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BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
2913 016 2
ocr page 7
/L
Erfahrungen
liber
Rinderkranklieiteii
und deren Behandlung.
In der Praxis gesammelt und systematisch geordnet
Professor Dr. Carsten Hanns,
weil. Luitcr der Kimler-Klinik etc. im der Königl. Tiemrzueiscliiile zu IliintHivci'.
•1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;
#9632;'.raquo; raquo;,raquo;
Berlin 1890.
Verlag von Til. Chr. 1lt;V. Ensllu
(Richard Sohoetz)
Lnlsenstrasso No. Hß.
ocr page 8
ocr page 9
Vorwort.
Eine Zusammenstellung aller Rlnderkrankheiten zu geben, fülile ich mich, obgleich ich auf eine seohsunddrelssigjährige praktische Thätigkeit zurllckhlickeu kann, nicht in der Lage, weil einesteils das in der Littoratur vorhandene Material in Verbindung mit meinen eigenen Erfahrungen nicht annähernd ausreichend ist, um eine einigermassen zufriedenstellende Arbeit über die gesamten sporadischen Krankheiten ZU liefern, andornteiis aber die Öcuehenkrankheiten des Kindes bereits so ausreichende Bearbeitung gefunden haben, dass eine neue Beschrei­bung derselben mir niciit notwendig erscheint.
Im vorigen Jahre wurde ich wiederum, und zwar von berufener Seite aufgefordert, die Erfahrungen, welche ich bei Ausübung meines Berufes, besonders während der zwanzigjährigen Thätigkeit als Leiter der Kinder-Klinik an der Königlichen Ticrarzneischule zu Hannover zu sammeln Gelegenheit gehabt habe, zusammen zu stellen und der Öffentlichkeit zu übergehen. Diesem Wunsche möchte ich in der nachstehenden Arbeit gerecht werden.
Die Krankheiten des Kindes, deren genaue Kenntnis für den auf dem Lande praktizierenden Tierarzt von der grössten Bedeutung ist, sind, wie allgemein bekannt, nicht so gründlich erforscht und nicht so häufig beschrieben, wie die des Pferdes.
Die Armut der Littcratur an Monographien und speziellen Hand­büchern fiber Kinderkrankheiten muss von. dem in die Praxis ein­tretenden jungen Tierarzt um so bitterer empfunden werden, als er während seines Studiums nur innerhalb der letzten drei Semester ah und zu Grelegenheit gehabt hat, ein krankes Kind zu sehen, event, zu behandeln.
Es erscheint mir daher als Pflicht eines jeden Tierarztes, beson­ders aber des klinischen Lehrers, die Ergebnisse seiner eigenen prak­tischen Thätigkeit der Öffentlichkeit zu übergeben.
ocr page 10
— IV —
Ich geniige dieser Pflicht um so lieber, als mir speziell aus dem Kreise meiner ehemaligen Schiller vielfache Aufforderungen zu­gegangen sind, das von mir im Krankenstalle des Kindes Gesehene und Gelehrte zusammen zu fassen und durch den Druck zugänglich zu machen.
Das vorliegende Buch enthält meine Erfahrungen auf dem Gebiete der Pathologie und Chirurgie des Kindes. Fremde Mitteilungen habe ich, der Tendenz der Arbeit entsprechend, nur selten benutzt, wo es aber geschehen, niemals unterlassen, dies zu bemerken. Das Ganze habe ich durch systematische Anordnung, sowie durch Vorausschickung einiger Kapitel allgemeinen Inhalts möglichst praktisch zu gestalten gesucht.
Möge das Buch eine wohlwollende Aufnahme finden.
Flensbui'
8 1
im März 1890.
Carsten Harms.
ocr page 11
Inhaltsverzeiehnis.
Vorwort.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; s,'it'' Die Untersuchung des Rindes.
Lage der wichtigen inneren Organe............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I
Physiologie und allgemeine Pathologie...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
Respiration, Ilcrzthätigkoit, Puls, Temporatnr, Rumination, Sekrete und Kxkrete.
Innere Krankheiten..................2;!—2()ii
Krankheiten des Bauchfells...............nbsp; nbsp; nbsp; 23
„ der Leber.................nbsp; nbsp; nbsp; 34
„ des Verdammgstraktns............nbsp; nbsp; nbsp; 45
„ der Rosjjirationsorgane............nbsp; nbsp; nbsp;120
,, der Harnwerkzenge.............nbsp; nbsp; kid
„ des Schlundes.......... •• ...nbsp; nbsp; 132
„ des Rachens...............nbsp; nbsp; nbsp;ill
„ des Maules................nbsp; nbsp; 144
„ der Zentralorgane des Nervensystems.......nbsp; nbsp; nbsp;14(i
„ der Milchdrüse...............nbsp; nbsp; nbsp;!(gt;;!
Konstitutionelle und Infektionskrankheiten............nbsp; nbsp; nbsp;189
Das Milchfieber......................nbsp; nbsp; 243
Chirurgische Krankheiten...............nbsp; nbsp; 266
Aktinomykose . . . . #9632;...............nbsp; nbsp; 2li{)
Muskel- und Gelenkkrankheiton..............nbsp; nbsp; 282
Pauaritium.....................nbsp; nbsp; 294
ocr page 12
Register.
Aktimmiykoin, Enter- ....
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kiefer- ....
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ohrdrlisen- • . •
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rachen- ....
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Zungen- . . . .
Aktlnomykose.......
Amputation der Klaue ....
Aphthenseuohe.......
Asoitoa..........
Atrosie der unteren Striollüffilling
Aufliulten der Milch.....
Auskultation der Luftröhre . . .
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; der Lungen . . •
Ballenpanaritium .......
Bauchfellentzündung, allgemeine
akute..........
Bauchfellentzündung, partielle akute ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ohrontsche .
Bauchfelltnberkulose.....
Bauchwafisersnoht......
BläschenauBSchlag an den Strichen
Blase, Krebs in der.....
Blutextravasat über dem Euter .
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;vor dem Kuter . .
Klutharnen .........
Blutung im Gehirn......
Brand im Kuter.......
Bronchtalkatarrb...... .
Bruch, Innerer.......
Brustfelltuberkulose.....
Cerebrospinaloienlngitis . . . .
Darmeinschiebung......
Darmentzündung, krnppUse . . .
Darmkrupp.........
Darmtuberkulose ......
Darmverstopfung......
Seite 171) 2 SO 271 266 281 266 307 238 31
SWto
Diarrhöe.........nbsp; nbsp; nbsp; 03
„ akute.......nbsp; nbsp; nbsp; 83
„ clironische .....nbsp; nbsp; nbsp; !I5
der Kälber.....nbsp; nbsp; nbsp; 98
„ FrUlijulirs-.....nbsp; nbsp; nbsp; 94
„ schleimige......nbsp; nbsp; nbsp; (W
„ seröse.......nbsp; nbsp; nbsp; 93
Dislokation dor Kniescheibe . .nbsp; nbsp; 290
,, desdreiküpflgenMuskelsnbsp; nbsp; 283
Diveitiko! am Schlund.....nbsp; nbsp; nbsp;135
Durchfall.........nbsp; nbsp; nbsp; 93
„ akuter.......nbsp; nbsp; nbsp; 93
„ chronischer.....nbsp; nbsp; nbsp; •,quot;,
„ der Kälber.....nbsp; nbsp; nbsp; ^
„ Frühjahrs-......nbsp; nbsp; nbsp; 94
„ Bohleimiger.....nbsp; nbsp; nbsp; 93
„ serOser ......nbsp; nbsp; nbsp; 93
Distomatosis........nbsp; nbsp; nbsp; ^o
Dyspepsie.........nbsp; nbsp; nbsp; 08
Kchinokokkcnkrankheit der Lebernbsp; nbsp; nbsp; 38
„ der Lungenbsp; nbsp; 127
Eierstöcke, Dage der.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3
Einschiebnng des Darms ....nbsp; nbsp; nbsp; 911
Embollsohe Leberentzlindung . •nbsp; nbsp; nbsp; 36
„ Lungenentzündung. .nbsp; nbsp; nbsp;125 Kraphysem, akutes interstitielles
lyiingen-.........nbsp; nbsp; nbsp;122
Enge der StnchöiVnung, zu grossenbsp; nbsp; nbsp;184 Entzündung, akute, der Schleimhaut
des Schlundes.......nbsp; nbsp; nbsp;132
Entzündung, clironische, der Schleim­haut des Schlundes.....nbsp; nbsp; nbsp;133
Knl/,ümlniig,chronilaquo;clie, der weichen
Hirnhaut,.........nbsp; nbsp; nbsp;152
Entzündung der Schleimhaut des
Maules........nbsp; nbsp; nbsp;144
IS(gt;
104
(i
5
301
23 29 30
202 81
188 130
180 180 220 146
175
120
99
199
160
96
92
laquo;2
200
100
ocr page 13
VII
Si-itu
Seite
Entzündung;
des Kniegelenks . .
292
QehlrnhyperHmle
149
it
des Mastdarms . . .
101
Gehlrnwassersucht, hitzige . • .
149
)raquo;
des Rückenmarks und
Gelbsucht ....
34
seiner llä
ite.......
163
Gelenkentzündung, tuberkulöse
205
Entzllndung
des .Sprunggelenks
293
Gelenkrheumatismus
205
gt;'
des unteren Endes des
Geniokkrampf. . #9632;
10O
Striches
187
Geschwülste im Kehlk
opf . . .
121
Entztlndung,
Interstltlelle, des Enters
171
Geschwulst Im Striche
. .
185
katarrhalische, des
1(17
Grasseuche ....
!l-l
Knters
Harn......
21
Entzündung,
niykotische, des Magens
Harnröhre, Ausmiindu
ng der . .
3
und Darmkanals......
4S
Hartsehnauligkeit .
121
Entzlindung Euters
, parenchymatöse, des
Haube, Lage der
2
166
Herzbeutelentzündung,
traumatische
112
Entzündung,
rheumatische, des Ma-
Her/,, Lage desselben
2
gons und
Darmkanals ....
#9632;15
Herzschlag ....
7
Entzündung) rosenartige, der Haut des Euters........
Her/itöue ....
7
17laquo;
„ Aul'iialnne de
r . . . .
8
Entzündung,
toxische, des Magens
Hirnhautentzündung, (
hronische .
152
und Darmkanals......
5n
Hirnhauttuberknlose
.....
um
Entzündung
traumatische, des Ma-
Htlftgelenkluxatlon, komplette . .
285
gons und
Zwerohfells ....
102
in
komplette .
288
Entzündung,
traumatische, des zwei-
Hydrocephalus acutus
149
ten und dritten Magens . . .
85
Hyperämie des Qehlms und seiner
Krbreehen .
88
lljinte.....
149
Erkrankung,
infektiöse, der Schleim-
Icterus .....
34
haut der
[iiiftwege.....
nykom......
126
lirelkroof
266
Enteraktlnoi
17(1
Ihlenkropf ....
206
Euter, Blute
xtravasat über dem .
180
Infektiöse Erkrankung
der Schleim-
j,
„ vor . . .
180
haut der Luftwege
120
Enteren tzUn
lung, katarrhalische . Interstltlelle . .
107
171
Intluenza ....
213
raquo;
Inkomplette Luxation
des Hiift-
quot;
parenchymatöse
168
gelcnks ....
288
n
rosenartige . .
170
Katarrh, akuter, dos
Magens und
Euterfurunkel........
178
Darmkanals
66
Entergeschw
iir, traumatisches . .
17(1
„ akuter, des
Labmagens
Enterödem .
105
und Dünndarms . . .
02
Eutertuberk
dose......
204
„ chronischer.
des Magens
Fieber, schnell vorübergehendes .
18!)
und Darmkanals . • .
(ii)
Fistel an dem
Euter und den Strichen
183
„ chronischer.
des Lab-
,. an dem Solilund ....
111
magens und
Dünndarms
68
Fmohthälter
tuberkulöse ....
203
Kehlkopf, Geschwulst
im . . .
121
Furunkel Im
Euter......
178
Keldkopftuberkulose
1117
Gallensteine
36
Kieferaktinomykom
280
Gastroenterl
Hs katarrhalls • . . rheumatloa . . .
60
#9632;15
K Innrniiii mitn 1 inn
304
11
Kniescheibe, Dislokation der . .
200
Gehirablutnng.......
140
Knochenbrlicbigkeit
225
ocr page 14
VIII
I
Knochentuberkulose.....
Kolik ..........
Komplette I luxation des II iiltgelenks
Labmagen - DUnndarrokatarrb,
akuter.........
Labmagen •Dttnndanukatarrh) ohro-ntsoher.........
Labmagen, Lage desselben • •
Laotori'boe.........
IJilnmiiig der Milchxistertie . . . „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; des Schlundes ....
„ der Spelohenerven . .
Leber, Lage der......
„ Eohtnokokkenkrankhelt der
Leberegelseuohe.....
Leberentzünduiig, embolisohe . . „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;traumatische
Lecksucht .........
Leptomeningitis ohronloa . . .
l^eukämie.........
Luftriilirentulierkulose.....
Luftröhre, Verengung der . . .
Luftwege, infektiöse Erkrankung der Schleimbaut der ....
Lunge, Grenze der......
„ Kchinokokkenkrankheitder
„ Emphysem, akutes inter-
stitielles.......
Lungenentzündung, embolisohe
Lungentuberkulose......
Luxation desHUftgelenks,komplette „ „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „ inkomplette
Lymphom.........
Lyssa..........
Magen- und Darmentzündung, my-kotisehe.........
Magen- und Darmentzündung, rheu­matische .........
Magen- und Darmentzündung, to­xische ..........
Magen- u. Dannentziindung,typhöse
Ifagen-Darmkatarrh, akuter . . . „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;chronischer .
Magen, traumatische Kntzilndung des zweiten und dritten . . .
Magentuberkulose......
Magenverstopfung......
Seite 204
81 285
(12
65
3
183
181
137
282
3
38
411
36
44
Hl) 152 219 197
121
126
2 127
122 125 198
Sfitu
Magenvorlall........nbsp; nbsp; nbsp; 83
Magenzerreissmig......nbsp; nbsp; nbsp; 85
Magen-Zwerchfellentziindung, trau­matische .........nbsp; nbsp; 102
Maiseuche.........nbsp; nbsp; 220
Mastdarmentziindung.....nbsp; nbsp; 101
Maul, Festsitzen fremder Körper
in demselben.......nbsp; nbsp; 145
Maul- und Klauenseuche ....nbsp; nbsp; 238
Meningitis cerebrospinalis . . .nbsp; nbsp; 100 Milch, abnorm geringe Sukretion
derselben zur Zeit des Gebarensnbsp; nbsp; 105
Milchabscess........nbsp; nbsp; 177
Milch, Aufhalten derselben . . .nbsp; nbsp; 104
Milohdriise, Thätigkeit derselben .nbsp; nbsp; nbsp; 21
Milchfleber.........nbsp; nbsp; 243
Milchiistel ... -.....nbsp; nbsp; 183
Milchfluss.........nbsp; nbsp; 183
Milchmangel zur Zeit des Gebarensnbsp; nbsp; 163
Milchsteine.........nbsp; nbsp; 186
Milchzisterne, Lähmung der . .nbsp; nbsp; 181 Nasenspiegel, Thätigkeit der Drüse
desselben........nbsp; nbsp; nbsp; 21
Niere, linke, Lage derselben . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
rechte, „ „ . •nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
Odem am Enter.......nbsp; nbsp; 165
Ohrdrttsenaktlnomykom ....nbsp; nbsp; 274
Pansen, Lage desselben ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2
Panaritiiim.........nbsp; nbsp; 294
Hallen-......nbsp; nbsp; 301
Zehen-......nbsp; nbsp; 296
„ Zwischenklauenspalt- .nbsp; nbsp; 302
Parese des Verdauungstraktus .nbsp; nbsp; nbsp; 72
Perkussion der Hrust.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
Peritonitis, allgemeine akute . .nbsp; nbsp; nbsp; 23
„ chronische.....nbsp; nbsp; nbsp; 30
„ partielle akute ...nbsp; nbsp; nbsp; 29
Pneumothorax.......nbsp; nbsp; 124
Psalter, Lage desselben ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
Psoasabscess........nbsp; nbsp; 282
Puls, Arterien-.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;6
„ Venen-........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;6
„ „ pathologischer ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
„ „ physiologischer . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;6
Rabies..........nbsp; nbsp; 233
Uachenaktinomykoni.....nbsp; nbsp; 306
Rachenbräune .......nbsp; nbsp; 141
285 288 260 21)3
48
45
50 48 Bfl 60
85
200
88
L
ocr page 15
._ IX —
Soitu
Rachen, Featsitzen trenidcrKöipcr imnbsp; nbsp; 140
Ramm..........nbsp; nbsp; 2U0
Respiration........nbsp; nbsp; nbsp; 4
„ Frequenz der . • .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i
„ Rhythnuis der ...nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
Rotes Wasser.......nbsp; nbsp; 220
Rotlauf..........nbsp; nbsp; 218
Rilckeniiiaiks-u. Riickeniiiarkshaut-
entziimlung.......nbsp; nbsp; nbsp;153
Rlickenmarkswassersuoht ....nbsp; nbsp; nbsp;160
Ruhr...........nbsp; nbsp; nbsp; 52
„ des Kalbes......nbsp; nbsp; nbsp; 53
Rumination........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1(1
Ruptur der geraden Schenkel-
muskeln.........nbsp; nbsp; 291
Schleimhautentziindung des Maulesnbsp; nbsp; nbsp;144
Schleimhautfarbe......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;21
Schleimhaut, Sekretion der ...nbsp; nbsp; nbsp; 21 Schenkohnuskcln, die geraden, Rup­tur derselben.......nbsp; nbsp; 291
Schlempemauke.......nbsp; nbsp; 224
Schlund, Divertikcl an demselbennbsp; nbsp; nbsp;135 „ Erweiterung, partiolle, an
demselben........nbsp; nbsp; nbsp;135
Schlund, Festsitzen fremder, schar­fer Körper in demselben . . .nbsp; nbsp; nbsp;HO
Schlundflstcl........nbsp; nbsp; nbsp;Ill
Schlundschleimhautent/.iindung,
akute..........nbsp; nbsp; nbsp;132
Schlundschloimhautontziindung,
chronische........nbsp; nbsp; nbsp;132
Schlundverstopfung durch Futter-
stllcke.........nbsp; nbsp; nbsp;138
Schlundverengerung.....nbsp; nbsp; nbsp;131
Schlund, warzenartige Wucherungen
auf der Schleimhaut desselben .nbsp; nbsp; nbsp;133 Schlundwunden, durchgehende, in
der BruBtportion desselben . .nbsp; nbsp; nbsp;131 Schlundwunden, durcligeliende. in
der Ilaisportion desselben . .nbsp; nbsp; nbsp;134
Speichennerv , Lähmung desselbennbsp; nbsp; 282
Spriidigkeit der Haut der Strichenbsp; nbsp; nbsp;188
Spriinggclenkentziindung . . .nbsp; nbsp; 293
Starrkrampf........nbsp; nbsp; nbsp;229
Strahlenpilzkrankheit.....nbsp; nbsp; 268
Striche, Bläschenaussclilag an den­selben .........nbsp; nbsp; nbsp;188
Soito
Striche, eigentliche Warzen an den­selben .........188
Striche, Entzündung des unteren
Endes derselben......IST
Striche, (icschwülste in denselben 185 „ Sprödigkeit der Haut der­selben .........188
Striche, Weichwarzen auf denselben 188 Strichöttnung, Fehlen der . . . 18()
Temperatur, äusscre..... 10
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; innere...... 8
„ „ Aufnahme der­selben ......... 8
Tollwut..........283
Traumatische Entzündung des zwei­ten und dritten Magens . . . 85 Traumatisches Kutergeschwiir . . 179 Traumatische Herzbeutelentzün­dung ..........112
Traumatische Leberentziindimg . 44 „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Magen-Zworclifoll-
cnt'zündung........102
Traumatische Magen-Zwerchfell-
ontzündung mit Komplikationen 111 Traumatische Magen-Zwerohfell-entzUndung kompliziert mit
Brustfellentzündung.....119
Traumatische Magen-Zwerchfell-
entzttndung kompliziert mit
Herz- und Herzbeutelentzündung 112
Traumatische Magon-Zwerchfoll-
entzündung kompliziert mit
Leberentziindimg .....112
Traumatische Magen-Zwerchfell-entzündung kompliziert mit
Lungenentzündung.....119
Traumatische Magen-Zwerchfcll-entzündung kompliziert mit partieller Peritonitis . . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 112
Trommelsucht....... 70
Tuberkulose........190
akute......192
chronische .... 193 Hauchfell- .... 202 Brustfell- .... 199
Enter-.....2(il
,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Eruchthälter- . . . 203
ocr page 16
Setto
laquo;uito
Tuberkulose, Hirnhautquot;
„ Im Gelenk
196
20 5
Windbauch.......
Windbrnst........
76 124
„ Kehlkopf- i rühren-Knoohen-
nd Luft-
IDT #9632;20-1
Wutkrankheit......
Verengerung der Luftröhre . . „ dos Schlundes
233
121 134
Lungen- . „ Magen- und Tympanitis, akute . . „ ohronlsohe
Darm-
198
200 IG
80
Verstopfung des Darmes . .
„ Magens . . .
„ „ Schlundes . .
„ Striches unter dei
100 86
138
Waidkrankheit . . .
54 188
Zisterne durch eine Membran Vorfall des Magens ....
182
Warzen an den Strichen
83
Wassersucht, akute, des Hauch- .
(Jcliirna
149
31
Überwurf........
Zehen-Pauarltlum.....
99 299
des Btlokenmarks Weichwarzen an den Strichen .
160
188
Zerreissung des Magens . . . Zwerchfell, Lage desselben . .
85 2
Weidebnich ....
220
Zwlschenklauenspalt-Pauarltium
302
Welssbltltlgkelt . . .
210
Zungcnaktiuomykom ....
281
ocr page 17
Zur Untersuchuiig des Rindes.
Eine Anleituiig /au- Untersucluuig innerlich kranker Kinder liegt noch nicht vor und lilsst sicli zur Zeit auch wohl kaum in erschöpfender Weise geben. Es dürfte mir daher gestattet sein, diejenigen Punkte hervorzuheben, auf welche loh bei meinen Demonstrationen im Kranken­stalle stets einen besonderen Wert gelegt habe.
Die Lage einiger Organe der Bauch- und Brusthöhle. Fig. I.
Pig. I.
Bei jeder exakten systematischen Untersuchung innerlich kranker Hinder ist man bestrebt, zu ermitteln, ob und welche Organe der Bauch- und Brusthöhle druckempfindlich sind. Das Rind giebt hierbei eine absolut sichere Antwort. Ist ein unter Druck gesetztes Organ gesund, so bleibt das Tier ruhig; ist dasselbe aber in einem ent­sprechend hohen Urad entzündet, so tritt ein Ausweichen, meistens
Karins, Hiiidviulihuilkuiulünbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
ocr page 18
2
ein Stöhnen, resp. Verstärkung des vorhandenen Stölinens ein, Es ist der Sitz der Krankheit auf diese Weise recht häutig mit vollster Sicherheit zu ermitteln, während derselbe sonst niebt erkannt werden kann. Deshalb involviert die Nlohtbenutzung dieser Methode eine grosse Unterlassungssünde.
Für jede, ganz besonders aber für die auf Druckempiindliebkeit gerichtete Untersuchung ist die genaue Kenntnis der Lage der Organe durchaus notwendig. Bei den nachfolgenden Angaben stütze ich mich auf die Mitteilungen meines verehrten Lehrers, des Geheimen Me­dizinalrates Günther, sowie auf eigene Untersuchungen.
Das Zwerchfell, namentlich der mittlere Teil desselben, ist stets — freilich bei verschiedenen Bindern in ungleichem Grade — weit vorgewölbt, so dass ein grosser, aber bei verschiedenen Rindern un­gleich grosser Teil des von den Hippen seitwärts begrenzten Raumes nicht von den Brust-, sondern von den Baucheingeweiden eingenommen wird. Fig. I, 1 und 2. —
Das Hera des Rindes ist verhältnismässig klein — es hat ein Gewicht von 1,5 bis 2,5 Kilo — und wird an beiden Seiten, nament­lich doch an der rechten Seite, von einer ziemlich starken Schicht der Lungen bedeckt. Die Spitze des Herzens liegt dem fünften Inter-kostalraume, die vordere Rundung desselben dem hinteren Rande der dritten Hippe gegenüber. — Fig. I, 3. —
Die Lungen finden, wie aus dem Vorstehenden hervorgeht, be­sonders an der rechten Seite, neben dem Herzen, einen ziemlich weiten Raum; ihre hintere Grenze ist durch die Lage des Zwerch­fells bedingt.
Der Pansen nimmt den grössten Teil der Hauchhöhle ein und liegt mit seiner linken Fläche allenthalben an der Hauchwand. Fr ist nur gleich nach der Sättigung des Tieres so stark gefüllt, dass die linke Hungergrube fast ganz ausgeglichen ist. Auf der vorderen Fläche des linken Sackes des Pansens liegt die Milz.
Die Haube ruht auf dem Schaufelknorpel des Brustbeins, jedoch näher der rechten als der linken Wand und gerade hinten- dem hin­teren Mlttelfellsraume. Sie ist von aussen durch Druck auf die Schaufelknorpeigegend zu erreichen — Günther —. Ich benutze zur Untersuchung auf Druckeinpfindlichk.eit, wenn es sich, wie gewöhnlich, um die Ermittelung der träumatischeu Magen-ZwerchfellentzUndung handelt, bequemer und besser die untere Partie; der rechten Brust­wand in der Gegend der 6. und 7. Rippe. — Fig. 1, 4. —
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Der Psalter hat seine Lage an der rechten Wand zwischen der 7. und 11. Rippe. — Fig. I, 5. —
Der Labmagen liegt an der rechten Hauchwand dicht hinter dem Kippeuriiude und reicht vom Schaufelknorpei bis liber das untere Ende der letzten Rippe hinauf. — Fig. I, 6. —
Die Leber hat ihre Lage an der rechten Seite dicht hinter dem Zwerchfell und dem das Zwerchfell begrenzenden oberen Teile der beiden letzten Rippen, Niemals habe ich, trotzdem ich bei Tausenden von Rindern die Leber perkutiert habe, gefunden, dass sie bei ge­sunden Tieren über den hinteren Rippenrand hinausragte. Dagegen habe ich bei schlechter Füllung des Bauches nicht selten durch die Perkussion ermittelt, dass die hinterste Leberpartie unter dem oberen Teile der beiden vorletzten Rippen sich befand, denn hier wurde ein dumpfer — leerer oder Hcheukcl- — Ton aufgenommen. Ein Um­fassen des hinteren Leberraudes vom Mastdarm aus ist mir unter normalen Verhältnissen niemals gelungen.
Die linke Niere wird normaliter von den Querfortsätzen des dritten, vierten und fünften Lendenwirbels bedeckt; sie findet sich bei der Exploration vom Mastdarm aus aber nicht ganz selten au der rechten Seite der Wirbelsäule und ist dann leicht beweglich. In jedem Falle habe ich die linke Niere vom Mastdarm aus erreichen, wenn sie nach rechts hin übergetreten war, sogar mit der Hand um­fassen können.
Die rechte Niere liegt unter den Querfortsätzen der ersten drei Lendenwirbel; selbige ist vom Mastdarm aus nicht zu erreichen.
Die Ausmündung der Harnröhre bei dem weiblichen Rind ist eine so eigentumliche, dass die Finfithrung des Katheters oder eines Fingers in dieselbe nur dann gelingt, wenn man die anatomischen Verhältnisse genau kennt. Die AusmUndung findet zwischen zwei Blättern statt, die vorderhalb einer kleinen Grube liegen, und von denen das vordere Blatt über das hintere hinausragt. Das Finführeu eines Fingers ist nur möglich, wenn man denselben gegen den oberen Teil des vorderen Blattes drückt und dann abwärts schiebt. Die fragliche Grube liegt an der unteren Wand der Scheide auf der Grenze des Vorhofes.
Die Eierstöcke sind von mandelförmiger Gestalt, ca. 3 cm lang und in der Mitte ca. 1,6 cm dick. Hei gestreckter, d. h. vor­geschobener Scheide liegen sie rechts und links neben dem Mutter­munde, so dass man sie — bei der Kastration — durch einen am
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vordersten Ende der Scheide gemaeliten Schnitt ganz bequem mit Daumen und Zeigefinger erfassen und nach dem Seheidenraume bringen kann.
Einiges aus der Physiologie und allgemeinen Pathologie.
Die liespiratioii.
Die Frequenz der Respiration beträgt im Mittel 10—15. Die­selbe ist abhängig von dem Saucrstoft'bedlirfiiis des Tieres, der Dich­tigkeit der Luft, der Leichtigkeit der Erweiterung des Brustkorbes, von der Fähigkeit des Blutes, den Sauerstoft'aufnehmen zu köniien etc. Bei der Beurteilung der Respirationsfrequenz müssen also verschiedene Momente Berücksichtigung finden, von denen einige speziell hervor­gehoben werden sollen.
1.nbsp; nbsp; Das Alter des Tieres. In der Jugend ist das Sauerstoff-bedlirfuis grosser als im Alter; es darf daher auch nicht tiberraschen, wenn die Kälber eine höhere Kespirationsfrequenz zeigen.
2.nbsp; nbsp; Die Lufttemperatur. Hohe Lufttemperaturen wirken, wie man dies bei Weidetieren um die Mittagsstunde heisser Tage be­obachten kann, beschleunigend auf die Respiration.
3.nbsp; nbsp; Füllung des Pansens. Gleich nach der Sättigung ist die Abflaohung des grossen Inspirators, des Zwerchfells, nicht so leicht zu beschaffen wie sonst, und folglich muss dann die Respiration höher stehen. Je stärker der Pansen gefüllt ist, um so mehr ist die Ab-flaohung des Zwerchfells erschwert, und desto bedeutender unter sonst gleichen Verhältnissen die Kespirationsfrequenz.
4.nbsp; nbsp; Trächtigkeit. Unter sonst gleichen Verhältnissen steht die Respiration bei trächtigen Tieren höher als bei nichtträchtigen.
5.nbsp; nbsp; Körperstellung und -Lage. Während des Liegens ist die Abflachung des Zwerchfelles ebenfalls erschwert, besonders gleich nach der Sättigung und bei hochträchfigen Kühen,
6.nbsp; nbsp; Thätigkeit. Angestrengte Arbeit, namentlich rasches Laufen kann die Kespirationsfrequenz in bedeutender Weise steigern. In diesem Falle ist die Zunahme der Kespirationsfrequenz zum Teil viel­leicht auf das grössere Sauerstoffbedlirfnis, hauptsächlich aber darauf zurückzuführen, dass einige der Respirationsmuskeln zur Arbeit mit verwendet werden. — Siehe die Myologie von Günther, Seite 126. —
Die Feststellung der Bespirationsfrequenz ist bei mir der erste Akt der speziellen Untersuchung, wenn es sich um die Ermittelung einer inneren Krankheit handelt. Es wird aus solcher Entfernung,
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(lass iniiu die Aufmerksamkeit des Tieres nicht erweckt, die Hebung und Senkung der Bauch- und Hrustwand oder der Nasontillgel auf­genommen. Mitunter kann man hierzu den Exspirationsstrom be­nutzen; die Aufnahme desselben erfolgt in der Kälte durch das Auge, in der Wärme durch die Hand. Bei tier Angabe der Respirations' und Pulsfrequenz ist die Minute stets die Zeiteinheit, und deshalb ist die Bemerkung pro oder per Minute oder in der Minute vollständig überflüssig. Sehr erschwert wird die Feststellung der Respirations­frequenz durch Fressen, Saufen, Wiederkauen, Koten, Urinieren, Schnüffeln etc.
Der Rhythmus der Respiration ist heim Kinde ganz und gar so wie hei den Uhrigen Tieren; auf die Inspiration folgt die Kxspiration, dann tritt eine kleine Pause ein. Zwischen In- und Exspirationsdauer habe ich keinen Unterschied gefunden.
Die spezielle Untersuchung der Brust geschieht durch die Per­kussion und Auskultation.
Die Perkussion wird heim Rinde regebnässig iiiitteist IIannner und Plessimeter beschafft. Es wird dabei, soweit gesundes Lungen­gewebe unter der Rippen wand liegt, ein lauter Ton vernonimen, dessen Intensität nicht an allen Stellen gleich ist. Der Ton ist in halber Brusthöhe am lautesten, in der obersten und hintersten Partie, nament­lich zu beiden Seiten der Herzgegend wenigen- laut. Zur genügenden Orientierung ist aber Übung am gesunden Tiere notwendig. Bei der Perkussion magerer Kinder kann man mit einem kleinen Hammer und leichten Sehlägen auskommen; bei der Perkussion sehr mus­kulöser, resp. fetter Rinder inuss ein grosser Hammer benutzt und stark aufgeschlagen werden. Besonders hervorheben möchte ich, dass sich nicht alle Plätze gleich gut zur Perkussion qualifizieren. Man bekommt mitunter Im Freien in irgend einem Winkel eines Uebäudes ein viel deutlicheres Resultat als im Stalle.
Die Auskultation der Lungen geschieht mittelst des direkt au­gelegten Ohres — ohne Stethoskop —. Man vernimmt dabei zur Zeit der Inspiration ein schwaches — ein murmelndes oder säuselndes — Geräusch, das sogenannte Bläschen- oder vesikuläre Creräusch, während der Exspiration nichts. Das Inspirationsgeräusch in der vordersten Partie der Lungen wird durch das in den hier liegenden grösseren Bronchien vorhandene Geräusch verstärkt und bronchovesikuläres Ge­räusch genannt. Bei jungen Tieren ist das Bliischengeräusch unter sonst gleichen Verhältnissen stärker als bei alten Tieren. Bei ge­steigerter und sehr angestrengter Respiration ist das Inspirations-
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geräuscli (ieiitlioli(!r iiud bei der Exs]laquo;ration ein hauohouder Ton zu venieliinen.
Bei der Auskultation der Luftröhre verninimt man nicht mir bei der Inspiration, sondern auch bei der Exsjüration ein Geräusch, das durch die Laute cliü und chi ungefähr auszudrUcheu ist,
Bei dem Aushorchen der linken Brustseite hört man nicht selten das Geräusch der peristaUischen .Bewegung des Pansens. Dasselbe charakterisiert sich jedoch in der bestimmtesten Weise dadurch, dass es unabhängig von den Respiratioiis|)hasen und llcrzaktioneu auftritt.
Dor Puls.
Schon seit fünfundzwanzig Jahren spreche ich beim Rinde vom Arterien- und Vcneupuls.
Der Art er! enpuls.
Dieser wird der Kegel nach von mir an der beim Kinde anders als beim Pferde gelagerten Gesichtsarterie aufgenommen, weil an dieser Stelle die Zahl nicht nur, sondern auch die etwa vorhandenen Eigentümlichkeiten am leichtesten und sichersten zu ermitteln sind.
Über die Zahl des Pulses lassen sich für alle Verhältnisse sichere Angaben zur Zeit noch nicht machen, weil nicht Zählungen genug vorliegen. Mau nmss sich deshalb in seinem Kreise zu informieren suchen. In der Gartengemeinde zu Hannover fand ich bei den — wenigstens anscheinend — gesunden Kühen gewöhnlich 60 bis 80, ausnahmsweise nur ca. 50 Pulse.
Die Regelmässigkoit des Pulses wird nach meinen Beobach­tungen durch physiologische Vorgänge nicht heeinthisst. Die Zahl der Pulse nimmt bei der Arbeit und bei hoher Lufttemperatur mit-unter bedeutend zu.
Der Venen p u 1 s.
Dieser ist nach den von mir autgestellten Bezeichnungen ent­weder ein physiologischer oder ein pathologischer.
Der physiologische Venenpuls ist last bei allen Kühen der Niederungsrasse, die ich in Hannover zu besehen Gelegenheit hatte, ge­funden worden. Derselbe besteht in einer stärkeren Anfüllung der #9632;lugularis zur Zeit der Systole der Herzkammern und ist folglich stets von derselben Höhe wie der Arterlenpuls. Er tritt mitunter nur am unteren Ende des Halses auf, reicht meistens aber bis zum Teilungs­winkel des Gefässes. Die Entstehung, resp. die Ursache des physio­logischen Venenpulses kann ich nicht mit Sicherheit angeben; die-
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sell)e darf aber wohl darauf zurtickgeflilirt werden, dass das Ein-strömeu des Blutes in den Vorhof zur Zeit der Systole der Kammern allmalilieli geringer wird oder am Ende derselben ganz aufhört. Die einfache Beobachtung des Halses giebt uns bei den Kühen der Niederungsrasse — ob bei den Klihen anderer Bässen, woiss ich nicht
—nbsp; gewöhnlich sichere Auskunft über die Höhe des Pulses.
Der physiologische V e n e n p u 1 s wird den Unk u n -digen sehr leicht zur Diagnose „Herzfehlerquot; veranlassen.
Der pathologische Venenpuls besteht nicht nur in einer An­stauung, sondern in einem wirklichen ZurUekströmen, in einem lle-gurgitieren des Blutes aus dem Vorhofe und der vorderen Hohlvene in die Jugularis. Der pathologische Venenpuls kann erstens in gleicher Höhe mit der Bepiration stehen und mit der Exspiration zusammen­fallen. Dies habe ich bei solchen Erkrankungen der Lunge kon­statiert, bei welchen ich annehmen durfte, dass dieselbe die Fähigkeit verloren habe, sich zusammenzuziehen, so dass sie zum Zweck des nötigen Luftwechsels durch den Brustkorb — die Respirationsmuskeln
—nbsp; nbsp; zusammengepresst werden uiusste. — Intcrstitielles Lungen­emphysem , hochgradige Lungentuberkulose etc. — Derselbe kann zweitens aber auch in gleicher Höhe mit dem Arterienpulse stehen und mit der Systole der Herzkammer zusammenfallen. Ersteres habe ich ziemlich häufig, letzteres sehr selten gesehen.
Die Aufnahme des Pulses muss bei voller Buhe des Tieres, also uieht gleich nach dem Aufstehen desselben vorgenommen werden.
Der Herzschlag.
Herzschlag oder Herzstoss wird die Erschütterung des Brust­korbes genannt, welche durch die Systole der Herzkammern hervor­gerufen wird, und folglich mit dem Arterienpuls in gleicher Höhe stehen muss. Er wird in der untersten Partie der linken Brustwand, in dem Baume zwischen der dritten und fünften Hippe aufgenommen.
Die Herztöne.
Legt man das Ohr fest gegen die Stelle der Brustwand, an welcher der Herzschlag aufgenommen wird, so vernimmt man zwei Töne, die als erster und zweiter Ton bezeichnet werden.
Der erste Ton ist stark, dumpf und gedehnt, füllt mit der Systole der Kammern zusammen — systolischer Ton — und soll durch die Anspannung der Atrioventrikularklappen, nach einigen zum Teil durch die Kontraktion des Herzmuskels hervorgerufen werden.
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Der zweite Ton ist heller, umschriebener und weniger stark als der erste Ton, er füllt mit der Diastole zusammen —- diastolischer Ton — und ensteht infolge der Anspannung der Semilunarklappen. Zwischen dem zweiten und ersten Tone konstatiert man eine Pause, zwischen dem ersten und zweiten nicht.
Die Aufnahme der Herztöne wird erschwert, bzw. unmöglich gemacht erstens durch Geräusch in der Umgebung des Tieres, zweitens durch sehr starkes Bläscliengeräusch, wie man es bei er­höhter und angestrengter Respiration findet, und drittens durch Zittern des Tieres. Der letzteren Thatsache wegen auskultiert man das Herz im Winter lieber auf dem etwas geräuschvollen Standplatz als in einem Baume, wo es kalt ist, denn nach dem Übertritt aus einem warmen in einen kalten lümm langt das Rind, besonders dann, wenn es an einer fieberhaften Krankheit leidet, sehr leicht an zu zittern.
Ganz besonders dürfte noch hervorzuheben sein, dass bei den Kühen die Herztöne von mir sehr häufig an der Hauchwand gehört worden sind, jedoch deutlicher au der linken als an der rechten Seite. Um allen falschen Deutungen zu begegnen, füge ich noch hinzu, dass sämtliche Kühe, bei denen ich die Herztöne an der Hauchwand gehört habe, nicht trächtig waren.
Die innere Temperatur.
Die innere Temperatur wird ausserordentlich verschieden ange­geben. Sie soll nach Krabbe und Müller 38,8, nach Siedamgrotzky 38,9, nach Zünde! 3!),0, nach Lydtin 38,0 bis 38,0 betragen.
Die Temperatur steigt bei der Arbeit und steht wahrscheinlich bei Kälbern höher als bei älteren Tieren. — Letzteres nehme ich an, weil ich regeimässig bei Lämmern die Temperatur höher gefunden habe als bei den erwachsenen Schafen. —
Für die Aufnahme der Temperatur möchte ich folgendes be­merken :
1.nbsp; Zur Aufnahme der Temperatur können allerdings verschiedene Körpcrstellen verwendet werden, stets passend ist der Mastdarm, und dieser wird auch allgemein von uns dazu benutzt. In der Tierheil­kunde ist bei Angabe der inneren Temperatur stets Mastdarm-temperatur gemeint, wenn keine Angabe über den Ort der Aufnahme gemacht ist.
2.nbsp; nbsp;Hei der Applikation des Thermometers erfasst ein Gehilfe den Kopf des Tieres, der Tierarzt hebt den Schwanz des Tieres in die Höhe, führt das Instrument vorsichtig in den Mastdarm hinein
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und hält es fest. Letzteres ist notwendig, weil das Tier zuweilen infolge des durch das Thcnnoineter gesetzten Reizes anfängt zu drängen. Niemals habe loh gesehen, dass das Kind bei der Ein­führung des Instruments gesehlagen hat; aber einmal habe ich erlebt, dass eine Kuh sich der Einführung des Thcnnoineters in dem Grade widersetzte, dass ich, weil loh keine Zwangsmittel gebrauchen wollte, auf die Aufnahme der Temperatur verzichten musste.
;i. Der Mastdarm muss leer sein. Ist der Mastdarm mit Kot gefüllt, so tritt ganz gewöhnlich — nicht immer — eine Entleerung desselben ein, wenn das Instrument eingeführt wird. Hteckt das Thermometer im Kote, so bekommt man eine zu niedere Temperatur-angäbe. Ein Ausräumen des Mastdarmes mit der Hand habe ich vor der Aufnahme, bzw. zum Zweck der Aufnahme der Temperatur niemals gestattet.
4.nbsp; nbsp;Das Thermometer muss so lange liegen bleiben, bis die Säule nicht mehr steigt. Je empflndlieber das Instrument ist, um so rascher kann man arbeiten; und die schnelle Feststellung der Temperatur ist besonders dann erwünscht, wenn viele Tiere untersucht werden sollen. I5ei meinen ersten, auf Befehl Gerlaohs und für denselben in Holland gemachten Messungen bei an Pest erkrankten Kindern habe ich aus Maugel an Sachkenntnis hierauf nicht Rücksicht genug genommen; das Thermometer wurde mitunter schon nach einer Minute entfernt,
5.nbsp; nbsp;Man muss sein Instrument kennen, denn die Thermometer zeigen ziemlich bedeutende Differenzen. Bei vor mehreren Jahren stattgefundenen Untersuchungen fand ich Differenzen bis zu 0,8 Grad. Unter den fünf Thermometern eines Menschenarztes, welche ich vor kurzer Zeit zu sehen Gelegenheit hatte, betrug die grösste Differenz einen Grad. Die Kontrolle des zu benutzenden Instruments durch einen Physiker oder die Vergleichung desselben mit einem Normal-thcrmonieter ist dem Praktiker auf dem Lande nicht immer möglich. Deshalb muss ich empfehlen, jedes neu angekaufte Thermometer hei einer hinreichenden Zahl gesunder Rinder ZU probieren. — Die Thermometer, welche ich in Holland zu den eben erwähnten Messungen gebrauchte, waren in keiner Weisse kontrolliert. Aus diesem und dem vorhin angeführten Grunde sind die Temperaturangaben, die Gerlach in seiner Arbeit über Rinderpest gemacht hat, weniger genau, als es wünschenswert wäre. Den sei. Gerlach trifft die Schuld für diese unsichere Angabe also nicht. Aber auch für die anderen unzulässigen Angaben kann man ihn kaum verantwortlich machen, weil es ihm an Zeit mangelte, die von ihm angeordneten Versuche
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und Untemiphungen zu kontrollieren. — Siehe die Königlicbe Tierlaquo; arzneisohule zu Hannover, Seite 165, Zeile sieben von oben. —
Kann man beim Rinde in jedem Falle aus der Höhe der Mastdarm temp eratur einen sicheren Schluss auf die Stärke des Fiebers ziehen? Nein!
Bei anscheinend ganz gesunden Kindern, bei Rindern, welche fressen, saufen und ruminieren, auch einen normal hoben Puls haben, lindet sieb zuweilen eine abnorm hohe Temperatur im Mastdarm. Als ich auf Befehl der Königlicben Landdrostei Hannover während der Rinderpest-Invasion sämtliche auf der Eisenbahn die Stadt Hannover passierende Kinder auf Rinderpest untersuchen musste, fand icb das erste Mal unter ca. 140 Rindern mehrere mit einer Mastdarm-tempemtur von 40deg; und darüber; trotzdem aber wurde der Zug nicht sistiert. Eine genügende Erklärung konnte ich den anwesenden Studierenden nicht geben; ich brachte jedoch diesen Umstand mit den Tliatsachen in Verbindung,, dass auf einem längeren Eisenbahn­trausporte bei verhältnismässig vielen Rindern die Erscheinungen der Brunst auftreten, und dass hochträclitige Kühe während einer längeren Eisenbahnfahrt oder bald nach Beendigung derselben kalben.
Dagegen habe icb mitunter bei akuten Magen- und Darnikrank-heiten etc. nicht nur keine abnorm liobe, sondern ausnahmsweise eine subnormale Temperatur aufgenommen.
Die äussere Temperatur.
Diese wird regelmässig aufgenommen. Eine besondere — nor­male — Höbe der Temperatur für die verschiedenen Körperstellen lässt sich nicht angeben, weil dieselbe nur mit der Hand aufgenommen wird. Man musa sich durch häutige Untersuchungen zu informieren suchen, dabei aber stets berücksichtigen, dass je geringer die Masse im Vergleich zum Umfange, um so bedeutender die verbältuismässige Ausstrahlung von Wärme ist. Gleiche Teile müssen gleich warm sein. 1st das eine Ohr kälter als das andere, so ist das abnorm. Der Unterschied ist zuweilen sehr bedeutend; das eine Ohr kann brennend heiss sein, während das andere die normale, vielleicht eine subnormale Temperatur erkennen lässt.
Die Rumination.
Das Rind beginnt mit der Rumination sofort nach der Sättigung und vollzieht den Brozess am liebsten in voller Ruhe — liegend —, unter ungünstigen Verhältnissen auch stellend, sogar während der
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Bewegung. Wenn man daH ruminierende Rind beobachtet, sieht man folgendes:
Auf der Höhe der Inspiration wird die Kespiration sistiert und darauf die Bauchpresse in vollste Thätigkeit gesetzt. Dann tritt unter Streckung des Kopfes in der linken Drosselrinne ein Bissen in die Höhe, und sobald derselbe in der Maulhöhle angekommen ist, sieht man in der linken Droselriune Wellen abwärts laufen, und es beginnen gleichzeitig die Kaubewegungen. Sowie der Bissen durch dreissig bis siebzig Kieferbewegungeu gründlich zerkleinert worden ist, wird er geschluckt. — In dieser Weise werden die beim Kuminationsprozess sichtbaren Erscheinungen gewöhnlich angegeben. Ich muss aber noch besonders darauf aufmerksam machen, dass wenigstens manches Rind, nachdem es die Zerkleinerung des Bissens ungefähr zur Hälfte be­endet hat, eine Schluckhewegung macht, und dass mau dann gleich nachher in der linken Drosselrinne abwärtslnufende Wellen sieht.
Die yerschiedenen Akte.
So schnell und regolmässig die Rumination verläuft, so leicht man sich von dem Stattfinden derselben überzeugt, so schwer ist es, sich über die einzelneu Akte Auskunft zu verschaffen, wie die vielem Kontroversen zur Genüge beweisen. Wie alle Kontroversen, so muss mau auch die über den Ruminatioiisprozess bestehenden auszugleichen suchen, und deshalb habe ich mir die folgenden Fragen zur Be­antwortung gestellt.
1. In welche Magenabteilung gelangt der Bissen beim ersten Schlucken P Wenn man sich diese Frage vorlegt, so handelt es sieh nicht darum, zu ermitteln, wohin feine Partikelchen oder Bruchstücke eines Bissens gelangen können, sondern nur um die Feststellung der Magenabteilung, in welche der Bissen durch die peristaltischen Be­wegungen des Schlundes gebracht wird. Indem nun über etwaiges Stattfinden einer Teilung des Bissens am Eingang in den Magen keine Beobachtungen, resp. Angaben gemacht worden sind, so darf man a priori behaupten, dass ein und derselbe Bissen auch nur in eine Magenabteilung gebracht werden kann. Indem dies wohl, wenn auch nicht von allen, so doch von den meisten Kollegen zugegeben werden wird, so handelt es sich fernerhin darum, ob jeder Bissen, einerlei ob er gross oder klein ist, in eine bestimmte Magenabteilung hineingelangt, oder ob dies vielleicht nach der Grosse des Bissens verschieden ist. Es kann sich — s. u. - überall nur um zwei Maffen-
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abteilUQgeu handeln, nämlich um Faamp;Beu und llauho. In früherer Zeit wurde nun wohl angegeben, dass grosse Bissen in den Pansen, kleine Hissen dagegen in die Haube gelangten. Dieser Ansieht kiinn ich nicht beitreten, sondern spreche mich ganz bestimmt dahin aus, dass jeder Hissen, sowohl der grosse wie auch der kleine, ausnahms­los in den Pansen lallt. Dass dies der Fall sein muss, geht schon aus den auatomischen Verhältnissen, aus dem direkten Übergange des Schlundes in den Panseu, hervor; wird weiterhin aber noch da­durch bewiesen, dass erstens bei Tieren, die kurze Zeit vor dem Tode Hafer bekommen haben, dieser gleich nach dem Tode einzig und allein im Pansen gefunden wird; zweitens die in den Schlund ein­geführte Schlundsoude beim weiteren Vorschieben stets nach dein Pansen gelangt; drittens grosse und kleine, schwere und leichte Pilleu beim Kingeben stets nach dem Pansen gleiten. Diejenigen, welche diese Beweise für nicht ausreichend halten, mache ich noch auf folgendes aufmerksam. Wenn kleine Hissen nach der Haube gelaug­ten, so würden auch doch regelmässig, da die kleinen und grosseu Hissen, wenn auch quantitativ verschieden, qualitativ gleich zusammen­gesetzt sein müssen, grob zerkleinerte Massen in der Haube vorhanden sein, was aber nicht der Fall ist.
2. Wohin gelangt das aufgenommene Getränk? Diese Frage kann ich ebenso sicher beantworten, wie die vorige. Ich darf mich mit voller Bestimmtheit dahin aussprechen, dass die aufgenommene Flüssigkeit zunächst einzig und allein in den Pansen gelangt, bald darauf aber zum Teil in die Haube übertritt. Der sub 11 angeführte Versuch beweist, dass von den eingegebenen Flüssigkeiten wenigstens ein grosser Teil nach dem Pansen gelangt. Der Versuch, bei wel­chem ich einer Ziege kurz vor dem Töten Tinte eingab, und bald darauf am Kadaver die vordere Partie des Inhalts der Haube schwach
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efärbt fand, scheint dafür zu sprechen, dass ein Teil der geschluck-
ten Flüssigkeit sofort nach der Haube gelangt, beweist dies aber durchaus nicht. Es ist a priori sogar wahrscheinlich, dass die Tinte erst nach dem Tode des Tieres nach dem 2, Magern hinübergetreten ist, denn wäre es bei Lebzeiten geschehen, so würde sie auch wohl infolge der Bewegungen des Magens gleichmässig mit dem flüssigen Inhalte der Haube gemischt worden sein. Die anatomischen Verhält­nisse sprechen schon dafür, dass die aufgenommeneu Flüssigkeiten zunächst einzig und allein nach dem Pansen gelangen, und festgestellt wird dies durch den sub 13 angeführten Versuch, bei welchem ich während des Fingebens von Flüssigkeit mittelst eines Guinmiscblauches
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die Hand in der lliuibo und der Schluiidiiuiie hielt und konstatierte, dasraquo; liier nicht einmal Spuren der Flüssigkeit ankamen.
Wird eine grösscre Menge von Flüssigkeit aufgenommen, so tritt bald ein Teil derselben nach der Haube hinüber; denn in einem Falle, in welchem ich ca. eine halbe Stunde nach dem Tränken die Hand in die Haube hineinschob, fand ich dieselbe zur Hälfte mit einer flüssigen Masse gefüllt.
Obgleich ich also durch die in den Magen eingeführte Hand festgestellt habe, dass das Getränk zunächst einzig und allein nach dem Pansen gelangt, mache ich dennoch darauf aufmerksam, dass Flüssigkeit direkt vom Schlund mittelst der Sciilundrinne nach dem Psalter und Labmagen gar nicht geschafft werden kann, weil 1. die Schlundrinue nicht in gleicher Richtung mit dem Schlünde verläuft, sondern sofort nach rechts hinübertritt; 2. die Lippen der Schluiul-rinne in der Kühe des Schlundes zu niedrig und zu weit von ein­ander entfernt sind; 3. sonst nach dem Heften der Schlundrinue in der Nähe des Schlundes Störungen in der Verdauung und namentlich in der Verteilung der Flüssigkeiten eintreten müssten, die an den bezüglichen Versuchstieren aber nicht gesehen worden sind.
3.nbsp; nbsp;Was wird aus dem aufgenommenen Futter? Sehe ich von den chemischen und jihysikalisclien Umänderungen ab, so darf ich behaupten, wie auch allgemein angenommen wird, dass derjenige Teil des Futters, welcher beim — ersten — Ivanen gründlich zer­kleinert worden ist, grösstenteils direkt vom Pansen nach der Haube und dem Psalter in später anzugebender Weise gebracht wird; dass derjenige Teil des aufgenommenen Futters dagegen, welcher beim ersten Kauen nicht gründlich zerkleinert wurde, wieder nach der Maiilhöhle gebracht und anhaltender gekaut, gründlicher zerkleinert — rumiuiert — wird.
4.nbsp; Wie gelangen die im Pansen vorhandenen feinen Bestand­teile nach der Haube und dem Psalter? Hierauf komme loh später wieder zurück; ich bemerke hier daher nur, dass der Übertritt ab und zu, namentlich aber in dem Moment geschehen wird, in welchem ein Hissen aufwärts durch den Schlund ins Maul spediert wird.
5.nbsp; Aus welcher Magenabteilung wird ruminiert? Mit anderen Worten, aus welcher Magenabteilung wird die Masse, die nochmals gekaut werden soll, in den Schlund gebracht? Die anatomischen Verhältnisse geben schon Anhaltspunkte an die Hand, und das Ex­periment giebt sichere Auskunft darüber; es ist daher auch kaum zu begreifen, dass über diesen Akt noch Kontroversen bestehen. Der
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Öcblund geht in den Pansen, also in diejenige Magenabteilung über, in welcher einzig und allein diejenigen Massen liegen, die ruminiert werden sollen, und folglieb darf aueb sebon im voraus angenonunen werden, dass das Futter vom Pansen aus in den Seblund binein-gesohoben wird, um so mebr, weil der Scbluud triebtert'örmig ausläuft. Diese Annahme wird zur Gewissbeit erhoben, wenn man zum Ex-periment übergebt. Heftet mau nämlieb — s. n. — die Sohlundrinne in der Nabe des Schlundes, so fängt das Tbier am zweiten, resp. dritten Tage nach der Operation an zu rumiuiercu, und vollzieht dann bald den ganzen Akt so regelmässig und ergiebig wie frliber. leb bemerke speziell, dass ich die Sohlundrinne 0 cm vor dem Schlünde geheftet habe.
Die Frage ist hiermit für mich endgültig entschieden; ich mache aber diejenigen Herren Kollegen, welche glauben, der Bissen steige von der Haube aus vermittelst der Seblundrinue in den Schlund hinein, darauf aufmerksam, dass 1. die Sohlundrinne zum Aufnehmen eines Bissens gar nicht qualifiziert ist, weil die Lippen derselben am Schlünde zu schwach sind und sieb nicht einmal auf starke Reize kontrahieren; 2. die Fortscbaffung eines Bissens aus der Schlundrinne in den Seblund absolut unmöglich ist, indem Seblund und Seblund­rinue einen Winkel bilden; 3. in der Haube des lebenden Kindes niemals grobe Massen von mir gefunden worden sind; und 4. wenn aus der Haube ruminiert würde, nach dem Heften der Schlundrinne in der Nabe des Schlundes sofort bedeutende Störungen eintreten milssten, was aber nicht der Fall ist.
6. Wie gelangt das wiederzukauende Futter in den Schlund? Sobald das Tier ruminieren will, inspiriert es tief, sistiert auf der Höhe der inspiration die Kespiration, stellt somit das Zwerchfell möglichst weit rückwärts fest, zieht darauf den vorderen Beckenrand vorwärts und spannt dann unter Schliessung der Glottis alle Bauch­muskeln stark an — Bauchpresse. — Gleichzeitig mit den Bauch­muskeln kontraliiert sich der Magen, besonders der mit den sog. grossen Pfeilern versehene Pansen. Bei diesem Vorgange wird der Inhalt des Pansens stark gehoben, und von dem vorderen Teil desselben, der stets die meiste Flüssigkeit enthält, etwas in den Schlund hinein­geschoben. Infolge der hierdurch bedingten Keizung kontrahiert sich der Schlund und trennt dabei einen Teil des Futters — einen Bissen — ab, welcher durch sofort eintretende antiperistaltiscbc Bewegungen nach der Maulböhle geschafft wird. — Die Bemerkung, der Pansen könne sicli nicht so stark kontrahieren, um etwas in den Seblund
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hineinzutreiben) ist wohl nicht sein- ernstlich gemeint; die betreffenden Herren werden sich wohl nicht erinnert haben, dass beim Erbrechen zuweilen in kürzester Zeit so bedeutende Mengen aus dem Pansen zu Tage gefördert werden, dass dieselben unmöglich zunächst nach der Haube haben hinlibertreten können.
7.nbsp; Ist die Bumination ein willkürlicher oder unwillkürlicher Akt? Die Humiliation ist wohl zum Teil ein willkürlicher, zum Teil ein unwillklirlicher Akt. Sobald die eigentümliche Sensation, welche unter dem Namen „Hungergefühlquot; bekannt, im Labmagen aufgetreten ist, wird das Tier mit der Humiliation beginnen. Das Tier wird die Muskeln, welche in ihrer Gesamtheit die Bauchpresse bilden, will­kürlich kontrahieren, und damit gleichzeitig unwillkürlich die Kon­traktion des Magens hervorrufen. Wir sehen ähnliches, jedoch in umgekehrter Reihenfolge, bei der Ausstossung der Frucht, hei welcher die Kontraktionen des Fruchtbälters — die Wehen — auch Kon­traktionen der Bauchmuskeln hervorrufen.
8.nbsp; nbsp;Warum fallt der Bissen nicht in den Kehlkopf? Diese Frage ist meines Wissens auch noch niemals aufgeworfen worden. Auf spezielles Hefragen sagte der Geheime Medizinalrath Giinther mir, dass der aufsteigende Bissen die (üesskannenknorpel niederdrücke, und so das Hineinfallen desselben in den Kehlkopf verhindert werde. loh habe mich am Kadaver zu informieren gesucht, und bin dabei zu demselben Resultat gelangt.
9.nbsp; Wo und wie entstehen die nach dem Aufsteigen eines Bissens an der linken Halsseite in der Drosselrinne sichtbaren WellenP Diese Wellen müssen im Schlünde verlaufen und durch abwärts tretende Flüssigkeit erzeugt werden. Mit dem Bissen muss eine übergrosse Menge von Flüssigkeit nach der Maulhöhle gelangen, und daher ein Teil derselben sofort wieder geschluckt werden. Ebenso wird während der gründlichen Zerkleinerung des Bissens der Manl-saft in reichlich grosser Menge geliefert, und daher schon vor dem Bissen zum Teil geschluckt werden.
Die noch von einigen vertretene Ansicht, dass diese Wellen in der linken,Jugularis verlaufen, wird schon durch die Thatsache, dass nicht allein nach dem Aufsteigen eines Bissens, sondern auch sobald der Zerkleinerungsprozcss in der Maulhöhle zur Hälfte beendet und eine Schluckbewegung gemacht worden ist, die fraglichen Wellen auftreten, sehr zweifelhaft, durch den sub 5 — s. u. — angegebenen Versuch aber endgültig widerlegt.
10.nbsp; Wohin gelangt der wiedergekaute Bissen beim Schlucken P
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Indem ich auf die Beantwortung der ersten Frage hinweise, mache ich hier zunächst darauf aufmerksam, dass, da 1. die öchlundrinne mit dem Schlund einen Winkel hildet, und 2. die Lippen der Schlund­rinne auf starke Heize nicht sofort durch Bewegung reagieren, selbige sehr weit voneinander stehen und in der Nähe des Schlundes nicht allein am schwächsten, sondern wirklich schwach sind, der Bissen auch in den Pansen hineinfallen muss. Fernerhin hebe ich zum Überfluss hervor, dass, wenn normaliter der wiedergekäute Bissen von der Schlundrinne aufgenommen und weiter geleitet würde, dann auch nach dem Heften der Schlundrinne in der Nähe des Schlundes be­deutende Störungen eintreten müssten, was aber, wie schon früher angegeben, nicht der Fall ist.
11. Wann und wie wird das wiedergekaute Futter, das also, wie oben bemerkt, zunächst in den Pansen gelangt, rückwärts ge­schafft? Das im Pansen vorhandene fein zerkleinerte Futter, einerlei oh dasselbe ein- oder zweimal gekaut worden ist, wird ab und zu, namentlich jedoch während der Rumination, wobei der Pansen sich ja stark kontrahiert, den Inhalt also hebt, nach der Haube, einzig und allein aber während der Rumination von der Haube nach dem Psalter gebracht. In dem Moment, in welchem ein Bissen aus dem Pansen in die Höhe geschoben wird, wird fein zerkleinerte Masse in Verbindung mit einer entsprechenden Quantität Flüssigkeit aus der Haube in die Schlundrinne, und mittelst dieser zwischen die Blätter des Psalters gebracht. Da die Schlundrinne nicht gebraucht wird, um wiederzukauende Massen aufzunehmen und in den Schlund zu treiben, ebensowenig dazu dient, den durch den Schlund ankommen­den Bissen direkt dem Psalter zuzuführen, so darf man, da der Schöpfer alles auf das weiseste eingerichtet, also auch nichts unnlltz veranlagt hat, von vornherein die Schlundrinnc als den Schlund des Psalters bezeichnen. So wie aus dem Jlaule durch den Schlund dem Pansen, so werden aus der Haube vermittelst der Schlundrinne dem Psalter Massen zugeführt. Das Resultat des Versuches, in welchem ich die Schlundrinne vor dem Schlünde heftete, beweist mit voller Bestimmtheit, dass die Sohlundrinne nicht dazu da ist, um den Bissen in den Schlund zu treiben, oder den durch den Schlund ankommen­den Bissen aufzunehmen und weiter zu leiten. Das Ergebnis des' Versuches, in welchem ich die Schlundrinne 6 cm vor dem Psalter heftete, beweist mit eben derselben Sicherheit, dass die Sohlundrinne dazu veranlagt ist, die entsprechenden Massen aus der Haube auf­zunehmen und dorn Psalter zuzuführen. Denn obgleich in diesem
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Versuch die Hauben-Psalteröffiumg nicht verschlossen war, blieh dennoch das wiedergekaute Futter beinahe in ganzer Menge vor dem Psalter zurück. Da nun die Sohlundrinne in der Haube liegt, so kann auch nur von hier aus etwas in dieselbe gebracht werden. Der Über­tritt von fein zerkleinerten Massen aus der Haube vermittelst der Schlundrinne nach dem Psalter kann, weil die Schlundrinne an der oberen Wand der Haube liegt, nur, wie schon oben bemerkt, in dem Moment geschehen, in welchem ein Bissen aufwärts getrieben wird. So wie der Pansen sich kontrahiert und gehoben wird, erfolgt dasselbe mit der Haube und dem Psalter. Bei diesem Vorgange wird der Inhalt der Haube gegen die obere Wand derselben, der eine Teil des Hauben­inhaltes in die Schlundrinne und mittelst dieser in den Psalter hinein-gepresst. Der Teil, der nach dem Psalter gelangt, muss, da der Psalterkanal infolge der Kontraktion und Hebung des Organs ge­schlossen ist, zwischen die Blätter treten, was vielleicht durch die am Ende der Schlundrinne vorhandenen Wärzchen, sowie durch die jeden­falls stattfindende Kontraktion der Blätter begünstigt wird. Obgleich ich der Meinung bin, in dem Vorstehenden schon Beweise genug für die Richtigkeit meiner aufgestellten Behauptung geliefert zu haben, füge ich dennoch folgendes an: Wenn aus irgend einem Grunde die Kumination sistiert, so wird der Inhalt des Psalters, natürlich in sehr verschiedenem Grade, trocken, und zwar deshalb, weil dann von der rückwärts laufenden Flüssigkeit nichts zwischen die Blätter des Psalters tritt, sondern durch den freien Kanal desselben nach dem Labmagen gelangt. Die Rinder können sogar zu einer Zeit, zu welcher der Inhalt des Psalters vollständig trocken ist, infolge verabreichter Laxantia laxieren. Fernerhin, wenn bei Tieren, die am akuten Magen-Darmkatarrh leiden, die Rumination sistiert, die Peristaltik im Pansen aber noch nicht vollständig erloschen ist, so findet man Panseninhalt im üannkanal, Labmagen und im Psalter, im Psalter aber nur in dem Kanäle oder hier und da zwischen den grossen Blättern in nächster Nähe des freien Kanales. Die Flüssigkeit, die aufgenommen wird, reisst dann auch grobe Partikelchen mit nach der Haube und weiter rückwärts, bringt dieselben aber nicht zwischen die Blätter des Psalters. 12. Muss alles Getränk und alles Futter zunächst zwischen die Blätter des Psalters treten, um in den Labmagen zu gelangen? Es darf angenommen werden, dass, wenn eine grosse Menge von Flüssigkeit aufgenommen wird, ein Teil derselben nicht zwischen die Blätter des Psalters tritt, sondern zu der Zeit, zu welcher nicht ru-miniert wird, durch den Kanal des Psalters rückwärts läuft, und es iiiirms, BindvlehhellkundOinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ü
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ist mehr als wabrsclieinlich, dasraquo; dabei mitunter geringste Quantitäten fein zerkleinerter Massen mit hinüber gerissen werden. Für die Riobtigkeit dieser Anscbauung spricht das, was ich vorbin über die Vorkommnisse beim akuten Magen-Darmkatarrh der Rinder be­merkt habe.
Xhatsachen.
Es dürfte sich empfehlen, die Thatsachen, auf die ich mich in dem Vorstehenden gestützt habe, hier anzureihen. Es sind folgende:
1.nbsp; nbsp;Der Schlund geht direkt in den Pansen über. Dass dies der Fall ist, sieht man an jedem exentrierten Magen, am schönsten aber wohl an einem Gipsabguss des Magens. An diesem überzeugt man sich nämlich mit voller Bestimmtheit) dass der Schlundeingang sich links vor der Membran befindet, welche Pansen und Haube trennt.
2.nbsp; nbsp;Schlund und Schlundrinne verlaufen nicht in gleicher Richtung, vielmehr geht die Schlundrinne nach der rechten Körperseite hinüber und bildet mit dem Schlund einen Winkel. Wie gross dieser Winkel intra vitam ist, lässt sich wohl kaum mit voller, sondern höchstens mit annähernder Sicherheit ermitteln. An Gipsabgüssen betrug der­selbe 120deg;.
3.nbsp; nbsp;Die Lippen der Schlundrinne sind in nächster Nähe des Schlundes am dünnsten und niedrigsten, sie nehmen von hier aus allmählich an Stärke zu und sind in der Nähe des Psalters am dicksten und höchsten.
4.nbsp; nbsp;In der Schleimhaut der ersten drei Magenabteilungen habe ich trotz anhaltenden Suchens keine Sekretionsdrüsen, wohl aber solitäre Follikel in grosser Zahl gefunden, von denen viele im Innern Fett in Form von Tropfen enthielten. Ich darf aber nicht unerwähnt lassen, dass ich zu dieser Untersuchung den Magen des Saugkalbes benutzt habe.
5.nbsp; Unterbindet man die linke Jugularis, so siebt man, nachdem das Blut in diesem Gefässe geronnen ist, die bekannten Wellen eben so gut wie vorher. Ich Hess die linke Jugularis zuerst in der Nähe des Kopfes unterbinden und, da hiernach die Wellen nach dem Auf­steigen des Bissens ebenso deutlich auftraten wie verlier, acht Tage später an der Brust. Bei dieser letzten Unterbindung, die, obgleich sie zum Zwecke des Versuches überflüssig war, dennoch von einem Studierenden ausgeführt wurde, fand sich, dass das Blut in der Vene schon vollständig geronnen war.
(i. Schiebt man beim lebenden Rinde vom Pausen aus einen
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Finger in den Schlund hinein, so tritt sofort eine Verengerung des­selben ein. Die Kontraktion des Schlundmuskels war bei einem nicht narkotisierten Rinde so bedeutend, dass der Finger förmlich zusammen-gepresst wurde.
7.nbsp; Reizt man die Lippen der Schlundrinne mit dem Finger oder auf die Weise, dass man einen fremden Körper durch dieselben hin-durchschiebt, so spürt man nicht die geringste Kontraktion derselben.
8.nbsp; nbsp;Giebt mau dem Rinde bissenähnlich geformte Pillen ein, so findet man dieselben, wenn das Tier gleich nachher getötet wird, im Pausen. Ich habe zu diesem mehrfach wiederholten Versuche grössere und kleinere, aus Gips und leichtem Holz bereitete, bisseuähnlich ge­formte Pillen benutzt.
9.nbsp; Schiebt man die Sehluudröhre nach dem Magen, so gleitet dieselbe jedesmal in den Pansen hinein. Dies wird gewiss von allen angenommen und ist von mir durch direkte Versuche auch fest­gestellt worden.
10.nbsp; Giebt man dem Wiederkäuer reinen, d. h. mit Häcksel nicht versetzten Hafer, so findet man denselben, wie wenigstens bei an Ziegen angestellten Versuchen der Fall gewesen ist, gleich nach der Sättigung im Pansen.
11.nbsp; Lässt man dem stehenden Rinde Wasser in zur Zeit kleineren oder grösseren Quantitäten durch das Maul eingiessen, so kann man durch die in den Pansen eingeführte Hand leicht konstatieren, dass hier Flüssigkeit ankommt.
12.nbsp; Am Kadaver einer Ziege, welche kurze Zeit vor dem Tode Tinte per os erhalten hatte, fand ich den grössten Teil des Pansen­inhaltes stark, den vorderen Teil der Haube schwach und die Schluudrinne gar nicht gefärbt.
13.nbsp; nbsp;Bei einem stehenden Rinde Hess ich einen Gummischlauch in den Schlund bis zur Mitte desselben schieben und darauf, während ich die Hand in der Haube und Schlundrinne hielt, bei durchaus normaler Kopfstellung des Tieres Wasser durch den Schlauch appli-zieren. Hierbei konstatierte ich, dass von dem Wasser nicht die ge­ringste Quantität nach der Haube, noch weniger mittelst der Schlund-rinue nach dem Psalter gelangte, sondern dass dasselbe einzig und allein in den Pansen hineintrat.
14.nbsp; In der Haube des lebenden Rindes habe ich unter normalen Verhältnissen grob zerkleinerte Massen niemals gefunden.
15.nbsp; Der Pansen enthält am vorderen Ende eine viel stärker mit Flüssigkeit durchsetzte Masse als am hinteren Ende.
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16.nbsp; Der Inhalt des Psalters wird, sobald die Kumulation sistiert, der Regel nacli sofort trocken. Wir sehen dies bei vielen Krank­heiten, nanientlieh auch bei der Parese des Verdauungstraktus. Bei dieser Krankheit ist der Inhalt des Psalters mitunter noch danu trocken, wenn auch schon infolge der Verabreichung salziger Laxier-mittel etc. Laxieren eingetreten ist.
17.nbsp; nbsp;Rinder, die am akuten Magendarmkatarrh leiden, setzen, wenn die Rumination sistiert, die Peristaltik aber noch nicht ganz erloschen ist, gewöhnlich Faeces ab, die so grobe Massen enthalten, wie normaiiter nur im Pausen vorlmnden sind. Ahnliche grobe Masseu Hilden sich dann bei der Sektion auch regelmässig im Darmkanal und Labmagen, wie auch, jedoch gewöhnlich in geringerer Menge, im Psalter, aber seilen in der Haube. Selbst dann, wenn der dritte und vierte Magen vollgepfropft sind, findet man in der Haube nur wenig.
18.nbsp; Haarballen, die ja, wie bekannt, der Regel naeh im Pausen liegen, können, wie aus der periodischen Litteratur bekannt (Gaudy, Rep. von Hering, Band 19, Seite 240\ indem sie bei der Rumination in die Höhe steigen, Schlundverstopfung hervorrufen. Janne — Rep. von Hering, Band 12, Seite 277 — beobachtete sogar, dass ein bei der Runiinatiou in die Höhe getriebener Apfel Schlundverstopfung hervorrief.
19.nbsp; Heftet man die Sohlundrinne dicht vor dem Schlünde, wozu ich Haarnadeln benutzt habe, so fängt das Tier am zweiten, dritten Tage an zu ruminiereu, und es vollzieht dann bald nachher den ganzen Akt ebenso ergiebig und vollständig wie vorher. Das Tier zeigt während des Lebens keine besondere Störung im Allgemein* befinden, und auch nach dem Tode desselben findet mau, dass die verschiedenen Magenabteilungen normal gefüllt sind.
20.nbsp; Heftet man die Schlundrinne 6 cm vor dem Psalter, dann tritt, obgleich die Hauben - Psalteröffhung nicht verschlossen ist, eine bedeutende Störung ein. Diesen Versuch habe ich nur einmal ge­macht und dabei folgendes beobachtet: Rumination und Futteraufnahme begannen am 2. Tage, waren am 5. und ß. Tage annähernd normal, nahmen am 7. Tage wieder ab und waren am 14. Tage kaum nach­weisbar vorhanden. Am 13. Tage wollte der betreffende Diener, Matthäi, jedoch das Aufsteigen eines Bissens aus dem Magen be­obachtet haben. Bei der Sektion des jetzt getöteten Tieres wurde folgendes konstatiert: Labmagen und Psalter enthielten eine qualitativ normale Masse, aber in sehr geringer Quantität. Sechs Centimeter vom Psalter entfernt sass die Haarnadel in den Lippen der Schlund-
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rinne derart, dass die Rinne vollständig geschlossen war. Die Haube enthielt im hinteren Ende vier Liter fein zerkleinertes, sehr flüssiges Futter, im vorderen Ende einen kopfgrossen, aus grob zerkleinertem Futter bestehenden Hallen. Im Pansen fand sich eine fein zerklei­nerte, sehr flüssige und mit einigen groben Stengeln untermischte Masse. — Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin und vergleichende Pathologie, Band 3. —
Die Sekrete.
Bei Milchkühen hat man einen recht schönen Anhaltspunkt an der Thätigkeit des Euters. Es darf allerdings nicht gesagt werden, dass das Tier absolut gesund ist, solange die Thätigkeit des Euters eine normale ist, denn bei gewissen chronischen Krankheiten, z. B. hei der Tuberkulose, liefern die Tiere lange Zeit hindurch ihre nor­male Quantität Milch. Es darf aber behauptet werden, dass, solange die Kuh die normale Quantität Milch liefert, kein bedeutendes akutes Leiden bei derselben vorliegt, und dass plötzliche Abnahme der Milch­sekretion ein sicheres, mitunter das erste Zeichen einer akuten Krank­heit ist, welches wahrgenommen wird.
Bei allen kranken Kindern untersucht man den Nasenspiegel. Derselbe ist unter normalen Verhältnissen warm und mit Perlen be­setzt, die nach dem Abtrocknen sofort wieder auftreten.
Die Schleimhäute werden bei der systematischen Untersuchung ebenfalls besehen. Selbige sind normaliter blassrot und feucht. Jede Auflagerung von Schleim oder anderen Massen ist abnorm. Bei künstlicher Beleuchtung erscheint die Schleimhaut, wenigstens die des Auges, viel stärker gerötet, als sie in der Wirklichkeit ist.
Die Exkrete.
Der Harn des Rindes ist vollständig klar und nach der Stärke der Wasserausscheidung wasserhell oder gelblich. Das Tier muss den Harn in normaler Menge und breitem Strahl entleeren und darauf sofort in die gewöhnliche Stellung zurücktreten. Wird der Haru in zu kleinen Quantitäten und zu häufig entleert, und bleibt das Tier nach dem Absetzen des Harns zu lange mit krummem Bücken und gehobenem Schwänze stehen, so liegt eine abnorme Reizbarkeit an irgend einer Stelle der Harn- und Geschlechtswerkzeuge vor.
Der Kot. Die Konsistenz des Kotes richtet sich nach dem Wassergebalt desselben, und dieser ist unter normalen Verhältnissen
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durch das Futter bedingt. Der beim Weidegang gelieferte Kot ent-hielt bei meinen Untersuchungen 88 o/q Wasser; in dem auf dem Stalle bei naturgemftssera Futter abgesetzten Kot, der geringelt erscbien, fand ich 75 o/u Wasser, Die Farbe des Kotes ist zum Teil abhängig vom Futter, hauptsächlich aber durcli die Farbe der Galle bedingt. Ist der Kot uacli dem verabreichten Futter nicht tief genug gefärbt, was ich nicht häufig gesehen habe, so darf mau daran denken, dass nicht Galle genug nach dem Darmkanale gelaugt ist. Der Weidekot enthält nur gut zerkleinerte Stoffe; im Stallkot kommen einzelne gröbere Stengel vor. Ist der Stallkot zu stark mit groben Stoffen durchsetzt, so geht daraus mit voller Sicherheit hervor, dass der Magen nicht normal gearbeitet hat. Der Absatz des Kotes muss rasch, ohne Unterbrechung und in normaler Quantität erfolgen. Wird der Kot bei gefülltem Mastdarm langsam, vielleicht gar mit Unter­brechung und in kleinen Quantitäten abgesetzt, so geht daraus hervor, dass die Defäkatiou dem Tiere Schmerzen verursacht. Zu selten er­folgendes Absetzen des Kotes spricht für eine abnorm schwache peristaltische Bewegung des üarmkanales.
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Zur speziellen Pathologie und Chirurgie.
Zu den Krankheiten des Bauchfells.
Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin und vergleichende Pathologie, Band 15. Jahresbericht der Kliniglichen Tierarzneischule zu Hannover pro 1870.
Allgemeine akute liauclifellcntziliidung.
Die allgemeine akute Bauchfellentzündung ist der Kegel nach eine sekundäre — deuteropatliische -—, mitunter aber eine primäre — idiopathische.
Krankheitserscheinungen. Grosse Teilnahmslosigkeit. Ilespiration erhöht; Exspiration mitunter von Stöhnen begleitet. Hauch ge­füllt wie unter normalen Verhältnissen gleich nach der Sättigung mit Rauhfutter; die linke llungergrube also ganz ausgeglichen. — Re­lative Aufblähung. — Der Pansen liegt still; in der ohereu Partie desselben ist nur Gas vorhanden, Kot zu konsistent; das Absetzen desselben erfolgt langsam, in abnorm kleinen Quantitäten und unter Stöhnen. Milch wird wenig oder gar nicht geliefert. Puls klein, mitunter kaum oder gar nicht au der Kinnhackenarterie ZU fühlen und abnorm hoch. Temperatur im Mastdarm der Regel nach zu hoch, au der Körperoberfläche ungleich verteilt und häufig wechselnd. Der ganze Hinterleib ist in hohem Grade dmekemplindlich, d. h. au jeder Stelle des Bauches kann man durch Druck Schmerzensäusseruiigon hervorrufen. Mitunter kann man — siehe Rauchwassersucht — durch geeignete Manipulationen am Bauche, sowie durch Schütteln des Tieres ein plätscherndes Geräusch erzeugen.
Leichenersoheinungen. In der Bauchhöhle der wegen allgemeiner akuter Bauchfellentzündung geschlachteten Kinder fand ich bis 100 Liter gelblichgraue, trübe, mit vielen giösseren und kleineren Gerinn­seln versehene Flüssigkeit. Die serösen Häute sind fast allenthalben mit Fibrinplatten von verschiedener Dicke und etwas ungleicher Farbe belegt. Die begrenzenden Flächen der serösen Häute sind hier und
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da miteinander verklebt, selbige ersobeinen uach dem Ablieben des Fibrins raub, vaskularisiert und ekcbymosiert.
Verlauf. Bei tödlicbem Ausgange erstreckt sich die Dauer dieser Krankheit auf einige bis vierzehn Tage.
Diagnose. Die abnorme Höbe des Pulses und der Temperatur, die grosse Teilnahmslosigkeit gegen die Umgebung und die Appetit­losigkeit beweisen, dass Fieber bestellt. Das bei der Exspiration auf­tretende Stöhnen ist ein sicheres Zeichen dafür, dass eine inner­liche Kraukbeit ihren Ablauf nimmt, die sehr schmerzhaft ist. Die — relative — Aufblähung des Tieres, die Untbätigkeit des Pansens und die Ansammlung von Gas in der oberen Partie des Pansens be­weisen, dass ein llinterleibsleiden vorliegt. Durch das beim Druck gegen den Bauch auftretende Stölinen bekundet das Tier mit vollster Sicherheit, dass das vorliegende Uiiiterleibsieiden ein sehr schmerz­haftes ist. Die allenthalben am Bauche vorhandene Druckempfindlich­keit beweist mit Bestimmtheit, dass nur eine sehr umfangreiche, resp. allgemeine akute Bauchfellentzündung oder eine Magen-Darm-entzUiidung vorliegen kann. Es handelt sich also fernerhin um die Aussohliessung der letzteren Krankheit. Bei dieser Ansscbüessung beschränke ich mich hier auf die rheumatische, durch Erkältung ent­standene Magcn-DarnientzUndiing; die toxische und mykotische Magen-Dartneutzttndung, welche von viel geringerer Bedeutung sind, werden später auch in diagnostischer Beziehung besprochen werden.
Die — relative — Aufblähung des Tieres, und die Ansammlung von freiem Gas in der oberen Partie des Pansens beweisen bei dem angegebenen Symptonienkoniplex das Vorhandensein einer allgemeinen akuten Bauchfellentzttuduug. In meiner ziemlich langjährigen Praxis habe ich ausnahmslos gefunden, dass das Kind bei umfangreicher, resp. allgemeiner akuter Bauchfellentzündung infolge einer Ansamm­lung von freiem Gas in der oberen Partie des Pansens aufgebläht, bei der rheumatischen Magen-DarmentzUndung aber eingefallen ist. Das plätschernde Geräusch, welches man im Verlaufe der allgemeinen akuten Bauchfellentzündung vielleicht hervorrufen kann, darf nur — s. u. — mit grosser Vorsicht zur Stellung, resp. Begründung der Diagnose „Bauchfellentzündungquot; benutzt werden.
In diagnostischer Beziehung dürfte noch ganz besonders darauf aufmerksam zu machen sein, dass die rheumatische Magen - Darm­entzündung sehr rasch, dagegen die allgemeine akute Bauchfell­entzündung der Kegel nach langsam verläuft.
Ursachen. Die sekundäre Bauchfellentzündiinir wird durch Ver-
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letzungen der Scheide, des Fruchtliälters, des Magens etc. hervor­gerufen, über die Entstehung der primären akuten Bauchfellentzün-dung weiss man nichts Sicheres. Aus diesem Grunde aber das Vor­kommen derselben zu leugnen, finde ich nicht gerechtfertigt. Beim Rinde — und beim Pferde — kommt zeitweise ziemlich hüidig eine Krankheit vor, bei welcher die Synovialmemhrane der Gelenke und Sehnenscheiden in hervorragendster Weise afliziert sind, ohne dass das Peritoneum in Mitleidenschaft gezogen ist. Sowie nun auf hämato-genem Wege die Synovialmembrane häufig erkranken, olme dass das Peritoneum nachweisbar affiziert wird, so wird — das kann man doch ohne allen Zwang annehmen — das Peritoneum auf hämato-genem Wege erkranken können, ohne dass die Synovialmembrane ergriffen werden. Sowie gewisse infektiöse Stoffe zur Synovial-membran, so werden andere infektiöse Stoffe zum Peritoneum in besonderer Beziehung stehen. Wenn man dies zugiebt, so kann das häufige Vorkommen der allgemeinen akuten nauchfellentztindung zu gewissen Zeiten, wie ich es Ende 1879 und Anfang 1880 erlebt habe, auch nicht überraschen.
Prognose. Diese muss in jedem Falle mit Vorbehalt gestellt werden. In den meisten Fällen wissen wir nicht, ob wir es mit einer idiopathisclien oder deuteropatllischen BanchMlenfzündung zu thun haben, aber selbst auch dann, wenn dies bekannt ist, müssen wir vorsichtig sein.
Behandlung. Seit ca. dreissig Jahren gebrauche ich gegen die Entzündung der serösen Häute, also auch gegen die des Bauchfells, den — aus dem Arzneischatz sonst ausgemerzten — Borax. Gegen die Bauchfellentzündung lasse ich gewöhnlich in den ersten vierundzwanzig Stunden 2Ü0 g auf dreimal und darauf 25 g dreimal täglich geben. Jedoch wird für den ersten Tag mitunter mehr, zuweilen weniger verordnet. Der Bauch des Tieres wird mit einem ziemlich rasch und anhaltend wirkenden Reizmittel, z. B. mit einer aus Oleum terebinthinae und Tinctura cantharidum S5 75,0 be­stehenden oder ähnlichen Mischung, eingerieben, und das gauze Tier in Decken eingehüllt. Mitunter ist sofort nach der Einreibung oder später ein Priessnitz'scher Umschlag gemacht worden. Ausserdem sorge ich für hohe Streu und für einen luftigen, zugfreien Stall. Um die Spannung des Bauches zu massigen und um die Schmerzen zu mildern, könnte die Benutzung des Trokars und eine Morphium-Injektion in Frage kommen. Friedberger-Fröhncr empfehlen, zunächst zur Minderung der Schmerzen und zur llintanhaltung der Darm-
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peristaltik Opium zu gehen, und die dadaroh gesteigerte Verstopfung durch lauwarme Klystlere und Infusionen zu hekämpfen. JJei starker FlUssigkeitsiuisaniiiilung in der lraquo;iiuolihölile diuretische — Digitalis, Sollla, Strophantus, Coffein, Fruet. Jnniperi, 01. terel)iiitli., Liq. kali acetic, etc. — oder speicheltreihende Mittel — Pilocarp. — zu gehen. Es durfte sich nicht nur empfehlen, solidem notwendig sein, einige von denjenigen Fällen, welche die Grundlage zur vorstehenden Mitteilung iiher die akute Bauch fei lontziindung bilden, hier anzureihen.
1.nbsp; Fall. Kuh des Gartenmannes G. im Moor bei Hannover. Vorbericht. Die Kuh hat in den letzten 24 Stunden wenig gefressen
und ist in der Milchsekretion von 20 bis auf 2 Liter heruntergegangen.
Am 21. Oktober 1879 wurde beim Patienten mit Wahrscheinlichkeit, am 22. Oktober mit vollster Bestimmtheit Bauchfellentzündung festgestellt. Da ich die Bauchfellentzündung für eine denteropathische hielt, so wurde nur eine Scheinkur eingeleitet. Das Tier diente einige Tage als Unter­richtsmaterial und wurde, sobald feststand, dass die Krankheit lethal ver­laufen werde, geschlachtet.
Sektionsbefund. In der Bauchhöhle linden sich ca. 100 Liter gelblich­graue, trübe, mit vielen grösseren und kleineren Gerinnseln versehene Flüssigkeit. Die serösen Häute des Hinterleibes sind fast allenthalben mit Fibrin belegt; dieselben erscheinen nach dem Abheben des Fibrins rauh, hyporämisch und mit kleinen Ekchymosen besetzt. Fremde Körper oder pathologische Prozesse, die im stände gewesen wären, die Bauch­fellentzündung hervor zu rufen, sind trotz der aufmerksamsten Unter­suchung sämtlicher Organe der Bauchhöhle nicht zu finden.
2.nbsp; nbsp;Fall. Sechzehn Monate alter, ca. 225 kg schwerer Bulle des Gartenmannes St. zu Hannover.
Vorbericht. Fragliches Tier hat in den letzten 24 Stunden den Appetit nach und nach verloren.
Untersuchungsbefund am 1. November 1879. Das Tier steht mit gekrümmtem Eücken und achtet auf seine Umgebung nicht. Kespiration 24 und flach. Puls 100 und so klein, dass er an der Kinnbackenarterie nicht wahrgenommen werden kann. Temperatur im Rectum 39,0, an der Oberfläche des Körpers ungleich verteilt. Von dem vorgehaltenen Futter und Getränk wird nichts aufgenommen. Die linke Hungergrube ist gefüllt wie bei einem Rinde, das sich kurze Zeit vorher gesättigt hat. Der Pansen arbeitet subnormal; der Inhalt desselben wird allerdings ab und zu in leichtem Grude gehoben, aber nicht in der bekannten Weise unter dem horchenden Ohre vorbeigeschoben. Die Perkussion der Pansengegend ergiebt den bekannten normalen Ton. Der Kot wird verzögert, in abnorm kleinen Quantitäten und unter Stöhnen abgesetzt. Derselbe ist dem Futter nach von normaler — saurer — Reaktion. Allenthalben beim Druck gegen den Bauch weicht das Tier aus. Auskultation und Perkussion der Brust ergeben das normale Resultat.
Aus diesem Befunde konnte ich nur auf ein Hinterleibsleiden schliessen.
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Es wurde, weil der Kot verzögert und unter Stöhnen abgesetzt wurde, ein Laxans verordnet.
9. November. Puls 120, an der Kinnbackenarterie nicht zu fühlen. Temperatur 40,0. Eespiration 27, bei der Exspiration hört man zuweilen ein leichtes Stöhnen. Der Pansen liegt still, in der oberen Partie desselben befindet sich nur Gas. Allenthalben beim Druck gegen den Bauch tritt heftiges Stöhnen ein. Bei geeigneten Manipulationen am Bauch hört man bei der Auskultation desselben ein plätscherndes Geräusch. Sonst alles wie vor 48 Stunden,
Diagnose. Bauchfellentzündung. Die Begründung der Diagnose ge­schah, wie früher angegeben. Das plUtscherude Geräusch durfte ich dabei nicht verwerten, weil das Tier 48 Stunden früher ein Laxans bekommen hatte.
Behandlung. 200 g Borax, wovon alle acht Stunden der 3. Teil in Lösung gegeben werden soll; eine aus 01. terebinth, und Tinct. cantharid. bestehende Mischung zum Einreiben der Bauciiwand; Einhüllen des Körpers in Decken; hohe Streu; Wasser nacli Belieben.
11. November. Das Tier erscheint etwas munterer; es langt nach vorgehaltenem Futter. Die linke Hungergrube ist weniger stark gefüllt. Der Kot wird in grösseren Quantitäten und freier abgesetzt. Respiration 24. Kektaltemperatur 3b,5. Puls 80, an der Kinnbackenarterie leicht aufzunehmen. Der Pansen bewegt sich mitunter in leichtem Grade. Beim Druck gegen die Bauchwand tritt nur ab und zu Stöhnen ein.
Behandlung. Für die nächsten beiden Tage dreimal täglich 25 g Borax in Lösung.
13. November. Im allgemeinen ganz so wie am 11. Die Behandlung wird fortgesetzt.
Es stellt sich hierauf nach und nach eine solche Besserung ein, dass das Tier am 18. November aus der Behandlung entlassen werden kann.
3. Fall. Kuh der Witwe H in H. Vorbericht. Die Kuli hat in den letzten 24 Stunden in der Futter­aufnahme und in der Milchsekietion stark nachgelassen.
Untersuchungsbefund am 26. November 1879. Das Tier steht apathisch, nimmt von dem vorgehaltenen Futter und Getränk nichts auf, ist aufgebläht und bewegt sich höchst ungern. Hespiration 24 ; Exspiration mitunter von Stöhnen begleitet. Temperatur im Rectum 37,6 und an der Körperober­fläche ungleich verteilt. Puls 100; derselbe ist so klein, dass er an der Kinnbackenarterie kaum aufgenommen werden kann. Der Pansen liegt fast still; in der oberen Partie desselben ist nur Gas vorhanden. Der Bauch ist im ganzen Umfange sehr druckempfindlich.
Diagnose. Bauchfellentzündung.
Behandlung. Achtstündlich 50 g Borax in Lösung. Umhüllung des Bauches und der Brust. Hoiie Streu.
27. November. Puls 80, an der Kinnbackenarterie leicht aufzu­nehmen. Respiration 20, Temperatur 38,9. Das Tier ist an der linken Bauchseite eingefallen, langt nach dem vorgehaltenen Futter und hat nach Aussage des Besitzers in der Milchsekretion nicht weiter abgenommen. Beim Druck gegen den Bauch tritt kein Stöhnen ein.
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Das Tier bekommt fortan keine Arznei und ist am 1. Dezember vollständig hergestellt.
4.nbsp; nbsp;Fall. Kuh des Rentier H. in H.
Vorbericht. Das Tier hat vor acht Tagen gekalbt, gestern einen Marsch von einer Stunde gemacht und seit der Zeit kein Futter auf-genoinmen.
Untersuchungsbefund am 1. Februar 1880. Das Tier ist aufgebläht, nimmt vorgehaltenes Futter und Getränk nicht auf und setzt braunen Kot in geringeltem Zustande in geringer Quantität unter Stöhnen ab. Re­spiration ^4. Puls 62; derselbe ist deutlich an der Kinnbackenaiterie zu fühlen. Temperatur 40,5. Der Pansen arbeitet subnormal; der Inhalt desselben wird nur ca. alle zwei Minuten ein wenig gehoben. Die obere Partie des Pansen enthält nur Gas. Der Bauch ist in ganzem Umfange druckempfindlich. Perkussion und Auskultation der Brustorgane ergeben das normale Resultat. Scham und Scheide zeigen nichts Abnormes.
Diagnose. Bauchfellentzündung.
Behandlung. Das Tier bekommt 200 g Borax, achtstündlich den dritten Teil in Lösung einzugeben, und eine aus 01. terebinth, und Tinct. canth. aa 75,0 bestehende Einreibung. Einhüllung des Körpers, hohe Streu.
2. Februar. Das Tier ist weniger aufgebläht, nimmt etwas Futter und Getränk auf, hat nach Aussage des Besitzers schon ruminiert und setzt Kot in normaler Qualität und Quantität ab, und zwar ohne alle Beschwerden. Respiration 14. Puls 60. Temperatur 38,6. Die Druck-empfindlichkeit des Bauches hat abgenommen.
Behandlung. Alle acht Stunden 25 g Borax in Lösung.
7. Februar. Das Tier zeigt keine Krankheitserscheinungen mehr und liefert eine den Umständen nach normale Quantität Milch.
5.nbsp; Fall. Kuh des Gartenmannes Seh. in H.
Vorbericht. Die Kuh hat seit dem vorigen Tage das Putter ver­schmäht und ist in der Milchsekretion bedeutend zurückgegangen.
Die am Anmeldungstage vorgenommene Untersuchung liefert folgenden Befund: Respiration 40. Puls 90; Arterie massig gefüllt. Temperatur 40,0. Linke Hungergrube gefüllt, wie bei einem Tiere, das sich kurze Zeit vorher mit Rauhfutter gesättigt hat. — Relative Aufblähung. — Der Pansen liegt absolut still; die obere Partie desselben enthält nur Gas. Der Kot ist dem Futter nach zu konsistent; er wird verzögert und in abnorm kleinen Quantitäten unter Stöhnen abgesetzt. Der Bauch ist, in ganzem Umfange druckempfindlich.
Diagnose, Bauchfellentzündung.
Behandlung. 280 g Borax, wovon alle fünf Stunden der vierte Teil gegeben werden soll. Eine aus 01. terebinth. 100,0 und Tinct. canthar. 75,0 bestehende Einreibung. Einhüllen des Bauches. Hohe Streu. Luftigor und zugfreier Stall.
Dritter Krankheitstag. Puls 100, an der Kinnbackenaiterie nicht zu fühlen. Temperatur nicht aufzunelnnen, weil der After offen steht. Auf geeignete Manipulationen tritt ein plätscherndes Geräusch im Bauche des
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Tieres auf. Die Einreibung hat gut gewirkt. Die Harnausscheidung ist sehr bedeutend. Der Kot ist welch.
Behandlung. Viermal tilglich 25 g Borax. Eine aus 01. terebinth. 50,0 und Tinct. canthar. 30,0 bestehende Einreibung.
Vierter Krankheitstag. Puls 85, an der Kinnbackenarterie aufzu­nehmen. Temperatur 37,6. Hungergrube etwas eingetallen. Das pliltschernde Geräusch tritt nicht mehr so stark auf. Harnausscheidung bedeutend.
Behandlung. In den nächsten Tagen sollen viermal tiiglich 25 g Borax gegeben werden.
Achter Krankheitstag. Puls 82. Temperatur 39,2. Respiration 19. Hungergrube stark eingefallen. Pansen arbeitet fast normal. Appetit hat sich eingestellt. Milchlieferung hat zugenommen. Harnausscheidung noch stark.
Das Tier wird aus der Behandlung entlassen.
6. Fall. Kuh des Kleinbesitzers 0. in R.
Vorbericht. Des Tier bat am II. d. M. leicht geboren und ist 48 Stunden später sehr krank geworden.
Untersuchungsbefund, Puls an der äusseren Kinnbackeuarteiie nicht mehr aufzunehmen. Respiration 44; Exspiration von sehr starkem Stöhnen begleitet. Herztöne des starken Stöhnens wegen nicht zu hören. Das Tier ist in ziemlich bedeutendem Grade aufgebläht. Der Pansen liegt still; die obere Partie desselben enthält nur Gas. Kot ist in den letzten 24 Stunden nicht abgesetzt. Der im Rectum in geringer Quantität vor­handene Kot ist trocken und mit Schleim umhüllt. Die Druckemptindlich-keit des Bauches ist eine sehr bedeutende. Eihautteile hängen aus der Scheide.
Diagnose. Sekundäre Bauchfellentzündung.
Das Tier stirbt zwölf Stunden nach der Untersuchung.
Leichenbefund. Bei Eröffnung der Bauchhöhle fliesst ca. '/j Stalleimer Flüssigkeit aus derselben. Die serösen Häute der Bauchhöhle und der in dieser liegenden Eingeweide sind mit Fibrin belegt; selbige erscheinen nach dem Abheben des Fibrins rauh, streifig und punktförmig gerötet. In der Wand des tragend gewesenen Hornes ist ein wallnussgrosses, mit blutig infiltrierten und zerrissenen Rändern versehenes Loch, in welchem ein fingerdicker Eihautstrang steckt, der in die Bauchhöhle hineinragt. Ein ähnliches Loch findet sich in der unteren Wand der Scheide, und zwar dicht am Muttermunde.
Die Anführung des letzten Falles ist geschehen, weil mir Gelegenheit gegeben wurde, die Diagnose durch die Sektion bestätigen zu können.
Die partielle akute Ilaiichfellentzilndiiug'.
Diese kommt nicht selten, In einigen Gegenden sogar ziemlich häufig, z. B. bei der traumatischen Magen-Zwerchfelleutziimlung und der Ruptur der verschiedenen Magenabteilungen stets, bei der In-einauderschiebung des Darmes und dem inneren Bruch gewöhnlich,
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bei der Ruiniuitis mitunter und bei der träumatichen Leberentzüudung zuweilen vor.
Krankheitseracheinungen. Fieber. Druckempfindlichkeit an einer mehr oder weniger begrenzten Stelle des Bauches. Aufblähung.
Leichenbefund. Die serösen Häute zeigen an einer Stelle die Erscheinungen der Entzündung, und in der Eauchhöhle ist mitunter ein kleiner El'gUSS vorhanden.
Verlauf. Die Krankheit kann erstens selbst dann sogar, wenn sie anscheinend in einem bedeutenden Grade vorliegt, in kurzer Zeit zur absoluten oder relativen Ausgleichung gelangen, und dies ge­schiebt, wenn die Ursache — wie bei der Ineinanderschiebung des Darmes und dem inneren Bruch etc. — enfernt oder — wie bei der traumatischen Magen-Zwerohfellentzttndung etc. — durch Ein-kapselung u. s. w. unschädlich gemacht wird; zweitens in kurzer Zeit tödlich verlaufen, und drittens chronisch werden.
Diagnose. Die partielle Bauclifcllentzlindung ist, wenn systematisch, also jedesmal auch der Bauch in ganzem Umfange auf Druckempfind­lichkeit untersucht wird, gewöhnlich leicht, die Ursache aber vielfach schwer zu ermitteln.
Prognose. Die Abgabe derselben nmss in jedem Falle mit grosser Keserve geschehen.
Behandlung. Man muss, wenn es möglich ist, der Kausal-Indi-kation Rechnung tragen und sonst in ähnlicher Weise wie gegen die allgemeine Bauchfellentzündung einschreiten. Ganz besonders kann hier die örtliche Anwendung des Eises in Frage kommen.
Chronische Bauchfelleutziladung.
Eine allgemeine chronische Bauchfellentzündung habe ich nie­mals, eine partielle chronische Bauchfellentzündung nicht ganz selten gesehen.
Krankheitserscheinungen. Die Binder zeigen nicht die normale Munterkeit und den vollen Appetit, gehen im Nährzustande eher rückwärts als vorwärts, liefern eine zu geringe Quantität Milch und zeigen an einer begrenzten Stelle des Bauches Druekempiindlichkeit. — Die Angabe, dass bei der Palpation gewöhnlich keine Scbmerzens-äusserungen auftreten, ist falsch. Die Bemerkung dagegen, dass der Regel nach die Symptome der Kolik fehlen, ist richtig; denn Kolik­erscheinungen sind niemals vorhanden.
Leichenerscheinungen. Verdickungen und Verwachsungen der serösen Häute, ilitunter bedeutende Wucherungen des subserösen
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Bindegewebes, Zuweilen Abscesse. Ausnalimsweise unbeträchtliche Erglessuugen in der Bauchhöhle.
Verlauf. Dieser ist immer ein langsamer; die Krankheit kann sich über ein Jahr erstrecken.
Diagnose. Ist unter Berücksichtigung des Verlaufes nur durch die Untersuchung des Bauches auf Druckempfindlicbkeit zu stellen.
Prognose. Niemals glinstig.
Behandlung. Im allgemeinen ist es besser, eine solche nicht einzuleiten. Soll ein Versuch gemacht werden, so empfehle ich eine Einreibung in der druckempfindlichen Gegend des Bauches. — Oleum cantharidum compositum, welches aus zwei Teilen spanischer Fliegen, einem Teil Euphorbium, vierundzwanzig Teilen Leinöl und fünf Teilen Terpenthinöl besteht, verwende ich für diesen und ähnliche Fälle sehr gern als scharfes Mittel. Ich lasse dasselbe ein- bis zweimal täg­lich einreiben, bis eine genügende Wirkung eingetreten ist. Haar- und Hautverlust habe ich darnach niemals eintreten sehen, — Innerlich werden wohl harntreibende und Laxiermittel empfohlen. Eine Aus­spülung der Bauchhöhle mit einer .lodlösung ist beim Rinde wohl kaum zu beschaffen. — Siehe die traumatische Magen-Zwerchfellentzündung.—
Itiuichwassorsucht.
Die Bauchwassersucht besteht in einer Ansammlung von Serum — Transsudat — in der Bauchhöhle. Sie kommt in dem Grade, dass sie störend wirkt und folglich Veranlassung zu Untersuchung des Tieres giebt, selten vor.
Krankheitserscheinungen. Das Tier zeigt nicht die normale Munterkeit und Leichtigkeit in der Bewegung, hat ein glanzloses, rauhes, struppiges Haar, eine zu harte und zu fest anliegende Haut und eine eigentümliche Form des Leibes. Der Bauch hängt tief hinab — llängebauch —, ist in der obersten Partie von zu geringem, in der untersten Partie von zu grossem Querdurchmesser, so dass die 1 lunger­gruben und die Querfortsätze der Lendenwirbel zu stark auftreten, während der Prustkorb am hinteren Rande gegen den Bauch zurück tritt. Die Respiration geht nicht mit der gewohnten Leichtigkeit von statten, jedoch tritt dieses Symptom erst dann deutlich hervor, wenn das Tier sich anhaltend bewegt. Beim Schütteln des Tieres, welches auf die Weise, dass man sich z. B. an die rechte Seite desselben stellt und mit den Händen die Querfortsätze der Lendenwirbel der linken Seite unifasst, leicht zu beschatten ist, wie auch dann, wenn man kurze Stössc gegen die linke Bauchwand machen lässt, ver-
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nimmt das an die rechte Hauchwaud angelegte Ohr ein plätscherndes Geräusch. Diese Erscheinung darf aher nur mit der grossten Vorsicht zur Stellung der Diagnose „Bauchwassersuchtquot; verwertet werden. Denn durch die bemerkten Manipulationen kann man auch ein plät­scherndes Geräusch erzeugen, wenn der Inhalt des Dannkanals dlinn-flüssig ist, oder das Tier kurze Zeit vorher seinen Durst gestillt hat. Mitunter habe ich sogar durch den Inhalt der entsprechend gefüllten Gallenblase ein ähnliches Geräusch hervorrufen können. Macht mau mit der in den Mastdarm eingeführten Hand auf- und abwärts gellende Bewegungen, so kann man mit der anderen, an die rechte Bauchwand angelegten Hand schwappende Bewegungen fühlen. Die Leistung des Tieres ist subnormal.
Leichenerscheinungen. Kadaver mager und anämisch. Muskeln welk. Die serösen Häute der Bauchhöhle nicht glänzend, sondern trübe. Die in der Bauchhöhle vorhandene Flüssigkeit kann klar, aber auch in verschiedenem Grade trübe sein.
Verlauf. Die Krankheit verläuft sehr langsam. Wie lange die an Bauchwassersucht leidenden Rinder am Leben bleiben können, weiss icli nicht. Sobald der Praktiker die Diagnose auf Bauch­wassersucht beim Rinde gestellt hat, rät er zur Verwertung desselben.
Diagnose. Mir ist heim Rinde niemals — beim Hunde ziemlich häufig — Gelegenheit geboten worden, meine Diagnose „Bauchwasser­suchtquot; durch die Sektion bestätigen zu können. Auch nur einmal habe ich vom Besitzer erfahren können, dass meine Behauptung, die betreffende Kuli leide an Bauchwassersucht, richtig gewesen sei. Trotz­dem aber glaube ich, mich in dieser Diagnose niemals geirrt zu haben. Das Bild, welches das Tier darbietet, ist ein charakteristisches, der Untersuchungsbefund ist sicher, und Krankheiten, mit denen der um­sichtige Praktiker die Bauchwassersucht verwechseln könnte, sind mir nicht bekannt.
Ursachen. Zirkulationsstörungen und wässerige Beschaffenheit des Blutes rufen im allgemeinen Bauchwassersucht hervor. Das ist eine nicht zu bestreitende Thatsache. Die Wassersucht entsteht bei Zirkulationsstörungen durch Erhöhung des Seiteudrucks in den Kapil­laren und kleinsten Venen, bei der Hydräniie infolge einer Erkrankung der Gefässwand und dadurch bedingten grösseren Durchlässigkeit derselben. Wassersucht, auch Bauchwassersucht, kann durch jedes dieser Momente hervorgerufen werden, dieselbe entsteht unbedingt aber leichter, wenn beide zusammenwirken. Positive Angaben über die Ursachen solcher Zirkulationsstörungen, welche beim Rinde Ver-
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anlassung zur Entstehung der Bauobwassei'suobt geben, kann ich niclit maoheu, weil ich, wie schon oben bemerkt, niemals Gelegenheit ge­habt habe, an Bauchwassersueht leidende Kinder zu sezieren. Die folgenden negativen Angaben sind auch vielleicht ebenso wichtig. Nach meinen Beobachtungen kommt es beim Kinde seihst dann, wenn be­deutende Zirkulationsstörungen vorliegen, nur selten zu starker An­sammlung von Flüssigkeit in den Körperhöhlen. So habe ich erstens bei Verkalkung der Atrioventrikularklappen, zweitens beim Zotteu­herz, welches ich mehrfach gefunden habe, drittens bei so hochgradigem Lungeuemphysem und so bedeutender Lungentuberkulose, dass die Exspiration nicht mehr durch die Zusammenziehung der Lunge be­schafft werden konnte, sondern durch die Exspirationsmuskoln bewirkt werden musste, viertens bei der infolge der Leberegelkrankheit ent­standenen Leberatrophie, fünftens bei der Echinokokkenkranklieit selbst dann, wenn die Leber ein Gewicht von acbtzig Pfund erreicht hatte, secbstens bei kolossaler Vergrösserung der Gekrösdriisen des ganzen Düundarnis, siebentens bei Thrombosis der hinteren Hohlvene, achtens bei Einterleibstuberkulose selbst dann, wenn sämtliche serösen Häute mit handdicken Platten belegt waren, niemals Bauchwassersucht beim Kinde gefunden.
Prognose. Im allgemeinen ungünstig.
Behandlung. Ist die Krankheit beim Kinde mit Sicherheit erkannt, so ist unbedingt am richtigsten, die Behandlung abzu­lehnen und zur baldigen Verwertung des Tieres zu raten. Das ist auch stets von mir geschehen. — Jagdhunde, die einige Wochen vor Eröffnung der Jagd in meine Behandlung kamen, habe ich durch Punktion, Umwickelung des Hauches und durch Bulbus scillae wohl so weit gebracht, dass sie noch eine Jagd mitmachen konnten, aber niemals geheilt. — Wünscht der Besitzer einen Heilversuoh, so ist es meistens praktisch richtig, einen solchen unter der nötigen Reserve einzuleiten. Zur Kur benutzt man dann die harntreibenden Mittel: Bulbus scillae, Tinct. Strophant., Fruct. Junip., Oleum terebinth., Liq. kali acetici etc. Welches Mittel man wählt, ist ziemlich gleichgültig, wenn nur der Zweck, die Vermehrung der Harnausscheidung, er­reicht wird. Jedoch muss man, wenn mau auf die Gewinnung und Benutzung der Milch Wert legt, solche Mittel, welche der Milch einen schlechten Geschmack verleihen, ausschliesseu. Kbenso umss ich empfehlen, die Digitalis nicht zu gebrauchen, Purgiermittel, die ich in diesem Falle abwechselnd mit harntreibenden Mitteln beim Pferd
H u r m s, Bindviehhollkunde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8
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verwende, kann ich beim Kinde nicht benutzen. Über die Funktion beim Rinde habe ich keine Erfahrung! Gute Hautpflege, kräftige
Fütterunff und teilweise Entziehung des Getränks
sind notwendig.
Zu den Krankheiten der Leber.
Jahresbericht der Königlichen Tierarzneiselmle zu üannover pro 1871 und 1872. Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin und vergleichende Pathologie, Band 2.
Der Kliniker ist selten in der Lage, hei Lebzeiten des Kindes eine Erkrankung der Leber nachweisen zu können. Die bekannten Invasionskrankheiten, die durch Leberegel und Echinokokken bedingt sind und später besprochen worden, verlaufen sehr hantig nicht nur, sondern in den meisten Fällen derart, dass sie die Verwertung des Futters und das Befinden des Tieres nicht nachweisbar beeinträchtigen. Die bei den Zirkulationsstörungen mitunter eintretende Leberhyperämie, sowie die bei den Infektionskrankheiten sich einstellende parenehy-matöse Leberentzlindung sind bei lebenden Kindern bis jetzt noch nicht zu erkennen, und folglich muss deren Besprechung der allge­meinen Pathologie und pathologischen Anatomie überlassen werden.
Gelbsucht
Icterus
Die Gelbsucht ist keine bestimmte Krankheit, sondern nur ein (Symptom verschiedener Krankheiten; ihre Besprechung gehört daher weniger in die spezielle als in die allgemeine Pathologie. In der allgemeinen Pathologie unterscheidet mau den hämatogenen und hepatogenen Icterus.
Der hämatogene Icterus entsteht bei Infektionskrankheiten durch Umwandlung des Hämoglobin in Häinatoidin, welches mit dem Blute zirkuliert.
Der hepatogene Icterus entsteht erstens angeblich bei der Ent­zündung — Entartung des Parenohyrns der Leber, und zweitens infolge der Resorption der fortig gebildeten Galle aus den Gallen-kanälchen. Diese Resorption ist ausnalinisweiso durch zu geringen Druck in den Kapillaren der Pfortader — embolische Leberentzündung—, der Regel nach aber durch beschränkten oder ganz aufgehobenen Abtluss der Galle nach dem Darmkanal bedingt. Als Ursache des beschränk­ten oder ganz aufgehobenen Abflusses der Galle nach dem Darm-kanale führt man den Katarrh der Gallengänge und des Zwölffinger­darms, Gallensteine, Geschwülste, Parasiten etc. an.
Bei dem Rinde habe ich häufig eine ikterisebe Färbung der Schleimhaut gefunden, aber ausserordentlich selten (Gelegenheit ge-
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habt, Icterus zu diagiiosieren; denn selbstverstäudlich unterscheide icli ikterische Färbung der Schleimhaut und Icterus. Von Icterus spreche loh nur dann, wenn icli die Ursache der Gelbfärbung der Schleimhaut, die eigentliche Krankheit, nicht entdecken kann.
Krankheitserscheinungen. Das Tier befindet sich nach der Haltung und Fütterung in einem schlechten Nährzustande; es nimmt nicht die normale Quantität Futter und Getränk auf, ruminiert weniger ergiebig als unter normalen Verhältnissen und liefert nur eine geringe Quantität Milch. Die Milch zeigt einen gelblichen Schimmer und besitzt nicht den normalem, angenehmen Geschmack. Der Kot war in den paar von mir gesehenen Fällen dem Futter nach von normaler Konsistenz — derselbe ist sonst zu konsistent gefunden worden —#9632;, zu hell von Farbe und von widerlichem Geruch; das Absetzen desselben erfolgte langsam. Die Schleimhaut ist, soweit sie übersehen werden kann, gelblich gefärbt; die Augeuschleimhaut fand ich stets tiefer gelb gefärbt als die der Scheide und des Maules. Über die Temperatur, welche zu der Zeit, zu welcher ich meine lie-obachtungen machte —- 1857 und 1858 —, nicht aufgenommen wurde, sowie über Puls und Kospiratiou kann ich aus eigener Erfahrung keine Angaben macheu. Kolikerscheinungen habe ich nicht wahr­genommen. Eine Untersuchung der Lebergegend hat nicht statt­gefunden.
Verlauf. Hierüber kann man nach meiner Auffassung des Icterus von vornherein nichts angeben. Alles hängt ab von der Ursache, von der Krankheit, die den Icterus bedingt. In den von mir beobachteten zwei Fällen war der Verlauf ein sehr langsamer und tödlicher. Die Tiere magerten mehr und mehr ab und starben schliesslich, wie ich damals glaubte, an Entkräftung. Ob bei meinen Patienten schliesslich infolge einer Resorption der Gallensäuren Sinken des Pulses und der Temperatur, sowie Schlummersucht eingetreten ist, was auch ich bei Hunden gesehen Labe, kann ich nicht angeben.
Ursachen, In den beiden von nur bei Kühen erlebten Fällen fand ich Gallensteine; bei der einen Kuh siebzehn Stück, bei der anderen fünfundzwanzig Stück. Die grössten Steine waren von dem Umfange einer Kastanie, die kleinsten von dem einer Erbse. Das Gewebe war gelb und in den Körperhöhlen eine ziemlich tiefgelbe Flüssigkeit vorhanden. — Mei der durch Leberegel bedingten Schrumpfung der Leber, sowie bei Echinokokken in der Leber habe ich niemals eine Gelbfärbung der Conjunctiva gesehen.
Behandlung. Das souveräne Mittel gegen Gelbsucht ist das
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Karlsbader Salz. Man gebe dasselbe dem Rinde in der Dosis und Form, wie ich es beim clironiseheu Labmagen-Düundarinkatarrh be­merken werde. Ein Heilversucli inuss gemacht werden, weil das Fleisch des an Icterus leidenden llindes absolut ungcniessbar ist.
Einbolisclie Lebereutzündnu^.
Diese hocLinteressante Krankheit habe ich einige Male unter absolut gleichen Erscheinungen gesehen; sie ist in der ersten Zeit falsch von mir beurteilt, später aber richtig erkannt worden.
Krankheitserscheinungen. Wenn man im allgemeinen au die rheumatische Magen-Danuentzliudung erinnert wird, dabei aber die Temperatur gar nicht oder nur in geringein Grade erhöht ist, sämt­liche Schleimhäute gelb sind, die Bindehaut des Auges sogar zitronen­gelb gefärbt ist, in der oberen Partie des Pansens nur Gas vorhanden ist, das Tier aufgebläht, vielleicht in dem Grade ist, dass der Pansen-stich in Erwägung gezogen wird, Kot nicht abgesetzt wird, heim Einschieben der Hand in den Mastdarm jedoch in grosser Menge und von wässeriger Beschaffenheit entleert wird, darauf sogar unfreiwillig abläuft; so darf man an die in Frage stehende Krankheit denken.
Leichenersoheinungen. In dem Herzbeutel, der Brust- und Bauch­höhle ist reichlich Flüssigkeit vorhanden; dieselbe ist dicker als unter normalen Verhältnissen und von tiefgelber Farbe. Die Lungen fallen hei der Exeuteration nicht normal zusammen und sind in bedeuten­dem Grade mit gelbem Serum getränkt. Die Schleimhaut des Ver-dauungstraktus ist in verschiedenem Grade ileekig und streifig ge­rötet und in Verbindung mit der Muskel- und serösen Haut mit gelber Flüssigkeit infiltriert. Diese Infiltration kann so bedeutend sein, dass die Darmwand zwei Zentimeter dick ist. Die Leber hat an Umfang und Gewicht zugenommen und ist mit reichlich erbseugrosseu, runden, auf dem Durchschnitt graugelb erscheinenden Herden in unzähliger Menge durchsetzt. In der Pfortader findet sich ein Thrombus von solchem Umfange, dass der Durchtritt des Bluts sehr erschwert oder fast ganz aufgehoben ist, und von solcher Beschaffenheit, dass kleine Sfückcheu fortgeschwemmt werden konnten.
Verlauf. Patienten, bei welchen icli diese Krankheit vermutete oder nicht vermutete, sind mir, wenn sie nicht geschlachtet wurden, nach einigen Tagen krepiert.
Ursachen. Über Thrombus und Embolie giebt die allgemeine Pathologie Auskunft.
Prognose. Ungünstig.
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Behandlung. Einen lloilversucli kann man ruhig machen, weil das Fleisch ungeniessbar ist.
Die vorstehend geschilderte Krankheit ist bis jetzt unbekannt, und deshalb will ich mir erlauben, zwei Falle speziell anzureihen.
1.nbsp; nbsp; Aus Vahrcnwald wurde eine Kuh mit dein Vorbericht angemeldet, dass selbig'e vor zwei Tagen plötzlich krank geworden sei, nichts fresse, wenig saufe, nur eine geringe Quantität Milch liefere und in den letzten 16 Stunden nicht gemistet habe.
Untersuchungsbefund. Das Tier achtet auf seine Umgebung nicht und nimmt von dem vorgehaltenen Futter und Getränk nichts auf. Eespiration 16. Puls 80, klein und langsam. Temperatur 39,6. — Mittlere Temperatur nach dem benutzten Thermometer 39,3. — Die Organe der Brust funktionieren der Auskultation und Perkussion nach normal. Die linke Hungergrube ist, trotzdem das Tier in den letzten beiden Tagen nichts gefressen hat, ziemlich gut gefüllt. — lielative Aufblilhung. — Der Pansen liegt absolut still, in der oberen Partie desselben ist nur Gas vorhanden. Die untere Pansenpartie anscheinend druckempfindlich. Die Schleimhaut des Maules und der Scheide ist gelblich, die des Auges zitronengelb. Kot wird nach dem Einschieben der Hand in den Mast­darm in grosser Menge und von wässeriger Deschatt'enheit entleert und läuft nach dem Heiausziehen der Hand unfreiwillig ab.
Behandlung. Den Studierenden sagte ich mit Rücksicht auf frühere Erlebnisse, dass Aussicht auf Heilung kaum vorhanden sei, dass aber ein Heilversuch angezeigt sei, weil das Fleisch des Tieres als menschliche Nahrung nicht verwertet werden könne. Verordnet wurde Kupfervitriol mit vielem Wasser. — S. Magen-Darmkatarrh —.
Verlauf. Unter Zunahme der Aufblähung trat allmählich Ver­schlechterung und nach 24 Stunden der Tod ein.
Sektionsbefund. Das Unterhautbindegewebe zeigt einen gelblichen Schimmer. Das Fleisch hat seine normale Farbe verloren. Es enthält der Herzbeutel 150, die Brusthöhle 200, die Bauchhöhle 760 g Flüssigkeit, welche nicht ganz klar und von gelblicher Farbe ist. Die Darmwand ist infolge einer Infiltration mit gelblicher Flüssigkeit reichlich 2 cm dick und an der inneren Fläche in verschiedenem Grade streifig und fleckig gerötet. Die Lungen fallen bei der Exenteration nicht normal zusammen und sind mit gelbem Serum sehr stark getränkt. Die Leber wiegt 10 Kilo, sie enthält eine unzähliche Menge reichlich erbsen-grosser, rundlicher Herde, welche auf dem Durchschnitt graugelb er­scheinen.
Auch noch dieser Fall wurde infolge der mangelhaften Untersuchung der Leiche —• der Leber — falsch interpretiert.
2.nbsp; Dühlmoyer in der Gartengemeinde in Hannover meldete eine kranke Kuh mit dem Vorbericht zur Untersuchung und Behandlung an, dass selbige in der letzten Zeit schlecht, seit zwei Tagen gar nicht gefressen und gemistet habe.
Die ca. drei Stunden nach der Anmeldung stattfindende Untersuchung lieferte folgenden Befund: das Tier liegt bei unserer Ankunft im Stalle
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in der gewöhnlichen Weise. Es erhebt sich erst auf starkes Antreiben und stellt absolut teilnahnilos. Vorgehaltenes Futter und (ietriink wird nicht beachtet. Respiration 14 und stark ziehend. Puls 84, langsam und sehr klein. Innere Temperatur 39,4. — Mittlere Temperatur nach dem benutzten Thermometer 39.3. — Äussere Temperatur, namentlich an den extremen Teilen, subnormal. Alle sichtbaren Schleimhäute gelblich, die Bindehaut des Auges sogar tief zitronengelb. Das Inspirationsgerausch ist nicht normal stark. Der Perkussionston an der Brustwand kaum voll genug, mit einem tympanitischem Beiklang. Herztöne schwach, aber normal. Linke Hungergrube ausgeglichen; das Tier also — relativ — aufgebläht. Der Pansen liegt absolut still und enthält in seiner oberen Kegion nur Gas. Von einer Bewegung des Darms ist ebenfalls nichts zu konstatieren. Mist liegt nicht hinter dem Tiere, dringt aber beim Einschieben der Hand in den Mastdarm in bedeutender Menge und von wässeriger Beschaffen­heit hervor, läuft später sogar unfreiwillig ab.
Das Tier wurde sofort getötet und seziert. Der Befund war im allgemeinen so wie in dem vorigen Falle. Es wurde ausserdem in der Pfortader ein Thrombus gefunden, welcher das Grefäss ausfüllte, an der einen Seite innig mit der Wand desselben verbunden war, an der freien Fläche graurot und uneben erschien und bröckelig war. — Nach Auf­findung des Thrombus lag der Fall in allen seinen Einzel­heiten klar vor.
Die Ecliiiiokokkcnkranklicit der Leber.
Die Kcliinokokkenkrankheit des Rindes. Schmorl und v. Secfeld, Hannover.
Der Echinokokkus oder Ilülseiiwurm—Echinokokkus polymorphus — ist in einfachem, normalem und vollständig entwickeltem Zustande eine liiihnerei- bis kopfgrosse, durchsichtige Blase, welche in einer Bindegewebskapsel liegt. Seine eigene Wand bestellt aus zwei La­mellen. An der inneren Fläche der inneren Lamelle sitzen auf den sogenannten Brutkapseln die Uandwurmköpfe, welche vier Sauggruben und einen Hakeukrauz besitzen. Sonst enthält dieser Echinokokkus nur eine klare Flüssigkeit. — Mitunter sind in der Gruudblase Tochter- und Enkelblasen vorhanden, dann nennt man den Echino­kokkus zusammengesetzt. Es kommt auch, und zwar nicht ganz selten vor, dass die Blasen an der inneren Fläche keine Köpfe be­sitzen, und solche werden sehr bezeichnend Acephalocistcn genannt. Nicht ganz selten lindet sich in der Leber auch der Echinokokkus multilocularis; dieser ist in praktischer Beziehung aber vollständig bedeutungslos.
Der Echinokokkus polymorphus entwickelt sieh aus den Eiern der Taenia Echinokokkus, Dieser Bandwurm ist höchstens 4 mm laug, also doch noch mit unbewailhetem Auge zu sehen, besitzt drei bis
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vier Glieder und haftet an der Sclileiiiiluiut des Dtiniidiirnis beim Hunde. Wird dieser Wurm vom Kinde — oder von anderen Wieder­käuern und dem Hcinvein etc. — aufgenommen, so entwickein sieli aus den Eiern desselben die Echinokokken. Aber nicht annäliernd alle Eier kommen beim Rinde zur Entwickelung. Ich habe in einem Falle bei einem Jungrinde, dem ich den ganzen mit Taenia Echino­kokkus dicht besetzten Dilnndann eines frisch getöteten Hundes ein­gegeben hatte, nur ein paar Echinokokken gefunden. (Hebt man dem Hunde — dem Fuchs ete. — die Echinokokken, so entwickelt sich Taenia Echinokokkus.
über die Schnelligkeit der Entwickelung des Echinokokkus, welche für die gerichtliche Medizin, wie auch flir die Stellung der Diagnose intra vitam von Interesse sein kann, kann ich auch jetzt nur die schon in meiner Broschüre vorhandenen Angaben machen. Leuckhardt fand in der Leber des Schweines die Echinokokken im Alter von vier Wochen millimetergross und solid; wenn sie acht Wochen alt geworden waren, anderthalb Millimeter gross, und die neunzehn Wochen alten Blasen von der Grosse einer Nuss, aber kopflos. Aus dieser kurzen Angabe geht, was namentlich für die Stellung der Diagnose von Wichtigkeit sein kann — s. die Echino­kokkenkrankheit der Lunge — hervor, dass die Entwickelung dieses Wurmes gleich nach der Aufnahme der Taenia Echinokokkus viel langsamer von statten geht als später.
Der Echinokokkus ist fast in allen Geweben und Organen ge­funden worden; in den Muskeln und Knochen, an den serösen Häuten, in dem Auge, der Niere, dem Gehirn, dem Herzen, den Lungen und der Lober. Die beiden zuletzt genannten Organe bilden den Haupt­sitz, Hier handelt es sich nur um die Echinokokkenkrankheit der Leber.
Krankheitserseheinungen. Einige Echinokokken können in der Leber sitzen, ohne nachweisbare Störungen zu veranlassen. Ist die Zahl der Echinokokken in der Leber eine recht grosse, so stellen sich im späteren Verlaufe Erscheinungen ein, die sieh auf einen chro-nischou Labmagen-Dünndarmkatarrh, der infolge von Zirkulations­störungen aufgetreten ist, zurückführen lassen. Liegt die Krankheit in so bedeutendem Grade vor, dass das Gewicht der Leber 40 Kilo und darüber erreicht hat, so geht die Leberdämpfung über den hinteren Rand der letzten Rippe hinaus, und mau kann bei der Untersuchung durch den Mastdarm den hinteren Rand der Leber um­fassen, ausnahmsweise sogar die höckerige Besebaffenheit derselben konstatieren.
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deren
Leichenersoheinungen. Anssor den Ecbiuokokkeu in der Leber, bis 40, andere bis 75 Kilo gcf'imden babe.
sind solche aucb an
den anderen genannten Stellen, namentlich in
der Lunge vorbanden. (Ecbinokokkns nmltiloeularis habe ich ziemlich häufig- in der Leber, aber immer nur in ein paar Exemplaren ge­funden.) Im Labmagen und Dilnndarm findet sich mitunter gar nichts, bei starkem Hesetztsein der Leber ein chronischer Katarrh.
Verlauf. Die Krankheit verläuft stets sehr langsam; sie führt, wenn sie in bedeutendem Grade bestellt, stets zur Abmagerung, viel­leicht aucb direkt zum Tode.
Diagnose. Solange die Leber von normalem Umfange ist, kann von einer Erkennung dieser Krankheit nicht die Hede sein. Ist die Leber aber in dem Masse vergrössert, dass man bei der Besichtigung des Tieres an Träcbtigkeit, Bauch- und Eihautwassersucht erinnert wird, so kann man mittelst einer genauen Untersuchung die Krank­heit unschwer feststellen.
Behandlung. Wenn nur die Erscheinungen des chronischen Lab-magcn-DiinndarmkataiThs wabrzunebmen sind, so wird man sich viel­leicht veranlasst fühlen, gegen diesen einzuschreiten, und dazu empfehle ich — s. den chronischen Labmagen-Dünudarmkatarrh — das Karls­bader Salz und die Salzsäure. Hat mau sich von dem Vorhanden­sein der Echinokokkenkrankbeit überzeugt, so ist nur die sofortige Verwertung des Tieres zu empfehlen. Die Hauptsache ist dann aber, den Besitzer zur Vernichtung aller Organe, die Echinokokken eut-halten, zu veranlassen; denn bei der Empfehlung zur Verwertung des Tieres kann es sich nur um das Schlachten, nicht um den Verkauf desselben — vielleicht auf dem Markte in llusum, wo das eigentüm­liche Recht besteht, dass kein Verkäufer von Vieh nötig hat, dasselbe zurückzunehmen - handeln. Den Rat, krankes Vieh ohne Angabe des Fehlers zu verkaufen, erachte ich als Verleitung zum Betrug.
Lobereselseuche — Distomtitosis —,
Die Leberegelseuche wird durch die beiden Distomen — Disto-mum hepaticum und I). lanecolatum — hervorgerufen. Ich habe, so­lange ich Dir. der externen Klinik an der Königlichen Tierarznei­schule in Hannover gewesen bin, beinahe in jedem der von mir sezierten Kindskadaver Distomum hepaticum —#9632; selten Distomum lanceolatum — gefunden, aber niemals ein Rind gesehen, das infolge der Aufnahme der Leberegelbrut auffällige, reap, nachweisbare Störungen In der Gesundheit zeigte. Damit will ich aber ja nicht
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behaupten, dass das Eiud diese Distomeu olme Schaden beherberge; ich bin sogar überzeugt, dass selbige auch bei diesem Tiere stets einen Nachteil bedingen, der ausualinisweise in einzelnen Gegenden oder Fällen vielleicht ähnlich gross wie bei dem Schafe sein kann.
Die Entwickelung der Distomen oder Loberegel ist eine ganz eigentümliche; sie ist von Leuckhardt und Thomas klar gelegt worden. Die Leberegeleier worden mit den Exkrementen an die Ansscnwelt beiordert. Die in den Eiern enthaltenen Embryonen entwickeln sich, weiui sie an einem entsprechend warmen und feuchten Ort liegen, in vier bis sechs Wochen zu Larven, die ein AVimperkleid und am vor­deren Ende einen Stachel besitzen. Diese Flimmerlarven dringen nach kurzem, freiem Leben in eine Schnecke — nach Leuckhardt in Lim-naeus pereger, nach Thomas in Limuaeus trunculatus — ein. Die Larve wächst im Leibe der Schnecke im Sommer in zwei, im Winter in vier Wochen zu einem Keimschlauch — Sporocyste — mit Keim­zellen. Aus den Keimzellen entwickeln sich unter Verlängerung des Keimschlauches die sogenannten Redien oder Cercarienschläucho, aus welchen nach Leuckhardt direkt, nach Thomas durch Vermittelung von Tochterredien geschwänzte Cercarien, welche die eigentliche Leberegelbrut darstellen, hervorgehen. Aus einem Distoincnei gehen ca. 1000 geschwänzte Cercarien hervor.
Über die Aufnahino der Leberegelbrut, der geschwänzten Cer­carien, ist man verschiedener Meinung. Nach Leuckhardt findet die­selbe mit der Schnecke, in welcher die eben bemerkte Entwickelung ihren Ablauf genommen hat, oder durch Aufnahme cercaricnhaltigen Wassers, oder schliesslich durch Verinittelung eines zweiten Zwischen­trägers, in welchem sich die Cercarien einkapseln, statt. Nach Thomas sollen die geschwänzten Cercarien ihre Wirte — Bedien und Schnecken — verlassen, nach kurzer Zeit an Blättern und Halmen von Wasser­pflanzen und feuchten Gfräsern haften bleiben, den Schwanz verlieren, sich zu einer Kugel zusammenziehen und mit einer gummiähnlichen Masse in Form einer Kapsel umgeben. In dieser Kapsel, die ca. 2,3 mm lang und von weisser Farbe ist, sollen sie mehrere Wochen lebensfähig bleiben.
Über die Zeit, in welcher die Aufnahme der Leberegelbrut statt­findet, bemerkt schon Gerlach, dass selbige nur im Frühjahr und Sommer bis zu den ersten Frösten, und zwar mit Grünfutter erfolge. Das ist im grossen und ganzen richtig, doch kommen unbedingt Aus­nahmen vor, denn ich habe beim Binde auch ab und zu im Winter Leberegel sehr verschiedeneu Alters gefunden.
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Die Cerearien gelangen, einerlei ob sie in den Sclinecken oder iu den im Pflanzen luiftendon Kapselu liegen, mit den grliuen Pflanzen nach dem Verdauungstraktus und wandern, naclidem Schnecke oder Kapsel zerfallen ist, nach der Leber. Auf welchem AVege sie nach ihrem Bestimmungsort gelangen, ist noch nicht mit Sicherheit ermittelt. Die Wanderung soll nach Leuckhardt durch die (ialleiikanäle, nach Heller mittelst der Pfortader, nach Spiuola, Gerlach und May aber auf die Weise erfolgen, dass Darmwand und l'eritonealüberzug der Leber durchbohrt weiden. Auf der Wanderung der Cercarien von dem PeritonealUberzuge der Leber nach den Gaiiengängen werden, wie es die vielen kleinen Extravasate in der Leber beweisen, Dlut-gei'ässo perforiert. Cercarien gelangen hierbei in die Pfortader und werden dann mit dem Blute der Lebervenen etc. nach verschiedenen Organen fortgebracht. Die in die (iallongänge gelangten Cercarien wachsen in drei Wochen zu geschlechtsreit'en Leberegeln heran. So­bald der Egel ausgewachsen ist, beginnt er seine Wanderung durch die Gallengänge nach dem Darmkanal. Er stirbt und zerfällt im Dickdarm; die freigewordenen Eier werden mit dem Kot aus dem Körper entfernt.
l'raktiscb wichtig sind besonders die Thatsachen, dass die Leber-egelembryonen, die in den Leberegeleiern liegen, nur an feuchten Orten zur Entwickelung kommen können, und dass solche Plätze vor Johanni und nach dem Eintritt des Erostes im grossen und ganzen unschädlich sind.
Krankheitserscheinungen. Erscheinungen, welche für das Vor­handensein von Leberegeln in der Leber sprechen, sind nicht bekannt. Bei sehr bedeutender Invasion werden sich, wie bei vielen andern Erkrankungen, Ernährungsstörungen — Abmagerung, totes und strup­piges Haar, harte und festanliegende Haut — zeigen.
Leiohenerscheinungen. Nach Gerlach. I. Das Stadium der traumatischen LeberentzUndung. Die Leber ist hyperämisch und ge­sehwellt, auch wohl etwas mürbe, an der Oberfläche glatt und mit kleinen Öffnungen versehen, aus denen beim geeigneten Druck blutige Flüssigkeit zum Vorschein kommt, und deren peritoneale Umgebung mitunter entzündet ist. In der Lebersubstanz finden sieh hämor-rhagisohe Herde, welche wohl durch Annagung der Pfortadergefässe entstanden sind. Die Gallengänge sind normal. Die vorbandeneu Leberegel sind zum Teil vielleicht ausgewachsen, zum Teil nicht. Die Galle ist mehr oder weniger blutig. Nicht selten findet sieh blutige, seröse Elüssigkeit in der Hauchhöhle. 2. Das Stadium der Ein-
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sohnürung, Elnsohrumpfting der Leber. Die Lober ist blass und derb, aber noch nicht auffällig- atropliiert, die Oberfläche derselben zeigt iiabeltormige EinscIuiUrmigeii und ist folglieh uneben. Die Galleu-günge zeigen eine Verdickung ihrer Wand, die grösseren derselben sind diliitiert. Die üalleublase erscheint recht gross. Dieses raquo;Stadium tritt ungefähr mit sechs bis acht Wochen nach dem Verhüten — nach der Aufnahme der Leberegelbrut — ein. 3. Das Stadium der Leber-atrophie. Die Leber ist bis zum gänzlichen Verlust des l'arenehyms in dem einen oder anderen Lappen atrophiert Die Gallengänge sind inkrustiert. Die Wand derselben ist bedeutend verdickt. Der Regel nach tritt dieses Studium ein Vierteljahr nach dem Verhüten ein. 4. Das Stadium der Auswanderung der Egel. Dieses Stadium soll nach Gerlach unabhängig vom Grade der Krankheit, sondern durch die Lebensgeschiehte der Egel bedingt sein. Die Egel sollen nach Gerlach instinktiv auswandern, wenn ihre Zeit gekommen ist. Man behauptet jetzt aber, dass die Auswanderung der Egel beginnt, sobald sie geschlechtsreif sind, und das sollen sie schon drei Wochen nach der Aufnahme der Brut sein.
In allen von mir beobachteten Eällen war nur der linke Leber­lappen erkrankt, und diejenigen Tiere, bei welchen ich diesen Lappen in eine schwielige, fibröse Masse, in welcher Leberparencbym nicht mehr nachzuweisen war, umgewandelt fand, hatten nachweisbare Störungen in der Ernährung nicht gezeigt.
In allen mir bekannten Gegenden hat die Loberegelseuche für das Kind nicht annähernd die hohe Bedeutung wie fllr das Schaf. Ich habe erlebt, dass von Schafen und Rindern, die den ganzen Sommer auf einer Weide gewesen waren, die ersteren starben, die letzteren aber nicht einmal Krankheitserscheinungcn zeigten.
Verlauf. Selbiger ergiebt sich aus dem Vorstehenden.
Diagnose. Diese Krankheit ist nur durch die Sektion mit Sicher­heit zu ermitteln. Denn selbst das Auffinden der Distomeneier in den Exkrementen beweist ja nicht, dass die vielleicht vorhandenen Störungen durch Leberegel bedingt werden.
Behandlung. Wir kenneu keine Mittel, welche die in der Leber vorhandenen Egel töten können. Deshalb kann auch nicht von einer Behandlung der Krankheit, sondern nur von einer Vorbeugung die Hede sein. Diese besteht darin, dass die verdächtigen Stellen in der Zeit zwischen Johanni und dem ersten Frost vermieden oder durch Gräben ete. trocken gelegt werden.
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Traumatische LebereiitKiliKliiiig.
loh bin nicht in der Lage, eine allgemeine Besobrelbuug liefern ZU können, sondern nmss mich auf die Mitteilung eines speziellen Falles hescliränken.
Der Hofbesitzer J. in 0. teilte mir folgendes mit:
„Eine meiner Kühe ist seit einigen Tagen krank. Der das Tier behandelnde Tierarzt behauptet, dass Verstopfung vorliegt und hat Laxier-nnd Purgiermittel, zuletzt Krotonöl verordnet. Der Zustand des Tieres ist während des Gebrauchs genannter Mittel nicht besser, sondern all-nulhlieh schlechter geworden. Das Tier hat allerdings seit ein paar Tagen keinen Kot abgesetzt, trotzdem aber nehme ich nicht an, dass der Tierarzt sich mit seiner Diagnose im Rechte befindet; ich glaube viel­mehr, dass bei dem Tiere eine Krankheit des Herzens und des Herzbeutels vorliegt, denn es hat im Kehlgange eine Geschwulst, wie nach dem Vor­trage des an der landwirtschaftlichen Schule zu K. dozierenden Tierarztes bei Herz- und Herzbeutelkrankheiten des Rindes vorkommen soll.quot;
Da Ich hoffte, dem Besitzer den Beweis liefern zu können, dass bei Tierkrankheiten der Tierarzt doch eine bessere Diagnose stellen könne als ein Landwirt, kam ich dem Wunsche des betr. Herrn, fragliches Tier zu untersuchen, mit dem grössten Vergnügen nach.
Folgender Befund wurde aufgenommen: das Tier liegt auf der Weide und steht ungern auf. Die Gegend unter dem After, sowie der Schwanz sind mit wässerigem Kot. beschmutzt. Die linke Hungergrube ist möglichst tief eingefallen. Im Kehlgange ist eine weiche, Fingereindrücke an­nehmende und kurze Zeit zurücklassende — also ödematöse — Geschwulst vorhanden. Der Puls ist elend und steht auf 68. Die Temperatur be­trägt im Mastdarm 38,7 und ist an der Oberfläche des Körpers gesunken und ungleichmässig verteilt. Bei der Auskultation und Perkussion des Herzens und der Lungen kann nichts Abnormes ermittelt werden. Bei der Auskultation des Hinterleibes ist an keiner Stelle desselben von einer aktiven Bewegung des Verdauungstraktus, von dem Geräusch, welches die peristaltische Bewegung des Magens und Darmkanals hervorruft, etwas zu vernehmen. Die. Perkussion der Lebergegend ergiebt eine viel zu um­fangreiche Dämpfung und Schmerzensäusserungen. Die Conjunctiva ist bleich und zeigt einen gelblichen Schimmer.
Nach diesem Befund konnte ich dem Besitzer mit Bestimmtheit sagen, dass fragliches Tier weder an Verstopfung noch an einer Herz- und Herz­beutelkrankheit, sondern an einer Leberkrankheit leide. Das plötzliche Auftreten, die zu umfangreiche Leberdämpfung, die Druckemptindlichkeit in der Lebergegend führten selbstverständlich zu der Annahme, dass eine traumatische Leberentzündung vorliege.
Hinsichtlich der Ursachen ermittelte ich schliesslich, dass das Tier vom Pferde geschlagen worden sei.
Auf besonderen Wunsch des Besitzers wurde eine Behandlung ein­geleitet; es wurde demselben aber gesagt, er möge, falls das Tier sterbe, mir Nachricht zukommen lassen, damit ich zur Sektion gelange, aus welcher ihm besondere Kosten nicht erwachsen würden.
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Schon nach 48 Stunden kam der Besitzer angefahren mit der Nach­richt, dass fragliche Kuli im Sterben liege.
Das Tier lag bei meiner Ankunft auf dem Hofe in der Agonie. Es wurde deshalb sofort getötet, enthäutet und seziert. Alle Organe mit Ausschluss der Leber und der die Leber an der rechten Seite der Bauch-wand begrenzenden Partie der serösen Bauchhaut zeigten keine mit blossem Auge wahrnehmbaren pathologischen Veränderungen. Die Leber war mit dem dieselbe an der rechten Bauchseite begrenzenden Teile der serösen Bauchhaut verklebt. Nach der Trennung beider Teile erschienen die freigewordenen Flächen rauh, gerötet und mit Fibrinfetzen besetzt. Die Leber, deren Gewicht — in Ermangelung einer Wage —- von einem anwesenden Schlächter auf 50 Kilo geschätzt wurde, war in dem Dritteile, welcher der rechten Rippenwand zugekehrt ist, in eine braune, matschige Masse zerfallen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ein fremder Körper wurde weder in der
Leber, noch in irgend einem Teile des Vcrdauungstraktus gefunden. —
Die Krankheiten des Vcrdauungstraktus.
Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin und vergleichende Pathologie, Band II, 13 und 15. Jahresbericht der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover pro 1870, 1871 und 1874.
Rheuiuatischo Magen•I)armeutzUu(1iiii£.
Mit diesem Namen bezeichne ich jetzt diejenige Krankheit, weiche ich früher unter dem Namen „phlegmonösequot; Magen - Darmentzündung besprooheu habe.
Krankheitsersoheinungen. Die Tiere liegen stöhneud und äch­zend in unregelmässiger Körperhaltung am Boden, sind mehr oder weniger schwer zum Aufstehen zu bewegen, gehen im höchsten Grade schwankend, fallen, wenn sie drehende Bewegungen niachcu oder über hohe Gegenstände — Tiiürscliwellen — geführt werden, leicht zusammen. Der Puls steigt bis DiO und darliber; derselbe ist hart, sehr schnell und so klein, dass er an der Kinnbackenartene kaum oder gar nicht zu fühlen ist. Das Euter ist schlaff. Der Nasen­spiegel ist trocken und fast rissig, oder doch mir schwach befeuchtet; letzteren Falls treten die Perlen nach dem Abstreichen sehr langsam auf. Die Temperatur ist im Mastdarm meistens — nicht inmicr — erhöht, an der Körperoberflftohe ungleich verteilt und wechselnd; das eine Horn ist wärmer als das andere, und das augenblicklich kalte Horn ist vielleicht nach Ablauf einer Stunde brennend lieiss. Die Bindehaut des Auges ist braunrot, ziegelfarbig. Die Vaginalschleim­haut ist meistens von derselben Farbe. Der Augapfel ist tief zurück­gezogen. Im inneren Augenwinkel lindet eine Ansaminlung vonTbränen
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statt. Die linko Suugei'gmbe Ist tief eingefallen. Der Panseii liegt still; (1. L. aktive Bewegungen macht er nicht, wohl aber wird er, wie aucli sein Inhalt infolge des durch die Kesjnrationsphaseu be­dingtem Vor- und lUickwärtstretens des Zwerohfclles jiassiv bewegt. Freies Gas steht unter der oberen Wand des Pansens nicht. Der Mist wird selten oder beinahe gar nicht entleert und ist nach dem auf'genoiinnenen Futter gewöhnlich ZU konsistent. Der Bauch ist im ganzen Umfange druckempfindlich.
Leichenerscheinungen. Die seröse Haut des Verdauungstraktus ist zuweilen intakt, zeigt aber meistens an denjenigen Stellen, au welchen die beiden anderen Häute besonders stark affiziert sind, die Erscheinungen der Entzündung. Lud in diesem Falle ist auch wohl ein kleiner Erguss in der Bauchhöhle vorhanden. Die Muskelbaut ist fast allenthalben, wo die Schleimhaut erkrankt ist, serös infiltriert, hyperämisch und mit kleinen Fktravasaten durchsetzt; ihre Elemente, die kontraktilen Faserzellen, zeigen die Kerne deutlicher als sonst unter dem Mikroskop. Die Schleimhaut ist im Pansen stets, in der Haube fast niemals, in dem Psalter mitunter, im Labmagen und Dünndarm immer, im Blind- und Grimmdarm zuweilen und im Mast­darm häufig erkrankt. Niemals habe ich gesehen, dass die Schleim­haut des Verdauungstraktus in ganzem Umfange erkrankt war. Im Pansen ist nur die Partie der Schleimhaut, wo die grosseu Zotten sich befinden, erkrankt, an allen übrigen Stellen absolut normal. An der erkrankten Schleimhaut ist das Epithel — beim frisch gefallenen oder geschlachteten Kinde — gequollen und so schwach mit der dar­unter liegenden Substanz verbunden, dass es sehr leicht abhebbar ist. Nach der Entfernung des Epithels erscheint die Schleimhaut dunkel­rot und sehr saftig. Die Schleimhaut der Haube zeigt, wie schon oben bemerkt, fast niemals Veränderungen, nur ausnahmsweise fand ich an einzelnen, sehr kleineu Stellen eine leichte Injektion. Ist der Psalter afliziert, so erscheinen dessen Blätter bräunlich; nimmt mau dann aber das leicht abhebbare Epithel fort, so findet sich, dass nur die Wärzchen rot sind. Die Schleimhaut des Labmagens ist ziemlich gleiclunässig rot, ödematös und stellenweise vom Epithel entblösst. Im Dünndarm ist die Schleimhaut in verschiedenem Grade rot, ge­wöhnlich vom Epithel entblösst, mitunter in hohem Grade erweicht, fast zu einer matschigen Masse geworden. Der Inhalt des Dünn­darms ist mitunter blutig. Die Schleimhaut des Dickdarms zeigt an den afflzierten Stellen ähnliche Verhältnisse wie die des Dünndarms. Im Mastdarm zeiat sich die RötlUiff namentlich auf dem Kamm der Falten.
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Verlauf. Die Krankheit verläuft sehr rasoh und gewObullob tödlloh. Es kann allerdings, wenn man zeitig gerufen wird, die Krankheit nield in ihrem höchsten Grade vorliegt und eine energische Behandlung eingeleitet wird, Heilung eintreten, für gewöhnlieh aber ist der Verlauf ein lethaler. Die Kränkelt tritt plötzlich iu voller Heftigkeit auf und kann schon in einigen .Stunden tödlich enden. Wenn man hört, dass ein Rind abends ganz munter gewesen und am folgenden Tage morgens tot vorgefunden worden ist, so muss man schon an das Vorhandensein der rheumatischen Magen-Darineutzlin-dung denken. In den von mir beobachteten Fällen hat sich die Dauer der Krankheit gewöhnlich nur auf Stunden, selten auf Tage, niemals über fünf Tage erstreckt.
Diagnose. Zu den wesentlichsten Krankheitserscheinungen ge­hören die grosse Apathie, die bedeutende Pulsfrequenz, das Eiu-gefallenscin der linken Hungergrube, das Tiefliegen des Augapfels, das Stillliegen des Verdauungstraktus und die Draokempfinclliobkelt im ganzen Umfange des Bauches. Das Wesentlichste des Verlaufs besteht in der grossen Akuität. Die Tiere sind, wie der Besitzer sagt, plötzlich sterbenskrank geworden. Zu verwechseln wäre die rheumatische Magen - Darmentzündung mit der allgemeinen akuten Bauchfellentzündung, der inykotisciien und toxischen Magen-Darm­entzündung, der Waldkrankheit und dem akuten Magen-Darmkatarrh.
Die Unterscheidung zwischen der allgemeinen akuten Bauchfell­entzündung und der rheumatischen Magen-Darinentzündung ist schon früher besprochen.
Auf die Ausschliessung der mykotischen und toxischen Magen-Darmentzündung, sowie auf die der Waldkrankheit komme loh später zurück.
Der akute Magen - Darmkatarrh und die rlieumatischo Magen-Darmentzündung gehen allmählich ineinander über, eine scharfe Grenze besteht zwischen diesen beiden Krankheiten nicht. Vom kli­nischen, d. h. vom praktischen Standpunkt aus aber muss ich em­pfehlen, ein ganz bestimmtes Unterscheidungsmerkmal aufzustellen. Wenn der Bauch druckempthullich ist, nenne ich die Krankheit ev. Magen-Darmentzündung, sonst akuten Magen-Darmkatarrh.
Ursachen. Wahrscheinlich Erkältung.
Prognose. Ungünstig.
Behandlung. Ob durch eine Behandlung wirklich etwas zu er­reichen ist, ist für mich fraglich. Nach Verabreichung salziger Laxantia habe ich sofortige Verschlimmerung eintreten sehen. Der Aderlass hat
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sitfh nicht bewährt. Sonst habe ich Einreibungon von 01. terebin-tliinno, Oleuni terebiuthinac und Tiuctura oder 01. canthaviduiu, Oleum crotunis und Äther oder Spiritus, zuweilen auch Priessnitz'sohe Um­schläge machen lassen. Innerlich habe ich grosse Quantitäten Schleim — s. die toxische Magen-Darnieutxündung —, sonst Cupr. sulfuricum mit einer grossen Quantität Wasser — s. d. akuten Magen-Uarra-katarrh —, mitunter auch Salz- oder Schwefelsäure benutzt. Tritt Besserung ein, so gebe ich kleine Dosen Salzsäure und lasse nur leicht verdauliches, weiches Futter, am liebsten Gras bis zu knapper Sättigung geben.
Mykotische Magcii-VarnicntziiiHluiig.
Diejenige Krankheit, welche früher typhöse Magen-Darmentzün­dung gonaunt wurde, ist, nachdem man die Ursache derselben er­mittelt zu haben glaubt, mit dem Namen „Mykotische Magen-Darm­entzündungquot; belegt worden. Diese Krankheit habe ich im ersten Jahre meiner Praxis — 1854 — bei einer grossen Zahl Leicester Schafe des Hofbesitzers Thomsen in Oldenswort und später in Ein­zelfällen bei Rindern beobachtet.
Krankheitserscheinungen. Speicheln. Leibschmerzen, welche sich durch Stöhnen, Umsehen nach dem Leibe, mitunter durch Brüllen zu erkennen geben. Kutter und Getränk wird verschmäht. Lauch druckempfindlich, l'eristaltik unterdrückt oder ganz aufgehoben. Der Kot ist zunächst — mitunter bis zum Tode — fest, trocken, hart und wird verzögert oder gar nicht abgesetzt, später der Regel nach dünn, schleimig, blutig, übelriechend und wird häufig, gegen Ende des Lebens mitunter unfreiwillig entleert. Luis hoch. Mastdarintem­peratur steigt, fällt aber, wie ich wenigstens in zwei Fällen beobachtet habe, schon längere Zeit vor dem Tode. Neben diesen Erscheinungen zeigen sich Taumeln, grosse Hinfälligkeit, Schlummersucht, Zähne-knirschen, Zittern der Lippen, Schaumschlagen und auch wohl heftige Krämpfe. Abortus, der von einigen beobachtet worden ist, habe ich niemals eintreten sehen.
Leiehenerscheinungen. Blut kirsch- bis dunkelrot mit einem Stich ins Graue, färbt das Gewebe, namentlich auch die Intima der Gefässe. Herzmuskel wie gekocht. An der inneren und äusseren Fläche des Herzens Ekchvinosen. Das Fleisch hat die normale Farbe verloren und verbreitet beim Kochen einen unangenehmen Geruch. Lunge sehr blutreich. Leber blutreich und brüchig. Inhalt im Darm­kanal schleimig, wässerig, blutig, im Dickdarm mit harten Kotstücken
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initerniisclit. Schleimhaut des Verdauungstraktiis schmutzig rot, stellen­weise scliiefevgrau und, wie auch die Muscularis, mit blutiger Flüssig­keit infiltriert und ekchymosiert. Serosa au einzelnen Stellen des Darmkanals entzündet. Bei sehr langsamem Verlaufe nach Fried-berger - Fröbuei' jauchige PerforatlvperltonltlB, Gehirn byperämlsob; in den Seitenkammern rötliehe Flüssigkeit.
Verlauf. Die Dauer der Krankheit beträgt nach Haubner-Sie-damgrotzky 4—8, höchstens 18—24 Stunden, nach eigenen Beobach­tungen 2—3 Tage, nach Friedberger-Fröbner 1 Tag, nicht selten 8—14 Tage. Letztere geben an, dass auch apoplektiforme Todes­fälle vorkommen. Heilung ist schwer herbeizuführen, von mir niemals erreicht worden.
Diagnose. Durch das llesultat der speziellen Untersuchung des Futters, die der umsichtige Praktiker bei innerlichen Erkrankungen ja niemals nnterlässt, sowie durch die zum Teil eigentümlichen Krankbeits- und Leichenerscheinungen wird die Diagnose in dem Grade erhärtet, dass höchstens während des Lehens eine Verwechs­lung mit der rheumatischen Magen-Darmentzündung dann möglieb ist, wenn die nervösen Erscheinungen — Zähneknirschen, Zittern der Lippen, Schaumschlagen und heftigere Krämpfe — nicht vorbanden sind.
TJrsachen. Durch Schimniei verdorbenes, sowie durch mit Rost­oder Brandpilzen besetztes Futter jeglicher Art kann die Krankheit hervorgerufen werden. Die Pilze verursachen die Erkrankung dos Darmkanals, und die Stoft'wechselprodukte der Pilze — ptomaiuartigc Körper —, welche ins Blut übertreten, erzeugen die nervösen Er­scheinungen. — Mitunter aber können die Tiere mit Pilzen besetztes Futter längere Zeit erhalten, ohne dass sichtbare Nachteile darnach eintreten. So habe Ich, wie schon in der 2. Auflage meiner Ge­burtshilfe bemerkt, einmal beobachtet, dass mit Rost besetztes Griin-futter mehrere Monate hindurch an reichlich 40 Kühe, die trächtig waren, verabreicht wurde, ohne Krankheiten, resp. Abortus her­vorzurufen. Ebenfalls habe ich gesehen, dass verschimmelte Bohnen — Bohnenstroh mit der darin vorhandenen Frucht — den ganzen Winter hindurch an reichlich 20 Arbeitspferde ohne allen Nachteil verfüttert wurden.
Prognose. Ungllnstig.
Behandlung. Entleerung und Desinfizierung des Darmkanals, Schrumpfung und Deckung der Schleimhaut desselben sind die Indi­kationen, denen wir Rechnung zu tragen haben. Besteht die Krank­heit erst eine sehr kurze Zeit, so reiche ich ein mildes, aber er-
Harms, Ttiurlvidlihoilkumlr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4
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giebig wirkendes Laxans und darauf, d. h. ein paar Stunden später, Cuprum sulfurieum mit einer solchen Menge Wasser, dass die Flüs­sigkeit bald nach dein Darmkanal gelangt. — S. den akuten Magen-Danukatarrh. — Hesteht die Krankheit aber schon mehrere Stunden, so lasse ich sofort Cupr. sulf. eingeben. Liegt bedeutende Hinfälligkeit und Schliimmersiiclit vor, verordne ich Excitantia, nament­lich Branntwein.
Toxische Magen-DarmviitzUnduii^.
Viele aus allen drei Naturreichen stammende Körper, welche zum Teil als Arzneien Verwendung finden, rufen, wenn sie dem Tier­körper in einer entsprechenden Quantität und Form einverleibt werden, eine Erkrankung, Vergiftung, hervor, die sich zum Teil oder haupt­sächlich in einer Mageu-Darmentzündung ausspricht. Die Vergiftungen werden in der Arzneimittellehre und Toxikologie besprochen. Des­halb muss ich unter Hinweis auf das bis jetzt unübertroffene, wirklich klassische Werk von Gerlacli mich auf kurze Andeutungen beschrän­ken, und das um so mehr, weil ich doch nur eine einein Auszug aus der Gerlach'schen Arbeit gleichkommende Mitteilung liefern könnte.
Krankheitserscheinungen. Diese sind nach dem Gifte ausser-ordenflich verschieden. Speicheln; Anätzungen an den Lippen und im Maule; Schlingbeschwerden; Husten; Respirationsbeschwerden; Uulpsen; ßrechanstrengungen; Erbrechen; Aufblähung oder Ein-gefallensein des Bauches; Kot hart oder dünn, schleimig, wässerig, blutig; Aufregung, Tobsucht, Hinfälligkeit, Schlummersucht, Zittern, Zuckungen, Krämpfe. Puls hoch und aussetzend. Hauch druck­empfindlich. Erscheinungen der Kolik in verschiedenem, mitunter sehr bedeutendem Grade.
Leichenerscheinungen. Diese zeigen ebenfalls nach dem Körper, der die Krankheit hervorgerufen hat, Verschiedenheiten. Im Ver-dauungstraktus finden sich die Erscheinungen der Entzündung und Anätzungen.
Verlauf. Die Krankheit verläuft akut und tötet oft plötzlich.
Diagnose. Aus dem Symptomenkomplex können wir wohl das Vorhandensein der Magen-DarmentzUndung, aber nicht die Ursache derselben entnehmen. Plötzlich eingetretene und heftige Kolikerschei­nungen sprechen allerdings dafür, dass irgend ein Gift eingewirkt hat. Die Anamnese und die Untersuchung der vielleicht ausgewor­fenen Massen, namentlich die chemische Untersuchung derselben geben Auskunft über das Gift.
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Ursachen. Scharfe und ätzende Substanzen, sowie scharf nar­kotische Pflanzen und Pflanzenteilo.
Prognose. Unbestimmt.
Behandlung. Entfeinnug des Giftes aus dem Darinkana 1; Über­führung des in dem Darmkanale vorhandenen Giftes in uulösliebe, resp. unschädlielie Verbindungen; Einhüllung und Deckung der im Darmkanale vorhandenen lädierten Stellen; Begegnung der das Leben zunächst bedrohenden Vorgänge: das sind die Indikationen, denen wir ev. Rechnung tragen müssen. Die Entfernung des Giftes aus dem Ver-dauungstraktus durch Brech- und Laxiermittel erfordert meistens ZU viel Zeit und ist häufig gar nicht zu beschauen. Die Bindung des aufgenommenen Giftes kann selbstverständlich erst nach Ermittelung, resp. Feststellung desselben erfolgen. Und deshalb müssen wir nicht selten sofort zur Erfüllung der dritten Indikation, zur Einhüllung und Deckung der wunden SchleimhautHäche, schreiten. Hierzu verwende ich Schleim in grosseu Quantitäten. Tritt Hinfälligkeit, Schlummer­sucht etc. ein, so ist die Verabreichung der Excitantia — Spiritus, Kampher etc. — angezeigt.
Um anzudeuten, wie grosse Quantitäten Schleim Ich schon benutzt habe, führe ich folgenden Fall in aller Kürze an.
Kuli des Gastwirtes J, C. K. in W.
Diagnose. Parese des Verdauungstraktus. Das Tier bekommt, wie das in solchen Fällen bei mir seit vielen Jahren gebräuchlich ist, von einer aus Tart. stibiatus 15,0 und Natrium sulfuric. 750,0 bestehenden Mischung alle acht Stunden den dritten Teil mit einer Flasche Wasser. Massieren des Bauches.
Nach 48 Stunden ist bedeutende Besserung, aber noch keine voll­ständige Ausgleichung eingetreten. Deshalb bekommt das Tier, wie das früher ebenfalls geschehen, für die nächsten zwei Tage dreimal täglich 2,5 g Brechweinstein mit einer Flasche Wasser.
48 Stunden später ist das Tier nach Verabreichung des letzten Pulvers plötzlich sehr krank geworden. Die Untersuchung ergiebt folgen­des: Das Tier stöhnt, zeigt bedeutende Druckemptiudlichkeit im ganzen Umfange des Bauches, respiriert vermehrt, schlägt mit den Hinterbeinen gegen den Leib, wechselt häufig mit der Stellung und Lage, wälzt sich und bleibt mitunter sogar längere Zeit auf dem Rücken liegen. Puls 185. Temperatur 40,9.
Jetzt, lag unverkennbar eine heftige Magen-Darmentzündung vor, die wahrscheinlich, aber in nicht aufgeklärter Weise, durch Tart. stibiatus herbeigeführt worden war.
Das Tier bekam 70 Kilo Leinsamenschleim —#9632; In Ermangelung eines Gunimischlauchs — mittelst einer Flasche per os. Das Eingeben
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wurde unnnterbroclien fortgesetzt und war in ca. zwei Stunden beendet. Das Tier war nach 24 Stunden ruhig und nacli weiteren 14 Tagen voll­ständig hergestellt.
Knlir,
Die Ruhr stellt eine spezifische Entzündung der Schleimhaut des quot;Verdauiuigstraktus, besonders der des Dickdarms dar, welche sporadisch und enzoolisch auftritt.
Krankheitserscheinungen. Holies Fieber. Starker Durst. Grosse Teilnahinslosigkeit. Bauch aufgezogen und druckempfindlich. Bauob-decken gespannt. Kot dünn, missfarbig, übelriechend, stinkend, heiss, blutig, zuletzt jauchig. Der Absatz des Kotes erfolgt häufig und unter so starkem Drängen, dass die Schleimhaut des Mastdarms mit­unter zum Vorschein kommt. Neben diesen bekannten Er­scheinungen findet sich wenigstens mitunter noch ein anderes, wie mir scheint, sehr wichtiges Symptom. In allen Fällen von Kuhr, in welchen ich das Maul des Tieres untersuchte, fand ich die Scli leim haut der Lippen und des Zahnfleisches derart verdickt und gelockert, dass ich unwillkürlich an die Rinderpest erinnert wurde. Ob diese Erscheinung auch in den Fällen, in welchen ich nicht darauf untersucht habe, vorhanden gewesen ist, kann ich selbst­verständlich nicht wissen; wahrscheinlich ist sie aber nicht immer zugegen, denn Haubner-Sidamgrotzky geben die Beschaffenheit der Zunge und des Flotzmauls an, ohne ihrer Erwähnung zu tliun.
Leichenerscheinungen. Der Verdaiiungsschlauch ist in ganzer Länge afliziert. In den ersten drei Magenabteilungen ist das Epithel leicht abhebbar; im Pansen findet sich die zottentragende Partie fleckig oder diffus gerötet. Die Schleimhaut der anderen Abteilungen des Verdauuugstraktus ist in verschiedener Ausbreitung gerötet, auf­gelockert, gewulstet, erweicht, stellenweise vom Epithel entblösst, hier und da mit diphtheritischem Schorf belegt oder geschwürig zerstört.
Verlauf. Die Krankheit stellt sich plötzlich in voller Heftigkeit ein und verläuft meistens tödlich. Die Dauer beträgt bei lethalem Ausgang drei bis sieben Tage, beim Übergang in Genesung zwei bis drei Wochen. Zuweilen soll eine chronische Diarrhöe zurück bleiben, an welcher die Tiere nach einigen Wochen oder Monaten sterben.
Diagnose. Die Unterscheidung dieser Krankheit von der Maul-und Klauenseuche macht geringe, die Ausschliessung der Kinderpest jedenfalls grössere Schwierigkeiten.
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Ursachen. Es darf daran gedacht werden, dass die Entstehung der Ruhr, besonders beim enzootischen Auftreten, auf die Aufnabme und Einwirkung niederer Lebewesen zurückzuführen ist, und dass eine Übertragung derselben auf andere Kinder durcii die Dejektionen er­folgen kann. Zur Zeit, in welcher die Ruhr herrscht, geht jeder akute Magen-Darnikatarrh in Ruhr über.
Behandlung. Angezeigt sind solche Mittel, welche schmerzstillend, einhüllend, deckend und sebrumpfend auf die Schleimhaut wirken und gleichzeitig vorhandene Pilze töten. Die Arznei nmss mit einer solchen Menge von Flüssigkeit verabreicht werden, dass sie möglichst bald mit der erkrankten Schleimhautfläche in ganzem Umfange in Be­rührung kommt. Nimmt das Tier die Arzneilösung nicht freiwillig als Getränk in genügender Menge auf, so muss dieselbe mittelst eines hartwandigen Gummischlauches unter Zuhilfenahme eines Maul­gatters direkt eingegeben werden. Infusionen in den Mastdarm dürfen hier nicht unterlassen werden, dabei muss man den Schlauch, da die Flüssigkeit nur wenig tiefer als dessen vorderes Ende vordringt, mög­lichst weit hineinführen. An Arzneien verwende ich zunächst Opium und Cuprum sulfuricum. Stellt sich grosse Hinfälligkeit ein, so kommen auch hier die Excitanticn — Spiritus, Kampher etc. — in Anwendung. Bei eintretender Besserung und sich einstellendem Appetit darf nur wenig und leichtverdauliches Futter gereicht werden, weil sonst Rückfälle eintreten. Gegen die zurückbleibende Diarrhöe können abwechselnd Salzsäure mit Opium und adstringierende Arznei­mittel versucht werden.
Itulir der Kiilber.
Diese Krankheit befällt, wenn nicht Vorbauungsmassregeln ergriffen werden, wenigstens viele, gewöhnlich sogar alle Kälber eines Stalles, und zwar innerhalb der ersten drei Lebenstage, sehr selten später, mitunter gleich nach der Geburt.
Krankheitserscheinungen. Grosse Unruhe. Fieber. Appetitlosig­keit. Der Kot ist zuerst breiig, schmierig und unangenehm säuerlich riechend, dann schleimig und mit Milchgerinnseln durchsetzt, also weisslich — Weisse Ruhr —, schlicsslicb bräunlich und mit Blut gemischt — Rote Ruhr —. Der Kot wird zuerst unter heftigem Drängen — Tenesmus — und Blöken — Schmerzen — entleert, läuft scbliesslich unfreiwillig ab. Gegen Ende der Krankheit liegen die Tiere fest und bekommen Krämpfe.
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Verlauf. Fast alle Tiere sterben, und zwar in einer Zeit von ein bis drei Tagen.
Diagnose. Eine Verwechselung mit akutem Magen-Üarmkatarrh ist im Einzelfalle niclit zu umgeben.
Ursachen. Man bält suieb die Kälberrubr für eine Infektions-kranklieit, und man darf, da die Kälber schon in den drei ersten Lebenstagen, zuweilen sogar gleich nacb der Geburt, vor Aufnahme von Nahrungsmitteln, erkranken, daran denken, dass die Infektion intrauterin erfolgt.
Behandlung. Auch hier sind solche Mittel, welche schmerzstillend, einhüllend, deckend, schrumpfend auf die öchleimhaut wirken und etwa vorhandene Pilze töten, angezeigt, wenn die Tiere noch schlucken können, eine Behandlung überall noch einzuleiten ist. Einen Erfolg darf man aber kaum erwarten, selbst dann nicht, wenn die Tiere erst ein paar Stunden krank sind. Die Arzneien sind hier ebenfalls mit einer grossen Quantität von Flüssigkeit zu geben, damit die er­krankte Schleimhaut möglichst bald berieselt wird. Infusionen in den Mastdarm müssen, namentlich dann, wenn die Tiere nicht mehr schlucken können, trotzdem aber ein Heilversuch gemacht werden soll, in ergiebigster Weise gemacht werden. An Arzneien gebrauche ich Opium und Cuprum sulfuricum. Gegen eintretende Schwäche Wein, Spiritus, Kampher etc.
Vorbauung. Umstallung der trächtigen Kinder einige Wochen vor dem Kalben. Möglichst gründliche Desinfektion des Stalles. Benutzung eines anderen Baumes zur Placierung der Kälber. Event. AnderunK der Fütterung der Kinder.
Die sogenannte Waldkrankheit.
Diese in einer Vergiftung durch terpentinhaltiges Futter und Getränk bestehende Krankheit, welche früher sehr häufig vorkam, jetzt aber selten gesellen wird, findet ihre ausflibrliche Erledigung in der Toxikologie; die Erwähnung derselben an dieser Stelle geschieht nur deshalb, weil der Verdauungstraktus in hohem Grade in Mit­leidenschaft gezogen wird.
Krankheitserscheinungen. Diese zeigen bedeutende quantitative und nach der Dauer der Krankheit auch qualitative Verschiedenheiten. Im allgenieineu liegen solche Erscheinungen vor, wie sie durch Reizungszustände im Verdauuiigstraktus und in den llarnwerkzeugen — Nieren, Harnleiter, lilase und Harnröhre — hervorgerufen werden. Fieber. Der Appetit hat abgenommen oder ist gänzlich verschwun-
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den. Durst vennolirt. Kunihuition maiig'elliaft oder giuizlicli sistiert. KeHpiration mitunter in leiohtom Grade vermehrt. Mist zunftohst trocken, Bobarf geringelt, hart, schwärzlie.li, mit Bellleim umhlillt, liier und da mit Blut helegt, später diinnhreiig, düimfiiissig. Der Absatz des harten Kotes erfolgt in kleinen Quantitäten. Harn dick, hräun-lich, rötlich. Der Absatz des Harns erfolgt sehr häufig, zuweilen unter Stöhnen und in kleinen Quantitäten, mitunter kommen auf an­haltendes Drängen nur einige Tropfen zum Vorschein — Straugurie —. Nierengegend druckempfindlich. Scheidenschleimhaut vermehrt warm und gerötet. Mitunter Ausfluss einer schleimig blutigen, unangenehm riechenden Flüssigkeit aus der Scheide. Die Milch ist von eigen-tiimlichein Geruch und unangenehmem Geschmack.
Leiohenerscheinungen. Das Kadaver ist abgemagert und blut­arm. Der Verdauungstraktus zeigt vom Pansen bis zum After ge­ringere oder stärkere Erscheinungen der Entzündung. Nach Fried-berger-Fröhner Degenerationszustämlc in den Nieren. Schwellung der Milz und der Leiter.
Verlauf. Die Krankleit kann, wenn sie in geringem Grade besteht, in ein paar Tagen beseitigt sein; sie dauert meistens aber länger. Hei sehr langsamem Verlauf magern die Tiere mehr und mehr ab, bekommen eine harte, trockene Haut, sowie ein totes und struppiges Haar. Der Tod tritt unter kolliquativen Durchfällen, Krämpfen und Zuckungen ein.
Diagnose. Das Krankheitsbild ist ein so charakteristisches, dass eine Vcrkennung desselben gar nicht möglich ist. Gegen eine Ver­wechselung mit der rheumatischen, mykotischen und toxischen Magen-Darmentzündung schützen die von den Harnwerkzeugen ausgehenden Erscheinungen.
Ursachen. Diese Krankheit wird, wie schon oben bemerkt, durch Aufnahme von Futter und Getränk, in welchem zu viel Terpentin #9632;— oder ein ähnlich wirkender Stoff — enthalten ist, hervorgerufen; sie tritt also auf Bruch- und Waldweiden auf, und zwar namentlich dann, wenn auch der Durst hier gestillt werden muss. Neu einge­führte Tiere werden am leichtesten affiziert; bei diesen kann eine einmalige Stillung des Durstes schon eine leichte Erkankung her­vorrufen.
Prognose. In den leichten Fällen tritt bald Heilung ein; bei schwerer Erkrankung muss man bei der Abgabe der Prognose vor­sichtig sein.
Behandlung. Überführung nach einer gesunden Weide oder
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Verabreichung von Kartoffeln, Knollen, Wurzeln etc. Ist der Kot hart, so kann mau ein mildes Laxans — Oleum riciui mit Schleim — geben. Ist der Kot nicht sehr hart, so empfiehlt sich Kampher mit Schleim. Die Priessnitz'schen Umschläge sind ebenfalls zu empfehlen, llei bedeutender Hinfälligkeit reicht man auch hier selbstverständlich Excitantia.
Akuter Magren-Dariuliatiirrh.
Als akuten Magen-Darmkatarrh bezeichne ich diejenige Krankheit, bei welcher die Schleimhaut des Verdauungstraktus vom Pansen bis zum After entzündet ist. Zu gewissen Zeiten beobachtete ich, dass neben dem Katarrh im Verdauungstraktus ein gleicher Prozess in der Scheide und den Bronchien seinen Ablauf nalini, und dann wurde ich, wenn auch nur in sehr geringem Grade, an das bösartige Katar-rhaliieber erinnert.
Krankheitserscheinungen, Es ist stets ein Fieber, mitunter ein hochgradiges zu konstatieren. Der Puls steigt unter Verhältnissen, unter welchen er nonnaliter auf 60 bis 80 steht, wie bei den Kühen in der Gartengemeinde Hannovers, bis 100, ausnahmsweise noch be­deutend höher. Die Arterie ist gespannt, die Welle schnell und klein, jedoch der Kegel nach bequem an der JMaxillaris aufzunehmen. Die Mastdarmtemperatur ist gewöhnlich erhöht, mitunter normal, aus­nahmsweise gesunken. Die äussere Temperatur ist wechselnd und uiigleiehmässig verteilt. Die Milchsekretion ist um die Hälfte oder mehr vermindert und hat plötzlich so bedeutend abgenommen. Der Nasenspiegel ist trocken oder nur in geringem Grade befeuchtet; letzteren Falls treten die Perlen nach dem Abtrocknen sehr langsam wieder auf. Die Bindehaut des Auges ist gerötet, zuweilen bräun­lich oder ziegelfarbig, mitunter jedoch normal von Farbe. In dem inneren Augenwinkel findet sieh nicht selten eine Ansammlung von Schleim. Der Augapfel ist gewöhnlich, aber nach der Höhe der Krankheit in verschiedenem Grade, zurückgezogen. Der Appetit hat in bedeutendem Grade abgenommen oder ist gänzlich verschwunden. Das Wiederkauen erfolgt selten und unvollständig oder hat ganz auf­gehört. — Durch lose Kaubewegungen und Aufnahme von Lecker­bissen muss der junge Praktiker sich nicht täuschen lassen. — Die Faeces sind von alkalischer Reaktion und infolge einer ziemlich starken Heimischling von Schleim weich, resp. durch fällig, oder sie sind, was jedoch selten der Fall ist, mit zähem Schleim umhüllt und durchsetzt und dann gewöhnlich ziemlich konsistent. In dem Kote
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findet man, wenn die Tiere auf dem Stalle stellen und mit Tvoeken-futter unterhalten werden, meistens so grobe Stoffe, wie normaliter nur im Pansen vorhanden sind. Die linke Hungergruhe ist tief ein­gefallen. Der Pansen arbeitet subnormal; unter der oberen Wand desselben steht kein freies Gas. Der Inhalt des Pansens wird ge­wöhnlich ab und ZU gehoben, aber nicht in normaler Weise rotiert. Die Reaktion des Panseninhaltes fand ich sogar bei solchen Klihen, bei denen derselbe dem Futter nach sauer sein musste, alkalisch. Der Hauch ist nicht druckeinpfindlicli.
Leiohenerseheinungen. Der Pansen ist stets, aber nur in der Partie, welche die grossen Zotten trügt, affmert. Die Rötung tritt hier aber erst auf, nachdem man das Epithel, welches au frischen Leichen noch recht fest sitzt, durch starkes Schaben mit dem Rlicken einer Klinge entfernt hat, und verliert sich sehr rasch und leicht, z. B. schon dann, wenn man die abgeschabte und reingewaschene Schleimhaut zusammenklappt und liegen lässt. Die gründliche Unter­suchung der angegebenen Partie des Pansens darf bei der Sektion niemals versäumt werden. Die Haube ist auch hier stets leer; die Schleimhaut derselben ist vollständig intakt oder zeigt an einzelnen kleinen Stellen eine leichte Injektion. Im Psalter ist der Inhalt zu­weilen normal, mitunter stellenweise, besonders in den tieferen Schich­ten, ausgetrocknet, in den meisten Fällen in der Nälie des freien Psalterkanals viel zu grob. Die Schleimhaut des Psalters ist für gewöhnlich nur in geringem Grade erkrankt, mitunter jedoch an einigen Blättern ziemlich stark in Mitleidenschaft gezogen. Labmagen und Darmkanal sind meistens in ganzer Länge affiziert und enthalten neben normalen auch grob zerkleinerte Massen. Die Schleimhaut des Labmagens und Darmkanals ist gerötet und sehr saftig. Auf der erkrankten Schlcimhautpartie findet sich vielfach ein schleimiger Beleg.
Verlauf. Diese Krankheit tritt plötzlich auf. Die Tiere sind abends, wenigstens anscheinend, ganz munter und liefern am nächsten Morgen nur die Hälfte oder ein Dritteil der normalen Quantität Milch. Der fernere Verlauf richtet sich dann nach der Höhe der Krankheit, so­wie nach der Haltung und Behandlung des Tieres.
1.nbsp; nbsp;Der Regel nach tritt, wenn die Krankheit nicht zu hochgradig ist und die unten anzugebende Behandlung exakt durchgeführt wird, in kurzer Zeit vollständige Ausgleichung ein, selbst auch dann, wenn eine Komplikation mit Bronchitis vorliegt.
2.nbsp; nbsp;Kann, was jedoch sehr selten geschieht, die Krankheit nach
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und iiiicli in die rbeuinatisclio Magen-Darnieiitzlliulung- übergeben. Aus diesem Grunde darf man niebt unterlassen, bei jedem Besuch den Bauoh des Tieres auf Druc.kempfiiidliclikeit zu iiiitersucbeii. 1st dieser Übergang erfolgt, so ist die Aussiebt auf Erhaltung des Tieres eine sehr geringe.
3.nbsp; Stellt sieb niebt selten eine AüBohoppung von groben Massen im Labmagen und im Psalterkanal, mitunter — jedoeli sebr selten — cine veritable Verstopfung des Labmagens ein. — S. später. —
4.nbsp; nbsp;Der akute Magen-Darmkatairb kunn, wenn das Tier schlecht gebalten und gar niebt oder niebt rationell bebandclt wird, chronisch werden. S. später. —
Diagnose. Zu den wesentlichsten Erscheinungen geboren das Fieber, die schleimige und alkalische Beschaffenheit der Faeces, das Eingefaliensein der linken Hungergrube, das NichtVorhandensein von freiem Gas in der oberen Partie des Pansens und das Fehlen der Druckempfindlicbkeit. Das Wesentlichste des Verlaufes bestellt in dem plötzlichen Eintritt. Auszuscbliessen sind die rheumatische Magen-Darmentzündung, wovon schon früher die llede gewesen ist, und die Dyspepsie, worauf ich später zurückkommen werde.
Ursachen. Wahrscbeinlicb Erkältung.
Prognose. Im allgemeinen sebr günstig.
Behandlung. Den Tieren muss zunächst ein warmer, zugfreier, aber gut ventilierter Aufenthaltsort eingeräumt, eine gute Streu ge­geben, der Bauch gut eingehüllt, jedes, namentlich feste Nahrungmittel entzogen und reines Wasser oder ein schleimiges Gesöff zur beliebigen Aufnahme vorgesetzt werden. Mit dieser diätetischen Behandlung kommt man in den leichten Fällen zum Ziele, darf sieb auf dieselbe aber nicht verlassen. 1st der Mist ziemlich konsistent, dann gebe ich zunächst 750 Gramm Glaubersalz mit 100 bis 150 Gramm doppelt­kohlensaurem Natron, alle acht Stunden den dritten Teil mit einer Flasche Wasser. Arbeitet der Pansen sehr gering, enthält der Kot grobe Massen beigemengt, dann setze ich dem oben bemerkten Pulver noch 7,5 Gramm Brechweinstein hinzu. Ist die Dcfäkation eine zu­friedenstellende, so mache ich Gebrauch von der Salzsäure. Ich lasse zuerst sechsmal, später dreimal täglich 7,5 g konzentrierte Salz­säure mit einer Flasche Wasser eingeben. — Lieber wäre es mir, wenn das Tier die Arznei freiwillig mit dem Wasser aufnähme. — Besteht von vornherein heftige Diarrhöe, so kann nian der Salzsäure Opiumtinktur zusetzen oder ein m i 1 d e s Adstringens gebrauchen. Früher benutzte ich dann wohl eine leichte Abkochung von W'eidcnrindo, jetzt
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verordne ich Kupfervitriol in unten iinzugebender Weise. In besonders heftigen Fällen habe ich die Hauchdecken mit einem flüchtigen Reizmittel einreiben lassen.
1.nbsp; nbsp; nbsp;Kuh des Gr. in H. Vorgeführt am 22. Dezember 1879. Anamnese. Fragliche Kuli frisst und wiederkäut seit 24 Stunden
nicht, setzt einen breiigen Kot ab und liefert seit zwölf Stunden keine Milch.
Stat. praes. Respiration normal. Puls 120, an der Kinnbacken-arterie kaum aufzunehmen. Temperatur im Mastdarm 36,ö(l, an der Körperoberflilche, namentlich am Flotzmaul bedeutend geringer als unter normalen Verhältnissen. Bindehaut schinutzigrot. Augapfel stark zurückgezogen. Herztöne und vesikuläres Gerilusch normal; erstere auch deutlich an der linken, undeutlich an der rechten Bauchseite zu hören. Kontraktionen des Pansens erfolgen selten und in so schwachem Grade, dass der Inhalt desselben nur wenig ge­hoben wird. Darmgeräusch ist sehr stark, fliessend und kluckernd. Bauch nicht druckempfindlich. Der Mastdarm enthält eine dünne, schleimige Masse. Das Euter ist schlaff.
Behandlung. Der Bauch wird mit einer aus Oleum terebinth. 50,0 und Spiritus frumenti 100,0 bestehenden Mischung eingerieben und darauf mit Decken umhüllt. Innerlich werden 25 g Kupfervitriol verordnet. Dieses Mittel soll, in zwei Eimer Wasser gelöst, mittelst eines hartwandigen Gnmmischlauehes unter Zuhilfenahme eines Maulgatters auf einmal ein­gegeben werden. Der Praktikant — Herr Drewes aus Oldesloe in Hol­stein — übernimmt die Applikation.
24.nbsp; nbsp;Dezember. Puls 75, an der Kinnbackenartcrie leicht aufzu­nehmen. Temperatur 37,b0. Kot flüssig und von dunkelgrüner Farbe. Das Tier bekommt 12 g Kupfervitriol, stündlich 1 g mit einer Flasche Wasser zu geben.
25.nbsp; nbsp;Dezember. Puls 72. Temperatur 38,5. Kot von breiiger Konsistenz und dunkelgrüner Farbe. Morgens 1 Liter Milch geliefert. Behandlung ausgesetzt.
31. Dezember. Das Tier ist vollständig hergestellt.
2.nbsp; Kuh des Gr. in Hannover. Vorgeführt am 23. Dezember 1879. Anamnese. Die Kuh hat seit 24 Stunden nicht gefressen und beim
letzten, heute morgen stattgefundenen Melken nur 0,5 Liter Milch geliefert.
Stat. praes. Respii'ation normal. Puls 136, an der Kinnbacken­arterie nicht aufzunehmen. Temperatur im Innern 36,5deg;, an der Oberfläche dos Körpers stark gesunken. Augapfel stark zurück­gezogen. Augen- und Vaginalschleimhaut ziegelrot, letztere anscheinend geschwollen. Herztöne und vesikuläres Geräusch normal. An der linken Bauch wand beide Herztöne, an der rechten Bauch­seite nur einer derselben zu hören. Hungergrube tief einge­fallen. Thätigkeit im Pansen sehr gering. Darmgeräusch zu lebhaft, Kot breiig, lehmfarbig und mit groben, nicht wiedergekäuten Massen durchsetzt. Bauch nicht druckemptindlich.
Behandlung. Dieselbe wie im vorigen Falle.
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24.nbsp; Dezember. Puls 120, an der Kinnbackenarterie aufzunehmen. Temperatur 37,5. Kot breiig und dunkelgrün. Behandlung wie im vorigen Falle.
25.nbsp; Dezember. Puls 80, ziemlich kräftig. Kot breiig, dunkelgrün von Farbe und mit Schleimstreifen durchsetzt. Heu wird aufgenommen. Am Morgen l Liter Milch geliefert. Behandlung ausgestzt.
31. Dezember. Das Tier ist gesund.
In beiden Fällen hielt ich mich berechtigt, auf das Vorhandensein eines akuten Magen-Darmkatarrhs zu schliessen, der sich vom Pansen bis zum Rectum erstreckte. Der hohe und an der Kinnbackenarterie im ersten Falle kaum, im zweiten Falle gar nicht fühlbare Puls, die vollständige Appetitlosigkeit, das starke Eingefallensein des Bauches, die tiefe Lage des Augapfels, die roll Ständige Sistierung der Milchsekretion sprachen für die Hochgradigkeit der Krankheit. Dabei war die Mastdarmtemperatur — bei vollständig geschlossenem After — subnormal. Dieser Befund erhärtet meine .schon vor 13 Jahren ausgesprochene und häufig wiederholte Behauptung, dass man bei unserem Rinde bei Magen- und Darmkrankheiten aus der Höhe der Mastdarmtcmperatur nicht mit Sicherheit auf die Höhe der Krank­heit schliessen kann. Die Wahrnehmung der Herztöne an der linken und — jedoch weniger gut — an der rechten Bauchseite überraschte mich nicht im mindesten. Ich führe diese von mir sehr häufig gemachte und auch in der zweiten Auflage meiner Geburtshilfe schon mitgeteilte Beobachtung nur deshalb hier nochmals an, damit darauf bei der geburts­hilflichen Auskulation Rücksicht genommen werde. In beiden vorstehenden Fällen konnte ein Zweifel über die Entstehungsstelle der an der Baucli-wand wahrgenommenen Töne nicht aufkommen, weil die Tiere nicht trächtig waren.
Die hier angeordnete und von dem Praktikanten jedenfalls exakt ausgeführte Behandlung ist schon vor vielen Jahren mit gleichem Nutzen von mir in Anwendung gebracht worden. Die Applikation von Arzneien mit einer grossen Quantität Wasser empfiehlt sich für viele Fälle und ist stets leicht mittelst eines hartwandigen Gummi Schlauches unter Zuhilfe­nahme eines Maulgatters zu beschaffen.
Chronischer Mngen-Darmkatarrh.
Ähnlich wie bei dem akuten Magen-Darmkatarrh erstreckt sich auch hier der Prozess vom Pansen bis /Aim After. Bei meinen De­monstrationen im Krankonstalle, sowie in der kleinen Mitteilung über Magen- und Darmkrankheitcn im 2. Band der Deutschen Zeitschrift für Tiermedizin und vergleichemle l'atliologie habe ich auf den ehro-nisclien Magen - Darmkatanli aufmerksam gemacht, aber einen zu-friedeustellendeu Symptomenkomplex nicht liefern können. In ähn­licher Lage befinde ich mich auch noch jetzt. Ich habe den chro­nischen Magen - Darmkatarrb in den Jahren 1854 bis 1857, also in einer Zeit, wo ich noch nicht annähernd reif zur Beobachtung und
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Untersuchung war, ziemlich liäufig, später aber, in der Klinik zu Hannover, fast gar nicht gesehen. Iloft'en wir, (lass die Praktiker, naineutlich diejenigen, welche als Dirigenten der Rindviehkliniken wirken, uns bald weitere Belehrung zukommen lassen.
Krankheitserscheinungen. Das Tier ist mager oder magert doch ab, hat einen trliben Blick, ist träge, hat glanzloses, rauhes Haar, harte, zu fest anliegende Haut, erscheint infolge des geringen Bauch-umfanges sehr hochbeinig, frisst zu wenig und ruminiert seltener und unvollständig. Der Pansen arbeitet subnormal. Der Kot ist bei einigen Patienten trocken, bröckelig und dunkel, resp, schwarz; bei den meisten Kranken aber — namentlich bei Jungrindern — dünn, wässerig und bildet beim Auffallen auf den Boden Blasen.
Leiohenersoheinungen. Kadaver mager und blutarm. Die Schleimhaut der ersten drei Magenabteilungen — am wenigsten die der Haube — braunrot von Farbe und sehr der)). Die Schleimhaut des Labmagens und Dünndarmes im allgemeinen sowie ich beim chronischen Labmagen-Dliundarmkatarrh bemerken werde; die des Dünndarms zeigt ausserdem stellenweise graue Pigmentierung. Im Dickdarm ist die Schleimhaut auch braunrot von Farbe und sehr derb, fast lederartig. — Diese Erscheinungen habe ich an den Ka­davern solcher Tiere aufgenommen, die einen dünnen, wässerigen Kot abgesetzt hatten. Ob dieselben Erscheinungen sich auch im entgegen­gesetzten Falle finden, muss ich dahin gestellt sein lassen.
Verlauf. Diejenigen meiner am chronischen Magen-Darmkatarrh leidenden Kinder, welche einen dünnen, wässerigen Kot absetzten, habe ich nicht am Leben erhalten können; diejenigen Krauken dieser Art dagegen, deren Kot trocken war, habe ich nicht nur am Leben erhalten, sondern der Regel nach so weit hergestellt, dass sie das Futter anscheinend normal verwerteten.
Diagnose. Mit vielen chronischen Krankheiten, die eine Ab­magerimg des Tieres, resp. eine schlechte Vorwertung des Futters bedingen, kann der chronische Magen-Üarmkatarrh verwechselt werden, besonders leicht aber mit dem chronischen Labmagen - Dümidarm-katarrh. Auf die Unterscheidung dieser beiden Krankheiten komme ich später zurück.
Ursachen. Der akute Magen-Darmkatanh wird bei solchen Tieren, die schlecht gehalten, nicht sachgemäss gefüttert, gar nicht oder nicht rationell behandelt werden, mitunter chronisch. Dasselbe gilt von der Dyspepsie.
Behandlung. Wird der Kot in trockener, fester Konsistenz ab-
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gosetzt, so wirkt das Frlililiiigsgras einer sobönen Ot'hsenweide ausser-ordentlicli günstig. Muss man auf den Gebrauch dieses diätetischen Heilmittels verzichten, so benutze man, wenn möglich, die Karlsbader Kur in später anzugebender Weise. Gestatten Zeit und Umstände die Anwendung auch dieses Mittels nicht, so reiche man derart ein mildes Laxans in kleinen Dosen, dass der Kot stets in weicher Kon­sistenz abgesetzt wird, und daneben Salzsäure. Diese Kur dauert aber wenigstens Wochen. Setzt das Tier aber dünnen, wässerigen Kot ab, so kann man Salzsäure mit Opium, sonst die bekauuten Adstringentia versuchen.
Als Futter wähle man, wenn der Kot zu konsistent ist, Gras, sonst Knollen- und AVurzelgewächse; wenn der Kot flüssig ist, Heu, Stroh und geröstetes Mehl.
Akuter Labmag'ou-UUiiiidariiikatarrh.
In den früher erwähnten Beiträgen zu den Magen- und Darm­krankheiten beim Rinde habe ich eine Krankheit unter dem Namen „Labmagen - Zwölfiingerdarnikatarrhquot; besprochen. Hierzu bemerkt Johne — Dresdener Jahresbericht pro 1878, Seite 66 —, dass es praktisch unmöglich und therapeutisch ohne Bedeutung sein dürfte, einen Labmagen-Zwölftingerdarmkatarrh vom Magen-Darmkatarrh zu unterscheiden. Ks kommt für mich aber darauf an, die Aufmerksam­keit auf das von mir in der Praxis Gesehene hinzulenken, damit dasselbe weiter verfolgt, d. h. am Tiere kontrolliert werden kann. Dass meine Aufstellungen, insofern selbige die ersten sind, nicht immer mustergültig sein können, um so weniger dann, wenn die Fälle selten vorkommen, und das am lebenden Tiere Gesehene nur ausnahms­weise mit dem Leichenbefund verglichen werden kann, ist selbstver­ständlich. Eine Diagnose beim Kind zu stellen, ist sogar für den­jenigen, der mit dieser Kunst vertraut ist, zuweilen nicht leicht, und eine Sektion auf dem Düngerhaufen oder an einem ähnlichen Platz zu machen, wie das in der freien Praxis und in der Rindvieh­klinik fast stets geschehen muss, ist nicht sehr angenehm. — Jede Belehrung ist für mich im höchsten Grade erfreulich; jede abwei­chende Kritik aber von Personen, die nicht mit der Sache vertraut, also in derselben Laien sind, lässt mich im höchsten Grade kalt.
Jetzt spreche ich vom Labmagen-Dilnndarmkatarrh, weil der Katarrh sich im Dünndarm gewöhnlich auf den Leerdarm, nicht selten sogar bis zur Hüftblinddarmklappo erstreckt. 01) der akute Katarrh mitunter nur im Labmagen, zuweilen nur im Dünndarm besteht, Avas
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sehr walirscheiulich ist, weiss loll nicht aus Erfahrung. In den paar Fällen, in welchen ich Gelegenheit gehabt habe, meinen Befund am lehenden Tiere durch den an der Leiche kontrollieren zu können, was zuletzt im Jahre 1886 bei einem Jimgrind des Kleinbesitzers Finck in Koldenblittel geschehen ist (s. u.), waren beide Teile aflizlert. Bei Druckempfindlichkeit in der Gegend des Labmagens spreche ich vom Übergang der Entzündung auf die Muscularis. Es ist dies nicht korrekt, aber von gewisser praktischer Bedeutung.
Krankheitseracheinungen. Teilnahmslosigkeit. Puls und Tem­peratur erhöht. Appetit und Rumination ungefähr oder ganz auf­gehoben. Leib etwas, aber nach der geringen Futteraufnahme kaum genügend eingefallen. Der Pansen arbeitet nach der Fül­lung normal. Der Kot wird verzögert abgesetzt, zeigt keine be­deutenden Veränderungen in der Konsistenz, enthält aber zuweilen grobe — nicht wiedergekaute #9632;— Massen und ist, gewöhnlich auch dann, wenn er dem Futter nach sauer reagieren müsste, von alka­lischer Reaktion. Die Milchsekretion ist bedeutend reduziert. Die Milch zeigt mitunter — namentlich im Sommer — einen Stich ins Gelbliche. Die Bindehaut des Auges ist mitunter normal, zuweilen gerötet, zeigt ausnahmsweise einen gelblichen Schimmer. Die Lab­magengegend kann druckempfindlich sein.
Leiohenersoheinungen. Die Schleimhaut des Labmagens ist, am wenigsten in dem Pylorusteile, ödematös, ziemlich gleicbmässig gerötet und mit einem dünnen Beleg versehen. Die Schleimhaut des Dünndarmes ist verschieden weit rückwärts geschwollen, fleckig, streifig oder mehr gleicbmässig gerötet, grobfaltig und ebenfalls mit einem Beleg versehen.
Verlauf. Die Krankheit tritt plötzlich auf, was am besten an dem schnellen und bedeutenden Nachlassen in der Milchsekretiou zu sehen ist, und gleicht sich der Regel nach in einer Zeit von einigen Tagen aus. Selbst dann sogar, wenn anscheinend die Muscularis afliziert ist, darf man auf einen solchen Ausgang rechnen. Die Krank­heit kann aber auch chronisch werden.
Diagnose. Auch noch jetzt, dreizehn Jahre nach der ersten, von mir darüber gemachten Mitteilung muss ich gestehen, dass diese Krankheit nicht immer mit der wünschenswerten Sicherheit zu er­kennen ist. Die wesentlichsten Symptome sind das leichte Eiu-gefallensein der linken Uungergrube, die nach der FülUmg normale Thätigkeit des Pansens, die angegebene Beschalfenheit des Kotes und das Vortreten der gelblichen Färbung der Bindehaut. — Eine
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zitronengelbe Färbung der Bindeliaut muss man nicht erwarten. — Treten beim Vorhandensein dieser Ersoheinungen Schmerzensäusser-ungen beim Druck auf die Labmagengegend ein, so ist damit, wenn die Bindeliaut auch von ganz normaler Farbe ist, die Diagnose ge­sichert. Das Wesentlichste des Verlaufs besteht in dem plötzlichen Auftreten. Die Ausschlicssung bezieht sich auf den akuten Magen-Darmkatarrh, wozu der ganze Symptomeukomplex dieser Krankheit lierangezogeu werden muss.
Ursachen. Mir unbekannt. Ich kann nur bemerken, dass ich die Krankheit im Winter, namentlich aber in der heissen Sommerzeit beobachtet habe.
Prognose. Günstig.
Behandlung. Im Winter sorge mau für einen warmen, gut ven­tilierten, zugfreien Stall, hohe Streu, Einhüllung des Bauches, gänz­liche Entziehung der Nahrung und häufiges Vorsetzen frischen Wassers. Weidetiere bleiben, wenn das Wetter gut ist, ganz gewöhnlich auf der Weide. Innerlich gebe ich, wenn der Kot normal ist, in den ersten Tagen sechsmal, später dreimal täglich 7,5 g Salzsäure mit einer Flasche Wasser. Ist der Kot zu konsistent, dann reiche ich zunächst von einem Pulver, das aus 600 g Glaubersalz und 100 g doppeltkohlensaurem Natron besteht, aohtstUndlich den dritten Teil mit einer Flasche Wasser. Enthält der Kot sehr viele grobe Stoffe, so setze ich der vorhin erwähnten Mischung 5 g Brechweinstein zu. Tritt Appetit ein oder wird der noch vorhandene Appetit stärker, so reiche ich am liebsten Gras als Futter. Dass auch einmal eine Änderung oder ein Wechsel der Arzneien notwen­dig sein kann, versteht sich von selbst.
Jungrind des Kleinbesitzers P. in K.
Angemeldet mit dem Vorbericht, dass das Tier seit 24 Stunden krank sei.
Untersuclmngsbefinid. Das Tieigt; ist ziemlich teilnahmslos, respiriert normal, ist etwas Im Bauche eingefallen, verschmäht vorgehaltenes Futter, ruminiert nicht. Puls 85. Temperatur 39,:i. Der Inhalt des Pansens wird alle zwei Minuten ca. dreimal gehoben und langsam und unvoll­ständig unter dem aushorchenden Ohre vorbeigeschoben. Der Kot reagiert sehr stark alkalisch, ist von derselben Konsistenz wie der der übrigen Kinder des vStalles und ist frei von groben Stoffen. Die Bindehaut ist leicht gerötet. Beim Druck auf den Labmagen weicht das Tier aus, stöhnt aber nicht.
Verordnet wird Salzsäure.
Am folgenden Tage ist Besserung eingetreten. Der Kot enthält ziemlich viele grobe Bestandteile. Das Tier bekommt zwei Drittel des
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oben bemerkten Pulvers, wovon aclitstiuiillich der dritte Teil mit einer Flascbe Wasser eingegeben werden soll. Am Nacliinittagc desselben Tages kommt der Besitzer und meldet, das Tier sei beim Eingeben der Arznei plötzlich gestorben. Die am nächsten Tage Stattfindende Sektion ergiebt folgendes: Im Labmagen und im Dünndarm bis zur Valvula Baubiiiii ist ilie Schleimhaut geschwollen — ildematös, — gerötet und mit. Sehleim belegt. Pansen, Haube, Psalter und Dickdarm zeigen nichts Abnormes. — Der Tod ist infolge Einschiittens der Arznei in die Luftwege eingetreten.
(Jlironischer Labmageu - Diinudarnikatarrli.
Der chronische Katarrh findet sich mitunter nur im Labmagen, hiiufigev nur im Dünndarm, zuweilen aber gleichzeitig au beiden Stellen.
Krankheitserscheinungen. Heim chroiiischen Dlinndjirnikntarrh wird Futter in normaler Quantität aufgenommen, aber schlecht ver­wertet. Infolge des chronischen Labmagenkatarrhs ist das Tier in leichtem Grade aufgebläht und bat einen zu geringen und wechseln­den •— d. h. bald stärkeren, bald geringeren — Appetit. Leidet das Tier am chronischen Labmagon-DlinndarmkntaiTh, so ist es in leichtem Grade aufgebläht, nimmt Futter in zu geringer und wechselnder Menge auf und verwertet das aufgenommene Futter seidecht.
Leichenerscheinungen. Im Dünndarm ist die Schleimhaut ver­dickt, mit vielen und groben Falten verseilen, punktförmig und streifig gerötet und mit einem zeilenreichcn Sekret belegt. Der Prozcss reicht, wenn nicht gleichzeitig der Labmagen afQziert ist, gewöhnlieh vom Pylorus bis zur Valvula Bauhinil, andernfalls der i\egel nach nur bis zum Iloum. Im Labmagen ist der Teil der Schleimhaut, in welchem die Labdrüsen sich befinden, in leichtem Grade geschwollen, mitunter ziemlich glcichmässig, sonst streifig und punktförmig gerötet, mit einem zellenrelohen Beleg versehen und meistens mit punktfttrmigen, um­wallten Vertiefungen besetzt. Diese. Vertiefungen, die Ansfiihrnngs-gänge der Labdrüsen, finden sich zuweilen nur vereinzelt, mitunter aber in solcher Zahl, dass die Fläche damit wie. übersäet erscheint. Zwischen diesen beiden Extremen kommen alle möglichen Zwischen­stufen vor. Der übrige Teil der Sehleimhaut des Labmagens ist ge­wöhnlich in bedeutendem Grade verdickt, braunrot oder violett von Farbe und mit einem zeilenreichcn Sekret sehr stark belegt.
Verlauf. Es ist. der Kegel nach eine solche Ausgleichung ZU er­zielen, dass das Futter — wenigstens anscheinend — annähernd oder vollständig normal verwertet wird.
Diagnose. Es kann sich immer nur um eine Walirschoinlieh-keifsdiagnose handeln. Tiere, die an einer dieser Krankheiten oder. Harms, RindvloliliQllktindo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ö
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was seltener vorkommt, an beiden g-leiclizeitig leiden, verwerten das Futter sckleelit, gehen im Nälivzustuiidc eher rück- als vorwärts und liefern ev. auch nicht die normale Quantität Milch. Findet sich hei der Beobaohtuug und Untersuchung- absolut weiter nichts als dieses, so ist der Verdacht auf die in Frage stehende Krankheit begründet.
Ursachen. Die Krankheit kann sieh nach und nach infolge von Zirkulationsstörungen entwickeln, wie auch aus dem akuten Katarrh hervorgehen. Ich hahe sie naineutlich bei älteren Kühen, ebenfalls uher auch bei solchen jungen Uindern, die fortwährend im Stalle ge­halten und mit nicht naturgemässem Futter unterhalten wurden, nicht ganz selten gesehen.
Prognose, unbestimmt.
Behandlung. Ziinächst möchte ich für die Gegenden und Zeiten, WO es möglich ist, empfehlen, tlie Tiere auf die Weide zu schicken; das frische Gras im Frühjahr wirkt auch hier ausserordentlieh vor­teilhaft. Kommt man damit nicht zum Ziele, so gehe man einige Wochen hindurch täglich zwei- bis dreimal eine kleine Dosis Salz­säure mit einer Flasche Wasser. 15ei .Stalltieren kann ich, wenn #9632; selbige Ti'ookenfutter bekommen, nur das Karlshader Salz empfehlen.
Benutzt wird von mir das künstlich hergestellte Karlsbader Salz — Sal caroliunm facticium —, welches, wie längst bekannt, absolut ebenso wirkt, wie das natürliche Karlsbader Salz. Ich rechne drei his sechs Wochen zur Kur, beginne bei Tieren, die im ausgemästeten Zustande ein Schlachtgewicht von 200—300 Kilo liefern, pro die mit 50 g und steige allmählich auf 150 g. Nach dem anhaltenden Gebrauche der zuletzt genannten Dosis habe ich wohl zuweilen das Absetzen weicherer Faeces, aber niemals Diarrhöe eintreten sehen. Ich lasse das Salz, In einem grossen Stalleimer Wasser gelöst, den Tieren morgens vor­setzen und erst eine Stunde nach der Aufnahme desselben mit der Fütterung beginnen. Einige Tiere nehmen das Wasser sofort und anscheinend nicht ungern auf; andere Tiere müssen sich an den (ie-nuss desselben erst gewöhnen. Ist dieses der Fall, dann bin icli in der Anforderung, dass die Fütterung erst eine Stunde nach der Auf­nahme des letzten Teiles der Flüssigkeit beginne, für die ersten Tage der Kur weniger streng. Tieren, welche nach einigen Tagen der Kur die Flüssigkeit noch nicht in voller Quantität aufnehmen, lasse ich das Abendgetränk entziehen.
Während der Kur muss den Tieren ein naturgemässes Futter in naturgemässem Zustande gereicht werden.
Prof. Vogel in Stuttgart führt in der 2. Auflage seiner Arznei-
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niittellehre, die 1881 erschienen ist, ebenfalls das Karlsbader Sulz au und stellt 20—50 g als Dosis für das Rind hin; derselbe bemerkt aber wörtlich; „Kleinere Gaben, ein- bis zweimal täglich, sind den grosseu im allgemciueu aber vorzuziehen.quot; Vogel spricht sich Über die Dosis nicht ganz bestimmt aus und bemerkt liber den Modus der Applikation gar nichts; Vogel wird also wohl, die Annahme liegt wenigstens sehr nahe, das Salz In der beim Rinde meistens Üblichen Weise, mit einer Flasche Wasser, eingeben lassen. Ich lege aber auf die Verabreichung dieses Salzes mit einer grossen Menge Wasser ein ganz besonderes Gewicht, weil dasselbe nur in diesem Falle eine möglichst weit rückwärts reichende Wirkung entfalten kann.
Es durfte mir wohl gestattet sein, die Richtigkeit dieser meiner Behauptung, welche, da sie auch auf andere Fülle und andere Arz­neien bezogen werden darf, ein allgemeines praktisches Interesse hat, mit einigen Worten zu begründen. — S. Rumination. —
Wir wissen jetzt mit Bestimmtheit, dass die ulte Angabe, nach welcher ein kleiner Schluok von festen und flüssigen Stoffen, sagen wir von Futter und Getränk, nicht in den Pansen, sondern direkt in eine hinter dem Pansen belegenc Abteilung des Magens, nach einigen in die Haube, nach anderen in den Psalter, nach noch anderen in den Labmagen gelangt, falsch ist, dass vielmehr alles, was vom Binde freiwillig oder gezwungen geschluckt wird, einerlei, ob es tliissig oder fest, letzterenfalls grob oder fein zerkleinert, viel oder wenig ist, zunächst in den Pansen tritt. Vom Pansen aus gelangen Futter und Getränk vermittelst der Haube und des Psalters nach dem Labmagen, aber nicht auf ganz gleichem Wege und in ungleicher Zeit. Die gründlich zerkleinerte, also ev. zweimal gekaute feste Nahrung tritt in Verbindung mit einer gewissen, jedoch nicht bestimmt anzu­gebenden, jedenfalls aber verlmltnismässig geringen Quantität Flüssig­keit vom Pansen in die Haube, dann mittelst der Schlundrinne zwischen die Blätter des Psalters und darauf in den Labmagen. Die feste Nahrung muss, darauf kommt es an, zwischen den Blättern des Psal­ters durchtreten und kann folglich nur langsam nach dem Labmagen und Darmkanal gelangen. Das Getränk dagegen läuft mich der Auf­nahme sofort aus dem Pansen nach der Haube und dann, was ich besonders hervorhebe, durch den freien Kanal des Psalters, die so­genannte Psalterrinne, nach dem Labmagen. Der grösste Teil des Getränks findet sieb bald nach der Aufnahme in der letzten Abteilung des Magens und im Dannkanal.
Wenden wir diese physiologischen Thatsachen auf die Praxis an.
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so evgiebt sich daraus fllr uuseven Fall folgendes; Reichet) wir dem Rinde Karlsbader Balz mit einer Flasche Wasser, so gelangt die Lösung, wenigstens zum Teil, iraquo; Verbindung mit festen Stoffen langsam rückwärts und verliert, ehe sie nach dem Bestimmungsorte hingelangt, infolge dor überall, namentlich auch im Pausen stattfindenden Resorp­tion mehr oder weniger von der wirksamen Substanz. Geben wir dagegen das Karlsbader Salz mit einem grossen Stalleimer Wasser, so gelangt das Mittel in kürzester Zeit nach dem Labmagen und Darmkanal und kann seine volle Wirkung entfalten.
Bleibt der erwünschte Erfolg nach Einleitung der Karlsbader Kur aus, so geht daraus niclit mit Sicherheit hervor, dass die angenommene Krankheit nicht mehr zu beseitigen ist oder gar nicht vorliegt; man darf dann wenigstens daran denken, dass den Anordnungen nicht vollständig Rechnung getragen worden ist. Der letzte Fall während meiner Dozentur, in welchem die Karlsbader Kur angewendet wurde, war ein solcher, und selbigen möchte ich hier schliesslich anreilien.
Im Herbst 1882 präsentierte die Frau Ww. N. in K. bei Hannover In der externen Klinik der K. Tierarzneischule eine circa fünf Jahre alte, fast zum Skelett abgemagerte und haarlosraquo;! Kuli zur Untersuchung und Behandlung mit dem Vorheriehte, dass selbige in den letzten Monaten bei guter Fütterung und Haltung abgemagert sei und die Milch fast ganz verloren habe. Es wurde ein chronischer Dünndarmkatarrh angenommen, die Fütterung geordnet und die Karlsbader Kur in angegebener Weise eingeleitet. Der erwünschte Erfolg trat nicht ein. Den Misserfolg schob ich darauf zurück, dass Besitzerin den Anordnungen nicht nachgekommen sei. Um den Praktikanten — wenn möglich — den Beweis zu liefern, dass die Diagnose nicht falsch und die Auswahl der Arznei eine richtige gewesen sei, wurde das Tier angekauft und in der Anstalt von neuem der Karlsbader Kur unterworfen. Jetzt war das Resultat ein günstiges. Das Tier war nach reichlich sechs Wochen anscheinend ganz gesund. Die Haut war weich, das Haar glänzend, der Nährzustand hatte sich gebessert und die Milchsekretion betrug schon ca. acht Liter. Es wurde jetzt um das ca. Siebenfache des Einkaufspreises an einen Gartenmann verkauft und stand hier bei meinem Austritt, aus dem Staatsdienste, am 31. März 1883, als beste Milchkuh im Stalle.
Dyspepsie.
Diese vor ca. 13 Jahren von mir in die Rindviehheilkunde ein­geführte, von Friedbergcr-Fröhner nicht adoptierte Bezeichnung muss ich auch fernerhin beibehalten.
Als Dyspepsie bezeichne ich diejenige Krankheit des Kindes, Welche durcli abnorme Zersetzungsprozesse des Panseniuhaltes her-
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vorgerufen wird uucl nach Aufnahme nicht naturg'emftsser Nahrungs­mittel entsteht.
In der externen Klinik der Königlichen Tierarzneiscimle zu Han­nover ist keine Krankheit von mir so häufig behandelt worden wie die in Frage stehende. Das Bild derselben ist ein dnrcbans präzises, so dass der anfmorksanie Schüler dasselbe nach einmaliger Aufnahme sofort wieder erkennt. Alles, was ich vor 13 Jahren darüber bemerkt habe, kann ich auch noch heute als richtig hinstellen. In früherer Zeit habe ich diese Krankheit mit dem akuten Magen - Üarmkatarrh konfundiert, weil sich im Verlauf derselben ein Katarrh im Yer-dauungstraktus entwickelt; davon bin ich aber schon vor mehr als 13 Jahren zurückgekommen, weil die Dyspepsie durch besondere Ur­sachen liervorgerufen wird, Eigentümlichkeiten im Verlaufe zeigt und einen Symptomenkomplex darbietet, der mit dem des akuten Magen-Darmkatarrhs fast gar keine Ähnlichkeit hat. Wer beide Krank­heiten kennt, wird schwerlich den grossen Fehler begehen, selbige zu konfundieren.
Krankheitserscheinungen. Appetit verschwunden. Sauf lust ge­ring. Rumination sistiert. Puls meistens etwas erhöht; Arterie leicht gespannt. Milchsekretion vermindert. Die linke Hung er grübe gefüllt, mitunter sogar vorgewölbt. Der Panseu-inhalt steht fest gegen die obere Pan sen wand. Die Aus­kultation des Pansens ergiebt nach der Höhe und Dauer der Krank­heit ein etwas verschiedenes Resultat. 1. Besteht die Krankheit in geringem Grade nur erst eine kurze Zeit, so wird der Pansen ziem­lich normal bewegt; 2. hat das Tier, das immer ein naturgemässes Futter erhalten hat, schwer verdauliche Steife mit einemmal in grosser Quantität aufgenommen, so wird bald nachher der Pansen-iuhalt wohl etwas gehoben, aber nicht in der bekannten AVeise unter dem aushorchenden Ohre vorbeigeschoben, und es bilden sich grosse Crasblasen, die, wie man sehr deutlich wahrnehmen kann, in die Höhe steigen und platzen; 3. in den meisten Fällen aber findet man, dass der Pausen aktive Bewegungen gar nicht mehr macht, so dass nur eine leichte Verschiebung seines Inhalts bei der In- und Ex-spiration eintritt. Die Reaktion des Panseninhalts, welche ich über Jahr und Tag in jedem Falle von Dyspepsie mittelst eines beson­deren Trokars, durch welchen ich Laokmuspapier einführte, auf­genommen habe, ist eine saure. Diese Reaktion kann man schon 24 Stunden nach der Verfütterung von Hafer und lioggenmehl kon­statieren, [oh muss jedoch bemerken, dass in den leichteren Fällen
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A'ou Dyspepsie der peripbei'isohe Teil des Pauseniulialts alkalisch reagieren kann, dass mau also, wenn man in solelion Fällen die Reaktion bestimmen will, den Trokar auch tief genug hineinführen muss. Es ist mir vorgekommen, dass Studierende den Trokar selb­ständig gebraucht und keine saure Reaktion gefunden hatten, und dass ich dieselben schon ein paar Stunden später von dem Vorhan­densein der sauren Reaktion überzeugen konnte. Die hei Eröffnung des Pauseua in geringer Menge ausströmenden Gase sind stets von abnorm uimiigcnehmem Geruch, mitunter im höchsten Grade stinkend. Hat die Ausdehnung des Pansens einen ziemlich hohen Grad erreicht, so hört man bei jeder Exspiration einen brummenden Ton. Der Kot kann normal sein, das ist er aber selten, und zwar nur dann, wenn die Krankheit ziemlich schnell entstanden ist, und die Untersuchung bald darauf stattfindet. Die Faeces sind gewöhnlich von saurer Ke-aktion, abnorm unangenehmem Geruch, resp. stinkend, und entweder ziemlich konsistent und krümelig oder in verschiedenem Grade dünn. Ist der Kot ziemlich konsistent, dann wird er wohl verzögert ab­gesetzt; ist derselbe dagegen dünn, so wird er häutig entleert. In diesem Falle liegt auch mitunter Tenesmus vor.
Leiehenerscheinungen. Pansen in der zottentragenden Partie, sowie Labmagen und Darmkanal zeigen die Erscheinungen der Ent­zündung, wenngleich gewöhnlich nur in geringem Grade. Die Haullaquo;' fand ich niemals afflziert, und der Psalter zeigt nur hier und da kleine Rötungen.
Verlauf. 1. Kann, wie ich in der Praxis und auch bei Ver-siichstieren gesehen habe, die Krankheit in kürzester Zelt ihren Höhe­punkt erreichen, aber ohne alles ärztliche Eingreifen in einigen .Stunden so weit ausgeglichen sein, dass keine Krankheitserscheimingen wahrzunehmen sind. — Dies sieht man recht schön, wenn ein hunge­riges Kind sich mit Hafer und Roggenmehl etc. sättigt. — Es tritt dann aber später ganz gewöhnlich eine Veränderung des Kotes in angegebener Richtung ein.
2. Es entwickelt sich mitunter in verhältnismässig kurzer Zeit eine gefahrdrohende Aufblähung. Wie stark die Aufblähung sein muss, um als gefahrdrohend bezeichnet werden zu dürfen, lässt sich weniger gut beschreiben, als am Patienten zeigen. Fälle, in welchen die Aufblähung sozusagen mit einemmal, plötzlich, aufgetreten ist, müssen der augenblicklichen Gefahr wegen viel vorsichtiger beurteilt werden als solche, in welchen dieselbe sich allmählich entwickelt hat.
15. Kanu sich die Krankheit, wenn nicht dagegen eingeschritten
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wird, iu die Länge ziehen. Es zeigt sich liier sehr schön, dasB der Ver­lauf der Krankheiten bei dem Pferde und Rinde nicht immer gleich ist. Ist beim Pferde infolge der Dyspepsie Laxieren eingetreten, so stellt sich, wenn xunächst kein und darauf nur leicht verdauliches und naturgemässes Futter gereicht wird, in ein paar Tagen Heilung ein. Das ist beim Rinde aber anders. Bei diesem Tiere gelangen immer von neuem in Zersetzung begriffene Massen von Pausen, Haube und Psalter nach dem Labmagen und Darmkaual.
4.nbsp; nbsp;Die Entzündung der Schleimhaut der zottentrageuden — un­teren — Partie des Pansens geht auf die Muscularis, sogar, was jedoch von mir nur einmal nachgewiesen worden ist, auf die Serosa über. Dieser Übergang giebt sich durch Druckemplimllicbkeit zu er­kennen. Stirbt das Tier dann, so findet der Laie bei der Sektion nur „zirkumskripte BauchfellentzUiidungquot;, deren Entstehung ihm un­klar bleibt. Ich habe diesen Übergang, wie schon gesagt, mir einmal direkt nachgewiesen; es ist aber wahrscheinlich, dass eine sehr be-sclu-ilnkte Peritonitis nicht so ganz selten vorkommt, denn ich habe mitunter eine Verwachsung des Pansens mit den igt;auciidcckeii bei der Sektion gefunden.
5.nbsp; Kann sieh, wenn das Tier gar nicht oder irrationell behandelt wird, ein chroniseher Magen-Darnikatarrh entwickeln.
Diagnose. Die Ermittelung der Fütterung des Tieres giebt schon einen guten Anhaltspunkt für die Diagnose. Die wesentlichsten Sym­ptome sind die Aufblähung, das Nichtvoriiandensein von freiem Gas in der oberen Region des Pansens, die angegebene Heschafi'eulieit des Mistes und die Reaktion des Pauseninhaltes. Aussohiiessen muss man den akuten Magen-Darmkatanh und die l'arese des Verdauungs-traktus.
Das Tier ist beim akuten Magen-Dannkatarrh eingefallen und setzt einen neutral oder alkalisch reagierenden Kot ab, bei der Dys­pepsie aufgetrieben und entleert Faeces von saurer Reaktion.
Bei der Parese des Verdauungstraktus ist das Tier auch auf­getrieben. Bei dieser Krankheit steht aber freies Gas in der oberen Partie des Pansens und der Kot ist fest, geringelt, glänzend an der Oberfläche etc., was bei der Dyspepsie nicht der Fall ist.
Ursachen. Verabreichung nicht naturgemässer Nahrungsmittel. Treber, Wurzeln, Knollen, Kilchenabfälle aus den Hotels etc. in Ver­bindung mit Schlempe.
Behandlung. Mein Hauptmittel gegen die Dyspepsie ist die Salzsäure. Obgleich der verehrte Kollege Vogel in Stuttgart in seiner
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Arzneimittellelire sagt: ..Hanns, der grösste Partisan der Salzsäure etc.'quot;, empfellle loh dieses Mittel wieder und iuniier wieder, wo es mir gute Dienste geleistet hat. loh liahe mehrere Jahre liindureh abwechselnd in dem einen Falle doppeltkohleusaurea Natron, iu dem anderen Falle 8aIzsäure als Hauptmittel henntzt und get'nnden, dass man mit der Salzsäure- sehneller und sicherer zum Ziele kommt. Jedoch habe ich mich auf keins dieser Mittel beschränkt. 1st der Kot ziem­lich konsistent, so reiche ich zunächst ein Laxans, und zwar auch hier eine Mischung, die aus 15 g Brechweinstein und 750 g Glaubersalz besteht, achtstiimllich den dritten Teil mit einer Plasohe Wasser zu gehen, Hierauf lasse ich zunächst sechsmal, später dreimal täglich 7,5 g konzentrierte Salzsäure mit einer Flasche Wasser reichen. Wird der Kot in weicher, resp. dünner Konsistenz abgesetzt, so beginne ich sofort mit der Salzsäure. Kehrt hierbei der Pansen nicht in einigen Tagen zur normalen IJewegung zuriiek, so muss versucht werden, diese zu heben. Dazu benutzte loh früher kleine Dosen von Brechweinstein oder eine Injektion von Veratrin, würde jetzt aber unbedingt das Fserin versuchen. — S. die l'arese. — Gegen die gefahrdrohende Aufblähung schreitet man am besten ein in der Weise, wie ich es bei der zweiten Form der akuten Tym­panitis bemerken werde. Die Ti ere m üssen z unäelist absolu t hungern, später nur m it naturgemässem Futter — we­nigstens in den ersten paar Wochen — unterhalten werden.
Parese des Verdauungstraktus.
Diese Krankheit, welche sich im allgemeinen dadurch eharaktcri-siert, dass die Thätigkeit iu der Wand des Magens und des Daim-kanals nach und nach, aber nicht infolge eines Katarrhs oder einer tiefer gehenden Entzündung abnimmt, ist mir iu früheren Jahren — in meiner Privatpraxis in den Marschen Schleswig-Holsteins — ziemlich häufig. In den späteren Jahren ausserordentlich selten, in der Gartengemeinde Hannovers niemals vorgekommen. Meine Mitteilungen über dieselbe beziehen sich demnach auf die Erlebnisse einer entfernt liegenden Zeit, was ich um so mehr bedaure, weil ich mir des allzu häufigen Vorkommens wegen damals keine Notizen darüber gemacht iiabe.
Diese Krankheit kommt jetzt vielleicht auch in den Marschen Schleswig-Holsteins nicht so häufig vor, wie früher, dessenungeachtet beansprucht sie immer noch unser besonderes Interesse, so dass sie.
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immeutlich weil sie ein ganz bestimmtes, gar nicht zu verkennendes Kranklieitsbild liefert, aucli ganz besonders hervorgehoben werden muss. Meine vor 13 Jahren über diese Krankheit gemachten Mitteilungen muss ich auch noch heute als richtig anerkennen.
Krankheitserscheinungen. Das Tier ist träge, an der Korper-oberfläche nicht normal warm, liefert eine geringere Quantität Milch, hat blasse, zuweilen etwas wässerige Schleimhäute, einen normal hohen und weichen Puls, nimmt Futter und Getränk in zu geringer Menge auf, ruminiert seltener und weniger vollständig als sonst und setzt einen festen, geringelten, dunklen, an der Oberfläche glänzenden Kot in zu geringer Quantität verzögert ab. Die linke Hungergrube ist ausgeglichen. Der Pansen arbeitet subnormal; der Inhalt desselben besteht in der oberen Kegiou nur aus Gas, in der unteren Partie aus einer festen, beinahe harten Masse, welche nicht selten von aussei) in dieselbe gemachte Eindrücke längere Zeit stellen lässt. Die Per­kussion der linken Hungergrube liefert einen tympanitischen Schall.
Leichenerscheinungen. Diese ergeben sich aus dem, was ich über den Verlauf bemerken werde.
Verlauf. Die Krankheit tritt ganz allmählich auf und geht
1,nbsp; nbsp;bei frühzeitig eingeleiteter und energischer Behandlung fast stets in ein paar Tagen in vollständige Genesung über.
2.nbsp; Wenn auf die Abnahme des Appetits kein Gewicht gelegt wird, der Hunger des Tieres vielmehr mit dem bis dahin gereichten Futter gestillt wird, so hört, wie durch die Auskultation leicht zu ermitteln ist, nach und nach jede Thätigkeit — Bewegung — im Pansen auf. Dasselbe darf dann aber, da die Entleerung von Faeces sistiert, für Haube, Psalter, Labmagen und Darmkanal angenommen werden. Es ist dann allerdings der Inhalt des Psalters trocken, der durch den Psalter führende Kanal aber nicht verstopft, Flüssigkeiten können sogar in kurzer Zeit vom Pansen durch die Haube — welche durch­aus nicht, wie fälschlich angegeben, gefüllt ist — und Psalter nach dem Labmagen u. s. w. gelangen, und deshalb kann ich mich auch nicht entschliessen, in diesem Falle von „Psalterverstopfimgquot; zu sprechen, um so weniger, weil man bei vielen anderen Krankheiten ebenfalls den Inhalt des Psalters trocken findet. Wenn man, nachdem man sich von dem gänzlichen Stillliegen des Pansens Überzeugt hat, leichte, rasche Eindrücke auf die untere Partie desselben macht, und daraufquot; den Eintritt einer aktiven Bewegung konstatiert, so ist das ein relativ günstiges prognostisches Zeichen. Aber selbst auch dann,
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wenn auf diesem Wege der Pansen nicht in Tiiätigkeit zu versetzen ist, kann noch Ausgleichung erzielt werden.
3.nbsp; Treten mitunter, nachdem die Tiiätigkeit im Pansen vollständig erloschen ist, die Erscheinungen der Pansenentzlindung — Ruminitis — und die des Fiehers ein, und dann ist die Prognose bedenklich, resp. ungünstig. Sind die Erscheinungen der Entzündung nur in geringem Grade vorhanden, treten Äusseruugen von Schmerzen nicht freiwillig, sondern nur auf Druck ein, so liegt allerdings schon eine Ruminitis vor, die sogar zur Verwachsung des Pansens mit der begrenzenden Fläche des Bauollfells führen kann, die aber nicht unbedingt tödlich verläuft. Sind die Erscheinungen der Entzündung in bedeutendem Grade vorhanden, stöhnen die Tiere stark, nimmt das Stöhnen beim Druck beträchtlich zu, dann ist der Ausgang ein lethaler.
4.nbsp; Hält die Krankheit bei schlecht genährten Rindern lange an, so muss man auch an den Eintritt des Erschöpfungstodes denken.
Diagnose. Die allmähliche Entwickeluug der Krankheit, die sub-normale Tiiätigkeit, resp. das Stillliegen des Verdauungstraktus, das Vorhandensein von freiem Gas in der oberen Region und von festen, harten Massen in der unteren Region des Pansens, die angegebene Beschaffenheit der Faeces, die zuerst nur verzögerte, später aber gänzlich sistierte Entleerung des Kotes sind diejenigen Erscheinungen, welche das Vorhandensein der in Frage stehenden Krankheit mit Sicherheit angeben.
Ursachen. Diese sind nicht in genügender Weise erforscht. Man sieht diese Krankheit am häufigsten beim plötzlichen libergang von (irün- auf Trockeufutter, wie er in den mir bekannten Marschen im Herbst, im November erfolgt, sowie im Frühjahre, wenn die letzten, vielleicht überjäiirigen Reste des Rauhfutters verabreicht werden. Trockene Nahrungsmittel, welche arm an Arom, sehr weich, vielleicht gar auf dem Felde ausgelaugt sind, bedingen nicht selten den Eintritt der Krankheit. Gerstenstroh, Kaff, namentlich Gerstenkaff und Schlamm­heu sind in dieser Beziehung am meisten anzuschuldigen.
Prognose. Im allgemeinen günstig, wenn rechtzeitig eine Be-liandlung eingeleitet wird.
Behandlung. Mit vollständiger Entziehung der Nahrung muss die Kur beginnen. Liegen keine oder sehr geringgradige Erscheinungen der Entzündung vor, so gebe ich von einem Pulver, das aus 750 g Glaubersalz und 15 g Brechweinstein besteht, achtstündlieh den dritten Teil mit einer Flasche Wasser, und lasse den Bauch — nicht nur die Pansengegend — vorsichtig, aber anhaltend massieren. Hierauf tritt
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der Kegel nach Heilung ein. Ist dies der Fall, dann halte ich die Tiere in den nächsten Tagen von dem früher gereichten Futter ab, lasse Rüben oder Kartoffeln in geringer Menge geben und gehe all­mählich auf die Verabreichung einer gesunden Rauhfouragc über. Ist aber zwei Tage nach Verabreichung der letzten Dosis des oben be­merkten Pulvers noch keine genügende Wirkung eingetreten, so gebe ich zwei Tage nach der Reihe dreimal täglich 2,5 g Brechweinstein mit einer Flasche Wasser. Statt der kleinen Dosen BrechWeinstein habe ich auch wohl die weisse Nieswurzel oder eine Injektion von Vcratrin benutzt. Als Anfangsdosis gab ich vom Veratrin 10 cg, von der Nieswurzel 7 g. Nach 10 eg Veratrin habe ich schon Geifern etc. eintreten sehen, und deshalb begann ich niemals mit eiuei' grösseren Quantität. Trat keine genügende Wirkung ein, dann wiederholte ich das Mittel einmal täglich und verstärkte die Dosis jedesmal um 1 cg. liber 14 cg habe ich niemals verordnet. Von der weissen Nieswurzel sind, wie ich sehr wohl weiss, viel grösserc Dosen gegeben worden, ich habe aber, und zwar im Anfange meiner praktischen Tbätigkeit, mit diesem Mittel so traurige Erfahrungen gemacht, dass ich später als eiste Dosis nur 7 g gebraucht habe. Jetzt wird man, um die Peristnltik zu heben, auch beim Rinde zum Eserin greifen. Ich habe nur einmal tielegenheit gehabt, dieses Mittel gegen Parese zu benutzen, aber ohne allen Erfolg.
Ist infolge einer Verabreichung von Glaubersalz durch den Be­sitzer schon Laxieren eingetreten, was zuweilen vorkommt, der Pansen aber noch nicht normal thätig, so kann man Brechweinstein, Nies­wurzel, Veratrin oder Eserin benutzen.
Ist der Panseninhalt sehr fest, resp. hart, so kann man Glauber­salz in Verbindung mit einer grossen Quantität Wasser mittelst eines Gummischlauches durchs Maul eingiessen, eine Injektion von Eserin machen, den Bauch massieren und Infusionen in den Mastdarm machen lassen.
Liegen schon bedeutende Entzündungsersclieinungen vor, kann man in gleicher oder ähnlicher Weise verfahren.
Werden die Tiere schwach, steht der Eintritt des Erscbopfungs-todes zu befürchten, so empfiehlt es sich, Brot- und Biersuppen mit etwas Branntwein zu geben.
Ist, nachdem Entzündungserscheinungen zu konstatieren waren, Heilung eingetreten, aber ein solcher Zustand im Verdauungsschlauche zurückgeblieben, dass das Tier nach der Aufnahme von Futter häufig
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oder jedesmal etwas aufbläht, so thut der freie Weidegang die schönsten Dienste. Muss hierauf verzichtet werden, so versuche man Karlsbader Salz oder Salzsäure.
Tympanitis.
Tympapltls, Trommelsucht, Ulähsucht, Aufblähen, Windbauch etc. nennt mau diejenige Krankheit, bei welcher der Verdauungstraktus, besonders -— in manchen Fällen violleicht einzig und allein — der Pausen infolge einer vermehrten Entwickelung und Ansammlung vou Gas stark ausgedehnt, der Umfang des Bauches bedeutend grosser geworden und die linke Hungergrube vorgewölbt ist. Die Aufblähung kommt nicht ganz selten als Teilerscheinung anderer Krankheiten, ziemlich häufig aber als selbständige Krankheit vor. Nur um die letztere handelt es sich hier.
Die als selbständige Krankheit auftretende Tympanitis verläuft jedesmal in kurzer Zeit und kehrt entweder nicht wieder oder häufiger in ungleichen, meistens kurzen Zwischenzeiten. Darnach unterscheidet man seit langer Zeit die akute und chronische Tympanitis.
Akute Tympanitis.
Ursachen. Es giebt Futtermittel, die, wenn sie von Tieren, die an den Genuss derselben nicht gewöhnt sind, bis zur vollen Sättigung aufgenommen werden, sehr leicht die Trommelsucht hervorrufen. Dahin gehören: junger, üppig gewachsener Klee; die grünen Blätter und Stengel der meisten übrigen Leguminosen; im Abtrocknen begriffene, erwärmte, bereifte und gefrorene GrUnfuttermittel. Ferner Fabrikations-rlickstände, wie Treber, Schnittlinge, Presslinge, Malzkeime etc., sowie alle Knollen- und Wurzelgewächse. Die Tympanitis tritt auf dem Stalle zuweilen aber dann auf, wenn nur Heu mit oder ohne Stroh verfüttert wird.
Bei der akuten Tympanitis steht das im Pansen in übergrosser Menge vorhandene Gas entweder frei unter der oberen Wand oder es ist mit dem übrigen Inhalt desselben gemischt. Hiernach unterscheide ich zwei Formen, die ich einfach als erste und zweite bezeichne.
Erste Form.
Das Gas steht bei dieser Form der Tympanitis frei unter der oberen Pansenwand. Der eine Teil des im Pansen in abnorm grosser Menge gebildeten Gases ist — wenigstens mitunter — weiter rilck-
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waits, sogar nach dem Darmkanal gepvesst worden; denn in einem Falle, in welchem ich bei einer in hohem Grade an Tympanitis leiden­den Kuh meine Hand möglichst tief in den Mastdarm hineinschob, wurde eine grosse Menge Gas unter sausendem Geräusch aus dem After entleert.
Krankheitsorscheinungen. Das Tier steht mit gestrecktem Kopf und Hais und respiriert vermehrt und angestrengt. Der Puls ist von verschiedener Schnelligkeit, Stärke und Frequenz. Der Hauch ist sehr gespannt. Die linke Hungergrube vorgewölbt. Der Pansen liegt still. Bei der Perkussion der linken Hungergrube tritt ein tympanitischer, fast metallisch klingender Ton auf.
Verlauf. Die Krankheit verläuft in dieser Form immer sehr rasch. Gesundheit und Tod liegen mitunter nur eine Stunde auseinander. Dabei muss man berücksichtigen, dass die Krankheit, wenn sie augen­blicklich noch nicht gefährlich erscheint, schon nach Minuten das Tier töten kann. Deshalb darf man sich von solchen Patienten auch nicht eher entfernen, bis die Gefahr beseitigt ist. Volle Ausgleichung wird mitunter durch die Natur herbeigeführt und kann in jedem Falle durch die Kunst erreicht werden, wenn es sich nur um einzelne Tiere handelt. Stirbt das Tier, so geschieht es infolge einer Kompression der Lungen — Kohlensäurevergiftung — oder einer Anhäufung des Plutes im Gehirn — Ilirnschlagfluss —.
Diagnose. Die Aufblähung des Tieres ist nicht zu verkennen. Es kann sich nur um die Unterscheidung von der zweiten Form han­deln, die in dem Perkussionsergebnis liegt, sowie um die Ausschliessung der Aufblähungen, die Teilerschcinung anderer Krankheiten sind. In letzterer Beziehung kommen die Schlundverstopfung und die Parese des Verdauungstraktus in Betracht, und bei diesen beiden Krankheiten sind die Symptome so charakteristisch, dass eine ausführliche Be­sprechung Überflüssig ist.
Behandlung. Es werden nach den vorliegenden Verhältnissen verschiedene, und zwar folgende Wege eingeschlagen :
1. Möglichst schnelles Laufen. Dieses muss ich dann empfehlen, wenn mehrere Stücke einer Herde aufgebläht sind und bessere Mittel nicht zur Verfügung stehen. — In einem solchen Falle Hess ich, da mir andere Hilfsmittel augenblicklich nicht zur Verfügung standen, eine aus elf Häuptern bestehende Herde in schneller Gangart nach dem ca. eine Viertelstunde entfernt liegenden Hof treiben, um sie mit Begiessungcn etc. behandeln zu lassen. Zehn dieser Tiere waren bei der Ankunft auf dem Hofe so weit eingefallen, dass es ausreichend
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war, sie iu Bewegung zu erhalten; das eine Tier musstc anderweitig behandelt werden.
2.nbsp; Herausziehen der Zunge. Hiervon habe ich niemals den er­wünschten Erfolg gesehen.
3.nbsp; Aufzäumen. Ein durch Zusammendrehen von Stroh her­gestelltes Strohband wird mit Mistjauche, Teer etc. getränkt, dem Tiere ins Maul geschoben und hinter den Hörnern zusammengebunden. Aucli dieses Verfahren hat mir keine besonders guten Dienste geleistet.
4.nbsp; Regiessen mit möglichst kaltem Wasser. Eintreiben in Wasser. Dieses Verfahren ist im Notfalle wenigstens mehr zu empfehlen als die unter 1, 2 und 3 genannten Methoden.
5.nbsp; nbsp;Beklopfen des Bauches und Druck gegen die linke Hunger-grube. Dieses Mittel habe ich stets, wenn nicht augenblickliche Lebens­gefahr bestand, benutzt. — S. 7. —
ü. Das Einschieben der Monro'schen Bohre. Diese Behandlung ist aus England zu uns gekommen und — wenigstens in der Um­gegend von Hannover — sehr stark im Gebrauch. Die Applikation der Bohre ist ungefährlich. Der aus der Schweiz mitgeteilte Fall, in welchem das Instrument in die Luftröhre gelaugte, sowie die von Epple angegebene Beobachtung, bei welcher dasselbe so tief hinabglitt, dass es mittelst des Pansenschnittes zutage gefördert werden musste, bilden Ausnahmen. Die Einführung muss jedoch, wenn nicht die neuere, aus Stahldraht verfertigte Bohre gebraucht wird, unter Zuhilfe-naluue des Maulgatters geschehen. Über den Nutzen dieser Methode kann ich aus eigener Erfahrung nichts mitteilen. Einige Tierärzte empfehlen diese Bohre, andere verwerfen sie.
7.nbsp; nbsp;Benutzung der Carminativa und Absorbentia. Die erstereu habe ich niemals, die letzteren fast jedesmal mit der sub 5 genannten Methode in Verbindung gebraucht. Ich habe stets von Liquor ammonii caustic] — Salmiakgeist — pro dosi 15 g mit einer Flasche Wasser — vorsichtig — eingeben lassen. Diese kombinierte Behandlung hat ge­wöhnlich zum Ziele geführt.
8.nbsp; nbsp;Der Pansenstich. Ist Gefahr vorhanden, so muss man un­bedingt diese Operation vornehmen. Ich wähle am liebsten einen runden Trokar ohne Seitenöffnungen und von kleinem Kaliber. Ist ein solches Instrument nicht vorhanden, so benutze ich ein kleines, spitzes Messer, mit dem ich nach der Einführung eine halbe Wendung mache. Ver­fehlen kann man den Pansen von der linken Seite aus nicht; soll jedoch für den Einstich eine besondere Vorschrift gegeben werden, so ist es folgende: Mau stelle sich an die linke Seite des Tieres, seinen
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Klicken dem Kopf des Tieres zugekehrt, setze das Instrument in der Mitte zwischen der letzten Rippe, den Lendenwirbeln und der Htlfte so gegen die Haut, dass eine gedachte Verläng-erung desselben zwischen die Vordersclienkel fällt, treibe es mittelst eines kräftigen Druckes rasch hinein und entferne das Stilett. Die Kanüle muss mit der Hand tixiert werden. Geschieht dies nicht, so kann dieselbe infolge der bald eintretenden Pansenbewegungen sehr leicht mit dem vorderen Ende in die freie Bauchhöhle gelangen und die serösen Häute be­schmutzen. Mit der Entfernung des Gases ist die Quelle der Ent-wickelung desselben nicht beseitigt, deshalb muss man solche Tiere in den nächsten Stunden beobachten, denselben vielleicht noch aussei'-dem Carminativa und Absorbentia reichen lassen.
Zweite Form.
Das bei dieser Form in abnorm grosser Menge vorhandene Gas ist nur im Pansen vorhanden und mit dem übrigen Inhalte desselben gleichmässig gemischt. Diese Form der Tympanitis kommt seltener als die erste vor.
Krankhoitaerscheinungon. Der Bauch ist ausgedehnt. Die linke Ilungergrube vorgewölbt. Die Respiration in verschiedenem Grade erhöht und erschwert. Der Puls rasch, frequent und unregelmassig. Der Pansen liegt still; trotzdem hört man bei der Auskultation des­selben mitunter ein sausendes Geräusch und ab und zu metallisch klingende Töne. D e r Per k u ssi o ns t on an d er 1 inken 11 unger-grübe ist — zum Unterschied von der ersten Form — nicht t y m p a n i t i s c h, sondern dumpf, 1 e e r.
Verlauf. Diese Form der Tympanitis verläuft auch rasch, in den meisten Fällen aber nicht so stürmisch wie die vorige.
Behandlung. Hervorziehen der Zunge, Aufzäumen, Beklopfen des Bauches, sowie das Trokarieren nützen nichts. Die Benutzung des kalten Wassers in Form der Begiessungeu oder des Belegens mit an­gefeuchteten Säcken und die Verwendung der absorbierenden Mittel muss ich zunächst empfehlen. Wenn trotz der Benutzung dieser Mittel die Aufblähung zunimmt, die Respiration steigt, das Tier ängstlich wird, die Krankheit also tödlich zu verlaufen droht, so muss der Pansen-sohnitt vorgenommen werden. Hierbei verfahre ich in folgender Weise: Ein entsprechend scharfes, spitzes Messer wird an der Stelle des Bauches, die für den Gebrauch des Trokars angegeben ist, in den Bansen hineingesenkt, und so eine senkrecht verlaufende Öft'nung her­gestellt, die in der Haut I cm lang ist. Mit dem Ausziehen des
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Messers dringt Panseninhalt mit voller Veliemenz aus der Wunde heraus. Setzt sich Futter in der Öffnung' fest, was vorkommt, so muss dasselbe entfernt werden. Eine besondere Behandlung der Ope­rationsstelle ist zunächst nicht notwendig. Sollte die Schliessung der Wunde nicht durch die Natur erfolgen, so kann man selbige — wie es in der externen Klinik gescheheu ist — mittelst eines ledernen Riemens unter Zuhilfenahme der Gtlnther'schen Ilunde-Haarseilnadel — die fälschlich als die Gerlach'sche bezeichnet wird — heften. Diese höchst einfache, aber ausserordentlich praktische Methode des Pansen­schnittes habe ich während meiner Studienzeit — 1853 — von dem Schäfer in Davenstedt bei Hannover kennen gelernt.
Ist auf dem einen oder anderen Wege die Gefahr beseitigt, so gebe ich zunächst — auf ca. 24 Stunden — Absorbentia und darauf noch etwas Salzäure.
Clironisclic Tympanitis.
Diese tritt gewöhnlich sporadisch, mitunter aber seuchenartig auf.
Heim sporadischen Auftreten.
Krankheitserscheinungen. AI) und zu stellt sich eine verschieden starke, jedoch niemals lebensgefährliche Aufblähung auf einige Stunden oder auf einen, resp. ein paar Tage ein. Dauert die Aufblähung nur einige Stunden, so bleibt der Appetit fortbestehen; hält dieselbe aber länger an, dann wird, soviel ich gesehen habe, stets weniger Futter als sonst aufgenommen.
Verlauf. Es giebt Fälle, in welchen nach jeder Sättigung eine geringgradige Aufblähung eintritt. Es kommt aber auch vor, dass die Tiere ca. alle 14 Tage auf einen oder einige Tage aufgebläht sind. Ob Ausgleichung durch die Natur herbeigeführt werden wird oder durch die Kunst zu erreichen ist, kann man niemals im voraus wissen. Die Behauptung, dass Heilung um so leichter zu erreichen ist, je weniger lange die Krankheit besteht, ist, wie die Erfahrung mich gelehrt hat, durchaus nicht für alle Fälle richtig. Naturheilung habe ich nach langem Bestehen der Krankheit eintreten sehen; eine Heilung durch die Kunst mitunter nicht einmal in frischen Fällen erreichen können.
Ursachen. Umfangreiche Verwachsung des Pansens mit der begrenzenden Fläche des Bauchfells und chronischer Labmagenkatarrh Besonders beschuldigt wird die durch Neubildungen bedingte Kompression des Schlundes. Von der Richtigkeit dieser Angabe habe ich mich nicht überzeugen können. Bei tuberkulösen Tieren, die ich in ziemlich
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grosser Zahl geseheu, habe ich, trotzdem ich die Bronchialdrllsen bis zu 0,5 m Länge, 10 cm Breite und 15 cm Dicke gefunden habe, niemals eine Kompression des Schlundes nachweisen können. Man sollte auch glauben, dass, solange Bissen den Schlund passieren können, auch Luft aufwärts gebracht werden kann. Auch Geschwülste in den Vormägen sind gewiss so selten Ursache der chronischen Tympanitis, dass es am besten ist, damit gar nicht zu rechnen. Denn ich habe ca. 600 Rinder seziert, aber niemals Neubildungen in dem Pansen, der Haube und dem Psalter gefunden.
Prognose. Man kann niemals im voraus wissen, ob Besserung oder Heilung eintreten wird. Liegt eine umfangreiche Verwachsung des Pansens mit der begrenzenden Fläche des Bauchfells vor, so hat man Aussicht auf Besserung; bestellt ein chronischer Labmagenkatarrh, so hat man sogar Hoffnung auf solche Ausgleichung, dass das Futter anscheinend gut verwertet wird.
Behandlung. Diese muss stets mit der nötigen Reserve über­nommen werden. Man empfiehlt bittere und aromatische Mittel in Verbindung mit doppelkohleusaurem Natron und Kochsalz. Ich be­nutze die Salzsäure oder das Karlsbader Salz in früher angegebener Weise.
Beim seuchenartigen Auftreten.
Die chronische Tympanitis in seuchenartiger Verbreitung habe ich in den Marschen Schleswigs kennen gelernt.
Krankheitserscheinungen. Die Tiere sind fast kontinuierlich in leichtem Grade aufgebläht, haben normalen Appetit und fühlen sich nicht belästigt.
Verlauf. In den von mir beobachteten Fällen blieb die Seuche bis Mitte Juni bestehen.
Ursachen. Hierüber kann ich nur mitteilen, dass in der Zeit, in welcher ich diese Aufblähung beobachtete, der Kleewuchs auf den Fettweiden ein sehr üppiger war.
Behandlung. Kochsalz, Pökelbrühe, Feld- und römischer Kümmel, Kalkwasser, Seifeuwasser wurden von den Laien ohne Erfolg benutzt. Auch die von meinen Kollegen und mir verordneten Arzneien be­währten sich nicht.
Kolik.
Einige Male habe ich beim Rinde eine Kolik beobachtet, deren Entstehung nicht auf Verlegung der Passago im Verdauungstraktus,
Harms, RlndTlehhollkandolt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; o
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sondern auf Krampf in der Muskularis der Wand des Traktus, be­sonders in der des Magens, zurflekgeflliirt wurde.
Krankheitsersoheimmgen. Erhöhte Respiration. Aufblähung Krampfgetön im Pansen. Sclimerzensäusserungen. Die Rinder trippeln und schlagen mit den Hintersehenkeln gegen den Bauch, sehen sieh ab und zu nach dem Leibe um und wechseln häufig mit dem Liegen und .Stehen.
Verlauf. In den paar von mir beobachteten Fällen ist in einer Zeit von 24 Stunden volle Ausgleichung eingetreten.
Ursachen. Koichliehe Verfiitterung von sogenanntem stark blähen­dem Ifutter.
Diagnose. Es handelt sich nur urn die Ausscldiessuug des inneren Braches, der Darmeinschiebung- und der Stenose im Darmkanal, weil hierbei ähnliehe Sclimerzensäusserungen vorkommen; und diese Krankheiten werden später besprochen werden, liier sei aber bemerkt, dass die Anamnese schon einen bedeutenden Anhaltspunkt liefert.
Behandlung. Freie Bewegung an einem Platze, auf dem das Tier sich nicht beschädigen kann. Innerlich gebe ich Terpentinöl mit BrechWeinstein, doppelkohlensaurem und schwefelsaurem Natron in Form einer SehUttelmixtur. Massieren des Bauches.
1.nbsp; nbsp;Q-artenmann Sp. an der Alte DOhrnerstrasse meldete eine kranke Kuh zur üntersnchnng, resp, Behandlang mit dem Vorbericht an, dass selbige eine grosse Unruhe zeige, sich iiilufig nieder lege, bald darauf aber wieder aufstehe, das Futter versage und in der Milchproduktion ab­genommen habe. Bai meiner Ankunft wurde die Anamnese dahin erweitert, dass die fragl. Kuh am vorhergehenden Tage hauptsilchlich braunen Kold als Futter erhalten habe.
üntersnehnngsbefand: Das Tier steht mit leicht gekrümmtem Rücken, angezogenen Hinterschenkeln, trippelt und schlägt mit den Hintersehenkeln gegen den Hauch, sieht, sicli ab und zu nach dem Leibe um und wechselt häufig mit dem Stehen und Liegen. Mist ist in den letzten acht Standen nicht abgesetzt; der im Mastdarm vorhandene Kot ist zu konsistent. Die Pansenbewegung ist eine sehr lebhafte; ab und zu treten starke tympa-uitisebe Töne auf. Schleimhaut normal. Puls 80. Respiration 25. Temperatur gleichmässig verteilt.
Behandlung. Das Tier bekommt von einer Mischung, die aus 01. terebinth. 15,0, Natr. bicarbon. 100,0 und Natr. sulfur. 500,0 besteht, fttnfsttindllch den dritten Teil mit einer Flasche Wasser and ist 24 Stunden später -— beim zweiten Besuch — vollständig gesund.
2.nbsp; nbsp;Frau G. im Moore meldete eine kranke Kuh mit dem Vorbericht ;in. dass selbige am vorhergehenden Nachmittage nur frischen Grunmiet als Futter erhalten habe und seit dem Morgen sehr unruhig sei.
Untersuchungsbefund. Das Tier ist aufgetrieben, liegt auf der Seite,
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sieht sieh hilufig nach dem Leibe um, stöhnt ab und zu, veiTilt ttberhanpt Im ganzen Benehmen einen dumpfen Schmerz. Infolge leichten Antreibens steht das Tier auf, hebt bald den einen, bald den anderen Hinterschenkel in die Höhe und legt sich schon nach einigen Minuten veder nieder. Mist ist in den letzten acht Stunden nur einmal, und zwar in kleiner Quantität und in zu fester Konsistenz abgesetzt worden. Der Pansen liegt fast ganz still; bei der Auskultation desselben hört man ab und zu tyrapanitische Töne. Puls, Respiration, Temperatur und SohlelmhttUte normal.
Behandlung. Bas Tier bekommt viermal, und zwar alle zwei Stunden 2^ g-Brechweinstein. 150 g Glaubersalz. 150 g Öl und 1000 g Wasser.
Achtzehn Stunden nach Einleitung der Behandlung ist das Tier gesund.
Vorfall dos Marens.
Als Vorfall des Magens bezeichnet man denjenigen Zustand, bei welchem ein Teil des Magens in der Brusthöhle sich befindet. Es ist nur der zweite Magen, oder mit diesem der dritte Magen — Ba-reille — oder — was ich selber erlebt habe — mit dem zweiten Magen gleichzeitig ein Teil des ersten Magens in die Brusthöhle hineingetreten.
Krankheitserscheinungen. Fresslust gering oder gar nicht vor­handen. Rumination nur erschwert oder ganz unmöglich, Erhöhte Respiration. Husten. Angstlicher Blick. Das Geräusch der peristalti-sohen Bewegung ist an der linken oder rechten Brustwand oder auf beiden .Seiten, und zwar in einer Stärke zu vernehmen, wie es bei normaler Lage des Magens von mir niemals gehört worden ist. Fehlen des Respirationsgeräusches und gedämpfter, resp. dumpfer Perkussions-schall an der betr. Stelle der Brustwand.
Leiohenerscheinungen. In einem von Bareille beobachteten Falle war das sogenannte Schlundloch zu gross. Sonst findet sich im Zwerch­fell ein Riss, dessen Ränder nach dem Alter Verschiedenheiten zeigen. Ein Teil des Magens liegt in der Brusthöhle und ist mit den be­grenzenden Flächen nur verlötet oder innig verwachsen.
Verlauf. Selbiger ist verschieden. In dem von mir beobachteten Falle trat bald eine solche Zunahme der Pulsfrequenz ein, dass ich das Vorhandensein von Fieber annehmen musste. Das Tier wäre un­bedingt in kurzer Zeit gestorben, wenn es nicht geschlachtet worden wäre. Lehnhardt beobachtete ähnliches. Die Tiere dagegen, an welchen Chartier und Bareille diesen Vorfall beobachteten, blieben monatelang am Leben, magerten jedoch stark ab und Hessen in der Milchsekietion
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bedeutend nach. Bei einem dieser Tiere stellte sieh Husten ein, dessen Anfälle mituuter sieben Minuten dauerten.
Diagnose. Sind die bemerkten Erscheinungen alle gut ausgeprägt, so wird die Diagnose wohl niemals Schwierigkeiten machen. Wenn Jedoch, wie in dem von Lehnhardt beobachteten Falle, Husten und Respirationsbeschwerden fehlen, so wird die Krankheit wohl nicht mit der wlinschenswerten Sicherheit zu erkennen, sondern nur zu ver­muten sein.
Ursachen. Heftige mechanische Einwirkungen.
Behandlung. Sobald die Krankheit erkannt ist, kann von einer Behandlung nicht mehr die Rede sein.
Der Hofbesitzer Johann Thomas Johaimsen auf Nordstrand kam am IS. Mai 1855 mit der Bitte zu mir, einen seiner Ochsen, der über ein Heck gesprungen und hängen geblieben sei, zu untersuchen.
Untersuchungsbefund, Das Tier stand mit gespreizten Schenkeln, gestrecktem Hals und Kopf, hatte einen Angst verratenden Blick, respirierte sechzigmal in der Minute und in hohem Grade erschwert, hustete ab und zu in leichtestem, kaum vernehmbarem Grade und hatte 85 Pulse.
Mit der Aufnahme dieser Erscheinungen war vorläufig meine Kunst zu Ende. Zu einer bestimmten Diagnose gelangte ich nicht. Ich dachte allerdings an eine Beschädigung innerer Organe und verordnete Ruhe und ein Antiphlogisticum.
Am folgenden Tage, am 19. Mai, war der Zustand im allgemeinen derselbe wie am Tage vorher. Das Tier hustete sogar etwas kräftiger, liatte aber schon einen Puls von 112. Bei der jetzt stattfindenden Aus­kultation der Brust hörte ich in der hinteren Partie derselben zu beiden Seiten dicht, unter dem Ohre das Geräusch der peristaltischen Bewegung in solcher Stärke, wie man es normaliter hier niemals vernimmt. Die Zwercbfellgegend war, wie ich zufällig entdeckte, auf beiden Seiten druck­empfindlich.
Nach diesem Befunde sagte ich dem Besitzer, dass bei dem fragt. Tier wahrscheinlich ein Teil des Magens durch einen Riss des Zwerch­fells nach der Brusthöhle bin durchgetreten sei, und dass eine weitere Behandlung nichts nützen könne.
Das Tier wurde nach diesem Ausspruch — eigentlich gegen meinen Wunsch, weil ich mich, da ich von dem Vorkommen eines Magenvorfalles niemals etwas gehört hatte, in der Diagnose nicht sicher genug fühlte — sofort getötet und seziert. Die Haube und ein grosser Teil des Pansens lagen in der Brusthöhle. Das Zwerchfell hatte — ungefähr in der Mitte — einen ca. 1 5 Zoll langen, mit zerfetzten und blutig infiltrierten Rändern versehenen Eiss. Eine kleine Quantität Blut fand sich sowohl in der Brust-, wie auch in der Bauchhöhle.
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Magoiizvrreissun^.
Diese ist am Pansen von Vouiton, am Psalter von Bamster und am Labmagen von Heckmeyer und Simmel konstatiert worden.
Krankheitsersoheinungen. Puls hoch und sehr klein. Respiration erhöbt Speicheln. Umsehen nach dem Bauche. Aufblähung-. Re­tention des Mistes. Bei der Zerreissung des Pansens will man eigen­tümliche Bewegungen der Hinterschenkel gefunden haben.
Leiehenerseheinvingen. Von dem Inhalte der Magenabteilung, die gesprengt ist, findet sich etwas in der freien Bauchhöhle. Die serösen Häute der Bauchhöhle sind entzllndet. Nach der Dauer der Krankheit zeigen die Rissränder ein ungleiches Aussehen und hat die Entzündung der serösen Häute mehr oder weniger Fortschritte gemacht.
Diagnose. Der oben angegebene Symptomenkomplex, der, was sich nicht leugnen lässt, sehr unvollständig ist, liefert keine Anhalts­punkte. Da aber unbedingt Druckempfindlichkeit des Bauches vor­handen ist, so wird man, wenn man systematisch untersucht, selbige auch ermitteln, und dann unter Berücksichtigung der Ursache zu einer Wahrscheinlichkeitsdiagnose, wenigstens zu der Annahme gelangen müssen, dass innere Organe in der Bauchhöhle eine bedeutende Be­schädigung erfahren haben.
Ursachen. Heftige mechanische Einwirkungen.
Behandlung, Am richtigsten ist selbstverständlich, das Tier so­fort schlachten zu lassen. Da mau jedoch eine sichere Diagnose nicht stellen, sondern nur eine Bauchfellentzündung nachweisen, unter Be­rücksichtigung der Ursache eine Verletzung eines in der Bauchhöhle liegenden Organs vermuten kann, so dürfte sich vom praktischen Standpunkte aus nicht empfehlen, einen Heilversuch abzulehnen. Soll ein solcher gemacht werden, so kann man die gegen die Bauchfell­entzündung bemerkte Behandlung einleiten, vielleicht auch an der Stelle, wo die Ursache eingewirkt hat, Eis applizieren.
Trnuiriatisciie EntzUiHliing des zweiten und dritten Magens.
Es kommt vor, jedenfalls aber sehr selten, dass ein fremder, scharfer Körper mit dem einen Ende von der Rückwand des zweiten Magens in den dritten Magen hineintritt und in beiden Magenabtei-lungen sitzen bleibt. Aus der Litteratur ist mir darüber nichts be­kannt und in der externen Klinik der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover sah ich nur zwei derartige Fälle. Den ersten Fall erlebte ich 18(59 — kurze Zeit vor der Veröffentlichung meiner Arbeit über die
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traumatisclie Magen-ZwerJl;#9632;fellentzliudunJ^• —, den zweiten Fall beobacli-tete ich einige Jahre später in Begleitung' des Praktikanten Herrn Scliliiter aus Kiel. In dem ersten Falle sprach ich mich dahin aus, dass eine zirkumskripte Bauchfellentzlindung bestehe, in dem zweiten Falle aber sagte ich, wie Kollege Schlüter sich noch erinnern wird, dass eine Verletzung des dritten Magens infolge Eindringens eines fremden Körpers vorliegen nitisse.
Krankheitserscheinungen. Fieber. Leichte Aufblähung. Retention des Mistes. Stöhnen. Druckempfindlichkeit in der Gegend der Haube, namentlich aber in der Gegend des Psalters.
Leiohenerschoinungen. Die beiden Tiere wurden nicht behandelt, sondern am Tage nach der Untersuchung geschlachtet und seziert. Hierbei fand sich folgendes: Ein langer Nagel sass in der Wand der Haube und der des Psalters, sowie in den Blättern des letzteren. Die ftussere Fläche dieser Magenabteilungen, sowie die begrenzende Fläche der serösen Bauohhaut waren entzündet. In der Bauchhöhle war ca. ein Liter trübes, flockiges Exsudat vorhanden.
Maffeuverstopfimg.
Die Magenverstopfung hat seit undenklicher Zeit in der Form und unter dem Namen „Psalterverstopfungquot; eine sehr bedeutende, aber absolut unverdiente Holle in der Tierheilkunde gespielt. Der Laie diagnosiert, wenn bei einem Tiere, welches allgemeine Krankheits­erscheinungen zeigt, der Kot in abnorm festem Zustande verzögert ab­gesetzt wird, „Psalterverstopfungquot;, und befindet sich ev. bei der Sektion in der glücklichen Lage, den Anwesenden an der festen, resp. trockenen Beschaffenheit des Inhaltes des dritten Magens ad oculos demonstrieren zu können, dass er sich nicht geirrt habe; denn es giebt nur wenige Krankheiten, bei denen der Inhalt des Psalters nicht fester ist als im Normalzustande. Doch nicht allein die Laien, sondern auch die Tierärzte sprechen, trotzdem ich schon vor dreizehn Jahren dagegen geschrieben habe, bis auf die neueste Zeit von Psalterverstopfung. Und das ist nicht zu begreifen.
Als Magenverstopfung bezeichne ich diejenige Krankheit, bei welcher der Labmagen im höchsten Grade und der Psalter stärker als unter normalen Verhältnissen gefüllt, die Passage zwischen dem zweiten und vierten Magen, der sogenannte Psalterkanal, aber nicht verlegt ist. Diese ungleiche Füllung der beiden Magenabteilungeu be­weist, dass der abnorme Zustand zuerst im vierten Magen auftreten muss. Eine abnorm starke und allgemeine Füllung des dritten Magens
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kann erst dann eintreten, wenn in den vierten Magen nichts mein-hineinzubringen ist, weil walirscheiniieh die Aufnahme von Futter. ganz bestimmt aber die Fortschaffung des Aufgenommenen von oiuei Bewegung der Blätter, der peristaltischen Bewegung, abhängig ist. Kann der dritte Magen vielleicht ohne Bewegung — Aufrichtung — seiner Blätter etwas aufnehmen, so ist er doch keinenfalls im stände, das Aufgenommene ohne peristaltische Bewegung der Blätter vom vordersten bis zum hintersten Ende zu bringen. Eine stärkere Flillung des dritten Magens ohne eine solche des vierten Magens kann also höchstens am vorderen Ende, in nächster Nähe des zweiten Magens, eintreten.
Krankheitserscheinungen. Kaum nachweisbares bis hochgradiges Fieber. Appetit nicht vorhanden. Rumination sistiert. Linke Ilunger-grube tief eingefallen. Kot wird nicht abgesetzt. Mastdarm leer, ausnahmsweise strotzend gefüllt! Speicheln, Rülpsen, Würgen und Erbrechen. Druckempfindlichkeit in der Gegend des vierten Magens
Leichenersoheinungen. Der vierte Magen ist vollständig gefüllt mit einem Futter, das entweder fein zerkleinert, also wiedergekaut ist, oder ganz grob, folglich nicht wiedergekäut ist. Das ist eine Thatsache. Doch unter welchen Umständen das eine oder das andere der Fall ist, kann ich nicht angeben. Der dritte Magen ist besonders gegen den freien Rand seiner grossen Blätter mit einer ähnlichen Masse, wie im vierten Magen vorhanden ist, stärker als unter normalen Verhältnissen gefüllt. Die Serosa und Museularis des vierten Magens sind in verschiedenem Grade, besonders an der grossen Krümmung gesprengt. Die seröse Haut des vierten Magens, sowie die begrenzende Fläche des Bauchfells zeigen Spuren der Entzündung.
Verlauf. Eine Ausgleichung ist in den von mir beobachteten Fällen niemals eingetreten.
Diagnose. Die wichtigsten Symptome sind häufiges Rülpsen, Würgen und Erbrechen. Bei der Anfnaliine dieser Erscheinungen wird man an die Anschoppung von Futter im Schlünde, sowie au eine Ver­giftung mit scharf narkotischen Pflanzen erinnert. Das Tier ist bei der ersteren Krankheit nicht druckempfindlich in der Gegend des vierten Magens, setzt Kot ab und nimmt, nachdem der Schlund infolge des Erbrechens entleert, ist, wieder Futter auf. Bei der letzteren Krank­heit, die viel stürmischer verläuft, finden sich in dem Ausgebroehenen die Giftpflanzen oder Teile derselben.
Ursachen. Hierüber kann ich nichts Bestimmtes angeben. Man darf aber, da ich im und am Pylorus nichts Abnormes — Ge­schwülste etc. — gefunden habe, wohl annehmen, dass der vierte
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Magen infolge einer Lähmung nicht im stände ist, die aufgenommenen Massen weiter rückwärts zu schaffen.
Behandlung. Im allgemeinen dürfte es sich empfehlen, auf die Einleitung einer Behandlung zu verzichten; wo das aus praktischen Gründen nicht rätlich erscheint, leite man dieselbe unter grösster Keserve ein. Die Verabreichung eines salzigen Laxans mit Öl und einer grossen Quantität Wasser mittelst eines hartwandigen Gammi­schlauches unter Zuhilfenahme eines Maulgatters ist jedenfalls an­gezeigt. Daneben eine sehr vorsichtige, leichte, aber anhaltende Massage des Bauches in der Gegend des vierten Magens.
Der uaohfolgeude Fall dürfte instruktiver sein als die allgemeine Beschreibung'.
Der Glartenmann B. in K. meldete am 8. Juli 1879 eine kranke Kuli mit folgendem Vorbericht zur Untersuchung, resp. Behandlung an.
Fragliches Tier hat vor zwölf Tagen gekalbt und befindet sich seit zehn Tagen in meinem Besitz. Es war zuerst vollständig gesund, ist aber seit fünf Tagen krank. Es frisst, säuft und ruminiert nicht und hat seit drei Tagen keinen Kot abgesetzt. Während des Liegens vernimmt man ab und zu ein leichtes Stöhnen.
Untersuchungsbefund, Das Tier steht teilnahmlos, geht schwankend und rülpst sehr häufig Der Leib ist an der linken Seite tief eingefallen. Schönstes Futter wird nicht angerührt; Getränk nicht aufgenommen. Temperatur 38,3. Respiration 40 und angestrengt. Der Mastdarm ist strotzend gefüllt mit konsistentem, sauer reagierendem Kot, in welchem grobe Stoffe nicht vorhanden sind. Aus dem Maule fliesst klarer Speichel in Form von Tropfen und Strähnen fortwährend ab. In und unter den Nasenlöchern liegt grünlicher, mit Futterpartikelchen durchsetzter Schleim. Bei der Auskultation des Pansens konstatiert man ab und zu eine leichte Hebung seines Inhalts. Beim Druck auf die Gegend des Labmagens tritt heftiges Stöhnen auf.
Die Diagnose wurde auf Magenverstopfung gestellt.
Das Tier wurde nicht behandelt, sondern am folgenden Tage ge­schlachtet und sofort seziert.
Sektionsbefund. Der Psalter, namentlich aber der Labmagen war stark ausgedehnt. Der Labmagen enthielt 45 Liter fein zerkleinertes Futter, welches am und im Pylorus weich, sonst allenthalben sehr kon­sistent war. Die Serosa und Muscularis waren an verschiedenen Stellen, namentlich In der grossen Krümmung gesprengt. — Der Labmagen hatte einen solchen Umfang, dass er von D., welcher ihn aus der Ferne be­trachtete, für den Pansen gehalten wurde. —
Erbrechen.
Dieser pathologische Vorgang ist dem Wiederkäuungsprozesse sehr ähnlich; er geht bei Grünfütterung leichter als bei TrockenfUtte-rung von stalten.
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Das Erbrechen kommt als Teilerscheiiiuiig- ganz bestimmt bei der Magenverstopfung und dem Divertikel des Schlundes, bei der Ver­legung der Passage zwischen dem Pansen und der Haube — Curdt — und der Vergiftung mit scharfnarkotischeu Pflanzen, wahrscheinlich auch noch bei einigen anderen Krankheiten, im grossen und ganzen aber nicht häulig vor.
Der Verlauf des Erbrechens ist bedingt durch die dasselbe ver­anlassende Krankheit; kennen wir diese nicht, so müssen wir bei der Vorhersage ausserordentlich vorsichtig nach jeder Richtung sein.
Die Diagnose kann niemals Schwierigkeiten bereiten; man sieht Erscheinungen wie beim Wiederkauen und den Auswurf aus dem Maule.
Die Behandlung richtet sich nach dem Grundleiden; ist uns dieses nicht bekannt, so verfahren wir rein empirisch. Eis und Eis­wasser, Opium, Promkalium und Prausepulver kann man versuchs­weise anwenden, ebenfalls auch Kamillenthee, Baldrianthee und Kartee reichen. Das aus der Apotheke zu beziehende Brausepulver ist für diesen Zweck viel zu teuer. Wir können billiger in der Weise ver­fahren, dass wir zunächst eine Lösung von Kalium oder Natrium bicarbonicum und darauf sofort mit Wasser stark verdünnten Essig eingeben. Man darf die Hoffnung auf Heilung nicht allzu rasch auf­geben; denn in einem Falle, in welchem ich über die veranlassende Krankheit absolut nichts ermitteln konnte, hörte das Erbrechen erst nach reichlich acht Tagen auf.
Lecksuclit.
Lecksucht habe icli allerdings in einigen Fällen gesehen, aber keine Gelegenheit gehabt, selbige zu studieren; deshalb werde ich mich in der Beschreibung derselben hauptsächlich auf die von Lembke darüber gelieferte Arbeit stutzen.
Die Lecksucht des Rindes ist nach Lembke eine chronische Krankheit, deren Wesen in einer Nutritionsstöriing besteht, durch i'hosphormangel erzeugt wird, und durch primäre Erkrankung der Zentralorgane und der Nerven, unter deren Herrschaft die Ernährung steht, ihren Anfang nimmt.
Diese Krankheit ist In einigen Gegenden stationär, tritt in an­deren Distrikten in einzelnen Jahrgängen auf, zeigt sich In gewissen mir bekannten Landschaften aber niemals. Sie befallt Kühe, Ochsen und Kälber. Kälber erkranken daran am leichtesten nach dem Ab­sätzen ; selbige zeigen ausnahmsweise aber schon während der Saug­zeit lecksüchfige Erscheinungen. Ochsen werden, wahrscheinlich weil
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sie der Arbeltsleietuugen wegen besser gefüttert werden, im ganzen seltener davon ergriffen. Von den Kühen werden die besten Milcb-geberinnen, und zwar stark hervortretend während der Träclitigkeit befallen.
Krankheitserschoinungen. In den ersten zwei bis vier Monaten soll man folgendes konstatieren: Die Fresslust nimmt allinählich, aber nur in geringem Grade ab; auf der Weide werden am liebsten die stark bedüngten Gräser, sowie die jungen, grünen Sprösslinge von Bäumen und Sträuchern aufgenoinmen. Die Rumination wird allinäh­lich seltener und weniger ergiebig ausgeführt. Alle zukömmliclieu, selbst die mit Urin und Kot beschmutzten Gegenstände werden beleckt und benagt. Die Tiere bekommen später, nach den ersten zwei bis vier Monaten, Fieber, belecken und benagen nicht nur alle Gegen­stände, sondern verschlucken sogar die heterogensten Dinge, wie Leder, Lumpeu, Kot etc. mit der allergTössten Gier, knirschen mit den Zähnen, liefern allmählich weniger, zuletzt gar keine Milch, gehen gespannt, bekommen ein glanzloses Maar und eine harte Haut, setzen einen harten, häutig mit Schleim überzogeneu oder düuubreiigen und übelriechenden Kot ab, magern zum Skelett ab und bekommen eine weite Pupille.
Leicbcnorschoinungen. Die Kadaver solcher Tiere, die an der Lecksuoht gestorben sind, zeigen allgemeine Blutarmut und hoch­gradige Abmagerung.
Vorlauf. Die Krankheit verläuft, wenn nichts dagegen geschieht, in sechs Monaten bis zwei Jahren tödlich. In denjenigen Wirtschaften, in welchen die Lecksucht fortwährend besteht, treten mituuter die Erscheinungen der Knochenbriichigkeit ein, jedoch nur dann, wenn die Tiere unter Verhältnissen leben, welche zur Entwickelung von Erkältungskrankheiten, Hheumatismus, Veranlassung geben. Beim Futterwechsel tritt je nach der Dauer der Krankheit in drei Wochen bis vier Monaten Heilung ein.
Ursachen. Die Krankheit kann, da sie nur in einzelnen Gegenden und Wirtschaften stationär, in anderen Distrikten bloss in einzelnen Jahrgängen, in bestimmten Landschaften sogar niemals vorkommt, auch nicht durch Ursachen, die allenthalben in einzelneu Wirtschaften zur Geltung gelangen, wie z. B. durch schlechte Stallungen, Unrein-lichkeit, saure Gräser etc., sondern nur durch solche ätiologische Momente, die in einigen Gegenden oder Wirtschaften stets, in an­deren Distrikten nur in gewissen Jahrgängen, in gewissen LandscUafton aber niemals gegeben sind, hervorgerufen werden. Die Ursache kann
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nur im Hoden liegen, und durcli diesen in den darauf gewaehsenen Pflanzen gegeben sein. Ncssier gelangte bei seinen Untersuebungen ZU dem Schluss, dass die Pflanzen sich durch zu geringe Gegenwart von Alkalien, namentlich von jS'atronverbindungeu auszeichnen. Er empfiehlt Kochsalz als Heilmittel. Nach Lembke liegt bei lecksUolitigen Kühen ein Defekt an phosphorsaurem Kalk vor, der darin begründet ist, dass die Futterpflanzen, indem sie auf einem an Erdphospliaten armen Hoden gewachsen sind, selber arm an diesen Verbindungen sind. Behandlung. Die bitteren Büttel in Verbindung mit Kochsalz, die säurebindendeu Mittel und die ekelerregenden Stott'e haben nichts genützt; auch die Verabreichung des phospliorsaurcn Kalks hat sich nicht bewährt. Alle Mittel, die bis auf die neueste Zeit angepriesen worden sind, sind nicht im stände, die lecksUchtigen Erscheinungen zu beseitigen. Auf Empfehlung Fesers ist das Apoinorphiu bei einer Anzahl von Kühen, Ochsen und Kälbern von Lembke benutzt, und durch dasselbe jedesmal die Lecksucht beseitigt worden. Das Apomorphin wird subkutan appliziert, und zwar in folgender Quantität pro dosi et die: 1. liegt die Krankheit schon lange vor und ist starke Abmagerung und Fieber zu konstatieren, so genügt 0,1 g; 2. besteht die Krankheit erst kürzere Zeit, so ist das Mittel in der Quantität von ü,2 g zu geben; 3. den Kälbern soll man eine ähnliche Dosis wie den erwachsenen Tieren, nämlich 0,1 bis 0,2 g, zukommen lassen. Rinder, die lange krank sind, sollen stärker auf Apomorphin reagieren als solche, die erst eine kurze Zeit krank sind. Die bemerkte Quantität soll drei Tage nach der Reihe angewandt werden; selten soll eine vierte oder gar fünfte Einspritzung nötig sein. Lembke b'eohachtcte bei acht Kühen, einem Ochsen und fünf Kälbern Erbrechen nach der Injektion. Mit dem Apomorphin soll man das ganze Bild der Lecksucht bis auf den Appetitmangel heben können. Hei denjenigen Hindern, die schon die Erscheinungen des Fiebers zeigen, soll Appetit und vollständige Erholung mir dann eintreten, wenn ein solches Futter gereicht wird, welches die oben genannte Nntritionsstörung ansschliesst; bei den Tieren dagegen, die noch kein Fieber zeigen, soll sich auf die Ein­verleibung des Apomorphins auch dann in acht bis vierzehn Tagen Appetit einstellen, wenn die Verabreichung des alten Futters auch weiterhin stattfindet. Bei fortwährender Einwirkung der ätiologischen Momente soll sich die Wirkung des Apomorphins auch drei bis fünf Monate geltend machen. Durch vierteljährlich vorgenommene Apo-morphin-Injektion soll man die Tiere drei Jahre hindurch in einem relativ guten Nährzustande halten können.
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Knippöso Jtarnit'ul/iiiidung.
Der Dai'mkl'Upp kommt nicht liiliitig- vor, erstreckt sick über einen versdiietlen, mitunter gegen dreissig Fuss laugen Teil des Darmes und verläuft meistens so leicht, dass der Besitzer erst dann darum gewahr wird, wenn die Kruppmasseu abgehen, zuweilen aber unter mekr oder weniger heftigen Krankheitserscheimingen.
Krankheitserschoinungen. In den paar von mir beobachteten Füllen sind von dem Besitzer vor dem Abgang der Kruppmasseu Krankheitserscheimmgen nicht wahrgenommen worden. Tn anderen Füllen ist konstatiert worden erstens vor dem Abgang der Krupp­masseu : Puls lioeh und klein, Arterie gespannt. Bindehaut injiziert. Bauch druckempiiudlich. Kolikersckeimmgen. Heftiges Drängen. Zweitens nach dem Abgang der Kruppmasseu entweder Entleerung dlinner, brauner Faeces und baldige Genesung, oder Entleerung llbel-riechender, jauchiger Massen aus dem Anus, Entwickelung einer IJauch-fellentziindung und baldiges Absterben.
Leichenerscheinungen. Die Kruppmasse bedeckt die innere Darmwand in sehr verschiedener, mitunter bedeutender Länge, und zwar entweder mit kleinereu oder grösseren Unterbreohungen oder ununterbrochen. Dieselbe stellt im letzteren Falle Schläuche dar, die für den Laien eine Ähnlichkeit mit einem Darme haben, und deren Wand ein- oder niehrschichtig ist. Nach dem Abheben der Kruppmembruu erscheint die Schleimhaut rauh, in ganzer Dicke rot und erweicht, resp. mürbe. Neben der Kruppmasse findet sieh zuweilen eine aussfarbige, stinkende mit Kruppfetzen durchsetzte Flüssigkeit im Darm.
Diagnose. Beim lebenden Tier kann man die spezifische Natur der Darmkrankheit erst mit dem Abgang der Kruppmasseu erkennen.
Ursachen. Je weniger Sicheres man über die Ursachen einer Krankheit weiss, um so mehr Momente werden beschuldigt. Das war Üblich bei unsern Vorfahren, und das ist es auch noch vielfach heute bei uns. Man spricht von einer besonderen Disposition, welche in einem faserstotf- und eiweissreichen Blut mit Neigung zu fibrinösen Ausscheidungen beruhen soll, und diese Disposition soll am meisten hei jungen, gut genährten, sowie bei hochträchtigen Tieren vorhanden sein. Ich kann hierzu bemerken, dass ich diese Krankheit nur bei massig gut genährten, nichtträchtigen weiblichen Hindern, die auf hohen Weiden gingen, gesehen, dagegen bei den üppig genährten Hindern der Eiderstedter Marsch niemals beobachtet habe. Man dart
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wohl auuelimen, dass sicli der Krupp im Darm infolge der Einwirkung-eines — wahrscheinlieh — speziflsoheu Reizes entwickelt.
Behandlung. Vor dem Abgänge der El'lippmasseu kann von der Einleitung einer rationellen Behandlung niidit die Rede sein, weil wir die eigentlichen Indikationen nicht kennen. Mit dem Abgänge von Kruppmasseu tritt, wenn eine Behandlung notwendig ist, eine wunde SchleimhautMche in unberechenbarer Ausdehnung auf. Um diese einzubüllen oder zu decken, würde ich beim Entleeren dünner, graubrauner Faeces nur Schleim, beim Absatz von stinkenden, jauchigen Faeces Kupfervitriol in starker Verdünming per os et rectum verordnen.
UurvliMI.
Durchfall, Diarrhöe, tritt bei verschiedenen Krankheiten als Teil­oder Nebenerscheinung, nicht selten aber, in einigen Marsches zu gewissen Zeiten bei Tausenden von Rindern als Haupt- oder selbständige Krankheit auf. Die bei der Diarrhöe bestehenden ursäch­lichen Momente und pathologischen Verhältnisse sind nicht immer mil Sichertheit zu ermitteln, und deshalb benutze ich zu der für die Praxis nicht unwichtigen Einteilung die Dauer der Krankheit und die He-schatfenheit der Exkremente. Nach der Dauer unterscheide ich den akuten und chronischen Durchfall.
Akuter llurchrall.
1.nbsp; Der schleimige Durchfall. Dass Tier frisst und ruminiert in normaler oder annähernd normaler Weise. An der Pansenhewegung ist nichts Abnormes zu konstatieren. Die peristaltisehe Bewegung des Darms ist lebhafter als sonst. Der Durst ist mitunter vermehrt. Der Kot ist sehr schleimig.
Dieser Durchfall, der wohl auf einen im Darmkanal vorhandenen Katarrh, der durch Erkältung bervorgerufen worden ist, zurückgeführt werden darf, gleicht sich bei vorsichtiger Fütterung und Haltung des Tieres der Kegel nach in einer Zeit von ein paar Tagen vollständig aus. Soll etwas geschehen, so kann man sich mit dem Bedecken des Rückens oder dem Umhüllen des Bauches begmigen, oder noch ausserdem etwas Opium, eine Salzsäuremixtur mit Opium, in sehr schlimmen Fällen Kupfervitriol, ähnlich wie beim Magen-Darmkatarrh angegeben worden ist, verordnen.
2.nbsp; Der seröse Durchfall. Bei diesem Durchfall, der wohl auf verschiedene Ursachen, nach meinen Beobachtungen auch auf die Ver-
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abreiohung niclit uatui'gemftsser und nicht ganz tadelloser Futtermittel zurückgef'lilirt werden darf, ist das Tier im allgemeinen munter, lässt bei der Auskultation des Bauclies ein zu lebhaftes, mitunter kluckern-des Geräusch erkennen und setzt einen wässerigen, mit Kriimelcheu durchmischten Kot ab. Die Krankheit gleicht sich, wenn Fütterung und Haltung des Tieres geregelt werden, gewöhnlich in ein paar Tagen vollstiindig aus, aber nicht so sicher wie die vorige, und des-liaib habe ich in jedem Falle eine arzneiliche Behandlung eingeleitet, und zwar ]S'at. bicarb, mit Sohleim verordnet.
3. Der rvühjahrsdurchfall. Die Grasseuche. Diejenigen Rinder, welche im Frühjahr von voller Trockenfüttcrung auf die Weide — in den mir bekannten IVlarschen — gebracht werden, bekommen Durchfall, der sich in ca. vierzehn Tagen so weit ausgleicht, dass der Kot fortan in Fladen zusammenfällt und stehen bleibt. Diesem Durchfall kann auf die Weise vorgebeugt werden, dass der Übergang von Trocken- auf Grlinfutter allmählich beschafft wird. Dieser all-mähliclic Übergang ist aber bei den wirtschaftlichen Verhältnissen in den mir bekannten Harschen nicht nur sehr umständlich und meistens gar nicht zu beschaffen, sondern ebenfalls in ökonomischer und gesundheitlicher Beziehung auch falsch. Das junge Gras der schönen Marschweiden wirkt auf den Verdaiunigstraktus, indem es eine leichte Diarrhöe hervorruft und unterhält, so günstig, dass der durch die (irasseuehe bedingte kleine Verlust durch die spätere bessere Aus­nutzung der Nahrungsmittel mehr als aufgewogen wird. Und Kinder, bei welchen in der letzten Zeit auf dem Stalle der Verdauungstraktus nicht in zufriedenstellender quot;Weise — etwas träge — funktionierte, erholen sich infolge der Frühlingskur meistens derart, dass sie das Futter normal verwerten. Gegen diese Diarrhöe schreitet man, so­lange sie normal verläuft, nicht ein.
Hält die Krankheit aber zu lange an, bilden die Exkremente beim Auffallen auf den Boden Blasen, nimmt der Appetit vielleicht gar etwas ab: so ist es durchaus geboten, das Tier in Behandlung zu nehmen. Die Verflltterung von Weizenstroh auf dem Stalle bedingt gewöhnlich sofort, dass der Kot in konsistenter Beschaffenheit ab­gesetzt wird. Kommt das Tier darauf wieder auf die Weide, sosteilt die Diarrhöe sich von neuem ein. Dieses Verschwinden der Diarrhöe bei Strohfütterung auf dem Stalle, sowie das Wiederauftreten derselben aid' der Weide kann sich häutig, sogar so lange zeigen, bis das Tier vollständig entkräftet ist. Deshalb muss man, wenn es irgend thunlich ist. in allen Fällen, wo die Grasseuche auszuarten droht, für einen
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ganz allmälilicheu Übergang von Trocken- auf Gränfttttenini;- sorgen, und dabei den Kot als Massstab für die Futtennischung benutzen. Sollen Arzneien gebraucht werden, so kann Opium in Verbindung mit Salzsäure, von den pflauzlicben Adstringentien die Weideurinde, von den metallischen Adstringentien namentlioli Kupfervitriol in Frage kommen.
Cliroimvlier Durchfall.
L)ie am elmmiscbeu Durclifall leidenden Tiere setzen einen dinmen, molir wässerigen Kot ab, haben einen iibergrossen IJurst und magern im spätem Verlauf ab. Die Beseitigung des obronischen Durchfalls ist immer schwierig, meistens — nach eigenen Erfahrungen — nicht niöglieh. Indessen muss man sieb mit der Abgabe der Prognose in acht nehmen, einen Ileilversuch ja nicht ablehnen. Neben natur-gemiissem Kauhfutter giebt man mit dem betränke Schrot von ge­rösteter Gerste. An Arzneien kann man zunächst Acid, hydrocbl. mit Tet. opii und darauf ev. die ganze Tonleiter der adstringierenden Heilmittel versuchen. Vorübergehend kann man Heilung auf die Weise erreichen, dass man dem Tiere Tannin mit einer grossen Menge Wasser beibringt.
Der Kleinbesitzer Z. in L. stellte eine alte, seit Monaten an Diarrhöe leidende, ganz heruntergekommene Kuh mit dein Bemerken auf der Tier­arzneischule ein, dass er selbige, einerlei wie der Verlauf der Krankheit sich gestalte, nach einigen Tagen abholen werde. Da an eine Herstellung des Tieres schon der kurzen Zeit wegen nicht gedacht werden konnte, wurde selbiges zu einem kleinen Versuch benutzt. Es wurde verordnet, dem Tiere das Abendgetränk zu entziehen und am folgenden Morgen einen grossen Stalleimer Wasser mit 10 g Tannin vorzusetzen. Die Tanninlösung wurde ohne Unterbrechung aufgenommen und darauf noch reines Wasser in der Quantität von anderthalb Stalleimern verzehrt, Am folgenden Tage, 24 Stunden nach der Aufnahme der Tanninlösung, war der Kot so konsistent, wie er normaliter bei der Fütterung von Weizen­stroh ist. Der Erfolg hielt aber nicht lange an ; nach weiteren 48 Stunden war der Kot wieder ebenso weich, wie vor der Aufnahme der Tannin­lösung. — Es dürfte sich empfehlen, diesen Versuch bei eintretender Gelegenheit längere Zeit fortzusetzen, vielleicht alle 48 Stunden Tannin mit einer grossen Quantität Wasser zu geben.
Unruhfall der Itömkälber.
In allen mir bekannten Gegenden ist es nicht üblicb, die Kälber an der Mutter saugen zu lassen, sondern gebräuchlich, selbige aufzu-börueii. Die Tiere erhalten zunächst Vollmilch, später abgerahmte Milch ohne oder mit Surrogaten. Hei dieser Fütterung, namentlich
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dann, wenn der Milch Surrogate zugesetzt werden, tritt uiclit ganz selten Diarrhöe ein.
Krankheitserscheimmgen. Die Tiere sind entweder vollständig' munter und haben normalen Appetit, oder sie sind trübe und nehmen nicht die gewohnte Quantität Nahrung zu sieh. Die bis dahin nor­malen Faeces erscheinen mit einem Male sclimutziggelblich, griinlieh, graugrünlich, Übelriechend und schäumend. Der Absatz des Kotes erfolgt häutig und zuweilen unter heftigem und anhaltendem Drängen. — Tenesmus. —
Leichenersehoinungen. Diese aufzunehmen, ist mir keine Ge­legenheit geboten worden.
Vorlauf. Unter aufmerksamer Haltung und Pflege der Tiere, wie solche allenthalben dort, wo dle'Bindviebzuoht hoch steht, tlbliob ist, tritt ganz gewöhnlich in kurzer Zeit Genesung ein.
Ursachen. Die Krankheit tritt zuweilen auf, wenn nur Milch vcrflittert wird, und da nun rcgelmässig — abgesehen von den kleinen Wirtschaften, in welchen nur eine Kuh gehalten wird — erwärmte Mischinilcli gegeben wird, so kann ich die Entstehung der Diarrhöe in diesem Falle nicht auf eine abnorme Qualität der Nahrung, sondern nur darauf znriiekfUhren, dass eine zu grosse Quantität von derselben aufgenommen worden ist. Die Krankheit tritt aber leichter ein, wenn, wie ich sogar bei meinen Yersuchskälbern gesehen habe, Surrogate mit der Milch gegeben werden. Ausnahmsweise stellt sich nach der ersten Aufnahme eines Surrogats schon Durchfall ein.
Behandlung. Entziehung der Nahrung für die ersten Futterzeiten selbst dann, wenn die Tiere durch Blöken u. s. w. einen guten Appetit zu erkennen geben, ist das Notwendigste. Später massige Futterration ohne Zusatz eines Surrogats. Tritt damit nicht sofort Besserung und bald gänzliche Heilung ein, so kann ich, wie auch dann, wenn die Krankheit sehr heftig auftritt, von vornherein die Verabreichiing der Tinct. opii und Salzsäure mit einer hinreichenden Quantität Wasser und Einhüllung des Leibes sehr empfehlen. In früherer Zeit wurde eine aus Opium, Rhabarber und Magnesia be­stehende Mischung sehr gern benutzt.
Darmeinscliiobiiii^.
Als Darmeinschiebung bezeichnet man denjenigen Zustand, bei welchem eine Darmpartie in ein begrenzendes Stück des Darmes hineingetreteu ist, so dass an dieser Stelle drei gleichlaugc Darm­abschnitte einander in abnormer Weise begrenzen. Es kann eine
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solche Ineiiiandeischiebuug vielleicht auch beim Riiule au jedem Danuiibschnitt vorkommen, beobachtet ist sie bei diesem Tiere aber erst am Dünndarm (Jejunum und Ilenm), denn der von Kiiehner mitgeteilte Fall von liieiuauderschiebimg des Mastdarms wird von uns mit dem Namen „Vorfall oder Umstiilpung-quot; belegt.
Die Eutstehung einer solchen Einschiebung liisst sich nicht mit Sicherheit angeben. Man darf aber annehmen, class ein vorderer Darmabsciiuitt, welcher durch die Kontraktion seines Kreismuskels verengt ist und gleichzeitig eine fortschreitende Bewegung macht, unschwer in ein dahinter liegendes DannstUck, welches erweitert ist und still liegt, hineinschlUpfen kann. Das hintere Ende bildet dann die Scheide, und innerhalb derselben liegt ein doppelter Abschniit eines vorderen Darmteiles, Die Vergvösserung der Einschiebuiig muss, wie schon Roll bemerkt, stets auf Kosten der Scheide geschehen, und die innerhalb der Scheide liegende Doppelsohlinge soll bis zu einem l^uss laug werden können. In dem Darmstiick tritt infolge des Drucks und der dadurch bedingten Zirkulationsstörung Brand und in dem begrenzenden Teile des Bauchfells Entzündung ein. Eine Natur­heilung ist meines Wissens heim Kinde noch nicht beobachtet.
Krankheitserscheimmgen. Plötzliches Versagen des Futters und Aufhören des Wiederkauens, Retention des Mistes, Kolik und Fieber.
Leiolienerscheinungen. Im Dünndarm fällt eine verschieden lange Stelle auf, welche dick, dunkelrot bis schwarzrot von Farbe, zuweilen mit Fetzen von plastischem Exsudat belegt, sehr mürbe und so stark Infiltriert ist, dass von einem Lumen kaum etwas zu sehen ist.
Verlauf. Die Tiere hören auf zu fressen, stellen die lluiuination ein, werden unruhig, zeigen Fiebererscheinungeu, entleeren zunächst noch kleine Quantitäten Kot, darauf unter starkein Pressen Schleim-klumpen, die mit Blutstreifen besetzt oder durchsetzt sind. Die Un­ruhe ist mitunter eine sehr geringe, zuweilen aber eine bedeutende. Die Tiere wechseln häutig mit der Stellung und Lage, schlagen mit den Hiuterschenkelu gegen den Bauch, sehen sieh nach dem Leibe um und stöhnen. Letzteres Symptom nimmt beim Druck gegen den Bauch bedeutend zu. Die Fiebererscheiuungen steigen, die Hinfällig­keit nimmt zu, die Kolikerscheinungen verlieren sich nach und nach und der Tod tritt ein. Die Dauer der Krankheit soll sich bis auf acht Tage erstrecken können.
Diagnose. Durch die von Kolik begleitete Verstopfung, ganz besonders aber durch das Nachlassen der Kolik unter gleichzeitiger Steigerung des Fiebers wird der Praktiker zur Untersuchuug per
Hurmti, Rindvlshbollkunde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
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rectum gezwungen. Hierbei findet sich günstigen Falls eine Geschwulst, welche dnickenipfiiullich ist, so dass das Tier bei dem Umfassen der­selben zusammenschiesst, den Rücken einbiegt und stöhnt, resp. stärker stöhnt. Die Einschiebung des Darms kann mit dem inneren Bruch oder Überwurf, sowie mit der Stenose des Darms durch eine Ge­schwulst verwechselt werden.
Behandlung. Hat man die Krankheit mit möglichster Sicherheit erkannt, so kann es sich nicht mehr um eine innerliche Medikation, sondern nur darum handeln, das Tier entweder möglichst bald ver­werten zu lassen, oder zu operieren. Der operative Eingriff bezweckt die manuelle Lösung der Einschiebung oder die Resektion des affi-zierteu Damstttcks, Es kommt also in Frage erstens die Eröffnung der Rauchhöhle, zweitens die manuelle Lösung der Einschiebung oder die Resektion des erkrankten Darmstücks und drittens die Schliessung der Wunde. Hierbei darf man aber nicht vergessen, im strengsten Sinne des Wortes antiseptisch zu verfahren.
Die Operationsstelle, die rechte Flanke, wird möglichst gut vom Haar und Schmutz etc. befreit. Das Tier wird derart kurz angebunden, dass es mit seiner linken Seite an einer Mauer etc. steht und sich nicht niederlegen kann. Der Schnitt durch die Bauchdeeken bis zur Serosa wird — unter starkem Gebrauch der Bremse — senkrecht und in solcher Länge gemacht, dass die Hand bequem hineinzubringen ist. Die Serosa wird, weil die Eingeweide dicht unter ihr liegen, nicht durchschnitten, sondern mit der Hand, mittels eines raschen Stosscs, durchbohrt. Die Umgebung der Wunde wird mit einem Tuch belegt, das Darmstück hervorgeholt und — falls es nicht brandig ist — zu lösen gesucht. Ist die Lösung nicht zu beschaffen, so handelt es sich um die Resektion. Die grossen Gefässe werden unterbunden, die kleineren zusammengedreht. Das betreifende Darmstück wird herausgeschnitten; die beiden freien Darmonden werden einwärts ein­gebogen, dann auf eine Papierrolle geschoben, zusammengebracht und mittelst der Naht vereinigt. Die Schliessung der Bauchwunde geschieht durch die Zapfennaht. In den ersten Tagen nach der Operation bekommt das Tier kein Futter, sondern nur Getränk. Meyer hat zweimal und Drüse, Tierarzt in Sehnde bei Hannover, einmal die Resektion mit Erfolg gemacht. — In der Praxis habe ich keine Gelegenheit zur Ausführung der Resektion gehabt, versuchsweise dieselbe aber zweimal mit dem Erfolge gemacht, dass die Tiere am Leben blieben.
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Überwurf beim Ochsen.
Als Überwurf bezdobnet mau diejenige beim Ochsen vorkommende Knuikheit, bei welcher ein Darmstück, nach K. Günther wahrschein­lich die Blinddarmspitze, zwischen dem Samenstrangrudiment und der Becken•, resp. Kreuzbeinwölbuug hindurch getreten ist. Selbiger kommt wohl kaum allenthalben, sondern nur in einigen Gegenden vor; wenigstens giebt es viele Distrikte, in welchen er nicht einmal dem Namen nach bekannt ist.
Krankheitserscheinungen. Appetit versclnvunden. Rumination eingestellt. Aufblähung. Retention des Mistes. Fieber. Kolik. Alle Schriftsteller geben an, dass Selimerzensäusserungen deutlich vorhanden sind; viele machen auf EigentUnilichkeiten derselben aufmerksam. — Einbiegen oder KrUnimen des Rückens. Hinterständige Stellung der Hinterschenkel. Ausstrecken der ilinterschenkel. Emporheben des Hintersobenkels der kranken Seite etc. — Sobald der hinter dem durchgetretenen Darmsttlok vorhandene Kot abgesetzt ist, werden nur noch Schleimklurnpen, die mit Hlutstreifcn besetzt oder durchsetzt sein können, entleert.
Leichenerseheinungen. Die eingesebnürte Darmpartie ist über die Grenzen hinaus dunkelrot, mit Extravasaten besetzt, stark infiltriert, sehr mürbe und enthält Im Lumen blutige Flüssigkeit.
Verlauf. Die Tiere zeigen von vornherein Kolikerscheinnngen. Selbige sind in den ersten sechs bis acht Stunden ziemlich bedeutend, nehmen nach dieser Zeit nicht nur ab, sondern sistieren mitunter auf kurze Zeit, so dass die Tiere zuweilen ganz ruhig liegen, und zwar stets, wie Rychner nach Anker bemerkt, auf der kranken Seite, wobei sie sich jedoch ab und zu nach dem Leibe umsehen. Wenn keine Behandlung eingeleitet wird, krepieren die Tiere angeblich in einer Zeit von ein paar bis acht Tagen.
Diagnose. Die plötzlich aufgetretene Kolik, das Einsinken des Rückens — der Lendeupartie —, die Bewegung der tlintersohenkel, namentlich die Bewegung des Hinterschenkels der kranken Seite, sowie die Verstopfung bilden die wesentlichen Erscheinungen. Bei der Untersuchung durch den Mastdarm, wozu man ja durch die Symptome gezwungen wird, findet sich, wenn die Hand am Becken­eingange hinabgleitet, eine schmerzhafte, teigartige, apfel- bis reichlich faustgrosse Geschwulst, ausserdem mitunter der gespannte Samenstrang.
Ursaehen. Diese? werden teils in der Kastrationsmethode, teils in der Gegend gesucht. Nach Metzger kommt diese Krankheit nur
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iu deujeiiigeii Gebirgsgegenden vor, in welchen man die jungen Kälber in tier Weise kastriert, dass die blossgelegten Testikel mit den Zähnen abgerissen werden. Es soll dabei eine Trennung des Samen­stranges vom Beckenrande eintreten und somit eine Ofi'nung für den Durchtritt des Darmes gescliaft'en werden. — Bei Hüllen sah man den Überwurf niemals. — Begünstigt, resp. ennöglicbt wird der Durchtritt des Darmstttoks durch tieferes Stehen mit dem Hinterteil, namentlich durch Gehen und starkes Ziehen gegen den Berg.
Behandlung. Hasches ISergabtreiben. Wenn hierbei die Ke-duktion nicht gelingt, so muss man versuchen, selbige vom Mastdarm aus zu beschafl'en. Der Ochse wird mit dem Hinterteil hoch gestellt; die gut eingeölte Hand wird in den Mastdarm hinein- und nach dem Beckeneingang vorgeschoben, das Darmstttck behutsam aufgesucht, er-tasst, in die Höhe gebracht und nach vorn gedrückt. Nach Rychner soll die Reposition durch Einbiegen der Lendenpartie, welches durch einen (Jehilfen mittels eines /Air rechten Zeit angebrachten Drucks bewirkt werden kann, erleichtert werden. Nach der Reposition des Darmstücks empfiehlt es sich, das Samenstrangrudiment abzureisseu. Metzger sucht den Samenstrang auf den Finger zu bringen und durch Druck zu trennen. Eisele wendet mehr stossende als ziehende Züge nach vor-, rück- und abwärts an. Gierer benutzt zum Abtrennen des Samenstraugs den Daumen. Es soll, wenn der Überwurf auf der rechten Seite besteht, die linke Hand, wenn er auf der linken Seite vorliegt, die rechte Hand benutzt werden. Kann man vom Mastdarm aus nicht zum Ziel gelangen, so geht man event, zu der von Anker empfohlenen Operation über. Es wird in früher angegebener Weise (s. die Einschiebung des Darms) die Bauchhöhle geöffnet, die Hand hineingeschoben, das Netz gesprengt und der Bruch aufgesucht; darauf das kleine Hakenmesser in gut gedeckter Lage bis an die Einschnürung eingeführt, an den gespannten Samenstrang angelegt und nach Deckung mit dem Daumen augezogen. Das Darmstück wird in die richtige Lage gebracht und die Wunde mittelst der Zapfennaht geheftet. Dass auch hier streng antiseptisch verfahren werden muss, ist selbstverständlich. Nach der Operation bekommt das Tier Getränk nach Belieben, aber Futter erst nach dem Eintritt der Rumination.
Verschluss des Darms durch eine Geschwulst.
Eine durch Kotmassen verursachte Verstopfung des Darms habe ich beim Rinde niemals gefunden, einen durch eine Geschwulst be-
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(lingten Verschluss aber dreimal im Darme des Rindes nachweisen köimeii.
Krankheitsersoheinungen. Diese sind ähnlicii wie bei den beiden vorigen Krankheiten.
Verlauf, Wird keine Behandlung' eingeleitet, so stirbt das Tier unbedingt.
Diagnose. Eine absolut sichere Diagnose ist nicht zu stellen; denn wenn man auch bei der Exploration jier rectum, wozu man durch die Symptome gezwungen wird, eine Geschwulst fühlt, wie ich es in meinem zweiten Falle konnte, so ist doch die Ausschliessung der Darmeinschiebung bis jetzt nicht möglich.
Behandlung. Soll eine Behandlung eingeleitet werden, so kann es sich nur um die Resektion des von der Geschwulst eingenommenen Darmstllcks handeln. Vor Einleitung dieser Operation ist aber eine möglichst gründliche Untersuchung des Tieres auf Tuberkulose not­wendig; denn in dem letzten meiner drei Fälle war das Tier tuber­kulös. (S. Tuberkulose.)
Alustdariiieiitziiiitlim^.
Der Mastdarm ist gewöhnlich bei der akuten Diarrhöe aftiziert, zuweilen aber für sich entzündet. Ob dann die Schleimhaut allein er­krankt ist, oder ob derProzess auch in der Muscularis abläuft, lässt sich nicht immer mit Sicherheit ermitteln. Deshalb habe ich die Bezeich­nung „Mastdarmentzündungquot; adoptiert. Diese Krankheit kommt beim Rinde nach meinen Beobachtungen nicht häufig, nach llaubuer-Siedam-grotzkv sogar enzootisch vor.
Krankheitserseheinungen. Futter- und Getränkaufnahme, sowie Rumination sind normal. Der Kot ist entweder flüssig oder fest, scharf geringelt und mit Blutstreifen besetzt. Der Absatz des Kotes erfolgt abnorm häufig, folglich in zur Zeit kleiner Menge und, wenn er sehr fest ist, unter Schmerzen und langsam. Nach der Defäkation treten die Tiere sehr langsam in die frühere Stellung zurück. Die Schleimhaut des Mastdarms ilt heiss, geschwollen, dunkelrot und an der Oberfläche nur in geringem Grade feucht, als sei sie kurze Zeit vorher mit Wasser berieselt, oder schlüpfrig. Der Analrand ist go-sclnvollen und druckempfindlich.
Verlauf. In den von mir beobachteten Fällen ist in einigen Tagen volle Ausgleichung eingetreten. Nach Maubner-Siedamgrotzkv ist der Ausgang zuweilen ein tödlicher.
Ursachen. Tiere, die sich in einem kräftigen, gut genährten
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Hi'i!
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Zustande bclimleu, bekommen ausnahmsweise, wenn sie von einem mehr reizlosen Futter, z, B. von dem Gras einer schönen Oobsenwelde, plötzlich, (1. h. mit einem Male, auf eine hitzige Fütterung gesetzt werden, eine Mastclannentzlindung. Irgend eine Hpur von Hftmor-rhoiden liahe ich beim Binde niemals gesehen.
Behandlung. Regulierung der Diät, Injektionen in den Mast­darm von schleimigen Mlttteln mit Zusatz eines Antise|raquo;tikums. Inner­lich, wenn der Kot sehr test ist, ein mildes Laxans.
Tmiimalischc Magren-ZnerclifclhMitzlinduiig.
Aus Gründen, die ich hier nicht weiter erörtern will, teile ich meine früher über diese Krankheit gelieferte Arbeit im wesentlichen ganz und gar so mit, wie sie sich im dritten Jahresbericht der König­lichen Tierarzueisohule zu Hannover, welcher im 37. Bande des Maga­zins für Tierheilkunde von Gurlt und llertwig niedergelegt worden ist, findet Das Nachfolgende ist also vor zwanzig Jahren geschrieben.
Das Aufnehmen und Verschlucken fremder, scharfer Körper, wie Haarnadeln, Nägel, stärkerer Holzsplitter u. s. w. kommt, wie aus der Litteratur ersichtlich, und wie ich aus eigener Erfahrung weiss, bei allen Haussäugetieren vor, am häufigsten jedoch bei dem Rinde. Die kleinen Gegenstände werden von diesem Tiere meistens, wenn nicht gar ausnahmslos, mit dem Futter aufgenommen; die grösseren Sachen jedoch, wie Messer und Gabel, von denen in früheren Jahren ein ganzes Dutzend bei einer Kuh in der Gartengemeinde Hannovers gefunden worden ist, sowie Kleidungsstücke ohne dasselbe. Das Rind hat ja die bekannte Gewohnheit, alle Gegenstände, die in seinen Bereich kommen, zu belecken und, falls sie nicht zu unangenehm riechen oder schmecken und nicht zu gross sind, aufzunehmen. In vielen Fällen bleiben die angeführten fremden Körper, seihst die grossen, längere Zeit im Magen liegen, ohne dass sie nachweisbare Nachteile irgend welcher Art hervorrufen, wovon man sich recht oft überzeugen kann, wenn man bei der Sektion geschlaohteter oder ge­storbener Rinder mir regelmässig den Inhalt des Magens untersucht. Bergmann teilt im Magazin von Gurlt und llertwig, Rand 20, Seite 104, mit, dass ein Rind sogar ein Traiichirmesser drei Monate hin­durch im Magen beherbergt habe, ohne dass irgend welche Läsionen dadurch hervorgerufen worden seien. In dieser höchst interessanten Mitteilung habe ich leider keine bestimmte Angabe über die Magen­abteilung gefunden, in welcher das Messer gelegen hat. Obgleich die fremden Körper gewöhnlich in der Haube gefunden werden, darf
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mau doch wohl auuehmeu, dass fragliches Messer im Pausen gelogei: hat. Gewöhnlich aber entstehen durch die verschluckten fremden Körper früher oder später Erkraukmigeii, die mitunter wohl zur ganz-liehen Ausgleichung gelangen, in den meisten Fällen jedoch zu einem Siechtum sehr verschiedenen Grades oder direkt zum Tode führen.
Ich bin, was die Beobachtung der durch fremde Körper hervor­gerufenen Störungen anbetrifft, vom Glück begünstigt gewesen, wie wohl selten ein Kollege; mir steht viel Material zur Verfügung, und ich werde deshalb im Nachfolgenden nur dann fremde Mitteilungen herbeiziehen, wenn im eigenen Wissen sich Lücken finden, oder wenn meine Erfahrungen mit den Beobachtungen anderer nicht überein­stimmen.
Als traumatische Magen-Zwerchfellentzüudung bezeichne ich die­jenige Krankheit, bei welcher ein fremder Körper die Magenwand und das Zwerchfell verletzt bat, und infolge dessen eine Entzündung mit ihren weiteren Folgen in diesen 'feilen eingetreten ist. Von allen Krankheiten, die durch verschluckte fremde Körper herbeigeführt werden, kommt diese unstreitig am häufigsten vor; dessenungeachtet findet sich hier­über In der Lltteratur nichts, sondern es ist stets nur von der traumatischen Herzbeutelentzündung die Rede Nach den vorliegenden Mitteilungen sollte mau glauben, es müsse jeder fremde Körper, der einmal in die Wand des Magens h inei ngetreteu 1st, auch unbedingt bis 111 d (j u Herzbeutel oder wohl gar bis in das Herz vordrlugenl In den meisten Fällen gelangt der fremde? Körper aber nur bis in das Zwerchfell. Auf der andern Seite scheint man der Ansicht zu sein, dass erhebliche Störungen erst dann sich zeigen, wenn der fremde Körper in den Herzbeutel eingetreten 1st. Auch das ist niclit richtig! Der in das Zwerchfell eingedrungene fremde Körper ver­ursacht mitunter freilich nur geringe Störungen, die bald zur un­gefähren oder gänzlichen Ausgleichung gelangen, In vielen Fällen jedoch beträchtliche Störungen, die weiterhin zu einem starken Siech­tum oder direkt und bald zum Tode führen. Letzteres 1st der Fall, wenn bedeutende Komplikationen eintreten. Ferner giebt mau auch noch au, die durch verschluckte fremde Körper verursachten Störungen seien erst dann zu diagnosleren, nachdem eine Affektion des Herz­beutels eingetreten sei. Diese Behauptung ist nur Insofern richtig, als man niemals, selbst wenn auch der Herzbeutel oder gar das Herz aftizlert 1st, feststellen, sondern nur vermuten kann, dass eine nie
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chamsche Verletzung die Erkrankung lierbeiget'lthrt lia)raquo;e, falseh aber, weil man, wenn eine einfache trauinatiischc Magen -Zwerchfellentzün-duug bestellt, den Krankheitsprozess auch durch oiue exakte Uuter-suclmng und auf dem Wege der Ausschliesssung lokalisieren kann.
Krankheitserscheinungen. Uio llungergruben sind gewöhnlich eingefallen, — S. d. Komplikationen. — Der Blick ist trübe, Angst nud Schmerz verratend. Der Gang ist nicht frei. Die Respiration meistens um einige Züge vermehrt; die Exspiration von einem Stöhnen begleitet. Der Appetit nach Futter und Getränk, sowie die llumiuation aufgehoben. Mist und Harn werden in kleineren Quantitäten als sonst abgesetzt; der Mist ist nach dem aufgenommenen Futter zu trocken. Die peristaltischc ßewegung des Pansens ist subnormal. Die Tem­peratur ist an der Peripherie des Körpers ungleiehtnässig verteilt, im Innern desselben erhöht. Die Sekretion ist geringer als sonst und hat in der Milchdrüse plötzlich abgenommen. Der Puls steigt bis 10(1; die Arterie ist gespannt. Heim Perkutieren der Insertionsstelle des Zwerchfells, sowie beim Druck gegen diese Partie traten Schmerzens-äusserungen auf. Hat die traumatische Magen-Zwerchfellentzüudung längere Zeit, vielleicht Jahr und Tag bestanden, ist also der Prozess ein chronischer geworden, was geschehen kann, wenn auch der fremde Körper zurücktritt oder eingekapselt wird, so tindet man nahe am Zwerchfell eine Dämpfung hei der Perkussion. — Ein Symptom muss ich noch ganz besonders hervorheben, und das ist ein Abgang von Blut mit den Exkrementen. In einem Falle, wo ich, so weit es überall möglich ist, mit Sicherheit eine traumatische Magen - Zwerchfell­entzündung diagnosiort und eine Seheinkar eingeleitet hatte, erfolgte am zweiten, jedoch namentlich am dritten Tage ein Abgang von Blut aus dem After. Am zweiten Tage waren es formlose Massen, am dritten Tage aber ein zusammenhängendes Coagulum, welches un­gefähr 3/4 Fuss im Quadrat mass, l/2 Zoll dick war und einen ge­nauen Abdruck der inneren Oberfläche der Haube darstellte. Dieses Tier genas. Ich konnte also meine Diagnose nicht kontrollieren, was ich um so mehr bedauerte, weil nur der von Camoin im llepertorium von Hering, Band 22, mitgeteilte Fall wohl bekannt war. Aber gerade weil ich diesen Fall kannte, untersuchte ich natürlich das Tier um so gründlicher, konnte jedoch nicht die geringste Spur einer Herzaffektion entdecken.
Leichenersoheinungen. An der Leiche derjenigen Tiere, welche an der traumatischen Magen - Zwerchfellcntzilndung gelitten haben, findet man, wenn das Leiden noch, frisch ist, nur die Erscheinungen
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dor Entzündung; wenn dagegen die Krankheit länger bestanden liiit, die Folgen der Entzündung. Bei Tieren, die bald nach dem Eintritt der Krankheit geschlachtet werden, findet man folglich die Kötung, die Schwellung und die Wunde. Die Kötung ist gewöhnlich nicht bedeutend, sie ist an der inneren Magenwand am schwächsten und tritt hier erst sichtbar auf, nachdem das Epithel entfernt worden ist, an dem Zwerchfell dagegen stärker, und au der vorderen Fläche desselben am bedeutendsten, wenn der fremde Körper durch das Zwerchfell hindurch gedrungen ist. Die Schwellung der betreffenden Partie der Magenwand und des Zwerchfells ist in den meisten Fällen nur schwach, mitunter jedoch so bedeutend, dass die gewöhnliche Dicke um das Zwei- bis Dreifache zugenommen hat. Das Exsudat ist plastischer Natur, in verschiedener Menge vorhanden und hat regelmässig zur Verklebung der begrenzenden Flächen geführt. Die Wunde ist, wenn der fremde Körper bald wieder zurückgetreten, was gewöhnlich der Fall ist, mitunter schwer zu finden; es ist nur ein Kanal vorhanden, oder es sind deren mehrere zugegen. — Hat die traumatische Mageii-Zwerchfellentzündung schon längere Zeit bestanden, so ist der Magen in geringerem oder grösserem Umfange mit dem Zwerchfell verwachsen, und dann ist eine Trennung nur mittelst eines starken Zuges oder des Messers zu beschatten. War der fremde Körper vielleicht längere Zeit stecken geblieben, oder sitzt er noch in der Magenwand und dem Zwerchfell, so sind die betreffenden Gänge, in Zahl und Richtung verschieden, mit einer schwieligen, grauen oder graublauen Wand versehen und enthalten aussei- dem vielleicht noch vorhandenen fremden Körper eine Zerfallsmasse. An dem einen oder anderen Ende oder im Verlaufe der Gänge finden sich gar nicht, selten schwielige Verdickungen von Kastanien- bis Ei-grösse. Ebenso häufig findet man bei der Sektion Abscesse, die ver­schieden gross sind, gewöhnlich einen guten Eiter enthalten, und entweder mehr in der Wand des Magens, oder in dem Narben­gewebe, oder in dem Zwerchfell liegen. In einem Falle fand ich einen Abscess, der von dem Zwerchfell ausging, sich so tief in die Brusthöhle erstreckte, dass der ganze hintere Mittelfellsraum davon eingenommen wurde, und ca. vier Quartier Eiter enthielt. Ausnahms­weise ist in solchen Fällen, in welchen der Krankheitsprozess schon lange bestanden hat, an der vorderen oder hinteren Fläche des Zwerch­fells an, bezw. neben der mit dem Magen verwachsenen Partie eine Auflagerung von Granulationsgewebe vorbanden, die ich bis zu zwei Zoll Dicke gefunden habe.
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Verlauf. Am meisten Vertrauen evweekeml beim Publikum ist die Stellung einer sicheren Prognose, und deshalb bin ich homüht gewesen, liierülr bestimmte Aubaltspunkte zu finden. Aussordem ist die Kenntnis des Verlaufs auoh notwendig für die Kntclieidung der Frage, ob es y, weokmä ssig, d. b. Ökonom iscb richtig ist. bei der traumatischen Magen - Zwerchfellentzündung in einer Weise operativ einzuschreiten, wie von Obich und Meyer zuerst bei der traumatischen Herzbeutel-entzttnduug geschehen ist. So wichtig die Stellung der l'nH gnose, die sichere Voraussage des Verlaufes dieser Krankheit auch ist, so muss ich leider bekennen, dass ich genügende Anhaltspunkte bierflir nicht geben kann.
Was zunächst das Verhalten des fremden Körpers anbctril'l't. so kann man dieses niemals im voraus mit voller Sicherheit bestimmen. Thatsache ist, dass er niemals aufgelöst wird. Es wird sonst ja gar sehr viel von dem Auflösen desselben geschrieben und, wie ich manches Mal vernommen habe, noch mehr gesprochen. Diese Angaben beruhen aber nicht auf mehrfach gemachten, getreuen lie-obachtungen, sondern auf Übertragung. Denn wer hat jemals Zeichen der Auflösung gesehen V Wer hat Rudimente eines fremden Körpers bei der Sektion gefunden ? Niemand 1 Dagegen spricht man auch schon in der Litteratur von einem Vor- und Zurücktreten des fremden Körpers. Und ich kann versichern, dass ich bei der einfachen trau­matischen Mageu-Zwerchfellentzüiidung selbst dann, wenn das Tier bald nach dem Eintritt derselben geschlachtet wurde, den fremden Körper selten in der Wunde, d. h. in der Wand des Magens und in dem Zwerchfell, sondern ganz gewöhnlich in der Haube gefunden habe.
Einen allgemeinen Anhaltspunkt für die Prognose habe ich am Fieber gefunden. 1st dieses schwach, so tritt häufig in kurzer Zeit eine solche Ausgleichung ein, dass die Tiere an Futter und Getränk gehen; dass darauf aber regelmässig vollständige Heilung folgt, soll damit nicht gesagt sein. 1st dagegen das Fieber bedeutend, steht der Puls auf ca. 100 oder wohl gar darüber, ist dem entsprechend die innere Temperatur um 1, 1'/., bis 21/2 Grad zu hoch, dann tritt ge­wöhnlich, wenn nicht infolge von Komplikationen der Verlauf sieh besonders gestaltet, ein Siechtum verschiedenen, meistenteils aber solchen Grades ein, dass das Futter nicht annähernd normal verwertet wird. Nach Anführung dieser allgemeinen Anhaltspunkte für die Prognose muss ich auf folgende Ausgänge speziell aufmerksam machen:
1. Tritt, was gewöhnlich der Fall ist oder doch meistens geschieht.
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der fremde Körper zurück, dann kann, wie ich annehme, volle Ge­nesung eintreten. Ich habe sehr häufig' Tiere, bei denen ich „trau­matische Magen-Zwerchfellentzlindungquot; mit möglichster Sicherheit diagnosiert hatte, unter einer Sclieinkur soweit genesen sehen, dass keine Spur von Fieber nachzuweisen, und Appetit, Sauflust, Defäkation normal waren, Solche Tiere sind von den Besitzern noch monatelang behalten und gefüttert worden, ohne dass selbige kamen, um sich Über das Niclitgedeihen derselben zu beklagen. Ich habe solche Tiere wiederholt beobachtet und untersucht, nichts Abnormes an denselben entdeckt, aber konstatiert, duss sie das Futter, wenigstens anscheinend, gut verwertet hatten. Ich weiss sehr wohl, dass die Ilichtigkeit der Diagnose in solchen Fällen erst durch die Sektion bewiesen werden kann, indessen wird man mir zutrauen, dass ich die traumatische Magen-Zwerchfellentzllndung, welche ich schon jahrelang mit beson­derem Interesse verfolgt habe, auch mit gewünschter Sicherheit zu diagnosieren vermag.
2. Wenn auch der fremde Körper zurücktritt und nur eine um­fang reiche Verwachsung des Magens — der Haube — mit dem Zwerchfell zurückbleibt, kann ein solches Siechtum die Folge sein, dass das Futter schlecht verwertet wird. Die Richtigkeit dieser An­gabe konnte vielleicht bezweifelt werden, und deshalb kann ich nicht unterlassen, einen von den beobachteten Fällen dieser Art hier speziell anzuführen.
Im Monat März 1^66 wurde bei dem Q-ai'tenmann V. an der S.-Strasse In Hannover eine kranke Kuh von mir untersucht,. Es wurde traumatische Magen-Zwerchfellentzttndung' festgestellt; das Schlachten des Tieres empfohlen.
Am H. ITebmar 1867 untersuchte Ich wiedemm eine Kuh bei dem (iartenmanue V. an der S.-Strasse in Hannover. Das Tier litt an der traumatiseheii Magen-Z\voi,elifellentziiiiduii£, wurde t'iir inkurabel erklärt. und dem Besitzer anheimgegeben, dasselbe sohlachten zu lassen.
Hierauf entgegnete der pp. V., dass diese Kuh schon im vorigen Jahre von mir untersucht, und ihm empfohlen worden sei, diesnlbe schlachten zu lassen; dass selbige in der ganzen Zeit bei schönstem Futter und bei einer Milchlieferung, die in der besten Zeit drei Quartier betragen habe, im Nährzustande nicht vorgeschritten sei, und dass die Deputierten des Kulivereins das Tier nicht abnehmen wollten, weil es stets gefressen, wenn eine Revision stattgefunden habe. Er drang auf Behandlung. Diese wurde jedoch von mir abgelehnt, dafür aber ein Schein des Inhalts aus­gestellt, dass das Tier inkurabel sei. Bei der Sektion fand sich nichts als eine aussergewölmlich umfangreiche Verwachsung der Haube mit dem Zwerchfell.
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;$. Der fremde Körper kann zuriiektreteu und eine chronische Entzündung-, namentlich am Zwerchfelle, zurückbleiben. Hierbei be­steht ein bedeutendes Siechtum, welches jedoch Schwankungen zeigt, so class der Appetit bald etwas besser, bald etwas schlechter ist. Dieses tritt, wie ich glaube gefunden zu haben, namentlich dann ein, wenn der fremde Körper durch die ganze Substanz des Zwerchfells hindurch getreten und längere Zeit in demselben stecken geblieben ist. Auch einen Fall dieser Art möchte ich in aller Kürze speziell anführen.
Eine Kuh des Herrn L). aus der H.-Strasse wurde von mir im Juni 1867 untersucht, traumatische Magen-Zwerchfellentzündung- diagnosiert, und zum Schlachten des Tieres um so mehr geraten, weil das vorhandene Fieber ziemlich bedeutend war.
Da der pp. D. den Deputierten des Kulivereins wohl eine missliebige Person war, wollten selbige die Kuli nicht abnehmen und schlachten lassen. Der Besitze)' stellte sich dann und wann bei mir ein und klagte, dass das Tier schlecht fresse, nicht gedeihe und auch nur wenig Milch gebe. Ein halbes Jahr später untersuchte ich nochmals die Kuh, gelangte zu derselben Diagnose, und bot, sogar den Deputierten eine beträchtliche und für sie ganz vorteilhafte Wette an, falls sie Zweifel an meiner Diagnose liegen sollten. Obgleich die Wette abgelehnt wurde, Hessen sie sich doch nicht auf das Schlachten des Tieres ein, und ich drang auch nicht stark darauf, weil ich den weiteren Verlauf der Krankheit gern aufnehmen wollte. Wieder neun Monate später, am 9. Oktober 1868, wurde ich von dem Besitzer aufgefordert, das Tier zu untersuchen und nötigen Falls eine Bescheinlgnng über dessen Unheilbarkeit auszustellen.
Das Tier befand sich nach dem Futter, welches es bekommen, sowie nach der Quantität Milch, die es geliefert hatte, in einem schlechten Nälir-/ustande, es hatte, wie die Deputierten berichteten, einen wechselnden, im grossen und ganzen aber geringen Appetit. Fieber war noch nachzu­weisen. Die Perkussion der Eippenwand ergab an de)1 Insertionsstelle dos Zwerchfelles Schmerzensäusserungen, an der rechten Seite noch ausserdem vor der Insertionsstelle des Zwerchfells eine zwei Zoll breite Dämpfungs­linie. Dort, wo bei der Perkussion die Dämpfung konstatiert wurde, waren Schmerzensäusserungen am leichtesten hervorzurufen. Des letzteren Befundes wegen sagte ich den anwesenden Herren, dass die rechte Hälfte des Zwerchfells am stärksten afüziert sei. Jetzt, nachdem also die Krank­heit ca, fünfzehn Monate bestanden hatte, wurde das Tier geschlachtet. Bei der Sektion wurde die Diagnose bestätigt. Die rechte Zwerchfellhälfte war mit einem zwei Zoll dicken Granulationsgewebe, in welchem die (lefässneubildung eine bedeutende war, bedeckt.
4. Der fremde Körper tritt zurück, es bilden sich Abscesse zwi­schen der Magenwand und dem Zwerchfell, also in dem Narbengewebe, oder mehr in der Wand des Magens, oder mehr in dem Zwerchfell. Dieser Ausgang erfolgt nicht selten ; es bleibt dabei regelmftsslg ein
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Sieclitum fortbestehen, und es tritt ausnalimsweise, so wenn die Lüsion eine bedeutende ist, dann und wann eine Aufblähung auf 24 Stunden ein. Das Siechtum ist mitunter nur unbedeutend, gewöhnlich aber ziemlich beträchtlich und abwechselnd, so dass der Appetit etc. bald besser, bald schlechter ist,
5.nbsp; Tritt der fremde Körper bald zurück, worauf das Tier so un­gefähr oder ganz gesund erscheint; jedoch nach kurzer Zeit tritt der fremde Körper wieder in Magenwand und Zwerchfell hinein. Dieses Vor- und Zurücktreten kann sich viele Male wiederholen und ist selbstverständlich nicht an bestimmte Zeitabschnitte gebunden. Jedes­mal kann einer der vorbemerkten Ausgänge eintreten.
6.nbsp; Der fremde Körper kann in der Wand des Magens und dem Zwerchfell stecken bleiben. Wenn das der Fall ist, lässt das Fieber nicht nach, der Appetit stellt sich nicht ein, und Schmerzensäusserungeu sind beim Druck, sowie bei der Perkussion leicht hervorzurufen. Es kann jedoch in diesem Falle eine solche Einkapselung des fremden Körpers auftreten, dass nicht allein Futter aufgenommen, sondern sogar der Nährzustand ein besserer wird. Eine normale Verwertung des Futters tritt nach meinen Beobachtungen aber nicht ein.
7.nbsp; Der fremde Körper dringt weiter vor, in Herzbeutel und Herz hinein, und dann treten Komplikationen auf, welche später besprochen werden. Kleine zweiarmige Körper, wie Haarnadeln, und kleine, mit einem Kopf versehene Nägel etc. gelangen nicht in den Herzbeutel hinein, wohl aber thun dies die längeren Nadeln (Stopfnadeln), kopflose Nägel etc., und diese Körper treten nicht selten in ganzer Länge durch Magenwand und Zwerchfell himlurcli.
Diagnose. Die wesentlichsten Symptome sind das Fieber, die mangelhafte Benutzung der Bauchpresse und die Schmerzensäusserungeu. Das Fieber zeigt, wie schon oben bemerkt, in seiner Stärke bedeutende Verschiedenheiten. Die mangelhafte Benutzung der Bauchpresse ist in jedem Falle zu konstatieren; sie spricht sich durch den langsamen Absatz des Kotes in abnorm kleinen Quantitäten aus. Die Schmerzens-äusserungen, welche nach meinen an Hunderten von Patienten ge­machten Beobachtungen nur in Form des Stöhnens bei dieser Krank­heit auftreten, bilden die Haupterscheinung. Das Stöhnen, welches man nicht mit dem Brummen konfundieren darf, beweist uns stets, dass eine innerliche Krankheit besteht, die sehr schmerzhaft ist; konstatieren wir dasselbe, so haben wir die Aufgabe, durch Unter­suchung des Bauches und der Brust auf Druckempfindlichkeit den Krankheitsherd festzustellen. Und das gelingt bei der traumatischen
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Magen-ZwerohfellentzUndUDg Stets, Bei dieser Krankheit stöhnt das Kind freilich mitunter nicht; trotzdem wird der gewissenhafte Praktiker den Krankheitsherd dennoch ermitteln, da er niemals unterlassen wird, Hauch und Brust in ganzem Umfange auf Druckempfiudlichkeit zu untersuchen. Wer diese Untersuchung, auf welche das Kind sicher und meistens sehr deutlich antwortet, unterlässt, begeht eine grosse Unterlassungsslinde. (S. o.) Das Wesentlichste des Verlaufs ist schon bemerkt. Die Besprechung der Ausscliliessuug, welche stell auf eine sehr bedeutende Anzahl von Krankheiten erstrecken könnte, ist nicht notwendig.
BehandUmg. In der Kindvlehpraxis haben wir die Aufgabe, die Tiere, wenn sie erkrankt sind, nicht allein am Leben zu erhalten, sondern sie in einen solchen Zustand überzuführen, dass sie späterhin ihr Futter gut verwerten. Ehe wir Binder in Behandlung nehmen, haben wir zunächst uns die Frage zur Beantwortung vorzulegen, ob wir dadurch auch das ökonomische Interesse des Besitzers fördern. Ob dieses nun der Fall ist, oder nicht, dafür ist zunächst die Krank­heit, ausserdem auch Sitte und Gewohnheit entscheidend. In letzterer Beziehung möchte ich hervorheben, dass in Gegenden, in welchen das Fleisch erkrankter Kinder gar nicht als menschliche Nahrung verwertet wird, ein Heilversuch gestattet ist, solange noch irgend eine, wenn auch nur geringe Hofl'nung auf absolute oder relative Heilung vor­handen ist; dass aber auf der anderen Seite in solchen Gegenden, in welchen das Fleisch erkrankter Kinder, wenn der Genuss desselben nicht gesundheitsgefährlich ist, von Menschen genossen wird, von der Behandlung einer vorliegenden Krankheit schon dann Abstand ge­nommen werden muss, wenn das Tier das Futter später voraussichtlich schlecht verwerten wird, und wenn es sich zur Zeit in einem schlacht-haren Zustand befindet. In der sogenannten Gartengemeinde Hannovers wird das Fleisch erkrankter Kinder (wie auch das des Schweines; von den Menschen genossen, und deshalb habe ich dort auch niemals die von Obich und Meyer bei der traumatischen Herzbeutelentzündung vorgenommene Operation ausführen können. Meine Behandlung hat sich immer auf eine Scheinkur beschränkt.
Wenn also bei den von mir behandelten Patienten dieser Art Heilung eingetreten ist (s. den Verlauf), so ist es stets eine reine Naturheilung-, niemals eine Kunstheilung gewesen.
Vorbauung. Es handelt sich natürlich nur um das Entleruthalten der Ursache, um die Verhinderung der Aufnahme fremder Körper; denn befinden selbige sich schon im Magen, so kann von einer Vor-
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bauung uiclit inelir die Rede sein. Diese Aufgabe, welche dem Besitzer anheimfällt, ist aber nur ausnahmsweise und in einem beschränkten Masse durchzufllliren. Am meisten kommt diese Krankheit in den Stallungen vor, in welchen die Abfälle aus der eigenen Haushaltung, vielleicht gar die aus Kasernen und Restaurationen an die Rinder verfüttert werden, und in denen dem weiblichen Dienslpersonale die Pflege und Wartung der Tiere überlassen ist. Es sind also die Stallungen der Kleinbesitzer, bei Hannover die der sogenannten Garten­leute, in welchen diese Krankheit am häufigsten vorkommt. Auf folgende Punkte möchte ich besonders aufmerksam machen.
1.nbsp; Das weibliche Dienstpersonal ist mitunter reichlich mit den in Frage kommenden Körpern versehen; dasselbe muss daher zur Vorsicht ermahnt und angehalten werden.
2.nbsp; Ich habe vielfach die Abfälle untersucht und dann die fremden Körper, wenn solche überall vorhanden waren, am Grunde gefunden. Ich muss dalier empfehlen, das Augenmerk besonders auf die untere Partie des Futters zu richten, selbige mit der Hand oder in einer anderen entsprecbenden Weise zu untersuchen, besonders dann, wenn die Aufbewahrung in Tonnen, vielleicht noch gar in Verbindung mit vieler Flüssigkeit stattfindet.
3.nbsp; Ich habe die Beobachtung gemacht, dass namentlich das Tier, welches an dem einen Ende der Krippe steht, am häufigsten von dieser Krankheit betroffen wird. Ich habe in Stallungen, die nur mit, fünf bis sechs Kühen besetzt sind, in einigen Jahren drei und vier Rinder nach der Reihe aus einem und demselben Standplatze an dieser Krank­heit leidend befunden. Diese Thatsache, die wohl auf eine nicht ganz horizontale, sondern nach dem einen Ende leicht geneigte Kichtung der Bodenfläcbe der Krippe zurückzuführen ist, veranlasst mich regel-mässig, dem Besitzer anheimzugeben, bald nach der jedesmaligen Einfiitterung das Futter an der Stelle der Krippe, wo es am tiefsten steht, mit der Hand untersuchen zu lassen. Ich habe sogar schon vorgeschlagen, der Krippe regelmässig eine kleine Neigung zu geben, und an der niedrigsten Stelle derselben eine kleine Senkgrube an­zubringen, habe damit jedoch bei dem betreffenden Publikum nicht durchdringen können.
Traimmtische Mti^en-Zwurchfellent/Undnii^ mit Koinplikntioiioii.
Zu der traumatischen Magen-Zwerchfellentzündung, wie ich sie oben besprochen habe, treten sehr häufig Komplikationen hinzu, wodurch
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des Krankbeitsbild, besonders jedocli aucb der Verlauf abgeändert werden kann.
Traumatiscbe Magen-ZwerclifellentKüudung kompliziert mit partieller Bauchfellentzündung.
Diese Bezeichnung ist nicht korrekt, deshalb muss ich den Zu­stand, den ich im Auge habe, näher bezeichnen. Bei der traumatischen Magen-Zwerchfellentzlindung ist selbstverständlich die seröse Haut des Magens und des Zwerchfells affiziert, für gewöhnlich doch nur in ganz geringem Umfange. Es kommt aber vor, dass die seröse Kaut des Magens und des Zwerchfells in einem grösseren Umfange entzündet ist, dass sogar ein Teil des Peritoneums der Seitenwand des Bauches, sowie des Netzes in den Bereich der Erkrankung gezogen worden ist, und wenn dieses der Fall ist, spreche ich von der Komplikation der traumatischen Magen-ZwerchfellentzUndung mit partieller Peritonitis.
Krankheitsersehoinungen. Das Tier ist nicht eingefallen im Bauche, sondern aufgebläht. Sonst sind alle die früher erwähnten Erscheinungen in hohem Grade vorhanden.
Verlauf. Die meisten derjenigen Tiere, bei welchen ich diese Diagnose gestellt habe, sind am Leben erhalten worden.
Diagnose. Die Aufblähung, sowie die umfangreiche Druck-empfindlichkeit beweisen, dass ein grössercr Teil der serösen Bauch­haut entzündet etc. ist.
Behandlung. Es ist von mir stets die Behaudlung eingeleitet wor­den, wie ich sie gegen die allgemeine akute Peritonitis empfohlen habe.
Traumatische Magen-Z we rchfellentz Undung kompliziert mit Leberentzündung.
Neben der Haube und dem Zwerchfell kann gleichzeitig die Leber durch einen fremden Körper verletzt worden sein.
Krankheitserscheinungen. Es sind im allgemeinen die früher angegebenen. Es zeigt jedoch auch die Lebergegend eine besonders starke Druckempfindlichkeit, und der Harn kann bräunlich sein.
Verlauf. Wenn nicht der Tod eintritt, so bleibt ein starkes Siech­tum zurück.
Traumatische Magen-Zwerchfellentzttndung kompliziert mit Herzbeutel- und Herzentzündung. Wie schon früher bemerkt, ist einzig und allein diese Komplikation unter dem Namen „traumatische Herzbeutelentzündungquot; bisher be-
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sclirieben worden, was mich um so mehr wundert, da meinen Erfahrungen naeli der in das Zwerchfell eingetretene Körper nur selten in den Herzbeutel und noch seltener in das Herz hineingelangt. In hundert Fällen von traumatischer Magen-ZwerchfellentzUndung ist vielleicht der Herzbeutel zwanzigmal, das Herz aber noch seltener afiiziert. Wenn der fremde Körper vom Zwerchfell aus weiter vordringt, so erfolgt dies nicht in bestimmten Zeitabschnitten, wie aus einer oder einigen Beobachtungen wohl gefolgert worden ist, sondern es vergehen darüber mitunter nur Stunden, sonst aber Tage oder gar Wochen. Die pathologischen Veränderungen, die nach der Verwundung des Herzbeutels und des Herzens auftreten, sind recht verschieden, und folglich ist dies auch der Symptoraenkomplex. Deshalb werde ich, nachdem ich die Erscheinungen, die während des Lebens und nach dem Tode gefunden werden, im allgemeinen angeführt habe, nochmals speziell darauf zurlickkominen.
Kmnkheitserseheinungen. Die Tiere gehen schwankend, stehen mit krummem Hucken, legen sich oft nicht gern nieder und liegen mitunter auf dem Brustbein. Die Respiration ist regelraässig erhöht; die Exspiration ganz gewöhnlich von Stöhnen begleitet. Der Puls steigt bis 120 und darüber, er ist nicht selten uuregelmässig oder un-gleichmässig oder beides zugleich. Die innere Temperatur ist zuweilen nur wenig, meistens aber ziemlich bedeutend, um reichlich zwei Grad, erhöht. Die äussere Temperatur ist stets ungleich verteilt und oft und stark wechselnd. Die Tiere sind sehr empfindlich gegen die Kälte, so dass schon nach geringer Abkühlung, z. B. nach dem Auf­stehen oder infolge eines kalten Luftzuges, ein so bedeutendes Zittern eintritt, dass die Untersuchung der Brust, namentlich die des Herzens vorläufig nicht stattfinden kann. Die Sekretion ist in hohem Grade unterdrückt. Fress- und Sauflust haben stark abgenommen oder sind ganz aufgehoben. Ahnliches gilt auch von der Rumination. Der Pansen arbeitet subnormal. Der Kot ist zu konsistent; der Absatz desselben erfolgt in kleinen Quantitäten. Die Perkussion und der Druck an der Insertionsstelle des Zwerchfells, sowie in der Herz­gegend verstärken die Schmerzeusäusserungen. — Alle diese Symptome sind in den höheren Graden vorhanden, wenn auch das Herz affiziert ist und der fremde Körper noch steckt oder gar weiter vordringt; selbige nehmen ab, sobald der fremde Körper zurücktritt oder ein­gekapselt wird. Bei der Auskultation der Lungen hört man allent­halben das normale Bläschengeräusch, oder es ist links oder rechts, oder links und rechts in der Herzgegend nicht vorhanden. Die Herztöne
IliirniH, Kiiidviohllüilkumlc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;8
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sind normal und nur links in dem Winkel zwischen dem Schulterblatt und dem Armbein aufzunehmen, oder sie sind metallisch klingend und allenthalben an der linken Brustseite zu hören, oder es ist nur der eine Herzton hörbar und dann ein Plätschern wahrzunehmen. Der erste Herzton ist mitunter nicht ganz rein, sondern schwirrend, und nicht ganz selten ist ein perikarditisches ßeibegeräusch vorhanden. Der Perkussionston ist allenthalben normal, oder rechts, oder links, oder zu beiden Seiten der Brust in der Herzgegend gedämpft oder dumpf — leer —. Die Jugularis ist meistens stark gefüllt, und zuweilen ist ein pathologischer Venenpuls darin vorhanden. Der Herzschlag ist gar nicht, oder nur links, oder links und rechts zu fühlen. — Sonst wird noch angegeben, dass die Ellenbogen weit von der Brust abstehen, und dass ein Ödem im Kehlgange oder hier und am Triel vorhanden sei. Was das erstere Symptom anbetrifft, so finde ich dasselbe fast bei allen älteren Kühen der Niederungsrasse, habe es aber niemals bei solchen Kühen, die an der in Frage stehenden Komplikation litten, in auffällig hohem Grade gesehen. Ein Ödem im Kehlgange habe ich erst einmal bei dieser Krankheit gefunden. Ich glaube gern, dass es in allen von anderen mitgeteilten Fällen vorhanden gewesen ist; ebenso sicher ist aber auch, dass es nur in einem der von mir beob­achteten Fälle bestanden hat. Die Erklärung dieses Widerspruchs mag vielleicht darin zu suchen sein, dass die Kühe, welche ich be­obachtete, nicht von der Erde, sondern aus einer reichlich zwei Fuss hohen Krippe ihr Futter aufnahmen.
Leichenerscheinungen. Nur solche, welche sich auf diese be­sondere Komplikation beziehen, werden berücksichtigt werden. Es liegt eine einfache Verklebung oder eine wirkliche Verwachsung des Zwerchfells mit dem Herzbeutel vor. In dem ersteren Falle liegen beide Teile innig aneinander, in dem letzteren Falle dagegen sind sie gewöhnlich wieder auseinander gerückt und nur durch einen Strang von Narbengewebe miteinander verbunden. Besteht nur eine einfache Ver-kiebung, so findet man häufig noch den fremden Körper, oder es sind doch wenigstens die Stellen, wo er gesteckt hat, die Gänge, nach­zuweisen, und selbige sind von einer Beschaffenheit, wie früher schon angegeben worden ist. In dem fertigen Narbengewebe habe ich einen fremden Körper niemals gefunden, besondere Gänge gewöhnlich ver-misst, dafür waren aber häufig kleinere oder grössere Abscesse vor­handen, die einen guten Eiter und ausserdem zuweilen einen fremden Körper enthielten. Der Herzbeutel ist nur an seiner hinteren, dem Zwerchfelle zugekehrten Fläche, oder auch an der einen oder an beiden
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Seiten, oder in ganzem Umfange erkrankt, und zwar mitunter nur wenig, zuweilen aber in so bedeutender Weise, dass seine Wand einen bis zwei Zoll dick ist. Wenn der Herzbeutel nur wenig verdickt ist, so findet man einen Erguss in demselben, der entweder trübe, flockig und in geringer Quantität, oder wasserklar und in beträchtlicher Menge vorhanden ist. — Bis zu dreiundzwanzig Pfund sind von mir aufgenommen worden, — Ist der Herzbeutel stärker verdickt, so ist er auch ziemlich regelmässig mit dem Herzen verwachsen, ent­weder nur an einzelnen Stellen, oder in ganzem Umfange. Bei der partiellen Verwachsung, welche häufiger vorkommt als die totale, ist die innere Fläche des Herzbeutels und die äussere Oberfläche des Herzens mit plastischem Exsudat, das mitunter in zolllangen Fäden ausgezogen ist — Zottenherz —, oder mit Granulationsgewebe besetzt, welches drusig an der Oberfläche erscheint und mit der gleich zu er­wähnenden Flüssigkeit bedeckt ist. Die freien Zwischenräume, die sich bei der partiellen Verwachsung finden, enthalten eine grauweisse, dickliche, gewöhnlich nicht stinkende Masse — Eiter — in verschie­dener Quantität. Ist die Verwachsung des Herzens mit dem Herz­beutel eine totale, wie ich sie auch gefunden habe, so ist die Grenze zwischen beiden Teilen erst bei genauerer Untersuchung zu finden, und man überzeugt sich dann dabei zugleich, dass in solchen Füllen auch der äussere Überzug des Heizens mit erkrankt und verdickt ist. In der Muskelsubstanz des Herzens findet man Gänge von verschiedenem Alter, in denen ganz gewöhnlich noch der fremde Körper steckt. Aus­nahmsweise ist der fremde Körper zurückgetreten, so dass nur die Folgen vorhanden sind, Gänge mit einer frischen oder einer grauen und schwieligen Wand, oder verschieden grosso Abscesse. Mitunter ist die Wunde im Herzen eine durchgehende, und dann kann der Herzbeutel voll Blut, ebenfalls auch der Klappenapparat verletzt sein. Ich fand in einem Falle den Herzbeutel strotzend mit Blut gefüllt, in einem anderen Falle zwei Mitraiklappen mehrfach durchlöchert, be­deutend verdickt, mit Fibrin belegt, und in einer derselben das spitze Ende einer Packnadel. Camoin entdeckte bei der Sektion einen von der Haube bis in das Innere des Herzens gehenden Kanal, durch welchen Blut nach dem Vcrdauungstraktus gelangt war.
Verlauf. Auch für den Verlauf dieser Komplikation lassen sich eiuigermassen sichere Anhaltspunkte nicht geben. Der Tod kann dem oben Bemerkten zufolge durch Verblutung in den Herzbeutel plötzlich erfolgen. Abgesehen von diesem, jedenfalls sehr seltenen Ausgang, für dessen Eintritt besondere Erscheinungen wohl kaum jemals uacli-
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zuweisen sein werden, muss man das Fieber und neben diesem die Sclimerzen berücksichtigen, wenn man einen allgemeinen Anhaltspunkt für den ferneren Verlauf gewinnen will. Ist das Fieber bedeutend, bleibt es auf der ursprünglichen Höhe stehen, nimmt es vielleicht noch gar zu, dann ist zu befürchten, dass der Ausgang bald ein lethaler werden wird, um so mehr dann, wenn, was in den von mir beobachteten Fällen Regel war, die Schmerzen auch auf der ursprünglichen Höhe verharren oder gar gleichzeitig mit dem Fieber zunehmen. Lässt dagegen das Fieber und mit demselben der Schmerz nach, so darf man, namentlich aus dem letzteren Unistande entnehmen, dass der fremde Körper zurückgetreten ist, und dass der fernere Verlauf ein mehr langsamer sein wird. Doch, ob in dorn letzteren Falle das Tier am Leben bleiben, absolut oder relativ genesen, oder in ein anhaltendes Sieobtum verfallen werde, ist im voraus niemals zu wissen. Ist nur der Herzbeutel leicht affiziert, so kann, wie ich beobachtet habe, eine relative Gesundheit eintreten, bei der das Futter — wenigstens an­scheinend — normal verwertet wird ; es kann sich dann aber auch schon ein bedeutendes Siechtum entwickeln. Ist der Herzbeutel stark in Mitleidenschaft gezogen, so tritt regelmässlg ein Siechtum ver­schiedenen, jedoch meistens hohen Grades ein, wenn nicht in kurzer Zeit der Tod folgt. Ist das Herz in solcher Weise mit erkrankt, dass dessen Mitleidenschaft zu diagnosieren ist, dann tritt in kurzer Zeit der Tod, sonst doch ein hochgradiges Siechtum ein. — Wenn Herzbeutel und Herz durch einen fremden Körper, der sofort wieder zurücktritt, verletzt werden, so treten, wie experimentell festgestellt ist, keine darauf bezüglichen Kraukheitserscheinungen auf.
Nachdem ich diese allgemeinen Angaben gemacht habe, kann ich nicht unterlassen, noch einiges speziell hervorzuheben, und ich muss bemerken, dass ich auch wiederum hier, wo ich nicht das Gegen­teil angebe, nur eigene Beobachtungen bringe, die ich am Kadaver kon­trolliert habe.
Ablagerung von plastischem Exsudat am Herzbeutel. Eine einfache Ablagerung von plastischem Exsudat am Herzbeutel tritt ein, wenn die Verwundung desselben eine leichte ist und der fremde Körper bald zurücktritt. Man hört in solchem Falle bei der Systole des Herzens ein Reibegeräusch, welches jedoch nur einige Tage bestehen bleibt. Wenn mit dem Verschwinden des Kcibegeräusches das Fieber und ebenfalls die anderen Krankbcitseischeinungen nach­lassen, so tritt mitunter eine solche Ausgleichung ein, dass das Futter später gut verwertet wird; in den meisten Fällen bleibt dann
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aber schon ein deutlich erkennbares Siechtum zurück. In dem ersteren Falle fand ich nur eine nicht umfangreiche Verwachsung zwischen Haube, Zwerchfell und Herzbeutel; in dein letzteren Falle bestand eine chronische Entzündung des Zwerchfells und des Herzbeutels, oder es waren Abscesse zwischen, bezw. in den verwachsenen Partien vorhanden.
Akute Herzbeutelwassersucht. Diese giebt sich bald durch das Fehlen des einen Herztones und das Vorhandensein eines plätscliern-den Geräusches zu erkennen. Fieber und Schmerz bleiben in gleicher Höhe fortbestehen. Bei der Sektion fand ich bis drei Pfund Flüssig­keit im Herzbeutel, die infolge reichlicher Beimengung von Zellen und Fibringerinnseln trübe erschien. Der Herzbeutel zeigt in verschiedenem Umfange die Erscheinungen der Entzündung. Volle Genesung' erfolgt hiernach woid schwerlich.
Chronisclie Herzbeutelwassersucht. Audi diese kann nach Ver­letzung des Herzbeutels eintreten. Bei derselben sind die Erscheinungen des Fiebers unbedeutend; die Tiere fressen, saufen und ruminieren, die Milchsekretion besteht fort, wenn auch in beschränkter Weise. Der eine Herzton fehlt, dafür ist ein plätscherndes Geräusch vorhanden. Der Herzschlag ist gar nicht, oder nur links, oder rechts und links auf einer verschiedenen, meistens grossen Fläche dunkel zu fühlen. Die Respiration ist bis auf vierzig' erhöht Ist die Wassersucht in einem sehr bedeutenden Grade vorhanden, dann fehlt das Respirationsgeräusch in der Herzgegend, und der Perkussionston ist hier dumpf. In diesem Falle ist ausserdem eine bedeutende Stauung des Blutes, zuweilen sogar eiu pathologischer Venenpuls in der Jugularis vorhanden. Bei der Sektion fand ich den Herzbeutel nur wenig verdickt und mit einer wasserklaren Flüssigkeit bis zu dreiundzwanzig Pfund — s.o.— gefüllt.
Verdickung des Herzbeutels vind partielle Verwachsung des­selben mit dem Herzen. Hierbei sind, je nachdem der fremde Körper zurückgegangen ist, oder nicht, ebenfalls die Fieber- und Entzündungserscheinungen in einem verschieden hohen Grade vor­handen. In der Herzgegend ist rechts oder links, oder zu beiden Seiten das Respirationsgeräusch sehr sehwach oder gar nicht vorhanden, und dem entsprechend ist der Perkussionston gedämpft oder dumpf — leer —. Die Herztöne sind beide vorhanden ; der zweite ist metallisch klingend. Der Herzschlag ist in den unbedeutenden Fällen nur links, sonst aber auch rechts zu fühlen. Bei diesem Zustande besteht regelmässig ein bedeutendes Siechtum. Eine Heilung tritt niemals ein. Die Leichenerscheinungen habe ich schon angegeben.
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Die totale Verwachsung des Herzens mit dem Herzbeutel. Diese kommt selten vor und unter den Erscheinungen, wie sie bei der partiellen Verwaclisung angegeben sind. Die Sektionserscheinungeu sind schon fliher bemerkt.
Klappenverletzung. Dabei sind, wie ich in einem Falle kon­statiert habe, die Fieber- und Entzllndungserscheinungen sein- bedeutend und ein fremdes Geräusch bei der Auskultation des Herzens zu ver­nehmen.
Blutung in den Herzbeutel. Diese tritt selbstverständlich nur nach einer durchgehenden Verwundung des Herzens ein und verläuft in kurzer Zeit tödlich. Ich selbst habe, wie schon oben bemerkt, erst einen solchen Fall erlebt, und zwar zu einer Zeit, wo mir die durch fremde Körper hervorgerufenen Störungen noch ziemlich unbekannt waren. Zu einer präzisen Diagnose gelangte ich nicht. Da ich jedoch auf eine Herz-, resp. Herzbeutelentzündung schliessen musste, und die Fieber- und Entzündungserscheinungen in eimem hohen Grade vor­banden waren, gab ich eine ungünstige Prognose ab. Vier Stunden nach der Untersuchung und achtzehn Stunden nach dem Eintritt der Erkrankung starb das Tier.
Behandlung. In den Gegenden, in welchen das Fleisch kranker Kinder als menschliche Nahrung verwertet wird, verfahre ich in folgender Weise: Ist die Krankheit erst eingetreten, dann lasse ich die Tiere, wenn nicht Gefahr im Verzüge ist, einige Tage stehen. Der Verlust, der dadurch event, entsteht, ist nicht so bedeutend, wie man gewöhnlich glaubt. Hat die Krankheit aber schon mehrere Tage, vielleicht gar Wochen ohne bedeutende Abnahme bestanden, so lasse ich die Tiere möglichst bald sehlachten. In Gegenden, in welchen das Fleisch erkrankter Rinder nicht von Menschen genossen wird, kann man ja abwarten, ob nicht doch noch schliesslich eine Aus­gleichung durch die Natur herbeigeführt wird, oder man kann sofort versuchen, Heilung durch die Kunst zu erreichen.
Naturheilung kann auf zweierlei Weise eintreten. Der fremde Körper kann zurücktreten oder durch die Hrustwand aus dem Körper entfernt werden. Ersteres kommt verhältnismässig häufig vor, führt nach meinen Beobachtungen aber höchst selten zu einer solchen Aus­gleichung, dass das Futter einigermassen gut verwertet wird. Letzteres kommt selten vor, ist jedoch von Aubry, Bergmann u. a., sowie auch von mir beobachtet worden. Au der Stelle, wo der fremde Körper durch­tritt, etabliert sich eine Entzündung, die zur Abscedicrung führt. Wird der Abscess geöffnet, dann kann man den fremden Körper beim
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Sondieren mit dem Finger fühlen ; bricht der Abscess von selbst durch, so kann man denselben, wie mir in einem Falle vorgekommen ist, in der Wunde liegen sehen. In der Litteratur ist augegeben, dass nach diesem Durchtritt des fremden Körpers Heilung eingetreten sei, nicht aber, dass später eine gute Verwertung des Futters stattgefunden habe. Nach meinen Heobachtungen tritt eine Ausgleichung, die zur normalen Verwertung des Futters führt, jedenfalls sehr selten ein; es kann sogar das Tier dabei so krank sein und bleiben, dass man sich veranlasst sieht, dasselbe töten zu lassen.
Die Kunstheilung kann man nach dem Vorgange Obichs auf die Weise herbeizuführen versuchen, das man den Pansen öffnet, die Hand durch denselben uach der Haube schiebt, den fremden Körper aufsucht und entfernt. Die Operation ist ungefährlich, führt wahr-scheinlicb aber sehr selten zu dem erwünschten Ziele. Von dreizehn operierten Rindern mussten neuu getötet werden, und ob die übrigen das Futter später gut verwertet haben, ist mehr als fraglich.
'fraumatische Magen-Z werchfell eutzünd ung kompliziert mit partieller Brustfellentzündung.
Diese Komplikation kommt neben der vorigen, wie auch ohne dieselbe vor. Sie ist von mir während des Lebens noch niemals erkannt, sondern erst nach dem Tode gefunden worden.
Trau m a tische Magen-Z we rchfellentziind ung kompliziert mit Lungenentzündung.
Diese Komplikation kommt neben der vorigen, wie auch ohne dieselbe, im ganzen nicht sehr selten vor.
Krankheitserscheinungen. Neben den früher erwähnten Er­scheinungen finden sich Husten, Fehlen des Hläschengeräusches, bron­chiales Atmen und gedämpfter oder dumpfer l'erkussionsschall.
Leichenersch-einungen. Die kranke Lungenpartie fällt nicht zu­sammen und fühlt sieh derb an. Die einzelnen Läppchen erscheinen auf der Schnittfläche gleich massig gefärbt; dass begrenzende Binde­gewebe derselben ist infiltriert, und zwar in ziemlich hohem Grade. Das Bild der Sclinittlläche ähnelt dem des Schachbretts; dasselbe erinnert an die marmorierte Beschaffenheit der Schnittfläche bei der Lunffenseuche nicht.
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Diagnose. Die Lungenentzündung- ist unschwer zu erkennen, die Lung-enseuche bei Lebzeiten des Tieres aber nicht auszuschliessen.
Behandlung. Diese ist, da Verdacht auf Lungenseuche besteht, ausgeschlossen.
Zu den Krankheiten der Respirationsorgane.
Kroiicliialkatarrlt.
Den akuten Hroncliinlkatarrh iiabe ich beim Kinde nur ein paarmal gesehen; es ist dalier die Annahme, dass diese Krankheit bei demselben seilen vorkommt, vielleicht zulässig; und deshalb dürfte es gestattet laquo;ein, den folgenden Fall speziell anzuführen.
Am 10. Dezember 1876 meldete der Gartenraann Laging an der Weide in Hannover in der externen Klinik der Königlichen Tierarznei-BChule zu Hannover eine Kuh mit dem Vorbericht an, dass selbige seit ungefähr acht Tagen schlecht gefressen, viel gehustet und bedeutend in der MUchsekretion nachgelassen habe.
Die selbigen Tages vorgenommene Untersuchung lieferte folgenden Befand: Das Tier ist im Bauche eingefallen, hat 80 gleich- und regel-miissige Pulse, atmet 14 mal in der Minute, zeigt 40,4 Mastdarmtemperatur und hustet freiwillig, wie auch auf die — beim Pferde übliche — Beizung des Kehlkopfes. Der Husten ist kräftig, locker und anscheinend nicht schmerzhaft. Die Perkussion der Brustwand ergiebt das normale Resultat. Druck auf Rippen- und Eanchwand ruft keine Schmerzensäusserungen hervor. Bei der Auskultation der Respirationsorgane hört man an jeder erreichbaren Stelle der Lungen verstärktes, rauhes Bläschengeräusch, an der Trachea, ein schlotterndes Geräusch und am Kehlkopf ein Schniemen.
Behandlung. Luftiger und zugfreier Stall und hohe Streu. Für die nächsten beiden Tage morgens und abends 15 ;gt;' Salmiak mit einer Flasche Wasser einzugeben.
Respiration 12. Temperatur 40,2. Husten Sonst alles wie am 10. Die Behandlung
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wird fortgesetzt.
14. Dezember. Puls (14. Respiration 12. Temperatur 39,2. Der Husten tritt viel seltener und nicht mehr auf manuelle Reizung des Kehl­kopfes in der beim Pferde üblichen Weise auf. Schniemen ist nicht mehr zu konstatieren. Das schlotternde Geräusch in der Trachea hat bedeutend abgenommen. Das vesikuläre Geräusch ist nicht annähernd so rauh wie früher. Der Appetit ist fast normal. Die Milchsekretion hat zugenommen. Verordnet werden sechs Pulver Salmiak ä 7,5 g. wovon morgens I mit einer Flasche Wasser eingegeben werden soll.
20. Dezember. Das Tier hustet noch ab und zu, zeigt aber sonst nichts Abnormes: es wird deshalb aus der Behandlung und Beobachtung entlassen.
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Hartsolinanflgkeit.
Jahresbericht der Königlichen Tierarzneischule zu flannovor pro 1876—1877 und 1880—18S2.
Diese so häufig beim Pferde vorkommende Krankheit findet sich nur selten beim Rinde. Deshalb dürfte sicli empfehlen, die Fälle zu ssimmeln.
1.nbsp; Verengerung der LnftrOhre.
Der Gartenmann Grotlie an der Seilerstrasse, in Hannover meldete eines Tages eine kranke Knli mit dem Vorbericht an, dass selbige ,,(lHinptigquot; sei.
Untersncliungsbefnnd; In- und Exspiration sind im Stande der Euhe, namentlich aber während der Bewegung von einem eigentümlichen Geräusch begleitet. Rachen und Kehlkopf sind frei von Geschwülsten. Die Luft­röhre ist dicht vor der ersten Hippe in ihrer Form so bedeutend ver-ündert, dass ihr Durchinesser von der einen zur anderen Seite auf 2 ein geschätzt wird.
Auf die Einleitung einer Behandlung musste natürlich verzichtet, werden. Das Tier verwertete das Futter auch fortan durchaus normal und wurde ein halbes .fahr später in hoelifettem Zustande geschlachtet,.
2.nbsp; nbsp;G e s c h willst i m K e h 1 k o p f.
Kleinbesitzer Zimmermann an der Fannystiasse in Linden führte ani 18. Januar 1879 eine ca. neun Jahre alte Kuh zur Untersuchung und Behandlung vor.
Vorbericht. Fragliches Tier besitze Ich ungefähr vierzig Wochen In der ersten Zeit habe ich nichts Krankhaftes an demselben gefunden. Vor zehn bis fünfzehn Wochen bemerkte ich jedoch eines Tages, dass das Tier nach jeder lieftigen Bewegung im Stalle einen fremden Ton beim Atmen hören liess. Dieses beim Atmen auftretende Geräusch ist. allmählich stärker geworden. Ebenfalls habe ich wahrgenommen) dass das Tier jetzt stärker mit den Rippen arbeitet als früher.
Dntersuchnngsbefund. Respiration steht auf 10 und wird unter starker Senkung und Hebung der Rippen ausgeführt. Im Stande der Ruhe, namentlich aber während und gleich nach der Bewegung hört man bei der In- und Exspiration ein pfeifendes Geräusch. Auf manuelle Reizung des Kehlkopfes, sowie auch während und gleich nach der Futteraufnahme tritt ein trockener, pfeifender Husten auf. Die direkte Untersuchung des Kehlkopfes mit der Hand crgiebt, dass an der ganzen inneren Oberfläche desselben eine höckerige, breit aufsitzende Geschwulst in der Dicke sich befindet, dass kaum ein Kinger hineingeschoben werden kann. Nach dem Einsetzen des Maulgatters und dem Niederdrücken der hervorgezogenen Zunge mittelst eines besonderen Instruments ist die Geschwulst zu sehen
Auf die Einleitung einer Behandlung wurde verzichtet. Das Tiei war feri und wurde in den nächsten Tagen verkauft und geschlachtet.
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Akutes interstitiellos Liiugonuiiipliyseiii.
Haubner - Siedamgrotzky maclicn darauf aufmerksam, dass infolge einer Zerreissung von Lungenbläschen Luft in das iuterstitielle Binde­gewebe treten und bei der Bewegung bis zur Umgebung der Luft­röhre gelangen kann. Ich habe drei interessante Fälle dieser Art erlebt.
Krankheitserscheinungen. Die Tiere stehen mit gestrecktem Kopf und Hals und mit gespreizten Vorderschenkelu und husten zuweilen, aber in schwachem, mitunter kaum hörbarem Grade. Zu beiden Seiten der Dornfortsätze findet sich eine beim Überstreichen knisternde Geschwulst. Die Respiration steht hoch und wird unter starker Benutzung der Kippenwand vollzogen. Bei der Auskultation der Lungen vernimmt man starke fremde Geräusche, namentlich ein Knistern. Der Perkussionsschall ist tympanitisch, fast metallisch klingend. Der Puls ist an den kleineren, gewöhnlich benutzten Arterien nicht aufzunehmen. In der Jugularis sieht man den pathologisoheu Venenpuls.
Verlauf. In den beiden Fällen, in welchen ich die Tiere längere Zeit beobachten konnte, war der Verlauf ein günstiger.
Diagnose. Erstreckt sicli das Emphysem bis auf die Umgebung der Luftröhre, wie Haubner-Siedamgrotzky angeben, oder bis unter die Haut des Rückens, wie ich es jedesmal beobachtet habe, so kann die Diagnose keine Schwierigkeiten bereiten.
Ursachen. Es muss eine Sprengung von Lungenhläschen vor­liegen, und diese kann nur bei einer heftigen Erschlitterung der Lungen eintreten.
Behandlung. Gut ventilierter Stall. Absolute Ruhe, Bekämpfung des Hustenreizes durch Narcotica, besonders durch ein- bis zweimal täglich stattfindende Injektionen von Morphium.
I. Das Tier steht mit gestrecktem Kopf iukI Hals, sowie mit leicht gespreizten Vorderschenkeln. Die ftussere Temperatur ist gleichmttssig verteilt, aber etwas niedriger als Im Normalzustande. Fresslust 1st nicht vorhanden. Wiederkauen wird während meines Aufenthaltes im Stall nicht beobachtet. Der Mist wird abnorm häufig, aber in zur Zeit kleiner Menge abgesetzt. Puls 84. Respiration 74. Die Jugularis liegt armdick vor, und in derselben sieht man sehr deutlich bei jeder Exspira tiou eine Welle aufwärts steigen, die sich in den meisten Fällen bis über den Tci lungs winke I des Gefllsses erstreckt. Dann und wann tritt ein matter, höchst unklüftiger Husten auf. Die Auskultation der Brusl ergiebt zu beiden Seiten in ganzer Ausdehnung knisternde und pfeifende Geräusche. Der Perhussionsschall ist an der Brust allenthalben tympanitlsoh, fast metallisoh
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klingend. Zu beiden Seiten der Dornfonsiltze, links bis zum ersten, rechts bis zum dritten Lendenwirbel, abwärts bis zum Ilippenbogen, ist ein ziemlich bedeutendes Emphysem vorhanden.
Über die veranlassende Ursache konnte! ich von dem Besitzer nichts erfahren, und zur Einleitung' einer Behandlung wollte derselbe seine Ein­willigung nicht geben, weil das Tier erst 24 Stunden in seinem Besitze war und zurückgegeben werden sollte.
2.nbsp; nbsp; Kuh des Gartenmannes Schaper an der Grosse Barlinge in Hannover.
Der Vorbericht lautete dahin, dass das Tier in der letzten Nacht krank geworden sei und am Morgen nicht gefressen habe.
Die ea. vier Stunden nach der Anmeldung stattfindende Untersuchung lieferte folgenden Befund : Die Kuh steht mit gestrecktem Kopf und Hals und mit gespreizten Vordersohenkeln, hustet ab und zu in sehr schwachem Grade und nimmt von dem vorgehaltenem Futter nichts auf. Rechts und links von den Dornfortsätzen findet sich eine von der Schulter bis zur Mitte der Lendenwirbel, abwärts bis zum llippenbogen reichende, schmerz­lose, beim Überstreichen knisternde Gesehwulst. Die Jiespiration steht auf OS und wird unter sehr starker Bewegung der Bippen ausgeführt. Der Puls ist so elend, dass er an der Oesichtsarterie nicht aufgenommen werden kann. Innere und äussere Körpertemperatur kaum normal hoch. Die Auskultation der Lungen ergiebt starke, knisternde und pfeifende Geräusche. Von den Herztönen ist nur ab und zu einer zu hören. Der Perkussionsschall an der Brust ist lympanitisch, last metalisch klingend; die Thätigkeit im Verdauungstraktus ist subnormal. Mist wird häutig in kleinen Quantitäten abgesetzt. Die Jugular is liegt fast armdick vor; in derselben sieht man bei jeder Exspiration eine Welle aufwärts steigen, die sieh bis zum T e ilungsw inkel des Gefässes erstreckt.
Behandlung. Das Tier wird in einem grossen, nicht zugigen Schuppen placiert, bekommt in den ersten acht Tagen Morphium-Injektionen, pro dosi 0,60; als Futter Mehltrank und Heu.
Unter zuweilen eintretender leichter Zunahme des Blicken-Emphysems tritt in fünf Wochen volle Ausgleichung ein.
3.nbsp; Kuh des Kleinbesitzers Rasch in Herrenhausen bei Hannover. Angemeldet mit dem Bericht, dass selbige seit zwei Tagen schlecht
fresse und stark stöhne.
Die selbigen Tages vorgenommene Untersuchung liefert folgenden Befund: Das Tier steht mit leicht gestrecktem Kopf und Hals und stöhnt bei Jeder Exspiration. Puls 80, an der Kiniibackenarterie kaum zu fühlen. Mastdarmtemperatur kaum normal hoch — 38,5 —. Respiration schwankt zwischen 40 und 50. Die Jugular Is liegt abnorm laquo;tark vor, in derselben tritt bei jeder Exspiration eine Zunahme des Um fang es ein. An der ganzen linken Brust- und Bauchwand vernimmt man beim Überstreichen ein Knistern. Die Aus­kultation der Brust an der linken Seite ergiebt nichts Bestimmtes, an der rechten Seite ein Knistern, Pfeifen und Quurksen. Die Perkussion ist. links nicht ausführbar; dieselbe ergiebt rechts einen tympanitischen Schall.
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Das Tier wird au einen gut ventilierten Ort gebracht und nur der Beobachtung unterstellt.
11. November. Fünfter Krankbeitstag. Respiration 80. Temperatur l!8,7. Das Kmphysem an der linken Seite hat zugenommen. Sonst alles wie trüber.
13. November. Das Emphysem ist an der linken Seite grosser ge­worden und auch auf der rechten Seite aufgetreten; es erstreckt sich hier aber nicht über die Grenzen des langen Rückenmuskels hinaus. Sonst alles wie früher.
15. November. Das Emphysem an der Körperoberfläche hat zuge­nommen.
17. November. Das subkutane Emphysem hat auf beiden Seiten abgenommen. Bei der Auskultation der Brust 1st ein fremdes Geräusch nicht mehr zu vernehmen. Respiration 50.
21. November. Das subkutane Emphysem 1st fast ganz verschwunden. Respiration liO. Auskultation und Perkussion ergeben das normale Resultat.
i'iieuiiiotliorux.
.lahresbericht der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover pro 1870.
Als Pneumothorax bezeichnet man denjenigen Zustand, bei welchen) Luft in der freien Brustliöhle vorliandcn ist. Nur einen Fall dieser Art habe icli erlebt, und diesen will ich, trotzdem icli nicht zur Sektion gelangt bin, folgiicit den Beweis für die Richtigkeit meiner Diagnose nicht geliefert habe, dennocli hier mitteilen.
Krankheitserscheinungen. Fresslust, Rumination und Defäkation stark unterdrückt. Respiration 50 und ziehend; Exspiration von einem Stöhnen begleitet. Äussere Temperatur subnormal. Innere Temperatur — im Mastdarm aufgenommen — um einen Grad erhöht. Puls 80 und klein; Arterie leicht gespannt,. Milchsekretion auf ein Viertel der nor­malen Quantität gesunken. Das Tier hustet kontinuierlich; der Husten ist, schwach, matt, förmlich hauchend. Die Auskultation ergiebt folgendes: An der linken Seite der Brust ist das Bläschengeräusch verstärkt, an der rechten Brustseite hört man nicht das normale vesikuläre, sondern ein eigen­tümliches, metallisch klingendes Geräusch, ähnlich dem, welches entsteht, wenn man in ein grösseres metallisches Gefäss hineinspricht. Der Per­kussionston ist an der linken Brustw.md reichlich voll, an der rechten Brustwand, namentlich dort, wo normaliter die Leberdämpfung ist, rein tympanitisch. Druck gegen die Insertiousstelle des Zwerchfelles verstärkt das Stöhnen in bedeutendem Grade.
Diagnose. Nach Hervorhebung der wichtigsten Symptome und Ausschliessung der in Frage kommenden Krankheiten behauptete ich zu­nächst, dass Luft in den freien Brustraum hineingetreten sei, und dass dadurch die rechte Lunge und das Zwerchfell, mit diesem der rechte Leberlappen, aus der normalen Lage verdrängt, worden sei; nahm fernerhin, weil die insertionsstelle dos Zwerchfells sehr druckempfindlich war, an,
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daslaquo; dieser Zustand durch einen fremden Köriier, der vom Magen und Zwerchfell aus die Lunge verletzt habe, entstanden sei,
Verlauf. Derselbe war unter der unten angegebenen Behandlung ein günstiger. Schon am dritten Tage war der Husten bedeutend geringer und am vierten Tage gänzlich verschwunden. Ausserdem stand an diesem Tilge die Respiration auf 36, es war das Stöhnen geringer, Appetit und Milclisekretion besser geworden. Die früher aufgenommenen Peikussions-und Auskultationserscheinungen waren noch vorhanden, zu den letzteren aber noch ein anderes Symptom hinzugetreten. Bei der Auskultation von der Mitte der rechten Brustwand aus hörte ich ein derartiges Geräusch, dass ich annehmen musste, es habe sich, vielleicht infolge einer Abhebung der Pulmonalpleura und Ergiessung von Serum oder Blut ein eine Flüssigkeit enthaltender Beutel gebildet. Am 45. Tage waren Appetit, Wiederkauen, Mistentleerung, soweit festzustellen war. normal, der Per-kussionston so wie früher, die bei der Auskultation aufgenommenen fremden Geräusche hatten an Stärke verloren. Am 80. Tage kalbte die Kuh ohne jegliche Hilfe und ohne nachweisbaren Nachteil. Am 95. Tage waren die fremden Auskultationpge)ansehe verschwunden und an der oberen Partie der rechten Bmstwand vesikuläres Geräusch vernehmbar. Die Milchsekretion war freilich geringer als in dem Jahre vorher, aber zu­friedenstellend.
Behandlung. Es wurde, um den Hustenreiz zu massigen und somit, einer Verschlimmerung vorzubeugen, sofort ein Injektion von 52 cg Morphium gemacht, und diese um dritten Tage wiederholt,
Mmbolisclie liUii^eiientziiiKluiig'. Deutsche Zeitschrift fur Tiermedizin und vergleichende Pathologie. Band 14,
Eine allgemeine Besehreibnng dieser Krankheit kann iob nicht liefern, sondern nur folgenden Fall mitteilen:
Bei einer Kuh des Ökonomen Schaper in Hemmingen bei Hannover, welche von einem praktischen Tierärzte der Lungenseuche dringend ver­dächtig bezeichnet, worden war, wurde bei der am G.September 1880 auf Requisition des K. Amtes stattfindenden Untersuchung folgender Befund aufgenommen:
Die mittelmässig genährte Kuh ist am Bauche tief eingefallen, respirierl 44 Mal in der Minute und hustet ab und zu freiwillig, wie auch auf Reizung des Kehlkopfes und der Luftröhre, Der Husten ist ziemlich kräftig. Der Puls ist klein und steht auf S8. Die Temperatur beträgt im Mastdarm 41,1 und ist an der Oberfläche des Körpers ungleich ver­teilt. Die Perkussion ergiebt absolut nichts Abnormes, Bei der Auskul­tation findet sich ein für die angegebene Kespirationshöhe normal starkes vesikuläres Geräusch.
Das Fieber, die Respirationshöhe, der Husten und die sehr starke Reizbarkeit des Kehlkopfes und der Luftröhre bekundeten mit, vollster Sicherheit eine akute Erkrankung der Respirationsorgane; das Resultat der Perkussion und der Auskultation sprach nicht, für, der ziemlich
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kräftige Husten sogar gegen das Vorhandensein der Lungenseuche. Da nun auch keine Möglichkeit für die Einsclileppung des Lungenseuchegiftes gefunden werden konnte, war icli von dem NichtVorhandensein der Lungen­seuche moralisch überzeugt, ich wagte aber nicht, das Tier als „unver­dächtigquot; ZU bezeichnen, sondern drückte mich in meinem Berichte dahin aus, dass daselbe der Lungenseuche nur in sehr geringem Grade vcrdilchtig sei.
Da die von mir in V(raquo;schlag gebrachte Tötung des Tieres nach vierzehn Tagen noch nicht verfügt war, wurde selbige auf Veranlassung des Besitzers vorgenommen.
Die Sektion lieferte der Hauptsache nach folgenden Befund: In der hinteren Hohlveue sass ein armdicker, gelblichgrauer, bröckliger Thrombus, welcher nur mit der einen Seitenfläche mit der Venenwand in Verbindung stand. In den Lungen fanden sich erbsen- bis wallnuss-grosse Herde, welche aus einer unregelmassigen Hohle und einem krümeligen Inhalt bestanden.
Infektiöse (.') Erkrankung dor Schleiniliaiil der Luftwege.
Deutsche Zeltschrift für Tiermedizin und vergleichende Pathologie. Band 13. Der nachfolgende Fall scheint mir mitteilenswert zu sein.
Kuh des Hofbesitzers Stamm in Witzwort. Vorgeführt am 23. Juni 1886.
Anamnese: Seit 24 Stunden hat das Tier keinen Appetit und so angestrengt geatmet wie jetzt.
Untersuchungsbefund; Das Tier steht mit, gestrecktem Kopf und Hals, atmet 24 Mal in der Minute, hustet mitunter in leichtestem Grade und lässt bei der In- und Exspiration ein Schniemen vernehmen. Der gleich- und regelmässige Puls steht auf 84. Die Temperatur beträgt im Kectum 40,9quot; und ist an der Peripherie des Körpers ungleich verteilt und rasch wechselnd. Am Nasenspiegel zeigen sich Defekte in der Epidermis. Die Nasen schleim haut ist, soweit sie zu übersehen, geschwollen und rosenrot von Farbe, sie zeigt hier und da Epitheldefekte mit anhängenden Epithelfetzen und kleine Züge von klarem rotem Serum. Vesikuläres Geräusch sehr stark, rauh. Leib tief eingefallen. Der Pansen arbeitet subnormal. Der Kot ist nach dem aufgenommenen Futter sehr weich.
Behandlung: Das Tier wurde sofort isoliert; es bekam innerlich von einer aus Acid. sulf. conc. 50,0 und Aqua pluvialis 150,0 bestehen­den Mixtur stündlich einen Esslöfl'el voll mit einer Flasche Wasser und ausserdem von einer aus Cupr. sulf. 4,0 und Aqua pluvialis 750,0 be­stellenden Lösung stündlich einen Esslöffel voll in jedes Nasenloch gegossen. Nach der Applikation der Kupferlösung trat regelmässig Husten ein.
24. Juni. Haltung und Bewegung sind freier. Das Schniemen hat abgenommen. Puls und Respiration stellen noch so hoch wie am Tage der ersten Untersuchung. Die Temperatur im Eectum beträgt 39,9deg;. Husten wird nach der Applikation der Kupferlösung, sonst aber nicht mehr vernommen. Die Behandlung wird fortgesetzt.
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27. Juni. Das Tier ist gesund.
Kiuen dem vorstellenden in den Symptomen und dem Verlauf absolut gleichen Fall sah ich bald nachher bei einer Kuh des Landmanns H. A. Adolphs in Witzwort, und zwei Fälle, in denen nur die auf dem Nasen­spiegel angegebenen Erscheinungen vorhanden waren, fand ich bei Kühen des Landmanns .Jacob Pfeiffer in Koldenbüttel.
Als ich aut der tierilrztlichen Versammlung zu Neumünster 1880 dem Kreistierarzt V. das vorhin aufgestellte Krankheitsbild mitteilte, sagte derselbe mir, er habe mehrere solcher Fälle in einem Stalle gehabt und auf Einsendung des Kopfes eines krepierten Tieres die Auskunft erhalten, das Tier sei von dem „bösartigen Katarrhalfieberquot; befixllen ge­wesen. In meinen beiden Fällen wurde ich an das mir bestens bekannte bösartige Katarrhalfieber nicht im mindesten erinnert. Das Wesen der oben geschilderten Krankheit ist mir vollständig unbekannt, deshalb muss die Taufe, die für die Einreihung in die spezielle Pathologie doch notwendig ist, einer späteren Zeit, vorbehalten werden. Das gegebene Krankheitsbild ist ein absolut getreues, und das ist vorläufig die Haupt­sache. Nach demselben kann die etwa einmal wieder vorliegende Krank­heit sofort erkannt werden. Das Eingiessen der Arznei in die Nase war für mich neu; diese lokale Behandlung hat anscheinend aber ebenso günstig gewirkt wie die. innerliche.
JOchinokokkeiikranklieit der Lunge,
Die Kohinokokkenkrankheit des Kindes. Schmorl und v. Seefeld. Hannover 1870.
Krankheitsersoheinungen. Diese lassen sich schwer, ich möchte sagen, fast gar nicht zu einem kurzen und dabei übersichtlichen Bilde zusammenstellen; deshalb ziehe ich es vor, sie einzeln aufzuführen.
Respiration. Diese ist stets erhöht, mitunter sogar bis auf 80, und in verschiedenem, zuweilen sehr bedeutendem Grade ziehend. Ich habe ein paarmal konstatiert, dass die Inspiration in sieben bis acht Absätzen erfolgte.
Husten. Mit dieser Erscheinung verhält es sich, wie allbekannt, beim Rinde eigentllmlich. Bei der Stallhaltung husten die meisten Rinder, ähnlich wie die meisten Menschen sich ab und zu, namentlich des Morgens räuspern. Wenn ich diesen, ich kann wohl sagen, bei den auf dem Stalle gehaltenen Rindern gewöhnlich vorhandenen Husten abrechne, so darf ich behaupten, dass mitunter solche Rinder, deren Lungen mit Echinokokken besetzt sind, nicht husten. In den meisten Fällen aber ist dieses Symptom vorhanden, und die Tiere linsten dann nach längeren Zwischenzeiten oder sehr häufig, alle zwei bis drei Minuten, '/^ otler 'A Minute hindurch. Der Husten ist nie­mals sehr kräftig, sondern schwach, keuchend, mitunter nur hauchend.
Puls. Er schwankt zwischen 60 und 90 und ist klein, mitunter
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elend. Ein Venenpuis ist stets vorhanden, mitunter sogar ein patho­logischer.
Temperatur. Diese ist an der Oberfläche des Körpers mitunter ungleich verteilt, im Mastdarm normal oder in leichtem Grade sub­normal.
Perkussion. Der Ton ist mitunter in ganzem Umfange der Brust, häufiger jedoch nur an beschränkten Stellen derselben in verschiedenem Grade gedämpft und klappend, in Ausnahmefällen vollkommen dumpf — leer —. In diesem Falle fühlt man bei der Perkussion, dans der Widerstand unter dem Hammer grosser ist als im Normalzustände. Dagegen ist der Ton mitunter an begrenzten Stellen der Brustwand zu voll, fast tympanitisch. Ziemlich regelmässig- treten bei dieser Unter­suchung- Schmerzensäusserungen auf.
Konstanter Druck. Auch durch diesen kann man, namentlich wenn er gleichzeitig von beiden Seiten einwirkt, Schmerzensäusserungen hervorrufen. Um Irrungen vorzubeugen, muss ich jedoch bemerken, dass beim Perkutieren und beim konstanten Druck nicht immer Schmerzensäusserungen auftreten, und class die etwa auftretenden Äusserungen von Schmerzen meistens nur bei scharfer Beobachtung wahrgenommen werden können.
Auskultation. Hierdurch bekommt man die besten Resultate. Man hört sehr deutlich, dass das normale Respirationsgeräusch, das vesikuläre Geräusch, verstärkt und rauh ist, und dass neben demselben sogenannte fremde Geräusche vorhanden sind. Diese bestehen in einem Pfeifen, Schnurren, Brummen und namentlich in dem von mir sogenannten „Quurksenquot;. Dieses Geräusch muss ich als charakteristisch bezeichnen. Ein dem Quurksen ähnliches Geräusch entsteht, wenn man ein mit Echinokokken besetztes Lungeustück zwischen die Hände nimmt und drückt und walkt.
Leiehenerachoinungen. Die Lunge ist von mir in sehr ver­schiedenem Grade, ausnahmsweise so stark besetzt gefunden worden, dass ihr Gewicht fünfzig Pfund betrug. Die Echinokokken variieren sehr in ihrer Grosse und in ihrem sonstigen Verhalten. Einige sind ganz normal, andere sind kopflos oder mit Tochter- und Enkel­echinokokken angefüllt, noch andere führen eine schleimige oder käsige oder kalkige Masse als Inhalt. Die Schleimhaut der Luft­röhre ist, wenn die Tiere husteten, aufgelockert und streifig injiziert.
Verlauf. Der Verlauf ist unter allen Umständen ein chronischer. Ist die Lunge stark besetzt, dann entwickelt sich bei guter Fresslust und gutem Gedeiiien in kurzer Zeit, mituter in Wochen, eine derartige
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Atembeschwerde, class die Kespiration auf 60 bis 80 und darliber binaussteigt. Gleichzeitig mit der Kespirationsbeschwerde tritt auch meistens der früher beschriebene Husten ein und nimmt mit ihr all­mählich zu. Stehen die Tiere, nachdem die Respirationsbeschwerde aufgetreten ist, noch längere Zeit, so stellt sich, namentlich dann um so leichter, wenn gleichzeitig die Leber stark affiziert ist, ein chro­nischer Labmagen - Dlinndarmkatarrh ein. Die Tiere verlieren nach und nach den Appetit, gehen im Nährzustande zurück und präsentieren schliesslich das Bild der Kachexie. Ist die Lunge nicht sehr stark mit Echinokokken besetzt, so können die Tiere sich, falls die Leber ebenfalls nur in geringem Grade oder gar nicht affiziert ist, ziemlich lange in einem recht guten Nährzustande halten. Einige Echinokokken in der Lunge üben der Regel nach keinen Einfluss auf die Verwertung des Futters aus.
Diagnose. Zu den wesentlichsten Erscheinungen gehören folgende :
1.nbsp; Die Respiration ist erschwert, stark ziehend. Letzteres mit­unter in so bedeutender Weise, dass die Inspiration in mehreren Ab­sätzen beschafft wird.
2.nbsp; Der vielleicht vorhandene Husten ist regelmässig unkräftig in den verschiedensten Graden.
3.nbsp; Die Lunge ist, geringe Ausnahmen abgerechnet, allenthalben wegsam.
1. Bei der Auskultation hört man die frllher angegebenen Ge­räusche, namentlich das Quurksen.
5.nbsp; Schmerzensäusserungen sind durch den konstanten, namentlich beiderseitigen Druck, mitunter auch schon durch die Perkussion her­vorgerufen.
6.nbsp; Der Ferkussionsscliall zeigt bei verschiedenen Tieren, wie auch sogar bei einem und demselben Tiere Differenzen.
7.nbsp; Fieber ist gewöhnlich nicht vorhanden.
Das Wesentlichste des Verlaufs besteht darin, dass sich bei einem fieberlosen Zustande in kurzer Zeit, in Wochen, eine bedeutende Respirationsbeschwerde ausbilden und eine solche folglich bei einem guten Nährzustande vorhanden sein kann.
Ausschliessen muss man die Lungentuberkulose, und die unter­scheidenden Merkmale zwischen dieser und der EchinokokkenkrankheU der Lunge sind folgende:
1. Bei der Echinokokkenkrankheit der Lunge fehlt mitunter der Husten, und der etwa vorhandene ist unkräftig. Bei der Lungen-
Etaims, KindTiohhuilkundü.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0
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tuberkulöse fehlt der Husten niemals; derselbe ist kräftig, meistens trocken, zuweilen von einem Schleimrasseln begleitet.
2.nbsp; nbsp;Bei der Echinokokkenkrankhcit der Lunge tritt namentlich zur Zeit der Exspiration das Quurksen auf, ein Geräusch, das ich bei der Lungentuberkulose noch niemals vernommen habe.
3.nbsp; Bei der Echinokokkenkrankheit der Lunge ist die Respiration, wenn die Krankheit in einem ziemlich hohen Grade besteht, bedeutend stärker ziehend als bei der Lungentuberkulose.
4.nbsp; Bei der Echinokokkenkrankheit der Lunge ist die Respiration viel frequenter als bei der Lungentuberkulose.
5.nbsp; nbsp;Bei der Echinokokkenkrankheit der Lunge ist niemals ein Reibegeräusch vorhanden, während ein solches bei der Lungen­tuberkulose wahrgenommen wird, wenn das Brustfell affiziert ist.
6.nbsp; nbsp; Bei der Echinokokkenkrankheit der Lunge ist der Näbr-zustand des Tieres nach dem erhaltenen Futter mitunter ganz normal, wenn auch schon eine bedeutende Respirationsbeschwerde, vielleicht in Verbindung mit einem sehr belästigenden Husten, vorliegt, während dies bei der Lungentuberkulose niemals der Fall ist. Dieser Umstand verdient eine ganz besondere Berücksichtigung bei der Stellung der Diagnose.
Zu den Krankheiten der Harnwerkzeuge.
lilasonblutung.
Jahresbericht der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover pro 1871.
Auch hier muss ich mich auf die Mitteilung eines speziellen Falles beschränken.
Am 8. Oktober 1871 meldete der Gartenmann B. an der Alte Döhrner-strasse in Hannover, dass eine seiner Kühe bei guter Fütterung und Pflege schon seit längerer Zeit allmählich abgemagert sei, in der Milchsekretiou nachgelassen und von Zeit zu Zeit unter heftigem Drängen Blut aus den Geschlechtswerkzeugen entleert habe, seit zwei Tagen sogar fest liege, nicht im stände sei, sich vom Lager zu erheben, sehr wenig fresse und Milch gar nicht mehr liefere. Bei dem am Nachmittage stattfindenden Besuche erweiterte der Besitzer seinen Vorbericht noch dahin, dass seit dem Vormittage wohl ein halber Stalleimer voll Blut entleert worden sei.
Untersuchungsbofund. Das Tier präsentiert das Bild der Kachexie, liegt mit halb untergeschlagenen Schenkeln und aufgerichtetem Kopfe, nimmt noch etwas von dem vorgehaltenen Futter auf, macht jedoch trotz starken Antreibens nicht die geringste Anstrengung, sich vom Lager zu erheben. Der Puls steht auf 52, ist weich und so klein, dass er kaum an der Gtesichtsarterie aufgenommen werden kann. Die Respiration steht auf 10 und ist ziehend. Die Schleimhaut der Scheide ist, soweit sie
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/.a übersehen, streifig gerötet; alle anderen Schleimhäute erscheinen voll­ständig bleich. Die Temperatur ist an der Körperoberfläche bedeutend gesunken und ungleichmässig verteilt. Der Muttermund ist normal ge­schlossen, so dass nur ein Finger in denselben hineinzubringen ist. Die Scheide enthält am vorderen Ende Blutcoagula, deren Gewicht auf 500 g geschätzt wird. Von der Scheide aus fühlt man dort, wo die entleerte Blase ihren Platz hat, eine harte, knollige Masse. Im Blasenhalse kann man mit dem eingeführten Finger sehr deutlich warzenförraige Hervor­ragungen fühlen.
Obgleich eine absolut ungünstige Prognose gestellt wurde, weil ich die Blutung auf eine Gefässzerreissung in einer in der Blase sitzenden Geschwulst zurückfühlen musste, so wurde dennoch, weil das Tier nicht verwertet werden konnte, eine Behandlung eingeleitet, um den weiteren Verlauf aufzunehmen.
Am 11. Oktober war das Tier an der Körperoberfläche eisig kalt; die Mastdarmtemperatur betrug 19,7; der Bulbus war stark zurückge­treten ; es stellten sich in kurzen Zwischenzeiten Zuckungen ein. Da das Tier sich offenbar in der Agonie befand, wurde es getötet.
Bei der am 12. Oktober stattfindenden Untersuchung der Leiche wurde folgender Befund aufgenommen: Der Fruchthälter ist normal, die Scheide enthält in ihrem vorderen Räume Blutgerinnsel von pp. 750 g Gewicht, ihre Schleimhaut zeigt die Erscheinungen der Entzündung. Die Blase erscheint als eine harte, knollige Masse von 20 cm Länge, 40 cm Umfang an der stärksten Stelle und von der Form eines stumpfen Kegels, dessen Basis der Harnröhre zugekehrt ist; sie enthält 200 g blutige Flüssigkeit. Die Blasenwand ist in der Gegend der Harnröhre 7,5 cm dick und nimmt von hier nach der Spitze, wo sie nur 1 cm dick ist, allmählich an Stärke ab. Die äussere Oberfläche der Blase ist von normaler Farbe, aber mit Hervorragungen besetzt. Diese Hervorragungen sind mit Ausnahme von zweien, von denen die eine haselnuss-, die andere wallnussgross ist, von der Grosse einer Linse bis zu der einer Erbse. Der Blasenhals, der als solcher kaum zu erkennen, ist an der äusseren Fläche von einer 2 cm dicken Geschwulstmasse umgeben. Die innere Oberfläche der Blase und des Blasenhalses ist mit hirsekorn- bis hühnereigrossen Hervorragungen besetzt, von denen die kleineren rundlich, fest und gelblichweiss, die grösseren graurötlich, weich und mit einer graurötlichen, schmierigen Masse bedeckt sind. Die Nierenkapsel ist stark Infiltriert. Die Nieren sind um die Hälfte grosser als im Normalzustände, sehr stark infiltriert — ödematös — und blass. Die Nierenbecken sind bedeutend erweitert, mit klarer Flüssigkeit prall gefüllt, enthalten ausserdem einige kalkige, unregelmässig geformte hirsekorn- bis erbsengrosse Konkremente. Die Untersuchung der Nieren auf amyloide Degeneration, sowie die mittelst des Mikroskops fielen negativ aus. In der rechten Lunge markieren sich einige Lobuli durch eine dunklere Farbe und festere Konsistenz.
Die mikroskopische Untersuchung der an der Blase vorhandenen Ge­schwülste. In den an der inneren Fläche der Blase sitzenden Geschwülsten fand sich sofort ein starkes bindegewebiges Gerüst und Zellen, die teils rundlich, teils mehr eckig, und alle von der doppelten Grosse der
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lymphoiden Zellen waren, bald darauf jedoch auch rundliche und ovale Alveolen, die mit den eben bemerkten Zellen besetzt waren. Diese Neu­bildungen waren demnach Fibrocarcinome. Die an der älusseren Fläche der Blase und des Blasenhalses sich befindenden Geschwülste bestanden, wie ich an vielen Präparaten sehr deutlich gesehen habe, aus retikulärem Bindegewebe mit eingeschlossenen Zellen, die in jeder Beziehung mit dem vorhin angeführten übereinstimmten. Diese Neubildungen erklärte ich für carcinomatöse Lymphome.
Die Krankheiten des Schlundes.
Jahresbericht der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover 1876. Entziliiduug: der Schleimhaut des Schlundes.
1. Akute Entzündung.
Bei der akuten Entzündung des Schlundes, welche im grossen und ganzen selten, bei dem Rinde noch am häufigsten vorkommt, ist die Schleimhaut in ganzer Länge oder doch wenigstens auf einer grösseren Strecke in verschiedener Tiefe, resp. Stärke erkrankt. — Die durch Verwundung herbeigeführten, sowie die als Teilerscheinung anderer Krankheiten auftretenden Entzündungen des Schlundes sind hier zunächst ausgeschlossen. —
Krankheitserscheinungen. Geifern, Schlucken erschwert, schmerz­haft, unter Streckung des Kopfes und Halses, oder ganz unmöglich. Husten. Erbrechen — Bussarcq —. Druckempfindlichkeit im Ver­lauf der Drosselrinne. Fieber — Serres —.
Leichenerscheinungen. Die Schleimhaut soll in den leichten Fällen nur vermehrte Hyperämie und eine Epithelproliferation zeigen; in den schweren Fällen ist sie mit einem Schorf bedeckt und er­scheint nach dem Abheben des Schorfes rauh und stark gerötet. Bussarcq fand das submuköse Bindegewebe infiltriert.
Verlauf. Leichtere Fälle verlaufen günstig. Schwere Fälle können vielleicht Veranlassung zur Bildung von Strikturen geben. Bussarcq fühlte sich veranlasst, das Tier töten zu lassen.
Diagnose. Am leichtesten könnte man diese Krankheit mit der Bräune verwechseln, aber dagegen schützt die Druckempfindlichkeit im Verlaufe der Drosselrinne.
Ursachen. Aufnahme harter und scharfer Stoffe — Serres —. Eingeben von 90 g Salmiakgeist — Lemaire fils —. In einem von mir beobachteten Fall hatte der Besitzer eine aus einem Teile kon-
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zentrierter Salpetersäure und fllnf Teilen Wasser bestehende Misclmnjr dem Tiere gegen Aufblähung eingegeben.
Behandlung. In der Menschenheilkunde lässt man Eis schlucken. Dies Verfahren ist auch in der Tierheilkunde empfohlen worden, beim Rinde aber wahrscheinlich so schwer durchzuführen, dass fllr gewöhn­lich darauf verzichtet werden muss. Wir können vielleicht eher in der Weise verfahren, dass wir in kurzen Zwischenzeiten dem Tiere Eiswasser vorhalten und ein paar Schluck — aber nicht mehr — davon zur Zeit aufnehmen lassen. Sonst werden auch adstringierende Mittel empfohlen. In dem von mir behandelten Falle wurde eine scharfe Einreibung in der Drosselrinne gemacht und Schleim als Ge­tränk vorgesetzt. Gegen die vielleicht in Aussicht stehende Striktur zeitweilig die Schlundsonde einzuführen, dürfte sich schwerlich em­pfehlen.
2. Chronische E n t z ü n d u n g.
Die Schleimhaut des Schlundes, besonders die des Rindes, hat nach Schütz einen mehr kutanen Bau und soll daher bei chronischen Entzündungen eine grosse Neigung zu papillösen Wucherungen zeigen. Wenn folglich papillose Wucherungen auf der Schleimhaut des Seliluudes gefunden werden, so dürfen wir bis auf weiteres annehmen, dass eine chronische Entzündung in derselben bestanden hat. Der erste Fall dieser Art ist meines Wissens von Breakell beobachtet worden; eine zweite Mitteilung hat Schütz darüber geliefert.
Krankheitserscheinungen. In dem von Breakell beobachteten Falle konnte das Tier feste Futterstoffe nicht schlucken und nur er­schwert ruminieren.
Verlauf. In dem Breakell'schen Falle wurde das Tier mit Schlapp­futter gemästet.
Diagnose. Sogar unter Anwendung der Sonde wird man weiter nichts als eine Verengerung des Schlundes konstatieren.
Behandlung. Den Versuch, den Schlund zu erweitern, wie dies in der Menschenheilkunde üblich ist, wird man beim Rinde wohl schwer­lich machen.
DurchgoheiKlc 8(ililun)lwiiiideii.
Diese Wunden entstehen beim unvorsichtigen Niederschieben fremder Körper im Schlünde.
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1, Id der Halsportion.
Krankheitsersohoinungen. Schlucken erschwert oder nnmöglich ; letzteren Falls Erbrechen des aufgenommenen Futters. Atembeschwerden. Anschwellung des Halses infolge einer Anhäufung des aufgenommeneu und durch die Schlundwunde hindurchgetretenen Futters. Emphysem.
Verlauf. Der Regel nach werden die Krankheitserscheinungen bald nach der Durchbohrung des Schlundes auftreten; in dem Sander'schen Falle — Repertorium von Hering, Hand 12, Seite 343 — dauerte dies vierzehn Tage.
Diagnose. Eine Verwechselung dieser mit irgend einer anderen Schlundkrankheit ist kaum möglich, wenn man weiss, dass sie infolge des Hinabschiebens eines fremden Körpers entstanden ist.
Behandlung. Soll ein Heilversuch gemacht werden, dann muss ein Einschnitt von entsprechender Länge in die Haut gemacht, die angehäufte Futtermasse, die in dem Sander'schen Falle ll4 Metze be­trug, entfernt, die ganze Partie gereinigt und desinfiziert, die Schlund­wunde, die in dem Sander'schen Falle drei Zoll lang war, geheftet werden.
2. In der Brustportion.
Krankheitserscheinungen. Neben den Erscheinungen des Fiebers linden sich die der Brustentzündung.
Verlauf. Stets akut und lethal, wenn das Tier nicht zeitig genug geschlachtet wird.
Diagnose. Charakteristische Erscheinungen dieser mir aus der Praxis bekannten Verletzung des Schlundes kann ich nicht angeben; wenn jedoch, nachdem ein fremder Körper nach dem Magen zu schieben versucht worden ist, die vorhin bemerkten Erscheinungen sich zeigen, so ist man berechtigt, die in Frage stehende Verwundung anzunehmen.
Über ztit'iillig von ausscii entstandene Verletzungen des Schlundes beim Rinde ist mir aus der Lltteratur und der eigenen Praxis nichts bekannt.
Vercngreruug deraquo; .Schlundes.
Atzungen der Scblundschleimhant werden eine Verengerung des Schlundes herbeiführen können; derartige Fälle sind mir aber weder aus der Litteratur noch aus der eigenen Praxis bekannt.
Auf das Heften des Schlundes muss eine Verengerung desselben folgen, die aber wohl nur ausnahmsweise so bedeutend ist, dass
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Störungen in der Futteraufnalime u. s. w. dadurch hervorgerufen werden.
Breakell fand, wie schon bei der chronischen Schiundentzündung angegeben, eine durch warzenartige Wucherungen bedingte Verengerung des Schlundes.
Krankheitserscheinungen. Haycock sah bei einem Kinde, nacli-dem es den dritten Teil seines Futters verzehrt hatte, Aufblähung, Respirationsbeschwerden, Strecken des Kopfes und Halses, sowie Er­brechen eintreten. Eine Verengerung des Schlundes wurde nach der Sondierung angenommen und bei der Sektion auch in einer Länge von sechs Zoll nachgewiesen.
Behandlung. Ist eine Verengerung des Schlundes mit Wahr­scheinlichkeit diagnosiert, so lasse man das Tier mit einem entsprechen­den Futter möglichst rasch mästen. Eine Erweiterung der verengten Stelle durcli Einführung allmählich dickerer Sonden herbeizuführen, wie es beim Mensciien üblich ist, wird der umsichtige und gewissen­hafte Praktiker schwerlich versuchen.
Partielle Erweiterung dos Schlnudes.
Ais partielle Schlunderweiterung oder Schlunddivertikel wird eine begrenzte Ausbeutelung- des Schlundes bezeichnet. Divertikel kommen nach Stocktieth beim Rinde nur an der Brustportion, beim Pferde nur an der Halsportion des Schlundes vor. Ersteres kann ich bis jetzt noch bestätigen; letzteres ist nicht ganz richtig. Gurlt fand aucii einmal bei einem Pferde ein Divertikel am Brustteil des Schlundes — Lehrbuch der pathologischen Anatomie der Haussäugetiere, Seite 132, sect; 139. — Man unterscheidet jetzt nach Zenker Pulsions­und Traktionsdivertikel. Erstere entstehen durch Druck der Bissen gegen die innere Wandfläche des Schlundes; letztere bilden sich angeblich danu, wenn infolge einer Schrumpfung benachbarter Organe ein Zug von aasten auf den Schlund einwirkt. Da diese Divertikel beim Rinde jedoch nur an der Brustportion gefunden worden sind, also von einer Feststellung, ob ein Pulsions- oder Traktionsdivertikel vorlag, sowie von einer Behandlung niemals die Rede sein konnte, so ist die von Zenker gemachte Einteilung bis jetzt für die Rindviehpraxis vollständig bedeutungslos.
Krankheitserseheinungen. Die Tiere nehmen Futter auf und kauen und schlucken dasselbe in ganz normaler Weise. Aber mit einemmale treten sie von der Krippe zurück, strecken Kopf und Hals, machen Brechanstrengungen, und werfen bald darauf diejenigen
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Stoffe aus, die sie eben vorher aufgenommen lisiben. Dieses wiederholt sicli nach der nächsten Futteraufnahme, oder nach Tagen, mitunter erst nach einer oder mehreren Wochen. — In einem von mir beobachteten Falle war das schon zwei Jahre kranke Tier sehr mager und im höchsten Grade apathisch. Der Pansen lag still, in der oberen Partie desselben war nur Gas vorhanden. Dargereichtes GrUnfutter wurde aufgenommen, gekaut und geschluckt, bald darauf aber, gewöhnlich nach zwei Minuten, unter Stöhnen erbrochen. Die ein­geschobene Schlundröhre glitt zunächst leicht vorwärts, stiess schliesslich aber auf ein unüberwindliches Hindernis, Dieses Hindernis musste, wie Messungen ergaben, in nächster Nähe des Pansens sich befinden. Wurde die Schlundröhre stark gegen das Hindernis geschoben und dann mittelst eines Trichters Plüssigkeit in dieselbe gegeben, so gelangte diese unbedingt in den Pansen; denn es erfolgte darauf kein Erbrechen und bei der Auskultation des Pansens während des EinfUllens der Flüssigkeit vernahm man ein eigentümliches, metallisch klingendes Geräusch. — Beim Vorhandensein eines Divertikels am Halsteile des Schlundes wird sich auch beim Rinde diese Stelle markieren und vielleicht druckempfindlich sein.
Verlauf. Die mit einem Divertikel an der Brustportion des Schlundes behafteten Rinder sind unheilbar, können aber lange, jahre­lang am Leben bleiben. In einem von mir beobachteten Falle — s. o. — war das Tier, welches sofort für inkurabel erklärt und nicht in Behandlung genommen wurde, nach zweijährigem Bestehen der Krankheit sehr mager, und es starb zwei Tage nach der Untersuchung. — Beim Divertikel an der Halsportion des Schlundes kann unter Umständen ein Heilversuch angezeigt sein. —
Diagnose. Die bei dem Schlunddivertikel vorhandenen Er­scheinungen sind derart, dass nur eine Verwechselung mit einer Ver­engerung, die in der Brustpartie des Schlundes besteht, möglich ist, und eine solche ist für die Praxis bedeutungslos.
Ursachen. Spaltungen der Musoularis, welche gewöhnlich mehrere Zoll lang und entweder angeboren oder während des Lebens — beim Niederschieben fremder Körper — entstanden sind, führen zur Aus-beutelung der Schleimhaut. Partielle Verengerungen des Schlundes können, wenn Zeit genug gegeben wird, eine Ausbeutelung der normalen Wand vor der verengten Stelle hervorrufen.
Behandlung. Rasches Mästen mit einem kurzen, weichen Futter in Verbindung mit vielem Wasser ist zu empfehlen. Tritt dabei einmal Verstopfung des Schlundes ein, so kann versucht werden.
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dieselbe durch Ausspülen mit Wasser zu beseitigeu. — Das an der Halsportion des Schlundes vorhandene^ Divertikel kann, wie es in einem Falle beim Pferde schon mit Erfolg geschehen ist, in der Weise operiert werden, dass man es frei legt, aufschneidet, reinigt, desinfiziert, den überflüssigen Teil entfernt und darauf die Wundränder mittels der Naht vereinigt. Es muss für diesen Fall aber die Thatsache berück­sichtigt werden, dass die Muscularis des Schlundes mitunter sehr wenig widerstandsfähig ist. —
Ijühmuug des Svlilundcs.
Diejenige Krankheit, welche man mit dem Namen „Lähmung des Schlundesquot; belegt hat, habe ich 1853 bei einem Pferde, aber niemals beim Rinde gesehen. Bei dieser Krankheit füllt sich der Schlund in ganzer Länge mit Futterstoffen, so dass er — wenigstens beim Pferde — an der linken Halsseite in Form eines langen Wulstes gefühlt werden kann.
Krankheitserscheinungen und Verlauf. Hierüber kann icli nur dasjenige mitteilen, was von Ziller — 1830 — berichtet worden ist. Derselbe fand bei einer Kuh, deren Schlund vom Schlundkopf bis zum Magen voll Futter war, folgendes: Das Tier ging mit Appetit an das Futter, sobald es aber etwas Heu gefressen hatte, hörte es auf, Futter aufzunehmen, und es erfolgte heftiges Würgen mit Aus­wurf durch Nase und Maul. Durch ein in den Schlund hineingeschobenes dünnes spanisches Rohr wurde die Passage zum Magen frei gemacht. Nach einigen Tagen zeigten zieh dieselben Erscheinungen, aber in einem stärkeren Grade. Das Tier war sehr beängstigt, der Bauch aufgetrieben, die Augäpfel waren vorgedrängt, durch Maul und Nase wurde viel Futter ausgeworfen. Die Einführung des spanischen Rohrs hatte diesmal nicht den günstigen Erfolg, und deshalb wurde das Tier geseidachtet. Da sich bei der Sektion nichts Abnormes fand als die Anhäufung des Futters im Schlünde, so glaubte Ziller, berechtigt zu sein, die Krankheit als Lähmung des Schlundes aufzufassen.
Ursachen. Unbekannt.
Behandlung. Ein Heilversuch darf nur unter grösster Reserve eingeleitet werden. Befindet das Tier sich in einem guten Nähr­zustande, so ist es rätlich, dasselbe sofort verwerten zu lassen. Andernfalls empfiehlt sich die Verabreichung von Schlappfutter oder die Haltung des Tieres auf einer Fettweide mit kurzen Gräsern, um dasselbe möglichst bald in einen verwertbaren Zustand zu brinseu
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YeNtopfUUK ties Schlundes durch FutlerstUckc.
Diese Krankheit kommt in denjenigen Wirtschatten, in welchen eine künstliche Fütterung besteht, nicht ganz selten vor.
Kmnkheitserseheimmgen. Plötzliches Zurücktreten von der Krippe, Strecken des Kopfes und Halses, Versagen von Futter und Getränk, Geifern, Aufblähung, beschleunigte Respiration, frequenter Puls. Gang behutsam. Sitzt der fremde Körper in der Halsportion des Schlundes, so fühlt man denselben in der Drosselrinne und kon­statiert dabei gewöhnlich eine leichte Druckempfindlichkeit.
Verlauf. Dieser ist gewöhnlich akut. Geschieht nichts, so stirbt das Tier der Regel nach in kurzer Zeit. Bei Einleitung einer Behandlung kann Heilung in ein paar Minuten erreicht werden. Es kann aber ein und derselbe Körper, wenn er nicht entfernt wird, mehrfach eine Schlundverstopfung herbeiführen. Gaudy erlebte, dass ein im Schlünde steckengebliebener Haarball nach dem Hinabstossen bald wieder bei der Rumination in die Höhe trat und die Passage im Schlünde ver­legte. Janno beobachtete, dass ein niedergeschobener Apfel bei der Rumination wieder in den Schlund getrieben wurde. Letzteres konstatierte auch Schaak.
Diagnose. Speicheln, Streckung des Kopfes und Halses, sowie Aufblähung sprechen für gänzliche Verstopfung des Schlundes. Er­mittelt man dann noch, dass Wurzelwerk gefüttert worden ist, so ist damit die Diagnose schon gesichert. Dies ist aber namentlich dann der Fall, wenn man den fremden Körper am Halse — in der Drossel­rinne — fühlt, oder die Verstopfung des Schlundes mittelst der Schlundsonde konstatiert.
Ursachen. Rüben, Knollen, Wurzeln, Kartoft'eln.
Behandlung. Verschiedene Wege können zum Ziele führen.
1.nbsp; Schaak empfiehlt, dem Tiere ein Liter Leinsamenabkochung einzuschütten, und dasselbe darauf sofort gegen den Berg zu führen.
2.nbsp; Sitzt der fremde Körper in der Halsportion des Schlundes, so kann man denselben durch geeignete Manipulationen nach dem Rachen schieben und hier mit der durch die Maulhöhle eingeführten Hand in Empfang nehmen. Es wird sogar angegeben, der fremde Körper werde, sobald er im Rachen angekommen sei, durch einen Hustenstoss hinausgeschleudert. Auch ich habe in dieser Weise mit Erfolg gearbeitet. Das eine Mal sogar ohne Benutzung des M a u 1 g a 11 e r s den fremden Körper durch die Hand des Praktikanten — Herrn Tappe — erfassen und hinaus spedieren lassen. Ich habe
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mich jedoch überzeugt, dass diese Methode leichter zu beschreiben als in der Praxis auszuführen ist. Der fremde Körper ist nicht immer leicht hinaufzuschieben, und ist er endlich im Rachen angekommen, so macht das Tier gewöhnlich sehr energische Schluckbewegungen.
Einlaquo; Kuli, Eigentum des Kleinbesitzers und Wilschers Pieper in der (ilocksee, zeigte alleErscheinuiigen derSoblnndVerstopfung,und die spezielle Untersuchung- derselben ergab, dass ein fremder Körper in der Hals­portion des Schlundes festsass.
Da nach der Fütterung anzunehmen war, dass der im Schlünde steckende fremde Körper ein Stück einer Eunkelrübo sei, hätte ich unter Berücksichtigung, resp. Bekämpfung der Aufblähung des Tieres den fremden Körper sitzen und einschmelzen lassen können; ich zog aber, obgleich kein Maulgatter zur Verfügung stand, im Interesse der Praktikanten vor, denselben direkt zu entfernen.
Nachdem die Kuh auf einem freien Platz kurz angebunden worden war, wurde der fremde Körper durch geeignete Manipulationen zu beiden Seiten des Halses bis in den Schlundkopf hinaufgeschoben, hier fixiert und durch die von dem damaligen Studierenden Herrn Tappe eingeführte Hand In Empfang genommen.
Das Hinaufschieben des fremden Körpers machte in diesem Falle keine grossen Schwierigkeiten, das Fixieren desselben erforderte aber ganz bedeutende Anstrengungen, weil das Tier kontinuierlich starke Schluck-bewegungen machte.
3.nbsp; nbsp;Kanu man der nicht zu bestreitenden Thatsache Kechnung tragen, dass im Schlünde sitzende Klibenstlicke und ähnliche Körper einschmelzen und dann von selber abwärts gleiten. Die Betretung dieses Weges kann ich für alle diejenigen Fälle empfehlen, in welchen weiche Futterstücke — Klibenstlicke etc. — in der Brustportion des Schlundes sitzen. Man muss bei diesem Vorgehen aber die etwa schon vorhandene Aufblähung des Tieres beseitigen und dem Eintritt einer neuen Aufblähung sicher vorbeugen. Bleibt man zunächst beim Patienten, so kann man sich vorläufig vielleicht auf die An­wendung des kalten Wassers beschränken, sonst muss man den Trokar einführen und unter sicherer Aufsieht sitzen lassen. — Ich möchte hier die gewiss allbekannte Thatsache hervorheben, dass eine Ent­leerung von Gasen durch den After beim Rinde nicht vorkommt. —
4.nbsp; Kann der fremde Körper, namentlich dann, wenn er in der Brustportion des Schlundes sitzt, hinabgeschoben werden. Es werden hierzu Schlundröhren, Schlundsonden, Peitschenstiele, Weidenruten etc. benutzt. Die Einführung des Instruments, welche am liebsten unter Zuhilfenahme eines Maulgatters beschafft wird, namentlich aber das Hinabschieben des fremden Körpers muss mit der grössten Vorsicht
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eschehen. Uuaugcuehme Erfahrungen in der externen Klinik der
Tierarzneischule zu Hannover hatten mich dahin gebracht, den Praktikanten den selbständigen Gebrauch der Schlundröbre zu verbieten.
5.nbsp; nbsp;Hat man vorgeschlagen, den fremden Körper nach dem Maule zu ziehen, und dazu verschiedene Instrumente konstruiert. Dieses Ver­fahren ist gefährlicher als das sub 4 angegebene.
6.nbsp; Nach Chapard soll man den in der Halsportion des Schlundes sitzenden fremden Körper subkutan zerstückeln und darauf abwärts schieben.
7.nbsp; Sitzt der fremde Körper in der Halsportion des Schlundes, so kann man, falls die sub 1 bis inkl. 5 genannten Methoden nicht zum Ziele führen und die sub 6 angegebene Behandlung nicht eingeleitet werden soll, den Schlundschnitt machen. Es wird das Tier zu diesem Zweck auf die rechte Seite gelegt, das Haar an der Opcrationsstelle entfernt, die Drosselrinnne durch Druck gegen die rechte Halsseite gehoben, ein Längsschnitt durch die Haut gemacht, der Schlund in die Wunde gebracht, ein Längsschnitt in denselben gemacht, der fremde Körper herausgeholt, die Schlundwunde mit Catgut derart geheftet, dass Schleim- und Muskelhaut gefasst werden, die Wunde gereinigt, desinfiziert, der Schlund in seine normale Lage gebracht, Verbandwatte aufgelegt und die Hautwunde mit ein paar Heften geschlossen. Das Tier bekommt in den ersten vierundzwanzig Stunden weder Futter noch Getränk, darauf klares Wasser und weiches Langfutter. Die Wunde wird dann weiter nach den Regeln der Chirurgie behandelt.
Anhang. Festsitzen von Futterstücken im Bachen. Bei einem Rinde beobachtete Stockfleth folgendes: Speicheln, obere Hälfte des Halses auf-getneben, Augen glotzend, Blick stier. — Keine Aufblähung und keine Breclianstrengungcn. — Bei der darauf folgenden Untersuchung fand sich eine Kartoffel im Rachen, welche entfernt wurde, und ein Querriss im Schlünde, welcher von dem Besitzer bei den Versuchen, den fremden Körper mit einem Besenstiel niederzuschieben, gemacht worden war.
Festsitzen scharfer, spitzer Körper im Schlünde.
Hierüber ist mir aus der eigenen Praxis gar nichts bekannt.
Krankheitserscheinungen. Bergmann fand bei einem Rinde, dem ein drittehalb Zoll langer Eisendraht im Schlünde steckte, Husten, Streckung des Kopfes und Halses, Anstrengungen, als wenn etwas aus dem Schlünde entfernt werden sollte, Ausfluss von dünnem übel­riechendem Schleim aus dem Maule, Versagen des Futters, Schlucken
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des Wassers unter Beschwerden. — Falke konstatierte bei einem Rinde, dem eine dreizinkige Gabel im Schlünde steckte, Kaubewegungen, Versagen von festem Futter, Schlucken des Wassers unter Beschwerden.
Verlauf. In dem Bergmann'schen Falle wurde der fremde Körper auf operativem Wege entfernt. In dem von Falke erlebten Falle fand sich einige Wochen nach der Untersuchung des Tieres, dass die Gabel die Haut perforiert iiatte, so dass selbige herausgezogen werden konnte.
Diagnose. Hierüber können allgemeine Angaben zur Zeit noch nicht gemacht werden.
Behandlung. Es kann sich nur um die operative Entfernung des fremden Körpers handeln, die aber selbstverständlich aus­geschlossen ist, wenn derselbe in der Brustportion des Schlundes sich befindet. In diesem Falle ist jedoch eine Naturheilung möglieh.
Sclilnndfigtel.
Diese kann nach der künstlich beschafften, wie auch nach der zufällig entstandenen Verwundung des Schlundes entstehen.
Krankheitaerscheinungen. An der linken Seite des Halses findet sich in der Drosselrinne eine rundliche, mit aufgeworfenen Bändern versehene Öffnung, aus welcher Maulsaft, Wasser und Futterpartikelchen zum Vorschein kommen.
Verlauf. Dieser ist, soweit mir bekannt geworden, bis jetzt ein günstiger gewesen.
Behandlung. Durch Ätzmittel oder durch das Brenneisen muss man einen Schorf erzeugen, und diesen möglichst lange zu erhalten suchen. Deshalb darf dem Tiere in den ersten vierundzwanzig Stunden nach Einleitung der Behandlung weder Futter noch Getränk gereicht und später nur weiches Langfutter und reines Wasser gegeben werden.
Zu den Krankheiten des Rachens.
Racheubriiune.
Als Rachenbräune bezeichnet man eine Entzündung der Schleim­haut der Rachenhöhle, welche sich gewöhnlieh auf die Schleimhaut benachbarter Organe, auf die des Gaumensegels und der Mandeln, der Maul- und Nasenhöhle, sowie auf die des Kehlkopfes fortsetzt. Es war deshalb früher auch nicht gebräuchlich, die Bräune in zwei Krankheiten, nämlich in Pharyngitis und Laryngitis zu trennen.
Da aber bei den an Bräune leidenden Rindern nicht nur mitunter
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das Bild der Pharyngitis, zuweilen das der Laryngitis prävaliert, sondern da es sogar vorkommt, dass bei der deutlich ausgesprochenen Pharyngitis keine Erscheinungen der Laryngitis, bei der zweifellos vorhandenen Laryngitis keine Erscheinungen der Pharyngitis wahr­zunehmen sind, so empfiehlt sich die getrennte Besprechung dieser beiden Krankheiten.
Nach der Tiefe und dem Charakter der Entzündung werden von einigen tierärztlichen Autoren verschiedene Formen unterschieden. Man spricht, abgesehen von der Diphtherie, von einer katarrhalischen, phleg-monosen und kruppösen Bräune. Am lebenden Tiere ist die Unter­scheidung der katarrhalischen von der phlegmonösen Form schon aus dem Grunde unmöglich, weil eine scharfe Grenze zwischen beiden nicht besteht, und das Vorhandensein der kruppösen Form der Bräune ist vor dem Auswerfen der Kruppmassen nicht mit Sicherheit zu erkennen.
Es ist deshalb, wie auch mir scheint, rätlich, mit der gesonderten Besprechung der verschiedenen Formen der Bräune so lange zu warten, bis wir im stände sind, eine Unterscheidung derselben bei Lebzeiten des Tieres treffen zu können. In der Eindviehpraxis kann man bis jetzt nur von leichten und schweren Formen sprechen; man muss dabei aber stets der Thatsache Rechnung tragen, dass die schweren Formen der Regel nach mit leichteren Erscheinungen beginnen.
Bei gesunden, mit der Nasenbremse versehenen Rindern kann man, wenn man ein Maulgatter einsetzt, die Zunge — nach Umlegen eines Tuches — hervorzieht und am oberen Ende mittelst eines geeigneten Instrumentes niederdrückt, bei einfallendem Sunncnlic.lit den Eachenraum, sogar den Kehlkopf sehen. Ob aber diese Untersuchnng bei den an Bräune leidenden Rindern möglieb und nützlich ist, weiss ich nicht.
Krankheitserscheinungen. Diese zeigen nicht nur nach der Form und Dauer der Krankheit quantitative, sondern nach der Ausbreitung derselben, namentlich darnach, ob der Kehlkopf in Mitleidenschaft gezogen ist, auch qualitative Verschiedenheiten. Die ersten Krankheits­erscheinungen, welche aufgenommen werden, sind geringere Fresslust, loses Kauen, seltneres Wiederkauen, steife Haltung des Kopfes und Halses und Druckempfindlichkeit der Ohrdrüsengegend. — Jede Be­wegung des Kopfes, besonders nach der Seite, wird möglichst zu ver­meiden gesucht. Einer gezwungenen Stellung des Kopfes, wie bei der Untersuchung des Rachens notwendig ist, widersetzt sich das Tier auf das heftigste. — Später sieht man, dass das Schlingen schmerz­haft, in verschiedenem Grade erschwert, mitunter gar nicht zu be-
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schaffen ist, so dass das etwa aufgenommene Futter nach einigen Kaubewegungen mit Sehleim gemischt und umhüllt wieder ausgeworfen wird, und dass der Maulsaft fortwährend abfliesst. — Erbrechen, was nach Spinola zuweilen gesehen werden soll, habe ich nicht beobachtet. Ebenso ist ein Zurüekfiiessen des Getränks aus der Nase von mir niemals wahrgenommen worden. — Neben den angegebenen Erschei­nungen findet man die des Fiebers in sehr verschiedenem, mitunter kaum nachweisbarem, zuweilen sehr hohem Grade.
Leichenerscheinungen. Hierüber kann ich aus eigener Erfahrung nichts mitteilen. Ich habe nur ein Rind an Raehenbräune verloren, und in diesem Falle keine Sektion machen können. Das Bekenntnis des Nichtwissens ziehe ich einer Übertragung aus der Menschen-, resp. Pferdeheilkunde vor.
Verlauf. Die Krankheit entwickelt sich gewöhnlich allmählich, tritt ausnahmsweise aber mit einemmale in voller Heftigkeit auf. Geht der Prozess auf die Schleimhaut des Kehlkopfes über, so treten neben den früher erwähnten Krankheitserscheinungen die der Laryn­gitis auf. Bei den leichteren Fällen von Rachenbräune darf man auf Heilung in einigen bis vierzehn Tagen rechnen. Die schwereren Fälle von Bräune verlaufen allerdings langsamer, führen aber auch gewöhn­lich direkt zur Genesung. Bei diesen entwickeln sich zuweilen retro-pharyngiale und subparotideaie Abscesse, welche Atemboschwerden bedingen und sich nach innen öffnen, ausnahmsweise — in fünfund-dreissig Jahren einmal von mir beobachtet — sogar eine tötiieh ver laufende Lungenentzündung verursachen.
Diagnose. Diese hat mir niemals Schwierigkeit bereitet. Eine Täuschung kann höchstens dadurch bereitet werden, dass sich ein fremder Körper vor oder in dem Rachen festgesetzt hat. — Ganz besonders möciite ich hervorheben, dass ich bei Rachengeschwülsten, die ich recht häufig gesehen habe, niemals auf den Gedanken ge­kommen bin, dass Raehenbräune vorliegen könne.
Ursachen. Hierüber gelangt man in den wenigsten Fällen zur Klarheit. Wenn ich in den letzten Jahren über die Ursachen nichts Annehmbares ermitteln konnte, habe ich allerdings an eine „Infektionquot; gedacht. Dagegen sprach dann aber stets der Umstand, dass selbst in den grösseren Stallungen immer nur ein Rind befallen wurde. Plötzliche Abkühlung des erhitzten Körpers kann, wenn eine Prädis­position zu dieser Krankheit besteht, Raehenbräune hervorrufen, wie wir dies beim Menschen leicht gewahr werden können. Ob aber bei einzelnen Rindern diese besondere Anlage vorliegt, ist jedenfalls noch
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nicht festgestellt. Scharfe, ätzende Stoffe, vielleicht in Form einer Latwerge. — Tartarus stibiatus. — Direkte Abkühlung durch Ein­atmen scharfer, kalter Nord-, Nordost- und Ostwinde gleich nach dem Verlassen eines recht warmen Stalles.
Behandlung. Luftiger, zugfreier, nicht kalter Stall. Bedecken
des Körpers. Weiches — am liebsten Grün-----Futter. Häufiges
Ausspülen des Maules mit einem leicht angesäuerten Wasser oder einer '/s prozentigen Alaunlösung. Eine scharfe Einreibung zu beiden Seiten des Halses in der Ohrdrüsengegend und unter dem Kehlkopfe. Zur Einreibung kann ich nicht die graue Salbe oder Ammoniakliniment und dergleichen leichte Mittel, sondern nur kräftiger wirkende Mittel, wie 01. canth. comp. oder Ungt. canthar., Pharm. Beg., empfehlen. Eins dieser beiden letzten Mittel benutze ich in jedem Falle. Ich lasse dasselbe am ersten Tage zweimal, ev. an dem oder den folgenden Tagen einmal einreiben, bis eine starke Hautentzündung eingetreten ist. Dieses Verfahren kann ich sehr empfehlen. Die Wirkung der ausseien Hautentzündung ist um so schöner, je früher sie eintritt und je stärker sie ist. Ich würde in diesem Falle die Brechweinsteinsalbe benutzen, wenn auf die Applikation derselben nicht so sehr leicht brandiges Absterben der Haut einträte. In sehr heftigen Fällen kann man zuerst Eis- und später Priessnitz'sche Umschläge machen lassen. Auf die Anwendung innerlicher Arzneien habe ich gewöhnlich ver­zichtet. Wenn solche benutzt worden sind, so habe ich sie in dem Trinkwasser zur beliebigen Aufnahme vorsetzen lassen.
Zu den Krankheiten des Maules.
Entziindniig der Schleimhaut des Maules.
Eine oberflächliche Entzündung der Schleimhaut des Maules als selbständige Krankheit habe ich beim Rinde nur selten gesehen.
Krankheitserscheinungen. Speicheln, Rötung der Schleimhaut und loses Kauen. — Einen Zungenbeleg, wie man ihn so häufig beim Menschen sieht, sowie eine Schwellung des harten Gaumens, welche man nicht selten bei jungen, an Maulentzündung nicht leidenden Pferden antrifft und unter dem Namen „Froschgeschwulstquot; bekannt ist, habe ich niemals gefunden. —
Verlauf. Heilung erfolgt in einigen Tagen, wenn die Fütterung geregelt wird.
Diagnose. Das Geifern erinnert uns an die Maul- und Klauen-
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seuche. Bei der näheren Untersuchung des Maules überzeugen wir uns dann aber der Regel nach sehr leicht von dem Nichtvorhandensein der Aphthenseuche. Nur Jünger der Kunst können durch Verletzungen der Schleimhaut des zahnlosen Randes in geringe Verlegenheit ge­bracht werden. — Die Bullen werden bekanntlich am Nasenringe geführt; wird nun von dem Viehtreiber die Vorderlippe in die Höhe gezogen und gegen den von der Lippe entblössten Teil des Kiefers mit einem Knittel geschlagen, was in bestimmten Gegenden üblich ist, so entstehen Beschädigungen der Schleimhaut, die beim ersten Anblick an Maul- und Klauenseuche erinnern.
Behandlung. Verabreichung eines normalen, wenn möglich weichen Futters. Soll mehr geschehen, so kann man eine Allaun-oder Boraxlösung zum häufigen Ausspülen des Maules verordnen.
Festsetzen fremder, scharfer Körper im Manie.
Jahresbericht der Königlichen Tierarzneischxile zu Hannover pro 1870.
Fremde Körper, wie Stopfnadeln und dergleichen Dinge, können an jeder Stelle des Maules, von den Lippen bis zum Rachen, stecken bleiben, gelangen jedoch, da sie gewöhnlich oder stets mit dem Futter aufgenommen werden, meistens nach dem Magen. Die Erscheinungen, die auftreten, wenn fremde Körper im Maule festsitzen, sind derart, dass man sich zu einer speziellen Untersuchung des Maules veranlasst fühlt, trotzdem aber ist es mitunter schwer, zu einer sicheren Diagnose zu gelangen, den fremden Körper aufzufinden.
Krankheitserscheinungen. Sitzt der fremde Körper erst eine kurze Zeit im Maule, so ist das Tier nacli der Fütterung und Haltung von gutem Aussehen, und nur die Hungergraben sind eingefallen; steckt der fremde Körper dagegen schon eine lange Zeit, mehrere Tage etc., so ist das Tier stark eingefallen, brettdünn im Leibe und hat glanzloses, struppiges Haar, es macht den Eindruck, als seien wichtige innere Organe erkrankt. Der Maulsaft tliesst in abnorm grosser Quantität aus dem Maule. Der Appetit nach Futter und Ge­tränk ist noch vorhanden, ob jedoch von beiden etwas aufgenommen wird und wie viel, das ist durch den Ort, wo der fremde Körper sitzt, sowie durch die Läsionen, die er hervorgerufen hat, bedingt. Das Tier geht vielleicht mit der grössten Gier an das vorgelegte Futter, nimmt etwas auf, kaut und schluckt es, oder lässt das auf­genommene Futter sofort wieder aus dem Maule fallen, oder nimmt nicht einmal etwas auf, weil das Offnen des Maules oder die Bewegung
Huriiis, ItiruivichlirilkuHiltnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10
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der Zunge zu bedeutende Schmerzen verursacht. Das Tier ist mit­unter kopfscheu; in einem anderen Falle gestattet es das Ergreifen des Kopfes wohl, setzt aber dem Eröffnen des Maules seine ganze Kaumuskelkraft entgegen, so dass es schwer hält, mit der Hand in die Maulhöhle zu gelangen. Sitzt der fremde Körper schon längere Zeit im Maule, und ist die Läsion, die er hervorgerufen hat, eine ziemlich bedeutende, so ist gewöhnlich ein Odem am Kopfe vorhanden.
Diagnose. Es sind die Erscheinungen, wie auch schon oben bemerkt, derart, dass sie sofort begründeten Verdacht auf das Vor­handensein eines fremden Körpers im Maule erregen. Gesichert wird die Diagnose selbstverständlich aber erst durch das Auffinden des fremden Körpers, und hierbei kann man sich mitunter von dem viel­leicht vorhandenen Odem leiten lassen. Das Maul des erwachsenen Kindes ist ja so geräumig, dass man mit den Fingerspitzen bis in den Kehlkopf hinein gelangen kann. Gewöhnlich gelingt es, am stehenden — gut gebremsten — Tiere den fremden Körper zu finden und zu entfernen, mir ist wenigstens nur einmal vorgekommen, dass das Tier, bei dem eine Stopfnadel im mittleren Teile der Zunge ver­borgen steckte, sich dem Vorziehen der Zunge in dem Grade wider­setzte, dass es niedergelegt werden musste.
Behandlung. Spezielle Vorschriften für die Entfernung des fremden Körpers lassen sicli nicht geben.
Zu den Krankheiten der Zentralorgane des Nervensystems.
Gcliirnblutnii?.
Deutsche Zeitsdirift für Tiermedizin und vergleichende Pathologie.
Die Gehirnblutung, auch Gehirnschlag genannt, spricht sich, wie allgemein bekannt, auch schon von Lemaire fils, der einen Fall beim Rinde erlebt hat, angegeben ist, durch Lähmungen aus.
Die plötzlich auftretenden Lähmungen sind wahrscheinlich weniger durch Druck, sondern mehr durch die Sistierung der Ernährung der betreffenden Ganglienzellen bedingt.
Eine Prädisposition zur Gehirnblutung ist gewiss auch beim Rinde in einer Erkrankung von Gefässen gegeben, und begünstigt wird die Zerreissung derselben durch Erhöhung des Blutdrucks werden.
Zu einer allgemeinen Beschreibung dieser beim Rinde jedenfalls sehr selten vorkommenden Krankheit liegt nicht annähernd genügendes Material vor ; es kann sich folglich zunächst nur um das Sammeln von Beobachtungen handeln.
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Am 31. Oktober 1880 meldete der Kleinbesitzer H. in E. eine kranke Kuh mit dem Vorberichte zur Behandlung an, dass selbige geboren habe und nicht im stände sei, sich vom Lager zu erheben.
Da ich verhindert war, das Tier sofort zu besuchen, schickte ich den Herrn Stud, Drews aus Oldesloe zu demselben, während ich mit den übrigen in der externen Klinik fungierenden Herren zu anderen Patienten ging.
Am Nachmittage desselben Tages erstattete Herr Drews folgenden Kapport:
Die fragliche Kuh hat am 30. Oktober noch keine Knuikheits-orscheinungen gezeigt. Am 31. Oktober, morgens 4l/.2 Uhr, hat sie nicht mehr aufstehen können. Von dem im Laufe dieses Tages gereichten Futter und Getränk ist ziemlich viel aufgenommen worden, aucli will man noch das Ruminieren beobachtet haben. Am Nachmittage um 4l/.i Uhr ist nach einer Trächtigkeitsdauer von 41 Wochen und 2 Tagen ein lebendes Kalb unter Anwendung eines geringen Zuges leicht geboren. Nach diesem Akte ist wiederum etwas Futter und Getränk aufgenommen worden, das Aufstehen aber nicht möglich gewesen. In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November sind die Eihäute abgegangen.
Die heute mittag — am 1. November — stattgefundene Unter­suchung hat folgenden Befund geliefert: Das gut genährte Tier liegt auf der rechten Seite mit unter den Leib geschlagenen Schenkeln und links herumgegangenem und auf die linke Brustwand gestütztem Kopf. Ver­suche zum Aufstehen werden beim Antreiben nicht gemacht. Die Schenkel werden zuweilen bewegt. Bringt man den Kopf in die normale Lage, so wird er eine kurze Zeit, vielleicht eine Minute, so getragen, fällt aber wieder in die frühere — abnorme — Lage zurück. Die Augäpfel sind zurückgezogen. Die Cornea ist klar. Thränenfluss und Geifern ist nicht beobachtet. Die Conjunctiva ist dunkelrot, mit einem gelblichen Schimmer. Der Puls ist leicht an der Kinnbackenarterie wahrzunehmen und steht auf 80. Die Temperatur beträgt im Mastdarm 38,0u; selbige ist am Schädel abnorm hoch, sonst an der Peripherie des Körpers abnorm niedrig. Die Kespiration ist tief und ziehend; die Frequenz derselben beträgt 16. Der Pansen macht keine aktiven Bewegungen. Kot von dickbreiiger Konsistenz liegt in geringer Quantität hinter dem Tiere. Die lliirnblase ist prall gefüllt; selbige entleert sich auf Druck. Muttermund und Frucht-hälter haben sich ziemlich stark kontrahiert. Manuelle Reizung des Mutter­mundes ruft heftiges Drängen hervor. Auf Nadelstiche tritt nur im Be­reiche des Quintus eine deutliche Reaktion ein.
Das Festliegen des Tieres, die anscheinend vorhandene Gefühllosigkeit, am Rumpfe und die subnormale Temperatur haben mich unter Berück­sichtigung des Uinstandes, dass das Tier geboren hat, veranlagst, die Diagnose auf Milchfleber, Aiirämie, zu stellen. Das Tier bekommt Brech­weinstein innerlich, Einfüllungen in den Mastdarm und den Uterus und kaltes Wasser auf den Kopf.
Nach diesem recht vollständigen Rapport ging ich noch am späten Abend, im tollsten Schneegestöber, mit dem Herrn Drews nach R., um diesen hochinteressanten Fall aus eigner Anschauung kennen zu lernen.
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Untersucliungsbefund am 1. November, abends 7 Uhr: Im allgemeinen ist der Befund wie am Mittage. Es werden jetzt aber nur sieben tiefe, ziehende Atemzüge und 72 unregelmilssige und ungleichmässige Pulse gezählt. Nach Aussage des Besitzers hat das Tier etwas Heu und '^ Eimer Wasser aufgenommen.
Die Diagnose „Milchfieberquot; konnte nicht aufrecht erhalten werden, weil das Tier
1.nbsp; nbsp;nach dem Eintritt des Festliegens noch Futter und Getränk auf­genommen, sowie auch ruminiert hatte;
2.nbsp; nbsp;während der Krankheit die Eihäute ausgestossen hatte;
3.nbsp; auf Reizung des Muttermundes stark drängte;
4.nbsp; ab und zu etwas Kot absetzte;
5.nbsp; nbsp;eine starke Rötung der Conjunctiva zeigte.
Ich vermutete, diiss eine Hyperämie der weichen Hirnhaut bestehe, die zur Ergiessung, Hydrocephalus, führe.
B 6h an dl u n g. Fortwährendes Kühlen des Schädels. Da Eis nicht zu bekommen ist, lässt der Besitzer mittelst einer an der Stalldecke be­festigten und am Boden durchlöcherten Giesskanne einen Wasserstrahl auf den Kopf fallen.
2. November, mittags 11 Uhr. Patientin zeigt im allgemeinen die­selben Erscheinungen wie gestern, hat weichen Kot abgesetzt und rumi­niert in meiner Gegenwart. Das Tier wird auf die linke Seite gewälzt. Der Kopf wird hiernach aber nicht nach der rechten Brustwand umge­bogen , sondern ziemlich gerade aus gehalten und auf die Streu gestützt.
Das Kühlen wird fortgesetzt und kleine Dosen von Brechweinstein werden gereicht.
3 November, mittags 11 Uhr. Patientin liegt auf der rechten Seite mit nach links herumgegangenem und auf die linke Brustwand gestütztem Kopf; sie soll die Wälzung von der linken nach der rechten Seite allein beschafft haben. Die Mastdarmtemperatur beträgt 37,4deg;.
Das Kühlen des Kopfes wird fortgesetzt. Für den innerlichen Ge­brauch werden 10 g Brechweinstein mit 500 g Glaubersalz verordnet.
4. November, mittags 11 Uhr. Das Tier liegt auf der linken Seite; der Kopf desselben ist aber nicht nach rechts hinübergegangen; es bildet vielmehr der Hals in der Gegend des dritten und vierten Wirbels einen konvexen Bogen nach rechts, und das Maul ist nach links fest in die Streu gepresst. Die Mastdarmtemperatur beträgt 36,3deg;; jedoch ist der After weniger innig geschlossen.
Wir sagten dem Besitzer, dass er uns, falls das Tier sterbe, sofort Nachricht zukommen lassen möge, damit wir die Sektion machen könnten.
Nachmittags um 3 / Uhr bekam ich die Nachricht, das Tier sei um 12 Uhr plötzlich gestorben.
Etwas nach 5 Uhr war icli schon in R., kam aber dennoch zu spät, um eine vollständige Sektion machen zu können. Das Kadaver war schon enthäutet und in Stücke zerlegt. Wir konnten nur das Gehirn besehen. Die Gefüsse der weichen Haut waren stark mit Blut gefüllt und in der
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linken Hemisphilre des grossen Gehirns lug über dem Seitenventrikel ein Blutextravasat, das von dorn Umfange einer Mandel und der Dicke eines Millimeters war.
Uoliiriihyiioriimien.
Diese Krankheit kommt heim Rinde selten vor.
Krankheitsersoheinungen. Anfälle von Tobsucht wechseln mit Kühe ab; dabei sind die Tiere so schreckhaft, dass sie bei eintretendem Gerflusch und stattfindender Berührung zusatnmensohiessen oder sofort in Raserei verfallen. Während der Anfälle drängen die Tiere vor­wärts, klettern in die Krippe, gegen die Mauer, brlUlen, beisseu auf alles, sogar auf den Mensehen los, respirieren oberflächlich und ver­mehrt, schäumen aus dem Maule und sollen nach Friedberger-Fröliner mit den Hörnern stossen. — Letzteres ist von mir nicht gesehen worden, doch gilt eine positive Beobachtung- mehr als einige negative. — Während der Ruhe findet man die Respiration nicht vermehrt, sondern tief und ziehend, den Puls nur wenig oder gar nicht ver­mehrt, die Arterie etwas gespannt, den Herzschlag kaum oder gar nicht fühlbar, die Bindehaut des Auges gerötet.
Leiehenerscheinungen am Gehirn. Die Hlutgefässe sind gefüllt, hier und dort von kleinsten Extravasateu begrenzt. Die Kindeusubstanz ist bräunlich. Auf der Schnittfläche treten Blutpunkte auf, die nach dem Abspülen sehr bald ersetzt werden.
Verlauf. Wenn man zeitig gerufen wird, so darf mau auf Ge­nesung hoft'en. Es kann, wofür aucli der vorher angeführte Fall spricht, Gehirnblutung mit den weiteren Folgen, und auch ohne diese der Tod in kurzer Zeit, am ersten Tage der Krankheit, eintreten.
Diagnose. Es handelt sich namentlich um die Ausschliessung der Wut, und darauf werde ich später zurückkommen.
Ursachen. Mir unbekannt.
Behandlung. Kommt man frühzeitig zu solchen Patienten, so wirkt, wie schon Günther sen. konstatiert hat, ein Aderlass Über­raschend günstig. Sonst Kühlen des Kopfes, am liebsten mit Eis. Innerlich Laxantia. Der Aufenthaltsort muss dunkel und kühl, und die Befestigung des Tieres derart sein, dass es sich nicht beschädigen kann.
Akute (jieliirinvassersuclit.
Das Ullohflebei des Rindes. Schmorl und v. Seefeld in Hannover. Jahrosboriciit der Künigliclien Tierarzneisehnle in Hannover pro 1881/82.
Diese Krankheit habe ich ab und zu, im grossen und ganzen aber nicht so häufig und derart beobachtet, dass ich im stände wäre.
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eine allgemeine Skizze aufstellen zu können. Ich muss mich auf die Mitteilung einiger Fälle beschränken.
1.nbsp; Fragliches Tier, ein Bulle, war 36 Stunden krank und auf Ver­stopfung behandelt worden. Bei der Untersuchung desselben wurde folgen­des gefunden:
Das Tier lag auf den normal untergeschlagenen Schenkeln mit seit­wärts herumgegangenem und auf die Eippenwand gestütztem Kopfe, also ganz so, wie es milchfieberkranke Kühe meistens zu thun pflegen. Hob man den Kopf des Tieres in die Höhe und Hess ihn darauf los, so fiel derselbe wie ein toter Klotz in die frühere — abnorme — Lage zurück. Speichel floss in Form von langen Strähnen und klaren Tropfen aus dem Maule, Der Bulbus war zurückgezogen. Thränen liefen kontinuierlich und in so bedeutender Menge ab, dass die betreffende Gesichtspartie ganz nass war. Der Puls stand auf reichlich 80 und war klein. Die Respiration war der Zahl nacli normal, aber tief und ziehend; bei der Exspiration wurde ein leichtes Stöhnen vernommen. Das Aufstehen war nur möglich bei Unterstützung am Schwänze. Der Gang war im Hinterteile schwankend, im Vorderteile tappend und stolpernd. Das Tier stürzte während der Be­wegung bei der geringsten Veranlassung nieder, und zwar jedesmal der­art, dass es zuerst mit dem Maule den Erdboden berührte.
Das Tier war 12 Stunden nach der Untersuchung anscheinend in der Besserung; es wurde trotzdem jetzt geschlachtet und sofort seziert.
Bei der Sektion fand sich, dass das Gehirn anämisch, und dass unter der Dura, sowie in den Ventrikeln desselben wasserklares Serum in grosser Menge vorhanden war.
2.nbsp; nbsp;Gartenmann Bartels in Kleefeld meldete in der externen Klinik der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover eine kranke Kuh mit dem Bemerken zur Behandlung an, dass selbige seit zwei Tagen krank sei und in den letzten 24 Stunden nicht gemistet habe.
Die bald nach der Anmeldung vorgenommene Untersuchung ergab folgendes: Das Tier lag platt auf der Seite, konnte kaum aufstehen, stand mit stai'k unter den Leib geschobenen Schenkeln, schwankte hin und her, ging im Vorderteil tappend und stolpernd und im Hinterteil schwankend, stürzte während der Bewegung bei der geringsten Veranlassung nieder, und zwar jedesmal in der Weise, dass es mit dem Maule den Erdboden zuerst berührte. Das Epithel der Hinterlippe war stellenweise abgeschilfert. Das Gefühl hatte so sehr abgenommen, dass nur im Bereiche des Quintus auf Nadelstiche eine deutlich wahrnehmbare Keaktion eintrat. Eespira-tion 10 und stark ziehend. Temperatur im Mastdarm 38,3, an der Oberfläche des Körpers stark gesunken. Arterie weich. Puls langsam und 78.
Das Tier starb nach drei Tagen und wurde 13 Stunden p, m, seziert.
Leichenbefund. Nach vorsichtiger Eröffnung der Dura des Gehirns trat sofort wasserklares Serum hervor, von welchem 30 g aufgefangen wurden. Die Ventrikel waren prall gefüllt. Das Gehirn erschien anämisch.
3.nbsp; nbsp;Gartenmann Seidlitz an der Alte Dohrner Strasse in Hannover meldete eine kranke Kuh in der externen Klinik der Königlichen Tier-
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iirzneiscliule mit folgendem Vorbericht an: Das Tier ist seit 24 Stunden krank; es frisst, siluft nnd ruminiert nicht, giebt nnr wenig Milch und kann nicht aufstehen.
Die sofort vorgenommene Untersuchung ergab folgendes; Die Kuh konnte sich nur mit Mühe vom Lager erheben, stand mit untergeschobenen Schenkeln vornüber geneigt, ging tappend, stolpernd und schwankend und stürzte auch bei der geringsten Veranlassung wieder, wie die beiden vorigen Tiere. Der Verdauungsschlauch lag still. Gefühl war allent­halben vorhanden, anscheinend aber subnormal. Respiration 40. Puls 86, unregelmässig und ungleiclunässig. Temperatur im Rectum 40,1, an der Oberfläche des Korpers normal.
Am folgenden Tage konnte das Tier nicht mehr aufstehen. Bei den vielen Versuchen, die es auf starkes Antreiben gemacht hatte, sich vom Lager zu erheben, war es regelmilssig vornüber gestürzt, und es hatte sich dabei das Zahnfleisch stark verletzt. Respiration 24. Puls 66. Tem­peratur 38,6.
24 Stunden später wurde das Tier geschlachtet und seziert.
Leichenersoheinungen. Nach vorsichtiger Eröffnung der Dura des Gehirns trat wasserklares Serum in bedeutender Menge hervor. Die Seiten­ventrikel waren strotzend gefüllt mit Serum von vorhin bemerkter Be­schaffenheit. Das Gehirn erschien anämisch.
4.nbsp; nbsp;Gartenmann Prelle am Bisc.hofshohler Damm meldete in der ex­ternen Klinik der Königlichen Tierarzneisehule zu Hannover eine kranke Kuh zur Behandlung mit dem Vorberichte an, dass selbige plötzlich nieder­gestürzt und jetzt nicht im stände sei, sich vom Lager zu erheben.
Die bald nach der Anmeldung vorgenommene Untersuchung ergab folgendes; Das Tier wurde mit grosser Mühe auf die Beine gebracht, stand vornüber geneigt, schwankte hin und her und wäre beim Gehen unbedingt aufs Maul gestürzt, wenn es nicht von zwei kräftigen Männern unterstützt worden wäre. Gefühl allenthalben vorhanden, Respiration 36. Puls 92. Mastdarmtemperatur 37,9.
Das hochfette Tier wurde sofort geschlachtet.
Leichenerscheinungen. Nach vorsichtiger Kröffnung der Dura des Gehirns floss wasserklares Serum in ziemlich beträchtlicher Menge ab. Die weitere Untersuchung wurde vereitelt.
5.nbsp; Kuh des Gartenmannes Steinwedel an der Grosse Barlinge 30 in Hannover. Das Tier wurde mit dem Vorberichte zur Behandlung an­gemeldet, dass es seit zwei Tagen krank sei, zunächst nur wenig Appetit gezeigt habe und schwer zum Aufstehen zu bringen gewesen sei, jetzt keinen Kot absetze, gar nichts fresse und nicht mehr hoch zu bringen sei.
Die ein paar Stunden nach der Anmeldung stattfindende Untersuchung lieferte folgenden Befund; Das Tier liegt auf der rechten Seite auf den normal untergeschlagenen Beinen mit nach links herumgegangenom und auf die linke Brustwand gestütztem Kopfe, also ganz so, wie es milch-üeberkranke Kühe oft oder gewöhnlich zu tlmn pflegen. Wurde der Kopf in die Höhe gehoben und dann losgelassen, so schnellte er in die frühere, abnorme, Lage zurück. Die Augäpfel waren tief zurückgezogen. Thränen liefen kontinuierlich über die Wangen. Speichel floss aus dem Maule.
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Respiration 16: Exspiration von oinem deutlich wahrnehmbaron Stöhnen begleitet. Puls 87, klein, un}?leiclllnilssig#9632; und unregelmässig-. Temperatur im Mastdarm 38,9, an der Oberfläche des Körpers normal. Auf Nadel­stiche trat allenthalben eine leichte Eeaktion ein. Magen und Darmkanal lagen absolut still. Mastdarm mit konsistentem Kot gefüllt. Das Tier machte auf Antreiben Versuche, sich vom Lager zu erheben, flel dabei aber aufs Maul; es wurde jedoch schliesslich bei geeigneter Unterstützung am Kopfe und Schwänze hoch gebracht. Die Kuli stand mit unter den Leil) geschobenen Vorder- und Hinterschenkeln vornüber geneigt und schwankte fortwährend hin und her. Beim Antreiben fiel das Tier vorn­über in eine Ecke des Stalles hinein.
Da Aussicht auf Heilung nicht gegeben werden konnte, wurde das Tier selbigen Tages geschlachtet und zwei Stunden p. m. seziert.
Bei der Sektion fand sich wasserklares Serum unter der Dura und in den Ventrikeln des Gehirns, sowie Anämie der Gehirnsubstanz.
Um falschen Deutungen vorzubeugen, hebe ich noch besonders hervor, dass die zuletzt angeführten vier Kühe schon seit längerer Zeit auf der Mast standen und nicht trächtig' waren.
Chroiiisclie Hiruhauteutziludiin^. Jahresbericht dor Königlichen Tierarzneischule zu Hannover pro IS80/8'2.
Diese Krankheit kommt jedenfalls sehr selten vor; denn es ist mir darüber aus der Litteratur gar nichts und aus der eigenen Praxis nur ein Fall bekannt. Ich muss demnacii auch hier auf die Lieferung einer aligemeinen Skizze verzichten.
Der Gartenmann Hitzraann in der Tiefenriede 3 bei Hannover meldete am 4. Februar 1880 eine Kuh mit dem Vorberichte zur Behandlung an, dass selbige seit längerer Zeit schlecht, gefressen habe und in der Milch­lieferung bedeutend zurückgegangen sei.
Die am Anmeldungstage vorgenonimene Untersuchung lieferte folgen­den Befund: Das Tier lag auf der rechten Seite mit nach links herum­gegangenem und auf die linke Brustwand gestütztem Kopfe. Das Auge thränte, und aus dem Maule tioss Speichel in Form von Strähnen. Die Respiration war regelmässig, aber ziehend; die Frequenz derselben be­trug 18. Puls 100 und unregelmässig. Das Gefühl war in bedeutendem Grade abgestumpft; nur im Bereiche des Quintus trat auf Nadelstiche eine deutlich wahrnehmbare Eeaktion ein. Das Tier erhob sich erst auf sehr starkes Antreiben, und zwar in ganz unregelmässiger Weise.
Aus diesem Befunde konnte ich zu einer präzisen Diagnose nicht gelangen ; ich entwickelte den anwesenden Praktikanten, dass eine Krank­heit am, resp. im Gehirn bestehe, dass es sich aber um das Vorhandensein von Hyperämie, Hydrocephalus acutus und Meningitis cerebrospinalis nicht handeln könne.
14. Februar. Das Tier lag ähnlich wie bei dem ersten Besuch und
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hielt einen grossen Heubüscliel im Maule. Puls 88, Ke-spiration 18. TemperatUI1 38,3. Das Tier war so abgestumpft, dass es selbst beim stärksten Antreiben keine Anstalt machte, sich vom Lager zu erbeben, Aufgehoben und am Strick geführt, drängte es stark nach links. Beim freien Umhergehen wurde ein Drängen nach irgend einer Seite nicht bemerkt.
Das Tier starb einige Tage später und wurde 12 Stunden nach dem Tode seziert.
Leichenerscheinungen. — Zum Teil nach Böther. — Die Höhlen des Kopfes zeigten keine pathologischen Veränderungen. Die Dura des Ge­hirns war normal. Die weiche Haut dos Gehirns war sehnig glänzend, ungefähr von der Dicke der normalen Dura, auf den Windungen weisslich schimmernd, zwischen den Windungen milchig getrübt und allenthalben zu innig mit dem Gehirn verbunden. Beim Ablieben der weichen Hirn­haut kamen lange und starke bindegewebige Fortsätze aus dem Gehirn zum Vorschein. An der Medulla, aber auch nur liier, fand sicli unter der Dura eine klare, leicht gelblich gefärbte, etwas klebrige Flüssigkeit in der Quantität von 25 g. Die Seitenkammern lieferten (gt; g wasser­klares Serum. Nach diesem Befund wurde die Diagnose auf „chronische Entzündung der weichen Hirnhautquot; — Leptomenlngitis clirouica — gestellt.
In meiner Broschüre über das Milclificber habe icli darauf auf­merksam gemacht, dass diese Krankheit durchaus nicht in jedem Falle leicht zu diagnosieren sei. Ich kann mir denken, dass mancher in der Praxis grau gewordene Kollege zu dieser Bemerkung den Kopf geschüttelt und gedacht haben wird, mir fehle jedenfalls der praktische Blick. Der praktische Blick ist unbedingt von sehr grossem Nutzen; derselbe darf uns aber in keinem Falle von der speziellen Untersuchung abhalten. Diejenigen Herren, welche zur Stellung der Diagnose „Milchfieberquot; die Kopflage des Kindes in hervorragendster Weise benutzen, irren sich jedenfalls nicht selten. In dem vorliegenden Falle, der wohl dem Laien genügt haben würde, ciu Bild über die Lage einer am Milchfieber leidenden Kuh zeichnen zu lassen, konnte von dem Vorhandensein des Milchfiebers nicht die Rede sein, weil das Tier vor acht Monaten geboren hatte und nicht trächtig war. — S. auch die unter 1 und 5 bei Hydrocephalus acutus bemerkten Fälle.—
Kiil/iiiKliing des KiickeuniarkH und seiner Häute. Jahresbericht der Königlichen Tierarzneischule zu Hamiover pro 1874.
Die Krankheiten des Kückenmarks und seiner Häute sind, wenn man die groben anatomisciien Veränderungen ausschliesst, noch niciit in befriedigender Weise bekannt. Dies liegt zum Teil vielleicht in der geringen Aufmerksamkeit, welche man auf die Aufnahme der
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Symptome verwandt hat, grösstenteils aber unbedingt, wie es auch die Gnubberkrankheit der Schafe bestens demonstriert, in der Schwierig­keit der Feststellung der pathologischen Veränderungen der Zentral­organe des Nervensystems. Dazu kommt nun noch, was die Rinder anbetrifft, der Umstand hinzu, dass diese Tiere, wenn sie hoffnungslos erkrankt sind, häufig, man kann wohl sagen gewöhnlich, im geheimen verkauft und so der weiteren Beobachtung, resp. Sektion entzogen werden.
Was im allgemeinen von den Erkrankungen des Rückenmarks behauptet worden ist, das gilt aucli von der Entzündung desselben.
So sagt Hering in seiner Pathologie folgendes: „Die Symptome der Rllckenmarksentzündung — Myelitis, Spinitis — sind infolge der Wasserergiessung, als des gewöhnlichsten Ausganges derselben, mehr einer Lähmung ähnlich; hierzu kann Empfindlichkeit der Wirbelsäule bei der Bewegung, auf Druck Zittern, beschleunigter Puls neben den Symptomen eines allgemeinen entzündlichen Leidens kommen.quot;
llaubner sagt, dass die Entzündung des Rückenmarks sieh durch keine sicheren Merkmale bekunde.
Roll behauptet, dass die Entzündung des Rückenmarks und seiner Häute unter der Form verschiedenartiger Krämpfe oder als Lähmung auftrete, und dass die Diagnose erst an der Leiche zu stellen sei.
Spinola spricht sich recht ausführlich über diese Krankheit aus. Nach diesem zu seiner Zeit grössten Praktiker Deutschlands sind keine ganz sicheren Erscheinungen vorhanden, man soll aber aus dem Vor­handensein gewisser Symptome und aus dem Fehlen anderer diese Krankheit woiil mit einiger Sicherheit erkennen können. Nach Spinola bestehen die Erscheinungen in einer Lähmung des Hinterteils, in grosser Unruhe und Schmerzensäusserungen, sowie Gespanntheit der betreffenden Muskeln.
Krankheitsersoheimmgen. Abgesehen von den Ausnahmen und Komplikationen, auf die ich gleich nachher zurückkommen werde, sind es folgende: Das Tier liegt fest am Boden, kann die Hinter­schenkel jedoch bewegen und macht zuweilen Versuche, sich vom Lager zu erheben. Das Tier liegt, nachdem es sich überzeugt hat, dass das Hinterteil nicht hoch gebracht werden kann, gewöhnlich ruhig, ohne Schmerzensäusserungen zu zeigen, ist mitunter aber un­ruhig und wird, wie aus dem Blick und dem vorhandenen Stöhnen hervorgeht, von grossen Schmerzen geplagt. Der Kopf wird in ge­wöhnlicher Weise gehalten oder er ist seitwärts herumgegangen und wird — wie es gewöhnlich beim Milchfieber der Fall ist — auf die
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Brustwand gestützt. Das Gefühl ist am hinteren Ende des Körpers verschwunden — wenigstens tritt auf Nadelstiche keine Reaktion ein —, am Vorderteil intakt. Die Gefühllosigkeit setzt nicht scharf ab. Der Appetit hat in verschiedenem Grade abgenommen, ist mit­unter ganz verschwunden. Der Puls ist klein und steigt bis 120; die Arterie ist gespannt. Das Flotzmaul ist wenig befeuchtet. Die Milch­sekretion hat plötzlich stark abgenommen. Der Kot ist dem Futter nach zu konsistent und wird verzögert abgesetzt. Der Harn sammelt sich, wie das beim liegenden Rinde aber meistens der Fall ist, stark an. Die Temperatur ist an der Körperoberfläche der Regel nach nicht höher als im Normalzustande, eher sogar, und dies besonders am Hinterteile, abnorm niedrig. Die Mastdarmtemperatur ist wenig oder gar nicht erhöht. Der Augapfel ist zurückgezogen. Die Binde­haut erscheint gerötet. Thränen laufen mitunter kontinuierlich über die Wangen.
Ausnahmen und Komplikationen. 1. Es kommt vor, dass das Vorderteil mehr gelähmt ist als das Hinterteil. 2. In zwei Fällen habe ich eine Abnahme des Gefühls, resp. Gefühllosigkeit nicht kon­statieren können. — Hier möchte icli gelegentlich doch darauf auf­merksam machen, dass wir Gefühllosigkeit niemals mit Sicherheit konstatieren können, selbige dann aber annehmen, wenn auf Nadel­stiche keine Reaktion erfolgt. — 3. Liegt zuweilen eine Komplikation mit Dickdarmkatarrh vor, dann ist der Kot dünn und sehleimig und von alkalischer Reaktion. 4. Ist mir eine Komplikation mit sogenannter trockner Bauchfell - und Brustfellentzündung vorgekommen. Die be­treffenden Tiere waren aufgebläht und druckempfindlich an dem Bauche und der Brust.
Leichenerscheimmgen. Am hinteren Ende des Rückenmarks findet sich folgendes: Die weiche Haut ist stets, zuweilen sogar in bedeutendem Grade injiziert, ihre kleinsten Gefässe sind in ungleichen Abständen mit kleinen Ausbuchtungen versehen und auf und unter ihr finden sich Extravasate. Die kleinsten Extravasate sind mit unbewaffnetem Auge kaum zu seilen, die grössten können einige Dezimeter lang, zwei bis drei Millimeter dick sein und das ganze Rückenmark umfassen. Das Rückenmark ist zwischen den Seitensträngen injiziert, auf der Scheinfiäclie gelblich und mit Blut-pünktchen, die sich abspülen lassen, besetzt. Im Herzen finden sich, wenn die Tiere krepiert sind, Ekchymosen. Ausnahmsweise sind Peri­toneum und Pleura costalis trübe, geschwellt und hyperämiscli.
Verlauf. Diese Krankheit tritt gewöhnlich plötzlich in voller Heftig-
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keitauf. Die Tiere haben das Morgen-, Mittags- oder Abendfutter in ganz gewohnter Weise verzehrt und Kmnkheitsersclieiuungen irgend welcher Art durchaus nicht gezeigt, liegen aber schon bei der nächsten Fütte­rung fest am Boden. — Nur einmal liabe ich gesehen, dass die Läh­mung sich nach und nach entwickelte. — Die Tiere liegen dann, ohne einen Laut von sich zu geben, oder stöhnend und ächzend. Der weitere Verlauf zeigt bedeutende Verschiedenheiten.
1.nbsp; nbsp;Die Krankheit kann in 24 Stunden bis fünf Tagen vollständig ausgeglichen sein. Dieser Ausgang ist zu erwarten, wenn die Tiere a) keine Fiebersymptome zeigen und Futter und Getränk in annähernd normaler Quantität aufnehmen, b) Versuche zum Aufstellen machen, das Hinterteil vielleicht sogar ein wenig erheben können, c) im Vorderteile mehr als im Hinterteile gelähmt sind, d) einen weichen, resp. dünnen Kot absetzen; derselbe stellt sich aber auch dann zuweilen ein, wenn die Umstände anseheinend sehr ungünstig sind.
2.nbsp; nbsp;Die Krankheit kann in den ersten Tagen tödlich verlaufen. Diesen Ausgang habe ich in sechsunddreissig Jahren nur zweimal erlebt. Derselbe steht zu befürchten, wenn das Fieber sehr hoch­gradig ist.
3.nbsp; nbsp;Der Verlauf gestaltet sich häufig in der Weise, dass die Tiere nacii einigen Tagen etwas besser werden, Futter und Getränk auf­nehmen und das Gefühl sich hebt. In diesem Falle können die Tiere nach und nach, d. h. im Verlaufe mehrerer Woeiien, resp. einiger Monate vollständig genesen. Ob dies in jedem Falle möglieh ist, kann ich schon aus dem Grunde nicht wissen, weil icli die gut genährten Rinder dieser Art, wenn sie nach zehn- bis vierzehntägiger Behandlung nicht aufstellen konnten, der Regel nach im Interesse des Besitzers aus der Kur entlassen habe.
Diagnose. Die schnelle Entstehung, das Festliegen, die Gefühl­losigkeit etc. führen ziemlich sicher; jedoch muss bei den Tieren, die in den letzten Tagen geboren haben, event, das Milchfieber ausgeschlossen werden, und hierauf komme ich bei dieser Krankheit zurück.
Ursachen. Erkältung habe ich stets angenommen.
Prognose. Nur so viel kann man im allgemeinen sagen, dass der Verlauf wahrscheinlich ein sehr langsamer sein werde, wenn das Tier in den ersten fünf Tagen nicht aufstellt.
Behandlung. Weiches, namentlioli auch trocknes Lager. Um­wälzen des Tieres. In der Kreuz- und Lendenpartie eine scharfe Einreibung. Innerlich zunächst kleine Dosen Salpeter mit Glaubersalz, später Sem. strychni in Abkochung oder andere ähnlich wirkende
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Mittel. Besonders halte ich darauf, dass die Tiere nach der zweiten, resp. dritten Woche ab und zu in geeigneter Weise auf die Beine gestellt werden.
Der vorstellenden Skizze einige derjenigen Fälle, die zur Kon­struktion derselben benutzt worden sind, anzureihen, halte ich für praktisch. Die Beobachtungen sind nicht in der angegebenen lleihen-folge gemacht, sondern nur der Ubersichtliehkeit wegen so zusammen­gestellt
1.nbsp; nbsp;Fall. Anamnese; Die Kuh hat vor vier Monaten gekalbt, seit 24 Stunden weniger gefressen, seltener ruminiert und gemistet, nicht die volle Quantität Milch geliefert und kann seit einer Stunde nicht aufstellen.
St. pr. Das Tier liegt mit aufgerichtetem Kopfe, sieht ziemlich munter aus den Augen aus, macht infolge starken Antreibens wohl Ver­suche zum Aufstellen, kann das Hinterteil aber nicht erheben. Der Ver-dauungstraktus arbeitet weniger lebhaft als unter normalen Verhältnissen, und der Mist wird verzögert entleert. Das Gefühl ist am Hinterteil bis zum vierten Lendenwirbel gänzlich verschwunden, wenigstens tritt bis dahin auf Nadelstiche keine Reaktion ein.
Die Kuh war nach Verlauf von 24 Stunden gesund.
Ich bin mir sehr wohl bewusst, was man in diesem Falle alles gegen die Richtigkeit der Diagnose einwenden kann; ich gebe freiwillig zu, dass wohl nur eine Hyperämie vorgelegen hat, und dass ich nicht einmal hierfür Beweise beibringen kann.
Dessenungeachtet aber bat dieser Fall, wenn aueb kein wissenschaft­liches, so doch praktisches Interesse, weil Fälle dieser Art mir nicht selten vorgekommen sind.
2.nbsp; Fall. Anamnese: Die Kuh hat vor acht Tagen gekalbt, kann seit acht Stunden nicht autstehen, und hat in dieser Zeit weniger gefressen und nur eine geringe Quantität Milch geliefert.
St. pr. Die Kuli liegt mit aufgerichtetem Kopfe, sieht nicht sehr leidend aus und macht, wenn sie angetrieben wird, Versuche zum Auf­stehen , kann aber das Hinterteil nicht erheben. Der Verdauungstraktns bewegt sich lebhaft; der Mist ist dünn, von alkalischer Reaktion und wird häutiger' als sonst abgesetzt. Das Hinterteil ist bis zum ersten Lendenwirbel gefühllos.
Die Kuh ist nach 24 Stunden gesund.
Ich führe diesen Fall, gegen welchen man hinsicbtlich der Diagnose dasselbe einwenden kann, wie gegen den vorigen, aus folgenden zwei Gründen an:
1.nbsp; nbsp;muss derselbe als ein Ausnahmefall angesehen werden, weil der Mist dünn war, und
2.nbsp; nbsp;weil in einer Versammlung der Tierärzte der Provinz Hannover von einem der Herren geäussert wurde, dass beim Milchtieber zuweilen Diarrhöe bestehe, was nicht richtig ist.
In diesem Falle dachte ich nicht im mindesten an das Vorhandensein des Milchtiebers und sagte zu dem betreffenden Praktikanten — Herrn
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Meyer —, dass die Kuh auch ohne Einleitung einer Behandlung in 24 Stunden genesen werde.
3.nbsp; Fall. Anamnese. Die Kuh hat vor längerer Zeit gekalht, in den letzten 12 Stunden weder gefressen noch ruminiert und kann seit einer Stunde nicht aufstehen.
St. pr. Das Tier liegt teilnahralos auf der Seite mit gestrecktem Kopf und Hals, sieht sich zuweilen nach dein Leibe um und stöhnt ab und zu bei der Exspiration. Die Erscheinungen des Fiebers sind in ziem­lich bedeutendem Grade vorhanden. Die Schleimhäute sind gerötet; die Augäpfel in ihre Höhlen zurückgezogen; Thränen laufen kontinuierlich über die Wangen. Der Verdauungstraktns liegt still. Der Bauch ist druckempfindlich. Das Gefühl ist am Einnpfe und Halse in solchem Grade gesunken, dass auf Nadelstiche gar keine, auf heftige Stockschläge nur eine geringe Reaktion eintritt. Am Kopfe tritt auf Nadelstiche ein Zwinkern mit den Augenlidern ein. Das Hinterteil kann bei einiger Unterstützung wohl etwas in die Höhe gebracht werden, dasselbe fällt aber, sobald die Unterstützung aufhört, auf die Streu nieder. Bei den heftigsten Anstrengungen zum Aufstehen bleibt das Vorderteil unbeweglich am Boden liegen.
Der Verlauf war ein günstiger. In den beiden ersten Tagen wurde das Tier ruhiger, am dritten Tage stellte sich etwas Appetit ein, und am vierten Tage waren Krankheitserscheinungen irgend welcher Art nicht mehr nachzuweisen.
Diesen Fall, gegen welchen man ebenfalls hinsichtlich der Diagnose Einwendungen machen kann, führe ich aus folgenden zwei Gründen an:
1.nbsp; nbsp;war das Vorderteil mehr gelähmt als das Hinterteil, und es ist bemerkt worden, dass dies zuweilen beim Milchfleber der Fall sei, was ich nach meinen bisherigen Beobachtungen nicht zugeben kann;
2.nbsp; nbsp;hielt ich mich berechtigt zur Annahme einer Peritonitis sicca.
4.nbsp; nbsp;Fall. Anamnese: Die Kuh hat vor drei Tagen gekalbt, seit 12 Stunden nicht gefressen und kann nicht aufstehen.
St. pr. Das Tier macht ganz und gar den Eindruck einer milch-tieberkranken Kuh, kann nicht aufstellen und ist am Hinterteil bis zur Mitte des Rückens gefühllos. Ein Fieber mittleren Grades ist am Pulse und der inneren Temperatur zu konstatieren. Die sichtbaren Schleimhäute sind gerötet. Der Verdauungstraktns liegt still. Der Mastdarm ist ge­füllt mit konsistentem Kot. Der Bauch ist druckempfindlich.
Der Verlauf war in diesem Falle weniger günstig. Nach drei Tagen frass, soff und rurainierte das Tier, die Milchsekretion hatte um diese Zeit schon etwas zugenommen, die Kreuzschwächc aber bestand noch in dem ursprünglichen Grade. Erst nach Ablauf der zehnten Woche konnte das Tier aufstehen.
5.nbsp; F a 11. Anamnese: Es hat sich im Verlaufe mehrerer Tage eine solche Schwäche eingestellt, dass das Tier ohne Hilfe nicht aufstehen kann.
St. pr. Die Kuh liegt auf den normal untergeschobenen Beinen mit seitwärts herumgegangenem und auf die Brustwand gestütztem Kopfe. Appetit gering. Der Verdauungstraktns arbeitet subnormal. Der Mist wird verzögert und in ZU trockener Konsistenz abgesetzt. Das Tier ist
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nicht im stände, das Hinterteil vom Boden zu erheben. Das Gefühl ist an der ganzen Körperoberfläche vorhanden.
Der Verlauf war kein günstiger. Der Zustand verschlimmerte sich allmählich mehr und mehr, und deshalb wurde das Tier am sechsten Tage der Behandlung geschlachtet.
Leichener seh einungen. Die weiche Rückenmarkshaut ist vom ersten Lendenwirbel an rückwärts in ziemlich bedeutendem Grade injiziert, und im Verlaufe der kleinsten Gefässe finden sich stecknadelkopfgrosse Blut-extravasate. Das Rückenmark erscheint auf dem Querdurchschnitt mit roten Pünktchen besetzt, die nach dem Abspülen wieder auftreten, und zwischen dem mittleren und unteren Seitenstrange liegen jederseits Blut-extravasate, von welchen die grössten von dem Umfange einer Linse sind.
Dieser Fall bildet ebenfalls eine Ausnahme von der Regel, weil das Uefühl nicht versehwunden war.
6.nbsp; Januar. Anm. Die Kuh hat vor sechs Wochen gekalbt und ist seit 12 Stunden sehr krank.
St. pr. Das Tier liegt teilnahmlos mit auf die rechte llippenwand gestütztem Kopfe. Puls 100 und klein. Respiration 16. Innere Tem­peratur um ca. 0,5 Grad erhöht, äussere Temperatur ungleichmässig ver­teilt. Schleimhäute, namentlich die des Auges, stark gerötet. Die Aug­äpfel sind stark zurückgezogen; die Cornea erscheint matt; Thrilnen laufen kontinuierlich über die Wangen. Der Verdauungstraktus liegt still. Der Kot ist zu trocken. Bauch und Brust sind druckempfindlich. Das Gefühl ist am Hinterteil bis zur Mitte des Rückens verschwunden. Das Tier ist nicht im stände, das Hinterteil zu erheben.
Der Verlauf war kein günstiger. Das Tier zeigte sich in den nächsten Tagen allerdings etwas munterer, es frass, soff und ruminierte zuweilen; jedoch war nach Ablauf von 12 Tagen noch keine Änderung in der Mobilität und Sensibilität eingetreten. Deshalb wurde zum Schlachten des gut genährten Tieres geraten.
Leichenerscheinungen. Die serösen Häute des Hintorleibes, sowie die Pleura costalis sind trübe, geschwellt und hyperämisch. Das Rücken­mark erscheint vom dritten Lendenwirbel an rückwärts bei geschlossener Dura bläulich. Die weiche Rückenmarkshaut ist in bedeutendem Grade injiziert; in, sowie auch unter- und oberhalb derselben finden sich Extra-vasate, die von der Grosse eines kleinen Hirsekorns bis zu der einer Linse und darüber sind. Das Rückenmark erscheint auf der Schnitt­fläche rötlichgclb und mit roten Pünktchen besetzt, die nach dem Ab­spülen wieder auftreten.
7.nbsp; Fall. Anamnese. Die Kuh hat vor zwei Tagen gekalbt und ist seit 12 Stunden krank.
St. pr. Das Tier liegt mit auf die Brust gestütztem Kopfe, kann das Hinterteil nicht erheben, stöhnt bei jeder Exspiration und ist bis zur Schulter vollständig gefühllos. Puls reichlich 100. Respiration 35. Tem­peratur im Mastdarm um ca. I Grad erhöht. Der Verdauungsschlauch Hegt still. Der Mastdarm ist gefüllt mit nach dem Futter zu konsistentem Kot. Cornea matt. Thränen laufen kontinuierlich über die Wangen, Brust und Bauch sind druckempfindlich.
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Die Kuh wurde, um dem Eintritt des natürlichcu Todes vorzubeugen, geschlachtet.
Bei der Sektion wurden neben einem Katarrh der Blase dieselben Erscheinungen gefunden wie in dem vorigen Falle.
RUckeiiiiiarkswassorsiiclit. Jabresberioht der Königlichen TierarzneiBchulo zu Hannover pro 1870/''quot;.
In den vorhin erwähnten Fällen von Entzündung des Rücken­marks und seiner Häute ist niemals ein Erguss unter der Dura ge­funden worden, was mieh sehr überrasehte. Ebenso habe ich auch Kückenmarkswassersucht ohne Spuren von Hyperämie gesehen. Die nackte Mitteilung dieses Falles dürfte erlaubt sein.
Sundmacher sen. in Haspelfelde bei Hannover meldete eines Tages eine kranke Kuh mit dem Vorberichte an, dass selbige seit 14 Tagen bei normaler Fresslust und Milchlieferung an einer allmählich zunehmenden Kreuzschwäche leide.
Die selbigen Tages vorgenommene Untersuchung führte namentlich deshalb zu keinem Resultat, weil das Tier bei unserer Ankunft im Stalle stand und Futter in normaler Weise verzehrte.
Die einige Tage später wieder stattfindende Untersuchung ergab folgen­des: Das Tier war anscheinend vollständig fieberfrei; es konnte sich nicht mehr vom Lager erheben und hatte das Gefühl am Hinterteile bis zur Schulter verloren.
Die Diagnose wurde mit Wahrscheinlichkeit auf ßückenmarkwasser-sucht gestellt, und dem Besitzer das Schlachten des Tieres empfohlen.
Bei der zwei Tage später gleich nach dem Tode des Tieres vor­genommenen Sektion fand sich das Eückenmark anämisch und unter der Dura desselben wasserklares Serum in grosser Menge. — Spuren von Entzündung sowie Thromben wurden nicht gefunden. —
Cerebrospinalineningitis.
Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin und vergleichende Pathologie. Band 13.
Diese Krankheit, aucli Genickkrampf genannt, ist von mir nur in Einzelfällen gesehen, kommt aber auch in seuchenartiger Ver­breitung — enzootiseh, sogar epizootisch — vor, Sie besteht in einer spezifischen Entzündung der weichen Haut des Gehirnes, verlängerten Markes und des vordersten Endes des Halsmarkes.
Krankheitsersoheinungen. Das Tier liegt am Boden, ist nicht imstande, sich vom Lager zu erheben, hält die Schenkel geradeaus und Kopf und Hais kontinuierlich so stark gestreckt, dass das Maul in gleicher Linie mit der Wirbelsäule steht, mitunter diese Linie noch überragt. — Opisthotonus. — Der Kopf ist nicht in die normale Lage
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zu bringen, beugt man denselben etwas, so schnellt er nach dem Los­lassen in die abnorme Lage zurück. Das Maul ist schwer zu öffnen. Der Augapfel ist verdreht. Der Blick erscheint eigentllmlich. Zuckungen kleinster Muskelpartien sieht man zuweilen. Das Gefühl fand ich niemals verschwunden. Über Puls, Respiration und Temperatur kann ich aus eigener Erfahrung keine einigermassen zuverlässigen Angaben machen.
Leiehenerscheinungen. Die weichellaut des Gehirns, verlängerten Markes und des vordersten Endes des Halsmarkes zeigt die Er­scheinungen der Entzündung. Die Gefässe sind mit Blut strotzend gefüllt. Im Verlauf der Gefässe finden sich zuweilen kleine Blut-extravasate. Das Exsudat kann angeblich serösblutig oder eiterig sein, dasselbe bildete in den von mir gesehenen Fällen eine gallert­artige Masse. Die Seitenkammern enthalten eine zu grosse Quantität einer rötlichgelben Flüssigkeit. Das Gehirn erscheint auf der Schnitt­fläche mit kleinen Blutpünktchen besetzt, die nach dem Abspülen wieder auftreten. Herz schlaff. Leber lehmfarbig. Die Schleimhaut des Verdauungstraktus zeigt hier und da die Erscheinungen des Ka­tarrhs. Blut nicht normal geronnen.
Verlauf. Der vorhin angegebene Symptomenkomplex tritt mit­unter plötzlich ein, demselben gehen aber in anderen Fällen Vorboten — Versagen des Futters und Getränks, Unterlassen des Wiederkauens, Unruhe und steife Haltung des Kopfes — voran. Die Krankheit kommt nicht immer zur vollen Entwickelung. Wenigstens habe ich einmal erlebt, dass eine Kuh neben Appetitlosigkeit und leichter Un­ruhe nur eine steife Haltung des Kopfes, ähnlich wie beim Starr­krampf zeigte, und dass diese Erscheinungen sich allmählich in zwei Tagen verloren. Ist die Krankheit vollständig entwickelt, so ist der Ausgang gewöhnlich ein tödlicher. Wenn ich den vorhin erwähnten Fall, in welchem die Kuh nicht zum Festliegen kam, die Diagnose immerhin als zweifelhaft bezeichnet werden kann, ausschliesse, so habe ich nur einmal Heilung eintreten sehen.
Diagnose. Die Krankheit kann während der Entwickelung nur mit Wahrscheinlichkeit, nach derselben aber mit absoluter Sicherheit. aus dem angegebenen Symptomenkomplex erkannt werden.
Ursachen. Hierüber ist nichts Sicheres ermittelt; man denkt jedoch an eine Infektion.
Prognose. Ungünstig.
Behandlung. Bricht die Krankheit mehrfach im Stalle aus, so muss man an die Utnstallung der Tiere, event, an die Desinfektion des
Jlarm #9632;. KimlviHihcilkuiHU1.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; U
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Stalles denken. — Örtlich wendet man wohl Eis oder kalte Be-giessungen an. Ich habe hiernach keinen günstigen Erfolg gesehen, und bin deshalb zur Benutzung einer scharfen Salbe übergegangen. Innerlich reiche ich Kai. nitr. und Laxantia. .Nach der von Johne in einem Falle beim Pferde gemachten Beobachtung dürfte es sich empfehlen, auch beim Rinde das Pilocarp. liydroclil. zu versuchen.
Kuli des Fuhrmanns Maassberg in der Andcrtenschen Wiese in Hannover. Am 29. Mai zur Untersuchung und Behandlung angemeldet.
Aum. Patientin hat das Morgenfutter anscheineiul mit gutem Appetit verzehrt, eine Viertelstunde später den Rücken mehrfach gekrümmt, ist dann niedergestürzt und liegen geblieben.
St. pr. Morgens 10'/-i Uhr. Die Kuh liegt platt auf der Seite. Die Schenkel liegen gerade aus. Kopf und Hals sind so stark gestreckt, dass das Maul fast in gleicher Linie mit der Wirbelsäule sich befindet. Der Augapfel ist verdreht. Im Auge liegt ein eigentümlich stierer Aus­druck. Puls 66 und regelmässig. Respiration 21. Temperatur 38,2. Gefühl allenthalben vorhanden. Der Kopf lässt sich nicht in die nor­male Lage überführen; derselbe schnellt nach starker Beugung beim Los­lassen in die frühere Lage zurück.
Die Diagnose „Genickkrampf, Meningitis cerebrospiualisquot;, konnte nach dem vorstehenden Befunde nicht zweifelhaft sein.
Die Behandlung wurde unter dem ausdrücklichen Bemerken, dass Heilung voraussichtlich nicht erreicht werden würde, eingeleitet. Auf die Genickpartie wurde eine aus Ungt. canth. und 01. crotonis bestehende Salbe auf das nachdrücklichste appliziert, und innerlich wurden achtstündlich, jedoch nur dreimal, 50 g Kalium nitricum gegeben.
30.nbsp; nbsp;Mai. Die Einreibung hat sehr stark gewirkt. Rektaltempera-tur 38,0. Puls 58. Im übrigen wie am Tage vorher. Das Tier be­kommt, da es in den letzten 24 Stunden keinen Kot abgesetzt hat, sofort wie auch acht Stunden später 375 g Glaubersalz mit 7,5 g Brechweinstein.
31.nbsp; nbsp;Mai. Puls 52. Temperatur 37,8. Respiration 18.
1.nbsp; Juni. Puls 50. Temperatur 37,1. Respiration 18. Das Tier stöhnt in leichtem Grade und hält den Kopf noch mehr gestreckt.
2.nbsp; nbsp;Juni, l'uls 52. Temperatur 36,2. Respiration 26.
3.nbsp; nbsp;Juni. Das Tier liegt morgens tot im Stalle. Leichenerscheinungen. Aufgenommen am 3. Juni, vormittags. Die
Muskeln in der Genickpartie sind dunkelrot und hyperämisch. Auf Per­foration der Dura zwischen dem Hinterhauptsbein und dem ersten Hals­wirbel fliesst eine ziemlich klare, rötlichgelbe Flüssigkeit in der Quantität von 5 g ab. Die harte Haut des Gross- und Kleinhirns, des verlängerten Markes und des Anfangsteiles des Halsmarkes zeigte nichts Abnormes. Die weiche Haut der vorhin bemerkten Stellen stellt eine ca. 1 cm dicke, sulzige Masse dar, in welcher die Arterien und Venen strotzend gefüllt und in unregelmässigen Abständen von kleinen Blutextravasaten begrenzt sind. Die Seiten kaminern sind mit einer rötlichgelben Flüssigkeit sehr stark gefüllt. Das Gehirn zeigt auf der Schnittfläche kleine Blutpunkte,
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die nach dem Abspülen wieder auftreten. Die Harnblase enthält einen Stalleimer voll Harn, ist sonst normal. An sämtlichen übrigen Organen sind wesentliche Veränderungen nicht vorhanden.
Die Krankheiten der Milchdrüse.
Milclunaugul zur Zeit des (jobiireiis.
Dieser Fehler kommt jedenfalls nicht häufig vor; denn mir ist darüber nichts aus der Litteratur bekannt.
Krankheitserscheinungen. Das Euter ist schlaff, kälter als sonst zu dieser Zeit, und aus demselben ist trotz anhaltender Melkmani­pulationen kein Tropfen Milch zu bekommen.
Verlauf. Dieser ist in allen von mir beobachteten Fällen insofern kein günstiger gewesen, als Milchsekretion niemals eingetreten ist. Ich muss jedoch hinzufügen, dass ich nur wenige Fälle dieser Art behandelt habe, und folglich meine hierin gemachten Erfahrungen zur Aufstellung einer Regel nicht dienen können.
Diagnose. Diese kann niemals Schwierigkeiten bereiten. Eine Verwechselung ist nur denkbar mit der Verstopfung des Striches, die jedoch niemals an allen vier Vierteln zu gleicher Zeit vorkommt, und mit der zweiten Form der interstitiellen Euterentzündung, bei welcher aber sehr bedeutende Krankheitserscheinungen vorliegen.
Ursachen. Diese Abnormität stellt sich mitunter im Verlauf der katarrhalischen, sowie der zweiten Form der interstitiellen Euter­entzündung ein.
Behandlung. Obgleich ich durch die eingeleitete Behandlung niemals ein günstiges Resultat erlangt habe, kann ich doch nur empfehlen, in jedem Falle einen Heilversuch anzustellen. Man lasse Melkmanipulationen machen, das Euter massieren und innerlich die sogenannten milehtreibenden Mittel — Fenchel, römischen und schwarzen Kümmel, Spiessglanz etc. — oder kleine Dosen Aloe geben. Es dürfte sich besonders empfehlen, die Behandlung event, schon während der Trächtigkeit einzuleiten. — Ein mir befreundeter Frauenarzt, Dr. Men-tinga in Flensburg, erzielt bei Frauen, welche keine Milch produzieren, in 75u/0 aller Fälle auf die Weise volle Laktation, dass er von der 20. Schwangerschaftswoche an die Brust massiert und innerlich kleine Dosen Aloe reicht. Fette Frauen sollen am wenigsten Aussicht auf Heilung bieten. —
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Das Aufhalten der Milch.
So bezeichnet man diejenige beim Melken auftretende Abnormität, bei welcher die Milch aus den Milchkanälchen nicht in die Zisterne hineintritt und folglich nicht aus dem Euter zu bekommen ist. Das Aufhalten der Milch ist jeder Melkerin bekannt und von Fürstenberg wissenschaftlieh erörtert worden.
Erscheinungen. Milch kommt beim Melken zuerst in normal dickem, nacli ein paar Zügen schon in dünnem Strahl und dann gar nicht mehr zum Vorschein.
Verlauf. Die Milch, die zu einer Melkzeit aus dem Euter ge­wonnen wird, ist nicht, wie man gewöhnlich glaubt, im Anfange des Melkens schon in voller Menge im Euter, noch weniger in der Zisterne vorhanden, sondern wird zum Teil, vielleicht gar grösstenteils während des Melkens gebildet. Die Zisterne kann im Vergleich zu der Quantität Milch, die zu einer Melkzeit erhalten wird, nur eine geringe Menge fassen; selbige muss daher während des Melkens von den Drüsen­gängen aus gespeist werden. Bleibt dieser Nachschub aus, so sagt man, die Kuh halte die Milch auf. Werden die Melkmanipulationen dann fortgesetzt, so schiesst die Milch nach kurzer Zeit in die Zisterne hinein. Melkerinnen haben mir wohl gesagt, die Kühe könnten die Milch von einer Melkzeit zur anderen aufhalten; Beweise für die Richtigkeit dieser Behauptung habe ich aber nicht gefunden.
Ursachen. Das Aufhalten der Milch stellt sich mitunter ohne nachweisbare Veranlassung, namentlich aber dann ein, wenn roh ge­molken wird, oder wenn das Geschäft durch unbekannte Personen besorgt wird. Wie dabei der Mechanismus ist, wissen wir zur Zeit noch nicht. Die Fürstenberg'sche Ansieht, nach welcher das Tier auf der Höhe der Inspiration die Respiration sistieren, damit den Abfluss des Blutes aus den Milcbadern hemmen, so eine starke Füllung der Venen des Euters und dadurch eine Kompression der in die Zisterne einmündenden AusfUhrungsgänge de;- Milchdrüse hervorrufen soll, kann ich niciit adoptieren. Wäre diese Ansicht richtig, so könnte das Tier, wie von Fürstenberg freilich auch behauptet wird, die Milcii nur so lange aufhalten, wie es die Respiration sistieren kann; das ist aber nicht der Fall. Ein kleiner Versuch kann die Haltlosigkeit der An­sicht von Fürstenberg auch beweisen Man komprimiere während des Melkens beide Milcliadern derart, dass ein Abflugs von Blut aus denselben nicht stattfinden kann, dann mllssen sich die kleinen Venen des Euters auch strotzend füllen, das Aufhalten der Milch tritt aber nicht ein.
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Die abnorm geringe Milclisekretion zur Zeit des Uebtirons.
Diese Abnormität habe ich in meiner Privatpraxis nicht ganz selten gesellen.
Erscheinungen. Das Allgemeinbefinden des Tieres ist normal; das Euter ist schlaff und liefert weniger Milch als sonst zu dieser Zeit.
Verlauf. Unter entsprechender Fütterung und Behandlung steigt die Milchsekretion allmählich, kommt aber der Regel nach im nächsten Jahre nicht zur normalen Höhe.
Diagnose. Eine Verwechselung ist kaum möglich. Produziert das Euter zu wenig, so muss unbedingt das Allgemeinbefinden des Tieres aufgenommen werden. Findet sich dieses dann normal, so liegt die­jenige Abnormität vor, um welche es sich hier handelt.
Ursachen. Allgemeine Schwäche der Mutter, wenn diese durch mangelhafte Ernährung, wie ich es mehrfach, namentlich bei gleich­zeitig bestehender Zwillingsträchtigkeit gesehen habe, entstanden ist. — Erwähnen darf ich hier wohl, dass bei der Frllhgeburt dann, wenn selbige gegen das normale Ende der Trächtigkeit erfolgt, die Milch­sekretion ebenfalls geringer ist, als sie ausgefallen, wenn die Geburt am normalen Ende der Trächtigkeit erfolgt wäre. In diesem Falle ist der Zustand des Euters gewisserraassen als normal zu bezeichnen. Die Hausfrau ist gewöhnlich der Meinung, dass die Milchsekretion zu der Zeit, zu welcher die Geburt normaliter hätte erfolgen müssen, in voller Grosse sich einstellen werde.
Behandlung. Das Tier muss kräftig gefüttert und mehrere Male am Tage gemolken werden. Soll mehr geschehen, so kann man auch hier die früher angegebenen sog. milchtreibendeu Mittel versuchen.
Enterodcm.
Die Erwähnung des einfachen Euterödems lässt sich kaum recht­fertigen ; jedoch halte ich selbige der Vollständigkeit wegen für geboten.
Ein Euterödem ist normaliter häufig zur Zeit des Gebarens, wie auch stets bei der ersten Form der interstiticllen Mastitis vorhanden; ausserdem stellt sich ein solches auch zuweilen als Folge- oder Teil­erscheinung anderer Krankheiten ein.
Erscheinungen. Das ganze Euter oder, jedoch seltener, ein Teil desselben ist geschwollen und weich und nimmt, wie man zu sagen pflegt, Fingereindrücke an, d. h. wenn man mit einem Finger einen Druck auf dasselbe ausübt, so bildet sich eine dem Umfange des Fingers entsprechende Grube.
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Verlauf. Dieser richtet sich nach der Ursache, d. h. nach der Krankheit, von welcher das Odem als Folge- oder Teilerscheinung: aufgefasst werden muss. Aber auch dann, wenn die Ursache nicht zu entfernen ist, kann das Ödem wenigstens für eine kürzere Zeit beseitigt werden.
Diagnose. Wenn beim vorhandenen Euterödem Schmerz, Röte und Hitze fehlen und das gelieferte Sekret qualitativ normal ist, hat man es mit der Abnormität zu thun, warum es sich hier handelt.
Behandlung. Diese muss sich nach der Ursache richten. Ist die Krankheit nicht zu beseitigen, will man aber aus irgend einem Grunde das Ödem für eine kurze Zeit entfernen, so muss mau häufig melken und das Euter massieren lassen.
I'arciiclijmatiisc Euterentziimluug'.
Darunter verstehe ich eine Erkrankung — Entzündung? — des­jenigen Epithels der Milchdrüse, in welchem die Milchbereitung statt­findet. Sollte ich mich in der bis jetzt noch neuen Auffassung irren, und sollte die gewählte Bezeichnung nicht präzise sein, so ist das nicht so schlimm, wie der Laie vielleicht glaubt. Ich kann hierunter wenigstens mitteilen, was ich in der Klinik vielfach gesehen habe, und was sich folglich auch weiter finden wird.
Die parenehymatöse Mastitis liegt bei vielen Infektionskrankheiten, uamentlich auch bei der katarrhalischen und interstitiellen Euter-entzüudung als Teilerscheinung vor; dieselbe ist von mir aber aucli nicht ganz selten als selbständiges Leiden gefunden worden.
Krankheitsorscheinungen. Das Allgemeinbefinden des Tieres ist nachweisbar nicht gestört. Das Euter ist nach der Quantität Milch, welche es liefert, zu umfangreich, also relativ geschwollen und, wenigstens anscheinend, empfindlicher als unter normalen Verhältnissen. Von dem Vorhandensein einer höheren Temperatur habe ich mich nicht überzeugen können. Die Milchsekretion hat abgenommen bis auf den fünften, ja mitunter sogar bis auf den zwanzigsten Teil der früher gelieferten Menge. Die Milch erscheint mitunter normal, in anderen Fällen zu dick und gelblich, und in noch anderen Fällen schmutzig­grau; sie gerinnt in jedem Falle beim Kochen, selbst auch dann, wenn sie kurze Zeit vorher gewonnen worden ist und normal, d. h. amphoter reagiert.
Die Ursache der Gerinnung der Milch ist trotz der vielfältigen Untersuchungen derselben mit Sicherheit wohl nicht ermittelt. Früher
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glaubte man, dass derGelialt an Casein abnorm gering, dagegen der Ge­halt an Albumin abnorm gross sei. Später wurde angenommen, dass ein Eiweisskörper, der zwischen Albumin und Casein stehe, vorhanden sei. Dr. Arnold neigt sich der Ansicht zu, dass ein Ferment vorhanden, welches wenigstens dem Labfermente ähnlich ist.
Verlauf. Dieser ist der Regel nach ein günstiger; die Milch wird nach und nach in voller oder annähernd voller Menge und von normaler Konstitution geliefert.
Behandlung. In früherer Zeit habe ich vieles vergeblich ver­sucht ; jetzt lasse ich dreimal täglich sanft ausmelken und dreimal täglich Antimouium crudum 7,5 mit Fructus foeniculi 15,0 innerlich geben.
Katurrhalisclie Eutoreiitzilndung'.
Eine verschieden tief gehende Entzündung der Schleimhaut des Striches, der Zisterne und der Ausfuhrungsgänge der einzelnen Drüsen­läppchen. Sie kommt für sich als rein örtliches Leiden, häufiger aber als Teilerseheinung von Infektionskrankheiten vor. Als solche habe ich sie ab und zu bei der Rinder-Intluenza und ziemlich oft bei der Maul- und Klauenseuche gesehen.
Krankheitserseheinungen. An einem Viertel, einer Hälfte, an allen Abteilungen, mitunter am linken Vorder- und rechten Hinter-viertel etc. des Euters finden sich die Erscheinungen der Entzündung. Die betreffende Euterpartie ist geschwellt, vermehrt warm, schmerzhaft, ausnahmsweise gerötet und liefert beim Melken ein abnormes Sekret. Die Schwellung beschränkt sich, wenn diese Form rein vorliegt, auf die untere Hälfte der ergriffenen Euterpartie und ist vielfach so schwach, dass sie kaum nachzuweisen ist. Niemals ist das Euter bei der ein­fachen katarrhalischen Entzündung sehr umfangreich, steinhart oder odematös. Vielfach ist die Schwellung am Striche verhältnismässig stark, mitunter fehlt sie hier aber ganz. Der Schmerz erstreckt sich gewöhnlich bis zur mittleren Höhe des Organes; derselbe ist mitunter aber nur am Striche und der Zisterne zu konstatieren. Die Röte sieht man nur ausnahmsweise; sie erstreckt sich vom Striche bis zur mittleren Höhe der ergriffenen Euterpartie und geht hier allmählich in die normale Farbe über. Die beim Melken gewonnene Flüssigkeit habe ich, wie folgt, verschieden gefunden: a. Die zu einer Melkzeit zuerst erhaltene Flüssigkeit erscheint hellrosarot — ganz so, als wenn zur normalen Milch etwas Blut hinzugesetzt wird — und enthält sogar kleine Blutgerinnsel; die zuletzt gewonnene Flüssigkeit sieht vollständig
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weiss, resp. normal aus, iu derselben können aber auch ab und zu kleine Blutcoagula sichtbar werden. Je härter gemolken wird, um so leichter treten Blutcoagula in der Milch auf. b. In anderen Fällen ist die beim Melken zuerst erhaltene Flüssigkeit dünn, grauweiss von Farbe und mit kleinen Flöckchen durchsetzt, die zuletzt gewonnene Flüssigkeit von der Beschaffenheit der normalen Milch, c. In noch anderen Fällen ist die beim Melken erhaltene Flüssigkeit bis zum letzten Tropfen dünn, grauweiss von Farbe und mit kleinen Flöckchen und grösseren Klümpchen, von denen die letzteren aus Zellenscliollen und Fibrinplatten bestehen und sich nur unter grosser Kraftanstrengung auspressen lassen, untermischt. In keinem Falle ist die Sekretion eine quantitativ normale.
Verlauf. Dieser ist niemals im voraus mit Sicherheit anzugeben. Folgende Ausgänge habe ich im Laufe der Jahre kennen gelernt.
1.nbsp; Die Krankheit kann in einer Zeit von einigen Tagen zur vollen Ausgleichung gelangen. Dieser Ausgang ist von mir am leichtesten erreicht worden, wenn die beim Melken zuerst erhaltene Flüssigkeit von rötlicher Farbe war; derselbe ist aber nicht ausgeschlossen, wenn das gelieferte Sekret von grauweisser Farbe und flockig ist.
2.nbsp; Kann relative Heilung derart eintreten, dass eine Verdickung der Schleimhaut des Striches und der Zisterne zurückbleibt. Man fühlt dann, wenn man den Strich zwischen Daumen und Zeigefinger rotieren lässt, einen federkieldicken Strang, welcher sich bis zur obersten Partie der Zisterne erstreckt. Die Tiere liefern eine normale Milch, sind aber hartmelkig, mitunter sogar in sehr hohem Grade.
3.nbsp; Kommt es vor, dass wohl der Katarrh vollständig beseitigt wird, gleichzeitig aber die Milchsekretion sistiert. Ob solche Tiere, wenn sie fernerhin zur Zucht benutzt werden, im nächsten Jahre der Hegel nach wieder Milch produzieren, weiss ich nicht.
4.nbsp; Stellt sich mitunter Eiterung ein, so dass aus den ergriffenen Teilen Milch nicht mehr gewonnen wird. Die beim Melken erhaltene Masse ist ziemlich dick und mit Klumpen durchsetzt; sie enthält neben den Fettkügelchen granulierte Rundzellen, Epithelzellen und Bakterien. Die Klumpen, die sich in dieser Masse finden, bestehen weniger aus Casein, sondern mehr aus Albumin. Ist die tägliche Lieferung von Eiter keine bedeutende, so kann vielleicht, was ich jedoch nicht gesehen habe, in verhältnismässig kurzer Zeit Ausgleichung eintreten, es dauert der Prozess dann aber der Regel nach sehr lange, mitunter sogar bis zum Tode, resp. bis zum Schlachten des Tieres. Es
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stellt sich auch hierbei eine Verdiekung' der Schleimhaut deraquo; Striches und der Zisterne ein, jedoch nur eine geringgradige. Hartmelkigkeit habe ich hierbei niemals eintreten sehen. Ist die Eiterproduktion eine bedeutende, so stellt sich ziemlieh rasch neben einer Verdiekung der Schleimhaut des Striches und der Zisterne eine Verdickung der Wand der Drllsenkanäle ein. Man fühlt dann dicke, harte Stränge in der Drlisensubstanz. In diesem Falle treten auch wohl an der äusseren Fläche der ergriffenen Drüsenpartle hervorragende, weiche, fluktuierende Stellen auf, aus welchen auf gemachten Einstich eine puriforme Masse, resp. Eiter zum Vorschein kommt.
5. Tritt mitunter zur katarrhalischen Mastitis die interstitielle hinzu. Dann fühlt sich das Euter, resp. das Viertel hart uud uneben an und liefert ein Sekret von vorhin bemerkter Beschaffenheit. Wenn sich neben der interstitiellen Mastitis die katarrhalische findet, so ist, wie die Erfahrung lehrt, zu der letzteren die erstere hinzugetreten.
Leichenerscheinungen. Die geringe Kenntnis der Euterkrankheiten ist darauf zurückzuführen, dass selten Gelegenheit zur Sektion geboten wird. Auch ich habe nicht häufig Gelegenheit gehabt, Euter von Kühen, die an der katarrhalischen Mastitis gelitten hatten, zu unter­suchen. Gefunden habe ich folgendes: 1. In den Fällen, in welchen zuerst eine rötliche, darauf eine normale Milch geliefert wird, findet sich die innere Fläche des Striches, der Zisterne und der grossen Ausführungsgänge geschwollen, bis dunkelrot von Farbe, mit gefüllten Blutgefässen durchzogen und mit kleinen Blutextravasaten durchsetzt. — 2. Bekommt man beim Melken eine dünne, grauweisse, mit schwer auszupressenden Klümpchen durchsetzte Masse, so ist die Schleimhaut des Striches etc. mit innig anhaftenden Platten belegt, die aus Fibrin und Zellen bestehen. — 3. Fühlt man beim Rollen des Striches einen federkieldicken Strang in demselben etc., so ist die Schleimhaut bedeutend verdickt und hat sich sternförmig zusammengelegt. — 4. Hat eine geringe Eiterlieferung lange, monatelang, vielleicht ein Jahr hindurch bestanden, so findet sieh die Schleimhaut des Striches und der Zisterne verdickt, graurot oder graubraun von Farbe, drusig an der Oberfläche und mit einer puriformen Masse bedeckt. — 6. In den Fällen, in welchen eine bedeutende Eiteruug längere Zeit bestanden hat, erscheint die Schleimhaut des Striches uud der Zisterne wie vorhin angegeben. Die Drüsenkanälchen haben an Umfang bedeutend zu­genommen, sind an verschiedenen Stellen stark ausgebeutelt, resp. höhlenartig erweitert; ihre Wand ist verdickt, an der inneren Fläche graurot bis graubraun von Farbe und uneben. Die beutelförmigeu
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Erweiterungen sind von Bohnen- bis Faustgrösse und drüber und enthalten eine puriforme Masse.
Ursachen. Diese kennen wir zur Zeit noch nicht mit Bestimmtheit. Ist die Mastitis Teilerscheinung einer Infektionskrankheit, so denken wir an die Einwirkung eines Giftes. In solchen Fällen aber zu glauben, das böse Agens sei in den Strichkanal hineingedrungen, ist wenigstens eigentümlich. Viel näher liegt doch die Annahme, dass das unbekannte Grifl vom Blute aus die Mastitis wie die anderen Lokalerkrankungen hervorgerufen hat. Ich habe nur einmal in meinem Leben, und zwar in einem Falle von Schlempemauke, Gelegenheit gehabt, zu konstatieren, dass der Krankheitsprozess von der Lederhaut des Striches auf die Schleimhaut desselben übergegangen war. Besteht die Krankheit als einfaches lokales Leiden, so beschuldigt man auch wohl Erkältung.
Behandlung. Fütterung und Haltung werden den Umständen nach geregelt. Das Melken muss möglichst sanft ausgeführt werden und darf höchstens zweimal täglich stattfinden. Ausserlich benutze ich eine mit einem gleichen Teile Spiritus verdünnte Jodtinktur, die vier- bis fünfmal täglich mit einem Pinsel auf die kranke Euterpartie aufgetragen wird, bis eine hinreichende Hautentzündung aufgetreten ist. — Bei Tieren, die sich auf der Weide befinden, dürfen diese Bepinselungen aber nicht stattfinden. — Innerlich gebe ich Antimonium crudum mit Fructus Foeniculi in früher angegehener Dosis. Mit dieser einfachen Behandlung habe ich, wenn ich frühzeitig gerufen worden bin, ganz gewöhnlich Ausgleichung erzielt. Die bedeutende — strangförmige — Verdickung der Schleimhaut habe ich nur zweimal mit zufriedenstellendem Erfolg behandelt. In dem einen Falle, wo es sich um die einzige Kuh eines alten, armen Ehepaares in dem Dorfe Missburg bei Hannover handelte, wurde vollständige Heilung erzielt. Das Euterviertel wurde volle vier Wochen hindurch fast kontinuierlich gebäht. In dem zweiten Falle nahm ich die Amputation des unteren Strichendes vor. Es trat hierauf eine solche Vernarbung ein, dass nur ein sehr kleiner Teil der Milch zwischen den Melk­zeiten abfloss. — Das Präparat ist dem pathologischen Institut über­mittelt worden. — Einreibungen von Merkurialsalbe und ähnlichen Mitteln habe ich gegen die Schleimhautverdickungen ohne allen Nutzen gebraucht. Bei bestehender Eiterung lasse ich das Tier nur aus­melken. Früher habe ich hier manches, namentlich auch in Form von Einspritzungen versucht, aber stets ohne Erfolg. Ist die Eiteruug bei solchen Tieren, die auf der Weidemast sich befinden, eine bedeutende, so nehme ich ebenfalls die Amputation des Striches vor.
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weil dann die Entfernung' des Eiters aus dem Euter bei der Bewegung' des Tieres stattfindet. Hat sich zur katarrlialiscben Mastitis die inter-stitielle hinzugesellt, so lasse ich das Euter häufig, aber sanft massieren und ausmelken | innerlich gebe ich gar niciits oder Stib. sulf. nigr. mit Fructus Foeniculi; und äusserlich gebrauche ich am liebsten Bähungen sonst, im Notfalle, Bepinselungen mit Jod.
lutorstiticllo Kiitercntziludiiugr.
Diejenige Euterentzündung, bei welcher das Parenchym mit den AusfUhrungsgängen affiziert sein mag, das interstitielle und umhüllende Bindegewebe aber unbedingt in hervorragender Weise erkrankt ist. Ks unterliegt keinem Zweifel, dass von allen Euterentzündungen diese weitaus am häufigsten nicht nur, sondern absolut häufig vorkommt.
Krankheitserscheinungen. Das ganze Euter oder ein Teil desselben — ein Viertel oder eine Hälfte — ist geschwollen, hart oder weich, vermehrt warm, auf Druck schmerzhaft und in der Funktion in verschiedenem, mitunter in solchem Grade gestört, dass gar nichts mehr produziert wird.
Ursachen. Man darf an Infektion und Erkältung denken.
Behandlung. Nach Gillibert soll man das Euter mit Kollodium bestreichen. Mir ist nicht bekannt, dass diese Methode Anhänger gefunden hat. Vogel empfiehlt eine Mischung, welche aus zwei Esslöffel voll Wasser, vier Esslötfel voll Amylum, zwanzig Esslöffel voll Glycerin und einem Esslöffel voll dicken Terpentin besteht und über gelindem Feuer zusammen geschmolzen worden ist, auf das Euter aufzutragen. Schaak lässt häufig melken und mit Wasser, das erwärmt und mit Essig angesäuert worden ist, zwei bis drei Tage hindurch kontinuierlich bähen. Sonst empfiehlt man Bähungen mit warmem Wasser, mit einem schleimigen Dekokt, mit leichter Kali­lösung ; Einreibungen mit Seifenliniment, Ammoniakliniment und grauer Salbe. — Letzteres Mittel darf jedoch weder hier noch bei irgend einer anderen Krankheit des Rindes gehraucht werden. Sämtliche Queeksilbermittel sind in der Rindviehpraxis vollständig ausgeschlossen.
Die medikamentöse Behandlung muss sich nach Umständen richten. Deshalb kann ich im allgemeinen nur auf folgendes auf­merksam machen. 1. Die Placierung des Tieres. In vielen Fällen kommt diese kaum in Frage, in anderen Fällen aber wohl. Es empfiehlt sich, die Tiere in den ersten Tagen auf dem Stalle, später aber auf der Weide zu halten; denn nichts befördert die Resorption so sehr, wie die Bewegung, weil dabei eine natürliche
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Massage der Euters stattfindet. In den Gegenden, in welchen Weide­wirtschaft hesteht, muss man im Sommer gewöhnlich darauf verzichten, die Tiere in den ersten Tagen auf dem Stalle zu halten; und in den Wirtschaften, in welchen Stallflitterung besteht, ist es tier Regel nach nicht möglich, den Tieren nach einigen Tagen freie Bewegung zu­kommen lassen zu können. 2. Die Fütterung. Regel muss sein, dass man die Tiere in den ersten Tagen massig futtern oder gänzlich hungern lässt. 3. Das Melken. Bei dieser Euterentzündung ist ein häufiges, stündliches, Melken durchaus notwendig. 4. Die Massage des Euters. Diese benutze ich schon seit vierunddreissig Jahren bei dieser Form der Euterentzündung. — In der ersten Auflage meiner Geburtshilfe habe ich die Massage auch schon unter der Bezeichnung „Kneten und Walkenquot; empfohlen. — Die mechanische Behandlung in Form des Melkens und Massierens bildet unbedingt die Hauptsache.
Mit diesen kurzen Andeutungen kann man in der Praxis nicht in cnvlinschter Weise fertig werden, weil die Krankheit wesentliche Verschiedenheiten zeigt; und deshalb habe ich seit Anfang meiner praktischen Thätigkeit verschiedene Formen unterschieden.
1. Form.
Tiere, die an dieser Form der Entzündung litten, habe ich niemals zu sezieren Gelegenheit gehabt. Ich kann daher über die pathologisch-anatomischen Verhältnisse nichts Sicheres mitteilen. Den Krankheits­erscheinungen nach ist das interstitielle und umhüllende Bindegewebe entzündet und das gesetzte Exsudat serös, das Drüsenparenchym und die abführenden Kanäle aus demselben ebenfalls in geringem Grade affiziert.
Krankheitserscheinungen. Die Tiere fiebern in geringem, mit­unter kaum nachweisbarem Grade, nehmen daher auch Futter und Getränk auf, und zwar meistens in normaler Quantität. Die Ent­zündung ist ebenfalls nicht hochgradig; sie erstreckt sich über das ganze Euter oder findet sich nur an einem Teile desselben. Von den Entzündungserscheinungen tritt die Schwellung in den Vordergrund, und selbige ist ödematös. Die Sekretion hat im ganzen Euter, besonders jedoch in der erkrankten Partie abgenommen. Die Milch der nicht affizierten Drüsenpartien ist normal; die der erkrankten Partien dagegen weniger weiss, also dünner, und regelmässig grobflockig.
Verlauf. Diese interstitielle Euterentzündung verläuft, wenn sie gut ausgeprägt ist, was nicht selten, in einigen Gegenden sogar ziemlich häufig der Fall ist, stets günstig. Je deutlicher die ödematöse
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Beschaffenheit ausgesprochen ist, um so leichter ist Heilung zu erreichen. Sind dagegen Fingereindrltcke schwer zu machen, liegt demnach ein Übergang zur folgenden Form vor, so muss man in der Vorhersage schon vorsichtig sein.
Diagnose. Die gleichmässige und ödematöse Schwellung der er­krankten Partie, sowie die bemerkte Eigentümlichkeit des Sekrets sichern vor Verwechselung.
Behandlung. Hinsichtlich der Haltung und Fütterung gilt das im allgemeinen Bemerkte. Das Euter wird stündlich entleert und in sehonendster Weise massiert. Hiermit kann man in ein paar Tagen zum Ziel gelangen. Ich empfehle jedoch, leichte Einreibungen zu machen und salzige Diuretica innerlich zu reichen. Ich verwende als Externum wohl Seifenspiritus oder Seifenliniment und als Internum den Borax.
2. Form.
Hierbei ist das interstitielle und umhüllende Bindegewebe in bedeutendem, und zwar gleichem oder ungleichem Grade entzündet, das Exsudat ist nicht flüssig, die Ausführungsgänge der Drüse sind komprimiert, die Schnittfläche des Euters erscheint bräunlich und saftig und auf derselben kommt hier und da ein Tropfen Milch zum Vorschein.
Kranheitsersoheinungen. Die Tiere fiebern in bedeutendem Grade, versagen daher das Futter und liegen viel; sie gehen deutlich lahm und heben während des Stehens abwechselnd die Hinterschenkel hoch. Das Euter ist sehr umfangreich, hart, sehr schmerzhaft und sehr warm; es fühlt sich gewöhnlich gleichmässig eben, dann jedoch, wenn das umhüllende Bindegewebe wenig oder gar nicht affiziert, was selten der Fall ist, in leichtem Grade höckerig, uneben, an. Bei den Melkmanipulationen bekommt man nur mit Mühe eine sehr geringe Menge, meistens nur einige Tropfen einer klaren, gelblichen, rötlich­gelben, flockenfreien Flüssigkeit, die sehr warm ist.
Verlauf. Dieser ist ausserordentlich verschieden. Folgende Aus­gänge habe ich kennen gelernt.
1.nbsp;Vollständige Ausgleichung. Fieber- und Entzündungserseheinungen nehmen nach und nach ab und verlieren sich schliesslich ganz. Die Milchsekretion nimmt allmüblich zu, steigt mitunter sogar bis zur früheren Höhe.
2.nbsp; nbsp; Ausnahmsweise treten alle Entzündungserseheinungen mit Ausschluss der gestörten Funktion zurück. Ob dann im nächsten
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Jahre, falls das Tier fernerhin zur Zucht benutzt wird, die Milch­sekretion der Regel nach eintritt, weiss ich nicht.
3.nbsp; Nicht ganz selten bleiben Verhärtungen zurück. Das Fieber verschwindet, Schmerz und Hitze verlieren sich, aber die Geschwulst bleibt zum Teil zurück. Die Milchsekretion tritt ein und hebt sich, erreicht aber nicht die normale, frühere Höhe.
4.nbsp; Entwickelt sich ausnahmsweise ein groser Abscess über der Drüse. Dann treten die Erscheinungen der Entzündung mit Ausnahme des Schmerzes, der sogar steigen kann, in geringem Grade zurück. Diesen Ausgang kann man nach meinen bisherigen Erfahrungen gegebenen Falls wohl vermuten, aber niemals mit Sicherheit dia-gnosieren. In den beiden von mir erlebten Fällen dieser Art magerte das Tier allmählich in hohem Grade ab und wurde schliesslich getötet.
5.nbsp; Verjauchung mit tödlichem Ausgange habe ich zweimal ein­treten sehen. Das Fieber nimmt allmählich zu, die bei den Melk-manipulationen gewonnene Flüssigkeit ist sehmutziggrau und stinkend und es tritt eine deutliche Fluktuation am Euter ein. Wird dann ein ergiebiger Einschnitt gemacht, so kommt die obenbemerkte Flüssigkeit in grosser Quantität zum Vorschein, und die zerfallene Drüsensubstanz ist mit der Hand herauszuholen. In einem dieser beiden Fälle lag gleichzeitig eine jauchige Pericarditis traumatica vor, und ich nehme an, dass von diesem Krankheitsherde aus die Fäulniserreger nach dem Euter getragen worden sind.
6.nbsp; In seltenen Fällen treten Tuberkulosen im entzündeten Euter auf. — S. Eutertuberkeln. —
7.nbsp; Zweimal habe ich erlebt, dass Kühe, die an einer sehr heftigen interstitiellen Euterentzündung litten, in kurzer Zeit krepierten. Dass aber die Mastitis zum Tode geführt hat, kann ich nicht behaupten, denn neben dieser Krankheit bestand unbedingt Gastro-Enteritis. Zur Sektion bin ich in keinem dieser Fälle gelangt.
Behandlung. Über Haltung, Fütterung, Melken und Massieren gilt das im allgemeinen Bemerkte. Die mechanische Behandlung muss auf das strengste durchgeflihrt werden. Innerlich gebe ich Kalium nitricum mit Natrium sulfuricum, oder Borax. Ausserlich benutze ich am liebsten Bähungen mit warmem Wasser. Wenn das Euter kontinuierlich gebäht und stündlich abwechselnd ausgemolken und anhaltend massiert wird, so erreicht man unbedingt die schönsten Resultate. Es ist zu bedauern, dass so häufig auf die Benutzung der Bähungen verzichtet werden muss. Ist dieses der Fall, so lasse ich dennoch stündlich anhaltend Melkmanipulationen machen und massieren,
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und ausserdem die kranke Euterpartie mit Ausscbluss des, resp. der Striche vier- bis fünfmal täglich mit einer aus gleichen Teilen Spiritus und Jodtinktur bestehenden Mischung bepinseln, bis eine entsprechende Hautentzündung aufgetreten ist. Der Erfolg dieser Behandlung tritt gewöhnlich erst nach mehreren bis zehn Tagen ein. Statt der Jod­tinktur kann man, wie es früher von mir geschehen, Seifenliniment einreiben, oder Kollodium oder die Vogel'sche Mischung auftragen lassen. Sind Verhärtungen zurückgeblieben, so empfiehlt es sich nicht, dagegen einzuschreiten. Was geschehen muss, wenn ein Abscess ober­halb der Drüse vermutet wird, kann ich nicht angeben. Bei vor­handener Verjauchung habe ich die Jauche entfernt und Antiseptica in extremster Weise in Anwendung gebracht.
Euterbrand.
Der trockene Brand des Euters kommt ziemlich oft bei dem Schafe und der Ziege, sehr selten dagegen beim Rinde vor. Mir ist über diese Krankheit des Rindes aus der Litteratur gar nichts und aus der eigenen Praxis nur wenig bekannt, und folglich kann ich auch nur kärgliche Mitteilungen darüber machen.
Krankheitserscheinungen. Während die eine seitliche Hälfte des Euters vollkommen intakt ist und normale Milch in der früheren Quantität liefert, findet sich die andere Hälfte kalt, ödematös ge­schwollen, bis zu einem in ganzem Umfange ziemlich gleich hohen Punkte gerötet und nicht nur nicht schmerzhaft, sondern gefühllos. In einem Falle sah ich an den Strichen Blasen mit einem kalten, rötlichen und trüben Inhalt. Bei den Melkmanipulationen bekommt man eine kalte, blutige Flüssigkeit. Das Allgemeinbefinden fand ich beim Rinde niemals getrübt.
Verlauf. In verschiedener Höhe bildet sich die Demarkations­linie ; der darunter liegende Teil trocknet allmählich auf und löst sich gleichzeitig von den lebenden Teilen ab. Am längsten halten sich die durch Thromben geschlossenen Blutgefässe. Die Vernarbung erfolgt verhältnismässig rasch.
Diagnose. Eine Verwechselung ist wohl kaum möglich. Die Ausschliessung der zweiten Form der interstitiellen Mastitis und des Blutextravasats über dem Euter, welche wohl hauptsächlich in Frage kommen, kann niemals Schwierigkeiten bereiten.
Ursachen. Mir unbekannt.
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Behandlung. Beim Kinde habe ich niemals eine Behandlung eingeleitet. — Bei Schafen und Ziegen habe icli die antiseptische Kurmethode in Anwendung gebracht. —
Rosenartigo Entziindang der Haut des Enters.
Diese Krankheit habe ich bei auf der Weide lebenden Rindern mitunter gesehen.
Krankheitserscheinungen. Leichtes Fieber mit den weiteren Folgen. In der Maut des Euters finden sich kleine, flache, ödematöse Schwellungen, die entweder scharf begrenzt und von dem Umfange eines ZehnpfennigstUckes bis zu dem eines Markstückes oder von mehr unregeimässiger Form und grösserem Umfange sind. Die Milch ist mitunter gelblich und dicker als im Normalzustande.
Verlauf. Stets günstig. In ein paar Tagen tritt Heilung ein.
Behandlung. Ich gebe innerlich stündlich 5 g Schwefelsäure mit einer Flasche Wasser.
Sogenannte E u t e r s e u c li e.
In vSclileswig, wie auch in Holstein ist bei dem Rindvieh eine In­fektionskrankheit vorgekommen, bei welcher das Euter regelmässig af'fi-ziert war.
a. In Schleswig.
Über die sogenannte Euterseuche in Schleswig bat Tierarzt Thiessen in Tetenbüll mir auf besonderen Wunsch ein Schreiben zugehen lassen, aus welchem icli folgendes entnehme. Die Krankheit hat im Jahre 1850 und 1852 in Eiderstedt allenthalben unter den — giisten — fetten Kuben und Quien, sogar bei sechs Monate alten Kälbern, vereinzelt bei Ochsen und sehr selten bei Milchkühen geherrscht.
Krankheitserscheinungen. Leichtes Fieber. Die Tiere stehen krummbeinig und gehen lahm, Die Sprunggelenke sind entzündet. Euter und Striche sind stark geschwollen, sehr wann, von bliiuliebroter Farbe, glänzend und schmerzhaft. I5ei den Melkmanipulationen giebt es in den ersten Tagen der Krankheit eine wässerige und schmutziggelbe, später eine klümprige und übelriechende Flüssigkeit.
Verlauf. Selten lethal. Die Entzündung des Euters und Sprung­gelenkes hat sich aber immer erst nach einigen Wochen verloren.
Ursache. Hierüber ist nichts mit Sicherheit ermittelt worden. Thiessen hat aber schon an eine Infektion gedacht. Derselbe ist nämlich der An­sicht, dass der Rotlauf des Schweines und die in Frage stehende Krank­heit, welche gleichzeitig geherrscht haben, durch eine und dieselbe Ursache hervorgerufen worden sind.
Behandlung. Adeilass, hamp;uflges Ausmelken, öfteres Bestreichen des Euters und der Sprunggelenke mit Schlamm — Mudder aus den Gräben —,
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Einreibung des Euters mit einer ans Unguentum althaeae und Oleuni laurinum bestehenden Salbe, Entleerung der grösseren Abscesse, und innerlich Natrium sulfuricum mit Ehizom. calam. und Fruet. Juniperi.
b. In Holstein.
Über eine Euterseuche, welche im Holsteinschen nicht nur unter milchenden, sondern auch unter hochträchtigen und güsten Kühen ge­herrscht hat, macht der Doraänenpälchter Drenkhan auf Stendorf uns im Wochenblatt für Schleswig-Holstein eine Mitteilung, aus welcher ich folgen­des entnehme:
Eine besondere Euterkrankheit trat im Winter 1874/1875 und im Sommer 1875 vereinzelt, im Winter 1875/1876 aber in solcher Ausdehnung auf der Domäne Stendorf auf, dass von 180 Kühen nur 40 verschont blieben. Jedoch nicht allein hier, sondern auch auf Eedingshof und an anderen Stellen Holsteins soll die Seuche geherrscht haben.
Krankheitserscheinungen. Das ganze Euter oder ein Teil desselben liefert bei den Melkmanipulationen eine wässerige Flüssigkeit mit ge­ronnenen Stücken, welche letztere zuweilen so dick sind, dass sie kaum und nur mit Schmerzen für die Kuh aus dem Striche zu bringen sind, ja zu­weilen einem dicken, weissen Eiter gleichen, und sich in Gestalt eines Kegels in die Hand melken lassen. Die erkrankte Euterpartie ist meistens weich und fühlt sich normal an; selbige ist jedoch ausnahmsweise ge­schwollen, vermehrt warm und schmerzhaft. Diese Erscheinungen treten plötzlich, oder nachdem die Tiere einige Tage krank gewesen sind, auf.
Über die Ursachen ist nichts festgestellt; Ansteckung ist angenommen worden.
Behandlung. Man hat das Euter angespritzt und gewaschen mit Karbolsäure, sowie den Stall gründlich desinfiziert; doch alles ohne den gewünschten Erfolg.
In diesen Seuchengängen hat unbedingt eine Infektion vorgelegen, durch welche verschiedene Lokalerkrankungen hervorgerufen worden sind. In Schleswig und Holstein hat neben der Entzündung des Euters wenigstens eine Entzündung von Gelenkkapseln und Sehnenscheiden bestanden; ich halte sogar für wahrscheinlich, dass auch nocli andere, weniger in die Augen springende Lokalerkranknngen vorgelegen haben.
Das wenige, was mir aus der Litteratur über diese Krankheit be­kannt geworden ist, sowie dasjenige, was ich an zwei Patienten be­obachtet habe, deutet darauf hin, dass Euterseuclie und Rinder-Influenza — s. diese — eine und dieselbe Krankheit sind.
Milclmbscoss.
Als Milchabscess bezeichnet man die Ansammlung' einer grösseren Quantität Milch innerhalb eines bedeutend erweiterten Kanales der Milchdrüse oder im interstitiellen Bindegewebe derselben.
Krankheitserscheinungen. Nur dann, wenn der Milchabscess dicht unter der Haut des Euters liegt, kann er diagnosiert werden. Es
HunnH. Rlndvlobhellknnde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;12
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findet sieh in diesem Falle eine prominierende Stelle, welche deutlich fluktuiert. Vermehrte Wärme und Schmerz sind nicht vorhanden, und dadurch wird man gegen die Verwechselung mit einem gewöhnlichen Abscess geschützt.
Verlauf. Konstatiert habe ich, dass ohne Einleitung einer Be­handlung Heilung eintreten kann. Ob vielleicht, was wohl angegeben wird, die Milch gerinnen und sieh so ein Milchknoten bilden kann, weiss ich nicht.
Ursachen. Infolge einer Verlegung eines Ausführungsganges muss sich vor der verstopften Stelle Milch allmählich ansammeln, bis das betreffende Parenchym die Sekretion einstellt. Es kann dabei der Druck in dem Ausfuhrungsgang so bedeutend werden, dass die Wand desselben gesprengt und Milch in das interstitielle Bindegewebe hineingeschoben wird.
Behandlung. Die Einleitung einer Behandlung ist nicht in jedem Falle notwendig, weil, wie ich schon oben bemerkt habe, eine Natur­heilung eintreten kann. Bleibt diese aus, so kann, wenn die Beseitigung dringend gewünscht wird, die Entleerung mittelst eines feinen Trokars oder der Pravaz'schen Spritze wahrscheinlich mit Erfolg vorgenommen werden. Ich muss jedoch bemerken, dass ich dies noch niemals ver­sucht habe. Ein einfaches Aufspalten kann ich nach dem, was ich in einem Falle gesehen habe, nicht empfehlen.
Furunkel im Euter.
Diese kommen in unserer Gegend nicht häufig vor; denn mir stehen aus der ziemlich langen Zeit meiner praktischen Thätigkeit nur ein paar Beobachtungen zur Verfügung, auf welche ich schon in einem der Jahresberichte aufmerksam gemacht habe.
Krankheitserscheinungen und Verlauf. In einem Viertel, ge­wöhnlich in der Nähe des Striches, findet sich ein harter Knoten. In diesem treten weiche Stellen auf, an welchen bei einem entsprechenden Druck Zerfallsmasse in Form von Pfropfen, die hier und da etwas Blut enthalten, zum Vorschein kommt. So viel Pfropfe ausgepresst worden sind, so viele Höhlen finden sich dann, welche sämtlich eine gute Granulation zeigen. Im weiteren Verlauf schmelzen die zwischen den Höhlen liegenden Weichtheile vollständig ein, gleichzeitig hebt sich die Granulation, und nach zwei bis drei Wochen ist Heilung erreicht.
Behandlung. In jedem Falle habe ich eine Digestivsalbe benutzt.
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Traumatisches Eutcrgeschwllr.
Krankheitserscheinungen. Eine Flüssigkeit, die in Farbe, Kon­sistenz und Geruch Verschiedenheiten zeigt und meistens klebrig ist^ fliesst an einer Stelle des Euters in einer der sezernierenden Fläche entsprechenden Menge ab. Der Ort, wo diese Flüssigkeit geliefert wird, fühlt sich hart an und ist schmerzhaft. An einer Stelle wenig­stens findet sich eine Öffnung, die von verschiedenem Umfange ist und zu einem Hohlräume führt, der gewöhnlich vielfäeherig ist.
Verlauf. Es kann ein solches Geschwür lange bestehen bleiben und dabei allmählich grosser werden. Eine Naturheilung habe ich nicht beobachtet. Unter sachgemässer Behandlung ist bald Heilung zu erreichen, wobei jedoch ein Teil, ganz gewöhnlich ein Viertel des Euters verloren geht. Man sagt dann wohl, dass in solchem Falle das Tier mit drei Strichen eben soviel Milch gebe wie früher mit vier Strichen; das ist aber nicht richtig.
Behandlung. Sowie mehrere Wege nach Eom, so können auch hier vielleicht mehrere Methoden zur Heilung, zur Beseitigung des Geschwüres, führen. Ich kann nur die Anwendung eines Ätzmittels empfehlen. Ich benutze zunächst Liquor Villatii. Komme ich hiermit nicht bald zum Ziele, so greife ich zu einem aus weissem Arsenik, dickem Terpentin und Eigelb bestehenden Linimente, in welchem das Verhältnis des Arseniks zu den beiden andern Bestandteilen wie 1:20 ist. Die Geschwürshöhle wird gründlich gereinigt, darauf mit Hede, welche mit dem Linimente gut imprägniert worden ist, vollständig gefüllt und dann durch die Naht geschlossen. Mit ca. 20 Tagen fällt der Ätzschorf ab, und liegt dann die schönste Granulation vor. Nach weiteren zwei bis drei Wochen ist Heilung erreicht. Gewöhnlich habe ich 50 bis 60 g des bemerkten Liniments gebraucht. — Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass in der Milcii von Kühen, die in vor­bemerkter Weise behandelt wurden, bis jetzt noch niemals Arsenik gefunden worden ist. —
Euter- Aktinoinykouic.
Wie allenthalben, so treten auch im Euter mitunter, freilich selten, Aktinomykome auf, welche früher oder später im Innern zer­fallen und dann durchbrechen. Der Ausfluss besteht in minimaler Menge längere Zeit fort, und darauf stellt sieh vorläufig eine voll­ständige oder unvollständige Heilung ein. Die Geschwulst zeigt in ersterem, wie in letzterem Falle eine Einsenkung ; sie nimmt allmählich an Umfang zu und bricht wiederholt durch.
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Behandlung. Nacli dem Durchbrueh kann man die innere Fläche der Höhle abkratzen und mit Jodtinktur wiederholt bepinseln, event, in der Weise verfahren, wie beim traumatischen Eutergeschwür angegeben worden ist.
lilutcxtravasat Über dorn Euter.
Dieses Extravasat, bei welchem das Blut in dem lockeren Binde­gewebe, welches zwischem dem Euter und den Bauehdeeken liegt, sich befindet, kommt unbedingt niclit häufig vor; denn mir stehen nur zwei derartige Beobachtungen aus der eigenen Praxis zur Verfügung.
Krankheitsersoheinungen. Das Euter ist geschwollen, ödematös und — wahrscheinlich infolge zu starker Spannung — etwas schmerz­haft. Das Tier ist im Gebrauche seiner Glieder geniert. Die bei den Melkmanipulationen gewonnene Masse ist in den verschiedenen Strichen hell- bis dunkelrot und enthält sogar Blutcoagula.
quot;Verlauf. In dem einen Falle trat nach und nach volle Aus­gleichung ein; in dem anderen Falle wechselten Besserung und Ver­schlimmerung, so dass das Tier, welches versichert war, schliesslich geschlachtet wurde. Dieser Fall gab nähere Auskunft über die Lage des Blutes, leider aber nicht über den Weg, auf welchem dasselbe in die eigentliche Drüsensubstanz gelangt war.
Behandlung. Dem Tiere muss zunächst Kühe gegeben und um das Euter ein Suspensorium gelegt werden. Man lasse zweimal täglich sanft und nicht bis zur vollständigen Entleerung des Euters melken. Sobald man glaubt, dass das ausgetretene Blut geronnen ist und in den verletzten Gefässen genügend feste Thromben sich gebildet haben, gönne man dem Tiere Bewegung. Mit innerlichen Arzeneien wird mau hier nichts erreichen können, sollen solche versucht werden, so kann es sich wohl nur um die Adstringentia und Styptica handeln.
Uliitexlriimsiit vor dem Euter.
Auf dieses Extravasat mache ich aufmerksam, weil es sich rück­wärts bis auf das eine Vorderviertel des Euters erstreckt. Es liegt vor dem Euter, jedoch nicht in der Mitte, sondern vor der einen seit­lichen Hälfte desselben; es hat die sogenannte Milchader umfasst und reicht je nach der Menge des ausgetretenen Blutes verschieden weit vorwärts, mitunter bis zum Vorderschenkel. Das ausgetretene Blut bleibt entweder zum Teil oder in ganzer Menge flüssig, oder es gerinnt zu einem festen Kuchen. Ungefähr vierzehn Tage nacli der Entstehung ist an der inneren Fläche des Uoiilraumes, in welchem das Blut liegt.
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eine starke Granulation vorhanden. Ist das Blut geronnen, so wird eine Auspressung von Serum eintreten; denn schiebt man in solchem Falle einen Trokar hinein, so bekommt man rötliches Serum, mitunter sogar in bedeutender Menge.
Krankheitserscheinungen. Die Geschwulst ist in leichtem Grade schmerzhaft; in der Mitte fest oder fluktuierend, an der Peripherie, besonders am inneren Eande, üdematös.
Verlauf. Bei sonst gesunden Tieren gelangt dieses Blutextravasat in jedem Falle von selbst zur vollständigen Ausgleichung ; dann jedoch, wenn gleichzeitig ein Geschwür vorliegt, kann leicht Verjauchung ein­treten. Tritt z, B. bei einem Rinde, das mit einem Blutextravasat behaftet ist, Panaritium auf, so ist, wenn nicht besondere Massregeln ergriffen werden, der Eintritt der Verjauchung zu befürchten.
Ursachen. Es liegt eine Verletzung der Milchader vor.
Diagnose. Die Lage und die rasche Entstehung der Geschwulst, das Nichtvorhandensein der peristaltischen Bewegung in derselben und das Fehlen der Bruchpforte leiten schon ziemlich sicher; die Ein­führung eines feinen Trokars oder der Pravaz'schen Spritze erhärtet die Diagnose. Die Applikation eines dieser Instrumente wird vielleicht von manchem verworfen ; ich kann jedoch versichern, dass ich niemals Nachteil darnach habe eintreten sehen. Sogar das Anstechen eines Darmstückes wird keine üblen Folgen nach sich ziehen.
Behandlung. Sichere Heilung tritt ein, wenn gar nichts geschieht. Will man die Heilung der Natur überlassen, so empfiehlt es sich, dem Tiere zunächst, und zwar bis zur Herstellung eines festen Thrombus und Gerinnung des extravasierten Blutes, volle Ruhe und später freie Bewegung zu gestatten. Die Naturheilung aber erfordert eine recht lange Zeit. Will man rascher ans Ziel gelangen, so kann man zwei bis drei Wochen nach dem Eintritt des Extravasats das Blut entfernen, und die dann schon granulierende innere Fläche des Hohlraumes nach den Regeln der Antiaeptik behandeln. Die sofortige Entfernung des Blutes kann ich nicht empfehlen.
Lälniiung (.') der Milchzisterne.
Das kleine Fragezeichen soll andeuten, dass ich die gewählte Bezeichnung mit Reserve benutze.
Krankheitserscheinungen. Die Zisterne, gewöhnlich gut mit Milch gefüllt, hängt beuteiförmig herab und hat den Strich grössten-teils umfasst, so dass die Milch äusserst schwer aus dem Viertel zu
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gewinDen ist. Ich erinnere, dass ich in einem Falle über eine Stunde gemolken habe, ohne das Viertel vollständig entleeren zu können.
Verlauf. In den von mir beobachteten Fällen ist keine Besserung eingetreten.
Ursachen. Hierüber habe ich nichts erfahren können.
Behandlung. Es ist stets von mir empfohlen worden, das Euter aufzutrocknen.
Verstopfnng des Striches dicht unter der Zisterne durch eine qnerilberstehende Membran.
In der Litteratur liegt hierüber nichts vor, was verwertet werden kann. Durch persönliche Mitteilung des Kollegen Fraun in Dänisch-Hagen weiss ich, dass diese Krankheit dort ab und zu vorkommt, in dem Museum der Landbau - Hochschule in Kopenhagen habe ich drei derartige Präparate gesehen, und bei der Marktkontrolle ist mir eine Kuh vorgekommen, bei welcher ich diesen Fehler annehmen durfte.
Krankheitserseheinungen. In dem einen Falle konstatierte ich, dass das Euterviertel mit der Zisterne und der oberen Hälfte des Striches einen zu grossen Umfang hatte, das untere Ende des Striches normal war, bei den Melkmanipulationen kein Tropfen Milch zum Vorschein kam und die eingeführte Sonde ungefähr anderthalb Zoll vom Strichende entfernt auf ein Hindernis stiess.
Verlauf. Es darf bis auf weiteres angenommen werden, dass, wenn keine Behandlung eingeleitet wird, eine Entzündung des Viertels sich einstellt, die in der Regel nach und nach abnimmt und zur Auf­hebung der Funktion, ausnahmsweise aber zur Eiterung führt. Hier­für sprechen u. a. unzählige Beobachtungen, die ich in den Marschen Schleswigs an solchen Kllhen, die behufs Einleitung der Weidemast aufgetrocknet, d. h. güst gemacht wurden, gesammelt habe. Wird die nachfolgende Behandlung eingeleitet, so kann, wie Fraun angiebt, voll­ständige Heilung eintreten; es kann dann aber auch, wie Stockfleth bemerkt, Brand des Euters und der Tod des Tieres die Folge sein.
Ursachen. Unbekannt.
Behandlung. Bei Einleitung der Behandlung kann es sich nur um die Perforation der Membran handeln. Man kann hierzu viel­leicht die sogenannten Milchkatheter oder Sonden verwenden, zweck-mässiger dürfte es aber wohl sein, das von Fraun sen. erfundene In­strument zu benutzen. Dasselbe besteht aus vier Uhrfedern, welche mit einer in der Mitte derselben sich befindenden Stange beweglich verbunden sind. Die Uhrfedern werden vor dem Einführen des In-
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struments an die Stange angezogen und nach der Einführung des­selben von der Stange abgeschoben, so dass die Membran nach vier Richtungen durchrissen wird. Da der Verlauf dieser Operation mit­unter ein sehr schlechter gewesen ist, könnte auch vielleicht die Am­putation des unteren Endes des Striches in Frage kommen.
Milchflnss.
Diejenige Abnormität, bei welcher die Milch aus dem Striche abfliesst, sobald die Zisterne gefüllt ist.
Verlauf. Eine Naturheilung tritt niemals ein, auch durch die Kunst ist bei solchen Tieren, die als Milchtiere dienen, wohl schwer­lich etwas zu erreichen. Besteht die Abnormität bei Kühen, die auf der Mast stehen, so kann man das Auftrocknen derselben jedoch ziem­lich leicht beschaffen.
Ursachen. Der Schlussapparat am Striche ist zu schwach, oder es liegen — vielleicht infolge eines besonderen operativen Eingriifs — stärkere Verletzungen am Strichende vor. Letzteres habe ich bei Kühen jeden Alters, ersteres nur bei älteren Kühen gefunden.
Behandlung. Um das Abfliessen der Milch und den dadurch bedingten pekuniären Nachteil zu verhüten, wird empfohlen. Hinge von Horn, Messing, Eisen etc. auf den Strich zu schieben. Ob diese Ringe gut sitzen, resp. nicht leicht verloren gehen, ist mir aus der Praxis nicht bekannt. Gegen die Schwäche des Schlussapparates am Striche empfiehlt Andre die Benutzung elastischer Ringe. Die durch diese herbeigführte Kongestion des unteren Endes des Striches soll häufig die Erschlaffung des Schlussapparates beseitigt haben. Liegt diese Abnormität bei Masttieren vor, so wird dadurch die Mast in viel höherem Grade beeinträchtigt, als man gewöhnlich glaubt. Auch hier muss eingeschritten werden, und man wählt irgend ein Mittel, womit die untere Öffnung auf längere Zeit geschlossen gehalten werden kann.
Milcliflstel.
Diese Abnormität ist von mir bei dem Rinde und der Ziege, im ganzen aber nicht häufig gefunden worden.
Krankheitserscheinungen. Am Striche oder oberhalb desselben ist eine kleine Öffnung vorhanden, aus welcher in der Laktations­periode Milch abfliesst. Ist die Fistel am Striche, so kommt die Milch beim Melken in einem feinen Strahle zum Vorschein; liegt die
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Fistel aber höher, dann sickert Milch kontinuierlich, jedoch in sehr geringer Quantität ab.
Verlauf. Bei nicht zu grosser Öffnung ist wenigstens am Striche ziemlich leicht Heilung zu erreichen.
Ursachen. Die Milchfistel ist wohl meistens angeboren, kann aber auch infolge von Verwundungen erworben sein.
Behandlung. Besteht die Fistel am Striche, so betupfe ich sie mit einem entsprechend grossen, rotglühend gemachten Eisen — Strick­nadel —, lege Heftpflaster oder ein Kollodium-Verband um den Strich und entleere das betreffende Viertel in den nächsten Tagen mittelst des Milchkatheters. Dieser Weg hat zum Ziele geführt. Be­findet sich die Fistel oberhalb des Striches, so wird man voraus­sichtlich ebenfalls durch Erzeugung einer adhäsiven Entzündung Heilung erreichen können.
Sind beim Einde sechs Striche vorhanden, was ziemlich häufig der Fall ist, so ist damit, wenn selbige in regelmässigen Abständen vonein­ander sitzen, kein Nachteil gegeben. Wenn in solchem Falle aber die hinteren Striche an den mittleren entspringen, also in der That After­striche darstellen, was ich bis jetzt nur zweimal gesehen, so tritt beim Melken ein ziemlich bedeutender Verlust an Milch ein.
Zu grosse Kuge der unteren Strichöffnung.
Ein ziemlich häufig vorkommendes Leiden beim Kinde.
Krankheitserseheinungen. Es liegt Hartmelkigkeit, mitunter sogar in hohem Grade vor.
Verlauf. Wenn nichts geschieht, so bleibt das Leiden, wie es ist, gewöhnlich bestehen, unter sachgemässer Behandlung kann Besse­rung eintreten.
Behandlung. Man muss eine allmähliche Erweiterung zu be­schaffen suchen, und hierzu habe ich Lab, wie ihn die Bauern in früherer Zeit im Hause hatten, Darmsaite und auch Laminaria benutzt. Ein entsprechend langes und dickes Stück wird nach dem Melken in den Kanal hineingeschoben und nach dem nächsten Melken, event, schon früher durch ein neues Stück ersetzt. Fährt man hiermit lange Zeit fort, so erzielt man gewöhnlich Besserung. Vor dem Einschieben muss man an dem fremden Körper eine solche Einrichtung treffen, dass ein gänzliches Hineingleiten desselben in den Strich nicht möglich ist. Laminaria kann ich nach meinen Beobachtungen nicht empfehlen. In zwei Fällen war diese Masse so weich geworden, dass sie beim Anziehen abbrach und auf operativem Wege entfernt werden musste.
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Geschwülste im Striche.
Diese findet man in einigen Gegenden sehr selten, in anderen Distrikten ziemlich häufig.
Krankheitserscheinungen. Das Tier ist hartmelkig, so dass beim starken Melken nur ein dünner Strahl von Milch zum Vorschein kommt, oder es ist trotz aller Anstrengungen kein Tropfen Milch zu bekommen. In dem letzten Falle, der selten vorkommt, tritt die Milch beim Melken bis zur verstopften Stelle und darauf beim stärkeren Druck wiederum in die Zisterne zurück. In dem Striche selbst flihlt man, wenn man denselben zwischen Daumen und Zeigefinger nimmt und in eine rotierende Bewegung versetzt, einen länglichrunden, erbsen-, bohnen- bis haselnussgrossen Körper, der, was dabei auch erkannt wird, an einem Stiele befestigt und folglich beweglich ist. Ich hebe noch besonders hervor, dass ich die Geschwulst niemals mit breiter Basis aufsitzend gefunden habe.
Verlauf. Wird keine Behandlung eingeleitet und bleibt der Strich gangbar derart, dass jedesmal beim Melken etwas, aber nicht alle Milch entfernt wird, so wird das Tier auf dem betreffenden Viertel nach und nach güst; wenn in solchem Falle aber der Strich gänzlich verstopft ist, so tritt eine Entzündung des Viertels ein, die in der Regel nach und nach abnimmt und nur zur Aufhebung der Funktion, ausnahmsweise aber zur Eiterung führt. Leitet man dagegen eine Behandlung ein, so tritt gewöhnlich bald vollständige Heilung, aus­nahmsweise eine Fistel oder Obliteration des Striches ein.
Behandlung. 1. Das Losreissen und Herauspressen mit der Hand. Ein sehr kräftiger Mann machte so heftige Melkmanipulationen, dass die Geschwulst gelöst und aus der Strichöffnung hinausgepresst wurde, Ich habe dasselbe mehrfach versucht, aber niemals mit Erfolg. 2, Kann die Geschwulst mittels einer kleinen blutigen Operation entfernt werden. Das Tier wird niedergelegt und gefesselt, der Strich mit der linken Hand derart erfasst, dass die Partie, wo die Geschwulst sitzt, gespannt vorliegt, darauf ein der Grosse der Geschwulst entsprechender Längs­schnitt gemacht, die Geschwulst entfernt, die Milch abgelassen, die Wunde gereinigt, möglichst sauber geheftet und mit einem Klebemittel, am liebsten mit Teer, geschlossen. In den nächsten Tagen muss die Milch mittelst des Katheters entfernt werden. Diese Operation hat in den von mir beobachteten Fällen zur vollen Ausgleichung geführt. Cartwright giebt indessen an, dass hiernach eine Milchfistel entstehen oder eine Obliteration des Striches eintreten kann. 3. Das Heraus-
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reissen der Geschwulst aus der unteren Strichöflnung mittelst eines besonderen Instruments. Warsage hat hierzu ein Instrument erfunden, welches von Ilemy und Marcorps empfohlen worden ist. Dasselbe besteht aus einem dünnen Metallstäbchen, dessen Ende mit einer koni­schen, knaufartigen Kappe versehen ist, deren Spitze abgeplattet und glatt ist und deren Ränder scharf sind. Man führt das Instrument so tief in den Strich hinein, bis die Kappe oberhalb der Geschwulst steht, und zieht es dann schnell zurück. Das von Fraun sen. er­fundene Instrument dürfte auch wohl hierzu verwendbar sein.
Milchsteine.
Diese sind bei Tieren, die schon geboren hatten und in der Laktation standen — Smith und Bauer —, wie auch bei jungfräulichen Tieren — Weillc — gefunden worden.
Krankheitserscheinungen. In dem Smith'schen Falle war die Kuh beim Melken unruhig, und ein harter Körper in dem Striche zu fühlen. In dem Bauer'schen Falle lag- ein Stein in der Zisterne •, der­selbe trat jedoch beim Melken in den Strich und verstopfte diesen vollständig. Weille sah bei einem jungfräulichen Kinde erschwerte Bewegung und gespreizte Stellung der Hinterschenkel; er fühlte am Euter harte Körper, die anscheinend in einer Flüssigkeit schwammen.
Verlauf. Stets günstig gewesen.
Ursachen. Unbekannt.
Behandlung, Die operative Entfernung hat zur Heilung geführt. In dem Falle von Weille wurden 22 kaum nussgrosse Steine, die zusammen 72 g wogen, auf operativem Wege entfernt und Heilung erreicht.
Das Fehlen der unteren St rieh Öffnung.
Diese Abnormität habe ich selten und nur bei Erstgebärenden gesehen.
Krankheitserscheinungen. Der Strich ist prall gefüllt und im ganzen — auch am unteren Ende — weich; bei einem Druck auf denselben, bei den Melkmanipulationen, tritt die Milch nicht aus dem unteren Ende hinaus, sondern in die Zisterne zurück. Bei näherer Untersuchung des Striches konstatiert man, dass hier niemals eine Öffnung gewesen ist, und sieht man sehr deutlich die Stelle, wo sich normaliter die Öffnung befindet.
Verlauf. Wenn keine Behandlung eingeleitet wird, so stellt sich
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eine Entzündung des betreffenden Viertels mit den früher erwähnten Folgen ein. Unter sachgemässer Behandlung kann Heilung erzielt, das betreffende Viertel wenigstens in seiner Funktion erhalten werden.
Ursachen. Bildungsfehler.
Behandlung. Zwei Methoden kann man benutzen. Man kann das untere Strichende mit einem Trokar perforieren, die Milch mittels des Milchkatheters entfernen und zum Offenhalten des Kanals zwischen den Melkzeiten Darmsaite etc. verwenden. Mit diesem Verfahren kann man, wenn der Besitzer sehr aufmerksam ist, zum Ziele gelangen; in den meisten Fällen jedoch tritt infolge des häufigen Einbringens des Milchkatheters eine umfangreiche Entzündung des Striches ein, die sich sogar auf das Euter erstrecken und zur Verödung des betreffenden Viertels führen kann. Daher empfiehlt es sich zuweilen, das vor­stehende Verfahren nicht einzuschlagen, sondern den Strich auf­zuspalten. — Siehe die Entzündung des unteren Endes des Striches. —
Die Entzilndun^ des unteren Endes des Striches.
Diese Krankheit wird beim Rinde nicht ganz selten gesehen.
Krankheitsersoheinungen. Das Tier ist beim Melken sehr un­ruhig ; Milch kommt in einem feinen Strahl, einem Doppelstrahl oder nicht einmal tropfenweise zum Vorschein. Das untere Ende des Striches ist geschwollen, hart und sehr schmerzhaft. Vor der Strich­öffnung sitzt gewöhnlich ein kleiner Schorf, nach dessen Entfernung eine kleine wunde Fläche vorliegt.
Verlauf. Volle Heilung kann erreicht werden; es kann aber auch Hartmelkigkeit oder das Entgegengesetzte, Lactorrhoe, zurück­bleiben.
Behandlung. Seltenes Melken, anhaltendes Bähen mit warmem Wasser und Einlegen von festen, aber ((uellbaren Körpern in den Strich. Auf diese Weise ist vollständige Heilung zu erreichen. Diese Behandlung wird aber, da sie sehr viel Zeit und Aufmerksamkeit beansprucht, nicht immer gut durchgeführt, und dann bleibt wohl Hartmelkigkeit zurück. Es empfiehlt sich deshalb mitunter von vorn­herein oder im späteren Verlaufe, das Aufspalten des Striches vor­zunehmen. Das Tier wird gut fixiert, vielleicht gebremst, der Strich derart erfasst, dass die Milch gegen das untere Ende desselben tritt, das Messer gegen die Strichöffnung gesetzt und in einem möglichst raschen Zuge bis in den weiten Teil des Striches durchgeführt. Die Verheilung der gesetzten Wunde ist gewöhnlich eine solche, dass nur geringe Lactorrhoe zurückbleibt.
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8prödigkeit der Haut dor Striche.
Krankheitserscheinungen. Das Tier ist unruhig beim Melken; der Strich ist trocken, hart und mit kleinen oberflächlichen Rissen versehen.
Verlauf. In kurzer Zeit ist Heilung zu erreichen.
Ursachen. Es muss zu wenig Hauttalg abgesondert werden, oder es findet eine Verseifung des in normaler Quantität gelieferten Sekretes statt. Letzteres darf man wohl dann annehmen, wenn das Euter fort­während im Kot und Harn liegt.
Behandlung. Ich lasse einfach Schmalz, Vaseline oder eine Blei­salbe auftragen. Sind die Tiere beim Melken sehr unruhig, so benutze ich wohl eine Bleisalbe, die mit einem narkotischen Extrakt versetzt worden ist.
Bläschenausschlag an den Strichou.
Dieser kommt in einigen mir bekannten Gegenden ziemlich häufig vor.
Verlauf. In zwei bis drei Wochen tritt Heilung ein, wenn eine saehgemässe Behandlung eingeleitet wird.
Ursachen. Darüber weiss ich nur, dass eine Übertragung möglich ist. Die mit dieser Krankheit behafteten Kühe müssen deshalb zuletzt gemolken werden.
Behandlung. Die Striche lasse man nach dem Melken mit Schwamm und lauwarmem Wasser reinigen und darauf mit Bleisalbe, dem etwas Bilsenkraut-Extrakt zugesetzt worden ist, bestreichen.
Weichwarzen an den Strichen.
Die Weichwarzen, Mollusken, finden sich an den Strichen der Kühe in einigen Gegenden ziemlich häufig; sie erscheinen als faden­förmige Fortsätze der Haut, sind nicht innig mit derselben verbunden, belästigen das Tier nur wenig, können mit der Zeit verschwinden, bleiben aber meistens, wenn sie nicht künstlich entfernt werden, für die ganze Lebenszeit bestehen.
Behandlung. Sollen diese Warzen entfernt werden, so lasse man, vielleicht durch die Melkerin, täglich eine abdrehen.
Eigentliche Warzen an den Strichen.
Diese charakterisieren sieh in der allbekannten Weise. Sie be­lästigen das Tier nur ausnahmsweise, dann nämlich, wenn sie in bedeutender Zahl vorhanden und sehr gross sind. Ihre Entfernung
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ist gewöhnlich nicht nötig und auch nicht zu empfehlen; soll diese aber trotzdem geschehen, so darf sie in der Regel nur in der Zeit stattfinden, in welcher das Tier trocken steht. Als Aetzmittel für diesen Fall wird von Lliddoke die Monochloressigsäure empfohlen.
Sclincll Yoriibergrehendes Fieber ohne nachweisbare Lokalerkrankung.
Dasjenige, was Dieekerhoif in seiner Pathologie, Seite 380, unter dem Namen „Febriculaquot; etc. vom Pferde mitteilt, habe ich einige Male bei Milchkühen gesehen; ich wlirde indessen schwerlich darauf aufmerksam gemacht haben, wenn nicht Dieckerhoff damit voran­gegangen wäre.
Krankheitserscheinungen. Die Tiere stehen — auf der Weide abseits von der Herde — mit krummem Rücken, respirieren ruhig, verschmähen Futter und Getränk, ruminieren nicht, putzen die Nase nicht mittels der Zunge, lassen geringe Quantitäten Maulsaft abfliessen und zittern über den ganzen Körper, am stärksten in der Flanken­gegend und in dem Winkel zwischen Schulterblatt und Armbein. An der Körperoberfläche ist die Temperatur gesunken. — Über innere Temperatur und Puls kann ich keine sicheren Angciben machen. —
Verlauf. Die Krankheitserscheinungen sind auf die Einleitung der unten angegebenen Behandlung in jedem Falle in vierundzwanzig Stunden verschwunden. Dass der Verlauf sich so gestalten werde, kann man allerdings niemals bestimmt wissen, sondern nur vermuten?' Bei der Schilderung einer Krankheit heisst es wohl, dass selbige mit einem Fieberfroste — Schüttelfröste — beginne, dem ein allgemeiner Seh weissausbruch folge. So etwas habe ich allerdings niemals zu beobachten Gelegenheit gehabt; ich gebe aber gern zu, dass das Initialstadium gewisser Krankheiten mit Fieberfrost beginnt, resp. be­ginnen kann.
Diagnose. Der Frost — Schüttelfrost — ist unverkennbar; die Möglichkeit aber, dass selbiger das Initialsladium einer für den Nach­weis noch nicht hinreichend entwickelten Krankheit sei, lässt sich nicht aussch Hessen.
Ursachen. Ich habe dieses Fieber auf dem Stalle ein paarmal nach dem Gebären und auf der Weide im Frühjahre nach solchen Nächten, in denen ein kalter Regen gefallen war, morgens konstatiert. In dem ersteren Falle habe ich an einer Reizung des Genitalapparates, in dem letzteren Falle an Erkältung gedacht.
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Behandlung. Aufstallen der Weidetiere, wenn die Witterung feuclitkalt ist. Frottieren des Körpers mit lockeren Strohwischen. Nachheriges Einhüllen in Decken. Innerlich habe icli Oleum tere-binthinae mit Spiritus frumenti und Aqua gegeben. Sonst kommen noch die schweren Weine, Kognak etc. in Verbindung mit Kamillen-und Fliederthee in Frage.
Tuberkulose.
Jahreebericht der Königlichen Tierarzneischulo zu Hannover pro 1870, 1871, 1872 und 1873. Berliner Tierärztliche Wochenschrift, Jahrgang 5, No. 50.
Diese beim Menschen und Tiere vollständig gleiche Krankheit kommt fast allenthalben vor, tötet ca. den siebenten Teil der Mensehen, und befällt einen sehr grossen, aber nicht mit annähernder Sicherheit anzugebenden Teil der Rinder.
Ursachen. Diese ist, wie von Koch festgestellt worden ist, in einem Bacillus, dem Tuberkel-Bacillus, gegeben, der in das Gewebe des Tieres eindringt, hier bei nötiger Kühe und geeignetem Nährboden sich fortpflanzt, und so die Krankheit erzeugt.
Die gewölmlicbe Eingangspforte für den Bacillus bilden unbedingt die Lungen. Ob der Bacillus, wenn er in vollständig gesunde ße-spirationsorgane eindringt, die Tuberkulose hervorrufen, das Tier krank machen kann, ist für viele noch fraglich. Es kommt allerdings vor, dass einzelne, resp. mehrere Tiere einer Herde, in welcher die Tuberkulose herrscht, alt werden, ohne dass vor und nach dem Tode Erscheinungen der Tuberkulose an ihnen gefunden werden; Regel aber ist, dass, wenn in einen auf dem Stalle gehaltenen ganz ge­sunden Stamm ein tuberkulöses Rind gebracht wird, sämtliche Rinder des Stalles nach und nach tuberkulös weiden. Das habe ich in kleineren, wie aucli in sehr grossen Milchviehstallungen beobachtet. — Ebenso trat bei meinen Tuberkelversuchen schliesslich eine derartige Infektion des Kaninchenstalles ein, dass, wenn ein ganz neuer Stamm in denselben hineingebracht wurde, sämtliche Tiere nach und nach an der Tuberkulose erkrankten. — Die Infektion erfolgt unbedingt aber leichter, wenn die Schleimhaut erkrankt, katarrhalisch affiziert ist. Erleichtert wird das Einnisten des Bacillus in die Schleimhaut der Respirationsorgano durch langes Verweilen des Sekretes in den Luft­wegen. Alle Momente, welche dies begünstigen, wie z. B. anhaltende Ruhe, feuchtwarme Witterung, erschlatfende Nahrung, bedeutende Milch­produktion etc. befördern die Entwickelung der Tuberkulose. Es kommt aber wahrscheinlich vor, dass die in die Lunge hineingelangten
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Bacillen nicht hier, sondern an anderen Orten zur Entwickelung-gelangen.
Der Verdauungstraktus kann, wie es die vielen Fütterungsversuche mit positivem Kesultat beweisen, ebenfalls Eingangspforte für den Bacillus sein, hier kommen aber fast nur die Milchkälber in Betracht. Denn bei jeder anderen Fütterung kann zur Zeit nur eine geringe Quantität des Virus in den Verdauungstraktus gelangen, und geringe Mengen des Giftes werden im Magen unschädlich gemacht. — Tuber­kulöse Menschen können sogar, wie allbekannt, mitunter jahrelang ihr Sputum niederschlucken, ohne dass Erscheinungen der Magen- und Darmtuberkulose auftreten. — Es kommt aber auch hier vor, wie es Versuche beweisen, dass das Tier auf Einverleibung des Giftes in den Magen erkrankt, die Eingangspforte aber nicht affiziert wird.
Eine intrauterine Infektion kommt, wie wir jetzt mit Bestimmtheit wissen, auch vor. Die Übertragung der Tuberkulose bei der Begattung, deren Möglichkeit nicht bestritten werden kann, ist, wie mir scheint, noch nicht hinreichend bewiesen. Nach Lystiu ist einmal eine Über­tragung der Tuberkulose bei der Lungenseuche-Impfung vorgekommen.
Die Verbreitung der Tuberkulose im Stalle ist hauptsächlich von der Ventilation abhängig. Je schlechter diese ist, um so rascher breitet sich die Krankheit aus. — Ähnliches sehen wir beim Rotz des Pferdes. —
Diagnose. Diese wird durch den Nachweis des Bacillus endgültig gesichert. Zur Untersuchung auf Tuberkelbacillen benutzt man Schleim aus den Kespirationsorganen, der angeblich schwer, in der That aber, und zwar auf die Weise, dass man ihn direkt mit der Hand aus dem Kehlkopfe holt, sehr leicht zu bekommen ist, sowie die Milch. Die Untersuchung des Schleimes, besonders die der Milch tuberkulöser Tiere liefert in den meisten Fällen ein negatives Resultat, und deshalb macht man, wo es sich darum handelt, mit möglichster Sicherheit zu ermitteln, ob ein lebendes Milchrind tuberkulös ist, lieber eine Injektion der Milch des fraglichen Tieres in die Bauchhöhle einiger Meerschweine. Bleiben die Tiere hiernach gesund, so ist wenigstens die Milch nicht infektiös. — Zur Untersuchung der Milchkühe unter Benutzung dieser Methode müssten die Besitzer, welche die Milch ihrer Tiere feilbieten, ab und zu angehalten werden, wenn sie nicht vorziehen, ihre Milch in gekochtem Zustande abzugeben. Siedhitze tötet den Tuberkel-bacillus. —
Verlauf. Die Tuberkulose verläuft gewöhnlich sehr langsam — chronisch —, mitunter sehr rasch — akut —.
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Akute Miliartuberkulose.
Die akute Miliartuberkulose kommt beim ßinde jedenfalls nicht häufig vor. In der Praxis habe ich sie sehr selten beobachtet, und aus der Litteratur ist mir nicht ein einziger derartiger Fall bekannt.
Krankheitserscheinungen. Das Tier steht teilnahmlos, hat ge­ringen, meistens gar keinen Appetit, ruminiert selten und unvollständig oder gar nicht, zeigt tief eingefallene Hungergruben, hustet ab und zu ohne nachweisbare Ursache, wie auch nach Aufnahme kalten Getränks und nach in der beim Pferde üblichen Reizung des Kehlkopfes. Der Husten ist kurz, unkräftig und anscheinend schmerzhaft. Die Respira­tion ist bedeutend erhöht. Bei der Auskultation der Brust konstatiert man ein verstärktes Inspirationsgeräusch und ein hauchendes Ex-spirationsgeräusch. Die Perkussion ergiebt keinen abnormen Schall; dieselbe verursacht aber, wenn stark aufgeschlagen wird, ähnlich wie ein starker Druck gegen die Brustwand, ein Ausweichen des Tieres. Puls und Temperatur abnorm hoch.
Leiehenerscheinungen. Die Lunge fällt bei der Eröffnung des Brustkorbes nur wenig zusammen, ist, wie die Schnittfläche zeigt, abnorm stark durchfeuchtet und mit Knötchen durchsetzt. Diese Knötchen sind von sehr geringem Umfang, mitunter so klein, dass sie erst nach dem Erkalten der Lunge wahrgenommen werden können, und von mattgrauer Farbe. Die Leber zeigt ähnliche Verhältnisse wie die Lunge. Auch an den serösen Häuten der Brust und des Bauches finden sich mattgraue Knötciien.
Verlauf. Die Krankheit entwickelt sich rasch. Das ist alles, was ich mit Sicherheit angeben kann. Ob der Ausgang stets ein tödlicher ist, was bis auf weiteres von mir angenommen wird, und wie bald der Tod der Regel nach eintritt, müssen spätere Fälle ent-selieiden.
Diagnose. Das Fieber, die abnorm hohe Respiration, die grosse Reizbarkeit des Kehlkopfes in Verbindung mit dem Auskultations­und Perkussionsergebnis können über das Vorhandensein einer akuten Lungenerkrankung nicht im Zweifel lassen ; die embolische Pneumonie hat sicli mir aber in einem ähnlichen Bilde gezeigt. Ob hier In­jektionen von Blut oder anderen Flüssigkeiten in die Bauchhöhle von Meerschweinchen, sowie die mikroskopische Untersuchung etwas leisten, muss später ermittelt werden.
Ursachen. Es muss plötzlich eine Überschwemmung des Blutes mit Tuberkelbaciilen eingetreten sein.
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Prognose. Diese ist um so ungünstiger, weil nicht nur das Tier, wie bis auf weiteres wohl angenommen werden darf, unheilbar ist, sondern auch das Fleisch desselben als menschliche Nahrung nicht verwertet werden kann.
Behandlung. Heilmittel gegen die Tuberkulose sind zur Zeit noch nicht bekannt.
Der K. in L. meldete auf der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover ein Jungrind mit dem Bemerken au, dass dasselbe seit acht Tagen wenig fresse und viel huste, und dass dieser Zustand allmählich schlimmer geworden sei.
Da ich verhindert war, das Tier am Anmeldungstage zu besuchen, sandte icli einen Praktikanten dorthin. Derselbe erstattete einen der­artigen Rapport, dass ein leichter Verdacht auf Lungenseuche nicht aus-geschlossen werden konnte.
Am folgenden Tage, nach dem Vorberichte am 9. Tage der Krank­heit, wurde folgender Befund von mir aufgenommen;
Das Tier ist teilnahmlos, verschmäht das vorgehaltene Futter, trinkt viel, hat angeblich in den letzten paar Tagen nicht ruminiert, entleert dem Futter nach zu konsistenten Kot in abnorm kleinen Quantitäten und ist tief eingefallen. Eespiration 54. Puls 88. Temperatur 39,4. Die Perkussion giebt keinen abnormen Schall, ruft aber, wie auch der Druck gegen die Brustwand, ein Ausweichen des Tieres und — nacli des Prak­tikanten Aussage — leichtes Stöhnen hervor. Bei der Auskultation findet sich ein zu starkes — rauhes — Inspirationsgeräusch und ein hauchendes Exspirationsgeräusch. Die Herztöne sind des starken Respirationsgeiilusches wegen nur ab und zu deutlich hörbar. Die Eeizbarkeit der Respirations­organe ist eine hohe; denn das Tier hustet dann und wann ohne nach­weisbare Ursache, wie auch nach Aufnahme kalten Wassers und auf manuelle Reizung des Kehlkopfes in der beim Pferd üblichen Weise. Der Husten 1st dumpf, kurz und nicht kräftig.
Am folgenden Tage: Respiration 64. Puls 96. Temperatur 40,5. Das Tier wurde jetzt getötet und sofort seziert.
Sektionsbefund. Die Lunge befindet sich nach der Exenteration im Inspirationszustande, ist stark durchfeuchtet und mit kleinen, grauen Knötchen in ziemlich bedeutendem Grade durchsetzt. Ähnliche Knötchen finden sich in der Leber und auf den serösen Häuten der Brust- und Bauchhöhle. Zwischen dem Zwerchfell und der Haube liegt ein ziemlich umfangreicher Abscess.
Chronische Tuberkulose.
Die Bezeichnung „chronischquot; werde ich hinfort nicht anwenden, weil, wenn von Tuberkulose gesprochen, doch nur an die chronische Form derselben gedacht wird.
Die Tuberkulose entwickelt sich zunächst an oder in einem Organ —
Harms, Bindviehheilkundo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;18
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Primärerkiankung —, tritt aber der Regel nach mit dem Lymphstrom oder auf dem Wege der Kontiguität auf andere Organe — Sekundär-erkrankung —, ausnahmsweise mittelst des Blutes auf alle Teile des Körpers über — Generalisation —.
Da es nun verschiedene Eingangspforten für die Tuberkelbacilleu giebt, so ist es auch gar nicht möglich, ein allgemeines, für alle Fälle zutreffendes Bild der Tuberkulose zu liefern. Ich will deshalb zu­nächst die Krankbeitserscheinungen in aller Kürze andeuten, darauf die Leichenerscheinungen, den Verlauf und die Diagnose etc. hervor­heben und schliesslich die Tuberkulose nach ihrem jeweiligen Hauptsitz erörtern.
Krankheitserscheinungen. Husten. Rauhes Inspirations- und hauchendes Exspirationsgeräusch. Perikarditische und pleuritische Reibe­geräusche. Trockene Rasselgeräusohe. Gedämpfter, zuweilen fast dumpfer — leerer — Ton bei der Perkussion. Stöhnen beim starken Druck gegen die Rippenwand. Vergrösserung der Mesenterialdrüsen. Geschwülste am Peritoneum. Ödem am Triel, im Kehlgange, am Euter, am Rumpfe und in den Lungen. Pathologischer Venenpuls. Von einigen, so namentlich von Clavel und Spinola, wird auf die Schwellung der oberflächlich liegenden Lymphdrüsen aufmerksam gemacht. Spinola sagt: „Das erste verdachterregende und bleibende Symptom ist das Angelaufensein und das stärkere Hervortreten der Leistendrüsen, es ist dies um so auffallender, je mehr das Lymph­drüsensystem ergriffen ist, und reicht oft allein aus, das Vorhandensein der Krankheit zu erkennen.quot; Diese Angabe Spinolas kann ich nicht bestätigen. Ich muss sogar noch darauf aufmerksam machen, dass der Schüler sehr leicht eine Hyperplasie des unteren Endes der Sub-maxiilardrüse, welche ich bei den Kühen der Gartengemeinde zu Hannover sehr häufig gefunden habe, mit geschwollenen Kehlgangs-drüsen verwechselt.
Leichenerseheinungen. Man findet strangförmige Fortsätze, Knöt-chen, Geschwüre und eine Erkrankung der Lymphdrüsen.
Die strangförmigen Fortsätze sitzen an den serösen Häuten, be­sonders an der Pleura. Selbige sind zuerst rot und mitunter, nämlich bei sehr rascher Entwickelung, am freien Ende mit einer kolbigen Anschwellung versehen, gleichen aber später in Farbe und sonstiger Beschaffenheit dem festen Bindegewebe.
Die kleinen Knötchen, welche allenthalben, sogar im Knochen gefunden werden, sind hirsekorngross oder von solcher Kleinheit, dass sie mit blossem Auge kaum wahrgenommen werden können;
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sie erscheinen in jugendlichem Zustande grauweiss, festweich, elastisch und auf der Schnittfläche saftig; sie verharren in diesem Zustande aber nicht lange, sondern fallen bald der regressiven Metamorphose anheim, wobei sie verhornen oder verfetten und verkäsen, resp. ver­kalken. Diese miliaren und submiliaren Knötchen stehen zum Teil isoliert, haben sich aber grösstenteils zu Gruppen von verschiedener Form und ungleichem Umfange, zu Platten, Knoten und Trauben vereinigt. In solchen Gruppen finden sich einzelne Knötchen wohl noch ziemlich frisch, also jung, die meisten derselben sind aber ver­hornt, verfettet, verkäst und verkalkt.
Die Geschwlire finden sich häufig im Verdauungstraktus, in der Luftröhre und in den Bronchien, sehr selten in den Auflagerungen auf den serösen Häuten. Sie sind von verschiedenem Umfange und ungleicher Tiefe, haben einen wulstigen Rand und sind mit einer käsigen Masse bedeckt. Rand und Grund der Geschwüre sind ge­wöhnlich tuberkulös infiltriert.
Die Lymphdrüsen sind, wenn die allerersten Anfänge der Krank­heit abgerechnet werden, stets affiziert; sie sind in verschiedenem, mitunter sehr bedeutendem Grade vergrössert und im Innern verkäst und verkalkt.
Verlauf. Die Krankheit verläuft sehr langsam. In der ersten Zeit leidet der Nährzustand nicht, die Tiere verwerten das Futter anscheinend ganz gut, werden wenigstens normal fett. Unsere Vor­fahren sprachen, wenn sie die Tuberkulose bei fetten Tieren fanden, von „fetten Franzosenquot;. Ebenfalls ist die Milchergiebigkeit solcher Tiere in der ersten Zeit — d. h. in den ersten Jahren — eine ganz gute, mitunter sogar eine ausgezeichnete. Später, nach Jahren, tritt eine schlechte Verwertung des Futters ein. Die Tiere bleiben dann bei Verabreichung eines Mastfutters im Nährzustande stehen, oder gehen, so namentlich dann, wenn, was sehliesslich stets der Fall, der Appetit ein schlechterer geworden ist, im Nährzustande zurück und liefern nur eine geringe Menge dünner, wässeriger, Milch. Es ent­wickelt sich nach und nach unter Auftreten von Diarrhöe, Ödemen, Stauung des Blutes in der Jugularis das Bild der Kachexie. Wenn an dem Orte, wo die Tuberkeln sitzen, eine Entzündung auftritt, so können in kurzer Zeit erstaunlich grosse Massen von Tuberkeln ge­bildet werden, wie ich dies am Euter und am Brust- und Bauchfell konstatiert habe. Mit dem Eintritt der Generalisation stellt sich Fieber und ein akuter Verlauf ein.
Diagnose. Jedes nicht fette Rind, welches bei gutem Appetit
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und Aufnahme einer hinreichenden Menge guten Futters nichts produziert, im Nährzustande vielleicht zurückgeht, oder gar schon das Bild der Kachexie präsentiert, ist der Tuberkulose verdächtig, und das um so mehr, wenn es in der später anzugebenden Weise hustet. Aber aucli gut genährte, ja sogar fette Rinder können, wie schon oben angedeutet, in bedeutendem Grade tuberkulös sein. Die exakte Untersuchung tuberkulöser Rinder führt mitunter zur sicheren Erkennung der Krankheit, meistens aber nur zu einer Wahrscheinlichkeitsdiagnose, sehr häufig aber nicht einmal zu einem begründeten Verdacht. Wo es auf eine möglichst sichere Diagnose ankommt, darf man die Probe­injektion und die mikroskopische Untersuchung der Milch und des Schleimes aus den Respirationsorganen nicht unterlassen. Im vorigen Jahrhundert brachte man die Nymphomanie mit der Tuberkulose in Verbindung. Diese beiden Krankheiten dürfen aber, wie schon Rycliner sehr richtig bemerkt, nicht konfundiert werden. Ich fand bei tuber­kulösen Rindern, die nimals an Nymphomanie gelitten hatten, Tuberkeln am Eierstock, und bei der Sektion solcher Rinder, die an der Nymphomanie gelitten hatten, fand ich keine Tuberkeln.
Hirnhaullubcrkulost'.
Diese Form der Tuberkulose kommt bei Rindern nur selten vor; sie ist aber von Cartwright, Faller, Jessen, Gierer u. v. a., sowie von mir beobachtet worden.
Krankheitserseheinungen. Die Tiere liegen viel, mitunter sogar beständig, sind kaum oder gar nicht im stände aufzustehen, fallen, sobald sie auf die Beine gestellt worden sind und angetrieben werden, zusammen und bekommen Krämpfe, welche von Opisthotonus begleitet sein können. Krämpfe stellen sich auch wohl beim einfachen Auf­richten des Kopfes, zuweilen sogar ohne alle äussere Veranlassung ein. Die Zunge hängt schlaff aus dem Maule heraus, wird aber ab und zu in dasselbe hineingezogen. Speichel fliesst kontinuierlich ab. Appetit ist gar nicht, sonst doch nur in geringem Grade vorhanden. Letzteren Falles nehmen die Tiere etwas Futter auf, halten es eine kurze Zeit im Maule und lassen es dann herausfallen, oder es ist ihnen sogar das Aufnehmen von Futter unmöglich. Der Kot wird in zu trockener Beschaffenheit, in kleineren Quantitäten und verzögert abgesetzt. Puls und Temperatur fand ich subnormal.
Leicheneracheinungen. Die weiche Hirnhaut ist injiziert und mit Tuberkeln besetzt. Unter der Dura ist klare Flüssigkeit bis zu 00 g gefunden worden.
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Verlauf. Die Hirnliauttuberkulose führt in veihältnismässig kurzer Zeit zum Tode.
Diagnose. Die Erscheinungen der Lähmung und die Krämpfe, sowie der Umstand, dass die Tiere in den krämpfefreien Intervallen nicht munter sind, berechtigen, an die Hirnliauttuberkulose zu denken. Finden sich bei der weiteren speziellen Untersuchung dann auch noch an anderen Organen Spuren der Tuberkulose, so ist damit die Diagnose ziemlich gesichert.
Kehlkopf- und LuflröhrciilKhcrkulo.tc.
Kehlkopf und Luftröhre sind niemals der alleinige, wohl aber, wie ich konstatiert habe, mitunter der Hauptsitz der Krankheit.
Krapkheitserschoinungen. Die Respiration ist ziehend, von einem pfeifenden, rasselnden, mitunter schlotternden Geräusch begleitet. Das Tier hustet sehr häufig und anhaltend ohne jegliche äusscre Ver­anlassung, wie auch auf die geringste manuelle Heizung des Kehl­kopfes. Bei der Untersuchung durch das Maul kann man im günstigsten Falle das Vorhandensein von Geschwülsten und Geschwüren im Kehl­kopfe konstatieren. In einem Falle fand ich an der äusseren Fläche des Kehlkopfes eine Geschwulst, welche mit einer im Innern dieses Organs sitzenden Geschwulst zusammenhing.
Leichenerscheinungen. Es finden sich hirsekorn- bis haselnuss-grosse Knötchen und Knoten, sowie Geschwüre. Die kleinen Knötchen überragen das Niveau der Schleimhaut nicht und sehen gelb aus. — Die Farbe dieser kleinen Knötchen variiert wahrscheinlich nach dem Alter; ich habe selbige nur gelb gefunden. — Beim Druck auf die betreffende Schleimhaut treten die Knötchen in Form von Pfropfen hervor und lassen kleine Grübchen zurück. Die grossen Knoten gehen aus der Schleimhaut hervor, überragen dieselbe in verschiedenem Grade, sind von verschiedener Form und ungleichem Umfange, er­scheinen auf der Ober- und Schnittfläche mitunter dunkelrot, meistens aber graurötlich und mit hirsekorngrossen, gelben Knötchen besetzt. Bringt man letzteren Falles einen Druck an, so kommen auch hier kleine Pfropfe zum Vorschein und Grübchen bleiben zurück. Die Geschwüre sind von sehr verschiedener Grosse und Form, haben einen wulstigen Rand und sind mit einer käsigen Masse belegt. Rand und Grund der Geschwüre erscheinen, nachdem die käsige Masse entfernt worden ist, höckerig, gerötet und mit kleinen Knötchen durchsetzt.
Verlauf. Diese Form der Tuberkulose verläuft nicht sehr rasch.
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Ich weiss mit Bestimmtheit, dass die Zunahme der Krankheit innerhalb eines Jahres mitunter eine unbedeutende ist.
Diagnose. Wenn nicht die manuelle Untersuchung des Kehlkopfes sichere Auskunft giebt, müssen wir uns mit einer Wahrscheinlichkeits-diagnose begnügen.
Lungentuberkulose.
Die Lunge ist meistens der Haupsitz, mitunter der alleinige Sitz der Tuberkeln. Adam fand unter 64 tuberkulösen Hindern zehn Stück, bei welchen nur die Lungen mit Tuberkeln besetzt waren.
Krankheitsersckeinungen. Der Husten ist das Hauptsymptom. Derselbe ist trocken und pfeifend, zuerst kräftig, am Ende matt. Der Husten stellt sich ab und zu ohne jegliche äussere Veranlassung ein; derselbe tritt aber leicht infolge der beim Pferde üblichen. Heizung des Kehlkopfes, beim stärkeren Perkutieren der Brustwand, beim plötzlichen Einatmen kalter Luft, sowie bei rascherer Bewegung ein. Die Zunge wird der Regel nach beim Husten stark vorgestreckt und verharrt in der eingenommenen Lage, bis eine Hustenpause ein­tritt. Die Respiration ist ziehend, die Frequenz derselben wenig oder gar nicht vermehrt. An der Expirationsluft habe ich besonderes niemals gefunden ; König behauptet, dass dieselbe mitunter eigentümlich stinkend werde. Die Auskultation liefert einen sehr verschiedenen Befund. In vielen Fällen ist nur das vesikuläre Geräusch rauh; in anderen Fällen konstatiert man bronchovesikuläres Geräusch; und in noch anderen, jedoch höchst seltenen Fällen, vernimmt man an einzelnen Stellen ein ziemlich reines bronchiales Atmen. Daneben hört mau regelmässig ein Pfeifen etc. Der Perkussionsschall ist zuweilen allent­halben normal, meistens hier und da etwas gedämpft, in seltenen Fällen stellenweise dumpf — leer —. Beim starken Beklopfen der Brust, sowie beim starken Druck gegen dieselbe fängt das Tier mit­unter an zu husten und zu stöhnen.
Leichenerscheinungen. Dicht unter der serösen Haut, sowie allenthalben in den tieferen Schichten der Lunge finden sich isolierte, sowie zu Konglomeraten vereinigte Knötchen in verschiedener Menge und ungleichen Alters. Die Lungen sind mitunter in so bedeutendem Grade mit verkästen und verkalkten Knötchen besetzt, das man kaum begreifen kann, wie ein für das Lehen notwendiger Gasweehsel hat beschafft werden können. Gewöhnlich findet man an einzelnen Stellen das interlobuläre Bindegewebe emphysematös. In einem Falle, in welchem die Atrio-Veutrikularklappen verkalkt waren, war die untere
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Hälfte beider Lungen üdematos. Die Bronchialdrüsen sind in der angegebenen Richtung in verschiedenem Grade affiziert.
Verlauf. Ein sehr langsamer.
Diagnose. Der eigentümliche Husten, das rauhe vesikulilre Geräusch, die trockenen Rasselgeräusche, die geringe Zunahme der Respirationsfrequenz sind wohl die wesentlichsten Erscheinungen. Das Eigentümliche des Verlaufes besteht darin, dass die Krankheit sehr langsam Fortschritte macht. Zu den Krankheiten, die ausgeschlossen werden müssen, gehören namentlich der chronische Bronchialkatarrh, die Echinokokkenkrankheit und die Lungenseuche.
lirusIfelUuhcrkulosc.
Nicht ganz selten sitzen die Tuberkeln hauptsächlich an den serösen Häuten der Brust, der Kostal- und Pulmonalpleura, sowie am Perikardium; es kommen sogar Fälle vor, in welchen die Kostal-pleura in höchstem Grade mit Tuberkeln besetzt, dagegen in den Lungen trotz genauester Nachforschung kein einziges Knötchen zu finden ist.
Krankheitsersoheinungen. Das Hauptsymptom ist Reibegeräusch. Dieses tritt bei der Inspiration, besonders gegen dass Ende derselben, schon dann auf, wenn die Pulmonal- oder Kostalpleura auch nur in schwachem Grade besetzt ist; dasselbe wird dagegen gänzlich vermisst, wenn grosse Massen von Tuberkeln auf genannten serösen Häuten vorhanden sind, weil dann die unter normalen Verhältnissen durch die Respirationsphasen bedingte Verschiebung der Lungen nicht erfolgt. Bei sehr bedeutender Auflagerung meine ich eine Dämpfung des Perkussionsschalles wahrgenommen zu haben.
Leiohenerseheinungen. Die serösen Häute erscheinen matt und sind mit fadenförmigen Fortsätzen und Knötchen besetzt. Die faden­förmigen Fortsätze sind, wie früher schon bemerkt, im jugendlichen Zustande rot und bei rascher Entwickelung nicht selten am freien Ende kolbig verdickt, im späteren Alter von der Beschaffenheit des festen Bindegewebes. Die Knötchen sind sehr verschiedenen Alters, stehen teils isoliert, sind grösstenteils aber zu grossen Konglomeraten -— Knoten, Platten, Trauben u. s. w. — vereinigt. Die Ablagerung von Tuberkeln ist zuweilen eine sehr bedeutende. Niklas fand Herz und Herzbeutel 24'/i Pfund schwer. In einem von Lindenberg beobachteten Falle lag eine fünf bis sechs Zoll dicke Tuberkelmasse zwischen den Blättern des Zwerchfelles, welche zwölf Pfund wog. Die in der Brust-
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bohle liegenden Drüsen sind stets, mitunter in sehr bedeutendem Grade affiziert.
Verlauf. Die Entwickelung der Tuberkeln gebt aucb an dieser Stelle gewölmlicb sehr langsam von statten; dieselbe wird aber mit­unter, wenn z, B. beim Gelenkrheumatismus die Pleura in Mitleiden­schaft gezogen wird, so ausserordentlicb beschleunigt, dass sich in einer Zeit von einigen Wochen handdicke Platten bilden.
Diagnose. Findet man bei der Untersuchung Keibegeräusch, das in jedem Falle von dem an der Brustwand mitunter hörbaren Pansengeräuscb leicht zu unterscheiden ist, und vielleicht noch ausserdem eine Dcämpfung des Perkussionsschalles, so ist damit der Verdacht auf Brustfolltuberkulose begründet.
Magen - und Darmtuberkulose.
Gewöhnlich gebraucht man den Namen „Darmtuberkulose.quot; Diese Bezeichnung ist aber für die in Frage stehende Krankheit des Rindes nicht umfassend genug, weil, wenn bei diesem Tiere der Darm tuberkulös ist, der Magen wenigstens häufig in gleicher Richtung erkrankt ist. über diese Form der Tuberkulose ist wenig bekannt, daraus aber auf seltenes Vorkommen derselben schliessen zu wollen, wäre absolut falsch. Wenn man bei der Sektion tuberkulöser Rinder nur jedesmal Magen und Darmkanal untersucht, so wird man finden, dass selbige nicht so ganz selten in Mitleidenschaft gezogen sind.
Krankheitsersoheinungen. Appetit abnorm gering. Daneben sah ich mehrfach Diarrhöe, in einem Falle — s. u. — Verstopfung.
Leichenerscheinungen. Neben den Erscheinungen des Katarrhs finden sich vom Pansen bis zum Mastdarm Narben und Geschwüre, ausnahmsweise Geschwülste. Die Geschwüre finden sich am häufigsten im Dünndarm — namentlich im Ilüftdarm —, seltener im Dickdarm und Labmagen, am seltensten im Pansen. — In der Haube und dem Psalter sah ich solche niemals, im Pansen erst einmal! — Die Tuberkelgeschwüre im Labmagen und Dünndarm sind von dem Umfange einer Erbse bis zu dem eines Thalers und haben einen auf­geworfenen Rand. Die Gekrösdrüsen sind in verschiedenem, mitunter sehr bedeutendem Grade vergrössert und im Innern mit Käse- und Kalkherden besetzt.
Verlauf. Bei ziemlich ausgebreiteter Tuberkulose im Verdauungs-traktus magern die Tiere verhältnissmäsig rasch ab.
Diagnose. Es kann sich auch hier nur um eine Wahrscheinlichkeits-diagnose handeln. Hat man jedoch bei einem der Tuberkulose ver-
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dächtigen Einde mangelhaften Appetit, chronische Diarrhöe etc. und Vergrösserung der Gekrösdrüsen konstatiert, so ist die Diagnose „Magen und Darmtuherkulosequot; eine wohlbegründete.
Nachfolgender Fall dürfte der Seltenheit wegen wert sein, hier speziell angeführt zu werden.
Am 24. November 1874 wurde in der externen Klinik der König­lichen Tierarzneischnle zu Hcinnover eine Kuh mit dem Vorbericht zur Behandlung angemeldet, dass selbige vor sechs Wochen gekalbt habe, bis vor 12 Stunden stets gesund gewesen sei, seit dieser Zeit aber nicht gefressen und gemistet habe und sehr unruhig gewesen sei.
Die Untersuchung des Tieres lieferte folgenden Befund : Fieber nicht zu konstatieren. Die sichtbaren Sehleimhäute waren normal. Respiration 12. Druckempfindlichkeit zeigte sich nirgends. Mist lag nicht hinter dem Tiere. Der Mastdarm war, soweit die Hand vordringen konnte, leer. Das Tier war sehr unruhig. — Bei dieser und den späteren Untersuchungen musste ich Krankheits halber auf die Exploration per rectum verzichten. —
Die Kolikerscheinungen und die Leere des Mastdarmes führten uns selbstverständlich zu der Annahme, dass im Darmkanale ein Hindernis für die Fortschaffung' des Inhaltes vorhanden sei. Verordnet wurde vor­läufig ein aus Brechweinstein und Glaubersalz bestehendes Laxans.
Am 25. November befand sich das Tier anscheinend in der Besserung; es nahm Futter auf und setzte Faeces von breiiger Konsistenz und alka­lischer Reaktion in ziemlich bedeutender Menge ab.
Am 26. November berichtete der Besitzer, dass das Tier vollständig genesen sei.
Am 4. Dezember wurde das Tier jedoch schon wieder als krank, und zwar mit dem Bemerken angemeldet, dass es in den letzten 24 Stunden gar nicht und in den 24 Stunden vorher nur wenig gefressen habe. Bei der selbigen Tages vorgenommenen Untersuchung gelangten wir zur Diagnose „Labmagen-Dünndarmkatarrhquot; und verordneten Salzsäure.
Als ich, weil keine Besserung eintrat, am 11. Dezember den Besuch wiederholte, erweiterte der Besitzer seinen Vorbericht dahin, dass das fragliche Tier häufiger huste als seine übrigen Kühe. Aus diesem Grunde wurde auch die Brust einer näheren Untersuchung unterworfen.
Befund: Die Respiration stand auf 12 und wurde in ganz normaler Weise ausgeführt. Die Perkussion der Brust ergab nichts Abnormes. Bei dor Auskultation der Lungen fanden wir das Bläschengeräusch rauh und während der Inspiration zu beiden Seiten der Brust zwischen der dritten und sechsten Rippe Reibegeräusch. Dequot; Husten, welcher auf manuelle Reizung des Kehlkopfes eintrat, war kräftig, trocken, pfeifend und hielt länger als bei gesunden Tieren an. Die Auskultation der Bauchhöhle ergab nichts Abnormes. Bei der Perkussion des Bauches fand sich, dass die Leberdämpfung über den hinteren Rippenrand um circa 1 '/.j Zoll hinausragte. Der Mist war weich und von alkalischer Reaktion. Die von den Praktikanten B. und M. ausgeführte Exploration per rectum ergab keine Anhaltspunkte.
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Die Diagnose lautete jetzt: Bmstfelltuberkulose, wahrscheinlich Lungen­tuberkulose und wahrscheinlich Labmagen-Dünndarmtuberkulose.
Indem Heilung des versicherten Tieres nicht in Aussicht gestellt werden konnte, wurde dasselbe geschlachtet.
S e k t i o n s b e f n n d: Die Kostalpleura war gesund. Die Pulinonal-pleura war zu beiden Seiten in der Gegend, wo sie der Kostalpleura zwischen der dritten und sechsten Rippe anliegt, mit Tuberkeln besetzt, aber nur in geringem Grade. Die Lunge war sowohl dicht unter der Serosa, wie auch tiefer im Innern mit Kuiitclien besetzt, welche teils von der Grosse eines Stecknadelknopfes und rundlicher Form, teils grosser und linsenförmiger Gestalt waren. Der Vormagen und der Dickdarm zeigten nichts Abnormes, Die Wand des Labmagens und Dünndarmes war sehr stark infiltriert, und in der Schleimhaut des Dünndarmes traten viele Geschwüre und ein grosser Knoten auf. Dieser Knoten füllte das Lumen des Darmes fast vollständig aus, war nirgends zerfallen, von röt­licher Farbe, sehr saftig und bestand aus einem bindegewebigen Gerüst und vielen Bandzellen. Die Gekrösdrüsen waren bedeutend vergrössert und im Zentrum käsig, resp. käsig-kalkig. Die Leber wog 18 kg und war auf der Oberfläche, wie auch Im Innern in ziemlich bedeutendem Grade mit verkalkten Tuberkeln besetzt. In der Pfortader und den Lebervenen fanden sich viele hirsekorn- bis wallnussgrusse, gestielte, weiche, im Innern nicht zerfallene Geschwülste, deren Stiel durch die Gefässwand hindurch zu verfolgen war. Bei der mikroskopischen Untersuchung dieser Geschwülste fand sich, dass sie aus kleinen Rundzellen bestanden, zwischen welchen hier und da ein feines Bindegewebsgerüst nachzuweisen war.
Dieser Fall ist höchst interessant, weil 1, bei einer sehr geringen Auflagerung von Tuberkeln auf der Pulmonalpleura mit vollster Sicher­heit Reibegeräusch konstatiert werden konnte; 2. im Dünndarm eine un­gefähr das ganze Lumen desselben einnehmende Geschwulst vorhanden war; 3. durch die Zirkulationsstörung in der Pfortader eine bedeutende Infiltration der Darmwand hervorgerufen worden war, ähnlich, wenn auch in schwächerem Grade, wie bei der emuolischen Leberentzündung; 4. die peristaltische Bewegung des Darines infolge der Infiltration so stark ab­genommen hatte, dass sie nicht mehr im stände war, die vorhandenen Massen sicher durch den Engpass hindurchzutreiben.
Bamhfelltuberkulose,
Die serösen Häute des Bauches, namentlich das Netz, sind mit­unter weitaus am stärksten mit Tuberkeln besetzt. Die begrenzenden Drüsen, besonders die Leber, sind dabei regelmässig affiziert.
Krankheitserseheinungen. Eine Schwellung' der Leistendrüsen, auf welche aufmerksam gemacht wird, sowie die Nymphomanie habe ich hierbei niemals konstatiert. In der linken Hungergrube habe ich mitunter bei Hindern, die Verdacht auf Tuberkulose sonst nicht er­regten, reichlich erbsengrosse Knoten gefunden, auf die ich, da ich
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über deren Sitz und Bedeutung nichts Sicheres weiss, nur aufmerksam machen kann. Bei der Exploration per rectum fand ich einige Male Geschwülste auf den serösen Häuten und zuweilen eine Vergrösserung der Gekrösdrltsen.
Leichenersoheinungen. Diese sind ähnlich wie bei der Brustfell­tuberkulose. Fadenförmige Fortsätze finden sich an den serösen Häuten des Bauches nicht so häufig, wie an denen der Brust. Die Knötchen haben sich meistens zu grossen Platten, mitunter derart vereinigt, dass der Aufbau aus Knötchen gar nicht mehr nachzuweisen ist. In einem Falle fand ich in einer auf der äusseren Fläche des Pansens sitzenden Platte zwei rundliche, gelbe, etwas prominierende Stellen, von welchen die grössere 2 cm, die kleinere reichlich 1 cm im Durch­messer hielt. Indem ich am Rande die Spitze eines Messers einschob hob ich eine Platte, den Dekel, ab, und es blieb eine vertiefte Stelle das freigelegte Geschwür, zurück, welches ganz und gar den Eindruck der in der Luftröhre gefundenen Geschwüre machte. — Das hoch­interessante Präparat ist dem Museum einverleibt worden. — Die Gekrösdrüsen sind stets affiziert.
Verlauf. Sehr langsam.
Diagnose. Hat man durch die Exploration per rectum fest­gestellt, dass Geschwülste auf den serösen Häuten des Bauches sitzen, und dass die Mesenterialdrüsen vergrössert sind, so ist die Diagnose gesichert.
FnwlUliülk'rluherkHlose.
Der Fruchthälter ist bei der Tuberkulose nicht allein mitunter in Mitleidenschaft gezogen, sondern ausnahmsweise sogar der Haupt-sitz der Krankheit.
Krankheitserscheinungen, Ich bin nicht im stände, solche an­geben zu können ; denn ob, was nicht unwahrscheinlich ist, vielleicht ab und zu im Fruchthälter vorhandene Massen durch die Vulva entleert werden, weiss ich nicht.
Leichenerscheinungen. Es findet sich im Fruchthälter eine gelblichgraue, käsige, griesige, zuweilen mit Kalkkrümelchen unter­mischte Masse. Die Wand des Fruchthälters ist verdickt, und in derselben finden sich hirsekorngrosse Käseherde, die auf Druck hervor­springen. Die Eierstocke fand ich ein paarmal tuberkulös.
Verlauf und Diagnose muss ich mit Stillschweigen übergehen.
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Euter tuberkulöse.
Die Eutertuberkulosc war früher gewiss häufiger vorhanden, als sie vermutet wurde; sie wird jetzt aber wold häufiger vermutet, als sie vorhanden ist.
Krankheitserscheiimngen. lu den leichteren Graden habe ich trotz genauester Untersuchung keine abnormen Erscheinungen am Euter entdecken können; in den höheren Graden ist das Euter in ganzem Umfange oder in einzelnen Teilen hart, liefert wenig Milch und ist nach dem Ausmelken nicht schlaff genug.
Leichenerscheinungen. Es finden sich Knötchen in der Schleim­haut der Zisterne und in der eigentlichen Drüsensubstanz.
Verlauf. Auch die Eutertuberkulose verläuft sehr langsam. Wenn jedoch eine Entzündung im Euter auftritt, so erreicht, wie die klinische Beobachtung und das Experiment lehren, die Tuberkulose an diesem Orte in kurzer Zeit einen hohen Grad.
Diagnose. Wenn das Euter die vorhin bemerkten Erscheinungen erkennen lässt, dabei nicht vermehrt warm und kaum schmerzhaft ist, so darf man, einerlei ob der Zustand sich rasch entwickelt hat oder allmählich entstanden ist, an das Vorhandensein der Eutertuber­kulose denken. Finden sich dann bei der allgemeinen Untersuchung ebenfalls Erscheinungen der Tuberkulose, so ist der Verdacht auf Eutertuberkulose begründet.
Knochentuberkulose.
Die Knochentuberkulose ist nicht erst in neuerer Zeit, sondern schon vor vielen Jahren, jedoch immer erst bei der Sektion konstatiert worden.
Über Krankheitserschoinungen und Verlauf kann ich nur be­merken, dass, wenn bei bestehender Tuberkulose eine Knochen-geschwulst auftritt, man an die Knochentuberkulose denken darf.
Leisering- fand im Hinterkiefer eines Ochsen Tuberkeln.
Müller teilt folgenden interessanten Fall mit: Ein stark abgemagertes Tier hielt den Kopf auf- und rückwärts gestreckt und Hess das auf­genommene Futter nach einigen Kaubewegungen aus dem Maule fallen. Der Kopf des Tieres war nicht in die normale Lage zu bringen; wurde derselbe weiter rückwärts gebogen, so stürzte das Tier nieder. Sektion: In der Lunge und an den serösen Häuten Tuberkeln. Vierter und fünfter Halswirbel stark aufgetrieben, miteinander verwachsen und reich an Tuberkeln.
Bei einer im hohen Grade tuberkulösen Kuh fand ich in dem einen Oberschenkelbein, welches aufgetrieben war, Tuberkeln.
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Tuberkulöse Gelenkenlzündung.
Diese in der Menscbenheilkunde unter dem Namen „Tumor albusquot; bekannte Gelenkentzündung kommt beim Kinde niclit so ganz selten vor; trotzdem ist mir nur ein derartiger Fall aus der Litteratur bekannt.
Krankheitserseheinungen. Die Tiere sind zuweilen ziemlich munter, seilen meistens aber in bohem Grade leidend aus. Auch die Labmbeit ist eine verschieden starke. Das Gelenk ist von zu grossem Umfang, schmerzhaft und entleert auf gemachten Einstieb eine dicke, gelbgraue Masse.
Leiohenerscheinungen. Mir ist es nicht möglich gewesen, zur Sektion zu gelangen. Meyer fand in dem Kniegelenk einer tuber­kulösen Kub Tuberkeln.
Diagnose. Jede sehr sebmerzhafte Gelenkentzündung, welche einer energischen Behandlung nicht weicht, vielleicht gar allmählich schlimmer wird, beim Einstich eine gelblichgraue, dicke Masse ent­leert, ruft bei dem Praktiker schon Verdacht hervor. Finden sich bei den ferneren Untersuchungen die Erscheinungen des Fiebers, so ist der Verdacht ein wohlbegründeter.
Behandlung. Bis jetzt habe ich niemals den gewünschten Erfolg bei der Behandlung gesehen. Soll ein Ileilversuch gemacht werden, so empfiehlt sich die Benutzung des Jodoforms.
Akuter Gclenkrheiimatisinns.
Jahresbericht der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover pro 1872.
Krankheitserseheinungen. Aussei- einem Fiehcr finden sich die Erscheinungen der Entzündung an Gelenken. Die Respiration ist in verschiedenem Grade erhöht. Der Puls steigt bis 90 und darüber. Die Arterie ist hart und gespannt. Die Temperatur ist im Mastdarm um 0,5 bis 2,0 erhöht, an der äusseren Fläche des Körpers ungleich verteilt und wechselnd. Der Appetit hat nur abgenommen oder ist gänzlich verschwunden. Kuminiert wird selten und unvollständig oder gar nicht. Der Kot wird nach dem Futter in zu trockner Konsistenz abgesetzt. Das Tier ist sehr lahm, liegt daher gern, resp. anhaltend, ist schwer, mitunter gar nicht zum Aufstehen zu bewegen, hält den erkrankten Schenkel während des Stehens in gebeugter Stellung, bringt ihn beim Gehen mehr oder weniger steif vor, tritt nicht normal durch und nimmt zuweilen nicht einmal Lust auf denselben auf. Ich kenne keine Krankheit des Kindes, welche mit so bedeutenden
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Schmerzen verknüpft ist, wie der akute Gelenkrheumatismus. Das Tier sucht den kranken Schenkel bei der leisesten Berührung des Gelenks zu entziehen. Die befallenen Gelenke sind graduell sehr verschieden affiziert, so dass es mitunter sclieint, als sei nur ein einziges Gelenk erkrankt. Ebenso kann der Prozess an dem am stärksten erkrankten Gelenke plötzlich abnehmen und an einem anderen, bis dahin nur wenig ergriffenen Gelenke mit einemmale bedeutend zunehmen, sodass ein gewisses Wandern der Krankheit nicht zu verkennen ist. Die erkrankten Gelenke sind in ganzem Um­fange und auf- und abwärts über die Grenzen hinaus geschwellt, vermehrt warm und — wie schon gesagt — sehr schmerzhaft. Mit­unter ist eine dunkle Fluktuation zu konstatieren.
Leichenerscheinungen. Nach dem Gelenke, sowie nach dem Grade und der Dauer der Krankheit zeigen sich ziemlich bedeutende graduelle Verschiedenheiten in den pathologischen Veränderungen. In ersterer Beziehung möchte ich speziell hervorheben, dass stets mehrere Gelenke affiziert sind, dass mau es also immer mit einem polyartikulären Rheumatismus zu thun hat.
Die das Gelenk umgebenden Weichteile sind mit stark gefüllten Gefässen durchzogen, recht häufig sogar mit Blutextravasaten durch­setzt, regelinässig stark infiltriert und in zwei Fällen fand ich erbseu-bis haseluussgrosse Abscesse darin. Das lockere Bindegewebe, sowie das etwa vorhandene Fettgewebe ist mitunter in eine sulzige Masse umgewandelt.
Die Synovialmembran ist geschwollen, plastisch infiltriert, an der inneren Oberfläche rauh, in verschiedenem Grade vaskularisiert, zu­weilen mit stecknadelkuopf- bis linsengrossen Blutextravasaten besetzt und ausnahmsweise mit Fasorstoffplatten belegt.
Die Plicae vasculosae sind stets vergrössert, mitunter in dem Grade, dass ihr freies, bei dieser Krankheit gewöhnlich kolbiges Ende von der Grosse und Form einer Pferdebohne ist.
Die Synovia ist gelb oder rötlichgelb von Farbe, dicker als im Normalzustände und zuweilen durch Beimengung kleiner llundzellen oder Faserstoffflöckchen trübe; sie ist stets in zu grosser, niemals aber in sehr bedeutender Menge von mir gefunden worden.
Der Knorpel erscheint in der ersten Zeit der Krankheit, solange er mit dem Knochen in Verbindung steht, rot oder bläulichrot, jedoch nicht an allen Stellen eines und desselben Gelenkes gleich intensiv. Die Rötung erstreckt sich über das ganze Gelenkende oder tritt in Form von ungleich grossen und unregelmässig geformten Flecken auf.
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Schneidet mau von dem Knorpel dort, wo er rot oder bläulichrot erseheint, kleine Stückchen ab, so findet man denselben gewöhnlich von normaler Farbe, ausnahmsweise gerötet. Später, wenn der Prozess weiter vorgeschritten, ist der Knorpel gelb und rauh, so dass er sich samtartig weich anfühlt. Bei der mikroskopischen Untersuchung findet sich dann, dass der Knorpel in bandartige Fasern zerfallen ist, und dass die Knorpelzellen bedeutend grosser als im Normalzustände und mit Fetttröpfchen im Innern besetzt sind. Je näher dem Knochen, um so weniger ist dieser Prozess vorgeschritten. Mitunter sind in dem Knorpel zwischen den Fasern kleine, granulierte Rundzellen vor­handen. Ausnahmsweise hat sich ein grösserer Teil des Knorpels in linsengrossen Stückchen abgelöst, welche rosenkranzäiinlich an­einander gereiht sind.
Die Knochenenden sind in der schwammigen Substanz stets ge­rötet — byperämisch —, und zwar je näher dem Knorpel, um so bedeutender. Auf der Schnittfläche treten hier zuweilen in der im allgemeinen ziemlich gleichmässigen rötlichen Farbe scharf begrenzte, duukelrote Flocke auf, die ich bis zur Grosse eines Thalers gefunden habe. Die kompakte Substanz ist ebenfalls zuweilen in nächster Nähe des Knorpels byperämisch.
Das Mark in den langen Knochen ist auch stets in Mitleiden­schaft gezogen; es ist rötlicbgelb bis gelbrötlich von Farbe, mit stark gefüllten Gef'ässen durchzogen und nicht ganz selten mit stecknadel-knopf- bis erbsengrossen Blutextravasaten durchsetzt.
Verlauf. Die Krankheit tritt in den meisten Fällen mit einem-male in voller Heftigkeit auf; die Tiere sind abends vielleicht ganz munter, verzehren ihr Nachtfuttcr in der gewohnten Weise, am an­deren Morgen aber schon sehr krank, namentlich stark lahm. Der weitere Verlauf ist dann — abgesehen von dem Einflüsse der Behandlung — abhängig von dem Grade der Krankheit und von den etwa eintretenden Komplikationen. Zu der Zeit, in wel­cher Spezifica gegen diese Krankheit noch nicht be­kannt waren, habe ich folgendes konstatiert.
1.nbsp; nbsp;Wandern des Prozesses von einem auf ein anderes Gelenk. Ich habe gesehen, dass Tiere in einer Zeit von acht Tagen so weit hergestellt waren, dass sie keine Krankheitserschcinungen zeigten, Futter und Getränk in normaler Quantität aufnahmen, aber einige Tage später wieder sehr krank, namentlich in ähnlichem oder stärkerem Grade lahm waren.
2.nbsp; Die Sehnenscheideii können in Mitleidenschaft gezogen werden;
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ja es kommen Fälle vor — und eine Krankbeitsgeschichte dieser Art werde ich anreihen —, wo der Prozess zunächst in den Sehnen­scheiden am deutlichsten auftritt.
3.nbsp; nbsp;Die serösen Häute der Brust und des Bauches können affiziert werden. Fieber- und EntzUndungserscheinung'en bleiben in gleichem, nicht sehr hohem Grade fortbestehen, die Tiere nehmen etwas Futter auf, erheben sich dann und wann, im ganzen aber nicht sehr gern vom Lager, und bekommen eine durch die Untersuchung sehr wohl nachweisbare Elltzttndung der serösen Häute bemerkter Höhlen.
4.nbsp; nbsp;Wenn bei Tieren, die an Brustfell- und Bauchfelltuberkulose leiden, akuter Gelenkrheumatismus auftritt, so kann eine erstaunlich grosse Menge von Tuberkeln in kurzer Zeit geliefert werden.
5.nbsp; nbsp;Die Krankheit wird nicht gebrochen, der Schmerz ist so be­deutend, dass das Tier die kranken Schenkel nicht bewegt, und dass es folglich nicht aufsteht. Ist das Lager daun nicht trocken und weich, so stellt sich leicht eine Abschilferung der Epidermis, sowie Dekubitus ein; es können sogar, wie ich in zwei Fällen beobachtet habe, periartikuläre Abscesse am Sprunggelenke auftreten.
6.nbsp; nbsp;Die Akuität wird gebrochen, und der Prozess wird chronisch. Die Schmerzen werden allerdings geringer, verlieren sich aber nicht ganz, und deshalb bleiben die Tiere lahm oder gehen wenigstens klammerig. Der Nährzustand kann dann ein besserer werden, aber eine normale Verwertung des Futters findet nicht statt. Ich habe keine Gelegenheit gehabt, solche Tiere lange Zeit hindurch zu be­obachten und später zu sezieren.
7.nbsp; nbsp;Die Krankheit wird bis auf eine das ganze Gelenk umfassende Verdickung beseitigt.
8.nbsp; nbsp;Es kann, wie ich allerdings nur einmal beobachtet habe, Heilung bis auf eine stärkere Fllllung der Gelenkkapseln erreicht werden.
9.nbsp; nbsp;Vollständige Ausgleichung habe ich eintreten scheu, jedoch ansserordentlich selten.
Beim Gelenkrheumatismus habe ich jedesmal das Herz sowohl während des Lebens des Tieres, als auch nach dem Tode desselben möglichst genau untersucht, au der Intima, besonders an den Klappen desselben jedoch niemals etwas Krankhaftes gefunden. Andere haben allerdings als Komplikation des akuten Gelenkrheumatismus auch beim Kinde Endocarditis gesehen, und ich will die Richtigkeit der Beobachtung nicht bestreiten, ja nicht einmal bezweifeln. Ich bin allerdings, da ich nicht selten wahrgenommen habe, dass bei einem
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Kliniker Bobou einige Ekcbymosen an der Intima des Herzens, die bekanntlich in der Agonie auftreten können, auch jeden Augen­blick künstlich zu erzeugen sind, zur Begründung seiner bei Lebzelten des Tieres gestellten — Lieblings- — Diagnose „Endocarditisquot; aus­reichten, in dieser Beziehung misstrauisch geworden.
Diagnose. Diese kann höchstens im Anfange der Krankheit Schwierigkeiten bereiten, und zwar dann, wenn Entzlindungserschei­nungen nur an einem Gelenke nachzuweisen sind. Zu den wesent­lichsten Erscheinungen gehören das stets deutlich aasgesproohene Fieber und die gleichzeitige Erkrankung mehrerer Gelenke. — Das Wesentlichste des Verlaufs für die Diagnose liegt darin, dass die Krankheit mit einemmale in voller Heftigkeit auftritt, oder doch in kurzer Zeit ihren Höhepunkt erreicht, und dass sie, wenn sie in dem einen Gelenke nachlässt, in einem anderen Gelenke stärker hervor­tritt. Ich habe gesehen, dass die Krankheit aus der Vorderfuss-wurzel verschwand, gleichzeitig aber in dem Kniegelenke auftrat. Ein gewisses Wandern kommt in der That vor. — Zu den Krank­heiten, welche mit der fraglichen verwechselt werden können, gehört die Arthritis. Diese tritt unter ähnlichen örtlichen Erscheinungen wie der akute Gelenkrheumatismus auf, trotzdem aber ist die Unter­scheidung nicht ganz schwer, denn
1.nbsp; nbsp;ist beim akuten Gelenkrheumatismus wenigstens ein leicht nachweisbares, meistens sogar ein heftiges Fieber vorhanden, was bei der Arthritis des Kindes nach meinen Beobachtungen nicht der Fall ist;
2.nbsp; nbsp;sind beim akuten Gelenkrheumatismus mehrere Gelenke afii-ziert, wogegen die Arthritis sich auf ein Gelenk beschränkt. Mir ist wenigstens aus meiner Praxis nur ein Fall bekannt, dass die Ar­thritis gleichzeitig an einer Vorderfusswurzel und einem Sprunggelenk bestand. Und
3.nbsp; nbsp; sind beim akuten Gelenkrheumatismus die Schmerzen viel heftiger als bei der Arthritis.
Ursachen. Der akute Gelenkrheumatismus ist von mir nur in der externen Klinik der Königlichen Tierarzneiscbule zu Hannover, also bei solchen Milchkühen, die auf der Mast standen, und welche vor der Aufstallung das Geburtsgeschäft vollständig und in joder Beziehung glücklich überstanden hatten, beobachtet worden. Immer traten mehrere Fälle gleichzeitig oder bald nacheinander ein. Letzterer Umstand erinnerte mich allerdings an die früher in solchen Fällen gewöhnlich hervorgehobene Witterungskonstitution, ich wagte aber nicht, diesen Ausdruck, der damals von vielen als veraltet betrachtet
Hanns, Rlndvlehhellkande.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;14
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wurde, zu gebraucheu, soudeni drückte mich dahin aus, dass, da die Krankheit stets bei den rauhen Nordwest-, Nord- und Nordostwinden aufgetreten sei, Erkältung als die Ursache derselben wohl angesehen werden dürfe. Jetzt weiss man, dass der akute Gelenkrheumatismus des Menschen eine Infektionskrankheit ist, und dasselbe darf man bis auf weiteres für die gleiche Krankheit des Rindes annehmen.
Bemerken möchte ich noch, dass ich nach dem Gebären wohl mitunter eine Synovitis, aber niemals Gelenkrheumatismus habe auf­treten sehen.
Prognose. Bis auf die neueste Zeit war der Verlauf des akuten Gelenkrheumatismus beim Rinde gewöhnlich kein günstiger; wie der­selbe sich unter Benutzung der neueren Heilmittel gestalten wird, lässt sieh nicht mit Bestimmtheit, aber doch mit grosser Wahrschein­lichkeit sagen. Nach dem, was ich bei anderen rheumatischen Krankheiten — s. d. Influenza — gesehen habe, nehme ich au, dass wir beim frühzeitigen Einschreiten den Feind des Rindes, der in dem Gelenkrheumatismus gegeben ist, werden leicht bekämpfen können. Immer aber muss man, bis Erfahrungen darüber vorliegen, bei der Abgabe der Prognose nach beiden Richtungen vorsichtig sein.
Behandlung. Nach dem Jahre 1872 habe ich keine Gelegenheit ge­habt, den akuten Gelenkrheumatismus zu beobachten und zu behandeln, und bis zu dieser Zeit und noch darüber hinaus waren wir auf den innerlichen Gebrauch des Salpeters und Glaubersalzes etc., sowie auf die äusserliche Benutzung der scharfen Ableitungsmittel angewiesen. Dass diese Mittel irgend einen Nutzen geleistet haben, ist wohl fraglich. Jetzt befinden wir uns in dieser Beziehung in einer besseren Lage.
Die Tiere müssen in einem warmen, gut ventilierten Stall auf guter Streu und unter Decken geh alten werden. Innerlich wird Na­trium salicylicum gereicht. Über die nötige Dosis und Wiederholung dieses Mittels sind noch nicht Erfahrungen genug gesammelt. Für mittelgrosse Rinder kann man zunächst alle acht bis zehn Stunden 30 — 4ü g mit einer grösseren Menge Wasser eingeben lassen. Sollte vielleicht einmal Kollaps eintreten, so ist der Gebrauch der Exoitantii. angezeigt. Liegen die Tiere beständig, so muss man event, für einen Wechsel in der Lage sorgen.
1. Kuh des B. an der Cstr. in Hannover. Vorberioht: Eine Lahm­heit habe sich plötzlich am 9. Februar — 1864 — am linken Vorder­schenkel eingestellt, die in zwei Tagen so bedeutend geworden sei, dass das Tier fast beständig liege, wenig fresse und auch nur eine geringe Quantitiit Milch liefere.
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Untersuchungsbefund am 11. Februar. Ein ziemlich hohes Fieber ist vorhanden. Die linke Vorderfusswurzel ist in ganzem Um­fange, sowie auf- und abwärts über die Grenzen hinaus geschwollen, ver­mehrt warm und so schmerzhaft, dass das Tier den betreffenden Schenkel gar nicht belastet und ihn, sobald das affizierte Gelenk erfasst wird, in rechtem Winkel nach auswärts abbiegt.
Unter innerlicher Anwendung von Brechweinstein, Salpeter und Glaubersalz und einer Einreibung von Kantharidentinktur trat in zehn Tagen anscheinend Heilung ein.
Jedoch schon am 24. Februar war wieder ein bedeutendes Fieber vorhanden, und das linke Backbein-Keulengelenk in hohem, sowie einige andere Gelenke in schwachem Grade erkrankt. Jetzt wurde empfohlen, das Tier schlachten zu lassen.
Leichenbefund am linken Backbein-Keulengelenk. Die Weichteile in der Umgebung des Gelenkes sind injiziert, mit Blutextravasaten ver­schiedener Grosse durchsetzt und infiltriert.
Die Plicae vasculosae enthalten strotzend gefüllte Blntgefässe, er­scheinen dunkelrot und sind grosser, als man sie gewöhnlich findet.
Die Synovia zeigt einen rötlichen Schimmer, enthält viele kleine Rundzellen und ist in vermehrter Quantität vorhanden.
Der Knorpel erscheint an einigen Stellen rot in verschiedener In­tensität, an anderen, namentlich an den hervorragenden Stellen, gelb. An den letzteren Stellen ist er samtartig weich und, wie die mikroskopische Untersuchung ergiebt, faserig zerfallen und stark verfettet.
Die schwammige und kompakte Knochensubstanz ist injiziert und mit Extravasaten durchsetzt.
2. Kuh des H. an der Cstr. in Hannover. Vorberichtlich wurde bemerkt, das Tier habe am 25. November — 1866 — sein Nachtfutter mit gewohntem Appetit verzehrt, am 26., morgens, gefiebert, wenig gefressen und viel gelegen.
Untersuchungsbefund. Die Temperatur ist an der Körper­oberfläche gesunken, im Mastdarm um 0,5 Grad erhöht. Die Milchsekretion ist um die Hälfte vermindert, und der Mist wird in zu trockener Kon­sistenz verzögert abgesetzt. Eespiration 25. Puls 85. Arterie gespannt. Das Tier erhebt sich langsam vom Lager, stellt die Hinterfüsse unter den Leib, hebt selbige abwechselnd in die Höhe und tritt in dem Fessel­gelenk beider Hintorschenkel nicht normal durch. Unmittelbar oberhalb des Fesselgelenkes findet sich an beiden Hinterschenkeln am hinteren Rande eine 7 cm lange, 5 cm breite Geschwulst, welche fluktuiert und bedeutend schmerzt.
Die Diagnose wurde auf rheiunatische Sehnenscheidenentzündung ge­stellt. Das Tier bekam innerlich Brechweinstein mit Salpeter und äusser-lich eine scharfe Einreibung. Am dritten Tage darauf war das Fieber sehr heftig, und es zeigten sich die Sprunggelenke in ähnlicher Weise, aber in viel stärkerem Grade als die Sehnenscheiden erkrankt, Das Tier war nur mit grosser Mühe auf die Beine zu bringen.
Die Kuh wurde jetzt geschlachtet.
Sektionsbefund. Die die Gelenke und Sehnenscheiden um-
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gebenden Weichteile sind mit stark gefilllten Gefässen durchzogen, mit Blutextravasaten von der Grosse eines Stecknadelknopfes bis zu der einer Linse durchsetzt.
Die Sprunggelenkkapsel und die bemerkten Sehnenscheiden sind in­folge einer serösen und plastischen Infiltration verdickt, an der inneren Fläche trübe, vaskularisiert und mit Fibrinplatten belegt.
Die Synovia der Gelenke ist etwas dicker als im Normalzustande und enthillt linsengrosse und linsenllhnlich gestaltete, rosenkranzähnlich aneinander gereihte Körperchen, die, wie die mikroskopische Untersuchung ergiebt, aus fettig degeneriertem Knorpel bestellen.
Die Plicae vasculosae sind sehr stark entwickelt, reich an Blut-gefässen und zeigen am freien Ende eine abgesetzte, bohnengrosse Ver-dickuug.
Der Gelenkknorpel erscheint teils rot und glänzend, teils infolge ein­getretener Verfettung gelb und rauh — samtartig — ; er ist an den meisten Stellen faserig zerfallen; hier und dort treten sogar rundliche Defekte in ihm auf.
Der Knochen ist in der Nähe der Gelenkenden sowohl in der schwammigen, als auch in der kompakten Substanz hyperämisch.
Das Knochenmark ist weicher als im Normalzustande, rötllichgelb von Farbe, mit stark gefüllten Gefässen durchzogen und mit einigen steck-nadelknopf- bis linsengrossen Blutextravasaten besetzt.
3. Kuh des W. an der A. D. Str. in Hannover, Vorbericht: Frag­liche Kuh soll seit ein paar Tagen beinahe stets liegen, langsam und nicht gern aufstehen, wenig fressen, selten rurainieren und nur eine ge­ringe Menge Milch liefern.
Untersuchungsbefund am 19. April 1864. Respiration 16 und ziehend. Puls 80; Arterie gespannt. Temperatur an der Oberfläche des Körpers ungleich verteilt. Appetit nicht vorhanden. Wiederkauen ist nicht be­obachtet. Milchsekretion gering. Faeces zu trocken. Peristaltische Be­wegung zu gering. Brust und Bauch druckempfindlich. Mehrere Gelenke, besonders die Sprunggelenke, sind in ganzem Umfange, sowie auf- und abwärts über die Grenzen hinaus geschwollen, vermehrt warm und sehr schmerzhaft.
Die Diagnose wurde auf akuten (jelonkrheumatismus und trockene Entzündung der serösen Häute des Bauches und der Brust gestellt. — An das Vorhandensein der Tuberkulose wurde nicht gedacht. —
Das Tier erhielt, obgleich die Prognose „höchst bedenklichquot; gestellt wurde, innerlich Antiphlogistica in grossen Dosen und äusserlich auf die Gelenke kräftige Ableitungsmittel. Alles ohne Erfolg. Das Tier wurde am 12. Mai, weil es so elend war, dass es nicht mehr aufstehen konnte, getötet.
Sektions be fund. Die die Gelenke umgebenden Weichteile sind injiziert und mit kleinen Blutextravasaten durchsetzt. An beiden Sprung­gelenken finden sich einige Abscesse in der Grosse einer Erbse bis zu der einer Haselnuss.
Die Gelenkkapsel ist infolge einer plastischen Infiltration verdickt und an der inneren Fläche mit Fibrinplatten belegt.
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Die Synovia zeigt einen rötlichen Schimmer, ist zum Teil flockig-und in einigen Gelenken in zu grosser Menge vorhanden.
Der Gelenkknorpel ist rötlich oder gelb und samtartig weich; dort, wo er die letzte Beschaffenheit zeigt, ist er streifig zerfallen und verfettet.
Die schwammige Substanz der Knochen ist von rötlicher Farbe, in welcher hier und da bis thalergrosse, dunkelrote Flecke auftreten.
Das Mark der langen Knochen ist rötlichgelb und injiziert.
Die serösen Häute der Brust- und Bauchhöhle sind in sehr be­deutendem Grade mit Tuberkeln, und zwar von solcher Beschaffenheit besetzt, dass dieselben hauptsächlich in neuerer Zeit haben entstanden sein müssen.
Influenza.
Jahresbericht der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover pro 1879 — 1880. Zeitschrift für Tiermedizin und vergleichende Pathologie. Band 15.
In der externen Klinik der Königlichen Tierarzneisclmlo zu Hannover habe ieh vom Jahre 1876 bis Oktober 1879 ziemlich häufig, später ab und zu beim Kinde eine mir bis dabin aus der Litteratur und der eigenen Praxis unbekannte Krankheit beobachtet und be­handelt, welche ihrer Vielseitigkeit wegen mit dem nichtssagenden Namen „Influenzaquot; belegt wurde.
Krankheitserscheinungen. Es finden sich die Erscheinungen der Gastroenteretis catarrhalis, Synovitis und Mastitis regelmüssig, die der Vaginitis, Bronchitis und Conjunctivitis häufig, und die der Entzündung äusserer oder innerer Teile des Augapfels zuweilen.
Verlauf. Dieser ist niemals ein tödlicher. Die Krankheit tritt plötzlich in ziemlich heftigem Grade auf und gelangt, wenn keine Be­handlung eingeleitet wird, der Regel nach in einer Zeit von acht Tagen bis drei Wochen zur Ausgleichung. Die Euterkrankheit wird jedoch nicht immer vollständig beseitigt. Nach der interstitiellen Mastitis bleiben zuweilen Indurationen zurück, und die katarrhalische Euterentzündung wird mitunter chronisch.
Diagnose. Die Erkennung der fraglichen Krankheit, welche wenigstens sehr stark an die vor einigen Jahren in Holstein etc. beobachtete, sogenannte Euterseuche erinnert, macht niemals besondere Schwierigkeiten.
Ursachen. Hierüber weiss ich auch jetzt noch nichts Bestimmtes anzugeben. Ich habe diese Krankheit, weil so verschiedene Organe gleichzeitig erkranken, stets als eine infektiöse angesehen, und ich bin der Meinung, dass das uns zur Zeit noch unbekannte Virus mit der Luft oder der Nahrung in . den Körper und auf hämatogenem Wege nach den verschiedenen Organen gelangt. Das Euter kann ich
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um so weniger als Eiug-angspforte fllr die Krankheitsursaehe betrachten, weil die Entzündung desselben mitunter erst am zweiten, dritten Tage der KrankLeit nachgewiesen werden kann. Eine Übertragung von Tier zu Tier kommt nicht vor; denn ich habe niemals mehr als ein lliud im Stalle erkranken sehen.
Prognose. Diese ist stets günstig.
Behandlung. In früheren Jahren verfuhr ich in folgender Weise: Innerlich wurde, wenn, was gewöhnlich der Fall, der Kot weich war und keine groben Beimengungen enthielt, in der Kegel sofort zur Be­nutzung der Balzsäure geschritten, und zwar je nach Umständen drei-bis sechsmal täglich 7l/ä g mit einer Flasche Wasser gegeben. War der Kot dem Futter nach zu konsistent oder mit groben Stoffen stark durchsetzt, so wurde vor dem Gebrauche der Salzsäure ein mildes Laxans gereicht. Gegen die Synovitis, Bronchitis und Vaginitis ist nur ausnahmsweise eingeschritten worden. Bei vorhandener Augen­entzündung Hess ich das Tier dunkel stellen und je nach Umständen Atropin, Zinkvitriol oder Tannin gebrauchen. Die Euterentzündung verlangte, wenn sie die interstitielle oder katarrhalische Form zeigte, eine ausserordentlich aufmerksame Behandlung. — S. die Euter­krankheiten. —
1. Kuh des Gaitemnannes Eavens an der Weide in Hannover.
Anamnese. Das Tier frisst seit fünf Tagen allmählich weniger, liegt viel, steht ungern auf, hustet ab und zu und liefert eine beim Xochen sofort gerinnende Milch in geringer Quantität.
Status praesens. Die Kuh liegt, erhebt sich erst auf starkes An­treiben, steht mit im Sprunggelenk gebeugten Hinterschenkeln und geht auf beiden Hinterbeinen lahm. Die Sprunggelenkkapseln sind abnorm stark gefüllt; beim Druck auf dieselben ilussert das Tier Schmerzen. — Die Temperatur betrügt im Eectum 40,8 und ist an der Peripherie des Körpers ungleich verteilt. Das Flotzmaul ist schwach befeuchtet, nach dem Abtrocknen desselben treten die bekannten Perlen zu langsam auf. Der Puls steht auf 70 und ist gleich- und regehnässig. Die Arterie ist von mittlerer Füllung, die Wand derselben etwas gespannt. — Die Hunger­gruben sind tief eingefallen. Der Pansen arbeitet subnormal. Die Faeces sind dem Futter nach zu weich und von alkalischer Reaktion. — Die Eespiration ist ziehend und steht auf 40. Das Inspiratlonsgeräusch ist in bedeutendem Grade verstärkt, raub und knitternd; das Exspirations-geräusch ist deutlich vernehmbar. Die Perkussion der Brust ist dem Tiere anscheinend unangenehm. Der Perkussionsschall zeigt nichts Ab­normes. Beim Druck auf die Brustwandungen treten keine Schmerzens-äusserungen auf. Auf manuelle Reizung des Kehlkopfes in der beim Pferde üblichen Weise tritt Husten auf. Die Nasenschleimhaut ist bräun-lichrot, — Die Augen werden geschlossen gehalten und tliränen stark;
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die Konjunktiven sind geschwollen und gelbbraun von Farbe. In dem inneren Augenwinkel sitzt Schleim. — Die Vaginalschleimhaut ist gelb­braun von Farbe, anscheinend geschwollen, vermehrt warm und hier und da mit Schleim belegt. — Das Euter fühlt sicli weich und saftig an und liefert nur den vierten Teil der normalen Quantität Milch. Die Milch erscheint zu gelb, gerinnt beim Kochen und ist, wie die chemische Unter­suchung ergiebt, viel zu reich an Albumin und zu arm an Kase'in.
Die spezielle Diagnose lautete: Synovitis. Gastroenteritis catarrhalis. Bronchitis. Vaginitis. Conjunctivitis. Mastitis parenchymatosa.
Behandlung. Das Tier wird in einen gut ventilierten Stall ge­bracht und bekommt alle vier Stunden 71/) g konzentrierte Salzsäure mit einer Flasche Wasser.
Am folgenden Tage ist Patientin etwas munterer. Der Kot ist neutral.
Am dritten Tage. Das Tier hat angeblich stärkeren Appetit ge­zeigt und auch mehr Milch geliefert. Die Gelbfärbung der Schleimhaut ist verschwunden. Die Cornea des rechten Auges ist vollständig getrübt
—nbsp; Keratitis —. Patientin erhält alle sechs Stunden T'/^ g konzentrierte Salzsäure mit einer Flasche Wasser. Das Auge wird mit Atropinliisung behandelt.
Am fünften Tage. Das Tier liegt bei meiner Ankunft im Stalle zu ruminieren. Es hat nach Aussage des Besitzers und nach der Füllung des Pansens die normale Quantität an Futter und Getränk aufgenommen. Die Thätigkeit im Euter hat zugenommen. Die Milch erscheint weniger gelb, gerinnt aber noch sofort beim Kochen. Das Tier bekommt innerlich
—nbsp; nbsp;gegen die Euterkrankheit — Stibium sulf. nigr. crud. mit Fruct. foeniculi, und gegen die Augenkrankheit wird eine leichte Tanninlösnng gebraucht.
Am achten Tage. Bis auf eine schwache Trübung der Cornea ist volle Ausgleichung erzielt.
Bei einem späteren Besuch lindet sich die Cornea absolut klar.
2. Kuh des Gartenmannes Schaper an der Grosse Barlinge in Hannover.
Anamnese. Das Tier ist seit zwölf Stunden krank; es zeigt einen sehr gelingen Appetit, setzt einen dünnen Kot ab und liefert bedeutend weniger Milch als sonst.
St. pr. Das Tier steht mit untergeschobenen Hinterschenkeln und krummem Rücken, es entfernt sich ungern vom Standplatz und geht auf beiden Hinterschenkeln stark lahm. Die Sprunggelenkkapsel tritt an der vorderen inneren Partie an beiden Hinterschenkeln zu stsirk vor; beim Druck auf dieselben äussert das Tier Schmerzen. — Der Puls ist gleich-und regelmässig und steht .auf 88. Die Temperatur ist an der Peripherie des Körpers ungleichmässig verteilt und beträgt im Mastdarm 40,1. Das Flotzmaul ist trocken. Vorgehaltenes Futter wird langsam aufgenommen. — Die linke Hungergrube ist stark eingefallen. Der Pansen arbeitet sub­normal. Der Kot erscheint wie eine schleimige Masse und reagiert alkalisch. — Beim Druck auf die untere Partie der vier Euterviertel und Striche äussert das Tier Schmerzen. Beim Melken bekommt mau
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zuerst cine rötliche Flüssigkeit, in welcher sich hin und wieder ein kleines Blutcoagulum zeigt, darauf eine ganz normale Milch, in welcher ebenfalls ab und zu ein kleinstes Blutcoagulum auftritt. — Husten tritt zuweilen freiwillig, namentlich aber auf manuelle Reizung des Kehlkopfes ein. Die Nasenschleimhaut ist abnorm stark gerötet. Die Respiration steht auf 35. Der Perkussionsschall ist normal. Das Inspirationsgerilusch ist abnorm stark und mitunter von einem Pfeifen begleitet.
Die spezielle Diagnose lautete: Synovitis. Gastroenteritis catarrhalis. Bronchitis. Mastitis catarrhalis.
Behandlung. Das Tier wird an einem gut ventilierten Orte placiert und erhält Stroh und Wasser zur beliebigen Aufnahme. Vor­läufig soll nur zweimal täglich gemolken werden, und zwar in möglichst sanfter Weise. Die untere Hälfte des Euters mit Ausschluss der Striche wird mit einem öemisch, welches aus gleichen Teilen Jodtinktur und Spiritus besteht, dreimal täglich bepinselt. Innerlich Salzsäure in vorhin bemerkter Weise.
Bei dieser Behandlung tritt in zehn Tagen volle Ausgleichung ein.
3. Kuh des Gartenmannes Borrmann an der Bandeistrasse in Hannover.
Anamnese. Das Tier ist seit 24 Stunden sehr krank; es nimmt nichts zu sich und giebt keinen Tropfen Milch.
St. pr. Das Tier kann sich in dem engen Räume, in welchem es sich befindet, kaum vom Boden erheben, es steht mit krummem Rücken, geht auf allen vier Schenkeln lahm und äussert beim Druck auf die stark vortretenden Sprunggelenkkapseln und Sehnenscheiden der Huf- und Kronenbeinbeuger .am Vorder- und Hinterschenkel Schmerzen. — Die Temperatur ist an der Peripherie des Körpers ungleich verteilt und be­trägt im Mastdarm 41,7. Der Puls steht auf 90. Die Arterie ist schwach gefüllt und zeigt eine bedeutende Spannung in der Wand. Das Flotzmaul ist trocken. Vorgehaltenes Futter wird nicht aufgenommen. —#9632; Das Euter ist in ganzem Umfange in bedeutendem Grade geschwollen, steinhart, sehr schmerzhaft und liefert beim Melken eine rötlichgelbe, vollständig klare, flockenfreie, warme Flüssigkeit in der Quantität von ca. 10 g. — Die linke Hungergrube ist tief eingefallen. Pansenbewegungen sind kaum zu konstatieren. Der Kot wird verzögert abgesetzt, ist dem Futter nach zu konsistent, mit Schleim umhüllt und durchsetzt und von alkalischer Reak­tion. — Die Augen thränen stark und werden halb geschlossen gehalten. Die Bindehaut ist stark geschwollen und gerötet. Die Cornea zeigt eine vom Rande gegen die Mitte auslaufende schwache Trübung. In der vor­deren Augenkammer liegt ein graurötliches Exsudat. — Husten tritt ab und zu freiwillig, wie auch auf manuelle Reizung des Kehlkopfes und der Luftröhre ein. Die Respiration ist ziehend und steht auf 40. Das Inspirationsgerilusch ist rauh und wird zuweilen von einem Pfeifen be­gleitet. Der Perkussionsschall ist normal. — Die Scheidenschleimhaut ist geschwollen, stark gerötet, sehr warm und partiell mit Schleim belegt.
Die spezielle Diagnose lautete; Synovitis. Gastroenteritis catarrhalis. Bronchitis. Vaginitis. Mastitis interstitialis. Conjunctivitis. Keratitis etc.
Behandlung. Das Tier bekommt innerlich zunächst ein mildes Laxans in recht grosser Quantität und später Salzsäure. Die Augen werden
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zuerst mit Atropin und nachher mit Zinkvitriol behandelt. Das Euter wird stündlich längere Zeit massiert und gemolken und in der Zwischen­zeit in warmem Wasser gebadet.
Unter dieser Behandlung tritt allmählich volle Ausgleichung ein. Die Verabreichung der Salzsäure hörte am siebenten Tage auf. Am zehnten Tage der Behandlung war die Euterkrankheit beseitigt. Um diese Zeit wurde schon die Hälfte der normalen Quantität Milch geliefert. Die Augen erschienen erst am 25. Tage nach der Einleitung der Behandlung normal.
Aus der grossen Zahl von an Influenza behandelten Rindern habe ich gerade die vorstellenden drei Fälle ausgesucht, weil sie sogenannte Bchulfälle darstellen, und weil sie die von mir aufgestellten drei Hauptformen der Eutereutzllndung in klarster Weise zum Ausdruck bringen. Der Symptomenkomplex ist, wie auch eingangs besonders hervorgehoben worden ist, nicht immer ganz und gar derselbe. Auch der Ausgang ist, Avie schon ebenfalls bemerkt, nicht immer so günstig wie in den speziell angeführten Fällen. Ein Hauptmittel bei der Be­kämpfung dieser Krankheit wird fortan das salicylsaure Natron bilden müssen. Schon während der Leitung der externeu Klinik an der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover hätte ich dieses Mittel gern benutzt; ich musste aber, da die Besitzer der Tiere, um welche es sich handelte, durchschnittlich unvermögend waren, des hohen Preises wegen darauf verzichten. Nach meiner Pensionierung habe icli einmal Gelegenheit gehabt, salicylsaures Natron bei einem an Influenza er­krankten Stier zu benutzen.
Am 1. Dezember 1885 präsentierte ein alter Bekannter, der Hof­besitzer J. J. L. in W., mir einen ca. sieben Monate alten Bullen mit dem Bemerken, dass das Tier erst 24 Stunden, aber in dem Grade krank sei, dass an eine Heilung desselben wohl nicht gedacht werden könne; trotzdem aber habe er nicht unterlassen wollen , meine Meinung zu ver­nehmen.
Untersuchungsbefund. Das verhältnismässig grosse und brillant genährte Tier kann sich, nachdem es gewaltsam hochgebracht worden ist, nur kurze Zeit mit stark unter den Leib geschobenen Hinter- und Vorder­schenkeln stehend erhalten. Temperatur im Mastdarm 41,7, an der Körperoberfläche ungleichmässig verteilt. Der Leib ist tief eingefallen;, der Pansen arbeitet subnormal; der Kot ist zu konsistent, mit Schleim umhüllt und wird verzögert abgesetzt. Alle der Untersuchung zugäng­lichen Gelenkkapseln und Sehnenscheiden sind abnorm stark gefüllt; beim leichten Druck auf dieselben treten die heftigsten Schmerzensäusseningen auf.
Behandlung. In diesem Falle verordnete ich Natr. salicylicum. Es wurden sechs Gaben ä 5 g verschrieben und davon alle fünf Stunden eine mit einer halben Flasche Wasser eingegeben.
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48 Stunden nach Verabreichung des ersten Pulvers war die Be­wegung' des Tieres eine absolut normale. Voller Appetit war erst nach weitereu zwei Tagen vorhanden.
Rotlanf.
In meiner früheren Privatpraxis, wie auch in der externen Klinik der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover habe ich nicht ganz selten beim Rinde eine Krankheit beohachtet, welche derjenigen Krankheit, auf welche Rychner — Bujatrick, Auflage 3, Seite 505 —, Hering — Spezielle Pathologie, Auflage 2, Seite 284 —#9632; und Haubner — Landwirtschaftliche Tierheilkunde, Auflage 5, Seite 373 — auf­merksam nuichen, wenigstens ähnlich ist.
Krankheitserscheinungen. Das wesentlichste Symptom sind schmerzlose, nicht vermehrt warme, auslaufende ödematöse An­schwellungen, die sich mitunter hier, mitunter dort finden. Meistens fand icli nur die Augenlider und Lippen in leichtem Grade ge­schwollen. Zuweilen waren nur die Schamlippen und der Analrand affiziert, und in diesem Falle lagen gerötete Schleimhautpartien von verschiedenem, der Kegel nach von ziemlich beträchtlichem Umfange vor. Mitunter fand ich nur einen Vorderschenkel in hohem Grade ödematös geschwollen. Und ein paarmal zeigten sich am Rumpfe mehrere ziemlich umfangreiche Geschwülste. Puls und Temperatur sind normal oder doch nur um ein geringes erhöht. Futter wird wenig oder gar nicht aufgenommen. Die Milchsekretion hat ziemlich stark abgenommen. Die Milch ist mitunter — wenigstens anscheinend — normal, zuweilen aber derart verändert, dass sie gleich nach der Gewinnung beim Kochen gerinnt. Der Kot wird, wenigstens zuweilen, in zu weicher Konsistenz abgesetzt und ist, wenn er dem Futter nach sauer reagieren mlisste, von alkalischer Reaktion. Auf der Schleim­haut der Nase fand ich ein paarmal Petechien.
Verlauf. Selbiger ist in allen von mir beobachteten Fällen ein höchst akuter und günstiger gewesen. Die Krankheit entwickelt sich, wie besonders sicher beim Milchrinde an dem schnellen Nachlassen der Milchsekretion zu konstatieren ist, in einigen Stunden bis zur vollen Höhe und verliert sich in zwölf bis achtundvierzig Stunden vollständig. Eine Abstossung der Epidermis oder gar der oberen Schicht der Lederhaut, welche an den weissen Hautstellen der auf der Weide lebenden Rinder im Hochsommer ziemlich häufig beobachtet wird, habe ich bei dieser Krankheit niemals gesehen.
Diagnose. Die Erkennung dieser Krankheit kann, wenn das
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Vorkommen derselben bekannt ist, Schwierigkeiten niemals bereiten. In dem ersten Falle wurde ich an Milzbrand erinnert; ein Einstich in das Ohr des betreffenden Tieres belehrte mich aber sofort, dass ich diese Krankheit ausschliesseu durfte, denn das Blut erschien dünn und hellrot.
Ursachen. Hierüber weiss ich nichts anzugeben. Die Krankheit habe ich bei Weide- und bei Stalltieren gesehen, aber niemals bei mehreren Tieren gleichzeitig. Dass man auch liier an eine Infektion denkt, ist selbstverständlich.
Die etwa vorhandenen pathologischen Veränderungen kann ich, da ich niemals zur Sektion gelangt bin, nicht angeben. Das Blut ist, wie schon bemerkt, hellrot, und die Blutkörperchen sind, wie die mikroskopische Untersuchung ergeben hat, stark geschrumpft. Lebe­wesen habe ich in dem Blute nicht gefunden, aber auch nicht beson­ders darnach gesucht.
Behandlung. Die Einleitung einer Behandlung ist nicht in jedem Falle — vielleicht niemals — notwendig. Ich bin nicht ganz selten zu den Patienten erst dann gekommen, wenn die Krankheit schon un­gefähr zur vollen Ausgleichung gelangt war. In Fällen, wo ich zeitig genug zu den Patienten gekommen bin, habe ich halbstündlich bis stündlich Acid. sulf. conc, und zwar der Regel nach 4 g mit einer Flasche Wasser eingeben lassen. Sehr beliebt auch gegen diese Krankheit ist beim Laien der Aderlass.
Leukämie.
Jahresbericht der Königlichen Tierarzneisohule zu Hannover pro 1873 und 1874.
Die Leukämie oder Weissblütigkeit ist häutig beim Schweine, selten beim Rinde, und zwar bei diesem Tiere niemals in der lienalen und myologenen, sondern nur in der lymphatischen Form von mir gesehen worden. Da diese Krankheit in der allgemeinen Pathologie in umfassender Weise besprochen wird, will ich mich auf die An­führung eines, und zwar des Falles beschränken, auf welchen ich im Jahresbericht unter der Bezeichnung „Akute Skrofulösequot; schon auf­merksam gemacht habe.
Eine sieben Jahre alte, der Niedenmgsrasse angehörende Kuli, welche schon fünf Kälber geboren hatte, wurde mir mit dem Bericht in der ex­ternen Klinik vorgeführt, dass selbige seit einigen Wochen schlecht, seit drei Tagen gar nicht fresse.
Die sofort vorgenommene Untersuchung ergab folgenden Befund: Das Tier war abgemagert, stark eingefallen, rauh im Haar und so teilnahm-
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los, dass es sich der Untersuchung, sogar der Exploration per rectum nicht widersetzte. Der linke Augapfel war so stark aus der Augenhöhle vorgedrängt, dass das Tier denselhen nicht mehr hewegen und ebenfalls mit den Augenlidern nicht mehr bedecken konnte. Vor beiden Bug­gelenken, sowie in beiden Flankenfalten lag eine ziemlich scharf begrenzte Geschwulst, die von der Grosse eines Giinseeies bis zu der einer Männer­faust war und sich leicht unter der Haut hin- und herbewegen Hess. Die Conjunctiva erschien leicht gerötet. Die Temperatur an der Peripherie des Körpers war gleichmässig gesunken. Die Auskultation und Perkussion der Brust ergaben das normale Resultat. Der Verdauungstraktus arbeitete subnormal. Bei der Untersuchung per rectum wurden zahlreiche Ge­schwülste von sehr verschiedener Grosse in der Bauchhöhle entdeckt.
Die Kuh wurde, weil sie unheilbar war und das Fleisch derselben als menschliche Nahrung nicht verwertet werden sollte, der Anstalt für einen geringen Preis überlassen und schon am folgenden Tage, nachdem sie zu Operationsübungen benutzt worden war, getötet und seziert.
Die Sektion bestätigte die Diagnose. Unter der Serosa der ersten drei Magenabteilungen fanden sich sehr viele erbsen- bis haselnussgrosse Geschwülste. Die Mesenterialdrüsen bildeten eine zusammenhängende, höckerige Masse, welche 17 kg wog. Am Becken, sowie in der nächsten Nähe desselben fanden sich unter der Serosa viele hasel- bis hühnerei-grosse Geschwülste. Die in der Brusthöhle vorhandenen Lymphdrüsen waren so bedeutend vergrössert, dass ihr Gewicht 4 kg betrug. In der linken Augenhöhle lag eine hühnereigrosse Geschwulst.
Alle diese, sowie auch die an der äusseren Körperoberfläche vor­handenen Geschwülste waren weich, erschienen auf der Schnittfläche markig und in unregelmässiger Zeichnung grau und rot. Bei der mikroskopischen Untersuchung fand sich in den Schnitten der nicht erhärteten Masse nichts als lymphoide Zellen, in den Schiittelpräparaten der gekochten und erhärteten Substanz das follikuläre Gewebe in schönster Form.
Die Milz war normal. Die Schleimhaut des Verdauungstraktus befand sich im Zustande des Katarrhs, Die weissen Blutkörper waren bedeutend vermehrt.
Versuch. Zwei kleine Hunde bekamen vom 2. bis zum 16. März als ausschliessliche Nahrung die bei obiger Kuh gesammelten Geschwülste. Beide Tiere blieben gesund und zeigten, als sie nach sechs Monaten ge­tötet worden waren, bei der Sektion nichts Abnormes.
Ulutliarueu.
Jahresbericht der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover pro 1842.
Blutharuen, auch Blutplssou, rotes Wasser, Maiseuche, Weide-brach etc. genannt, kam frllher sehr häufig vor und war infolge dessen von grosser Bedeutung, tritt jetzt aber selten, in vielen Gegenden, z. B. in den mir bekannten Marschen, gar nicht mehr auf. Diese Krankeit ist in ihren Erscheinungen so charakteristisch, dass bei auf-
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nierksamer Beobachtung eine Verkeimung, eine Verwechslung der­selben mit anderen Krankheiten, kaum möglich ist.
Krankheitserscheinungen. Diese sind graduell ausserordentlich verschieden.
Der Appetit ist zuweilen normal, meistens aber gering oder ganz verschwunden.
Die Rumination ist, dem Appetit entsprechend, mitunter normal, gewölmlich jedoch unterdrückt oder ganz aufgehoben.
Der Verdauungstraktiis arbeitet wahrscheinlich in vielen Fällen annähernd oder ganz normal; derselbe ist in anderen Fällen aber paretisch.
Die linke Hungergrube ist gewöhnlich eingefallen, mitunter aber aufgebläht.
Der Kot ist nach Stockfieth zuerst dünn, mitunter blutig, nach drei Tagen aber der Hegel nach zu konsistent. Spinola sagt: „Die Mistung ist entweder durchfällig, oder und gewöhnlicher es ist Hart-leibigkeit vorhanden, in manchen Füllen steigert sich diese bis zur wirklichen Verstopfung, begleitet von tympanitischer Auftreibung des Leibes.quot; Ich fand die Faeces von vornherein zu konsistent, von gelb­brauner Farbe, mit Schleimklumpen und Blut durchsetzt.
Der Harn schäumt beim Niederfallen, ist in verschiedenem Grade rot, gerinnt beim Kochen zu einer dicken, breiigen, gallertartigen Masse, reagiert nach Stockfieth bis zum zweiten, nach Reuter bis zum dritten, resp. fünften, nach eigenen Untersuchungen wenigstens bis zum vierten Tage sauer, später neutral, resp. alkalisch. 15ei der letzten Reaktion entwickelt er einen starken Animoniakgcruch. Bei der chemischen Untersuchung überzeugt man sich von dem Vorhandensein des Kiweisses, und durch das Mikroskop kann man die Abwesenheit der roten Blutkörperchen konstatieren. — Nach Stockfieth tritt eine Rotfärbung des Harnes bei dieser Krankheit nicht immer ein. —
Das Absetzen des Harnes erfolgt häufig und augenscheinlich unter Schmerzen. Die Tiere stehen dabei mit aufwärts gekrümmtem lllicken, bringen unter starkem Pressen einen dünnen Strahl zum Vorschein, der an den Schenkeln abwärts läuft, und zeigen eine wurmförmige Bewegung am Mitteltleische.
Die Milch ist dick, gelblich und von saurer Reaktion, nach Spinola rot — blutig —.
Die Schleimhaut des Auges ist zuerst bräunlich gefärbt, später zitronengelb.
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Den Puls fand ich in jeder Beziehimg normal, aber auch bis auf 100 gestiegen und elend.
Die Temperatur steigt nach Reuter bis auf 41,8. Ich fand die­selbe im Anfange der Krankheit zu hoch, dann normal, aber schon am vierten Tage subnormal.
Die Herztöne können normal, aber auch am ganzen Uumpfe ver-nelimbar sein.
Der Gang ist gespannt, schwankend.
Die Lenden- und Kreuzpartie ist druckempfindlich.
Leichenerscheinungen. Kadaver anämisch. Mitunter alle Or­gane gelb gefärbt, und dann ist die Leber zu hell, die Milz abnorm rot. Das Blut ist fllissig; wenn es später gerinnt, so scheidet sich — nach Gerlach — rötliches Serum ab. Muskeln schlaff und bleich. Nieren schlaff, zeigen im Innern, wenn der Tod zu der Zeit eintrat, wo noch Blutharnen bestand, eine UberfUlIung der Ilarnkanälchen mit blutigem Urin. Katarrh im Verdauungstraktus. — Spinola. —
Verlauf. Die Krankheit verläuft akut — in acht bis vierzehn Tagen — und in den meisten Fällen glinstig. Ist der Verlauf ein ungünstiger, so fällt die Temperatur stark ab, die Schwäche nimmt allniäblich zu, die Tiere bleiben liegen und sterben — wie Stock-flcth angiebt — gewöhnlich an Anämie, ausnahmsweise an Lungen­entzündung.
Diagnose. Die wesentlichsten Erscheinungen sind in der Be-schatfeuheit des Harnes und in der Gelbfärbung der Schleimhaut ge­geben. Eine Verwechslung mit einer einfachen Hämaturie und mit der sogenannten Waldkrankheit ist, wenn die mikroskopische Unter­suchung des Barnes nicht unterlassen wird, fast unmöglich.
Ursachen. Diese sind zur Zeit noch nicht bekannt. Die Krank­heit tritt, abgesehen von den sporadischen Fällen, in ganz bestimmten Lokalitäten fast alljährlich oder doch ab und zu, am häufigsten heim Weidegange, aber auch bei StallfUtterung auf. Die Futterpflanzen gewisser Wald- und Bruchweiden bringen mitunter im grünen, wie auch im getrockneten Zustande diese Krankheit hervor. Aber auch nach verfaulten und gefrorenen Rübenblättern, nach verdorbenen Kohl­rüben — ötockfleth —, sowie nach Verflittening von Runkelrüben in Verbindung mit Trebern und Raubfourage kann dieselbe auftreten. Das Gift kennt man aber noch nicht. Dasselbe muss die roten Blut­körperchen auflösen und so den bäinatogenen Icterus herbeiführen. Ob die Witterung einen Einfluss auf den Ausbruch der Krankheit ausübt, ist auch noch nicht mit Sicherheit ermittelt.
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Behandlung. Die Hauptsache, wenn Appetit vorlianden, ist die Änderung der Fütterung. Arzneien sind in grosser Zahl empfohlen und auch unbedingt versucht worden. Terpentinöl und Steinöl. Blei­zucker, Kupfervitriol, Eisenvitriol, Alaun, Schwefelsäure, Tomentill-Avurzel, Bilsenkraut, Camphor, antiphlogistische Salze etc. Stockfleth empfiehlt zur Bekämpfung der Diarrhöe Roggenmehltränke, Milch, Suppe von Gerste oder Hafer; gegen die eigentliche Krankheit Eisen­vitriol mit Camphor. Um die etwa entstandene Verstopfung zu be­seitigen Crotonöl, 30 bis 35 Tropfen mit Rüböi. Über meine Be­handlung werde ich unten Auskunft geben.
1.nbsp; Kuh einen Tag krank. Försterei Kananoh bei Hannover.
Krankheitserscheinungen. Appetit gering; 85 ziemlich nor­male Pulse; Temperatur um 1,5 Grad erhöht; Oonjunctiva bräunlichgelb; Milchsekretion gering; Milch normal; Urin rötlich, dünn, eivveisshaltig und von saurer Eeaktion; Faeces zu konsistent, mit Sclileimklumpen und Blutcoagula durchsetzt und gelbbräunlich von Farbe; Pansen paretisch.
Behandlung wie bei der sub 3 angeführten Kuli. Fragliches Tier befand sich 48 Stunden nach dem ersten Besuch in der Rekonvalescenz.
2.nbsp; Kuh, drei Tage krank. Gartengemeinde bei Hannover. Krankheitserscbeinungen. Appetit mittelmässig; Puls, äussere
und innere Temperatur normal; Conjunctiva zitronengelb; Milchsekretion gering; Milch normal; Urin braun, dünn, eiweisshaltig und neutral; Faeces konsistent und gelbbraun von Farbe; Defäkation verzögert; Verdauungs-schlauch paretisch.
Behandlung wie bei der snb 3 angeführten Kuh.
3.nbsp; Kuh, drei Tage krank. Försterei Kananoh bei Hannover. Krankheitserscbeinungen. Grosse Mattigkeit; 100 elende Pulse;
15 Atemzüge; äussere Temperatur allenthalben, ganz besonders an den Extremitäten gesunken; Mastdarmtemperatur einen Grad niedriger als im Normalzustande; Conjunctiva zitronengelb; Schleimbaut des Ilektums bräun-lichgelb; Milch dick, gelb und von saurer Reaktion; Harn dünn, schwärzlich, eiweisshaltig und von saurer Eeaktion; Faeces zu konsistent, gelbbraun von Farbe, mit Sclileimklumpen und Blutcoagula durchsetzt; Verdauungs-traktus paretisch; Defäkation verzögert und erschwert; Herztöne am ganzen Rumpfe zu hören.
Behandlung. Leinsamenscbleim in möglichst grosser Quantität; viermal täglich 250 g Glaubersalz bis der Mist weicher und leichter ab­gesetzt wird; alle drei bis vier Stunden T'/i g konzentrierte Salzsäure mit zwei Flaschen Wasser eingegeben.
24 Stunden später neben der Salzsäure eine Injektion von Veratrin.
Drei Tage nach Einleitung der Behandlung befand sich das Tier in der Rekonvalescenz.
Nachträglich füge ich noch hinzu, dass der Förster auf Kananoh von seinen sieben Kühen schon zwei Stück am Blutharnen verloren hatte, wie wir hinzugezogen wurden.
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Vorbauung. Die Besitzer solcher Wirtschaften, in denen häufig oder ab und zu das Blutharnen auftritt, müssen ihr Vieh selber züchten und die schlechten Weiden durch Entsumpfung etc. zu yer-bessern suchen.
Schloinpeniauke.
Jahresbericht lt;ler Königlichen Tierarzneischule zu Hannover pro 1871.
Trotzdem die Schlempeniauke seit lünf Dezennien bekannt ist, möchte ich dennoch folgenden Fall hier mitteilen, weil nicht allein die äussere Haut, sondern auch die Schleimhaut der grösseren Aus-flilirungsgäuge der MilohdrUse erkrankt war.
Mit dem Vorberichte, dass die Fresslust gering und die Milchliefe-rung unbedeutend sei, wurde fragliche Kuh angemeldet.
Untersuchungsbefund. Puls 96. Eespiration 20. Flotzmaul trocken und warm. Äussere Temperatur unregelmässig verteilt. Mist trocken. Euter stark geschwollen, derber als im Normalzustände und ge­spannt. Striche stark geschwollen und derb, an der Oberfläche teils mit Schorfen bedeckt, teils von der Epidermis entbliisst und stark blutrünstig. Strichöffnungen verklebt und mit dicken Schorfen bedeckt; nach Ent­fernung der Schorfe #9632;— in Ermangelung einer Sonde — ein feiner und steifer Strohhalm nicht ohne Gewalt hineinzubringen, selbst nachdem die untere Öffnung passiert, noch immer ein Widerstand vorhanden. Melk-manipulationen, möglichst sanft und mit voller Hand ausgeführt, ver­ursachen dem Tiere anscheinend grosse Schmerzen, bleiben in beziig auf Milchgewinnung ganz ohne Erfolg. Die Haut ziemlich allenthalben, be­sonders stark jedoch an der ganzen Oberfläche des Euters, an der inneren Fläche der Hinterschenkel, vor den Vorderfusswurzeln und um die Kronon-und Fesselgelenke entzündet — geschwollen und schmerzhaft —, mit dicken, rissigen Borken belegt oder blutrünstig, nur hier und dort ein kleines Bläschen vorhanden. Bewegungen des Hinterteiles steif und schwankend. Fresslust sehr gering.
Bei näherer Nachforschung wurde die Anamnese dahin erweitert, dass die Hautkrankheit schon seit acht Tagen beobachtet, und dass Kar­toffelschale #9632;— unter dem Namen Kasernenabfall — schon seit vielen AVochen in bedeutender Menge an das Tier verfüttert worden sei.
Behandlung. Die am stärksten afflzieiten Stellen, namentlich das Euter und die Striche, werden mit warmem Wasser gebäht, letztere beiden Teile während des Bähens massiert, nm das Euter wird nach dem Bähen ein feucht-warmer Verband gelegt. Als Futter bekommt das Tier Heu und Stroh.
Am folgenden Tage: Fieber massiger. Fresslust noch gering. Euter und Striche weicher. Das Euter liefert beim Melken anfänglich eine dicke, puriforme Masse, später eine milchige, mit vielen Gerinnseln unter­mischte Flüssigkeit in ziemlich grosser Quantität. Die Borken und mit
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ihnen zum Teil die Epidermis sind infolge des Bäliens und Massierens an vielen Stellen, namentlich an den Strichen entfernt.
Behandlung. Fortsetzung der Bähungen. Nach dem Bähen werden die blutrünstigen Stellen der Striche, event, die des Euters mit einer mit Bilsenkrautextrakt versetzten leichten Bleisalbe bestrichen. Innerlich dreimal täglich 15 g doppeltkohlensaures Natron mit einer Flasche Wasser.
Unter dieser Behandlung mit der Modifikation, dass ab und zu etwas Glaubersalz gegeben wurde, trat nach und nach vollständige Aus­gleichung ein.
Aus dem vorstehenden und vielen illmliclien Fällen, welche icli ZU beobachten Gelegenheit gehabt habe, eutnelinie ich folgendes:
t. Die Eartoffelschale kann, wenn sie in grosser Quantität an das Eind verfüttert wird, die sogenannte Sehletnpemauke hervorrufen.
2.nbsp; Diese schädliche Wirkung der Kartoifelschale habe ich nur im Frühjahr und im Vorsommer konstatieren können.
3.nbsp; nbsp;Die letztere Thatsacbe scheint dafür zu sprechen, dass sich infolge des Keimungsprozesses das giftige Agens in grösserer Menge entwickelt, resp. sich ansammelt.
4.nbsp; Als eine Milhenkrankheit darf die Schlempcmauke nicht an­gesehen werden. Seit der ersten Publikation Luelfings habe auch ich ab und zu Milben hei den an Scblompemauke leidenden Kindern, aber nicht allein bei diesen, sondern auch bei solchen Rindern, die keine Erscheinungen der Schlempemauke zeigten, gefunden. Diese Milbe ist ausserordentlicb stark verbreitet; ich habe sie in früheren Jahren sogar nicht ganz selten bei den Kindern des zoologischen Gartens nachweisen können.
Kiioolioubrilchigkoit.
Jaliresbericlit der Königlichen Tierarznelschule zu Hannover pro 1880/82, Diese Krankheit kommt in einigen Gegenden, z. 15. In Misslmrg bei Hannover, wo ich dieselbe zu drei verschiedenen Zeiten beobachtet und behandelt habe, nur nach sehr trockenen Sommern, in anderen Distrikten auch in anderen Jahrgängen vor. Von ihr hefallen werden, wie man wobl sagt, nur die niilchgebenden und trächtigen Kinder; jedoch wie allenthalben, so kommen auch hier Ausnahmen von der Kegel vor. Spinola hat die Krankheit, wenngleich nur in geringem Grade, bei Ochsen beobachtet, und ich habe dieselbe in einem Falle beim Deckstier konstatiert. Die Knochenbrücbigkeit charakterisiert sich, wenn sie vollständig entwickelt ist, im grossen und ganzen da­durch, dass die Knochen spröder und folglich brüchiger geworden sind.
Harme, BindTlshheUkunde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Lfi
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Krankheitserscheinungen. Die Tiere erheben sieh unter Schmerzen und folglich höchst ungern vom Lager, entlasten beim Stehen ab­wechselnd die Schenkel, gehen in verschiedenem Grade gespannt und lahm und legen sich sehr vorsichtig nieder. Bei der Bewegung hört man wohl ein Knarren und Knacken in den Gelenken, besonders im Sprung- und Fesselgelenk. Der Puls steigt bis 100. Die innere Temperatur steigt ebenfalls; sie ist von mir bis zu einem Grad zu hoch befunden worden. Harn und Milch sind von saurer Reaktion. Die Thätigkeit im Pauset] und der Appetit sind nicht selten sub­normal. Der Kot ist gewöhnlich weich und von alkalischer Reaktion. — Die Krankheit soll zuweilen mit Störungen in der Verdauung und den Erscheinungen der Lecksucht beginnen. —
Verlauf. Dieser ist, wenn eine in jeder Beziehung rationelle Behandlung eingeleitet wird, der Regel nach ein günstiger. Es tritt mitunter in kurzer Zeit eine solche Ausgleichung ein, dass Krank­heitserscheinungen gav nicht mehr zu konstatieren sind. Die Heilung erfordert aber für gewöhnlich eine längere Zeit. Nach langem Be­stehen der Krankheit finden sich ausnahmsweise an den am meisten affizierten Gelenken Verdickungen. Diese Verdickungen, welche von mir an der Vorderfusswurzel, dem Spranggelenk und dem Fessel­gelenk gesehen worden sind, sind hart und anscheinend druck­empfindlich.
Die Tiere werden, wenn gar nicht gegen die Krankheit ein­geschritten wird, allmählich bewegungsunfähiger, magern mehr und mehr ab und brechen bei der geringsten Veranlassung, mitunter ohne jegliche nachweisbare Ursache, einen oder mehrere, gewöhnlich platte Knochen — Rippen, Becken etc. —.
Aber auch während der Behandlung können, wie es sich von selbst versteht, Knochenbrüche eintreten. Bei meinen Patienten ist nicht nur mitunter ein Knochenbruch erfolgt, sondern zweimal habe ich die Abreissung der Achillessehne vom Hakenbeine bei Leb­zeiten des Tieres konstatiert und viermal einen Eindruck an der Gelenkfläche des Oberschenkelbeines bei der Sektion gefunden.
Leichenersoheinungen. Abgesehen von den Erscheinungen der Zehrkrankheit fand ich folgendes; Der Gelenkknorpel ist rot, jedoch nicht allenthalben gleichmässig stark, sondern in der lichteren Grund­farbe treten dunklere Stellen — Flecke — auf. Die in der Nähe des Knorpels liegende schwammige Knochensuhstanz zeigt gleiche Farbenverhältnisse. Das Knochenmark ist hyperämisch und sulzig. Nach langem Bestehen der Krankheit sind verschieden tief gehende
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Defekte im Gelenkknorpel vorhanden, welche mit Granulation gefüllt sind. Die Gefässkanillchen sind abnorm weit. Ist bei den Patienten eine Verdickung der Gelenkpartie konstatiert, so sind die betreffenden Knochen mit Osteophyten bedeckt, und das das Gelenk umgebende Bindegewebe ist hypertrophiert und im Innern mit kleinen Knocken-taf'eln besetzt. Wie schon oben bemerkt, habe ich ausser Knochen­brüchen zweimal die Abreissung der Achillessebne vom Hakenbeine und viermal einen Eindruck der Gelenkfiäche des Oberschenkelbeines gefunden. An den Bruchenden der Knochen tritt keine Keaktion, keine Kallusbildung, ein.
Der sei. Begemann hat zuerst auf Befehl Gerlachs und später auf meine Bitte die Knochen knochenbrüchigcr Tiere vergleichend untersucht — s. den Jahresbericht der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover pro 1875 — und folgendes gefunden:
„ 1. Das spezifische Gewicht der kranken Knochen ist in allen Fällen geringer als das der gesunden.
2.nbsp; Der Wassergehalt sowohl in den Knochen als in dem Mark der kranken Knochen überwiegt den der gesunden.
3.nbsp; Das Fett schwindet sowohl in dem Knochen, als wie im Mark und hat ansserdem geringere Konsistenz.
4.nbsp; Die organische Substanz der Knochen erleidet eine mehr oder weniger grosse Veränderung.
5.nbsp; Aus dem spezifischen Gewichte und aus dem Vergleiche des Umfangs derselben Knochenstückchen geht hervor, dass eine Ver­minderung der Knochenmasse stattfindet. Da nun das Verhältnis der organischen Substanz zu der unorgonischen gegenüber den gesunden Knochen nicht sehr differiert, so muss gleichzeitig ein Schwinden so­wohl der Knochensalze als auch der organischen Substanz statt­gefunden haben.quot;
Diagnose. Unter Berücksichtigung der Gegend und der Sommer-Witterung ist die Krankheit, sobald sie einigermassen ausgebildet ist, leicht zu erkennen und namenvlich sicher vom Gelenkrheumatismus, mit welchem sie bei oberflächlicher Untersuchung eine geringe Ähnlich­keit hat, zu unterscheiden.
Ursachen. Diese sind noch nicht mit der wünschenswerten Sicher­heit ermittelt. Man beschuldigt ziemlich allgemein Mangel an Kalk in der Nahrung, und führt für die Ilichtigkeit dieser Behauptung an, dass die Krankheit fast nur bei Milchvieh, also nur bei solchen Tieren, bei welchen eine vermehrte Abgabe von Kalk Ktattfindet, auftritt. Das ist — s. o. — im grossen und ganzen richtig. Es ist bis
15laquo;
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jetzt aber noch niemals gelungen, durch Entziehung des Kalks aus der Nahrung- eine der Knochenbrlichigkeit gleiche oder ähnliehe Krankheit zu erzeugen. Denn die von Roloff auf diese Weise hervor­gerufene Krankheit wird man doch unmöglich der Knochenbrüchigkeit gleichstellen wollen. Ich habe, s. u., infolge der Verabreichung eines Futters, das sehr arm an Kalk — und Phosphorsäure — ist, bei Schweinen eine Krankheit auftreten sehen, die ausserordentlich ver­schieden von der Knochenbrüchigkeit des Kindes war. Die Knochen der fraglichen Schweine waren im höchsten Grade weich, leichter als Zellonknorpel zu schneiden, und so biegsam, dass man sie, ohne sie zu zerbrechen, in jede beliebige Richtung bringen konnte, während die Knochen bei der Knochenbrüchigkeit abnorm spröde, also nicht biegsam, sondern brüchiger sind.
Die Knochenbrüchigkeit kommt aber auch auf kalkreichem Boden vor, jedoch angeblich nur dann, wenn es demselben an Phosphor-säure gebricht.
Wesen. Wie aus dem Vorstehenden zu entnehmen, ist das Wesen der Krankheit noch nicht bekannt. Nach den Untersuchungen Begemanns, auf die wohl jeder, der denselben gekannt hat, ein be­sonderes Gewicht legt, kann man annehmen, dass, da beide Bestand­teile — organische und unorganische — nicht allein relativ gleich-massig abgenommen haben, sondern die liestteile derselben infolge der Degeneration der organischen Substanz nicht normal miteinander verbunden sind, die Brüchigkeit der Knochen zum Teil auf die Ab­nahme der beiden Substanzen, grösstenteils aber gewiss auf die abnorme — weniger innige — Verbindung der liestteile derselben zurückzuführen ist.
Behandlung. Verabreichung einer auf einem kräftigen Boden gewachsenen kaikreiohen Nahrung. — Kleeheu, Bohnen- und Erbsen­stroh, Lein- und Rapskuchen, Biertreber, Bohnen- und Erbsenschrot. Beim Weidegang muss ein Umweidcn stattfinden. Wenn dies nicht möglich ist, muss ein aus obigen Nahrungsmitteln bereitetes Beifutter gereicht werden. Innerlich gebe ich Acidum hydrochloricum. Von dieser — konzentrierten #9632;—#9632; Säure lasse ich zunächst sechsmal, später dreimal täglich T1/laquo; g mit 1 Flasche Wasser eingeben. Diese Be­handlung kann ich allen Kollegen bestens empfehlen. Ziemlich all­gemein wird sonst die Benutzung des Knochenmehls empfohlen. Das gewöhnliche Knochenmehl wird aber nicht gern aufgenommen und auch nicht resorbiert. Wenn mau dagegen die Knochen normal ent­wickelter Tiere weiss brennt, dann in Salzsäure auflöst, die Lösung
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mittelst Ammoniak fällt, so bekommt man duvoh Trocknen des Nieder­schlags ein Pulver, das nach Lehmanns Versuchen resorbiert wird. Als Getränk kann man auch Kalkwasser geben.
Vorbauung. Die AVoiden, auf denen die Knochenbrlichigkeit sich entwickelt, müssen durch Entsuinpfung, sowie durch angemessene DttngUUg verbessert werden.
Indem man jetzt die Knochenbrücliigkeit mit Vorliebe „Osteomalaciequot; nennt, womit ich mich nicht einverstanden erklären kann, führe ich folgenden Fall an. — Zeitschrift für Tiermedizin und vergleichende Patho­logie, Band 15. —
Im Nachsommer des Jahres 1881 wurden in der externen Klinik der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover viele Ferkel zur Behand­lung vorgeführt, die sehr gespannt gingen, mitunter nicht im stände waren, sich vom Lager zu erheben, und bedeutende Verkrümmungen der Knochen, namentlich der unteren Scbenkelenden zeigten.
Als Ursache der Krankheit wurde die ausschliessliche Fütterung der Tiere mit einem Gemisch, das aus Kartoffeln und Kartoffelschale bestand und gekocht war, angenommen. Die Fütterung der Schweine mit Kar­toffeln war in diesem Jahre eine so überaus starke, weil infolge der ansserordentlich reichen Ernte der Marktpreis für selbige ein abnorm ge­ringer war.
Die pathologisch-anatomischen Verhältnisse habe ich, da ich stets kränklich war, nicht nach allen Kichtnngen aufnehmen können. Nur ein paarmal habe ich die unteren Schenkelenden oberflächlich untersucht, und selbige darauf, wenn ich nicht irre, dem pathologischen Institut über­mittelt. Die Knochen waren im Vergleich zur Grosse des Tieres und zum Umfange der Markröhre schwach entwickelt und so weich, dass sie sich leichter schneiden Hessen als Zellenknorpcl. Die Röhrenbeine waren so biegsam, dass man sie, ohne sie zu zerbrechen, in jede beliebige Rich­tung bringen konnte.
Es lag also unbedingt, wenigstens in physikalischer Beziehung, ein der Knochenbriichigkeit entgegengesetzter Zustand vor. Denn bei der Knochenweiche nimmt in den Knochen die Biegsamkeit zu und die Brüchig­keit ab; bei der Knochenbriichigkeit stellt sich nach und nach das Ent­gegengesetzte ein. Auch sind Verbiegungen der Knochen, wie in diesem Falle bei den Ferkeln und bei den Roloff'schen Versuchstieren bestanden, bei der Knochenbrüchigkeit niemals beobachtet worden.
Starrkrampflaquo;
Jaliresbericht der Königlichen Tierarzneischule ssu Hannover pro 1871.
Als Starrkrampf — Tetanus — bezeichnet mau einen anlialteiuleu — tonischen— Krampf der willkürlichen Muskeln, welcher in einzelnen Gruppen derselben beginnt und event, allmählieh auf alle übergeht oder alle willkürliclien Muskeln mit einem Male befällt. Die Krankheit
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wird wohl, wenn nur die Kaumuskeln ergrift'eu sind, als Trismus
—nbsp; Maulsperre, Maulklemme — bezeichnet, wenn dagegen der Krampf mehr verbreitet ist oder sich auf sämtliche willkürliche Muskeln er­streckt, Tetanus, resp. Tetanus universalis genannt.
Krankheitserscheinungen. Die vom Krampf befallenen Muskeln sind steinhart. Beim ausgebildeten Trismus ist das Maul fest ver­schlossen. Ist der Krampf ein allgemeiner, so steht das Tier säge-bockähnlich und kann sich nur mit Mühe bewegen. Beim Antreiben zur Ortsveränderung, ja sogar schon bei plötzlich eintretender greller Beleuchtung des Standplatzes etc. nimmt infolge einer vorhandenen erhöhten Reizbarkeit des Tieres der Krampf plötzlich bedeutend zu. Der Gang ist, da die Schenkel nicht gebeugt werden können, eigen­tümlich gespannt. Der Verdauungstraktus arbeitet subnormal, resp. gar nicht. Die Defäkation ist verzögert, mitunter ganz aufgehoben. Appetit ist bei nicht zu stürmischem Verlaufe vorhanden; die Auf­nahme des Futters aber kaum oder gar nicht zu beschaffen. Auf­genommenes Schlappfutter wird vielleicht noch mit Mühe geschluckt, Langfutter aber wieder ausgeworfen. Der Augapfel ist stark zurück­gezogen und wird, namentlich beim Aufrichten des Kopfes, in zu be­deutendem Grade von der Nickhaut bedeckt. Die Nasenlöcher stehen abnorm weit often. Die Respiration ist, wenn die Respirationsmuskeln affiziert sind, erhöbt, zuweilen in bedeutendem Grade. Der Puls ist im Anfang normal, später gewöhnlich zu hoch. Die Temperatur ist auch zuerst normal, steigt aber der Regel nach später, und zwar nicht allein bis zum Tode, sondern auch noch nach dem Eintritt desselben.
Verlauf. Es kann, namentlich dann, wenn die Krankheit sich langsam entwickelt und nicht sehr hochgradig ist, Puls und Tem­peratur gar nicht oder nur wenig erhöht sind, unter allmählichem Nachlassen des Krampfes Heilung eintreten. Dieser Ausgang tritt
—nbsp; wenigstens bei Pferden — in einigen Gegenden ziemlich häufig, in anderen Gegenden selten, fast gar nicht ein. Der sei. Köhue be­hauptete, dass er in der Berliner Klinik 50 quot;/u der Starrkrampf-Patienten geheilt habe. Ebenso weiss ich aber auch, dass in der Hannoverschen Klinik unter Leitung der Herren Günther, Gerlach und Köhne niemals ein Starrkrampf - Patient geheilt worden ist. Auch mir sind sämtliche Starrkrampf - Patienten — Pferde und Rinder — gestorben. Tritt die Krankheit stürmisch auf, steigen, wie es dann Regel ist, Puls und Temperatur, sowie die Respiration rasch und be­deutend, so ist kaum Aussicht auf Heilung vorhanden, sondern zu
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befürchten, (lass dor Tod bald eintreten werde. Nur Fälle der letz­teren Art habe ich gesehen und behandelt.
Diagnose. Das Krankheitsbild ist in vollständig- entwickeltem Zustande ein so charakteristisches, dass man die Diagnose auf den ersten Blick mit vollster Sicherheit stellen kann. Im Anfange, aber auch unbedingt nur zu dieser Zeit, kann man vielleicht an Geniok-krampf und Rheumatismus erinnert werden.
Ursachen. Die Lehre von den Ursachen des Starrkrampfes hat ebenfalls eine bedeutende Wandlung erfahren. Bis jetzt sprach man von einem rheumatischen und traumatischen Starrkrampf; das darf fernerhin wohl kaum mehr geschehen. Der rheumatische Starrkrampf sollte durch Erkältung und der traumatische auf die Weise entstehen, dass an und in der Wunde liegende Nerven gezerrt würden. Eben­falls dachte man früher, dass, da der Starrkrampf zu manchen Zeiten häufiger auftritt als zu anderen, was ja nicht zu leugnen ist, eine bestimmte, aber nicht näher bekannte Witteriingskonstitutiou den Aus­bruch, resp. die Entwickelung desselben begünstige. Man nahm des­halb, wenn man einen Starrkrampf-Patienten hatte, nicht gern Ope­rationen vor. Und dieser alten Regel würde ich, wenn ich noch praktizierte, bis auf weiteres folgen.
Die neueren Forschungen haben ergeben, dass der Starrkrampf durch einen Bacillus und dessen Stott'wechselprodukte hervorgerufen wird. Der StaiTkrampf-Bacillus ist fein und schlank, mit einem färb­baren Köpfchen — der Spore — versehen und findet sich in der Erde, dem Stallboden, auf der Chaussee, in altem Holz etc., also fast allenthalben. Er ist ausserhalb des Körpers fortgezüchtet und mit Erfolg übertragen worden. Dieser Bacillus erzeugt mehrere Nerven­gifte, unter welchen das Tetanin das wichtigste sein soll. Dringt der Starrkrampf-Bacillus in eine frische Wunde hinein, so ist der Ausbruch des Starrkrampfs zu befllrehten.
Beim Kinde tritt der Starrkrampf am häufigsten nach dem Ge­bären ein. Frisch entstandene Wunden und Beschmutzung derselben werden wohl die Ursache sein.
Behandlung. Der Aufenthaltsort muss gut ventiliert, dunkel und ruhig sein. Der Zutritt neugieriger Personen darf nicht gestattet werden. Die Einstreu ist am besten aus Kaff, sonst aus durch­schnittenem Stroh zu beschaffen, Frisches Wasser muss so angebracht sein, dass das Tier dasselbe ohne besondere Mühe erreichen kann. Als Futter empfiehlt sich ein nährkräftiges Schlappfutter, das täglich gewechselt werden muss. Ist der Kot sehr fest, so kann die Ver-
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abieicliung- eines milden Laxiuis mit dem Wasser oder Schlappfutter in Frage kommen. Von den Klywtieren habe ich niemals Gebrauch gemacht. Empfohlen werden sonst Klystiere von Bromkali, Chloral-hydrat, Äther und Chloroform mit vielem Schleim und Morphium-Injektionen. Äther-Inhalationen sind auch benatzt worden. Nach Morphium und Kurare habe ich regolnulssig sofortige Verschlimmerung eintreten sehen.
Etwa vorhandene Wunden müssen selbstverständlich sofort ge­reinigt, desinfiziert und so verbunden werden, dass man sie in den nächsten Tagen, resp. Wochen nicht zu berühren braucht. Tritt die Krankheit nach dem Gebären auf, so werden die Geschleohtswerk-zeuge sofort gereinigt und desinfiziert.
Ein bestimmter Fall dürfte das Bild des Starrkrampfes am besten demonstrieren.
Am 29. März 1871 fand ich bei einer ca. acht Jahre alten Kuh der Niederungsrasse und des mittleren Schlages, welche am 20. gekalbt, am 23. bei einem scharfen, kalten Nordostwimle einen ungefähr zwei Meilen langen Weg zurückgelegt hatte und seit dem 24. krank war, folgende Erscheinungen;
Das Tier stand wie angenagelt auf seinem Standplatz mit leicht gespreizten B e i n e u, gehobenem und leicht seitwärts gehaltenem Schwänze, gestrecktem Halse und Kopfe, sowie steif auf-, rück- und auswärts gerichteten Ohren. Das Maul war fest und eng verschlossen, im Innern sehr heiss, und aus demselben tloss kontinuierlich der Maulsaft in grosser Menge ab. Bei dem Versuche, das Maul zu öffnen, trat eine bedeutende Aufregung ein. Die Respiration war ziehend, von einem leichten, röchelnden Kehl-kopfsgeräusch begleitet und stand auf 24. Der Bulbns lag tief zurück­gezogen in seiner Höhle und war zur Hälfte von der Nickhaut bedeckt. Die Temperatur war an der Körperoberfläche nngleichmässig verteilt, im Innern, im Mastdarm, auf 40 erhöht. Der Puls war an der Gesichts-arterie, Armarterie und mittleren Schwanzarterie nicht zu fühlen, wohl aber an der Carotis aufzunehmen und stand auf 72 bis 74. Der Herz­schlag war nicht zu fühlen. Die Herztöne traten sehr deutlich auf. Der Hinterleib war aufgetrieben; der Pansen wölbte sich nur a 11 e a n d e r t h a 1 b b i s z w e i M i n u t e n in einem sehr schwachen Grade vor. Harn und Mist wurden in kleinen Quantitäten, und letzterer in trockner Beschaffenheit abgesetzt.
Verordnet wurde volle Eulie, warmes Einhüllen und eine Injektion von 0,60 g Morph. hydrochloricuin.
Am Abend desselben Tages fanden die beiden Herren Praktikanten den Zustand ähnlich wie am Vormittage; die innere Temperatur aber um 0,2 gestiegen.
Am 30. März, nachmittags vier Uhr, wurde der zweite Besuch von mir gemacht und auf den ersten Blick eine bedeutende Steigerung der
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Krankheit konstatiert. Der Krampf hatte in allen willkürlichen Muskeln bedeutend zugenommen. Der Puls war jetzt auch nicht an der Carotis zu fühlen; die Frequenz des Pulses nicht einmal durch Auskultation des Herzens zu ermitteln, weil verschiedene Lungengeriiusche, wie Pfeifen, Rasseln etc., so laut und heftig waren, dass nur selten ein Herzton auf­genommen werden konnte. Die Kespiration stand auf (37 und war von einem sehr starken, röchelnden Gerilusehe im Kehlkopf begleitet. Der Pansen lag absolut still, war bedeutend durch Gas aus­gedehnt, das Tier also stark aufgebläht. Der Mastdarm war stark mit harten Kotmassen angefüllt. Die Temperatur betrug 41,2.
Um dem Tiere einige Erleichterung zu verschaffen, wurde der Pansen­stich gemacht.
Um zehn Uhr abends desselben Tages krepierte das Tier.
Auf die Untersuchung des Kadavers wurde verzichtet.
Wiitkrankhoit. Jahresbericht der Königlichen Tieravzneischule zu Hannover pro 1875.
Diese Krankheit, auch Wut, Wasserscheu, Rabies, Lyssa, Hydro­phobie genannt, ist, wie wir jetzt mit Bestimmtheit wissen, eine In­fektionskrankheit.
Der infizierende Stoff ist noch nicht rein dargestellt, trotzdem aber weiss man, dass er fixer Natur ist, am reinsten im Gehirn und llUckemuark vorhanden ist, aber auch in den Speicheldrüsen des Kopfes, der Bauchspeicheldrüse, der Thräneudrttse und Milchdrüse, sowie in deren Sekreten, wahrscheinlich aber nicht im Blute — s. u. — vorkommt, und dass er bei vorgeschrittener Fäulnis, in vier bis fünf Tagen, zerstört wird. — Die alte Annahme, dass man sich an dem erkalteten Hundekadaver nicht infizieren könne, ist durch den trau­rigen Fall, in welchem Anker, Kandidat der Tierheilkunde an der Laudbauhoohschule zu Kopenhagen, sich bei der Sektion eines er­kalteten Ilundekadavers infizierte und starb, vor ca. 40 Jahren schon widerlegt. —
Die Übertragung des Giftes auf andere Tiere geschieht durch den Biss toller Hunde, ausnahmsweise durch den Hiss anderer Tiere. Es werden jedoch nicht alle gebissenen Tiere krank, und das ist darauf zurückzuführen, dass entweder Immunität vorliegt, oder nicht genügend, resp. gar kein Gift in die Wunde gekommen ist. Eine erbliche Übertragung, eine iutrauterine Infektion, will man auch schon beobachtet haben.
Die Impfungen, zu denen man Hunde, Kaninchen und Meer-schweincheu benutzt, wirken am sichersten und raschesten, wenn das Virus direkt unter die Dura des Gehirns und Rückenmarks gebracht
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wird, und um so laugsamer, je weiter entfernt vom Gehirn die Ini-pftlQg vorgeuouimen wird. Die Milch soll mir dann infizieren, wenn sie interkraniell appliziert wird.
Der Geuuss des Fleisches und der Milch hat his jetzt noch nie­mals den Ausbruch der Krankheit zur Folge gehabt. Mir ist ein Fall bekannt, dass der Tierarzt, um die Familie, welche Milch von einem wutkranken Tiere genossen hatte, zu beruhigen, ein Glas frisch gemolkener Milch dessclhen Tieres trank.
Zwischen der natiiiiichen oder der künstlichen Impfung und dem Ausbruch der Krankheit vergeht eine Zeit — Inkubationszeit —, die mitunter nur einige Tage, zuweilen aber Monate beträgt. Wodurch der Unterschied in der Inkubationsdauer bedingt ist, weiss man zur Zeit noch nicht genau; denn selbiger darf gewiss nicht allein auf die Körperstelle, au welcher die Infektion erfolgt ist, zurückgeführt werden.
Krankheitsersoheinungen. 1. Beisssucht. Wenn man von Toll­wut spricht, so denkt man auch unwillkürlich an das Vorhandensein der Ueisssucht. Lewes, Fass, Kampinann und Seer haben auch ge­sellen, dass tollwutkranke Kinder beissslichtig waren ; von den meisten Beobachtern ist dies Symptom aber nicht wahrgenommen worden. Fehlen der Beisssucht schliesst also die Tollwut nicht aus. Ebenfalls darf man nicht jedes beisssüchtige Rind für tollwutkrank halten; denn Beisssucht kommt auch bei anderen Krankheiten vor.
2.nbsp; nbsp;Stossen. Tollwutkranke Rinder stossen ganz gewöhnlich. Im Anfange und am Ende der Krankheit machen die Tiere kaum oder
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ar nicht Gebrauch von ihren Hörnern, wohl aber in der Mitte der-
selben. Zu dieser Zeit zertrümmern sie alles Mögliche; gehen sogar auf andere Tiere und den Menschen los. Aber auch dieses Symptom beweist nicht unbedingt das Vorhandensein der Wut. Stark auf­geregte, böse, Binder arbeiten mitunter ftirchthar mit ihren Hörnern umher, und Rosetto sah, dass ein an Gehirnentzündung leidendes Rind, welches geheilt wurde, mit den Hörnern stiess.
3.nbsp; nbsp;Stampfen mit den Vorderfüsseu. Auf dieses Symptom inachen Hering und Cartwright aufinerksam.
4.nbsp; nbsp;Brüllen. Dieses Symptom ist wohl stets vorhanden. Vor­halten von Hunden wird dasselbe zuweilen hervorrufen —Ferir — oder verstärken. In einem von mir beobachteten Falle —#9632; s. u. — hörte das Brüllen auf, sobald Menschen bei dein Tiere waren.
5.nbsp; nbsp;Schnaufen ist von Cartwright beobachtet worden.
ü. Abgeänderte Stimme. Die Stimme ist dumpf und heiser
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— Spinola —, rauh und zitternd —Lessoaa —, jedoch in vielen Fällen nicht verändert gefunden worden.
7.nbsp; nbsp;Der Blick ist glotzend — Spinola und Rossignol —, stier und glänzend — Lessona—, wild — Hering—, glotzend und wild — Ferir—• Die Pupille ist nach Spiuola und Lessona weit.
8.nbsp; nbsp;Speichelfiuss und Scliäumen. Dieses Symptom ist ungefähr von allen, so von Hering, Eass, Lessona, Canillac, Ferir, Seer und auch von mir gesehen worden. Der Speichelfluss spricht flir eine Lähmung des Schlundkopfes. Man darf jedoch nicht vergessen, dass ein leichter Abfluss von Speichel sehr häufig hei ganz gesunden Kin­dern heohachtet wird.
9.nbsp; nbsp;Trippeln und Schwanzwedeln sind von Ferir beobachtet.
10.nbsp; nbsp;Uelecken des Körpers sah Seer.
11.nbsp; nbsp;Nagen am Schwänze beohachtete Kampmann bei mehreren Stücken.
12.nbsp; nbsp;Wasserscheu ist nicht von allen, auch nicht von mir he­ohachtet, wohl aber von einigen konstatiert worden. Wegstossen des Trinkgefässes sah Hering; Wildwerden heim Umrühren des Wassers konstatierte Cartwright; Auftreten von Brüllen und krampfhaften Zuckungen unter gleichen L'mständen beobachtete Kossignol. Der Anblick des Wassers erzeugt wahrscheinlich, wenn das Tier durstig ist, Schlinghewegungen, welche in den betreffenden Muskeln krampf­hafte Kontraktionen hervorrufen, und deshalb zum Entweichen vom Wasser Veranlassung geben.
13.nbsp; nbsp;Krämpfe. Zuckungen sah Canillac am Halse, Lessona am Halse und an den Schenkeln. Hering beobachtete Zuckungen und Sehnenhüpfen. Ich konstatierte Zuckungen an den Maulwinkcln.
14.nbsp; nbsp;Rötung der Schleimhäute. Ich fand die Bindehaut des Auges, wie auch das Zungenbändchen und die diesem zunächst belegencn Partien der Schleimhaut gerötet.
15.nbsp; nbsp; Fieber. Fass bezeichnet freilich als konstantes Symptom „Fieberlosigkeitquot;; jedoch fand Lessona den Puls klein, schnell, zuquot; sammengezogen. Ich konstatierte nicht allein eine leichte Frequenz­zunahme des Pulses, sondern auch eine Erhöhung der Mastdarm­temperatur.
1(5. Eingefallene Hungergruben. Von Bossignol und mir, wahr­scheinlich auch von allen anderen gesehen worden.
17. Parese des Verdanungstraktus. Es ist mir in keinem Falle möglich gewesen, hei der Auskultation des Bauches peristaltische Bewegungen zu konstatieren.
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18.nbsp; nbsp;Drängen. Starkes mul häufiges, mitunter unausgesetztes Drängen ist von Hering, Fass, Kampnianu etc. und aueli von mir beobaobtet worden.
19.nbsp; nbsp;Verstopfung. Auf dieses Symptom machen Fass, Ferir, Seer etc. aufmerksam. Cartwright fand harten Mist im Mastdarm. Ich fand den Mastdarm leer, sogar bei solchen Tieren, die in den letzten 24 .Stunden nicht gemistet hatten. — Nach Spinola soll im weiteren Verlaufe Durchfall mit Tenesmus auftreten. Hering fand zuweilen den Mist blutig.
20.nbsp; nbsp;Entleerung von Schleim aus dem Mastdarm. In den von mir beobachteten Fällen wurde bei dem anhaltenden Drängen ab und zu etwas Schleim entleert.
21.nbsp; nbsp;Harnzwang. Seer fand den Harn blutig. Ferir beobachtete Harnzwang.
22.nbsp; nbsp;Aufgeregter Geschlechtstrieb. Ferir spricht vom Aufspringen auf andere Tiere. Spinola sagt ausdrücklich: „Bullen — mitunter auch Kühe — zeigen gewöhnlich aufgeregten Geschlechtstrieb.quot;
23.nbsp; nbsp;Partielle Lähmung. Wenn die Tiere au einem Schenkel gebissen, infiziert, sind, so soll, wie Spinola angiebt, bald nach dem Fintritt der Krankheit, eine Fähinung an demselben zu konsta­tieren sein.
24.nbsp; nbsp;Allgemeine Lähmung. Im Verlaufe der Krankheit tritt ein Schwanken im Hinterteil und schliesslich allgemeine Lähmung ein.
Inkubationsdauer. Der Ausbruch der Krankheit erfolgt in der Kegel einen bis zwei Monate nach der Infektion, ausnahmsweise schon am neunten Tage oder erst 20, 30, 40 bis 50 Wochen nach derselben. So sah Spinola in einem Falle, in welchem in einer Viehherde 22 Stück in Wut verfielen, den letzten Krankheitsfall in der 47. Woche erfolgen. Morro will eine Inkubatiousdauer von zwei Jahren und vier Monaten beobachtet haben. Spinola giebt auch noch an, dass Trächtigkeit die lukubationsdauer verlängere.
Leichenerscheinungen. Hierilher kann ich aus eigener Erfahrung eben so wenig wie aus der Lltteratur sichere Angaben machen.
Verlauf. Es werden wohl drei Stadien unterschieden, nämlich:
1.nbsp; nbsp;Stadium prodromorum s. melancholicum;
2.nbsp; nbsp;Stadium irritatioris s. furibundum, und
3.nbsp; nbsp;Stadium paralytieum.
Diese drei Stadien gehen unmerklich in einander über und dauern zusammen nur vier bis sechs Tage.
Diagnose. Krankheitserscheimingen giebt es bei der Tollwut
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eine grosse Menge; selbige sind aber in keinem Falle alle vorhanden, und jede derselben kann auch bei nicht wutkrankon Tieren gesehen werden. Pathognomonische Erscheinungen sind bis jetzt nicht bekannt.
Die wesentlichsten Symptome sind: BrUllen, Verstopfung, starkes Drängen, Stillliegen des Verdauungstraktus, Stossen und Beisssucht.
Ausschiiessen muss man die Stenose und Invaginatiou des Darmes, den inneren Bruch und die Hyperämie, resp. Entzündung des Gehirns.
Der Verlauf der Krankheit wird, wenn ursprünglich noch Zweifel bestanden, in jedem Falle zur sicheren Diagnose führen, um so leichter dann, wenn noch gar ermittelt wird, dass wahrscheinlich oder ganz bestimmt eine Infektion stattgefunden hat.
Prognose. Die Krankheit ist unheilbar.
Behandlung. Die Tiere müssen so plaziert werden, dass sie weder andere Tiere, noch Menschen beschädigen können.
Vorbauung. Vereinzelte Bissstellen müssen ausgeschnitten, aus­gebrannt oder sicher geätzt werden. Sind diese Massnalimen nicht durchführbar, weil die Verletzungen zu umfangreich oder nicht sicher aufzufinden sind, so empfehlen sich Waschungen mit Wasser, das durch Essig- oder Salzsäure angesäuert oder durch Soda alkalisch gemacht worden ist. Wie bald die örtliche Behandlung eintreten muss, um einen Erfolg zu liefern, ist noch nicht bekannt.
Ein Besitzer aus Osterwald im Kreise Hannover ersuchte mich, eine ihm gehörende Kuli, welche seit drei Tagen Futter und Getränk gänzlich verschmähe, nicht ruminiere und miste, kontinuierlich brülle, zu unter­suchen, resp. zu behandeln.
Untersuchungsbefund. Das Tier ist anscheinend ängstlich, denn sobald es allein ist, fängt es zu brüllen an. Die Stimme zeigt nichts Eigentümliches. Otinet man die StallthUr, SO hört das Brüllen sofort auf. Bei der Annäherung und dem Vorhalten von Hunden tritt keine Aufregung ein. Das Tier beisst und stösst nicht und lässt sich die Untersuchung, sogar die Exploration per es et rectum ruhig gefallen. Die Respiration ist der Zahl nach normal, aber etwas ziehend. Das Tier drängt ab und zu ziemlich stark, entleert dabei aber keine Faeces, sondern nur dann und wann kleine Schleimklnmpen von alkalischer Reaktion. Aus dem Manie fliesst Speichel. Am Manlwinkcl bemerkt man kontinuier­lich Zuckungen. Der Puls steht auf 82 und ist in der Qualität normal. Die äussere Temperatur ist normal hoch und gleiphinässig verteilt. Die Mastdarmtemperatnr ist ca. 0,5 erhöht. Das Enter ist schlaff. Die Binde­baut und das Zungenbämb heu sind ziemlich stark gerötet. All dem letz­teren Orte sind kleine Erhöhungen vorhanden, die von den Praktikanten — Meyer und Hansen — als Bläschen angesehen werden. Futter wird nicht aufgenommen. Vorgehaltenes Getränk wird wohl mit dem Maule berührt, aber ebenfalls von demselben nichts aufgenommen. Der Ver-
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dauungstraktus liegt absolut still. Die linke Hungergrube ist in leichtem Grade eingefallen. In der oberen Partie des Pansens ist nur freies Gas vorhanden. Der Mastdarm ist, soweit die Hand vorgeschoben werden kann, gänzlich leer. Der Bauch ist nicht druckempfindlich.
Am folgenden Tage berichtete der Besitzer, das Tier sei in der Nacht vorher sehr unruhig, wütend, gewesen, und habe sogar die Mauer, an der es angebunden stehe, demoliert.
Am sechsten Tage der Krankheit fanden die Herren Praktikanten Wasserscheu, stärkeren Speichelfluss, Schwanken im Hinterteile, stärkere Zuckungen am Maulwinkel und Abnahme der Temperatur um ca. 0,5.
Das Tier wurde Jetzt getötet.
Versuch. Blut von diesem Tiere, welches die Praktikanten auf meine Veranlassung mitgebracht hatten, wurde einer Kuh in die linke Jugularis infundiert. Fünf Monate nachher war noch keine Reaktion eingetreten.
Maul- und Klauensencho.
Jahresbericht der Königlichen Tiorarzneischule zu Hannover pro 1870 und 18quot;2.
Die Maul- und Klauenseuche, auch Aphthenseuche genannt, ist eine akute Infektionskrankheit, welche sich durch Blasenbildung charakterisiert, der Hegel nach im Maule und an den Füssen lokali­siert, zuweilen aber auch andere Partien der Leder- und Schleimhaut in bedeutendem Grade in Mitleidenschaft zieht.
Krankheitserseheinungen. Bald nach stattgefundener Infektion stellt sich ein Fieber ein, welches mit dem Ausbruch des Exauthems in der Kegel abnimmt und bald darauf verschwindet. Das Fieber ist mitunter kaum oder gar nicht nachzuweisen, zuweilen aber, wenigstens dann, wenn bedeutende Komplikationen vorliegen, in einem sehr hohen Grade vorhanden. Die Tiere haben einen geringen oder gar keinen Appetit und liefern eine subnormale Menge Milch. Die Milch ist, abgesehen davon, dass sie infektiös ist, krankhaft verändert; sie ist schleimig, weissgelblicli, gerinnt beim Kochen und lässt sich nicht so leicht buttern wie sonst. Die lokalen Erscheinungen zeigen mit der Entfernung vom Ausbruch ziemlich bedeutende Verschiedenheiten.
a. Maulseuche. Die Tiere zeigen Speichelfluss, lassen das etwa aufgenommene harte Rauhfutter nach einigen losen Kaubewegungen in stark eingeschleimtem Zustande aus dem Maule fallen. Bei der speziellen Untersuchung findet man zunächst nur die Schleimhaut des Maules gerötet, später auf der Zunge, dem zahnlosen Vorderkiefer­rand, der inneren Fläche der Hinterlippe, dem Nasenspiegel etc. Blasen, die von dem Umfange einer Erbse bis zu dem eines Ftinf-markstücks sind und eine zuerst wasserhelle, etwas gelbliche, darauf
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schleimige Flüssigkeit euthalteu. Dort, wo ursprünglich die Blasen standen, zeigen sich später hochrote, sehr empfindliche, wunde Stellen, die zum Teil mit Epithel-, resp. Epidermisfetzen bedeckt sind. Mit dem Auftreten, namentlich mit dem Platzen der Blasen nimmt der Speichelfluss ganz bedeutend zu, und man hört mitunter infolge der Kieferbewegungen einen ganz charakteristischen — schnalzen­den — Ton.
b.nbsp; nbsp;Klauenseuche. Gleichzeitig mit der Maulseuche treten ge­wöhnlich die Erscheinungen der Klauenseuche auf. Die Tiere gehen klammerig, resp. lahm. Im Klauenwinkel, in der Klauenspalte und am Kronenrande findet man zunächst vermehrte Wärme, Druck­empfindlichkeit und event. Bötung der Haut, später Blasen von ver­schiedenem Umfange mit oben bemerktem Inhalte und schliesslich — nach dem Platzen der Blasen — rote, sehr empfindliche Stellen, die zum Teil mit Epidermisfetzen bedeckt sind.
c.nbsp; nbsp;Komplikationen. 1. Das Exauthem tritt mitunter gleichzeitig an anderen Stellen der Lederhaut — an der Brust, dem Bauche, den Schamlippen, dem Euter und den Strichen — auf. Die beiden letzten Stellen habe ich ab und zu affiziert gefunden, dabei aber niemals eine Entzündung der Milchdrüse konstatieren können. 2. Können die Aphthen an anderen als den genannten Schleimhäuten — im Rachen und Schlünde, sowie in der Scheide — sich entwickeln. 3. Habe ich in einem Seuchengange ziemlich oft die katarrhalische Mastitis konstatiert, dann aber niemals Aphthen an dem Euter und den Strichen gefunden. 4. Die Schleimhaut des Verdauungstraktus ist meistens in geringem Grade erkrankt, mitunter aber in Verbindung mit der Schleimhaut der Respirationsorgane in sehr hohem Grade in Mitleidenschaft gezogen. 6. An den Klauen stellt sich ziemlich häufig eine bedeutende Trennung des Horns, mitunter sogar Pauari-tium mit den weiteren Eolgeu ein.
Verlauf. Die Inkubationszeit wird auf zwei bis sechs Tage an­gegeben. Die Blasen treten angeblich zwei bis drei Tage nach dem Eintritt der Krankheit auf und platzen nach zwölf- bis vierundzwauzig-stündigem Bestehen. Die Krankheit ist beim gewöhnlichen, gutartigen Verlauf in acht bis vierzehn Tagen beendet. Die Maul- und Klauen­seuche verläuft, wie ich es bei Weidetieren im schönen Sommer gesehen habe, mitunter so leicht, dass der Besitzer kaum darum gewahr wird; sie tritt aber zuweilen, wie ich es in Ahlfeldt erlebt habe, so heftig auf, dass eine grosse Zahl der Kranken stirbt — s. u. —. Der Tod kann sogar apoplektisch eintreten, und zwar nach Johne infolge
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multiplev embolischer Myocarditis, nach Lydtin in der Weise, dass Epithelfetzen aus dem Maule in den Kehlkopf aspiriert werden.
1.nbsp; nbsp;Bei einem Kinde, das aus Versehen in einen Stall gebracht worden war, in welchem Tiere standen, die an der Maul- und Klauenseuche litten, fand ich 38 Stunden nach der Einstallung an den Füssen Abhebungen der Epidermis in dem Umfange einer Haselnuss. Nach Entfernung der gelösten Epidermis erschien die darunter liegende Fläche blutrünstig. Bei einem Schweine fand ich dasselbe nach 36 Stunden. — Vollständig entwickelte Blasen waren in beiden Fällen noch nicht vorhanden.
Die schon 1870 von Dammann gemachten Angaben über die wenigstens mitunter recht grosse Kürze des Inkubationsstadiums werden durch vor­stehende Eeobachtungen bestätigt. Dammann hatte am 10. September 1869, nachmittags 2 Uhr, ein Leinewandläppchen, welches soeben von ihm dazu benutzt war, den Ansteckungsstoff kranker Ochsen auf die Maulschleim­haut sämtlicher Kälber des Stalles zu übertragen, um diese gleichzeitig und schnell durchseuchen zu lassen, und ausserdem einen Blasenfetzen eines kranken Kalbes auf die Streu einer Bucht des Schweinestalles ge­worfen, in dem eine dreijährige Sau domizilierte. Nachdem die Sau noch am 13., abends, wie gewöhnlich gut ausgefressen hatte und keine gestörte Bewegung bei ihr aufgefallen war, versagte sie am 14. September früh das Futter unter lautem Stöhnen. Bei genauer Besichtigung bemerkte man eine starke Schwellung der Krone aller vier Füsse, die ganzen Ballen und die Haut am Grunde der After klauen waren blasig aufgetrieben und schmerzhaft. Nachmittags traten noch Blasen auf dem Rüssel hinzu. In diesem Falle waren nach ca. neunzig Stunden, nachdem Gelegenheit zur Infektion gegeben worden war, schon vollständig entwickelte Blasen vor-h an de n.
2.nbsp; nbsp;Die Maul- und Klauenseuche in Ahlfeldt. Am 22. Mai 1872 kam der Schlächtermeister Schaper aus Ahlfeldt zu mir und berichtete, dass unter der ca. 300 Häupter zählenden Bindviehherde der Stadt seit einiger Zeit die Maul- und Klauenseuche und wahrscheinlich, weil in den letzten Tagen fünfzehn Stück der Herde krepiert seien, gleichzeitig eine andere Krankheit herrsche; er sei deshalb von der Gemeinde an den Direktor der Tierarzneischule mit der Bitte abgeschickt worden, von der Schule aus eine genaue Untersuchung vornehmen zu lassen.
Am folgenden Tage, am 23. Mai, reiste ich mit Genehmigung des Direktors in Begleitung der Herren v. Dollfs, Fraun, Hansen und Hin-richsen nach benanntem Orte hin. Der dortige Tierarzt, Herr Bürger­meister Strüvy, teilte uns mit, dass die Tiere plötzlich gestorben und dass bei der Sektion der betr. Kadaver besondere pathologische Ver­änderungen nicht gefunden worden seien; die Besitzer berichteten noch ausserdem, dass Kälber, denen man die Milch kranker Kühe gegeben habe, schon nach einer halben Stunde krepiert seien.
Während meiner Anwesenheit starben drei erwachsene Kinder, und
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die Kadaver dieser Tiere, sowie 34 in verschiedenem Grade erkrankte Kühe wurden speziell untersucht.
Bei allen uns vorgeführten Tieren fanden wir die Erscheinungen der Maul- und Klauenseuche; bei den schwer erkrankten Tieren ausser-dem hauptsächlich folgendes; Temperatur bis zu 2 Grad erhöht. Puls bis 120, an der Kinnbackenarterie kaum, resp. gar nicht zu fühlen. Ver­stärktes Bläschengeräusch und Husten. Druckemplindlichkeit des Bauches. Retention des Mistes. Absolute Unthätigkeit im Pansen.
Die Diagnose wurde auf Magen- und Darmentzündung und Katarrh der Schleimhaut der Eespirationsorgane gestellt.
Die Sektion bestätigte die Diagnose. Die Schleimhaut der Luft­röhre , sowie die der grösseren und kleineren Bronchien war aufgelockert, streitig injiziert, hier und da mit stecknadelknopfgrossen Blutextravasaten besetzt und mit Schleim belegt. Die Lungen fielen bei der Eröffnung des Brustkorbes nicht normal zusammen, knisterten beim Durchschneiden in zu geringem Grade und waren so stark durchfeuchtet — odematos —, dass bei dein Durchschneiden derselben Serum in grösserer Quantität über die Messerklinge lief. Die Schleimhaut des Pansens und der Haube war dunkelkirschrot gefärbt, das submuköse Bindegewebe dieser beiden Magen­abteilungen infiltriert. Der Blättermagen war normal. Die Schleimhaut des Labmagens war geschwollen, grobfaltig und kirschrot von Farbe; in dieser roten Farbe traten aber gelbgraue Stellen auf, die von der Grosse und Form eines Mohnsamenkorns bis zu der einer Linse waren, und die sich von den begrenzenden Teilen durch eine am Rande eingeschobene Messerklinge abheben liessen. Das submuköse Bindegewebe war stark in­filtriert. Die Schleimhaut des Darmkanals war ähnlich beschaffen wie die des Labmagens.
Hinsichtlich der Behandlung empfahl ich folgendes: Die Tiere des schlechten Wetters und der feuchten Weide wegen sofort aufzustauen. Innerlich grosso Quantitäten Schleim zu geben und Sachai'um saturni, Cupr. sulfuricum und Natr. bicarboricum zu versuchen. Äusserlich eine scharfe Einreibung — 01. crot. in geeigneter Verbindung — zu benutzen.
Nach dem 23. Mai ist, wie ich später erfahren habe, nur eine Kuh an dieser Krankheit krepiert.
Versuch. Da mir die Angabe der Besitzer, dass Kälber infolge des Genusses der Milch der an der fraglichen Krankheit leidenden Kühe schon nach einer halben Stunde nach der Aufnahme derselben gestorben seien, höchst unwahrscheinlich vorkam, nahm ich zwei Flaschen Milch von einer schwer kranken Kuh mit und verfütterte dieselbe in den fol­genden zwei Tagen an fünf junge Kaninchen. Sämtliche Tiere blieben vollkommen gesund.
Ursachen. Die Krankheit entstellt und verbreitet sich einzig und allein durch Ansteckung. Der Ansteokungsstoff ist iu der Flüssig­keit der Blasen, im Mauisciileirn und in der Milch enthalten, aber noch nicht mit Sicherheit erkannt. Mau bat allerdings in der Ulasen-liiissigkeit Mikrokokkou gefunden und ausserhalb des Körpers fort-
Ilurms, -Umdviiililunlktindo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 16
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gezüchtet, aber bis jetzt noch nicht bewiesen, dass selbige deu spe­zifischen Ansteckungsstott' bilden. Der Ansteckungsstoff ist flüchtig und fix, er kann sich, wenn kein Luftzutritt stattfindet, z. B, im ver-schlossenen Stall, im Dünger etc., monatelang halten. Die Übertragung des Giftes erfolgt von Tier zu Tier oder durch Zwischenträger. Ge­sunde Rinder werden, wenn sie Wege betreten, die kurze Zeit vorher von Tieren, die an der Maul- und Klauenseuche leiden, benutzt worden sind, sehr leicht infiziert. Durch Schlachter und Händler wird die Seuche von Stall zu Stall verschleppt. Tierärzte dürfen, wenn sie bei Tieren, die an Maul- und Klauenseuche leiden, gewesen sind, nicht ohne weiteres andere Stallungen betreten.
Behandlung. Die Weidetiere lässt man, wenigstens in den Marschen, auf der Weide. Bei den Stalltieren sorge man für mög­lichst ergiebige Ventilation, sowie für eine weiche und trockene Streu. Als Nahrung reiche man weiches und Schlappfutter. Als Getränk angesäuertes Wasser, welches, wenn möglich, vor den Tieren stehen bleibt und mehrfach am Tage erneuert wird. Gegen das Maulleiden schreitet man mit Arzneien nicht ein. Das Klaueuleiden wird bis zum Platzen der Blasen ebenfalls nicht behandelt. Liegen Erosionen vor, so empfehle ich Bestreichen derselben mit einem Gemisch, das aus gleichen Teilen Teer und Baumöl besteht. Hat das Horn sich in grösserem Umfange gelöst, so muss dasselbe bis dahin, wo es noch in normaler Verbindung mit den unterliegenden Teilen steht, weg­genommen und die wunde Fläche nach der gründlichen Reinigung mit Teer bestrichen oder, was ich vorziehe, mit einem Teerverband versehen werden. Die exakte Behandlung der Klauen ist ausser-ordentlich zeitraubend, aber notwendig. Die anderen Komplikationen, wie Panaritium etc., müssen hier wie in anderen Fällen behandelt werden.
Vorbauung. Diese bestellt in der Abhaltung der Ansteckung. Der Besitzer muss sein Vieh, soweit es möglich ist, absperren, fremde Personen nicht zu demselben gelangen lassen, und seinen eigenen Leuten verbieten, fremde Stallungen zu besuchen.
Impfung. Ist die Krankheit unter dem Vieh eines Hofes aus­gebrochen, so ist es, falls angenommen werden darf, dass alles be­fallen werden wird, am besten, die Impfung vorzunehmen, und zwar in der Weise, dass mau einen Schwamm oder Lappen mit dem Maul­saft kranker Tiere tränkt und an der inneren Fläche der Hinterlippe der gesunden Tiere abstreicht. Es wird dadurch wenigstens das Durchseuchen der Herde beschleunigt.
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Die Milch muss vor dem Genuss gekocht weiden; dieselbe ist mitunter in so hohem Grade unappetitlich, dass der Besitzer auf die Verwertung derselben ganz verzichtet.
Die Desinfektion des Stalles beschränkt sich meistens auf die Reinigung und Lüftung; ich habe ausserdem schweflige Säure oder Chlordämpfe entwickeln lassen.
Milchfleber.
Das Milchfieber des Rindes. Schmorl und v. Secfold. Hannover 1878.
In einigen Gegenden kommt das Milchfieber so selten vor, dass es kaum mehr als dem Namen nach bekannt ist; in anderen Distrikten tritt es aber so häufig auf, dass an demselben alljährlich mehr Kühe verloren gehen, als an allen anderen sporadischen Krankheiten zu­sammen. Dies wird nicht allein von mir, sondern von vielen Kollegen gewiss ebenfalls konstatiert worden sein. Der Verlust durch das Milchfieber ist so bedeutend, dass, wenn alle Praktiker Deutschlands denselben alljährlich mitteilten, sogar die Herren Kollegen, welchen die Praxis eigentlich fremd ist, sich nicht wundern würden, dass diese Krankheit so häufig beschrieben und so oft in den tierärztlichen Ver­sammlungen besprochen worden ist.
Einhufer, Schweine, Hunde und Katzen werden vom Milchfieber nicht befallen; wenigstens ist mir aus der Litteratur und der eigenen Praxis kein Fall bekannt, der imstande wäre, das Gegenteil 7.11 be­weisen. Denn die Mitteilungen über die bei Schweinen erlebten Fälle sind nicht derart, dass ich dieselben als beweiskräftig erachten kann. Auch beim Schafe ist das Milchfieber meines Wissens noch nicht beobachtet worden. Bei der Ziege habe ich es in früheren Jahren diagnosiert, jedoch, und das bitte ich zu beachten, ohne Zuhilfe­nahme des Thermometers. Wenn ich mich in diesen Fällen nun auch nicht geirrt habe, so darf ich doch behaupten, dass das Milchfieber für die Ziege eine ziemlich bedeutungslose Krankheit ist. Die Kühe sind es, welche von dieser Krankheit befallen und durch dieselbe alljährlich in grosser Zahl hinweggeraft't werden. Die unbestreitbare Thatsache, dass nur das Rind vom Milchfieber befallen wird, wird wohl kaum in einem Kollegen den Gedanken aufkommen lassen, dass gewöhnliche Ursachen, wie Erkältung u. s. w., imstande sind, diese Krankheit hervorzurufen.
Ob das Alter des Rindes einen Eiuflnss auf den Eintritt des Milchfiebers ausübt, ist endgültig noch nicht festgestellt. Man darf daran denken, dass die Gefahr, vom Milchfieber befallen zu werden,
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zunächst mit den Jahren steigt, später aber wieder mit denselben fällt, so dass dieselbe in der frlihesteu Jugend und im höheren Alter am geringsten ist. Da die Kühe nun der Kegel nach aus ökonomischen Gründen nicht so lange zur Zucht benutzt werden, wie es möglich ist, so kennen wir den Einfluss des höheren Alters auf die Eutwickelung des Milchfiebers nicht. Was dagegen das jugendliche Alter anbetrift't, so giebt Vanderschieren an, dass Kühe nach dem ersten und zweiten Kalben vom Milchfieber nicht befallen werden. Müller will freilich das Milchfieber bei Erstgebärenden gesehen haben; da Müller jedoch bleibende Kreuzlähme als Nachkrankheit des Milchfiebers anführt, so kann ich den Gedanken nicht unterdrücken, dass derselbe sich bei der Diagnose „Milchfieberquot; zuweilen geirrt hat. Sollte Müller sich in den bezüglichen Fällen auch nicht geirrt haben, so darf man doch immerhin annehmen, dass die Rinder in der frühesteu Jugend nicht so leicht vom Milchfieber befallen werden wie später. Und dies ist wohl zurückzuführen auf die bei ganz jungen Tieren weniger günstigen räundichen Verhältnisse des Geburtskanales für den Durchtritt der Frucht.
Über die Zeit nach dem Gebären, zu welcher das Milchfieber auftritt, liegen Angaben von llaykock, Vanderschieren und Earlow vor.
Haykock hat uns folgende Tabelle übermittelt. Das Milchfieber trat ein:
5mal unmittelbar nach dem Kalben,
8 „
20 Stunden
5 raquo;
23
5 h
24 „
8 „
30 „
2 „
36
1 „
72
und
Nach Vanderschieren soll das Milchfieber innerhalb der ersten drei Tage nach dem Gebären auftreten.
Earlow giebt an, dass das Milchfieber einige Stunden bis drei Tage nach dem Gebären auftritt.
Da ich in den Fällen, in welchen ich das Milchfieber vor dem Gebären, während des Aktes, oder zehn und dreissig Tage nach demselben diagnosiert habe, es entweder mit der Entzündung des Rückenmarkes und seiner Häute oder mit Hydroccphalus aeutus, zwei Krankheiten, die, wie ich gesehen habe, in ihren Erscheinungen eine grosse Ähnlichkeit mit dem Miohfleber haben können, zu thun gehabt habe, so will ich aus eigener Erfahrung nur folgendes bemerken:
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1.nbsp; nbsp;Das MilcMeber tritt erst nach der Ausstossung der Eihiiute ein. Dies darf icli wohl behaupten, weil die reichlich 160 ratientiimen, bei welchen ich Milchtieber diagnosiert habe, die Kihäute schon aus-gestossen hatten. Gierer, ein alter Praktiker, bemerkt dasselbe. Ebenfalls haben säintiiche Praktiker, die ich speziell befragte, nur die Versicherung gegeben, den Eintritt des Milchfiebers erst nach der Ausstossung der Eihiiute konstatiert zu haben. Hrecherbohni junior, der seit 1881 72 Fälle von Milchfieber behandelt hat, spricht sich in No. 21 der „Berliner Tierärztlichen Wochenschriftquot; dahin aus, dass diese Krankheit nur nach der Entfernung der Eihäute auftritt. Mir ist jetzt sogar ein Fall bekannt, in welchem sich während der mancllen Entfernung der Eihäute das Milchfieber v o 11 s t ä n d i g ent­wickelte.
Kühne dagegen behauptet, a u s n a h m s w ei s e die gelösten Eihäute im Fruchthälter gefunden zu haben. Köhne giebt aber eben­falls als Nachkrankheit des Milchfiebers Kreuzlahme an, und deshalb glaube ich, dass auch bei diesem Herrn Kollegen wohl zuweilen eine Irrung vorgekommen ist.
2.nbsp; nbsp;Aus der Litteratur und der eigenen Erfahrung ist mir kein Fall bekannt, dass Kühe nach Uberstandener Zwillingsträchtigkeit vom Milchtieber befallen worden sind.
Krankheitserscheinungen. Das Tier liegt fest am Boden; es kann die Schenkel aber noch etwas bewegen, macht ab und zu mit denselben stossende Bewegungen, und arbeitet sich in der ersten Zeit mitunter kriechend vorwärts. Das Tier liegt zuweilen platt auf der Seite, der Regel nach jedoch auf den normal untergeschlagenen Schenkeln mit seitwärts herumgegangenem und auf die Rippenwand gestütztem Kopfe. Der Kopf kann allerdings in den meisten Fällen noch etwas getragen werden, derselbe fällt aber, wenn er aus der abnormen Lage herausgehoben und darauf wieder losgelassen wird, wie ein toter Klotz in die abnorme Lage zurück.
Aus dem Maule fliesst Speichel, vielfach in Form von klaren Tropfen und Strähnen ab. Thränen laufen gewöhnlich fortwährend über die Wangen. Der Bulbus ist zurückgezogen und liegt still, so dass der Blick anscheinend stets auf einen Punkt gerichtet ist. Die Conjunctiva ist bleich. Die Cornea erscheint trübe, wie bestäubt, mitunter rissig.
Die Respiration ist mitunter tief, ziehend und langsam, zuweilen flach und ziemlich frequent. Die Kxspiration ist stets von einem Stöhnen begleitet. Die Ursache der mitunter ziemlich bedeutenden
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Kespiratioiisfrequeuz kann nicht durch den Zustand der Lungen bedingt sein, denn in einem Falle, in welchem bei der Sektion die rechte Lunge in geringem, die linke Lunge aber in stärkstem Grade ödematös und emphysematös gefunden wurde, stand die Respiration während des ganzen Verlaufes der tödlich endenden Krankheit auf 11.
Die Temperatur steht unter der Norm! — Die wider­sprechenden Behauptungen beweisen, dass die betreffenden Herren es mit einer ganz anderen Krankheit als mit der, die wir in Nord-deutschland Milchiieber nennen, zu thun gehabt haben. — Die Tiere sind an der Oberfläche sofort kühl, an den extremen Teilen, namentlieh am Flotzmaul, eisigkalt. Die Mastdarmtemperatur ist ebenfalls gesunken. Wie tief die Temperatur beim Eintritt des Todes gewöhnlich steht, weiss ich nicht. Ich habe bis jetzt nur ermittelt, dass sich hierin ziem­lich bedeutende Verschiedenheiten zeigen; denu ich fand in einem Falle beim Eintritt des Todes 37,2 und in einem anderen Falle 10 Stunden yor dem Tode 35,5 Mastdarmtemperatur.
Das Gefühl ist gesunken, gewöhnlich schon nach kurzem Verlauf in dem Grade, dass sogar beim BerUhren des Bulbus nur leichte Bewegungen mit den Augenlidern eintreten.
Die Sekretion ist ungefähr oder ganz auf Null reduziert. Im Euter ist nur wenig Milch vorhanden. Das Flotzmaul ist trocken, beinahe rissig.
Magen und Darmkanal liegen still. Der Leib ist mitunter infolge einer Gasansammlung im Magen in bedeutendem Grade aufgebläht.
Defäkation findet nicht statt, selbst auch dann nicht, wenn der Mastdarm so stark angefüllt ist, dass der Kot im After sichtbar ist.
Harn wird mitunter nicht abgesetzt, und dann sammelt derselbe sich an, mitunter in dem Grade, dass die untere Scheidenwand durch die Blase stark vorgedrängt wird; in anderen Fällen läuft er un­willkürlich ab.
Leichenerseheinungen. Schädelhöhle. Die Dura ist gesund; unter derselben findet sieh gewöhnlich wasserklares Serum, zuweilen sogar in bedeutender Menge. Die weiche Hirnhaut ist mitunter durch unter ihr vorhandene Luft blasig abgehoben. Die Arterien der weichen Hirnhaut zeigen einen ödematösen Saum und enthalten nur hier und da etwas Blut, in welchem bis erbsengrosse Luftblasen von meistens ovaler Form vorhanden sind. Die Venen der weichen Hirnhaut sind ziemlich gut mit Blut gefüllt, in welchem kleinere, rundliche Luft­blasen in solcher Zahl vorhanden sind, dass die Gefasse dicht punktiert erscheinen. Das Gebiru der — krepierten — milchfieberkraiiken
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Rinder ist blutarm, ziemlich fest und eutliillt in den Ventrikeln wasser­klares Serum in abnorm grosser Menge.
Rücken mar kskanal. Hier finden sich die Verhältnisse gewöhnlich so wie am Gehirn. Die harte Haut ist gesund; unter derselben ist gewöhnlich wasserklares Serum vorhanden. In den Venen des Rticken-markskanales habe ich in einem Falle sehr deutlich grosse Luftblasen
o
esehen. Das Rückenmark ist der Regel nach so blutarm, dass heim
Durchschneiden desselben nicht einmal die geringsten Spuren von Rlut zum Vorschein kommen.
Die unter der Haut liegenden, beim Abhäuten zum Vorschein kommenden Venen führen meistens in dem Blute grössere Luftblasen.
Brusthöhle. In dem sub 2 — s. u. — angeführten Falle fand ich in der Brusthöhle eine ziemlich bedeutende Menge, der Schützling nach zwei Kilogramm, wasserklares, leicht gelbliches Serum. Ob dieser Befund ein häufiger oder vielleicht gar ein gewöhnlicher ist, muss ich dahin gestellt sein lassen. Über Ansammlungen von Serum in der Brusthöhle war mir bis dahin nichts bekannt geworden, und deshalb habe ich bis zu dieser Zeit keine Rücksicht darauf genommen.
Herzbeutel. Der Herzbeutel kann mit Ekchymosen in ver­schiedenem Grade besetzt sein und im Innern klares, gelbliches Serum enthalten.
Das Herz ist stets schlaff und gut gefüllt. An der äussereu Fläche des Herzens finden sich vielfach Ekchymosen, mitunter in grosser Zahl und von bedeutendem Umfange. Die stets Blut enthaltenden Kranzvenen führen von den kleinsten bis zu erbsen-grossen Luftblasen, die beim Druck auf die Gefüsse hin- und hertreten. Die Muskelsubstanz des Herzens sieht wie gekocht aus und ist aus­nahmsweise mit stecknadelkopf- bis erbsengrossen Blutextravasaten durchsetzt. Die Intima der linken Kammer ist vielfach, mitunter sogar in bedeutendem Grade ekchymosiert. Das im Herzen vorhandene Blut ist in beiden Hälften von diinkelhrüunlicher Farbe, grösstenteils locker geronnen, zum Teil eine flüssige, mit vielen und grossen Luft­blasen untermischte Masse.
Lungen. Kleinere oder grössere Partien der Lungen, mitunter eine ganze Lunge, ist ödematös und emphysematös, zuweilen in dem Grade, dass beim Durchschneiden des Organs eine wasserklare, mit Luftblasen untermischte Flüssigkeit in bedeutender Menge abläuft. In einem Falle, in welchem — s. o. — die Respiration während des ganzen Verlaufs der tödlich endenden Krankheit auf 11 gestanden hatte, fand ich die ganze linke Lunge in bedeutendstem, die rechte
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Lunge in sehr geringem Grade empliyKematös und ödenuitös. Eine kleine Partie der Lunge kann ziemlich derh sein, ein zu bedeutendes spezifisches Gewicht besitzen und auf der Schnittiläche eine rote Farbe zeigen, in welcher kleine, rundliche, graue Stellen auftreten. In einzelnen Gefässen der Lungen findet man in dem Blute Luftblasen. — Fremdkörper, wie z. B. Futterpartikelchen, habe ich in den Lungen der Kadaver milchfieberkranker Kinder niemals gefunden. —
Magen und Darmkanal. Die Wand des Verdauungstraktus zeigt keine bestimmten Veränderungen. Einmal fand ich die Wand des Dünndarms auf einer grösseren Strecke blutig infiltriert und mürbe. Der Inhalt des Verdauungstraktus ist nach dem aufgenommenen Futter zu konsistent.
Leber, Milz und Niereu. Diese Orgaue sind der Regel nach ziemlich blutarm. In dem Dlute derselben habe ich jedesmal Luft­blasen gefunden, gewöhnlich sogar in der Menge, dass dasselbe eine schaumige Masse bildete.
Harnblase. Ist der Harn während der Agonie oder gleich nach dem Tode nicht abgelaufen, so ist die Blase stark gefüllt. Die Wand der Dlasc fand ich stets normal.
Fruchthälter. Dieser hat sich nicht normal kontrahiert! — Gegenteilige Behauptungen beruhen auf einem Irrtume. — Die Frucht-hälterwand ist blutarm, mitunter in dem Grade, dass beim Durch­schneiden derselben kaum ein einziger Tropfen Blut zum Vorschein kommt. Das Bindegewebe, besonders das submuköse, ist stets serös infiltriert und enthält ausserdem Luftblasen. Die ödematöse und em-physematöse Beschaffenheit der Wand des Fruchthälters ist mitunter kaum nachweisbar, nicht ganz selten aber so hochgradig, dass auf längere Einschnitte eine wasserklare und schaumige Flüssigkeit in bedeutender Menge abläuft. Die Kotyledonen erscheinen ausnahms­weise alle gelblichgrau, resp. blass, der Kegel nach aber finden sich an einigen derselben Infarkte von verschiedener Form und ungleichem Umfange. In einem Falle bestanden an einigen Kotyledonen erbsen-bis haselnussgrosse Substanz Verluste, und in einem anderen Falle fand ich auf einigen mit Infarkten besetzten Kotyledonen Blutgerinnsel, die leicht abzuheben waren. Die Fruchthälterhöhle enthält mitunter nur etwas rötlichen Schleim, meistens aber eine braunrötliche — blu­tige — Flüssigkeit. Die Eihäute oder Beste derselben habe ich im Fruchthälter niemals gefunden. Xu den Gefässen des Fruchthälters, besonders in den grösseren abtretenden Venen, habe ich in jedem Falle Luftblasen, mitunter in bedeutender Menge gefunden.
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Den vorstehenden Befund habe ich an absolut frischen Kadavern solcher milchfieberkranker Rinder, die nicht geschlachtet, sondern eines natürlichen Todes gestorben waren, aufgenommen. Die Sektionen, die ich zur Zusammenstellung des Befundes benutzt habe, sind höchstens vier Stunden nach dem Tode des Tieres gemacht worden, sodass vom Eintritt der Fäulnis absolut nicht die Rede sein konnte.
Verlauf. Wenn die oben angegebenen Krankheitserscheinungen alle gut ausgeprägt sind, so kann sogar der Schüler, der einen sacb. gemässen Vortrag über Pathologie gehört hat, die Krankheit erkennen. Aber schon im Anfange sind solche Symptome vorhanden, dass der Praktiker auch zu dieser Zeit uicht lange über die Krankheit im Zweifel bleibt, mit welcher er es zu thun hat. Deshalb lege ich auf die Angabe des Verlaufs, besonders auf die des Eintritts des Milch-tiebers, den grössten Wert.
Ich habe, vom Glück begünstigt, den Eintritt des Milchfiebers
—nbsp; nbsp;vor 1863 — nicht ganz selten aufnehmen können, und dabei stets folgendes gefunden:
Die bis dahin ganz gesunden Tiere treten plötzlich von der Krippe zurück, sind sofort etwas seh lum mors lieh tig, verschmähen Futter und Getränk und ruminieren nicht; sie fangen bald darauf an, in leichtem Grade zu drängen
—nbsp; Ameisenkriechen in den Geschlechtsteilen und dem Mastdarm —, zu stöhnen — Kopfschmerz — und zu rülpsen — Übelkeit. Wenn man diese Erscheinungen bei Kühen, die kurze Zeit vorher geboren haben, findet, so kann man überzeugt sein, es mit dem Milchtieber zu thun zu haben. Die Tiere fangen dann au, mit den Hinterschenkeln zu trippeln, im Hinterteile zu schwanken, und brechen bald darauf zusammen. Sie bleiben sofort liegen, oder sie arbeiten sich unter grosser Kraftanstrengung noch einmal wieder hoch, um bald von neuem zusammenzubrechen. Die Krankheit gelangt in kaum oder reichlich einer Stunde, ausnahms­weise aber erst in einigen Stunden zur vollen Höhe und der Regel nach in 14 his 24 Stunden, ausnahmsweise erst nach drei bis fünf Tagen zur Entscheidung.
Wie schon bemerkt, habe ich die Entwickelung des Milchfiebers nur vor 1863, also in einer Zeit, in welcher thermometrische Unter­suchungen noch nicht üblich waren, beobachtet; ich kann demzufolge über die Mastdarmtempeiatur während der Entwickelung der Krank-
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heit, die ja kaum eine bis höchstens einige Stunden dauert, nichts angeben. Sobald das Tier festliegt, steht die Temperatur unter der Norm. Diese Thatsache entdeckte ich vor reichlich zwanzig Jahren und habe sie in jedem ein­zelnen nachfolgenden Falle bestätigen können. Franck, Breckerbohm jun. etc. drücken sich in dieser Beziehung ebenfalls ganz bestimmt aus.
1.nbsp; nbsp;Geuesung. Ob dieser Ausgang eintreten wird, oder nicht, lässt sich von vornherein niemals mit Bestimmtheit sagen, was am unangenehmsten in solchen Gegenden ist, in welchen das Fleisch kranker Rinder als menschliche Nahrung verwertet wird. Mau darf auf Genesung um so mehr hoffen, wenn
a.nbsp; die Krankheit verhältnismässig spät nach dem Gebären auf­getreten ist;
b.nbsp; das Tier nach dem Zusammenbrechen noch einmal auf kurze Zeit aufgestanden ist;
c.nbsp; nbsp;nach einigen Stunden das Gefühl im Bereiche des fünften Nerven noch nicht verschwunden ist;
d.nbsp; die Peristaltik nicht ganz aufgehoben ist;
e.nbsp; die Temperatur im Mastdarm steigt;
f.nbsp; das Gefühl sich hebt, und
g.nbsp; das Tier den Kopf tragen kann, während dies vorher nicht möglich war.
Was den letzten Punkt anbetrifft, so mache ich darauf aufmerksam, dass der Tierarzt beim Herantreten an das Krankenlager vielleicht den ungünstigsten Eindruck empfängt, indem das Tier platt auf der Seite liegt, derselbe aber, nachdem das Tier auf das Brustbein ge­wälzt worden ist, sich überzeugt, dass Besserung eingetreten ist, da der Kopf wieder in normaler Weise gehalten wird.
2.nbsp; nbsp;L u n g e n e n t z U n d u n g. Yunghusbaud hat zuerzt darauf auf­merksam gemacht, dass sicli im Verlaufe des Milchfiebers diese Krankheit entwickeln kann. Später sind solche Fälle von Demoor und Mans, von Adam und anderen, sowie von mir konstatiert worden. Die Lungenentzündung wird gewöhnlich als Fremdkörper-Pneumonie aufgeführt; in den von mir beobachteten Fällen war sie auf Luft-embolien zurückzuführen.
3.nbsp; Der T o d. Nimmt die Krankheit einen tödlichen Verlauf, so erreichen Lähmung und öchlummersucht den höchsten Grad. Die Zunge hängt schlaff aus dem Maule heraus; beim Berühren des Bulbus treten keine Bewegungen der Augenlider ein; Todesröcheln
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ist zu konstatieren. Der Tod tritt gewöhnlich plötzlich ein; mitunter aber erst, nacMem das Todesröcheln 10 bis 15 Stunden gedauert hat.
Diagnose. Der Blick führt, wie schon Spiuola sagt, ziemlich sicher; jedoch darf mau sich auf denselben nicht verlassen. Es kommen sogar Fälle vor, in welchen man nach genauester Unter­suchung zunächst nur eine Wahrscheinlichkeitsdiagnose stellen kann. Allen, welche dies bezweifeln, gebe ich hiermit den Rat, in jedem Falle gründlich zu untersuchen.
Die wesentlichsten Symptome sind anfangs Stöhnen, Rülpsen, Drängen und Trippeln, später Lähmung aller willkürlichen und un­willkürlichen Muskeln, subnormalo Temperatur und Schlummersucht.
Das Wesentlichste des Verlaufs ist schon bemerkt; ich wieder­hole hier nur einen, nämlich den Punkt, dass die Tiere schon vor dem Zusammenbrechen den Appetit verloren haben. Dieses wird von Rreckerbohm jun. nach Heobachtungen au 72 Patientinnen be­stätigt.
Hinsichtlich der Ausschliessung kann ich nur die Entzündung des Rückenmarks und der Rückeuinarkshäute, sowie die akute Ge-hirnwassersucht besonders hervorbeben, denn der Mutterwahnsinn — Mania puerperalis —, die Metritis phlegmonosa, bei welcher die Tiere ebenfalls das Hinterteil nicht erbeben können, die einfache Kreuzschwäche, der Beckenbruch etc. können den sachkundigen Tier­arzt niemals irre führen. Die Entzündung des Rückenmarks etc. und die akute Hirnwassersucht sind wohl nicht allein von mir — in früheren Jahren —, sondern von vielen, namentlich auch von den­jenigen, welche angeben, dass beim Milch lieber in den ersten Tagen ein nieder- bis mittelhochgradiges Fieber selten vermisst werde, und dass bei der Sektion der am Milchfieber gestorbenen Kühe Luftblasen im Blute mitunter vorhanden, zuweilen nicht vorhanden seien, mit der in Frage stehenden Krankheit zuweilen verwechselt worden.
Die Rttckenmarkshautentzündung darf angenommen und das Milch­fieber ausgeschlossen werden, wenn das Tier
1.nbsp; in den letzten Tagen nicht gekalbt hat,
2.nbsp; nbsp;nur im Hinterteile gefühllos ist,
3.nbsp; eine normale oder vielleicht libernormale Mastdarmtemperatur zeigt,
4.nbsp; den Appetit nicht gänzlich oder erst nach dem Zusammen­brechen verloren bat,
5.nbsp; nach und nach Appetit bekommt, aber nicht aufstehen kann.
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Die akute Hirnwaseersttoht darf ausgeschlossen und das Milcli-fieber uiuss angenommen werden, wenn das Tier
1,nbsp; nbsp;In den letzten Tagen gekalbt bat, und
2.nbsp; so vollständig gelähmt ist, dass es sogar bei passendster und kräftigster Unterstützung niclit stebeu kann.
Ursachen. Eine Prädisposition zur Erkraukung am Milchfieber kann durch folgende Momente gesetzt werden:
1.nbsp; Nälirzustand. Dieser übt jedenfalls einen grosseu Einfluss auf den Eintritt des Milchfiebers aus. Man darf wohl behaupten, dass je besser das Tier genährt ist, um so leichter dasselbe unter sonst gleichen Verhältnissen am Milelilieber erkrankt. Magere Tiere habe ich niemals von dieser Krankheit befallen sehen. Ich habe sogar be­obachtet, dass das Milchfieber in Stallungen, in welchen es bis dahin grosse Opfer gefordert hatte, sofort ausblieb, nachdem man auf mein Anraten die Tiere schon einige Wochen vor dem Kalben auf eine massige Ration eines naturgemässen Futters gesetzt hatte. Gleiches wird wohl vielfach konstatiert worden sein. So erzählte mir der Tier­arzt Beckedorf in Gebrden bei Hannover, dass bei der Übernahme eines Gutes der Verwalter ihm sofort eröffnet habe, sie seien ge­wohnt, alljährlich acht Kühe am Milchfieber zu verlieren; das Milch­fieber aber, indem auf sein Anraten die Kühe ca. vier Wochen vor dem Kalben ausgebundeu und besonders gefüttert worden seien, selbige ausserdem ab und zu 500 g Glaubersalz erhalten hätten, seit der Zeit auf dem Gute nicht wieder vorgekommen sei.
2.nbsp; Künstlich zubereitetes Futter. Mir ist nicht unbekannt,dass Kühe auf der Weide — in den Marschen — und auch auf dem Stalle bei Verabreichung eines naturgemässen Futters vom Milchfieber befallen werden; viel häufiger tritt dasselbe auf dem Stalle aber dann auf, wenn die Fütterung eine künstliche ist. In der Gartengemeinde zu Hannover lässt man aus diesem Grunde die Kilbe nicht kalben, son­dern kauft selbige so, dass sie nach dem Kalben und der Ausstossnng der Eibäute abgeliefert werden.
3.nbsp; nbsp;Die Stallung übt ebenfalls einen Einfluss auf die Entstehung des Milchfiebers aus; je besser die Ventilation ist, um so weniger leicht tritt die Krankheit auf. In Stallungen, in welchen die Tiere den Unbilden der Witterung ausgesetzt waren, habe ich das Milch­fieber niemals gesehen. Dagegen in Stallungen, die schon vor dem Kalben, auch während des Aktes und in der ersten Zeit nach dem­selben aus Furcht, die Tiere erkälteten sich, verschlossen gehalten wor­den waren, liabe ich diese Krankheit verliältnismässig häufig gesehen.
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4.nbsp; nbsp;Im Löclisteu Grade gefähvlicli ist es, Kühe, die auf der Weide gekalbt haben, gleich nach Beendigung des Aktes in den Stall zu bringen. Dieses ist gewiss vielen in den Marsohen praktizierenden Kollegen bekannt. In einer mir bekannten Marschgegend, in welcher das Kalben nicht allein oder hauptsächlich im Frühjahre, sondern auch, und zwar namentlicli zur Weidezeit stattfindet, weiss dies jeder auf­merksame Landmann.
5.nbsp; nbsp;Nach Beobachtungen Köhnes tritt das Milchfieber namentlich bei abnehmendem Luftdruck auf. Diese Angabe Köhnes habe ich in ein paar Fällen bestätigt gefunden.
6.nbsp; nbsp; Milchergiebige Kühe werden häufiger vom Milchfieber be­fallen als andere.
7.nbsp; nbsp;Je rascher und leichter die Durchtreibuug der Frucht erfolgt, um so mehr ist der Ausbruch des Milchfiebers zu befürchten. — Nach sehr langsamem Verlaufe der Ausstossungsperiode tritt, wie schon Fuchs, Köhne u. s. w. angeben und ich bestätigen kann, das Milch-fieber niemals auf. —
Die nächsten Ursachen bilden im Blute vorhandene Luftblasen.
Bevor ich diesen Teil verlasse, kann ich nicht umhin, darauf aufmerksam zu machen, dass man wohl die sofortige Entfernung des Kalbes von der Mutter, sowie auch Erkältung und ÜberfUtterung als Ursachen des Milehfiebers anführt. Für die Richtigkeit dieser Angaben habe ich in der Praxis keine Anhaltspunkte gefunden.
Wesen. Ich will zunächst mitteilen, was mein verehrter Lehrer in der Geburtshilfe, der weiland Direktor F. Günther, in seinem Iland-buche sagt und auch noch 1852 in seinem Vortrage vertrat. Der sei. Günther nennt das Milchfieber auch nervöses Entzündungsfiebcr und unterscheidet:
1.nbsp; nervöses Entzündungslieber mit besonderer Gehirnatfektion;
2.nbsp; nervöses Entzündungsfieber mit besonderer liückonmarks-afl'ektion;
3.nbsp; nervöses Entzündungsfieber als aligeineincs Nervenleiden mit besonderer Aft'ektion des Verdauungsschlauches.
Obgleich wir jetzt die erste Form „Mutterwahnsinn'' — Mania puerperalis —, die zweite Form „Bückenmarks- und Kückenmarks-hautentzündungquot; und nur die dritte Form „Milchfieberquot; nennen, so muss man sich doch wundern, dass der sei. Günther zu einer Zeit, in welcher die Tierheilkunde sich noch in den Windeln befand, Krankheiten trennte, die bis auf die neueste Zeit hin vielfach kon-
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fundiert worden sind. Noch in allerueuester Zeit scheint man den Mutterwahnsinn mit dem Milchfieber zu identifizieren.
Viele ältere Schriftsteller sprechen von einer entzündlichen und paralytischen Form.
Rogersen ist der Meinung, daslaquo; das Milcbfieber seinen Sitz im Fruchthälter habe.
Nach Noquet besteht das Wesen des Milchfiebers in einer Kon­gestion des ganzen Nervensystems, welche sich in der ÜberfUllung der Venen des Hirns oder des Rückenmarks oder beider Teile zu­gleich, besonders in der Lendengegend in der Röte der Araehnoideal-flüssigkeit ausspricht.
Vanderschieneu zählt das Milchfieber zu den Infektionskrankheiten.
Das Wesen des Milchfiebers besteht nach Saake in einer Hyper­ämie der Hirnhäute, welche sich bis zur Entzündung steigern kann. Hauptsächlich soll sich die Pia mater in dieser Weise krank zeigen. In einem Falle fand Saake das kleine Gehirn durchfeuchtet und auf dem Wurme eine Erweichung.
Schmidt drückt sich in folgender Weise aus: „Das Wesen des Milchfiebers ist Druck auf das ganze Gehirn durch schnell mechanisch hinzugeführtes Blut bei Vollführung eines schnellen Geburtsaktes. Gewöhnlich fand ich bei der Sektion grosse Hyperämie des Gehirns und seiner Häute, Gefassrupturen und Extravasate, welche oftmals sehr umfangreich waren etc.; fernerhin seröse Durchfeuchtung und merkliche Vermehrung und Trübung des Serums in den Ventrikeln.quot;
Rychner und andere glauben, dass das Milchfieber in einer Parese, resp. Paralyse des Gehirns bestehe.
Stockfleth hält das Milchfieber für eine Embolämie.
Franck stellt das Milchfieber der Eklampsie des Menschen gleich. Ich habe schon in der zweiten Auflage meiner Geburtshilfe etc. be­merkt, dass diese Ansicht wohl keinen sachkundigen Vertreter finden werde.
Schmidt-Mühlheim ist der Meinung, dass das Michfieber eine Pto-matne-Vergiftung sei, und nennt dasselbe Gebärparese.— Die Ptoma'fiie-Frage ist eine erst im Werden begriffene; es müssen noch genaue Untersuchungen des Fruchthälters auf Ptomaine stattfinden, so wie exakte Experimente mit dem fr. Gifte gemacht werden, um sagen zu können, eine wie grosse Ähnlichkeit in den Krankheits- und Leichenerscheinungen sich beim Milcbfieber und der Ptomafnevergiftung zeige. A priori spricht manches gegen die Richtigkeit der Angabe, dass das Milchfieber eine Ptomaf'ne-Selbstvergiftung sei.
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1.nbsp; nbsp;In dem Fruchthälter des gebäreudeu und niilchfieberkranken Rindes ist meines Wissens bis jetzt noch niemals Ptomaine nach­gewiesen worden.
2.nbsp; nbsp;Der Fruchthälter des niilchfieberkranken Rindes sieht voll­ständig frisch aus; derselbe zeigt auch nicht die geringsten Spuren der kadaverösen Zersetzung.
3.nbsp; nbsp;Eine Selbstvergiftung durch Ptomaine, sogar mit tödlichem Verlaufe ist bis jetzt noch niemals konstatiert worden. In der Wil-helmshafencr Miesmuschel-Affäre, die hier wohl am passendsten heran­gezogen werden kann, zeigten diejenigen Musclieln, von denen einige genügten, um einen Menschen in drei Stunden zu töten, nichts Ab­normes. Wie kann denn das Fleisch solcher Ktthe, die an Ptomaine-Selbstvergiftung erkrankt und geschlachtet, resp. gestorben sind, vollständig unschädlich sein ? In Tausenden von Fällen ist das Fleisch erkrankter und geschlachteter, resp. gestorbener milchtieberkranker Rinder von Menschen und Tieren ohne alle Nachteile genossen worden.
4.nbsp; nbsp;Warum erkranken nur gut genährte, feiste Tiere V
5.nbsp; nbsp;Warum tritt das Milchfieber nur nach sehr rascher Ausstossung der Frucht, niemals nach künstlicher Entbindung der Mutter ein?
6.nbsp; nbsp;Wie kommt es, dass das Milchfieber bei der Retentio secuu-dinarum, bei welcher doch die Umstände für die Ptoma'i'nebildung besonders günstig sein dürften, niemals auftritt? etc.
Einige sprechen von einer paralytischen und septikämischen Form des Milchfiebers. Zwei in jeder Beziehung sehr verschiedene, gut charakterisierte Krankheiten als zwei Formen einer Krankheit hinzu­stellen, ist jedenfalls eigentümlich.
Friedberger-Fröhner unterscheiden sogar drei Formen, nämlich 1. Septicaemia puerperalis, 2. Gebärparese und 3. Komplikationen von Septicaemia puerperalis und Gebärparese. Wir können diesen Herren dankbar sein, dass sie uns den Fall, der zur Annalime dieser Misch­form Veranlassung gegeben hat, nackt mitteilen. Die darüber ge­machten Angaben lassen für jeden wirklich Sachkundigen an Klar­heit nichts zu wünschen übrig.
Stietenroth hält das Milchfieber flir eine HeHcxneurose.
Meine schon vor vielen Jahren gemachte Behauptung, dass das Milchfieber eine Aerämie ist, halte ich hiermit aufrecht. In der Leiche der am Milchfieber krepierten Rinder habe ich jedesmal Luftblasen gefunden, und durch Einblasen von Luft in die Jugularis — s. u. — habe ich die Erscheinungen des Milchfiebers, wie man sie vor und nach dem Tode findet, hervorrufen können. Die Einwendungen, die
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mau hiergegen gemacht hat, lassen mich kalt, um so mehr, wenn sie von Kollegen stammen, denen anscheinend diejenige Krankheit, welche wir in Norddeutsch land „Milchfieberquot; nennen, unbekannt ist. Dieses darf man wohl von solchen annehmen, welche sich folgendermassen äussern: „Seltener eröffnen ausgesprochene Gehirnreizungserschei-iiuugen das Krankheitsbild — die Tiere sind aufgeregt, brüllen, steigen in die Höhe —; noch seltener beobachtet man epileptiforme Krämpfe. — Wir haben dagegen in den ersten Tagen der Krank­heit ein nieder- bis mitteihochgradiges Fieber — 39,0 — 40,0 — nur selten vermisst. — Der Uterus wird in stark kontrahiertem Zustand gefunden! —quot;
Behandlung. Wie jede andere leicht tödlich verlaufende und dem Wesen nach unbekannte Krankheit, so ist auch das Milcbfieber in der verschiedensten Weise angegriffen worden. Auf einer Ver­sammlung von 50 Tierärzten stellte sich auf mein Befragen heraus, dass jeder der anwesenden Herren diese Krankheit in besonderer Weise behandelte. Es wird daher auch wold niemand erwarten, in dem Nachfolgenden alle Methoden zu finden.
Solange man glaubte, dass das Milchfieber mit sthenischem Charakter auftrete und im Verlaufe den sthenischeu Charakter an­nehme, empfahl man, zuerst schwächende und event, später stärkende Arzneien zu verabreichen.
Auch indifferente Mittel, wie Fructus foeniculi etc., wurden empfohlen.
Flüchtige Reizmittel, wie Äther, lloß'mannstropfeu etc. haben ebenfalls Verwendung gefunden. Gegen die Benutzung dieser Stoffe ist jedoch einzuwenden, dass sie, wenn sie In grösserer Quantität gegeben werden, das Fleisch förmlich ungeniessbar machen. Es scheint nach dem Gehirn ein verhältnismässig grosser Teil zu gelangen; wenigstens tritt in diesem Organ der Geruch am stärksten auf.
Camphora — Fischer —, Terpentinöl — Dietrichs — und Wach-holderöl —#9632; Spinola — sind auch besonders empfohlen worden. Camphor und Terpentinöl können das Fleisch ebenfalls ungeniessbar machen.
Oleum Crotonis, Aloe und Tartarus stibiatus sind diejenigen Mittel, welche in neuerer Zeit besonders Anwendung finden.
Younghusband ist meines AVissens der erste, welcher Oleum Cro­tonis gebraucht hat.
Sarginson giebt zunächst Magnesia sulfurica 300, Aloe 15, Sem. Croton. 2, Rhizoma zingiberiraquo; 45, Äther 60 in Haferschleim, und
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darauf zweistündlioli drei Esslöffel voll von folgender Mischung: Tinct. cantliar. 22, Tinct. Croton. 30, Spirit, nitr. aeth. 60.
Besson giebt Croton mit Aloe.
Rucbte benutzt Kroton.
Barlow gebraucht Aloe mit Kroton.
Landel giebt Croton mit Tart. stibiatua und Kalium sulfuricum.
Morell verabreicht innerlich Croton, Aloe und Brechweinsteiu, macht Umschläge auf den Kopf und Einreibungen in die Haut des Rlickens.
Wannovius empfiehlt 90 g Aloe mit Kochsalz.
Köhue leitet folgende Behandlung ein: Nuces vomicae 30 — 45, Tart. stibiatus 15, Natrium sulfuricum 480 und Natrium muriaticum 120 werden eine Viertelstunde unter Umrühren mit vier Quart Wasser gekocht, und von der Abkochung alle ein bis zwei Stunden eine halbe Weinflasche voll eingegeben. Ist der Kot sehr trocken, so werden der ersten Gabe 30 Tropfen Krotonöl hinzugesetzt. Ist nach Verab­reichung dieser Medizin keine Besserung eingetreten, so wird das Dekokt ohne Tart. stibiatus wiederholt. Auch 01. Crotonis wird nicht wieder gereicht.
Holdem benutzte in einem Falle die Elektrizität.
Dröse in Sehnde bei Hannover giebt — nach mündlicher Mit­teilung — im Laufe des ersten Tages 80 Tropfen Krotonöl, 50 g Aloe, 30 g Terpentinöl und 500 g Glaubersalz.
Kaltschmidt ist fast nie von seiner Methode im Stiche gelassen worden. Er lässt Weingeist und Salmiak einreiben, Brechweinstein mit Baldrian und Salz eingeben, in die Maulhöhle, den Mastdarm und die Geschlechtsteile Einfüllungon von kaltem Wasser machen und den Kopf begiessen.
Ich habe viele Jahre hindurch einzig und allein Brechweinsteiu benutzt. Ich gab bis zum Jahre 1887 sofort 15 g mit zwei Flaschen Wasser, in den nächsten vier Stunden stündlich 4 g mit einer Flasche Wasser, und in den folgenden fünf Stunden stündlich 3 g mit einer Flasche Wasser. Mehr als 46 g Tart. stibiat. habe ich niemals ver­ordnet. Für gute Lösung des Mittels, sowie für möglichst vorsich­tiges Eingeben der Arznei muss gesorgt werden. Letzteres ist aber so selbstverständlich für jeden Praktiker, dass man nur den Laien darauf aufmerksam zu machen braucht. Seit dem Jahre 1879 be­schränke ich mich auf den Gebrauch des Tart. stibiat. aber nicht, sondern lasse auch Einfüllungen in den Mastdarm und den Frucht-hältcr machen.
lliirmraquo;, RindvlshheUkunde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;U
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1.nbsp; nbsp;Kuh des Rittergutsbesitzers Fiedler in Döhren. Fragliche Kuh wurde am 23. Mai 1879, morgens 10 Uhr, mit folgendem schriftlichen Vorbericht angemeldet:
„Meine Kuh hat am 21. d. M., abends, ein lebendes und gesundes Kalb leicht und rasch geboren, ist am Nachmittage des folgenden Tages, also ca. 20 Stunden nach dem Gebaren, umgefallen, hat jetzt 72 Pulse und stöhnt in dem Grade, dass ich das baldige Absterben derselben be­fürchte.quot;
Anderthalb Stunden nach der Anmeldung, also morgens um 1172 Uhr, wurde das Tier untersucht und Milchfieber festgestellt. Mastdarmterape-ratur 36,9.
Das Tier wurde gut placiert, bekam innerlich Tart. stibiat. in der oben angegebenen Weise und erhielt ausserdem bis abends 7 Uhr vier Stalleimer voll Wasser in den Mastdarm und acht Stalleimer Wasser in den Fruchthälter mittelst eines hartwandigen Gummischlauches infundiert. Am andern Morgen, ca. 20 Stunden nach Einleitung der Behandlung, war das Tier vollständig gesund.
2.nbsp; nbsp;Kuh der Frau Witwe Busse in Vahrenwald bei Hannover. Die Kuh hatte am 19. Juni 1879 gekalbt und war am 20. d. M. am Milch­fieber erkrankt.
Der auf der Nachbarschaft wohnende Tierarzt, Herr Eotermund, machte einen Aderlass und reichte Tartarus stibiatus.
Am Nachmittage untersuchte auch ich das Tier und musste die Rich­tigkeit der Diagnose anerkennen.
Wir infundierten sofort einen Stalleimer voll Wasser in den Mast­darm und zwei Stalleimer voll Wasser in den Fruchthälter und baten Herrn Rotermund, die zuletzt genannten Einfüllungen alle 45 Minuten zu wiederholen.
Am andern Tage war das Tier gesund.
Auf Befragen teilte Herr Rotermund mir mit, dass, obgleich das Tier am Abend des 21. schon aufgestanden, die Einfüllungen dennoch bis zum Verbrauch von 43 Stalleimern voll Wasser fortgesetzt worden seien.
Breekerbohm jun., Tierarzt in Polle an der Weser, macht uns in der No. 21 der Berliner Tierärztlichen Wochenschrift mit seiner Behandlung des Milchfiebers bekannt. Derselbe schreibt: „leb be­handelte nun das Tier folgendermassen:
Der Mastdarm und die Harnblase wurden entleert, hierauf Hess ich in das Rectum und die Vagina je ungefähr 20 Liter von lau­warmem Wasser mittels des Irrigators infundieren, und diese Infusion alle zwei Stunden, im ganzen aber viermal wiederholen, dann aber nur alle vier Stunden in den Mastdarm die angegebene Wassermenge infundieren, bis Besserung eintrat.
Die Kuh wurde mit
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Liq. ammonii caust. 40,0,
01. terebinth.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 80,0,
SpiVi camphor.,
Splr frument, Sä 150
dreimal in Zwischenzeiten von zehn Stunden tüchtig eingerieben und
jedesmal in eine neue Lage gebracht, darauf am ganzen Körper mit
feuchtwarmen Decken umhüllt und darüber wollene Decken und Stroh
gelegt. Zwei Gehilfen mussten bei dem Tiere bleiben, um es bei
jeder Lageveränderung wieder zudecken zu können.
Innerlich gab ich schluckweise 8,0 g Tartarus stibiatus mit Pfeffer-münzthee, das Maul Hess ich häufig mit kaltem Wasser ausspritzen. Später bekam Patient alle zwei Stunden 4,0 g Tart. stibiat., im ganzen aber viermal diese Dosis. Dann wurden nur alle vier Stunden, bis Besserung eintrat, 3,0 g Tart. stibiat. mit PfefFermünzthee eingegeben. Es wurden überhaupt 36,0 g Tart. stibiat. verbraucht.
Das Tier konnte 30 Stunden später aufstehen.quot;
Vorbauung. Diese ergiebt sich eigentlich schon aus dem früher hinsichtlich der Entstehung und des Vorkommens des Milchfiebers gemachten Angaben; jedoch kann ich nicht unterlassen, darauf zurück zu kommen.
Sehr gut genährte, resp. fette Kinder müssen einige Wochen vor dem normalen Ende der Trächtigkeit auf eine geringere Ration ge­setzt werden. — Künstlich zubereitetes Futter darf in den letzten Wochen vor dem Gebären gar nicht, oder doch nur in möglichst ge­ringer Quantität gegeben werden. — Auf der Weide lebende Kühe dürfen, weil sie gebären wollen oder kurze Zeit — Stunden — vor­her geboren haben, nicht aufgestallt werden; höchstens darf man unter diesen Umständen die Kühe in Unterstandsschuppen oder in ähnliche Lokalitäten bringen. — Pei dem Gebären darf die Mutter, wenn das Junge normal liegt, nicht sofort unterstützt werden; denn je langsamer die Ausstossung der Frucht erfolgt, um so weniger steht der Eintritt des Milchfiebers zu befürchten. Dort, wo das Milchfieber häufig auftritt, muss die Geburt schon dieser Krankheit wegen über­wacht werden, damit, wenn das Junge sehr rasch hindurchgeschoben wird, die Vulva nach dem Austritt der Frucht sofort geschlossen werden kann. Erst vor mehreren Jahren habe icli mich eines in meiner Heimat üblichen Griffes erinnert, welcher darin besteht, dass man nach dem Austritt des Kalbes sofort beide Schamlippen mit einer Hand in der Weise umfasst, dass die Scheide vollständig geschlossen wird. Ich erinnere ebenfalls, dass ich in den Stallungen,
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in welchen dieser Griff, der wahrscheinlich gegen die Umstülpuug des Fruchthälters gerichtet, ttblich ist, niemals milchfieberkranke Tiere behandelt habe.
Köhne lässt von dem oben bemerkten Dekokt acht Tage vor dem Gebären morgens eine Portion geben. In anderthalb Jahren sind 250 Tiere in dieser Weise prophylaktisch behandelt worden, und bei keinem dieser Tiere ist das Milchfieber aufgetreten.
Ich habe früher Tart. stibiat. benutzt, und selbiges nach dem Kalben gehen lassen.
Stietenroth verfährt in folgender Weise: Zwei Stunden nach dem Geburtsakte wird der Fruchthälter mit ein bis zwei Kübeln voll lau­warmen Wassers, dem ein bis zwei Esslöffel voll Karbolsäure zugesetzt worden sind, ausgespült; gleichzeitig bekommt das Tier 5 und zwei Stunden später 3 g Tart. stibiat.
Die mit diesen Ausspülungen erzielten Erfolge sind derart, dass eine weitere versuchsweise Benutzung derselben sich sehr empfehlen durfte.
1.nbsp; Kuli des Gastwirtes Mölile auf Bella-Vista bei Hannover. Fragliclie Kuh erkrankte neun Stunden nach dem Gebären und starb
neun Stunden nach dem Eintritt der Krankheit bei einer Mastdarmtem­peratur von 37,3.
Die Sektion wurde sofort nach dem Tode gemacht und lieferte folgenden Befund; Das Gehirn ist anämisch; unter der Dura desselben ist keine Flüssigkeit vorhanden; die beiden Seitenkammern sind strotzend gefüllt mit wasserklaror Flüssigkeit. In einigen an der Oberfläche des Gehirns liegenden, etwas Blut enthaltenden Gefässen finden sich erbsen-grosse, ovale Luftblasen, die beim Druck auf die Gefässe hin- und her­treten. Das Bückenmark 1st ziemlich fest und anämisch; unter der harten Haut desselben findet sich keine Flüssigkeit. In einer im Rückenmarks-kanale vorhandenen, grösseren Vene finden sich Luftblasen wie in den Gefässen des Gehirns. In beiden Kammern des vorsichtig herausgehobenen, nicht exentrierten Herzens ist schaumiges Blut vorhanden. Die Kranzvenen enthalten kleine, rundliche, wie auch erbsengrosse und ovale Luftblasen in grosser Zahl. Leber und Nieren sind ziemlich blutarm; das Blut dieser Organe enthält Luftblasen der verschiedensten Grosse in bedeutender Menge. Der Fruchthälter ist nicht normal kontrahiert. Die Frnchthälterwand ist in dem Grade blutarm, dass bei der Durchschneidung derselben kaum ein Tropfen Blut zum Vorschein kommt. Viele der maternen Plazenten zeigen Infarkte in der verschiedensten Grosse. Auf der Oberfläche einiger materner Plazenten liegen leicht abhebbare Blutgerinnsel, welche sich bis in die Sinus derselben erstrecken. Die Frnchthillterhöhle enthält nur eine geringe Quantität blutiger, schleimiger Flüssigkeit.
2.nbsp; nbsp;Kuh des Ökonomen Hartmann in Linden.
Fragliches Tier, welches dem Vorberichte nach am 19. April, mittags,
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leicht geboren, bald darauf die Eilulute ausgestossen und am 20. April, abends, erkrankt sein sollte, zeigte am 21. April, morgens T'/j Uhr, folgende Erscheinungen:
Das Tier liegt auf der linken Seite mit gestreckten Extremitäten und stöhnt bei jeder Exspiration. Die Respiration ist tief und steht auf 11. Puls 72 und langsam. Bewegungen des Verdauungstraktus sind nicht zu konstatieren. Mastdarm und Blase sind auf das stärkste gefüllt. Hebt msin den Kopf In die Höhe, so fällt derselbe nach dem Loslassen wie ein toter Klotz in die frühere Lage zurück. Speichel fliesst kontinuierlich, zum Teil in Form von klaren Tropfen aus dem Maule ab. Der Augapfel ist tief zurückgezogen und liegt ganz still. Thränenttuss besteht nicht. Das Gefühl ist in dem Grade gesunken, dass nur beim Berühren des Bulbus leichte Bewegungen der Augenlider eintreten. Die Temperatur ist an der ganzen OberHäche des Körpers, wie auch im Maule bedeutend ge­sunken, sie beträgt im Mastdarm 37,2.
Um 11 Uhr, mittags, steht die Temperatur auf 35,7, und Schleim-rasseln in den Bronchien ist zu konstatieren.
Abends um 11 Uhr finden die Praktikanten die Temperatur auf 34,6.
Das Tier stirbt gegen 3 Uhr morgens und wird vier Stunden später seziert.
Leichenbefund. Es wird zunäclist der Schädel unter mögliclister Schonung der Blutgefässe geöffnet. Unter der Dura findet sich viel wasserklares Serum. Die an der Oberfläche des Gehirns liegenden Blut­gefässe zeigen einen ödematösen Saum und enthalten neben dem Blut Luftblasen. Die kleinen, in den Venen vorhandenen Luftblasen sind von der Grosse und Form eines Stecknadelknopfes und verleihen dem Gefässe ein punktiertes Ansehen; die grösseren, in den Arterien vorhandenen Luft­blasen sind von dem Umfange einer Erbse und zeigen eine ovale Form. In den Seitenkammern des Gehirns ist wasserklares Serum in bedeutender Menge vorhanden. Die Gehirnsubstanz ist ziemlich fest und arm an Blut. Das Rückenmark ist ebenfalls fest und im wirklichen Sinne des Wortes anämisch; unter der Dura desselben ist wasserklares Serum vor­handen. Die linke Lunge ist nicht zusammengefallen, die Felder der­selben erscheinen gleichmässig rot und sind von helleren Streifen umfasst, die von dem Durchmesser reichlich eines Millimeters sind. Beim Ein­schneiden in diese Lunge fliesst ein schwachrötliches, mit vielen Luft­blasen durchsetztes Serum in bedeutender Menge ab. — Diese Lunge ist also hyperämisch und in bedeutendem Grade ödematös und emphysematös. — Die rechte Lunge ist blass und enthält im interstit.iellen Bindegewebe etwas Luft in Form von Blasen und eine geringe Quantität Serum. In der Brusthöhle finden sich 800 g gelbliches Serum. Der Herzbeutel enthält ungefähr 400 g gelbliches Serum. Das Herz ist sehr umfangreich und schlaff; die äussere Fläche desselben ist im höchsten Grade mit Ekchyraosen besetzt. Die Kranzvenen sind gefüllt mit Blut, welches mit Luftblasen von sehr verschiedener Grosse und ungleicher Form dicht durch­setzt ist. Die Muskelsubstanz des Herzens ist mit stecknadelkopf- bis erbseugrossen Blutextravasaten ziemlich dicht durchsetzt. Beide Herz­kammern sind mit grösstenteils koaguliertem, zum Teil flüssigem und
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schaumigem Blut gefüllt. Die Intima der linken Kammer zeigt hier und da kleine Ekchymosen. Milz, Leber und Nieren sind ziemlich arm an Blut. Das Blut dieser Organe enthält grössere und kleinere Luftblasen in solcher Menge, dass es schaumig erscheint. Am Dünndarm ist eine grössere Partie geschwellt, blutig infiltriert und erweicht. Die Blase ist im höchsten Grade gefüllt; die Wand derselben zeigt nichts Abnormes. Der Pruclitluilter hat sich nicht normal verkleinert. Die Fruchthiilterwand ist ödematös und emphysematös und so blutarm, dass bei der Durch-schneidung derselben eine klare, schaumige Flüssigkeit abläuft, die nicht im mindesten gefärbt ist. Die Kotyledonen sind alle gelblichgnvu. In der Fruchthälterhöhle findet sich eine blutige, schleimige Flüssigkeit in geringer Menge.
Versuche, das Bild des Milchfiebers durch Einblasen von Luft in die Jugularis hervorzurufen.
Diese Versuche möchte ich, obgleich die zwei mitgeteilten Fälle den vollgültigsten Beweis liefern, dass das Milchfieber eine Acriimie ist, dennoch hier anreihen.
1. Schaf. Das Tier stürzte beim Einblasen der Luft in die Jugularis sofort zusammen und starb nach fünf Minuten.
Bei der Untersuchung des Kadavers fand sich die Intima der linken Herzkammer in bedeutendem Grade ekchymosiert, also ähnlich, wie wenigstens nicht selten beim Milchfieber.
Schädel und Eückenmarkskanal sind nicht geöffnet worden, weil das Tier in der Anatomie verwertet werden sollte.
2.nbsp; Schaf. Das Tier stand auf das Einblasen der Luft in die Jugularis sofort etwas schlummersüchtig, schwankte noch drei Minuten hin und her, fiel nach fünf Minuten um, hatte nach acht Minuten das Gefühl am Hinterteile bis zur letzten Rippe verloren, entleerte nach zehn Minuten einige Trofen Harn und fünf Kotballen, stand nach fünfzehn Minuten wieder auf und lief umher.
Das Einblasen von Luft wurde innerhalb der ersten Stunde zweimal mit absolut gleichem Erfolg wiederholt. Als darauf aber zum vierten Male Luft eingeblasen wurde, fiel das Tier sofort um und starb.
Bei der Sektion fand sich die Intima der linken Herzkammer in bedeutendem Grade ekchymosiert und eine sehr grosse Menge wasserklaren, leicht rötlichen Serums unter der Dura des Gehirn.
Bei diesem Versuche traten von den Erscheinungen, die beim Milch­lieber vor und nach dem Tode gesehen werden, folgende auf: Schlummersucht, Schwanken, Zusammenstürzen, Festliegen, Gefühllosigkeit — aber nur am Hinterteil —, Drängen — Entleerung von Kot und Harn —, Ekchymosen in der linken Herzkammer und Serum unter der Dura des Gehirns.
3.nbsp; Kuh. Um zehn Uhr morgens wurde ein Gummischlauch in die linke Jugularis eingebunden und durch dieselbe bis zum Ende des Ver­suchs alle fünf Minuten eine geringe Quantität Luft eingeblasen. Vor
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dem Einblasen der Luft wurden die in dem Schlauche vorhandenen Blut­gerinnsel durch Saugen entfernt.
Das Tier trat sofort von der Krippe zurück und wurde in leichtem Grade schlummersüchtig, trippelte bald nachher mit den Hinterschenkeln, entleerte um 10 Uhr 35 Minuten infolge leichten Drängens einen Kotballen und eine geringe Quantiät, vielleicht 100 g, Harn, fing um 10 Uhr 40 Minuten an, im Hinterteile zu schwanken, nahm bald darauf eine gespreizte Stellung mit den Hinterschenkeln an, stürzte um 10 Uhr 45 Minuten zusammen, entleerte gleich nachher infolge leichten Drängens aus dem Mastdarm etwas Schleim und aus der Blase einige Tropfen Harn, hatte um 10 Uhr 52 Minuten das Gefühl im Hinterteile bis zur letzten Rippe verloren, ling um 10 Uhr 52 Minuten an zu rülpsen und mit den Zähnen zu knirschen und starb fünf Minuten später plötzlich in einer Zeit von einigen Sekunden. Das Sterben des Tieres überraschte mich um so mehr, weil es bis zum letzten Augenblick hin den Kopf hochgehalten hatte.
Hinsichtlich der Sektion hebe ich nur hervor, dass sich eine sehr grosse Menge klaren Serums unter der Dura und in der Seitenventrikel des Gehirns vorfand. — Auf die vollständige Untersuchung des Kadavers musste verzichtet werden, weil dasselbe zu anatomischen Zwecken benutzt werden sollte.
In diesem Falle konstatierte ich von den beim Milchfieber vor und nach dem Tode vorhandenen Erscheinungen folgende; Zurücktreten von der Krippe und leichte Schlummersucht, Trippeln, Schwanken, Zusammen­brechen, Pestliegen, leichtes Drängen, Abnahme des Gefühls, Rülpsen, innere und äussere Gehirn Wassersucht.
4. Kuh. Fraglichem Tiere wurden am 16. April von morgens I'll Uhr an bis nachmittags 3 Uhr alle zehn Minuten kleinste Quantitäten Luft mittelst eines in die linke Jugularis eingebundenen Gummischlauches appliziert. Hierbei wurde folgendes konstatiert: allmählich stärker werdende Schlummersucht und Zurücktreten auf dem Standplatze, starkes Abträufeln klarer Flüssigkeit aus dem Maule, häufiges Rülpsen, allmählich stärker werdendes Stöhnen mit der Exspiration, ab und zu leichtes Drängen. Aufblähung der linken Hungergrube, Abnahme des Gefühls und schliesslich gänzliche Gefühllosigkeit, Trippeln, Schwanken, Zusammenbrechen und Pestliegen.
Die Sektion des Kadavers lieferte folgenden haupsächlichen Befund. Das Gehirn war anämisch; unter der Dura und in den Ventrikeln des Gehirns fand sich wasserklares Serum in grosser Menge. Das Rücken­mark erschien anämisch; unter der Dura desselben fand sich rötlichgelbes Serum. Lungenödem.
Von den bei dem Milchfleber vorkoinmenden Krankheits- und Sektions-erscheinungen wurden in diesem Falle folgende gefunden : Schlummersucht, Zurücktreten auf dem Standplatze, Abträufeln klarer Flüssigkeit aus dem Maule, Rülpsen, Aufblähung, Trippeln, Schwanken, Zusammenbrechen, Pestliegen, Gefühllosigkeit, Anämie des Gehirns und Rückenmarkes, innere und äussere Wassersucht des Gehirns, Wassersucht des Rückenmarks, sowie Lungenödem.
6, Kuh. Eines Nachmittags um vier Uhr wurde bei einer Kuh die
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linke Jugularis freigelegt und bis gegen sechs Uhr ca. alle fünfzehn Minuten Luft in dieselbe eingeblasen. Nach jedesmaligem Einblasen von Luft trat eine leichte Aufregung und infolge derselben eine leichte Temperaturerhöhung ein.
Um neun Uhr abends fand ich bei der speziellen Untersuchung des Tieres folgendes: das Tier liegt auf der rechten Seite, respiriert vierund-zwanzigmal in der Minute und stöhnt bei jeder Exspiration. Der Kopf ist nach links herumgegangen und wird auf die linke Rippenwand gestützt; derselbe fällt, wenn er aufgehoben und darauf wieder losgelassen wird, wie ein toter Klotz in die abnorme Lage zurück. Der Bulbus ist zurück­gezogen und liegt still. Die Pupille ist weit geöffnet und wird beim Vor­halten einer Kerzenflamme nicht enger. Thränen laufen kontinuierlich über die Wangen. Die Temperatur ist an der Peripherie bedeutend, im Mastdarm reichlich einen Grad gefallen. Der Puls steht auf achtzig und ist klein und weich. Der Verdauungstraktus liegt still; das Endstück des­selben ist mit trocknen Faeces vollständig ausgefüllt. Gefühl ist nirgends nachweisbar vorhanden.
Am nächsten Morgen um sieben Uhr lag das Tier noch ganz so wie am Abend vorher. Der Puls war an der Kinnbackenarterie nicht mehr zu fühlen; die Mastdarmtemperatnr war noch drei Grad tiefer gesunken. Eine weitere Untersuchung konnte nicht stattfinden, weil das Tier — beim Aufheben des Kopfes — plötzlich, und zwar ganz ruhig starb.
Bei der Sektion des Kadavers fand sich die Intima der linken Herz­kammer in bedeutendem Grade ekchymosiert, unter der Dura und in der Seitenkammer des Gehirns wasserklares Serum in bedeutender Menge. — Auf eine vollständige Untersuchung des Kadavers musste verzichtet werden, weil dasselbe zu anatomischen Zwecken benutzt werden sollte. — Die nachträgliche Bemerkung, dass ich bei jedem der vorstehenden Versuchs­tiere Luftblasen in dem Blute gefunden habe, ist wohl überflüssig.
In dem letzten Versuche konstatierte ich alle diejenigen Krankheits­erscheinungen , die bei milchfieberkranken Kühen nach dem Zusammen­brechen gewöhnlich gefuiulen werden.
Die angegebenen Versuche, welche sich auf das schönste er-giinzen, liefern unbedingt den Beweis, dass man die Entstehung des Milclifiebers auf das Auftreten von Luftblasen im Blute zurück­führen darf.
Anhangt
1. Es ist behauptet worden, dass die im Blute vorbandenen Luftblasen gar nicht die beim Milcbfieber auftretenden Erscheinungen hervorrufen könnten. Ich glaube, dies durch meine Versuche be­wiesen zu haben. Da es aber, wie ich erfahren habe, sehr schwer hält, aus einem Saulus einen Paulus zu machen, füge ich, da im Blute vorhandene Luftblasen und Fettpartikelchen doch wohl nach
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gleichen, und zwar physikalischen Gesetzen wirken müssen, noch hinzu, was Czerni hei seinen über Fettembolie bei Huiulen angestellten Versuchen gefunden hat.
Czerni konstatierte nach der Infusion von Fett in die Hlut-gefässe heim Hunde: Sinken der Temperatur, motorische Lähmung, Kot- und Urinentleerung — also Drängen —, Erbrechen — also Übelkeit —, Hinfälligkeit, Schluinmersucht, Lungenödem, Lungen­entzündung.
Dieser Forscher fand folglich nach der Infusion von Fett in die Hlutgefasse beim Hunde alle diejenigen Kiankheitserscheiuungen, welche ich durch Einblasen von Luft in die Jugularis beim Rinde hervorgerufen habe, und welche man beim Milchtieber findet.
2. Ist behauptet worden, dass bei dem Menschen nach dem Auf­treten von Luftblasen im Blute ganz andere Erscheinungen beobachtet werden als beim Milchfieber. Die Richtigkeit dieser Behauptung konnte ich bei der Bearbeitung meiner Monographie über das Milch­lieber nur bezweifeln, dieselbe muss ich jetzt aber, nach dem ich diese
—nbsp; die Senkkasten- oder Caisson- — Krankheit bei dem Bau der Friedrichstädter Eiderbrücke aus eigener Anschauung kennen gelernt habe, bestreiten.
Bei Menschen, die längere Zeit unter erhöhtem Luftdruck — in den sogenannten Senkkasten oder Caissons — arbeiten, treten, wenn sie unvorbereitet — ohne Akkommodation in der sogenannten Schleuse
—nbsp; nbsp;an die atmosphärische Luft gelangen, Luftblasen im Blute auf, welche eine dem Milchtieber ganz gleiche Krankheit, mitunter sogar plötzlichen Eintritt des Todes veranlassen. Beides habe ich erlebt.
Die betreffenden Patienten setzen beim Beginn der Krankheit unwillkürlich Kot und Urin ab, fallen um, liegen bewegungslos, zeigen selbst auf tiefes Einschieben von Nadeln keine Reaktion, können anfangs gar nicht, bei eintretender Besserung nur erschwert sprechen, zeigen Übelkeit und Erbrechen und klagen über Kopf­schmerz.
Bei der Sektion der Leiche eines plötzlich beim Austritt aus der Schleuse gestorbenen Arbeiters fand sich eine Beschmutzung der Wäsche mit Urin und einein Kotballen, Uirnödem, Erguss unter der Dura und in den Ventrikeln des Gehirns. Sämtliche Blutgcfässe ent­hielten Luftblasen.
Bei der Senkkasten-Arbeit an der Friedrichstädter Eiderbrücke hat sich, was ich in bezug auf das Referat in der Berliner tierärzt­lichen Wochenschrift, Jahrgang 6, Seite 4(), nachträglich noch be-
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merken möchte, ergeben, dasraquo; solche Arbeiter, welche mit leerem Magen in den Senkkasten hinabsteigen, leichter beim Austritt aus der Schleuse erkranken als diejenigen, welche sich vorher mit kräf­tiger Nahrung gesättigt haben. Die Menge von Luft, welche man in die Blutgefässe eines Tieres bringen muss, um dasselbe zu töten, hängt zum Teil unbedingt von der Menge und Beschaffenheit des Blutes, also von der Absorptionsfähigkeit desselben, zum Teil natürlich davon ab, wie bald GefässVerstopfungen und dadurch bedingte Er­nährungsstörungen in Organen auftreten, deren Funktionierung für das Leben notwendig ist.
Um die Quantität des Blutes zu vermehren, damit dessen Ab­sorptionsfähigkeit erhöht werde, mache ich bei milchfieberkranken Tieren ja schon seit Jahren Infusionen von Wasser in Fruchthälter und Mastdarm.
Strahlenpilzkranklieit.
Die Strahlenpilzkrankheit, Aktinomykose, kommt an einigen Orten sehr selten, in vielen Gegenden aber sehr häutig, ausnahms­weise nach Überschwemmungen — s. Preusse, Berliner tierärztliche Wochenschrift, Jahrgang 6, No. 3 — seuchenartig vor und wird durch den Strahlenpilz — Actinomyces — verursacht. Dieser Pilz wird vielleicht zuweilen mit der Inspirationsluft, der Regel nach aber wohl mit dem Futter — mit den Grannen der Gramineen — und dem Ge­tränk aufgenommen und siedelt sich im Körper bald hier, bald dort, nach meinen Beobachtungen am häufigsten im Rachen und unter der Ohrdrllse, seltener in den Kieferknochen und am seltensten in der Zunge an. An der Einnistungstelle entwickelt sich infolge der Vermehrung des Pilzes und der Wucherung des ursprünglich vorhan­denen Gewebes eine Geschwulst, welche jetzt den Namen Aktinomy-kom fahrt,
R a c h e n a k t i n o m y k o in e.
Jahresbericht der Königlichen Tierarzneischulo zu Hannover pro 1871 und 187'. Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin und vergleichende Pathologie, Band 14.
Im Jahresbericht pro 1871 habe ich diese Geschwulst unter dem Namen „Rachen-Lymphomquot; besprochen. Sitz und Ursprung der Ge­schwulst führten zur Wahl der Bezeichnung.
Als Bellinger und Harz mehrere Jahre später die Actinomyces in dieser Geschwulst entdeckt und als Ursache derselben hingestellt hatten, liess man den Namen „lAiriptomquot; fallen und Johne wählte die
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Bezeiobnung „Aktiuoniykomquot;. Diesen Namen habe loh adoptiert und auch schon in der kleinen Mitteilung in der Deutschen Zeitschrift für Tiermedizin etc. gebraucht.
Mit dem Namen Eacheuaktinomykom bezeichne ich eine beim llinde im Rachen sitzende, nach meinen Untersuchungen aus Lymph­drüsen hervorgegangene, nach Bollluger-Harz durch Strahlenpilze ver­ursachte Geschwulst.
Diese Geschwulst findet sich entweder — nach der Unter­suchung am lebenden Tiere — am Keilbein, oder — wie die Sektion ergeben hat — weiter rückwärts, ober- und hinterhalb des Kehl­kopfes. Die ersteren, die ich fortan „vordere Rachenaktinomykome'' nennen werde, sind zu der Zeit, zu welcher sie zur Untersuchung und Behandlung des Tieres Veranlassung geben, von der ungefähren Grosse eines Uorsdorfer Apfels; die letzteren, die in der Folge den Namen „hintere Rachenaktinomykomequot; führen werden, sind, wenn sie bemerkbare Beschwerden hervorrufen, schon von ziemlich beträcht-licliem Umfang.
Krankheitsersoheinungen. Deren giebt es fünf, nämlich: Respirationsbeschwerde, Schlingbeschwerde, Husten, abnorm starke Fülle in der Rachengegend und Dislokation des Kehlkopfes.
Haben die Rachenaktinomykome eine gewisse Grosse erreicht, so treten Respirationsbeschwerden ein. Die Respiration ist dann ziehend und von einem schnarrenden, schnarchenden, röchelnden Ge­räusch begleitet. In vielen, jedoch nicht in allen Fällen werden die Tiere recht häutig und namentlich während des Fressens von einem starken Hustenreiz geplagt, ja mau hört und sieht mitunter, dass die Tiere nach dem jedesmaligen Schlucken eines Bissens husten und dabei die Zunge weit aus dem Maule vorstrecken. Der Husten ist kräftig, trocken und pfeifend. l)as Schlucken ist auch zuweilen, und zwar mitunter in dem Grade erschwert, dass es nur mit Mühe be­schafft werden kann. In seltenen Fällen sieht man eine abnorme Fülle in der Rachengegend. Einmal konstatierte ich eine Dislokation des Kehlkopfes.
Die pathologisch - anatomischen Verhältnisse. Die vorderen Rachenaktinomykome, deren Grosse schon angegeben, sind meistens, freilich in sehr verschiedenem Umfange, mit einer der begrenzenden Flächen verwachsen, sehen rötlichgrau oder graurötlich und markig aus, bestehen aus follikulärem Gewebe, zeigen mitunter partielle Ver­kalkungen und enthalten gelbe, sandkorngrosse Körper, die Aktino-mycesdrusen. Die hinteren Rachenaktinomykome bestehen aus einer
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derben — fibrösen — Hülle und einer Zeit'iillsmasse. Die Hülle ist an der äusseren Fläche glatt und g-liinzend, an der inneren Fläche mit einer Lage rötlichg-rauen Gewebes besetzt, in welchem sich die vorhin beschriebenen Aktinomycesdrusen linden. Der Inhalt ist eine graue, gelblichgraue Zerfallsmasse, in welcher ebenfalls Aktinomyces­drusen gefunden werden.
Verlauf. 1. Haben die vorderen Kachenaktinomykome die un­gefähre Grosso eines Borsdorfer Apfels erreicht, so bedingen sie so bedeutende Kespirationsbeschwerden, dass alsbald Hilfe gesucht und geleistet werden muss. Ob diese Gesell willst so gross werden kann, dass sie zur Erstickung führt, weiss ich nicht; und wie schnell die Geschwulst die bemerkte Grüsse erreichen kann, ist mir ebenfalls unbekannt.
2. Tiere, die mit einem hinteren Ilachenaktinomykom behaftet waren, habe ich längere Zeit beobachten können. In dem ersten Falle, den ich 185lJ bei einer Kuh des Herrn Hofbesitzers L. am Neuendeich bei Gllickstadt erlebte, gelangte ich zu keiner Diagnose. Ich dachte, wie ich gern einräume, an das Vorhandensein eines Polypen in der Nasenhöhle oder vor den Choaneu. Das Tier wurde, da ich keinen Angriffspunkt für die Einleitung einer Behandlung kannte, weiter auf der Weide gemästet. Es blieb noch ca. drei Monate gehen, war dann normal fett und wurde für die eigene Haushaltung gesehlachtet, wozu es auch von vornherein bestimmt gewesen war. Die Kespirationsbeschwerden nahmen bei diesem Tiere allerdings zu, Erstickungsgefahr ist meines Wissens aber niemals aufgetreten. In dem zweiten Falle, in welchem ich die Diagnose sofort stellte, die Erlaubnis zur Operation aber nicht gleich von den Besitzern A. und H. M. auf dem Gute Öchw. bei Oldenburg — Holstein — bekommen konnte, war die Kespirationsbeschwerde bei meinem ersten Besuch schon ziemlich bedeutend; sie nahm auf der Weide allmählich in dem Grade zu, dass nach reichlich zwei Monaten den Besitzern nur übrig blieb, das Tier schlachten oder operleren zu lassen. Da die Kuh sehr milchergiebig war, wurde die Operation gestattet und — zum erstenmale — in später anzugebender Weise ausgeführt. In einem dritten Falle, in welchem ich die Erlaubnis zur Operation ebenfalls nicht bekommen konnte, blieb das Tier noch reichlich fünf Monate hindurch auf dem Stalle stehen und wurde dann, weil es an der Echinokokkenkrankheit litt, geschlachtet. Die Kespirations-heschwerde blieb bei diesem Tiere während der ganzen Beobachtuugs-
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zeit auf gleicher Höhe stehen. Aus diesen, sowie aus einigen anderen Beobachtungen geht folgendes hervor:
a.nbsp; nbsp;Die Respirationsbeschwerde nimmt mit dem Grössenverden der Geschwulst zu;
b.nbsp; nbsp;hat die Gesehwulst ihren grössten Umfang erreicht, was der Fall ist, wenn sie aus einer dicken fibrösen Hülle, au deren innerer Fläche nur Spuren von follikulärem Gewebe vorhanden sind, und einer Zerfallsmasse besteht, nimmt die Respirationsbeschwerde nicht mehr zu;
c.nbsp; die Beengung des Luftweges kann so bedeutend werden, dass Erstickungsgefahr eintritt, und
d.nbsp; der Balg kann beim starken Husten gesprengt werden. Dass hierbei jemals Eiter aspiriert und infolgedessen eine Lungenentzündung sich entwickelt hat, ist mir nicht bekannt.
Kuh der Witwe Rudolf Hansen auf Nordstrand.
Vorbericht: Die Kuh schnarcht beim Atmen, kann nicht gut schlucken, frisst jetzt wenig und geht im Nillnzustande zurück. Mein Tierarzt, dem ich ausdrücklich gesagt habe, dass wohl eine Geschwulst im Rachen des Tieres sitze, hat mir eine Kruke, etwa 200 g, graue Merkurialsalbe zum Einreiben und einen grossen Beutel voll Pulver zum Eingeben aus der Apotheke geschickt.
Als der auf Nordstrand als Tierarzt praktizierende Z., Kandidat der Tierheilkunde, und ich am folgenden Tage das Tier untersuchten, fanden wir eine mit glatter Oberflilche versehene Geschwulst im Eachen, die so gross war, dass ich sie nicht umfassen konnte. — Hinteres Bachen-aktinompkom. — Es wurde von mir beschlossen, die Kuh am folgenden Tage zu operieren, und zwar nacii meiner Methode. Am nächsten Morgen wurde mir von dem Haussohn aber mitgeteilt, dass die Kuh zu einem annehmbaren Preis, 210 Mark, verkauft sei, und dass selbige in der Nacht eine grosse Menge Eiter ausgehustet habe. Bei meinem späteren Besuch fand ich, dass das Tier viel ruhiger als am Tage vorher atmete, und dass vor demselben auf der Streu eine dickbreiige, grauweisse Masse in bedeutender Menge lag. Die darauf vorgenommene Untersuchung ergab, dass die Geschwulst bedeutend zusammengefallen war.
Dieser Fall beweist, dass die fibröse Hülle eines im Innern zerfallenen Kaclienaktinomykoms ohne unser Zuthun platzen kann.
Diagnose. Sind beim Rinde, dessen Allgemeinbefinden nicht gestört ist, welches also vollständig fieberfrei ist, die vorhin erwähnten Erscheinungen oder auch nur eine derselben, nämlich die Kespiratious-besehwerde, welche als die wesentlichste bezeichuet werden muss, vorbanden, so ist der Verdacht auf das Vorhandensein eines Raohen-aktinomykoms vollständig gerechtfertigt und die spezielle Untersuchung geboten. Hierbei verfahre ich in folgender Weise:
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1.nbsp; Kopf und Hals des Tieres werden stark gebeugt. Die Respi­rationsbeschwerde nimmt dann, wenn eine Geschwulst im Rachen sitzt, zu, das fremde Geräusch wird stärker. Durch diese Abänderung in der Kopfstellung, die ich von meinen Praktikanten mitunter ver­suchsweise ausfuhren Hess, bin ich zuweilen auf das Vorhandensein eines Rachenaktinomykoms aufmerksam gemacht worden.
2.nbsp; Ist das sub 1 angegebene Verfahren beendet, einerlei ob mit negativem oder positivem Erfolg, oder ist es vielleicht, weil es schwer oder gar nicht ausführbar ist, unterblieben, so lasse ich den Kopf des Tieres stark strecken. Man kann dann eine in der hinteren Partie des Rachens sitzende Geschwulst fllhleu, wenn man die Pinger beider Hände von beiden Seiten stark vorschiebt.
3.nbsp; nbsp;Um zu einer absolut sicheren Diagnose zu gelangen, nehme ich schliesslich noch regelmässig die Untersuchung durch das Maul vor. Ich lasse den Kopf des gut befestigten und gebremsten Tieres stark gestreckt halten, schiebe dann die Hand, die innere Fläche derselben gegen den harten Gaumen gerichtet, bis zum Keilbein, resp. Kelilkopf vor. Sitzt eine Geschwulst im Rachen, so kann man dieselbe, auch wenn sie nur von der Grosse einer Walbmss ist, nicht allein finden, sondern sogar ihre Beschaffenheit leicht feststellen. Kann ich am stehenden Tiere diese Untersuchung nicht zu Ende führen, so lege ich das Tier nieder und verwende dann noch ein Maulgatter oder, wenn ein solches nicht zur Disposition steht, vielleicht eine starke Feuerzange zum Offenhalten des Maules.
Diese Untersuchung führt stets zur vollständig sicheren Diagnose, und deshalb ist es überflüssig, diejenigen Krankheiten, die in ihren Erscheinungen eine gewisse Ähnlichkeit mit der fraglichen haben, speziell anzuführen und auszuschliessen.
Behandlung. Ich will zunächst meine und darauf die Meier'sche Operationsmethode mitteilen. Beim Eintritt in die Praxis war mir das Vorkommen von Rachengeschwülsten beim Rinde vollständig un­bekannt. Ich gelangte daher in dem ersten Falle, wie auch schon früher erwähnt, zu keiner Diagnose, fand jedoch in demselben ge­nügende Belehrung für spätere ähnliche Fälle. Nachdem nämlich das Tier auf der Weide recht gut ausgemästet war, wurde es, wie ursprünglich auch bestimmt, für den eigenen Haushalt, und zwar in meiner Gegenwart geschlachtet. Sobald das Tier tot war, schob ich, um mich etwas zu orientieren, die Hand in die Maulhöhle des Tieres hinein, gelangte damit schliesslich nach dem Rachen, und fand nun hier zu meiner nicht geringen Überraschung eine ziemlich umfangreiche Ge-
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schwulst. In dem zweiten Falle gelangte ich, wie ebenfalls schon bemerkt, sofort zu einer sichereu Diagnose, und nahm die Exstirpation der Geschwulst in einer Weise vor, wie ich sie späterhin recht hilufig ausgeführt und vom Beginne meiner Dozentur meinen Praktikanten gelegentlich auch mitgeteilt habe. Mein Verfahren ist folgendes:
Ich lege das Tier nieder, stelle den Kopf desselben aufs Genick, durchschneide dann die Haut, das Tier stehend gedacht, in der Mitte unter dem Keldkopf in solcher Länge, dass ich die Hand bequem durch die Hautwunde hindurch schieben kann, trenne darauf die unter dem Kehlkopfe liegenden Muskel- und Bindegewebsmassen mit dem Messer, schiebe die Hand hinein und verfahre nach dem Sitz der vorhandenen Geschwulst weiter.
1.nbsp; Sitzt eine Geschwulst in der vorderen Partie des Ilachens, so dirigiere ich die Hand seitlich und dicht neben dem Kehlkopf bis zur oberen mittleren Partie desselben und darauf nach dem Keilbeine, erfasse die Geschwulst und löse und entferne sie in zukömmlicher AVeise, durch einfaches Anziehen, Drehen, Kratzen mit den Finger­nägeln u. s. w. Die hierbei auftretende Blutung ist niemals gefahr­drohend stark.
2.nbsp; nbsp;Liegt ein Tumor ober- und liinterhalb des Kehlkopfes, so ist die Operation leichter zu beschaffen. Man braucht nur die Hand am Kehlkopfe in die Hohe zu schieben, um die Geschwulst erfassen und, da sie mit den begrenzenden Teilen der Regel nach nicht verwachsen ist, herausziehen zu können.
Da nun die Ausführbarkeit dieser Operation, die ich in der internen Klinik dem verstorbenen Gerlach einmal zeigen durfte, mir gegenüber bestritten worden ist, kann ich nicht unterlassen, den letzten in Hannover erlebten Fall liier anzufllhren, weil er in seinem ganzen Verlauf von den Praktikanten aufgenommen werden konnte.
Der Gartenmann Bremer an der Bremerstrasse in Hannover führte im Jahre 1881 in der externen Klinik der Königlichen Tierarzneischule in Hannover eine Kuh zur Behandlung vor, die ganz munter war, jedoch bei der In- und Exspiration ein schnarrendes Geräusch hören liess und während des Fressens ab und zu ziemlich anhaltend hustete. Bei der sofort — ohne Maulgatter — per os vorgenommenen Untersuchung fand sich hinter dem Gaumensegel — am Keilbeine V — eine Geschwulst von dem Umfange eines Borsdorfer Apfels.
Einige Tage später legte ich das Tier nieder, liess den Kopf stark strecken und auf die Seite legen, durchschnitt, das Tier stehend gedacht, die Haut in der Mitte unter dem Kehlkopfe in solcher Länge, dass eine Hand bequem durch die Wunde hindurch geführt werden konnte, trennte
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das unter dem Kehlkopfe liegende Muskel- und Bindegewebe mit dem Messer, schob die rechte Hand seitlich und dicht neben dem Kehlkopfe in der Eichtung des mittleren Teiles des Keilbeines vor, ert'asste und löste die Geschwulst, kratzte die Grundfläche mit dem Nagel ab und förderte darauf den Tumor zu Tage.
Nachdem das Tier entfesselt und in den Stall gebracht worden war, wurde die Operationsstelle mit kaltem Wasser möglichst gut gereinigt, weiter aber absolut nicht behandelt. Das Tier blieb bei gutem Appetit, zeigte sich niemals stark geniert bei der Futteraufnahme und war nach Ablauf einiger Wochen vollständig geheilt.
Die Geschwulst war von pilzförmiger Gestalt, hatte die vorhin an­gegebene Grosse und enthielt, wie die Untersuchung im pathologischen Institut ergab, die bekannten Aktinomyces.
In diesem Falle hätte ich die Geschwulst auf das leichteste durch das Maul — nach der Meier'schen Methode — entfernen können, in anbetracht jedoch, dass
1.nbsp; Eachenaktinomykome in der Umgegend von Hannover selten vor­kommen und nicht in jedem Falle durch das Maul zu entfernen sind;
2.nbsp; die Studierenden infolge der regelmässigen Anwendung antiseptischer Mittel wohl zum Teil glauben, dass sogar die am günstigsten belegenen Wunden, wie z. B. an den Lippen, den Wangen und Augenlidern etc., nur unter sachgemässer Anwendung antiseptischer Mittel sicher und leicht heilen können:
zog ich es vor, die angegebene Methode zu benutzen.
Utis Meier'sche Verfahren ist nach Lage und Beschaft'enheit der Geschwulst ziemlich verschieden. Das Tier wird, um mit der rechten Hand operieren zu können, auf die rechte Seite niedergelegt, der Kopf aufs Genick gestellt, und das Maul mittelst des Maulgattevs offen gehalten. Meier operiert von der Maulhöhle aus und bedient sich einzig und allein der Hand.
1.nbsp; nbsp;Sitzt die Geschwulst vorn, ist sie also klein, so wird sie erfasst und herausgerissen.
2.nbsp; Liegt die Geschwulst in der hinteren Partie des Rachens, ist selbige also gross und im Innern zerfallen, so wird sie am vorderen Ende mit dem Finger durchbohrt, der käsige Inhalt unter leichtem Druck hinausgepresst und mit der hohlgestellten Hand aus der Maul­höhle entfernt.
Meier, der, wie er mir diese Mitteilung machte, schon 300 Rachen-geschwlilste nach der vorstehenden Methode behandelt hatte, hat versucht, in die mit einer derben Hülle versehenen Geschwülste Ein­schnitte mit dem krummen Fingermesser zu machen, und giebt hierüber an, dass man dabei sehr vorsichtig sein müsse. Derselbe teilt mir fernerhin — brieflich — mit, dass seine Operation höchstens
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15 Miauten dauere und, abgesehen von Kecidiveu. die eine zweite Operation erfordern, stets glücklich verlaufe und zur Heilung führe. Nach meinen Beobachtungen ist das sub 1 angegebene Meier'sche Verfahren, das Herausreissen der in der vorderen Partie des Rachens sitzenden, kleineren, leicht zu umfassenden Geschwlilste sehr zu em­pfehlen, das unter 2 bemerkte Verfahren Meiers, die einfache Ent­leerung des Balges, aber zu verwerfen, weil dasselbe a. ausnahms­weise gar nicht ausführbar ist, b. nicht immer — abgesehen von Heilung — zu der erhofften Erleichterung der Atmung führt, und c. auch nicht ganz ungefährlich ist.
1.nbsp; Kuh des Gaitenmannes S. an der Gr. B. in Hannover. Vorher! cht. Das Tier atmet, solange es in meinem Besitze ist,
sehr angestrengt; es lilsst seit drei bis vier Monaten ein schnarrendes Gerilusch heim Atmen hören und linstet ab und zu, namentlich während der Aufnahme des Futters.
Untersuchungsbefund. Das Tier ist hochfett, gut im Bauch gefüllt und fieberfrei. Das Atmen geschieht dreissigmal in der Minute, unter starker Benutzung der Bauchmuskeln; beim Ein- und Ausatmen hört man ein schnarrendes Geräusch. Die Rachenpartie zeigt, besonders bei starker Streckung des Kopfes, eine abnorm grosse Fülle. Der Kehl­kopf befindet sich nicht in seiner normalen Lage. Bei der Untersuchung per os findet sich eine an der Oberfläche glatte und mit einer derben Hülle versehene Geschwulst von solchem Umfange, dass sie nicht nmfasst werden kann.
Es kam dem Besitzer nur darauf an, von uns zu erfahren, üb das Fleisch des Tieres ohne, alle Bedenken als menschliche Nahrung verwertet werden könne. Es war also für mich jedes operative Einschreiten voll-stilndig ausgeschlossen, was ich im Interesse der Praktikanten bedauerte. Ich bemerkte jedoch den beiden anwesenden Praktikanten — Hansen-Nordstrand und Piepcr-Hameln —, dass es mir nur angenehm sei, wenn sie bei der Untersuchung die Hülle der Geschwulst durchbohrten und den Inhalt derselben mit der Hand entfernten, weil dieses von Meier empfolilene Verfahren niemals von mir ausgeführt worden sei. Die Hülle war aber so widerstandsfähig, dass die Durchbohrung' derselben den beiden jungen, sehr starken Herren nicht möglich war.
2.nbsp; nbsp;Der Hofbesitzer Jacobs in Koldenbüttcl teilte, mir im Jahre 1885 gelegentlich eines Besuches über eine von seinen auf der Fettweide befindlichen Kühen mit, dass dieselbe längere Zeit hindurch an sehr bedeutender Atembeschwerde gelitten, dann plötzlich eine grauweisse Masse in grosser Quantität ausgehustet, darauf leichter geatmet habe, aber trotzdem nicht gedeihe.
3.nbsp; nbsp;Kollego D. in 0. teilte mir gelegentlich mit, dass ihm ein Eind, das er nach dem unter 2 angegebenen Verfahren Meiers operiert habe, unter der Hand, d. h. während der Operation, krepiert sei.
Hnrnis, nindviclilinlkundo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;IS
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Im allgemehieii kann mau ruhig an die Operation lierautreten; denn seit dem Sommer 1859, also seit 30 Jahren, ist mir nur ein Fall vorgekommen, in welchem die Eutfernuug der Geschwulst weder nach der Meier'scheu, noch nach meiner Methode gelingen wollte.
Kuh des Hofbesitzers und Hauptpartizipanten Rudolph Hansen aul Nordstrand.
Der Besitzer teilte mir bei einem zufälligen Begegnen folgendes über das Tier mit: .,Es ist im allgemeinen gesund, kann aber nicht gut schlucken, nimmt deshalb wenig Futter auf und magert folglich ab. Nach dem, was ich in der Praxis meines Bruders, des verstorbenen Tierarztes Georg Hansen in Deezbttll, gesehen habe, nehme ich an, dass ein Gewächs im Rachen sitzt, welches herausgerissen werden muss. Der hinzugezogene Tierarzt, H. in H., dem ich meine Ansicht mitgeteilt habe, hat mir eine Einreibung gegeben, die indessen keine Besserung bewirkt hat.quot;
Als ich einige Wochen später die Patientin besuchte, nahm ich folgenden Befund auf: Das Tier ist im höchsten Grade abgemagert und so schwach, dass es ohne Unterstützung nicht aufstehen kann. Das Schlucken ist kaum zu beschaffen. Nach dem Niedergleiten eines Bissens tritt an­haltendes Husten ein. Im Eachen sitzt eine Geschwulst, die nicht allein von mir, sondern nach dein Einlegen eines Maulgatters auch von dem Haussohn und den Knechten er f as St werden kann.
Obgleich das Tier dem Erschöpfungstode nahe war, wurde dennoch versucht, die Geschwulst zu entfernen, aber ohne allen Erfolg. Die Geschwulst war so derb und innig mit den begrenzenden Teilen verbunden, dass sie weder stückweise, noch in üngestückeltem Zustande nach der Meier'schen Methode zu entfernen war. Es wurde deshalb auch noch meine Methode in Anwendung gebracht, aber ebenfalls ohne Erfolg.
Ein solcher Fall war mir noch nicht vorgekommen, und deshalb hätte ich gern den Befund am Kadaver aufgenommen ; dies war mir aber, da der Besitzer das Tier nicht töten lassen wollte, sondern nach Husum zum Verkauf schickte, nicht möglich. Mit diesem Fall kann ich nur konstatieren, dass beim Rinde im Rachen Geschwülste vorkommen, die so derb und so innig mit den begrenzenden Teilen verbunden sind, dass sie mit der Hand allein weder stückweise, noch in unzerstückeltem Zustande zu entfernen sind.
0 h r d r li s e n a k t i n o m y k o m e.
Jahresbericht der Königlichen Tierarzueisehule zu Hannover pro 1872 und 1877, Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin etc., Hand 14.
Diejenigen Gesehwlllste, welche jetzt den Namen Ohrdrilsen-aktinomykome führen, wurden früher Ohrdrüsenlyinpliome von mir genannt; selbige sind in meiner Heimat unter den Namen Igelkröpfe, Ihlenkröpfe u. s. w. bekannt. Als Ohrdrüsenaktinomykom bezeichne ich die unter der Ohrdrüse liegende, nach meinen Untersuchungen aus Lymphdrüsen hervorgegangene, nach Bollinger-IIarz durch Akti-
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nomyces verursachte Geschwulst. Diese Geschwulst findet sich an einigen Orten, z. B. bei Hannover, sehr selten, in anderen Gegenden, z. B. an der Elbe und Eider, besonders in den neu eingedeichten Kögen, sehr häufig.
Krankheitserscheinungen. Unter der Ohrdrllse liegt eine nicht fluktuierende, zur Zeit der Feststellung gewühullch hühnerei- bis gänseeigrosse Geschwulst, welche sich durch geeignete Manipulationen hin- und herbewegen lässt, also mit den begrenzenden Teilen nicht innig verbunden ist.
Die pathologisch-anatomischen Verhältnisse. Diese Geschwülste gehen aus Lymphdrüsen hervor, welche unter der Ohrdrüse liegen. Infolge der Einwirkung des Strahlenpilzes tritt eine Wucherung in der Drüse ein, wobei nicht allein die Hülle mit den von ihr in das Innere der Drüse sich erstreckenden Fortsätzen zunimmt, sondern ebenfalls das retikuläre oder follikuläre Gewebe zu wuchern beginnt. Das Drüsengewebe erscheint dann graurot und markig. Es tritt aber bald der nekrobiotische Prozess an verschiedenen Stellen der Drüse ein; es bilden sich zunächst kleine, mit einer flockigen, gelblichen, lymphatischen Flüssigkeit oder mit einer gelbgrauen, käsigen Masse gefüllte Höhlen, welche durch eine weitere Einschmelzung der be­grenzenden Partien allmählich an Grosse zunehmen, so dass schliesslich das Ganze aus mehreren, teils gut abgeschlossenen, teils miteinander kommunizierenden Hohlräumen besteht, oder zu einem einzigen Balge umgewandelt worden ist. Die innere Fläche der Holden ist, solange noch follikuläres Gewebe vorhanden, stets rot und mit verschieden grossen und ungleich geformten Vorsprüngen besetzt. Hei der mikro­skopischen Untersuchung findet sich, dass der Inhalt aus einem fettigen Detritus mit lymphoiden Zellen besteht, und dass die grau­rötliche, markige Masse follikuläres Gewebe ist, in dessen Maschen­räumen lymphoide Zellen liegen.
Die Richtigkeit des Vorstehenden könnte ich durch eine grosse Zahl von Befunden beweisen; da meine sämtlichen Untersuchungen aber vor der Entdeckung der Aktinomyces stattgefunden haben, also nicht ganz vollständig sind, will ich mich hier auf die Anfiihrnug der beiden folgenden Fälle beschränken.
I. Geschwulst von 15 cm Länge, 8 cm Durohmesser und aiiniihernd einförmiger Gestalt. Sie schien bei der vor der Operation stattfindenden Untersuchung vollständig frei unter der Ohrdrüse und Haut zu liegen, es fand sich jedoch, dass sie durch lockeres Bindegewebe ziemlich innig mit den begrenzenden Teilen verbunden war. Die ganze Geschwulst
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bestand aus einem Balge und dem Inhalt. Die Wand des Balges war 5—10 mm dick, an der ilusseren Fläche sehuigglänzend, an der inneren Fläche dagegen rot und mit kleinen Hervoragungen besetzt, so dass diese — aus der Ferne betrachtet — samtartig erschien. Haselnussgrosse Stücke des Balges wurden, nachdem sie einige Tage in Spiritus gelegen hatten, fünf Minuten in Wasser gekocht, dann der Luft exponiert, bis sie steinhart geworden waren, und darauf mikroskopisch untersucht. Die von der inneren Fläche des Balges genommenen feinsten Schnitte wurden mit. Wasser geschüttelt und, um sie konservieren zu können, in einem Gemisch, welches aus gleichen Teilen Glycerin und Wasser bestand, untersucht. Das follikuläre Gewebe trat in schönster Weise auf. Der Inhalt des Balges war eine graue, käsige Masse, in welcher einige schleimige Streifen auftraten.
2. Geschwulst von der Grosse und Form eines Gänseeics. Exstirpiert und eingesandt von Pruns-Krempe — Schleswig-Holstein —. Die Ge­schwulst erschien an der Oberfläche sehnigglänzend und lappig und fühlte sich derb an. Nach der Durchschneidung in der Längsachse trat ein System von Höhlen auf, die von der Grosse einer Linse bis zu der einer grossen Haselnuss waren und eine gelbgraue, käsige Masse enthielten. Die innere Fläche der Höhlen war rot und mit kleinen, netzartig ver­bundenen Vorsprüngen besetzt. Von dem letzteren Gewebe wurden haselnussgrosse Stücke fünf Minuten lang in Wasser gekocht, dann an der Luft scharf getrocknet, und darauf feinste Schnitte derselben, nach­dem sie stark geschüttelt worden waren, unter Glycerinzusatz untersucht. Auch in diesem Falle trat das follikuläre Gewebe in ausgezeichneter Weise auf.
Verlauf. Eine vollständige Ausgleichung, eine Abnalnne der Drüse bis zu der ursprünglichen Grosse, kann, soweit meine Beobach­tungen reichen, weder durch die Naturheilkraft, noch durch die Kunst herbeigeführt werden, sondern der Prozess schreitet allmählich, und zwar bis zu einem gewissen Punkte stets in derselben Weise fort.
Ist die Geschwulst von der früher bemerkten Reschaftbnheit, d. h. nicht schmerzhaft, hart, hülinerei- bis gänseeigross und verschiebbar, so kann sie in einem Solchen oder ähnlichen Zustande wochen-, sogar monatelang verharren; sie wird jedoch allmählich grosser, weniger verschiebbar, tritt schliesslich, zunächst mit dem unteren Ende, gegen die Haut und verwächst mit derselben. Es stellt sich dann nach und nach eine ziemlich scharf begrenzte Fluktuation und bald darauf ein Durchbruch ein. Der Ausfluss ist dann entweder eine gelbliche, lymphatische, mit vielen gelben Flocken untermischte Flüssigkeit, oder eine gelblichgraue, puriforme Hasse. Von dieser Zeit an ist der Verlauf ein verschiedener.
1. Kann, nachdem der Inhalt entleert worden ist, eine Ausheilung der Höhle eintreten, so dass für die fernere Lebenszeit nur eine
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geringe Verdiekimg mit 1 eieht eingezogener Narbe 7airück-bleibt. Dieser Ausgang ist aber ein sebr seltener und nacb meinen Beobachtungen nur dann zu erwarten, wenn die Geschwulst vor dein Durchbrueb in einen einfachen Balg umgewandelt worden ist, der an der inneren Fläche grauweiss erscheint und eine käsige Hasse ent­hält. Das Hauptgewicht bei der Beurteilung lege ich auf die Be-sehaft'enheit der inneren Fläche des Balges; denn wenn auch der Inhalt eine käsige Masse ist, dabei aber die innere Fläche des Balges rötlieh, resp. rot erscheint, hier also noch follikuläres Gewebe vor­handen ist, so tritt dieser Ausgang niemals ein.
2.nbsp; nbsp;Kommt es vor, dass, nachdem ein Durehbrueh erfolgt ist, wold eine Heilung in sub 1 bemerkter Weise eintritt, jedoch dem ersten Durchbrucbe nach kürzerer oder längerer Zeit, mitunter erst nach Monaten, ein neuer oder deren mehrere folgen, welche ebenfalls ganz so wie der erstere zur Heilung gelangen.
3.nbsp; nbsp;Tritt, nachdem ein natürlicher Durohbruoh erfolgte, leichter indessen, wenn die Eröffnung künstlich beschafft worden ist, eine üppige Granulation ein, wobei die ganze Nacb-barschaft in Mitleidenschaft gezogen und stark verbildet wird. Man siebt dann schon einige Tage nacb der Erötlhung ausserhalb der Wunde eine dunkelrote, dickfaserige Masse von knopfförmiger Gestalt, die sebr reich an Blutgefässen ist und folglich bei der Verletzung stark blutet. Untersucht man in solchem Falle die ursprünglich vor-bandene Höhle, so findet man diese mit der vorhin beschriebenen üppigen Granulation gefüllt. Der fernere Verlauf ist dann wiederum verschieden. Es kann a. die Granulation sich mehr und mehr organi­sieren, dabei stark schrumpfen und so weit zurücktreten, dass nacb der Heilung keine Hervorragung an dieser Stelle zu sehen ist; oder es wird b. die Granulation wohl organisiert, tritt dabei aber nicht zurück, sondern bedeckt sieb schliesslich mit einer feinen, glänzenden, gänzlich haarlosen Haut. Es bleibt also in diesem Falle ein ver­schieden stark hervorragender Zapfen zurück, welcher in der ersten Zeit noch immer sebr reich an Blutgefässen ist. Mir ist ein Fall im zweiten Jahre meiner Praxis bei einer Kuh des Hof- und Mühlen­besitzers Kühlmann auf Nordstrand vorgekommen, wo dieser Zapfen abgerissen war, und es mir ziemlich schwer tiel, die Blutung zu stillen. Schliesslich können c. mehrere Durchbrucbe mit nachfolgender üppiger Granulation nacheinander auftreten, und jede Stelle kann fernerhin, wie sub a und b angegeben worden ist, verlaufen.
4.nbsp; nbsp;Kommt es vor, dass gleichzeitig mit dem Ohrdrüsen-Aktino-
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niykoni, oder etwas später in nächster Nähe desselben, jedoch am häufigsten aufwärts vou demselben, am Grunde der Ohrmuschel, ein oder zwei andere Aktinomykome auftreten. Sie stehen zuerst isoliert, treten jedoch später zusammen und können dann durch die dabei eintretende kolossale Entartung der ganzen Umgebung llespirations-b eschwerden hervorrufen.
5. Finden sich neben dem Ohrdrüsenaktinomykom auch an anderen Körpeistellen solche Geschwülste, was allerdings selten vor­kommt.
Diagnose. Diese Geschwülste können in der ersten Zeit ihrer Entwiekelung, während welcher sie hart, nicht schmerzhaft und dabei verschiebbar sind, gar nicht verkannt werden; sobald dieselben aber mit der Haut verwachsen sind, vielleicht schon fluktuieren, ist eine Verwechslung mit einem kalten Abscess für den jungen Praktiker nicht ausgeschlossen, wenn er den Entwickelungsvorgang unberück-sicht lässt.
Prognose. Im allgemeinen sind die Ohrdrüsenaktinomykome von den Landwirten gefürchtet. Ich kenne eine Gegend, in welcher beim Ankauf vou Ochsen von vornherein ausbedungen wird, dass alle mit diesen Geschwülsten behafteten Tiere ausgeschlossen werden dürfen. Mau ist in den Gegenden, in welchen diese Neubildungen häufig vorkommen, vielfach der Ansicht, dass damit behaftete Binder nicht gedeihen, schliesslich sogar der Abzehrung verfallen. Beobach­tungen, die hierfür sprechen, werden wahrscheinlich gemacht worden sein; jedoch kann ich die Richtigkeit dieser Angabe nur für solche Fälle bestätigen, in welchen Aktinomykome an verschiedenen Körper­stellen gleichzeitig vorhanden sind. Ich habe Kühe, die infolge des Ohrdrüsenaktinomykoms sehr bedeutende Verhildungen in der Rachen­gegend zeigten, viele Jahre hindurch beobachtet und mich überzeugt, dass solche Tiere das Futter gut verwerteten. Und die Landleute nehmen Ochsen, bei welchen die Igelkröpfe exstirpiert worden sind, ebenso gern wie diejenigen Tiere, welche niemals daran gelitten haben.
Behandlung. Findet man die Ohrdrüsenaktinomykome nocii klein, unter der Haut beweglich, also auch nicht fluktuierend, dann versucht man wohl, solange die Krankheit einem noch nicht bekannt ist, durch Einreibungen Zerteilung herbeizuführen. Mit dieser Be­handlung schadet man aber stets, und zwar um so mehr, je schärfer das Mittel ist, welches man anwendet. Es tritt infolge der Kinreibung nicht allein eine schnellere Zunahme der Geschwulst mit den weiteren
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Folgen ein, sondern die Verbindung derselben mit den begrenzenden Teilen wird in kurzer Zeit eine sehr innige. Bei der Behandlung dieser Gresclnvülste können folgende Wege betreten werden:
1.nbsp; nbsp;Die totale Exstirpation. Solange das Olirdrliseu-Aktinomykom noch beweglich, also scharf abgegrenzt ist, ist diese Operation, welche von nur das erste Mal bei einem Ochsen der Frau Lehnsmann Gertz in Katharinenherd am 9. Februar 1855 gemacht worden ist, angezeigt. Das Tier wird so niedergelegt und am Boden gefesselt, dass die kranke Seite oben liegt, der Kopf wird auf Genick gestellt, mit dem Laufe des Brustkinnbackennmskels und — das Tier stehend gedacht — unmittelbar oberhalb desselben ein solcher Einschnitt in die Haut gemacht, dass die Geschwulst bequem losgeschiilt und aus der Wunde entfernt werden kann. Das Ausschälen der Geschwulst geschieht hauptsächlich mit den Fingern, nur dort, wo die Verbindung eine zu innige ist, mit dem Messer oder der Scheere. In die Höhle legt mau nach der Reinigung und Desinfektion Salicylwatte, und die Wund-ränder werden darauf derart vereinigt, dass ein Austritt von Blut nicht stattfinden kann. Nach drei Tilgen lässt man die Nähte und Salicylwatte entfernen und Teer aufstreichen.
2.nbsp; nbsp; Die partielle Exstirpation nach dem verstorbenen Tierarzt Georg Hansen in Deezbüll. Diese Operation dürfte vielleicht ange­zeigt sein, wenn die Grenzen der Geschwulst schon etwas verwischt sind. Hansen verfuhr dabei, wie ich gesehen habe, in folgender Weise: Nachdem das Tier in vorhin bemerkter Weise niedergelegt und gefesselt worden war, wurde am unteren Ende der Geschwulst ein ovales Stück aus der Haut entfernt, darauf ein derber Keil aus der Geschwulst herausgeschnitten, dann Cupr. sulf. in trust, in die Höhle gebracht, etwas Werg oben aufgelegt und schliesslich die Wundränder derart vereinigt, dass Blut nicht austreten konnte. Hansen hat nach dieser Methode, deren Ausführung 15—20 Minuten dauerte, alljährlich viele Rinder, und zwar stets mit gewünschtem Erfolg operiert.
3.nbsp; nbsp;Das Ausbrennen. Dieses wird in einer mir bekannten Gegend vielfach von den Tierbesitzern selber vollzogen und liefert, wie ich aus eigener Erfahrung weiss, bei Gesclnvlllsten, die im Innern noch gar nicht oder nur in geringem Grade zerfallen sind, sehr schöne Re­sultate. Das Tier braucht nicht niedergelegt, sondern nur mit dem Kopfe kurz und sicher derart angebunden zu werden, dass bequem anzukommen ist.
4.nbsp; nbsp;Mehrfache und wiederholte Einspritzungen von Jodtinktur und
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Kiiptervitriollösuiig in die Geschwulst mittelst der Pvavaz'sohen Spritze sind iiuch empfohlen worden. Eigene Erfuhrungen über diese Methode stehen mir nieht zur Vert'Ug-ung-.
5.nbsp; nbsp;Es ist empfohlen worden, die im Innern zerfallene, resp. schon durchgebrochene Geschwulst scharf auszukratzen und wieder­holt mit Jodtinktur auszupinseln.
6.nbsp; nbsp;Die Benutzung von Atzmitteln. In Nordfriesland wird seit einigen Dezennien eine aus Schmalz und weissem Arsenik aä 15 g bestehende Salbe viel benutzt, welche auf einmal oder auf drei- bis viermal, letzteren Falles in Zwischenzeiten von 24 Stunden mittels eines Holzspatels aufgetragen und leicht eingerieben wird. Der Atz-schorf löst sich langsam und fällt, wenn die Geschwulst schon im Innern zerfallen ist, erst nach Monaten ab. Nach dem Abfallen des Schorfes ist aber bald Heilung erreicht. Diese Methode ist auch von mir bei Milch- und Mastrindern ein paarmal, und zwar mit erwünsch­tem Erfolg versucht worden. Die Milch der in dieser Weise behan­delten Milchkühe ist bei der chemischen Untersuchung stets frei von Arsenik befunden worden.
7.nbsp; nbsp;Ein Landmann in der Nähe von Glllckstadt teilte mir mit dass er regelmässig ein Stück der schwarzen Niesswurzel in den Igelkropf hineinschiebe, und dass darauf brandiges Absterben der zunächst belegenen Partien und Heilung erfolge.
Ist nach erfolgtem üurchbruch der Geschwulst schon Heilung eingetreten und keine Eespirationsbeschwerde vorhanden, so kann man das Tier, wenn auch die Verbildung eine sehr bedeutende ist, ohne weiteres Eingreifen vorläufig ruhig laufen lassen.
K i e f e r a k t i n o m y k o m.
Diejenige Krankheit, welche jetzt Kieferaktinomykom bezeichnet wird, wurde früher Winddoru, Knochenwurm, Osteoporose, Kiefersarkom etc. genannt. Diese Geschwulst entsteht infolge Eindringens der Actinomyces in die Alveolen, wird folglich nur in denjenigen Kiefer­knochen, die Zähne tragen, also in dem grossen Vorderkieferhein und in dem Hinterkiefer gesehen. Sie kommt in allen Gegenden, nach meinen Beobachtungen aber nicht annähernd so häufig wie die vorigen Geschwülste vor.
Krankheitsersoheinungen. Es zeigt sich zunächst eine etwas schmerzhafte Anschwellung des Knochens, welche langsam zunimmt und nach und nach innig mit der Haut verschmilzt. Dann folgt eine Lockerung der Zähne und ein Durchbruch der Geschwulst an einer
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oder mehreren Stellen nach aussen, wobei eine eiterigseil leimige Masse zum Vorsclieiu kommt. Es erheben sich schliesslicb an den Durcb-bruchsstellen tippige Granulationen, welche sehr empfindlicii sind und leicht und anhaltend bluten. — Bei einem Ochsen des Hofbesitzers Ketel Peter Jacobseu auf Nordstraud konnte ich nur mit Mühe die Blutung stillen. —
Verlauf. Diese Krankheit verläuft in der ersten Zeit, wenigstens zuweilen, recht langsam. Ich habe Ochsen mit einer Schwellung des Hinterkiefers vier Monate auf der Weide laufen sehen, ohne eine bedeutende Veränderung derselben konstatieren zu können. Sobald aber der Durchbruch erfolgt ist und die Zäbne gelockert sind, tritt schnelle Abmagerung ein.
Diagnose. Jede Anschwellung der genannten Kieferknochen muss beim Kinde — nicht beim Pferde — als verdächtig bezeichnet werden, wenn eine bestimmte Ursache nicht nachzuweisen ist. Sobald die Lockerung der Zähne zu konstatieren und ein Durchbruch erfolgt ist, kann die Krankheit mit keiner anderen verwechselt werden.
Behandlung. In früheren Jahren habe ich solche Tiere mög­lichst bald auf der Schlachtbank verwerten lassen. Jetzt dagegen würde ich nach den Mitteilungen von Thomassen, FUrthmeyer und Klemm bei mageren Rindern unbedingt einen Heilvcrsucli machen. Genannte Herren empfehlen innerlich Jodkali und äusserlich, als Ein­spritzung in die Knochengeschwiilst, Jodtinktur. Die Einspritzungen werden täglich gemacht, und innerlich soll mau nach Klemm — B. T. W., Jahrgang 5, No. 49 — 10 bis 15 Tage täglich 10 bis 15 g Jodkali, in 1/4 bis '/-i Liter warmem Wasser gelöst, eingeben. Bei eintretendem Appetitmangel muss die Kur unterbrochen werden.
Zungenaktinomyko m.
Diese Krankheit, früher Zungentuberkulose, llolzzunge etc. ge­nannt, wird im grossen und ganzen wohl nicht häutig vorkonimen, denn ich habe sie in meiner Privatpraxis niemals und in der externen Klinik der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover nur einmal gesehen.
Krankheitserscheinungen. Austluss von Speichel aus dem Maule und erschwerte Aufnahme des Futters veranlassen zur speziellen Untersuchung des Maules. — Die Zunge ist zuerst verdickt, steif, hart, schwer beweglich, zeigt an der unteren Fläche eine bläuliche Farbe und stark gefüllte Venen, an der oberen Fläche gelbe, linsen-grosse Knötchen, durchschimmernde, wallnussgrosse Knoten und event.
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kleine Geschwüre; selbige wird später von solchem Umfange, dass sie nicht mehr Platz im Maule hat und folglich ausserhall) desselben er­scheint. Bei tödlichem Verlaufe findet sich schliesslich im Kehl­gange noch eine Schwellung der hier liegenden Lymphdrüsen.
Verlauf. Dieser ist, wenn nicht gegen die Krankeit eingeschritten wird, ein tödlicher. Die Krankheitserscheinuugen nehmen allmählich zu, so dass das Tier schliesslich Futter gar nicht mehr aufnehmen kann und folglich an Erschöpfung zu Grunde gehen muss.
Behandlung. In früherer Zeit — schon 1855 — haben mir bekannte Kollegen die Zunge mit Jodtinktur bepinselt und tiefe Ein­schnitte in dieselbe gemacht, aber Heilung nicht erreichen können. Deshalb leitete ich in dem einen mir vorgekommenen Falle nur eine Scheiukur ein, um das Tier recht lange als Unterrichtsmaterial ver­wenden zu können. In neuerer Zeit aber hat man durch innerliche Verabreichung von Jodkali und Bepiuselungen der Zunge mit Jod­tinktur Heilung erreicht. — Siehe das Kieferaktinomykom. —
Das Euteraktinomykom ist schon bei den Euterkrankheiten be­sprochen worden.
Fsoas-Abscess.
Jahresbericht dei- Königlichen Tierarznoisclmle zu Hannover pro 1874.
Der Seltenheit wegen dürfte die Anführung des nachfolgenden Einzelfalles gestattet sein.
Bei einer Kuh des Kleinbesitzers Sprinkmann In der Gartengemeinde Hannovers fand sich an der rechten Seite im Bereiche der Querfortsiltze der Lendenwirbel eine kopfgrosse Geschwulst.
In dem Glauben, es mit einem Absces zu thun zu haben, wurde ein Einstich in die Geschwulst gemacht, worauf auch normaler Eiter in grosser Menge abfloss. Die Stichöffnung wurde darauf unter stetem Vorquellen normalen Eiters nach und nach in dem Grade vergrössert, dass eine Untersuchung mit der Hand ausgeführt werden konnte. Hierbei ergab sich, dass die Abscesshohle von dem ungefähren Umfange eines Fünf-litermasses war und sich bis über die Mitte der Wirbelsäule nach links erstreckte.
Die Heilung dieses bedeutenden Abscesses erfolgte unter Abhaltung der Luft und Berieselungen mit Karbolwasser in der Zeit von einigen Wochen.
LUlimuug des Spcichciiiicrven. Jahresbericht der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover pro 1871, Diese Lähmung kommt beim Rinde jedenfalls sehr selten vor, und deshalb gelangt der nachfolgende Fall zur Mitteilung.
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Der betreffende Schenkel der fraglichen Kuh, die als lahm angemeldet worden war, wurde in der Ruhe ganz so gehalten wie der gesunde, bei der Bewegung in leicht gebeugtem Zustande, mit der Zehe auf dem Boden schleifend nicht normal weit vorgeführt und knickte bei der Belastung so stark zusammen, dass das Tier die Last möglichst rasch auf den gesunden Schenkel übertragen musste. Ein entzündlicher Prozess war nirgends am Schenkel nachzuweisen, und auf angebrachte Nadelstiche trat in dem Verbreitungsbezirke des Speichennerven eine sehr schwache Reaktion ein, während diese an den anderen Stellen des Schenkels normal war.
Die Diagnose konnte eine Schwierigkeit um so weniger bereiten, weil sich für die Erkennung der Muskellahmheiten und -Lähmungen die sichersten Grundlagen in der Günther'schen Myologie finden.
Der Verlauf war ein sehr günstiger; in vierzehn Tagen erfolgte ohne alles Zuthun volle Ausgleichung.
Über die Ursache konnte loh nichts Sicheres ermitteln.
Dislokation des dreiküpfl^cu Muskels. Jahrosbericht der Königlichen Tierarzneiscliule ZU Hannover pro 1874.
Der in Frage stehende Muskel wird sonst „ilusserer Kreuz-Sitzbein-Muskelquot; genannt. Es handelt sich hier aber nicht um den ganzen Muskel, sondern nur um die vordere, resp. obere Abteilung desselben, welche an den Dornfortsätzen der letzten drei Kreuzwirbel und den Querfortsätzen der ersten zwei bis drei Schwanzwirbel ent­springt und frei über den Trochanter abwärts geht etc. Wenn diese Muskelabteilung sich am vorderen Rande löst, so tritt die hier in Frage stehende Dislokation auf.
Krankheitserscheinungen. Der Muskel springt während des Gehens beim Zurückbleibeu des Schenkels hinter den Trochanter und beim Vorwärtsbringen des Schenkels in seine normale Lage zu­rück. Bei dem Hin- und Herspringen des Muskels hört man, wenn man das Ohr in die geeignete Nähe des Tieres bringt, ein eigentüm­liches Geräusch, und fühlt man in der aufliegenden Hand eine Er­schütterung. Der Muskel kann aber auch hinter dem Trochanter haken bleiben, dann hält das Tier den Schenkel rückwärts gestreckt und bringt denselben, wenn stark angetrieben wird, nur mit Mühe und zwar in der Weise, dass die vorderen Flächen der Klauen auf der Erde schleifen, nur wenig vorwärts.
Verlauf. Wenn keine Behandlung eingeleitet wird, so kann auch keine Heilung eintreten. Mit der Zeit aber tritt niemals eine Ver­schlechterung, viel eher eine Besserung in der Bewegung des Schen­kels ein.quot;
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Diagnose. Die Erscheinungen sind so cliarakteristiseh, class eine Venvechslung mit irgend einer anderen Krankheit absolut unmög­lich ist.
Ursachen. Hering sagt, dnss hei den mageren Kühen mit spitzem Hinterteil und abhängigem Kreuz, wenig vorstehender Gelenkpfanne, aber hohem Trochanter eine besondere Neigung zu dieser Dislokation bestehe. Ich habe meine Patienten immer bei Tieren der Niederungs­rasse, hei welchen die vorhin bemerkten Verhältnisse sich so un­gefähr linden, gehabt; jedoch habe ich in den ersten sechzehn Jahren meiner praktischen Thätigkeit niemals, später nur viermal diese Ab­normität gescheu. Hering sagt aber auch, dass das Übel in den ge­birgigen (Jegenden häutiger vorkomme. Da nun die Gebirgsrinder kein schlissiges, sondern ein rückwärts aufsteigendes Kreuz besitzen, so scheint mir, dass in den Angaben Herings ein Widerspruch liegt. Die Lösung des Muskels am vorderen Rande kann beim Ausgleiten des Tieres eintreten.
Prognose. Diese ist günstig. Milch- und Mastrinder, die an dieser Abnormität leiden, verwerten das Futter auf dem Stalle, wie auch auf der Weide ganz normal. Ob Arbeitstiere operiert werden müssen, mit anderen Worten, ob mit dieser Krankheit behaftete Tiere hei der Arbeit normal leistungsfähig sind, weiss ich nicht. Die Ope­ration wird nicht nur als leicht ausführbar, sondern auch als absolut ungefährlich bezeichnet.
Behandlung. Ks kann sich nur um die Operation handeln, und da mir niemals Gelegenheit geboten worden ist, diese zu vollziehen, führe ich die Beschreibung unseres Altmeisters Hering an. Derselbe sagt in seiner Operationslehre, 2. Auflage, Seite 308 folgendes: „Die Operation besteht in dem Durchschneiden der gespannten Muskel­partie; sie wird entweder am stehenden oder liegenden Tiere vor­genommen ; im ersten Falle zieht man den gesunden Fuss etwas vor­wärts, der Operateur stellt sich an der kranken Seite etwas nach vorne und schneidet etwa zwei Zoll unter und vor dem Trochanter die Haut anderthalb Zoll lang, in der Kichtung des gespannten Muskels — beinahe senkrecht — durch; hierauf trennt man mit dem Finger oder Skalpelheft die Haut vom vorderen Rande des Muskels, ebenso die Verbindung desselben mit der Schenkelaponeurose, hebt den Muskel in die Höhe und führt zuerst eine Hohlsonde, dann ein kon­vexes Bistouri unter denselben, dessen Scheide man sofort nach aussen und abwärts richtet und den Muskel in dieser Richtung in einer ziemlichen Ausdehnung durchschneidet. Hierauf untersucht man teils
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mit dem Finger, teils durch Bewegungen mit dem Schenkel, ob der Muskel Linreichend abgeschnitten ist, und vervollständigt im finderen Falle die Operation durch weitere Schnitte. Eine weniger empfehlens­werte Methode besteht darin, ein krummes Bistouri unter den mit dem Finger losgetrennten Muskel zu sebieben und dann das Tier einige Schritte vorwärts zu treiben, wodurch der Muskel gleichsam von selbst abgeschnitten werden soll.quot;
1.nbsp; nbsp;Der Muskel sprang bei dem Herumtreten im Stalle, sowie bei der Bewegung mitunter hinter den Trochanter und darauf sofort wieder zurück ; niemals blieb derselbe hinter dem Trochanter sitzen, und mitunter musste man das Tier zweihundert Schritt bewegen, ehe die Erscheinung auftrat.
2.nbsp; Der Muskel sprang bei der Bewegung sofort hinter den Trochanter und gewöhnlich auch sofort wieder zurück; derselbe blieb aber ausnahms­weise hinter dem Trochanter festsitzen, und dann hielt das Tier den Schenkel rückwärts gestreckt.
3.nbsp; Die fragliche Abnormität bestand erst auf einem, ein Jahr später auf beiden Hinterschenkeln. Das Tier wurde, wenigstens solange die zu verschiedenen Zeiten vorgenommene Besichtigung dauerte, in der Bewegung niemals geniert: der Muskel hakte niemals hinter dem Trochanter fest.
4.nbsp; nbsp;Das Tier, angemeldet mit dem Vorbericht, dass es am „Rammquot; leide, konnte lange Zeit in ganz normaler Weise gehen, blieb dann aber plötzlich mit rückwärts gestrecktem Schenkel stehen. Die darauf folgende Untersuchung ergab auf das bestimmteste, dass der Muskel hinter dem Trochanter festsass. Vier Monate später hakte der Muskel niemals mehr fest, sondern glitt bei der Bewegung des Tieres immer ganz frei hin und her.
Eine Behandlung ist in keinem Falle gestattet worden, weil die Tiere das Futter gut verwerteten.
Komplette Luxation des Hilftg'elcnks.
Jaliresbcncht der Königlichen Tierarzneischnlo zu Hannover pro 1870.
Diese so häufig beim Rinde vorkommende Krankheit war mir heim Eintritt in die Praxis absolut unbekannt. loh wurde aber im zweiten Jahre meiner praktischen Thätigkcit von einem sehr liebens­würdigen Manne, der vor meiner Niederlassung mitunter tierärztlicbe Hilfe zu leisten versucht hatte, auf selbige in einer Weise, die mich nicht verletzen konnte, aufmerksam gemacht. Seit dieser Zeit habe ich die komplette Luxation des Hüftgelenks sehr häufig beobachtet, auch schon vor neunzehn Jahren, und zwar derart beschrieben, dass ich dem damals Gesagten nichts Wesentliches zufügen kann.
Die anatomische Verbindung des Oberschenkels mit dem Becken ist nach der Tierart eine etwas verschiedene. Bei dem Pferde ist
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die Pfanne tief ausgehöhlt, und dem entsprechend ist der Kopf des Oberschenkelbeins gebildet; das runde Band ist stark und wird durch die Endsehne des geraden Bauchmuskels unterstützt. Bei dem Rinde dagegen ist die Pfanne flach, der Kopf des Oberschenkelbeines scharf abgesetzt, dessen Hals lang, das runde Band verliältnismässig schwach und erhält von dem geraden Bauchmuskel keine Verstärkung. Es ist daher diese Verbindung bei dem Kinde viel schwächer als bei dem Pferde, und deshalb kommen diese Eäsionen viel häufiger bei dem ersteren als bei dem letzteren Tiere vor. Während ich bei dem Pferde diesen Krankheitszustand bis auf den heutigen Tag erst ein­mal sah, beobachtete ich, wie schon bemerkt, denselben beim Kinde sehr häufig.
Bei allen Patienten dieser Art habe ich nicht allein während des Lebens, sondern auch nach dem Tode im wesentlichen dieselben Erscheinungen gefunden, und schliesse deshalb auch meinerseits von vorherein jegliche Irrung aus. Den Beobachtungen und Angaben der Kollegen muss man jedoch stets volle Rechnung tragen, und ich räume daher auch gern ein, obgleich ich flir die nachfolgende Schilderung wohl eine allgemeine Gültigkeit beanspruchen darf, dass bei dieser Luxation die Verhältnisse einmal anders sein können, als ich sie in dem Nachfolgenden gebe.
Krankheitserschoinungen. Das Aufstehen ist erschwert, mitunter sehr bedeutend, und zwar namentlich dann, wenn das Tier auf dem kranken Schenkel liegt. Der Schenkel wird beim ruhigen Stehen vor- und mit der Zehe auswärts gerichtet gehalten. Der Gang des Tieres ist schwankend und dabei die Bewegung des Schenkels cha­rakteristisch; derselbe wird in einem nach auswärts gerichteten Bogen, mähend und schleudernd weit vorgeschoben, er knickt bei der Be­lastung stark zusammen, besonders dann, wenn man das Tier auf demselben wendet, und bleibt niemals hinter der senkrechten Linie zurück. Bei der Bewegung, bei der einfachen Beugung und Streckung, mehr noch bei der künstlich herbeigeführten nach auswärts gerichteten Seitenbewegung sieht mau sehr deutlich, dass die Verbindung dos Oberschenkelbeines mit dem Becken gelockert ist. Der — grosse — Umdrehet ragt stärker vor und liegt weiter nach ab- und rückwärts als an der gesunden Seite. Diese Erscheinung ist schon durch das Auge, sonst auch sehr bestimmt durch ein Messbaud festzustellen. Bei der Aufnahme dieses Symptomes muss man jedoch die Stellung des Tieres berücksichtigen; die Uinterschenkel müssen in gleicher Linie stehen. Bei einem Druck auf die Gelenkpartie, die in manchen
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Fällen eine entztlndliclie Schwellung zeigt, sowie bei der Bewegung, besonders bei der aus- und einwärts gerichteten Bewegung des Schenkels, äussern die Tiere Schmerzen, und zwar am stärksten dann, wenn eine bedeutendere Läsion des Knochens oder der das Gelenk begrenzenden Weichgebilde vorliegt. Bei der Bewegung des Schenkels sieht mau den — grossen — Umdreher stark vor- und rückwärts gleiten und hört dabei mitunter ein eigentümliches Geräusch. Legt man das Ohr auf das Gelenk und lässt dann den Schenkel vor- und rückwärts oder ein- und auswärts bewegen, so hört man ein knarrendes oder sägendes Geräusch; ähnlich im ersteren Falle dem Krepitationsgcräuscli, im letzteren Falle dem Geräusch, welches man mit dem Ohr, sogar mit dem Finger an einer unvollkommen zerrissenen, zerfaserten. Sehne wahrnehmen kann, wenn selbige an­gespannt wird.
In früheren Jahren habe ich solche Patienten regelmässig per vaginam et rectum untersucht, um festzustellen, ob auch der Kopf des Oberschenkelbeines im eirunden Loche liege; ich habe denselben jedoch hier niemals gefunden, so dass ich die Richtigkeit der Angaben, nach welchen dies stets oder auch nur häutig der Fall sein soll, be­streiten muss,
Leichenerscheinungen. Die Muskeln in der Umgebung des Gelenks sind gewöhnlich intakt, mitunter jedoch zerrissen, mit Blut unterlaufen und entzündet. Niemals sah ich eine eiterige oder brandige Zerstörung. Den Kopf des Oberschenkelbeines fand ich regelmässig in der Pfanne. Das runde Band war entweder
1.nbsp; in der Pfanne zum Teil oder ganz vom Knochen gelöst, oder
2.nbsp; in der Mitte oder mehr nach dem einen oder anderen Ende unvollkommen zerrissen, zerfasert, oder
3.nbsp; ungefithr in der Mitte oder in der nächsten Nähe der Band­grube des Oberschenkelbeins vollständig zerrissen.
Die knorpelige Bekleidung des Gelenkkopfes des Oberschenkel­beins ist an einer ziemlich scharf begrenzten, ca. fünfgroschengrossen Stelle angerieben oder ganz weggerieben, so dass in dem letzteren Falle der Knochen hier frei vorliegt und blutrünstig erscheint. Der hintere äussere Teil des Pfaunenrandes ist ebenfalls angerieben, mit­unter auch nur schwach, zuweilen jedoch in ziemlich beträchtlichein Grade. — Wenn man diese beiden Verletzungen mit der beschriebenen Lage des — grossen — Umdrehers während des Lebens zusammeu-hült, so ist man unbedingt zu dem Schlnss berechtigt, dass in den von mir beobachteten Fällen der Gelenkkopf des Oberschenkelbeins
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vor dem Tode des Tieres auf dem Liuteren, äusseren Teile des Pfannenraudes geruht hat, und dass derselbe erst In der Agonie oder nach dem Eintritt des Todes in die Pfanne zurückgetreten ist.
Tiere, die monatelang an dieser Kranklicit gelitten hatten, habe ich nie seziert.
Verlauf. Es sei zunächst bemerkt, dass in keinem der von mir beobachteten Fälle Heilung, wohl aber zuweilen eine Besserung in dem Gehrauche des Schenkels eingetreten ist. Im günstigsten Falle nimmt nach und nach die Lahmheit ab, wobei aber gewöhnlich Atrophie in den Muskeln des Schenkels eintritt. Werden solche Tiere im Stalle gehalten, so kann eine recht gute Produktion von Stoffen, von Fleisch und Milch, stattfinden, womit aber durchaus nicht be­hauptet werden soll, dass sie das Futter gut verwerten. Leben die mit dieser Luxation behafteten Tiere auf der Weide, dann ist die Verwertung des Futters der Regel nach eine schlechte, und um so mehr, wenn sie auf derselben täglich grössere Strecken zurücklegen müssen. Es ereignet sich aber auch mitunter, dass solche Tiere zum Festliegen kommen, und dann wohl, wenn sie nicht zeitig geschlachtet, krepieren würden.
Ursachen. Auf Befragen ist mir darüber von den Besitzern mit­geteilt worden, dass die Tiere beim Aufstehen oder bei dem Be­gattungsakte, unter dem Bullen, ausgeglitten seien.
Behandlung. Schon seit reichlich 20 Jahren thue ich nichts gegen diese Krankheit, gebe aber in jedem Falle eine bestimmte Prognose ab, so dass der Besitzer sofort orientiert ist, um in einer ihm zusagenden Weise Verfügungen treffen zu können.
lukompletto Luxation des Iliiftg'eleiiks.
Jahresbericht der Königlichen Tierarzneischule zu Hannover pro 187lt;,)/sgt;0.
Dieses in der speziellen Litteratur noch ganz unbekannte Leiden habe ich in Hannover fast in jedem Jahre mehrfach beobachtet.
Krankheitserscheinungen. Die Tiere gehen in verschiedenem, meistens jedoch in ziemlich bedeutendem Grade lahm. Der kranke Schenkel wird im Stande der Kühe nicht normal belastet und während des Gehens in ungleicher Weise, also regellos, bewegt. Der Trochanter ragt stärker vor als unter normalen Verhältnissen, ist aber nicht disloziert. Zwischen dem Trochanter und dem Sitzbeinhöcker fand ich einmal eine schmerzlose, fluktuierende Geschwulst, aus welcher auf gemachten Einstich eine klare, gelbliche Flüssigkeit zum Vor-
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schein kam. — Diose Em'lieimuig habe ich bei der kompletten Luxation des Hüftgelenks, wo man sie nach den Auffassungen der Mensehenärzte stets erwarten sollte, niemals gefunden. — Bei der vor- und rückwärts, sowie aus- und einwärts gerichteten Bewegung des Schenkels im Pfannengelenk äussert das Tier Schmerzen und konstatiert das aufliegende Ohr mitunter ein leichtes Reibegeräusch.
Leichenersoheinungen. Man findet stets eine partielle Lösung des runden Bandes aus der Bandgrube der Pfanne. Das Band er­scheint am Pfannenrande — auch bei abgebluteten Tieren — allent­halben rot, in der gelösten Partie ausserdem zunächst gewulstet, später sogar mit Granulation bedeckt. Die Stelle der Bandgrube, WO die Ausreissung des Bandes erfolgt ist, erscheint in den ersten Tagen blutig, ist später aber ebenfalls mit Granulation bedeckt, Der Kopf des Oberschenkelbeines ist an einer Stelle rauh und gelblich. Untersucht man den Knorpel von dieser Stelle mikroskopisch, so findet man denselben faserig zerfallen und verfettet. Einmal fand ich — s. o. — die Gelenkkapsel rupturiert und Synovia zwischen dem Troehanter und Sitzbeinhöcker. In einem anderen Falle, in welchem die Krankheit ein halbes Jahr bestanden hatte, erschienen die in näohster Nähe des Gelenkes liegenden Muskeln auf dem Querschnitt marmoriert.
Verlauf. Dieser ist in der Regel kein günstiger. Die meisten derjenigen Klihe, hei welchen ich diese Lahmheit diagnosiert habe, sind lahm geblieben, resp. geschlachtet worden. Dabei muss noch ganz besonders berücksichtigt werden, dass in allen den Fällen, in welchen Heilung eingetreten ist, die Diagnose nicht durch die Sektion kontrolliert worden ist.
Diagnose. Diese ist niemals mit absoluter Sicherheit, wohl aber mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu stellen. Selbige stützt, sich zum Teil auf den negativen Befund an den übrigen Teilen des Schenkels, sowie auf die Thatsache, dass diese Lahmheit ver-hältnismässig häufig vorkommt, grösstenteils auf die wesentlichsten Erscheinungen. Zu diesen gehören: 1. Die regellose Bewegung des Schenkels. Diesew Symptom ist immer vorhanden, aber sogar von dem geübten Auge nicht immer leicht zu konstatieren. Die Ursache der regellosen Bewegung liegt in der weniger innigen Verbindung des Überschenkelbeins mit dem Becken. 2. Das Krepitationsgeräusch. Dieses ist leider nicht immer vorhanden und wird ausserdem sehr leicht durch ein an einer anderen Stelle stattfindendes Geräusch vor­getäuscht. Bei der Auskultation des Gelenks und bei der Deutung
Harms, Kiiulvioliheilkundu.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;II)
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des Gehörten muss mau sehr vorsichtig sein. 3. Das stärkere Vor­liegen des Trochanters. Dieses Symptom darf aber mir dann ver­wertet werden, wenn es bei gleichmässiger Stellung, d. h. bei normaler Belastung des betrert'enden Schenkels aut'geuommen worden ist.
Ursachen. Die partielle Lösung des runden Bandes in der Band-grube der Pfanne ist selbstverständlich auf eine zu starke Anspannung desselben zurliekzuflihren. Diese kann zu jeder Zeit, beim Weide­gang namentlich während des Kinderns eintreten.
Behandlung. Die sofortige Verwertung des Tieres auf der Schlacht­bank ist in manchen Fällen das beste. Soll ein Heilversucb gemaclit werden, so muss man das Tier in solche Verhältnisse bringen, dass es möglichst wenig Veranlassung findet, den kranken Schenkel zu bewegen. Auf der Weide lebende Hinder nimmt mau während der Brunst am liebsten auf den Stall. Eine arzneiliclie Behandlung kann auch hier natürlich nicht in Frage kommen.
Vislokatioii der KnicscheiUe.
Jahresbericht der Königlichen TierarzneiBohttle zu Hannover pro 1874.
Als Dislokation der Kniescheibe, Verrenkung der Kniescheibe, Kamm etc. bezeichnet mau diejenige Abnormität, bei welcher die Kniescheibe aus ihrer Lage herausgetreten ist und in der abnormen Lage festgehalten wird, so dass jegliche Bewegung im Kniegelenke ausgeschlossen und der ganze Schenkel damit festgestellt ist.
Die Erscheinungen dieser Abnormität sind charakteristisch und in den betrett'enden Handbüchern auch genau angegeben. Eine Ver­kennung derselben ist absolut unmöglich. Über die Stellen aber, an welchen die Kniescheibe festsitzen bleiben kann, dürften präzisere Angaben im allgemeinen erwünscht, aber nur durch Sektionen und Versuche zu gewinnen sein.
Da ich nun niemals Gelegenheit gehabt habe, ein solches Tier zu sezieren, und die von mir am lebenden Tier angestellten Versuche nicht gelungen sind, will ich keine allgemeine Beschreibung dieser Abnormität geben, sondern mich auf die Mitteilung des letzten Falles beschränken.
Der Gärtner auf dem Engensohder Kirchhof bei Hannover berichtete eines Tages, dass eine seiner Kühe mitunter plötzlich den rechten Hinter-fUSS rückwärts gestreckt halte und dann nicht im stände sei, sich von der Stelle ZU bewegen, dass das Tier sogar zuweilen während des Liegens den Schenkel rückwärts gestreckt halte und sich dann nicht vom Lager erheben könne.
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Bei der näheren Untersuchung fand sieh folgendes: Das Tier belastete den kranken Schenkel im Stande der Ruhe in ganz normaler Weise, zeigte bei der Bewegung zuerst nichts Auffälliges, stand aber nach einigen Schritten plötzlich still und hielt den rechten Hinterschenkel rückwärts gestreckt. Infolge starken Antreibens marschievte das Tier vorwärts mit hüpfender Bewegung des Hinterteils, wobei das rechte Hinterbein in der Weise nachgeschleppt wurde, dass die vordere Fläche des Fesselbeins stets den Erdboden berührte. Die Kniescheibe war ab- und aus­wärts geglitten, s a s s hier fest, glitt aber, sobald man einen auf- und einwärts gerichteten Druck auf dieselbe ausübte, in ihre normale Lage zurück. Ebenso konnte man d ie Kniescheibe aber auch, wenn der Schenkel etwas vorgestellt oder weniger belastet war, mit leichter Mühe in ihre abnorme Lage zurückbringen.
(Uiutlier hat zu ineiuer, in dem Jahresbericht pro 1874 vor-liiuuloucii Mitteilung einen kleinen, mir absolut uuverstämllielien Zusatz geliefert. Sollte Günther darin vielleicht ausdrücken wollen, dass meine Angaben auf falscher Beobachtung und Untersuchung beruhen,
so nilisste ich dagegen protestieren.
Ruptur der geraden Kcheiikeliiniskelu.
Jahresbericht der Küniglichen Tiorarzneiscluile 7,u Ilannovor pro |s7l.
Hierüber kann icli nur berichten, was ich in einem Falle ge­sehen habe.
Krankheit ersehe in ungen. Der Schenkel wurde in einem wenig gebeugten Zustande, also steif, und mühsam vorwärts bewegt, bis er senkrecht unter dem Körper stand, knickte bei der dann folgenden Belastung stark zusammen und wurde darauf schnell entlastet. Diese ganze Bewegung, deren Eigentümlichkeit ich nicht so genau beschreiben kann, machte sofort auf mich den Eindruck, dass das Tier die Last auf dem kranken Schenkel zum Teil nicht tragen könne, zum Teil, vor­handener Schmerzen halber, nicht tragen wolle. Die ganze Partie der geraden Schenkelmuskeln war geschwollen, und der Umdreher lang an dieser Seite 4 cm weiter nach vorn als an der gesunden Seite. — Hierauf legte ich zum Unterschied von der kompletten Luxation des Hüftgelenks ein besonderes Gewicht. — Beim Druck auf die geschwollene Partie, sowie bei der abwechselnden Streckung und Beugung des Schenkels traten Schmerzensäussenmgen auf, und ausserdem bei der letzten Manipulation ein knarrendes Geräusch, welches ich sehr deutlich vernahm, wenn ich das Ohr an die entsprechende Stelle anlegte.
Der Verlauf dieser Euptur, über deren Entstehung ich nichts Be­stimmtes ermitteln konnte, wäre voraussichtlich bei voller Ruhe ein günstiger gewesen; dessenungeachtet aber wurde das Tier, weil es in hohem Grade an der Fchinokokkenkrankheit litt, geschlachtet.
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Bei der um fünften Tage nach (ler Entstehnug der Krankheit vor-grenommenen Sektion fanden sich die geraden Schenkelinnskeln — Knie-scheibeiiniuskeln — an mehreren Stellen zerrissen, stark infiltriert und mit Elutgerinnseln durchsetzt.
Eut/iiiulung des Kiiicgelenksraquo;
Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin und vergleichende Pathologie, Band 14.
Die Butzttuduug des Kniegelenks ist eine selten vorkommende, durcli die Litteratur nur wenig bekannte Krankheit.
Krankheitsersoheinungen. Das Tier liegt viel, stellt ungern auf und geht auf dem kranken Schenkel bis zu dem Grade lalim, dass es denselben heim Stellen und Geben gar nicht mehr verwendet. Die ganze Gelenkpartic ist in bedeutendem Grade geschwollen, ver­meint warm und, wie beim leichten Druck zu konstatieren, sehr scbmerzliaft. i'gt;ei der Auskultation des Gelenkes während der Be­wegung des Schenkels vernimmt man ein eigentUmlicIies Geräusch.
Leichenerscheinungen. Ich habe nur ganz frische Fälle unter­sucht und in diesen folgenden Befund aufgenommen: Bei Abnahme der Haut an den affizierten Stellen fliesst eine klare, gelbliche Flüssigkeit in Form von Tropfen und Strähnen ab; die sämtlichen, das Gelenk zunächst umgebenden AVeichteile sind mit derselben Flüssigkeit sehr stark durchtränkt. Beim Eröft'uen des Gelenks kommt eine sehr klebrige, rötlicbe, etwas trübe Flüssigkeit /Aim Vor­schein, die bis zur Quantität von 30 Gramm aufgenommen worden ist. Die Gelenkkapsel ist an der inneren Fläche mit einer Fibrin­platte belegt, erscheint nach dem Abheben dieser Platte rauh, vasku-larisiert und mit kleinen Ekohymosen besetzt. Die Plicae vasculosae erscheinen dunkelrot. — An Knochen und Knorpel babe ich nichts Abnormes gefunden.
Verlauf. Nur folgendes habe ich erfahren. Vollständige Aus-gleicluing ist schwer zu erreichen; wird auch die Akuität der Knink-lieit nach und nach gebrochen, so hält es doch schwer, die letzten Reste derselben zu beseitigen. Deshalb habe ich auch fette Tiere, die mit dieser Krankheit behaftet waren, sofort schlachten lassen.
Diagnose. Diese ist nicht mit absoluter Sicherheit, wohl aber mit an Gewissheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu stellen. Wenn die vorhin bemerkten Erscheinungen vorliegen, so ist man berechtigt, das Vorhandenseüi der in Frage stehenden Krankheit anzunehmen. Man muss dabei allerdings der Tbatsaclie eingedenk sein, dass bei
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einem Bruch der Geleukendeii der betreffenden Knochen Ähnliche Erscheinungen sich zeigen.
Ursachen. Mir unbekannt
Prognose. Diese muss luich jeder Richtung; mit Reserve gestellt worden.
Behandlung. Soll eine Behandlung eingeleitet werden, so trage man dem in der Chirurgie geltenden Gesetze: „Ruhe dem leidenden Teilequot;, vollste Rechnung und erzeuge eine recht intensive Hautent­zündung. Je heftiger die etablierte Hautentzündung ist, um so leichter tritt unter sonst gleichen Verhältnissen ein günstiger Ausgang ein. Das Reizmittel wird an der vorderen und äusseron Fläche, jedoch ziemlich weit über die Grenzen des Entzündungsherdes hinaus appli-ziert. Könnte man das Gelenk in Eis einpacken, wie es die Mensehenärzte bei dieser Krankheit des Menschen tliun, so würden auch wir ungleich bessere Resultate erzielen,
Spnniyycl cn kciitzii ml im laquo;'. JahreBbericht der Königlichen Tiorarzneischule zu Hannover pro 1872.
Der nachfolgende Fall gelangt nur deshalb zur Mitteilung, weil in demselben ein unbeweglicher Verband mit —• wenigstens an­scheinend — ausserordentlich schönem Erfolg benutzt worden ist.
Der unbewegliche Verband, welcher in der Menschenheilkunde schon seit langer Zeit nicht allein bei KnochenbrCichen, sondern eben­falls bei anderen Leiden, namentlich bei Gelenkkrankheiten, mit brillantem Erfolg benutzt wird, ist in der Tierbeilkunde bis jetzt nur bei Knochenbriichcn angewendet worden. Es ist auch zuweilen schwierig oder gar nicht ausführbar, die freiliegenden Gelenke — die nicht freiliegenden Gelenke kommen gar nicht in Betracht — der Schenkel bei unseren grosseu Haustieren festzustellen; die Erfolge jedoch, welche die Mensehenärzte durch diesen Verband erzielen, sind derart, dass wir zu ermitteln suchen müssen, wo dies möglich und praktisch richtig ist.
Am 18. Februar 1872 wurde von dorn Gartenmann Steinwedel an der Grosse Barliuge 20 eine Kuh vorgeführt, bei welcher ich am Sprung­gelenk des rechten Hinterschenkels „Arthritis purulentaquot; diagnoderte, Die Arthritis purulenta und serosa, die beide beim Rinde ab und zu von mir beobachtet und behandelt worden sind, zeigen in ihren EDrschelnungen nur graduelle Verschiedenheiten, und deshalb ist es auch von vornherein nicht immer möglich, festzustellen, ob die eine oder andere Form vorliegt. in dein vorliegenden Falle war der Schmerz aber so bedeutend, dass Ich mich zur Diagnose Arthritis purulenta berechtigt hielt.
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Durch den als Praktikant fungierenden Herrn Thölke wurde am anderen Tage ein Gripsverband so angelegt, dass das Sprunggelenk nach-lier unbeweglich feststand, Die Kuh war durch diesen Verband in ihren Bewegungen nur wenig geniert; sie legte sich nieder und stand wieder auf, ohne besondere Anstrengungen machen zu müssen. Als nach Ablauf von zwei Tagen der Verband etwas locker geworden war, wurde Gipsbrei, der etwas Altheepulver enthielt, hinter denselben gegossen. — Ein mit 20/0 Altheepulver versetzter Gips erhärtet langsam, wird aber sehr hart und widerstandsfähig. —
Nach Ablauf von vierzehn Tagen ging die Kuh bedeutend besser. Der Verband wurde erneuert.
Am 12. Milrz war das Tier allerdings nocli lahm, jedoch in so geringem Grade, dass ein Durchbruch nicht mehr zu befürchten war. Der Verband wurde entfernt und eine leichte Einreibung verordnet. Ende März war vollständige Heilung erreicht.
Als das Tier ca. neun Monate später an der traumatischen Magen-Zwerchfellentzündung erkrankte und aus diesem Grunde geschlachtet wurde, fand sich bei der Sektion der Knorpel des betreffenden Sprunggelenks gelb.
Panaritiuni,
Deutsche Zeitschrift für Tiermedizin und vergleichende Pathologie, Band 1. Beiträge zur Histologie der Hautdrüsen etc. Schmorl und v. Seefeld, Han­nover. Jahresbericht der Königlichen Tierarzneisehule zu Hannover pro 1870, 1875 und 1876/77.
Das Panaritium ist eine Entzündung der Weicbteile des unteren Fassendes, welche verschieden tief eindringt und beim natUiiichen Verlauf unbedingt zur Nckrose führt. Das Panaritium gehört, obgleich der örtliche Prozess von geringem Umfange ist, zu den scblimmsten Fusskrankheiten, weil es des langsamen Verlaufes und des die höheren Grade begleitenden Fiebers wegen eine schlechte Verwertung des Futters bedingt, und ausserdem zuweilen, was jedoch nur beim Arbeits­vieh von besonderer Bedeutung ist, zur Verkrlippelung des Fusses führt.
Das Wesen des Panaritiums besteht, wie schon bemerkt, in einer Entzündung. Diese Entzündung zeigt jedoch das Eigentümliche, dass sie direkt zur Nekrose und Verjauchung, erst in zweiter Linie zur Eiterung führt. Wodurch der Eintritt der Nekrose in diesem Falle bedingt ist, lässt sich nicht mit Bestimmtheit angeben; mau wird jedoch unwillkürlicli an den Furunkel des Menschen, ganz besonders auch an die Diphtherie erinnert. Das Gewebe, in welchem das Pana­ritium beim Binde seinen Sitz hat, ist sehr derb, also nicht leicht ausdehnbar. Treten nun unter dem zur Zeit erhöhten Blutdruck neben dem Blutplasma lymptoide Zellen in grösserer, resp. grosser Zahl aus den Gelassen hinaus, so nimmt die Spannung des Gewebes noch
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bedeutend zu, die Venen werden komprimiert, das Blut stagniert, die Eriiäliruiig sistiert und das Gewebe mortifiziert. Das die höheren Grade des Panaritiums begleitende Fieber wird, ähnlich wie in jedem anderen Falle, durch Übertritt phlogogener Stoft'e ins Blut hervor­gerufen und steht regelmässig insofern in einem bestimmten Verhältnis zum örtlichen Prozess, als aus der Höhe des Fiebers auf die Bedeu­tung des Örtlichen Prozesses geschlossen werden kann.
Die Erkennung des Pauaritiums kann für den Praktiker niemals besondere Schwierigkeiten haben. Sollte man vielleicht einmal in Zweifel sein, ob die vorliegende Krankheit das Panaritiuin oder eine weniger unangenehme Krankheit sei, so muss man schon der Prognose wegen der fllr alle Fälle praktischen Kegel folgen, die schlimmere Krankheit anzunehmen, was in diesem Falle um so mehr geschehen darf, als die von mir gegen das Panaritium empfohlene ßehandiung bei den Krankheiten, die mit demselben verwechselt werden können, niemals schadet.
Die Ursachen des Panaritiums sind mir unbekannt. In diesem Sinne habe ich mich häufig ausgesprochen und so vielleicht den Ver­dacht erregt, die Ursachen der Krankheiten seien mir gleichgültig. Das ist aber durchaus nicht der Fall. Ich suche stets die Ursachen zu erforschen, und habe deshalb auch jedesmal, wenn ich vor dem Eintritt der Mortifikation des Gewebes den kranken Teil besehen konnte, diesen ganz genau auf das Vorhandensein von Wunden unter­sucht, solche aber niemals gefunden. Man könnte glauben, dass eine Quetschung oder eine Infektion die Ursache sei, dagegen spricht aber die Thatsache, dass das Panaritium von ganz bestimmten Punkten häufig, von anderen, unter gleichen Verhältnissen stehenden Stellen niemals ausgeht. Mechanische Insulte irgend welcher Art kann ich zur Zeit ebensowenig wie eine Infektion als Ursache des Panari­tiums annehmen. Die veranlassende Ursache ist mir also, wie auch schon oben bemerkt, vollständig unbekannt. Eine Prädisposition zum Panaritium glaube ich in der grossen Derbheit und mangelhaften Einölnng der betreffenden Weichfeile annehmen zu dürfen. Denn diese Krankheit tritt
1.nbsp; nbsp;nur an ganz bestimmten Stellen des Fusses auf,
2.nbsp; nbsp;auf der Weide in trockenen Sommern in einigen Herden in dem Umfange, dass 5 — 10 0/0 aller Rinder daran leiden, und
3.nbsp; nbsp;auf dem Stalle namentlich dann auf, wenn die Tiere fort­während in der Mistjauche stehen.
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Prognose. Diese ist im ailgenieiiieii günstig-, wenn Zeit genug zur Verfügung gestellt wird.
Behandlung. Diese kann die augenselieiidichsten Erfolge liefern, wenn sie mit Energie und Vorsicht eingeleitet und durchgeführt wird.
Ich unterscheide das Zehen-, das Ballen- und Zwischenklauen-spalt-ranaritium.
Z e b e n - P a n a r i t i u m.
Als Zehen• Panai'itiuwi bezeichne ich die Entzündung oben be­zeichneten Charakters, welche am Elaueuwiukel ihren Bitz hat.
Krankheitserscheinungen. Die bemerkte Stelle zeigt die Er-sohelnungeu der Entzündung, unter welchen der Schmerz priivaliert, und befindet sich später im Zustande der Verjauchung. Nur für dies letztere Stadium passt die Mezcichnung „Zehengeschwür.quot;
Verlauf. Dieser ist ein sehr verschiedener, und deshalb habe ich hei meiuen klinischen Demonstrationen drei verschiedene Grade aufgestellt. Die Aufstellung verschiedener Grade ist, obgleich, wie ich besonders hervorhebe, Übergänge und Komplikationen vorkommen, für die Praxis, ganz besonders für die Stellung der Prognose, von Bedeutung.
Diagnose. Weiss man nur, dass diese Krankheit vorkommt, so ist dieselbe stets leicht erkannt.
Behandlung. Diese wird bei Jedem einzelnen Grade hervor­gehoben werden; bier muss ich selbige aber, um Wiederholungen zu vermeiden, im allgemeinen besprechen.
Den ersten Fall von Zehen-l'anaritium behandelte ich 1854, bald nach bestandener Staatsprüfung, bei einem Jütoohsen des Hofbesitzers Jürgen Jebe in Oldenswort, und zwar mit einer scharfen Einreibung! Indem sich liieniach die Lahmheit verschlimmerte, nahm der Besitzer die Durohsohneidung der Haut am Klauenwinkel aus eigenem Antrieb vor, worauf Besserung und bald Heilung eintrat.
In den folgenden Fällen benutzte ich feuchte Wärme. Diese macht das Gewebe etwas lockerer, befördert die Zirkulation des Blutes, lindert die Schmerzen, beschleunigt die Abstossung der morti-lizierten Massen, und kann so den Verlauf abkürzen. Will man die feuchte Wärme verwenden, so kann dies in Form von Ballungen oder eines Umschlages geschehen. Wo man, wie in diesem Falle, den Umschlag so bequem anbringen kann, ist es praktisch richtig, von dem Gebniuch der Ballungen abzusehen, weil selbige selten in ge-uttgeuder Weise durchgeführt werden. Zum Verband kann man alle
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bekannten Verbaudmittel gebrauchen; ich habe für gewöhnlich einen einfachen Hedeverband benutzt, den ich mit warmem Wasser an­feuchten Hess.
Später habe ich, weil die durch die vorstehende Behandlung er­zielten Resultate mich nicht befriedigten, indem stets Mortiiikation eintrat, eine kurze Zeit Kälte und Wärme in folgender Weise ab­wechselnd benutzt. Ich Hess, nachdem ich einen lledeverbaud an­gelegt hatte, denselben stündlich his zweistündlich mit kaltem Wasser begiessen. Durch die abwechselnde Schrumpfung und Lockerung des Gewebes hoffte ich, die Zirkulation des Blutes mehr als durch die kon­tinuierliche Einwirkung der feuchten Wärme befördern und so derMorti-fikation des Gewebes vorbeugen zu können. Die Erfolge entsprachou den Erwartungen aber nicht.
Deshalb habe ich auch diese Behandlungsmethode verlassen, und darauf von der Kälte in nachdrücklichster Weise Gebrauch gemacht. Aber auch diese Methode habe ich aufgegeben.
In besonderen Fällen, welche ich später speziell anfahren werde, benutze ich die feuchte Wärme.
Indem ich der Ansicht, dass eine allgemeine Orientierung für den Praktiker genügend sei, nicht beipflichten kann, vielmehr der IVIeinung bin, dass man erst dann ein guter Praktiker ist, wenn einem das Spezielle bekannt ist, kann ich nicht unterlassen, das Zehen-Panaritium in seinen graduellen Verschiedenheiten einer weiteren Besprechung zu unterziehen. Hat dieselbe in therapeutischer Be­ziehung auch nur einen geringen Wert, so hinsichtlich der Prognose einen recht hohen.
Erster Grad.
In allen hierher gehörenden Fällen beschränkt sich die beim na-türlicheu Verlauf eintretende Nekrose auf die Haut, sehr häufig auf den oberflächlichen Teil derselben.
Krankheitserseheimmgen. Die Tiere fressen, saufen und rumi-uieren in ziemlich normaler Weise, liegen jedenfalls etwas häufiger und anhaltender als sonst, belasten den kranken Schenkel nicht nor­mal und gehen auf demselben deutlich, aber in nicht sehr bedeutendem Grade lahm. Sind, was freilich sehr selten von mir konstatiert worden ist, beide Hinterschenkel affiziert, so trippeln die Tiere und gehen gespannt. Am vorderen Ende der Klauenspalte, am Klauen­winkel, findet sieh eine leichte und auslaufende Schwellung der
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Haut, die wohl vermehrt warm, besonders aber schmerzhaft ist und, wenn die Haut nicht pigmentiert ist, lebhaft rot erscheint.
Verlauf. Ist stets ein sehr günstiger. Nach ein paar Tagen wird die bezeichnete Hautstelle rissig; die gespaltenen Partien präsen­tieren sich in Form von unregelmässigen, meistens zottigen Hervor-ragungen, und zwischen denselben findet sich, besonders wenn die Haut in ganzer oder in ungefähr ganzer Dicke nekrotisiert ist, eine schmutzigbräunliche Zerfallsmasse. Die abgestorbenen Teile werden in kurzer Zeit abgestossen, es bildet sich eine gute Granulation, und darauf tritt bald Heilung ein.
Prognose. Diese ist in bezug auf Heilung stets günstig, selbst auch dann, wenn keine Behandlung eingeleitet wird. Jedoch wird schon bei diesem geringen Grade das Futter weniger gut verwertet, und deshalb empfiehlt es sich, durch ein sachgemässes Verfahren die Schmerzen zu lindern und den Verlauf zu beschleunigen.
Behandlung. Richtet sich nacli dem Stadium der Krankheit. Ist Mortifikation noch nicht eingetreten, so lasse ich, falls die Haut nur obertlächlich affiziert ist, feuchte Wärme anwenden, wenn aber an­genommen werden darf, dass die Haut in ganzer Dicke in Mitleiden­schaft gezogen ist, so spalte ich dieselbe, unterhalte die Blutung eine kurze Zeit und lege einen Teerverband derart au, dass die Klauen etwas auseinander stehen bleiben. Ist aber die Nekrose schon eingetreten, so verwende ich, wenn die Haut nicht in ganzer Dicke zerstört ist, ein leichtes Ätz- und austrocknendes Mittel — Cupr. sulf. und Rad. aethaeae aa q-s. —, falls dagegen die Haut in ganzer Dicke mortifiziert ist, nach dem Ausräumen und Reinigen des Geschwürs einen Teerverband. Auch in diesem Falle muss so viel Hede oder ähnliches Material zwischen die Klauen gebracht werden, dass selbige nach dem Anlegen der Binde auseinander stehen, damit die erkrankte Partie nicht durch den Verband belästigt wird.
Zweiter Grad.
Bei diesem Grade liegt eine heftige Entzündung der Weichtei'e vor, welche sich auf das Kapselband des einen oder beider Klauen-kronengelcnke erstreckt.
Krankheitserscheinungen. Die Tiere fiebern, liegen häufig und anhaltend, stehen ungern auf und belasten den kranken Schenkel im Stande der Ruhe, sowie bei der Bewegung nur wenig. Das untere Fussende ist an der früher bezeichneten Stelle und über diese Grenzen hinaus geschwellt und sehr schmerzhaft. Ziemlich dicht ober-
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halb des Saumes der einen oder beider Klauen findet sich in der geschwollenen Partie ein Wulst, der am Klauenwinkel am stärksten ist und seit-und rückwärts allmählich ausläuft. — Mitleidenschaft des Kronen - Klauen­gelenks. —
Verlauf. Der Verlauf ist, wenn die von mir empfohlene Behand­lung frühzeitig, d. h. vor dem Eintritt der Mortifikation, richtig ein­geleitet und durchgeführt wird, der Regel nach insofern ein günstiger, als in zwei bis drei Wochen Heilung erzielt wird. Bei dem natür­lichen Verlauf, sowie bei nicht sachgemässer Behandlung wird die Haut am Klauenwinkel in ganzer Dicke zerstört, die Verjauchung dringt verschieden tief in das zwischen den Kronen- und Fesselbeinen liegende Fettpolster hinein, und es erfolgt nicht ganz selten eine Per­foration der einen Gelenkkapsel, resp. Gelenkverjauchung. Dringt die Verjauchung nur in das Fettpolster hinein, so tritt unter der unten angegebenen Behandlung in ein paar Wochen Heilung ein; ist dagegen das eine Kapselband perforiert, so ist der Verlauf stets ein sehr lang­samer. Die Tiere können sogar in diesem Falle, besonders wenn sie schlecht gehalten werden, infolge des Eintritts von Dekubitus krepieren. Diesen Ausgang habe ich jedoch nur einmal, und zwar bei einem Tiere gesehen, welches vor meinem ersten Besuche schon sechs Wochen hindurch in einem relativ sehr kleinen Stall gelegen hatte.
Prognose. Diese ergiebt sich aus dem Vorstehenden. Hervor­heben möchte ich jedoch besonders, dass auch noch im späteren Ver­laufe eine Perforation der Gelenkkapsel eintreten kann, und dass es zuweilen nicht ganz leicht ist, die Perforation sofort zu erkennen. Man muss bei diesem Grade des Panaritiums besonders an die schlechte Verwertung des Futters denken, wenn eine Gelenkkapsel perforiert worden ist, vielleicht schon Indikationen zur Amputation der Klaue vorliegen, und in Erwägung ziehen, ob es nach den bestehenden ökonomischen Verhältnissen nicht vielleicht richtiger ist, das Tier schlachten zu lassen.
Behandlung. Ist die Haut noch nicht mortifiziert, so durch­schneide ich dieselbe im Klauenwinkel in einer Länge von 4—5 cm, und zwar derart, dass der zentrale Teil des Entzündungsherdes in die Mitte der Schnittwunde zu liegen kommt. Die eintretende, ziemlich starke Blutung unterhalte ich eine kurze Zeit, fülle die Wunde mit Teer, und lege einen Teerverband so an, dass die Spitzen der Klauen weit auseinander stehen bleiben. Ist schon Mortiiikation erfolgt, so wird das Geschwür bis auf den Grund von allen Fetzen mit Messer
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und Scheere befreit, gut gereinigt, desinfiziert und abgetrocknet, mit Teer ausgefüllt und mit einem Teerverband obenbemerkter Weise ver­seilen. Ist der Verlauf hiernach ein günstiger, so tritt am vierten, fünften, sechsten Tage eine bessere Benutzung des Schenkels ein. Liegt Gelenkverjauchung vor, so habe ich am raschesten Heilung durch die Amputation der Klaue erreichen können.
Driiter Grad.
Bei diesem Grade führt die Entzündung beim naturgemässen Verlauf selbstverständlich auch zur Mortifikation; Haut, Fettpolster und Periosteum verfallen unbedingt diesem Prozess, und der Regel nach wird ausserdem eine Gelenkkapsel perforiert.
Krankheitserscheinungen. Ein bedeutendes Fieber ist vorhanden. Fress- und Sauflust sind verschwunden, Wiederkauen sistiert, und Milch wird kaum geliefert. Die Tiere liegen fast beständig, sind mitunter nur unter dem stärksten Antreiben zum Aufstehen zu be­wegen, halten den kranken Schenkel im Stande der Ruhe in gebeugter Stellung und berühren mit demselben hei der Bewegung kaum den Erdboden. Das untere Fussende, zuweilen der ganze Unterschenkel bis zum Sprunggelenk hinauf, ist geschwollen, vermehrt warm und sehr schmerzhaft. In der geschwollenen Partie tritt im Klauenwinkel ganz gewöhnlich eine ziemlich scharf umschriebene, ca. th alergrosse Stelle auf, welche bis 0,5 cm die Nachbarschaft überragt und ganz besonders schmerzhaft ist.
Verlauf. Der Verlauf ist, wenn frühzeitig die Durchspaltung der Haut im Klauenwinkel vorgenommen und die Nachbehandlung gut durch geführt wird, insofern ein günstiger, als eine Nekrotisiemng nicht eintritt. Seit 1871 habe ich wenigstens unter den oben bemerkten Verhältnissen, wenn dieser Grad des Zehen-Panaritiums vorlag, nur einmal erlebt, dass nachträglich eine Perforation der Gelenkkapsel sich herausstellte; in diesem Falle erfolgte die Perforation aber, wie der damals als Praktikant fungierende Bleicken, jetzt Tierarzt auf Sylt, sich wohl noch erinnern wird, infolge des zu fest angelegten Verbandes. Wenn gar nichts geschieht oder die Durchschneidung der Haut am Klauenwinkel unterlassen wird, ist der oben beschriebene, im Klauenwinkel im Zentrum liegende, rundliche Teil am dritten bis vierten Tage auf der Schnittfläche griingelblich und besteht aus einer Zerfallsmasse; derselbe trennt sich darauf bald von der Umgebung und fällt schliesslich heraus. Es liegt dann ein Geschwür vor, welches
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sicli unbedingt bis auf das Penosteum, ganz gewölinlicli auch in eines der Gelenke erstreckt. Sobald das Gelenk geöffnet ist, Knochen und Knorpel usuriert sind, ist der fernere Verlauf stets ein sehr langsamer. Wie derselbe sich ohne Einleitung einer Behandlung gestaltet, weiss ich nicht; unter entsprechender Behandlung ist stets Heilung zu er­reichen, wenn das Tier gut gelullten und Zeit genug zur Verfügung gestellt wird.
Prognose. Ist aus dem Vorstehenden leicht zu entnehmen.
Behandlung. Diese ist im grossen und ganzen so, wie bei dem zweiten Grade angegeben worden ist. Vor der Mortifikation besteht dieselbe in der Durchspaltung der Haut, die in diesem Falle recht ergiebig ausfallen muss, Unterhaltung der Blutung, Ausfüllen der Wunde mit Teer und in der Anlegung eines Teerverbandes derart, dass die Klauen am vorderen Ende, an der Spitze, weit auseinander stellen, damit kein starker Druck auf die gesetzten Wundfläehcn einwirkt. Ist der Eintritt der Mortifikation nachweisbar, der Pfropf aber nocli nicht herausgefallen, so verordne ich, um die Lösung desselben zu beschleunigen, auf ein paar Tage feuchte Wärme in Form eines Ver­bandes. Liegt schon das Geschwür vor, so kann man allerdings zunächst einen Versuch mit einem Teer- oder einem ähnlichen Verband machen; der Regel nach empfiehlt sich aber, sofort die Amputation der Klaue vorzunehmen.
B a 11 e n - P a n a r i t i u m.
Als Ballen-Panaritium bezeichne ich die Entzündung oben an­gegebenen Charakters dann, wenn sie im Ballen ihren Sitz hat. Diese Entzündung ergreift der Regel nach nur einen Ballen, und zwar den Innern; niemals habe ich gesehen, dass nur der äussere Ballen er­krankt war, und nur einmal habe ich erlebt, dass beide Ballen eines — Hinter- — Fusses affiziert waren.
Krankheitserscheinangen. Das Tier ist sehr lahm, setzt den Fuss zum Zweck der Belastung mitunter gar nicht an, hüpft, wenn es stark angetrieben wird, zuweilen auf drei Beinen vorwärts, liegt anhaltend und ist schwer zum Aufstellen zu bewegen. Der Appetit ist gering, die Rumination erfolgt selten und unvollkommen und die Milchsekretion hat stark abgenommen. Der Ballen ist dick und ausser-ordentlich schmerzhaft.
Verlauf. Unter allmählicher Zunahme der vorhin bemerkten Krankheitserscheinungen tritt nach einigen Tagen — näher kann ich
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die Zeit nicht angebeu — am vorderen Ende des Ballens eine weiche Stelle auf, aus welcher auf geeigneten Druck Zerfallsmasse zum Vor­schein kommt. Mit der eingeführten Sonde gelangt man dann auf den Knochen, resp. in das Gelenk. Sind diese Erscheinungen vor­handen, so kann man vom „Ballengeschwlirquot; sprechen. Unter sach-gemässer Behandlung ist Heilung zu erreichen. Wird keine Behandlung eingeleitet, so stellt sich, namentlich bei der Stallhaltung, sehr leicht Dekubitus mit den weiteren Folgen und der Tod ein.
Diagnose. Beim Eintritt in die Praxis war mir auch das Vor­kommen der in Frage stellenden Krankheit absolut unbekannt, ich konfundierte dieselbe daher mit der einfachen Ballenentzlindung. Nachdem ich aber einige Fälle behandelt und medizinisch denken gelernt hatte, nahm ich die Trennung vor. Das Ballen-Panaritium unterscheidet sicli von der einfachen Ballenentzündung in der ersten Zeit nur, aber auch ganz bestimmt durch die Heftigkeit der Schmerzens-äusserungen; diese sind bei der ersteren Krankheit sehr bedeutend, bei der letzteren nicht. Liegt schon das bis auf den Knochen, resp. in das Gelenk reichende Geschwür vor, so ist eine Verwechselung gar nicht mehr möglich.
Prognose. Heilung ist stets zu erreichen, vielfach aber erst in längerer Zeit.
Behandlung. Bis zum Auftreten des Geschwürs empfiehlt sich die Anwendung der feuchten Wärme. Das Geschwür muss mit möglichster Schonung des Ballens bis auf den Knochen keil­förmig erweitert, dann gut gereinigt, gründlich desinfiziert, und darauf derart antiseptisch verbunden werden, dass der Verband event, sitzen bleiben kann, bis er durchgetreten ist. Dies dauert mitunter nur wenige, zuweilen aber vierzehn Tage und darüber. Ist am sechsten Tage noch keine Besserung im Gebrauche des Fusses eingetreten, so kann man von neuem verbinden und mit dieser Behandlung fort­fahren oder, was ich stets vorgezogen habe, zur Amputation der Klaue schreiten.
Zwischenklauenspalt-Panaritium.
Als Zwischenklauenspalt-Panaritium bezeichne ich die Entzündung oben angegebenen Charakters dann, wenn sie ihren Sitz in der zwischen den Klauen liegenden Haut hat.
Krankheitserseheinungen. Die Tiere sind sehr lahm, liegen gern und viel und können nur mit Mühe der Herde — auf der Weide — folgen. Die Haut zwischen den Klauen ist vermehrt warm, sehr
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schmerzhaft und so stark geschwollen, dass sie wulstig- vorliegt und die Klauen auseinandergedrängt hat. Milch- und Fleischproduktion nehmen bedeutend ab.
Verlauf. Nachdem die bemerkten Erscheinungen ein paar Tage bestanden haben, platzt die Zwischenklauenhaut in ganzer Länge, das untere Fussende wird allmählich in ganzem Umfange dick, und die Klauen werden weit auseinander gedrängt. So kann der Zustand, wenn gar nichts geschieht oder keine rationelle Behandlung eingeleitet wird, längere Zeit bestehen bleiben; es kann jedoch auch, was freilich sehr selten gesehen wird, einer der begrenzenden Knochen in den Bereich der Erkrankung gezogen und kariös werden.
Diagnose. Diese Krankheit kann mit irgend einer anderen gar nicht verwechselt werden.
Prognose. Diese Form des Panaritiums ist die am wenigsten unangenehme.
Behandlung. 1. Wenn die Haut noch nicht geplatzt ist, durch­schneide ich dieselbe in ganzer Länge, unterhalte eine kurze Zeit die Blutung, reinige das ganze untere Fussende und lege dann einen Teerverband in folgender Weise an: In die Schnittwunde bringe ich einen feinen, mit Teer getränkten Hedestrang, lege darauf einen grösseren, mit Teer getränkten Hedebauseh, fülle den ganzen Kaum zwischen den Klauen bis zur Spitze derselben mit Hede ziemlich fest aus, und lege dann eine Binde um, deren Touren durch einige Hefte vereinigt werden. — Die Indikationen, die ich mir bei dieser Be­handlung stelle, sind a. die Spannung in der Zwisclienklaueuhaut zu beseitigen, b. die gesetzte Wunde unter steter Einwirkung eines sicheren Antiseptikums zu halten, und c. die Klauen festzustellen, um jegliche Zerrung der dazwischen liegenden Partie auszusehliessen. Wie fest die Hede eingelegt und die Binde angezogen werden muss, lässt sicli nicht näher angeben; das muss der Praktiker herausfühlen. Wird der gut angelegte Verband etwas locker, was, wenn damit eine Bosse rung in dem Gebrauche des Schenkels verbunden, ein gutes Zeichen ist, so lasse ich jeden zweiten, dritten Tag Teer oder ein aus gleichen Teilen Teer und 01 bestellendes Gemisch am Zehenteile des Fusses hinter die Binde giessen. 2. Ist die Zwischenklauenhaut schon geplatzt, so wird die Geschwürsfläche mit Messer und Schere geputzt, gut gereinigt und abgetrocknet, mit Teer gefüllt und darauf in oben an­gegebener Weise, aber unter stärkerer Benutzung des Teers verbunden.
Das Feststellen der Klauen, worauf ich schon 1868 in der kleinen
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Schrift: „Beiträge /Air Histologie der Hautdrüsen der Haussäugetiere etc.quot; aufmerksam gemacht habe, benutze ich schon seit 1855 bei der Be­handlung des Zwisclienklauenspalt-Paiiaritiuins.
KluiKiiininpiitatioii.
Das Tier wird niedergelegt und gut gefesselt. Der zu operierende Schenkel wird freigelegt, befestigt und mit einem Torniquet versehen, damit die Blutung und die Unruhe des Tieres bei der Operation nicht stören. Alsdann werden zu beiden Seiten, sowie an der unteren Flüche der Klaue ineinanderlaufende Schnitte mit dem Rinnmesser his auf die Weichteile derart gemacht, dass der Ballen vollständig­erhalten bleibt und in seinen hornproduzierenden Teilen absolut nicht beschädigt wird, hierauf wird die Kronenwulst bis zu dem Schnitt im Horn gelöst und dann das Klauen-bein mit dem dasselbe bedeckenden Horn entfernt. Bestimmte Regeln kann ich weiter nicht angeben. Doch möchte ich darauf aufmerksam macheu, dass die Trennung des Klauenbeins von den begrenzenden Knochen leichter am vorderen als am hinteren Ende zu beschaffen ist, und dass das Klauengelenkbein nicht mit. entfernt werden soll. Nach der Wegnahme der Klaue wird die Wunde von allen anhängenden Fetzen befreit, möglichst gut desinfiziert und abgetrocknet, mit Teer gefüllt und mit einem Teerverband versehen. In diesem Falle lasse ich das ganze Verbandmaterial mit Teer auf das vollständigste imprägnieren.
1. Bei einer Kuh des Grartenmannes Otluner an der Dietrichstrasse in Hannover, welche schon seit einigen Wochen am Zehen-Panaritium gelitten hatte, wurde bei der Untersuchung folgendes gefunden ;
Das Tier ging auf dem rechten Hin-
terschenkel in dem Grade lahm, dass es denselben beim Stehen und Gehen kaum belastete. Im Klauenvvinkel lag ein Ge­schwür, welches sich bis in das äussere Klauenbein - Kronenbeingelenk hinein er­streckte. Bei der Sondierung mit dem Finger wurden nicht allein die Enden der erwähnten Knochen gefühlt, sondern gleich­zeitig konstatiert, dass der Gekmkknorpel grösstenteils zerfallen war.
Fig. 2. Soitun-Ansicht.
Die Klaue wurde sofort entfernt und
darauf ein Karbolsäureverband angelegt, der alle vierzehn Tage erneuert wurde. Die Wunde war nach Ablauf von sechs Wochen nicht nur vernarbt, sondern schon mit Horn bedeckt Das Thier ging zehn Wochen nach der Operation nicht mehr lahm. — S. Fig. 2. —
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2. Am Ballen-Panaritiuni leidende Kuli des Gartenmaimes Siindmachei' in der Tieferiede in Hannover.
Das Tier wurde niedergelegt und gefesselt, ein Torniquet um die Röhre gelegt, und darauf die Klaue unter fordwiilirender Berieselung mit Karbolsäurelösung — ausnahmsweise — in folgender Weise amputiert; Die Haut wurde, nachdem sie an der inneren Seite des Schenkels bis zum Fesselgelenk hinauf, sowie dicht oberhalb der inneren Klaue in ganzem Umfange derselben gespalten war, entsprechend weit vom Knochen abgehoben, und darauf das Fesselbein in schräger Richtung, und zwar von oben und aussen nach unten und innen durchgesägt. Die Wunde wurde von allem losen und überflüssigen Gewebe befreit, mit einem desinfizierten Tuche abgetrocknet, darauf mit Teer ausgegossen, dann mittelst der Knopfnaht geheftet und schliesslich mit einem Teerverband versehen. Die Wunde war nach vierzehn Tagen in bester Heilung begriffen, selbige wurde deshalb nicht wieder verbunden, sondern nur täglich mit Teer bestrichen. Heilung war sechs Wochen nach der Operation erreicht. — S. Fig. 3. —
Flg, 3.
Anslohl von unten.
Soitou-Ansicht.
3. Der Pächter auf dem Kleefelder Hofe bei Hannover präsentierte uns am 15. Oktober eine am Ballen-Panaritium leidende Kuh zur Behandlung.
Das Tier war bis zum Skelett abgemagert, hatte sich an verschiedenen Stellen durchgelegen, konnte sich kaum vom Boden erheben, stand und ging auf drei Beinen und lieferte, obgleich es erst vor sechs Wochen geboren hatte, nur Spuren von Milch. Klauenbein-Kroneubeingelenk und Kronenbein-E'esselbeingelenk waren geöffnet, Klauenbein und Kronenbein fanden sich nekrotiseh.
Die Kuh wurde, da der Besitzer sie lieber los sein wollte, von mir auf Rechnung der Schule angekauft, dem Institute auf einem Wagen sofort zugeführt und am anderen Tage unter meiner Leitung von dem Praktikanten Hinrichsen — zur Zeit Kreistierarzt in Husnm — operiert.
Die Klaue wurde im Fesselbein-Kronenbeingelenk ampu­tiert, und die Wunde wie in dem folgenden Falle verbunden.
H raquo; r m q , RiiKlvii'Iilii'ilktiiHlf
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Am 7. November wurde, nur um den Studierenden die Wunde zu zeigen, der Verband abgenommen und durch einen neuen ersetzt. Das untere Ende des Fesselbeins war bis auf den mittleren Teil, wo noch etwas zerfallener Knorpel lag, mit guter Granulation bedeckt.
Am 1. Dezember wurde der Verband wieder abgenommen und durch einen neuen ersetzt.
Am 8. Januar f. J. war der Amputationsstumpf schon mit Horn bedeckt, und ging das Tier nicht mehr lahm. — S. Fig. 4. —
Vig. 4.
Si'iteu-Anslcht.
Ansicht von vorn.
4. Der Gartenmann Laglng in Kleefeld bei Hannover präsentierte eine mittelgrosse, am Zehen-Panaiitium leidende Kuh zur Behandlung.
Das Tier war sehr mager, lieferte angeblich nur die Hälfte der vor dem Eintritt der Krankheit gewonnenen Milch und lahmte in sehr bedeutendem Grade. Das innere Klauenbein-Kronenbeingelenk war so weit geöffnet, dass man zwei Finger in dasselbe hineinschieben konnte. Der Gelenkknorpel war gr'össtenteils zerfallen,
Die Operation wurde am liegenden Tiere nach Anlegung eines Torniquets, also ohne Blutverlust, in der Weise ausgeführt, dass der Ballen, der allerdings schon gespalten war, erhalten blieb. Die Wunde wurde geebnet, gereinigt, abgetrocknet, mit Teer begossen, darauf mit Hede, die vorher mit Teer getränkt worden war, mehr als ausgefüllt und mit einer geteerton Binde umwickelt.
Die Wunde wurde nach vierzehn und achtundzwanzig Tagen in derselben Weise verbunden und war sechs Wochen nach der Operation nicht allein vernarbt, sondern sogar schon mit einer 1 cm dicker Horn, age bedeckt. Das Tier ging um diese Zeit nicht mehr lahm und war sechs Wochen später, also zwölf Wochen nach der Operation , schon so weit gemästet, dass es auf der Schlachtbank verwertet werden konnte. — S. Fig. 5. —
Die durch die Klauen-Amputation gewonnenen Resultate veran­lassen mich zur Aufstellung folgender Sätze:
1. Sobald beim Panaiitium eine Gelenkkapsel perforiert, Gelenk-
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knorpel usuriert, vielleicht gar Knocheiisubstanz freigelegt ist, muss man um so mehr an die Klauen-Amputation denken, weil durch die­selbe relative Heilung in einer Zeit von einigen Wochen zu er­reichen ist.
2.nbsp; nbsp;Die sub 2 angefllhrte Klauen - Amputation ist am wenigsten zu empfehlen.
3.nbsp; nbsp;Hat man bei der Klauen-Amputation den Ballen erhalten, was in jedem Falle möglich ist, so entwickelt sich am Amputationsende eine solche Hornmasse, dass das Tier den betreffenden Schenkel in
Fig. 6. Ansiolit von unten.
normaler Weise benutzen kann. Ob solche Kinder aber als Arbeits­tiere zu verwerten sind, ist wenigstens fraglich.
4.nbsp; nbsp;Ist der Ballen zum Zweck der Untersuchung oder der Be­handlung vielleicht der Länge nach durchschnitten, so sind später zwei llornstümpfe vorhanden, zwischen welchen eine geringe Eiterung längere Zeit hindurch bestehen bleiben kann.
5.nbsp; nbsp;Wird die Amputationswunde stets unter Einwirkung des Teers gehalten, was durch einen Verband leicht zu erreichen ist, so tritt Heilung ohne jegliche Lieferung von Eiter ein.
(i. Ein besseres Auftreten auf den kranken Schenkel sieht man schon am fünften bis sechsten Tage nach der Amputation.
7. Ein längeres Liegenlassen des Teerverbandes ist besser als ein häufiges Wechseln desselben.
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8. Wird das Klauengelenkbein fortgenommen, was nur geschehen darf, wenn auch das Kronenbein entfernt wird, so muss ganz beson­ders gründlich desinfiziert werden, weil sonst leicht jauchige Synovitis eintritt, die schwer zu beseitigen ist, sogar, wie ich glaube, tödlich verlaufen kann.
Anhang'.
An die Klauen-Amputation möchte ich eine andere Amputation, die freilich nur bei einem kleineu Wiederkäuer ausgeführt worden ist, des seltenen Vorkommens wegen hier anführen.
Jahresbericht der Königlichen Tlerarzneischule zu Hannover pro 1870.
Am 20. August wurde im zoologischen Garten zu Hannover bei einem Axishirsch eine Amputation vorgenommen. Eben oberhalb des Fesselgelenkes des rechten Hinterschenkels lag ein Splitterbruch mit so bedeutender Verletzung der Weichteile vor, class das untere Bruchende nur mittelst kleiner Haut- und Sehnenstücke mit dem oberen Ende zu­sammenhing. Es wurde das untere Ende der aus der Wunde heraus­ragenden Köbre unter nötiger Schonung der Haut abgesägt, die Knochen­splitter aus den oberen Weichteileu entfernt, die blutenden Gefilsse komprimiert, die Wundhöhle mit Teer gefüllt, die reservierte Haut dicht vor dem Amputationsstumpf' mit Bindfaden zusammengenäht und darauf ein Teerverband in folgender Weise angelegt: Es wurde ein mit Teer getränkter Hedebausch vor den Amputationsstumpf gelegt und mit seinen auslaufenden Enden ungefähr bis zum Sprunggelenk vorgeschoben, über den Hedebausch drei mit Teer getränkte Leinwandstreifen in ge­kreuzter Richtung und ungefähr bis zur gleichen Höbe gebracht, und das Ganze mit einer geteerten Binde umwickelt, deren verschiedene Touren zusammengenäht wurden.
Eine Störung im Allgemeinbefinden trat nicht ein. Da man jedoch glaubte, dass dieses dreibeinige Geschöpf kein geeignetes Schaustück für das Publikum sei, so wurde dasselbe im Februar 1870 geschlachtet, und mir der Amputationsstumpf zugeschickt. Der Verband lag zu dieser Zeit, also nach Ablauf von sechs Monaten, noch vorzüglich gut, und die Wunde war bis auf eine erbsengrosse Stelle, an welcher der Knochen etwas vorstand, abgeheilt. Von der abgenähten Haut, sowie von dem benutzten Bindfaden war nichts zu finden.
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