochene Einrichtung hat aber noch eine andere Bedeutung: sie tritt nämlich mit der Belastung des Fusses in Thätigkeit und nimmt die Stosswirkung der einfallenden Last auf, wozu die elastischen Muskelelemente ansser Stande wären. Durch die unelastischen Band- bezw. Hemmungs­apparate wird verhindert, dass der Schenkel in diesem Mo­mente zusammenbricht. Hiermit erklärt sich auch, dass durch die Stosswirkung stets die sehnigen Bestandtheile des Beuge­apparates, nicht die Muskeln in nachtheiliger Weise beein-flusst werden.
Ist mit diesen Hülfsmitteln eine Fixirung der Gelenke des Schenkels erreicht, so trägt der raechaniscli wirkende Apparat zugleich dazu bei, ein Ausweichen des Stützbeins, gleichsam das Umfallen der stützenden Säule zu verhindern. Durch Reibung des Hufes bezw. Hufeisens am Boden wird die feste Lage des unteren Endes des Ensses gesichert. Das obere Ende, die Schulter, ist durch starke Aponeurosen, sowie durch die sehnigen Einlagerungen der Muskeln an den Rumpf geheftet, wie oben erklärt wurde. Durch diese Verbindung wird zugleich ein Ausweichen der Schulter nach vorn wie nach hinten verhütet. Das Ausweichen derselben nach vorn wird zugleich durch die Art der Belastung des Schenkels verhindert. Bei senkrechter Schenkelstellung ruht das Körper­gewicht im Ellbogengelenk nicht senkrecht über dem Unter-stützungspunkte des Schenkels am Boden, sondern je nach der Länge und Richtung der Fessel mehr oder weniger hinter demselben. Hierdurch muss nothwendig eine Rückwärtsbewe­gung des oberen Endes des Vorarms angestrebt werden, wo­durch ein Ausweichen der Schulter wie des Ellbogengelenkes nach vorn verhindert wird.
In dem bisher Besprochenen ist von der Voraussetzung ausgegangen, dass der Schenkel als Stützbein einigermassen senkrecht steht und sich in der Gleichgewichtslage befindet.
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d. h. dass die Last etwa senkrecht über dem Ellbogengelenk liegt. Damit wäre aber für die Bewegung des Pferdes nur wenig gewonnen, denn in dem Masse, als der Schenkel hier­bei eine schiefe Stellung annimmt, rückt auch die Last aus dieser Lage zu der stützenden Säule. Bei jedem Tritt findet eine derartige Abweichung statt. Beginnt der nach vorn aus­gestreckte Fuss seine Thätigkeit als Stützbein, so wird der Stoss und die Last vornehmlich von der Knochensäule auf­genommen, während die Gelenke durch den beschriebenen Hemmungsapparat fixirt sind. Bei dieser schrägen Schenkel­stellung ist die Belastung der Beugesehnen nur gering, deshalb greifen in diesem Momente die Muskeln, namentlich die Ellbogenstrecker, mit ein, um die Gelenke des Schenkels festzustellen. Von den letzteren tritt ganz besonders der äussere dicke Strecker (Armbein-Ellbogenmuskel) in Thätig­keit, dessen Contractionen bei massig genährten Pferden deut­lich sichtbar werden. Da dieser Muskel nahezu im rechten Winkel an das Ellbogenbein sich anheftet, wirkt derselbe in ausgiebiger Weise streckend auf das Ellbogengelenk ein. Hierdurch muss nothwendig eine Rückwärtsbewegung des unteren Fussendes angestrebt werden, die bei der Feststellung des Hufes auf dem Boden streckend auf die unteren Gelenke wirkt. Jene Muskelarbeit ist indess nur kurze Zeit erforder­lich, denn in dem Masse die Richtung des Stützbeines sich der Senkrechten nähert, wird dieselbe mehr und mehr überflüssig, weil nimmehr mit zunehmender Belastung der Beugesehnen der Trageapparat des Schenkels mehr in Func­tion tritt. Je mehr der Huf unter der vorschreitenden Be­wegung des Rumpfes nach hinten unter denselben zu stehen kommt, desto grosser wird die Belastung der Beugesehnen, also auch die Anspannung der Unterstützungsbänder und der sehnigen Einlagerungen der Beuger. Diese Mehrbelastung ergiebt sich einerseits aus der Annäherung des ünterstützungs-
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piinktes (Hufes) an den Schwerpunkt des Körpers, andererseits aus der Verkleinerung des Fesselwinkels, womit nothwendig eine grössere Anspannung der Beugesehnen verbunden ist. Wenn daher an dem rückwärts gestellten Vorderschenkel die Last­wirkung über das Ellbogengelenk hinaus nach vorn rückt, so bleibt durch die stärkere Zugwirkung in dem Trageapparat der Beuger die Gleichgewichtslage erhalten und die Gefahr ausgeschlossen, dass der obere Theil des Schenkels mit dem Rumpfe nach vorn überstürzt.
Aus dem Angeführten ergiebt sich, dass nicht nur am ruhenden Pferde die Belastung des Vorderschenkels ohne jede Muskelarbeit möglich ist, sondern dass auch während der stützenden Thätigkeit desselben, bei der Bewegung des Thieres nur im Beginn derselben ein Eingreifen der Muskel­elemente verlangt wird. In den Zeiträumen, in denen die Be­lastung des Stützbeines am grössten ist, können die Muskeln des Schenkels absolut unthätig bleiben, ohne dass die Tragekraft desselben darunter leidet. Im angestrengten Zuge beobachtet man bei Pferden eine mehr oder weniger starke Action der Anconäen am Stützbein; diese bezweckt offenbar eine Mit­wirkung zum Portbewegen der Last. Ebenso werden bei Reitpferden im sog. „versammelten Gangequot; diese Muskeln in Thätigkeit angetroffen, während der Schenkel belastet wird; hier offenbar, um die Sicherheit des Ganges zu erhöhen. An einem ruhig gehenden Pferde zeigen sich die Ellbogenstrecker nur im Anfange der Belastung thätig, bei manchen auch dann nicht einmal.
Für die Beurtheilung der Lahmheiten ist dieser Punkt von grosser Bedeutung und zwar sowohl in Bezug auf die Aetiologie wie auch auf die Diagnose derselben.
Anders gestalten sich die Vorgänge am Hangbein, d. h. bei der ausschreitenden, vorführenden Bewegung des Schenkels. Hierbei vollzieht sich ein Bewegungsact, der zwar zum Theil
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nach Art einer Pendelschwingung abläuft, indem das nach hinten gerichtete untere Ende des Fusses nach seiner Ab­lösung vom Boden vermöge seiner Schwere und der fort­schreitenden Vorwärtsbewegung des Rumpfes in passiver Weise die Action des Ausschreitens vollzieht. Allein der bei weitem grössere Antheil an dieser Bewegung fällt der Muskel­wirkung zu. Im Verein mit den Brustmuskeln sind hierbei in erster Linie der gemeinschaftliche Kopf-Hals- und Arm­muskel, der M. supraspinatus, biceps brachii und coraco-brachialis betheiligt. Durch ihre Contraction wird das Schulter­gelenk gestreckt und zugleich nach vorn bewegt. Unterstützt werden diese Muskeln durch die hintere Portion des M. cucu-laris und serratus anticus major, welche das obere Ende des Schulterblattes nach hinten und unten bewegen. Wird schon hierdurch eine Drehung der Scapula um eine an der Grenze ihres oberen und mittleren Drittheils gedachten Queraxe und eine ausschreitende Bewegung des ganzen Schenkels erzielt, so findet diese eine weitere Förderung durch die Bewegung in den Gelenken. Das Schultergelenk gestattet zwar Bewegungen in jeder Richtung, bei dem natürlichen Gange des Pferdes sind diese jedoch im Wesentlichen auf Beugung und Streckung beschränkt. Bei der Streckung des Schultergelenkes wird das Armbein und mit diesem der ganze untere Theil des Schenkels in der verticalen Projectionsebene des Schenkels nach vorn geführt. Der Kopf-Hals-Armmuskel und der M. biceps brachii reichen unten über das Armbein hinaus, um sich an den Vorarm zu heften. Die Folge davon ist, dass ihre Verkürzung neben der Streckung im Schultergelenk zugleich Beugung des Ellbogengelenkes bewirkt, wodurch die Vorführung des unbelasteten Schenkels in ausgiebigster Weise gefördert wird. Wenngleich der M. biceps brachii in erster Linie als Beuger des Vorarms wirkt, so muss seine Thätigkeit doch zugleich Streckung im Schultergelenk herbeiführen, sobald der Beu-
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gung im Ellbogengelenk ein grösserer Widerstand entgegen­steht, als der Streckung im Schultergelenke.
Das Ellbogengelenk ist sowohl durch die Form seiner Gelenkflächen, wie auch durch den starken Bandapparat ein Tollkommenes Wechselgelenk, so dass die genannten Muskeln nur Bewegung des Schenkels in der Richtung des Rumpfes beeinflussen können, auch wenn ihre Zugrichtung nicht genau damit zusammenfällt.
Die Beugung im Schultergelenk erfolgt bei den meisten Bewegungen des Pferdes vornehmlich in passiver Weise, in­dem die Körperlast auf eine Verkleinerung des Gelenk-winkels hinwirkt, welche aber durch die Sehneneinlagerung des M. biceps brachii eine räumliche Begrenzung erfährt (S. 160). Eine active Beugebewegung dieses Gelenkes durch Muskelarbeit kommt fast nur beim Zurücktreten, sowie bei scharrenden Bewegungen des Schenkels vor. Zu diesem Zwecke vereinen zwei Muskelgruppen ihre Thätigkeit, nämlich der hintere Grätenmuskel (M. infraspinatus), der lange Auswärts-zieher (M. deltoideus) und der kurze Auswärtszieher (M. teres minor h.) einerseits, der Unterschultermuskel (M. subscapularis), der Niederzieher des Armbeins (M. teres major) und der breite Rückenmuskel (M. latissimus dorsi) andererseits. Diese beiden Muskelgruppen stellen zwar Antagonisten dar, indem die ersteren als Abductoren, die letzteren als Adductoren des Schultergelenkes dienen, allein ihre Wirkung tritt am Hang­bein fast nur bei Seitengängen des Pferdes hervor, im Uebrigen functioniren sie gemeinsam und zwar zum Zwecke der Feststellung des Schultergelenks, sobald die Belastungs­momente des Schenkels diese Wirkung erforderlich machen. Die Streckung des Ellbogengelenkes geht von der ausser-ordentlich stark entwickelten Muskelgruppe der Anconäen aus. Wie Günther bereits hervorgehoben hat, wirkt die Anconäen-gruppe nicht nur auf das Ellbogengelenk, sondern auch auf
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sämmtliche unter demselben befindlichen Gelenke streckend ein, eine Thätigkeit, die sowohl am Stützbein, wie auch am Hangbein zur Geltung kommt.
quot;Die Betheiligung der unter dem Ellbogen gelegenen Muskeln an der ausschreitenden Bewegung des Schenkels (Hangbein) ergiebt sich von selbst. Die Zehenstrecker be­sitzen ebenso wie ihre Antagonisten, die Beuger, sehnige Einlagerungen und starke Aponeurosen. Diese erstrecken sich über die ganze Länge der Muskeln, reichen also von dem unteren Ansatzpunkte ihrer Sehnen bis zum Streck­knorren des Armbeines; ebenso ist der Beugeknorren mit den Phalangen verbunden. Hieraus ergiebt sich die Nothwendig-keit, dass die Bewegungen in den unteren Gelenken des Schenkels von denen im Ellbogengelenk abhängig sind, so dass die ersteren dem letzteren in seiner Bewegung stets folgen müssen; auf diese Weise erhalten die Anconäen ihren Einfluss auf die übrigen Gelenke. Bei der Flexion im Ell­bogengelenke findet eine Zugwirkung auf die Beugemuskeln statt, bei der Extension dieses Gelenkes rückt der Streck­knorren des Kameras nach oben, wodurch die Zehenstrecker angespannt und eine streckende Wirkung auf die Gelenke der Phalangen wie auf die Vorderfusswnrzel ausgeübt wird. Dass dieser Einfluss der Ellbogenstrecker auf die unteren Gelenke auch am Stützbein zur Geltung kommt, ist bereits erwähnt (S. 161).
Die Function des Hangbeines, d. h. die ausschreitende Bewegung des Vorderschenkels, findet also in folgender Weise statt:
Wenn der Fuss seine Thätigkeit als Stützbein vollendet hat, steht das untere Ende desselben noch rückwärts gerichtet unter dem Rumpfe. Nach Uebertragung der Last auf den anderen Vorderschenkel hört die Anspannung in den Sehnen des belasteten Fusses auf; die Sehnen der Zehenbeuger
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werden mit ihren Unterstützungsbändern ausser Spannung gesetzt. Die Vorderfusswurzel kann nun in Volarflexion übertreten, d. h. aus der geraden Linie, welche das Ellbogen-mit dem Fesselgelenk verbindet, nach vorne rücken. Diese Bewegung erfolgt zum Theil durch die active Thätigkeit der Beugemuskeln der Vorderfusswurzel; wesentlich unterstützt werden dieselben hierbei von den Beugern des Ellbogen- und Streckern des Schultergelenkes. Auch die Elasticität der bei der Belastung des Fusses angespannten Vorarmfascie fördert die Flexion der Vorderfusswurzel, leitet diese wahrscheinlich ein. Nunmehr beginnt die Thätigkeit derjenigen Muskeln, welche durch Drehung des Schulterblattes den Schenkel nach vorne pendeln lassen, also neben dem gemeinschaftlichen Kopf-, Hals- und Armmuskel die Rückenportion des Kappenmuskels und ein Theil der Brustmuskeln. Es treten ferner die Strecker der Schulter und Beuger des Ellbogengelenkes in Action, namentlich die M.M. biceps brachii, coraco-brachialis und supra-spinatus. Die mit der Flexion des Ellbogengelenkes ver­bundene Beugung der unteren Gelenke wird von den Beuge­muskeln derselben unterstützt. So durchläuft das Hangbein die erste Hälfte der Pendelbewegung; unter Drehung der Scapula, unter Streckung des Schultergelenks und zunehmender Beugung aller übrigen Gelenke pendelt der Schenkel nach vorn, bis er etwa die Hälfte des Weges zurückgelegt hat, bis der Huf des Hangbeines senkrecht unter dem Ellbogen­gelenk desselben sich befindet.
Während die das Schulterblatt bewegenden und das Schultergelenk streckenden Muskeln ihre Thätigkeit fort­setzen, treten für die übrigen Gelenke des Schenkels nun­mehr ihre Streckmuskeln in Action. Die erste Hälfte der Pendelschwingung des Hangbeines erfolgt also unter zu­nehmender Beugung der Gelenke vom Ellbogen abwärts, dje zweite Hälfte des Schwingungsbogen wird dagegen
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unter zunehmender Streckung aller Gelenke des Schenkels zurückgelegt. Betrachtet man das Hangbein in der letzten Periode seiner Thätigkeit, so fällt vor Allem die gewaltige Spannung der Anconäengruppe auf; in Form einer starken Muskelwulst wölbt sich dieselbe hervor. In dieser Phase der Schenkelbewegung vollzieht sieh die Hauptaction jener Muskeln, sämmtliche Gelenke zu strecken, um so den Schenkel zu der ihm bevorstehenden Aufgabe als Stützbein fähig zu machen. Dazu ist vor Allem eine ausgiebige Sreckung der Zehen­gelenke erforderlich, damit der Huf mit seiner Bodenfläche zuerst auf die Erde kommt und das Fesselgelenk so weit ge­streckt ist, dass beim Einfallen der Last die Beugesehnen mit ihren Unterstützungsbändern in Spannung versetzt werden. Sobald der Huf den Boden erreicht hat, tritt der Schenkel in die Function des Stützbeins ein, indem die Last auf ihn übertragen wird. Noch wirken aber die Ellbogenstrecker fort, um die Gelenke des Stützbeins zu fixiren, bis durch die Neigung des Fesselgelenkes der Beugeapparat hierzu aus­reichend in Anspannung versetzt ist.
Aus dem Besprochenen ergiebt sich, dass die Function des Hangbeines vornehmlich von der Thätigkeit der Muskeln abhängig ist, und zwar üben in der ersten Hälfte der aus­schreitenden Bewegung die Schultermuskeln, namentlich der gemeinschaftliche, der biceps brachii, coraco-brachialis und supraspinatus, den Haupteinfluss aus. In der zweiten Hälfte der Bewegung greifen die Anconäeh, sowie die am Vorarm gelegenen Strecker mit ein, um durch Streckung sämmtlicher Gelenke zum Ausschreiten des Schenkels mehr oder weniger beizutragen und den Uebergang der Function des Hangbeines in die des Stützbeines zu sichern. Hiermit erklärt sich zu­gleich der hervorragende Einfluss der Ellbogenstrecker auf die Sicherheit des Ganges. Denn diese hängt vor Allem davon ab, dass der Schenkel zur XJebernahme der Thätigkeit
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als Stützbein gehörig vorbereitet, d. h. genügend gestreckt ist. Nicht umsonst hat diese Muskelgruppe eine so starke Entwickelung beim Pferde, zumal sie noch am Stützbein thätig ist.
Der physiologischen Thätigkeit entspricht die Inner-vation der Schenkelmuskeln. Während die in der ersten Periode des Ausschreitens vornehmlich thätigen Beuger von den verschiedenen Aesten des Armgeflechtes ihre motorischen Nerven erhalten, werden die in der zweiten Periode eingrei­fenden Strecker vom Speichennerven (N. radialis) mit solchen versehen. Am Hangbein liegt also die Function vornehmlich in den Muskeln. Von ihrer regelmässigen Thätigkeit hängt in erster Linie die Rogelmässigkeit der Bewegung ab. Sehr natürlich, dass auch Functionsstörungen an demselben zunächst in den Muskeln gesucht werden müssen.
Am Stützbein treten dagegen die Muskeln mehr oder weniger ausser Thätigkeit, und an ihrer Stelle beginnt der mechanische Trageapparat zu wirken, welcher die Gelenke so mit einander verbindet, dass der ganze Schenkel eine feste Säule bildet und ohne Beihülfe von Muskelarbeit die Körper­last zu stützen im Stande ist. Die Richtigkeit dieser An­nahmen findet gerade in den Erfahrungen über die Krank­heiten des Schenkels, insbesondere über die Lahmheiten un­zweideutige Beweismomente.
Auch der letzte Zweifel an der Richtigkeit dieser Auf­fassung wird durch den Versuch widerlegt, ein Pferd un­mittelbar nach dem Tode in eine aufrechte Stellung zu bringen. Es gelingt dies mit den Vorderfüssen, sobald die Zehenbeuger durch Neigung der Fesselgelenke nach unten in Spannung versetzt werden. In gleicher Weise lässt sich an jedem Schenkelpräparat die Wirkung des Stützbeines demonstriren. So lange der M. biceps brachii und die Zehenbeuger an dem­selben erhalten sind, kann das Präparat in aufrechter Stellung
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mit dem Hufe auf der Erde stehen, sobald diese Muskeln durchschnitten werden, brechen die sämmtlichen Gelenke des Schenkels zusammen.
Hiernach lassen sich die Functionen des Vorderschenkels wie folgt zusammenfassen:
1.nbsp; Stützbein. Seine Aufgabe, die Körperlast zu stützen, erfolgt mit Hülfe der Sehnen und sehnigen Einlagerungen in den Muskeln, durch den sog. Trageapparat; von den Muskeln greifen nur die Ellbogenstrecker unter Umständen mit ein. Bedingung für diese Function ist vor Allem Neigung der Fessel (Durchtreten) und Anspannung der Beugesehnen.
2.nbsp; nbsp;Die Thätigkeit des Hangbeines zerfällt in 2 Ab­schnitte :
a)nbsp; die erste Hälfte der Pendelschwingung wird durch die Elasticität der am Stützbein stark angespannten Sehnen und Fascien eingeleitet und mit Hülfe der Schultermuskeln vollzogen (gemeinschaftliche, vordere Grätenmuskel, biceps brachii u. A.). Unter Streckung der Schulter und Beugung aller übrigen Gelenke erfolgt diese Bewegung, bis der Huf senkrecht unter dem Ellbogen sich befindet. Dann beginnt:
b)nbsp; der zweite Abschnitt und zwar unter Fortsetzung der Thätigkeit in den genannten Muskeln und unter gleich­zeitigem Eingreifen der Strecker, namentlich der Ellbogen­strecker, um zugleich die übrigen Gelenke zu strecken. In gestrecktem Zustande auf den Boden gelangt, beginnt von Neuem die Thätigkeit als Stützbein.
Gehen wir nach diesen Erörterungen zur Betrachtung der Functionsstörungen über. Entsprechend der Eintheilung der Schenkelthätigkeit lassen sich die Functionsstörungen in „Lahmheiten des Hangbeinesquot; und „Lahmheiten des Sttitz-heinesquot; unterscheiden, Aus der angestellten Betrachtung ejv
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giebt sich, dass die ersteren vornehmlich in Erkrankungen der Muskeln, die letzteren in Leiden der Knochen, Sehnen und des Hufes ihren Grund haben. Krankhafte Zustände in den Gelenken und Sehnenscheiden, zum Theil auch der Knochen (Periost), rufen Störungen in beiden Functionen des Schenkels hervor. Eine scharfe Trennung ist daher nicht möglich, und es sollen daher als „Hangbeinlahmheitenquot; diejenigen bezeichnet werden, welche sich ausschliessl ich oder doch vorzugsweise durch Störungen während der aus­schreitenden Bewegung des Schenkels zu erkennen geben, während die vornehmlich bei der Belastung des Schenkels in die Erscheinung tretenden Lahmheiten „Stützbeinlahm-heitenquot; genannt werden sollen. Auch hier sei nochmals betont, dass diese Bezeichnungen nicht ganz correct und nur gewählt wurden, um durch systematische Behandlung des Stoffes das Studium dieser Fragen zu erleichtern. Man könnte auch sagen: ^Lahmheiten des Bewegungs- bezw. des Stütz­apparatesquot;, allein der Kürze wegen wurden die genannten Bezeichnungen vorgezogen, welche sich im Sinne mit jenen vollständig decken.
Lahmheiten des Hangbeines.
Der Einfluss der Muskeln bei der Vorwärtsbewegung des Schenkels gestaltet sich nach dem vorhin Besprochenen verschieden. Daher kann es nicht befremden, dass die Stö­rungen in der Function einzelner Muskelgruppen mit ver­schiedenartigen Abweichungen in der Bewegung des Sehenkels verbunden sind. Doch nicht diese allein rufen an dem Hang­beine Störungen hervor. Auch schmerzhafte Erkrankungen in den Gelenken und deren Nachbarschaft üben oft gleiche Wirkungen aus. Es lassen sich zwei Gruppen von Hangbein­lahmheiten trennen, nämlich:
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I. Lahmheiten, verbunden mit Verkürzung und Ver-langsamung des Ausschrcitens. II. Lahmheiten, verbunden mit abnormen Bewegungen des Hangbeines.
Bei den Lahmheiten der ersten Gruppe tritt eine Ver­langsamung des Schrittes mit Verkürzung desselben ein; die ausschreitende Bewegung des lahmen Schenkels bleibt räum­lich und in der Regel auch zeitig hinter der des gesunden zurück. Veranlassung zu diesen Lahmheiten können geben:
1.nbsp; nbsp;Lähmung des Armgeflechtes, namentlich des N. axillaris und der JST.N. pectorales. Der Schenkel wird nach­geschleppt oder ist überhaupt unfähig, auszuschreiten. Bei Pferden sind Paralysen des ganzen Armgeflechtes bisher mit Sicherheit nicht nachgewiesen, wenn man von centralen Läh­mungen, die meist beiderseitig auftreten, absieht. Bei Hunden habe ich derartige Lähmungen indess öfter beobachtet und zwar sowohl als periphere Leiden des N. axillaris, wie auch in Folge von Herderkrankungen des Gehirns. Hierbei war der N. radialis regelmässig intact, daher die stützende Function des Schenkels erhalten. Ohne Zweifel werden auch bei Pferden solche Lähmungen vorkommen, wie auch zugegeben werden muss, dass unvollständige Lähmungen des Arm­geflechtes zu Hangbeinlahmheiten Veranlassung geben können; doch ist auch hierüber Sicheres nicht bekannt.
Die stützende Function des Schenkels ist hierbei nicht ausgeschlossen, sondern kann erfolgen, sobald der Schenkel in die hierzu erforderliche Lage gebracht wird, d. h. wenn durch Senkung der Fessel nach unten die Beugesehnen in Spannung gebracht werden (Seite 160).
2.nbsp; nbsp; Krankheitszustände in denjenigen Muskeln, welche den Schenkel vorzuführen bestimmt sind, namentlich im gemeinschaftlichen Kopf-Hals-Armiuuskel, im biceps brachii, coraco-brachialis und supraspinatus. Es handelt
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sich hierbei in der Regel um entzündliehe Veränderungen in den genannten Muskeln, bezw. deren Sehnen oder Sehnen­scheiden (Bursitis intertubercnlaris), welche bei Contractionen wie auch passiven Dehnungen mit schmerzhaften Empfin­dungen begleitet sind. Um diese Dehnungen an dem rück­wärts unter den Leib gestellten Schenkel zu vermindern, fuhren die Thiere, namentlich bei Krankheitszuständen des gemeinschaftlichen Kopf-Hals-Armmuskels beim Gehen nickende Bewegungen mit dem Kopfe aus. Im Uebrigen pflegen diese Lahmheiten am Stützbein keine sichtbaren Störungen zu veranlassen, weil die genannten Muskeln an demselben unthätig sind.
3.nbsp; nbsp; Schmerzhafte Leiden an der Schulter, be­sonders in der Nähe des Schultergelenkes. So können Anschwellungen der Bugdrüsen, wie sie bei phlegmonösen Entzündungen am Schenkel oder auch gelegentlich bei der Eotzkrankheit vorkommen, zu einer Verkürzung und Ver­langsamung der ausschreitenden Bewegung des Fusses führen. Man versäume daher nie, bei dem Vorhandensein derartiger Functionsstörungen die Bugdrüsen zu untersuchen.
4.nbsp; nbsp; Gelenkerkrankungen, insbesondere dann, wenn dieselben mit intensiven Schmerzen verbunden sind. Ent­zündliche Processe am Schultergelenk wie auch am Ellbogen und der Vorderfusswurzel kommen hierbei in erster Linie in Betracht; doch geben auch heftige Distorsionen in den Ge­lenken der Phalangen hierzu Veranlassung. Aehnliches gilt von entzündlichen Veränderungen an den Sehnenscheiden.
5.nbsp; nbsp;Entzündliche Processe an den Knochen. Periostitis und Ueberbeine rufen oft eine Beschränkung in der ausschreitenden Bewegung hervor, besonders wenn sie in der Nähe der Vorderfusswurzel ihren Sitz haben; die Anspannung der Schenkelfascie bewirkt einen schmerz­haften Druck suit das leidende Periost. Aus diesem Grunde
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müssen auch alle entzündlichen Leiden, welche unter den Pascien ihren Sitz haben (subf'asciale Phlegmone) hierher ge­zählt werden.
6. Hautentzündungen an Stellen, die bei der Beugung der Schenkel Verschiebungen erfahren; so namentlich an den Phalangen, in der Köthe (Mauke), entzündliche Schwellungen an der vorderen Fläche der Vorderfusswurzel.
Welche von diesen Krankheitszustünden im gegebenen Falle die Lahmheit bedingen, hat die Localuntersuchung zu ermitteln, doch sei bemerkt, dass die unter 1 und 2 auf­geführten in der Regel nur die in Rede stehende Störung veranlassen, während die Leiden der Gelenke und Knochen zugleich mit Schmerzen bei der Belastung verbunden sind (Stützbeinlahmheit). Schmerzhafte Zustände an den Grelenken pflegen sich besonders bei Wendungen deutlich zu zeigen; die durch Hautentzündung veranlassten Störungen sind oft auf die ersten Schritte beschränkt und verlieren sich während der Bewegung mehr oder weniger.
Soweit die specielle Ursache der Lahmheiten dieser Gruppe nicht direct nachweisbar ist, spricht man wohl von einer Schul ter Iah mheit. Die Betrachtung aber ergiebt, wie leicht hier Täuschungen vorkommen können.
Es liegt auf der Hand, dass alle diese Lahmheiten am auffälligsten hervortreten müssen, wenn an die bewegende Thätigkeit des Schenkels höhere Anforderungen gestellt wer­den, z. B. beim Fahren und Reiten im Kreise, während der lahme Fuss sich aussen befindet. Da derselbe hierbei einen grosseren Kreis zu durchlaufen hat als der innere Fuss, so muss die Lahmheit deutlicher werden. Dieses Hülfsmittel der Untersuchung findet daher in der Praxis zweckmässige An­wendung (Seite 135). III. Lahmheiten, welche mit abnormen, d. h. am normal funetionirenden Hangbeine nicht vor-
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kommenden Bewegungen verbunden sind. Es handelt sich hierbei um Störungen in der Thätigkeit der Muskulatur und zwar in der Regel um den Ausfall oder um eine Abschwächung der Function einzelner Muskeln oder Muskelgruppen. Dahin gehören: 1. Unvollständige Streckung des Schenkels in der zweiten Phase seiner Thätigkeit als Hangbein. Aus der Betrachtung über die Schenkelfunctionen ergiebt sich, dass die Ursache einer solchen Störung zunächst in der Anconäengruppe gesucht werden muss. Der Ausfall in der Thätigkeit dieser Muskelgruppe hat eine unvollkommene Streckung der unteren Gelenke des Schenkels, namentlich des Fesselgelenkes zur Folge, so dass die Last nicht auf den Beugeapparat übertragen werden kann. Damit fehlt aber die nothwendigste Bedingung für die Functionsfähigkeit des Stütz­beines, und die Folge davon ist, dass der Schenkel beim Ver­suche denselben zu belasten, zusammenbricht, dass das Pferd stolpert, auch wohl niederstürzt. Ist in den Streckern der unteren Gelenke die Functionsfähigkeit erhalten, so können ebenso wie bei unvollständiger Lähmung einzelne Tritte mit regelmässiger Belastung des Schenkels erfolgen, während bei anderen die erwähnten Störungen hervortreten. Diese können somit durch alle Momente hervorgerufen werden, welche die Action der Anconäen aufheben oder beschränken, also:
a) Durch Lähmung derselben, gleichgültig, ob diese als myopathische oder als Lähmung des N. ratlialis auftritt. Die letztere scheint häufiger vorzukommen, als die erstere.
Die 1875 von mir*) beschriebene Lähmung des N. radialis beim Pferde ist seitdem mehrfach beobachtet. Nach dem Grade und der Ausdehnung der Lähirmng wechselt das Krankheitsbild. Bei v o 11-
*) Möller, Nerveulähmungen bei Pferden. Archiv für wissenscliaftliche und praktische Thierhoilkunde Bd. I.
Möller, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;12
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ständiger Paral3rsis des K. radialis verharrt der Fuss dauernd in Flexionsstellung-. Mit Ausnahme des Schultergelenkes, welches stark gestreckt ist, in Folge dessen das Ellbogengelenk tiefer als normal liegt, befinden sich alle übrigen Gelenke in abnormer Beugestellung. Der Schenkel ist unl'ähig, diejenige Streckstellung anzunehmen, welche zur Belastung erforderlich ist, und bei dem Versuche mit demselben aufzutreten, bleiben die Gelenke in ihrer Beugestellung, so dass das Tlüer nur mühsam wenige Schritte machen kann. Bei dieser completen Lähmung leiden auch die oberen äusseren Hautnerven (Zweige der Radialis) in der Regel mit; an der vorderen äusseren Fläche des Vor­arms lässt sich Anästhesie der Haut nachweisen.
Häufig ist die Radialislähmung nur unvollständig; im Stande der Ruhe lassen sich dann keine Abweichungen an dem Schenkel nach­weisen. Sein- auffällige Störungen treten aber in der Bewegung, oft schon im Schritt hervor. Der erste Act des Ausschreitens erfolgt mit dem leidenden Fusse regelmässig. Während der andere Fnss die Last trägt, pendelt der kranke in regelrechter Weise vor, bis derselbe die erste Hälfte seiner Action vollendet hat, der Huf also etwa senkrecht unter der Schulter sich befindet. Von da ab erfolgt das Ausschreiten verlangsamt und unvollständig. Die Schrittlänge fällt daher auf dem kranken Fusse kürzer aus, und die Streckung des Schenkels, welche sich in der zweiten Hälfte der ausschreitenden Thätigkeit des­selben vollziehen muss, um den Schenkel für die bald folgende Action als Stützbein geeignet zu machen, bleibt mehr oder weniger aus.
Da die Thätigkeit der Ellbogenstrecker, sowie der Strecker der Zehe und des Vordermittelfusses mangelt, so kann dieser Act der Be­wegung nicht regelmässig eintreten. Der Schenkel ist in Folge dessen nicht in der Lage, die Last aufzunehmen, als Stützbein zu dienen, und wenn derselbe diese übernehmen soll, so bricht er zusammen. Beim Auftreten mit dem lahmen Fusse stolpert das Pferd. Zuweilen zeigt sich die Bewegungsstörung nur bei einzelnen Tritten, wenn nämlich die Streckung unvollständig ausfiel. Oft können Pferde mit Paresis des N. radialis im Schritt und auf ebenem Boden ganz regelmässig gehen, sobald sie aber Trabbewegung ausfuhren, oder eine geringe Boden­erhöhung überschreiten, stellen sich die stolpernden Bewegungen ein.
In neuerer Zeit hatte ich Gelegenheit, mehrere Fälle von Paralysen des N. radialis bei Pferden zu beobachten, wobei nicht alle Anconäen betheiligt waren und namentlich im äusseren Vorarmstrecker die Function fortbestand. Bei den meisten Pferden lässt sich die Action der Vor­armstrecker in der Regel schon von Weitem erkennen, und sieht
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in solchem Falle die Anspannung des äusseren Streckers ganz deut­lich, während die übrigen in Gestalt einer schlaffen Wulst beim Gehen hin und her bewegt werden. Bei diesen Patienten war die Function der sensiblen Hautzweige des N. radialis erhalten, und man hätte auf eine myopathische Lähmung schliessen können, wenn nicht das Leiden beiderseitig aufgetreten wäre. Diese partielle Lähmung war noch mit einer eigenartigen Erscheinung verbunden: Bei der Belastung des Schenkels, und zwar im Momente seiner senkrechten Stellung trat plötzlich eine ruckweise Bewegung der Schulter mit dem Ellbogen nach vorn ein, wodurch das Leiden auf den ersten Blick eine gewisse Aehnlichkeit mit der Paralyse des N. suprascapularis erlangte. Die Richtung dieser abnormen Bewegung nach vorne lässt das Leiden leicht von dem zuletzt genannten trennen, bei welchem die Sckulter nach aussen rückt.
Hat die Lähmung nachgelassen, ist sie namentlich nach längerem Bestehen nur noch gering, so eignen sich die Pferde instinctiv einen eigenthümlichen Gang an. Sie schleudern den Fuss unter starker Action der Schultermuskeln übermässig weit nach vorne und schlagen ihn dann gleichsam gegen den Boden. Auf diese Weise wird nämlich die fehlende Action der Strecker durch die schleudernde Bewegung des Schenkels ersetzt. Die Aetiologie dieser Lähmung bedarf noch mancher Auf­klärung. Das Auftreten derselben am gefesselten Pferde beweist, dass mechanische Läsionen als Ursache wirken können; auch liabe ich das Leiden plötzlich während der Arbeit, besonders im schweren Zuge ent­stehen sehen. Dagegen spricht das zeitweise häufigere Vorkommen für die Wirkung anderer, bisher noch unbekannter Einllüsse. Während z. B. im letzten Jahre der hiesigen Klinik kein Fall zugefülirt wurde, stellten sich in den letzten sechs Wochen sieben ein. Bei drei Pferden trat die Lähmung sogar beiderseitig auf; bei einem Besitzer erkrankten zwei Pferde zu gleicher Zeit. Auffälliger Weise wurden um dieselbe Zeit bei einem anderen Pferde „Schüttelkrämpfequot; in den Anconäen beobachtet, die während der Bewegung sistirten, in der Ruhe aber regel-mässig hervortraten.
Auch bei Hunden habe ich Lähmung des N. radialis beobachtet. Die Erscheinungen sind hier im Allgemeinen dieselben wie beim Pferde. Bei doppelseitiger Radialislähmung rutschen die Thiere zuweilen auf den stark flectirten Carpalgelenken.
b) Dieselben Erscheinungen wie bei der Lähmung des N. radialis sind mit Querbrüchen des Ellbogenbeines
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verbunden, weil der Verlust des unteren Anheftungspunktes die Wirkung dieser Muskeln unmöglich macht.
Castor*) berichtet über einen solchen Fall. Ein Militärpferd wurde Morgens sehr lahm angetroffen. Beim Herausführen ans dem Stalle konnte es den linken Vorderfuss zum Vorschreiten nicht ge­brauchen , doch aber fest und sicher auf demselben stehen. Der hin-zugerofene Tbierarzt fand eine Fractur des Ellbogenbeines, worauf das Pferd o Wochen lang ohne Erfolg behandelt, dann verkauft wurde. Der Käufer setzte die Behandlung, welche in Waschungen mit Arnika, Essig n. s. w. bestand, noch 14 Tage fort, wonach das Pferd schon angespannt werden konnte; es trat nur mit dem linken Fusse etwas kürzer. Als das Pferd später geritten wurde, stellte sich von Neuem eine Lahmheit ein. Die starke Callusbildung beschränkte die freie Bewegung im Ellbogengelenk, so dass das Pferd doch nur zu lang­samer Bewegung zu verwenden war.
Birrenbachquot;quot;) und Jansen**0) beobachteten das gleiche Leiden, Jansen sogar drei Fälle. Nur ein Pferd wurde wieder arbeitsfähig. Ebenso Adamf).
c) Zerreissung oder Durchschneidung der Zehen­strecker, namentlich des längeren, bezw. dessen Sehne. An den Vorderfüssen gehört das Vorkommen dieses Zustandes zwar zu den Seltenheiten, am Hinterfuss hat man sie zuweilen bei der Hahnentrittoperation beobachtet; beim Durchschneiden der Schenkelfascie wird der lange Zehenstrecker leicht mit durchschnitten.
2. Uebermässiges Heben des Schenkels mit starker Beugung aller Gelenke wird beim Zuckfuss be­obachtet. Dieses seinem Wesen nach wenig aufgeklärte Leiden kommt indess an den Vorderschenkeln selten vor. Die Erkennung desselben ist im Uebrigen leicht.
Die mit abnormer Abductions- oder Adductionslage des
*) Castor, Mag. von Gurlt und Hertwig Bd. XXIX S. 235. **) Birrenbach, Thierärztl. Mittheil. 1875 S. 148. *raquo;*) Jansen, daselbst 1878 S. 117. ) Adam, Adam's Woclienschrift 1883, Nr. IG.
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Schenkels verbundenen Lahmheiten des Hangbeines zeigen sich zugleich und meist am auffälligsten am Stützbein und sollen daher dort Besprechung finden.
Lahmheiten des Stützbeines.
Diese werden bei weitem häufiger beobachtet, als jene des Hangbeines und zwar schon aus dem Grunde, weil fast alle Huflahmheiten hierher zählen. Aber auch die Krank-heitszustände an den übrigen Abschnitten der Schenkel geben häufiger zu Stützbeinlahmheiten Veranlassung. Es lassen sich diese in folgende Gruppen bringen:
I. Solche mit Abkürzung in der Belastung des
Fusses. II. Lahmheiten, welche sich durch abnorme Stel­lung des Schenkels bei der Belastung zu er­kennen geben. Die Lahmheiten der ersten Gruppe zeichnen sich im Allgemeinen dadurch aus, dass die Belastung vermieden, bezw. abgekürzt wird. Die Thiere pflegen im Stande der Ruhe den Fuss vorzusetzen, zu schonen, und wenn beide Püsse leiden, so werden dieselben in kürzeren Zwischenzeiten zum Belasten gewechselt. Bei der Bewegung im Schritt und Trabe wird das schmerzhafte Stützbein durch schnelles Vor­führen des anderen Fusses alsbald wieder zu entlasten ge­sucht. Das Ausschreiten mit dem kranken Fiisse erfolgt regelmässig und weiter als mit dem gesunden Fusse, wovon man sich bei langsamen Bewegungen durch Betrachten des Pferdes von der Seite leicht überzeugen kann. Die Schrittlänge fällt dennoch auf dem kranken Fuss meist kürzer aus, weil die zweite Hälfte der Belastung abgekürzt wird; denn an dem noch rückwärts stehendem Fusse ist die Belastung und somit auch der hierdurch hervorgerufene Schmerz
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am grössten. Beim Ausschreiten erfolgt die Bewegung mit dem gesunden Fusse abnorm schnell, weil die Belastung des kranken schmerzhaft ist. Diese langsamere Bewegung des kranken Fusses kann leicht zu der irrigen An­nahme einer Schulterlahmheit führen. Zu den Ursachen dieser Lahmheiten gehören:
1.nbsp; nbsp;Schmerzhafte Zustände im Hufe. Mit der Be­lastung steigt der intracapsuläre Druck, also auch die Wir­kung desselben auf die schmerzhaft afficirten Weichtheile. Damit erklärt sich diese Frage leicht. Die sog. Huflahm­heiten zeigen noch die Eigenthümlichkeit, dass sie beim Führen des Pferdes auf hartem Boden, namentlich auf dem Pflaster, in Folge der heftigeren Erschütterungen des Hufes auffälliger hervortreten. Zwar wird auch bei anderen Lahm­heiten dieses beobachtet, indess nicht in dem Masse und ge­wöhnlich nur bei der Trabbewegung. Bei schmerzhaften Zuständen im Hufe pflegen manche Pferde, namentlich die der warmblütigen Racen im Stande der Ruhe mit dem lahmen Fusse viel zu kratzen. Die sachgemässe Untersuchung des Hufes giebt über die Natur dieser Lahmheiten fast immer sicheren Aufschluss (Seite 145).
2.nbsp; nbsp; Schmerzhafte Leiden der Gelenke, Sehnen, Sehnenscheiden und Knochen. Je nach dem Sitze und Grade der Erkrankung dieser Theile zeigt die mit derselben verbundene Lahmheit mancherlei Verschiedenheiten. Fast alle, namentlich die von grosseren Schmerzen begleiteten üben zugleich auf die Bewegung des Fusses (Hangbein) einen stö­renden Einfluss aus und können daher auch als Hangbein­lahmheiten gelten (Seite 175). Ausnahmsweise geben akute Entzündungen der Gelenke, namentlich im ersten Stadium, oft zu ganz auffälligen Störungen am Hangbein Veranlassung, während die Belastung weniger schmerzhaft ist. Man beob­achtet dies z. B. bei Gelenkwunden am Ellbogen, verbunden
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mit akuter Synovitis, so lauge die Geienkflächen noch nicht erheblich in Mitleidenschaft gezogen sind.
Bei der Periarthritis, namentlich der Phalangengelenke, #9632;welche hiervon am häufigsten betroffen werden, wird die Be­lastung ebenfalls in der Regel abgekürzt, allein für gewöhnlich ist hierbei auch die Bewegung schmerzhaft. Beim Stehen im Stalle, besonders auf ebenem Boden, beobachtet man, dass die Pferde sich bemühen, den mit Periarthritis des Fessel­oder Kronengelenkes behafteten Fuss vorsichtig aufzusetzen und zu belasten. Nachdem dies geschehen, verharrt der Fuss oft längere Zeit im belasteten Zustande. Es erklärt sich dies aus dem Umstände, dass die bei der Periarthritis vornehmlich leidenden Seitenbänder bei der Belastung des Fusses nicht notbwendig in Spannung versetzt werden, namentlich dann nicht, wenn der Boden eben ist und der Beschlag der Stellung des Schenkels entspricht. Dagegen äussern solche Pferde im Grange, besonders beim Führen in kleinen Kreisen oder bei Wendungen auffallend heftige Schmerzen. Unter Beachtung dieser Symptome und bei genauer Local-untersuchung fällt die Erkennung derartiger Lahmheiten nicht schwer.
Bei schmerzhaften Zuständen in den Beugesehnen tritt die mangelhafte Belastung in den Vordergrund. Bestehen zugleich Verkürzungen in den Sehnen, so zeigt sich auch die Winkelung der Gelenke verändert. Wendungen wie Drehbewegungen sind nicht besonders schmerzhaft, dagegen rufen Dehnungen der Sehnen lebhafte Schmerzen hervor. Diese lassen sich am besten nachweisen, wenn an dem auf­gehobenen Fnsse die Zehe des Hufes in der Richtung gegen den Boden gedrückt wird. Die Palpation giebt über die Natur und den Sitz des Leidens genauere Auskunft.
In ähnlicher Weise äussern sich schmerzhafte Leiden der Sehnenscheiden. Eigenartig sind die Bewegungsstörungen bei
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schmerzhaften Erkrankungen der hinteren Bänder des Kroneu-geleiikes, wie sie in grosseren Städten nicht selten vorkommen. Hierbei ist namentlich das zweite Stadium der Belastung schmerzhaft und wird deshalb abzukürzen gesucht. Mit dem Moment, in dem die Trachten des Hufes den Boden ver­lassen haben, wird die Anspannung dieser Bänder grosser, und die Belastung plötzlich unterbrochen; das Abwickeln, Abheben des Tusses vom Boden erfolgt sehr schnell. Somit zeigt diese Lahmheit eine gewisse Aehnlichkeit mit der durch chronische Fussrollenentzündung bedingten, doch sind bei letzterem Leiden die Schmerzen nicht so gross, wie bei Erkrankung der ge­nannten Bänder.
Was die Leiden der Knochen betrifft, so muss die locale Untersuchung Aufschluss über den Sitz derselben geben.
Krankheitszustände in der Muskulatur des Schenkels sind für gewöhnlich mit erheblichen Störungen am Stützbein nicht verbunden, es sei denn, dass Continuitätstrennungen bestehen, welche den Sehnenapparat ausser Thätigkeit setzen, oder bei der Belastung des Fusses gezerrt werden.
Im Gegensatz zu den Störungen in der Function des Hangbeines werden diese Stützbeinlahmheiten durch Bewegen des Pferdes im Kreise gesteigert, wenn der kranke Fuss dem Centrum desselben zugewendet ist. An diesem Fusse findet eine stärkere Belastung statt als an dem äusseren, folglich muss sich die Lahmheit hierbei deutlicher zeigen. Aus demselben Grunde tritt eine Steigerung Stützbeinlahmheiten ein, wenn das Pferd bergab geht.
III. Lahmheiten, welche sich durch abnorme, d. h. unter physiologischen Verhältnissen am Stütz­beine nicht vorkommende Stellungen des Schenkels oder einzelner Abschnitte desselben kennzeichnen. Derartige Lahmheiten sind zwar weniger häufig, aber
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ausserordentlich mannigfaltig in ihren Erscheinungen. Soweit solche den ganzen Schenkel betreffen, lassen sich folgende unterscheiden:
1. Abductions Stellung des Stützbeines. Der Schenkel wird bei der Belastung und in der Regel auch während der Bewegung in Abductionsstellung gehalten. Der Huf des leidenden Fusses befindet sich also weiter von der Medianebene des Körpers entfernt als der gesunde. In der Exterieursprache würde man solche Stellung „boden we itquot; nennen. Abgesehen von dem Auftreten der Abductionsstellung an beiden Füssen in Folge bestimmter Bildungsfehler begleitet dieselbe folgende Lahmheiten:
a) schmerzhafte Zustände im M. infraspinatus oder deltoideus, bezw. deren Endsehnen. Bezüglich der Endsehnen des hinteren Grätenmuskels hat Günther*) bereits auf diese Erscheinung aufmerksam gemacht. Günther sagt darüber Folgendes: ^Quetschungen seiner Endsehne macht das Pferd tief lahm, jedoch hat die Haltung des Schenkels etwas ganz Charakteristisches: Das Thier setzt den Schenkel stets mit dem Fusse nach aussen, nimmt dann die volle Last auf, vermeidet aber mit grosser Aengstlichkeit die Entfernung des Buggelenkes vom Rumpfe.quot; Diese Symptome erklären sich leicht, wenn man bedenkt, dass die genannten Muskeln als contractile äussere Seitenbänder des Schultergelenkes auf­zufassen sind. Durch die Auswärtsstellung des Fusses wird die Anspannung der erkrankten Muskeln oder deren Sehnen vermieden und somit der Gang der Thiere weniger schmerzhaft.
Aus demselben Grunde beobachtet man Abductionsstellung des Schenkels bei schmerzhaften Zuständen in den lateralen Seitenbändern des einen oder anderen der übrigen Gelenke des Schenkels; ebenso bei Distorsionen des Kronengelenkes
*) Günther, Topographische Myologie des Pferdes S. 273.
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und Schale, namentlich dann, wenn die äussere Wand des Hufes zu lang ist.
b)nbsp; Die gleiche Abweichung in der Haltung des Stütz­beines tritt bei schmerzhaften Zuständen in der äusseren Hälfte des Hufes, wie bei Vernagelungen, Steingallen, Hornspalten u. s. w. auf. Besonders deutlich zeigt sich die­selbe, wenn gleichzeitig die äussere Wand des Hufes über-mässig lang ist. Ebenso wird der Fuss bei Wandsteingallen an der inneren Seite des Hufes nach aussen gestellt, um die Hornwand von der Fleischwand abzudrängen und so die Schmerzen zu mildern.
c)nbsp; nbsp;Abductionsstellung des Vorderfusses beobachtet man ferner bei schmerzhaften Leiden der Vorderfuss-wurzel und bei Ueberbeinen am Metacarpus. Wenn die letzteren, wie es häufig der Fall ist, ihren Sitz zwischen dem inneren Griffelbeine und dem sog. Schienbeine haben, so pflegen die Pferde mit Vorliebe den Fuss seitwärts zu setzen. Dies Verhalten findet seine Erklärung darin, dass bei der Abductionsstellung die Belastung des inneren Griffelbeines vermindert und Zerrungen an dem entzündeten Periost ver­mieden werden. Eine auffällige Abductionsstellung pflegt auch bei Exostosen und Periostitis in nächster Nähe der Vorderfusswurzel eingenommen zu werden.
d)nbsp; Endlich suchen die Pferde bei Leiden unter der Brust, namentlich bei Krankheiten der Haut, des oberflächlichen Brustmuskels oder des Brustbeines (Brustbeinfistel) durch Aus­wärtsstellen des Schenkels Linderung der Schmerzen. Aehn-liches wird bei schmerzhaften Zuständen der äusseren Haut in der Nähe der Gelenke der Phalangen, und zwar an der lateralen Seite des Schenkels, z. B. bei der sog. Brandmauke, gesehen.
2. Adductionsstellung des lahmen Schenkels wird beobachtet:
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a)nbsp; bei schmerzhaften Hufleiden, welche an der inneren Hälfte des Hufes ihren Sitz haben, sowie nach über-mässiger Beschneidung der äusseren Wandhälfte. Bei dem sog. „halben Zwanghufquot; der inneren Tracht wird unter diesen Umständen der lahme Fuss in langsamer Schrittbewegung zuweilen über die Mittellinie hinaus nach der Seite des ge­sunden gestellt;
b)nbsp; bei Erkrankungen der Adductoren, also der MM. subscapularis und teres major. Ihrer Lage wegen werden diese Leiden meist übersehen;
c)nbsp; bei Schulterlahmheiten, welche ihren Sitz im Ge­lenke haben. Hierbei tritt die Endsehne des M. infraspinatus und der Rollhügel des Armbeines ungewöhnlich deutlich hervor;
d)nbsp; bei Zerreissungen der Ellbogenstrecker, lieber einen solchen Fall berichtet Voigtländer im Dresdener Be­richt 1871 wie folgt:
Ein Reitpferd war durch eine scharfe Wendung auf der Vorhand plötzlich auf dem rechten Vorderfuss lahm geworden. Die Lahmheit nahm während der Bewegung zu. Dabei wurde der rechte Vorderfuss nicht gerade nach vorwärts, sondern nach einwärts gesetzt;, nach einiger Bewegung trat dies sogar in dem Masse hervor, dass sich derselbe mit dem linken Vorderfuss kreuzte, der Auftritt des rechten Fusses weiter links stattfand, als der des linken, und das Pferd sich nur miilisam fortbewegen konnte.
Bei der Untersuchung der Schulterpartie fand sich am oberen Ende der Ellbogenstrecker eine massige Einsenkung und im unteren Drittheil derselben eine entsprechende Anschwellung. Auch das rechte Armgelenk trat mehr hervor, als das linke. Nach 7 Wochen erfolg­loser Behandlung wurde das Pferd getödtet.
e)nbsp; Adductionsstellung des Schenkels vom Ellbogengelenk abwärts wird endlich bei Zerreissung des äusseren Seiten­bandes des Ellbogengelenkes, sowie bei Fracturen am äusseren Condylus des Armbeines angetroffen. Während diese Fractur bei Hunden zu den gewöhnlichsten Vorkomm-
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nissen gehört, wird dieselbe bei Pferden verbaltnissmässig seltener gesehen. Mir selbst sind jedoch einige Fälle der Art vorgekommen.
Ein Pferd wurde mit dem Vorbericht eingeliefert, dass es vor
8 Wochen plötzlich lahm geworden sei und seitdem im Stalle gestanden habe. Die rechte Vordergliedmasse wird fast gar nicht belastet, Ell­bogen- und Fesselgelenk werden in starker Flcxionsstellung gehalten, so dass der Huf mit der Zehenwand den Boden berührt. Trotz­dem zeigen sich die Sehnen des Zehenbeugers schlaff, die der Strecker abnorm gespannt. Der Schenkel ist vom Ellbogen abwärts nach innen gegen den anderen Fuss gerichtet, im Stande der Ruhe oft so, dass der rechte Fuss den linken kreuzt.
Am unteren Ende des Armbeines und an der iiusscren Fläche des Ellbogengelenkes findet sich eine diffuse, knochenharte Anschwellung von geringer Schmerzhaftigkeit. Die Schultermuskulatur zeigt Atro­phie. Beim Versuche des Pferdes zu gehen, verharren die Gelenke in ihrer Flexionsstellung. Der Schenkel wird nur ganz unvollständig be­lastet.
Nachdem einige Tnge hindurch der Versuch wiederholt worden war, das Pferd zum Gehen zu bewegen, besserte sich der Zustand in ganz unerwarteter Weise. Die Flexionsstellung der Gelenke Hess schnell nach, und als die Beugesehnen durch die verbesserte Fessellage wieder gehörig angespannt waren, konnte das Pfferd sogar ohne erhebliche Lahmheit Trabbewegung ausführen. Hierbei erfolgte das Vorführen des Schenkels schleudernd, und das Aufsetzen auf den Boden gleich­sam von oben nach unten schlagend, ähnlich wie hei Paresis des Nervus radialis (Seite 179). Bei der nun folgenden Belastung macht sich im Ellbogengelenk eine übermässige Beugung, im Vorderfussgelenk eine abnorme Streckung (Zurücktreten) bemerkbar. Nachdem das Pferd noch einige Monate mit Arbeit geschont worden war, wurde es voll­ständig wieder hergestellt.
Mit Rücksicht auf die Knochenauftreibung am Armhein, auf den Verlauf des Leidens und die Art der Bewegungsstörungen musste auf eine Fractur des Streckknorrens des Armbeines geschlossen werden. Die zuerst beobachtete starke Beugung war auf eine Contractur der Beugemuskeln zurückzuführen, welche in Folge Belastung derselben bald verschwand.
Die abnorme Abductionsstellung war durch die gleichzeitige Ab­trennung des äusseren Seitenbandes des Ellbogengelenkes bedingt; die
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später bei der Belastung auftretende abnorme Flexion des KUbogen-gelenkes und das Zunickweiehen der Vorderl'usswurzel war die Folge des Verlustes der oberen Anhel'timgspunkte der Muskeln am Armbein und der dadurch bedingten Entspannung des ausseien Beugers der Vorderl'usswurzel. Die beiden Beuger der Vorderl'usswurzel sind mit Sehnèngewebe stark durchsetzt und können als biarthrodiale Sehnen-bänder angesehen werden (Seite 1G1).
3. Rückwärtsstelluug des Schenkels. Die sog. unter- oder rückständige Stellung wird von schweren Zug­pferden freiwillig angenommen, um das Körporgewicht mit ins Geschirr zu legen. Ebenso pflegen Pferde mit steiler Schulterlage und kurzem, steilen Armbein in dieser Stellung zu verharren, um die Gleichgewichtslage im Schenkel herbei­zuführen. In Folge pathologischer Zustände findet sich diese abnorme Stellung:
a)nbsp; nbsp;bei Erkrankungen in den hinteren Abschnitten des Hufes, bei Steingallen, Zwanghuf u. s. w. Hier be­zweckt die Stellung eine Entlastung der schmerzhaften Huf­abschnitte und die Uebertragung der Last auf die Zehentheile des Hufes. Bei der unterständigen Stellung werden die Trachtentheile des Hufes vom Boden entfernt, erleiden also keinen Gegendruck. Dagegen werden die Beugemuskeln energisch angespannt, um die Belastung der Trachten noch mehr zu vermindern. Der Huf befindet sich in einer ähn­lichen Lage, wie der Fuss des Menschen beim Gehen auf den Zehen. Dass hierbei die Muskeln ausserordeutlich in Anspruch genommen werden, liegt auf der Hand. Darin be­ruht auch der nachtheilige Einfluss solcher Leiden auf die Gelenke und Muskulatur: Bekanntlich werden die Schenkel mit solchen chronischen Leiden frühzeitig ruinirt.
b)nbsp; Rückwärtsstellung des Stützbeines wird ferner bei akuter Entzündung des M. biceps brachii und der biirsa intertubercularis beobachtet. Auch hier gewährt die Stellung Linderung der schmerzhaften Empfindung, die
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mit jenen Leiden verbunden ist. Die Schulter wird hierbei zugleich soweit als möglich nach rückwärts gehalten.
4. Vorwärtsstellung des Schenkels. Die sog. vor­ständige Stellung wird veranlagst:
a)nbsp; durch schmerzhafte Zustände in den vorderen Abschnitten des Hufes, wie z. B. bei der Rehe. Die Vor­wärtsstellung hat hier einmal den Zweck, durch Entlastung der Vorderfüsse die Schmerzen zu vermindern; mit der Ent­fernung der Füsse von dem Schwerpunkt des Körpers muss die Belastung desselben abnehmen. Hierzu kommt noch, dass bei der vorständigen Stellung die Beugesehnen entlastet werden, deren Zugwirkung zu Zerrungen in dem entzündeten Gewebe der Fleischwand Veranlassung giebt. Es wird durch diese Stellung die dem Schenkel zufallende Last mehr auf die Knochensäule und so gleichmässiger auf das ganze Huf bein übertragen. Ebenso vermeiden die Pferde bei über-mässiger Abnutzung der Hufe die Belastung derselben, indem sie die Füsse abnorm weit nach vorn stellen.
Sehr empfindliche Pferde nehmen die vorständige Stellung zuweilen auch bei schmerzhaften Zuständen an den Trachten ein, namentlich wenn diese zu lang, oder wie beim Zwanghuf stark eingezogen sind.
b)nbsp; Aus dem gleichen Grunde finden wir diese Stellung bei schmerzhaften Zuständen in den Beugemuskeln oder deren Sehnen. Sind derartige Leiden weniger schmerzhaft, so treten diese Abweichungen oft nicht deutlich hervor. Wir beobachten daher auch vorständige Stellung bei der sog. chronischen Hufgelenklahmheit. Dieselbe hat hier ebenfalls den Zweck, den Fuss weniger zu belasten, die Last mehr mit der Knoehensäule aufzunehmen und die Span­nung in der Hufbeinbeugesehne zu vermindern. Endlich nimmt bei dieser Stellung der Verlauf der Huf beinbeugesehne über die leidende Strahlbeinfläche eine mehr gerade Richtung
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au, somit wird der Druck auf diese geringer. Das Pferd erreicht also durch Annahme der vorständigen Stellung in verschiedener Weise Linderung seiner Schmerzen.
Zu den am Stützbein auftretenden functionellen Störungen gehören endlich die Abweichungen in der Stellung und Lage einzelner Abtheilungen des Schenkels. Als solche sind zu nennen:
1. Abductionsbcwegung der Schulter und des Arm­beines im Momente der senkrechten Stellung des Stützbeins. Diese eigenthümliche, leicht erkennbare Störung findet sich bei Lähmungen der Abductoren, namentlich des hinteren Grätenmuskels, des M. deltoideus und M. teres minor. Die genannten Muskeln werden mit dem vorderen Grätenmuskel vom Nervus suprascapularis versorgt, an dem bei Pferden nicht selten Paralysen vorkommen. Da diese Muskeln in Folge der Lähmung nicht mehr die Function als äussere Seitenbänder des Schultergelenkes ausführen, so tritt bei jeder Belastung des Schenkels eine abnorme Abduction der Schulter ein, wobei das Schulterblatt vom Rumpfe abweicht. Daher stammt auch die Bezeichnung „Abbladenquot; oder „Abblattenquot;. Dieses schon von Rohlwes 1785 beobachtete, von Bouley im Jahre 1864 als eine Zerreissung der Endsehne des hinteren Grätenmuskels aufgefasste Leiden ist von K. Günther*) zu­erst richtig erkannt und beschrieben. So lange beide Schenkel gleichmässig belastet sind, treten in der Eegel keine Ab­weichungen hervor. Sobald aber beim Gehen der von der Lahmheit betroffene Schenkel allein die Last aufgenommen hat und senkrecht unter dem Rumpfe steht, weicht das Schulter­gelenk, zuweilen auch das Ellbogengelenk plötzlich vom Rumpfe ab, so dass sich zwischen Brust und Armbein zuweilen ein
raquo;) Günther, Mag. von Gurlt und Hertwig 1865 S. 215.
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handbreiter Raum findet. Nach einiger Zeit tritt Atrophie in den beiden Grätenmuskeln sowie im M. deltoideus und teres minor auf.
Heftiges Gegenrennen mit der Schulter oder längeres Liegen in Fesseln giebt zu diesem Leiden Veranlassung. Auch von mir*) sind mehrere Fälle dieser Lähmung beobachtet.
Durchschneidung der Endsehne des hinteren Grätenmuskels giebt bei manchen (besonders bei bodenengstehenden) Pferden das Bild dieser Lähmung. Bei dieser Stellung werden auch die genannten Muskeln in höherem Masse in Anspruch ge­nommen als bei bodenweiter Stellung.
Neben den angegebenen Symptomen besteht bei Lähmung des Nervus suprascapularis Unvermögen zur Abduction des Hangbeines, also Unfähigkeit zu Seitengängen.
Dieselbe Erscheinung wurde von Nasse**) bei einem Pferde gesehen, welches sich durch Gegenrennen gegen einen Baum eine Zerreissung des M. serratus anticus major, des subscapularis und des pectoralis zugezogen hatte. Beim Auf­stützen rückte das Schultergelenk vom Rumpfe ab, so dass eine Höhlung zwischen diesem und dem Rumpfe entstand. Wenn auch die gestellte Diagnose zutreffend war, so hat doch ohne Zweifel zugleich eine Paralysis des Nervus supra­scapularis vorgelegen, zumal die erwähnte Ursache sehr häufig diese Lähmung veranlasst.
2. Abnorme Beugung des Ellbogengelenkes. Bei der Belastung des Fusses, namentlich beim Einfallen der Körperlast in schneller Gangart (Trab) erfolgt eine abnorme Beugung des Ellbogengelenkes durch Herabsinken des oberen
*) Möller, Zeitschrift für wissensch. nnd prakt. Thierheilkunde Bd. II S. 306.
**) Nasso, La Clin. vet. Bd. VI S. 43 und Jahresbericht 1883 S. 109.
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Endes des Armbeins mit dem Schultergelenk. Diese Störung tritt in Folge mangelhafter Fixirung des Ellbogengelenkes ein. Wie sich aus der früheren Darstellung ergiebt, wird dieses Gelenk durch den Zug der starken Sehneneinlagerungen in den Beugern, namentlich durch die Beuger der Vorderfuss-wurzel und den langen Zehenbeuger, festgestellt. Die genannte Abweichung beobachtet man daher:
a)nbsp; bei Zerreissungen des einen oder anderen dieser Muskeln, besonders der Beuger der Vorderfusswurzel;
b)nbsp; bei Fracturen an der Insertionsstelle derselben, nament­lich an den Gelenkknorren des Armbeines (vergl. Seite 187).
Im Sommer 1886 hatte ich Gelegenheit, die Zerreissung des äusseren Beugers der Vorderfusswurzel zu beobachten. Der Zust'and war in Folge eines Fehltrittes entstanden und zeichnete sich zunächst durch eine umschriebene Schwellung, verbunden mit hochgradiger Lahmheit aus. Später verloren sich die Schmerzen allmälig, und nun trat bei der Bewegung im Trabe eine abnorme Beugebewegung im Ellbogen-und Vorderfusswurzelgelenk auf. Nach Verlauf von 6 Wochen war auch dieses Symptom verschwunden und das Pferd wieder vollständig arbeitsfähig.
Ebenso wirkt eine Fractur des Erbsenbeines als unterer Anheftungspunkt des äusseren Beugers der Vorderfusswurzel, die zwar selten ist, indess bei einem schweren Zugpferde von mir beobachtet wurde. Da auch nach 8 Wochen die Lahm­heit nicht verschwunden war, entschloss man sich, das Pferd tödten zu lassen. Dagegen sehen wir bei Paralysen des Nervus radialis diese Abweichung nicht hervortreten; ein Beweis da­für, dass die Muskeln zur Fixirung des Ellbogcngelenkes am Stützbein nicht beitragen.
3. Abnorme Streckung des Ellbogengeleukes. Der Gelenkwinkel zwischen Armbein und Vorarm ist abnorm weit geöffnet. Obgleich diese Störung sich mehr am Hangbein bemerkbar macht, tritt sie doch auch am Stützbein in auf­fälliger Weise hervor, und zwar:
Möller, Klinischo Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 13
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a)nbsp; nbsp;Bei Contracturen ia der Anconaengruppe.
Bei allen struppirten Pierden wird die vorbiegige Stellung durch Erkrankung (Contractur) dieser Muskelgruppe wesentlich mitbedingt, offenbar im Verein mit der gleichen Erkrankung in der übrigen Mus­kulatur des Schenkels. Bei hochgradiger Contractur tritt die Extensions-stellung des Ellbogens oft in aui'fälliger Weise hervor.
Unlängst beobachtete ich einen ganz exquisiten Fall einer solchen Contractur der Ellbogenstrecker. Es wurde ein Pferd vorgestellt, welches am linken Vorderfusse eine hochgradige, vorbiegige Stellung zeigte, während der Fesselwinkel keine Abweichung von dem rechten Fnsse erkennen Hess. Bei ausschliesslicher Belastung des linken Vorder-fusses trat das Vorderfusswurzelgolenk fast vollständig in seine normale Lage zurück, ohne eine ungewöhnliche Anspannung der Beuger zur Folge zu haben, namentlich zeigten sich die Beuger der Vorderfusswurzel nicht überm ässig gespannt.
Dagegen erschien die Anconäengruppe linkerseits stark angespannt und verdickt, am auffälligsten der äussere Strecker. Die Muskeln fühlten sich im Vergleich zu denen der gesunden Seite ungewöhnlich hart und fest an. Auch an den nicht contrahirten Muskeln war die derbe Beschaffenheit im Gegensätze zu dem Zustande des anderen Fusses auffallend. Schmerzen bestanden weder bei der Belastung, noch auch bei Druck auf die Muskeln. Das Ellbogengelenk war abnorm weit geöffnet und konnte auch passiv nicht in die normale Beugestellung gebracht werden.
Der Gang des Pferdes war unsicher, der Schritt verkürzt, doch verrichtete dasselbe seinen Dienst im schweren Zuge regelmässig. Kitt hat im Jahresbericht der königl. Centralthierarzneischule in München pro 1884/1885 den anatomischen Befund einer interstitiellen Myositis fibrosa der Oberarmsmuskulatur beim Pferde mitgelheilt. Wahrschein­lich lag hier eine ähnliche Veränderung vor.
b)nbsp;Ent zündlicheErkr an kung des Ellbogengelenk es und dessen Umgebung. Auch hierbei befindet sich das Ellbogengelenk in gestreckter Lage, während die Vorderfuss­wurzel und die Phalangen stark gebeugt, oft sogar in so hoch­gradiger Hyperflexion vor oder neben dem anderen Fusse gehalten werden, so dass die Zehenwand des Hufes den Boden berührt. Eine ähnliche Stellung kommt bei vollständiger Lähmung des Nervus radialis vor (Seite 177 u. 188).
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4.nbsp; Volarflexion der Vorderfusswurzel, die sog. vor-biegige Stellung. Die Vorderfusswurzel ist aus ihrer Lage, senkrecht unter dem Ellbogengelenk, bezw. aus der vom Ell­bogen zum Fesselgelenk gezogenen geraden Linie nach vorn gerückt. Diese Abweichung gehört zu den häufigsten Vor­kommnissen und besteht entweder für sieh allein, oder sie ist mit steiler Fesselstellung verbunden. Sie kann veranlasst werden:
a)nbsp; Durch Verkürzung des Beugeapparates ober­halb der sog. Unterstützungsbänder, namentlich durch Contracturen in den Beugemuskeln der Vorderfusswurzel. Die Wirkung dieser Contractur erklärt sich leicht, doch ist dieselbe, abgesehen von den struppirten Pferden, nicht so häufig, wie wohl angenommen wird, denn Contracturen in den Zehenbeugern oberhalb der Unterstützunarsbander rufen dieselbe Abnormität hervor. Infolge ihrer Verkürzung werden die Unterstützungsbänder ausser Spannung versetzt und die Vorderfusswurzel nicht mehr mit genügender Kraft nach hinten gezogen und fixirt.
b)nbsp; Bei schmerzhaften Zuständen an den ïrachten-theilen des Hufes, wie Steingallen, Zwanghuf etc. Hierbei verbindet sich diese Abnormität in der Regel mit rück­ständiger Stellung und steiler Fessellage. Beide Abweichungen verdanken ihre Entstehung derselben Ursache, nämlich der stärkeren Anspannung der Beugemuskeln, und führen daher auch zu vorzeitigen Contracturen derselben, wodurch die Ab­weichung noch verschlimmert und stabil wird (S. 189).
5.nbsp; nbsp;Dorsalflexion der Vorderfusswurzel. Diese in der Exterieur-Sprache als „rückbiegigquot; bezeichnete Ab­normität ist in der Regel angeboren oder während der Körper-cntwickelung entstanden. Als solche gehört sie nicht hierher, weil zwar Bewegungsstörung, aber keine Lahmheit mit der­selben verbunden ist. Dagegen beobachtet man zuweilen,
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dass die Vorderfusswurzcl im Momente der Stosswirkung durch die einfallende Körpcrlast momentan eine rückbiegige Stellung einnimmt. Das ist z. 13. bei Continuitätstrennungen in den Beugern der Vorderfusswurzel der Fall, ebenso bei unvollständig geheilter Fractur des einen oder anderen Condylus des Armbeincs. Hierbei fallt die Wirkung der Beuger des Carpalgelenkes aus, und das genügt, um eine übermässige Ötrcekung desselben beim Einfallen der Last vorübergehend hervorzurufen. Es sind also dieselben Momente, welche zu einer übermässigen Flexion des Ellbogengelenkes führen (vgl. Seite 192).
6. Dorsalflexion in den Gelenken der Phalangen, besonders des Fesselgelenkes, abnormes sDurchtretenquot;, wie es gewöhnlich genannt wird, kann hervorgerufen werden:
a) Durch Zerreissung der Beugesehnen. Zahlreiche Fälle dieser Zerreissung sind in der Veterinärliteratur be­kannt. Bald handelt es sich um eine vollständige Zerreissung sämmtlicher Sehnen, wodurch der Metacarpus seinen Stütz­punkt gänzlich verliert und das untere Ende bald mit, bald ohne Luxation des Fesselbeines bis auf den Boden herabsinkt, ja sogar in denselben hineingedrückt wird, wie Smith*) von einem Reitpferde berichtet, das sich beim Springen eine der­artige Zerreissung zugezogen hatte. Das Schienbein bohrte sich vier Zoll tief in den Boden ein. Zuweilen findet die Zerreissung nur am Fesselbeinbeuger oder Hufbeinbeuger statt. In solchem Falle ist die Abweichung der Phalangen mit dem Schienbein nicht so auffällig. Bald sind es partielle (fasciculäre) Zerreissungen mit starker Dehnung der noch erhaltenen Sehnentheile. Für diesen Zustand bestand in England ursprünglich die Bezeichnung „broken downquot; (nieder­gebrochen), welche später jedoch auf andere, vorzugsweise
*) Smith, The Veterinary Journal 1881.
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hei Renn- und Jagdpferden vorkommende Krankheitszustände an den unteren Abschnitten der Gliedmassen übertragen worden ist. Zuweilen findet die Continuitätstrennung im Ver­laufe der Sehnen statt, bald reisst an ihren Anheftungspunkten ein Stück Knochen ab. Als eine auffällige Thatsache ver­dient erwähnt zu werden, dass die Zerreissung der Beuge­sehnen oft gleichzeitig auf mehreren Füssen eintritt. So beobachtete Kay*) eine Zerreissung der Beugesehnen an drei Füssen eines Pferdes zu gleicher Zeit. Ist die Huf bein­beugesehne allein zerrissen, wie es bei acuter wie chroni­scher Hufgelenklahmheit, namentlich nach der Nourotomie
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beobachtet wirdj so macht sieh die abnorme Stellung vor­zugsweise am Hufe geltend, indem die Trachtenwand gegen
den Boden, die Sohle des Hufes nach vorn gerichtet wird**).
b)nbsp; nbsp;Durch horizontale Fractur der Sesambeine. Es gehört dieses Leiden zwar zu den seltenen; allein das Vorkommen und die Erscheinungen desselben wurden durch Williams***) festgestellt; es sind dieselben, wie bei der Zerreissung des Fesselbeinbeugers, doch macht sich an der hinteren Fläche des Fesselgelenkes eine Lücke mit An­schwellung der Umgebung bemerkbar. Die Sammlung der Thierarzneischule in Dresden enthält ebenfalls ein solches Präparat.
c)nbsp; Durch Ruptur der unteren Gleichbeinbänder. Schellhasef) beobachtete bei einem Pferde die gleich­zeitige Zerreissung derselben an beiden Vorder-füssen.
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*) Kay, Jahresbericht 1884 S. 112. quot;'-) Möller, Hufkrankheiten S. 23.
***) Williams, The principles and practice of veter, surgery S. 124.
t) Schellhase, Mag. van Gurlt u. Hertwig Bd. XXIX S. 241.
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Mir selbst begegnete ein solcher Fall bei einem Vollblutpferde, welches auf der Rennbahn plötzlich lahm geworden war. 8 Wochen nach dem Vorfall wurde es vorgeführt und trat im Fesselgelenk abnorm durch. Die Sesambeine lagen höher, über dem Fesselgelenke und waren stark verdickt. Die Verdickung setzte sich von ihnen nach unten bis in die Ballengrube fort. Bei passiver Beugung und Streckung des Fesselgelenkes wurde Crepitation bemerkt. Die Section ergab Zer-reissung des unteren Auf hiingebandes und Arthritis chronica deformans an der vorderen Fläche der Sesambeine und ihrer Articulation mit dem Schienbein.
7. Streckstellung (in höherem Grade Volarflexion) in den Gelenken der Phalangen. Die aufgerichtete, steile Fessellage (Stelzfuss) gehört zu den häufigsten Vorkommnissen und kann mit oder ohne Lahmheit bestehen. Tritt diese Ab­normität in Folge chronischer Erkrankung des Beugeapparates auf, so leiden in der Regel beide Füsse zugleich, und eine eigentliche Lahmheit pflegt nicht hervorzutreten. Von Lahm­heit begleitet zeigt sich diese Störung:
a) Bei schmerzhaften Zuständen (Entzündungen) in den Sehnen der Zehenbeuger. Das Durchtreten im Fesselgelenk ist, wie sich aus der Besprechung der physio­logischen Verhältnisse (Seite 160) ergiebt, mit Anspannung der Sehnen, also auch mit Steigerung der schmerzhaften Empfindungen in denselben verbunden. Indem das Pferd in Folge dessen die Sehnenbelastung vermeidet, nehmen die Phalangen eine steile Stellung an. Währt dieser schmerz­hafte Zustand längere Zeit, so gesellt sich Contraetür in den Beugemuskeln und Verkürzung in den Sehnen hinzu. Ist derselbe dagegen von nur kurzer Dauer, so hört die abnorme Stellung mit dem Nachlassen der Schmerzen auf. Darin muss auch die Erklärung für das verschiedene Verhalten der Sehnen­entzündungen in Hinsicht auf ihre nachtheiligen Folgen gesucht werden. Vier Möglichkeiten sind hier gegeben:
a) Die schmerzhafte Erkrankung der Sehne hält nur
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.-;
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kurze Zeit au und ist nicht hochgradig. In diesem Falle be­steht auch die steile Fesselstellung nur während des schmerz­haften Zustandes und verschwindet mit demselben wieder vollständig.
ß) Die Sehnenentzündung ist längere Zeit hindurch mit grosseren Schmerzen verbunden, so dass der Schenkel dauernd in Flexionssteliung verharrt; dann kommt es zu einer Con-tractur in den Beugemuskeln und in Folge dessen zu einer dauernden steilen Fessellage, verbunden mit vor­biegender Stellung in der Vorderfusswurzel (Seite 195).
Y) In Folge hochgradiger Veränderungen in den Sehnen, verbunden mit Retraction des Narbengewebes, tritt Ver­kürzung der Sehnen selbst ein. Die Folge ist andauernder steiler Fesselstand ohne Abweichung des Vorderfuss­wurzel gelen kes. Da die Verkürzung zwischen der An-heftung des sog. ünterstützungsbandes und der Sehne an den Phalangen — meist handelt es sich hierbei um den Hufbeinbeuger — besteht, so wird die Vorderfusswurzel in ihrer Stellung hiervon nicht betroffen.
S) Häufig stellt sich indess, durch andauernde Schmerzen bedingt, gleichzeitig Muskelcontractur und Sehnenretraction ein. Dann ist die steile Fesselstellung von Vorbiegigkeit be­gleitet.
b) Krankheitszustän de in den Sehnenscheiden der Zehenbeuger, namentlich in der des Hnfbeinbeugers über dem Fesselgelenke, ferner der Bursa tendinea an der hinteren Fläche der Sesambeine und endlich der sog. Strahl­beinbursa. Der Grad der Abnormität ist hier ebenfalls von der Höhe der Schmerzen und dem Verlaufe des Leidens ab­hängig. Am auffälligsten ist die Streckstellung bei acuten Erkrankungen des Strahlbeines, sowie bei Entzündungen der Bursa und fasciculären Zerreissungen der Hufbeuge­sehnen, wie solche in Folge von Nageltritt und eitrigen
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Processen im Strahlpolster veranlasst werden. Die Auf­richtung des Fesselgelenkes geht hierbei in der Regel über die Senkrechte hinaus, so dass bei dem Versuche, den Schenkel zu belasten, die Zehenwand des Hufes von oben und vorn nach unten und hinten gerichtet ist*). Auch bei chronischer Erkrankung des Strahlbeines, bei der sog. chro­nischen Hufgelenkentzündung findet sich eine steile Fessel­stellung, meist jedoch in geringerem Grade (Seite 190); deutlicher pflegt dieselbe bei der sog. Gleichbeinlähme, einer chronischen Erkrankung der Bursa der Sesambeine, zu sein und gehört zu den wichtigsten Symptomen dieses Leidens**).
Bei der chronischen Hufgelenklahmheit — Strahlbein­lahmheit — findet durch die Aufrichtung des Fesseis eine Ver­minderung der Schmerzen bei der Belastung des Fusses statt. Denn mit der steileren Fessellage nimmt die Belastung und An­spannung der Hufbeinbeugesehne ab; auch die steilere Form des Hufes ist die Folge der Aufrichtung der Fessel. Diese giebt zugleich den Beugesehnen am Strahlbein einen mehr ge­raden Verlauf und führt somit zu einer Abschwächung des Druckes der Sehnen auf die leidenden Knochenflächen.
c) Steiler'Fesselstand wird ferner bei entzündlichen Leiden der Gelenke der Phalangen beobachtet und zwar sowohl bei der Synovitis wie auch bei Periarthritis derselben. Bald leidet das Fessel-, häufiger das Kronen­oder Hufgelenk. Auch diese Erkrankungen führen nicht selten zu chronischen Veränderungen an den Gelenken, sowie zu Verkürzungen im Bandapparate derselben, wodurch die abnorme Stellung dauernd wird. In der Veterinärliteratur
*) Möller, Hufkrankheiten des Pferdes S. 22. quot;-*) Brau eil, Magazin für die gesamtnte Thierheilkunde von Gurlt und Hei'lwig Band XI; Marschner, daselbst Bd. XXI.
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wurde diese Abnormität im Gegensatz „zum Sehnenstelzfussquot; früher als „Grelenkstelzfussquot; bezeichnet.
d) Die gleiche Abweichung in der Pesselstellung kommt endlich bei schmerzhaften Zuständen in den hinteren Abschnitten des Hufes vor; bei Steingallen und ähnlichen Leiden, namentlich des Strahles. Diese Thatsache ist be-achtenswerth, denn gerade solche Leiden führen leicht zu Verwechslungen mit Krankheiten der Sehnen und zwar um so leichter, als sie häufig mit üdematöser Anschwellung der Unterhaut im Bereiche der Beugesehnen verbunden sind (Seite 149).
Auch entzündliche Affectionen der Haut in der Köthe (Mauke u. s. w.), an der Krone, an den Ballen (Verbällung), sowie Verknöcherung der Hufbeinknorpel*) führen zu steiler Fesselstellung.
Welches von diesen Leiden in dem concreten Falle als die Ursache der Abnormität angesehen werden muss, ergiebt eine eingehende Localuntersuchung. Die Entscheidung dieser Frage bietet nur selten Schwierigkeiten, wenn man sorgfältig untersucht.
B. Die Lahmheiten des Hinterschenkels.
In derselben Weise wie am Vorderschenkel lässt sich die Function des Hinterschenkels in die des Stützbeines und des Hangbeines trennen. Die Thätigkeit des Stützbeines be­schränkt sich im Stande der Ruhe ausschliesslich auf das Tragen der Last; während der Bewegung fällt dem Hinter­schenkel noch die Aufgabe zu, die den Körper vorwärts bewegende Kraft zu entwickeln; man könnte denselben in dieser Action „Stossbeinquot; nennen.
*) Hert wig, Chirurgie III. Aufl. S. 551.
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Betrachten wir zumictist die stützende Function des Schenkels. Auch hier erfolgt diese vornehmlich ohne Be­theiligung von Muskelarbeit durch einen aus Sehnengewebe bestehenden Trageapparat, welcher die Gleichgewichtslage des Schenkels aufrecht erhält.
Befinden sich alle vier Füsse gleichmässig belastet unter dem Körper, so liegt das Hüftgelenk bei normalem Schenkel­bau nahezu senkrecht über dem Unterstützungspunkt, dem Hufe. Da das Kreuzbein unbeweglich mit dem Becken ver­bunden ist, und dieses vom Gelenkkopfe des Oberschenkels getragen wird, so kann die stützende Hintergliedmasse ihre Function ohne Kraftaufwand erfüllen, sobald die Gelenke des Schenkels vom Knie abwärts festgestellt sind. Als Be­weis für die Richtigkeit dient folgender Versuch: An einem soeben getödteten Pferde wird die Kniescheibe auf dem äusseren Condylus des Oberschenkelbeines und zwar in der Streckstellung des Schenkels vermittelst eines langen Nagels befestigt. Es stehen alsdann alle Gelenke des Hinterschenkels mit Ausnahme des Hüftgelenkes und der Phalangen voll­ständig fest. Namentlich ist nicht nur im Knie-, sondern auch im Sprunggelenke jede Bewegung unmöglich. Ist die Kniescheibe an beiden Hinterschenkeln so festgestellt, dann wird das aufgerichtete Cadaver von denselben ebenso ge­stutzt wie beim Stehen am lebenden Pferde; bequemer ist dieser Versuch mit einem Schenkelpräparat zu machen.
Da, wie (Seite 171) gezeigt, dasselbe mit den Vorder­schenkeln gelingt, so genügt die Stützung des Kopfes, um das Cadaver in der aufrechten Stellung zu erhalten. Die Gleichgewichtslage ist also am Hinterschenkel nicht so voll­ständig gesichert wie am Vorderfusse. Zur Herstellung der­selben dienen hauptsächlich folgende Einrichtungen:
1. Die Verbindung des Knie- und Sprunggelenkes ver­mittelst zweier biarthrodialer Bänder, nämlich:
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a) Des Schienbeinbeugers, namentlich der als ein langes Band von der unteren Sehnengrube des Femur zum
Fig. 4.
Am.G.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; GrXj.
lirScli.
Hinterschenkel des Pferdes von aussen gesellen. Au.G. - Aeusserer Ge-sässmnskel. Gr.GK = Grosser Gesässmuskel. Sp.d.in-.Sch. = Spanner der breiten Scbenkel-binde. d.E. = Dicker Kinwärtszieher. I.E. = Langer Einwärtszielier. I.A. = Langer Auswärtszieher. m.A. = Mittlerer Auswilrtszielier. k.A. = Kurzer Auswärtszielier. ä.W. = Aeusserer Wadenmuskel. d.H.Ii. = Dicker Hufbeinbeuger. K.b.b. - Kron­beinbeuger. l.Zst. = Langer Zehenstrecker. S.St. = Seitenstrecker der Zehe. K.Zst. = Kurzer Zehenstrecker nach Leisering).
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Sprunggelenk und Metatarsus gehenden sehnigen Portion des­selben (vorderer Unterschenkelnmskel; Gurlt, Fig. 5 c d).
b) Durch die sehnigen Einlagen der Gastrocnemii, welche die hintere Fläche des Femur mit dem Fersenbein verbinden. Da die Anheftungsstellen des ersteren vor, die des letzteren hinter den Gelenkaxen des Knie- und Sprung­gelenkes liegen, so ist durch diese beiden Bandapparate das Femur mit dem Metatarsus so verbunden, dass die Bewegungen des Knie- und Sprunggelenkes von einander abhängig werden. Es können auf diese Weise die Bewegungen der beiden Ge­lenke immer nur zu gleicher Zeit erfolgen und müssen stets gleichmässig ausfallen; Streckung des einen ist mit Streckung des anderen verbunden, sowie Beugung des einen nothwendig Beugung in dem anderen Gelenke zur Folge hat. Ist also das Kniegelenk fixirt, so steht auch das Sprunggelenk fest.
2. Die Gelenke der Phalangen werden am Stützbein in ähnlicher Weise wie am Vorderschenkel durch den Beuge­apparat fixirt. Am Fesselgelenke überträgt sich ein Theil der Last auf die Beugesehnen, wodurch eine Anspannung derselben stattfindet und die Zehengelenke gleichsam getragen werden, während das Unterstützungsband des Huf beinbeugers in ähnlicher Weise auf das Sprunggelenk einen Zug nach unten und hinten ausübt, wie solcher am Vorderscbenkel auf das Carpalgelenk sich geltend macht. Diese Wirkung hat hier jedoch bei Weitem nicht die Bedeutung wie dort; dem­entsprechend zeigt sich dieses Band am Ilinterschenkel auch schwächer entwickelt. Dasselbe trägt jedoch im Verein mit dem stark von Sehnen durchwebten dicken Beuger des Huf­beines und dem fast vollständig sehnigen Kronenbeinbeuger dazu bei, das Sprunggelenk festzustellen und den Schenkel in der Gleichgewichtslage zu erhalten. Indem nämlich dieser Sehnenapparat durch Senkung des Fesselgelenkes unter der Körperlast in Spannung versetzt wird, übt derselbe eine Zug-
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kraft auf das Kniegelenk und zwar nach hinten und unten aus (Fig. 5 a b). Bei dieser Anordnung der Gelenke und Sehnen wird also durch die Belastung der Schenkel zugleich
Fig. 5.
Schematische Darstellung des Trageapparates am I-linterschenkel fies Pferdes, a Obere Insertion des Kronbeinbengers. b Obere Insertion der Wadenmuskelu. c Obere Insertion des Schienbeinbeugers, d Untere lusertiou des Schienbeinbeugers, e Untere Insertion der Zehenstrecker, f Untere Insertiou der Wadenmuskeln. g Untere Insertion des Hufbeinbeugers.
eine Fixirung der Gelenke desselben angestrebt und voll­ständig erreicht, sobald das Kniegelenk immobilisirt ist. Die Richtigkeit dieses Satzes beweist mit absoluter Gewissheit der oben erwähnte Versuch.
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Am belasteten Hinterschenkel stehen also bei fixirtem Kniegelenke alle übrigen Gelenke fest, und eine Flexion ist alsdann ausgescLlossen. Auf diese Thatsache hat bereits Günther*) aufmerksam gemacht.
Die Feststellung des Kniegelenkes erfolgt durch verschie­dene Factoren. Der bei der Belastung angespannte Kronen- und Hufbeinbcuger und die sehnigen Theile der Zwillingsmuskeln üben auf das Kniegelenk einen Zug nach hinten aus, tragen also zur Feststellung desselben wesentlich bei. Von vorne umfasst der sehnige Schienbeinbeuger das Kniegelenk und wirkt in gleicher Weise auf dasselbe. Auch die bei der Be­lastung in Spannung versetzte Schenkelfascie presst die Knie­scheibe gegen ihre Unterlage und hilft dieses Gelenk fest­stellen.
Ist auf diese Weise die Gleichgewichtslage auch fast hergestellt, so bleibt doch für gewöhnlich eine wenn auch nur geringe Beihülfe der Kniescheibenmuskeln unentbehrlich, um eine vollständige Feststellung des Gelenkes zu erzielen. Auch diese Thatsache hat Günther bereits betont und als Beweis darauf hingewiesen, dass Lähmung der Kniescheiben­muskeln, bezw. des N. cruralis mit Unvermögen, den Schenkel zu stützen, verbunden sei. Befindet sich aber die Patella auf dem Condylus des Femur, so gehört nur eine geringe An­spannung der genannten Muskeln dazu, um diese hier fest­zuhalten und so das Gelenk zu fixiren.
Dass die Gleichgewichtslage des Hinterschenkels nicht so gesichert ist wie am Vordersehenkel, steht auch mit der Thatsache in Uebereinstimmung, dass lahme Pferde viel leichter einen Vorderfuss dauernd als Stütze entbehren können als einen Hinterfuss; obgleich die Belastung des letzteren nicht einmal so gross ist wie am Vorderfusse. Es spricht
*) Günther, Topographische Uyologie des Pferdes S. 173 u. 194.
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hierfür ferner der Umstand, dass Pferde im Stande der Ruhe die Hinterfüsse häufiger wechseln als die Vorderfüssc; sie schildern mit den Hinterftissen mehr als mit den Vorder-füssen.
Wenn ein Hinterfuss im Stande der Ruhe andauernd entlastet werden soll, so nimmt das Rferd eine eigenthiimliche Stellung an. Der entlastete Fuss wird unter starker Beuge­stellung des Hüft-, Knie- und Sprunggelenkes nach vorne gehalten. Bei Volarflexion der Phalangen und senkrechter Stellung der Zehenwand des Hufes wird dieselbe leicht auf den Boden gesetzt und so der Schenkel getragen. Die Kruppe derselben Seite wird aber unter gleichzeitiger Hebung der entgegengesetzten Seite so weit als möglich gesenkt; sie macht gleichsam eine Drehbewegung um ihre Längs-axe. In dieser Stellung befindet sich der belastete Fuss nahe­zu in einer Ruhelage. Das Kniegelenk wird nämlich dadurch fixirt, dass die mit dem Heben der betreffenden Seite des Beckens verbundene Anspannung des Tensor fasciae latae, sowie der Fascia lata femoris und der Fascia cruris die Patella auf den inneren Condylus des Femur drückt und in dieser Lage gleichsam festhält. Hierzu trägt ferner die sehnige Bedeckung des M. rectus femoris bei, welcher bei der Beuge­stellung des Kniegelenkes in Spannung versetzt, die feste Lage der Patella unterstützt. Jedenfalls liegen in dieser Haltung der Kruppe die Bedingungen zu derjenigen stützenden Thätigkeit des Schenkels, welche die wenigste Muskelarbeit seitens der Kniescheibenstrecker in Anspruch nimmt. Daher beobachtet man diese Stellung am meisten bei schwerkranken Pferden, wie bei Infectionskrankheiten, bei denen die Mus­kulatur mitleidet (Brustseuche u. s. w.).
Noch ein anderes Hülfsmittel wird von lahmen Pferden zuweilen in Anwendung gebracht, um die Kniescheibe zu fixiren. Sie stellen den belasteten Schenkel möglichst weit
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nach rückwärts, um durch öftere Anspannung der genannten sehnigen Apparate einen Druck auf die Kniescheibe auszu­üben und diese in ihrer Lage auf dem Femur zu stützen.
Violet*) glaubt, dass beim Pferde die Kniescheibe wäh­rend des Stehens sowohl durch die fast horizontale Ebene, auf welcher sie ruhe, wiraquo; auch namentlich durch die elastische Spannung ihrer Seitenbänder fixirt werde. Die Beugung im Kniegelenk werde durch eine leichte Streckung und Ver­schiebung der Kniescheibe eingeleitet, und beides durch die Thätigkeit des M. biceps femoris bewirkt. Das Uebertreten der Patella von der Ruhefläche sei mit einer Dehnung in den Seitenbändern verbunden, und auf diese Weise werde die Kniescheibe in ihrer Ruhelage gesichert.
Bei der Bewegung des Pferdes beginnt die stützende Function in dem Momente, in dem der nach vorne gerichtete Hinterschenkel die Last aufnimmt. In dieser Stellung kann der Schenkel zur Vorwärtsbewegung des Pferdes um so weniger erheblich beitragen, als die Richtung desselben dieser Thätig­keit hinderlich ist. Ohne Zweifel aber wirken schon in dieser Zeit die Gresässmuskeln im Verein mit dem Beharrungs­vermögen fördernd auf die Vorwärtsbewegung des Rumpfes ein. Indem diese starken Muskeln das Hüftgelenk strecken, muss bei dem Widerstände, den der Fuss auf dem Boden findet, der Rumpf in horizontaler Richtung nach vorn bewegt werden. Je mehr der Rumpf in dieser Bewegung vorschreitet, um so energischer greifen die übrigen Muskeln der Hinter­hand ein. Ist derselbe so weit vorgerückt, dass das Hüft­gelenk etwa senkrecht über dem Unterstützungspunkte (Huf) liegt, dann treten die wichtigsten Muskeln des Hinterschenkels in Action, um durch Streckung aller Gelenke desselben die Körperlast vorwärts zu treiben. Gleichgültig, ob beim Ziehen
*) Violet, Lyon. Journal 1885.
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schwerer Lasten, oder im schnellen Gange, stets erfordert diese Wirkung eine ausserordentliche Muskelkraft. Beim Ziehen schwerer Lasten vollzieht sich dieser Act mit mög­lichster Ausnutzung der Hubkraft der Muskeln; in schnellen Gangarten kommt es in erster Linie auf das Mass der Streckung des Schenkels an, also neben der Länge und Winkelung der Gelenke, auf die Länge der Muskeln. Die hierzu erforderliche Muskelkraft muss um so grosser sein, als die Richtung der Kraftverwerthung für die Vorwärts­bewegung wenig günstig ist. Sehen wir von der durch die Glutäen bewirkten Streckung des Hüftgelenkes ab, so macht sich diese Kraft in der Richtung des Schenkels, also nicht in der Richtung der Projection des Körpers geltend. Je mehr indess der Schenkel rückwärts gestellt ist, um so günstiger wirkt seine Streckung, um so mehr kommt seine Muskel­arbeit für die Vorwärtsbewegung zur Geltung. Daher ist auch die Action aller Streckmuskeln des Hinterschenkels in dieser Periode aufs höchste in Anspruch genommen.
Der Umstand, dass Knie- und Sprunggelenk durch die oben beschriebene Sehneuverbindung von einander abhängig sind, hat zur Folge, dass alle Muskeln, welche das Knie­gelenk strecken, auch als Strecker des Sprunggelenkes wirken. Da ferner der Huf gegen den Boden gedrückt ist, so wird durch die streckende Wirkung der Kruppemiuiskeln unter Rückwärtsbewegung des unteren Femurendes zugleich auch das Knie- und Sprunggelenk gestreckt. Contcahiren sich endlich die Zehenbeuger, namentlich der verhältnissmässig starke Hufbeinbeuger, so üben auch diese einen kräftigen Zug auf das untere Ende des Femur und auf das obere Ende der Tibia nach unten und hinten aus. Ihre Thätigkeit kommt also auch der Streckung der drei oberen Gelenke zu Gute. Dazu gesellt sich die Wirkung der Kniescheibenmuskeln. Durch ihre Contraction wird Streckung des Kniegelenkes und damit
Möller, Klinische. Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^4
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auch Streckung der übrigen Gelenke erzielt. Indess die Hauptaufgabe dieser Muskeln fällt meines Erachtens in die Periode der Function des Hangbeines, und zwar dienen sie hier vornehmlich beim Ausschreiten. Die sog. Aus- und Ein-wärtszieher, namentlich des Unterschenkels, bilden die wirk­samsten Strecker des Schenkels. Indem der M. biceps femoris das Kniegelenk von aussen, der M. semitendinosus und semi-membranosus dasselbe von innen gleichsam umspannen und durch ihre zu gleicher Zeit ausgeübte Contraction das Knie­gelenk nach hinten führen, strecken sie am belasteten Schenkel Hilft-, Knie- und Sprunggelenk. Mit Ausnahme der Zehen­strecker treten also alle Muskeln des Hinterschenkels mehr oder weniger für die Streckung desselben ein. Allerdings functionirt ein Theil der Muskeln am Oberschenkel als elastische Seitenbänder namentlich bei Seitengängen und anderen Bewegungen, die hier nicht in Betracht kommen.
Aus dem Gesagten ergiebt sich also, dass für die Vor­wärtsbewegung der Körperlast in erster Linie die drei oberen Gelenke mit ihren starken Muskeln thätig sind. In der Reit­lehre wurde dies richtig erkannt, als man die drei Gelenke als die „Hankequot; des Pferdes bezeichnete.
Bei energischer Streckung dieser Gelenke findet eine starke Anspannung der Zehenbenger statt, wodurch der Huf mit seiner Zehenwand in den Boden gedrückt wird, so dass der Schenkel hier einen festen Halt findet. Die Anspannung der Zehenbeuger macht zugleich den Gang elastisch und erleichtert das Abschwingen des entlasteten Fusses vom Boden; ein Umstand, der namentlich in schnellen Gängen von grosser Bedeutung ist, indem hierdurch die Bewegung wesentlich gefördert wird.
Erfolgt die Streckung des Hinterschenkels unter lang­samer Contraction seiner Muskeln, so wird der Körper gleich-massig schiebend nach vorne bewegt (Schritt). Geschieht
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dieselbe plötzlich und mit grösserer Gewalt, so schleudert der sich verlängernde Hinterschenkel die Körperlast vorwärts (Trab und Galopp).
Bei dieser Thätigkeit des Hinterschenkels sind die Muskeln des Rückens mehr oder weniger betheiligt. Namentlich greift der M. longiäsimus dorsi in die Action der Glutäen ein. Bei der unmittelbaren Vei-bindung mit diesen Muskeln muss die Contraction des langen Rückenmuskels die Streckung des Hüft­gelenkes unterstützen. Im schweren Zuge kann man sich von dieser Arbeit desselben leicht überzeugen. Diesem Muskel fallen jedoch noch andere, nicht minder wichtige Aufgaben zu. Einmal stellt derselbe im Verein mit dem Iliopsoas, dem langen und kurzen Stachelmuskel, die Rücken- und Halswirbel-säule beim Gehen fest, ferner überträgt er durch Heben der Vorhand die Last auf das Hintertheil und bewirkt so den sog. versammelten Gang des Pferdes. Dann aber verhindert die Befestigung seiner zahlreichen Fasern an der Wirbelsäule, dass bei jeder energischen Contraction derselben, also bei jeder Streckung des Stützbeines, der Rumpf aus der Pro-jectionsebene nach der entgegengesetzten Seite ausweicht. Durch die Anspannung seiner Fasern wird die Körperlast auf den Vorderschenkel derselben Seite dirigirt. Der lange Rückenmuskel bewirkt also, dass trotz der einseitigen Function der Hinterschenkel der Rumpf dennoch in gerader Richtung vorwärts bewegt wird. In dieser Thätigkeit wird der Muskel durch die Einrichtung des Sprunggelenkes unterstützt. Indem die Gelenkaxe des Rollbeines nicht senkrecht auf der Mittel­ebene des Körpers steht, sondern von aussen und hinten nach unten und vorne gerichtet ist, wird bei jeder Streckung des Stützbeines im Sprunggelenk der Schwerpunkt auf den stützenden Schenkel übergeführt (Peters).
Verhältnissmässig einfach gestaltet sich die Thätigkeit des Hinterscheukels als Ilangbein. Dasselbe beschreibt eine
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Pendelbewegung, -wobei der Huf gleichsam den Schwingungs-bogen durchläuft*). Es empfiehlt sich, die Function des Hangbeines in folgende zwei Acte zu trennen:
An dem rückwärts stehenden und gestreckten Schenkel sind in dem Momente, in dem derselbe die Function als Stützbein aufgiebt, alle Fascien stark angespannt und ihre Elasticität leitet die Action des Hangbeines ein. Die Bedeu­tung, welche hierbei wohl dem Strahl des Hufes zugeschrieben wird, kommt für den Hinterschenkel nicht in Betracht. Bald tritt auch der Iliopsoas, der Tensor fasciae latae mit einigen anderen, weniger leistungsfähigen Muskeln in Thätigkeit, um den rückwärtsstehenden Fuss vorzuführen. Dies geschieht zunächst unter zunehmender Flexion säramtllcher Ge­lenke. Dass die Schwere des Schenkels in passiver Weise hierbei mitwirkt, ist namentlich im langen und langsamen Schritte nicht ausgeschlossen, lässt sich aber eben so schwer wie beim menschlichen Fusse direct nachweisen. Ist der Schenkel in seiner Bewegung so weit vorgeschritten, dass sich der Huf etwa senkrecht unter dem Hufgelenk befindet, so geschieht von jetzt ab die Vorführung desselben unter zunehmender Streckung seiner Grelenke vom Knie abwärts. Während in diesem zweiten Acte die oben genannten Muskeln ihre Thätigkeit fortsetzen, greift nun der M. quadriceps fcmoris in ähnlicher Weise in die Action ein, wie die Anco-näen am Vorderscbenkel. Die Thätigkeit der Kniescheiben-mnskeln wirkt bei der vorschreitenden Bewegung des Femur sowohl streckend auf das Kniegelenk, als auch fördernd auf die Vorwärtsbewegung des Fusses ein. Unterstützt wird diese Action von den Wadenmuskeln (Strecker des Sprunggelenkes)
*) Auch am Hinterschenkel stellt die Bewegung genau genommen keine Pendelschwingung dar; ebensowenig durchläuft der Huf den Schwingungshogen. Es gilt hier das auf Seite 155 Gesagte.
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und den Zehenstreckern. So erreicht endlich der Huf den Boden, und der Schenkel hat nunmehr seine Thätigkeit als Stützbein von Neuem aufzunehmen.
Die Function des Hinterschenkels lässt sich demnach wie folgt zusammenfassen:
1.nbsp; nbsp;Die Action als Stützbein erfolgt durch Anspannung des Sehnenapparates, welcher die Gelenke fixirt, unter Bei­hülfe des M. quadriceps femoris in zwei annähernd gleich langen Zeitabschnitten und zwar:
a)nbsp; in dem ersten unter zunehmender Beugung der Ge­lenke. Durch allmäliges Nachlassen der Contraction in den Kniescheibenmuskeln werden die Gelenke des Schenkels lang­sam unter der Last gebeugt, bis der Huf' etwa senkrecht unter dem Hüftgelenke steht. Dann beginnt
b)nbsp; der zweite Abschnitt mit energischer Contraction der Strecker für das Hüft-, Knie- und Sprunggelenk, also fast aller Muskeln des Schenkels. Hierdurch wird derselbe ver­längert und der Rumpf vorwärts bewegt (Stossbein).
2.nbsp; nbsp;Hangbein. Der entlastete Fuss verlässt unter dem Einflüsse der Vorwärtsbewegung des Rumpfes, unterstützt durch die Elasticität des durch die Belastung stark ange­spannten Beugeapparates, den Boden und führt mit Hülfe seiner Muskeln die vorpendelnde Bewegung aus und zwar so, dass
a)nbsp; nbsp;die erste Hälfte derselben unter zunehmender Beugung seiner Gelenke abläuft. In diesem Zeitabschnitte funetioniren hauptsächlich der Iliopsoas und der Tensor fas­ciae latae mit einem Theil der Oberschenkelmuskulatur;
b)nbsp; nachdem der Huf eine vom Hüftgelenke aus gefällte senkrechte Linie passirt hat, greifen die Streckmuskeln des Schenkels, namentlich der Quadriceps femoris in die Thätig­keit ein, um unter Fortsetzung der Action in den bereits thätigen Muskeln den Schenkel allmälig in seine Streck­stellung zu bringen, bis derselbe den Boden wieder erreicht hat.
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Auch hier entspricht die Innervation der Schenkeltunction. Der N, cruralis greift mit Beginn der zweiten Phase der Hangbeinbewegung ein und setzt seinen Einfluss während der ersten Hälfte der Stützbeinthätigkeit fort. Nunmehr tritt der N. ischiadicus in Action, um die Thätigkeit des Stützbeines (Stossbein) zu vollenden und sodann den ersten Abschnitt der Hangbeinfunction zu leiten. Selbstverständlich fliessen diese Actionen in einander über.
Lahmheiten des Hangbeines.
Bei diesen leiden in erster Linie die activen Bewegungs­organe, die Muskeln; aber auch Krankheitszustände der Ge­lenke und Sehnenscheiden und anderer Theile des Schenkels können hierzu Veranlassung geben.
Folgende Verschiedenheiten sind bei den Hangbeinlahm­heiten zu constatiren:
I. Unvermögen, mit dem betreffenden Hinterschenkel die Bewegung des Hangbeines auszuführen.
Hierbei kann es sich handeln
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Um Lähmung des Nervus ischiadicus. Eine
gleichzeitige Lähmung sämmtlicher Muskeln, welche den Hinter­schenkel bewegen, kommt bei Pferden als einseitiges Leiden selten vor. Dagegen führen Rückenmarksleiden (Wirbel­brüche etc.) zu einer Lähmung beider Hinterschenkel. Ebenso können Herderkrankungen des Gehirns einseitige Ischiadicus-lähmung zur Folge haben. Bei Pferden ist diese Lähmung mit Sicherheit bisher nicht nachgewiesen, dagegen kommt solche bei Hunden nicht so selten vor, und zwar in Folge apoplec-tischer Herde, sowie im Verlaufe der Staupe. Bei der Paralyse des Ischiadicus wird der Schenkel unfähig zu selbständigen
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Bewegungen nachgeschleppt. Bringt man denselben jedoch in die Stellung des Stützbeines, so ist er im Stande, diese Function ohne jede auffällige Störung auszufahren. Diese Thatsache findet in dem Umstände ihre Erklärung, dass die active Thätigkeit des Stützbeines von den vom Nervus cruralis innervirten Kniescheibenmuskeln abhängig ist. Die Ischiadicus-läbmung ist somit eine eigentliche Hangbeinlahmheit, während die Cruralislähmung als ächte Stützbeinlahmheit bezeichnet werden muss. Besteht neben der Lähmung des Ischiadicus zugleich Paralysis des Nervus cruralis, so darf auf ein Rücken-marksleiden geschlossen werden. Bei den in Folge Herd­erkrankung des Gehirns bei Hunden von mir beobachteten Hemiplegien, und zwar auch bei der Hemiplegia cruciata, war der N. radialis und cruralis stets verschont geblieben.
Auch bei Wirbelbriichen kommen Paralysen des N. ischiadicus bei ungestörter Function im N. cruralis vor. Die erste Beobachtung dieser Art veranlasste mich zu der Annahme eines Bruches des 6. Lenden­wirbels ; allein die Section ergab eine Fractur des 5. Rückenwirbels. Demnach lässt sich annehmen, dass das centrale Ende des Cruralis oder der Verlauf seiner Fasern im Rückenmark nicht mit dem des Ischiadicus zusammenliegt.
In Verbindung mit anderen, namentlich Infectionskrank-heiten werden Paralysen beim Pferd nicht selten beobachtet. Bei der sog. Hämoglobinurie sind krankhafte Veränderungen in der Muskulatur die Ursache der Paraplegie.
2. Unvermögen, mit dem Schenkel ausschreitende Be­wegungen zu machen, stellt sich bei Pferden ein, die an Ob­turation der Schenkel- oder Beckenarterien leiden. Werden solche Pferde andauernd angestrengt, so tritt in Folge unzureichender Blutzufuhr zu den Muskeln Lähmung derselben ein, die so vollständig werden kann, dass das Thier weder im Stande ist, den Schenkel vorzuführen noch auch zu belasten.
Während bei Obturation der Schenkelarterie der Ausfall in der Thätigkeit des M. quadriceps femoris in den Vordergrund tritt, und das
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Pferd in Folge dessen Anfangs die Schenkel schleppend vorführt, schliess-licli aber aussei- Stande ist, die Körperlast zu stützen, giebt sich die ünwegsainkeit in den Bcckcnarterien durch das Unvermögen zu erkennen, den Schenkel zu streckten und das Hintertheil auf demselben regelmässig zu stützen. Deshalb stellen sich bald schwankende Bewegungen ein, und während die Hinterschenkel abnorm weit unter den Leib gestellt werden, schwankt der Rumpf auf denselben hin und her, bis das Thier endlich niederstürzt. In der Regel stellen sich hierbei in Folge Obtu­ration der Schweifarterien auch Abweichungen in der Haltung des Schweifes ein; bald wird derselbe ungewölinlich hoch gehoben, bald nach der einen oder anderen Seite bewegt.
Das baldige Nachlassen der Erscheinungen wiihrend der Ruhe und die Untersuchung per annm sichert die Diagnose; findet sich hierbei der Stamm der Beckenarterien nicht verstopft, so achte man auf die mittlere Schweifarterie.
3. Bei Luxationen der Kniescheibe, namentlich nach oben über den inneren Condylus des Femur. Hierbei wird der Schenkel in gestreckter Lage nach hinten gehalten und ist in Folge der Feststellung des Kniegelenkes nicht im Stande, seine Gelenke zu beugen. Damit fällt auch die Möglichkeit fort, ausschreitende Bewegungen mit dem Fusse auszuführen. Die Vorwärtsbewegung kann nur dadurch zu Stande kommen, dass der Schenkel in einem nach aussen gerichteten Bogen sich bewegt, also eine abnorme Abductionsstellung annimmt. Dadurch, dass sich auch eine passive Beugung unmöglich erweist, kennzeichnet sich dieser Zustand, der allerdings häufiger beim Rinde beobachtet wird, aber auch bei Pferden nicht zu den seltensten Vorkommnissen gehört. Charakte­ristisch für das in Rede stehende Leiden ist ferner, dass das­selbe oft mit intermittirendem Verlauf beobachtet wird (habituelle Luxation). Durch Bewegung im kleinen Kreise oder plötzliche Wendungen lässt sich bei solchen Thieren zuweilen die Luxation heryorrufen.
Beim Rinde sind ähnliche Erscheinungen mit der Dis­location des M. biceps femoris verbunden.
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II. Lahmheiten mit verlangsamtem und verkürztem Ausschreiten des Schenkels.
Während hei den vorhin besprochenen Leiden das Aus­schreiten des Hinterschenkels auf directe Hindernisse stösst und diese Bewegung entweder ganz ausfällt oder unter ab­normer Haltung des Schenkels erfolgt, kann die Verlang­samung und Verkürzung dieser Function durch eine grössere Zahl verschiedener Krankheitszustände bedingt werden. Dahin gehören:
1. Krankhafte Zustände in den am Hangbein thätigen Muskeln, vornehmlich:
a)nbsp; Beider soeben erwähnten Obturation der Schenkel­oder Beckengefässe stellt sich während der Bewegung des Pferdes allmälig eine Verlangsamung beim Vorführen des Schenkels ein, so dass der Schritt mit demselben verkürzt wird. Diese Erscheinung steigert sich in dem Masse, als im Ver-hältniss zur Arbeitsleistung der Muskeln die Blutzufuhr zu denselben mehr und mehr ungenügend wird, bis schliesslich die Fähigkeit, den Muskel zu bewegen und zu belasten, voll­ständig aufhört. Auch Krankheitszustände in einzelnen Muskeln oder Muskelgruppen können die ausschreitende Bewegung stören, namentlich:
b)nbsp; des Hi ops o as. An diesen Muskeln werden sowohl entzündliche Zustände wie auch Zerreissungen beim Pferde beobachtet*). Nachschleppen des Hinterschenkels, erschwertes Niederlegen und Aufstehen treten hierbei in auffälliger Weise hervor.
Anacker*-) berichtet über einen solchen Zustand des Pferdes, wie folgt: „Es gebrauchte diesen Fuss nur sehr nngern, schleppte ihn bei der Bewegung förmlich nach. Das Niederlegen und Aufstehen geschah mühsam und vorsichtig, schien auch Schmerzen zu verursachen.quot;
*) Zangger, Wiener Jahresbericht von Müller und ßöll Bd. XVI. **) Anacker, Magazin von Gurlt und Hertwig Bd. XXII S. 172.
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Trotz der Ruhe besserte sich der Zustand nicht, die Lahmheit nahm sogar zu, weshalb das Pferd getödtet wurde. Bei der Section fand sich ein drei Zoll langer Querriss in dem rechten Lendenmuskel, •verbunden mit entzündlichen Processen (Eiterung), welche sich bis in die tiefer gelegenen Muskeln des Oberschenkels fortgesetzt hatten.
e) Der Gesässmuskeln, namentlich Quetschung der Endsehne des Glutaeus medius und dessen Bursa auf dem mittleren Umdreher des Femur. Günther*), der in Deutsch­land zuerst auf dieses Leiden aufmerksam gemacht hat, sagt: „Die Pferde gehen hierbei schief (wie die Hunde) nach der gesunden Seite hin und führen den Hinterschenkel wenig und, um die Spannung zu vermeiden, mit möglichst nach innen gerichtetem Kniegelenke vor.quot; Bei diesem nicht selten vor­kommenden Leiden lässt sich in der Sehnenscheide des ge­nannten Muskels häufig Crepitation nachweisen (Tendovagi-nitis crepitans). Renner**) hat den Zustand genauer be­schrieben. Im Uebrigen können ähnliche Abweichungen in der Stellung und Bewegung des Schenkels auch bei anderen Leiden beobachtet werden. Mir begegnete ein Fall von Beckenbruch, der mit den gleichen Störungen verbunden war. Bei der Section fand sich eine unvollständig geheilte Fractur, die dicht neben der Schambeinfuge lag und zu um­fangreicher Culturbildung in der Umgebung vom eirunden Loche geführt hatte.
d) Des Tensor fasciae latae und der Fascie selbst. Hertwig will mittelst Durchschneidung dieses Muskels den Zuckfuss geheilt haben. Schmerzhafte Zustände in demselben, wie auch in und unter der genannten Fascie werden beim Ausschreiten des Schenkels gesteigert, in Folge dessen diese Action verkürzt und verlangsamt wird.
*) Günther, Topographische Myologie des Pferdes S. 201. **) Renner, Magazin von Gurlt und Hertwig Bd. XXXVI S. 470.
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e) Chronische Erkrankung oder durch ange­strengte Arbeit bedingte Contractur in der ge-sammten Muskulatur des Schenkels giebt häufig zu dieser Störung Veranlassung; man spricht von verbrauchten Pferden. Von den obengenannten Leiden unterscheidet sich / dieser Zustand dadurch, dass bei ihm auch die Muskeln der Phalangen verändert sind, in Folge dessen die Fessel sich aufrichtet und bei senkrechter Stellung am belasteten Fusse plötzlich nach vorn rückt (ruinirte Fessel).
Durch verlangsamtes und unvollständiges Ausschreiten kennzeichnen sich:
2. Schmerzhafte Zustände der Gelenke oder Sehnenscheiden.
Diese Leiden werden ziemlich häufig beim Pferde be­obachtet und zwar in erster Linie am Knie- und Sprung­gelenk. Während das Hüftgelenk des Pferdes seltener patho­logischen Processen unterworfen ist, die sich mit Lahmheiten verbinden, finden sich solche um so häufiger am Kniegelenk. Bei Arbeitspferden tritt oft eine chronische Gonitis auf, welche sich langsam aber meist an beiden Füssen zugleich ent­wickelt und mit steifer Bewegung, Schwierigkeit beim Heben des Schenkels und mit Verkürzung der Schritte verbunden ist*).
Ebenso tritt bei chronischer, deformirender Entzündung des Rollbein-Unterschenkel-Gelenkes, wie sie zuweilen in Ver­bindung mit Spat, aber auch ohne dieses Leiden vorkommt, eine Verkürzung des Schrittes ein.
Von den Sehnenscheiden ist vornehmlich die des dicken Kopfes des Hufbeinbeugers an der inneren Fläche des Sprung­gelenkes, sowie schmerzhafte Erkrankung der über dem Fessel­gelenk gelegenen Scheiden der Zehenbeuger zu nennen. Die
ö) Sehr ader, Magazin von Gurlt und Hertwig Bd. XXVI S. 145. Dieckerhoff, Spat des Pferdes S. 179.
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Erkrankung der ersteren veranlasst, so lange sie aeut und schmerzhaft ist, im Stande der Ruhe eine sich öfter wieder­holende, scheinbar krampfhafte Beugung aller Gelenke des Schenkels, wobei der Huf nicht selten bis zur Höhe des Sprung­gelenkes gehoben wird. In den späteren Stadien ist mit diesem Leiden, welches oft zu einer bedeutenden Ausdehnung der Scheide führt, eine auffällige Lahmheit nicht verbunden. Bei Erkrankung der unteren Sehnenscheide tritt häufig steiler Fessclstand ein.
Die erwähnten Gelenkkrankheiten rufen besonders bei Wendungen Schmerzen hervor (Seite 183).
3.nbsp; nbsp;Schmerzhafte Zustände der Knochen, ins­besondere am Becken und an der Tibia, z. B. Becken­brüche. Diese Wirkung wird namentlich bei Fracturen am Darmbein beobachtet; mit sichtlichen Schmerzen wird der Fuss hierbei nur zögernd vorgeführt. Ebenso erfolgt bei Brüchen am Sitz- und Schambein die ausschreitende Bewegung langsam, oft unter deutlichen Schmerzensäusserungen. Die Erscheinung erklärt sich einfach aus dem Umstände, dass die Muskelthätigkeit eine Verschiebung der Bruchstücke bedingt.
Ebenso erfolgt eine Verkürzung des Schrittes mit ver­zögerter Bewegung bei Periostitis an der Tibia, wie solche nicht selten in Folge von Verletzung (Schlag etc.) entsteht. Die Anspannung der Muskeln und Fascien verursacht einen Druck auf das schmerzhafte Periost. Das Gleiche gilt von Fissuren der Tibia; doch kann hierbei die Lahmheit auch fehlen. Hierher ist ferner die von Behnke*) beobachtete Zerreissung des Verbindungsbandes zwischen Tibia und Fibida zu zählen, ein Leiden, das jedoch zu den Seltenheiten gehört.
4.nbsp; nbsp;Verkürzung der Fascien am Oberschenkel und Becken, die oft auf beiden Seiten auftritt, kann zu
*) Behnke, Magazin von Gurlt und Hertwig Bd. XII S. 82.
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verkürzten Bewegungen der Hinterschenke], verbunden mit bodenweitem C^ang, Veranlassung geben.
5. Dieselbe Eewegungsstörung wird ferner bei entzünd­lichen Krankheitszuständen der äusseren Haut, besonders in der Sprunggelenksbeuge, in der Köthe und an der Hufkrone (Kronentritt) beobachtet.
G. Auch bei schmerzhaften Leiden an den oberen Schenkelpartien tritt zuweilen eine Verkürzung des Aus-schreitens ein, z. B. bei starker Schwellung in den Leisten­drüsen, beim Leisten- und Schenkelbruch, bei bedeutender Anschwellung im Samenstrang (Samenstrangfistel) u. s. w. Bei den obengenannten Leiden ist die Verkürzung des Schrittes zugleich mit Verzögerung der Bewegung namentlich dann verbunden, wenn dieselben von grosseren Schmerzen begleitet sind.
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III. Uebermüssiges Ausgreifen
mit dem lahmen Hinterfusse wird nur ausnahmsweise beobachtet. Günther*) beschreibt eine solche Bewegungsstörung als Folge von Lähmung des Kreuzgeflechtes, verbunden mit. Schwund in den Kruppenmuskeln. Mit Ausnahme des Hüftgelenkes sollen hierbei alle Gelenke in extremer Streckung nach vorn ge­bracht werden, so dass der Huf zuweilen bis an den Ell­bogen gelangt. Ueber die Natur dieses Leidens lasst sich aus den Angaben ein sicheres Urtheil nicht gewinnen; doch macht die Beschreibung Günthers fast den Eindruck, als ob es sich um eine Lähmung des Nervus tibialis gehandelt hätte (Seite 227).
Ein übermässiges Beugen der sämmtlichen Gelenke des
*) Günther, Topographische Myologie S. 196.
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Schenkels kommt beim sog. Hahnentritt vor, ein Leiden, das so charakteristisch und bekannt ist, dass eine nähere Be­schreibung hier nicht nothwendig erscheint.
IV. Lahmheiten, welche eine abnorme Abductions-uud Adductionslage des Schenkels veranlassen.
Störungen dieser Art werden in der Regel sowohl am Hangbein wie am Stützbein beobachtet, so dass der Schenkel mehr oder weniger andauernd in der abnormen Stellung verharrt.
1. Mit Abductionslage sind verbunden:
a)nbsp; nbsp; Schmerzhafte Zustände mit Anschwellung in den Einwiirtsziehern, namentlich im breiten Einwärts-zieher (M. gracilis).
b)nbsp; Acute Entzündungen in der äusseren Haut an der Innenfläche der Hinterbacken, wie sie durch Quetschungen auf dem Lattirbaum oder der Deichselstange, zuweilen auch durch Anätzung der Haut, hervorgerufen werden, Die Erklärung dieser Erscheinung liegt auf der Hand.
c)nbsp; nbsp;Starke Anschwellung dor Leistendrüsen, des Samenstranges, sowie incarcerirte Leisten- und Schenkelbrüche (Seite 221).
d)nbsp; nbsp;Schmerzhafte Zustünde in der äusseren Hälfte des Hufes. Hierbei wird durch die Abductions-stellung eine Entlastung der empfindlichen Partie herbei­zuführen gesucht.
e)nbsp; nbsp; Auch beim Spat nehmen manche Pferde mit den Hinterfüssen einen weiten Stand und Gang an.
f)nbsp; nbsp;Verkürzung der Schenkelfascie. In der Regel wird diese Stellung hierbei nur im Anfange der Bewegung beobachtet.
g)nbsp; nbsp;Luxationen des Femur in das eirunde Loch. Hierbei erscheint der Schenkel abnorm lang und gestattet
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namentlich excessive Abductionsbewegungen. Bei Drehungen des Schenkels hört und fühlt man das Anstossen der Um-drehef an das Darmbein. Die Untersuchung per anum lässt am eirunden Loche eine abnorme Erhabenheit nach­weisen. Die Gegend des Hüftgelenkes ist abgeflacht und eingefallen; der ganze Schenkel fühlt sich oft kalt an. (Be­hinderung der Blutcirculation.)
Beim Eiade findet sich die in Rede stehende Haltung des Schenkels in noch auffälliger Weise in Folge Dislocation des M. biceps femoris.
2. Abnorme Adductionslage wird seltener gesehen; doch setzen Pferde mit Spat den kranken Fuss oft median-wärts, zuweilen mit den Trachtentheilen auf die Zehenwand des anderen Fusses. Bei Beckenbrüchen, namentlich an der Darm­beinsäule oder am Sitz- und Schambein werden durch Ad-ductionsstellung des Schenkels die Schmerzen zu mildern ge­sucht. Ebenso können Luxationen des Femur nach oben zu dieser abnormen Stellung Veranlassung geben. Bei Pferden gehören diese Leiden zu den Seltenheiten, dagegen beobachtet man die Luxatio femoris mit dieser Haltung des Schenkels um so häufiger beim Hunde, wenn die Luxation nach oben stattgefunden hat.
V. Functionsstörungen am Hangbeine, welche sich
durch abnorme Beugung oder Streckung aller oder
einzelner Gelenke zu erkennen geben.
A. An allen Gelenken.
1. Eine übermässige Beugung aller Gelenke tritt am Hangbein bei dem sog. Hahnentritt in auffälliger Weise hervor und zwar sowohl bei dem idiopathischen Zuckfuss wie beim Spat.
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Dieselben Bewegungen werden aber auch bei schmerz­haften Erkrankungen der Haut an der Beugeseite der Gelenke oder an den Phalangen und im Hufe beohachtet. Auch Mauke, Kronentritte, besonders solche an den vorderen Ab­schnitten der Hufkrone geben im Anfange der Bewegung hierzu oft Veranlassung. Bei längerein Bestehen dieser Leiden kann der Zuckfuss auch dauernd zurückbleiben. Eine ähnliche Störung findet sich zuweilen hei Pferden ohne derartige ent­zündliche Störungen. Werden dieselben veranlasst, im Stande herumzutreten, so heben sie einige Minuten lang den Fnss mit extremer Beugung aller Gelenke krampfhaft in die Höhe und drohen dabei umzufallen. Man hat den Zustand wohl als „Streukrampf8 bezeichnet. Schmerzhafte Empfindungen scheinen die Veranlassung zu sein, ohgleich solche oft nicht nach­weisbar sind. Bayer glaubt, das Leiden auf eine Retraction der Unterschenkelfascie mit vorwaltender Betheiligung der äusseren Seite zurückführen zu können.
Auch hei der acuten Kniegelenkentzündung und Paralyse des N, tibialis pflegen die Thiere im Stande der Ruhe den Schenkel in starker Beugestellung zu halten hezw. vorüber­gebend diese Stellung einzunelimcn.
Das Gleiche beobachtet man bei acut entzündlichen Leiden in der an der inneren Fläche des Sprunggelenkes gelegenen Sehnenscheide des dicken Kopfes vom Hufbeinbeuger.
2.nbsp; nbsp; Eine excessive Streckung aller Gelenke des Hinterscbenkels beobachtet man bei der Luxation der Knie­scheibe nach oben, sowie bei der Dislocation des M. biceps f'emoris des Rindes (Seite 217). Auch nehmen Pferde bei Zer-reissung der Achillessehne oder der Wadenmuskeln unter Umständen abnorme Streckstellung an; der Schenkel wird hierbei unter Streckung aller Gelenke nach hinten gerichtet.
3.nbsp; nbsp; Mangelhafte Beugung der Gelenke am aus­schreitenden Schenkel wird sowohl bei schmerzhaften Haut-
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leiden an der Beugefläche der Gelenke, wie auch bei ent­zündlichen Erkrankungen der Gelenke (Spat) beobachtet. Auch mangelhafte Actionsfiihigkeit der Muskulatur (ver­brauchte Beschaffenheit, Contractur), sowie Verkürzungen in den Fascien können Anlass zu dieser Beschränkung der Be­wegung geben. Man beobachtet dieselbe nicht selten bei Pferden, welche längere Zeit im schweren Zuge gearbeitet haben. Die Thiere gehen dabei bodenweit und mit steifer Haltung der Knie- und Sprunggelenke.
4. Mangelhafte Streckung tritt am Hangbein bei Paralysen des N. cruralis ein, dieses Leiden macht sich jedoch in noch auffälliger Weise am Stützbein bemerklich (Seite 230). Bei der Lähmung des IST. tibialis bleibt die in der zweiten Hälfte der Action des Hangbeines nothwendige Streckung der Gelenke unvollkommen und giebt sich namentlich an den Phalangen und dem Sprunggelenke durch abnorme Beugung zu erkennen.
B. Hüftgelenk.
1.nbsp; nbsp; Abnorme Beugung in diesem Gelenke wird beim Spat beobachtet, und zwar soll hierdurch der in Folge be-schränkter Action des Sprunggelenkes eintretende Ausfall in der Bewegung des Schenkels gedeckt werden. Das Pferd sucht durch ausgiebige Bewegung im Hüftgelenk die mangelnde Bewegung in den übrigen Gelenken auszugleichen. Derselbe Umstand erklärt nach meiner Ansicht auch die Hebung und Senkung der Kruppe beim Trabgang spatlahmer Pferde. Hierdurch soll die Bewegung des Schenkels durch weiteres Ausgreifen geräumiger werden, zumal die Belastung nach rückwärts beim Spat abgekürzt ist (Seite 235). 7
2.nbsp; Abnorme Streckung im Hüftgelenk tritt am Hang­bein weniger deutlich hervor als am Stützbein, im Uebrigen aber unter den gleichen Umständen (Seite 237).
Möller, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15
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Bei Luxation der Patella wird das Hüftgelenk eben­falls stark geöffnet, doch gehört diese Erscheinung nicht zu den am meisten in die Augen fallenden.
C. Kniegelenk.
l.Uebermässige Beugung des Kniegelenkes am Hang-bein ist zuweilen die Folge einer Zerreissnng des sehnigen Theiles des Schienbeinbeugers und in diesem Falle von einer abnormen Streckung des Sprunggelenkes begleitet (Seite 227).
2.nbsp; nbsp;Ferner beobachtet man bei der Luxation der Pa­tella nach aussen am Hangbein eine excessive Beugung-des Kniegelenkes. Zugleich erfolgt das Vorführen des Fusses nur unvollständig, während der Schenkel Pronationsstellung angenommen hat, indem das Kniegelenk und der Huf nach innen, das Sprunggelenk nach aussen gewendet ist.
3.nbsp; Abnorme Streckung des Kniegelenkes wird in Folge der Luxation der Patella nach oben gesehen. Rückt diese über den inneren Condylus des Oberschenkelbeines hinaus nach oben, so wird bei Pferden und Rindern das Zurück­gleiten durch den hier vorkommenden scharfen Absatz am Rande des Condylus verhindert, und das Kniegelenk muss zugleich mit dem Sprunggelenk in excessiver Streckstellung verharren. Auch bei der Dislocation des M. biceps femoris der Rinder wird diese Stellung beobachtet (Seite 224).
Durch Zerreissungen der Wadenmuskeln oder Achillessehne wird an dem nach rückwärts gerichteten Schenkel eine excessive Streckung des Kniegelenkes beobachtet. Beim Versuche, den Schenkel zu belasten, tritt Beugestellung im Kniegelenk ein (Seite 231).
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D. Sprunggelenk.
1. Uebermässige Beugung des Sprunggelenkes am Hangbein sowohl wie am Stützbein zeigt sich bei Paralysen des Nervus tibialis. Hierbei ist nicht nur die Thätigkeit der Gastrocnemii, sondern auch die der Ein- und Auswärts-zieher des Unterschenkels;, also die das Kniegelenk und mit diesem das Sprunggelenk streckenden Muskeln aufgehoben. Demnach verbindet sich mit der übermässigen Beugung des Kniegelenkes eine solche des Sprunggelenkes, und bei der sehnigen Einrichtung des Kronbeinbeugers müssen auch die Phalangen dieser Bewegung folgen. Die Lähmung des N. tibialis gehört zu den selteneren Vorkommnissen, ist jedoch mehrfach von mir beobachtet und auch beschrieben*). Beim Ausschreiten wird hierbei der Fuss vornehmlich durch die Thätigkeit des Iliopsoas und des Spanners der breiten Schenkel-binde unter abnormer Beugung und Supinationsstellung im Sprunggelenk ungewöhnlich hoch gehoben und hierauf in un­geschickter Weise niedergesetzt; der untere Theil des Schenkels scheint dabei wie eine todte Masse herabzufallen. Diese Ab­normität in der Bewegung besitzt demnach eine gewisse Aehn-lichkeit mit dem Hahnentritt und unterscheidet sich von diesem aber dadurch, dass die Haltung des Schenkels eine schlaffe ist und die Phalangen dauernd in Plantarflexion verharren. 2. Abnorme Streckung des Sprunggelenkes zeigt sich am Hanghein bei Zerreissung des Schienbein­beugers namentlich des sehnigen Theiles desselben. Dieser bei Pferden ziemlich häufig vorkommende Zustand veranlasst bei jedem Vorführen des Schenkels eine auffällige Streckung im Sprunggelenk, welche oft so auffällig und mit einer
*) Möller, Nervenlähmungen bei Pferden, Archiv für wissen­schaftliche und praktische Thierheilkunde Bd. II S. 300.
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mangelhaften Festigkeit in der Haltung des Sehenkels ver­blinden ist, dass der mit dem Zustande Unbekannte leicht den Verdacht hegen kann, es handle sich um einen Knochen­bruch. In der That ist dieser Zustand in früherer Zeit häufig für eine Fractur der Tibia gehalten worden. Durch das regelmässige Belasten des kranken Fusses unterscheidet sich das Leiden jedoch auf den ersten Blick von einer Fractur. Die abnorme Streckung des Sprunggelenkes verbindet sich mit excessiver Beugung im Kniegelenk (Seite 226).
3. Auch Fracturen der Tibia, besonders wenn sie in der Nähe des Sprunggelenkes bestehen, sowie Brüche des Rollbeines führen zu einer abnormen Extension des Sprung­gelenkes am Hangbein. Von den oben erwähnten Leiden unterscheiden sich diese nicht nur durch die grosse Schraerz-haftigkeit, sondern auch dadurch, dass eine abnorme Beweg­lichkeit für Ab- und Adduction zuweilen auch für Dreh­bewegungen, verbunden mit Crepitation vorhanden ist.
E. Abweichungen in der Stellung der Phalangen
werden am Hangbein nur selten beobachtet, treten dagegen um so häufiger am Stützbein hervor.
1. Abnorme Beugung (Plantarflexion) der Zehengelenke zeigt sich, wie schon erwähnt, bei der Lähmung des Nervus tibialis. Günther*) glaubt diese Erscheinung auf den Ausfall der Function in den Zehenstreckern zurückführen zu können. Nach meiner Ansicht kommt hierbei die Wirkung des Kronbeinbeugers in erster Linie in Betracht. In Folge der Beugestellung des Knie- und Sprunggelenkes wird der sehnige Kronbeinbeuger angespannt, und so ist, wie auch am gesunden Schenkel, die Beugung der Phalangengelenke eine
*) Günther, Myologie S. 235.
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unausbleibliche Folge der gleichen Bewegung in den oberen Gelenken.
Am Hangbein wird Plantarflexion der Phalangen ferner nach Durchschneidung oder Zerreissung des langen Zehenstreckers, namentlich der Sehne desselben beobachtet, wie es bei der Durchschneidung der Schenkelfascie gegen Hahnentritt vorkommt. Dann überköthet die Fessel beim Aufsetzen des Fusses und zwar so, dass nicht die Sohlen­fläche sondern die Aussenfläche der Zehenwand des Hufes den Boden berührt.
2. Abnormes Durchtreten (Dorsalflexion) kommt am Hang­bein selten und unter denselben Verhältnissen vor, welche am Stützbein diese Stellung veranlassen; sie sollen daher dort besprochen werden.
Lahmheiten des Stützbeines.
Wie am Vorderschenkel sollen auch hier als Stützbein­lahmheiten solche bezeichnet werden, welche ausschliesslich oder doch vornehmlich während der stützenden Thätigkeit des Hinterschenkels hervortreten. Die stützende Action des Schenkels ist bei ihnen entweder vollständig unmöglich oder mit mehr oder weniger erheblichen Störungen verbunden. Es lassen sich folgende Gruppen trennen:
I. Unvermögen als Stützbein zu dienen.
Der Schenkel ist nicht im Stande, die Körperlast zu stützen. Bei dem Versuche, den Fuss zu belasten, bricht derselbe im Hüft-, Knie- und Sprunggelenk zusammen.
Eine derartige Functionsstörung wird, abgesehen von Rückenmarksleiden (Wirbelbrüchen) bei folgenden Zuständen beobachtet:
a) bei der sog. Haemoglobinurie. Dieses Leiden
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gehört zwar nicht in das Gebiet der Chirurgie, doch zeigen sich hierbei eigenartige Störungen in der Schenkelaction, welche kurz erwähnt sein mögen.
Dem Unvermögen sich aufrecht zu erhalten, gehen in der Regel zitternde Bewegungen in den Schenkeln voran, welche offenbar durch pathologische Veränderungen an der Muskulatur bedingt sind. Da nun aber, wie aus obiger Be­trachtung sich ergiebt, am Hinterschenkel die Muskelarbeit beim Stehen nicht vollständig entbehrt werden kann, und die hierbei in erster Linie thätigen Kniegelenkstrecker stets miterkrankt sind, so erklärt es sich, dass die von diesem Leiden befallenen Thiere zunächst das Unvermögen zu erkennen geben, sich stehend zu erhalten. Mit dem Nachlassen der Thätigkeit im Quadriceps femoris nimmt das Kniegelenk eine Beugestellung an, welche in der Regel übersehen wird. Die Verkleinerung des Kniewinkels hat aber eine Beugung im Sprunggelenk und zugleich Plantarflexion der Phalangen noth-wendig zur Folge. Dieser sog. knickende Fesselstand ist die erste auffällige Erscheinung der in Rede stehenden Krankheit. Das Unvermögen der Muskeln, sich zu contrahiren, erklärt auch die Unfähigkeit der Thiere, sich vom Boden zu erheben.
b) Bei Paralysen der Kniescheibenmuskeln oder des Nervus cruralis. Lähmungen dieser Art werden bei Pferden als Nachkrankheit des vorhin genannten Leidens gesehen. Obgleich nicht ausgeschlossen ist, dass die patho­logischen Processe in den Kniegelenkstreckern zu einer dauernden Lähmung derselben führen können, so stellt doch die nach der Hämoglobinurie beobachtete einseitige Un-thätigkeit der genannten Muskeln nach meiner Ansicht in der Regel eine Lähmung des Nervus cruralis dar. Es kann dies auch nicht befremden, wenn man bedenkt, dass der genannte Nerv seinen Verlauf durch die in hervorragender Weise leidenden Lenden- und Darmbeinmuskeln nimmt, wo-
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durch hinreichend Gelegenheit zur secundären Erkrankung desselben gegeben ist. Die von mir*) veröffentlichte Beob--achtung einer solchen Lähmung Hess darüber kaum einen Zweifel aufkommen. Auch hei Hunden kommen nicht selten Paralysen des N. cruralis vor.
Die Thiere suchen bei diesem Leiden dauernd den ge­sunden Fuss zu belasten. Werden sie gezwungen, mit dem -leidenden die Last aufzunehmen, so tritt in allen Gelenken starke Flexionsstellnng ein, der Schenkel bricht bei jeder Belastung in sich zusammen. Diese Functionsstörungen sind so auffallend, dass die Diagnose in der Regel schon von weitem gestellt werden kann.
c) Zerreissung der Kniescheibenmuskeln. Rup­turen in diesen Muskeln sind namentlich beim Rind mehrfach beobachtet. Bei Pferden hat Hell mann**) einen Fall mit-getheilt, der zweifellos in einer theilweisen Zerreissung dieser Muskeln begründet war. Eine gleiche Wirkung ist mit Fracturen der Patella verbunden, wobei auch die Bewegungen des Fusses äusserst schmerzhaft sind.
d)Continuitätstrennungen inden Wadenmuskeln oder der Achillessehne. Sobald diese Muskeln oder deren Sehne vollständig getrennt ist, fehlt der Spannapparat für das Knie- und Sprunggelenk. Die Folge ist, dass bei jeder Belastung des Fusses im Sprunggelenk Dorsalflexion eintritt, so dass der Schenkel aussei* Stande ist, die Körperlast zu tragen. Auch das Knie- und die sämmtlichen übrigen Gelenke nehmen dabei Beugestellung an. Eine Zerreissung dieser Muskeln ist schon von Havemann beobachtet und später wiederholt in der Veterinärliteratur beschrieben. Beim Rinde ist die
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*) Möller, Archiv für wissenscliaftliclie und praktische Thier-heilkunde Bd. II S. 304.
**) Hollmann, Magazin von Gurlt und Hertwig Bd. XXI S. 203.
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Zerreissung öfter und nicht selten an beiden Filssen zu gleicher Zeit gesehen.
Zerreissung der Achillessehne beim Pferde wurde von Siedam-grotzky*) beobachtet. Ein Pl'erd, das längere Zeit an rheumatischer Lahmheit gelitten hatte, fand man mit einer derartigen Zerreissung be­haftet, Morgens im Stalle. „Der Fuss wurde nach hinten gehalten und • ruhte mit dem Pesselgelenk auf dem Boden, während Fessel und Huf nach hinten gebeugt waren. Der ganze Schenkel hing unter starker Oeif-nung der Winkel im Knie- und Sprunggelenk herunter.' Der Sprung­gelenkswinkel konnte sowohl abnorm verkleinert, wie auch vergrössert werden. Bei der Section zeigte sich, dass die Achillessehne vom Sprung­beinhöcker abgerissen war, wobei Theile des Knochens an der Sehne sitzen geblieben waren. Gleichzeitig war die seimige Verbindung der Kronbeinbeugesehne mit dem Sprungbein auf beiden Seiten zerrissen und nach innen über den Hufbeinbeuger geglitten.
Ueber eine Durchsclmeidung der Achillessehne und der Kronbein­beugesehne beim Pferde berichtet Marten s**): Die Wunde befand sich ca. 5 Ctm. über dem Tuber calcanei und klaffte stark. Der Fuss war in „völliger Beugestellungquot;, so dass die vordere Wand des Hufes den Boden berührte. Dieser Fall ist um so interessanter, als bei einer antiseptischen Behandlung Heilung per prim, erfolgte. Das Pferd konnte zwei Monate nach der Verletzung wieder seine Arbeit verrichten ohne
Lahmheit zu zeigen.
#9632;
e)nbsp; Unvermögen als Stützbein zu dienen stellt sich auch nach längerer Anstrengung hei Pferden ein, die an Obturation der Schenkel- oder Beckenarterien leiden. Ist bei der mangelhaften Zufuhr von Blut der Vorrath an Muskelkraft in den Kniescheibenmuskeln erschöpft, so hört ihre Function und damit die Möglichkeit der Belastung des Schenkels auf (Seite 215).
f)nbsp; Bei Brüchen der Röhrenknochen hört selbst­verständlich die Möglichkeit auf den Fuss zu belasten, sobald
*) Siedamgrotzky, Dresdener Bericht 1882 S. 19. **) Martens, Arch. f. wiss. u, prakt. Thierheilkunde Bd. XII S. 439.
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— 233 —
diese vollständig und noch nicht verheilt sind. Die abnorme Beweglichkeit des Schenkels kennzeichnet diese auf den ersten Blick.
g) Die Belastung des Schenkels wird endlich bei allen hochgradig schmerzhaften Leiden desselben ver­mieden, obgleich die Möglichkeit die Last aufzunehmen vor­handen ist. Bei derartigen Zuständen hebt das Pferd den schmerzhaften Fuss dauernd in die Höhe (Seite 224). Der Nachweis solcher Leiden bietet keine Schwierigkeiten.
II. Abkürzung der Function des Stützbeines.
Eine Beschränkung dieser Function wird in der Regel durch schmerzhafte Empfindungen veranlasse welche durch die Be­lastung eine Steigerung erfahren. Doch können gelegentlich auch andere Umstände eine Abkürzung dieser Action des Schenkels hervorrufen. Es muss ferner unterschieden werden, ob diese Abkürzung sich auf die ganze Thätigkeit des Stütz­beines bezieht oder auf einzelne Abschnitte derselben beschränkt ist. In dem ersteren Falle greift der Fuss in unvollkommener Weise vor und verlässt vorzeitig wieder den Boden. Die erste Hälfte der Belastungsperiode wird bei allen Hangbein­lahmheiten abgekürzt, die sich durch unvollständige Vor­führung des Schenkels auszeichnen, können daher hier nicht mehr in Betracht kommen. Ferner muss sich diese Stö­rung bei allen Stützbeinlahmheiten zeigen, bei denen auch die Bewegung der kranken Gliedmasse schmerzhaft ist; das gilt namentlich von den entzündlichen Leiden der Gelenke und Sehnenscheiden. Dagegen giebt es Lahmheiten, bei denen vornehmlich die letzte Hälfte der Belastungsperiode eine Abkürzung erfährt, indem die hierzu erforderliche Streck-' Stellung der Gelenke des Schenkels behindert oder schmerz­haft ist.
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— 234 —
Eine Abkürzung der Thätigkeit des Stützbeines im Ganzen findet statt:
1.nbsp; nbsp;Bei Huflahmheiten. Wie am Vorderhuf bewirkt auch hier die Belastung des Schenkels eine Drucksteigerung in der Hornkapsel und damit eine Zunahme der schmerzhaften Empfindungen, die zu der Huflahmheit Veranlassung geben; einige dieser Lahmheiten sind indess vornehmlich mit Ab­kürzung der letzten Periode der Belastung verbunden.
2.nbsp; Bei schmerzhaften Leiden der Gelenke. Auch bei diesen veranlasst die Belastung Steigerung der Schmerzen, die sich vornehmlich bei kurzen Wendungen (Drehbewegung) zu erkennen geben.
3.nbsp; Eben solche Krankheitszustände in den Sehneu und Sehnenscheiden des Beugeapparates. Dahin ge­hören namentlich die Entzündungen in den Zehenbeugern, welche zugleich durch steilen Fesselstand gekennzeichnet sind (Seite 240). Von den Sehnenscheiden ist hierbei besonders die des dicken Kopfes des Hufbeinbeugers bemerkenswerth.
4.nbsp; nbsp;Subfasciale Phlegmone. Da die Belastung des Fusses mit Anspannung der Fascien verbunden ist, so erklärt sich diese Wirkung leicht. Ausgezeichnet ist ein solcher Zustand, abgesehen von der gleichzeitigen Affection der Lymphapparate und dem Fieber, noch durch erhebliche Schmerzen beim Druck auf die Fascien. Ebenso wird
5.nbsp; nbsp;bei entzündlichen Processen in den Fascien selbst, sowie in den Muskeln unter denselben und in den Knochen der Belastungsmoment in dem Masse der hiermit verbundenen Schmerzen abgekürzt.
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— 235 —
III. Abkürzung der Belastung des rückwärts ge­stellten Schenkels (Stossbeines).
Die Rückwärtsstellung des Schenkels setzt eine stärkere Streckung sämmtlicher Gelenke, namentlich des Hilft-, Knie-und Spranggelenkes voraus; daher findet eine Abkürzung dieser Action ganz besonders dann statt, wenn diese Streckung auf mechanische Hindernisse stösst oder schmerzhafte Em­pfindungen hervorruft. Man beobachtet diese Störung:
1.nbsp; nbsp;Bei der Spatlahmheit. Bei entzündlichen Pro­cessen im Sprunggelenke pflegt Streckung des Gelenkes die Schmerzen zu steigern. Besteht bereits Verwachsung (Syu-ostose) in demselben, so ist die Streckung des Gelenkes unter Umständen mechanisch behindert. Dazu kommt, dass nicht selten mit der Spaterkrankung eine Verkürzung der Schenkel-fascie verbunden ist, wodurch die Streckung der Gelenke gehemmt sein kann. Der hierdurch entstandene Ausfall in der Bewegung des Schenkels wird durch ausgiebige Beugung des Hüftgelenkes auszugleichen gesucht (Seite 225).
2.nbsp; Bei schmerzhaften Erkrankungen an den vor­deren Abschnitten der Krone (Kronentritt) oder in dem Zehentheile des Hufes. Diese Leiden geben oft zu einem eigenthümlichen Gange des Pferdes Veranlassung: Der Fuss greift ungewöhnlich schnell und weit vor, macht dann aber mit seinen unteren Abschnitten eine Rückwärts­bewegung, bevor der Huf den Boden erreicht; kaum ist der­selbe am Stützbein senkrecht unter das Hüftgelenk gelangt, so hört die Belastung wieder auf, und es wiederholt sich die Vorwärtsbewegung des Schenkels in derselben Weise.
In Folge schmerzhafter Hautentzündungen an der Krone, Verschlag oder Senkung des Hufbeines durch andauernde Belastung wird Aehnliches beobachtet.
3.nbsp; nbsp;Bei verbrauchten Pferden findet in Folge von Con-
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— 230 —
tractur in den Muskeln eine Abkürzung der Belastung statt, die mit Beschränkung in der freien Bewegung des Schenkels verbunden ist.
IV.nbsp; nbsp;Abductionsstellung
des ganzen Schenkels findet sich im Allgemeinen unter denselben Einflüssen wie am Hangbein, ausserdem aber:
1.nbsp; nbsp;Bei schmerzhaften Zuständen in der äusseren Hälfte des Hufes.
2.nbsp; Zuweilen bei der Spatlahmheit, namentlich dann, wenn beide Füsse leiden; die Pferde nehmen dann einen boden­weiten Gang an. Aehnliches wird in Folge Verkürzung der Schenkelfaseie beobachtet.
V.nbsp; nbsp;Adductionsstellung
des Schenkels tritt bei Beckenbrüchen, sowie bei Luxationen des Femur nach oben (Hund) gelegentlich auch beim Spat hervor.
VI. Abnorme Beugung aller Gelenke des Schenkels.
1.nbsp; Bei Paralysis des N. cruralis und allen denjenigen Leiden, welche die Belastung des Schenkels unmöglich machen und Seite 229 Erwähnung gefunden haben.
2.nbsp; nbsp;Bei den sog. Eisballen. Dieses auch nach meinen Untersuchungen durch Psorospermien in den Muskeln des Oberschenkels bedingte Leiden führt allmälig zu einer Beuge­stellung sämmtlicher Gelenke des Schenkels und damit zu­gleich zu einer erheblichen Beschränkung der Arbeitsfähig­keit. Ausgesprochene Lahmheit ist jedoch nicht vorhanden.
VII. Abnorme Streckung
sämmtlicher Gelenke am Stützbein findet sich bei Luxation der Patella nach oben (Seite 216); beim Rinde durch Dis­location des M. biceps femoris.
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— 237 —
VIII. Abnorme Stellungen einzelner Grelenke am Stützbein.
A. Hüftgelenk.
1.nbsp; nbsp;Uebermässige Flexion findet sich unter Vorwärts­stellung der Schenkel bei schmerzhaften Leiden in beiden Vorderfüssen, z. B. bei der Rehe, um durch Mehrbelastung der Hinterschenkel die vorderen zu entlasten.
2.nbsp; Abnorme Streckung bei chronischer Gonitis. Durch Senkung der hinteren Abtheilung der Kruppe und Eück-wärtsstellung der Hinterschenkel entsteht hierbei eine Ver-grössernng des Hüftgelenkwinkels. Bemerkt sei noch, dass diese Erscheinung nicht pathognomisch für das in Rede stehende Leiden ist, und dass das letztere nicht so häufig vorkommt, wie wohl angenommen wird. Denn fast alle Pferde, welche unter ähnlichen Umständen arbeiten, namentlich im Omnibus-und Pferdebahndienst, pflegen schon nach kurzer Zeit, oft nach 2—3 Monaten diese Stellung anzunehmen, ohne dass ihre Kniegelenke erkrankt sind.
B. Kniegelenk.
1. Abnorme Beugung wird bei Paralyse des N. cruralis und den Seite 231 beschriebenen Leiden beobachtet. Ferner bei Luxation der Patella nach aussen in Folge Zerreissung des inneren Seitenbandes derselben; hierdurch wird die Be­lastung des Schenkels beeinträchtigt. Das Leiden kommt bei Pferden weniger häufig vor als beim Hunde; hier zeigt sich die Luxation meist als eine habituelle. Ich sah sie am häufigsten bei Seidenpintschern.
Auch bei Entzündungen des Kniegelenkes tritt eine abnorme Beugung desselben sowohl bei jeder Belastung des Fusses wie auch am Hangbein ein. Das Leiden kommt eben­falls häufig bei Hunden vor (Seite 224).
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— 238 —
2. Excessive Streckung des Kniegeleakes wird am Stützbein nur bei Luxation der Patella nach oben beobachtet; die Belastung ist hierbei höchst unvollständig (Seite 216).
C. Sprunggelenk.
1. Abnorme Beugung (Dorsalilexion) des Sprung­gelenkes am Stützbein tritt zunächst bei allen Zuständen her­vor, die eine übermässige Beugung des Kniegelenkes veran­lassen, weil beide Gelenke in ihrer Bewegung von einander abhängig sind. Daher sehen wir excessive Flexion des Sprung­gelenkes bei Lähmung des N. cruralis und Krankheitszuständen in den Kniescheibenmuskeln.
Ohne die gleiche Störung im Kniegelenke wird eine abnorme Beugung des Sprunggelenkes bei Continuitätstren-nungen in den Wadenmuskeln und der Achillessehne beob­achtet, sobald die Thiere versuchen den Ftiss zu belasten. Während hierbei das Sprunggelenk in Dorsalflexion tritt, stellt sich zuweilen Streckstellung im Kniegelenke ein. Da durch diese Trennung das hintere Spannband, welches Knie- und Sprung­gelenk verbindet, ausser Function gesetzt ist, so erklärt sich, dass die beiden Gelenke verschiedenartige Bewegungen aus­führen können, was am gesunden Schenkel unmöglich ist.
Auch bei Paralysen des Nervus tibialis findet eine abnorme Flexion des Knie- und Sprunggelenkes statt, doch nicht in dem Masse, wie bei Continuitätstrennungen in den Wadenmuskeln oder der Achillessehne, weil bei dieser Lähmung die Wirkung der sehnigen Bestandtheile der Muskeln nicht aufgehoben ist. Das Pferd ist daher im Stande, mit dem Fusse die Last aufzunehmen, aber das Sprunggelenk und mit demselben die übrigen Gelenke des Schenkels treten in abnorme Beugestellung. Bei dieser Lähmung zeigt der Schenkel auch im nicht belasteten Zustande eine übermässige Beugestellung seiner Gelenke (Seite 228).
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— 239 -
Eine allmälig zunehmende Beugestellung des Sprung­gelenkes wird zuweilen beim Spat der Pferde beobachtet. Nach Dieckerhoff*) soll dies vorzüglich dann der Fall sein, wenn die Entzündung sich auf die Articulation zwischen den beiden schiffförmigen Beinen beschränkt.
2. Excessive Streckung des Sprunggelenkes am Stützbein wird ebenfalls zuweilen bei Pferden beobachtet, welche am Spat leiden. Nach Dieckerhoff namentlich dann, wenn sich an der Beugeseite des Gelenkes starke Exostosen gebildet haben.
Ich habe mehrfach Gelegenheit gehabt, diese Abnormität bei Erkrankungen der Beugesehnen am Metatarsus zu be­obachten. Pferde, die bis dahin eine durchaus normale Sprunggelenkstellung gezeigt hatten, nahmen allmälig und unter zunehmender Verdickung namentlich des Hufbeinbeugers eine steile Stellung desselben an, welche mit weichem Fessel­stand verbunden war.
Ebenso hat die bei Pferden zuweilen beobachtete Dis­location des Kronenbeinbeugers eine Vergrösserung des Sprung­gelenkwinkels, verbunden mit Dorsalflexion der Phalangen­gelenke zur Folge.
D. Phalangen.
Die Abweichungen in der Lage der Phalangen gestalten sich am Hinterschenkel im Allgemeinen ebenso wie am Vorder-fusse. Auch sind die ursächlichen Momente im Ganzen die­selben. Hier mögen daher nur die wichtigsten und solche berücksichtigt werden, die in ihrem Auftreten Eigenthümlich-keiten zeigen.
*) 1. c
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— 240 —
1. Streckstellung der Phalangen; steile Fessel­stellung, in höherem Grade Plantarflexion.
a)nbsp; nbsp;Durch Entzündung der Beugesehnen oder deren Sehnenscheiden, sowie Verkürzungen in den Sehnen und Muskeln. Im Ganzen gestalten sich die Symptome hier ebenso wie am Vorderschenkel mit dem Unterschiede, dass das Sprunggelenk von diesen Abweichungen nicht so beeinflusst wird wie die Vorderfusswurzel. Diese Thatsache liegt in der verschiedenen Einrichtung und Bedeutung der Gelenke be­gründet. Bezüglich der Erscheinungen sei nur erwähnt, dass die durch Muskel contractur steil gestellte Hinterfessel (struppirt), bei jedem Tritt mit einem sichtbaren Ruck nach vorn über­knickt. Da diese Bewegung durch die Sehne des Zehenstreckers beschränkt wird, so ist dieselbe nicht mit so auffälligen Stö­rungen für den Gang verbunden wie am Vorderschenkel. Dass die Leistungsfähigkeit, namentlich die Ausdauer in schneller Arbeit durch diesen Zustand erheblich beeinträchtigt wird, ist allgemein bekannt.
b)nbsp; nbsp; Steiler Fesselstand ist ferner oft die Folge von Erkrankung der Gelenke der Phalangen, besonders des Fessel- und Kronengelenkes; sowohl Verstauchungen wie auch chronische Entzündungen derselben führen zu dieser Abnormität.
c)nbsp; nbsp;Ferner geben entzündliche Erkrankungen in der Haut an der hinteren Fläche der Phalangen zuweilen Ver­anlassung zu steiler Fesselstellung.
d)nbsp; nbsp;Eine gleiche Wirkung ist mit Entzündungspro-cessen in den hinteren Abschnitten des Hufes, namentlich im Strahlpolster verbunden. Diese Erscheinung zeigt sich am Hinterfusse weniger deutlich als vorn.
e)nbsp; Endlich erscheint steiler Fesselstand als secundäre Erscheinung bei allen Zuständen, die mit abnormer Flexion des Knie- und Sprunggelenkes verbunden sind, z. B. bei
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- 241 —
Lähmung des N. tibialis, Zerreissungen in den Wadenmuskeln und in der Achillessehne. Daher sehen wir diese Erscheinung auch beim Spat und bei den sog. Eisballen hervortreten.
2.nbsp; nbsp;Dorsalflexion (übermässiges Durchtreten) in den Gelenken der Phalangen wird beobachtet:
a)nbsp; nbsp;Bei Zerreissungen in den Beugesehnen und Aufhiingebändern;
b)nbsp; horizontaler Fractur der Sesambeine:
c)nbsp; bei allen Leiden, welche mit Vergrösserung des Sprunggelenkwinkels verbunden sind, wie bei Dislocation des Kronbeinbeugers und Dehnungen in den Beugesehnen (Seite 239).
Ebenso ist die aus anderen Ursachen hervorgegangene Streckung des Sprunggelenkes, wie sie bei Pferden nicht selten im Körperbau begründet ist, und in der Exterieursprache als sprunggelenksteile Stellung, gerade Stellung u. s. w. be­zeichnet wird, in der Regel mit weicher Fesselung, sog. bären-füssiger Stellung verbunden. Durch die Streckung im Sprung­gelenke findet eine Annäherung der beiden Endpunkte des sehnigen Kronbeinbeugers statt. Indem hiermit ein Factor für die Feststellung des Fesselgelenkes ausfällt, muss dieses herabsinken, und da es hierdurch wiederum stärker belastet wird, gestaltet sich die Wirkung noch grosser.
3.nbsp; nbsp;Supination oder Pronation, d. h. Axendrehungen nach aussen oder innen, werden am Hinterschenkel des Pferdes nur selten beobachtet, wenn von Fracturen der Röhrenknochen abgesehen wird.
Pronation (Rotation nach innen) stellt sich in Folge Zer-reissung des medialen Seitenbandes der Kniescheibe ein und ist mit Luxation der Patella nach aussen und Ver­kürzung des Schrittes verbunden. Sie findet sich ferner bei Bursitis trochanterica (Seite 218) und in Verbindung mit Adductionsstellung bei Luxatio femoris, wenn der Gelenkkopf
Möller, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; jg
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nach oben und hinten getreten ist (Luxatio iliaca), wie es oft bei Hunden beobachtet wird.
Supinationsstellung (Rotation nach aussen) in Ver­bindung mit Abduction und Verlängerung des Schenkels lässt eine Luxatio obturatoria vermuthen.
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Analyse der Lahmlieiteii des Pferdes*).
Vorderschenkel.
A. Lahmlieiten des Hangbeines.
I. Lahmheiten mit Verkürzung und Verlangsamung des Schrittes (174):
1.nbsp; nbsp;Lähmung des Armgeflechtes (174).
2.nbsp; nbsp;Erkrankung der beim Ausschreiten thätigen Muskeln (174).
3.nbsp; nbsp;Andere schmerzhafte Leiden an der Schulter (175).
4.nbsp; nbsp;Schmerzhafte Gelenkleiden (175).
5.nbsp; nbsp;Periostitis und Exostosen am Metacarpus (175).
6.nbsp; nbsp;Hautentzündungen in der Nähe der Gelenke (176).
II. Lahmheiten mit abnormen Bewegungen des Hang­beines (176):
1.nbsp; nbsp;Unvollständige Streckung:
a)nbsp; Lähmung des N. radialis (177).
b)nbsp; nbsp;Querbruch des Ellbogenbeines (179).
c)nbsp; nbsp;Continuitätstrennungen in den Zehenstreckern (180).
2.nbsp; nbsp;Uebermässige Beugung aller Gelenke: Hahnentritt (180).
B. Lahmheiten des Stützbeines (181).
I. Lahmheiten mit Abkürzung der Belastung (181): 1. Huflahmheiten (182).
*) Die Zahlen verweisen auf die Seite dieses Werkes, wo die Störung beschrieben ist.
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— 244 —
2. Entzündliche Erkrankungen der Gelenke, Sehnen und Selmen-scheiden (182). II. Lahmheiten mit abnormen Stellungen:
1.nbsp; nbsp;Ahduction des Stützbeines (185):
a)nbsp; Schmerzen in den Abductoren (M. infraspinatus, del-toideus (185).
b)nbsp; Schmerzen in der lateralen Hälfte des Hufes sowie an der medialen Fleischwand (186).
c)nbsp; Periostitis und Exostosen am Carpalgelenke (186).
d)nbsp; Entzündliche Schwellungen unter der Brust (186).
2.nbsp; nbsp;Adductionsstellung des Stützheines (186):
a)nbsp; nbsp;Schmerzen in der medialen Hufhiilfte (187).
b)nbsp; nbsp;Schmerzen in den Adductoren (187).
c)nbsp; nbsp;Erkrankungen des Schultergelenkes (187).
d)nbsp; Zerreissungen in den Ellhogenstreckern.
e)nbsp; Fracturen am äusseren Oondylus des Armbeines (187).
3.nbsp; nbsp;Eückständige Stellung (189):
a)nbsp; Schmerzen in den hinteren Abschnitten des Hufes (189).
b)nbsp; Entzündung im M. biceps brachii und der Bursa inter-tubercularis (189).
4.nbsp; nbsp;Vorständige Stellung (190):
a)nbsp; nbsp;Schmerzen in den vorderen Abschnitten des Hufes (Rehe) (190).
b)nbsp; nbsp;Sehmerzen in den Beugeapparaten (190).
5.nbsp; nbsp;Abduction der Schulter (191): Lähmung des N. suprascapularis (191).
6.nbsp; nbsp;Beugung des Ellbogengelenkes (192):
a)nbsp; nbsp;Continuitätstrennungen in den Beugern der Vorder-fusswurzel (193).
b)nbsp; nbsp;Fracturen an der Insertionsstelle derselben sowie der Zehenbeuger (Condylen des Armbeines, Erbsenbeines) (193).
7.nbsp;Streckung des Ellbogengelenkes (193):
a)nbsp; nbsp;Contracturen in den Anconäen (194).
b)nbsp; Acute Arthritis des Ellbogengelenkes (194).
8.nbsp; nbsp;Volarflexion der Vorderfusswurzel (vorbiegig) (195):
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a)nbsp; Verkürzung im Beugeapparate oberhalb der Unter­stützungsbänder (195).
b)nbsp; Schmerzen in den Trachten des Hufes (192).
9. Dorsalflexion der Vorderfusswurzel (rückbiegig) (195): wie bei Flexion des Ellbogengelenkes (192).
10.nbsp; nbsp;Dor sal flexion der Phalangen (fesselweich) (196):
a)nbsp; Zerreissung der Zehenbeuger (196).
b)nbsp; Horizontale Practur der Sesambeine (197).
c)nbsp; Ruptur der unteren G-leiehbeinbänder (197).
11.nbsp; nbsp;Streckstellung der Phalangen, in höherem Grade Volarflexion derselben (198):
a)nbsp; Entzündung oder Contractur in den Sehnen der Zehen­beuger (198).
b)nbsp; Entzündung in den Sehnenscheiden derselben (199).
c)nbsp; Entzündung der Zehengelenke (200).
d)nbsp; Schmerzen in den hinteren Abschnitten des Hufes (201).
Hinterschenkel.
A. Lahmlieiteii des Hangbeines (214).
I. Unvermögen den Schenkel vorzuführen (214):
1.nbsp; Lähmung des jSL ischiadicus (214).
2.nbsp; nbsp;Obturation der Schenkel- und Beckengefdsse (215).
3.nbsp; Luxation der Patella nach oben (beim Rinde: Dislocation des M. biceps femoris) (216).
II. Lahmheiten mit verkürztem und verlangsamten Schritt (217):
1.nbsp; nbsp;Erkrankung der Muskeln (217):
a)nbsp; nbsp;Obturation der Blutgefässe.
b)nbsp; Leiden des Iliopsoas.
e) Leiden der Gefässmuskeln (Bursitis trochanterica) (218).
d)nbsp; Leiden des Tensor fasciae latae (218).
e)nbsp; nbsp;Contractur der Muskeln des Schenkels (219).
2.nbsp; nbsp;Schmerzhafte Zustände in den Gelenken und Sehnenscheiden (219).
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;#9632;:#9632;.
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3.nbsp; nbsp;Schmerzhafte Zustän d e an den Knochen (Peri­ostitis, Beckenfracturen (220).
4.nbsp; nbsp;Eetraction in den Becken- und Schenkel-fascien (220).
5.nbsp; nbsp;Hautentzündung in der Sprunggelenksbeuge und an der Hufkrone (221).
6.nbsp; nbsp;Schmerzhafte Anschwellungen in der Nähe der oberen Schenkelgegend (Leistendrüsen, Samenstrang, Leisten- und Schenkelbruch) (221).
III.nbsp; Abnorm weites Vorführen mit excessiver Beu­gung der Gelenke: Lähmung des N. tibialis (221).
IV.nbsp; Lahmheiten mit Abduction oder Adduction:
1.nbsp; nbsp;Abduction des Schenkels (222):
a)nbsp; Schmerzhafte Anschwellung der Einwärtszieher (222).
b)nbsp; Hautentzündung an d. Innenfläche d. Hinterbacken (222).
c)nbsp; Anschwellung der Leistendrüsen, des Samenstranges; Leistenbruch, Schenkelbruch (222).
d)nbsp; Schmerzhafte Zustände in der lateralen Huf hälfte (222).
e)nbsp; Spat (222).
f)nbsp; Verkürzung der Schenkelfascie (222).
g)nbsp; Luxation des Femur in das eirunde Loch (222).
2.nbsp; nbsp;Adduction des Schenkels (223):
Spat, Beckenfracturen, Luxatio femoris (223). V. Abnorme Beugung resp. Streckung der Gelenke: A. Aller Gelenke:
1.nbsp; Excessive Beugung aller Gelenke (223): Spat, Hahnentritt, Streukrampf.
2.nbsp; Excessive Streckung aller Gelenke (224): Luxation der Patella nach oben. Continuitätstrennung in der Achillessehne.
(Beim Rinde Dislocation des M. biceps femoris (224).
3.nbsp; Mangelhafte Beugung der Gelenke (224): Schmerzhafte Hauterkrankung an den Beugeflächen der Gelenke. Gonitis chronica. Spat.
4.nbsp; Mangelhafte Streckung (225): Paralyse des N. tibialis.
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B.nbsp; Hüftgelenk (225):
1.nbsp; Abnorme Beugung: Spat (225).
2.nbsp; Abnorme Streckung: (vgl. 237).
C.nbsp; Kniegelenk (226):
1.nbsp; Abnorme Beugung: Zerreissung des ScMenbein-beugers (226).
2.nbsp; Abnorme Streckung: Luxation der Patella nach oben (226).
Continuitätstrennung in den Wademnuskeln (226).
D.nbsp; Sprunggelenk (227):
1.nbsp; Abnorme Beugung: Paralyse des N. tibialis (227).
2.nbsp; Abnorme Streckung: Zerreissung des Schienbein­beugers (227).
Fracturen der Tibia und am ßollbein (228).
E.nbsp; Phalangen (228):
1.nbsp; Abnorme Beugung (Plantarflexion):
a)nbsp; Paralyse des K tibialis (228).
b)nbsp; Continuitätstrennung in den Zehenstreckern (229).
2.nbsp; Abnorme Streckung oder Dorsalflexion wie am Stütz­bein (241).
B. Lahmheiten des Stützbeines (229).
I. Unvermögen zu stützen (229):
a)nbsp; Paraplegic, Hämoglobinurie (229).
b)nbsp; Paralyse des N. cruralis (230).
c)nbsp; Continuitätstrennung in Kniegelenkstreckern (231).
d)nbsp; Continuitätstrennung in Wadenmuskeln (231).
e)nbsp; Obturation der Becken- und Schenkelgefässe (232).
f)nbsp; Fracturen der Eöhrenknoclien (232).
g)nbsp; Hochgradige Schmerzen (233). II. Abkürzung der Belastung (233):
1.nbsp; Huflahmheiten (234).
2.nbsp; Schmerzhafte Gelenkleiden (234).
3.nbsp; Schmerzhafte Leiden der Knochen und des Trageappa­rates (234).
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:
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4. Subfasciale Phlegmone (234). ö. Entzündung der Fascien (234).
III.nbsp; Abkürzung der Belastung des rückwärts gestellten
Schenkels (225):
1.nbsp; nbsp;Spat (235).
2.nbsp; nbsp;Schmerzen in den vorderen Abschnitten des Hufes (235).
IV.nbsp; Abduction des Schenkels (236):
1.nbsp; nbsp;Schmerzen in der lateralen Hufhälfte (236).
2.nbsp; nbsp;Spat (236).
V. Adduction des Schenkels (236):
Beckenbrüche, Luxatio femoris nach oben, Spat (236). VI. Abnorme Flexion aller Gelenke (236): Paralyse des N. cruralis (236). Erkrankung der Muskeln (Eisballen) (236). VII. Abnorme Streckung aller G-elenke (236): Luxation der Patella nach oben (236). VIII. Abweichungen in einzelnen Gelenken:
A.nbsp; Hüftgelenk (237):
Flexionsstellung: bei schmerzhaften Zuständen in den
Vorderschenkeln (237). Extensionsstellung: Gonitis chronica (237).
B.nbsp; Kniegelenk (237): Flexionsstellung: Paral. d. N. cruralis (237).
Luxation der Patella nach aussen
(237). Gonitis (237). Extensionsstellung: Luxation der Patella nach oben (238).
C.nbsp; Sprunggelenk (238): quot; Flexionsstellung: wie am Kniegelenk (237).
Continuitätstrennung in Wadenmuskeln
(238). Spat (239). Extensionsstellung: Dehnung des Beugeapparates Spat (239).
D.nbsp; Phalangen (239):
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— 249 —
Streckstellung bezw. Plantarflexion (2'iO):
a)nbsp; Entzündung oder Contracturen in den Beugesehnen (240).
b)nbsp; Krankheiten in den Gelenken der Phalangen (240).
c)nbsp; Entzündung der Haut in der Köthe (240).
d)nbsp; Entzündung in hinteren Abschnitten, des Hufes (Strahlpolster) (240).
e)nbsp; Bei allen Leiden, welche Flexionsstellung im Knie-und Sprunggelenke veranlassen (241).
Dorsalflexion (241):
a)nbsp; Continuitätstrennung in Beugesehnen (241).
b)nbsp; Horizontale Fraotur der Sesambeine (241).
c)nbsp; Bei allen Leiden, welche Streckung im Knie- und Sprunggelenke veranlassen (241).
Pronation des Schenkels (Eotation nach innen) (241);
Luxation der Patella nach aussen (241).
Bursitis trochanterica (241). Supination des Schenkels (Eotation nach aussen) (242):
Luxatio obturatoria (242).
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Sach-Eegister.
Seite A.
Abbiaden.....162.nbsp; 191
Abduction des Vordersohen-
fcels........nbsp; nbsp; 185
Abduction der Schulter . .nbsp; nbsp; 191 Abduction des Hinterschen­kels ......216.nbsp; 222
Abtasten.......nbsp; nbsp; nbsp;17
Adduction des Vorderschen­kels ........nbsp; nbsp; 186
Adduction des Hinterschen­kels ........nbsp; nbsp; 223
Aderfistel.......nbsp; nbsp; nbsp;25
Alveolarperiostitis ....nbsp; nbsp; nbsp;49 Anconäen s. Ellbogenstrecker.
Anschwellung.....nbsp; nbsp; nbsp;26
Aphakie........nbsp; nbsp; nbsp;86
Armbein, Fractur ....nbsp; nbsp; 187 Astigmatismus . . . . 63. 79
Atresia ani......nbsp; nbsp; 126
Atrophie der Sehnerven . .nbsp; nbsp; nbsp;86
Augen........nbsp; nbsp; nbsp;60
Augenlider......nbsp; nbsp; nbsp;62
Augenspiegel......nbsp; nbsp; nbsp;73
B.
Backen........nbsp; nbsp; nbsp;46
Bauch........nbsp; nbsp; 110
Bauchbruch ......nbsp; nbsp; 121
Beckenbruch......nbsp; nbsp; 144
Beleuchtung, focale ...nbsp; nbsp; nbsp;71
Beugesehnen, Entzündung .nbsp; nbsp; 198
Seite
Beugesehnen, Zerreissung .nbsp; nbsp; 196
Blasensteine......nbsp; nbsp; 127
Blindheit.......nbsp; nbsp; nbsp; 89
Blutung........nbsp; nbsp; nbsp; 82
Brüche........nbsp; nbsp; 115
Brustbeinflstel.....nbsp; nbsp; 108
Brustbeule.......nbsp; nbsp; 106
Brustwunden......nbsp; nbsp; 108
Bursitis intertubercularis .nbsp; nbsp; 175
Bursitis trochanterica . 218.nbsp; 242
c.
Caput obstipum.....nbsp; nbsp; nbsp;93
Caro luxurians.....nbsp; nbsp; nbsp;33
Chondroide......nbsp; nbsp; nbsp;54
Contractur.......nbsp; nbsp; 219
Cornea........nbsp; nbsp; nbsp;63
Crepitation ......nbsp; nbsp; nbsp;20
D.
Darmcanal.......nbsp; nbsp; 123
Dioptrie........nbsp; nbsp; nbsp;79
Dorsalflexion der Vorderfuss-
wurzel.......nbsp; nbsp; 195
Dorsalflexion der Phalangennbsp; nbsp; 196
Druckschaden......nbsp; nbsp; 102
E.
Eisballen.......nbsp; nbsp;236
Eiter, Beschaffenheit des .nbsp; nbsp; nbsp;37
Eiter, Retention.....nbsp; nbsp; nbsp;39
ocr page 265
251 -
Seite Eübogenbein, Fractur . . .nbsp; nbsp; 179 Ellbogengelenk,abnorme Beu­gung ........nbsp; nbsp; 192
Ellbogengelenk, abnorme
Streckung......nbsp; nbsp; 193
Ellbogengelenk, Entzündungnbsp; nbsp; 194
Ellbogengelenk, Wunden .nbsp; nbsp; 182 Ellbogenmuskeln, Wirkung
derselben......nbsp; nbsp; 167
Ellbogenmuskeln, Lähmung .nbsp; nbsp; 177
Ellbogenmuskeln,Zerreissungnbsp; nbsp; 187
Ellbogenmuskeln, Contracturnbsp; nbsp; 194
Emmetropie......nbsp; nbsp; nbsp;75
Emphysem.......nbsp; nbsp; nbsp;21
Entzündung......nbsp; nbsp; nbsp;24
Episcleralgefässe ....nbsp; nbsp; nbsp;70
Erblindung......nbsp; nbsp; nbsp;89
Seite Gleichbeinband, Zerreissung
desselben......nbsp; nbsp; 197
Gonitis chronica . . 219.nbsp; 237 Grätenmuskeln, Quetschung
derselben......nbsp; nbsp; 185
Grätenmu3keln,Lähmung der­selben .......nbsp; nbsp; 191
Granulation......nbsp; nbsp; nbsp; 33
H.
Hämatocele......nbsp; nbsp; 118
Hämoglobinurie.....nbsp; nbsp; 229
Hals.........nbsp; nbsp; nbsp; 92
Halswirbel . . . i . . .nbsp; nbsp; nbsp; 94
Hangbeinlahmheit ....nbsp; nbsp; 172
Hanke........nbsp; nbsp; 210
Harnorgane......nbsp; nbsp; 127
Harnröhre.......nbsp; nbsp; 129
Harnröhresteine.....nbsp; nbsp; 127
Harnsteine.......nbsp; nbsp; 127
Hautentzündung als Ursachen
der Lahmheit.....nbsp; nbsp; 176
Hernien........nbsp; nbsp; 115
Hernia inguinalis . . . .nbsp; nbsp; 116
Hernia interna abdom. . .nbsp; nbsp; 122
Hernia perinealis ....nbsp; nbsp; 121
Hernia umbillicalis ....nbsp; nbsp; L16
Hoden........nbsp; nbsp; 129
Hodensack.......nbsp; nbsp; 129
Hodensackbruch, wahrer . .nbsp; nbsp; 116
Hodensackbruch, falscher .nbsp; nbsp; 119 Hufgelenklahmheit s. Strahl­beinlahmheit.
Huflahmheit .... 145.nbsp; 182
Hydrocele.......nbsp; nbsp; 129
Hygrom am Widerrist . .nbsp; nbsp; 105
Hypermetropie.....nbsp; nbsp; nbsp; 76
J. I.
Jauche........nbsp; nbsp; nbsp;38
Incarceration......nbsp; nbsp; 116
Incarceration, Ursache von
Lahmheit .... 221.nbsp; 222
Inspection.......nbsp; nbsp; nbsp; 12
Iris.........nbsp; nbsp; nbsp; 64
F.
Fieber......
Fieber, sephthämisches Fieber, pyämiscbes . . Pingereindruck . . .
. 41 . 42 . 43 . 19
Flotzmaul.....
. 45
Fluctuation ....
. 18
Focale Beleuchtung Fracturen der Rippen Fracturen des Armbeines
. 71
. 109 . 193
Fracturen des Erbsenbei
nes 193
Fracturen der Sesambeine
raquo; . 197
Fracturen der Wirbel .
. 214
Fremdkörper im Schlundlaquo; Fremdkörper in Wunden Fremdkörper im Darm
ä . 97 . 37 . 123
Gang, gespannter ....nbsp; nbsp; 136
Gang, klammer.....nbsp; nbsp; 136
Gelenkleiden, als Ursache von
Lahmheit......nbsp; nbsp; 182
Genick........nbsp; nbsp; nbsp;94
Gesässmuskeln.....nbsp; nbsp; 218
Geschlechtstheile ....nbsp; nbsp; 127
Geschwür.......nbsp; nbsp; nbsp;40
ocr page 266
252
•
Seite
Seite
Lippen........nbsp; nbsp; nbsp;44
Luftgeschwulst.....nbsp; nbsp; nbsp;21
Luftröhre.......nbsp; nbsp; nbsp;98
Luftsack.......54. 58
Lymphdrüsenanschwellung . 30
M.
Magenfistel.......nbsp; nbsp; 125
Mastdarm.......nbsp; nbsp; 125
Maulhöhle.......nbsp; nbsp; nbsp;47
Mittelfleischbruch ....nbsp; nbsp; 121
Muskeln des Vordersclienkelsnbsp; nbsp; 156
Muskeln des Hinterschenkelsnbsp; nbsp; 203
Myopie........nbsp; nbsp; nbsp;76
]V.
Nabelbruch......nbsp; nbsp; 116
Nase.........nbsp; nbsp; nbsp;52
Nasenausiluss......nbsp; nbsp; nbsp;52
Nekrose........nbsp; nbsp; nbsp;20
Netzhautablösung ....nbsp; nbsp; nbsp; 85
Noma........nbsp; nbsp; nbsp;47
O.
Oberkieferhöhle.....nbsp; nbsp; nbsp; 53
Obturation d. Blutgef. 215. 217.232
Oesophagus ventriculosus .nbsp; nbsp; nbsp;96
Ohren........nbsp; nbsp; nbsp; 58
Ohrwurm.......nbsp; nbsp; nbsp; 59
Otitis.........nbsp; nbsp; nbsp; 59
P.
Palpation.......nbsp; nbsp; nbsp; 15
Palpation an den Gliedmassennbsp; nbsp; nbsp;22 Palpation zum Nachweis der
Temperatur .....nbsp; nbsp; nbsp; 16
Palpation zum Nachweis der
Festigkeit......nbsp; nbsp; nbsp; 17
Palpation zum Nachweis der
Fluctuation......nbsp; nbsp; nbsp; 18
Palpation zum Nachweis des
Oedems.......nbsp; nbsp; nbsp; 19
Palpation zum Nachweis von
Schmerzen......nbsp; nbsp; nbsp;21
Kehlgang .
60
Kielerklemme......
47
Kniescheibe
Luxation nach
oben
.... 216.
99fi
Kniescheibe
Luxation nach
aussen
.... 226.
241
Kniescheibe
Luxation bei
W
Krankheiten
des Halses . .
93
raquo;
der Augen . .
73
des Kopfes . .
44
der Brust . .
100
)T
des Bauches d. Vorderschen-
110
kel ... .
155
d. Hinterschen-
kel ....
201
Kronentritt
285
Krönt'
95
Kurzsichtigkeit.....
70
L.
Laden .......
. 48
Ladendruck .....
. 48
Lähmung des Armgeüechte
. 174
Lähmung des N. i'acialis .
45
Lähmung des N. radialis
. 177
Lähmung des N. suprascapu
laris
191
Lähmung des N. ischiadicus
214
Lähmung desN. tibialis 227.228.238
Lähmung des N. cruralis
230
Lahmheiten.....
132
Lahmheiten beim Pferde .
132
Lahmheiten beim Rinde .
153
Lahmheiten beim Hunde .
153
Lahmheiten,Feststellung ders
138
Leistenbruch .... 11
3. 222
Leistenbruch, interstitieller
119
Leistenkanal.....
117
Leuchten des Auges . .
66
Leucoma......
64
Linse ........
67
Linse, Luxation ders. . .
68
Linsentrübung ....
68
ocr page 267
— 253 -
Seite
Papilla nigra......nbsp; nbsp; nbsp; 84
Papilla optici......nbsp; nbsp; nbsp; 82
Papilla optici des Pferdes .nbsp; nbsp; nbsp; 82
Papilla optici des Rindes .nbsp; nbsp; nbsp; 84
Papilla optici des Hundes .nbsp; nbsp; nbsp; 84
Papillitis.......nbsp; nbsp; nbsp; 86
Paralysen s. Lähmung.
Parotis........nbsp; nbsp; nbsp; 57
Penis.........nbsp; nbsp; 128
Percussion des Hufes . . .nbsp; nbsp; 149
Periarthritis der Phalangen .nbsp; nbsp; nbsp;183
Pericorneale Injection ...nbsp; nbsp; nbsp; 70
Phlebitis . .'.....nbsp; nbsp; nbsp; 95
Phlegmone, snbfasciale 176.nbsp; 234
Pronation.......nbsp; nbsp; 241
Pseudofluctuation ....nbsp; nbsp; nbsp; 19
Puffig........nbsp; nbsp; nbsp; 21
Pulsation d. Schienbeinarterienbsp; nbsp; 146
Pupille........nbsp; nbsp; nbsp; 64
Pupillarreilex......nbsp; nbsp; nbsp; 66
Pyämie........nbsp; nbsp; nbsp; 43
Seite
Schorfbildung.....33
Schulterlahmheit .... 176 Schulterlahmheit durch Ge­lenkleiden ......187
Schusswunden.....36
Schweif........130
Scleroticalring.....82
Sehen des Pferdes . . 158. 202 Sehnen u. Sehnenscheiden 183.199
Sehschärfe....., . 89
Sehschwäche......80
Sehvermögen, Feststellung d. 89
Sephthämie......43
Sesambeine, Fractur ders. 197. 241 Spat m. Abductionsstellung 222. 236 Spat mit Adductionsstellung 223 Spat mit Zuckfuss .... 223 Spat mit Abkürzung der Be­lastung .......235
Spatprobe.......137
Speichel steine .....40
Staar, grauer......67
Staar, grüner......67
Staar, schwarzer.....66
Steingallen an der Wand . 186 Stellungd.Vor derschenkel: Stellung, Abduction . . . 185 Stellung, Adduction ... 186 Stellung, Dorsalflexion der
Phalangen......196
Stellung, rückständig . . . 189 Stellung, Torständig . . . 190 Stellung, vor- und rückbiegig 195 Streckstellung bezw. Volar-
flexion der Phalangen . . 198 Stellung d.Hinterschenkel: Stellung, Abduction . 222. 236 Stellung, Adduction . 223. 236 Stellung, Pronation . . . 241 Stellung, Supination . . . 242
Stelzfuss.......198
Stichwunden......36
Stirn.........56
Stirnhöhle.......53
Strahlbeinlahmheit . . 190. 200
Strahlfaule ......155
Strahlpolster......240
Streukrampf......224
E.
Refraction des Auges Rehe .... Reibegeräusch Röthung . . Rückbiegig. . Rückständig
74
190
20
24
195
189
S.
Samenstrangfistel 130. 221.nbsp; 222
Satteldruck......nbsp; nbsp; 102
Sattellage.......nbsp; nbsp; 102
Sarkocele.......nbsp; nbsp; 129
Schädel........nbsp; nbsp; nbsp; 57
Schenkelbruch.....nbsp; nbsp; 120
Schenkelfascie . 218. 220.nbsp; 222
Schilddrüse......nbsp; nbsp; nbsp; 96
Schienbeinbeuger, Zerreis-
sung desselben ....nbsp; nbsp; 222
Schlund........nbsp; nbsp; nbsp; 96
Schmerz......25. 27
Schmerz, Nachweis des. . .nbsp; nbsp; nbsp; 21
Schneeballenknirschen . .nbsp; nbsp; nbsp; 21
ocr page 268
— 254 —
Seite
Struma........nbsp; nbsp; nbsp; 96
Stützbeinlahmheit ....nbsp; nbsp; 172
Supination.......nbsp; nbsp; 242
T.
Talpa.........nbsp; nbsp; nbsp;94
Tapetum.......nbsp; nbsp; nbsp;sect;2
Teigicht........nbsp; nbsp; nbsp;19
Temperatur......nbsp; nbsp; nbsp;16
Temperatur bei Entzündungnbsp; nbsp; nbsp;25
Tendovaginitis crepitars 21.nbsp; 218
Tibia, Fractur ders. . . .nbsp; nbsp; 228
Thorax........nbsp; nbsp; 100
Thränenfistel......nbsp; nbsp; nbsp;56
Torticollis.......nbsp; nbsp; nbsp;93
Trachea........nbsp; nbsp; nbsp;98
Trageapparat am Vorder­schenkel .......nbsp; nbsp; 158
Tripper........nbsp; nbsp; 128
Trismns........nbsp; nbsp; nbsp;47
U.
Ueberbein . . . 152. 175.nbsp; 180
Ueberwurf.......nbsp; nbsp; 122
Ulcus.........nbsp; nbsp; nbsp;40
Seite
V.
Vernarbung......nbsp; nbsp; nbsp;33
Volarflexion der Vorderfuss-
wurzel.......nbsp; nbsp; 195
Volarflexion der Phalangennbsp; nbsp; 198
W.
Weitsichtigkeit.....nbsp; nbsp; nbsp;76
Widerrist.......nbsp; nbsp; 102
Widerristfistel.....nbsp; nbsp; 104
Wirbelbruch .... 214.nbsp; 215
Wunde........nbsp; nbsp; nbsp;32
Wundränder......nbsp; nbsp; nbsp;35
Wundsecret.....32. 37
Wunde, Fremdkörper in ders.nbsp; nbsp; nbsp; 37
Z.
Zähne........nbsp; nbsp; nbsp;49
Zerreissung der Beuger der
Vorderfusswurzel . . .nbsp; nbsp; 193 Zerreissung der Ellbogen­strecker .......nbsp; nbsp; 187
Zerreissung derLenden-Darm-
beinmuskeln.....nbsp; nbsp; 217
Zerreissung der Kniescheiben­muskeln .......nbsp; nbsp; 231
Zerreissung des Schienbein­beugers .......nbsp; nbsp; 287
Zerreissung d. Wadenmuskeln
bezw. Achillessehne . 226.nbsp; 231 Zerreissungd.Zehenstrecker 180.229
Zügellahm.......nbsp; nbsp; 132
Zwanghuf.......nbsp; nbsp; 195
Zwanghuf, halber mit Adduc-
tionsstellung.....nbsp; nbsp; 187
Zwerchl'ellsbruch ....nbsp; nbsp; 122
Untersuchung des Pferdes Untersuchung des Rindes Untersuchung des Schafes . Untersuchung des Schweines Untersuchung der Fleisch­fresser .......
Untersuchung der Papageie Untersuchung, mittelbare Untersuchung, unmittelbare Untersuchung des Sehver­mögens .......
Untersuchungsmethoden . .
9 10 11 12
90 11
JO/^-
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w
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mm
a