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Klinische Diagnostik
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BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
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Grundriss
der
Klinischen Diagnostik
der
inneren Krankheiten der Hausthiere.
Von
Prof. Dr. Bernard Malkmus
Du-igont des Pferdespitals nn deiquot; Thieptirztliehen Hochschule in Hannover.
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VERLAG V
HANNOVERnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^^L\
ON GEBRÜDER JÄNE^K{^'''^1 s4 v
1899,
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Hofbnchdruckerei öebrüder Jänecke, Hannover.
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——1
Vorwort.
J_)ie einzig sichere Grundlage für das thier-ärztliche Handeln ist eine richtige Diagnose des Lei­dens. In der curativen wie in der veterinärpolizei­lichen und gerichtlichen Thätigkeit hängt Alles von der richtigen Erkennung der Krankheit ab. Dieser Theil der thierärztlichen Thätigkeit ist aber auch der schwierigste. Nur durch methodische Erziehung des Studirenden wird es möglich, ihn zu befähigen als ausübender Thierarzt dieser Aufgabe gerecht zu werden.
Das vorliegende kleine Werk, welches den viel­seitigen Stoff in gedrängtester Form bietet, soll dem Diagnostiker ein Leitfaden bei der Feststellung und Deutung der einzelnen Krankheitserscheinungen sein. Es repräsentirt das Ergebniss nicht nur eigener, sondern der thierärztlichen Erfahrung überhaupt; um der Uebersichtlichkeit keinen Abbruch zu thun, schien es unthunlich die zahlreichen Autoren mit Namen zu nennen. Die für die klinische Diagnose verwerthbaren Ergebnisse der bakteriologischen Forschung und der Impfungen finden die ihnen gebührende Beachtung; auch hielt ich es für zweckmässig eine specielle An­weisung zur Untersuchung auf die wichtigsten Ge­währsfehler einzufügen. Eine kurze Beschreibung
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IV
der häufigsten Krankheiten als Anhang zu den ein­zelnen Abschnitten war nothwendig, um dem Studi-renden einen Ueberblick über die bei jedem Funk­tionsapparat vornehmlich in Betracht kommenden Leiden zu geben und ihm das in den Vorlesungen skizzirte und in den klinischen Demonstrationen vor­geführte Krankheitsbild zum Verirleich mit dem ihm vorliegenden wieder in das Gedächtniss zurück­zurufen.
Den Herren Obermedizinalrath Prof. Dr. Ellen-berger und Prof. Dr. Baum in Dresden verdanke ich die lebenswarmen Abbildungen von Pferd und Rind, welche Nachbildungen der im „Handbuch der Anatomie der Thiere für Künstlerquot; enthaltenen Tafeln darstellen; den beiden Herren sage ich auch an dieser Stelle für das selbstlose Entgegenkommen verbind­lichsten Dank.
Die Verlagsbuchhandlung Gebrüder Jänecke hat weder Kosten noch Mühen gespart, um durch gute Abbildungen und hübsche Ausstattung dem Werke dienlich zu sein; auch ihr gebührt mein Dank.
Hannover, im November 1898.
Malkmus.
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#9632;- 1
Inhaltsübersicht.
Seite
Weg zur Diagnose der Krankheiten...........nbsp; nbsp; nbsp; 1
Die Krankheitszeichen...............nbsp; nbsp; nbsp;2
Die Ermittelung des erkrankten Organs.......nbsp; nbsp; nbsp;4
Die Erkennung der Krankheit...........nbsp; nbsp; nbsp; 5
I. Anamnese.......................nbsp; nbsp; nbsp; 7
II. Aufnahme des Status praesens............nbsp; nbsp; 10
Methoden der Untersuch ung.
Inspection.....................nbsp; nbsp; 10
Palpation.....................nbsp; nbsp; 12
Percussion.....................nbsp; nbsp; 13
Auscultation....................nbsp; nbsp; 17
A. Allgemeiner Theil der Untersuchung.
1.nbsp; Signalement...................nbsp; nbsp; 19
2.nbsp; Habitus.....................nbsp; nbsp; 21
T. Haltung des Körpers............nbsp; nbsp; 21
11. Ernährungszustand.............nbsp; nbsp; 25
III.nbsp; Körperbau.................nbsp; nbsp;
Constitutionelle Knochenkrankheitennbsp; nbsp;27
IV.nbsp; Temperament...............nbsp; nbsp; 27
3.nbsp; Haut......................nbsp; nbsp; 28
I. Das Haarkleid...............nbsp; nbsp; 28
11. Die Feuchtigkeit der Haut.........nbsp; nbsp; 20
III.nbsp; Hautfarbe.................nbsp; nbsp; 30
IV.nbsp; Beschaffenseit der Cutis..........nbsp; nbsp; 31
V. Umfangsvermehrungen der Haut......nbsp; nbsp; 31
Diagnostik der Hautkrankheiten ...nbsp; nbsp; 34
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VI
Seite
4.nbsp; Sie Lidbindehant...................nbsp; nbsp; 40
I. Farbe.....................nbsp; nbsp; 41
II. Feuchtigkeit..................nbsp; nbsp; 43
HL Blutungen...................nbsp; nbsp; 43
IV. Schwellung..................nbsp; nbsp; 43
V. Ausfluss....................nbsp; nbsp; 43
5.nbsp; Die Körpertemperatur.................nbsp; nbsp; 44
I. Die normale Temperatur............nbsp; nbsp; 45
II. Das Fieber..................nbsp; nbsp; 45
HI. Subnorraale Temperatur............nbsp; nbsp; 48
IV. Temperatur der äusseren Haut.........nbsp; nbsp; 48
I nf ect io n s krankhelten ohne n ach weisbare
Localisation..............nbsp; nbsp; 49
B. Specieller Theil der Untersuchung.
6.nbsp; Circulatioasapparat..................nbsp; nbsp; 51
I.nbsp; Der Puls...................nbsp; nbsp; 51
II.nbsp; Die peripberen Blutgefässc...........nbsp; nbsp; 5(i
III.nbsp; Das Herz...................nbsp; nbsp; 58
Krankheiten des Circulatiunsapparates .nbsp; nbsp; 65
7.nbsp; Kespirationsapparat..................nbsp; nbsp; nbsp;G7
I. Die Athembewcgungcn............nbsp; nbsp; nbsp;K7
II.nbsp; Die ausgeathmete Luft............nbsp; nbsp; 76
III.nbsp; nbsp;Der Xasenaustluss..............nbsp; nbsp; 77
IV.nbsp; Untersuchung der Xase und der obersten Luft-
hölilen...................nbsp; nbsp; 81
V. Untersuchung der Keliigangslvinphdrüsen ...nbsp; nbsp; 84
VI. Der Husten........quot;.........nbsp; nbsp; 86
VII. Kehlkopf und Luftröhre...........nbsp; nbsp; 89
VIII. Percussion der lirusthöhlc..........nbsp; nbsp; 91
IX. Auscultation der Lungen...........nbsp; nbsp; 97
Krankheiten des Respirationsapparates 101
8.nbsp; Digestionsapparat...................nbsp; 105
I. Die Futter- und Getränkaufnahinc.......nbsp; nbsp;10*5
H. Die Maulhöhle................nbsp; nbsp;111
III.nbsp; Rachenhöhle und Schlund...........nbsp; nbsp;114;
IV.nbsp; nbsp;Wiederkauen.................nbsp; 115
V.nbsp; Erbrechen...................nbsp; nbsp;115
VT. Hinterleib...................nbsp; nbsp;117
VII. Die Darnientleerungen.............nbsp; 125
Krankheiten des Digestionsapparates. .nbsp; nbsp;130
9. Der Harnapparat..................nbsp; 134
I.nbsp; Art und Weise des Harnabsatzes........nbsp; 134
II.nbsp; Untersuchung des Harns.
A.nbsp; Makroskopische Untersuchung........nbsp; 136
B.nbsp; Chemische Untersuchung..........nbsp; 139
C.nbsp; Mikroskopische Untersuchung........nbsp; 146
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VII
Seite
III. Untersuchung der Hainorgane.........nbsp; 152
Krankheiten des Harnapparates.....nbsp; nbsp;153
10.nbsp; Der Geschlechtsapparat.
I. Ungewöhnliche Steigerung des Geschlechtstriebes 155
II. Schani und Umgebung.............nbsp; 155
III.nbsp; Scheidenschleimhaut..............nbsp; 156
IV.nbsp; Euter.....................nbsp; 157
V. Männliche Geschlechtsorgane..........nbsp; 157
Krankheiten des Geschlechtsapparates .nbsp; 158
11.nbsp; Nervensystem.
I.nbsp; Psychische Funktionen.............nbsp; nbsp;160
II.nbsp; Sensibilität..................nbsp; 162
III. Motilität....................nbsp; 163
Krankheiten des Centralnervensystemsnbsp; 167
C. Speciflsche Untersuch angen.
12.nbsp; Körperliche Bewegung................nbsp; 169
I. Untersuchung auf Dummkoller.........nbsp; 169
II.nbsp; Untersuchung auf Stätigkeit..........nbsp; 172
III.nbsp; Untersuchung auf Dämpfigkeit.........nbsp; 172
IV.nbsp; Untersuchung auf Epilepsie und Schwindel . . .nbsp; 175
13.nbsp; Diagnostische Impfung................nbsp; 177
1. Tuberkulose..................nbsp; 180
II. Rotz.....................nbsp; 180
III.nbsp; Milzbrand, Kauschbrand, malignes (Jedem, Wild-
und Rinderseuche..............nbsp; 181
IV.nbsp; Tollwuth...................nbsp; 182
14.nbsp; Die Lymphdrüsen..................nbsp; 183
15.nbsp; Das Blut......................nbsp; 184
Krankheiten des Blutes..........nbsp; 186
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I
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Weg zur Diagnose der Krankheiten.
Die Aufgaben der praktischen Thierheilkunde liegen auf verschiedenen Gebieten; die wesentlichste besteht in der Wiederherstellung der gestörten Gesundheit unserer Hausthiere. Zu diesem Zwecke ist die Kenntniss des erkrankten Organs und der Art der Erkrankung des­selben unerlässlich, weil nur auf dieser Grundlage ein ratio­neller Kurplan und eine zutreflende Prognose aufgestellt werden kann. Der grundlegende und zugleich auch vor­nehmste Theil der praktischen Thierheilkunde bildet demnach die Ermittelung der Thierkrankheiten, die klinische Diagnostik.
Die Diagnostik ist die Kunst aus einer Keihe von äusserlich sichtbaren oder sonst nachweis­baren Veränderungen des Allgemeinbefindens oder einzelner Organe die inneren Veränderungen des Körpers zu erschliessen.
Da Krankheit eine Abweichung von normalen Zuständen und physiologischen Vorgängen darstellt, so lässt sich eine Erkennung der krankhaften Veränderungen nur bei Kenntniss der normalen Zustände gewinnen. Der Studirende hat in seinem vorklinischen Studium keine Gelegenheit die physi­kalische Keschall'enbeit der einzelnen Theile und die physio­logischen Vorgänge bei lebenden Thieren zu beobachten, mit beginnendem klinischen Studium hat er diese erst durch eigene Anschauuug und Untersuchung kennen zu lernen und das Bild des Gesunden sich fest einzuprägen. Auch muss der Anfänger seine Sinne für die ihnen zufallenden Aufgaben einüben, er muss namentlich sehen, hören und fühlen lernen, wenn er wirklich Alles aufnehmen und richtig beurtheilen will.
Der Thierarzt bekommt in seiner Thätigkeit ver­schiedene Thiergattungen zur klinischen Untersuchung; die sich hieraus ergebenden Schwierigkeiten liegen mehr in der Ver-Malkmns, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
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schiedenartigkeit der anatomischen und physiologischen Verhält­nisse, als in Besonderheiten der Untersuchungsmethoden. Wer jene Grundlagen sich hinreichend erworben und dann ein Pferd exact zu untersuchen gelernt hat, wird sich bei den anderen Thiergattungen selbst zurechtlinden, handelt es sich doch in allen Fallen um dieselben Methoden. Es sollen in­dessen alle klinisch wichtigeren Unterschiede besonders hervor­gehoben werden.
Eine weitere erhebliche Schwierigkeit in der Diagnostik liegt für den Thierarzt in der Unmöglichkeit die subjectiven Empfindungen der Kranken erfahren zu können; es kommt jedoch diesem Umstand nicht die Bedeutung zu, die man ihm in Laienkreisen gewöhnlich beilegt. Wir sind dafür in der Lage in allen Fällen eine vollständige, objective Untersuchung des Patienten nach jeder Richtung vornehmen zu können, und laufen nicht wie der Menschenarzt Gefahr durch Ein­bildungen, Launen, Scham oder Eitelkeit der Patienten irre­geführt und von objectiven Untersuchungen abgehalten zu werden.
Die Krankheitsdiagnose setzt sich zusammen aus der Ermittelung
1)nbsp; nbsp; der einzelnen Krankheitszeichen,
2)nbsp; nbsp;des erkrankten Organs und
3)nbsp; nbsp; der Art der Krankheit.
Die Krankheitszeichen (Erscheinungen, Aeusserungen, Phaenomene, Symptome, Kennzeichen, Merkmale, Zufälle) sind die einzelnen wahrnehmbaren Abweichungen vom gesunden Zustande. Anatomie und Physiologie lehren die gesunden Zustände und Vorgänge, die Symptomatologie (Semlo-logie) die krankhaften Abweichungen.
Die Aufnahme der Krankheitserscheinungen bildet die specielle Aufgabe der klinischen Untersuchung. Diese hat sich sowohl auf das äussere Verhalten des Thieres als auch auf alle einzelnen Orgaue zu erstrecken, welche unserer Erforschung überhaupt zugänglich sind. Hierbei ist es unbedingt nothwendig in der Untersuchung eines kranken Thieres nach einem bestimmten Schema zu verfahren, wenn man nicht den Fehler begehen will, etwas zu übersehen und dadurch eine richtige Diagnose und Beurtheilung des Falles zu vereiteln.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; s-
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— 3 —
Für die sclillessliche Gewinnung der Krankheitsdiagnose bietet die Untersuchung der einzelnen Funktionsapparate im Zusammenhang nach einander die beste Uebersicht. Die Nothwendigkeit, bei diesem Verfahren mehrmals um unsere grossen Patienten herumgehen zu müssen, ist der einzige kleine Uebelstand, welcher gegenüber der grossen Sicherheit und Uebersichtlichkeit der Methode nicht ins Gewicht fallen kann. Der Anfänger muss sich die Reihenfolge der nach­einander zu untersuchenden Theile einprägen, was keine Schwierigkeit macht, weil diese Untersuchung ganz den physio­logischen Verhältnissen entspricht, also ein natürlicher ist.
In der unter meiner Leitung stehenden Klinik wird nach folgendem Schema verfahren:
I. Anamnese, Erhebung des Vorberichts. II. Aufnahme des Status praesens, A. Allgemeiner Theil.
1)nbsp; nbsp;Signalement des Patienten.
2)nbsp; nbsp;Habitus.
3)nbsp; nbsp;Aeussere Haut.
4)nbsp; nbsp; Lidbindehaut.
5)nbsp; nbsp; Temperatur.
13. Specieller Theil.
6)nbsp; nbsp; Circulationsapparat.
7)nbsp; nbsp;Respirationsapparat.
8)nbsp; nbsp;Digestionsapparat.
9)nbsp; nbsp;Harnapparat.
10)nbsp; nbsp;Geschlechtsapparat.
11)nbsp; nbsp; Central - Nervensystem.
C. Specifische Untersuchungen.
12)nbsp; nbsp;Bewegung.
13)nbsp; nbsp;Diagnostische Impfungen.
14)nbsp; nbsp;Untersuchung der Lymphdrüsen.
15)nbsp; nbsp;Untersuchung des Blutes.
Die Aufnahme der Anamnese, sowie die Ausführung der allgemeinen und speciellen Untersuchung der einzelnen Apparate hat in allen Fällen wenigstens einmal und zwar beim ersten Besuche des Patienten stattzufinden. Ist das erkrankte Organ ermittelt, dann wird dies fortlaufend bei späteren Be-
1*
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— 4 —
suchen mit der grossten Sorgfalt untersucht, bei den Übrigen Organen aber genügt fernerhin die Feststellung der Haupt­momente.
Die specifischen Untersuchungen werden nur vorgenommen, wenn Anamnese und Befund zur Sicherstellung der Diagnose noch nicht ausreichen.
Durch äussere Veranlassung können Zustünde im gesunden Organismus hervorgerufen werden, die als Krankheits-ersclieinungen nicht gedeutet werden dürfen, wenngleich sie unter anderen umständen solche darstellen. Mangelhafte Futteraufnahme ist häutig Folge einer Magendarmerkrankung, oder auch einer schweren Allgemeinaffection des Körpers; sie kann aber auch in einem ungewöhnlich nervösen Tempera­ment des Pferdes oder in der Unschmackliafligkeit des Futters begründet sein. Der Praktiker hat demnach auch nach dem Ursprung der Erscheinungen zu forsclion und stets zu prüfen, ob die Abweichungen von der Norm wirklich K r a n k h e i t s z u s t ä n d e n oder anderen Verhältnissen ihre Entstehung verdanken. Rasche Athembewegungen können Folge einer Erkrankung im Respirationsapparat oder auch anderer Krankheiten sein. sie werden sich aber ferner regelmässig nach einer körperlichen Anstrengung, ja selbst bei vollständiger Ruhe unter hoher Lufttemperatur einstellen. Um die Folgen der Muskelarbeit nicht störend auf das Er-gebniss der Untersuchung einwirken zu lassen, empfiehlt es sich die Thiere wenn irgend möglich erst im Zustande voll­ständiger Ruhe zu untersuchen. Alle Verhältnisse, welche auf die physiologischen Vorgänge von Einiluss sein können, sind überhaupt stets zu berücksichtigen; es seien nur noch erwähnt Alter, Brünstigkeit, Trächtigkeit, Aengstlichkeit der Thiere.
Nach der Aufnahme der Krankheitssymptome folgt der schwierigste Theil der Diagnostik:
Die Ermittelung des kranken Organs. Es giebt nur wenige Krankheitssymptome, welche mit Sicherheit auf die Erkrankung eines bestimmten Organs hinweisen oder gar sofort die Art der Erkrankung erkennen lassen (patliogno-monische Symptome). Regel ist vielmehr, dass erst eine specielle Aufnahme und Abwägung aller Symptome auf Grund der allgemeinen und speciellen Krankheitslehre vorgenommen werden muss.
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Directe, wesentliche Symptome entspringen der Gnmd-krankheit; zufällige) aaddentelle, indirede Si/mptotne beziehen sich aufComplicationen oder Folgeleiden, OeHlicIie Sijmptoine gehören dem Krankheitsherde an, allgemeine entstehen aus der Mitleidenschaft des üesammtorganismus.
Zur Ermittelung des erkrankten Organs wird eine Re­capitulation der Krankheitssymptome vorgenommen und zwar entsprechend der Untersuchung nach den einzelnen Organ­apparaten. Die gesunden Apparate werden von einer weiteren Berücksichtigung ausgeschieden, diejenigen, welche Krankheits-erscheinungen erkennen lassen, werden einer besonderen Beurtheilung unterzogen.
Die Veränderung der normalen Thätigkeit eines Organs ist noch nicht beweisend für eine primäre Erkrankung des­selben, die veränderte Funktion kann auch auf den regula­torischen Ausgleich in anderen Organen sich abspielender Krankheitsvorgänge gerichtet sein. Für den Therapeuten handelt es sich darum das primär erkrankte Organ zu ermitteln, dieses zur Heilung zu führen, dann kann auch das sekundär erkrankte Organ wieder zur Norm zurück­kehren.
Die Ermittelung des primär erkrankten Organes kann nur bei Kenntniss der einzelnen Organerkrankungen nach ihren Symptomen und nach dem Gesammtcharakter ihres Einflusses auf den Organismus ermöglicht werden.
In noch höherem Maasse gilt diese Voraussetzung für das Endziel der Diagnostik, der
Erkennung der Krankheit selbst nach Art, Aetio-logie, Intensität und Periode des Verlaufs. Der Untersuchung der einzelnen Organe werde ich deshalb eine kurze Beschreibung der wichtigsten Krankheiten der­selben beifügen. Eine richtige Prognose und rationelle Therapie verlangt auch die Erforschung der Ursache der Krankheit. Es genügt nicht bei einem Thiere einen knötchenförmigen, juckenden und sich immer weiter ausdehnenden Hautausschlag zu diagnosticiren, die Prognose und Therapie verlangen auch den Nachweis der Ursache. Es giebt verschiedene Ursachen solcher Ausschläge, deren genaue Kenntniss für beide von der grössten Wichtigkeit sind. Ebenso verhält es sich mit den Erkrankungen innerer Organe.
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Man gelangt entweder direct auf Grund der ermittelten Krankheitserscheinungen zur endgültigen Diagnose {directen Diagnose) oder auf dem Wege der Ansschliessunq, d. h. man lässt im Geiste alle die Krankheiten Revue passiren, welche die gefundenen Krankheitserscheinungen oder auch nur einen Theil derselhen im Gefolge haben können, und schliesst dann diejenigen aus, bei deren Gegenwart auch noch andere als die vorliegenden Symptome erfahrungsgemäss beobachtet werden (Differential-Diagnose).
Auf dem einen oder andern Wege gelangt man in den meisten Fällen so zur Diagnose. Nicht selten jedoch kommt selbst der erfahrene Praktiker bei der erstmaligen Unter­suchung des Patienten in die Lage, sich mit der Diagnose auf den Gesammtcharakter der Erkrankung beschränken zu müssen und die Specialdiagnose der weiteren Beobachtung des Krankheitsverlaufes vorzubehalten. Dies trifft namentlich bei den ersten Fällen von Infektionskrankheiten ohne Locali­sation zu. Man unterscheidet auch zwischen einer sicheren, einer Wahrscheinlichheits- und Möglichkcits-I)ia.gnose.
Die Schwierigkeiten in der Diagnostik der inneren Krankheiten sind ungemein verschieden; in manchen Fällen ist man in der Lage schon allein auf Grund eines guten Vor­berichts eine sichere Diagnose zu stellen: Epilepsie, Kalbe­fieber. In anderen Fällen genügt für den erfahrenen Praktiker ein Blick auf den Patienten: Tetanus. Regel aber ist, erst auf Grund einer umfassenden exacten Untersuchung zur Diagnose zu gelangen; indess kommt einer aufmerksamen Beobachtung und reichen Erfahrung eine grosse Bedeutung zu. Diese kann aber selbst nur auf Grund fortgesetzter sorgfältiger Untersuchungen gesammelt werden.
Kann die Diagnose nicht nach allen Richtungen sicher gestellt werden, so ist auch für die Prognose und Therapie Vorsicht geboten.
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I. Anamnese.0
Möglichst genaue und vollständige Mittheilungen von Seiten der Besitzer und Pfleger über das seitherige Verhalten des Patienten, die Entstehung und den seitherigen Verlauf der Krankheit (Anamnese) sind für die Diagnostik von grosser Bedeutung; es giebt Krankheiten, wie Epilepsie, die man in der Regel auf Grund der Anamnese diagnosticiren kann, zumal man selbst nur ausnahmsweise Gelegenheit hat, den typiselien epileptischen Anfall zu beobachten.
Für den Thier arzt beschränkt sich die Anamnese auf die Wahrnehmungen der Umgebung des erkrankten Thieres. Der Thierarzt thut gut in der Mundart zu den betreffenden Be­sitzern, Kutschern, Knechten, Mägden etc. zu sprechen, derer sie sich selbst bedienen; diese verstehen ihn dann besser, fassen leichter Zutrauen zu ihm und erzählen eher das Wichtige über die Vorgänge bei und nach der Erkrankung, als wenn sie in unfreundlicher ihnen unverständlicher Weise angesprochen werden.
Eine gut aufgenommene Anamnese zeugt ebenso für technische Gewandtheit des Thierarztes, wie für Kenntniss der Aetiologie der Thierkrankheiten, bei den so sehr verschiedenen Lebensverhältnissen unserer Hausthiere. Es sind namentlich folgende Punkte durch die Anamnese festzustellen.
1) Wie lange ist das Thier krank? Man erfährt dadurch zunächst, ob man es mit einer acuten oder chronischen Krankheit zu thun hat und in welchem Stadium sich etwa die Krankheit befindet. Häufig wird die Dauer der Krank­heit absichtlich kürzer angegeben, als es der Wahrheit entspricht.
•) dvapivi]laquo;;, Erinnerung, Bekenntniss.
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2)nbsp; nbsp;Welche K ran khoitserscheiuungen hat das Thier gezeigt? Zunächst im Beginne, sodann im weiteren Verlaufe der Krankheit? Das objektiv Beobachtete ist von der so beliebten subjektiven Auslegung der Laien streng zu trennen, was meist nur mit grosser Vorsicht zu erreichen ist.
3)nbsp; nbsp;Welche Umstände sind die muth massliche Ursache der Krankheit? Erst nachdem man die Er­scheinungen kennt, kann man nach den Ursachen forschen. Wo und bei welcher Gelegenheit erkrankte das Thier? In der Aetiologie der Thierkrankhciten kommt der Fütterung, Haltung etc. eine grosse Bedeutung zu, deshalb muss der Thierarzt nicht nur orientirt sein über die übliche Fütterungs­weise etc. auch die Eigenarten der Bodenverhältnisse muss er kennen lernen, wenn er die Spuren der Krankheits­entwickelung in allen Fällen richtig verfolgen will.
4)nbsp; nbsp; Die gleichzeitige Erkrankung mehrerer Thiere an derselben Krankheit weist immer auf eine ge­meinsame Ursache hin: Infektion oder Intoxication. Das öftere, wiederholte Auftreten einer Krankheit in einem Stalle lässt eine besondere fortdauernde Ursache an­nehmen.
5)nbsp; Von besonderer Wichtigkeit für den Therapeuten ist die Feststellung einer vielleicht bereits eingeleiteten Behandlung und deren etwaigen Folgen. Pfuscher giessen häufig den Pferden in Wasser suspendirte Arzneien ein und rufen dadurch, dass die Flüssigkeit nicht in den Schlund, sondern in die Luftröhre sich ergiesst, eine tötlich verlaufende Lungenentzündung hervor, verletzen auch bei der Ausräumung des Mastdarms dessen Wand etc. Der Thierarzt soll in solchen Fällen mit der eigenen Untersuchung und Therapie sehr vor­sichtig sein, muss jedenfalls den Besitzer sofort auf die vor­liegende Gefahr aufmerksam machen.
Wenn auch die Anamnese vor Aufnahme des objektiven Befundes in den wesentlichen Punkten ermittelt werden soll, so stellen sich meist doch im Gang der Untersuchung weitere Erkundigungen als nothwendig heraus; so fragt man bei Untersuchung des Hustens nach freiwilligem Husten, bei Untersuchung des Digestionsapparats nach Häufigkeit und Beschaffenheit des Kothabsatzes etc. durch derartige Er­mittelungen kann der Befund ergänzt und gesichert werden.
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Die Bedeutung einer guten Anamnese ergiebt sich am besten aus der Thatsache, dass sie nicht selten ausreichend ist für eine sichere Diagnose, d. h. sorgfaltige objektive Beob­achtungen der Laien können in manchen Fällen unsere Unter­suchung ersetzen. Doch soll der Thierarzt den oft an ihn heran­tretenden Forderungen von Thierbesitzern, kranke Thiere in absentia zu behandeln nur mit grösster Vorsicht entsprechen. Schadet auch nicht die verordnete Arznei an sieh, so kann durch Aufschiebung der eigentlich rationellen Behandlung erheblicher Nachtheil entstehen.
-laquo;-
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II. Aufnahme des Status praesens.
Zur Ermittelung der kranUhaften Erscheinungen wenden wir alle Methoden der Forschung an, die geeignet sind, uns über den physikalischen Zustand und die Vorgänge in den einzelnen Organen zu unterrichten. Auch hierbei darf man nicht planlos zu Werke gehen, sondern muss nach einem gewissen Schema verfahren. Es sind namentlich nachstehende Methoden, die in der hier folgenden Reihe in Anwendung gebracht werden:
1. Inspection.
Unter allen Umständen hat man bei der Untersuchung der einzelnen Theile erst auf das zu achten, was man mit blossem Auge sieht; Anfänger fallen gern gleich mit den Händen über den Patienten. Man beschreibt die abnormen Verhältnisse nach Sitz, Grosse, Farbe und sonstiger äusserer Beschaffenheit; Grosse und Gestalt werden gern mit bekannten Gegenständen verglichen, wenn aber eine ganz genaue Be­schreibung geliefert werden soll, hat eine Messung statt­zufinden.
Auch auf den Geruch von Se- und Excreten, von Kespirations- und Perspirationsluft nimmt man Rücksicht.
In Bezug auf den Sitz äusserlicb wahrnehmbarer Krankheits-zustiimle ist die betreffende Eörpergegend genau zu bezeichnen.
Körpergegenden, I. Kopf.
A. Gesichtstheil.
1)nbsp; nbsp;Nasengegend(Kegio nasalise mitNaseurücken, Nasenspitze, Nasenlöcher.
2)nbsp; nbsp;Lippengegend (Regio labialis), mit Ober-und Unterlippe, Mundspalte, Kinn.
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11 —
3)nbsp; nbsp;Backengcgend (Regio buccalis).
4)nbsp; nbsp;Unteraugenhöhlengegend (Reg. infraorbitalis).
5)nbsp; nbsp;Augengegend.
6)nbsp; nbsp;Ga naschen- oder Wangengegend (Reg. inasseteriea) mit der Kiefergelenksgegend.
7)nbsp; nbsp;Kehlgang.
13. Schädeltbeil.
8)nbsp; nbsp;Stirngegend (Reg. frontalis).
9)nbsp; nbsp;Hinterliauptsgegend (Reg. occipitalis) mit der Genickgegend.
i(V\ S fii i-i f igt; ii ir ^
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d (Reg. temporalis] mit der
10) Sch lä fen gc
Augengrube (
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temporalis), der Unter-
sch
''nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ' ' infratemporalis) und der
Ohrgegend.
II. Hals.
11)nbsp; nbsp;Ohrspeicheldrüsengegend (Heg. parotidea), #9632;welche nach unten übergeht in die Kehlkopf-gegend (Reg. laryngeai.
12)nbsp; nbsp;V o r d e r h a 1 s mit der Kehlgegend (Reg. trachealis), der Drosselrinne (Reg. jugularis) und der Regio-stern o-cleido-mast old ea. Am
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12
I
1
13.
III.nbsp; nbsp;Brustkorb.
15)
16)
17) 18)
IV.nbsp; nbsp;Bauch.
untersten Ende der Kehlgegend und Drossolrinne liegt die Herzgrube (.Fossa supraclavicalaris). Nackengegend (lieg, cerviealis) mit dem die Mähne tragenden Kamm. Seitennackengogend ilieg, cerviealis lateralis).
Uer Brust rück en iDorsum thoracisi mit der
Widerristgegend (Keg. interscapularis) und der
eigentlichen liii ck en gegend.
Die Seitenbrust (Reg. pectoralis lateralis) mit
der Schultergegend, der Herzgegend und
Rip p e n b o g e n g e g e n d.
Die Unterbrust (Keg. sternalis).
Die Vorder brüst.
Die v ordere 15 a a e hh ö hl en g e gen d (Reg. epi-gastricai mit den Unterabtheilnngen: Schaufel-knorp elgegend i Reg. xiphoilt;lea) und Rippen­weiche zwischen Scliaufelkuorpel und Rippen-bogen.
20)
Die mittlere Bauchgegend (Reg. mesogastrica)
mit der Kabelgegend (Reg. uuibilcalisquot;, der F lau k enge gen d (Reg. iliaca), der 11 unger­grub e (Reg. suprailiaca) und der Lenden­gegend Reg. lumbalis).
21)
Die hintere Daucligegend .Reg. hypogastrica)
V. Becken.
mit der Schanigogend (Reg. pubisi und der Leistengegend (Reg. inguinalis).
Die einzelnen Abschnitte des Reckens werden nach den anatomischen Theilen benannt: Hilft-, Hinter­becken-. Mitteltieiseh (Reg. perinealis), After-(Reg. analis), Scham-Gegend. Die verschiedenen Partien der Extremitäten führen die Bezeichnung ent­sprechend den ihnen zu Grunde liegenden Knochen.
2. Palpation.
Besteht in dem Betasten des zu untersuchenden Theiles mit der Hand oder den Fingerspitzen; sie giebt Aufschluss über Consistenz, Ausdehnung, Temperatur und Empfindlich­keit eines krankhaften Zustandes, liisst auch Vorgänge in der Nähe der Oberlläche des Körpers durch das Gefühl er­kennen. Eine besondere Bedeutung beansprucht die Palpation bei der Untersuchung des Pulses. Durch Eingehen mit der Hand in den Mastdarm werden die Baucheingeweide palpirt und dadurch ihre Lage und ihr Inhalt festgestellt.
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Aus dem verschiedenartigen Widerstand, den man beim Betasten der einzelnen Theile findet, kann man Schlüsse auf die physikalische Beschaftenlieit derselben ziehen; folgende Eigenarten sind zu merken:
1)nbsp; nbsp;Tciyig ist ein Theil, der sich weich anfühlt und Fingereindrlicke annimmt, die sich mehr oder weniger rasch wieder ausgleichen. Solche Consistenz entsteht durch seröse Infiltration der Gewebe: Oedem.
2)nbsp; Derh nennt man Theile von der Consistenz der nor­malen Leber, also von festerer Beschaffenheit. Dem Grade des Widerstandes entsprechend bezeichnet man die Theile als festweich, derb, seliniyderh, bretthart, knochenhart. Derbe Consistenz wird bedingt durch zellige Infiltration (Phlegmone) oder zellige Neubildung.
3)nbsp; Flnetiiirend ist eine elastisch weiche Geschwulst, bei der sich ein mit dem Finger angebrachter Druck rasch in die Umgebung fortpflanzt. Nur Flüssigkeit gestattet eine solch rasche Fortleitung des Druckes (Eiter, Blut, Lymphe, wiisseriges Secret). Ist dies die Flüssigkeit umgebende Ge­webe nicht gespannt, so bewegt sie sich in Form einer sicht­baren Welle (eigentliche oder weiche Fluctuation). Elastisch-weiches (Fett) oder reichlich Flüssigkeit enthaltendes Gewebe täuscht oft eine Fluctuation vor; man bezeichnet diese Schwappendweiche Beschaffenheit als PsmdofluctuaUon.
4)nbsp; Emphysemcitisch heisst eine puffige ümfangsvermehrung, welche bei der Palpation knistert, sich verstreichen liisst und durch Gegenwart von Luft oder Gasen im Gewebe verursacht wird (Emphysem).
3. Percussion.
Unter Percussion versteht man das Beklopfen des thierischen Körpers, so dass die erschütterten Theile in hör­bare Schwingungen gerathen. Der dadurch erzeugte Schall „Perc'UssionsscJiallquot; ist verschieden je nach der physikalischen Beschaffenheit der in Schwingungen versetzten Theile; die Unterschiede sind so prägnant, dass man .-ms dem Klang des Schalles auf die physikalische Beschaffenheit der er­schütterten Theile bestimmte Schlüsse ziehen kann.
Methodik der Percussion. Ohne Zuliilfenahme von Instrumenten, einfach mit den Fineern ist die Percussion bei kleinen und auch
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liei grosseu mageren Thieren auszuführen. Der Zeige-oder Mittel­finger der linken Hand wird der zu percutirenden Stelle fest auf­gelegt und dann mit dem Mitteltiuger der rechten Hand auf das letzte Fingerglied kurz aufgeschlagen; der percutirende Finger wird gekrümmt steif gehalten und das Klopfen aus dem Hand­gelenk ausgeführt (Finger-Fingerpereussion). Der Vortheil dieser Methode beruht darin, dass der Finger zwischen den Kippen gut aufgelegt und zwischen den langen Haaren, besonders den Woll­stapeln der Schafe bequem eingeschoben werden kann. Bei Schafen und langhaarigen Hunden ist diese Art der Percussion ausschliesslich zu verwenden, hei den übrigen Thieren ist sie zweckmässig, so lange sie kräftig genug ist.
Eine kräftigere Percussion erreicht man schon durch Auf­schlagen mit dem Per ciissionsliammer auf den aptirten Finger. (Finger-Hammerpercussion.)
Meist wird Plessimeter und Hammer zur Percussion ge­braucht, weil diese Instrumente neben leiser Percussion auch das kräftigste Aufschlagen und dadurch tiefgehende Erschütterungen gestatten. Das Plessimeter ist fest und stets so anzulegen, dass es in seinem ganzen Umfange gleichmässig anliegt. Bei mageren Thieren darf es nicht quer über zwei Kippen applicirt werden, sondern in einen Intercostalraum, da andernfalls die zwischen Plessimeter uud Intercostalraum befindliche Luft den Percussions-schall in hohem Grade modifioirt. Die Stärke der Percussion richtet sich nach der Dicke der Körperwaudung: je dicker die über dem percutirten Theilc liegende Schicht, desto stärkerer Aufschlag ist nöthig, um auch die in der Tiefe gelegenen Theile in Schwingungen zu versetzen. Auf jede Stelle führt man zwei bis drei kurze Schläge aus. Zum Vergleich percutirt man die correspondiienden Stellen auf beiden Seiten.
Zur guten Wahrnelunung der bei der Percussion und Aus­cultation zu pereipirenden Gehörseindrücke empfiehlt sich die. Auswahl eines geeigneten Baumes. Geschlossene, nicht zu grosse Räume sind die geeignetsten. Im Freien verlieren sich die Gehörseindrücke, werden auch durch andere aussen ent­stehende iibertantet. Dagegen werden in engen Bäumen oder schon in nächster Nähe einer Wand die Gehörseindrücke modifioirt.
Am zweckmässigsten percutirt man die Thiere im Stehen, die kleinen Hausthiere kann man auch liegend percutiren. Wenn­gleich gutmüthige Pferde und Kinder sich meist ruhig percutiren lassen, empfiehlt es sich doch in allen Fällen, dieselben am Kopfe halten zu lassen; durch das Percutiren erschrecken die Thiere anfangs leicht, werden unruhig oder gar widersetzlich. Zwangs­mittel werden nur selten nothwendig. Hunde und Katzen lässt man am besten von ihren Herrn oder durch ihnen bekannte Personen halten.
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Schallqualitäten.
Ein Körper kann nur dann einen Schall hervorbringen, wenn er aus seiner Gleichgewichtslage gebracht wird und um diese vermöge seiner Elasticität schwingt. Zwei Haupt-grundsätze bilden die Grundlage der Percussion:
1)nbsp; nbsp;Völlig luftleere, massive Körpertheile ergeben einen klanglosen Schall von kurzer Dauer und geringer Intensität, den man Schenkelsdiall oder leer, absolut gedämpft nennt.
2)nbsp; nbsp;quot;Werden dagegen lufthaltige Organe erschüttert, in Schwingungen versetzt, so entsteht ein Schall von erheb­licher Intensität, Dauer und Klangfarbe, ein heller Schall.
Diese Helligkeit des Schalles hängt ab von dem Volumen der in Schwingung versetzten lufthaltigen Organe.
Flg.
a. Je stärker die b. Je weniger dick c. Ist das Volumen Percussion, desto die Gewebslage ist, des lufthaltigen
grössere Partie
schwingt und desto
lauter wird der
Schall.
desto mehr luft-haltiges Gewebe wird erschüttert und desto lauter ist der Schall.
Organs überhaupt
gering, dann ist
auch der Schall
wenig intensiv.
Hieraus erklärt sich die verschiedene Intensität des Schalles an den verschiedenen Stellen der Brustwand bei gleich starker Percussion. Es geht dort der helle Schall nach vorn und oben allmählich in den Schenkelschall über.
Der helle Schall zerfällt in zwei wichtige Unter­abtheilungen :
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1)nbsp; nbsp; den tt/mpanitischeii Schall, der sich einem musi­kalischen Tone nähert, deshalb auch wohl Ton genannt wird.
2)nbsp; nbsp;den vollen Schall (Lungenschäll), welcher der Höhe nach nicht bestimmbar ist.
Der tympanitische wie der volle Schall zählen also zum hellen Sehall, bei beiden kann der Grad der Helligkeit ein verschiedener sein und allmählich in den absolut gedämpften übergehen; Zwischenstufen sind: relativ gedämpft und ye-dämpft tympanitisch.
Vorkommen der verschiedenen Schall-ftualitäten.
Nach der vorstehenden Einthoilung haben wir drei ver­schiedene Arten von Percussions-Schallen:
den vollen (Lungenschall), tympaniti sehen und den leeren Schall.
1)nbsp; nbsp; Der volle Schall findet sicli über normaler Lunge. Es schwingt Lungenluft, Lungengewebe und Thorax. Auch wenn Darmtheile durch Gase derart gespannt sind, dass bei der Percussion die Darmwand mitschwingt, entsteht ein voller Schall.
2)nbsp; nbsp; Der tympanitische Percussionsschall kann unter verschiedenen Zuständen seine Entstehung nehmen:
a.nbsp; nbsp; Ueber lufthaltigen Hohlräumen, die mit der Aussen-luft eommuniciren, ihre Wandung mag stark oder nachgiebig sein. Luftröhre, Lungencavernen in Communication mit Bronchien. Die Höhe des Schalles hängt dann ab von der Grosse des Hohlraums und der Verbindungs-Oedhung.
b.nbsp; nbsp; Ueber geschlossenen lufthaltigen Hohlräumen, deren Wandungen wenig gespannt sind: über Magen- und Darm­kanal.
c.nbsp; nbsp; Wenn die Spannung des Lungengewebes abgenommen hat. (Atelectase, beginnende Hepatisation.)
3)nbsp; nbsp;Der leere (Schenkel-) Schall wird beobachtet, wenn innerhalb der percutorischen Wirkungssphäre nur luft­leere Gebilde sich befinden. Wir kommen bei stärkster Per­cussion mit grossem Hammer nur höchstens 10 cm tief, des­halb erhält man auch über gesunder Lunge leeren Schall, wenn dicke Muskeln, Fettlagen oder seröse Infiltrationen sich auf dem Brustkorbe befinden.
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Relativ gedämpft wird der Schall, wenn lufthaltige Theile von nur geringem Umfange percutirt werden (Lungen­ränder, und unter dicker Thoraxwand) oder wenn kleinere luftleere Schichten neben lufthaltigen liegen. (Knotige Ver­dichtungen der Lunge.)
Während der Percussion achtet man noch auf den Widerstand, den der percutirte Theil bietet. Am besten ist er zu fühlen mit dem percutirten Finger, auch mit dem per-cutirenden — am wenigsten deutlich mit dem Hammer; zweckmässig legt man dabei den Zeigefinger auf den Rücken des Hammers auf. Aus der Resistenz (Widerstand) ist zu schliessen auf den Grad der Schwingungsfähigkeit der unter­liegenden Theile. Je stärker die Resistenz, desto geringer die Schwingungsfähigkeit, wie z. B. in luftleeren Theilen: Muskeln.
Grenzbestimmung des Percussionsschalles.
Die Grenze eines Organs ist nur dann percutirbar, wenn das Organ unter der Körperoberfläche liegt und einen von der Nachbarschaft abweichenden Percussionsschall besitzt. So lässt sich das Herz gegen die Lunge, die Lunge gegen den Darm durch Percussion begrenzen.
In der Kegel geht mail mit der Percussion vom hellen Schall gegen den gedämpften und zwar erst in grossen Sehritten, um eine annähernde Grenze zu erkennen-, dann in kurzen Zwischen­räumen, senkrecht gegen die zu erwartende Grenze. Die Percussion hat leise und kurz zu erfolgen, die Grenzpunkte marktet man durch einen Stift oder durch Abscheeren der Haare und ist dann später in der Lage, Veränderungen mit Sicherheit erkennen zu können.
4. Auscultation,
Vermittelst der Auscultation, d. h. des Aushorchens der verschiedenen Organe, suchen wir Aufschluss über ihre Thätig-keit sowie auch über ihre physikalische Beschaffenheit zu erlangen. Zu diesen Zwecken auscultiren wir insbesondere Herz, Lunge und Magendarmkanal.
In derMenschenheilkunde wird die Auscultation in der Kegel mit Hülfe von Instrumenten: Hörrohren, Stethoskopen mittel­bare Auscultation) vorgenommen, die hohl oder solide sind und aus verschiedenem Material hergestellt werden. Auf der behaarten Haut unserer Hausthiere sind Instrumente für die Auscultation
Malkmus, Klinisclie Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2
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wegen der in den Haaren unvermeidlich entstehenden Reibe­geräusche nicht verwendbar, auch sehr wohl entbehrlich. Durch Auflegen des Ohres an die betreffende Körperstelle (unmittel­bare oder direkte Auscultation) nehmen wir die Auscultation vor. Bei gutem Andrücken des Ohres erzielen wir so bessere Resultate als durch Anwendung von Hörrohren.
Ist die Haut schmutzig oder mit Parasiten bedeckt, legt man ein dünnes Tuch (Handtuch) über den betreffenden Körpertheil. Auch bei der Auscultation ist es nothwendig sich gegen Schlagen mit den Hinterfüssen, Heissen und Stossen zu schützen, indem man das Thier am Kopfe halten lässt. In Ställen, wo mehrere Thiero sich befinden, wird durch die Unruhe derselben die Aus­cultation erschwert; wenn von der Auscultation besondere Er­gebnisse zu erwarten sind, lässt man sieh den Patienten an einen ruhieeu Ort bringen.
-Ä-
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A. Allgemeiner Theil der Untersuchung.
1. Signalement.
Die genaue Aufnahme der einzelnen Merkmale des Patienten (Signalement, Nationale) hat eine besondere Be­deutung für die Identificirung desselben in Rechtsstreitig-keiten, oder wenn polizeiliche Massnahmen an den betrefienden Krankheitsfall sich knüpfen. Auch giebt das Signalement dem praktischen Thierarzte die Anhaltepunkte, sich selbst den Patienten für die weitere Behandlung speciell merken zu können. Aber auch für die Diagnostik mancher Krank­heiten sind bald diese, bald jene Theile des Signalements von Wichtigkeit. Endlich hat auch die Therapie auf ver­schiedene Punkte des Signalements Rücksicht zu nehmen.
Zu den genannten Zwecken ist zu achten auf:
I.nbsp; nbsp;Thiergattung. Viele Krankheiten sind bestimmten Thiergattungen eigenthlimlich, während sie bei anderen gar nicht vorkommen. Besonders trifft dies für Infectionskrank-heiten zu (Pferd: Druse, Brustseuche; Rind: Lungenseuche, bösartiges Katarrhalfieber; Schwein: Rothlauf und Schweine­seuche). Auch giebt es specifische, sporadische Krankheiten, deren Entstehung den eigenartigen anatomischen oder physio­logischen Verhältnissen einer Thiergattung (Rind: trauma­tische Magen-Zwerchfellentzündung; Pferd: Zerreissung des Magens, Kehlkopfpfeifen) oder einer besonderen Pflege und Wartung entspringt (Schlempemauke).
II.nbsp; nbsp;Geschlecht. Krankheiten der Geschlechtsorgane sind bei Thieren nicht häufig, aber das Geschlecht ist von Ein-fluss auf Eintritt besonderer Erkrankungen. Bei Hengsten kommen Leistenbrüche vor, die unter dem Bilde der Kolik verlaufen; Stuten zeigen bisweilen während der Rossigkeit
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ein dem Dummkoller ähnliches Benehmen oder eine der Stätigkeit gleiche Widersetzlichkeit bei der Dienstleistung. Bei Ochsen sind Harnröhrensteine nicht selten. Eine etwaige Trächtigkeit ist sowohl für die Diagnose als für die Therapie von Wichtigkeit, indem dieser Zustand einerseits Verhält­nisse zeitigen kann, die bei nicht kräftigen Thieren als krankhaft zu betrachten sind, andererseits eine besonders vorsichtige Auswahl der Arzneimittel erheischt.
in. Farbe und Abzeichen haben für die Diagnostik geringe Bedeutung; bei älteren Schimmeln kommen häufig melanotische Sarcome vor, aussen nachweisbar oder im Innern der Organe. Wcisse Hautstellen werden gern von Exan-themen, Sonnenbrand und Mauke befallen. Weisse Flecken des Niederungsviehes tragen längeres Haar als die schwarzen.
IV.nbsp; nbsp;Alter. Manche Krankheiten kommen nur oder doch vorzugsweise in der Jugend vor. Rhachitis, Nabelerkrankungen; speciell bei Pferden Druse, bei Kälbern weisse Ruhr, bei Hunden Staupe. Bei älteren Thieren finden sich mehr die durch den Gebrauch der Thiere hervorgerufenen chronischen Krankheiten der verschiedenen Organe (Dummkoller).
Auf die Prognose hat das Alter Einfluss, indem unter sonst gleichen Verhältnissen bei jungen Thieren mehr Hoff­nung auf guten Ausgang einer Krankheit vorhanden ist, als bei älteren. Bei alten Thieren sieht man bei Ungewissheit einer Heilung und wegen der eintretenden Werthverminderung oft von einem Heilverfahren ab.
V.nbsp; nbsp;Grosse des Patienten hat nur Bedeutung für die Dosirung der Arzneien.
VI.nbsp; nbsp;Easse. Bei hochgezüchteten Thieren sind die Reac-tionen beim Eintritt von Krankheiten energischer, die Symptome heftiger und deutlicher ausgesprochen. Die verschiedenen Rassen besitzen auch eine zum Theil sehr verschiedene Widerstandskraft gegen Infections- und sporadische Krank­heiten; die Berücksichtigung dieses Punktes ist von Wichtigkeit für die Prognose. Auch die Therapie hat die Rasse zu be­rücksichtigen, indem die edlen warmblütigen Pferde eine feine, zarte, empfindliche Haut besitzen, denen gegenüber äussere Hautreize (Terpentinöl) in massigerem Grade angezeigt sind als bei Dickhäutern, unempfindlichen Kaltblütern.
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VII. Verwendungsart und Behandlung der Thiere lässt uns der Aetiologie der Krankheiten leichter nachspüren, denn mit gewissen Dienstleistungen sind aucii besondere Krankheits­ursachen verbunden.
2. Habitus.
Unter Habitus ist der Gesammtzustand des Patienten nach Körperhaltung, Ernährung, Bau und Tem­perament zu verstehen. Er bietet ein bequemes dia­gnostisches Hlilfsmittel, da er sich leicht übersehen lässt und doch in vieler Beziehung von grosser Bedeutung ist. Nicht selten wird die Beurtheilung eines Krankheitsfalles wesentlich bestimmt durch den äusseren Eindruck, den der Patient durch seinen Habitus auf uns macht.
I. Haltung des Körpers. Gesunde Pferde stehen in der Kegel Tags über oder springen doch beim Herannahen eines Fremden von selbst, auf. Sie liegen flach auf der Seite und strecken die Füsse von sich, wenn der Anbindestrick laug und ihr Stand­raum breit genug ist.
Gesunde Kinder liegen häufig am Tage, besonders nach der Futteraufnahme, sie stehen auch nicht so leicht auf. Sie liegen normaler Weise nicht flach auf der Seite, sondern auf der Uuter-brust mit untergeschlagenen Keinen.
Gesunde Schafe springen beim Herannahen eines Fremden auf und davon.
Die Haltung kranker Thiere im Stehen und Liegen gestattet in mancher Beziehung diagnostische Schlüsse.
Stellen. Eine gestreckte, steife Kopfhaltung beobachtet man bei Pharyngitis, Meningitis cerebrospinalis, Muskel-rheumatismus, bösartigem Katarrhalfieber, akuter Gehirn­entzündung der Schafe und Ziegen.
Schwer kranke Thiere halten den Kopf gesenkt, haben eine schlaffe, träge Körperhaltung und lassen die Ohren hängen; Pferde entlasten abwechselnd die Füsse {schildern).
Mit krummem Rücken, hochgehobenem Schwänze stehen Kühe, die an heftiger Vaginitis leiden; sie nehmen eine breit-beinige Stellung ein, treten nicht gern zur Seite, machen beim Antreiben vielmehr sofort Anstalten zum Uriniren.
Eine steife, ruhige, jede Bewegung meidende Körper­haltung zeigen die Thiere bei schmerzhaften Zuständen in den Brust- und Bauch Wandungen (Pleurodynie, Pleuritis,
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Peritonitis). Hengste mit incarcerlrtem Leistenbruch und Ochsen mit Ueberwurf stellen den Hinterfuss der kranken Seite etwas nach hinten und zur Seite.
Unphysiologische Körperhaltimg nehmen gehirnkranke Thiere (acute, subacute Gehirnentzündung, Dummkoller) in verschiedenen Graden ein. Pferde stehen häufig quer im Stande, den Kopf in die Ecke, gegen die Wand gedrückt, in oder unter die Krippe gesenkt. Die Beine werden unter den Leib geschoben, nicht selten ein Bein zur Stützung der Last nicht ordnungsmässig untergestellt (s. auch Central-nervensystem und Untersuchung auf Dummkoller). Dumm-kollerkranke Pferde verhalten sich auffallend ruhig und gleichgültig, ihre Bewegungen sind energielos. Acut gehirn­kranke Pferde zeigen solches Verhalten nur in den Ruhe­pausen.
Andauerndes Stehen wird beobachtet bei:
a.nbsp; nbsp;alten struppirten Pferden;
b.nbsp; nbsp;Lungen- und Brustfellentzündung; legen sich die Thiere ausnahmsweise, so erfolgt dies in der Regel auf die kranke Seite, weil durch die hier nun ge­ringeren Percussionen des Brustkorbes der Schmerz gelindert wird. Auch drückt das pleuritische Exsudat weniger auf das Herz und die gesunde Lunge. Die Athmung ist im Liegen mehr erschwert;
c.nbsp; nbsp; acut gehirnkranken Pferden;
d.nbsp; nbsp;schwerer Athemnoth; die Thiere halten den Kopf gestreckt gerade aus, um dem eindringenden Luft­strom eine möglichst gerade Richtung zu geben und die Inspiration dadurch zu erleichtern;
e.nbsp; nbsp;tetanuskranken Pferden; sie stehen breitbeinig (sügebockähnlicli) mit etwas gestrecktem, hoch-gehohenem Kopfe, unterlassen Seitwärtsbewegungen, ihr Gesichtsausdruck ist energisch, das 3. Augenlid tritt deutlich hervor, der Schweif wird ungewöhn­lich hoch getragen, der Schritt ist steif, kurz und breitbeinig.
Unruhig stehen kolik- und auch acut gehirnkranke Pferde; sie treten im Stalle hin und her; erstere legen sich oft, wälzen sich, springen bald wieder auf. In vielen Fällen
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sind sie schwer vom Niederlegen abzuhalten, stehen auch un­gern auf. Sie sehen sich oft nach dem Hinterleibe um, scharren mit den Vorderfüssen, schlagen mit den Hinterbeinen und dem Schweife nach dem Bauche, stellen sich öfter zum Uriniren an, ohne aber Harn zu lassen. Bisweilen nehmen sie auch eine hundesitzige Stellung an. Ein ähnliches, aber bald in Ruhe llbergehendes Verhalten zeigen Rinder bei Darm-invagination, ferner Kühe bei Torsio uteri, Ochsen bei üeber-wurf und Harnröhrensteinen.
Liegen. Thiere, welche liegen und nicht aufstehen, erfordern stets eine ganz besonders vorsichtige und sorgfaltige Untersuchung. Man hat zunächst durch energisches Antreiben und kräftige Unterstützung zu ermitteln, ob sie nicht auf­stehen können, oder ob sie nicht wollen.
Haben die Thiere längere Zeit auf einer Seite gelegen, so empfiehlt es sich, sie zunächst auf die andere Seite zu wälzen, ehe man sie zum Aufstehen nöthigt. Das Gleiche thut man, wenn der Versuch, ein Thier hoch zu bringen, missgliickt und wieder­holt dann den Versuch.
Pferde legt man — um sie aufzurichten — auf die Unter-brust und lixirt den so aufgerichteten Kopf durch ein langes Tau, welches man durch einen Ring in der Wand führt und gut anzieht; die Hinterbeine sollen gebeugt unter dem Leibe liegen, die Vorder­beine dagegen gerade nach vorn herausgestreckt werden. Während man nun durch Zurufe und Schläge, namentlich auf Ohren und Nase antreibt, unterstützt man das Pferd durch lieben am Schweif und eventuell durch unter den Leib geschobene Gurte.
Grosse Schwierigkeiten verursacht es bisweilen Rinder zum Aufstellen zu bewegen, die wohl aufstehen können, aber nicht wollen. Antreiben und Schlagen ist dann fruchtlos; lautes Schreien ins Ohr, Hetzen eines Hundes oder Zubinden der Nase ist zu versuchen.
Unvermögen aufzustehen tritt ein bei:
a.nbsp; nbsp; Tetanus. Kommen tetanuskranke Pferde zum Liegen, so können sie meist nicht — wenigstens nicht ohne Hilfe — aufstehen, weil die krampfhafte Streckung der Ex­tremitäten es nicht gestattet. Der oben liegende Hinter­schenkel ist in der Regel derart gestreckt, dass er den Boden nicht berührt. Die Thiere sind sehr unruhig und schwitzen stark.
b.nbsp; nbsp;Lumbago. Pferde mit acuter Kreuzrhehe bemühen sich aufzustehen, es gelingt ihnen oft mit dem Vordertheil,
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die Hinterbeine aber vermögen die Last nicht zu tragen, sinken in Beugung zusammen.
c. Rückenmarkslähmungnach eingetretenem Wirbel­bruch. Die Thiere vermögen weder die Hinterhand will­kürlich zu bewegen, noch haben sie Empfindung in derselben,
Fig. 5.
Pferd mit acuter Kreuzrliehe.
bisweilen jedoch erfolgt noch vom Rückenmark; aus reflek­torische Abwehrbewegung. Hunde mit Lähmung der Hinter­hand sitzen meist auf einer Seite des Hintertheils und strecken die Extremitäten seitwärts von sich weg.
d. Pestliegen der Kühe vor oder nach dem Kalben. Die Patienten sind verhältnissmässig munter und zeigen Appetit. Krankhafte Veränderungen können nicht nach-
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gewiesen werden. Häufig liegen die Küüe flach auf der Seite.
5) Kaibefieher. Die Kühe liegen in schlafsiichtigem Zustande auf der linken Seite, legen wie zum Schlafen den Kopf in die rechte Brustseite. Empfindlichkeit am ganzen Körper herabgesetzt.
Kalbefleberhranke Kuh.
6) Oeuicks tarre. Nachdem die Thiere anfangs im Stehen eine steife, oft schiefe Haltung des Kopfes gezeigt, kommt es schliesslich zur Lähmung. Sie liegen flach auf der Seite mit ungewöhnlich weit nach hinten gestrecktem Kopf und zeigen klonische Krämpfe.
Ungern und auch schwer stehen alte struppirte Pferde auf, die sich ausnahmsweise einmal niedergelegt haben oder niedergefallen sind; ferner Thiere mit schmerzhaften Leiden an den Extremitäten (Khehe), besonders wenn sie auf dem kranken Fuss liegen (Knochenbruch). Auch kolikkranke Pferde stehen vorübergehend ungern auf.
II. Ernährungszustand. Der Ernährungszustand ist aus der mehr oder weniger erheblichen Fülle des Körpers zu erkennen. Die kaltblütigen Pferderassen haben rundere For­men, da sie meist voluminöse Weichtheile besitzen, auch mehr Fett ablagern. Edle Pferde haben feine Haut und Behaarung, feste, kernige Muskeln und setzen seltener Fett an. Wesent­lich beeinflusst wird der Ernährungszustand ferner von der Fütterung, sowohl nach Quantität als Qualität: er soll sich richten nach Gebrauch und Bestimmung des Thieres, um den
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hierfür zweckmässigen Nährzustand zu schaffen. Dauernde schwere Arbeitsleistung bewirkt einen mehr trockenen, wenig massigen Zustand; schwere Arbeit lässt die Thiere wenig Fett ansetzen.
Ist die Kraft der Verdauungsorgane vermindert durch locale oder allgemeine Erkrankungen, so nimmt der Nahr-zustand regelmässig an Fülle ab. Allmählich fortschreitende Verschlechterung des Niihrzustandes bei gutem Futter und gutem Appetit lässt wohl eine chronische Erkrankung, aber nicht gerade der Verdauungsorgane vermuthen; diese sind nur bei schlechtem Appetit erkrankt.
Man unterscheidet für jeden Gebrauchszweck: sehr guten, (mastigen) guten, mittelmüssig guten, ivenig guten und schlechten Ernührungszustand. Allmählich eintretende, hoch­gradige allgemeine Abmagerung nennt man Cachexie. Rasche Abmagerung tritt ein bei morbus maculosus und schweren fieberhaften Krankheiten. Uebermässig guter Nährzustand (Fettsucht) findet sich oft bei Bullen und Hunden; bei Schlacht-thieren ist er erwünscht.
III, Körperbau. Es empfiehlt sich, die einzelnen Pferde­rassen nach den verschiedenen Gebrauchszwecken, für die sie sich nach ihrem Körperbau am meisten eignen, zu unterscheiden in Arbeits-, Wagen-, Keitpferde: schweren und leichten Schlages. Für die Beurtheilung des Körperbaues ist besonders zu achten auf die Tiefe des Rumpfes, Breite, Tiefe der Brust und Wölbung des Brustkorbes. Länge des Rückens, Schluss der Flanken, Breite des Beckens, Stärke und Stellung der Ge­lenke und der Gliedmaassen überhaupt.
Thiere mit flacher schmaler Brust haben wenig leistungs­fähige Lungen, ihre Leistungsfähigkeit ist deshalb im Ganzen verringert.
Pferde mit eingezogenen falschen Rippen, aufgezogenem Leibe und hohen Beinen sind in der Regel schlechte Fresser. Bei andauernder geringer Futterabnahme werden die Därme wenig angefüllt, der Hinterleib nicht ausgedehnt. Umgekehrt erfolgt bei Pferden mit dauernd gutem Appetit mit der Aus­weitung der Därme aueli eine ümfangsvermehrung des Hinter­leibes und der falschen Rippen, sowie ein tiefer Körperbau. Je voluminöser das Futter, desto grosser der Bauch.
Thiere mit abnormen Krümmungen der Wirbelsäule, mit Verbiegungen der Röhrenknochen, oder diffusen Auftreibungen an den Gelenken leiden an constitutionellen Knochenkrank-
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heilen oder haben in ihrer Jugend darin gelitten (Rhachitis). Kälber mit breitem, fleischigem, schwammigem Hintertheil, breiter Niere, leiden an Verkümmerung des Beckens, wachsen schlecht und sind zur Zucht ungeeignet (Doppellender).
Constitutionelle Knochenkrankheiten.
Ehaohitis und Osteomalacie. Beide Krankheiten sind durch das Auftreten kalkarmer, weicher und deshalb nicht widerstands­fähiger Knochen ausgezeichnet. Unter der Körperlast erleiden die Knochen Formvcrämlerungen. Khachitis kommt nur bei ganz jungen Thieren, meist Schweinen und Hunden, vor und ist als ein Weichbleiben der Knochen zu betrachten. Gelenkköpfe ver­dickt, Diaphysen verbogen (Dachsbeinei. Verkrümmung der Wirbelsäule nach oben /—quot;quot;s nennt man Kyphose, nach unten
#9632;^_^- Lordose, zur Seite 1 Skoliose. Die Thiere liegen viel,
stehen schwor auf, und das Gehen fällt ihnen schwer. Osteomalacie. Knochenbriicliigkeit kommt nur bei ausgewachsenen Thieren (meist Rindern) vor. Die Thiere liegen viel, sind schwach, fressen schlecht, gehen im Xährzustande zurück. Die Extremitätenknochen werden weich, es treten leicht Knochenbrüche ein. Dccubitus und Tod.
IV. Temperament. Unter Temperament verstehen wir das psychische Verhalten der Thiere gegeuüber den Eindrücken, welche durch die .Sinnesorgane zur Perception gelangen. Ein Verständniss von den iiusseren Begebenheiten erhalten die Thiere durch Gesicht, Gehör, Geruch und Gefühl. Man unterscheidet ein lebhaftes und träges Temperament, indem man reges Auß'assungsvermögen und Theilnahmlosigkeit einander gegen­überstellt. Abweichungen nach beiden Richtungen können so erheblich werden, dass die Gebrauchsfähigkeit der Thiere darunter leidet. Das lebhafte Temperament kann sich in Störrigkeit, Widersetzlichkeit, Bosheit, anderseits in Aengstlich-keit, Furchtsamkeit oder Schreckhaftigkeit äussern und die Thiere zu gewissen Dienstleistungen unbrauchbar machen; bei jungen Thieren findet man oft unruhiges, zum Spielen geneigtes Temperament. Auch ühermässig träges Temperament kann die Gebrauchsfähigkeit in hohem Maasse beeinträchtigen.
Die Art des Temperaments giebt sich durch die ge-sammte Körperhaltung zu erkennen, durch Blick, Ohrenspiel, Lebhaftigkeit der Bewegung. Die Augen und der Blick sind der Spiegel für die psychischen Vorgänge. Blinde Pferde
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sind oft schreckhaft, gebrauchen besonders das Gehör, zeigen deshalb ein reges Ohrenspiel bei ruhiger Haltung des Kopfes. Leicht kann dadurch der Verdacht auf Dummkoller entstehen. Alte Pferde sind weniger empfindlich als junge; indess ist auch bei diesen bisweilen geringe Empfindlichkeit wahr­zunehmen, ohne daas eine besondere Erkrankung vorliegt. Durch grosse Er mii dung infolge angestrengter Dienstleistung kann eine vorübergehende Depression der Gehirnthiitigkeit hervorgerufen werden.
Fieberhafte Krankheiten setzen regelmässig die Erreg­barkeit des Temperaments herab, bei temperamentvollen Pferden ist dies weniger bemerklich. Dagegen wird durch schmerzhafte Leiden das Temperament empfindlicher Pferde erheblicher beeinträchtigt als bei trägen Pferden.
Bei schweren lebensgefährlichen Erkrankungen ist das Temperament immer in hohem Grade abgestumpft. Die Thiere unterlassen ihre Untugenden wie Koppen, Beissen, Schlagen etc. Blick ist stier, ylotzeml, empfindungslos, Bewegungen fjeschehen langsam und vorsichtig. Wenige Stunden vor Eintritt des Todes sinkt der Tonus aller (iewebe, die Muskeln erschlatfen, namentlich an den Gesichtsmuskeln bemerklich, das Gesicht wird ausdruckslos schlaff {Fades ht/poeratica).
3. Haut.
Die Haut ist der Spiegel der Gesundheit. Nicht nur bei selbstständigen Erkrankungen der Haut bedarf sie einer besonderen Untersuchung, sie bietet auch bei einer grösseren Anzahl von inneren Krankheiten Anhaltepunkte für die Be-urtheilung des Falles. Die Untersuchung erfolgt durch In­spection und Palpation; ausserdem ist bei den Hautkrank­heiten häufig noch das Mikroskop zu Hilfe zu nehmen.
Es sind insbesondere folgende Funkte zu berücksichtigen:
I. Das Haarkleid. Bei gesunden gutgenährten Thieren ist im Allgemeinen das Deckhaar kurz, straff] (jlattanlieyend und glänzend. Bei Thieren, die sich dauernd auf der Weide oder unter schlechter Stallpflege befinden, wird das Haar mehr rauh, struppig, lang und glanzlos. Tritt eine solche Beschaffenheit trotz guten Futters bei im Stalle gehaltenen und ordnungsmässig gepflegten Thieren ein, so ist sie als
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Ausdruck einer Krankheit zu betrachten. Meist zeigt sich die Veränderung des Haares bei chronischen Krankheiten; vorübergehend rauh und struppig wird das Haar während des Schüttelfrostes und bei frierenden Thieren.
Haarwechsel. Normaler Weise erfolgt bei Pferden und Rindern im Frühjahr und Herbst ein theilweiser Haar­wechsel; im Herbst wächst ausserdem noch das weiche, lange Winterhaar, das im darauffolgenden Frühjahr wieder abgeworfen wird. Wenn auch durch gute Fütterung dieser normale Haarwechsel gefördert, durch schlechte Fütterung beeinträchtigt und verzögert werden kann, so deutet doch unter sonst gleichen Verhältnissen das Verbleiben des Winter­haares in der warmen Jahreszeit auf eine chronische Er­nährungsstörung.
Ein ungewöhnlich frühzeitiges Ausfallen der Winterhaare erfolgt besonders dann, wenn schlecht ernährte Pferde in andere Hände übergehen und dann gut genährt und gepflegt werden.
Haarausfall (Alopecie) über den ganzen oder grösseren Theil des Körpers ohne sichtbare Veränderung der Haut er­folgt bisweilen rasch nach schweren lufectionskrankheiten (Brustseuche), langsam infolge chronischer schwerer Er­nährungsstörungen (bei Schafen und Hunden). Bei Thieren, welche an chronischen Ernährungsstörungen leiden, sitzen die Haare nicht fest, gehen vielmehr beim Scheuern und Putzen leicht aus.
Werden Pferde spät geschoren (November, December), so erhalten sie auch das Ersatzdeckhaar gekürzt; beim Ab-haaren im Frühjahr deckt dieses dann nur unvollkommen die Haut, weshalb die Pferde halbnackt erscheinen.
Das stellenweise Ausfallen der Haare, verbunden mit krankhaften Veränderungen der Haut charakterisirt die Hautkrankheiten.
II. Die Feuchtigkeit der Haut wird bedingt durch die Secretion der Schweissdriisen. Bei gesunden Thieren hält im Stande der Ruhe die Secretion gleichen Schritt mit der Verdunstung, so dass die Haut sich nicht eigentlich feucht, sondern nur weich und geschmeidig anfühlt. Der Feuchtigkeitsgrad ist behufs ver­mehrter Wärmeabgabe physiologisch erhöht bei körperlichen An­strengungen, hoher Aussentemperatur, nervöser Aufregung. Bei Schweinen, Schafen, Hunden und Katzen kommt es nicht zur sicht­baren Schweissbildung.
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Krankhaft vermehrte Schweissbildung (Hyperi-drosis) tritt ein
bei Schwächezuständen nach acuten und bei chronischen
Krankheiten; bei schwerer Athemnoth, gleichsam compensatorisch zur Unterstützung der Lungen athmung; Verengerung der zufuhrenden Luftwege, ausgebreiteter Lungen­entzündung, Lungenemphysem, organischen Herz­fehlern ; bei schmerzhaften Leiden: Rhehe, Kolik, Darm­entzündung; bei krankhaften Erregungen der Muskulatur: Tetanus, Epilepsie, acute Kreuzrhehe, Meningitis cerebro-spinalis; bei schweren Infectionsfiebern: Septicaemie, Pyaemie. Normallter erfolgt die Schweissbildung unter Hyperaemie der Haut (warmer Schweiss), fehlt diese, so ist der Vorgang selbst ein krankhafter (kalter Schweiss) und deshalb un­günstiger zu beurtheilen.
Localer Schweiss (Hyperidrosis localis) oder ein­seitiger Schweiss (Hyperidrosis unilateralis oder Hem-idrosis) wird bisweilen beobachtet bei Krankheiten des Nervensystems.
Verminderung der Schweisssecretion (Hyp-idrosis) kann sich bis zur Trockenheit der Haut (Anidrosis) steigern. Lässt sich am besten am Flotzmaul des Rindes, der Kiisselscheibe des Schweines und der Nase des Hundes feststellen. Bei gesunden Thieren sind diese Theile feucht und iveitif/ warm; eine Verminderung der Feuchtigkeit und gleichzeitig erhöhte Wärme wird beobachtet bei hohem oder anhaltend geringgradigem Fieber, starkem Durchfall, Diabetes insipidus.
Lei schweren Erkrankungen mit Gefährdung des Lebens wird der Nasenspiegel kalt und trocken,
III. Hautfarbe. Bebaarnng und Pigmentirung der Haut verhindern eine Itesichtigiing der durch die Körpersäfte bedingten Hautfarbe; nur beim Schwein und Schaf, zum Theil auch bei Hindern und Hunden ist die Haut unpigmentirt. Bei Pferden haben die weissen Abzeichen nicht immer unpigmentirte Haut zur Grundlage: bei weissgeborenen Schimmeln fehlt jegliches Pigment.
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Krankhafter Verlust des Hautpigments erfolgt bei chronischem Augen- und Nasenausfluss an den benetzten Hautstellen.
Stärkere Röthung der Haut hat für die Diagnose innerer Krankheiten nur Bedeutung, soweit sie nicht durch locale Processe veranlasst ist. Gleichmässiye diffuse Röthung der Haut, namentlich unter dem Bauche und Halse, zwischen den Hinterschenkeln findet sich beim Rothlauf der Schweine. Fleckige Röthung (oft rechteckige) mit Schwellung der Haut verbunden, beim Nesselfieber des Schweines, vorzugsweise im Genick und auf dem Rücken.
Blaurothe (cyanotische) Farbe tritt ein bei Ueber-ladung des Blutes mit Kohlensäure; also bei Halsbräune, acuter Herzinsufficienz, Lungenödem (Treiben bei hoher Hitze).
Blässe und Gelbfärbung der Haut sind nach den­selben Gesichtspunkten zu beurtheilen wie bei der Lidbinde­haut; dort hat die Besichtigung eine grössere Bedeutung für den Thierarzt.
IV.nbsp; nbsp;Beschaffenheit der Cutis. Die Haut gesunder Thiere fühlt sich, abgesehen von dem Feuchtigkeitsgrade, geschmeidig und elastisch an; sie ist auf der Unterlage verschiebbar und nimmt bei mechanischer Verschiebung alsbald ihre frühere Lage wieder ein.
Andauernd schlechte Ernährung wie auch Abmagerung infolge chronischer Krankheiten bedingen eine derhe, leder­artige Beschaffenheit der Haut (Sklerose, Induration). Auch die Unterhaut verliert an Elasticität, so dass sich in der Haut nur mit Mühe Falten bilden lassen und diese nachher auch wieder langsam verschwinden.
Auch die Epidermis ist bei solchen Thieren trockener, zäher und wird weniger leicht abgestossen. Die Haut findet sich dementsprechend oft mit einer dicken Lage schuppen­artiger Epidermis bedeckt.
Die Hautausdünstung nimmt nach Zerreissung der Blase und Resorption des in die Bauchhöhle ergossenen Harnes einen penetranten urinösen Geruch an; der Zustand #9632;wird bei Ochsen im Anschluss an Harnröhrensteine nicht selten beobachtet.
V.nbsp; nbsp;Umfangsvermehrung der Haut. Mit nur wenigen Aus­nahmen haben ausschliesslich diffuse oder multiple Umfangs-vermehrungen Bedeutung für die Diagnostik innerer Krankheiten.
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Als Oedem der Haut und Unterhaut, Auasarca, bezeichnet man die abnorm starke Durchtränkung mit Flüssig­keit. Es wird hervorgerufen durch reichliche Transudation von Flüssigkeit in die GewebslUcken bei gleichzeitig ver­minderter Abfuhr durch die Lymphgefässe. Die Schwellung fühlt sicli teigartig weich au, lässt sich auch wie dieser Fingereindrücke beibringen, ist aber weder schmerzhaft noch besonders vermehrt warm. Oedem kann eintreten durch
a.nbsp; andauernde venöse Stauung des Blutes und ist dann als Stauungshydrops zu bezeichnen. Es tritt vorzugsweise an den weit vom Herzen oder tief gelegenen Korperstellen auf. Zuerst am Schlauch, bezw. vor dem Euter, unterm Bauche, au den Hinterfüssen, vor der Brust, an der Kehle. Alle Verhältnisse, welche das regelraässige Einströmen des venösen Blutes in das Herz und seine Weiter­förderung stören, können einen Stauungshydrops bedingen, insbesondere organische Herzfehler, chro­nische exsudative Pleuritis und Pericarditis, Peri­carditis tvaumatica des Kindes;
b.nbsp; wässerige Beschaffenheit des Blutes (hydraemischer Hydrops), welche zunächst eine stärkere Durch­lässigkeit der Gefässe bewirkt. Solcher Hydrops wird namentlich bei Schafen häufig beobachtet im Verlaufe der Lungen- und Magenwurmseuche, der Leberegelseuche, ferner bei Leukaemie und allen Formen der Anaemie und Hydraeraie;
c.nbsp; nbsp;durch entzündliche Heizung {entztindliches, colla-terales Oedem) ist meist localer Natur und vor­nehmlich von Wichtigkeit für die Chirurgie. Nur bei Milzbrand tritt bisweilen eine circumscripte, heisse, derbe, schmerzhafte Geschwulst an Hals, Kopf oder Rumpf auf (Milzbrandcarbunkel).
Locales entzündliches (jedem verräth bisweilen aber schwere entzündliche Zustände tiefer gelegener Tiieile und hat deshalb auch Bedeutung für die interne Medicin; bei Druse die Eiterung in der unterliegenden Lymphdrüse, bei Kotz in der Nach­barschaft der speeifischen Rotzherde, bisweilen bei traumatischer Peritonitis des Rindes in der ünterrippengegend. Mehr diffus bezw. multipel ist
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!
das entzündliche Oedem bei gewissen Infections-krankheiten: bei Pferdestaupe an Augenlidern, Scrotum und Hinterbeinen, bei Morbus macu-losus multipel und dann sich weiter ausbreitend am Kopf, Schlauch, Unterbauch und den Hinterbeinen.
Hautemphysem bezeichnet die Gegenwart von Luft
lnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;in dem ünterhautbindegewebe. Aussei- der diffusen ümfangs-
vermehrung fühlt man bei der Palpation ein Knistern, die
Haut ist kissenartig aufgebriehen. Die Luft lässt sich leicht
verstreichen, sie kehrt aber bald wieder zurück.
Selten entsteht die Luft in der Unterhaut selbst (spon­tanes Emphysem) durch Verjauchung eines Blutextra-vasates oder Eiterherdes (Emph. sepHcum)] pathognomonisch ist das spontane Emphysem am Kücken, Halse, am Ober­schenkel für den Rauschbrand.
Das aspirirte Emphysem entsteht durch Eindringen der Luft von aussen in die Gewebsmaschen; entweder von einer Hautwunde aus, oder von innen aus einem lufthaltigen Organ.
Am häufigsten gelangt Luft durch Wunden in die Gewebe an solchen Stellen, die bei der Bewegung eine er­hebliche Verschiebung erleiden: Nachbarschaft der Schulter. Stets ist in erster Linie nach einer Verwundung zu suchen. Von grösserer Wichtigkeit sind die von inneren Organen aus­gehenden Emphyseme, meist von der Lunge aus durch Zer-reissung von Lungen-Alveolen. Die Luft gelangt dann in das interstitielle Gewebe, zwischen die Blätter des Mediastinums und im Verlaufe der Luftröhre, Blutgefässe und des Schlundes durch die vordere Brustapertur ins sub-cutane und intermuskuläre Gewebe. Die Zerreissung von Lungenalveolen kann erfolgen durch destructive Processe (Eiterung, Verjauchung), häufiger gewaltsam durch Rippen-fracturen; selbst hoher intrathoracischer Druck ist nament­lich bei Rindern ausreichend (starker Husten, anhaltendes Brüllen, starkes Drängen der Bauchpresse).
In selteneren Fällen kommt die Luft nicht aus der Lunge, sondern aus dem Pansen nach ausgeführtem Pansen­stich oder Pansenschnitt, indem die Gase aus dem Pansen in die Bauchwunde gelangen, durch die verschobene Haut­wunde aber nicht entweichen können, sondern sich im sub-cutanen und interstitiellen Gewebe weiter ausbreiten.
Malkmus, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3
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Hautkrankheiten.
Nomenclatur der Entziindungsformen. Als Macula, Fleck wird jede umschriebene krankhafte Veränderung der Hautfarbe beschrieben. Knötchen (Papula) ist jede solide bis höchstens liusengrosse Verdiekung in der Haut. Als Quaddel (Urtica) bezeiclmet man beetartige, entzündliche Schwellungen im Papillarkörper. Bläschen (Vesicula) ist eine mit wässeriger Flüssigkeit gefüllte blasige Erhebung der oberen Epidermis-schichten; grössere Erhebungen nennt man Blasen (Bullac). Mit Eiter gefüllte und deshalb gelblich gefärbte Bläschen heissen Pusteln iFustulaei. Geschwür (Ulcus) ist eine durch Ge-websnekrose entstandene eiternde Wundfläche.
Schuppen sind von der Oberhaut abgelöste Hornseliicht-lameilen. Krusten oder Borkon sind eingetrocknete Exsudat­massen.
I. Nicht parasitäre Hautkrankheiten:
Alopecie. Ein auf Ernährungsstörung in der Haut beruhen­der Ausfall der Haare ohne jegliche andere Erscheinungen.
Blutschwitzen ist spontaner Austritt von flüssigem Blut durch die unversehrte Haut. Eigenthümlichkeit der ungarischen Pferde.
Prurigo. Eine von heftigem Juckreiz begleitete knötcheu-förmige Hauterkrankung. Durch das Scheuern entstehen weitere Veränderungen.
Sommerräude ist ein namentlich am Halse auftretender knötehen-förmiger Hautausschlag, der zum fieckeuförmigeu Ausfall der Haare führt. Zeigt sich meist nur während der warmen Jahreszeit.
Fagopyrismus ist eine acute, diffuse, juckende Hautentzündung am Kopfe, die durch Genuss von grünem Buchweizen bei gleich­zeitiger Einwirkung der Sonne entsteht und nicht selten mit Gehirnreizungserscheinungen verbunden ist.
Eczem. Ganz allgemein bezeichnet man als Eczem eine ex-sudative Hautentzündung, vergleichbar mit dem Katarrh der Schleimhäute. Es kann wie dieser alle Stadien derllautentzündungeu durchlaufen, vom Erythem mit Abschuppung, Knötchen-, Bläschen-bis zur Pusteln- und Krustcnbildung. Meist bei Hunden und zwar gewöhnlich auf dem ganzen Rücken.
Sclüempemauke. Ein vesiculäres, an den hinteren t-'ussendeu solcher Kinder auftretendes Eczem, die mit Schlempe gefüttert werden. Hie zahlreichen Bläsehen platzen bald und ihr Inhalt trocknet zu dicken, gelblichen Krusten ein. Haare gesträubt, zum Theil ausgefallen. Meist nur bis zum Sprunggelenk, in schweren Fällen weiter, dann auch die Vorderbeine.
H. Thierisch parasitäre Hautkrankheiten: Hautparasiten: Laus (llaematopinusraquo;, Haarling (Trichodectes), Lausfliege (Hippobosca eqnina, Melophagus ovisi, Zecke (Ixodes), Floh (Pulexi, Vogelmilbe (Dermanyssus).
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Fig. 7.
Fig. 8.
^^
ITaematopinus equi.
Trichodectes equi.
Kaude (Scabies) ist eine durch lläuderailben verursachte an­steckende Hautkrankheit.
Der m a t o p h a g u s - R ä u d e (Fussräude i: heim Pferd Liehlings-stelle an den Hinterbeinen, beim Kind an der Schwanzwurzel.
FiK- U.
Kg. 10.
Dermatophagus hovis. Q von der Bauchseite.
Dermutocoptes communis. Q von unten mit einem Ki im Oviduct.
3*
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Leben auf der Haut, bedingen Haarausfall, Abschuppiuif? und Juck­reiz, der sich durch Scheuern uud Stampfen kundgiebt. Milben 0,3—0,5 nun, Kopf breit, stumpf, mit gestielten, nicht gegliederten, glockenförmigen Haftscheiben an den langen Beinen.
Der m a t o r y c t e s - R ä u d e nur beim Geflügel die „Kalkbeinequot; verursachend. An den nackten Fusscnden kalkartige, lehm- oder honigähnliche, häutig blättrige, bisweilen sehr dicke Auflagerungen. Dermatoc opt es-Räude. Bei Pferd, Schaf und Rind. Starke Abschuppung, Bläschen und Knötchen, Verklebung der Wolle mit Borken, büschelförmiger Ausfall dor Haare, starker Juckreiz. Grösste Kiiudemilbe U,4—u,7 mm gross mit langem spitzen Kopf und gestielten dreigliederigcn, tulpenförmigen Haft­scheiben.
Sarcoptos-Räude bei Pferd, Hund,Schwein, Katze. Gräbt Gänge bis in die Cntis, verursacht Knötchen, starke Borken-
bihlung, Verdickung und Fig. u.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; FaltcubiUlung in der Haut,
,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; starken Juckreiz, um Milben
zu erhalten Haut blutrünstig schaben, schwer nachweis­bar. Kleinste schildkröten-förmige Milbe 0,2 — 0,5nun, mit hufeisenförmigem Kopf und kurzen stummelartigen Beinen.
Acarus- Fig. i-'. Räude beim Hund vorzugs­weise an den
Augenlidern, Kopf, Extrem!- ^^^ täten, verur­sacht nur gerin­ges Juckgefühl. Haut mit .Schup­pen bedeckt und Bildung kleiner Pusteln, Haut verdickt und ge­faltet. Milbe von
wurmähnlicher
Sarcoptes scäbiei.
Q von der Baucbselte.
Gestalt, 0,2 bis Acarus 0,3 mni, mit lau- folliculorum.
gem schmalen,
durch viele Querstreifen gegliederten Körper, dessen Vorderleib vier Paar kurze, kegelförmige, dreiglicderige Fusspaare trägt, die an ihrem Ende drei spitze Krallen tragen.
III. Pflanzlich parasitäre Hautkrankheiten. Glatzflechte, Herpes tonsurans ist eine durch den Schimmelpilz Trichophyton tonsurans hervorgerufene Hautkrankheit, die
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sich durch das Auftreten kleiner runder, scharfbegrenzter, haar­loser Stellen auszeichnet. Die Haut daselbst glatt, mit grauen asbestartigen Schuppen bedeckt. Erfolgt spontane Heilung, so beginnt sie in der Mitte (Eingflechte). Selten Entwickelung von Bläschen und Krustenbildung. Am häutig­
sten beim Rind. In den Schuppen be­sonders aber in den Ilaartaschen der am Kande stehenden Haare finden sich bei inikroskopiseher Untersuchung zahlreiche kugelrunde oder etwas ovale, glänzende Sporen von etwa 4 fj. Grosse. Sie liegen zum grössten Theile regellos, zum Theil sind sie perlschnurartig zusammengereiht. Mycelfäden mit einfachen Contoureu, ge­gliedert oder ungegliedert, im Allgemeinen spärlich gabelig verzweigt, an den freien Enden stumpf.
Wabengrind, Tavus, viel seltener, am häufigsten noch beim Geflügel als w e i sser Kamm [Tinea galli), wobei kleine weiss-graue Flecken auf dem Kamine entstehen, die ihn allmählich ganz mit einer Kruste bedecken. Bei Säugcthieren entstehen
dicke, schüsseiförmige, gelbbraune Borken.
Durch den Schimmelpilz Achorion Schönleiuii hervorgerufen, der sich von Trichophyton lediglieh durch sehr reichliche und spitz auslaufende Mycel­fäden unterscheidet.
Trichophyton tonsurans.
a Haar, b Ilaarscheide,
c Pilzmasse, ti einzelne Piiz-
fiiden und Conidien.
IV. Acute Exantheme.
Maul- und Klauenseuche ist eine rein contagiöse, acute In-fectionskrankheit der Klauenthiere, charakterisirt durch das Auftreten von Blasen au der Maulsehleimhaut, der Haut an der Krone und im Klauenspalt. Incubation 2—3 Tage. Mittelgradiges Fieber. Speicheln, Geifern, verminderte Fresslust, Lahmheit, liegen gem. Blasen platzen und hinterlassen auf der Maulschleimhaut eine Erosion, auf der äusseren Haut trocknen sie zu einem Schorf ein. Complicationen nicht selten, Prognose im Ganzen günstig.
Schafpocken stellen ein contagiöses, typisch verlaufendes Exan-them mit acutem Verlauf dar. Incubation 4—7 Tage, bei Impfung etwas weniger. An den unbcwollten Hautstellen besonders in der Umgebung der Augen, Nase und des Maules, Innenfläche der Schenkel punktfönnige Ilöthung, daselbst Knotchenbildung, bis zum 6. Tage bildet sich aus dem Knötchen eine Blase gefüllt mit klarer, zäher Flüssigkeit (Stad. eruptionis). In den nächsten Tagen Trübung des Inhaltes, Pustelbildung (Stad. maturationis); Eintrocknung zu einem festsitzenden Schorf (Stad. excicationis) und Abfallen mit Hinterlassung einer kleinen Xarbe. Neben der Eruption auch Fieber, Mangel an Fresslust. Verlauf etwa drei Wochen.
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Englische Pocken. Acne contagiosa equorum. Ein con-tagiöses, pustulöses Exanthem, das sich meist auf Sattellage und Kücken beschränkt. Incubatiou 2—3 Tage. Es bilden sich nur ein­zelne bis thalergrosse Blasen, Haare darüber gesträubt, Inhalt wird eitrig, bricht durch, trocknet ein und bildet eine festsitzende braungelbe Borke. Hervorgerufen durch ein nur 2 f. langen Bacillus, der sich leicht mit wässeriger Fuchsinlösung färben lässt.
Urticaria, Nesselausschlag, ist ein peracutes Quaddel-Exanthem. Fast plötzlich treten am Halse, Kopfe, Innenfläche der Hinter-
Fig. it.
Urticaria.
Schenkel pfefferkorn- bis handtellergrosse, circumscripte, beet­artige entzündliche Schwellungen auf, die Haare stehen darauf gesträubt. Selten Juckreiz. Urticaria des Schweines wird als eine milde Form des Kothlaufes angesehen.
V. Allgemeine Erkrankungen mit Localisation in der Haut.
Morbus maculosus, Blutfleckenkrankheit ist eine acut ver­laufende Intoxicationskrankhcit, welche durch das Auftreten multipler kleinerer oder grösserer blutiger Herde in den ver-
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schiedensten Organen ausgezeichnet ist. Kein Fieber. Auf der Nasenschleimhaut Petechien und Suffusionen, seltener auch auf Conjunctiva und Maulschleiinhaut. In der Haut und Unterhaut taubenei- bis mehrere faustgrosse, entzündliche, derb-ödematöse Schwellungen an den Lippen, Hacken, der Nase, die bald con-fluiren und dem Kopf ein dem Nilpferd ähnliches Aussehen ver­leihen. An den Extremitäten meist gleiehmässige, bis mehrere fingerdicke Anschwellungen, die am Ellenbogengelenk und über dem Sprunggelenk sich scharf absetzen. Unterm Bauch oft hand­hohe ümfangsvermehrungen. Erhebliche Blutungen an Innern Organen bedingen entsprechende Krankheitssymptome. Be­hinderung des Lufteintritts, sohniebcndes Nasalgeräusch, laryn-geales Stenosengeräusch, hochgradige Athemnoth, Erscheinungen einer Lungenentzündung. Scliluckbeschwerden, Kolik. Störungen im Bewegungsapparat. Nach mehrtägigem Leiden auch Fieber.
VI. Allgemeine akute Infectionskrankheiten mit Localisation in der Haut.
Rausehbrand ist eine akute Wundinfectionskraukheit, die durch den liauschbrandbacillus hervorgerufen wird und dmeh spontanes Hautemphysein ausgezeichnet ist. An einer Stelle des Rumpfes, Halses oder Schenkels (niemals an den Fassenden) tritt ein anfangs heisses und schmerzhaftes, später kühles und schmerzloses Em­physem auf; beim Aufschneiden entleert sich übelriechende, schaumige Flüssigkeit. Hohes Fieber, Mattigkeit, Verschwinden des Appetits, schwerfälliger Gang, Dyspnoe. Meist tödtlicher Ausgang.
Der Rauschbrandbacillus findet sich in der Brandjauche der Geschwülste, ist 3 — öp lang und 0,5—0,6 ^ dick und hat eine deutliche Eigenbewegung. Oft haben sie an einem Ende eine dem Klöppel einer Glocke ähnliche Anschwellung, in der sich eine eiförmige glänzende Spore entwickelt. Nimmt die Gram'sche Färbung an.
Malignes Oedem tritt unter ähnlichen Erscheinungen auf wie der Kauschbrand; die Anschwellung ist mehr ödematös als emphysematös.
Der Bacillus oodematis maligni ist dem Milzbrand-bacillus ähnlich. 3—3,5 (j- lang und 1,1 p breit. Meist sind mehrere mit einander verbunden und bilden Fäden. In der Mitte der einzelnen Bacillen oder an einem Ende entsteht in einer spindel-resp. trommelschlägelähnlichen Anschwellung eine stark glänzende Spore, die sich im Gegensatz zu dem übrigen Theil des Bacillus nicht färben läsat.
Wild- und Binderseuche wird hervorgerufen durch das Bak-terium der haemorrhagischen Septicaemie und tritt in der exan-thematischen, oder pectoralen, oder intestinalen Form auf. Am Kopf und Hals erscheinen sehr umfangreiche, entzündlich öde-matöse Anschwellungen, die sich auch auf Maul- und Kehlkopf­schleimhaut erstrecken. Bei der pectoralen Form entsteht eine croupös-haemorrhagische Pneumonic mit Pleuritis und bei der
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intestinalen Forni eine haemorrhagische Enteritis mit starker Schwellung. Uas Bacterium septicaemiae haemorrhagicae ist gleich dem der Schweineseuche und Hühnercholera; 0,6 (i lang, 0,3 a dick, oval, färbt sich nur an den Enden und lässt eine helle Lücke in der Mitte.
4. Bindehaut des Auges.
Die Besichtigung der Lidbindehaut dient zur Beurtheilung
der Menge und Beseliaffenlieit des cireulirenden Blutes.
Methode. Bei der Untersuchung ist jede rasche oder rüde Handbewegung zu melden; man ordnet den Haarschopf und streicht
Fip
dem Pferde erst einmal beruhigend über das Auge. Das rechte Auge untersucht man mit der linken Hand, und umgekehrt. Zu­nächst liebt man mit dem Daumen das obere Augenlid und setzt dann an dessen Stelle den Zeigetinger, diesen vor dem Augapfel tief in die Augenhöhle eindrückend. Die Schleimhaut des oberen Augenlides und der ganze Blinzknorpel wird nun sichtbar; mit
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dem freigewordenen Daumen zieht man nun das untere Augenlid nach abwärts. Die drei übrigen Finger bleiben während der ganzen Untersuchung zur Fixirung der Hand ruhig auf dem Augen-bogen liegen.
Beim Rinde genügt es, den Kopf durch Anfassen an Horn und Nase seitwärts zu drehen, um die Conjunctiva sclcrae zu übersehen.
Will man aus der Beschaffenheit der Conjunctiva Schlüsse auf die allgemeinen Blutverhältnisse ziehen, dann darf sie in keiner Weise selbständig alterirt sein. Anstrengende Dienst­leistungen, hohe Temperatur der Aussenluft bedingen einen ver­mehrten Blutreichthum der gesunden Schleimhaut, ebenso wie eine locale Entzündung. Letztere lässt sich durch Vergleich der beiden Augen leichter erkennen. Bei gesunden Thieren ist die Lidbinde­haut blassrosaroth mit geringen Nuancen, bei Kindern blasser als bei den anderen Thieren; einzelne kleine Blutgefässe mit Verzweigungen sind immer sichtbar. Die Grenze zwischen der normalen und krankhaften Beschaffenheit ist nicht scharf, ein sicheres Urtheil gewinnt man erst durch Erfahrung.
I. Die Farbe der Conjunctiva wird bedingt durcli den Grad der Blutgefässfüllung und durch den Hämoglobingehalt des Blutes. Eine blasse anämische Färbung beweist, dass das Thier wenig circulirendes Blut besitzt oder doch arm an rothen Blutkörperchen ist; die Farbe schwankt von röihlich-weiss bis grauweiss zu tveiss.
Blässe tritt rasch ein
bei Blutverlusten, inneren Blutungen (Leber, Herz,
grosse Gefässe etc.), bei Blutanschoppungen im Darm (Embolie der Darmgefässe, Verlagerung, Abschniirung grösserer Darmpartien). Als chronischer Zustand findet sicli Blässe
bei constitutioneller Erkrankung des Blutes, bezw. der
blutbildenden Organe (Leukaemie); bei allen chronischen Krankheiten, welche zur Anaemie oder Hydraemie fuhren: Rotz, Tuberculose, Leberegelkrankheit, Lungen- und Magenwurmseuche der Schafe. Die dunkle Rötlnmg — berechtigt nicht zur Annahme einer Vollblütigkeit — zeigt sich diffus, ästig (ramiform, vascular), oder fleckig und ist ziegelroiJt, dunkelroth bis schmutzig dunkelroth (cyanotisch). Blutfülle entsteht krank­hafter Weise:
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bei vermehrtem Blutandrang nach dem Kopfe: Gehirnhyperaemie, Gehirnentzündung; die Blutgefässe treten in der lebhaft diffus gerötheten Schleimhaut deutlich hervor;
bei behindertem Rückfluss des venösen Blutes, dabei meist prallere Füllung der venösen Gefässe: Herzfehler mit Stauung des Blutes in den Körper­venen, Herzschwäche, Lungenemphysem.
Diffuse oder vencascJicne Böthe findet sich bei Ueber-ladung des Blutes mit C02, also hei allen fieberhaften Krankheiten (Infectionskrankheiten), bei allen Zuständen, welche den Lufteintritt oder die Decarbonisation in den Lungen stören: Erkrankungen des Respirationsapparates, der Respirationsmuskeln, des Herzens.
Entzündliche Affektionen der Magen-Darmschleimhaut, besonders im Verlaufe der Kolik, bewirken ebenfalls eine venöse Beschaffenheit des Blutes und diffuse schmutzige Eöthe der Bindehaut. Tritt noch Fieber hinzu, so entsteht auch noch vasculäre Köthe. (ungünstiges Symptom) Gelbe ikte-rische Färbung ist am besten nachzuweisen auf der Conjunctiva sclerae, nicht aber bei künstlicher Beleuchtung. Je weniger blutreich die Conjunctiva ist, desto leichter die gelbe Farbe erkennbar. Leichtester Grad: Stich ins Gelbe, höchster Grad citronenffelb', meist mit mehr oder weniger Eöthung verbunden. Die Gelbfärbung wird hervorgerufen durch abnormen Gehalt des Blutplasmas an Farbstoffen, Derivaten des Blutfarbstoffs.
Nach der Herkunft des Farbstoffs unterscheidet man:
1)nbsp; nbsp;haematogeneti Ikterus: entstellt durch Zerfall von rothen Blutkörperchen und Uebertiitt des Farbstoffes in das Plasma. Aus dem Hb entstellt Haematoidin-Bilirubin. Bei Brustseuche, InHuenza, Lumbago, Pyaemie;
2)nbsp; nbsp;liepatogenen Ikterus: wird durch Behinderung des Galle­abflusses aus der Leber verursacht; das Hinderniss der normalen Strömung kann in der Leber (Resorptionsiktcrus) oder an der Mündung- des Ductus choledochus in den Dann sieh befinden. iStammgsihterm.)
Ikterus entsteht am häufigsten bei Duodenalkatarrh mit Verschwellung oder Verschleimung des Ductus choledochus. Ferner bei Compression der grossen Gallenzüge durch Tu­moren (Leberkrebs bei Hunden) und durch Einwirken toxischer Stoffe auf die Leber: Lupinose, Phosphorvergiftung. Der
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hepatogene Ikterus äussert sich durch Fehlen der Gallefarb­stoffe im Kothe (helle Farbe) und Auftreten von Gallefarb­stoffen im Harn. Hochgradiger Ikterus (ict. gravis) ist ver­bunden mit Depression des Sensoriums und Verlangsamung der Herzthätigkeit.
II.nbsp; Feuchtigkeit in überreichlichem Maasse verleiht der Schleimhaut einen besonderen Glanz; verringert ist der Feuchtigkeitsgehalt bei schweren fieberhaften Krankheiten, auch bei schweren Koliken.
III.nbsp; Blutungen an der Conjunctiva im Verlauf innerer Krankheiten treten nur herdförmig auf als Folge einer Rhexis. Diese haemorrhagischen Herde sind punktförmiy, fleckig oder streifig. [Petechien, Ecchymosen.) Bei Morb. maculosus, schwerer Septicaemie oder Pyaemie, hochgradiger Anaemic, perniciöser Anaemic.
IV.nbsp; Schwellung der Conjunctiva erstreckt sich in der Regel auf das ganze Organ, ja selbst auf beide Augen. Beruht in einer serösen Durchtränkung der Mucosa und Submucosa. Die Schwellung kann entzündlicher Natur und demnach heiss und schmerzhaft sein. Am hochgradig­sten findet sich dieser Zustand bei der Pferdestaupe; wobei glasig durchscheinende, dicke wulstige, aus der Lidspalte hervortretende Falten vorhanden sind. Ferner bei Brust­seuche, Morb. maculos., bösartigem Katarrhalfieber, Rinder­pest, Milzbrand, Staupe, HUhnerdiphtherie.
Hydraemischen Ursprungs ist die Schwellung bei essentieller Anaemie, kachektischen Krankheiten der Schafe: Leberegelseuche, Lungen-Magenwurmseuche.
Im Verlaufe chronischer Erkrankung des Magen- und Darmkanals findet sich leichte Schwellung verbunden mit verwaschener oder schmutziger Röthung, bisweilen auch noch mit Gelbfärbung.
V.nbsp; nbsp;Ausfluss aus dem Conjunetivalsack meist Folge localer Erkrankung, aber auch bei einzelnen Infectionskrank-heiten. Beiderseits: bei bösartigem Katarrhalfieber (mit Keratitis), Rinderpest (ohne Keratitis), Staupe, Hühner­diphtherie, Influenza (Verschwellung des Thränenkanals); ein­seitig: Fortsetzung eines chronischen Katarrhs der Nasen­oder Kopfhöhlenschleimhaut: Rotz, chronischer Nasen- oder
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Kiefei'höhlenkatarrh. Die Chronlcitiit des Ausflusses ergiebt sich aus dem Ausfall der Haare unterhalb des vorderen Augenwinkels.
5. Körpertemperatur.
Der Organismus unserer Hausthiere vermag mit Hilfe be­sonderer Regulationseinrichtungen seine Innentemiteratur inner­halb sehr enger Grenzen auf einer bestimmten Höhe zu halten. Wärmebildung und Wärmeabgabe halten sich das Gleichgewicht. Weicht die Temperatur von dem normalen Stande ab und hält sich dort eine gewisse Zeit, so liegt eine krankhafte Störung der Wärmeregulation vor.
Die Feststellung der inneren Körpertemperatur ist eins der wichtigsten diagnostischen Hilfsmittel, denn jede Ab­weichung vom normalen Stande ist als bedeutungsvolles Symptom aufzufassen. Bei allen innerlichen Erkrankungen ist die Frage nach dem Verhalten der Temperatur eine der ersten.
Methode der Untersuchung, Die Ermittelung der Körper­temperatur beschränkte sich früher auf eine Sehätzung durch Auflegen der Hand auf verschiedene Körperstellen, namentlich Xase, Ohren, Hörner, Extremitäten, auch Einführen von Zeige-und Mittelfinger in die Maulhtthle. Abgesehen von erheblichen Täuschungen, die hierbei stets unterlaufen, lässt #9632; sich eine annähernde Schätzung erst durch fleissige Uebung gewinnen. Nur ausnahmsweise beschränkt man sieh auf derartige Unter­suchung. Wir messen die Temperatur mit einem Thermometer und gebrauchen ein Instrument mit 100 gradiger Theilung nach Celsius, welches nur die Temperaturen von etwa 3i — 45deg; zeigt, eingetheilt in Zehntelgrade. Eiir die thierärztliche Praxis empfiehlt sich ein Maximalthermometer; nur gute, geprüfte oder doch verglichene Thermometer sind zu gebrauchen. Die Auf­nahme der Temperatur erfolgt regelmässig im Rectum, sie liefert erfahrungsgemäss die besten Resultate, ausnahmsweise in der Vagina. Vorsicht gegen Schlagen der Thiere und das Thermo­meter nicht zerbrechen oder den Mastdarm verletzen! Herab­schleudern der Quecksilbersäule bei den Maximalthermometern nicht vergessen. Anfeuchtung des Instrumentes ist zweckmässig, Bestreichen mit Oel noch besser. Das Thermometer wird bei grossen Thieren ganz in den Mastdarm eingeführt und 5 Minuten liegen lassen.
Einmalige Messung der Körpertemperatur am Tage ist schon von grosser Bedeutung, in wichtigen Fällen wenigstens zweimalige (8 Uhr Morgens, 5 Uhr Abends). Bei diagno­stischen Impfungen mindestens alle 2 Stunden während der
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—nbsp; nbsp; nbsp;4:5nbsp; nbsp; nbsp;—
kritischen Zeit. Eine ganz besondere diagnostische Bedeutung kommt der Thermometrie beim Herrschen von Infections-krankheiten zu, weil die Temperatursteigerung meist das erste Krankheitssymptom ist. Durch täglich mindestens einmal vorgenommene Messung (Abends) werden die inficirten Thiere sicher herausgefunden, ehe sie sich im Uebrigen krank zeigen. Brustseuche, Lungen­seuche, Maul- und Klauenseuche, Rinderpest.
I,nbsp; nbsp;Die normale Körpertemperatur beträgt bei den ein­zelnen Thierarten:
Pferd.....37,5—38,5 0nbsp; C.
Rind...... 38,0—39,0 0nbsp; nbsp;„
Schaf.....39,0—40,5 0nbsp; nbsp;„
Ziege.....39,0-40,5deg;nbsp; nbsp;„
Schwein .... 38,0—40,00nbsp; nbsp;„
Hund.....37,5—39,0 0nbsp; nbsp;n
Geflügel .... 41,5—42,5 onbsp; nbsp;B
Die Temperatur ist bei den einzelnen Thieren einer Gattung verschieden um einzelne Zehntelgrade, ja selbst schwankt sie bei ein und demselben Thiere während eines Tages innerhalb der angegebenen normalen Grenzen (nor­male Tagesdifferenz). Die Differenz beträgt bis 1 0 C. Durch die Arbeit der Organe (Muskeln, Drüsen) steigt die Tempe­ratur um ein Geringes, anhaltende Ruhe lässt sie etwas sinken. Hohe Luft- oder Stalltemperatur bewirkt durch Ver­minderung der Wärmeabgabe eine Steigerung der Körper­temperatur, auch Alter, Geschlecht, Rasse, Temperament und Futterzeiten haben geringen Einfluss. Der Regel nach ist die Temperatur Morgens am niedrigsten, Nachmittags gegen 5 Uhr am höchsten.
II.nbsp; nbsp;Das Fieber. Wenngleich das Wesen des Fiebers nicht lediglich durch die Steigerung der Körpertemperatur repräsentirt wird, so hat man sich doch daran gewöhnt, eine Erhöhung der Innentemperatur als gleichbedeutend mit Fieber zu betrachten. Thatsächlich ist die erhöhte Tempe­ratur nur das wesentlichste, am leichtesten nachweisbare Symptom aus dem ganzen Complex der Fiebererscheinungen. Es steht jedoch in der Regel die Höhe der Körpertemperatur im richtigen Verhältniss zur Höhe des Fiebers. Nur beim
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Rinde entspricht die Temperatur oft nicht dem Grade des Fiebers, wie wir ihn aus anderen Erscheinungen annehmen müssen.
Aussei- der Erhöhung der Körpertemperatur gehören zum Symptomencomplex des Fiebers noch folgende:
1)nbsp; nbsp;Schüttelfrost. Bei sehr raschem Ansteigen der Körper­temperatur zeigen sich die eigenartigen Erscheinungen des Schüttelfrostes. Auffallendes Zittern (klonische Krämpfe) der Körpermuskulatur, so dass bisweilen der ganze Körper erschüttert wird, krummer Rücken, aufgebürstetes rauhes Haar, kalte Haut. Der Schüttelfrost ist keine ständige Be­gleiterscheinung des Fiebers, sondern zeigt sich nur bei bestimmten Infectionsfieberu: Rinderpest, Milzbrand, Septi-caemie, Pyaemie, bösartigem Katarrhalfieber, seltener bei Brustseuche.
2)nbsp; nbsp; Beschleunigung des Pulses und der Bespiration; erfolgt allmählicher als die Temperatursteigerung und steht nicht bei allen Fiebern in gleichem Verhältniss zur Temperatur. Je höher die Pulsfrequenz, desto bedenklicher das Fieber; der Puls wird dann auch klein und die Arterie weich.
3)nbsp; nbsp;Appetit tend Verdauung leidet. Secretion der Ver­dauungssäfte vermindert, Darmperistaltik verringert, Neigung zu Verstopfung, vermehrtes Durstgefühl.
4)nbsp; nbsp; Benommenheit des Sensoriums.
5)nbsp; nbsp;Albtiminurie.
Die normale Temperatur bewegt sich wohl innerhalb sehr enger Grenzen, doch ist nicht jede darüber hinausgehende Temperatur gleich als Fieber zu betrachten. Die physio­logische Tliätigkeit der Organe kann momentan besonders gesteigert sein und eine Te-mperaturerhühung bewirken. Das gleichzeitige Vorhandensein noch anderer Fiebersymptome oder wiederholte Messungen entscheiden die Frage. In zweifelhaften Fällen spricht man von hochnormaler Temperatur. Als sicher fieberhaft muss man bezeichnen eine Temperatur
beim Pferd von.... 39,0 und darüber, Kind „ . . . . 40,0 „ Hund „ . . . . 39,2 „
Andererseits ist bei Kindern und Hunden manchmal Fieber vorhanden ohne abnorme Steigerung der Körper-
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temperatur. Dann wird wiederum wichtig die äussere Körper­temperatur aufzunehmen und auf die übrigen Fiebersymptome zu achten.
Im Allgemeinen drückt die Höhe der Temperatur auch die Höhe des Fiebers aus. Man unterscheidet 4 Grade von Fieber, deren Scala für Pferd und Hund folgende ist:
1)nbsp; nbsp;geringgradiges Fieber 38,5—39,5deg; C.
2)nbsp; nbsp;mittdgradiges Fieber 39,5—40,5deg; C.
3)nbsp; nbsp;hochgradiges Fieber 40,5—41,5deg; C.
4)nbsp; nbsp;sehr hochgradiges Fieber oder hyperpyretisclie Tem­peratur 41,5deg; C. und darüber.
Gewöhnlich steigt die Temperatur des Pferdes, selbst bei den schwersten fieberhaften Krankheiten, nicht über 41,7deg; C.; nur ausnahmsweise bei Tetanus, Brustseuche und Pferdestaupe darüber. Die höchsten Temperaturen kommen beim Geflügel vor, nämlich bis 43,5deg; C.
Die Fiebertemperatur ist Tags über nicht constant, sondern entsprechend dem normalen Verhalten Morgens nie­driger als Abends. Morgendliche Remission und abendliche Exacerbation,
In Bezug auf die Tagesdifferenzen ist das Verhalten des Fiebers während des ganzen Krankheitsverlaufes von erheb­licher Bedeutung. Wird die Temperatur täglich zu bestimmten Zeiten gemessen und graphisch verzeichnet, so erhält man die Fieber curve, welche den Fiebertypus erkennen lässt.
In der Thierheilkunde sind folgende Fiebertypen von Bedeutung:
1)nbsp; nbsp;Febris contirma, die Tagesdifterenz beträgt weniger als Iraquo; C.
2)nbsp; nbsp;Febris remittois, Tagesdifferenz über 10 C.
3)nbsp; nbsp;Febris inter mittens, zeitweiliger Abfall zur Xormal-temperatur.
4)nbsp; nbsp;Febris atypica hat keinen regelmässigen Charakter. Im Verlauf der meisten Infectionskrankheiten kann man
in Bezug auf den Verlauf des Fiebers 3 Stadien unterscheiden:
1)nbsp; nbsp;stadium incrementi, Periode der noch fortschreitenden Temperatursteigerung;
2)nbsp; nbsp;fastigium, Höhepunkt mit geringen Schwanknngen;
3)nbsp; nbsp;Stadium decreinciiti, Stadium des Fieberabfalles.
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Erfolgt der Fieberabfall rasch (innerhalb 1—2 Tagen), so heisst er Krisis, stellt er sich langsam ein, Lysis.
Nach der Dauer unterscheidet man eintägige (ephemere), acute und chronische Fieber (Zehrfieber).
III.nbsp; nbsp;Subnormale Temperatur. Ebenso wie hochnormale werden auch siibnormale Temperatitren bisweilen innerhalb der physiologischen Grenzen beobachtet. Bei mangelhaftem Schluss des Afters ist sie leicht erklärlich, häufig liegt auch ein Fehler in der Aufnahme vor, doch wird sie auch bei Abwesenheit beider Momente beobachtet. Starke Anfüllung des Mastdarms mit Koth, Kothabsatz bei oder kurz vor der Messung werden als Ursache beschuldigt.
Eine krankhaft erniedrigte Temperatur ist im All­gemeinen selten; bei Kalbefieber, gewissen Magen- und Darm-erkrankungen beim Hunde, Anämie, Blutverlusten und Ikterus gravis. Am häufigsten tritt sie beim tödtlichen Ausgang von Krankheiten auf und zeigt das bald eintretende Ende an (Collapstemperatnr).
IV.nbsp; nbsp;Temperatur der äusseren Haut. Je zarter und blut-reiolier die Haut und je feiner die Behaarung, desto wärmer fühlt sich die Haut an. umfangreiche Oberfläche eines Theils lässt denselben stets kühler sein als geschützte und wenig Ober­fläche bietende Theile. Ohren und Extremitäten fühlen sich des­halb stets etwas kühler an als der Rumpf.
Die Ermittelung der Hautwärme erfolgt durch Auflegen der Hand und dient zur LTiiterstützung der Thermometrie; denn jeder Fieberzustand macht sich bemerkbar durch raschen Wechsel oder unregelmässige Vertheilung der äusseren Körper­wärme; besonders beim Rinde sind diese Merkmale oft zu­treffender als die absolute Steigerung der inneren Körper­temperatur.
Erhöht ist die Hauttemperatur im Fieber und bei physio­logisch erfolgendem Schweissausbruch. Herabgesetzt beim Sinken der inneren Körpertemperatur (Kalbefieber, bei Collaps-zuständen und während des Schüttelfrostes).
ünregelmässig vertheilt ist die Hauttemperatur (ein Ohr kalt, eins heiss, Ohrenspitzen auffallend kalt oder heiss, Ex­tremitäten besonders kühl) im Fieberstadium. Auch die Hörner bieten ein gutes Object zur Ermittelung der Vertheilung der Wärme und werden bei Rindern stets untersucht.
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lufectionskrankheiten ohne nachweisbare Localisation.
Septicaemie ist ein Sammelbegriff für faulige Blutvergiftung'en verschiedener Art. Plötzliches, Ott unter Schüttelfrost einsetzendes hochgradiges Fieber, mit dem Charakter des continuirlichen. Schleimhäute tief geröthet, häufig gelb, nicht selten mit Ecchymosen. Sehr frequenter, elender, kleiner Puls. Futter- und Getränkauf­nahme verschmäht, stinkender Durchfall. Sensorium stark ein­genommen, stierer Blick, Auge eingefallen. Acuter oder peracuter Verlauf, i
Pyaemie ist eine Allgemeinerkrankung, welche durch Auf­nahme von Eitercoccen in das Blut bedingt wird und mit multiplen secundären Eiterherden (pyaemischen Metastasen) verbunden ist. Locale Entziindungs- und Eiterherde bedingen das klinische Bild: in Lunge, Leber, Nieren, Gehirn, Gelenken etc. Mit jedem neuen Entzündungsherd ist ein Fieberanfall bisweilen mit Schüttelfrost verbunden; daher intermittirendes Fieber. Köthung und oft Gelb­färbung der Schleimhänte. Pulsfrequenz anhaltend hoch. Ver­lauf subacut.
Milzbrand ist eine durch den Bacillus anthracis hervorgerufene acute Infectionskrankheit. Plötzliches Einsetzen mit hohem Fieber, Neigung zu Schleimhautblutungen. Apoplektischer Verlauf bei
Hg; bei acutem Verlauf (1—3 Tagei
Gehirnreizungser-scheinungen, con-vulsivische Zuckun­gen,Herzaction sehr frequent, Diapnoe, VersiegcnderMilch. Bei Pferden meist mit Kolikerschei- b
Fio
16. at
nungen. Bisweilen Auftreten eines Milz-
brandcarbunkels,
häutig beim Pferd. Beim Sehwein unter dem Bilde einer heftigen Hals­bräune.
id8
gt;-
Mikroskopi­scher Nachweis
der Milzbrand-
bacillen. Das gut
lufttrockene Präpa­rat eines Ausstriches
Milzbrandstähchen nach Olt gefärbt, a, h Cadjiverbacillen.
von Blut oder Milz-pulpa wird dreimal
durch die Flamme gezogen und dann nach Olt am besten mit einer zweiprocentigen, wässerigen Safraninlösnng bedeckt, die man darüber mehrmals aufkochen lässt. Dann abspülen, untersuchen.
Jlalkmus, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4
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Die Milzbraudstäbchen sind 1—2 mal so lang als der Durch­messer eines rothen Blutkörperchens und zusammengesetzt aus 2—8, selten mehr Bakterienzellcn, die sich im Präparat rothbraun gefärbt haben. Jede Bakterieuzelle ist cvlindrisch, nur wenig länger als dick, im Gresichtsfelde daher fast quadratisch, an den Enden plan oder wenig convex. Die Hakterienzellen werden durch eine Gallerthülle, die sich durch die Präparation quitten­gelb gefärbt hat und von einer rothbraunen Contour umgeben ist, zu einem kleinen Verbände, dem Milzbrandstäbchen, sog. Milzbrandbacilkis zusammengehalten, dessen Enden abgerundet erscheinen. Liegen Milzbraudstäbchen dicht aneinander, dann vereinigt sich die Gallertmasse an den Berührungsstellen.
Pferdestaupe ist eine acut verlaufende, lieberhafte, leicht über­tragbare Jnfectionskranklicit der Pferde ohne Localisation. Incu­bation 5 — 7 Tage. Erstes Symptom rasch aufsteigendes conti-nuirliches Fieber während ܗ(i Tagen, dann Erisis. Hochgradige Ermüdung' und Erschlaffung des Körpers, Gang langsam, schwer­fällig, schwankend in der Hinterhand. Hochgradigste Benommen­heit des Sensoriums, Kopf gesenkt, gestützt. Augenlider und Conjunctiven glasig geschwollen, heiss, schmerzhaft, Lichtscheu. Puls anfangs kräftig, wenig frequent, später steigt er. Futter­aufnahme gering, nach dem dritten Krankheitstage häutig Durch­fall. Extremitäten zeigen im späteren Stadium kühle, schmerzlose, teigige Anschwellungen.
Kothlauf des Schweines ist eine durch den Itothlaufbacillus verursachte acute Infectionskrankhcit des Schweines mit meist tödtlichem Ausgang. Incubation ;;—ö Tage. Plötzlich eintretendes Fieber, grosse Mattigkeit, Schwanken in der Hinterhand und Benommenheit, Patienten kriechen unter die Streu. Erbrechen. Haut zwischen den Hinterschenkeln, unterm Bauch, Hals und der Brust diffus geröthet. Dyspnoe. Exitus innerhalb 4 Tagen.
Schweineseuche (Schweinepest'. Hohes Fieber, fleckige llöthung, namentlich an den Ohren, Dyspnoe und Husten, Appetit-verminderung, Durchfall, Faeces oft blutig, diphtheritische (!e-schwüre am Zahnfleisch und anderen Stellen der Maulschleimhaut. Bacillen wie bei der Wild- und Rinderseuche.
Geflügelcholera. Incubation 1 Tag. Häufig apoplectischer Tod. Hochgradige Mattigkeit, Taumeln, schaumiger Schleim aus dem Schnabel, Dyspnoe mit Atliemgcräusehen, Appetitlosigkeit, Diarrhöe, Bacillen wie bei der Wild- und Rinderseuche.
•-*-•
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B. Speeieller Theil der Untersuehung.
6. Circulationsapparat.
Die Untersuehung des Circulationsapparates ist von der grössten Bedeutung nicht nur für die im Allgemeinen seltneren speciellen Krankheiten desselben, man findet ihn auch bei jeder erheblichen Erkrankung irgend eines anderen Organs und bei den Infectionskrankheiten in Mitleidenschaft gezogen. Er bietet in allen Fällen wichtige Anhaltepunkte für die Beurtheilung, und deshalb wird seine Untersuchung dem all­gemeinen Theil zweckmässig angefügt, in dem sie gleichsam den Uebergang zu der speciellen Untersucliung bildet. Es sind der Reihe nach zu berücksichtigen:
I.nbsp; nbsp; nbsp; Puls,
II.nbsp; nbsp; nbsp;periphere Gefässe,
III.nbsp; nbsp;Herz.
I. Puls.
Die Untersuchung des Pulses erfolgt lediglich durch Palpation einer grösseren, auf harter Unterlage oberflächlich liegenden Arterie. Uei Pferd und Kind wird regelmässig die Arteria maxi-laris externa benutzt, und zwar beim Pferd auf der medialen, beim Kinde auf der lateralen Fläche des Hiuterkieferastes; aushilfsweise die Arteria transversa faciei, radialis, plantaris, coecygea. Hei Schaf, Ziege, Hund und Katze die Arteria femoralis, beim Schwein und Geflügel ist die Aufnahme des Arterienpuises unmöglich.
a. Der normale Puls. Bei der Untersuchung des Pulses sind folgende Momente einer besonderen Prüfung zu unterziehen.
a. Die Frequenz des Pulses, d. h. die Zahl der Puls­schläge in einer Minute. Nicht nur bei den einzelnen Thier-arten verschieden, sondern auch Thieren derselben Art, da auch unter gesunden Verhältnissen die Zahl der Pulse von verschiedenen Factoren abhängig ist. Kleine Thiere haben mehr Pulse als grosse, junge mehr als alte ^männliche Thiere weniger als -weibliche, edle weniger als Tcaltblütige. Muskel-thätigkeit, Verdauung, Aufregung, hohe Lufttemperatur be­dingen eine raschere Pulsfolge. Unter Berücksichtigung dieser
4*
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Thatsachen lassen sicli folgende Mittelzahlen für die
einzelnen Thiere aufstellen: Pferde 28 — 40 (edle Hengste
28—32, kaltblütige bis 36, Wallache und Stuten 34—40);
Fohlen bis 14 Tage alt . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; —100 Herzschläge
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4 Wochen „ . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; — 70
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 6—12 Monate „ . . 45— 60nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„
„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2—3 Jahre „ . . 40— 50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „
Esel und Maulesel........ 45— 50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„
Kinder............... 40— 80nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„
Schale und Ziegen........ 70— 90
Schweine ............. 60—100
Hunde............... 60-120
Katzen............... 110—130nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„
Vögel............... 120 — 160nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „
b.nbsp; nbsp;Der Rhythmus d. h. die Aufeinanderfolge der einzelnen Pulse erfolgt normaliter in gleichen Zwischenräumen; der Puls ist also regelmässii/ (Puls, regularis). Bei Eseln und Mauleseln nach Angaben von Cadeac oft unregelmässig und aussetzend.
c.nbsp; nbsp; Qualität. Die einzelnen Pulsschläge sollen ein­ander gleich stark, d. h. gleichmässig sein (Puls, aequalis). Je nachdem ob eine grössere oder kleinere ßlutmenge in das Arteriensystem gepresst wird, unterscheidet man einen grossen (P. viagnus) und kleinen (P. parvus) Puls, oder bezeichnet die Arterie als voll bezw. leer. Nach der Kraft der an­dringenden Pulswelle spricht man von einem kräftigen und schwachen (elmdm)'Pvili. Von der Spannung des Arterienrohres hängt es ab, ob der Puls weich (mollis) oder hart (durus) ist.
Die Qualität des Pulses ist bei den verschiedenen Haus-thieren nicht übereinstimmend; die normale Grosse,
Fig. 17.
Normaler Puls vom Pferde.
Stärke und Härte ist nur durch eigene Beobachtung kennen zu lernen, da der Grad dieser Eigenschaften sich nicht defi-
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niren lässt. Beim Pferd ist der Puls gross, kräftig und die Arterie massig gespannt; beim Rinde ist der Puls nicht so gross, auch nicht so kräftig, die Arterie aber etwas mehr gespannt und rollt als stark elastischer Schlauch unter dem Finger. Bei den kleinen Hausthieren ist der Puls lebhaft, kräftig und hart; bei Hunden bisweilen nicht ganz gleich-massig.
b. Abnorme Pulsbeschaffenheit. In Bezug auf Fre­quenz unterscheidet man einen Puls, rarus, seltenen und einen Puls, frequens, hescMeunigten Puls.
Der Puls, rarus (Bradycardie) ist selten. Bei krank­haften Zuständen im Gehirn, die mit schwerer Depression verbunden sind (chronischem und subacutem Hydrocephalus,
Fig. 18.
Seltener Puls com Pferde.
Geschwülsten im Gehirn), Ikterus gravis und gewissen Ver­giftungen (Blei, Alkohol). Auch bei Pferden mit Magen-darmaffection verbunden mit Appetitmangel, wahrscheinlich durch Alteration des nerv, sympaticus.
Der Puls, frequens (Tachycardie) tritt sehr häufig in die Erscheinung. Aus der Pulsfrequenz allein lässt sich auf keine bestimmte Krankheit schliessen; normale Puls­frequenz beweist, dass nichts Erhebliches vorliegt, hohe Puls­frequenz ist stets ein Beweis für eine parenchymatöse Affec­tion des Herzens, so dass bei schweren Erkrankungen die Pulsfrequenz der beste Werthmesser der Herzkraft ist. Bei Pferden kommen nur bei schweren Erkrankungen über 80 Pulsschläge vor, beträgt die Frequenz über 100, dann ist die Prognose ungünstig; bei Rindern deuten mehr als 100 Pulse, bei Hunden 120—150 auf eine schwere Erkrankung. Frequenter Puls tritt auf
bei allen erheblichen Erkrankungen, insbesondere
bei Fieber. Die Pulsfrequenz steht nicht immer im tnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gleichen Verhältniss zur Höhe der Körpertemperatur;
mehr als vom Fieber selbst hängt sie ab von der
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Mitafl'ection des Herzmuskels, die bei den fieber­haften Krankheiten recht verschieden ausfällt. Hoch ist die Frequenz bei Brustseuche, Septicaemie, Milzbrand, schwerer Darm- oder Bauchfellentzündung; weniger hoch bei Pferdestaupe, Druse; bei schmerzhaften Zustünden; bei psychischen Erregungen (Furcht, Angst); bei Blutverlusten. In Bezug auf den Rhythmus ist zu unterscheiden der unregelmässige, arhytlimische (Puls, irreyularis) und der aussetzende Puls.
Der unregelmässige Puls ist nicht selten bei Hunden, Eseln und Mauleseln auch unter gesunden Verhältnissen; im Üebrigen aber ist er pathologisch und entsteht sowohl durch mangelhafte Innervation, als auch besonders bei Ermattung und Ermüdung des Herzmuskels. Wenn bei Pferden die Pulszahl 90 und darüber beträgt, dann ist er meist auch irregulär. Ausserdem kommt diese Beschaffenheit zur Beob­achtung bei Herzklappenfehlern und Erkrankungen des Myocardiums.
Aussetzend nennt man den Puls, wenn die Herzpausen so lange dauern, dass ein Puls in der Zwischenzeit hätte eintreten müssen. Speciell spricht man von F. defidens, wenn eine Herzaction wirklich ausfällt; von P. intermitfens, wenn zwar eine Herzaction stattfindet, diese aber so schwach ist, dass ein Puls nicht gefühlt wird. Entscheiden kann also nur die gleichzeitige Auscultation des Herzens mit der Aufnahme des Radialpulses. Häufig tritt das Aussetzen mit Regelmässigkeit nach dem 3. bis 12. Pulse ein, reyelmässiy aussetzender Puh; beim unregelmässig aussetzenden Puls besteht keine derartige Regel.
Der aussetzende Puls — namentlich der regelmässig aussetzende — wird bei vielen sonst gesunden Pferden und Hunden beobachtet; er entspringt offenbar aus einer mangel­haften Innervation des Herzens, denn er ist nicht immer zu fühlen und verschwindet insbesondere, wenn die Pferde bewegt oder sonstwie etwas aufgeregt werden. Pathologisch ist das Auftreten bei Dummkoller, erheblicheren gastrischen Störungen und bei Keconvalescenten von schweren Infectionskrankheiten, bei denen der Herzmuskel hochgradig in Mitleidenscliaft ge­zogen war (Brustseuche).
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Die normale Q u a 1 i t ä t des Pulses kann nach verschiedener Richtung hin Veränderung erfahren. In Bezug auf die Stärke und Grosse des Pulses bildet der Meine, leere Puls (P. debilis s. petrous) eine wichtige Abnormität; nach dem Grade der Schwäche und Grosse unterscheidet man einige besondere Arten. Ist die Pulswelle bei leidlich gefüllter Arterie so schwach, dass mau nur ein leises Erzittern der Arterie ver­spürt, spricht man von zitterndem Puls {P. trcmulus). Schwacher, weicher Puls bei leerer Arterie heisst faden­förmig (P. filifonnis). Bei sehr schweren tödtlichen Er­krankungen wird der Puls unfühlbar (P. insensibilis); bei Herzschwäche und Blutarmuth.
Die Härte des Pulses wird bedingt durch die Kraft der Herzactiou und die Spannung der Arterienwand. Hart wird der Puls — also nicht leicht zu unterdrücken — bei Ge­hirnreizungen, starken Schmerzen und Tetanus; ist er dabei gleichzeitig- klein, so heisst er drahtförmig; bei schweren Koliken, Tetanus und bei Herzhypertropliie infolge von Schrumpfniere.
Sind die Pulswellen einander nicht gleich gross, so heisst der Puls ungldchmässig (P. inaequalis); ist ein sehr
Fig. 19.
Irregulärer und inaequuler Puls ivm Pferde.
wichtiges Symptom der Herzschwäche und dann regelmässig mit Irregularität verbunden; ferner bei organischen Fehlern an der Mitralis. Zwischen Irregularität und Inaequalität besteht bisweilen eine gewisse Beziehung, indem ein zwischen regelmässigen Pulsschlägen plötzlich frühzeitig erfolgender auch etwas kleiner ist {Zwischenschlag), der nächste dann in gleichem Yerhältniss etwas später eintretende um so kräftiger (Puls, intereidens); bei beginnender Herzschwäche. Auch die Form der Pulswelle kann krankhaft werden. Ist sie sehr kurz, so liegt ein hüpfender, schtiellender Puls (P. celer) vor; ist die Pulswelle sehr lang, ein langsamer,
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träger Puls {P. tardus). Der Puls, celer kommt vor in ge­ringem Grade bei Hypertrophie des Herzens, deutlich bei Insufficienz der Aortenklappen, indem die Aorta aus dem dilatirten und hypertrophischen linken Ventrikel zunächst eine grosse Menge Blut erhält, das aber nicht nur nach der Peripherie, sondern auch nach dem Herzen zurück abfliessen kann. Merkwürdiger Weise kommt auch bei Herzschwäche bisweilen ein puls, celer vor in Folge kurzer krampfhafter Contraction des Herzens; dabei ist der Puls schwach und die Arterie leer. Der Pulsus tardus ist charakteristisch für eine Stenose der Aorta und dann zugleich klein.
Eine besondere Veränderung erleidet die Form der Puls­welle bei dem doppelsehlägigm, dikrotm Puls; die Rück-
Fig. 20.
DoppeUchlägiger Puls com Pferde.
stosselevation im katakroten l'ulsschenkel ist hierbei so be­deutend, dass sie nach jedem Puls in Form einer kleinen Welle gefühlt werden kann. Verminderung des Arterien­tonus in Verbindung mit mangelhafter Herzkraft lässt ihn entstehen; also bei lang andauerndem Fieber und bei allen Formen von Anaemie.
11. TJntersuchung der peripheren Blutgefässe.
Arterien, Ein kräftiger Puls bei chronischer Erkrankung und Abmagerung erheischt eine Berücksichtigung der kleinsten Arterien. Die abnorm starke Pulsation der pe^jheren kleinen Arterien ist bisweilen schon sichtbar; beim Pferde die Ver­zweigungen der Maxilaris externa: Nasenrücken- und Augen­winkelarterie. Vorkommen: Hypertrophie des linken Ven­trikels besonders nach Insufficienz der Aortenklappen.
Venen. An den Venen interessirt in erster Linie der Füllungszustand; bei Pferden mit feiner Haut und Be­haarung treten die oberflächlichen Körpervenen, namentlich die Hautvenen bei einiger Erregung der Herzthätigkeit deutlich
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hervor; dieser physiologische Zustand ist vorübergehend. Eine dauernd vermehrte Fülluny der Venen ist krankhaft und zwar wird sie bedingt durch Behinderung des normalen Blutabflusses zum rechten Herzen. Am deutlichsten an lu-gularis und ihren Wurzelästen am Kopfe, an den übrigen Venen (äussere Brustvene, Milchader, Venen der Extremitäten) weniger auffallend wegen der meist noch vorhandenen anderen Stauungserscheinungen. Die lugularen aber treten als runde elastische, bis mehrere fingerdicke, selbst armdicke Stränge stark hervor. Auch an den Venen der Conjunctiva ist die Stauung in Form der ramiformen Röthe erkennbar, wobei die Gefässe häufig geschlängelt verlaufen. Eine allgemein ver­mehrte Füllung kommt vor bei:
Herzklappenfehlern, insbesondere Insufficienz der Tri-cuspidaiis (meist secundiire, relative, bei Rindern aber meist primäre); chronischen Erkrankungen der Lunge, bei denen der
Kreislauf behindert ist: Emphysem; Erkrankungen des Herzmuskels, bei denen die Herz­kraft derart geschwächt ist, dass die Blutmenge nicht mehr bewältigt werden kann: Myocarditis traumatica des Rindes; bei dauerndem Druck auf dem Herzen und den grossen Gefässen: Tympanitis, Pleuritis, Pericarditis trau­matica. Aussei- dem Füllungszustand der Venen sind noch etwaige Bewegungserscheinungen {Ptdscdionen) an denselben zu berücksichtigen. Im Zusammenhang mit der Athmung ist bisweilen eine langsame Anschwellung der lugularen im Moment der Exspiration und Abfall bei Inspiration bemerkbar; also unabhängig von der Herzbewegung. Unter allen Haus-thieren kommt eine pulsähnliche Bewegung an den lugularen normaliter nur beim Rinde vor. lugularen und vordere Hohlvene beim Rinde sind verhältnissmässig weit, der continuirliche Abfluss des venösen Blutes nach der rechten Vorkammer er­leidet während der Systole der Vorkammer, die bekanntlich der Systole der Kammern unmittelbar vorhergeht, eine kurze Unterbrechung, das Blut staut sich in der vorderen Hohlvene und den lugularen und bringt eine momentane Erweiterung der lugularen zu Stande, die von unten nach oben fortschreitet und den Eindruck einer Pulsation macht. Es handelt sich
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aber um keine aktive Blutbewegung, eine Pulsation, sondern um eine passive, momentane Stauung, die sich vom Punkte des Hindernisses nach rückwärts in Form einer Wellen­bewegung zu erkennen giebt. Wir nennen diese normale Bewegung in den Venen Undulation oder negativer Venen-puh. Charakterisirt ist diese Bewegung durch das praesy-stolische Auftreten, deshalb ist stets der Arterienpuls damit zu vergleichen. Der Collaps der Vene fallt zusammen mit dem Arterienpuls.
Bei Kindern verstärkt und bei anderen Hausthieren deutlich wird diese Undulation, wenn eine krankhafte Stauung des Blutes vor dem Herzen eintritt, aus den vorher dar­gelegten verschiedenen Ursachen. Beim Pferde bleibt die Undulation auf die vordere ßrustapertur oder höchstens den untersten Theil der lugularis beschränkt.
Ein positiver Venenpuls kommt nur unter pathologischen Verhältnissen vor; er fällt zusammen mit der Herzsystole und wird erzeugt durch eine von der rechten Kammer durch das nicht hinreichend verschlossene ostium venosum in die Körper­venen zurückströmende Blutwelle. Xur bei Insufficienz der Trieuspidalis, so dass er liier pathognomonisch ist. Die Venenklappen können das Zurückströmen des Blutes nicht hindern, weil sie an den lugularen häufig schon von Geburt aus insufficient sind, oder auch die lugularen bereits durch die andauernde Stauung des Blutes erweitert und deshalb die Klappen verschlussunfähig sind.
III. Das Herz,
Die Untersuchung des Herzens erfolgt durch Palpation, Percussion und Auscultation.
Anatomische Vorbemerkungen. Das Her/, liegt bei allen Haus­thieren im ventralen Theilc der Brusthöhle von der ;!. bis (j. Rippe, nur beim Hunde reicht es bis zur 7. Hippe. Die grössere Masse des Herzens (3/e) befindet sich links von der Medianebene, so dass es sieh der linken Brustwand mehr nähert als der rechten. Seine Lage ist auch nicht senkrecht, vielmehr etwas schräg von vorn oben rechts, nach hinten unten links; auf diese Weise kommt es nach der #9632; Herzspitze zu mit der linken Fläche direkt an die Brustwand.
Pferd. Die Herzbasis liegt etwas unter der Mitte der ganzen Brusthöhe; vom 4. bis 5. Intercostal räum berührt es die Brustwand unmittelbar in einer etwa 10 cm hohen und (J—8 cm breiten Fläche. (Siehe Fig. 23.)
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ßind und kleine Wiederkäuer. Das Herz ist schmäler und reicht deshalb nicht ganz bis zur G. Kippe, seine Basis aber erreicht die Mitte der ganzen Brusthöhe. Vomi. bis 5. Intercostal-raum berührt es die Brustwand unmittelbar. (Siehe Fig. 24.)
Hund. Herz stuinptkegelig, liegt sehr schräg. Die Brust-wand berührt es nur in Form eines schmalen Streifens von der
4.nbsp;bis 7. Kippe dicht über dem Brustbein. Die Herzspitze befindet sich unter dem 6. Intercostahauni. (Siehe Fig. 2ö.)
Die Palpation der Herzgegend geschieht durch Auflegen der flachen, linken Hand auf die Herzgegend; der Lage des Organs entsprechend muss man die Hand etwas unter die Ankonäen schieben. Man fühlt dort in der Tiefe den Anschlag eines derben Körpers gegen die Brustwand dlerzstossi. Der Herzstoss entsteht durch die Contraction des Herzmuskels und die damit verbundene Drehung des Herzens nach links, wobei die linke Seite des Herzens, nicht die Spitze, an die Brustwand angepresst wird. Am deutlichsten lässt sich der Herzschlag bei allen Thieren im
5.nbsp;Intercostalnunn etwas über der Verbindung der Rippen mit dem Rippenknorpel fühlen. Die normale Stärke und Ausdehnung des Herzstosses lässt sich nur durch eigene Beobachtung kennen lernen, bestimmte Angaben lassen sich nicht machen. Ernährungszustand von Einfluss, Arbeit und Aufregung lässt ihn stärker werden. Nur beim Hunde ist der Herzstoss um-maliter auch rechtsseitig fühlbar.
Eine Verstärkung des Herzstosses ist immer ver­bunden mit einer Verbreitung des fühlbaren Herzstosses. Ein pochender Herzstoss wird beobachtet bei
Hypertrophie des Herzens, und ist dann verbunden
mit kräftigem grossen Puls; Herzschwäche infolge krampfhafter Contraction, die aber unergiebig ist und einen kleinen Puls bewirkt: acute Myocarditis, Endo- und Pericarditis; Verdichtung der zwischen Herz und Brustwand liegen­den Lungenpartien. Eine Abs ch wach un g des Herzsto sses tritt ein bei Verminderung der Herzkraft infolge Degeneration des
Muskels; Abdrängung des Herzens von der Brustwand durch Exsudat (pleuritisches oder pericardiales), durch die Lunge (Emphysem) oder durch Tumoren. Bisweilen kann man Herzgeräusche bei der Palpation auch fühlen, die im Herzen oder ausserhalb in seiner nächsten Nähe, aber im Zusammenhang mit der Herzaction, ihre Ent­stehung finden. Da die Palpation gegenüber der Auscultation nur von geringer diagnostischer Bedeutung ist, jedenfalls nichts Besonderes ergiebt, so wird die Würdigung dieses Symptoms an jener Stelle stattfinden.
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Die Percussion des Herzens, Da das Herz der linken Brustwand zum Theil unmittelbar anliegt, ist es auch durch die Percussion nachweisbar. Die unraittelbare Berührungsfläche ist nur klein (s. oben], bei kräftiger Percussion schwingt die Nach­barschaft mit, deshalb kommt kein leerer, sondern nur ein ge­dämpfter Schall zu Stande. Nur bei mageren Pferden kann man bei schwacher Percussion über der 5. Kippe eine kleine, leere Stelle nachweisen. Hei keinem Thiere ist die Grenze des Herzens genau nachweisbar, weil von allen Seiten der scharfe Hand der Lunge sich überschiebt und einen allmählichen Ueber-gang des gedämpften ibezw. leeren) Schalles in den vollen Lungcnschall bewirkt.
Pferd. Zwischen dem 4. und 5. Intercostalraum eine etwa hamltcllergrosse Dämpfung und in deren Mitte unter günstigen Verhältnissen eine leere Stelle. Grenzbestinnuung recht unsicher.
Kind. Prustwand wohl dünner, aber Lunge noch mehr über das Herz geschoben als beim Pferde.
Schaf und Ziege. Ueber der 5. Rippe schwache Dämpfung.
Hund. Bei verhältnissmässig kräftiger Percussion schmale, horizontale Dämpfung von der 4. bis 7. Hippe auf beiden Seiten.
Bei den ungünstigen anatomischen Verhältnissen kann die Percussion des Herzens nur in seltneren Fällen eine gewisse Bedeutung erlangen.
Vergrösserung der Herzdämpfung kommt zu Stande bei Herzhypertrophie und Ansammlung von Flüssig­keit im Herzbeutel. Auch Tumoren in der nächsten Nähe des Herzens und Verdichtungen der Lunge können zur Ver­breiterung der normalen Herzdämpfung quot;beitragen.
Verkleinerung der Herzdämpfung kann bisweilen bei Lungenemphysem nachgewiesen werden.
Tympanitischer Schall wird nicht selten bei trau­matischer Pericarditis des Rindes infolge reichlicher An­sammlung von Fäulnissgasen wahrgenommen. Die Aus­cultation lässt dann regelmässig ein glucksendes oder quat­schendes pericardiales Geräusch constatiren.
Schmerzhaftigk eit bei der Percussion des Herzens wird beobachtet bei acuter Pleuritis oder Pericarditis.
Die Auscultation des Herzens.
Methode. Die Auscultation des Herzens erfolgt durch An­drücken des linken Ohres auf die Ankoniien mit nach hinten gerichtetem Kopfe: oder Autlegen des rechten Ohres hinter diese Sluskelgruppe, wobei man den linken Vorderfuss nach vorn heben oder doch etwas nach vorn stellen lässt. Kleine liausthiero stellt man auf einen Tisch und untersucht eventl. mit einem Stethoskop.
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Physiologisches. In der Herzgegend und verschieden weit über sie hinaus hört man bei jeder Heizaktion zwei Töne: einen gleichzeitig mit der Systole — die man mit der angelegten Kopf­seite fühlen kann —, das ist der systolisehe oder erste Herzton\ der darauf folgende heisst der diastolische oder zireite Herzton. Der zweite Herzton folgt rasch auf den ersten, so rtass man bei den wenig frequenten Herzschlägen des Pferdes sofort hören kann, welches der erste bezw. der zweite ist. Sobald aber die Zahl der Herzschläge etwa 60 in der Minute beträgt, sind die Pausen zwischen 1. und 2. fast ebenso lang wie zwischen 2. und darauf folgendem 1.; dann kann man nicht sofort entscheiden, was erster bezw. zweiter Ton ist. Zur Sicherheit fühlt man dann gleichzeitig den Radialpuls.
Ueber die Entstehung der Herztöne sind die Ansichten noch nicht übereinstimmend; für den Kliniker scheint die Darlegung von Geigel die zutreffende zu sein.
Ein Körper kann nur dann einen Schall oder Ton hervor­bringen, wenn er aus seiner Gleichgewichtslage gebracht wird und um diese vermöge seiner elastischen Kräfte schwingt. So kann auch der Herzmuskel nur einen Ton geben, wenn er in Schwingungen versetzt wird. Das kann nur im Verlaufe der Sy­stole während der Verschlusszeit oder Spniiiiioir/szeit eintreten, während welcher eine Fortbewegung des Blutes noch nicht statt-iindet, die Vcntrikelwand eine neue Gleichgewichtslage sehr rasch erreicht und um diese schwingt. Zu gleicher Zeit wird aber auch die Vorhofsklappe plötzlich aufgebaucht, die als zarte elastische Membran noch eher in Schwingungen versetzt werden muss als die dicke Muskelwand. So setzt sich der erste Herzton in dem Ilanpttheil zusammen aus Muskel- und Klappenton. Es kann aber weder ein Muskel- noch ein Klappenton entstehen, wenn die Verschlusszeit fehlt: Schliesst die Vorhofsklappe nicht, so preset der sich contrahirende Herzmuskel sofort das Blut zum Theil iu den Vorhof, er erreicht nicht plötzlich eine neue Gleich­gewichtslage, um die er schwingen könnte, sondern folgt allmählich dem ausweichenden Blute. Es kann also ein Muskelton nicht entstehen. Aber auch die Klappe kann keinen Ton geben, denn sie wird durch das vorbeiströmende Blut ebenso wie die Lippen einer Labialpfeife immer fort von Neuem in Schwingungen ver­setzt; es entsteht also kein Ton sondern ein Geräusch. Das Ticken einer Uhr verdankt seine Entstehung nur einem einzigen Schlag: das Sägen, Schnurren, Raspeln, Kauschen und drgl. einer kürzer oder länger dauernden Bewegung eines Körpers, der an schallgcbcnden Körpern das Gleichgewicht immer und immer wieder stört.
Auf diese Weise können wir uns nicht nur die Entstehung des normalen ersten Herztones aus Muskel- und Klappenton er­klären, wir begreifen auch die oft klinisch constatirte Thatsache, dass bei unvollständigem Verschluss der Vorhofsklappen der 1. Herzton fehlt.
Zur Entstehung des ersten Herztones müssen ferner noch die Schwingungen der Aorta und Pulmonalis beitragen, die durch den plötzlich andringenden Blutstrom erzeugt werden.
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Der erste Herzton ist bei unsern Hausthieren dumpfer, tiefer, länger und meist lauter als der zweite; dieser ist kurz, liöher, scLarf abgesetzt, weniger laut und bisweilen klappend (schwach klingend). Die Herztöne sind bei den Thieren selbst gleicher Gattung nicht vollständig überein­stimmend, bald sind sie mehr tonartig klingend, bald mehr dumpf. Die Stärke der Töne ist auch abhängig von der Dicke der Brustwand. Annähernd zutreffend kann man die Herztöne nachahmen durch Aussprechen der Silben buh-dupp I ir i ii
buh-dupp buh-dupp
Pathologische Veränderungen der Herztöne.
Verstärkung beider Herztöne tritt ein bei Hypertrophie des Herzens mit Intactbleiben der Klappen
(idiopathische Hypertrophie); Anaemien;
Verdichtungen der Lungenpartien um das Herz, in­folge besserer Schallleitung. Verstärkung nur des 2. Tones bei erhöhter Arterien-spannung, die nicht selten aus einer Ueberfiillung des kleinen Kreislaufes verbunden mit Herzhypertrophie resultirt.
Äbschwächung bei jeder Herzschwäche, mag sie hervor­gehen aus einer parenchymatösen Erkrankung eines vorher normalen Herzens, oder aus Ermüdung eines hypertrophischen Herzens.
Auffallender Klang der Herztöne {MetalWang) nament­lich des 1. Tones bei anämischen Thieren häufig. Besonders laut wird der Klang bei Pneumopericardium des Rindes (traumat. Pericarditis), solange der Herzmuskel noch kräftig ist. Nicht selten kann man die Herztöne dann einige Schritte weit vom Thiere entfernt vernehmen. Der lufthaltige Raum an der Basis des Herzens bildet einen guten Resonanzboden und verstärkt die Herztöne.
Gespaltene |^~ ^ — ^ oA^r verdoppelte W^ laquo; |— w | Herztöne haben bei sonst normalen Zuständen im Circulations-apparat nichts zu bedeuten. Oft hört man auch vor dem 1. Ton einen kurzen Vorschlag ^— ^ •gt; den man als Vor-hofs-Muskelton auffasst; auftretend bei stark entwickeltem Vorhof.
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Herzgeräusclie sind immer pathologisch; sie ent­stehen dadurch, dass die tongebenden elastischen Theile nicht nur einmal, sondern mehrmals dicht hintereinander in Schwingungen versetzt werden.
a. Die endocardialen Geräusche entstehen im Innern des Herzens und sind streng an den Eintritt der Herz­töne gebunden; man bezeichnet deshalb auch die Geräusche je nach dem Zeitpunkt des Auftretens als systolisehe oder diastolische. Werden sie durch anatomische Veränderungen im Herzen bedingt, so nennt man sie organische, andernfalls anorganische Geräusche.
Die organischen oder endocarditischen Herzyeräusche werden verursacht durch Verengerung der Ostien (Stenose) oder mangelliafte Schlussfähigkeit derKlappen(Insuffi cienz); sie bilden das wichtigste S3Tmtom für die Diagnose der Herz­krankheiten.
Bei der Stenose entsteht das Geräusch in dem Augenblick, wenn das Blut die stenosirte Stelle passirt; durch die entstehende Reibung und Wirbelbewegung des Blutes werden die Wände in Schwingungen versetzt, welche das Geräusch ergeben. Liegt die Stenose an einer Atrio-Ventricular-Oettnung, so ist das Geräusch ein diastolisches, liegt sie an einer Arterien Oeffnung, so tritt das Geräusch als systolisches auf.
Bei der lusufficienz entsteht das Geräusch in dem Augenblick, wo die Klappe schliessen sollte. In­folge der Schlussunfähigkeit strömt aber Blut durch das Ostium zurück und versetzt die Klappe immerfort in erneute Schwingungen, die das Geräusch entstehen lassen. Befindet sich die Insufficienz an einer Atrio-Ventricularklappe, so tritt das Geräusch systolisch auf, ist dagegen eine halbmond­förmige Klappe insufficient, so muss es diastolisch sein.
Der Charakter der Geräusche ist sehr verschieden, sie können summend, schabend, blasend, zischend, brummend, sägend, schnurrend lauten, und lauf) oder kurz sein. Die Insufficienzgeräusche sind in der Regel weicher als die Stenosengeräusclie. Herzgeräusche nehmen mit Verstärkung der Herzarbeit zu, deshalb ist eine kurze Bewegung der Patienten für die Untersuchung bisweilen zweckmässig.
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Es spricht ein
systolisches Geräusch ~w
Insufficienz einer Atrioventrikular-für \ klappe.
Stenose einer Arte-rienoffhung.
Stenose einer Atrio-ventrikularöff-
diastolisches Geräusch — ^ i für
nung.
Insufficienz einer halbmondform. Klappe.
Wiewohl die Geräusche an verschiedenen Stellen des Herzens entstehen, kann man doch den Entstehungsort nicht lediglich durch Auscultation nachweisen. Bei Pferd und Hund haben Klappenfehler in der Kegel ihren Sitz im linken Herzen, selten primär im rechten Herzen. Beim Rinde dagegen sind Klappenfehler im rechten Herzen häufiger als im linken. Durchweg sind Erkrankungen an den Ostien mit Zipfelklappen häufiger, als den Ostien mit halbmond­förmigen Klappen.
Im Gegensatz zu den endocarditischen, organischen Ge­räuschen stehen die anorganischen oder anämischen Geräusche; sie entstehen ohne irgend welche anatomische Veränderungen an den Ostien oder Klappen. Meist sind sie systolisch, weich, hauchend und nicht constant {accidoitcdl); sie fehlen oft und kommen gelegentlich wieder zur Beobachtung. Ent­stehungsursache nicht klar. Sie finden sich zumeist bei anämischen Thicrcn; es wird eine Erschlaffung der Arterien bestehen, so dass der Druck in der Arterie dem Ventrikel­druck nicht Stand halfen kann. Es kommt dann keine Ver­schlusszeit zu Stande, sondern das Blut tliesst vom Beginn der Systole an nach den Arterien; ein Ton kann dann nicht entstehen, sondern ein Geräusch.
Unterscheidung zwischen organischen und anorga­nischen Geräuschen ist von grosser Bedeutung, aber häufig schwer. Es gilt deshalb als Regel, dass systolische, sanfte Geräusche sehr vorsichtig zu beurtheilen sind. Mit organischen Herzgeräuschen ist immer Hyper­trophie des Herzens und häufig Veränderungen des Pulses
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verbunden; ferner besteht meist eine Stauung des Blutes in den Venen, wodurch der zweite Herzton laut und klappend wird.
b. Die pericardialen Geräusche finden ihreEnt-stehung nicht im Herzen, sondern ausserhalb desselben, wenn der Herzbeutel seine normale Glätte und Schlüpfrigkeit ver­loren hat; es sind also Reiheyeräusche, die sich wie ein Kratzen, Schaben oder Knarren anhören (Pericarditis, Pleu­ritis) und nicht streng an die Herzaktion gebunden sind. Die Herztöne sind neben den pericardialen Ge­räuschen vorhanden, können allerdings durch diese ganz verdeckt werden.
Pericardiales metallisches Plätschern oder Quatschen, synchron mit dem Herzschlag, tritt im Verlauf der Peri­carditis traumatica des Rindes auf, wenn neben flüssigem Exsudat auch noch Gase im Herzbeutel sich befinden.
Krankheiten des Circulationsapparates.
Myocarditis acuta. Die diffuse parenchymatöse Erkrankung des Herzmuskels Theilerscheinung schwerer Infectiouskrankheiten, die dadurch complieirt werden. Allgemeine Schwäche und Hin­fälligkeit des Patienten, Schleimhäute hochgradig diffus und vas­cular geröthet. Hochgradiges Fieber, Herzschlag schwach, erster Herzton dampf, undeutlich. Sehr frequenter Puls bis 120, klein, elend, arythmisch, inaequal, schliesslich unfiihlbar. Verlauf acut selbst peracut, häufig mit tötlichem Ausgang.
Hypertrophie und Dilatation des Herzeus kann jahrelang ohne sichtbare Störungen bestehen; Pids kräftig, auch Herzschlag, Herz-dämpfung vergrössert. Erst wenn bei hochgradiger Herzerweiterung die Zipfelklappen nicht mehr schiiessen (Couipensationsstörung) Erscheinungen der Insufficienz der Hicuspidalis. Häufigster Herz­fehler bei Pferden und Hunden. Puls frequent, arythmisch und inaequal; Herzstoss nicht immer pochend, Dämpfung vergrössert. Systolisches brausendes Geräusch, zweiter Ton rein, häutig laut, accentuirt. liei angestrengter Arbeit durch Blutstauung in den Lungen Dyspnoe. Endstadium wie bei den Klappenfehlern.
Endocarditis acuta kommt klinisch selten zur Beobachtung. Fieber, starke erregte Herzaktion, Puls unregelmässig, aussetzend, sehr klein. Herztöne anfangs normal, später systolisches Geräusch. Athmung angestrengt. Allgemeinbefinden gestört. Prognose un­günstig.
Klappenfehler, Endocarditis chronica. Entstehen durch Endo­carditis valvularis chronica, die zur Schnunpfung der Klappe (Insufticienz) oder zur Verengerung des Ostium (Stenose) führt. Im Anschluss an einen Klappenfehler entwickelt sich stets eine
Malkmus, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
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Hypertrophie des dahinter liegenden Ventrikels; bei Aorten­fehlern eine Hypertrophie des linken Ventrikels, bei Jlitralfehlern eine Hypertrophie des rechten Ventrikels. Durch diese Hyper­trophie in Verbindung mit Dilatation wird der Herzfehler compensirt.
Insuff ici en.z der Mitr alklapp e. Häutigster Herzfehler bei Pferd und Hund. Puls klein, ungleiehmässig. Systolisehes Ge­räusch. Zweiter Herzton rein, auffallend laut, klappend. Athein-beschwerde bei der Bewegung.
Stenose der Mitralis. Für sich allein selten, meist mit Insuftieienz zusaimnen, weit seltener als diese. Puls klein, sehr sehwach. Diastolisehes oder praesystolisehes Geräusch. Starke Athemnoth.
Insuff icienz der Tricuspidal is. Primär beim Pferde selten, meist erst nach Fehlern im linken Herzen durch Erweiterung des rechten Herzens. Beim Kinde auch primär. Systolisehes Geräusch, Stallungen im ganzen Venensystem, Venenpuls.
Stenose der Trieuspidalis. Kommt nur beim Kinde und dann zusamiuen mit Insuftieienz vor. Diastolisehes Geräusch, hochgradige Stauung in den Venen des Körpers, Athemboschwerde.
Insufficienz der Aortenklappen. Grosser, kräftiger, hüpfender Puls, Pulsation der peripheren Arterien. Dia­stolisehes Geräusch. Hypertrophie des linken Herzens.
Stenose der Aorta meist zusammen mit lusuflicienz. Hartes systolisehes Geräusch. Langgezogener nicht frequenter, kleiner Puls (bisweilen nur 28—.'52;. Herzhypertrophie, Schwindel-anfälle bei der Arbeit.
Klappenfell ler an der Pulmonalis äusserst selten.
Endstadium aller Klappenfehler. Die im Anschluss an einen Herzfehler eintretende Hypertrophie und Dilatation des dahinter liegenden Ventrikels hat scliliosslieh auch eine relative Insufficienz seiner Zipfelklappen im Gefolge. AortentVhler be­dingen also eine relative Insuftieienz der Mitralis, Mitralfebler eine relative Insufficienz der Trieuspidalis. Die Specialdiagnose des primären Herzfehlers dann schwer. Es treten schliesslich auf: kleiner unregelniässiger. inaequaler Puls, systolisehe und diasto-lische Geräusche, Stauung in den Venen, Venenpuls, Oedeme, Atbembeschwerde, Albuminurie, Hydrops, Schwindelanfälle, Ab­magerung, Schwäche.
Pericarditis meist Theilerscheinung anderer Krankheiten. Mittelhochgradiges Fieber, Röthung der Schleimhäute. Puls­frequenz, HerzstOSS schwach oder ganz unfiihlbar, vergrösserte Herzdämpfung, pericardiales Geräusch, das aber bei reichlichem wässrigen Exsudat wieder schwindet. Durch Druck des Exsudats auf die Venen Staining des Blutes in den Jugularen.
Pericarditis traiimatica des Kindes beginnt mit den Erscheinungen einer acuten Dyspepsie (traumatische Magen-Zwerchfellentzündung), die sich oft lange Zeit hinziehen. Dringt der fremde, spitze Körper weiter nach vorn, was oft durch die beim Gebärakte eintretende starke Anspannung der Bauchpresse veranlasst wird, so geht er in den meisten Fällen nach dem Herzen. Allgemeinbefinden des Patienten erheblieli gestört, Blick klagend, ängstlich; steht mit krummem steifen Blicken ruhig, legt sich nicht gern, dann stets
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auf die Unterbrust. Stöhnen besonders beim Aufstehen. Fieber­temperatur nicht constant, äussere Körpertemperatur aber nie gam normal. Puls frequent, klein, Arterie gespannt. Herzstoss verschwommen, Herzdiimpfung verbreitet, bei jauchigem Exsudat mit Gasentwickelung tympanitischer Schall an der Herzbasis. Percussion schmerzhaft. J5ei der Auseultation im Anfangsstadium pericardiale Keibegeräusche, Herztöne rein, bei reichlichem wässrigen Exsudat sehr schwach; erster Herzton infolge krampf­hafter Contractionen oft metallisch klingend oder schwirrend. Pgt;ei Gegenwart von Fäulnissgasen Herztöne oft laut klingend neben dem Thiere schon hörbar. Ferner plättschernde, glucksendo oder quatschende Geräusche. Pralle Füllung der lugularen, Undulation. Oedeuie vor der Brust, im Kchlgang. Verlauf meist verzögert trotz hochgradigster Erkrankung. Prognose schlecht.
7. Respirationsapparat.
Die Untersucliuiig des Respirationsapparates gehört zu deu wichtigsten Obliegenheiten desThier-arztes, weil er einerseits sehr häutig erkrankt, andererseits auch einer sehr eingehenden Untersuchung zugänglicb ist. Bei der grossen Zahl der einzelnen anatomischen Theile und der zahlreichen Punkte, welche für die Diagnostik von Be­deutung sind, macht sich mehr als bei anderen Organ­systemen die Innehaltung eines bestimmten Schemas notli-wendig. Am Respirationsapparat werden der Reihe nach einer besonderen Berücksichtigung unterzogen: I. •die Athembewegungen; II. die ausgeathmete Luft;
III.nbsp; nbsp; der Nasenausfluss;
IV.nbsp; nbsp; die Nasens cli leim haut und Nasenhöhle; V. die Kopfhöhlen;
VI.nbsp; nbsp; der Kehlgang;
VII.nbsp; nbsp; der Husten;
VIII.nbsp; nbsp; die Kehlkopfgegend;
IX.nbsp; nbsp; die Luftröhre;
X.nbsp; nbsp;Percussion der Brusthöhle;
XI.nbsp; nbsp;Auscultation der Brusthöhle.
I. Die Athembewegungen. Die Athembewegungen er­fordern eine specielle Untersuchung in Bezug auf Frequenz und Art ihrer Ausführung, sowie auf etwaige besondere Geräusche. Diese drei Factoren bilden die Grundlage für die Beurtheilung einer vorhandenen Dyspnoe.
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Frequenz der Athmung. Die Feststellung der Zahl der Atheiuzug-e in einer Jlinute erfolgt unter Besichtigung der Flanken­bewegungen oder der Excursionen des Brustkorbes. Nach den Bewegungen der Nasenflügel ist die Aufnahme der Athemfrequenz schwierig, weil auch willkürliehe Bewegungen daran auftreten. Im Winter kann die Aufnahme bei kalter Luft leicht an der Exspirationsluft erfolgen. Man muss mindestens 1/2 Minute lang zählen, bei unruhigen Thiereu sich zunächst ruhig ne'benan stellen, mehrmals zählen und dann die Mittelzahl nehnieu.
Je kleiner das Thicr, desto mehr Athemziige macht es. Auch bei ein und demselben Tliiere wechselt unter den ver­schiedeneu physiologischen Verhältnissen die Athemfrequenz; nach der Futteraufnahme ist sie höher, überhaupt bei starker Füllung des Hinterleibes; besonders Bewegung steigert die Zahl der Athemziige ganz bedeutend. Hohe Lufttemperatur bedingt ebenfalls eine höhere Frequenz. Bei ausgewachsenen Thieren zählt man im Zustande der Ruhe:
Pferd.....
8 —IG
Rind.....
10-30
Schaf und Ziege
12 — 20
Schwein . . . .
10 — 20
Hund.....
10—30
Katze.....
20—30
Hühner . . . .
40—50
Eine krankhafte Vermehrung der Athetmüge wird als Athemnoth, Dyspnoe bezeichnet (s. d.). Eine Vermin­deruni/ der Zahl der Athemzüye kommt selten zur Beob­achtung, und zwar bei schwerer Affection des Gehirns (Blutung, Hydrocephalus, Tumoren, Vergiftung, Einwirkung septischer Stoffe bei Gangräna pulmonum), sowie bei hoch­gradiger Stenose der oberen Luftwege in Verbindung mit inspiraforischem Athemgeräusch.
Art der Athembewegnngen. Physiologisches. Im Stande der Ruhe wird die Athmung lediglich durch die Thätigkeit des Zwerchfelles vollzogen. Bei der Contraction bewirkt es eine Erweiterung des Brustkorbes durch Abflachung und Rück­zug nach hinten, sowie durch Hebung der falschen Kippen. Trotzdem das Zwerchfell quer zwischen Brust- und Bauchhöhle ausgespannt ist, hat es bei der Contrac­tion keine Annäherung der beiderseitigen Insertions-punkte zufolge, weil das Zwerchfell durch die Bauchein­geweide nach vorn gedrängt und dort lixirt ist, so dass es im fleischigen Theile dem Brustkorbe anliegend die Rippen nicht
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nach der Medianlinie, sondern nach vorn zieht. Vermöge der eigenthümlichen doppelten Artikulation der Hippen an der Wirbelsäule ist mit dem Vorwärtsziehen zu­gleich eine notation nach aussen verbunden; das Diaphragma muss also den Brustkorb erweitern, indem es die Kippen nach vorn zieht und sie nach aussen hebt.
Die Exspiration erfolgt durch Erschlaffung des Zwerch­felles und schliesst sich der Inspiration unmittelbar an. Sie dauert etwas länger als die Inspiration, und zwischen ihr und der nächsten Inspiration liegt bei ruhigem Athmen eine kurze Pause.
In diesem normalen Bhythmus der Atbmung kann patbo-logischer Weise eine Aenderung eintreten, indem
die Inspiration abnorm lang wird, wenn der Eintritt der Luft infolge Verengerung der Luftwege be­hindert ist; die Exspiration abnorm lang, wenn die Erschlaffung des Zwerchfelles zur vollständigen Exspiration nicht ausreicht, weil die Retractionskraft der Lunge ver­mindert ist (Emphysem). Da die Athmung bis zu einem gewissen Grade auch vom Willen, also von der Grosshirnrinde abhängig ist, so wird bei besonderen Erregungszuständen oder entzündlichen Reiz- bezw. Depressionszuständen in diesem Centralorgan bisweilen der Rhythmus der Athmung auffallend verändert. Weitere Sehlussfolgerungen lassen sich aus dieser Erscheinung aber nicht ziehen.
Die Intensität der Athmung ist bei gesunden Thieren im Staude der Ruhe wenig auffallend; die Nasenflügel werden in kaum merkbarer Weise gehoben, der Rippenkorb nur wenig bewegt. Verstärkung der Intensität erfolgt physiologischer Weise bei körperlichen Anstrengungen; zeigt sie sich aber bei ruhigem Verhalten, so ist sie krankhaft. Pferde erweitern die Nüstern trompetenartig, Hunde öffnen das Maul und strecken die Zunge hervor (Hecheln). Am Brustkorbe und in den Flanken werden die Bewegungen sehr lebhaft (Flankenschlagen). Der Grad der Intensität entspricht dem Grade der Athemnoth.
Eine Verringerung der Intensität wird beobachtet bei schmerzhafter Erkrankung der Pleura, der Brustwand oder des Zwerchfells.
Eine Asymmetrie der Intensität wird dadurch er­zeugt, dass eine Seite des Brustkorbes stärkere oder raschere
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Excursionen ausführt, als die andere; erfolgt bei einseitiger schmerzbafter Erkrankung der Lungen oder Pleura.
Bei normalem Rhythmus und normaler Inten­sität der Athmuug werden Eippenkorb und Abdomen gleichmässig bewegt; man spricht von costo-abdominalem AthmungstypuB. Wird die Athmung vorwiegend durch die­jenigen auxiliiircn Kespirationsmuskelu ausgeführt, welche den Brustkorb erweitern, so wird der Typus costal. Soleher stellt sich ein, wenn der Eintritt der Luft in den Thorax behindert ist, oder das Zwerchfell in schmerzhafter Weise erkrankt, bezw durch krankhafte Zustände in der Nachbar­schaft in seinen Excursionen beeinträchtigt ist (Tumoren in der Bauchhöhle, Ascites, Tympanitis).
Der abdominale Aihmungstypus kommt zum Vorschein, wenn die Bauchmuskeln gegenüber den Brustmuskeln in her­vorragender Weise in Thätigkeit treten. Er wird beob­achtet bei selimerzliaften Zuständen in der Brustwand und ganz besonders bei erschwerter Exspiration, indem die Bauchmuskeln alsdann activ die Exspiration ausführen (Lungen­emphysem).
Athemgeräusclie.
Die Athmung erfolgt bei gesunden, ruhenden Thieren geräuschlos. Nur vorübergehend sieht man bei besonderen Gelegenheiten die Thiere das Athmungsgeschäft willkürlich mit laut hörbarem Geräusch vollziehen.
Normale Geräusche. Gut genährte Rinder, die sich vollgefressen und dann niedergelegt haben, stöhnen und ächzen bisweilen, als ob sie krank wären. — Bei plötzlicher Erregung durch Wahrnehmung auffälliger Gegenstände, fremder Personen, ungewöhnlicher Gerüche etc. sclmauben oder schnubbern Pferde und Rinder, indem sie die Luft mit hör­barem Nasalgeräusch aus den erweiterten Nüstern aus-stossen. — Temperamentvolle Pferde gehen beim Vorführen mit hochgehobenem Kopfe und sclmauben. — Das Prusten der Pferde ist eine forcirte Exspiration durch die Nase, wobei ein schlotterndes Nasalgeräusch entsteht. Es entspricht dem Schnäuzen der Menschen und wird ausgeführt, wenn Staub oder Schleim aus der Nase entfernt werden soll. — Gut genährte, langhaarige Hunde hecheln bei warmer Witterung oft schon im Stande der Ruhe. — Wenn bei
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starker Arbeitsleistung oder forcirter Bewegung- die Athmung rasch und tief erfolgt, entsteht in den Nasengängen infolge des raschen Ein- und Ausströmens der Luft ein schnaufendes Geräusch bei In- und Exspiration, das nicht laut, nicht hart oder scharf anstossend ist. Bisweilen ist es nicht leicht zu entscheiden, ob normales Schnauben, oder ein pathologisches Stenosengeräusch vorliegt. — Temperamentvolle Pferde lassen bei der Galopp-Bewegung unter dem Reiter oft im Moment des Niedersetzens der Vorhand ein lautes ScJim'eben, Schnauben oder Brausen vernehmen, das in allen Fällen bei der Exspiration stattfindet. Der Absprung ist mit einer tiefen Inspiration verbunden und vorher erfolgt beim Nieder­kommen eine tiefe Exspiration. Gähnen ist eine lang­gezogene, tiefe, unter zunehmender Aufbietung der Inspirations­muskeln erfolgende Elnathmung bei weitgeöflhetem Maule; Hunde lassen dabei zumeist einen eigenthtiniliclien Laut hören-
Pathologische Athemgerä useile werden bei krank­haften Zuständen im Respirationsapparat wahrgenommen:
1)nbsp; Das schniebende oder schniefende Athemgeräusch ist ein Stenosengeräuscb der Nasenhöhle; schwacii bei der Exspiration, am stärksten bei Inspiration. In Folge krankhafter Ver­engerung der Nasengänge durch Tumoren, Schwellungen an den Nasenflügeln, der Scheidewand, den Muscheln, Ver-grösserungen der Diiten, Fracturen der Daten oder Nasen­beine oder auch durch Exsudataufiagerungen auf der Schleim­haut, die Geräusche sind je nach Beschaffenheit der Ober­fläche der Schleimhaut trocken oder feucht rasselnd.
2)nbsp; nbsp;Schnarchen entsteht beim Athmen durch die Maul­höhle infolge Schlottern des Gaumensegels. Kommt vor durch Verengerung der Nasengänge durch Schwellung oder Ver­dickung der Schleimhaut bei Schweinen und Hunden, Ver-grösserung der retropharyugealen Lymphdrüsen bei Rindern; ferner beim Kinde im Verlaufe des Kalbefiebers und bei chloroformirten Pferden.
3)nbsp; nbsp;Röcheln ist ein laryngeales Stenosengeräusch mit gleichzeitiger Erschlaffung der Stimmbänder. Also bei schweren Entzündungen am Kehlkopf oder der benachbarten Pharynx-schleimhaut. Pflegmonöse Erkrankung des Pharynx und Glottisödem.
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4)nbsp; nbsp; Als Matschenden Nasalton hat Dickerhoff einen eigenthümlich metallisch klingenden kurzen Exspirationston beschrieben. Die Bedingungen für seine Entstehung sind ge­geben, wenn starke in und exspiratorische Dyspnoe bei feuchter Beschattenheit der Nasensehleimhaut besteht. Bei der for-cirten Inspiration wird die Partie der Nasenschleimhaut, welche sich mit der Haut des falschen Nasenloches vereinigt, an den gegenüber liegenden Theil herangezogen, so dass eine momentane Verklebung zu Stande kommt. In dem Moment, wenn die Inspiration aufhört und Exspiration an­hebt, wird die Verklebung getrennt, wobei ein hellklingender klatschender Ton entsteht. Hat keine besondere Bedeutung.
5)nbsp; nbsp;Das wichtigste pathologische Athemge-räusch ist das Stmosengeramp;useh des Kehlkopfs. Unter normalen Verhältnissen entstellt im Kehlkdüf ein leises Stenosen­geräusch, ähnlich einem „cbquot;, das iiui\ bei Anlegung des Obres wahrnehmbar ist. Wenn das Lumen des Kehlkopfs verengert ist, dann wird das Geräusch laut. Am häufigsten bei der linksseitigen Stimmbandlösung (Kehlkopfpfeifen). Der Ton entsteht erst bei forcirter Inspiration und charak-terisirt sich als Pfeifen, Zischen, Giemen, Rohren, Kreischen, Brüllen.
Ausserdem hei derben Schwellungen der Schleimhaut: (Angina phlegmonosa, Druse); Geschwülsten im Kehlkopf oder in seiner Nähe, sobald dadurch der Eintritt der Luft be­hindert wird.
6)nbsp; nbsp;Laute Basselrjeräusche treten auf, wenn im Kehlkopf oder der Luftröhre lockere Schleimmassen bewegt werden, Schleimrasseln, Gurgeln.
7)nbsp; nbsp;Niesen ist eine stossweise, explosive Exspiration durch die Nase; entsteht reflectorisch durch Reize auf der Nasenschleimhaut. Am häufigsten beim Nasenkatarrh oder Fremdkörpern in der Nase. Nur bei Hunden, Katzen und Geflügel.
8)nbsp; nbsp; Beim Stöhnen erfolgt auf eine lange tiefe Inspiration eine verzögerte, durch theilweisen Verschluss des Kehlkopfs behinderte Exspiration. Das Geräusch ist immer nur bei der Exspiration zu hören. Bei allen schmerzhaften Leiden, besonders am Brustkorbe.
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Die Athemnoth, Athembeschwerde, Dyspnoe.
Wesentliche Abweichungen in der Frequenz und der Art der Athembewegungen, auch das Auf­treten von Athemgeräuschen fassen wir zusammen unter der Bezeichnung Athemnoth. Klinisch aner­kennen wir das Vorhandensein einer Dyspnoe:
1)nbsp; wenn die Athmung beschleunigt ist (Quantitäts­veränderung); besteht nur eine Frequenz ohne Verände­rung der Art der Athembewegungen, so spricht man von einfacher Dyspnoe,
2)nbsp; wenn die Respiration angestrengt ist (Qualitäts-Veränderung); dabei kann die Frequenz auch eine nor­male sein {erschwerte Dysptwe). Auftreten von Athem­geräuschen bedeutet stets eine Erschwerung der A tumu ng. Je nachdem die In-oder Exspiiaticu angestrengt ist, unterscheidet man eine inspiratorische oder exspira-torische Dyspnoe.
Erfolgt die Athmung beschleunigt und erschwert, so liegt eine gemischte Dyspnoe vor.
Nach dem Sitz des Athmungshindernisses hat man auch unterschieden eine nasale, larymjeale, tracheale und pnlmo-nale Dyspnoe.
Physiologisch ist eine Dyspnoe zu erwarten, wenn das die Athmungscentren durchströmende Blut einen abnorm hohen Gehalt an COo besitzt; Ursache einer Dyspnoe können also alle Zustände werden, bei denen eine vermehrte Bildung von COo in den Geweben erfolgt, oder die auf irgend eine Weise eine Beeinträchtigung des Gaswcchsels in den Lungen bedingen.
Die einfache Dyspnoe kennzeichnet sich durch Ver­mehrung der Athemziige ohne Veränderung in den Athem­bewegungen selbst. Beim Pferde erfolgt bisweilen die Ath­mung 120 mal leicht und oberflächlich, nur die Nasenöffnungen werden etwas stärker erweitert. Nimmt die Athemnoth einen hohen Grad an, dann bleibt es nicht bei der einfachen Dyspnoe, auch die Athembewegungen selbst werden intensiver und angestrengt; es wird also eine ge­mischte Dyspnoe.
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Einfache Dyspnoe tritt auf:
im Fieber; die Höhe der Athemfrequenz ist von der Natur und dem Grade des Leidens ab­hängig;
bei allen Zuständen, welche die Athembewegungen schmerzhaft maoheu: Erkrankungen der Pleura, des Zwerchfells, der Kippenwand, des Bauchfells;
bei Verkleinerung der respirirenden Lungenoberfläche oder Behinderung einer ergiebigen Ausdehnung der Lunge: Pneumonie, Lungentuberculose, Auftreibung des Hinterleibes, Ascites;
bei Krankheiten des Herzens, welche eine Stauung des Blutes in den Lungen zur Folge haben.
Die inspiratorische Dyspnoe. Ist das Eindringen der Luft in die Athraungsorgane erschwert, so suchen die Thiere durch forcirte Inspiration das Hinderniss zu überwinden. Nicht nur das Zwerchfell arbeitet energischer, auch Muskeln treten helfend ein, die für gewöhnlich zur In­spiration nicht gebraucht werden: serratus anticus major, serratus posticus, mm. iutercostales extend, levatores costarum, iliocostalis, scalenus. Klinisch beobachtet man als Zeichen einer inspiratorischen Dyspnoe folgendes Bild: Die Nüstern werden stark erweitert; Hund, Geflügel auch Rind und Schwein afInnen mit ge­öffnetem Maule, Hunde bisweilen bei geschlossenem Gebiss durch die Maulwinkel, wobei während der Inspiration ein Ansaugen der Backen erfolgt. Kopf und Hals werden mög­lichst wagerecht gestreckt, Kehlkopf herabgezogen, Rippen stark gehoben und nach vorwärts bewegt. After wird bei jeder Inspiration eingezogen Die Vordergliedmassen werden weit auseinandergestellt und die Ellenbogen nach aussen gewendet, um die mm. serrati und pectorales kräftiger wirken zu lassen. Folgt bei hochgradiger inspiratorischer Dyspnoe das Eindringen der Luft trotz starker Hebung der Hippen nur langsam und nicht entsprechend der fortschreitenden Erweiterung der Brusthöhle, so wird die Luft in der Lunge verdünnt, es entstellt ein Saugdruck, wobei ein Einsinken der vorderen unteren Thoraxwand — namentlich der Inter-oostalräume — beobachtet werden kann.
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Die inspiratorische Dyspnoe wird beobachtet: in ganz reiner Form bei der beiderseitigen Läh­mung (Paraplegie) des Kehlkopfes und in schweren Fällen der einseitigen Lähmung (Hemiplegie, Kehl­kopfpfeifen); charakterisirt ist die durch ebeu erwähnte Zustände hervorgerufene inspiratorische Athembeschwerde durch das Auftreten eines laryn-gealen Stenosengeräusches (s. S. 72). In leichteren Fällen zeigt sich erst bei stärkerer Inanspruchnahme der Athmung durch Bewegung eine Athem­beschwerde, eine Erschwerung der Exspiration ist dabei nicht vorhanden; weniger rein bei Stenosen in der Nasenhöhle, im Pharynx, Larynx und in der Trachea, hervor­gerufen durch entzüiulliclic Schwellung, Krankheits­produkte, Neubildungen etc., gleichzeitig treten iuspiratorische Athemgeräusche von verschiedenem Charakter auf; bei Erkrankungen der Bronchien und Lungen, die den Lufteintritt behindern: Bronchitis, Lungenödem, Pneumonic; bei ünthätigkeit des Haupt-Respirators, des Zwerch­felles: Zerreissung oder Entzündung, Tympanitis. Exspiratorische Dyspnoe stellt sich ein, wenn der Austritt der Luft aus der Lunge erschwert ist. Die Aus-athmung erfofgt dann nicht nur passiv, sondern durch ak­tives Eingreifen der Hilfs-Exspirationsmuskelu: Bauchmuskel (obliquus extcrnus und internus, rectus ab-dominis), intercostales intern!, triangularis. Eine exspira-torische Dyspnoe kennzeichnet sich durch folgende Erscheinungen: Die Exspiration erleidet eine Verlängerung unter ausgiebiger Bewegung der Bauchdecken {Flanken-schlagen). Zunächst erfolgt durch Erschlaffung des Zwerg-feiles ein geringes Zusammensinken des Brustkorbes, dann treten die Bauchmuskeln aktiv ein, und im Verlauf ihrer In­sertion an den Rippenknorpeln bildet sich eine Rinne {Dampf­rinne) Passiver und aktiver Theil der Exspiration grenzen sich deutlich von einander ab, so dass diese doppelschlägiy wird. Der Rücken wird bei der Exspiration gehoben und senkt sich bei der Inspiration, der After wird bei der ex-
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spiratorischen D3'spnoe im Moment der Exspiration stark vorgedrängt. Starke Füllung des Hinterleibes lässt die Erscheinungen deutlicher hervortreten.
Die exspiratorische Dyspnoe kommt vor bei:
substantiellem Lungenemphysem und interlobulärem Emphysem;
chronischer Bronchitis und Peribronchitis;
Verwachsungen der Lungen mit dem Rippenkorb. Eine gemischte Dyspnoe liegt vor, wenn Athem-frequenz mit Erschwerung der In- und Exspiration verbunden ist (in- und exspiratorische Dyspnoe). Ist die häufigste Form, die bei allen schweren Erkrankungen im Respirations­apparat sich einstellt (Pneumothorax, Ilydrothorax), sowie auch ohne solche Localerkrankung bei jeder hochgradigen üeber-ladung des Blutes mit CO2 im Verlaufe schwerer Infections-und Intoxicationskrankheiten.
11. Die ausgeathmete Luft, Die Untersuchimg der aus-geathmeten Luft ist bei einzelnen Kranklieitszuständen von erheblicher diagnostischer Bedeutung. Aus den beiden Nasen­öffnungen kommt normaliter ein gleichstarker, geruchloser Luftstrom; zwei Abweichungen sind von Erheblichkeit.
Ungleichmässigkeii der Luff ströme aus den beiden Nasenöffnungen. Einseitig schwacher Luftstrom beweist eine Verengerung der Nasengänge der betreffenden Seite; nicht selten mit schniebendem Nasalgeräusch verbunden. Die Verengerung kann bewirkt werden durch starke Schwellung oder Verdickung der Nasenschleirahaut, Tumoren.
TJebler Geruch der ausyeatlnneten Luft ist immer ein Zeichen fauliger Zersetzungsvorgänge in den Luftwegen; solche können sich an verschiedenen Stellen etabliren. Der Geruch ist faulig (jauchig) oder cariös. Er wird beobachtet bei: Fäulniss stagnirender Exsudatmassen in den Nasen­muscheln, den Nebenhöhlen der Nase, dem Luft­sack, selbst auf der Schleimhaut der oberen Luft­wege und Bronchien; jauchigem Zerfall von Tumoren an den Luftwegen; Eiterung oder Nekrose an den Kopfknochen, die an die Luftkanäle grenzen: Eiterung in den Zahn­höhlen, Zahnkaries, Nekrose der Nasenmuscheln; gangränösen Processen in dem Lungengewebe.
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Wichtig ist, den Sitz -der Fäulnissprozesse zu eruiren. Zunächst hat man Klarheit darüber zu schaffen, ob der Geruch wirklich der Respirationsluft oder aus der Maulhöhle entstammt. Bei geschlossener Maulhöhle gelingt dies meist leicht, in Zweifelsfällen prüft man den Speichel auf Geruch; beste Sicherheit bietet die Untersuchung der Maulhöhle und speciell der Zähne nach eingelegtem Maul­gatter. Bei Erkrankung von Backzahn-Alveolen des Ober­kiefers kann cariöser Geruch aus dem Maule und zugleich der Eespirationsluft vorhanden sein (s. auch Unters, der Maulhöhle).
Hat die Respirationsluft einen üblen Geruch, so ist weiterhin zu ermitteln, an welcher Stelle des Respirations-apparates sich die Fäulnissprocesse abspielen. Zu dem Zwecke hat man zuerst festzustellen, ob der Geruch an beiden Nasenöttnungen gleich stark ist. Bei vorwiegend einseitigem Genich muss die Fäulniss in der betreffenden Nasenhälfte ihren Sitz haben; gleichzeitig besteht dann oft einseitiger Nasenausfluss, Auftreibung der Kopfknochen, und Anschwellung der Kehlgangslymphdrüseu. Untersuchung der Oberkieferbackzähne der betreffenden Seite ist unerlässlich. Bei beiderseits yleichmässiyem Geruch ist der Herd in der Regel in der Lunge, selten nur im Pharynx, Larynx oder Trachea. Die specielle physikalische Untersuchung ergiebt Aufschluss. Nicht immer sind faulige Zersetzungen in der Lunge auf Gangraenapulmonum zu beziehen, nicht selten liegt nur eine Fäulniss von Exsudat­massen in den Bronchien, Bronchitis foetida, vor.
III. Der Nasenausfluss, Nur beim Rinde wird auch im gesunden Zustande nicht selten etwas schleimiger Ausfiuss aus der Nase beobachtet, den die Thiere abzulecken pflegen. Bei den andern Thieren ist das Auftreten von Nasenaus­fluss immer ein Krankheitszeichen und von erheb­licher diagnostischer Bedeutung. Er kann auftreten bei allen exsudativen Erkrankungen im Respira­tionsapparat: Nasen- und Nebenhöhlen, Rachenhöhle, Larynx, Trachea, Bronchien, Lungen; in allen diesen Fällen ist er ein Krankheitsprodukt. Nicht selten stammt der Nasenausfluss aus dem Digestionsapparat: aus der Maulhöhle, dem Schlundkopf, seltener dem Schlünde und
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Magen; er enthält dann auch die Stoffe aus dem Digestions­apparat: Futterbestandtheile, Wasser, Speichel. Die Be-schatt'eiiheit des Nasenausflusses hängt ab von dem produ-zirenden Organ und von der Art der Erkrankung desselben; zu berücksichtigen ist, dass Rinder, Schafe, Ziegen und Hunde den Ausfluss meistens ablecken, so dass er hier nicht jeder­zeit wahrnehmbar ist. Zur richtigen Beurtheilung des Nasen­ausflusses ist auf folgende Punkte zu achten:
Die Menge des Ausflusses schwankt sehr. Gering ist sie bei wenig umfangreicher und nicht heftiger Erkrankung, und insbesondere bei der Tuberculose, trotz erheblicher Er­krankung, weil das Exsudat auf der Oberfläche der Sehleim-häute sehr gering ist und das Wenige, durch Husten Herauf­beförderte abgeschluckt wird. Reichlich ist der Nasenaus-fluss bei Druse und umfangreichen Katarrhen der oberen Luftwege und der Bronchien. Einseitiger Nasenausftuss ist nur charakteristisch für eine einseitige Erkrankung des oberen Luftweges bis zum Nasenrachen; bei einseitiger Erkrankung des Velum palatin. und der oberen Schlumlkopfpfeiler ist der Ausfluss auch noch einseitig. Besonders wichtig ist ein Wechsel in der Menge. Bisweilen erfolgt dossweise reich­licher Ausfluss bei gesenktem Kopfe und dann wieder Tage laug kein oder doch nur geringer Ausfluss; charakteristisch für Katarrhe der Stirn-, Kieferhöhlen und des Luftsackes.
Die Farbe richtet sich nach dem Charakter der Ent­zündung, ist aber auch von zufälligen lieimengungen ab­hängig: farblos, grau, weiss, gelb, roth, braun, grün in den verschiedensten Nüancirungen und Farbenmischungen. Im Laufe einer Krankheit ändert sich die Farbe mit dem Charakter der Entzündung: seröser und schleimiger Ausfluss ist meist farblos, eitriger grau bis gelb, bisweilen auch schwach grünlich gefärbt.
Grüner Ausfluss meist Folge der Beimischung von Chlorophyll aus dem Futter bei Schluckbeschwerden; es sind dann stets im Ausfluss auch Futterbestandtheile vor­handen. In selteneren Fällen entsteht eine schwach grün­liche Farbe durch den Gehalt an zersetztem Blutfarbstoff.
Gelber, rostfarbiger Ausfluss zeigt sich bei haemonha-gischer Uepatisation der Lungen (Urustseuche) und verdankt der Beimischung von Blutfarbstoff sein Aussehen,
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Bliitiy wird der Ausfluss durch Gehalt an Blut in toto, also bei
traumatischen Verletzungen der Respirationsschleim­haut durch Fingernägel oder Knochenfrakturen, Pentastomum taenioides beim Hunde, Bremsenlarven beim Schaf; ulcerirenden Processen Rotz, zerfallende Neubildungen; haemorrhaglschen Processen in den Kespirationswegen, Milzbrand beim Kinde, Morbus maculosus und schwere Fälle von Brustseuche. Es kann der ganze Ausfluss blutig sein oder nur blutige Beimischung enthalten. Findet die Blutung in der Nasen­höhle statt, dann ist der Ausfluss des Blutes einseitig, das Blut zeigt ein frisches Aussehen und ist unvollstiindig in Form von Streifen oder Klumpen dem übrigen Ausfluss bei­gemischt. Erfolgt der Blutaustritt in den Lungen, dann ist er mehr oder weniger von Luftblasen durchsetzt, auch ver­nimmt man an der Luftröhre Rasselgeräusche.
Die Consislenz des Nasenausflusses entspricht den darin enthaltenen Ötoffen; sie kann serös, schleirnig oder dickflüssig sein mit den verschiedensten Uebergäugen. Audi pockige, Idümperige oder grössere zusammenhängende Exsudatmassen kann der Ausfluss enthalten. Im Beginn des Katarrhs ist der Ausfluss serös, durch vermehrte Beimischung von Schleim wird er schleimig und ist dann meist nicht mehr ganz klar, weil er schon grössere Mengen von Kpithelien beigemischt enthält, er wird grau. Durch Beimischung von Eiter nimmt er allmählich eine mehr rahmähnliche Consisteuz an und wird gleichzeitig graugelb oder gelb. Rein eitriger rahm-ähulicher Ausfluss entstellt nur durch Entleerung eines Abscesses nach der Nasenhöhle zu.
Klümperiger, molkenartiger Ausfluss zeigt sich bei chronischem Katarrh der Kopfhöhlen, weil das Exsudat dort länger stagnirt.
Zusammenhängende Exsudatmassen werden bei diphtheritischen, croupösen, fibrinösen Entzündungen gebildet.
Der Geruch des Nasenausflusses wird faulig, jauchig oder cariös bei fauligen Processen; die Exspirationsluft zeigt dann den gleichen Geruch. Die Beurtheilung deckt sich mit dem dort Gesagten.
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Fremde Beimengungen. Am häufigsten beobachtet man Luftblasen, nur gleichgrosse kleine oder auch grössere, die den Ausfluss schaumig machen.
Gleichmässüj feinblasiger Schaum kommt aus den kleinen Bronchien bei Lungenödem und Bronchitis; reichlicher Gehalt an Luftblasen giebt dem Ausfluss ein weisses Aussehen. Bei Pferden mit chronischem Bronchialkatarrh tritt bei der Bewegung feinblasiger, weissei Nasenausfluss ein.
Ungleichmässig grossblasiger Ausfluss, nicht selten einseitig und mit Futterpartikelchen gemischt, stammt aus der Maulhohle und besteht wenigstens zum Theil aus Speichel; tritt auf bei Entzündung oder Lähmung des Schlundkopfes. Pharyngitis, Pilzvergiftungen.
Nur Fiitfermassen, nicht blasig, ohne Exsudatbeimischung, auch sauer reagirend, kommen aus dem Magen durch Brech­bewegungen.
Eine mikroskopische Untersuchung des Nasen-ausllusses hat nur in seltenen Fällen eine praktische Be­deutung: bei der Lungenwurmseuche des Schafes um Eier, bezw. Embryonen nachzuweisen, desgleichen bei Pentastomum
Fig. 21.
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taenioides in der Nasenhöhle des Hundes. Die Unter­suchung auf pathogene Mikroorganismen führt nur in vereinzelten Fällen bezüglich des Tuberkelbacillus zu einem positiven Ergebniss, indem dieser eine charakteristische Färbung annimmt.
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3Iikroskopischer Nachweis der Tuberkelbaeillen. Das Deck­glaspräparat wird mit Ziehl'scher Carbolfuchsinlösung (Fuchsin 1, Aleoh. abs. 10, Acid, carbolic. 5, Aq. dest. 95) bedeckt und über der Flamme während 2 Minuten mehrmals erwärmt; abspülen mit Wasser und ablaufen lassen, dann Auftragen von Gabbet'scher Lösung (Methylenblau 2, in 100 Gramm iöprocent. Schwefelsäurei und 1 — 2 Minuten belassen, dann abspülen und untersuchen.
Die Tubeikelbaeillen bilden feine, schlanke, leicht ge­krümmte oder etwas geknickte Stäbchen von 1,5 — 3,5 jj. Länge, die oft mehrere, hellere, eiförmige Lücken (SporenV) enthalten. Meist liegen mehrere zusammen. Durch die angegebene Färbung werden sie intensiv roth, die anderen Bestandtheile des Präparates dagegen blau gefärbt.
Aussei- dem Tuberkelbacillus färben sich auch noch gewisse im Kothe des Kindes und der Butter vorkommende Bacillen durch die angegebene Methode.
IV. Untersuclmng der Nase und der obersten Luft-höhlen. Bei der äusserlichen Besichtigung der Oberkiefer­partie sind Deformitäten leicht zu erkennen. Partielle Auftreibungen entstellen durcli Geschwülste und chronische Katarrhe in den Kopf höhlen, diffuse als Begleiterscheinung der Khachitis bei jungen Thieren. Impressionen sind trau­matischen Ursprungs. Schwellungen am Naseneingang, der Nasenspitze und den Nasenflügeln häufig bei Morbus maculosus. Im Bereiche des falschen Nasenloches sind Tumoren (Balggeschwiilste) nicht selten.
Von speeifischen Krankheitszuständen werden beobachtet: Pusteln und Geschicüre in der äusseren Haut an der Nase und den Lippen bei Stomatitis pustulosa conta-giosa; Blasen auf dem Flotzmaul des Rindes und der Rüssel-scheibe des Schweines bei Maul- und Klauenseuche; Pocken bei der Pockenseuche der Schafe.
Bei längerem Bestehen eines Nasenausflusses geht das Hautpigment an den benetzten Stellen verloren und der rosa-rothe Papillarkörper schimmert dann durch; derartige helle Streifen sprechen also für Chronicitat des Ausflusses.
Die Untersuchung der Nasenschleirahant ist nur beim Pferde möglich und hat hier lediglich ein locales Interesse, das allerdings bisweilen sehr bedeutungsvoll ist.
Technik. Man hebt den Kopf des Pferdes hoch, erfasst dann mit Daumen und Mittelfinger die Platte des Nasenknorpels, hebt sie hoch, indem man sie gleichzeitig etwas auszieht und sperrt dann mit dem ausgestreckten Zeigefinger auch den lateralen
Malkmus, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;6
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Nasenflügel auf. Mat man einen Gehilfen zur Hand, so lässt man durch diesen den Kopf des Pferdes heben und die vorerwähnte Funktion des Zeigcfinaers übernimmt dann die freiwerdende Hand.
Fig. 22.
Untersuchung der NaaensMeitnJumt.
Stellt man das Pferd mit dem Kopf gegen das Licht, so genügt es für gewöhnlich zur Besichtigung, sonst verwendet man auch einen besonders grossen, dem Augenspiegel nachgebildeten Nasen­spiegel oder eine Lampe mit Reflektor.
Verfärbungen. Uinlctifliehe, fleckige, verwaschene oder ramiforme Böthungen sind nicht selten bei acuten und chronischen Katarrhen; sie beruhen in den eigenartigen Ver­zweigungen der kleinsten Blutgefässe und haben keine dia­gnostische Bedeutung.
Tiefe Böthung ist meist Folge von Blutung iu die Mucosa und bisweilen auch Submucosa; sie tritt zunächst /)Hnkffarmig, fleckig auf bis zur Grosse eines Zehnpfennigstückes, clrcum-script und mehr oder weniger rund (Petechim, EccJiymosen); durch Confluenz wird die Röthung diffus (Suffnsionen) oder doch streifig mit unregelmässiger Grenze. Petechien werden am häufigsten gesellen bei Morb. maculosus; sie kommen aber auch vor bei den seltenen schweren Anämien, und der
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Leukaemie. Die anfangs dunkelrothen Flecke blassen bald ab, werden verschwommen und nehmen einen braunen Farben­ton an. Suffusionen beobachtet man auch bei den schweren septicaemischen Erkrankungen: Milzbrand, Septicaemie.
Schwellung der Nasenschleimhaut charakterisirt sich dadurch, däss die sonst durch die Gegenwart von Drüsen und deren Ausfiihrungsgänge bedingte schwach körnige Ober­fläche vollständig glatt und prall erscheint. Bei der ziem­lich straffen Beschaffenheit der Schleimhaut wird die Schwellung gewöhnlich nicht stark; sie ist Folge entzündlicher Affection, und deshalb erscheint auch die Oberfläche meist getrübt.
Chronische, bindegewebige Verdickungen zeigen sich als ungleichmässige, warzige Erhebungen neben narbigen Einziehungen.
Wunden an der Naseuschleimhaut entstehen nicht selten durch äussere Verletzungen an der untersten Partie der Nasenscheidewand durch Fingernägel beim Indienasefassen, Futterhalme u. dergl.
Knotchen, hirse- bis pfeflerkorngross, von graugelber Farbe, kommen fast nur bei Rotz vor; ausnahmsweise auch bei Stomatitis pustulosa contagiosa, und dann jedes­mal auch an der Maulschleimhaut; ferner vereinzelt bei dem sehr seltenen Follicularkatarrh. Um Schleimflocken nicht mit Knötchen zu verwechseln, hat man über die vermeintlichen Knötchen stets mit dem Finger zu streichen.
Geschwüre sind neben Knötchen das wichtigste Kriterium für die Diagnose des Rotzes. Rotzge­schwüre haben einen buchtigen, gezackten Rand, gewulsteten aufgeworfenen, gerötheten Umgrenzungswall; der Grund ist vertieft, uneben, grau, von speckigem Aussehen. Der me­diale Rand der Nasenknorpel-Platte ist ein Lieblingssitz der Rotzgeschwüre und deshalb stets besonders zu untersuchen.
Es treten in seltenen Fällen auch bei Stomatitis pustu­losa contagiosa und Morb. maculosus einmal Geschwüre auf, es finden sich dann aber noch andere Symptome (Geschwüre an der Maulschleimhaut bezw. Petechien), welche die Ent­scheidung herbeiführen.
Ganz oberflächliche Sub stanz defecte mit scharfen, nicht gewulsteten, nicht gerötheten Rändern stellen die katarrhalischen oder Erosionsyeschwüre dar.
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Narben am untersten Ende der Xasenscheidewand sind meist Ueberbleibsel früherer Verletzungen und nicht selten strichförmig, mit leichtem, dem Fingernagel entsprechenden Bogen {[; Rotznarben sind in der Regel mehr oder weniger sternförmig.
Die Untersuchung der Nebenhöhlen der Nase gewinnt beim Pferde zuweilen eine Bedeutung; sie ist vorzunehmen bei chronischem Nasenausfluss und einseitiger Auftreibung der Kopfknocheu. Um fangsve rmehrungen untersucht man zunächst durch Palpation; bei Auftreibungen der Knochen wird auch die Percussion mit umgekehrtem Hammer ohne Unterlage vorgenommen. Normaliter ergeben die Lufthöhlen des Kopfes bei der Percussion einen lauten vollen Sehall, bei Füllung durch Geschwulstmasscn oder Uxsudat einen leeren. Beide Seiten hat man mit einander zu vergleichen. Theil­weise Aufiillung lässt sich nicht nachweisen, deshalb spricht normaler Befund noch nicht für Abwesen­heit krankhafter Zustände.
V. UntersuchuDg der Kehlgangslymphdrüsen, Wiewohl die Keblgangslymplulrüsen nicht zum Respirationsapparat gehören, werden sie doch beim Pferde als wichtige Control-station für Erkrankungen in demselben an dieser Stelle untersucht.
Anatomisches. Die Lyniphwurzeln von der Xasenspitze bis zu den tSiebbcinen geben ihre Lymphe nacli den Kehlgangslymph-drüsen ab. Diese stellen jederseits ein fingerbreites und über fingerlanges ürüsenpacket dar, das in der Höhe des Gefässaus-schuittes an den Kieferästen beginnt und im Kinnwinkel mit dem der anderen Seite in Verbindung tritt. Die einzelnen Driisen-läppchen haben die Grosse bis zu einer kleinen Bohne. Bei Pferden mit sclnvainmigem Körperbau ist der Kolilgang oft voll, die Drüsen selbst aber nicht geschwollen.
Sobald in dem zu den Kehlgangslymphdrüsen gehörenden Gebiet eine Resorption reizender oder infectiöser Stoffe stattfindet, so erfolgt regel-mässig ihre Miterkrankung; am häufigsten etabliren sich solche Erkrankungen auf der Schleimhaut der Nase und ihrer Nebenhöhlen, und deshalb ist die Untersuchung der Kehlgangslymphdriisen von so grossem Einfluss für die Beurtheilung des Zustandes in den betreffenden Schleimhaut­partien. Man hat auf folgende Punkte zu achten:
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— Ho­lst die Erkrankung einseitig oder beiderseitig? Bei acuten infectiösen Katarrhen ist sie meist beiderseitig; bei chronischem Rotz häufig einseitiy; bei Tumoren in den Nasen­höhlen, Zahnerkrankungen und chronischem Katarrh der Kieferhöhlen in der Regel einseitig.
Grosse und Form der Drüsensch wellung. Es können einzelne Drüsenläppchen oder alle angeschwollen sein in der Grosse einer Bohne, Pflaume, eines Tauben- oder Hühnereies; es richtet sich dies nach dem Grade und Umfang der Erkrankung auf der Schleimhaut. Acutentzündliche Schwellungen sind glatt] chronische, indurirende häufig höckerig, besonders auch bei Rotz.
Consistenz der Schwe llung. Weich ist dieSchwellung bei seröser, prall bis derb bei zelliger Infiltration. Er­hebliche acute Schwellungen führen häufig (Druse) zur eitrigen Schmelzung (Abscessbildung), die sich durch FIuc-fnation bemerklich macht. Bei Rotz tritt nie umfang­reiche Abscessbilduug in der Drüse auf, nur selten entsteht in der über der Drüse liegenden äusseren Haut ein kleiner Rotzherd. Harte derbe Drüsenvergrösserungen sind stets Folge chronischer Reizung und bestehen in Binde-gewebsneubildung; so bei chronischem Rotz, chronischen Katarrhen, Zahnfistelu. Erhebliche, scharf begrenzte, glatte Vergrösserungen der einzelnen Drüsenläppchen beobachtet man bei Leukämie als Hyperplasie und bei Ent-wickelung bösartiger Geschwülste in der Drüse.
quot;Wärme und Schmerzh aftigkeit weisen als Ent-zündungssymptome stets auf acute Erkrankung der Drüse, wie sie namentlich im Verlauf der Druse regelmässig eintritt. Schmerzlose, nicht warme, meist auch derbe Vergrösserungen sind Folge chronischer Reizung: chronischem Rotz, chronischem Katarrh, Tumoren, Hyperplasien.
Beweglichkeit der Drüsen. Bei chronischen Reizungen verbunden mit Bindegewebsneubildung greift der Prozess meist auf die Nachbarschaft über und bringt eine Verwachsung mit den umgebenden Theilen zu Stande. Bei acuter eitriger Entzündung der Drüse entwickelt sich in der Nachbarschaft, namentlich gegen die äussere Haut hin eine entzündlich ödematöse oder gar phlegmonöse Schwellung.
Die Exstirpation einer krankhaft veränderten Kchlgangslymphd riise zum Zwecke der pathologisch-ana-
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tomischen oder bacteriologischen Untersuchung wird bei llotz-verdiicht empfohlen. Die Operation ist unter Schleich'scher Auaesthesie am stehenden Thiere leicht auszuführen und un­gefährlich.
VL Der Husten, Der Husten ist ein auf tiefer Inspiration folgender plötzlicher heftiger Ex-spirationsstoss, durch den die vorher geschlossene Stimmritze unter Geräusch gesprengt und die in den Bronchien, der Luftröhre und dem Kehlkopf vorhandenen Schlcimmassen nach aussen geschleu­dert werden. Bei Thieren ist er immer ein reflektorischer Vorgang, der nur bis zu einem gewissen Grade unterdrückt werden kann. Der Husten kann durch verschiedene periphere Reize ausgelöst werden; in der Regel geschieht es durch Zweige des Nerv, vagus im Respirationsapparat. Am empfind­lichsten ist in dieser Beziehung der Nerv, laryng. superior, der sich als sensibler Nerv in der Schleimhaut des Kehl­kopfes und im Bereiche der drei obersten Luftröhrenringe verzweigt. Weniger empfindlich ist die Trachealschleimhnut, am meisten noch an der Bifurcation. Die Bronchien sind wieder ebenso reizbar wie der Kehlkopf; vom Lungen-parenchym kann dagegen Husten nicht erregt wer­den, während bei krankhafter Reizung der Pleura Husten entsteht. Der dort in der Peripherie entstehende Reiz wird centripetal zum Gehirn geleitet, dort umgesetzt auf das Hustenceutrum, das dann durch Erregung der Exspirations-muskeln und des Nerv, recurrens den Husten veranlasst.
Ausnahmsweise kann linsten auch von Endignngen des Nerv, vagus ausgelöst werden, die nicht in den genaunten Theilen des Respirationsapparates liegen; also durch Reize im äiisseren Gehörgang, in der Nase und in den Organen der Bauchhöhle. Xach Albrccht tritt bei Leberahscessen llusten auf. Immerhin sind es seltene Zustände; niemals aber hat man bei Pferden Magenhasten beobachtet. Auch ist die Möglichkeit zuzugeben, dass durch ccntrale Reize Husten erzeugt werden kann. Diese verschiedenen Möglichkeiten haben um deswillen eine gewisse Bedeutung, weil bisweilen eine Ursache für den Husten im Re­spirationsapparat nicht gefunden werden kann.
Husten entsteht
bei Einathmung fremder Körper: Rauch, Staub (stau­biges Futter), scharfe Gase (Ammoniak, schwef­lige Säure, Chlor etc.);
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bei Einalhmung kalter Luft (Reizliu.sten); durch ent­zündliche Reize verschiedener Art: Katarrhe der Respirationsschleimhaut, Pleuritis, traumatischen Verletzungen der Pleura (traumatische Magen-, Zwerchfellentzündung beim Rinde); bei Gegenwart von Schleim, Exsudat oder fremden Körpern (Futter) und Parasiten in den Luftwegen: Gastruslarveu im Kehlkopf, Syngamus trachealis in der Luftrohre, Strongylus in den Bronchien. In allen Fällen kann der Husten nur dann entstellen, wenn die Reizbarkeit der sensiblen Endigungen des Nerv, vagus normal ist; sie fehlt bei den schweren phleg-monösen Erkrankungen der Schleimhaut. Auch eine nor­male Thätigkeit der Centralapparate ist eine Grundbedingung; sie ist gestört bei hochgradiger Be­nommenheit des Sensoriums. Deshalb ist das Ausbleiben des Hustens bei nachweislichem Vorhandensein von Reizen (Rasselgeräusche) prognostisch ungünstig.
Beschaffenheit des Hustens. Der Husten ist bei den einzelnen Thierarten etwas verschieden. Gesunde Pferde haben einen hräftigen, rauhen, lernten, volltönenden Husten; Rinder einen mehr schalthaudietiden, tonlosen, langgezogenen (mit offener Stimmritze). Das Auftreten von Husten ist bei Thieren stets ein Krankheitssymptom; bei den verschiedenen Krankheitszuständen nimmt er eine be­sondere Beschaffenheit an. Ueber das etwaige Vorhanden­sein von Husten giebt die Anamnese wohl Aufschluss, nicht aber ausreichend über die besondere Beschaffenheit; deshalb muss man häufig die Thiere künstlich zum Husten reizen. Es geschieht durch Druck einer Hand auf die umspannten drei oberen Luftröhrenringe oder durch Druck mit den Finger­spitzen beider Hände auf die Giesskannenknorpel. Bei ge­sunden Pferden ist die Reizbarkeit dieser Theile derart, dass auf diese Manipulation ein oder mehrere Hustenstösse er­folgen; nur bei indolenten Pferden erfolgt keine Reaktion. Gesunde Rinder sind durch Druck von aussen nicht zum Husten zu bringen.
Eine krankhaft erhöhte Reizbarkeit liegt vor, wenn Rinder bei Druck husten, oder Pferde schon bei leisem Druck heftig und wiederholt husten; lässt sich Husten auch
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durch Druck auf die untere Portion der Luftröhre erzeugen, so liegt eine Erkrankung der Tracheaischleimhaut vor (Tracheitis). Wichtig sind noch folgende Momente:
Häufigkeit des Hustens. Der Husten kann selten, häufig, anhaltend oder vorübergehend sein. Bei seltenem Husten entsteht immer nur ein Hustenstoss, bei häufigem, mehrere hintereinander {ITustetianfall).
Schmerzhaftigkeit des Hustens erkennt man aus dem ganzen Verhalten des Thieres, das durch Bewegungen des Kopfes, Kau- und Schluckbewegungen den Reiz zu ver­streichen sucht, sowie durch Unruhe, Scharren mit den Füssen und Stöhnen den Schmerz bekundet. Man spricht von schmerzlosem, wenig schmerzhaftem, schmerzhaftem, lästigem und quälendem Husten. Schmerzhaft ist der Husten bei acuter Bronchitis, Pleuritis, Pleurodynie und der Krampf­husten der Hunde; schmerzlos bei chronischem Kehlkopf­katarrh.
Die Stärke des llustenstosses ist abhängig von der Energie der Exspirationsmuskeln; der Husten ist hier­nach stark kräftig, schwach matt oder elend. Schwach wird er, wenn die Esspiration erschwert ist, also wenn die Thiere nicht kräftig husten können: heruntergekommene schwache Thiere, Lungenemphysem, Bronchitis, Hydrothorax; oder wenn die Exspiration schmerzhaft ist und die Thiere deshalb eine energische Exspiration absichtlich vermeiden: Pleuritis, Pleurodynie, Pneumonic. Kräftig ist der Husten, solange die Elasticität der Lungen normal, auch schmerz­hafte Zustände nicht bestehen.
Die Länge des llustenstosses ergiebt sich aus der Kraft, mit der die Lungenluft während des Stimmritzen­verschlusses comprimirt wird; war der Druck ein hoher, so erfolgt eine plötzliche starke Explosion, und der Husten ist kurz. Langgezogen oder lang wird er, wenn die Stimmritze nicht vollständig geschlossen werden konnte (Lähmung der Giesskannenknorpel, Kehlkopfpfeifen), oder wenn eine starke Compression der Luft schmerzhaft ist (Pleuritis),
Der Umfang, die Grössc des Hustens deckt sich theilweise mit der Stärke und Länge; die Grosse wird be­dingt durcli die Menge der ausgestossenen Luft; man spricht von vollem und leerem, besser von grossem und Meinem Husten.
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Der Hustenschall ist abhängig von der Stärke des Hustenstosses, der Spannung der Stimmbänder, der Weite der Stimmritze und von der besonderen Beschaffenheit der Schleimhautoberfläche. Er kann sein laut—leise, hell—dumpf \ scharf, pfeifend, dicht—hohl; locker, feucht—trocken.
Hustenrtickstoss. Auf jeden Hustenstoss erfolgt eine kurze tiefe Inspiration; wird hierbei die Stimmritze nicht vollständig geöffnet, so stösst sich der eindringende Luft­strom an den Stimmbändern, wodurch ein hartes, kurzes, laryngeales Stenosengeräusch entsteht, das man hörbaren linsten rückstoss nennen kann. Tritt ein bei Lähmung im Kehlkopf (Hemiplegie, Paraplegic) und starker entznfllicher Schwellung.
Durch Husten werden zwar die Schleim- etc. Massen aus Bronchien, Luftröhre und Kehlkopf herausgeschleudert, docli kommt es bei Thieren nicht zum Auswurf, weil die Massen nur bis zum Schlundkopfrachen gelangen und von dort sofort abgeschluckt werden. Bisweilen jedoch wird ein Theil durch die Maulhöhle herausgeschleudert, indem die untere Nasenrachenwand mit dem Gaumensegel durch den Luftstoss nach vorn gedrückt und damit der Eingang nach der Maulhöhle frei wird. Es vermischen sich mit diesem Auswurf meist Schleim aus dem Pharynx und der Maulhöhle sowie Futterpartikelclien aus der Maulhöhle.
Anhang. Eine Veränderung der Stimme hat bei Thieren im Allgemeinen wenig Bedeutung. Am häufigsten beob­achtet man bei Kehlkopfkatarrhen eine rauhe heisere Stimme; ein Symptom, das naturgemäss bei Hunden am deutlichsten in die Erscheinung tritt. Auffallende Veränderung stellt sich bei der Tollwuth ein: Hunde schlagen bellend an und ziehen es zu einem langgezogenen Heulen aus {Bellrjeheul); dabei ist die Stimme auch heiser. Pferde stossen gellende Töne aus.
VII. Untersuchung des Kehlkopfs und der Luftröhre. Die in der Gegend des Kehlkopfs auftretenden Umfangsver-mehrungen beziehen sich in der Regel nicht auf diesen selbst, sondern auf die Nachbarschaft: Schlundkopf', Lymphdrüsen, Subcutis. Sucht man durch Palpation schon den Sitz derselben nachzuweisen, so stellt man dabei zugleich noch Temperaturerhöhung, Schmerzhaftigkeit, leichte Reizbarkeit
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zum Husten fest. Bei reichlicher Exsudatbildung im Kehl­kopf, Infiltration der Stimmbänder oder anderer Schleimhaut­falten fühlt man ein Erzittern des Kehlkopfs (Laryngeal-fremitits).
Bei der Auscultation des Kehlkopfs und der Luft­röhre hört man normaler Weise das in Ersterem enstehende Stenosengeräusch ähnlich einem scharfen „cliquot; (laryngecdes Athemgeräusch). Es entsteht durch Schwingungen der Stimm­bänder und der Kehlkopfwand, hervorgerufen durch den sich durchzwängenden Luftstrom; es ist bei der Exspiration meist stärker als bei der Inspiration. Durch derbe Schwellungen im Kehlkopf wird das Geräusch stärker, pfeifend oder zischend, sind die Schwellungen mehr locker oder bestehen starke Schleimauflagerungen, danu vernimmt man Rasseln oder Schnurren.
An der Luftröhre achtet man noch auf etwaige Narben als Ueberbleibsel einer früheren Tracheotomie und auf die Form der Luftröhre. SäbeHscheidenform wird beim Rinde als Folge einer chronischen Tracheitis beobachtet.
Laryngoskopische Untersuchung. Mit Hülfe des von Pol an sky und Schindelka konstruirten Laryngoskops ist man im Stande, das Keblkopfinnere bei Pferden zu be­sichtigen. Für die Diagnose der entzündlichen Prozesse im Kehlkopf hat die Untersuchung keine praktische Bedeutung. Dagegen lassen sich Lähmungen im Kehlkopf mit dem Laryugoskop durch Inspektion sicher nachweisen. Bei der am häufigsten vorkommenden linksseitigen Lähmung des Kehlkopfs (Kehlkopfpfeifen) hängt das gelähmte Stimm­band und der Giesskannenknorpel weiter in das Lumen des Kehlkopfs hinein als recliterseits, der Kehlkopf wird dadurch asymmetrisch. Am deutlichsten aber tritt die Lähmung in die Erscheinung, wenn Bewegungen im Kehlkopf stattfinden. Da beim Pferde der Kehlkopf meist in mittlerer Inspirations-stellung verharrt, ist es nothwendig In- und Exspirations-bewegungen zu erzwingen. Zu dem Zwecke legt man einen oder zwei Deckengurte über den Kippenkorb und lässt diese ruhig aber stark anziehen, während man gleichzeitig den Kehlkopf beobachtet. Meist wird dann bei jeder Inspiration der bewegungsfähige Giesskannenknorpel nach aussen und bei der Exspiration wieder nach der Mittellinie zu bewegt,
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während der gelähmte sich vollständig ruhig verhält (Paralyse) oder nur träge Bewegungen ausführt (Purese).
Bei doppelseitiger Lähmung (Paraplegie) des Kehlkopfs besteht in der Regel schon im Stande der Ruhe Athemuoth, geringe Aufregung bringt sie jedenfalls hervor. Man sieht dann bei der Inspiration, wie beide Giess-kannenknorpel in das Lumen des Kehlkopfes hin­eingedrängt und bei der Exspiratiou schlotternd zur Seite geworfen werden. Die Lähmung kann auch hier eine vollständige oder unvollständige sein; häufig ist sie auf beiden Seiten nicht gleich stark.
VIII. Percnssion der Brusthöhle. Die Percussion der Lungen kann nur auf Grund der Kemitniss der topographischen Lage derselben ausgeführt werden.
Anatomisches. Lunge und Herz nehmen nicht den ganzen weiten Kaum des Brustkorbes ein, die Baucheingeweide bean-spruchen vielmehr einen grossen Theil desselben für sich. Die Scheidewand zwischen Brust- und Bauehorgauen bildet das Zwerch­fell; dieses inserirt sich in Form eines Kluges an der Innenfläche des ganzen Brustkorbes, vom Brustbein in schräger Richtung nach hinten bis zu den Lendenwirbeln. Während seine lusertions-puukte in der Gegend des Brustbeines mit den Bipponknorpeln zusammenfallen, erreichen sie weiter nach hinten nicht mehr die Knorpel der falschen Rippen, indem sie allmählich immer weiter vom Brustkorbraude sich entfernen, um schlicsslich gerade noch das obere Ende der letzten Rippe zu erreichen. Das Zwerchfell wölbt sich nun von seinem Ursprünge aus in weitem Bogen in den Brust­korb derart nach vorn hinein, dass sein Gipfelpunkt bei den ver­schiedenen Hausthieren etwas über iler Mitte der 7. bis 8. Rippe liegt. Im Moment der Exspiratiou liegt das Zwerchfell mit seinem fleischigen Theile der Seitenbrust wand innig an, die Scheidewand zwischen Brust- und Bauchhöhle wird dann ledig­lich durch den sehnigen Theil hergestellt. Mit Beginn der durch Contraction des Zwerchfells entstehenden Inspiration wird der Bogen des Zwerchfelles von seinem Ansätze bis zum Mittel­punkte bedeutend abgeflacht, indem das Zwerchfell von der Innen­wand des Brustkorbes sich entfernt und in den gebildeten Raum die Lunge mit ihrem scharfen Rande soweit eintreten lässt, dass sie vom Ansatz des Zwerchfells nur noch wenig entfernt ist. Auf der Höhe der Inspiration ist die vorher rund kegelförmige Gestalt zu einer spitz kegelförmigen geworden: gleichzeitig haben sich Basis und Spitze einander etwas genähert, indem die Rippen nach vorn gezogen wurden. Durch diese Vorwärtsbewegung der Rippen wurde auch der Querdurchmesser des Brustkorbes er­weitert, also die Basis des Kegels verbreitert. (Siehe auch S.(iS.)
Hiernach befindet sich der laterale Rand der Lunge in einer beständigen Vor- und Rückwärtsbewegung, wobei er bei den
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grossen Hausthieren einen Weg von 1 — 2 Handbreiten, bei den kleinen kaum 1/2 — 1 Handbreite zurücklegt. Im Mittel darf man als hintere Lungengrenze eine Linie annehmen, welche bei grossen Hausthieren handbreit, bei den kleinen Hausthieren eine halbe Handbreite vom Z w e r c h fe 11 a n s a t z e entfernt bleibt.
Die Zugänglichkeit der Langen für die klinische Unter-sachnng wird nach oben begrenzt durch die dicke RUcken-muskulatur; diese Bückengrenze entspricht je nach dem Nälirzustande etwa einer Linie vom hinteren Schulterblatt-
....Jleiz, ——Insertionslinie des Zwerc/ifelU^ —Lungengrenze während der Exspiration.
winkel bis zum äusseren Darmbeinwinkel. Nach vorn bildet die Schulter mit ihren massigen Muskeln die Grenze (Schulter-grenze, Linea anconaea). Vorziehen des Schenkels erweitert das Percussionsfeld um ein Geringes. An der ünterbrust hindert die Dicke des Brustbeins und der darüber liegenden Muskeln eine Untersuchung der Lungen, und von der Vorder­brust ist die Lunge zu weit entfernt.
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Das Percussionsfeld bildet hiernach jederseits ungefähr ein rechtwinkliges Dreieck, dessen rechter Winkel an der Basis dos Schulterblattes liegt; die beiden Katheten sind bei allen Thiereu durch die gleichen Linien festgelegt: Rückengrenze und Schulter­grenze; verschieden verhält sich bei den einzelnen Thierarten nur die Banchgrenze (Hypotenuse).
Pferd. Bauchgrenze vom vorletzten Intercostalraum über die Mitte des Brustkorbes auf der 11. Rippe nach dem Ellenbogenhöcker. Der Zwerchfellscheitel liegt etwas über der Mitte des Brustkorbes im 8. Intercostalraum.
Wiederkäuer. Bei den Wiederkäuern ist das Per­cussionsfeld kleiner wegen der geringen (13) Anzahl Rippen
Fig. 24.
.. .Herz; —Perciissioxsr/reme; —•• — Lungengrenze; — • — Insertion des Zwerchfells^------Pansen.
und dem dadurch bedingten weiten Vorschub des Zwerch­fells. Die Bauchgrenze geht vom vorletzten Intercostalraum steil über die Mitte der Brustwand auf der 9. Rippe zum Ellenbogenhöcker.
Schwein. Beim Schwein ist durch die Percussion nur selten etwas zu erreichen; die sehr dicke Lage von Unter­hautfett und die Unruhe des Thieres vereitelt ein Ergebniss.
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Die Baucbgrenze des Percussionsfeldes geht von der 11. Rippe nach dem Ellenbogenhöcker.
Hund. Beim Hund liegt die Schulter weit nach vorn, und dadurch wird das Percussionsfeld nach dieser Richtung
.....Her:, schattirter Theil nicht von Lunge bedeckt; '/Percussions­feld der Lunge; -•- Insertion des Zwerchfells; L Leber; M Milz; E Rectum; D Dünndarm.
erweitert. Die Bauchgrenze des Percussionsfeldes reicht in der Mitte der Brustwand bis zur 9. Rippe.
Der normale Liingenschall entsteht durch Schwin­gungen derThoraxwand, des elastisch gespannten Lungen­geweb es und der in ihm enthaltenen Luft.
Die Intensität des Schalles hängt ab von dem Volumen des in Schwingung versetzten lufthaltigen Lungen­gewebes. Sie wechselt also mit der Stärke der Percussion, der Dicke der Hrustwand und dem Volumen des erschütterten Lungentheils. Demnach muss man auf dicker Brustwand stark percutieren, auf dünner leise, ebenso über dem scharfen Rande der Lungen. Siehe auch S. 15.
Der normale Lungenschall geht an den Grenzen des Percussionsfeldes allmählich in den tympa-nitischen bezw. gedämpften über, so dass percu-torisch die Lungengrenzen nicht scharf ermittelt werden können.
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Beim vesiculären Lungenemphysem, sowie bei dem selte­neren insterstitiellen Lungenemphysem und beim Pneumo­thorax, ist bisweilen eine Verbreiterung des Lungen­schalles nach hinten nachweisbar, indem das Zwerchfell dauernd nach hinten geschoben ist. Auch beim vicarriirenden Lungenemphysem tritt bisweilen Ausbreitung des Lungen­schalles ein.
Abnorm lauten, vollen Schall (überlauten. Schachtelton) vernimmt man unter normalen Ver­hältnissen, wenn die Brustwaud sehr dünn ist, die Schwin­gungen der Lungen also möglichst wenig beeinträchtigt werden. Ferner krankhafter Weise:
bei starkem Luftgehalt der Lungen (Emphysem); bei massiger Entspannung des Lungengewebes z. B.
an der Grenze eines pleuritischen Exsudats und beim Pneumothorax. Der gedämptte and leere Schall ist an Stellen, wo sonst voller Lungenschall zu erwarten ist, immer ein Krankheits­symptom; er entsteht:
1)nbsp; Bei Verdichtungen des Lungengewebes selbst durch
a.nbsp; nbsp;pneumonische Uepat isati on; bei Brust­seuche und Luugenseuche wird in der Regel ein grösseres Stück Lunge leberartig derb, der Schall dementsprechend wie bei festen Körpern leer. Bei katarrhalischer Pneumonic ist er nicht so vollständig leer, meist nur gedämpft, weil die Herde klein und auch nicht absolut luftleer sind; bei hypostatischer, metastatischer und jauchiger Pneumonic, Scbweine-seuche, Hundestaupe, Lungenwurmseuche und Tuber-culose ist der Percussionsschall herdweise in ver­schiedenem Grade gedämpft bis leer;
b.nbsp; nbsp;chronische interstitielle Pneumonic ver­bunden mit Atelectase.
2)nbsp; nbsp;Bei Gegenwart von Geschwülsten in den Lungen, Rotz, Tuberculose, Carcinomen, Sarcomen, Echino-coccen etc.;
3)nbsp; nbsp;Durch Auftreten eines luftleeren Mediums zwischen Lunge und Plessimeter;
entzündliche Schwellungen der Thoraxwand (Senf­spiritus-Application), Neubildungen auf der Pleura;
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pleuritisches Exsudat oder Transsudat bei Pleuritis, Brustseuohe, Lungenseuche, Schweineseuche; einzelne Liter sind beim Pferde noch nicht mit Sicherheit nachweisbar. Die pleuritische Dämpfung charakte-risirt sich stets durch eine horizontale Grenze, die sich bei Lageveränderungen (bei kleinen Hansthieren leicht zu erreichen) verschiebt und immer wieder horizontal zeigt.
Auch der tympanitische Percussionsschall ist am Brustkorbe immer eine pathologische Erscheinung; er tritt auf:
1)nbsp; nbsp;bei Entspannung des Luugeugcwebes
durch Retraction der Lunge bei pleuritischen Er­güssen; die collabirte Lunge schwimmt auf dem Exsudat, so dass sich über der horizontalen pleuri­tischen Dämpfung eine tympanitische Zone bemerk-lich macht;
bei Pneumonie im Anfangs- und Resolutions-Stadium;
bei Gegenwart zahlreicher kleiner Tumoren, wenn das zwischcnliegende Gewebe collabirt und schlaff ist;
2)nbsp; bei Gegenwart grosserer lufthaltiger Höhlen; Cavernen und grossen Bronchiectasien; Intensität und Hellig­keit des Schalles hängt ab von der Grosse der Hohle und der momentanen Füllung mit Luft oder Exsudat;
3)nbsp; bei Pneumothorax;
4)nbsp; nbsp;beim Vorfall von D ar mschlingen durch einen Zwergfellsbruch in die Brusthöhle.
MetallühnUch klingend wird bisweilen der tympanitische Schall, wenn die Wandung der Lufthöhle glatt und ge­spannt ist.
Das Geräusch des zersprungenen Topfes {Klirren oder Scheitern) entsteht, wenn aus einer grösseren lufthaltigen Höhle durch die Percussion plötzlich ein Theil der Luft ausgetrieben wird; also bei Cavernen, die mit einem Bronchus in directer Verbindung stehen. Dasselbe Geräusch kann aber auch entstehen durch Percussion eines lufthaltigen Lungentheils, der von hepatisirtem Gewebe umgeben ist. Das Geräusch des zersprungenen Topfes beweist also nicht immer die Gegenwart einer Caverne in deu Lungen.
L
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IX. Die Auscultation der Lungen. Am Thorax ver­nimmt man, soweit gesunde Lunge reicht, bei der Auscultation ein sanft schlürfendes Geräusch: vesiculäres, alveolüres Gerilmch oder ßläschenathmeh. Es entspricht etwa dem Geräusch, das beim weichen Aussprechen eines „fquot; entsteht. Es beginnt im Moment der Inspiration, nimmt bis zur Höhe derselben immer mehr zu und wird bei der Exspiration zu einem noch sanfteren, mehr hauchenden Geräusch mit dem Charakter eines sanft ausgeblasenen _vu.
Die Stärke des Geräusches entspricht der Inten­sität des Athmens. Je kräftiger und ausgiebiger die Athem-bewegungen, desto lauter das vesiculäre Geräusch; nach der Bewegung der Thiere ist es deshalb stets stärker. Im Allgemeinen ist das vesiculäre Geräusch bei Pferden sanfter und weniger stark zu hören als bei Rindern.
InBetretlder Entstehuug des vesiculären Athem-geräusches nimmt man an, dass es das vom Kehlkopf aus fortgeleitete und in den Bronchienver­zweigungen, insbesondere in den Bronchiolen modificirte laryngeale Steno sen geräusch ist. Während der Inspirition ist der das Geräusch tragende Luftstrom gegen das Ohr gerichtet, deshalb ist es in dieser Phase der Athmung lauter vernehmbar, als bei der Exspiration.
Ebenso wie das la^ngeale Athemgeräuseh bis in die Lungen fortgeleitet wird, geschieht es auch mit andern gelegentlich in den obersten Luftwegen entstehenden ab­normen Geräuschen wie Röcheln, Schnieben, Stöhnen; das Feststellen derselben am Brustkorbe hat keine Bedeutung.
Veränderungen des Vesiculärathmens. Ein verstärktes Vesiculiirathmen findet sich
bei jeder verstärkten Athmung, also bei physio­logischer und pathologischer Dyspuoe; als vicariirendes, wenn einzelne Lungenabschnitte für
andere ausgeschaltete mehr arbeiten müssen; als wichtiges Symptom einer beginnenden Bronchitis, infolge Verengerung der Bronchiolen durch Schwel­lung der Schleimhaut und Schleimauflagerung. Abgeschwächtes Vesiculärathmen zeigt sich schon bei dicker und auch bei pathologisch verdickter Thoraxwand: Schwellung, Neubildungen; ferner speciell bei folgenden Lungenerkrankungen:
Malkmns, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
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bei behindertem Lufteintritt in die Alveolen infolge starker Verscliwellung oder Verstopfung von Bronchien; Bronchitis in hohem Grade; bei vermindertem Luftwechsel: Emphysem, be­ginnender Hepatisation der Lungen und theilweiser Compression der Lungen durch pleuritisches Ex­sudat. Verschwinden des vesiculären Geräusches ohne Vor­handensein anderer Geräusche entsteht zumeist, wenn Pleura-Exsudate oder Tumoren an Stelle der Lunge liegen; seltener bei hochgradigem vesiculären Lungenemphysem oder voll­ständigem Verschluss eines grösseren Bronchus, so dass in den betreffenden Lungenabschnitt keine Luft eintreten kann. Stossioeises, saccadirtes Atltemg er dusch entsteht bei ge­sunden Thieren durch willkürliches Verhalten der Athmung: Auf­regung, Angst; die Veränderung ist dann beiderseits gleich-massig zu constatiren. Pathologisch und beschränkt auf einzelne Lungenabschnitte kommt das saccadirte Athmeu zur Beobachtung bei verzögertem Lufteintritt in die Alveolen infolge von Verengerung oder Verstopfung der Bronchien (Bronchitis).
Das bronchiale Athmeu. Normaliter ist das bronchiale Athmen als laryngeales oder tracheales am Kehlkopf und an der Luftröhre zu vernehmen; sein Auftreten an der Brustwand ist stets als ein bedeutungsvolles Krankheitssymptom aufzufassen. Es ist das nur bis in die Bronchien fortgeleitete laryngeale Geräusch und kann nur entstehen, wenn die Bronchien noch wegsam, die Alveolen dagegen luftleer sind. An Stelle des vesiculären Athems tritt bronchiales auf:
bei Füllung der Alveolen mit Exsudat, also bei allen Pneumonien, besonders Brustseuche, Lungenseuche. Das hepatisirte Stück muss mindestens zweifaust-gross sein und in nächster Nähe der Rippenwand liegen; bei Compression der Lungen durch pleuritisches Exsudat (Atelectase); die Compression muss eine vollständige sein, da bei nur verringertem Luftgehalt der Alve­olen noch schwaches vesiculäres Athmen zu hören ist.
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Als eine besondere Art des bronchialen Atbmens ist das amphorische Ätheingeräusch za betrachten, ein Geräusch, wie es beim Blasen über ein enghalsiges Gefäss entsteht. Bei Thieren wird es selten gehört bei grossen mit Bronchien communicirenden Höhlen (Gangraena pulmonum). Die Per­cussion ergiebt darüber nicht wi e beim gewöhnlichen Bronchialathmen eine Diimpfung, sondern tympani-tischen Ton oder das Geräusch des gesprungenen Topfes. Das Zustandekommen des Bronchial-athmens ist in allen vorgenannten Fällen gebunden an das Freibleiben der Bronchien; werden auch sie durch Exsudat verlegt, so verschwindet das bronchiale Athmen und es ist dann gar kein Athemgeräusch zu hören. Ein kräftiger Hustenstoss kann durch lierausbefördern des Exsudats die Bronchien wieder frei machen.
Das unbestimmte Athemgeräxisch. Von lothestimmtem Athemgeräusch spricht man, wenn nicht genau unterschieden werden kann, ob vesiculäres oder bronchiales Geräusch vorliegt; häufig hat es den Charakter des hauchenden. Es kann auch das Geräusch selbst zu schwach sein oder von andern lauteren Geräuschen verdeckt werden. Unbestimmtes Athemgeräusch tritt auf bei beginnender Hepatisation, indem das vesiculäre Athmen abnimmt und das bronchiale sich allmählich entwickelt; auch bei geringgradiger Compression der Lunge oder llieilweiser Verstopfung der Bronchien.
Rasselgeräusche. Rasselgeräusche kommen nur unter krankhaften Verhältnissen vor und entstehen, wenn in den Bronchien oder in einer Caverne Exsudatmassen sicli befinden, gegen die der Luftstrom anstösst.
Feuchte Kasselgeräusche treten auf, wenn in den Bronchien sich leicht flüssiger Inhalt befindet (Bronchitis). Je grosser die Bronchien und je reichlicher das Exsudat, desto grossblasiger werden die Geräusche; in den grossen Bronchien und in Cavemen können sie gurgelnd oder brodelnd werden. Ausserdem unterscheidet man noch mittelgrossblasige und Meinhlasieje Rasselgeräusche, welch letztere in den kleinsten Bronchien ihre Entstehung finden. Die Rasselgeräusche sind nicht immer gleich stark; spärliche Rasselgeräusche sind nur bei der Inspiration mit deren Höhe zunehmend zu hören
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und können insbesondere nacli dem Husten zeitweilig ganz verschwinden. Die Stärke der Kasselgeräusche hängt von dem Umfang der Erkrankung und der Lage des erkrankten Theiles ah.
Die feuchten Rasselgeräusche entstehen durch Hin- und Herbewegung des Schleimes, durch Bildung und Zerspringen von Blasen sowie durch Schwingungen, ausgehend von der hinter den Blasen nachstürzenden Flüssigkeit, Je nachdem die Rasselgeräusche neben vesiculärem, bronchialem oder amphorischem Athemgeräusch auftreten, haben sie einen ver­schiedenen Klaity; klingende Rasselgeräusche sind in der Regel verbunden mit Bronchialathmen.
Unter Knisterrasseln versteht man die feinsten Rassel­geräusche, hörbar als ganz feines Knistern. Künstlich kann man solches Knistern entstehen lassen durch loses Anlegen des Ohres auf die behaarte Haut der Thiere. In Bezug auf die Art der Entstehung kann das Knisterrasseln weder den feuchten noch den trockenen Rasselgeräuschen zugezählt werden, denn es entsteht durch Auseinanderweichen der mit einander verklebten Wände der Alveolen und Bronchiolen im Momente der Inspiration. Es wird beobachtet bei Bronchio-litis, Lungenödem sowie im stadium catarrhale und stadium resolutionis der iibrinösen Pueumonie (Brustseuche).
Trockene Rasselgeräusche entstehen bei spärlichem zähen Bronchialsecret oder starker Schwellung der Schleimhaut. Durch diese Zustände werden Stenosen in den Bronchien erzeugt, welche Stenosengeräusche hervorrufen, die als schnurrmd, brummend, knarrend, giemend oder pfeifend zu vernehmen sind. Sie finden sich im Gegensatz zu den feuchten Rasselgeräuschen mehr bei chronischen Krankheits-zuständen: chronischer Bronchitis, sowie bei Compression der Bronchien durch Knoten (Tuberculose, chronische Pneumonie) und Geschwülste (Echinococcen); bei der Echinococceu-Krankheit des Rindes entstehen eigenthümlich cpmrksencle Geräusche.
Ein den trockenen Hasselgeräuschen sehr ähnliches Giemen, Knistern, Pfeifen und Pipuen vernimmt man bei interstitiellem Lungenemphysem am stärksten bei der Exspi-ration, das durch Fortpressen der Luftblasen in den Inter-stitien entsteht.
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Reibegeräusch der Pleura. Die Verschiebung der Pul-monalpleura auf der Costalpleura bei der Athmung geschieht normaiiter geräuschlos; wird aber die Pleura durch ent­zündliche Auflagerungen rauh und klebrig, so entsteht bei der Athmung ein Geräusch, das am besten dort zu hören ist, wo die Verschiebung der Pleurablätter am erheblichsten ist, also gegen den scharfen Rand der Lunge hin. Im Uebrigen ist die Intensität des Reibegeräusches von dem Umfang der Erkrankung abhängig. Es hört sich wie ein gleichmässiges Schahoi oder Beiben dicht unter dem Ohre an, oder wenn die Verklebung eine sehr innige, wie ein in kurzen Absätzen erfolgendes Kratze)/ oder Knarren.
Ein Reibegeräusch der Pleura tritt nur auf bei Pleuritis sicca s. fibrinosa, die am häufigsten im Verlaufe der Brustseuche und Lungenseuche zur Beobachtung gelangt. Kur in vereinzelten Fällen von Unebenheit der Pleurablätter durch Geschwülste entsteht ein Reibegeräusch, wenn nämlich trockene Pleuritis damit verbunden ist. Bei Tuberculose der Pleura ist ein Reibegeräusch in der Regel nicht vorhanden.
Leicht zu verwechseln sind die Reibegeräusche mit trockenen Rasselgeräuschen. Reibegeräusche sind mehr gleichmässig bei In- und Es^pfration, auch bisweilen fühl­bar und treten nicht selten in Absätzen auf; Hustenstösse verändern sie nicht. Die Rasselgeräusche sind meist bei der Inspiration stärker als bei der Exspiration, verlaufen aber innerhalb dieser Phasen gleichmässig. Durch Husten­stösse werden sie mehr oder weniger verändert.
Krankheiten des Respirationsapparates.
a. Kopfhöhlen.
Acuter Nasenkatarrh. llhinitis eatarrhosa, llöthun^ der Schleimhaut, seröser oder schleimiger, seltener eitrig-schleimiger Ausfluss. Nur bei erheblicher Erkrankung leichtes Fieber und vorübergehende geringe Schwellung der Kehlgangslymphdrüsen.
Chrottischer Nasenkatarrh, meist einseitig. Ausfluss häufig eitrig-schleimig oder hell glasig; Quantität wechselnd. Nasen­schleimhaut blass, bisweilen katarrhalische Erosionen. Verdickung der Kehlgangslymphdrüsen.
Chronischer Katarrh der Kiefer- und Stirnhöhlenschleimhaut. Erscheinungen des einseitigen chronischen Nasenkatarrhs. Bei
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tiefer Kopfhaltung plötzlich reichlicher Ausfluss. Auftreibung der erkrankten Kopfhöhlen, bei Füllung derselben mit Exsudat leerer Percusionsschall.
Geschwülste in den Kopfhöhlen. Am häufigsten Sarkome in den Kieferhöhlen und Polypen in der Nasenhöhle. Chronischer Nasen-ausfloss. Auftreibung, sclmiebendes Athemgeräusch, Miterkrankung der Kchlgangslymphdriisen.
Parasiten in den Kopthöhlen. Larven von Oestrus ovis beim Schaf, Pentastümura taenioides beim Hunde. Niesen, Nasen-ausfluss, sclmiebendes Athmen, Gehirureizungserscheinungen.
b. Kehlkopf und Bronchien.
Acuter Kehlkopfkatarrh. Laryngitis acuta, Husten, anfangs trocken und schmerzhaft, später mehr feucht. Schwere Erkrankung: Geringes Fieber, Pulsfrequenz, Athembesctiwerdc mit laryngealem Stenoseugeräusch.
Croupöse Kehlkopfentzündung. Plötzliches Fieber, bisweilen Schiittelfrost. Quälender, bellender Husten. Stenusengeräusche, hochgradige mspiratoriache Dyspnoe.
Glöttisödem. Plötzlich eintretende hochgradige inspiratorische Dyspnoe, laut giemendes oder kreischendes Geräusch, gestreckte Kopfhaltung. Stenosengcräusch verschwindet nicht bei theihveisem Verschluss der Nasenöil'mmgen. Peracuter Verlauf.
Chronischer Kehlkopfkatarrh. Husten, besonders beim Heraus­treten an die Luft und bei der Arbeit.
Kehlkopfpfeifen, llemiplegia laryngis sinistra. Eine durch linksseitige Lähmung dos Ncrvus laryugcus inferior s. recurrens hervorgerufene Atrophie der Kelilkopfmuskeln, die ein inspira­torisches Athemgeräusch zur Folge hat. Fieberloser Zustand ohne katarrhalische Erscheinungen. Langer rauher Husten mit Kückstoss. Inspiratorisches Athemgeräusch bei forcirtei Ath-mung, das bei theihveisem Verschluss der Nasenöifnuugen ver­schwindet.
Acute Kehlkopflähmung. Paraplegia laryngis. Plötzlich ein­tretende hochgradige, inspiratorische Athemnoth, die sich schon im Stande der Ruhe bei geringer Aufregung kundgiebt; lautes Pfeifen oder Kreischen, Angst, Unruhe. Theilweiser Verschluss der Nasenöliiunigen vermindert die Athemnoth. Allgemeinbefinden dauernd ungetrübt.
Acuter Brouchialkatarrh. Erst bei erheblicher Erkrankung sicher zu diagnosticiren. Fieber, Pulsfrei|uenz, beschleunigte Athmung, Husten anfangs trocken, später locker. Percussion voller Schall, Auscultation Kasselgeräusche je nach Sitz, Menge und Beschaffenheit der Exsudate.
Chronischer Bronchialkatarrh. Fieberlos. In der Kegel Husten, kurz, matt und dumpf. Athembeschwerde im Stande der Ruhe gering, bei der Arbeit auffallend, dann bisweilen auch feinblasiger, seröser Nasenausfluss.
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Bronchitis verminosa. Lungenwurmseuche. Langsame Knt-wickelung von Erscheinungen des Bronchialkatarrhs mit reichlicher Exsuclation, im Schleim Parasiten, Eier oder Embryonen der Stron-gyliden. Später Anämie, Entkräftung und auch Tod.
c. Lunge.
liiingencongestion und Lungenödem. Plötzliches Auftreten. Grosse in-und exspiratorische Athemnoth, bis luO Athemzüge. Percussion normal, Auscultation verschärftes Vesiculärathmen, Knisterrasseln, Rasselgeräusche.
Pleurodynie ist eine mit heftigen Schmerzen in der Brustwand verbundene Lungencongestion. Allgemeine Apathie, excessive Er­weiterung und Feststellung des Brustkorbes. Stöhnen. Bis SO oberflächliche Athemzüge. Temperatur hochnormal, Puls bo-schlcunif;t. Ueberlauter Percussionsschall, feuchtes oder auch abgeschwächtes Vesiculärathmen.
Katarrhalische Pneumonic. Broncho-Pneumonic. Meist erst katarrhalische Bronchitis, hohes iutermittirendes Fieber, schmerz­hafter Husten. Nur bei umfangreicher Erkrankung- Pneumonie nachweisbar; herdförmige Dämpfung, dazwischen oft tyiupanitischer Schall. Athemgeräusche abgeschwächt, selten Bronchialathmen.
Lungenbraud. Gangräna pulmouum. Fieber. Ausgeathmete Luft riecht anfangs süsslich-fad, später stinkend. Jlissfarbiger, graubrauner, zähflüssiger Nasen-Ausfluss. Percussion: Tympani-tischer Schall, Geräusch des gesprungenen Topfes in der Peri­pherie des Herdes. Dämpfung. Auseultation: Grossblasige Kassel­geräusche, Bronchialathmen, Kragblasen'. Nicht selten mit Pleuritis complicirt.
Alveoläres Emphysem. Nur in höheren Graden nachweisbar. Fieberlos. Exspiratorische Dyspnoe, erfolgt in zwei Absätzen, Vordrängen des Afters. Husten kurz, matt und dumpf. Ueber­lauter Percussionsschall, Percussionsgrenzc nach hinten erweitert. Auscultation ergiebt Verminderung des vesiculären Geräusches.
Interstitielles Lungenemphysem. Plötzlich eintretende in- und exspiratorische Athemnoth; kein oder nur sehr oberflächlicher Husten. Ueberlauter Percussionsschall mit tympanitischem Bei­klang nach hinten verbreitert. Bei der Auscultation Piepen. Häiilig gleichzeitig Hautemphysem.
Echiuococcenkrankheit. Nur bei Vorhandensein zahlreicher Echinococcusblasen in der Lunge beim Kinde nachweisbar. Fieber­los. Athembeschwerde, Husten meist schwach, hauchend. Per­cussionsschall an einzelnen Stellen gedämpft oder auch tympanitisch. Vesiculärathmen vormindert, Pfeifen, Schnurren, bei der Exspira-tion Quurksen.
d. P 1 c u r a. Brustfellentzündung. Pleuritis. Fieber je nach dem Charakter der Entzündung. Athmung beschleunigt und erschwert. Häufig schmerzhafter, matter Husten. Percussion horizontale Dämpfung,
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darüber oft schmaler Streifen mit tyrapanitischem Schall. Percus­sion ändert sich bei der Lageveränderung des Patienten. Im Anfangsstadium ergicbt die Auscultation Keibegeiäusche, später bei eingetretener reichlicher Exsudation kein Athemgeräusch.
Pneumothorax mit interstitiellem Luugenempliysem oder Trauma der Brust. Tyiupanitischer Schall in der oberen Partie des Brust­korbes. Hochgradige Athemnoth.
e. Infectionskrankheiten mit Localisation im Kespirations app arat.
Brustseuche ist eine ansteckende Lungcnentziindung des Pferdes mit Atfeetion der Körperparenchyme und meist mit sekun­därer Pleuritis. 1) Stadium increiuenti beginnt mit hoch­gradigem Fieber, Gelbfärbung der Conjunctiven, allgemeiner Mattigkeit, Gliederknacken. 2) Acme. Nicht vor dem 2. bis 3. Tage. Erscheinniigen der croupösen Pnomnonie mit oder ohne Pleuritis, meist einseitig. Kostfarbiger Nasenausfluss, leerer Per-cussionsschall mit starker Resistenz, bronchiales Athmen. Mit Pleuritis: Peerer Schall mit horizontaler Begrenzung, darüber tympanitische Zone. Keibegeräuschc bald vorübergehend, dann kein Athemgeräusch oder auch bronchiales. 8) Stadium decre-menti. Die Erisis tritt nach 7—8 Tagen ein, Temperatur inner­halb 24—3(3 Stunden normal, alle übrigen Erscheinungen, auch Pulsfrequenz, verschwinden allmählich in 8 Tagen. Complica-tionen: Pleuritis, Myocarditis acuta. Xachkiankheiten: Gan-graena pulmonuin, Lungenabscesse, chronische Pneumonic.
Scalma (Dieckerhoff) ist eine diffuse infectiöse Bronchitis mit subacutem Verlauf.
Tuberculose ist eine übertragbare, contagiöse Krankheit, welche durch den Bacillus tuberculosis hervorgerufen wird und durch die Bildung kleinster bald zerfallender Entzüudungherde ausgezeichnet ist. Nur in hochgradigen Fällen nachweisbar. Trockener Husten, Lungenleidcn chronischer Natur mit gleich­zeitiger Abmagerung, einzelne üämpfungsherde in der Lunge, auch tympanitischer Schall; rauhes vesieuläres Athmen, Kasselgeräusche, Brummen, Pfeifen. Oeftercs Aufblähen, Sticrsucht, chronische Metritis und Mastitis bei Kühen, Vergrösserung der Lymphdrüsen. Siehe auch specitische Untersuchung auf Tuberculose.
Druse, Coryza contagiosa ist ein infectiöser Katarrh der Schleimhäute der oberen Luftwege mit seeundärer, eitriger Ent­zündung der zugehörigen Lymphdrüsen. Beginnt mit Fieber von intermittirendem Charakter. Puls zunächst wenig frequent steigt — 80. Nasenausfluss serös, schleimig bis eitrig, meist beiderseits reichlich. Nach spätestens 3—4 Tagen entzündliche Schwellung der Kehlgangslymphdrüscn und nach weiteren 4—8 Tagen Abs-cedirung. Miterkrankung des Pharynx sehr häulig, Schluck-besebwerden, Abscedirung der subparotidealen und retropharyn-eealenLymphdrüsen. Miterkrankung des Kehlkopfs: Husten, laute inspiratorische Athemgeräusche. Bei älteren Pferden nicht selten nur Erkrankung des Pharynx.
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Botz, Malleus ist eine rein contagiöse, durch den Rotzbacillus bedingte Krankheit der Einhufer, gekennzeichnet durch Knütchen und (ieschwürabildung in der Kespirationsschliiinhaut und der äusseren Haut. Auf derXasenschleiinhaut hirsokorngrosse, durch­scheinende, graue Knütchen umgeben van rothem Hof. Knütchen werden gelb, zerfallen, bilden Geschwüre mit aufgeworfenen zer­fressenen Rändern und speckigem Grunde. NasenausHuss spärlich, häutig einseitig, nicht ^leichmässig klebrig, schleimig, eitrig, bis­weilen blutig oder misslarbigr. Kehlgangslymphdrüsen vergrössert, knotig, derb, mit der Nachbarschaft verwachsen. In der äusseren Haut und der Unterhaut bis hiihnereigrosse, mehr flache, schmerz­hafte, heisse Knoten, die aufbrechen, missfarbigen Eiter entleeren und Geschwüre bilden. Von den Knoten ausgehende Lymph-gefässe tingerdick. S. auch specitische Untersuchung auf Kotz.
lungenseuche ist eine contagiöse, croupos-interstitielle Pneu­monic des Kindes. Man unterscheidet ein oecultes Stadium, in dem neben Husten, geringer Atliembeschwerde geriuggradiges Fieber besteht. Im acuteu Stadium deutliches Fieber — -ll0 C. und Merkmale einer acuten Enngenbrusti'ellentziinduug. Athemnoth hochgradig, matter, kurzer Husten, etwas Nasenausliuss, aus­gebreiteter, leerer Percussionsschall, Keibcgeräusche, Bronchial-athmen, Kasselgcräusche. Fresslust, Wiederkauen und Milch-secretion geschwunden.
Bösartiges Katarrhalfieber ist eine specitische, #9632; subacut ver­laufende, fieberhafte Infectionskrankheit des Rindes, bei welcher vorzugsweise die Respirations- und Digestionsschleimhant afficirt wird und eine schwere Erkrankung des Gehirns entsteht. Unter Schiittelfrost setzt die Krankheit ein. Starke Benommenheit, Muskelzittern, Steifheit, bisweilen Unvermögen zu stehen. Con­junctivitis und Keratitis. Diphtheritischc Entzündung der Schleim­haut der Nase, Kopfhölilen-, Trachea- und Maulsehleimhaut, schniebendes röchelndes Atlunen. Kein Appetit, Milchsecretion sistirt.
Staupe der Hunde ist eine leicht übertragbare Krankheit, die sich vornehmlich in katarrhalischer Erkrankung der Sehleimhäute äussert. Symptomenbild sehr vielgestaltig; man unterscheidet: katarrhalische, nervöse und exanthematische Form. Langsame Ent-wickelung des Krankheitsbildes. Trägheit, Conjunctivitis, Kera­titis, Erbrechen, Störung des Appetits, schleimiger Nasenausfluss, Husten, Athembeschwerde, tympanitischer bisweilen gedämpfter Lnngenschall, Rasselgeräusche. Krämpfe über den ganzen Körper oder einzelne Muskelgruppen, allgemeine Muskelschwäche, Lähmungen. Vesiculäres und pustulöses Exanthem.
8. Digestion sapparat.
Erkrankungen im Digestionsapparat kommen bei den Hausthieren sehr häufig vor, ihre Diagnose ist zum Theil weit schwieriger als beim Kespirationsapparat, weil die einzelnen
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Theile einer eingehenden Untersuchung nicht so zugänglich sind. Aber gerade deshalb ist eine sorgfältige Beachtung aller hervortretenden Momente besonders zu empfehlen. quot;Wir berücksichtigen der Reihe nach:
I. Die Futter- und Gretriinkaufnahme. II. Die Maulhöhle.
III.nbsp; nbsp;Die Kachenhühle und den Schlund.
IV.nbsp; nbsp;Das Wiederkauen. V. Das Erbrechen.
VI.nbsp; nbsp;Den Hinterleib.
VII.nbsp; nbsp;Die Darmentleerungen.
I. Die Putter- und Getränkaufnahme. Ehe man an die eigentliche Untersuchung der Organe des Digestionsapparates herantritt, ermittelt man die Futter- und Getränkaut'nalune und berücksichtigt speciell den Appetit auf Futter und Getränk, die Art und Weise der Futteraufnalime, das Kauen und Schlucken.
Appetit auf Futter. Die Lebhaftigkeit des Appetits hängt bei den Haustliieren in erster Linie von der Schmaekliat'tigkeit des Futters v,ie auch von der Gewöhnung an dasselbe ab.quot; Bei Ergründung der Ursache eines Appetitmangels sind diese Momente stets zu berücksichtigen und cventl. eine Untersuchung desFattera vorzunehmen. Der Appetit ist auch individuell sehr verschieden; manche Pferde sind (/ute Fresser, andere schlechte Fresser trotz vollkommener Gesundheit und guten Kutters. Temperamentvolle Pferde versagen oft das Futter nach stärkerer Anstrengung und zeigen erst nach eingetretener Erholung wieder Appetit. Beim Wechsel des Stalles oder Standortes, besonders aber beim Allein­stehen von Pferden, die früher mit mehreren zusammen waren, zeigen viele anfänglich einen verminderten Appetit. Am liebsten verzehren die Pferde Hafer und gutes, siisses Wiosenheu; der Appetit auf andere Körnerarten ist geringer.
Bei allen erheblich kranken Thieren ist der Appetit mehr oder weniger vermindert; schwer kranke Pferde und Rinder nehmen am liebsten noch Heu oder etwas Stroh. Aus mangelhaftem Appetit allein lässt sich noch gar nichts folgern. Das Versagen jeglichen Futters ist im Allgemeinen ein ungünstiges Zeichen; dagegen darf eine verhältnissmässig gute Fntteraufnalime bei sonst schwerer Erkrankung als prognostisch günstig betrachtet werden.
Der Appetit auf Wasser richtet sich zunächst nach
dem Wassergehalt des Futters; die Thiere mehr Getränk als
bei Trockenfütterung nehmen bei Grüufütterung, bei der
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übrigens Wasser auch nicht zu entbehren ist. Auch die Wasserabgabe durch die Haut, Nieren und den Dann ist von Eintiuss auf die Getränkauf'nahme. Viele Pferde sind übrigens sehr empfindlich gegen Verunreinigung des Wassers; selbst reines Wasser, das ihnen Iremd ist, verschmähen sie. Eine Verminderung der Wasseraufnahme tritt ein bei Kolik und allen schweren acuten Magen- und Danner-krankungen, solange nicht Durchfall besteht; auch Pferde mit acuter Gohirnentziindiaig versagen das Wasser. Dauerndes gänzliches Versagen des Getränks gilt im Allgemeinen als ungünstig; trinken kolikkranke Pferde Wasser, so ist dies für die Prognose günstig.
Vermehrter Burst stellt sich bei verschiedenen Krank­heiten ein:
Fieberkranke Thiere nehmen gern häufig frisches
Wasser in geringer Menge; tritt bei Pfcrdestaupe oder Urustseuche die Krisis ein, so zeigen die Pferde neben reichlicher Wasser­ausscheidung durch die Mieren auch grossen Durst; bei exsudativer Pleuritis und Peritonitis; bei Diabetes iusipidns der Pferde ist der Durst am auffallendsten gesteigert; sie trinken mehrere Eimer voll hintereinander auf einmal; bei Magen- und Darmkatarrh der Hunde verbunden mit öfterem Erbrechen. Als perversen oder verirrten Appetit bezeichnet man die (reliiste auf Stoffe, die sonst von gesunden Thieren nicht genommen werden; es ist in der Regel ein sehr wichtiges Krankheitszeichen. Verwechseln darf man allerdings nicht damit die Spielerei junger Thiere, weichere Gegenstände zu benagen und auch gelegentlich einmal abzuschlucken. Kinder lecken namentlich gern an Kleidern, Hunde fressen bisweilen einige Grashalme.
Krankhaft ist die Sucht nach Alkalien: Mit Urin und Koth beschmutztes Stroh, Kalk und Lehm von den Wänden, Holz; bei Dyspepsia aeida.
Das Verschlingen ungeniessharer Gegenstände, wie Kleidungsstücke, Leder, Holz, Steine u. dgl., wird bei der Lecksucht der Rinder und dem Wollefressen der Schafe beobachtet; aucli bei Tollwuth das Verschlingen unverdau­licher Gegenstände.
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Art der Futtcraufuahtne. Gesunde Pferde nehmen das Futter mit den Lippen und bringen es in die Maulhöhle; vermittelst der Zunge und der Backen wird es dann zum Kauen zwischen die Backzahnreihen geschoben. Ebenso machen es Schafe und Ziegen. Gesunde Rinder uehmen das Futter mit der hakenförmig gekrümmten Zunge auf und bringen es so in die Maulhöhle.
Bei P f e r d e n werden folgende Veränderungen beobachtet:
1) Bei entzündlichen .Schwellungen der Lippen und Backen sowie bei Lähmungen der Lippen (Lähmung des Nerv, facialis) beissen die Pferde mit den Schneidezähnen in das Futter und können es nur mit Mühe in die Maulhöhle befördern;
2^ bei schwerer Benommenheit des Sensoriums zeigen sie häulig eine ähnliche Futtcraufnahme, stecken auch lieim Trinken die Xase tief in das quot;Wasser und kauen es nicht selten;
3) in hohem Grade erschwert ist die Futter- und Getränk-aufnahme beim Starrkrampf; die Thiere können keine Ivau-und Sangbewegungen machen, weil der Krampf der Kaumuskeln die Maulhöhle geschlossen hält.
Rinder zeigen eine Behinderung der Futtcraufnahme bei entzündlicher Affection der Zunge, insbesondere durch actinomykotische Erkrankung, wobei die Zunge hart, steif und bewegungslos wird (Holzznnge). Die so erkrankten Kinder beissen in das Futter wie Hunde.
Auch auf die Art der Was seraufnahm e ist zu achten; die Thiere saugen das Wasser ein, nur Hunde und Katzen lötfein es mit der Zunge. Bei Lähmung des Nerv, facialis müssen die Thiere das ganze Maul in das Wasser stecken können, um dieses zum Abschlucken weit genug in die Maul­höhle zu bekommen.
Das Kauen. Die Lebhaftigkeit der Kaubewegungen richtet sich nach der Schmackhaftigkeit des Futters und nach dem Appetit der Thiere; gesunde Pferde und Rinder machen 60—100 Kaubewegungen in der Minute.
Eine auffallende Verlangsamung der Kaubewegimgen erfolgt bei Benommenheit des Sensoriums durch schwere lieberhafte Krankheiten und durch acute und chronische Gehiruwassersncht. Die Thiere sistiren vorübergehend das Kaugeschäft, stehen in sich gekehrt, vergessen, dass sie
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fressen sollen. Das geschieht nicht selten, während sie noch Futter im Maule haben und Heu- oder Strohhalme aus der Maulspalte heraushängen.
Erschwert wird das Kauen bei der Lähmung des Nerv. facialis, indem sich das Futter im Vorhofe der Maulhöhle in Form von langen Würsten ansammelt; sowie beim Tetanus durch den Krampf der Kaumuskeln.
Verlangsamt und erschwert wird das Kauen bei mecha­nischer Behinderung durch gewisse Zahnfehler: Scheeren-uud Treppeugebiss, einzelne lange Zähne. Die Thiere kauen einseitig, langsam und lose, es findet kein reges Durchkauen, sondern nur ein schwach scheuerndes, bisweilen klappendes Kauen statt, wobei das Futter wohl gequetscht aber nicht zermahlen wird.
Schmerzhaft wird das Kauen durch acut entzündliche Processe an den Backen, am Kicfergelenk und im Kehlgang, wie sie bei Druse häutig vorkommen. Die Patienten unter­brechen das Kauen willkürlich. Haben die Pferde spitze Gegenstände, wie Nägel, Nadeln, Holzsplitter etc. mit dem Futter aufgenommen, so öffnen sie in der Regel das Maul weit und werfen den Inhalt mit der Zunge heraus. Das Gleiche thun sie, wenn sie sich während des Kauens an der Zunge oder den Backen Verletzungen zufügen durch Spitzen an den Zähnen oder dadurch, dass Zähne aus der Reihe gewichen (Alvcolarperiostitis); auch bei kranken und losen Zähnen, wenn sie zufällig auf den kranken Zahn beissen. Pferde mit kranken Zähnen lassen häufig kleine Mengen zusammengekauten Futters aus dem Maule fallen (priemen). Andere heben während des Kauens den Kopf plötzlich hoch und zur Seite, öffnen etwas das Maul und machen langsame Seitwärtsbewegungeu mit dem Unterkiefer. So verschieden­artig und mannigfaltig die Erscheinungen bei den verschiedenen Zahnkrankheiten sind, so stimmen sie doch alle darin iiberein, dass sie das Kauen erschweren und schmerzhaft machen.
Bei lebensgefährlichen Erkrankungen beobachtet man häutig Zähneknirsehen, indessen ist es gerade kein pro­gnostisch ungünstiges Zeichen.
Schlnckbeschvverden. Den Schlussakt der Futteraufnahme bildet das Abschlucken der Nahrungsmittel. Der erste Theil des­selben ist die Schlingbewegung. Die Maulspalte wird geschlossen.
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die Kiefer auf einander gopresst, so dass die Zung-enbeinkiefei-muskelu einen fixen Punkt bekommen. Alsdann werden nach­einander Zungenspitze, Zungenriieken und Zungeugrund gegen den harten Gaumen gepresst und dadurch der Maulinhalt quot;nach der Rachenhöhle hingedrängt. Dort wird er von den Schlundkopf-schnürern empfangen, die sich vor ihm (nasalwiirtsj contrahiren und dadurch den Hissen nach dem Schlünde befördern, durch dessen peristaltischc Bewegung er weiter nach rückwärts ge­schoben wird. Der Nasenracben wird durch Contraction des oberen Schlundkopfschnürers abgeschlossen, der die seitliche Pharynxwand wulstartig gegen den hinteren Rand des erhobenen (jaumensegols presst, wobei sich zugleich die Ränder der hinteren Gaunienbögen nahern.
Zur Bewirkung des Kehlkopf-Verschlusses wird der ganze Kehlkopf nach vorn und oben unter die eben hierdurch sich über ihn hinwegwölbende Zungenwurzel gezogen, wodurch gleichzeitig der Schlundkopf dem Zungengrunde erheblich genähert wird Der Zungengrund drückt den Kehldeckel über den Kehlkopfs-eingang nieder, sodass nun der Bissen über den Kehlkopf hin-weggleiten kann.
Eine Störung des normalen Sehluckaktes wird am häufigsten durch Entzündungsprocesse im Pharynx bewirkt, die eine Infiltration und mangelhafte Funktion der hetheiligten .Muskeln zur Folge haben. Es wird dadurch das Schlucken jedenfalls schmerzhaft, aber gleichzeitig kann auch der Versehlnss des cavum laryngis oder des cavum phaiyngo-nasale unvollständig bleiben. Dementsprechend beobachtet man als Ausdruck der Schmerzhaftigkeit gestreckte Haltung des Kopfes und Halses, wobei die Pferde bisweilen mit dem Kopfe schütteln. Der mangelhafte Ver­se liluss des cav. laryngis lässt Futterbestandtheüe in den Kehlkopf gelangen, worauf dann linsten erfolgt; durch mangelhaften Verschluss des cav. pharyngonasale können Theile des zu Verschluckenden (Wasser, Speichel, Futter) durch die Nasenhöhle zurücklaufen (regurgiUren). Die Mangelhaftigkeit des Verschlusses stellt im geraden Ver-hältniss zur .Schwere der Erkrankung; bei leichter Erkrankung kommt nur Flüssigkeit, was man Anfangs erst beim Vorhalten von Getränk wahrnehmen kann. Später bei schwerer Erkrankung kommen auch Futterbestandtheile. Bei nicht sehr intensiver einseitiger Erkrankung wird auch einseitiges RegurgiUren beobachtet. Dose zusammenhängende Bissen lassen leichter ein Regurgitiren zu als festere.
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Die eatziindliche Affection des Pharynx, welche die SchluckbescliAverden erzeugt, kann eine selbständige Er­krankung sein, (Pharyngitis) oder Begleiterscheinung einer anderen: Druse, Morb. maculosus, Milzbrand.
Schluckbeschwerdeu werden ausserdem beobachtet bei:
Lähmungen des Schlundkoptes bei Pilzvergiftungen, Milchfieber und Tollwuth;
Krampf der Schlundkopfmuskeln während des Starr­krampfes;
Tumoren in der Eaclienluilile: Actinoniycome, Lymphoine.
Als Begleiterscheinungen der Schluckbeschwerden zeigen sich noch: Speicheln, Geifern, Herausstossen grösserer Puttcrballen aus der Maulhöble beim Husten, Ansammlung und Grährane des in der Maulhiihlc angesammelten Futters.
Fig. 2l
Besichtigung der Maulliöhle
II. Die Maulhöhle. Die Untersuchung der Maulhöhle erfolgt für gewöhnlich ohne Zuliiilfenahme von Instrumenten bei Tageslicht; künstliche Beleuchtung durch Reflexspiegel, Leuchter oder elektrische Lampe ist bisweilen sehr zweck-mässig, aber nicht nothwendig.
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Methode der Untersuchung. JJeim Pferd und Kind geht man seitwärts an der Lade mit der Hand in die Maulhöhle ein, ergreift mit voller Faust die Zunge und drückt die Spitze des Daumens gegen den Gaumen. Die Thiere ött'nen dann in Regel das Maul weit. Eine andere recht übersichtliche Methode besteht darin, dass man an den Maulwinkeln die Oberlippen beiderseits mit der vollen Faust fasst und dabei die Daumen gegen den Gaumen drückt.
liei Hund und Katze umfasst man Unter- und Oberkiefer mit Je einer Hand und drückt die Lippen etwas zwischen die Zahnreihen, worauf die Thiere das Maul weit öffnen, so dass eine Besichtigung gut möglich ist. liei unruhigen Thieren lässt mau den Kopf zunächst gut fixiren und führt dann zwischen die Zahn­reihen in doppelter Lage ein Band, Tuch oder kräftigen Bindfaden ein, vermittelst dessen man die Kiefer von einander entfernt.
Bei der Untersuchung der Maulhöhle hat mau auf
Folgendes zu achten:
Die Temperatur ist erhöht bei Fieber und bei localen Entzündungszuständen an der Schleimhaut: Stomatitis, auch Pharyngitis.
Speichelsecretion. Vermindert ist die Feuchtigkeit der Schleimhaut bei acuten fieberhaften Krankheiten und schweren Darmerkrankungen, besonders regelnlässig bei der Kolik.
Eine Ansammlung con grösserm Mengen Speidiel tritt ein entweder durch vermindertes Absch'lucken (Schluck-besehwerden) oder durch vermehrte Bildung bei einfacher katarrhalischer und traumatischer stomatitis, kranken Zähnen, Maul- und Klauenseuche, Stomatit. pustul. contagiosa, bös­artigem Katarrhalfieber und Pilzvergiftungen. Der Speichel fiiesst in Form von klaren Strähnen ab. oder wird durch Kaubewegungen schaumig und haftet in Form eines weissen Schaumes am Maulrande {Geifer). Bei Kaukrämpfen (Epi­lepsie) tritt auch Geifer an der Maulspalte auf.
Geruch ans dem Maule. Einen fadsüsslichen Geruch nimmt man wahr bei Zersetzungen von Futterresten, Epi-thelien, Speichel im Verlaufe der Stomat. catarrhalis; einen fauligen Geruch bei Fäulniss eiweissreicher Producte: Ex­sudate bei bösartigem Katarrhalfieber und Stomacaee der Hunde. Carlos ist der Geruch bei Knocheneiterung, besonders der Periostitis alveolaris.
Specifische Krankheitsznstände. Pappiger Belag auf der Maulschleimhaut findet sich bei vermindertem Appetit; Jiöthung und Schwellung der Schleimhaut mit oberflächlichen
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Substanzdefeeten besonders stark nach Einwirkung reizender und ätzender Stoffe; geringgradig bei einfachen katavrhalischeu Affectionen. Punktf(innige Blutungen bei Morb. maculosus und Leucaemie. Knötchen, Pusteln und Geschwüre bei Stoinat. pust. contagiosa; Geschwüre am Zalmtteiscli bei Stomat. uleerosa, Kälberdiphtherie, Schweinepest, Quecksilber­und Bleivergiftungen. Blasen bei Maul- und Klauenseuche; einzelne kleine gelbliche Bläschen bei Stomat. vesicularis. Wunden an der Zungenspitze und dem Zungenbändcheu bei roher Bebandlung durch das Treusengebiss, an den Backen und Seitenflächen der Zunge durch Zahnspitzen.
Fremde Körper linden sich in der Maulhöhle nicht selten bei Hunden und Katzen, selten bei anderen Thieren; es sind Knochensplitter, Nadeln etc.; bisweilen schieben sich ring-l'iirmig geschlossene Körper über die Zunge: Querschnitte von Blntgefässen, Därmen, der Luftröhre kleinerer Thiere, eiserne Ringe etc. Die Thiere halten das Maul offen, speicheln, Hunde und Katzen wischen mit den Pfoten an den Backen und am Maule, Futter- und (}etränkaufnahine ist schmerzhaft, die Zunge geschwollen. Bisweilen genügt nicht die einfache Besichtigung, es ist namentlich eine sorgfältige Palpation empfehlenswerth.
Beschaffenheit der Zähne. Die Untersuchung der Zähne ist bei Pferden von grosser Bedeutung, weil sie häutig au schweren Zahnkrankheiten leiden; auch bei Hunden sind kranke Zähne nicht selten.
Fehlerhafte Stellung der Schneidezähne (schiefes Gebiss, Hecht- und Karpfengebiss) deutet auf gleiche fehler­hafte Stellung der Backzähne hin. Karpfenmaul (Hamster-maul) ist bei edlen Fohlen nicht selten in hohem Grade vor­handen. Bei Wiederkäuern sind die Schneidezähne uormaliter lose. Cariöse Schneide- und Backzähne kommen bei Hunden im Verlaufe der Khachitis, Staupe, Anaemic und Stomacace nicht selten vor.
Eine genaue Untersuchung der Backzähne unter Zuhilfenahme eines Maulgatters ist nothwendig, wenn Pferde Abnormitäten beim Kauen neben mangelhafter Futter­aufnahme zeigen, oder derKoth schlecht zerkleinerte Futter­partikel reichlich aufweist. Man betastet die drei freien
Malkmus, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8
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Flächen der Backzähne zu gleicher Zeit, indem man Zeige-und Mittelfinger auf die Kaufläche, den Daumen auf die eine, King- und kleinen Finger auf die andere Seitenfläche auflegt. Mau kann die Veränderungen an den Zähnen weit besser fühlen als sehen. Man achtet auf Zahnspitzen, schiefes Gebiss, Schecrengebiss, Treppengebiss, einzelne lange und kurze Zähne, aus der Reihe gewichene oder lose Zähne, cariöse und gesplitterte Zähne, Zahnlücken etc.
III, Rachenhöhle und Schlund. Die Untersuchung der Rachenhöhle und des Schlundes beschränkt sich auf äusscr-liche Inspection und Palpation.
Inspection. Diffuse A u s c h \v o 11 u n g e n in der Pharynx-gegend treten ein bei phlegmonöser Schwellung der Schleim­häute : Pharyngitis; c i r c u m s c r i p t e U m fa n g s v e r m e h r u n -gen zeigen sich bei Gegenwart von Abscessen und Tumoren.
Palpation. Vermehrte Wärme und Schmerzhaftig-keit deutet auf acute Entzündung, die entweder diffus (Pharyngitis) oder circumscripf (Entwickelung von Abscessen) sein können. Die Consistenz ist festweich bis derb, selbst bei Gegenwart von Abscessen kommt es an dieser Stelle doch selten zur deutlichen Fluctuation. Als circumscripte, derbe, nicht schmerzhafte Umfangsvermehrungen zeigen sich Tumoren, am häutigsten Melanosarcome bei alten Schimmeln und Actinomycome bei Rindern.
Durch Palpation des Schlundes lassen sich im Ilalstheil festsitzende Fremdkörper nachweisen; am häutig­sten beim Rinde Rübeustückc und Kartoffeln nach gierigem Verschlucken. SchlunddicertikeJ und Schlnndsfenosen bewirken periodisch wiederkehrende Verstopfungen des Schlundes; bei der Futteraufnahme entsteht eine wurstförmige Anfüllung des Schlundes. Die Thicre vermögen dann nichts mehr aufzu­nehmen, Futter und Getränk kommt unter Würg- und Brech­bewegungen wieder durch die Nase zurück. Eine Unter­suchung des Schlundes mit der Sonde hat keinen besonderen Werth; aus der Anfüllung des Schlundes, dem Regurgitiren, den Würg- und Brechbewegungen und eventl. Husten kann man die beiden meist mit einander coraplicirten Krankheits-zustände, Divertikel und Stenose, mit Sicherheit diagnosticiren.
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Dagegen kann man bei freier Passage des Schlundes für die Sonde noch nicht die Abwesenheit derartiger Krankheits-zustände annehmen.
rV, 'Wiederkauen. Das Wiederkauen ist eine speeifisch-physiologische Thätigkeit des Verdauungsapparates der Wieder­käuer. Die Futteraufnahme geschiebt bei ihnen rasch und ohne intensives Kauen, erst nach Beendigung derselben erfolgt ein sorgfältiges Kauen der aufgenommenen und inzwischen schon etwas durch den Speichel maceiirten Futterstoffe, das Wieder­kauen, wozu die Thiere sich gern niederlegen. Durch Contraction der Haube wird eine kleine Quantität Inhalt — ein Bissen — in den Schlund und weiter in die Maulhöhle befördert, um daselbst einem sehr sorgfältigen Durchkauen unterworfen zu werden; etwa 60 Kaubewegungen werden auf jeden Bissen gemacht. Demnächst wird der Futterbrei wieder abgeschluckt nnd gelangt nun nach dem Blätter- nnd Labmagen. Das ganze Geschäft des Wieder­kauens dauert 1—2 Stunden; haben die Thiere keine Zeit dazu, indem sie z. B. zur Arbeit verwendet worden, so wird das Wieder­kauen sistirt, so lange die Thiere gehen. Sobald sie aber einige Zeit ruhig stehen können, kauen sie sofort wieder.
Greriuggradige Störungen des Wiederkauens können in der Regel mit Sicherheit nicht diagnosticirt werden, erst erhebliche Unterdrückung oder vollständiger Mangel sind sichere Krankheitszeichen. Beginnende Störungen des Wiederkauens beziehen sich auf die Häutigkeit der Heraufbeförderung eines Bissens, auf die Zahl der Kau­bewegungen und die Dauer des Wiederkauens. Der Grad der Störung entspricht dem Grade der Erkrankung, bei schweren Erkrankungen ist das Wiederkauen vollständig sistirt. Eine Beeinträchtigung des Wiederkauens tritt ein bei: allen schweren fieberhaften und schmerzhaften Leiden; Magen- und Darmerkrankungen, besonders Ueberfüllung und Lähmung des Pansens, und der traumatischen Magen-Zwerchfelleutziindung.
Rülpsen wird nur bei Wiederkäuern beobachtet und besteht in einem hörbaren Ausstossen von Magengasen durch den Schlund.
Vquot;. Erbrechen. Erbrechen ist eine reflektorische, krampf­hafte Entleerung des Mageninhaltes nach der Maul- bezw. Nasenhöhle zu und entsteht durch antiperistaltische Contrac­tion des Magens unter gleichzeitiger Mitwirkung der Bauch­presse und der Inspirationsmuskcln. Dem Erbrechen geht
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eine tiefe Inspiration unmittelbar voraus. Durch reflek­torische — in seltenen Fällen durch direkte — Reizung des ßrechzentrums in der medulla oblongata wird der Brech­akt in Scene gesetzt.
Leicht erbrechen Schweine, Hunde und Katzen, selten Wiederkäuer. Pferde können physiologischer Weise nicht erbrechen, weil die anatomische Einrichtung des Magens dies nicht gestattet (starke Cardia, spiralige Ausstrahlung ihrer Muskulatur, Einpflanzung des Schlundes in der Mitte des Magens und in der Nähe des Pylorus, grosser Blindsack des Magens). Die Hindernisse können durch energische Contractionen des Magens über­wunden worden, damit ist aber die Gefahr verbunden, da ss der Magen selbst zerr eis st. Eine solche Zer-reissung tritt in der Regel ein, wenn der Magen durch Futtermassen stark gefüllt ist; im Verlaufe der Kolik ist das Erbrechen deshalb stets ein äusserst bedenkliches Symptom. Besitzt der Magen dagegen nur flüssigen Inhalt iu massiger Menge, so braucht beim Erbrechen keine Magen-zerreissuug einzutreten. Hervorgerufen wird aber in solchen Fällen der Brechakt nicht durch Uebeifiillung des Magens, sondern meist durch direkte Reizung des Brechcentrums (Chloroformnarkose, Blutungen oder Entzündungen in der Nachbarschaft der Medulla). Erbrechen ist immer ein Krankheitszeiclien und kommt zu Stande:
bei Gegenwart von Fremdkörpern in der Rachenhöhle oder aut dem Zungengruud: Knochensplitter, Fisch­gräten, Nadeln, Federn etc., auch durch starke Ansammlung von zähem Schleim bei Pharyngitis und Laryngitis; bei Schlundverstopfmigen;
bei Magenaff'cctionen. Namentlich durch üeberladung nach zu reichlicher Futteraufnahme, auch bei Er­krankung der Magenschleimhaut (Gastritis) oder Einwirkung gewisser Gifte; bei Darmkrankheiten, die der normalen Fortbewegung der Ingestn ein Hinderniss entgegensetzen und dadurch antiperistaltische Bewegungen des Darmes hervorrufen, die eine seeundäre starke Füllung des Magens und Reizunsr seiner Wände veranlassen,
sodass nunmehr Erbrechen
erfolgt.
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Die Beschaft'enheit des Erbrochenen lässt oftmals die Ursache des Erbrechens und die Herkunft aus bestimmten Abschnitten des Digcstionstractus erkennen.
VI, Der Hinterleib. Die Untersuchung des Hinterleibes erfolgt nach den allgemeinen Regeln.
Inspection. Der Umfang des Bauches unterliegt bei unseren Hausthieren den grössten Verschiedenheiten, so dass sich hieraus nur bei äusserster Vorsicht diagnostische Momente gewinnen lassen. Bei der Beurtheihing zu klinischen Zwecken ist der Umlang des Hinterleibes stets mit dem allgemeinen Ernährungszustand und dem ganzen Körperbau zu vergleichen und dabei noch Haltung und Fütterung des Thieres zu be­rücksichtigen. Thiere, welche stets volnminöses Futter in hinreichender Menge erbalten, haben einen umfangreicheren Hinterleib. Zweckmässig erkundigt man sich bei den Besitzern oder den Pflegern über den früheren Z u st and. Civcumseripte Uiniaugsvermcbruugrii haben zumeist ein chirurgisches Interesse.
Eine abnorm starke Ausdehnung des Hinter­leibes kann beruhen in:
a.nbsp; nbsp;Trächtigkeit: die Form des Leibes ist tonnen-förmig rechts wie links.
b.nbsp; nbsp;Starker Anhäufung von Futter im Magen-und Darmkanal: bei Pferden im Blind- und Grimmdarme, bei Wiederkäuern im Pansen und den anderen Magen-abtheilungeu, bei Hunden im Magen. Solche Ausdehnung erfolgt entweder im Anschluss an eine überreiche Futter-aufnahme (Ueherfütterung) oder durch Anschoppung und Verstopfung bei nicht vermehrter Futteraufuahme neben ver­mindertem Kothabsatz. Die übermässige Füllung des Darm­kanals mit Futterstoffen lässt den sonst hier tympanitischen Peronssionschall leer oder doch gedämpft werden.
c.nbsp; nbsp;Ansammlung von Gasen bei starker Gährung des Futters; die Ausdehnung erstreckt sich nach oben, die Ilungergniben werden vorgewölbt, die Bauchdecken werden gespannt (Windkolik, Tympanitis). Die reichliche Gasent­wicklung kann in der leichten Gährungsfähigkeit des Futters begründet sein, auch in der mangelhaften Fortbewegung und Verdauung beruhen.
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d.nbsp; nbsp;Ansammlung von Flüssigkeit (Transudat, Exsudat) im freien Raum der Bauchhöhle; bei Pferden selten, häufiger bei Hunden. Die Ausdehnung erfolgt beiderseits gleichmässig nach unten und lässt Fluctuation sowie an­nähernd horizontale Dämpfung erkennen; beim Aufrichten der Hunde auf die Hinterbeine nimmt die Flüssigkeit eine andere Lage ein (Ascites).
e.nbsp; nbsp;Greschwülsten im Hinterleib; in der Leber (Echino-coccen, Carcinome), in der Milz (Leukaemie), in den Drüsen etc.; auch Wassersucht der Eihäute.
Eine abnorme Verminderung des Bauchum-fanges findet statt:
a.nbsp; nbsp;Wenn die Futteraufnahme aus irgend einem Grunde längere Zeit hindurch vermindert ist. Appetitmangel ist anzunehmen, wenn trotz genügender Ruhe und guten Futters der Hinterleib aufgeschürzt und das Thier sich in schlechtem Ernährungszustände befindet;
b.nbsp; nbsp;bei subacuten schweren Erkrankungen; der allge­meine Ernährungszustand kann dabei noch gut sein;
c.nbsp; nbsp;bei starkem Durchfall insbesondere auch nach über-standener Kolik, die mit energischen Abführmitteln behandelt wurde;
d.nbsp; nbsp;starker Contraction der Bauchpresse bei schmerz­haften Leiden in den Hintergliedmassen.
Palpation. Die äussere Palpation ergänzt die Inspection und bezweckt die Oonsistenz des Bauchinhaltes und etwaige Schmerzhaftigkeit zu ermitteln; auch die Peristaltik des Pansens bei Wiederkäuern ist zu controliren. Die Palpation der Baucheingeweide vom Mastdarm aus liefert bei den grossen Hausthieren ganz besondere Resultate.
Bei Pferden sind die Bauchdecken dick und gespannt, deshalb ist die Palpation in die Tiefe sehr schwer, besonders #9632;wenn die Thiere dieselben bei der Untersuchung noch mehr anspannen. Bei Rindern ist die Bauchwand schon dünner auch weniger gespannt, so dass man den Inhalt des Bauches in der Tiefe etwas abtasten kann; bei den kleinen Wieder-käuern gelingt es noch besser. Hunde spannen bei der Palpation die Bauchdecken zunächst stark an, lassen dieselbe aber bei fortgesetzter Untersuchung erschlaffen. Man palpirt von beiden Seiten, und indem die Finger einander entgegen­arbeiten, kann man fast die ganze Hauchhöhle abtasten.
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Die Palpation ermittelt zunächst die Spannung der Bauchdecken und Consistenz des Bauchinhaltes; derMagen-und Darminhalt soll weich bis festweich sein. Angebrachte Eindrücke in den Fnttermassen sollen insbesondere im Pansen bald wieder durch peristaltische Bewegung verschwinden. Bei Anwesenheit grosser Menge flüssigen Darminhaltes kann ein Schwappen, Fluctuation eintreten. Härtesten Widerstand leisten Xeubildungen. Bei Hunden können Coprostasen gut durchgefühlt werden; auch grössere Fremdkörper im Magen und Darm, nachdem vollständige Entleerung des normalen Darminhaltes herbeigeführt ist.
Die Palpation dient ferner zur Ermittlung einer etwaigen Schnierzhaftigkoit. Gesunde Pferde schon zeigen sich
Fig. 27.
H Hauhe; L Lahmageu; -•- Leber; V PerciissionsfeW der Lunge.
meist empfindlich bei Druck gegen die Bauchdecken und werden unruhig, deshalb ist der Palpation auch nach dieser Richtung keine grosse Bedeutung beizumessen. Dagegen ist beim Rinde die Prüfung der Bauchgegmdm auf Druckempfind-lichkeit von grosser Bedeutung. Druckempfindlichkeit rechter-seits zwischen der 6.-8. Rippe (Haubengegend) berechtigt zur Venuuthung, dass ein fremder Körper von der Haube aus das Zwerchfell verletzt hat. Bei acuter Erkrankung des
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Labmagens äussem die Kiuder bei Druck Schmerzen im Vorlauf der Knorpel der falschen Hippen. Auch bei Inva-giuation des Dünndarms ist Druck auf die rechte Flanke schmeiv.liaft. Hunde äussem Schmerzen, wenn man bei der Palpation des Hinterleibes auf einen vcrscliluckten Fremd­körper drückt.
Von besonderer Wichtigkeit ist auch die Feststellung der Fansenperistaltik beim Rinde, in der linken Hunger­grabe fühlt mau normaliter ef\va zwei Panscnbeweguugeu in der Minute. Die Futtermassen werden von unten nach oben gehoben und uach rechts hiuübergeschobeu. Bei jeder Contraction wölbt sich der Hansen langsam vor und fallt nachher etwas rascher wieder zusammen. Seltenere oder unvollständige l'ansenbcwegungeu beweisen eine krankhafte Störung. (Ueberfütterung, Tympanitis, acuter und chronischer Mageudarmcatarrh, Hausenparese, Peritonitis, Verwachsungen des Pansens mit der Bauchwand.)
Palpation der Bauchorgane vom Rectum aus. Die Weite des Beckens und Mastdarms bei Pferd und Rind gestattet das Eingehen mit der Hand und die Palpation der Bauchorgane; leider sind bei diesen THeren die Verhältnisse wieder so gross, dass man nur den hintersten Abschnitt der Bauchhöhle abtasten kann. Speciell in Bezug auf den Di­gestionsapparat ermittelt man Lage und Füllung der einzelnen Darmabschnitte, sowrie die Gegenwart von Fremdkörpern und Neubildungen.
Methode. Um möglichst weit in die Hauclihöhle g-elangen zu können, ist es nothwendig, den ganzen Arm vollständig frei zu machen: ich bekleide mich in solchen Fällen mit einem Bernd ohne Aermel. Nachdem der Arm mit Oel, Fett oder Seife ein-geschmiert ist, geht man mit der zugespitzten Hand vorsichtig ein. Dem Pferde wird der Kopf hoch gehalten und der Vordcrfuss derjenigen Seite, auf der man steht, aufgehoben; bei unruhigen Pferden legt man eine Bremse an oder lässt sie zweekmässig dicht an einen Pfosten stellen, durch den man gegen Schlagen geschützt ist. Die linke Bauchhälfte untersucht man am besten mit der rechten Hand, während rechterseits die linke Hand besser Verwendung findet.
Das Vordringen der Hand im Kectum muss mit grösster Vorsicht geschehen, um eine Perforation zu ver­meiden; ist der Darm stark coutrahirt, mit trockenen Futtermassen gelullt, oder der Leib auch nur aufgetrieben, so muss man unter Anwendung von Wasserinfusionen vorwärts dringen und eventuell eine Entleerung bewirken. Es ist auch zweekmässig, sich erst
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ein läugeres Stück Mastdarm über den Arm zu schieben, ehe man mit der Palpation beginnt; da das Mastdarmgekröse nach vorn langer wird, vermeidet man dort am sichersten eine Zerrung desselben.
Angezeigt ist eine Untersuchung vom Mastdarm aus bei chronischer Kolik, bei Kolik der Hengste und Rinder. Uie Palpation kann folgende Punkte feststellen:
1) Füllung und Lage des Darmes. Die einzel­nen Darm abs c hni tte können durch Palpation mit Sicherheit nur dann erkannt werden, wenn sie mit Futtermassen gefüllt sind; selbst stark mit Gasen gefüllte Darmportionen sind nicht immer zu erkennen. 1st der Darm leer oder nur massig mit Flüssigkeit oder Gasen gefüllt, so kann man bisweilen den Dünndarm nicht vom Dickdarm unterscheiden; die Bandstreifen der Dickdärme bilden das einzige Unterscheidungsmerkmal, nach ihnen muss man suchen.
Futteranschoppung oder Verstopfung kann man durch die Exploration per rectum in folgenden Abschnitten feststellen:
1) Verstopfung im Mastdarm. Liegt sehr häufig im flaschenförmigen Theil und ist dann sofort beim Eingang wahrzunehmeu (Lähmung des Mastdarms); Verstopfung im vorderen Abschnitt charaktcrisiren sich durch beulige Ober­fläche und den m. o. w. geschliingelten Verlauf; die Dicke ist erheblich geringer als die des Grimm- und ßlinddarms.
'2) Anschoppung in den Unken Colonlagen. Pgt;ei starker Füllung ragt die Ueckenflcxur in die Beckenluihle hinein, bisweilen auch noch darüber nach rechts hinaus. Die Beckenflexur ist leicht an der Weite, der Curvatur und dem kurzen, die beiden Lagen verbindenden Gekröse zu erkennen.
3)nbsp; nbsp;Anschoppung im Blinddarm. Der Grund des Blind­darms liegt in der rechten oberen Flankeugegcnd, ist an der Wirbelsäule durch das Bauchfell und die Bauchspeicheldrüse befestigt. Die grosse Curvatur ragt bei starker Füllung fast bis au den rechten Beckenrand und fühlt sich vollständig glatt an, der Uebergang in die kleine Curvatur ist zu er­kennen. Die seitlichen Linien des Körpers lassen sich deut­lich fühlen.
4)nbsp; nbsp; Verstopfung im Hüftdarm. Liegt meist dicht voi­der Einmündung in den Blinddarm. Der verstopfte Theil
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des Hiiftdarms zieht quer von der linken nach der rechten Flankengegend und ist unter der Wirbelsäule kurz befestigt; er fühlt sich als glatter, wurstförmiger Strang an, den man etwa zu drei Vierteln mit der Hand umfassen kann.
Von den Lageveränderungen des Darmes können folgende dingnosticirt werden:
a.nbsp; nbsp;Die Incarceration in den Lcistenhanal; am häufigsten beobachtet bei Hengsten. Etwa drei Finger breit vor dem Schambeinrande und gut handbreit von der Medianlinie fühlt man eine dünne Darmschlinge an den Leistenkanal herantreten und dort fest an­haften. Zug an derselben verursacht starke Schmerzen. Gleichzeitige Untersuchung des Hodensacks von aussen mit der anderen Hand sichert die Diagnose.
b.nbsp; nbsp;Der Ueberwurf des Ochsen beruht in der Ein­klemmung eines Darmsttickes zwischen vorderem Beckenrand und Sanienstrangnidiment. Am vorderen Beckenraude m. o. w. hoch fühlt man eine teigartige schmerzhafte Geschwulst und davor einen gespannten Strang.
c.nbsp; nbsp;Invagination des Dünndarmes beim Rinde. In der Darmscheibe (s. Fig. 27) fühlt man einen etwa handlangen, wurstartigen, fest weichen, schmerzhaften Darmtlieil, der sieh an einem Ende (hinteren) scharf absetzt, nach vorn aber durch Futteranhäufung eine erbebliche Verlängerung erfahren kann.
d.nbsp; nbsp;Achsendrehung der linken Colonlagen beim Pferde. Unmittelbar vor dein Beckeneingang etwa unter dem 4. Lendenwirbel zieht sich der starkgespannte hintere Gckrösstrang nach links und unten. Zug au demselben verursacht dem Thiere Schmerzen. Als einen zweiten gespannten Strang fühlt man unten in der Nabelgcgend einen Bandstreifen der linken unteren Colonlage, der sich von links nach rechts hinüberzieht. Die Beckenllexur ist nicht an der normalen Stelle zu finden.
2) Darmsteine lassen sich nur dann nachweisen, wenn sie nicht von zu viel Futtermassen umgeben sind, deshalb ist es Regel, zur Feststellung solcher fremder Körper den Dann erst von seinem normalen Inhalte durch Abführmittel zu be­freien.
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3) Knoten (Tuberkulose) und Tumoren können nur dann sicher als vorhanden angenommen werden, wenn sie mindestens haselnussgross sind. Beim Pferde hat man vor der Untersuchung durch ein Abführmittel alle Kothballen zu beseitigen, die andernfalls leicht mit Knoten verwechselt werden können.
Percussion der Bauchhöhle. Gewöhnlieh finden sich im Magen und Darm geringe Mengen Gase, wodurch die Darm­wand aber nicht besonders gespannt wird, so dass also bei der Percussion ein tympanitis eher Schall zu Stande
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Fig. 28
B Blinddarm; U untere Colonlage; 0 obere Colonlage; V Percussions ff renze der Lunge.
kommt. Nur im Pansen und dem Dickdarm des Pferdes, wo Futtermassen in grosser Menge längere Zeit angesammelt liegen, kann man oft einen gedämpft tympanitischen bis leeren Schall nachweisen. (Lage der Eingeweide auf der linken Seite beim Pferde s. Fig. 23.)
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Bei krankhaft vermehrter Futteransammluug im Blind- und Grimmdarm erhält man über dem gefüllten Darmabschuitt einen leeren Schall mit starker Resistenz. Wird eine G-asentwicklung so reichlich, dass die Darm­wand gespannt ist, dann schwingt diese bei der Percussion mit, und es resultirt daraus ein voller Schall; also man erhält bei Tympanitis einen vollen Schall wie an der gesunden Lunge, nur heller und lauter, weil grosse lultlialtige Räume vorhanden sind.
Horizontale heider seifige Dämpfung findet sich bei Flüssigkeitsansammluug in der Bauchhöhle (Aseites). Am häufigsten beim Hunde; Aufriehteu des Patienten auf die Hinterbeine verschiebt das Dämpfungsgebiet wiederum auf die tiefste Stelle.
Auscnltation der Bauchhöhle. Bezweckt die Wahr­nehmung der bei der Fortbewegung des Darminhaltes ent­stehenden öeräusche, um aus ihrer Beschaffenheit auf die Thätigkeit des Darras /.u schliessen. Die Geräusche er­geben sich aus der Fortschaffang des Futterbreies und der Darmgase durch die Darmperistaltik, besonders die Gase lassen laute Geräusche entstehen; ohne Gegenwart von Darminhalt kann die Peristaltik kein Geräusch verursachen. Der Charakter der Geräusche wird be­stimmt durch die Consistenz des Darminhaltes und durch die Menge der vorbandeuen Gase. Deshalb sind die Dünn­darmgeräusche fliessend, gurgelnd, plätschernd, gluckernd, die Dickdarmgeräusche kotiertul, knurrend, yurreiul, 'polternd. Die Intensität der Geräusche entspricht der Energie der Darmbewegungen, und man unterscheidet dementsprechend zwischen lebhaften—schwachen, kaum hörbaren und kurzen— lang gedehnten Geräuschen. Die Geräusche sind nicht con-tinnirlich zu hören, sondern absatzweise, eine längere Darm­ruhe ist bei gesunden Thieren niemals vorhanden. Zur richtigen Benrtheilung ist längere Auscultation nothwendig.
Bei Krankheiten kommen Abweichungen in quantitativer und qualitativer Beziehung vor; auch kann die Peristaltik sich auf einzelne Darmabschnittc beschränken, z. B. den Dünndarm, während der Dickdarm ruht.
Eine Verminderung der Darmgeräusche wird beobachtet:
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bei Auschoppungen, Verstopfungen und Tympanitis, indem die starke Belastung und Ausdehnung eine Lähmung zu Folge hat (Kolik); bei krampfhafter Contraction des üümidarms im Ver­laufe der Krampf- und rheumatischen Kolik; bei andauerndem Durchfall, wenn der Darminhalt, sehr
gering ist; bei schweren Kntzünduugszustiinden, weil die Peri-staltik träge, auch wenig Darminhalt vorhanden ist (Enteritis, Peritonitis). Sehr lebhafte, laute Darmgeräus ehe sind zu vernehmen bei allen leichten Reizzuständen, insbesondere bei Futter, das leicht abführend wirkt: Griinfuttcr, rohe Kartotfeln, Weizenkleie etc.
Eine besondere qualitative Abart bilden die klingenden Darmgeräusche; sie gleichen dem Ton der beim Auffallen eines Tropfens auf eine Metallplatte entsteht. Sie kommen zu Staude, wenn ein Darm durch Gase stark ausgedehnt ist und die darüberliegenden Darmtheile (Dünndarm) ihren flüssigen Inhalt fortbewegen und gegen den gespannten Darmtheil schleudern, so dass dieser in Schwingungen ver­setzt wird. Die klingenden Darmgeriiusche beweisen, dass ein Darmtheil ruht und seine Wandung durch Gase ge­spannt ist.
VII. Die Darmentleerungen. Die Qualität und Quantität der Darmentleerungen sind in erster Linie von der Art und Menge des Futters abhängig; das aufgenommene Wasser ist ohne Einfluss auf die Oonsistenz. Der Anfänger muss durch eigene Beobachtung die Beschaffenheit des Kothes bei den verschiedenen Fütterungen kennen lernen und im eoncreten Krankheitstalle den Koth anderer nebenstehender Thiere in Vergleich ziehen. In zahlreichen Krankheitsfällen erleidet die Beschaffenheit der Dannentleerungcn Veränderungen, die für die Diagnostik von grosser Bedeutung sind.
Art und Weise des Kothabsatzes. Der Kothabsatz ist erschwert, wenn der Koth trocken oder gar hart ist (Ver­stopfung); längere körperliehe Kühe bei reichlicher Futter­aufnahme kann zur Ansammlung von Koth, selbst zur Ver­stopfung führen. Ein aktiver Kothabsatz ist fast unmöglich bei Lähmung des Mastdarms, der Koth fällt bei der Bewegung
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durch die Erschütterung aus dem offenstehenden After von seihst heraus. Umvillkürlicher Abgang von Koth findet ferner statt hei Gehirukrämpfen und hei Erschlaffung des Afters, wie sie im Verlauf schwerer Durchfälle eintritt; der Koth tliesst an den Schenkeln hinah.
Schmerzhaft wird der Kothahsatz hei schmerzhaften Entzündungszuständeu in der Bauchhöhle (Darm, Peritonaeum), an dein Zwerchfell oder den Bauchwandungen, welche den Gehrauch der Bauchpresse schmerzhaft werden lassen. Bei liuiulen sind es namentlich Fremdkörper im Koth (Kuochen-theile) auch Verklebungen der Haare am After hei langhaarigen Thiereu. Die Patienten stöhnen, schreien und heulen heim Versuche Koth ah/.usetzen, unterdrücken das Gefühl, so dass schwere Verstopfung eintreten kann.
Häufigkeit des Kothabsatzes. Fleischfresser setzen täglich nur 1—2 mal Koth ab, Pflanzenfresser viel häufiger; Pferde 8—10 mal, Binder 12—18 mal. Körperliche Bewegung bringt häutigeren Absatz zu Stande, namentlich bei Pferden die anhaltend traben müssen.
Verzögerung des Kothabsatzes nennt man Kothverlmltung] sie ist meist Folge verminderter Darmbewegung, wobei auch noch eine stärkere Eintrocknung der Ingesta stattfindet. Kothverhaltung entsteht durch Anschoppung, Verstopfung und Lageveränderung des Darmes; auch im Beginn der Darmkatarrhe und Entzündungen. Die Kothverhaltung ist das Hauptsymptom beider Kolik, es kommen jedoch auch Kothverhaltungen ohne Kolikerscheinungen vor. Bei Wiederkäuern findet die Verhaltung der Ingesta zumeist in den ersten Magenahtheilungen statt, im Darm sind solche selten.
Häufigen Absatz von stark durchfeuchtetem Koth nennt mau Durchfall, Diarrhöe; tritt ein bei allen Keizzuständen in der Darmschleimhant: durch Futter, Katarrh und Ent­zündung; auch reflectorisch bei psychischen Erregungen findet häufiger Kothabsatz statt.
Kothmenge. In Betreff der Kothmenge muss man unterscheiden zwischen einzelner Defaecation und dem ganzen Tagesquantum. Pferde setzen bei reichlicher Stallfütterung jedesmal 1—2 Kilo und Tags über 10—15 Kilo Koth ab. Die einzelnen Defaecationen werden seltener aber reichlich
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beiHydrocephalus acutus uud chronicus. Vermehrung der Darmentleerungen zeigt sich bei Durchfall nach vor­ausgegangener Kothvcrhaltung und nach Verabreichung von Abführmitteln; eine Verminderung bei Kothverhaltuug und verringerter Futteraufnahme.
Consistenz und Form. Pferde entleeren bei der üblichen Fütterung mit Hafer, Häcksel und Heu den Koth in Form von Ballen, die beim Aufkommen auf die Erde theihveise auseinanderfallen; Kinderkoth hat die Form eines steifen Breies, Fladen; Schafe und Ziegen entleeren kleine feste, rundliche, lorheerfruchtUhnliche Biillchen; Schweine und Hunde mehr oder weniger dickbreiigen, bisweilen mehr harten Koth. Die Art des Futters ist bei allen Tliieren von Einfluss auf die Consistenz der Darmentleerungen. Consistenzgrade beim Pferde sind: Hart geballt, fest gehallt, locker geballt, stark durchfeuchtet, dickbreiig, dünnbreiig, flüssig, wässerig.
Härtere Consistenz des Kotlies ist eine Begleit­erscheinung aller fieberhaften Krankheiten, der Verstopfungen und der Katarrhe im Anfangsstadium. Rinder zeigen bei schweren fieberhaften Krankheiten (bösartigem Katarrhalfieber) und bei hartnäckigen Pansenverstopfungen Darmentleerungen in Form von trockenen, harten, torfähnlichen Brocken.
Eine weichere Consistenz des Kothes beobachtet man bei allen Formen des Durchfalls; bei Darmkatarrhen, Entzündungen (mycotischen und septischen), Kälberruhr, Schweineseuche, Pferdestaupe und schwerer tuberculöser Er­krankung der mesenterialen Lymphdrüsen.
Die Farbe des Kothes wird bedingt durch die Bei­mischung der Galle, durch Farbstoffe der Futtermittel (Chloro­phyll bei PHanzenfressern, Haemoglobin bei Fleischfressern) und durch Sekrete. Reichlich Knoehentheile haltiger Koth bei Hunden ist hellgrau. Bei ausscliliesslieher Milchfütterung ist der Koth gelb (Galle), bei Grüufutterung grün; Hafer, Häcksel und Heu ergeben einen gelbbraunen Koth; Mais, Bohnen, Roggen, besonders geschroten, machen den Koth grau bis gelblich grau. Bei Rindern ist die Fütterung so ausserordentlich verschieden, dass man über die Beschaffenheit des Kothes nichts Bestimmtes sagen kann; viel Kraftfutter macht ihn im Allgemeinen mehr grau.
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Folgende krankhafte Veränderungen werden beobachtet:
Je länger die Ingesta sich im Darm befinden, desto dunkler wird der Roth; bei länger dauernden Verstopfungen nimmt er bei Pferden und Rindern eine schwarzbraune, dem Torf ähnliche Farbe an.
Verminderung der Gallebeimischung (Icterus) lässt den Koth grau, thonähnlich oder doch heller werden; Blutbeimischung rotli, braunroth, choJcoladenfarMg bis schwarz; je weiter vorn der Zutritt des Blutes stattlindet, desto inniger ist die Vermischung (haemorrhag. Enteritis, toxische und ruhrartige Proeesse). Erfolgte die Beimischung erst im Mast­darm , so findet sich das Blut nur in einzelnen Kothstücken in Form von Streifen oder Klumpen.
Missfarhig wird der Koth bei katarrhalischen und schwereren entzündlichen Affectionen; grau bis grauwoiss bei der Kälbernihv. Manche Arzneien bedingen eine speeifische Fnrhiuuj des Kothes: Eisen macht ihn schwarz, Calomel grün.
Ueberzug des Kothes. Bei Pflanzenfressern ist der Koth mit einer dünnen raquo;Schleimschicht überzogen, die ihm einen gewissen Glanz verleiht, .le häuliger und reichlicher der Kothabsatz erfolgt, desto geringer ist der schleimige Ueberzug, je länger er dagegen im Darm verweilte, desto reichlicher. Bei exsudativen Erkrankungen der Darmschleim-haut findet sieh nicht nur aussen, sondern auch innen ver­mehrte Schleimbeimischung, der glasig, farblos, gelblich (Galle) oder grau (Epithelien, weisse Blutkörperchen) sein kann. Flockige und netzartige Gerinnsel auf der Oberfläche des Kothes stammen von der Mastdarmschleimliaut (Proctitis).
Der Geruch des Kothes ist bei jeder Thierart je nach der Fütterung verschieden. Der Pferdekoth hat einen nicht gerade widerlichen Geruch, Kuhkoth hat einen eigenartigen Geruch, FleiscMresserkoth stinkt. Säuerlich riecht der Pferde­koth bei Verdauungsstörungen nach reichlicher Aufnahme nährstoffreichen Futters. Stinkend wird der Pflanzcufresser-koth, wenn bei Darmerkrankung eine Fäulniss des Darm-inhaltes eintritt: tiudet dabei eine reichliche Eiweissexsudation statt (Blutbeiniischung:, so wird der Geruch aashaft stinkend (haemorrhag. Enteritis, Staupe der Hunde).
Die Reaktion des Kothes hat keine besondere diagnostische Bedeutung; gewöhnlich reagirt der Koth der Pferde schwach
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sauer in Folge der im Dickdarm vor sieb gehenden Zer­setzungsvorgänge. Bei Verdauungsstörungen und Darm-katarrhen ist die Acidität häufig erhöht.
Die einzelnen Bestandtheile der Darmentleerungen (Futter-bestandtheile und fremde Beimischungen) erheischen eine genauere Besichtigung. Zunächst achtet man auf die Grosse der einzelnen Futterpartikelchen; Feinheit derselben gilt als Beweis für gutes Kauen bezw. Wiederkauen. Beim Rinde soll der Roth einen ganz gleichmässig feinen Brei darstellen, grobe Futterpartikclchen beweisen stets mangelhaftes Wiederkauen: PanscnüberfüUung, Läh­mung, Unthätigkeit infolge eutzündlicher Erkrankung. Bei Pferden dagegen werden auch unter ganz normalen Ver­hältnissen einzelne unverdaute Körner gefunden; erst gleich­mässig grobe Beschatfenheit des ganzen Rothes, zahlreiche ganze Römer und heile lläcksclstUcke beweisen ein mangel­haftes Rauen Entweder handelt es sich um ein zu gieriges Abschlueken des Futters, oder es unterbleibt das Rauen wegen fehlerhaften Backzahn-Gebisses. Der Grad des Rrank-heitszustaudes steht in geradem Verhältniss zur groben Be­schatfenheit des Futters.
Als fremde Beimischungen finden sich bisweilen Sand (Sandfressen) beim Pferd, Wollfasem beim Wollefressen der Schafe. Als Entzündungsprodukte kommen vor Schleim, Blut, Eiter, Croup me rabranen; kleine erbsengrosse Blutcoagula mit Eiter beim chron. Dannkatarrh des Rindes. Eine fein blasige Beschatfenheit des Rothes durch Bei­mischung feinster Fäulnissblasen wird bei Kindern und Kälbern bei raschem Durchgang nährstoffreichen Futters beobachtet (Darmkatarrhe und Entzündungen).
Alle im Magen und Darmkanal vorkommenden Parasiten finden sieb gelegentlich auch im Rothe entweder ganz (Ascariden, Oxyuris), oder in Theilstücken (Proglottiden der Bandwürmer), oder auch nur ihre Eier (Distomen bei Schafen und Bindern). Bei Verdacht auf Distomen hat eine mikro­skopische Untersuchung des Kothes stattzufinden; die Distomen-eier sind gelbbraun, oval, mit Deckel, 0,15mm lang,0,lmmbreit.
Die am häufigsten im Digestionsapparat vorkommenden Para­siten sind beim
Pferd: Gastrophiius equi und haemorrhoidalis, Ascaris megaloeephala, Strongylus armatus, Taenia mamillana, porfoliata und plicata.
II a 1 k m u a, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9
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Iliud: Ämphistoma conicum, Ascaris lumbricoides, Strongylus radiatus und veutricosus, Taenia denticulata und expansa, Tricho-cephalus affinis, Stroiigylus iutlatus. In den üallengäugeu: Disto-nmm hepaticum und lanceolatmn.
S c haf: Amphistom. conicum, Strongylus contortus, hypostomus, filicollis und eernuus, Taenia expansa, Trichoceplialus affinis. In den Galleugängen: Distom. hepatic, und lauceolatuin.
Ziege: Strongylus contortus, hypostomus, filicollis und venulosus, Trichoccph. affinis, Taenia expansa.
Schwein: Spiroptcra strongylina, Trichiniaspiralis, Ascaris lumbricoides, Eehinoryiuhus gigas, Strongylus dentatus, Tricho­ceplialus dispar. In quot;der Leber: Dist. hepatic, und lanceolatiuu.
Hund: Taenia Echinococcus, coenurus, inarginata, serrata, cucumerina, üothriocephalus cordatus und latus, Ascaris mystax, Doehmios trigonocephalus, Trichocephalus depressiusculus.
Darmgase werden nur beim Pferd und Hund entleert, iu reichlicher Menge bei Grünfutter und Mais. Bei chronisclier Erkrankung des Mastdarmes oder ErsclilaÜ'ung des Afters wird bei älteren Kühen bisweilen bei der Exspiratiou Luft durch den After eingesaugt und bei der Inspiration wieder ausgedrängt, wobei ein Geräusch entsteht, als ob Darmgase entleert würden.
Anhang. Die Untersuchung der Leber uud Milz ist bei den Hausthieren für gewöhnlich nicht möglich, auch ohne praktische Bedeutung, da selbständige Erkrankungen dieser Organe selten sind. Beim Hunde kann man die vergrösserte Leber von aussen unter der letzten Kippe fühlen, bei den grossen Hausthieren kann lediglieh die Palpation vom Mastdarm aus in einzelnen seltenen Fällen ein bedeutsames Ergebniss liefern. Wenn die Organe nämlich erheblich vergrössert sind, kann man beim Pferde die Milz uud beim Kinde die Leber erreichen und in denselben eventuell Knoten (Tuberkeln, Echinococcen, Tumoren) fühlen.
Krankheiten des Digestionsapparates.
a. Maul- und Rachenhohle und Schlund.
Stomatitis. Die Veränderungen selbst sind einer direkten Besichtigung zugänglich: drei Formen: Stomatitis catarrhalis, St. vesicularis, St. ulcerosa.
Ptyalismus, Speichclfluss. Anhaltender Abfluss grösserer Mengen Speichel ohne nachweisbare Ursachen.
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Pharyngitis, Angina pharyngea, Rachenbräune. Fieber je nach dem Charakter der Entzündung. Kopf hoch und steif gehalten. Appetit vorhanden, aber Kauen und besonders Ab-schluckon schmerzhaft und erschwert: Futterbestandtheile und namentlich Wasser kommen durch die Nase zurück. Ansammlung von Speichel und Futter im Maule, Speicheln; auch Bestandtheile in den Kehlkopf, dann Husten, Erscheinungen der Laryngitis m. o.w. erheblich, bei schwerer Erkrankung auch Athemnoth durch Ver­engerung des Kehlkopflumens.
Lähmung des Schlundkopfes und Schlundes. D y s p h a g i a p a r a • lytica, Schluckbeschwerden ohne Entzünduugserscheinungen.
Fremdkörper im Schlund. Am häufigsten bei Rindern: Speicheln, Unvermögen abzuschlucken. Würgen, Ausfluss von Speichel aus der Nase; bei Hindern Aufblähen. Fremde Körper in der Hals­portion des Schlundes durch Palpation nachweisbar.
Schlundstenosen und Schlunddivertikel entwickeln sich meist laugsam. Plötzliches Unterbrechen der Futteraulnahme, An­schoppung des Schlundes, Begurgitiren, Würgen. Die entleerten Massen schaumig, nicht sauer.
Krankheiten der Zähne aussein sich bei Thieren durch Störungen in der Futteraufnahmc. Gehen mit Appetit aus Futter, lassen bald nach, kauen einseitig und ängstlich, schmatzen, machen Pausen, fressen sich nicht satt, speicheln, kauen Futter ein, lassen auch gekautes wieder fallen, vorschlingen Körnerfuttcr ungekaut, llauh-futter mangelhaft gekaut, Kutb enthält grobe Bestandtheile und ist häufig etwas diarrhoisch. Klinisch sind folgende Krankheits-zustände an den Zähnen von Wichtigkeit: Das scharfe oder kantige Gebiss, Scheerengebiss, wellenförmige Gcbiss, Treppen gebiss, vorstehende Zahnkrone; Caries der Zähne, Zahnstein; Periostitis alveolaris, Zahnfistel, Neubildungen am Alveolarpcriost.
b. Magen und Darmkanal beim Pferde.
Acute Dyspepsie. Mangel an Appetit, namentlich auf Kürner­futter. Lecken an kalten Gegenständen. Durstgefuhl gesteigert, Maulschleimhaut trocken, Pferde gähnen oft.
Acuter Magen-Darmkatarrh. Meist Fieber, Psyche eingenommen. Conjunctiva geröthet, bisweilen ikterisch. Appetit stark vermindert, häufiges Gähnen, Maulschleimhaut geröthet, belegt; Koth anfangs trocken, später diarrhoisch; Urin sauer, ohne Sediment, reich an ludican.
Dyspepsia chronica. Chronischer Appetitmangel. Störung in der Function des Magens. 1) Dyspepsia chronica simplex. Appetit auf Körnerfutter ist vermindert, sonst nichts nachzuweisen. 2) Dyspepsia aeida. Neben geringer Fresslust Appetit auf Alkalien; lecken an Wänden, nehmen beschmutzte Streu. 3i Dys­pepsia nervosa, eine bei Pferden mit nervösem Temperament leicht eintretende Appetitstörung.
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Chronischer Magen-Dannkatarrh. Gastroenteritis catar-rhalis ehronica. Weiche Beschaffenheit des Kotlies oder doch wechselnd, mit Schleim durchsetzt, Appetit mangelhaft. Schleim­haut schmutzigroth. Urin sauer.
Kolik der Pferde. Mit dem Namen Kolik bezeichnet man all­gemein krankhafte Zustände im Magen und Darm, bei denen die Pferde Schmerzen bekunden, und welche in der Regel durch mangelhafte Fortbewegung des Darminhaltes bedingt sind. Am wichtigsten sind die Schmerzäusserungen, s. S. 22. Drängen auf Koth und Urin, Verminderung der Pcristaltik und des Kothabsatzes. Uebermässige Ftiilung und Verlagerung des Darmes bisweilen nachweisbar durch Palpation vom Rectum aus. Wichtig für die Prognose ist eine genaue Untersuchung der Conjunctiva und des Pulses.
Gastro-Enteritis. Magen- und Darmentzündung. Hohes Fieber, Sensorium stark eingcnoinraen, Schleimhäute schmutzig roth; Puls sehr frequent, llespiration vermehrt. Appetit voll­ständig verschwunden, Maulschleimhaut heiss, Koth dünnbreiig, übelriechend, mit Blut gemischt. Aufstehen schmerzhaft. Formen: Gastro-Fnteritis rheuinatica, toxica, crouposa, mycotica, p a r a s i t i o a.
c. Magen- und Darmerkrankungen beim Kinde.
Acute Tympanitis. Plähsucht, Trommelsucht. Rasch ein­tretende tvmpanitische Auftreibung des Pansens, Futter- und Getränkaufhahme verschmäht, Kothabsatz verzögert. Beschleu­nigtes und erschwertes Athmen, Thiere sind ängstlich und unruhig.
Dyspepsie. Acute Störung der Magenthätigkeit. Kein Fieber. Futteraufnahme wird gänzlich versagt. Rumination sistirt, Külpsen, Hinterleib voll, Panseniuhalt fest, l'aiisenbeweguiigen gering, bei der Auscultation vernimmt man das Platzen grösserer Gasblasen, Koth trocken, später mit groben Futterpartikeln vermischt.
Acuter Magen- und Darmkatarrh. Fieber, C'onjunctiveu geröthet. Puls frequent, Appetit oft ganz geschwunden, Hungergrube ein­gefallen, Pansenbewegungen unvollständig. Miichsecretion geht plötzlich zurück.
Chronischer Magen- und Darmkatarrh. Langsame Entwickelung und häufiger Wechsel im Krankheitsbild. Appetit mangelhaft, nach einer guten Futteraufnahme Aufblähen, Darniederliegen der Rumination. Kothabsatz meist, verzögert, Koth mit Schleim ge­mischt; zeitweilig Durchfall. Bei stärkerer Erkrankung Durchfall Kegel. Thier matt, geht in der Ernährung zurück.
Chronische Tympanitis, chronische Unverdaulichkeit. Periodisch wiederkehrende, langanhaltende, aber nicht starke Auftreibung des Pansens. Wiederkauen und Pansenbewegungen spärlich. Futter zum Theil nicht wiedergekaut im Koth.
Darmverlagerungen. 1. Invagination des Darmes. Krank­heit tritt plötzlich ohne äussere Veranlassung ein. Thiere sind
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unruhig, treten hin und.her, legen sich, stehen wieder auf, schlagen mit den Füssen gegen den Bauch, stöhnen. Dabei Fieber. Futter­aufnahme und Kauen sistirt, hartnäckige Verstopfung, Schleim mit Blut gemischt geht ab. Schmerzen lassen bald nach, während Fieber steigt. Bei der Palpation vom Rectum kann man meist den eingeschobenen Darmtheil fühlen.
2. Ueberwurf beim Ochsen. Erscheinungen wie bei der Invagination; dazu Abduction des Hinterschenkels und Riickwärts-stcllung, Kreuz eingebogen. Bei der Untersuchung vom Kcctum aus schmerzhafte, teigige Geschwulst am vorderen Beckenmnde, abgeschnürt durch den Samenstrang.
Leoksuoht des Rindes und das 'Wollefresseii des Schafes sind eigenthümliche chronische Leiden, bei denen die Thiere grosse Neigung zeigen, die verschiedensten, selbst ekelhaftesten und un-geniessbaren Gegenstände zu belecken, benagen und wenn möglich auch abzuschlucken. Dabei Verminderung des Appetits und Abmagerung.
d. Infectiouskrankheiten mit Localisation im Digestionsapparat.
Rinderpest ist eine sehr leicht übertragbare acute Infections-krankheit des Rindes mit raschem meist tötlichen Verlauf. Incu-bationsstadium 6—7 Tage. Hohe Körpertemperatur ist das erste Symptom. Augenlider geschwollen. Conjunctiva hochroth; Athmung erschwert, schmutzig gelblicher Nasonausfluss,_ Nasen-sehlehnhant fleckig geröthet, Husten, Rasselgeräusche, häufig inter-stitielles Lungcnemphyscm und Haut-Emphysem; Appetit liegt vollständig darnieder, Koth wässrig, verfärbt; Milchsecretion sistirt. Hochgradige Benommenheit und allgemeine Körperschwäche. Auf den Schleimhäuten tiefrothe Flecken, die sich mit grau-weissem Belag decken, derselbe fällt ab, und es entstehen Ero-sionsgeschwüre. Die meisten Thiere sterben am 5. oder (j. Tage.
Stomatitis pnstulosa contagiosa ist ein typisch verlaufendes Exanthem, welches hauptsächlich die Maulschleimhaut in Form von Pusteln befällt und durch gutartigen Verlauf ausgezeichnet ist. Incubationsstadium;)—5 Tage. Die erste Eruption mit Fieber, das nachher schwindet; die Pferde versagen das Futter, speicheln, Berührung des Maules schmerzhaft. An der Maulschleimhaut innerhalb 2—3 Tagen kleine Knötehen und Bläschen, erst roth, dann grau oder gelb, brechen auf und bilden Geschwüre. Kehl-gangslymphdrüscn geschwollen. Conjunctivitis, bisweilen auch ein­zelne Geschwüre aid' der äusseren Haut der Lippen, des Voranns und Rumpfes; Abheilung in 10—14 Tagen.
e. Intoxicationen. Lupinose ist eine allgemeine Intoxicationskrankheit, welche durch einen in befallenen Lupinen auftretenden Giftstoff iLupinotoxin) hervorgerufen wird. Verminderung des Appetits, Temperatur-Steigerung, ikterische Färbung der Conjunctiva, allgemeine Körper­schwäche und Eingenommenheit des Sensoriums. Urin gelb, enthält Gallefarbstoffe und Pgt;iweiss.
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9. Harnapparat.
Wie für die Diaguose der Lungenkrankheiten die Per­cussion und Auscultation des Brustkorbes grundlegend ist, so lassen sich aus der physikalischen und chemischen Be-schattcnhoit des Urins .Schlüsse auf die Zustände in den Nieren und Harmvcgen ziehen. Erfahrungsgemäss kommen Krankheiten der Nieren und der Harnwege bei den Haus-thiereu selten vor, und deshalb kann die Untersuchung des Harns nicht die Hedeutung der bereits kennen gelernten Untersuchungsmcthoden beanspruchen. Dazu kommt noch, dass das ganze Gebiet der Nierenkrankheiten in der Thier-heilkunde noch nicht ausreichend erforscht und für die Dia­gnostik aufgeschlossen ist.
Aus der Untersuchung des Urins können wir auch Er­krankungen anderer Organe erkennen, indem diese den Uebertritt abnormer Bestandthcile in den Harn veranlassen.
Die Gewinnung des Harns macht bei Thieren immer Schwierigkeiten, nicht selten ist sie in der Praxis unmöglich. Gewöhnlich lässt man den Harn bei der natürlichen Ent­leerung auffangen; bei Wallachen kann man ein Gefäss vor der Schlauchöti'nung aufhängen und so den Urin gewinnen, bei weiblichen Thieren ist die Anwendung eines desindeirten Katheters gestattet.
In dem Gang der klinischen Untersuchung berücksichtigen wir in erster Linie den Harn; zeigt dieser eine wesentliche Ver­änderung, so untersuchen wir auch die Harnorgano selbst.
Demnach haben wir der Reihe nach folgende Momente zu berücksichtigen:
I. Art und Weise des Harnabsatzes. II. Untersuchung des Harns.
A. makroskopische Untersuchung, 13. chemische Untersuchung, 0. mikroskopische Untersuchung. III. Untersuchung der Harnorgane.
I. Art und Weise des Harnabsatzes. Der Harnabsatz ist bei unseren Hausthieren ein reflektorischer Vorgang, hervor­gerufen durch die bei stärkerer Anfüllung der Blase entstehende Reizung der Blasenwände. So lange die Spannung der Blase keinen höheren Grad erreicht hat, überwiegt der reflektorische Verschluss des Schliessinuskels, der durch das Andringen eines Tropfens Harn zur Contraction veranlasst wird.
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Nur bei älteren männlichen Hunden beobachtet man einen häufigeren willkürlichen Harnabsatz. Stellen, wo andere Hunde ihren Harn absetzten, voranlassen sie dort dasselbe zu thun; am liebsten wählen sie dazu Bäume, Hausecken etc.
Der Harnabsatz erfolgt durch Contraction der Blase unter Zuhilfenahme der Bauchpresse; jede Tliierart hat ihre Besonder­heiten beim Harnabsatz, doch ist es Kegel bei allen Thieren, dass sie stehend den Harn absetzen.
Pferde uriniren nur im Stande der Ruhe, unterbrechen dabei auch die Futteraufualnne; nicht selten stöhnen sie dabei laut.
Während Kühe sich den Stuten ähnlich verhalten, uriniren männliche Rinder nicht nur während der Futteraufnahme, sondern auch beim Gehen; der liarnabsatz erfolgt überhaupt so ruhig, dass man deu Thieren die Ausführung des Geschäftes gar nicht ansieht.
Aeltere männliche Hunde und Schweine entleeren den Urin stossweise.
1)nbsp; Die Häufigkeit des Harnabsatzes ist abhängig von der Menge des aufgenommenen Wassers, von dem Wasserverlust des Körpers durch Respiration, Perspiration und Kothabsatz; die Schwankungen also sehr erheblich. Gesunde Pferde uriniren bei gewöhnlicher Fütterung und Arbeit etwa 5—6 mal am Tage.
Abnorm häufiger Harvahsatz tritt ein bei vermehrter Hambüdung (Polyurie) im Verlaufe der Harnruhr (Diabetes) und der chronischen Nierenentzündung; vorübergehend in der Krisis schwerer Krankheiten (Brustseuche).
Ein Harnabsatz findet nicht statt, nach Zer-reissung der Blase (llarnröhrenstem) hei Ochsen; zur Fest­stellung, ob liarnabsatz erfolgt, bindet man den Ochsen ein reines Tuch breit vor die Hanmihrcumündung.
2)nbsp; Ungewöhnlieli häufiges Anstellen der Thiere zum liarnabsatz, ohne dass dabei eine wesentliche Entleerung stattfindet, bezeichnet man als Harnzwang, Sfrangurie. Entsteht durch abnorme Reizbarkeit der Blasenwand und der Harnröhre. Derartige Reizzustände werden am häufigsten im Verlaufe der Kolik bei Pferden beobachtet; entweder drucken stark gefüllte Darmabschnitte auf die Blase (An­schoppung, Verstopfung, Tympanitis), oder die Empfindung der Fülle im Hinterleibe veranlasst die Pferde auf Harn zu drängen. Seltener wird Harnzwang durch entzündliche Reizzustände in der Blase (Blasenkrankheiten, Blasensteine, Blasengries, Neubildungen, Vergiftungen mit scharfen Stotten) oder der Harnröhre (Einstreichen von Pfeifer) bedingt. Rossige Stuten stellen sich auch oft zum Uriniren au und drängen dabei den Kitzler wiederholt und weit hervor.
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3)nbsp; nbsp;Wird der Harnabsatz schmerzhaft, so spricht man vou Di/surie; die Thiere zeigeu sich dann unruhig-, trippeln hin und her, schlagen mit den Hiiiterfusscn gegen den Leib, wedeln und peitschen mit dem .Schwänze, sehen sich nach dem Leibe um, stöhnen beim Absetzen des nur tropfenweise oder doch nur in dünnem .Strahle fliessenden Urins. Der Sitz des Schmerzes kann sich in der Blase oder der Harn­röhre befinden (Concmnente, Strieturen, starke Entzüuduugen) oder kann auch erst während des Urinirens durch die Thätig-keit der Bauchpresse hervorgerufen werden (Peritonitis).
4)nbsp; Harnverhaltung (Ischurie) besteht in der ungewöhnlich starken Ansammlung von Crin in der Blase, ist also ver­zögerter ürinabsatz. quot;Wird beobachtet:
bei Unwegsamkeit der Harnröhre (Concremente, Verschwellnng, Strieturen, Tumoren); in solchen Fällen findet der Harnabsatz nur tropfenweise oder in einem dünnen Strahle, nicht selten gleichzeitig mit Schmerzäusserung statt:
bei Lähmung der Blase; häufig vergesellschaftet mit Lähmung des Mastdarms und des Schweifes.
5)nbsp; Unvermögen den Harn zu halten, Iiicoutineiifia uvinae, tritt auf in Folge von Lähmung oder Schwächung dos Schliessmuskels der Blase oder Verminderung der Empfind­lichkeit der Ilariirölirensclileimhaut, so dass die reflectorische Erregung des Schliessmuskels ausbleibt. Bei Thiercn im Allgemeinen selten. Am häutigsten noch bei Hunden im Verlaufe der Staupe durch Rückeiimarksatfectioii.
H. Untersuchung des Harns. A. Makroskopische Untersuchung.
1) Die Menge des Harns ist von denselbeu Momenten abhängig, wie die Häufigkeit des Harnabsatzes; durchschnitt­lich entleeren Pferde täglich 4—5 Liter, Rinder G —12 und Hunde xli — 1 Liter. Die Feststellung der Menge beschränkt sich meist auf die Schätzung, da ein Auffangen des täglichen Quantums sehr umständlich, auch noch ungenau ist.
Eine Verminderung der Harnmem/e stellt sich ein bei reichlicher Schwcissbildung und Durchfall;
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schweren fieberhaften Krankheiten; Bildung grosserer Mengen Exsudat (Pleuritis, Peri­tonitis) ; Herzsclnväche, durch Sinken des Diffusionsdrucks; acuter und einigen Formen der chron. Nierenentzündung.
Eine Vermehrung der Hammenge tritt ein
am erheblichsten bei Diabetes insipidus, auch bei dem sehr seltenen Diabetes mellitus; das Tages­quantum kann hier bis 40 1 beim Pferde betragen; ferner bei den meisten Formen der chronischen Nieren­entzündung ; bei Resorption reichlicher Exsudatmassen und im kritischen Stadium schwerer Infectionskrankheiten.
2) Die Farbe. Die normalen Farbstoffe des Harns sind noch nickt hinreichend bekannt, es giebt deren mehrere; bekannt ist nur ürobilin, das aus Bilirubin der Galle im Darmkanal entsteht und dann resorbirt wird. Die Farbe des normalen Harns ist m. o. w. gelb; je reichlicher die Ham­menge, desto heller, je spärlicher, desto dunkler. Unter krankhaften Verhältnissen wird er blasser oder dunkler. Man unterscheidet: (/e/ie iblassgelb, hellgelb, gelb), rothe (vothgelb, gelbroth, roth) und braune Harne (braunroth, rothbraun, schwarzbraun) und kann aucli noch weitere einzelne Nuancen speciell angeben.
Blasse, wasserheüe Farbe zeigt sich immer in Ver­bindung mit Polyurie (physiologische und kritische Polyurie. Diabetes).
Bofli wird der Harn durch Beimischung von Blut, Haemoglobin oder Methaemoglobiu. Die speciellc Ursache ist durch mikroskopische Untersuchung nachzuweisen.
GrihKjelb oder hrmuKjclh mit gelbem oder gelbgrünem Schaum bei Gehalt an Gallefarbstoti'en.
Dunkel (dunkelgelb, dunkelbraun) ist stets der in ge­ringer Menge abgesetzte Harn, infolge stärkerer Concentration; kann auch durch Beimischung von Blutfarbstoff entstehen.
Farbe durch Medicamenfe beeinHusst: durch Carbol-säure schwarz, durch Aloe und llheum braunroth.
B) Durchsichtigkeit des Harns. Normaler Pferd chain ist gleich beim Absatz m. o. w. trüb, die zuletzt entleerte Menge am stärksten getrübt, oft hell-lehmfarbig. Die Trübung
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besteht aus kohlensauren Salzen und entstellt in der Blase in Folge Eindickung des Harns durch Resorption wässeriger Flüssigkeit. Die Trttbung nimmt beim Stehen des Harns an der Luft noch zu, indem aus dem löslichen doppelt­kohlensauren Salz (00311)0Ca infolge Abgabe von OO2-j-E^t* einfach kohlensaures Salz COgOa sich bildet, das unlöslich ist. Am stärksten findet diese Umsetzung auf der Ober­fläche statt, sotlass sich dort ein dünnes, glänzendes, leicht zerbrechliches Häutchen {KcUkhätdchen) bildet, das aus kry-stallinischem kohlensauren Kalk besteht. Ein anderer Theil des Sediments setzt sich in Form kleinster Kalkkörncheu zu Boden, wenn die Consistenz des Harns es gestattet. Nicht selten findet man die Körnchen eingeschlossen in Schleim­fäden {Kulkschliinche), die Abgüsse der geraden llarukaiiälchcn darstellen. Der normale getrübte Harn reagirt alkalisch.
Klarer Harn ist beim Pferde stets abnorm und reagirt meist sauer: er kann aber beim Erkalten trüb werden, indem Phosphate, oxalsaurer Kalk, Gipskrystalle auch liarnsaure Salze, ausfallen; sie lösen sich bei Erwärmung wieder. Der Nachweis dieser Salze erfolgt durch mikro­skopische Untersuchung des Sedimentes.
Eine abnorme Trübung wird bisweilen auch bewirkt durch Beimischung körperlicher, organisirter Elemente; durch mikroskopische Untersuchung sind sie nachzuweisen (S. 149).
Bei Rind, Schaf und Ziege ist der Harn beim Ab­setzen klar, trübt sich aber beim Stehen durch Ausfallen von Monocarbonat.
Hund eh am soll klar sein, beim Stehen sich auch nur wenig trüben durch Ausfällen von hamsauren Salzen.
4) Consistenz des Harns. Der normale Pferdeharn ist dickflüssig, schleimig, fadenziehend durch reichlichen Gehalt an Muein, dessen Beimengung in der Blase stattfindet. Ausscrdem quellen die abgestossenen Epithelieu in dem alkalischen Harn auf und vermindern dadurch die Ausfluss­geschwindigkeit des Harns, er wird dickflüssiger. Saurer Pferdeham ist stets weniger schleimig als alkalischer, weil die Aufquellung nicht in dem Maasse stattfindet.
Alle anderen Hausthiere sondern einen dünnflüssigen Harn ab.
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5) Das speciflsehe Gewicht des Harns wird durch ein Aräometer ermittelt, das in Hinsicht auf die specielle Ein­richtung für das gewöhnliche Harngewicht auch Urometer genannt wird. Das speeifische Gewicht beträgt beim
Pferd 1020—1050 durchschnittlich 1040 Rind lOi'o—1045nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1030
Hund 1020—1060nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1040.
Das speeifische Gewicht steht im umgekehrten Verhältniss zur Menge. Abnorm niedriges speeifisches Gewicht tritt ausserdem ein bei Diabetes insipidus (1001—1010) und bei Schrumpfniere. Ungewöhnlich hohes speeifisches Gewicht ausser bei Verminderimg der Harnmenge (Fieberharn) auch noch bei acuter Nephritis und, verbunden mit Ver­mehrung der Harnmenge, nur bei Diabetes mellitus.
_^ 15. Die chemische Untersuchung des Harns.
1) Die Reaktion des Harns gesunder Thieve ist abhängig von der Art des Futters: Pflanzenfresser (Pferd, Rind, Schaf, Ziege) haben alkalischen Harn, Fleischfresser (Hund, Katze) sauren, und die Omnivoren je nach der Art des Futters sauren oder alkalischen.
Bei den Pflanzenfressern wird die alkalische Re­aktion bedingt durch die Gegenwart von doppelkohlensaurem Kalk CO3II —Ca— CO3H. Die mit dem Futter aufgenom­menen pflan/cnsauren Kalksalze enthalten die organische Säureradieale der Apf'olsäure, Weinsäure, Bernsteinsäure, Milch­säure ; diese werden nach der Resorption in das Blut oxydirt zu kohlensauren Salzen, welche alkaliseh reagiren.
Bei den Fleischfressern sind saure phosphorsaure Salze Ursache der sauren Reaktion; P04H2Na um^PO.jHo^C'a; sie stammen aus dem Fleisch. Nehmen Pflanzenfresser keine Nahrung auf, leben sie also von ihrem eigenen Fleische, so setzen sie auch sauren Harn ab.
Ausser diesem eben genannten Fall ist eine saure Reaktion des Harns bei Pflanzenfressern immer abnorm; entsteht, wenn in Folge krankhafter Vorgänge im Dünndarm eine saure Reaktion des Inhaltes auftritt, wie dies beim Darmkatarrh Regel ist. Während bei normaler alka­lischer Reaktion die in der Nahrung enthaltenen phosphor-
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sauren Salze nicht resorbirt werden können, wird bei saurer Reaktion ihre Aufnahme und demniiehstige Ausscheidung durch die Nieren ermöglicht, indessen die pflanzensauren Salze nicht resorbirt werden. Die saure Reaktion beruht also auf der Gegenwart von saureu phosphorsauren Salzen und beweist bei Pflanzenfressern mit gutem Appetit einen Darmkatarrh. Abnorme alkalische Reaktion des Harnes der Pflanzenfresser und Fleischfresser tritt ein bei Gährungs-processen in der Blase (Blasenkatarrli) durch flüchtiges Alkali, das sich durch Gährung des Harnstoffs entwickelt:
('0(mgt;)2 2H20 = C03(]STH4)2 = 2NII3 G02 H20.
Diese aminouiakalischc Gährung ist schon an dem Geruch zu erkennen. Ein mit Salzsäure befeuchteter Glasstab über den Urin gehalten entwickelt Dämpfe : NH4CI = Salmiak.
2) Eiweissgehalt. Unter normalen Verhältnissen tritt Eiweiss niemals in nachweisbaren Mengen im Harn auf; sein Auftreten ist deshalb stets als ein Kranklieitssymptom zu betrachten.
Die Beimischung des Eiweisses findet in der Regel so­fort mit der Harnbildung in den Nieren (renale Albuminune), selten erst in den Harnwegen durch Beimischung von Blut oder Kranklieitsproducten statt (acc/deufelle Albuminune).
Die Thatsachc, dass der aus dem Blute ausgeschiedene Harn kein oder doch gewöhnlich keine nachweisbare Mengen Eiweiss enthält, beruht auf der Zusammenwirknng zweier Factoren; Der CTndurchlässigkeit der Nierenepithelien für Eiweisssubstanzen und dem Filtrationsdruck; durch Aen-derung dieser normalen Zustände, wie durch Veränderung der normalen Blutbeschaffenheit oder Körpertemperatur tritt Eiweiss in den Harn über. Die renale Albuminurie kann also entstehen:
a.nbsp; nbsp; Durch Veränderung des Xicrengewebes in­folge entzündlicher oder degenerativer Processe; das Secret erhält nicht nur Eiweiss beigemischt, die Menge desselben kann noch durch eiweisshaltigea Exsudat erheblich vermehrt werden.
b.nbsp; nbsp; Durch Sinken des arteriellen Blutdruckes; je geringer der Druck, desto leichter kann Eiweiss diffundiren. Der Druck nimmt ab beim Nachlassen der Herzkraft oder
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auch bei Stauung des Blutes im venösen System (Herz­fehler, Emphysem). Heide Zustände rufen nach längerem Bestehen auch noch eine Veränderung des Nierenepithels hervor.
c.nbsp; nbsp; Beim Fieber tritt regelmässig Albuminurie auf, wobei verschiedene Momente ursächlich betheiligt sind. Die Veränderung des Blutdrucks kann schon genügen, um Albu­minurie zu ei-zeugen; die hohe Temperatur erleichtert den Durchtritt des Eiweisses; auch hat länger bestehendes Fieber Veränderungen der Nierenepithelien zur Folge. Bei den hohen durch Infectionserregern hervorgerufenen Fiebern darf endlich eine directe Schädigung des Miercnparenchyms durch dieselben angenommen werden, zumal sie in grosser Menge durch den Harn ausgeschieden werden.
d.nbsp; nbsp; Durch Veränderung der normalen Blutbe­schaffe uheit kann ohne Veränderung des Blutdrucks und der Nioreubcschalfenheit Albuminurie auftreten (Leukaemie).
Aus den angeführten Momenten ergiebt sich, dass man aus einer Albuminurie nicht gleich auf eine Nierenaffection schliessen darf.
Die accident eile Albuminurie ist nicht nur seltener, sondern auch von geringerer Bedeutung. Man darf sie dann annehmen, wenn neben viel Blutkörperchen, Eiterzellen oder Epithelien, im Filtrat nur geringe Mengen Eiweiss enthalten sind; dieser unverhältnissmässig geringe Ehvcissgehalt muss dann auf eine theihveise Lösung der zelligen Elemente im Harn bezogen werden.
Von Eiweisskörperu wird im Harn am häutigsten an­getroffen Serumalhumin und damit vergesellschaftet Serum­globuli n; seltener finden sich mit den ersteren gemischt oder auch für sieh allein Albnmosen, d. h. Eiweisskörper, die durch Kochen nicht ausfallbar sind: (Pepton, Propepton, llemial-bumose). In einzelnen Fällen tritt Haemoglobin und Methae-moglobin auf.
Praktisch handelt es sich nur um den Nachweis der drei genannten Gruppen.
I. Chemischer Nachweis der Albuminurie. Man benutzt frischgelassenen Urin, ist er nicht klar, so muss er filtrirt werdelaquo;.
1) Koch])robe. 1/4 Reagensglas voll Harn wird — wenn alkalisch unter Zusatz von einem Tropfen Essigsäure — gekocht
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und alsdann '/io Volumen
wicht 1,18) zugesetzt: der
verdünnter Salpetersäure (spec. dauernde Niederschlag besteht
Ge-aus
Eiweiss.
Entsteht während des Kochens eine Trübung, die auf Zusatz von Salpetersaure verschwindet, so bestand dieselbe aus phosphorsaurem Kalk.
2) Heller'sche Probe. Der kalte, filtrirte, event, nach Nr. 1 angesäuerte Harn wird vorsichtig auf reine conceutrirte Salpetersäure geschichtet. Eiweisshaltiger Harn ergiebt an der lierührungs-stelle eine ringförmige Trübung.
8) Essigsäure-Ferro-Cyankaliumprobe.
:';,-:
Der klare Harn wird mit reichlich Essigsäure ver-
setzt und darauf mit einigen Tropfen einer fünf-procentigen FeiTocyankaliuraLosung: bei Gegenwart von Eiweiss entsteht ein weisscr Niederschlag.
Tritt schon bei Zusatz von Essigsäure Trübung auf, so besteht sie aus Mucin; dasselbe muss als­dann erst abtiltrirt werden. Mau kaue Mucin auch vorher mit essigsaurem Blei ausfällen.
Die angeführten Methoden geniigen für den klinischen Nachweis. Zur quantitativen Ei-
!;#9632;£
weis sbest immnng kann man die Kochproben
stehen und den Niederschlag sich absetzen lassen, um die Mengen des Eiweisses an den einzelnen Tagen mit einander vergleichen zu können. Einfach und praktisch ist die Anwendung des Esbaeh'sehen Albu-minimeters. Der Glascylinder wird bis zur Marke
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(/(Urin) mit Urin, alsdann bis zur Marke Ä (Keagens) mit folgendem Reagens gefüllt: Acid um citricum 2,0, Aciduiu pieronitricum 1,U, Aqua destillata 100; nach Aufsetzen eines Pfropfens gut umgeschüttelt und 2-4 Stunden stehen lassen. Die raquo;Menge des Eiweiss-niederschlages kann man in Zelmtelprocenten ablesen. Das Instrument ergiebt gute Resultate, wenn der Eiweissgehalt 0,2 % nicht wesentlich übersteigt; ist dies der Fall, so ist der Harn vor der Probe zu verdünnen.
Alb ami nur ie kommt vor:
bei allen fieberhaften Krankheiten, besonders bei den acuten Infectionskraakheiten: Brustseuclie, Pferde­staupe ;
bei acuten und cluronischen Nierenerkraukuagen;
bei Stauung im Venensystem, also bei Herzfehlern, Emphysem und den verschiedeneu Formen der Longendämpfigkeit;
bei Blutkrankheiten: Leakaemie, Auaeinic;
bei nervösen Atlectionen: Kpilepsie, Eklampsie.
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II.nbsp; Chemischer Nachweis der Albumosurie. Die Unter­suchung auf Albumosen hat erst in der neueren Zeit Bedeutung erlangt, nachdem einfachere chemische Methoden zum Nachweis desselben gefunden wurden. Das Auftreten von Albumosen ist an ganz andere Bedingungen geknüpft, wie die A Ibu-minurie; Nierenentzündungen, L'irculatiousstörungen oder Auae-mien geben keine Veranlassung zur Albumosurie: Veränderung der Blutbeschaffenlieit spielt hier die Hauptrolle. Sie lindet sich be­sonders bei Resorption eitriger oder fibrinöser Exsudate (pyogene Peptonurie) also im Stadium der Resorption pneuinonisclier Exsudate bei umfangreichen Eiterungen, besonders im Innern des Körpers.
Albumosen lassen sich weder durch Kochen noch durch Säuren nachweisen; nur bei Abwesenheit der anderen Eiweisssubstanzen (Albumin, Globulin, Mucin) ist der Nachweis gesichert. Also erst ist durch die gewöhnlichen Eiweissproben deren Abwesenheit nachzuweisen; sind aber solche vorhanden, müssen sie zunächst ausgefällt und beseitigt werden. Zur Aus­scheidung von Albumin und Globulin dient das Kochen des an­gesäuerten Urins, Mucin muss durch essigsaures Blei aus­gefüllt werden.
Das klare Filtrat kann erst zur Untersuchung auf Albumosen Verwendung finden; 500 cem Harn werden mit Salzsäure angesäuert, alsdann Phosphorwolframsäure zugesetzt, bis kein Niederschlag mehr entsteht. Dieser wird mit 5 % Schwefelsäure ausgewaschen, mit HoO nachgespült und dann der Biuretreaction unterworfen. Zunächst in verdünnter Natronlauge aufgelöst und dann tropfen­weise 10% Kupfersulfatlösung zugesetzt: bei Gegenwart von Albumosen tritt rothviolette Farbe auf.
Die Untersuchungen sind so umständlich, dass sie in Praxis nicht ausführbar erscheinen, hoffentlich finden sich noch bessere, einfachere Methoden, die eine häufigere Untersuchung gestatten; dann wird gewiss der Nachweis der Albumosen auch erhöhte diagnostische Bedeutung erhalten.
III.nbsp; Nachweis der Haenioglobinnrie. Den Blutgehalt des Harns kann man oft schon an seiner Farbe erkennen; heUroth, fleischwasserähnUch (Oxyhaemoglöbin) ist der Harn selten, meist schmutzig braunroth durch MefhaeiHoylobin. Die Diagnose kann sich nicht allein auf die Farbe gründen, es muss auch eine chemische und mikroskopische Unter­suchung stattfinden.
Chemischer Nachweis. Man macht den Harn stark alkalisch mit Kali- oder Natronlauge und kocht ihn wie zur Albnminprobe. Dadurch wird das Haemoglobin in Haematin übergeführt und fällt mit den Erdsalzen zugleich aus, die es rothbraun färbt.
Die Unterscheidung zwischen Oxyhaemoglöbin und Methac-inoglobin lüsst sich nur durch den Spectralapparat treffen; Oxyhaemoglöbin zeigt zwei Absorptionsstreifen zwischen den Linien D und E, Methaemoglobin nur einen Absorptionsstreifen zwischen C und D.
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Der Gehalt an Haemoglobin kann beruhen in der Bei­mischung von Blut in toto (Haemafurie) oder nur von Haemoglobin (Haemoglobinurie).
Uaematui'ie wird durch mikroskopische Untersuchung des Sediments und Nachweis von rothen Blutkörperchen festgestellt; die Beimischung des Blutes kann erfolgen in der Niere, dem Nierenbecken, der Blase oder der Urethra; sie erfolgt am häutigsten bei Stallroth, acuter Nephritis, Nierensteinen, hacmorrhagischem Xiereninfarkt, Pyelonephritis, acuter Cystitis, Blasensteinen.
Haemoglobinurie beruht in der Gegenwart von Blutfarb­stoff ohne Blutkörperchen im Harn. Der Farbstoff entstammt entweder dem Blute oder den Muskeln. Hiernach unter­scheidet man:
a.nbsp; nbsp; llacniatoyeiie oder toxaemische Haemoglobinurie bei Weideroth und Texasfieber sowie bei schweren Vergiftungen, welche eine Auflösung der rothen Blutkörperchen bedingen, bei umfangreichen Verbrennungen und schweren Infections-krankheiten.
b.nbsp; nbsp; rheumatische oder myogene Haemoglobinurie bei acuter Kreu/.rhehe.
3) Indican = indoxylschwefelsaures Kalium GgHfiNK.s04 ist in jedem Harn in geringer Menge enthalten. Es geht aus dem Indol C3II7N hervor, das sich bei Eiweissfaulniss im Darm bildet; dieses wird zunächst zu Indoxyl Gq'B^S . OB. oxydirt und verbindet sich dann mit schwefelsaurem Kalium zu indoxylschwefelsaurem Kalium = Indican.
Findet im Körper stärkere Eiweissfaulniss statt, so ist die Bildung von Indol und weiter von Indican vermehrt; am erheblichsten ist dies der Fall bei Verdauungsstörungen, die mit Verminderung des I'eristaltik, der Verdauung und Ile-sorption verbunden sind. Verstopfung im llüftdarm liefert am meisten Indican, Dickdarmverscliluss weniger.
Nachweis. Zu einigen Cubikeentimeteni Harn giebt man die gleiche Menge reiner Salzsäure und schüttelt gut um; dann setzt man tropfenweise unter wiederholtem Umschütteln frische Lösung von Chlorkalk oder von untcrchlorigsaurem Natrium zu, wobei sich der blaue Farbstoff Indigo bildet und ausfällt. Zugesetztes Chloroform reisst nach tüchtigem Dmschtttteln allen Farbstoff an sich und setzt sich beim ruhigen Stehen als intensiv blau gefärbte Flüssigkeit am Boden des Gef'ässes ab.
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4)nbsp; Gallefarbstoffe. Von den Gallefarbstoffen kommt im Harn meist nur Biliruhin vor, das bei längerem Stehen an der Luft tlieihveise auch in Biliverdin üborgclicn kann. Ikterischer Harn ist meist dunkel gefärbt, goldgelb, gelbbraun oder grüngelb, der Schaum ist gelb, während er beim galle-farbstort'freien Harn stets weiss ist.
Nachweis. Der qualitative Nachweis geschieht durch die Gmelin'sche Frohe. Etwa 2—3 Cubikcentimeter concontrirte Salpeter­säure, die etwas rauchende Salpetersäure (XOo) enthält, giebt man in ein Reagensglas und schichtet darauf vorsichtig den Harn, ohne dass eine Vermischung beider Flüssigkeiten erfolgt. Ist der Harn alkali seh, so mac lit man ihn vorher erst sauer. Bei Gegenwart von Gallefarbstoff treten an derBeriihrungsschicht Farbenringe auf, von denen jedoch nur der grüne charakteristisch ist.
Der Nachweis der Gallefarbstoffe im Pferdeharne gelingt nie so schön, wie beim Hundeharu; die Gmelin'sche Reaktion ist beim Pferdeharn nicht durchaus sicher, da dieser noch andere, zum Theil unbekannte Stoffe enthält, welche die Reaktion wesentlich beeinflussen.
Normaliter finden sich bei keinem unserer Hausthiere Gallefarbstoffe im Harn, sondern nur bei folgenden Krank-heitszuständen:
bei Gallestauuug in der Leber mit auschliesseuder Resorption durch die Lympbgefässe und Uebertritt in das Blut; acute Leberschwellung (ficpafogener Ikterus), Verscliwelluug des Ductus Choledochus bei Darmkatarrh (Stauungsikterus); bei Zerfall zahlreicher rother Blutkörperchen und Bildung von Gallefarbstoff aus dem Blutfarbstoff (haematogener Ikterus); schweren lufectionskraukheiteu, umfangreichen Ver­brennungen, inneren Blutungen.
5)nbsp; Tranbenzucker ist im Harn durch die gewöhn­lichen Untersuchungsniethoden nur unter patho­logischen Verhältnissen nachweisbar und zwar beim Diabetes mellitus. Bei Pferden ist die Krankheit nur in vereinzelten Fällen sicher nachgewiesen, bei Hunden öfter. Zucker ist zu vermuthen, wenn Polyurie mit hohem spec. Gewicht des Harns verbunden ist.
Chemischer Nachweis. Zunächst muss etwa vorhandenes Ei-weiss durch Essigsäure, Kochen und Abfiltriren entfernt werden. Alsdann setzt man zu lOccmHarn 1 cem Kalilange; tritt Trübung
Malkmus, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10
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ein, muss erst wieder filtrirt werden. Schliesslich werden etwa 3 Tropfen einer 10% Kupt'ersulfatlösung zugesetzt. Auftreten einer hellblauen Farbe spricht schon für Traubenzucker; nun erwärmt man die Flüssigkeit, bei Gegenwart von Traubenzucker entsteht auf der Oberfläche ein oraugegelber Niederschlag, der sich weiter nach unten zieht und aus Kupferoxydul besteht.
Diese Tr ommer'sche Probe ist für den Pferde­harn durchaus nicht sicher, weil es darin einerseits noch andere reducirende Körper jiiebt (Brenzkatecliin etc.), anderseits auch Stolle, welche die Reduction bezw. das Ausfällen des Kupferoxyduls verhindern. Fis- M-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Traubenzucker, den man dem Pferdcharn
zugesetzt hatte, ist bisweilen durch die Trommer'sche Probe gar nicht mehr nach­weisbar. Es ist deshalb stets in Ver­dachtsfällen noch die (lährungsprobe vorzunehmen.
#9632;20 cem von Eiweiss befreiten Harnes werden gekocht, abgekühlt mit einem bohnen-grossen Stück Bäckerliefe versetzt, tüchtig umgeschüttelt und dann in ein graduirtes Oährungsrülirehcn geschüttet, das mit Ilg ver­schlossen wird. Bei Zimmertemperatur bleibt das Rohi'chen 24—48 Stunden stehen; enthält der Harn Zucker, so entsteht eine (xährung, bei der sich in der Spitze, des Gährungs-röhrcheus Kohlensäure ansammelt und an der Graduirnng kann man den l'rocentgehalt an Zucker ablesen.
C6 Hu Ü6 = 2 C, II5 011 2 CG,
Traubenzucker = Alkohol -j- Kohlensäure.
Ist die 1 lefe zuckerfrei und gähruugsfäbig, so ist die Gährungsprobe beweiskräftig.
GähnmgsrShrehen.
0. Die mikroskopische Untersuchung des Harns.
Zeigt die bisherige Untersuchung des Harns wesentliche Abweichungen, so wird auch eine mikroskopische Unter­suchung des Sediments vorgenommen. Sie hat für die Dia­gnose der Krankheiten im Harnappavat selbst eine grüsscre Bedeutung als die chemische Analyse.
Methode. Von der aufgefangenen Harnmenge giesst man soviel fort, dass der Kost von einem Spitzglase aulgenommen werden kann, in das man denselben nach vorherigem Umrühren schüttet. Man lässt nun den Harn sedimentiren, was bei dem schleimigen
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Pferdeharn sehr langsam erfolgt: um ihn vor Zersetzung zu be­wahren, giebt man etwa 2—3 Tropfen Chloroform zu. Von dem Sediment holt man dann mit einer Pipette etwas heraus, giebt einen Tropfen auf einen übjectträger und untersucht ohne weiteren Zusatz mit dem Mikroskop.
a. Krystallinische Bestaudtheile des Harns.
Selion die Reaktion des Harns lässt Schlüsse auf die
Natur der entstehenden Sedimente zu. Normaler alcalischev
Pflanzenfresserharn enthält (s. S. 139) kohlensauren
Kalk auch geringe Mengen neutraler phosphorsaurer Salze
Fig. 81.
lt;=gt;
1^
CS
V
Kohlensaurer Kalk.
Qs^QuO^ji. Dieses Sediment löst sieh nicht beim Erwärmen des Harns, wohl aber bei Zusatz von Salzsäure unter Kohlen-säure-Entwickelung. Das im sauren Fleisehfrosscrharu sicli bildende Sediment besteht aus harnsauren und sauren phosphorsauren Salzen, die sich beim Erwärmen lösen.
Zur genauen Bestimmung des krystallinischen Sediments ist die mikroskopische Untersuchung nothwendig; die Form der Krystalle lässt ihre Natur bestimmen. Amorphe Salze sind nur durcli mikrochemische Untersuchung zu erkennen.
10 s
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1)nbsp; Kohlensaurer Kalk krystallisirt in Kugeln mit strah­liger Streifung; grosse Kugeln lassen auch noch eine con-centrisclie Schichtung erkennen. Ferner kommen Krystalle vor in Form von Bisquits, Hanteln, Wetzsteinen und Kreuzen. Amorphes Pulver lässt sich als kohlensaurer Kalk daran erkennen, dass es sich bei Zusatz von Essigsäure unter Gas-entwickelung auflöst. Ist stets ein normaler Bestandtheil.
2)nbsp; Oxalsaurer Kalk bildet stark lichtbrechende Quadrat-oetaeder (Briefcouvertform); andere Formen sind nicht charak­teristisch. Essigsäure verändert den oxalsaureu Kalk nicht,
Fig. 32.
Fig. 33.
Oxalsaurer Kalk.
Harnsäure.
Salzsäure löst ihn auf. In geringen Mengen kommt er in alkalischem Harn vor, in grösseren Mengen im sauren, hat aber auch hier keine diagnostische Bedeutung.
3) Harnsäure und ihre Salze sind ein normaler Bestand­theil des Fleischfresserhai-ns, kommen aber auch in Spuren
Fig. 35.
Tripelpkosphatkrystalle.
bei Pflanzenfressern vor. Häufig als amorphes Pulver oder in Krystallen von wechselnder Form; quot;Wetzsteine, rhombische
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Tafeln, spitzige Krystalle, häufig zu Drusen vereinigt. Cha­rakteristisch ist, dass sie beim Ausfallen den Farbstoff des Harns an sich reissen und dadurch gelbbraun erscheinen. Kalilauge löst sie, Salzsäure scheidet sie in Form rhombischer Krystalle aus.
4)nbsp; Hippnrsänre und ihre Salze bildet rhombische vier­seitige Prismen und Nadeln, die sich in Salzsäure losen. Normaler Bestandtheil des l'ferdeharns.
5)nbsp; Tripelphosphat-phosphovsaure Ammoniak-Magnesia, PC^MgXH.j krystallisirt in Sargdeckelform, löslich in Essig­säure ohne Gasentwicklung. Im frisch gelassenen Harn nor-raaliter nicht vorhanden,
Fig. SU.
bildet sich aber regehnässig
beim Stehen des Harns an der Luft durch die Gährung. Findet er sich im frischen Harn, so beweist er, dass bereits in der Blase die aramoniakali s ehe Gä hrung b e-gonnen hat, Cystitis, Pyelitis.
6) Schwelelsauror Kalk, Gips kommt in Form von
säulenförmigen Prismen oder
Tafeln bisweilen in geringer
Schwefelsaurer Kalk.
Menge im sauren Harn vor;
reichlich nach innerlicher Verabreichung von schwefelsauren Salzen (Glaubersalz). Ohne Bedeutung.
b. Organlsirte Elemente.
Sind für die Diagnose von Krankheiten der Harnorgane von der grössten Bedeutung.
1) Epithelzellen kommen vereinzelt auch im gesunden Harn vor; man findet bisweilen zwei auch drei Platten-Epithelzellen in einem Sedimentpräparate. Dagegen werden nur ausnahmsweise Epithelien aus den Harnkanälchen (kurz­weg Nierenepithelien genannt) angetroffen. Erbebliche Ver­mehrung der Epithelien kommt nur bei krankhafter Abstossung derselben vor, also bei Katarrhen und Entzttndungen der betreffenden Memlrauen. Wichtig ist aus der Form der Zellen ihren Herkunftsort zu bestimmen.
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N i er en e pit hei ist rundlich oder mehr oder weniger kubisch, granulirt mit verhiiltnissmässig grossem Kern; an Grosse steht es dem Plattenepithel des Nierenbeckens, des Urethers und der Harnblase erheblich nach. Sie liegen ein­zeln, häutig aber zu mehreren bei einander und zeigen nicht selten eine fettige Degeneration, ihr Auftreten beweist eine Atfection der Nieren; ob eine wirkliche Nierenentzündung und speciell eine selbständige vorliegt, muss aus dem übrigen Gesammtbefund und dem besonderen des Harns geschlossen werden.
PI a tteu-E pit hellen aus dem Nierenbecken, den Ure-thereu und der Harnblase können mit Sicherheit nicht von einander unterschieden werden; es sind polygonale Platten-epithelieu, gross, durchsichtig und kernhaltig. Aus den oberen Schiebten der Schleimhaut sind sie mehr rundlich oder polygonal, aus den mittleren und tieferen Schichten mehr oval oder kegelförmig mit einem oder mehreren Proto-plasmafortsätzen, die ihnen ein zackiges Aussehen verleihen. Beträchtliche Mengen solcher Zellen beweisen einen Katarrh der betreffenden Schleimhäute.
2)nbsp; Weisse Blutkörperchen oder Eiterkorpercheu sind sphärische, grauulirte, keruhaltigc Zellen, die sich bei Essig­säurezusatz aufhellen. Sie können aus den Niereu oder aus den Harnwegen stammen, entscheiden lässt sich diese Frage nur aus anderen weiteren Erscheinungen. Stammen sie aus der Niere, so sind meist auch Harncylinder zu linden; sind auch reichlich Fiatteuepithelzellen mit dabei, nebeu Tripel-phosphatkiystalleu, so kommen sie aus der Blase.
3)nbsp; Eothe Blutkörperchen haben ihre Form und Farbe meist wenigstens zum Theil verloren, sind gequollen und blass. Je erheblicher diese Veränderungen, desto weiter oben wurden sie dem Harn beigemischt. Eine innige Ver­einigung der einzelnen rothen Blutkörperchen mit dem Harn, ohne class sie als Sediment zu Boden gehen, spricht für Nieren­blutung; Blutcylinder beweisen stets eine Nieren­blut ung. Grussere, zusammenhängende Blutmassen, die nicht innig mit dem Harn vermischt sind, stammen aus der Blase. Blutbeinnschung zum Harn (Haematurie) kommt vor bei
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Erkrankungen der Niere: Verletzungen, liaemor-rhagischer Nephritis, embolischer Nephritis;
Erkrankungen der Harmvege: Pyelonephritis, Cystitis, Stallroth der Rinder, Blasenstcineu, Blasen­tumoren, Verletzungen der Harnröhre.
4) Harncylinder sind zapfen- oder schlauchähnliche Ab­güsse der Hamkanitlchen. Bei Pferden kommen normaliter den Harncylindern ähnlich aussehende, oft schon mikro­skopisch sichtbare, angleich dicke und nicht scharf begrenzte Sclileimfadcn oder Wolken vor, die durch Einlagerung von amorphem kohlensauren Kalk granulirt erscheinen. Zusatz von Essigsaure lässt die Granula unter Gasentwicklung ver­schwinden. In sauren Harnen kann es sich auch um harn saure Salze handeln. Diese sogenannten Körticltettscldüuche, Kalkcylinder oder Ci/lindroide haben mit den eigentlichen Harncylindern nichts zu thuu; sie treten besonders beim Uebergang von Oliguric zu Polyurie auf.
Die eigentlichen Harncylinder unterscheidet man in; Hyaline Cylinder; schmale, helle, ganz homogene Ge­bilde von verschiedener Grosso und mit wenig scharfen Con-touren. Werden selten angetroffen, aber auch bei gesunden Thieren und sind deshalb ohne diagnostische Be-Fig. 37. deutung; ihr Ursprung ist noch nicht bekannt. Epifhelcylinder bestehen aus Nierenepithelien, die durch Exsudat verklebt sind
Fig. 38.
^
und durch den nachdringenden Harn herausgespült wurden. Neben den Epithelien liegen häutig
auch weisse oderrotheBlutzelleu.
Solche Cylinder beweisen stets eine Nierenentzündung, sobald sie in grösserer Menge auf­treten. Die Epithelien können auch verfettet sein. Fehlt die Zellbeimischung, so nennt mau
Epithel-cylinder.
sie grannlirte Cylinder; sie sprechen ebentalls für eine acute
Granulirte Cylinder.
Nephritis. Blntkörperchencylinder bestehen aus zusammengebacke­nen Ulutkörperchen und beweisen eine Nierenblutung. Ist
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die Beimischung der weissen Blutzellen eine unverhältniss-mässig reichliclie, so spricht dieser Befund für eine eitrige Entzündung (Eitercylinder).
5) Die Untersuchung auf Mikroorganismen kann nur bei ganz frischem Harn eine Bedeutung haben, da nach einigem Stellen desselben an der Luft massenhaft Spaltpilze sich ansiedeln. Grosse Mengen von Spaltpilzen iu frischem Harn linden sich bei Pyelonephritis baeteritica und bei chronischer Cystitis.
Bacillus pyelonephritidis bovis liisst sich nach der Gram'schen Methode färben. Ein ans dem Hainsediment angefertigtes Deckglas­präparat wird mit Gentianaviolett gefärbt, mit Wasser abgespült und dann mit einem Tropfen Jodjodkaliiiinlösung (8 Jod, 4 Jod-kalium, 100 HjO) für einige Sekunden bedeckt. Das Präparat wird alsdann mit Spiritus ausgewaschen bis es vollständig entfärbt erscheint. Nur diejenigen Bakterien, die sich nach Gram färben, haben nun eine tief blaue Farbe angenommen, während alles Andere entfärbt ist. Her Bac. pyeloneph. zeigt sich als ganz gleichmässig dunkelblau gefärbtes, an den Enden abgerundetes Stäbchen von 2—3 lt;j- Länge und 0,7 n Breite; meist in Haufen zusammen.
III. Die Tlntersuchung der Harnorgane. Lage; Beim Pferd und Rind ist nur die linke Niere einer Palpation vom Eectum aus zugänglich: die rechte liegt zu weit nach vorn, so dass man sie mit der Hand nicht mehr erreichen kann. Die linke Niere ragt beim Pferd bis Handbreit hinter die letzte Rippe und ist ebensoweit von der Medianlinie entfernt; beim Rinde hängt sie sehr locker unter den Costalfortsätzen der ersten Lendenwirbel. Bisweilen hängt sie ganz auf der rechten Seite. Beim Hunde liegen die Nieren in der Lendengegend, die rechte weiter nach vorn; es ist deshalb die linki; einer Palpation von aussen zugänglicher als die rechte.
Die Palpation der Nieren wird nach den allgemeinen Regeln dieser Untersuchungsmethode vorgenommen (s. S. 12). Bei der Pyelonephritis des Kindes fühlt man die Nieren vergrössert und derb, den Harnleiter erweitert und mit derber, verdickter Wand.
Die Blase kann beim Pferd und Rind vom Mastdarm aus gut untersucht werden; beim Hund nur durch äussere Palpation. In erster Linie handelt es sich um den Füllungs­zustand; leer stellt sie bei Pferd und Rind einen biruförmigen, fast weichen Körper dar, welcher auf dem Beckenboden liegt. Bei starker Füllung fühlt man schon heiin Eingehen bis ans Handgelenk die oft kopfgrosse starkgespannte Blase, die nach vorn weit über den unteren Beckenrand hinaus reicht.
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Durch anhaltenden massigen Druck oder mittelst eines Katheters ist sie zu entleeren, um die Möglichkeit einer Entleerung festzustellen. Dauernd klein und welk ist die Blase, trotedem kein Harnabsatz erfolgt, nach Blasenzerreissung; am häufigsten bei Ochsen nach Einkeilung eines Harnsteins in der Harnröhre. Eine Untersuchung auf Blasensteine und Tumoren lässt sich nur an der leeren oder wenig Harn ent­haltenden Blase mit Sicherheit bewirken.
Eine Untersuchung der Harnröhre ist nur bei männ­lichen Thieren auf etwaige Gegenwart von Harnsteinen ge­richtet, die bei Ochsen in der Regel in der oberen oder unteren Biegung sitzen. Druck auf die Stelle ist schmerzhaft. So lange die Blase nicht zerrissen ist, kann Harn beständig abträufeln, auch die Harnröhre am Mittelfleisch prall gefüllt sein. Bedauerlicher Weise ist gerade beim Ochsen ein Kathete-rlsiren wegen der Enge und scharfen Biegungen der Harn­röhre nicht möglich; bei Pferd und Hund ist diese Unter­suchung leicht und sicher.
Krankheiten des Harnapparats.
Passive Nierenhyperaemie tritt als ISegleiterscheinung chroni­scher Herz- und Lungenleiden auf. Harnmenge verringert, hohes spec. Gewicht, Eiweiss im Harn. Nach Anstrengung Kennzeichen deutlicher.
Acute diffuse Nephritis. Selbständig nur hei Vergiftungen mit scharfen Stoffen, sonst ]!eg!eitersclieinung schwerer Infectionen. Dysurie, Strangurie, Schmerzen in der Nierenpartie, steifer Gang mit krummem Kücken. Erhebliche Verminderung der Harn­sekretion (Anuriei, dickschleimig, trübe, hohes spec. Gewicht, sauer, stark eiweisshaltig. Am wichtigsten mikroskopischer Befund: granulirte Harncylinder mit Nieren-Epithclien und Blutkörperchen. Betäubung, Athenmoth, ödematöse Anschwellungen.
Nephritis suppurativa. Sekundärleiden, tritt gegen das Haupt­leiden meist zurück. Intermittirendes Fieber, Mattigkeit, Ab­magerung, Harn eiweisshaltig enthält Eiterkörperchen und Mikro­organismen.
Chronische Nephritis. Ohne Fieber, entwickelt sich sehr langsam. Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Abmagerung. Puls kräftig, hart, Herzhypertrophie. Viel Harn, niedriges spec. Gewicht, wenig Eiweiss, sehr wenig Epithelien und Cylinder.
Cystitis, Blasenentzündung. Beständiger Drang zum Harn­lassen, deshalb immer nur kleine Mengen, bisweilen tropfenweise. Absatz schmerzhaft, Unruhe, Stöhnen, langes Verharren in der
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Stellung zum Uriniren. Harn trüb, alkalisch, mit schleimigem oder eitrigem Sediment, amraoniakalischein Geruch. Eiterkörperchen, rotho Blutkörperchen, zahlreiche Plattenepithelien, phosphorsaure Ammoniak-Magnesia.
Retentio urinae, Harnverhaltung. Vollständige (Ischurie) oder theihveise Unterdrückung des Haruabsatzes, dann nur tropfen­weise unter Scjimerziiusserung. Palpation der lilase unerlässlich: Füllung, Schmerz bei Druck. Thiere unlustig, träge, legen sich nicht, Appetit vermindert. Puls erhöht, Schweissausbruch. Nach eingetretener Zerroissung der Blase verschwinden zunächst die Schmerzen und Unruhe, Blase leer. Bald Schüttelfrost, hohes Fieber, urinöser Geruch der Transspirationsiul't.
Incontinentia urinae. Blasenlälnnung. Unwillkürlicher Abgang von Urin, namentlich bei der Bewegung.
Stallroth, Haematurie ist eine chronische, productive Cystitis bei Rindern, die zu lUutungen neigt. Blutkörperchen und Gerinnsel im Harn.
Weideroth, Haemoglobinurio des Kindes. Haemoglobinaemie. Fieber, Appetitverminderung, Durchfall. Harn hellroth bis dunkel-roth, schäumt stark, Absatz schmerzhaft, Reaktion anfangs sauer, später alkalisch, enthält Haemoglobin, gerinnt beim Kochen zu einer gelatinösen Masse.
Pyelonephritis bacteritica boum. Ist eine chronische, eitrige Entzündung der Harnleiter und des Nierenbeckens, welche sich auf die Nieren fortsetzt und durch einen specitischen Bacillus hervorgerufen wird. Allmähliche Abmagerung und Trübung des Allgemeinbefindens. Intermittiiendes Fieber. Urin dickschleimig, trüb, grau bis graubraun, weisse und rothe Blutkörperchen, Cylinder, zahlreiche Plattenepithelien, Trippelphosphat-Krystalle und die Bacillen, Bac. pyeloiiephritidis boum. Färben sich nach Gram, sind 2—3 M- lang, 0,6—0,7 [gt;#9632; dick, unbeweglich, gerade oder schwach gebogen und an den Enden abgerundet.
Krankheiten des Stoffwechsels. Diabetes insipidus, Lauterstall ist eine selbstständige Krankheit, bei der dauernd eine grosse Menge klaren, wässerigen Urins ab­gesetzt wird. Harninenge täglich bis 30 Liter. Harn wasserklar oder schwachgelb, sauer, spec Gew. .1001—1010, kein Eivveiss, wenig Indican. Verminderung des Appetits, Verlangen nach Al­kalien, Abmagerung.
Diabetes mellitus, Zuckerharnruhr bei Pferden äusserst selten, bei Hunden häufiger. Folyurie, riesigen Appetit und Durst, rapide Abmagerung. Urin hat hohes spec. Gew. 1024—1045 und enthält Zucker.
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10. Der Geschlechtsapparat.
Die einzelnen Organe des Geschlechtsapparates sind zum gi-össten Theile einer directen luspection und Palpation zugänglich; die Untersuchung ist einfach nach den allgemeinen Hegeln auszuführen, mau hat nur darauf zu achten, dass kein Theil übersehen wird. Die ErkrankuugdH., sind uatur-gemäss an den weiblichen Geschlechtsorganen ams häufigsten und gerade sie fallen zumeist in das Gebiet der Geburtshilfe.
I.nbsp; #9632;ungewöhnliche Steigerung des Geschlechtstriebes äussert sich aussei- durch geschleehtliche Aufregung auch noch durch Störungen in der Psyche und Sensibilität, welche Anlass zur Verwechslung mit Erkrankungen des Centralnervensystems geben können. Bei weiblichen Thieren nennt man den Zu­stand Nymphomanie, bei männlichen Satyriasis; anhaltende Erectiouen des Penis werden als Priapismus bezeichnet.
Stuten sind meist sehr kitzlich und leicht erregbar, bei Berührung durch die Hand oder das Geschirr quieken und schreien sie laut, peitschen mit dem Schweife, drängen mit dein llintertheil gegen Personen und die Wagendeichsel, schlagen, pressen Urin ans, und sind in den ihnen sonst gewohnten Dienstvorriclitungen nur mit der grössten Vorsicht zu gebrauchen. In seltenereu Fällen besteht eine dumnikollerähnliche Depres­sion des Sensoriums verbunden mit llyperaesthesie.
Kühe zeigen eine der Wildheit ähnliche Unruhe, Auf­regung und brüllen häufig; gegen fremde Personen sind sie bösartig. Die Milchquautität ist verringert: Milch schmeckt schlecht, gerinnt auch bisweilen beim Kochen.
Bei Hengsten und Bullen zeigt sich die Satyriasis durch unruhiges, heftiges, nicht selten auch bösartiges Benehmen.
In vielen Fällen lässt sich die Ursache des gesteigerten Geschlechtstriebes nicht erkonneu; bei Kühen handelt es sich nicht selten um tuberculöse Erkrankung der Eierstöcke; bei Hengsten um Cryptorchismus.
Weibliche Geschlechtsorgane.
II.nbsp; nbsp;Scham und Umgebung. Bei Hündinnen stellt sich zur Zeit der Brunst eine starke Schwellung der Scham und ein blutig-schleimiger Ausfluss ein. Bei Kühen findet vor der Geburt der Abgang eines zähen glasigen Schleimes statt, der das Collum uteri verschloss.
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Eine geringe Schwellung der Seham tritt bei Bläschen-ausschlag ein, bis-weilen auch auf der äusseren Haut der­selben l'eteehien und hirsekomgrosse Hliischen. Eine starke Schwellung erfolgt bei Septicaemia puerperalis.
Eingezogen und faHij/ erscheint die Vulva bei der Torsio uteri, ein Zustand der erst durch Exploration der Scheide mit Sicherheit constatirt werden kann.
AusHuss aus dem unteren Winkel der Scham-s palte und Beschmutzung der Umgebung besonders des Schwanzes tritt ein bei:
Katarrh der Vagina und des Uterus. Bei chro­nischem Katarrh (Fluor albus) ist der AusHuss dick-schleimig, glasig; bei acutem dünnflüssig und häufig missfarbig; Zurückbleiben der Nachgeburt; es entleert sicii eine stinkende, missfarbige Flüssigkeit untermischt mit Eihautfetzen; Bläschenansschlag; der Ausfiuss ist spärlich, schleimig
oder eitrig, bisweilen mit Blut vermischt. Tuberculose; spärlicher chronischer, eitrig-schleiiniger Ausfiuss, in dem Tuberkelbacillea nachweisbar. III. Scheidenschleimhant, Sobald Ausfiuss aus der Scheide vorhanden ist, hat auch eine Untersuchung der Scheiden-schleimbaut stattzufinden.
Methode. Man fasst den Schwanz kurz an und hebt ihn ganz gerade in die Höhe, legt ihn dann auf den Kücken einer Hand, um nun die Finger beider Hände zum Oeffnen der Sehamspalte frei zu haben. Um tiefer gelegene Theile zu unter-suclien, lässt man den Schwanz durch einen Gehilfen hochheben, gebt dann mit der ganzen, eingeölten Hand ein, betastet und er­weitert die Scheide, zieht dann den Arm soweit zurück, dass nur noch die Hand in der Scheide bleibt, schiebt dann auch die an­dere Hand ein und drängt die Scheidenwände auseinander, um nun bei guter, eventuell künstlicher Beleuchtung die Scheide übersehen zu können. Scheidenspanner und Scheidenspiegel sind für die Diagnostik entbehrlich.
Durch solche Untersuchung kann man die Erkrankungen der Scheide unmittelbar erkennen und ihren Charakter be­stimmen. Bei Bläschenaus schlag finden sich auf der meist nur geringgradig diffus gerötheten Schleimhaut hirse­komgrosse, gelbgraue Kniitchen, Bläschen oder Geschwüre mit dunkel geröthetem Rande. Nach der Abheilung sind die betr. Stellen noch einige Zeit an der hellen Farbe erkennbar.
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Bei der Torsio utcri ist die Scheide eng und die Schleimhaut in gewundene Falten gelegt. Die Untersuchung des Uterus und die Erläuterung der dortigen Befunde ist Aufgabe der Geburtshilfe.
IV. Das Euter darf bei der Untersuchung von Kühen niemals unberücksichtigt bleiben; zum minde­sten hat man sich nach Quantität und Qualität der Milch zu erkundigen. Die Inspection hat zunächst die Farbe der Haut und etwaige Veränderungen derselben zu ermitteln. Es finden sich namentlich au den Stricben Pocken bei Kühen und Schafen, Blasen bei der Maul- und Klauenseuche der Kühe; Milchiistcln; zu achten ist ferner auf die Grosse der einzelnen Euterviertel und ihre Oberfläche, auf Grosse, Stellung und liiehtung der Zitzen. Bei der Palp at ion betastet man Jedes einzelne Euterviertel gesondert, bestimmt die Grosse, Consistenz, achtet auf etwaige Knoten oder schmerzhafte Stellen. Die Striche sollen weich, der Strich­kanal nicht fühlbar sein; etwaige Verdickungen sind nach Lage, Ausdehnung, Grosse und Form zu bestimmen. Zuletzt ist jeder Strich zu melken und dabei zu ermitteln, ob es
leicht oder schwer zu bewerkstelligen ist, ob der Strahl dünn oder dick, und wie die Milch nach Aussehen beschaffen, insbesondere ob sie klüm-prige oder blutige Beimischungen ent­hält. Eine mikroskopische; Unter; suchung krankhaft veränderter Milch ist nicht nothwendig, oft aber zwecks
massig. Bei Entscheidung der Frage
Colostrdlmilch.
des Frischrailchendseins ist die Milch mikroskopisch auf Colostrumkörpcrchen zu untersuchen.
V. Männliche Geschlechtsorgane. Die Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane fallen fast sämmtlich der Chirurgie zu: beim Bläschen-
ausschlag
finden sich Bläschen, Pusteln und Geschwüre
oder Narben auf dem Penis; Hengste und Bullen führt man zur Vornahme einer Untersuchung an eine Stute bezw. Kuh, wo sie von selbst ausschachten; bei Bullen kann man auch durch Keiben und Drücken den Penis zum Vorschein bringen. Beim Kotz entwickeln sich zuweilen auch Knoten in den Hoden.
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Krankheiten der Geschlechtsorgane.
Torsio uteri, Wälzung des Fruchthälters. Kommt für die interne Mediein nur in Betracht, wenn an eine Geburt nicht gedacht wird. Die Tliiere sind unruhig, schlagen mit den Hinterfüssen gegen den Leib und drängen öfter. Die dann vorzunehmende Untersuchung der Scheide ergiebt leicht die Diagnose.
Vaginitis (Colpitis), Scheidenentziindung. Erscheinungen nach dem Grade und dem Charakter der Entzündung sehr verschieden. Allgemeinbetinden bei schwerer Entzündung gestört. Thiere stellen sieh öfter zum Uriniren an, entleeren nur kleine Mengen Harn und verharren längere Zeit in der Stellung. Die Unter­suchung der Scheide lässt die Erkrankung direkt erkennen.
Endometritis.Gebärimitterentzündung. Entsteht nur im Anschluss an eine Geburt; Intensität sehr verschieden. Allgemeinbefinden m. o. w. gestört, Fieber, Ausfiuss aus der Scheide je nach dem Charakter der Entzündung namentlich beim Niederlegen, Besudelung des Schwanzes, Untersuchung der Gebärmutter nach den Kegeln der Geburtshilfe dann stets angezeigt.
Mastitis, Eutereutziindung. 1) Mastitis interstitialis. Fieberersebeinungen, schmerzhafte, heisse, ziemlich derbe An­schwellung des Euters; Milchquantum verringert, Qualität nicht verändert. 2) Mastitis catarrhalis. Euter massig geschwollen, elastisch weich, heiss. Strich geschwollen, heiss bisweilen auch geröthet. Milch molkenähnlich. Fieber, Verminderung des Appetits. Der gelbe Galt ist eine besondere Form von catarrhalischer Mastitis, infectiös und die Milch etwas gelb. Meist das ganze Euter erkrankt. 3) Mast, parenehymatosa. Meist nur ein Viertel betroffen. Fieber, Appetitvermmderung, Darniederliegen der Rumination, Verstopfung. Eine Euterpartie stark geschwollen, derb, heiss und schmerzhaft, aus dem meist nicht nuterkrankten Strich kommt beim Melken wenig, etwas gelb gefärbte, trübe mit dicken, schleimig-eitrigen Flocken versehene Flüssigkeit, in der meist zahlreiche Streptococcen nachweisbar sind. 4) Mastitis tuber culosa. Einzelne knotige Verdickungen in dem sonst schlaffen und derben Driisengcwebe. Mitaffection der supramam-mären Lymphdrüsen. Tuberkelbacillcn in der Milch.
Bläsohenausschlag ist ein aciites, infectiöses Wäschenexanthem an der Schleimhaut der Vagina und am Penis. Incubationszeit 3—0 Tage. Aus dem Bläschen entstehen kleine Geschwüre.
Beschälseuche. Kommt in Deutschland nicht vor. Incubations­zeit 8 Tage bis 2 Monate. Schwellung der Scham und des Penis, Bläschen- und Gesclnviirsbildung. Häufiger Drang zum Uriniren, gesteigerter Geschlechtstrieb, Quaddeln in der Haut, Lähmung des Hintertheils.
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11. Das Nervensystem.
Erkrankungen im Ceutralnervensystem lassen sich nur ans der gestörten Funktion seiner Theile erkennen; eine physikalische Untersuchung der erkrankten Stelle selbst ist nicht möglich. Man hat deshalb die einzelnen Funktionen einer besonderen Prüfung zu unterziehen und aus gewissen Störungen der physiologischen Vorgänge und Zustände lassen sich dann Schlüsse auf die Erkrankung bestimmter Theile des Kerveusysteins ziehen. Es setzt hiernach die Diagnostik der Krankheiten des Centralnervensystems die Kenntniss der Localisation der wichtigsten Funktionen voraus.
Aaatomisch-physiologische Vorbemerkungen. Von der Binde des Grosshirns gehen alle von der Psyche (Willen und Bewusstsein) erregbaren motorischen Fasern aus, und zu ihr hin treten alle von den sensoriellen und sensiblen Organen herkommenden Fasern, welche die psychische Wahrnehmung UussererEin-drücke vermitteln. Die Fasern der willkürlichen Uewegungen, (psyohomotorische oder corticomusculäre Leitungen) oder kurzweg Pyramidenbahnen genannt, verlaufen von der Kinde durch die gleicbseitige Brücke bis in die Pyramide des verlängerten Markes. Hier treten die meisten Fasern durch die Pyramiden kr cuzung auf die andere Seite über und gehen durch die Seiteustränge des Rückenmarks nach den motorischen Nerven der Extremitäten. Die wenigen an der Kreuzung nicht betheiligten Fasern laufen in den Vordersträngen, treten aber später durch die vordere weisse Commissur doch noch auf die andere Seite. Destructive Processe in einer Hemisphäre haben dem­nach eine Lähmung und auch Aufhebung der Empiindung der entgegengesetzten Körperseite zu Folge.
Die Hemisphären des Grrosshirns sind ferner der Sitz aller psychischen Thätigkeiten: in ihnen erfolgt das Denken, Fühlen und Wollen. Zahlreiche motorische Centra befinden sich auch in der Hirnrinde, so dass bei entzündlicher Heizung auch convulsivische Zuckungen auftreten können.
Das Mittelhirn (Grosshirnschenkel, Vierhügel, Sehhiigcl) ist der Sitz für die gesammte Mechanik, die Harmonie und das Gleichgewicht der Bewegungen. Thiere vermögen nach vollständiger Entfernung der Hemisphären bei Erhaltung des Mittelhirns ihre Gleichgewichtslage unter den verschiedensten Verhältnissen zu bewahren. Entzündliche Reizung des Mittcl-hirns ruft Zwangsbewegungen hervor.
Das Kleinhirn sorgt für die Harmonie der Körper­bewegungen, indem es die feinere Abstufung und das normale Ineinandergreifen der Bewegungen, namentlich die continuirliehen und tonischen Muskelcontractionen regulirt.
Das Rückenmark besitzt aussei- den Leitungsbahnen auch noch Reflexcentra, die auf Erregung eines centripetalleitenden Nerven geordnete und zweekmässige Bewegung auslösen (Abwehr-
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und Fluchtbewegungen); eiue Mitwirkung des Gehirns ist dabei nicht nothwendig, denn auch bei enthaupteten Thieren, oder, wenn an lebenden das Rückenmark durchschnitten wird, löst das isolirte Rückenmark noch prompt die Rettexe aus. Das Lenden-mark ist ausserdera speciell Sitz für Koth- und Harnentlee­rung, die ebenfalls rettectorisch erfolgen.
Für die Feststelluug normaler Thiitigkeit und Ermittlung von Störungen im Ccntralnervensystem sowie zu deren Loca-lisirung im Centralorgan ist bei unsern Hausthieren besonders auf folgende Punkte zu achten:
I. Psychische Funktionen. II. Sensibilität. III. Motilität.
I. Psychische Funktionen. L)a das Grosshirn und speciell die Grosshirnriudc Sitz aller psychischen Thätigkeiten ist, wird bei Erkrankungen desselben auch das Denken, Fühlen und Wollen nicht ordnungsmässig vor sich gehen. Be­wegungen, Empfindungen und Wahrnehmungen seiner pheri-pheren Theile kommen nicht zum IJewusstsein. Die gesammte Mechanik, die Harmonie und das Gleichgewicht der Bewegungen kann dabei vollständig erhalten sein. Störungen des Be-wusstseins treten bei einer grossen Zahl acuter Infektions­krankheiten, bei fieberhaften Krankheiten überh.uipt, bei Intoxikationen verschiedenster Art und endlich bei lokalen Erkrankungon des Gehirns selbst ein.
Be wusstseiii-Störungeu können also nur dann auf eine selbständige Erkrankung des Grosshirns bezogen werden, wenn die übrigen vorgenannten Einflüsse ausgeschlossen sind. Die hier fraglichen Störungen äussern sich entweder in Erregungs- oder De-pressions-Zuständen.
Die Erregungszustände sind Folgen einer Gehirn-reizung, wie sie namentlich bei acuter Gehirnentzündung eintritt. Die Pferde werden unruhig, wiehern, folgen nicht dem Führer, suchen sich im Stalle loszureissen, trippeln hin und her, scharreu mit den Füssen, steigen mit den Vorder­beinen in die Krippe und Raufe, sind ängstlich und schreckhaft. Rinder brüllen, schnauben, schütteln mit dem Kopfe, springen hin und her, auch in die Krippe. Hunde bekunden die Un­ruhe durch planloses Hin- und Herlaufen, sie bellen, heulen und beisseu auch. Schweine schreien, wühlen sich unter die Streu, rennen hin und her, klettern über Hindernisse und
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springen gegen die Wände. Aehnliche Erscheinungen treten auch auf hei der Tollwuth, Meningitis tuberculosa acuta, Meningitis cerebrospinalis, bösartigem Katarrhaltieber und Milzbrand.
Die Depressionserscheinungen gehen häutig aus dem Erreguugsstadium hervor. Die Thiere lassen den Kopf hängen, stützen ihn auf die Krippe oder den Barren, halten die Augen halb geschlossen, nehmen keinen Antheil an den Vorgängen in ihrer Umgebung, erkennen die ihnen bekannten Personen nicht und rennen gegen Hindernisse. Bei der Futteraufnalmie ergreifen sie das Futter mit deu Schneide­zähnen, kauen träge und langsam, hören unmotivirt auf, trotzdem sie noch Futter im Maule und zwischen den Lippen halien. Beim Trinken stecken sie das Maul tief in das Wasser und machen oft kauende Bewegungen. Sie lassen sich nur schwer in Bewegung bringen, treten schwer vor und zurück, folgen nicht der Aufforderung zum Seitwärtstreten; bei der Bewegung sind sie schwer lenkbar, drängen oft nach einer Seite, bei schwerer Depression ist ein ordnungsmässiger Dienstgebrauch überhaupt nicht möglich, weil sie kein Ver-ständniss für die Anforderungen haben. Nach dem Grade der Depression des ßewusstseins unterscheidet mau Benommenheit; Somnolem, Schläfritjkeit, aus welcher der Patient leicht
zu erwecken ist; Sopor, Schlafsucht, aus welcher der Kranke schwer
und nur vorübergehend zu erwecken ist; Coma, völlige Bewusstlosigkeit. Eine Abstumpfung der psychischen Funktionen tritt ein bei:
allen acutenInfektionskrankheiten: Brustseuche, Pferde­staupe, Kiuderpest, Milzbrand, Druse, Hundestaupe, Septicaemie, Rothlauf etc.; bei allen schweren iieberhafteu Krankheiten; chronischen Gehirnerkrankungen: Dniumkoller, Dreh­krankheit und im zweiten Stadium der acuten Gehirnentzündung und Gehirnhyperaemie; Vergiftungen mit narkotischen Giften; Ikterus, Uraemie;
chronischen Magen- und Darmerkrankungeu des Pferdes. Schwindel (Vertigo) und Ohnmacht sind rasch ein­tretende und bald wieder vorübergehende Bewusstseinstörungen,
Jlalkmus, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 11
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verbunden mit Verlust des Gleichgewichts. Die Thiere werden plötzlich unsiclier im Stehen oder Gehen, schwanken, taumeln und lallen bisweilen auch nieder. Die Krankheits-zustäude worden hervorgerufen durch Parasiten im Gehirn, Blutungen, Tumoren, Abscesse, passive Gehirnhyperaemie (Compression der lugularen durch das Geschirr), Insufticienz und Stenose der Aortenklappen, ferner auch bei grellen Lichtreizen (Auyenschwhidel), Heizung des äusseren Gehör-ganges und der Nasenschleimhaut durch Parasiten, endlich noch durch Vergiftung mit gewissen Giftpflanzen.
II,nbsp; Sensibilität. Die Prüfung der Sensibilität geschieht durch künstliche Reize: Einführung eines Fingers in das Ohr, Schnellen gegen die Nase, Treten auf die Huf krone, Nadel­stiche. Bei Ermittelung der allgemeinen Sensibilität muss man darauf achten, ob die insultirte Stelle nicht schon ent­zündlich gereizt ist. Auf äussere Reizung kann auch reflec-torisch vom Eückemnark aus eine Reaktion erfolgen, z. B. Aufheben des Hufes, ohne dass das Gehirn dabei einwirkt und das Thier den Reiz empfindet. Auch das G es am mt­verhalten des Thieres ist deshalb bei der Prüfung der Sensibilität zu beachten; schreien z. B. Hunde bei der Sensibilitätsprüfung, so ist bewusste Empfindung vorhanden.
Eine Verminderung der Empfindlichkeit nennt man Hypaedhesle, eine Unempfindlichkeit heisst Anaesthesie, un­gewöhnlich starke Empfindlichkeit Hyperaesthesie. Eine verlangsamte Einpfindungsleitung {verspätete Empfindung) keunzeiclmet sich dadurch, dass die Reaktion erst längere Zeit nach Einwirkung des Reizes eintritt. Hyperaesthesie wird am häufigsten bei alten kitzlichen Stuten beobachtet, ferner bei der Traberkrankheit und im ersten Stadium der Gehirnentzündung.
Verminderung der Sensibilität bei chronischen Gehirnerkrankungen, Dummkoller, Tumoren, im zweiten Stadium der acuten Gehirnentzündung, Kalbefieber, Meningitis cere-brospinalis im zweiten Stadium und endlich bei narkotischen Vergiftungen.
III,nbsp; nbsp;Motilität. Bei ausschliesslicher Erkrankung der Grosshirnhemisphären sind die Störungen in der Mechanik der Bewegungen nicht bedeutend, weil Mittel- und Kleinhirn Sitz der coordinirten Hewegungen ist.
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Krämpfe sind unwillkürliche Muskelcontractionen. Kurz dauernde, mit Erschlaffung der betr. Muskeln abwechselnde Contractionen {Zuckungen) sind clonische Krämpfe; sind sie nur sehwach und unergiebig, spricht man von Zittern, er­strecken sie sich über grössere Körpertheile oder den ganzen Körper, Convulsionen. Clonische Krämpfe werden bei Epilepsie (partieller und allgemeiner) sowie bei entzündlicher Heizung des Gehirns und Kückenmarkes beobachtet namentlich als Ueberreste der nervösen Staupe, Tonische oder tetanische Krämpfe sind einige Zeit andauernde Muskelcontractionen ohne sichtbare Erschlaffung. Sie sind charakteristisch für Tetanus (Starrkrampf) und Strychninvergiftung und bewirken eine steife, gerade Haltung des ganzen Körpers, besonders von Kopf, Hals, Ohren, Rücken und Schweif. Maulspalte infolge Contraction der Kaumuskeln geschlossen, Nüstern trompeten­artig erweitert. Steife Haltung des Rückens (Orthofonus), Einbiegung der Wirbelsäule und Streckung des Kopfes bis gegen den Widerrist (Genickstarre, Opisthotonus), Masseter-krämpfe (Trismus), Streckkrämpfe in den Beinen (Säyebock-stellung), den Augenmuskeln (Vorfall der Nickhaut), Starre des Gesichts (Jiisus sardonicus). Tonische Krämpfe in Ver­bindung mit clonischen werden auch bei Geuickstarre (Menin­gitis cerebrospinalis) beobachtet.
Alle Krämpfe werden von der Grosshirurinde, den Py-ramidenbahneu oder den Vorderhörnern des Rückenmarkes ausgelöst. Vom Gehirn ausgehende Krämpfe (Gehirnkrämpfe) sind mit Bewusstsein-Störungen verbunden (Epilepsie), die bei Riickenmarkskrümpfen fehlen,
Reflexkrämpfe sind die durch Reizung peripherer sensibler Nerven retlectorisch vom Rückenmark aus veranlassten Krämpfe; bei Gegenwart thierischer Parasiten im Darmkanal, Zahn-wechsel und schmerzhaften Magen- und Darraleiden.
Zwangsbewegnngen können sowohl durch Reizung einer Hemisphäre als auch theilweiser Lähmung der andern und bei Erkrankung des Mittel- oder Kleinhirns bedingt werden. Iinmerhin gehen sie aus circumscripten Erkrankungen hervor und heissen deshalb auch Herdsymptome. Unwillkürlich, gleichsam zwangsmässig treten cigenthümliche Bewegungen der Rumpf- und Extremitätenmuskeln ein, oder die allgemeinen willkürlichen Bewegungen nehmen diese eigenthümlichen Formen an. Die Thiere drängen nach vorn, gehen oder
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traben mit hochgehohenem oder gesenktem Kopf, rennen yegen Hindernisse; gerathen sie iu eine Ecke, so vermögen sie nicht herauszukommen, häufig stürzen sie danieder. Seltener machen die Thiere Bückicäiisbeweyunyen. Liegt die Er­krankung mehr auf einer Seite des Gehirns, so treten ein­seitige Störungen auf. Die Thiere laufen im Kreise nach rechts oder links herum: Reitbahn- oder Kreisbeweyung; sie wälzen sich fortwährend um ihre Längsachse: Bollbewegung, oder sie drehen das Vordertheil um das lliutertheil: Zeifjer-bewegung. Zwangsbeweguugeu werden am häutigsten beob­achtet bei acutem und chronischem Uydrocephalus, Abscessen, Blutungen, Tumoren und Parasiten im Gehirn. Namentlich die Drehkrankheit der Schafe ist durch sie charakterisirt.
Bei Reitbahn- und Zeigerbewegung liegt der Coenurus gewöhnlich oberflächlich auf der dem Centrum des Kreises zu­gekehrten Seite; bisweilen aber auch auf dem Sebhiigel der nach aussen gerichteten Seite.
Laufen die Schafe mit gesenktem Kopfe mit excessiver Be­wegung der Vorderbeine geradeaus nach vorwärts (Traber), so ist der Sitz des Parasiten am vorderen Ende der Hemisphäre oder auf einem gestreiften Hügel;
Unsicherheit im Gange, Taumeln, Schwindelanfälle (Taum-ler, Schwindler) weisen auf das Kleinhirn als Sitz des Parasiten;
Bei Rollbewegung sitzt der Parasit an der Basis des Kleingebirns;
Gehen die Schafe mit hochgehobenem oder nach hinten ge­bogenem Kopfe rasch vorwärts, stürzen nieder (Segler), so tragen sie den Coenurus im hintersten Abschnitt des Grosshirns.
StiJrung des Muskelsiimes. Der Muskelsinn bringt die Lage der Glieder und den Umfang activer und passiver Be­wegungen zum Bewusstscin. Solange das Gleichgewicht nicht gestört wird, können bei Erkrankungen des Grosshirns den Patienten unphysiologische Stellungen beigebracht werden, ohne dass die Thiere es merken; auch nehmen sie selbst solche an, unterbrechen begonnene Bewegungen und machen mangelhafte oder übermässige Bewegungen. Bei acuter Ge­hirnentzündung und Duramkollcr stellen die Pferde die Beine bisweilen kreuzweise neben- oder voreinander, ungebührlich weit nach vorn oder nach hinten, lassen sich dera tige Stel­lungen beibringen und verharren darin. (Siehe Unters, auf Duminkoller.) Bei der Bewegung heben sie die Beine un-nüthig hoch (tappender, watender Gang) oder nicht ge­nügend hoch, wenn sie über kleine Hindernisse gehen (stolpern).
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Lähmungen beruhen in der gänzlichen oder theihveisen Unmöglichkeit einen Muskel zur Contraction zu bringen; nicht zu verwechseln mit Lahmheit, unter der man eine durch schmerzhafte Zustände veranlasste Bewegungsstörung zu verstehen hat. Eine gänzliche Bewegungsunfähigkeit wird als vollständige Lähmung, Paralyse, eine Verringerung der Bewegungsfähigkeit als unvollständige Lülmtuny, Parese be­zeichnet. Nach dem Ursprung der Lähmung unterscheidet man cerebrate, spinale und periphere Lähmungen. Lähmung einer Körperhälfte heisst Hemiplegie, eine beiderseitige (beide Hinterbeine) Paraplegie, Lähmung eines einzelnen Körper-theils Monoplegie. Hemiplegieu haben ihren Ursprung im Gehirn, Paraplegieu im Kückenmark, Monoplegien in den motorischen Ceutren des Gehirns, meistens aber in den peripheren Nerven.
Bei cerebralcn Lähmungen sind häutig auch Kopf-uerven mit betroffen und psychische Störungen vorhanden; sie werden beobachtet bei
Gebirnkrankheiten: acute Gehirnentzündung, Menin­gitis cerebrospinalis, Abscesse, Blutungen (Apo­plexien), Tumoren, Parasiten; Infectionskrankheiten: Wuth, Beschälseuche regel-mässig,ausnahmsweise bei Pterdestaupe, Brustseuche; Intoxicationen: Kalbefieber, Pilz- und Lakevergiftung. Spinale Lähmungen sind meist Paraplegieu, die säinratliche hinter der erkrankten Stelle liegenden Nerven betreffen und stets mit Empfindungslosigkeit verbunden sind, psychische Störungen fehlen. Entstehen durch: Wirbelbruch; Krankheiten des Rückenmarks: Entzündung, Blutung,
Tumoren, Parasiten; Infectionskrankheiten: Hundestaupe, Tolhvuth, selten
Brustseuche; Spinale Lähmungen ziehen auch das vege­tative System in Mitleidenschaft, da das Lendenmark unter Anderem die Centra für Koth- und ürinabsatz enthält. Es tritt eine Lähmung des Mastdarms und der Blase ein, infolgedessen sich Koth bezw. Urin in demselben in tlber-mässiger Menge ansammeln. Näheres s. S. 125 u. 136.
Die peripheren Lähmungen gehören zum grössten Theil in das Gebiet der Chirurgie; der internen Medicin
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fallt um- die Lähmung des Nervus facialis wegen Behin­derung der Futteraufnahme und die Lähmung des Nervus recurrens wegen Behinderung der Athmung zu; die heiden Krankheitszustände haben bei den genannten Funktions­apparaten nähere Berücksichtigung gefunden.
Reflexerregbarkeit. Reflex ist eine durch Erregung eines centripetalloitcuden (sensiblen) Nerven hervorgerufene vorübergehende Bewegung. Zum Zustandekommen der Re­flexe gehört die Intaktheit der sensiblen Faser, des Retlex-eentnuns und des motorischen Nerven. Die Reflexbewegung erstreckt sich auf nur einen Muskel bezw. eine Muskelgruppe (einfacher Reflex) oder über den ganzen Körper und ist im letzteren Falle eine nngcordiiete (Reflexkrampf) oder geordnete (Abwehr- und Fluchtheweyung). Klinisch hat man auf folgende physiologische Reflexe Rücksicht zu nehmen:
a. Reflexe des Gehirns.
1)nbsp; nbsp;Lid seh 1 uss. Die sensiblen Fasern (Trigeminus) der Cornea, der Conjunctiva und der Haut in der nächsten Umgebung des Auges leiten Reize nach der Medulla oblongata, von wo aus durch den Nerv, facialis eine Contraction des Orbicularis palpebrarum (Lidschluss) veranlasst wird.
2)nbsp; nbsp;Empfindlichkeit der Pupille gegen Lieht. Eine Erhöhung der Reflexerregbarkeit tritt ein
bei Starrkrampf und Strychninvergiftuug; Pupillenenge beobachtet man besonders bei Vergütung mit Morphium, Eserin und l'ilocarpin.
Verminderung der Reflexerregbarkeit bei schwerer Bewusstseinstöruug, grossen Schmerzen und hoch­gradiger Dyspuoe.
Pupillenweite ('ü/i/fZn'a.s/s) beobachtet man ausser bei Lähmung des Nerv, opticus (schwarzem Staar) und des occulo-motorius noch bei Atropinvergiftung.
b. Reflexe des Rückenmarks.
3)nbsp; nbsp;Haut- und Sehnenreflexe sind kurze Zuckungen (Auf lieben des Beines) auf Klopfen gegen Haut, Sehnen oder Knochen: Schienbein, Beuger der Vorderfusswurzel, untere Bänder der Kniescheibe, Achillessehne.
4)nbsp; nbsp;Reflexcentra für Harn- und Kothentleerung s. S. 160 und 1CG. Störungen dieser Centren zeigen sich bei Erkrankungen des Rückenmarks.
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Krankheiten des Nervensystems.
Gehirncongestion. Bald vorübergehende, vollständig heilbare, fluetionäre Gehirnhyperaemie. Beginnt mit einem Stadium der Er­regung: Thlere sind unruhig, drängen vorwärts gegen Krippe oder Wand, steigen, schlagen, schütteln den Kopf, gehen rückwärts und reissen sich los. Nach wenigen Stunden Eintritt des De­pressionsstadiums: Benommenheit, trüber Blick, gesenkte Kopf­haltung, gegenüber dienstlichen Anforderungen mangelhaftes Verständniss.
Acute Gehirnentzündung, Hydrocephalus acutus. Unterscheidet sich von der Gehirncongestion nur durch Hochgradigkeit der Er­scheinungen und längere Dauer. Im zweiten (Depressions-) Stadium abnorme Stellungen und Bewegungen, Taumeln, bisweilen Nieder­stürzen und Unvermögen autzustehen, dann wieder Tobsuchtanfälle. Sensibilität erheblich vermindert. Temperatur häufig erhöht, Krankheit kann aber auch fiebcrlos verlaufen. Futtcraufuahme stets mangelhaft, besonders auch in Bezug auf Art und Weise der Aufnahme.
Dummkoller. Morosis equorum. Hydrocephalus chronious. Ist eine chronische, fieberlose, unheilbare Krankheit des Grosshirns, welche sich kennzeichnet durch Störungen des Bewusstseins, der Bewegung und Empfindung. Puls kräftig und voll, Zahl nie vermehrt, häufig etwas verringert; diese Beschaffenheit sehr constant. Futtcraufnahme meist gut aber langsam. In beschränktem Maasse arbeitsfähig. Unters, auf Dummkoller S. 109.
Epilepsie, Fallsucht, ist eine chronische Grehirnkrankhelt, die sich charakterisirt durch anfallsweise unter Krämpfen eintretende Störung des Bewusstseins und der Empfindung.
Schwindel ist eine selbständige, anfallsweise auftretende Störung des Gleichgewichts, welche auf einer Circulationsstömng im Gehirn beruht.
Gehirnblutung'. Apoplexie. Plötzliches Eintreten von Schwindel, Zwangsbewegungen, Bewusstlosigkeit, Niederstürzen, Lähmung (Hemiplegie, Monoplegie).
Eklampsie ist eine acute Epilepsie, die entweder in Heilung übergeht oder mit dem Tode endet.
Drehkrankheit ist eine durch die Gegenwart der Finne der Taenia Coenurus im Gehirn hervorgerufene Krankheit der Schafe. 1. Stad. der Gehirnreizung, 2. Stad. d. Latenz, 3. Stad.: Eigentliche Drehkrankheit gekennzeichnet durch Herdsymptome.
Lähmung des Nervus facialis. Bei einer peripheren Lähmung sind Backen, Lippen und Nase gelähmt, meist einseitig; bei beider­seitiger Lähmung Athemnoth, erschwerte Futteraufnahnie. Bei centraler Lähmung hängt das obere Augenlid herab, Lidschluss unmöglich, Lähmung des Ohres.
Traberkrankheit ist ein chronisches, erbliches Kückenmarks­leiden, das sich in gesteigerter Empfänglichkeit, sowie in Schwäche-und Lähmungserscheinungen der Nachhand äussert und unter Abmagerung regelmässig zum Tode führt.
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Infec tionskr ankheiten mit Lokalisation im Centralnervensystem.
Starrkrampf, Tetanus ist eine durch Uebertritt der Stoffwechsel­produkte der Tetanusbacillen in die Blutbahn hervorgerufene schwere Intoxication. Krampfzustaud in der gesammten Skelett-rauskulatur: steife Haltung sämmtlicher Theile, Augapfel zurück­gezogen, Nickhaut vorgefallen, starke Aufrichtung des Kopfes und Halses, Rücken eingesenkt. Schweif hoch getragen. Sägebock-ähnliche Stellung der Beine, Sprungbein nach aussen gekehrt, sodass fassbeinige Stellung zu Stande kommt. Krampf der Kau-und Schlundkopftnuskeln erschwert das Kauen und Abschlucken, Krampf der Kespirationsmuskeln das Athmen. Hochgradige Erreg­barkeit, wobei der Krampf der Muskulatur gesteigert wird. Anfangs kein Fieber, später hochgradiges. Puls kräftig, voll. Thiere legen sich nicht bczw. können nicht aufstehen. Sensorium un­getrübt.
Tollwuth ist eine rein contagiöse Krankheit, die sich als eine Störung des Centralnervensystems kennzeichnet. 1. Stadium ini­tiale. Hunde sind unruhig, launisch, schreckhaft. Drang nach aussen, Appetit auf uDgeniessbare Sachen. 2. Wiithcndes Stadium. Planloses Umherschweifen, Beisslust, beissen sich bisweilen Zähne aus, Veränderung der Stimme zu einem Bellgeheul. 3. Lähmungs­stadium. Abmagerung, Hinterkiefer gelähmt, Zunge hängt aus dem Maule, Hintertheil gelähmt. Pferde zeigen kolikartige Unruhe, wiehern mit eigenthünilich gellenden Tönen, suchen die Bissstelle zu benagen, beissen und zerbrechen sich nicht selten den Unter­kiefer an der Krippe. Lähmung und Tod erfolgen schon in 3 Tagen. Kinder brüllen und stossen gegen beliebige Gegenstände so stark, daslaquo; Hornbrüche erfolgen. Auch tollwuthkranke Schafe und Schweine zeigen sich bissig.
Borna'sche Krankheit, seuchenartige Cerebrospinalmeningitis. Krankheit setzt häufig mit Schiitteilrost ein. Geringgradiges Fieber. Sensibilität herabgesetzt, schlafsiichtiger Zustand, stolpern und fallen leicht. Verdrehen der Augen, Zuckungen der Kopf-muskeln, später Lähmungen. Störungen beim Ergreifen, Kauen und Abschlucken der Nahrung. Tonisoher Krampf der Halsmuskeln; Kopf nach der Seite verzogen.
Intoxicationsk rankheiten. Kalbefieber, Milchfieber ist eine im Anschluss an den Ge­burtsakt eintretende acute Autointoxication, eharakterisirt durch Gehirnlähmung. Beginnt mit leichten, rasch vorübergehenden Gehirnreiz-Erscheinnngen; schon nach einer bis wenigen Stunden treten Depressions- und Lähmungserscheinungen ein. Die Thiere liegen lest, in charakteristischer Haltung; s. S. 25. Augen ge­schlossen, Lähmung der Muskulatur des Kopfes, Heraushängen der Zunge, röchelnde Athemgeräusche, Auftreibung des Hinter­leibes, Verstopfung, Pansenparese. Sinken der äusseren und inneren Körpertemperatur.
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C. Specifisehe Untersuchungen.
Die spedfischen rntersuclmugen werden uur vorge­nommen, wenn die bisherige Untersuchung über das vor­liegende Leiden noch nicht ausreichenden Aufschluss gegeben hat, insbesondere auch um zwischen ähnlichen Krankheiten differential - diagnostisch entscheiden zu können. In allen Fällen sind die speeifischen Untersuchungen auf bestimmte Krankheiten gerichtet und nehmen auf ihre Eigenarten besondere Rücksicht.
12. Die körperliche Bewegung.
Eine lleihe von Krankheitszuständen äussert sich erst bei der Dienstleistung der Thiere im Geschirr bezw. unter dem Heiter oder tritt doch hierbei deutlicher zum Vorschein. Regel ist, die Thiere in der ihnen gewohnten Thätigkeit zu untersuchen (Dummkoller und Stätigkeit), also Wagenpferde im (Jeschirr vor einem quot;Wagen, Reitpferde unter dem Reiter. Ungewohnte Dienstleistung regt die Thiere auf, strengt sie auch mehr an. in denjenigen Fällen, wo diese Momente das Ergebniss der Untersuchung nicht nachtheilig, vielleicht gar günstig beeinflussen (Kehlkopfpfeifen), kann von gewohnten Dienstleistungen abgesehen werden. In allen Fällen hat man darauf zu achten, dass dem Thiere ordnungsmässiges und gut passendes Geschirr aufgelegt wird.
I. Untersuchung auf Dnmmkoller.
Der Dummkoller der Pferde zeigt zwar auch im Stande der Ruhe bestimmte Erscheinungen, erfahrungsgemäss aber steigern sich dieselben durch Bewegung der Patienten. Leichte
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Grade von Dummkoller sind nur nach Anstrengung der Pferde zu erkennen. Ditterentialdiagnostisch ist aber auch wichtig, dass dummkollerkranke Pferde noch dienstfähig sind, wenn auch in beschränktem Maasse, dagegen verweigern aeut gehirnkranke Pferde die Dienstleistung oder zeigen doch nachher Gehirureizungserscheinungen. Ferner sei für die Differential-Diagnose erwähnt, dass dumm­kollerkranke Pferde eine constante, niedrige Pulszahl haben und ihr Futter wohl langsam aber doch vollständig verzehren; acut gehirnkranke Pferde dagegen schlechten Appetit und abnorm hohe oder wechselnde Pulszahl zeigen.
Zur Untersuchung auf Dummkoller sind die Pferde in der gewohnten Dienstleistung zu prüfen und dabei ruhig zu behandeln; jedenfalls dürfen ungewohnte Dienstleistungeu nicht gefordert werden. Es ist zweckmJissig, die Bewegung selbst zu übernehmen; man achtet dabei auf Lenkbarkeit, Empfindlichkeit gegen Peitsche oder Sporen, Drängen nach einer bestimmten Richtung, leichtes oder schweres Vorwärts­gehen, Anhalten und llückwärtsgehcn. Sobald der Schweiss-ausbruch beginnt, wird die Bewegung abgebrochen, das 1,'ferd an einen möglichst ruhigen Ort gebracht und dort seine Grosshirnfunktionen nochmals speciell geprüft in Bezug auf Psyche; Ausdruck der Augen, Aufmerksamkeit auf die Umgebung, gesammte Haltung des Körpers, Bewegung des Kopfes, Gebrauch der Augen und Ohren. Die Ermittelung des Sensibilitätsgrades geschieht durch gewaltsame Beize: Loses Einführen eines Fingers in das Ohr, Schnellen gegen die Nase, Treten auf die llufkrone, Stossen gegen das .Schienbein. Endlich wird die Motilität geprüft und ermittelt, ob das Pferd abnorme Stellungen von selbst an­nimmt, einen Schenkel abnorm weit nach vorn oder seitwärts stellt, ob es leicht vor und zurück geht, leicht folgt und ohne besondere Aufforderung Halt macht, sobald der Führer stehen bleibt. Wichtig ist zu versuchen, die Vorderfüsse zu kreuzen; dummkollerkranke Pferde nehmen meist derartig abnorme Stellungen an und belasten auch die gekreuzten Füsse. Zur Vornahme dieser Unter­suchung stellt man sich mit gespreizten Beinen derart auf eine Seite des Pferdes, dass man dessen Vorderbein zwischen den seinigen hat, umfasst den Fuss der anderen Seite am Schienbein von hinten, macht durch geringes Rückwärts-
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schieben des Pferdes den Fuss frei und stellt ihn gekreuzt über den andern auf den Boden.
Sehr ruhige gutmüthige Thiere nehmen bisweilen auch solche perverse Stellungen an, gestatten auch Insulte; aus ihrem Gesamratverhalten aber erkeimt man, class nicht mangel­haftes Yerstäadniss, sondern Ubergrosse Gutmiitliigkeit Ursache
Untersuchung des Pferdes auf Dummkoller.
hiervon ist. Auch hochgradig ermattete Pferde zeigen eine Beeinträchtigung des Sensoriums, die aber vorübergehend ist. Ein einzelnes Symptom kann niemals entscheidend für die Diagnose sein, sondern nur das gesammte Verhalten des Thieres.
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II. quot;Untersuchimg auf Stätigkeit.
Stätigkeit ist eine Widersetzlichkeit in den gewöhnlichen und gewohnten Dienstleistungen. Man hat also das Pferd in dem betr. Dienste zu prüfen und dabei mit der grössten Ruhe und Vorsicht zu verfahren, insbesondere alles zu ver­meiden, was eiue Aufregung des Pferdes bewirken könnte. Der untersuchende Thierarzt hat bei allen Manipula­tionen zugegen zu sein und dafür zu sorgen, dass das Pferd nicht ungebührlich oder hart behandelt werde.
Zunächst untersucht man die Geschiniage, ob keine krankhafte oder schmerzhafte Zustande vorhanden sind und lässt dann dem Thiere ein passendes Geschirr auflegen; ergiebt sich, dass das Geschirr nicht passt, so muss, wenn der Mangel durch Verstellen und Schrauben nicht zu beseitigen ist, ein anderes Geschirr besorgt werden. Alsdann wird das Pferd in der Dienstleistung geprüft, für die es bestimmt ist, ein- oder zweispännig, im Kutsch- oder Lastwagen, oder unter dem Kelter. Aktive oder passive Widersetzlichkeit bei ge­bührlichen Anforderungen ist als Stätigkeit zu bezeichnen.
Jugendliche Thiere, welche noch nicht hinreichend zur Arbeit geübt sind, zeigen auch eine gewisse Widersetzlichkeit, es ist aber Regel, dass sie bei fortgesetzter sachgemässer und ruhiger Behandlung allmählich willig Folge leisten, be­sonders wenn sie neben älteren ruhigen Pferden gehen.
III. Untersuchung auf Dämpfigkeit.
Dämpfigkeit ist eine chronische, fieberlose, in der Regel unheilbare Athembeschwerde. Der Begrift ist ein juristischer und umfasst ?ine Reihe ganz verschiedener Krankheitszuständo im Respirationsapparat und im Herzen; wenn es auch in den meisten Fällen gelingt die specielle Er­krankung, die anatomische Grundlage der Dämpfigkeit durch eine sorgfältige Untersuchung zu ermitteln, so hat man doch für gerichtliche Streitigkeiten stets die Bezeichnung .,Däinptigkeit': zu gebrauchen, weil die verschiedenen hierher gehörenden Krankheitszustäude unter diesem Namen als Gewährsfehler in den verschiedenen Gesetzen aufgeführt sind. Bei der Untersuchung auf Dämpfigkeit hat man zwischen zwei scharf differencirten Krankheitsgruppen zu unterscheiden:
1.nbsp; nbsp;Stenose der oberen Luftwege;
2.nbsp; nbsp;Erkrankungen der Lunge und des Herzens.
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1. Die Stenosen in den oberen Luftwegen aussein sich in der Regel erst bei forcirter Athmung, also bei der Arbeit, und sind dureb das Auftreten eines Athemgeräusches oder Tones charakterisirt. Die Unter­suchung bat zunächst zu ermitteln, ob nicht acute Krankheits-zustände in den oberen Luftwegen bestehen, auch der Gesammt-zustaud fieberfrei ist.
Hat die Stenose in der Nase ihren Sitz, so ist sie hiiulig einseitig. Bei der Bewegung des Thieres hört man während der Inspiration, weniger bei der Exspiration ein sebniebendes Athemgeräusch, das bei einseitiger Ursache auch nur einseitig entstellt, also beim Zuhalten der betreff. Nasen-öffuung verschwindet, dagegen stärker wird bei Verschluss der gesunden Seite.
Weit häufiger kommt eine Stenose im Kehlkopf vor; sie wird in der Hegel bedingt durch eine Lähmung des linksseitigen Nervus recurrens und die hieraus resultirende Unthätigkeit und Degene­ration der von ihm versorgten Muskeln (Keldkopf-pfeifen); in seiteneu Fällen liegt eine rechtsseitige oder auch beiderseitige Lähmung des Kehlkopfs vor, oder auch eine Yerdickung der Schleimhaut, Tumoren. Eine specielle Dia­gnose der Ursache der Stenose lässt sich mit Sicherheit mir durch eine laryngoskopische Uutersuchung erreichen; in 09^ der Fälle aber handelt es sich um eine linksseitige Lähmung.
Das Kehlkopfpfeifen macht sich — abgesehen von Ausnahmefällen — erst bei erhöhter Inanspruchnahme der Atbraung bemerkbar und kennzeichnet sich durch das Auftreten eines harten, scharfen Geräusches oder Tones bei der Inspiration (Pfeifen, Giemen, Schnieben, Blasen, Brummen, Bohren, Brüllen). Das Athmungs-Geräusch entsteht dadurch, dass bei tiefer und rascher Athmung der Luftstrom den gelähmten Giesskannenknorpel und das Stimm-baud in das Lumen des Kehlkopfs drückt und sicli selbst den Eintritt ventilartig erschwert. Eine Verringerung des eindringenden Luftstroms durch theilweisen Verschluss der Nasenöffnungen lässt das Geräusch verschwinden. Druck auf den gelähmten Giesskannenknorpel verstärkt das Geräusch, Druck auf den rechten, nicht gelähmten Knorpel steigert die Athemnoth derart, dass die Inspiration kaum ausführbar ist, sie sistirt oder erfolgt unter scharfem Geräusch; das Lumen
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des Kehlkopfs ist dann nicht nur durch den gelähmten, sondern auch noch durch den gesunden, aber eingedrückten Giess-kannenknorpel verengert.
Bei der Prüfung auf Kehlkopfpfeifen hat man das betr. Pferd unter Verhältnisse zu bringen, die es zwingt rasche und energische Inspirationen auszuführen, das Pferd muss also stark angestrengt werden: schwere Lasten auf #9632;weichem Boden ziehen, oder galoppiren. Bewegung an der Longe und Reiten sind besonders geeignet, weil man durch die Kopfstellung die Athinung beeinflussen kann. Ob das Pferd an derartige Be­wegungen gewöhnt ist oder nicht, kann die Zuverlässigkeit des Ergebnisses nicht beeinträchtigen.
Wird Hals und Kopf des Pferdes hochgestellt und heran­genommen, so werden die Insertiouspunkte der Rückenmuskel einander genähert und die Muskeln selbst in ihrer Einwirkung auf die Wirbelsäule beeinträchtigt. Zur Festigung der Wirbel­säule müssen dann der Longissimus dorsi, die Inspirations- und Bauchmuskel in verstärktem Maasse eintreten; das können sie aber nur im Momente der Inspiration. ISfur für einen Augenblick kann die Inspirationsstellung für eine Expiration aufgegeben werden, rasch und energisch wie nur möglich wird sie wiedereingenommen und mit grosser Kraft und Schnelligkeit wird die Luft eingeathmet. Kann nun ein Giesskannenknorpel durch seine Muskeln nicht nach aussen gestellt werden, so reisst ihn der Luftstrom in den Kehlkopf hinein und bewirkt die Stenose und das Athemgeräusch. Durch Stellung des Kopfes nach rechts wird der eindringende Luftstrom mehr auf den linken Giesskannenknorpel gerichtet, ist die Lähmung dann auch nur eine unvollständige, so wird doch das charakteristische Athemgeräusch auftreten.
Bei einem gesunden Pferde kann durch die heftige Anstrengung, durch die Art der Bewegung oder die Kopfstellung niemals Kehlkopfpfeifen hervorgerufen werden.
Hindern Lahmheit, acute Krankheitszustände im Respira­tions- oder anderen Apparaten des betreffenden Pferdes eine orduungsmässige Untersuchung vorzunehmen und die Diagnose zu lixiren, so bietet das Laryngoskop ein wcrthvolles Aus­hilfsmittel. Siehe S. 90.
2. Chronische Erkrankungen der Lunge und des Herzens
bedingen meist schon im Stande dei Ruhe eine mehr oder weniger erhebliche Athemnoth. Am häufigsten liegen dieser Form der Dämpfigkeit chronische Bronchitis, alveoläres Lungenemphysem, chron. Pneunomie oder organische Herzfehler zu Grunde, Krankheitszustände, die sich zumeist auch als solche nachweisen lassen. Um
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bei der Diagnose Dämpfigkeit acute Kraukheitszustände, die doeli sammt und sonders eine Beschleunigung der Athmuug bedingen, auszuschliessen, ist eine genaue Untersuchung aller Funktionsapparate vorzunehmen; auch äussere schmerz­hafte Leiden, Lahmheiten lassen die Diagnose Dämpfigkeit nicht gesichert erscheinen.
Die Ermit te lung der Athcmbeschwerde geschieht, indem man die Thiere in der ihnen gewohnten Thätigkeit in massigem Grade anstrengt und dabei Art und Frequenz der Athunuig feststellt. Die Thiere sind in ruhigem Trabtempo zu reiten oder zu fahren, Arbeitspferde auch vor einem massig schweren Wagen im Schritt. Man zählt von 5 zu 5 Minuten die Athemziige und lässt die Thiere bis zum Sclnveissausbnich, aber nicht länger als 15 Minuten arbeiten. Demnächst bringt man die Pferde in den Stall und stellt nun fest, wie die Athmung in Zwischenzeiten von 5 zu 5 Minuten sich beruhigt und wann die vor der Bewegung beobachtete Zahl der Athemziige wieder erreicht ist.
Bei gesunden Pferden steigt die Athemfrequenz bei solcher Arbeit auf 50—70, bisweilen auch noch hoher. Die Athmung geschieht ohne Anstrengung, die Thiere prusten bisweilen kräftig und machen willkürlich einzelne tiefe In­spirationen. Nach spätestens 15—18 Minuten Ruhe hat die Athmung wieder den Umfang wie im Stande vollständiger Buhe.
Dämpfige Pferde dagegen zeigen eine beschleunigte oder erschwerte Athmung, Dyspnoe, (s. 8. 73). In- und Ex-spiration können so erschwert sein, daas die Zahl der Athem­ziige nicht vermehrt ist, doch erkennt man an der Art der Athembewegungen die Athemnoth. Meist aber steigt die Zahl der Athemziige bei der vorgeschriebenen Bewegung auf 80—120, und nur allmählich tritt wieder Beruhigung ein; nicht selten vergehen bis dahin 30—GO und mehr Minuten. Bei chronischer Bronchitis stellt sich während der Bewegung häutig ein feinblasiger und deshalb weisser Nasenausfluss ein.
IV, Untersuchung auf Epilepsie und Schwindel,
Epilepsie ist eine cln-onische Gehirnkrankheit, charak-terisirt durch aufallsweise auftretende Krämpfe, verbunden mit Störung des Bewusstseins und der Empfindung. Der Schwindel, Vertigo, ist eine ähnliche Krankheit; es ist eine selbständige, periodisch in Anfällen auftretende Störung
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des Gleichgewichts, die gleichfalls mit Störung des Bewusst-seins verbunden ist. Der Schwindel unterscheidet sich von der Epilepsie durch das Fehlen der Krämpfe.
Die Diagnose der beiden Krankheiten ist leicht, wenn man Gelegenheit hat einen Anfall zu beobachten; in den Zwischenzeiten verhalten sich die Pferde voll­kommen wie gesunde. Die Anfälle treten bisweilen bei bestimmten Gelegenheiten ein, bei der Untersuchung lässt man deshalb die betr. Momente von Neuem einwirken: die Pferde werden besehirrt, angespannt und gefahren wie bei den früher beobachteten Fällen. Die Lage des Geschirrs ist sorgfältig zu prüfen. Man lässt die Thiere auch erschrecken, aufregen, gegen die tief am Horizont stehende Sonne auf einer mit Bäumen bepflanzten Chaussee fahren etc. Kann man einen Anfall selbst nicht beobachten, so ist die Diag­nose auf eiuwandsfreie Zeugenaussagen zu basiren.
Epilepsie. Die charakteristischen epileptischen Krämpfe treten entweder nur am Kopf und Hals auf (partielle Epilepsie), oder über den ganzen Körper (allgemeine Epilepsie). Die Thiere bleiben plötzlich stehen, verdrehen die Augen, blinzeln mit den Augenlidern, zucken mit den Lippen- und andern Gesichtsmuskeln, heben den Kopf hoch und bewegen ihn zuckend zur Seite, treten bisweilen auch einige Schritte seit- oder rückwärts. Bei der all­gemeinen Epilepsie verbreiten sich die Krämpfe rasch über den ganzen Körper; die Kaubewegungen sind krampfhaft, der Speichel wird zu Schaum geschlagen, die Thiere knirschen mit den Zähnen, verbiegen den Hals krampfhaft nach einer Seite, bekommen Zuckungen über den ganzen Körper, taumeln und fallen zu Boden, wo die Krämpfe noch einige Minuten dauern können. Die Thiere sind während des Anfalls empiindungslos und schwitzen oft über den ganzen Körper. Hie einzelnen Anfälle dauern 1/4 — 15 Mi­nuten, dann erheben sich die Pferde rasch wieder und stehen auf. Hie Wiederkehr der Anfälle erfolgt in ganz unregelmässigen Zwischenzeiten.
Von dieser selbständigen Epilepsie sind zu scheiden die durch acute Gehirnleiden oder durch periphere Reize (Keflex-epilepsie) hervorgerufenen epileptiformen Krämpfe.
Schwindel. Hie Anfälle treten meist bei der Arbeit ein; die Thiere gehen plötzlich langsamer, nicken und schütteln mit dem Kopf, prusten, heben den Kopf hoch und zur Seite, taumeln, spreizen die Beine und fallen nicht selten nieder. Hier liegen sie ruhig, strampeln dann mit den Beinen und stehen wieder am. Während des Anfalls Bewusst- und Empfindungslosigkeit, bis­weilen Athemfrequenz und Schweissausbruch.
Hie durch Stauung des Blutes im Gehirn (Compression der Tugulareu durch das Geschirr) und Gehirnanämie bei Stenose der Aortenklappen auftretende Schwindelanfälle gehören nicht zu der selbständigen Krankheit Schwindel.
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13. Die diagnostische Impfung.
Unter diagnostischer Impfung versteht man die Einver­leibung bestimmter Stoffe bei Thieren, um aus den daraus entstehenden Folgen den pathogenen Charakter des ver­wendeten Materials bezw. den Gesundheitszustand des ge­impften Thieres zu ermitteln. Die diagnostischen Impfungen dienen dem Kliniker nur zur Erkennung einiger Infections-krankheiten; gewisse derartige Krankheiten verlaufen oft so rasch, dass aus dem klinischen Bilde weder die Art noch auch der Charakter derselben mit Sicherheit erkannt werden kann. Andere langsam verlaufende Infectionskrankheiten bieten zu wenig deutliche Merkmale, um eine sichere Diagnose stellen zu können. In den genannten Fällen vermag oft nur eine richtig angelegte Impfung die Diagnose der Krankheit zu sichern und zu beschleunigen.
Die diagnostischen Impfungen werden stets in Hinsicht auf bestimmte und wohlbekannte Infectionskrankheiten vor­genommen, auf welche der vorliegende Befund hindeutet. Bei der'Impfung nimmt man deshalb auf die Eigenarten dieser Krankheiten specielle Kücksicht; man wählt bestimmte Substrate als Impfmaterial, wendet eine bestimmte Impf­methode an und gebraucht bestimmte Impfthiere.
Zur Impfung verwendet man
1.nbsp; bekanntes Material (Tuberkulin, Mallein) bei den zu untersuchenden Thieren, um aus den darauf eintretenden Reaktionen den Zustand der­selben zu erkennen.
2.nbsp; Substrate von kranken Thieren bei Ver­such st liieren, um den pathogenen Charakter des Impfmaterials zu ermitteln.
Diagnostische Impfungen kommen namentlich bei den nachstehenden Infectionskrankheiten in Anwendung.
1. Tuberkulose.
Die Diagnose der Tuberkulose lässt sich durch die gewöhnliche klinische Untersuchung an lebenden Thieren nur in einer geringen An­zahl von Fällen sicher fixiren. Es können einer­seits nur einige Merkmale ermittelt werden und anderer­seits sind diese nicht einmal charakteristisch, indem sie
Malkmus, Klinische Diagnostik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;12
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auch bei anderen Krankheiten auftreten können. Die Ent­deckung des Tuberkelbacillus als Erreger der Tuber­kulose ist für die klinische Diagnose der Krankheit bei unsern ilausthieren kaum von Bedeutung. Kraukheitsprodukte aus dem am häufigsten erkrankten Organ, der Lunge des Rindes, zur mikroskopischen Untersuchung zu erhalten, gelingt nur ausnahmsweise, weil einerseits die Menge des dort vorhan­denen Exsudats eine sehr geringe ist, und ausserdem die geringe Menge beim Aushusten sofort abgeschluckt wird. Hat man aber Gelegenheit trüben Nasenschleim, Auswurf, Scheidenaustiuss oder krankhaft veränderte Milch von einem verdächtigen Thiere zu untersuchen, so wird man dies niemals unterlassen (S. 81).
Unter diesen Umständen hat der experime ntell e Na ch-weis der Krankheit eine grosse Bedeutung; es wird zu diesem Zwecke vorgenommen die T uberkulin-Imp fung und die Impfung von kleinen Versuchstliieren.
Die Tuberkulln-Impi'ung. Tuberkulin ist das Toxin der Tuberkelbacillen, das aus künstlichen Kulturen derselben gewonnen wird. In Rinderbouillon, der 50(0 Glycerin zu­gesetzt ist, werden sie 6 Wochen lang bei 38deg; C. eultivirt, dann wird die Cultur durch eine Temperatur von 110deg; C. sterilisirt und endlich durch Thoncylinder filtrirt. Das Filtrat wird auf 1/|q des Volumens eingedampft und stellt dann das reine Tuberkulin dar. Hiernach ist das Tuberkulin absolut keimfrei und insbesondere vermag es niemals Tuberkulose zu erzeugen. Es übt auch weder auf gesunde noch kranke Thiere einen dauernden schädlichen Eintluss aus, die Qualität der Milch erfährt während der Tuberkulinprobe keinerlei Beeinträchtigung, nur die Quantität erleidet für wenige Tage eine Verminderung bis um 10 0;'0. Bei hochgradig tuberkulösen und heruntergekominenen Thieren will man einige Male nach der Tuberkulin-Impfung eine Verschlimmerung des Leidens beobachtet haben.
Dosis. Das Tuberkulin verdünnt man mit der neun­fachen Menge '/^ 0/q Carbolwassers und giebt von dieser Lösung erwachsenen Pferden und Rindern 5 (gleich 0,5 Tuberkulin), für Jungvieh 2,5 und Kälber 1 cem und für Hunde 0,5—1 cem. Die Lösungen bezieht man zweckmässig kurz vor der Impfung aus der Apotheke einer thierärztlichen 1 loehschule.
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Technik. Das Tubcrkulin wird subcutan am besten am Halse applicirt. Die Injcctionsspritze ist vor und nach jedesmaligem Gebrauch mit 2 0,'0 Carbolwasser zu desinficiren. An der Injectionsstelle wischt man zunächst die Haare glatt, eine Desinfection der Haut ist nicht nöthig. Am besten erfolgt die Impfung Abends zwischen 9—10 Uhr, nachdem man bereits Mittags einmal und kurz vor der Impfung zum zweiten Male die Eigenwärme des Thieves ermittelt hatte. Acht bis neun Stunden nach der Impfung (also Morgens um 6 Uhr) beginnend ist dann die Temperatur alle zwei, spätestens drei Stunden aufzunehmen und dies bis zur 18. Stunde uach der Impfung fortzusetzen.
Wirkung. Das Tuberkulin bewirkt bei tuberkulösen Thieren Fieber (Beaction), bei gesunden dagegen ist es wirkungslos. Steigt die Temperatur um 1,5deg; C. über die vor der Impfung constatirte höchste Tempe­ratur, so liegt eine zweifellose Reaction vor und das Thier ist als tuberkulös zu betrachten; beträgt die Steigerung 1,0—1,40C., so ist das Er-gebniss zweifelhaft, dagegen sind Temperaturerhöhungen unter einem Grad Celsius als physiologische Schwankung zu betrachten und belanglos.
Nach A. Eber ist für alle Kinder, welche vor der Injection keine 39,5deg; C. überschreitende Höchsttemperatur aufweisen, eine Erhöhung nach der Injection auf 100 C und darüber als Reaction aufzufassen; ferner sind als solche alle zwischen 39,5 und 400C. liegenden Temperaturerhöhungen zu betrachten, bei denen die Gesammterhebung gegenüber der höchsten Temperatur vor der Injection mindestens 10 C. beträgt.
Als zweifelhafte Reaction sind alle diejenigen zwischen 39,5 und 40,0 liegenden Erhöhungen der Körpertemperatur aufzufassen, bei welchen der Abstand von der höchsten Tagestemperatur vor der Impfung zwischen 0,5 und 1*0. beträgt.
Erhöhungen der Körpertemperatur, welche unter 39,5deg; 0 bleiben oder falls sie 39,50C. überschreiten, sich um weniger als 0,50C. gegen die Anfangstemperatur erheben, gelten als un­verdächtig.
Zuverlässigkeit. Als absolut sicher für die Diagnose der Tuberkulose kann die Tuberkulin-Impfung nicht bezeichnet werden; etwa 900/0 der tuberkulösen Thiere zeigen eine positive Reaction. Hochgradig-tuberkulöse Thiere reagiren häufig nicht, die physikalische Untersuchung ergiebt bei diesen aber in der Regel diagnostische Anhaltepunkte, die für sich
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allein schon mindestens den Verdacht begründen. Von den nicht reagireuden Thieren sind etwa noch 100,'0 auch mit Tuberkulose behaftet. Immerhin ist das Tuberkulin bis jetzt das beste diagnostische Mittel.
Impfung von Versuchsthieren, Die Milch tuberkulöser Thiere enthält Tuberkelbacillen sobald das Euter von tuber­kulösen Processen befallen ist; auch sehr häufig, ohne dass solche nachweisbar sind. Die mikroskopische Untersuchung der Milch auf Tuberkelbacillen ist sehr mühsam und unsicher, deshalb spritzt man die frischgcwonuene Milch der zu unter­suchenden Kuh einem Meerschweinchen in die Bauchhöhle. Bei Gegenwart von Tuberkelbacillen entwickeln sich in l-t Tagen tuberkulöse Knötcheu im Bauchfell (Netz), Milz und Leber. Falls die Impfthierc nicht vorher sterben, tödtet man sie nach 0 Wochen und untersucht sie genau auf Impf-Tuberkulose.
2. Rotz.
Bei dem hohen Grad von lufectiosität und der Unheil-barkeit der Kotzkrankheit geht das Bestreben der Thier-ärzte naturgemäss dahin, die Krankheit möglichst frühzeitig zu ermitteln. Nun treten aber im Anfangsstadium der Kotzkrankheit keine oder wenigstens keine prägnanten Symptome auf, deshalb nimmt man bei Pferden, die nachweislich einer Infection durch Kotz aus­gesetzt waren, eine Malle in-Impfung vor, in der Absicht die etwa vorhandene Erkrankung dadurch zu erkennen. BeiThieren, welche bereits Erscheinungen zeigen, die einen Verdacht auf Rotz zu erregen vermögen, strebt man danach Krankheitsproducte zu gewinnen und sie auf solche Impfthierc zu übertragen, bei denen sich erfahmngs-gemäss die Krankheit rasch und in typischer Weise entwickelt.
Mallein-Impfung. Mallein ist das Toxin der Rotzbacillen und wird aus dessen Culturen in analoger Weise wie das Tuberkulin gewonnen. Das Präparat ist roh als flüssiges Mallein zu erhalten, dessen 1 )osis vom Fabrikanten angegeben wird, oder als trockenes Mallein, das in der Dosis von 0,02 — 0,1 gr Verwendung findet. Die Gcsammtdosis für die zu impfenden Pferde lässt man sich zweckmässig gleich in Lösung senden. Die Technik der Impfung ist die gleiche
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wie bei der Tuberkuliu-Impfung; vorher mehrmalige Temperatur-messung. Impfung Abends zwischen 10—12 Uhr, Beginn der Temperaturmessungen früh 5 Uhr und Wiederholung alle 2 Stunden, bis Abends 6 Uhr.
Als Reaction soll eine Temperatursteigeruug von 1,5 0 C. und darüber angesehen werden; als typisch gilt die Reaction, wenn die Fiebercurve ziemlich rasch ansteigt, nach einem geringen Abfall sich nochmal erhebt und dann langsam und gleichmiissig zur Nontmltemperatar zurückkehrt. Die Er­gebnisse der Malleinimpfungen können denen der Tuberkulin-lmpfung nicht an die Seite gestellt werden, sie sind weit unzuverlässiger.
Impfung von Versuchsthieren. Nasenausfluss, Eiter u. dergl. vom verdächtigen Pferde wird einem männlichen Meer­schweinchen am Bauche subeutan eingeimpft. Enthält das Impfmaterial Kotzbacillen, so bildet sicli an der Impfstelle ein Geschwür, nach dem Schenkel hin eine derbe, heisse Anschwellung, Knoten. Nach 14 Tagen bis 4 Wochen tödtet man das Thier durch Chlorofonniruug und bei der Section linden sich Rotzherde an den vorbezeichneten Stellen und insbesondere auch in den Hoden. Auch Katzen sind geeignete Impfthiere; Impfung subeutan im Genick.
3, Milzbrand, Eauschbrand, Malignes Oedem und Wild- und Rinderseuche.
Die klinische Diagnose der vorgenannten Krankheiten ist bei der kurzen Daner ihres Verlaufs oft nicht mög­lich; dazu kommt noch, class ihre Erscheinungen in vielen Beziehungen übereinstimmen und eine Ditiercnzirung nicht immer gestatten. Obwohl nun die mikroskopische Unter­suchung des Blutes todter Thiere, bezw. des Exsudats durch Nachweis der charakteristischen Mikroorganismen die Differen­tialdiagnose zu sichern vermag, kommen doch Fälle vor, in denen nur eine Impfung entscheiden kann. Man nimmt hierzu ein Kaninchen und impft es cutan(!) durch Kitzen des Ohres und Einstreichen von Blut bezw. Exsudat. Stirbt das Impf thier, so kann es sich nur um Milzbrand oder Wild­seuche handeln, denn Rausch brand und Malignes Oedem sind durch cutane Impfung nicht übertragbar. Die Unter­scheidung zwischen Milzbrand und Wildseuche ist an dem
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mm
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todten Kaninchen durch bakterioskopische Untersuchung leicht zu treffen; bemerkeaswerth ist auch die Thatsacho, dass bei Wildseuclie stets eine heftige Entzündung der Luftröhren-schleimhaut vorliegt.
Stirbt aber das Kaninchen nicht, so impft mau es nunmehr subeutan; stirbt es darnach, so liegt malignes Oedein vor, denn gegen Rauschbrand sind Kaninchen immun. Die Gegenwart von Kauschbrand kann man durch sub cut a ne Impfung eines Meerschweinchens nachweisen, das innerhalb weniger Tage daran stirbt.
Den Versuch kann man abkürzen, indem gleichzeitig ein Kaninchen cutau und ein Kaninchen sowie auch ein Meerschweinchen subeutan geimpft wird. .Sterben alle drei Thiore, so liegt Milzbrand (bezw. Wildseuclie) vor, sterben nur die beiden subeutan geimpften Thiere malignes Oedem, und erliegt nur das Meerschweine!icn, so handelt es sieh um Rauschbrand.
AVill mau eine Nachprüfung des Blutes von einem milz-brandverdäehtigen Thiere von anderer Seite vornehmen lassen, so streicht man am zweckmässigsten etwas auf eine gekochte, erkaltete und frisch angeschnittene Kartoffel und versendet diese. Flüssiges, in einem Gläschen verpacktes Blut ist meist zur Untersuchung unbrauchbar.
4. Tollwuth.
Tollwiithverdiichtige Hunde werden in der Regel ge-todtet, ehe eine Untersuchung durch einen Sachverständigen stattfinden konnte. Die Sektion ist alsdann aber nicht im Stande mit Sicherheit zu entscheiden, ob Tollwuth wirklich vor­gelegen hat oder nicht; eine solche kann nur durch eine Impfung erbracht werden. Die diagnostische Impfung von Kaninchen mit Gchirnsubstanz der für wuthver-dächtig geltenden Hunde ist das einzig absolut sichere Hilfsmittel zur zweifellosen sicheren Fest­stellung der Tollwuth.
Methode nach Johne. Das Gehirn und Halsmark des zu untersuchenden Thicres wird sauber exenterirt, das verlängerte Mark mit einem ausgeglühten Messer an dem Pons vom Grosshirn getrennt und dann mitten aus der Medulla oblougata ein erbsen-grosses Stück mit einer stcrilisirten Scheere herausgeschnitten
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und in einer sterilisirten Porcellanschale unter Zusatz einiger Gramm sterilisirten Wassers verrieben. Von dieser Impf­flüssigkeit werden nun bei zwei Kaninchen einige Tropfen mit einer ausgekochten Pravaz'schen Spritze in die vordere Augenkammer injicirt. Wird das Auge vorher desiulicirt und auästhesirt, so gelingt die Operation leicht, wenn nur die Impfnadel fein scharf und recht spitz ist; mau sticht am Rande der Hornhaut schräg von aussen nach innen. Bei sauberer Operation tritt nur eine leichte Trübung der Horn­haut ein, die bald wieder verschwindet.
Liegt Tollwuth vor, dann treten nach 14 — 23 Tagen die ersten Tollwutherseheinungen auf; die Thiere sind scheu, verkriechen sich, zeigen keinen Appetit. Nach 12 .Stunden treten Liihmuug und Sehluckheschwerden auf, die Thiere magern stark ab, knirschen mit den Zähnen und schreien laut bei Berührung des Kopfes. Die Impf - Krankheit führt innerhalb 48 Stunden zum Tode.
14. Die Lymphdrüsen.
Beim Pferde werden die Kehlgangslymphdriiscn gelegent­lich der Untersuchung des Respirationsapparates regelmässig mit berücksichtigt (S. 84). Im Uebrigen findet eine spe-cielle Untersuchung der Körperlymphdrüsen nur bei Verdacht auf die Infectionskrankheiten Rotz und Tuberkulose, auf constitutionelle Blutkrankheiten (Leu-kaemie) und bösartige Geschwulstbildung (Carcinom, Sarcom) statt; sie besteht in einer Palpation nach den allgemeinen Regeln dieser Methode (S. 12). Die Deutung der Veränderungen ist wie bei den Kehlgangslymphdrüsen angegeben.
Folgende Lymphdrüsen sind bei einer nothwendig werden­den Untersuchung zu berücksichtigen:
1)nbsp; Kehlgangslymphdrüse, Lymphogland. submaxil-laris. Ist beim Kinde halbwallnussgross und liegt auf der me­dialen Seite des Hinterkiefers nahe seinem Rande im Niveau der Insertion des Muse, ftcrno-maxillaris.
2)nbsp; nbsp;Lymphdrüsen der Ohrdrüsengegend, Lympho­gland. parotideae. Sind zwischen und unter den Läppchen der Parotis gelagert; beim Kinde hat sie Form einer platten Zunge und eine Länge bis 6 cm; unterhalb des Kiefergelenks tritt sie unter dem vorderen Kand der Parotis hervor.
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3)nbsp; Die oberelaquo; Halsclriisen Lymphogland. eervicales superio'i-es und retropharyngeales liegen wie der Xame sagt an der hinteren Wand des Pharynx. Beim Kinde stellen sie ein dicht zusaunnenhängendes, plattes, etwa 5cm langes Packet dar, das unter den Flügeln des Atlas fühlbar ist. Man legt zu dem Zwecke beiderseits die Daumen auf die Flügel des Atlas und drückt die Fingerspitzen zuerst tief hinter den Schlundkopf und dann ebenfalls gegen die Flügel des Atlas.
4)nbsp; Beim Kinde einzelne grössere Lymphfollikel in der Rinne vor der Schulter (praescapulares) und am Brustkorbe vor dem Ellenbogengelenk.
6) Die Bugdrüsen liegen bedeckt vom Arm-Wirbel-Warzen-nuiskel vor dem Buggelenk.
6)nbsp; Die Kniefaltendrüsen liegen am vorderen Rande des Tensor fasciae latae in der Kniefalte des Bauchhautmuskels; beim Rinde sehr deutlich sichtbar.
7)nbsp; In der oberen Flanke sind beim Rinde häufig bis vier linsengrosse einzelne Lymphfollikel unter der Haut zu fühlen.
8)nbsp; Die Leistendrüsen Lymphogland. inguinales liegen im Schenkelkanal auf den Scbenkelgefässen.
9)nbsp; DieEut erlymphdriiscn (retromammäre) sind bei der Kuh besonders stark entwickelt und liegen unter dem hintersten Zipfel des Euters.
10) Die mesenterialen, Leu den-und Kreuzbein-Lymph­drüsen sind einer Untersuchung vom Mastdarm aus zugSngiich beim Pferd und Rind. Bei Ersterem ist eine vorherige Ent­leerung des Darmes durch ein Abführmittel nothwendig, beim Rinde empfehlenswcrth.
Deutlich fühlbar sind im gesunden Zustande nur beim Pferde die Kehlgangslyniplulrüsen und beim Kinde die Knie-faltendriisen; bei den übrigen ist schon eine Vergrösserung anzunelimen, wenn sie sehr deutlieh fühlbar sind.
Eine Exstirpation der Kehlgangslymphdrüsen wird bisweilen beim Pferde vorgenommen, um die in denselben vorhandenen Krankheitsherde einer genauen makroskopischen, mikroskopischen und bakteriologischen Untersuchung zu unterziehen. Die Operation zu diagnostischen Zwecken kommt nur bei Kotzverdacht in Frage und ist am stehenden Thiere unter Schleich'sclier Anästhesie vorzunehmen.
15. Das Blut.
Die Untersuchung des Blutes hat nur in einzelnen, seltenen Fällen eine diagnostische Bedeutung. Zur Feststellung von Infectionskrankheiten kann eine mikroskopische Untersuchung auf die speeifischen Erreger nur bezüglich des Milzbrandes
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und des Kothlaufs der Schweine in Frage kommen, indessen sind auch hierbei im kreisenden Blute meist nur wenig Bak­terien zu finden. Dagegen ist eine solche bei der Diagnose des Texasfiebers, das bei uns jetzt auch eine grosse Be­deutung hat, ausschlaggebend. Ebenso unersetzlich ist eine specielle Untersuchung des Blutes bei den eigentlichen Blut­krankheiten.
Das nöthige Blut entnimmt man am zweckmässigsten durch einen feinen Einstich mit einer Messerspitze in die Lippe, ohne dabei die Haut zu spannen, oder falls eine grössere
Fig. 41.
Leuhaemisches Blut.
Menge gebraucht wird, mit einer Hohlnadel aus der lugularis. Für die Praxis kann man sich auf eine mikroskopische Unter­suchung beschränken, und hierzu genügt zumeist ein Tropfen Blut, den man direkt mit dem Objectträger oder dem Deckglase aufnimmt. Man fertigt sich entweder ein Aus­strichpräparat wie für bakteriologische Untersuchungen an, das man getrocknet mit nach Hause nehmen, auch färben kann, oder setzt dem Blute eine 0,3 0/0 Kochsalzlösung zu und untersucht das flüssige Blut. Genaue Blutuntersuchungen sind so schwierig und umständlich, dass der Praktiker sich bei der geringen Bedeutung derselben für die praktische
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Thierheilkundc auf die einfachste Untersucliung beschränken kann. Wer sich eingeheud mit Blutuntersuchungen be­fassen will, dem sei von Jacksch, klinische Diagnostik, empfohlen.
Zahl der Blutkörperchen. Im gesunden Blute kommt auf 300—400 rothe Blutkörperchen durchschnittlich ein weisses Blutkörperchen. Bei der zu verwendenden Ycrgriisserung Ocular 7 sieht man dann in einem Gesichtsfeld 3—5 weisse Blutkörperchen. Finden sich mehr weisse Blutkörperchen, so ist ihre Zahl vermehrt {Leuhocytose). Die absolute Zahl der in einer gewissen Blutmenge vorhandenen rothen
Blutkörperchen lässt sich nur Fis- '-•nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;durch Anwendung bestimmter Blut-
^A Q ^ Cv^v körperchen-Zählapparate ermitteln sect; Qynbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ci (Thoma-Zeiss).
reg; ^^ r ^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Form der Blutkiirpeichen. Bei
Anbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; _- t) rs\ der pernieiösen Anämie erleidet die
o W Q n ü' Form der rotheu Blutkörperchen
cfc^
^v mannigfache Yeräuderuugen; es fj\nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;giebt ungewöhnlich grosse, rothe
quot;^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Blutkörperchen {Makrocyten), oft
mit Kern, kleine (Mikrocyten) und solche, die eine ganz abnorme Form zeigen, nämlich birnen-odor nierenförraige, zackige, keulige etc. {Poikilocyten).
Krankheiten des Blutes.
Essentielle Anaemie. Bleichsucht. Beruht in einer Verminde­rung der Blutmenge ohne nachweisbare Ursache. Blut blass, gerinnt schlecht. Blasse Schleimhäute, niedere Temperatur. Puls klein, Herztöne metallisch klingend. Appetit mangelhaft. Neigung zu wassersüchtigen Anschwellungen. Allgemeine Entkräftung. Meist bei jungen Thieren.
Perniciöse Anaemie. Primäre Anaemie erwachsener Thiero mit tötlichem Ausgang. Fieber nicht constant. Schleimhäute blass, etwas gelblich. Puls-Erregung nimmt langsam zu. Appetit allmählich immer geringer. Unter fortschreitender Entkräftung Tod. Blut wässrig, charakteristisch die Veränderungen der rothen Blutkörperchen: ungewöhnlich grosse mit Kernen, und kleine, unregehnässige Formen, wie langgezogen, eckig, keulen- oder birnenförmig.
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Leukaemie. Dauernd veränderte ßlutbildung mit Vermehrung der weissen Blutkörperchen. Thiere zeigen sich schlaft', träge, schwitzen leicht, haben blasse Schleimhäute. Der Appetit lässt nach, der Puls wird beschleunigt, klein. Herztöne metallisch klingend. Vergrösserung der Lymphdrüsen meist vorhanden. Bisweilen punktfönuige l'lutungen in den Schleimhäuten.
Texasfieber Ist eine inteetiöse Krankheit des Rindes, hervor­gerufen durch Pyrosoma bigeminum. Incubationsdauer 10—15 Tage. Hochgradiges anhaltendes Fieber, rasch vorwärtsschreitende Anaemie, Verminderung der Zahl der rothen Blutkörperchen von 6 Millionen auf 1 Million in 1 ccm. Haemoglobinurie. Meist töt-1 icher Ausgang.
Pyrosoma bigeminum findet sich in den rothen Blut­körperchen als kleines blasses Protozoon von rundlicher Gestalt, das oft in amoböider Bewegung ist und dann unregelmässige Gestalt zeigt. In vollständiger Entwickelung sieht man die Para-
Fig. 43.
Verschiedene Entwickelungsstadien von Pyrosoma bigeminum in
rothen Blutscheihen.
siten im Blutkörperchen als zwei birnenförmige Körperchen, die ihre spitzen Enden einander genähert haben, sie sind 2,5—4 (*#9632; lang und 1,5—2 jj. breit. Im kreisenden Blute sind 1—20/o der Blutkörperclien inficirt, in den Capillaren der Organe über die Hälfte.
-#9632;gt;gt;hs~
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Sachregister.
AcUoriun Sohönleinii 37. Achsendrehung ties Colons 122. Acne contagiosa equor. 38. Actinomycom 114. Albuminurie 46, 140. Albumosurie 140, 143. Alopeoie 29, 34. Alveolarperiostitis 109. Anaemie 186.
—nbsp; perniciöse 43, 186. Anaesthesie 162. Anamnese 7. Anasavca 32.
Angina phamyngea 131. Anschoppung 117, 121, 124, 125. Apoplexie 167. Appetit 106. Arterien 56. Ascites 118, 124. Atelectase 96, 98. Athembeschwerde 73.
—nbsp; bewcgungen 67.
—nbsp; geräusche 70.
—nbsp; notli 73.
Athmen, aiupliorisches 99. - bronchiales 98.
—nbsp; hauchendes 99.
—nbsp; saccadirtes 98.
—nbsp; unbestimmtes 99.
—nbsp; vesicnläres 97. Athinungstypus 70. Augenschwindel 162. Auscultation 17.
—nbsp; der Bauchhöhle 124.
—nbsp; des Herzens 60.
—nbsp; des Hinterleibs 124.
—nbsp; der Lungen 97.
Bacillus pyelonephritidis 152. Backen 34. Benommenheit 161. Beschälseuche 158. Bindehaut 40. Bläschen 34.
Bläschenathmen 97.
—nbsp; ausschlag 156, 158. Blasenkrankheiten 135, 136, 140,
151. Blut 184.
—nbsp; tleckenkrankheit 33, 38, 43,
113.
—nbsp; schwitzen 34.
Bösartiges Katarrhalfieber 43,
105. Boma'sche Krankheit 168. Bradycardie 53. Brerasenlarven 79. Bronchialkatarrh 97, 102. Bronchitis 97, 102.
—nbsp; verminosa 103. Brusttellcntziindung 103. Brustseuche 42, 78, 104.
C'achexie 26. Cavemen 96. Circulationsapparat 51. Collapstemperatur 48. Coma 161. Convulsionen 163. Cystitis 153.
Dämpfigkeit 172. Dampi'rinne 75. Darmentleerungen 125, 129.
—nbsp; Entzündung 125, 129, 132.
—nbsp; Gase 130.
—nbsp; geräusche 124.
—nbsp; Katarrh 131, 132, 140, 145.
—nbsp; Peristaltik 124.
—nbsp; Steine 122.
—nbsp; Verlagerungen 122, 132. Diabetes 135, 137.
—nbsp; insipidus 139, 154.
—nbsp; mellitus 139, 154. Differentialdiagnose 6. Digestionsapparat 105. Dilatation des Herzens 65. Direkte Diagnose 5. Distomeneier 129.
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Drehkrankheit 164, 167. Druckemptindlichkeit 119. Druse 104, 1U9. Duminkoller 22, 167, 169. Durchfall 125, 126, 127. Durst 107. Dyspepsie 131. Dyspnoe 73 Dysurie 136.
Ecchymoscn 43, 82. Echinococeenkrauklieit 103, 128. Eczem 34. Eklampsie 167. Emphysem 59, 95, 98.
—nbsp; alveoläres 103.
—nbsp; interstitielles 103.
—nbsp; der Haut 13, 33. Emphysema septicum 33. Endocarditis acuta 65.
—nbsp; chronica 65. Eiulometritis 156, 158. Englische l'ocken SB-Epilepsie 167, 175, 176. Epithelcylinder 151. Epitiielzellcn 149. Erbrechen US. Ernährungszustand 25. Erregungszuständo 160. Esbach's Albuminimcter 142. Euter 157.
Facies hypoeratica 28. Fagopvrismus 34. Favns 37. Festliegen 24. Fettsucht 26. Fieber 45. Fiebercurve 47.
—nbsp; typus 47. Flankenschlagen 75. Fleck 34. Fluctuation 13. Fremdkörper in der Maulhöhle
116.
—nbsp; im Schlund 131. Futteraufnahme 108.
Gähnen 71. (lährungsprobe 146. Gallefarbstoffe 145. Gangraena pulmonum 76, 99,103,
Gastro-Euteritis 132. Gefliigelcholera 49. Gehirncongestion 167.
—nbsp; blutungen 167. Gehirnentzündung, acute 22,167.
—nbsp; subacute 22.
—nbsp; krämpfe 163.
—nbsp; Wassersucht 108. Geifern 112. Geniekstaire 25, 163. Geräusch, anaemisches 64.
—nbsp; anorganisches 64.
—nbsp; des gesprungenen Topfes 96.
—nbsp; diastolisches 64.
—nbsp; systolisches 64.
—nbsp; vesiculäres 97.
Geruch d. ausgeathmeten Luft 76. Geschlechtsapparat 154.
—nbsp; trieb 155. Geschwür 34.
—nbsp; katarrhalisches 83.
—nbsp; Kotz 83. Glatzflechte 36. Glottisoedem 102. Gmelinschc Probe 145. Gramsche Färbung 152. Granulirte Cylinder 151.
Haarausfall 29.
—nbsp; kleid 28.
—nbsp; ling 35.
—nbsp; Wechsel 29. Habitus 21. Haematopinus 35. Haematurie 144, 150. Haemoglobinurie 140, 143, 144. Haruapparat 134. Harnabsatz 134. Harncylinder 151.
—nbsp; färbe 137.
—nbsp; organe 152.
—nbsp; röhrensteine 135, 136, 151.
—nbsp; säure 148.
—nbsp; Sedimente 147.
—nbsp; verhaltuug 136.
—nbsp; zwang 135. Haut 28.
—nbsp; ausdünstung 31.
—nbsp; färbe 30.
—nbsp; sclerose 31. Hecheln 70. Hemiplegia 165.
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Hemiplogia des Kehlkopfs, s.
Kehlkopfpfeifen. Herdsymptoiue 163. Herpes tonsurans 36. Herz 58.
—nbsp; stoss 59.
—nbsp; däinpfung 60-
—nbsp; töne 61,
—nbsp; geräusclie 63. Hinterleib 117. Hipinirsäme 119. Hörrohre 17. Holzzunge 108. Hühnerdiphtherio 43. Hundestaupe 43, 105, 136. Husten 86.
—nbsp; riickstoss 89. Hyaline Cylinder 151. Hypaesthesie 162. Hyperidrosis 30. Hypidrosis 30. Hyperaesthesie 162. Hypertrophie des Herzens 65.
Icterus 42, 128, 137, 145. Impfung 177.
—nbsp; bei Kotz 180.
—nbsp; bei Tuberculose 177.
—nbsp; bei Tolhvuth 182.
—nbsp; bei Milzbrand etc. 181. Incarceration 122. Incontinentia urinae 186, 154. Indican 144.
Insuftieienz 66.
—nbsp; d. Tricuspidalis 58, 66. Invagination 122, 132. Ischurie 136.
Äalbefieber 25, 48, 168. Kalkcylinder 151.
—nbsp; häutchen 138. Katarrhalfieber, bösartiges 43,
105. Kauen 108.
Kehlgangslymphdriisen 84. Kehlkopfentzündung 102.
—nbsp; katarrh 102.
—nbsp; lähmung 102.
—nbsp; pfeifen 75, 89, 90, 102, 173. Kieferhöhlenkatarrh 101. Klappenfehler 65. Knisterrasseln 100.
Knötclien 34. Kohlensaurer Kalk 148. Kolik 22, 132, 135. Körnchcnschläuche 161. Körperbau 26.
—nbsp; gegenden 10.
—nbsp; temperatur 44. Koth 125.
—nbsp; absatz 125.
—nbsp; verhaltung 126. Krämpfe 163. Krankheitszeichen 2. Kreuzrhehe 23, 42. Krisis 47. Ernsten 34. Kyphose 27.
liähmung 165.
—nbsp; der Blase 136.
—nbsp; d. nerv, facialis 108, 109, 167
—nbsp; d. nerv, recurrens 173.
—nbsp; d. Schlundkopfes 131. Larjngealfreinitus 90. Laryngoskopie 90. Laus 35.
Leber 180. Lecksucht 133. Leukaemie 187. Leukocytose 186. Lordose 27. Luft, ausgeathmete 76. Lufthöhlcn 81. Lumbago 23, 42. Lungenbrand 76, 99, 103.
—nbsp; congestion 103.
—nbsp; oedem 103.
—nbsp; sehall 94. Lungensenche 105,
—nbsp; wurmseuche 103. Lupinosc 42, 133. Lymphdrüsen 183. Lysis 46.
^lacula 34.
Magen-Darmkatarrh 131. Makrocyten 186. Malignes Oedem 39, 181. Mallein-Impfung 180. Malleus 105. Maulhühle 111. Maul- und Klauenseuche 37. Mastitis 158.
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Mikrocyten 186. Melanosarcom 114. Milchfieber 111. Milz 130.
—nbsp; brand 49, 181.
—nbsp; brandcarbunkel 32. Monoplegie 165.
Morbus maculosus 33, 38, 43,113. Motilität 1Ü2. Muskelsinn 1C4. Myocarditis acuta 65.
Biasalton 72. Nasenausfluss 77.
—nbsp; katarrh 101.
—nbsp; Schleimhaut 81. Nationale 19. Nephritis 153. Nervensystem 158. Nesselausschlag 38. Nicrenhyperaemie 153. Niesen 72. Nymphomanie 155.
Oedem 13, 32.
—nbsp; collatcrales 32. Ohnmacht 161. Opisthotonus 163. ürthotonus 103. Osteomalacie 27. Oxalsaurer Kalk 148.
Palpation 12. Pansen-Peristaltik 120.
—nbsp; Parese 120, 129. Papula 34. Paralyse 165.
Paraplegia laryngis 75, 91, 102. Paraplegic 165. Parasiten im Darm 129.
—nbsp; in den Kopfhöhlen 102. Parese 165.
Pathognomische Symptome 4. Pentastomum taenioides 79. Percussion 13.
—nbsp; der Bauchhöhle 123. Percussionsteld 93. Pericarditis 66.
—nbsp; traumatica 33, 66. Peritonitis 22, 125. Petechien 43, 82. Pferdestaupe 43, 49.
Pharyngitis 78, 114, 131. Pilzvergiftungen 111. Pleuritis 21, 22, 101, 103. Pleurodynie 21, 103. Pneumonie 98.
—nbsp; katarrhalische 103. Pnemnothorax 95, 96, 104. Poikilocyten 186. Priapismus 155. Priemen 109.
Proctitis 128. Prurigo 34. Prusten 70. Pseudofluctuation 13. Psychische Funktionen 160. Ptyalismus 130. Puls 51. Pustel 34 Pyaemic 49.
Pyelonephritis 151, 154. Pyrosoma bigeminum 187.
Quaddel 34.
Rachenbräune 131. Rasselgeräusche 72, 99, 101.
—nbsp; feuchte 96.
—nbsp; trockene 100. Käude-Acarus 36.
—nbsp; Dennatoeoptes 36.
—nbsp; Bermatophagus 35.
—nbsp; Dennatoryctes 36.
—nbsp; Sarcoptes 36. Rauschbrand 39, 181. Reflex 106. Keflexkrämpfe 163. Reibegeräusch der Pleura 101. Reitbahnbewegung 164. Regurgitiren 110. Respirationsapparat 67. Retentio urinae 153. Rhachitis 27.
Rinderpest 43, 133.
—nbsp; seuchc 181. Röcheln 71.
Rothlauf des Schweines 49. Rotz 43, 83, 84, 85, 105, 183.
—nbsp; Geschwür 83.
—nbsp; Narben 84. RUckenmarkskrämpfe 163.
—nbsp; lähmung 24. Rülpsen 115.
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Satyi-iasis 115. Scalma 104. Schachtelton 95. Schafpocken 37. Schallqualitäten 15. Schwefelsaurer Kalk 149. Scheidenschleimhaut 156. Schildern 21. Schläfrigkeit 161. Schlempemauke 3i. Schluna-Divertikel 114, 131.
—nbsp; Stenose 114, 131.
—nbsp; Verstopfung HG. Sehluckbeschwerden 109, 111. Sclinarchen 71. Schnauben 70. Schnubbern 70.
Schuppen o4. Schüttelfrost 46. Schweinepest 49.
—nbsp; seuclie 49. Schweissbildung 30. Schwindel 161, 167, 175, 176. Sensibilität 162. Septicaeraie 49. Signalement 19.
Skoliose 27. Sommerräude 34. Somnolenz 161. Sopor 161.
Speichelsekretion 112. Stallroth 151, 154. Starrkrampf 22, 23,108,111,168. Stätigkeit 172.
Staupe der Hunde 43, 105, 136. Stauungshydrops 32. Stenose der Herzklappen 66.
—nbsp; der Luftwege 173.
—nbsp; geräusch 72. Stethoskop 17. Stimme 89. Stöhnen 73. Stomacace 112. Stomatitis 130.
—nbsp; pustulosa contag. 133. Strangurie 135. Sufiusionen 82. Symptome 2.
Tachycardie 53.
Temperament 27.
Tetanus 22, 23, 108, 111, 168.
Texasfieber 187. Tollwuth 168, 182. Torsio uteri 157, 158. Traberkrankheit 167. Traubenzucker 145. Trichodectes 35. Trichophyton tonsurans 37 Tripelphosphat 149. Trismus 163. Trommorscho Probe 146. Tuberkelbacillen 80. Tuberculin-Impfung 178. Tubcreulose 104. 123. Tympanitis 117, 120, 124, 132.
—nbsp; acuta beim Kinde 132.
—nbsp; chronica 132.
Beberwurf d. Ochsen 122, 133. Ueberfiittcrung 117, 120. ülcus 34. Urticaria 34, 38.
Vaginitis 21, 156, 158-Venen 56.
—nbsp; puls 58.
—nbsp; Undulation 58. Verstopfung 117, 121, 124, 125,
127. Vertigo s. Schwindel. Vesicula 34. Vesiculärathmen 97.
Wabengrind 37.
Weideroth 154.
Widerstand bei der Percussion
17. Wiederkauen 115. Wild- und Rinderseuche 39,181. Windkolik 117, 125. Wirbelbruch 24. Wollefresscn 129, 133.
Kähne 113.
—nbsp; knirschen 109. Zahnfehler 109; 129, 131. Zahnkaries 76.
Zittern 163. Zuckungen 163. Zwangsbewegungen 163. Zwerchfellsbruch 96. Zwischenschlag 55.
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